Morgenausgabe Nr. 85 A 43 -46. Iahrgang Wöchentlich 8öPf.. monatlich ZFO M. im voraus zahlbar. Postbezug 4�32 TL ein chließlich v0Pfg.Pcstzkitun». und 72Pfg Poftbestellgedühren. Auslands» abonnement 6.— M. pro Monat. Der„Vorwärts" erscheint wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Veriin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Deilaoen„Volt und Zeit" und.Kindersreuno". Ferner „Unterhaltung und Wissen",.Frauen» stimme",„Technik",..Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Lorwärts" Berliner volksvlatt Mittwoch 20. Februar 1929 Groß-Lerlin 1V Vk- Auswärts 15 pf, Die eins poltige Nonpareillezeile 89 Pfennig. Retlame eile S— Reichs- mark.„ZUeine Anzeigen� dos ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Dort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt £}eile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm« im Hauptgeschast Linden» straße S. wochentägl. von S'/l bis 17 Uhr. Jentealorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Töndoss RZ— LS? Telegramm-Ldr�i Sozialdemokra« Berit» Dorwärts-Verlag G.m.b.H. Bostlcheckkontv: Berlins? KSK— Bankkonto: Bank der Lrdener«ngeltellte» und Beamten Dallslr. SS Diekonio-Eelellschalt. Tepofitenkofle LindenKr S poincaräs Mehrheit: 6 Stimmen! Opposiiloneanirag erzielt trotz Vertrauensfrage 285 gegen 291 Stimmen. Das Ministerium V o i n e a r S ist gester« dem Stnrz in offener Pa�kamcntaeischcr Schlacht ganz knapp entgangen: mit nur sechs Stimme« Mehrheit— 291 gegen 285— wurde ein Mntrag der Opposition, gegen den der Iustizminister Barthon die Vertrauensfrage gestellt hatte, abgelehnt. Darüber erhalten wir aus Paris folgende Einzelheiten: Die feit zwei Iahren schwebende FragederIustizreform — PoincarS hatte im Jahre 1326 nicht weniger als 223 Provinz- gerich'e aufgehoben— hat nunmehr den Anlaß zu einem neuen scharfen Zusammenstoß zwischen Regierung und Opposition gegeben. Die Radikalen forderten restlose Wiedereinführung dieser Gerichte, während sich das Kabinett diesem Verlangen wider» setzte. Di» Regierung stellte wieder einmal die Vertrauens- frage. Die Debatte in der Kommer am Dienstag— dos Haus tagte morgens und nachmittags— war sehr heftig und ihr Aus- gang bis zuletzt ungewiß. Die Radikalen begründeten ihren Antrag damit, daß die von dieser Maßnahme erwarteten Ersparnisse ungenügend seien, um die tatsächlichen Nachteile, die die Neuaufteilung der Gerichtsbezirke mit sich brachte, auszuwiegen. Iustizminister Barth ou vertsidigtc den Regicrungsantrag. von dem er nicht abweichen wolle, und lehnte den radikalen Antrag als ungenügend ob mit der Begründung, daß es materiell un- möglich fei, dem Antrage entsprechend bis l. Oktober 1929 die aufgehobenen Gerichte wieder einzusetzen. Die Abstimmung über den Antrag Marie, gegen den die Regie- rung die vertrouenssrage stellte, endete mit seiner Ablehnung mit 231 gegen 2Sb Stimmen. Räch Verkündigung des Abstimmungsergebnisses wurde ans seilen der sozialistischen Abgeordneten der Ruf laut:„Demission! Demission!"— Zn den wandeigängeu erklärte Iustizminister Bar- (hau am Abend noch, daß die Regierung trotz der heutigen Ab- slimmung am Donnerstag die Debatte sorlsehen werde. • Poincar langte, daß zunächst eine Entscheidung des Ausschusies über die Ein- führung neuer Lohnklasien erfolge und er betont« gegenüber den Kommunisten, daß eine Arbeiterpartei, die den Inoalidenrenwern helfen wolle, auch den Mut haben müsse, von den in Beschäftigung befindlichen Arbeitern die ihren Löhnen entsprechenden Beiträge zu verlangen. Der Reichstag sei doch auch bereit gewesen, in der Angestelltenversicherung die Beiträge zu entwickeln. Nachdem die Berechnungen des Reichsarbeitsministeriums und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunides sehr voneinander abweichen, wurde beschlossen, die Regierung bis zur näch- sten Sitzung aufzufordern, dazu aufklärendes Mater i'al beizubringen. Es ist bemerkenswert, daß das Zentrum in dieser Sitzung sich vollkommen ausgeschwiegen hat und damit stillschweigend die Rechtsparteien in ihrer Haltung unterstützte. Bis jetzt hat sich noch keine der bürgerlichen Partelen bereit- erklärt, durch Einführung neuer lohnklasien die Deckung für die notwendigen Verbesserongen der Invalidenversicherung zu gewährleisten. E» ist deshalb«in« grobe Täuschung der Oeffent» l i ch k e i t, wenn die sozialdemokratischen Anträge als„verant- wortungslos" bezeichnet werden, nachdem man selbst die Derant» Wartung für die erforderliche Deckung der Ausgaben der Invaliden» Versicherung nicht zu übernehmen bereit ist. Die Derhandlung geht am Donnerstag weiter. Chinas Kampf für feine Freiheit. Oer neue Gesandte der Kuomintang spricht. Bei einem Empfang wies der erste beim Deutschen Reich de- glaubigte Gesandt« der Nationalregierung in Nanling, Tsiang Tfo- ping, auf die durch den deutsch- chinesischen Handelsvertrag von neuem vertieften freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China hin. Die auswärtig« Politik der chinesischen Rationalregle- vung sei von den Prinzipien Cunyatsens, dem Grundsatz der Gleich- heit und Freiheit der Völker, geleitet und von dem Streben, für China im Bund der Völker den ihm gebührenden Platz als freies und unabhängiges Volk zu erringen. Die Kuomintang orientier« ihre Arbeit noch den„drei Volks- Prinzipien* Sunyatsens, des Strebens des Menschen nach intsr- nationaler Gleichberechtigung, nach politischer Gleichheit und nach wirtschaftlicher Gleichheit. Die Kuomintang habe das chinesische Volk zu einer Revolution aufgerufen mit dem heute erreichten Ziele die Einflüsse der Militari st en und derjenigen Kreise zu be- seitigen, die sich der Entwicklung' der Demokratie in China entgegen- stellen. Mit Ausnahme von ganz wenigen Möchten habe die Frei- heitspolitik der Nationalregierung zum Verzicht der fremden Mächte auf Rechte und Privilegien geführt, die auf Grund von ungleichtn Verträgen erlangt worden feien. Aber in der heute noch vielfach fortbestehenden Konsulargerichts- barkeit, den Pachtgebieten, Konzessionen, dem Halten ausländischer Truppen in China, dem Defahren der chinesischen Binnengewässer seien noch immer Verletzungen der chinesischen Landeshoheit vor- Händen. „DU RaiioaalrizUrvag und das chinesisch« Volk sind sich einig. daß dUs�' Zustand in kürzester Zeit geändert werden muß. Sollte aber ciue Macht sich daraus versieiseu, ihre Vorrechte tn Ehlaa aufrechtzuerhalten, so wird mein vaUrlaod ungeachtet der Opfer den Kampf ausnehmen und bis zum glücklichen Eadc durchführea." Man-wird in diesen letzten, immerhin sehr scharfen Worten nicht irgendwelche Kampfansage mit militärischen Mitteln erblicken dürfen. Immerhin zeugen sie von der Entschlossenheit, mit der das neu« China um seine volle Freiheit zu kämpfen gesonnen ist.- tüchtig erweist, und derDeutscheStädtetag klagt üb« den ungesunden Zudrang zu den mittleren Berufen. Der Staatsrat faßte eine Entschließung zum Staatshaushalt 1929, in der er von dem erschreckenden Zudrang zur höheren Schule sprach und das Ministerium um Herabsetzung der übermäßigen Forderungen ersuchte, die an Bewerber der Reichsbahn und Post gestellt würden. Es sollten keine über die Obersekundareife hinausgehenden Anforderungen an die mittlere Beamtenschaft gestellt werden. Es muß ein Ende haben mit diesem Wettlauf, wie er sich in den Berechtigungen ausspricht. Man lege ihn i n die Berufsbahn, und er wird Kräfte zeitigen, die dem öffentlichen Leben zugute kommen. Minister Becker sprach in diesem Zusammenhangs von der für jeden Pädagogen un° verständlichen Lösung, wie sie die Primareife darstellt, die eine abschließende Bildung nicht vermittelt. Das weiß jeder, und trotzdem fordern ganze mittlere Beamtenschichten diese Berechtigung! Genau so, nur noch viel schlimmer liegt es mit der Obersekundareife. Hier ist noch viel weniger ein Bildungsabschluß vorhanden. Es kann nicht mehr geleugnet werden, daß unser ge- samtes Bildnngswesen entartet und zu einem Bildunqswesen geworden ist. das die Volksbildung herabdrückt. Denn es scheidet die Volksschüler ganz aus dem Wettbewerb aus. Dieser Menschensortierunqsapparat wirkt verheerend. Um so mehr als die erteilte Berechtigung überhaupt kein Urteil über den Lebenswert oder-unwert des Berechtigten geben kann. Es ist ja nur ein pädagogisches Bewerten. Meist kennen die Lehrer, welche diese Berechtigungen für das Leben und die Berufe ausstellen, Leben und Berufe selbst nicht. Man übersehe doch nicht, daß das Problem an ganz anderem Ende angefaßt werden muß: die eigentliche For- inung des Menscken erfolgt i m B e r u f e. da muß er zeigen, daß er etwas leistet. Nur eine vollkommene Umgestaltung unserer Schulen wird hier endgültig Wandel schaffen können: Baut die Volks- schule ein in den Bildungsorganismus, schafft die differen- zierte Schule, die Rücksicht nimmt auf die verschiedenen Be- gabunqen. Beseitigt die Prüfungen, in denen doch nichts festgestellt werden kann, was die Lebensbetätigungskrast des Schülers betrifft, bringt den Schüler im Unterricht mit dem wirkl'chen Leben zusammen, und vor ollem: der Weg durch die Volksschule muß der niedrigen Einschätzung entkleidet werden. Wahre Volksbildung und Berechtigungswesen stehen im stärksten Gegensatz. Oie Landwirtschast fordert. Nicht mehr Selbsthilfe— der Staat soll wieder helfen. Die Vertreter der Landwirtschaft scheinen die volitische Situation vor der Etatsberatung im Reiche für günstig zu halten, um neue Ansprüche anzumelden. Die Führer der landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen, gezeichnet Bran- des. Schiele, Hermes und F e h r, veröffentlichen einen Aufruf, der unverzügliche Hilfsmaßnahmen von der Regie- rung fordert. Der Aufruf schließt: ..Die Unterzeichneten werden in aller Kürze der Reichsrgierung g e m e in s a m e Vorschläge für die Behebung der dringlichsten Noistönd« und darüber hinaus für die Sicherung der Eristenzfähigteit der Landwirtschaft unterbreiten.* ■ Die Notlage des Reiches ist den Vertretern der Landwirt- lchaft bekannt. Die Reichsregierung verfügt nicht über jene Reserven, die der Bürgerblock kurz vor seinem Ende zum Schaden der Reichsfinanzen leichtsinnig ausgegeben hat. Sie werden sich damit befreunden müssen, daß der Landwirtschaft keine Vorzugsstellung eingeräumt werden kann. Der Dundesvorstand des Bayerischen Landbundes fordert ebenfalls— er will Zollerhöhungen. Seine Resolution schließt: „In den Maßnahmen der derzeitigen Reichsregie. rung kann der Bayerisch« Landbund keinen ernsten Willen zur Hilfe für die absinkende Lalcknoirtschaft erblicken. Dagegen vertraut und erwartet er von dem Führer des deutschen Bolkes, vom Herrn ReichspräsidentenvonHindenburg, daß er rechtzeitig alle Maßnahmen zu? Errettung de? deutschen Land- Wirtschaft trifft, die die Reichsverfassnng ml» außerparlamentarischen Mitteln vorsieht.* Also Zollerhöhungen auf Grund des Artikels 48, Agrar- fafchismusl Die üble Demagogie der bayerischen Bauern- führer tritt hier abermals hervor. Diese Methoden dienen nur dazu, die Forderungen der Landwirtschaft zu diskreditieren und den vorwiegend politifch-demagogifchen Charakter der Landbundforderungen aufzuzeigen. Hausbeflherforderungen. Orr Staat als melkende Kuh des Besitzes— das Ideal der Wirtfchastspartei. Die W irtschaftspartei ha» im Pveußsschen Landtag einen Antrag eingebracht, in dem daraus hmgewiesen wird, daß das zur- Ä«it herrschende Frostwetter in den Häusern große Frostschäden hervorgerufen habe. Di« Hauseigentümer seien nicht in derLage, dieSchädenauseigenenMitteln zu beseitigen. Wenn ihnen bei der Eingehung neuer Schuld- Verbindlichkeiten zu diesem Zweck« nicht von Gesetzeswegen besondere Unterstützungen und Erleichterungen gewährt würden, werde die unausbleibliche Folge ein zunehmender Berzug in der Entrichtung der öffentlichen Abgaben bzw. ein weiterer Derfall der Häuser sein. Da es sich hier um einen unverschuldeten Notstand handele, wird das Staatsminifterium ersucht, aus die Gemeinden dahin einzuwirken, daß diese zur Hergabe von Darlehen unter günstigen Bedingungen öffentliche Mittel bereit- stellen, und Bestimmungen dahingehend zu erlassen, daß den be» troftenen Eigentümern auf Grund des 8 9 Abf. 1 der Hauszins- steuerverordnung ein der Höhe der für dies« Zwecke aufgewandten Kosten entsprechender Teil der Hanszinssteuer er- lassen werde. * Der Hausbesitz ist nach dem Urteil aller Sachkenner rentabel. Die Hausbesitzer wollen den Genuß der Ein- künfte aus Besitze— ein entstehendes Risiko aber soll der Staat tragen. Sie betrachten den Staat als eine Art Versicherung für ungeschmälertes Einkommen aus Besitz, für die man keine Prämien zu zahlen braucht. Gegen Frostschäden kann man sich versichern. Wer es nicht tut, um die Prämie zu sparen, handelt leicht- sinnig und kann keinerlei Anspruch auf Hilfe aus öffentlichen Mitteln beanspruchen. Runttu» Pacrlll soll kardinal werden. Der„Bayerische Kurier* behauptet aus sicherer Quell« zu wissen, daß der pöpstlich« Nuntius Pacelli in Bald» von Berlin abberufen werde. Er soll die Kardinalswürde und den freigewordenen erz- bischöjlichen Stuhl von Mailand bekommen, Aus dem Girafrechtsausschuß. Nachruf für Alwia Saenger.— Beratung des Gottes- lästerungsparagrophen. Bevor der Vorsitzende des Strafrechteausschusse», Abg. Kahl. die Sitzung eröffnete, widmete er dem verstorbenen Mg. Alwin Saenger einen warmen Nachruf. Er hob hervor, daß der Der- storbene mit treuer Hingabe und großer Innerlichkeit all« Probleme der Strasrechtsrefonn behandelt habe. Einer seiner Charakterzüge sei gewesen, das, was er vertreten habe, mit innerster Heber- zeugungskrast zu tun. Sein Tod sei ein großer Berlust für den Ausschuß. Der Ausschuß werde seinem wertvollen Mitarbeiter ein dankbares Andenken bewahren. Die Mitgliedcr des Ausschusses hatten sich bsi dieser Rede von den Plätzen erhoben. Darauf setzte der Strafgesetzausschuß die Beratungen des Z 180 fort, der die Beschimpfung von Religionsgesellschaften behandelt und de? den heutigen Gatteslästerungsparagraphen ersetzen soll. In der Beratung vertrat Genosse Landsberg abermals die Streichung des ganzen Paragraphen. Genossin P f ü l f trat ebenfalls für die sozialdemokratischen Anträge ein. Im Laufe der Verhandlungen begrüßte der Vorsitzende Kahl den neuen Reichsgerichtspräsidenten Dr. B u m k e. Die Beratungen werden am Donnerstag fortgesetzt. Stadie wehren sich. Neue Beschlüsse des Slädtetogs. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat zu dem Entwurf des Steuervereinheitlichungsgesetzes ein« Entschließung angenommen, in der er fordert, daß der richtig« Ge- danke einer Steuervereinheillichung nicht zu einer weiteren Beschrän- kung der gemeindlichen Selbstverwaltung auf steuerlichen Gebieten ausgenutzt wird. Sollte die Festsetzung der Besteuerungsgrundlagen bei den Realsteuern den Verwaltungen der Länder und der Gemein. den entzogen und den Finanzämtern übertragen werden, jo werd« die Einführung eines gemeindlichen Varein- fchätzungsverfahrens und einer ausreichenden Beteiligung der Gemeinden an der laufenden Arbeit der Finanzämter durch Ge- Währung eines umfassenden Rechts auf Auskunft und unmittelbaren Verkehr mit den Steuerpflichtigen notwendig. Das obligalorssche Anhörungsrecht der Berufsvertretun- gen üb«? die- Höhe der Steuerumlagen der Gemeinden schränkt— nach Auffassung des Städtetages— die Selbstverwaltung zugunsten beruflicher S o n d e r i n t« re ss« n«in und ist abzulehnen. Die staatliche Genehmigung der Gemeinde Umlagen dürfe keinesfalls zur Regel werden, sondern nur in wirklich dringenden Fällen ein» treten. Hinsichtlich der Wohnungspolitik besagt di« Entschließung folgende«:„Die deutschen Stadt» haben nie unterlassen, bei jeder Gelegenheit die Forderung nach ausreichenden und gesundem Wohn- räum für die in den Städten wohnenden Menschenmassen zu erheben. Wohnungspolttik ist ein« der dringendsten Gemeindeausgoden. Jeder Gedank» auf zentralistifche Planwirtschaft wird daher aufs schärfste abgelehnt. In der Erkenntnis, daß ein» menschen- würdige Wohnung mit mäßigem Mietzins die Voraussetzung sozialen Friedens, der Dolksgejundheit und des wirtschaftlichen Fortschritts ist, haben die Städte der Neubautätigkeit stets ihr« besonder«. Für- sorge gewidmet. Soll diese auf weite Sicht gestellt« Dohnungs- und Grundstückspolitik nicht in ihren Grundlagen auf das schwerste er- schüttert werden, so muß der Fortbestand der Gebäude-- e n t s ch u l d u n g S st« u e r als der wichtigsten Finanzierungsquell« des Wohnungsbaues bis zur Beseitigung der Wohnungsnot unbe- dingt und auch weiterhin aller Gemeindesteuern in einem Maße. das die Deckung der inneren Kriegslasten bei den Gemeinden be- friedigt, gesichert fein. Zu diesem Zweck richten die deutschen Städte an den Reichstag die dringend« Bitte, durch eine Festlegung der Gebäudeentschuldung» st euer auf di« Dauer von mindesten» 2S Iahren die Voraussetzungen hierfür zu schaffen.*_ Mecklenburg sucht Anschluß. Oer Finanzminister kündigt Vorverhandlungen an. Schwerin. 19. Februar.(Eigenbericht.) Im. Landtag für Mecklenburg-Schwerin erklärte der sozialdemokratische Finanzminister Asch am Dienstag anläßlich der Etatsberatung: „Zwangsläufig wird früher oder später durch die Einnahmen- kürzung infolge der Aenderung des Finanzausgleichs und des bevor- stchenden Steuervereinheitlichungsgefetzes das mecklenburgische Volt zur Entscheidung gedrängt, ob es seine Ei gen staatlich- keit aufrechterhalten will oder nicht. Di« mecklenburgisch« Regierung wird bemüht bleiben, die Härten, die diese beiden Gesetze für die Länder mit sich bringen, zu mildern. Gleichzeitig wird sie bei der nächsten Gelegenheit aber auch bei den Verhandlungen nn Reich feststellen, auf welcher Grundlage ein Anschluß Mecklenburgs an ein anderes Land möglich ist. Für den Fqll, daß die Bedingungen eines Anschlusses günstig sind, wäre es töricht, wenn man ihn nicht annehmen würde.* Auflösungsanirag in Sachsen abgelehnt. Oie Wah'.en von 1926 ble»beu gültig. Dresden. 19. Februar.((Sgeltberichi.) Der Sächsische Landtag lehnt« am Dienstag einen tonnnunisti- sehen und einen sozialdemokratischen Antrag auf Auflösung ab. Vor- her wurde ein sozialdemokratischer Antrag abgelehnt, der aus Grund einer Entscheidung des Staatzgerichtshoies die Wahlen von' 1926 für ungültig erklären wollte. Oer Kall Zrieders. Einstellung des Oienststrafverfohrens. Weimar. 19. Februar. Die Dienststrafkammer de» Landgerichts Weimar trat Dienstag vormittag zur Erledigung der Angelegenheit Frieders wieder zusammen. Der Reoierungspertreter gab die von per Regierung bestätigte Cmlossunz des Oberstaatsanwalts Dr. Frieder» aus dem Staats- dienst bekannt. Darauf wurde von der Disziplinar-Strofkammer de- schlössen, im Hinbück auf dl« Entlassung von Frieders da» Dienststraf- verfahren gegen ihn sofort einzu stellen, Ltmschwungzeichen in Warschau. Gesandter Rauscher bei pitsvdski, Woiwode Graczynsti in die Hauptstadt berufen. Warschau, tS. Februar. Ulrich Rauscher, der Gesandte der deutschen Republik, be- suchte heule den Sriegsmiaister und Regierungschef P i lsu d s t i. Die Unterredung dauerte eineinhalb Stunden. Satlowih. IS. Februar. Die„Kaktowiher Zeitung" meldet, daß der Wo'.wode van Ober« schlesien sich gestern nach Warschau begeben hat. Die Reise wird in Zusammenhang gebracht mit der Auslösung des schlestschen Sejms und der Verhaftung des Abg. llliß. Zu Warschau soll sich ein Um- schwung der Stimmung und eine Veränderung der Anschauungen über die Zweckmäßigkeit dieser �Regelung" der oberschlesischcn Angelegenheit vorbereiten. Die„Gazela Robotnicza"(Arbeiter' zeitung) hatte(wie bereits gemeldet) nachgewiesen, daß den geselz. lichen Formen für die Sejmauflösung nicht genügt, die Auslösung also gar nicht rechtens ist. Inzwischen scheint man zu versuchen, dem verhafteten nicht nur eine einmalige Gesehesübertretung unterzuschieben, sondern den Haft- beseht mit dem Verdacht zu rechtfertigen, daß lllih mehrmals zur Desertion verHolsen habe. WahlrechtSottroi für Ostoberschsesien! Warschau. 19. Februar. Das Zentralorgan der polnischen sozialistischen Partei„Robotmt" führt am heutigen Dienstag aus, daß die Regierung und ihre Presse ins Auge faste, die W o h l o r d n u n g für den ostoberfchlesifchen Sejm durch einen Ministerratsbeschluß zu regeln. Falls die Regie- lung, so erklärt dos Blatt, tatsächlich die Absicht hoben sollte, ein neues Wahlgesetz für Oberschlesien zu oktroyieren, so werde das mar im schroffen Gegensatz zum oberschlesischen Statut geschehen können und die Autonomie willkürlich durchbrechen. Schleppender Gang in Paris. Noch immer Verfahrensfragen im Vordergrund. Paris. 19. Februar.(Eigenbericht.) Dos Sochverständigentomitee nahm am Dienstag morgen Erklärungen Dr. Schachts über das Ergebnis der seit Montag bezüglich des weiteren Ganges der Arbeiten gepflogenen Besprechungen entgegen. Die Sachverständigen vermochten hiernach nicht sogleich zu einer definitiven Entscheidung zu gelangen, sondern beschlosten, daß die Besprechungen unter Hinzuziehen weiterer Mitglieder fortgesetzt werden sollen. Es wurde eine P r o g r a m m- k o m m i s s i o n gebildet, der außer S t a m p und Schacht auch die Sachverständigen S u v i t s ch(Italien), Pormenticr(Frankreich) und Gutt(Belgien) angehören. Die Kommisflon soll sich insbesondere darüber schlüssig werden, ob bestimmte Fragen wie die der Zahl und der Höhe der deutschen Annuitäten sowie der Kommerziali- sierung der deutschen Schuld bester zuerst in Unterkomitee« be- raten oder gleich in der Vollversammlung besprochen werden sollen. Das gelobte Land. O Südafrikas Schicksalsfrage. Weiß, oder Eingeborettenherrschost.— Regierungskrise. London, 19. Februar.(Eigenbericht.) Die südafrikanische Regierung,«n« Kaalitwnsr,' grerung zwischen Rationalisten und einem Flügel der südafrikanischen Arbeiterpartei, ist am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung der ltegislatur bei der Abstimmung über die Eingeborenen« Wahlrechts- blll mit 80 gegen 68 Stimmen unterlegen. Im Laus« der Debatte sprach sich Ministerpräsidem General Herzog mit großem Nachdruck gegen dies« Gewährung absoluter Gleichberech- t i g u n g für die farbig« Bevölkerung au» und betonte, diese sei Nur imter der Voraussetzung nwalich. daß die Weißen bereit seien, ihr nab und Gut zu packen und das Land zu verlassen. General Herzog stellt« weiter fest, die Eingeborenen müßten wissen, daß ihre garpe- rungen unmöglich seien. Es müst« ausgesprochen werden, daß der weiße Mann entschlossen sei. Südafrika zu regie- re n. Falls man nicht schon jetzt energisch vorgehe, würden die E! n- geborenen bald eine Mehrheit im südafrikanischen Parlament besitzen.__ Kinderehen in England. Verboisgeseh in Beratung. London. 19. Februar.(Eigenbericht.) Zu dem Gesetzendwurf. der Heiraten zwischen Personen unter 16 Jahren für null und nichtig erklären soll, erklärt« Lord Sali?- b u r y im Oberhaus, daß nach seinen Feststellungen in den letzten 12 Jahren in Großbritamnen 318 Perjonen im Alter von 15. 28 Personen im Alter von 14 und drei Personen im Alter van IZ Jahren geheiratet hätten. Nach den besehenden Gesetzen sei im Falle der Zustimmung der Eltern bzw. Vormünder die Eh« zwischen einem Mädchen und einem Knaben non 14 Jahren theoretisch möglich. Die Oeffentlichkeit sei vor kurzem durch Rachrichten über indische Kinderchen auf tieffte erschüttert worden: sie scheint jedoch nicht zu wissen, daß die Lage in Großbritannien in mancher Be- Ziehung ebenso ist. Siuiigarier Handwerkskammerskandal Berusungsurteil gegen dea betrügerischen Präsidenten. Stuttgart, 19. Februar.(Eigenbericht.) In der Berusungsverhandlung im Stuttg?rt-r Handwexkstammerprozeß gegen die beiden früheren Kammerpräsidenten Wolf und Fischer lautete dos Urteil für Wolf, der in der erstm Instanz wegen fortgesetzter erschwerter Un- treue. Unterschlagung. Anstiftung zur Begünstigung. Urkundenoer- nichtung, Sittlichkeitsverbrechens usw. zu insgesamt 3 Iahren 4 Monaten Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe verurtoilt worden war. auf 2 Jahre 8 Monate Gefängnis abzüg« sich 1 Jahr 2 Monate Untersuchungshaft und 300 Mark Geldstrafe, die durch die Untersuchungshast für verbüßt erachtet werden. Fischer war in der ersten Instanz zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt und wurde jetzt froigefprochen. Beide Angeklagte hatten als parlamentarische Vertreter der Deutschnationalen Partei im politischen Leben Stuttgarts lahrelang«in« große Rolle gespiest und das Vertrauen weiter Kreis« der Gewerbetreibenden genossen. Durch die betrügerischen Manipula. tionen he» Woks wurde die Hanidwerksiommer und damit hunderte von kleinen Handwerkerleuten um einen Betrog von etwa 90 000 Htd betrog«, Tro hki:»Welch ein Glück für uns, meine Lieben, daß uns die Äolschewisierung Deutschlands vor zehn Jahren nicht geglückt ist!'' Wirtschastsdebatte im Landtag. Besprechung der Krise und ihrer Ltrsachen. Im Landtag hat am Dienstag zum Etat der Handels- und Gewerbcverwaltung Minister Dr. Schreiber gesprochen: Gesamtgüterumschlag und Gesamtbrennstossverbrauch sind 1928 nicht wesentlich geringer ge- wejen als 1927. Die Krise der deutschen Wirtschaft besteht darin, daß die natürliche Zunahme der Wirtschaft unter- blieben ist. die ein wachsendes Dolk«rsordert. Die jetzt schon 15 Monate dauernde Krise läßt die heilende Begleiterscheinung der Entspannung am Geldmarkt vermissen. Dos beweift gewisse innere Störungen im wirtschaslsorganirmus. Konkurse und Zwangsvergleiche haben dl« Dorkrieaszahlen überschritten, obwohl der große Ausleseprr.zeß der R a t i o n a l i s i e- ru n g schon vorhergegangen war. Das Pre-sniveau ist unveronderr geblieben, der Ledenshaltungsindex um 1 Proz. gestiegen, die Kaufkraft der Arbeiter wesentlich oermehrt worden: nach der Lohn- statistik ist der tarifmäßige Durchschnittswachenlohn bei den gelernten Arbeitern um 7,1. bei den ungelernten Aroeitern um 9,1 Proz. ge- stiegen. Die stärkste Verschlechterung erfuhr der Arbeits markt mit mehr als eine Million neuer Arbeitsloser. Die Krankheit der deutschen Wirtsdiasl geht. zurück aus die übermäßige Höhe der Steuern, besonders der Rcalsteuern: sie hemmen die Kon- kurrenzfähigkeij. Deshalb erschien« mir eine Erhöhung der Ilmsag st euer besonders verfehlt.(Lebhaste Zustimmung links.) Zur Senkung der Realsteuern wird man den Gemeinden das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer geben müssen. Wir brauchten jährlich mindestens 15 Milliarden neues Kopital, um die Wirtschaft weiter.zu entwickeln. Müssen wir doch allein jährlich über 2 Milliarden in dem lange vernachlässigten Wohnung»- bau investieren. Das Steigen des Zinsfußes beweist, daß trotz Ausländsanleihen der deutsche Kapitalbedarf unbefriedigt ist. Di« Rentabilität der Wirtschost ist zu gering, die Kaufkraftvcrmeh- rung ist der Kopitalneubildung vorausgeeilt.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) An die Aussuhr der Vorkriegs- zeit reichen wir noch lange nicht heran. Deshalb werdcn wir auch nicht i m st a n d e sein, bei Ausrechterhaltung einer angemessenen Lebenshaltung unsere Verpflichtungen abzudecken. Die deutsche Arbeiterfchojt'hat die Friedenslohnhöhe im allgemeinen erreicht, zum Teil überschritten. Trotzdem wäre es salsch, von einem hohen Lohnniveau zu sprechen. Aber auch die Steigerung der Löhne und Gehälter wäre kein s)eil- inittel für die kranke Wirtschast, denn Lohnerhöhung bedeutet für Deutschland steigende Einfuhr ausländischer Kon- s u m a r t i k« l. Die deutsche Lebenshaltung läßt sich deshalb nur parallel der Ausfuhr steigern. Als rohstoss- und kopitalarmcs Land sind wir eben in einer ungünstigen Lag«. Unsere G e- stehungskosten dürfen nicht steigen, sondern müssen möglichst noch gesenkt werden. Dadurch wird die Steigcrnngssähigkeü des Reallohns begrenzt. Man muß nach einem gerechten Ausgleich suchen, und ich hoffe, daß auch die Sachverständigen in Paris einen Ausgleich finden werden, der den Realitäten der deutschen Wirtschaftslage Rechnung trägt. Abg. Thiele(Soz.): Das Riesenheer der Arbeitslosen wächst von Monat zu Monat um Hunderttausende. In den ersten 14 Togen diese» Jahres ist die Zahl der Arbeitslosen um 19 Proz. gewachsen.(Hört. hört! bei den Sozialdemokraten.) Ueber eine bill,e Million Menschen ist in Deutschland jahrelang erwerbslos und fällt den Ge- meinden zur Last. Insgesamt ist jetzt über z Millionen Menschen — mit den Familienangehörigen 9 Millionen— verdienst und wirt- sichostliche Funktion entzogen. Es wäre die erste Pflicht der Wirtschaftssührer, diese Millionen Arbeitslosen wieder in die Pro- duktion einzureihen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir übersehen dabei nicht die Reparationslast. Aber gerade deshalb be- grüßen wir doppell jede Politik, die uns diese Last erleichtert. Rechtsstehend« Wirtschaftsführer denken darüber ganz anders als Herr Hugenbcrg. der ahnmächtige radikal« Phralen gegen die Reparation drischt.(Sehr wahr! link«, Unruhe recht».) Wir hoffen, daß auch in Paris gesu.ides volkswirtschaftliche» Denken über die Vläne der Machtpolitiker siegen wird. Die Last der Realsteuern ist gegenüber dem Borkriegestond gewiß sehr gestiegen. Aber mit der Herabsetzung der Gteuergrund- betrage werden Sie nichts schaffen? Sie norden die Gemeinden jrnr zwingen, dieZuschlägeherauszusetzen.®ne wirkliche .löeiabsetzung der Realsteuern ist nur bei anderer Finanzierung der Gemeinden mgöfich? man kann ihnen nicht dauernd neue Losten auferlegen, ohne ihnen.neu« Mitte! zu geben.(Sehr wahr! links.) Do» hohe Z i n s n> v e a u ist die Folg« des Verlustes an Betriebskapital durch KriegundInflation. Die Sapilalbilduuq wird durch das Dauledertleaeu de» Arbeits- ttartto tat) die hohe Zinslast erschwert. Soweit gehen wir mit den bürgerlichen Parteien zusammen: die Abhilfe erblicken wir aus einem anderen Weg. Wir versprechen uns bei der heutigen anarchischen Wirtschaft wenig von Staats- Hilfe, denn die Macht des Slaates hat enge Grenzen. Grundsätzliche Voraussetzung der Wirtschastsbcsserung wäre die Verbilligung der Vcrbrnuchsgcgcn stände, die aber von den Kartellen und anderen Monopolen verhindert wird. Der allgemeine Preis- stand ist trotz der Krise hoch geblieben, aber da, wo Kartelle und Trusts den Markt beherrschen, sind die Preise sowohl für Rohstoffe wie für Fertigfabritate noch ge st legen. Ein« Beeinslussuag der Preispolitik der Karlelle durch die Regierung ist uichl einmal in dem bcscheidenca Rahmen der gefehlicheu Mögllchleilen ersolgl. (Hört, hört! bei. den Sozialdemokraten�) Der Lohnant�il aw,dxr Produltion ist nicht gestiegen. Die Atmosphäre des Mißträucirs zwischen Unternehmern und Arbeitern, non der Jakob Gold- schmidt auf dem Bankiertag in Fronksurt a. M. gesprochen Hot. ist geblieben: seine Forderung, die Arbeiter als gleichwichtigen und gleichbedeutenden Faktor der Wirtschaft an, zuerkennen, ist n i ch t e r füllt. Deshalb kann von einer neuen Arbeilsgemeinschost noch keine Rede sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Masienaussperrungen in der Eisenindustrie und jetzt in der Tczt'!- industrie zeigen, daß das Unternehmertum die Dorteile der Ra:io- nalisierung ausschließlich sür s i ch haben will. Auch bei sinkender Konjunktur ist kaum irgendwo die Aussichlsralslantiemc gekürzt worden. Dies und ungeheure Beträge, die als Abschreibungen für die innere Stärkung der Betriebe verwendet werden, hat der Minist-'r in seiner Berechnung der deutschen Kapitolbildung vergessen und dadurch das Wirtschastsbild völlig verzerrt.(Sehr wah--! bei den Sozialdemokraten.) Unter der Herrschast der Kartelle und Trusts hat sich, wie Professor Schwalenbach auf der Wiener Tagung deutscher Betriebrwissenschaftler bewiesen hat, ei» neues i n o u st r i e s c u d a l e s Parasiten tum aebildct. Erhebliche Kapitalbeträge werden sehlgcleiict durch die Kämpfe um die Be- tciligungszifsern und Quoten. Die besondere Aufmert arnkcit des Ministers lenke ich aus die Absicht, beim polnische» Handelsvertrag 350 000 Tonnen polmische Kohle hereinzulassen. Das würde 10000 Arbeiter in den Hunger- gebieten Ober- und Niederschlesiens d au er n d a r b ei t sl o s machen. Sehr aufmerksam beobachten sollten Landes- und Reichs- behörden die Manipulationen deutscher Großunternehmungen, durch Gründung neuer Gesellschaücn im Ausland sich teilweise der deutsche» Steuerpflicht zu entziehen. Mit allem Nachdruck wenden wir uns gegen den B e r ech t ig u n g s- unfug, der immer weiter greift. In Schreibstuben und bald auch in viele Gewerb« kommt der Bolksschülei- nicht hinein, der mll vier- zehn Iahren die Volksschule verlassen Hai. Wir nähern un? auf diesem Gebiet blitzschnell chinesischen Zuständen, und darin liegt eine Gefahr sür das arbeitende Volk, ebenso wie sür die Industrie. Wir entfernen uns leider immer weiter von dem Ideal, jedem befäh gten deutschen Kind die Möglichkeit des Aufstiegs nach der Begabung zu eröffnen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nach Reden des Abg. von Gersdorsf(Dnat.) gegen das Hilser- dingsche Steuerpropramm und der Abg. Frau Ludewig(Komm.) gegen die„reformistischen Gewerkschaftsführer" wird die Weiter- heratung auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. „Das spricht für sich!" Löbe und die Kommunisten. Die„Rote Fahne" bringt zum Telegramm Trotzkis an Löbe nichts als diese kurze Erläuterung: Trotzt! als Schützling des Soziallmperialisten Lobe— das spricht für sich! In der Tat, das spricht sür sich. Aber neylich hat. wi« hier «rzähll wurde, auch Herr Münzenberg Lobe« Vermittlung wegen einer Reise durch Polen erbeten und erhallen. Münzenberg als Schützling Löbes— spricht das auch für sich? * Geftem im Reichstag. Frau Arendsee(Komin.) spricht und kann kein Ende finden. Höflich mahnt sie Lob« als Präsident,.zum Schluß zu kommen. Prompt ertönt aus den Reihen der Kommunisten der Zuruf:„Sie Hausknecht!" Darauf Löbe:„Ich frage, ob sich der Abgeordnete, der mir das Wogt Hausknecht zugerufen hat, melden will." Große Pause — alles bleibt stumm. Das spricht auch fi!r pchk �." Moskau gegen die Gewerkfthasten. Eine klare Scheidung ist notwendig! Als die Kommunisten während der Aussperrung in der rheinisch- westfälischen Eisenindustrie im November 1928 durch Bildung von sogenannten Kampforganisationen die Abwehrsront der Gewerkschaften zu unterhöhlen und zu schwächen versuchten, konnte man glauben, es mit dem Werk einiger verruckt gewordener Radi- kaliMkis zu tun zu haben. Diese Zlnnahme hat sich als irrig heraus- gestellt. Wir wissen jeszt, daß die Kommunisten in Rheinland und Westfalen im Auftrag der Moskauer Gewerkschafts- internationale handelten. Wir müssen auch damit � rechnen, daß die Kommunisten überall dort, wo die Arbeiterschaft um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen kämpft, mit denselben Quer- treibereien einsetzen werden, wie wir sie im Ruhrgebiet im vorigen Herbst erlebten. Die Moskauer Gewalthaber machen Wahnsinn zu Methode. Im Januar 1929 fand nämlich in Berlin eine Konferenz der Roten Gcwerkschaftsinternationale statt, die sich mst den neuen Richtlinien„für die Ausgaben der Kommunisten bei Arbeits- kämpfen* beschäftigte. Diese Richtlinien sind von Losowski aus- gearbeitet worden. Sie beschäftigten sich mit den Fragen der Streik- strategie, mst der Borbereitung der Masten in Streiks und Aus- fperrungen, mit der Stellung von Streikposten und Bildung von SelbstschutzabteUungen usw. Der Schwerpunkt dieser Richtlinien ist, die Unorgani- fierten während der Arbeitskonflikte zum Kampf gegen die Gewerkschafkea aufzuhetzen. Diese Aufforderung kehrt in den Richtlinien» die eine Leine Broschüre füllen, immer wieder. Wir geben einige Proben aus den Richtlinien wieder, um zu zeigen, was in Zukunft gespielt werden soll. So heißt es z. B. in den Anweisungen für die Borbereitung der Masten in Streits und Aussperrungen:„Schon in dieser Vorbereitungsperiode ist es not- wendig, in Berfammlungen durch persönliche Gespräche und Be- arbeitung jene Elemente der parteilosen, reformistischen, anarcho- syndikalistischen und katholischen Arbeiter festzustellen, die in den Kampf gegen die Unternehmer auf der Basis unserer selbständi- gen, von der Gewerkschaftsbureaukro.tie unabhängigen Taktik einbezogen werden können. Die Gewerkfchastsopposition muß ihre ganze Vorbercitungsarbcit so führen, daß die Notwendig- keit der Schaffung von Kampforganen zur Führung des Kampfes von unten, von den einfachen Arbeitern ausgeht und.zum Gegenstand der Diskussion in allen Betrieben und Unternehmungen wird. Beim Herannahen einer Aussperrung ist es notwendig, die Losung der Schaffung von Kampskomitees gegen die Aussperrung, die in den Betrieben durch alle Arbeiter und Arbesterinnen ohne Unterschied ihrer Partei- und Gewerkschaftszugchörigkest, ob sie organisiert sind oder nicht, geschaffen werden müsten... Gleich, eilig muh die erbittertste Agitation und Propaganda in den Massen gegen die von oben ernannten Streikkomitee» und gegen die versuche der Gewcrkschaftsdemokratie. die Führung de» Kampfe» solchen Komitees zu übergeben, geführt werden." Di« Richtlinien kennen keinen Kampf gegen das Unternehmertum mehr», sondern nur noch den Kamps mst Hilfe der Unorganifierten gegen die organisierten Arbeiter und ihre Orga- n i s a t i o n e n. So werHen die.Lampsorganisationen* in den Richtlinien angewiesen, während der Arbeitskämpfe„eine B e o b- achtung der Gewerkichaftsbureautraten zu organi- steren, ihre Tätigkeit zu verfolgen, Demonstrationen vor den Verbandsbureaus im Fall« von Gsheimoerhaiidlungen und Machinationen zu organisieren, Berfammlungen der yrgani- fierten und der Unorganisierten einzuberufen, die D e r j a g u n g der Gewerkfchaftsbonzen zu verlangen, Geldfammlungcn vorzunehmen und systemakisch in den Massen der sozialdemokratischen und katholischen Arbeiter da» vertrauen zum resormistischeu. katholischen Gewerkschastsappara« zu zerstSren". Das Streikkomitee soll„zur mächtigen Waffe In den Händen der Gewertschaftsopposition für die Vertreibung aller Kapilalsagenten und Unternehrnerverbündeten aus den Gewerkschaften werden. In die Kampsorganisation sollen offiziell Vertreter der resor- mistischen Gewerkschaften nicht aufgenommen werden*. Wenn der reformistische Derband aber, so bestimmen die Richt- Linien,„formell den Streit führt, kann man einen oder zwei Ver- treter mst beratender Stimme zulassen, damit sie Bericht erstatten können, was die Berbandsleitung tut Jegliche Versuche, zur Zeit des Streiks den Kampf gegen Jfie Gewerk- schaftsburcaukraten unter dem Vorwand« abzu. schwächen, daß sie an der Spitz« des Streiks steht, müsten auf das eulschiedenste verurlelll werden. Man müste den partei- losen reformistischen Arbeitern die Aussührung jegliche: Funktion in den Streikkomitees ermüglichen, um sie auf dieie Weif« in die unmittelbare Arbest und den Kämpf hineinzuziehen*. Als nützlich wird auch empfohlen,„speziell Demonstrationen von Arbeiiersraueu und Kindern gegen Streikbrecher und die sie verteidigenden Polizei. abtcllungen zu veranstalten*. Als Streikposten sollen vor allem Unorganisierte genommen werden. Man sieht llar, daß die Richtlinien hier die Provozierung von Zusammenstößen usw. bezwecken. Schlimmer können �Vgeuts provocateurs nicht handeln. Die Achtgroichen- jungen der alten wilhelmimschen Polizei waren gegen die Männer der Moskauer Gewerkfchaftsinternationale doch nur Waisenknaben. Mit den Richtlinien proklamieren die Kommunisten den Kampf gegen die Gewerkschaften, gegen die organi- sierte Arbeiterschaft. Der organisierte deutsche Arbeiter wird Anweisungen, wie sie die Moskauer Gewerkschaftsinternationale her- ausgegeben hat, ablehnen. Wenn man nicht wüßt«, daß diese Richtlinien von der Moskauer Gewerkschaftsitnernationale heraus- gegeben sind, möchte man sagen, sie sind das Wert von Scharfmachern. Mt diesen Richtlinien wird nur den scharf- macherischen Kreisen in Deutschland in die Hönde gearbeitet. Sie stellen den Bankrott der komnninistischen Politik überhaupt dar. Dies« Richtlinien sind da» End«. Zwilchen den Gewerkschaften und ollen, die nach diesen Richtlinien handeln, muh ein Trennungsstrich gezogen werden! Auch für Arbeiter muß Geld da sein! Konferenz im Deutschen Verkehr Sbund. Am 18. Februar tagte in Berlin eine Rcichskonserenz der im Deutschen Verkehrsbund organisierten Reichs, und Staotsarbeiter. Räch einem Referat des Genosten Schmidt über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Reichs- und Staatsarbeiter wurde folgende Entschließung gefaßt: „Die Reichskonferenz nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der ablehnenden Haltung der Reichs- und preußischen Staotsregierung gegenüber den berechtigten Lohnforde- ningen der Arbeiter. Die'Erklärung der Reichsregierung in der Verhandlung am 11. Februar 1929, daß sie infolge der Finanzlage des Reiches und zur Vermeidung von Lohn- forderungcn m der Privatindustrie sowie aus außenpolitischen Gründen den Reichs- und Staatsarbeitern zurzeit eine Lohnerhöhung nicht gewähren kann, hält sie sachlich nicht für begründet. Die L ö h i! e, die heute den Reiche- und Stoatsarbeitern gezahlt werden, liegen so niedrig, daß sie selbst den bescheidensten Ansprüchen des Lebens nicht gerecht werden Diese ablehnende Haltung der Reichsregierung gegenüber den Lohnforderungen der Arbeiter ist unsozial und steigert die Erbitterung und Verzweiflung in den Reihen der Reichs- und Staatsarbeiter. Die Konferenz erachtet es als die vornehmste Pflicht der Reichsregierung, für die Erhallung und Förderung der menschlichen Arbeitskrast durch eine ausreichende Entlohnung zu Srgen. Die Konferenz billigt deshalb die ablehnende Haltung der rganifation gegenüber dem Vorschlag der Reichsregierung, die alten Lohntarife wieder in Kraft zu fetzen. Sie oerlangt die baldig« Wiederaufnahme der Lohnverhand- l u n g e n und erwartet von der Reichsregisrung� daß sie den bcrech- tigten Forderungen der Arbeiter entspricht. Ferner fordert die Konferenz die Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 48 Stunden ohne Lohnausfall, den Wegfall der Karenzzeit bei Gewährung des Krankengeldzufchustes und die Perlängerung der Zeitdauer, für die er gewährt wird, die Berlängerung des Urlaubs und die Bemessung desselben nach Werktagen. Weiter fordert die Konferenz, daß Arbeiter mit einer zehnjährigen Dienstzeit nur ent- lasten werden dürfen, wenn die gesetzliche Befugnis zur sofortigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses vorliegt. In der Erkenntnis, daß die Erfüllung dieser Fordeningen eine Stärkung der gewerkschaftlichen Machtmittel zur gebieterischen Rot- wendigkeit machen, werden die Delegierten sick mit ihrer ganzen Kraft für einen lückenlosen Ausbau ihrer Organisation einsetzen.* Ferner forderte die Konferenz nach einem weiteren Referat des Genosten Stuttfeld über den Aufbau und die Leistungen der Zusatzversorgungsanstalt die alsbaldige Wahl der Anstaltsorgane. Protest der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Der Derband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hatte zu Man- tag abend noch der Bockbrauerei ein« Versammlung der organisier- ten Reichs- und Staatsarbeiter einberufen, um gegen die Der- schleppung der Lohnbewegung zu protestieren. Wie Genosse S t e t t e r mittellte, sind die Lohntarife für die Reichs- und preußischen Staatsarbeiter rechtzeitig zum 31. Januar gekündigt worden, so daß die ersten Verhandlungen schon im Januar hätten stattfinden können. Es wurden aber erst zum 11. Februar Verhandlungen anberaumt, die völlig e r g e b n i s- l o s oerlaufen sind. Nach dem Bericht über den' Verlauf der Ber- Handlungen betonte Genosse Steiler, daß man nicht vor lauter Rück- ficht aus alle möglichen Dinge die Rücksicht auf die Arbeiter vergessen dürfe, die nicht mehr wissen, wo sie das zum Leben Notwendige bernehmcn sollen. Er führte einige Orte aus dem Reiche an, wo verheiratete Reichs- und Staatsarbeiter mit einem Netto- wochenverdtenst von 2 6 bis 30 M. nach Haufe gehen. Diese skandalös niedrige Bezahlung ist nur deshalb möglich, weil sich das Reich und der Staat immer nach den Tariflöhnen der Fabrikbetriebe der Metallindustrie und der Reichsbahn richten, die erfahrungsgemäß nur aus dem Papier stehen und durch die tat- sächlichen Zeitlohn- und Akkordverdienste überschritten werden. Mit dieser Lohnpolitik müsse endkich einmal gebrochen und die Löhne der Reichs- und Staatsarbeiter den Berdiensten der ihnen vergleichbaren Arbeiterkategorien angepaßt werden. Wenn für Königsempfänge, Renovierung von Mimsterwohnungen usw. Gelder vorhanden sind, müste auch für die miserabel bezahlten Reichs- und Staatsarbeiter Geld übrig sein. Die Diskussion, die überaus sachlich war und an der sich auch die Vertreter der sozialdemokratischen Reichs- und Landtagssraktion Hildenbrond. Simon und Frau Wohlgemuth beteilig- ten, war eine einzige Anklage gegen die Lohnpolitik, die in den letzten Iahren in den Reichs- und Staatsbetrieben getrieben worden ist. Die Dersammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der der Derdandsvorstand beauftragt wird, nochmals auf die Regierungen im Sinn« der ausgestellten Forderungen einzuwirken und gegebenensalls mit allen gewerkschaftlichen Milleln den Wider- stand der Regierungen zu brechen. Kölner Meiallindustrielle bieien an. Zweijährige.Lohnstabilisierung*. Köln, 19. Februar. Nach Aussprache mit den Gewerkschaften über die Wirtschaftslage hat der Arbeitgeberverband der Metallindustrie von Köln und Umgebung den Gewerkschaften die Lohnvereinbarung zum 31. März 1929 g e k ü n d i g t, um bald zu einer neuen l a n g f r i st g e n Ab- machung zu gelangen. Der Verband schlägt die unveränderte Forlsetzung der alten Lohnoereinbarungen auf die Dauer von zwei Jahren mit veränderten Kündigungsfristen vor. Christliche Binnenschiffer. In Koblenz hoben die Christlichen die Gründung einer auf christlich-nationalcm Boden schwimmenden Gewerkschaft der Binnen- schiffer beschlosten. Der neue„Berussverband der Binnenschiffer. der die wirtschaftlichen, foz-alen und kulturellen Belange der in der Binnenschiffahrt beschäftigten Personen wahren scll, ist dem Zentral- oerband der christlichen Fabrik- und Iransportarbeiter angefchlosten. Bergarbeiter und Beglerung in England. London, 19. Februar.(Eigenbericht.) Der Borstand des Bergarbellerverbandes von Großbritannien hat vom Ministerpräsiidenlen«inen Brief erhalten, in dem sich Baldwin bereit erklärt, mit den Vertretern der organisierten Le.g- arbeiter am 3. März die wahrhaft tragisch« Situation im britischen Bergbau zu erörtern. Der Vorstand des Verbandes hat ausführlich eine Darstellung über die Loge der Arbeitslosen, sowie der Härten in der Praxis der gegenwärligen Arbeitsloienverficherung ausgearbeitet, die dem Ministerpräsidenten bei dieser Gelegenheit unter- breitet werden wird._ Weitfireitabend der Gewerkschastsjugend. Di« Berliner freie Gewerkschastsjugend veranstaltete am Sonn- tag im Berbandshaus der Metallarbeiter einen Wettstreiiobend ihrer Laienspielgruppen, der einen interessanten Einblick gewährte in das Treiben der ninge» Gewerkschastsgenosten. Der Avend zeigte, wie scharfäugige Beobachter diese Jungen und Mädel sind: denn was sie auf den Brettern darboten, waren zumeist naturgetreue Kopien ihrer täglichen Erlebniste uno des Arbeiterlebenz überhaupt Die Spiel« waren keiner Traum- oder Romanwell entliehen, sonbern dem Leben solcher arbeitenden Menschen entnommen, die den eiser- »cn Willen haben, die kapitalistischen Fesseln zu sprengen. .In einer urwüchsigen Art, wie sie eben nur der Jugend«Igen ist, beleuchteten die Gelegenheitsichauspieler die sogenannten schwachen Seiten ihrer Weggenosten und Förderer, die. selbst im Parkett sitzend, über ibre Spiegelbilder weidlich lachten und bcstimntt im Stillen den Beschluß gesaßt haben, sich zu„bessern*. Die Jungen und Mä�el waren genau so begeistert bei ihrem Spiel wie Schouipicler, die sich täglich auf den Brettern vroduzieren. Sie ernteten für ihre Dar- bietungen reichen Beifall. Wenn es auch im letzten«viel einige Stockungen gab. muß man doch anerkennen, daß im allgeme nen der Abend durchaus gelungen ist und auch die erwachsenen Zuhörer vollauf besriedigt hat. Ver Lohniarls für dl« karlonnagcniudustrie ist nicht— wie in der Sonntagsnummer des„Borwärts* versehentlich angegeben— um vier Monate, sondern nur um vier Wochen verlängert. B�tmbsfraktton«oitUani lonncntag. 30 im,-, ttn tköen-Pjlast,„Eharttttendurh. gaiser.tzricjrich.Str. if,«ichlige-; Persominiii»? aller<5rri>sse«, Z-azeSardnung: j, Dtreiizlllle durch!>,e t: "enermeiftex%U. 2. ffic Der Fiatti»»,»orflaild., flonuminalpolitif Jktlms, Referent: Erness» Bürgermeister&!>(>. schiistliche«. DSstc Ifhenrn eingeführt»erber.----- t�reie Gewerkfckasts-Zuaend Grost-Berlin fi Heute, Mittwoch, Uhr, tagen die Gruppen: Baumschule iiweg: Gruvpenhcim, Jugendheim, Baumschulenmrg, Ernststr. IS. Lichtknidlr. uortrag:.X-oo rote Wien",— Zentrum: Sruvprnheiui. Zugendhe m. Zehöenicker Str. 24— 2S, Brettspielabend.— Weisteasee, Gruppenhcim Weigensr., Barkstr. ZK. Zekin-M-nulen-Ncscratc,— Süllen. Süllmesten: Grupvrndrim. Stiidt. Iugcndbeim. Borelstr, U stzollrilgebäulle). Kunterbunte?.— Rcu.cllu- Gruppcnhrim, Zugendheim. Bergstr. 2S(tos). Lichtbildervortrag:»Sozialiftiicher Ausst-cg".— Rorllrreialuriu»! Im Jugendheim der Schuir Sonnenburgcr Strohe 20. Thema:.Wirlschastswrrdrn— Wirtschastswescu". �unendarupve des Zentralvertandes der Anoestettten Seutr, Mittwoch, finden folgend» Beranstaltungen statt: � Gefuu». b rannen: Augendheim Echiinstrdtstr. l ILcdigcnbeim). Vortrag:„Was Ist Wirtschaftsdemokrotie?" Referent: Ott» Lamm.— Osten: Zugendheim der Schnle Litauer Sir, 18. Vortrag:»Dir Entstehung des Mcnichrn".— Stralan: Jugendheim der Schul« Eohlrrstr. 81, Äusiprocheabend über»Nikotin und Äliohot".— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1—4. Vortrag:„Tos B>-. ruioausbildungsgefeh". Sicterent: Ludwig Dicderich,— Südost, Iugendh« m Wrangelstr. 128. Brettspielabend.— Spandau: Jugendheim Lindenuser 1. Vor. Iraq:»Jugend und Mode". Referent: tzriedrich Wcigelt.— Potkdam: Iuge::d» Herberge Rowawes. Priesterstrohe. Lortrag:»Bub und Modal". Refereirtin: Martha Schulheetzrrnhel. Verantwortlich kstr Politik- Dr. Eurt«ener: Dirtfchakt- G. ttltaqelhüler: SerarkschaftZbewegung: z. Steinrr: tzcuilleton: Dr. Inhn Schikomrki: Lokales und Sonstiges: Fritz»arstüllt: ilnzeiaen th, felollc. lämtlidi in Berlin Veriog! Vorworts-Berlag E> m d H,, Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckerei und BerlagsonIlaN Va»l Sinae» a Co Berlin SS 88 LindenNraü» ll Hierz» l«eilage«ad»Unterhaltung»ad Wilsen". Keine Minuten zegern wenn eine Erkältung im An* zuge ist. 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Sie Halle sich nämlich vorsorglich so weit m i t Sohlen eingedeckt, dotz sie nicht nur ihre bisherigen Zlb- nehmcr voll beliefern konnte, sondern darüber hinan» private Ve- trieb« der Wohlfahrt und de» Gesundheitswesen» vod auch private Kleiuabnehmer. die sonst bei anderen Händlern zu kaufen gewohnt waren. In langen Schlangen stehen die Käufer, die der Brioathandel nicht zu versorgen oermochte, aus den Kohlenplätzen der städtischen Gesellschaft. Die Berliner Brenn- stosfgesellschast hat auch in den letzten Tagen ohne Rücksicht auf die entstehenden Mehrkosten alle für sie eingehenden Kohlcnsendimgen regelmäßig von den Bahnhöfen abgeholt, während der privat« Kohlenhandel hier gerade in den letzten kritischen Togen außerardenckich versagt hat. Wie wir bereits meldeten, hat sich die Zahl der nach nicht entladenen Kohlenwagen aus über 200» gesteigert. Die städtische Gesellschaft hat weiterhin die SVOOll Zentner Preßkohlen aus KÜnigswusterhausen für Berlin ver- f ü g b a r gemacht und hierbei so schnell gearbeitet, daß schon heut« mit den ersten Preßkohlenliefcrungen von dort au» begonnen werden konnte. Es muß also offen gesagt werden, daß der städtische Betrieb der einzige gewesen ist, der die öffentlichen Interessen ohne Rücksicht aus die Verdienstintcrcsscn in den Tagen besonderer Kohlen- not vertreten Hot. Das Versagen de» privaten Kohlenhandels sowohl bei der vorsorglichen Eindeckung wie bei der jetzt etwas ver. teuerten Absuhr der eingetroffenen Kohlenmrnge« von den Bahn- Höfen legt daher den Gedanken nahe, die städtische Brenn- ftoffges ellschaft nunmehr weiter auszugestalten. Ursprünglich war dl« Brenaftoffgesellschast nur für die Belteferung d« städtischen Dienstgebäude, geschaffen worden. Sie hat dann au» wirtschaftlichen Gründen, um den Leerlauf im Sommer nach Möglichkeit zu vermeiden, daneben m einein sehr beschränkten Um- fange mit Zustimmung der städtischen Körperschaften auch Kohlen- lieferungen an andere Behörden und Private ausgegeben. Runmehr dürft« es an der Zeit sein, die Zahl der Ausgabestellen zu ver- mehren und die Belieferung an Privat« weiter auszubauen. Die, fenige» Kreis«, die die städtisch« Gesellschaft immer al» Konkurrentin der Privatbetriebe beschimpft haben, werden setzt schweigen mllffcn, wenn es feststeht, daß der privat« Kohlenhandel In einer besonders kritischen Zeit oersagt hat, und. wie zu befürchten ist. bei der not- wendigen schnellen Abfuhr der Kohle von den Bahnhöfen weiter versagen wird. Die Tatsache läßt sich nicht leugnen, daß ein Teil des Privat- l>andels seine bisheriA« Kundschaft nicht mehr zu beliefern in der Lage ist. Ganz besonders trifft das, wie gestern mitgeteilt, die Unterstützungsempfänger, die mit Sohlengut? scheinen von den W oh! fahr! säintern versehen wurden. Der größte Tell dieser Gutfcheinbcsitzer sucht seine letzte Zuflucht bei der Berliner Brennstosigefellschaft. Visher Hot dieses städtische Unternehmen es auch ermöglicht, neben ihrem bisherigen Anteil von rund 10 Proz. der Gefamtbelieferung an Wohlfohrtsunterftützte die neu hinzugekommenen Gutschein b es itzer mitzubeliejern. Es ist also auch hier die Tatsache zu verzeichnen, daß die Berliner Brcnnftoff-Gesellschast sich nach Knüsten bemüht, diese neuen Kunden mit Brennstoff zu beliefern und daß das Schild„nuznerkouft" sich nur auf die Privatkohlenhändler beziehen kann. Berlins Kohlen liegen auf den Bahnhöfen. Durch die Zusammenarbeit der Zechen und der Reichsbahn. Verwaltung fft es gelungen, die Kohlenanfuhr nach Berlin erheblich zu steigern. Am Dienstag waren auf den Berliner Bahnhöfer, ÜOZ Wogons Steinkohle, 757 Waggons mit Koks und 602 Waggons mit Briketts an die Laderampen gebracht worden. Im Lause des Tages trafen dann noch über 1000 Waggoi«, von denen über ZOO mit Briketts beladen waren, ein. Trotz alledem war es im Kohlenhandel nicht möglich, auch nur«inen Tell dieser Kohlen- mengen abzufahren, so daß jetzt bereit» 971 Waggon» standgetbpflichkig aus dm Gleisen stehen, und die Rangierarbeiteu für die tn dm 1 locht- stuudm z« erwartenden Züge erheblich behindern. Falls die Entlodimgsarbellen nicht bald energischer durchgeführt werden, dürfte die Reichsbahn besonder« Maßnahmen zur Behebung dieser Uebelstände ergreisen. Durch dk« Standgeldmieten. die sich von Tag zu Tag beträchtlich erhöhen, wird außerdem der Konsument in übermäßiger Weise belastet. Die Wärmestuben. Sin Schurkenstreich im Bezirk Lichtenberg. Wegen d» anhaltenden kalten Witterung Hot da» Bezirk»- am t Witt« auf dem städtischen Grundstücke. A ck e r st r. S.— ehe. maliger Stroßenbahnhaf—, eine neu« Wärmehalle eingerichtet. Die Besuchszeit ist täglich, auch Sonntags, von 7— 17 Uhr. Di« Wärmesluben für die minderbemittelten, alten Personen Lichtenbergs sind ab 15. Februar von 10—20 Uhr geöffnet Zutritt fft nur mit Ausweis gestattet. In der Nacht vom Sonntag zum Montag haben unlautere EU- menre einen Einbruch in das Tagesheim sür alte Leute, B ö t t g« r st r. 18, verübt, da» erst vor einem Vierteljahr eingerichtet worden ist und allen Leuten tagsüber einen warmen Aus- enthallsraum bietet, und wo die ollen Leute einige wanne Speisen »nd Getränke erhallen. Zur Unterhaltung der allen, armen, elenden Leute fft«in» Radiostation zur Verfügung gestellt worden. Diese Radiostation hat man neben 5 Tischtüchern entwendet. Die Diebe schreckten also nicht davor zurück, dm Aermsten der Lrmm da» zu nehmen, wo» ihnen noch ein wenig Freude in ihrem heutigen harten Dasein bietet. Berliner Wohnkultur 5 Wohnung oder Lauchegrube? Man hat wohl schon viele allersschwach« oder sonstwie 1 reparaturbedürstige Wohnstätten gesehen, und man weiß genau.> daß die Hauswirte es mit den Ausbesierungsarbeiten nicht allzu eilig haben. Das ober die Hoswohnungen des Hauses Linien- st r a ß e 130 für ein Bild der Verwüstung und fürchterlicher Per- schmutztheit bieten, da» spottet einfach jeder Beschreibung. Seit drei Wochen ist die Abslußleitung verstopft, fest drei Wochen steht der Kot in den Klosetts, ja noch mehr: als die De- wnhner zu Ansang immer noch die Toiletten bewitzten. lief der Inhalt über,«goß sich über den ganzen Klosettraum. das Treppenhaus hinunter, und der ganze Dreck, total vereist, bedeckt heute noch die Klosetts und das Treppenhaus. Bei einer Haue- parte! lief die Jauche sogar den Wohnungsslur enilang, so daß die Leute Bretter legen mußten. In der Portierwohnung mußt« ein Zimmer geräumt werden. In den Wohnungen herrscht«in so furch! barer Gestcink. daß es einem beim Eiittrilt den Atem verschläg!. Seit drei Wochen müssen die Hausbewohner für Geld außer Hause die Toiletten benutzen und die Bewohner des dritten Hofes werfen — einfaches Verfahren— den Kot einfach zum Fenster hinaus: ein lieblich duftender Kompoftfyjusen schmückt hier die Szenerie. Seit drei Wochen ist außerdem die Wasserleitung im ganzen Haufe gesperrt und die Leute müssen sich ihr Wasser vorne nom Schlächter oder vom Straßenbrunnen holen. Und wie ver- halten sich die zuständigen Stellen? Der Verwalter verweist die Parteien an den Klempner, und dieser, der für die Hausreparattiren Pauschale erhält, weigert sich, diese Arbeit zu leisten. Die Bau pollzei verweist die Mieter auf den Beschwerdeweg und das Gesundheitsamt rät zur gerichtlichen Klage. So vergeht Tag um Tag, unzählige Schreibereien, Laufereien, Tele- phonate werden oersucht, mn Abschaffung dieses geradezu unmenschlichen Zustandes zu erwirken: alles umsonst. Was geschieht hier? In einem ähnlichen Falle soll die Baupolizei Prenzlauer Berg, ol» der Verwalter auf ihre Aufforderung hin den Schaden nicht bc hoben bette, die Angelegenheit auf kurzem Wege selbst erledigt haben. Warum kann hier nicht ebenso vorgegangen werden? Es ist ein skandalöser Zustand und all«, di« hier ihre Gesundheit z» Markte trogen, haben schließlich das Recht, menschenwürdige Wohn- oerhÄtnisse zu beanspruchen. Sind es die Bankräuber? Eine Phaniasiemelduog. Ein Spälabendblall brachte gestern in sensationeller Avs- mochung die Nachricht von der Aufklärung de» verwegene» Bankraubes am kvillenbergplatz. Wie uns hierzu von denk Leiter der Berliner krimiualpollzei, Oberregie- ri ngsrat Scholz mitgeteilt wird, handelt es sich hierbei am eine Phantasie Meldung, die aus unzutreffenden Kombinationen beruht. In der vorerwähnten Meldung heißt es n. a., daß in der Wohnung her unter dem Verdacht, an dem Bankraub beteiligt zu sein, verhafteten dm Brüder Saß Mauerattroppen gefunden wurdeiu die der Wand des Heizkellers in der Kleiststroße täuschend ähnlich seien. Hieran ist kern wahres Wort. Bisher konnte den Berhafteten, die allerlei auf dem Kerbholz haben müssen, nicht» Positives nachgewiesen werden. Allerdings ist in der Wohnung der Lerhafieten ein anderer Fund gemacht worSev. Bei einer Haus- suchung stießen die Polezeibeamten auf SpezialWerkzeuge. wie sie zur Herstellung von Attrappen Verwendung finden, lieber dw Herkunft und den Zweck dieser Werkzeuge machen die drei Brüder sehr widersprechende Angaben.?ln den Werkzeugen wurden noch Gipsipuren entdeckt. Durch einen Chemiker soll nun festgestellt wer»«,, ob die Gipsmasse von derselben Zusammensetzung ist, wie der Gipsausstrich an den Attrappen, die seinerzeit im Keller der Kleiststroß« gesunden und beschlagnahmt wurden. Einer der wichtigsten Stützpunkte für di- Untersuchung der Kriminalpolizei ist nach wie vor das Inserat„Suche Unter- st ellraum sür einen dessen Zweck auch heute noch nicht aufgeklärt ist. Es haben sich zwar schon verschiedene Personen g« meldet, doch handelt es sich bei ihren Räumen lediglich um harmlov Vermietungen. Es ergeht darum nochmals die Bitte an all«, die zur Aufklärung irgendwie beitragen können, sich sobald als möglich liel den Kommissaren Zapie-Ouoß im Zimmer 89 des PolizeiprSstt diurns zu melden. Verschiedene Punkte sind von Bedeutung: Wer hat das Motorrad I. A. 36 934 in den Abend- und Nachtstunden gesehen und wo? Wer hat mit zwei jungen Leuten wegen eine- Unterftellraumes oerhandott? Kohulh einet JZevoluiion. Von CerJt&cl HeccntAHM Sie legte beide Hände fest um sein Gesicht.„Und was wird der Kanzler tun?" Er sah sie an. Trunkenheit begann wieder seine Augen zu trüben.„Er wird vor den üandtaz treten und erklären, daß die ohne sein Einverständnis erfolgte Abreise des Herzogs ihm eine zu große Derantwonung auferlegt, die er nicht glaubt allein tragen zu können. Daß er also dem Landtag vorschlagen müsie. einen Regenten zu bestimmen. Und er wird den Klatschweibern da beweisen, daß mir einer in Frage kommt." „Wer?" Sie wußte die Antwort. Aber sie wollte sie hören. „Ihre Durchlaucht die Herzogin Friederike." Sie atmete tief, stöhnend auf. Mit weiter, wortloser Gebärde wies ihre Rechte über das Land zu ihren Füßen. Sie nahm Besijz. Dann küßte sie ihn mit langem, wildem, zitterndem Kuß.„Das gehört mm uns." flüsterte sie und blickte wieder in dm Vorfrühling draußen. �, Sein ganzer Körper war ern heißes, schlagendes Fluten. Es überwältigte ihn. Er riß sie derb an sich. Sie machte sich u>«. nestelte einen Schlüssel von der Brust.„Nicht hier— durch den Schwibbogen..." Legte Besinnung vermochte seineu Lippen gestammelte Worte zu entreißen.„Nicht jetzt der Landtag Ihr« Hand glitt sein- Brust hinauf und hmab.„Regiert der Kanzler— oder der Landtag— Er schwieg. Die Kälte des Schlüssels brannte in ferner Hand. Sie ging rasch zu? Tür, wandte sich um. breitete die Arme, besohl, jubelte:„Setzt!" Seme Hände waren blasse Fäuste. Er ließ den Kopf auf die Brust fallen. Auch seine Lippen wollten jubeln. Es wurde«in geatmetes Stöhnen: -5«!' 10. He ck e r° E a l m. Dem alten Beamten, der bei allen Bauern im anhalti- schen Harz, von der Hochfläche um Lindenberg und Sipten- felde bis hinunter nach Suderode und Rieder. für die herzog- liche Kammer die Steuern«inzutreiben hatte, wurde sein« Arbeit in diesem kalten und merkwürdig stürmischen Spät- winter nicht leicht. Nicht, daß ihm das Reiten schon be- schwerlich gefallen wäre, oder daß der Sturm ihm den berg- gewohnten Atem genommen hätte, oder daß der hohe Schnee ihn allzu langsam' hätte fortkommen lassen— all das kannte er seit Jahrzehnten. Aber d>e Bauern, die Bauern! Sie hatten nie gern Steuern gezahlt. Er war es gewöhnt, daß sie mürrisch waren, wenn er in die Höfe kam. daß erst nach längerem Berweklen ihre schwerfällige Herzlichkeit sich müh- sam Bahn brach. Das war Jahr für Jahr so gewesen. Aber heuer— heuer gaben sie ihm nie. was er veranschlagte, sie gaben ihm eine Winzigkeit, zuweilen gaben sie gar nichts, und wenn er mit Strafen drohte, so fruchtete es nichts. Es war ihm klar, daß sie aufgehetzt wurden. Das lag so in de? Zeit. Aber er wußte nicht, durch wep. Zum Hof de» alten Maikath in Molmerschwende ritt er heut«— etwas leichteren Herzens. Maikath war ein weicher und williger Mensch. Heute nachmittag noch hatte er ihn auf der Landstraße getroffen, und der Alte hatte ihm vorgeschlagen, am Abend die Abrechnung vorzunehmen. Eine warme Vesper würde ihn erwarten, das wußte er. Auf der kleinen Anhöhe vor dem Dorfe hielt er erstaun: inne— im Dämmern sah er. wie ein Wogen Maikatbs Hof verstoß. Zwei Gestalten saßen in der Schohkelle. m der einen glaubte er eine Frau zu erkennen. Der Wagen fuhr nach der anderen Richtung davon: im Näherreffsn" sah der Beamte, daß der alt» Maikath und sein Sohn im Tor stehen geblieben waren und dem Gefährt nachsahen. E» konnte sich nur um einen Gerber handeln, der Felle gekauft hatte, und Felle waren knapp in diesem Jahr und wurden hoch be- zahlt: um so angenehmer würde heute die Verrechnung sein. Aber als er nahe heran war. sab er. daß die groben Ge- sichter nicht befriedigt grinsten, sondern verbissen und wütend waren. Sie beachteten ihn erst, als er sie anrief, und gingen schweigend mit ihm in die Stube. Man räumte gerade den Tisch ab. An der Art des Zinngelchirrs sah er. daß für einen Gast gedeckt gewesen war. Niemand bot ihm etwas an. Die alte Frau Maitach faß bereits wieder wie sis es fest Jahren tat, mn Herd« und las in der Bibel, die beiden Mädchen und die Frau des Sohnes spamreu, keiner bekümmerte sich um ihn nach dem kurzen Gruß: er ließ sich auf den Stuhl fallen, den lhm der Alte hingeschoben hatte, und zog seine Papiere hervor. Wer während er noch mit der Feder suchend über die Spalten fuhr, lag plötzlich des Alten wie ein Acker gefurchte. wie ein Acker braune Hand neben den Papieren auf dem Tisch.„Mir jö.wen nischt," sagte Maikaths brüchige Stimme laut. Der Beamte sah lächelnd auf.„Nun. Herr Maikath, wir werden schon einig werden." Er lud den Alten durch eine Handbewegung ein, sich neben ihn zu setzen. „Ich kann noch stehn. Harr Jnspekter. Soweit is es noch niche, wenn wer sich oo bale zu Tode schuften muß for Eure Steiern.— De Aecker han nich jetran in dän Sommer.' «Mir han nämlich drei Jahre lang nich jesät," sagte jetzt höhnisch der junge Bauer. Der Beamte lächelte noch immer.„Weshalb denn nicht?" Der Spott klirrt« in der jungen Stimme.„Mir wolln oo ma prodiern, wie das is, wenn mer Jahre lang bloß immer erntet un nie nich sät." Die Mädchen lachten auf Der Beamte hielt es für geraten einzustimmen. „Also," sagte er dann sachlich.„Sie haben zwanzig I Hufen Land—* „De Hälfte davon is Weideland." knürrte der Alte. i„weil mer doch uff de harzochlichen Wiesen nich mehr dürfen weiden, von wäjen de Fichtenkultur. Der Harr von Äloß hats eich jo neilich oorjerechnet in'n Landtag.— Mir kenn'n i nischt jäwe. Söhn Se sich doch ane, wie wir lätven missen � dahier, mit nischt!" Er zeigte durch die ärmliche Stube. „Soso! Und da laden Sic mich selbst ein, zur Wrech mmz zu kommen?" „Awwer ich hcuvwe mich das«u inzwischen annersck rwWerlägt." „So. S i e haben sich das anders überlegt?" „Ratierlich. War sonst?" sagte der Junge an Stelle de» s Alten.„Mir han jar keen Jeld nich im Haufe. Kann uns der Harzog nich was pumpen?" „Där arme Harzog! Dar hat doch oo nischt, sonst mißten mir'n doch nich ernährn!" höhnte eine der Mägde. „Sie haben doch eben Felle verkauft?" Die beiden Bauern sahen sich an.„Nee. Mir kenn'n nischt bezahln," wiederholte der Alte stereotyp. „iin mir wolln ooch niche," fuhr ihm der Sohn ins Wort. Der Beamte pfiff leise durch die Zähne.„Wer war denn der Gerber, he? Meyer aus Ballenstedt. was? Sortfetzung folgt.) Die neueste Gaskatastrophe. Zwei schwere Explosionen der Kerngasleitung in Solingen. Gester» nachmittag gegen TiS Uhr ereignete» sich kurz nacheinander ans der Hauptstraste der Junenstadt in Sulingen zwei Explosiauen der Ferngasleitung. Die Straste wurde meterweiseanfgerisse»; durch herumfliegende ExPlosinnSmassen wurde» die Schaufenster der anliegenden Geschäftshäuser vollständig zer- triinunert. Die Straften sind dicht mit GlaSsPlittern bedeckt. Da die Explosionen zur Zeit des lebhafteste» Wer» kehrS erfolgten» find leider auch mehrere Schwer» verletzte zu beklage», die sofort i« ärztliche Be° Handlung gebracht wurden. Die Berliner Gasbehälterexplosion. Mn Fachmann äußert sich über die vermeintliche Ursache der Explosion folgendermaßen. Es hat eine leichte Explosion, eine Äerpusfung, augenscheinlich m dem Raum zwischen dem Behälter und der Außen- in<1 n b stattgefunden, durch die diese und die Mauer, die nach der Straße zu geht, eingedrückt wurden. Es ist sicher, daß irgendwo Äasentweichungen vorgekommen sind' wo sich die undichte Stell« befand, ist jedoch nicht bekannt. Der Gasbehälter selbst ist mcht m die Luft geflogen, sondern liegt im Bassin. Die Ber- mutung gebt dahin, daß der Gasbehälter, der tm ganzen llllOOl) Kubikmeter faßt, gerade im Füllen begriffen war, wobei bei 23 Kubik- Metern die obere Glocke einhängt. Als der Behälter mit 27 000 Kubikmetern angefüllt war, hat sich das Unglück ereignet. Durch das Aus» strömen des Gases muß die Glocke ziemlich schnell wieder herunter» gefallen sein, wodurch infolge Reibung ein Funke entstanden sei» dürfte, der die Entzündung des im Ringroum vorhandene» Gaslufl. gemisches herbeigejühr» hol. Man nimmt auch an, daß sich an der Glocke Eis gebildet hotte und daß dadurch eine Kleinmuug entstanden ist. die wiederum die starke Reibung zur Folge hatte. Die Glocke wird untersucht werden. Fm letzten Viertels ahrhundert haben sich drei größer« Gas Unglücke ereignet. Roch in allsr Erinnerung ist das große Unglück in Pittsburg in Amerika, dos sich im Fohre 1937 ereignete und hei dem drei Behälter abgebranM sind. Ein Fahr nach dem Kriege ereignete sich eins Gasexplosion mich in Hamburg, kurz vor dem Kriege ein« in Stuttgart. Bei dieser Explosion hotte sich auf dem Dichtungswasser Oel abgesetzt, welches Feuer fing. Eine Anfrage im Rathaus. In der Stadtveror-dnetenversammlung wird die sozialdemokratische Fraktion an den Vagistrat folgend« Anfrage richten: „Was gedenkt der Magistrat zu tun, um die Bevölkerung und die Werkbefchäftigten nvr ähnlichen Explosions< katastrophen wie dir in der Sellerstraße zu schützen Wohnungsbauten im Südosten Verlins Im Verwaltungsbezirk Treptow solle» au» dem ma- f ungleichen Grundbesitz der Stadl Verlin wieder Länder eie« der Vebauung erschlossen and zu diesem Zweck verkaust werden. Neben dem Plönterwald will die Gemeinützig« Heim- st ätt e n- A k t i e n g e s« l l s cho f t(Gehag) zehn Baubloäis in einer Gesamtgröße von 85 775 Quadratmeter(über 34 Morgens kaufen. 62 045 Quadratmeter davon liegen an der Neuen Krugallre und der Köpenicker Landstraße, gehören z» Bau klaffe 3 und sollen lür 16 M. je Quadratmeter, also zu einem Kaufpreis von 092 720 M. abgegeben werden. Di« übrigen 23 730 Quadratmeter liegen am Dgmmweg und an der Eichbuschallee, gehören zu Bmiklaff« 1 und sollen je Quadratmeter 8 M. kosten, so daß der Kaufpreis sich ans 189 840 M. stellt. In dem Ortsbezirk Oberschöneweide, der«in Teil des Derwaltirngsbczirks Treptow ist, will die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestelltenheimstätten .< Gagfah) 37 855 Quadratmeter Bauland(über 15 Morgen) erwerben. Für 30455 Quadratmeter, die an der Bismarck- und Goethcstroß« liegen und zu Bauklafle 4 gehören, fordert der Magistrot.578 645 .Mark, je Quadratmeter 19 M. Für den Rest. 7400 Quadratmeter an der Wuhlheide, zu Bau klaffe 2 gehörend, wären je Quadratmeter nur 7 M-, im ganzen 51 800 M. zu zahlen. Gehag und Gagsah -dürfen das ihnen überloffene Bauland nur mit Wohnungen bebauen, müssen spätestens innerhalb vier zum Bauen geeigneter Monate nach der Auslassung mit dem Bau beginnen und die Bauten innerhalb weiterer 18 Monate fertigstellen. Auch die Allgemeine Berlin«r Omnibus-Aktiengesellschaft. die jetzt mit den anderen Dcrkehrsmrternehmcn der Stadt in der Berliner Der- kehrsgefellschaft verschmolzen ist, will im Bezirk Treptow bauen. Sie beansprucht zu den von ibr geplanten Wohnungsbauten aus dem städtischen Grurtdbsitz 39 485 Quadratmeter Bauland(ziemlich 16 Morgen), das sie mit 504 560 M. bezahlen soll. Der an der Köpenicker Landstraße liegende Teil gehört zu Danklaffe 3 und kostet 16 M. je Quadratmeter. Der andere Teil liegt am Dammweg und gehört.zu Bauklaffe 1, so daß nur 8 M. je Quadratmeter gefordert werden. Die Vereinbarungen über Baubeginn, Baufertigstellung usw. sind für die Aboog dieselben wie für die Gehag und für die Gogfah. Diesen Berkaufsplänen haben die Bezirkskärperschasten des Bezirks Treptow bereits zugestimmt. Der Magistrat ersucht jetzt auch die Sladtnerordnetenversammlung um Zustimmung. Oer abgelehnte Vorsitzende. Die Strafkammer berat. Wer berichteten vor einigen Tagen ausführlich über die Adleh- nuirg des Gerichtsoorsitz enden Amtsgerichtsrat A e ß n« r. Sie wurde von den Vertretern der Rebenkläger Minffterialdirektor Dr. Falck und Polizeioberfekretör R a o e eingereicht, weil der Vorsitzeich« die beiden Herren, da sie zugleich als Zeugen geladen seien, zum Der- lassen des Saales auffordert«. Di« Angelegenheit erregte dadurch besonderes Aufsehen, daß der Staatsanwalt die bei dem Nebenkläger bestehende Besorgnis der Befangenheit des Richters für berechtigt hielt. Die Sache beschäftigt fetzt die 4 Groß« Strafkammer des Landgerichts l. Gestern sind nun die Akten des in Frage stehenden Prozeffes gegen den Dentisten Max Schneider aus Pfiikijlln wegen Vergehens gegen das Nepublekschutzgesetz von der -205. Schösiengerichtsabteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte der zuständigen Strafkammer zugeleitet worden, die sofort gestern unter .Vorsitz von Landgerichtsdirektor Höer zur Beratung zusammentrat. Da dem Gericht lediglich die von den Rechtsbeiständen der Reben- kläger zu Protokoll gegebenen Erklärungen für ihre Ablehnungs- antrage sowie die Presseberichte über die Vorgänge in der .Verhandlung vorlagen, so wurde beschloffen, von dem abgelehnten Vorsitzenden. ZliMsgerichtsrot Keßner. eine dienstliche Äeutze- r u n g einzus ordern. Erst nach Eingang dieser schriftlichen Er- llarung wird die Stellungnahme der Strafkammer eifalgen, eb die Ablehnung des Richters wegen Besorgnis der Befangenheit be- r e ch' i g t erscheint. Der Dentist Otto Schneide? in Neukölln, Derg- st«32. legt Wert aus die Feststellung, daß er mit dem An- .g i�Zten Schneider nicht ideMisch sei. Ein Wintersonnenwunder. Ein Leser unseres Blattes teilt uns folgendes mit: Gestern nachmittag?«4 Uhr beobachtet« ich folgende Himmels- erscheinung: Die Sonn« war von einem ringförmiga« Regenbogen umgeben, rechts und links befanden sich in diesem Regenbogen in horizontaler Achs« zwei Nebensonnen. Die Er- scheinung war längere Zeit sichtbar. Dieser Vorgang ist mich von der„Amtlichen Wetterdienststelle' in allen Plzasen genau beobachtet worden. Wie mitgeteilt wird. bandelt es sich hierbei, nach einem fochmeteorologifchen Ausdruck, mn«inen ,/) a l o"(Hof). Es ist eine optische Erscheinung, die aus eine Brechung und Reflektion von Sonnenlicht an kleinen Eis« kristallen beruht, die heute nachmittag in außerordentlich großer Zahl in der Luft vorhanden waren. Um 3 Uhr nachmittags trat das Farbenspiel am Himmel besonders gut in Erscheinung und verschwand erst bei einem außerordenhlichen Tiefstand der Sonn«. Neuer Verkehrsweg nach Bezirk Treptow. DieRclchcnbergerStraße endet im Südasten am Land- wehrkanol und läuft sich hier tot. Aus Anregung des Bezirksamts /Treptow soll jetzt im Zuge der Reich« nberger Straße der Landmehrkanal überbrückt werden, damit zur Kiesholzstraße l Treptow)«ine bessere Verbindung nom Stadtinnern her gewonnen wird. Emen Entwurf zu dem Brückenbau hat das Briickenbauomt des Bezirks Kreuzbcrg aufgestellt, zu dessen Gebiet dieser?ieil des Landwehrkanals gehört. Die Brücke soll eine Breit« von 26 Meter erhalten, wovon der Fahrdawm mit 15 Meter und di« Bürgersteige mit je 5 Mi Meter beteiligt sind. Das Bezirksamt Kreuzberg hat den Entwurf bereits genehmigt, und des Projekt wird setzt der Bezirks- Versammlung vorgelegt. Splelplavanderv-g. Im Staatliche« S chillers Theater teitb beute. Mittwoch, an Stelle Vera JDeWpai" Herrn?(ZksenS„Gespenster gegeben. Ansang aO Übt. Anispringen der Hände und des Kesichts, schmerzhaftes Brennen, sowie RA««nh Juckreiz der Haut werden beruhigt und au-gebeilt durch die wund-rvoll lühlendc. reizmildernde Creme I,eodor. Eleichzeicig herrlich duftende iosmetiiche Uitietlag« sür Puder. Tube 60 Pf. und 1 Ml. Erhältlich in. allen Ehlorodont-Berlauss- Vellen. Probetub« gratis bei Änjendung dieses Lnjenüe, durch Leo-WerH A..S. Dr»,d»»-R.«- Gr- 14* Die Psychologie des Llnfalls. Am Rahmen der von der Al�eitsgemeinschaft deutscher Betriech?" utgenieure im Verein Deutscher Ingenieure veranstaltet«», Vortragsreihe„Der Mensch im Fabrikbetrieb" sprach in der Technischen Hochschule Eharlottenburg Dr. Hildebrandt- Bochum über„Unfall- Psychologie�. Ausgehend von der Erkenntins, daß Achlreiche Unfälle durch persönliches Versagen des Menschen selbst neranlaßi sind, bat man schon seit längerer Zeit in den Dienst der praktischen Unfall- betämpfung ein« sogenannt« psychologische Unsallverhütungs- Propaganda gestellt. Durch Bilder, Vorträge, Filmdavbietungen, Prämienau--schreiben wird versucht, eine planmäßig« und mnfasiende Aus klä ru n g s- und Erziehungsarbeit an der Zlllgo meinhert zu leisten und durch Hinweis auf typisch« Gefahrenquellen die Zahl der Unfälle herabzusetzen. So bedeutungsvoll Bestreh uugen dieser Art sind, und so sehr sie«eitestgehiend« Förderung verdianen, so sind sie doch nicht m der Lage, die zahlreichen Wöglichkeiten solcher Unfälle auszuschalten, die— nach den Ergebmsien der näheren psychologischen Analyse— als Folgen zentraler phyfio- logischer und psnchvlogischer Vorgänge imd Zu- stünde entstehen, in ihrem Ursprung nur schwer zu erkennen, in ihrem Einfluß aus das menschlich« Handeln zeitlich nich' oorouszu- berechnen und wahrscheinlich nie zu regulieren sind. Das stärkere oder schwächer« Borhandensein b e st i m m-t«r Eigenschaften. wie Reaktionsschnelligkeit und Beweglichkeit, kamt in bestimmten Berufen, die solche Eigenschaften gerade verlangen, wohl im Hinblick auf Unlallmbglichkeiten eine Rolle spielen, wird aber bn allgemeinen bei den normalen Anforderungen des täglichen Lebens bsdeutnngslos bleiben. Man beginnt heute bereits, die Er- knmtnisse auf dem Gebiet der Unsallpsychologie der praktischen ll»- salloerhütung nutzbar zn machen, und es ist nicht ousgeschlosicn. daß in wenigen Iahren dies« i neuen. Methoden der Unsollbekämpfung zu größerer Bedeutung gelangen. Die Steuermarken des Fleischermelsiers. In Burg bei Magdeburg wurden, wie mitgeteilt, bei dem Fleischermeister Schmiel für 1450 M. Einkommensteuer» marken gefunden und beschlagnahmt. Weil man mit der Mög- lichkeit rechnete, daß die Wertzeichen aus dem großen Einbruch In das Berliner Postamt W. 8 stammen könnten, so begab sich am Dienstag«in Berliner Kriminalkommiffar nach Burg, um die Marken zu besichtigen. Es stellte sich dabei heraus, daß Marken dieser Art bei dem Berliner Einbruch nicht«ntwen» d e t worden sind, daß also die Vorräte des Schmiel nicht damit im Zusammenhang stehen können. Da aber vielleicht der Fleischer nicht aus redlichem Wege zu den Wertzeichen gekommen ist, sie viel- mehr wohl aus Einbrüchen in jener Gegend stammen, so sind Schmiel und sein Buchhalter Langner in Haft behalten worden. „Plaza" im Ostbahuhos. In der zweiten Hälfte des Eröffnungs- monats präsentiert sich der famos? Groteskkomiker Peter P iet, der zur Abwechslung einnial Hamburger Humor verzapst und seinen Kollogen vom Rhein und von der Spree absolut nichts nachgibt. Die Auf breiter historischer Grundlage baut Professor Schering seinen Vortrag„M usik im Haus" auf. Nach Untersuchungen über die nationalen und zeitlichen Unterschiede komint Schering aus das Eigentliche seines Vortrags, auf die Frage, ob Grammophon oder Radio der ausgeübten Hausmnsik schaden. Schering verneint sie. Di« Abnahm« der Hausmusik hat ander« Gründe. Im Gegen- teil, die meckzonische Musikreprvduktion hebt unter allen Umständen das musikalisch« Berstäickntis der Masse. Abends sendet die Funk- stunde Schnitzlers„Professor Bernhard i". Die feingeistige Komödie, rwlllg auf den Dialog gestellt, kommt tm Radio zu starker Wirkung. Noch heut« ist..Professor Bernhardt" die Komödie jenes Arztes, der wegen seiner reinen Menschlichkeit im Amt verurteilt wird, von höchster Aktualität, und zwar nicht mir in der Haupt- Problemstellung, sondern fast in allem, was ilbpr Menschen und Institutionen gesagt wird. Braun» Regle gelingt es nicht immer, die Stimmen dieses Männerstück? klar zu scheiden. Di« einzelne» Stimmen ähneln sich manchmal so sehr, daß man sich nicht«tmnal klar darüber ist. wer gerade spricht F.<5- • Aus dem Montagsprogramm verdient noch der Vortrag von Felix Stiem«r üb« die Fr«tndschast zwischen Marx und Engel?«in« besonder« Erwähnung. Nicht nur und auch nicht zuerst wegen de? Themas, sondern weg«» seiner nach Form und In- halt meisterlichen Beherrschung. TtseM«r oermieo«s— und er tat mahl daran— Irgendwie das Lehrgebäude von Marx und Engels zu erläutern. Aber aus einer vollständigen und seltenen Ve- berrlchuna de? St oft? erwuchs gleichzeitig mit dieser Gestalt dieser einzigartigen Freundschaft der Ideengehalt ihres Schaffens, zugleich Inhalt ihres Lebens. Der Vortrag war«in seltener Genuß, der auch dem Kundigen manche interessante Einblicke gab und'dem Un- kundigen ungeahnt» Schätze zugänglich macht«. forschen und smarten Iacksongtrls, denen der Erfolg auch im neuen Hause treu blieb, wurden prolongiert. Die Perezoff- Truppe jongliert meisterhost. Billy Ientins schwingt mit Geschick als flotter Cowboy fein Lasso. T i r a n a- sst«ine junge, hübsche Tochter Spaniens, die mit Glut und Tempcrwneiu Heimat- lich« Tänze tanzt. Der japanische Balanceakt Loga H i r u k a w a C o., Original japcuiijchc Antipoden, verdient besonder« Erwähnung, ebenso der treffliche Bühne nluftakt L c s B l i r i v s. Tie russisch« Tscherkessentruppe 9 Esmaroffs mit ihren temperamentvollen Gesangs- und Tanzvorsührungen gibt dem Programm den melodisch bewegten Abschluß.______ Jahresmitstliedorversammlung der Liga. Im Sachseichof in Leipzig sant) die Icchresversammlung der deutschen Liga für Menschenrechte stan. Der Geschäfts- irnd Kassen- berichi wunäe von den Generalsekretär Kurt Großtnann erstattet. Man kann au? ihm entnehmen, daß sich die Liga so ziemlich mir allen aktuellen Fragen der inneren und äußeren Politik beschäftigt hat. Auch über die Tätigkeit der Liga our dem Gebiet der Justiz imd gegen die lodesstraie'wird man durch diesen Bericht insormiert- Ileber den deutsch-sranzö fischen S ch ü I« r a u s t o u s ch. der von ihr betrieben wird, ist ein« besonder« Broschüre erschienen. Der Schüler- austausch ist als Gestnnungsaustausch gedacht und kein Prämien- mtSbausch für gute Leistungen. Durch ihr tapferes Verhalten im Kampf gegen Sie Todesstrafe und die Gerechtigkeit(Iatubars'kj. Bullerjayn, Röttcher usw.) hat die Liga an moralischem Kredit ge- Wonnen. Das größer« Interesse für ihre Bestrebungen in der Press? wurde lobend erwähnt. Bei der Diskussion standen hauptsächlich das Verhallen km komntenden Gaskrieg! die drohende Faschisten- aesahr in den eiruelnen Ländern und die Mittel zu ihrer Abwehr um das System im Keim zu ersticken und die mangelnde Aktivität des deutschen Friedenskarlells u. a. zur Debatte. Anträge murden nicht. gestellt. Die Neuwahl des Vorstandes ergab elnstinvrnUr bi« Wahl von: Dr. Oskar Cohn, Arthur Holitscher, Dr. Robert Kuezynski, Otto Lchmann-Rußbüldt, Dr. Wolter Lewimhal, Dr. E. I. Gumbel, Dr. Siegs ried Kawerau, Prof. Anna Slemsen, Dr. Kurt Tucholsky, Gras Emil Wedel. Dem engeren Vorstand gehöre» die fünf erstgenannten Herren an. In den politischen Beirot wurden zumeist Personen gewählt, die der Liga schon innner nahe standen v. a. Prof. Einstein. Pros. Eskuchen, Dr. Engelbert Graf, Heinrich Mann, Toni Sender, Freiherr von Schaenaich, Prof. Sinzhetmer. Ernst Toller, Prof. Best Balenchln, Frau Dr. Wegjcheider, Arnold Zweig. Wetterbericht der öffeuNichen wetlerdieastftell« Berti»«md klmgrgevd (Rachbr. verb). Meist heiter, besonder» nachiZ wieder etwa? käller alö bisher. Oeftliche Winde.— Ahr Veovchland- UeberaN vorwiegend heiter. TageStcmperaluren nur wenig geändert. Nach!? etwas täUer alä biSber. parieinachrichten�A�fürGroß-Berlin «wtentnnig«» fSr biete Zindett find rfif/f(tttt an da, •«Clin 3««8. Lindeafir-h« 8. 8 Stt». recht». la.rtchtoL t*Mi« Tiergarten, fire i»« itsliederrerc-mmln-g»w«a»ner»tag. Zt. Fr. bninr. t»L Uhr, l» den Armiolnrhallen, Bremer Str. 78 Bortr»p>.?i« Sntmicklung der Sicvnlutwn i» Rnhland". Resrrcnt! Pro!«bromowitich. Di««reisftiuttiona« werde» besonder» gebeten, daran teiljnnehwen, da ein zweite, Vortrna folgt. Z. Kr»!, Wedding grcltng, 22. S-bruar.»U llbr. Iw Page-b-se� Shanffe«. ftrnhe g«,»rrirnertretrrnrrsammlnog. Seschöst».»od«lalsrnderlSg.»or. st»nd»wahlea An.tronc. «. fire!« Prenzlcu«»erg. Frei« Sch-lgemeind«. Di, Bersawattung am Boiurenotas, ärdruar, in der Schute Dan,!g»r Str. 28, mit d> N! Referat des Genolftn vr. imd. Georg LZwenfiein fiber die sexuelle Gr- ziehvng. muh, da di« LchiUen nicht geheizt find, austallen. Der Vortrag hndet am lonurrstqg, März, In demselben Lokal statt. 8. firel» Friedrich»haw Jüngere Pnri«Iael>ofi«n. Tonnersiag, It. ffebrua», 20 Ubr, im Jugendheim Tilsiter Str. 4, Vortrag:„Arbeitsrecht und Ruhr» lonslstH. Referent: Dr. gränlel. $.«tei,«renzberg. Sente. Mittwoch. 2«. Feten,,. AI Uhr.»ei»ab«. Fichte. ftraß« 28. ttrei, delegiert-„»ercammlnng. Bericht de»«orfi-nhe». Porstand». wähle». Schtnng! Dir Abicilurgslciie, treffen sich beMÜ» NM lOli Uhr im Ueine» tzlmmer._ ffuttag, 22. Frbenar. bei Rabe, Ficht- ftr. 2».«rei, ftlnltianäraersawmlnog. Dortrag:„RichUini-n tsir T-minnnalroliiitt. Rrs«Mat> Dürger meiste, Dr. Serg. Für Tellnnbm« rerrfllchtrt find allr ««»»!s«». welche ein« ehrennmtlich« Tätlglrit im«ezirt Srenzberg ausübe». Hunlicht Leife gibt blütenrvoijze, geschont� krisch duftendeWäsche-eine Wohltat .AZ0Z, für dea Körper. U. Kreit tempttt,af. ü» Bc äirfiotrTamBtluTt« findet nicht,»fe teiäistßch U"S?3fVr>.»rfit«i™ Tfinwrartrt«. rn:i?iprn Wntt b«»t«. Mittwoch» Nt g». btuai, WH Uhr. im Stijf-iun Crmpclhoi,®erauinta(ttoBt. Cou. 30. ÄKi« StitttdMfcoif. Jauc, Mlltwoch. 20, Februar, 20 Uhr, fas SchSH«». bau». Sfinlifanbptf Oft, Zlefiderzftr. I, ztreleuritqliederveriaiulolung. Bor. trau:.Bohuuuftakausraacu", Äcsereut: Stadtucr»tdact>-a»»rst»h« Johauae, Haß. aesfiwech«, Btrfchiebtoc», heufe. Mittwoch, 20. Februar. ".0. Vbt. ir-:-Jthr Vn 9nf*, Wchleflr. R,«t«!--k>ereg!ertetrv«sa»imkm>S. WS. Abt. Hermedarf. ATIc äfBltitunssmiialtedct beteiligen sich an der beufiqen �xtismitgliederverfammlüNg in Reluickendarf-Ost» Schüsienhatiz. Morgen. Douncrslag, 21. Februar. II.' Abt. 20 Uhr Sisiung der ssunktionsirr mit den»rei»«rtr«t'�fe.zierten in der Sefchäfi-siesie, Utrechtcr Str. 21. * 41. Abt. Da« AbteiluozancrguÄgeo, verbünd«» mit der Ehrung der Jubilar«. findet ar» Lasutag, 24. Februar. iu> EchuUhtifi-Aiwschart. dichlterfelder «iM&e N. statt. Susaug l6 Uhr. Eintritt 75 PI. Fraueuveraustallungeu. 14. Are!» AruteKn. Freitag. 22. Februar» 1914 Uhr, bei Swwn, Perteladarfor «rrasi« S, Funftionarinnenfisiung. IN. Abt. Sermkdars. Achtung Senatstnnen! linier Feaueuabent flnbei n». ftändcbalber cm am 27. Februar statt. vezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrk. !. lstrei» Dlrrgeite». Donnersloq. 21. Februar, ld'4 Uhr.?»s,'»chuug der Adtetlungsleiter in den Ärminiussitlen. Dreuier Straß». Zuugsoziollfteu. tdrupve Vlevleln. Keute. Mittwach, 20 Uhr, in der Darachc Saulcheferstrasi«, Vortrag:.Dirtsck�ftsgefchichte.". Referent: Seunsic Borwann. Arbeiksgemeiuschafi der Siudcrfreuad«. strei» Krevtberp.-rcmvelhol. Heiet«, 19'� Uhr, im Heim 7)a?a:„Die Entwicklung des Arbeitsrecht», Deutsch« Eartenbau-chefelllchalt. Donnerstag. 21. Februar, spricht Herr essartenivspekh» Sern». A. Santhack(Sera) in einem Lichtchildernortrag, im tförsaal VI der kandw�.rtlchafilichen Hochschule, Berlin R. 4, Invalldenstr. 12, über da« Shell in: ,311s Orchideensowmrcr in den südamer-kanischen Alchen«. Znieressen!»» haben zu chefer Beranstaliung freien Eintritt.-• ■ Bnrd revuhlilaniich«« Beamte». Mrtgliedcrversatnmlvng Mittwoch. 20 Fez bruar.:?0 Uhr., im Alten Aellauier(Eroster Saof). Anhaltsir, 11. Bogesordnunq: I. Mitteill.'N''.n. 7. Aufnahme neuer Mitglieder. 8. Bortrog de« stlerrn Kollegen Eait: ,Repaeat onen— Deutsches Bervtsbeamtentvm". 4. Kassen Prüfung. 5. Bei! wähl de« Borssande». Süstc iRevublikanori willkommen. Eesellichaft für Srzualrefoew, Selchäfisftelle: Eichwalbc, Rhernftr. 22. Ober- icknilrat Dr. S'chmelng sprächt über d'e Bsocholoai« und Se l-e dgie der Ibe- schlechter, von Frou stirof. Naerting. Universität Jena, am Mittwoch. 20. Fe. bti-ar, 30 Uhr, im Bürgersaal. Berliner Raihau«. Konigstroste. Eintritt fiir Eästc 080 M.. Miialieder 0 80 M. inkl. Steuer. Freie Arbeiter-Esperanto-Bereiniaung Berlin. Snwp« Osten: An, Ost. bahnhof 17. im Fugerüheim, Kluhzimmcr-Kcller, Sn-pvenabeird, sowie neuer Anfänoerlurlu«. Sil Uhr.—««ruppe Zentrum: Kostanienwäldchen, kossanien» alle« OS, Eruppenobend. 20 Uhr. Bereinigung d«e Fronen und Rütte,»o« Srosi-Berli». Der Beratung«, ohend findet am Montag. 2H. Fehri-ar. im Bürgerloal des Berliner Rathause« statt Redakteur Emil c'mfon spricht über da» Thema:.Die Frauen und die Fugend Ii chen vor Eericht". Anfang 20 Uhr. Zutritt frei. Frühjahr bei Cards. Die Füiiiq Cords, Leipziger Straße, hat nnt dem Winter, wie es scheint, endgültig abgerechnet und führt unsere leicht eingefrorene Phantasie in linden Frühlings- und glutvollen Sommer- lüften spazieren. Wiederum steht die Jahreszeit des hohen und höchfien Sonnenstandes im Zeichen einer buntfröhlichen Fardenfkala der Gewandung. Crepe de Chine. Crepe Satin, Foulard in zarten Pastelltäncn, in Bleu»nid Refcde, viel Dunkelblau, bedruckt mit Karos, lustigen Tupfen und Kringelchen, gestreift, geblümt, helle Seiden« mussesine in großen Blumewnustern, dann Crepe Georgette. Kunst« scidenomle in sick, gestreift. Voile de soi« handgemalt für Nasbn"'ttags. und Abendkleider, für den Vormittag neuartige Safhastoff« mit Gitterkaros, viel Gestreiftes. Aoppä, Stamina, Silkclen l'nd wie all die bübschen, neuartigen Gewebe heißen mögen. Während die Kleiderstoffe meist französischer Herkunft sind, beherrscht England das Material der Mantel. Leicht«, meist poröse Wollstoffe, herrenartig gemustert in bräunlichen Farbtönen: auch die dazugehörigen Kleider» stofse lind in Bräunlich und Beige gehalten, di«�Hvte in Braun. Aber eine Sckwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer und mit den kommenden wärmenden Sonnenstrahlen wird sich wohl auch die Auswahl der Frühjahrs« und Sommergarderobe noch bedeutend ver« größcrn. Vorläufig ein Kosthäppchen zur Devise: Cs muß doch Frühling werden!__ Im Curopa vaoillon, Königgrätzer Straße, hat Bsrrthaö»(i t t bot« überflogen. Roch tri« sahen de Bewohner von Feuevland«in. Fluazeua, da» sie wie»in Wunder des Hanmels anstaatetr. Trotz her denkbar Em!«. rigss-n und uitgkwöhnlichsten'Ntmatischen Berhältntsse hat d-r M-rnr.«cht Erzergn!« der Baverisch:« Motoren.Srrk« Münch?«, au«?e«rchn»t aearbeitet. Trinkt Fackioger. Sr.«ahmaann. der berühmt» Xatu-Peilkundla». stellt» f«F. daß unfer« Rahrung viel zu arm an Ratron fr!— um bas Sechsfach»— Staatl. Fachinaen, da» stärkste Ratro�masser das«-rbt. ergänzt daher ans da? vorteilhafteste unler« kost und lotstet der Menschhett dadurch tritschätzbare Dienst« «i, soy man volllachen wasche»! Dl« modernen stnftenfoeuMgen«oll. lachen variieren sehr schnell ihr» HaWarke-.t. Form mrd Fakb». wenn st« mit scharfen Waschmitteln behandoit werden. Eanz eetne� orild« Seif« In Flocke». form ist für sie das Besi«. und de? Ceal« Et,e:.-gn:s dieser Art find dto de. dinntei- 1»: r- 12«: lütt f lo cken der Sunlicht-Delelllchost Mannheim. Foioend««alch. Methode ha: sich gTarzend dew-ihrf: man löst einen Esiloffek stup'Setfepfdcken in ein Lirer he:tzent Wasser au« uvd gibt ein Liter kaltes hinzu, damit die Scheuwilösuna lauwarm wird. Dann drückt man ohne jedes Reeden, Zerren mnd«inden den Schaum eine Weile durch das Eeweh«, spult tüchtig in roenüm, lauem Wasser and drückt dieses oorsichtl« an». Ran lege vollf-chen»um Tttcknrn flach hin. aber nicht am Ofen«der fn der Corrae. Boll», die so«t 3)at-eiiiatt]e** mmUtm matb*. kann niemals fGVe wiche» und sbweche«, Die Schuldfrage der Inflation. Stürmische Debatte im Reichstag. Der R«!ihstag setzt« am Dienstag nackimittag die Ksain- rentnerdkbatte fort. Nach den Slbgg. Frau Arendfee (Komm.), B« i e r. Dresden(Wirtschoftsp..), S ch wa r z« r(Boyer. Pp.), S i ö h r(Rat.-So.z.), K l i n g(Bauernbd.), A r t e l i> t(Dtjch.- Hannov.), Best(Vokksrechtsp.) spricht Abg. Dr. Rademachcr(Dnat.): Die Verarmung der Rentner ist nicht durch die Aufwertungsaejetze herbeigeführt, sondern durch d!« Inflation 1S18 bis 192Zl Diese Markcniwertuna beruhte nicht aus dem verlorenen Krieg, stand doch die Mark 1918 im Ausland noch 69 bis 7» Proz., sondern well das Ausland der skrupellosen Mißwirtschast in Deutschland keinen Kredit mehr gab, und dafür sind Sie(nach links) veraniwortlich�da Sie damals regierten.(Erregter Widerspruch links.) Denken vie nur an die Berichleuderung de? Kriegsmaterials!(Andauernder Widerspruch sinks.) Sie wollten Ihr Parteiprogramm, den Ackstst'nidentag usw., ausführen, und dadurch verlor die deutsche W.rtschasi da? Vertrauen de? Auslandes.(Tstimie links: S t i n n e s!) Was ist 1S18 bis 1928, als die Sozialdemokratie an der Macht saß, für hie Stabilisierung der Währung und für die Rentner geschehen?(Zuruf link?: Alles habt Ihr abgelehnt, Ihr Heuchler! Ordnungsruf.) Aber Ihnen war es sa recht, daß ein wertvoller Teck des deutschen Bürgertums vernichtet wurde.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Das Aufwertungs. gefetz 192.? fand die Verarmung fckvm vor und rettete, wa? zu retten war. Sie aber suchten die Regieninpsvarteieu durch Agitationsanträge zu übertrumpfen.(Lebhafter Widerspruch der So.z.) Wa? die Aufwertung den Hausbesitzern und Landwirten gebracht hat. ist durch Steuern zurückgeholt, durch falsche W.rtschaftspolitik vernichtet. Wer Ist reliher geworben?(Slürmifche Zurufe links: Hugeuherg!) Das aufgewertet« Geld ist wieder in der öffentlichen.Hand, wie das Ihr Parteiprogramm verlangt. Wir aber sind stets für den Rechtsansvruch der Kleinrentner eingetreten, auch als w.r Regie» riingspartei waren, zu einer Vorlag« kam es freilich nicht ('Aha! links), da die Minister nickst einig waren,.zumal die Zen- trumsniinister nicht mittun molltcn. Bei der Krisenfürsorg« wollten die Sozialdemokraten von her Deckung nicht? hören, auch bei vielen anderen ihrer Anträge nicht—- vier aber beantragen sie Deckung, und zwar durch eine Inslativnssteuer. Di« ist kaum durchzuführen, die Finanzministsr der Demokraten, des Zentrums und der Sozialdemokraten sind auch Staates ist.(Stürmischer Beifall rechts.) Abg. Ester(Z): Im ganzen Jahr 192?, als Ihr Herr Schsieben Finanzminister war, haben See nichts für die Kleinrentner getan. Auch die besten Abltcbten sind an den Reichssinanzen gescheitert. Abg. Taatze»(Dem.): In der Zeit, als das Fundament he? Wiederaufbaus gelegt wurde, als die Frage stand.�Demokratie oder Diktatur?/ da waren die Deutschnationalen verschwunden. und die anderen Parteien mußten arbeiten. Die Grundlage der Inflation war die Anleihewirtfchait im Krieg(Gefchrei rechts). Wenn man Krieg fuhren will, muß man seinen Geldbeutel auftun.(Stürmische Zustimmung links, Geschrei rechts.) Aba. Keil(Goz.): Wenn jemals ein Miigsied dieses Hauses ein Parteigeziurk schlimmster Art angestiftet hell, so Dr. Rademacher heute.(Lebhafte Zustimmung sink? und in der Mitte.) Jedes Kind in Deutschland weiß. hoh,.ine � Jnslasian ble Folge der ungeheuren Dumpwirtschaft gewescn ist, die während des Krieges unter der Führung Ihrer Parteifreunde getrieben worden ist. Helfferlch bat sich von tiefer Stelle damals gerühmt, daß er den Ärteg mit Pavierkugew führ«. Als nach dem Zusammenbruch(Rufe reckst?: Nach oer Revo- iution!) die neue Steuergesetzgebung gemacht wurde» da erklärte Helsserich, dies« Steuergesetzgebung"z e r m a l me den ganzen os ersparte Geld für die Kleinrevtnir verwendet werden soll. (Ruf rechts: Das ist ja ein höhnischer llnftig! Heiterkeit.) Hierzu erklärt vor der Abstimmung Abg. Dr. Beckers essen(DDP.): Auf dies« Weise würde ma» nach der Darlegung eines früheren Finanzmin isters nur 73 000 M. im Jahr ersparen. Weiter jagt der Redner, der sozialdemo- kratiscke Instationssteuerantrag sei u n n e r n ü n f ti g und zweck lös. kein Finanzminister würde ihn ausführen, und dt« Vollspariei habe dieses Vertrauen ganz besonders zu Dr. Hilierding. (Heiterkeit:) Der Aistvag der Wirtichastsparte! wird tust« Ablehnung eines Antrags Esser(Z.) auf ildierweisuug an den Haushaltsansschuß gegen die Stimmen der Rechten angenommen, ebenso d»ir sozialdemokratische Antrag im Hammelsprung gegen die Deutsch- nationalen, die Deutsch« Valkspartei, die Wirtschaftspartet,»nd die Deinokraten mit 181 gegen 141 Stimmen. Und mit diesem Zusatz gegen die Deutschmstiönolen die volksparteiliche Etrkfchließuust (Sicherung eines Rechtsanspruchs auf KleinrentnerhUfe). Echlic��' wird der Antrag des Ausschusies(Baldige Vorlegung des Rentner- gesetzes) gegen die Deutschnationalen iini> die Deutsche Volkspart» angenommen. Der Weistbegunstigungsvertrag mit Paraguan wird bis zun» til. Juli verlängert. Mittwoch ,? Uhr: Regierungserklärung über die Betriebs» rheit der Reichsbahn. Antrage und Interpellation«, wegen Still, mg öffentlicher Betriebe.— Schluß 7 Uhr. SozialistWe Ardeiterjugend Groß- Berlin aimendsnaen Me diese Zinbev n»«n d«4 Zvgend!etr«tsiim. See»» SD U. rtadnürabe 3 Ssnbeeleiteelsnseeenz: Hent«, IftZ, Uhr, im Bsrtrazssiml des Bartein»«» standes, Linbenstr. z, II. Hof. 2 Lrp. links. Rartroa: �Technik des Wanbsrns". D«» Tot«» de» Revslntisni Von dieser Verovftaltimg müss«n n»chsi»b«nde Abteilung«« noch die Karten abrechnen; Eharlottenburg, Hohenschönhausen. Westen 11, Kehlenborf. Mclbcnjun für den Magdeburg« Zugoudtag. Heut« letzt«! Tag kür bi« Ab» liffcnrag der Meldeliften. heule. Mittwoch. Ist'ö- Uhr. »»»- A>cks»»Pl«tz!-Sugnnbhelnl Elisabsthsiy, 1?..?stchv,Mi»ntcn.?!cfrddtc.- snndbrnnnen Ik: gndenbhetm EdrtDaniaftr.� Ätz. H. M Bor trag: ,B:>b nnt> MAbert. Weddlng: Belm.€<& ÄutzMjm.Siratz«..Borzragr„Boaletoritch« Kuizftk' sZbeatcr, sskrisitt.— Fricbrichehain:.z>:aent>hrcm wiellclm.'uersir. ZK. Vortrag: :si«is««rlebnissc'h—Petersburger Viertel: Jugendheim Tilsitrr Str. 4. Lnltige» aa.. Zugendheim Litauer Str. 1K. Lortra« Iugknt>h«m Olher»sirasie. Bortrag:»Der Bölkerbund".— Lankutltz: Zügen». h>int Schulstraßc. Vertrag:.sttounnmiissische? Manisesr'(IV. Teil).~ R«u» Lichtenberg: Jugendheim Hauffsirasie. Vortrag:„Unsere Fahrten�.— Fslt-u» berg: Zugendhewi. iSulslmf. Vortrag:»Ein Tag in der Ctralanstalt'.— Warschauer Viertel sssoic Falten): �«■;.-----«•._.«»>-«--- „Zugenbschutz und Jugend de a)t". s. s. s. Wedding! Zugcntheim, Schul« Eatrnburger Straße, rrzh Uhr. Ddrtrag:.Merliner»umor". S. S. S- Sieukolln: Zugerchhewe Bergsir. 2S. 17 Uhr. Bortrag: �kage», politil". Terbebezirl SchSneberg: Jugendheim. Schule Wartburgpbitz. Vildnngs. knrsu». Thema:„Das Kainmunistische Manifest". Werbebezirl Osten: Aetterengruppe. Jugendheim Tstsiter Str. 4. Donnsr», tag, 21. Februar, Dartrag:.Arbeitsrecht und Ruhrkonflikt". Werbebezirt Kreutberg: Sountd«. 2t. Februar, IBM Uhr, in der Aula de« vrniinians-"s iTr-uc"«t, x-na m dct. i weltlichen Schule Dtesteudachftr. Ksi— fil. Vauemusikabend. ausgeführt van d«g Arbettsgemeinschast proletarischer Musikfreunde. Drvgramm 30 Pf. Arbeitslohn und Kavitalzins. Herrn Dr. Gtolpers Antwort. Wir habsn m der narigen Woche Herrn Är. Stolpe?, den Herlms» gekier der Zeitschrift„Der deutsche Bolkswir�. wegen seine» Artikel? „Wirtschaftskrise" in Nr. IS des„Deutschen Volkswirts" ongcgrisfen. Herr Dr. Etolper hatte behauptet, am gegenwärtigen Rückgang der Ärnijunktur— eine Wirtschaftskrise in den Augen von Herrn Dr. Stolper— sei der hohe Kapitalztns, an diesem die Erhöhung der Löhne schuld. Weil zu viel verbraucht würde, sei die Kapital» bildung zu gering, der Zins zu hoch, die Wirtschast unrentabel. Die Folge sei die Wirtschaftskrise. Wir haben nachzuweisen versucht, daß Herr Slolpcr sich irrt: Wenn der Kapitolzins hoher ist als er vielleicht sein könnte, und die Kapitalblldung kleiner als erwünscht, so seien dafür viel mehr als die Lohnpolitik und der Verbauch der Massen falsche Maßnahmen der Unternehmer verantwortlich zu machon. Diese hätten Fehldispositionen zur Folge, die die Kapital- nachfrage übermäßig erhöhen. Bon notleidenden Industrien und Gewerbezwe'gen würde zur Rationolisterung zuviel Kapital ver- langt, weil durch Fehldispositionen viel Kapital verschwendet würde: das erhöhe den Kapitalzins über das sonst erforderlich« Maß hin- aus. Diese Erhöhung des Kopitalzinses durch die übermäßige Kapitalnachfroge notleidender Industrien verteure den Kapitalkredit auch für die nichtnotlcidenden, unrationelle und ungenügende Bc- schästigung der notleidenden zieh« auch Arbeitslosigkeit In nicht not- leidenden Gewerbezweigen nach sich. Her? Dr. Stolper hat auf unsere Darlegungen in einem hoch- fahrenden Artikel„Nationalökonom!« oder Mystik?"(.Deutfcher Volkswirt" Nr. 20) geantwortet. Herr Dr. Stolper ist bei seinen Behauptungen geblieben: er hat aber einen Beweis für den Zu- fammenhang zwischen Lohnpolitik. Konsumtion und Kapitolzins, den er zu erbringen gehabt hall«, nicht erbracht. Cr hat in einem Tone geantworter, den wir nicht anzuschlagen gedenken.> Auf unsere sachlichen Einwände hat Herr Stolper noch Anführung nichts beweisender Beispiele wieder nur ausgerufen:„Was denn in aller Welt hat der Nationalisicvungsaufwand und daher der Kapitolzins mit der Höhe des alten Eigenkopitals und selbst mit den Dividenden- ansprüchen der Industrie zu tun?" Und Herr Stolper fügt an einer anderen Stelle hinzu:„Da sich der Kapitalzins nicht diktieren laßt, kommt es gar nicht darauf an, wieviel Fehler, falsche In- ncstitionen» Verschwendungeakte diese deutschen Unternehmer auf dem(Gewissen haben." Wir halten es für vergeblich, mit Herrn Dr. Stolper uns über Zufaminanhänge auseinanderzusetzen, die noch in keinem Lehrbuch von Herrn Professor Schumpeter behandelt worden sind. Wir können niemanden beneiden, der glaubt, daß eine Wirtschast wie die deutsch«, die erst auf dem Weg zur Stabilität und Nor- mal? siarung ist, für deren Heilung die Wissenschaft leider keine Er- fahrungcn Halle, mit herkömmlichem Schulwisien traktiert werden kann. Aber zu Herrn Stolpcrs Meinmig, Nationolisierungsauf- wand, Höhe des allen Eigenkapllals und Kapllalzins hallen nichts miteinander zu tun, wollen wir uns doch noch ein« Bemerkung er- laubsn. Wenn in einer Gleichung van vier Faktoren drei nach ihrer Größe bekannt sind, dann ist auch der vierte bestimmt Bei allen Ratlonalisterimgs- und Samerungsakkionen für Industriezweige und Unternehmungen ist die Höhe der erstrebten Dividende(mindestens der- Kapllalzins), sind die Zinsen und die notwendigen Äbfchrei- kmngeft für den Rättonalisieruilgsaufwand und für die umsetzbare Kapazität der allen Anlagen, die rationali'siort werden follen, be- könnt. Unbekannt ist die Bewertung der allen Anlagen und dem- entsprechend die Höhe des Eigenkapitals einer Unternehmung. Sie sind das unbekannte x. Wenn dieses x aber auch gesucht wird, so ist es doch in seiner erlaubten Größe absolut bestimmt. Da» sie-- haupten wir. Herr Dr. Stolper behauptet, die Größe dieses x fei gleichgültig. Wir behaupten weiter, daß, wenn das Eigenkapital zu hoch angesetzt wird, der Rationallsievungsaufwand größer sein muß alz er zu sein brauchte, daß der Kapitolzins deshalb steigt und olle notleidenden Industrien, die darauf keine Rücksicht nehmen, notwendig m einen fahlerhaften Zirkel der Kapitalverschwendung hineingeraten müssen, der allgemein in der gesamten Volkswirtschaft das Kapital verteuert Wieder beneiden wir Herrn Dr. Stolper nicht, wenn er sich auf die Wissenschaft beruft, um solche Zusammenhänge zu leugnen. Wir beneiden auch die Wissenschaftler nicht, die Herr Dr. Stolper dazu als Zeugen anruft. Wir verstehen übrigens in der Tat nicht, weshalb Herr Dr. Stol- per diese Zusammenhänge gerade für ldie Industrie und insbesondere dann leugnet, wenn es sich um die Schwerindustrie han» de lt. Dr. Fritz Baabe hat für die Landwirtschast sestgestcllt, daß in der deutschen Landwirtschast S— 6 Milliarden Mark Kapital fehl- investiert worden sind. Den hier vorliegenden falschen Zirkel von künstlich hohen Güterpreisen, steigendem Kapitalmangel und steigen- dem Kopitalzins dürfte Herr Dr. Stolper kaum leugnen. Er wird es um so weniger tun, als der Reichsbantpräfident Dr. Schacht auf den Pariser Verhondtungen die Feststellungen Dr. Bandes auch als eigene Meinung vorgetragen hat. Was in der Landwirtschost geschehen tst, ist in der Industrie vieltausendfach ge- schehen und geschieht noch heute. Herr Dr. Stolper wird nicht leugnen, daß diese Fehlinvestierungen in der Landwirtschaft den Kapitolzins stärker erhöht haben als es notwendig war und damit auch ganz allgemein die Voraussetzungen der Rentabilität in der ge- samten Privatwirtschaft verschlechtert wurden. Wir begreifen des- halb nicht, weshalb Herr Dr. Stolper das von ihm bei der Land- Wirtschaft bewiesene Verständnis just bei der Industrie, insbesondere bei der Schwerindustrie, nicht aufbringt. Herr Dr. Stolper sucht nach Ursachen für den hohen Kopitalzins in Deutschland. Er meint, sie liegen allein bei überhöhten Löhnen und im übersteigerten Verbrauch. Den Anteil der landwirtschaftlichen Fehllsituug von Kapital an der Steigerung des Kapitalzinse» kann er schon nicht bestreiten. Dieser Anteil ist sehr groß. Aber Herr Stolper müßte ja selbst noch sehr gut andere Ursachen kennen: Zum Beispiel die von ihm so onergisch gefördert« Kredit- und Anleihepolitik des Reichsbankpräsidenten gegep- über den öffentlichen Körperschaften und ttuternehlnungen. Biel. leicht ist die Verteuerung des Kapitalzinfes durch die vollständig iiberfMfsige. heute kaum mehr gutzumachende Drosselung SffentNcher Ausländsanleihen nicht geringer als disfenkg». die durch die Fehü- Verwendung von Kapllgl der Landwirtschaft entstanden ist. Wir wissen sÄbst sehr gut, daß d«? von uns aufgezeigte Fehler- Zirkel in der Kapktalpaiitik notlsvender Industrien n ur»in« lls- fache unnötiger Verteuerung des Kapitalzms» und der verschlechterten Rentabilllätsbedingungcn der Privatwirtschaft ist. Aber es ist ein Unfug, die Lohnpolitik für die Höhe des Kapitalzinses verant- wortlich zu machen, wenn so greifbare Ursachen, wie die von un» aufgezeigten, einfach verschwiegen werden. Herr Dr. Stolper fragt uns. ob wir daran zweifeln, daß die Arbeitslosigkeit geringer wäre, wenn Deutschland stall eines zehnprozsntigen einen sechsvrozentigen Kapitalzms Hölle. Wir zweifeln in der Tat daran. Einmal hatten wir in der Vergangen- hell schon einen viel niedrigeren Kapitalzins als heute und die Ar- beitslosigkeit war trotz eines viel milderen Winters größer als heute. Dann aber kann eine solche Frage ja nur gestellt werden, wenn man die wirtlichen Ursachen des holzen Kapitalzinses von heute nicht kennt. Kennt mau st« aber, dann ist die Frage überflüssig. Herr Dr. Stolper fragt uns weiter, ob wir daran zweifeln, daß wir dem Kapitalztns von 6 Proz. näher wären, wenn in Deutschland weniger verbraucht und mehr gespart worden wäre. Auch daran zweifeln wir. Wenn in Deutschland wen-ger verbraucht worden wäre, soweit der Verbrauch sich nach der Höhe der Löhne bestimmt, so wäre eine danach orientierte Lohnpolitik tatsächlich In vo'kswirtschaftlicher Betrachtung eine weitere Ursache für einen höheren Kapitalzins gewesen, denn die Voraussetzungen zu einer erfolgreichen Rationalisierung Höllen wegen des fehlenden inneren Absatzes schlechter sein müssen als sie waren. Wenn mehr hätte gespart werden sollen, als es geschehen ist, dann sind aber sicher daran nicht die arbeitenden Massen oder die Löhne schuld, sondern die Fehldispositionen der deutschen Unternehmer, die Herr Stolper als Bagatelle behandell haben will. Wir bestreiten Herrn Stolper nicht das Recht, so viel und io oft er Lust hat, in der deutschen Ocffentlichkell zu warnen. Denn solchen Warnungen aber falsche und wirtschoft-schädliche Erkenntnisse zugrunde liegen, so haben wir die Pflicht, den Sinn der Warnungen auf ihr richtiges Maß zurückzuführen. Diese Pflicht zu erfüllen, ist besonders dringlich, wenn eine Politik gemacht wird, deren Tendenzen und Ziel« keineswegs immer mit wünschenswerter Klarheit zu- tage liegen.(3. Klingelhöfer. .27 proz. Dividende! Bei der Röv Vergrübe des RWE. Di« Braunkohlen- und Brckellwert« Roddergrubs A.-G. in Brühl hat im Jahre 192S ihre Braunkohlenförderung wieder um 1.5 auf Millionen Tonnen und die Briketllzerstellung um 0,27 auf 2,27 Millionen Tonnen erhöht. Gleichzellig stieg die Zahl der be- schäfttgten Arbeiter und Singest eilten von 2563 auf 202!>. Die Roddergrub« ist heut« in der Hauptsache Kohlenlieferant für die Kraftrrzeugungsanlagen des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes und wird auch aktienmäßig— das Kapital beträgt 18 Millionen— nom RWE. beherrscht. Durch«inen Vertrag mit dem RWE. erhall die Raddergrube A.-G. jeweils bis zum Jahr« 1930 die dreifache Dividend« des RWE- die für das vergangene Jahr bei den Stammaktien 9 Proz. betrug. Daraus ergibt sich die Koloffal- dwidende von 27 Proz., die allerdings großenteils in das RWE. zu- nickfließt. Das RWE. soll 1930 das gesamte Vermögen der Rodder-' grub« zu einem Preise oon 117 Millionen Mark— das ist mehr als das Sechsfache des Aktienkapitals— übernehmen. Nach 1930 kann das RWE. jederzeit die Roddergrube ebenfalls erwerben, muß aber dann vertragsgemäß 126 Millionen für den Erwerb anlogen. Die Arbeiislage in Brandenburg. Fernwirkungen Oes sibirischen Frostes. Die Gesamtarbellsmarkllage im Bereiche des Landesarbells- amtes Brandenburg hat sich in der Woche zum 9. Februar 1929 weiter verschlechtert. Hierzu beigetragen hat w erster Ante das hartnäckige Frostwetter, da» die noch durchgeführten Arbesten in Land- und Forstwirtschaft, in den Gärtnereien sowie in der Industrie der Steine und Erden, ol» auch bei den Sägewerken nun vollständig zum Erliegen brachte. Dann aber auch die ungünstigen Beschöftigungsverhällnisse in den Möbelfabriken, die durch den schlechten Absatz ihrer Crzengnisie sehr unter Kapitalmangel leiden und daher zu größeren Entlassungen schritten. Die gleiche, wenn auch nicht so stark in die Erscheinung tretende Lage teilen einzelne Zweige in der Metallindustrie, die in Anbetracht mangelnder Aufträge zur Kurzarbeit nur teilweise, vornehmlich in der Provinz zu Tcilbetriebsstillegungen greisen mußten. Zeichen der Belebung und Fortdauer guter Beschäfti- yung ließen sich nur bei der Auto-. Waggon-, Kinderwagen- und Telephonindustri« feststellen. Die saisonbedingten guten Vexmill- lungsoerhällnisse im Bekleidungsgewerbe hielten an. Im Nahrungsund Genußnnttelgewerbe log nur für die Süßwarenindustrie ein größerer Bedarf an Spezialkräften sür die Ostereierherstellung vor. Für Angestellte hat die Besierung nicht angehalten. In der Berichtswoche stieg die Zahl der Arbeitsuchen- den um 6694 auf 391813, d. h. 1,74 Proz., gegenüber einer Ab- nähme von 4893 gleich 1,25 Pioz. in der Vorwoche. Innerhalb des Landesarbeitsomtes Brandenburg verteilen sich die Arbeitsuchenden aus Berlin mit 247 433, auf die Provinz Brandenburg mst 130105 und auf die Grenzmark Posen-Weftpreußen mit 14 280 Personen. Die Zahl der Hauptuntcrstutzungsempsänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 219 383, in der Krisenunterstützung 18 162, zusammen 237 545 Personen. Hinzu kommen noch rund 66 000 Bezieher der Sonderfür- sorge bei bevufsüblicher Arbeitslosigkeit. Von den Hauplunterstützungsempsänoern in der Arbeitslosen» nerflcherung entfielen auf Berlin 133 670, aus die Provinz Brandenburg 80 636. auf dt» Grenzmark Pofen-Westpreußen 505?. Für di« jkrtssnsürforge betrugen die gleichen Zahlen für Berlin 15 SRQ Brandenburg 2500. Grenzmark 93. In der Sonderunter. ßützulig entfallen auf Berlin rund 39 Proz.. aus Brandenburg rund HO Proz., auf dt» Grenzmark rund 11 Proz. Auf 1000 Einwohner des Gefamrbezirkes kamen!n dyr Arbellslossnoerstcherung 30,41 Hauprunterstutzungsempfänger: dies» Zahl stellte sich für Berli« auf 52.88, für He PtbAtj denburg auf 29,11, für tue Grenzmark Posen-Westpreußm auf 16.14 In der Lrifensürforg« betrug die Domtauf endzähl für den Gesamt- bezirk 2,52: sie stellte sich für Berlin allein auf 3.77. für die Provinz Brandenburg aus 0,90, für die Grenzmark Pos«n-West» preußen aus 0,30. Vermögen der Komsummiiglieder. Die Auswärtseatwicklung der Konsumgenoffenschastea. Das letzte Geschäftsjahr der Konsinngenosienschoften des Zentral-- Verbandes deutfcher Konjurnoereine weift eine nicht urck«deutende Vermehrung der Wittel der Äonsunwereine auf. Di« Gsschästs guthaben der Mstglieder stiegen von 30 435 212 Mark auf 48 067 289 M.. also um 8 63207? M- Der Zuwachs ist nicht so stark wie in den beiden Vorjahren, wo«r 10004 095 M. bzw. 9 434006 M. betrug. Aber er ist bei verringerte? Mitglieder-- zahl erreicht worden, woraus hervorgeht, daß die ausscheidenden „Papiersoldaten" nichts mitzunehmen hotten, also Ballast für die Organisation bedeuteten, daß dagegen die verbleibenden Mit�iedsr fleißiger an der Ausbringung des Betriebskapitals ihrer Getwffsn- schaften arbeiteten. Je Mitglied berechnet, beliesen sich die Geschäfts guthaben auf 17.15 M.. gegen 18,55 M. abzw 9,21 M. in den beiden Vorjahren. Da im Durchschnitt die satzungsmäßige Höhe dos Anteils 30 M. be- trägt, muß noch eifrig darauf hingewirkt werden, daß dieser Betrag auch wirklich erreicht wird. Di« Entwicklung der Reserven läuft überraschend parallel mit der der Geschäft» guthaben. Sie stiegen von 30 735 695 M. auf 48 586 668 M.. also um 8850 973 M.. gegen 5861091 M. bzw. 4551 152 23L Hier zeigt sich, daß die Vereine allmählich von den Verlusten der Inflationszeit genesen und ihr soziales Kapital rascher zu vermehren in der Lag« sind als bisher. Je Mitglied betrugen die Reserven 17,33 M. gegen 13/15 M. bzw. 10/0 M. m den beiden Vorfahren. Sprunghaft ist nach wie vor das Wachstum der Spareinlagen. Sie stiegen von 175 808 941 M. auf 252 440 894 M.. also mn 76640953 M. In den beiden Vorjahren betrug die Zunahme 66 685 209 TO. bzw. 41 240 211 TO. Je Mitglied betrugen die Spareinlagen 90,05 gegen 60,42 M. bzw. 34,14 TO. in den beiden Vorjahren. Es ist also eine Verstärkung des Strebens, Spargelder konfumgenosienschafUich zu verwerten, festzustellen. Die Mllglieder wollen eben ihre Gelder nicht in die Privattvirtschast gegen sich, sondern in der genosioirschaft- lichen Wirtschaft für sich arbeiten lafsen. Bergbau im Januar. Loch große produktioasziffera. ImRuhrbezirt sind nach den Veröffentlichung«» der Fach- gruppe Bergbau des Rcichsoerbondes der Deutschen Industrie im Monat Januar 10,13 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert morden gegen 10,29 Millionen Tonnen im Januar des Vorjahres. Die ar- bettstäglich« Förderung ging in den verglichene» Zeupunkteu von 402000 auf 390000 Tonnen zurück. Angesicht» der Steigerung der Feierschichten von 28 000 auf 180000 in den Januarmonaten der beiden Jahre ist der Rückgang der Förderung also relati» ge, ring., Das oberfchlefifche Kohlengebiet zeigt gegenüber dem Januar vorigen Jahres mit IM gegenüber 1,66 Milltoneu Tonnen sogar eine Förderstetgerung. In der mit 2,53 gegenüber 2,58 Millionen Tonnen nur wenig verringerten K 0 k e e rz e u g u n g de» Ruhrgebiets kommt die relativ starke Eisenkonjunktur des Monats Januar 1929 zmn Ausdruck, von der wir kürzlich gesprochen haben. Di« Zahl der b e° fchästigtcn Arbeiter de» Ruhrbezirk» ist mit 365 000 gegenüber 398 000 im Januar v. I.— man beachte dabei noch di« fast ver- siebcnfachten Feierschichten dcs Jahres— schnaller gesunken als die Förderung. Der L« i stu n g s e f f e kt hat sich also auch gegenüber dem Vorjahre noch erhöht. Die Haldenbeständ« dcs Ruhrgebiets gingen gegenüber Dezember 1928 00» 3,10 auf 2L8 Ml llonen Tonnen zurück, sind ab« gegenüber dem vorjährigen Januar (1,32 Millionen Tonnen) mehr als doppelt so groß. R-ichsbank hak nur noch 1447 Million« Wechsel. Der Wochen-- ausweis der Reichsbank zum 15. Februar zeigt wieder stark« Verluste an Wech selbe standen. Dies« sind um 2608 auf 1446,6 Millionen Mark zurückgegangen und haben damit bald«inen Tiefstand erreicht, der Anfang 1927 voriog, als die Reichsbank ihren Diskontsatz aus 5 Proz. ermäßigte. Die Lombardbeständ« sind, wie gewöhnlich zur Monatsmittc, um 33,9 auf 178,3 Millionen angewachsen. Ebenso wird man als normale Veränderung den leichten Rückgang der fremden Gelder auf Girokonto um 341 auf 467.2 Mtt- llonen ansehen dürfen. Der Umlauf an Reichsbanknoten ging um 158,9 auf 4077,3 Millionen zurück, der an Rentenbank- ichcinen ist um 3,3 auf 479,1 Millionen Mark gestiegen. Dl« Goldbestände sind mtt 2728,9 Millionen unverändert: dagegen haben sich die Bestände an d e ck u n g z s ähl g e n Devisen um 39.9 aus 100,4 Millionen verringert. Diese Verringerung dürste mit dem Bemühen der Reichsbank zusammenhängen. Verkäufe von Gold aus ihren Beständen zu verhindern. Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold mit 66,9 Proz., die durch Gold und Devisen zusammen mit 69,4 Proz. bleibt trotzdem enorm hoch. Daß in den letzten Tagen der sogenannte PrioatdiskoMsatz— für die Goldbefchaijung erster Firmen gezahlter Zinssatz— aus 6 Proz. gestiegen ist, gleichzeitig die Reichebank erhebliche Deoisemn«ng«n abgegeben hat, ist natürlich im Augenblick für ein« Diskont» ermäßigung ungünstig. Die Bank für Deutsche Beamte e. G. m. b. H„ die ln Berlin 12 Depositenkaflen besitzt, i�tt nach dem Gesehäftsbericht am 31. Dezember 1928 13,8 Millionen Einlagen erreicht gegen 9 Millionen Ends 1927. Die Geschäftsguthoben, Reseroen und Hastsummen erreichten Ende 1928 die Höh« von 6 Millionen Mark.(Bergl. den Bericht im Inseratenteil.) Zur Gesund» halfunal fuhlager VerUDlslell». Berlin SV U Sebfloeber r«r 5» 16a. t«L Utio>» 826*41 OiWBBiaiOOUj; » Z/ga reffe Mittwoch 20. Februar �929 Unterhaltung unö �Bissen Deilage des Vorwärts &rederic Stoulei: 3)as grüne Tagebuch Um acht Uhr kam Herr Vernude mit den beiden Freunden nach Hause, die er eingeladen hatte. Da es in seiner Gewohnheit lag, sich zu verspäten, uxir das Abendessen noch nicht fertig. In seiner lauten, herrischen Art war er sehr ungehalten darüber und tat sich auch keineswegs Zwang an. es zu oerbergen. Das war wirklich ganz unglaublich!... Daß so etwas vorkaml... Man wußte doch ganz genau, daß er— sonst so nachsichtig in jeder Beziehung— gerade, hinsichtlich Pünktlichkeit vollkommen unbeugsam warl... Er reckte seine Gestalt, die beginnend« Beleibcheit noch stattlicher machte, warf mit der Hand sein zu schwarzes, schon etwas spärliches Haar aus der Stirne und schritt gereizt im Salon auf und ab. Die beiden Gäste, Herr Volochon, Profestor ohne Schüler, und Herr pon Bivar, Schauspieler ohne Engagement, erwiderten kein Wort, denn sie wußten, daß man schließlich ja doch etwa» zu«sten be- kommen würde. Gönz zerknirscht machte Frau Bermid« den schüchternen Der- such, ihren Gatten zu besänftigen. „Mein lieber Adolphe, man wird gleich auftragen, ich versichere d!r. So beruhige dich nur, lieber Adolphe/ wiederholte sie immer milder mit ebensoviel Sanftmut in der Stimme wie in ihrem Ge- siryt mit den verschwommenen Zügen, wie im Blick ihrer grauen Augen, wie im Schimmer ihrer aschblonden Haare. Und da das Mädchen meldete, daß angerichtet sei, ließ sich Herr Bcrnride erweichen, sich zu beruhigen. Bei Tisch zeigten die Herren recht guten Appetit und sprachen nicl. Zuerst unterhielten sich Herr Balochon und Herr von Bivar, der eine gelb, kahl und gallig, der andere bleich, glatzköpfig und heftig, beide unverstanden und schäbig, und ergingen sich in Lob- preisungen ihres Genies. Aber dazu hotte sie Herr Bermide nicht -u Tisch geladen. Seine Stimme schwoll an und er begann mit iieberzeugung pon sich selbst zu sprechen in wohlgemestenen, hoch- habenden Phrasen, durch die bald hellste Begeisterung klang. Und da er den beiden zu csten gab, verstummten sie und hörten ihm zu. >>'rau Bermide überwachte diskret die Bedienung, legte vor und ichenkte die Gläser voll, ohne dabei zu versäumen, den Eindruck zu- erwecken, daß sie an den Lippen ihres Mannes hing, der sich von Zeit zu Zeit zur Bekrältigung seiner Worte an sie wandte: . Uebrigens weiß es Marceline." Und sie antwortete gehorsam: ..Gewiß, lieber Adolphe." Gegen elf Uhr zogen sich die beiden Gäste zurück. Frau Bermide suchte ihr Zimmer auf und ihr Mann blieb im Salon, um! seiuei Zigarre zu beenden. � Er rauchte friedlich und gedankenlos, als seine Augen allmählich an einem kleinen Schreibtisch haften blieben, der ihm gegenüber- stand, und besten sich Frau Bermid« bediente, die das Arbeits- zimmer ihres Gatten nur betreten durfte, um darin Ordnung, zu machen.-/-..-,. Herr Bermide war erstaunt, auf diesem Tisch ein Hest. zu sehen. Es war ein gewöhnliches Schulheft, ziemlich dick, grün, mit einem' schwarzem Rücken. Cr schlug es auf und fand darin die Schrift seiner Frau. Neugierig geworden, kehrte er zu seinem Platz unter der Lampe zurück, las einige Zeilen, die er nicht recht verstand, und begann aus der ersten Seite des Heftes, von dem kaum ein Drittel beschrieben war. Als Ueberfchrift stand:„Vierzehntes Heft meines Tagebuchs." „Nein, so etwas! Nein, so etwas! Sie führt ein Tagebuch! Das ist doch ganz unglaublich!" murmelte Herr Bermide. Er fragte sich, wo sie wohl die anderen Hest« versteckt hielt; aber das Wichtigste war jetzt wohl, den Inhalt der Blätter in seinen Händen kennenzulernen. Und er las: l?. April.— Der Jahrestag unserer Trauung. Er hat mir nicht davon gesprochen und ich habe auch nichts gesagt, denn jetzt ist mir da» gleichgültig geworden. Zu Mittag hat er mir eine Szene gemacht wegen einer Omelette, die er gerne mit Käs« gehabt bätte. Im Dorjahr war er auf Reisen und vor zwei Iahren hatte ich ihm Blumen gebracht und er erklärte mir, daß dies lächerlich sei nnd nicht mehr zu unserem Alter pasie; das Hab« ich in meinem Hekt von damals wiedergelesen. Es ist ja wahr, daß wir seit vierzehn Iahren verheiratet sind. Ich bin sechsunddreißig, er sieben- undvierzig. Er färbt sich die Haare und glaubt, daß es niemand bemerkt, außer mir. Aber ich zähle nicht. Ich habe ihn so sehr ge> liebt, ich habe ihn so sehr bewundert, und er hat mein« Gefühle so lcbr ausgenützt! Er war immer ja sicher, daß ich mich nie auflehn«, dtiß ich ihm mein ganzes Leben treu bleiben würde. Jetzt weine ick ni-bt mehr, wenn er mir Szenen macht. Ich habe Mich daran gewöbnt.. Die erste Eintragunq brach da ab. Herr Bermid«, zu sehr ver> blufft, um sich darüber klar zu werden, wie ihm eigentlich geschah, b'ätterte um. Die folgenden Seiten enthielten nur kurze Angaben über gemachte Brsorgunaen oder aus verschiedenen Anlasten er- dvldete Szenen. Die Feststellung:„Ich habe wirklich genug," r'-ed?''bolte stch in kurzen Abständen, ohne weitere Erkläning. Frau Bermide führte ihr Tagebuch nur sehr unregelmäßig und es vergingen manckmal mehrere Tage ohne Eintragung. Herr Bermid« empfand eine unbeschreibliche Betroffenheit: er bemeikte, daß seine Frau nie seinen Namen anführte. Sie nannte ihn.er". Er las: 7. Mai.— Ausflug zu seiner Schwester nach Gajrches. Sie haßt wich und hat mir den ganzen Tag Unverschämtheiten ins Gesicht ge- scklei'tert. Ihre Jungen? sind unausstehlich; sie hoben mir ab- sicktlich mein Kleid zerristen. Auf der Heimfahrt hat er mir vor- geworfen, daß ich se'ne Familie nicht liebe. 2. Juni.— Mittags hat er mir einen feierlichen Dortrag über Nationalökonomie gehalten. Er will sich jetzt damit belasten. Das wird einige Wochen dauern, böchsten einig« Monat«. Wie immer. habe ich lo getan, als ob mich das Gesagte interessieren würde. Das ist aber keine Verstellung meinerseits: es ist eine Gewohnheil, die sebr lange von Herzen kam und die ich nicht mehr ablegen kann. Erst seit vier oder fünf Iahren habe ick wirklich vollkommen auf- arbört. ihn für einen hervorragenden Menschen zu halten. Jetzt leb« Ick allerdings klar. Er wird es ju nichts bringen. Niemals. S-tt Jahren hat er alles Möalich« und Unmögliche versucht, derart, dast ick mich nicht einmal mebr erinnern kann, womit er stch be- sckältiate. als wir he-rateten. Mein Gott, welche Bewunderung ich damals für ihn empfand! Er hatte mir gesagt, daß ich an seinem Werk testnchmen würde, und ich war so stolz darauf! Sein Werk! Cr wird N'ernols arbeiten— und wenn wir nicht unser kleines Vermögen hätten. Zu» Glück ist monatliche.. c) vierteljährliche d) halbjährliche. e) jährliche... f) Termin.... i Transitorische Passiva >. lieber chuB......, Giro Verb ndliehkeiten RM— RM 4 032 7 2�4 . 2768 900.80 . 2074 862-43 , 1 460-115,07 2 602 1 St. Vi RM 138391 45. Avale 26100,- kte haPtencf« Kapital kaetraat RM 6 ODO OOS. sl-br- B baroRRa 9258 4 Bronetts Cdn CoEleano UM«eitere Veriet«• Atirakttoees. H* u t e 9 f® nadtmUtoQ* Sondervorstellung für Jung and Alt tm besonders erm&ßigien Preisen von O.SO bis 3 H dos volle Abindprogremm. tn det Pause i Kaffee mit Kodiert für SO Pf. | S Uhr o itanchcB erUnbi ein Berlin noch nicht Senelgte Uarietd- neuhaiten und die Welt-Sensation 3 codonas .»t». CASMO-THEITES Lothringer Str.p» 37. Nett� Neu"! 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Pptr maiia• Theater 8 Uhr Oelraascb 5t«tLSdiill9r-Tli. 8 Lhr Qespcnsfer rt. an idiiflbwirftinn riglich H Uhr ]ie Drel-Srosdien- Paulsen. Vaietn. Ander, Oerron. �chaufuD, Kühl Lvovskl. iiettüdies f&eaiet Norden 1231, 3 U. Ende geg. IdV« Vntxr tu V.Ddur von Shakespeare HÜ Regle: leine r Upen Jie Komödie iismarck 2414,751» M/i Uhr, Ende 10V. Olympia" r-ranj Molnar Regie Porster Larinaga. w von Tbcater ön Westens h le I ins| SdflL 8V< Uhr Oer größte Srfolg Berlins Zriederike TRuflf»,'N Senn, Chor Sr.ka ». TheKmann Äammfrlanatr tfcrl Zölen IStdetso». Berlin) «ntgedl, ümbsrg, Vera, Sh«l«r, 2>«»berman,»er, Schönem ann Ssrverl. ununlerbr. »asieöenchim-laa Iel.Slrinvl.a3i». 7105 Xsmmerzpie'.e Worden I2ilü SUhr. Ende lO�Uhi Joeben mtbienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie Portier Lannaga. Trianon-Th. 'Täelich SV. Uhr Das Haus der Laster (Yoshiwara) Otseb. kUasttar-Th. 8Vi ühi Oer Zinker V.Edgar Wallaee l«h*.mi'Kitibw' Preise WiO Mark Renaissance-Theater Hardenbjrgst. S. Tal.: taiaaL 901>. 25,3 84 »Vi Uhr. Zum 52. Maie:»V. Uhr 01« WeltarfelgsIcomBdl« „Das große ÄBC" von Marerl Pavnoi Ree: linLBamng. la Prämier« Dtieitzo. fheaier a.Kottbusser«er Kottbussar Str. b Tel. Mpi. 1607, Täglich 8 Chr. auch Sonntag nacam. Z Uhr(ermäB. Preise Elite■SEttger Sie UnDerglefehUehen. « iro. PrtisbsraHeKmiB«ö eilta Pilüro EUE Arnatd sah oft Masannaide IM/U Xefsies QasUpiei Johann Strauß aus Itien u. großes SSockbierfesL etnlM$» V*r.»• feagr. TNadL Kap.tän-Rautabak 15 p«. Hapiiäo-Xopenbapet..20p<. Die Marke der Feinschmecker in den meisten Geschälten käuflich Carl Richer. Berlin NO. uemenreteer» r. 2 K>>s'. Wbi KRONLEUCHTIRfASRtK� Prinzenstn. Ayjä nur33 SIsdilasiig ntsia rill, kl'll ft wv'n BsairtiiA-n Hiil-b'n. I üi ,.s, oBd hftr>na iRUIeB«ODtOllMa. I iJdmt 101. 941, 1-4. suuilB-lä», Mr. Wahllörperversammluogen der arbeitslosen Mitglieder. WtählkSrper I. arnnw». h«n 2». Stirnn.»st- mittag« tt Übe. im Sigaagaloal Brs Occb««h«0«a|*«.Ci«l*af*t-S3»S Hehler, Vehrer, S loher. ZrSser, Schniklarbeiler. vrah'arbeller Autogenschweißer. Elsen«, Metall-, Rroolverdreher, Sarusiell-»ad vahrwerksdrehrr. V»»dschlels-r, Schraubendreher»ad«utamalea- einrichler. RSahIkSrprr N. 0(«ss»tsU.»«« 35. ,«»««««.««r. mit««»« 11 Ahe. im Slftaagsf««! de» verbaadahoMle», Clslatiftr 53 OS Eilenfonner. Melallfermer. Kern« wacher, Vau- u. werkslaNNemyaer, vahrlrger. vohrlegerhrlser. Emaillterrr. Wickler. A eilen Hauer. «vahlkSrver I». Mirmadk. San».Seena««, minan« 10 Uhr. Im Sltnagelnnl de« Sn hanh»0«a|ca. CisUsflrsh* 53 85 Zadustrlefchwlede, Kesselschmiede. Supserschmirde. wagen- und Huf- mledchvaumischUger. Walzwerk- arbelier. Elsen-. Souftiüküat»-. Aula-, Maschinen-, Vau-. Schwarz- blech- und Sarosserieschlosser. WaHlkörprr IV. vl>n«»«stM». hm Jh..Yckrsar.«oe- mittag» 11 Uh« Im»tHaa»»!««! hm Oechaah»»««!*». CmtnsRt. 53 55 Werkzeugmacher, Scharfschleifer. Einrichser, Mechaniker. 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Rege BeteUigung erwartet Vi» 0Tt»»ar«,aM»»g. 1 Stühle., Sessel l, mir 880.— R. übaft.'n. Skalißer- Kattdusttr Tor. zu. dl, tiH-glmmer-Neubauwahnun. £u in Hirschgarten, Rummelschurg. irlohorst. Nrinickendprs. Nll-kjahllarrr "' MD Mark pr» Zimmer. Be> 1929. Wohnraum. 78. Bergmann 8391. /�rdeitsmsrkt Sfeliensngebote Papieriortierrrinuen. Kriegswaise, auch ungelerut oder unsallbeschLVigi, stellt mehrere noch ein S. Bareinscheck. 0. 17, ______ mäglichst Krtbüdimge. Krirgowa se, zum 1. 1. tainscheck. O. 17, Hohen- schuft «su-._ Iaht brückt ftmlßerDtiinrab* ivrblirbrn! 2Drämien ßu 500000, 2®»» zu 500000, 3 au 300000, 2 zu 200000, 2 zu loonoo. Z zu 75000, 4 zu 5"O00, 6 zu 25000, 60*u 10000. 112»» 5000, 388 zu 3000, 528 zu 2000. 1180 z- 1000, 303« ft XO, 90t« HU 900 Stark. I BetflcdcrnlldoitPobl Dresdener SlraBe 15 Farriieebiude Sonnabend abend versahied nach schwerem Leiden ttnaer laogj&brifher Werkmeiäter Hermann Zink» 41 Jahre hat er unserer Pinn« in Treue und Anhängliehkeit gedient. Wir«erden dein Verstorbene» ei» ehrendes Andenken bewehren., DI« Dlrcktfo» der Beer& Stein MeiallwereniebrCk AkUengeseiUdustl.. h Sfr Plne Stande Ist nun schon verronnen Ob die Geliebte noch wird kommen? Ne Weile bleib ich hier noch stehen .Lebewohl"' hab ich ja auf den Zeiten. *)Gam«int islnatflrlich das berühmte, von vig en Aerjr-en mpfohtene H jhBerent«»• Cenesv»;.! und Lebewohl. tailenschrlban. Blechdose(8 Pflaster 7S Pfg., Lebewohl. PjUbnd gegen emp indHehe rOBe und FuBschweiB, Schachtel(2 Bädar) SO Pfg, ethälflich in Apotheken und Drogerie,,. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl In tlechdoaen und wetöM andere, angehüct.ehenoo gute' Mittel wräck,