BERLIN Zreitag 22. Februar 1929 10 Pf. Nr. 90 B 45 46. Jahrgang. Lrscheiut täglich außer Sonntag». Zugloch Abendausgabe de«„Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,60 59t pro 5Nonat. Kedaklion und Expedition; BerllnSWss.Lindenflr.Z SfuLlaidtfaße xlei Jjottütxsfa* Änzelgenprei»: Die einspaltige NonpamHezeile 80 Pf., Reklamezeile S 5vt Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VvrwärtS-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr. 37SZ6. Fernsprecher: Dönhoffs bis LS? Die Sozialdemokratie wach -1-14000 neue Mitglieder.— Parteitag Ende Mai. Menschen in Feuersnot. Der sozialdemokrakische Parkclausschusz war heule vormittag zusammengetreten, um zu dem Vorschlag der Magdeburger Parteiorganisation Stellung zu nehmen, der eine Vertagung des Parteitages anregte. Der Parteiausschuh. um seine gutachtliche Meinung befrag», fahle folgenden Beschluß: „Oer Partetausschuh nimmt die Gründe zur Kenntnis, die die Magdeburger Vortcigenossenschasi im Zuterege eines guten Verlaufs des Magdeburger Parteitages vcronlaht hoben, die Verlegung de» Parteitages anzuregen. Er leg« jedoch e n t. scheidendes Gewicht aus die angeführten politischen Gründe. In der zweiten Mörzhälfte ist der Zlbschluh der Pariser Separatio nsbcsprechungcn zu erwarten. Reichstag und Seichsregierung können in diesen Tagen gezwungen sein, zu wichtigen Entscheidungen Stellung zu nehmen. Aerncr läszt die.Förderung der Etolberotungen die Verlegung des Parteitages aus Mal wünschenswert erscheinen." Es ist nunmehr die Abhaltung des Parteitages in der zweiten Maihölfte, und zwar beginnend mit dem 26. Mai, in Aussicht genommen worden. Die Magdeburger Pa rteiorga ni so t> o n hat an die Partei die Ein. ladung gerichtet, den nächsien Parteitag in Magdeburg abzuhalten. Die Pari« hat diese Einladung angenommen, und die Magdeburger Organisation fetzt nun ihren Stolz darein, den Parteitag in möglichst würdigem Rahmen zu empsangeit. Massenveranstaltungen werden geplant, San Verzüge aus der Provinz Sachsen und anderen Gegenden waren vorgesehen. !Ze näher ober der Tennin herankam, desto größer wurden die Sorgen der Magdeburger Genossen um das Gelingen ihres Planes. Magdeburg ist typisches Hochwassergebict und gerade in diesem Jahr« ist die Gefahr einer Aoiastrophc enorm. Dies« Katastrophe könnt« all« Norbereitungen zunichte machen und alles öffentliche Interesse ablenken. DarumhabendieMogde- burger Genossen gebeten, den Parteitag von März aus den Mai zu verschieben. Der Parteivorstand nahm diese Gründe der ctniadendcn Orga- nisation zur Kentnis, er sah aber auch politische Gründe, die fi'ir die Anregung der Magdeburger sprachen. Die Parteitagswoche er- fordert eine Unterbrechung der Etatsverhandlungen im Reichstag. Außerdem wird für Mitte Marz der Abschluß der S a ch- verständigenbcratung in Paris erwartet: die der Regierung angehörenden Parteigenossen würden dann in Berlin festgehalten sein und an den Berhairdluitgen in Magdeburg nicht tcilnehinen können. Deshalb Hot der Parteivorstand den Parteiausschuß einberufen und von ihm ein Gutachten über diese Frage gefordert. Darüber ist nun ein ungeheures challoh in der gegnerischen Preste entstanden. Deutschnotionale und Kommunisten sind sich darüber einig, daß der Parteivorstand aus Furcht vor drohenden Verlegen- heiten ein« Verschiebung des Parteitags wünscht. Die„Rote Fahne" findet den Plan, den Parteitag um zwei Monat« zu ncrschieben,„empörend", sie nennt ihn eine„Büberei". Run sollte der k o in m u n i st is ch e Parteitag schon im September vorigen Jahres stattfinden, er wurde angeblich wegen des Volks- begehrens, in Wirklichkeit wegen der Hochflut der Thälmann- torruptton auf Rövegiber verschoben, dann wegen der Ge- meindewahlen aus den Januar, aus den Februar, und jetzt ist er für den Mörz vorgesehen. Genau so war es bei dem letzten komm«- nistischen Parteitag— auch er wurde wiederholt verschoben. Wenn Kommunisten und Deutschnationale meinen, ein Parteitag könne nur zu dem Zweck verschoben werden, um politischen Ber« legenheiten ausjurveichen, so schließen sie von sich aus andere. Ein Parteivorstand, der, wie der sozialdemokratische, darauf hinweisen kann, daß seit dem letzten Parteitag die Organisation um 114 000 Mitglieder stärker geworden ist, braucht vor Kritik keine Angst zu haben.__ Derlängerung der Kalieferien. Der Magistrat hat beschlossen, die Schulverwallung zu crmäch. Ilgen, wegen Foetdauer der kälte sämtliche Schulen noch bi,zum2 7. Februarabendsgeschlossenzu hallen. Die Schulverwaltuug hat sich daraufhin sofort mit dem Proviuzlal- fchulkollegium in Verbindung gesehk, und dieses hol seht zu- gestimmt. Danach soll der Unterricht erst am ZS. Februar. morgens, wieder beginnen. Auch diestädtischenvadeaastal. I e n bleiben noch bi» einschließlich 2 7. Februar ge- schlössen, soweit sie wegen Kohlenmangel bisher geschlossen waren. Dle Kohlenersparnis, die sich aus diesen Schließungen ergibt, beträgt täglich 10 000 Zentner. Fünf Verletzte bei einem Zamilienhausbrand in Spandau. I« der Mauerst raße 12 zu Spandau brannte heute früh um Z Uhr ein einstöckiges Familienhaus völlig nieder. Die Bc- wohner» die im Schlaf vom Fener überrascht wur- den, erlitte« mehr oder weniger schwere Brand- Verletzungen. Dos Gebäude ist ein alter Fachwertbau, der im Parterre und im 1. Stockwerk sechs Zimmer hat. Eine hölzerne Treppe führt zum 1. Stockwerk hinauf. Gegen 3 Uhr wurde der Besitzer des Hauses, der iLjöhrige Rudolf Krüger, durch starkes Kiüsterir und eine ungewöhnliche Hitze aus dem Schlaf geschreckt. Als der Mann die Tür öffnete, die zur Treppe führt, schlugen ihm die hellen Flammen e n t g eg e n. Das Treppenhaus brannte in seinem ganzen Umfange. In wenigen Sekunden waren die Bewohner, vier■ Erwachsene und ein Kind, die alle in den oberen. Räumen schliefen, alarmiert. Der Rückzug über die Treppe war ihnen ab- geschnitten. Der starte Rauch machte ihnen aber auch den Aufcnt- holt in den Zimmern uimwglich. Laute Hilferufe durchgcllten die Stille der Nacht. Bon anderen Bewohnern der Straßen war das Feuer inzwischen schon bemerkt und die Feuerwehr alarmier: worden. Als die Züge a» der Brandstelle eintrafen, hotten bereits zwei Personen den Sprung aus dem 1. Stockwerk in die Tiefe gewogl. wo sie mit schweren Verletzungen aufgefunden wurden. In erster Linie galt es, die übrigen Gefährdeten, die verzweifelt um Hilfe riefen, zu retten. Ueber Hakenleitern konnten sie auch im letzten Augenblick in Sicherheit gebracht werden. Alle hatten Brandwunden und Rauchvergiftungen davon getragen. Die Berunglückten, der Ihjährige Rudolf Krüger, sein 21jähriger Sohn Walter, die öOjöhnge Witwe Berta Ebenstein, der tzjahrige Kurt Luttcher sowie eine noch un- bekannte Frau, die dort zu Besuch weilte, wurden ms Städtische Krankenhaus Spandau übergeführt. Das Wohnhaus wurde ein Raub der Flammen, obgleich die Feuerwehr alle Anstrengungen machte, noch etwas zu retten. Heute vormittag waren die Wehren noch an der Brandstelle tätig. Die Entstehungsursache konnte noch nicht ermittelt werden. Feuer auf Bahnhof Charlottenburg. Auf dem vahnhos Eharlotlcnburg entstand gestern nach Mitternacht Feuer, das die veralteten Bahnhossan lagen, die zum größten Teil aus F o ch w c r k bestehen, in Gefahr brachte. Dem umsichtigen Ein'greiscn der Feuerwehr gelang es, den gesährllchcn Brand rechtzeitig aus seinen Herd zu beschränken. In dem Stationshauptgebäude befindet sich im D o ch» g e s ch o ß ein großer Aufcnthaltsraum für dos Zugpersonal. Infolge Ucberheizung eines Ofens geriet plötzlich die Balkenlag e In Brand. In wenigen Minuten stand der ganze Raum in Flammen, Als die Feuerwehr mit vier Löschzügen anrückt«, hatte das Feuer bereits aus den Dachstuhl und die unter dem Brantcherd gelegenen Räume übergegriffen. Auch die Vorhall« brannte lichterloh. Fünf Schlauchleitungen muhten in Tätigleit'gesistzt werden,»pd erst noch einstündigem Wosjergeben war die Hauptgesahr beseitigt. Die Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten dauerten mehrer« Stun- den. Ein Eisenbohnboomter, der l�bersekretär E g e r aus Finken- krug, erlitt erhebliche Brandwunden und muhte in das Westend- Krankenhaus gebracht werden. Der Stadtbahnvcrkehr wurdi durch dos Feuer in Mitleidenschaft gezogen, tonnte jedoch mit einigen Ber- spötungen umgeleitet werden. Fünfzehn Tote bei Wohnhausbränden. Auch in Amerika überheizte Oefen. In Ebeusburg»nd Hlllsboro tWcstpenusil- vanien) sind durch überhetzte Lesen zwei Häuser in Brand geraten, deren Insassen, zwei Frauen und acht ktinder, in den Flammen den Tod fanden. In L a n s i« g(Illinois) brach aus ber gleichen Ursache ein Hausbrand aus, dem fünf Kinder zum Lvfer siele». während ein sechstes Kind und die Eltern schwere Ber- letzungen davontrugen. Verhandlungen ohne Ergebnis. Zentrum und Volkspariei. Die Besprechungen über die Regierungsumbildung in Preußen sind zwar durch den Miiristerprösidenten Braun wieder in Fluh gebracht wordeiu Aber sie haben bisher kein anderes Ergebnis gc- habt, als daß die Volks Partei, die in Preußen an sich nicht zur Mehrheitsbildung benötigt wird, Fordeningen aufstellt, die vom Zentrum von vornherein abgelehnt werden. Ministerpräsident Braun hatte im Einverständnis mit dem vollsparteilichen Parteiführer Strefemani, und nicht ohne Einwilli- gung der bisherigen preußischen Regierungsparteien das Angebot gemacht, die Volkspartei solle einen Fachminister in Preußen stellen und weiterhin einen Staatssekretär in einem der politischen Mim- sterien. Ferner solle einer ihrer Reichzministcr in Preußen mit Sitz und Stimm« aber ohne besonderes Ministerium mitwirken. Dieser Vorschlag wurde, wie bereits mitgeteilt, von der volks- parteilichen Landtagsfraktion angeblich einstimmig abgelehnt, dafür machte sie aber den Borschlag, das Zentrum, das bisher drei preußische Ministerien inne hat. solle sich mit zweien begnügen und dafür von sich aus einen Reichsminister als Verbindungsmann bestellen. Zu diesem Borschlage hat die Zentrumsfraktion in Preußen noch nicht Stellung genommen, aber die„Germania" sagt ihre Haltung bereits voraus, indem sie schreibt: „Die Aentrurnssraktion des Landtags hatte am Donnerstag Wider die Eidesseudic. Aullösung der spanlsdieii ArifUerie. Berichte 2 Seite, abend zwar keine Gelegenheit, sich mit dem Ergebnis der Unter- redung zu befassen, die zwischen den: Mimsterprösibenten Bttrnn und dem volksparteilichen Unterhändler stattfand. Aber nach Lage der Dinge kann heute schon gesagt rverden, daß sie keine Ne:» gung verspüren wird, auf den volksparte ilichen Gegenvorschlag einzugehen. Der vom Ministerpröst- deuten Braun im Einverständnis mit den preußischen Regtcrungs- orrteien gemachte Vorschlag war geeignet, eine faire Rege- lung der st rittigen Fragen herbeizuführen. Wenn die Deutsche Volkspartei auf ihrer ablehnenden.Haltung be harrt, dann wird sie eben auf eine Beteiligung an der preußischen Re- gierimg verzichten müssen." Die Volkspartei in Preußen treibt dassell>c Spiel, das vom Zentrum im Reich getrieben wird. Sie Hot für heute ihren großen Partemorstand nach Berlin berufen, der über das Ber- hatten ihrer Landtagsfraktion zu Gericht sitzen soll. Denn hier handelt es sich auch um das Ansehen des Parteivorsitzerchen Stresemann, der sich von seinen preußischen Freunden im Stich gelassen sieht. Wie aber immer auch die Entscheidung ausfällt: die Wähler im Lande sehen immer nur ein unwürdiges Schachern um die Ministersitz«. Sie haben dafür kein Verständnis und erwarten von der Sozialdemokratie, daß sie mit diesem Hin und Her endlich Schluß macht! Verwegener Lohngelderraub. 44»(XX) Mark in Gladbeck-Vrauck geraubt. Im v erwattu ngzgebäude der Zeche Mathias Stinne» in Gladbeck-Brauck wurde heule am frühen Morgen ein verwegener Raub verübt. De« Tätern, denen die Polizei schon ans der Spur ist. sind 1 IL 000 Mark Lohngelder. die heute ,ur UllsMluag komme« sollte«, l« die YSude gefalle«. Ter Vor. gang spielte fich etwa folgendermaßen ab: Als heule morgen um 3�6 Uhr die Lohngelder, die in einer Alleren, mit zwei Handgriffen versehenen Geldtasche ausbewahrt wurde«, von drei Veamlen aus den oberen Räumen de» Verwaliungsgebäude» in die Aus- zahlungsraume gebracht werden sollten, wurde eine« der Beamten. der die Tasche trug, aus dem Wege zum Lohnbureau beim Durchschreiten des Llchthofes in der Dunkelheit unter Vorhalle« einer V i st o l e die Geldtasche von einem Unbekannten entrissen. An dem Raub sollen vier Personen beteiligt gewesen sein. die in Richtung Horst-Emscher entflohen sind. Infanterie löst die Artillerie auf. 2000 spanische Offiziere aus dem Heer entlassen. Paris, 22. Februar. Ter spanische Regierungserlasi, durch de« 3-t Artitle- riestäbe aufgelöst und LVOO Lffiziere aus dem Heere ent» fcrnt wurden, ist in ganz Spanien durchgeführt worden. Tie Regimenter wurden in den Kasernen versammelt und aufgefordert, das Geschützmaterial und die Fahnen auszuliefern. Jnfanterieabteilunge» nahmen Fahnen und Geschütze in Gmpfang und brachten sie in ihre Kasernen. Tann verlas ein Jnfanterieosfizier den Artillerieoffizieren einen Befehl, der die sofortige Ab- legung der Uniformen und die Ueberführung der Offiziere in den Z i v i l st a n d ausspricht. Die Auslösung der Lffiziertorp» soll nach amtlichen Angaben ohne den geringsten Zwischenfall vor sich ge- gangen sein. Infanterie». Pionier» und K a v a l» lerieofsiziere sowie Reserveoffiziere der Artillerie haben die Posten der abgesetzten aktwen Artillerie- offiziere übernommen. Tie Jnfanterieeompagnie», die in den verschiedenen Städten in Befürchtung von Un- ruhen die Straften besetzt hatten, sind in ihre Kasernen zurückgekehrt. Die Regierung hat in zwei Erlassen ihr Borgehen erklärt. Um ein Exempel zu statuieren, sei es notwendig gewesen, eine berechtigte Strafe zu verhängen. Aus dem Artilleriekorps mühten alle diejenigen entfernt werden. die sich in den letzten Tageu offen mit der Gehorsams» Verweigerung gebrüstet hätten. Die Regierung werde erst nach Erfüllung ihrer Aufgabe ihr Ziel erreicht haben, das in der Errichtung eines konstitutioael» l e n Systems bestehe und seine eigene, durch eine ehrliche Volksabstimmung bestätigte Prägung tragen werde. Die Diktatur werde dann vor Volk und König dem ersten konstitutionellen Parlament die Macht über» geben. Oeuische Schulen für Dänemark. Sozialdemokraten für Etaatsschule. Kopenhagen, 22. Februar. Iin FalUctuig wurde die Beratung der von dem Vertreter der deutschen Minderheit Pastor Schmidt eingebrachten Gesetzesoorlag« über die deutschen Schulforderungen sattgesetzt. Der Wartführer der Konservativen, jsolger Andersen, erklätte. «r müsse anerkennen, daß der psychologische Augenblick für die Einbringung der deutschen Forderungen richtig gewählt sei, da auch Preußen eine neue Mwdecheitsvvdnung eingeführt hob«. Do- gesamte Schulwesen der deutschen Minderheit müsi« auf die P r i v a t s ch u l e gegründet werden, die deutschen Forderungen auf Einführung eines deutschen Gymnasiums seien abzulehnen. Der Demvfrat Paulsen erklärte, er sei bereit, dem deutschen Schul- wesen alle die Zugeständnisie zu machen, auf die es mit Recht An- spruch habe. Auch er betonte, daß das ganze deutsche Schulwesen auf der Grundlage der Prioatschule aufgebaut werden müsie. Eine Erhöhung der Zuschüsse für die deutsche Schule halte er für gerechtfertigt. Der Frag« der Errichtung eiirrr höheren deutschen Schule wolle er nähettreten unter der Voraussetzung, daß die Schüler derselben nicht zu Staatsämtern zugelassen werden. Der Sozialdemokrat I. P. Nielsen bezeichnete die ablehnend« Haltung des Untcrrichtsminisiers gegenüber den deutschen Forderungen als reaktionär und stimmte im allgemeinen den deutschen Schulforderungen zu. Er sprach sich gegen den Gedanken aus. dos deutsche Minderheitsschulwesen auf der Privat schule aufzubauen und erklärte, daß die Schule Sache des Staates sei. Der deutsche Abgeordnete Schmidt dankte sin Schlußwort den ii«rfchied«nen Rednern für die Bereitwilligkeit, In Verhandlungen über sein« Vorschläge einzutreten. Verleumdung übers Grab. Ergüsse einer edlen Seele. lieber die Kutt-Eismr-Gedenkstler schreibt die„Deutsche Zeit- tung" neuerdings: Prof. Struck, Kapellmeister Kitzinger. Prof. Stegnmnn, werden Handelsehe und Beechoacniche Musik entweihen, indem sie sie zu Ehren eines Landesverräters zu Gehör bringen. Dies« Leraiistaltunq setzt allem die Krone aus: si« bedeutet ein« schwere Verunglimpfung des Voltstrauertages, der dem Andenken derer geweiht ist, die vor den. Feinde ihr Leben für das Boterland gelassen l>ab«il. Es genügt, diesen Erguß tiefer zu hängen. Die Devise her „Deutschen Zeitung" lautet offensichtlich: Deutsch sein heißt«n Verleumder sein." Zum Glück lehnt die große Mehrheit der Deutschen dieses„Deutschtum" der Preisredner politischen Mordes ab. Ex-Minister als Trustdirekioren. Arbeiterpartei greift die Verquickung von Regierung und Geschäft an. London. 22. Februar. Die Frage der Tätigkeit van englischen Ministern noch ihrem Ausscheiden aus dem Amte wurde im Unterhaus« in deutlicher Anspielung aus Lord VIrkenhead behandelt. Ministerpräsident Baldwin trat entschieden dafür ein, daß die persönliche Entschlußsrei- h e i t der Minister nach ihrem Ausscheiden nicht beschränkt werden dürfe. Der Oeffentlichkeit würde aus einer solchen Beschränkung kein Rußen erwachsen. Die direkte Frage, ob er es für richtig halte, daß nn M mstcr de» Vorsitz eines großen Konzerns übenrehme, mit dem er im seiner Eigenschaft als Minister jahrelange Vcr- Handlungen geführt habe, wies Baldwin mit dem Bemerken zurück, daß«r sich nicht berechtigt fühle, hierauf einzugehen,' „Bekrastigung" statt Eid. Vorschläge des Reichsjustizministers. Fm Strafrcchtsausfchuß nahm heute Reichsjustiz- minister Koch-Weser eingehend zur Reform des Eideswesens Stel- lung. Er stimmte dem Standpunkt des Abgeordneten Emminger zu. wonach die von ihm eingebrachte Reform des Eides- wesens reicht nur gründlich, sondern grundstürzend sei. Ohne eine grundstürzende Aenderung des bestehenden Zuftandes lassen sich die schweren Mißstände, die sich aus der Häufung der Eidesabnohme in Deutschland nach allgemeiner Ansicht ergeben haben, nicht beseitigen. Für eine Neuregelung kommen vier Lösungen in Frage. Entweder man behält grundsätzlich den Eid als das Mittel zur Erhärtung der gerichtlichen Aussage bei und begnügt sich mit nebensächlicher Resonn. Damit ist nicht gedient. Oder man schafft den Eid grundsätzlich ab und setzt an sein« Stelle die strafbare Bekräftigung. Dieser Gedanke ist in meinem Nessurt eingehend erwogen. Wir haben uns aber den Bedenken nicht vcr- schließen können, die namentlich von den Landesregierungen kamen und dahin gingen, daß der Eid nach der Anschauung weiter Be- völkerungsschichten als änßerstes Milte! der Wahrheitserforschung wenigstens zurzeit noch nicht als entbehrlich angesehen werden könne. Es bleibt demnach nichts anderes übrig, als in den n o r- malen Fällen vnie Form der Vernehmung einzuführen, bei der kein Eid abgenommen wird, bei der aber die Unwahrheit strafbar Ist. Sic ist in unseren Vorschlägen als„Bekräftigung' bezeichnet Sie wird als Vergehen, nicht als Der» brechen behande't. Daneben aber w-iß nr allen Fällen, in denen van der Aussage eines Zeugen die entscheidende Beurteilung eines Falles abhängig ist, zur äußersten Wahrheitsforjchung der Eid zugelassen bleiben. Indem man für die Auferlegung eines solchen Eides besonderen Gerichtsbeschluß verlangt, in- dem man weiter nur denjenigen Teil der Aursage unter Eid stellt, der für die Entscheidung des Gerichts ausschlaggebend und in dem man endlich den Eid erst abnimmt, nachdem die Zeuge»- aur jagen protokolliert und das Protokoll vorgelesen worden ist, schränkt man diese Fälle erheblich ein und macht sie so be- deutungsooll, daß hier grundsätzlich die hättere Strafe des Ver- brechen? vorgesehen werden kann. Unsere Vorschläge sehen ou-- drücklich vor, daß die be k r ä f t i g t e Aussage st r a f l oz bleibt, wenn sie unter Eid widerrufen w:rd. In der Hand eines geschickten Richters wird also die neue Bestimmung sich vor- teilhast von der bisherigen Rege'ung dadurch unterscheiden, daß man in Fällen, wo es auf des Messers Schneide steht, in der Lage ist, nochmals mit Nachdruck auf eine wahrheitsgemäße Aussage hinzuwirken. Wenn man eine Beschränkung des Eideswesens ein- führen will, so scheint mir der von uns vorgeschlagene Weg der einzig mögliche, aus dem man ohne Gefährdung der Rechtssicher- heit vorwätts gelangen kann. Wieder Gemüse und Kartoffeln. Vorbeugungsmaßnahmen für spätere horte Winter. Die in den letzten Tagen in Verlin eingetrofsenen Zufuhren Izoben bewirkt, daß die Gemüse- und Kartofselverforgung Derlins wieder als normal bezeichnet werden kann, wenngleich natürlich Frostschäden nach wie vor zu verzeichnen sind. Bei 16 von insgesamt 81 am gestrigen Donnerstag angekommenen Kar- toffelwaggons mußte beispielsweise sestgestellt werden, daß die Sendungen infolge der Einwirkung des Frostes fast völlig verdorben waren. Auf der anderen Seite haben die beim Nachlassen der großen Kälte von der Landwirtschast angestellten Ennittlungen ergeben, daß aus den großen Gütern in der Rahe Berlins glücklicherweise die Kartoffelmieten so tief an« gelegt worden sind, daß die dort eingelagerten Vorräte nicht allzu sehr gelitten haben. Es wird ober Aufgabe der Landwirtschast sein, aus den Erfahrungen dieses Winters zu lernen und rechtzeitige Vorkehrungen gegen ein« Wiederholung einer solchen Kälteperiodc zu treffen. In Holland z. B. verfügen die Gemüsezüchter über Kohlscheunon, in denen durch besondere Heizungsanlagen immer eine für die Konservierung des Gemüses günstige Temperatur aufrecht erhalten wird. Ebenso wird man sich überlegen müssen, ob man nicht nach dem Beispiel der nieder- ländischen Staatsbahnen auch bei der Reichsbahn zur Ein? führ�lng heizbarer oder gegen die Einwirkungen des Frostes besonders gesicherter Gemüsewaggons schreiton wird. Handelsfreiheit mit Sowjetunion. Konservative NeqierllnqlehniamilichKreditunterstüttung ab. London. 22. Februar. Im Oberhaus erklärten bei der zweite» Lesung des Gesegent- wursea über den überseischen Handel oppositionell« Mitglieder des Hauses, daß der Gesetzentwurf keine hinreichend groß« Tragweit« habe. Sie stellten die Frage, weshalb die Regierung keine Aus- f u h r k r e d i t e für Rußland erteile und wann das Embargo auf- gehoben werden würde. Das Verhalten der Regierung habe zur Folge, daß der Handel in deutsche und amerikanische Hände übergehe. Lord Lucan erklätte, die Politik der Regierung sei bereits dar- gelegt worden. Sie gehe dahin, Krediterleichterungen für die Sowjetregierung bis zu dem Augenblick abzulehnen, in dem das Vertrauen wiederhergestellt sei. Niemand werde gehindert, mit Rußland Handel zu treiben. Er bedauere, der Opposition nicht die Hoffnung geben zu können, daß die Politik der Regierung, die bei verschiedene» Gelegenheiten dargelegt worden sei, sich ändern werde. Nie Schwarzen dürfen Weiße wählen. Was in Südafrika als Fortschritt gilt. London. 21. Februar. Die Eingeboreneiworlage der südafrikanischen Regierung sieht die Wahl von. fünf Europäern für dos Parlament durch dt« Ein- geborenen der Kapp-Provinz und eines Europäer» durch die Ein- geborenen von jeder anderen der übrige» drei Provinzen vor. Sie ist in den Ausschußverhandlungen mit wechselnden Regierungsmehr- Heiken ettedigt worden. Im Anschluß daran wurde im Plenum die zweite Lesung der Vorlage über die Rechte der Farbigen vorgenommen, die vorsieht, daß die Eingeborenen der Kapp-Provinz einen Vertreter im Parlament und«in besonder«? Wahlrecht haben sollen. Die Opposition bekämpft die Vorlage als eine Beschneidung der Rechte der Eingeborenenbevölkerung, die gegenwärtig wähl- technisch auf dem gleichen Fuß stehe wie die weiße Bevölkerung. Hindenburg und Stahlhelm. Avstunft über die Haßbotschast erbeten. Der Reichspräsident hat als Ehrenmitglied des Stahlhelms an dessen Vorstand einen Brief gerichtet, in dem er ein« klare und unzweideutige Auskunft besonders über die verschiedenen Haßbotschafte» des Stahlhelnis gegen den Staat zu erhalten wünscht. Hindenburg beabsichtigt von der geforderten Atz»- kunst seine Entscheidung über seine weitere Haltung zum Stahlhelm abhängig zu machen. Auch er soll die Auffassung vertreten, daß man einem Staat, den man haßt, nicht gleichzeitig dienen kann. Frau Dr. Eugcnie Schwarzwald aus Wien spricht heut«, Frei- tag, im Plenarsaal des Reichswirtschastsrats, Bellcvuestr. 15, über das Thema„Menschenrechte der Jugend". Jedermann herzlich willkommen. Dem Radiotechniker Dene» v. Mihaly ist es gelungen, einen sehr einfachen Apparat zu konstruieren, mit dem Filme, die sich in gewöhnlicher Welse abrollen, nach einem oder mehreren entfernten Orten, entweder durch Draht oder auf drahtlosem Wege, wie beim Rundfunk übertragen werde» könne». 2er übertragene Film erscheint dann gleichzeitig in beliebig vielen Empfängern. Unser Bild zeigt den einfachen Bildempsongsapparat, der neben einer gewöhnliche» Rnndfunkanloge mit Lautsprecher geschaltet ist. Will man hören, so schaltet man den Lautsprecher au» und damit das JJcnt»ft(Ba* ein. Sodann erscheint ob« die bewegliche Szene. sOas Mino im Mause Kampf in Mansfeld. Verhandlungen mit der Manöfeider A. G gescheitert. Erneute Verhandlungen über die Durchführung des Schieds- spruchcs des Schlichlers für Milteldeutfchland, der infolge formal- juristischer Bedenken nicht für verbindlich erklärt wurde, sind g e- scheitert. Die Mansselder 21. verlangte von den Gewcrk- fchaften, sich mit einer gegen den Schiedsspruch wesentlich vor- fchlechterten Regelung zufrieden zu geben. Die Arbeiter lehnten diefe Zumutung ab und forderten bei einer späteren Jnkrastjegung höhere Löhne, ab 1. März«ine Lohnerhöhung von 15 Proz. Die Vertreter der Mansselder 21.-G wollen weder dem Vorschlag des Schlichters folgen, noch bei Inkraftsetzung neuer Löhne, ab 1. März die gesordeite Lohnerhöhung bewilligen. Dieses Verhalten der Mansselder 21.-® ist unter Berücksichtigung der enorm hohen Kupferpreise ein Skandal. Trotzdem die Mansselder A.-G. jetzt Million«»gewinne einheimst, verweigert sie den Arbeitern Löhne, mit denen sie menschenwürdig leben können. Die Tariflöhne sind derart niedrig, wie man sie selten wieder findet. Sie bewegen sich zwischen 4,70 M. für über 21 Jahre alte Schichtlöhner und 5,80 M. für Hau« r. Die tatsächlichen Löhne der Gedingeorbeiter sind zwar infolge einer bis aufs äußerste ausgenutzten Arbeitsleistung des einzelnen etwas höher. Die Gewerkschaften werden zu dem Verhalten der Mansselder A.-G. Stellung nehmen. Kommt es in Mitteldeutschland erneut zu einem Wirtschostskamps, so ist die Mansselder A.-G. dafür ver- antwortlich. Sie hat in den letzten Jahren erhebliche Gewinne verteilt, jede» Jahr mehr als 2 Millionen Mark für Abschreibungen verwandt, enorm« Anschaffungen aus den Beiriebsergebnifsen gedeckt und ist durch die äußerst günstige Preisstellung auf dem Kupfer- markt in einer beneidenswert günstigen wirtschaftlichen Log«. Die Arbeiter haben jahrelang zu ganz unzulänglichen Löhnen schuften müssen und wurden auf besser« Zeiten oertröstet. Trotzdem solche für die Mansselder A.-G. gekommen sind, glaubt sie die Arbeiter noch länger hinhalten zu können. Sie wird sich diesmal aber darin getäuscht sehen. „Für den Ernstfall." Sei einer„�clddienii Übung" des Stahlhelms erlitten zahlreiche Teilnehmer schwere ihrostschäden. Klemperer und Republikoper. Ver Vorstoß der Oeuischnaiionalen. c_______ ,Ou, wenn das im Krieg auch so ist, dann bin ich doch lieber für Frieden." Von der Wasserkante. Sie Hafenarbeiter kündigen das Lohnabkommen. Hamburg, 22. Februar.(Eigenbericht.) Am 21. Februar tagte in Bremen ein- Konserenz vo» Ver- tretcrn der Hafenarbeiter der Nordsee/ Hafen st ädtc einschl. Lübeck und Stettin, um Stellung zur Kündigung des Lohn- abkommen, sür die Hafenarbeiter zu nehmen. All« Hafen- orl», soweit sie durch Tarifvertrag der Arbeltnehmerorganifz- tionen, de» Deutschen Verkehrsbundes und des Zentraloerdandes der Mafchi nisten und Heizer, beschästigt sind, hatlrn Vertreter ent- sandt. Nach eiiigeheTidor Beratung beschloß die Konserenz, das geltende Lohnabkommen zum 1. April zu kündigen und eine, de» Teuerung»-! Verhältnissen entsprechende Lohnerhöhung z» fordern. Nachdem dieser Beschluß die Zenlrolvorsiönde paisiert Hai. werden diese den einzelnen Ortsvcrwaltungc» enisprecheitde Anweisungen über die den Ilmernehmern zu übermittelnden Forderungen gebe». „Die Konzertsarm des 19. Jahrhunderts, die auch heute noch de» I Konzertsaal im wesentlichen beherrscht, ist in einer Umbildung be-' griffen," schrieb neulich Dr. Hans Curjsl. d«r literarische Kopf der Republikoper In Umbildung begriffen ist auch die überlieferte Form des Sinfonlekonzerts unverkennbarer Weise. Wieder ist es Klemp«rer, bei dem wir die Symptome der beginnenden Wandlung fkststellen. Die Sinfonie— als Typus die Sinfonie B:ethovens, mählich vergrößert in die Riesendimensionen Bruckners und Wahlers, pflegte bislang das zentrale Ereignis der großen Orchesterkonzerte, eben der„Sinfonickonzerte" zu bilden�„zentral", auch wenn sie selten in der Mitte, meist ain Ende des Programms steht. So er- leben wir es in den„Philharmonischen" bei Furtwängler, so bei Bruno Walter, der uns in seinem 5. Konzert mit den Philhar- manikern die Zweite von Brehms in klanglicher Vollendung und in einer wahrhaft mitreißenden Darstellung gegeben hat— als sinfonischen Gipfel eines Brahms-Abends; die tragische Ouvertüre stand am Anfang, in der Mitte das Klavierkonzert in D-Moll, und Edwin Fischer meistert das herb-ungestüme Jugendwerk mit mann- lich. beherrschter Kraft. Der gan.ze Abend schönstes Beispiel der tra- ditionellen Form„Sinfoniekovzert" und, wenn es dessen bedürfte, erneute Bestätigung ihrer Gültigkeit. Doch Klemperer also oersucht, nun zum zweitenmal, ganz ohne Sinfonie sein Auskommen zu finden. Wir bangen nicht, daß er sie abschaffen wolle: entzielzen uns aber nicht dem Eindruck, daß, wie bisher all seine Konzerte, auch dieses im stärksten und besten Sinn spannend, intensiv, geladen mit künstlerischer Lebeneenergie verläuft: und daß hier ein Stilwandel sich vollzieht, der aus parallelen Strömungen der Zeit Bedeutung und Berechtigung schöpft, und durch die Persönlichkeit des Dirigenten überzeugende Kraft gewinnt. Es gilt keineswegs, gute Konventionen zu zer- schlagen'Auch hier, wie wir es gewohnt sind, ein großer Solist: doch wohl nicht nur als„Attraktion", derenglelchen diese Konzerte kaum noch nötig haben: doch Äs Repräsentant des künstlerischen Individualismus, ohne den auch in der Musik, auch in der heutigen, kein Auskommen ist. Und das Werk, dos er spielt, Beethovens Klavierkonzert in Es-Dur, hat freilich durchaus sinfonisches Maß: es bildet gewissermaßen das sinfonische Zentroleroignis des Abends. Ein Ereignis allerdings vor allem auch durch Artur Schnabel. Eben aus England zurückgekehrt, wo Publikum und Presse ihn auf fast beispiellose Art gefeiert haben, zeigt er in diesem Beethoven eine Vereinigung nicht nur von technischer und geistiger Ucberlegenheit, sondern von höchstcr sachlicher Klarheit und tiefster Eindringlichkeit, Einfühlsamkeit, ja Versuntenheit— eine Vereinigung, die in der Tot wohl unter den Pianisten der Gegenwart ohne Beispiel ist. Der Widerhall, den seine Leistung weckt, ist beinahe zwanglzast— elementar: man spürt, daß es der künstlerische Geist de» Hauses war, der darin vollendeten Ausdruck gesunden. Zlor Beethoven: Debufsy, der Klassiker des Impressionismus, dessen selten gehörte drei Nochtstückc die Stoatskapelle mit allen Feinheiten der raffinierten Orchrstrafton wiedergibt. Nachher: Mcn- delssohn, sozusagen der Impressionist unter den Klassikern. Impressionistischer Romantiker jedenfalls, bei aller formalistischen Glätte schon des frühreifen Jünglings, in der Sommernachtstreum-Musik, die. zu einer lose» Suite zusammengefaßt, ganz erklingt. Auch mit den Elfenchören und mit dem ungekürzten Finale, zum Schluß mit gesprochenem von Toni van Eyzk und Gillis von Rappard melo- disch-rhythmisch. ohne Pathctik, zur Musik gesprochenem Wort. Es spricht nicht eben von Geringschätzung, Respektmangel. Pflichllosigkeit gegenüber dem ererbten Kunstgut der Vergangenheit, solche Konzert- aufführung des ganzen Werkes, das als musikalisch« Schöpfung im Theater kaum je, wie es könnte, zur Geltung kommt, doch im Kon- zertsaol gemeinhin nur in der Auswahl von vier als Nummer be- währten Stücken zu hören ist. Und di« Zusainmenstellung der drei Namen dieses Programms— Debufsy, Beethov-n, Mendelssohn— erweist zum Ueberfluß und in schlagwortmäßiger Unvollständigkeit die Weite des Horizonts, die Breite und sozusagen gesunde Solidität des Fundaments, vor dem und auf dem der Musiker Klemperer schafft und wirkt. Wir wissen, und die„Vorwärts"-L«l«r wissen, was Berlin an dem Mann hat und an dem Kunstinstitut, dessen künstlerisch verantwortlicher Führer er ist. Es ist nicht nötig, das von neuem zu sagen, und gewiß nicht nötig, den albernen Angriffen und Anwürfen zu begegnen, die gegen ihn und gegen das Haus, wie er es führt, nicht ohne durchschaubaren Plan in Umlauf gesetzt werden. Man spricht vom„Kunstbolschewismus" der Republikoper, aber es ist die Republikoper selbst, die man meint, und um deren, d. h. gegen deren Bestand es geht. Rur darum zwingt der(gestern gemeldete) Vorstoß, für den die Deutschnationalen die Zeit nun reis glauben, zu einem kurzen Wort der Abwehr. Nach dem„Fliegenden Holländer", nach„Hoffinanns Erzählungen" also ist es nun so weit.„Ist die Staats regierung bereit.., ein Ende zu machen?" Ein Ende— womit? Wir sind im Aufbau, im Anfang, und es ist ein guter, ein immer besserer Ansang geworden. Auch die Treibereien haben, wie wir wissen, nicht erst jetzt angefangen. Wir erinnern uns an pöbelhaste Radauszenen, durch die«ine Aufführung der Soldatengeschicht« von Strawinsky unterbunden werden sollte und jedenfalls auf unanständigste Art gestört worden ist. Und einsichtige Männer sollten doch wirklich nicht meinen, alles, was früher gegen Klemperer in der Presse zusammen- getragen und losgelassen wurde, sei„doch nur die aus der persön- lich« n Anschauung dar Kritiker entstandene Beurteilung seines Wir- kens," und sonst nichts gewesen. Worum handelt es sich. Die bevorstehende Landtogsdebatte wird ja Gelegenheit geben, auf diese Frage ausführlicher zu antworten. Um eine politisch« Frage— wie drüben das Wort„politisch" verstanden oder gedeutet wird, geht es nicht. Der ruffische Emigrant Strawinsky hat mit Bolschewismus so wenig zu tun wie der Komponist Jacques Osfenbach mit den Idealen, für die sonst die Deutschnationalen und ihre Gesinnungs- genossen zu kämpfen pflegen. Aber daß in einem höheren Sinn Politik mit im Spiel ist— und mit im Spiel sein soll, das wollen wir durchaus nicht bestreiten. Politik ist Lebenssinn. Den muß auch dos Theater und muß gerade auch ein Etaatsthsater haben, wenn-s in der heutigen ZLelt Lcbensrecht haben will. Sinn für die Realitäten des heutigen Lebens: Sinn also dafür, daß ein neues Opernpublikum da ist und daß dieses Publikum, das sich zum großen Teil aus den Kreisen der Arbeiterschaft rekrutiert, di« Werke der großen Kunst mit seinen Gefühlen, seinem Verständnis erfassen, und das heißt, in sein Lebensbild«infügen will und soll. Das ist keine revolutionäre Forderung, das ist die Feststellung einer Tatsache. Der preußische Staat hat sich ihr nicht verschlossen. Die Berliner Arbeiterschaft hat ihr Theater, es ist die Oper der Republik, Oper des neuen Staates. Im rotgoldenen Logcnhaus fetzt sich die Tradition der Hohenzollernoper automatisch und unausrottbar fort. Dasür soll der Steuerzahler Geld übrig haben? Nun, dann ist c. dach wohl in Ordnung, daß er wenigstens einen bescheidenen Teil der Summen, die das Defizit der Lindenoper verschlingt, auch für das Opernbedürfnis der Arbeiterschaft aufbringt. Mit der Art, wie dieses Bedürfnis erfüllt wird, ist das Publikum zufrieden: und auch die Presse, auf die e-> hier ankommt, ist es. Den kulturellen Duali-. mus des Klassenstoates haben nicht die Arbeiter erfunden: aber es wäre keine Lösung, nur die eine Seite zu berücksichtigen. Die ander« verschwindet nicht, indem sie ignoriert wird. kOsw! Pringsheim. Man prophezeit... Der Landwann in der Umgegend von Berlin hat seine eigenen Wetterregeln— einen geheimnisvollen, viermal im Jahr wieder- kehrenden Tag. den er Quatmber nennt Freitag war nun Quatein- her und di« Kälte hält trotz der Prophezeiung, daß es ander» werden würde, an— wenn auch auf dem Land, In der Nacht nur minu» 12 Grad statt den üblichen minus 22 Krad gemessen wurden. Der süddeutsch« Bauer hat dagegen in dem Matthiastage(28 Fe- b r u a r) den kritischen Wettertog:„Matteis bricht's Eis— hat er kein«, macht er eins"— ein« Bauernregel, deren Wahrheit viel« Jahre insofern bestätigt haben, als auf einen warmen Februar ein kalter März folgte. Hoffentlich ist es diesmal umgekehrt: kalter Februar— iv a r m e r März. Oder solle» wir nicht wie 1740 eine Kälte-Dentmünze schlagen lassen, deren Jnichriit lautet: Frost von Oktober bis Mai? Selbst der wuugste Wimcrsportler würde «M timt solch« Wmterverlängerimg«cht cinoerstandeu j-w. „Kinder der Giraße." Tttania-palast. Die Aille-Filme stießen aus eine überaus sreubige'Ausnahme- bareftschost beim gesamten Filmpublikum. Während man zuerst Zille« Zeichnuno«» zu filmischem Leben verhalf, begnügte man sich später mit Zilles drastischen Textworte, c. Jetzt ist man ober draus und dran, die Zille-Filme für ein sehr vornehmes Publikum zu res«- vieren. Wird doch die Betrachtung der kleinen Leute nachgerade eine ulkige Angelegenheit nftt kriminellem Einschlag. Das Manuskript, gearbeitet nach Hans I. Rehfisch Tragikomödie „Razzia", ist unglaubhaft durch und durch Der Metallarbeiter Ruft ehelicht eine Gemüsekrmnerin, die eine heiratsfähig« Tochter hat. El» Kriminalbeamter liebt diese Tochter, doch findet er kein Gehör. Ale der Kriminalbeamte dann bei der GemüsehäMcrin falsche Gewichte entdeckt und die Frau dieserhalb ins Gelängnis kommt, denkt ihr Mann an einen Rocheakt. Zum Schluß ober ist der Mann von der Ehrlichkeit des Beamten überzeugt. Es kommt daher nicht zum Mord, obwohl er in jeder Szene zu erwarten ist, sondern es präsen- ticrt sich ein Liebespaar. Der Regisseur Carl Böse ist mal wieder«in Detailmaler allerersten Ranges. Es wird tatsächlich seine Lebensaufgabe, dem deutschen Film zum Milieu zu oerhelsen. Dabei soll nicht» unbeachter bleiben, daß er diesmal, sobald er auf Handlung spielen läßt, gar mancherlei nachernpsindet. Alle Darsteller sind ehrlich bemüht, Menschen zu verkörpern. Für die Rolle des Metallarbeiters Ruft sicherte man sich Heinrich Georges sehr beachtliche? Können. Er wirkt durch und durch wahr, man empfindet mit ihm. Lissi Arno gibt sich stets ganz Wasach und doch hat sie eine große Cmpsin- dungikrast. I a ck M q l o n g. M ü n z ist in der Rolle des Kriminal- beamten wohltuend zurückhaftend. Carl Falkenberg»ruß als Freund Mike«in(durch dos Manuskript) ganz unerklärter Typ sein. Er versucht von sich aus einen Fanatiker zu zeichnen, dem man ob seiner Unbedeutcndheit nicht böse sein kann. Erika Gläßner hat als Gernüsesrau gute Momente, doch spielt sie letzte» Endes mehr Operette als Film. e. d. Technik und Kunst. Am Anfang einer neuen Epoche. 'Reich? kunstwart Dr. Redslob sprach im Verein B«r- liner Künstler über die Kunst im Zeitalter der Technik. Er betont«, daß wir heute uftcder an dem Airfong einer neuen Epoche stehen. Die Menschen müssen zu diesem veränderten Weltbild erst die innere Einstellung finden. Auch bei Ausbruch der sogenannten Neu- zeit, im fünfzehnten Jahrhundert, stürzte die Technik die Kunst von ihrem Herrschersitz. Die Entdeckungen und Ekfindungen erschlossen die Welt, gaben den Menschen eine Fülle iteuer Eindrücke, die da? Kunsterlebnis und die Kunstgeltaltung in den Hintergrund drängten. Dr. Redslob meint, daß die Kunst heute sich zur Technil etwa so verhält, wie Dürer zu de» unbekaumeu wilde» Tiere» i» de» Käfigau Er bildete sie mit wissensdurstigen, Interesse ob. In ihrem wirk- lichen Wesen erlebt hatte er sie nicht. Die Technik ist heute modern. Dos heißt, man heuchelt Technik auch da, wo sie keine innere Notwendigkeit darstellt. Man unter- wirst vielfach die Kunst der Technik, verwechselt sie mit ihr. Technik ist Zwccklösung, aber»och kein« Kunst. Selbst da? Auw mit den zweckmäßigsten, wohlgeformtesten Linien mutet uns komisch an. wenn es von der Technik überHoll Ist. Es wirkt dann eben mcht mehr harmonisch, sondern unharmonisch in der Linienführung. Ein gotischer Schrein dagegen ist durch olle Jahrhunderte hindurch„schön" geblieben. Denn: erst wenn die Technik künstterisch erlebt und ge- staltet ist, wird sie K u n st. Ein überladenes Zimmer in dem fürchterlichen Stil der achtziger Jahre kann kaum häßlicher sein als ein rein„technischer" Wohnraum— wenn dieser nicht mit künstle- rischem Empfinden gesonnt ist. wenn er nicht, wie Dr. Redslob es nannte, durch die Kunst„ein Symbol" seines Zweckes gcworticn ist. Tes. Ausstellung deutscher Kunst in Warschau. In'Warschau wurde die Ausstellung deutscher zeitgenössischer Kunst im Beisein des polnischen Ministerpräsidenten Bartels, des Außenministers Zaleski, des deutschen Gesandten Rauscher und einer großen Zahl führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens er- öffmt. Roch Begrüßungsansprachen des deutschen(äejmildten und des polnischen Untcrrichtsmwisters Swilaiski, die beide dem Ehren- tomitee der Ausstellung angehören, ergriff der Leiter der Ausstellung, Dr. Alfred Kuhn-Berlin. das Wort zur Eröffnungsrede, in der er U. a. aussührös, daß jede große Kunst nattonal sei.- Gerade darmn aber sei ste so geeignet, ol, Äünderin vom Wesen eine? Volkes, als Bolin zu einem anderen Volke zu wirken. Die Ereignisse der großen Wcltcrschütterungeu van Krieg und Revolution hätten die Gefühle der Künstler zu großer Leidenschast entfacht In höchster Gegensätzlichkeit ständen die Künsller gegeneinander, di« im Grunde nur ein Alter»- unterschied von wenigen Jahren trenne. Trotzdem sei bei näherer Beirochiung das Bild nickst chaotisch, sondern es sei nur der reine Spiegel jenes Lebens, das uns alle heute in Bann halte. Was diese Ausstellung zeige, sei der Widerschein jener vielfällig sich kreuzenden Strömungen von Volkhastcm und Zeitbedingtem. Die polnische Press« hat bereits in ihren Borbesprechungen zun, Teil lebhafte» Interesse für die deutsche Kunstausstellung gezeigt, der bekanntlich im Mai eine polnische Kunstausstellung in Berlin fo'gcn soll.___ gvette Ouilbeti wird am 23. Februar im veethevensael eine» -lbeiid geben VI« Leifing-Anestellung in der StaatsblbNochek ist von, i» b. MtS ab woSentaqS von 10— ,6 und SomFag« von 10— ISUfir geöfinel. Der Sin» tritwprelS beträgt für die letzten Tage bv Ptg., sür Sludenten SS Psg. Die ÄnSstellung wird am SS. Februar gcichloflen. l „Berlin als Apsslellungsstadt.' Heber dicieS Tbema ipricht iCito Ernst S u U e r, der langjäinige üeiter de» grankturter Messeamis, am 25., 20 Uhr, w» Hörsaal der Staatliche» Sunstbtliothel» Prwz-Slbrecht-Sir. 7 a. Der Stahlhelm kaust Kneipen. Dann gehi er bei den Agrariern betteln. Der Stahlhelm mit seiner Hastpropogonda gegen die Republik schlägt immer sehr laute Tön« an. als ob die ganze Welt schon unter den Schritten seiner Bataillone zitterte. In Wirklichkeit muß er das mit großem Pomp angekündigte Volksbegehren gegen die Verfassung immer wieder vertagen, weil es ihm an den nötigen Mitteln fehlt. Auch die Agrarier und die Industriellen sind nicht mehr so gebelustig, daß sie in nutzlose Dinge ihre doch— nach Steuererklärung— so beschränkten Mittel stecken würden. Einen„vertraulichen" Bettelbrief aus dem Kreise Neustcttin weht« der bekannt« günstige Wind uns auf den Schreibtisch. Wir geben das schöne Dokument in seinem Wortlaut wieder: Reustettin, im Dezember 1928. Vertraulich! Nicht liegen lassen l Der Stahlhelm. Persönlich'. Bund der Frontsoldaten. Kreis Neustettiiu Gau VI. Landesverb. Pommern/Grenzm. Buch.Nr. 461/28/ lierrn....... in....... Obwohl die katastrophale Lage von Landwirtschaft und Gewerbe ganz unabsehbar ist, und ich die Schwierigkeiten des Geldmarktes als trostlos bezeichne, muß ich mich trotzdem nach sehr reislichem lieber- legen an die ch e r r c n Besitzer und Freunde in Stadt und Land wenden, um die einzigste und verbliebene wehrpolitische Sicherheit zu erhalten und.zu fördern: den Stahlhelm. Es ist klar, daß unter den obwaltendan Umständen alles auf dos not� inendigste beschränkt werden muß, ohne daß aber die Macht als solche leidet, denn wir müssen uns darüber klar sein, daß diese wirt- schaftlichc Notloge oller Betriebe unbedingt politische Auswirkungen haben muß, weil unsere Gegner im In- und Ausland unsere finanzielle Schwäche für sich benutzen, zur Stärkung ihrer Front. Bor diesen politischen Auswirkungen müssen wir uns mit allen Mitteln schützen, auch wenn es im Augenblick noch so schwer fällt. Jede Unterlassung in dieser Hinsicht werden wir an unserer eigenen Person und an unserem eigenen Besitz in den kommenden Iahren spüren. Wenn ich auch glaube, im letzten Jahre in' Kreise in der Arbeit so weit gediehen zu sein, daß der Stahlhelm qualitativ und quantitativ uns die Gewähr leistet, den Schutz dos Eigentums und die Riche im Kreist sicherzustellen, so muß ich ihnnber unbedingt noch weiter ausbouen und noch intensiver durch- vrganisieren, um mit ollem mir zur Verfügung stehenden Material und Mitteln arbeiten zu können. Aus diesem Grunde wende ich mich ohne Ausnahme an alle uns besreundeten Herren in besonderem Schreiben und bitte, mir einen einmaligen Betraa zur Verfügung zu stellen. Mit den mir zur Verfügung gestellten vcträoc» kann dann im ganzen die wertvollste Arbeit für uns selbst geleistet werden. Sie werden verstehen, daß die geringen Geldbeträge der Stahl- helmkomeraden, zirka 1200 Mann im Kreise, davon zirka ZO Proz. Arbeiter kämeraden, nicht dazu angetan sind, den Führungs- opparat im kreise zu unterhalten, geschweige denn Geld für beson- dcre Zwecke zu bcschafscn, weil die Beiträge der«tahlhclmmitgliedcr zur Hauptsache in den örtlichen Kasse» der Gruppen verbleiben. Der Stahlhelm hat sich im Jahre 1928 mit oller Macht in den politischen Kamps geworfen, aber das Schwerste lsichc Volksbegehren) muß noch geschasst werden. Außerdem dürfte bekannt sein, daß die Ortsgruppe Tempelburg das Restaurant„Seeblick" in Tempclburg käuflich erworben Hot. Dieses soll zum Stahlhelm-Erholitn�sheim, wozu es sehr geeignet ist, ausgebaut und gleichzeitig der Sammel- und'Anzjehungspünkt für die gesamten Stahlhelmtamcraden des Kreises werden. hierzu sind aber noch erhebliche Summen erforderlich. Wenn auch sämtlich« Stahlhelmkameradcn durch Umlagen herangezogen werden, so'reichen diese Beträge bei weitem nicht aus. Mit Rücksicht darauf, daß dos Erholungsheim nach Fertigstel- lung ein wertvoller Stützpunkt für den nationalen Ge- danket' überhaupt, insbesondere auch durch die dadurch erfolgte Kaltstellung politischer Gegner(bisher einziges To- gungslokal in der Hockburg der Kommunist«:, Wegzug von Rusch, Bund schaffender Landwirte) bedeutet, muß ich alle yreunde und Gönner unserer Bewegung um ihre Unterstützung für diese sehr wichtige Angcleqenheil aanz besonders bitten. Ich bitte also um Ihre Hilfe. Es bleibt den Herren überlassen. welchen Betrog sie zahlen, nur bitte ich sehr herzlich, recht bald zu.zahlen, damit mir die Möglichkeit eines Ueberbl�ckes über bin Endsumme gegeben ist, die dem Stahlhelm des Kreises Neustettin zur Verfügung stehen wird. Jeder Geldeingang wird von mir bestätigt, imd ich erbitte die Zahlungen durch beigelegte Zählkarte auf dos Konto Nr. 397 der Krei'sporkass« Neustettin. Zum Schluß bitte ich, in Zukunft, um Mißverständnisse zu ver- meiden, Geldspenden und Zeichnungen nur dann zu tätigen, wenn ein von der Kreisführung ausgefertigter und g c st e m p e l- ter Ausweis vorgezeigt wird. Diese Schreiben bitte ich als vertraulich in der Form zn behandeln, wie im Kopf dieses Briefes erbeten. Mit deutschem Statsshelmgruß Frontheil! Ihr ergebener(Stempel). Bayer, Kreisführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Kreis Noustettin. Hier wird mit denkbarst zynischer Offenheit zugeston- den, daß die Stahlhelmführung ihre ganze Organisation nur als zum Schutze der Besitzcrinteressen geschaffen ansieht, während die„Arbeite rkonicrade»"— von der zahlenmäßigen Auf- schneüderei sehen wir einmal ab—, in dem guten Glauben an „Kameradschaft", an Arbeitsvermittlung und dergleichen schöne Dinge erhalten werden! Der Stahlhelm kaust daneben Kneipen auf, um politischen Lokal- terror noch Borkriegsmuster treiben zu können. Aber das Geld dazu muß er sich wieder von den Agrariern zusammcnschnorren, deren Steuererklärungen sich die Finanzämter nicht einmal kritisch ansehen dürfen, ohne Stcuerreoolten befürchten zu müssen. Wie lange soll der Spuk noch dauern? Kein einladendes EinladunaspWai? Die„Houptgenofsenschaft ausländischer Stu- dierendcr in Berlin" veranstaltet einen„Ball de r Kontinente". Sie laßt aus diesem Grunde auf den Unter- grundbahnhöfen und anderswo Plakate ankleben, auf denen die Flaggen europäischer und überseeischer Länder zu sehen sind. Der Gastgeberstaat dürfte annehmen, daß man auch sein« ver- fassungs mäßige ii schwarzrotgoldenen Farben auf diesem Plakat erblickte. Er wird eitttäuscht werden. Dafür sieht er dreimal dic schwarweißroten Porcinsforben des Stahlhelms und ähnlicher Verbände in trautem Derein mit den Symbolen der übrigen Staaten. Es ist kaum anzunehmen, daß die ausländischen Studcnkn, denen Deutschland gewiß gern Gast- srcuudschoft gewährt, dic deutschen Nationalfarben nicht kennen, und beinahe möckstc man vermuten, daß irgendein ontirepublrkonisches Mitglied der n o t i o n o l i st i s ch e n S t u d« n t e n v e r e i v i- g u n g en bei diesem Plakotentwurf Pate gestanden hätte. Denn wir wollen nicht unterstellen, daß unsere ausländischen Gäste an der Berliner Universität von sich aus taktlos und geschmacklos genug wären, den Gastgebcrstaat, die deutsche Republik. In dieser Weis« zu brüskieren. Wir wären der„Hauptgenossenschaft ausländischer Studierender in Berlin" für eine Aufklärung dieser etwas dunklen Plakotangelegenheit dankbar. „Die gepumpte Llrgroßmutter." Im„Abenid" vom 14. Februar erzählten wir unter dieser Ueberschriit von dem Preisausschreiben für nordische Ahnentaseln, das der?Ninisterialrat im Richestond K o n o p a t h inszenierte, und von der seltsamen Herkunst des Bildes einer Urgroßmutter, die bei der von Herrn Konopath gelieferten Mustertasel figuriert«. Hierzu erhalten wir eine interessant« Berichtigung, der wir gern Raum geben. Es heißt: „Es ist unrichtig, daß die Ahnentafel, die dem Preisaus- schreiben für bebilderte Ahneiitaseln beigegeben war. als d:e meine bezeichnet worden war. Mein Name kam überhaupt nicht darin vor. Es ist ierner unrichtig, daß ich ein Bild auf einige Tage ausgeliehen und eigenmächtig Hab« repruduziercn lassen. Richtig ist vielmehr, daß der Eigentümer des Bildes dies selbst für dic lediglich als Muster dienende Ahnentafel ausgesucht und selbst zur Verfügung gestellt hat, ebenso wie er in dem Preisousschreibe" als genealogischer Berater selbst aufgetreten ist und 13 Monate gebraucht Hot, eh« er Anstoß an der Einsetzung des Bildes an dieser Stelle nahm. Unrichtig ist ferner, daß ich ein Führer des völkisch«" Flügels der Deutfchnationalen bin. Richtig ist, daß ich der Deutfchnationolcn Dolkspartsi gar nicht angehöre. Hochachtungsvoll Konopath, Ministerialrat l.«. R." Zu dieser Berichtigung des Herrn Ministerialrat i. e. R. Konopaib ist einiges zu bemerken. Herr Konopath war so freundlich, uns das Muster der muiniösen Ahnentafel mit«".zusenden, die in genealogisch richtiger Reihensolge die Bilder von acht bzw sieben Urgroßeltern, vier Großeltern, zwei Eltern und dem letzten Spressen aufweist. In der Tot fehlt in dieser Ahnentafel vom Urahnen väterlicherseits an die namentliche Bezeichnung. Der letzt« Sprosse wird nur mit dem Vornamen Hanno genannt und als Ministerialrat i. e. R., geb. am 24. Februar 1882 bezeichnet. Von durchaus einwandfreier Seite wird uns nun aber versichert, daß dieser nur bescheiden mit dem Vornamen Hanno bezeichnete Herr in der Tat Herr Ministerialrat i. e. R. Konopath selber ist. Di« von uns weiterhin mitgeteilt« Tatsache, daß die in dieser Ahnentafel ausgeführte angebliche Urgroßmutter.Henriette Brutschk« gor nicht zu der Familie des Herrn Mmisterialrat und damit auch mcht in die Ahnentafel gehört, weil sie eine F r e i i n G r o t h« ist» wird von Herrn Ministerialrat Konopath nicht bestritten. Wenn nun ober, was von Herrn Konopath wohl nicht mehr bezweifelt werden wird. jener Herr Hanno mit ihm selber identisch ist, so ergibt sich die«unüsante Totsache, daß drei Urgroßeltern väterlicher- sints dic keineswegs deutsch klingenden Namen K o n o p a tz t i, v. Dombrowski und v. Swidersti hatten, während ein sehr lieb aussehendes Urgroßmütterchen namens Iantzen den auch nicht gerade dcutschklingendcn Vornamen Jeanette trögt. Aus der Partei. Der Parteitag der niederländischen Sozialdemokratie hak ein Wahlprogramm beschlossen, das vi. o. sortiert: Nationale und internationale Abrüstung. Unterstützung und Demokro- tisierunq des Völkerbundes. Vorausgehende panomentarssch« Be- Ichlußsossung über jede Mobilmachung- Verbot aller bewaffneten Formationen, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind. Entwicklung der überseeischen Gebiet« zur v e l b st o e r w a l t u n g unter eingeborener Leitung zur Vorbereitung der Unabhängig- --tcit. Abschaffung der Todesstrafe und der Körper strafen, der Zwangsarbeit, der Herrendienste und der A u s n a h m e r e ch t e. Wiederherstellung des Stretkrechtes. Koalitions- und Pressefreiheit in den Kolonien. , Berlin: ________ erlitt. rrlagsanstalt Pau5 Singer& So., Salin SW 68, Lintenftraße». i'ttia 1 Beilage. Verontwortl. ülc die Bedaklion: vallgaag Schwa Berlin. Betlog; Borwärls Verlag«», m. b. dreckerei und Bcrlogsanstalt Paul Anieiarn: Th. SloSe. Druck.- Varwärt» Bück,. liieatsi', Ucktspisls v5W. I Frcita?,'J-ii 2. Staats-Oper Unter 4 Linden A.-V. 48 19 Uhr> Heistertinser von NmlW Staats Oper Am PI.d.Republ. R.-S..19 Uhr Die MeH! Freiing, d 22.2 Staut. Oper BUmarcKsti. Turnus II 19'/) Uhr MlflÖit Staatl Slhaosph. u CudiraaBarkt A.-V. 45 20 Uhr RarlnÄnna Staad Sehlller-Theater,Ciiarltb. 20 Uhr Gespenster Renaissance-Theater Hardokergitr. 6, Tel.: Stetnpl, 90'». 2583/94 »'Ii Uhr. Zum 64. Male;»'« Uhr Ol« Weltarfolgskomödia „Das große ABC" von Marcel Parnol Ree fipsl. Harting, la PfgnileriiniiwttB. ReachshalUn-Theater| Voends I H I sonniar nacom.| l»| Sieffincr sanier Das iosöb« Feoniai- Prugiimis i Nachm. oa.be r reise. TilgplUM; CMInim mftO. C. 6n hotf. Brett i: 1»5.»«rl«(#-ProBi»mni/'TMi Winter Garren 8 Uhr Raadien erlaubt Internat, uarleft I METROPOL-THEATEB 8 U. 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Utmpe KemBdlanKau» r'e„hr Das esid auf der StraBe Uanur r. Bemaucr u. Ovsterreicher Anlang 8 Uhr Ellen«sl 30 PolarUrtnSQ lur och wenige Teee Sig. nachm. Rinder halb« Preis«! rhalla-Tbeater (resdener Str. 72-1 8 Uhr „Oelransch" geniaef Tieaier DfrektHeinzHerald nirlottenstraße 4t A. 7. Dönhoff 170 Tägl ich 1 Uhr 8 Uhi 3 X Hochzeit (Able's irislr Rose) | s�mi- Tb«,i«r I_ ulriL d«t Westen 1�„ ISgLS'i Uhr 1«liwte Oer größte I � Erfolg Berlins| tfieiDK faeaiei Taglicn 8V« Jm Kart Coetr, Walerte w. Horten* Pool Otto In „Trio" Lostsp v. Leo Lenz. Regf; Frledmai Fredertdi. I,« in». G iil rl Iii«, wne btt.( tiesl Dt h II Tip» litt uliWT* füll ttnttit wifi» Ihmtntt-r- Hrl bin. B III IN, Irt«rtr-r-n Irdlich amploblaa. ImiiiDaiti 108.»-11, 1-4, ieumlO-IZ. i.t»». isdtfas Cafe Schöneberg Bierbaas— Cafi— Conditorei— Pestsäle Jiautft. strafte 29-2% fnb.t Woligaag Orange Telephon: Stephan 9618 4 Ver bnndakegtlbahnen 4 � erbandskegelbahaet TS glich arttklaas. KümUarkoaxart Tratlpankt dar SchSnabergar Bdrgar Gfeffa&e Freilag, 22. Februar 1929 SwAtonft SltÄ/aul0aJ&* de* t�uhxWA Das Lichtf ünkchen Von Kurt Eisner Jrgcickws in einem fernen fremden Erdteil, vielleicht euch auf' einem anderen verlvren fm Universum kreisenden Stern, grenzen zwei Völker aneinander Nur«in schmaler Bach, den man in stiller Zeit durchwaten kann, scheidet die beiden Völker; eine chvlzbrücke, schwank und morsch, fuhrt hinüber. So eng die beiden Nachbarvölker gesellt sind, sie haben nichts miteinander gemein. Nur eine Mlllion Seelen zahl! das eine, in 50 Millionen entfaltet sich das andere Volk, aber an Land besitzt die«ine Million das Fünfzigfache des Raumes, auf dem die 50 Millionen Haufen. In dem Volt der einen Million besitzt jeder eine weite Fläche fruchtbaren Landes, jeder Paläste mit zähllosen Räumen, kunst- vollen Möbeln und allerlei schwelgerischem Gerät. Indessen die Paläste verfallen— denn die Hönde der Besitzer verstehen sich nicht auf Maurer-, Zhmnerer-, Schlosser- und Malerarbeit. Die Möbel erblinden, und das Gerät rostet, denn ihre Arn« reichen nicht aus, um iui 6) mir den Staub von den touseird koscharen Dingen zu ent- fernen. Nur ein Fenster halten sie noch sauber, um doch durch die Scheiben in die Sonne sehen zu können. Und die Felder sind dürr oder überwuchert von Unkraut. Nur einige Handbreiten sind mit elenden Korn-, Küchen- und Futtergewächsen bestanden. In den Stallruinen stehen traurig ein paar Stüik mageren Viehes, krank und schmutzig; wenn sie es schlachten wollen, probieren sie müh- selig mit grausam stumpfen, rostigen und sehartigen Messern; denn wer wollte sie wohl, bei der Fülle zu bewältigender Arbeit, immer schleifen und säubern! Fällt der Regen meht reichlich, so geht auch das wenige zugrunde! Die Kleider, die einmal aus edlem Samt und Gold bestanden hal'en müssen, sind mürbe, fleckig und häßlich geworden. Die jungen Fräulein sticheln wohl zur Ausbesserung ihres Kostüms seidenen Zierat, ober die Vorräte van Garn sind nur nach spärlich Ekle Dünste brüten ülrer den Palästen. In den Kellern hat das Volk, jeder einzelne, unendliche Haufen von Gold und Edelsteinen ausgespeichert. Aber alle Rücken zu- sammen sind nicht stark und zahlreich genug, um auch nur das ge° münzte Gold vom Orte zu bewegen.- Ii, der Erde schlummern ungenutzt gewaltige Lager von Kohle und.Erzen— wer oermag sie zu fördern! Zum Schutze gegen die Feinde haben sie Millionen furchtbarer Kanonen, Maschinengewehre, Flinten, doch wer soll alle die Mord- Werkzeuge bedienen? Wahre Gebirge von Puloer und anderen Sprengstoffen türmen sich aus: sie könnten höchstens die ganze Masse auf einmal zur Explosion bringen, aber sie nicht verwerten. In den Häsen der Küste liegen zahllose Panzerkolosse, tot und stumm seit undenklicher Zeit, plumpe, sinnlose Klötze: niemand vermag sie zu heizen, zu lenken. Finster und feindselig sind die Gedanken dieses Volkes, sie denken an Blut, Zerstörung— sie hassen alles... Jenseits des Baches aber, die SO Wiltionel, drangen sich über- einander in engen Lächern. Der sleißig bestellte Boden reicht nicht aus, un, den Hunger zu stillen. Sie.hoben kein Geld, keine Schätze, keine Kanonen, Gewehre und Panzers äiifie.. Aber ihre starken Arme schassen ohne Uwerlaß. Ach, wenn sie nur Land hätten. Kohle und Erze, Wälder und Wasserkräfte! Doch die Natur, in die sie gebannt sind, ist arm und gibt auch dem Schweiß mir geringe Mittel her. Sie arbeiten olle miteinander, schlafen bei offenen Türen, sie haben nichts, das man ihnen stehlen könnte: und sie lieben sich, es fürchtet nicht der Mensch den Menschen. Darum sind sie wohl auch, trotz allem Elend, so ausrecht, heiter, voll von Sehnsucht und Vertrauen auf ihre Kraft und ihre Zukunft. Heiter stick» ihre Gedanken, und sie lachen gern.« Den Forscher und Denker, dem ich von diesen beiden Völkern erzählt«, fragt« ich, wi« er sich wohl das Verhältnis der beiden Völker zueinander dächte. „Das läßt sick), auch ohne daß ich jemals den Fuß in jene Welt gesetzt, mit astronomischer Sicherheit ermessen. Das Volk der einen Million lebt natürlich in ewiger Sorge, zu verhungern, unter den Trümmern der eigenen Paläste umzukommen. Tag und Nacht schreckt sie die Angst, das Nachbarvolk könnte sie ütberfallen, diese ungeheure physische Uebemachc wände sich ihrer Schätze und Wösten bemächtigen und die Wehrlosen ausrotten. Es muß furchtbar sein, in der ewigen Furckst solcher Gefahr zu leben: denn dieses Volk der Million hat nichts— außer tote, für sie unnütze Materie—, und die anderen besitzen alles: die Zahl, die Kraft, die Arbeit, den Mut und den hellen, fröhlichen, schassenden Geist. Und eines Tages werden die 50 Millionen auch den Back) überschreiten— ober nicht als Feinde, sondern als Erlöser—, sie werden oll die ungefüge, sinnlose Materie, den toten Reichtum zur Auserstehung bringen: diese Gvenzüberschreitung wird das Paradies erschossen. So ist's, ich wette meinen Profesiorenkopf dämm: es kann nicht anders sein!" „Dos glaubte ich auch anfangs," erwiderte ich,„aber als ich näher zusah, entdeckte ich, daß olles genau umgekehrt war. Sie haben Ihren Prosessorenkops verwettet!" „Unmöglich!" jagte der Forscher und Denker unerschüstert!, „Unmöglich vielleicht, aber j edensoll s wirklich! Die eine Will ton betrachtete sich als dos Herrenvalk, unbesieglich und über ollem Rechte und Besitze thronend, unendlich reich, stark, gebietend über die Welt, und fähig, jeden Augenblick die 50 Millionen nach ihrem Willen zu lenken, zu- beugen, zu zerschinetiern." „Sie Möglichkeit solcher dummen und blinden Einbildungen will ich- nicht leugnen. Diese Million war osienbar in ihrer end- losen Not geistig entartet und unterlag den Halluzinationen des Größenwahnsinns. Aus solchem Boden mußte ja jede geistige Er- kronkung wuchern. Indessen, dies« Wahnvorstellungen gingen die anderen nichts an. Sie lochten darüber." „Keineswegs! Die eine Milloin dachte nur, was dt« 50 Mil- lionen fühlten. Dieses große und rüstige Volk von 50 Millionen lebte in dem Gedanken, daß es ohnmächtig fei, jederzeit von den Nachborn völlig zertreten werden könne. Sie fürchteten� dos Gold, das Land, die Kohle, die Wassen der einen Million!" „Aber dos war dach samt und sonders wesenloser Spuk!" „Dos glaubten die anderen keineswegs. Zwar fühlten sie das Unerträgliche, daß alle ihre Kraft, alle ihre Arbeit ihr Elend nicht linderte, ober sie sahen kein Mittel, das Glück und die Macht zu erobern. Ihnen fehlte ja olles." „Fehlte? Sie brauchten doch nur hinüberzugehen und zu holen, was sie brauchten. Wer hätte ihnen widerstehen können?" „Sie sind schließlich auch über den Vach gegongen.—" „Nun also," triumphierte der Forseher und Denker. „Und sie erneuten für jene die Palaste, bestellten für jene die Aecker, holten für jene die Schätz« aus dem Boden, schleppten für jene das Gold und bedienten für jene die Kanonen, Gewehre und Panzerschiffe. Ganz wehrlos, ganz ohnmächtig fühlten sie sich, schmachteten in Elend und Not. Und die Besten unter ihnen marterten sich die Kops«, welche Mittel es wohl für sie gäbe, der Uebermacht der einen Million Herr zu werden. Sie ersannen sich hundert Methoden und verwarfen sie alle wieder als unmöglich, als zwecklos." „Sie reden von einem Reich des Wahnsinns," lachte der Denker und Forscher. „Ich rede von gestern und heut« und morgen, von euch und uns, von einer Wirklichkeit, die Ihren Wohnsinn als die Vernunft, und Ihre Vernunft als den Wahnsinn gesetzlich festlegte!" „Dos ist tolle Phantasie,"— erklärte der Professor—„Gespenstergeschichten aus Nebel heiin, wo man den Golem als Gott fürchtet. Die 50 Millionen hatten doch alle Mittel der Macht, und die eine Million keines. Was brauchten die 50 Millionen da erst nach Wegen zu suchen, sie erstickten ja fast im Ueberslug der Macht- mittel!" „Ja," sagte ich, und das Blut drang mir zum Herzen,„sie hatten wohl all« Mittel, ober cs fehlte ihnen das Mittel, das einzig« Mittel, die Welt für sich zu erobern: das kleine winzige Licht- fünkchen, das die Macht über alles Elend bedeutet, das Fünkchen, das im Gehirn aufleuchtet: die Erkenntnis." (Aus„Welt nierdc fr»h!", Verlag BUchcrgildc Sutenberg,.Berti».) An Europa Anklage gegen den Krieg Im Verlag Earolus-Dmckerei, Frankfurt o. M., ist ein kurioses Büchlein berausgekommen: Der Dämon des Krieges. Verfasser ist der polnische Geistliche Felix M l e s z k i- C z e r s k i. Er ist ein strestbarcr Pazifist. Seine Betrachtungen über den Krieg sind bissig und voller«pott über dieses christliche Europa, das Gott zum Kronzeugen feiner unchristlichcn Greuel anruft. W.r lassen ginen Abschnitt aus dem Buch folgen. Der große Krieg hat im ganzen 400 Milliarden Dollar gekostet: nicht mitgerechnet seine Nebenprodukte, kleinere Kriege, den Wert nernichteter Existenzen, nicht.mitgerechnet die Krüppel, dos Un- glück, Arbeitsunfähigkeit. Waisentum usw.' Diese ungeheuerliche Summe kommt dem Wert fast aller kämpfenden Staaten gleich. Wahrhaftig: man kämpfte bis zum letzten verreckten Hund. Ja. schlimmer, denn außerdem sind noch die Schulden da, deren Umfang den Wert des Schuldnerz, seines Weibes, Hauses und Esels um ein Mchrjachcs übersteigt. Aber woher kam das Geld? Welche Hölle hat dieses fürchterliche Unternehmen„finanziert"? Da sind also erst einmal, im ersten Feuer, sämtliche Ersparnisse der Völker draufgcgangen: und so bedeutend sie waren, reichten sie doch nur aus, um die Moschine anzuheizen, um die Transmissionsriemen und Kolben der Dampsschlachtbonk in Bewegung zu setzen. Den Löwenanteil(75 Proz.) mochten Inlands- und Auslandson'eihen aus:-dann brachte die Inflation ihre.15 Proz. herbei, den Rest schbeßlich die Steuern. Als aber die Inlandsanleihen sich als Bc- trü-gcrei herausstellten und als die Ausländsanleihen rückgabefcind- liche Neigungen zu ossenbaren begannen, d. h. als cs an Kredite» zu mangeln ansing, da kam die Inflation und machte ganze Arbeit; und als sie dann schließlich künstlich gebremst wurde, haben die Steuern die durch die Inflation Geschlagenen endgültig abgedrosselt. Die aus Konsum und Monopolsteuern entspringende Belastung beträgt bei uns 22 Zloty pro Kopf, in Deutschland das Doppelte, in England sogar das Zehnfache. Diese Belastung stieg in England z. B. im Vergleich zu der Vorkriegsbelastung um das Vierfach«. Dazu kommt nach eine weitere, selbstverständliche Folge: wegen der hohen Preise sind die Konsumnormcn gesunken, denn die Preise für Produkte stehen im umgekehrten Derhä'tnis zum Index der Wohlhabenheit, die aber ist ungeheuer gemindert. Der Pole z. V. ißt fünfmal weniger Zucker als der Engländer: der Engländer jetzt weit weniger als vor den: Knoge. In dem Maße wie die Produkte sich verteuerten, verarmte der Konsument, für den das Esten in vielen Fällen etwas Ueberstüssiges geworden ist und der selbst den mirmalen Verzehr als Luxus betrachten muß. Dafür aber sind die Schotzforderungen der Staaten, der fis- kalische Appetit und die dringenden, durch nichts zu beschwichtigen- den Bedürfnisse riesig angewachsen in der irrigen Voraussicht, daß der Konsument alles' bezahlen und alles aufessen wende, daß er sogar den-Krieg bezahlen» fremde.Sünden-sühnen und unehbare Kriegsabjälle vertilgen könne. Die Üiigcheuerliche Summe von.400 Milliarden Dollar müßte man bei täg'ich zehnstündiger Arbeitszeit und einem Dollar pro Sekunde 4000 Jahre lang zählen. Sie würden 800 Millionen Kilo wiegen, für ihren Transport wären 80 001) Woggans oder 1800 Züge zu je 50 Waggons nötig. Was könnte man für dieses Geld alles kaufen! denkt der wahnsinnige Spieler und möchte sich den Kopf an der Wand einrennen. Leben und Segen und Lenz. Viel- leicht den Lenz der Völker, den umsonst erwarteten. Man hätte alle damit glücklich machen, ollen die Gewißheit des Morgen und ein ruhiges, reichliches Heute geben können. Man hätte allen Familien Deutschlands, Rußlands, Polens, Frankreichs, Oesterreichs, Italiens, Belgiens, Englands und der Vereinigten Staaten, wi« Berger es berechnet hat, je ei» Haus für zweieinhalbtousend Dollar und dazu noch anderthälbtause-iid Dollar auf die Hohe Kante schenken können. In ollen diesen Ländern, in jeder Stadt und in jedem größeren Städtehen mären 5 Millionen Dollar für Schulen, Woisenbäuser, Schwindsuchtsliekämpsung, Bildungszwecke, Bekämpfung der Trunk- sucht, des außergewöhnlichen und des alltäglichen Elends verfügbar gewesen. Außerdem wäre es»och möglich, jedes lausige, stinkende, voller Kronkheitskeime steckende Städtchen in einen Rosengarten lind paraiiisus nisticorurn(Baucrnparadies) zu verwandeln, in jedem sauberen Ort des Westens der Wissenschaft und Kunst kristallene Paläste zu errichten. Wege und Bahnen auszubauen, den Handel zu veredeln und die Industrie zu beleben. Und dann wäre noch immer eins so große Summ« übriggeblieben, daß man dafür 230 000 Menschen Unterhalt gewähren könnt«, indem man z. B. jedem, der für Kultur und Bildung arbeitet, eine jährliche Pension von 1000 Dollar gewährte. Für den allerletzten Rest hätte man schließlich nach als Zugabe ganz Frankreich und Belgien kaufen können: vom Louvre angefangen bis zum letzten Gaul in der 'Provinz. Wahrlich:„Du hattest e!» goldenes Horn, nur die Schnur ist dir geblieben." Aber das ist kein Ende, sondern nur ein Anfang, denn auch die Schnur ist verlorengegangen. Der Teufel hat die Kuh genommen, mag er auch den Strick einstecken. Bon den riesi- gen Summen ist nichts übripaoblieben: weniger als nichts; Sch'im- meres als Null: Millionen Gräber, verwüstetes Land, verbrannte Städte und Dörfer, Stockung, Elend. Depression, Bankrott und Verzweiflung. Und nach dem großen Kriege kam die Aera kleiner KHege. erschien der Bolschewismus, kamen Anarchie, Verfall, der Uebcrfall auf Polen. Einoeristene Brücken, niedergebrannte Bahn- höie. Städte und Niederlostungen brannten von neuem nieder und wurden gänzlich dem Erdboden gle'chaemacht. In Rußland ging on einem einzigen Tage das gesamt« ersparte Voltsvermögen und ein Teil säiner Produktion in Flammen ans: es sind Milliarden. Der Rest wurde von Würmern, Hunger. Bürpertirea und Seuchen oufgestellen. Rußland mit seinem unermeßlichen Reichtum bellte das wirtschaft'iche Gleichgewicht Europas her. war Europas Korn- speicher und Scheuer. In Ru bland allein sind 30 Millionen Menschen durch Rest, Hunger, Feuer, Krieg und Tschcka umgekommen. Für dieses Geld könnte man... nur seufzen, lind was für Verluste in ganz Europa an Erschlagenen, Knüppeln, Invaliden, Apath schen, llnzusriodenan, Derzweiseldcn und heimlichen Feinden. Und was für Verluste an Fortschritt, was für eine fürchterliche N'ederlage dar Ethik, welcher Rückschritt der Kultur und des Wissens. Es gab im letzten Kriege und-dessen Anhängseln insgesamt 22850 000 Tote, dazu die Toten und Verwundeten aus der KriegsinOrnstrie plus un- berechenbare Folgen des Terrors, der Kopflosigkeit, des allgemeinen Aiuins, des mornlijchcn Irrsinns. Buiunda! Yälcrchcns Krieg gegen die Alfen Das rote Staatsarcksio in Moskau veröffentlicht bisher unbekanntes Material über den Russisch-Iapanischen Krieg, der im Jahre 1904 ausbrach. Als nach Abbruch der diplomatischen Beziehungen die Ja- paner ohne vorherige Kriegserklärung die russische Flotte in Port Arthur überfielen, brach in Petersburg ein Sturm der Entrüstung los.„Wir werden die Assen unter unseren Mühen begroben," sagte der Kriegsminister K u r o p a t k i n. Er hatte ein Jahr vor- her Gelegenheit' gehabt, während einer Reise in Japan einem Ossi- Ziersrennen beizuwohnen. Zehn Oifizicre waren vor seinen Augen von den Pserden gefallen. Der russische Kriegsminister-sagte damals zu seinem Adjutanten:„Schöne Kavallerie! Das sind ja richtige A j f e n. die»ickst reiten können."—.Lüsten Sie sich nicht täuschen. Exzellenz," erwiderte der Adjutant. General L i n e w I t s ch.„Sic machen es absichllich, um uns irrezuführen." Zu seinem Schaden wollt« der Kriegsminister den Berichten der russischen Militär- agenten im Fernen Osten keine» Glauben schenken. Während die Japaner über die russischen Streitkräfte glänzend informiert waren spottete die Unwissenheit tes russischen General' stabs jeder Beschreibung. Geographische Karten der Mandschurei waren im Generalstab überhaupt nicht vorhanden. Auf einer topo- graphischen Karte befanden sich zahlreiche Dörfer, die ein und die- selbe Bezeichnung„Butunda" trugen. Es stellte sich Heraue, daß der Topograph diesen Nomen aus die Kart« eingetragen hatte, weil der chinesische Führer ihm auf sei,« Frage nach dem Namen des Dorfes stets„Butunda", was im mandschurischen Dialeckt:„Ich weiß nicht" heißt, geantwortet hatte. Trotz der miserablen Organisation der russischen Wehrmacht im Fernen Osten wunde-der„Krieg mit den Affen" als e-!n angenehmer Spaziergang betrachtet. Eine Armee von Tänzerinnen und Ka- barettsängerinnen begleitete die Offiziere der kaiserlichen Garde nach dem Fernen Osten. Am 31. März muvde das Flaggschiff des kommandierenden Admirals Nakarow-„Petropawlowft" oo« den Japanern torpediert. Der Großfürst Kyrill, der derzeitige Au- worter auf den Thron des Zar«», der sich an Bord besaud, rettete sich durch eine» Sprung ins Wasser. Der Admiral M a k a r o w und der große russische Schlochteiimoler W e r e s ch t s cha g i n gingen mit der ganzen Mannschaft unter. Der neue Befehlshaber der Flotte, Admiral Skrydlow, verzögerte mit Absicht seine Ab- reise aus Petersburg, um so spät wie möglich am Kriegsschauplatz cinzutrefseu. Als er Peiersburg endlich oerließ, war Port Arthur bereits belagert, und der Admiral konnte den ganzen Krieg im gut geschützten und von keiner Seite bedrohten Wladiwostok verbringen. Im August 1904 fand die blutigste Schlacht des Krieges bei Liao-Pang statt. Aus de» Verösfentlickuitgen des Archivs geht her- vor, daß die Russen hier die einzige Gelegenheit hatten, den Feld- zug zu gewinnen Die Berichte des englischen Generals H a m i l- ton, der dem japanischen Hauptquaitier attachiert war, tasten erkennen. daß Marschall O y a m a wegen Mangels an Muntion den Befohl zum Rückzug erteilte: die Verluste der Japaner waren sehr groß, und auch nur ein schwacher Druck seitens der Russen hätte genügt, um die japanisch« Ärw«e vollständig zu vernichten Groß war die Freude des japanischen Marschalls, als er eine' halb« Stunde nach der Erteilung seines Beiehls erfuhr, daß die russische Anne« aus Beseht Kuropatkins Liao-Yang geräumt und sich zurückgezogen habe. Marschall Oyama griff darauf von neuem an. Am 14. Mai 1905 spielte sich die erschütternde Tragödie bei Tsushima ab. Die russisch« Flotte Hatto den Befehl, sich um des Prestiges willen zu opfern. Ungenügend bewaffnet, ohne Basis, ohne Kohlenstatton ging die russische Flott« dem sicheren Untergang entgegen. Am 14. Mai wurde sie von der gualitaltiv weit über- legen«» japanischen Flotte in den Grund gebohrt. Der Großfürst Alexej, der Leiter des Marinestabes, hatte, wie man jetzt aus den Slrchioverösjeittlichungen erfährt, die Gelder, die für den Auf- bau der Zarenflotte bestimmt waren, für sein« Freundin, die fron-- zösische Schauspielerin Balctto, ausgegeben. Er hatte ihr u. a. eine Badewanne aus Gold mit Edelsteinen geschmückt bestellt. Die Empörung über dos nutzlose Opfer war damals in den Kreisen des russischen Intellektuelle» ungeheuer. Die Niederlage bei T'üshima gab den Anlaß zu- der ersten revolutionären Bewegung, die zwölf Jahre später dcu.Zaievthrou in- Trümmer schlug.■'*• Copyright Sa'ari-Verlag G.m.b.H., Benin W35, fStölf0 BhTtomsn. von UerNujolson-Beu Zeicfazurzgerv uvn, Acloff Lehnert (7. Fortsetzung.) Arola würbe vom Kapitän gerufen. Er bekam auch ein Stück .abak. und es wurde gesagt, daß sie sitzen sollten. Der Kapitän fragte dann, ob sie Fuchsfelle hätten, und ob sie zu handeln wünschten. „3ch— ein so schlechter Fänger?* sagte Mala,„wie sollte ich Fuchsfclle verschaffen können? Ich verstehe nicht, Füchse zu fangen. Es wäre höchst merkwürdlg, wenn ich Fell« von Füchsen hätte. Wende dich an einen anderen, wenn du zu kaufen wünschest.* „Zlrola sagte mir doch, daß du viele Felle mitgebracht hättest und zu handeln wünschtest.* „Ach, habe ich einige wenige Felle, so sind sie leider zu schlecht, um sie dir anzubieten, denn meine Frau dort oersteht sie nicht zu- zubereiten, und ich selbst habe die Felle mißhandelt und verun» remigt. Leider wird es keinen Handel geben. Das, was ich habe, kann ich dir nichr anbieten.* Ja, Mala war nicht der Schlechteste beim Handel, keiner sollte wissen, daß er voller Gier nach Büchsen und Messern war, und er hätte sich auch nicht die Blöße gegeben, zuerst zu verlangen, daß G-schäste gemacht werden sollen. Der Kapitän wußte gut. daß es unklug war, jetzt weiterzugehen, er sagte nur, daß er gern die miß. handelte Ware des anderen morgen besichtigen wolle. Mala sollte mitten am Tage kommen, vielle'cht könnten sie-dann handeln. Als es Zeit zu gehen war, sagte der Kapitän einiges zu Arala, und die Folg« war, daß Mala allein mit den Knaben und Orsokidok heimging. Iva blieb aus dem Schiffe. Der kleine Upit weinte und wollte bei der Mutter bleiben, aber die saß so merkwürdig still auf der Bank und sagte nichts. Sie lächelte nur und sagte, fit käme morgen l?«im, und wer durfte sich gegen den weihen Mann auslehnen. Mala fühlte schon den Stolz, daß der Kapitän seine Frau für sich erwählt hatte. Bisher hatte er eine andere Frau gehabt, die man an Deck herumgehen und warten sah, daß sie heruntergerufen würde, und als sie dann Mala allein kommen sah, wußte sie, daß sie abends heimgehen konnte. Mala ging heim. zündete die Lampe an, die in seiner Abwesenheit ausgegangen war, und legte sich mit seinem Knaben und seinem Pslegcsohn zum Schlafen auf die Pritsche. Er konnte jedoch vor Gedanken nicht schlafen. Es war etwas Merkwürdiges, daß der weiße Mann kam und seine Frau nahm, ohne ihn selbst um Erlaubnis zu fragen, und ohne daß er selbst die Willenskrast ausbrachte, nein zu sagen. Schließlich schlief er ein und erwachte erst, als jemand sich am Eingang zu schaffen machte. Es war Iva, die zurückkehrte. Sie brachte ihrem Mann sin Paket mit herrlichem Essen, über das die Kinder sich am nächsten Täge freuen würden. Mala wunderte sich, daß er nicht fragte, weshalb sie so spät kam, und was sie erlebt hatte. Es war als sprächen sie nicht miteinander, aus Furcht, Dinge zu sagen, die sie am liebsten vergessen wollten. Mala erinnerte sich ganz desselben Eindrucks aus der Zeit, als Iva im Norden bei den Schiffen war, und er selbst auf die Jagd ging, um wegzukommen. «- Als sie am nächsten Tage handelten, merkte Mala wohl, daß er dem Kapitän einigermaßen durch die vielen Fuchsfelle, die er vor- legen konnte, imponierte, und doch wußte der andere nicht, daß er noch viel mehr in seinem Hause hatte. Es war immer gut, nicht das Letzte fortzugeben. Mala erhielt auch viele von den Dingen, die er sich wünschte. Da gab es Beile und Messer und eine ganze Kiste Tabak, vor allem aber eine Büchse, ein« von denen, die sich beeilen und schnell schießen können, ohne daß man jedesmal Po- tronen hinsinzustopfen bryucht. Für die hatte er viele Füchse ge- geben, wie viele brauchte man nicht zu zählen, denn der Kapitän legte sie zu einem Haufen aufeinander und drückte sie zusammen. Als der Haufen so hoch war, wie die Büchs« lang war, reichte es zur Bezahlung, aber Mala hatte noch so viele Felle übrig, daß«r auch Patronen zum Hmeinstecken, Blei, Puloer und Zündhütchen bekam. Schon jetzt hatte die Reise ihm reiche Ausbeute gebrocht, ihm sehtten jetzt noch ein Stück Eisen und einige große Nägel für seine Gerätr, dann konnte er wieder fortziehen Obwohl er sich von all dem Neuen, was zu sehen war, angezogen fühlle, und obwohl ihm viele Gedanken durch den Kops schössen, als er die weihen Männer sah und über ihr Benehmen nachdachte, lag doch eine unerklärliche Furcht, gleichsam eine Ahnung über ihm, daß das Leben schwer werden würde, wenn er zu lange hier bliebe. Und im stillen beschloß er, bald wieder sortzureisen. Er hatte noch viele Füchse, sicher genug, um die Dinge zu kaufen, die nicht ganz notwendig waren, die man sich aber mimer wünschte und gern zeigte, wenn man vom Schisse kam und mit den weißen Männern gehandelt hatte. Auch die nächste Nacht war Iva auf dem Sch'sse. Mala schlief schon längst, al» sie heimkam. Sie cmkleidetc sich s:ill und kroch zu ihm unter die Felldecke, aber unwillkürlich fühlte er eine A.t Un- willen gegen sie. Hier lag er nun, und niemand hatte ihn um Er- laubnis gefragt, als über seine Frau beschlossen wurde. Arola hatte alles geordnet, und was half es ihm, wenn Ivo viel von dem we ßen Mann bekam. Mala fühlte sich in seiner Würde gekränkt. Warum brachten die Schiffe nicht selbst ihre Frauen mit? Er wurde ganz wach und.jah seine Frau an. aber sie versuchte zu tun. als wäre nichts geschehen, putzte nur den Moo. dacht der Lampe ein wenig. „Warst du aus dem Schisse bei dem Kapitän?* fragte Mala. „Das weiß ich nicht,* antwortete sie nur.„Weehalb sprichst du davon?* Er stützte sich auf den Ellbogen und sagte zornig: �Hör das Weib, das mir sagt, worüber ich reden soll. Ich frage dich, und ich wünsche eine Antwort.* „Laß mich,* antwortete Iva und kehrte ihm den Rücken. Sie war gekränkt, ohne zu wissen, warum. In ihre bisher so reine Ehe war etwas getreten, das ihnen beiden zuwider war, und deshalb lagen sie beide lang« da, ohne etwas zu sagen. Ein Weilchen später streckte Iva den Arm aus und nahm aus ihrem Paket zwei dünne Stücke Tabak, die sie ihm reichte. „Bitte,* sagte sie und wollte sie ihm geben, aber wie merkwürdig war es doch! Tabak ist ja Tabak, das, wonach man sich sehnt, wenn es auegegangen Ist, und was man sich zuerst wünscht, wenn man es wieder bekommen kann. Und doch nahm Mala die Tabakstücke und schleuderte sie an die Wand. Es erleichterte ihn ein wenig, daß er sich heftig, daß er Verachtung für die Kostbarkeiten gezeigt hatte. Jetzt war er sicher, daß Iva ihn fürchtete. Stolz legte er sich nieder, und es dauert« nicht lange, bis beide schliefen. IV. Iva war die erste, die aufwachte, sie zündete die Specklampe an und bereitete das Essen. Das ging leicht, der Tee und die Kekse standen bereit, als die anderen aufwachten, und mit Wohlbehagen tranken sie den Tee und kauten die Kekse. Ja. es war schon richtig, daß sie nicht hoch im Norden bei Igdlulik saßen, nur Fleisch und Suppe hatten und sich vielleicht morgens in den anderen Häusern Feuer leihen, und wenn das Feuer in allen Häusern ausgegangen war, erst wieder neues machon mußten, ehe sie kochen konnten. Orfokidok locht«, als er dorn» dachte, and riß ein Streichholz nach dem anderen an. Er mußte sich selber zeigen. daß er Feuer machen und es wieder verlöschen konnte, so oft er Lust dazu hatte. Hinterher lochte Iva für sich, sie hatte eine große Taste mit grauer Emaille bekommen. Eine andere große Taste benutzte sie als Topf und Teekanne für ihren eigenen Gebrauch. Bei den weißen Männern auf dem Schiffe aber aß sie das fremde Esten mst, obgleich es auch für die anderen gekocht war. Die Geister der weißen Männer würden ihrer Leibesfrucht nicht schaden, nur hier im Hause war es notwendig, das Tabu zu hallen. „Was liegt dort auf dem Boden?* fragten die Knaben und wollten hinkriechen. Es waren die zwei Stücke Tabak, die dort lagen, als eine An. klage gegen Mala wegen seines Zornes heute nacht, als eine Anklage gegen Iva wegen ihrer Abwesenheit. Keiner von den Er- wachsenen antwortete. Selbstverständlich konnte Mala sie nicht auf- heben, und selbstoerständl'ch konnte Iva sie nicht aufheben und auf die Pritsche legen, wenn ihr Herr sie dorthin geworfen hatte. D'S verdarb die Stimmung ein wenig, und Mala ging deshalb aus Die Tabakstücke lagen da, keinem gehöhten sie, und die Knaben merkten, daß nicht mehr gefragt werden durste. Die anderen Männer standen vor den Häusern und sprachen mit- einander Man spürte schon den kommenden Frühling, dann soll!?:, die Walschaluppen ausgesetzt werden, und Männer sollten mitfahren. Be'de Schiffe hatten Ihre Boote und der dicke Kapitän bestimmie die Mannschaft für sie. Alle wünschten, mitzukommen. Es war ein prächtiges Leben mit den weißen Männern. Immer wurde für ihr Esten gesorgt, und ee war etwas Stolzes, den Riejcn des Mccrcs in einem Holzboot mit der Harpune zu begegnen. Da gab es keine Furcht, und die Wal« tonnten sehen, daß die Menschen ihnen über- legen waren. „Man sehnt sich nach Fleisch," sagte einer. Ich habe seit langem kein Fleisch mehr geschmeckt. Meine Därme sind voller Luft, und mein Körper ist ganz leicht." Andere meinten auch, es sei am besten, eben jetzt auf die Renn- tierjagd zu gehen. Einer jagt«, wenn man mit Booten auszöge und lange fortbliebe, wäre es gut, etwas Fleisch für die Frauen und Kinder zun ckzulasten, kenn auch sie wären bald des Estens mü.e, das der Kocher auf den Schiffen bereitete. Danach wurde man gleich, wenn man es gegessen hatte, wieder hungrig. Die Menschen waren so sein geworden, daß sie neue Nomen erhalten hatten. Das fremde Schiffe voll hatte ein« merkwürdige Zunge, die schwer sagen konnte, wie man hieß. Und deshalb gaben sie ihnen Namen, die sie an Freunde im Lande der weißen Männer erinnerten. Dadurch fühlte man sich diesen Leuten, die alljähilih wiederzukommen versprochen, verwandter, aber dennoch sehnte man sich nach Fleisch und meinte auch, lange nichts Spannendes erlebt zu haben. Alle beschlossen daher zuletzt, ins Land hineinzugehen, wenn die Renntiere nach Norden zogen. Mala benutzte die Gelegenheit mit Freuden. War er nichi ein Mann mit einer Büchse, der seine Fertigteil zeigen sollte? Hier würde er Gelegenheit bekommen, Genugtuung zu erhalten für die Ueberlegenhett der anderen, die mit den weißen Männern reden konnten und sie besser kannten als er. Kam er erst mit seiner Büchse auf die Jagd, daikia war es höchst- wahrscheinlich, daß sie ihn um Hilfe bitten mußten. . kFortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. *wniiinniHiu)MuuimiiiiiiiiuiiijiiiiiiiiijiiiiiiMiiiiimwiuuiiuiiiiiiiiiiiiiiiimiuiiinmtiinuiiiiMuimimiiiniiiiniiiiiiiiiniiiiMmiiiiiiiRimiuiiiiim«iinmniniiiuniiiinnm«iiinm Oötz in der polnischen Amtssprache. Der mllitärisch.schroffc Ton Pilsudstis ist hinlängllch bekannt. Die Abgeordneten hat er einmal öffentlich«in Dirnenpack ge- nannt, eine Prostituiertengesellschaft, die er wie einen dreckigen Wurm mst dem Fuß zertreten könnte. Das Zitat aus Götz von Berlichingen, nur noch weniger umschrieben, soll aus Schritt und Tritt in Pilsudstis Mund sein. So soll er einmal persönlich am Telephonapparat das Schloß des Staatspräsidenten verlangt haben: der Adjutant fragt:.Wer spricht?* Antwort:.Dos ist nicht Ihre (�iche. Sie haben mich sofort zu oerbinden und können mich im übrigen...* Darauf soll di« Verbindung sofort hergestellt worden sein: an jenen Worten hatte der Adjutant den Marschall erkannt. Nu» sind die.Pilsudskisten* dadurch bekannt, daß sie ihren Marschall in allem und jedem zu imitteren suchen. Besonders tut �ich dabei der gegenwärtige Arbettsminister Maroczewsk: her- vor, der im übrigen vor Pilsudski dos Verdienst besitzt, die polnische sozialistische Partei gespalten und«ine eigene pseudosozialistische Truppe gegründet zu haben, deren politischer Einfluß allerdinge ganz verschwindend ist. Sie verfügt über ein eigenes Organ und das Finänzgeheimnis seiner Existenz ist nur durch den Kontakt der Gruppe mit der Regierung zu erklären. Der Führer der Spal- tungsgruppe, Minister Moraczewski, hat sich nun ebensalls die Mo- nleren des Marschalls angeeignet: seine Haltung ist derjenigen Pil- sudskis überaus ähnlich, ebenso di« Art des Sprechens und auch das äußere Aussehen beginnt sich ossenbar durch eifriges Aufwirbeln des Schnurrbart» und der Augenbrauen anzugleichen. Um aber noch weiter zu gehen, hat Moraczewski sich neuerdings auch jene geflügelte Redewendung des Marschalls angeeignet. Und zwar scheute er sich nicht, dies in den Spalten seines Organs unter der Adresse eine« Redakteurs de« sozialistischen Warschauer„Robotnik* zu tun, der ihn wegen seiner für einen angeblichen Sozialisten mehr als zweideutigen Stellung im Kabinett angegriffen hatte. Der.Robotnik* hat auf diese Schamlosigkeit nicht geantwortet. sondern in seiner lu st igen Ecke folgende Gegenden,«rkung ver- öfsentticht:„Wie verlautet, soll der Minister Moraczewski seine De- Mission bekommen, well er einen Vertrauensbruch begangen hat, ind«m er in seiner Zeitung eine an ihn von Pilsudski vertrmilich ergangene Aufforderung veröffentlicht hat.* Im Ballon von Leipzig nach Schottland. Drei deutsche Ballonflieger, Dr. Raul Rohr, der Zahnarzt Paul Ttelecke und der Landwirt D. Rexhausen, hatten kürzlich noch oben- teuerlicher Fahrt eine bös« Notlandung aus der bewaldeten Berg- kette bei Lumphanan. einem der höchsten Punkte der nordschottischen Grafschaft Aberdeen, vornehmen müssen. Rohr gab einem Bericht- erstatter eine Schilderung der Luftreise. Er hatte mit seinen Ge- fährten in Bttterseld bei Leipzig einen Schauflug veranstaltet und war um 9 Uhr morgens aufgestiegen.„Wir wurden bald südwärts abgetrieben," erzählte Rohr,.und befanden un» in den Klauen eines ungemütlichen Windes, der un» über die Berge des Harzes bis nach Holland trieb. Die Kälte war entsetzlich." Als die Ballonfahrer zur Erkenntnis kamen, daß sie zu weit von ihrem Kurs abgetrieben wurde», versuchten sie zu landen, mußten sich aber zu ihrem Schrecken überzeugen, daß die Reißlcine gerissen war und die Ben- tilkloppcn Nicht mehr funktionierten. Sic gerieten dann in dichten Nebel..Acht Stunden lang bekamen wir kein Land zu sehen, wir froren entsetzlich und Hände und Füße waren klamm. Ueberdie» verfügten wir nur noch über einige Biskuits, die wir unter uns oerteillen. Land sichteten wir erst, als wir Schottland erreichten. Um 2 Uhr frühmorgens flog der Ballon über Aberdeen. Damtt begann der entsetzlichste Teil unserer Irrfahrt. Wiederholt stießen wir aus die Erde aus, wobei Stücke der Gondel abgerissen wurden. Wir warfen unsere Instrument« und allen Ballast über Bord, dann gerieten wir in Baumgipfel, die wie Streichhölzer absplitterten. Die Hülle verfing sich mit einem pfeifenden Geräusch de» ent- strömenden Gases in einen anderen Baum.* Die Teilnehmer, von Kälte und Hung«r erschöpft, suchten tastend ihren Weg durch den dunklen, eisstarrenden Wald, bis sie endlich zu einer Farm ge- langten, wo sie mit Speise und Trank erquickt wurden. Das Rekordei. Heil widerfuhr dem Städtchen Paterson st» Neiv-Iersey, USA.! Dort legte eine Henn«, ein« einfache Henne, die bis dahin, respektabel, aber unscheinbar, dem Hühnerhof de» Mr. Burhans an- gehört hatte, zum Spektakel des Hühnerhofs, aber zum großen Nutzen für ihren Besitzer, ein Ei, das zweieinhalbmol so groß und so schwer wie ein gewöhnliches Hühnerei ist. Der Spektakel weckte sogar am frühen Morgen den Besitzer des Hühnerhofes, und als Mr. Burhans sich eilig angezogen halte, fand er alle seine Hennen um ein Nest versammell, in dem das besagte Wunderei lag. Als geistesgegenwärtiger Mann erfaßte er die Eituatton sofort, und um ein Uhr mittags schon lag das am Morgen gelegte Ei hochversichert in dem Schaufenster einer Bank, feierlich als das„Rekordei von Amerika' bezeichnet. Hoffentlich eru>eist es sich nicht nachträglich, daß da» ausreichend begakelte Wunderei, dessen Ruhm nun via New Port auch Europa erreichte, eigentlich vvn einer. Ente stammtl Freitag. 22. Februar. Berlin. 16.10 Direktor Karl Sclirnidt; Einlahrsblurnen Im Qarten. 16.30 Unterhaltunrsmuslk der Kapelle Ernll Rods». 13.10 Esperanto. Direktor Julius Qlück: Ipbiecnio es tafirido. I�3S Bruno Schönlank; Die Arbeit In der Dlchtunc seit hundert Jahren. 19.00 Hans- Bredow-Schule. Bergrat Prof. Dr. A, Stavcnhagcn: Chemie des täglichen Lebens. IL; Wasser. 19.30 Pfarrer Wilhelm Bcicr, Leipzig; Der Beruf des katholischen Qclstlichen. 20.00 Abcndunterhaltung. Dirigent; Mas Roth.(Berliner Funk Orchester.) 2100 Von Frankfurt: Ernst Toch;.Bunte Suite für Rundfunk", op.«8. 21.30 Dr. Wilhelm Qrotkopp; Ford und die Ursachen seines Erfolges. Königs Wusterhausen. 16.03 Luise Waibrodt: Berufsberatung(weibliche Berufe); 16.30 Nachmlltagskonzcrt von Leipzig. 17.30 Dr. Fcltctieufcld: Eisenbahn- und Kraftwagenverkehr. IS.OO Dr. Werner Seht: Ire: Psychologische Arbeitsgemeinschaft. Ib.. tu Englisch für Fortgeschrittene. litis Ins. M. Bornemann; Werkrneisterlthrgang für Facharbeiter: Ekktrotechoik. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 22.45—23.15 Bildfunkversuche. «Boxunfälle". K. o am ersten Unterrichtstage. Vor einiges Tagen berichtete eine Berliner Mittagszeitung aber den Unfall des Olympiasiegers Engelhardt, der als Student der Hochschule für Leibesübungen schon bei der ersten U ttcrichtsstunde im„Boxen" eine k-o-Schlag erhielt. Er siel so i glücklich mit dem Hintertopf auf den Ringboden, daß er einen ädelbruch erlitt und schwerkrank ins Krankenhaus befördert >:n muhte. Das soll jedoch nicht der einzige Fall sein. Einige Tage vorher urch einen ähnlichen„Unfall" ein Ausländer an den Folgen .■ Sturzes sogar gestorben fein. Ti.se beiden bedauerlichen Vorfälle sind geeignet, der All- gerne. nheit das Boxen als äußerst gefährlich hinzustellen. Die ?.uid an dem„Unfall" kann man hier nicht dem Sport zu- schi ben. Der Grund dürste in anderen Ursachen zu finden sein. In keinem Boxsportklub und in keiner Sportschule könnten sich t.irlige Vorfälle ereignen, da der Boden eines Boxringes aus einem in sich federnden BretterbelWg nebst Fitzmatte und Plan ot steht, während wohl der Boxring der Hochschule für Leibes- i. tu ngen auf den Zementfuhboden. nur mit einer Matte v-n sehen, ausmontiert ist. Es scheinen überhaupt eigenartig« Trainingsmethoden in der Hochschule für Leibesübungen zu Herr- schcn. Wo ist es üblich, daß ein Anfänger schon in der ersten Unter- richtsstund« die Handschuhe anzieht? Bekanntlich lernt man erst S.hulstöße und Paraden im Stand. Nachdem sie mehrfach geübt und perfekt ausgeführt werden, wiederholen sich diese Uebungen mit Handschuhen mit dem Trainer oder einem gleichwertigen Gegner in d.r Bewegung im Ring. Dann» erst geht man mu der weiteren Ausbildung vorwärts. Wenn ein Boxtraining im wahrsten Sinne des Wortes durchgeführt wird, können keine Ic-o-Schläge, infolge- d.ssen auch keine derartigen„Unfälle" vorkommen. Training ist kein Kamps! Wenn man in der Hochschule nicht die nötigen Fachleute und Einrichtungen für den Boxuntericht besitz', sollte man sich an die Fachverbände wenden, die gern mit chren Erfahrungen und Kennt- rissen zur Verfügung stehen. Denn gerade von der Hochschule für Leibesübung muß man verlangen können, daß sie einwandfrei arbeitet._ Verband Volks�esundheif. In der Autbauarbeit- Nach der Reinigung des Berliner Arbeitersports traten kürzlich „n Gewerkschaftshaus die Vertreter aller im Gau Berlin zusammen- geschlossenen Vereine des Verbandes Loltsgesundheit zusammen. Vom Verbandsvorstand war F r e n ck erschienen. Er legte in einem einleitenden Referat die organisatorische Ilm- stellung des Verbandes nach dem neuen Statui dar. In einer längeren Diskussion wurden all« strittigen Punkte geklärt, so daß dann die Sparten ihre Gauspartenleiter wählen tonnten. Von der Sparte der Naturhetlvereine wurde Wilhelm Haamann nominiert. In der Spartenlagung der Körperkultur» g r u p p e n wurde als Gauspartenleiter Franz Karlewik ein- stimmig gewählt. Da in Berlin die dritte Sparte der Kleingärtner im Verband noch fehlt, mußte die Körperkultursparte noch dos dritte Mitglied für den Gauvorstand stellen. Hierzu wurde Richter ge- wählt. In der nachfolgenden gemeinsamen Sitzung wurde der Kassenbericht und der Bericht über das Gaublatt entgegengenommen. Die nach dem neuen Statut vorgesehene Selbstfinanzierung des Gaues wurde bis zum April zurückgestellt, da bis dahin die Gelder des Gaues noch ausreichen, und dann nach dem Stattfinden der Reichespartentagung die finanzielle Belastung der einzelnen Vereine besser übersehen werden kann. Danach schloß Haamann die arbeits» reiche Konferenz, die hier in Berlin zirka l2M Mitglieder reprä- sentiert. Die ersten Eishockey-Spiele. Die Cissportsaison im Sportpalast wird morgen, Sonnabend, mit dem internationalen Eishockeywettkampf Wien- Berlin eröffnet. Die Eishockeymannschaft des Wiener Eislauf- vereins trifft bereits am Freitag abend in Berlin ein Die Wiener treten in stärkster Aufstellung an, nämlich mit dem Kanadier Dr. Dempsay, Walter Brück, Lederer, Klang, Sell, Göbel, Maier und Lichtschein im Tor. Der Wiener Eislausverein hat auch in diesem Jahre wieder die österreichische Eishockeymeisterschaft über- (cgcii gewonnen und in der Europameisterschast, wo sie ohne Dr. Dempsay spielen mußte, den dritten Platz belegt. Der Berliner Schlittschuh-Club stellt folgende Mannschaft ent» gegen i Holsboer, Sachs, Hohler. Römer, Iänecke, fowie Herbert Brück und den talentierten Junioren Ball. Im Tor steht am Sonn- abend der verläßliche Steimke und am Sonntag Hinck«. Das Retourspiel gegen Wien findet am Sonntag abend statt. An beiden Tagen wird das neue Weltmeisterpaar Frl. Scholz- Kaiser(Wien) seine Meisterkür zum Vortrog bringen. Auch die neuen deutschen Kunstlaufmeister Paul Franke und Frl. Flebbc, ».'wie Herbert Härtel und Frau Veit werden sich in Sololäufen zeigen. Die Eisbahn wird täglich mittags 12 Uhr(Sonntags ab vor- mitlag 10 Uhr) bis Mitternacht für den allgemeinen Eislaufbetrieb geöffnet fein._ An die Weddingcr! Der Bezirk Wedding der FTGB. mit feinen starken Alters- abteilungen beiderlei Geschlechts zeigt Sonntag. 24. Februar. ym 13 Uhr in der Lessingturnhalle. Pankstraße 18. in einem öffent- lichen Schauturnen, daß turnerische und sportliche Betätigung auch für das reifere Alter ein Quell der Gesundheit und Lebensfreude ist und wie man es treiben muß, um auch im Alter noch jung zu fein. Um aber allen Erwerbstätigen im dicht bevölkerten Norden Berlins zu dieser Offenbarung zu verhelfen, laden die Altersab- teilungen vom Wedding herzlichst zum Besuch ihres Schauturnens ein. Einlaß um �13 Uhr. Eintritt frei. Nach dem Turnen findet im kleinen Saal der Pharussäle, Müllerstraß« 142, ein geselliges Beisammensein mit Tanz statt. Braunschweig als Muster — auch tür Berlins Arbeiter Sportler. Di« braunschweigische bürgerliche Press« und auch die im Reiche brachte vor einigen Tagen die Mitteilung, daß das Arbeiter- sportkartell Braunschweig die Radrennbahn gekauft hat für einen Preis von 133 000 M. Wie der Arbeiter-Turn- und Sportbund mitteilt, entspricht diese Nachricht nicht ganz den Tot- fachen und ist verfrüht. Nicht das Arbeitersportkartell, sondern die „Freie Turnerschaft" Braun schweig die dem Sportkartell angeschlossen ist, führt Verhandlungen, die kurz vor dem Abschluß stehen und aller Voraussicht noch zu einem Kauf der großen Anlage führen werden. Die„Freie Turnerschaft", Braunschweigs größter Arbeiterfporlverein, hat die Absicht, den Sportpark Richmond zu einer der modernsten Sportanlagen Norddeutsch- lande auszubauen. Der Innenraum der Bahn, der bis jetzt vom Rad- und Fcchrtourmerverem benutzt wurde, würde einer gründlichen Umarbeitung unterzogen werden. Ein Fuß- und Hand- ballspielfeUi, umschlossen von einer 400-Meter.Laufbahn und flankiert von Weit- und Hochsvrunganlagen, fänden dort Platz und ließen noch einen mehrer« Meter breiten Streifen für die Rennbahn frei. Weiteres, bis jetzt unbenutztes Gelände bietet noch Raum für einen Fußball-,«inen Tennis- und zwei Faustballplätze. Die vorhandene Tribüne faßt 1200 Zuschauer. Der Erwerb dieser Anlage und sein Um- und Ausbau zu einer modernen Stätte für Masseirdarbietungen und Massenbesuch ist nicht nur eine Angelegenheit der„Freien Turnerschaf?' Braunschwcig, sondern der gesamten Arbeiterbevölkerung der Stadt Es ist weiter beabsichtigt, all« großen Gewerkschafts- und Partei- Veranstaltungen, wie Maifeier und Sonnenwendfeier u. a. auf diesem Platze stattfinden zu lassen. Im xmal größeren Berlin haben die Kommunisten mit ihrem Parteigezänk erreicht, daß erst jetzt nach Iahren ein ernsthafter Aus- bau möglich ist. Unsere einheimischen Arbeitersporller müssen jetzt zeigen, daß sie nicht so schlecht wie ihr Ruf sind, und daß sie willens sind, als Berliner den Braunschweigern nachzuei'fern. Wintersport und Sdiulc. Das Provinzialschulkollegium hat in einem Rund- erlaß zum Betrieb von Wintersportübungcn in der Schule, insbesondere zu dem die Gesundheit so außerordentlich fördernden Schneelouf Stellung genommen. Es helßt u. a.: „Es bestehen keine Bedenken dagegen, wenn die Spielnaäz- mittag« und Wandertage auch für den Wintersport herangezogen werden oder wenn geschlossene Klassen unter geeigneten Voraus- setzungen mehrtägige Winterfahrten ins Gebirge auch außerhalb der Ferien unternehmen." Reunsahrerabteilung von„Solidarität". Die Sibungen der Rennfahrerab�ilung des A.-R.- u. K.-B.„Solidarität" finden Mit am ersten und dritten Donnerstag im Monat, WA Uhr, in der Stallschreib orftr. 29, bei Schultheiß.■ Rennfahrer und Anhänger des Radrennsports werden in jeder Sitzung aufgenommen, aunj stnd noch Genossen als Kampsrichter und Sanitäter erwünscht. Die Meldelisten für die ersten Straßenrennen in dieser Saison liegen bereits aus. Bundestreue Sportler als Gäste und Mitglieder siiid willkommen. Skifahrer, J. kreis und Tourisienverein„Die Valursrcunde". Sonntag, 24. Februar, gemeinsame Uebungs- und Traimngsfnhrt Grenzberge— Kranichsberge. Treff 9 Uhr Bahnhof Wilhelms Hagen. Der Kreiswintersportrat Dr. Biese. Skispringen im Grunewald. Der Berliner Sport-Club verau- stallet am kommenden Sonntag auf der G r u n c w a l d s ch a n z e bei Onkel Toms Hütte einen großen Sprunglauf. Voraussichtlich wird Berlins Wintersportgemeinde Gelegenheit haben, auch einige der Besten aus dem Riesengebirge und Doutsch-Böhmen bei der Ausübung ihres Sports zu sehen. Das Nenmmgsergebnis ist schon jetzt recht gut. Freie«uiemreiniflims 1813,«. V. Sitzung Freitag, 22. Februar, 20 Uhr, im Fairer steiuer. Mitglieder werden aufgenommen. Touristen»- rein„Die Ratursreuude". zentrale Wien. Abt. Tharlottenbnrgi Freitag, 22. Februar. 20 Uhr, Spreestr. Mi„Läns Lebe» und Wirten".- Abt. «Adost: Freitag, 22. Februar, 30 Uhr, Britzer Str. 27: Äanon-Abeud(Walter). — Abt. Treptow: Freitag, 22. Februar, 20 Uhr, Ell-nstr. 3, Vortrag: All- Berlin".— Abt. Reulölln: Freitag, 22. Februar. 20 Uhr. Böhmisch-, Crfc Sanner Straße: Lichtbildervortrag.— Naturwistenschastliche AbtA Sonntag, 31 Februar:„Von Rixdorf bis Neukölln" sTas Werde» eiiier Stadl) Führungen und Besichtigungen verschiedener Anlagen. Treffpunkt 10 Uhr Rai- hau» Neukölln kU-Bahn-Ausgang).— Photogemeinschaft: Montag, 2ö. Februar, 20 Uhr, Tilstter Etr. 4: Bildausmachung.— Abt. Britz: Montag, 25. Februar, 20 Uhr, Thausseestr. 4S: Leimabend.— Malkunstgcmeinschaft: Montag, 22. Februar, 20 Ubr, Wonertorstr. 9:..Sinderporträt". Arbeiter-Schwimmverci»„Kella»", Berlin. Monatovcrsammlung Montag, 2ö. Februar, lOy, Uhr, im Weddinger Vereinshaus, Gericht-, Gcke Sunkelstraßc. Wegen der Schließung des Stadtbades Wedding bis»um 27. Februar findet unser llebungsabend erst Freitag, 1. März, statt. Presse beachte»! Freie Faltbootsahrer Berlin. Sonntag, 21. Februar, Wanderung Bernau nach Sänke. Treffpunkt 9 Uhr Stettiner Borortbahnhof. Gäste willkommen. Alle Schaeeschnhlänfer de» Tonrifteuverein»„Die Naturfreund:" beteiligen stch ab Sonntag. 21. Februar, an den Bcranstaltungcn der Schnceschuhlänfer de» t, Kreise» kLeitung: Dr. Biese). Arbeiter-Radfahrer- und Kraftfahrerbund„Solidarität". 1. Abt.: Sonn tag, 21. Februar, Wintermärchenfahrt nach Nru-Heuingsdor>. Treffpunkt pünkt- lich IS Uhr Iannowitzbrücke. Fahrvreis l„50 M., Kinder die Sätfte. 2. Abt.: Sonntag, 21. Februar, 10 Uhr. Iugendtour. Start: Dieffenbachstr.:*>, bei Nohde, 13 Uhr. Fußtour durch die Mllggcldcrge. Treffpunkt Görlitzer'Bahnhof bi» Grünau. 5. Abt.: Sonntag, 21. Februar, 12 Uhr, Bollcrsdorf kGngel). Start: Landsberger Platz. 10. Abt. Sonntag, 21. Februar. 15 Uhr, Bereins- lokal Wittschuß, Petersdurger Str. S. Ortsgruppe Ehorlottenburg: Sonntag. 24. Februar, 13 Uhr, Karnevalstour. Start: Kanal- Ecke Wilmersdorfer Straße. Gäste zu allen Veranstaltungen willkommen. Sch-wimmfeft Gruppe Friedrickshai», Freie Schwimmer Groß-Berlin, Sonn- tag, 24. Februar. 15 Uhr, Stabtbad Schillingbrücke. Erscheinen aller Mitglieder dr» Verein» Ehrensache. Zur Tagung der SASJ. Techniker und Organisatoren beraten. Das International« Bureau und die Mitglieder der Internativ- naken Fachausschüsse der Soziali st ischen Arbeitersport- Internationale befinden stch gegenwärtig in Oesterreich, um Rückschau zu halten über die Entwicklung aller Gebiet« der Internationale. Die Entwicklung seit Helsingfors wird richtung- weisend sein für die zu bestimmende Linie, auf der sich die küns- tigen Arbeiten bewegen werden. Den Vorberatungen für das 2. Ar- befterolympia in Wen wird besondere Bedeutung zukommen. Der Internationalen Bureausttzung am 22. und 23. Februar in Wen gehen voraus die Sitzungen der Fachausschüsse. Der wintersportousschuh hat sich nach Mürzzuschlag(Steiermark) in dos Gebiet des Winter- olympias 1931 begeben und dort der Abwicklung des Wintersport- festes des Kreises Niederösterreich-Burgenland-Steiermark-Kärnten im Arbeiter-Turn- und Sportbund beigewohnt. Die dabei gemachten Ersahnungen bilden die Grundlage der Veratungen für das Winter- olympia. Aus der Praxis des sehr an Inhalt und Umfang gewinnenden Ardeiter-Wintersporis stnd Aenderungen verschiedener Wettkampf- bestiminungen in den Vordergrund gerückt, die der Beratung harren. — In Wien sind zusammengetreten: d!« Internationalen Fachaus- schösse für Wassersport, Wehrsport, Turnspiele, Leichtathletik uftd Schwerathletik. Alle haben das Be- streben, nach noch besserer Verständigung und Vereinheitlichung auf den technischen Gebieten zwischen den Ländern zu kommen. Eine aufmerksame Behandlung wird auch das 2. Bundesfest des deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundes vom 18. bis 21. Juli in Nürn- berg finden. Di« Ergebnisse dieser Fachousschußsitzungen werden in der Sitzung des Internationalen Technischen Hauptausschusses am 22. Februar zusammengetragen werden und die Gegenständ« gemeinsamer Aussprach« und Förderung durch die Fachausschuß- obleut« sein. Am gleichen Tage findet in Wien eine Tagung der Techniker des Arbeiterbundes für Sport und Körperkultur Oesterreichs(Askö) statt, zu der die internationalen Techniker eingeladen stnd. Die .Askö"-Techn!ker haben die Aufgabe, i>n erster Linie mit zum Ge- lingen des 2. Arbeiterolympias 1931 beizutragen. Daher ist diese gemeinsame Zusammenkunst sehr zweckdienlich und be- deutsam. Ebenfalls am 22. Februar findet die Erziehertagung der SASJ. statt. Auf ihre Arbeit wird in Arbeitersportkreisen beson- derer Wert gelegt. Um so mehr ist die Arbeit aus dieser Tagung zu bewerten, da ste in das Erziehungswesen der Gesamtarbeiter. schaft eingreift. Das Internattonale Bureau hat, wie schon angeführt, die Entwicklung der Lage in, der SASJ. feil Helsingfors zu begutachten. Darunter fällt auch die Beurteilung der Spartakiade in Moskau und die Stellungnahme der Landesverbände zu ihr. Nicht minder wichtig ist di« Stellungnahme des Bureaus zur Einführung des Fußballspiels im Rahmen der SASJ. in dem tschechisch-sprachigen Teile der Tschechoslowakei. Der tschechoslowakische Arbeiterturnocr band hat sich aus seiner letzten Tagung zu einer Einführung nicht entschließen können. Im Herbst 1929 soll in Prag der 3. Kongreß der SASJ. abgehallen werden, zu dessen Tagesordnung man in Wien die Wünsche festlegen wird. Ferner wird man beraten über eine Reihe von Erscheinungen in einigen Landesverbänden, wie z. B. die Bildung eines zweiten Arbeiter-Sportverbandes in England und anderes mehr. Eine Fülle Arbeit wartet in Wien feiner Erledigung. Die Zusammenkunft so vieler Sportführer der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale in Wien benutzen die österreichischen Arbeitersußballspieler am 21. Februar zu einer großen internationalen Kundgebung, bei der sprechen werden der Vorsitzende des Iniernationalen Fach- ausschusses für Fußball R I e d e l- Leipzig,. der Vorsitzende des letti- fchen Sport- und Schutzbundes Bruno Kalnin-Riga und ein Führer der österreichischen Arbeiterschaft. Am 22. Februar sind die inter- nattonolen Sportsührer Gäste während einer Feierstunde des Wiener Ardeiterturnvereins im Fnvoritner Arbefterheim.—»Es ist sehr interessant, welche Sportarten in den Verbänden der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale am meisten be- trieben werden. Von den 24 Verbänden, die der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale angehören, betreiben: Fußball... Turner... Leichtathletik.. Wassersport... Turnspiele... Schwerathletik.. Wintersport... Radsahren... Touristik.... Außerdem gibt es in 8 Ländern eigene Samariterabteilungen, in 3 Ländern eigene Jugend verbände, in 3 Ländern eigene Schach- verbände, in 2 Ländern eigene Rabi overbände. rßjVE«« Gul-scheine Heosn bei! Zigarette Angerufene Bundesgenossen. Die Buchmacher unterstützen die Arbeiterpartei. L.VV. London. 21. Februar.(EigcnberiäU.) Wohl kein Ereignis im ganzen Umkreis der britischen Politik ist so sehr geeignet, dem kontinentalen Europäer die Berichiedeicheit zwischtti englischer und kontinentaler Politik vor Augen zu führen, wie die jüixiste Aktion der B u 6> m a ch e r Großbritanniens, von der in diesen Tagen so viel die Rede ist. Daß Bischöfe, Generäle, ij e r z ö g e für die Arbeiterpartei eiirtreten— daran hat man sich wohl bereits gewöhnt, ebenso daran, daß die Zlrbeiter- Partei in vielen kulturpolitischen Fragen eine von ihren übrigen Bruderparteien abweichende Stellung einnimmt. Aber daß die Labour Parti) von den Buchmachern offiziell unterstützt wird, stellt eine Episode in der Geschichte der Arbeiterpartei dar, die ohne Präzedenzfall seil? dürste Bei der großen Aktivität, die die Buchmacher in diesen füngsten Wochen zugunsten der Arbeiterpartei ent- jaltet haben, verlohnt es sich wohl, einiges über die Geschichte dieser einseitigen Liebe der Buchmacher für die Kandidaicn der Labour Parti) zu schildern. Als die konservativ« Regierung etwa vor Jahresfrist eine W e t t st e u e r einführte, da erklärte der Führer der britischen Arbeiterpartei, R o m s a y Mocdonald, daß„die Wcttleldenschost eine Demoralisierung des britischen Bolkes darstelle" und es dem Staat« nicht erlaubt sein dürfe, auf dieser Demora- listerung des Volkes durch Besteuerung Gewinn zu ziehen. Der Staat bzw. das Schatzamt werde dadurch„zu einem Parasiten" der Zerstörung von Tausenden von Arbeiterheimen. Diese Stellungnahme gegen eine Besteuerung der Rennwetten mit der Begründung, daß es für den Staat unerlaubt sein müsse, aus einem Laster Gewinn zu ziehen. war von der Ankündigung begleitet, die Arbeiterpartei werde als Regierungspartei diese Wettsteuer wieder abschaffen. Macdonalds Auffassung wurde von den übrigen Mitgliedern seiner Fraktion geteilt. Das Mitglied des Unterhauses Frau Ellen Wiltinson betonte, daß das Wetten in den Familien der britischen Arbeiter ebenso viel „Unheil anrichte wie der Alkohol", und Philip Snowden, Mac- donalds Schatzkanzler im Jahre 1921 und zukünftiger britischer Finanzminister, stellte im Parlament scst, daß seine Partei„gegen das ganze Rennweltgewerbe" fei und die Wetffteuer insbesondere deshalb ablehne, weil sie darauf abziele,„das Wetten rcspek- tabel ZU machen". Man wird, ohne ein Angelsachse zu sein, einer Argumentation kaum folgen können, die dem Siaat.e ein Ein- kommen infolge moralischer Einwände gegen das besteuert« Objekt zu entziehen wünscht. Tatsache bleibt jedoch, daß dies die Einstellung der britischen Arbeitcrpartciler ist. So eigentümlich uns schon diese Ausfassung erscheint, um so eigentümlicher muß uns jedoch berühren, was sich im Gefolge dieser Erklärungen eingestellt hat. Ohne Rücksicht aus den moralischen Fußtritt, den die Prosession der Buchmacher von den Führern der Arbeiterpartei erhallen hatte, beschloß nunmehr die„Rational Sportiug League", der führende Bcrufsverband der Buchmacher, fistc die Arbeiterpartei einzutreten, weil diese die Wettsteuer wieder abzuschaffen gedenke. Die Buchmacher ließen es hierbei nicht bei dieser platonischen Erklärung be- wenden, sondern warfen sich aktiv in den Kamps für die Arbeiter- kandidatcp, die sie mit Autos und anderen Wahlbeihilsen unterstützten. Ja, der greise Präsident der„Rational Sporting League" hat sich nunmehr offiziell nach dem Norden, nach Schottland, begeben. wo die junge Kandidatin der Arbeiierpartei, Miß Jenny Lee, Im Kampfe um«inen besonders schwierigen Wahlkreis steht. Er will seinen ganzen Einfluß zugunsten der sozialistischen Kandidatin ein- setzen! Dieses einseitige Bündnis der Buchmacher mit der Arbeiter- Partei hat natürlich den politischen Gegnern der Labovr Party zu allerlei Angriffen und Behauptungen Anlaß gegeben, worunter der infamste wohl die Feststellung war, die Arbeiterpartei Hab« ihre legten vier Nachwalst siege der Agitation der Buchmacher unter den wettlustioen Arbeiten, zu danken gehabt. Es ist selbstverständlich, daß kein enischaster politischer Beobachter bereit ist, dies« Bcrlegenheitserklärung für die überraschend großen Siege der Labour Party zu akzeptieren. Aber unter dem koirservatioen und liberalen Stimmvieh scheint diese Legende weite Verbreitung gefunden zu haben. Inzwischen sind die Boiaillone der Buchmacher nach Schottland eingerückt, um Jenny Lee in ihrem Wahlkampf beizustehen, und diese Unterstützung soll nunmehr in Zukunft sy sie moiisch jedem Kandidaten der Arbeiterpartei in den nächsten Nachwahlen und bei den Neuwahlen zuteil werden. Es möchie einem allerdings scheinen— auch der konservativ«„Evcning Standard" hat daraus unlängst hingewiesen—, als ob die Buch- inacher hierbei, abgesehen von einem erheblichen Mangel an persön- licher Würde, auch ein«-große Portion Kurzsichtigkeit beweisen. Gewiß! Die Labour Party wird, an die Macht gelangt, die Wettstcucr abschassen. Aber die Herren Buchmacher scheinen goizz vergessen zu haben, daß dies nur der erste Schritt sein wird. Der zweite Schritt wird die Abschaffung der Pro- fession der Buchmacher selbst sein. Die Buchmacher gleichen also dein bei Karikaturisten so beliebten Mamic, der den Ast absägt, aus dem er selbst sitzt. Der nächste Ozeanflug. Köhl und F.hmaurice fliegen direkt Berlia-New �orl. Di« von uns kürzlich angekündigten neuen Ozeanslug. plane der.,Vremen".PIloten Köhl und Fitzmaurice, über die aus England unzutreffende Nachrichten verbreitet wurden, sehe,, noch Milleilung aus zuvertäsiiger Quelle solgendes Projekt vor. das in seinen wesentlichsten Einzelheiten bereits fcstliegl; Köhl und Fitzmaurice wollen in Bogleitung zweier weiterer Piloten, deren Namen nock) nicht genannt werden sollen. Anfang Juni von Berlin aus zu einem Nonstopswg nach New Fork starten und sich dabei einer normalen Verkehrsmaschine, und zwar der dreimotorigen Junkers G 24 bedienen, wie sie im deutschen und inter- nationalen Luftverkehr in zahlreichen Exemplaren eingesetzt sind. Das Flugzeug, das mit drei Junkers-U-ö-Motoren zu je£tO PS ausgerüstet wird, erhält statt der Laufräder besonders sorgfältig konstruierte, für den Gebrauch auf hoher See geeignete S ch w i m- m e r, und infolgedessen wird der Start entweder aus dem M ü g g e l- oder auf dem Wannsee vonstoUen gehen. Mit Rücksicht darauf, daß es viel schwieriger ist, eine bis an die Grenze der Tragfähigkeit belade»? Wastermaschin« vom Wasser abzuheben, als mit einem Landslugzeug zu starten, will Köhl sich nun die Erfahrungen zunutze machen, die bei dein Flug des amerikanischen Flugzeuges „Ouestion Mark" mit einem regelmäßigen Tanken in her Luft von einem zweiten Flugzeug aus gemacht wurden. Er will nur mit ganz geringem Brennvorrat starten und dann über Berlin mit Hilfe eines besonderen T a n k s l u g ze u g e s die Brenn- stosfbehälter des Iunkcrs-Großflugzcugcs mit insgesamt 6 Tonnen Benzin aufsüllen, um hierauf den Flug nach New Park, jedoch nicht wieder über Irland, sondern über die südliche Route anzutreten, Ueber Lissabon wird die Ozcansliegcr eine zweite TamN Maschine erwarten und ihnen abermals den notwendigen Brenn- stofs zum Aufsüllen des bis dahin entsprechend verringerten Ben.zim Vorrats in der Lust zuführen. Köhl und Fitzmaurice sind der Aus- fossung, daß dieser Brennstoff dann zum eigentlichen Fluge über den Atlantik, und zwar an der südlichen Dampserroulx in der Nähe der Azoren entlang, völlig ausreichen wird. Nur für den Fall, daß das Ozeanslugzeug gleich zu Beginn des Fluges über dem offenen Meer mit starken Gegenwinden zu kämpfen haben pird sich seine Ge- schwindigkcit entsprechend verringern würde, soll auf sunkentel.'- graphische Nachricht von Bord der Maschine ein drittes Tankflugzeug von Horta aus starten und eine letzte Brennstosfübernohine über dem Atlantik ermöglichen. Da auf der südlichen Route im Monat Junt erfahrungsgemäß günstige Windverhältnisse herrschen, rechnen die Flieger mit einer Gesamtslugzcit Berlin— New Port von fünfzig Stunden, wobei sie auf eine glatte Durchführung des Tankens in der Luft hoffen. Das Junkers-Großflugzeug wird hierzu mit cwfprechenden Einrichtungen versehen, während als Tankmaschine wahrscheinlich die„Bremen"-Typc W 33 in Frage kommt. Köhl und Fitzmaurice lassen ihre Ozeanmaschine mit einer FT.- Station ausrüsten, die allen Anforderungen eine? Funkverkehrs, entweder anfangs mit Küstcnstati'oncn oder später mit Ozeandampfern, genügen und insbesanderc auch eine Funkpcilanlagc modernster Kon- struktion besitzen soll. Den Funkdienst soll einer der beiden beglei- tenden Piloten übernehmen. Bei den drei Junkers-G-ä-Motoren handelt es sich um eine wesentlich vcrbessette Konstruktion, die d'e Leistung des in die„Bremen" eingebauten L-S-Mowrs noch erheblich übertreffen sollen._ Oer Vorbesira�ten-Llnfug. Ein langjähriger Leser schreibt uns: Ich bin 79 Jahre alt. auch nicht bestraft. 1927 war ich arbeitslos. Da ich als aller Kerl auch keine Arbeit bekam, ging ich nack meinem Polizeirevier, um mir einen Legitim atiowss che i n sür Z e i t U n g s h o n d c l zu holen. Der Schein sollte 3 M. kosten. Da ich das Geld nicht hatte, so sollte ich noch der Polizei P r e n z- lauer Berg, Wcißcnburgcr Straße(5. gehen; ich müßte ein Führungsöttest bringen, wenn ich den Schein unentgeltlich haben wollte. Da ging ich zu einem Revier in der I m m u e l k i r ch- stroße und man gab mir einen geschlossenen Brief. Ich ging wieder nach der Weißcnburger Straße hin. Der Herr öffnete den Brief und ich mußte eine Treppe höher. So hpbe ich den Brief ge- lesen, da stand drin, daß ick) 13 3 2 mit z w e i T a g c n wegen Bcttelns bestraft worden bin. Muß das sein nach 46 Jphren' Der Fall zeigt deutlich, daß in der neuen Polizei des neuen Preußens noch Schlupfwinkel sind, aus denen die alte Bureaukratic ihre giftigen Pfeile schießt. Einem alten, ehrwürdigen Mann wegen einer lächerlichen Bagatelle noch noch 4K Jahren zu bemakeln, ist etwas, was dem modernen staatsbürgerlichen Empfinden unertrag- lich ist._ Hydranten freihatten? Bei den Bränden der letzten Zeit ist es wiadcrhost vorge. kommen, daß die Feuerwehr die Hydranten erst von Schneeund Eisbefreien mußte, ehe st sie in Beuptzung nehmen konnte. Dadurch sind kostbare Minute' verloren worden. Die Feuerwehr weist darauf hin, daß die He useigentümcr gesetzlich verpflichtet sind, die Hydranten von Schnee und Vereisung freizuhalten. Diese Vorschrift ist auch bei eintretendem Tauwetter von großer Bedeutung, da das Schmelzwasser in dem noch gefrorenen Boden gleichfalls gefriert und die Hydranten unbenutzbar macht. Wetter für Berlin und Umgegend: Größtenteils bewölkt und langsamer Temperaturanstieg bis in die Nähe des Gesrierpunktes. Winddrehung nach West. Für Deulschland: In Norddeutichland trübe und ansteigende Temperaturen, im nordwest'ichen Küsten- gebiet Tauwetter) auch im Süden Nachlassen der Kälte. CDOG Titania(v«. Hauptstraße 43 Potsdamer Strafe 38 Llcbfraumilch mit Hcnny Porten Das Kind des Anderen mit Anna Sten Rheinstrahe 14 Ka�-elchc) Somnambul mit Günther Geifers die Hellseherin Das gute Beiprogramm Odcon, PofidamcrStr. 75 Die Hfille der Heimatloicn(8 Akte) Ein Mddcl mit Temperament mit Maria Paudler Turmstrahe 12 Der Kampf der Tertia Ein Grab am Nordpol jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Ralsdabahn Der Skandal la Baden-Baden mit Brigitte Helm Filmpalast Börse Rösetuhaler Str. 40-41 U', ab S, S. ab 3.30 De* göttltdie Weib mit Greta Garbo Der B-Jehl rur Eh«! mit Dloa Qrall« Welt-Kino Alt-Moabit 99 Liebfraumlkii mit Henny Porten Das Geständnis der Drei S ui q p Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7, O.Ii, Stg. ab 4 1). Lemkes sei. Witwe mit Llssl Arne Anastasia mit Lee Parry ■»fallt«■ Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gufsmuthsstr. Kinder der Strahc Auf der Bühne; Joseph Plaut W Uchterfelda-west> i Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg..1,7, 9, 3 Uhr Zug.-V, llindenburgdamm 58a Der Zarewttsdi mit Iw. Pelrovilsch Hoppla, Vaier siebt's ja nicht! BObnensdiaa Fflm-Paiasf Kammersäle Tel fo wer Sttv 1-4 Beginn 6 LT. Der Wcrberbrteg mit FrWx Kampers Somnambul(Die HdlÄCherin) w— n ü Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 5. 6.10 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Wie Madame befehlen mit. Ad. Menjoo Somnambul(Die Hellseherinn) Filmcck Skalitzer SiraOc, am Oorlitzcr Bahnhof LleMranmllch mit Henny Porten Bühne; Wctstraab« Synkopttors Wrangclstr. II, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Sonnt 3, 5, 7, 9 Uhr Sturm Ober Asien Grobes Beiprogramm Bfihnenscfcau Vorwärtslcser Vorzugspreise Primus-Palast Hcrmannplatz Waterloo mit Otto Gebühr als Blücher Das gute Beiprogramm Aul der Bühne: Die sieben Alfredos, Lottakrobai. Jugendliche haben Zutritt Neukölln 3 Passagc-Lichtspielc Neukölln, Bergstraße 151— 152 Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, Stg. 3.5,7 u, ca. 8.45 U. Spelunke mit Samson-Körner Hallo— Cheycnnc mit Tom Mbt Bühnenschau Südpalast Knesebecksir. 113, Bhf. HcrmannstraBe Das Grabmal einer großen Liebe Der weiße Wildling Große Bühnenscbao Jugendliche haben Zutritt m Tcmpelhof j Tivoli-Liditspiclc Tempcttof. Berliner Sir. 97 W. 6-30, ca. 8,45 IT, St 4.45, 6.45, ca. 8.45 v. Die drei Frauen des Urban Hell Carmen mit Charlie Chaplin g Karlnnöor» p Ma I i Mariendorfer lia-lal Lldüsplele ChaussestraB« 305— Bühnenscbau Die Siegerin mi< Olga Tsdtecbowa Hallo m t Tom Mix Bühnen sebau Sonntags JageVotWeTlung „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne LlrbfranmUch mit H. Furien Auf der ühnej 4 Kaefha. Atkord-Virt AMd Fr. f tob Schloßpark Film. Böhne Berliner Alice 205—210 G" schichten aus dem Wiener Wald Ein HÄdel vom Zirkus Bühnenscbau Jugendliche haben Zutritt Germania-Palast Frankfuiter Allee 314 Der erate große Tonfilm G'ufaicfatea am dem Wiener Wald Auf der Bühne; Abeuiener eine« Stubeumiddhezu mit Maria Zalenka, Alir. Laaincr Beginn der ersten Vorstellung Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Sturm über Asien Russische Kleinkunstbühne; Goldener Hahn Concordia-Palast Andreasstraße 64 Der Mann mii dem Laobfroxh mit Heinrich George BOhnenschan— Beiprogramm Kosmos-Lichtspiele Uch'enberg, Lückstraße 70—73 Sturm über Asien Auf der Bühne: Berühmt. Ti ▼tun Zirkus «ad Bim Viktoria-Liditbild-Th. Frankfurter Allee 48 Woch. s, 7 a ca. M5, Stg. 3, s, 7u. ca. A45 U. Lemkes seL Witwe Schwarzer Adler Frankfurter Allee 90 Woch. 5, 7 u. ca. 8. 45. Stg- 3, 5, 7u ca.8.45U. Fiae Nechl In London Oer moderne CaMaom A f der Bühne; Oer Mann|» Schrank Kino Busch AU-Friedrichsfclde 3 Der moderne Casaaora "mit Hnrrr Liedlk« tooo PS mit Richard DU Bühnenschau � NlnönracHönnwölöö� Elysium lFii�aiast) Hasselwcrderstraße 17 Die große Leidenschaft mit L. Dagorer Operetten-Revue: Mmik für Alle Skala-Liditspielc Schönhauser Alice 80 Diebe fioooo Mark Belohnung) Das Kind des Anderen m. A. Sien Bühnenscbao „Alhambra" Bad Straße 58 Lieh traumlich mit Hcnny Porten Beiprogramm Große BfihnenMho» Alhambra MüIIcrstraßc, Ecke Seestraße Weib In Flammen mit Olga Tscbcchowa Große Revue; Launen der Liebe Fortuna-Licbtspiclc Müllerstraße 12c Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- prodokiioB Metro-Palast Chausscestraße 30 Ltebfraumlldb mit Henny Porten leb küsse Ihre Hand, Madame Noack's L cfatspielc Brunnenstraße Iß Llebfraumilcb mft Henny Porten Die Heilseherin, Frau Günter- Getters in einem kriminal teiepa. tischen Film Somnambul Gut geheizt! Pharus-Lichtspielc MülterstraBc 142 Wingsllt Mit ortg. Geräusch- ü. Klangeffekt Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Der Fürst der Abenteurer mit Novarro Der Scblauberger Bühnenscbao Ballschmieder- Lichisp. Badstraße 16 Ans dem Tagebuch gesellen mit R« Sc Rutschbahn Bühnenscfaan ein Schünzel es Jnng« Humboldt-Theater BadsiraBc 13 Kampf der Tertia Der weiße Wildling Bühnenscbau Jugendliche haben Zutritt Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die ungekrönte Königin mit C. uriifith. Der Llcbesroman der Lady Hamilton Bühnenscfaan Marienbad-Palast Badstraße 35-— 38 Carmen mit Charlie Chaplin Eine Verkäuferin von Klasse ■ Pa"*ow a Palast-Theater Bieite Straße 21 a Bcg. 6.30. 9 Uhr Liebfraumildh mit Henny Porten Erstklassiges Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Sturm über Asien Auf der Bühne: BaXIef Klrlatofi � HlndurtclianHamuw W Film-Palast Blankcnburger Straße 4 Der Fascfaingsprinz mit Harry Llcdtke .Skandal In Baden-Baden mit Brigitte Helm � a e« rTir"< � n pj o™ Q.t Bürgcrgartcn-Lichtsp. HaupBtrzße 51 und Lindauer Straße Der Kampf ums Matterbom Beiprogramm Bühntttjfban