BERLIN Sonnabend 23. Zebruar 1929 10 Pf. Nr. 92 B 46 46. Jahrgang. erscheint tSzlich«»ßerSonntaz«. Augleich Abcndauegabe btt.vorwärt«'. Trjuqtorcit brid« SSlKgabni SS Pf. pro Woche, 3,60 23L pro Monat. Redaktion und Errrditivn; BcrlinSWs8,?indenstr.3 nVrtutafh Sniekgenp reis: Die einspaltige Nonpareilleieile SO Pf., ReNamezeile d M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Derlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Eisen bahnunalück in Dortmund Drei weisende getötet, sieben schwer verletzt. Dortmund, 23. Februar. Ter Personenzug, der, aus Wanne kommend, n« 10 Uhr in Dortmund eintrifft, erlitt bei der Ein- fahrt in den Hauptbahnhof aus bisher unbekannter Ur- fache einen schweren Unfall. Ei« Wagen dritter ftlasse wurde umgeworfen, die beiden folgenden Wagen entgleisten. BiS jetzt sind drei Tote» sieben Schwer- und zehn Leichtverletzte- zu verzeichnen. Die Toten sind zwei Frauen und ein Mann. Tie Namen der Toten und Schwerverletzten stehen«och nicht fest. Tie Leichtverletzten konnten nach Anlegung von Notverbänden nach Hause entlassen werden. Der planmäßig um 10,11 Uhr von Castrop auf dem Dortmunder Houptbahnhof eintreffende Personenzug entgleiste in einer Weich: etwa 200 Meter vor der Einfahrt. Während die Lokomotive und die beiden ersten Wagen die richtige Fahrrichtung einhielten, schob sich der d r i t t e W a g e n a u f e i n N e b e n g 1 e i s und stürzte un- nüttelbar unter dem Einsahrtssignal um. Der verunglückte Dogen muß auseinandcrgeschweiht werden. Die Arbeit ist bereits in An, griss genommen. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, befinden sich darin ein oder zwei Tote. Es steht noch nicht cinwandsrei fest, ob noch weitere Personen in diesem Wagen find. Ueber das Unglück erhalten wir solgcnde Darstellung: Als der an dritter Stelle laufende Wagen 3. Klasse die hinter dem Einfahrtssignal liegende Weiche passierte, stürzte er um. Dabei wurde der Waggon an der Seite, aus die er zu liegen kam, stark zertrümmert und die Seitenwand fast völlig ausge» rissen. Unglücklicherweise war gerade dieser Wogen, im Gegen- satz zu den hinter ihm laufenden beiden Wagen, stark besetzt. Don dcn Passagieren, die an der betreffenden Seite saßen und beim Umstürzen des Wagens unter diesen und zwischen die Wandtrümmer gerieten, konnten drei, und zwar zwei Frauen und ein Mann, nur als Leichen geborgen werden. Sieben Neisende muhten mit mehr oder weniger schweren Verletzungen, Beinbrüchen und Quetschungen in das Dortmunder Krankenhaus transportiert werden, während acht bis zehn Fahrgäste, die aus der anderen Seite des Wagens gesessen hatten, ziemlich glimpslich mit leichteren Hautabschürfungen davonkamen Die beiden nach- folgenden Wogen, die ebensalls entgleisten, blieben neben den Gleisen flehen und stürzten nicht um. Die Ausräumungsarbeiten zur Frei- machung des gesperrten Bahnhofsgleises dauerten bis in die Mittagsstunden � Bisher steht noch nicht fest, aus welchem Grunde mitten in dem in loiigsaincr Fahrt in den 5>auptbahnhof Vormund cinlousenden Lokalzug ein Wagen plätzlich entgleisen konnte. Di« Untersuchung ist noch im Gange. Vis Mittag waren die Toten, die aus der Umgebung von Dortmund zu stammen scheinen, noch nicht re- k o g n o s z i e r t, da sie keine Ausweispapiere mit sich führten. Die Hilfsaktion konnte, da die Unsallstelle dicht vor der Bahnhoss- Halle liegt, sosort umfassend einsetzen. Die jüngsten Eisenbahnunfatte. Eine Mahnung an die NeichsbahngeseUfchasi. Von unterrichteter Seit« wird uns geschrieben: Wieder haben wir in Deutschland ganz kurz hinlereinoiüler verschiedene schwere Cisenbahnunfälle zu oerzeichnen, die ins- besondere durch das Dorbeisahren an auf„Halt' stehenden Signal- niasten entstanden sind. Was nutzen uns all« sonstigen SicherheUs- maßnahmen für die richtige Lage der Fahrstraßen, was die gute Unterhaltung des Oberbaues, was die Verstärkung der Fahrzeuge, wenn immer wieder alles durch Nichtbeachtung der Hauptsignale illusorisch wird. Was nutzen der Oeffentlichkeit und dem reisenden Publikum die Hinweis«, daß„ein Verschulden des Lokomotivfühners vorliegt und daß bei 600 Millionen Zugkilpmetern und insgesamt 1.8 Milliarden Signalbeobachtungen durchschnittlich nur 20 fehler- hafte Beobachtungen im Jahre gegen 40 vor dem Kriege zu ver- zeichnen sind'. Alle diese Beschwichtigungsversuche können doch über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß trotz jahrelanger Hinweise der Oeffentlichkeit auf Vorrichtungen zur Z u g b« e i n s l u s s u n g, welche solch« Unfälle mit ihren durchweg schweren Folgen fast sicher ausschließen, diese Anregungen nicht beachtet worden sind. Wenn die Reichsbahn jetzt anführt, daß sie von ihrem 53 000 Kilometer umfassenden Streckennetz 2900 Kilometer mit Zug- beeinflussiingsvorrichtungen verschen hat, so gesteht sie damit doch nur ein. daß auch sie solch« Einrichtungen für zweckmäßig hält, ihren Ausbau aber unverständlicherweise seit Jahren verzögert bai. Wiederholt ist von der Reichsbahngescllschast. ins- besondere angesichts der zahlreichen und schweren Unsäll« der letzten iZahre, erklärt worden, daß die Betriebssicherheit allem anderen vor- Eröffnung der Llnfatt-Woche. Werbewoche für Llnfallverhüiung. Noch mehr als von Krankheiten, gilt von Unfällen da» Wort: Besser als heilen ist verhüien. wie Unfälle verhütet werden können, darüber soll die B e i ch s- U n f a l l v e r. hülung». Woche(Ruwo) weitere Kreise dee Bevölkerung belehren. Sie wird veranstaltet von den deutschen Berufs- REICHS UNFAUVERHÜTUNG* W0(HE<24.FEBRr3.MARZ1929 VEIUNUSSJ VON OEN VEftSiNOEN OER DEUTSCHEN BERUFSGENOSSENSCHtFTEN. genossenschoften. denen ja, da sie Träger der llnsallver- sicherung sind, an der Verhütung von Unfällen sehr viel liegen muß. Nach dem Muster der Gcsundheilswoche will die Reichs-Unsallver- hütungs-woche in der Zelt vom 24. Februar bi» zum Z. März im ganzen Deutschen Reich durch Vorträge. Film. Vorführungen, Ausstellungen usw. aus die Unfall- gefahren und die Mitkei zur Abwehr Hinwelsen. In Berlin wird eine große Zahl von Vorträgen über die Unsallgefahren in Betrieben, im Verkehr, in der Hauswirtschaft und im Sport aufklären. Eine Ruwo-Ausstellung im Hause Potsdamer Straße 120, an der sich Behörden und Organi- salionen beteiligt haben, wird mit ihren anschaulichen Darbietungen besonders eindringlich wirken. Das Arbeltsschutzmuseuni (Charlottenburg, Fraunhoferstraß« 11/12) und das Gesund- heitshous Kreuzberg(Am Urban 10/11), die sich in den Dienst der Ruwo stellen, rechnen gleichsalls in dieser Zeit auf starkem Besuch. Auch der Sport beteiligt sich mit Vorträgen, Schwimm. festen usw. Heute mittag wurde die Reichs-Unfallverhütungs- Woche mit einer Ieststtzung eröffnet. Dr. Spiecker, Bor- sitzender des Verbandes der Deutschen Berufsgenossenschaften, wies in einer Begrüßungsanspraäze auf die Bedeutung der von der ge- samten Oeffentlichkeit uiüerstützten Ruwo hin. Minister Wissel! gab einen Ueberbiick über die Schwere der durch Unfälle herbei- geführten Schädigun gen an Gesundheit, Leben und Gut. Jährlich 24 000 Tote sind das traurige Ergebnis, und über 1 Million Menschen gehören zu dem Heer der Unfallrentner, die ihre Gesundheit und Erwerbsfähigkeit großenteils oder gänzlich ver- loren haben. Die Reichsregierung unterstützt die Bemühungen, über die Unsallgefahren aufzuklären und die vermeidbaren Unfälle aus- zuschalten. Für das Reichsgesundheitsamt nahm Präsident Dr. H a in e l dos Wort. Es versteht sich von selbst, daß die Ge- sundheitsbehörden diese Aufklärungsbestrebungen fördern. Auf die Beteiligung der Polizei, die durch ihre Straßen- ordnung zur Unsallvcrhütung beiträgt, wurde vom Pvlizeioizeprä- stdenten Weiß hingewiesen. Auch die Schule wirkt mit, und eine besondere Organisation,„Schulverkehrswacht", für die ihr Bor- sitzender, Rektor Hauer, sprach, betreibt planvolle Belehrung der Kinder über die Unsallgefahren. Geöfsnel sind zu unentgeltlichem Besuch: Ruwo- Ausstellung. Potsdamer Straß« 120, bis 3. März, täglich von 9 bis 22 Uhr: Deutsches Arbeitsschutz in useum, Chorlotten- bürg. Fraunhoferstraße 1l/12, bis 3. März, täglich von 9 bis 14 Uhr und 16 bis 22 Uhr: Kesundheitshaus Kreuzberg, Am Urban 10/11, dauernd werktäglich von 9 bis 21 Uhr, Sonntags von 10 bis 14 Uhr. gehen müsse und daß für ihre Erhaltung Mittel bereitstehen müßten. Die Oessenllichkeit ist leicht geneigt, solche Zusicherungen als Talen zu nehmen, bis ein neues Unglück blitzartig den schweren Zwiespalt zwischen Worten und Talen der Reichsbahn beleuchtet. Es hat wenig Sinn, wenn die Reichsbahngesellschafl oersucht.' durch die Geschwindigkeit ihrer Demeniis jede öffentliche Erörterung zu unlerbii-den, wobei das Urteil über die Schuldsroge zuweilen voreilig vorweggenommen wird. Die deutsche Oefsentlich- k e> t hat das Recht zu fordern, daß die Reichsbahngesellschaft sich nicht daraus beschränkt, sondern durch praktische Arbeiten die Be- tricbssicherheit aus ihren Bahnen gewährleistet. Heute 2 Grad Wärme. Da» vom Lmllichen Wetterdienst vorausgesagte Tauwetter ist mit großer Pünktlichkeit eingetrossen. Während in der vergangenen Nacht noch 2Vi Grad kälte herrschten, stieg das Quecksilber in den Worgevstunden und mittags wurden gegen 2 Grad wärme gewessen. Da» Tauwettergebiet erstreckt sich über ganz Nordwesldeutschlond bis zur Oderllnle. Die Ursachen de» Tauwetter» sind milde Lustzusuhren au» dem Nordwesten, die überall Trübung, östlich der Elbe starke Schneefälle und einen ollge- meinen Aastieg der Temperaturen hervorgerufen haben. Auch in Süddeutschtand ist e» bedeutend wärmer geworden. München halte gestern 24 Grad kälte, heute wurden nur noch minus 10 Grad gemessen. Die Wetterlage ist zurzeit etwas kompliziert, von Nordosten wird ein neuer Kaltlusteinbruch gemeldet, der in Ostpreußen bereit» wieder ein Sinken der Temperaturen zur Folge hat. Vor- aussichtlich wird auch Berlin in den Bereich de» neuen Kältegebiets gelangen. Bei schwachem Frost werden stärkere Schneejälle vorausgejqgl. Gowjeikrediie in Amerika. Washington, 23. Februa». Der Ehef der Sowjetbank, S ch e i n«r a n n. hat in längeren Konferenzen, die sich über zwei Tage erstreckten. mit dem Präsidenten der Bundesbantbehvrde die Mög- lichkeiten erörtert, für die geplanten langfristige» Kredite der Sowjetregierung bei den amerikanischen Banken angemessene Sicherheiten zu hinterlegen, ohne daß dabei internationale Schwierigkeiten entstehen wie im vergangenen Jahre, als die von Rußland nach Amerika gesandten Goldbarren von den Bundes- reserdebanken wegen der von der Bank von Frankreich geltend gemachten Ansprüche nicht als eine für russische Rechnung hier lagernde Geldsumme betrachtet oder auch nur abgeschätzt werden konnten. Wie das hiesige russische Nachrichtenbureau mitteilt, hat Scheinmann bei diese» Konferenzen keinerlei politische Fragen angeschnitten. Aus der KpO. Massenflug kommunistischer Aerzte. Die Bezirksleitung Berlin-Brandenburg schloß folgende Parte!» mitglieber„wegen schwerer Verstöße gegen die Grundsätze der Partei, Propagierung reformistischer Aufsassniigen und schweren Disziplinbruches' aus der Kommunistischen Partei ans: Karl Köhler, Gertrud Brandler. Erna 5ialbe. Wllly Schönbeck. Eberhard Wiskow. Waller Dupre, Dr. Leo Klauber, Dr. Ewald Fabian, Th. Gabbey, Franz Schleiter. Ferner wurde ein Verfahren gegen Dr. R o s e n t h a l und Dr. Mona Flake eingeleitet. Die Bluttat in Pankow. planmäßige Vorbereitung des Lteberfalls.- itlKM) Mark Belohnung. wie bereits gemeldet, ist am gestrigen Freitag abend, kurz nach 10 Uhr, vor dem Hause harzgeroder Strohe in Pankow der ISjährige Oberprimaner Herbert Kleier. Sohn eines Magistratsbeamten, harburger Strohe 6 wohnhaft. von Rol-Fronl-Kämpfern niedergeschossen worden, als er mit mehreren Freunden von einer Sitzung des Zung- Stahlhelms kam und sich In die elterliche Wohnung begeben wollte. In Pakow ist es in de» letzten Monaten häufiger zu blutigen Zusammenstößen zwischen Stahlhelmleuten und Rot-Front-Kämpfern gekommen. In dem vorliegenden Fall besteht der Verdacht, daß die Angreifer Kommuni st en sind, die aus Neukölln stammen. Dort hatte am Freitag abend in der Geygerstraße eine Zusammen- kunst der Rot-Front-Leute stattgesunden, und von dort aus soll auch«ine Kolonne nach Pankow entsandt worden sein. Nach den Ermittlungen des Kriminalkommissars Dr. Stumm von der Abtellung I A und des Kommissars Heller ist Herbert Kleier mit zwei Freunden gegen 10 Uhr durch die Harzgeroder Straße gegangen. Ein Trupp Kommunisten fuhr durch die Harzgeroder Straße, wobei ein Teil der Rot-Front-Kämpfer sich auf der Mitte des Fahrdammes hielten, zwei offenbar noch jüngere Leute aber scharf rechts am Bürgerstcig fuhren. Plötzlich habe der eine der Kommunisten den rechten Arm emporgehoben und einen Schuß abgefeuert, der den jungen Klei er in die Brust traf und den oberen Rand des Herzens verletzte. Nach der Art und Weise, wie die Kommunisten die Straße beobachteten, hatten sie es nach Angabe von Passanten offenbar auf einen Ueberfall von Stahl- Helmleuten abgesehen. Die Radfahrer, die durch die Harzgeroder Straße fuhren und zu denen auch der Reoolvevschütze gehört, haben sich dann später, wie beobachtet wurde, in der Schönhauser Allee wieder mit anderen Radsahrertrupps vereinigt. Vom Polizeipräsidium wird folgendes mitgeteilt: Gestern gegen 22 Uhr wurde in Pankow am Clausthaler Platz Ecke Harzgeroder Straße der dem Iung-Stahlhelm angehörende Primaner Herbert Klcier aus Pankow von eineni Unbekannten durch einen Pistolenschuß in die link« Brustfeitc so schwer verletzt, daß er aus dem Transport zum Krankenhaus verstorben ist. Äleier hotte an einer Zusammenkunft des Iung-Stahlhelms im Lokal von Richter, Wollankstraße S, teilgenommen und befand sich mit drei Freunden auf dem Heimwege. Ihm und seinen Begleitern war es aufgefallen, daß sie eine ganze Strecke long von zwei Radfahrern begleitet wurden, von denen der größere am Clausthaler Platz die ruhig ihres Weges gehenden Iung-Stahlhelmleute anrief und den einen von ihnen, der eine Stahlhelmmütze trug, aufforderte, die Mütze abzunehmen. Da die Iung-Stahlhelmleute sich mn den Anruf nicht kümmerten, sprang der größere der beiden Radfahrer vom Rade, gab dieses seinem Begleller zum Halten und schlug dein uniformierten Jung-Stahlhelmer, der die Mütze trug, mit einem harten Gegenstand auf den Kopf. Als sich daraufhin Kleier um- wandte, fiel aus einer Entfernung von zwei bis drei Meter ein Schuß, der Kleier traf. Von den beiden Tätern wird folgende Beschreibung gegeben: 1. Der große Radfahrer trug dunkles Jackett, helle Kniehose, Sportmütze, wollenen Schal um den Hals und schwarzes Tuch um den unteren Teil des Gesichts. Er hat ein aussallcnd schmales Gesicht, ist anfangs der 20er Jahre und über 1,80 Meter groß. 2. Sein Begleiter ist etwa 1.70 Meter groß, trug gelbbraune Windjacke, dunkle Kniehosen und auffallend große Handschuhe in dunkler Farbe, außerdem blaue Tuchmütze mit dem Abzeichen des kommunistischen Iugendverbandcs„Deutschland" und einem bräunen Ledersturinriemen. Er ist etwa 18 Jahre alt und hat glattes, frisches Gesicht. Für die Ennittlung der Täter hat der Polizeipräsident eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. und zwar für Angaben aus dem Publikum, die zur Crniittlung und Ergreifung führen. Vorschläge zur Reichsreform. Oas Gutachten einer(Sachverständigenkonferenz. wie das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher eitungsverleger von unterrichteter Stelle hört,, ist in den arbeiten der Sachverständigen der Länderkonfe- r e n z soeben ein gewisser Abschluß erreicht worden. Wie erinnerlich, hatte der Verfassungsausschutz der Länderkonfe- ienz einen Arbeitsausschuß eingesetzt, der die verschiedenen Spezial- fragen auf dem Gebiete der Reichsreform mit Zuhilfenahme hervor- ragender Sachverständiger gründlich prüfen und geeignete Dorschläge machen sollte. Dieser Arbeitsausschuß hatte seinerseits drei Spezial- referate gebildet, und zwar für O r g a n i ja t i o ns f ra g e n, für Zu stän d i g k e i t s f r a ge n und für den Finanzausgleich. Neben ihm besteht noch ein sogenannter Territorialausschuß, der die Frage der Neugliederung zu behandeln hat. Bei Beurteilung der Arbeiten des einzelnen Referates muß beachtet werden, daß ihre Bedeutung davon abhängt, wie weit sie sich mit den Arbellen der übrigen Referate zu einer Einheit zusammenfügen lassen. Mll dieser Einschränkung ist auch das zu verstehen, was jetzt das Orgamsations- referat als Abschluß seiner Arbeiten fertiggestellt hat. Diesem Referat gehörten als Sachverständige Ministerialdirektor Dr. Brecht- Preußen, Ministerialdirektor Dr. Poetzsch-Heffter(Sachsen). Staatspräsident Bolz- Württemberg und Bürgermeister Dr. P et e r se n- Homburg an. Diese Sachverständigen, und das darf schon grundsätzlich als besonders erfreuliches Ergebnis gewertet werden, haben sich auf die Erstattung eines einheitlichen Gut- achtens geeinigt.' Aus dem Inhalt ihrer Arbeiten bzw. ihres Exposes wird dos folgende mitgeteilt: Die drei Sachverständigen haben es als Aufgab« des Organisationsreferats angesehen, die Verbindung zwischen preußen und dem Reich herzustellen, gleichzeitig aber auch die mlltleren und kleineren Länder in die Reichsreform einzubeziehen und dabei doch den Gegensatz zwischen Nord und Süd möglichst abzuschwächen. Das konnte nicht in der Weise geschehen, daß man für den Norden und für den Süden eine völlig umforme Lösung vorschlägt, sondern es bleiben gewisse Differenzierungen bestehen. Dies ist der Sinn der„differenzierenden Gesamtlösung", die die Sachverständigen vorlegen. Die Gesamtlösung des Organisationsreferats unterscheidet sich dabei in erheblicher Weise von den Vorschlägen des Luther- Bundes. Beim Luther-Bund ist die Differenzierung zwischen dem Norden und Süden in sehr scharfer Weise dadurch betont, daß der Norden zu einem besonderen Reichsland zusammengefaßt wird und daß das Reichsland im Gegensatz steht zu den Ländern Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen. Die Gesamtlösung des Orgam- sationsreferats kennt diese scharfe Trennung Zwischen Norden und Süden nicht. Bei ihr liegt die Differenzierung in der Verschiedenheit der Organisation der norddeutschen und süddeutschen Länder. Diese Ver- schiedcnheiten liegen einmal darin, daß in den Ländern, die auf dem preußischen Gebiet gebildet werden(gewissermaßen„preußischer Typus") eine allgemeine abhängige Reichsverwaltung neben der Selbstverwaltung unter dem Landeshauptmann eingerichtet wird, Reichsregierung und preußische Zentrale werden zu einer neuen ein- helllichen„Reichsregierung" vereinigt. Das ermöglicht den Zu- sammenhall des bisherigen preußischen Verwaltungssystems und ver- hütet, daß Preußen im Augenblick seines Aufgehens im Reich„zer- schlagen" wird. Dieser norddeutschen Zweiheit der Verwaltungs- organe im Lande— man hat nach österreichischen Vorgängen auch von einer Zweigleisigkeit gesprochen— entspricht in Süddeutsch- land ein System, in dem die allgemeine Landesoerwaltung wie bis- her Selbstverwaltung des Lartdes bleibt. Die Möglichkeit einer un- mlltelbaren Berbilligung zwischen dieser Selbstverwaltungsorgam- jation der süddeutschen Länder und der Reichsregierung ist durch die Einrichtung der Auftragsverwaltung gegeben(süddeutscher Typus). Sowohl in den norddeutschen Ländern wie in den süddeutschen, ein- schließlich Sachsen, wird neben dem geschilderten Organisationssystem die Möglichkeit bestehen, einzelne Verwaltungszweige in einer Reichs- sonderverwoltung zu erholten. Eine Differenzierung zwischen den„preußischen Ländern" und den übrigen wird auch darin liegen, daß die Verfassung der preußischen Länder einheitlich vom Reichsgesetzgeber bestimmt wird und daß cbenjo die Zuständigkeit der preußischen Länder vom Willen des Reiches abhängig bleibt. Bei der beschränkten Aufgabe, die dem Organisationsreferat ge- geben war, hat in ihm noch nicht entschieden werden können, welche Aerwaltungszweige in Reichssonderverwaltung gegeben oder welche Verwoltungszweige in Auftragsverwaltung kommen werden. In- folgbdesfen hat der Organisationsausschuß sich z. B. auch nicht über die Frage auszulassen gehabt, ob die I u st i z in den süddeutschen Ländern Reichssonderverwaltung oder Auftragsoerwaltung weichen soll. Da der Organisationsausschuß seine Arbeiten abgeschlosien hat, che die territorialen Fragen in Angriff genommen werden konnton, ist zunächst auch offen geblieben, welche Länder in Mitteldeutschland gebildet werden. Es besteht Wahrscheinlichkeit dafür, daß, je nachdem für diese mitteldeutschen Länder überwiegend preußisches Gebiet oder überwiegend eigenes Gebiet verwendet wird, der preußische oder süddeutsche Typus in Frage kommt. Es bleibt also eine ganze Anzahl Fragen, die nur im Zusammenarbeiten der verschiedenen Referate geleistet werden können>md für die der Arbeitsausschuß als Plenum selber berufen ist. * Es ist nunmehr zu erwarten, daß demnächst das Referat der zweiten Sachverständigengruppe über die Zuständigkellsfrogen folgen wird. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß auch Bayern der geplanten Reform nicht ablehnend gegenüberstehen werde und nimmt an, daß etwa im April das Plenum des Arbeitsausschusses zusammen- treten kann. Es handelt sich in jedem Falle hier nur um Vorschläge eines Ausschusses. Bis zur Berwirklichung dieser oder an» oerer Vorschläge bleibt immer noch ein sehr langer Weg. Trotz- dem ist es notwendig, daß die einzelnen Vorschläge nicht nur am grünen Tisch haften bleiben, sondern auch im Volke selbst durchdacht »und durchberaten werden. Es wird immer„nationaler". Hitler weist Hugenberg aus. Görlitz. 23. Februar. jine nationalsoziaiistischc Versammlung im i oli. in der gestern der frühere Pastor Münchmeyer-Borkum einen '; ag über„Schwarze Sturmvögel an der Schwelle des Jahres hielt, nahm einen stürmischen Verlauf. Schon vor rer Eröffnung kam es zu scharfen Auseinandersetzungen, als der Vorsitzende den Schriftführer der Deutschnationalcn, Heine, der im Saale Platz genommen hatte, aufforderte, unverzüglich das Lotalzu verlassen. Als Heine der Aufforderung nicht Folge leisten wollt«, entstand ein solcher Tumult, daß die Polizei ein- schreiten mußte und Heine aus dem Saal entfernte. Im Verlaufe des Abends wurde die Polizei noch dreimal gegen kommunistische und deutschnationale Zwischenrufer zu Hilfe gerufen. Der Redner beschimpfte in seinen Ausführungen die deutsche Re- publik und die jetzige Stoatsform. Als sich am Schluß ein kommu- nistischer Redner zum Wort meldete, kam es wiederum zu Tumulten, und abermals mußte die Polizei Ordnung schaffen. Wafferrohrbrüche überall. so mal Alarm in 1.2 Stunden. Der plöhllche Wilterungsumjchlog hat wie vorauszusehen tu zahlreichen verliner Mietshäusern zu Wasserrohrbrüchen geführt, die zum Teil erheblichen Schaden ange- richtet haben. 3n vielen Fällen wurden Keller überflutet, so daß die Feuerwehr eingreisen muhte. Allein in der kurzen Zeit von Mitternacht bis 12 Ahr mittags mußte die Feuerwehr annähernd S 0 m a l auf den Alarm„Rohrbruch im Wohnhaus" ausrücken. Die Zahl der Wafferrohrbrüche wird sich allem Anschein nach in diesen Tagen noch erheblich steigern. Von städtischer Stelle ergeht daher an die Hauswirte, Verwalter sowie Portiers die Bitte, die Feuerwehr nur dann in An- fpruch zu nehmen, wcnn es unumgänglich not- wendig ist. So gern sich die Feuerwehr dieser Arbeit unter- zieht, so wird sie dadurch ihrem eigentlichen Zweck, der Feuer- bekämpsung, entzogen, und es kommt häufig vor, daß Löschzüge von weither zu einem Brande geholt werden müssen, weil der zuständige Zug gerade zu einem Rohrbruch ausgerückt ist. Die Feuerwehr kann aber bei einem Rohrbruch auch wellcr nichts machen, als die Zuleitung am Hauptschieber im Keller abstellen. Leider wissen viel- fach die Hausbesitzer und Verwalter in ihren eigenen Häusern nicht Bescheid. Di« Feuerwehr bittet daher diese Stellen, sich von der Lage der Absperrhähne für die Wusserleitung die notwendige Kenntnis zu verschaffen, um diese im Notfall selbst abzusperren. Sollte sich die Notwendigkeit der Hilfe der Feuerwehr doch heraus- stellen, so wird gebeten, zur Herbeirufung nicht einen Feuer- melder, sondern das Telephon zu benutzen, da auf einen Alarm durch den Feuermelder stets ein ganzer Zug ausrückt, wäh- rend zur Behebung von Rohrbrüchen nur wenig« Beamte nötig sind. Wassermesser absperren. In Häusern in deren Innerem die Housverteilungsleitunge» eingefroren sind, ist. solange diese Leitungen noch nicht aufgetaut sind, zweckmäßig, den Hahn am Wassermesser während der Nacht abzusperren, um das Eintreten von Rohr- brächen und Ueberschwemmungen während der Nacht zu verhüten. In vier Wochen erfolggekrönt. paris. 23. Februar.(Eigenbericht.) Die vom Fünsertomilee der Sachverstäill>igenkonferenz vorze- schlagen- Teilung der deutschen Iahreszahlungen in solche, die den Transferschutz genießen, und solche, die ihn nicht genießen, findet in der französischen Presse keine günstige Aufnahme. Es wird be� fürchtet, daß die Summe, die dem Transferschutz weiterhin unter- liegen soll, keinen realen Wert haben werde. Man tröstet sich damit, daß die vorgeschlagene Lösung nicht endgültig sei. Sauerwein weist im„Motin" auf die Bedeutung der Rolle des Wohlftandsindex im Dawesplan hin. Dieses müsse beibz- halten, aber eine bestimmte H ö ch st z a h l für die Zahlungen feftge- setzt werden. Einer der Sachverständigen habe erklärt, die Konferenz werde acht Tage oder noch vier Wochen dauern. Im ersteren Falle sei sie nutzlos, im letzteren von Erfolg gekrönt.< (Zrkärung. In der Nummer des„Abend" vom 7. August 1928 habe ich in einem Artikel, der dem genugsam bekannten Kirschner aus Essen gewidmet war, die Vermutung ausgesprochen, daß zwischen Erd- mann und Kirschner ein gewisser Zusammenhang bestanden Hobe. Wenn Kirschner, so heißt es in dem Artikel, oder einer seiner Rc- dakteure vor Gericht zitiert wurde, so stellte sich als ihr„Gewährsmann" Karl Erdinann ein. Ich lege Wert daraus, zu erklären, baß damll eine Beteiligung des Herrn Karl Erdmann an den schmutz:- gen Machenschaften.Kirschners nicht hat behauptet wenden sollen. Herr Erdmann ist tatsächlich von einem der Sitzredakteure Kirsch- ners in eineni von einem Porteigeiwssen angestrengten Beleidi- gungsprozeß als Zeuge vorgeladen worden, indes ist fein« Ladung ohne sein Zutun erfolgt. Keineswegs habe, ich in dem wiedergegebenen Artikel zum Ausdruck gebracht haben wollen und wird auch Herrn Erdinann nicht zugetraut, daß er sich an den von Kirschner ausgesprochenen Verleumdungen republikamscher Staatsmänner i» irgendeiner Form beteiligt habe. Eugen Proger. Asyl für obdachlose Malmen. Jm Jial&enheim Stahnsdorf finden obdachlose ülalxen aus der Stadl Aufnahme. Die oft fast zum Skelett abgemagerten Viere nserden hier in hurxer Seit nieder rund und ansehnlich. Sozialisten für Trohti. llm die Ausnahme in Frankreich. Paris. 23. Februar.(Eigenbericht.) Der„Populaire" sestt sich heute für die Zulassung Trotzkis nach Frankreich ein. Das Llatt schreibt!„Es sei nicht möglich, daß die französische Regierung, tt»ie dies einige Blätter gemeldet hätten, sich weigern, Trotzkis Aufenthaltserlaubnis für Frankreich zu erteilen. Falls Trotzki einen solchen Antrag stelle, so müsse man hoffen, daß die französischen Minister, so borniert und blind wie sie seien, nicht die d u m m e und grausame Antwort geben, die man bereits gemeldet habe/ Für die Einreise in die Tschechoslowakei. Brünn, 23. Februar. In Brünn hat sich ein Ausschuß aus Mitgliedern der kommu- nistischen Opposition gebildet, der alles daransetzen will, damit Trotzki die Ueberführung in eins Heilanstalt der tschechoslowakischen Republik bewilligt werde. Die kommunistische Opposition erklärt, daß sie zwar in schroffem Gegensatz zu den Anschauungen und Prinzipien Trotzkis stehe, aber aus purer Menschlichkeit sich mit ollen Kräften dafür einsetzen wolle, um ihm die Behandlung und Heilung in der Tschechoslowakei zu ermöglichen. Die führenden Mit- glieder der kommunistischen Opposition in. der Republik haben bereits den zuständigen Behörden ein Gesuch vorgelegt, damit Trotzki während der Dauer der Behandlung und Genesung der Aufenthalt in der Tschechoslowakei gestattet werde. Kolgenschirere Keffelexplosion. Sieben Personen getötet. Durch eine Aesselexplosioo in einer Sägemühle bei Glenville (Georgia USA.) wurden sechs Personen gelölet und vier schwer verletzt. Die Sägemühle wurde zerstört. Die Explosion war so heskig, daß Ziegelsteine bis zu einem etwa ?IX> Meter enlseralea Mohnhaus geschleudert wurden, wo ein achtjähriges Mädchen getroffen und gelötet wurde. Katastrophale Folgen. Was man n cht mit Zwang und äußerer Gewalt durch- führen könne, erstrebe man mit Aushöhlunqspotiti» dadurch, daß man Bayern den finanziellen Brotkorb höher hänge und ea aus- zuhungern versuche. Bayr. Ministerpräsident Held Wie der«.ausgehöhlte� Bayer sich zu trösten sucht. Theater der Woche. Vom 24. Hebruar bis 4. März. Volksbühne. lt»«m Bülowplop:«reuzobnahme. ,« Schstf baaetfeanm: Di« Dreigroschenoper. «»«.Theater: Odrausch. Staatstheater. £ Uta Uo»et Unter bcn Linden: 2t. Aida. 23. Roseninvalier. 26. Boheme. "7 Rheinao Id.'28. Boris Godunois. 1. Madame Butt«rflq. 2. IZra Diavoio. 3 Mona Lisa. 4. Die Macht des Schicksals. Staatsoper»» Plag der Republik: 24. und 2«. Der fliegende Holländer. 23. und 4. Sonnen. 27. und 2. Hoffmonn« Erzählungen. 28. und 1. stleder. �"stäl�is�e vper Sharlottenbu�,. 24. Boheme. 23. und I. Eosi san Tuiti. 2« Entsiihruna aus dem Serail. 27. Tannhäuser. 28. Maolcnball. 2. Eugen Oneain. 2. Sonny spielt auf. 4. Keschlossene Vorstellung. Staatliche» Schauspielhaus am Senvarmenmartt: 24., 23., 28., 1., 2.. 3., 4.«ori und Anna. 2«. und 27. Die P-Ir°l-uminsel Schiller-Theater Eharlottendurg. 24., 25., 28., 1., 2. Oedipns. 26. und 37. ISespenster. 3. und 4. Kalkutta, 4. Mai. Theater mit festem Spielplan: Drntjche» Theater: Die luftigen Weiber von Windsor.—«nmmerspielc: Soeben erschienen.— Die Komödie: Olympia.— Theater in de,«öniggraher Strafte: Revolte im Erziehungshaus.— Komödtenhan»: Das Geld auf der Strafte- Theitre de»«eftens: Ädeherit«.— Retropol-Thexier: Die luftige Witwe— Komische Oper: Zum Paradies der stiften Frauen.— Deutsche» Künstler. Theater: Der Zinter.— Lustspielhaus: Wertend im Parodle».— Lelling-Theater: Bourgeois bleibt Bourgeois.— Theater im Palmrahans: Die Sechser- Operette.— Trianon-Theater: Berschwörer.— Zentral-Theaier: Ich killle sthrc Land. Madame.—«erliner Theater: 3 x Hochzeit.— Dl» Tribiine: Lere und Frau So und So.-«leine» Theater: Trio.— Rrnaistanee-Theatrr! ckXis arofte ABC— Tastuo-Theater:«ilometerliebchen.— Wintergarten und S-ala- Internationales Variete.— Reichshallen.Theoter: Stettin er Sänger.— Theater am«ottbusscr Tor: Elite.Sönger. Theater mit wechselndem Spielplan. ß&AnfDiettaa«: Bis 28. Casanova.— Refidenz.�eater: Vom 24. Iiie 28 Dec rei�n�eAdoian. Ab 1. Die �örstelchvistel.— Äose-Theater: Ab 55 Dir Obedwi�- Schloftparl-Theat-r Steglift: Bis 28. Der tzigeunerbaron. I. bis S. tJaganrnt. ���j�agsvorstellungen. «»ttsbfthoe. Theater a» BSlomplaft: s. Dt« Bersdahn. Theot«.°»«chtll- bauerdammV 24..». Helden. Thalia-Sheatcr: 2«.. Z�O-lraulch- Staatliche, Schauspielhaua a» Seadarmenmorlt: 24. staust.- Aeater in der«öniggräfter Strafte: 24., 8. Revolte im Erziehunasbau».— Kouuidienhau,: 24., Jl Do» Seid auf der Straft». Deuts»-«ü-ftler-Theater: 24. Der S«re.- g-ut-l. Theater: 24., 3 Ich titsss Ihr« Sand, Madame.— Die Tribun«: 24. 4.*0. tz.— Woaudtm i, 16.UH- und 8,.-Z»-- R-che� 17� Uhr: 6hm Welks„Kreuzabnahme". Erstaufführung in der Volksbühne. Der Dichter sogt: Die Seele, die der sterbende Tolstoi nicht her- geben will, wird unter dem russischen Bolk weiterleben. Sie wird jeden Menschen- gefährlich fassen, den Muschik und ouch den Aristo- traten und auch den Bürger. Rußland wird ewig gebunden bleiben an diese Tolstoimacht, deren tiefster Gedanke die Notwendigkeit zur Selbstqual ist. Ehm Welk meint diese Idee sehr schön und sehr innig. Er variiert einen Tolstoispruch, der in dem Trauerspiel nicht genannt wird, ihm jedoch alz Motto voranzusetzen wäre: Die Welt ist nicht aus Menschen zusammengesetzt, sondern der Mensch aus Welten. Und diese Welten bedeuten nur Schmerz. Weil Ehm Welk an die Wurzel des Genies greift, fürchtet er nicht, die Töne seines Dramas sehr laut schallen zu lassen. Der Tod Tolstois und zelebriert und symbolisiert als eine hochheilige Begeben- heit, ebenbürtig dem Tod« Jesu Christi am Kreuz. Er erschienen all die Berwandten und Freunde, die den Sterbenden umgeben, die Gattin selbst und dann die Tochter und die Neffen gleich der Schar der Unverständigen und Verräter, die einstmals den Heiland zum Kreuz begleiteten, ihn aber beleidigten und nicht begriffen. Ehm Welk denkt sich diese Tragödie im Hause Tolstois als ein Weihe- und Märtyrerspiel, das würdig wäre, im Gotteshaus auf- geführt zu werden. Es liegt sehr viel Schotten auf allen Personen, die den sterbenden Märtyrer Tolstoi umgeben. Selbst der getreuestc Jünger, Tolstois Vertrauter Novikof, zeigt schon in der Stunde seines höchsten Mitleids und Schmerzes Züge, die auf feine spätere Judas- tätigkeit hinweisen. Dieser treueste Tolstoianer, der ein Abtrünniger wird, wird zum Propheten Lenins. Es soll zur Tolstoitragödie die Vvlkstra- gödie kommen, deren Inhalt folgendes ist: Rußland war nicht söhig, die Tolstoische Duldsamkeit als Erlösungslehre und Evangelium nachzuahmen. Das Genie der Selbstqual verschwand, und die nach ihm blieben, waren nicht mehr die Selbstquäler, sie wollten die Selbstbefreier sein, die Roten, die sich nur aus dem Gehirn Lenins nährten. Das ist der zweite Teil des gedanklichen Mysterienspiels. Aber es bringt keine Erlösung. Auch die Leninidealisten erleiden die schreckliche Niederlage. Sie wollen sich übertrumpfen an Gewissens- reinheit und Herzen saufrichtigkeit, dach sie werden unter ihrem Idealismus begraben. Aus Verzweiflung bringen sie sich um, und nur im Sterben, nicht aber im Leben können sie betteln, daß die Ueberlebenden der Lenimdee treu bleiben sollen. Hat der Dichter Ehm Welt dieses Ende pathetisch oder ironisch gemeint? Die Frage ist schwer zu beantworten. Nicht zu übersehen ist aber, daß Lenins leidenschaftlicher Prophet sich gewaltsam aus dem Kampfe ausschaltet. Indem er sich erschließt, bekennt er, daß die Arbeit für seine schwachen Kräfte und für sein zartes Gemüt viel zu schwer war. In solche gewaltigen Probleme hat sich Ehm Welt hinsinge- wühlt. Er hat das Sterben Tolstois und das Ringen des russischen Volkes und seiner Führer wie ein tief bewegter Schiedsrichter ge- prüft. Dach er sah nur den abstrakten Vorgang. Er sah kaum die realen Menschen, die in die Geistes- und Weltgeschichte verwickelt wurden. Er sah nur die Gedankenträger, aber nicht das alltägliche Gebaren dieser schweren Ideenkäinpfcr. Darum spitzte sich dem Dichter jede Idee auch bis zum Absoluten zu. Das würde erträgliä? sein, wenn aus dem Schauspieler solcher Sinn herauszulesen wäre. Aber der Sinn wird hauptsächlich in die Worte der handelnden Personen hineingelesen. Man reflektiert in dem Drama mit über- tricbener Hingebung. Die Persönlichkeiten der roten Revolution sind schon fertig da, das erfreuliche Schauspiel ihrer Wandlung und Reise erleben wir selten. Wir hätten das Fleisch und Blut der russi- schen Revolution viel lieber auf der Bühne gesehen als nur das Redegefecht der diskutierenden Menschen vernommen. Dieses Rede- gefecht gelang nur bis zum Kopfe, es erreicht selten die Nerven. Ehm Welks Tragödie paßt vorzüglich für Philosophen, Parteischüler und abstrakte Denker, die das Sowjetproblem und das Tolstoiproblem in ihrer Kammer lösen wollen. Trotzdem ist zu sagen: die Tolstoitragödic und die Lenintragödie, die beide mit dem Untergang des Propheten enden, sind Beweis- stücke dafür, daß der Dichter mit gleicher Objektivität an die Seele der Selbstquöler gelangen wollte. Das Stück lebt vom Pathos des Wortes. Jede Person ist über- laden von diesem rethorischen Reichtum. Dementsprechend spielen auch die Künstler: Kayhlcr mit dem apostolischen Brustton, der rote Führer Novikof(Leo R c u ß) mit dem nie gemilderten Fana- tismus. Man sieht, wie steif und konstruiert diese Dichtergeschöpsc sind, an der Darstellung der Schauspieler. Sie wollen nuancieren, sie können es aber nicht, da die Materie des dichterischen Wortes und der theatrolischc» Ereignisse nicht weich und schmiegsam genug in ihre Hönde gelangt. So ergeht es auch den Künstlern mit den kleineren Rollen. Tolstois Gattin(Agnes Straub) wird eine habsüchtige Tantippe. Selbst am Sterbebett des Genies verwandelt sie sich nicht. Und dann, wenn die kommunistische Tragödie be- ginnt, wenn der Zusammenbruch des roten Führers erfolgt, wenn sich die kleinen Menschenzüge in die großen Ereignisse einmischen sollen, fallt dem Dramatiker nichts anderes ein als eine Staatsaktion, eine Art Kriminalstück mit Entlarvungen und ähnlichem Kulissen- Wirrwarr. Aber auch diese geborgte und unnatürliche Dramentechnik wird noch von dem gedanklichen Ernst und dem Hang des Dichters ge- nährt, kein Theatermotiu und kein Gedankenmotiv in der Versenkung des blöden Theaterzufalls versenken zu lassen. Es war ein repräfentabler Abend, zu Ehren eines ideenreichen Dichters, an dessen Eingebungen sich alle Beteiligten mit Neugierde und Respekt messen wollten. Man wünschte stürmisch den Dichter zu sehen, der dem Kops so viele Unterhaltung sicherte. Max Hochdorf. Erstausführuvgea der Woche. Stomunftaa. Neue» Theater a, Kreit»«. Aeside»,.Theater: Da» m 8« o: Dee S'i»iisen«mn>p.— > Forfterch Pwifttä, Eine Premiere unter Protest des Autors„pat und patachon als Detektive." Trianon-Theater:„Berschwörer."(Kammerlichtspiele.) Peter Martin Lompel, der erfolgreich« Autor der „Revolte im Erziehungsheim", beginnt die Schatteisteiten seines Mühe gehabt hat, bei Verlegern und Theaterdirektoren Gehör zu Mühe gehabt hat, bei cVrlegern und Theaterdirektoren Gehör zu finden, reißt man sich jetzt um sein« Werke und führt sein Erstlings- werk sogar gegen seinen Willen auf. Er wendet sich mit folgendem Protest an die OeffenUichkeit: „Das Trianon-Theater bringt heute nach achttägigen Proben die Uraufführung meiner Erstlingsarbeit„Verfchwärer". Die Generalprobe hat mir gezeigt, daß meine Befürchtungen mehr als berechtigt waren. Es war weder Zeit, das unreife, in dieser Form nicht mehr vertretbare Stück— was notwendig gewesen wäre— zu bearbeiten, noch eine zulängliche Aufführung vorzu- bereiten." Damit hat der Verfasser sein Werk so charakterisiert, daß sich eigentlich jedes weitere Wort erübrigte. In den„Verschwörern" hat ein Abenteurer ein Attentat aus einen republikanischen Minister verübt und sucht vor seinen Verjolgern Zuflucht im Hause eines streng rechtlich empfindenden Amtsvorstehers. Denn hier lebt sein junger Freund, der ihm blind ergeben ist. Zwischen den beteiligten Figuren ergeben sich Diskussionen von unwahrscheinlicher Länge, in denen der Autor vor Anständigkeit der Gesinnung sozusagen platzt. Es entsteht ein« unübersehbare Wirrnis von dramatischen Konflikten, aber leider ohne jeden dramatischen Ausbau. Der Schwulst der Sprach« schreit gen Himmel, und in der dürren Handlung bleibt uns auch«in massioer Kitsch nicht erspart. Lcnnpel bemängelt die kurze Zeit der Vorbereitung. Selbst wenn man drei Monat« bearbeitet und probiert hätte, wäre von diesem Stück nichts zu retten gewesen, nou bene auch nichts van der Aufführung bei der Oualität der im Trianon-Theater beschäftigten Darsteller. Dgr. Zwei Geschichien. die eines Schwerverbrechers und die eines glücklichen Ehepaares, das erst Krach miteinander bekommt, nachdem es als glücklichstes Ehepaar der Welt prämiiert wurde, verknüpft man erst lose und dann fester miteinander, um Pat und Patachon als Detektive zu beschäftigen. Sie sind wieder die Helden wider Willen und zwingen die Lacher auf ihre Seite. Dach ist es eigentlich schade, daß jeder neue Erfolg der allen Schablone zu danken ist. Eine schauspielerische Entwicklung gibt«s nicht und fall es offenbar auch nicht geben. Pat und Patachon verhalfen, obwohl vor ihrer gemeinsamen Filmtätigkeit nur einer von ihnen als Clown in der Maneg« stand, der Clownerie im Film zum Weltcrfolg. Unter Lou Lauritzens Regie spielen sie eigentlich nie etwas anderes als Clownsenirees. Diese sind stets aufgebaut auf dem uralten, unerschütterliche» Er- sahrungsgrundsatz, daß die Schadenfreude die reinst« Freude der Menschen ist. Darum gibt es Keilereien ohne Ende, die beiden Freunde spielen sich die übelsten Streiche, und vor ollen Dingen, st« beschmieren sich entsetzlich, sei es nun mit Schlagsahne, Gulasch oder Zwiebelsuppe. Sie sind zwei sich balgende, große Kinder, die das aufgeblasene Heldentum verspotten. Doch bei einem guten Clownentre« ist eins unendlich wichtig, der rechtzeitige Schluß. Er inacht allen Kapazitäten Kopfschmerzen, und Karl Schenström und Harald Madsen(die Privatnamen von Pat und Patachon) ver- säumen ihn diesmal nicht einmal, sondern mindestens dreimal. Und darum überfällt den Zuschauer zulegt, trotz der eingestreuten wunder- schönen Landschaftsaufnahmen, ein bißchen die Langeweile, e.h. Gunnar Heiberg. „Begierde." (primus-palast) Die Geigen stöhnen und schluchzen und die Tränen rinnen. Das große Leid, das der Alkohol anrichtet, wird demonstriert. Wir> befinden uns in einer höchst moralischen englischen Familiengeschichte und noch dazu in der besten Gesellschaft. Der Schloßbesitzer, den eine holde Pastorentochter als rettender Engel bereits von seinem Alkohollaster befreit hatte, fällt in die alten Bahnen zurück— durch die Mitschuld jener Person, mit der er ein Kind Hot und die die von ihm versührte Tochter seines Gärtners ist. Schreckliches begibt sich: alles dies kommt ans Tageslicht, Baterfliichc ertönen, das Laster geht zugrunde und die Tugend der Paftorstvchter, die ihr Rettungswerk aufgibt» als sie von dem unqualisizierbaren Ver- HÄtnis erfährt, wird mit einem von vornherein bcmtgeholtenen braven Mann belohnt. Diese höchst weinerliche, hypersentimentale, spezifisch englisch verlogene Geschichte, die in keiner Weis« dem ernsten Thema gerecht wird, bleibt in der Regie Georg I a c v b y s gleich unerfreulich. Es ist ein Traktätchenfilm für die guten Bürger von vor 50 Jahren. Elga Brink, Lissi Arno und Mikes Mander sind verurteilt, sich nutzlos zu opfern. Oh, Alkohol, diese Bekämpfer sind dir nicht gewachsen. r. von Di« Tanzgruppe Hellecau-Loxeoburg, die unter der iunsllerljchen Leitung Valerra Kratina steht, trM am S. März im Bachsaal zum ersten Mal« in Berlin aus. Der nonvegisd)« Dramatiker Gunnar Heiberg ist im Alter von 7l Jahren nach längerer Krankheit gestorben. Cr galt in seiner Heimat in den achtziger und neunziger Jahren als der Aer- Ircler der jüngeren Generation, die gegen die oft als drückend empfunden« Uebermacht Bjönrsons ankämpfte. Aus diesem Oppo- sitionsgeist war u. a.„König Midas"(1890) entstanden. Schon vorher hatte Helberg politische Zustände kritisiert, in den Komödien „Tante Ulrike" und der„Volksrat", um dann später auf das sozial- ethische Gebiet überzugehen in„Der Balkon",„Tragödie der Liebe", „Das Paradebetl". Schonungslose Angriffslust, kühle Ironie und starker Idealismus waren seine Vorzüge, hinderten aber gleich- zeitig seinen Ausstieg. Erst als die norwegische Bourgeoisie sich vor Helbergs Hohn und Spott gesichert glaubte, hatte er die ihm ge- bührende Anerkennung gefunden. Er galt zuletzt in Norwegen als nationaler Dichter und, nächst.Holberg und Ibsen, ols größter Dramatiker des Landes. Der Wandel der Anschauungen dokumentiert sich u. a. darin, daß der einst von der Zensur verbotene„Balkon" zu Heibergs 70. Geburtstag in das Programm des norwegischen Rundfunks aufgenommen wurde. In Berlin war dieses Dmma bereits im Winter 1897/98 durch die Dramatssche Gesellschaft, di« Nachfolgerin der Freien Bühne, ausgeführt worden. Dl« Boatjaus-Ulotin« der Volksbühne E. V.. die am Sonntag S. März, U Vi llbr im Theater am Bülpwvlaft stattfindet, wird die drei Gebiete Tanz, Ni-mtomittte iinh(SifHfrf» nrrnnften �.tk»(ÄifnmffHfurm lieat in den bänden Di« Alüncheaer Lodefchvle veranstaltet am 25.,'-<>/, Uhr, zwei Lor- sühnmgen im Bachsaal. Das Märchen der Einkreisung. Ein englischer Historiker in Nerlin über die kaiserliche Uottenpolitik. Prnf.'ssor Dr. G. P. G o o ch ans London hielt iin Rahmen der Vorträge des Corncgie-Lehrstuhls der Deutschen Hochschule sür Politik zwei Vortrüge über(Breys auswärtige Politik. Gooch ist der erste Engländer, der zu einer solchen Veranstaltung nach Berlin gekommen ist; er ist Herausgeber der e n g l i s ch e» Vorkrieg s- bo(um eitle. Er führte aus, das? die englische Politik stets auf S« c h e r r s ch a f t und europäischem Gleichgewicht aufgebaut gewesen sei. Er entrollte«in Bild der englischen Geschichte seit der Zeit des Kabinetts Salisbury, unter dem Grey als Unterstaats- sekretär nach Faschoda eine Annäherung an Deutschland erstrebt Hobe, die ober von Salisbury in bezug aus die oben erwähnte politische Tradition abgelehnt wurde. Die angeblich« englische Bündnisosfcrte sei unter Salisbury ausgeschlossen gewesen. Unter seinem Nachfolger sei die Gefahr der Isolierung immer beut- licher geworden; Chamberlain hat deshalb sein Auge auf Frant- reich gerichtet und den Bündnisvorschlag Japans voir 1901 angenommen, vorwiegend um China dem Einfluß Rußlands zu entziehen. D>ie erste Annäherung zwischen England und Frankreich, die von Delcossä zu dem Zwecke herbeigeführt wurde, um Hilse in der M a- r o k k o f r a g e zu erlangen, habe England gern benußt, um einen alten Feind in einen Freund zu vernxindeln, aber nicht in der Absicht, ein Bündnis zu schließen. Der Vortragende entwickelte dann an Hand einer Reihe von Einzelheiten den Gedanken, daß ein Bündnis oder auch nur eine Vllndnisofserte eine reine Erfindung von französischer Seite gewesen sei, das; es sich lediglich um den gegenseitigen Austausch von Ersahrungen gehandelt habe. Eng- land sei durch die Beendigung des Burenkrieges saturiert worden, und für Grey sei der Marokko-Vertrag mit Frankreich nur die Beendigung eines Streites, nichts mehr, gewesen. Das deutsche Verhalten habe diese Beziehung zwischen beiden West- mächten selbst erst in eine Entente verwandelt. Professor Gooch schilderte die wachsende Entfremdung, die seit Ende 1903 zwischen beiden Lagern festzustellen gewesen sei und führte sie in der Haupt- fache auf die verstärkten deutschen F l o t t c n r ü st u n g e n, insbesondere auf die Beschleunigung des deutschen Kricgsschissbau- progromnis zurück, die eine wachsend« Bedrohung der britischen Oberherrschaft zur See bedeutet habe. Falsch sei es, so erklär!« er, mit Tirpil; der Ansicht zu sein, daß die Handelskonkur- r c n z zwischen beiden Ländern die Veranlassung zur Verschlechte. rung der Beziehungen und zur Neuorientierung der englischen Politik in Form der Gründung der Triplc-Entcntc gegeben habe. Gewiß habe der englische Fabrikant keine Freude om deutschen Wettbewerb haben können, doch habe er diese Handelskonkurrcn; stets als rechtlich angesehen. Deutsche Unternehmungslust und Geschicklichkeit hätte,', nicht.zuletzt in England allgemeine Äewundc- rung hervorgerufen. Sehr wohl aber habe die flotten- politische Tätigkeit Deutschlands Berdacht und Mißtrauen im englisckxn Volke hervorrufen müssen. Professor Gooch erläuterte vom englischen Standpunkt aus eingehend die weiteve Entwicklung der deutsch-englischen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der Haltung des Reichskanzlers von Bülow und seines Nachfolgers von Bethmann-Hollweg, und glaubte am Schluß seiner Vorlesung angesichts seiner umfassenden Kenntnis der englischen und privaten Akten des englischen Auswärtigen Amtes versichern zu können, daß Grey, ein Staatsmann von zweifellos vornehmem Charakter, alles getan habe, um einer englischen Abcnteurerpolitik aus dem Wegs zu gehen und der Welt den Frieden zu erhalten. Er fei das Opfer von gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen geworden. Arbeiierleben in Ostasien. Albert Thomas berichtet leine Eindrücke. Genf, 23. Februar.(Eigenbericht.) Der von seiner Ostasienreise zurückgekehrte Arbeitsomtdirektor Albert Thomas schilderte Pressevertretern seine R e i s e c i n- drücke. Thomas betonte u. a., daß dort dos hervorstechendste Moment der Rasscnkampf sei. Ohne daß eine panosiatischc Bewegung ir�it festen politischen Zielen existiere, sei die Bevölkerung in Japan wie in China und in den europäischen Kolonien ecsülll von einem brennenden Drang nach Gleichberechtigung. der sich praktisch verschieden auswirke: entweder in her Errichtung von Eingcborcnenoertretungen oder in Kämpfen um volle Selb- ständigkeit. Das Rassenbewußtsein lasse die chinesische» Arbeiter gar nicht erkennen, daß in vielen Fabriken, die Japanern oder Europäern gehören, die Arbeitsbedingungen besser seien als in Fabriken chinesischer Unternehmer. Obgleich die Löhne k a» m f ü r das nackte Leben ausreichten, komme der Kamps gegen den Imperialismus noch vor dem Kampf gegen den Kapitalismus. Die kommunistische Propaganda, namentlich in de» holländischen Kolo- tuen, mache sich diese Bestrebungen zunutze,. so daß spr die Ein- geborenen Kommunismus und nationale Freihoitslrewegung dasselbe sei. Der Völkerbund werde in der Oefsentlichkeit Asiens kau m beachtet. Bon der Ratstagung habe er in großen japanischen Blättern nur einige Zeilen über die Auseinandersetzung Zaleski- Ctresemann gesunde». Thomas wiederholte, daß seine kurze Reise«in abschließen- des Urteil nicht gestatte. Es sei unmöglich, auf kurzen Besuchen in Fabriken die Arbeiter dazu zu bringen, offen nund ohne Furcht vor Repressalien Red« und Antwort zu stehen. Immerhin ließ Thomas durchblicken, daß sowohl in Französisch'Zndochina wie in China selbst die Arbeitsbedingungen dem Geiste des Tnternalionalen Arbeilsamtes nicht entsprächen. Aus Einwände holländischer Journalisten verurteilt« Thomas rückhaltlos das in Holländisch-Indien bestehende Zwangsarbeits- system. * Paris, 23. Februar.(Eigenbericht.) In Lyon wurden vor einigen Tagen dem dort durchreisenden Lllbert Thomas seine beiden Handtaschen gestohlen. Die Diebe, die verhaftet werden konnten, halten den Inhalt der Taschen oerkaust. Kasperle im Friedrichshain. Von den vielen Kasperln, die in der Welt herumlaufen und sich alle wie Brüder ähnlich sehen, ist sicher der im Fviedrichshain einer der bemerkenswertesten. Der im Friedrichshain, der äugen- blicklich in der Schule Rigaer Straße 80 täglich seinen Freunden Vorstellungen gibt, hat es sich zur Zlufgabe gestellt, mal den Kindern zu zeigen, wohin das böse Teufcleelexicr„Schnaps" den Menschen bringt. Er demonstriert dos an sich selbst, er ist total betrunken, beschimpft und schlägt seine brave Frau Grete und muß mit aus die Wache. Aber hinterher ist er doch wieder der gute Kasperl, der alles bitter bereut und die Zuhörer im Saal beauftragt, aufzupassen, daß niemand in den Schnapsladen geht und so Unglück- lich wird wie er. Selbstverständlich kam Kasperle ganz schuldlos zu der Sache, eine Hexe Hat das gijtige Getränk äus Rache bereitet. Und der Anstifter dazu war ein geiziger Bauer, dessen Hund dem Kasperle die Hosen zerrissen hat. Der Hund hat Kasperl« gebissen, weil er einem armen Manne beistand, der von dem geizigen Baiiern Kartoffeln haben wollte, und der Bauer hat den Hund aus den armen Mann gehetzt, Kasperl« als Sprecher für die Kartosselnot und gegen den Alkoholunfug. Aber vorbildlich ist es, wie er es macht. In den wichtigen Fragen läßt er die Kinder im Saal ent- scheiden; die Erwachsene» antworten ihm ebenso freudig wie der dreijährige Knirps. Sie sind bis ins Innerste erregt, sie laufen Sturm, wenn Kasperle ein Malheur droht, und dann ist es wieder eigenartig, wie schnell sich 5Zindcr einigen; die Großen könnten sich ein Beispiel daran nehmen. Sie wissen auch zu differenzieren und schlagen vor, daß Kasperle für seine zerrissene Hose 100 M. erhalten soll, dagegen als Schmerzensgeld nur 60 M. Die Schmerzen haben sie ihm nicht so recht geglaubt. Der Lehrer W. Schulz, der die Leitung dieser lustigen Spiel« hat, stellt einen Kasperle, der ganz die Psyche seiner kleinen Freunde im Zuhörcrramn kennt, spricht er doch ihre eigene Sprache im unverfälschten Berliner Dialekt. Kleine Mitarbeiter Helsen ihm bei den anderen Rollen. Nachahmung seiner Ideen in anderen Schulbezirken wäre sehr zu begrüßen. Der Drückeberger wird gefaßi. Der 22jährige Sohn eines Landwirts ist Vater eines uirehc- lichen Kindes. Von seinem Arbeitsverdienst würde er einen gewissen Teil für den Unterhalt des Kindes zahlen müssen. Er sucht sich ober vor der Erfüllung dieser Pflicht zu drücken, indem er, ob- wohl er arbeitet, die Behauptung ausstellt, er habe gor keinen Arbeitsverdienst. Er arbeilct nämlich bei seinem D a i c r, der ein Pachtgut von 23 Morgen Ricscllond bewirtschaftet und keineswegs in schlechten Verhältnissen lebt. Sein Vater ist orbeits- unfähig. Der Sohn besorgt, zeitweise mit einigen Hilfskräften, dm Wirtschaft. Für sein Kind aber zahlt er keinen Pfennig. Dos Jugendamt nimmt sich der Interessen des unehelichen Kindes an und verklagt den Alten als Arbeitgeber des unehelichen Daters beim Arbeitsgericht Berlin, damit er von dem Arbeitsverdienst des Sohnes dessen schuldige Alimente zahle. Der Alte behauptet, sein Sohn arbeite zwar bei ihm, aber Lohn bekomme er rricht, also könne er sür das Kind nichts zahlen. Das Gericht hält es für unglaubwürdig, daß«in erwachsener Mann, der doch außer Nahrung und Wohnung noch andere Bedürs nisse hat, jahraus jahrein ohne Lohn arbeiten solle. Der Alte erklärt, er gebe seinem Sohn manchmal 3, 4, 3 M., damit er cm Tanzvergnügen besuchen könne. Der Vertreter des Jugendamts macht den Einigungsoor» schlag: Damit das Kind doch wenigstens etwas bekommt, lasts.r Sie Ihren Schn auf das Tanzvergnügen verzichten und geben Sie die 3, 4, 5 M. für das Kind.— Bater und Sohn schütteln zu diesem Vorschlag die Köpfe. Das Tanzvergnügen scheint ihnen notwendiger als der Unterhalt des Kindes. Schließlich glaubt der Alte noch einen Trumpf auszuspielen, indem er sagt:„Wir wollen ja das Kind zu uns nehmen, aber sie(die Kindes- mutier) will ja nicht." Hierzu bemerkt der Vertreter des Jugend- amts: „Wenn Sie das Kind im Hause hätten, müßten Sie doch Aus- gaben für seinen Unterhalt machen. Also zahlen Sie doch an uns, was Sie für das Kind auiwendcn müßten. Zahlen Sic uns wenig- stens das Geld für die Milch, die Sie für das Kind kaufen müßten." Auch auf diesen äußerst bescheidenen Vorschlag gingen Vater und Sohn nicht ein. Sie glaubten wohl, ihre Sache so geschickt geschoben zu haben, daß ihnen kein Pfennig für das Kind abgenommen werden könnte. Aber sie hoben sich verrechnet. Das Urteil des Gerichts ging dahin: Wenn jemaird einem er- wachsen«» vollbeschäftigten Manne keinen Lohn zahlt, so ist das ein Arbeitsvertrag, der gegen die guten Sitte» ver- stößt, um so mehr, als dieser Arbeitsvertrag nur zu dem Zweck abgc- schlössen ist, um der Unterhaltspflicht gegen das uneheliche Kind zu entgehen. Der Beklagte hat deshalb die rückständigen Alimente für vier Monat« im Betrage von 6 0 M. zu zahlen. Die Tugend und der Sozialismus steht auf dem ll. kontradikta- iorischcn Ausbauabcnd, Montag, 23. Februar, 8 Uhr. Reichswin- schaftsrat, zur Diskussion. Nach einem Reserat von Professor Anna S i e m s e n findet eine Aussprache statt. Redner: Walter Nissen, Walter Pohl, Wilhelm Pauls« n, Heinrich P e u s, Arnold Zweig, außerdem Vertreter der I u g e n d o r g a n i s a- t i o n e n aller Parteien.' Historisches Schloß niedergebrannt. Ein- der ältesten Schlösjer im Kreise Zauch-Belzig, das der Fa- milie von Rochow In Gollwitz bei Brandenburg an der Hovel gehörende Schloß, ist durch Feuer vernichtet worden. Un ersetz» liche Kunstgegenstände, altertümliche Wasfensammlungen, antike Möbel und wertvolle Möbel sind verbrannt. Das Schloß selbst ist bis auf die Grundmauern zerstört. Der Brand entstand beim Verlöten einer geplatzten Wasserleitung. Die Dorjfeuery�ehren waren gegen das Feuer wehrlos. Die strenge Kälte ließ daß Wgsser in den Schläuchen frieren, so daß jede Rettung des historischen Gc- bäudcs unmöglich war. Die kurl-Eisner-sfeier der Deutschen Liga sür Menschenrechte findet am Sonntag, dem 24. Februar, vormittags 11,30 Uhr, im Theater am Schifsbauerdamm, Schisibauerdamm 4a, statt. Nach Händelscher Musik, ausgeführt von dem Konzertmeister Professor S t r u p p und Kapellmeister Ki tz i ng e r, wird Ernst Toller eine Ansprache halten und Meinhard Maur aus Eisners �Schriften vor- lesen. Die daraufsolgende Gedenkrede von Felix Fcchenbach wird durch Beethovenschc Musik beschlossen werden. Der Unkosten- beitrag für die Feier beträgt 1 Mark. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Wcller sür verlin: Größtenteils trübe mit Schneefällen. Tem- peraturen wenig unter Null.— Aiir Deutschland: Weitverbreitete Schneefälle mit leichtem Frost, nur im äußersten Westen Tempera- turen etwas unter Null. Vccantwortl. M die NcdaNion: Wolsgaag S-bwar,. Berlin: Anzeigen: Th. Klxcke, Beeil». Verlag: Vaewiieis Verlag m. b. H. Berlin. Druck: Vorwärls Villi!» drrckerei und Verlagsansialt Paul Singer 6: Co., Berlin f K erzu 1 Beilage. i, Lindenstrahe Z. < <> <> � Theater, Lichtspiele usw. <) <) Hecchs>iali«n-Theat«r I 8 I tonniu' nachm. I S 1 Mefflner sanier Das lusilQß Feßraar-Procianin! Nachm. h u< h e I reisc. Bitletibesielhragen Teeormn: frfijrnm 1126?. �■j D ö n h o f f- B r ei 1 1: 6r. V6rkie-Pr8fffamiB�Taii* StalA 8 Uhr B 5. Barbarossa 9336 4 Brenetts Cen Colleano und■eitere Varield-Attraktionen. Sonnabend und Sonnlad Je 2 Vorsiellunöen 3" und 1 Uhr— 3* zu ermilBigten Preisen das ganze Programm plAza »•�CASINO-THMTER Loi r a er Stratte 37. HiiomBteriiettchen Dazu ein erstklassiger bunter Teil Pür unsere Leser Gutschein für i— 4 Pers- Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 AL Sonstige Preise: Parkett u. Rang a80 M. Theater a. KoUbusser Tor Kottbusser Str. ft Tel. Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermaß. Preise) Elite-Sänger SD/p llnrergleSchlldtru. uigne. Pretslicrahselznng aal allen Pisizen Winrer Qarren 18 Uhr Rauchen erlaubt| internal Variete. Sonnabend und Sonntae Je 3 Vorstellungen j*1 und 8 Uhr. z» kleine Preise Renaissance- Theater Hardenbergstr. 6. Tel.: Stelnpi. 901 u. 2583/84 SV* Uhr. 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Februar 1929 StuUcLukfa&e\o*u>xLr& Zwischen Millionären und Arbeitslosen Arbeitsentwidklung der Frauen in Amerika/ Verschiebung der Tätigkeitsfelder/ Lohnfrage/ Streiks Von Louise Diel Schon in unserer letzten Betrachtung stellten wir die große Entwicklung auf dem Ar- beitsmarkt der Frau zwischen 1910 und 1920 soft. Obgleich rein zahlenmäßig in diesem Jahrzehnt nur eine hglbe Mil- lion Zlrbciterinnen hinzukom- men, so muß doch diese Zeit als der Großausschwung der Frau in die Oeffentlichkeit re- gistriert werden. Das Wichtigste und Eigen- artigste dabei ist, daß in keinem anderen Lande der Welt(von Rußland wol- len wir hier nicht sprechen) ein solcher A u f st i e g d u r ch B e r- schiebung der Arbeits- selber stattgesunden hat. Wir hüten uns sehr, die Entwick- lung blindlings und ohne Einschränkung als Fortschritt zu betrachten! Wir hüten uns weiterhin— vor allem wir Frauen—, !ie Forderung noch Gleichstellung der Geschlechter solsch zu ver- flehen und mit jener Gleich m a ch u n g, die sich durch die Ner- schicdenheit der Geschlechter verbietet, zu verwechseln. Es kann weder jür die einzelne Frau, noch für die Aolkswirtschaft und dem- zusolge nicht sllr dos Volkswohl als Fortschritt betrachtet werden, wenn Tätigkcitsoerschiebungen den Naturgesetzen entgegenarbeiten. Der Volkskörper als Gesamtorganismus inuß langsam aber ernstlich Schaden nehmen. Da so wcitgreifende Umstellungen bisher in der Geschichte der letzten Vergangenheit noch nicht vorgekommen, kann Llinerika durch kein Beispiel gewarnt werden. Was eine Nation durch Zlusjchaltung der so wesentlichen geistigen und Volkswirtschaft- tichen Energien ihres weiblichen Teils an ausbauender Kraft ver- ' lorcn geht, das zeigt uns deutlich ein Land wie Spanien.— Möge das„Land der Freiheit" nicht von der entgegengesetzten Seite Gciahr laufen und seiner Jugend und Ungebrochenheit damit die Zukunft verbauen. Wie bei uns bracht« der Krieg den längst gelockerten Stein ins Noll«». Amerika war froh, daß die Frauen an die Stelle der Männer traten und diese gut ersetzten. Nach Rückkehr ins friod- kichc Alltagsleben dachten die Frauen aber gar nicht daran, ihre '' Positionen zu verlassen oder irgendwelche Errungenschaften aUszu- geben. Das brachte die große Verschiebung aus dem Arbeitsmarkt. Zu chunderttauscnden verließen die Frauen ihre Plätze als Köchin, ohausangestelllc usw. und an ihre Stelle traten die Männer als Diener, Köche usw. Die statistische Tabelle zeigt die fallende Kolonne von 31,3 Proz.(1910) aus 23,6 Proz.(1920), während gleichzeitig beispielsweise die Aurea utätigkeit von 7,3 Proz. auf 16,7 Proz. emporschnellte.(Die deutsche Statistik ergibt 0,6 Proz. Männer in häuslichen Diensten neben 4,3 Proz. Frauen.) •OMW. J,/ WOMEN IN GAINFUL OCCUPATIONS ♦ 1910« •iwiin 1920 rRoressiOHAi. oourrnc» «ERSONAL CLERICAL AGRICULTURE MANUFAC TURINS TRADE «yECHANICAl Erwerbstätige Frauen: Ackerbau, Fabrik und Handwerk, Handel, i sreie Berufe, Dienstpersonal, Bureauangestcllte. Achnlich steht es um olle Tätigkeiten auf landwirt- schastlichem Gebiet, hier ist sogar bei den Frauen -ein Niedergang von 2 2,4 Proz. aus 12,7 Pro;. zu verzeichnen.(In Deutschland stehen sich Mann und Frau mit 13 Proz. sMauns zu 13,3 Proz. sFrous fast gleich gegenüber.) Der Grund dieser uns überraschenden Tatsache niag darin zu finden sein, daß die Amerikanerin nicht gern Stellungen mit persönlicher Abhängigkeit innehat.(Die Bezahlung als Hausangestellte ist näm- lich keineswegs geringer als die in anderen Besehästigungen. Eine gute Köchin verdient bis zu 90 Dollar monatlich s360 M.j. ein einfaches Alleinmädchen zwischen 40 und 70 Dollar.) Noch ein anderes psychologisches Moment spricht jedoch mit: die Amerikanerin ist ungemein geschäftstüchtig und lebensreal und wird dies mehr und mehr. Beweisführend diesbezüglich ist der Rückgang der Frauen als Künstlerinnen und Musikpslegende während gleichzeitigen Ein- dringens der Männer in diese Berufe. Es zieht also die Frau in die großen Betriebe, in Industrie und Fabriken. E o verdoppelte sich beispielsweise die Zahl der weiblichen Arbeiter an Hochöfen wie in Stahlwalzwerken von 1910 bis 192 0. Eine weitere Tabelle, als deren Herausgeber das Frauenbnreau in Washington zeichnet, gibt uns einen höchst interessanten.lieber- lbtfck über all« jene Industrien, die über 30 Oüst Frauen beschästigen. Auf der ganzen Linie hat die Frauen- arbeit zugenommen. Mit mehr als 230000 weib- lichen Hilfskräften steht die Konfektion an erster Stelle, doch auch Baumwoll- und Tabokfabrikation, Crnährungs-, Woll- und Handarbeitsgewerbe und nicht zu vergessen die Schuhindustrie beschäftigen einen gewaltigen Stab. Die größte Zunahme an weil>- lichen Arbeitskräften weist die Nahrungsmittelindustrie(von 42924 sllllOs auf 88 540[19201) und die Eisen- und Stahlindustrie aus (von 29 697{1910] auf 70 410[1920]). WÜMEN IN SELECTEDV MANUFACTUR1NG INDUSTRIES 1320-1910. CLOniNC 272.nit-, MOUSTKICS JULI u/t COTTQülflULS l'kVlt»! lUi-tU acuMno tobacco rAcrans 7,».litis rooo noustmcs SEOtrACTGRO-»U» 9R.X MILLfl IRQN AM) STEEL 7». II» INDUSTRIES iMUi« WaOlfN AM) EATOI WORSTIO MILLck Sl.inl Frauen in verschiodenen Industriezweigen, einschließlich oller, in denen 1920 30 000 oder mehr beschäftigt waren: Bekleidungs- industrie, Baumwollspinnereien, Zigarren« und Tabakfabrika- tion, Lebensmittelindustrie, Strickereien, Schuhfabriken, Seiden- spinnereien, Stahl- und Eisenindustrie, Woll- und Kammgarn- spinncreicn. Diese enormen Zahlen oerlangen nicht nnr nähere Betrachtung, sondern besondere Untersuchungen. Welche Bewandtnis, welche Vor- aussetzungen hat es, daß im Lande der Prosperität die Frauen in solchen Scharen in den tnmultuösen Zlrbeitsstrudel getrieben werden? Wir wollen uns doch nicht dem irrigen Glauben hingeben, daß amerikanische Fabrikarbcit eine Vergnügungsangelegenheit sei, oder daß die Frauen aus reiner Emanzipationslust Haus und Heim verlassen, um„ihren Mann zu stellen!" Wie überall, so steht auch hier dos bittere Muß als Wegweiser. Wir sahen das letztemal, daß es in den Staaten mehr als 3 Millionen Zlrbeitslafe, aber keine staatliche Arbeits- l o s e n un t e r st ü tz u n g gibt. Die technischen Errungenschaften der Industrie inachen fortwährend weitere Arbeiter überflüssig, überall wird versucht, Menschenleistung durch die der Maschine zu ersetzen. Nur wenige Gewerkschaften sind stark genug, darauf zu bestehen, daß für solche Leute gesorgt wird, bevor die neue Maschine installiert wird.(So äußerte sich Prosesior Taylor von der Columbia-Universität in New Dork in einem Vortrag.) Trotzdem vermeiden die Arbeiter noch Klassenkampf und legen alles Gewicht auf liberale Gesetzgebung und Sozialversicherung. Sogar von der Waffe des Streiks wird wenig Gebrauch gemacht. Seit 1916 führt das Arbeitsamt über alle Streiks genaue Listen. Diese ergeben, daß 1927 weniger ausbrachen denn je zuvor. 1916 wurden 2667 verbucht, 1927 dagegen nur 734. Von 639 Lohnkämpfen wurden 233 von den Streikenden gewonnen, 129 durch Vergleich aus der Welt geschafft und 169 von den Arbeit- gebern gewonnen: in 29 Fällen mußten die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen und auf Entscheidung warten, 77 Resultate wurden nicht berichtet. Aber wovon sollen die Männer und ihr« Familien unter oben geschilderten Umständen leben, wenn nicht die Frauen auf Arbeit gehen? Zlls Dienstboten können sie sich nicht verdingen, da sie ja sllr Mann und Kind zu sorgen l)aben. Do bleibt Ihnen allein die Industrie. Und hier sind sie gesucht: denn sie können z. B. die halb gelernte Arbeit der Bedienung von Stanz- und Bohrmaschinen in den Autofabriten ebenso gut verrichten wie der Mann bei einem geringeren Lohn von 13 bis 30 Cent(60 bis 120 Pf.) pro Stunde. Vor einiger Zeit ging durch den„Tbe lüzrd-'VVorlceT"(Der Ford-Arbeiter), das Organ einer radikalen Gruppe von Ford- arbeitern, ein aufschlußreicher Bericht, der uns in dies Problem etwas tiefer hineinschauen läßt. Ein Arbeiter, der acht Jahre bei Ford tätig gewesen und pro Tag 6,80 Dollar verdient hat, wurde auf unbestimmte Zeit entlassen. Außerstande, sonst irgendwie Arbeit zu finden, gab er seiner Frau de» Rat, ihrerseits auf die Arbeits- suche zu gehen. So erhielt sie den Platz an der Bohrmaschine mit einem Stundenlohn von 30 Cent. Selbstverständlich macht sie ihre Sache genau so gut wie ein Mann,— sonst würde sie den Posten ja nicht behalten. Sie arbeitet also in der Fabrik und er wird in- zwischen den Hausholt besorgen und die Kinder hüten— was bleibt ihm anderes übrig—, und damit wird der bisherige Lauf der Welt auf den Kopf gestellt. In Amerika ist man sich dieser Umstellung bewußt, d. h. man konstatiert sie und nennt Detroit, die Stadt der Autoindustrie, schon lachend eine„She-Town"(„Sie-Stadt"). Die Männer treten diesen Zuständen mit berechtigtem Protest entgegen. Unlängst wurde von einem Proteststreik in einer Autofabrik be- richtet, da wieder Arbeiter entlassen und Frauen eingestellt werden sollten. Mit obigen Darlegungen haben wir schon die Frage der Eni- lohnung angeschnitten. Bevor wir näher darauf eingehen und das Thema der Industriearb�it beschließen, müssen wir mit einem Wort noch jener Industrie gedenken, die ein Kapitel jür sich darstellt: die B a u m w o l l i n d u st r i e. Sie beschäftigt den größten Prozentsatz arbeitender Frauen, nämlich etwa 2 M i l l i o n e n. Und nicht nur Frauen, auch Kinder sind mit tätig, denn es handelt sich um eine Art Familicn-Industrie, in der Mann, Frau und Kind Seite an Seite an den Webstühlen arbeiten. Uebcr 50 Proz. dieser Arbeiterinnen sind verheiratet. Die Entlohnung ist minimal: da aber die Frauen nebenbei und zwischendurch Haus und Kinder versorgen können, bleibt Nachfrage und Konkurrenz. Gewiß, Lohntarifverträgc sind auch in Amerika bindend, trotz- dem werden sie nicht immer absolut eingehalten, wie das Frauen- bureau seinerseits selbst auf jener Tabelle vermerkt, die die Wochenverdienste ich 14 Staaten behandelt. Wir wollen diese ein wenig genauer betrachten. Mo» wählte die Jahre 1920 bis 1925 und setzte neben den Namen des einzelnen Staates die Zahl der Arbeiterinnen, deren Entlohnung oberhalb der jeweiligen Kolonne angegeben. So erfahren wir, daß im Staate Rhode-Jsland 1920 7780 Frauen einen Wochenlohn von 16,85 Dollar(auf dieser Tabelle den Höchstlohn), im Staate Pennsylvania 1923 14642 Frauen einen Wochenlohn von 11,10 Dollar, und im Staate Missouri 1923 2196 Frauen einen Wochenlohn von 8,60 Dollar(die kleinste Entlohnung dieser Liste) erhielten. Dieser kurze Gesamtüberblick mag uns genügen— er ergibt kein rosiges Bild. Offenbar soll diese Tabelle die Mindestlöhne alz solche darlegen: allerdings ist der Zusatz des Frauenbureaus, daß noch ihren Beobachtungen die Hälfte der Frauen noch weniger verdienten, als hier angegeben, recht deprimierend. Auch in der A l u m i n i u m i n d u st r i e zahlt man weiblichen Arbeitern teilweise nur 13,29 Dollar Wochenlohn, wenngleich der Durchschnittslohn 18,67 Dollar beträgt. Im September 1928 in Washington entnommene Stichproben ergeben, daß in Läden, Wäschereien und Restaurants ein Frauen- wochenlohn von 10 Dollar oder ein Monatslohn von 30 Dollar keine Ausnahme darstellt. Trotzdem in dem Kampf um gleiche Bezahlung bei gleicher Leistung von den Frauen heftig attackiert wird, und manche Gruppen und Städte theoretisch zustimmen, wird in der Praxis nach wie vor der Mann überall— ausgenommen im Druckereigewerbe— besser entlohnt. In Philadelphia z. B. verdient eine Frau nur 16 Dollar wöchentlich, wöhrcnid der Mann mit 23 Dollar abschneidet.(Der Durchschnittslohn für Männer in Fabriken ist 30 Dollar, ungelernte Arbeiter verdienen knapp 24 Dollar.) In der A u t o m o b i l i n d u st r i e verdienen Frauen durchschnittlich«in Drittel weniger als die Männer, nämlich 46 Cent Stundenlohn gegen 72,9 Cent. In der Aluminiumindustrie steht es ähnlich: 26,83 Dollar gegen die bereits erwähnten 18,69 Dollar. Hier endlich verstehen wir, daß trotz der wachsenden Zahl weiblicher Arbeiter und ihrem Vordringen in alle Beruf« der Mahnruf des Frauenbureaus dringender Notwendigkeit entspringt:„Etwa zwei Millionen Mädchen unter 20 Jahren an der Arbeit. Sie haben Jugendkraft!— Haben sie auch Erfolgmöglich- leiten?" Auch der Kampf bzw. die Voreingenommenheit, welche!o�o->»» Amerika der verheirateten Frau als Arbeitsonwärtcrin entgegen- gebracht wird, und die damit zusammenhängende Herabsetzung des Lohnes beruht auf falschen Voraussetzungen. Das Arbeitsministerium muß in seinem Jahresbericht selber zugeben,„vorgenommene Unter- suchungen haben ergeben, daß die große Mehrzahl der verheirateten Frauen, welche arbeiten, sich dazu gezwungen sehen"— und was zwingt sie anders als die zu niedrige Entlohnung oder gar die Ar- beitslosigkeit des Mannes. Eine von authentischer Seite gemachte Wahrnehmung mag das beinahe passive Zllles-Hinnehmen des amerikanischen Arbeiters erklären:„Wenn er wenig verdient, bleibt er erst recht dabei, aus Angst, dos Wenige noch zu verlieren." Ver- gesien wir nicht, daß es noch keine sozialistische Bewegung im euro- päischen Sinne und Umfang drüben gibt. Selbst bei Ueberstunden wird nicht immer Zuschlag bewilligt. Nur 13 von 32 Fabriken (Aluminiumtrust) bezahlten Ueberstunden, 6 gaben Ursachen Lahn und 2 23 Proz. mehr. In den übrigen Fabriken varriert die Be- zahlung zwischen 30 Proz. Aufschlag nach 9 Stunden, bis zu 23 Proz. nach 10 Stunden. Aber nun etwas ganz anderes. Obgleich das Oberbundesgericht die sogenannten Minimalloh ngesetz«(nicht zu verwechseln mit Unterbezahlung) für ungesetzlich erklärt, ist es doch in 9 Staaten ge- lungen, diese für Frauen durchzusetzen. Die Lohnregulierung liegt in 7 Staaten in den Händen von Kommiisionen, die für die verschiedenen Betriebe ihren Zuständen entsprechende Bestimmungen schassen. Kalifornien steht mit einem Minimallohn von 16 Dollar pro Woche für alleIndustrien obenan. Ueberhaupt ergaben die Untersuchungen der bereits so oft zitierten Stelle, daß die Verhältnisse in jenen Staaten, die I n d u st r i e- kommissionen haben, bedeutend besser als in denen, welche jede neue Bestimmung erst durch die Gesetzgebung erlangen. In den Staaten mit Minimallohngesetzen steigen die Löhne auto- matisch mit den steigenden Lebenskosten. Di« Lage für die Taris-Beschäftigten, gleichviel ob Mann oder Frau, ist erträglich.— Aber was tun, wenn gekündigt oder später arbeitsunfähig und verbraucht, was bei der anstrengenden Arbeit nicht lange auf sich warten läßt? Nicht oft genug kann diese harte Frage gestellt und diskutiert werden. Alle Wohlfahrt, alle Philan- thropie reicht hier nicht aus. Allein in der Stadt New Pork leben 24 000 alte arbeitsunfähige Männer und Frauen ohne Stube— ohne Besitz— ohne jeden Ernährer. Aus einem Bericht des zentralen JnfornTationsbureous für Alters- f ü r f o r g e in New Park ergibt sich, daß über 6 0 0 0 alte Männer und Frauen auf Platz in einem Altersheim warten. Ohne private Wohltätigkeitsonstalten ginge es gar nicht. Der Bericht zählt 82 Altersheime mit 13 300 Betten, von denen 8000 Betten privaten Heimen gehören. „Zlbgesehcn von China und Indien sind die Bereinigten Staaten von Nordamerika das einzige dicht bevölkerte Land, das keine ver- ständige und konstruktive'Altersversorgung getroffen hat," erklärte Abr. Epstein, Sekretär der amerikanischen Gesellschaft für Alters- Versorgung, in Besprechung der jetzt begonnenen intensiven Kam- pagne zur Erlangung eines Zlltcrspensionsgesetzes im Staate New Dort, « Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. Bh IRom&n. von cier Nudfon-Jäai Zeic/iriitszgcesi- i/orz Ado ff Lefinert (8. Fortsetzung.) Zuerst gingen sie zu den Schissen. Di« Kapitäne wurden süc den Plan gewonnen. Ein Teil des Fleisches sollte abgeliefert werden, sie sollten zurück sein, wenn der Walfang begann, und der Tage, die sie fort waren, durften nur zehn sein. Dann zogen sie aus, und der Reizptierc waren viele. Es war schlimm, alt zu werden. Dos bekam Umilialuk unter- wegs zu spuren. Er jchwigte, wenn es bergauf ging, und er schnaufte, wenn sie sich schon längst gesetzt hatten. Alle lachten viel über ihn und sagten, er hätte zu lange bei den Schiffen geschlafen und sich durch das kraftlose Essen geschwächt, und darüber lachte er selber, und am nächsten Tage gingen sie alle weiter. Sie errichteten eine Art Lager bei einem See in der Nähe von zwei Pässen, über die die Remitiere kamen, und alle hatten sie Büchsen und Pisf-Pasf. Es waren viele Renntiere, die sie zu der Stelle schafften, wo der Kapitän ihnen befohlen hatte, das Fleisch hin- zulegen. Hier sollte es von den Schissen geholt werden, denn so weit reichte der Schnee noch. Noch einigen Tagen kam ein von weißen Männern gezogener Schlitten. Mala war in den Bergen, und als er wieder ins Lager kam, waren die Männer da. Ein Zelt hatten sie sich errichtet, und darin saßen sie um einen merkwürdigen Kochapparat, der Wasser brannte, das nur anders als gewähnliches Wasser roch und nicht zu trinken war. Sie tranken Tee und sagten Mala Freundlichkeiten, die er jedoch nicht verstand, ehe Arola sie ihm erklärte. Sie hatten nämlich schon erfahren, daß er über die Hälfte der Renntiere erlegt hatte, und er war stolz, hier Gelegenheit gehabt zu haben, zu zeigen, daß sie ihm die Büchse nicht ganz zu Unrecht gegeben hatten. Beide Kapitäne waren mitgekommen, aber sie gingen neben dem Schlitten. Die anderen spannten sich vor, und nachdem sie so viele Renntiere wie möglich aufgeladen hatten, zogen sie fort. Merk- würdige Leute, die Fleisch haben wollten, das sie nicht selbst erlegt hatten, und denen es wichtiger war, die Tiere zu essen, als sie zu töten. Ach, wie leid taten ihm doch die Männer, wenn man sie sich im Geschirr abmühen sah, ganz wie Hunde. Daß die weißen Männer, die sich doch olles in der Welt verschaffen konnten, sich nicht genierten, selbst Gespann zu sein. Als sie gegangen waren, kam der alte Umilialuk wieder zurück. Auch heute hatte er kein Renntier erlegt. Er hatte eine Herde grasen sehen und war ihr nachgegangen, aber jedesmal, wenn er auf einen Hügelkamm kam, waren sie schon auf dem nächsten. Darüber lachten die jungen Männer sehr, und Umilialuk saß still da und versuchte mitzulachen: dann aber sprach er ablenkend von dem Zelt, das die weißen Männer stehengelassen hatten, denn sie wollten wiederkommen, und er schlug vor, hineinzugucken und zu sehen, was dageblieben war, ob es merkwürdige Dinge waren, mit denen man nicht Bescheid wußte. Sie gingen zum Zelt, guckten hinein und sahen Schlafsäcke, Messer und vieles andere drinnen liegen. Und hierauf machten sie Feuer, kochten ihr Fleisch und rollten sich dann zum Schlafen in ihre Felle. Das Zelt stand leer und unberührt netzen ihnen. Der einzige, der nicht schlief, war Umilialuk. Er saß still da und summte vor sich hin. Und plötzlich begann er zu reden. „Es ist nicht so leicht," sagte er,„alt zu worden und zu merken, daß man einmal stärker gewesen ist als jetzt. Ihr. die ihr jung seid und lacht, werdet einst verstehen, daß man einen Berg hinaufklettert, und endlich steht man oben. Aber dann geht man weiter, geht wieder bergab und kann nicht so weit Umschau halten und hat keine Kraft, umzukehren und wieder hinaufzusteigen. Ein alter Mann denkt mehr als ein junger, denn ihm wird es schwer. Fleisch zu beschaffen." Er schwieg, faß lange da und sah vor sich hin. Dann fügte er hinzu:„Glücklicherweise ist Tabak in unser Land gekommen, und den habe ich lieben gelernt, wenn ich auch alt bin." Seine beiden Söhne waren aufgewacht, sie begannen auch zu reden und sagten, er solle nicht denken. Sie wären imstande, auch für ihn zu fangen, wenn er selber es nicht könnt«, jetzt aber wollten sie schlafen. Und bald darauf schlummerten sie alle. Außer Mala, der auch geweckt worden war, er begann über die Worte nachzu- grübeln, worum doch Menschen so eingerichtet waren, daß sie zuerst bergauf und dann wieder bergab, dem Alter und dem Tod ent- gegengingen. Hierauf dachte er an seine alt« Mutter, die er soeben ihre Tage hatte endigen sehen. Bald aber schlief auch er. Es war die herrliche Pfeife, die machte, daß man tiefer schlief und fast nie träumte. Zwei Tage darauf kamen die weißen Männer wieder, luden viele Reimtiere auf den Schlitten und nahmen auch alle Zungen, die Mala, wie er zu tun pflegte, für seine Knaben herausgeschnitten hatte. Einer der weihen Männer nahm sie einfach und legte sie in den Körper eines Renntieres, denn sie sollten ganz bleiben, man hatte sie nur abgebalgt und ausgenommen. So hatten die Kapitän« gesagt, Che sie heimgingen, gaben sie Befehl, dasy am nächsten Tage alle zum Schiff kommen sollte». Die weißen Leute hatten gesprochen, und die Menschen mußten gehorchen. » Auf dem Schiffe war es jetzt ganz anders, üva sah den ganzen Tag und nähte für die Weißen. Meistens für den Kapitän, ober auch für einige feiner Nebenmänner, wogegen für die, die vorn wohnten und Bootsleute hießen, von den anderen Frauen genäht wurde. Iva konnte selbst bestimmen, welche Felle sie nehmen wollte, sremdc, merkwürdige Felle, und der Kapitän hatte gesagt, es sei erlaubt, sie zu nähen. Es war erlaubt, alle Arten Felle zu nähen, wenn man an Bord war. Kein Geist konnte sie treffen, denn eigentlich war es ja keine Zeit für Renntierfelle. nur Robbenfelle durften jetzt genäht werden. Ja, die weißen Männer find stark und kümmern sich nicht um Taburegeln, und wer durfte den Leuten nein sagen, die Schisse und Büchsen, Zucker und Tobak hakten. Iva nähte. Zuweilen war sie viele Tage nacheinander von Hause fort, aber nie mehr war«ine Scheu zwischen ihr und Mala. Er und Orsokidok besorgten die Lampen und kochten, und die Knaben sagten nichts davon, daß die Mutter fort war. Sie liefen herum und spielten und hatten Zuckerklumpen zu essen. Immer mehr Fa- milien kamen. Nie war eine solche Menschenmenge versammelt gewesen. Bald waren es über zwanzig 5zäuscr. und Mala erfuhr, daß man nach ihnen geschickt hotte. Teils wollten die Kopitöne ihre Fuchsfclle haben, teils aber brauchten sie auch Hilfe für den Walfang, der bald beginnen sollte. Eines Tages wurde nach Mala geschickt, der dicke Kapitän wollte mit ihm reden. Er will vielleicht Loa? wegen verhandeln, dachte Mola. Das wird bald Zeit. Und er wanderte hinaus wie einer, der mit einem Gleichgestellten abrechnen soll. Die Schiffe waren sein Ziel, und er wollte auf seinem Recht bestehen, da er bald fort- reiste. Er wollte nicht mehr, daß seine Frau als Gebrauchsgegen- stand für diesen dicken alten Kapitän diente. Ja, es sollte vieles gesagt werden, und er wollte fordern, daß Iva gewisse Gesck?enke be- kam, die er jetzt bei sich auszählte. Viele Dinge mußten sie haben, che sie reisten, das war nur recht und billig. Allerdings schwanden sein Mut und seine Forderungen, je näher er dem Schiffe kam, aber ihn beseelte doch das Bewußtsein seines eigenen Wertes, als er das größere der beiden Fahrzeuge erklomm. Alle Bootsleute standen auf dem Eise, besserten die Boote aus und machten sie zum Fang klar, die zwei Kapitäne sprachen mit den Steuermännern und erteilten Befehle. Sie streckten den Arm aus, und weiße Männer führten ihre Befehle laufend aus, ohne zu wider- sprechen. Arola stand bei ihnen, ferner ein fremder Mann, den die Wal- fänger Joe nannten, und der mit den Schiffen der weißen Männer gefahren, ja, ganz in ihrem Lande gewesen war und als Folge dcwon «inen Teil der Macht mitgebracht hatte, die über dem Wesen der weißen Männer liegt. Der Kapitän winkte Mala, und er ging hin. Aber es kam ihm ungelegen, daß alle diese Männer seine Forderungen betreffs Ivos hören sollten. Es ist eines weihen Mannes nicht ganz würdig, daß ein armseliges Weib seine Gedanken so mit Beschlag belegen soll. Das Weib gehört dem Manne und ist ihm«ine Notwendigkeit, wer aber das Weib in seinem Hause regieren läßt, wird locherlich und zum Hohn für alle. Aber zwischen Iva und Mala gab es auch nie ein scharfes Wort, es gab nur Sehnsucht noch einander, wenn sie sich fern waren, und Mitleid, wenn es einem von ihnen schlecht ging. Das ging ja niemand etwas an, aber dennoch wußte er, daß Arola es allen anderen erzählen würde, und wenn berichtet wurde, daß Mala feine Frau forderte, so lachte man. „Mola," sagte der Kapitän und Joe übersetzte es in verständliche Rede,„ich habe gehört, daß du ein tüchtiger Mann und der erst« an deinem Platze bist. Ich will dich mit einem der Boote aussenden, und du sollst das Kommando über deine Landsleute haben. Du sollst nur dem Steuermann gehorchen, und du sollst verantwortlich dafür sein, daß olle tun, was ihnen befohlen wird. Bist du tüchtig und verstehst du selber Wale zu fangen, so wird man dir ein Boot überlassen, wenn die Schiffe heimfahren, ein Boot, mit dem du Wale fangen kannst, so daß du Barten für uns hast, wenn wir nächstes Jahr wiederkommen. Du wirst ferner viele Geschenke bekommen, wenn du uns ein treuer Mann bist. Geh zu dem Boot dort. Das ist es. mit dem ich dich ausschicken will.! Das waren ganz andere Worte, als Mala zu hören gedacht hatte, und er beschloß, zü widersprechen und zu sagen, daß er kein Boot wünschte, daß er im Begriff sei, abzureisen, daß er sein« Frau und Bezahlung für sie und ebenfalls Vergütung für die Renntiere wünschte, die er gefangen hatte, und von denen die Schiffsleute jetzt in Saus und Braus lebten. Er dachte, ober seine Worte kamen nicht so schnell, wie die des weißen Mannes, und plötzlich erschien Iva vor einem der Häuser auf dem Schiffe. Sie trug in der Hand einen großen weißen Eimer, ein prachtvolles Kleinod. Das war voll von schmutzigem Wasser, das sie über die Schiffsfeite goß. Die nicht angebundenen Hunde stürzten hin, um zu untersuchen, ob es etwas Frcßbares wäre. Iva war also eine Frau, die für die weißen Männer arbeitete, sie hatte eine Pfeife im Munde, die sie sich aus der Kiste des Kapitäns stopfte. Alle diese Eindrücke gingen Mala durch den Kopf, und dehalb stand er still da. Aber der Kapitän halle ihn gar nicht gefragt, er halle nur seine Gedanken mitgeteill, und deshalb fügte er hinzu, daß er sich beeilen sollte. Weshalb stand er da? Sie sollten fort, sobald die Book? fertig waren. Das Boot stand dort. Molas Zunge vermocht« nicht zu widersprechen. Das Durcheinander, als die Boote ausfuhren! Jedes Boot war voll beladen. Die schweren Leinen lagen in Kästen im Vordersteven, und achtern befanden sich Säcke mit Zeug. Büchjen und Harpunen. Nahrungsmittel gab es auch und olle möglichen anderen Dinge. Der Steuermann hatie eine Blechkiste mit Feuerhölzern und Tabak, und die Boote waren schwer zu schleppen. Mala dachte an seine prächtigen Hunde, für die Orsokidok sorgen sollte. Aber Mala hatte einen Zugriemen über der Schulter» um das schwere Boot fortzu- schleppen. Es ging über die rauhen Eisflächen, langsam. Schritt für Schrill, und olle Frauen standen beisammen und sahen den Fort- ziehenden noch. (Jortjetzung folgt.) Soavadenck, 23. Februar. Bertis. 16.00 Dr. OUo Brendel: Neue Wege der Archäologie. I6.,T0 Anekdoten. Erzählt von Dr. Rudolf Blümoer. 17.00 Unterhaltungsmusik.(Capltol-Orchester Schmidt-Boelke.) 15.30 Dr. Siegfried Kadner: Welt der Primitiven und die Psychoanalyse. 19.00 Max Cohen-Reuß: Die neuen Steuergesetze. 19.30 Direktor H. Reyß: Die deutsche elektrotechnische Industrie auf dem Weltmarkt. 20.00 Unterhaltungsmusik ai/s dem Hotel Kaiserhof(Kapelle Geza Komor.) 21.00 Dialoge der Weltliteratur. VI. Goethe. Regie; Karl Hagemaun. I. Dialogische Balladen und Gedichte.— 2. Gespräche mit Eckermann.— 3. Unterredung Napoleons mit Goethe.— 4. Dialogische Epigramme. Konzertmeister Maurits van den Berg. Violine, und Bruno Seidler-Winkler, Flügel, spielen als Umrahmung der Dialoge die Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 30 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven; Allegro— Adagio, molto espressivo— Allcgretto con Variazioni. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik(Artur Quttmanns Jazz-Sinfoniker). KSnigswasterhausca. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Wilhelm Flügel: Die Beamtenorganisationen im Rahmen der berutsstän- di sehen Verbände. 18.00 Dr. Adolf Reichwein: Studienreise Innger Arbeiter ins Ausland. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Hptm. Roh de: Tripolis. 19.20 Prof. Leo Kestenberg: Die musikalische Grundlage im Leben unserer Zeit. Sonntag, 24. Februar. Berlin. 06.55 Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche. 09.00 Morgenfeier. Glockengeläute des Berliner Doms. 12.00 Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 13.15 E. Nebermann: Die moderne Schachpartie. 14.30—15.25 für den Landwirt. 15.30 Märchen(erzählt von Vllma Mönckeberg). 16.00 Reg.-Rat Dr. Mario Krammer:„Zum 100. Geburtstage Friedrich Spiel- hagens". 16.30 Orgelkonzert aus der Trinitatiskirche; J. S. Bach: Präludium und Fuge E-Dur.— C. Franck: Fantasie C-Dur, op. 16(Prof. Artur Egidi). Anschließend: Unterhaltungsmusik aus dem Hole! Kaiserhof(Kapelle Gdza Komor). 18.30 Elsa Herzog; Die neue Frühjahrsmode. 19.00 Bernhard Kellermann: Karawanenreisen in Pcrsicn. 19.30 Oper am Platz der Republik:„Der fliegende Holländer" von Richard Wagner. Dirigent: Fritz Zweig. Anschließend: Wetter, Tagesnacbrichten, Zeit, Sport. Königswusterhausen. 13.45— 14.15 Bildfunkversuche. 1600 Alphonse Daudet:„Die beiden Alten"(gelesen von Erich Walter). 18.00 Dr. Bernhard Diebold, Pater Dr. Friedrich Muckermann S. f.. Dr. Hans Jos6 Rehfisch: Darf man Gott auf die Bühne bringen?(Dreigespräch) (Wiederholung). 18.50 Heinrich Eisermann: Deutsche Soldalenfrledböfc in Ost und West. Rätsel-Ecke des„Abend niiiiiiniinnHfmninrnmmimnimniiHiiiiiniuiiiiintniiiiniiimmumiHimriuiofliUHniuuiiuiminmiufiiiiHuiamniHiitiBiiiUMnaiiiiniiiumiiiiinniuRiiiiumiHuiuiüüiniiDOHi Kreuzworträtsel. Rösselsprung. Wa g e r e ch t: 1. englischer Schriftsteller: 2. Farbe: 8. Figur aus der griechischen Sage: 9. Sportgerät: 10. selten: 12. hinweisendes Wort: 13. deutsche Stadt: 14. männlicher Vorname: 17. französischer Artikel: 18. Lebensende: 19. afrikanisches Land: 20 Stammvater: 21. Papageienart: 22. französisches Wort: 25. norddeutsche Stadt: 27. japanischer Vorname: 28. abgekürzter Elternname: 29. Gesichtsteil: 32. moderne Erfindung: 34. exotische Insel: 35. Geschmack: 30. Pelztier.— Senkrecht: 1. houswirtschaftliches Gerät: 3. abgekürzter weiblicher Vorname: 4. Artikel: 5. Tonart: 0. Begriff für Erholung: 7. Hafenanlage: 11. weiblicher Vorname: IS. Erdteil: 10. Kurs(abgekürzt): 17. banktechnischer Ausdruck: 19. weiblicher Borname: 23. altdeutsches Wort jür Erzählung: 24. afrikanischer Strom: 25. tropisches Produkt: 20. Umlaut: 29. erotisches Tier: 30. weiblicher Vorname: 31. gleichfalls: 32. alkoholisches Getränk; 33. geographische Bezeichnung."* Zahlenrätsel. 1234562708 Bekannter sozialistischer Rechtsgelehrter 2 12 1 Aegyptische Göllin 362116 Fluß in Schlesien 4 0 5 3 Zahl 5 6 8 7 2 3 0 Weiblicher Vorname 6 7 2 8 Türkischer Titel 2 8 2 1 Teil des Auges 7 6 2 1 6 Vogel 6 5 6 Bündnis 8 6 2 3 6 8 Oesterreichischer Soziallst Silbenrätsel. Aus den Silben a an der bu da dem de den di e eck ehr eu fud gen glei i in ka le lie ma mann mus na nal ne ne ne no noii pe pi rheu rung se sie tat ten ter tis tri tur ur witz wür sind 10 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und deren dritte Buchstaben von unten nach oben gelesen eine Parole der Sozialdemokratie ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Waffe, 2. Krankheit, 3. Verwaltung, 4. Muse, 5. deutsche Stadl, 0. Gebetbuch der katholischen Geistlichen. 7. Reptil, 8 Klosterbe- wohner, 9. Ehrfurcht, 10. Oper von Verdi. 11. Maler, 12. Verwandlung, 13. Stadt in Westfalen, 14. Gerichtshof, 15. geistliches Prä- dikat, 10. Wüste in Afrika.»> r tAuflöfung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung: Schied auch die Muschel lange schon Vom Meer, das ihre Heimat war, In ihrer Tiefe rauscht ein Ton Wie Meeresheimweh immerdar. Und kann auch nie ein Herz zurück Zum Herzen, dran es selig lag: Es singt von dem verlor'nen Glück Noch bis zu seinem legten Schlag. Scbew. Kreuzworträtsel: Wagerecht: 1. Betel: 7. Senegal; 14, Store; 16. Riege: 17. Greis: 18. Erich: 19. Andra; 20. Eisbahn: 31. Stute; 22. Salta.— Senkrecht. 1. Brei; 2. Eins: 3. Tee: 4 Egge: 5. Lear; 6. Aga: 7. Sekunde: 8 Libanon; 9. Ehe: 10. Bar, 11. Reh; 12. Riß: 13. Asta; 14. sott: IS. Thea. Füllrätsel: 1. Ilngarweine: 2. Hungersnot; 3. Zaun grenze: 4 Sprungseil: 5. Dschungeln; 6. Nibelungen; 7. Kalbslunge; 8. Zerstörung. Nr. 92 46. Jahrgang Sonnabend 23. Februar 1929 Zehn Jahre deutscher Luftverkehr. Am 5. Februar 1919 erteilte die in Weimar tagende National- Versammlung der Deutschen Luftrecderei die Genehmigung, einen regelmäßigen Lustpostdienst aufzunehmen. Am selben Tag begann der Flugpostdienst zwischen Berlin und Weimar. Dies war der Beginn einer neuen Etappc der deutschen Luftfahrt und der Beginn des deutschen Luftverkehrs. Das erste Jahrzehnt des deutschen Luftverkehrs hat eine recht eigenartige Entwicklung. Nachkriegswehcn, wirtschaftliche Notlage der Industrie und des Handels und politischer Druck von außen sind die Ursachen hierfür, nicht zuletzt der Bersailler Bertrag, der die Entwicklung der deutschen Luftfahrtindustrie zu hemmen versuchte. Die erste praktisch in Erscheinung tretende Lustverkehrsgesell- schast war die Deutsch« Luftreederei. Bereits 1919 richtete sie mehrere innerdeutsche Verkehrslinien ein. Als Verkehrsmittel standen ihr nur verhältnismäßig primitive Flugzeuge zur Verfügung, primitiv in bezug auf ihre Einrichtungen für einen Posiagierdiensi. In der ersten Zeit mußten die Fluggäste sich manchen Unannehm- lichkeiten aussetzen. In den offenen Flugzeugen waren sie gegen Wind und Wetter ungeschützt, als Sitze dienten zuerst Post- söcke, und in der für sie unangenehmen dicken Kleidung, teils sogar mit Sturzhelmen, hatten sie keinerlei Bewegungsmöglichkeiten. Das Luftreifen war damals im Vergleich mit heute gewiß kein« reine Freude. Im Jahre 1929 griff das Reich durch Erteilung von S u b. v e n t i o n e n in die Entwicklung des jungen Verkehrszweiges ein. Ohne diese Subventionen wäre der deutsche Luftverkehr nicht das geworden, was er heute ist: ein wichtiges Glied der Wirtschaft. Das durch die Subventionen bekundete Interesse des Reiches am zivilen Luftverkehr vcranlaßte«ine Anzahl kleinerer Gesellschaften, ebenfalls als Luftoerkehrstreibend« aufzutreten. Da find außer der Deutschen Lustreederci folgende Unternehmungen zu nennen: L o y d- Luftverkehr Sablatnig, Deutscher Luft-Lloyd, Lloyd-O st flug, Lloyd- Luftdien st und die Deutsch- RussischeLustverkchrsgesellschaft(Derulust). Infolge der wirtschaftlichen Notlage mußten diese Luftverkehrsgesellschaften ihren Betrieb bald einstellen, da das Reich nicht mehr in der Lage war, jeder der Gesellschaften hohe Subventionen zu leisten. Zwar hatte der Dersailler Vertrag nur«ine deutsch« Militärluftfahrt ver- boten, doch war ein Londoner Ultimatum vom Mai 1921 erneut der Ausdruck der Meinung der Entente, die sich deutlich gegen einen zivilen Luftverkehr in Deutschland aussprach Dieses Ultimatum hat die Entwicklung wohl gehenimt, aber nickst aufhalten können. Es wurde im Jahre 1926 auf Grund Pariser Luftoerkehrsverhandlungen endlich aufgehoben. Damals erkannte man in Deutschland richtig, daß nur ein zu- sammenfassender Wille dem Druck der Entente und den inner- politischen Verhältnissen standhalten könne. So entstand die zweite Etappe. Aus den verschiedenen Einzelgesellschoften bildeten sich zwei Gruppen. Di« kleineren Gesellschaften wurden 1923 in einem Konzern, dem Deutschen Aero-Lloyd, zusammengefaßt, die zweite Gruppe erstand in der Iunkers-Lustverkehrs-A.-G. Diese beiden Gesellschaften standen in den folgenden Iahren als Konkurrenten gegenüber. Im Aero-Lloyd waren sämtliche deutschen Flugzeugfinnen mit Ausnahme der Iunkers-Werfe vereinigt. Junkers ging seinen eigenen Weg. Vom Standpunkt der Rentabilität betrachtet, war das Nebeneinanderarbeiten zweier gleichartiger Organisationen unrationell. Deshalb entschloß man sich, diese beiden Konkurrenten zu vereinen. So entstand 1925 die Deutsche Luft- Hansa A.- G., die heute das herrschende Unternehmen im deut- sehen Luftverkehr ist. Es gibt zwar noch heute mehrere Luftverkehrs- gesellschaften, z. B. die Süddeutsche Luft-Hanso, die Derulust, doch haben sie keinen eigene» Flugzeugpark, sondern dienen lediglich der Aufgabe, Mittler zwischen der Deutschen Luft-Hansa und den Körper- schaften der einzelnen Staaten und Provinzen des Deutschen Reiches zu sein. Aussckstiißreich für die Entwicklung des deutschen Lustverkchrs ist eine Gegenüberstellung von Zahlen aus den ersten acht Iahren: Die Zahlen für 1928 übersteigen weit die des Jahres 1927, soweit sich auf Grund von Schätzungen feststellen läßt. Immerhin ist der Luftverkehr noch weit davon entfernt, wirtschaftlich zu sein. Hoffentlich bringt das neue Forschungsinstitut, das in diesem Jahr in Stuttgart eröffnet wurde, hier erfolgversprechende Vorschläge G. F e l d h a u s. Die„Wirbelstrombremse". Eine Neuerung im Rangierbetrieb. i''N| Unter Bild zeigt die üon Dr. Baeselcr konstruierte..Wirbcftfromgcteis- bremse", die oon der Geselhchafi m. b. U. für Oberbau forschunfi auf Veranlassung der Dcuisdien Heidisbahn-Gescllsdiaft auf dem Bahnhof Magdeburg- Rudcau zur Erprobung eingebaut wurde. Die beweglichen, parallel laufenden Bremssdiienen bilden Pohdiicncn. die mit den Pohdiuhc.n einer Anzahl von Elek/rnmaenefcn zusammengefaßt sind. Die Kraftlinien roerden von den Rädern der Fahrzeuge(massive\f et allkör per) geschnitten und rufen Wirbelst röme hervor. Diese erzeugen eine Kraft, die entgegen der Fahrridffung wirkt, so daß durch, den Einfluß des Wirbel stroms die B r c rn s- Wirkung entsteht. Durch die Verstärkung der Kraftlinien an denjenigen Stellen, an denen sidi die Radreifen zmisdxcm. den Bremssdiienen befinden, tritt auch eine magnetische Anpreisung und damit eine Reibung zrnisdien Radreifen und Bremsschiene ein. Die Bremswirkung setzt sich also zusammen aus einer WirbcUtrombrcmskraft und einer Reib ungsb rems kraft. Die Steuerung der Bremsbacken erfolgt in einfachster W eise oon einem hohen. Bremsturm, der eine gute U eh er sieht über den Ablaufberg und die Ridxiung sgl eise bietet. Für den Rangierer liegt der Vorteil darin, daß das gefährliche Arbeiten mit den sonst üblichen Bremssdiuhen wegfällt, die Siefs oon Hand vor den anrollenden Wagen auf die Schienen gelegt werden mußten. Die Beleuchtung als Leistungsfaktor. In neuerer Zeit bricht sich innner mehr und mehr die Erkenntnis über die Wichtigkeit der Beleuchtung Bahn. Es ist daher nötig, zu untersuchen, wie die Beleuchtung beschaffen sein nmß, damit si« gut und leistungssteigernd wirkt. Die Forderungen sind in dein Begriff der„Beleuchtungsgüte" zusommengesaßt. Danach sind an eine gute Beleuchtung folgende Anforderungen zu stellen: 1. Sie darf keine störenden Schlagschatten erzeugen. 2. Sic darf kein« störenden Ungleichmäßigkeiten zeigen. 3. Sie darf keine Blendung, keine störend« Spie- g e l u n g hervorrufe». 4. Sie muß dem Zweck des Raumes entsprechen und seinem Charakter angepagt sein. g. Sie soll genügend stark und auch Wirtschaft- l i ch(ein. Von ausschlaggebender Bedeutung ist die Forderung einer guten Beleuchtungsstärke, da van ihr die Fähigkeit des menschlichen Auges abhängt, Dinge und Vorgänge in der Umwelt klar und deutlich zu erkennen. Größere Untersuchungen auf diesem Gebiet« wurden u. a. «Nittels psychotechnischer Methoden von Dr. W. Ruffer in Berlin im Psycho technischen Laboratorium der Osram©. rn. b. H., Berlin, angestellt. Zwei größere Versuchsreihen umfassen die psychotcchnisch« Prüfung einer Reihe von Fähigkeiten und Fertigkeiten bei All- gemeinbeksuchtungsstärken von 1—- 600 Luz und von 500—10 000 Lux. Zwei weitere Versuchsreihen beschäftigen sich mit der Frage, wie die Beleuchtung bei betriebsmäßiger Arbeit auf hie Leistung einwirkt, indem Allgemeinbeleuchtungen oon 75—1000 Lux angewandt werden. Di« Ergebnisse dieser vier Versuchsreihen zeigen. daß eine Leistungssteigerung durch Verstärkung der Beleuchtung statifmde.t. Immer kommt es dabei auf die Art der Arbeft an. Bedmgung ist jedoch, daß die Beleuchtungsanlage stets so angebracht ist, daß Vlendungscrscheinungen vermieden sind. HinfichtNch der Ermüdung sind ebenfalls Versuche angestellt Nvrd-n. Ei« zeige«, daß bei 3000—1«» Lux eine jmrkere bzw. schnellere Ermüdung als bei den gewöhnlichen Beleuckstungsstärken nicht festgestellt werden konnte. Untersuchungen oon Kuhn zeige» im Gegenteil, daß zu geringe Beleuchtungsstärke stark ermüdend wirkt. Auch sind vom Reserenten Untersuchungen angestellt worden, den Einfluß der Lichtfarbe auf die menschliche Leistung zu erforschen. Es wurden psychotechnische Leistungs- Prüfungen bei den Lichtsarben Blau, Grün, Gelb, Rot, Tageslicht (Licht der Tageslichtlampe) und bei Beleuchtungsstärken von 5— 250 Lux, unter Verwendung von a) Allgemeinbeleuchtung, b) Platzbeleuchtung im Dunkelraum, c) Platz- beleuchtung mit zusätzlicher Allgemeinbeleuch- tung ausgeführt. Die Ergebnisse zeigen, daß bei farbiger A l l g e m c i n b« l e u ch t u n g praktisch keine Abhängigkeit zwischen Leistung und Lichtfarbe vorhanden ist. Wendet man jedoch Platz- beleuchtung im Dunkelraum on. so ergibt sich für die Lichtsarben die Rangreihe Geld. Grün, Rot, Tageslicht(Licht der Tages- lichtlampe), Blau. Bei Platzbeleuchtung mit zusätz- lichor Allgemeinbeleuchtung wird der physiologische Effekt durch den psychologischen verdrängt, so daß nur noch geringe Leijtungsdisfercnze,« vorhanden sind. Vergleicht man die erzielten physiologischen Ergebnisse mft denen anderer Forscher, so findet man bezüglich der besten Lichtfarbe Uebereinstimmung, nämlich gelb- grünes Licht. Bezüglich der ungünstigsten Lichtfarbe schwanken jedoch die Ergebnisse zwischen Rot und Blau. Ueberhaupt wurde gefunden, daß dos Verhalten des Menschen gegen die einzelnen Lichtsarben mehr oder weniger von seinem Temperament abhängig ist. Die Amerikaner haben besonders auf dem Gebiete des Einflusses der Lichtfarbe auf die gesamte Erzeugung eine Reihe von Untersuchungen angestellt, die zeigt, daß durch Häher« Deleuchtungs- stärken die Erzeugung entsprechend bis zu IS P r o z. ansteigt. Daß höhere Beleuchtungsstärken derartig« Ergebnisse erzielen, ist an und für sich gar nicht so erstaunlich, wenn man beachtet, daß das menschliche Auge sich im Lause der Jahrtausende der Beteuch- tungsstärke des TageÄichtes, die etwa 8—10000 Lux bei leicht be- deckte», Mittogshiin.nel beträgt, a»gopcißt hat. Nach allen Untei- suchungen hat jedenfalls die Beleuchtung eines Raumes durch Tages- lich die weitaus besten Ergebnisse aufzuweisen, so daß man wohl das Tageslicht als Muster für unsere künstliche Beleuchtung an- nehmen kann, sowohl was die Lichtfarbe, als auch was die Farbe des Lichtes angeht. �eltkrattkonterente Berlin 1930. Der Energiebedarf der Menschheit, der sich Jahrhundert«, hindurch fast auf dem gleiche,, Stande hielt, ist seit wenigen Jahrzehnten in einer ununterbrochenen Aufwärtsentwicklung begriffen. Nicht allein die riesenhaft ausgebaute Güterproduttion, auch die sonstigen Bedürfnisse und Annehmlichkeiten im Leben des modernen Menschen haben die Energie, besonders in der Form von Kraft, W ä r in e und Licht, für unser Wirtschaftsleben außerordentlich wichtig werden lassen. Die Probleme der Gewinnung, Verteilung und Verwendung der Energie in jeder Form— sei es als Kohle, Oel, Gas, Wasserkraft oder Elektrizität— sind heute keinesfalls national l>eschränkt, haben vielmehr internationale Bedeutung er- langt. Mau denke nur z. B. an die politische Seite der Erdolfrag« oder an die Schwierigkeiten beim zwischenstaatlichen Austausch von elektrischer Energie. Die volkswirtsckiaftliche wie energiewirtschastlichc Mchtigkeft eines vernünftig geregelten Energieaustausches beweisen unter anderem die beiden im Entstehen begriffenen deutschen 220 OOO-Volt-Leitungen, von denen die eine das rheinisch- westfälische Jnd, ist riegebiet mit den Wasserkräften der Alpcnländer verbindet, die andere oon Hamburg über Sachsen-Thüringen nach Bayern reicht und ebenfalls Deutschlands südliche Grenze über- schreiten wird. Auf den Gebieten der Kohlenwirlschnst, dem Ausbau der Wasserkräfte u. a. m., drängen ähnliche Probleme zu iifter- nationaler Lösung. In Erkenntnis dieser Sachlage wurde 1924 d i e„W e l t k r a j t- konserenz" gegründet, der die bedeutendsten Staaten der Welt— gegenwärtig 47— angehören. Die erste Bollversammlung tagte im Jahr« 1924 in London. Zum Tagungsort für die nächste große Voll- Versammlung im Jahr« 1930(16. bis 25. Juni) ist Berlin aus- ersehen. Das Ehrenpräsidium dieser zweite» Vollkonserenz hat jüngst der Altmeister mildem Gebiet« der Elektrizitätsversorgung, Oscar von Miller, übernommen. Die Konferenz selbst wird vom Deutschen Rationalen Konntee der Weltkrastkonferenz veranstaltet, in dem das Reich durch sein« Ministerien, die Technischen Hochschulen, die bedeutendsten technisch- wissenschaftlichen Vereine, die Spitzenverbände der deutschen Industrie, die Reichsbahn nsw. vertreten sind. Es hat seine Geschäftsstelle im Jngenieurhaus(Berlin NW 7). Vorsitzender dieses Komitees ist Gen.-Dir. Dr.-Ing.>,. c. K ö t t g e n, stellvertretender Vorsitzender Geheimer Baurat Prof. Dr.-Ing. Ii. c. d c T h i« r r y. Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. I>. c. M a t- schoß und stelloerlretenderGeschästssührerDipl.-Ing. zur Redde,,. Die Durchführung des umfangreichen technischen Programms, dessen Einzelheiten der Oeffentlichkeit bereits mitgeteilt worden sind, wird mehreren in der Bildung begrissenen Fachausschüssen obliegen, i» denen die bedeutsamsten Fachorgamsationen Deutschlands an der Behandlung der Aufgaben aus ihren Fachgebieten mitarbeiten werden. Im ganzen wurden neu«, große Fachausschüsse gebildet: Feste Brennstoffe, Flüssige Brennstoffe, Gassörinige Brenn- stoffe. Dampftraft, Vcrbrennungskrast, Wasserkraft. Mechanische Energie, Elektrizität, Allgemeines. Bücher der Technik. A. Schwemann: Die Entwicklung des deutsche» Bergbaues. VDI.-Ve,1ag G. m. b. H., Berlin NW 7. Preis drosch. 1 Mark. Eine knappe Geschichte des deutschen Bergbaues. Der Verfasser wehrt sich am Schluß gegen jede„Beunruhigung" des Bergbaus, Cr fordert, daß der Bergbau„mit Zwangsverjuchen jeglicher Art verschont" bleibe. Er ist ein ausgesprochener Anhänger der Privatwirtschaft. Trotz dieser Einstellung aber gibt das Buch einen so klaren Ueberblick über die Entstehung des Bergbaus, daß es für den, der sich schnell unterrichten möchte, sehr wertvoll ist. Dipl-.Zng. C. Säuberlich: Wie die Technik dir im Haushalt hilft. BDI.-Berlag K. m. b. H., Bersin NW 7. 119 Seiten, 135 Ab- bil düngen. Ein Buch, das in wirklich allgepieirwersländlicher Form die Technik im Haushalt behandelt. Nicht alles, roas hier besdnieben wird, ist für jeden Haushalt erschwinglich. Aber jede Haussrau, die Gas und Elektrizität verwenden kann, die sich mit Kochen»nd Heizen beschästigen muß. wird einwandfreie Aufklärung und Be- lehriing über die hierbei austretenden technisch.physikalischeu Erscheinungen erlMten. Es ist zu begrüßen, daß die Zalst der Inge- nienre, die sich ernsthaft mit den Dingen des Haushalls beschäftigen, wächst. Nur ein Mangel des guten Buches soll nicht verschwiegen , verde»: Warum ist keine Tabelle beigegeben, aus der man mit einem Blick die Preise der so sehr gepriesenen technischen Haus- haltungsgegenstände ersehen kann? Das spart überflüssige Arbeit und Enttäuschungen. Wozu soll sich eine Hausfrau, die mir über be- schränkte Mittel verfügt, aber modern genug denkt, um sich di.' Arbeit zu erleichtern, erst Hoffnungen ingche», um daim. nachdem sie Zeit und Fahrgeld vergeudete, zu erkennen, daß die gewünschten Einrichtungen viel zu teuer sind? Conrad Malschoß: Beitröge zur Geschichte der Technik und Industrie, Jahrbuch des Bereins Deutscher Ingenieure, 18. Bond. VDI.-V«rlog K. m. b. H., 189 Seiten. 209 Abbildungen. In Leinen gebunden 12 Mark. Diese? stets mit Interesse erwartete Jahrbuch des Vereins der Deutschen Ingenieure ist immer ein wertvoller Helfer für jede», der sich mft der Geschichte der Technik befaßt. Bergbau, Metall- Verarbeitung, Verkehr, Kraftmaschinen und industrielle HeimatkuiGo sind die Soichergebiete, die in den zahlreichen Beiträge» behandctt werden. Auch in diesem Jahre ist ein besonderer Abschnitt den „Denkmälern der Technik" gewidmet. Diese Jahrbücher sollten auch in den Schulen und Bibliotheken Eingang siudeil. Ei« sind wirklich geeignet, die Kenntms von der technischen Entwicklung zu fordern. Wettkampfsport für Frauen? Die Pleite im bür�erlidien Lager. Keiner wird sich heute mehr der Notwendigkeit einer ernsten Körperkultur auch für Frauen verschließen. Ein altes Porrecht, das Jahrhunderte lang an der Frau verübt wurde, ist beinahe ganz be- scitigt. Di« Frau hat sich auch in körperlicher Hinsicht ihr Recht ans Selbstgestaltung ihres Ichs erkämpft. Die Frau hat bewiesen, daß es ihr an biologischem Kapital keineswegs mangelt, um an Leibes- Übungen teilzunehmen. Diese Teilnahme hat sich recht verschieden- artig im Laus« der Zeit gestaltet. Die Gymnastik ist wohl das Gebiet, in dem die meisten Frauen ihrer Leberssorin und-anlag« nach das Richtige finden w«rd«n! für andere ist der Sport wegen seiner Lebensanrcize, die er in sich schließt, bedeutend mehr als die Gymnastik. Doch das ist Sache des Naturells. Keineswegs kann man der Frau grundsätzlich jeden Kampsessport vorenthalten oder gar unter- sagen. „vermännlichung" und„Uergroberung", was von vielen besürcht«t wird, sind bis jetzt noch nicht beweisbare Begriffe, denn die'Leteiligungsdauer der Frau an Wettkämpfen ist zu einer solchen Definition noch zu kurz. Wir im Arbeitersport haben daher auch öffentliche Wettbewerbe für Frauen, unterscheiden uns aber in der Art der Durchführung und im Prinzip sehr stark von der Wetlkampfart des bürgerlichen Frauensports. Dort hat man geglaubt, man brauche nur Frauensport zu propagieren und die Ilcbungssornicn der Männer nachzuahmen, um eine richtige weibliche Körperkultur zu haben. Darin haben sich aber die diversen„Sport- biHorden" gründlich getäuscht. Die Quittungen auf ihr uirsininges Hochzüchten des Wettkampf- und Rekordgedankens bei der weiblichen Jugend wurde ihnen deutlich auf der Amsterdamer Olympiade in dem SM-Metcr-Endlauf für Frauen erteilt. Was sich dort ereignete, hat Mar gezeigt, welch geradezu sträflich fahrlässige Wege man im Frauensporl gegangen war. Gs muh einmal gesagt werden: Ein 8-Mcler-Laus für Frauen ist und bleibt wenigstens für absehbare Zeit noch ein völliger Unsinn. Er ist einer der schwersten Männer- Wettbewerbe und kann nicht kritiklos in den Frauensport über- nonnnen werden. Vielleicht, wenn das Gesaintleistuugsniveau der Frau nach vielen Jahrzehnten gehoben ist: vielleicht auch nur— dann. Die Frau stellt infolge ihres andersartigen Körperbaues nicht ohne weiteres das schwache Geschlecht dar, aber ihr Körper scheint sich doch eher zu vauerleiflungen zu besähigen, im Gegenjag zum männlichen Typ, dem Schnelligkeitsleistungen näher liegen. In Amsterdam brachen im Ziel, außer den drei eisten(Frau Batschauer, Hitomi-Japan und Gentzel-Schweden) alle Teilnehmerinnen z u s a m m e n. Hysterische Anfälle, Schrei- kämpfe und bittere Tränen folgten dein„Weltereignis".— Angesichts dieser Tatsachen mußten nun auch die Herren Frauensporiführer ihr- Pleite erkennen und eingestehen. Die vorher nicht laut genug für den Frauensport eintreten konnten, rufen heiite„kreuzige". Plätzlich soll der ganze Frauensport unter dem Schlagwort„die Frauen- emanzipation bringt die B e r m ä n n l i ch u» g" nieder- gedrückt werden. Dr. Diem hat dieser Tage dem Deutschen Olyin- pifchen Ausschiiß Richtlinien vorgelegt, wonach der Frauensport fast gänzlich beseitigt werden soll. Hier wird also offiziell von einer Sportführerautorität des bürgerlichen Sports klar und eiirdeutig ein- gestanden: Unsere Frauensporlpädagogik war bisher ein glatter Unsinn! Wie weit die Ueberzüchtung des Rekord- und Kampfgedankens schon gediehen war, zeigt der Beschluß(man höre und staune): Renn- rudern für Frauen einzuführen. Die Anregung hierzu ging von dem bekannten Sportprofcfsor Dr. Altrock aus. Das ist aus dem Gebiet der Leibesübungen der Frau ein schlimmer Fastnachtsscherz. Das Rennrudern entspricht auf keinen Fall den psychologischen Bor- aussetzungen des weiblichen Körpers Es müßten körperliche Schäden schlimmster Art auftreten, die sicher ein« Reaktion gegen die Körper- knltur der Frau herbeiführen würden. Dieser Gedanke des Renn- ruderns für Frauen ist weiter nichts als das Haschen nach äußerer Wirkung. Im alten Hellas fielen diese Mißforme» der Leibes- erziehung schon in di, Zeiten des politischen und kulturellen Verfalls des Aoltes. Im bürgerlichen Sportlager haben sich jetzt also zwei Richtungen herausgebildet. Die eine, die grundsätzlich jeden Frauensport als Wettkamps ablehnt, ihn als„aus Eitelkeit und«rotischer Triebrich- tung geboren"(wie mir dieser Tage ein bekannter Sportsührer sagte) bezeichnet, und die andere, die kritiklos die Kampsformen des Männersports für die Frauen übernimint, und dann zu solchen Karikaturen wie 800-Meter-Lälife und Rennrudcrn für Frauen kommt. wir Arbeilersportler lehnen eine« so scharf ab wie das andere. Unser Frauenideal ist weder das glatte Puppengesicht mit Puder und Schminke noch die muskelstrotzende, mit Männerstinmie begabte Bninhilden-Gcstalt. Beide sind lcbensunwahr. Di« Gegner des Franensports inerten mit einemmal, daß ihnen besonders durch die immer mehr sich ausgleichende geistige und körperliche Unterwcrtig- keit der modernen Frau ihr Herren- und Besitzrecht verloren geht und malen das Gespenst des Mannweibs an die Wand, weil sie gern wieder ihren ergebenen Grctchentyp haben wollen, während ihre Kontrahenten einen leichtfertigen Götzendienst mit dem Rekord- gedankcn treiben. Der Arbeitersport pflegt den Sport- und Weit- kampfgedanken für Frauen in einer den Forderungen des noch nicht genügend geschulten weiblichen Körpers entsprechenden Form. B.'i jungen Mädchen wird besonders darauf geachtet, den ungesunden, übertriebenen Ehrgeiz zu sportlichen höchst- leistungen abzulenken. Deswegen wird im Arbeitersport der Sportbetrieb mehr und mehr in Frauenhände gelegt, ohne dabei die beratende Mitarbeit des Mannes ausschalten zn wollen. Der Frauensport darf sich nicht als Ziel eine bestimmte Einzelleistung setzen, sondern muh eine a l l g e- mein« Durchbildung im Auge haben. Für Frauen geeignete Wetlkämpse brauchen nicht unterdrückt zu werden: nur sollen sie möglichst selten stattfinden, etwa dreimal im Jahr als Gradmesser der Entwicklung. Man darf die Frauen nicht von Wcttkampf zu Wettkanips hetzen, wenn man nicht zu solchen Erscheinungen des bürgerlichen oport kommen will wie: Boren für Frauen, Renn- rudern und 8<1l1-MeIer-Laufl R- Der Ständige Boxring. Ein erfolgreicher Kampfabend. Dein Ständigen Boxring, der gestern abend in den Spichernsälen seine 33. Veranstaltung absolvierte, war ein großer sportlicher Erfolg beschieden. Das ausverkaufie Haus kam voll auf seine Kosten, sowohl die nationalen Tressen wie auch die beiden dentsch-holländiichrn Paarungen hielien das Interesse vom ersten bis zum letzten Gongschlag wach. Besonders der ausgezeichnete holländische Welrergewichter Len Sonders lieferte einen technisch hervorragenden Kampf. Diesmal hatten die Veranstalter also nicht zuviel versprochen: es war ein Kampfabend, wie man ihn in Zn- kunft öfter sehen möchte. Im Einleitungskamps traf Hans Schönrath, Krefeld <87,3 Kilo), auf Harry Such, 5königsberg(87,3 Kilo). Sckhinrath, der über einen sehr harten Schlag verfügt, brachte seinen Gegner in der fünften Runde über die Zeit ans die Bretter. Der technische» lleberlegenheil Leu Sanders- Holland(66,7 Kilo) mußte sich Fritz Kracht,' Hamburg(68 Kilo) beugen. Sanders zeigte gute Konter- arbeit und diktierte stets das Tempo..Kracht mußte viel einstecken, hielt sich ober sehr tapfer. In der sechsten Runde wurde Sanders ein« Verwarnung wegen eines angeblichen Tiefschlages erteilt. Nach einer Unterbrechung von einer Minute wurde der Komps fortgesetzt, da Kracht als kainpfsähig erklärt nnirde. Sanders gewann den Kampf hoch nach Punkten. Im dritten Treffen des Abends standen sich Hans S ch c m a n n, Dortmund(93,5 Kilo), und Karl Walter, Berlin<83 Kilo), gegenüber, Schemann zog gleich möchtig vom Leder und brachte Walter in. der ersten und sechsten Runde zu Boden. Walter stellte sich aber ans seinen Gegner ein,»nd trotz seines Gewichtshandicaps von fast 16 Kilo, lind trotz der Niederschläge, holte er noch einen knappen aber einivandfreien Punktsieg heraus. Scheinann machte in der letzten Runde einen sehr erschöpften Eindruck. Den Schlnßkampf bestritten Walter Cunow, Hamburg (76,3 Kilo), und P i e t van Dam-Holland(73,5 Kilo). Der zzolländer machte es Ennor nicht ganz leicht. In der zweiten Runde »nißte Dam wegcn Tief- und Nierenschlages zweimal verwarnt werden Die siinfle und sechste Runde sahen für Dam sehr bitter ans. Er mußte bis acht und später bis neun den Boden aussuchen. Auch in den beiden letzten Runden war Cunow ständig im Vorteil ur.d so konnte er einen eindrucksvollen Punktsieg landen. Die 5. Awa. Die 5. Allgemein« Wassersportausstellung, die vom 4. bis 21. Mai 1929 in Potsdam stattfindet, erfreut sich in diesem Jahre eines ganz besonders regen Interesses. Es liegen bereits so viele Anmeldungen und Zusagen vor, daß schon heute ein gutes Gelingen der Ausstellung gesichert ist. Als em Zeichen für den gefunden Kern und die Notwendigkeit dieser Ausstellung muß es angesehen werden, wenn unter den bisherigen Anmeldungen wie in den Vorjahren wiederum ein großer Teil der alten Ausstellerschost sich befindet. Da namhafte Wersten und auch die Zubehörindustrie, die bereits mit der AWA. als ftänd g wiederkehrende Frühjahrsmesse rechne», reiches Ausstelluugsmnterial vorbereitet haben, wird auch die 3. Wassersportausstellung ihr Ziel, den Werften und der In- dustrie zu dienen u/d dem Wassersport neue Freunde zu schassen, voll erreichen. Xatiirtrennde-Knlhir arbeit. Die Jahresarbeit 1928. In einer stark besuchten Genera lversommliing nahmen die Mit- glieder der Ortsgruppe Berlin des Tauriftenvereins„Die Natur- freunde" zur Jahresarbeit 1928 Stellung. Der Obmann M a s p f u h l konnte von einem beträchtlichen Forlschritt berichten. Die Mitgliederzunahme beträgt fast 36 Pro;.. Sehr beliebt sind in der Berliner Arbeiterschait die Gesellschaftzsohrten des Naturfreunde- Reisebnrcaus geworden. Sie hatten einen guten Anteil an der Mit- gliedermcrbung. Die Vorgänge im Berliner Arbeitersportkortell hatten keinerlei Rückwirkungen aus die Natiirsreundebewegiing. Sie steht vielmehr geschlossen zu den Entscheidungen der Z e n t r a l k 0 m m i s s i 0 n für Arbeitersport und Körperpfleg«. Die öffentlichen Ortsgruppcnveranslaliungen der Ratursreimd« — drei Feiern, vier Filmabende und acht Vortragsabende hatten bei insgesamt 7266 Teilnehmern starken Zulauf. Die Darbietungen in den Bezirken errichen u. a. f olgende Zahlen: 733 offizielle Wanderungen, 371 Vorträge, 417 Heimabende, 12 öffentliche Ver- lmstaltungen usw. mit zusammen rnnd 31 666 Teilnehmern. Die Spezialabteilungen arbeiten gut. Das gilt neben der Naturwisien- fckzaftlicheii Abteilung und der Malknnstgemeinfchoit vor allein für die P h o t o g e in e i n f ch a f t. Ihre letzte öffentliche Ausstellung im Bnchgewerbehaiis sah rund 4.�66 Besticher. Faltbootabteilung und Wintersportabteilung befinden sich im Aufbau. Der Besuch in den beiden Berliner Heimen Meißnershof bei Hennigsdorf und am Iledersee bei Steinsurth-Schöpfurth ist sehr gut. Im ersteren zählte man 2397 Tagesaufcnthalte, 1633 Uebernachtiinoen und 637 Kinder als Besuch: im letzteren ab April 1928 Togcsaufenthatt 6136. Ucbrrnachtnna 2282 Personen. Die Kasienverhältnisse sind gut. Nach eingehender Debatte beschloß man einen Sonderbeitrag für den großen H e i m b a u am II e d e r s e e. Die Hüttengebühren wllen künftig einheitlich für Mitglieder 56 Pf., für solche, besreun- detcr Organisalinnen(Partei, Gewerkschaft. Sportler) 75 Pf., für irremde l M., für Jugendliche 30 Pf. betragen. Strohlager Ist selbst- verständlich billiger. Ein Antrag an die Reichsleitung forderte Ver- Handlungen mit der Reichsbahn auf fierabsetzung der Teilnehmer- zoljt bei Gefellschaftssohrten von zwanng auf zehn, aus Heraus- gab« n o n I o u r i st e nr ü ck f a h r k a r tot und bei Fahrten von über 369 Kilometer von Fahrscheinheften für Rundfahrten. In den Vorstand wurden Maspfubl. Schupper, Menzel. Feldner, Anni Lenz. Dittner, Otto, Stafche, Diß, Barthetmann, Hanke und Levwitz: als Revisoren Engel, Gruhe, Kühl. Löwenstein und Richter wieder- bzw. neugewählt. Bebannfe SkfsnHnoer im Grunewald. An dem Sprungwettbewerb, den der Berliner Sportklub am Sonntag um 13 36 Uhr auf der Schanze bei Onkel Toms Hütte zur Durchführung bringt, werden sich diesmal auch eiirge befnnrrte Springer von außerhalb beteiligen, so der deutsche A'tm'ikter Kurt Endler. Schreiberhau. tmb Dr. Baader, Freiburp. Don Berliner Klubs werden u. a. aus der Sprungschanze erscheinen: di« Norweger Wehland und N'el? Abel, serner der bekannte Sportsmann Arthur Holz, Gnklacf, Pfeiffer. Könitz irfa». Schoularnen wedding. Sonntag, findet im Lesfing-Gymnasium, Pankslraße 18, das Werbescst des Bezirks Wedding der Freien Ttrrnerfcherft Groß-Berlin statt. Einlaß 14� Uhr. Eintritt frei. Internationale Sedistagefahrt. Auf dem lioiorrad durch fünf Linder. Eine Spezialkommission des Internationalen Motorradfahrer- Verbandes, bestehend aus Wettstödt, Berlin, dem Schweizer Reber und dein Engländer Abblewhite, hat in mehreren Konferenzen sich mit dem Projekt der vor einiger Zeit angeregten Fünft an der- M o t o r r a d f a h r t der FICM. beschäftigt und die gnmdsätztichen Bestimmungen in großen Zügen festgelegt. Die Länderfahrt, die vom 26. bis 31. August stattfindet, wird im wesentlichen den Charakter einer Alpenfohrt tragen. Ausgangs- punkr ist München oder Lindau. Dann geht die Route über die bayerischen Alpen bis Mittcnwald zur österreichischen Grenze.� Den zweite Fahrtag führt durch österreichisches Debiet über den Fern- und Flerenpaß nach Vaduz. Am dritten Tage geht es in füdweft- sicher Richtung durch die Schweiz über den Klausen.-. Karrenzcrburg- und St. Gotthardpaß noch Pallanza. Die vierte Etappe sieht die Strecke Pallanza, Kleiner St. Bernhard. Moutiers vor. am fünften Fahrtoge muffen die Bewerber die Pässe von Arovis, Lefchour, Pres, Marocaz und Laune überqueren, ehe das EtappeNziel Chamonix erreicht wird. Der letzte Abschnitt über den �zorelzz- Montet und Bex-Paß nach Gens ist zwar erheblich kürzer als der der übrigen Fohrtage, dafür haben die Bewerber aber auf der be- kannten Genfer Rundstreck«, wo im Vorjahre der Große Preis von Europa stattfand, noch einen Schnelligkeitwettbewerb über 166 Kilometer zu absolvieren. Grundlegend für die Bewertung wird die Einhaltung einer be- stiinmten Durchschnittsgeschwindigkeit sein, wobei für die Erreichung höherer Geschwindigkeiten, als die die Ausschreibung fordert, Gut- punkte gegeben werden._ Schach-Mannschaffskämpfc. Am Sonntag. 24. Februar, treten vormittags 16 Uhr zu Ar- beiterfchochwettkämpfen zusammen: D- G r u p p e: Lichtenberg gegen Siemensstadt, im Lokal Schüler. Berlin. Wühlifchstraße 36. Kreuzberg II gegen Prenzlauer Berg, im Lokal Krepp, Berlin, Planufer 75/76. Fnedrichshoin II gegen Mitte II. im Lokal Albrecht. Berlin, Slraßmannftraße 42. Westend gegen Wedding II im Lokal Imnin, Clzarlottenburg, Sophie-Charlotte-Straße 88. Stand der Kämpfe vom 17. Februar A- Gruppe: Mitte 2114. Wedding 1514(3). Friedrichshain 1414, Treptow 13, Äreuzberg 1214. Memel 10(3) Punkte. E- G r u p p: Westend 21, Mitte II 2614(1), Kreuzberg II 1514(1), SiemeRsstadt 11/4, Friedrichshoin II 1014(12), Prenzlauer Berg 914(12), Lichtenberg 714, Wedding II 3(24) Punkte. Spielabende der Arbeilcr-Scbachspiclcr. Wir geben hier den fchachspielsreudigen Lesern des..Abend" eine Aufstellung der ständigen Zusammenkünfte der freien Ar- beitersckzachvercinigung Groß-Berlin bekannt. Die«pielobende finden in jeder Woche statt. Abl. Friedrichshain: Montag und Mittwoch bei Atbrecht, Straßmannftr. 42. Abt. tichlenbcrq: Dienstag bei Schüler, W'-ih- lischftraße 36. Abl. Memel: Dienstag bei Lücke. Mcmeler Str. 1». Abt. Schöneberg: Dienstag bei Seidel. Gustao-Müllcr-Plztz 1- Abt weddino: Freitag bei Henris, Müllerstr. 26. Abl. weißem fr«: Dienstag bei Gallas. Berliner Allee Ecke Lebderstraße. Abt. Grünau: Dienstag ini Gemeinfchaftshaus, Gutshof zralken- berg. Abt. kreazberg: Donnerstag bei Krepp, Planufcr 75/7«. Absi Prenzlauer Berg: Donnerstag Prenzlauer' Allee Ecke Räumer- straße. Abl. Reinickendorf-Osl: Donnerstag bei Rochhaus, Rest- denzftraße 156. Abl. Siemenestadl: Donnerstag bei Heise. Sie- mensstraße 34. Abl. Treptow: Donnerstag, Elfen- Ecke Beermann- straße. Abt. Westend: Donnerstag, Sophie-Chor.otte-e-tr. 88. Abi. Mitte: Freitag bei Knrzrock, Zionskirchplotz 5. Abt. heim- boldlhain: Dienstag bei Döbling, Brnimenftr. 79. Eine interessante Gcrichksentscheidung teilt die Sportzeilschrist „Der Schwimmer" mit. Vor dem frankfurter Schöffengericht chatie sich ein Vereensschwimmer wegen Körperverletzung zu verant- warten, weil er einen Bodeaalt beim Crowlen in empfindlicher Weife in die 2lugen griff. Der Verletzte errang ein obsiegendes Urteil gegen das Vereinsnritglied. Der Schadenersatzanspruch loü in einem ipäteiett Termin festgesetzt werden. Die Lehre: Vor- s i ch t b e i in T r a i n i n g! Zur Beichsunfollverhülungswoche veranstaltet der Landesver- band der Deutschen Lebensrettungsgesellschast Sonntag, 24. Februar, von 17 Ws 18.30 Uhr im Wellenbad Lunapark Vvrsührnn- gen im Rettungsschwimmen und in der Ersten Hilfe. Ein- trittspreis 36 Pf.— Karten an der Kusse. Die Polizeigruppen Mitte, Nord und West verunstalten am 3. März 16 Uhr ein S ch w i in m f e ft, bei dem unter anderen Wettbewerben ein Rettungsschwimmen gezeigt wird. Karten zu 3. 2, 1.50 und 0 73 Mark an der Kaste oder bei der Polizeigruppe Müte, Prin- Friedrich-Karl-Str. 1.?u einem Rnndfünkvorirag svricht Dr. Hermann Engel Donnerstag, 28. Febniar, 20.15 Uhr(nach den Sportnochrichkenl über„Vorbeugung und Erste Hisi'e bei Sport- Unfällen". Am Sonntag, 3. März, ll Uhr vormittags sind aus den Sportplätzen Fr'cdrichkhain und Treptow Bor- sührungen über„Sportunsallvcrhüiung und Vorsorgung". Solidarität" in Köpenick. In Köpenick hat sich jetzt tstc von rührigen Sportlern vorbereitete Ortsgruppe des Arbeiter-Rai». und Krofsiahrerbundes„Solidarität" konstitmert. Im Restaurant Eis«* ner fand die Gründungsversanklung statt, die mit einer Ansprache des Genossen Köhler über Entstehung und Ziele der Ortsgruppe eingeleitet wurde. Erfreulich und beachtlich waren die Ausführun- gen des anwesenden Gauobinannes Lembke, der die neue Orts- gruppe aus das wärmste begrüßte. Eine erhebliche Zahl von Mit» gliedern zählt die junge Kraftfahrer- Ortsgruppe.• Scrieu-Mannschaslsrlngkampf. Montag. 25. Februar, eröffnen der SC. Einigkeit und SC. Alt-Wedding den Reigen der Serien- mannschaitskömpsc der bundestreuen Arbeiterathleten des 4. Kreises. Alt-Wedding wird mit feiner ersten Mannlchoft dem noch jungen SC. Einigkeit viel zu schaffen machen, aber die Einigkeit-Mannschaft wird dos beite herousziiholen versuchen. Der Kampf findet in der Turnhalle. Koppenstraße 84, nah« Schlesifcher Bahnhof um 20 Uhr statt. Gäste willkommen. Xubetvfttlo.«orwärtr".«.». Dj-n«IaS. V?«bruai-. tt»«. standsytzung bei Istznke. Sonntag. Z. Mar,. 16 Uhr, Milglirdrrvrrsammlung im Voolohau«. gTrri« Jurnttpfafi Sfejir!«Hatto ttmbnrg. 7>rr Turnabend der MSnncr und Jugend fiillt Moirtag, 2d. stedruar, aus.«rfler Turnabend der Fraurn und Iungmiidcben Zreilag, 1. Marzi für die M«inner«nd Jugend Msntag, 4. März.?ann muß aber auch olles wieder uolljeihlig erscheinen. siZS»., ftinietturniMtir und»arturaer. Morgen. Sonntag,-Ausschusi- Partie, Beteiligung aller Turnwarlc und Borturner ist Pflicht. Ttcsfpunlt S Uhr Bahnhof KrUnau. Tie Vereine Mijgqetsce, Frei» Bifimlmmet»roh Berlin,«ruppe Zreptsa, Trei««»»nsghrer und Zreie?al'b«atfahrr? baden bestimmt wieder Montag, 23. strbruar.>1 Uhr. im Zlad'bad Zr!edri>bhaiii. «tnppt Beulölln der Strien Schwimmer Sroh-Berlin. Die Badcadende Montag und Tienstag finden bestimmt statt. gait Schwimmer Berlin XU,«. B. Ta durch die anbatlende gälte unier Uebungsd» trieb lahmgelegt ist, sehen wir uns genötigt, zu heut». Conncrdend. rine außerordentlich« Monotsucrfammlung einzuberufen. Ei« finde« ur» 21} Uhr hei Schmidt, Sichterfette, Kindenburgtx-mm, kcke Ziooirstrgßr, statt.