BERLIN Dienstag 26 Zebniar 1929 10 Pf. Nr. 96 B 45 46. Jahrgang. ErscheinttSglick außerS-nntag«. Zugleich Abendausgabe des.Dorwärtt". Beiugspreis bclde Ausgaben 8SPs. pro Woche. Z.mM. pro Monat. Kcdaktivn und Trpedition; Berlin SW 68, kindeustr. 3 SficUaubgaße xlei„ibwasfa Anjeigenprels: Die einspaltige Nonpareillejeile so Pf., Reklamezeile ö M. Ermäßigungen nach Tarif. Poiischeckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bj« 297 Orkan am Msfiffippi. Viele Tote und Hunderte von Verletzten/ Verwüstungen des Tomado Nach MelÄungen aus Tuuca« 1« Staate Misfisfippi wurde die Stadt gestern von einem Orkan heimgesucht. Die ersten Berichte sprechen von 20 Tote« und 1N0 Verletzten. Infolge der Zerstörung der telephcmischen und tclcgraphifchen Verbindungen lausen die Nachrichten über die Ortantatostrophe nur in Bruchstücken ein. va zahlreiche Orkschosten vom Tornado b«. ti offen wurden, ist die verlustzifser wahrstheinlich weit Häher ot» bisher gemeldet wurde. Die Zahl der Verletzten dürfte einige hundert erreichen. In lvn benachbarten Orten find umfoffettd« chilfomatznahmen getroffen. Der Tornado hatte übrigens merk- würdige Launen. Ein kuhmelkender Farmer sah, wie sein Hous vom Sturm weggetragen wurde, während seine Tochter unverletzt durch die offene Stalltür hereinflog Ein anderer Mann wurde aus dem Bett unbeschädigt über den Hof weggetragen. Der Sturm drückte große Ocltanks wie Papier ein und verursachte in der ganzen llmgcgeird«inen Petroleumrcgen. Schneeschmelze Hai emgesetzi. Das Nheineis beginnt zu treiben. Die föhnartige Erwärmung der letzten Tag« hält auch heute noch an. Die angetüudlgle Kältewelle hat vberbaden noch nicht erreicht. Aus allen Höhenlagen des Schwarzwalde» werden Temperaturen über Null und der Beginn der Schnee- schmelze gemeldet, vi» zu etwa 700 Bieter ist die Schneedecke vollständig verschwunden, aber auch in den höheren Lagen findet ein rapider Abbau der Schneedecke statt. Die Schwarzwaldslüste führen größere wassermengen zu Tal und sind immer noch im An st ei gen begrissen, so daß im Lause des Tages noch mit einem erheblichen Ansteigen de» Oberrhein» zu rechnen ist. heute früh wurden zwischen S und 10 Grad Wärme gemessen. Sei» gestern abend sällt leichter Dauerregen. Auch aus der Jlordschweiz wird ein allgemeiner Witterungsumschlag mit Niederschlägen gemeldet. Der Regen sällt bi» zu einer Höhenlage von etwa 800 Metern. Wie aus Emmerich gemeldet wird, hat sich da» Rheinei» gelöst und in Bewegung gesetzt. Dadurch wurden die auf der Reede liegenden Schisse trotz ihrer festen Verankerung teilweise mit abgetrieben. Die Stahltrossen, die die Schisse mit dem Ufer verbanden, rissen wie Bindfaden. Die Landungsbrücken worden eingedrückt und stellenweise hat sich das Eis in beängstigender Weise ousgelürmt. Die Besatzung der gefährdeten Schisse hoben diese verlassen. 2,5 Millionen für(Schneeabfuhr in Verlin. Die Straßenreiniaung hat bei dem neuen großen Schneefall, der fast die ganze Nacht hindurch angehalten hat, noch in der Nacht die sämtlichen 300 S ch nee s l ü g e. darunter 50 K r a f t s ch n e e- s l ü ge in Betrieb gesetzt. Die Schnecpflüge werden den heutigen ganzen Tag mit Ablösung arbeüen. Die Stammbelegschaft von SOOO Mann, die seit etwa acht Wochen ununterbrochen, also auch Sonntags tätig ist, wurde ebenfalls in der Frühe eingesetzt und ist im Laufe des Tages um 6000 Hilfsarbeiter verstärkt worden. Die Gcsamtkosten für die auherordentiichen Schnrcarbeiten dieses Winters sind bereits auf 2'A Millionen Mark airgewachsen. Kattegatt und Oerefund völlig vereist. Das Kattcgatf ist jetzt beinahe völlig mit Eis bedeckt, vis zu einer Tiefe von 15 Meier Hai dos Wasser eine Temperalur unter dem Gefrierpunkt. Auch der O e r e s u n d ist jetzt völlig zu- gesroren. Im südlichen Teil des Oerefundes ist bis zu 4 Meter hohes Packeis vorhanden. Am Sonntag kam der sinpische Eisbrecher„Zampo" in Kopenhagen an, um die Ausräumungsarbeiten im Oeresund und Kattegatt auszunehmen. Der lettische Dampfer „L i d o m" aus Riga, der am Sonnabend vor der Signolstotion von Skogen strandete und dessen Besatzung uiiter großen Schwierigketten an Land gerettet wurde, Hot sich vom Grunde losgerissen und treibt nunmehr in den Eisgewässern umher. Er ist vom Land aus nicht mehr zu sehen und bietet somit namentlich nachts eine große Gefahr sür die Schiffahrt. Vtflklsdier Bankier vor GerldK. Reidispräsideni und Siahiiieim. Berichte 2 Seite, Seldtes Schlachtruf. „Deutschland ist ein übler prolekenaueschant� (Seldte im „Fort mit dem üblen Proletenausschank!— Deutschland werde eine nationale Seldte-Aude!� Bluttat und Hetze. Oeutschnaiionale Blamage.— Verrücktes kommunistisches Toben. Di« Schüsse auf den Iungstahlhelmmann Klei er in Panlow| waren kaum verhallt, als die Deutschnationalen bereits ihr Mißtrauensvotum gegen die preußische Regierung fertig hatten. Wörtlich wurde der preußischen Polizei in der Begrün- dimg des Antrags vorgeworfen,„daß sie das politische Verbrecher- tum immer mehr anwachsen lasse und die Sicherheit in Stadt und Land untergrabe". Seitdem sind 48 Stunden ver- gangen, und die geschmähte Polizei des sozialdemokratischen Innen- minister» Grzesinski hat den Sachverhalt so gut wie restlos er- mittelt, die Täter in Gewahrsam gescht, den Hauptschuldigen zum Geständnis gebracht. Der Pfeil des Mißtrauensantrags prallt auf die demagogischen llrlzeber zurück! Foellich, wie das schnelle Arbeiten der Polizei in der Rechts- presse verlegenes Schweigen hervorruft, so veranlaßt es die K o m- munistenpresse zu Tobsuchtsanfällen. Die gleiche„Rote Fahne", die einst eine ständige Ueberschrift„Gute Zeiten sür Mörder" eingeführt hatte, sie überschlägt sich jetzt vor Entrüstung, weil iin Fall« eines erwiesenen hinterhältigen Totschlags, wenn nicht Mordes, und eines geständigen Haupttäters die Polizei ge- wagt hat. Perhaftungen vorzunehmen. Man kann schon nicht mehr van geistiger Normalität reden, wenn man Sätze wie die folgenden lieft; „Revakrtionärc Arbeiter sind für und seine Agen- ten v o a e l f r e i. Wenn die bürgerliche Presse Pogromhetze macht, glaubt der Sozialdemokrat Zörgiebel verpflichtet zu fein, Prvteten zur Strecke zu bringen, auch wenn sie unschuldig sind." Von der Unschuld der Verhafteten zu reden, ist wirklich ein kühnes Stück. Nach dem Stande der Untersuchung hat S 6) u l z den tödlichen Schuß abgefeuert lwas er auch gestanden hat), Röder Hot während der Tat dos Rad des Schulz g e h a l- ten und Kaiser tyzt die zu der Tat gebrauchte Masse ge- liefert. Wir möchten einmal das Geschrei der„Roten Fahne" hören, wenn bei einem solchen Sachverhalt Täter irgendeiner ande- reu Organisation nicht sofort in Haft genommen worden wären. Daß die Frau des verhafteten Kaiser, wie die„Rote Fahne" mit- teilt, in ihrem Schrecken eine Fehlgeburt erlitten hat, ist gewiß ein menschlich tief beklagenswertes Ereignis. Aber nicht die Pollzel, sondern die kommunistischen Urheber der blutigen Tot. sind dasür verantwortlich, nicht zuletzt trägt die „Hole Jahne*» die moralische Verantwortung, die Tag sür Tag durch Ihr blulrünstlges Phrasengewäsch betörte Prolelarier zu sinn- losen Aktionen auspulscht und so ins Unglück stürzt! An all dem menschlichen Jammer, der sich hier häuft, am Jammer der Eltern des unschuldig getöteten Schülers wie am Jammer der Angehörigen der verhetzten Täter, an all dem tragen die kommunistischen Hetzer die Schuld, die vor der Tat schreien und putschen, nach der Tal ihre Opfer kaltblütig im Stich lassen und ihre Hände in Unschuld waschen. Natürlich geht es auch nicht ohne Dreckschleudern auf den „Vorwärts" ab. Wir hatten am Montag geschrieben, daß die Täter mir größter Wahrscheinlichkeit als Angehörige der kam- muniftischen Jugendorganisation bzw. des Roten Frontkämpferbundes festgestellt sind. Iin lokalen Teil war noch einer Meldung Raum gegeben, wonach der eine Toter nicht dem Roten Frontkämpserbund, sondern der Iungsparta- kusgruppe angehören sollte. Diese sachliche Mitteilung genügte für die„Rote Fahne", um zu behaupten: „Eine besonders schäbige Rolle spielt wieder der „Vorwärts"(folgen unsere Ausführungen). Den„Vorwärts"- Redakteuren kam es lediglich darauf an, in der verlogenen Pogromhetze der bürgerlichen Journaille den Vogel ab- zuschießen. Die sozialdemokratischen Arbiter werden für solch« Lumpereien kein Verständnis haben. Usw. usw." Unsere Meldung hat sich inzwischen al? tznrchavs Mkejj«s rrmiefen, kenn es ist festgestellt, bot Schub, dem Roten Jung- st u r m, Räber der K o m m u n i st i s ch e n Jugend und Äaiser des RFB. angehören bzw. angehört haben. Die„Lumperei" des ..Vorwärts" schrumpft zusammen auf die Verwechselung der Be- zeichnung zweier kommunistischer Jugendorganisationen, die leicht erklärlich ist, weil schließlich zufällig« Augenzeugen einer Tat nicht bis ins Detail über die kommunistische Uniformierung unterrichtet sind, chinter dem Geschimpfe der„Roten Fahne" verbirgt sich nichts als grenzenlose Verlegenheit. Ihre riesengroße Verant- wortung wird sie nicht los! Die geheime Militärkonvention. Die Klüt der Dementis.— Verhandlungen von-1922 zugestanden. Die Frage der Echtheit des»n Holland vcrotsentlichten Textes eines belgisch-französischen Militärabkommens beschäftigte die Welt- presse auch gestern noch sehr stark. In Holland erklärt das sozial- demokratische Matt„Het Volk": „Mitten im Frieden und kalten Blutes sei zwischen England, Belgien und Frankreich verabredet worden, daß bei einem neuen Kriege mU Deutschland die Neutralität des befreundeten holländischen Nachbarstaates in hohnvoll frech«? Weise verletzt worden solle. Dies sei wohl ein besonders krasser Ausdruck mili- taristischer Verwegenheit. Eine pikante Besonderheit sei. daß England an diesem Abkommen beteiligt zu sein scheine. Wäh- rcnd dieses Land im Jahre 1914 in den Weltkrieg unter dem offiziellen Vorwand eingegriffen habe, daß es die Verletzung der- belgischen Neutralität durch Deutschland nicht dulden konnre, lasse es nunmehr selbst in skandalöser Weise die Verletzung der hollön- dischen Neutralität fest ins Auge." Der diplomatische Korrespondent des Arbeiterblattes„Daily Herald" schreibt: Die amtlichen Dementis, betreffend die geheimen französisch- belgischen Abkommen, klingen nicht überzeugend. Das zweite Dokument, dos sich auf angebliche Verhandlungen im Jahre 1927 bezieht, wirst eine viel wichtigere Frage aus. Vom rein militärischen Standpunkt betrachtet, würden die darin vorgesehenen Operationen gegen Deutschland zweckmäßig sein. Die Frag« bleibt nur, ob em solcher Plan, der die Verletzung der holländischen Neutralität und die Verleugnung des ganzen Grundgedankens von Locarno einschließt, von dem britischen, dem französischen und dem belgischen Generolstab« erörtert worden ist. Selbst wenn Einzelheiten unzutreffend sein sollten, müßt« Antwort verlangt werden auf die Frage, ob von den britischen Militärattach«? in Brüssel oder Paris oder von einem anderen britischen militärischen Vertreter Pläne für eine eventuelle Zusammenarbeit zwischen der britischen Armee einerseits und der französischen oder belgischen Armee andererseits erörtert worden sind. Dieser Punkt und nicht die Frage, ob es einen formellen Vertrag oder eins Konvention gibt, muß ohne Ausflüchte und ohne Zweideutigkeit aufgeklärt werden. In London wird die Beteiligung Englands an belgisch-fron- zösischen Militärvereinbarungen amtlich dementiert. Hingegen hält der diplomatische Korrespondent der„Morniirg Post" es nir durchaus möglich, daß ein Memorandum in Form eines von den Militärattaches Englands und Belgiens aufgestellten Der- tragsentwurfes existiert. Es sei die Ausgabe solcher Herren. Pläne für alle Eventualitäten auszuarbeiten. Es sei die Pflicht aller Militärattaches, die Grundlag« für jeden noch so unwahr- scheinlichen Fall vorzubereiten. Dies bedeute allerdings nicht, daß solche Memoranda die Sanktion der beteiligten Regierungen besäßen. Das rom Pariser Auswärtigen Amt stammende Dementi sagt bemerkenswerterweise nur, daß die Abmachung der belgischen und französsschcn Regierungen vom 2. November 1929 dem Völker- bund mitgeteilt sei und daß sie rein devensiven Charakter habe. Das Dementi des Ouai d'Orsay streitet ober nicht die bisher ge- heimgehaltenen militärischen Einzelheiten der zwischen den G« ne- r a l st ä b e n im September 1929 vereinbarten Militärionventi on ab. Ebenso besagt es über die behaupteten Verhandlungen von 1927 zwischen den Milstärs nur, daß zu diesem Zeitpunkte ein neues Militärabkommen nicht unterzeichnet worden fei. Das Po- rifer Dementi bestreitet ober nicht, daß noch zu diesem Zeitpunkt Besprechungen der Militärs über die Abänderung des seit 1929 be- stehenden Abkommens stattgefunden hoben. Besprechungen von 1927 zugegeben. JSaris, 26. Februar. Die verössenllichung de, lllrechter Blattes über dos geheime französisch-belgische Militärbündnis und die Kommeulare, die diese Enthüllungen besonder» in der deutschen Presse gesunden haben, iverden in Paris recht unangenehm vermerkt. Das„Echo de Poris". das bekanntlich besonders innige Beziehungen zum Generalstab hat, erklärt, jeder Mensch wisse, daß der französische und der belgische Generalstab 1929 ein Verteidigungsabkommen geschlossen hätten, das von den Regierungen in Paris und Brüssel zur Kenntnis genommen worden sei. Es sei klar, daß dieses Abkommen seiner Ratur nach geheim bleiben müsse. Der sranzösische und der belgische Generalstab prüften von Zeit zu Zeit, wie das Abkommen von 1929 durchgeführt werden solle. Völkischer Bankier vor Gericht. 20000 geschädigte Kunden. vor dem Großen Schöfseugerichl Eharlotteuburg begann qeute früh der große Bankbekrugsprozeß gegen den Bankler Willi Bruß, dessen Unternehmen im Jahre 1924 zusammengebrochen war. Die Voruntersuchung hat vier Zahre gedauert, da es fich bei diesem Bankunternehmen um 2 9 9 9 9 geschädigte Kunden handelte und da die Buch- und Kosseusührung trotz der S9 Angestellleu in vollster Unordnung gewesen war. Die Aktien und Wertpapiere wurden in Zigarrenkisten und Pappkarkons aufbewahrt. Bruß hatte nach Beendigung seiner Lehrzeit bei dem jetzt auch verkrachten Bankhaus Löwenberg u. Co. sich im Jahr« 1929, knapp 21 Jahre alt, selbständig gemacht. Sein„Bankhaus" war eine echt« Inflationsblüte und nahm schnell einen riesigen Aufschwung, weil Bruß von der Ortsgruppe Wilmersdorf der Deutschvältischen Partei den Parteikreisen empfohlen wurde. Cr hatte gründlich vorgesorgt, indem er über seine glänzend« Vermögenslage fast sämtlichen Auskunfteien Berichte hatte zugehen lassen. Bereits nach Einrichtung der Geschäftsräume, die auf Ab- Zahlung erfolgte, war. Bruß fast ohne Barmittel. Um seinen ungünstigen Status zu oerdecken, wurde die erste Vi- lanz in raffinierter Weif« gefälscht. Die Unkosten wurden als Wechsel und sein« eigenen Schulden als Außenstände verbucht. Bruß errichtet« dann noch sechs Filialen im Reiche und siedelte in neu« große Geschäftsräume in der Brandenburgischen Straß« über. Natürlich hatte er auch zwei Luxusautos. Der besondere Trick dieses Inslationsbankhauses bestand in der Einrich- tung von„Transaktions- und Handelskonten", über welch« auch kleine Leute Teile einer Aktie erwerben konnten. Die Einlagen sollten absolut sicher sein, in Wirtlichkeit wurden sie ober-von Bruß für eigene Zwecke verwendet. Mit dem Abschluß der Inflation wäre das Schwindelunternehmen sofort zusammengebrochen, wenn nicht Bruß von zwei Seiten zufällig große Beträge in die Hand bekommen hätte. Die Hanseatische Tobakfabrik in Hannover übergab ihm Ende 192Z 89 999 Mark, um Dollarnoten für sie zu laufen und von einem Rittergutsbesitzer v. Langen erhielt er erhebliche Bar- betrüge und Rentenbriefe als Unterlage zur Börsenspekulation. Bruß steckte das Geld in die eigene Tasche, zeigte sich seinen 69 An- gestellten gegenüber aber sehr nobel, indem er ihnen f ü r st l i ch« Weihnachtsgratifikationen zur Verfügung stellte. Als dann auch diese Summen verpufft waren und die Herrlichkeit zu Ende ging, fuhr Bruß mit seinem eigenen Auto in ein Sanalormm, wo er dann verhaftet wurde. Er hat über ein Jahr in Unter- suchungshost gesessen und ist'dann mit Rücksicht au? die lange Dauer des Ermittelungsverfahrens gegen eine Sicherheitsleistung auf freien Fuß gesetzt worden. Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs glaubte aus der Änklageschrist zu entnehmen, daß die Staatsanwaltschaft den Angeklagten für die Inflationszeit die Gutgläubigkeit zugesteh« und erst den Betrug in die Zeit nach den Eingängen der Gelder von der.Hanseatischen Tobakfabrik verlege. Landgerichtsdirektor Schmidt: Das ist ein Irrrum, bis 1923 nimmt die Anklage Unterschlagung, dann aber Untreue und Betrug an. Verteidiger: Der Angeklagte beruft sich aber daraus, daß er auch noch jener Zeil auf groß« Geldeingänge aus dem Ausland rechnen konnte, so daß er sich berechtigt halten tonnte, über die Gelder für Ken Devisenankaus zu verfügen. Der Angeklagte Bruß erzählte daraus, daß im November oder Dezember 1923 auf Empfehlung de» AuswärUgeu Amte» wegen de» nationalen Charakters seines Unlernehmeus der türkische Oberst Harun ol Raschid, der sranzösische Sroatsange- hörige Dr. Raschid, der als Freund von Coillaux von Poincar» oerfolgt wurde, sowie der ehemalig« Schatzkanzler des Zaren Rera- toft sich on ihn csewendet hätten, um ausländische Gelder in sei» Unternehmen zu stecken. Harun al Raschid habe seinen Sitz im Auswärtigen Amte gehabt und er habe auch selbst mit dem Auswärtigen Amt« von seinem Bureau aus gesprochen. Die Serhandlungen hätten sich aber hingezogen und schließlich zer- schlagen. Gleichzeitig habe auch eine reiche Amerikanerin eine Mil- lion Goldmark für den kleinen Wohnungsbau»och amerikanische»! Muster zur Verfügung stelle» wollen und er habe daraufhin die „Dihag" gegründet. Sirafantrag gegen Bankier Bruß. Infolge des Geständnisses des Angeklagten tonnte auf Zeugen- Vernehmung verzichtet werden. Erster Staatsanwalt Jäger beantragt gegen Bankier Willi Bruß ein Jahr sechs Monate Ge- f ä n g n i s, Anrechnung von einem Jahr Untersuchungshaft und für den Rest Bewährungsfrist. Es sprachen dann zugunsten des Angeklagten, der ein Optimist gewesen sei und dem die Verhältnisse über den Kops gewachsen wären, die Rechtsanwälte Dr. Nübell und Dr. Herbert Fuchs. Das Urteil erfolgt voraussichtlich am Nach- mittag. Groener-Nenkschrist im Reichstag. Heute Znterpellationsdebatte. Im Reichstag, der heute nach zweitägiger Unterbrechung um drei Uhr nachmittags seine Sitzungen wieder aufnimmt, steht als erster Gegenstand die kommunistische Interpellation über die Den k- schrift des Reichswehrmini st ers Groencr zur Panzerkreuzerjrage auf der Tagesordnung. Zunächst wird der kom- munistische Abgeordnete Stöcker das Wort zur Begründung der Interpellation erhalten. Reichskanzler Hermann Müller wird voraussichtlich antworten. Für die Sozialdemokratie spricht Ab- geordneter Stampfer, den Standpunkt der Deutschnationalen wird Abgeordneter von Lettow-Vorbeck oertreten. Di« Aus- spräche dürfte sich voraussichtlich ziemlich lebhaft gestalten. Reichspräsident und Stahlhelm. Hindenburg bleibt Ehrenmitglied.— Und die Haßbotschaft? In einer Erklärung des Bureaus des Reichspräsidenten wird ausgeführt, daß die Vorwürfe, die der preußische Ministerpräsideni im Landtag gegen den„Stahlhelm" erhoben hat, den Reichsprösi- denken oeranlaßt hätten, die Stahlhelmführer Seldte und D üsterbergzu einer A u s s p r a ch e zu sich zu bitten. In dieser Besprechung, die am vergangenen Sonnabend geführt wurde, ver- wahrten sich— so sagt die Erklärung— die Stahlhelmfllhrer gegen die verschiedenen Unterstellungen in der Oeffentlichkeit und die hau- sigen Verfälschungen der Kundgebungen des Stahlhelm. Zwar ständen sieinOppositiongegendasparlamentarische System und seine Handhabung, aber der Stahlhelm hälle stets betont, daß er seine Ziele nur auf legalem Wege ver- folge. Der Artikel in Nummer 4 des„Stahlhelm" zum 79. Geburts- tag Wilhelms II. spreche nur von dem persönlichen Treue- Verhältnis des alten Soldaten zum ober st en Kriegsherrn, und damit sollte derDiensteidderjetzigen Beamten in keiner Weise in Frage ge st eilt werden. Der Stahlhelnr lege vielmehr entscheidenden Wert daraus, daß die ihm zugehörenden Beamten sich in vorbildlicher Pflicht- treue im öffentlichen Dien st betätigen. Der Reichsprösi- dent nahm diese Erklärung mit Befriedigung entgegen und gab die Versicherung ab, daß er aus seiner Kenntnis der Ziele des Stahlhelm, dem er seit langen Jahren als Ehrenmitglied angehört, keine andere Haltung erwartet hätte. Der Reichspräsident hat dem Reichskanzler und dem Reichsminister des Innern von diesem Per- lauf der Aussprache Kenntnis gegeben und hinzugefügt, daß er bei dieser Sachlage keine Veranlassung sehe, seine Ehren- Mitgliedschaft beim Stahlhelm— Ehrcnvorsitz kommt ni�t in Frage— niederzulegen. Oie Volkspartei am Scheidewege. Stresemann vor dem Zentralvorstand. Der Zentraloorsland der Deutschen Volks- Partei ist heute vormittag 19� Uhr im Marmorsaal des Hotels Esplanode zu einer stark besuchten Tagung zusammengetreten. Die Verhandlungen wurden von dem Vorsitzenden der Partei, Reichs- außenminister Dr. Strefcmann, mit einigen einleitenden Worten eröffnet. Stresemann gab dann sosort ein Referat über die politische Lage. Er begründete die schnelle Einberufung des Zentraloorstandes damit, daß er unmittelbar vor der Abreise nach Genf stände. Aber auch sonst wäre eine Aussprache über die Ver- häktnisse im Reich und Preußen notwendig gewesen. Man müsse registrieren, daß sich nach den Neuwahlen das Zentrum gegen eine stärkere Vertretung im Kabinett zuerst gesträubt, sie dann stürmisch gesondert habe und auf Grund der letzten Verhandlungen aus der Regierung ausgeschieden sei. Don preußischer Seite sei anfänglich jader Zusammenhang der Bildung der preußischen Re> gierung mit den Vorgängen im Reiche'mit Entschiedenheit zurückgewiesen, später aber davon abhängig gemacht worden. Der Führer der Zentrumspartei habe sich selbst für eine der Bedeutung der Aolkspartei entsprechende Vertretung im preußischen Kabinett eingesetzt. Stresemann erklärte, er habe volles Verständnis dafür, daß die Preußenfraktion es nicht als wünschenswert empfand, daß jedesmal, wenn von der Volkspartei die Rade fei, die Vertretung von Handels- und Wirtschastsinteressen als das ihr Zukommende betrachtet werde. Die Volkspartei trete für die Wirtschaft ein, weil deren Lebensfähigkeit eine Lebensfähigkeit des Staates und des Volkes fei. Abet die materiellen Fragen brächten niemals dabei Lösung von Volksfragen,'die Volkspartei sei an den großen Fragen der kulturellen Entwicklung mit derselben Intensität be- teiligt, wie irgendeine andere Partei in Deutschland. Persönlich fügte Stresemann hinzu, daß er die Anregung des preußi- jchen Ministerpräsidenten einer personellen Verbindung zwischen Preußen und dem Reich mit Freuden begrüßt habe. Nächster Ministerrücktritt in Sicht. Schätz«! will die Biersteuer nicht mitmachen. München, 26. Februar. Nach einer Meldung des„Bayerischen Kurier" hat die An- »ahme der Biersteuererhöhung und die Kürzung der Ueberweisungssteuem von 120 Millionen durch den Reichs. ratsausschuß in den Kreisen der Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartei peinliches Aussehen erregt. Klarheit könne selbstverständlich erst die Abstimmung im Plenum des Neichsrates bringen, die vermutlich schon im Laufe der nächsten Woche vor. genommen werde. Falls die Hilscrdingsche Dcckungsvorloge auch im Reichsratsplenum ohne Aenderung angenommen werde, dürste, wie in den Kreisen der Reichstagsfraktüm der Bayerischen Dolks- partei betont wird, mit dem. Rücktritt des Reichspost- Ministers Schätze! gerechnet werken. Heidt dementiert. Zu dem Interview der„Chicago Daily News" erklärt der bayerische Ministerpräsident, diese Veröffentlichung sei ein durchaus unvollständiger Auszug mit frei erfundenen Beimischungen und handgreiflichen Unrichtigkeiten. Oer Kememordprozeß Heines. Waren die Roßbacher Soldaten? Im Verlauf der heutigen Vernehmung äußert« der Haupt- angeklagte Heines, daß die Roßbocher sich damals nicht nur fub- jektio als Soldaten fühlen mußten, sondern tatsächlich auch objeklio Soldaten waren. Während bekanntlich im ersten Prozeß General o. Pawels behauptet'hatte, daß die in Güstrow aufgelösten Roß- bacher als Zivilisten, und znxir als Landorbeiter aus die ponnnerschen Güter geschickt worden seien, erklärte Heines heute, daß der Abtransport mit ollen militärischen Formen und auf Militärfobrscheinen von Güstrow nach Pommern erfolgt sei. Auch die bis dahin von der Formation getragenen Ab- zeichen des Reichswehr-Iägerbataillons 37 seien ihnen ausdrücklich belassen und sie seien nur ermahnt worden, im Interesse der Se- Heimhaltung diese Unifarmstücke nicht öffenttich zu trag«,. Das Stichwort, mit dem sie sich bei den Gutsbesitzern zu melden hatten, lautete:„Dir sind auf der Walze." Darofhin wurden sie sofort in die schon bereiteten Onortiere geiührt. Die„Arbeitsgemeinschaft Roßbach" hotte auch ihren eigenen Vatöillonsarzt und ihre Bc-' taillonsmusit gehabt, die beispielsweise bei einem gemeinsamen i Sportfest mit der Reichswehr in Stargard spielte. In einem von' Roßbach innerhalb der Organisation gegründeten„Saldaten-Tren- bund" spielt« der F« l d w e d e l I u st eine große Rolle, der dann später, 1924, in Mecklenburg erschlagen wurde. Just sei der Der- traucnsmann für den ganzen Kreis gewesen und habe wiederholt in Fragen der Waffsnverteiwng und der Umbettung der Depots selbständig Anweisungen an die als Abschmttsleiter tätigen Oiiizicre gegeben. Die Bollwerke der Kultur. Marschau. 26. Februar. Der Minister des Aeußern Z o l« st i gab gestern abend zu Ehren des rumänischen Ministers des Aeußern M i r o n e s e u ein Essen. Zoleiki hielt eine Ansprache, in der er u. a sagte: Unser Bündnis verfolgt nicht ollein unsere Tanderimeresien, sondern bildet auch em Element des allgemeinen Friedens. Die Achtung oar den Verträgen ist die einzig« feste Grundlage des Friedens. Di« Tatsache, daß Pol« urtb kteimämen die«m weitesten nach Osten vorgeschobenen Bollwerte der gleichen lateimschen Kultur sind, ist dos festest« Bond, das sie vereint Der rumänische Minister des Aeußern Mironescu stellic fest, daß die Zeiten . egoistischer Poiittk vorüber seien und daß die gegenseitige Abhängigkeit der Bölker voneinander ständig deutlicher zutage trete. Altrussische Malerei. Ausstellung im Kunstgewerbemuseum. Im Lichthot des Olfen Kunstgewerbemuseums(Pnirz- Äbrecht-Stroße), wo vor zwei Iohren uns schon eine Ausstellung van Kopien oltrusstscher Fresken in Crstounen fegte, find jegt Ikonen aus dem 12. bis 1K. Iohrhundert als Zeugen der gleichen großen Kunst des alten Rußland ausgestellt. Ikone sind Bildtafeln von Heiligen und Heiligenszenen, die in den russischen Kirchen etwa die Stelle unserer Altarbilder oertreten und zum Teil das religiöse Ansehen wundertätiger Bilder im Volke besitzen. Ihre Ausstellung ist um so höher zu bewerten, als sie zum erstenmal die Grenze Rußlands überschritten haben und zu unserer Kenntnis gelangen. Im letzten Jahrzehnt sind sie durch die Tätigkeit des Volksbildungskommissariats ans Licht gezogen und der koirser- vierenden Behandlung der„Zentralen Staatlichen Resiourotions- Werkstatt«"(AGRM.) in Moskau übergeben worden. Demi ihr Zustand oerlangt fast in jedem Falle eine Wiederherstellung in die alte Verfasiung'. man kann an verschiedenen Beispielen das Verfahren kennen lernen, wie die Jahrhunderte ollen Schmutzschichten, die den Ikon bis zur Unkenntlichkeit verdunkelt hatten, schichtweis« abgelöst wurden, bis der alte Kern in seiner strahlenden Farbigkeit zu Tage trat. Diese Wiederherstellung wird in erster Linie Prof Igor G r a b a r verdankt, der seit Jahrzehnten sich mit höchster Wissenschaft- licher, technischer und künstlerischer Erfahrung um sie bemüht hat. Daß eine solche Schau überhaupt nicht von heut aus morgen zu erreichen ist, versteht sich von selbst. Die Deutsche Gesell- schajt zum Studium Osteuropas unter der Leitung von Prof. Otto Hontzsch hat mit dem Volkskommissar Lunatscharski, dem Leiter der Kunstabteilung in seinem Ministerium, Sw idc r s k i und Prof. G r a b o r zu dem ausgezeichneten Resultat zusammen- gewirkt. Länger als ein halbes Jahrtausend, bis zum Beginn des !7. Jahrhunderts, hat die russische Ikonenmalerei sich selbständig er- hallen, in einer Formensprache, die während ihrer ganzen Dauer ihre Abstammung vom byzantinischen Mosaik nie verleugnete und erst in Verfall geriet, als der Einfluß des Barock vom Westen her sich eindrängte. Dos ist ein bewunderungswürdiges Zeichen der Volkstraft, die dos Erbe der byzantinischen Kunst übernahm und für seine geistigen Bedürfnisse umbildete: es wäre etwa so, als wenn die Formenjprachc Cimabues und Dureios oder die unserer roma- nischen Domfresken sich bis in die Zeiten Rembrandts rein erhalten hätte. Rußland war zwar bis zu Peter dem Großen keine europäische Macht, aber so weit lag es schließlich nicht von Europa ab, daß nicht auch in den Zeiten der Gottk und Renaissance eine geistige Kommunikation bestanden hätte. Nein: der religiöse Wille des Volkes selber war so möchtig, daß er alle Beeinflussungen des wandlungs- reichen Westens unbedingt ablehnte und aus seinen byzanttnischen Formen bestand; im Grunde sogar, in den Tiefen des Volkes, bis in die jüngste Bergangenheit besteht. Diese Ikonenmalerei ist von einer merkwürdig starken und über- zeugenden Gestaltungsfüll«. Wir im Westen hoben solch eine über- ragende Gewalt der Konvention mit dem Ende des 13. Jahrhunderts eingebüßt und seit Giotto, dem bahnbrechenden Aufklärer Italiens, dafür die Pandorabüchse des Realismus eingetauscht, die An- schauungssorni der rationalistischen Vernunft, die so schone Dinge wie Korpcrwahrheit und Perspektive erstmalig in den heiligen Bezirk der Kunst eingeführt hat. Was wir mit solchen Errungenschaften an geistiger Tiefe verloren haben, ist uns ja erst vor einem Menschen- alter klar geworden, als die Entwicklung der europäischen Malerei seit Giotto sich mit dem Ende des Impressionismus erschöpft hatte und einige hellseherische Künstler, denen der Noturinstinkt geblieben war; zur Empfindung des Ursprunghasten zurückkehrten(van Gogh, Münch. Hodler, Malisse, Nolde usw.s. An den russischen Ikonen er kennen wir init schmerzhaftem Entzücken wieder einmal den uns selber abhanden gekommenen Zustand der Unschuld. Hier geht die höchste Empfindung noch, wie in ollen Werken absoluter Kunst, un- mittelbar und ohne Kontrallc der ach so täuschungsfreudigen Sinne in das Werk selber«in, das der Anbetung dient, der Vorstellung oon Dingen, die hoher stehen als unsere Vernunft. Jede Linie und jede Farbe dient ohne Umwege dem einen Zweck: dem Menschen Sinn und Bedeutung seines Daseins zu offenbaren. Man kann dos banal ausdrücken, indem man sogt: orthodoxe Heilswohrheiten zu verkünden. Daß es sich aber tatsächlich nicht um Orthodoxie und tote Götter, sondern um ein sehr lebendiges und immer lebendig bleibendes Notwendiges der Seele handelt, das beweift die Hingebung, die wir Menschen von 1929 diesen Ikonen zollen: eine Hingebung, die auch Lunatscharski meint, wenn er in seinem Vorwort von dem „Verständnis des inneren Gehalts der entschlafenen Vergangenheit und gleichzeitig von großem ästhetifchem Interesse" spricht. Die ollgemeine Erfahrung historischer Art bestätigt sich freilich auch hier: daß ihre frühesten Werke ihre gewaltigsten sind. Ehr- würdig und herrlich bleiben uns am ersten die Ikone des 12. und 13- Jahrhunderts, die den byzantifchen Quellen noch am nächsten stehen, und die uns nicht dadurch beeinträchtigt werden, daß sie hier nur in Kopien erscheinen, weil die Originale zu kostbor und zu gc- brechlich sind, um aus Moskau entfernt werden zu können. Die Kopien, entstanden in jenen Staatlichen Rcstaurotionswcrkstätten, sind tatsächlich bis in die letzte Feinheit unid Zufälligkeit von Er- Haltung, Struktur und Technik so vollkommen, daß sie die Originale ganz ersetzen(wie auch wahre Kenner bestätigt haben). Die Russen selber erklären das 15. Jahrhundert als Epoche höchster Blüte, mit dem großen Meister Andrej Rublew an der Spitze; es werden die ver- schiedensten Schulen und ihre Vorzüge genannt, Nowgorod, Moskau, Pskow, Wologdo usw. Ein Eindringen in historische Einzelheiten ist uns aber hier fast ebenso verwehrt wie bei der oltchinesischen Kunst. Es ist wohl Nebensache, wie es uns auch nur mit freundlicher Gleich- stimmung berührt, Aehnlichkeiten in Stil und Ausdruck mit west- europäischen Meistern des Trecento feststellen zu können. Solche gehen zweifellos nirgends auf Beeinflussung, sondern auf das Gesetz zurück, das gleiche geistige und materielle Bedingungen auch gleiche Formen hervorbringen können. Vielmehr empsinden wir diese sechs Jahrhundert« der russischen Ikonenmalerei als eine geschlossene produktive Einheit, deren Nüancen wir empfinden, deren Schönheit aber zum nicht geringen Teil in der ungewöhnlichen langdauernden Geschlossenheit ihres Stils besteht. Dr. Paul F. Schmidt. Protest der Berliner Schauspieler. Gegen schlechte Gagen und Vertrustung. Bon Mitternacht bis 3 Uhr heute morgen waren die Berliner Schauspieler im Kaisersoal des Zoologischen Garten? versammelt, um gegen die Gagen- und Trnftpolitit der Theaterunternehmer zu protestieren. Es handelte sich in der Nachtversammlung nicht nur darum, einen einheitlichen Entschluß zur Erkämpfung einer erträg- lichen Existenz sür den Augenblick zu erreichen; die Künstler, die den Versammlungssaal überfüllten, wollten besonders ihre Gewerkschafts- taktik diskutieren und eventuell festlegen. Die Taktik der Berliner Direktoren zielte im letzten Jahre darauf hin, dos mühselig begründete Tarifwerk zwischen den Arbeitgebern und 2lrbeitnehmern des Theaters immer mehr zu durchbreche». So wurden die wichtigsten Artikel des Normalvertrages, besonders die Bestimmung über die Bezahlung der Vorpraben beim Theater, von den Direktoren systematisch vernachlässigt. Anfang dieses Monats beschlossen die Direktoren sogar, die M i n d c st- gage überhaupt abzuschaffen. Man teilte der Bühnen- genossenschaft sogar brieflich mit, daß die Bezahlung der Theaterproben in Berlin nicht mehr üblich sei. Als nun die Schauspieler ihre Protestoersammlung anmeldete», wurde den Vertrauensmännern der Gewerkschaft von den Direktaren gesagt, die Bühnenleiter wollten ihren Februarentschluß ob- ändern. Sie wollten eine Mindestgage bewilligen und sdsiugen 300 Mark stall der bisher gezahlten 250 Mark vor. Sie wollten auch über die Berechnung der Honorare für die Proben, die bisher einer wochenlang unentgeltlich gelieferten Künftlerarbeit gleichtamen, oerhandeln. Di« Berliner'Schauspieler begnügten sich mit diesem Erfolg nicht. Sie taten gut daran, denn noch viele absolut berechtigt« Wünsche der Bühnenkünsller sind zu erfüllen, damit die materiellen und künstlerischen Verhältnisse im Berliner Theaterwesen sich bessern. Dorum protestierten die Schauspieler auch gegen die Vertrustung der Berliner Theater und.gegen den geradezu wucherischen Kettenhandel, der mit den Pachtrechten an den Thsaterhäusern getrieben wird. Alle Katastrophen der letzten Zeit, wie z. B. der Z u s a m m e n- bruchdes Nollendorf-Theaters, entstanden nur dadurch, daß die Bühnenleiter viel mehr Miete ausbringen mußten, als der ganze Etat des Unternehmens vertrug. Die Direktoren waren gezwungsn, den Hauseigentümern das meiste der Einnahmen oder geborgten Kapitalien in die Tasche zu stecken. Gc- schäste machen an den Berliner Theatern allein diese schwer ver- dienenden Hauseigentümer, die wiederum mit einer ganzen Unterarmes van prositsuchenden Leuten zusammen arbeiten. Dieser Kettenhandel mit Theaterkarten hat die Direktoren ruiniert, auch die letzte Direktion des Theaters am Nollendorfplotz. Dort wurden nicht nur kleine, sondern seit Iahren in Berlin hoch angesehene Künstler plötzlich brotlas. Durch den Kettenhandel mit Theaterhäufern waren die Direktoren immer wieder genötigt, ihr« Pflicht gegenüber dem Schauspieler zu ver- nachlässigen. Beherrscher des Berliner Theaterwesens wurden B i l l e t s ch i e b e r, die die teuersten Billetts von den besten Theatern zu Schleuderpreisen an sich brachten. So konnte es ge- lchehen, daß das Theater am Nollendorfplotz trotz guter Geschäfte zusammenbrach. Es hatte nämlich seine Ware, die Vorstellungen, an die kapitalgebenden Billetthändker beinahe verschenkt. Die Miete verschlang alles, die Schauspieler blieben bei der Katastrophe die absolut Betrogenen. Auch die Theaterbehörden schützen Schauspieler nicht, ja, die Theaterabteilung am Berliner Polizeipräsidium hat trotz des Ab- ratens der Schauspielergewerkschaft, die gutachtlich geHort werden muß. an finanziell ganz unzuverlässige Unter- nehmer die Theaterkonzession erteilt. Schon längst ochtet die Theaterobtellung des Polizeipräsidiums nicht mehr darauf, daß die Einkünfte der Schauspieler durch Garantie- depots der Unternehmer gesichert werden. So war auch im Falle des Nollendors-Theaters nur eine lächerlich kleine Summe zur Entschädigung der Künstler vorhanden, als dos Unter- nehmen bankrott machte. Mit Recht wurde betont, daß die stoalliche Theateraufsichisbehördc mitschuldig wurde on der»noeheurcn Not der Berliner Bühnenkünstler., In der gestrigen Protestoersammlung wurde darum b e- schlössen, die Gründung eines eigenen Berliner Schauspieler. Kunde» varzu bereiten. Dieser Berliner Bund soll durchaus in Ge- meinschaft mit der ganz Deutschland umfassenden Bühnengenossen- schoft arbeüen. Er soll aber auch in Berlin den Kamps um die Schauspielerrechte so führen, wie es die besonders komplizierten Zu- stände der Reichshauptstadt verlangen. M. H. „Verirrte Jugend." Tauenhien-palast. Wenn auck) ein Mord geschieht, so biegt man doch einer wirklichen Tragik aus. Dieser Mord on dem adligen Iungchcn, das den Don Juan spielt, ist eher ein momentaner Unglücksfall als eine Notwendigkeit, und ferner verübt ihn keines der zivilisierten Pubertätsmädel, sondern die junge, episodisch« und kaum von der Kultur beleckte Mulattin. Die Ehre der europäischen Jugend bleibt zur Freude des Publikums unangetastet. Ja, der Mord gibt einem der Jünglinge Gelegenheit, sich außerordentlich heroisch zu gebärden. Die Handlung des Films ist stark konzentriert und nur auf die Jugend beschränkt, den Erwachsenen sind nur kleine Nebenrollen zudiktiert. Das Thema ist in der Nähe von Wedekind?„Frühlings Erwachen" beheimatet. Es handelt sich um Liebeleien teils edler, teils handfester Art zwischen Kindern begüterter Bürgerhäuser. Aber diese Angelegenheit verdient wirklich nicht den moralischen und rekkametüchtigen Titel„Derirrte Jugend", denn wo liegt die Aerirrung? Vielleicht darin, daß Bersosser und Regisseur die Bar- gänge zu romantisch belichten? Der Film konnte von ganz großem Formol sein, wenn das Ganze echter wirken würde und wenn man Heitere Gymnastik. Ludolf Bode im Bach-Gaal. Dr. Rudolf Bode kommt olljährlich nach Berlin, um für seine Gymnastik'Anhänger zu werben. Im B a ch- S a a l hatte sicki eine große Gemeinde eingesunden, um dem Propheten der Körper- befreiung zu lauschen. Bode betonte in seinem Vortrag die Bc- deutung des gymnastischen Erlebnisses. Gymnastik, so sagt Bode sehr einleuchtend, hat erst dann Wert, wenn Inneres und AeußercS dabei in Einklang gebracht wird. Gliederlockening ohne innere Eittspannung führt nur zu immer stärkerer Verkrampsuna. Die von vielen diskutierte Frage, ob in Gymnastik oder Sport das Heil liege, beantwortet er dahin, daß Gymnastik und Spart für den Menschen unserer Zeit vereint werden müssen. Die gym- nostischcn Schwünge, die seine Schülerinnen vorführten, sind ohne Frage Grundbcwegungen sür zahlreiche Sportarten. Die Unterrichlsmeihodik der Bode-Schul« wurde dann on einer ganzen Reihe von Uebungen deutlich gemocht, die zeigten, wie gründlich hier der ganze Körper durchgearbeitet und jeder Be- wegung dienstbar gemacht wird. Das alles waren keine künstle- rischen Darbietungen, sollten keine sein. Aber die strahlende Heiterkeit, die von diesen Körpern und Gesichtern ausging, die fließende Harmonie der Bewegungen, die spielerische Leichtigkeit der Körperbeherrschung rissen die Zuschauer zu stürmischen Be- geisterungsausbrüchen hin.' Tez. Theater-Planwirtschast im Z�hein-Main-Gebiet. In Frankfun a. M. fand eine Sitzung von Bertretern des Preußischen und Hessischen Landtages sowie von sozialdemokratischen Mitglieder» der Theaterdeputationen von Frankfurt, Wiesbaden und lviainz statt. In der Sitzung kam eingehend die Notlage der Theater im Rhein-Main-Gebiet zur Sprache, wobei für die Errich- tung einer Jnteressengerneinschait der Theater oon Frankfurt, Wies- baden, Mainz und Darmstadt eingetreten wurde. Es fand eine Entschließung Annahme, in der es heißt, daß die Zusammenfassung des Theaterwesens im Rhein-Main-Gebiet im Interesse einer Rationalisierung und Sparpolilik notwendig und durchführbar sei. Die Teilnehmer der Tagung uerpflichteten sich, im Sinne einer solchen Zusammenfassung in den Gemeindeparlamenten und Theater deputationen zu wirken, Oie Gesellschaft der Tanzkunstfreunde. Die„Gesellschaft der T a n z k u n st f r e u n d e E. L." (Geschoftsstellc Bcrlin-Steglitz, Ieverstr. 1), deren Gründung vor kurzem stattfand, hatte die Berliner Tänzers choit zu einem Empfang ins Hotel Prinz Alb recht geladen. Die Mitglieder des Arbeits- ausfchusses entwickelten das Programm der Gesellschaft und bc- tonten, daß sie zur strikten Wahrung ihrer Neutralität in Veranstaltungsangelegenheiten in engster Fühlungnahme mit dem „Paritätischen Ausschuß der Tänzerschaft arbeiten würden. Von den nicht organisierten Tänzern wurden Max Terpis, Berthe Trümpy und Rudolf Kolling als Bertrctcr für die Vera nstaltungstom Mission gewählt. Schloß»er van«»gh-"ussielluag. Die ttutstelwnz der da» Gogh. Sammlung der Frau Kröller-Müller im Berllner Kro»prin»en.?alaiZ ist am Sonntag zum lichten?.hale geöffnet. Eine Soiihaur-Mattrie« riecoaslallet»le Volksbühne am Sonntag. UV, Uhr. im Thealer am Bülcuoplatz. Unter Leitung von Oskar Schlemmer werden Tänze und Pantomimen unter Verwendung von Projekt ivnen und Lichtspielen geboten. Sinlaßlarten sür Mitglieder zu IVO M.. fest« Plätze sür Zftchtwitglieder zu 1, 3 und 2 M. bei Kerthetm, Tirtz nah au der Geeckt über den Wehrwillen. Zusammengehen mit dem„Pazifismus". Der erste Moltk« nannte den ewigen Frieden einen Traum, und nicht einmal einen schönen; die Generale Wilhelms II. sprachen vor 1914 von der Notwendigkeit des Krieges, priesen ihn als„frisch-fröhlich" und bezeichneten ihn, als er da war, als S t a h l b a d. General G r o e n e r bekannte sich als Reichswehr- nrlnister der Republik zu einem„vernünftigen Pazifismus", und der frühere Chef der Reichswehr, Generaloberst o. S e e ck t, sagte gestern in einem Bortrag, den er vor dem Derein Deutscher Studen- ten und Bertretern der alten und neuen Wehnnacht über den Wehrwillen hielt, daß er mit dem Pazifismus ei» gut Stück Weges zusammengehen kämie. Im übrigen sprach Seeckt wie ein alter, wenn auch kluger Offizier, eben spricht.„Wehrwille ist Wille zu nationaler Selbstbehauptung. Ablehnung und Furcht vor dem Krieg genügen nicht, ihn abzuwehren. Nicht nur der Starke, sondern auch der Schwache gefährdet den Frieden. Der Staat muß sich wie ein kräftiger Mann auf lerne eigene Kraft stützen können, er braucht deshalb— unwillkürlich dachte der Hörer an des letzten Kaisers bramarbasierende Reden— nicht rauflustig zu sein." Der Generaloberst lehnte eine grundsötzliche Neutralitätserklärung Deutschlands ob, da sie von den Mächten ent- weder nicht anertannt würde oder ihnen Gelegenheit bäte, dos wehrlose Deutschland zu ihren Zwecken zu benutzen. Schars wandte er sich gegen den„radikalen Pazifismus, der bis zum Verrat am eigenen Paterlande ginge". Dazwischen kamen wieder einige sehr bemerkenswerte Sätze. Seeckt sagte:„Mag die Idco des Friedens noch so schon sein, die Wirklichkeit ist stärker." Er bekannte weiter, daß niemand oon dem Unglück und dem Schrecken eines Krieges überzeugter sei, als am Mann, der ihn kenne. Line gepfändete Handelsverkrekvng. Der oon der Handelsoer- tretung der Sowset-Republik in Pari? gegen eine Pfändung er- hohen» Einspruch ist vom Kasiotionshos abgewiesen worden. De Sowjet-Hondelsvemetluig hatte den Standpunkt vertreten, daß sie mit dem russischen Staat als solchem gleichzusetzen sei, und daß eine Pfändung gegen einen Staat unter diesen Umständen nicht mSg« «ch{a. vor allem den Problemtreis über die Liebe hinausgezogen und die Tragik des jungen Menschen überhaupt behandelt hätte. Die zu schematijch und theatralisch aufgemacht« Problemstellung überzeugt nicht. Trotzdem verfügt der Film unter Löwenbeins Regie über einen Reichtum gut beobachteter Momentbilder, über den richtigen Ausgleich ernster und witziger Situationen. Und die jugendlichen Darsteller, in erster Reihe Martin Herzberg und Otto R e i n w a l d, spielen mit überzeugender Wahrheit. F. 8. „Oas gewisse Eiwas." Llfa-Th«ater Kurfürstendamm. Der Wunjchtraum der Warenhausverkäuferin ist nicht zum erstenmal verfilmt worden. Aber daß nun diese kurze Geschichte innner noch als blanke Realität vorgeführt wird, ist einigermaßen toll. Also in Amerika da verlieben sich Verkäuferin und Waren- Hausbesitzer aus den ersten Blick— von wegen„das gewisse Etwas". Der kleine Racker läßt nicht locker, bis sie den Mann durch ihre drolligen Streiche. Ueberroschungen und ihre frische Ausgelassenheit kirre gemocht hat. Selbstverständlich heiratet er sie und gibt seiner oornehm-langweiligen Braut den Laufpaß. Dos ist Amerika: da machen die Männer die große Geldkarriere und die Mädchen be- kommen ihren Millionär. El. Badger versuchte diesen Roman- stosf einer drüben beliebten Schriftstellerin möglichst lebendig und 'lustig zu gestalten. Er gibt gute Milieus: Warenhousszemm, die Häuslichkeit der Verkäuferin, die kleine Keffe im vornehmen Restaurant, der Komps um das Baby ihrer Schwester, dos sie für ihres ausgibt, und schließlich die Zwischenfälle und Abenteuer auf der Privaffocht. Elora B o w hat eine Bombenrolle, die sie bi? on die Grenzen der Möglichkeit und drüber hinaus ausschöpft(denn so führt sich schließlich ein anständiges Mädchen und mag sie den Schelm noch so sehr im Nacken haben, nicht auf). Bold Wildkatze. ball» Schmeichlerin und immer keck und lustig spiAt sie mit den Männern, die nichts anderes zu tun wissen, als ihr Cheanträge zu machen. Zum Glück war dos Beiprogramm um so besser. Die Aus- biidung eines Verkehrsiliegers wird in sehr instruktiver und leben- diger Wesse gezeigt. Zu in Schluß gibt es ganz unvergleichlich schone Gebirgslandschaften. Auch der Tricksilm der Wundertatze Muschi bietet«we Fülle mn grateetn, Purzeidchan«, der Pfraaüchc. e, Die„untragbaren" Löhne. Im Vergleich zu den tragbaren in Amerika. Unftre Graphik über die Cntwiiklung der Löhne in Deutschland Verhältnis zu der der K o u f k r a s t der Löhne widerlegt kurz und bündig das Gerede und Geschreibe der Unternehmeranwalt« über die„unerschwinglichen" Lohnsteigerungen und zeigt, wie wenig be- gründet und berechtigt die Abweisungen der Lohnförderungen sind, geschweige denn die Gegenforderungen der Unternehmer, die Löhne zu kürzen. Wenn Ende 19Z8 der Reallohn noch immer nie- driger i st als im Jahre 1913, dann darf man sich aus den Einwand der Unternehmer gesaßt machen, daß zwischen dieser Zeit die Äriegs- und Rachkriegsjahre lägen. Der Anteil des Unter- Entwicklung den Lohne und der Kaufkraft des Lohnes xh Deutschland 1S9.» IM.« o.o«» WocKcnlohn 1913=100 Lohnindex Kaufkraft des Lohnes J eweilifer Lehenshaltun§smdexs100 >'<'<•< J H K J TAD 1,-) \ l S NO A O D F A t) 8. 7 19 i i i S N A O D 8 S »ehmertums an der Schuld der Ä r s e g s v e r l ä irg e r u n g soll «icht vergessen werdgn. Di« deutsche Ärbeitnehmerschaft wird aber euch den ungeheuren Lohnbetrug in der In- flationsperiod« nicht sobald vergessen, dessen Opfer sie war. Eeitdeiu Haben die Löhne zwar wieder angezogen, vielsoch erst nach schweren, opferreichen Kämpfen dir Arbeiterschaft. Gleichzeitig aber setzte die Rationalisierung ein, mit dem Etsolg, daß heut« bei geringerer Arbeiterzahl weit mehr pro du- giert wird. Trotzdem sibd die Löhne, gemessen an der Kauskrast, »icht besser geworden. In den zwei Jahren 1927. und 1S2S ist die Kurve der Nominal- löhne von 131,8 auf 150,7 Punkt« gestiegen. Auch die Kauf- traft der Löhne stieg von 91,3 aus 98,7 an. Allein die Kauf- traft hat noch nicht wieder den Stand vom Jahre 1913 erreicht. Der Einwand, die Arbeitszeit sei heute auch kürzer als im Jahre 19l3, ist hinfällig, trotzdem die Tatsache an sich richtig ist. Die Disse- renz in den Arbeitszeiten ist jedoch mehr als ausgeglichen durch die Rationalisierung samt dem Ueberstundenwesen. Wie weit muh die Bildung von R e u t a p i t a l, die das Unternehmertum seiner Lohnpolitik als Leitsatz voranstellt, gediehen sein, bis die Löhne in«in vernünftigeres Verhältnis zur Kaufkraft gebracht werden? Wie viele Lohnkämpf«, wie viehe„Stö- rungen des Wirtjchastsfriedens" sind noch notwendig, um dem Unter- nehmertum in Deutschland Vi« dem ämerikäNischen Unternehmertum längst geläufige E r t e.n n t n I s beizubringen, daß das ch e i l der Wirtschaft nicht in der Lohndrüiterei zu suchen ist, sondern in der ausreichenden Kaufkraft der Arbeit- nehmerschaft, der großen Masse der Verbraucher? Beobachten wir den Verlauf der Dinge in Amerika, dann fällt der Unterschied sofort ins Auge. Daß das amerikanische Unter- nehmertum, daß sich ja schließlich doch auch die Plusmachcrel angelegen sein läßt, auf die Erhaltung der Kauskrast der Arbeitnehmer einiges Giwicht legt, zeigt Mi zweite Graphik. So wenig wie bti uns zahlt Entwicklung der Löhne und der Kaufkraft des Lohnes m Amerika 1990-19� Z o* o-.o ° 290.4 .RV***v' 188. J 1ai 183.o Vöchcnlöhn 1913�00 .L ohnin d e x 0 eweiHf er Leb m sK altun|s in<3 a.-10 0 135 I 100 Ka uf kraft des Lohnes i -.*.■•■-■ 1-■'*'' i''i 1 1926 L8 24 26 1928 1920 4 2 2*1 2b 1928 21 23 25 2? 21 23 25 21 das amerikamfche Unternehmertum hohe Löhn« etwa um der schönen Augen heb Arbeiter willen, aus purer Menschenfreundlichkeit, ans Mitleid oder gar äus Renommiersucht. E» handelt aus kluger Berechnung, in seinem eigenen Interesse, weil es Abnehmer für feine Waren gebraucht und dies« Abnehmer zunächst i m eigenen Lande sucht und sie sich schafft. Die.Bernachlässigung des heimischen Marktes durch Drosselung der Kaufkraft, die Löhndrütkerei unter Berufung aus die Konkurrenz- jähigkeit aus dem Auslandsmarkt ist kurzsichtiger Exportfimwel. Der amerikanische Arbeiter kann weit mehr verbrauchen als'fem ärmerer deutscher Lbhnkärnerad, und er kanN sparen,«hiie felne'Lebrnshastüsig auf den Hungeretat zu bringen Dabei ist' h a s Leben in Amerika weit kostspieliger als in Deutschland. Und trotzdem ist die Kaufkraft der Löhn« wesentlich höher als bei uns, wo der Arbeitnehmer als Massenkonsument mißachtet wird, anstatt gehörig gewürdigt zu werden. Allem Anschein nach muß das deutsche Unteruehmertuin erst durch die Gewertschaften von seiner falschen Lohnpolitik kuriert werden. Dazu bedürfen sie allerdings der Erfassung der Un- organisierten, nicht in„Kampfleitungen", sondern in den zu- ständigen Verbänden. Zur Verhütung von Siraßenunfällen. Was dazu die Kinder sagen.- Im Arcsammenhang mitderReichs-Uisfallverhütungs- Woche(RUWo) wird von d«r Berliner Berkehrsgesellschoft und vom Berliner Polizeipräsidium eine Sonderaus st ellung im Warenhaus Wertheim am Leipziger Platz veranstaltet, an der sich auch die Firma Werthcim beteiligt.?ln Modellen. Appa- raten, Strahenplänen, Plakaten usw. wird gezeigt, Ivos die Behörden tun, um Stroßenunfälle möglichst zu verhüten und die Bevölkerung gur pflichtgemäß«« Vorsicht zu ermahnen. D«r reizvollste Teil dieser Ausstellung ist das, was die Kinder beigetragen haben. Aus einem im Frühjahr 1928 von der Straßenbahngesellfchast und dem Polizei- Präsidium veranstalteten Wettbewerb sür die Schul- j u g e n d, der die.K!nd«r zur Aeußerung ihrer Ansichten über Der- kehrsunsälle und zu Vorschlägen von Verhütiingsmahnahmen auf- forderte, sind die besten Leistungen ausgelegt. In Zeichnungen, »nahnenden Plakaten, allerlei Derschen, längeren Gedichten, ausführ- kichen Aussätzen haben Knaben und Mädchen der Volksschulen und der höheren Schulen in oft recht humorvoller Weise gezeigt und gesagt, wie man sich verhalten n»uß, uin Strahenunsälle zu verhüten. Tausend Arbeiten gingen bei dem Wettbewerb ein, 157 davon wurden durch Preise ausgezeichnet. Di«se besten Leistungen kamen aus tiä Volksschule» und 25 höheren Schulen. Die Besucher der Aus- stellunz werden an diesen Beiträgen der Jugend ihre besonder« Freude haben. Damit auch die Frauen ihre Meinungen ub«r die Unsallverhütungsmahnahinen äußern können, wird jetzt ein ähnlicher Wettbewerb unter Aus- stellungsb«such«r!nnen veranstaltet. Die Beteiligung steht jeder Frau frei, nachdem sie die Ausstellung besucht hat. Die Zlusstellung wurde gestern vormittag durch Major C e y f s o r t h(Polizeipräsidium) und Ingenieur Tramm(Ler- kehrsgesellschoft) den Vertretern der Presse gezeigt und dann« r- öffnet. Sie bleibt geöffnet«akw«nd der ganzen Reichs-Unsall- verhütungs-Woch« und kann in den Geschäftsstunden des Waren- hmifes, 9 bis 7 Uhr, unentgeltlich besucht werden. Die bittigen Zugend- und Schulfahrten. Rechtzeitige Anmeldung erforderlich. Zur glatten Abwicklung des starken Reiseverkehrs auf den Ber- liner Fernbohnhöfen vor Ostern und Pfingsten sowie bei Beginn der großen Sommerferien können— wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt— auch in diesem Jahre die in unserem Bezirk beginnenden gemeinsamen Jugend- und Schülersohrten in den Fernzügen nur unter folgenden Bedingungen zugeloß'en werden: Di« Anträge auf Fahrpreisermäßigung nach den vorgeschriebenen Mustern sür Donnerstag, Freitag und Sonn- abend vor Ostern und Pfingsten sowie die ersten 4 Tag« der Sommerseritn find bis spätestens Dienstag, den 2 6. Mörz, und Dienstag, 14. Mai, und Donnerstag, den 2�7. Juni 1929, abends 6 Uhr, unter Angab« der ge- nauen Trilnehmerzahl und des Zuges bei dem Bahnhossoorstond des Abgaixisbahnhofs zu stellen. Stehen der Zulassung der Fahrt keine Bedenken entgegen, so werden die Anträge vom Bahnhofs- vorstand mit Einverftändnieoennerk versehen. Im anderen Falle ver- weist der Bahnhossvorstand auf eine andere Besörderungsgelegeicheit. Die Fahrkartenausgaben sind angeväiesen, die Besördeningsschein« nur auf Grund der vom Bahnhofsvorstand genehmigten Anträge aus- zufertigen. Verspätet gestellte Anträge müssen zu rück- gewiesen werden. Für di? Anträge kommen nur die Berliner Fernbahnhöf«: An- Halter, Potsdainer, Lehrter, Siettiner, Görlitzer und Wriezener Bahnhos sowie die Stndtbohn.gernbahnhöse Schlesischer Bahnhof sür die Fahrten von der Stadtbahn noch dem Osten und Charlotten- bürg sür die Fahrten von der Stadtbahn nach dem Westen in Frag«. Alle übrigen Bahnhöfe unseres Bezirks dürfen Anträge auf Jugend- und Schülerfahrien im Fernverkehr für die oben bezeichneten Tage nicht«ntgegenehmen. Im Berliner Stadt-Ring-Borortsverkehr können die Jugend- und Schülerfahrien wie an den übrigen Tagen durchgeführt werden. Zar Zageadwtlb«! Ts vom Donnerstag an In den Schulen der Unter- richt wieder beginnt, findet auch die LrtenSkuudevorberettung für die Jugendweihe m den jeweiligen Schulen statt. Fachkriegsjugend und Sozialismus. Anna Siemscn über Wege und Irrwege. Aus dem 11. kontradiktatorischen Abend der„Sozialistischen Mo- natsheste" behandelte die Referentin Anna Siemsen, M. d. R.. das Thema:„Jugend und Sozialismus", in dem sie Eigen- fchaften der Nachkriegsgeneration aufwies: schnelles Stre- den nach sichcrem Erwerb und die Furcht, sich durch allzu starke Eigenwilligkeit auf diesem Wege zu erponieren, dazu ein choiig zum Genießen, ohne sich in große geistige Unkosten zu stürzen. Als Gegenspiel dieses Typus bei den Andersdenkenden allzu oft eine»n- gesund« Opposition um jeden Preis. Demgegenüber kann die ältere Generation«inen Anspruch auf persönliche Autorität nur schwer rechtfertigen. Ihn miß eine klare sachliche Zielsetzung der Zugend selber ersetzen. Arten dieser Zielsetzung können sein: die innerwclt- liche Verneinung, also die Flucht zur Ienseitigkeit. ebenso ein Wunsch nach Wiederher st ellung des Gewesenen, wozu eine bedingte Bejahung des Bestehenden gehört, mit dessen Karrek- tnren man glaubt sich begnügen zu können. Und dazu als driii« Möglichkeit der Weg aus dem Zerfall der Gegenwart heraus, der Weg zum Sozialismus. Wenn große Teile der Jugend für ihn noch nicht gewonnen sind, so sind vor allem die bestehenden Er- Ziehungsinstitutionen dafür verantwortlich zu machen, die, statt die Augen sür Me Wirklichkeit zu öffnen, verblichene Illusionen nähren. Trotzdem wird die Jugend im Gegensatz zur Vorkriegszeit heute von den Problemen des Sozialismus drekter berührt, da sich der Kampf um ihn ganz anders vor der breiten Oeffentlichkeit voll- zieht als früher. Demgegenüber sind allerMngs auch Me erschwerenden Momewc gewachsen. Der gefühlsmäßige Geholt des Sozia- lisntus wird eineifeits oft durch polemische Verzerrung verdunkelt, findet andererseits in der Wirklichkeit nach zu wenig Möglichkeiten, in realer Erscheinungsform vor die Jugend zu treten. Um so bedeutsamer sind die beispielsweise von den Kinder- freunden gemochten Versuche, M« Jugend bereits von Anbeginn ihrer bewußten Menschwerdung in sogenannten Kinderrepubiilen, Feldlagern usw. zu sozialistischen Menschen zu erziehen und von vornherein gegen den mich in der Arbeiterschaft verbreiteten Typus des verhinderten„Kapitalisten" anzugehen. Dos Anwachsen und Borherrschen des Parteiapparoies stellt ein erschwerendes Moniert für die Jugend dar: das ihr eigene Streben nach„UnbeMngtheit" bringt bei Nichterfüllung„heldischer" Ideale leicht einen oppositio- nellen Umschwung mit sich. Um sa verständlicher und notwendiger erscheint eine besondere Erfassung der Jugendlichen. Den notwendig und ehrlich zu konstatierenden Kamps der Alten und''-r Jungen um den Platz an der Sonne muß man psychologisch begreifen und darum auch der Jugend dort, wo sie als kämpfende ZNinoritäl«mflritk, Verständnis entgegenbringen und Wirkungsmöglichkeiten erschließen. Die anschließende Diskussion brachte leider nicht die crhostte Lebendigkeit und frische Entwicklung jugendlicher Gedankengänge. Redner, die nach alter deutscher Debattensitte ihre eigenen Sorgen vortrugen, statt zum Thema zu sprechen, wechselten mit teilweiie recht gelehrten Dozenten ab, wo Jugend mehr ein« Altersstufe als einen Geisteszustand zu verkörpern schien. Ein fnnweis doraui, wie die große und wachsende Schar der an der kapitalWlchen Umwelt zum Kritiker werdenden Jugend wirklich zum Sozialismus mannen werden könne, fehlt« leider bis mil wenige Aus--'...... fast völlig. Därum sei die aus der Versammlung gemachte Bemerkung hier unterstrichen, daß es dafür nur einen Weg zu geben scheint: die Entwicklung von der Demokratisierung der vollziehenden Macht zur Demokratisierung der Gesetzgebung in dem Sinn- einer lebendigen Mitarbeit der Oesfentlichkeit, einer verbreiterten De- batte in der Partei selbst und einer vorbehaltloseren Mitwirkung der Jugend selbst, Me sich nicht mit Marx' Interpretation begnügen darf, sondern aus marxistischer Schulung heraus zur praktischen Stellungnahme drängt. In diesem Sinne hotte die Reierentin des Abends recht, wenn sie nicht so sehr Me von einem Diskuisions- rebner gewünschte Revision des marxistischen Bewußtseins, sonder» ein« marxistische Revision des Bewußtseins Iber Jugend forderte._____$• Bezirksvorstand, henke. 19H Uhr. Sitzung d«, erweilerlen Bezirksvorstände» mit den Berliner Reichstag»- und tandlag,. abgeordneten im Fraktionssaal der preußischen Landlagssraktion, Landtag, Prinz- Albrecht- Straße 5. Dienstas, 26. Februar. Bertia. IS.üü FlieterbScher.(Am Miltrojihon: Peter Supf.) 16.30 UiKerheltunisniosik(Kapelle Jtro Michälek). 18.30 Bannieister Heuer:„Unfallsehutt ned UnfatlTeriidltmrsTTuBnaimcn im BaoEeverbe". 15.00 Hans-Dredow-Schole. Prof. Dr. Ledwir Cbertvayer: Das Intliche Be. rnfsESheininis. 19.30 Walter Schrenck: Musik im Koniertsaal. 30.00..Vater und Sohn." Alfred Döblin im Gespräch mil»einem Sohn. Mail!» Motro. Bariton, Orizinal T«n»o-Orchester„Canaro" aus der Barberina. 31.30 Leopold JeBrer; Hin Tas im Leben eines Intendanten. AnschtieBend Presse-Umschau. Köniesvasterhaasen. 16.30 Stud.-Rat Dr. Hans Philipp: Bemerkenswerie Bodenfunde aus Deutschlands VorEeschichte and ihre Verwertunj im Schuinnterricht(III) 16.30 NachmittaESkoniert von Lcipiir. 17.30 Dr. Hans Hajck; Vom Leben der Sprache. 18.00 Dr. Richard H. Stein; Nenere Hansmusik für Klavier. 18.30 Französisch für Am'äiiEcr. 18.33 Qcnerbeassessor a. D. Michels; Warufn ist Craiehuns zur Unfallver- hütunE nötiE? 19.20 Dr. med. Baeumer: Kraftfahrer und KraftiahrzeuEe. Gedanken eines Arztes. »«rotitsflrtt. fUc die«ehnftipn:(Bnlfpeng PeeNn:«nuelgen:».«Indz. Bezliu. äletlqa; Cotnsärls Zerinq S. m. b. S..«eefi» Druck: Sormörts Sudv bti-efKet ohh»erlag sanstält?au! sinner& Ca.. Derlin SB 68, Einirnfttalt 3. Biezftit 1»eilet,«. Aufspringen der Hände und des Gesichts 1. g sdimerzhaftes Brennen, sowie Röte und}u aus den Tiefen des Lölkes heraus, muß all- mählich volle Wahrheit werden. Die Wirtschaft aber, der.Staat, werden bei solcher pla»rvollen Menschenorganisolion zu einer wirklichen Rationali- sierung kommen— in einem höheren und edleren Sinne, als tt dem heutigen Worte noch anhostet. Hr. Max Cohn," Gewerbearzt beim Landesarbeitsamt Brandenburg. Eignungsprüfung? Jat denn sie erleichtert die Berufswahl Neben die Erwägungen wirtschaftlicher Natur bei der Berufs- walil des einzelnen, sind solche persönlicher Natur zu stellen. Alles, was der Jugendliche im Augenblick der Berufswahl an persönlichen Eigenarten erkennen läßt, die eine Bedeutung für den künftigen Beruf haben könnten, ist mit in Ansatz zu bringen. Was mächten mir erkennen känuen? Sein« wirklichen Neigungen, die Eigenschaften, die er. besitzt oder nicht, besitzt. Also zum Beispiel: möchte mein Kind wirklich mit Eisen oder- 57»l}, mit Fletsch oder mit Menschen umgehen, oder ist dos.mcr Schein, was ich bis jetzt bemerkt habe und was er selbst meinte? Wir möchten auch erkennen können, ob mein Kind wirklich ein Mensch ist, der in allen eigenartigen und schwierigen Arbeit-lagen, in welche die Hand kommen kann, mit seiner Hand zurechtkommt. Ob es sich mit seinem geistigen Rüstzeug hineinfinden können wird in schwierige konstruktive oder technische Verhältnisse, ob es wirklich eine erfolg- versprechend«, zeichnerische Fähigkeit für alle möglichen Lebens- gebiete besitzt usw. Sehr viel Kinder und Jugendliche haben nicht Gelegenheit gehabt, gerade diese Leistungsfähigkeiten an sich zu er- proben, die sie ihren Berufswünschen entsprechend besitzen möchten. andere aber täuschen sich über ihre stärksten und schwächsten Seiten. Kurz, es sind Umstände vorhanden, die uns nicht immer gestatten, klarere Urteile darüber zu fällen. Hier wollen die psychotechnischen Eignungs- p r ü f u n g em, um die m den letzten Jahren viel geschrieben'und viel gsarbettet wurde, die Erkennung von guten und schlechten Arbeitsgemeinschaften unterstützen. Eignungsprüfungen vergleichen mit Hilfe bestimmter Ausgaben die Menschen, die sich ihnen unter- ziehen. Derartige Vergleiche anzustellen, liegt in der Natur des Menschen, mag es sich nun darum handeln, z. B. an besonders knifs- ligen Geschiplichkeitsaufgaben und Rätseln das geistige oder an an Körperübungen das physische Können mit den anderen zu messen. Die Ausgaben bei den Eignungsprüfungen unterscheiden sich von diesen gelegentlichen Krösteniaßen dadurch, daß man sie auf fest umrissen« Leistungseigenschaften im Wissenschaft- lichen Forfchungsverfuch genau abstimmt, daß man Zufälle und Tricks ausschaltet, und daß man vor allen Dingen an großen Menschenmaßen feststellt, wie sieht die durchschnittliche, die hervorragende, die unterwerttge Leistung aus und wie ist sie zu messen? Vor der praktischen Berwenduiig wird festgestellt, ab man di« geforderte Leistung ein- üben und durch längeres Training wesentliche Fortschritte erzielen kann. So prüft man z. B. die Fähigkeiten, feine Farbnuancen zu unterscheiden, die Geschicklichkeit der Finger, die Zusammenarbeit der Hände und Arme, das Tastgesühl, die Stärke und Richtung der Ausmerksamkeit, die Geistesgegenwart, das Gedächtnis, Fähigkeit zu technischer Kombination, zum Erfassen schwieriger Fälle von Raum- konstruktion. künstlerische Flächengestaltung, verschievene Formen und Techniken des zeichnerischen Arbeitens usw. Die Leistungen des einzelnen werden mit den Leistungen gleichartiger Menschen- -gruppen verglichen und so gewinnt man ein Bild der Stärken und Schwächen des Prüflings. Aber nicht stur das. Man sieht ihm, soviel es irgend möglich ist, zu und achtet ans die Art, wie er seine Arbeit erledigt. Ob sorgfältig, geduldig, langsam, erfinderisch, mit frohem Wagemut oder ohne Sorgfalt, rasch versagend mit der Geduld, flott, ober- flächlich, gehemmt. Und wenn man gleiches bei verschiedensten Auf- gaben immer wieder beobachtet, dann enthüllt sich auch«in gewisses Bild des Charakters der arbeitenden kindlichen Persönlichkeit. Und da« brauchen wir. Geschickte und schnelle Leute haben andere für sie günstige Derwendungsgebiete als die langsamen, sorg- fältig Gründlichen. Aus alledem erwächst ein Zeugnis mit Zeugnisnoten und Beschreibung der Arbeitshaltung. Aus jahrelangen Erfahrungen und Untersuchungen können wir behaupten, daß mancher gute Fingerzeig aus diesem Zeugnis herausgeholt werden kann, daß zu- trefsende Warnungen und Ermunterungen gegeben werden können. Damit wird der Rat. den ein Berufsberater dem Jugendlichen und seinen Eltern gibt, in vieler Hinsicht sicherer, als wenn er ahn« eine pname Seftn sie»«qivhmsiw apftfgtiftfcni asgtb*««likd«. Die Berliner ä f s en t lt ch e Berufsberatung versügt über eine psychotech nische Prüf stelle. Durch die.Ber- mittlung der einzelnen Bczirksberufsämter kann sie in Anspruch genommen werden. Ii. Bogen, Leiter der Eignungsprüsstellc des Arbeitsamts Berlin-Mitte. r:~.■.!.■;»„1 3 ,,IZ■v-"■N'' r-ilffc*'---••tl '<« vu Was Eltern wissen müssen. was müssen Eltern und Erzieher vor dem Abschluß eine, Lehrverhältnistes tun? Zuerst muh eine sorgsame Prüfung der Lehrstelle vorausgehen. Das geschieht am besten, indem man im Berussamt und in der zu- ständigen Gswcvkschast nachfragt. Ein Lehtverhältnis soll niemals mündlich vereinbart werden. Es muß ein schriftlicher Lehr- vertrag abgeschlossen werden. Zu empfehlen sind die von der Handelskammer und Handwerks- kammcr herausgegebene» Formulare. Joder Lehrvertrag ist inner- halb von vier Wochen nach Beginn der Lehre abzuschließen. Er niuß enthalten: 1. Bezeichnung des Gewerbes oder des Zweiges der gewerblichen Tätigkeit, in welchem die Ausbildung erfolgen soll. 2. Angabe über Dauer der Lehrzeit. 3. Angabe der gegenseitigen Leistungen. 4. Die Boraussetzungen, unter welchen eine Auslösung des Der- träges zulässig ist. Ortsüblich werden di« Vertxagsexemplar« ausgefertigt. Daoon erhält der Erzieher(Eltern, Vormund) ein Exemplar. Die Lehrverlräge müssen unterzeichnet sein: a) vom Lehrmeister: b) vom gesetzlichen Vertreter des Lehrlings: c) vcnn Lehrling selbst. Beoor man einen Lehrvcrtrag unterschreibt, muß man ihm erst in Ruhe lesen— als« Streichungen und Zusätze beachten. "Gebt ihn erst euren, Berussamt zur Durchsicht. Nur so bewahrt ihr euch und eure Kinder vor Schaden. ..» wieviel Lehrlinge darf der Meister beschästigen? Das ist ein« Frag«, die von den Eltern, immer wieder gestellt wird, wen» sie bei einem Meister mehr. Lehrlinge als Gesellen ent- decken. Leider liegen die Dinge hier sehr im argen. Es gibt mir wenige Berufe, für die Lehrlingshöchstzahlen festgesetzt sind. An, günstigsten sind diese Verhältnisse bei den Buchdrucker», die schon seit längerer Zeit«ine.torislich festgelegte Lchrlingsordnung haben, und sogar am 7. Februar 1928 eine besonder« Genehmigung durd) den preußischen Minister für Handel und Gewerbe erhielten. Weiter sind durch Erla'ß des preußischen Ministeriums folgende Lehrlings- höchsszahien festgelegt. Bäcker und Konditoren: Bis neun Gesellen«in Lehrling. Der zweit« darf erst eingestellt werden, wenn der erste im dritten Lchrfahr steht. Bei zehn Gesellen ein Lehrling mehr und bei besonderen Fälle» muß erst die Genehmigung der Handwerkskammer vorliegen. Beim Fleischer liegen di« Verhältnisse ebenso. Der Schornsteinfeger meister darf nur«inen Lehrling be, schostigen. Di« Friseure. Ein Lehrling. Zweiten Lehrling erst, wenn ein Lehrling im dritten Lehrjahr. Im Herren- und Damenbetrieb darf der dritte Lehrling nur beschäftigt werden, wenn ein Lehrling in der Herren- und der andere in der Damenabteilung beschäftigt wird und beide im dritten Lehrjahr stehen. Der D r e ch s l e r Höchstzahl zwei Lehrlinge: zweiter Lehrling. wenn erster im dritten Lehrjahr. Holzbildhauer. Zwei Lehr- linge Höchstzahl. Es gibt also herzlich wenig Bestimmungen, wenn man bedenkt, daß es mehr als fünfzehntaufend Verufsarteu gibt. Hier muß ««id««l. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. i/v/2 der Hjubolfon-Bsu Zeic/tnurzgej-i. t/on Acloff Lefinert (10. Fortjtgung.) Aber jetzt hotten sie keine Zeit, hieran zu denken. Der Steuer- mann gab dem weißen Matrosen einen Befehl, und der hißte an einem Bootshaken ein« rote Flagge, so daß alle Boote in der Nähe dos Fongzeichcn sahen und ihnen beim Abspecken zur Hilfe kommen konnten. Es ist so ost geschehen, daß ein sicherer Fang gekappt werden mußte und Leine und Wal verloren gingen, damit das Boot nicht in Stücke zerschlagen wurde, wenn der Wal in seinem Schrecken durch das Eis rannte. Aber hier geschah das nicht, dir Kräfte des Wals gingen aus die Neige, die Männer strichen mit den Riemen, imd nahe am Eise war er tot. Mala? Boot hatte den ersten Wal des Jahres gesangen. Groß war das Lob des Schifters. Mola dachte zurück. Es war gut, daß er nicht heim nach Norden gereist war, wo er nur geholfen hatte, tote Wale einzu- bringen, die andere getötet und verloren hallen. Dort im Norden hatte er oft am Lande gestanden und die großen Tiere beobachtet, denen doch ihre schwachen Waffen keinen Schaden tun konnte.!. Jetzt hatte er diese Männerjagd mllgemacht, und er fühlte, daß er bleiben und mit seiner Mannschaft fangen mußte, denn was Größeres gab es, als achtern zu fitzech zu steuern und der zu fein, der das Abspecken leitete? » Die anderen Boote mußten in der Nähe der Schiff« geblieben sein, denn sie sammelten sich fast olle im Laufe des Nachmittags, und der Kapitän kam mit der ganzen Besatzung heraus. Die ganze Anfiedlung strömte herbei, die Frauen kamen in einer großen Schar, mit ihrem Stirnschmuck geputzt, sie erwiesen Ehrerbietung dem Wal, Ehrerbietung den Menschen, die ihn heimgeschafft hotten. Es gab ein Fest auf der Eiskante, Abspecken und Schmaus., Jetzt machte sich keiner etwas aus der Kost des weißen«Mannes. Was konnte der Koch aus dem Schiffsloch ihnen bringen, das es mit Walhaut ausnahm? Der herrlich« Mate?, frisch gefangen und in mächtigen Stückenl Das war das Glück der Menschen, alle freuten sich darüber, Uebersluß war es, und mehr sollte kommen. Es wurde gerufen und geschrien, und dos Abspecken kam in Gang. Einige Männer und Knaben fuhren mit Schlftten mächtige öpeckmassen. die auss Eis gelegt wurden, zum Schiffe. Später sollten sie an Bord kommen, es galt nur, soviel wie möglich zu bergen, che Sturm kam und alles verloren ging. Die Frauen standen ehrerbietig da und sangen ihr Lied. Der weiße Stein auf ihrer Stirn schimmerte, und die Männer wurden übermütig und stark, lauschten gar nicht auf ihre Worte, sie speckten nur und waren gleichgültig, aber sie fühlten, daß all« Aufmerksam- keit ihnen galt. Es war gut, daß die anderen Boote erst später kamen, so daß man sah, wer gefangen hatte, und welches Glück, daß der Wal erst dicht am Eisrande verendet war, so daß keine Zeit mit dem Bugsieren verloren ging. Die Kapitän« waren froh, und die Sonne schien. Mala lachte bei sich und dachte daran, daß er im Sinn gehabt hatte, wegzureisen: ein lächerlicher Gedanke! Dieser eine Wal sollte zu vielen Walen werden, und später sollte er sie selber fangen. Mala nahm ein mächtiges Stück Walhaut und schleuderte es mitten in der Arbeit Iva zu. Es war keine Zell, zu reden. Den Außenpelz hatte er abgeworfen und einen von den Troyern der weißen Männer, den sie ihm gebracht hatte, über den Oberkörper gezogen. Die Aermel waren bis zur Schulter aufgekrempelt, und an den Füßen hatte er einen der mit Nägeln versehcnen Apparate, di« unter die Siesel gebunden wurden, damit man nicht ausglitt. Es war eine lebhafte Freude, auf der federnden Masse zu gehen, die kurz zuvor noch lebendig gewesen war, und mit großen long- schäftigen Messern Speck abzuschneiden: sonst waren es ja auch nur weiße Männer, die abspeckten, und Mala fühlte die Ehre wolst und arbeitete aus aller Kraft. Langsam drehte sich der Wal, und der Speck wurde in großen Stücken abgeschnitten. Als man zum Fleisch kam, schnitten sie auch davou große Stücke ab und warfen sie auf die Eiskante. Das schmeckte wie eine Sehnsucht. Das war, wie wenn di« Sonne über dem Horizont auf- gehen sah. Man fühll« sich müde von alledem, was mit Löffeln gegessen wurde. Jeder konnte nehmen, soviel er wollte, und hinten auf jeden Schlitten mit Speck legten die Frauen mächtige Fleischstücke. Es war ein Fest, obwohl die Müdigkeit zuletzt in den Gliedern schmerzte und der Schlaf in den Augen brannte. Walsttng ist Mühe, aber Mühe in Herrlichteft. Mitten in der Arbeft kam der Koch mit einer Flasche von dem starkem, dem gewaltigen Waffer, das im Halse b'rannte. Die Men- jchen tm Fangboot bekamen genau wie die weißen Männer, auch der Kapitän nahm von der starken Medizin, und die Rede wurde stark. Aber speckt! Immer mehr! Es war richtige es sah aus, als sollte ein Sturm kommen. Nur eilen! Der mächtige Wal war auch nicht so groß, wie man zuerst geglaubt hotte. Mit jedem Schnitt wurde er kleiner und kleiner. Er wurde im Waffer herumgerollt, und die ganze Seite aufgeschnitten. Ein riesiger Schnitt in den Bauch ließ die Eingeweide herausquellen. Sie schwammen wie mächtige Fangblosen auf dem Wasser. Keiner kümmerte sich dar- um, daß Wasser in den Bauch lief, so daß er zu sinken drohte. Die Weißen waren darauf versessen, die Därme zu untersuchen, ob sie etwas darin fanden, das. wie Joe sagte, süß für die weißen Frauen duftete. Aber sie fanden nichts. Sie suchten und suchten nur, und die Berwirrung auf dem Eise wurde immer größer. Alle fühlten die höchste Festfreude. Wie merkwürdig waren doch die weißen Männer. Sie konnten di« Menschen, die müde wurden, antreiben, stärker zu arbeiten als da sie frische Kräfte hatten. Dielleicht beruhten hierauf auch die großen Reichtümer der weißen Männer, daß sie nie aushielten, ehe vollendet war. was sie begonnen hatten. Mala verstand jetzt mehr von den Rätseln der Kravdlunaken. Die wollt« er auch lernen. Es war spät, als Iva heimkam, und sie wurde von zwei Man» nern begleitet. Was wolltn sie hier, wenn Mala schlief? Die Knaben waren ganz erschrocken, aber Iva wankte, als ginge die Erde unter ihr auf und nieder, und ihr« Augen waren ganz schlaff, ihr Atem loch stickig. Sie lachten olle drei, und Iva redete in der Sprache der weißen Männer, aber keiner verstand sie. Sie gab ihnen zu essen und zu trinken. Sie hatte«ine Flasche bei sich, aus der sie Mrfa anboten, aber es jchmeckte stark«wd bvennavd. Es mar wohl Tobak in Wasser,«r konnte es nicht genießen, ober einer von den Männern trank alles aus. „Iva," sagte Mala,„bist du krank?" Iva antwortete nicht, sondern nahm ein Stück Fleisch aus dem Topf und begann zu essen. Da sprang Mala auf und packte sie am Arm. .Iva, der Topf." sagte er.„Du bist tabu, ißt dck von dem gemeinsamen Essen?" Er hiell ihr Handgelenk fest und sah sie an, aber ihr Blick war wirr und suchte flackernd umher, und sie lachte, obwohl es aussah, als wollten die Männer ihn überfallen: er konnte keine Hilfe von seiner Frau erwarten. Mala wurde ganz klein, denn hier galt keine Stärke, und seltsam, sie lachten, so daß er verstand, daß sie von einem Geist besessen waren. Er hatte bisher nicht gewußt, daß die Kravdlunaken Geister beschworen. Er saß schweigend und voller Schrecken da. Bielleicht war es der Wal, dessen Seele beleidigt war, der die Leute rasend machte und schwangere Frauen aus den Töpfen anderer essen ließ. Das konnte ihrer Leibcsfruchi schaden. Mehr Leute kamen ins Haus. Einige waren erschrocken, andere auch von dem bösen Geist besessen. Mola kleidete sich an und versuchte, mit seiner Frau zu sprechen, aber sie hörte ihn nicht. Sie schlang den Arm um einen der weißen Männer und nähert« sich ihnen mit aufdringlicher Zärtlichkeit, und wehrer« weiße Männer schlangen den Arm um sie und drückten ihr Gesicht gegen das ihre. Das war vielleicht eine Beschwörung von Geistern, merkwürdig« Reden erklangen, und Mala fühlte Schrecken in seinem Innern. Die Knaben weinten, aber die Mutter lachte nur darüber. Es wäre vielleicht angebrocht gewesen, sie zu prügeln, da ober so viele Männer umherstanden, unterließ man es. Er hatte dos Gefühl, daß etwas Stärke«? als sie selber die Macht über sie hatte, daß sie an dem. was geschah� unschuldig war. Als die Fremden hinausgingen, wollte sie mit, aber da sprang Mala vor, packte sie um den Leib, schleuderte sie auf die Pritsche, und da lag sie und mar so schwache daß sie sich kaum erheben konnte. Sie sprach mit schwerer Zunge und rief, daß ihr Mann sie mit Gewalt im Haus« hielte, aber die Fortgehenden lochten nur. Einer wollte ihr zu Hilfe kommen, aber die anderen schleppten ihn fort, und man konnte sie lärmen hären, bis sie die Schiffe erreichten. Iva blieb liegen, sprach merkwürdige Dinge, Worte, die gar nicht genannt werden dursten, und sagte, daß sie in das Land der weißen Männer fahren und alles holen wollte, was ihr dort ver» sprachen war, und dorm sang sie ein wenig und wurde schließlich still. Jetzt war sie wie ein kleines Kind, und Mala zog sie aus. Er merkte, daß die Geister ihren Körper verlaffen wollten, und deshalb bewachte er sie. Vielleicht war es doch am besten, wenn man fort- reiste. Iva schlief endlich ein. Er riß ihr einige Haare aus dem Borderkopf, um zu sehen, ob sie bei Bewußtsein war, und ihre Ge- danken wieder auf den richttgen Weg zu bringen. Plötzlich aber fuhr sie auf und brach über die Lampe und die Scitenpritsche. lieber all die feinen Ding«, die sie auf dem Schfts erworben hotte. spie sie. Auf die Felle. Ja. es mußte das Böfe sein, dos aus ihr herausfuhr, und jetzt wurde ihr Körper srei vom Fluche. ..Bist du krank, Iva? Soll ich dir helfen?" „Ach. es ist nichts, es ist nichts, ich breche nicht mehr." sagte sie. Aber es lief über ihre Bnist hinab. So etwas hotte er nur einmal in seinem Leben gesehen, als sie einen Mann genarrt und ihm Hunde leber ,zu essen gegeben hotten. Ob es nicht doch chre Leibessrucht war. die sich empörte, weil sie aus dem Topf gegessen hotte? Ihr Unterleib spannte sich, so daß Mola erschrak. Ivo war so krank, als sie am nächsten Morgen aufwachte. Ihr Kopf war schwer, sie konnte fast nicht lächeln, und sie wollte nichts essen, nur Wasser trinken: ober keiner sprach mit ihr über ihr gestriges Beseffensein. Zudem war nach Mala geschickt worden. Er sollte Helsen, das Boot weiter auss Land zu ziehen. Die feste Eiskante konnte abbröckeln, und wenn das Meer erregt war. konnte man kaum auf Wale rechnen. * i Gleich darauf hatten die weißen Männer einen sehr merk- würdigen Einfall. Sie hatten dünne haarlose Felle, die in langen, langen Stücken zusammengerollt waren. Daraus nähten die Frauen Kleider, die aus einem Stück bestanden und oben und unten dieselbe Farbe hatten. Es waren lange, merkwürdige Kleider von der Art. wie sie di« weißen Männer nach den Bildern ihren Frauen daheim gaben. Joes Frau und Minik hatten damit begonnen, und setz! sollten sie alle so geputzt werden. Das sah selffam aus, auch ihr Haar banden sie aus, wie man es auf den Bildern sah, und Iva sagte, daß sie wünschte, keine Tätowierungen im Gesicht zu haben, weil der Kapitän es nicht liebt«. Sie lernte auch herumhopjen. Sie tanzten nicht, wie ez Brauch war, mit dem Körper allein, ohne die Beine zu bewegen, sondern hiellen den Körper still und sprangen paarweise auf den Fuß herum, sie tanzten umeinander oder hielten sich an der Hand und gingen vor und zurück, und es war ein großes Vergnügen, das anzusehen. Und alle lachten, wenn einer siel, oder sich nicht der Bewegungen«rinnern konnte, die gemacht werden sollten. Der Tanz ging auf den Schisfdecks vor sich. Aber es war, als fristeten die vielen Frauen, die kamen, Unfrieden. Es konnte ge- schehen, daß ein Mann zum Derdruß der bisherigen Frau eine neue nahm, und zuweilen gab es Schlägereien unter dem Schiftsvolk. * Kurz darauf wurden die Boote wieder ausgesandt: bald waren es jedoch nicht mehr olle, sondern nur die Hälfte. Das Waffer nagte sich immer wefter an die Schiffe heran, und deshalb blieb stets genügend Mannschaft daheim, um di« Schiffe klar zu machen und zu steuern, wenn ein Sturm sie losbrechen und in Bewegung setzen sollt«. Sie erlegten mehrere Wale, und jedesmal wurde ein Holz- behälter mit dem starken Waffer geholt, das die Leute herumspringen, singen und andere Worte gebrauchen ließ, als man im allgemeinen spricht. Und sehr ost entfachte die Kraft des Waffers Zorn in den Leuten. Dann kämpften sie miteinander, und einmal stachen zwei einander mit Meffern und bekamen beide schlimme Wunden: aber da kamen die Kapitäne mit ihren Nebenmännern heraus und warfen sich auf die beiden Kämpfenden, und die bekamen eiserne Bügel um die Handgelenke, so daß sie die Hände nicht biwegen konnten. Sie wurden in ein Haus auf dem Schiff gesetzt, und man härte, daß zornige Wart« zu ihnen gesprochen, wurden. Biel« Tage saßen sie drinnen, und als sie wieder herauskamen, wurde nicht mehr davon gesprochen, ober es war die Rede davon gewesen, sie beide wegen ihrer Lust am Morden zu töten.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. ............................................. 1— WWIIHIIIIIHIIIIIIIWHWIWIIIIII Preisausschreiben über den Völkerbund. Die Deutsche Liga für Bälkerbund veranstaltet ein Preisaus- schreiben über das Thema„W erden und Wirken des Bölkerbundes, dargestellt für Kinder des achten Dollsschul- jahrganges". Der Erziehungsausschuß der Liga für Völkerbund Hot das Preisrichterkollegium aus folgenden Persönlichkeiten zusammen- gefetzt: Stadtschulrat P a u l s e n als Vorsitzender, Prof-A b m e i e r von ver katholischen Pädagogischen Akademie Bonn, Fvau Studien- rat Neumann vom Verband Deutscher Geschichtslehrer, Prof. Peters, Direttor der Pädagogischen Akadeniie Kiel und Direktor Schulz vom Deutschen Lehrerverein. Zur Teilnahm« an dem Preisausschreiben sind die zukünftigen, jetzt an den päda- gogischen Akademien studierenden Lehrer aufgefordert. Das Urteil wird spätestens am 1. Juli bekanntgegeben. Der oder die Preis- träger erhalten einen vierzehntägigen Aufenthalt in Genf zur Zeit der Sommerturse und der Bollversammlung des Völkerbundes. Die besten Arbeiten werden veröffentlicht. Nur keine Besichtigung! Professor Dr. med. Th. Sommerfeld, dessen„Atlas der gewerblichen Gesundheitspflege" in vielen Fach- und Berufsschulen, an Umvevsitüten und Technischen Hochschulen als Lehrmittel eingeführt ist, berichtet im Vorwort zum III. Band über sein Bemühen, die Schwierigkeiten zu überwinden, die der Arbeit(Hygiene der chemischen Industrie) cntgegenstaikden: „Der natürlichste Weg zur Ueberwuidung dieser Schwierigkeiten war die B« s i ch t i g u n g der«iirscklägigen Betriebe unter sachkundiger Leitung. Eine Reche von Fabriken öffnete mir auch bereiimiUig chre Tore, andere verweigerten grundsätz- l i ch die Besichtigung, obwohl sie aus meiner 40jährigen Betätigung als GewerbchlWeniker die Ueberzeugung gewinnen mußten, daß ich als objektiver Forscher nicht nur als Freund der Arbeiter, sondern auch der Arbeitgeber angeklopft hatte. Auch der Hin- weis, baß es dem Führer durch den Betrieb nicht schwer fallen dürste, den Besucher an solchen Plätzen vorbeizusuhren, wo etwa Beiriebsgeheimniffe bekannt werden könnten, hotte vielfach keinen Erfolg." Der Wissenschaftler im Dienst der Hygiene und der Unsalloer- hütung— es gibt auch heute noch, wie es scheint. Unternehmer. die derartiges für Bolschewismus und Aergeres halten! Drei Stockwerk unier der Erde. Die American Exchange Irving Trust Company, eine der größten amerikonrschen Bonken, hat in ihrem neuen Gebäude rn der Wall Street«in diebessicheres Gewölbe der öftenllichen Be- Nutzung übergeben, das einen ganzen Häuserblock einnimmt, etwa 25 Meter tief unter dem Straßenniveau liegt und drei Stockwerke hat. Es ist das zweitgrößte Gewölbe disser Art in der Welit(das größte ist dasjenige, in welchem die Bundesbank die Govireserven der Bereinigten Staaten aufbewahrt). Das Gewölbe kann vom Banklokal nur mit einem Fahrstuhl erreicht werden: jede der Türen vor den einzelnen Etagen wiegt 55 Tonnen und ist nur durch besondere geheime Mechanismen zu bewegen. Das Ganze ist mit den �neuesten Alarm- und KontraUapparatcn oersehen und wird ständig '«m bewaffneten Wächtern bewacht, Seit wann pfeifen die Lokomotiven? Wenn diese Frage auch nicht so aufregend ist, daß man nicht darüber einschlafen könnte, so erfährt man bei ihrer Beantwortung doch recht interessante Dinge. Aus den ersten englischen Lokomotiven vom Jahre 1853 wurden die Signals und Warnungsrufe durch ein Jagdhorn gegeben, was ebenso melodiös, wie umständlich war. Als das Jagdhorn be! einer Gelegenheit einmal versagte und einen Unfall hervorrief, entschloß man sich, Dampftrvmpeten an- zubringen. Ihr Schall hatte nicht den starken durchdringenden, von weftem vernehmbaren Ton wie die Dampspfeife, die auf Schiffen und in Fabriken schon in Anwendung war. Die erste Dampf- pfeife pfiff aus einer Lokomotive, die 1838 von Berlin nach Polsdom führ. Räch Mitteilungen von Reffenden in Deutschland soll es aber heut« noch, insbesondere In Bayern. Bahnen geben, die nach dem richtigen Mell»« klang noch immer suchen. Beweis dafür, dos vorsintflutlich« Läutewerk. Pro und kontra. Die Bertreter der Prohibition in Amerika haben keinen leichten Stand. Sie muffen zu den stärksten Argumenten greifen, um die Position der„Rassen" zu erschüttern. So rechneten sie jenen kürzlich auf einem ösfentlichen Plakat vor, daß man für das Geld. was man für den Schnapskonsum ausgebe, sehr gut einen vor- züglichen Sarg und ein anständiges Begräbnis bekommen könnte. Die anderen waren um«ine Antwort nicht oerlegen. Sie führten aus ihrem Gegenplakat aus, daß ein tüchtiger Trinker gar nicht erst in die Versuchung käme, an seinen Sarg zu denken, so beseligend sei der Zustand der Trunkenheit... Wohnungstausch durch Scheinehe. Ein« Begleiterscheinung der Wohnungsnot in Mostau ist die Scheinehe. Hat z. B. das Mftglied irgendeiner Hausgenossenschost sich eine ander« Wohnung besorgt und will er seine Wohnung irgendeiner Bekannten für eine Entschädigung überlassen, so findet er dazu einen sehr einfachen Weg. Etwa zwei bi» drei Wachen vor der Ueberstedlung in die neue Wohnung zieht zu ihm die neue Mieterin, er erstattet der szausoerwattung Meldung, daß er ge- heiratet habe—-in« Registrierung der Eh« ist ja nicht erforderlich—. di« Frau erhält eine bestimmt« lltaumfläche zugeteitt und so kann sie, nachdem der frühere Mieter seine Zimmer veriossen hat. auch seinen Raum iür sich beanspruchen. Natürlich hört die Ehe mit diesem Augenblick auf. Die Pforte. Es war ein Hügel im bayerischen Land Den Hügel bedeckt« ein Wäldchen. Und ganz oben darauf war eine Kapell« gebaut. In goldenen Buchstoben stand über dem Eingang: ..Die» ist die Pforte zur Seligkeit." Ilrid alt der Tür hing ein Schild: „Während der Wintermoiwie geschlossen." (Um bm JtHtm\ Uh&rfiM�eit, an der nicht die Herren von der Deutschen Turnerschast den un- politischen Charakter ihres Verbandes bewnen, um sich auf dies« Art wohlgefällig„vom Arbeitersport abzuheben". So treiben sie's jedoch nur nach außen. Jin vertrauten Kreise weht ein anderes Lüftchen.— Aus dein 12. Gautunitag der Deutschen Turnerschast in Kiel würde eine Resolution gegen die Kriegs- f ch u l d l ü g e, in der man mit dem ganzen bekannten nationalen Kraftaufwand gegen den„Verfaillcr Schandvertrag", das„Friedens- diktat" usw. zu Felde zog.— Wir sind die letzten, die Versailles für eine gerecht« Lösung halten: aber— die Kreise um die nationotistisch« Deutsche Turnerschaft haben am wenigsten Grund, sich über da» Diktat aufzuregen. Außerdem aber: wie paßt dos zu der nach außen betonten unpolitischen Linie der Deutschen Turnerschast? X- Rekordsport für Kinder? Ein bedauerliches Merkzeichen für die Entartung des bürgerlichen Sports ist dos Eindringen des Weit- kampsgeistes in das Schulturnen. Immer mehr Schuwerbände gehen dazu über, Wettkämps« zwischen den Schulen, und— schlimmer noch— zwischen den einzelnen Schülern und Schülerinnen zu veranstalten. So hatte lsambiirg in diesen Tagen ein Weit» turnen der höheren Schulen, an dem fast 400 Kinder teilnahmen. Am nächsten Tage prangten dann in allen bürgerlichen Zeitungen große Berichte und Rekordiisten, säuberlich nach linker-, Mittel und Oberstusen geordnet.— Derartige Methoden sind sicher nicht geeignet, die Schulkinder sür die körperlichen und seelischen Werte des Sports aufnahmefähig zu machen. » Evangelisches Muckertum. Der Verein Deutscher Evangelischer Lehrerinnen, der schon mehrfach erfolgreiche Anstrengungen macht», den Rekord im Muckertum aufzustellen, läßt wieder von sich hären. Die holden Pödagoginnen fordern sür die Austragung von Wettkämps«»: Die Trennung der Kinder nach Geschlechtern während der Spiele: bei den Kämpfen sür die Mädchen aller Altersstufen nur weibliche Leitung:„eimoondsreie" Turn- kleidung, d. h. bis zum Knie reichende Beinkleider usw.: Zuschauer möglichst überhaupt nicht, wenn ja. dann jedoch nur allernächste Verwandte und in angemessener Entfernung. Usw. Usw.— Und Leute mit solcher muffigen Gesinnung sollen junge Menschen erziehen. Man sieht diese Lehrerinnen förmlich mit Möpfen spazieren gehen! pd. Fußballoerein und Abteilungen de» 1. Bezirks. Donnerstag, 28. Februar, 20 Uhr. findet bei Wegener, Frankfurter Alle« 23S, eli« Vereinsvorstandskonferenz der Verein« des 1. Be- zirks statt. Es müssen die Vertreter der Verein« bzw. Abteilungen von Eiche-Köpenick, Herzfelde, Hoppegarten. Lichtenberg I und II, Neukölln, Oberspree, Schweijsternr, Stralau und Wacker-Britz, er- scheinen. Bundesmitgliedsbuch als Ausweis mitbringen. Arbeiter. i>chSs«»b»>>d Drutschl»»»« e. B. O»t»«»»»»e Berti».«Sesch»st»il,b- Berlin N St.«I. Hamburger Str. I. A t> t c i I u n a R i t t»: Stie» Dienttag, 20 Uhr, Sport und Uedungsschirßrn im Lokal Kurgroek, Ziv»»kir«! platz Ö.»dteilung Schönebrrg: Zeden Di«n,t«g,»»tzr,«p»r>- und Uebungelchiehen im Lokal Jürgen,, Borbarossastr. 0». FTSB., Bezirk Südost-Trepto». Der Bezirk turnt ab beute»jeder rearl- mäßig. Allen Mitgliedern ist Selegenheit gegeben, jeden Montag»»« ZN bi» 22 Uhr dir Badeadende dir Freien Schaiminer«r.-Bln.. Srgpp« Treptow. ttadtdad Friedrichs Hain, zu ermäßigtem Preise zu besuche». lMitqIi»d»buch be» undes legitimiert! Bezirk ZIeukoll». Di» Jugendabteilung Übt Mittwoeli. 27. Februar, be» Schauer die Uebungen zum Bithnenwettstrrit im Mer et*-» Palast. Die Frauenabtrilung geht geschl-ffen»um Bartraz»er Ben. Sinter. % VSeff. ftff�t tt* Vbr SettvsiNWvck, Apotheke. Alle Iungmädchen müssen am Freitag vollzählig am Turne« teil. nehmen, auch alle Leichtathleten. Bezirk Süden. Heute abend Spiel- und Anterhaltungsabend der Männerabteilung bei Vogt, Boppstr. 8. Schachbretter mitbringen! Das Ueben der Frauenabteilung beginnt wieder Donnerstag, 20 Uhr, im Lyzeum Neukölln, Berliner Str. 10, Montags Äaiser-Friedrich- Straße 4. Die Iungmädchcnabteilung übt in den gleichen Zeiten in der Halle Boeckhstrahe. Frauen und Iungmädchcn beteiligen sich geschlossen am Vortrag der Genossin Sucker. Leipzig, Freitag, 19 Ms. Uhr, Aula Weinmeisterstraße. Mitgliedsbuch vorzeigen! Alle Abteilungen nehmen ihren Uebungsbetrieb ab Donnerstag auf. Bezirk Lichtenberg. Freitag, 1. März, erster Turnabcnd nach den Frostferien. Jugend- und Männerabteilung Halle Echreiberhauer Straße, Musikturneu 2l>— 21 Uhr. Anschließend Vortrag Dr. K a l l m a n n:„Un- fallverhiltmrO in Sport und Beruf." Gäste sind willkommen. Sport- abteilnng Mitte. Die Ende des vergangenen Jahres gegründete Sport- abteilung des Bezirks Mitte der FTGB. hat mit ihren Hallensport- abenden begonnen. Die Abteilung übt jeden Dienstag und Freitag von 2g— 22 Uhr in der vorderen Halle der Schule Gartenstr. lOTa. Interessenten können sich noch auf den Uebnngsabenden anmelden. Zugend-Bueschuß. Die für Sonnabend, 2. März, angesetzte Ingcndausschnß-Sitzung fällt aus. Weitere Auskunft in der Geschäftsstelle. Bezirk TempeIhof,Manendorf. Ab Donnerstag, 28. Februar, beginnen wieder die regelmäßigen Turnabende Turnhalle Ge-- meinde-Schule am Alarichplatz. Männer und Jugendliche Dienstags und Donnerstags von 20—22 Uhr, Frauen und Iungmädchcn Montags von 20 bis 22 Uhr Gymnastik. Pflicht aller Mitglieder ist es, an diesen Turnabenden teilzunehmen, damit unsere kommenden Veranstaltungen gut vorbereitet wer- den können. Alle Genossinnen beteiligen sich Freitag, 1. März, 19Ms Uhr, am Vortrag der Genossin Sucker, Leipzig, über..Rechte und PfÜchterc einer Arbeitersportlerin" in der Aula Weinmeisterstraße. Treffen: Dorfstraße, Ecke Berliner Straße, 18' 2 Uhr. Mitgliedsbücher nicht vergessen. Wildvernichiung im Böhmerwold. Erfrorene Vögel körbeweis. Obwohl im Revier um Krummau in Böhmen olle möglichen Biahnahmen zur Erhaltung bes Wildes getroffen wurden, ist das Wildsterben katastrophal. Bei einem Futterplatze wurden bereits 23 tote Reh« gefunden. Wenn dies schon an solchen Orten geschah, ist anzunehmen, daß der Wildbestand dort, wo nicht ge- nügend Futterstellen sind, so gut wie völlig vernichtet ist. Beson- ders arg steht es um die V 0 g e l w e l t. Man sieht fast keine nütz- lichen Bogel mehr. In Budweis trug ein Parkwächter einen ganzen Korb erforener Vögel davon. Das Schloß vor dem Munde. Man schreibt uns aus Pilsen in Deutschböhmen: Eine köstliche Geschichte hat sich dieser Tage in einem Dorfe bei W i n t e r b e r g in Böhmen ereignet. Eine Frau, der man nach- sagt, sie brauche mitunter ein Schloß vor den Mund, kam auf merforihWge aber gen# öegreWche Wekft M Wefew Gegenstand«. Sie fütterte wie innner ihre Ziegen und öffnete das Vorhänge schloß zum Stall durch Zusammendrücken des Bügels. Da sie ober in der Hand ein Faß trug, steckte sie das Schloß unbedacht in den Mund. Durch irgendeinen Zufall schnappte der Bügel herab und das Schloß hing an der Unterlippe. Die Frau rannte in die Stube, die Kinder zerrten an dem Schlosse. der Schinerz wurde aber nur größer und so mußte die Frau in der griinmigen Kälte zum Arzte eilen. Aus dem Wege dahin jedoch kam sie mit der Oberlippe an den Bügel, der nun infolge der Kälte an der Haut klebte und die Schmerzen vergrößert«. Als sie endlich beim Arzte ankam, vermochte sie nicht zw reden, bevor er ihr nicht das Schloß abgenommen hatte. Weit schlimmer als der Schmerz aber ist der Spott der Leute.,., Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, ohne nennenswerte Schneesälle, weiterhin ziemlich kalt: nordöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden noch Tauwetter, sonst ziemlich kalt und besonders im Osten Schneefälle. Tsssatsr, Lichtspiele usw. UJ Uienstag,d.26.2. Staats-Oper Unier d. Linden A.-V. 52 20 Uhr Staats-Oper Am Pl.d-Republ. R.-S. 46 20 Uhr Der fliegeoile Dienstag, d. 26 2 Stadt. Oper BUmarcKsti. Turnus III lO-j, Uhr Die EoliiniDg an; dem Serail Staat!. SdiausplL m CigftnwiBrril A.-V. 49 20 Uhr Die PetiDleni- Inseln Siaatl.Sehiller-Ttieater.Ctiarltb. 20 Uhr Gespenster StA LA 8 L'lir Ei 5. Barbarossa 9256 4 Bronetts Con Celleano und weitere Variete Attraktionen. » �CASWO-TBEATER• � Lothringer StraKc 37. HilometerliBDchen Dazu ein erstklassiger bunter Teil Für unsere Leser Gutschein lürl—»Pers. Fauteuil nur 1.15 Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parken u. Rang n.8l) M. METROPOL-THEATER 0 II. Lustige Witwe mit FRITZI M4SSARY Max Hansen, Elleot, Jankuhn, Junkermann, Schaeffers. Sonntag nehm. 3 Uhr ungekUrzta Vorstellung zu kleinen Preisen. GR. SCHAUSPIELHAUS 0 U. Nur noch 2 Tagst CASANOVA 2. März Z1/, Uhr Premlere Der liebe Augustin Vorrerkanf hat begonnen. ZWEI CHARELLINSZENIERUNGEN Volksbühne lhealer snBölotplili I Uhr Kreazabnahme Tbealer am Sibimiattertlamni 8 Uhr Sie Drei-Crosdieö Oper IHalia-Theater 8 Uhr Oelrausch Staad. Sdiiller-Hi. 8 Uhr Ocspenster Slaalsopcr am Ptati der Republik 8 Uhr üolldDder Tb. in Stbiffbintrlinini Täglich 8 Uhr Die Btei-Men- Paulsen, Vaietti, Ander, Oerron, SchaufuB, Kühl, Lvovski. WM Theater Norden 12 310 8 U, Ende geg. IO'ä Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie; Heinz Hilpert Die Komödie Bismarck 2414/7516 8V« Uhr, Ende KP/t „Olympia" von Franz Molnar Regie: Forster Larinaga. Kammerspiele Norden 12310 8 Uhr, Ende lOVtUhr „Soeben ersdiienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaea. Berliner Theater Di rckLheinz herald Charlottensiralle 90 A. 7. Dönhoff 170 'Tagt ich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) R ose-Theatei jr.r'raflUiirter St.13J SV« Uhr Der Obersteiger Tbesier des Westens Tägl. 8',. Uhr Oer größte Erfolg Berlins Friederike Musik von Lehnr Erika v. Thellmann Carl 3>egler .« Uhr Revolte im Erzlehungshaus Schauspiel von P. M.l�mpel. Komödienhaus 8V« Uhr Das Beid aut der straBe JtatMirv. Bernauer u. Oesterreictaer Lustspielhaus 8V« Uhr WiMdraunrMii Gnido Tieischer Weekend im Paradies Winter uarren 8 Uhr Raachen erlaabi Internat, uarlete. pläza Arnold Scholz Has«nheidc 106,14 GR. BOCKBIERFEST Gr. Sdiweiaebralerei; Prlmiierung des«diömien roten Frauenhaare.. 3 Geldpreise 75,—, 50.— nnd 25,— Hm. 7 Kapellen. Einlaß 6 Uhr. SO bayerische Madl. lentrai- Thoater Wt Jalthlr. Edi Orinittiti Täglich 8"« Uhr ich Küsse ihre Hand, Madame Ein spiel von Liebe und Lenz mit dem gleichnam.Schlager Rundfunkhörer halbe Preise Dtseh. XOnstlcr-Th. 8'/« Uhr Der Zinber v.Edgar Wallace tontaib Kita Matthias Preise 1— 10 Mark Phiiharnionie 8 Uhr Bach-Konzert des Philharm. Orch. Dirio. Dr. Run Singer. Berl. Acrzte-Chor Trianon-Th. Täglich 8'.'« Uhr Verschwörer von Lampel Thalia-Theater, dresdener Str. 72-7.' 8 Uhr „Oelrausch" Planetarinm am Ion le.i»,. kidlmikelcr Stnb Noll. 1573 16 Uhr Der Sternhimmel im Winter 18 Uhr Mars und seine Rätsel 20 Uhr werden u. vergehen d. Sterne Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin-Lichtenberg. Einladung. Unter Aufhebunz der»um 27. Februar 1929 anberaumten Ausschuß!! kunq lobe ich hiermit die Herren Auvschuhmifglieber zu einer außerorbemlichen Ausfchubver» liommlunq ara Mittwoch, dem 6. JRcr; 1929, nachmittag» 3 Uhr, im Ragenlofal. Deutschmeisterstr., Ecke Parkaue(Ltch!» hos), ein. Tagesordnung: I. Beschtußfaffung über eine eventl, Bereinigung. 2. Sahungsänserung. 3. Kasfenangetegenheifen. Beschwerden nnd Anfragen,»u denen die ikinsichlnahme in die Bucher notwendig ist. sind der BcrwaUung drei Tage vorher defannt zu geben. Der Vorstand. O. Seifet, Borsigender. Renaissance- Theater Hardenbergstr 6, Tel.: Stelnpl. 90t u. 2583 84 »' iL'hr. Zum«». Male:»'tUhr Die Welterfolgskomfidie „Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg Pagnol Gust.Harlano. laPremlcrcnttesmi. Reichshallen-Theater Abends I 8 I Sonntag oachm. I i I Sfetfiner Sänger Das lustige Fednur- Programm I Nachm. halbe Preise. DIUeilbestelliragcB Telcpnon: Cgntrsm 11283. Dönhoff- Brettl: Gr. Tariaie-Programm/Taiu Berliner Ifllk-TriO N au k öl In. w Ulms tr. 74/711 Theater a.KottbusserTor KoltbusserStr.6 TeUMpI. 16077 Tägllcb 8 Uhr. auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermSS. Preise) Elite«Sänger ®le VnrerglelchlMien. Uli«. PrtlsiieralistUdng a«l all« PUltxan Cl�iscH so NornodiSTa�esii „Der»us SimrieiTü. �nsdwiiBw I • Metall- UN o## a n ataei- SS Hotz- Dcslien mstraUen t Kinderbetten. Polster, SAUfzimmer. Chatse- •m lonfjues an Private. RatenzaUg. Katalog 267 Irw sElsenmObelfabrik Suhl(Thür.) Mt-iI.MWFMMM> Mas Jobshl Pulbusser Straße 6 Qualitätsware/ Billigste Preise PROGRAMM für die Zeit vom 26. bis 28. Februar ©oo KINO-TAFEL Potsdamer Strafe 35 Ans dem Tagebadi eines Junggesellen mit Reinhold Sehtlnael Liebe im Schnee mit Maria Pendler Rheinstrahe 14 (An der Kais.-Etche) Die TeafeUtänzcrin mit Gilda Gray Der Deserteur mit Monte Blne Odeon, Potsdamer Str. 75 Eine Nach! in London 6 Akte mit Lillian Harrey* Der Faschingsprlns mit Harry Ltedike Turmstrabc 12 Das Sdhicksal derer von MAbsburg Der Sdieidungsgmnd 6 Akte Alexanderstr. 39-40 (Pastage) Den ganzen Tag geöffnet! Mikosdi rückt ein mit Claire Rümmer Das Kind des Anderen mit Anna Sien g»awtrTrin��� Filmpalast Börse Roscnthaler Str. 40-41 W. ab 5. S. ab 3.30 Unter falschem Namen mit Monte Blue Nuri, der Elefant Welt-Kino Alt-Moabit 99 SercnUsimnt n. d. leinte Jungfrau Bühne: Gr. Schönheit» Wettbewerb Alhambra Bee-Ml�4S'u- Schöneberg, Hauptstr. 33 Carmen mit Charlie Chaplin Nnrl, der Elefant mit Lola Krentzherg Bühnemdaan Titania(Uf, s�hÖMberg) Hauptstraße 43 Lache, Clown, lache) mit Lon Cheney Affentheater mit Syd Chaplin U Chmrtottwnburg Schlütcr-Thcatcr Schlüterstr. 17 W. 7, 9.15, Stg. ab 4 U. Stnrm über Asien Pudowkins Meisterwerk Erstklassiges Beiprogramm a«fallt«■ Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Kinder der Strage Der neue große Zille-Film Auf der Bühne; Joseph Plaut Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Sonnt 3, 5.7, 9 Uhr Die drei Frauen des Urban Heil König Harlekin. BOhnenschan Vorwärtsleser Vorzugspreise Primus-Palast Hermannplatz Walerloo mit Otto Gebühr als Blücher Das gnie Beiprogramm Auf der BOhije: Die sieben Alfredos, Lufiakrobat. Jugendliche haben Zutritt Uchterfeldn-west Hi-Li Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg. 5,7,9. 3 Uhr Jug.-V. Hlndenburgdamm 58 a Das Grabmal einer großen Liebe Der Held des Tages Bfibnenschaa W Sü«iwn»tnni~~~h Film-Palast Kammersäle Tcltowcr Str. 1-4 Beginn 6 U. Somnambul(Die Hellseherin) Der Weiberkrieg mit Fritz Kampers Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 5, 6.30 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Die Orchldeenlänxerin mit X. Desni > Die Yacht der sieben Sünden mit Helm W»ttctoitan W Filmeck Beginn w Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhol Spelunke mit Samson-Kürner Die gute Bühnenschan Passage-Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151—152 Woch. 5, 7 u.ca. 8.45, Stg. 3.5, 7u. ca. 8.45 U. 5 bange Tage mit Maria Jacobini Ein MIdcl und 3 Clowns Varieiüschan WeiBamea W Schloßpark Film. BQhne Berliner Allee 205—210 Die groSo Leidenschaft Das eiserne Gesetz Auf der Ahne: Revue: Wllzblatt 1P19 ■■ Germania-Palast Frankfuifer Allee 314 Die ioile Komteg mit Dina Gratia Das gute Beiprogramm Ausgewthlte Varleitschau Beginn der ersten Vorstellung Wochentags 6 Uhrl Sonntags 3 Uhr Südpalast Knesebeckstr. 113, Bhf. Hermannstraße Arladne in Hoppegarten Die Strafe des Vergessens Grobe Bühnenschan Jugendliche haben Zutritt. Tivoli-Lichtspiele Tempelhof. Berliner Str. 97 W. 630, ca. 8,45 u., S. 4.45, 6,45, ca. 8.45 U. Der Faschingsprinz mit Liedtke Auf der Bühne: Was kastei eine schwache Stunde 7 mltipers.) Harry Hill, Marga Lindl g Harienderf W _ T{ Mariendorfer ria- Sei Lichtspiele Chaussestraße 305 Rausch, nach Strindberg Polizeijagd auf Phantome Bühnenschan JElysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Das Galeercnschfff mit Barrymorc Groge Bühnenschan Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Liehschatten einer Schanspieierln mit P. Negrl Auf der Bühne: Leacht-Tanz-RcTae Concordia-Palast Andreasstraße 64 Anastasia mit Lee Parry Rln-Tln-Tin and die Goldgribcr BQbnensdiaa Kosmos-Liditspiele Lichtenberg, LQckstraße 70—73 G'scblcbten ans dem Wiener Wald Fapiton mit Josepbine Baker BAbnenscfaan Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7 u. ca.&45. Stg. 3. 5, 7 u. ca. 8.45 U Ml k osch rückt ans Eine VerkSoierin von Klasse Bühnenschan Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, stg. 3, 5, 7 u. ca. 8.45 U. Wolga-Wolga Bühnenschan Friedrichsfelde Beginn täglich ----;hr 5, 7. 9 Uh Kino Busch Alt-Friedrichsfcldc 3 Wer das Sdhciden bat erfanden Das Brantaato mobil mit A, Abel Bahnensch aa � Ninderschünnwalcle tz Elysium lkii�llast) Hasselwerdcrstraße 17 G'schichten aas dem Wiener Wald Der Kampf ont. d. Sternenbanner Internationale BObne ■• Skala-Lichtspielc Schönhauser Allee 80 Zochthans(Nach Sibirien) Wie mache ich mich gesund mit Drnny Bühnenschan Humboldt-Theater Badstraße 13 Der große Erfolg: Karneval des Lebens m.M. Jacobinl Rivalen In Alaska BObnenscbaa._ Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Der Skandal in Baden-Baden mit Brigitte Helm Beiprogramm— Bfibnenschaa Fortuna-Lichtspiele Müllerstraße 12c Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nar Spitzenfilme der Welt- prodaktion Mctro-Palast Chausscestraße 30 Llcbtraomilch mit Henny Porten Ich küsse Hure Hand« Madame mit Ha LIedkc Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Zachiba as(Nach Sibirien) Das Schicksal derer von H absbarg Gut reheiztl. Pharus-Lichtspicle Müllerstraße 142 WlngsIIt Mit orlg. Geräusch- u. Klangeffekt „Rialto** Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) 4 Heeren suchen Anschlag Zlrknsbaby Bühnenschan PROGRAMM für die Zeit vom 26. bü 28. Februar «Alhambra" Badstraße 58 Fünf bange Tage m. Maria Jatobtnl Beiprogramm Grobe Bühnenschan Ballsdunieder- Lichfsp. Badstraße 16 Mein Herz Ist eine Jazzband mH Lya Mara Mikosdi rückt ein BOhncnsdhao Kristall-Palast Prinzenalice 1—6 Zwei Großfilme: Lockendes Gift Der Reiter der Nacht Bfibnenschaa Marienbad-Palast Badstraße 35— 38 LiebfraamUcfa mit Henny Portern Rummelplatz des Lebens a Pankow b Palast-Theater Breite Straße 21 a Bcg. 6.30, 9 Uhr Id Töchter und kein Papa mit Maly Delscbaft Unmoral mit Ellen Richter_ Tivoli» Pankow Berliner Straße 27 Der Welterlolg Waterloo m. OttoGebühr a. Blücher 1 Mlüdarschöntfufw> Film-Palast Blankenburger StraBe 4 Der SchnS In der großen Oper Arladne In Hoppegarten D Reintckcndort-Ost Bürgergarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 und Lindauer Straße Die Slebzehnfthrlge m. G. Mosheim Unfug derLiebemitMarlaJacablnt