Morgenausgabe Ttr. 97 A 49 46. Jahrgang Wöchentlich SS�f« monatlich 8,60 R. im oo5ous zahlbar. Dostdezug 4,32 M. »inlchließlich v0Psg.B°sizr,tua«». und ?2PIS Postl>«stellgedühr»».illl»laildz- abmmement 6,— M. pro Monat. See..Bormärt»*«richeint wochentög. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Derlw »nd im Handel mit bem Titel.»er Abend- Slluitrterte Beilagen.Boll und und»Lind erfreu Ferner .Unterhaltung und Wissen-,.Frauenstimme-..Technik-,.Blick in die Büchenvelr und.Iugend-Lorwärts- Berliner Vottsbla« Mittwoch 27. Februar 1929 Groß-Äerlin 1V Pf. Auswärts 15 pf. Di« einspaltige Rom 80 Pfennig. ReName'eile K.— Reich»' mark.„Kleine Anzeige«'' das ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei settaedruare Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigeu für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzesaen« annähme im Hauptgeschäft Linde«' strahe 3, wochentögl. von 8\2 bis 17 Uhr. Jentvalovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Uindenstrahe 3 Kernfprelder: T'önbvfl 292—291 Telegramm-Ldr.: Sozialdemokrat©«11« Vorwarts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 SZS— Bankkonto: Bank d«»Srdctt«, Lngeftellt«« «nd Beamten Wallltr. KS. DiOkonto-Eeselsschast. Depositenkalle Lindenstr S Vandervelde erklärt: Fälschung! Fast einstimmiges Vertrauensvotum in der belgischen Kammer. Brüssel, 26. Februar.(Eigenbericht.)' Am Dienstag stellte der holländische Gesandte in Brüssel an den Außenminister H y m a n s im Austrage seiner Re- gierung die Frage, ob das in Utrecht veröffentlichte Dokument echt sei. fjyimms erklärte es von A bis Z erfunden und verwies aus die früheren amtlichen Erklärungen der belgischen Regierung über das sronzösijch-belgische Militärbündnis. Am Nachmittag kam die Angelegenheit in der Kammer zur Sprache. Außer dem Außenminister brandmarkte auch Vandervelde in schärfster Tonart„das Verbrechen dieser Fälschung�. Wäre ein solcher Vertrag wirNich im Jahre lSA) abgeschlossen worden, dann müßten die Minister, die ihn vereinbart hätten, a l s Verbrecher vor Gericht gestellt werden. „Zch war— so fährt Dandervelde wörtlich fort— damals selbst Minister, und ich kann mit bestem Gewissen erklären, daß kein Milglied der damaligen Regierung eine derartige ver- anlwortung auf sich genommen hat. Der wirtliche Vertrag von ILM, der e i n z i g e, der abgeschlossen wurde, ist dem Völkerbund mitgeteilt worden. Er hon- bell ausschließlich von der Verteidigung gegen einen Angriff von Deutschland. Die Abmachungen der General st übe, die nicht veröffentlicht wurden, sind ausschließlich Aus- f ü h r ü n gs b est I m mu n g e n rein militärischer Natur im stille eines solchen Angriffs. Außerdem ist ausdrücklich festgelegt, daß jede der. sietdjU.Llegierungcn sich das 01% Recht vorbehält, a-l l c j n darüber zu entscheiden, ob in jedem Falle ein derartiger Aug f vorliegt und der Bllndnisfall eintritt oder nicht. Wer der belgs zcn Regierung vorwirst, sie habe im Jahre 19A> den Zwei- le.n Vertrag zrbgeschlosicn, der geheim gehalten worden ist, der inacht ihr den Borwurf,«in Verbrechen begangen zu haben, und eine solche Beschuldigung weisen wir alle zurück. Man behauptet ferner, wir hätte» im Juli 1927 ein Militärabkommen mit England abgeschlossen, das den Fall eines Krieges nicht nur mit Deutschland, sondern mit Holland, mit Italien und mit Spanien vor- sieht. Im Juli 1927 war ich selbst belgischer Außenminister. Nun ist es mir während meiner politischen Laufbahn schon oft vor- gekomme», daß man mir Absichten unterstellt, die ich nicht gehabt habe, oder mit Handlungen beschuldigt, die ich nicht begangen habe. Ich habe aber doch geglaubt, meine Vergangenheit würde mich vor der Beschuldigung geschützt haben, ich hätte einen Krieg mit Deutsch- land, Holland, Italien und Spanien vorbereitet. Nun könnte man immerhin die Frage auswerfen, ob nicht in einem Militär- b u r e a u oder Offiziere Schulzimmer-Strategi« getrieben und phantastische Pläne ausgearbeitet hätten, die irgendeinem Jour- nalisten in die Hände gefallen sind. Auch das ist im höchsten Grade unwahrscheinlich, aber selbst wenn es der Fall gewesen sein sollte. so liegt aus der Hand, daß solche Pläne die Regierungen in keiner Weise binden können, schon deshalb nicht, weil ihre Ausführung eine Verletzung der im völkerbundspaki übernommenen Verpflichtungen darstellen würde. Wer gegen die belgische Regierung diese Deschul- digung richtet, ist ein Lügner und Verleumder, und wer sich eines derartigen Dokuments bedient, fügt der Sache des Frie- dens den schwersten Schaden zu." Die Kammer sprach der Regierung nach Schluß der Debatte, gegen die Stimmen eines Kommunisten und fünf flämischen Nationa- listen das Vertrauen aus.-Die Sozialisten stimmten rest- los für den Dertrauensantrag, der u. a. auch die Unterschrift Vanderveldes trug. England dementiert spontan in Berlin. Inzwischen hat, wie amtlich gemeldet wind, die englische Regierung der Reichsregicrung auf diplomatischem Wege eine Ertläkung zugehen lassen, wonach ein englisch-belgisches Abkommen von 1927, wie es in der Veröffentlichung der holländischen Zeitung erwähnt wird, nicht besteht. Ebenso- wenig gebe es ein« Verständigung irgendwelcher Art zwischen dem englischen und lfplgischen Gene r a lsta b. Ganz England glaubt an eine Fälschung. London, 26. Februar(Eigenbericht). Die Abgg. Wedgwood(Arbp.) und Sir Renell R 0 d d(Kons.) werden am Mittwoch den britischen Außenminister im Hinblick auf die belgisch-französische Konvention von 1926 und die angebliche Garantie Großbritanniens aus dem Jahre 1927 interpellieren. Im Unterhaus scheint bei allen Parteien, einschließlich der Arbeiterpartei, die Neigung vorzuherrschen, daß das in Ut- recht veröffentlichte Dokument als Fälschung zu betrachten sei. Die Arbeiterpartei ist von dieser Auffassung insbesondere durch ein nachdrückliches Dementi Vanderveldes bestärkt worden, das am Dienstag nachmittag in London bekannt wurde. Wen belügt man? Die Doppelzüngigkeit des Stahlhelms./ Was hat Herr Geldte erklärt? Die Stahchelmführer Seldte und Düsterberg haben dem Reichspräsidenten erklärt, daß der Stahlhelm seine Ziele„nur auf legalem Wege" erreichen wolle. Am 8. Dezember 1S27 sprach Herr Seldte in München: „Er denke sich die weitere Entwicklung etwa folgendermaßen, daß eines Tages ein Reichskanzler, wenn ihm der Reichstag sein Mißtrauen ausspreche, nicht zurücktreten, sondern dies sagen werde:„Ihr habt auch nicht mein Vertrauen und ich beurlaube Sie daher. Ich habe eine Bakterie ausfahren lassen, um Ihnen beim Verlassen dieses Hauses einen Ehrensalut zum Abschied zu geben." Es könne sein, daß unter den Abgeordneten sich ein alter Soldat beimde, der aus dein Fenster sehen würde, daß bei den Geschützen scharfe Munition läge, und daß die Geschütze aus das Gebäude gerichtet feien. Das alles sei seiner Ausfassung nach kein Putsch, sondern gewissermaßen ein kalter Druck von oben. Aber das alles nutze nichts, wenn er nicht Fachminister für die verschiedenen Ausgaben zur Verfügung habe, und deshalb habe er eine Liste von Leuten, denen er dann die verschiedenen Aemter übergeben werde. Leute für die verschiedenen Wirtschastsfragen usw." Erste Frage: ist die Erklärung gegenüber dem Reichspräsidenten mit dem Hintergedanken erfolgt, daß dieser„kalte Druck von oben" legal sei? Zweite Frage: haben die 5)erren Seldte und Düsterberg diese Rede von München ausdrücklich zurückgenommen? Die Herren Seldte und Düsterberg haben ferner dem Reichspräsidenten versichert, daß der Stahlhelm seit seinerGründung entscheidenden Wert darauf lege, daß die ihm ongehörigen Beamten sich in vorbildlicher Pflichttreuem öffentlichen Diensten betätigen. Am 2. September 19 2 8 führte der Führer des Landesverbandes Berlin des Stahlhelms, Rittmeister a. D. Moroczowicz in Fürstenwalde aus: „Wir Haffen mit ganzer Seele den augenblicklichen Staats- a u s b a u, seine Form und seinen Inhalt, sein Werden und sein Wesen. Wir hassen diesen Staatsausbau, weil in ihm nicht die besten Deutschen führen, sondern weil in ihm ein Parlamentarismus herrscht, dessen System jede verantwortungsvolle Führung unmöglich macht. Wir hassen diesen Staatsaufbau, weit er uns die Aussicht versperrt, unser geknechtetes Vaterland zu befreien und das deutsche Volk von der erlogenen Kriegsschuld zu reinigen. den notwendigen deutschen Lebensraum im Osten zu gewinnen, das deutsche Volt wieder wehrhaft zu machen, Landwirtschast, Industrie, Gewerbe und Handwerk gegen den feindlichen Wirtschaftskrieg zu schützen und wieder lebensfähig zu gestatten... Indem wir offene und rücksichtslose Gegner des heutigen politischen Syst«ms sind, bekämpfen wir zu- gleich alle diejenigen Organisationen, Gruppen und Einzel- persönlichkeiten, die zwar behaupten, auf unserem weit- anschaulichen Boden zu stehen, aber jederzeit bereit sind, für«inen wirtschaftlichen oder politischen Vorteil unter dein Vorwande„um Schlimmeres zu verhüten" ihr Komproiniß mit dem von uns betämpftenSyftem zu machen. Kampf dem System, das den Staat von heute regiert. Kampf denen, die dieses System durch Kompromiß stützen." Man kann dem Staate nicht„in vorbildlicher Pflicht- treue" dienen, den man mit ganzer Seele haßt. Das eine schließt das andere aus. Wir fragen: haben die Herren Seldte und Düster» berg diese Hoßbotschaft ausdrücklich desavouiert? Wenn nein, wen belügen sie: den Reichspräsidenten oder ihre Anhänger?_ Der polnische Finanzmiaisker E z e ch 0 w i k s ch soll auf Antrag der Linken wegen Etatsmißachtung vor dem Staatsgortchts- hos kommen. Der Anirag wurde vom Sejm mit 219 gegen 132 Stimmen(Rechte und Linke gegen Pilsudskipartei) einem Sonder- ausschuß überwiesen. Volkspartei weicht aus. Oer Zentralvorstand für ein Provisorium. Der Zentralvorst and der Deutschen Volks» Partei faßte am Dienstag nach längerer Aussprache ein- stimmig folgende Entschließung: „Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei billigt die. Haltung der preußischen Landtagsfraktion und der Rcichstagsfraktion in der Koalitionsfragc. Der Zentralvorstand ist der Ansicht, daß eine fraktionell gebundene Regierung der Großen Koalition nur dann erfolgreich wirken kann, wenn aus staats- politischen Gründen der gleich« Zustand in Preußen geschaffen wird, Der Zentralvorstand wird infolgedessen nach Beendigung der Repa- rationsverhandlungen in Paris unter Aufrechterhaltung seines' Bk- schlusies zur Koalitionsfrage vom November 192L erneut Stellung zu der politischen Lage nehmen, um die gleichartige Bildung der Koalition im Reich und in Preußen zu erreichen. Der Zentralvorstand weiß sich angesichts der Ueberlastung des deutschen Volkes mit Steuern und anderen Lasten, die das Maß des Erträglichen bereits überschritten haben, einig mit der Reichstagsfraktion, daß die B e l a st u n g aller E r w e r b s st ä n d e n i ch t weiter gesteigert werden darf, dann aber rasch und fühlbar gesenkt werden muß. Ebenso notwendig ist die Jnangrisf- nähme einer umfassenden Reichs- und Verwaltungsreform und die Weiteroerfolgung der verfassungsrechtlichen Anträge der Reichstags- fraltion." Es scheint, als ob gewisse bürgerliche Parteien sich bei den Beschlüssen, die sie fassen, neuerdings das berühmte D e l phifche Orakel zum Muster nehmen, dessen Sprüche sich durch Unklarheit und Zweideutigkeit auszeichneten. So war es bei der Entscheidung, die dem Austritt des Zentrums aus der Reichsregierung voranging, und so ist es jetzt bei der „einstimmigen Entschließung" des Zentralvvr- standes der Deutschen Volkspartei. Wir sind nur gespannt, ob die Deutsche Volkspartei ähnlich wie seinerzeit der Ab- geordnete Kaas auch diese Entschließung als eine„politische Realität" bezeichnen wird. Jedenfalls ist ihr Sinn ohne Aus- legung ebensowenig erkennbar, wie damals der jener Er- klärung, die der Vorsitzende der Zentrumspartei dem Reichs- kanzler vorlegte. Der volksparteiliche Zentralvorstand gibt seine Ansicht dahin kund, daß eine fraktionell gebundene Regierung der Großen Koalition nur dann erfolgreich wirken kann, wenn der gleiche Zustand in Preußen geschaffen wird. Der Zentral- vorstand will nach Abschluß der Pariser Reparationsverhand- lungen erneut Stellung nehmen, um die gleichartige Bildung der Koalition im Reich und in Preußen zu erreichen. Die Frage drängt sich auf: W assoll in der Zwischenzeit geschehen? Ist die Volkspartei ein- verstanden, wenn der Reichskanzler jetzt die drei Zentrums- minister ernennt und wird sie sich an die so beschaffene Re- gierung fraktionell gebunden fühlen? Das heißt, wird sie in Gemeinschaft mit den anderen im Kabinett vertretenen Par- teien eine Klärung der jeweils strittigen Fragen in einem interfraktionellen Ausschuß herbeizuführen suchen? Ist diese Bereitwilligkeit der fraktionellen Bindung nicht vorhanden, fo bedeutet das Einverständnis mit der Ernennung der Zentrumsminister wenig oder gar nichts. Denn. in diesem Fall können tagaus, tagein neue Komplika- t i 0 n e n' auftreten- Wenn die Bolkspartei sich für nicht gebunden erklärt, behalten auch die anderen Fraktionen freie Hand. Sie können also nach Belieben Anträge stellen, und sie können bei den Abstimmungen jede ihren eigenen Weg gehen. Wie unter solchen Umständen Etat und Steuern verabschiedet werden sollen, ist ein Rätsel. Eine weitere Frage tut sich auf und das Ist die, ob das Zentrum überhaupt geneigt ist, in das Kabinett zurückzu- kehren, wenn die Volkspartei sich darauf beschränkt, ihren beiden Ministern die Erlaubnis zum Verbleiben zu erteilen, im übrigen aber unter Absingen des Liedes:„Frei ist der Bursch" tut was sie will. Am Mittwoch wird Reichskanzler Müller von Herrn Stresemann und Herrn Scholz die drin- gend notwendigen Aufklärungen fordern. Von ihnen wer- den dann die weiteren Schritte Hermann Müllers abhängen. Er wird bei der Gelegenheit auch eine Erklärung über die politische Bedeutung des letzten auf Etat und Steuern be- züglichen Absatzes der oolksparteilichen Entschließung zu er- bitten haben. Denn die Sozialdemokratie muß wissen, ob diese' Sätze besagen wollen, daß die Volkspartei an der Re- gierung—„fraktionell" gebunden oder nicht— nur teil- nehmcn kann, wenn sie im voraus Sicherungen über die Verwirklichung ihres unmöglichen Etatprogrammes er- halten hat. Jedenfalls läßt sich einstweilen nur feststellen, daß die K r i s i s durch den Beschluß der Volkspartei, so wie er uns vorliegt, in keiner Weise gemildert, sondern eher oerschärft worden ist, und dazu kommt, daß auch die Bayerische Volkspartei schwankend zu werden beginnt und mit dem Gedanken einer Zurückziehung des Ministers Schätzet zum mindesten spielt. Wir stehen jetzt unmittel- bar vor der Entscheidung. Das Spiel kann nicht mehr ver- Gtresemann vorm Zentralvorstand Er fordert Drosselung der Ausgaben und Einschränkung des Eiatrechts. Im �otel EfpUmade fand gestern die Zentraloorltottdssttzung der Deutschen Doltspartei statt. Sie wurde eingeleitet durch einen ausführlichen Bericht des Parteiführers Reichsminister des Aus- wärtigen Dr. Stresemann über die politische Lage. Dr. Stresemann führt» in seiner Rede u. a. folgendes aus: Täuschen wir uns nicht darüber: Wir stehen in einer Krise des Parlamentarismus, die schon mehr als eine Dertrauenstrif« ist. (Sehr wahr!) Diese Krisis hat zwei Ursachen: Einmal das Zerr- bild, das aus dem parlamentarischen System in Deutschland gewor- den ist, zweitens die völlig falsche Einstellung de» Parlaments in bezug auf seine Verantwortlichkeit gegenüber der Nation. Was bedeutet„parlamentarisches System"? Es bedeutet die Verantwortlichkeit des Reichsministers gegenüber dem Parlament, das ihm mir Mehrheit das Vertrauen entziehen und ihn zur Amtsniederlegung zwingen kann. Nirgends bedingt diese Bestimmung den Uebergang des Regierens vom Kabinett auf die � Fraktionen. Di« Ernennung der Minister erfolgt durch den Reichsprästdenten. Im übrigen ist der Eintritt wie das Ausscheiden der Minister von ihrer persönlichen Verantwortlichkeit abhängig. Zch verwahr« mich persönlich gegen die Anwendung des Sähe,. das} eine Fraktion ihre Minister»zurückzieht". (Sehr gut!) Die Minister haben vor sich selbst die Frag« zu beant- warten, ob sie ihr Amt annehmen oder ob sie ihr Amt aufgeben. (Zustwninung.) Der Reichstag kann ihnen dos Vertrauen entziehen. Die Fraktion kann sie aus der Fraktion aus- schließen, aber das„(Zurückziehen" von Ministern bedeutet, daß in Wirklichkeit die Persönlichkeit nicht mehr besteht, sondern nur noch als Beauftragter irgend einer Organisation erscheint.(Sehr wahr!) Diese Auffassung ist das Ende des Liberalismus überhaupt.(Er- neute Zustimmung.).. Bewegungen im deutschen Volk« sprechen von der Notwendigkeit, die Rechte des Reichspräsidenten zu verstärken. Es wäre zunächst wünschenswert, daß die Fraktionen und Parteien sich bemühten, durch ihre Einstellung das Ansehen des Reichs- Präsidenten nicht zu verringern. Die Rechte des Relchspräsidenlen sind durchaus nicht gering, und das neue Deutschland hat zweimal in selner kurzen Geschichte Reichspräsidenten besessen, die über lyre versafiungsrechtliche Stellung hinaus auch durch die smpooderable Bedeutung ihrer Persönlichkeit zu wirken verstanden haben.« Der Reichspräsident kann in Gemeinschaft mit dem Reichs- tanzler die Regierungsbildung in dieser oder sener Weise vor» nelMen und den Kampf gegen das Parlament führen, das dieser Bildung de? Kabinetts widerstrebt. Ich bin überzeugt, daß manche Krise in dem Augenblick zu- End» wäre, wo«in Machtwort des Reichsprästdenten erfolgte und die Kabinettsbildung aus den Verhandlungen der Fraktionen herausgenommen würde.(Sehr richtig!)' Die Reichsregierung Hot. soweit Angehörige von Fraktionen in ihr sind, heute kein« Mehrheit im Reichstagen Das ist a ir-sich-kein Grund, anzunehmen, daß sie nicht in der Lag« sei, zu regieren. Als die Dawes-Verhandlunaen in London geführt wurden, stand hinter der Regierung ebenfalls' keine Mehrheit.' Trotzdom . zwang die-Wucht- der Tatsachen die Oppositionsparteien links und rechts, dem Dawes-Abkommen zuzustimmen, das ohne die deutsch- nationalen Ja-Stimmen niemals die Mehrheit erlangt hätte Daß «s wünschenswert ist, die Reichspölitik stärker zu untermauern, ist klar. Od dazu, bei der Zentrumspartei nach ihrem. Ausscheider� au» ■dtf' Regierung-Ne�ung und Wünsch besteht', ist'zweiselhast. • Daraus� ergeben sich die nochfo�nden Konsequeryen:�- Eine Demission der Reichsregierung kann nichk In Bekracht kommen.(Sehr richtig?) Unsere Sachverständigen in Paris, die wisien, daß ihr« etwaigen Vereinbarungen von Regierung und Parlament gebilligt werden müssen, entbehren der moralischen Stütz«, wenn sie in dem Augen- blick, wo sie die Entscheidung über die Zukunst von Generationen treffen, den furor teutonicus oer Parteiwut in Deutschland in einem Zusammenslurz der Regierung schen. Ich halte es für die Pflicht derjenigen Manner, die am Steuer stehen, auf ihrem Platze zu bleiben, auch wenn Sturzwellen über das Schiff spülen und die Mannschaft zur Meuterei neigt. Höher steht das persönliche Derontwortlichkeitsgesühl gegen- über dem Staat als die Rücksicht auf die Partei. Di« zweite Frag« ist. ob die Ergänzung der heutigen Regierung wünschenswert lft. Sie ist nawrgsmäß zu bejahen. Daß sie nach der Richtung Hugenberg nicht in Betrocht kommt, ist wohl oVeittges Einverftäridni». Ob sie noch anderer Rich- tung möglich ist, hängt für mich nicht in erster Lim« von personellen, sondern von sächlichen Voraussetzungen ab. Ich würde mich heute noch freuen, wenn die Bildung«wer festen Preußenroolition unter Berücksichtigung der berechtigten An- sprüche der Deutschen Dolkspartet zultans« käme. Ick anerkenne, daß die Sozialdemdkratie sich in Preußen in bezug auf die Ber- tretung im Kabinett«in« arithmetisch« Beschränkung auferlegte, die ihren Einfluß nicht �verringert.hct- lNon muß andererseits auch bedenken, daß die impoaderadlen Kräfte, die hinter einer Partei, wie der Deutschen Volkspartei stehen, stärker wtegev als dl« Zahl ihrer Mandate.(Sehr richtig!) Sind die Brücken endgültig abgebrochen und steht vor ollem die Preußensrattton selbst sachlich« Bedenken, jetzt in hie preußische Re» aterung einzutreten, so muß die Entwicklung im Reichs lediglichaufGrundderReichsinteressenerfoigen. Es ist aber eine ganz falsche Aussassung, anzunehmen, daß mit der formalen Bildung einer Mehrheitsregterung die Schwierigkeiten der Regierung beseitigt seien. Ich war der Reichskanzler der stärksten Koalition, die es jemals in Deutschland gegeben hat. und bin trotz- dem keinen Tag aus den Schwierigkeiten herausgekommen. Wir müssen un» einig sein über den Weg, den wir gehen wollen. Er betrifft vor allem die Deranttvortlichteit-für die Entwicklung der Ausgabenwirtschaft des Reiches. Ich sehe mit stärkstem Bedenken die Gefahr der Entwickloag der fortwährenden Ausgabensteigerung an sich soweit sie nicht durch die stelgeuden Reparationsverpflichtungeu herbeigeführt wurden. Die Gebarung der Ausgabenwirtschaft in Reich, Ländern und Ge- meinden kann einen tatsächlich nur mit Grauen erfüllen.(Sehr wahr!) Wir quetschen die Steuerzahler aus wie eine Zitrone. Wir yetzen die Kommisstonen der Finanzämter zur Prüfung aller Bücher. Wir pfänden den Bauern die Kuh weg, well er die Steuern nicht zahlen kann.(Sehr richtig!) Der Steuer- erHeber steht bei der Lohnzahlung, bei jedem Honorar, bei jedem Unternehmergewinn, und durch die Art der Erhedung der Steuern haben wir, wenn auch nicht in die Substanz der Wirlschast«in- gegriffen(Zurufe: doch!), so doch jene Bildung von Reserven un- möglich gemacht, ohne die wir aus die Dauer die Volkswirtschaft nicht ausrichten können. Man vergesie doch das ein« nicht, daß dis stillen Reserven der Wirtschast auch die stillen Reserven des Staates sind. Es ist kein Zweifel: der ganze industrielle Mittelstand verfällt -durch das Fehlen der Äapitvlbildung einem schnellen Sterben. (Zustiinnmng.) Wir stehen, wenn die Dinge so weiter gehen, vor den Trust» aus der einen und vor einer Millionenschar der Angestellten und Arbeiter aus der anderen Seite. Damit steigern sich die sozialen Gegensätze. Es handelt sich darum. sestzuftellen, daß es mit dieser Politik nicht weiter aeht. wenn wir nicht sehenden Auges in den Abgrund hinab- stürzen wollen.(Lebhafte Zustimyrung.) Unser« Produktion leidet unter der Kaufarmut der Landwirtschast, die in ihrem weitgrößten Teil in einer bis zur Katastrophe gesteigerten Krisis sich befindet.(Sehr richttg!) Die Zahlder Arbeitslosen nimmt Ziffern an, die man nie für möglich gehalten hätte. Unser Export ist vielfach ein Rotexport und Verlustexport, um nur. die Betriebe aufrechtzuerhalten. Das ist die Situation, vor der wir in Wirklichkeit stehen. Des» halb muß der Wettstreit der Parteien um die Popularitätshascherei aufhören. Die Volkspartei hat den Antrag gestellt, baß in dem Entwurf des Haushallsplane» ohne Zustimmung der Reichsregierung and de» Reichsrais Ausgaben nicht erhöht, oder neu etngesehl werden. tooo!) Di« gleich« Zustimmung will der Antrag der Volkspartei Gesetze und ai'dere Beschlüsse des Reichstages, welche eine Er- -ung der im lausenden Haushaltsgesetz vorgesehenen Ausgaben zur Folge, haben. Man ruft, daß das Ctalsrscht des Reichstages da- mit in Gefahr wäre, voltsnot gehl über Etatttcht.(Sehr richtig!) Di« Ersetzung der Persönlichkeit durch die Organisation ist das Ärundübel des heutigen politischen Lebens. Es geht ein Raunen durch das Land von illegalen Bestrebungen zur Ersetzung der Per- sasinng durch. Dlk t atu r plän e- und ähnliches, Jeder versteht unter der Diktatur den Vittalvr seiner Würofcfc«. und sobald er zwi- schen den widerstreitenden' Interessen sich' emscheiden muß. wird er k>aL> die Opposition gegen sich wachse« söhen. Es gibt zudem nie» manden, der den Wahnwitz denken kann, daß ein Mann wie Hindert, bürg sich zur Verletzung der Berfasiung hergeben würde.(Sehr wahr!) Wer wir müssen uns bemühen, zur Reform de» parlamenlarismus zu kommen.(Zustimmung.) Wir müsien oerlangen, daß die Macht des Parteigeistes fein« Grenze findet an den Lroensnottvendiakeiten der deutschen Entwicklung, daß das Parlament den Zwang nicht nur zur formalen, sondern tatsächlichen Mehrheitsbildung in sich findet. o6t\ wenn das an den Parteien selbst in dieser Situation scheitert, der Ruf ertönt:„rn venit aA triario», ünd verantwortun g.s- bewußte Persönlichkeiten den Mut finden zu r«- gier« n. d. h. dl« Führung zu übernehmen.(Brävü!) Nach der Ret»« Stresemann» gab der Vorsitzende der preußischen Landtagsfraktton, Abg. Lkendel, eine Darstellung der in Preußen geführten Verhandlungen. Im Zuge dieser Verhandlungen Hab« man sich de« Eindrucks nicht erwehren können. daß es der Sozialdsmokratt« und dem Zentrum nicht ernst mit der Absicht fei, die Volkspartei in die preußische Regierung, hinein» zunehmen. Für die Ablehnung des Vorschlags Braun vom 20. Februar habe die Fraktion sehr gute Gründe gehabt. Was das Konkordat anbetresfe. so erkenne die Landtagsfraktion d.e Notwendigkeit von Vereinbarungen mit der Kurie an. Gr»' sei dazu durch die Entschkießungen des Zsntraloorstande» oerpf ichtet. Sie könne aber kein« Verpflichtungen übernehmen, wenn sie den Inhalt de» Konkordat» nicht kenne. Sie müsie ferner damit rechnen, daß man in Preußen nicht gewillt sei. der evangelischen Kirche durch Tertrag zu geben, wa» man der katholischen Kirche durch da» Konkordat zu gaben bereit fei. längert werden. Man muß alsbald Klarheit schaffen, und sie ist am besten zu erreichen, indem die Parteien gezwungen werden, in offener Reichstagssitzung Yarbezu bekennen. Soviel zur allgemeinen politischen Lage. Was aber Ins- besondere die Bolkspartei und ihren Führer betrifft, so liegt auf der Hand, daß Herr Stresemann in seinem Zentral- vorstand«ine Niederlage erlitten hat. Er verlangte mit Nachdruck ein positives und unzweideutiges Bekenntnis zur Großen Koalition im Reich und was schließlich heraus- kam, war ein verschwommener Beschluß, der ganz nach Be- lieben gedeutet werden kann. Der Zentralvorstand hat den Führer im Stich gelassen. Es gibt den einzigen Mann preis, der der Bolkspartei bisher nach außen hin noch ein gewisses politisches Ansehen zu verschaffen ver- mochte. Darin liegt eine siewisse Tragik, aber über sie wird man immer noch leichter hinwegkommen als über die Folgen, die st a a t s p o l t t i f ch e Unvernunft für den deutschen Parlamentarismus und für die Deutsche Republik herauf- beschwören. * lieber die Bedeutung der Sitzung des Zentralvorsiandes der Deutschen Volkspartei schreibt die„Nationalliberale Kor- respondenz" u. a.: Der formal« Perrfonentarismu« war schon überholt, als er in Deutschland eingefichrt wurde. Seine zunehmenden Mängel und Üluswüchse werden begreiflicherweise von der Deutschen Volkspartei um so schwerer empfunden, als das System des formalen Porta. mentarismus nicht ihren staatspolitischen Auffasiungen entspricht. die Partei aber gleichwohl gezwungen ist, ihr« praktische Arbeit unter dem Druck eines entarteten Parlamentarismus zu leisten. Das kam in allen Reden des Zentraloorftandes, besonders auch in der Debatte, zum Ausdruck... Nach Beendigang der Repa- rationsverhandlungen in Paris wird der Zentraloorstand unter Aufrechterhaltung seines Beschlusses zur Koalltionsfrage vom No- vember 1028 erneut zur politischen Lage Stellung nehmen. Diese Erklärung der Volkspartet gegen den sogenannten ./formalen Parlamentarismus" legt den Gedanken nahe, ob nicht— unbeschadet des Strebens nach der Großen Koali- tion— eine engere Verbindunsi zwischen den Parteien wünschenswert wäre, die die Verfassung der deutschen Repu- blik geschaffen haben.__ Die„forschen" Oeuischnationalen. Sine verrückte Interpellation. Die deutschnational« Retchstagsfraktton hat unter Hinweis auf den Schritt der holländischen Regierung eine Interpellation über die Veröffent- lichungen des„Utrechter Dagblad" eingebracht, in der die Reichsregierung zum Schluß«efragt wird: „L Ist sie bereit, von den Regierungen von Groß-Britan» ulen. Frankreich und Belgien Erklärungen über die Richtigkeit der VerösfentlichuNgen des»Iii- rechtsch Dagblad" zu fordern und sich gegebenenfalls nicht mit einer unsubstantiierten Ableugnung zu begnügen, sondern die Be rannt- gab« des Militärobtommen» vom 7. September 1920 und des Ergönzungsabkommens vom Jahre 1927 zu verlangen? 2. Ist insbesondere der Herr Reichs außenmlni st er ent- schlössen, bickl zur völligen und einwandfreien Klarung dieser An- gelegenheil von ei nz» T« ilna h m« a n der b e no r.st« h« n- isßfl Tagung des Völker bundsräts abzusehen?" Das klingt sehr forsch, ist es aber gar nicht. Eine wirk» kich„nationale" Partei dürfte in ihren Forderungen nicht so leifetreterifch fein. Die Interpellation müßte, um allen Viertifchwünschen gerecht zu sein, wie folgt ergänzt werden: S. Ist die Reichsregierung bereit, falls, wie sicher zu erwarten ist. die unter 1. angeführt« Forderung der Bekanntgabe de« Militär- abkommens mit einer glatten Ablehnung beantwortet wird, alle Konsequenzen aus dieser Blamage zu ziehen, d. hi: ») Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich, Belgien und England, b) sofortiger Austritt aus dem VSlkerbunlz c) Kündigung des Loearrw-Dertroge», 6) Zurückziehung der Unterschritt unter dem Kellogg- Pakt, t) Annulierung sämtlicher Reparationsverpflichtungen lind Äellung eigener Reparattonsansprüche. I i ultirnattve Forderung de» Widerrufs de» Art. 2Z1(Kriegs- -, schuldlüge), *) Forderung der Rückgabe sämtlicher Kolonien. � Ist der Herr Reichswehrmini st er entschlossen, die Reichswehr in Belgien«inmarfchieren zu lassen, um wie Anno 1914 die belgischen Archive nach dem Vorhandensein von Geheimverttägen abermals zu untersuchen? Das wäre ein Programm, das sich sehen ließe? Kein Zweifel, daß in diesem neuen Krieg Hugenberg, Westarp und unzählige deutschnationale Abgeordnete das nachholen wür- den. wa» sie im Weltkrieg versäumt haben, nämlich a n d i e Front zu gehen._ Reichswehrhilfe für die Rheiuufer. Im Fall des Hochwassers zugelassen. Di« Reichsregierung Hai bei der Botschafterkonfereuz der Besatzung»enSchl« in Pari» anfragen lassen, od im Fall einer Hochwassertataftrophe in der entmiliiaristerien Zone die Hilfeleistung von Retchvwehroerbünden zugelassen würde. Die Botfchaftertonferenz hat sich damit einverstanden erklärt, daß im Notfall Retchswehrkomrnando» Verwendung finden. Die pariser Ausschüsse arbeiten. Sin« dritte Kommission eingesetzt. pari». 26. Februar.(Eigenbericht.) Die Arbeit der Sachversiändigenkonferenz konzentriert sich immer mehr auf die Ausschüsse. Die Ausschüsse für Transfer und Sach- lleferungen find bereits an der Prüforbeit und eine dritte Korn- Mission zum Studium der Kommerzialisierungsmöz- lichkeiten ist gebildet worden. Vorsitzender ist der englische Lord Revel stocke. Ihr gehören serner an: der Deutsche Melchior. Moreau-Frankreich. Franrqui-Beigien, sowie Morgan und Lamont- Bereinigten Staaten. Ministerialdireklor Ariicu» ist aus dem preußischen Ministerium für Landwirtschaft ausgeschieden. Sein Nachfolger ist Ministerial- virettor Erich Bollerte, bisher Landes lulturoirettor in Königs- berg. Zwischenfall im Zememordprozeß. Sine offizröse Derlovtbanmg der Reichswehr. Stettin. 26. Februar. Im Fememordprozeß Heine» wurde die Lernehmung de? An» geklagten über die Einzelheiten der Wordtat fortgesetzt. Während dieser Dernehmung kam es am Nachmittag zu einem Zwischen» fall. In der Stettiner Press« war die folgend« offiziös« Bertautbarung der Reichswehr erschienen: „In dem Stetttner Fememordprozeß wurde gestern bei der Vernehmung de» Angeklagten Heines sestgestellt, daß die v r g a- nisation Roßbach zwischen ihrer ersten Auslösung und dem Kapo-Putsch dauernd von der Reichswehr besoldet worden sei. In Wirklichkeit ist sie von einer, den Kapp- Putsch vorbereitenden Stelle(wahrscheinlich von Hauptmann Päd st) au« privaten Mitteln de» s o l d« t worden Aehnlich liegt es mit dem vom Vorsitzenden verlesenen Befehl der Reichswehrdrlgad« 9 au» Schwerin, auf den sich die Roßbacher berufen. Als General von Lettow diesen Befehl gab. erkannt« er nur noch Kapp und Lüttwttz. nicht mehr die Reichswehrbehörden, als Vorgefetzte an." Der Verteidiger. R-A. Bloch, gab dazu die Erklärung ab, daß er darin den Versuch erblicke, in den Gang der Verhandlungen einzugreifen. Er bat General v. Hommerstein um eine Erklärung. von wem diese Nachricht inspiriert worden sei. General o. Hammer st ein erklärte:„Sie ist von mir inspiriert." Daraufhin kündigte R.-A. Bloch neue umfangreiche Beweis- antrüge an. Der Oberstaatsanwalt erklärte auf eine Frage, daß er bereit sei, zu konzedieren: 1. daß die Roßbacher sich subjektiv als Soldaten fühlen tonnten; 2. daß sie geglaubt haben, die Reichswehr habe ihnen hie Waffen anoertraM; 3 daß Heines kein« Bedenken gehabt habe, dem Geheimdefehl Roßbachs Folge zu leisten. Di« Verteidigung erklärt«, daß, wemi dos Gericht diese Punkte al» wahr unterstellen wolle, die meisten Beveisanträge über» flüssig würden. Der Vorsitzende gab bekannt, daß da» Gericht sich dies« Frag« überlegen werde. Ts wurde dann das wettere Verhör der Angeklagten fortgesetzt. Völkischer Rekord. Dem Landtagsbureau de» Preußischen Landtags liegen zurzeit rund 40 Antröge der Staatsanwaltschaften vor, die eine Aufhebung der Imrnunttät der völkischen Abgeordneten wegen Beleidigungs- Prozessen verlangen. Lettow-Vorbeck, der Gebesserte. Zwischenspiel»m Reichstag. Lettow-Vorbeck(Dnat. zu den Soz.): Sie, m. H., wollen die Reichswehr zerschlagen! Le vi(Soz.): Das haben doch Sie getan. Lettow-Dorbeck: Si« rneinen 1020?(Kapp, Putsch in Mecklenburg. Red. d.„D.") Levi: Ich seh«, wir verstehen uns. Lettow-Vorbeck: Aber seitdem habe ich mich sehr g«. bessert, da» müssen Sie doch zugeben!(Wohlwollende Hetter- teit im ganzen Hause.) Reichstag und Groener-Oenkschrifi. Die deutschnationalen Verleumder am Pranger. Im Reichstag teilte am Dienstagnachnnttag Präsident Lobe mit, daß für den verstorbenen Äbg. Saenger der Abg. G e i s e n h a r t- Oberboyern(Soz.) in den Reichstag eingetreten ist. Die kommunistische Interpellation über die Groener-Denkschrist begründet— bei einstündiger Redezeit—; Abg. Sloecker(Komm.): Die Denkschrift ist eine Urkunde de« Imperialismus, dem uuch das sozialdemokratische Wehrprogramm dient. Der Parteitag wird verschoben, weil Ihnen(zu den Soz.) das politische Hochwasser schon bis in die Hosen steht. Noch vor zwei Iahren hat Paul Lobe im Auftrag Strosemanns auf allen mäg- lichen Kongressen die deutsche Friedensliebe jjepriesen. auf dem Mannheimer Paziiistenkongreß sich sogar für Kriegsdienstoer- Weigerung ausgesprochen, heute verteidigt er das Wehrprogramm .>it Besorgnissen vor polnischen Angriffen.(Lebhaftes Sehr richt'g! auf verschiedenen Seiten.) Das Reichsbanner entwickelt sich zu einer offenen Hilfstruppe des deutschen Imperia- lismus(Heiterkeit), die„Reichsbannerzeitung� wünscht Vermittlung zwischen Deutschnationalen und Sozialdemokraten, denn ohne die Marxisten gäbe es keinen Befreiungskrieg, und das ganze Deutsch» land mü�te es sein. Trutzigen deutschen Wehrwillen propagiert Ine neuelle Nummer der„Rcichsbannerzeitung". Die Groener-Denk- schrift fordert eine ausreichende Flotte gegen Sowjetrußland.(L e b- baster Widerspruch) Aber einem solchen Krieg würden die Arbeiter den heftigsten Widerstand leisten, er würde den Bürger- krieg in ganz Europa bedeuten.(Händeklatschen der Komm.) Wo- bin kommen die 700 Millionen des Wehretats bei 100000 Mann Reichswehr? Vo'en gibt viel weniger aus. Cs müssen hunderte Millionen des Reichswehretats illegal verwendet werden.(Er- regte Rufe rechts: Landesverräter!) Deutsche Reichsbahnzüge werden schon auf russische Spurweite umgestellt(Heiterkeit), und Severing fordert Aufstellungen über die deutschen Industrie- bahn- und Schmalspurgleise— wozu s o n st?(Lebhafte Heiter- keit.) Wir klagen die Regierung an— das Wort hat der Ange- klagte(Heiterkeit), der Förderer der Geheimrüstungen. Zur Beantwortung der Interpellation nimmt das Dort Reichskanzler Hermann Müller: Trotz der letzten Ausführungen des Abg. Stoecker werde ich mir Mühe geben, die Interpellation ernst zu beantworden..(Zu- stimmung.) Ich habe zunächst folgendes zu erklären: Di» Denk- schrift des Rcichswehrministers über den Panzers chisfbau war ledig- lich als Gutachten zur Unterrichtung des Reichskabinetts per- faßt worden. Nach ihrer Zweckbestimmung sollte sie nicht veröfsent- licht werden.' Wie es möglich gewesen ist, daß ihr Wortlaut einer englischen Zeitschrift, zuging, wird vom O be r r ei ch s a n wa l t untersucht.(Ruf: Immer noch?1 Es ist selbst im Ausland weit- gehend anerkannt worden/ daß diese Denkschrift über d'e militärisch möglichen Ereignisse von vornherein jede militärische Angriffs- absrcht als für Deutschland verhängnisvoll darstellt,- Die Denlschrilt hat. an keiner Stelle sin« aggressive Einstellung der Reichsregierung erkennen lassen, die das in weitestgshen- deni Maße abgerüstete Deutschland gar nicht haben kann. lieber die Fragen des- Grenzschutzes und der Wahrung der Neutralität in Konflikten anderer Mächte sich gutachtlich zu (Heitere Zustimmung) Wir all« warten aus den span Moment, in dem sich der letzte Kommunist selbst aus der Pari Wenn Stoecker über die angebliche Empörung der fozialdemo- kratifchen Arbeiter und über das' politische Hochwasser in unserer Partei spricht, so kau» man in bezog auf die Kommunistische Partei allerdings nur von politischer Ebbe reden. kirnenden irtri ausschließt. Bei dem ungeheuren Selbstvertrauen, mit dem Herr Stoecker hier ausgetreten ist: habe ich mir gefragt, wie würde Stoecker erst dastehen, wen» die Kommunistisch« Partei noch so viel Mitglieder hätte, als die Sozialdemokratische Partei seit ihrem vorigen Partei- tag gewonnen hat!(Sehr gut!) �Die Interpellation behauptet, der Reichskanzler hätte"...... dadurch folidari eingegangen sei. Ich habe schon gehört, antwortung für ein Manuskript übernimmt, indem er es veröfsent- licht, ober von der liebernahm« einer Verantwortung durch Nicht- Veröffentlichung hat man noch nie gehört. Ich glaube, wenn diese» Dokument vom Auswärtigen Amt geprüft worden wäre, so würde so etwa» wie die Sriegsgesahr zwischen Italien und der Tschechoslowakei nicht darin stehen. (Hesterkett.) Auch in der Denkschrift lassen sich durchschlagende Gründe für den Bau des Panzerkreuzers A nicht finden. Dorm hat sich die Stellung meiner Fraktion nicht geändert. Geheime Denkschristen zu machen, ist ein deutsches Laster: in neun Zehntel der Fälle ficht in bissen ganz gcheimen und vertraulichen Denkschriften nur, was vor- her in den Zeitungen gestanden hat, und in einem Zehntel der Fälle kommt der Inhalt erst später m die Zeitung. So auch bei dieser Denkschrift. Der Vertrag von. Versailles gestattet uns den Ersatzbau von sechs Panzerschiffen ä 10 000 Tonnen. Der alte Reichstag, wie auch dieses Haus, haben gegen die Stimmen der Sozialdemokraten den Bau eines solchen Schiffes beschlossen. Ob die anderen Panzerschisse gebaut werden, steht noch dahin, Opposition dagegen ist im deutschen Volk sehr st die ork. Welche von beiden Richtungen siegen wird, hängt nicht allein von der Entwicklung im Land« ob, sondern auch von der im Ausland. Gerade in diesem Augenblick erleben'wir» welche gewaltige Auf- regung durch die Veröffentlichung eines angeblichen französisch- belgischen Militärabkommens in der gangen Welt entstanden ist. Es ist uns nicht möglich, zu untersuchen, od dieses Dokument echt ist. Unbestritten ist dl« Taffach«, daß . trotz Cocarno und Kellogg-Pak« Europa von einem Netz von AUlitärabkommea überdeckt ist. Es muß der Friedensbewegung uick» den Sozialisten aller Länder gelingen, dieses Netz zu zerreißen. Wir Sozialisten haben das Recht, zu sagen» daß feöes geheime Militärabkommen den Welt- frieden bedroht, und daß es ein Verbrechen ist. einem Volk Verpflichtungen aufzuerlegen, die es nicht kennt.(Ltbh. ZustiinNuiug bei den Sozialdemokraten.) Die Denkschrift ist nicht �wff den Fall eines deuffch-russischen Konflikts, sondern— beinahe möchte ich jagen, im Gegenteil— aus die Annahm« eines möglichen pol n kfch e n-Anariffs gegen Deutsch- land ausg�ut. Leider.spult, der. Schreckgedonie eines solchen pol- s)! ivkv M»*1*•-» Sah«4/4*(S ö M fisr».. I-tViir. istschen Angriff » ÄäpiäjK, jrSßiii�abett teiligen wolle. Hiervon und von irgendwelchen Äusrüistnrasäbstch- t«n kann überhaupt nicht die Red« sein.(Lochen dar! Komm.) Denn bei dem Bau de» Panzerichiffe« A handelt es sich> nur um einen Ersatz bau. Wenn der für die Wehrmacht verant- wortliche Minister in einer solchen Denkschrift sich mit dem Fall de? Notwehr beschäftigt, so kann das nur als sichere Gewähr für fein Verantwortungsgefühl und den FriedenSwil- len auch der berufenen militärischen Führer Deutschlands angesehen werden(Ruf bei den Komm.: Künstler, was sagste nun?) Der Abo. Stoecker hat versucht, es so darzustellen, als ob diese Denk- schrift die Rüstungen gegen Rußland verschleiere. Ich stell« fest, daß Rußland auch in der D-nkschritt nur Im Zu. sammenhang mit der Wahrung d»r deutschen Neutralität genannt ist.. und nur mit einem Zitat aus der englischen Vress«. Es wird also zwe'fello» dem Abg. Stoecker nicht gelingen, die guten Beziehungen zw'schen der deutschen Regierung und der Howiewnion zu tri-ben. lSebr gut! links.) Ich stelle fest, daß Kalinin, der Präsident der Somiswnion. beim Empfang de» deutschen Boffchasters kürzlich ausdritcklich erklärt bot. daß die Beziehungen der Sowietunwn und der Deutschen Republik übe'-aus friedlich und f r« u nd s-b a f t- lich seien. So urteilen a'io die verantwortlichin Männer der russischen Rechenmg. Ich glaube auch, wenn man in Mo*'au höri. daß Der Abg. Sto-cker meint, es würden bei uns FeDbnhn» gleise gelegt zum Anschluß an Rußland und unsere Eisenbahnen entlyrechend für den Anschluß ausgerüstet, so wird man da» wahr- haftig auch in Rußland nicht ernst nebmsn.'Lebhafte Zustimmung) Der Abg Stoecker Hot zum Schluß«ine Reih» von Fragen an mich gerichtet, die sich auf den Wehretat begehen. Wir wer. den uns sa mit dem Wehretat noch zu b«schSsttg»n haben. Ich mö-t't- nur. um kein fall�es Bild entstehen«i lallen, rins feVellen. Sein siinweis auf das Gebeimm» derverstecktsnMillionen im Wehr» tat ist durchaus unrichtig. Es ist schon wie- er» h*ll*!»r festoestellt worden, baß allein WO Millionen von dielen 700 MiM-men zwanaeläuflg lind. Der Berglffch mst Polen trilst nicht tu. w«l Polen die allgemeine Wehrpflicht hat. Fest siebt auch, daß der denksch« Wefiretaf NN? z« Aroe. de, qelamken Stak» ausmacht, während d— src-n'csillche«tat 30 Proz, und der pol. ulsche 33 Proz. beträgt. Auch hier sinb Dergselch» nicht ohne weltere« gegeben, well bei uns noch die Ueberwellungen an Länder und Gemeinden in Veimcht kommen. Ich stell» nur noch fest.. daß in der Rede de, Abg. Stoecker zu dem Panzerschiff A da» Wort„Van-srichiii" überhaupt nickt vorgekommen ist.(Große Heitertest und ledhofter Beifall links.) Abg. Stampfer(Goz.l: In begug auf die Behauptungen Stoeckers gibt es zwei Lager: die einen müssen alle» glauben, weil sie fönst au- ihrer Partei hin- ausgeworfen werden, und die anderen, die über derartige Behaup- tun-zen einfach lacken.(Sehr richtig!) Die Kommunistische Fraktion Hot früher über das Verhältnis Deuffchlands zu Rußland und der Reichswehr zur Roten Armee ander« gedackt, als heut« Am 2S. Ro. vember lSSH hat das ganz« Haus mit großem Interesse der greisen Kommunistin Klara Zetkin zugehört, die zu einem Bündnis Deuffchlaick-Rußland aufgerufen und hmzugefuat hat:„Ich olaube sogar, im Gegensatz zum Abg. Wels, daß es mm so aussichtslos ist, wie er stch vorstellt, daß u. U. em Zusammenwirken zwischen der Reichswehr und den Rotarmisten er- folgt."(Hört! hört!) Dielleicht soll die vom Abg. Stoecker behauptet« Umstellung deutscher Eisenbahnzüge aus die russischen Gleise dazu dienen, daß die Reichswehr desto bequemer zur Roten Armee kommt(Heitertest), nische Bourgeoisie sei die ins wehrminister«inen Dienst WWWWZt' den dieser sich wohl noch « Polch'Reichs- __._____..__.«»lesim. fi., bedanken wird.(Zuruf rechts: S e y d o U x!) Den Hetzartikel dies« französischen Politikers verurteilen wir und unser« französischen Go. nossen auf das entschiedenste.. Leider bin ich in der wenig erfreulichen Loge, mich auch. noch mst dem innerpolitischenManöver beschäftigen zu müssen, zu dem eine Partei dieses Hauses die Deröffentlichurig der Denk- schritt mißbraucht...... Kaum. war dl« Denkschrift tu der.„Review. os Reviews" ver-.. ösfentlicht. ging in der deuffchnatipnolea Presse ein Kesseltreiben lo» gegen die Sozialdemokralische Partei, die ohne Schalten eine» seweise». ohne den allergeringste« Anhaltspunkt be. schuldigt wurd«. die venkschrisi dem englischen Publizisten wickham Steed übermittelt zu haben. (Wütend« Geschrei rechts.) Di« Situation begann sehr bald für die deuffchnatibnale Press« ungemütlich zu werden, denn sie hatte für ihr« Verleumdungen auch nicht die Spur eine» Beweises. Da aber erschien, wie man alaubte, der Re.tter. Er nahm seinen Weg nicht etwa zum Reichsanwalt, sondern bezeichnenderweise zur deutsch. nationalen Reichslagssraktion~ wohl deshalb, weil er gehofft, hat. daß man seine„Aufzeichnungen" zwar bei einer Behörde vorsichtig und unparteiisch prüfen, aber bei der Deuffchnaffonaeln Partei gierig aufnehmen würde. Darin hat sich der geheime Retter nicht getäuscht. Di« Deutschnationale Partei hat sein„Dokument" in Empfang genommen und an den Reichsanwall wellergegeben. Darin wind behauptet, daß vor einiger Zeit in der Redaktion des„Vorwärts" eine geheime Sitzung getagt hätte, an der u. a. Otto Wels, ich und eine gewisse Frau Antonina Vallentin. eine aus- ländische Journalistin, teilgenommen hätten. Di« Frau Dallentin hätte dabei zugegeben, das Dokument nach England geschickt zu haben. Auf diese Behauptung hat man zahlreiche Vernehmungen vorgenommen, wobei sich herausgestellt hat, daß das alles U n« sinn und Schwindel ist Wieder einmal sind die Behörden gründlich hineingelegt und auf ein« falsche Spur gebracht worden, durch die Deuffchnationale Partei. Wenn es die deuffchnaffonale Parteiaaitation erfordert, lverden sogar— siehe Magdeburg— falsche Mörder fabriziert!(Sehr gut! links, Geschrei rechts.) Diese Lüge und diesen Schwindel hat der Abgeordnele von Liudeiuer-wildau, der zu melaem De-' dauern gerade für die heulige Sitzung Urlaub genommen hat (Hört, hört! links), dem Reichsanwall opportiert.. Manchen von uns hat das sehr gewundert, denn sie waren bisher der Meinung die politisch« Inklligenz des Herrn von Li-nd«in«r-Wildau reiche dazu aus. den Kampf gegen politische Gegner auch mst anständigen Mitteln zu führen.(Sehr gut! links, Gebrüll rechts.) Diese ganze Sitzung war erstunken und erlogen, sie ist gar nicht gewesen. Die Frau Vallentin kennen wir kaum. Aber sollte sie nicht viellelcht Herrn von Lindeiner-Wildau besser bekannt sein? Gest dem Herbst vorigen Jahres besteht hier ein gewiß ganz nützliches Komitee für International« Aussprache, Mitglied ist auch Herr von Lindeiner» Wildau und geschäftsfiihrendes Mitglied— Frau A n t o n i n a Vallentin!(Große Bewegung und stürmisches Hört, hört!) Hätte Herr von Lindeiner-Wstdau die Loyalität gezeigt, die man von ihm beinah« erwartet hätte, dann hätte er sich über den Stand der Dinge erkundigen können, bevor er ein« falsch« Denunziation weiter-. leitet. Er hat diese Erkundigungen unterlassen— warum? weil in Ihrer Partei die Aera Hugenberg ausgebrochen ist. die! die Verleumdung zum Handwerk gemacht hat. (Stürmische Zustimmung links und in der Mite. Zuruf rechts: Unser« schämt« Patron!— Präsident Lobe rügt den Angriff des Redners auf«in Mitglied des Hauses und erteill ihm einen Ordnungs- lui.) Mitglieder dieses Haus« sind von einem. anderen Mitglied in falschen Verdacht gebracht worden, da gehörte es sich, nachdem man sich davon überzeugt hat. sich zu entschuldige». Diese„Entschuldigung". bestand in der Erkläruno des deutjck-natio- naleN Fraktionsoorstardes, da er ein« Untersuchung nicht fuhren könne, habe er die'Auszeichnungen deni Oberreichsanwalt übermittelt, ohne eine eigene Stellungnahme, und dieses sei um so selbstverstönd- licher gewesen, als' der Verdacht, daß„f o z i al d e m o k r a t l f ch e Kreise mit dem Verrat der Denkschrisk zu tun haben, nach dem offenen Ve.ken-ntnis eines Teils dieser Partei zum Landes- verrat"durchcmp b e g r ü nd et ist".(Stürmische» Hört, hört!- links .und Pfui-Rufe links.uiäUk der Mitt«, Gegenrufe rechts, darunter: ',Mosseyramps"'bnd'/.Wir hal�n Erfcchrmigen".).- ■ Dle�BeschllldiguNg ist vollständig zusammengebrochen, und nun wollen Sie den Zusammenbruch durch Heranziehung irgendwelcher Aeußerungen in irgendeiner Zeitschrist bemänteln.'■ . Ml Ihnen werdep wir über den Vegrlsf des Landesverrats nicht röchkenl ni!» risttt.lljgrtet,. dt� es serfig aebpacht hat. einen. Friedrich Eberi als LändÄverrater nledebzuhetzen.! irmische Zustimmung linkz.) Es.D.JHre Schuld, daß der frühe« feststehende Begriff des Landesverrats ins Wanken geraten ist. früher gast bei jedermann als sine schimpfliche Tat das, was unter andesverrat verstanden wurde, nämlich daß sin Mensch gegen Geld Geheimnisse des eigenen Vaterlandes den Gegnern«rkauft. (Ruf rechts: Nicht bloß gegen Geld!). Als die konservative Presse seinerzeit log, wie sie so oft gelogen hat. daß August Bebel nicht wegen Hochverrats, sondern wegen L and e»ve rr a ts auf Festung gewesen sei, da verwahrte sich August Bebel gegen diese Fälschung des Tatbestandes auf das allerleidenschaftlichste. Weil der Begriff des Landesverrats in schamloser Weise zu politischen Zwecken gebraucht worden ist, um Taten politischer Gegner, Ine aus politischem Idealismus, vielleicht aus irregeleitetem, begangen wor- den sind, ist der Begriff ins Schwanken geraten. Wenn man solche pplstische Idealisten auf eine Stüse stellt mst Lumpen, die. für Geld ihr Land verraten, kann man sich nicht wundern, daß der Begriff des Landazverräts nicht mehr die einheitliche sättlichc Beurteilung erfährt. W.r deutschen Sozialdemokraten find nicht, gewöhnt, Schleichwege zu gehen.(Geschrei recht».). Vielleicht wundert Sie das, aber wir. sind gewöhnt. Zu unseren Taten zu stehen. Wen« lyjr es für nolwenbig hallen, etwas auszusprechen oder zu veröffentlichen, tun wir es. Aber wir begeben uns ir.ch: auf Schleichwegen nach England und verstecken uns nicht kfnter Herrn W. St'eed.(Zuruf rechts: Hochwasser!) Da» politische Hoch- Holland in Not. Wilhelm: ,(N ist doch nicht etwa auf MICH abgesehen?� wasser wird bald genug Sie erreichen, die Sie Mitglieder de» aleichen Hauses verdächtigen.(Zuruf rechts� Leoi und Genosse» I) Was wir auf unserem Parteitag zu besprechen haben, werden wir dort besprechen und nicht mit Ihnen!(Sehr gut! bei den'Soz.— Andauernde erregte Zurufe des Abg. Grasen Westarp.) Deutschnationale Blätter wie die.Deutsche Zeitung", der .Fränkische Kurier" usw. haben in den lehlen Tagen erst den politischen Mord, die Ermordung Kurt Eisners, verherrlicht: ich frage Sie, Graf Westarp, was würden Sie sagen, wenn wir deshalb alle Deutschnationalen für verdächtig erklären würden, ihre po'itischen Gegner durch Schüsse aus dem Busch zu erledigen? (Graf Westarp schweigt zunächst und antwortet auf nochmalige Frage: Ich würde sagen, das ist unwahr, denn wir sind immer von solchen Taten abgerückt!— Selch. Zurufe links, andauernde Bewe- gung.) All diese Zitierkünste wirken zum großen Teil h u m o r i- stisch, Herr Stoecker bewies durch Zitate, daß die Sozialdemo- kratie einen neuen Befreiungskrieg nicht mehr erwarten könne, und die Deutfchnotionalen wollen durch Zitate aus der Zeitschrift Klassenkampf" beweisen, daß wir Landesverräter seien. Das alles berührt uns nicht. Was die Sozialdemokra- tische Partei tut, das steht nicht in irgendeiner Zeitschrift, noch wemger in irgendeinem Zitat, das steht in den Büchern der beut- schen Geschichte, und wer da richtig lesen kann, der weiß, daß dieser deutsche Staat und diese deutsche Republik nicht wären ohne die enorme Leistung der Arbeiterklasse, daß Deutschland nicht wieder ausgebaut worden wäre ohne die tätige Mitwirkung der deutschen Sozialdemokratie. Die Sozial- demokratische Partei Deutschlands ist die einzige Partei dieses Hauses, die so groß geworden ist, daß sie an sich selber.nicht denken kann, ohne an das ganze Volk zu denken. (Stürmische Zustimmung links, wütendes Geschrei rechts.) Wir haben das Recht und die Pflicht, in dieser Stunde zu sagen: das deutsche Volk, das am 20. Mai 1928 diesen Reichstag gewählt hat und dem mit elendem Gezänk nicht gedient ist, will, daß der Reichs- tag den Weg zurückfinde zu ernster Beratung und zu sachlicher Arbeit.(Stürmischer, anhaltender Beifall bei den Soz.) Abg. v. Lellow-Dorbeck(Dnat.): An der Ostgrenze stehen fünf polnische Armeekorps, wir haben dort nur ein Infanterie« und zwei f Der Landtag setzte am Dienstag die zweite Lesung des Wohl- fahrtsewts beim Kapitel Gesundheitswesen fort. Abg. Frau Christmana(Soz.): Mit moralischen Beschwörungen werden Sie den Geburten- rückgang nicht aufhalten. Der Geburtenrückgang ist am stärksten in den Kreisen der Akademiker und der Besitzende»! die Geburtenziffer ist relativ noch am höchsten bei Angestellten und Arbestern. Leider ergibt dieselbe Statistik des Dr. Julian Marcufe auch, daß die relative Slerbllchkeil bei den Arbeiterkindern doppell so hoch ist. wie bei den Sindern der Besitzenden. (Hört, hört! bei den Soz.) Reben dem Geburtenrückgang steht die Zunahme der Frühsterblichkeit, insbesondere die wachsende Zahl der Sterbesälle am ersten Lebenstage. Diese Erscheinungen führen in erster Reihe zurück auf die zunehmende Erwerbstätig- teit der Frau und auf die ungenügenden Schutz- b e st i m m u n g e n für schwangere Arbeiterinnen, Reben den allgemeinen Sterblichkeitsziffcrn der Säuglings ist zu beachten, daß die unehelichen Kinder eine doppelt so hohe Sterblichkeit haben'wie die ehelichen. Nicht weil sie eine schlechtere Erbmasse darstellen, wie jüngst hier ein volksparteilicher Arzt gemeint hat, sondern weil die Aufzuchtbedingungen der unehelichen Kinder besonders ungünstig sind. Der preußische Wohlsahrtsminister sollte seinen ganzen Einfluß im Reich dafür ein- setzen, daß die Ausmchmegesetzgebung gegen das uneheliche Kind fällt. Im Anschluß an jüngste Meldungen aus Neukölln über G e- fchlechtskrankheiten der Schul nzädchen haben die Rechtszeitungcn die Neuköllner Stadtverwaltung angerissen. Als Gegenbeispiel veriveise ich aus die Mit eilungcn von Dr. Harnifen, wonach in einem Lyzeum in einer mitteldeutschen Stadt etwa 7V P r oz. a l l e.r Schülerinnen über 14IahrcGcschlechtsverkehrgehabt hatten und 45 Proz. dieser Mädchen geschlechtskrank waren.(Hört, hört! bei den Soz.) Rechtzeitige hygienische Aufklärung in der Schule erscheint hier als das wirksamste Vorbeugungsmittel. Der Minister und die bürgerlichen Redner haben sich auch in der diesjährigen Etatdebatte auf die Beibehaltung des Z 218 versteift. Der Minister hat insbesondere warnend auf die hohe Zahl von Erkrankungen und Todesfällen an Kindbetrfieber hingewiesen. Aber soweit diese hier in Betracht kommen, sind sie doch nur die Folge unfachmännischer und unhygienischer Eingriffe. Unter der Leitung eines Facharztes wären die Abtreibungen wahrscheinlich weniger gefährlich als allzu zahlreiche Geburten. Im übrigen schreckt der§ 218 nichk eine einzige Frau; denn die biktere Rot zwingt sie z» dem verbokenen Eingriff. Es steht fest, daß jährlich eine Million Abtreibungen vorgenommen werden, daß dabei mit 50 000 Todesfällen zu rechnen ist und daß etwa 5000 Fälle vor die Gerichte kommen, zu gg Proz. miaderbemiltelte Frauen. Da erscheint uns denn doch als der ärgere Mord als die Abtreibung Kinde? in die Welt zu setzen, die keine Lebensmöglichkeit haben, die verdammt sind, ein Leben des Elends zu führen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir beschränken uns für heute auf diese wenigen An- regungen, wünschen sie aber mit aller Energie durchgeführt.(Bravo!) Abg. Dr. Bundt(Dnat.): Wenn wir nickst mit allen Mitteln Land und Landwirtschast fördern, sind wir ein sterbendes Volk. Wir sind gegen den Fürsorgestaat. Die Stärkung der Sittlichkeit ist letzten Endes doch die einzig wirksame Fürsorge. Wohlfahrtsminister Dr. hirlsieser schließt die Debatte über das Kapitel Gesundheitsfürsorge mit einigen polemischen Bemerkungen. Die meisten von ihm geforderten Maß- nahmen könnten nur das Reichsarbeitsministerium und das Reichs- Reiterregimenter. Die Denkschrift enthält nicht ein« Kriegsabsicht. ober wertvolles Materiol für den Gegner, deshalb ist ihre Aus- lieferung Landesverrat Da ist es Pflicht jedes vaterlandsliebenden Mannes(Rus von den Soz.: zu verleumden!), Verdächtigungen, d» ihm zu Ohren kommen, an die zuständige Stelle westerzuleiten. Es ist unerhört, wenn das Ball des Vorredners das als Schurkenstreich bezeichnet. Die Sozialdemokraten wollen die Reichswehr unter parteipolitischen Einfluß bringen gegen den Staat. Levis Broschüre„Wehrmacht und Sozialdemokratie" sagt offen, es gäbe für den deutschen Arbeiter kein Baterland, sie verlangt den Landesverrat. Ist der Reichskanzler zur Bekämpfung derartiger Tendenzen bereit? Eine Gewährung des Gastrechts für T r o tz k> darf nicht einmal erörtert werden, wir wollen nicht in den Bolsche- wismus hineinschlittern. Wir brauchen eine zuverlässig« Wehrmacht nach außen, noch mehr vielleicht nach innen.(Ahal-Ruf« links.) Abg. Brüninahous(DBp.): In Polen spricht man offen vom Krieg gegen Deutschland. Es war die Pflicht des Wehrministers, zu prüfen, wie diese Gefahr abzuwenden:st. Abg. Stampfer er- kennt selbst an, daß die Frage, ob weitere Panzerkreuzer gebaut werden sollen, davon abhängig ist, ob die�anderen abrüsten. Das tun die anderen nicht, also muß Herr Stampfer für den Bau weiterer Kreuzer eintreten. Wir wollen den Wehrwillen aufrecht erhalten.(Beikall rechts.) Reichsfanzler Hermann Müller: Auf die Frage des Abg. v. Lettow-Borbeck verweise ich auf die Regierungserklärung vom Juli vorigen Jahres, in der die Regie- rung, die von der Wehrmacht verlangt, daß sie eine treue, zuver- lässige Stütze der Republik sei, dafür zu sorgen erklärt, daß die Wehrmacht im Rahmen der bestehenden Verträge und der finan- ziellen Kräfte mit allem Notwendigen ausgestattet werde. Eine grundsätzliche Ablehnung des Wehretats kann sich also mit der Aussassung der Regierung nicht oertragen. Nach einer Rede des Abg. Ritter v. Epp(Nat.-Soz.) und einem Schlußwort des Abg. Sloecker(Komm.) ist die Besprechung erledigt. Ueber Mißtrauensanträge der Kommunisten und der National- sozialisten wird am Mittwoch abgestimmt. Gegen 6 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch 3 Uhr: Rheinbrückenfrage, klein« Vorlagen. Reichsregierung und Siahlhetm. Srllämngen SeveringS im Hauptausschoß.- Streichungen im Nachtragseiat. Reichsinnemninister S« o« ring führt« km Hauptausschuß iit Antwort auf eine' große Zahl an ihn gestellter Anfragen u. a, folgendes aus: Die Regelung der Titel, und Ordensfrag«» häng« nicht allein von der Regierung ab; nachdem der Staatsgerichtshof ge- sprachen habe, bedürfe es zu dieser Angelegenheil einer qualifizierten Mehrheit des Reichstages. Das Ministerpenslons» g e s e tz liege im Kabinett. Er schlage vor. dieses Ministerpensions- gesetz auch noch einige Wochen„auf Eis" zu legen. Was die Zugehörigkest zu den Haßverbänden betreffe, so habe der Abgeordnete Maroth gemeint, er habe bei seiner Aussprache bei Kroll nur den Stahlhelm im Auge gehabt. Das sei nicht richtig, und das wäre eine sehr einseitige Behandlung der Frage gewesen. Er stimme durchaus den Ausführungen zu, daß der Rotfrontkämpferbund genau so einzuschätzen sei wie der Stahlhelm nach den Ausführungen seines branden- burgischen Führers Morosowitz. Wahrscheinlich werde man ja heute noch erfahren, und zwar authentisch von den beiden Führern, wie der Stahlhelm sich zum Staat, zu seinen ver- fassungsmäßigen Einrichtungen und zur Der- fassung selbst einstellt. Danach werde sich auch die Siel- lung der Reichsreglerung richten. Für den Staat und für das Reich würde es nicht nur ein« Selbstverleugnung, sondern geradezu Selbstmord bedeuten, wenn man zulassen wollte, daß der de? Verfassung geleistete Treueid gegenüber dem Eide den die Beamten als Soldaten früher auch den«instigen Monarchen geleistet hätte», in den Hintergrund geschoben werde. Der Jubiläumsartikel der Stahlhelmzeitung laste erkennen, daß diesem Soldateneid der Vor- rang gegeben werden solle. Die Regierung sei entschlossen, gegen Erklärungen aufzutreten, aus denen hervorginge, daß man bestrebt sei. dem Staat von heute, der Derfastung von heute und dem Parla- mentarismus das Genick umzudrehen. Eine Regierung, dl« es ernst mit ihrer Pflicht nimmt, könne es nicht dulden, daß Beamte, die ihren Treueid auf die ver- sastung nicht ernst nehmen, im Dienst verbleiben. Das Gleiche gell« bezüglich des Rotfrontkämpferbundes, Darüber habe er nie einen Zweifel aufkommen lasten. Daß Männer, die zum Kampfe gegen die Derfastung rüsten, als Beamte nicht in Betracht kommen, und daß solche Beamte nicht mehr in ihren Stellungen verbleiben können, sollte doch für alle Parteien selbstverständlich sein. Den gleichen Weg sei er unbekümmert um alle Drohungen von rechts und links in Preußen gegangen. Von zweierlei Maß könne keine Rede sein. Die Reichsregierung ist vcr- pflichtet, die Verfassung zu schützen und aufrechtzuerhalten. Sie kann und will unter ihrem Beamtenkörper nicht solche dulden, die bestrebt sind, dieser Verfassung den Garaus zu machen. » Der Ausschuß stellt« die Porousbewilligung von Mitteln für Zwecke der Weltausstellung in Barcelona zurück und strich die Dicnstaufwandsentschädigungcn und Ministerialzulagen für 1929. Oer Llniformkoller. Rotfront überfällt Stahlhelm. Hamburg, 26. Februar. Wie das„Hamburger Fremdenblatt" aus Lübeck meldet, wurden dort am Sonntag drei Jung stahlhelmer von etwa 20 bis 30 Rotfrontkämpfern grundlos überfallen und schwer mißhandelt. Einer der Ilebersallenen wurde erheblich ver- letzt._ Also sprach Thälmann. Bebel hat den Weltkrieg gemacht! „Der Zentrist Bebel hat den Ausbruch des Welt-' krieges auf dem Gewissen." Also sprach Thälmann aus dem Bezirksparleitag Westsachsen der KPD. am 16. Februar 1929. Endlich hat Teddy Thälmann die letzten sozialdemokratischen Eierschalen abgestreist. Voll Freude werden seine Moskauer Herren sagen: Seht unseren Teddy, haben wir ihn nicht glänzend ab- gerichtet! Da steht er frank und frei und sagt sein Sprüchlein, ja wie wir es ihm gelehrt haben:„Der Zentrist Bebel hat den Aua- bruch des Wellkrieges aus dem Gewisten." Einsach, klar und rund — ein glänzender Satz, der echte garantiert sozialistenreine Bolsche- wismus! Nächstens lasten wir ihn sagen:„Karl Marx ist der Erfinder des Kapitalismus, er ist schuld an diesem verruchten Cyste m." Gebt acht, Papagei Teddy sagt das ebenso unbeschwert, denn er ist ja nun Gottseidonk— bolschcwisicrt. (Gewerkschaftliches stehe 2. Beilage.) Bcrantwortlich für Politik: Dr. Cart Anxtt Wirtschaft: 9. ftltaacUäfct; Stwertschoslsbeweouno:{ftttbr, ttfclotn: iteuilleton: Dr. Zohll Schtr«w«ri! Lotalco anb öonftiato: Sri»«atftäbt: änseioen. ld Slotft. lämliich in Berlin Berlag: Porwcirts-Vrrlag GmbH.. Berlin Druck: iiorwäris.Buchdrnckcrei uich Bctlonsonftalt Paul Sinn« u ffo Berlin£® HS Lindenitrak» S. Sitt-a Z Lci!a,«n anb.Uatrrhaltann nab Bifftn*. Sie husten so verdächiig. Achten Sie rechtzeitig aus alle Anzeichen, damit sich kein chronischer oder Bronchialkatarrhentwickelnkonn. Täglichmehrmals löTropfenvm den echten Reichels Hustentropfen, der wirksamen Hustenarznei Zu haben in Drogerien und Apotheke» Fl M.O 80undl 50. Echt nurmil.Marke Medico" und der Firma Otto. Reichel, Berlin SO, Eisenbahnstr. 4. Die Not der Arbeiterkinder. Erschütternde Darlegungen im preußischen Landtag. Ministerium des Innern durchsühren. Die im Vorfahr aus Antrag der Sozialdemokratie beschlossenen und bisher aus Geldmangel nicht angestellten sieben neuen Gewerbe-Medizinalassessoren würden jetzt berufen werden. Der Minister wendet sich dann dem nächsten Kapitel Wohl- f a h r t s p s l e g e zu. Die Mittel für die Kindererholungssürsorge seien um 50 Proz. gesteigert. Die Mittel für die Kinder- s p e i s u n g seien sehr knapp: vielleicht gebe das Reich endlich wieder etwas dazu. Die Schaffung hauptamtlicher Stellen für Bezirks- jugendpfleger und-Pflegerinnen komme nicht recht vorwärts. Bescheidene Forischritte seien in dem Bemühen gemacht, kinderreichen erholungsbedürftigen Müttern Erholungsmöglichkeiten zu verschaffen. Die Fürsorgeerziehung sei gegenwärtig die meistverleuindete Staatseinrichtung. Die große Mehrzahl der Für- sorgeerziehungsanstalten sei vorbildlich. Abg. Frau Kirschmann-Röhl(Soz.): In der sehr ausführlichen Berichterstattung des Herrn Ministers über das Fürsorgewesen bedauern wir die Kleinlichkeit und vennisten den großen Zug.(Sehr gut! bei den Soz.) DicAuseinond'er- setzung mit der Kritik am Fürsorgewesen ließ die notwendige Ruhe und Ueberlegenhcit oermissen. (Sehr wahr! links.) Das System der Fürsorgeerziehung ist nicht richtig, wie der Herr Minister sagt, sondern falsch, und dem System gilt unser Kampf. (Bravo! bei den Soz.) Zur Kennzeichnung dieses Systems nur die Tatsache, daß in der Provinz Hannover in fast sämtlichen Fürsorge- anstaltc» die zehnstündige Arbeitszeit gilt, Foribildungs- Unterricht Nicht eingerechnet, und daß in der Hälfte der Anstalten Schweigegebot gilt bei der Arbeit und sogar während des Essens.(Hört, hört!) Wir haben die Frage der Fürsorgeerziehung aus der agitatorischen Atmosphäre herauszuholen gesucht: wir sind bemüht, sachlich an der Besserung zu arbeiten. Aber wir müssen verlangen, daß sich der Minister uns dabei nicht in den Weg stellt. (Sehr gut! links.) Dst Ankündigungen des Ministers über den Ausbau der Kindererholungsfürsorge haben wir ebenso mit Freude begrüßt wie die bessere Fürsorge sllr berussschwache Jugendliche. Den Ausbau der Jugendämter zum besteren Schutz der Kinder bitten wir das Ministerium tatkräftig zu fördern. Wir wissen, daß das Wohlsahrtsministerium durchaus nicht die ganze Wohlfahrtspolitik ollein macht. Ziel der Wohlfahrtspolitik ist die Verhütung der Armut. Ziel der Wohlsahrlspslcg« die Be- kämpfung der Armut in jeder Erscheinungsform. Voraussetzung einer wirksamen Bekämpfung der Not ist die Hebung der Lage der ?lrbeitnehmer, ausreichender Verdienst, Regelung der Freizeit, Sicherung der Existenz, Ausbau der sozialen Gejetzgebuitzz, Ueber- Windung der Wohnungsnot. Wir haben uns damit abzustnden, daß wir Sozialdemokraten mit dieser umfassenden Anschauung ziemlich alleinsteyen und den Kampf mit anderen Weltanschauungen aus- tragen müssen. Aber etwas grundsätzlich Neues ist seit dem Krieg in der wohl- fahrlspflege, daß an ihr die Kreise mitarbeiten, die an ihr am unmittelbarsten interessiert sind. Wer morgen vielleicht zu den Befürsorgten gehört, ist heute Fürsorgehelser und Fürsorge- Helferin und umgekehrt. Den Kreis dieser Mitarbeiter der Wohlfahrtspflege aus!�em arbeitenden Volk zu erweitern, ist uns ein wichtiges Stück Staatspolitik, ist uns eine wichtige Voraussetzung für einen wirkungsvollen Kampf gegen die Armut.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Nach einigen weiteren Debattereden wird die Fortsetzung der Etaisberatung ans M i t t wo ch, den 27. Februar. 12 Uhr, ver- tagt. Um 2 Uhr sind die Abstimmungen zum Handelsetat. IDotro;. Die Zigarette der Zigaretten Haus Berg mann-Zigard-I�nfabrik-A-G-Orödcn-N 15 Indusfricgdände ??r. 97- 46. Jahrgang Mittwoch 27. Februar 1 929 Todesurteil gegen V-Zug-Mörder. (Starke geistige Oefekte des Täters Hopp festgestettt. Zm �ro;ch gegen den Maler hopp wegen Ermordung des Aabrtkdireklors Nordmaaa verurteiilea die Geschworenen inTZerden a. d. Aller den Angeklagten noch dem Antrage des Staatsanwalts wegen oorsahllcher und überlegter Tötung in Verbindung und Taleinheit mit schwerem Raub zum Tode. Nach dem Ergebnis der Bewsisausnohme stand eine Verurteilung Hopps aus Z 2l1 Str.-GB. soft außer Z weiset. Alle Zeugenaussagen, die Feststellungen des Lokaltermins und die Bekundungen der Sachverständigen ließen kaum ,«inen anderen Scl'luß.zu als den. daß hopp den �ireklor Nordmann oorsößlich und mit Niederlegung niederschoß, b??uubte und dann aus dein fahrenden Zuge warf. Nach dem Gutachten des Schießsachoerstän- digen Professor Brunning muß es sich um«inen Nahschuß gehandelt haben, die Pistole kann nach seiner Ansicht bei Lage der Dinge nicht von selber losgegangen sein. Auch die Destiin'-rungen des§ 51, nach dem eine strafbare Handlung nicht vorhanden ist, wenn der Täter zurzeit der Begehung sich in einem Zustande von Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistestätigkeit befand, durch den seine freie Willeirsbestimmung ausgefchlossen war, konnten auf den Angeklagten nach Ansicht des Gerichts keine Anwendung finden, hopp befand sich währsnd seiner Untersuchungshast zur Prüfung seines Geisteszustandes in der Heilanstalt Hildes heim. Ein Krankenpfleger bekundete als Zeug« die seltsame, geradezu kin- disch« Aeußerung des Mörders, er babe.-war einen Menschen um- gebracht, wolle es aber bestimint nicht wieder tun, und auch andere Anzeichen deuten auf starte geistige Defekt« hopps. Es besteht kein Zweifel, daß die preußische Regierung auch in diesem Falle, wenn eine Revision, wie anzunehmen ist, zu keiner Aendcrung des Urteils führen sollte, von ihrem B e g n a d i- oungsrccht Gebrauch machen und die Todesstrafe nicht voll- strecken lasten wird.. (Schwarzweißrote Schuljugend. W.e sie's in Pankow treibt' Zu der Bluttat in Pankow, bei der ein Primaner, ein junger Stahlhelmer, das Leben einbüßte, wird uns aus Pankow ge- schrieben: „Daß in Pankow kein Mensch den Mord beschönigt, sondern jeder ihn aufs schärfste oerurteilt, sei vorweg betont. Jetzt komme» die Heuchler von rechts und wollen die Preußenregicrung dafür ver- antwortlich machen. Jawohl, wenn sie ein Verschulden trifft, so ist es dies, daß sie nicht schon längst die Amtsstuben und die höheren Schulen von denen befreit hat, die ihr Amt mißbraucht haben, gegen den Staat zu Hetzen. Es ist in Pankow bekannt, daß d i e Pankower Oberrealschule eine Rekrutierungs- stätte für den Stahlhelm ist. höhere Schüler sind es. die sich durch Anpöbelungen Andersdenkender hervortun. Es sei nur daran erinnert, daß es im Sommer zu ständigen Reibereien auf den Ponkower Spielwiesen kam Sie gingen aus von denselben Kreisen, deren Jugend am Derfossungstage den friedlich dahinziehenden Demonstrationszug der republikanischen Parteien mit Pfeifen und Johlen empfing und durch die Polizei abgedrängt werden mußte. höhere Schüler waren es, die weibliche Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend wegen ihrer Abzeichen anpöbelten, so daß es kurz darauf zu größeren Zusammenstößen auf dem Marktplatz kam. Oesters bedarf es größerer Aktionen, den Bürgerpark von diesen Radaubrüdern zu reinigen. In Pankow wurde schon lang« gefragt, ob es nicht möglich ist, in solchen Schulen andere Erziehungsmethoden anzuwenden. Aber man kann in Pankow auch sonst die jkanda- losesten Provokationen erleben. Ein Beamter des Bezirksamts Pankow, Mitglied des Stahlhelms, durfte es wagen, in seinem Bureau zu jedermanns Ansicht auf dem Kalender den 9. N o- vember schwarz zu umranden und handschriftlich hinzuzu- setzen:„Das ist der Tag der Lumpen und Verbrecher." Es wird Zeit, daß die republikanischen Parteien auch des Verwal- tungsbezjirks Pankow sich dieser Dinge etwas mehr annehmen." * Der Mord an dem Oberprimaner K l e i e r gab der Abteilung l A des Polizeipräsidiums Veranlassung, gestern am Towrt einen Lokaltermin abzuhalten, um in Gegenwart der Verhafteten und der Zeugen die Borgänge zu rekonstruieren und festzulegen. Unterdessen hatte der Haupttäler Paul Schultz auch über den Verbleib der Waffe Auskunst gegeben. Er hatte sie noch der Tat mit nach Hause genommen und auf dem Boden versteckt. Dort wurde sie von den Beamten gesunden, ebenso die zugehörige Munition. Schultz Kaiser und Räber werden dem Untersuchung»- richter vorgeführt! Schultz als Täter, die beiden anderen unter dem dringenden Verdacht der Beihilfe. Oer große Luweleuraub aufgeklärt. Der Täter, ein Italiener, verhastet. Großes Aussehen erregten Ende November vorigen Jahres Diebstähle, die an zwei Tagen htvlereiuaader in dem Juweleuges ch ä f t voaf Artrdläoder. A« l e r den Linden, verübk wurden. � Der Täler, ein Jlasiener, wurde gestern tu Brüssel verhaftet. Am 27. November erschien ein Kunde unter dem Vorgeben, eine Platinuhr gegen«inen Vrillantring umtauschen zu wollen. Die Verhandlungen benutzte er, von einem Tablett einen wertvollen Brillantring herunterzunehmen und, ohne daß jemand es bemerkte, durch eine feine französische Imitation zu ersetzen. Am nächsten Tag« erschienen zwei Ausländer, um eine Nadel zu kaufen. Während der eine am Ladentisch Platz nahm, eine Nadel �»tfte. einen Tausendmarkschein in Zahlung gab und so die Ausmerksamteit der Verkäufer durch dos Wechsel» in Anspruch nahm, stand der andere mit dem Rücken gegen eine Vitrine gelehnt und stahl aus ihr heraus unbemertl ein ganzes Tablett mit Brillontringcn im Werte von 200 000 Mark. Man dachte zunächst cm einen Zusammenhang zwischen den beiden Dtabstählen, er hat jedoch, wie jetzt feststeht, nicht bestandetr. Während der zweite große Streich noch immer in Dunkel gehüllt ist. ist es durch die umfostende Zusammenarbeit der deutschen. sranzösischen und belgischen Kriminalpolizei gelungen, den ersten aufzuklären und den Täter hinter Schloß und Riegel zu bringen. Es ist ein 50 Jahre alier aus Florenz gebürtiger Antonio Mario Giunti,. der in Paris als Juwelendieb sehon bekannt war, in Berlin aber wohl sein erstes Debüt gegeben hatte. Nach der Abreise aus Berlin war Giunti eine Zeitlang ver- schwunden. Am 19. Februar tauchte er plötzlich in Amsterdam wieder auf und erbeutete hier einen Brillantring mit einem Stein von 8,70 Karat im Wert« von 25 000 Mark. Die Amsterdamer Kriminalpolizei, die, wie alle anderen Behörden, von Berlin aus trat Ausschreiben versehen worden war, erkannte bald, rast wem sie es zu tun hatte. Der Dieb war aber in Amsterdam nicht mehr zu finden. Am vergangenen Sonnabend ermittelte endlich die Brüsseler Kri- minalpoliz« den Verfolgten in einem eleganten Hotel und nahm ihn fest. Sprechchor für proletartch« Leier fl im den. UebungSftund« am Donnerstag, dem 38. Februar, abends 8 Uhr, im GeiangSsaal der Sophienschule, Dewmeistcrstr. ISst?. Kräder kommen um 7 Uhr. Die Schwere des Keuerwehrdienstes. Anerkennung für die harte Arbeit der lehten Zeit. In der Stadtverordvekenversammlung wird die sozialdemokratische Fraktion an den Magistrat das folgende Ersuchen richten: „Die großen Brände und gefährlichen Explo- {tonen der letzten Bochen haben den städtischen Feuerwehrleuten. auch infolge der großen Kälte, einen außerordentlich schwierigen Dienst gebracht. Bir ersuchen den Magistrat um Auskunft: 1. Bas ist geschehen, um den Beamten zu Helsen, die Schaden an ihrer Gesundheit bei diesem Dienst erlitten haben? 2. Ist er bereit. der Deputation für Feuerlöschwesen eine Summe zur Verfügung zu stellen, die genügt, eine besondere einmalige angemessene Entschädigung den Feuerwehrleuten zu zahlen, die an besonders gefährlichen Stellen Dienst tun mußten?" Selbstmord eines Bankiers. Im Bureau erschossen aufgefunden. Gestern nachmittag verübte der ISjährige Bankler und Makler Anton Geller in seinem Bankgeschäft Unter den Linden 16 Selbstmord durch Erschießen. Die Gründe, die Geller in den Tod getrieben haben, sind zu- nächst nicht seststellbar. Selbst seinen näheren Angehörigen ist die Verzweiflungstat unerklärlich. Der Bankier besitzt in der Amsel- strahe 16 in Dahlem eine größere Villa und lebte, wie in- zwischen festgestellt werden konnte, in sehr guten Verhältnissen. Auch die finanzielle Lage des Bankgeschäftes ließ nichts zu wünschen übrig.— Geller war um 5 Uhr allein in seinem Arbeitszimmer und gab einem Angestellten noch kurze Anweistingen. Knapp zehn Minuten später fiel in dem Zimmer ein Schuh. Als die Ange- stellten das Zimmer öffneten, fanden sie den Bankier mit durch- schossener Schläfe vor seinem Schreibtisch leblos auf. Der Hinzugerufens Ar.zt der nächsten Rettungsstelle konnte nur noch den Tod feststellen.— Auf dem Schreibtisch wurden zwei versiegelte Abschiedsbriese sowie ein großer Umschlag, der die Aufschrist „Testament" trug, gefunden. Ein Lahr Gefängnis für den völkischen Bankier Das Schöffengericht Ehariotlenburg verurteilte gestern nachmittag den Bankier Billi B r v h wegen Untreue in Verbindung mit Unterschlagung imd Betrug zu 1 Jahr Gefängnis. Die Strafe ist durch die Untersuchungshaft verbüßt. Als strafmildernd bezeichnete Lavdgerichtsdirektor Schmitz, daß am Ende der Inflation die deutsche Geschästsmoral denselben Tiefstand erreicht hatte wie die Mark.— Der Staatsanwalt hatte 1 Zahr 6 Monate Gefängnis beantragt. Oer Äagelfchmied von Ooorn.-- Im 11. Jahre der Republik finden sich immer noch Leut � die alauben. Mit allem möglichen Firlefanz den bestehenden S�lai zu bekämpfen. Man könnte darüber lachen, wenn unter diesen Herren nicht auch Beamte wären, die als Volksschullehrer be- rufen sind, die Jugend im Geiste der Verfassung zu erziehen. So hat vor einigen Tagen der deutschnationale Stadtverordnete und Lehrer Paul Schulze mt Neuköllner Auguste-Dikloria-Bund bei einer monarchistischen Ansprache einen Fahnemuigel mit Namens- zug und Widmung des getürmten Wilhelm überreicht,„was unter den Gästen helle Begeisterung auslöste". Wie mag Herr Schulze in der Schule für den heutigen Staat wirken, wie mag er den Kindern den großen Staatsgedanken der Republik beibringen? So fragt jeder Republikaner, der es ernst meint mit unserer Ju° gend, und er fragt weiter: Wäre es da nicht recht und billig, wenn die Republik diesem Bolksschullehrer Gelegenheit gäbe, seinen Be- 34] ■des Kowan citict KcvolulioH. Von GcrUarl Hetcmaun Mosiae Drunten nahmen die fünfzig Mann, die das Heer des Herzogtums Anhalt-Bernburg darstellten, in zwei Gliedern Aufstellung, Gewehr bei Fuß. Die Liberalität ihres Führers, Major Schumann, war auch in der Stadt bekannt. Di« Menge blieb still; viele Weiber hatten sich hinzugefunden, die ,hre noch von der Hausarbeit nassen Hände fortgesetzt an den groben Schürzen rieben. Eine Kalesche rollte heran: man glaubte anfangs, Trosegk wage sich selbst aus dem Schloß; aber es war nur die Frau des Kammerherrn von Kügelgen, die ahnungsvoll nach Ballenstedt oerschwand. Ziegler, der ebenfalls in der Menge stand, iah mit seinen blassen, ausdrucksloser Augen dem schwerfälligen Gefährt nach, das mit den herzoglichen Jnfignien geschmückt war. Dann wiederholte er hastig den ewigen Schlußpunkt seines schwachsinnigen Denkens:„Iawoll, jawoll, Revolutzjon muß find; awwer unsen Harzog missen mer beHalen." Höhnisches Gelächter wachte auf. Der Schmidt wandte sich verächtlich nach ihm um, trat dann ruWg aus dem Haufen heraus und schritt, noch immer den Hammer in der Hand, an der Reihe der Soldaten entlang auf das Tor zu. Die Leute standen still, fast stramm, als schrstte ein General die Front ab. �. Vor dem festverschlossenen Tor blieb der Schmted stehen und wandte sein breites, hartes, gewalttätiges Gesicht der Menge zu, alz wollte er reden. Plötzlich jedoch drehte er sich wieder um und schlug mit dem Hammer dröhnend, aber ruhig gegen das Hol;. Die Soldaten zuckten zusammen und sahen auf den Major Schumann. Der gab kein Kommando. Wieder schlug das Eisen. Nochmals. Da härte man aus der Stille die erregte Stimme Kniep- hackes:„Drei Johrl" rief er. Der Schmied schlug wider. „Bier Jahr!" zählte der Böttcher. Andere stimmten ein. Ruhig fielen die Schläge.„Fünwe— sechst— siemne— acht Jahre!" Kreischende Weiderstimmen jählings dazwischen:.jawoll — seit achz�znhunnertfuffzähti warten mer nu." Zweiter dröhnte das Holz. Wester zählte die Menge. „Siemzähn— achzähn— neinzähn— zwanzich Jahre!" „Alles han je uns dunnemals versprochen, die vons Schloß!"—„Un nifcht han je jehalen!" „Bierunzwanzich— finfunzwanzich— stchsanzwan- Sich-- r" „Neinundvierzich fchreiwen mer nu!"—„Zeblutt hon mer for je!"—„Raus mit Hecker-Calm!" „Einundreihich— zweeundreißich—" „Dreiundreißich!!" Der Schmied ließ den Hammer sinken und warf seinen schweren Körper wild herum„Dreiundreißich Jahre!"— „Dreiundreißich Jahre Knechtschaft!"—„Raus mit Hecker- Ealm!"—„Nieder mit Trostgken!!" Fünf— zehn— zwanzig Männer stürzten sich auf die breiten Torflügel los und warfen sich dagegen. Die gaben nicht nach. Die Zurufe der Menge feuerten an. Vergebens. Unter den Weibern stand die Frau des Böttchers Kniephacke zwischen ihren ehemaligen Gefährtinnen von der Zucker- fabrik: zerlumpte, zerlebte, zerlederte Arbeiterinnen. Luise Kniephacke war schwanger im siebenten Monat. Ihre hyste- risch gelle Stimme schrillte unaufhörlich unflätige Worte gegen die Soldaten— sie hörte sich fast selbst rncht im Lärm. Jählings warf sie ihren unförmigen Körper herum, lacht« wiehernd, kehrte dem Militär ihren entblößten Hintern zu. Die Arbeiterinnen taten ihr nach. Der Major Schumann verkniff die Lippen hinter dem gutmütigen Bart und sagte nichts. Junge Burschen hatten die Gartenmauer des Super- intendenten Walther überstiegen, brachten nun eine hohe Leiter. Das Volk, inzwischen auch um die Männer der Waldauer Zuckerfabrik vermehrt, begrüßte sie johlend. Die Leiter lag mit ihrer Spitze am First des zweistöckigen Ge- fängnisies. Ein paar Steine flogen gegen die Phantasie- uniformen der zitternden Soldaten. Plötzlich trat der Major vor die Front. Ein lautes Kommando—. Den Gefangenen droben schlug es fast nieder. Er stand in einer Ecke, blaß vor der weißen Wand, fem Bart fchütterte, fein Herz wartete ohne Schlag auf die Schüsse. Aber unten nur ein Klatschen wie von Gewehren auf betreßte Schultern, ein scharrendes Geräusch von sich formierenden Leibern, ab- klirrende Schritte, in jubelndem Johlen erstickt——— Das Militär zog ab!— Hecker-Calm, der jetzt unier feinen Glaubensgenossen als Atheist verschrien war, ertapple sich nach Minuten auf einem Dankgebet, als über seinem Kopf hastig wilde Schlage dröhnten. Mauerstaub fiel leise klatschend auf den Boden. Plötzlich stürzten Schieferplasten in die Zelle, trafen ihn fast. Licht brach jauchzend herein. Das rußverschmutzte, große Gesicht des Schmiedes Jllmer hing schwarz darin. Fast be- wußtlos griff Abraham Calm nach den Armen, die durch das Loch im Dach nach ihm tasteten. Der Schmied zog ihn heraus, schlitterte lachend mit feiner leichten, fiebernden Last über das Dach, trat auf die Leiter. Hundertstimmiges Rufen grüßte nach oben. Schnell schleppte ihn Jllmer die Leiter hinab. Drunten kam er gar nicht auf den Boden. Man hatte aus einem benachbarten Haufe eine Tür herausgerissen. Der Schmied setzte ihn darauf und sprang ab. Die Tür hob sich auf vier Schultern. Das Schreien verlosch. Hecker-Calm sah mit blinzelndem Blick um sich, hilflos. Es war ihm, als müsie er in jedes der tausend Augen, die ihn anstarrten, auf einmal sehen: als werde aus ihnen allen ein einziges, gewaltiges Sonnenaugenpaar, das ver- brennend vor feinem Gesicht hing. Er schloß die Augen, reckte sich dann jäh auf. Schrie blicklos in das jenseitige Augenpaar hinein, schrie in seinem sonderbaren, halb jüdi- schen und halb einheimischen Jargon die Parole:„Uffn Marcht! Runner uffn Marcht! De Republik wern mer aus- rufen!!" Er hörte, noch immer mit geschlossenen Augen, den Mund der Masse seine Worte zurückrufen, das zum Schrei hausweit aufgerissene Maul, das alles verschlingen konnte: „Uffn Marcht! De Republik! uffn Marcht..." Langgezogene, wimmernd stöhnende Schreie einer Fraucnstimmer gellten vor dem Ausspann. Sie gingen ünter im Lärm der Menge. Auch Kniephacke hörte sie nicht. Er stellte sich an die Spitze des scharrend sich bildenden Zuges. Drüben trug man den zuckenden Leib feines Weibes in den Ausspann hinein. Die Wehen waren ausgebrochen, zwei ftü,...., Süße Me Aus den Regionen des weißen Schnees, der, gerade frisch vom Himmel geschüttet, die Straßen füllt, geht's in das Schlaraffenland in sämtlichen Räumen des Zoo, in die Regionen des weißsn und bunten Zuckers. Allwo die Konditoren Berlins ihr« Früh- s a h r s m e s s e veranstalten. Es gibt fabelhafte Dinge sehen: alle Blumen sind au» Zucker. au, feinem, glasartigem, seidigem und mattem Karamel und von einer Zartheit, die das natürliche Modell fast erreicht. Kakteen, die groß« Mode, find aus demselben spröden Material, wie aus Glas geblasen und mit feinen Bonbonstacheln besetzt. Es gibt abenteüerlichs Formen von riesiger Größe unter ihnen, oben und von ollen Seiten sprießen die prächtigsten Blüten, smaragden, rosig und purpurn heraus und keinerlei Pflog« bedarf es. um sie am Blühen zu halten. Aus Schokoladenblöcken und Zucksrhiiten meißelt der Meister der süßen Kunst, der noch nicht viel« Jünger hat, sene geblasen. Kleinplastrken, mit denen man sonst aus Marmor oder Bronze das traute Heim schmückt. Di« Torten sind ornamental« Wunderwerk« und es scheint, daß man ihre Herstellung jetzt bester In der Reimann-Schule als in der Backstube erlernt. Besonderer An- ziehungspunkt dieser prächtigen und jedenfalls auch schmackhaften se im Zoo. Schau ist die Ausstellung der Konditorenfachschule B.?ambreä>t (Wolsenbüttel) und die Sondcrschau der Bäckermeister Berlin», dm unter dem Titel„Unser tägliches Brot" ein« Uebersicht aller Sorte» von Backwerk vom Alt-Berliner Kuchen bis zum närrischen Culenspiegelgebäck zeigt. Die beiden Faäiausstellungen find im Kaisersaal untergebracht.— Der Bollständigkeit wegen sei auch noch jene R i e s e n t o r t e von etwa zwei Metern im Durch- messer erwähnt, zu deren Herstellung das griechische Korinthen- syNdikat das Material geliefert hat. Die Torte�soll, nachdem sie genügend bewundert worden ist, unier Berliner Schulkinder verteilt werden. Auf mehr als 2V Tischen sind die verschiedenen Schaustücke aus-- gebaut. Während der Laie die Kunstwerke aus Zucker und�Marzipon bewundert, unterrichtei sich der Fachmann über den Stand der Maschinen- und Hilfsgeräteinbustrie, die ihm die Herstellung all der schönen Ding« ermöglicht. Die interesiante Ausstellung(Eingang Budapester Straß«) bleibt bis zum A. j�ebruar inklusive geöffnet. (Sin Zinnsolvaien-Panopiikum. Im.Europahaus" in der Königgräjzsr Straße hat sich«ine .Wanderausstellung für historische Zinnfiguren, Sitz Kiel", aufgetan.. Das Ist«ine kuriose Schau, die� säst gespenstisch anmutet, zewistcn Leuten jedoch eine Stund« heiliger Andacht bedeutet. Hier, kann man sehen, was das Herz des abgetakelten Militärs begehrt. Vom Hererofeldzrig über den langsam verjährten Skythenaujstand in Assyrien geht es zurück bis in den Teutoburger Wold. Dann, geht es zurück mitten hinein in die preußische Hohenzollerngeschichic. Neckisch ist ein.Paradebild unter Friedrich dem Großen"—, die ganze Garde ist aufmarschiert und Fr&ericus sitzt auf scinM Schimmel wie bei einer Großaufnahme und hält Musterung ob. Apart ist das„Deutschostafrikanische Wüstengesccht"— aber die. große Russenschlächterci von Tannenberg ist auch nicht übel. Nach dem Vorstoß auf Amiens kommt ein Schützengrabeittampf im Jahre 1918. Nachdem man plötzlich wieder in» Mittelalter,.Aztekensch!« cht gegen llortez", geraten ist, geht man, von leisem Schwindelgosühl ergriffen, hinaus ins Freie.— Seltsamer noch als dies« militärische Schau aber ist ihr Publikum. Potsdamer Militärchargen, kriegerische Oberlehrer und älllich« Frauen sind es. die mit diesem zrnnencn Kriegsgeschrei ihre Amazonenstelen erfrischen. Das Zinnloldatenjpiel haben sich die Kinder schon longsam abgewöhnt. Nur die schwarz- weißroten Pensionäre der Republik spielen noch mit Blei- und Zinn- sollmten, hoffnungslos und im Innersten resigniert... mf za«e'chsetn. damit. er Zeit findet, im? noch RSgel etu Same zu vertreiben? Das dürfte«ine köstliche Arbeit fein für den »Nagslfchmied vom Haufe Doorn". Krasser Kall von Mietwucher. 50 bis 1000/o Mietsaufschlag. i" Als wohl den krasiesten Fall von Mietswucher, der ihm in fainer langjährigen Praxis vorgekommen ist. bezeichnete der Sach. verständige Küster vom Wohnungsamt den Fall der Witwe A r a n k a B o r ch a r d t, gegen die gestern wegen Raumwuchers vor der Großen Strafkammer des Landgerichts III verhandell wurde. Die-Angeklagte, eine kinderlose, sehr vermögende Frau. «ine gebürtige Tschechin, besitzt das Haus Kant st r. 2 9. Nach Erlaß der sogenannten Lockerungsverordnung vom November 192«. nach welcher die Hausbesitzer für gewerbliche Räume höher« Mieten fordern können, hatte die Angeklagte sämtlichen Ladeninhabern gekündigt und ohne Rücksicht auf die Existenz der kleinen Ge- fchästsleute neue Mietsforderungcn gestellt, die eine Erhöhung der Mieten um 80 bis 100 Proz. darstellten. Obwohl sie der Hausverwalter, ein Regierungsrot, gewarnt hatte, blieb sie auf ihrer Forderung bestehen. Mehrere Ladenbesitzsr. die eine so enorm erhöhte Miete nicht zahlen konnten, mußten ihr Geschäft auf» geben. Der Etatsanwatt bedauerte, daß nur die Angeklagte gegen das gegen sie erkannte Urteil von 2000 Mark Geld straf» Berufung eingelegt hätte. Dieser Fall des Mietswuchers fei so ungeheuerlich, daß die Angeklagte eine weit höhere Strafe verdient hätte. Die Strafkammer war ebenfalls der Auffasiung, daß die er» kannte Strafe des Schöffengerichts keineswegs zu hoch war und ' verwarf die Berufung auf Kosten der Angeklagten. Oos Mädchen von La plata. Wie Heiratslustige geprellt werde» können. Ein schwindelhaftes Heiratsgsfuch, da» in manchen Einzelheiten an einen wohl noch unvergessenen Norfall erinnert, beschäftigt zurzeit die Berliner Kriminalpolizei. In einigen Zeitungen erschien kürzlich«in Ins«vat folgenden Inhaltes: Argentinierin(Mutter Deutfä,«), fchr reich, wünscht sich mit tadellosem Gentleman zu verheiraten. Geld Nebensache. An- geböte unter Amor, Vence Todo. Berfchieden« Bewerber, die nicht abgeneigt waren, der Südamerikanerin zu einem Ehemanns zu ver- helfen, meldeten sich und erhielten ein Antwortschreiben, da« mit„Jules Joseph de Jankowicz" unterzeichnet war. Der Schreiber '«rklärte, daß er bei der Zlrgentinicrin, die schon seit vielen Jahren Waise sei. Vaterstelle vertrete und sie auf ihren Reifen ständig de- gleite. Augenblicklich befindet er sich mit seinem Schützling tn Florenz, halle es aber für zweckmäßig, daß«in» Zusammenkunft in Deutschland stattfinde. Er schlage München als Treffpunkt vor. Den Charakter der Dame— sie sollte den wohltönenden Namen .Mercedes Figueira" führen— schilderte der„Beschützer" in glühenden Farben, wies auf ihr starkes und leidenschaftliches Tamperament hin und wußte ihr Aeußsrcs nicht genug zu loben. Naturlich sei sie von Bewerbern geradezu verfolgt, aber bisher fei nichts„Solides" dabei gewesen. Damit sie vor einer abermaligen Enttäuschung bewahrt bleibe, bitte der väterliche Freund den Be- werbet�. zjrx. Deckung d er Ne i s«t oste n 2ö0 M. ei n z u» senden. Ms ander» sÄ feine Sache. Töks Schlich haben auch mehrere Berliner Herren, die sich-für das Mädchen vom La Plata interessierten, die geforderte Summe eingesandt, natürlich aber nlckit« mehr von der schönen Mercedes oder �Herrn Jules" gehört. Nach Anzeigen, die bei der Kriminalpolizei eingegangen sind, hat Herr Jules auch in anderen Städten, z. D. in Hetlbronn, Inserat« vom Stapel gelassen. Seine Antworten kamen zuletzt aus Eomo, er scheint also auf dem Wege nach Deutschland zu s«tn. Um den Schwindel restlos zu klären, wäre es erwünscht, wenn sich all«, die auf das Inserat eingegangen sind, bei der Dienststelle v. s Im Polizeiprästdium meldeten. Volks- und Hausmusik. Einen Konzertabend von hohem künstlerischen Niveau ve» anstaltet« das Voltsbildungsamt Eharlottenburg mit der Aufführung des Haydnfchen Oratoriums ,D i« Jahres- g« i t e n" in der staatlichen Hochschule für Mustk. Immer von neuem packt dies blutvoll Gewaltig« musitoilschen Erlebens, das in einer überreichen Gefühlsskala all« Empfindungen durcheilt: Mensch und Natur. Und heute, noch bald 130 Iahren,—- im Jahr« 1801 erlebt« das Wert des«Vjährigen Komponisten in Wien feine Erst- aufführung— hat es nichts eingebüßt an Daseinswert. DI« Auf« führung unter der temperamentvollen Führung Dr. Heinz Ungers bot«in wohlgerundetes Ganzes. Die Solisten des Abends, Hermann Schey, Anneinarie Leuzberg und Hans Hoefflin, verfügen über gutes Stimmäterial, prächtig offistlert vom Berliner CäcilieNchor. Leider »ar von den Chorgesangstexten nicht«in Wort zu verstehen, und wer kein Textbuch besaß, war übel dran. Bei der überaus scharfen Akustik dieses Saales scheint durch überlautes Singen eine Ueber- aiustit gefchasien lvorden zu sei». Das Philharmonische v r ch e st e r löste seine Aufgabe in gewohnter, oft gewürdigter Könnerschast. Leider wies der Saal erhebliche Lücken auf. Foxtrott und Eloivfox scheinen dem großen Meister etwa» in» Handwert zu pfuschen. * In der Aula d«r Schule D i« f fenba chst ra ß e konzertiert« eine Gruppe junger Arbeiter, die Sozialistische Arbciter-Jugend Grotz-Bcrlin, Worbcbczirk Kreuzberg. Ein feines Programm hatten sie sich zusammengestellt. Mozart, Schubert, Boceerini, Dvorak usw. Richtige Kamnlermuflt, zart, graziäs. Intim. Und mit Begeisterung versuchten st«, sich in den Geist der Meister, tn die leichtbeschwingt« Empfindungswelt der damaligen Zeit einzuführen, die nichts gemein hat mit der Härte unserer Tage. Und wenn auch das rein Musitalisch« nicht immer so recht klappen wollte, der gute Wille, das Streben noch Kultur, i&ill für die Tat. Im dichtgefüllten Zuschauerraum dominiert« die Jugend. Mit Jnieresie lauschten sie der guten Mustk, di« st« hinausführt aus dem grauen Allmg in ein« schönere, fröhlicher« Well des Empfindens. Bon den musikalischen Borführungen klang Schubert» Manuett au» d«m Gitarrenquintett, der Militärmarsch und Marn».fit mu-iaal besonders hübsch. Zu einem..Ball der Republitaaer" har« am Sonnabend der Gouvorstand Berlin-Brandenburg des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gokd in sämtlichen Räumen d«r.Philharmonie" geladen. UM« den Bchörderwertretern bemerkt, MoN Polizeipräsident Zörgiedel. Reichetagsobgeordneien Scheidemann. Staatssekretär A b« g g. Mmistarialrat K n S h n e r. Senruspräsident z. D. g r« y m u t h u.». Auch sah man ein« Anzahl PolizSiosfizier». Di« mustkalischt Unterhaltung wurde in erster Linie nom Rundfunk-Tanzorchester (Serharb Hoff mann brillant bestrittet. In den RebensakeN wurde gleichfalls fleißig das Tanzbein geschwungen. Ein« tmä) haltig beschickte Tombola ließ einen fleißigen LosHandel blühen und Arbeiterbllcflungsscliule Heute, Mittwoch. IV/, Uhr, Unilenstr. 3, 1 Hof, i Treppen Besinn des Kursus für Laienrichter und tonst an der Rechtspflege iniercs&ierter Genossen und Genossinnen. Dr. Kurt Rosenfeld epr cht über..Einführung In das Wesen der Lafen- gsrichtsberWU und systemsük de« Recht«'. brachte«in« stattliche Zahl von Gewinnern. Schließlich„stieg" noch um Mitternachr«in AahäreL mit R e s i Langer und La o Ball- berg, das' trotz der spilten Stunde ein dtifauöfrcudiges Publiküm fand. Schwerarbeit tn Golpa. berliner(ZleUrizitataversorgung nicht gefährdet. Der anhaltende starte Frost hat die Versorgung Berlins mit Kraft ein« Zeitlang sehr in Gefahr gebracht. Di« Grub« Golpa Hot durch den Frost sehr zu leiden. Am 14. Februar war die Gruben- verwallung gezwungen, den Abraumbetrieb still zu legen, da die Bagger mcht mehr arbeiten tonnien, der Materialschaden war gewaltig, und die Abraumarbetter mußten dem Kohlenbetrieb zugeführt werden, um die Kohlenförde- rung für da« Kraftwerk sicherzustellen. Die Kohlenzüge müssen mit drei Lokomotiven bespannt werden, um überhaupt nur aus der Grube zu kommen. Auf den Bunker des Kraftwerks bestehen die gleichen Schwierigkeiten. Hundert» von Arbeitern sind beschäftigt, Unierhaltung von Vater und Sol)»— da» ist die Unterhaltung von zwei Generationen: der se'enden Und der werdenden. Alfred D ö b l i n sprach vor dem Mikrophon mit seinem Sohn. Zuerst ziemlich steif, wie es schien, über sehr festgelegt«. Im Zlugenblick von dem Vierzehnjährigen kaum empfunden« Dinge. Aber wer Geduld hatte, die ersten Minuten der Mikrophonicheu des Knabe» In Kauf zu nehmen, konnte doch Zeuge echter Kinderbekenntnisse werden. Wolf Döblin ist ein nicht allzu seltener Kinde rtyp unserer Zeit. Seine logisch fundierte Romantik ist dos Kennzeichen vieler, die heute an der Schwelle der Entwicklung stehen. Das Begehren noch der Ouan- tiiät des Lebens, da« für die Dreißigjährigen von heut« so charatterl- stisch ist, haben diese Kinder nicht mehr. Sie spüren das Wertlost der Menge und suchen nach Qualtät. nach Ties«. Man tonnte in dieser Holben Stund« viel Über das Weltbild eines Kindes erfahren, viel für den Umgang— wenn man es so nennen will: sür die Er- ziehung des Kindes lernen.— Die Abendunterhaliung wurde von dem Tangoorchester ,.C a n a r o" und M a t t i a M o r r o mtt an- genehm süßer Musik bestritten. Morros Bariton besitzt ein« strahlende Größe— man bedauert nur, daß er ihn so wenig Pfleg« angedeihen läßt.— Profesior Dr. Ludwig Ebermeher, Ober- reichsanwalt a. D., behandelt« im Rahms» der Hans-Brodow-Schule das ärztliche Berufsgcheimn's. Seine Ausführungen waren von größtem Allgemeininiereste. Er zeiche, wie weit sich die Schweige« »flicht des Arztes erstreckt und wo fle enhen darf»der enden muß. Befremdlicki«ftkte allerdings die Feststellung, daß die Mitteilung von der gefcklschtsichen Erkrankung de» Ehemannes der Sattin dann nicht gsmacdt werden darf, wenn dies« die Shei�eidunasklaq« anqe- streng! hat und thr durck dies» Mitteilung der Beme's für den Eh». druck) des Manne« ermöglicht würde. Wann also die Scheidung nicht zustandekommt»~ was der Arzt ja nie vorhersehen kann-• s» wird die Frau unter Umstanden einer schweren Ansleckungsaefahr ausgesetzt. Ta». vom Montag ist noch, da außerhalb de» Programm«, nachzu- tragen: Magistratsrat Dr. Krotoschlner ging im zweiten Teil seines Bortrage«:..Nsutettl'che Staat», und Geftllichaktsthsorien" auf die praktischen und theoretischen sozialistische» Bestrebungen«in. Bon der Entwicklung des svnenannten liandwerkstommuniemu« als w'chtiae Etappe der Enfmicksung her Arbetterklail«. vor allem dnrch den ück-neidergeselle» Wildelm Weitling üb-r den Staatilaziakisten Kort Rodbertüs. würden die Staats- und G'fclltchaftstheürien bis zu dem sogenannten Kathedersozialisinvs fortentwickekt. um die Kohlen, die in denWagen sofort gefrieren. los zu schlage». Der Berliner, der des Abends die erleuchteten Lokale und Strotzen steht, ahnt nicht, unter welchen Schwlerigletten der Kumpel in Golpa seine Arbeil bei 28 bis 30 Grad Kälte neun Stunden verrichtet, und man muß ihm danken, daß er in dieser schweren Zeit nicht versagte, trotzdem er wahrlich nicht glänzend gestallt fit. Alles ander« tritt hinter der Belieferung de» Kraftwerks zurück, und so müssen andere Werke teilweise den Betrieb egtstellen, da die Grube nur wenig. Kehle abgeben kann.. Das trifft besonders fnr Dtssau zu. Kaum gwudts die Werikslettung die größten Schwierig- ketten überwunden zu haben, als- plötzdich der Da mim brach, der die AschenspAmig vom�Kraftwert in die Grub« ein- dämmt. Große Masten Wasser, und Asch« setzten sich in Bewegung und verschütteten die Glsis« in der Grub«, auf denen sich di« Köhlen- förderung bewegt, Fahrleitung und Lichtmosten wurden umgelegt, so daß die Förderung ganz aussetzt», und da« Kraftwerk aus seinen Bunkervorräten entnehmen niuhte Mit allen Kräften wurde sofort Mit Aufräumungsarbeiten begonnen. Schließlich konnte die Förde- rung mit einem Gleis« wieder aufgenommen werden, an der Frei- legtmg da» zweiten Gleises wird.noch gearbeitet. Di« Der. sorgung des Kraftwertes ist gesichert, und«ine G/-� fahr für Berlin und auch Mitieldeutschland besteht nicht. D-e Apparate sind in der'Zwischenzeit übsrholt. um zur gegebenen Ze't volleistungsfähig zu sein. Es ist nur zu wünschen, daß bei den graßen Schneemasten dos Tauwetter nicht mit Regen«insetzl. ha sonst erneut Schwierigkeiten entstehen können, die ebenfalls so go- sahrvoll sind' als der starke Frost. Durchgehende Verkaufszeit in Markthallen� Bisher war es üblich, daß an den Sonnabenden und an den Tagen vor Feiertagen die Berliner- städtischen Markthallen von 13 bis tk Uhr geschlossen waren. Da jedoch infolge der zunehmenden Wochenenddewegung die Berliner Bevölkerung bereits in den Icühen Nachmittagsstunden ihre Einkaufe filr de» Sonntag erledigt, sind die Standinhaber der Markthallen beim Magistrat vorstellig geworken. die Markthallen auch in der Zeit von 13 bis 16 Uhr am Sonnabend zu öffnen Der Magistrat hat diesen Vorschlag, besürwort md h�r Stadtverordnetenoctsammlung vorgelegt, so daß angenommen Ivetten" kann, daß in nächster Zeit die Markthallen am Sannabend durch- gehend geässnet sind. Es ist nicht zu verstehen, warum nicht schon längst an den Sonit» abenden di« durchgehende Verkaufszeit besteht, und zwar im Inier» esse der Konsumenten und der Standinhaber. Rir iK Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu En PL/ Mn 68. tintttnlfraSt 5 heule. Mittwoch. 191/2 Uhr: «tlonaplnt: Schill« 5lif*fcctf)tictMtc. 10.„ftcalieultclum."— Stfath- BcanncB II: Hed!q-ich«im OclUIc. ifl.„Sie«ntfkhun« d»« ff ardnag.<•'— ffrichrid-sSoiBi zir.m Sflfklinonftgt.&-«..Dl« a«ai«cttd;afl:n.- � Peters tatflts f'ictul» fe«i öi SURlrt£fr. ♦..Sa« Mähef in fier tobetteftua nh." Wapchaxel niecttl: Keim Litauer Str. 18.„Zack London und llpto? oinelaic.-- Seid cuteeflee«iietiel: Keun©ciect Sit. Zi—W..«ufUu fret SetDirtnnlon." Lenlwl«! Erineiiidrtchule cckutttraü-..„Versager L-uraa." Tempeljof: Keim-UZerManIaklr. i«.„Sud und Madeb" ff ricdrick-.feldc: he! III AIt.ffricdriktlichee«rfchSneh tft nolwendlg, da sehr»tchtizr Sache» hei'prnchen werden mfiffen. Anf springen der Hände und des Gesichts, schmerzhaftes Brennen, sowie Mt« irnd Iindei, der Haut. werden berubiql und aiisqeheili durch die wundervoll fiüitend«, tefirnilhfrnbc Creme Leockor, Gleichzellig herrlich infiend« lösmetiich« Uwarlaae für Puder, tube<50 Pf. und 1 ML Cfrijättöch in ollen Chlorodont-Pariaufr stellen. Probetuie gratis bei Lmsendung dieses Inserates durch Leo-Werln Dresden-N,«. Qx-liS. Mittwoch 27. Februar 1929 Mnterhalwng unö i en Beilage des Vorwärts Masse SEeUerslröm: ?lls Fanny ihr Stichwort gesagt hatte, verlieh sie die Bühn« mit der würdigen Njien«, die zu ihrer Rolle pahle. Als sie aber in die Kulissen gegangen war, bekam ihr Gesicht sein libernotürliches Aussehen. und sie ries de» Herren und Dameit, die ihr Auftreten«r- vxzrlelen, zu: ,L>a sitzt ein Mensch im Zuschauerraum und schnarchtl Er über- tönt das gan�e Stück! Ich hob« kaum verstanden, was Philipp gesagt Hot. Ich denke nicht daran, aus die Bühne zu gehen, wenn das mit seiner Sägerei so weiter geht!" ..Er ist vielleicht müde und hat das Stück schon mal gesehen," sagte der Komiker, der auch hinter den Kulisien witzig war.»Laßt ihn schlafen. Er ist glücklich." „Andersion. sehen Sie doch mal nach, wer das ist, und werfen Sie ihn raus!" sagte Fanny. Andersson ging und kam In der Pause zurück und sagte: „Es war Herr Felix, der da saß und schnarchte. Er ist auf- gewacht, als es lm Zuschauerraum hell wurde, und jetzt hat er sich in den zweiten Rang gesetzt." Herr Felix war Schauspieler an diesem Theater und war abend- frei, und Fanny sagte: „Setzt sich Felix In unser eigenes Theatsr und schläftl Und stört feine Kollegen bei ihrer Arbeit! Es ist wirklich uiwrhöktl Dos muh man dem Direktor melden! Er könnte doch In«in anderes Theater gehen, wenn er unbedingt mitten am Tage schlafe» muh." „Er schläft im Rang weiter," sagte der Komiker.„Das gehört zu seinem System. Im nächsten Akt sitzt er vielleicht Im Foyer und schläft. Er hat es sich ebenso eingerichtet." „Merkwürdig," sagt» der alte Eharakterspteler und machte die Garderobentür zu, um von den Bühnenarbeitern nicht gestört zu werden.„Was habt ihr denn?" Der Komiker legt« eine Perücke beiseite, die auf einem Stuhl lag, und erwidert«: "Felix hat lahrelang an Schlaflosigkeit gelitten. Er bat alle er- Dentllchen Mittel probiert: Beronal, Ehloral. Autosuggestion, Luft- bäder und Zählen bis M MO. aber nichts hat geholfen. Da kam er oines Tages auf sein Mittel. Er stiehlt sich ein Schläfchen. W» er Gelegenheit findet. So geht es. Man weih ja selbst wle es ist. Man schläft nie so gut. als wenn es gelegentlich geschieh», in der Bahn, im Kino usw. E» ist aber sehr unrecht van Felix, hier in seinem eigenen Theater zu sitzen und zu schlafen. Aber er Hot wohl weiter nichts vor. Und dann Hot er sa hier Freibilletts. Ich kenne die Gewohnheiten von Felix und weih, daß«r seinen Schlaf gewöhnlich mit Hille seiner Wirtschafterin zu Hause erledigt, aber sie hat vielleicht heut« Atiend frei, das arnee Wurm." „Wie mache» sie das eigentlich?" „Ka.— sr zieht sich den Schlafrock an, fetzt sich in einen Lehn. stuhl Im Salon, und dann sagt er zu sewer Wirtschasterin:., .Jkarie, seien Sie so gut. und weckatfSic mich in ungefähr einer Stunde." Dann drusebtz��ekn,�1iiit dem BewuWsxin, daß er nur «in» Stund« Zeit hat, urch dah dl« Zeit, gut ausgenutzt werden muß. Er schläft so ruhig und tzüs wie ein Schuljunge, der morgens noch ein« Disrtelstund« Zeit bat.-he er aufzustehen braucht. Wenn die Stunde um ist, kommt die Wirtschosrerin und weckt ihn, und dann sag er:„Rur noch eine Stunde. Mariechen!" Und so schlast er seilic fünf, fach« Stunden. Dann steht er aus, gehl In die Diele Hindus, l«hnt sich gegen einen Pfeiler und schläit da seine süßeste Btertel- stund«. Dann zieht er sich an und ist fertig." „lfta, aber dt« Wirtschafterin, die kann doch nicht schlafen, es «eckt st« doch niemand all« Stunden." „Die schläft am Tag«, und im übrigen opseri st« sich auf. Sie ist doch em Weib." Der Eharakterspieler sitzt Mit gekreuzten Armen da und sieh« sich fein eigenes Gesicht im Spiegel gegenüber an. Er ist an diesen Anblick gewöhnt und ist schon längst über dos Unangenehme dabei himveggekommsn. Dann sagt er: „ÖS ist schade um Felix. Uebrigens Hobe ich einen Herrn ge- kannt. der sich fast ebenso benommen hat. Das heißt, der schlief zwar nacht» ordentlich in seinem Bett, wenigstens meist, aber außerdem hatte«r eine klein« Eigenheit. Er schlief in Fristersalons. Wen» er so«In Lokal Tetrat und den Mantel umbckommen hatte, schlief er ein, bis er geschoren und fertig war. Lind hieh der Mann. Es war ein grohcr, starker Mensch mit rotem Bart und hatte«Inen etwas schwerfälligen Gang. Wir kannten uns, und eines Tages spielte ich ihm einen Streich, der vielleicht nicht so ganz fein war. Man war damals ein bißchen jünger und nahm es nicht so genau. Ich saß eines Tages in demselben Frisisxsalon, i» dem er zu schlasen und geschoren Zu werden pflegte. Er trat ein, nahm lieben mir Platz, Uetz den Kopf sinken und schlief ei» wie immer. Der Friseur schar Ihn erst mit der Maschine im Genick und dann mit der Schere oben aus dem Kops. Er wollte ihn gerade«in bißchen mit Lau cke Portugal waschen, als ich sagte: „Bitte, einen Augenblick! Herr Lind hat mich gebeten, Ihnen, falls er«inschlief«, zu sagen, daß Sie ihm Boll- und Schnurrbart abnehmen möchten." Das war sehr gemein, und das einzige, was mich bei der Ge- schichte beruhigt, ist. daß mir Lind den Unfug völlig verziehen hat. Also der Friseur, der ein junger Mensch und in dieser Stellung neu war. fing ohne Bedenken an, mit der Maschinenschece, größte Rum- wer, zu arbeiten. Damale wurde es modern, glatt rostert zu lein. Wahrscheinlich fand er nichts Besonderes dabei, daß ein Herr wünschte, seinen Bart los zu werden. ill» Linds halbes Gesicht kohl war. wurde ich unruchig und wollte mich drücken, um seinem Erwachen zu«ntgehen. Aber die N«ugter, wie so ablausen würde, hielt mich zurück. Allmählich wurde d«r ruhig schlafend« Lind also seinen Bgll- und Schnurrbart tos. Er wurde etwa zehn Jahr« jünger durch diese Sur. und es sreuu mich. daß er bedeutend bester aussah: e« stand ihm gut, glatt rasiert zu sein, und ich wollt« ihm das gleich sagen, sobald er erwacht«. ifle der Friseur mit seiner Ärdeit fertig war. nahm er ihm d«n Mantel ab und sagt» sein übliche»„Bitte sehr." Lind erwachte« wyrf«inen Blick in den Gpiegst.«U man e« zu tun pflegt, w«nn man g»scharen und barbiert worden ist. und entdeckte ein fremdes Gesicht, da« ihm«ntgegenstarrt». Sein erster Gedanke mar. daß»r nnmer noch schlief« und träumt«, weshalb«r die Augen auf» neye schloß und wieder in den Stuhl zurücksank. So saß er still und ließ sein Gehirn arbeiten. Rein,«r sckllef nicht. Er hörte Stimmen Ivi Zimmer,«in« Tür. di« aus. und zugemach» wurde, und da» Geräusch der schneidenden Scheren. Er betastete sich vorsichtig im Gesicht, sühit«, daß sein Bart weg x, sein alter, roter Bart, und sein Schnurrbart. Sem Gesicht war Schlaflosigkeil so gWtt und sein Kimi so klein. Er umsoßle die beiden Lehnen, stand auf und sah von Neuem in den Spiegel. Jetzt war«r es selbst, der da stand. Er erkannte sein Gesicht wieder. Es war allerdings mehrere Jahre her, seitdem er es gesehen hatte, aber er wußte doch, wem es gehörte. Es ist überflüssig, die Geschichte damit zu verlängern, wie wir die Sache unter uns abmachten. Wir aßen ein Frühstück zusammen, ein etwas unruhiges, denn Lind stürzte olle Augenblicke ms Vestibül, um sich im Spiegel zu besehen. Es kam mir so vor, als sähe er jedesmal fröhlicher aus, wenn er wiederkam. Aber Plötzlich legte er Mesier und Gabel hin, starrte mich an und sagt«: „Meine Frau.— was soll die bloß sagen?! Sie ist doch an dieses Aussehen nicht gewöhnt." „Sie wird hocherfreut sein," sagte ich. „Es ist ja gerade wie ein neuer Mann ohne all« Scheidungs- jchercr«i. Aber Ich sollte ihr di« Sache vielleicht ein bißchen vorsichtig beibringen. Vielleicht Per Telephon, so daß sie vorbereitet ist. Rein, dann würde sie vielleicht unruhig werden. Ich gehe zu Mittag nach Hause, wie ich bin. Schlimmstenfalls muh ich mich vorstellen." Wir trennten uns. Lind ging in sein Bureau, und als die Arbeit für diese» Tag erledigt war, ging er nach Hause. Er kam vor seine Entreetiir, blieb stehen und dachte: „Sog ich selbst ausmachen, oder soll ich klingeln? Ich werde klingeln. Da» ist ein bißchen mehr Ueberroschung." > Lind klingelte Es dauerte einen Augenblick, einen spannenden, und dann kam grau Lind selbst und Machte auf. Sie sah ihren Mann kalt Und fremd an und hotte den Eindruck, daß er der Kassierer von den Gaswerken war, der mit der Rechnung kam, und sie sagt«: „Mein Mann ist nicht zu Haus«. Kommen Sie, bitte, nächste Woche wieder." Und dann machte sie die Tür zu.. Lind blieb vor der Tür stehen. Dann ging er leise die Treppe hinunter, während er dacht«: „Ich traue mich nicht hineinzugehen. Sie war nicht in der Laune, daß ich es riskiere." Lind ging in die Stadt, aß mit ein paar Freunden Mittag, nachdem er zu Haufe angeklingelt hatte, daß er geschäftlich ausgc- halten würde, was ja auch einein Mann passieren kann, der nicht seinen Vollbart verloren hat. Es wurde spät, wie es zu werden pflegt, und mitten in der Nacht kam Lind nach Haufe. Er machte behutsam die Entreetiir auf und zog sich die Stiesel schon im Korridor aus,«ine Gewohnheit, die beinah««in Atävis- mus bei den Ehemännern genannt werden kann. Frau Lind schltes, als ihr Mann ins Zimmer trat,.und sie schlief noch immer, als ihr Mann leise ins Bett neben Ihr kroch. Aber wie alle Frauen, deren Männer aus sind, schlief Fron Lind nur mit einem Auge und einem Ohr, und nach einer Weile erwachte sie richtig und knipste das elektrische Licht an, um zu sehen, ob ihr Mann nach Hmsie gekommen wäre. Sie guckte ins Nebenbett, sah den Kassierer von den Gaswerken mit ofienem Munde daliegen, stieß einen gellenden Schrei aus und fiel in Ohnmacht. Es dauerte verschiedene Tage und kostete«in solennes Restaurantmiltagbrot, ehe Frau Lind wieder zu vollem Bewußtsein gelangte. Obgleich verschiedene. Jahre seitdem vergangen sind, kömmt es heute Noch vor, daß sie mitten in der Nacht answacht, LW macht und nachsieht, ob es ihr Maiin oder ein Gaskasiierer Ist, der im Bett danebenliegt. Es kommt nie vor, daß es ein anderer als ihr Mann ist, und«r ist immer noch glattrasiert, was bewirkt, daß er nun bedeutend ruhiger in den Frisiersalons schläft. s?>>s tmn Schweblschrn wm«»« Slvenstrvp und Sreitfl.) S)ie Welt- mm JirankenbeU aus Fünf Tage— endlose Zelt. Untätig zu liegen: immer an d!« Decke ZU stiere»! ein wenig seitwärts, an die weißgetünchtc Wand. Manchmal jür Minuten die Augen zu schließen nur um sie wieder zu öffne»... und diese paar monoloneu Quadratmeter Raum im Blickfeld zti haben! Berzweiflung! Wie longsam die Stunden, die Bierietstunden, die Minuten verrinnen! So sinnlos hier zu liegen, hilflos dem Uu- endlichen Zug zmcckloser Gedanken ausgeliefert zu sein: den umnög- lichsten Dingen nachzusinnen.... Dabei wartot so viel Arbeit, daß sie getan werde; Mahnt Im Bewußjein wie ein versprechen, das man leiöhlsertig brach. Draußen vor dem Fenster,'zwischen dem schmalen Ausstlintlt, den der Häuserschacht freisiSt..s�gelt ein«.rosarot« Mkükt�aiN Äb�nd- Himmel..,. Morgen werde Ich aufstehen und übermorgen. gleich hinunter zum Fluß gehen, an seinen Ufern spazieren, Roch nie- mal»— nur in dieser Sehnsucht de» Kranken � war er so breit und gewaliig, nie hat er sa stolz seine Wasiermosien gewälzt, und wo' er sich durch die Brückenbogen zwängt, schäumt er bald so gewaitig wle der Ohio. Ohio! Wie lange lst es schon her, daß wir mit jenem alten klapperigen Raddampfer von Madison nach Covington fuhren. Es war an einem Iummofgen; über der flachen Landschast hing noch da» graufahlc Licht der Frühdommerung. und die Moskitos surrten und sirrten ihr blutrünstig Lied im nahen Uferried. Und setzt verteufelt l siege ich hier im Bett, in einem weihen Zimmer, se!t Tagen: untätig, aber voll böser Unruhe. 4* Wie jämmerlich bin ich Kreatur, ich Mensch, wenn der Kadaver, der armselige Körper, nicht mittut. Es hilft nichts ihn zu miß- achten, um gesund zu werden. Im Gegenteil! Predige einer noch einmal, daß der Geist alles, der Körper nichts sei Falschmünzer! Er soll die schlaflosen Nächte ertragen: von Hitze- und Kälteschauern geschüttelt, von Hustenkrämpfcn hin ui�» hergeworsen, vom Orgelpfeifen der Bronchien unterhallen werden--- und dann noch den Mut hoben zu sagen, daß der Körper nichts seil Wie erbärmlich lst diese Kreatur Mensch, wenn Krankheit sie packt. Jetzt tn diesen lagen, da ich armselig hier seslliege, wandert Freund R. in den Vogesen, Heut« früh kam eine Karte vom Donov. Sind es wirklich erst vier Monat« her? Hoch, zwischen ichwarz„ grünen Tannenwäldern auf der Terrasse de» Gasthauses saßen wir: drunten, irgendwo im Dunst, hinter vielen Wegblegungen log Skratzburg. Sahen wir nicht am Abend vorher das Westtor de» Münsters sich klingend heben wle eine kostbar reiche Kulisse im Hintergrund der alten schmalen Gasse? Und ist«» tn dieser Stunde noch wahr? Schlenderten wir wirklich es war schon spät In der Rächt und kauns. war das Glück der Pervundeicheit zu tragen ätt hcrIh. derp.ctinneiungslrichf n Flüs), der vie�., IugS.NdkrH um ö dnrflMwTii. der Vergangenheit nNd Gegenwart verschmolz. Dstzt.ist.R In den VogeseN, und ich'li.egh' da.... Wo» ist? Schönheit der Erinnerung? Rur Qual, einer motten und irren Gegenwart. -» Ob 9t wohl den R. gelrfrffen hat? Jener war immer mein Feind! Schon in der Schule war er ein Kriecher. Aber die Frauen liebten Ihn. Seine falsche Dämonie.... Ich will nicht wciterdenken. Jeder Einfall wird bitter und schwäch. Ich will lesen... aber das Buch, die geliebten vertrauten Verse, klingen nicht. Etwas von Arzneigenich schwebt über den Worte». Ich kann nicht lesen.... Ich muß wich aufraffen. Die Dumpfheit der Kissen mach» mich rasend. Ich will sehen, ob nicht der Geist den Körper besiegt! * Hier liege ich wieder. Ich war aus, wollte durch'« Zimmer an» Fenster gehe».... Alles kreist« und schaukelte. Das Gehirn verweigerte d«N Dienst, die Knie schwankten. Schivach und zehrend fließt das Blut durch den Körper. Ich will nichts mehr verlangen, als den armen Kopf in die Kissen zu betten, den Körper einzuhüllen in die zärtliche Decke. Und rnhig liegen. warten, bis die Krankheit geht und s f e kommt: die köstliche Befreiung, die Gesundung. Rur schlafen, schlasen. � Kurt Ossenburg. 'Jch lese wieder QedkMe In den ersten Monaten des Krieges,«he ich hinauszog in die Gräben vor Reime und Verdun, las ich oft stundenlang Gedichte. Im Park der Baterstadt, ein Knabe noch, ein verliebter Itiiigllng, ein kleiner, einsamer Mann dann fast—— aber daNN kamen zwölf Jahre der Verwüstung des Lebens und der Landschaft, des Irrens und VerzwslfelNs, vor allem: wie müde und ziellös wurde alles. Ich mußt« zehn Stunden am Tag im Bureau und später in der Redaktion sitzen. Von möblierten Zimmern zu möblierten Zimmern geworfen, später, als ich heiratete, auch jahrelang in Aftermiete behaust, schachern und feilschen lernen, GÄd zusammenkratzen, und sachgemäß ausgeben— äll das ließ keine feinen, reinen Gefühle mehr keimen. So oft ich in jenen zerrissenen Jähre» aber Nach einem Gedicht- buch griff, war die Stunde nicht gekommen, da ich sie einsog, so wie es von uns, mit den Blumen verglichen, bei Rilke heißt: Wir GeipaltsaMen. wir währen länger. Aber wann, in welchem aller Leben. sind wir endlich dsfe» urch Empfänger? ... sind wir endlich offen... Ich bin's wieder. Ich trank Verse. Dunkle, verhauchte. Sonnige und nebelhafte. Rote und blaue. Ich sprach sie vor Mich hin. sad« silberne Silbe auf den Lippen, und den Reim wle die Blume«Ines Wernes long« nachschmeckend. Ich hielt st« gegen das Licht des schönen Sommertagee, der über meinem Heim log, dent staktternen Haus zwischen den Gärten. Nun bin ich wieder zu Hau». An den Schläfen schon grau. 'Gehetzt in der Jagd ums nackte Dasein. Aber so weit habe lch'S wieder gebracht: zu Haus zu sein, meine» Schreibtisch, meinen Bücherschrank haben, die Rücken der Bücher streicheln, aus ihren Titeln schönes Leben träumen, fühlen und eins ergreifen und lesen. indes mit grüner Freude Bäume und Wiesen eine sonnenvolle Ein- santkelt vor dein Fenster lautlos hinbttitcn.'•■• . Ausgeruht, zittern di« Nerven nur noch leise nach, ihr Er- beben glättet sich bald ganz, die Seele wird ein stiller Spiegel eines weltenfernen Sees von Azur, und darauf kommt das Märchenjchiff geschwommen: das Gedicht. Hier ist die Liebe eingekehrt und singt, Eine reine einsame Liebe. Ich wein« vor jungem, wiedergekehrtem Kmibcnglück. Mein Lächeln begleitet das Schijs wie ein« Schar silberner Möwen. Die kostbaren Jugendstunden, die ein kleines Buch in«ine MUsa, sotemnis verwandelten, orgeln wieder mit ganzer Macht, Klarheit umgibt mich. Wunschlosigkeit. Vers um Vers,«tnc Silberslotte, schwebt aus dem See der Seele. Und ich singe rein und gut, fern, fern der Welt Rilkes Orpheuslied: Wandelt sich rasch auch die Welt wie Wolkengestalten, alles Vollendete fällt hell» zum Urallen. lieber den Wandel und Gang,'' weiter und fröler, währt noch dein Vör-Gesang, Gott mll d«r Leier. Nicht sind die Leiden erkannt, nicht ist die Liebe gslernt, und was tw Tod UN» entlarvt, ist Nicht entschleiert.' Sinzig das Lied überm Land heiligt und setert. Liebes, liebes Lied! Geliebtes Hauchw«ien meiner EiNfanckeitZ Ich hob« w teder einmal Atem geholt. Ick, weiß, daß dies rätselhajte Lslten noch Nicht ins Smnlos«, Leet« gealtert ist. Roch nichts ist ausgekostet bis ins Letzte. Verse sind nicht Schalheiten. Verse sind Heimkehr in die Seele, die verschollen war im Toben der großen Stadt.. Alfred Hein. Was wird mit dem Lokomotivbau? Die Lage nach der Konzentration.- Oie Reichsbahn hat das Wort. Noch heute steckt die Lokomotivindustrie in einer schweren Krise. Ihre ärgste- Unterlassungssünde war es, doh sie die Dinge vier Jahre lang treiben ließ. Der Rentnerstondpunkt aus der bequemen Vorkriegszeit mit ihren regelmäßig einlaufenden Serienausträgen der Reichsbahn steckte den Industriellen noch viel zu sehr im Blut, als daß sie rechtzeitig von sich aus die Krise bekämpft hätten. Wer die Geschäfts- berichte der einzelnen Unternehmungen seit 1925 durchblättert, findet Jahr für Jahr sich wiederholende Klagen über dos gänzliche Aus- bleiben von Reichsbahnbestellungen. Bei diesen Klagen aber blieb es, obwohl die Totsache, daß die Reichsbahn'aus der Inflation mit einem Ueberbestand von etwa(WOO Maschinen herausgekommen war, aller West bekannt war. Die Prestigeersolge aus den süd- osritonischen und südamerikanischen Märkten waren für die Aus- Nutzung der riesigen Anlogen ein Tropfen aus einen heißen Stein. Weil die Lokomotivindustri« jede Selbsthilfe Jahr für Jahr hinaus- schob, hohen Reichsregierung und Reichsbahn die Denkschrift der Arbeitsgemeinschaft und ihr Kreditgesuch im August 1928 mit Recht mit dem Hinweis beantwortet, daß die Lokomotivindustrie zunächst von sich aus ihre Leistungsfähigkeit mit den gegebenen Absotzmoglich- leiten in Einklang bringen, sich also zusammenschließen solle. Die Konzentration. Unter dem Druck der Verhältnisse hat sich in den letzten sechs Monaten ein scharfer Konzentrationsprozeß im Loko- rnotiobau vollzogen, der die Struktur dieser Industrie endlich von Grund aus verändert hat. Nicht weniger als sechs Werte, nämlich Wolf- Buckau, Vulkan- Stettin, H o r t m a n n- Chemnitz, Humboldt- Köln sowie die Maschinenfabriken Karlsruhe und, so gut wie sicher auch Eßlingen, sind als Lokomostvsabriken von der Bildsläche verschwunden und haben ihre Quote aus dem früheren deutschen Lokomotiovcrband gegen Barenischädigung oder Ueberiassung anderer Fabrikattonszweige an Henschcl, B o r s i g, Schwartzkopss und die' Hohenzollcrn A.-G. in Düsieldorf abgetreten. Da die Münchener Lokomotivsabrik I. A. Massei A.-G. inzwischen mit H e n s ch e l verschmolzen wurde, auch S ch i ch a u aus der Reihe der Lokomotiosabrikcn ausgeschieden ist, dürfte die bisherige Zahl von zwanzig deutschen Lokomottvfabriken sehr bald auf die Hälfte und noch weniger Fabriken zusammengeschrumpft sein. Krupp in Essen, der bereits 1925 den Lokomotivbau von R h e i n m e t o l l übernommen und den«igent- luhen Auftakt zum Quotenkauf zu einer Zeit gegeben hatte, als die meisten anderen Werke noch nicht an Zusammenschluß dachten, steht jetzt in aussichtsreichen Verhandlungen mit derLioke-Hosmann» Gruppe in Breslau zur Übernahme des Breslauer Lokomottvbaues, der die ansehnliche Quote von 5,86 Proz. im alten Lokomotivoerband besaß. Gelingt es Krupp, diese Verhandlungen zum Abschluß zu bringen, so würde Krupp einschließlich der Rheinmetallquote 17,78 Proz. der gesamten deutschen Lokomotioproduktion auf sein« Betriebe oereinigen urt> damit zum zweitstärtsteu Unter- n e hm e n im Lokomotivbau ausgerückt sein. Di« gegenwärtig« Krästeverteiluntz stellt sich aus Grund der Quotensestsetzungen des"srüh«r«n Lokomotivoerbands wie folgt: Henschel-Mossei." Schwartzkopss. Borsig.... Proz. .25,39 .12,34 . 11,25 Pro,. Hohenzollern...,. 9,65 Hanomag...... 9.45 Krupp(mit Linke-Hosmann) 17,78 Borousgesetzt also, daß Kru�p den Lokomotivbau von Linke- Hofmann erhält, würden diese sechs Werk« über 85,8 Proz. der gesamten deutschen Lokomotivfabritation vcr- fügen, was einen beachtenswerten Erfolg der Konzenttotions- bewegung darstellt. Außer den kleinen Werken von Jung, Königs- berger Union und Krauß-München, blieben als mittlere Unternehmungen nur noch die Lokomottvsabriken der AEG, und der Orenstein und Koppel A.-G. übrig, die beide zusammen eine Quote von 9,54 Proz. besitzen. Bemerkenswert war, daß die AEG. in ihrem letzten Geschäftsbricht die Umstellung wesentlicher Teile ihres Lokomotiobaus aus sichere Fabrikatton hervorhob, so daß auch bei diesem Unternehmen ein endgülttger Verzicht auf künsttge Lotomotiv- fabrikatton möglich erscheint. U ebersieht man das bisherige Gesamtergebnis des Konzentro- rionsprozesies im Lokomottvbau. so muß anerkannt werden, daß diese Industrie in dem letzten.Halbjahr versucht hat, die Unterlasiungs- sürchen der ersten Stabilisierungsjahre wieder gut zu machen. vefchäftigungskrife trotz Konzentration. Inzwischen aber hat sich die B e s ch ä f t i g u n g S k r i s« im Lokomotivbau trotz der Konzenttatton weiter verschärft, da die Reichsbahn von ihrer bisherigen Drosselungspolitik zur fast gänzlichen Einstellung von Lokomotivaufträgen übergegangen ist. Di« Reichsbahnverwaltung, die für das laufend« Jahr nur 13 Maschinen in Bau gegeben hat, erklärt, daß vor 1932 keine weiteren Austräge zu erwarte« seien, da sie zurzeit noch einen Ueberbestand von 1800 Lokomotiven habe und außerdem durch ihre finanziellen Schwierigkeiten zur äußersten Drosselung ihrer Ausgaben verpflichte: sei. Danach stände also die deutsche Lokomottvindustri« vor einer d r e i.j ährigen Beschästigungslosigkeit, die durch ver- einzelte große Aufträge aus dem Ausland nicht annähernd ausgefüllt werden kann. Da vom Jahre 1932 an die deutsche Reichsbahn wieder einen ziemlich stabilen Normalbedarf von etwa 600 Maschinen jähr- lich ausweist, hat die Lotomotivindustrie wiederholt oersucht, die Reichsbahnverwaltung zu einer Streckung der Aufträge zu veranlassen uich zwar sollen zur notdürftigen Füllung des Auftrags- loches 1929 zunächst 100 Maschinen im Werte von 15 Millionen, in den folgenden beiden Jahren wiederum 100 bis 150 Moschinen und der Rest 1932 in Arbeit geben werden. Da die Reichsbahn auch diesen sehr diskutable« Vorschläge» gegenüber die kalte Schulter gezeigt hat, wandte sich dw Lokomottvindustrie setzt in zwei Denkschriften an den Reichstag und an den preußische»Mini st«rpräsidenten, um das Parlament und die Preußenregierung zu einer entsprechenden Vermittlung bei der Reichsbahn zu veranlassen. Gegen die Wünsche der Lokomottvindustrie läßt sich nicht viel einwenden. Die Reichsbahn hat als größtes öffentliches Unternehmen die Pflicht, ihre Tarif- und Beschaffungspolitit auch nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu orie-ntteren: volkswirtschaftlich sind Vorrat sausträge nach de? Konzentratton zu rechts« rtt gen. Da überdies die Lokomottvindustri« der Reichsbahn die Zahlung für die ersten 100 Maschinen stunden will, fällt zunächst auch der Einwand der finanziellen Anspannung fort. Mit jährlich 100 Moschinen, die gewiß die späteren Aufträge ver. kürzen weiden, wird die Lokomottvindustrie kaum übermütig werden: die erforderliche Klm,,entratton kann und wird noch Fortschritte machen. Aber es könnt« auch vom Standpunkt der Reichsbahn, nicht nur der Volkswirtschoft. verschwenderisch gehandest sein, die hoch- qualifizierten Belegschaften und die Techniker durch Abbau in ändert Iichustriezweiqe zu vertreiben, aus denen sie später wieder heraus- zuholen. sehr schwer sein dürft«. R. B. 250 Millionen mehr verdient. Sas Einkommen der Landwirtschast 1926/29. In den neuesten Deröfteittlichungen der Agrarier wild die Be- haupwng ausgestellt daß sich das Einkommen der deutschen Landwirtschaft im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr infolge der Preiskalo mitäien auf vielen Gebieten wester oerschlechtert Hobe. Das trifft nickst zu. Vielmehr kann man annehmen, daß das Einkommen der deutschen Landwirtschost, verglichen mst dem Bor- jähr, um mindestens 750 Millionen Mark gewachsen ist. Zuzugeben ist, daß die Preis« pro Tonn« im laufenden Jahr niedriger liegen als im Vorjahr. Dafür hat die Landwirtschaft aber auch mehr geerntet. Hier ergibt sich folgende Gegenüber- stellung: emtmttctrtcag Durchschnttt«?«!» iwrchschntUepret« ISA j« Tonne je Tonne gegenüber 1927 ist Jahre 1928/» im Jahre 1SI7/28 In 1000 Tonne» tu Marl in Marl Weizen und Spelz 604 210 250 Roggen.... 1688 205 240 Gerste..... 609 200• 330 Hafer..... 650 200 210 Kartoffeln... 3714 50 50 Für die Einnahmen der Landwirtschaft ist entscheidend, welcher Teil der Ernte zum Verkauf gebracht wird. Danach richten sich die Gcsamterlöse. Bei einem in normalen Jahren ziemlich gleichbleiben- den Eigenverbrauch in der Landwirtschaft erhöht sich aber der Der- kaussanteil prozentual viel stärker als die Erntesteigerung. Unter Berücksichttgung der Dorratsstatistik des deutschen Landwirtschasts- rats muß sich der Erlös der Landwirtschaft aus den wichtigsten, zum Verkauf gelangenden Feldfrüchten in diesem Jahr trotz ge- sunkcner Preise um 230 Millionen Mark gesteigert haben. Für die in unserer Tabelle ausgeführten Früchte vollzog sich die Entwicklung wie folgi: Irrlauioanteil �rßz in Vcrlaulsanteii Srlos in 1927'28 in Millionen M. 1928,29 in Millionen-'M. 1000 Tonnen 1927,-28 1000 Tonnen 1928 29 Weizen u. Spelz 2 750 690 3 140 660 Roggen.... 4 000 960 4 800 985 Gerste.... 1 740 400 2050 410 Hoser.... 2550 536 2 900 580 Kartoffeln... 16 400 820 20 000 1000 Einem Erlös von 3466 Millionen Mark im Jahre 1927/28 I steht ein solcher von 3655 Millionen Mark im Jahre 1928/20 gegenüber. Infolge der großen Ernten hat sich auch der Bedarf der Land- Wirtschaft au zugekauften Futtermitteln verringert. Da- durch wächst der Mehrcrtrog aus der diesjährigen Ernte auf 400 bis 500 Millionen an. Berücksichtigt man dagegen die schlechte Heuernte, bie der Landwirtschaft gegenüber dem Vorjahr zweifellos Berluftc bringt, so dürste sich die erhöhte Einnahme aus schätzungsweise 250 Millionen Mark verringern. Allerdings haben die Schweinepreise sich gegenüber dem Vorjahr wesentstch gebessert, so daß der der Landwirtschaft im Borjahr entstanden« Ber- lust von etwa 500 Millionen Mark in diesem Jahr wegfällt. Zieht man diesen Posten in die Rechnung ein. so kann man mit größter Wahrscheinlichkeit sogen, daß sich die Einnahmen der Landwirtschaft gegenüber dem Dorjahr um etwa?! Milliarden Mark erhöhten. Die landwirtschaftliche llmschuldungSQktton. Nach einer Mitteilung des Verbandes deutscher öffentlich-rechtlicher Kreditanstalten waren von der 25.Millionen.Dollar.Anleihe. die zur Gewährung verbilligter Hypothekendarlehen für landwirtschaftliche Betrieb« aufgenommen war. bis Mitte Februar dieses Jahres rund 46,6 Millionen Mark an die Darlehnsfucher ausgezahlt. Hiervon waren 2096 Hypothekendarlehen im Gesamtbetrage von 40,2 Millionen und etwa U50 Kleinbauern- und Pächterkredite in Höhe von 6L Mil- lionen Mark. Bon den Kreditausschüssen wurden bewilligt und zur Auszahlung soweit vorberestet, daß zum Teil Dorschußzahlungen an Personalkreditinstitute erfolgen konnten, msgesami 2182 Anträge auf Darlehen üb�r rund 22,5 Millionen. Den Krediivusschüssen liegen noch etwa 3170 Darlehn sauträge über einen Gesamtbetrog von 65,3 Millionen vor. Ihre Berattrng ist beretts in Angriff genommen und es wird damit gerechnet, daß die restlose Ber. teilung der Umschuldungs da rlehen bis spätestens April bie Mai durchgeführt sein wird. D«e Zahl der Antröge, die bisher abgelehnt werden mußten, weil sich die betteffenden Betriebe wegen Ueberschuidung als nicht mehr sanierungs- fähig erwiesen, beträgt 1130, also etwa ein Fünftel der Gc- samt zahl. Größere Lrauvkohlengewtnne auch bei Petschek. Die zur Petschek-Gruppe gehörende„E i n t r a ch i'-B rounk'ohlen- und B r i k e t t s a b r i k e n- A.-G. in Welzow(Lausitz) verteilt zwar für 1928 wieder eine Dividende von 10 Proz., wie im letz- ten Jahre, weist jedoch weit höhere Gewinne aus. Der Roh- ertrag des Unternehmens. stieg von 9,4 auf 10,2 Millionen Mark. und wenn der ausgewiesene Reingewinn mit 2,72 Mil- lionen Mark nur unwesentlich über dem Ertrag des Dorjahres liegt, so ist dies auf die um rund 500 000 auf 4 Millionen Mark erhöhten Abschreibungen zurückzuführen. Eine verichtigung. In der Bilanzbesprechung über die Bremer Rolandmühlc A.-T. betonten wst deren Un- abhängigkest von anderen Mühlengruppen, sprachen aber von einem gewissen Bankeneinsluh. Wir hoben inzwischen sestgestellt. daß dos' Auisichtsvatsmitglied F. C. Schröder-Bremen, aus dessen Mitglied- 1 fchaft wir auf den Bankencinftuß schlössen, mit der I. F Schröder- Bank in Bremen nichts zu tun hat, wahrend wir eine Personen- gleichheii annahmen. Der Schluß aus den Bonkeneinsluß ist also hinfällig.] Geivumausjug S.«lasse 32. Preubilch-Süddeulsche Klassen-Letfene. Ohne Gewähr Nachdruck verhviest Aus jede gezogene Rummer sind zwei gleich h»h« Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abieilungen l und II 16. Ziehungstag 26. Februar 1929 In der Bormiitagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezsgea 2»«rnn« IN 100000 93. 280024 4»eitiu«. pi 10000 M. 17962 264920 10»«winn- in 3000 M. 65333 68982 281977 296053 336866 22 ffetotnn. TO 2000 9». 7304 27362 42249 59490 114635 130744 132721 171195 186213 356667 359668 28 aeanrnienn 1000 M, 43974 80598 81363 113553 129658 133150 170520 193333 208996 228269 268275 270400 286690 396335 84»etmnn. ,» 500 M. 14509 22922 28906 35901 38348 56197 69257 73225 80500 109052 111480 125550 131184 135216 142576 145941 147626 1 76730 1 77054 1 79585 1 80141 203478 204861 210686 240733 243809 255024 269717 270809 280809 309883 313524 321885 323105 334202 341662 342733 365898 363068 373318 384749 390489 250 Sewwn, tu 300 M, 2725 7738 10493 10339 16111 17313 18813 1 9272 22727 23656 25868 25974 30061 40934 43405 44532 45307 45713 50725 54207 54996 56696 57013 58219 60129 60715 62273 67409 72772 77196 79073 62535 84644 S4320 88920 90565 102130 105314 106663 109464 110425 110478 113222 122281 124911 130-298 130649 132567 132716 132725 135126 135901 137314 146932 149528 149697 164018 155697 160656 162740 164689 167224 167561 169784 172089 176483 176714 183515 190683 194037 195858 208572 209397 209753 217750 218473 218659 226894 228101 230402 234103 235807 237080 237268 245460 247245 247812 249394 255643 253794 255198 256652 258329 263853 266483 267113 277806 277868 282885 287580 293076 293859 297062 309595 321830 3231 14 324872 330147 333343 335902 336843 344301 346607 349852 354960 364218 367932 374790 381034 381508 385572 387898 390402 392244 393881 3n der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über ISO M. gezogen 4»«Vinn« ,» 5000 M. 59036 188231 6««Vinn« ju 3000 M. 47590 306500 371009 14»-Vinn« i» 2000 9H. 76871 81634 215461 221043 267411 316703 359490 28»etinn«»o 1000-Et. 10596 19466 37868 54081 66214 123702 127349 202263 222016 324942 357672 38932! 398808 80»«Vinn» jn 500 W. 2770 6893 22498 24223 33456 53734 54834 74110 76569 84662 85170 105028 112984 113744 119197 132045 134497 158591 103320 183698 184903 185630 202791 204124 206015 217639 2)9817 221338 244240 244950 245704 255336 274405 286831 286866 295293 350737 365252 395582 398773 180»«Vinn,»n 300 Et. 634 8523 10746 14500 25313 29977 31493 40839 55018 57800 69852 60)98 60544 67368 74245 70787 84606 86544 87492 92005 94473 96579 97270 109343 110617 111443 114221 119401 119717 126421 129249 131026 135999 139932 140783 143717 147542 147941 148521 165243 171218 174811 180360 182947187183 192757 196367 196801 198227 201062 218403 225185 229055 238127 239541 241735 247122 248681 266211 266763 268587 270232 280966 287887 305077 305521 307436 310977 311376 315966 319358 321594 327489 330608 340115 343231 344290 347956 349663 362984 373904 375042 376654 380159 383213 388311 393430 396310 398570 398913 Die in der beutigen Vormittag-Ziehung gezogenen beiden Hauptgewinn» von je IOOOIV VI fielen auf Nr 2L>, 2 Gew. zn 500000, 2 zu 300000, 2 zu 200000, 2 zu S0000. S zu 25000. 34 zu t0000. 74 zu 5000, 178 zu 3000, 370 zu 2000, 800 zu 1000, 2054 zw 500, 5456 zu 300 Mark. WM VwalUingsstelle Berlin Todesanzeige. Den MiigUedern mt Siachricht, daß unier Sollege, der Lchlesscr August Schlicht geb. 9. Bugust 1882, om 24. Acdruar gestorben tft Ehr« fctntm Hubtnla: Die etnä'cheruno findet am Freilag. d»m ü März. I3t, Uhr, II» Stima- lotium Serlchistratze ftalt. Rege Beteiligung erwartet Di» Octsamsaltang. Möbel-Samerling, ftaitanienaHe« 56. Herrenzimmer, Eoiielingarnituren, Slub> tiichl. Skmlebnsegel. Nieienauewabl ' fm Spotlvreise. llungsecleichterung. Musikinstrumente Sfbrand) t« Sudlüätsweiui», Tiilzab- iur-g. Herer, Pringenstraße neunzig._* Üinislbn»,. überau« rm&wm Brano- 'adrik Link Br-mnenstrast» 85 Banboaiou». Lang». Ustlig, weitbe- .rühmt. Fabriklager. Fadrikvreii« Teil- zablangen, klein» Änzablung. Wufik- .weiacl- Zbalbertstrofie SI__ �__• | Piano», neu und gebraucht, mit Herr- sliche? Tonfülle, ohne Anzahkim«. kleine ! 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Werkstatt» nrbell gemcht OH. unter Chiffre B. 18 an den»Vorwärrs", BaerwaldstraBe 47 Nr. 97• 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 27. Februar 1929 Die Holzarbeiter warnen! Vor den kommunistischen Quertreibereien. vre Frage, ob für die Mitglieder der freien Gewerkschaften die Beschlüsse der„SRoten Gewerkschaftsinternationale" und der Kommu- niftilchen Partei Deutschlands oder aber die Satzungen und Beschlüsse der Gewertschaftsin stanzen matzgebend sind, braucht« in Gewerkschaftsversammlungen nicht erörtert zu werden, wenn nicht die KPD. ihre gewerkschaftlich organisierten Mit- glieder jetzt zwingen würde, offen gegen die Gewerkschaften vor- zugeben. Die verbrecherische Spaltungspolitik der KPD. zwingt die Gewerkichaitsinftanzen, endlich aus chrer Reserve herauszugehen und den berufsmähigen Spaltern'das Handwerk zu legen. Eine klar« Scheidung der Geister hat aus diesem Grunde auch die Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiterverban- des in der außerordentlichen Generalversammlung am Montag herbeigeführt, in der der Bevollmächtigte Genosse D o e s e die sogenannte.Neue Kampftaktik der KPD." beleuchtete. Boese führte der Generalversammlung an Hand der Richtlinien und Beschlüsse der KPD. vor Augen, wie man bei den Betriebs- rätewahlen und den Wirtschaftskämpfen einen Keil zwischen die Milgsisder der Gewerkschaften und deren Leitungen treiben will, um im Verein mit den„klasiendewußten" Unorgan's'erten die wirtschastlichen Organisationen der Arbeiterschaft zu zerschlagen. Er betonte mit Recht, daß die KPD. durch chre Anweisungen den Ge> werkschaften die Gesetze des Handelns vorschreibe und schlug der Generaloersammlung die Annahme folgender Entschließung vor: Im Januar und Februar dieses Jahres hat die KPD. in ihren Parteiarbeilerkonferenzen Beschlüsse gefaßt, wonach kommunistische Gewerkschaftsmitglieder nicht die Satzungen und Beschlüsse der Gewerkschaften, sondern die der KPD. durchzuführen haben. Gleichzeitig sollen bei den Betriebsratswahlen nicht die Ge- werkschaftskongretzbeschlüsse, sorchern die Beschlüsse der KPD. er- füllt werden. Dle Generalversammlung des Deutschen Holzoldeilerverban- des, Verwaltungsstelle Berlin, sieht in dieser Anmatzung der K P S. einen Eingriff in die ureigensten Recht« der Gewerkschaften. Sic spricht aus. daß für sie nur die G c w e r ts ch o f t s- b e s ch l ü s s e m o tz g« b c n d sind, und daß sie der gewerkschasls- feindlichen Haltung der KPD. und ihren Beschlüssen den schärfsten Kampf ansagt. Der. einzige Kommunist, der sich zu der Entschließung äußerte. bvantragte wegen ihrer„Unsachlichkeit" Uebergang zur Tagesord- imng, was die Versammlung jedoch ablehnte. Die geheime Ab- Iii m m u n g ergab die Annahme der Entschließung mit 2stk> gegen 134 Stimmen. Im Anschluß hieran nahm die Generalversammlung die Be- siätigung der Kandidatenliste für die Urwahl der Gene- r�versammlungsdelegierten. a m 12. März vor. was mehrer« Stunden, in Anspruch nahm, da die„Opposuion" sich fast bei jeder Liste über die Streichung.chewährter" oppositioneller Kandidaten durch die.Drtsverwaltung beschwert«. Auch die Bergarbeiter reden Fraktur! Sie weisen den Spaltern die Tür. Essen. LS. Februar.(Eigenbericht.) Die Kommunistische Partei ist seit der Aussperrung in der rheinisch-westsälischen Eisenindustrie bemüht, sogenannte Kampsausschüss« aus Kommunisten und U n o r g a n t- s i e r t e n zu bilden. Jetzt versucht sie auch im Bergbau derartige Ausschüsse einzusetzen. Sie haben insbesondere den Zweck, die Be- triebsrätewahlen vorzubereiten und durchzuführen. Dem oleichen Zweck fall u. a. auch«in« zum 10. März einberufene oppo- f'tionelle Bergarbeiterkonferenz dienen. Der Bor st and des Bergbouarbeiter- Industrie- verbände« erklärt zu diesen kommunistischen Bestrebungen in einem Aufruf, daß Mitglieder, die sich an der Konserenz be- leiftgen oder sich bei den kommenden Betriebsrätewahlen auf eine sogenannt« oppositionell« Liste aufstellen lasten, sich selbst außerhalb der Organisation stellen._ Berliner Schuhmacher! Heute, Mittwoch. 1714 Uhr, beginnt im Saal 4 des Gewerk- lchoitshauses die Generalversammlung der Zahlstelle Berlin des Zemrawerbandes der Schuhmacher. Sie wird sich zunächst mft dem Geschäits- und Kostenbericht für lS28 besasten und zum A b- lauf des Lohnabkommens Stellung nehmen. Nicht minder wichiig ist die Neuwahl der O r t s v e rw a l t u n g. Die im Bureau angestellten Kollegen werden nach den Satzungen nicht oewählt. Aber auch die zur Wahl stehenden nicht an- gestellten Kollegen sinb, für die zukünftige Arbeft in Berlin wichtig genug. Seit.Jahren ist die Ortsverwoltung nur von An- häng er n der KPD. besetzt.(Dabei entzieht sich der Mit- aliedschait allerdings die Kenntnis, welcher„Richtung" dieser Partei die einzelnen angehären.) Rur mit Blindheit Geschlagene können behaupten, daß diese„Opposition" der Berliner Schuharbeiterschast Vorteile gebracht habe. Es ist sa auch recht eigenartig, wenn man von seiner Parte! den Befehl bekommt, z. B. zurBetriebs- ratswahlListenmitUnorganisiertenaufzustellen und als Gewerkschaftsfunktionär mit der anderen Hälfte des Herzens gegen die Unorganisierten zu Felde zieht. Nur wenn die diesjährige Gemralversammlung endlich mit dem Fraktionsdiktat der KPD. Schluß machen würde und a l l e Kollegen- treise an der Mitarbeit in der Verwaltung beteiligen würde, wäre zu hoffen, daß die Periode der Stagnation In Berlin überwunden wird. Seil Iahren ist der Besuch der Mitglieder- und General- Versammlungen gesunken. Dadurch war es den Kommunisten wäg- lich immer wieder die Mehrheit zu erlangen. In Berlin sind ungefähr 3500 Schuhmacher organisiert! Glaubt man wirklich, daß Versammlungen, die von weniger als 1 0 P r o z besucht werden, genügend Stütze für die Verwaltung sind? Wir können aber im Gegensatz dazu feststellen, daß d«r Besuch der Versammlungen, die von den Ko l l eg en der SPD. ein- berufen werden und in denen auch Nichtporte, genosten Zutritt haben In den letzten Jahren gestiegen ist. In diesen Sitzungen wurde immer Gelegenheft geboten, zu aktuellen mrgqen der Gewerk- schoftsarbeit Stellung zu nehmen, was in den Versammlungen der Iak.lltelle kaum noch möglich ist. So unterhielten sich unsere Ge- nossen über den.Hamburger Kongreß, über das Schllchtungswesen, über die Arbeitslosenversicherung und über die vrage der W-ri- schaftsdemokratie im letzten Haldjahr..« � - Es ist gewiß kein gesundes verhästms. wenn«fn Pell der Kollegen gezwungen wird, sich mft diesen Fragen außerhalb der Zahlstelle zu beschSftigen. Di« heutige Generalsersawm. l u n g kann unter die Vergangenheit einen Strich ziehen, sie kann der Auftakt zu einem festeren Zusammenschluß und zu gedeihlicher gemeinsamer Arbeit in Berlin werden, wenn alle Kollegen die Versammlung besuchen und dort für Beteiligung aller Richtungen an der Ortsverwaltung eintreten. Bestimmt auch heute abend wieder die Fraktion der Kommunisten, dann werden damft wiederum viele Kollegen die Arbeit der Verwaltung mit größtem Mißtrauen zu betrach'en hoben und abseits stehen. Darum, Schuhmacher, auf zur Generalversammlung! Angesiellien und Arbeiisschutzgeseh. Münchener Tagung des ZdA. Beirat und Verbatrdsvorstand des Zentralverbandes der Ange st eilten nahmen auf einer Tagung in München zur Arbeitsschutzvorlage Stellung. Der Entwurf wurde von dem Borstandsmitglied Fritz Schröder kritisch beleuchtet. Beirat und Verbandsvorstand sind der Auffastung, daß sich die kaufmän- nischen und Bureauangestellten mit der im Gesetzentwurs vorgeschlagenen Arbeitsschutzregelung unmöglich zufrieden geben können. Sie fordern deshalb, daß der Kampf um einen sozial befriedigenden Inhalt des Arbeitsschutzgesetzes mit allem Nachdruck aufgenommen werde. Zu diesem Zweck beschlosten sie. einen Ausruf an die deutschen Ange st eilten zu richten, worin der Gegensatz zwischen Unternehmern und Angestellten im Kamps um die Verbesserung des Angestelltenschutzes klar dar» gelegt und die Mahnung an die Angestellten gerichtet wird, olle Kraft der Organisation dafür einzusetzen, daß vor allem der werk- tägliche Achtstundentag mit dem Sonnabendsrühschtnß. der K-Uhr- Ladenschluß und die vollständige Sonntagsruhe im kommenden Ar- beftsschutzgesetz verwirklicht werden. Aus dem Bericht des Vorsitzenden Otto Urban über die vom ZdA. geleistete erfolgreiche Gewerkschaftsarbeft für die kaufmännischen und Bureauangestellten ging hervor, daß im ver- gangencn Jahr die Milgliederzahl des Verbandes um rund 25 000 gestiegen ist. Auch die Finanzlage des Verbandes hat sich, wie der Kassierer Emil Wucher darlegte, sehr günstig entwickelt. so daß auch finanziell die Schlagkraft der Organisation beträchtlich zugenommen hat. Das Vorstandsmitglied Otto Hausherr gab einen Bericht über die Arbeiten der Abteilungen der Behörden» a n g c st e l l t e n. Bei dieser Gruppe ist der ZdA. seit langem die führende Angbstelltenorganisation. . Tarifkündigung in der chemischen Industrie. Die Tariskommission der Arbeiter der chemischen Industrie hat zu dem Ablauf des Lohnoertrages Stellung genommen und beschlosten, den Vertrag zum 31. März d. I. zu kündigen. Weiter wurde beschlossen, dem Arbeitgeberverbond die Forde- rung zu unterbreiten, die geltenden Lohnsätze um 10 P f. pro Stunde zu erhöhen._ Vefgarbeiier-Ztlieruaiionale in Genf. Gens, 28. Februar.(Eigenbericht.) Das Cxekutrvkomfte« der Bergarbefterinternotionale nahm am Dienstag in den Räumen des Internationalen Arbeitsamtes in Genf zu der bevorstehenden Besprechung der Vertreter der Bergarbefter mit dem Kohlenausschuß der Wirtschaftskom» Mission des Völkerbundes Stellung. Es waren Vertreter der Bergarbeiter Belgiens, Deutschlands, Englands, Frank- reichs, Oesterreichs. Hollands. Spanien« und der Tschechoslowakei erschienen. Die Sitzung wurde von dem Vorsitzenden der Bergarbeiter- internationale Smith-London und dem internationalen Sekretär D e l a t t e- Brüssel geleitet. Deutschland war durch B e r g« r und L i m b e r tz oertreten. Die Debatte ergab prinzipielle Einmütigkeit darüber, als Bergarbeitcrinternational« ine Bildung elne» inter- nationalen Sohlenorgan» zu fordern, an dem Arbeiter, Unternehmer. Verbraucher und Regierungen gleichberechtigt beteiligt sind. Dieses Organ soll Kohlenproduktion und Kahlenabsotz international über- wachen und regeln. Am Mittwoch vormittag beginnt die erste Aussprache der Bergarbeiter mit dem Kohl«nau»schuß. uitter Leitung des deutschen Staatssekretär» Trendelenburg. Die Prokest Versammlung der Berliner Schauspieler hat nicht — wie im Bericht im.Abend" versehentlich erwähnt— den Ketten- Handel mit Theaterkarten, sondern den Kettenhandel mit Theaterpachten kritisiert. SPD..S«n»ise» her Ulstei». Dvnn-r-Ä-q. 2S, Februar, 17 Uhr. im„Alcranbriner", Alexanbrlneiistr. 37b. Rufaminrnfunft der fftaltton Amsterdamer Richtung. Stellungnahme zur B-triedeversanunlung. Die Fealtioaeleitnng. zentealneeband der Schuhmacher. Heu!«. Mittwoch, 17% Uhr, Jahres- Generalversammlung im Saal 4 des Kemerkschastshauses, Engelufer 23. Aasten. und Grschäftsdericht: die Lohnforderungen in der Schuhindustrie: Reuwahl der Ortsverwaltung und der Aommisston. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. verband der Male«. Lackierer, Anstreicher»Iw. Freitag, l März. l»% Uhr. Mitgliederversammlung im Berliner Gewerkfchaftshaus, Engelufer 24—23, Saal 4..Die Situation im Moler» und Lacklererberuf." Referent Verband» Vorsitzender Kollege Ratz. »Freie Gewerkfchafis-Iuaend Groß-Verlin f Heute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen die Gruppen:»anmschnlenweg! Gruvpenheim Jugendheim Baumschulenweg, Srnltstr l«. Vortrag: „Sexuell« Fragen."— Zentrum: Gruppenheim Jugendheim Zebdenicker Stratz« 24—23. Vortrag:„Wir und die gelben Dewerttchoften."— Welfjcni«: Gruppeuhetm Weisienlee, Parkstr.«!. Vortrag:„Iugendrechr und Iuaeudtchutz" — Läden, Südwesten: Grnppenheim Stadt. Jugendheim Borästr. U, Fabril- gebäude. Vortrag:„Aus der Tarif- und Streidpoliti? der deutschen Sewerk- schatten."— Reutelln: EruppenZxim Jugendheim Bergstr. 20(Hof). Bortrag: .Die Organisation der Wirtschaft."— IugenMuesu, Rordlreia im Zugendheim der Schule Sonnenburger Str. 29. Beginn des HI. Kursuzodschnitti«:.Au» der Geschichte der Arbeite»,«' �.—- schaftsbewegung. Aus der Partei. Die internationale sozialistische Kommission zur Abwehr bes Faschismus teilt mft, daß sie in Uebereinstimmung mit bsm Reichs« banner und dem österreichischen Schutzbund den von Barbusse zum 9. und 10. März nach Berlin einberufenen'internationalen Antisaschistenkongreß nicht beschickt. Der Kongreß wird als kömmuniftifchcs Keimzellenmanöver betrachtet. Owleoduogea für diese Rudrit find veelta S««. Linderistratz« 3. parteinachnchtenj��fürGroß-Berlin stet, an da» Beztolssetretartat 2. Hot. 2 Trep. recht». 4« richte», 2. Kr», Tiergarten. Donnerstag. 28. Februar, 1»% Lhr, t» bcu Arminir». Halle», Bremer Str. 72—73, Kreismngliederversammluug. Fortsetzung de» voetiage» de» Genossen Professor AbramowUsch:.Der Werdegang der rnifi. scheu Revolution." Sit Keeiosanktionäre werden wiederum gebeten, voll- zählig zu erscheinen. 4. Kreta Prenzlauer Berg. Achtung, Abteilungsleiter! Sämtlich« Anträg« zum Kreisvcrtretrrtag müssen bis spätestens Sonntag, 8. März, in Handelt «s Kreislerters Adolf Döhnert, Berlin NO. 33, Carmen. Cnlva-Str. 04. sein.— Montag, 4. März, pünktlich 19 Uhr, Sitzung des«rweitcrren Kreis. Vorstandes bei Klug. Danzigcr Str. 71. 7. Kreis llharlottenbnrg. Sonntag, 3. März, 18 Uhr, hall Prosestor Li-pmaa» «inen Bo»raq mit Film:„Das Werden de» Menschen" im Bortragrjaal de» Krankenhauses. Berliner Str. 137. llnlostenbeitrag 2« Pf. 9. Kreis Wilmersdorf. Die für Donnerstag. 28. Februar. 2V Uhr, in de» Hindenburg.OberrealfchuIe, am Eeepark, sestgcsctzts Torrragsreihe des Ge» Nossen Wvrmann fällt wegen Berhinderung gänzlich aus. 13. Kerl, Zempelhof. Donnerstag, 28. Februar, pgnltlich 19Vi, Uhr. in Lokal Ra-Li, Mariendorf. Shausterstr. 318, Kreisnertreteroersammlnn«. heute, Mittwoch. 27. Zehruar. 8. Att. IKlh Uhr im Rationalhof, Blllowstr. 27, Mitgliederversammlung. Portrag:„Reichstag und Sozialpolitik." Referent Siegfried Autt Häuser, M. d. R. 14. Abt. 19V4 Uhr in der Schulaula Putbuster Str. 3 Mitglied erver. lammlung. Bortrag:„Das Konkordat." Referent Willi, Schneider. St. Abt. e Hailottenburg. 8. Gruppe: 20 Uhr Zahlabend bei Schutz. Wallstr.«g. Vortrog und Eruppenangeleaenheiten. 78. Abt. Dchänrberg. 20 Uhr Mitgliederversammlung des Rosenthal. Eber»- strotze 60. Vortrog:„Der Stand der Sozialversicherung und ihr Ausbau." Referent Genosse Backhaus vom ADGV. 127. Abt. Kohenfchönhansen. Kolonie Meitze Taube: 29 Uhr Mitqliedervrr» sammlumg im Lokal Rutzkt), Dingelliiidter Str. 83. Vortrag:..Strafrecht» resorm." Referent Wilhelm Luninski. Morgen. Donnerstaa. 28. Jcbniat. 18. Abt. Die Mitgliederversammlung am Mittwoch fällt aus. Dafür Donners» tag Kreismitgliederoersammlung. 47. Abt. We Seifer der Freidcnkerbewrgung sowie die Bezirksführer werde« zu einer Besprechung bei Licr, Ranngnstr. 9, eingeladen. 184. Abt. Riederfchöneweide. 30 Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38, Vorstands» sitznng mit samtlichen Funktionären.' 188. Abt. Köpenick. 1SZH Uhr Vorstandssitzung mit den Bezirksführern an be» karniter Stelle. 131. Abt. Rieberfchönhanfen. 28 Uhr Sbcrt-Gcdächtnisfeiet im Lokal Sansfonei» Nordend. Festredner Robert Breuer. Eintritt frei. Frauenveranstaltungen. 'W 8. Keei, Wilmersdorf. Heute. Mittwoch. 27. Februar, 20 Uhr. im Biktoriagarten, Wilhelmsoue,..Wilhelm-Bus�Abenb. Bortragender es Genosse Puggi Muck. Antzerdem Ansprach« de» Genossen Hans Woymod l-ft über die kommenden Kommunalwohlcn. Anschlietzend gemütliche? Bei. inj fammenfein mit Tanz. Kgrten zum Preise von 30 Ps. das Stück sind»Y j noch an der Kasse zu haben. W 18. Kreis Ponlow. Dampferfahrt am 3. März, 2 Uhr, ab Iannomitzbrück» nett dem Dampfer„Mnlermärchen". Bezirksmisschusz für Arbeiterwotilfahrk. t, Kreis vebblng. Donnerstag. 28. Februar, 20 Uhr. Ledigenheim Schon« stech tstr. 1, S. Stock. Ardeitsgemeinschaftsabend aller Seifer. Fortsetzung de» Referat» über„Die allgemein« Wohlfahrtspflege und Fstrsorgevetordnung" de« Genossen Hartwig. Alle Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt, insbesondere dt« Helfer der Bohlsahrt». und Iugendkommsssionen sind eingeladen. Wir machen auf die Arbeiterwohlfahrtskonkerenz am Mittwoch. 27. Februar, Im Hackefchew Hof. Rosenthaler Str. 40— 41, lO'.i Uhr, aufmerksam. Rot« Arbeiterwohiiahrts» ausweise sind vorzulegen. Zuagfozialistea. Gruppe Baumschnlenweg: Heut«. Mittwoch, 1»!4 ilh«, im Heim Ernststr. 16, Bortrog:„Ehe und Familie r» der Gesellschaft." Reterentin Anna Hortoch. Parteigenossen find eingeladen.— Gruppe Reukölln: Heut«, Mittwoch, 20 Uhr, im Jugendheim Gongboferstratz«(Baracke), Vortrag:„Die Entwicklung de» Sozialismus." Referrntin Dora Fabian.— Gruppe vedd!ng.S«I»ndbrnnneni Heut«, Mittwoch, 18Zä Uhr. beteiligen wie uns geschlossen an der Mitglieder. Versammlung der 20. Abteilung her Wende, Solo niest«. 147. Bortrag des Ge« Nossen Engelbert Graf. Geburtskaae. Jubiläen usw. 88.«cht. Renkill». Bezirk Siedln�: Uns««« liebe» Genosse» Morti« Lancke und seiner Ehefron»nt Siimrehm�ell die herzlichsten GlLSwSusche, Sterbetafel der Groß> Berliner Partei«Organisation s M 32. Abt. Am Freitag. 22. Februar, n erstach unser S-noss««rich Pg f ch, Holzmarktstr 88. Ehr« seinem Andenkenl 88, Abt. Schinebe eg. Am 23. Februar verstarb»ach längerer«jsnfteitz mefer langjährige» Mitglied Paul Ellenbeck. Baumelfterstr. 8. Di, Ab. teilung oerliert r» dem Berstorbenen einen treue» rührigen aenossen und Funk» tianär. Ehre seinem Andenkenl Einäscherung am Donnerstag. 11 Uhr. in» Krematorium Serichtstratze.___ Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold'. »tschSktsstell«: Berlin«. 14. Sebastianstr. 87«. Hof 2 Tll, Ganoorstsn». Donnerstag, 28. Februar, findet um 20 Uhr in den Stadthall« Klosterstratz» eine Eoert.ssxdä-tmtisi'eier statt. Eintrittskarten sind nur bei den Ortsvereinen erhältlich.- Mittwsch. 27. Februan. Ritte Fungbonner. Da» Turnen fällt au», da die Schulen der Kälte weg«» noch gefchlossen sind. Snnitäts-Adtellnug. Generalappell der ausgebildete» Sanitäter im Gewerkschaftshaus. Engelufer 11. Erscheinen Pflicht.—«cddin». Donnerstag, 28. Februar, IS'H Uhr, erweitert« Porstandssitzur.g bei Kam. Hillmann, Razarethkirchstr. 41. Alle Sportler pünktlich 20 Uhr Turnholla iütticher Str. 4. Letzte Uebungsstund« vor dem 2. März.— Freiteg. 1. Rärh, Tiergarten. Kamerodichaft Arminiu». 20 Uhr«ameradschaitsversommlung der Schmidt. Wiclesstr. 17. Um 1» Uhr ssunkttonärsttzung. Prenzlan«,«erg. 20 Vh» bei Burg, Prenzlauer Alle«, erweiterte Boriiandssitzi'ng. Da» Ctadtbad Oder» Herger Strotze ist wieder geMfnet. Die Badeabend« finden wieder regelmätzig 'eben Freitag 20 Uhr statt. Morlneabteilnug. 20 Uhr bei Beck Uebungsstund«. Neuaufnahme für den am 1. April beginnenden Kursus find zu richte» a» Kamerod.n Banselow. Berliner Str. 80. Ritte. Eintrittefarien Zur Ellert» Gedächtnisfeier am Donnerstag, 20. Februar, sind bei den Kameradschaft»» keltiereni erhältlich.— Kchänebetg-Friebenau. Am 9. März Maskenball in den. Spichernfälen. Karten»um Preis« von ld0 M. find bei den Fuickt'onären und in der Geschäftsstelle, Belziger Str. 27, erhältlich. llebnagsstnnd« de» Rännetchor».Solidarität" miedet vsaaetstag, 2». Fs- btnar, Schule Btanbtnbntgsttatzt. «spetanto.Ptcislthtgang lfreie Fahrt Mrn. Mchavest und zehntägtst» freien Aufenthalt) eräffnet die Efperanta-Schule Berlin am Donnerstag. 2tzi Fe» druar, 20 Uhr. Im Dorotheenstädtifchen Realgnnastnm. Dorotheenttr. 12. Ein» 'chreibungen für jedermann vor Kursbeginn im Vortragszimmer der Schnle. «wegung, unter besonderer P«ttlcksicht:gung der' Gewerk. .Iuaendaruppe de«!?entralverbandes der Anaestellten Heute. Mittwoch, folgende Leranftaltuugen: Gesunbbrnr.aeu: Zugcnd. hc'M Schünstcdtstr. l> Ledigenheim),«ir lesen aus unterem Fahrten- buch. � Osten: Iug"'' dheim Schule Liiaper Str. 18. Wir lesen au» ber Schrift von Hugo Haase:„Die Seclcnverfassung des Jugendlichen."— Sera lau: Zugenh. heim der Schule Gotzlerftr. 01. Vortrag:„Mehr Schutz der Arbeitskraft." Referent Otts Lamm.— Neukölln: Zugendheim Böhmische Str. 1—4. Lieber- und Musikabend.— Südost! Jugendheim Wrang«! irr. 128. Borlrag:„Modern, Evziehungsprobleme" Referentin Martha Schultze.Frentzel.— Spandau: Zuoerdheim Lindenufen 1. Bortvag:„Presse und Arbeitnehmerschaft.'" Restant Redakteur Lezinstlp.— Patsda»! Zugendherberae Rvwawe«. V-iesterstratze. Tortrag:.We? ich im Ge'ängni» sah." Retzenent Wilhelm Sewisstll. weUerberichl der S stentlichen wellerdlevstsielle Lettin und Umgegend (Rachdr. verb.). Teils beiler. teils wolkig, ohne wesentliche Schneefälle, mätziger Frost.— Astr Devlschwvd: Auch tm Süden Abkühlung mit Schneefällen, im übrigen Reich« Fortbestand deS zeitweise heiteren Froft- wetter«. für dee Gesundheit I FiehlBgerTersiDdstellc, Berlin S¥l! Seböaeberger Str. lba. Tel. UHmvKSMMI Reue Gardinen bei Israel. ?n einer reich beschickten, geschmackvoll arrangierten Ausstellung i?s!gl das Kaufhaus Israel, Königstraße. Neuheiten auf dem«Äsaieke oer Fenstei�ekoration. Zart gemusterte und bunt de. druckte Slndanthrenstoffe au, Voile, dann schwerere farbig gewebte oder in sich gemusterte Kunstseide, behaupten nach wie vor siegreich das Feld. Dazu kommt als Neuheit ein kunstseidener Stoff, Wollin genannt, der sich durch besonders geschmeidigen Fall auszeichnet. Für Herren- und Speisezimmer gelangen tunstseidsne Rips- und Dekoral-onsstofse zur Verwendung. Aber auch hier wählt man mit Rücksicht aus genügende Licht, und Luftzufuhr möglichst heil« zarte Farbtöne. Die Form der Gardine zeigt«in« ruhige klare Linie. Ms einziger Schmuck dienen Fransenteile in den Gardinensarben«in- xa'irbt. abgeitust, gerafft oder gerade mit neuartigen Troddeln ver- arbeitet. Dem Charakter der Uebergardine angepaßt, zeigen sich auch dw Stores. Dufrigs, schlicht verarbeitele Tüll, und Filetstoss« mit V-sndcn oder Durchzugarbeiten. Für Doppelfenster sieht man sehr hübsch« dreiteilige Gardinen mit einem Mitjelpfeiler. Neben der Gardinenschau zeigt der Wäschelichthos eine Ausstellung moderner Bettwäsche. Außer der prattlschen Gebrauchswosche siebt man prächtige Garnituren in Hohlsaum, Wickelajour und Filet. Eine Neuheit ist Bettwäsche aus farbigem Leinendattist oder solch« in Weiß mit Farbig kombiniert._ Modeschau bei Kroll. Wieder, wi« im Vorjahr, strömt— man möchte fast sagen: stürmt— eine Meirfchenmeng« zu Kroll, um die Modeoorführung das schöne Kleid zu sehen. Bis aus den letzten Platz war der Riesensoal gefüllt. Zu sehen war alles, was es im kommenden Tum- wer an Mode gibt. As besonderes Moment sei hervorgehoben, daß das Vollschlanke sich siegreich durchsetzt. Di« Frau sieht endlich wieder fraulich aus und so soll es doch auch wohi sein. An Farben wenden r o t, g r ü u und blau bevorzugt. Die Kleider. besonders die leichten Sommerkleider, werden zum größten Teil «rne gm? kurz und hinten bedeutend Ninger getragen, auch zipfli? und zackig, was bei den leichten Stoffen entzückend aussieht. Bei Wollkleidern trägt man mehr den Faltenrock. Leider kommt es ad und zu vor, daß die Bluse wieder in den Rock gesteckt wird Wollmusselin wird sehr bevorzugt. Kostüme nur mit kurze? Jacke. Her lange Aermel hat den Vorzug und ist unterhalb des Ellbogens reich garniert mit Volants oder Serpentinvolants. D'c Kleider werden außerdem vielfach mit Bolerojäckchen getragen. Unter den Hüten regiert die kleidsame Schute R e s i L a n g e r, die drollig« und drastische Diseus«, sagte mit Recht i Raus aus der alten Pell«, rein in die neu«! Wenn sie uns noch oerraten hätte, wo man für die schönen Sachen das schöne Geld hernehmen soll. dann war« alles in Butter gewesen. Trlort F«chi»>»r. Mit oeHent Recht mißt ntorn Bei Sicht fcet Cfiitjniisfvie 5 der affltHt* den zrSßten Bert bei. Da nun da» Fqchinaer Walk««i-u I-hr alückliche prnvsrttonel!« gosammensetzuna seiner Bestandteile ausweist, wird-» bei Sichtleiden allersrt» mit großem erfolg angewendet. Adtiong, Affllmig! Hier Arteitsamt Berlin-Milte. Im März geben wir durch Rundfunk an den Wochentagen IHciistag, Donnerstag».Sonnabend um 18.30 Ohr für Arbeifer und Angestellte wichtige Mitteilungen über ottene Arbeitsplätze, Lehrstellen, über Neuerungen in der Arbeitslosenversicherung und andere arbeitsmarktpolitische Angelegenheiten. Die Arbeiter und Angestellten hören diese Mitteilungen regelmäßig ab. C Theater, Lichtspiele usw. iMBTAOPOl-THCATER« U. Lustige Witwe mit FRITZI MASSARY SR. SCHAUSPIELHAUS SU. M«r nach 3 Taget CASANOVA Max Hanssn, Elleet, Jankuhn, Junkermann. SehaaOera. 2. Mir» T1', Uhr Premiere Dar lieb« Auguslin V orrerkani\kmk bcAomiaL. ZWEI CHARELLINSZBNIERUNQEN Sonntaa nehm, a Uhr ungaM�to Vorstailung au kleinen Preisen. Mittwoch!' 27 3. Staats-flpsr Unwr d. Linden A..V.« 20 Uh» Staals-fijier .Zm P! j.RepubL R-S. Sl I», Uhr Hittwoeh j 374 SiSdiOper Bi>inarcK$;i. Tarnu» M t» Uhr Staatl, Itopb. Ar-V,» t» Uhr InMmm Imelo Stasti.S£lilÜ£r-!l]eBter,CliarlüL » Uhr Cssssenstar «v.ubr CASBIO-THEÄTEH Lo,,.r n er Siran, J7. KiiomBttPiiattctien Dazu«ig«rstklassittr bantcr lail rfirunMr«UM*rüuischein Illr l-n, Per». pHU'euii nur I.lj S«»�> I.AS M. onstisePrel», Park, 11 u. Ran»"W M. ISMYÄi'WW IhMtar m dar «»»«»srataar«irada d'l« Uhr Bsvolteiv BrzleliHflgsU» Schauspiel wqn P. M. Lampel- KomOdlenhaus g>. Orsterrclehcr Thestet t(S W85IS«! TagL»>/. Uhr »er gräbt« Erfolg Berlin« 'Friederike tllustl»VN ectze« Erika v. Thcllmann Carl Zi-gisr fStaaiaop Wim! Lmstedt, limdvrg, Sen, SSSlar, Lesd-rwan.. tu, «arwt und Raff» an unter drochen «etnvLSlt�r,«« Trlanon-TH. Tifflich OU. Uhr Verschwörer voiüsDimne FUtttr an Sülivtliti (Uhr Irenzihnaliffle THatw a« SdiHDaiurdaDiB 8 Uhr Sit Dni-Groaliffl- Thalia-Theater « Uhr Oeiransch StMlUdiilWi. H Uhr O�npiisler Siutsaparaa Pteu («iSWOUk TL» jh- flu ÜÜlfllMCHlülffl Tdglieh N Uhr P�ulaan. Vaiatfl. Ander, Oerron. SchauruE, Kühl. Lvovtku Norden IZÄ» *U, Ende gag. IO»A Vtibir tm Viiisv von Shakaapeare Regie; Heina Hilpan Jle KomOdie »Ismarck 24i«/7iI6 8V» Uhr. Ende lOVi .Olympia" -on(-ranz Molnar Regie Porstar wrinaga. Hatumenpiele Norden i23iü 8 Ulir, Ende lOMiUkr Jttbii EniitBu" KomBdie von Edouard Boordek Regie; Porster Carinaga. Serllni!! Mr DirektHeinzHeraid ;ii»flWl,nsir»ds Vi A. 7. Dänhoff t7n TSglieti 3 Uhr» Uhi 3 X Hechzeit (Abic'S ii'lslr iio»w ein» hm». «nw»»n' IIIIUIIII«" —«««««uun»'' "—Umiumu*» reinigt VIM Ihre Küchengeräte aus Holz/ Ein wenig VIM darauf und blank, und rein sind sie wieder. Nichts reinigt so rasch und gut «.s/w wie"VIM. ämanfral- 1111 mioti. ick».rn.rati racitch S1/» Jhr Heute tarn TS. Mal« ich«IM« ihre Hand.madame ßln Spiel von Liebe und Lonz mit dem g!eiclin»m.6chlager Rondjonkhörer Preise Renaissance« Theater Hardinbrrgstr. S. Tel.: Stoinpl. 901». 2585,84 S'j» Uhr. Zum«0. Male; SV» Uhi Di« WoitiirtolgskOMilWs wOes große ABC* von Marcel P«"nol Res GasLKurtoDB. laPrgmiernMttu. rheatar a.Kottbuaser icr Kotlbuster Str. 0 T,i. Mpi. imt. Täglich» Uhr.»aeh Sonntar 1»ehm. 3 Uhr IcrmlS, Preis« Vitt»»Anssr gUe llnrerglricbUetmn. ihm. PraiamineiTHi*gl«Ilm(Wim Plath. Kilesticr-Th. Oer Zinker v. Edgar Wallsce «NW«st, RM« Preiae 1—1» Mark I.Wing-fiieälei' laglich Vh Uhr Katharina Knie Blemei Ichii? fidlich SV« Uhr Kart Goel», Walerle v. Maries» Panl Otto in „Trio" Lustsp v.Leo Lenz, j Regie; rrlcdmoan' .'lasennani im m 'rdH. htolBlItile ilrj: Noll. 1574 16 Uhr )er Sttmhimniei im Winter 1« Uhr m.reÄ,81ne 30 Uhr werden u. ww- gehen d. Sterne s cfioaders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vorw«ri|" und tratzdem Ss§ Gebot der Stunde ist der Eintritt in den Erfl- und Fcncr- ßeslattmidsvercln QroGpBerttn.« W 35. Steglitzer Straße 66 Vollend ort««DM Parncpreeher; THW�TTTTT"üKüsöisiIsiaföü'Büei-tfftä JB..■-ck-,Tk—,-n. Jccifag. b«n I. MSr,. aoAm. S Ahr. amaM»eholz iiaunn«ide 104/1 1 fir. Bochbierlesl Daameniagi droau scftweinosehiachtsR. I Kapellen y SO harr. Madl. Einlas« Uhr. K KON LEUCHTER FABKIK Prinzenstn.32 Hen.tilank mit leiMirm wnJ?&J2c��ärt arG»i Jccifag. Ken 1. mar,, nachm.» Ahr. im Zimmer 14 de» verdandahans«». CinUaflt 8J SS �unktionärjittung aller Belriebsrni« und Veriroueiio- leulc von den Belrieben der Ardeilsgcmcinfchafl de» Berlincr krofldroschten-verdande». außer den Aunk.ionören des Fahr- personal». Taffeserdnuna irndgilliineSlellnnn. nadni? adir die zckhlldru»« der Zldlrdliill« »er Tarile mit dem Aidelldedernerb.ii.d. Wir er|ii»en die»den erwühnicu ZunlUenör». iihloe zu dieser Sitzunq M ericheinen. Zm Nahmen der Nelcho-Aafavaee- hAtongSr Sache t»vw0> huden im partarreiaal«e» Berdandahanlre. CtBtcupi.C2 81, tplfientr J?c:!rc5c;u« teil mit Filmen(latt; Wiltwech. den 27. Zedruar. 20 Uhr« .chritt d,i UniffLcn." jürftiem, Är, Fallend l> r»er, ckannarainA, den id. Zev-uc» 2» Uhr; ..chpori und erste Hill,.'«e errlU: ixna«i. Frettatz, h,n 1 Mär, M Uhr;.«t-. hlilul» l'dfi«ertrhraunlällen'. mr!.! Pr«anwldt Sanntag, den%«er,. 10 Ahr>.4,11» fcuf» Bei Umäljf n*. Stf*1 Schulje Unure Wilolleher werden-u« rege» »eluch dieser B-emiftanungen aedeien Li» Oclaaecmollring- ■ j Vo« der Reite mr&'i Dr. Th. Raohuiaisity Steglitzer Steoha 30. »■■iferfegiC| iJerilner g|Ik-H10 Nauköito, w Laiuutr.74yui