Pr. 12. Erscheint täglich außer Montag». VreiS pränumerando: Viertel- jährlich z,zo Mark, monatlich I.io Mh, wöchentlich 28 Pfg. frei in'» Haus. Einzelne Nummer s Pfg. SonntagS-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Poft-Abonnement: s.Zo Ml. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn Z M., für das übrige ilusland 3 Ml. pr. Monat. Singeir. tu der Post- Zctlungs- Preisliste für iso« unter Nr. 7a»». IS. Iichrg. JnsertionS-lSebühr beträgt für die fünfgespaltene Pelttzeile oder deren Raum eo Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis« Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vorinittags geöffnet. Firnfprecher: Zimt 1, Pr. ttv8. e«I»oram»>-Kdr«ss»: »AozialdomoKrat Kerlin". Verliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. MedaKtian: 8V. 19, Weuty-Straße 2. N u�lanv im Fahre 1895. Tas Jahr 1895 begann mit einer Enttäuschung für diejenigen, melche erwarteten, daß der Thronwechsel eine Konstitution oder selbst nur eine wesentliche Erweiterung der Ncchte der Selbstverwaltungsorgane und der Presse nach sich ziehen würde. Auf die Rede des Zaren vom 29. Januar, in welcher er die Mittheilung machte, daß er die Autokratie aufrecht erhalten werde, folgte bald sein ablehnender Bescheid gegenüber dem Gesuch der Schrift- steller um Befreiung der Presse von einer administrativen Jurisdiktion. Die Unterdrücklmg der Zeitung„Rußkaja Schisn*, die Nichterlaubniß des Erscheinens mehrerer neuer das Verbleiben im Amte der erzreaktionären linister Durnowo, Deljanow, wie auch des Hauptes der Dunkelmänner Pobedonoszew, das huldvolle Schreiben an den verabschiedeten Generalgouverneur von Polen Gurko, die Auszeichnung des Gouverneurs von Kowno Klingenberg, des Urhebers der Greuelthaten gegenüber den Katholiken in Skorri, mit einem hohen Ordenszeichen, alles ließ erkennen, daß man in den höheren Regierungskreisen an keinen Systemwechsel denkt. Doch die w ir t h s ch a ft li ch e Entwickelung drängt Rußland vorwärts trotz alle- dem! Der Ackerbau muß auf eine neue Grundlage ge- stellt werden, soll ein Ausweg gefunden werden aus der Krisis, welche infolge der alten Wirthschaftsweise, wie auch der immer wachsenden Konkurrenz aus dem Weltmarkte die bäuerlichen und adeligen Wirth- schaften mit dem Ruin bedroht. Auch müssen für die Entwickelung der Industrie auf westeuropäischem Fuße günstige Verhältnisse geschaffen werden, soll ihr Ab- sah im Innern Rußlands keine erhebliche Einschränkungen erfahren, waS infolge der Verarmung der Bevölkerung nur durch Verbilligung der Waaren geschehen kann, und soll sie ihren Absatz außerhalb Rußlands erweitern. Und wenn die Sorgen der russischen Regierung für die Hebung des Ackerbaues sich bis jetzt daraus beschränkten, daß an die Semstwos und an Vertreter der Landwirthschaft Fragen über die einzuschlagenden Re- formen gerichtet worden, so sind im verflossenen Jahre für die Entwickelung der Industrie neue günstige Bedingungen geschaffen worden. Im europäischen Rußland ist der Bau von vier großen und mehreren kleineren Eisenbahnen in Angriff genommen worden. Der sibirische Schienen- sträng ist etwa um 1400 Kilometer verlängert worden und durch das diplomatische Vorgehen Rußlands nach dem Frieden von Schimonoseki, wie auch durch die Vermittelung der chinesischen Anleihe hat sich Rußland die Eisenbahn- Verbindung durch die Mandschurei im Anschlüsse an die sibirische Eisenbahn und die freie Schifffahrt auf der Sun- gari gesichert, wodurch es niit China in nähere Handels- bcziehungen tritt, welche auch noch durch die neu gegründete rnssisch-chinesische Bank gefördert werden sollen. 30(Rachörnck vsrbolen.) Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen. „Und daß kein Segen darin ruht, da hast Du recht. Zehn Hundertthaler-Scheine hatte ich— sie sind verausgabt— der Kommerzienrathstitel kommt mir theuer zu stehen— wenn Du mit leeren Händen zurückkämst— was hast Du denn da für ein Buch?" „Es ist die Hofrangordnung, die ich von Blanka ge- liehen"— dabei war Georgine, welche ihr Kleid gewechselt, ivkdcr mit ihrem Anzüge fertig bis auf die Handschuhe, die sie iin Fortgehen anzog. Unten rief sie dem Kutscher zu:„Nach dem Parkeingange ins Schloß"— stieg ein, schlug den Kutscherschlag selbst zu, und fort fuhr der Wagen. �. Brambach sah ihr mit einer unerklärlichen Unruhe nach. Dann ging er nach dem Komptoir und schrieb an den Baron Rnxdorf. Er ersuchte ihn nicht nur um Bei- träge, sondern stellte ihm auch die Stelle als vorläufigen zweiten Redakteur mit festem Gehalte in Aussicht. Brambach dachte bei sich: Seinen Aufsätzen nach ist er ein feingcbildcter, belesener Mann, der sich nicht anbieten will, aber zugreift, wenn ihm eine einflußreiche Stellung und festes Einkommen angetragen wird. Jnteressirt er sich ernsthaft für Clotilde, so wird er annehmen, gute Aufsätze bringe», um sich der neuen Stelle gewachsen zu zeigen. Diese Stimmung suche ich für mein Blatt anszu- nutzen. Ich lerne ihn näher kennen. Da er nicht reich ist, denn sonst schriebe er nicht für Honorar, so wird es ihm nicht anstößig sein, eine Bürgerliche zu heirathen, die ihm eine ansehnliche Mitgift bringt. Ich bin Kommerzienrath geworden, warum sollte Clotilde nicht Baronin werden? Könnte ich nicht auch den Adel erhalten? 23 Die Besorgnisse, welche Georgine erfüllten, sollten sich nur zu bald als berechtigt erweisen. Die kurze Fahrt Eine wesentliche Vorbedingung für die Hebung der russischen Landwirthschaft und Industrie ist aber die Er- höhung des Niveau des Bildungsgrades des russischen Volkes, dies wurde der russischen Regierung ini verflossenen Jahre unaufhörlich wiederholt von den Semstwos, welche in Ver- bindung mit dem Petersburger und Moskauer Komitee für Volksbildung Tüchtiges für die Verbreitung der Bildung im Volke geleistet haben, und wenn auch die Regierung die auf Verbreitung der Bildung gerichteten Bestrebungen aufs strengste überwacht und ihnen verschiedene Hemmnisse ent- gegensetzt, weil sie eine mit der Bildung verbundene Er- höhung der politischen Einsicht des Volkes befürchtet, so wird die allgemeine Volksbildung trotzdem infolge ihrer wirthschaftlichen Bedeutung jeden Tag mehr zu einer unabweisbaren Nothwendigkeit. In den Industriezentren, in welche die stets zunehmende Zerrüttung der bäuerlichen Verhältnisse immer neue Volks- maffen treibt, haben die Arbeiter durch mehrere große Streiks einer Verschlechterung ihrer Lebenslage entgegenzutreten ver- sucht. Waren dies in den meisten Fällen noch vereinzelte Ausbrüche der Unzufriedenheit der Arbeiter, so giebt es doch schon einzelne Gegenden, in welchen der sozialdemo- kratische Gedanke bereits in die Arbeitermassen gedrungen ist; und daß es sozialdemokratische Arbeiter bereits in ganz Rußland giebt, davon legen die zahlreichen Ver- Haftungen von Arbeitern in verschiedenen, weit von einander entfernten Städten Zeugniß ab. Da die Regierung für die Ausdehnung der Industrie und die Hebung der Volks- bildung selbst sorgen muß, so wird sie ihren eigenen Unterdrückungsmaßregeln zum Trotze auch fortfahren, die Vorbedingungen für eine Weiterentwickelung der Arbeiter bewegung zu schaffen. Bei ihren Maßregeln zur Hebung des Ackerbaues und der Industrie sah die Regierung, da die Bureankratie allein diesen Aufgaben nicht gewachsen ist, sich genöthigt, die Hilfe der„Gesellschaft" anzurufen. Die Semstwos, eine berathende Versammlung von Landwirthen in Petersburg am Anfang und der landwirthschastliche Kongreß in Peters- bürg vor dem Schluß des Jahres, sowie ein Kongreß für Be- rathungen über die Richtung einer neuen Eisenbahnlinie wurden über die vorzunehmenden Reformen befragt, Ver- treter des Handels und der Industrie zur Theilnahme an Kommissionen, die neue Gesetze ausarbeiten, zugezogen. Dieser durch die Verhältnisse gebotene nähere Kontakt der Regierung mit der Gesellschaft giebt der letzteren den Milth, in Jntereffentenvereinen wie auch in der Presse und in den Semstwos ihre Wünsche etwas energi- scher als früher auszusprechen. Eine Folge dieses Kontaktes scheint auch die Ersetzung des Ministers des Innern Durnowo durch Gorcmpkyn, wie auch die angekündigte Reform des Auswcisungs- und Gefängniß- wesens zu sein. Es ist auch zu erwarten, daß durch energische Forderung des Rechtes seitens des Bürgerthums kam ihr unendlich lang vor. Sie zählte schon im Wagen das Fahr- und Trinkgeld ab. Es mutzte sehr ansehnlich gewesen sein, denn als sie es beim Aussteigen dem Kutscher überreichte, bückte sich derselbe so tief, als habe er die Königin selbst gefahren. Der diensthabende Hoflakai begegnete im Schlosse zu- fällig der Ankommenden und theilte ihr auf Befragen mit, daß Fräulein von Boheimb für niemand zu sprechen sei. Georgine, die diese Weisimg als nur für sie erlassen betrachtete und Entdeckung und Verrath nntterte, bekam einen solchen Schreck, daß sie wie von einem Ohnmachts- anfalle schwankte und ihr Geldtäschchen dabei verlor. Der Lakai sah, wie Georgine Halt suchend, an den Thürpfosten sich lehnte, und hörte w,e zw« große Geldstücke am Boden hinrollten. Jnstinktmäßig bemühte er sich zuerst um das Geld. Georgine sah dies kaum, als auch schon ihre Geistes- gegenwart neu erwachte. „Suchen Sie später," begann sie,„das Geld soll Ihr Eigen sein, verschaffen Sie mir nur Eintritt bei meiner nahen Verwandten, dem Fräulein von Boheimb. Ich fühle mich plötzlich unwohl und sie hat Mittel, die mir Helsen." Der Hofdiener stutzte, nahm das Geldtäschchen auf, und gab es Georginen niit den Worten, die Mitleid und Hab- sucht ihm diktirten, dabei mit den Augen suchend: „Ich soll niemand vorlassen, die Zimmer werden neu hergerichtet— da Sie aber eine Verwandte sind—" „Kousiue..." „Und leidend sind— so will ich Sie zu Fräulein von Boheimb bringen." „O, ich weiß schon wo ihr Zimmer ist," sagte Georgine voranschreitend. „Dort ist sie eben nicht." „Nicht? Das war ein neuer Schlag für Georgine. denn sie wollte mehr zu Blanka's Zimmer, als zu ihr selbst." „Ich sagte Ihnen ja, die Zimmer werden neu her- gerichtet, Fräulein von Boheimb ist nach dem rechten ß-rpedition: 8V. 19, Aeuth-Straße 3. und der Arbeiterschaft auch auf gesetzlichem Boden noch manche werthvolle Errungenschaft zu erreichen sein wird. Die Arbeiter werden insbesondere dafür zn sorgen haben, daß die bestehenden Arbeiterfchutz- Gesetze strenge Anwendung finden und das Material herbei- geschafft wird, nni die Nothwendigkeit ihrer Er- Weiterung darzulegen. Aber die Verivarnungen der „Rnßkija Wjedomosti", die Unterordnung des Komilee's für Volksbildung unter daS Ministerium der„Volks- Aufklärung", die Verhaftungen in Petersburg— alle diese Ereignisse der neuesten Zeit zeigen, daß die Regierung ihrem Wesen nach die alte bleibt und daß auch jetzt kleine Re- formen, wie das früher mit den großen der Fall war, nur dazu dienen sollen, die Position des Despotismus zu bc- festigen. Die Beseitigung des Absolutismus wird daher das"Ziel sein, auf welches die vorgeschrittensten Elemente der Bürgerschaft und der Arbeiterschaft in Rußland auch in dem neuen Jahre steuern werden. Der GevichksMnv in dev Skrafprozrtz Ans juristische» Kreisen wird uns geschrieben: Der jetzt dem Reichstag zur Berathung vorliegende Ent- wurf einer Novelle zum Gerichtsverfassungs- Gesetz und zur Slrafprozeb-Ordnung schlägt eine Aenderung der Vorschriften beim Gerichtsstaude vor. Wenn man bedenkt, welche Airfregnnz es in den Blättern aller Parteien verursacht hat, als vor etwa Jahressrist mehrfach die Redakteure der Zeitungen an irgend einem beliebigen Orte unter der Begründung zur Rechenschast gezogen wurden, daß die Zeitung auch dort verbreitet, und des- halb auch dort die strafbare Handlung verübt sei, dann hätte man erwarten solle», daß die Novelle dieser Frage näher trelen würde. Man hätte dies um so eher bei der diesmaligen Novelle er- warten sollen, als schon die Kominission der vorjährigen Reichs- tagssession, wenn wir nicht irren, auf Antrag des Genossen v. Bollmar, sich für eine gesetzliche Festlegung des Gerichtsstandes bei Preßdelikten ausgesprochen hatte. Der Entwurf hat dem nicht Rechnung getragen. Er schlägt nur insofern eine Aenderung des Gerichtsstandes vor. als ein neuer G e r i ch t s st a n d der Ergreifung begründet wer- den soll. Bevor wir diesen Gedanken erörtern, möchten wir noch die Hoffnung aussprechen, daß auch dieses Mal die vom Reichs- tage für die Berathung der Novelle einzusetzende Kommisston sich der Presse annehmen wird und daß ein Antrag gestellt werden und zur Annahme gelangen wird, wonach gegen die Zeitung nur dort ein Strafverfahren eröffnet werden kann, wo die Zeitung erscheint. Nicht blos die Verschiedenheit der über Preßdelikte entscheidenden Gerichte, wie es von. Bayern aus, wo hierfür Schwurgerichte zuständig. angeführt ist, auch die ganze Geschäftslage einer Zeitung, die Erschiverung der Vercheidigung, vor allem der Umstand, daß die der Zeitung obliegende Aufgabe an dem Orte ihres Erscheinens am richtigsten beurtheilt werden kann, sprechen für dies» Anordnung. Was den neu zu schaffenden Gerichtsstand der Ergreifinrg betrifft, so bestimmt der Entwurf, daß der Gerichtsstand auch Flügel einquartirt— hierhin," dabei schritt er dienstfertig in entgegengesetzter Richtung voraus. Georgine wandte sich und folgte ihm fast mit Wider- streben. Ihre Unruhe erneuerte sich. Sie schien das nutzlose ihres Besuches vorauszusehen, sie hätte ihn am liebsten vor- schoben. Der schöne Vorwand, der sie hierhergcführt, sollte ihr nicht zu ihrem eigentlichen Ziele verhelfen? Doch er konnte allein ihre Aufdringlichkeit entschuldigen, sie konnte ihn nicht unausgeführt lassen, da Bergkuhn morgen »achfragen wollte. Außerdem hoffte sie noch auf einen ihrem Vorhaben günstigen Umstand. Ihr Führer blieb vor einer Thür stehen und klopfte. Kein Herein. Er klopfte nochmals. Nach einiger Zeit öffnete sich die Thür und Blanka selbst sah heraus. Sie schien erzürnt. Als sie neben dem Kastellau Georgine erblickte, bewogen Erstaunen und Neugier sie dazu, die Thür weiter aufzumachen mit den Worten: Du? Ist's denn etwas Außerordentliches, was Dich her- führt?" „Ja," erwiderte Georgine und trat schnell ein. Der Hoflakai schloß hinter ihr die Thür, froh, mit einem zürnenden Blick weggekommen zu sein. „Ich habe mit Cnrt von Bergknhn gesprochen, er läßt Dich grüßen," begann Georgine. „Mich? Wo sprachst Du ihn?" forschte Blanka, indem ie Georginen bedeutete, neben ihr anf der gelb damastnen Ottomane Platz zu nehmen, von Bergknhn war ein Name für sie, der alle trüben Regungen verschwinden hieß. „Denke Dir, im Bazar knüpfte v. Bergknhn ein Ge- spräch mit mir an"— antwortete ihr Georgine. Sie er- zählte nun niit großer Ausführlichkeit die Bazar-Angclegcu- heit. Aller Einzelheiten erwähnte sie, der Leutseligkeit des Königs und seiner Huld gegen Clotilde gedachte sie niit besonderer Umständlichkeit. Blanka rückte ungeduldig anf ihrem Platze umher, endlich rief sie:„Aber Bergknhn? Was sagte Bergknhn?" „Er sagte mir— nachdem seine Frau mir iin Namen dort begrlindet ist, in dessen Bezirk der Beschnldigte ergrissen worden ist. Die Motive führen als Grnnd au, daß häufig der auf grnnd eines Steckbriefs verhaftete Verbrecher sofort bei seiner Festnahine ein Geständniß ablege und doch wegen Mangel eines Gerichtsstandes von einem Ende des Reichs bis zum anderen transporlirt werden muß. Derartige Trans Porte führen uiiverbältnißmäßige Belastungen der Staatskasse »nd bedenkliche Verzögerungen der Aburtheilung wie auch unter Umständen große Härten gegen den Angeschuldigten herbei. Wir müssen rügen, daß diese Begründung der statistischen Beweise entbehrt, daß sie ihrem Gedankengange nach die vor- geschlagene Ätenderung nicht rechtfertigt und daß sie vor allem sich i»it dem Wortlaut derselben nicht deckt. Es wäre interessant zu erfahren(uns liegen die kriniina- listischen Nachweise darüber niomenta» nicht vor), bei welcher Anzahl von Delikten Steckbriese erlassen, verde», bei wie vielen von diesen der sSchuldige ergriffen wird und ein wie großer Prozentsatz von Ergriffenen dann ein so weitgehendes Gestand- niß ablegt, wie es die Motive annehmen. Vielleicht fördern die Beratbungeu der Kommission oder das Plenum des Reichstages mehr Material hierüber zu tage. Es wäre ganz fesselnd zu hören, bei welchen Delikten die vorgetragenen Mißstände sich gezeigt habe»— und woher der Ruf nach einer Aenderung ge- kommen ist. Selbst wenn es sich nun um eine erhebliche Anzahl von Fälle» handelte, warum soll man dann nicht in der Vorschrift klipp und klar sage», der Gerichtsstand ist auch bei demjenigen jGericht begründet, in dessen Bezirk der Beschuldigte ergrissen ivorden ist, wenn er st e ck b r i e f l i ch v e r f o l g t w a r u n d b e i seiner erstenVernehmling ein volle sGeständniß ablegt. Dann kann man wenigstens sicher sein, daß der Gerichtsstand nicht auch i» anderen Fällen für begründet erachtet wird, wo er nicht blos im Sinne des.Entwurfs, fondern auch im allgemeinen eine große Härte gegen den Angeschuldigten wäre. Da meistens der Wohnort und die Vornahme der strafbaren Handlung zusammenfällt, so hatte der in Hast befindliche Ver- brecher doch den Trost, den Besuch seiner Verwandten oder Freunde zu erhalten, ein Moment, das bei der Aburtheilung am Ergreifungsorte fortfiele und dessen psychologisch günstige Wirkung gewiß nicht übersehen werden sollte. Die Begründung irrt auch, wenn sie meint, daß die Unter- suchung sich unnütz verzögert, wenn der Transport des Er- griffen en nolhwendig wird. Man übersieht dabei, daß ohne Akten die Untersuchung nicht geführt werden kann und daß erst der Staatsanwalt zu Metz mit dem zu Memel(um mit der Vorlage von einem Ende des Reichs zum andern zu wandern) sich verständigen muß, wer die Sache führen.soll. Gefangene Verbrecher werden schneller transportirt, als Akteusendnngen erfolgen und Korrespondenzen über die Kompetenz erledigt werden. Wir glauben, daß die Aburtheilung durch die vorgeschlagene Aenderung nur verzögert werden würde. Nach dem Entwurf kann der Gerichtsstand auch auf den nicht geständigen Verbrecher angewendet werden. Welche Erschwerung der Vertheidiguiia es sür diesen haben kann, hunderte von Kilometern von seinem Wohnort entfernt zu sein, liegt aus der Hand. Bleibt also noch übrig die Bezugnahme aus die Belastung der Staatskasse. Auch sie greift bei dem nicht geständigen Uebel- thäter nicht durch, denn die Reise von so und so viel Zeugen ist viel kostspieliger als der einmalige Transport eines Fest- genommeneu. Abgesehen davon aber, wir meinen, daß finanzielle Gründe nicht in betracht kommen dürfen, wo auch nur die geringste Möglichkeit einer Beeinträchtigung der Garantien des Beschuldigten oder seiner Verthcidigung vorliegt und versagen diesem Motiv erst recht die Berücksichtigung. Volikiftchv MeberZlcht. Berlin, 14. Jalluar. Tie heutige Sitzung des Reichstages gehörte den Juristen, und da die Juristen sich namentlich in Deutsch- land durch Länge und Langweiligkeit ihrer Reden aus- zcickmen, so war sie nichts weniger als kurzweilig. Die drei ersten Redner, der Zentrumsmann Rintelen, der Fort- schrittler Leinmann und der konservative Gras v. Bernstorff fanden am Entwurf mancherlei zu loben, keiner von den dreien aber konnte ihm ein wirklich gutes Zeugniß aus- stellen. Und durch diese Reden wie durch die ganze Debatte ging wie ein rother Faden der Gedanke hindurch: Das Vertrauen in die delitsche Justiz ist erschüttert. In Wirklichkeit saß die deutsche Justiz heute im Reichstag auf der Anklagebank, und während die anderen Sprecher nur dies und jenes zu tadeln hatten, übernahm unser Genosse Stadthagen das Amt des Anklägers gegen die deutsche Justiz des Cäcilienvereins gedankt hatte, daß der Verein durch mich die Summe von 600 Thalern eingenommen." »So viel?— Nun was sagte er?" »Er läßt Dich fragen, ob Du nicht die Adresse der ver- schollenen Mary Segler angeben könntest." »Von ihr sprach er?" »Ja. Es ist ihr eine Erbschaft zugefallen, ihr Auf- enthalt ist unbekannt. Tu allein sollst ihn wissen." Blanka war unwillig aufgesprungen und sagte zornig und enttäuscht umhergehend:„Also das war es? Dazu wäre ich eben gut genug." »Dn sollst ein gutes Werk vollbringen helfen." »Ein gutes Werk! Als ob ich nicht annte, daß es Bergkuhn nur darum zu thun ist, mit der Segler anzu- nüpfen, um sie wie mich zu betrügen." „Du meinst die Erbschaft—" »Ich sage Dir, es ist eine Finte, Bergkuhn nieint, wie viele seinesgleichen, eine Theaterprinzessin ist bei dem Worte„Geld" sofort willfährig. Schon einmal hat er mit Mary Segler ein ähnliches Manöver versucht. Sie vertraute mir, ihrer Freundin, alles und entfloh, um seinem Nach- stellen zu entgehen." „Wenn die Erbschaft aber doch auf Wahrheit bc- ruhte?" „Müßte man das nicht zu ergründen suchen und Berg- kühn die Angelegenheit aus der Hand entwinden? Durch Klugheit ihn in seinen eigenen Schlingen fangen, an die ich diesmal nicht glaube?" „Du solltest scheinbar ans seine Wünsche eingehen und kannst ihn dann inimer noch abfallen lassen, denn weniger von der Segler, von Dir sprach er mit warmem Interesse, Dick) läßt er grüßen." Blanka setzte sich wieder an GeorginenS Seite. Die letzten Worte derselben hatten sie beruhigt und ihrer Eitel- keit geschmeichelt. Daß Bcrgkuhn noch immer an sie denken und von ihr sprechen mußte, das war Balsam für ihr ver- wnndetes Herz. Eifersucht hatte sie getrieben, ihrer Freundin Mary zn ratyen: Entfliehe! Mit Genugthuung vernahm sie Bcrgkuhn's Gruß und frug:»Was soll ich beginnen?" „Wir schreiben einen Brief an Mary Segler, Du hast doch ihre Adresse?" „Ja." Sie steht in dem letzten Briefe, den ich erst neulich in meinen Bibliothekschrank levte. (Fortsetzung folgt.) '— sowohl die Form des Strafverfahrens als die deutsche Justiz Praxis. In seiner vorzüglichen Rede, der in den weitesten Kreisen Verbreitung zu wünschen ist, hielt Stadthagen der deutschen Justiz den Spiegel vor und zeigte sie unter dem Einfluß unserer ungesunden politischen und sozialen Verhältnisse geworden ist. Es stand ihm ein über- quellend reiches Material zn Gebote und er beherrschte es. Jedes Wort wurde mit unanfechtbaren Thatsachen und Aktenstücken belegt. Auch den Fall Ziethen führte er an, um zn zeigen, wie schwierig das Wiederaufnahme Verfahren schon heute ist, das die Gesetzesvorlage noch er- schweren will. Doch wir können hier nicht in Einzelheiten gehen und verweisen auf unseren Reichstagsbericht. Der Herr Justizminister Schönstedt, der sich bis dahin sehr ruhig verhalten hatte, wurde recht nervös; und er machte sich in einigen Bemerkungen Luft, die geringe Werthschätzung des unbequemen Anklägers ausdrücken sollten, aber in Wirklichkeit nur das eigene Unbehagen zum Ausdruck brachten. Daß die deutsche Justiz an Air sehen verloren hat, hatte er selbst kurz nach seinem Amts antritt als Minister im Reichstag zugeben müssen. Nach dem blutigen Ernst der �Hanswurst— einige Bocksprünge des antisemitischen Geschäftsmanns Werner Dann eine Rede des Zeutrnmsmanns Schmidt(Warbnrg) und eine des Fortschrittlers Beckh aus Nürnberg, der den Lesern der„Fränkischen Tagespost" wohl bekannt ist. Herr Beckh, der auf der Nednerbühue bessere Proben von körperlicher als von geistiger Gymnastik ablegte, ermüdete trotz seiner possierlichen, eines Kautschuckmenschen ivürdigen Körper Verrenkungen das Hans dermaßen, daß es nicht mehr fähig war, einen weiteren Redner, auch nicht Muukel, der sonst sehr gerne gehört wird, anzuhören. Tie Debatte wurde geschlossen, und das Gesetz vor eine Kommission verwiesen Nächste Sitzung morgen 2 Uhr. Antrag Hitze und Antrag Kanitz.— Im Reichstags-Wahlkreise Köln-Stadt siegte wie schon eine Privatdepesche in der vorhergehenden Nummer meldete, bei der Nachwahl der Z e n t r n m s k a n d i d a t T r i m b o r n. Die Wahlbetheiligung seitens der nicht- klerikalen Wähler war schwach, die Agitation wurde nicht so energisch betrieben wie sonst, weil man es im Augenblick nicht für möglich hielt, den Wahlkreis der Zentrumspartei zu entreißen.— Herr Bransewctter, so wird von verschiedenen Seiten mitgetheilt, soll dauernder Gcistesumuachtung ver- fallen sei». Dieses persönliche Mißgeschick wird zn einer Angelegenheit von großer Bedeutung für die Oeffentlichkeit dadurch, daß der Geisteskranke bis wenige Tage vor seiner Ucberführuug in eine Heilanstalt seines Amtes als Vorsitzender einer Strafkammerdes Landgerichts Berlin I gewaltet und somit erheblichen Einfluß ausgeübt hat zur Verurtheilung zahl- reicher Personen zu schweren Freiheitsstrafen, die durch ihre Härle allgemeines Aufsehen erregten. Sein Verhalten in dieser einflußreichen Stellung ist der Oeffentlichkeit längst anormal erschienen. Es wird jetzt aber auch ruchbar, daß selbst seinen Kollegen der anorniale Geisteszustand des Herrn Brausewetter aufgefallen ist. A»stoß haben sie ledenfalls nicht daran genommen. Bekannt ist es aber, daß bei Paralytikern die Krankheit lange Zeit hw durch Schritt für Schritt die Geisteskräfte zerstört. Um so mehr wird auf aller Lippen die Frage schweben: Kann etwas geschehen, um eine Wiederaufnahme der Prozesse, in denen Herr Bransewetter entscheidend mitgewirkt hat, durchzusetzen? K a n n etwas derart geschehen, wird etwas geschehen? Znr Erörterung dieser Frage bringt nun die »Berliner Zeitung" folgenden interessanten Beitrag: »Wir köiinen den bisherigen Nachrichten hinzufügen, daß ein hiesiger Gerichtsphysik us bereits vor etwa zwei Jahren an Brause weiter die Spuren be- innender tabss(Rückenmarks- Schwindsucht) bemerkt . a t. Jetzt hört man nur davon, daß in schwebenden Straf- Prozessen die Revision auf die Geisteskrankheit des Vorsitzenden gestützt, daß in rechtskräftig beendeten Verfahren die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt werden soll. Beides ist gleich aus- sichtslos. Die Geisteskrankheit eines Richters ist kein Grund zur Anfechtung des Urtheils, an dessen Znstandekommen er mit- gewirkt hat. Angesichts dieses traurige» RechtSznstandes ist es um so bedanerlichcr, daß sich niemand gefunden hat, der bereits früher der strafrechtlichen Thätigkeit des Herrn Brause- welter ein Ende gemacht hat. Wir haben vollkommenes Verständniß für die peinliche Lage, in der sich die Kollegen des Herrn Brausewetter befanden, aber die Rücksicht auf die An- geklagten mußte für sie das Entscheidende sein. Nach dein, was man heute über Herrn Brausewetter's Krankheit erfährt, ist es schwer zu begreifen, wie dieser Mann, dessen richterliche Thätig- keit schon seit Jahren die schwersten Bedenken erregt hat und dem Älnsehen der deutschen Rechtspflege nicht inimer förderlich gewesen ist, bei Ablauf des verflossenen Geschäftsjahres durch das Präsidium des Landgerichts von neuem zum Vorsitz einer Straf- kammer berufen werden konnte. In kurzer Zeit ist es an» hiesige» Landgericht l der zweite Fall, daß ein Richter, dessen Berussthätigkeit die öffentliche Aufinerksamkeit in ungünstigein Sinne auf sich lenkt, sich als Geisteskranker erweist. Der Landgerichtsrath Curtius, der durch sein wunderliches Benehmen und die Schroffheit, mit der er manchem Angeklagten gegenüber auftrat, jahrelang Aufsehen erregte, machte eines Tages in ausbrechendem Wahnsiim seinem Leben ein Ende. Es wurde klar, daß er schon längst nicht mehr im Besitze seiner vollen Geisteskräfte gewesen war. Die Gefahr, welche ein geisteskranker Rickster sür die Angeklagten bildet, namentlich wenn er de» Vorsitz in einer Straf- kannner oder gar im Schivurgericht führt, bedarf keiner weiteren Ausführung. Es erscheint uns als dringende Aufgabe des Reichstages, der ja jetzt von neuem an die Resormirnng des Straf- Prozesses geht, gegen Urtheile geisteskranker Richter und gegen die Beschäftigung solcher den unbedingt erforderliche» Rechtsschutz zu schaffen. In unserem nervösen Zeitalter ist ein solcher Schutz nothivendiger als je." Die gesetzliche Einführnng eines solchen Schutzes in allen Ehren— nothwendig ist es sicher, dafür zu sorgen— so meinen wir doch, daß sofort thatkräftige Schritte gethan werden müssen, um die letztjährigen Opfer Brausewettcr'scher Rechtsprechung zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens zu verhelfen. Das ist ein Fall, in dem das formale Recht das schreiendste Unrecht ist.— Ten Mitgliedern der Zentrums- Fraktion des Reichstages wird in der„Kölnischen Volkszeitung" wegen ihres Fernbleibens von den Verhandlungen des Reichstages eine sehr entschiedene Strafpredigt gehalten. Der Schluß derselben lautet: „Einstweilen(d. h. bis Diäten gezahlt werden) bleibt nichts übrig, als immer und im>» e r wieder an d a s P f l i ch t- g e f ü h l derjenigen Abgeordnete» zu a p p e l l i r e n, welche es angeht, d. h. also derjenigen, welche ohne trifligen Grund der Ausübung ihres Mandats sich entziehen. Wie schon oben bemerkt, ist auf Seilen der Miiglieder des Zentrums, welche zu dieser Kategorie gehören, der Absentismus nicht nur eine R ü ck sich t sl o s i g- keit gegenüber der Wählerschaft, sonder» auch gegenüber den Reichstags-Präsidinin, in welchem das Zentrum durch zwei Mii- glieder vertreten ist und welches die Geschäfte des Hauses vor« zugsweise zu führen hat. Man muß von den Mit- gliedern des Zentrums im gegenwärtigen Reichstage ein besonderes Dt aß von Pflichttreue fordern im Hinblick auf die ausschlaggebende Stellung der Fraktior; eine derartige Stellung vermchrl dieVerantworllichkeit der einzelnen Mitglieder und macht nicht gerechtfertigte Abwesenheit doppelt unentschuldbar." Wir sind begierig, wie dieser Hilferuf der Herrn Bnol und Spahn wirken wird.— Tentschland und England in Süd Afrika. Gegen- über den Nachrichten, die in der englischen Presse über einen Briefwechsel zwischen dem Kaiser Wilhelm II. und der Königin Victoria anfgetancht sind, erklärt heute die„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" offiziös: „Einzelne englische Blätter sind bestrebt, den Anschein zn cr- wecke», als ob von deutscher Seite eiilschnldigende Erllärnngen in der Tran so aa l-F rage gegeben wordeu seien. Wir stellen demgegenüber fest, daß nach unseren Jnsormationen von keiner maßgebenden Stelle aus eine derartige Erkkänrng nach London gelangt ist." Gleichzeitig veröffentlicht der Direktor der Dentschcn Bank Koch eine auf die Beruhigung der Gcmüthcr hüben und drüben berechnete Erklärung, in der es heißt: Der kühler erwägende Beobachter sollte doch zuerst kon- statiren, daß zwischen der offiziellen Politik Deuischlands und Englands bisher noch kein wesentlicher sachlicher Unterschied zu Tage getreten ist, daß vielmehr beide Theile das Jamcsou'sche Abenteuer gleichmäßig verurtheilen. Unsere deutschen Landsleute sollten sich ernsthaft besinnen, ehe sie sich durch diesen Kunstgriff verführen lassen, von dem Boden der fach- lichen Interessen auf denjenigen der Gefühlspolitik heniberzu- treten. Sie sollten sich vorher vergegenwärtigen die Menge und die Bedeutung der gegenseitigen Beziehungen zwischen diesen beiden großen Kultur-Nationen, die kolossalen kommerziellen»nd industriellen Interessen, welche von der Aufrechterhaltung freund- schaftlicher ober doch wenigstens gleichgiltiger Beziehungen ab- hängig sind, die Quellen der Belehrung und des Fortschrills. welche durch den Aufenthalt deutscher Ingenieure, Kausleule und Arbeiter in England und umgekehrt englischer Angehöriger in Deutschland täglich neu gespeist werden, den Werth, welche.» eine solche Entwickelung für die Allgemeinheit hat! Mit der Rede des französischen Ministerpräsi- denken war es genau, wie wir vermuthet hatten. Der wich« tigste Theil wurde uns nicht telegraphirt. Bourgeois bc- tonte in schärfster Form, daß die Regierung entschlossen sei, die Republik zn einer wirklichen Republik zu machen; daß die Regierung sich deshalb nur auf die wirklichen Republikaner, nicht die sogenannten„Ralliirtcn" stütze; daß sie k e i u monarchisches, ans den Armen lastendes Budget, sondern ein republikanisches, das Volk gerecht belastendes Budget anstrebe; und daß sie die R e i n i- gung der Republik von allen unlauteren Elementen rücksichtslos durchführen werde. Das waren allerdings SchreckenSworte für die französischen Vorkämpfer von Religion, Ordnung und Sitte, die zumeist Hainmersteinfingcr haben. Und dies erklärt das Wuth- und Jamniergeschrei der„honneten" und»au- ständigen" Presse. Der Schrecken ist um so größer, als die Regierung unter den Preßpiraten fürchterlich Musterung hält, so daß das Gefängniß Mazas, welches zur Aufnahme des in unserem gestrigen Leitartikel gekennzeichnetei« Packcs be» stimmt ist, bald zu klein sein dürfte. Und kein Wunder, daß die„gutgesinnten", d. h. zur kapitalistischen Räuberbande gehörigen Biedermänner mit Angst und Schrecken den Verhandlungen der Kammer ent- gegenschen, die heute wieder zusammentrat.— Chronik der Majestätsbeleidignngs-Prozesse. In D a n z i g kam am 21. Juni v. I. der T a p e z i r e r Karl Schiller in ein Restaurant, als man sich dort gerade über den Werth dreier(Gipsbüsten, von denen eine die Kaiserin darstellen sollte, unterhielt. Er wurde ge- fragt, was wohl diese Büste werth sei. Schiller schätzte sie ans eine Mark, cr niotivirte darauf seine Schätzung und durch diese M o t i v i r u n g soll er sich einer B e- leidig nng der Kaiserin schuldig gemacht habe». Ter Angeklagte bestritt entschieden, daß er mit seinen Bemerkungen die Kaiserin gemeint Hab«, er habe nur den geringen künstlerischen Werth der Büste gemeint. Tie Büste befand sich in« Gerichtksaal und die Strafkammer- Richter über- zeugten sich, daß dieselbe weder aus Aehnlichkeit, noch auf künstlerische Schönheit Anspruch machen könne. Der Gerichtshof glaubte dem Angeklagten, daß seine Aeußerungen sich nur auf die Büste bezogen hätten und sprach ihn frei. In Bromberg verurtheilte die Strafkammer des Landgerichts den Eigenthümer Florian Kopicki ans Schwcdenhöhe wegen Majestätsbeleidignng zu drei Mo- n a t e n Gefängniß. Ans Leipzig, 13. Januar, wird uns geschrieben: Der M a s ch i n e n m e i st e r der s o z i a l d e n, o k r a r i- ch e n„Renen Wurzener Zeitung", Otto W e i ch e l t, zeichnete im September vorigen Jahres als verantwortlicher fliedakteur jenes Blattes. Wegen eines in der Nr. 106 erschienenen Artikels„Was ist eine Rotte?" und eines weiteren Artikels in derselben Nummer, die er beide nicht versaßt hat, wurde er unter Anklage gestellt. Das Land- geeicht Leipzig fand darin eine Beleidigung des Kaisers und verurtheilte Weichelt am 24. Oktober v. I. z u sechs Monaten Gefängniß. Seine Revision gegen dieses Urtheil wurde heute von» Reichsgericht als un- begründet verworfen. Dasselbe Schicksal hatte die Revision des Redakteurs Friedrich Rauch von deni sozial- demokratischen Blatte„Volkswille" in Hannover, der gleichfalls wegen Beleidigung des Kaisers durch einen Artikel über dessen Septemberrede zu vier Monaten Ge- ängniß vernrtheilt worden ist. Bon der Staatsanwaltschaft in Hau- n o v e r ist deni hiesigen Journalisten Heinrich G u t t- mann gestern die Mittheiliuig zugegangen, daß das gegen ihn schwebende Verfahren wegen Majestäts- i> e l e i d i g n n g e i n g e st e l l t worden ist.— TentschcS Reich. — Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Unter dieser Spitznmrke veröffentlicht die„Kölnische Volks- Zeitung" folgende interessante Znsaniinenflellnng eines itzrcr Berliner Korrcspondentc»: Es wird in einem Theil der Presse viel Wesens gemacht von einem Artikel der„Hamburger Naa>- richten", in welchem vorgeschlagen wird, den Soziaidemolran» das aktive und passive Wahlrecht zu entziehen und in den Ge ineinden„authentische Register der Anhänger der sozial- demokratischen Bestrebungen herzustellen", zunächst der sozial demokratischen Abgeordneten, Redakteure, Wahlredner u. s. w., weil die Aufstellung solcher Listen„auch als Krystallisationspuukt für weitere legislative Maßregeln dienen könnte" u. s. w. �Man niuß sich wundern, daß diese alten Vorschläge, die Fürst Bismarck schon vor langen Jahren in Briefen und im Reichslage gemacht hat, in den„Hamburger Nachrichten" noch immer als neue Offenbarungen staatsmännischer Weisheit vorgetragen werden. In einem Bismarck'sche» Briese aus Kissingen vom IS. August Ib73, der im Sommer 1394 von den„Berliner Neuesten Nach- richten" veröffentlicht wurde(Nr. 313 vom 27. Juni 1394) und der anscheinend an den damaligen vortragenden Rath in der Reichskanzlei, Herrn Geh. Rath v. Tiedemann, gerichtet war, führt Bismarck über die vorzeitige Veröffentlichung des Entivurfes eines Sozialistengesetzes in der„Prov.-Corr." Beschwerde, weil dadurch einer Verschärfung des Gesetzentwurfes im Bundesrathe präjudizirt worden sei. Fürst Bismarck wollte den Gesetzentwurf nach verschiedeneu Richtungen hin verschärst haben. Wenn das Gesetz wirken solle, sei es für die Dauer nicht möglich, den gesetzlich als Sozialisten erweislichen Staatsbürgern das Wahlrechl und die Wählbarkeit und den Genuß der Privilegien derReichstagsmitglieder zu lassen. In dem Entwurf« fehle außerdem ein Zusatz in betreff der Beamten, dahingehend, daß Bctheiligung an sozialistischer Politik die Entlassung ohne Pension nach sich ziehe. „Die Mehrzahl der schlecht bezahlten Subalternbeamten in Berlin, und dann der Bahnwärter, Weichensteller und ähnlicher Kategorien, sind Sozialisten, eine Thalsache, deren Gefährlichkeit bei Ausständen und Truppen-Transporlen einleuchtet." Später suchte bekanntlich Fürst Bismarck durch Einbringung des sogen. „Maulkorbgesetzes" im Reichstage das Sozialistengesetz in der Weise zu ergänzen, daß der Redefreiheit der sozial- demokratischen Abgeordneten Schranken gezogen werden sollten. Dabei bezeichnete Fürst Bismarck die Entfernung der Sozialdemokraten aus dem Reichstage ausdrücklich als eine nothwendige Ergänzung des Sozialistengesetzes. Was die schwarzen Liste» betrifft, so haben die vom„Vorwärts" veröffent- lichten geheime» Erlasse der verschiedensten Art schon gezeigt, daß solche Liste» oder Register theilweise jetzt schon geführt werden. Die- selben dürften noch gewallig anschwellen, wenn nach dem Wunsche der Herren v. Stumm und Genossen auch die christlich- sozialen Pastoren und Katheder» Sozialisten kurzweg zur Sozialdenio- kratie gerechnet würden. Im übrigen sind auch die wieder- holten Drohungen der„Hamburger Nachrichten" mit der Armee, die mit der Sozialdemokratie rasch aufräumen werde, nichts Neues. Schon vor Erlaß des Sozialistengesetzes, im Mai 1876, liebte es die„Nordd. Allg. Ztg.", mit dem Säbel zu rasseln. In einem Artikel über„den Sozialismus in der Kaserne" bezeichnete dieses Blatt Ende Mai 1376 die Armee 1. als„die festeste Säule staat- licher Ordnung", 2. als den„ehernen Wall, an welchem sich schließ- lich der Unverstand der sozialistischen Doktrinen de» Kopf zerschellen n>nffe",Z. als„die ultivaa ratio derstaatlichenOrdnung". Die, Hamb. Nachr." wiederholen bei ihren Vorschlägen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie lediglich Vorschläge und Gedanke», die schon vor zwanzig Jahren Fürst Bismarck und die—„Nordd. Allg. Ztg." ausgesprochen haben. Nach dem gründlichen Fiasko der Sozialistengesetz-Politik sollte mau meinen, daß nun iveuigsteus etivas Neues vorgeschlagen würde. Das fortgesetzte Anpreisen der Gewaltpolitik steht geistig ganz auf derselben Höhe, wie die Brcmsarbeit der Herreu v. Stumm und Genossen auf dem Gebiete der Sozialresorm.— — Rechtsanwalt Paul Jonas hat an die„Volks Zeitung" ein Schreiben gerichtet, worin er über seinen Verkehr init Hammerstein's Geliebten, Flora Gaß, Aufklärung giebt. Er theill mit, daß die Behauptung der Flora Gaß. er hätte sich bei ihr als Freund des Frhrn. v. Hammerstein eingeführt, ebenso unwahr ist, wie die an anderer Stelle mitgetheilte, er hätte einen andern Herrn fälschlich der Flora Gaß als Grafen Kanitz vor- gestellt. Daß Frl. Gaß dies geschrieben haben mag, will er gern glauben, da es genau in das'System der Bitt- und Erpressungs versuche paßt, deren sie sich feit Monaten bedient. Er bemerkt serner, daß Fräul. Gaß von Anfang an genau unterrichtet war. daß er als Vertreter der Prozeßgegner des Frhrn. v. Hanimer stein sie aufsuchte und daß der einzige Herr, welchen er dort einführte. der ihr wohlbekannte Baseler Anwalt war, dessen Hilfe sich Rechts anwalt Jonas zur Aufnahme eines notariellen Zeugenprotokolls bediente.— — 21 u§ einem konservativen Parteizirknlar theilt die„Freisinnige Zeitung" mit: ,5009„Ehrenmitglieder" der konservativen Partei werden gesucht.„Ehrenmitglied" des Wahlvereins der Deutsch konservativen kann man durch einen festen Jahresbeitrag von 16 Mark werden. Der Vorstand des Wahlvercins der Deutschkonservativen versendet zu diesem Zweck überall hin gedruckte 2lussorderungen von denen auch viele an Mitglieder anderer Parteien namentlich an Nationalliberale gelangen. Die Mittel sollen ver- wandt werden für die Haltung eines Bureaus, die Erhallung der „Kons. Korresp." und zu Beihilfen zu Wahl- und Preßzwecke». Der Wahlverein will auf diese Weise nach dem versandten Pro> spekt S(XK) Ehrenmitglieder gewinnen und damit eine Summe von SO(MX) M. jährlich aufbringen. In dem Zirkular wird geklagt, daß leider„in den Kreisen der Konservativen selbst das volle Verständniß fehlt für das Bedürfniß der vorbezeichncten Einrichtungen, ohne die eine gesicherte, selbst nändige polnische Thätigkeit und dauernde Erfolge der Partei unmöglich sind." Wie wäre es, wenn die Leute noch irgend einen von der konservativen Partei gestifteten Cotillonorden sich in's Knopfloch schnallen dürften, dann würden sich doch die SOOO bald finden! — Herr«. Etumm versteht es, dementiren zu lassen. Das hat er schon bei der Schnrfmachcr-Geschichle bewiesen und neuerdings bei der Geschichte voin Zeitungsverkauf. Wir haben auch das Dementi der„Post" mitgetheilt. Richtig ist es: König Stumm ist nicht persönlicher, ausschließlicher Eigen- lhümer des„Generalanzeigers" geivorden. Aber wie es sich da mit verhält, erfährt man aus folgender Miltheilung der„Sankt Johanner Zeitung": „In answäriigen Blättern geht eine Notiz der„Deutschen Tageszeitung" um, wonach der hiesige„Generalanzeiger" von Freiherrn v. Stumm gekauft worden sei. Zur Berichtigung dieser Notiz, deren Inhalt hier schon längere Zeit als Gerücht bekannt ist, theilen wir folgendes mit: Der„Generalanzeiger' gehl vom I. April d. I. ab in das Eigenthum der Straße bnrger Druckerei und Verlagsanstalt über.(?IIs Kauf preis werden 6S 000 M. für das Geschäft, selbstverftänd> lich ohne Haus genannt.) Ein Konsortium, an dessen Spitze Freiherr v. S t u m m steht, ist mit einem namhafte» Kapital an dem Unternehmen b e- t h e i l i g t; dadurch sichert sich der eben Genannte einen b e- st i m Menden Einfluß auf die Haltung des Blattes, das künftig also mehr ivie bisher die Stunun'sche Politik nach ihren verschiedenen Richtungen hin vertreten wird. Ob das Blatt den alten Namen beibehalten oder einen neuen Titel erhalten wird, darüber ist noch nichts bekannt." Einen neuen Titel für das Blatt, dessen Eigenthümer König Stumm nicht ist, hat der Volksmund bereits geschaffen. Man nennt das Organ der Scharfmacher den„Schleif- stein".— kreiS Linden) ist man auf ein Kalilager gestoßen, dei welchem bereits eine Mächtigkeit von gut 22 Metern festgestellt werden konnte. Die an dem ersten Bohrkern vorgenommene provisorische Analyse hat einen Gehalt von 16,028 pCt. Kali ergeben, ein Resultat, das als günstig bezeichnet werden muß, da im Handel nur für einen Kaligehalt von 12 pCt. garantirt zu werden braucht. Bei den Bohrungen hatte man zunächst 70 Meter Erd reich, Geröll:c. zu durcharbeiten, dann folgte ein Gipslager von 80 Meter Stärke und darauf eine Schicht von 120 Meter Steiw salz, unter welcher dann das Kalilager angebohrt wurde.— — Feiertagszofe Postboten giebt es noch in Breiten dach a. Harz. Tort mußte, wie dem„Volk" mit- gelheilt wird, der Stephansjünger, der gerade„die Woche hatte", an beiden Feiertagen den Postschlilten von dem eine starke Dreiviertelstunde entfernten Schwiederschwende hinausziehen, um nachher noch die Postsachen zu bestellen. Wir sind hier über- Haupt noch in der Kultur zurück. Zur Post Breitenbach gehören fünf Dörfer und trotzdem befindet sich daselbst nur eine Post ageutur, zu der die armen Postboten die zahlreichen Werthsachen, Packet« und Briese auf dem Schlitten, dem Wagen oder— dem Buckel mühsam hinausschleppen müssen durch Schnee und Eis, bei Wind und Wetter. Sollte die Postverwaltung nicht bei dem Bau des nächsten großstädtischen Postpalaftes so viel erübrigen können, um den Breitenbacher Postboten ihr mühseliges Geschäft durch Einstellung irgend eines Gefährts zu erleichtern?— Chemnitz, II. Januar. Das„Neuroder Kreisblalt" ve* öffentlicht eine amtliche Bekanntmachung, die ein Licht wirft auf die amtliche Bekämpfung der Sozialdemokratie. Die Bekanntmachung lautet:„Dennachgeordneten Behörden lasse ich zur Zeit eine Anzahl der Schwarze'schen Schrift!„Was unsere Arbeiter vom sozialdemokratischen Zukunftsstaat zu erwarten haben", mit dem ergebenen Ersuchen zugeben, diese Schriften in geeignet erscheinender Weise zu vertheilen. Gegenüber der auf Klassenhaß beruhende» und Klassenhaß erzeugenden Irre führung unserer Arbeiterbevölkerung durch sozialdemokratische Agitatoren in Wort und Schrift ist es die Pflicht des sein Volk liebende» Patrioten, seinerseits dazu beizutragen, daß geeignete Mittel augewandt werden, um unser armes ver führtes Volk dem Verderben und Unheil bringenden Einfluß jeuer Rcvolutionspartei zu entziehen, deren Führer in gewissen loser Weise die Unzufriedenheit des Volkes erregen, um die Leichtgläubigkeit der Massen in eigennütziger Weise auszubeuten, Niosl tiomttf foTf Ptfftiiro hf«v(CirMvm vao'tVho«(Sr'hr'ift friov — Der Landgerichtsdirektor Grünhagen vom Landgericht Berlin II ist zum Landgerichtspräsidenten beim Landgericht Schneivcmühl ernannt worden.— — Entdeckung von Kalilagern in der Pro- v i n z Hannover.' Im Bohrlhnrm bei Empelde(Land- Vielleicht vermittelt die Lektüre der Schwarze'schen Schrift hier und da die Erkenntniß, wie thöricht es ist, den nichlsivürdigen Hetzereien und albernen Versprechungen sozialdemokratischer Worthelden Gehör zu schenken. Die so ost bewährte Hoch> Herzigkeit und der gesunde Sinn des größten Theiles unserer Bevölkerung im Kreise lassen erwarten, daß die im Juteresse der Wohlthäligkeit und Nächstenliebe unter nommenen Bemühungen um Schutz und Gegenmittel gegen das durch die Sozialdemokratie verbreitete Gtst förderliches Entgegen kommen finden werde». Neurode, den 3. Januar 1896. Der königl. Landrath. Frhr. von Rechenbcrg." Das„arme verführte Volk" wird für die angepriesene Zukunftsstaals- Kritik, die noch tief unter der des Herrn Eugen Richter steht, ebensowenig das ge- wünschte„Verständniß" haben, wie für die„rührende" Epistel des Herrn Landrath. In Chemnitz, woselbst die Schrift in de» Maschinenfabriken vertheilt wurde, hat sie den 2lrbcitern nur 2l»laß gegeben, Betrachtungen darüber anzustellen, wie unzweck- inäßia doch die Mittel sind, die unsere Gegner zu unserer Be- kämpsung ausklügeln. — Der frühere Führer der sächsischen Fort- schrittspartei, Herr Kurt Starke, ist gestern ge- storben. Die„Vossisch« Zeitung", die Herrn Starke„einen treuen, unermüdlichen Mitarbeiter auf dem Gebiete des politischen Fortschritts" nennt, scheint nicht zu wissen, daß derfelbe dem sächsischen Kammerfortschritt angehörte, der sich vom National liberalismus in nichts unterscheidet.— Kerker verurtheikt. Seine Mitschuldigen, der russische Unterthan Schuhmacher Adalbert Kozerski, der preußische Untertha», Vertreter einer Versicherungsgesellschaft, Samuel Strumpfner, dessen Frau Charlotte und deren Tochter 2llma sind der versuchten Spionage bezw. der Mitschuld an der Spionage angeklagt. Die Verhandlung wird geheim geführt. Der Anklage zufolge setzte sich der aus Krakau»ach Rußland entflohene Zugführer Emil Schmeidler, der mit Bradil in derselben Militärkanzlei war, mit diesem brieflich in Verbindung, damit er die in der Kanzlei verwahrten Mobilisirungspläne, Geheimakten und Befehle, die in einer eisernen Kiste verwahrt waren, stehle und zu Wagen nach Rußland bringe. Das Kriegsministcrium erklärte, durch Auslieferung dieser wich- tigen Akten an eine fremde Macht hätte diese große Vortheile zum Schaden der österreichischen Armee und der Krakauer Festungslverke erzielt. Schmeidler bekam in Rußland die Stelle als geheimer Polizei- agent. Er stand, wie er behauptet, im Dienste Schn- w a l o w s. wurde dann an den K om m a n d a n t c n der russischen Grenze, Rittmeister Tiercchowsky gewiesen, mit dem er verabredete, Bradil unter Mitnahme der genannten Pläne zur Flucht nach Rußland zu veranlassen. Bradil sollte dafür IS 000 Rubel sowie eine 2Instellung in Warschau er- halten. Die Kisten sollten an der Grenze von russischen Soldaten geHoll, werden. Den Verkehr zwischen Schmeidler und Bradil vermittelten Kozerski und Familie Strumpfner. 2ln dem Tage, als die Entwendung der Kisten erfolgen sollte, traf beim Krakauer Korpskommando eine chiffrirte Berliner Drahtmeldung ein, worin das Korpskommando auf einen bevorstehenden Diebstahl aufmerksam gemacht wurde, ohne daß nähere Angaben gemacht wurden. Nur durch die Wachsamkeit einiger Personen miß- lang die Fortschaffung der Kisten nach Rußland. Die heutigen Angeklagten leugnen, den Inhalt der Kisten gekannt zu haben.— — Wozu die M ilitärdienftzeit verbrauch wird. In N e u- B r e i s a ch, so schreibt die„Elsaß-Lolhring Volkspartei", fiel es in diesen Tagen allgemein auf, daß A r t i l l e r i st e n mit Dieustivagen und Dienst- oder Krümper Pferden Kohlen vor den verschiedenen Häusern der Stadt abluden. Der Zahlmeister K. von der Artillerie Abtheilung hatte Kohlen waggonweise kommen lassen und solche unter Offiziere und Zivilisten vertheilt. Die Kleidungen der be theilrgten Artilleristen wurden durch das Kohlenabladen nicht gerade besser. Bei der Vertheiluug der Kohlen ergab sich ein Manko von einigen Zentnern. Infolge dessen mußte» die Artilleristen die Kohlen in den einzelnen Häusern nochmals nach legen. Da haben wir ja wieder einen Beweis, daß die zweijährige Dienstzeit noch viel zu lang ist.— München, 14. Januar.(W. T. B.) Die Kammer der Abgeordneten nahm einstimmig die Gesetzentwürfe betr. die Schuldverschreibungen auf den Inhaber und betr. 2lbä»dcrung des Notariatsgesetzes an. Hierauf wurde die Berathung des Etats der Staatsschuld begonnen Dazu liegt ein Zentrumsantrag Söldner und Genossen vor, daß in der laufenden Finanzperiode eine Konvertirung von 120 000 000 M. der allgemeinen 4prozen tigen Anleihe und von 967 000 000 M. der 4prozen tigen Eisenbahnschuld in eine 3Vs prozentige Schuld vorgenommen werden soll. Die Berathung dieses 2lntrages wurde nach einem längeren Bericht des Referenten Schubert auf morgen vertagt. Eine Privatdepesche ans München meldet uns noch, daß unsere Fraktion in der bayerischen'Abgeordnetenkammer den 2Intrag gestellt hat, die Anleihen in Z prozentige zu konvertiren — Zeitgemäß. Wie die„Münchner Post" mittheilt, soll am Freilag ein Kommandanturbefehl erschienen sein, der es den C h a r g i r t e n der Münchner Truppentheile zur Pflicht macht, darauf zu achte», daß die Ehrbezeugung der Mann- schaften in Wirthschaftslokalen u. f. w. Vorschrift� mäßig, d. h. durch strammes Antreten korrekt be t h ä t i g t w i r d.— — Das erste genossenschaftliche Getreide- L a g e r h a n s in Bayern ist in S t a m m b a ch(Ober- ranken) im Oktober eröffnet und mit den nöthigen Maschinen zum Putzen, Sortiren, Wägen u. f. w. ausgerüstet worden. Nach dem ersten Bericht über das Lagerhaus machten die Bauern reichlichen Gebrauch von der Einrichtung; sie erhielten z. B. beim Hafer, der in der Gegend vorwiegend gebaut wird, ein Mehr von 30—30 Pf. per Zentner im direkten Verkauf durch daß Lager- haus. Eine Uebersicht über Kosten und Rentabilität wird noch nicht gegeben. — Mannheim, 14. Januar. Der frühere Staätsmknister und langjährige Präsident der zweiten Kammer, Dr. A. Lamey, ist hier heute Nacht im 80. Lebensjahre gestorben. Lamey, der vorher Ober- Staatsanwalt und Universitätsprofessor war, leitete von 1860—1866 das Ministerium des Innern, 1871 bis 1874 war er Mitglied des Reichstages, 1876—1893 präsidirte er der zweiten badischen Kammer. Er gehörte der äußersten Rechten der nationalliberalen Partei an und so fand bei ihm alles, was Bismarck und seine badischen Nachahmer thaten, Beifall und Beschönigung.— Oesterreich. Krakau, 13. Januar.(Landesverraths-Prozeß.) Heute begannen, wie wir der„Boss. Ztg." entnehmen, die Verhandlungen gegen die Zivilpersonen, die gemeinsam mit dem Feuerwerker Johann Bradil im Oktober v. I. w i ch t i g e m i l i t ä r i s ch e Gehet m pläne an Rußland ausliefern wollten. Das Kriegsgericht hat den Bradil zu sünfzährigem schweren Ungarn. — DaS Frauenstndium. Der Nnterrichtsmimster publizirte am 12. d. M. die Vorschriften über das Abiturienten- Examen für Mädchen, die sich dem Studium au der Hochschule widmen.— Frankreich. PariS, 14. Januar. Die Deputirtenkammer trat heute zusammen: im Hause herrschte große Ruhe. Einziger Kandidat für das Amt des Präsidenten war B r i s s o n, welcher mit 294 Stimmen gewählt wurde; abgegeben wurden 351 Stimmen. Der Senat beschloß nach einer kurzen Sitzung, die Wahl des Präsidiunis Donnerstag vorzilnehmen. In der Kammer ivurde heute ein Gelbbuch über die Vor- fälle aus Madagaskar vertheilt; die darin enthaltenen Schriftstücke bringen nichts Neues. Nach einer Depesche des Generals DucheSne vom 6. d. M. scheint die 3t u h e in Madagaskar überall wieder h e r g e st e l l t zu sein; die letzten Rebellen sind nach Süden ge- flohen, wohin Truppen zu entsenden sein werden. Die Lage in Tananarivo ist befriedigend. — Anlässig des Falles Lebaudy ist in Paris, wie das Wolff'sche Bureau heute meldet, das Gerücht verbreitet, daß bei zwei höheren Offizieren außer Dienst gestern Nachmitlaz Haussuchungen vorgenommen wurden, weil sie im Verdacht stehen, für ihre Vermittelung zur Befreiung Lebaudy'S vom Militärdienste Geld genommen zu haben.— Holland. — Majestätsbeleidigung. Vor der vierten Straf- kamnier in A m st e r d a m hatten sich dieser Tage sieben junge Männer zu verantworten wegen Majestätsbeleidigungen, die sie begangen haben sollten durch die Verbreitung einer für die beiden Königinneu kränkenden Flugschrist. Sämmtliche An- geklagten erklärten, nicht das Bewußtsein gehabt zu haben, durch die Verbreitung eine strafbare Handlung zu vollführen. Der Staatsanwalt forderte gegen sämmtliche Angeklagte eine G e- f ä n g n i ß st r a s e von s e ch s M o n a t e n. An die Gerichts- Verhandlung schloß sich eine Straßen demonstratio» an. Eine große Menschenmasse begab sich nach dem Gerichtsgebäude, das bald überfüllt war. Diejenigen, welche keinen Einlaß erhielten, begaben sich im Llufzug nach dem Versammlung?- lokal Constantia, wo eine Versammlung gegen den MajestälL- beleidigungs-Paragraphen abgehalten wurde.— Italien. Rom, 12. Januar.(Eig. Ber.) Während außer den bereits nach Massauah geschicktenTruppen für den dortigen Krieg die Absendung eines zweiten Expeditionskorps von zehn- tausend Mann vorbereitet wird und die Emissionsbanken ersucht worden sind, der lliegierung hierfür 2S Millionen Franks zur Verfügung zu stellen, niacht sich in den I n d u st r i e b e z i r k e n Ober-Jtatiens eine Gährung bemerklich, welche durch die Er- höhung der auf den industriellen Unternehmungen lasten- den Steuern hervorgerufen wird. Es tritt dort eine Italien eigenthümliche 3lrt von 2lrbeitseinstellung auf: die Arbeitseinstellung wegen Ueberlastung der industriellen Etablissements mit Staatsabgaben. In Ligurien hat ein großer Industrieller, welcher an mehreren Orten Baumwollenspinnereien besitzt, diese schließen lassen, weil die Anforderungen der Steueragenten(in Italien wird die Erhebung der Staatssteuern nicht vom Staate direkt besorgt, sondern in Pacht gegebe») so groß waren, daß die Einträglichkeit des Betriebs in Frage gestellt wurde. Mehrere tausend Arbeiter sind infolge dessen beschäftigungslos geworden. Da diese ihrem Unwillen sowohl gegenüber den Steueragenten als gegenüber dem Fabrikbesitzer freien Lauf lassen, so hat man geglaubt. Soldaten gegen sie ausbieten zu müsse». 2lehnliche Vorfälle sind aus dem gleiche»'Anlaß in der Lombardei zu verzeichnen. Die Leiter mancher Industrie- zweige gehen bereits damit um, ihre Fabriken in das Zlusland zu verlegen, um der italienischen Ueberbürdung mit Steuern zu entgehen; hinsichtlich der Fabrikation von Phosphor-Wachskerzen, welche eine freilich wegen ihrer gesundheitsschädlichen Folgen keineswegs beueidenswerthe Spezialität Italiens sind, ist mit dieser Verpflanzung des Betriebs in das'Ausland schon ein An- fang gemacht worden. In den der Industrie entbehrende» Theilen Italiens, also in Mittel- und Süd-Jtatien und ans den Juseln nehmen die Wirkungen des Steuer- drucks eine andere Form an; die außerordentliche rstarkung und Ausbreitung des Räuber- wesens sowohl auf dem Festlande als in Sizilien und Sar« dinien ist zu einem großen Theile auf diese Ursache zurückzuführen.— Ruszland. — In Finnland sucht die russische Verwaltung jede politische Regung mit den gewohnten Polizeimitteln zu unter- »rücke». So hat jüngst der Generalgouverncur Graf Hayden eine Verordnung erlassen, daß in öffentlichen Vor- lesungen, Vorträgen und Versammlungen Singen politischen Charakters nicht berührt werden dürfen. Die leitenden Journale Finnlands er- klären, daß diese Verfügung die im Großfürstenthum verfassungs- niäßig gewährleistete Redefreiheit völlig aufhebe, da die Be- Zeichnung„Fragen politischen Eharakters" sehr dehnbar wäre. Die Ursachen, welche die Verfügung des Grafen Hayden herbei- geführt haben, sind in folgende» Thatsachen zu suchen: Im Sommer des abgelaufenen Jahres wurden an der Helsingforser Universität hauptsächlich für das Volk bestimmte Vorlesungen organisirt. Die Zuhörer bestanden fast ausschließ- lich aus Bauern, die auf Staatskosten nach HelsingforS gcbrachr wurden. Professor Echybergson trug den Bauern die Geschichte b« ko»stitutio»ell«n Freiheit Finnlands vor. und Varon Willem braud gab ihnen einen Ueberblick über die„finnländische Staats� Verfassung vom juristischen Standpunkte". Unmittelbar darau begab sich Professor Schybergson nach Sibbo zur Eröffnung einer landwirtbschaftlicheii Ausstellung und hielt dort vor den versammelte» Bauern einen Vortrag über den Landtag von Borgo vom Jahre 1809, der die Union Finnlands mit Rußland sanktionirt hatte. „Ueber Thema darf nicht gesprochen werden" ist bekanntlich ein Rcgierungsgrundsatz. de» ein preußischer Gendarm in jener klassischen Fassung formnlirt hat. den aber Slaatsretter aller Nationen in die Wirklichkeit zu überführen suchen.— Kuba. — Die Nachrichten vom Aufstandsgebiete widersprechen sich wieder sehr. Aus Madrid liegen folgende Meldungen vor: Nach Drahtmeldungen auS Havannah griffen die Ausftändi scheu die Stadt Managua an, wurden aber zurückgeschlagen Maxinio Eomez hielt 39 lein von Havannah einen Eisenbahnzug au zwang die Reisenden auszusteigen und steckte das Wagew niaterial mit seinem Inhalt i» Brand. In Havannah wurde ein Redakteur des„New-Nork Journal" verhaftet, weil er Waffenlieferungen an die Aufständischen vermittelt habe» soll Nach amtlichen Berichten aus Havannah haben einige kleine Züsannnenstöße stattgefunden; Maceo. welcher in der Buelta Abajo ist. wird von ö Kolonnen verfolgt. Der.Jmparcial bringt die telegraphische Meldung von einem Gefecht des Bataillons„Tarragona" gegen zweitausend Rebellen in der Provinz Puerto Principe; der Feind wurde ge schlagen und halte einen Verlust von 12 Tobten und 69 Bev tvundeten. Oberstlientenant Mira ist verwundet. Ganz anders lautet eine über New-Uork eingelangt« Depesche welche meldet, die Insurgenten hätten Begas und San Francisco de Paula, beides Orte in Sicht der Stadt Havannah, in Brand gesteckt.— China. — Dem Beispiele Japans, die Abschkießung von der Außenwelt aufzugeben und die europäische Kultur sich dienstbar zu machen, muß nun, dies ist eine der Lehren des Krieges in Ostasien, China folgen. Wie nämlich der in Wladiwostok erscheinende„Daily- Wostok", das heißt der„ferne Osten" mit- theilt, hat die chinesisch« Regierung soeben beschlossen, eine chinesische llnivcrfität zu gründen und zwar im nördliche» China. zu dessen Bereich auch ein Tbeil der Mandschurei gehört. Sitz der Universität ist die Stadt Tjan-Dsin, wo ei» neues Gebäude anfgesührt werden soll. Als Professoren dürfen nur Europäer angestellt werden, während in Europa ausgebildete Chinese» ihnen als Gehilfen und Privaldozente» zur Seite stehen. Ein europäischer Professor ist bereits engagirt. Ter Lehrplan der Universität umfaßii außer den allgemeinen akademischen Dis ziplinen auch noch Architektur, Bergbau, Elektrotechnik und Mechanik. In derselben Provinz sollen zugleich mehrere Vor- bereitungsschule» errichtet werde», deren Zöglinge späterhin in die Universität eintreten, mithin handelt es sich hier um Lehr a» stalten nach Art der europäische» Gymnasien. Die Aussicht über diese Schulen führt die Universität.— — Der Aufstand der Mohamedaner. Ans Shanghai wird gemeldet, ein Dekret des Kaisers von China kündigt die G e f a n g e n n a h m e des Führers der mohanieda- nischc» Rebelte» M o-y»e-lin und dessen Sohnes, sowie von 199 Häuptlingen durch den General Tang-Ter-Chan an.— KtarlttmenkKripches. Die Reichstaas-Kommisfion fiir den Hauöhalts-Etat trat heute in die Berathung des Etats der R e i ch s- P o st und T e l e g r a v h e n v e r w a l l u n g ei». Die Einnahme» an Post- und Telegraphengebühren sind um 13 999 999 M. höher veranschlagt als im Vorjahre(272 999 999 gegen 259 999 999 M.) Während Abg. Pichler beantragt, den Ein- nahinen- Ansatz um IVs Millionen zu erhöhen. wollt« der Referent Abg. Dr. B ü r k l i n nur eine Erhöhung um 1 Million zugestehen. Die Mehrheit der Kom Mission beschloß, es bei der Aufstellung der Regierung zu belassen. Im weiteren Verlauf der Debatte kam die alte Frage der D i e n st a l t e r s- A b st u f u n g zur Sprache. Abg. Singer gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß diese Frage im Plenum des Hanfes einer gründlichen Erörterung zu unterziehen sei. Die Kommission beschloß, durch den Vorsitzenden den Reichstagspräsidew ten ersuchen zu lassen, die diese Angelegenheit betreffenden Petitionen nicht der Petitionskommission, sondern der Budget k o m m i s s i o n zu überweisen. Der Vorschlag des Vorsitzenden, diese Petitionen und weiteres auf die Frage bezügliches Material in einer besonderen Sitzung zu behandeln, fand Annahnie. Abgelehnt wurde eine vom Abg. L i n g e n s beantragte Reso- lution, wonach daraus hingewirkt werden soll, daß katholische» Reichspoftbeamte» die Theilnahme an der Feier der kirchlichen Feste Allerheiligen und F r o h» l e i ch» a m gewährleistet werde. Es wurde dagegen von verschiedene» Seiten, so be sonders seitens der Regrerungsverlreter geltend gemacht, die Bestimmung darüber, welche Tage als gesetzliche Feier- tage zu erachten, stehe der Landesgesetzgebung und nicht dem Reichstage zu. Ohne nennenswerthe Debatte wurden sodann die weiteren Titel der sortdauernden Ausgaben(Be- soldunge») und die Tit. 1—25 der einmaligen Ausgaben bewilligt. Nächste Sitzung D o n n e r st a g. Die VIl. Kommission(ErwerbS-undWirthschafts- Genossenschaften) begann am 13. d. Mls. ihre Sitzungen. Di« Abgg. Galler, W u r m und Schneider bekämpfte» die Bor- läge und«inen das Markensystem verbietenden Antrag Hitze; letzterer Antrag wurde mit 9 gegen 2 Stimmen abgelehnt, die Regierungsvorlage mit 5 gegen 3 Stimmen angenommen, und damit den Konsumvereinen verboten, Waaren a» Nicht- Mitglieder zu verkaufen. Z 30|a der Regierungsvorlage, welcher die Vorschrift und Kontrolle über die Mitgliederlegitimation der höhere» Verwaltungsbehörde überträgt, wird mit 5 gegen 3 Stimmen angenommen: ein Antrag Schneider, an Stelle der höheren Verwaltungsbehörde das Registergericht zu setzen, wird mit 6 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Börfengesetz-Kommisfiou. Die ReichStags-Koinmission zur Berathung des Börsengesetzes hat sich konstituirt. Sie besteht aus folgenden Herren: von Podbielski(Vors.), Szmula(Stell- Vertreter), Dr. Hahn und Graf Oriola(Schriftführer); Dr. Bachem, Fritzen. Müller-Fulda, von Strombeck, Timmermann (Z.); Graf Könitz(kons.); Gamp, Meyer-Danzig(Rp.); Fürst Radziwill(Pole); v. Cuny, Placke(natl.); Hreese(frs. Vg.); Fischbeck, Träger(frs. Vp.); Liebermann v. Sonnenberg(Ant.); Dr. Echoen lank, Singer(So z.). In die Margarinekommission sind gewählt: von den Sozialdemokraten Herbert und Wurm, von der Freisinnigen Volkspartei Abg. Weiß, von der Freisinnigen Vereinigung Lültich. vom Zentrum die Abgg. Bachem, Fusangel, Klose, Schmidt- Jmmeustadt, v. Grand-Ry, Humann, von den Nationalliberale» Dr. Clemm- Ludwigshafe», Dr. Kruse. Krüger, von den Kon- servativen Graf v. Holstein, Retlich, v. Plötz, Baron v. Gustedt- Lablacken, von den Freikonservativen Scherre, von den Anti- femilen Clemm- Mühlhausen, Lotze, von den Polen Dr. v. Krzyminski. Petitionc». Das zweit« Verzeichniß der bei dem Reichs- tage eingegangenen Petitionen liegt jetzt im Druck vor. Unter ihnen sind namentlich hervorzuheben die Petitionen betreffend die Währungsfrage, die Zlnshebcing des Jmpsgesetzes oder Bc- seitigung des Impfzwanges, ferner eine große Zahl solcher, die sich ans die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, ans Ab- änderung deS Gesetzes über die SrwerbS- und WirthfchaftS- genoffenschafte», auf die Errichtung von Handwerkskammern, auf das Börsen-Depotgesetz sowie den Haufirhandel beziehen. Eine große Zahl von Petitionen nimmt bezug auf den neuen Entwurf zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Die agrarische Juterpellatio«(Schwerin-Szmula-v. Plötz) wegen der gemischten T r a n s i t l ä g e r soll für die nächste Zeit nn Reichstag« noch nicht znr Verhandlung gestellt werden. O.uittung. Für die Familien unserer im Essener Meineidsprozeß verurtheilten Genossen gingen noch bei mir ein: Barme», durch den Vertrauensmann Salzberg M. 593,58. Hagen,„Wests. Volkstribüne 18,39. Dessau,„Votksblntt für Anhalt", von M ü» ch o w 21,59. C r e f e l d, vom Vertrauens mann Wolters 75,25. Nürnberg, gesammelt auf Listen Nr. 121: 2,45. 122: 9,39, 123: 14,39. 124: 19,59, 125: 7,39. 126: 11.49. 127: 24,69. 128: 9,—, 129: 3,59, 139: 4,59, zw sammen 96,85. Linden, durch Kämpchen Liste 137: 21,59 D a h l h a u s e n, von Schwind Liste 138: 11,89, Sch. Liste Nr. 139: 8.35, B i ck e r n. A. D. Liste 152: 2,95. Bochum durch Brangenberg Liste Str. 135: 2,39, 146: 3,59, 149 9,69, 165: 12,69, 166: 1,90, 167: 3,59, 3: 7,19. 7: 4,65, 23: 19.69, 25: 7.-. 39: 2,-. Ofsenburg in Bade». „Volksfreund", durch A. G e ck 337,61. Summe 1739.58. Am 4. Januar quittirt 53 139,13. Ge sammtsumme 54 839,76 M. Bochum, 13. Januar 1396. W o l f g. Wunderlich, Johanniterstr. 19. KL. Von den 96,85 M. aus Nürnberg sind am 19. November vorige» Jahres schon 29,— M. quittirt; zu der heutigen End summe sind also nur 67,85 M. hinzugerechnet. Die um Rüdt haben eine Zeitung herausgegeben. die den Titel führt:„Freiheit, Organ für freie unabhängige Sozialisten." Das Blatt erscheint wöchentlich einmal, wird von einem gewissen Klink in Affaltrach redigirt, in Mannheim gedruckt und ist alles in allem eine verschlechterte Ausgabe des Berliner Unabhängigen und Anarchistenblattes„Der Sozialist". Bei den Gewerbegerichts-Wahlen Düffcldorfs haben diesmal zniar die Schwarze» gesiegt, aber trotzdem habe» unsere dortigen Parteigenossen keine Ursache, de» Kopf hängen zulassen, den» die Zahl unserer Stimmen hat sich, wie uns geschrieben wird, gegc» srüker verdoppelt. Fleißige und zweckmäßige Agitation wird ermöglichen, daß bei der nächsten Wahl die Schalle ausgewetzt ivird. Daß diese Hoffnung berechtigt ist, ergiebt sich aus der Thatsache, daß in dem zum größten Theil katholischen Düsseldorf das Zentrum immerhin nur 2359 Stimmen, wir dagegen die stald liche Minderheit von 1899 Stimmen bekamen, während die Hirsch- Duncker'schen Quertreiber durch die Stimmenzahl von 259 wieder den augenfälligen Beweis geliefert erhielten, wie bedeutniigslos die Rolle ist, die sie i» der Arbeiterbewegung spielen. In den übrigen Bezirke» war das Resultat ähnlich, bis ans Gerresheim. wo unser Kandidat, Metallarbeiter Peter Lechner, gewählt wurde und die gegnerischen Kandidaten durchfiele». Die Parteigenossen im Bezirk Hilden haben den Fehler begangen, zwei Kandidaten auf- zustelle», die sich zu gleicher Zeit auf die Seite der Geiverkvereinler stellten; das führte zur Zersplitterung unserer Stimmen und damit zum Siege der Gegner. Die Hildener werden sich den Ausfall der Wahl zur Lehre dienen lassen, und ebenso diejenigen Parteigenossen der Düsseldorfer Gegend, die diesmal nicht mit sonderlichem Eifer die Agitation betrieben haben, weil sie glaubten, das Zentrum würde wie früher bei der Wahl süße» Schlafs pflegen. Das Zentrum ist aber diesmal früher aufgestanden, als unsere Genossen, und es legte sich mit einer Wucht ins Zeug, wie sonst nur bei Reichstags- wählen. Deshalb, ihr Düsseldorfer, Mann für Mann fleißig und unerniüdlich agitirt, und die Schwarzen werden das nächste Mal mit langer Nase abziehen muffen! Die Sozialdemokraten Wiens haben am 12. d. M. in achtzehn gewaltigen Volksversammlungen gegen die Regierungs vorlag« znr Gewerbe- Ordnung Protest eingelegt. Die„Wiener Arbeiierzeitung" schreibt dazu: „Die gestrigen Volksversammlungen, ans deren Tagesordnung die Gewerbenovelle stand, gestalteten sich zu einem energischen Protest gegen de» frivolen Versuch,«in Gesetz, das so wesentlich vi« Lebensbedingungen der Arbeiter berührt, von einem Parla- ment beschließe» lassen zu wollen, das jeder Berechtigung hierzu entbehrt. Selbst wenn die Gewerbenovelle ein so gutes Gesetz wäre, wie sie in, allgemeine» ein schlechtes ist, wenn sie de» Arbeiter» nütze» könnte, wie sie im Wesen ihnen schadet: so würden die Arbeiier de» Gesetzentivurf dennoch energisch ab. lehnen, denn sie wolle» von dem privilegirten Parlament keine gnadenweise Fürsorge, sondern ihr Recht. Obne die Arbeiter leine Arbeilerschutz-Gcsetzgebnng, das war gestern die einmüthige Losung; erstund v o r a l l e m d i e W a h l r e f o r m. u n d nicht zweideutige und zweifelhafte Geschenke. Der Entwurf selbst fand in alle» Versammlungen die schärfste Kritik." Todtenliste der Partei. J» Nürnberg starb im blnbenden Aller von 23 Jahren der Drechsler Andreas Klaus- elder, ein eifriger Anhänger der Sozialdemokratie. Eben- dort starben die Genossen B l e i st e i n e r und Paul Schmidt. — Am 12. d. M. verlor unsere Partei in Selma Vater in Magdeburg eine ihrer begeisterlsten Anhängerinne», die un- ermüdlich für ihre Ueberzeugung«intrat.— Polizeilicbe», Gerichtlicbe» ,r. — Redakteur Jllge von der„Leipziger Bolkszeitnng" hat gestern seine sünsmonalliche Gefüngnißstrafe wegen angeblicher Majestätsbeleidigung angetreten. Hoffentlich übersteht er sie ohne Schaden für seine Gesundheit. — Genosse John, Redakteur des„Volksblattes für Hessen", ist vom Schöffengericht zu Kassel wegen Beleidigung der Polizei zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Das Wiener Schwurgericht hatte sich am 11. d. M wieder einmal mit einer Anklage gegen einen Redakteur der „Arbeiter-Zeitung" zu befassen. Angeklagt war Genoffe Fritz Austerlitz wegen einer Notiz, die in der Nummer vom 23. Oktober 1895 enthalten war und in der das B-rhältniß des Parlaments zum gegenwärtigen österreichischen Ministerpräsidenten Grafen Badeni besprochen und scharf kritisirt war. Die G e- chworenen sind gleichwie in den früheren Preßprozessen der „Arbeiter-Zeitung" auf das Ansinnen des Staatsanwalts, das bischen Preßfreiheit noch»nehr zu unter- drücken, nicht eingegangen und haben den Genoffen Austerlitz einstimmig freigesprochen. Gemevkfchsfklirhes. Der Zentralvovstand des Allgemeinen Vereins der Töpfer und Berufsgenosseu Deutschlands theilt i» einem Extrablatt des Fachorgans„Der Töpfer" mit. daß der Werk- st übe narbeiter- Streik bei Seideln. Sohn in Dresden fortdauert. Tie Zahl der Au-stä»digen beträgt 2l, darunter befinden sich 11 Verheirathet«. Die Firma Seidel u. Sohn versucht in Schlesien, so unter andere» auch in Bnnzlau, Werkstubeiiarbeiter zu engagiren, mit dem Bemerken, daß nur einzekkrr Hitzköpse die Arbeit eingestellt hätten. Diese Behauptung ist natürlich unwahr. Der Streik ist vielmehr die Folge der in den letzten drei Jahren herabgesetzten Lohnreduzirungen. Der letzt« Lohnabzug»om 2. Januar d. I. betrug, wie wir bereits mittheillen. 15—25 pCl. Nach Lage der Dinge ist energisch« Unterstützung der Ausständigen in moralischer und finanzieller Hinsicht erforderlich. Vor allen Dingen werden die Verbands- kollege» ersucht, die alte, bewährte Solidarität walten zu laffen. Die Dresdener Töpfer sind in dieser Beziehung immer an der Spitze marschirt. Die Steinmetzen der Firma Niggel, Trebbinerstraße, habe» wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Eine gestern abgehaltene Steinarbeiter-Versammlung erklärte sich mit dem Vor- gehe» der Kollegen solidarisch und beschloß, die Streikenden mit 15 M. wöchentlich zu unterstützen. Aus Geestemünde berichtete die„Norddeutsche Volks- stimme" von einer lebhaften Bewegung, die sich gegenwärtig unter den Matrosen der Fischdampfer bemerkbar macht. Sie wünschen, daß auch sie, wenn das Schiff im Hafen liegt, einig« Stunden freie Zeit erhalten. Jetzt müssen die Matrosen, die doch auf See schon genügend Arbeit haben, jederzeit zufassen, und ob es Sonntag, ob Wochentag ist, auch im Hafen die Fisch« löschen, sowohl bei Tag wie zur Nachtzeit. Eine große Anzahl Matrosen hat nun den Bertraucnsniann der Geiverkschaftskomniission, Genossen H. Gehr, ersucht, die Sache in die Hand zu nehmen. Die Ge- werkschaflskommissio» hat in ihrer Sitzung am letzten Donnerstag beschlossen, dem Gesuch der Matrosen startzugeben und den Ver- tranensmann beauftragt, die nothivendigen Schritte zu unter- nehmen und eventuell mit den Rheder» zu verhandeln. Die Matrosen verlangen, daß die Fische, wie in Harn- bürg, von Arbeitern gelöscht werden, sie also damit nichts mehr zu thun haben; sie fordern mindesiens eine freie Zeit von zwölf Stunden und zwar bei Tage. Diese Zeit wäre als eine Vergütung für die Sonntagsarbeit ans See anzusehen. Die Forderung ist gewiß sehr bescheiden, wenn man bedenkt, daß das Schiff durchschnittlich neun Tage unler- wegs ist. Jetzt haben die Leute oft kaum Zeit, sich reine Wäsche a» Bord zu holen. Weiler verlangen sie, daß die Matrosen. weil der Kapitän das Recht hat, die Mannschaft sofort zu ent- lassen, auch sofort abmustern können und nicht erst eine Reise vorher zu kündigen brauchen, oder daß diese Knndigungssrist von beide» Seiten innegehalten werden muß. Ans St. Gallen wird telcgraphirt: Der Verwaltnngsrath der vereinigten Schweizerischen Bahnen hat nach eingehender Berathung über die Lohnbewegung der Bahnangestelllen im Budget für 1896 159 099 Fr. mehr für die Erhöhung des Ei»- kommens der festbesoldeten Beamte», 49 999 Fr. mehr für Neben- ausgaben und Neuanstellungen als im Budget des Vorjahres vorgesehen. Für Tagelöhne sind 49 990 Fr. mehr eingestellt. Gerichts-"Leitung. Ein amerikanischer SportSman»eunenS KneebS, der auf hiesigen Renne» versucht haben soll, mit seinem Pferde Gaunereien zu verüben, ist gestern von der hiesigen Strafkammer wegen versuchten Betruges zu 9 Monaten Gefängniß, zwei Jahren Ehrverlust und 1999 M. Geldstrafe«v. noch 199 Tag« Gefängniß verurtheilt worden. Auch wurde auf Ewziehnng des Rennpferdes erkannt, das Kneebs zu seinen Operationen be» nutzt halte. Depeschen und letzte Anchrichken. Köln a. Rh., 14. Januar.(W. T. B.) In Kalk tödtete sich eine an Berfolgungswahnfinn leidende Frau in ihrem ver- schlossenen Schlafzinuner. Der von der Arbeit zurückkehrende Mann fand seine Frau mit durchschnittenem Halse im Bette liegen, während die drei Kinder im Nebenzimmer lustig spielten. Mährisch- Ostrau, 14. Januar.(W. T. B.) In dem Hermenegildeschachte ist ein Brubenbrand aus- gebrochen. Der Schacht, in welchem der Brand festgestellt wurde, wurde isolirt. 15 Tobte sind geborgen, 17 Mann wurden gerettet.(Wie viel noch im Schach!« sind, wird nicht ge- meldet. Red.) Es ist ausgeschloffen, daß der Brand durch«ine Explosion entstanden ist. Trieft, 14. Januar.(B. H.). Dem„Piccolo" wird aus aulorisirter römischer Quelle gemeldet, daß die Regierung innerhalb dieses MonatS eine Erhöhung der afrikanische» Streit- kräfte auf 59 999 Mann beschlossen habe, um ganz Abeffynie» zu besetze» und dort die italienische Herrschaft zu begründen. Venedig, 14. Januar.(V. H.) Zufolge einer Meldung der„Gazettn di Venezia" aus Adigrat erneuerte Ras Makonnen sein« Friedeiisunterhandlnngen, ebens» zeigt sich Menelek zum Abschluß des Friedens geneigt. Rur die Königin Taitu will im Einverständniß mit den tigrinischen Anführern den erbitterten Kampf gegen Jlalien fortführen. Sofia, Dienstag, 14. Januar.(W. T. B.) Prinz Ferdinand hat bei seiner Abreise ins Ausland, welche heute Vormittag mit dem Orientexpreßzuge erfolgte, eine Proklamation eriaffen, in welcher Familienangelegen heile» als Reise- g r u n d angegeben werden und die G e s a m mt r e g i er u n g mit der Regentschaft betraut.(Der Prinz dürfte kaum mehr zurückkommen. Red.) Die Sobranje tritt, wie ursprünglich in Aussicht genommen, am 21. Januar«. St. zusammen. Paris, 14. Januar.(B. H.) Der Untersuchungsrichter verhörte heute Cesti und Lano; letz.eren wegen eines heftigen Artikels im„Evenement" gegen St. Cor«. Ter Unlersuchnngs- richter hat wegen begangener Indiskretionen den Journalisleu das Beiwohnen an den Vernehmungen verboten. Zwei Polizisten bewachen den Eingang des betreffenden Zimmers. Paris, 14. Januar.(B. H.) Heute Nachmittag fand das Begräbniß des sozialistischen Abgeordnelen Alexander Avez statt. Den Sarg bedeckte ein rothes Leichentuch. Die Beerdigung ver- lief ruhig. Paris, 14. Januar.(W. T. B.) Die Deputirtenkammer wählte im weitere» Verlaufe der heutigen Sitzung Poincaro zum ersten Vizepräsidenten. Da die Wahl der dm anderen Vizepräsidenten zu keinem Ergebniß führte, ist ein zweiter Wahlgang erforderlich. Nach der Wahl der Schriftführer und Qnäsloreu vertagte sich das Haus auf nächsten Donnerstag. London, 14. Januar.(W. T. B.) Die„Times" melden aus Neiv-Iork unler dem 12. d. M.. die Versicherung, daß Lord Salisbnry beschlossen habe, die auf die Venezuela- Frage be- zügliche» Dokumente so bald als möglich zu veröffentliche», habe einen ausgezeichneten Eindruck hervorgerufen. Die Gefühle der Freundschaft für England und der Wunsch einer freundschaft- liehen Beilegung des Streitfalles hätten hier rasch an Stärke gewonnen. Washington, 13. Januar.(W. T. B.) Staatssekretär Olney telegraphirte an den Botschafter der Vereinigten Staaten in London Bayard, er möge das englische Auswärtige Amt ersuchen, die englischen Vertreter in Afrika an- zuweisen, die dortige» Amerikaner unter ihren Schutz zu nehmen. Sayard antwortete, Staatssekretär Chamberlain habe ihm ver- ächert, er habe den Gouverneur von Capland angewiesen, den- .enigen amerikanischeil Bürger», welche in die gegen die llit- landers erhobene Anklage ivegen Ansstaudcs verwickelt und in Transvaal verhaftet sind, denselben Schutz wie den englischen Unlerthanen aiigedeihen zu lassen. Vlocmfontcin, 13. Jan.(W. T. B.)(Meldimg de? Üleuter- che» Bnreans.) Vom Volksrand wurde eine Resolution aiigeno»'»««», worin der Südasrikauischen Republik zu jeder Zeit, wo es ver- langt würde. Beistand zngesichert wird, wori» ferner Protest gegen das Fortbestehen der Chartered-Compauy als einer Ge- ahr für den Frieden Afrika's eingelegt und der Ansicht Ansdrnck gegebe» wird, der Charter solle zurückgezogeli und Rhodesia durch Beamte der britischen Regierung oder der Kapkolonie regiert werden. Schließlich wird noch eine Garantie gegen Störungen des Friedens durch Rhodestas gefordert. Verantwortlicher Redakteur: August Jarobetz, Berli». Für den Jnserateulheil verantwortlich: Th. Glocke u» Berlin. Druck und Verlag von Max Vaplng in Berlin. Hierzn Ä Veilageu 1 Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt. Nr. IZ._ Mittwoch, den IS. Januar 1896. 13. Jahrg. Neichskag. lö. Sitzung v o m 14. I a n u a r 1896. 1 U h r. ?l»i Buudesrathstische: Nieberding, Graf Posa- dowsky. Dcr Bericht der Reichsschulden-Kommission und die Rech- Hunzen der Stoffe der Ober-Rechnungskammer für 1893—94 »verde» der Rechnuiigskommifsion überwiesen und der Gesetz- entwurf betreffend die Kontrolle des Reichshonshalts. des Landes- Haushalts von Elsaß-Lothringen für 1893—96 ivird in erster und zweiter Lesung erledigt. Es folgt die Fortsetzung der ersten Berathung des Gesetz- Entivnrfes. betreffend Aenderung und Ergänzung des Gerichlsverfassungs-Gesetzes und der Straf- prozeß-Ordnung. Abg. Rinteleu(Z.) spricht seine Befriedigung über die Bor- läge aus. nimmt es aber nicht tragisch, daß die verbündeten Re- giernngen nicht vollständig die Beschlüffe der vorigen Session akzeplirt haben. Erfreulich sei ihm die Ausdehnung des Rechts auf Privalklage; die Revision gegen Strafkammer-Urtheile reiche »»cht aus, die Wiedereinführung der Berufung sei daher noth- »vendig. Redner erklärt sich mit der Ueberweisung der Vorlage ftn eine Kommission einverstanden. Abg. Lenzman»(fr. Vp.): Der Staatssekretär Nieberding erklärte. daß die Negierung nur mit schwerem Herzen die Vor- läge gemacht habe,»veil der Reichstag so sehr belastet sei. Aber dann hätte man zur Entlastung des Reichstages sich beschränken sollen aus das noth iv endigste, auf die Ein- f iihrung der Berufung und der Entschädigung der unschuldig Verurtheilten. Die Forderungen noch dieser Richtimg hin werden seit einundeinhalb Jahr- zehnten aufgestellt nnd da ist es Pflicht der gesetz- gebenden Faktoren, solche Forderungen zu befriedigen. Ich tröste »»ich daniit, daß die unschuldigen Opfer der Justiz, die sich in den letzten Jahren den früheren zugesellt haben, nicht»nein Gewissen belasten. Ich habe»»ich in der vorigen Session de- »nicht, in der Kommission dahin zu»virken, daß diese Dinge g e s o n d e r t erl e d i g t werden. In den Motiven»vird an- erkannt, daß ein gewisses Mißtrauen gegen die Straf- r echtspflege herrscht. Allerdings das ist eine g e>v i s s e Krankheit, die im Volke herrscht. Aber die Krankheit ist begründet in dem Verhalten der Richter. Scheint es doch fast, daß die Richter sich bemühen, eine Ver- urtheilung herbeizuführen, die gewünscht»vird. Das Miß- trauen ist in den letzten 12 Monaten nicht geringer geworden, sonder» geivachsen, es richtet sich nicht mehr blos gegen das formelle Verfahren. sondern auch gegen die materielle Reckitsprechung. Die Justiz- pflege»vird sogar zum Gegenstand der Komik und des Witzes gemacht. Welche Ausbeute haben nicht die Witzblätter beim dolus eventualis gemacht! 58 i e kann jemand verurtheilt»verde»»,»veil er gnt- gläubig etivas sagte, was an sich nicht straf- bar ist. blos weil es einen thörichten Menschen geben konnte, der in die Worte etwas hineinlegt, was dcr Redner gar nicht gemeint hat. Ebenso geht es in dem Hannoverschen Prozeß gegen den Sozialdemokraten Rauch. Ich erkenne an, daß die Staatsamvaltschaft nach der Aussage des Herrn Oberstaatsanivalts Drescher vollständig korrekt und pflichtmäßig gehandelt haben mag. Aber dasjenige was über den Fall Haminerstein in die Oeffentlichkeil gedrungen »var, ließ eine derartige Thätigkeit der Staatsanwaltschaft bis zur Vernehmung des Herrn Drescher nicht erkennen. Und»venu einer sich entschließt, der die Llkten nicht gelesen hat und nicht»veiß,»vas sich bei der Staats- anwaltfchast abgespielt hat, Kritik zu üben an deren Thätigkeit, ohne dabei eine Böswilligkeit zu verrathen, so sollte man ihm Dank wissen nnd ihn nicht mit einer so langen Gefängnißstrafe delegen. Ist es nicht auffällig, daß ein vornehmer Urkunden- sälscher und Betrüger so lange außer Verfolgung ist,»veil sich in der That die Strafverfolgungsbehörde erst spät entschloß, mit starker Hand vorzugehen? War es denn korrekt, daß man in dem Prozeß Rauch nur den Staatsanwalt Drescher als Zeugen vernahm und nicht auch den Grafen Fiuckenstein? Wenn dieser, statt in der„Kreuz- Zeitung" eine Erklärung ab- zugeben, im Gerichtssaale dem Herrn Drescher entgegen- getreten»väre, so»vürde wahrscheinlich das Zeugniß des Herrn Oberstaatsanwalts in einem anderen Lichte erschienen sein. Warum hat die Bertheidigung den Grafen Finckenftem nicht geladen? Nicht minder wäre es die Pflicht der Staatsanwalt- schaft gewesen, auch den anderen Zeugen zu hören. Ist das denn nicht der Kritik würdig, daß der Unter- suchungsrichter einen vornehmen Zeugen zwei- mal un vernommen gehen läßt, obgleich seine Aussage wahrscheinlich viel früher zu einer Verfolgung des vornehmen Urkundenfälschers geführt hätte. Wenn ein sozialdemokratischer, oder fort- schrittlicher oder niederer bürgerlicher oder bäuerlicher Zeuge dem Untersuchungsrichter sagte: Geehrter Herr, ich kann nicht kommen, »veil ich verreisen muß, so würde ihm der Richter sagen, namentlich in einer Sache, die nach der Auffassung meines Siollegen Eschenbach eine hochpolitische ist. Du hast Deine Reise aufzugeben und wenn Dir das nicht behagt, so werde ich Dich vorführen lassen. Der Zeuge ist Mitglied des Hauses Widerspruch) und ich werde mich hüten, sein Ausbleiben irgend- »vie anzugreifen(Zuruf), er gehört jedenfalls derselben Gesell- schaftsklasse an. Ich tadle ihn nicht, aber»vohl tadle ich den Richter, der ihm eine solche exzeptionelle Behandlung zu theil »verden ließ. Was die Kommission geleistet hat, können wohl nur die Juristen richtig»vürdigen. Es ist auch nicht spurlos an den Ohren der Regierung vorübergegangen; sie hat in 17 Punkten die Kommissionsbeschlüsse sich angeeignet. Man hat sich ent- schloffen, die Kammern nicht mehr von der Justiz- Verwaltung, sondern von den Präsidien be- setzen zu lassen. Das ist einer von den giftigen Zähnen, »velche der Vorlage ausgezogen sind. In bezug auf das Resümee des Präsidenten des Schwurgerichts ist eine erhebliche Besserung herbeigeführt»vorden. Die Prä- ventiv-Untersuchungshafl ist auch theilweise fort- gefallen; ferner ist die Ueberstevung des Staatsanivaltes über das Gericht in einzelnen Fällen beseitigt.(Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Nach der alten Vorlage mußte eine Vereidigung des Zeugen im Vor- verfahren erfolgen, Ausnahmen konnten nur mit Ge- «chmigung des Staatsanivaltes erfolgen; jetzt ist das Gericht selbständiger gestellt. Früher konnte das Versahren nur mit Genehmigung des Staatsanwaltes eingestellt»verde«, jetzt i st d a s G e r i ch t i» diesen »i n d in anderen Fällen selbständiger. Die Kom- petenzbeschränkung der Schwurgerichte ist etwas zurückgedrängt gegenüber der früheren Vorlage. Es»väre allerdings wünschens- werth gewesen,»veun auch bei den übrigen Bestiinmungen die ver- dündeten Regierungen sich etwas mehr de» Wünschen derKommission gefügt hätten. Ich gebe allerdings zu, daß für die Regierung die schwan- kenden nnd kleinen Mehrheiten maßgebend sein mußten. Aber wenn die Regierung in 17 Punkte» den Koiuiuissionsbeschlüssen folgt und in 24 anderen Punkten sich von ihnen entfernt, so gewinnt es den Anschein, als ob sie sich im Gegensatz zu diesen Beschlüssen befindet. Es hat mich gefreut, daß der Staatssekretär im Reichs- Justizamt erklärt hat, daß»nan daraus nicht schließen solle, daß die Regierung dieselben als unannehmbar betrachtet. Von einigen dieser Punkte ist es geradezu»vunderbar. daß die Regierung von den Anschauungen der Kommiision abweicht, so z. B. bezüglich des torun» delicti commissi; die V o r l a g e will nach»vie vor die Strafbarkeit eines Preßerzeugnisses überall da zulassen,>vo es verbreitet wird, nicht blos am Erscheinungsort. Ich hoffe, daß die Regierung sich zur Annahme des Kommissionsbeschlusses verstehen »vird. Ebenso hoffe ich das bezüglich des Z e u g n i ß zwanges gegen die Presse. Noch in einem anderen Punkte muß die Regierung dem Reidistage nadigeben,»venn die Borlage nicht scheitern soll, nämlich bezüglich der Beschränkung der Beweisaufnahme. Die Kommission hatte eine Fassung ge- funden,»velche die Bertheidigung zwar einsdiränkt darin, daß nicht Dinge zum Beweis gestellt werden, die nicht zur Sache gehören, die aber trotzdem dem Angeklagten eine große Freiheit läßt. Auch für die Zlburtheilung der delits flagrants hatten wir die Einschränkung verlangt, daß dem Angeklagten ein Verlheidiger gestellt»vird. Die Vorlage»vill nichts davon wissen, wahrschein- lich aus fiskalischem Interesse, trotzdem bei der Findung des Rechts nichts zu theuer sein kann, auch nicht für den Militär- und Polizeistaat. Bezüglich desKontumacialverfahrens vermisse ich in der Vorlage die von der Kommission geschaffene Möglichkeit, die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu ver- langen. Besonders bedauerlich ist es, daß die Monopolstellung der Staatsanivaltsdiaft nicht beschränkt ,v i r d. Die Kommisston hat in dieser Beziehung manche Anträge gestellt, aber die meisten dieser Anträge(die der Redner einzeln aufzählt) sind abgelehnt worden. Die Berufung muß beim Ober-Landesgerid)t sein. Bei der großen Anzahl von Verkehrsstraßen ist es ebenso leicht, zum Ober-Landesgericht zu kommeii,»vie zu einem Landgericht. In diesem Punkte bin ich im Gegensatz zu manchem meiner Freunde mit der Regierung einverstanden, wie überhaupt mit der Ausgestaltung der Be- rufung. Bezüglich der Entschädigung der unschuldig Verurtheilten bin ich aud) der Meinung, daß für unschuldig erlittene Untersuchungshaft eine Entschädigung gegeben»verde» muß. Die Gnade, die jetzt sehr spärlich träufelt, soll in ein 3t e ch t v e r»v a n d e l t werden. Die un- glücklidjen Opfer der Justiz»nüssen entschädigt»verden. Wenn gesagt»vird, daß das nicht möglich sei, daß schließlich weniger leicht verurtheilt»verden wird, so meine ich, daß auch das schon ein V o r t h e i l ist, daß nicht i n» n» e r die Untersuchungshaft verhängt und nicht so leichthin verurtheilt»vird. Daß Jemand ein Geschäft daraus machen sollte, sich unsdiuldig einsperren zu lassen, das glaube ich doch nicht. Wenn die Regierung für Untersuchungs- Haft keine Entschädigung geben»vill, so»varte id) noch eine Zeit lang; id) hoffe,»venu erst für unschuldig erlittene Slrafhafl eine Entschädigung geivährt»vird, die Slus- dehnung auf die Untersuchungshaft nicht ausbleiben»vird. Nicht einverstanden bin ich damit, daß die Justiz- Verivaltung über die E» tsdzäd i g u u g befinden soll. Zweifelhaft bin id? doch darüber, ob es richtig ist, die Entschädigung unschuldig Verurtheilter einzutauschen gegen eine Verschlechterung des Wiederaufnahme-Ver- f a h r e» s. In diesem Punkte behalte ich mir meine Stellung- nahine vor und ich»vürde dankbar sei, wenn die Regierung ein geiviffes Entgegenkommen bewiese. Es wird sich ferner fragen müssen, ob nicht in diese»» Gesetze auch der Strafvollzug geregell, verden muß. Die Straf- voll st reckung wird jetzt schablonen, näßig durch- geführt, ohne Ansehen der Person und der S t r a f t h a t. Die Kommission wird noch Arbeit genug haben und wird ihre Arbeiten beschleunigen müsse», »venn sie in dieser Session zu Ende kommen»vill. Ich habe»nir hauptsächlich zwei Aufgaben gestellt: Die Regelung der Gesetzgebung für die armen Irrsinnigen uird die Frage des Strafvollzuges. Ich habe deshalb meinen Beruf für die gegenwärtige Session aufgegeben, um mitarbeiten zu können. Ich bin bezüglich des bürgerlichen Gesetzbuches nicht so bereitwillig,»nich zu unteriverfen,»vie Herr v. Buchka. In der jetzigen Zeit,»vo die Interessen bestrebt sind, das Recht in ihren Dienst zu stellen, muß gerade darauf hingewirkt»verden, daß das allgemeine Interesse in den Vordergrund tritt. Im übrigen bin ich aber auch bereit, möglichst zur Beschleunigung der Berathung des bürgerlichen Gesetzbuches beizutragen. Wenn ich am Schluß der Session sehe, daß elivas gefördert»vorden ist alss diese»» Gebiete, so»verde ich stolz darauf sein. Wir wollen mit der Regierung zugleich das Reich fördern, damit es immer mehr ein Rechts st aat wird, während es jetzt nur ein Militär- und P o l i z e i st a a t i st. Daß der preußische Justizminister und der Staatssekretär des Reichs-Justizamts sid) mit uns zu diesem Ziele vereinigen mögen, das ist mein dringender Wunsch. Abg. Graf Bcrnstorff(Rp.): Die Arbeiten der Kom- inissio» sind doch nicht ganz vergeblich geivesen; die Einbringung der Borlage läßt die Arbeilen nicht vergeblich sei» und ich hoffe. daß in dieser Session die Vorlage abgeschlossen»vird. Im wesentlichsten Punkte bringt die Vorlage eine sehr erhebliche Besserung der Jnftizverhältnisse, namentlich bezüglich der Be- rufung und bezüglich der Entschädigung unschuldig Verurtheilter. Es besteht eine große Beivegung im Volke nach dieser Richtung hin. Die Gerechtigkeit besteht nicht blosdari», daß der Schuldige be st rast»vird, sondern noch vielmehr darin, daß der Unschuldige frei- gesprochen»vird. Ob drei oder fünf Richter, macht wenig Unterschied; die Entscheidung wird nur um so sorgfältiger sein. wenn die Verantwortlichkeit sich nicht auf zu viele Köpfe ver- theilt. Die Tendenz der Vorlage geht nicht dahin, die Schwurgerichte abzubröckeln; dadurch, daß man ihnen Dinge entzieht. die nicht für sie geeignet sind, stärkt man die Autorität. Die Einführung des Nacheides statt des Voreides i st durchaus zu billigen. Redner empfiehlt die Ver. Weisung der Vorlage an eine Kommisston. Abg. Stadthagen(Soz.): Entschädigung unschuldig Verurtheilter und Einführung der Berufung und einiges weitere: das klingt ja sehr schön, aber thatsächlich ist die Borlage nur ei» weiterer Schritt auf dem Wege der völligen Beseitigung des lllechtsstaates, der absoluten Wehrlosmachung des Zlugeklagten und der Unterthänigkeit den Gerichte» gegen- über. Wenn die Borlage Gesetz»verde» sollte, dann würde» die Gerichte noch inehr wie heute lediglich die ausführenden Organe der Verwaltungsbehörden sein. Die Thronrede hat etwas ganz anderes versprochen. Danach sollte ein Gesetz vorgelegt werde», weld)es die Schnelligkeit und Gerechtigkeit des Strafprozesses be- gründe. Es ist weder die Präponderanz der Slaatsa»ivaltsd)aft beseitigt worden, welche die Schnelligkeit der Rechtspflege hemmt, noch ist etwas geschehen, um sonst eine Beschleunigung des Ver- fahrens zu garantire». Es»vürde nicht eine gerechlere, sonder» die denkbar ungerechteste Strafverfolgung herbeigeführt,»ven» die Borlage Gesetz werden sollte. Der Abg. Leuzmann sprach von einer gewissen Krankheit des Volkes, das inline»:»vieder nach Einführung der Berufung riefe. Nein, dieser 3!uf ist nichts anderes als die allgemeine Ueberzeugung, daß die Rechtsorgane krank sind, und nach Berufung»vird gerufen, nicht»veil das Volk diese Berufung haben will, sondern»veil es die Empfindung hat, daß das bestehende Verfahren ein ungereckites ist. Ich persönlich stehe auf den, Standpunkt, daß, wenn das Verfahren noch»»»ehr verschlechtert»verde» sollte,»vie es vorgeschlagen ist, es nichts nützt,»venn noch mehr Instanzen eingeführt»verde»». Mir ist hundertmal lieber eine einzige Instanz, bei der id) hoffen darf, gerecht be»»rtheilt zu»verde»» als zivei ungerechte Verfahren, als die sogenannte Berufung. Nim»vill man gar dem Staatsamvalt die Berufung geben. Es ist eigentbümlich, daß auch der Abg. Lenzmann, dcr soviel von» Rechtsstaate sprad), in so kolossaler Weise abgeividieu ist von den Prinzipiell, »velche früher selbst vo» konservativer Seite im Interesse des konstilutionelleu Staates vertreten»vurden. Der General-Staalsanivalt v. S ch w a r tz e, von dem»»an nicht behaupten wird, daß er ein Sozialdemokrat oder Freisinniger geivesen ist, hat auf den» Juristentage von 1864 oder 1865 jene vorzügliche 3iede gehalten, in der er erklärte: Geben Sie der Staatsaniv altschaft das Ber»isungs- b eziv. Beschwerderecht, so muß der Richter zi» einem thatsächlich abhängige», untergeordneten subalternen Organ gegenüber der Staats- an>v altschaft herabsinke»». DiesesHerabsinken ist thatsächlich schon eingetreten»ind daß das B e r- trauen des Volkes zur Rechtspred,»»ng geschwunden ist,»vird aud) sonst ausnahmslos in der Fachliteratur zugegeben. Hier soll nu» die Willkür in 3tahmen und Form gebracht werden, damit die lliegiernng dann hiutreten und sagen kann: der Angeklagte ist ii» aller Form Slechtens verurtheilt»vorden. Ei» monurncntum aere perennius»vürde» Sie mit diesem Gesetz allerdings schaffen, ein Monument, daß Deutschland eine noch schied) tere Strafverfolgung erhallen hat, alses augenblicklich hat; es würde dann hinter der Strafprozeß-Ordnung aller anderen zivi« l i s i r t e» Länder zurückstehen. Die Entschädigung dcr unschuldig Verurtheilten ist eine alte sozialdemokratische Forderung, wir halten sie für selbstverständ- lich. Die Entschädigung muß geivährt»verde«, so lange es Gesetze giebt,»velche den Organen des Staates gestatten, Unschuldige zu verhaften und zu verurtheileu. Aber die Vorlage bringt lange nid)t das,»vas sie verspricht� Zunächst sucht sie die W i e d e r a u f u a h u» e zu b e s ch r ä n k e u. Es soll nilr derjenige, der seine Unschuld beiveisen kann, als unschuldig verurtheilt betradstet werden. D. h.»»an»vürde daun mit der Laterne suchen können jemand, der dann noch als»»>»- schuldig verurtheilt im Sinne dieses Gesetzes anzusehen ist. Ich erinnere iiur an den Aufsehen erregenden Fall Ziethen. Wer jemals als Vertheidiger fungirt hat,»vird zugeben müssen, daß ein Wiederaufnahme- Verfahren heute schon kaum durchzusetzen ist. Und nun soll dies noch mehr erschivert»verde». Wenn es keine unschuldig Verurtheilie mehr giebt, dann braucht auch der Fiskus keine Entschädigung mehr zu geben. Es soll auch in dem Fall,»vo jemand»virklich unschuldig ver»»rtheilt ist, der Ver- urtheilte keine Entschädigung erhalten, wenn er seine Verurthei- lung vorsätzlich herbeigeführt oder durch grobe Fahrlässigkeit veranlaßt hat. So begierig nach einer Vmtrtheiliiiig»vird doch selten einer sein, nur um eine Entschädigung zu erhalten. Es sind aber noch ganz andere Fälle denkbar. Redner führt einen Fall an, wo eine Frau unschuldig in Untersuchungshaft gehalten »vurde wegen Meineids, obgleich sich nachher herausstellte, daß sie einen Eid gar nicht geleistet hatte. Nach großen An- streugungen gelang es dem Vertheidiger, dies nachzu- »veisen und ihre Entlassung zu beivirken. Der Anwalt verlangte von dein Assessor, der in dem Prozesse das Protokoll geführt und den gar nicht geleisteten Eid nieder- geschrieben hatte, Entschädigung. Diese Entschädigung»vurde der Frau auch zugebilligt. Das Reichsgericht aber meiule, ein Ein- »vand sei doch nicht berücksichtigt»vorden, der Stichler habe ja ausdrücklich gefragt, ob die Frau auf die Vernehmung der beiden Herren, die das Protokoll geführt haben, verzichte und sie habe das bejaht, und durch diese Bejahung habe sie selbst möglicherweise eine grobe Fahrlässigkeit be« gangen. Der Herr Staatssekretär sprach davon, daß den Un- schuldigen Entschädigung gewährt würde; ich»nöchte wissen, ob die Frau jemals einen Pfennig E»tsd>ädigung bekommen hat. Warum soll sich der Freigesprodzene mit seinem Rechtsanspruch an die Verwaltung wenden? Und»var»»« soll für unschuldig erlittene Untersuchungshaft keine Entschädigung geivährt»verde»» i Es ist schwer verständlich,»varum gerade nur diejenigen eine Entschädigung erhalten solle», die ui»sd)uldig verurtheilt sind, und iiicht auch diejenigen, welche unschuldig im U»tersud)uugs- hast»väre». Es möge doch die 3Icgierung einmal eine Statistik aufstellen darüber,»vie viele unschuldig verhaftet»verden, wie viel unschuldig in Unlersudiungshaft genommen und nachher freigesprochen sind. Mau ist hierfür immer nur auf Zeitungen angeiviesen. Im Monat Februar 1394 standen in einer einzigen Zeitung in Hamburg, die»vahrscheinlich»od, nicht den zchnle» Theil von dem enthielt, was»virklich geschah, folgende Fälle: am 3. Februar 1694»vurden 3 Männer, die je 5— 5Vs Monat in Untersuchungshaft gesessen hatten, vo» der Anklage wegen geiverbs- mäßigen Spielens freigesprochen. Eine» Pfennig Enlsd)ädig»»g erhielten sie nicht. Am 10. Februar»vird ein Mann»vegen des Verdachtes einen Diebstahl begangen zu haben verHaftel; derselbe wollte für zehn Pfennige einen Zollstock gekaust haben. Zivei Beamte kommen darauf, daß er de» Zollstock nur gestohlen haben könne. Er wird jedoch freigesprochen. An» 24. Februar »vurde ein Mann freigesprochen von der Anklage wegen gewerbs- mäßiger Hehlerei, der fünf Monate gesessen hatte, um dieselbe Zeit gelingt es einer Frau, die sieben Monate unschuldig im Zuchthaus gesessen hatte, von der Anklage wegen Kuppelei glänzend freigesprochen zu werden. Es wäre»nir inter- essant zu erfahren, ob diesen Leuten irgend welche Entschädigung zu theil geivorden ist. Ich habe mich nur mit diesem einen Monat beschäftigt,»veil ich in diesem auch in gewisser Zurück- gezogenheit gelebt habe. Wer hat denn das Recht, mit der Frei- heit seiner Mitbürger zu spielen? Wenn Sie das nid)t wollen, so müssen Sie möglich st die Verhängung der Unter- s ii ch u n g s h a f t beseitigen. Die Strafprozeß- Ordnung spridst nur von einem dringenden Verdacht und dieser Verdacht löst sich meist immer dahin auf, daß der Angeschuldigte möglicher- iveise die Strafthat begangen haben könnte. Den Fluchtverdadzt sollte man nicht immer annehmen,»venn jemand Sozialdemokrat ist. Ein Maurer wurde angeklagt, er »vurde verhaftet, weil der Staatsanwalt es für verdächtig hielt, daß derselbe ein Notizbuch besaß, aus ,veld>em alle Blätter herausgerissen und ein anderes, in»veld)eni noch einige Blätter enthalten»varen; nach sed)snionatlicher Untersuchungshaft ergab sich, daß der Staalsanivalt die Bezeichnung cm. als Sozialdemokrat cnträthselte,»vährend es Kubikmeter heißen sollte.(Heiterkeit.) Es ist allgemeine Ueberzeugung, daß nicht nach Siedst sondern nach Willkür verfahren zu werden scheint, wenn man einen Mann aus dem arbeitenden Volk oder einen politischen G e g n e r v o r s i d) h a t. So groß ist der politische Haß und "V Slaffcnhiftiutt. Eine angeklagte nnd nachher freigesprochene rnn wor verdächtig, weil sie die EchwiegermuUer emes Aus- acwiesenen war. Derartige Fälle kommen nicht vereinzelt vor, sie sind typisch und ich könnte Dutzende von ähnlichen Beispielen ins ans die heutige Zeit ansühren, überall allerdings zeigt es sich, daü der Betreffende dein werkthätige» Volke oder einer der iliegierung nicht genehmen politischen Partei angehörte. Nach dem Gesetz soll in den Fällen, wo die Untersuchungshaft nur 1 Woche dauern soll, dieselbe auf Antrag der Staatsanwaltschaft auf b a r, der einen Rechtsstaat will. Es wird kein Mensch darüber im Zweifel sei»»ach der Aussage des Ober- Staatsanwalts im Prozeß iliauch, daß eine Langsamkeit in der Verfolgung Hammerstein's geherrscht hat, wie sie Jahr- zehnte hindurch einem Arbeiter, einem Redakteur oder einem politischen Verbrecher gegenüber unmöglich gewesen ist. Schon im November 13lU pfiffen die Spatzen von den Dächern, was eigentlich los ist. Endlich fing man langsam an, nicht etwa wie sonst den Angeschuldigten zu hören, sonder» andere zu hören. Wuuderbarerweise begegnen wir da einer Verständnißlosigkeit der Staatsanwaltschasr in bezug auf das, was andere sagen. Ein ganz gebildeter Mann, Graf v. Finckenstein, macht eine Strafanzeige und die Staatsanwaltschaft versteht nicht einmal. daß das eine Strafanzeige ist. Wie kommt es, daß die Staats- nnwälte eine» solchen Mangel an Ueberleguug und Kenntniß haben, daß sie sv schlecht aufsasseu, was andere sagen? Das erklärt es allerdings, daß soviel ungerecht verurtheilt wird. Jeder andere liest aus der Anzeige des Herrn v. Finckenstein heraus, daß Hammerstein der Fälschung beschuldigt wird, aber in der StaatSanwallschast ist kein Mensch klug daraus geworden, da werden mir auch manche andere Verfügungen von Polizei- organeu nnd Staatsanwälten klar. So wurde für eine ange- meldete Versammlung die Bescheinigung versagt, weil die Zeit- angabe der Versammlung unverständlich sei. Es war nämlich nur gesagt worden, daß die Versammlung am 10. Januar stattfinden sollte, aber nicht ob SS oder S6:c. Bei solcher Ver- siändnißlosigkeit der Art und Weise gegenüber, wie andere sich ausdrucken, wäre es überhaupt besser, wenn die Slaatsanwaltschast ganz verschwände und dahin ginge, wo sie hergekominen ist, aus Frankreich, wo sie der Idee des ersten Napoleon vom absoluten Staat entsprungen ist. Sie sehe» de» Platz unseres Freundes Schippel hier leer, er wünschte schnell abgeurtheilt zu werden, uni an der Session theilnehmen zu können. Es ist doch ein berechtigtes Verlange» eines Volksvertreters, hier sitzen zu könne». Am 21. Juli 1895 wurde er wegen Ausgleileus der Feder mit zwei Monaten Ge- fängniß belegt. Das Reichsgericht hat dann aber erst am 12. November den Termin anberaumt, während sonst nur wenige Wochen dazu gehören. Mitte November erwarlete man die Er- Lffnuug des Reichstags, und man wartete bis zum 12. No veniber und Schippel ist also jetzt verhindert, seinen Sitz hier einzunehmen. Warum kann der Augeklagte seine Strafe nicht absitzen, wann er es wünscht? Man hat aber sogar dem Angeklagten vorgeworfen, daß er die Sache verschleppt hat. Wenn man die Prozesse beschleunigen will, kann man beschleunigen. Es darf der Prozeß nicht so hingeschleppt werden wie hier, mindestens nicht in de» Fällen, wenn der Angeklagte ein schnelles Verfahren wünscht. Mit dieser Vorlage erreichen Sie aber nicht eine Beschleunigung des Verfahrens, sondern nur eine schleunige Verur theil ung der politischen Gegner. Wir haben nicht allzuviel stalistisches Material über das Verhältniß der Zahl der unschuldig Verurtheilten zur Ge- sammtzahl der Verurtheilten, denn wohl noch nicht der fünfzigste Theil der unschuldig Verurtheilten kann seine Unschuld nach- weisen. Aus der immer mehr wachsenden Unzufriedenheit des Volkes sollte man die Mahnung entnehmen, das Prozeßverfahren mit solchen Garantien zu unigeben, daß möglichst keiner unschuldig verurtheilt wird. Die Vorlage sinnt uns aber an, die Berufung einzuschachern gegen eine Verschlechterung des Wiederaufnahme- Verfahrens. Da wünschte ich, daß man den Wählern die Frage vorlegte, ob sie statt einer guten Instanz lieber zwei schlechte Instanzen wollen. In der Vornnterfuchnng ist der Augeklagte absolut schutzlos. Es soll jetzt im Vor- verfahre» schon vereidet werden, der Angeklagte soll aber dieser Zeugenvernehmung nicht beiwohnen dürfe». Hier wird nur eine neue Möglichkeit des Meineids eröffnet. Wie soll der Zeuge vom Angeklagten aus gewisse Vorsälle ausinerksam gemacht werde», die dem Ge- dächtniß des ersteren entfallen sind, wenn der Angeklagte nicht zugegen ist? Wie wollen Sie bei den Zenge» die Charakter- sestigkeit annehme», daß sie im Hauptverfahren sage», sie hatte» sich geirrt, wenn der Angeklagte sie nun auf dieses und jenes ausinerksam macht? Ein solches Verfahren steht nicht im Ein- klang niit dem System des Kampfes für Religio», Ordnung und Eilte. Sie werden nur die Meineide vermehren und Kronzeugen schaffen. Durch die Versagung der Voruntersuchung werden die An- geklagten verhindert, sich von dein Verdacht zu reinigen; sie werden vor Gericht gezerrt und nachher freigesprochen. Redner verweist auf den Fall, daß ein Redakteur behauptete, daß während der Kanalseierlichkeit in Kiel drei Bordelle neu eingerichtet seien. Er wurde wegen Verleumdung augeklagt; ein« Vor- Untersuchung fand nicht statt; die Beweisaufnahme ergab die Richtigkeit seiner Behauptung, er wurde freigesprochen. Aber «in anderer Redakteur, der die Sache abgeschrieben hatte, wurde mit S Wochen bestrast, weil er hingewiesen hatte auf die un- erhörte Art und Weise, wie man in Kiel mit dem Strafgesetzbuch gespielt habe. Die Vorlage will die uziehung von Zeugen eiuschränkin; das Gericht soll nach eigenem messen die Zeugen zulassen. Wenn Sie diese Wivvir im Prozeßverfahren zulasse», iverden Sie den Klassengegensatz, die Kluft zwischen dem Rechtsbewußlsein des Volkes und dem Rechts- bewußtsein der sogenannten gelehrten Richter und Staatsanwälte noch vergrößer». Dann wird der Haß im Volke iinmer größer. wenn in dieser Weise gegen die Ehre und Freiheit eines Manne« vorgegangen werde» darf und alle Kantele», die jedem anderen Volke in der Rechtsprechung gegeben find, hinweg ge- räumt werden sollen. Auf keinen Fall sind wir für eine Vorlage zu habe», die auch nur ein Atom abbröckelt von dem außerordentlich schmalen Recht des An- geklagten. Ich bin fast ein Dezennium Vertbeidiger gewesen und kann ans lausenden von Fälle» Ihnen das Mißtrauen de- stätigen, das gegen unsere Richter besteht. Die Leute glaubten niir nicht, wenn ich ihnen sagte, daß die Richter nur nach ihrer Ueberzeugnng urtheilen. Der gemeine Mann sagt sich, wie kann die Rechtsprechung sich so weit entfernen von dem Rechte, ohne daß die Richter bestochen sind. W i e kann man Vertrauen haben zu einer Rechtspflege, w o der Staatsanwalt der eigentliche Leiter des Verfahrens ist. Dadurch wird die Ver- aniwoUijchkeil hernbgedrückt, und weiin ein solcher Beamter sich dann hinstellt und sagt: Ich fühle mich verantworilich, so glaubt man es ihm nicht, nnd er kann sich auch täuschen. In bezug auf den Redakteur Rauch in Hannover erkennen zunächst drei gelehrte Richter, daß eine Beleidigung in dem Artikel nicht vor- handen ist. Die Staatsanwaltschaft legt Berufung ein gegen die ungezogenen Kinder; das Ober-Landesgericht giebt der Staatsanwaltschaft recht; der Slaatsanwalt Drescher erscheint in dieser Reparaturwerkstatt für verletzte Ehre als zweiter Ankläger und die Ehre wird erst dann für reparirt erklärt, wenn der Redakteur 3 Monate gesessen bat. Die Kommission sollte dem ein Ziel setzen, indem sie die Be- leidig» n gsklagen, mit denen gröblichster Unfug getrieben wird, an die Schwurgerichte ver w ei st. Die Haupt- fache ist nicht der kleine Entschädignngs- anspruch für unschuldig Berurt heilte sondern die Einrichtung von Vorkehrungen, daß nicht unschuldig verurtheilt wird. Der Staats- a ii w a l t s ch a f t muß das Recht, welche die Vorlage noch ver- größern will, genommen werden, das Recht, den Gerichten gegenüber als vorgesetztes Organ aufzutreten. Wir haben keine unabhängigen Richter, denn unsere Richter können disziplinirt werden. Tie Unabhängigkeit ist nur bei den Reichsgcnchtsräthen kein Märchen, denn diese können nur unter ganz bestimmten Umständen abgesetzt werden. Das sollte man auf alle Richter ausdehnen. Die Anstellung nnd die Beförderung dürfte nicht der Verwaltung überlassen, sondern müßte nach b e st i m ni t e n Regeln geordnet werden. Die Vorlage macht in dieser Beziehung geradezu einen Rück- schritt, den die Kommission hoffentlich beseitigen wird. Wenn es sich um die höchsten Güter, um Tod und Leben handelt, muß der Angeklagte das Recht haben, Abschrist des Protokolls zu verlangen. Was die Vorlage in bezug auf die Hauptverhandlung will, genügt in keiner Weise. In dem Protokoll muß stehen, welche Einwendungen der Angeklagte erhoben hat, welche Gründe zu den einzelnen thatsächlichen Feststellungen ge- führt haben und es muß der Kontrolle des Angeklagten zugäng- lieh sein. Der jetzige Formenkram ist wesenlos und nutzt dem Angeklagten gar nichts. In die Kommission bitte ich nur solche Mitglieder zu wählen, welche nicht auf dem Standpunkt stehen, es muß etwas geschaffen werden, sondern auf den: es muß etwas Gutes ge- schaffen iverden. Ten vorgeschlagenen Verschlechterungen dürfen wir nicht zustimmen. Beseitigen Sie die Präroga- tive der Staatsanwaltschaft in der Erhebung der Anklage. Wie die Dinge heute liegen, genügt die Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie, um jemand hinreichend verdächtig erscheinen zn lassen, eine angebliche Majestätsbeleidigung begangen zu haben. Solange dieses System der Abhängigkeit der Richter von der Staatsanwaltschaft be- steht, wird das Mißtrauen des Volkes nicht schwinden. Die Oeffentlichkeit des Verfahrens muß her- g e st e l l t und der Presse muß das Recht gegeben werden, wahrheitsgetreue Berichte über die Gerichts- Verhau dl un gen zu veröffentlichen. Jetzt werde n ivahrheilsgelreue Berichte ver- folgt, wenn sie etwas der 3i«gier ung Un- angenehmes enthalten, eS stehe denn in einem der Regierung nahestehendeu Organ. Unrichtige amtliche Auskünfte müßten unter Strafe gestellt iverden. Es sollen statt fünf nur drei Richter ur- t h e i l e n; dadurch wird die Berurtheilung erleichtert und namentlich der Einfluß des Borsitzenden ver- in ehrt. Ich erinnere an die berüchtigte Zeil der preußischen Dreimänner- Gerichte und daran, daß die Zuziehung von Hilfsrichter» nicht verboten ist. Nothwendig ist auch, daß der Angeklagte nicht abgemattet nnd ermüdet ist, ehe er zur Ver- bmidlnng kommt. Hier in Berlin müssen die Angeklagten Stunden lang auf dem stickigen Korridor umherstehen, ehe sie aufgerufen werden, während Richter und Staatsanwall Zeit genug haben, Erfrischungen zu sich zu nehmen. Die Behand- luii'g seitens der Richter und Staatsanwälte könnte auch eine etwas zuvorkommendere sein. Ein Amtsrichter fubr die Angeklagten immer gleich an: Ochse, halten Sie das Maul!(Widerspruch.) Das ist gerichtlich fest- gestellt. Ein Fehler ist auch, daß die Beamten das eugniß verweigern können, wen» die vorgesetzte ehörde ein Zeugniß nicht gestattet; alS wen» das Vaterland davon zu Grunde gehe» würde, wenn festgestellt wird, in welcher Beziehung die Spitzel mit der Polizei stehen. Das ist eine ein- fache Verhüllung der Wahrheit,«in einfaches gesetzliches Mittel, der Ermittelung der Wahrheit entgegenzutreten. Diese Beamten sollten als Zeugen nur ihre persönlichen Auslagen erstaltet bekommen. Wir wollen nicht Scheingesetze, sondern Gesetze, die nützlich sind und die Gerechtigkeit statniren, soweit dies in diesem Staat überhaupt möglich ist. Ans dem Lande besteht die Meinung, daß die Gendarmen nur deshalb Anzeige erstatten, um die Gebühren zu erhalten. Aber alles wird nichts nützen, wenn wir nicht den ganzen gelehrten Apparat entsernen und allein durch Laien urtheilen lasse». Deshalb bin ich gegen jede Abbröckelnng der Schwurgerichte. Die jetzigen Richter sind ja K l af s e n ri ch t e r; für die sogenannten gelehrten Richter steht die Gelehrsamkeit gewöhnlich im Mittel- punkte und die Richter laufen in der Peripherie immer in gleicher Entfernung darum herum. Wir haben noch keine Volksgerichte, die ans allen Schichten des Volkes zusammengesetzt sind; es müssen wirkliche Laiengerichte eingeführt iverden und die gemein- gefährlich wirkenden gelehrten Richter muffen entfernt werden. Machen Sie die gelehrten Richter wenigstens unabhängig. Herr v. Holleben hat es ja im Herrenhause ausgesprochen, daß er sich über die Führung der Amlsrichter bei den Landräthen erkundige. Im vorigen Jahre wollte ich die Berusuug retten und die Entschädigung unschuldig Berurtheilter, aber man sagte: Die Regierungen wollen nicht. Wenn man auf diesem Slandpunkt steht, dann sollt« man überhaupt nicht parla- ineiitarisch thätig sein, sondern nur den Willen der Regierung thun. Herr Lenzniann hat an Verbesserungen auf- gezählt, was die Regierung nicht an Verschlechterungen mehr in die Vorlage aufgenommen hat. Diese Bescheidenheit theile ich nicht. Ich werde auf keinen Fall auch nur einen Fingers Breite die Rechte des Volkes ausgeben, und ich werde das Volk nicdt betrügen, indem ich unter der schönen Auffchrift:„Ent- schädigung unschuldig Vernrtheilter* eine Vorlage annehme. welche die W-Hrlosmachung der Angeklagte» ist. Damit zeige ich mehr Patriotismus als Sie, welche Sie ver- suchen, dem Zlbfolutismus neue Nahrung mit diesem Gesetz zu geben und dem Volke klar zu machen: Du hast Steuern zu zahlen, den Mund zu halten und im übrigen dich zu bedanken, wenn du unschuldig verurtheilt wirst.(Heiterkeit recht; Zu- stinimuna bei de» Sozialdemokraten.) Justizminister Schönstedt: Trotz der Bosheit, welcher der Abg. Sladthagen eben Auedruck gegeben hat, hoffe ich doch, daß diese Vorlage, welche ja auch nach der Auffaffuiig seiner eigenen Partei Verbesserungen enthält, zu stände kommen wird. Sie werden es dem preußischen Justizminister nicht zum Vorwurf machen, daß er nicht über alle vom Abg. Stadthagen vorgetragenen Fälle unterrichtet ist. Eine ganze Reihe dieser Fälle hat sich ja in Hamburg abgespielt. Der von ihm erwähnte Fall der Frau, die wegen Meineioes verurtheilt war und deren Unschuld fich nachher herausgestellt hat, gehört gar nicht hierher. Es handelt sich da nicht um einen Entschädigungsanspruch an den Staat, sondern an den Assessor, der das Versehen der Protokollirunz des EideS beaangeu hatte. Ich bestreite, daß diese« Gefetz den zur Hast Gezögenen rechtlos hinstellt. Dem Angeschuldigten steht durch alle Instanz das Beschwerderecht zn, und mit niirccht sieht Herr Stadthageu in dieser Bestimmung das GegeiUheil der Beschleunigung des Verfahrens. Ebensowenig ist mir klar ge- worden, wie der Abg. Stadthagen den mir unbekannten Fall, der sich an das Kaualsest anknüpseu soll, verwenden will gegen das Vorversahren. Der Vorschlag der Regierung will weiter nichls.als daß schon im Vorverfahren zuverlässigere Grundlagen ermöglicht werden. Er hat ferner davon gesprochen,.daß die Unabhängig- keil der Richter gefährdet sei. weil sie der Staatsanwallschast unterstellt würden, da diese ja ein Disziplinarverfahren einleiten könnte. Diese Besugniß steht der Staatsanwaltschaft allerdings zu. denn eine Arklagebehörds muß es doch schließlich geben, aber über die Zulässigkeil des Disziplinarverfahrens entscheidet doch ein unabhängiger Gerichlshof. Ich will mich auf die': Bemerkungen'beschränken; die übrigen Ausführungen des Abg. Stadthagen waren wohl mehr auf den Znknnftsstaat berechucl. (Beifall rechts.) Abg. Werner(veutsch-soziale Reform-P.): Herr Stadthage« hat von den durch Warten abgematteten Angeklagten gesprochen; die Ermattung ist aber auch eine Folge der langen Reden.(Sehr richtig! rechls.) Meine Freunde begrüßen die Vorlage mit Freuden; sie billigen es, daß durch die Einführung des NacheideS die Meineide vermieden iverden sollen, daß die Protokolle besscr geführt werden sollen. Es hat sich vir genug eine Mangelhasiig- keil der letzteren heransgestellt. Die Klagen der Presse hat Herr Lenzniann bereits vorgetragen. Die Presse ist ziemlich heimath- und rechtlos; es müßte klar und denllia, ausgesprochen werden, daß die Redakleure nur am Erscheinungsort der Zeitung verklagt iverden könne.!. Auch die Irre»pflege muß einer besonderen Regelung unterworfen werden. Es ist, wie die Thatsachen ergeben habei-, zum Theil damit recht traurig bestellt. Ich hoffe, daß der Justiz« minister das richtige herausfinden wird. Ich wülische auch, da» das Laienelement mehr bei der Rechlsprechung belheiligr werde; wenn die Preßvergehen vor die Schwurgerichie gehören, wird es besser werden. Ueber die Einführung der Berufung freue» wir uns und wir wünschen. daß auch für die unschuldig erlittene Unterfuchungs- Haft Entschädigung gewährt wird, trotz der Schwierigkeiten, die sich dabei herausstellen werden. Der Kominisston wird eine schwere Aufgabe zufallen; ich wünsche, daß nicht Leute, wie Herr Stadthagen gewüblt werden, denn sonst wird die Konnnffiion todt gesprochen.(Heiterkeit rechts.).Herr Stadlhagen sprach vom werkthäligen Volke, welches Volk meint er denn?(Zuruf: T.e Armen!) Herr Stadthagen bat wohl kaum das Recht, das arme Volk hier zu vertreten. Ich hoffe, daß die Koinmissions« berathung etwas zn stände bringe, das Volt erwartet dnS. (Zustimmung rechts.) Abg. Schmidt-Warburg(Z.): Wenn man einer iVestündigen Rede zuhören muß mit der Geivißheit als nächster Redner ans- zutreten, dann hat maii nickt die körperliche Frische mebr. sich ans lange Auseinandersetzungen eiiiznlassen. Ich fasse die Vorlage nicht mehr so günstig auf, wie manche Vor- redner; ich kann der Regierung keinen besonderen Tank dafür aussprechen. Die Vorlage enthält mehrere früher vor« geschlagene Abänderungen nicht mehr, das heißt, die Regierung verzichtet darauf, in diesen Punkte» die bestehende Gesetzgebung zu ändern. Daher kommt wohl die optimistische Anffassniig des Herrn Lenzmann. Nur in zwei untergeordneten Fällen ist eigent- lich die Regierung entgegengekommen. Aber meist hat die Ne- gierung den Beschlüssen der Kommission und wenn sie einstimmig gefaßt waren, nicht Rechnung getragen. In einem Punkte stimm- ich mit Stadthagen überein: Eine gute Instanz ist bessee als zwei schlechte. Die bestehend« Gesetzgebung hat sich durchaus be- währt, sie bietet auch die genügenden Garantien gegen falsche Urtheile. Ich möchte davor warnen, daß wir so schwer wiegende Interessen in die Hände von drei Richtern legen, zumal die Garantien, mit denen der Strafprozeß bisher umgeben war, i» erheblichem Maße beseitigt werden sollen. Justizminister Schönstedt: Bezüglich der Garantien darf ich doch daran erinnern, daß sie in die Gesetzgebung hinein- gekommen sind mit Rücksicht auf den Wegfall der Berufmig. Wenn diese wieder eingeführt wird, so fällt der Grund weg, weswegen die Garantie» eingeführt sind. Tie Garantien sollen beseitigt werden, um eine möglichst schleunige Verhandlung in der ersten Instanz herbeizuführen, damit die Vor- gänge noch möglichst im Gedächtniß der Betheiligten sind.- Von wesentlicher Bedeutung ist die Frage der Besetzung der Strafkammern. Ihr« Besetzung mit 5 Richtern statt mit 3 war auch eine der Garantien, die jetzt wegfallen kann mit der Wiedereinführung der Berufung. Wir haben jetzt schon kleinere Landgerichte, die wenig beschäftigt sind. Da der Referent und der Untersuchungsrichter von der Kammer ausgeschlossen sind, so ergiebt sich eine Besetzung von mindeste»«' 8 Richtern. Daß wenig beschäftigte Gerichte besser arbeiten, als stark beschäftigte, ist nicht richtig. Ter Vorschlag der Besetzung der Strafkammern mit 3 Richtern hat daher auch eine finanzielle Bedentuiig, die auch wohl vom Reichstag erivoge» werben kann, wenn auch die Eeldbewillignng in den Einzelstaaten erfolgt. Die Regierung legt deshalb«in entscheidendes Gewichr auf diesen Punkt der Vorlage. Abg. Beckh(frs. Vp): Herr siZtadthagen hat nicht recht, lvenn er diese Borlage als ei» Produkt der Urreaklion be- zeichnete. Sie enthält viele Verbessern»gen und trägt einen liberalen Zug in die Gesetzgebung. Alle Porteien haben zur Verbesserung der vorjährigen Vorlage bei- getragen. Das spreche ich als gut deutsch fühlender Jurist aiis. Das baldige Zustandekommen des bürgerlichen Gesetzbuches wünsche ich ganz eiitschieden im Gegensatz zu ineiiiern Freund Leiizmaiin. Die Garantien sind nicht blas geschaffen wegen der Be- seitigung der Berufung, sondern sie stiid nothwendig zur Ver- bessernng der Justiz. Denn je mehr ein»»schuldig Angeklagter sich verlheidigen kann, desto mehr dient die Justiz der Wahrheit. Die Vorlage dient nicht einzelnen Berufsklasse», sonder» der Allgemeinheit, denn schließlich kann jeder einmal vor das Gericht kommen. Die Beseitigung der Garantien soll doch»ur im siiianziellen Interesse erfolgen. Das ka»» ich nicht billigen. Daß die Aufgabe dieser Garanlien ein hoher Preis für die Vorlage ist, wird selbst von Leuten anerkannt, die nicht auf der linken Seite des Hauses sitzen. In den meisten Fällen hat die Regierung die Beschlüsse der Kommission nicht berück- s i ch t i g t, naiirentlich bezüglich des Gerichtsstandes der Preffe und der Aburlheilung der Preßvergehen durch die Schwur- gerichte. Der Beschluß in bezug aus den ersten Punkt ist damals eiiistiinnlig angenommen. Weshalb hat die Regierung diesen Beschluß nicht anerkaiint? Bezüglich des zweite» Punktes bitle ich die Regierung, sich die bayerische Gesetzgebung anzusehen. Nur die entschiedene Weigerung der Regierung und des Volkes in Bayern hat es zu stände gebracht, daß 1873 die Aburtheilung der Presse durch die Schwur- gerichte für Bayern aufrecht erhalten wurde; wir wolle» diesen Zustand aberfür ganzDeutschland einführen. Ich will mit dahin ivirken, daß die Vorlage branchbar wird. Wenn sie ausgestaltet wird in dem Sinne, wie es in derKom Mission in der vorigen Session geschehen ist, so können wir sie annehmen. Wenn sie so bleibt, wie sie jetzt ist, so ist es besser, wir nehmen sie gar nicht an. Damit schließt die Diskussion. Die Borlage wird einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Schluß SVs Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 2 Uhr. (Antrag de? Zentrums wegen des Schutzes der Gesundheit der Arbeiter und Antrag Kanitz.) Uolmsvs« ®tc liberalen Stadtväter wollen den Reichsgründlingstag in sorgender Weise begehen: Morgens und mittags Festinusik vom Thurm oder Balkon des Ralhhauses und um II Uhr vormittags ein feierlicher Akt im Festsaale des Ratbhauses, zu welchem die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung, die Ehrenbürger und Stadtältesten, die Bürgerdeputirteu, Bezirks- Vorsteher und— soweit der Raum es gestattet— eine An- zahl der übrigen unbesoldeten Genieindebeamten geladen worden sind. Herr Oberbürgermeister Zelle wird die einleitende Rede halten, welche in ei» Hoch auf Kaiser Wilhelm II. ausklingen wird; die historische Festrede hat Herr Stadtverordneter Direktor Dr. Gerstenberg, die Schlußrede Herr Stadtverordneten-Borsteher Dr. Langerhans übernommen. Ob überhaupt einer der Freisinns- »nannen de» Mulh haben wird, der heimischen Misöre gebührend zu erwähnen? Man inust die Feste feiern, wie sie falle». Ein hiesiger Nestanratenr erlaßt an Freunde und Bekannte Einladungen zu einer Feier seiner Ldjährigen Verwundung, die er im Feldzuge 1870/71 erlitten hat. Der Mann ist der unvemünsligste noch nicht unter den modernen Hurrahpatrioten. Herr von Schirp, der alles macht, fehlt auch nicht bei dem R e i ch s g r ü n d u n g s s e st e. Er giebt die folgende ganz eigenartig auninthende Geschäftsmittheiliing zum besten: Für die große Parade, die am IS. Januar Unter den Linden und im königlichen Lustgarten stattfindet, ist dem Belcuchtungs-, Requisiten- und Hauspersonal der königlichen Theater Erlaubniß ertheilt worden, ani Prinzessinnenpalais eine Znschauertribüne zu errichten. Der Billetverkauf hierzu findet im offiziellen Theaterbillet-Bureau von F. von Schirp, Friedrich- und Kochstraßen-Eeke und bei den Porliers der könig- licheu Theater stall. Welche Freude werden doch Herr v. Schirp, die Portiers und das patriollsche Publikum an der Feier des Reichsgriiiidinigs-Festes erleben! Die„Mücken", jene berüchtigte» Berliner Häuser, in denen in einem einzigen kleinen Räume oft drei und mehr Familien zilsainmengepfercht lebten, so daß thatsächlich ein paar Kreide- striche einer jeden die Grenze vorzeichnelen, sind heutzutage ver- schwnnden. Nichtsdestoweniger exiftiren noch nicht wenige Hintergebäude, die gegen die„Mücken" zwar Paläste zu nennen sind, aber doch allen Gesnndheitsregeln Hohn sprechen. Sie stammen erst aus den sechziger und siebziger Jahren und be- deuten für ihre Besitzer eine Goldgrube. Mehrere Familie» wohnen zwar nur selten in einem Räume, aber fast alle Räume sind nichts als Löcher, in die wenig Lnfl und niemals Sonne dringt, die Höfe werden gebildet durch viereckige Schachte, von vier bis höchstens sechs Quadratmetern Flächeninhalt, die Stelle der Fenster vertreten einen Quadratfiiß große Oeffiningen mit eingemauertem Glase, die Korridore liegen selbst bei hellem Sonnenschein draußen im Dunkeln, so daß an den hunderlen von Tbllren auch die weißen Nummern nicht viel nützen. Die Treppenflure sind abends von einigen Petroleumlampen spärlich erleuchtet. Die Besitzer fordern für die geschilderten Räume unverhältnißmäßig hohe Mielhon; zu verwundern bleibt nur, daß sich immer noch Mielher finden. Man stelle sich übrigens die Situation vor, wenn in einem solchen Hause ein die Treppenflure und Korridore völlig ver qualmendes Feuer ausbricht! Alle diese Häuser sollten so bald ais möglich von der Bildfläche verschiviuden. Katholische Arbeitervereine. Die„Germania" berichtet von zwei Versammlungen, welche Arbeitervereine dieser Art in den letzten Tagen hier abgehalten haben. Als Redner in diesen Arbeitervereins- Versammlungen werden der Reihe nach mit Namen aufgezählt: ein Pfarrer, ein Kaplan, ein Doktor, ein Legationsralh, ein Landgerichtsrath, ein Prälat, der General präses der katholischen Arbeitervereine ist, iviederum ein Doktor und noch ein Kaplan, aber kein einziger Arbeiter. Ist es diesen etwa statutarisch verboten, in den für sie be- stimmten Vereinen ihre Meinung zu sagen? De» Armen die„Speisung", de» Reichen das Festmahl? Eine charakleristische Meldung finden wir in einigen Abend- blättern: Die Speisung von Ivo Arme» im Englischen Hause wird, wie alljährlich, auf Kosten der L'Abay-Stiflung am Freitag, den 17. d. M., mittags 12 Uhr, stattfinden. Mit dieser Speisung wird ein Festmahl verbunden, an welchem Vertreter der Stadt und der A r m e n d i r e k t i o n theilnehmen." Das geht noch über die berühmten Wohlthätigkeitsbälle. Prinz Friedrich Leopold soll dem„Berk. Tgbl." zufolge ans ein Jahr beurlaubt sein. Die„Dresd. Ztg." nimmt von einem Gerücht Notiz, wonach der Prinz seinen Abschied als Offizier nachgesncht habe— er ist Brigadekommandeur der ihm aber verweigert worden sei. Von der Gattin des verschwundenen Rechtsanwalts Dr. Fritz F r i e d in a n n bringt das„Kl. Journal" freund schastlichst folgende Sensationsnachricht:„Frau Dr. Fritz Friede mann wird ihr Debüt als Konzertsängerin in Quarg's Baude. ville-Thcater seier», wo sie vom 20. Januar bis 16. Februar mit einer Gage von 40 M. pro Abend engagirt ist. Darauf geht Frau Rechtsanwalt Friedmann nach Haniburg und wird dort in Hornhardl's Konzertgarlen in St. Pauli austreten." Gegen die Dicnstbotenkäfige genannt Hängeboden, in welche weder Sonne noch Mond hineinscheint, geht jetzt, wie der„Volks-Zeitung" mitgetheilt wird, die Behörde energisch vor. Fünf Personen erhielten vor einiger Zeit die Aufforderung, die Hängeboden nicht mehr als Schlafräume für Dienstboten zu benutzen. Eine Beschwerde beim Oberpräsidenten war von Er. folg nicht begleitet gewesen. Alsdann beschritt man den Klage- weg gegen den Oberpräsidenten beim Ober-Berwaltungsgericht Letzteres erklärte jetzt nach umfangreicher Beweisaufnahme das Vorgehen der Polizeibehörde für begründet und entschied darans zu ungunslen sämnulicher Kläger. Ter deutsch-freisinnige Mannesmnth ließ am 13. d. M. in einer Versammlung des deutsch- freisinnigen Arbeitervereins sein Licht leuchten. Dortselbst stand der Antrag der sozialdemo- kralischen Reichstags- Fraktion, betreffend Aufhebung des Majestätsbeleidigungs- Paragraphen, zur Verhandlung. Der Referent, Rechtsanwalt Ebstein, gab mit gebührender Vorsicht nach einer mit Beifall aufgenommenen kritischen Besprechung der heiklen Materie seine Zustimmung zu dem Antrage zu erkennen und meinte sogar, daß selbst konservalive und ultramontane Abgeordnete den Antrag unterstützen würden! Ja er ging noch weiter-! Er hielt eine Aufhebung des Straf- Paragraphen allein nicht für ausreichend, sondern eine gänzliche Aenderung der jetzigen Gerichtspraxis, eine freiheitliche Gestaltung des Bereinswesens und Aburtheilung aller Be- leidignngeii durch Geschworenengerichte für nothwendig. Trotz- dem sich in der Diskussion ein Widerspruch mit den Ansichten des Referenten nicht ergab, wurde doch keinerlei Beschluß in dieser Angelegenheit gesaßt. Das ließ der deutsch-freisinnige Maniiesmiith denn doch nicht zu. Eine neue städtische Stener-Annahmcstelle soll, da die jetzige AunahiiiesteUe in der Albrechtstraße liegt, direkt im Stadt- lheil Moabit errichtet werden. Bisher müssen sämintliche Steuer- zahler Moabits, selbst die an der Grenze von Charlottenburg und Plötzensee wohnenden, den weiten Weg bis zur Albrechtstraße zurücklegen. Gegen die Bebauung der weiten Landfläche an der Süd- grenze Berlins, die ein Spekulant für 4'/» Millionen Mark an- gekauft hat, ist vom Berliner Magistrat Einspruch erhoben worden. Der Teltowcr Kreisansschnß, wie der Berliner Bezirks- onsschuß haben darüber zu entscheiden, ob der Bauplan nach den Wünschen des Berliner Magistrats zu ändern ist. Die Stäruitg km Fclllispl'ech- Betriebe best» Postamt 19, welche durch den am Sonnabend Nachmittag im Jndnstriegebäuds in der Beuthstraße entstandenen Brand herbeigeführt wurde, ist bereits Dienstag früh beseitigt gewesen. Es sind nicht 1200 Leitungen, wie von anderer Seite berichtet wurde, sondern nur 250 be- schädigt. Städtische Armeu-Krankenpflege. Für die„offene"(das heißt nicht in Anstalten ausgeübte) Krankenpflege waren 1894/95 73 Armenärzte thätig. Da den armenärztlichen Berichten seit 1. Juli 1894 ein anderes Schema zu gründe gelegt wird, so ist eine Bergleichung des Jahres 1394/95 mit den Vorjahren nicht möglich; der Magistratsbericht über die Armenpflege beschränkt sich auch in dem Abschnitt offene Krankenpflege diesmal auf das Halbjahr Juli— Dezember 1894. In dieser Zeit wurden von den Armenärzten 24 070 Personen in 26 846 Fällen behandelt, 7678 männliche in 8531, 16 392 weibliche in 18 315 Fällen. Aus den Angaben der Aerzte über die Wohnungsverhältnisse der Ar»i e n haben wir bereits das wichtigste mit- gctheilt. Interessant ist noch folgender Passus:„Ein anderer Uebelstand besteht vielfach darin, daß für eine große Anzahl von Personen nur 2—3 auf dem Hofe belegene Klosets vorhanden sind, der sich für die Armenkranken, denen es oft an dem iiöthigen Wartepersonal fehlt, besonders fühlbar macht." Wir erinnern daran, daß die„Arbeiter- Sanitätskommission" diesen Uebelstand. unter dem auch gesunde Arme schwer leiden, bereits zu einer Zeit aufgedeckt hat, wo in den Berwallungsberichten des Magistrats über die Armenpflege noch nichts davon zu finden war. Auch die Klagen der Armenärzte über die Wohnungen in einer ehe- maligen Kaserne dielen unseren Lesern nichts neues. Die„Ar- beiter- Sanitätskomniission" hat sich mit den in der Alexander- straße und Neuen Fricdrichstraße belegenen ehemaligen Kasernen, die heute als Wohnungen dienen, schon vor 3 Fahren beschäftigt und im„Vorwärts" darüber berichtet. Die Aufmerlsamkeit der Armenärzte scheinen diese im höchsten Grade gesundheitsgesähr- licheu Wohnungen erst jetzt erregt zu haben; wenigstens ist in den früheren Vcrwallungsberichteii auch hierüber nichts zu finden. Wiesehr die Verbreitung ansteckender Krank Heiken durch schlechte Wohnungen begünstigt wird, ist bekannt und wird aufs neue bestätigt durch die armenärztlichen Berichte für 1894—95, von denen der eine sagt:„In einem Bezirk wurde eine Diphtheritis-Epedemie, welche im Winter 1894 zahlreiche Opfer forderte, durch das enge Zusammenwohnen sehr begünstigt." Auch Fälle der Uebertragung von Lungenschwind. sucht vom Mann auf die Frau und umgekehrt sind mehrfach unter den Arnienkranken beobachtet worden. Kommerzicnrath Gerson ist am 12. d. M.. 75 Jahre alt gestorben. Er war der letzte der drei früheren Inhaber der Firma Hermann Gerson. Ein Schutzmann. Von einem in polizeilichen Dingen recht erfahrenen Berichterstatter wird uns folgende bcmerkeiiswerthe Mittheilnng gemacht: Am Freitag Nachmittag gegen 5� Uhr hatte man im Bezirke der fünften Hauptmannschaft an der Ecke der Friedrich- und Kochstraße, einem Punkte mit lebhaftem Ver kehr, Gelegenheit, ein Beispiel vom„unwiffendcn Schutzmann zu sehen. Sin den dortigen Posten traten zwei Männer heran, von denen einer den ganzen Kopf verbunden hatte. Sie fragten den Beamten. wo die Chariteo liege die der am Kopfe Verletzte aufsuchen wollte. Der Schutz- mann wußte das nicht mir nicht auswendig, sondern er konnte es merkwürdigeriveise auch aus dem Berzeichniß der ver. schiedensten Anstalten, Sehenswürdigkeiten ic., das jeder Schutz mann bei sich führt, nicht herausfinden. Die Fragesteller blieben also ohne Antwort und in Verlegenheit, bis ihnen ein Dienst mann, an den sie sich nunmehr wandten, unveriveilt Auskunft gab und den Weg zeigte. Das Publikum, das herumstand, ließ es an stichelnden Bemerkungen nicht fehlen, als es erfuhr, uni was es sich handelte und als gar der Dienstmaiin den Schutzmann belehrte. Ein solches Borkommniß ist auf keinen Fall angenehm weder für die Hilfesuchenden noch für die Polizei. Der betreffende Schutzmann aber ist daran vielleicht ganz unschuldig. In diesem Falle war es augenscheinlich ein junger Beamter, der noch nicht lange im Dienste der Schutzmannschaft steht. Dem ist es zu verzeihen, wenn er das eine oder das andere nicht weiß weil er noch nicht vollständig durchgebildet ist. Auch den ein zelnen Revieren kann man die Schuld nicht zumeffen, da sie mit den Leuten auskommen muffen, die ihnen von der Hauptmann schaft zugewiesen worden. Die höheren Dienststellen aber sollten dafür sorgen, daß nicht ungenügend instruirte und ausgebitdete Leute auf exponirte Posten gestellt, sondem zunächst lediglich im inneren Dienste verwendet werden. Die Schlächterwage«. Unter 17 Kutschern, die in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember v. I. vom Amtsgericht!. wegen übermäßig schnellen Fahrens oder Umbiegens im Trabe an Straßenecken verurtheilt worden sind, befanden sich nicht weniger als II Leiter von Schlächterfuhrwerken. Erkannt wurde in 7 Fällen auf Geldstrafen von 30—70 M. und in 10 Fällen auf Haftstrafen von 1 bis 22 Tagen. Vergiftet hat sich am Montag in einem Anfalle von Geistes. gestörtheil der 21 Jahre alte Schneider W. S. aus der Schleier- macherstraße. Unter dem Verdachte, den Bildhauer Steiger erstochen zu haben, wurden am Montag ein Töpfermeister und ein Bau. Unternehmer in Potsdam verhastet. Ein am Sonntag fest. genommener ehemaliger Matrose wurde wieder als unschuloig an der That entlassen. Die beiden Verhafteten, zwei in guten Verhältniffen lebende Leute, waren vorher im Golisch'schen Restaurant in der Alten Luisenstraße 15 mit Steiger zusammen gewesen und sind mit ihm dort in Wortstreitigkeiten gerathen, die aber unerheblicher Natur waren. Tödtlich lierimglückt ist am Montag Vormittag der 23 jährige Arbeiter Karl Hümmel aus der Schwedterstr. 223. Hümmel war auf dem Neubau der Allgemeinen Elektriziläts-Gesellschast auf dem alten Berliner Lagerbofe an der Brunnenstraße in einer Höhe von 10 Metern mit Montagearbeiten beschäftigt. Infolge eines Fehltrilts stürzte er von dem eisernen Träger, aus dem er stand, in die Tiefe hinab und erlitt schwere innere Verletzungen. Man bestellte einen Transportwagen, der den Verunglückten in ein Krankenhaus bringen sollte. Als jedoch der Wagen ankam, war Hümmel bereits todt. Innere Verblutungen hatten seinen Tod herbeigeführt. Einen empfindlichen Verlust hat ein Rollkutscher der Firma Künkel in der Lüneburgerstraße, Stadtbahnbogen 356—358 erlitten. Auf der Fahrt von der Karlstraße zum Stettiner Bahnhof kam ihm ein Bund Stahl im Werths von 30 M. abhanden, das er ersetzen soll, wenn der Finder nicht ehrlich genug ist, die Waare bei dem Spediteur oder auf dem Polizeirevier abzuliefern. Schwer vrrungliickt ist vorgestern Abend um 6 Uhr der Eisendodler Stubbe aus der Ziethenstraße 10 in Rixdorf. Stubbe, ein Mann von 32 Jahren, ist in der Maschinenfabrik von Knappe in der Skalitzerstr. 26 beschäftigt. Als er vorgestern Abend um 6 Uhr in der Werkstatt an einem Brettergestell, auf dem eiserne Röhren aufbewahrt werden, vorbeiging, fiel eine der Röhren herunter und ihm auf den Kopf. Der Mann brach bewußtlos zusammen und wurde zu einem Arzte gebracht, der mehrere Kopfwunden feststellte, von denen eine 10 Zentimeter lange genäht werden mußte. Eine unangenehme Ueberraschung wurde gestern einer pau S. in Groß-Lichterfelde zu lheil. Beim Gastwirth >rauschke in der Steglitzerstrabe hatte am Sonntag ein MaSken- ball stattgefunden, zu dem Frau S. für etwa 600 M. Maskengarderobe geliehen hatte, die nach Beendigung des Balles bei Drauschke zurückblieb. Gestern»mi kamen zwei Männer, einer von elwa 40 Jähren und ein junger, in der Tracht von Hans- dienern, um augeblich im Auftrage der Frau S. die Garderobe abzuholen. Man trug kein Bedenken, sie ihnen auszu- händigen. Recht unangenehm überrascht war man aber aus beiden Seiten, als später Frau S. selbst kam, um die Sachen in Empfang zu nehmen und nun sehen mußte, daß andere ihr zuvor- gekommen waren. Witteruugönbersicht vom Ii. Januar 1890. Wetter-Prognose für Mittwoch, 15. Januar 1896. Zunächst etwas wärmeres, vorwiegend lrübes Welter mit Niederschlägen und frischen uordivestlichen Winden; nachher ausklärtnd und etwas kälter. Berliner W e t t e r b u r e a n. Tlunfl und MMeuMuft. Gerhart Hauptmann hat für sein„Hanuele" den Wiener Grillparzerprcis in Höhe von 2400 fl. erhalten. Kapitulation. Der leidige Ilmstand, daß die„heutige Welt- ordnung" keinen einzigen ethischen Grund mehr für ihre Existenz- berechtigung ins Feld führen kann und nur noch die Kriegslüchtigkeit als feste Stütze im Sturm hat, wird neuerdings auch denen unheimlich, die dereinst als die geistigen Ver- treter von Besitz und Bildung, als die Paladine der bürgerlichen Weltanschauung gegolten haben. Was war ein Mann wie Spielhage ii nicht vor zwei, drei Jahrzehnten der Gesell- schaft? In ihm fand die Bourgeoisie sich wohlgefällig wieder- gespiegelt, und fest stand in Reih nnd Glied der Mann neben manchem anderen Skalden des honnetten Bürgerthums, um die heiligsten Güter zu preisen und sie vor roher Verletzung mit dem Schwert des Geistes zu schützen. Und heute? Schon vor vierzehn Tagen berichteten wir von einer beträcht- licheu Ketzerei, die der Dichter der„Problematischen Naturen" sich in einem Streite mit Tolstoi hatte zu schulden kommeii lassen. Schlimmer noch sind die Gedanken, die Spielhagen in einer Be- trachtung zum Ausdruck bringt, welche wir in der internationale» Revue„Cosmopolis" finden. Zunächst skizzirt er eine Patent- stütze der heute noch bestehenden Ordnung:„Aus die Gefahr hin, ein S t r e b e r genannt zu werden— als ob nicht selbst der ideale Goethe dem immer strebend sich Bemühenden die Krone zuerkannt hätte— sich den Wünschen der Machthaber gefügig zu zeigen. in dem neuen Kurs zu steuern wissen, vorsichtig sein in der Wahl seiner Freunde, Feinden, denen von vorn nicht gut beizukommen ist, in den öiücken fallen, lieber noch in den Rücken fallen lassen von irgend einem Mohren, der gehen kann, wenn er seine Schuldig- keit gethan, und so alle Künste üben, vor deren Anwendung der Nitzsche'sche Uebermensch nicht zurückschrecken darf, will er sich in dem erdrückenden Gewimmel) der Herdenmenschen den ihm ge« bührenden lliaum schaffen." Der Dichter aber ist gntmüthig und traut den äusgezeichneteu Vertretern des modernen'Deutschthums zu, daß solche Gemein- heiteu nicht im inneren Grunde des Herzens ihren Ursprung haben: „Wobei er denn freilich in eine Reihe höchst imbequemer Wider- sprüche gerathen kann mit seinem Herzen, das von Haus aus gut und weich ist und seinem Verstände, der das fatale logische Denken nicht lassen will. Und Herz und Verstand rauneii einem zu, daß die Sache der sozialdemokratischen Herden- menschen, bei Licht besehen, eigentlich recht viel für sich hat; ist denn wirklich, was dem einen recht, dein anderen billig? Nach Utopien freilich wird die Reise nicht gehen, aber vielleicht doch nach einem Lande, wo die armen Teusel. wenn nicht ihr sonn- tägliches Huhn im Topf, so doch mit Weib und Kind ein leid- liches Auskommen haben. Und dann, man ist ein geistreicher Mensch. Soll einem da die A n g st nicht S p aß machen, mit der die boati possidentes lanscben, ob der Bataillonschritt der Enterbten etwa schon herandröhnt, oder ob man noch die fällige Kouponserie in Ruhe abschneiden kann? Auch ist die Intelligenz, die diese Herdenmenschen an den Tag legen, eigentlich respektabel und Bebel doch der einzige ini gieichstage, den anzuhören sich der Mühe verlohnt. Und dann ihre straffe Disziplin, ihr organisatorisches Ge- schick, ihr U e b e r z e n g u n g s m u t h in einer Welt, in der sonst keiner mehr von irgend et was über zeugt ist, die Schneidigkeit, mit der sie in Wort und Schrift für ihre Doktrinen eintreten! Dazu das dunkle Gefühl, daß in möglicherweise bereits absehbarer Zukunft nicht dem Ueber- sondern dem Herdenmenschen die mit Telegraphen- und Telephon- drähten übersponnene, von Eisenbahnzügm und Dampfern nach allen Richtungen befahrene, bald bis i« die letzten Dörfer elektrisch beleuchtete Erde gehören wird!" Wir messen dieser Kapitulation des Dichters vor der Sozial- demokratie gewiß keine allzu hohe Bedeutung bei, mag auch die Fülle ätzenden Spottes, von der sie umgeben ist, unserer Bourgeoisie scharf genug in die Augen beißen. Aber sie ist uns Symptom, sie zeigt, wie Säule um Säule am alten Bau kracht, und wie immer mehr Leute von Wissen und Ge- ittung die Lust verlieren, dem Alten zu dienen. Zwar steht heutzutage jeder groß da, wenn er in seiner Hohlköpfigkoit ein wüstes Geschimpfe auf die Sozialdemokratie daherschnarrt. Aber auf solche Rohheitsausbrüche kann sich eine Gesellschaft nicht Itiiljcn und dem einen Spielhagen werden andere solgen. SprechsKÄl. Die Ridaküon stellt die B-nueunq beS EprechsaalS, soweit der Raum dafi» abzugeben ist, dein Publitum zur Besprechung von Angelegenheiten allgeniiinen Interesses zur Bersügung: sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben ldentistzir« zu weiden. An die Mitglieder der Orts-Kranken lasse der Maschinenbau. Arbeiter und verwandte» Gewerbe. Heute, Mittwoch, den 15. Januar, finden die Wahlen der Vertreter zur Generalversammlung für unsere Kasse statt, und ersuchen wir die Mitglieder, an denselben sich recht zahlreich zu betheiligen. Wir weisen speziell darauf hin, daß an den Em- gängen zu den Wahllokalen Listen vertheill werden, auf welchen die Namen derjenigen Personen verzeichnet find, die in der an 12. d. M. im Feenpalast stattgefundenen, von über 1000 Perstne i besuchten Versammlimg einstimmig als die geeigneten Kandidaien erklärt wurden. Wir wissen, daß es nur dieses Hinweises bedarf, die Mitglieder an ihre Ehrenpflicht zu erinnern und allezu veranlassen, an der Wahlurne zn erscheine». Alles Nähere über die Wahl ist bereits bekannt gegeben; zur spezielle» Information dienen noch die Plakate in den einzelnen Betrieben. Niemand versäume. ich sein Ouittungsbuch vom Arbeitgeber einhändigen zn lasstn! Die Elfer-Ko m Mission. I. A.: P. B a u e r, Oppeliierstraße 7. Verntifchkes« Ter Bauern Rache. In einem württembergischen Dorfe, fr, zrzählt der„Nürnberger Anzeiger", war der Pfarrherr so wenig befriedigt von der Nüchternheit seiner Pfarrkinder, daß er sie ä la Abraham a Santa Clara von der Kanzel wie folgt an- redete:„Wenn von Euch Bauern einem jeden, der am Sonntag betrunken zu Bette geht,«ine Fahne auf das Dach gesteckt würde, so wäre jeden Montag das ganze Dorf beflaggt!" Geknickt gingen die Bauern ans der Kirche; am folgenden Tag aber flatterte auf dem Pfarrhaus lustig eine von unbekannter Hand aufgepflanzte Fahne. Das war der Bauern Rache! "Kirchendicbc. Die„Germania" meldet: Eine schreckliche Grenelthat wird unS durch ein Privattelegramm ans Guben gc- meldet. In der vergangenen Nacht nnird« dort die katholische Pfarrkirche erbrochen. Die Einbrecher haben sich nicht damit be- gniigt, die Opferkästen zu plündern, das Tabernakel zu sprengen und die werlhvollen Altargeräthe zu stehlen; sie haben vielmehr in der ganzen Kirche einen Greuel der Verwüstung angerichtet und, was daS betrübendste ist, sich auch in roher Weise an dem Allerheiligsten vergangen. Die im Tabernakel ausbewahrten h. Hostien lagen zerstreut umher. Von den Verbrechern hat man bis jetzt noch keine Spur entdeckt. Em einfaches Mittel zum Blntstillen. Zum Blntstillen bei schweren Verletzungen empfiehlt die„Zeitschr. f. Gewerbs- Hygiene" ein in heißes Wasser getauchtes Wattebäuschchen ans die Wunde zu legen. Selbst bei Verletzung der Pulsader soll durch dieses einfache Versahren die Blutung sofort aufhören. BloS Watte, oder solche mit kattem Waffer getränkt, auflegen, pflegt diese Wirkung nicht zu äußern. Briefkasten der Kedaktian. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Dienstag, Freitag und Sonnabend, abends von 6—7 Uhr, statt. E. V., Charlottcnburg. Da die Wahl schon vorüber, verzichte» Sie ivohl auf die Veröffentlichung des Berichts. Für Ihre Bemühung freundlichen Dank! Dr. G. Vertrauensmann der sozialdemokratischen Partei für den fünften Berliner Reichstags-Wahlkreis ist Jakob Reul, Barnimstraße 42. Für denJnhnlt der Inserate über- nimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Perantlvortung Tljeater. Mittwoch, IS. Januar. ttpernhan«. Lohcngri». Hchanfpielhans. König Ottokars Glück und Ende. Ztentsche« Theater. Florian Geyer. berliner Theater. Der Verschwender. Fel'stng-Ttieater. Komtesse Guckerl. Aenes Theater. Der Herr Direktor. Nestdcns-Theater. Hals über Kopf. Vorher: In doppelter Bekehrung. Fricdrich-Wilhelmstädt. Theater. Geschloffen. Schiller Theater. Onkel Bräsing. Adolph Ernst-Theater. Frau Lohen- gri». Tentral-Theater. Eine tolle Nacht. Alcranderplah-Theater. Die kleinen Lämmer. Borher: Fortunio's Lied. ziational- Theater. Der Hütten- besitzer. Theater Unter de» Linden. König Chilperich. Kelte-AIIianre-Theater. Böse Buben. American- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialttälen-Vor> slelliing. Kanfmann's Uariötö. Spezialitäten- Vorstellung. U richoha llen-Theater. Spezialitäten- Vorstellinig. SchiUer-Tlfeater. (Wallnei*-Theater«) Mittwoch, abends ö Uhr: Gnkel Krästg. Donnerstag, abends 8 Uhr: vnkel Krästg._ National-Theater. Große Frankfnrterstrahe 133. Direktion: Max Samst. Große Doppel-UorsteUnug zu bedeutend ermäßigten Preisen. Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in ö Akten von Georg Ohnet. Regie: Max Samst. Zinn Schluß: Aschen», da« Waldmädchen. Morgen: Der Trompeter von Kaülnngrn. Zschc«», da» Wald- mädchen. CenW-Theater. Alie JaKobstr. 30. Mittwoch, 15. Januar 1896: Zum 131. Male: Eine tolle Mt. Große Posse mit Gesang und Tanz in 5 Bilden« von •Julia» Freund und Wilh. Mannstedt. Musik von Jnlins Einödshofer. Anfang 7>/s Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. A I ex an derplatz-Tlieater. Zum 87. Male: Die Kleinen Wmmer. Baudeville in 2 Akten von 8. Varney. Nach TJrtheil der gesammien hiesigen Presse die beste Novität dieser Saison. Vorher: Fortnnio« Lied. Operette. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Welch' ein Erfolg! Stets das Gute bricht sich Bahn! Täglich ausverkauft ist ICaufmann's Variete- Theater Königstraße, Kolonnaden. Blanck's Stadt-Klatsch Die modernen Bänkelsänger GeLr. Nickel's ßlmmerjleln's Leidco Schmidt Hawkins, Rudersport Hals Ober Kopf!!! 1 Drr lustige Karneval«-Kchers. Urania ttvstatt für volkstküwüode SlawrkaaSe. Km e.snde»-ltussteI>ungspork (Lehrter Bahnhof). GeSflnet von 5—10 Uhr. Tlglich Torstellnng im wissenschalt- liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Castan's Panopticum. Friedrichstr. 165« Ken: Theatrum mundi! "(Mechanisches Welttheater.) Im Illustons-Saal: Allerseelen. Kaiser-Panorama (Passage). Neu! Zum ersten Male! Die malerischen Alpen Oberitaiiens. Paris. Eine Reise 20 Pf., Kinder 10 Pf., Abonn., 8 Reisen, nur 1 M. Passage- Panopticum. Täglich um SVz und 8 Uhr) Affentbeater und Circns. 30 Affen, 30 Hnnde, 12 Pferde, Esel, Ziegen, Schweine, Hasen Adolph Ernst-Theater. Zum 24. Male: Jfcmt L'ohengvin. Schwank mit Gesang in 3 Akten von Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Ansang 7>/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. (!oneerthaus8anssoud Kottbuserstraße 4a. Morgen sowie jeden Donnerstag und Konntag: Soiree der Meliebten Stettilltt Siiilger (Messel, Pietre, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder) Anfang 8 Uhr.— Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(s- Plakate). Urne«, famose» Programm! Freitag: Victoria-Branerel. zM- An, Freitag, 24. Januar, findet in den Gesammträumen der Victoria-Branerel der dies- jährige Stettiner Sänger»Sali statt. Karten ä M. 1,50 sind in der Musikalien- Handlung von Steidl, Kommandantenstraße 1/2, zu haben. Heuer Circus. Circns Busch Nüse" Mittwoch, 14. Januar, abends 71/2 Uhr: High life-Vorstellung Ischeus, imsWaldmaiichei!. Außerdem: Die vorzüglichsten Nummern des Repertoires, u.a.: Hie Stäche Post- tahrschnle, ger. von Herr» Rloshe. Texas George als Bravourreiter und Pserdebändiger. 6 nen dress. Puchs- hengste n. eqnestr. Arrangement von 70 Hengsten, vorgef. v. Dir. Busch. Wgr- Erstes Anftr. d. Schnlreiterin Stile. Gisella.."WS Alligator, ostpr. Hengst, dress. u. ger. v. Herrn Poottlt- Burghardt. Konkurrenz der Springpferde La Folie u. Boyalist. flHF~ Der phänomenale Szandorsprnng."MK Äustr. d. beliebtesten Klowns. Donnerstag: Ischen«» da« Wald- mädchen._ ttMl, ä'Ä" Februar noch Sonnabende frei. s2193b NMM-7des!er vranienstr. S2(dicht am Moritzplatz). Täglich: 2096b Eine Stunde im Znknvftsstaat. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7�/e Uhr. Enlree 30 Pf. Apollorhester Friedrichstr. 218. Dir. J. Glück. Täglich sensation. Erfolg von Ars Parness. Salerno. Toni Bare. Sergeant Simms mit seinen 12 Negerknaben u. f. w. u. f. w. Kaffeneröffnnng 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. liOiiis Keller's Festsäle Koppenstraße 29. 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Haack denunzirte Gödel überdies, daß er ihn eines Tages mit den Worten„Mach nur, daß Du»ach Berlin kommst", bedroht habe, und der Slaals- anivalt erhob Anklage. Obgleich zwei Zeuge», die bei dem Vor- gang zugegen waren, bekundeten, daß sie die inkriminirten Worte nicht gehört hatten, beantragte der Staatsanwalt doch einen Monat Gefängniß. In seinem Plaidoyer beschäsligte der Herr sich auch nul der Sozialdemokratie. Wenn die Partei, der der Aiigeklagte angehöre, volle Beweg ii n gsfreiheit iür sich i» Ansprum nehme, so dürften auch die Mitglieder derselben die Andersgesinnten nicht hindern, ihren Grundsätzen(!) geinäß zu haiideln. Ei» Argument. das»amentlich jetzt viel tiir sich hat, wo die„Bewegungsfreiheit" der Sozialdeiiivkralie durch die Auflösung ihrer Berlv er„Ver- eine" so reizend iltustrirl ist. Das Geiicht hielt die„Drohung" für erwiesen, denn der Angeklagte habe die Worte, die er ge- sprocl en, gewisi in Gedanken durch de» Llach satz ergänzt:„sonst Liebt es etwas". Das Urtheil lautete aus 3 Tage Gefängniß. Die Tachbcschädignng nnd die heiligste» Gefühle dcö Bäckergesellen. Bäcker und Schlächter sino fast die eiuzigen Arreuer, d.e ihrer iviehrzahl nach indifferent und sogar palrioiiich sind, mag sie unter der väterlichen Zucht des feiste» Meisters der Schuh auch noch so arg drücken. Auenahinen giehl es hier auch fct on. die dann zuiveilen schwer büßen müssen. Ter iroinine Geselle K. halte ei» patriotisches Buch üver den deutsch- französische» Bruderkrieg bekonunen und es seinem iiollegen S gezeigt. S. schrieb verschiedene Bemerkungen, die am die Fälschung der Eiiiser Depesche anspielten, hinein und suchte auch Wilhelm 1. den Prinzen Friedrich Karl, sonne Bismarck durch einige beißende Brniei klingen zu charakterisire». Als St. sah, ans welche Weise sein palriotisches Buch entheiligt worden war, lief er schlcu- »igst zur Polizei und die Polizei ineldcle die That dem Staatsanwalt, welcher gegen S. Anklage wegen— Sachbeschädigung erhob. Das Schöffengericht zog in belracht, daß der Angeklagte Sozialdemokrat sei. In Rücksicht auf die Niederträchtigkeit der That und den Unistand, daß der Angeklagte seinen Arbeitskollegen in seinen heiligste» patriotische» Gefühlen tief verletzt habe, hielt der Gerichtshof eine einpfindliche Strafe für geboten und erkannte auf 6 Woche» Gefängniß Der Staats- anwaltschast erschieu diese Strase noch zu niedrig, der Angeklagte dagegen behauptete, daß er unschuldig verurtdeilt sei, und so legten beide Berusung ein. Die fünfte Strafkammer des Land- gerichts I verwarf aber beide Rechtsmiltel, und deshalb blieb es bei den 6 Wochen Gesängniß. Wen» man Heimstätten bauen will. Uns wird der folgende, i» vieler Beziehung interessante Gerichtsfall gemeldet: Die projeklirten Arbeiter-Helmstäiteii von W Ü st e- S i e v e r s- darf(bei Dahmsdorf-Müncheberg im Kreise Lebus) berührte eine am Montag vor der vierten Straskaiunier des Landgerichts II. unter dem Vorsitz des Landgerichlsdirektors Magnus staltgehabte Verhandlung.— Ter Rentier Ferdinand Kinder- mann zu Charlotlenburg. Kantstr. 62 jetzt wohnhaft, entschloß sich im Jahre ISS0 aus seinen 250 Morgen'Acker- landes in Wüste- Sieversdorf eine Arbeiter- Heimstälte zu gründen. Er hatte 150 Morgen, eingelheitl in Theil- grundstücke von je 3 Morgen, zun» Preise von 150 M. pro Morgen in verschiedenen Zeitunge» zum Kaufe ausgeboten nnd eine Anzahl Käufer bereits gesunden, welche indessen bis ans zweie von dem Kaufvertrag zurücktraten, weil ihnen Kindermann eröffnete, daß die balipolizeiliche Genehmigung von dem Amts- Vorsteher Hätzold, den, Nachfolger von Kindermann, zuin Anbau von Wohn- und Wirlhfchastsgebäuden versagt und daß auch vom Regierungspräsidenten zu Franifurt a.O. die Verweigerung der Bauerlaubniß gutgeheißen ivorden fei. Man war»äinlich alsbald der Meinung, das Uiiternehmen des Kindermann bezwecke die Begründung einer sozialistische» Kolonie(!), zumal K. die Grundstücks- Kaufangeboie auch in> „Vorwärts" angeboten hatte! Die Folge war, daß dem Unternehmen von vornherein Schwierigkeile» bereitet wurden. Außerdem war auch wohl die Absicht leitend, das in- mitten der I a g d g r ü n d e der Grasen v F l e m m i g be- legen« Wüste- Sieversdorf als selbständigen Geineindeverband aufzuheben. K i n d e r m a n n, der bis ziim Herbst 1892 G e- in e i ii d e v orsteher von Wüste-Sieversdorf gewesen, mußte dieses LImt schließlich niederlegen, auch halte er sich bei seine» Grund- stücks-Nachbarn infolge seines Heiinställen-Piojekts derartig un- ni ö g l i ch gemacht, daß ihm sogar die Bauerlaubniß zur Errichtung eines Wohnhauses für seine eigene Familie sowie eines Arbeiter-Wohnhauses und eines großen Stalles nebst Scheune versagt wurde. Ohne diese Wirlbschaflsgebäude konnte K. das Land nicht bewirthschaste», das für ihn eine Wüste war, deren Ankauf zahlreiche Reflektanten deshalb ablehnen mußten, weil keine Bauerlaubniß zu habe» war. — In einer Broschüre, die unter dem Titel„Recht- los" in Charlotlenburg erschienen ist, hat K. gegen die Maßnahmen der Behörde» u. s. w. Protest eingelegt. Er hat diese Broschüre auch in einer Juimediai-Eingabe dem Kaiser eingereicht und sie bald darauf vom M i» i st e r i u in des Innern zurückerhalte» mit allerlei Randbemerkungen, wie:„Unsinn, verrückt" u. s. w. Ans die Thatsacnen stützte K i» d e r m a n n seine VertheidigUng in einer gegen ihn erhobenen Anklagesache wegen Beleidigung des Bezirksaussckmsses zu Frankfurt a. O. und des ilreisausschusses des Kreises Lebus. Wegen Versagung der Bau-Erlaubniß halten außer Kinderinann die beiden Alaurer Friedrich Kluge und Paul Krienke im Verwal- tungsstreilverfahren geklagt, da sie aller Schwierigkeile» un- geachtet ihre von Kinderinann gekauften Grundstücke bebauen wollten. Kindermann, welchen eine analoge Streitsache beschäs- tigte, erhielt von den beiden Klägern Kluge und Krienke zwei ihnen zugestellte Urlbeile des Kreisausschusies und Bezirksaus- schusses. A»f die Urtdeilsausfertigung schrieb Kindermann in einer temperainenlvolle» Minute dieselben Ausdrücke, wie diejenige», die er auf der zurückgesandten Bro- schüre gelesen. Er erklärte vor Gericht, daß er diese Aeußerungen privatim für sich gemacht und keineswegs zur Kennlniß eines Dritten bestimmt habe, auch sei er sich nicht be- wüßt geivesen, daß er sich der Beleidigung schuldig mache. I» letzterer Beziehung behauptete K., er habe seinerseits Strafanzeige wegen der ihm zugegangenen Raiidbemerkungen erstattet. Die Einleitung eines Slrasverfahrens sei indessen abgelehnt worden nnd deshalb habe er nicht an das Vorhandensein tiner Beleidigung glauben können. Das Charlottenburger Schöffengericht verurlheilte ihn zu 10 Mark Geldbuße. Hiergegen hatten Angeklagter nnd Staatsanwaltschaft Be- iiisung eingelegt. Elfterer, vertrete» durch die Rechtsanwälte Dr. Jveis und Dr. Saalfeld, beantragte vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II /Freisprechung, der Staatsanwalt piädirle für strengere Bestrafung. Die Strafkammer hob das erste Urlheil auf nnd erkannte dem Antrage des Slaatsanivalts gemäß auf 30 M. Geldstrafe.______ Sozisle Ei» Nrbciterbndget. Ein Parteigenosse in einem kleinen Orle der Mark hat in anerkennensiverther Weise uns die Auf- zeichiiiingen über seine Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1895 zur Verfügniig gestellt. Vom 1. Januar bis zum 15. Juni war er in einer königlichen Forst, später in einem landwirthschastlichen Betriebe thäiig. Seine Einnahmen betrugen im: Jannar..... 24,32 M. Februar..... 85,43„ März..... 39,02„ April...... 40,70„ Mai...... 40,25„ 1.— 15. Juni... 30,55„ 15.— 30, Juli. August. September Oktober. illovember Dezember Juni 20.- M. 93,-„ 54,75„ 03,—„ 49,-„ 47.-„ 57,-.. Summa. 006,02 M. Hiernach war der Verdienst' im kgl. Forst mit 210,27 M. im ersten Halbjahr noch wesentlich schlechter als der in der Land- wirthschait im zweite» mit 389,75 M. Bon der Gesauimtsumme hat die Frau verdient im: Juni... 0,5o M, Juli... 8,50„ August... 20,50„ Okiob-r.. 12,—„ Sn,""' 40,50 M. An Wohnungsmiethe Hot der Arbeiter 84 M. ausgegeben; für Kleidung, Reparalure», Lektüre, Handwei k- zeug, GenchlS- losten, Versick erungen hat er»och aufwenden müsse» l60.40 3)1., so daß ihm also für seine» und seiner Familie uiiuiilielbaren Lebens- unlerhall 351,02 3>t blieben, d. b beinahe 1 M. aus de» Tag. Dabei Halle er noch insofern ein gutes Jahr zu verzeichnen, als er immer Arbeit gefunden hat nnd keine Krankheiten in seiner Familie vorkamen. Wie er sich durchgehungert haben würde, neun das alles nicht der Fall gewesen wäre, das laiin ihm höchüens— Sparagnes verrathen. Solche makeiitische Darstellungen über Einnahmen nnd Ansgaren der Arbeiter haben in iiiehrfatOer Hinsicht große» Werth und es ist erwünscht, daß immer mehr unserer Genossen sich befleißigen, sorgsame Ausstellungen möglichst eingehenber Statur und zwar nicht nur über die Einnahmen, sonder» auch über die Ausgabe» zu machen und evcnt. auch zu veröffentlichen. Die Speisung bedürftiger Schulkinder in Dresden. die wir bereits ausführlich erwähnt haben, soll am 20. Januar beginnen. Dem Vorüand des Vereins, der sich z» diesem Zioeck gebildet hat, iolle» bereits 13000 M. zilrVeriügung bez. in Ans- ficht stehen. Zlniächst solle» 300 Kinder gespeist>ve>> en. Ten betreffenden Wirlhe» sollen für das Mittagessen, bestehend in eine»! Teller voll BouiUonsuppe oder Gemüse mit zerkleinertem Fleisch pro Kind 20 Ps. bewilligt und ca. 00 Damen der Stadt sollen darum angegangen werden, als„Ehrendomen" die Speisniigen zu beausjichligen. Ter kreißende Berg der Jubilätimsstislting hat. wie man siebt, in der Tbat nur ein winziges llltäuslein geboren. Von 1700 bis 1800 bedürftigen Kliidern, die die Stadt nicht zu speisen vermag. kann der Verein»ur 300 Kindern die geplante Wohl- that aiigcdeihen lassen und so wird wieder ein iienes Bächlcin der Wohllhäligkeit aus dem fetten Lande der R-ichen in das dürre Land, da die ariiieli Kindlein wohne», fließen. Und man glaubt wieder Wunder was getdan zu haben. S p e i s li n g armer Schulkinder findet, wie uns nutgetheilt wird, ancv in dem dänische» Städiche» A ar hns statt. Es werden daselbst in einer Schule 607 Knaben und Mädchen dreimat wöchentlich, in einer anderen 229 Kinder, i» einer dritten 287 Kinder gespeist, im ganzen 501 Knaben und 402 Mädchen, also 1023 Kinder und wöchentlich im ganze» 3450 Portionen Mitlagesfen ausgegebeu. Jede Portion kostet dem Koinilee 15 Oere, was also einem wöchentlichen Aufwand von 517 Krone» 50 Oere oder für die 10 Woche», ans die die Speisung mindestens berechnet ist, von 5175 Kronen eiilspricht. Polizei und Fabrik-Jnspektio». Einen Beweis dafür, wie machtlos in Wirktichkeil die deutsche Fabrik- Inspektion ist, liefert ein Vorgang in Bayreuth. Die dortige» yroßen Spinnereien Hai en die Handhabe, die ihnen die dnrchlöcherte Gewerbe-Ordnung bietet, dazu benützt, ui» eine Verlängerung der Arbeitszeit an den Sonnabende» nachzusuchen; entgegen dem Einspruch des Fabrik-Jnspeklors wurde sie ihnen auch von der Polizeibebörve bewilligt. Für eine Wohnmigs-Enqurte sind im Budget der Stadt Zürich für 1890 30 000 Franks ausgeworfen worden. -Organisation städtischer Zlrbcitcr. In Bern ist ein Verein der städtischen'Arbeiter gebildet und Arbeiter- sekretär Dr. Wassilieff als Präsident an die Spitze geüellt. Ter neue Verein bat bereits ein Aktionsprogramm aiisgeslelll, welches folgende wesentliche Posluiale enthält: In der Gasrabrik nnd im Sladlbauamt dürfe» nicht rnchr als 10 pCt. außer dem Stadlbezirk wohnende'Arbeiter angestellt werden, die An- stellnng derselben geschieht durch den öffenllichen Arbeilsnach- weis, Akkordarbeit ist nicht gestaltet, I4täoige Kündigung und 14iägiger Zahltag, lostündige'Arbeitszeit, 4 Fr. minimaler Tage- loh» nir ungelernte, 5 Fr. für gelernte 3trbeiter, Lohnzuschlag für Nachtarbeit von 50 bis 100 pCt., Fortzaklmig des Lohnes während des Militärdienstes, Freigabe des 1. Mai und Aor- schlagsrecht der Arbeiter für die Wahl von Vorarbeitern. Schiedsgericht und Bersöhnuugsauöschnst in Frankreich. Wie eine Pariser Depesche weidet, bereitet die Regiermig cm neues Schiedsgerichtsgesetz vor, wonach bei Konflikten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern beide verpflichtet sein sollten, den Streit einem Versöhn ungsausschuß zu nnlerbreiten. Erzielt dieser keinen Ausgleich, so köimen beide Tbeile das Schiedsgericht aimisen, was aber nicht obligatorisch ist. GemeMMzÄMichosp Gewerkschaftspress«. Wir werden ersucht, die Arbeiter des Graveur- und Z r f e l e u r- G e w e r b c s auf den Werth der Fachpresse aufmerksam zu machen und kommen hier- mit diesem Wunsche gern»ach. In Leipzig erscheint die „Zeilschrist für G r a v e u r e u rr d Z i s e l e u r e", die sich die Wahrnehmung der geistigen nnd materiellen Interessen der Arbeiter jenes Gewerbes zum Zweck gemacht hat, daneben aber auch das Tecknische nicht unberücksichtigt läßt. Das Blatt wird vo» Paul Valting genannt Schäfer in Leipzig, Harnstr. 19, Treppe A, IV, redigrrt und macht schon durch fern aiisprechendes typographisches Aeußere cinen sehr angenehmen Eindruck. Die Zeitschrift ersckernc vorläufig aller drei Woche» nnd kostet in Deutschland und Oesterreich frei ins Hans viertel- jährlich 0,40 M., im Ansland 0,50 M„ die einzelne Nummer 10 Pf. Der Preis ist also derartig niedrig, daß jeder Graveur uid Ziseleur in der Lag« ist. daS Blatt zu haltm. Die Einfnhruug des vsterreichischcn Buchdrucker- Normaltarifs ist nach Angabe des„Druckerei-Anzeigers" ,n Wie» erfolgt, ohne daß es zu Differenzen gekommen wäre. Es wird dies dem Umstände zugeschrieben, daß fünf Buch- drnckereien, die den in dem Tarif festgesetzten Neunstundeiitag schon früher, vor zwei Jahren eingeführt hatte», bei dieser kürzeren Arbeitszeit kein schlechteres, sonder,, zum theil noch ein besseres Geschä/t gemacht haben als zur Zeit des Zehnstunden« tages. Ter schweizerische Typographeubuud hat auf Sonntag, den 25. Januar eine außerordentliche Delegrrten- v e r s a in rn l u n g nach L u z e r n einberufe», um den vom Zentralvorstand vorgelegten S t a t u t e n e>, t w u r f in Be- rathung zu ziehen. Neu in diesem Entwürfe ist die Verschmelzung der Zteserve-, Kondilions- nnd Arbeitelosenkasse zu einer„Allgemeinen Kasse", die Herabsetzung der Karenzzeit bei Arbeits- losigkeit, die'Ausdehnung der Altersgrenze von 40 auf 45 Jahre bei Sleuaufnabmen und die Ausdehnung der Machtvollkommenheit des Zeniralkomitees gegenüber den Sektionen..Sonst ist nichts Fortschrittliches zu bemerken. Zum britischer» SchiffSbaner- Streik»vird ans Glasgow bericklet, es seren Verhandlungen nicht sor« meller N»tnr geführt worden, die znnr Ergebniß ge« habt häiten, daß die Ausständigen Vorschläge machten, die sich den Bedingungen der Unlernehmer so sehr näherte», daß zu hoffen sei, der Ausstand werde sowohl am Clyde�wre in Bcliasl binnen einer Woche beendet sein.— Diese Hoffnung baden die Unlerrrehmcr schon oft gehabt, bisher hat sie sich aber iinmer als irngerisck erwiesen. Im übrigen zeigt auch der Streik der Cchiffsbomr wieder, daß die Ausdauer der englischen Arbeiter bei der Wahiiiedinuiig ibrer wirlhschastlichen Interessen über alles Lob erhaben ist. lind warum ist das so und in Denlsckland anders? Weil die englischen Arbeiter den Werth der gewe>ksckasliichen Oig nisation erkannt haben und der größte Thcit der deutschen Arbeiter noch nicht, Vevsammsuttgen« Dentscher Holzarbeiter-Verband(Zahlstelle Berlin). (iine von>800 M i t g l i e d e r n desucyie außeroidentliche Generalversaininlnng lagie am Soniiiag in Keller's Festsälen. Der Vorsitzende Glocke legre noch einmal kurz die Gründe dar, die den Verlaid veranlaßlen, Eiellnng znr Lohn- bewcgung der Holzarbeiter zu nehme». Redner ist der Meinung, daß das Vorgehen der Holzarbeiter, hauptsächlich der Tischler»»folge der günnigen Geschäftslage foivie i» glück- ficht daraus, daß die Unlernehmer in den letzten Jahren durch Lohnabzüge und sonstige Maßregeln die Arbeilsverhällnisse be- deutend verschlechtert hätten, vollständig gcrechlserligt sei. Die Forverungen, die man zu stellen beabsichtige, seien eingehend von den Wertnalt-Veriraiieneinännern und der Verwallnng berathen worden. Es handele sich jetzt darin», ob die Kollegen diese Forderungen für richlig halten, nnd ob sie geneigt sind, zur geeignele» Zeit mit aller(snergie für sie einzulrelen. Tie Forderungen sind: E i n s ü h r u n g der 9 st ü n d i g e n M a x i m a l- Li r b e i t s- zeit, A b sch l a g s z a h l ii ii g(sogen. Kostgeld) von mindestens 21 Mark pro Woche und eine den jeweiligen Verhältnissen der Werkstätten ent- sprechende prozentuale Lohnerhöhung. In Be« ziehung auf die'Arbeitszeit glaubt Redner, daß diejenigen Kollegen. die heule icho» enie neunstlnidige oder kürzere Arbeitszeit haben. nach verständiger Unlerredung mit idrein Prinzipal durch den Hiniveis daraus, daß die Bewegung der Gehilse» hauptsächlich die Cchundkonkurrenz treffen soll, demnach durch diese Bewegung a> ch die solide» Gesckäcke geschlitzt werden, wohl noch ein« vcr- hällnii mäßige Arbeilszeilverkürzung erreichen würden. Die'Ab- ichlagszahlnng vo» 21 M.«ntspricl.t nach der'Ansicht des Redners den augenblicklichen Lohiiverhällriiffeii der»leinen Werkstätten; auch betreffs dieser Forderung sei anzunehmen, daß die Kollegen i» den desseren Weikstätlen nnd die Bauarbeiler höhere 'Abschittgszahiungen nach eingehender giücksprache mit ihren P-inzipale» erreichen würden. Nächste Aufgabe sei, den scmvächeren Kollegen empor zu Helsen, wodurch gleich« zeitig die stärkeren geschützt würden. Durch dl« weilere Forderung der prozentnaie» Lohnerhöhung sollen, wie der Redner weiter anssührte, die Preise der verschiedenen Zlrbeiten so gestellt werden. daß die KoUegen in den Werkstälte», wo weniger verdient woiden ist, wenigstens 21 M. Kostgeld beanspruche» können; ikibnverstundlich könnt» in WnlstäUen, wo schlechte Preise für bessere Arbeilen gezahlt würden, ein pro- zentualer Anfschiag gefordert werden. In alle» Fällen, wo sich die Kollegen über diese Fordernng nicht eiiligen könnten, möge man sich an die dazu besiiininte Koinmission wenden, die den Kollegen mit Raih und Tbat zur Seite stehen werde. Es gclle nu», die große Masse der indifferenten Kollegen für die Sache zu interessiren, die Agitation müsse de-halo jetzt am das energischste betrieben werd.n, und zu diesem Zwecke je» das WerlstaU-Vertraueirsmänrrer- s y st e>» zu vervollständigen. Jede Werkstatt habe je nach der Größe cineii oder mehrere Verlrau»»si»ä»ner zu ernenne», die nach gegenseitiger 9ti ckspracke in den hieizu ernberufenen Bersainni- luugen Klarheit über die zu stellende»Fordcrn»geri»»ter de» Kollegen z» verbreilen nnd zum 31 Ichliiß an den Verband zu wirken hätten. Gelinge es, die gesnnrinle Kollegenschast zum ein inüthigen Handeln zu bringen, dann wäre der Sieg sicher nnd ei» nenneiisiverlher Erfolg zu veizeichnen. Die Verjauiuilung erklärte sich dann im Prinzip dafür, daß in diesem Jahre in eine Lohnde weg»»ig eingetreten werden soll. Dieser Beschluß wnide fast einstimmig gefaßt. Die be- reits erläuterten Forderungen wnrdeir,»achdcnr einige Redner theils dafür, theilZ dagegen gesprochen hallen, von der große» Mehrheit e b e» s a l l l s zum B e- s ch l u ß erhoben. Die Leitung der ganze:» Sache ist bis auf iveiteres der Ortsverwaitimg übertragen; diese wird anS der Mitte der Werkstatt-Konlrollkommission und eventuell unter Hinzuziehung geeigireler Kräsle eine besondere Koin- Mission zur Leitung der Bewegung ernennen. WaS die Beschaffniig der zur Durchsührnng der Lohnbewegung nöthigen Nüttel betrifft, so rvrirde beschlossen, Quittungskarlen drucken zu lassen, auf denen sreiwillige Beiträge zum StreiksondS durch Marken ä 25 Pfennige qnittirt werden. Diese LUllttnngs- karten sind in nächster Zeit bei der Ortsverwallung, bei der Werkstail-kkonlrollkommiffion, sowie bei den Beitragsammlern und allen Vertrauensleuten zu haben und werde» auch a» Nicht- Mitglieder ausgegeben, die jedoch für de» Verband zu geivinnen sind. Die Sammlungen durch Listen werben daneben beibehalten. Nachdem das Gedächtniß vier verstorbener Verbondsmitalieder rn der üblichen Weise geehrt worden war, ging die Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus das Ge- liugei, der Bewegung auseinander. In einer öffentlichen Versa««ul,mg d«r Lithographen, Steiudrnckcr und BerufSgcnossen, die am 13. d. M. bei Hoffmarin in der Sliexanderstraße tagte, sprach Adolf Hofs- mann über das Thema:„Glaube und Verinnist". Zum Schluß des bersällig aufgenommenen Vortrages theilt« der Redner mir. daß sich eine Komnchsion gebildet habe, die zu» Zwecke etiles Mussiiiaustntts nui der Laudeekirche mehrere Vevsüiuniluvge» eiiiberusen werde, wovon die erste am 15. d. M. bei Joel, 'Andreasstraste, abgehalten wurde. Da die„Zensurbehörde" Naucl und Hartman» die Einladung der Geistlichen zil diesen Bersammlungen auf dem Säulen» Anschlag gestriä)?» hat, forderte der Redner auf, unter Bekanntgabe der ergangenen Einladungen an die Geistlichen für recht zahlreichen Besuch der Versaininlung zu agitircn. Hierauf setzte der Ver- trauensinami Schöpke die Anwesenden von der Einladung zum internationalen Kongreß der Lithographen, Sleindnicfer und verwandten Bcrnfsgenossen in Kcnntniß, der im August ds. Js. in London tage» ivird, und sprach sich i» wanne» orten für dessen Beschickung aus, wobei er aus die reichhaltige und wichtige Tages- ordnung verwies, die der Kongreß zu erledige» haben wird. Nachdem»och Si liier die Vortheile der internaiionalen Soli- darität eingehend beleuchtet batle, wurde einsthmnig beschlossen, den Kollegen Teutschlands den Vorschlag zn inachen, den Kongreß durch zwei Delegirte und zwar durch eine» von Norddeutschland und einen von Snddeutschlan.d zu beschicken. Für Norddeutschland wurde einstininng Schöpke als Delegirter vorgeschlagen und hierauf eine siebcngliederige Kommission gewählt, die die Formulirung der Anträge für de» Kongreß, die Aufbringung der Gelder und alles sonst»öthige zu de- sorgen hat. Nachdem K l i n g b e r g, der bisherige Vertreter in der Gewerkschastskommission, über diese Bericht erstattet halte, wurden zu Vertretern des graphischen Gewerbes in der Gewerkschaftskonimisfion die Kollegen M e s ch a und W e y k o p f neugewählt. Der Vertrauensmann krilisirte»och das Verhallen der Firma Rückwart in Groß-Lichterfelde gegenüber einem Kol- legen und der Vorsitzende forderte die Versammelten auf, dem Verein der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen beizutreten und für denselben zn agitire». I» Schönebcrg wurde am Montag eine äußerst zahlreich besuchte Volksversammlung abgehalten, die die Aufgabe hatte, Stellung zu den Ge werbegerichts- und den dem- nächst vor sich gehenden Kommunalwahlen zu nehmen. K ö st e r wies in einer kurze» und kräftigen Ansprache auf die Nothwendigkeit der Benutzung der Wahlen hin und forderte ebenso wie Meiling zunächst zn thatkräftiger Agitation und recht starker Vetheiligung hinsichtlich der Gewerbe- gerichts-Wahl auf, die am 25. Januar, nach- mittags von 4 bis 8 Uhr vorgenomine» wird. Hierauf wurden ohne Diskussion die>3 Parteigenossen: Masuch, D ä ri in i ch, G l a n d i e n, S ä u in e, L e h n e r t, F i s ch e r, V ä u in l e r, K u h l m e y, Himmler, Gabriel, Knopf, I e n tz s ch und Richter zu Kandidaten für die Aemter der Arbeiter- Beisitzer einstimiiiig ernannt. Der zweite Piinkl der Tagesordnung, betr. die K o in in u n a l w a h l, zeitigte eine reckt rege Diskussion über die Frage, ob es überhaupt nölhig und ersprießlich sei, in die Wahl einzutreten, da, wie der bisherige Vertreter H n cl e b u s ck) hervorhob, jedes Gemeinderaths- Mitglied zu allen 13 Koniinissiouen detegirt werde, mithin eine ungeheure Arbeitslast auf sich habe, die ein Lohnarbeiter iiiiinöglich ohne Schaden bewältigen könne; es fehle infolge desfeu, swie auch Gen. N i I l e r t in längeren Ausführungen hervorhob, an geeigneten uiiabhängigen Kandidalen; auch Hab« das Gebahren der Gcineindevertreter in Ziixdorf iiiandieiu Genossen die Lust zur Betheilignng an den Eemeiiideivahleii gründlich verdorben. Dieser Meinung traten die Genossen Köster, Klein, Meiling, A l b r e ch t und M a s u ck energisch entgegen; sie lind nanientlich auch Schubert ver- wiesen dabei ans vielfache Schäden in der Genieiildeverwalluiig, in den Schulverhältnisseii nud in der össenllichen Gcsuiidheilspstegc. Hacke b usch bemerlte hierauf, daß er in einer der nächsten Geineinde- raths-Sihunge» besolidebZ die Znstäude in der äs sants" des Dr. Löivkiisteiu trotz der Drohung, verklagt zu werden, zur öffentlichen Kenntniß bringen würde. Ferner äußerte er, daß man sich durch schlimme Ersahrungen allerdings durchaus nicht abhalten lassen dürfe, iuimer energischer für die Koinmnnalwahl zu wirken. Diese Meinung wurde von der Versaiinnlnng mit allen gegen 3 Stimmen zu»! Beschluß erhoben und daraus wählie man ei» Mahlkomitee, das ans den Geiiossen Gabriel, Gräser und Holzhüter besteht. Die Geiueinde-Mahlliiteu liegen aus vom 15.- 30. Januar iin Rathhause von 8—1 Ulir. Kurr vor Schluß wurde die Versäum lnng wieder wegen Eintritts der Polizeistunde a u s g e l ö st. znxfik- nud ti>iau»(j»vmI» ,.?»>.>>-»«". Nm Mittwoch, tev Ii. pa- uar 18»«, adeuds» Uhr, Urb»»gSl!u»d« bei K.llger, Kennslrage i. Mitalted-r erwü scht. zi»rrl» K»rII»rr N>»cha»il>er. Tttzui'g am Mittwoch, den Ii. Januar, abends»V« Uhr, Im Rcttanrant He int s, N ue P oine- ade»a. Toqe«- O d> un«: Dr. L. Levy: Vvrläustge Mtllheitungen über die Roeiilge»' scheu Z-Strahlen. za,>»»»ia»nkchast der KchI»«n>ig-Zi<>>U»!ner«u Ket-Ii,,. Mittwoch, den 13. Januar, abeud» sy, Uhr, aube'o- deutliche Gencraluertamuilu'-g im Beielusloral, Neltaurant Kommaudanten-Sarien. Kommaudautenstr. lo/ii. Ausuabme neuer Mitglieder. Anträge. Wichtige Tagesordnung.— Sonntag, den 2. Februar, abends o Uhr, in Th. Bolh' Festsälen, Alte Jako blirabe 7i: Slnatonnscher Borlrag des Naturarzles Herrn Otto Grundmann(mit Srper l« mente»). Zi» beitcv. Kildungsschule. Unterricht am Mittwoch. Südost- schule, Waldeniarsjrabe it: Geschichte.— Nord schule, Müller- ltraß« Ilsa: Teiasch. Beginn abend? 9 Uhr, Schlich IW Uhr.' Die Schulräume sind �iv" BrtuiLuug der Bibliothet und des reichhaltigen-JeNschrislen- Materials schon von 9 Uhr an geoffner. Urs», und PioUutirülndo- Mittwoch. I o ha un I a e o b n, bei Fritz Lietzke, Schwedterürabe SZ.— Gesundbrunnen, abends Uhr. bei Haferland, vellermannür. 87.— tZIeicbheit. abend' Sil Nbr bei Slramm. Niiterltrabe ISS.— Heine, Rirdors, abends Sit Uhr, Brinz-Handjernllr. eo. parle, re.— Einigkeit, abends 6js Uhr bei Zeige, Triflstr. i.— Theater- und Lesctlud Morgenroth. abdS. o Uhr, im Restaur. Dicke, Lothringerfir. e?. — Sviioldemolratischer Agiialionstlub O st e n, abend? sjs Uhr. bet Jauer. Fnichttir. 32. Arbriier- Snugerbuitd Hcrliu« n»d zluigegend. Borsitzender Adolf Neumann, Aalewaltersir. S. Alle Aenderunge» im Bereit'skaleuder sind z» richun an Fried,»ortum, Manteufselür.«9, v. 2 Tr. Mittwoch. UebungS- liunde Adcids s Ubr, Aulvabme vp» Mitgliedern.— LiedeSkrriheit i, Ard'.asftr. SS, bei Mille.— Norddeutsche Schleife, Mclchtorstr. I» bei SIehman».— Unverzagt i,"Älanleusseliir. a bei Nowack— Freqa l. tScmilchler Lbor), Rosevthaterstraüe Nr.- 07 bei Wernau.— Lorbeer- kränz I, Meinitrabe Nr. 28 bei Späth.— Teurlche Eiche l, Ervße Fraiilsmlersirofce Nr. 133 bei Cold.— Echo I, P a n r o u>, Mühlen- siraße, Eivri'lches EeseNschafishaus.— Eesangverein Ar ton III, Nirdorf.Herr- wann- u. Herrlurihsnoßeii-Elte bei Weift.— Freu,, d«streue lg'iuischt.Ehor). Jüdenslr. 38 bet Link.— Elnigteit(Hutniackierl, Rosenthaler- strafte i2 bei Brüniua.— Allegro, Wrangelstr. ici bei W.Schmidt. — Freiheit I. Bülowftrafte C6 bei Nichter.— Steinnelte. Paie- walteistrabe 3 bet A. N>»»ia>-n.— Süd-O lt. Fallleiisteinstr. 7 bei Trillel- wltz.— Ltedeslust. Fürste, ivaldc an der Spree, Schloftkilleret.— Freier Dtännerchor N o r d- W c st(früher itlempncr) Moabit, Emdcner- und Siiinensfirabrn-Vcte 14.— K u p f e r l ch in i e d e. Mein strafte Ii bei Feind.— Rothe Nelke>. Schöneberg,»olzstr.«3 bei Klaule.— A p p o lo n> a, Roscnlhalersir 37 bet Wernau.— FreihcitSgrub, Ercinmenerstr. I bei Maibie?— Schneeglöckchen I, Rirdors, Hermann- und Aarligarlen- liraftsn-Scke bei Hilpert.— Schneeglöckchens, Potsdam, Brandenburger tlcinuinnllntton is bet Blaser.— Matengruft 3, Friedrtchshage». Rund- lbeil. bei Lerche.— Unverdrossen, Lindowerlirabe 2S bet Sachs.— Felsenburg. Langesiiafte ss bei Owezarcck.— B orwärlS 7, Rummel«- bürg. Eölht- und ilanlslrafte- Ecke bei«Sreinert— H o ss n UN g S, Brandenburg a. H..„ktonkordia", WUhelmSdorsersirafte.— F r e i h e t I s- klänge I, Slallschreiberlir. 29.„Zum eichenen Stabe" bei Schöning.— Arbenergesanpverctn von Britz in Britz. Bürgcrtir.« bei Dorn.— See ger- scher Män n erckior, Landsberger Alles lös bet Södel.— Matengruft». Lhorloltenburg. Mallür. 9S bei Beyer.— Dämmerlicht. Zorndorser- tzrafte 17 bei Hoslinann.— E d e l w e i ft?. PolSdam, Brandenburger- Kam> inunitaiton I« bei Blaser.— Heimalhtlänge, Köpenick, Rosenstr. 101 bei SroppenS.— Wänner-Sefangvcrein Seduld, Gesundbrunnen. Bult- ,»an,»strafte i? b-t A ohe«.- Sesancverci» Are t he t«st I S» ge II, ilhoriueriir. öS belHobcck.— Mäuncr-Bclanxverein Palme. Bellen t. d. M. bei Kimltu.— Weibe Rose, Reintckendvrs, Restdcnzsir. 101 betMalchtn.— Wänner-Gesangverein L! ed e rlu st, Adalderlslr. 21 bei Roll.— Sanges- b l ü I h e n. SIralauer Platz 10- 1 1 bei Poppe.— K l c t ch h e i t. Schönhauser Allee 13« bei Ramlow.— Gesangverein Frohsinn li, Friedrtchsberg, Warunbergstr.«? bil Lange.— Sängerchor der Maler, Komman- donleustiafte lö. Knoblauch's Bierhalle».— Männer-Gesangverein Ziel- bewußt, IlUgl-ossicabe» bet Behlendorf.— Arbeiter- Gesangverein Einig, Blumens.rafte 32 bei Reich,— ArbeUer-Kesangver-iu N e u e Zeit. Civinemüi-derstrafte t k, Pia, leufselbr. SS bei Schulze.— Tbealerv.nein Brole lariat. Romvulir. 83 bei ftsbn.— Beranüani-gsverein Amor 2. Bt itwoi nstr. S bet He! Ischel.- Rauck-tlud Rolbe Fahne. Cttvryttr. 88 tei Liebs— Silelbgrr B-r>i» F, cuvdlchaft, Ziinmerftr. 8» bei Engel.— E es Nie er Bei ein Seil I> ch e Eiche, Fttrbi ingerfir. 7 b.i Grotbe.— Theater- virin Bnbvei-re- bald Apollo, Pvi»ie»-Allse lo bei Bergemauu.— P'ui bbnimovila-Bcriin.Bornäits, Zosienerslr. 62, R.stauianl.— Gr- i> Viper Berein Lieg nitzer Schweiz. Ltcanitzernr. 2 bei Habel.— Zbea'eivere!,, Nora, dldintralsir I8>', B ärtlscher Hof.— Berel,! Gl- selliger Bund, jede» 2. Mittwoch tm Monat, rei Sommer, Grünstr. it. B-sers-, U»r»- und orlrltiyr B-ecine. Mittwoch. Arbeiter- Gelang- Verein Hoffnung. F rie d r Ich i berg. Nebungsflunde abends 9 Nbr. Nestau, ant O. Schnitze, Friedrich Karl,'ir.»«.— G-sangvereiil Lerche. UebungslI. abends S-N Ubr bei Max Mörschel, Schönhauser Allee 28.— Gesang- verein Normannta, abends 8 Uhr bei Miele, Spandauer Brücke.- Privai- Zheatergesellschasi H e i m a t h l u sl,!> Uhr Sitzung tm Bereinslokal bei Lange. St-o»>hr. 29.— Privai-Zbeaisr-Gesellschast P h i l d a r in o n t e. Sitzung mit Damen, abends a Uhr, Zeughofsirabe 8 bei Aehlendörf. Ausnahme neuer Mitglieder.— Td.alerverein Unikum, abends 9 Uhr bei Wiersdorf, Alte Jakobstrafte 9S/97: Sitzung mit Damen.— Turuvereil! Fichte. I. Männer- Abiheilung lurnl Mittwoch und Sonuaben» von 8 b.z lo Uhr, Tm n Halle Fried-nürabe 37. 3. Männer-Abiheilung turnt Miit- wach und Sonnabend Abend von 9— lo Uhr, Turnhalls Bvckhllr. 27. i. LchrllngZablheilung turnt Mittwoch u. Sonnabend 8-lo, Skal tzeriir. ö8-S7. -Bereinigung der Turnfreunde. Mittwochs und SonnadendZ, Turne» vo»«>/-— io',', Uhr abends in der Turnhalle, Demminerstr. 6S--7, — Eestlliger Berein Unter uns, Sitzung 9 Uhr bei Fische-, Beusseistr. ss.— Musildileltauten-Berein Preciofa abends kit Uhr bei Geisler, Fenn-»od Zegelerstraften-Ecke, Uebungsstunde, Ausnahm?!!.— Musil-Diletianlen-Berein Nordische Klänge, bei Renter, Sivinemünder- strafte iö, Uebungsstunde von fl: bis 1 1 Uhr.— Schwwnnverein Nord, abend? 7% Uhr AdmiralZgarlenbad, Frtedrichstr. 102, Uebungsstuude.— Gt- lelliger Verein A n n a- M a r i e, abends 9 Uhr. im Restaurant Roll, Adalbertstraft- 21. Sitzung.- Slalllud D i e L u ft i g e Z iv ö l f, im Restaurant Muhl- Andres, Ehorinerftr. 53— Slaillub 60, szj Uhr Sitzung bei»echner, Weener- strafte so.- Slaillub P i q u e- S o l o, abends zs- 12 Uhr im Lokal des Herrn Eichmann. Neue Hochstr. 28.- Slaiklub Treff, Frauksurler illlee e» bei Zabel.— Krasi- und Arilftenllub Elche, Mittwochs von 9— il, Sonn- lags' von li—i Uhr, bei Augustin. Kasta»ic»-Allee Ii.— Artisten- uad Ringlpori- Verein Vereinte krnfl. Mittwoch abends von o-il»hv, Sonntag vo-millags io— Iiis Uhr bei Herrath, Plan-User 92a.— Vergnügung«- verein Fortuna, abends 8� Uhr, Sitzung bei Schulz, Weberilr. io.—» Tbeatelwerein Vartcte, bei W-igl, Markgraseustr. 87.— Mustkdlletianlen- Bei ein Knallch. abends s Uhr bei Stesse»«. Kolberaerstr. B-.emsabead. — Psiops-nveretn Nord-Ost. Jeden Mittwoch bei A. Bogel, Elbingerstr. 9. Rauchllust Grüne Quaste, abends 9 Uhr bei Siederer, Halz. »larltlirafte«sa.— Rauchllub Granate, Forsterstr.«» bei Titguntke- — Rauchllub Arkona, abend» Uhr bet Richter, Stasttzer- strafte«!.— Orientalischer Rauchllub, abends 9 Uhr, Reichenc bergerfttafte 2t bei Tnufchke.- Rauchllub Frtich gewagt, abends 9 Uh. bet F. Rockendorf. Poseuerstrafte o.— Rauchkiub Roochloch- Admiralflr. 33 lm Restaurant abends S|9 Uhr.— Rauchllub M e s s a I t» a, bei Muilke, Graudenzeistr. 2.— Rauchllub Ohne Zwang, W-i»str.2Sde» Epälh.— Rauchllub Tie D am p sende», Langestr. 2« bet JeraUch.— Rauchllub Birgtnia. abends 9 Uhr bet Schnieder, Admiralnraße 21.— R auchklub Humoristische P s e t s e n b r ü d e r. abends 9 Uhr bei Sri,- wedel, Klosterlir.«3— Mauchklub S u m a I r a S ü d- O st. abends or Utzr bei Mangold, Liegnitzeistr. 18.— Rauchllub Gemüthltchkeit II, abend* 9 Uhr im Lokal Schmidt, Köpnickerstr. 171.— Rauchllub Wald es grün, bei Tilgner, Forsierftr. 22.— Mauchklub Schmales Werke, t-den Mittwoch Kiaulstr. 38.— Rauchklud E o ng o II, Wienerstr.««d bei Schmidt. - Rauchllub A b g u ft l von» Uhr ab bei Nawrott, Markusstrafte 23. Freie Bersinigung der Kaufleule.im Englischen Hof, Ni»« Roftstr. 3, gemülhItchrS Beisammensein.— Arbetter-Slenagraphenver�tn Eintracht, Unterricht»nd UebungSItunden abends 8X Uhr in den Re- st aurantS Owczarek, Langestr. es und Seidler, Maltborstr. is.— Rollsr'scher Slenogiaphei. verein Pionir, Hufsttenstr. 9, Restaurant Rausch, abend« »ß Uhr, Unterricht und Foribildung. i.ermoa-.gv-erican lrivd„l-'nele Law"(estadlislieck 1397). 9 o'clootz p.». WaUstrasse 37. Viäicstivu ok Uro nerv Club-Houso.— Ladies und LcaUewea welcome. German American Socicij-. Berlin C., Münzsir. 17,*t Fneboe« Restaurant, 9 o'clock p. m. Topic; Rotations ot womea to crime. 3. Wahlkreis. Dotttterftag, bctt I« Januar er., abeuds 8' 2 Uhr, in der „Berliner Resfuuree", Kommandautenstr. 57: GrcheöfftlltlilheNslks-ÄrsMnlNg. Vorlrug des Reichstc>gs- Abgeordneten Dr. Lutgenau» Dortmund über: Uttsere politische Zage. jiauen sind zn dieser Versammlung hierdurch besonders eingeladen. 2l3-5 Der Ginbernfer. Metallarbeiter! DonnevMg» 16, FÄttuttv. abends 8'�- Ahe: Oeffentliche Bersammlung der Metallarbeiter inl Lokale des Herrn Uiifz, Badstra ße 19. Wie behgicklll die MetsllilldllßrieSe«°,ijre" Arbeiter? Referent: VZsetken. Zn dieser Versaniniltiiig sind besonders eiugelade» die Kollegen der Firme» Arulisiil«, Ade, Äkttengesellscbait vorm. Kapler, Köstermann, Roller, Sponholz& Wrude, Zimmermaua& Buchloh, E. de la Sauce t Klaas, König, Kücken t Cie., Breest& Cie., Brettschneider& Kriegner. Schöning, Rndoli u Kühne und der Belriebsverkstätte der Pierdebaun. Zahlreiches und pünktliches Erscheine:, ist nothwendig. Der Dertrauensman» der Heriiner Metallarbeiter. 117. 3 O t t 0 N a e t h e r, öl., Autlanierstraße 44._ entttl-Krallkeii-».Eterbekche der Tischler lt. Gerti. Derwalinng S�niin». �itglielleml'ZWmiiilig am Montag, de» S7. Januar er., abends 8 Vs Uhr, im Lokale des Herrn TolkSdorf, Görlitzerstr. S8. Tagesordnung: I. Abrechi'ltug vom 4. Quartal ISSö. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Uin zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 184/ lös Die Grt«ver»valtnng. Keueralversammlllllg der Llenbvksssv sdewal8?t!ug'sLtier�rdejter (Iletzelsclie Kasse), am Sonntag, de» 20, Januar, Vormittags 10 Uhr, in Gründel's Saal, Biunnenstraße 188. Tagesordnung: I. Verlesung des Protokolls der Geiieralversanimlnng vom 23. Juli I83S. 2. Kassenbericht pro 1893 des Rendanten . Schulz. 3. Bericht der Revisoren. Festsetzung der Reinuneralion a» die Revisoren. 3. Verschiedene Kassen-A»- gelegcnheilen. ö. Neuwahl zweier aus- scheidenderVorstandsmitglieder. 7. Neu- wähl der Revisoren. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zil erscheinen. Das Mitglieds- buch legitimirt. Der Vorstand. 219 ib Otto Wiükler, Vorsitzender, Ackerstr. 164. Deutscher Holzarbeiter- Verband. (Zahlstelle Berlin.) ao� Morgen, Donuerstag. c>''°»ds 3'/- Uhr, bei Drochnow, Sebastiaustraße 39: W?" Vombinivkv Sitzung"WU der Ortsverwaltuuc; und Werkstatt- Koutrollkommisfion. Verein zur Mjim kr Aütereiseil kt Gast-». Sjallkivirihe Kerlin« und zlingcgcnd. Freitag, den 17. Januar, abeuds 5 Uhr, im Lokale des Kollegen Marten, Ackerstr. 123; Mitglieder-Nersammlmtg. 18E Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Herrn vr.?inn über:„Kulturhistorische Streifzüge." 2. Diskussion. 3. Vierteljahresbericht des Kassirers. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Verschiedenes und Vereiusaugelegenheiten. eoo Sty Die Vrrsanimlnng wird pünktlich eröffiktt.-WS __ Der Vorttand. I. A.: C. Bchrend. Swaker! Swaker! Sonntag, de» 19. Januar 1896, vormittags 11 Uhr, tu Schneider'» Gejeiischaftshau«, Keiforterstr. IS: gp. Ordentliche General-Bersammlung des Vereins der Staaker Berlins und Umgegend. Aeußerst wichtige Tagesordnung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend nothwendig. Zur Legitimalion ist das Vorzeigen des Mitglieds- bnches erforderlich. 2I39H Der Vorstand. Achtung! l'Sp'ken. Achtung! Verein zur Regelvug der gewerbl. Vcrhaltniise iier Töpfer nud Bernfsgenosseu Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 16. Januar 1896, abends 5 Uhr, im Fokale de» Herr« Buske, Vrenadierstr. 33: GenevAl � Nevs�nrntlung. Tagesordnung: 190/5 l. Bericht des Vorstandes. 2.«orstanvswahl. 3. Unser ständiger Arbeiisnachweis.(Siehe Soziales.) Der Verstand. Allffordemiig. Der Klavialnrarbeiler Wilhelm Wetzel, Rirdors, Sleinmetzstraße 12 ivohnhaft, tvird hierdurch aufgeiotdeit, seinen Verpflichtungen dein Vereine gegenüber dliine» 8 Tage» bei Kummer, Ripdorf, Berlinerstr. 55, nachzukominen. ver hlnsihvsrein„Ilnsiktrennde". Vrlegrnkritollanf Hoch eleganter PS Nestbestättde S 2 bis 8 Edals, ä 2,50, 3, 4, 6 bis 15 Mark. Drohe Echal« bei näherer Angabe frauco zu Diensten. PstiA-jiiitlilkz ortiersn linnstl 3al»»» schmerzlos eingesetzt, sesisitzeiid. Reparaturen sofort. Weniger SiNllsil» Bemittelte Erinaßiglliig. tle>vs>a«ak>, Spitlelniarlt 13 Kekanntmachnng. von MonkÄg» dvtt l'd. IttttttAv«b romnien bis ans weiteres Aleranderstraße 34, parterre links, die mir znui Verkauf übergebcnen 500 Dtz. 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