BERLIN Mittwoch 27. Zebruar 1929 10 Pf. Nr. 98 v 49 46. Jahrgang. Erscheint tZzlich außer Eenntag«. Zugleich Abendausgabe de«.VorlrSrtj". Beiugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat. Ncdaktirn und Expedition; DerlinSWSS.Zindensir.Z ftlbwasfa »UielgenpreiStDie einspaltige Nonpareillezeile «o Pf., Reklameieile S M. Ermäßigunzen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwSrtS-Verlaz G. m. b. H., Berlin Nr. Z75ZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Dreiteilung der Reparationen. Nhein- und Gaarräumung als politisches Ergebnis. Coabon, 27. Februar. In einem Poriser Bericht der„Times" wird darauf hingewiesen, baß die Verhandlungen der Sachverständigen jetzt an einem Wend«� punkt angelangt seien. In den ersten beiden Wochen hätten die Sachverständigen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die Möglich« kciten des Transfers und andere wichtige Fragen behandelt. Dr. Schacht habe die Schwierigkeiten des Transfers erfolgreich nachgewiesen, da er eine Vereinbaning erreicht habe, wonach die deutschen Jahresraten in zwei Teile getrennt würden; außerdem habe Schacht verstanden, die Fortsetzung der S a ch- l e i st u n g e n als notwendig darzulegen. Die Sachteistnngen, die im vergangenen Jahre 7lX> Millionen Mark erreicht hätten und in diesem Jahr wahrscheinlich auf eine Milliarde Mark an- steigen würden, könnten nach seiner Ansicht nicht ausgegeben werden. All« diese Besprechungen seien nützlich gewesen, aber der Hauptpunkt sei die Summe, die Deutschland als Gegenleistung für den Verzicht «ruf gewisse, ihm durch den Versailler Vertrag auferlegte Bedingun- gen zahlen wolle. Dr. Schacht habe es nicht eilig gehabt, irgendeine Johl zu nennen. Er habe andeutungsweise eine Jahresrate von ßgü Millionen Mark genannt, aber nicht einer seiner Kollegen habe diese Summe ernst genommen. Der Augenblick scheine nun go. kommen, da Dr. Schacht ein wirkliches Angebot mgchen müsse. Den dem zu erwartenden deutschen Angebot unterliegenden Go- danken umschreibe hi« Pariser Presse wie folgt: Die von Deiitschlond zu zahlende Jahresrate, die sich von Jahr zu Jahr ändern könne, werde in drei Teile eingeteilt: erstens«ine in Gold zahl« bar« Summe ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage in Deutsck�and, aber mit demselben Anspruch auf ein Moratorium von zwei Jahren, w�««3 den Gläubigerstaaten in ihren Kriegsschulden- abkommen mit den Vereinigten Staaten gewährt sei; zweitens eine Summe, die dem Tronsferschutz unterliegen und van der Wohlfahrt Deutschlands abhängen werde; drittens Sach- lief«rungen. Die Gesamtsumme der Jahresrate werds etwa zwei Milliarden betrogen, ober mit der Möglichkeit von zu- sätzlichen Leistungen in den Jahren, in denen Deutschland ein« günstige Handelsbilanz aufzuweisen habe. Flüssig gemocht werden würde diese Schuld durch die Ausgabe von Bonds, wobei eine internationale Körperschaft das Recht erhalte, das Deutsche Reich zux Ausgabe aufzufordern. Damit fei nach Meinung der„Times" die Konferenz an den Kern ihrer Aufgabe gelangt. Es fei klar, daß die deutsche Regierung keiner Vereinbarung zustimmen werde, die di« Fortsetzung auch nur eines Teils der Rh«inland- l> e s e tz u n g gestatten würde. Die deutsche Regierung erwarte doneben aber auch ein« gleichzeitige Regelung der Saarsrage, und zwar so, d«h Frankreich das Gebiet zurückgebe. Lohniarif der Reichsbahn gekündigi. Gemeinsamer Vefchluß der Gewerkschaften. Wie wir erfahren, haben die vertragsehlieftenden G«> werkschaften das Lohnabkommen mit der Deutsche« Reichsbahn zum 31. März gcründlgt. Ueber die ein- zureichenden Forderungen werden die drei Gcwerk» fchaften auf einer gemeinsamen Tagung Beschluß fassen. DaA Lohnabkommen betrifft die Sisenbahnarbeiter aller Zlategorien, d. h. alle Eisenbahner, die nicht im Beamten» oder Angestelltenverhältnis stehen. Eine ganze Familie verbrannt. Weit sich die Tür nicht öffnen ließ. In der Rahe von Diterbo entstand, wie aus Rom gemeldet wird, in einem Bauernhaus«in Brand. Die Bewohner, ein Ehe, paar und vier Kinder, riefen um Hilfe, weil es ihnen nicht gc- lang, die Türen zu öffnen. Als die Türen von herbei- geeilten Leuten mit Aexten eingeschlagen worden waren, waren da» Ehepaar und drei Kinder bereits verbrannt. jDas oierte Kind, der älteste Junge der Famil e. wurde mit lebcnsgefähr- lichen Brandwunden ins Spital gebracht. Nn amokiaaler in New York. Das größte Teleskop. Berichte 2 Seite» Linter Generäten. , Eigentlich hat die ganze Spielerei verdammt wenig Zwecks ,Ooch!— Sobald etwas davon bekannt wird, können wir die Sozialdemokratie des Landesverrats beschuldigen!� 6— S Grad Kälte in Berlin. Die Eisverhälinisse auf den deuischen Flüssen. Di« Wetterlage weist keine wesentlichen Aenderrmgen auf. Der Jroft besteht fast im ganzen Reich sork, lediglich in Süddeutsch- > a n d liegen die Temperaturen etwas über Rull Grad. München meldet starken Regen bei 2 Grad Wärme. Da stch der hohe. Druck Im Rorden langsam welter nach Süden oorschiebt, Ist im Lause des Tage» in Rorddentfchland»cilwcife Aufheiterung eingetreten. In Berlin wurden heute wieder 6 Grad Kälte gemessen; ia den Außenbezirken 9 Grad und mehr. Da der Himmel Aar ist. dürft« stch der Ärgst lnfolge der nächtlichen Ausstrahlung weiter verstärken. Recht kalt ist es in Königsberg, wo am Dienstag abend 14 Grad unter Rull gemesten wurden. Haanover meldet 9 Grad Kälte, desgleichen auch Hamborg. Die Berliner Wetterdienststelle sagt weiterhin ziemllch kalte» Wetter bei nordöstlichen winde» voraus. Rennenswerte Schneefälle dürften nur im Osten de» Reiche» austreten. Eine Meldung aus Köln besagt, daß in der Rocht zum Diens- tag wilder leichter Frost eingesetzt hat. Trotzdem ist da, Et» aus der Mosel in» Treiben gekommen. Der erste Schub ist bereits in den Rhifin übergegangen. Der Eisabgong hat sich pishrr überall gtfljt vollzogen. Der Äasierstand der Moses tonn als ftornwl bezeichnet werden. Lediglich an der oberen Mchet ist noch eipe Eis- decke vorhanden, die aber zu Befürchtungen keinen Änlaß gibt. Auch die Saar ist von der Mündung bis oberhalb Saarbrückens eisfrei. Auf dem Rhein sind die Verhältnisse unverändert. Man hofft,, daß es den holländischen und deutschen Eisbrechern, die dt« Sperre bei Wesel und in Holland durchbrechen wollen, bald gelingt, ihre Arbeit zu einem günstigen Absckffuß zu bringen, damit die treibenbep Eismosten, die von der Mosel herunterkommen, freien 'Jlblgus finden..— Die Weser ist nach einer Mitteilung der Wasser- strayandirvktion Hannover von Hemelingen bei Bremen bis zum Ouellgebies einschließlich Wcrra und Fulda fast völlig von einer zu- jammenhÄtgendea Eisdecke überzogen, deren Stärk« 40 Aentnneter bis 2 Meter beträgt. Alle Vorbereitungen sind getroffen worden, um Ileberrafchungen infolge plötzlicher Witternngsumschläge aus dem Wege zu gehen.— Aus Hamburg wird berichtet, daß die etb- miswärts tätigen Eisbrecher, nachdem sie Geesthacht erreicht halten, die Rückfahrt antreten muhten, da für sie die Gefahr des Ein- frierens bestand. Infolge des ungewöhnlich lange andauernde» Frostes sind jetzt auch di« Brenn st offvorräte der h a m- burgischen Schulen«rs chöpst. Jnsolgedessen werden die Schulen vom Donnerstag bis zum nächsten Dienstag f ch l i e h e n. Wie aus Kopenhagen gemeldet wird, verschlimmert sich die Eislage in den dänischen Gewässern infolge zunehmender Kalle immer mehr. Allein im Fahrwasser zwischen Südjceland und Falsterb« sitzen etwa 35 Dampfer im Eise fest. In Kopenhagen wurden in der vergangenen Nacht 15 Grad unter Null gemessen. Aus dem schwedischen Landcstcil Norbotten werden Temperaturen bis zu Zl Grad Kälte gemeldet. Im schwedischen Küstengebiet herrschen 30 bis 35 Grad unter Null. Die Eisschwierigkeiten haben bereits zu einer Verminderung der dänischen Ausfuhr geführt. Die Tornadokaiassrophe in Amerika. Bisher 22 Tote und viele Hundert Verletzte. Der Tornado, der, wie gemeldet, gestern die Grenzgebiete der Staaten Texas. MIssisippi und Arkansas helmsuchte, hat noch den bisher vorliegenden Rachrichte» 2 2 Todesopser gefordert. Die Zahl der Berlehtea gehl In die hunderte. Mehrere Ortschaften sind vollständig zerstört worden, der Sachschode» wird aus mehr als zwei Millionen Mark geschäht. Am verheerendsten wütete der Sturm in der Ortschaft vuncan Im Staate Missisippi, die »ollständig in Trümmer gelegt wurde und von deren 450 Eiwohner» 14 Ihr Crt««nbützt«. �..... *■ Revolverstilzchen. Hvgenberg läßt Friedrich Ebert beschimpfen. Hugenbcrgs Presse ist das große Sanm«wecken für alle trüben Gewässer, die sich je durch die Gefilde der deutschen Iauralistit ge- wälzt haben. Auf der Journalistentribüne des Reichstages hält sich Hugenberg einen A. Stein, der unter den Pseudonymen„Ä." und „Rumpelstilzchen* ganze Serien von Schmähschriften gegen die So- zialdemokratie losgelassen hat. Daß er sich dabei den Ruf eines demagogischen Hetzers gewann, hat ihn für Herrn Hugenberg b«- sonders werwoll gemacht. Selbiger Stein hat nun am Dienstag auf der Reichstagstribüne die Rede des Genossen Stampfer gehört und darin auch Stampfers �uruf an die Deutschnationalen:„Mit Ihnen werden wir über den Begriff des Landesverrats nicht rechten, mit einer Partei, die es fertig gebracht hat. einen Friedrich Ebert als Landes- Verräter niederzuhetzen.* Durch diese Worte fühlte sich der gewisse Stein anscheinend schwer getroffen und er weiß wohl warum: hat doch„A.* zu den Hauptpamphletisten gegen Ebert gehört. Deshalb wetzt er hurtig fein Federlein und schreibt, nachdem er Stampfers Worte dahin umgebogen hat, daß die Deutschnationalen Ebert.in den Tod* ge- hetzt hätten, folgendes: Leider liegt Lindeiner mit Grippefieber zu Bett. Wäre er anwesend, könnte er Herrn Stampfer, der trotz vielen Gestiku- lierens nicht auf Touren kommt, ruhig sagen, daß Friedrich Ebert an Blinddarmentzündung gestorben, der Landes- verrat ihm aber durch gerichtliches Urteil attestiert t st. Die Roten sollten den Fall Friedrich Ebert nicht immer er- wähnen: er bringt ihnen keine Ehre. Friedrich Ebert und sein Wirten bringt der Sozialdemo- kratie genau das Gegenteil dessen, was der Deutfchnatio- nalen Partei der Literat A. Stein und. sein Wirken ein» bringt. Diese Feststellung wird uns und allen anständigen Leuten vollkommen genügen. Im übrigen regen wir uns über Herrn Stein nicht auf: Kennen wir doch auch auf der Rechten genug Persönlich- leiten, die von Friedrich Ebert mit größter Hochachtung, von dem Magdeburger Urteil mit schärfster Mißbilligung und von Herrn A. Stein— na, jagen wir milde— mit leichtem Achselzucken sprechen. Kronzeuge Höllein. Ilationalistische Verteidiger im Bunde mit Kommunisten. Ltm die Znvalidenversicherung. Erklärung des Reichsarbeitsministers. Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags gab Reichsarbeitsminister Wissel! heute vormittag folgende Er- klärung ab: „Dos Kabinett hat sich am 20. Februar 1929 in eingehender Beratung mit den im Sozialpolitischen Ausschuß behandelten Anträgen für einen Ausbau der Invalidenversicherung befaßt. Es ist der Meinung, daß angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und unserer reparationspolitischen Belastung eine auch nur teilweise Durchführung dieser Anträge nicht möglich ist. Die Reichsregierung bittet daher, von einer Weiterverfolgung der Anträge, die ja auch von den Antragstellern nur als ein zu er- strebendes Ziel bezeichnet worden sind, zurzeit Abstand zu nehmen. Der Neichsarboitsminsster stellte aber in Aussicht, daß zu der Frage, wieviel Versicherte oei einer Herabsetzung der Invaliditäts- grenze von 66K auf 50 Proz. Anspruch auf Rente erhalten würden, noch eingehende Erhebungen in Verbindung mit den Landesversiche- rungsanstalten auf Grund des bei diesen vorliegenden Materials angestellt werden sollen. Auch sollen Ermittlungen über U.nfang und Dauer der Arbeitslosigkoit der über SO Jahre alten Arbeiter vorgenommen werden. Der Ausschuß«rNärte sich in seiner Mehrheit mit den Aus- sührungen des Ministers einverstanden und vertagte feine Verhandlungen über diese Materie bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Ergebnis der Erhebungen vorliegen wird. Dabei sprach der Ausschuß den Wunsch aus, daß die Erhebungen tunlichst beschleunigt würden. Minister vor den Etaatsgerichishof. Sejm-Antrag gegen pilsudskis Finanzminister. Warschau, 27. Februar. Zur Tejn» wurde, wie im Morgeublatt bereits kurz berichtet, vor vollbesetztem Hause und vollbesetzter Ministerbauk über den Antrag der Linksparteien ver- handelt» wonach der jetzige Finanzminister Czecho» wie, wegen ungesetzlicher Etatüberschreitnng im Finanz- jähr 1827/23 um 300 Millionen Zloty vor den Ttaats- gerichtshof gestellt werden soll. Der Antrag wurde von dem Führer der demokratischen Bauern- partes Woznicki begründet, der es aus Rechtsgründen ablehnte. für die Etatüberschreitung die gesamte Regierung verantwortlich zu machen. Den Finanzminister verteidigten der Vizefinanzminister Gradinski. und der Finanzsachverständige des Regterungsblocks, Pro- fessor Kryzanowsti. Der Sejmmarschall machte den Vorschlag, den Antrag einer sünfzehngliedrigen Kommission zu überweisen, wie das schon einmal in einem ähnlichen Fall mit einer Anklage gegen den früheren rechtsstehenden Finanzminister Kucharski geschehen sei. Für die oppositionelle Rechte wollte der Fraktionsführer des nationalen Klubs, Professor Aybarski, das Wort ergreifen. Die Regierungsanhänger unterbrachen ihn aber mit stürmischen Zurufen und wiesen daraus hin. daß er als Unterstaatssekrctär des Finanz- Ministers Kucharski an Etatüberschreitungen beteiligt gewesen sei. Die Sitzung mußte infolge der Lärmszenen und des' Fortdauer« der Zusammenstöße zwischen Regierungsanhängern und der Oppo. sition unterbrochen werden., Nach Wiederaufnahme der Sitzung richtete der Sejmmarschall an das Haus einen Appell, die Redefreiheit eines jeden einzelnen Abgeordneten zu achten. Trotzdem erhob sich von den Bänken des Pilfudskt-Blocks ein betäubendes Geschrei, als der National- demokrat Ryborski die Rednertribüne wieder bestieg. Unter unaufhörlichem Rufen und Schreien der Anhänger der Regierungs- Parteien diktierte der Nationaldemokrat seine Rede den Steno- graphen ins Ohr. Nach einem Appell des Ministerpräsidenten Bartel, jie staatlichen Interessen im Auge zu behalten, schritt man zur namentlichen Abstimmung. Mit 219 gegen 132 Stimmen wurde endlich ein neuer Vermittlungsvorschlag des Sejmmarschalls an- genommtn, die Anklage zur Prüfung dem Haushaltung?. ausschuß zu überweisen. ver Albaner vucilerna, der»ach Einstellung des Derfahreus wegen Ermordung des Gesandtenmörders Bebi aus der Haft ent- lassen wurde, wii'-de wegen Ucbertretung des Wastenvatents von der Polizeidircklion Prag mit 24 Stunden Arrest bestraft, aus dem Ge- biet de? tschechoslowakischen Republik ausgewiesen und über die tschechostowakische Grenze gebracht. Stettin. 27. Februar. Zu Beginn der heutigen Verhandlung im Prozeß Heines und Genossen nahm Oberstaatsanwalt Saß im Hinblick auf die gestrige Beanstandung der Beröffenttichungen der Reichswehr durch die Ber- teidigung Veranlassung, sich dagegen zw wenden, daß in einem pom- merschen Blatt von der Tötung des„Verräters* Schmidt gesprochen worden ist. Die Anklagebehörde stehe auf dem Standpunkt, daß Schmidt durchaus kein Verräter gewesen sei und daß Heines«hn nur auf Grund eines ganz faden- scheinigen Verdachtes getötet habe. Sollte die Verteidi- gung dieser Veröffentlichung nahestehen, so bitte er um Vermeidung solcher Auslegungen. Rechtsanwalr Bloch wies diese Unterstellung zunick, während dck? Vorsitzend« die anwesenden Pressevertreter ersuchte, in ihren Berichten kein« etwaigen Feststellungen vorwegzunehmen Dann stellt« Rechtsanwalt Bloch sein« bereits angekündigten Beweisen- träge auf Ladung des Iustlzministers Dr. Schmidt, des Ministerial- direktors Dr. Herrmann vom Preußischen Justizministerium und des Kriminalkommissars Dr. Stumm von der Abteilung 1 A des Polizeipräsidiums. In der Begründung führte der Verteidiger aus, daß in der Reichstagssitzung vom 29. März 1928 der Kommunist Hölle in die Femehetze als„ganz schmutziges, parteipolitisches Wahlgeschäftsmanöver* bezeichnete und weiter erklärt habe, daß sozialdemokratische verantwortliche Minister in Preußen keinen Finger gerührt hätten, um die bereits im August 1923 in allen Einzelheiten bekannten Fememorde zur strajrechtlichen Ahn- dung zu bringen. Hinzu komme, daß im Urteil des Fememord- Prozesses Pannier betont sei, daß der Staat sich der Befolgung eines politischen Derbrechens auch dann nicht entziehen könne, wenn es zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangt sei. Die Angelegten als politische Ueberzeugungstäter hatten ein Reche dsraui, eine Antwort auf die Frag« zu erhalten, warum nur diejenigen verfolgt würden, deren Tat in der Oesfentlichkeit bekannt geworden fei. während die Strafverfolgung zahlreiche? gleichgclagerler Fälle. die zur Kenntnis der Behörde gelaugt seien, durch Anordnungen der Regierung angehalten worden seien. Im Anschluß hieran stellte Pros. Dr. Grimm«inen weiteren Eventualbeweisantrag für den Fall, daß die Amnestie in diesem Prozeß keine Anwendung sind« Er beantragte die Ladung des Reichsinnenministers Severins, sowie einer Reih« ehemaliger Staatsanwälte und Untersuchungsrichter des Ruhrreviers zum De- weile dafür, daß Straftaten, die im Ausammenhang mit den Geschehnissen des Jahres 1920 während und nach dem Papp-Pulsch begangen worden seien, aus Grund gewisser Richtlinien der BeHorden und einer bestimmten Berwaltungspraxis, wozu auch das van Seoering und Giesberts mit den Gewerkschaftsführern abgeschlossene Bielefelder Abkommen vom 24. März 1920 gehöre, nicht verfolgt worden seien, und schließlich verlangte Rechtsanwalt Graf n. d. Goltz die Ladung zweier früherer Staatsanwälte zum Beweis« dafür, daß auch bei der StaatsanwaUschoft Stettin die von Grimm erwähnte Praxis geübt worden sei, und daß z. B. Kommunisten, die in jener Zeit«inen Zahlmeister erschlagen hätten, auf Grund der allge- meinen Richtlinien der Behörden strafrechtlich nicht verfolfft worden seien. Die Angeklagten hätten Anspruch auf die Forderung: „Gleiches Recht für alle.* Muß es so sein? Die Elendspolonaise vor den Volksküchen. Ueber Groß-Berlin erstreckt sich ein verhältnismäßig dichtes Netz von städtischen Volksküchen, in denen an j«dem Mittag der unendlich großen Schar von Invaliden, Altrentnern, bedürftigen Arbeitslosen für wenig Geld oder gratis eine warme Mahlzeit ver- abreicht wird. Diese Einrichtung ist ohne Zweifel ein Verdienst der städtischen Verwaltung. Aber trotzdem, es darf nicht abgeleugnet werden, daß heute noch vieles mit Mängeln behastet ist, die bei einigem Verständnis und einiger Mühe abgestellt werden könnten. Es sei darum der Zweck dieser Ausführungen, einige der Oeffentlichkeit vor Augen zu führen und eine positiv« Kritik daran auszuüben. Warum gibt es in den Voltsküchen Neuköllns, Schönebcrgs usw. ein besseres Essen als in anderen Stadteilen? Warum, so fragen sich viele, die an jedem Mittag den Weg in die entfernteren Stadtteile nicht scheuen, um etwas kräftigeres Essen zu bekommen und dann die bstresfenden Stadt- 'küchen überfülleck? Wdhl wurde die«Hedem so zersplitterte Stadt vereinheitlicht und bekam einen einzigen„Kops". Aber ist nicht der Zweck dieses.Kopfes" die Schaffung einer disziplinierten Organi- sation und nicht die Konservierung von Privilegien der wohlhabenden oder sozial bewußter vertretenen Stadtbezirk«? Diese Frage verdient der korrekten Beantwortung und Behandlung. Volksküche Neukölln, Flughafenstraße. Ein besonders schwieriges Kapitel. Jedermann weiß, daß man dort«in besonders kräfttges Essen erhält. Und so strömen Hunderte, um zu warten, zu frieren und schließlich doch vergeblich gewartet zu haben. Besonders an Sonntagen, wo zudem die meisten Küchen geschlossen sind, setzt nach dort eine reich« Völkerwanderung «in. Es ist immer die gleiche Schar von Verbitterten, Entrechteten, hungrigen Armen und hilflosen Alten. Dsan wartet geduldig stunden- lang in der grimmigen Källe und schaut nur sehnsüchtig nach den geheizten Räumen, in die man durch die schmale rotbraune Tür hineinlugen kann. Dort in dem Raum postiert sich ein umformiericr Beamter. Polizei! Mit aufmerksam strengen Blick mustert er die Menge. Man schaut sich gegenseitig an und denkt: Sind wir Der- brecher, Schuldige? Nein, nein, es sind alles nur hilflose ge- brochene Menschen.„Ihr laßr die Armen schuldig sein...*„Garz genau wie im allen Polizeistaat!* ertönt müde, abgespannt und flüsternd eine Stimme. Die anderen hören es, aber nur die schweig- samen, gequälten Augen antworten und reden lauter als jede bereiete Sprache. Welches ist der Zweck des Schupobeamten? Ordnet er dieses Ehaos anstehender wartender Menschen, die im wilden Knäuel vor den warmen Räumen geballt, daß sie in leicht beweglicher! Reihen in dem geheizten Raum an den Zahllisch herantreten können? Nein. Er steht müßig beiseite, zeigt seinen Polizeiblick, und die Meng« fährt fort, sich zu schieben, zu drücken und vorzudrängen und draußen in der grimmigen Källe zu warten. Da tritt jemand aus der Meng« heraus, geht zu dem Beamten und sagt ihm höflich, wie man ordne» könnte. Der Schupobeamte mustert ihn nur schweigend. Nun will der junge Mann selbst Ordnung schaffen. Er erklärt der Menge, wie man sich aufzustellen hat. Aber man hört nicht auf ihn. Was Hot er uns zu sagen? denkt man nur und drängt sich weiter, um ja der erste zu sein. Nur der Polizist antwortet dem jungen Mann:„Reden Sie nicht soyiel?* So bleibt schließlich alles beim allen, bis der städtische Angestellte von der Küche au? verkündet: „Alle Fleischpartioncn sind ausgeteilt!* Alles Warten war nun vergeblich und in viele Herzen zieht Haß und Verbitterung ein. Man weiß: Die Aufgabe der Angestellten dieser Ausgabestelle ist an solchen Togen eine große. Aber muß alles so sein? �An die Laterne mit dem Kerl!" Prozeß nach einem Sturm auf dem Güterbahnhof. Di« Große Strafkammer des Landgerichts 1 hatte sich als Berufungsinstanz mit dem gerichtlichen Nachspiel einer stürmischen nächtlichen Szene aus dem Hamburger Güter- bahnhof am Spreeuser zu beschöstigen. Dort werden nach:? zwischen 2 und 3 Uhr die holländischen Gemüsezüge von den Großhändlern der Zentralmarkthall« entladen. Schon lange herrschte eine große Erregung. Man wollte näm- lich beobachtet haben, daß die Wagen des Großhändlers Gesch schon seit längerer Zeit in ausfälliger Weise zuerst an die Reihe kamen, während die anderen warten mußten. Man brachte diese Tatsache niit einer Bevorzugung Geichs durch den leitenden Stationsbeamten in Zusammenhang. Eines Morgens wuchs die Mißstimmung zu einem Sturm an. Di« entrüsteten Kon- kurrenten des Gesch schoben dessen Wagen zurück und rückten dem Beamten zulelbe, wobei der Ruf ertönte:„A n d i e L a t e r>i e m i t dem Kerl!* Als einer der Hauptbeteiligten und Rädelsführer wurde der Fuhrherr Rättig, der 16 Gespanne unterhält, herausgegriffen und wegen Landfriedensbruchs ange- klagt. Das Schöffengericht Mitte hatte den Angeklagten zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Bei dieser Berhandlung hatte sich ein aufsehenerregender Zwischenfall ereignet. Zwei Zeugen waren bei einem Scherzwort, das der Verteidiger in seinem Plädoyer gebrauchte, in lautschallendes Gelächter ausgebrochen. Der damalige Borsitzende hatte gegen die Zeugen wegen Ungebühr vor Gericht drei Tage Haft verlangt, und sie auch sofort abrühren lassen. Der eine Zeuge, ein Gemüsegroßhändler, war mit seinem eigenen Auto zum Gericht gekommen, und der Wagen stand nun stundenlang herrenlos an der Schutzinsel bei der Löwengruppe vor dem Alten Krimüralgericht, bis er am Abend von den Angestellten des in Halt genommenen Zeugen abgeholt wurde. In der Berhandlung war Gesch als Nebenkläger durch Rechtsanwalt Waller Bahn oertreten. Der Angeklagt«, der seine Teilnahme an der Zusammenrottung bestritt, hatte durch die Rechts- anwälle Dr. Puppe und Beschütz dreißig Zeugen laden lassen. Es soll u. a. Beweis für die Zustände aus dem Hamburger Güterbahnhof angetreten werden. Sprcchchor für Proletarische Feierstunden. Die zu morgen, Donnerstag, angesetzte Uebungsttunde kann wegen Verhinde- rang des Leiters nicht stattfinden. Sie findet bestimmt am Donnerstag. 7. März, statt. Deutscher Amokläufer in Ttew �ork. Schreckensszene ans der Llntergrvndbohn, 5 Personen verletzt. New Park, 27. Februar. Große Aufregung rief ein Mann hervor, der auf der Station Times Square der Untergrundbahn fein Unwesen trieb. Während der Hauptverkehrszeit zog der Mann ein riesiges Messer hervor und st a ch damit u m sich. Er verwundete fünf Personen. Die zu Hilfe gerufene Polizei drang nstt Schuß- waffen gegen diesen Amokläufer vor, wagte jedoch wegen der vielen Menschen nicht zu schießen. Schließlich gelang es ihr. den Mann niederzuringen, der als ein deutscher Einwanderer namens Kipp sestgestellt wurde. Krawall im Wohlfahrtsamt Mitte. Im Wohlfahrtsamt Mitte in der Chaussee- straße 4 2 kam es heut« vormittag zu Krawallen. Em Er» werbsloser, der von dem Lorsteher des Wohlfahrtsamtes mit einem Antrag zurückgewiesen wurde, schlug«ruf den Lorsteher ein. Ein« Polizeistreise, die herbeigerufen wurde, räumte das Wohlfahrtsamt und sperrte ans Veranlassung des Vorstehers das Amt ab. Die Arbeitslosen, die darüber verbittert waren, verimmnelten sich vor dem Haus« in der Chausseestraße. Schließlich gelang es der Polizei, die Ansammlung ohne Zwsschensäll« zu zerstreuen. Furchibare Benzinexplosion. In der Saalburgstraße zv Tempelhof. Heute mittag ereignete sich in der Benzinfabrik der Deutsch- Anrerikanischen Petroleum» Gesellschaft in der Taalburgstraße 4 in Kemperhof ein« schwere Gxplosion. Aus bisher«och ungeklärter Ursache flog ein Benzinbehälter mit 22 OOv Liter F n- halt unter gewaltiger Detonation in die Luft. Zahl- reiche Fensterscheibe« ber umliegenden Fabriken gingen in Trümmer. Menschen find, soweit bisher bekannt geworben, nicht zu Schaden gekommen. Die Feuerwehr ist bei RebaktionSschlust noch an ber Gjr- plosionsstelle tätig. Riegen Maschineustäruag konnte ein Teil unserer heutigen Fruhovsgabe den Abonnenten im Osten Berlins erst verspätet zugestellt«erde». Es bleibt beim ersten Llrieil. Verurteilung eines deutschnationalen SchimpfboldeS. 55or der Strafkammer des Landgerichts II hatte sich heute das Borltalchsmitglich Wodli der Deutfchnationolen Partei in Schöneberg wegen Vergehens gegen dos Republikschutzgesctz zu verantworten. Der Angeklagte, der das monatliche Nachrichtenblatt seiner Partei redigiert, hatte im Juli IS'28 einen Artikel über die politische Lage oerösfentlicht, in dem die sozialdemokratischen Mit- glieder der Reichsregierung aufs gründlichste b e> schimpft wurden. Es war davon die Rede, daß diese Köpfe einer Partei angehören, die den Landesverrat von jeher unterstüpt hat, und die immer auf der Seite zu finden sind, die Deutschland beschimpft und verrat. Am ärgsten wurde der R e i ch s f t n a n z m i n l st e r chilferding b e s ch i m p s t. von dem gesagt wurde, dah er stark ausgeprägte Züge eines betrügerischen Börsenmaklers trage. Dos Schöffengericht hatte damals wegen Mißachtung der republikanischen Staatsverfassung durch Beschimpfung von Mitgliedern ihrer Reichs' regierung auf eine Straf« von 4Ü0 Mark erkannt. Staatsanwalt und Angeklagter legten Berufung ein. Die Strafkammer verwarf heute beide Berufungen und bestätigte das Urteil erster Instanz. ®a* größte Teleskop. Eine modern« Unioerfitäts-Sternwarle ist die Sternwarte Bodelsberg zwischen Berlin und Potsdam. Unser Bild zeigt den großen photographischen Refraktor,«in sehr kompliziertes und äußerst leistungsfähiges Gerät. Das große Spiegelteleskop der Sternwarte in Neubabelsberg. in den Zeih. Werken in Jena erbaut, ist' das größte in Europa. Die Bewegung der durch Gegengewichte ausgeglichenen Masten erfolgt zur Einstellung des Teleskops durch Elektromotoren. Im Dienste der Menschlichkeit. Seinen sechzigsten Geburtstag begeht heute unser in ter Berliner Arbeiter- und Zhilturbewegung wohlbekannter Genosse Dr. Richard Sußmann. Als Söhn eines schlesstchen Kauf- mann« geboren, wurde er in Berlin vielbeschäftigter Augenarzt und wandte stch schon zeitig aus idealem Interesse dem Sozialismus zu. Bor einem Menschenaller stand«r in der sozialistischen Akademiker- bewegung, der er, als eifriges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft so- zialdomokratischer Aerzt«. noch heut« angehört. Aber auch die G«. lamtbewegung kennt ihn gut. Cr war einer der eifrigsten Förderer unseres vergangenen Charlottenburger Volkshauses, des Charlotten. burger freien Kindergartens, den seine Frau, Genossin Toni Suß- inann, gegründet hall«, bis er dem Verbot der kirchen- und königs- treuen Potsdamer Regierung erlog, und unseres noch jeßt blühenden Jugendheims in der Rosinenstraße. Im Krieg'wunde er als einer der ersten in Groß-Berlin sozialdemokratischer Stadtrat und blieb es. solang« die Stärke unserer Fraktion uns dZ, Anspruch gab, ge- hört auch noch heute mehreren Deputattonen des Bezirks an. Wer ihm ober näher stehen durste, den lauteren Sinn nie cnnüdender Güte und Herzlichkell und den unermüdlichen Eiser für Volkswohl und Wistenschafi erfahren hat, die von ihm ausgehen, der wird aus Anlaß dieses Tages ihm gerne noch manches Jahr kraftvoller Wirt- samkeit zum Wohl unserer Bewegung wünschen. Werdegang der russischen Revolution. Dieses Dhsma behandelt« Prosestor Mark Abramowitsch» I e f i m o f in einer gut besuclsten Mitgliederversammlung des Kreises Tiergarten. Das Jillerestante an diesem Bor- trag« war vor allen Dingen die Art und Weise der Behandlung des Themas, noch dazu von einem russischen Genosten, der sich erst wenige Jahre in Deutschland aufhält, und der berells die deutsch« Sprache geradezu meisterhaft beherrscht. Ja. so meisterhaft, daß die Spannung der Zuhörer erst nach dem legten Worte wich und durch starken Beifall abgelöst wurde. Aber nicht nur in der Form, son- dern auch inhaltlich war der Bortrog hervorragend. Es wurden zu- nächst Grundbegriffe, wie Revolution, Reoolle, Konterrevolution, Älaste und verwandte Begriffe vom soziologischen Standpunkt mll schr klaren und einfachen Worten deiimert. Dann gab der Bor- tragende ein Bild der g-sellschostlichen Schichtung dar russischen Ve- oökkerung seit der Mille des vorigen Jahrhunderts. Die Entwicklung der Industrie und das Auftreten der Intellektuellen resp. die Kenntnis und Erkenntnis dieser letzteren Schicht über die Wirtschaft. lichen und sozialen Zusammenhänge und Bevhältmsse ihrer Volks. genossen gab Deranlaffung zu Taten und Geschehnisten. die im An- sang des 20. Jahrhunderts bis zum heutigen Tag« ihren Ausdruck im Bolschewismus fand. Wie der Bolschewismus zur Staatsgewall kam, welche Mission er erfüllt und welche Aussichien er haben wird, dos soll von Abramowllsch ün zweiten Teil seines Bortroges am kommenden Donnerstag im Kreis Tiergarten behandelt werden. Gchallplattenfchau/ Ztrbeiterchörc. Nach längerer Pause bringt Ho. wieder eine Reihe von A r- beiterchorplatten aus den Markt, aus den Weltmarkt, der sich gerade für diesen Zweig der Produktion besonder» einpsönglich zeigt. Das bedeutet nicht mir ermutigende Anerkennung für das bisher Geleistete: als unmittelbarer Widerhall bestätigt es zugleich, wie rege heute das Jnteresie ist, mit dem weite Kreise am Ausstieg des deutschen Arbeiterchorgesangs teilnehmen. Diesmal kommt vor ollem der Männer- und Frauenchor Leipzig-West mit einer onfehn- lichen Folge neuer Ausnahmen heraus. Man erinnert sich, daß die Leipziger unter dem ausgezeichneten Dirigenten Paul Michael in Hannover fast sensationellen Erfolg hatten. Zwei damals gehörte Männerchör«, schwierige Stücke von Lendvai—„Die Erde bebt" (Dichtung von Schönlank) und„Ausruf"— erscheinen nun auch aus der Platte in mustergültiger Wiedergabe. Auch in Gesängen von Jos. Scheu—„An die Geduld" und„Bei' und arbeit'"— und in einfacher gehaltenen Volksweisen gibt die Abteilung Monnerchor durchaus Erfreuliches. Viel weniger gelungen, erstaunlicherweis«, sind die Darbietungen des gemischten Chors: ungleich im Klang, und in Otto de Nobels„Morgenrot" sinkt die Tonhöhe bedenklich. Das soll nicht verschwiegen, doch heute besonders noch auf die gute Leistung des Berliner U t h ma n n- Chors hingewissen werden: die „Internationale" und Guggenbuhlers„Gesang der Völker", rein und klar gesungen, gelangen unter Siegsried Günthers Leitung(mit Bläser chor) zu starker Wirkung Oper. Eine große Sache: bei El. erscheint Puccmis„Boheme", die ganze Oper, in einer Serie von 13 Platten: wiedergegeben durch die Kräfte der Mailänder Seaka, dos ganz« Ensemble— Solisten, Chor, Orchester— unter Führung de» Dirigenten Carlo S a b a s n o. Die Wiedergabe der Partitur, vor allem, was musikalisches Zusammenspiel betrifft, ist in der Tat auf höchster Stufe, und an Differenziertheit und Plastik des Klanges erreichen diese Platten einen überraschenden Grad relativer Bollkommenheit. Uebrigens wird dos Werk ungekürzt, wie es nun hier vor- liegt, am l. März um 2l Uhr durch den Frankfurter Sender übertragen, die italienische Opernausführung geradenwegs dem deutschen Publikum ins Haus geliefert werdm. Sehr schön und in bester stimmlicher Disposition fingt Mafalda S a l v a t i n i die erste Arie der Aido(O.). Das Duell Nedda-Silvio aus„Bajazzo" kommt durch zwei ausgesuchte italienische Stimmen —«ine Berühmtheit mll Recht der Sopran: Rosetta Pampa- n i n i— zu so guter Wirkung, wie es dieser Musik möglich ist(C.), der prachtvolle Baß des Russen Michail G i t o w s k y ist in zwei bekannten Opernnummern(aus der„Jüdin" und aus„Eugen Onegin") zu hören: auch im Lied der Wolgaschisser, hier in Ton und Ausdruck unüberhörbar an Schaljapin anklingend(Ho.). Weitere Opernattraktion bei Ho.: H. H. Rissen, der Münchener Heldenbariton, in der Holländer-Arie: groß«, schöne Stimmen, Sänger von Rang,«in bißchen tonoenttonell im Vortrag. Bei P.: Emanuel List als Hagen: in der„Wacht" und vor allem in der Wer regiert im Volksfilmverband? Aon einem Mllläuser des Volksfilmverbondes, dein immer voch Sozialdemokraten anzugehören scheinen, wird uns ge» schrieben: Würde man die Frag« anders stellen, etwa so:„Ist der Volks- filmverband eine ioeninumsttsche Organisation", dann würbe ein großes Geschrei unter den Getäuschten, den Mitläufern und in der kommunistischen Fraktion des Verbandes anheben. In der Tat wird die Antwort auf beide Fragen die gleich« fein. Als im Ansang des Jahres 1927 der Dolksfilmoerband unter der Asistenz prominenter Namen als Kampforganisotton gegen Filmreaktion, gegen Kittch und Schund gegründet wurde, durfte man die Hoffnung hegen, daß unter der umsichtigen Leitung Rudolf Schwarzkopss ein« Besucherorgani- sation entstehen würde, die für den Film einmal«in« ebenso große Bedeutung haben würde, wie sie die Organisation der Volksbühnen- oerein« für da» Theater wirtlich besitzt. Aus irgendwelchen undurchsichtigen Gründen schied Schwarz- köpf aus dem Vorstand des VFB. aus und legte seinen Posten als Sekretär der Berliner Bezirksleitung nieder. Sein Nachfolger wurde Dr. Franz H ö l l e r i n g. der jetzige Chefredakteur der AJZ. In diese Zell fällt das verschleiert« Eingreisen der KPD. in den Auf- bau des DFB- Willy Münzenberg wurde mit der Wahr- »ehmung der Interessen der Partei beauftragt. Er organisiert« im Juni vorigen Jahres die Fraktion, ließ durch die von Porteimit- gliedern besetzte Berliner Bezirksleitung die Helfer und Obleute prüfen und wenn nötig diese ehrenamtlichen Arbeiten von Partei- Mitgliedern erledigen. Von Oktober ab leitete das Berliner Bureau der Kommunist Erich Lang, mit Unlerstiitzung seiner Schwester als Haupt- kassiererin. Die Versprechungen, welche Lang« damals vor den Dertrauensleute der Partei gemacht hatte, war er nicht imstande emgiilöfen. Für die Leitung des Volksfilmverbandes, Bezirk Berlin, mit sieben bis achttausend Mitgliedern wrrr er untauglich. Die ganze Orgarnsatton bröckelte, di« Veranstaltungen litten immer wieder unter dem Mangel ungenügender Vorbereitungen, die Helserschait war nicht willig genug, und seine Parteisreunde machten ihm wäh- rend der Fraktionssitzungen viel« Vorhaltungen. Durch falsche Ter- mirllestlegungen für die Ionuavoeranstaltungen und infolge etwas selbstherrlich« Dispositionen hatte der Verband in Berlin einen Manko zwischen 130» bis 2000 Mark. lhott« Münzenberg bis dahin die Gelder bereitwilligst zur Vcr- sügixng gestellt, so macht« er jetzt Longe und dessen Schwester solche Schwierigkellen, daß sie kündigen mußten. Dem dritten Genossen im Bureau in der Friebrichstraße stellte man die Kündigung auch anheim. Aber noch«in weiter« Umstand erzwang di«„freiwillige" Kündigung. Lang« und Freunde gehörten eben der rechten Opposition in der Parte.! an und waren Abonennten des Breslauer Blattes „Gegen den Strom". Lange und Verwandtschaft ist gegangen. Münzenderg hat den Sekretär der JAHS. Schrecker mll der Leitung des Berlin« Bezirksbureaus de» VFD. beauftragt. Was wird setzt au» dem Dolkvfilmveiband weiden? Wann wird « sich nach außen hin als kommunistische Organisation entpuppen? Borlöulig gehören dem Reichsnorstand noch Leute w'e Heinrich Mann und Leo L a n i a an. Werden sie mit ihren gute» Namen noch lang« den kommuinsttschen Bolkssilmoeiband decken und den Interessen Münzenbergs dienen? Musik. Don Klaus pringsheim. Mannenszene aus der„Götterdämmerung". Allzu gewaltig in der Tongebung und nicht ohne Monotonie, doch sehr eindringlich in der Grundhaltung. Die Platte ist leider wenig glücklich im Orchester- klang: die Instrumente der tiefen Lage bleiben fast unhörbor. Man sollte gerade bei Wagner-Aufnahmen den Sänger nicht in solchem Maße akustisch dominieren lasse». Endlich: Richard Tauber stellt sich in Bruchstücken aus„Tiefland"(O.) als Opernsänger wieder in die erst« Reihe: schade, daß er's mir nach durch Vermittlung der Schallplatte tut. Orchestei-. Von zwei bedeutenden Neuerscheinungen ist vor allem zu reden: die«stc Sinfonie von Vrahms liegt nun in Vollendung vor(P.): von Klemperer groß und stark gestaltet. Und C. bringt S t r a v i n s k y s„Petruschka" in vorbildlicher Wiedergabe: die Ausführung Hot der Komponist persönlich geleitet. Der Klang dieses Strawinsky-Orchffters, bei uns ein« höchst sensationelle, aufregende Sache noch vor wenigen Jahren, überträgt sich klar und mit beinahe verblüffender Selbstverständlichkeit Dar allem der dritte Test, mit den Johrmarttizencn des letzten Bildes, macht sich ausgezeichnet. Auch wer dos Werk nie gehört hat, erhält davon ein« deutlich« Vor- stellung und einen starken Eindruck Ein« andere Sache, weniger problematisch, doch gewiß nicht weniger willkommen: Mozarts„Meine Nachtmusik'(El.), von Leo Blech dirigiert: auch akustisch ist die Aufnahme außerordentlich gelungen. Daß der.Durchsichtig«" Klang des Mozart-Orchesters, hier des Streichorchesters, sich besonders für die Wiedergabe durch di« Schallplatte eignet, bestätigt sich von neuem. Und willkommen mag auch der„Rosenlävalier"-Walzer sein, den die Staats- k a p e l l e(unter Dr. Weißmanns Leitung) tonschon imd mit elastischem Rhythmus spielt(O.). Kammermusik. Auch hier«ine Neuerscheinung größeren Formats: auf V.-Platten (die an Fülle und Ausgeglichenheit des Klangs neuerdings merklich gewonnen haben) das Forellenquintett von Schubert. Das hohe Niveau der Ausführung ist durch den Namen des Guarneri- Quartetts gekennzeichnet, das durch die Pianistin R i d e r- P o> s a r t und den Meisterkontra bossisten der Philharmonie, Lebrecht Gaedecke, ergänzt wird. Mit Virtuosität und musikalischem Elan spielt Erika M o r i n i, Geigerin von internationalem Ruf, kleinere Sachen von Sarasate(El.). Und Ho. bringt Jnttm-Pianistischcs, allerdings in einer Reihe von Platten, die dem Mavierton noch einiges schuldig bleiben. Mieczyslaw Münz läßt in Stücken von Ravel und Scriabine vermuten, daß er ein seiner Pianist ist: und Walter G i e s« t i n g wendet seine selten« Kunst an reizvolle Kleinig- kellen von Debusiy, soweit er sie nicht an verstaubte Bagatellen von Grieg verschwendet. Endlich ist auf ein Kammeroktett hinzuweisen, das auf einer C.-Platte Bearbeitungen aus„Mignon", an sich«in fragwürdiges Unternehmen, mit exzessiver Sauberkeit zum Dortrag bringt. Abkürzungen: C.— Eolumbia: El.— Electrola: Ho.~ Homocord: O.— Odcon: P.=- Parlophon: V.— Box. Ein Totentanz. Gastspiel von Haas-Berkow. Wir haben es schon oft erlebt: die Großstadt ist für die religiöse Romantik mittelallerlicher Volkssptele kein Boden mehr. Das mußte auch Gottfried Haas-Berkow erfahren, der es unternahm, uns für ein„P a ro d e i s s p i e l" und«inen„Totentanz" zu de- geistern. In der Musikhochschule gastierte er mit seiner Truppe. Es hatte sich ein Publikum zusammengesunden, von den, — deutlich erkennbar— ein ganzer Teil seine große Lieb« dem Dolkstümlichen geschenkt hat. Trotzdem fand dos naive Poradeis- spiel, dos bei einem Jugendfest im Freien vielleicht eindrucksvoll wirken kann, eine laue Aufnahme. Der„Totentanz" begann mit einem Vorspiel, in dem drei Engel die fünf Todesarten verkünden. Zu diesem Zweck marschieren sie mit rhythmischen Bewegungen auf die Bühne und vollführen«in« Art gymnosttscher Bewegung, als seien sie eben aus Rudolf Steiners«urhythmischer Schule gekommen. Danach schlagen Türen hart zu(das gehört wahrscheinlich nicht zum Programm, wird aber vom Zuschauer fast so aufgefaßt, da sonst nichts weiter zu sehen und zu hören ist). Es folgt ein musikalisches Zwischenspiel mit einigen Unterbrechungen. Nach vieler, vieler Langeweile beginnt der Totentanz. Und nun tut es einem mehr mehr um diesen Abend leid. Denn dieser Tanz ist Kunst. Der Tod führt einen Reigen von zehn Personen an: Kaiser, Abt. Matrone und Jungsrau sind im Zug. ganz wie auf den allen Bildern. Aber wie hier jedem sein Bewegungs- stil gegeben ist, wie der Tod sich jeden einzeln herausgreift und ihn seinen eigenen Totentanz tanzen läßt— das ist fiir den Zuschauer «in ganz großes Erlebnis. e. z, Die llslandsischer wandern aus. Dieser Tage fand die au» Pierre Lotis Roman„Jslandfischer" bekannte Einsegnung der Islandfisehcr in St. Malo statt, die durch den Kardinal von Rennes für die zum Jslandfang auslausenden Fischerboote vorgenommen wurde. Auch in diesem Jahr ist die Zahl der Fangboote bedeutend zurückgegangen, und zwar von 220 auf 80. In der Ansprache des Präsekten wurde darauf hingewiesen, daß der Berus der bretonischen Jslandfischer sich immer weniger lohnend gestatte, so daß in absehbarer Zeit sich die ganze Zeremonie erübrigen würde. Im letzten Jahr sind nicht weniger als 400 Fischerfamilien von der bretonischen Küste ausgewandert. Sine GkdIal»ou»sIeUuli-i tür Friedrich kplelhagen. 0m Märkische» Mull uni in Berlin ist aiiläjjlick de« bundeilsien Geburtstag« LvielbagenS eine Gedächtni«au«>lellung erötinet morden. Die Ausstellung zeigt neben Porträt« de« Dichter« und seines Freundeskreise« Manulkripte und Erst- ausgaben, zeitgelchichiliche Dokumente. Kritiken u. a. zu de» Romane,- Spielhagent. vorkrSg«. In Verbindung mit der AuSsteUung.Denkmäler altrusiischer Malerei" veranstaltet die Deutsche Geselllchast zum Studium Osteuropa» in der Staatlichen Kunitbibliotbek. Vrinz-AIbrecht Strake 7». vier unentgeltliche Lichtbildervorträg«. Heute 8 Ubr töricht Pros. Blabor-MoSkau über»Die Entdeckung der altrussischen Ikonenmalerei". Eine SchouspIeler.Nachlvorflelluug van..Herr und Frau So und So' findet heute, nacht» ll>/, Uhr, in der Tribüne statt. Ducke tzffllch wurde für di« kommende Spielzeit de« Deutschen Theater verpflichtet. Ekaplk«« E-trenkura Cbailie Chaplin, der irieF» kiest, an«Ire'- »ergnturia erlranll lein lollie. ieibet tatsächlich an einer akuten Blinddarmentzündung. Die Aerzte beraten nach, ob e» ratsam ist, eine Operallon vorzuoehmen. Es bleibt beim S-tthr-Haustürfchluß! Vund Aerliner Haus- und Grundbesitzer will nicht zahlen. Nochdcn? eine Dclegiertenoersanimlung des Bundes der Ber- Lrrer Haus- und Grundbesitzer am 26. Navember 1928 beschlossen hatte, die Häuser um 9 Uhr resp. 10 Uhr zu schließen, sah sich der Deutsche Portieroerband oeranlaßt, unter Berufung auf 8 13 des am 1. Oktober o. I. abgeschlossenen Tarisoertrages, eine Erhöhung der Lohnbezüge zu fordern. Bei den zweimaligen Verhandlungen vor dem Schlichtungsaus- schliß gaben die Vertreter des Bundes der Berliner Haus- und Grundbesitzer die Erklärung ab, daß an eine Erhöhung d« Beztlg«.«ich rmt um Pftttnlg.«W zu deitf» wäre. Nur der Vertreter der Freien Haus- und Grundbesitzer-Ver- einigung erklärte sich bereit, für diese Mehrleistung auch eine Mchrbezahlung, wenn auch in geringem Maße, anzuerkennen. Der Schlichtungsausschuß hat dann nach längerer Beratung den Por- teien einen Vergleichsvorschlog unterbreitet, welcher ein« ganz minimale Bezahlung in Höhe von 3 bis 13 Mark je Monat vorsieht. Obwohl die Bezahlung bei weitem nicht den Wünschen der Portiers entspricht, nahm der Deutsche Portierverband diesen Verglcichsvooschlag an. Auch die Freie Haus- und Grundbesitzer- Vereinigung akzeptierte diesen Vorschlag. Trotz dieser ungemein niedrig vorgesehenen Bezahlung lehnte der Bund der Berliner Haus- und Grundbesitzer diesen auch mit den Stimmen der Haus- besitzer im Schlichtuiigsausschuß zustande gekommenen Vcrgleichsvor- schlag a€, so daß« Se! Sem alt«» Zustaub verttilfi, d. h. die Häuser werden um 8 Uhr geschlossen, Die Verantwortung vor der Oessentlichkeit muß der Bund Ber- liner Haus- und Grundbesitzer tragen. für Berlin: Meist wolkig mit Neigung zu einzelnen a, weiterhin kalt, nördliche Winde.— Für Deutschland: Bellet Schneefällen,___,..__ In Süddeutschland weiterer TemperaturrückganA mit stärkeren Schneesällen, im Norden nur vereinzelt etwas Schnee bei wenig veränderten Temperaturen. Vkrlin: Aiuelgen: LH. 9\ait, Berlin. Verlag: Vorwiirts Verlag V. m. B. H..»erlin, Druck: Borwärt, Bi.Ä> druckersi und �erlQgsanstalt Paul Singer 5c 60., Berlin SW 68, Lindcnstraße 2. Derantwortl.'2r die Redaktion: Volfgang Schwan, Berlin. Verlag: Vorworts Verlag®. m. b. H., Berlin. Hierzu 1 Beilage. Ein fcsllwg für Ho« Ist die morgen um 11 Uhr stattfindende Eröffnung !WM!!>!!!!IIIMWWWWMIÜW!Z SS|- Sensationeile"6c Eröffnungs-Preise Herren-Socke modern« Mutter, gut« Qu«Ii tat Erdflnungeprcie Diese�reis��elte�mjMi�unsei�r�Rnal�JN�ul� IKeatsr, lictitlpioie ubv. Iheiter fleswesjm] Tagt. 8'. Uhr Oer gröht« Erfolg Berlins Friederike itt von CcDot" Gnla Thellmonn »rl Ziegler iai«ov Slrn) Jrtt, Xlmbora, »ra, Svslrr, icmuin>,»er, mtnnb Raffe inlerbrachen iei.93tn.Ti�o Trianon-Th, Täglich 8V« Uhr Verschwörer von Lampel Aditunö, Aditnnä! Hier Arbeitsamt Berlin-Mitte. Im März geben wir durch Rundfunk an den Wochentagen DiensfalDonnerslafi».Sonnabend um 1S.30 llhr für Arbeiter und Angestellte wichtige Mitteilungen über otiene Arbeitsplätze, Lehrstellen, über Neuerungen in der Arbeitslosenvefsicherung und andere arbeitsmarktpolitische Angelegenheiten. Die Arbeiter und Angestellten hören diese Mitteilungen regelmäßig ab. Cafe International Neukölln, Berliner Straße 80/81 Tag» und Nacht-Betrieb von 3 Uhr früh bis 2 Uhr nachts Tag und Nacht Musik[c. f. ms Barsowsky- Bahnen Theater in«er XHniggritier Straße Uhr Revolle im ErziebuoBshaus Schauspiel von P. M. Lampe'. Komödienhaus SV« hr Das Gold aut der Straße Untnr t. Bcmauer u. Oeslerreicher Renaissance- Theater Hardenberg str. S. Tel.: Stempl. 901 u. 2583 84 Ä' iL'hr. Zum 69. Male: 6« Uhr Die Welterfolgskomödi© „Das große ABC" von Marcel Facnol Pei Enst. Hariing. Ißprenilerendnag. fhalia-Iheater Jresdener Str. 7Z-7. 8 Uhr „Oelrausch" Hermann Borsmann Baumschulenweg Baumschulenstr. ÖV EcKe Kiefholzstraße H4 Tel.: Oberspree(F i) 1527 Sitte aal die Edte za aditea Berliner Börgerbräu Gut gepflegte Speisen und Getränke Partei- und Reichsbannerlokal. öieiDes laeaiei riglich S1'« Jlv Kort Goetx, Walerle v. Marlens Paal Otto „Trio" Lustsp v.Leo Lenz. Regat*-. Friedmann' Frederich. 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Dabei hat es, zwar nicht in Deutschland, ober in Frankreich Zeiten gegeben, in denen der Soldat, unbeschadet der Kriegstüchtigkeit und Schlogsertigkeit der Truppe, politische Rechte besah und ausübte. Wie die Grohe Revolution nur dadurch zum roschen Erfolg durchstieß, dah das ausgebotene Militär, mit revolutionärem Gärstoff durchsetzt, sich mit den oussiändiichen Bürgern verbrüderte, so sah sich durch diese atemraubende Umwälzung der Soldat auch zum ersten Male in die Politik hincingefchleudert. Wohl hasteten auch die revÄutivnären Machthaber anfangs noch an der Vor- ftcllung, dah Politik und Disziplin einander ausschlössen: die Konstituante verbot durch Dekret vom 19. September 1799„allen Bereinigungen und Gesellschaften, unter irgendeinem Borwand Berbindung mit den französischen, Schweizer und fremden Regimentern zu unterhalten, die die Armee bilden", aber sechs Monate später oerbreitete sich als Abgeordneter Alexandre de Beauharnais. der erste Gatte der späteren Kaiserin Josephine, in einem Bericht in ganz anderem Sinn« über die militärisch« Disziplin:„3ti einem freien Staat, wo die Arme« nicht aus Automaten besteht, müssen die Soldaten die militärischen Gesetze kennen lernen und können sich ohne Gefahr über Inhalt und Zubehör der Bersassung umerrichten, in der sie«inen wichtigen Platz einnehmen... Di« Ausschüssecn»> Monlag von•.>0—22 Uiiv in der Turnhalle Bürgerheimstraßr. Alle, die am Viihnonwcitstreit im Mercedes- Palast mitwirken, müsse» zur Ichten Probe erscheinen. FTSP.. Südoftea. Treptow. Am lommcndc» Sonnabend fallt der Heimabend aus. Dafür Sonnten, 8. März, gahrt Hanaelsberg— Strausbera. Treffpunll! 7?« Uhr Stodtdahn Warschauer Sirrtije.— Schwiwmbezirk StTcuzberq. Nächster Badeobend lZreitog. l. März. 19— Uhr, kleine Halle. Bärwaidstrahe. Alles erscheint! denkt an dos Hallcnschwimmfest!— Bezirk Pankow. Heute, Donner». tag, 20 Uhr. bei Klemm. Uebe» aller Teilnchmer am Btihncnwettstreit. Anschließend tzunktionärjilznng cbcndort. Bezirk Oberspree, tzusainmenlurnen aller Mitglieder Donnerstag, 28/ Febriläk,"Turnhalle Rudower Straße. Alle Hanbballipicler müssen bestimmt erscheinen. Freie Schwimmer«harlatieabnrg e. B. Die Badeanstalt tkrumu.e Straße ist wieder geSisnet. Heute. UM Uhr, Uebungassunde wie gewohnlich. USA.-Hacke». Anschrift: 38. Biepiecht. O. 112, Petienloscrstr. 16. Sitzung: Mittwoch. 27. Februar, AI Uhr, bei Wegner, Frankfurter Allee 280. Das Spiel mit dem Tode. Vor neuen Weltrckordversudicn in Ucbcr-Rennwagcn. Die Jagd nach dem Rekord hat s6>an vielcn da- Leben gekostet, ober immer wieder wird dos Spiel mit dem Tode aufs neue be- gönnen. Mit ungeheuren Kosten werden überdimensionierte Renn- automobile konstruiert und gebaut, lediglich zu dem Zweck, den bestehenden Goschwindigkeits-Wcltrekord um ein paar Stundenkilometer zu überbieten. Di« Wellhöchstleistung über einen Kilometer mit sliegendem Start gehört gegenwärtig dem englischen Major S e g r a v e und wurde am 29. März 1927 mit einem 24zylindrigcn, 1000 PS starten Sunbeam-Rennwagen an der Küste von Doyton Beach in Florida mit 326,678 Stundenktlo- meiern aufgestellt. Ein Jahr später, am 22. April!928, holte der Amerikaner Ray Ä c« ch an gleicher Stelle mit einem ZKzylin- drigen Triplex-White-Spezialrennwagen über die englische Meile so- gar eine mittlere Sttindcngeschwindigkeit von 3 34,022 Kilo- meiern heraus. Diese Rekordleistungen zu überbieten, sind drei wagemutige Rennfahrer am Werke. Zwei von ihnen, Major Segrave aus seiner Neukonstruktion„Goldener Pseil" und der?lmeritaner Ralph de Palma mit jenem 36zylindrigen Triplex-White haben sich wieder den meilenweit ebenen Strand von Dayton Beach als Versuchsfeld für ihre Rekordfahrten ausgewählt. Noch einer Reihe von „Trainingssahrten", die am 1. März beginnen sollen, sind für die zweite Märzhälste die offiziellen Rekordversuche mit elektrischer Zeitmesiung angesetzt. Der dritte Weltrekordjäger ist der Engländer Eapt. MalcolinCampbell. Mit der Rennstrecke In Dayton Beach nicht zufrieden, mochte er sich auf die Suche nach einem noch besser geeigneten Nekordseld, daß er nach einer an Strapazen reichen Fahrt durch Afrika im Süden des schwarzen Erdteils schließlich auch gefunden Hot. Die Tatsache, daß die Rekordversuche in der Wüste stattfinden, verleiht dem Unternehmen Campbell? eine be- sonders interessante Note, sind doch hier ganz andere Bedingungen vorhanden als in Florida. Da- Rekordfeid Campbells ist ein mit„Berneuk Pau" bezeich. netes Hochplateau, etwa 400 Meilen von Capstadt entfernt. Dieser 3000 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Landstieisen war früher sumpfig, doch hat ldie heiße Sonne Afrikas die Oberfläche so ausgetrocknet, daß sie steinhart geworden und fast so eben ist wie Asphalt. Gegenwärtig sind Campbells Leute damit beschäftigt, eine 22.3 Kilometer lange und mehrere Kilometer breite Rennstrecke herzustellen, die sich nach der Bearbeitung mit Motorwalzen glatt wie ein Billardbreit präsentieren wird. Zwei Fragen von weseut- lichcr Bedeutung, die noch der praktischen Lösung harren, sind die, wie sich einmal der in 3000 Meter höhe natürlich geringere Sauei- stoffgehalt der Luft auf die Arbeit des Motors auswirkt, und zum anderen, inwieweit das Fahrzeug seine Geschwindigkeit durch den geringeren Luftwiderstand steigern kann. Eine kurze Schilderung der örtlichen Verhältnisse dürste nicht uninteressant sein, sie läßt vor allem die ungeheuren Schwierigkeiten erkennen, mit denen Campbell zu kämpfen hat. Die Rekordstrecke liegt tatsächlich mitten in der Wüste. Die nächste Bahnstation befindet sich zirka 145 Kilometer davon entfernt und Spezialzüge werden die Zuschauer an den Rekordtngen mir bis hierher befördern, von wo aus man dann vermittels Autoomni- busien Iveitertransportiert wird. Eine besondere Schwierigkeit stellt die notwendige Versorgung mit Wasser für die zu er- wartende Menschenmenge dar. Die Automobilbesitzer und Klubs streiten sich bereits über die besten Zufahrtsstraßen, und es werden besondere Landkarten herausgegeben, aus denen die Punkte ein- gezeichnet sind, wo man Wasser finden kann. Berneuk Pau ist ein richtiger Wllstenort. Regenfälle sind äußerst selten. Die nächste Quelle befindet sich„nur" zehn Kilometer vom Lager Campbells entfernt und enthält nur brackiges, lauwarmes Wasser, da hier eine Temperatur von 30 Grad im Schatten zu herrschen pflegt.'Auch mit dem Boden ist es schlecht bestellt, denn die nächste Stadt, die solchen Komfort bietet, ist nicht weniger als 97 Kilometer entfernt. Kf .reinigt �Besondere Spe&ialiläl unserer 3)ampfwäscherei Herren-Stärkewäsche Tischwäsche Roll- Presswäsche Ubovcill Filialen Posl-versand Berlin SO 16, Rungestr.i&l Fernspr. FT�Iannowihz 6436 ** ßifchifite-Jbtyäggr �=> (Bezivfc füden-Wefien. an den Piakaie Ansdilagsäulen in Oroß-Berlin haben stets Erfolge. Ausführung durch die Berliner Anschlag- und Reklamewesen G.m.b.H. Berlin SWI9, Qrünstr.\T20, Fernspr.: E 1 Berolina 5991 „Bereh* VORMALS MALEREIQENOSSENSCHAFT GEORÜNDET 1912 N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR. 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