Morgenausgabe Nr. 99 A 50 46. Znhrgang D5chenwch 85 monatlich 5�0«. tm voraus zahlbar. Postbezug 4,82®t «'inschließlich 60Pfg.PoftzeitungS- und 72Pfg Postbestellgebühren. Zluslands- abonnemeat 6.— M. pro Monat. Der„Vorwärts" erscheint wochentäg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Beilogen„Volk und Zeit" und„Kinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen",„Frauen» stimme".„Technik".„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" Berliner SMüMott Donnerstag 28. Februar 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Di« einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Retlame'eile ö.— Reich?» mark.„Kleine Anzeigen' dos ettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedrucne Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben ählen für zwei Worte. Arbeitsmartt eile S0 Pfennig. Famillenanzeigen für »ten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm» im Hauptgeschäft Linden- siraße 8. wochentägl. von 8'/� bis 17 Uhr« Jentralovgan der GoziawemoSvatilchen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 3 gemlprelber Tönbosl 292—297 Telegramm-Ldr.: 6ojtalbentofrat Berlw Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Doltlidelkkonto: Berlui S7KZS— Bankkonto: Bank der Srdnter, Sngeftellt«« nnd Beamten Wallftr. KS Dtttonto-Gelellschakt. DepositenkaNe Lwdenstr S Oer britische Wahlkampf beginnt. Die Arbeiierpariei alarmiert ihre Ortsgruppen. London. 27. Februar.(gigenberidjL) Die Leitung der Arbeiierpariei ist zu der Aussassung gelangt, dost die Regierung beabsichtigt, die ursprünglich für 3 u n i geplante Neuwahl de» Unterhauses schon sür die erste kzälfte des RI a i auszuschreiben. Der INinisterprösident dürste unter dem Eindruck der jüngsten Wahlsiege der Arbeiterpartei von jeder Verzögerung der Wahl eine Verschlechterung der Regicrungsaussichten befürchten, sowie, dafz jeder Tag der Opposition neue Wähler zutreibt. Die Exekutive der Arbeiterpartei hat daher die Ortsgruppen der Partei durch Rundschreiben ausgefordert, ihre Vorbereitungen sür die Neuwahl aufs äustcrfte zu beschleunigen. Die Exekutive be- schlofz ferner, die traditionell jeder Wahlkampagne vorausgehende Versammlung in der Alberl hall zu London am 27. April abzuhalten, wobei Ramfay Macdonald den Wahlkamps rednerisch eröffnen wird. Sämtliche Wahlvorbereitungen der Arbeiterpartei sind weit vorgeschritten, wie aus einem Bericht des partei- präsidcnlen M o r r I s s o n an die Exekutive hervorgehl, werden 5S1 sozialistische Kandidaten ausgestellt werden. Die Konservativen, denen riesige Geldmittel zur Verfügung stehen, haben bereits seit einigen Wochen den Wahlkawps mit groher Energie ausgenommen, die Liberalen treten am Freilag mit einer marktschreierischen angekündigten Rede Lloyd Georges vor 400 parlamentskandidalen auf den Plan. Ein« bombastische Ankündigung des liberalen Hauptquartiers kann nur so verstanden werden, das, Lloyd George eine grundsätzliche Erklärung zu der, durch widersprechende Aeuherungen Sir Herbert Samuels äußerst verwirrten Koalilionssroge geben wird. Mit dieser Aktivität oller drei, paxteien ist der Wahlkamps In sein erstes wirkliches Stadium getreten. Bündiges Dementi im Llnierhaus. Weder Mtlitarabkommen noch»besprechungen. London, 27. Februar.(Eigenbericht.) In Dertrcwng des erkrankte» Anhenministers Chamber- l a i n beantwortete Staatssekretär Locker Lampson die Fragen des Abg. Wedgwood(Arbp.) über die frnnzösisclz- belgische Militärkonoention von 1926 und die angeblichen britisch- franzosisch'belgischen Generalstabsverhandlungen von 1927. Locker Lampson betonte zunächst, daß der Text der Not« zwischen Belgien und Frankreich vom 7. Septen>b«r 1920, als deren Zweck „Berstärkung der Friedens- und Sicherheits- g a r a ii t i c n des Völkerbundsstawts" angegeben sind, am 4. November 1920 beim Völkerbund registriert worden sei. Er(Locker Lampson) habe keine Gelegenheit gehabt, den Text dieser militärischen Abmachung, der„natürlich nicht veröfsentliclst worden ist," einzusehen. Er habe auch von der angeblichen späteren Aus- legung dieses Abkommens keine Kenntnis. Groß- britannien und Belgien hätten, abgesehen vom Locarno- Bertrag, kcinerlci Abkommen geschlossen, dos irgend- eine militärische Verpflichtung enthalte. Es existierten mich keine mrliiärische Abmachungen zwischen dem britischen Gencralstab und demjenigen irgendeines fremden Landes. Derartige Fragen habe kein britischer Militärattache in Brüssel auch nur ini Rahmen einer Diskussion niemals berührt. Abg. Wedgwood fragte hieraus: Dürfen wir aus dieser, uns erheblich beruhigenden Antwort den Schluß ziclzen, daß keinerlei militärisch« Besprechungen zwischen Frankreich und Belgien erfolgen werden, die nicht auch mit Deutschland geführt werden, so daß unsere Vcrpjlich- tungcn aus dem Locarno-Pnkt genauestens eingehalten sind? Locker Lampson: 3ch kann versichern, dah wir nichts kur. werden, was dem Locarno-pakl zuwiderläuft. Dann sragt« Abg. Lcnworthy(Arbp.) nach dem ver- botcnen Zeppelinflug über Aegypten. Locker Lampson teilte mit, daß das deutsche Außenministerium am 13. Februar sich inoffiziell nach der Stellung der britischen Regie- rüng zu diesem Fluge erkundigt Izabei Cizamberlain habe nach Be- ' rätung mit dem Lustminister und dem obersten Kommissar von Palästina den Beniner- Botschafter dahin instruiert, dem deutschen Zlußenministerium mitzuteilen, daß Großbritannien gegen diesen Flug sei. Zlbg. Kenworthy fragte hierauf, warum Großbritannien gegen den Flug, der dpch offenbar expcrimen- t i e l l e r Natur gewesen wäre, sei. Locker Lampson antwortete, daß zwischen Großbritannien und Aegypten ein Abkommen bestehe, wonach Luftschiffe über ägyptischem Territorium lediglich auf Grund des Einverständnisses beider Länder fliegen dürfen. Auf eine Frage, ob diese Ant- wort Großbritanniens nicht die dcutsch-englifchen Be- Ziehungen bedrohen würde, wiederholte der-Stantssekretür, daß ein solcher Flug lediglich aus Grund eines Abkommens 2legypten-Großbritannien möglich sei. Es wird verhandelt... Aber es geht nicht vom Fleck. Der Reichskanzler hat am Mittwoch der Reihe irich die Herren Streseinann und Scholz von der Dolkspartei und die beiden Zentrumsführer Koos und Stegerwald empfangen. Die Unterredung mit den Boikeparteilern hatte in der Hauptsache eine Klärung über den Sinn der Entschließung des Zentralvor- standes zum Zweck. Soviel man hört, hat 5)«rr Scholz den Be- schluß dahin ausgelegt, daß die Volkspanei im Reich eine fraktionelle Bindung nur eingehen wolle, wenn zuvor eine Verständigung über ihre bekannten Forderungen zum Reichshaushalt 1929 erfolgt sei. Das Zentrum vertritt den Standpunkt, daß es In die Regierung „icht zurückkehren könne, wenn eine feste Bindung der Koa- litionsparteien nicht erfolge. Es hegt im übrigen genau wie die Sozialdemokratie starke Zweisel über die Zweckmäßigkeit einer Durchberotung der vcUsparteilichen Etatforderungen vor der Schaffung einer festen Koalition. » Die„Naiionalliberale Korrespondenz" schreibt zu der Ent- schließung des Zentraloorstandes der Volkspartei.„Nach dem Ver- laut der'Aussprache, dem Sinn und Wortlaut der Entschließung steht fest, daß die volkspflrteiliche Reichstagxfraktion jede politische Regie rungsfreiheit besitzt. Die Reichstagsfraktion kann sich an fraktionsmäßig gebundenen und nicht gebundenen Regierungen beteiligen. Die sachlichen V o r a u s s c tz u n g e n. an die die Partei ihre ersolgreiche Mitarbeit in der Großen Koalition gebunden sieht, sind von der Reichstagssraktion selber formuliert und vom Zentral- vorstand übernommen worden.„Der Zentralvorstand." so heißt es in der Entschließung,„weiß sich angesichts der Ueberlastung des deutschen Volkes mit Steuern und anderen Lasten, die das Maß des Erträglichen bereits überschritten haben, einig mit der Reichstagssraktion. dah die Belastung aller Erwerbsstände nicht weiter gesteigert werden darf, dann aber rasch und fühlbar gesenkt werden muß. Ebenso notwendig ist die Inangriffnahme »iner umfassenden Reichs- und Berwaltungsreform und die Weiter- persolgung der verfassungsrechtlichen Anträge der Reichstags- fraktion." Dieser Standpunkt wird sür die Reichstagssraktion maß- gebend bleiben. Daß es ihr aber nicht leicht sein wird, ihn den anderen Parteien gegenüber durchzusetzen, steht eben- falls fest." « Di« Zentrumsfroktion des Reichstags nahm am Mitt« woch abend den Bericht ihres Vorsitzenden Stegerwald über dessen Unterredung mit Reichskanzler Müller ohne Aussprache zur Kenntnis. An der für Donnerstag vorgesehenen interfraktionellen Besprechung beim Reichskanzler wird sich das Zentrum zunächst nicht beteiligen, da es der Auffassung ist, daß vorher eine Klärung der Lage zwischen den zurzeit hinter der Regierung stehenden Parteien erfolgen muß. poincare sucht eine Mehrheit. Man will ihn vorläufig nicht stürzen. Poris. 27. Februar.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Poincare scheint das lebhafte Bd&ürsnis zu empfinden, noch vor der gefürchteten Debatte über die K o n g r e- g a t i o n« n— die R-gierung hat sie aus den 7. März festgesetzt— eine Kläning der Lage des Kabinetts herbeizuführen. Der Minister- Präsident, der gelegentlich recht unwillig über indiskrete Ülnfragen und Interpellationen sein kann, ist heute selbst auf der Suche nach einem Interpellanten. Wie seine Umgebung versichert, hofft er bei einer Abstimmung im Anschluß an die gewünschte Interpellation seine alte Mehrheit von 60— 70 Stimmen wiederzugewinnen. Die Annahme liegt auf der Hand, daß er auch diesmal wieder daraus rechnet, eine Reihe radikaler Stimmen für sich zurückzugewinnen und so die Radikalsozialen aufs neue zu spalten. Ein« solche Epe- kulation kann sich insofern als richtig erweisen, als die Radikal- sozialen jetzt kaum geneigt sind, die Verantwortung für eine Re> gierungskrise zu übernehmen und eine starke Richtung innerhalb der Partei dafür einKitt, dem Kabinett bis zur Beendigung der Reparationsverhandlungen eine Schonfrist zu ge- währen. Kranz der Reichsregierung am Grabe Friedrich Eberls. Amt- lich wird mitgeteiU: Im Auftrage des Reichskanzlers hat der Präsi- dent des Londessinanzamtes Karlsruhe, Stamer, wie in den Vor- jabren am Grabe des Reichspräsidenten Ebert anläßlich der Wieder- kehr seines Todestages namens der Reichsregierung einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife niedergelegt. Oppofition als Schiedsrichter? Die Anträge der Loltspartei. Von Hugo Reim arm. In Deutschland kann erst seit dem 19. Jahrhundert von einem Budgetrecht gesprochen werden. Die Ver» Hältnisse in den einzelnen Ländern entwickelten sich ver- schieden. In Preußen, das bis zum Jahre 1848 eine ständische Monarchie bildete, war geltendes Recht alles, was sich auf den Willen des Königs zurückführte. Er nur hatte das Recht,.. die Personen, ihre Gewerbe, Produkte oder Konsumtion mit Zlbgaben zu belegen." Dieses Recht wurde in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts mehrfach eingeengt. Aber erst nach der Revolution trat Preußen i»\ die Reihe der konstitutionellen Staaten ein und gab in der Aerfassungsurkunde u. a. auch dem Budgetrecht des Land- tages gesetzliche Grundlage. Die Verfassung des Deutschen Reiches von 187 1 hat die preußischen Verfassungsbestimmungen teils wörtlich, teils mit den durch die Struktur des Reiches be- dingten Aenderungen übernommen. Es wurden indessen nur einige grundsätzliche Bestimmungen des Haushaltsrcchts' ge- regelt. Die als Ergänzung und als Ausführungsoerordnung gedachte und alsbald in Angriff genpmmene Reichshaus- Haltsordnung konnte nicht zustande gebracht werden. Alle Entwürfe blieben unoerabfchiedet liegen, da man über wesentliche Punkte, Stellung des Kaisers, des Reichskanzlers. des Rechnungshofs usw., sich nicht einigen konnte. Die Revo- lution mußte auch hier erst die Bahn frei fegen. Ohne Mühe wurden in Weimar die grundlegenden Bestimmungen über das Budgetrecht des Reichstages in der Verfassung festgelegt. Darüber hinaus gelang es. die Reichsdaushaltsordnung auf-- zustellen und bis zum Dezember 1922 durchzuberaten. In sechs Abschnitten mit zusammen 132 Paragraphen enthält dieses Gesetz eine sorgfältige Kodifikation des d e u t- fchen Reichshaushaltsrecht's, das in feinen Grund- säßen sich bewährt hat. Es besagt nichts gegen diese Grundsäße, das bei dem schnellen Fluß und Wandel aller Verhältnisse in Deutschland bald hier und da Aenderungen des Gesetzes wllnschenswerk, bald hier und da Lücken fühlbar wurden. Die sozialdenro- kratii'che Kritik im Haushaltsausschuß gab den Hauptanstoß zur Aufdeckung solcher Unvollkommenheiten und zu dem Ver- langen, das Gesetz der fortgeschrittenen Praxis anzupassen. Auch der erste schriftliche Bericht des neuen Recknungsunter- ausschusies formulierte nach dieser Richtung auf Grund seiner eingehenden Beratungen verschiedene sehr beachtliche Wünsche. Der Kritik im Haushaltsausschuß wurde zu einem Teil und als Zwischenlötunq Rechnung getragen dadurch, dag entsprechende neue Bestimmungen in den Etatgesetzen für 1927 und 1928 aufgenommen wurden. Andere Aenderunqs- wünsche blieben zurückgestellt bis zu einer Revision der Reichs- haushaltsordnnng. Reichsfinanzminister Dr. H i l f e r d i n g ist nun bestrebt gewesen, der steigenden Beachtung und Be- deutung gerecht zu werden, die alle Etatfragen und das Haus- haltsrecht jetzt finden. Er legte mit dem Haushaltplan für 1929 den gesetzgebenden Körperschaften den Entwurf eines Gesetzes zur Aeuderung der Reichs- haushaltsordnung vor, der 31 Äeitderungcn vor- sieht. Der Entwurf berücksichtigt zu einem Teile sowohl die parlamentarische Kritik am Haushaltsrecht, wie. auch die Anregungen, die auf der Salzburger Tagung des Deutschen Juristentages bei Beratung der Frage gegeben wurden, ob es sich im Interesse einer geordneten Finanzwirtschaft emp- fiehlt, die bestehenden Grundsätze über die Bewilligung der Einnahmen und Ausgaben für den Reichshoushalt zu ändern. Im Gesetzentwurf werden nur solche Abänderungen vor- geschlagen, über die im Reichstag größere Meinungsdiffe- renzen nicht zu erwarten sind. Leider bleibt der Entwurf auf halbem Wege stehen bezüglich der Einengung und Streichung von„E r m ä ch t i g u n(sie n", die die Klarheit des Etat- bildes trüben, die parlamentarische Kontrolle erschweren oder unmöglich machen und in der Dergangenbeit wiederholt zu Vorkommnisien geführt haben, die von keiner Partei ge- billigt werden. Grundlegende Aenderungen des be- stehenden Budgetrechtes werden gleichfalls nicht vorge- schlagen. So wird auch der vom Ministerialdirektor Prof. Dr. Dorn in semem ausgezeichneten Gutachten für den Iuristentag gemachte Vorschlag des„Ausgleichs- a n t r a g s" als noch nicht nach jeder Richtung bin so geklärt und erprobt bezeichnet, daß er als dauernder Bestandteil in das deutsche Haushaltsrecht übernommen werden könnte. Die budgetrechtlichen Anträge der Deutschen Voltspartei werden, auch in der allgemeinen Begrün- dung. nicht ermähnt. Der Inhalt der Vorlage wird somit zu erheblicheren Beanstandungen kaum Anlaß geben. Um so mehr wohl das. was nicht darin enthalten ist. Als- Borspiel dazu kann der Aussatz angesehen werh-n. den der volksvarteiliche Abgeordnete Dr. Zapf vor kurzem in der..DAZ." gegen die Dänischen Ausführungen und gegen die Stellung der Sozialdemokratie zum bestehenden Budget- recht veröffentlicht hat. Diese Stellung geht dahin, daß die Sozialdemokratie unter den in Deutschland gegebenen politU schen Verhältnissen für die Führung einer verantwortungs- vollen Finanzpolitik wenig oder gar nichts von äußeren in das Budgetrecht einzufügenden Bindungen oder Hemmungen, aber alles von der Selb st Verantwortung des Parlaments und der Verantwortungs- bereitschaft der Regierung erwartet. Auch Dr. Dorn nimmt in seinen eingehenden Darlegungen„die Schärfung der Selb st Verantwortung des Parlaments" als Ausgangspunkt für seinen, im Grundsatz daher nicht abzulehnenden, Dorschlag des „Ausgleichsantrags". Als Dritter im Bunde tritt— erfreulicherweise— neuerdings auch der frühere demokratische Reichsfinanzminister Dr. R e i n h o l d solchen Anschauungen bei. In der Reichstagssitzung vom 10. Februar 1926 hatte er noch ausgeführt: „Auch wir wenden zu der in England befolgten Praxis kommen müssen, daß Erhöhungsbeschlüss« nur im Benehmen mit der Regie- rung gefaßt werden und nur in Wirksamkeit treten können, wenn weitere Beschlüsse über eine entsprechende Einnahmeerhöhung vor- liegen. Das wird ein unumgänglicher Grundsatz der Praxis und des Budgetrechts werden müssen, der auch gesetzlich festgelegt werden muß." Am 13. September 1928 schließt er aber einen längeren Aufsatz in der„Boss. Zeitung" über Aenderungen des Etats- rechts wie folgt: „Ich komme deshalb zu dem Schluß: Gesetzlich« Maßnahmen, durch die Ausgabeerhöhungen erschwert werden, sind wünschen»- wert, aber nicht entscheidend. Entscheidend ist der Will« des Par- lamcnts, die Finanzen gesund zu erhalten und das Verantwortungs- bewußtsein des Finanzministers, zu diesem Zweck da« volle Gewicht seiner Person und feines Amtes zu jeder Stunde, die es nötig macht, in die Wagschale zu werfen." Der sozialdemokratischen Auffassung tritt nun in dem erwähnten Aufsatz der voltsparteiliche Abgeordnete Dr. Z a p f mit der überleaen-ironischen Frage entgegen, ob es denn nicht bekannt sei, daß es„der Selbstverantwortung des Parlaments gelungen ist", die Reichsausgaben von Jahr zu Jahr um rund 1 Milliarde zu steigern, und daß jetzt schon wieder Hunderte von Anträgen auf Ausgabeerhöhungen vorliegen. Diese Tatsachen sind der Sozialdemokratie nicht unbekannt. Es ist ihr auch bekannt, daß unter den neuen Anträgen sehr viele mit sehr hohen Anforderungen von der Deutschen Lolkspartei gestellt find, und daß die Deutsche Volks- Partei und die von den bürgerlichen Parteien gestellten Regierungen alle erhöhten Ausgabe- Bewilligungen der letzten Jahre gebilligt und gedeckt haben. Es ist der Sozialdemokratie des ferneren bekannt, daß zahlreiche Ausgabeerhöhungen von den bürgerlichen Regierungen der letzten Jahre vorgeschlagen und durchgedrückt worden sind. Gänzlich u n b e k a n nt ist der Sozialdemokratie aber, wie diese von chr nicht verschuldeten Verhältnisse durch die neuen volksparteilichen Anträge und das Allheilmittel der Zweidrittelmehrheit in Zukunft grundlegend gebessert werden sollen. Die volksparteilichen Anträge wollen bekanntlich die Erhöhung oder Neueinsetzung von Ausgaben an die Zu� st i m m u n g der Reichsregieruna und des Reichsrats binden. Die fehlende Zustimmung der Reichsregierung und des Reichsrats kann ersetzt werden dadurch, daß der Reichstag in nochmaliger Beratung mit Z w e i d r kt t e l m e h r h e i t seinen ersten Beschluß aufrechterhält. Wie nun die von Herrn Dr. Zapf geschilderten und beklagten Verhältnisse durch seinen Antrag gebessert.werden können, darüber besagt sein Aufsatz nur. daß die Anträge bezwecken,„der Regierung die Möglichkeit zu schaffen, ungehemmt durch die heute mög- lichen und üblichen Fallstricke und Wolfsgruben zu arbeiten und zu kämpfen". Der Reichstag zählt zurzeit 13 Parteien! Es rst in diesen Spalten wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die volksparteilichen Anträge nicht viel nützen und nicht viel schaden können, wenn die Regierungsparteien selber über die qualifizierte Mehrheit verfügen. Besitzen sie diese Mehrheit nicht— und diesen Fall haben die Anträge doch in erster Reihe im Auge—. so bedarf es wahrlich auf feiten der Oppositionsparteien keines besonderen Geschicks, um aus den volksparteilichen Anträgen neue Fallstricke für die Regierung und die Regierungsparteien zu knüpfen. In jedem Fall aber bedeutet, um mit Watten von Dr. Dorn zu schließen. ,chie Einschaltung der Zweidrittelmehrheit, die nuht in der Hand der Regierungspatteien ist, nichts anderes, als daß die Opposition zum Schieds- richte? zwischen Regierung und Regierungs- Parteien aufgerufen wird". Ein Ergebnis, das die nolksparteilichen Anträge sich kaum zum Ziel gesetzt haben dürften. Kür die älteren Angestellten. Ttotweodige Hilfsmaßnahmen. Im sozialpolitischen Ausschuß de« Reichstages berichtete Abge» ordneter Aufhäufer(Soz.) als Vorsitzender des Untorausschusies zum Schutz der älteren Angestellten über dessen Beratung. Der Unterausschuß hat sich in einer Generaldebatte mit den zahl- reichen Vorschlägen, wie Einstellungszwang von älteren Angestellten, Meldepflicht offener Stellen, Aerbot der Chisfre-Anzeigen. Beschrän- kung der Lehrlingshaltung. Ausbau des Kündigungsschutzgesetzes, Rechtssicherheit der Prooistonsogenten usw. befaßt und dazu die Er- klärungeu der Reichsregierung entgegeagenammen. Dieser groß« Komplex arbeitsrechtlicher Fragen werde im Unterausschuß weiter behandelt, sobald die einzelnen Fraktionen Stellung genommen haben. Um jedoch den älteren Angestellten sofort zu helfen, habe Aufhäuser dem Unterausschuß den Dorschlag ge- macht, zwei dringende Reformen der Angestelltenversicherung sofort zu entscheiden. Der Unterausschuß hat auch entsprechende Beschlüsse gefaßt. Er schlägt vor: 1. die Wartezeit in der Angestelltenversiche- rung van 129 aus 69 Beitragsmonate zu verkürzen, 2. die Altec». rente noch Bollendung des 69. Lebensjahres zu gewähren, wenn der Versicherte seit mindesten» einem Jahr arbeitslos sst und ein An- fpruch aus Arbeitslosenunterstützung oder Krisenunterstützung nicht mehr besteht. Aufhöuser empfiehlt dem Vollausschuß, über diesen Teilbericht des Unterausschusses sofort zu entscheiden, damit die be- dingte Herabsetzung der Altersgrenze, die zunächst bis zum Jahre 1333 gesetzlich eingeführt werden soll, noch zum 1. März 132S in Kraft gesetzt werden kann. In der Debatte wurde der Antrag des Unterausschusses von Frau Teusch(Zentrum) lebhaft befürwortet. Frau Arendsee(KPD.) erklärte sich ebenfalls für den Antrag, wenn dadurch die grundsätz- liche Entscheidung über eine allgemeine Herabsetzung der Alters- grenze nicht vorweggenoinmen werden soll. Abg. Schwarzer(Bayer. Boiksp.) stimmt gleichfalls zu, dagegen ergingen sich die Abgeorv- Rationalistensturm gegen Severins Kettdells(Stahlhelmerei im Haushaltsausschuß. In der Mittwochsitzung des Ausschusses für den ReichshaushoÜ wurde die Beratung des Nachtrogsetat» zum Reichsinnen- Ministerium in zweiter Leifu-ng fortgeführt. Di« Genossin Bohm-Schuch bedauerte, daß sie seinerzeit dem Antrag zu- gestimmt habe, die Frage der Beamtinnen in den Unteraus- schuh zu überweisen. Was jetzt bezüglich dieser Frage geschehen solle, sei eine Entrechtung der weiblichen Angestellten. Das Reckst auf Gleichstellung der weiblichen Arbeitskrast mit der männlichen, die die Verfassung gewährleiste, würden die grauen sich nicht nehmen lassen. Auf öie psychologisch« Gleichheit komme es nicht an. Genosse S t« i n k o p f interpretiert« den Beschluß des Unterausschusses bezüglich der weiblichen Beamten dahin, daß diese Entschließung zwar für die Zukunft Richtlinien für die Ueber- nahm« von Frauen in das Beamtenverhältnis fordere, daß sie aber nicht den ersten Schritt zur Lösung dieser Frage durch Uebernahm« bestimmter weiblicher Angestellten in das Beamtenverhältnis ver- Hinbein wolle. Abg. v. Keudell(Dnat.) erklärte, daß die Einrichtung einer kommunalpolittschen Abteilung beim Reichsministerium von seiner Partei abgelehnt werde. In der Titel- und Ordensfrage fei der Mnister Bayern gegenüber psychologisch nicht richtig verfahren. Das bringe eine neue bedauerliche Verschärfung zwischen Reich und Bayern. Der Redner kam sodann auf die gestrigen Erklärungen des Ministers über den„Stahlhelm" zurück, und fordert nach den neuesten Erklärungen der Stahlhelmführer, daß die Beamten, die im Dahlheim sind, genau so behandelt werden, wie diejenigen, die sich nickst im Stahlhelm befinden. Moroczowicz habe nur dem „System des schrankenlosen Parlamentarismus- den Krieg erklärt, nicht der Dersassung und dem Reich. Bei der Uebernahm« seines Amtes solle der Reichsinnenmlmster erklärt haben, daß er von seinen Beamten nicht nur die Beachtung der herkömmlichen beamten- mäßigen Berpflickstungen fordere, sondern auch die Liebe zur heutigen Slaatssorm. Das bedeyte für wertvoll« Beamte einen schweren Gewissenskonflikt. Mit dieser Forderung gehe der Minister über die Bersassungspflichten hinaus. Auch Hans Delbrück habe ertlärt, daß Liebe nicht befohlen werden könne. Reichsinnenminister S« v« r i n g erwidert«, er habe auf die freundliche Begrüßungsansprache des Staatssekretärs, der betont«, daß alle Beamten des Ministeriums loyal auf dem Boden der Dersassung ständen, wohl hinzugefügt, von den Beamten des Dersassungsministeriums müsse er mehr als eine formale Haltung zum neuen Staat erwarten. Was den Stahlhelm betreffe, so habe sich Herr Moroczowicz nicht nur gegen die Auswüchse des Parlamentarismus gewandt, sondern weiter ausgeführt, daß er diesen Staatsaufbau mll seinem Inhalt und seinen Formen hasse. Man kann gewiß auch als Per- schwörsr Liebe zum Vaterland haben, aber die Liebe, die z. B- die Herren Kapp und Lüttwitz 1929 betätigt hätten, sei doch immerhin etwas eigenartig und diene den Interessen des Landes nicht.(Rechts große Unruhe und Zurufe: Und ISIS?) Die Männer von ISIS haben das Daterland gerettet. Di« Regierung wird und muh darauf halten, daß der Eid, den die Beamten der Republik geleistet haben, gehalten wir, und er stellt fest, daß auch die beiden berufenen Führer des Stahlhelms sich nunmehr dazu bekannt haben. Sie haben zwar gesagt, sie stünden in Opposition, zugleich aber betont, daß der Stahchelm nur auf legalem Wege seine Ziele verfolgen würde. Er freu« sich über diese Erklärung, käme aber die Bemerkung nicht unterdrucken, daß diese Erklärung in flriktem Gegensah stehe ju Kundgebungen, die von Slahlhelmführern in ganz Deutschland g« äußert worden sind. Er werde in dem Augenblick, wo eine Dis» krepanz zwischen diesen Erklärungen und dem Verhalten von Be» amten sich ergeben wird, gegen all« Beamten vorgehen, die sich dessei, schuldig machen. Di« neuesten Erklärungen der beiden Stahlhelm- führer erinnerten ihn an das Rüpelspiel im„Sommernachtstraum", insbesondere an Schnock, den Schreiner, der zwar brüllt, aber in Wirklichkeit kein Löwe ist, sondern eben Schnock der Schreiner. Er halte in seinem Ministerium auf äußerst« Sparsamkeit, müsfe�aber aus sachlichen'Gründen für die kommunal- politische Abteilung einen besondren Ministerioldirctto? erbitten. Wenn man im Reiche immer von Sparsamkeit spreche, und die Gsmeinben immer verantwortungsloser Ausgabewirtschast bezichtig«, so sei das ein Pharisäertum. In den Richtlimcn für die Beamtenlaujbahn werde seine Auffassung klar ausgesprochen werben. Er bekenne, daß die Hochschulbildung gut sei, man dürfe sie aber nicht überschätzen. An dieser Ueberschätzung kranke unser ganzes Leben. Im Jahre 1924 habe er generell solchen Kommunisten die Bestätigung zu Stadträten, Gemeindevorstehern usw. versagt, die die Weisung aus Moskau zur Störung der Gc- mein d«arbeit der Mitarbeit in der Gemeinde selbst zu deren Besten vorgezogen hätten. Abg. Dr. v. D r y a n d e r(Dnat.) polemisiert« in sehr erregter Welse gegen die Antwort des Iimemninisters. Dieser habe sich nicht immer so ausgedrückt. Cr gehöre einer Partei an, die in einer Broschüre die Pflichten gegenüber dem eigenen Lande und seinen Vertretern völlig den Pflichten gegen das Proletariat in den Hinter- grund zu stellen oersuche. Die Prinzen des früheren töniglichsu Hauses genössen im Stahlhelm kein« Bevorzugung, sondern ständen nur in Reih und Glied.. Reichsinnenmmister Severins erwiderte, daß in seinem Ministerium nach Entlassung des Staatssekretärs Schulz durch seinen Vorgänger kein Sozialdemokrat mehr vorhanden sei. Das empfind« er als ein« Lücke, die er auszufüllen trachte. Seine Rede vor den Studenten fei falfch wiedergegeben. Mit allen Stellen der Groenerschen Denkschrist sei er nicht einverstanden, wohl aber habe er die Tätigkeit Grosners anerkennend hervorgehoben. Er rede stets so, wie er glaube am besten den Interessen des deutschen Volkes zu dienen. "-■•r Eigenartige Methoden des bayerischen Ministerpräfideute«. Der bayarische Ministerpräsident, Herr Held, hat zu dem blamablen Interview, das er dem Berliner Vertreter der„Chicago Daily News". Anselm Mowrer, gewährt hat. eine Richtigstellung verbreiten lassen. In dieser Richtig- stellung heißt es, daß die Veröffentlichung der„Chicago Daily Rews" ein„durchaus unvollständiger und verzerrter Auszug" aus feiner Unterhaltung sei, daß diesem Auszug„frei er- fundene Behauptungen" beigemischt seien und daß der Artikel derart„handgreifliche Unrichtigkesten" berichte, daß sich ein westeres Eingehen darauf im einzelnen erübrige. Herr Anselm Mowrer hat nunmehr einen offenen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten gerichtet, in dem er Herrn Held darauf aufmerksam macht, daß er ihm bereits am 26. Februar einen Brief geschrieben habe, der u. a. die folgende Feststellung enthielt: „Nach der Unterhaltung fragte ich um die Erlaubnis, den wefent- lichen Inhalt unseres Gesprächs» in meiner Zeitung wiedergeben zu dürfen. Sie haben mir diese Erlaubnis ausdrücklich erteilt, nur mit der Bitte,«s nicht fenfattonell aufzumachen. Um in jeder Weise sicher zu gehen, wollt« ich die endgültige Nieder- fchrift vorher irgendjemand, den Sie mir nennen sollten, zur Durch- stcht übergeben. Nicht Sie haben diesen Wunsch geäußert, sondern ich habe die Frage an Sie gerichtet, ob Sie mir in Derlm eine Vertrauensperson nennen könnten, der ich den Bericht vor- legen könnte. Sie nannten mir den bayerischen Gesandten in Berlin, Herrn v. Preger Am Rachmittag des 4. Februar sahen Herr v. Preger und ich den Bericht, soweit er du Ihnen persönlich zugsschriebenen Aeußerungen enthielt, durch. Am Ende sagte Herr v. Preger etwa wörtlich: „Ich kenne den Herrn Mmisterprästdenken und sein« Ansichten. ond alle? ist nngefähr so. wie er die Dinge ansieht.- Herr Mowrer schreibt wsster: „Wenn mein Bericht„oerzerrt- war, wenn er.Handgreifliche Unrichtigketten- enthielt, warum sollte dann Herr v. Preger oersäumt haben, sie zu bemerken und melne Aufmerksamkeit daraus zu lenken, als ich ihn freiwillig um fein« Hilf« bat... Wenn S'« meinten, daß ich Ihnen Meinungen in den Mund gelegt häti«. die Sie nicht vertreten haben, dannbtnichgezwungen, Ihnen zu widersprechen." Es scheint mst diesem Dementi des Herrn Held ebenso zu stehen wie mst seiner in Bayern öffentlich ausgesprochenen Behauptung, daß er sich bei der preußischen Regierung nicht habe entschuldigen lassen. Die preußische Regierung ist m der Lage, zu beweisen, daß ihre Darstellung der bayerischen Entschuldigung völlig zu Recht erfolgt ist. Der Hinweis des Herrn Mowrer auf den Vorfall mst Herrn v. Preger scheint auch nicht ohne Beweiskraft zu fein. Nebenbei bemerkt, Herr v. Preger, der bayerische Gesandt« in Berlin, schsint es mst einem solchen Chef nicht gerade leicht zu haben. nete» Thiel(D. Dp.) und Lambach(Dnatl. Dp.) in lang. atmigen Betracytungen«rsicherungstechnischer Art und in Bedenk- lichkelten. Insbesondere versuchten die beiden Redner das neue Gesetz nur bi» 1931 zu befristen. Diese Abschwächungsversuche dürften aber allem Anschein nach vergeblich bleiben, die Abstimmung des Dollausschusses findet heur« statt. Kort mit der Eidesseuche! Die Meineiösbestimmung im Strafrechtsavsfchuß. Im Strafgesetzausschuß des Reichstages wurde gestern die Erörterung der Meineidsparagraphen fortgesetzt. Abg. Dr. R o s e n f e ld(Soz.) erklärte für die sozialdemokrotische Fraktion. sie erkenn« die neuen Vorschläge des Ministers Koch als geeignet« GnuMag« für die Bekämpfung der Eldesseuch« an. Nach wissenfchasllichen Berechnungen würden in Deutschland nicht weniger als 79 990 Falscheid« jährlich geleistet. Allein im Jahre 1926 seien 2499 Verurteilungen wegen Cidesoertctzung erfolgt. Bei diesen Zuständen seien grundstürzende Neuerungen erforderlich. Bei den B«nühungen um die Einschränkung der Eidesleistungen müsse man daran denken, daß man im arbeitsgerichtlichen Verfahren f a st ohne Eideslei st ung auskomme und daß die Recht- sprechung der Arbeitsgerichte dennoch viel weniger kritisiert werde als die der ordentlichen Gericht«. Auch überflussige Anklagen wogen Eidesverletzung müßten vermieden werden, besonders jetzt, wo nicht mehr die alten Schwurgerichte über Meineidsanklagen zu entscheiden haben. Diese Gerichte boten mehr als die jetzigen Schwurgericht« einen Schutz vor solchen Anklagen. Leider sei der Minister nicht so well gegangen, die Abschajsung de» Eides überhaupt zu empfehlen. Angeblich fei da» Volk heut« noch nicht so well, daß aus den Eid verzichtet werden könne. Dieses„noch nicht" werde immer ausgesprochen, wenn man nicht den Entschluß zu gründlicher Reform aufbringen könne. Es genüg« vollkommen, wenn derjenige mll Straf« bedroht wird, der vor Gericht ein« falsch« Aussage macht. Aus den Eid kann man verzichlen. Darin mutz dem Minister zu- gestimmt werden, daß das Gericht die Möglichkeii erhallen muß, von >stras« abzusehen, wenn in einem bedeutungslosen Punkt von der Wahrheit abgewichen worden ist. Die Richter sollten bei der Ab- nähme des Eides vorsichtiger verfahren: dann würde manch über- flüssiger Eid oermieden werden. Man soll mll Mut und Energie an eme grundlegende Reform herangrt>en. Dann weiche die Meincidsseuche verschwinden. Abg. Kahl(Bpt) sprach sich ebenfalls für die Beseitigung des El des aus. Diese Auffassung habe er nicht erst unter den radikalen Strömungen der legten Jahr« oertreten, sondern schon früher. Die Lüge könne man nicht beseitigen, aber die Komödie und den Mißbrauch, der vielfach bei den Eideelesstungen vorkäme. Abg. Strathmann(Dnat.) sprach sich als evangelischer Theologieprofessor gleichfalls für die Beseitigung des Eides aus. Di« Anrufung Gottes erfolg« bei Gericht oft in einer allem religiösen Empfinden widersprechenden Weis«. Gerade aus religiösen Gesichtspunkten müsse man den Cid abschaffen. Minister K o ch- W e s e r erwidert«, daß die schweren Bedenken der Justizverwaltungen där einzelnen Lander die Reichsjusttz- verwallung wieder davon abgebracht hätten, die Abschaffung des Eides vorzuschlagen. Man fürchte, daß die Wahrheiisermiittung ohne Eidesleistung erschwert werde. Der Ausschuß überwies alsdann sämtlich« Bestimmungen über die Eidesleistung einem Unterausschuß, der am Mittwoch nächster! Woche dem Ausschuß sein« Vorschläge unterbreiten soll. Hugenberg gegen das Lüge«. „Der Deutsche«fi an sich der ehrlichste Mensch." Hugenberg hall im Land« Reden. Er sagte auf einer Sund» gebung der Qeutschnationaien in Stettin, daß mit dem System der politischen Lüge über die deutsche LeistungsfÄNgkeit gebrechen werden rwisse. Er, Hugenberg, habe dos getan. Dem folgt »der Sag:..Der Deutsche ist an sich der ehrlichste Mensch." Ist Hugenberg dieser Deutsche„an sich"? „Je rücksichtsloser wir die Wahrheit sagen, um so schneller werden wir gesunden." Hugenberg sagt die Wahrheit am rücksichts» losesten, er ist sicher der ehrlichste der an sich ehrlichen Deutschen. Um dieser Ehrlichkeit gegenüber dem Ausland Ausdruck zu geben, bekennt Hugenberg sein Mitleid mst den armen deutschen Reichsfinanzen.„Der Reichsfinanzminister muß wieder Schatz- Wechsel begeben. Gegenüber der Alters- und Invalidenversicherung muß er zum Schatzwechsel als Zahlungsmittel greifen." Hier verliert Hugenberg seine deutsche Ehrlichkeit. Er oerbiegt in geradezu wirtschasts- und volksgefährdender Weise die Wahrheit. Er erweckt den Eindruck, als ob dos Reich feine Ausgaben wieder ohne steuerliche Deckung mit Schatzwechseln bezahlt wie in der Inflationszeit, bei der Hugenberg reichsich oerdient hat. Der Reichs- sinanzminister hat gegenüber der Alters- und Inoalidenoersichernng nicht zum Schatzwechsel als Zahlungsmittel gegriffen. Ein« Schuld des Reiches wurde nur statt in bor in Stücken der neuen Reichsanleihc bezahlt. Das ist solid, kaufmännisch und klug. Hugenberg weiß als Reichstagsabgeordneter genau, wie die Dinge liegen. Aber er betreibt mit dunklen Andeutungen über Inflalionsgefohren ein« Politik, die, wenn sie von Sozialdemokraten getrieben würde, von seiner Presse sofort mst dem Vorwurf des Landesverrats bombardiert weiden würde. Der oll« ehrliche Hugen- berg mit seinen Jnflationsgewinnen hält es heute für zweckmäßig, den deutschen Währungsverfall an die Wand zu malen. Vielleicht warten schon wieder einige Leute darauf, bei neuer Jnfla- tion zu verdienen? Ihn packte das Grauen... Aber jetzt streitet er alles ab. Stettin, 27. Februar. Im F e m e m o rd p ro ze ß Heines wurde am Mittwoch in der Vernehmung des Angeklagten Fräbel fortgesahrcn. Vors.: „Sie haben in der Voruntersuchung eine grausige Dar siel- lung der Tat gegeben, die Sie dann aber in der ersten Der- Handlung zurückgenommen haben. Insbesondere haben Sie auch Hein es belastet und erklärt, er habe sich im Walde, nachdem er so getan habe, als ob er den Weg suche, ganz plöhlsch umgedreht und zwei Schüsse aus elwa 20 bis 30 Zentimeter euljernung auf das Gesicht des Schmidt abaeseuert." Als Fräbel darauf antworten wollte, forderte ihn der Vorsitzende plötzlich auf, sich etwas mehr von dem Angeklagten Heines abzuwenden, der Fräbel immer jchars ansah und sich dabei Notizen machte. Fräbel erklärte daim, daß er auch m diesem Prozeß seine damalig« Darstellung nicht auirecht erhallen wolle. Er habe in der Dunkelhest und aus der Entfernung, in der er von.Heines und Schmidt stand, überhaupt nichts Genaues erkennen können.„Der Untersuchungsrichter wollte alles möglich« von mir wi'sen, fragte auch, was für einen Schuß Schmidt erhalten hätte, ob Kopf-, Hals- oder Mundschuß, und da sagte ich ihm:„Na gut. meinetwegen Halsschutz." Vors.:„Sie haben damals erklärt, Schmidt habe noch geröchest und um sich geschlaggG. Er hätte sich trotz der weiteren Schüsse halb ausgerichtet und um Hilse gerufen. Darauf Hab« Ollow mit setaem eisenbcichwertca Doischlnger aus ihn eingeschlagen. Sie haben dann auch gsschtld«rt, wie Sie mst Otiow auf dem am Boden Liegenden herumgetreten seien, bis er tot war." Fräbel:„Das waren alles Phantasie gebild« von mir. Mick packte damals das Grauen, besonders als ich sah. wie Ostow den Toten packte und mit Gewalt in die zu kleine Grube hineinzwängt«. Im übrigen möchte ich nur sagen: Hätten Heines und Ottow uns befohlen, ebenfalls zu schießen, wir hätten es ge tan, denn wir waren Soldaten, und jeder Besehl ist heilig- Instruttionsftunde haben wir nie gehabt, und ich Hab« erst in der Verhandlung erfahren, daß man untm Schuhmacherhandwerk, die Bekämpfung der Schwarzarbest und des Zugabeunwesen» fordern, wurden angenommen. Die Aussprache über den Wohlsahrtsetat wird, nachdem noch einsge Redner das Wort genommen hatten, geschlossen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag, den 28. Februar, 11 Uhr. Tagesordnung: Etat des Wohlfahrtsministenum». Übschnitt Wohnungs- und Siedlungswesen. Rauferei um Trohki. In der Gvinemünder Straße. Die geplante Einreise Trotzki» nach Deutschland nahmen am Mittwochabend„linke" und stalintreue Kommunisten zum Anlaß wüster gegenseitiger Beschimpfungen, die fast in TärLchkesten aus- arteten. Hugo U r b a h n», ehemaliges leitendes Mitglied der KPD. und jetzt einer der Führer der sich„Lenin. Bund" nennenden Sett«, sprach über das Thema„Der Kampf um T r o tz k i s Kopf". Unter Darlegung des Streits der„trotztistischen" Opposition nüt der stalintreuen Sowjetbureaukratie hob er die Bedeutung Trotzkis für den bolschewistischen Sieg hervor und wies an Hand f o w j e t a m t- l ich er Stalistiken und Zeitungsartikeln nach, daß die„Entwicklung zum Sozialismus", die in Sowjetrußland angeblich marschiert, im Gegenteil ein Wiedererstarken des russischen und damst des inter« nationalen Kapstalismus bedeute. Trotzki sei von der herrschenden Bureaukrati« kallgestellt, verbannt und jetzt ausgewiesen worden. Die Stalinleute hegten den Wunsch, ihn auf die sicherst« Weise mundtot zu machen, d. h. chn nach bekannten Methoden umzubringen. Da st« da» in Rußland au» Angst vor dem immer noch großen geistigen Einfluß Trotzkis nicht wagt, wollten st« das im Ausland durch ihre Agenten besorgen lassen. Bezeichnenderweise bestätigte«in stalintreuer kommunistischer Diskussionsredner ziemlich unverhüllt den Wunsch,„Trotzki als Opfer für di« proletarische Revolution fallen zu sehen". Diese zynifc�brutal« Aeußerung gab den Anlaß zu wüstem Lärm, und eine brüderliche Prügelei konnte nur mst Müh« von der Bersammlungsleittma oerhindert werden. Mit welchen Metho» den auch di« deutschen ZK.-Anhänger arbesten, zeigt auf» neue ein vom„Dolkewillen". dem Blatt de» Lenin-Bunde», veröffentlichtes KPD.-Rundfchreiben. das zur organisierten Störung der Versammlung aufforderte. Der Leiter dieser revolutionären Aktion, ein gewisser Löffler, zog es vor, statt der Aufforderung zur De- teiligung an der Diskussion Folge zu leisten, wegen der drohenden Haltung der Anwesenden stillschweigend zu verschwinden. Oer Liebknecht-Mörder in Holland. Keine Vedenken der Ziegieruna. Amsterdam, 27. Februar.(Eigenbericht.) 3a Beantwortung einer 3nlerpcllalion über den Aufenthalt des Oiebknecht-Rlärders Kurt Vogel erwiderte der Zustizmlnlfler, daß sich Vogel ursprünglich unter dem Zlamen Kurt Felsen in den Rlederlondcn angemeldet habe und flch auch gegenwärtig noch hier unter falschem Zlamen aufhalte. Die öffentlich« Sicherheit fei durch feinen Aufenihalt nichl gefährdet. Sozialdemokraten und Freisinnige bezeichneten im Zusammenhang mit der Zuterpellolion eine Reform de» Ausländer- gefehes für notwendig. Die Snargebletsanleihe von 2 Millionen Pfund ist vom Finanz- komitee des Nölkerdundes genehmigt worden. Betriebsräte gegen Spaltung. Die große Koalition der KPD. Der Ortsausschuß des AD BD. und das AfA-Ortskartell hatten zu Dienstagabend nach den Musttersülen die Berliner Betriebsräte zulanmienberufen. um«ine klar» Stellungnahme gegen» über den„neuesten"' Einheitsfrontparolen der KPD. herbeizuführen. Etwa KM Betriebsratsmitglieder waren der Einladung ihrer ort- lichen Spitzenorganisation gefolgt, so daß der groß« Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Leiter der Berliner Gewerkschaftsschule Genosse Frick« umriß zunächst kurz die grundsätzliche Bedeutung des Betriebsräte- gesetzes und den Aufgabenkreis der Betriebsräte, um dann den verbrecherischen Anschlag der KPD.-Strategen auf die deutschen freien Gewertschaften und die Betriebsräte zu beleuchten. Eine ganze Zeitlang hat sich die sogenamü« Opposition in den Rahmen der Beschlüsse der Gewerkschaftskongresse und Verbandsinstanzen eingefügt und versucht, die Gewerkschaften von innen her- aus zu„erobern". Die Nichterfüllung dieses sehnlichen Wunsches hat nun aber die kmnmuniftischen Drahtzieher veranlaßt, einen Frontwechsel anzuordnen und auf die offene Spaltung der Sewerkschosleu hinzuarbeiten. Neben den„revolutionären" Kampfleitungen sollen ent- sprechend den Beschlüssen des 4. Kongresses der Roten Gewerkschafts- internationale und der sogenannten Parteiarbeitskonferenzen die revolutionären" Betriebsräte als Stoßtrupps gegen die Gewertschasten ausgezogen werden, weshalb in den Betrieben die Große Koalition zwischen Kommunisten und Unorganisierten hergestellt werden soll. Diese Idee ist den Hirnen der KPD.-Bonzen entsprungen, für die sich selbst ein großer Teil der konununistischen Gewerkschaftsmitglieder und-funktionäre nicht begeistern kann. Es ist kaum onzmiehmen, daß der Spaltungskampagn« der KPD. ein Erfolg beschieden sein wird. Sie dürfte eher eine Massenflucht der Mitglieder aus der KPD- noch sich ziehen. Die Gewerkschaften aber werden den Fehdehandschuh,.der ihnen von der KPD. hin- geworfen worden ist, aufnehmen und rücksichtslos gegen diejenigen einschreiten, die das stolze Gebäude der freien Gewerkschaften in die Luft sprengen wollen. Die Diskussion zeigte mit nicht mißziwerstehender Deutlichkeit, daß es die Berliner Betriebsräte ablehnen, sich vor den fest- gefahrenen Partei karren der KPD. spannen zu lassen. In kräftigen Worten gaben die meisten Redner ihrer Empörung über das Manöver der KPD. Ausdruck, ohne daß auchnureinWortdes Widerspruchs bei den„oppositionellen" Versammlungsteilnehmern laut wurde. Was der einzige kommunistisch« Diskussionsredner, ein arbeitsloser„Betriebsrat" gegen die Ausführungen Frickes vortrug, war gedankenloses Zeug, das von wenig gewerkschaftlicher Schutung zeugte. Gegen ganz« vier Stimmen wurde schließlich folgend« von einem Betriebsrat eingebrachte Ent- s ch l i« h u n g angenommen: „Die am 26. Februar 1929 tagende freigewerkschaftlich« Be- tnebsrätekmrserenz fordert alle Arbeiter und Angestellten Berlins auf, umgehend die Wahlen für die Betriebsoertre- t u n g e n vorzubereiten und durchzuführen. Di« Wahlen sollen möglichst Mitte April abgefchlosien sein. Die Konferenz verweist ausdrücklich auf die neue Fassung des§ 23 des Betrisdsrätegefetzes. Sie erwartet von' allen Beleg- schasten der Berliner Betriebe, in denen bisher kein Betriebsrat bestand, aber nach dem Gesetz zuständig ist. daß sie sich um die Bestellung eines Wahloor stände» bemühen. Falls der Arbeitgeber dies ablehnt, werden die Kollegen aufgefordert, un- oerzüglich ihrer zuständigen Gewerkschaft Mitteilung zu machen. damit diese einen dahingehenden Antrag beim Borsitzenden des Arbeitsgerichts stellen kann. Für die Aufstellung der Sandidalenliste erklärt die Konferenz folgendes: Die Berliner Betriebsräte werden gewählt nach den Beschlüssen ig 1922 und den Richtlinien des ertschaft- leiert« des Gewerkschaftskongresses AfA-Bundes vom 3. Juli 1924. Danach darf kein frei, licher Arbeiter oder Angestellter offene oder ver' politische Listen aufstellen, auf solchen Listen kandidieren oder für solche Listen stiinmen. Dies« Beschlüsse und Richtlinien besagen auch, daß in die Listen der freien Gewertschaften keine K a n- d i d a t e n aufgenommen werden dürfen, die unorganisiert oder nicht freigewerkschastlich organisiert sind. Di« ver- sammelten Vertreter der Betriebsräte weisen mit Entrüstung die von den kommunistischen Konserenzen am 24. und 25. Januar und 26. und 27. Januar beschlossenen und von der„Roten Fahne" ver- öffentlichten Forderungen für die Betriebsrätewahlen zurück. Sie erklären, daß sie die kommunistische Wahlparole, Einheitslisten und Hirsch. Duncke lirsste ablehnen und bekämpfen. organisierten und aufzustellen, aus» si mil den un- irsch-Dunckerschen Arbeitern Si« fordern all«� freigewerkschastlich organisierten Arbeiter und An- ..... ende Anträge der so gestellten Groß-Berlins auf, dahingehende Anträge der sogenannten „revolutionären Opposition" in den Betrieben mit aller Energie zu bekämpfen und zurückzuweisen. Die Berliner Betriebs- rät« lehnen es ab, mit indifferenten und nicht klassenbewußten Arbeitern aus ein und derselben List« zu kandidieren und treten nach wie vor geschlossen für eine einheitliche freigewerk- schaftliche Liste ein. Die Konserenz verlangt von den zu- ständigen sreigewerkschastlichen Organen schärf st es Vorgehen gegenüber solchen Milgliedern der freien Gewerkschaften, die dieser gewerkschastszerstörenden kommunistischen Parole Folge leisten und sich dafür einsetzen." 1 Die Moskauer Gewerkfchastshehe. Selbst KpO.-Gewertschastsfunktionäre dagegen. Im mitteldeutschen Bergbau ist eine Rebellion der kam- munistischen Gewerkschaftssunktionäre gegen Moskau im Gange. Die kommunistischen Arbeiter hoben den Parolenunsinn der Zentralinstanzen endlich satt. Die n e u e st e Narrheit der Thälmänner war die Forderung, bei den Betriebsrätcwahlen eine Einheitsfront mit den Unorganisierten zu bilden. Dieser Irrsinn hat, wie wir vorausgesagt haben, dem Faß den Boden ausgeschlagen. In einer Konscrenz des Bergarbeiterverbandes am ver- gangenen Sonntag in Probstzella, rückten die kommunistischen Funktionäre des Zeig-Meuselwitzer Gruben- rc v i e r s von der neuesten Moskauer Gewerkschastsparolc mit einer Erklärung ab, in der sie u. a. sagen: .Wir lehnen die Richtlinien und Beschlüsse des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands vom 24. und 25. Januar, sowie der Reichsporteiarbeiterkonferenz vom 26. und 27. Januar 1929, soweit sie die Wahl von.Kampsleitungen" und die Betriebsrätewahl betreffen, als falsck� und Verhängnis- voll ab. Wir lehnen diese Beschlüsse und Richtlinien ab, weil sie die grundlegenden Beschlüsse des 3. Kongresses der kommunistischen Internationale über die Arbeit und Aufgaben der revolutionären Opposition in den Massenorganisationen ausheben, dadurch die Opposition isolieren und somit den Reformisten bequeme Möglichkeiten zu Gewaltmaßnahmen bieten. Unsere Tätigkeit als Verbandsmitglieder und Funktionäre vollzieht sich im Rahmen des Statuts und der Verbandstagsbeschlüsse. Die Kandidatenlisten für die Betriebsräte- wählen werden so w i e' b i s h e r durch Belcgschastsversammlun- gen aller freigewerkschastlich organisierten Arbeiter ausgestellt, wobei Unorganisiert« selbstverständlich nicht aus Gewerkschoftslisteu kandidieren können." Also offene Revolte im kommirnistischen Lager, offener Bruch mit den Moskauer Thesen! Wird die Rebellion zu einer Aenderung der Moskauer Methoden führen? Sicherlich nicht. Moskau ist am Ende mit seinem Latein. Es kann den deutschen Gewerkschaften nicht beikommen. Die Gewerkschaften stehen heute fester und geschlossener da denn je. Mit eigenen Gowerkschastsersolgen kann Moskau in Deutschland keinen Staat und keine Propaganda machen, deshalb oerfiel es schließlich auf den Blödsinn der„Einheitsfront mit den Unorgani- s i e r t e n". Es treibt damit förmlich die e'genen Leute auf die Seite der sozialdemokratischen Arbeitskollegen und trägt dadurch unfreiwillig selbst zur Stärkung der„Reformisten" bei. Es ist ein- Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. Reichsiarisverhanölungen im Baugewerbe. Vom 25. bis 27. Februar ist wegen des Abschlusses eines neuen Reichstarifvertrages für das Baugewerbe weiterverhandelt worden. Auch diese Verhandlungen verliefen vielfach stockend. Jedoch wurde in einigen Difserenzpunkten eine Einigung er- reicht. So einigte man sich in der Frage der Betriebsvcr- t r e t u n g. Auch in den Lehrlingsfragen haben sich die beiderseitigen Anschauungen einander genähert. Die Unternehmer- Vertreter, die in ihrem Entwurf Lehrlingsdestimmuligen überhaupt herauslassen wollten, sind von diesem starren Standpunkt abge- gangen: sie erklärten sich zur Aufnahme neuerLehrlings- bestimmungen auch im neuen Bertrage bereit. Ferner liegt eine Annäherung vor In der künftigen 5z ö h c der Lohnspantte zwischen gelernten und ungc- lernten Arbeite rir. Die Frage der täglichen Arbeitszeit ist jedoch immer noch nicht geklärt. Die Unternehmeroer- treter lehnen nach wie vor die tarifliche Fe st legung des Achtstundentage» ab. obwohl ihre Gründe für eine Ver- längerung der täglichen Arbeitszeit im Baugewerbe den nackten Tatsachen gegenüber keineswegs standhalten können und der Acht- stundentag von den Bauarbeitern fast überall als wohlerworbenes Kulturgut erachtet wird. Am 11. März wird weiler verhandelt. Reichsbahn und Ltnfätle. .Unfälle verhüten ist bester als Unfälle vergüten.� Das soll der Grundgedanke der„Ruwo" sein, an der sich die Deutsche Reichsbahn-Gcsellschaft beteiligt, die 25 966 M. ausgeworfen hat. Buntschillernde Plakate und Inschriften mit der Mahnung zur eigenen Vorsicht leuchten den Bediensteten an mehr oder minder zweckmäßigen Stellen entgegen. Damit glaubt jedenfalls e>n Teil der veronlwortlichen Stellen der Pflicht in dieser so wichtigen Angelegenheit genügt �u haben. Man muß zu dieser Auffasiung kommen, wenn man täglich erlebt, wie Menschenleben an dieser oder jener Stelle des Reichsbahn- betriebcs im Dienst für letzteren zugrunde gehen. Zur Unfallverhütung dient auch, wie den Rcichsbahnstellen bekannt ist. und wie sie es gerade kn der„Ruwo" durch ihre Organ« besonders betonen lassen, der S i ch e r h e i t s p o st e n. Ist aber der Sicherheitsposten bei besonders gefährdeten Dienstverrichtungen stets zur Stelle? Wir sagen: nein! In der Stund«, wo der Artikel geschrieben wird, bringt man den zerstückelten Leichnam eines Kollegen zur letzten Ruhe. War der tödliche Unfall seine eigene Schuld? Abermals verneinen pnr. Wie kam der Dahingeschiedene ums Leben? Am 21. Februar wurde Karl B ü l o w von der 163. Bmei. mit dem Reinigen der Weich« 9 beschästiat. In Anbetracht des Frostes und der dadurch emstehenden Unsicherheit durch Dampf- und Rauchschwadeu sowie der durch die Kalle hervorgerufenen Geräusche ferner und naher Züge war diese Arbeit unter diesen Umständen eine b e- sonders gefährliche. Dem Verlangen des Kollegen auf Stellung eines Sicherheitspostens wurde nicht ew- sprochen. So kam es, daß Bülow zwischen den Stationen Schöneberg und Ebcrsstraße von einem Ringbahnzuge ersaßt und sofort getötet wurde. Wir erheben die Anklage gegen die Dienststeile, daß sie durch Außerachtlassung der einfachsten Vorsichtsmahregeln schuld an dem Tode dieses Kollegen ist! Aehnlich war es ebenfalls am 21. Februar 1929 am Lehrter Bahnhof, wo der Zeitarbeiter T ö p p e l überfahren und getötet wurde. Dort machte zwar der Rottenführer den Sicherheitsmann, aber anstatt auf die nahende Gefahr acht zu geben, arbeitete er mit, und so geschah auch hier das Unolück. Deutsche Reichsbahn-Gesellschastl Vom 25. Fe- bruar bis 3. März- ist die„Ruwo". Richt dich nach deinen Lehren und Anweisungen und lerne diese s e l�b st beachten. Das Parlament sollte weit mehr als bisher diesen Fragen Ausmerl- samkeit schenken. Die Eisenbahn muß rollen, aber sie soll es nicht über die Leiber des Personals. „Salamander" Hai ausgefperri! Stuttgart. 27. Februar.(Eigenbericht.) Der Konflikt zwischen der Salamander-Schnhsobrik Siegle n. T o. in Sornwestheim und ihren Zuschneidern hat zu einer Aussperrung der gesamten Belegschaft geführt. Betroffen sind 4500 Arbeiter und Arbeiterinnen. Zuzug ist sern- zuhallen. Oer Pfälzer Metallschiedsfpruch verbindlich. Verlzandwngen in Speyer unter dem Schlichter Dr. Töverlein über die Verbindlichkellserklärung des für die pfälzische Metall- industric am 31. Januar gefällten Schiedsspruchs scheiterten. Unter Abänderung«Niger Punkte des Schiedsspruchs, denen die Parteien zugeftinmrt hotten, wurde die Verbindlichkeit des Spruches erklärt. Die Neuregelung tritt nicht erst ab 1. April, sondern von der lausen- den Lohmvoche ab in Kraft. Geltungsdauer ein Jahr. Ltm den Wirlschastsfrieden in England. Gemeinsame Beratungen. London. 27. Februar.(Eigenbericht.) Der Generalrot der britischen Gewerkschaften beschloß am Dienstag die Einladung der Föderation der britischen Industrie (Unternehmer-<�Mtzenverband) und der nationalen Föderation dtt Unternehmerorganisation zu gemeinsamen VerHand.- lungen über die schwebenden wirtschaftlichen Probleme anzunehmen. An den bisher geführten Verhandlungen nahm Nst'r ein Teil der britischen Industrie, und zwar die sogenannt« Mond- Gruppe teil. Das Schlichlungswesen wird am Montag, dem 4. März, abends 8 Uhr, auf Veranlassung der Hochschule für Politik im Hörsaal 3 des Univcrsitätsaulagebäirdes, Kaiser-Franz-Ioseph-Platz. erörtert werden. Präsident Dr. B ra u nweiler behandelt die„Krllik des beut- schen Schlichtuiigsg>eiens". Professor Dr. S i n z h e i m e r übt die „Antikritik". Am folgenden Abend ist eine allgemeine Aussprache unter Leitung von Professor Dr. Brieß. Einlaßkarten a 1 M. im Sekretariat der Hochschule, Schinkelplotz 6(Zentrum 7686/87). »�reie Geweftschasts-Iuqenö Groß-Berlin Heute, Tonncestog. lSii Uhr, tagen die Gruppen: Moabit: Gruppen- heim Jugendheim Lehrter Str. IS— IS. Vortrag!„Bub und Mädel in Gruppenheim Stadt. Jugendheim ilöpcalck: Gruppenheim �llgrnuyeuu vneuneuiri: 01t. u. iriiennrumer eu>cno; Arbeiterdichtung.— Hc. iundhrunner: Gruppenheim Jugendheim Sole Schul«. Gotendurger Stragr. Bornas:„Geroerlschaftlicheo Organisationzformcn." �— Landoberger Plal,: ye>m ijugcnbderm u-orier>-!r. is—i».«orrrac " der Jugend dem cgung."— Wedding: Gruvpenhi vrthstr. I». Die Zither lockt, die Geige klingt.— Jugendheim Grünauer Str. ö. Literarischer Abend: i Wir besuchen die Gruppe Köpenick.— ltrantlnricr Alle«: Gruppenl>e:m Stadt. Jugendheim Litauer Str. IS. Nreiomüdchenabend.— Lichtenberg und Neu- Lichtenberg: Jugendheim Kaufs-, Eck« Lesfingstraßc. Lichtbildervortrag:»Die IsSZ. in Wort und Bild.�— SSdoften: Zugendhcim Beichcnberger Str. KZ fiseuenpehrhausZ. Kofemann bringt un» etwa» Äeues.— Zempcldot: Gruppen heim Luteum Germanlastr. 4—«. Lichtbildervortrag:„vom Urvogel zum modernen Flugzeug." Zuaendarupve des?entralvertande6 der Anoesse>lten cn statt: Treptow: »chöneberg: Jugend- Jugend- t etile, Donnerstag, finden folgende Beranstaltunx ugendheim Wildenbruchstr. SS.«urzreferate— heim Hauptftr. Id fDhüringenzimmcr). Vortrag: �Zuge ndrecht und schütz." Referent Erwin Juntzel. Verantwortlich fiel mir das Fischkotelett sofort in die Augen. Dem vorbeigehenden Kellner warf ich die Frage vr. wohl zu Ehren der Fisch wo che? Sein Gesicht markierte Ucberraschung und Berständnislosigkeit. ..Nun. man sieht doch überall das schöne Plakat mit dem schlanken Fisch und dem netten Äinde."—„Aha, ich verstehe— so wird es wieder einmal gemacht. Viel nützen wird es nicht.. Die Wahrheit dieser Ansicht ist ni-ht zu bestreiten. Woran liegt es? Wir glauben, daß die Werbung sur das gesunde und nicht teure Fischesien einen ganz i a l s ch e n W e g einschlägt. Papier statt Fisch— den Kindern und den Hausfrauen wird von Zeit zu Zeit der Fischgenuß auf dem Papier warm empfohlen— dabei kann man sich nichts denken. Die aebackcue Fifchration, die auf der Ausstellung„Ernährung" für billiges Geld vertäust wurde, war ein« ganz andere, wirksamere Empfehlung. Al'er sonst war die Aufmachung der Fischabteilung auf der„Ernährung" eine allzu bescheidene. Ein kleiner Pavillon, gewissermaßen durch sein« Kleinheit das Fischgericht als etwas Nebenfächliches erweisend. Da hätte ein langer Glaskasten und Vafsinraum vorhanden sein müsien, in dem seden Tag neue Fisch- sorten ihre Aufwartung hätten machen müsien. Und so ähnlich müßte es auch bei einer Winter- Werbewochc zugehen. In den Restaurants mühten richtige F i f ch t a g e arrangiert werden. und wenn dann Kochrezepte und andere Werbeschriften verteilt würden, so hörte der praktische Hintergrund nicht gefehlt. Hoffentlich fallen unsere Anregungen aus günstigen Boden und werden bei nächster Gelegenheit erprobt. Itunfdi an die Siraßenbatm. Einen schweren Mißstand hat die Kälteperiode für die Fahrgäste der Straßenbahnen und Auiobusie sühlbar gemacht. Die bis oben herauf mit einer dicken Eisschicht bedeckten Fenster ver- hindern jede Aussicht auf die Straße, so daß selbst diejenigen Fahr- gäste, die das Straßenbild genau kennen, nicht in der Lage sind, festzustellen, wo sie sich befinden. Gewiß, der Schaffner soll die Haltostellen ausrufen. Bei den vollgestopften Wagen ist er aber mit Kassieren so überlastet, daß es nicht Wunder nimmt, wenn er es oft oerpaßt. 2luß«rd«m werden die besten Stimmittel matt, wenn man acht Stunden lang Haltestellen ausruft. Dazu kommen noch Aussprach«. Dialekt, das Klirren der Scheiben und.Klappern der Türen. dgs durch die große Käl'e noch verstärkt wird. Alle diese Dinzc machen auch die klarste Stimme unverständlich. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, daß sich die Nervosität der Fahrgäste in irgendeiner Weise auswirkt. Bei jeder Haltestelle pflegt eine ganze Reih« Fahrgäste Nochbarn und Schaffner zu befragen Zwischen. durch Hort man immer wieder die Worte:„Schaffner, die wievielte Halteftelle ist die.... Straße?" Hier wäre der elektrische Halt« stellenanzeiger. im Innern de« Wagens aufgehängt. ein« endgültige Abhilfe. Da» Publikum würde beruhigt und sicher. die Schaffner aber bedeutend entlastet werden, was sich auch bei der Kassierung der Fahrgelder zum Nutzen der Berkehrsgesellschoft aus- wirken wurde. Die Einführung des elektrischen Holtestellenonzeiaers. darin sind wir mit dem Genossen Adolph Hoffmann, der uns diese Zellen zuschickt, einer Meiming, würde für Publikum und Schaffner im ganzen Jahre ein« große Erleichterung sein und könnte den Ber- kehr nur fördern., Um die 3�andleili„SEinfenu. Zu der Zuschrift über das staatliche Leihhaus in der Nummer vom 13. d. M. wird uns mitgeteilt, daß der Pfandleiher die Zinsen niemals im voraus nehmen' darst Solange man bei den Ent- -chädigungsn, die der Pfandleiher für Hingabe der Darlehen erhält, von.Linsen" spricht, wird man immer geneigt sein, an Wucher steigenden mit pünktlichem Erscheinen an der Arbeitsstelle zu rechnen haben und daher den gewöhnlich knapp zu erreichenden nächsten Zug gewinnen müsien, herrscht in der Masse der„Tunnelleute" eine stark hastende Tendenz. Wer sich unterfangen würde, den Schnelligkeits- rhychmus durch langsames Gehen zu unterbrechen, darf darauf rechnen, beiseite geschoben zu werden. Also ziehen wir die Schluß- forgerung: Wie die Ringbahn neuerdings eine Fahrtreppe auf einem Bahnhof eingerichtet hat, sollte auch die U-Bahn den„rollenden Bürgersteig" überall da einführen, wo die Uebergänge von einer U-Bahn zur anderen einen lnngeu Marsch erfordern. i zu denken. Bei Beurteilung dieser Tatsache muß aber berücksichtigt werden, daß. das Durchschnittsdarlehen der privaten Pfandlciher 1l) Mark beträgt, und sie für die.Linsen" für das Darlehen, außer der Hingabe des Darlehens auch noch andere Leistungen gezwungen sind zu machen. In ollen Fällen ist mit dem Abschluß eines Pjand- geschastes auch die Tätigkeit eines Lagerhalters, Aufbewahrers usw. verbunden. Vergleicht man nun die für 10 Mark innerhalb zweier Monate zu zahlenden SU Pf. mit den Gebühren anderer unter- nehmungen, die gleiche Leistungen bieten, ohne zugleich ein Dorlehen zu gewähren, so können die PsandIeih-,Linfen tatsächlich nicht al» übermäßig hoch angesprochen werden. Die Aufbewahrung»Ine« kleinen Gepäckstückes kostet bei der Reichseifenbahn pro Tag 20 P f„ eines größeren 40 Pf. Die Aufbewahrung eines Koffers kostet bei einem Spediteur pro Monat t Mark, die etwa dreistündig« Ausbewahrung eines Paletots in einer Theatergarderob« im Durch- schnitt SV Pf. usw. tloch mohr ZKloakenhäufer. Stoßweise flattern in diesen Wochen die Hilseruf« all derer aus den Redaktionstisch, die in Schmutz und Gestank vegetieren müsien. Die Folgeerscheinungen der Kälteperiode, der oll die aliersschwachen Wasser- und Abflußrohr« in den Häusern nicht gewachsen sind, bereiten noch und nach einen recht ansehnlichen Seuchenherd in den verschiedensten Stadtteilen So befindet sich das Vorderhaus Verlin N, Wiesen st raße 60. wieder«in- mal in«inen: mehr als üblen Zustand. Seit Wochen gibt es kein Wasier, seit Wochen ist ebenfalls die Gasleitung eingcfrotea Di« Abflußleitung der Klcsettrohre war zeitweis« oerstopft, der Unrat ergoß sich aus den Behältern über dos Treppenhaus und vereist« dort: außerdem sind von den vier vorhandenen Klosetten nur zwei in benutzbarem A>flta�>. Im Hause sind mehrer« Personen ertrankt und bedürfen ärztlicher Hilf«. Da sich da» Treppenhaus jedoch im Laus« der Vegebenheiten zu einer richtigen Eisbahn entwickelle, weigert sich der Arzt, hier sein« Gliedmaßen zu riskieren. Statt der Treppenbeleuchtung ist abends ein dürftiges Kerzenlicht ausgestellt. manchmal auch dies nicht einmal. Als vor einigen Tagen Tauwetter eintrat, konnten die Bewohner einfach die Treppen nicht passieren, da die übelriechende Lava in Gang geriet. In einer Parterre- wohnung dringt die Näsie der defekten Klosettieitung direkt in die angrenzend« Küche, so daß diese infolge de» gräßlichen Gestankes überhaupt nicht benutzt werden kann. All« Woche erscheint aus ein« Stunde der Klempner, hantiert«in wenig mit der Lötlampe und verschwindet wieder. Hausverwalter und Hauswirt sind, mit gewöhnlich, taub für all« Bitten, Klagen und Dorwürie. Wann wird dieser Jammer enden? &roUoir StaulanJL" Der rollende Bürgersteig mit dem Eiffelturm war dieser wartbern&e Lousweg die Sensation der damaligen Paris«? Welt- ousstellung! Eine in sich«zeichlosiene. ovale Holzplanke bewegte sich langsam, ja daß von der Erde ein Aufstoigen leicht möglich war. Im Innern dieser Bahn liefen nun weitere Plankenwege mit immer größerer Geschwindigkeit; doch war das Uebersteigen von einer Planke auf die andere immer leicht. Das Ganze also mit einer wagerecht liegenden Lauftreppe zv vergleichen. Auf der obersten Planke waren Bänke ausgestellt, so daß man sich während der Fahrt ausruhen konnte. Weshalb wir diese Erfahrung ausfrischen? Wäre es nicht einer Weltstadr würdig, den Lausschrittmarsch in dem Berbindungstunnel von der- alten U-Bahn zur Nord-Südb a\n lini e durch eine bequeme und ästhetisch einwandfreie Beförderung zu ersetzen? Da die Mehrzahl der Um- Die Benzinexplosion in Tempethos. Ursache noch ungeklärt. Vi« gefährliche Benzinexplofioa aus dem Gelände der Drnksch-Amerikanischen Petroleumgefellschaft in der Saab lmrgslraße 4 in Tempelhos. über die wir in der Abend- ausgäbe bereits berichteten, war gestern nachmittag der Gegenstand eingehender Untersuchungen. Bisher konnte die Ursache noch nicht geklärt werde«. Selbst die Betriebsleitung der Gesellschaft steht vor einem Rätsel: ein ähnlicher Unfall war noch niemals zv verzeichnen. Bei dem explodierten Tank handelt es sich um«inen sogenannten Agitator, einer DestAierblase, in der sich über 20 000 Liter Benzin befanden. Die Anlage besteht aus Eisen und ist von einem etwa IS Meter hohe» Eisengerüst, das«in Wellblechdach trügt, um- geben. Durch Zuleitung von Muren und Laugen wird das im Tank befindliche Benzin einem Reinigung»- cder Destillierprozeß unterzogen. Die Explosion erfolgte mit einer großen Slichflamme. Durch den Lustdruck wurde der starke eiserne Deckel und das darüber- liegende Dach zerrissen. Giiicklicherweif« ging der Druck nach oben, so daß in der näheren Umgebung des Explostonsherdes verhältnismäßig wenig Schaden angerichtet wurde. Mehrere Arbeiter, die zur Zeit der Explosion in der Nähe des Tanks lnschäftigt waren, kamen mit dem Schrecken davon. Die F e u e r w e h r, die mit drei Löschzügen unter Leitung des Oberbrnnddirektors Gempp angerückt war, hatte fast vier Stunden an der llnglücksstetl« zu tun. Das in Brand geratene Benzin wurde durch Einsetzen mehrerer Schaumgeneratoren gelöscht. Wie noch von sachkundiger Seite mitgeteilt wird, besteht die Ber- mutung. daß größere Mengen Dämpfe und Gase, die sich im Tank angesammelt hatten, durch Reibungselektrizität zur Eni zündung gebracht wurden. Der Raubmord in der Scheune. n seinem srerndbiungen Gedrückrsein, lächerlich in seiner Lerknippelung— und die ihn, den Ghettojuden, nun auf ihre Schultern genommen hatten, wie man seine liebste Habe durch den Strom trägt... Wieder verwirrten sich feine Borstellungen, schienen ihm wahr zu sprechen in ihrer Verwirrung: die deutsche Rc- publik... die grüne Aue— das frische Wasier— dort wird nichts mangeln... I „Iäwet. doch, ihr Irvßen, Iöwet doch, ihr Irvßen. Iäwet doch, ihr Iroßen, eiern Purpur hürl Mir brauchen rot« Hofen Für der Freiheit Heer? Mir sin jo keene Knechte, Mir sin jo alle jleich, Mir kämpfm für die Rechte iln für das deutsche Reich.. Wie das schwarze Tier Volk die lange, jonnenweitze Gaste aufgefressen hatte! Nur noch«in kleines Stück war da von ihr, dann noch die Brücke, dann der Markt... der Markt! Eine runde, gelbe Fläche wie eine Sonne, in die sie hineinstürzten: die deutsche Republik! Vorn der Schmied und der Böttcher. Kniephacke gab die Wortveränderungen des Liedes an. Er wußte nicht, daß seine Frau droben im Ausspann, notdürftig betreut von ein paar Arbeiterinnen, unter furchtbaren Qualen gebor. Er schritt, er sang mit den anderen, die Brücke bebte, ihre Pfeiler sangen mit: „Reißt den ollen Trosegk, Reißt den ollen Trosegk, Reißt den Trosegk raus aus griederikchens Be'i! Wir brauchen keene Fürsten, Hiinmelkruzisix. Wir brauchen keenen Herjoti, Iwwerhaupt jarnifchtl" Als Hecker-Ealm den Namen Trosegk hörte, zuckte ein- mal etwas wie Angst in ibm auf. Er blickt« unwillkürlich von der Brücke über das Wasier. lieber der Stadt lastete das herzogliche Schloß. Aber fein trotziger Turm zitterte in der zuckenden Mittagsluft. Der von Trosegk schien einmal nicht aufgepaßt zu haben... dachte Calm und sah wieder voraus, während das hohle Dröhnen der Schritte wieder«in trockenes Knallen wurde. Di« Brück« war verlasten. Der Marktplatz brauste: ..II» wenn die Harren fvogen, Wo Hecker-Calw woll fei, So sollt er ihnen sagen, Hecker-Ealm is frei! Der hängt an keenem Baume, Der hängt an keenem Strick. Dar hängt bloß an dän Traiimc Bon de deutsche Republik.. In Gejang und Geschritt war das Pferdegetrappel un« - hörbar geblieben, das hinter ihnen den Berg hinabklopfte. ! Der herzogliche reitende Bote, dessen Gaul ein dreistündiger � Ritt schweißnaß gemacht hatte, jagte ungesehen zum Schiaß hinauf. „Tschingdana, bumdarra, Revolutzjon, Hei, Reoolntzjon, Hei, Reoolutzjonl"— verklang der rasch hinzugedichtete, trotzig auslachende Refrain... Da? Lied war zu Ende gesungen. In den letzten, tiefen Ton klirrte von der Brücke her«ine junge, harte Stimm«: „Absitzen!" Vom Zuge, der sich auf dem Marktplatz runden, breiten wollte, sahen einige zurüch Schrien erstickt auf. Krallten ihre Nachbarn zur Rechten und Linken in die Brust. Alle sahen jäh um, blieben starr stehen, in balber Wendung, mit halbverschlucktem Schrei: „Preußsches Militär!"—„De Halberstädter Kürassierer Die Träger schwenkten wirr herum. Calw klammerte sich an dos Holz. Sein Gesicht starrte gerade in die Mauer der Kürasie, die sich jetzt über die Brücke zog, glitzernd wie aus Schwertstahl. Bon dort her schnftt die scharfe, sunge Stimme:„Platz räumen— oder ich lasse schießen!" Hecker-Ealm kroch mit den Augen zurück, über das Volk hin, über fein Volk hin. Der Platz schien ibm mit einem Male trostlos weit und kahl: ein riesenhaftes gebleichtes Blatt. Der Zug darauf: eine icharze, winzige Raupe. Die den feindlichen Vogel sah. Und erstarrte. Und den Kopf zurückhob, den Kopf Hecker-Ealm, den hilflosen Kopf... (Fortsetzung folgt.) mch Serliii noch ber Zeit Hobe sehen wollen. Do Hab« er«checkt, Mg er nicht feine, sondern eine fremde Uhr in der Tasche hatte. San dem Raub des Geldes will er nichts wisse««, ebensowenig von '««u Verbleib der Uhr. Ohne Zweifel hat Jung sie irgendwo zu Äeild gemacht. Der Verhaftete bleibt dabei, mcht gewußt zu haben, Mß Holz tot war. als er die Scheune verließ. In Gewahrsam hat st mehrmals versucht, sich das Leben zu nehm«, wurde aber jedes- uiol daran verhindert. Berliner Kesiwochen. Erklärungen des Oberbürgermeisters Or. Äöfi. vor verliner und auswärtlg« Pressevertretern eul- wickelten gestern«wchmittag im Aoyer der Städtischen Oper sllvrbürgermcister Dr. Löh. Dr. Paul E g e r an Steve des eihrankten Generalinie» dantea Tieljen und Redakteur Karl Vetter das Programm der Perliner Festspiele, die vom l S. Mai bis 23. Znai fiatisinden werden. Diese Festspiele sollen in erster Linie für Berlins künstlerischen lusschwung reprölejitotiv sein. Die Kosten«Verden aus Privat. »endeil g.'deVr, und man ivill sich benrühen, die Eintrittspreise so ■iedrig wie«chlglich zu halt«, so daß auch die Minderbemittelten ich? onsgeVTlch'ien sind.— Am Mittelpunkt stehen die musikalischen ieranstalchngei» Die Eröffnung der Festspiel« findet am P f i n g st- v n»t t a g, dem 1!>. Mai, mit einer Ausführung„Die Meistersinger ■on Nüniberg" in der Lindeiwper statt. Daran sihließt sich ein .Lag»er-Zgklus, der alle Werke vom..Rienzi' bis zum„Parsifal" vi efcrsr llieueinpudierung des„Ringes" bringt. Es folgt ein '«cozar�Znklus mit„Sozi lan tutte", der„Entführung",„Don 7»tan"..Figaros Hochzeit" und der.Lauberflöte", urch ein Richard- ..Äronfe-Zvlils mit„Salmne".„Elektra", dem„Rosenkavalter", Ariadne"...Intermezzo", der„Frau ohne Schatten" und der Segypii'itMn Hele««". Die Zyklen verteil« sich aus die drei '.berliner Opernhäuser. Während der Feltzeit werden im Rokoko- � zealer im tftticn Pafeis.zu Potsdam„Don Pasquale" und„Die .iagd als Herxin" aufgeführt,«vährend Brimo Walter in der .itädtiichen Oper Glucks Iphigenie" und Klenrperer in der Kroll- . per Hiirdenijths„Neues vom Tage" herausbringen Neben den estaunührungrri werde«, die drei Opernhäuser in ihrem sonstigen � pielplau ein« Ulpbcrsiit� über ihr Gesamtrepertoire, vor allem über � e Werke deutscher Kampmiisten bieten. D>is große Ereignis bildet doch das G e i a M t g a sts p i e l der Mailänder Ecala «ter dem berühniten Dirigenten Toscanini. Es beginnt am l Mai«nit der Aufführung von Verdis„Fvlstoss". Daraus folgen . iiigolctto",„Trvulwdvur-,..Die Macht des Schicksals": Pizettis xra Eherardo" und DonizetLs„Lucia von Lanimermoor". Daran -ielilicßcnd das Gastspiel des nissischcn Balletts von Djaghilesf.— in den großen Kotierten sei in erster Reihe dos Volkslieder- -nzert, das der Deutsche A r be i t e r s ä n g e rb U n d veran- Ale«, erwähnt. An den Schcufpielhoulern sind mit erster Besetzung Aussicht genommen: die Einakter„Spuk" von©erhart Haupt- Inn im Deutschen Thwter. Im Staatstheater die Neueinstudierung z„Fiesco", im Renaisiancc-Theater Brechts„I,n Dickicht der ädtc", im Tl�oter am Schifsbauerdanun„Berlin, wie es weint 'd lack!"»nd im Theater in der Königgrätzer Straße Shakespeares Sie es euch gefällt!" Am Mittwoch, dem 12. Juni, hat die rliner Funtftunde eine groß««eronstaltung im Stadion vor- lehen. Gleichzeitig«uit diesen musikalisch« und theatralisch« Benin. lWpgsn finden große Sonderausstellungen statt: An den üohalken am Kaiferdänim„Wasiser und Gas" und am mpliner See„Die Wassersportausftellnng". Such : Museen rüsten für die Festwoche. Sie kämpfende Frau. Am WÄnerstwrser Stadthaus saß, aus Einladung des Volks- l d u n g s a m t e s W i l in e r s d o r f. d-.e Schriftstellerin Käthe > raber am Bortragstisch. Eine Frau mit ein paar klugen Augen er kühn geschwungenen Brauen und einer angenehn�natürlichen 'rtr.rgsmeise.„Die känipfende Frau" nennt sich ihr rezitatorisches -»««;»nd sie liest, alrs der Feder bcheutender Frauen,«oechsel- bialte Si!i7r.7mnxsbildcr. Eine Welt des Empfindens, ein gal�es . auenschickfol Ist in jedem«iitl)alten. Aber so sehr sie sich in Wort . inden in sich setbst und neben' sich zu känvs« hat. Da schreibt .-> Wnrpsweder Malerssoau Paulo Becker-Moders oh««, die in»m- ickt-che.r Ehe 32jährig bei der Geburt ihres Ersten starb, als aut zarte Briefe voll bangcr Trauer um das Später. Da bricht ■ et« M«-sel-Heß eine Lanze für das alleinig« Besitzrecht der Frau ! Manne zur Erhaltung ihrer seelischen Kraft, und hinter Ge- «gnismauern hallt der Wehruf Rosa Luxemburgs über die Schmach : gelchunbenen Kreatur. Dann führt uns Till« Durieux hinaus » all das Dunkle, Schmerzvolle in die hellere, teichtbefchwingte Et ihrer Empiindungssphäre. An das„Stirb und werde" des zi-errivn Künstlers, den schweren Kampf und den beglückeichen ex..A?u zweiten Teil des Programms las Käthe Grober aus »ä Viebips imveröfjentlichtem Roman„Die mit den 1000 -ch'ern", der in erschütternder Weise die Tragik der verheirateten hrenn. wenn sie Mutter wird, beleuchtet. Mit kräftigen Händen rd hier an den schwanken, reformbedürftigen Stäben des sexual- .Äagogischen Baues gerüttelt. Man hört noch Ricarda Huchs blut- ll-lebensbejohendes Borwärtsdrängen, Elle Lasker-Schülers zarte .immuo.gsmalerei. Aus ihrer eigenen Feder liest dl« Vortragende "£«mdrucks volle Skizze von der großen Einsamkeit des Künstlers, «r. bcru-en. Tausenden«»«ch aber Taillend« Freude zu vermitteln, Ibst zum Schluß iinbeallpkt, ausgeschlosien aus der Gemeinschost ■r Fröhlichen, allein bleibt. Der eindrucksvolle Abend wurde mit arkem Beifall aufgenommen.____ Natittec in der Ttadlhailc. Zum Besten der Einrichwug eines Jugendheinres in der üehiauer Straß« ffür die denacht-arren Bezirtc) ocraiistaltele die -cuIsch-Aüdllche Augendgenikirttchaft eine Matinee. Für die Stadt »erii-u sprach ObenrwgijtrutJrat Dr. Häufele r. Er begrüßte es, aß die Jiiitlutlve.zur Errichtung eines solchen Heimes von J*r Organisation, d. h. van der Aug ie Gemeinde sprach Raddiner eutung eines jahinen.Heimes gerade.....____,_____ )ie iltrrnfr'.ür» des Vormittags mar Arnold Zweig, der aus moerösfentlichl« Schriften vorlas. Der Berfasicr des„Streit um Hin Sergeanten Grilcha" hatte dazu ein Kapitel aus einem»««deren a-riegsduch gewählt. Die Schilderung des Kriegserlebnis ohne Heber- ireidung und Sentimentalität hinterließ bei allen Anwesenden einen erschütternden Eindruck. Ehrenvoller könnte man kaum den Dolks- '.rauertog begehen. Der Amisrat und die Gilberlöffel. Vor dem Disziplinargericht der Oberrechnungskammer. Die Strafsache«vegen Silberdlebstahls gegen den Amts- rat Heinrich kühne von der Obcrrechnungskamnier Poksdam wurde gestern anfs neue aufgerollt. Diesmal fungierte das Kollegium der Oberrechnungskammer als Disziplinargericht. Amtsrat Kühne wurde beschuldigt, im Mörz 1927 auf der Potsdamer Auktion bei dem Nachlaß des Barons Kardinal von Widdern sich vierzehn silberne Wappenlöfsel angeeignet zu haben. Das Potsdam? Schöffengericht oerurteilte ihn in dieser Sache an Stelle von drei Mmiaten Gefängnis zu 120 Mark Geldstrafe. Die Stt-afkmmner erkanrite seinerzeit auf Freisprechung. Die Verlesung der Zeugnisse des Angeschuldigte» besagen unter a««derem gerlügende Leistung«, Leistung« gut und sehr gut. Kühne«vor früher Sekretär beim Geodätisch« Institut in Potsdam, dann Feldmebelleuttiant im Kriege und seit dem 1. Januar 1923 in der Oberrechnnnyskanimer beschäftigt. Hilter anderem wurde er seinerzeit auch beschuldigt, der Frau ObersUcutnaitt von Zache einen Schlangenring mit Brillanten»md ver- schieden« Hrkunden entwendet zu hoben. Das Verfahr« wurde weg« Mangels an Beweis« eingestellt. Als der Berichterstatter den Vorgang verliest, daß die Frau des Angeschuldigten bei der Potsdamer Polizei gebet« Hab«,«nchts über die Vorgänge auf der Auktion zu veröffentlich«, ruft Frau Kühne impulsiv:„Das ist ja nicht tvahr." Amtsrat Kühne: Ach bitte mir Vertrau« entgegenzubringen. Ach wollte damals auf der Potsdamer Auktion ein„Bilderzimmer" für mein« Frau kaufen. Ach hatte WO M. in der Tasche: als ich das Auktionshaus betrat. Ich muß zugebm, daß ich der Inhaberin des Auktionshauses, Frau Horn, bei mancher Potsdamer Auktion viele schöne Sachen vor der Nase weggeschnappt habe: daher. stammt der Haß dieser Frau gegen mich, die mich sogar einmal als„Trödler" bez«ich>«et hat. Ich wollte«nemals die Löffel stehlen, sondern nur den Klang der Gläser prüfen. Daß ich die Auktions- inhaberin„freche Person' genormt habe, liegt daran, daß meine Nerv« durchgingen, als sie«nich als Dieb bezeichnete. Ich habe die Löffel niemals in der Tasche gelabt. Bors.: Ach ntuß Ihn« vorhält«. daß Sic bei der Prozedur um den Klang der Gläser doch nicht sämtliche Lössel in die Hand zu nehm« braucht«: da genügte doch ein Lössel, das ist auffällig.— Amtsrat Kühne: Ach gebe zu. daß ich Interesse an all« vierzehn Löffeln hatte, da sie Wappen zeigten.— Vors.: Was hat Sie ober veranlaßt, die Löffel an verschiedenen Stell« hinzulegen, und zwar auf einen Wäschestapel? — Arntsrat Kühne: Well die Inhaberin des Auktionshauses mich gleich anbrüllte:„Wo ist die Lösselbagage geblieben?" Dann komnien seltsame Dinge zur Sprache. Bmtsrat Kühne kannte ein lOjähriges Fräulein G.. das in dürstigsten Verhältnisicn im Luisenhaus, einem Strst für alte Damen, wohnt. Der An- geschuldigte«st nach eidlichen Aussagen von Fräulein G. zu den alten Damen ins Heim gekommen, um dort billige Sachen zu er- werben. Eures Tages verschwand Fräulein G. eine Postkarre. gemalt von einem französisch« Maler. Diese Karte wurde bei dem Angeschuldigt« gesunden, bereits eingerahmt. Zu der verwitwete« Margarete Z. kam der Angeklagte, stellte sich als Logenbruder der Minerva vor und erbot sich, den Nochlaß der verstorben« Mutter ordnen zu helfen. Für ö Mark brachte der Amtsrat nerjchicdcns Hrkunden mit Hirterschristm Friedrich II. an sich, er ließ Frau Z... die durch d« Tod der Mutter seelisch erschüttert war, in Unkenntnis darüber, daß es wertvoll« Hrkunden waren. Als die Dome um Rückgabe vorstellig wurde, drohte der Arntsrat mit einer Beleidigungsklage. Dum vermißt« die Frau nach dem Besuch des Amtsrais «in« Schlangenring. Kriminalbeamte fanden chn bei einer Haus- iuchung aus dem Finger der Tochter des Angeschuldigten. Die ärztlichen Gutachten sprechen im Gegensatz zum damaligen Strafverfahren heute von einer raffinierten Handln ngswcift des Angeschuldigten, denn die neuen Ermittlung« im Disziplinarverfahren hätt« ganz anderes Material gegen den Angeschuldigten ergeb« als die früheren Ermittlungen. Der Anklagever- treter hielt den Arntsrat des Dienstoergehens in mehrfacher Beziehung für schuldig, er beantragte Dienstentlassung, da Kühne sich als Beamter unmöglich gemacht habe. Sein Berhalien fei auf das schwerste zu verurteil«, er Hobe sich in den Verdacht des Diebstahls gebracht und so des Vertrauens unwürdig erwiesen. De Verhandlung wurde schließlich auf Sonnabend vertagt. Achtung, Parteiveteranen! Freitag, den 1. März, 19 Uhr, Im Saal I de* Gewcrk*diaft*- hanirt, Engelnfer 24/25: Zummmenkunft der Genoulnnen und Genotfen, die vor and während de* SoilaU*tenge*etze« för die Partei tätig waren. LA.: W. GrflndeL Aotlandung in Zehlendorf. Flugzeug paris-Äerlin.- Niemand verletzt. Da» französische Zlngzeog„Typ Zarman-Zabiro F 170* von Pari» über Köln nach verlia unterwegs, mußt« gestern nachmittag aus dem Gelände der Görz-werte an der G ö r z- Allee in Zehlendors wegen Veazlamaagel» eine Itollaadang vornehmen. Von der vesahuoz ist niemand z« Schaden gekommen. Passagiere war« nichi an Bord. Da» Flugzeug, da» unbeschädigt blieb, verbleibt über Pacht an der ItoNandongsstellc. Ein Katastrophenbetrieb. GkandalSst'Zustände in den Bayerischen Stickstoff werken. Die am Montag erfolgte Explosion in den Bayerisch« Stickstoffwerken in T r o st b e r g hat inzwischm ein weiteres Todesopfer gefordert. De Empörung der Arbeiterschaft gegen die Firma ist außerordentlich, weil in der von der Betriebsleitung veranlaßt« Mitteilimg an die Oefsentlichkeit die Schuld an dem Hnglück den Arbeitern aufgeladen wir?. In Wirklichkeit hat gerade die Betriebsleitung einen erheblichen Teil der Schuld, mcht «mr an dieser Explosion, solide rn auch an oll den anderen, die in den letzt« Jahr« in diesem Betrieb vorgekommen sind. Seit 1927 er- eignet« sich nickst w«iger als 5 Expiofloaen, dazu eine Reihe an- derer Hnglück-fälle, bei denen insgesamt 7 Arbeiter tödlich und sechs weitere fchrver verletzt wurdm. Seit langem ist bekannt, daß m .Di« sozial« Lage der Jugend in der Gcgenivari" schilderte Erich O l l e n h a u e r. Er gab im Grunde einen sehr unpathetischen. auf klare Zahlen gestützt« Tatsachenbericht— aber er entrollte Kaimt eine der furchtbarsten Tragödien unserer Zeit. Das schreckliche Brandunglück in einer Berliner Fabrik, dein kaum sechzehnjährige Mädchen zum Opfer nelen, deckte Zustände im Berufsleben Jug«d- licher auf, wie sie leider keine allzu große Seltenheit darstellen. Halbe Kinder mußten bis jpät in die Nacht Ueberftunden machen, und damit sie arbeitsfähig blieben, gab man ihnen alkoholische Ge- tränke. De Gerverbeoussichisberichte des letzten Jahres beweisen, daß zahlreiche Jugendliche unter ähnlich« Verhältnissen orbeil«. Ja, die Kftstündige Arbeitswoche kann Jugendlichen sogar aufgebürdet«oerden, vhlie daß die bestehenden Gesetze eine Handhabe zum Eingreisen bieten. 23 Proz. erwerbslätiger Jugendlicher haben— nach umsassend« Erhebung«— überhaupt keinen Hrlaub Im Jahre, nur 4 Prvz. über vierzehn Tage. Der Vortragende betonte, daß die 48-Stulst>«-Woche— einichilchlich aller Unterrichts- stund«—, Sonnabend Frühschluß und zwei- bis dreiwöchig« Urlaub im Jahre das mindeste ist, was den Jug«dlichen durch ge- setzliche Bestimmungen gesichert werden«imh.— Als Abenddar- dietung wurde Kalmanns Operette„Die Faschingssee" ge- sende«. Es«oäre notnxndig gewesen, den läppischen Dialog auf ein Minimum zu reduzieren, we«m man die Hörer mit der ganz ge- fällig« Musik— die ohnehin nicht zu den einfallreichst« Der- tommg« Kalmanns gehört— unterhalten wollte. So oerebbte die Aufführung in langwelliger Breite. Tes. diesem Betrieb die primitivst« Arbeiterschutzbestimmimg« aufs gröblichste mißachtet werden, trotzdem es sich um ein« außerordentlich gefährlichen Betrieb handelt. Auf Anordnung der Leitung muß vielfach das verarbellete Material in heißem Zustande verpackt wer« d«, so daß das Packmaterial verbrannte und Eisenbohnbeamte dos Verlad« wegen Brandgefahr oerboten Hab«. Bei dem am Montag erfolgt« Unglück wurde nicht einmal die städtische Sanitätskolonne zur Hilfeleistung in d« Betrieb eingelassen. Die vielsach« klag« der Arbeiterschaft wurden von der IVerksleltung systematisch unter- Kunden, da jeder sich beschwerende Arbeiter Gefahr lief, einfach auf die Straße gesetzt zu werden. Außerdem hat die Leitung durch Heranziehung von ljlfler-Ceut« ein Spitzels yflem eingerichtet und droht jedem Arbeiter mit Entlassung, wenn er sich llnkspvlitlsch be- tätigt.__ Ginsturzkatastrophe in Athen. 20 Kaffeehausgäste getötet. Lthe». 27. tzfeftraac. Tos große Eafä Panel!!»!»« ln der Unlversttätsi» straße, unter dem sich ei« Parietö befindet, ist gestern plötzlieh eingestürzt. Zahlreiche Personen wnrden verschüttet, von denen, wie man befürchtet, etwa 20 ge» tötet wnrden. „Ärifif mW■"'ttfiftlHI a» bentfdxn SchNchwngsmesea" gA Herr Pröfident Dr. Brauweiler und Prof. Dr. Sinzbeimer a« Montag, dem 4. März, im Rabmen der sozialpolitilchen BorlesungSreib« der Deullch« Hochlchiile für Politik. Die Poriräg« und deren am Dienstag. dem d. März, iolgender abschließender AuS'pracheabend«Leitung Professor Dr. BrielS) findet nicht m der Hochfchnle, fonde« im Hörsaal 3 des UniverfItStSaulogebSudeS, Saiier-Franz-Joieph-Platz, statt«md zwar abend» 8 Uhr(nicht wie zuerst angekündigt 8 h, Uhr). Exotlfcher Abend— Drchtnng und Wahrheit Freitag den j. März. 8 Uhr, lesen im Grotrian-Steinweg-Saal. Belleoue Straße lt. HanS Jän- naich, ehemaliger Militär insttutteur unter ZieguS Menelik, abeffinische Erinnerungen und Helmut DrawS-Tychjeu eigene exonsche Balladen. N Sozialistische Arbetterjugead Groß-Serlm ainfendenaea Mr Mcft 2t«Mn in»<■ tat 3s«eii»(efrtUr(«t iVrita«8. Ctadaflraft 3> »1« Voll-bübnc-l-rte» von der Tbeatcrverfiellnns am 2t.{Wrracr mülft.r rangehend abgerechnet werden. Der Ke«egnng»ch«e fällt di«fe Woche ans. NSchfte Uedunasfwnbe Sonn. abend, S. März, pünktlich 18 Uhr, Darrriger Str. 28. Anschließend Probe für Magdeburg. Aeheit�e«ei»«chaft«he. ha«: Die ssorisrdung de« Arnrrika.Bortrage« findet reicht diesen, sondern erst Lonnabend, v. März. IS'ä Uhr, im Heim Linden» stragr 4 statt. Sösir willloimnen. heute, Donnerstag. 191? llhr: Arlonaplotz: Schule Elisabethkirchstr. 19. ffunitionäriidung.—»»»niichee Part: tzunkdonärschung pünktlich Ai llhr brr Sturm, Lolzmarkülr. tl.— Besten I: He!» BÜWwpH 88. Zriedrich-ikbert-Sedenkfeier— Noedenr Hilm Loftiinz., Ecke GrounstrEir.„Eberls?odesiag."— Schlnhanfe» Vorstadt: Schule Sonnenturgcr«tr. 20.„Der Völkerbund."— Ztöpenicker Viertel: Schule W�ingrlslr. 128.»Wir und die chewerkschasten."— stottbnffer Tor: Heim Britzer Str. 80. Mitglirdervrrsaminlung— Südwest: Heim Lindenstr. i. ragen und Erlebnisse de« Tage«." Gchönebeog IN: Heim Hauplstr. 1.3. Friedrich. E bert-Sedr nifeier.— Sckönebrr« lv<«. F.>..TunNionärsttzun« bei Bubi lsrscher, Seirrigftt. 87.— Wilmersdorf: Heim Wilhelinsaue 123. Miiglirderncr. lammlung.— Lontwitz: iLemrindeschnle Schulstooßr..Friedrich Eberl."— grhleodorf: Der Vortrag findet nicht statt. Heirnabend im Heim Norbschule tZeichenlaal), 20 Uhr.— Venköll»>: ssunktionärfitzung beim Genossen Äleetz, Schinkellr It.— Aenktzl» vu«: Funktionärfitzung t*im Genossen Gülh. Donau. iverdebezirk Bedding: Alle am Aufbaa unserer Tambaurkapelle iuterefster» ten Genossen und Genossinnen erscheinen heute, 20 Uhr, im Stadt. Lugend- hei» Gerichtstr. 12— 13>3. Hof, 3 It. «erbebe,irk Osten,«tlteten Gruppe: Heim Tilsiter Str. 4, P Uhr..Wirt- schaftlichr und soziale Lage de» hentige» Amerika«." Afferent Genosse Maie-t:. «erbe bezirk Stent«»»: Das Ueben im AASiS. fällt au». Wetterbericht der öffenllichea Wetterdienststelle»«Ii» und Amgen-nd iNachdr. selb.). Wolkig bei li'.änigcin �roil, oercinzelt Schneeiälle. rio:dKsi. lich« Wind».— Aür Denlschlnad: Am Nordweftrn lcharfer, sonst mäßiger Frost, besonders im Lüden und Südosten Schneefälle. ormi j. Guischeine lieqen bell tA Zi 9 a reffe Aus der Partei. Die 5o?ialdemokrakie Oeutschöstcrreichs ihren SpeMlisten für Sozialversicherung, ten beglückwünschte soeben WWWD�W Notionalratspräsidcn- ten Mathias Elderich, zmn W. Geburtsiag. Die Partei erlltt� gleich daryuf«ine» schinerzlichen Verlust durch den plötzlichen Tod des Abg. K a r l V o l k e r t. Er war vor 4g Iahren als Gold- arbeite r aus Eßlingen(slßurtt.) nach Wien gekommen und hier ist er einer der besten Organriatoren und Werderedner des Partei ge- worden. Cr war u. a. auch Bundesobmann der„Natur- freunde". S ch m i e dl. zehnten in der rote Wien hat ihm zum Inspektor der Iugendhorte gemacht. parteinachnchten�A�sürGroß-Bertin Eixiendungea.für diese Rubrik find �$S(tct# sn da»»-zirkf-tret-ria, Cetltn 3® 68; Ltedeuitrohr eegiitstcfrctaciat 2. Hot. 2 Zre».»cht». PI richte» Bezirksvorstand. Sonnabend, den Z. März. 18 Uhr, Sitzung des erweiierlen Lezirksoorilattdes im preußischen tandiag, Prinz-Albrechi-Slr. 5 (A'tokitönszimmer). » Voranzeige! viensiag. den S. März. IS Uhr. findet in den prarbtsäle» am Mörchenbruanen, Am Zriedrichshain 29/32, eine allgcurcine FuNktionärversamorlung fiait.— Tagesordnung: Konkordat, ple Junkklonäre werden er- sucht, sich diesen Abend von anderen Parteiarbeiten freizuhalten. Nrri» Srlfbrletuiioia. 36noft« P«chei»r»»ffe»! Hout». Donner vrusr. 20 Uhr, im Zugondheim Tiltlter Str. 4, B und Im'.cU Laqe dos heutigen Ameriko.' Reflront i», Donnerstos, 2». Fe» ortrag:.WirtschastUch« ©cnoflc Maletzkn. -Z i •3 n.»tri. Trent-».«etriebsfroktio» l-,i-lbenl-kratilch«r»rbriter. -tngev-lt, vnd Beamte bei Bezirk««» Treotow.«m s«itag. t.«ätz, Uhr. i» der.»rSchenklonfe-,»i-dertchäneweid«. BrSckevstr. veriammlnog. vortr-g: �»ommunolpolitische F regen.' R-fereM«tobt. scntfeariet Wilhelm Strieder. Aus, erde« wird der©eschäsUdericht ge. gebe». Wahl de« D-rüaode» der BetriehsfraUtoa. I«. ltre!» Nöpegich. ffreiton. l. März, im Bezirtsverordnetensihunnasaol, Nathans Noncnick, vllnktlich IS.NS Uhr,»ommiinaler Zturtu», d. Abend Dhema:.Wohlfahrtspflege.' Referent Stadtrot Nißner. Arauenveraustaltuagen. tkt. Abt.«vlenthal. Heute. Donnerstag, 28. Februar, 20 Uhr. bei Hoffmann. ©delweihstr. 5, Fraue nahend mit heiterem Tharvkter. Bortragender©«. noffe Buagi Wdck. «7. Neri« Lichtenberg. Arbeiterwohlfahrt. Echulungsknrfu» am 1.«ärz. U 13% Thema:»Bl Uhr vllnktlich. ereinheitlichnng m.Sigungsfoal des Nathaufes.«iillendorfftrohe. der Sozialversicherung.' Referent©enoffe Noasi. Zunqfozialistea. ©rnppe stibe»: Freitag. 1.«ätz, 20 Uhr, im Jugendheim porckfir. 11, Tirbeitsgeineinlchait: �Zmveriolismus.' Leiterin Dora Fabian.—©ruppc Dcdding.©«l»ndbrnna»n: Freitag, l. Marz. 20 Uhr. Fortsetzung der Ardeitz. nemkiuschaft des©enoffen Franz Lepinfki über.Politisch« Programme' im Jugendheim Drthstr. 10. Dre Funktionäre treffen sich bereit» um 13 Uhr ebendorl. Arbeilsgemeinschafk der" Sinderfreuade. B«»zl»nei Berg.©e»»p« Zs reihe it, Hentr, Donnerriaa.».' Februar, ltz Uhr, im. Heim Sonnrirburger 3tr, 20,!friebrich.©beit.©»bächtnlsf»ier. ©Itern sind herzlichfl»nllkommen.«orarn, Freitag. 1.«ärz, 13% Uhr, an der Falkenecke Treffnunkt. zur Filmveranstaltung. Preozlaner Berg! Der.Roie. Folie». Film'»oft«m Freit»«, t«ätz, und So»»aber», 1. Mörz,]•% Uhr für Rindet, 13% Übt für Krroochfen«, i» der Aal» de, Bezirkoaurt» Prenzlanee Berg, Donziger Sie. S4. Eintritt für ftightr. 19 Pf., Eewochlene 10 PI. Brioroqoamm: Dr. Dolittl«, Sfriiareife, ©elopg. Tänze. Geburtstage» ZubttSea usw. A.«dt. Ebarlottendnta. Unserem Nebe»©enoffen Wilhelm Hoch. bjnslsr, Berlin. Sharlottenburg. Holhendorffftr.». n seinem 00.©ebnrt». löge die herUickften©lückWünfch«. 3«» mehr»1» 20 Jahren Parteigenofs«, bot er stet, mit«n» Schultet a» Schnitte i» erster«rihe für M« Partei ge- dritten. Bir wünschen Silbelm Kochhöneler auch fernerhin©esunbheit»nd Frifch«.»» noch recht long« für bi« Ziele her Partei tätig sein»n lännen. .105. Att.«dlershos. Unserem©enoflc»«oetin Srünberg,»er gm 10 Fcbrunr«nf eine Wiährige Zugehörigkelt�znr Partei znrückblicken l-nnt», nachträglich bie herzlichsten GlSSn-Snsche. Möge Ihm noch ein lange,»n» froher L-ben«b«nd beschieden sei». � Sterbetafel der Groß> Berliner Partei- Organisation[ 21. Abt. Unter©envsie Rarl Bar,. Malplaauetfir. 13, ist verstorben. «tbte feinem Andenken! C-.näschenung am Freitag. 1. Mär,. 110t Uhr. im .strematarfum©ericht strotze.... 39. Abt. Unser©enoste Paul Ralke ist verstorden. Tbr« seinem An. heniev!«Sinofchtvung beute. Donnerstag, 28. Februar, 10 Uhr, im Ree nur. tarium Baumfchulenweg. � � 12«». bin 130. Abt. Pankow. Am Sonnabend, 23. ffebrnar,»erschied infolge «ine» Herzschlage» unser langiöhr'ger. allseitig beliebter©enoss«. der Ronvckior Nohannrs Schramm. Mllh'enstr. 00. Ehre feinem Andenken! Di« Be. erdiening bat bereits am 27. Februar stattgefunden. Z�orirage, Vereine und Versammlungen. ri«U» Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". © e f ch ä f t- st« 1 1': Berlin L. U. Sehastianstr. 37/38, Hof 2 Dr. V/fJvV' Sonnabend, 2. Fedrnar. Tiergarten, Rameradchaft Armäniu»: *'• 21 Uhr gemilllicher Abend bei Schmidt. Wielefstr. l?. gehleaborf: 20 Uhr Bunde sgrundunqsfeier mit Portrag de» Rom. Wolfgang Schwarz im Ra-se-tdos. P-tsdam-r Str. 50.«nberriege: 21 Uhr Rastrnrudern in Moerner, Blumengarten. Oderschöneweide. Ostevdstratze.— Rrenzberg: Ab heut« wieder Bäbeabend, Baerwalbftratz«. ©auoorstand. Mit Rstckstcht duf den beschränkten Raum in dar Stadthalle kann der Zutritt zu der heutigen Ebert-Gedächtnisfeier nur gegen Dorzeigung der grlineu Eintrittskart« gestattet«erden. I noippe fängetfuefü«. Verein abstinenter«erzte»nb Bnnd Dentfcher Podenresormer. Dienstag. s Mörz. 20 Uhr, Hngiewisches Institut der Unwersiiüt, Dorothecnstr. 2b. Taqe>'ordnung: 1.»Arzt und Menschenökonomie' sve. meck. Otto Juliusburger). 2.»Ärz: und Bvdenrelorm' ivr. ms!, h. c. Adolf Damaschke). 8. Aussprache. «nahe herzlich willkommen. «it»er tapag»ach Ranada. Bedeutung str die deutfch« Auowanderung erlangt. Ranada hat in neuester gelt hervorragend« Di« kanadisch« Regierung MAMMeHM �üüüü] LklEi! lWSUitglieder! Zrsilag, den 1 März, abend» 2 Ahr NW" Sitzung der Nlikfiereo Ortsverwal tuvg. Freitag, den 1. März, aachin. S Ahr. im Zimmer 14 des Verbandshanse», Linleafir. 83 83 F/nnktiouärsitzung aller velriebsräle und Vertrauens- leule von den velriebea der Arbcüsgemeinschaft des Berliner Krafldrofchten-Verbandes. außer den Allllkliouärea des Jahr- personal». Tagesordnung EndgiUtigeStelln», nähme über die Fortiührung der AbschlLfte der Tarife mit dem Ardettgedervetband. Mt ersuchen die oben erwähnte» Funktionäte. restlös zu dieser Sitzung zu erscheine»._ Im Rahmen der Aolchs-AofaRnsr. bülung»-Woche(AltWO) finden im parterreloal de» verdondshanle», Oinienstr.SZ 8», tolgend« Vorträge zum Teil mit Filmen statt: Donnerstag, den 28. Februar, 20 Uhr: „Sport und erst« Hilfe.' Reserent: Dr. Engel. Freitag, den 1 Mär-, 20 Uhr:.Per- hiUung von Perkehrsunsällen.' Ret.: Dr Boywidt. Sonntag, den 3. März. 10 Uhr i»Erste Hilfe bei Uniöllen.' Res Dr Schulz«. Unsere Miiglleder werden zum rege» Besuch dieser Veranstaltungen gedelen Die Ort» vermal taug. Verkäufe Webfehler-reppiche. Rleinr Webschier 2x» 13� Mark, Rleine Webfehler. 2X3 24.— Rlein» Webfehler' 7%XZ% 38,- Rl-in» Wedfehler 3X4 l». Qualität, 2x3«>- Mark. I«. Qualität' 3%XS% 55,- Mark. I» Qualität 3x4 05.- Mark. Rörner, Berlin, Potsdamerstratz« S5d. Hausnummer beachten._ Bettenoerionfl Reu«! 3.751 15.—. 13,501 Prachtvolle 27501 Sauernbetten 82,-1 Daenig« 87501 Rinderbetten 8.751 Bettwäsche! Inletts! spottbillig «ich gut! Rein» Lombardwaren. Seih- hau«, Brunnenstratz» 47 Webfl W-bf-1 Websel.. Webfehlerteppich Fabrik. Tepvich-Vcrfauf Aberbach, Mari. Mark, Mark, Mark. Fried- richstraße 163, Ecke Behrcnstratze, Ein. gang©rotze Passage, Ausgang 331.• Bckleidongsstutke. 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Im Scrliner Gea»«rtschafl»hau», Engeln er Zt,Ä!, Daai 4 Mitglieder-Versammlung Tage«ord»n»g: Z etzig« Situation im Maler-»nd ttochiererberus Ei» spricht dar verdaa»»uorfltz»nd«»all. ch. Satz. ovo« kniatUunS xnnlchg. lllgsgs IleadVlu»«»- u. iieVBiwken n 18 Monat» T raten 1 Stela*s Teppidi-VerMnd Berdn C2 Bara- «tratze 30 TtniogniSitniciit. zur Niete WSO, Ansbncherstr. I Uonnst, 3. 28 2. Staats-ffper Umer i Linden A.-V. 54 II Uhr Boris Godonoff Staais-Oper Am PI.d.RepuW. R.-S. 41 11'., Uhr Die Mm Donnst.. d 26. 2 Stadt Oper Bl.mareKsu. Tamus III iVh Uhi l, SMtarnmmir.i A.-V. 51 20 Uhr K&rla.Amia Stutl.Sehiller-Tlieater.Cliarltl!. 2» L'hr Oedipus Renaissance• Theater Kveaktnpti.A Tai: Sttiggi. HU».}565/t4 Vh Uhr- Zorn T« Male; VI» Uhr Dia Wailarfel»akemMla „Das große ABC* von Marcel Patniol Ped SiraT.ngfflnig. l«PrwnitrHB>wiiB. scAta » lltir U 5 Barbarossa 9256 J Heule zum letzten Malet 4 Bronetts Cpn CoSSeano und«eitere VarieU tttraktionen. PItAZa tFÜRNICULUS� Sitipfnnaagjoa S. ftlafj« 51 Pttubilch-Südd«»llch« KURM-eefteih. Ohne Gewähr Rachdruck derbok» Auf jede gezvgene Rümmer find zwei gleich Kode Sewinu» gefalle», und zwar je eiaer auf df« Löf» gleich« Rumm« i» de» beide» Adleiluoge» l o»d ll \7. Nehungstag 27. Februar 1829 3» der Bormittagtzzkehimg würbe» Gewinn« über ISv ZR. gezoge» 2»«-»wll..»» 100A) OL 131688 6».ivwn« n 600031952 123133 137869 142939 146546 16214« 158798 167376 1 73545 178447 200320 217316 318706 246068 263833 274799 274846 297439 300198 303894 305673 336641 339736 346600 353773 308499 364281 374402 374716 382920_____ 242»»»Im.« is 3Ö0 M. 122 7266 9019 9141 20800 91688 93694 2481« 29203 26887 27191 37647 39402 80699 41378 41766 42140 43955 49369 50510 52642 63787 64680 64861 64816«3260 64134 '8379 79080 80597 80947 86136 68800 39364 90716 96677 I00I04 104B61 108933 109331 123678 126292 128969 133973 134604 138737 ....................... 161541 181809 162160 168767 187568 190163 192240 201273 _______________________ 1 224689 229797 530476 936207 237177 240363 262333 263423 284270 257168 208085 261374 261896 231917 262883 2.35529 267298 268616 271365 274476 274991 275238 .28)60! 283708 207821 290459 290301 297278 308349 328821 326987 <78628 329418 336933 337389 337809 343471 346069 363483 363609 <93685 367973 272380 372699 376508 376964 379619 384166 396361 <97306 397875 399936 m der Nachmitlagszlebung wurden Gewinn« Sder ISO M. gezoge» . 2»»Mz» HZ 25000«. 286090 6«CDina» jv 5000 OH, 44214 182684 233417 9»»»inz,« 3000 9a. 369119 2««nvinue« 2000 4R. 29286 101210 194614 208818 21 884» 3347» VOOI 234010 372166 383983 390202 396063 396775 20 Sri'.mn. 13 tcm«!. 6494 7040 146530 170761 183334 211268 127.168 2 7949« 283980 3ttB952 50»«Winne so 500 4». 4124 12180 45834 68262 98388 97042 98332 23321 124287 138312 142747 140365 174898 175049 223036 224696 230848 243904 248130 248921 246988 253334 274679 298973 322056 .38413 142083 142823 1464» 152038 186782 181476 16201« 165732 !66ai2 168935 172057 177472 179611 176634 180729 181678190727 '04378 203780 204498 208075 216164 221640 223762 230542 230552 zn 500000, U 10000, 1904«8 roiüslsttlme riizttr imUlgvglaii 8 Uhr Kreozabnalune Idealer an saunioDerdanim 8 Uhr Dil Irei-OrosdieB- Thaila-Tfiaafer 8 Uhr Oeiraosch ttutUAillsr-Ili. 8 Uhr Oedfpus m jiöffiüüie Bismarck 24l4r;75i6 SV* Uhr, Ende\0V* „Olympia M «on hranz Molnai Regie. Förster Larinaga. Kaaracrspieie Norden 12. il' SUhr, EndelOtaüht sv; Theater fies Westens h litte| id. gm stUlfluMrtiBm Täglich 9 Uhr ]\i Orgl-ürosdien- Jau1sen. Valetti. Ander, Oerron, SchaufuS, Kühl Lvovski. Komödie von Edouard Bourdek Regie Forster Larinaca. Dsalsäies Tiieaier Norden 12 310 3U. Ende geg. WVj Die Insfiqen von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Lessing-Thsater Täglich S'U Uhr Katharina Knre Oer gnißte Srfolg Oerline Friederike ffluftl non Latzae Crtfa o. Theilmann Carl Ziegler (gtcoisop Wi«n> Amgedt. Limburg, Sem, SSÄer. bespennan v Zer, «alle unuiUerbr. «leittdl. 931«.716« iUi TiOditi Oirekt-HeinrHerald )harlatteastrai>e 40 A. 7. Dönhoff 170 Tägl ich 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit l Adle's Irish Rose) uastsDielliaas Vi Uhr wiMeraimrsren Guido Tieiscber Veehuid im Paradies rhatia-Theater 'fesdencr Str. 72*K « Uhr „Oelraosch" Trianon-Th. Täglich 8V« Uhr Verschwörer von Lampel Ab Freitag S'U Chi Oer Herzog und die Sünderin ml« Irlin ftlfissaar und Haina Ittticr �laBetanmi am Zoo f"äit. JniMmniler Ilrsf Noll. 157« 16 Uhr ler Sfernhlinfflei im Winter 18 Uhr fflars und seine Ratsei 20 Uhr werden u. vergehen d. Sterne AieiBEi iiieaiii Täglich S'U Jhi Kart Goeir, Wolerte».Mortem Pzal Otto in ..Trio" Lusttp v.Leo Lenz. Regie; Frledmzi Frederl A. hrnoffskj-EBluini Thentar m d»r KOniggräU»« StrtB. st/« Uhr Revolte im ErzlePiUDShaos Schauspiel von P. M. Lampel. Komödianhau» 8>/»-hf oas Seid an! der straoe Uralnerv. Bernaaer Oetterrtlcher R OM-Tbutei ir�ristiartir S!.1J? SV* Uhr cn&uscH SA Zum latzten Malui 81 „Oer»UN Sibirien-4 Freitag biou Manegajckustlck und neues Programm. D. West p hall»*..... 2. Min Nlchsta.Tbonapia' 10. Märt Passagier- m. S.St Lottw"..... 29 Min Abfahrten: d.Westphait*-..... 10 AprtJ D..Thunogia"»»»,,. 24 April D..Cleveland*....... 9. Mal mSWAMDEßER HAMBURG- AMERIKA U1NIE HAMBURQ 1/ ALSTS ROAMMM Vertretami in Bertin, mm Zoo, HairdemberStlr. Xa«�. Unter dem l||l_ Hl Lindem S and Poseidon SebUf- H�P|a| fml>rtfA.-a., Patsdzmer Str. tos."L•AI Kortproben gratii! Oer beste Beweis, daB lob nur erste Qualitäten trnts billigster Preise verkaufe I ErstkUssiger Oesjert-Apfelweln. sQD Liter 0.73 Hodnrert. Dessert-Tohannisbeerweia, süll» 0.95 Feiuter Spedal-Fruthtwein, süfi...• 1.03 Entklau. Oeucrt-SHdieibeerweln, suO» 1.03 Kodiaromatisdi. Oessert-Xlrsdiweln, süll» 1.25 Batiitrainat Oessert-Erdbienixin, sC8, 1.43 |»liitiiazl t litc eatlialt'/,° mdk als a m Piascte| Echter Tarragona, sQS...... 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SSeachJen Sie bitte die JintciiUggSulen! Kap tän-Kaatabak 15 pi HapiiäD-KopEn�üeosr 20 p> 0e Unterstellung der Schrottwirtschaft unter den Selbftverwaltuiigskörper gefordert worden. Die Organisierung der innerdeutschen Schrottwirtschast muh jedoch durch eine Regelung des internationalen Schrottoerkehrs ergänzt werden. Da eine einseitige Aus- Hebung des Schrottausstihrvcrbotes Deutschland nicht zugemutet werden kann, sollte die deutsche Regierung auch weiterhin die gleich- zeitige Aufhebung aller Schrattauefuhrverbate anstreben. Arbeitslosigkeit wächst noch. Durch Wass.r- und Kohlenmangel in der Industrie. Nach den Berichken der Landesarbeilsämler bi» zum 23. Fe- bruar ist der höhepunk» der wlnlerarbeitslosigkeit noch immer nicht überschritten. Die Zunahme der Erwerbslosen war In Schlesien« Nordmark und Südwestdeulschland noch beträchklich. Immer mehr behinderte die strenge Kälte Arbeit und Verkehr und verschärfte der Wasser- und Kohlenmangel die Arbeitslosigkeit. Die lange Arbeitslosigkeit hat auch die Kaufkraft erheblich ge- schwächt. Herr poensgen über den Gtahltrust. Ziekorderzeugung in Gruben, Hütten und Estahlwerlen. Es war vorauszusehen, daß die Ausführungen der Verwaltung des S t a h l t r u st s auf der Generalversammlung der Vereinigten Stahlwerke wegen der in Paris laufenden Reparationsverhandiungen sehr zurückhaltend aussallen würden. Diese Zurückhaltung war auch bei der ganzen Rede des Direktors Poensgen, der in Vertretung des Generaldirektors Vogler über die Entwicklung der Eisen- und Stahl- industrie sprach, sestzustellen. Von Bedeutung für die Beurteilung der gegenwärtigen Eisen- tonjunktur ist die von Herrn Poensgen mitgeteilte Tatsache, daß die Rohstahlprodpktion im Januar in den Betrieben der Bcr- einigten Stahlwerke mit 663 000 Tonnen einen Rekord sämt- licher bisherigen Monatsziffern darstellt. Auch die Steinkohlenförderung der Zechen erreichte mit arbeits- täglich über 91 000 Tonnen ihren bisherigen Höchststand. Die Verschlechterung der Berhältnisse im Februar ist ausschließlich auf die durch den Frost heroorgerusenen Verkehrsschwierigkeiten, be- sonders die Einstellung der Binnenschiffahrt, nicht aber auf Markt- einslllsse zurückzuführen. Die Verwaltung des Siahltrusts rechnet mit dem baldigen Einsetzen eines stärkeren Frühjahrsgeschäftes. Die Entwicklung aus den Eisenmärkten wird nach Herrn Poens- gen davon abhängen, ob die deutsche und die internationale R o.h st ahl g e m e i n s cha f t. sowie die.verschiedenen im Kaufe dieses Jahres abiäufenden Lcrbandsverträge wieder c r n e u.i werden, was zurzeit nach unsicher sei. Da mit der Möglichkeit gerechnet werden müßte, daß verschiedene verband« ihren vertrag nicht erneuerten, die Ausrechterhaltung einzelner verbände für die Vereinigten Stahlwerke aber nicht in Frage käme, stelle sich die Verwaltung der Stahltrusts bereits jetzt schon auf die Möglichkeit eines karlelloseu Zuslandes ein. Nach diesen ziemlich eindeutige» Aus- führungen des verantwortlichen Vertreters des mächtigsten«uro- päischen Montankonzerns darf man auf die Stellungnahme anderer maßgebender Mitglieder�der deutschen und internationalen Eisen- verbände gespannt sein. Reichskasseubedars erhöht die Wechselbestände der Reichsbank, Die Inanspruchnahme der Reichsbankgelder für Wirtfchaftstredite ist auch in der Woche vom 23. Februar sehr gering geblieben. Die Erhöhung der Wechselbestände um tl.7 auf 1161,3 Millionen wäre nickst eingetreten, wenn nicht die Privatbanken weit über 100 Mit- Konen Reichsschatzwechsel aufgenommen und dafür größere Beträge ihres eigenen Wechselportefeuilles zu dem billigeren Zinssatz bei der Reichsbonk rediskoirtiert hätten. Ohne die Begebung der Reichs- schatzwechsel hätten die Wechselbestände der Reichsbank trotz des im Februar nähergerückten Ultimos wahrscheinlich noch abgenommen. Im Zusammenhang mit dem Rückgang der Lombarddarlehen um 39,8 aus 38,5 und der Zunahme der Gelder auf Girokonto um 105,5 auf 572 Millionen konnte der Papiergeldumlaus relaOv stark ab- nehmen: Bei den Reichsbonknoten um 175,2 aui 3902,1 Millionen, bei den Rentenbankscheinen um 17 auf 162 Millionen. In den mit 2729 Millionen unveränderten Goldbeständen und den diesmal nur um 1,2 auf 99.1 Millionen gesenkten Deckungsdevisen Legt wieder eine gegenüber der Vorwoche auf 69,9 Proz. gesteigerte reine Golddeckung und auf 72,5 Proz. erhöhte Golddevisendcckung der umlaufenden Roten. btttekenci du»: SCHLAFZIMMER| ** TEMPO ## 2 Nachtschränken •utotfunterletfü Glaiplatte 1 Waschkommode mit S p l ewig»hafen. Speyer und Maxau. Die Botschafterkonferenz in Paris hat bisher dies« Bauten verhtndert. de»„er- umen von Abg. hasslnanv> Ludwigshosen(A.) begründet die Jnterpella. tion mit der dringenden Notwendigkeit dieser Lauten, für die der Reichetag bereits die Mittel bewilligt hat. Vi« Boischafiertonferen, hat die Entscheidung ausgesetzt bi» zur Beendigung der.Prüfung" der Eisenbahnen im besetzte« und entmilitarisierten Gebiet, d. h. in einem viertel de» Reichs- gebiet». Bergleickskommijsion" ipan diese f (HörtI hört!) Da sehen wir, was mit der beabsichtigt ist: daß England, Italien und Japan diese französische Schikane mitmachen, verstehen wir nicht.(Lebhafte Zustimmung.) Die Rheinlandtommission hat sogar die Zulassung deutscher Polizeihilfe bei Hochwassernot abge- lehnt!(Hört! hört!) Die bestehenden Rheinbrücken nach der Pfalz reichen längst nicht mehr au». Dt« empörende Bevormundung «ine» Boike«. da» Im Bölkerbundsrat vertreten ist. erscheint uner- troglich. Was will die Regierung tun?(Beifall.) Reichsverkehrsmimst« Schätzet: Die Regierung erkennt die Rot- wendigkeit dieser Brückenbouten vollkommen an. Wir haben in den letzten Tagen einen dip'omatischen Schritt deswegen unternommen. Unfälle der jetzigen Zustände fallen den Be- satzungsbehörden zur Last.(Zustimmung.) Abg. Or. Ztanmele(Goz): Baden, Hessen und die Pfalz sind Grenzländer geworden wie vorher Elfoß-Lothringen. Die Industrie leidet ungeheu«, sie wan- dert ab. und die Arbeitslosenzahlen in diesen Ländern gehören zu den hö«hsten in Deutschland. Nicht eisenbahntechmsche Gründe sind für diese Brückenbauten maßgebend, wenn auch die Zustände auf der Eisenbahnbrücke Mannheim— Ludwigshafen zum Himmel schreien: Schnellzuglokomotiven dürfen nicht mehr darüber fahren, es dürfen auch nicht zwei Züge gleichzeitig die Brück« befahren, ja die Trieb- wagen der elektrischen Bahn sind schon zu schwer dafür. Ebenso wie in Frankreich wild auch am Rhein der Lastentransport immer mehr durch Lastautos besorgt. a!so müsien die Straßen und die Straßenbrücken verbesiert werden. Ohne den Krieg wäre die Straßenbrücke Mannheim— Ludwigshafen schon neu gebaut. Die Schisssbrücken von Spey«, Maxau und Germersheim lasten sich nicht verbestern, sie müsten durch stehende Brücken ersetzt werden. Während die Reichsbahn den Zustand immer noch erträglich fand, hat dir Bevölkerung auf den Neubau der Drücken gedrängt. Eine Fahrt Karlsruhe— Berlin ist heute bequem« als von Karlsruhe m die Pfalz. Die Schikane» Frankreich» zeigen sich auch darin, daß man von aus den van«ine» Aollgrenchahnhos» in Sehl aesorderl und nachdem«tr uns dazu bereit erklärt haben, di« Znstimmuna nicht gegeben hat. sonder« erwägt, ob dies« Bahnhof nicht in Straß- barg«richtet werden soll! (Hört! hört!) Di« Regelung deekleinenGrenzverkehrs hat man zum schwersten Schechen der Wirtschaft i a v r«l a n g ver- zögert. Jetzt soll di« Entscheidung von dem Prüfungsergebnis v« Interalliierten Feldeisenbahnkommission abhängen. Di« Mann- heim« Brücke ist 1868 gebaut, damals hatte Mannheim 39 909 und Ludwigshafen 8990 Einwobiwr. heut« 245 990 und üb« 100 000, mit dem Hint«land 500 000. Di« Zustände bei Maxau und Spey« hindern hie Schiffahrt und verursach«, der Bevö'kerung oroße Zeit« Verluste. Das Reich widmet Südwestdeutfibland nicht di« erforderliche Aufmerksamkeit. Rotstands- gelder können die Mißstände nicht dauernd beseit-oen. außerdem vernichten st» di, Moral und bringen die Finan»en in Unordnung. Frankreich weiß von Gtraßbuva her, ywe notwendig dt« freie Rhein- schrfsahrt ist. Frankreich schädigt ab« di« süddeutsche Wirt- schatt in schwerer West«. Deshalb müsten wir fordern, daß die Entscheidung üb« diese Brückenbauten nicht pon militärischen Rück. sichten abhängig gemacht wird. Wenn Frankreich seine Wort« in die Tat umsetzen will, so muß e» die Schikanen einstellen und eine Politik wahrhaft« P«. ständlanna treiben (Beifall.) zy verzichten, da Argument« durqy Wieperhoiuna n den und da» ganz« Hau, in dies« Frage einig sei. Abg. Pr». vryand«(Prurt.) beantragt, die Regiexun um bi« Borlag««in« Denkschrift über di« Derkehrshindennffe dur> Besatzunasbehörden zu ersuchen. Räch weit«« Debatte— d« Hakenkreuz!« F rick«hält dabei «inen Ordnungsruf wegen der Aufforderung.an den Galgen mit den Verbrechern, in« un» 10 Jahr« lang irregeführt haben" ist die Interpellation erledigt. Cm kommumstifcher Antrag gegen die Erhebung«ine» Brückenzoll» durch die Reichsbahn auf der Mannheim« Brück« wird angenommen, ebmso d» Antrag Dryano«. D« Mißtrauensantrag d« Kommunisten gegen die Reichsregierung im Anschluß an die Grvener.Dedatt« vom Dienstag gegen di« Kommunisten und ftationalsozialen. Es folgt di« zweit« Beratung des Z-staDebkommen» zum Hon- dslsvertrag mit Südslawi«. Abg. v. Stubbendorff(Dnat.) bekämpft die H«abletzunfl des Maiszolles von 5 auf 2,50 W. in dem Zusatzabkommen. In der gegenwärtigen Notlage der Landwirtschaft fei eine solche Handels- po.itik ganz unverständlich. Die Abgg. Gerau«(BVp.) und v. Sybel(Chr.-nat. Bauern- parte!) sprechen im gleichen Sinne. Abg. Mathilde Wurm(Soz.) hält Stubbendorft entgegen: Eine nis liegt darin, daß der zulässige Webwaren erhöht worden ist. Der Gegenleistung für unser Zugestand- Höchstgehalt von Seide in gewissen Zer Protest gegen die Herabsetzung und da wir hier ein« Versammlung von Volks vertreten, und nicht von Jnterestentenvertretern sind, sollte man Leute, die persönlich am Derhandlungsgegenstand interessiert sind, lieb« nicht. dazu ssen.(Lebh. Zustimmung links.) Der Maiszoll ist ...... sprechen las Lebh. Zustimmung links.) Der Maiszoll i eingeführt worden, wie wir überhaupt gege nd.(Zuruf rechts.) Sie werden noch® gegen unser« Stimmen all« Futtermittelzölle sind."(Zuruf.. legenyeit«halten, mit uns dagegen zu stimmen. Heute ist der :ci&- Di« angeblich« Schädigung des deutschen Volkes durch den Zkrzicht auf ein« Zolleinnahm« oon Millionen Mark kann gar nicht '' tupfet werden, wohl aber würden di« Reichsfinanzen erheblich lädlgt, wenn die unzähligen Lnrräg« der agrarischen Par. teien angenommen würden.(Zuruf rechts: Wir wollen ja gar kein Geld, wrr wollen anständig« Zölle haben!) Da kennen Sie Ihre eigenen Anträge nicht, dem, diese verlangen neue Kredite. Subventionen, Aufschub der Zinszoh- lung, Streichung der Schulden usw.(Zunft recht«: Verschenken Sie nicht den Maiszoll!) Sie misten ganz genau, daß diese 2M> Millionen gar keine Rolle im Reichshanshalt spielen, und daß sie durch die Verwaltungsausgaben schon aus- gebraucht werden.(Andauernde Zwischenrufe rechts.) Wenn ich alle Ihre Zwischenrufe' beamworte, verkürze ich meine Redezeit, und wir werden uns doch nicht verständigen, worauf ich auch wirklich gar keinen Wert lege.(Ledh. Zustiinmuno links.) Wie stellen Sie stch eine Verständigung vor, wenn Sie gegen einen be- stehenden Handelsvertrag wegen eines Zusatzabkommens Sturm laufen? In Amerika wird man da» als üble Manier empfinden. Maizenascchnt auf Icr Straße liegen, und ihre Unterstützung würde mehr kosten, als der Zoll einbrächte. Sehr erstaunlich ist, daß der Abgeordnete Gerau« im Namen der Bayerischen Volksportei gegen a«K«ntKchteitZ) jenteil, wir sind weit mehr als Sie dabei, die deutsche Oesfentlichkeit über all diese Dinge auszutlären, die zur Verteuerung der Lebensmittel der breiten Masten beitragen. Wir sind gegen jede Erhöhung d« FutiermitteUoll«. di« den kleinen und mittleren Bauern nichts nützen, aber die Leben». Haltung der Dolksmaflen verteuern. Mein« Partei stimmt dam Bertrag zu.(Beifall bei den Soz.) Reichsernähru nasminist« Dietrich«klärt, d« Gedanke ein«? H«abs«tzung des Matszolles sei aus d« Landwirtschaft an ihn herangekommen, und die bayerische Regierung habe sich ihn zu eigen gemacht.(Hört, hört! links.) Nach Erklärung der Sachversiändizen. werde die Kartoffelproduktion dadurch in kern« Weis« geschädigt. In der weiteren Debatte sagt Abg. Stubbendorff(Dnat). wenn« als Jnterestenvertret« gesprochen, hätte er billigen Mais für sein« eigen« Brenn««! vor- ziehen müsten: im Int««st« der Landwirttchast sei er gegen die Maisverbilligung Wird der Mai» zu billig, so weiden die Kartoffeln durch Derfütteruno in Schwein« umgewandelt, und dam, werde die Schweinezucht durch Ueberproduktion ruiniert. Abg. v. Sybel(Chr.-Rat. Bauernp): Di« Maizenafabrik zahtt hob« Dtoidend«. braucht« also nicht zu schließen, wenn der Mai» teurer wird: sollte die Fabrik aber zum Schließen gezwungen sein. was � von Herzen wünsche(lebh. Hört, hört! bei den Soz.), so könnten die Arbetter in-der deutschen Kartoffelindustri« arbeiten statt für Amerika. Abg. Ta atzen(Dem): Der deutfchnational« Gras Swllberg hat die Einsuhr ausländischer Lebensmittel als unentdehrlich bezeichnet. (Andauerndes Geschrei recht», um die Widerlegung der agrarischen Behauptungen durch den Redner unhörbar zu machen). Per Groß- grundbesitz....."' sprung__... genommen: in einfacher Abstimmung daraus da» ganz« m zweiter und dritter Beratung. Di« Schlußabstimmung ist.. Antrag der Deutschnationalen namentlich. Ergebnis: 250 Ja, 135 Nein. 3 Enthaltungen. Heut«. Donn«stag. 2 Uhr: Antrag d« Deutschen Bolkspartei auf Einschränkung des Ausgabenbeschlußrecht» des Reichstages. Schluß 6 Uhr. • Berichtigung. In seiner Rad« zur Groener.Denkschrift-Inter- pellation hat Reichskanzler Müller den Anteil der Reichswehr- tosten am Retchsetat nicht auf 28 Proz., sondern natürlich auf nicht einmal 8 Proz. angegeben.(750 Millionen oon 10 Milliarden Mark). Um Geld, Zeit und Arbeit zu sparen mutz man immerhin«dton tüchtig sein and wissen, wie man's macht Bekanntlich haben bei nennenswerten Ausgaben, insbesondere bei solchen für Lebensmittel, die Frauen das Wort Sie sehen mit Kennerblick was gut ist und ihnen mSglichst Ersparnisse eintragen kann. So haben denn Millienen von Hausfrauen den grotzen Vorteil der Zeft- and Arbeits-Ersparnis schon früh erkannt und verwenden seit mehr als 30 Jahren zum Becken von Kuchen, Torten und Kleingebäck nur Dr. Ociker's Badepulver„Badem" Eier und die anderen wertvollen Zutaten sind niemals aufs Spiel gesetzt weil die gieichmäfiiee und sichere Triebkraft von Backpulver„Backin" unuber- treffbar Ist Die Kuchen werden schtzn groß und locker, vor allen Dingen wird durch„Backin" der Wehlgeschmack in keiner Weise beeinflußt und bestbekömralich« Gebäck« erzielt— Dr. Oetkefts Backpulver„Backin" wird in der vollendetet eingerichteten und größten Fabrik Europas in vorbildlich sauberster Weise ohne jede oerOhrung durch Menschenband hergestellt Kennen Sie schon die vorzüglichen Back- u. Bratapparate„KOchenwundcr",„Deha" und»Zauberglocke*? Alle drei sind bestens zu empfehlen. 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Nie kannte er den Trab, diese lächerliche, anerzogene Gangart der zivilisierten Pferd«, dieser elenden Menschenknecht«. Er kannte nur den raumgreifenden Galoppsprung oder den großen Schritt. Donrefslich brachte er sie durch, seine Herde. Er wußte, Pferd« sind keine Allcsfresier, Pferde sind die geborenen Leckermäuler, sie tun sich dann mal an diesem, dann mal an jenem Gras etwas zu- gute, und er führte sie auf gräserbunt«, auswahlsreich« Wiesen. Drohte seiner Herde Gefahr, dann donnerte sie über di« Weiden. Die Hufe waren unbeschlagen, aber sie waren hart, härter als das plasterabgenußt« Eisen beschlagener Stadtpferde, lind wenn auch die ganze Herde auf der Flucht war. so kannte auch nicht ein Tier in !;r Angst. Denn felsenfest war ihr Vertrauen zum Führer, dem Mustang. Nach geglückter Flucht vor Menschen oder Raubtieren lief di« Herde noch ein beträchtliches Stückchen weiter, aus purer Freud« an dem Wettrennen. Und di« erhitzte Herd« soff sich voll an Dasier» tümpeln. Kein Tier war lungenfaul. Ob Hitze, ob Käst«, was kümmert« es den Mustang und sein« Herd«. Wie ein« Wog« rollte sie über die Werden, sicher wie eine Drahtseitbahn erkletterte sie Ge- birge, festen Schrittes, gleich einem Maultier glitt sie Felsen hinab und raubtiergleich wand sie sich durch domige Büsche. Ost hing. namentlich zur Zeit der Haarung, buntes, staubiges Pferdehaar an den Sttäuchem und der präriekundige Mensch wußte, hier brach der Mustang mit seiner Herde durch. Kaum«in Hengst wagte sich je in dos Reich des Mustangs. Sie merkten es in sicherem Instinkt, die Stuten hatten kein Jnteresi« für fremde Hengst«. Wildpferdstuten sind primitiv natürlich, sie lieben die Kraft und weiter nichts als die Kraft, denn sie lieben nicht nur den Hengst, sie lieben zugleich im Hengst ihr« eigene gesund« Nach. kommenschast. Kam aber dennoch gelegentlich einmal ein fürwitziger Hengst in sein Revier, dann klappt« der Mustang die Ohren an dm Kopf, wieherte gleich einem Trompetensignal, das Angriff kündet, und biß feinem Gegner entweder ein Stück aus dem Halse oder schlug ihm ein Stück Bealzteelc i ia Tartar aus der Brust Auf sedm Fall trollte der fremd« Hengst bald davon. Unheimlich schnell konnte der Mustang sich drehen und furchtbar austeilen. Er war so wendig, daß er oft aus reinem Uebermut Ecken derartig schnell und kurz nahm, daß er«in Salto mortale schlug. Bill kannte den Mustang, denn Bill war«n Comboy. Genau solch Kind der Prärie wie der Mustang selbst. Bill hatte freilich ein- mal Sehnsucht nach der Stadt gehabt, aber als er in ihr weilt«, hatte er sich wie«n scheues Kätzchen an dm Häuserfronten entlang ge- schlichen. Er war ball» ausgefallen und die Leute hallen ihn ausgelocht. Da hatte er sein« Lederweste ausgezogen, seine Stulpen besonders eng geschnürt und wollte ein« Prügelei anfangen, doch es war sofort«in fürsorglicher Schutzmann gekommen und hatte gesagt. solche Manieren seien hier nicht Mode. Darüber war Bill höchst «npört und er haßt« di« Stadt, in der ein ehrlicher Cowboy sich auslachen lassen wußte ohne sich Gsnugtuung oerschaffen zu können. Nach diesem unerhörten Borfall war ihm die Prärie noch lieber ge- worden, al» sie es vorher schon gewesen war. Dill liebt» aber nicht nur die Prärie, Dill liebt« auch die Tier«, die sie bevölkerten. Er liebt« sein« Ninderherdm und er klagte stdesmal. wenn sie in die Schlachthäuser geführt wurden. Er lehnt« solche Stodttransport« ab, obwohl man sie ihm so gern« anvertraut hätte, denn man wüßt«, der Bill bringt die Herde durch und wenn sie auch tagelang unterwegs fein muß. Er kannte die Kräfte der Tier« genau, so daß ihm unterwegs wenig an Erschöpfung ein- gingen, er wußte, wo die Grislybären haustm, so daß er ihnm aus dem Weg« ging. und Viehdieb«, nun, die trauten sich an DU nicht heran. Di« wußten, schießen machte ihm Freude, schon, wenn es nid# nötig war. Mithin, man hätte Bill so gern« als Trans- portführer gehabt. Aber er sagte:„Wenn die Städter durchaus Rinderbraten fresim wollen, können sie ihn sich gefälligst selbst holen.' Und was Bill nicht wollte, da» tat er nicht. Dill» Entschlüsse waren unabänderlich. Ob man auf Knien vor ihm lag oder ab man ihm «in« Pistole auf die Brust fetzte. Man zog Bill selten zum Stalldienst heran. Nicht, weil er die Ställe nicht' gründlich säuberte, sondern weil er soff. Und der Alkohol ist«in absonderlicher Freund. Er machte Bill entweder luftig oder wehmütig, auf jeden Fall aber schießwütig. Hatte er 25 Kognaks ge- trunken, schoß er noch irgendeinem guten Freund««inen Apfel vom Kopf, beim 26. Kognak mußt« der Apfel vorsichtshalber aus den breiten Cowboyhut gelegt werden, beim SO. Kognak hingegm wurde der Apfel nur noch zwischen den Fingern weggeschossen. Bill kannte seine Unterschied«, aber geschosien wurde auf jeden Fall, daran konnte ihn selbst völlig« Betrunkenheit nicht hindern. Jedoch Bill schoß nicht nur, Bill wettete auch, wenn er Stall- dienst hatte. So hatte er einmal gewettet, er würde den Mustang fangen. Am nüchternen Zustand reute ihn die Wette sehr. Aber Wetten müsien ausgetragen lverden. dos ist Ehrensache. Bill kam sich vor, als Hab« er seinen Freund oerraten. Denn oft hatte Bill die Weiden bezogen, aus denen vorher der Mustang und seine Herde die ihnen besonders gittschmeckenden Gräser gerupft hatten. Dill nannte das Oedichie ton 3 akoh diaring er Dlacf)ts 3n meine lammet blickt ein Stern, Unb hat mich sonst ans Erden niemand gern, Dies kleine Sterotein nickt mir blinzelnd zn: Du armer, müder Bettler gib fetzt Rntz! Bielleicht schickt mir ein totes Tieb den Stern. Bielleicht ein Frennd, der auch so arm nnd sern. Herz! wenn du morgeu wieder tot«ud wüd— Beut an den Stern, der an» dem Dunkeln blüht. Tot Ist alle« ein», B5as liegt daran, �Wa» llegt daran— t3st alles eins— Der hat sein Glück, Der saud sein Glück, Der seinen Wahn. Xlnb ich saud teius. Arbeitsteilung. Di« Gräser waren eben da, um gefresien zu werden. und Sattes freie Natur gehört« keinem Menschen, selbst dann nicht, wenn man, wo menschliche Behausungen zusammenstießen, einen Zaun um sie gelegt hatte. Niemals wäre es ihm eingefallen, die Wildpierd« von der Werde seines Herrn zu vertreiben. Er ließ sie grasen und wenn sie wetterzogen, repariert« Bill, wenn sie aus ab- gegrenzte Gebiet« geraten waren, die zertretenen Zäune. Nun mußte er den Mustang fangen. Bill setzte sich in Galopp. Pferd und Mensch im Galopp, bedeuten Feind, da» wußte der Muirang. Er stob mit seiner Herde davon. Doch All ließ ihm kein« Ruh«, er ver folgt« ihm Er kannte sein« Gewohnheiten genau, er nutzt« sie au». Er sondert« ihn ab von der Herb«, und der Mustang, der in- stinkti» merkte, mir gilt die Jagd, er ließ sich absondern, aus Le- sorgthett um die Herd«. Bill hatte«in gutausgeruhtes, kräftiges Pferd, da» mtt Hafer gefüttert war. ver Mustang hatte Zeft keines Leben» noch nie Kraftfutter zu sich genommen. Bill war im Borteil, wenn das Pferd auch ihn und den' 30 Pfund schweren Bocksattel trug. Dem Mustang macht« di« Jagd keine Freud« mehr, er lief jetzt um sein Leben. Noch hatte er Selbstbewußtsein, aber langsam kroch di« Angst in ihm hoch, sie war gesährlich für ihn, sie wurden für ihn zur Last. denn der Mustang hatte sie bisher nicht gekannt. Der Mustang konnte wohl Entfernungen schätzen, aber den Lasio, den kannte der Mustang nicht. Und im gegebenen Augenblick, als er nahe genug war. warf Dill ihm da» Leder um den Körper. Bill» Stute legt« sich gegen den Lasio. aber der Mustang preßte die letzten Kräfte aus sich heraus, er kroch förmlich am Boden entlang und Bill hatte in der Aufregung der Jagd das Gelände nicht überschaut, der Mustang schleifte sich und sein« Verfolger zum Abhang. Er stürzte mit Bill und Pferd in den Abgrund. Keiner von den dreien stand wieder auf. Bill» letzte Wort« waren:„Mir Schuft geschieht recht, aber es ist schade um euch'. Dann dacht« er an sein Pferd und an den Mustang. Der Mustang fühlt«, er konnte kein« Herde mehr führen. Er lag neben einem toten Pferd, er lag neben dem sterbenden Bill und dachte an sein« Herd« und sah eine grün« Wiese vor sich und unterbrückte sein Stöhnen, das ihm aus den Nüstern quoll und schrie und schrie und schrie seine Herd« zusammen zu einem guten Futterplatz. 3man Meilbiü: dl-ffialltlftlllVl Theoretisch geht in«inen V-Bahmpagen ein« abgemessen« An- zahl von Menschen hinein; praktisch hingegen wird solch«in Wagen niemals voll— notfalls ließ« sich die ganze Menschheit Hineinstopsen. Noch niemals Hab« ich«inen l)-Bahnb«amt«n.cheietzt!" rufen hören. wie der Autobusschaffner da» mit Vorlieb« tut. Während dieser den aufsteigenden überzähligen Fahrgästen, di« seinen Autobus entern wollen, mtt vollendeter Zähigkeit entgegentritt, um sie im Fall de» Widerstandes sogar aus» Pflaster zu schubsen— drängt und drückt der l.'- Dahnbeamte(vermittels der Wogentür, die er unbekümmert um noch in di« Hall« hinausragende Köpf« und Gliedmaßen zu- schiebt). Alles was mit will in den Wagen hinein. Sein« Erfahrung sagt ihm, daß die Furcht vor der eventuellen Quetschung in den � zwischen Wagen und Bahnsteig hängenden— Fahrgästen wahr« Wunder an plötzlich auflodernder Energie hervorbringt. Und er irrt sich nicht? Durchaus geistig« Menschen bedienen sich in dieser hall- losen Situation brutal ihrer Körperlichkett. sie brauchen sich keinen Vorwurf zu machen, denn hinter ihnen will di« Tür ins Schloß und da» ist korce majeure. Dann setzt sich der Wagen in Bewegung und kurz darauf fällt der erste Witz von den Lippen eine« Kontor- boten oder eines Lehrlings; in jüngeren Jahren macht einem«in eingedrückter Brustkorb nichts aus, im'Gegenteil, er regt zu Der- gleichen an. etwa mtt Heringen oder mtt Oelsardinen. Di« reiferen Männer indes nehmen dt« Sache verteusell ernst. Cd das Gegen. über, desien Atem warm 0b«rm Schnurrbart hervorstößt, nicht im Interesse der Lllgemeinhett den Bauch einziehen— oder den Koffer, der auf dem Boden steht, aus die Schulter nehmen könnte? Es wird sachlich berechnet, wieviel Raum bei solcher Oekonomi« zu sparen wäre; dabei denkt jeder immer nur an di« Raumverschwendung de» anderen und nie an sich selbst. Nur in einer Hinsicht stimmen samt» lich« Fahrgäste mit gepreßten Leibern Lberein: daß an der nächsten Hallestell« keine Mau» geschweige denn«in Mensch in den Wagen eingelasien werden dürfe. Dennoch kommt» anders. Der Wagen entläßt einen geringen Schuß seines Inhalts, und nun drängt ein« dick«, tauni gegliederte Mass« mtt Fäusten und Knien stoßend herein. Wieder schiebt die korce majeure in Gestall des Il»Bahnbeamten mtt Aufwand einiger Dutzend die Wagentür zu und zwingt die aus dem Wagen herausquelleichen menschlichen Extremitäten in» Jimer« hinein, wo sich die zugehörigen Rümpf« schon befinden. Draußen klinkt in der Signalscheibe am Stock, dm di« Hand de» Station,- Vorsteher» hebt, da» grün« Laternchen aus— und mtt doppell so starker Besatzung als oocher setzt sich der Zug in Bewegung. Mtt der Bestimmthett eine» Naturereignisies erfolgt nun der Mtz: Di« Füll« fei doch eigentlich angenehm, weil nun niemand mehr umfallen könne. Der tierisch« Ernst, mit dem sich Mensch und Mensch gegenüberstand, weicht dem Humor. Di« jungen Mädchen entdecken di« Komik der Situation und einige jung« Herren lassen sich di« Nutzbarmachung dieser Entdeckung angelegen sein. Auf dem Kasten für die Feuerfpritze an der Schmalfette des Wagens sitzt ein Fräulein, sie häll dm Bibliotheksrdmon im Schutzumschlag von schwarzem Lack müßig in Händen. Unmerkbar lächelnd sicht sie der Heitertest ia der Eng« zu. Line Stunde ein Jude Sin üteiseerlebnis tPeler StebeU Unter doii eigenartigen Titel„Eine Stunde ein Jude' wird in den seinerzett von Berthold Auerbach, dem bekanntm Derfasier der„Schworzwälder Dorfgeschichten", herausgegebenen illuistrierten Volksbüchern über ein Reifeerlebnis Peter Hebels berichtet. Hebel selbst ist ja volkstümlich geworden durch sein«' viel- fach in alemannischer Mundart verfaßten Dichtungen, vor allem durch sein„Schatzkästlein" und«in Büchelchen mit sehr hübschen Rätseln. Cr lebt« von 1760 bis 1826 und war Theologe. Um so besremdender mutet das Erlebnis an, das er hatte, als er nach beendetem Studium von der Universität Erlangen mit dem Ranzel auf dem Rücken heim- wandert«. Damals gab es noch die' schöne Bestimmung, daß Juden beim Betreten einer Stadt dem. Zollwächter am Tor« den sogenannten„Leidzoll' zu zahlen hatten, etwa wie für Bieh. das in die Stadt gebracht wurde, ein« Gebühr entrichtet werden mußte Als nur Hebel an das Stadttor von Seegringen kam, dem da- maligen Grenzorte- der Martgtafenschaft Ansbach, hiell ihn' der Zollbeamte für einen Juden und ries ihn ganz grob an:„i)c. ver. dämmt«? Jude, Zoll bezahtenl' .Ich bin kein Jude,' entgegnet« Hebel. Der Beamte glaubte ihm nicht und wollte seinen Hund aus Hebel loslasien. Darauf verlangt« Hebel, vor den Richter gifführt zu werden. Auch der Richter fuhr ihn zunächst aufs schärfst« an. Als Hebel dann sein« Studentenpapier« vorlegt«, aus denen hervor- ging, daß er christlicher Theologe war, wollte der Richter zuerst ihn bestrafen, weil er sich für einen ausgegeben hätte, der er gar nicht wäre. Dm Zöllner jedoch tadelt« der Richter nicht, sondern entlieh Hebel schließlich mit groben Redensarten.? Hebel hat sich später an diesem Orte gerächt, indem er in witziger Weise all« albernen Narrenstreiche, von denen er erzählte, nach Seegringm verlegt«, wie man sie anderswärts von Schilda oder Schöppenstedt erzählt. Das Erlebnis hotte ober noch ein« ttefer« menschliche Bedeutung für Hebei gewonnen. Er war damals auch von dem Zöllner in schmählicher Weise durch die Stadt transportiert worden, bis er vor dem Richter kam, und. unterwegs hatte ihn di« Bevölkerung beschimpft, und die Schulkinder warm ihm nachgelaufen unb hatten �>epp, Heppl' geschrien. Dies« schmähliche Art, Menschen zu behandeln, hatte den-stnigen Mann so«npört, daß er sich von da an mit besonderer Zuneigung und Freundschaft gerade dm un« gerecht behandetten und mißachteten Juden anschloß. Er schrieb Aussätze über dm Philosophen Moses Mendelssohn, den Freund Lessings, und über die Sanhedvin, die große jüdische Synode, und machte«s sich zur Aufgab«, das Vorurteil gegen di« Juden zu be- kämpfen. Berthold Auerbach, der uns diese(übrigens auch von Hebel selbst in seinen Werken ausführlich geschilderte) Geschichte erzählt, ist selbst Jude gewesen. Er hat äußerlich schwer unter den Stöcker- schm antisemttischen Agitation gelitten, wie er oft mtt Bitterkeit hervorgehobm hat. In der Wiedergabe von Hebels Abenteuer tu feinen illustrierten Volksbüchern hat Auerbach am Schlüsse die Worte angefügt:„Wenn jeder nur einmal«inen Tag,«in« Stund«. für einen Juden gehalten worden wäre, er würde sein Borurteil oblegen und es in Gerechtigkett und Lieb« verwandeln." dm Jßuxustierlel dierkulanum* JfäwtfT vor 2000 Sahren Denn die neuen Ausgrabungen von Hsrkulanum der Oeffent- lichtett zugänglich- gemacht sein werden, dann wird man zum ersten Mal« romische Villen der Kaiserzeit in einem Erhalvtngszuftand sehen, wie er auch in Pompeji nicht vorhanden ist. Unter der glühenden Asche des Vulkanausbruches find hier selbst dl« hölzernen Teile der inneren Einrichtung, zwar verkohlt unb zorbrechlich.!ab«r doch unberührt erholten. Es wird einer der Tnumph» der modernen Ausgrabungstechnik fein, daß diese Gegenständ« durch ein bisher noch geheim gehaltenes Konservierunzsverfahren in ihrem ursprunglichen Zustand bewahrt werden. Wie ttolienlsch« Blätter ver- raten, werden die Wiederherstellungsarbetten von dem Leiter der Grabungen, Prof. Bentimiglia, mtt der größten Sorgfalt durch- geführt..• unter diesen fast 2000 Jahre alten Häusern ist das Wichtigste »in« dreistöckig« Villa, deren untere Räume erstaunlich gut den langen Schlummer überstanden haben. Zwischen zwei Zimmern ist die Holzwand, die durch Säulen m drei Oeffnungen geteilt war, noch zu sehen, jetzt schwarz wie Cbenholz und so spröde, daß man mit dem Fingernagel Stück« herumerkrotzen kann, aber- ganz vollständig. In einem kleinen Schlafzimmer, ebenfalls im untersten Stockwerk. steht noch das eng« Bett au» jetzt verkohttem Holz, das in seiner Form einer Bettstelle von heute durchaus ähnelt. Der Holzrahmen des Bettes liegt noch in der vulkanischen Umhüllung: dies« soll aber nach einem noch nicht bekanntgegebeneif Verfahren entfernt werden. ohne daß da» Holz leidet. Wir sind hier im Lurusviertel von Herkulanum. Die Billa war augenscheinlich von reichen Leuten be- wohnt, denn die Räume waren mit kostbarem Mosaikschmuck aus- gestattet unb die Baderäum«, deren bleierne Leitungsrohr« zu sehen sind, waren mit Marmor belegt. Dies« Billa hat keinen Namen: ganz in der Näh« aber befindet sich ein anderer Luxusbau. den man..das Hau» de» Skeletts' ae- nannt hat, weil man die Ueberreste eines vom Tode überraschten Bewohners gesunden hat. Die Futzböden dieser Villa sind mtt farbigem afrikanischen Marmor besetzt, einem kostbaren Stoft. der sich in Pompeji nicht findet, und in einem Raum tst ein sehr schöner Familienaltar in die Wand eingelassen, der von bunten Mosaiken umgeben ist. Die Zimmer strahlen im reichen Freskenschmuck; die Fenster nach der Hinterseit« haben noch ihre eisernen Gitter, die setzt von gehärteter Asche bedeckt sind: in«ine Mauer war ein Geldschrank eingebaut, der silberne und bronzene Münzen enthielt. Ein Raum nach der Hinterstraße zu war augenscheinlich der Wein- keller, in dem sich ein riesiges Tongefäß von der Größe einer Tonne eingegraben findet, das Sprünge aufweist, die durch Drähte zu- sammenaehatten wurden. 2» all diesen Dillen ohne Dächer ist jetzt «in« Schar von sachverständigen Arbeitern am Wert«, um diese wieder auferstandene Pracht nach Möglichkeit im allen Glänze aus- zubessern. Da» frostfeste vanllle-Arowa. Nach den jüngsten Unter- suchungen des amerikanischen Chemikers P. S. Lukas übersteht da? Aroma der Vanille das Einfrieren ohne seien Schaden, wie denn auch«in längere» Lagern der Vanille ihren Duftgeschmack nicht entzieht. Die Versuche, bei denen der Forscher acht verfchitden« Vanillesorten- prüfte, wurden in der Weise ausgeführt, daß 214 Tage lang und zwar immer mtt den acht Vanil'ssorten täglich die gleichen Speisen heraesteltt wurden.--Die jeden Tag vorgenommene Prüfung ergab, haß das Aroma am letzten Tage so kräftig war wie am ersten und weder durch den Frost,, noch durch das Aufbewahren der Vanille gelttten hatte. Sogar, im fest'eingefrorenen Zustand« behielt die' Vanille ihr setnes Aroma bei. MD v• MM AMW MM MWMW. � MHKM 25� I ZIMdöiitso l lür Kinder...» 1 StricklickcbeB für Babys...... 3 TaHbeotMer f ü r K. i n d e r, wei«§»e Mnon,m.bnnt.Kaiite ÄlPi. I Kallcesenietlß Rein lein. ,ca.H4/34citi ZDPf. SKrtWäschehnöpfe,, sortierte Grössen.. ZwPt 23 Meier Nabibaod 25pt. 1 pr. Stck. Badeseife 25pf. lsifi.fBineRasieneifß25pf. I labe Zahapasia ,, Muke.Keci»'... 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