Morgenausgabe Nr. 103 A 52 46. Jahrgang Böchentlich 83 Bf. monatlich 3,60 R hm voraus zahlbar, Postbezug 4,32 einschließlich 60 Bfg. Boftzeitungs- und 72 Big Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6- M. pro Monat. Der Borwärts" erscheint wobentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Boil unb Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Bissen", Frauen ftimme"," Technit"," Blid in bie Bücherwelt" unb ,, Jugend- Borwärts" Vorwärts Beeliner Bolksblatt Sonnabend 2. März 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einfpeltige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflame eile 5.- Reichs mart. Aleine Anzeigen das ettge brudte Mort 25 Pfennig( zuläffig met fettgedruare Worte), jebes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfie Mart 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. 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Effer, teil Der Reichstanzler unterbreitete den Bertretern der fünf Fraktionen nachstehenden Entmurf zur gemeinsamen BeSchlußfaffung: 1. Die fünf Frattionen des Reichstags( Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum, Deutsche und Bayer. Volkspartei) unter ft üzen die Regierung der Großen Koalition. 2. Sie gehen dadurch toalitionsmäßig die Berpflich bung ein, der Reichsregierung mit allen Kräften zu helfen, die gegenwärtig schwebenden bedeutsamen politischen Aufgaben in gemeinschaftlicher Arbeit zu lösen. Die foalitionsmäßige Bindung bedeutet nicht ein Festlegen der einzelnen Fraftionen auf Gesetz entwürfe in ihrer gegenwärtigen Gestalt. Vielmehr hat jede der fünf Fraktionen das Recht, ihre etwa abweichende politische Auf faffung im Rahmen der gemeinschaftlichen Koalitionsarbeit zur Geltung zu bringen mit den Ziel, daß dieser Versuch zu einer Einigung führt. 3. Um das in 3iffer 2 umschriebene Ziel zu erreichen, werden zwei Ausschüsse gebildet, einer für allgemeine politische Fragen und ein anderer für die zurzeit im Bordergrund stehenden Fragen des Reichshaushalts und der Steuerpolitif. 4. Der erste Ausschuß tritt zusammen, sobald der Reichsfangler oder einer der Reichsminister oder eine der beteiligten Fraftionen dies wünscht. Die fünf Fraktionen werden einer solchen Einladung entspredjen. Der zweite Ausschuß zur Beratung der Frage des Reichshaus halts und der Gestaltung der Steuern tritt unter dem Borsiz des Herrn Reichsministers der Finanzen sofort zusammen. Den fünf Fraktionen bleibt es unbenommen, sich in diesem Ausschuß neben den Fraktionsvorsitzenden durch Abgeordnete mit besonderer Sach fenntnis auf finanz- und wirtschaftspolitischem Gebiete vertreten zu lassen. Diesem Ausschuß liegt die Aufgabe ob, den Reichshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1929 für die Abstimmungen im Reichstag entscheidungsreif zu machen. Die fünf Fraktionen sind einig in dem Bestreben, den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1929 so[ pariam als möglich zu gestalten und werden zu diesem Zwecke durch Abstriche neue Stevern nach Möglichkeit zu vermeiden suchen. Diesem Ausschuß werden auch die Borschläge des Zentralvorstandes der Deutschen Volkspartei zur Prüfung überwiesen. 5. Die fünf Fraktionen sind sich darin einig, daß im Laufe des März jedenfalls der Nachtragshaushalt 1928 und ein Notetat für die ersten Monate des Etatsjahres 1929 erledigt werden müssen. Ebenso soll nach Erledigung des Reichshaushaltsplanes 1929 durch den Reichsrat noch die erste Lesung dieses Haushalts planes im März im Reichstag stattfinden, damit den unter Ziffer 4 Absatz 2 erwähnten Ausschußberatungen die verhandlungstechnische Basis gegeben wird. In der sich anschließenden Aussprache erklärten die Ber: terter des 3entrums, daß ihre Frattion voraussichtlich bereit sein werde, auf dieser Grundlage wieder in die Regierung einzutreten. Dagegen erklärte der Abg. Dr. Scho13. daß die Deutsche Boltspartei zwar mit den in 3iffer 3 bis 5 dargestellten Zielen einverstanden sei, da gegen vor völliger Klärung der Etat- und Steuerfragen eine irgendwie geartete feftere Bindung der Regierung im Sinne der Ziffern 1 und 2 nicht zugestehen könne. Nach dieser Erklärung mußte der Reichstanzler am Schlusse der Aussprache feststellen, daß der Versuch zur Schaffung der Großen Roalition im Reich als zurzeit als gescheitert anzusehen sei und er nun weitere Schritte nach dieser Richtung nicht mehr unternehmen werde. Die Reichsregierung werde wie bisher gegenüber Anträgen der Parteien, die sie nicht verantworten könnte, ihre ablehnende Haltung auf alle Konfequenzen hin tlar zum Ausdruck bringen. Der Reichstanzler wird dem Herrn Reichspräsidenten über den Ausgang der Berhandlungen Bericht erstatten. Die Sozialdemokratie ist selbstverständlich für alle möglichen Ersparnisse, die nicht auf Kosten der breiten Massen des Volkes gehen. Sie hält nach wie vor die mili tärischen Ausgaben für viel zu hoch und eine Ermäßigung durchaus für möglich. Die Sozialdemokratie ist selbstverständlich auch kein unbedingter Freund von Steuererhöhungen. Sie fommen nur in Betracht, soweit sie zur Ausbalancierung des Etats unbedingt erforderlich sind. Die Sozialdemokratie hält auch die Vorschläge der Reichs regierung nicht für der Weisheit legten Schluß. Sie ist durchaus bereit, über eine Abänderung dieser Borschläge zu reden, insbesondere soweit eine Milderung derjenigen Lasten in Frage fommt, die sich volkswirtschaftlich und sozialpolitisch als besonders drückend erweisen. # Angesichts des Scheiterns der Berhandlungen mit der Deutschen Volkspartei sind Borschläge überaus bemerkens wert, die von der Reichstagsfraktion des 3en trums in der ,, Germania" veröffentlicht werden. Der wichfigste Buntt ist: ,, Notwendigkeit von erheblichen Streichungen an den vorgeschlagenen Ausgaben, auch beim Wehretat. In diesen Vorschlägen werden weiter Bedenken gegen diejenigen Maßnahmen erhoben, die zwangsläufig zu einer Erhöhung der Realsteuern führen. Es wird finanzielle Sicherung des Wohnungsbaues verlangt, vor allem dadurch, daß nicht Gelder öffentlicher Institute, die sonst für erste Hypotheken zur Verfügung stehen, restlos zur Deckung von öffentlichen Ausgaben verwendet werden. Auch die Reform und Senkung der landwirtschaft lichen Besteuerung wird erwähnt. Zwei weitere Borschläge dürften nicht unbeträchtliche Mehrausgaben für das Reich zur Folge haben, nämlich die Entlastung der Knapp Sicherung der finanziellen Lage der Ar ichaft durch Bereitstellung von öffentlichen Mitteln und die beitslosenversicherung. Aus der furzen, andeutungsweisen Wiedergabe der Ab Augenblick die politische und finanzielle Tragweite der Bor. ſichten der Zentrumsfraktion zum Reichsetat läßt sich im schläge nicht vollständig überblicken. Immerhin machen die Borschläge doch den Eindrud. als wenn sie dem Ernst der Finanzfituation Deutschlands Rechnung tragen wollen, ohne dabei die sozialen Intereffen der unteren Volksschichten zu gefährden. Im Gegenteil wird man annehmen können, daß die Vorschläge für die Knappschaftsversicherung und die Arbeitslosenversicherung von sozialen Erwägungen geleitet sind. • Erklärung der Demokraten. Die demokratische Reichstagsfraktion erläßt eine Erklärung, in der sie sagt, daß sie seit den Neuwahlen auf eine schnelle Bildung einer aktionsfähigen Regierung hingewirkt hat. Sie war auch im diesem Zweck einer anderen Bartei zu überlassen, obwohl sich Koch Einverständnis mit Koch- Weser bereit, das Justizministerium zu in seinem Amte bewährt hat. Trotzdem haben die monatelangen Berhandlungen zu feinem Ergebnis geführt, weil sich die Parteien über ihre hartnädig festgehaltenen Ansprüche nicht verständigen fonnten. Die Erklärung weist auf den großen Schaden hin, der dadurch entstanden ist. Sie fordert im Geiste der Weimarer Berfassung für den Reichskanzler das Recht, sich seine Mitarbeiter felbft auszuwählen, von den Parteien aber verlangt sie behr Dom Frattionsegoismus und Schaffung einer Regierung mit fefter Autorität. Reichsminister a. D. Külz an den Reichskanzler gerichtet hat. In gleicher Richtung bewegt sich ein offener Brief, den der Nach Trotzki Bucharin. Ausschlußverfahren gegen ihn eingeleitet. Das Organ der Brandleriften Gegen den Strom" teilt mit: Rach uns zugegangenen Nachrichten bestätigt sich, daß Bucharin endgültig aus der Redaktion der„ Prawda und der Leitung der Komintern ausgeschifft worden ist. In der Komintern wird er ersetzt durch Molotow, die rechte Hand Stalins, in der Redaktion der„ Prawda" durch Sino wjem. Gleichzeitig wird in der Inpreforr" eine Stampagne gegen die von Bucharin in feiner Gedächtnisrede zum Tode Lenins vertretenen Auffassungen eröffnet( noch ohne Bucharin zu nennen). In der Regierung aber gegen die Regierung! Die Berhandlungen über die Bildung einer Großen Koalition im Reiche sind gestern, wie der nebenstehende Bericht zeigt, von der Boltspartei gefprengt worden. Der Reichskanzler wird, wie aus seiner Erklärung hervorgeht. seine überaus geduldigen Bemühungen, diese Partei für eine fraktionelle Bindung an die Regierung zu gewinnen, nicht weiter fortjeßen. Er wird am 13. März vor den Reichstag treten und ihm den Haushaltsvorschlag für 1929 vorlegen. Das bedeutet eine Aufforderung zur sachlichen Arbeit. Falls nicht bis zum 13. März noch irgendeine Wendung eintritt die in der Richtung zu einer Bindung der Volks partei nicht mehr gesucht werden fann wird sich ein eigentümlicher Zustand ergeben. Die Regierung MüllerStresemann- Curtius wird einen Elat vertreten, der von der Fraktion Stresemann- Curtius be fampft wird! Man wird den beiden volksparteilichen Ministern ein Bedauern über ihre Situation, die durch das Verhalten ihrer Fraktion herbeigeführt ist, nicht versagen dürfen. In der sehr abwechselungsreichen Geschichte des deutschen Parlamen tarismus ist dieser Fall denn doch noch nicht vorgekommen. Eine Fraktion bekämpft einen Etat, der von ihren Ministern miteingebracht ist! Sie verweigert überhaupt und ganz allgemein der Regierung, in der sie durch ihren Führer vertreten ist, die Unterstügung! Im Reichstag hat sie auf der Beratung ihrer verfassungsrechtlichen Anträge bestanden, von denen sie weiß, daß sie für die Sozialdemokratie unannehmbar sind und daß sie überhaupt feine Aussicht auf Erfolg haben, da die für sie erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht aufzutreiben ist. Die Debatte blieb trotzdem nicht ohne Wert, weil sie einmal eine ausgezeichnete Rebe& andsbergs brachte, dann aber den scharfen Gegensatz zwischen dem Zentrum und den Demokra ten einerseits und der Bolkspartei andererseits deutlich in Erscheinung treten ließ. mit den beiden Volksparteilern in der Regierung. Bon jenen beiden Parteien ist die eine, die demokratische, So mar zwei Koalitionsparteien wohl aber zwischen zwei Parteien, das Duell 3 a pf- haas ein Duell zwar nicht zwischen Zentrum betrifft, so weiß die Volkspartei ebensogut wie wir, die beide in der Regierung vertreten find. Was aber bas daß ohne oder gar gegen diese Partei sachliche Arbeit im Reichstag kaum zu leisten ist. Mit Spannung verfolgte daher das Haus die in furzer Rebe und Gegenrede ausgetragene Bolemif zwischen Zapf und Wirth, bei der, wie man selbst feine glückliche Figur machte. Das liegt nicht so sehr an der in der Volkspartet bemerkt haben wird, Herr Zapf durchaus geringen Schlagfertigkeit des Herrn Zapf wie an der unmög lichen Situation, in die sich die volksparteiliche Fraktion hin einmanövriert hat. Auch das Zentrum hat bisher sehr unglücklich operiert. Bei der Bildung der Regierung wurden ihm drei Minister fize auf dem Präsentierbreft entgegengebracht, es nahm sie Refforts nicht ganz durchdrang. Es entschloß sich daher, nur nicht, weil es mit seinen Wünschen bezüglich der zu besetzenden einen Sorchposten" in der Regierung zu besetzen durch Herrn v. Guérard, der zwei Portefeuilles zugleich zu betreuen hatte. Später wollte es wieder die drei Ministersizze, die es bei den ersten Verhandlungen ausgeschlagen hatte und zog, da die Volkspartei Schwierigkeiten machte, die sich nicht so ohne weiteres überwinden ließen, auch Herrn v. Guérard zurüd. Daraufhin machte sich die Zentrumspresse das Bergnügen, einen liberal- sozialistischen Block" zu konstruieren, der in Wirklichkeit gar nicht bestand. Gegen diesen ,, liberalsozialistischen Blod" führte das Zentrum im Reich einen fleinen Guerillatrieg. Allzulange wird sich dieser Krieg freilich nicht fortführen lassen, wenn nicht das Zentrum die Berantwortung für den Sturz der Reichsregierung übernehmen will. Dazu aber scheint es doch keine Lust zu haben begreiflicherweise, weil niemand weiß, was an die Stelle dieser Regierung gesezt werden kann. Auf alle Fälle muß am 13. März die sa chliche Arbeit beginnen. Da es sich um den Haushaltplan handelt, wird die Führung in den Händen Hermann Müllers und Hilferdings liegen. Es muß der Versuch gemacht werden, im Plenum und im Haushaltsausschuß durchzufegen, was bei den langwierigen Verhandlungen hinter den Kulissen nicht erreicht und nicht gesichert werden konnte: bie Berabschiedung eines Reichshaushalts ohne Defizit innerhalb einer möglichst furzen Zeit. Soll das durchgesezt werden, so wird die Reichsregierung öfter als einmal genötigt sein, Forderungen an den Reichstag zu stellen, mit denen sie steht und fällt. Und dann müssen die Parteien wiffen, was sie zu tun haben! Die Regierung zu stürzen und eine neue an ihre Stelle zu setzen, ist ihr gutes fie tun, vor dem Volke die Verantwortung tragen. Stalin feinerseits läßt eine Unterredung zwischen Bucharin Die Regierung zu stürzen, ohne zu wissen, was an ihre Stelle Ramenem zirkulieren, die sich in nicht sehr schmeichelhaften Ausgesetzt werden kann, wäre angesichts der in Paris schwebenden Berhandlungen geradezu ein Verbrechen. Nicht gemildert, Wie wir noch hören, soll ein Ausschlußverfahren gegen Bucharin in Gang sein. Bucharin läßt einen Brief Stalins an ihn zirkulieren, worin Stalin sagt, sie beide, Stalin und Bucharin, feien Bemerkenswerte Vorschläge des Zentrums. Wir haben bereits wiederholt darauf hingewiesen, daß der Etatvorschlag der Deutschen Boltspartei zwar das Berlangen nach Ersparnissen enthält, daß es der Bolfspartei aber nicht ganz wohl bei dieser Absicht ist. Auch der Himalaya, die anderen Mitglieder des Pol.- Bureaus nichts. Recht. Aber sie müssen wissen, daß fie für das, was in den am Donnerstag geführten Verhandlungen beim Reichskanzler sind die Vertreter der Volkspartei die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, wie sie sich denn Erspar nisse in Höhe von 200 Millionen denken. brücken über Stalin ergeht. und sondern vermehrt würde die Schuld der Parteien, wenn fie den Sturz der Regierung statt durch eine offene Aktion durch Sabotage unt Schitanen herbeiführen wollten. Die Reichsregierung wird in ihrem Rampf um den Reichsetat nicht durch fraktionelle Bindungen" gesichert sein. Toben in Belgien und Holland. Aber vielleicht wird sich herausstellen, daß ihre Boſition Belgische und niederländische Sozialdemokratie machen gemeinsam Front gegen ohne diese Bindungen feineswegs schlechter ist als mit ihnen. Bindungen haben nur dann einen Sinn, wenn sie von allen Seiten mit voller Loyalität eingegangen werden. Eine Regierung, die sich auf nichts anderes verläßt, als auf die Notmendigfeit ihrer Forteristenz und ihre vor der breitesten Deffentlichkeit vorgetragenen Gründe, tann stärter sein als eine, die sich auf trügerische Bindungen verläßt. Auch die Stellung der Sozialdemokratischen Bartei in der nun beginnenden politischen Entwicklung ist nicht ungünstig. Daß ein fozialdemokratischer Kanzler und ein fozialdemokratischer Finanzminister ohne fozialdemokratische Mehrheit feinen fozialdemokratischen Etat machen können, wird man im Bolte draußen sehr gut verstehen. Weniger aber wird man es verstehen, wenn sich herausstellen sollte, daß alle durch die Kraftverhältnisse im Reichstag bedingte Rüd fichtnahme auf die bürgerlichen Mittelparteien nuglos bleibt. Den Schaden würden dann die schuldigen Barteien tragen. Das würden sie gewiß bemerten nach einer Reichstagsauflösung, über die schon soviel gesprochen wird. Vertagung des Reichstags. Nächste Sitzung am 13. März. Der Reichstag hat gestern die Anträge der Boltspartei zur Abänderung der Berfaffung dem Rechtsausschuß über wiesen. Im Laufe der Debatte, in deren Mittelpunkt eine Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Landsberg stand, trat klar hervor, daß diese Anträge eine große Mehrheit gegen fich haben. Der Reichstag vertagte sich dann bis zum 13. März. Stahlhelm und Beamtentum. Die Stellungnahme der republikanischen Beamten. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deut. ichen Beamtenbundes bat dieser Tage zu der infolge der Stahlhelmpropaganda wieder viel diskutierten Frage der haltung der Beamten gegenüber dem republikanischen Staat Stellung genommen. Entsprechend der stets bekundeten Ueberzeugung des ADB. brachte er zum Ausdrud, daß sich die Pflichten des Beamten neben der foreften Erfüllung der dienstlichen Obliegenheiten nicht erschöpfen in einer allgemeinen loyalen Haltung gegenüber dem Staat als solchem, sondern daß fie barüber hinaus die Forde. rung innerer Hingabe an die republikanischen und demokra tifchen beengrundlagen bes Staates fowie bie Aufgabe einfchließen, Nationalistenhetze. Brüssel, 1 März.( Eigenbericht.) Die chauvinistischen 3nstintte in Holland und Belgien haben mindestens 10 Jahre feine solchen Orgien gefeiert wie jeht nach der Veröffentlichung des belgisch- franzöfifchen Geheimvertrages. Fast die ganze holländische Presse, eine Ausnahme bildet das Amfterdamer sozialdemokratische Parteiorgan Het Bolt, halten trotz der Demenfis der belgischen Regierung und der Erklärungen in der belglichen Kammer und im englischen Unterhaus die Echtheit des Dokumentes aufrecht, indem fie nachzuweisen fuchen, daß die Ableugnung in diefem oder jenem Punkte£ üden aufweise. Auf diese Haltung reagieren fast alle belgischen Zeitungen in überaus aufgeregtem Tone. Die Gazette" bedeutet, daß Belgien nicht einen musso tini an der Spize hat, der furzerhand in Holland einmarschieren und mehrere Provinzen annettieren würde. Auch andere Brüffeler Blätter hegen in müfter Weise und stoßen Drohungen gegen Holland aus. Selbst die gemäßigten Drgane Derlangen, daß das belgische Kronprinzenpaar, das sich augenblicklich auf einer Reise in Holländisch- Indien befindet, dieses Land sofort Derläßt. Die holländische Regierung wird in fcharfem Ton aufgefordert, zu erflären, ob sie den belgischen Dementis Glauben fchente oder nicht. Die Nachricht, daß auch der deutsche Ge bienatiofandte in Brüffel um Aufklärung gebeten hat, bringt die nationale" Breffe pollends aus dem Häuschen und wird von ihr als Beweis dafür betrachtet, daß es sich um ein von langer and vorbereitetes deutsch- holländisches Manöver handelt. Der Beuple" stellt diese chauvinistische Hege an den Branger. Um reinen Tisch zu schaffen, fordert er die belgische und holländifche Sozialdemokratie auf, gemeinsam den Ursprung der Fälschung zu erforschen. Zwischen der belgischen und der holländischen Sozialistischen Partei herricht das beste Einvernehmen. Belde sind sich barüber einig, daß es sich um eine Fälschung handelt. Ebenso geben sich aber die sozialistischen Parteien der beiden Länder Rechen fchaft von den Gefahren ab, die alle geheimen Abfommen für den Grieden bringen tönnen. DE Am Sonntag findet in 2mfterdam eine große fozia liftische Demonstration statt, in deren Berlauf auch der Führer der belgischen Soziafiften Camille Huysmans fprechen wird. Einige Tage später ist in Antwerpen eine ähnliche Kundgebung geplant, an der mehrere holländische Sozialistenführer teilnehmen werden. So arbelten die beiden sozialistischen Parteien praktisch für die Beruhigung der Böller und für den Frieden. Der jetzt vom Utrechtsch Tagblaat" mit den Unterschriften der französischen und belgischen Generäle, fowie des belgischen Kriegs. mnisters Brocqueville veröffentlichte eingehende und vollständige Tegt der Auslegung des Geheimvertrages wird m Brüssel amtlich als in allen Punkten gefälscht erklärt. Jezt erfährt man übrigens, daß das Schriftstüd schon am 10. Februar einem holländischen Minister zum Kauf angeboten wurde und daß dieser der belgischen Regierung sofort davon Mitteilung machte. Das spricht für ein loyales Ver halten der holländischen Regierung. Auch Het Bolt" deckt die Fälschung auf. Amsterdam, 1. März.( Eigenbericht.) Auf Grund der ergänzenden Mittellungen des Utrechter Tageblattes über das Militärabkommen schreibt het Boll", daß die erste Beröffentlichung eine abscheuliche und verbreche. rische Fälschung des ursprünglichen Tegt es war. In der ersten Veröffentlichung werde von einer Schändung der nlederländischen Neutralität mit englischer Hilfe, in der zweiten Ver. öffentlichung von der Strafexpedition einer Bölkerbundtruppenma cht bei Berlehung des Bölkerbundvertrages gesprochen. Die fich auf die Niederlande beziehende Aeußerung bilde nach dem Protokoll überhaupt feinen Teil des Vertrages, sondern fei eine Bemertung eines franzöfifchen Generals ge wesen, der der Chef des franzöfifchen Generalstabs fofort widerfprochen habe. „ Hel Volk" bedauert, daß es nicht strafrechtlich möglich ist, gegen folche verleumderische internationale Aufhehung aufzutreten. Wie sie sparen! Reich an der Ausstellung nicht beteiligt. In dem jezt endlich amulich zugestellten Material heiße es: Da die Reichsregierung dem Wunsche Spaniens entsprechend sich entschloß, von einer amtlichen Beteiligung abzuleben, wurde auf Vorschlag des Reichs der Weg der amtlich anerkannten privaten Beteiligung gewählt. Reifend bei der ganzen Ausstellung let bie 3. arbeits Industrie. Die Deutsche Boltspartei ftelle die Bebingung auf, daß ber Haushalt ohne neue Steuern balanciert werden müsse, Y mit allen Kräften für bie Berwirklichung bes freiheitlichen und Der volksparteiliche Wirtschaftsminister fordert eine Million zugunsten reicher Unternehmen. fozialen Inhalts der Berfaffung und für die Feftigung der Republi! zu arbeiten. Innerliche Gegnerschaft gegen den republifa- Am Freitag wurde an dieser Stelle bargelegt, wie bie Bolts| nifchen Staatsgebanten, aß gegen den republikanischen partei spart. Ein weiteres Beispiel dafür bot die Freitagssigung des Staat, gegen feine Form und feinen Inhalt, sein Werden und Ausschusses für ben Reichsbausbalt. Sie wurde aus. Ausschulfes für ben Reichshaushalt. Sie wurde aus fein Besen, Teilnahme an Bestrebungen, die gegen ben gefüllt burch die Beratung eines Antrags des Reichs mirt. Bestand der Republit gerichtet sind, zugehörigfeit uchaftsministeriums Dr. Curtius. der Haushaltsaus Organisationen, die die Befeitigung ber republifchuß möge genehmigen, daß aus dem im Gachetat 29 des Reiche tantfd bemo? ratifden Staatsgrundlagen er Streben und sich in Bertembung und Berächtlichmachung der Repu. blit und der republikanischen Staatsmänner ergehen, erachtet ber Bundesvorstand des ADB als nicht bereinbar mit ber Stellung und den Aufgaben eines Beamten der Republif und mit bem von dem Beamten geleisteten Diensteid. Der Bundesvorstand wiederholte bie mehrfach vom ADB. zum Ausdrud gebrachte Forderung einer Reform der Verwaltung auch in persönlicher Hinsicht und der Republitanisterung des Beamten förpers. Er begrüßte baher bie vom Reichs minister bes Innern und vom preußischen Ministerpräsidenten befundete Stellungnahme zu diefen Fragen. Bayrisches, allzu bayrisches. Und eine Reichstagsinterpellation. wirtschaftsministerium für Unterstügung von Meffen und Aus. ftellungen im In- und Ausland angeforderten Betrag von 2 mu lionen porweg 750 000 m. für die Ausstellung in Barcelona ausgegeben merden dürfen. Die Angelegenheit hat ban Ausschuß schon einmal vor einigen Tagen beschäftigt. Der Sachverhalt ist der folgende: Im Rechnungsjahr 1928 wurde vom Reichswirtschaftsministerium für die Beteiligung an der internationalen Ausstellung Barcelona eine halbe Million angefordert mit dern Bemerken: für die Aufgaben des Reiches er scheine der angelegte Betrag angemessen und ausreichend. Der Referent für den Etat des Reichswirtschaftsministeriums, der volts. parteiliche Abgeordnete von Raumer, erflärte damals, er stände bem Projekt redt steptisch gegenüber. Und auf seinen Antrag wurden statt 500 000 nur 350 000 m. bewilligt. Durch ein an den Borsigenden des Ausschusses gerichtetes Schreiben vom 13. februar teilt das Reichswirtschaftsministerium nun mit, Herr Helb, ber bayerische Ministerpräsident, will megen der die Gesamtkosten für die deutsche Beteiligung beliefen sich auf Betriebsunfälle, bie er in ben lezten Wochen erlitten hat, den mehrere Millionen. Nach Einvernehmen mit dem deutschen bayerischen Gesandten in Berlin, Herrn von Breger, in die Generalfommiffar halle es die Relchsregierung für geboten, von Büfte schicken. Als Sündenbod. Also der Breger ist schuld. Er diesem Betrag 1.1 millionen zu übernehmen. ist dem geborenen Hessen Held nicht bayerisch- partitularistisch Der deutsche Generalkommissar, Dr. von Schnigler, habe im genug. Zu Oftern ift es aus mit ihm. Wer wird sein Nadyfolger, mer ist der Mann, der restlos alle forderlichen Aufträge bereits auf den Betrag von 1.1 Millionen Wer wird Jein Nadyfolger, mer ist der Mann, der restlos alleinblick auf die notwendige Beschleunigung der Arbeiten die erweißblauen Ansprüche befriedigt? Denkt Herr Held an Herrn abgestellt und den entsprechenden Bertrag mit dem Rahr? Der dürfte waschecht meißblau fein aber ob auch aber ob auch 21 rchitetten geflossen. Die Ausstellung werde schon am energisch? Oder will er Herren Schmelzle, den Mann mit ben 15. mai eröffnet: die Nachbewilligung müffe daher schleunigft er höflichen Umgangsformen nach Berlin( chicken? Wir sind jebenfalls folgen. Die Ungelegenheit wurde in der vorigen Gigzung vom gespannt, ben starten Mann aus München, jozulagen den bayerischen orligenben angehalten, der die Frage aufwart, mozu Die demokratische Reichstagsfrattion bat ob berber Haushaltsausschuß ba fel, menn er in folder Belfe in letter Stunde vor fertige Zatfachen geftellt merbe. Chicagoer Extratour des Herrn Held eine 3nterpellation im Reichstag eingebracht alles, mas darin über das Benehmen Selbs gefagt wird, ist richtig. Aber mor es nötig, den in regel war mäßigen Zeitabständen wiederkehrenden Bemühungen des bayerischen Regierungschefs, in die Weltgeschichte einzugehen, diefe Bedeutung beizulegen? Löwen tennenzulernen. Y Egpertenausschüsse stecken geblieben. Parifer Presse ungeduldig. Paris, 1. März.( Eigenbericht.) Die Sachverständigentonferens fegte am Donners tag ihre Beratungen technischer Eingelfragen in ben Untertommiffionen fort, wobei nicht zu leugnen ist, daß die Be. ratung der Hauptfragen seit einigen Tagen nicht mehr vom lede tommt. Immer noch will feine ber Delegationen in ben entscheiben. ben Dingen mit der Sprache heraus. Die Ungeduld mächst da her in der französischen Oeffentlichkeit, und das Mißvergnügen der Bariser Bresse fehrt sich insbesondere gegen die deutsche Delegation und Dr. Schacht. So schreibt bas cho be Baris", Dr. Schacht zögere die entscheidende Distuffton immer wieber hinaus und trage stets die gleichen Urgumente por, die von den allierten Delegierten längst widerlegt seien. Ein Komploft in Savanna zur Ermordung des Präsidenten der Republil Kuba und Aur Meuterei bes Heeres will bie Bolizei ent beat baben; 80 Berbaftungen porjährigen Ausführungen zu bemanteln und bat, ble Frage meniger In der Freitagsigung suchte zunächst Abg. von Raumer seine unter bem Gesichtspunkt einer Ausstellung als unter dem Gefichts mintel unserer Beziehungen zu Spanien zu betrachten. Eine Burüd ziehung unserer Beteiligung mürbe als schmere Unfreundlichkeit empfunden werden. Abg. Heinig( Goa.) legte zunächst noch einmal den ganzen Sachperhalt dar unb hob hervor, daß seiner Unficht nach weniger die Pflege außenpolitischer Belange als das Verlangen der Industrie, Erfaß eines Tells ihrer Auslagen zu erhalten, bie Borlage habe entstehen laffen. Amilidh fei bas Jungdo und Parlament. Das nächstemal offizielle Wahlbeteiligung. Hler aber tue die Bolkspartel das Gegenteil, unterstüße private Unternehmen, angeblich aus außenpolitischen Gründen, die uns immer, wie bel Mannesmann, Schichau und Emelta viel Geld foften. Seine Freunde seien der Meinung. es tönne unb müsse mit den bewilligten 350 000 m. fein Bewenden haben. Der Demokrat Dr. Reinhold vertritt zwar auch den Wunsch, Spanien außenpolitisch entgegenzukommen, will aber noch einmal genau prüfen, ob ein Entgegenkommen in dieser Höhe er folgen müffe. Die ausstellenden Industrien seien jedenfalls auf Unterstügung nicht angewielen Geheimrat Mithies beantwortete verschiedene an ihn gestellte An fragen dahin: Der Generalfommissar fei ein Bertrauens. mann der Wirtschaft, aber von der eingeladenen Regierung der einladenden Regierung auch als Staatskommissar benannt. Die Ver träge, die der Geieraltommiffar abschließe, würden im Einvernehmen mit den zuständigen Reichsstellen vorbereitet. Ihren Abschluß decke die eingeladene Regierung. Generalfommissar Dr. von Schnizler betonte, Industrie stelle ihn unentgeltlich zur Verfügung. Sie übernehme er verursache dem Reich nicht eine Reichsmarf Koften. Seine fläche in Anspruch nehme. Die Wirtschaft bringe für die Ausstellung fogar 250 000. Untoften, obwohl sie nur 8 Broz. der Ausstellungs 2½ Millionen auf. Abg. Erfing( Str.) findet eine Ueberschreitung von 200 Proz enorm und regt eine Beratung in einem interausschuß an Ein Bertreter des Uusmärtigen Amies wies darauf hin, daß es fidher ungünftige Rüdwirtungen auf( pätere Handelsvertragsver bandlungen haben müßte, wenn man durch Berweigerung ber an geforderten Mittel die deutsche Beteiligung an der Ausstellung in Frage stelle. gefehrt ungünstig auf die Pariser Berhandlungen wirten müsse, Demgegenüber betonte Abg. Heinig( Sos.), baß es gerade ume wenn hier so große Summen für blühende Industrien. bewilligt würden. Die Industrie müffe eben mehr als zwei Drittel über. nehmen. Bon der Bayerischen Bolkspartel und den Demofraten gingen Anträge auf Nachbewilligung von 150 000 m. ein. Wegen Beginn des Plenums mußte die Beratung ab. gebrachen merben; fle wird heute, Sonnabend, in Anwesenheit ber Reichsminister für die Finanzen und die Wirtschaft fortgelegt. eine grundlegende Aenberung des bisherigen Standpunties des Jungbo. Das Reichsministerium der Juftls hat dem wegen angeblichen Landesperrat im. Dezember 1927 perhafteten Otto Zeltin aus Billig. feitsgründen eine Entschädigung für die unschuldig erlittene Unterfuchungshaft bewilligt. Der Haftentlaffungsantrag Ulih abgelehnt. Der non ber Berteidigung im Falle lig gestellte Haftentlassungsantrag gegen Raution ist abgelehnt worden mit der Begründung, daß die Schwierigkeiten ter tönnte. Untersuchung zu groß feien, als daß die aftenlaffung erfolgen Die Führer des Bungdeutschen Ordens hatten gestern nachmittag eine Breffebesprechung peranstaltet. Der Hochmeister des Ordens, Artur Mahraun, sprach über eine polisnationale Attion", die der Jungdeutsche Orden vorbereitet. Es gelang nicht, Klarheit zu gewinnen darüber, was barunter zu verstehen ist. Interessant mar inbeffen ein Betenntnis Mahrauns gegenüber ber Frage eines Diskussionsredners zur Stellung des Jungbeutschen Orbens zum Parlament. Der Führer des Jungho fagte, daß fchon bei Das spanische Rabinett hat dem angeheirateten Reffen bes Mis den nächsten 23ahlen ber Jungbeutfche Drben feine disziplinifterpräsidenten, Thomas Ibarra, megen Berbreitung von Gerüchten, nierten Anhänger sehr wohl für bestimmte übrer in Bes die auf die öffentliche Meinung schädlich wirften, eine Geldstrafe von pegung fegen fönnte und vielleicht würde". Das bedeutet 50 000 Bejeten auferlegt. Wilhelm Bode gestorben. Zfcch mehrwSchiger Sraukheil ist WNHsh» Sode gesteru mittag in feiner Eharlotteaburzer Villa gestorben. Mit Wilhelm Lad« ist die bedeutendste Persönlichkeit aus dem Kreise der Kunsthistoriker und Museumsleiter dahingegangen, die wir nicht nur in Deutschland kennen. Sein Ruf als Kenner und Schriftsteller war international und hatte liberall. wo alte Kunst ge» sammelt wird, den besten Klang: und wenn ihn auch von eigentlicher Popularität das exklustve Wesen seines Berufes trennte, so bedeu« tete doch in ganz Deuts chlartd, weit über die Fach, und Kunstkreise hinaus, dieser Name seil Jahrzehnten«in« fest« Gröhe, einen Typus, mit dem man stch auseinandersetzen mußle, und einen ganzen und charaktervollen Mann. Wilhelm Bode wurde am 1l>. Dezember l84h in Caloörd« fBraun'chweig) geboren, studierte erst Iura, dann in Berlin und Wien Archäologie und Kunstgeschichte. Nachdem er durch. Reisen in Italien sein Studium vervollständigt hatte, wurde er l872 als Assistent an den königlichen Museen in Berlin und als Leiter der Abteilung für christliche Plastik angestellt. l8M wurde er Direktor dieser Wteilung, 1890 alleiniger Direktor der Gemäldegalerie. 1896 gründete er den Kaiser-Friedrich-Museumverein. Am 18. Okto- ber 1994 konnte dann dank seiner rastlosen Arbeit dos Kaiser-Fried» rich-Muscum eingeweiht werden, zu dessen finanzieller Unterstützung Bode die Finanzwelt gcscHtfi heranzuziehen wußte. Am 1. Dezem. bcr 1995 wurde er zum Generaldirektor der königlichen Museen be- rufen. 1929 schied er aus diesem Amt au», behielt aber die Leitung de- Kaiser-Hnedrich-Museums bei. Bodes schriftstellerische Arbeit umfaßt das Gebiet der Renaissance, sowohl der deutschen wie der italienischen und niederländischen. Als Bode seine Mnstumslaufbahn begann, standen die Berliner Kunstsammlungen im Grunde noch an ihrem Anfangspunkt. Erst Bode hat sie zu ihrer Weltbedeutung erhoben und mit ungemeiner Energie und Organisationskrast und mit Hilfe seines enormen Wissens in die erst« Reihe der Weltsammlungen gestellt. Als er die Gcneraldirektion aller Museen übernahm, war sein« Lebensausgabe im wesentlichen vollendet, gipfelnd in der Gründung des Kaiser- Friedrich. Museum», dessen beispielloser Reichtum zum größten Teil sein Werk ist. Daß die architektonische Durchführung dieser mächtigen und viel» festigen Sammlung keineswegs den musealen und künstlerischen An- sorderungen entsprach, die Bode selber und mit ihm wir alle stellen mußten, liegt picht an ihm, sondern an den unseligen Zuständen de« wilhelminischen Regimes. Ganz ähnlich hat auch bei Fortsetzung dieses Werkes, bei dem noch umfassenderen Plan des Deutschen Museums, ein ünglütflicher Stern, will heißen: Bureaukratenwillkür, die Ablichten Bodes und des über seinem Werk gestorbenen Archi- tekten Mesiel so gekreuzt, daß Bode selber öffentlich Protest erheben und sich von ihm, wie von der Weiterführung des Kaifer-Friedrich- Museums, lossagen mußt«, weil seine Absichten ins Gegenteil ver- kehrt wurden. Ms das lvesentlichst« Hilfsmittel bei Schaffung der Sammlun- gen hat. Bode von Ansang an die Privatsammler herangezogen, die cr mit allen Kräften und mit all s«nen Kenntnissen fördern, beriet , V) immer wieder zu Stiftungen und Erbverschreibungen sür die Siaatsmuseen anregte. Daß die Berliner Privatsammlungen sich eurch sein« Energie selbst über die vernichtenden Zellen von Krieg und Inflation hinübergerettet haben(freilich nicht ohne schwere Einbußen), bewies noch vor drei Iahren dl« letzte Ausstellung aller Kunst aus Berliner Besitz. �-■ Das alles war natürlich nur möglich auf Grtiitd einer sehr aus- ffiWstrks» Kenntnis, alter Kunst. Bode gav mit Recht In der ganzen Welt als Kenner von höchstem Rang, sein Urteil war maßgebeeK und seine Autorität beinah« unbegrenzt. Sem« Spezialgebiet« waren italienische Renalsianc«. Rembrandt und die holländisch« Malerei des 17. Iahchunderts. Man hat bis zu seinem 79. Geburtstage über 599 Schriften und Bücher gezählt, d!« der Unermüdlich« während seiner Tätigkeit als- Museumsleiter und Generaldirettor g«. schassen hat. Daß mit so unbegrenzter schöpferischer Vitalität auch«in sehr aggressives Temperament verbunden war. hat Bode besonder» in den letzten Jahrzehnten seines Leben» bewiesen. Irrtumer. die auch dem größten Menschen nicht erspart bleiben, vor allem seine wachsende Abneigung gegen die Kunst der Lebenden, zogen ihn in allerhand Polemikern, b!« er mit ungestümer Nachdrücklichkeit zu führen und nicht immer zu gewinnen pflegte. Seine herzhaftesten Feinde fand er nicht bei den Gralshütern von Remdrandts oder Leonardos Kunst, sondern bei den Musoumsdirektoren. die dem Schaffen der längeren Künstler Lebensrecht zubilligten. Dazu kamen dann in den letzten Iahren unerfreuliche Anlässe der preußischen Museumswirtschast, die seinen Widerspruch mit Recht herausforderte. Wer �jemal» unter ihm oder mll und auch wohl gegen ihn ge- arbeitet hat. wird das Bewußtsein von einem großen Menschen mit sich tragen, der naturgemäß irren und nicht überall das Maß hallen konnte, da er Temperament für ein Dutzend Mitledend« besaß, der ober immer das Wesentliche und da, Bedeutendste gewollt und fast immer auch durchgesetzt hat. Bor dem aufrechten Manne und vor dem großen Kenner und Organisator neigen wir uns alle. Wir werden nimmer seinesgleichen sehen. Dr. Paul F. Schmidt. Volksparteiliche Gieuerpolitik. pilfudski soll Namen nennen! Ein Vorstoß der Linken gegen seine letzte Seaatsrede. Warschau, t. März, selgraberichl.) Dle am Vonncrelaz gehauen« Rede Ptlsudskl» in der Sennl-roil-m'.ssiou hat in politisch?« krelseu großes Aussehen erregt. Vcsoad-re die Erklärung. dußdiebisherigenSrleg«- minister Staat, gelder vergeudet und für ihre persS». licheu Zwecke verweudel haben, hat sämtliche Part«l«u tu Aufruhr versetzt. 3n der Frettsgsthvng de» Sejm erklärte der sozialistische Ab- geordnete Z u l a w s k i im Namen der tiak-u. daß der S-Zm ketue andere Kontrolle besitze al» die»echuuug»abschlüss«. Da weder die gegevwärtlge Regtcruvg noch dl« oberste Soulrollkammer irgend etwa« von Vtihbrävchen bei de» bisherige« Budgets de» Sriegsmintsterwm, ermähnien. ja müsse er uuomehr deu Sesw- Marschall um Aufklärung bitten. Do» Parlament dlirs« nicht erlauben, daß die Defraudanten voo Slaalsgelderu straflos au». gingen. Es würde sich sonst selbst strafbar machen. Der Sejm- Marschall Daszynski solidarisierte sich mit dieser Erklä- rung und gab der hofsnung Ausdruck, daß pilfudski die Namen der Dieb« uenuea und sie zur Veronlwortuug ziehen würde. Das fei um fo notwendiger, aS« sich bei den bisherigen Krieg«. mwisterv nicht um Zwilp-rsonev. sondern um höhere Offizier« handele. Die drei eink,par«eta» brachte« eine in diesem Sinne gehatteue Interpellation ein. Die Recht». xarteieu stellte» ein« ähnliche» Antra» Reue Steuern zur Deckung des Defizits kann die Wirtschost nicht tragen- die Ausgaben müssen eingeschränkt werden. Briand-Rede zum Kellogg-Pakt. Frankreichs angebliche Vorkämpferrolle für Abrüstung. pari», Z. März.(Eigenbericht.) Di« K o m m« r setzte am Freitagnachmittag die D i« t u s s l o n über den Kellogg-Pakt fort. Der sozialistische Abgeordnete Paul Four«, der, wie olle Redner der Linken, dafür«intrat, daß die durch den Kellogg-Pakt begonnene Friedensorganifation durch Annahme des Genfer Protokolls und durch di« Aus« dehnung einer allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit ausgebaut werde, torden« weller«ine international« Kon- trolle der Waffenfabritation. Faur« kam auf die R h e I n» landräumung zu sprechen und erklärt«, wenn bi» 1955 die Räumung nicht pollzogen sei, so werd« man dem deutschen Natlynalismus eine fürchterliche Waffe in die Hand geben. Der polnisch« Korridor, die unglücklich« Lage Oesterreichs, di« schlechten Grenzziehungen im Balkan, die Minorität enfrage und die Vermehrung der Diktaturen, alles das fei auf die Dauer unmöglich gut für Europa. Faure schloß:„Im Kampfe um die Organisation des Friedems bleiben die Sozia« listen an der Spitze." Anschließend nahm Außcmmnister Briand das Wort. Cr erklärte zunächst, nicht über die juristifche Seite des Paktes sprechen zu wollen. Dieser sei Menschenwerk und enthalte Lücken, das sei gewiß. Briand ging dann aus di« Entstehungs- geschicht« des Paktes ein. Als er der amerikanischen Regie. rung den Abschluß eines Antikriegxpaktes vorgeschlagen Hab«, sei dieser Vorschlag mit Begeisterung aufgenommen worden. Man habe die Hintergedanken einzelner Regierungen gewiß kritisiert, das sei leicht, aber in Wahrheit seien die Männer an führender Stell« gezwungen, mit den r e a l p o l i t i s che n Tatsachen zu rechnen. In Genf habe Frankreich versucht, ein Protokoll auf der dreifachen Basis der Schiedsgerichtsbarkeit, der Eni- waffnung und der Sicherheit zur Annahm« zu bringen. Wenn dies auch nicht heim ersten Anhieb gelungen sei, so müsse man di« Anstrengungen zu seiner Durchsetzung welter fortsetzen. Auch Locarno sei nur ein Ausfluh des Gedankens, der dem Dölker- burtd zugrundeliegs. Briand wandte■ sich dann den am Völkerbund geübten Kritiken zu und schilderte, wie schwierig sich oft die Beratungen im Schosse de» Bundes vollzögen, da in ihm 52 Völker vertreten seien. deren jede» besondere Wünsche und besonder« Interesse habe. So seien groß« Schwierigkeiten zu überwinden gewesen, al» er und Paul Boncour.für die Aufnahm« Deutschlands in den Völkerbund eingetreten seien. Nienial« habe er, Briand, itt ®e Mitglied der Konsum- verein« seil 1924 oon 159,32 M. auf 388 26 M., also weit mehr als das Doppelte, gestiegen ist. und wenn man mit 1914 vergleicht. ist auch trotz der um 1,2 Millionen vermehrten Mitgliederzahl und unter Berücksichtigung des niedrigeren Geldwertes der damalige Umsatz pro Mitglied schon wieder erreicht! Das ist ein Zeichen dafür, daß die Erziehung der Arbeiterschaft zum Selbst» hilsegedanken auch bei den neuen Mitgliedermillionen Erfolg gehabt hat. 1914 1924 1925 1926 1927 1928 Geschäftsguthaben. 33.3? 15,00 26,13 35,18 44,43 53,08 Mill' je Mitglied.. 19.68 4.35 7,77 ,9,97 15.15 18 3? M. in% d Umsatzes 6,85 2,73 3,72 4,34 4,52 4,72% Auch die Geschäftsgut haben haben feit 1924 mächtig aufgeholt. Den 15 Millionen von damals stehen heute 53,98 Mil- lionen Mark gegenüber. Das sind freilich nur die Früchte der größeren Einkäufe, aber die Mitglieder sehen, daß es sich wirklich lohnt, in den Konsumvereinen stärker zu kaufen. Gutmachen lassen sich die Jnflotionsverluste von 1914 bis 1924 bei den Ge- schäftsguthaben nicht leicht. Aber daß sie heute um 29 Millionen höher sind als damals, das ist ein Aufbau, der die Mitglieder der Vercin« ehrt und ihnen zugleich nützt. Auf das einzelne Mitglied gerechnet, haben, ssch die Guthaben gegenüber 1924 mit 1832 M vervierfacht, und wenn gegenüber 1914 dos Geschöftsguthaben je Mitglied mich trotz der Entwertung des Geldes noch etwas zurück» bleibt, so erklärt sich das ohne weiteres aus der verhältnismäßig großen Zahl junger Konfummitglieder, die seit 1914 als treue Konfumsoldotsn hinzugekommen sind. Das vertrauen als bestes Zeugnis and größter Ansporn. Wem ist dieser Aufbau zu danken? Sicher in sehr großem Maß« der Hingabe der Angestellten in den Vereinen und der kauf- männischen und organisatorischen Leistung der gebietlichen Verbände und des Zentrolverbandes sowie der Großeinkaufsgesellschast. Aber dieser Aufbau wäre nicht möglich gewesen ohne das ge- waltige finanziell« Rückgrat, das das Vertrauen der Konsummitglieder selbst durch die den Dereinen und den Verbänden zur Verfügung gestellten Spareinlagen ge» schaffen hat. Gewiß haben die Mitglieder durch die Inflation auch an den Spareinlagen Verlust« erleiden müssen: und dos war in hohem Maß traurig. Aber niemand in Deutschland hat so anständig ausgewertet wie die Konsumvereine. Seit 1924 hat dos Vertrauen der Mitglieder den Genossenschaften und Verbänden mit 297,49 Millionen weit mehr als eine Viertelmilliarde Mark an Arbeitskapital zur Verfügung gestellt, und fest 1924 hat sich die Summe dieser Spareinlagen mehr als versechsfacht. Selbst wenn man die Entwertung gegenüber der Vorkriegszeit ins Auge faßt, sind die Spareinlagen heute fast oerdrsi focht. 1914 1924 1328 1326 1327 1928 Spareinlagen... 80,24 49.48 82.70 138,0« 207,46 297,49 Mill. je Mitglied... 46,72 14,3? 24,58 43,06 70,75 102.70 TO. in% d Umsatzes 16,28 9,02 11,77 17,01 21,12 26,45% Je Mitglied haben sich die Spareinlagen fett 1924 von 14,37 M. auf 192,70 M. erhöh!, ein« Sunnne, die mehr als doppelt so hoch ist als in der Vorkriegszeit. Wie gewalkig dieses Vertrauen der Mitglieder die Ärbeitssöhtgleit der Verantwortlichen in den Konsumvereinen erhöhen mutz, einfach, weil mehr' Geld zum Ar- beiten da war. zeigt die Tatsache, daß dos Verhältnis der Spareinlogen zum Umsatz in fünf Jahren von 9,02 auf 26,45 Proz gestiegen ist. Erst durch dieses Vertrauen sind jene gewattigen Leistungen auch in der eigenen Produktion der GEK. möglich gewesen, oon denen wir in der Vergangenheit schon so oft gesprochen haben. Lerne» und lehren! Was die Arbeiterschaft aus diesen Ziffern und aus dieser Eni- Wicklung lernen soll, was die Konsumoereinsmitglieder hinaustragen sollen in die noch nicht erfaßten Teile der Arbeiterschaft, das ist die Erkenntnis, daß es sich lohnt, Mitglied der Konsumverein« zu sein. Die Ketten der Arbetterschoft können wir durch eigen« Kraft zerbrochen werden. Diese Erkenntnis hat die Arbetterschaft groß gemacht. Diese Ketten werden für jeden einzelnen am fühlbarsten, für jode Hausfrau und jeden Dater am sichtbarsten zerbrochen durch die Selbsthilf«, die die Konsumverein« darstellen. Man kann heute sagen: die furchtbaren Wunden, die die In- flarion auch den Konsumgenossenschaften geschlagen hat. ssnd gehellt und überwunden. Der Gedanke der Selbsthilf« in den Konsum» vereinen marschiert, aber noch immer ist«in« Welt zu«robern. Em Instrument zu dieser Eroberung soll das Verständnis der Ziffern sein, denen wir hier Lebe» zu geben vsrsucht hoben. Ein rebettisches Kartett. 50 OVO Mark Ordnungsstrafe durch das Kartellgericht. Zu den wenigen Bestimmungen der für die Wahrnehmung der Interessen der Gesaintwirtschaft und des Gemeinwohls leider ziem- lich unfruchtbar gebliebenen und deshalb reformbedürftigen Der- ordnung gegen Mißbrauch wirtschaftlicher Macht- st« l l u n g e n vom 2. November 1923, die eine praktische Bedeutung erlang: haben, gehört die Vorschrift des§ 9, daß Sperren»der Nachteile oon ähnlicher Bedeutung von einem Kartell nicht ohne Einwilligung des Vorsitzenden des Kartellgerichts verhängk werden dürfen. Der Norddeutsche Zementvcrband hat kürzlich durch Entziehung des Händlerraballs«ine derartige Sperrmaßnahme gegen eine Handelsfirma verhängt, weil sie sich der Verpflichtung, aus- schließlich Verbondszement zu führen, entzogen hatte. Die betroffene Handelsfirma legte daraufhin Beschwerde ein. Der R e i ch s w i r t- schaftsminister gab dem Zementvcrband auf, die Sachlog« klarzustellen. Der Zementverband, der es unterlassen hatte, die vor- herige Einwilligung des Vorsitzenden des Kartellgerichts einzuholen, unterließ es weiter, auf den Schritt des Reichswirtschaftsministers in irgendeiner Form zu reagieren. Daraufhin erhob der Reichswirt- schaftsminister Klag« beim Kartellgericht, und dos Kartell- gericht hat nun zunächst eine Geldstrafe von 50 000 RM. gegen den Norddeutschen Zemcntverband verhängt. Diese Strafe trifft den Verband wegen der Nicktbeochmng des ß 9 der Kartelloerordnung. Die sachliche Frage der Berechtigung der verhängten Sperre konnte noch nicht zur Entscheidung gelangen. In diesem Falle liegt eine ganz ossene Rebellion eines großen Kartells gegen die gesetzlichen Best im- m u n g e n vor. Das bewußte Nichtbeachten de« Gesetzes ist noch unterstrichen worden durch die Tatsache, daß man auf das Ein- schrecken des Reich�wirtschaftsmmisters überhaupt nicht reagiert hat. Es ist zu begrüßen, daß das Kartellgericht ohne Prüfung der sachlichen Streckfrage zunächst einmal zur Wahrung der Autori- tat des Gesetzes eine Ordnungsstrafe verhängt hat. In Anbetracht des provokatorischen Verhallens dieses bedeu- tcnden Zementverbondes erscheint allerdings die Geldstrafe von 59 000 M. noch als rechl gelind«. Auf Grund des§ 17 der erwähnten Verordnung ist das Höchstmaß der als Ordnungsstrafen zu verhängenden Geldstrafen unbeschränkt. Um den Mitglieder« des Zementoerbandes das unverantwortlich« Verhalten ihrer Ver- bandsleitung fühlbar zu machen, wäre es wohl richtiger gewesen. die Geldstrafe erheblich höher zu bemessen, als es geschehen ist. Immerhin aber wollen wir hoffen, daß dieser Ordnung?- r u s gegen ein rebellisches Kartell dazu bellragen wird, die Lust, sich über das Gesetz hinwegzusetzen, innerhalb der Verbände zu unter- drücken, insbesondere dann, wenn sie sich bewußt werdcn, daß dos Kartellgericht keineswegs daran gebunden ist, bei einem so billigen Tarif für provokatorische Gesetzesver- l e tz u n g e n stehen zu bleiben. Kupfergewmne./ Sozialer Druck. Der Mansseldtonzern hat als größtes deutsches Metall- unternehmen von dem ständigen Herauftreiben des Kupferpreifes seit August v. I. zweifellos sehr großen Profck gezogen. Trotzdem haben die verantwortlichen Vertreter dieser Gesellschaft den Schiedsspruch vom 17. Januar d. I. mit seiner sehr geringen vierprozentigcn Lohnerhöhung sür wirtschaftlich untrag- bar erklärt, um die Belegschaften mit der Heraufsetzung der Löhne bis zum März hinzuhalten. Jetzt find die ersten Abschluhziffern von M ausseid für 1928 bekannt geworden, aus denen groß« Konjunkturgewinne dieses Konzerns ersichtlich werden. Der Gesamtertrag st leg gegen dos schon gute Vorjahr von 12,6 auf 13,3 Millionen Mark, während die Unkosten von 6,2 auf 6,1 Millionen Mark zurückgingen. Der Reingewinn, von dem wieder 7 Proz. Divi- d e n d e gezahlt werden, entspricht mit 2,8 Millionen Mark dem des letzten Jahres, da die Mehrgewinne in die Abschreibungen auf die Werksanlagen flössen, die um 700000 M. auf 4,3 Millionen Mark heraufgesetzt wurden. Wir kommen nach Leröffenttichung des Geschäftsberichtes auf den Abschluß der Gesellschaft noch zurück. Kommt das Weltröhrenkartell? England und besonders die Vereinigten Staaten haben bisher wenig oder gar kein Interesse an der internationalen Eisenkorteltierung gezeigt. Auch dem internationalen Röhrenkartell waren bisher nur die kontinentalen Mhrenerzeuger, also Deutschland. Frankreich, Belgien, die Tschechei. Polen und Ungarn beigetreten, rvährend die beiden angelsächsischen Länder bisher Auhenieiter waren. Um so bemerkenswerter war es, daß im Dezember vorigen Jahres zunächst ein vorläufiges Ab» kommen über Exportpreise zwischen dem Kartell und den Engländern sowie Amerikanern zustande kam, das bis Ende Februar lief. Jetzt haben in Düsseldorf, dem Sitz des Deutschen Röhrensyndi» kats, die Verhandlungen eingesetzt, die den gänzlichen An- schluß Amerikas und Englands an das Kartell zum Ziele haben. Der Abschluß des Vertrages soll als ge- sichert gelten. Damit wäre«in Weltröhrcnkartell geschaffen, das «in lückenloses Monopol auf allen Märkten besitzt. Bleiproduzenten wollen kartellieren. 1 l/j Dutzend Preissteigerungen für Kupfer Das Beispiel der Kupferproduzenten, die sich zur Erhöhung der Preise zusammengeschlossen haben, hat in der ganzen Metall- rohstoffwirtschast Schule gemacht. Nachdem sich im Frühjahr ver- gangenen Jahres die europäischen Produzenten zusammengetan haben, wollen jetzt auch die Bleisrzeuger ein Kartell gründen, um Absatz, Preis und Erzeugung gemeinschait ich zu kontrollieren. Im Herbst vergangenen Jahres hat man in London zum ersten Male in der Bleiwirtschoft internationale Fühlung genommen. Die E. g- länder wollen im Interesse ihres notleidenden Bleierzbergbaus in Zlustralien im März eine neue Konferenz nach London einberusen, auf der über„Stabilisierung" des Preises und über eine ständige Kontrolle der Produktion gesprochen werden soll. Auch die Ameri- kaner sollen zu diesen Besprechungen kommen. Die Preise für Blei haben sich.im Lause der letzten Jahre fast ständig infolge der stark ausgebauten Produktion gesenkt, und die Hüttenindustrie in Spanien und Australien wurde angeblich wegen der zu geringen Preise notleidend. In Spanien mutzte der Staat «»greisen und mft seiner.Hilfe wurde dann ein sogenanntes Zwangs- kartell gegründet. Im vergangenen Jahre und besonders in den ersten Monaten des laufenden Jahres haben sich die Verhältnisse etwas gebessert Di« Wellproduktion, die im Jahre 1927 mt 1682 Millionen Tonnen ihre» höchsten Stand hatte, ist durch Pro» duktionseinschräntungen im Jahre 1928 auf 1,640 Millionen Tonnen gesunken. In Erwartung von Kartellabreden wird zurzeit an den Vleimärkten von den Händlern stark spekulativ gekauft. v Auch rrn dcrrUtrp'f-e rmtrr f t cn war in den letzten Wochen sehr viel zu tun. Und die amerikanischen Hüttengesellschaften immer wieder Rekordprofite verbuchen. Die Nevada- Kupfer-Kompanic gehört zu den bedeutendsten Unternehmungen der Vereinigten Staaten. Sie berichtete kürzlich, daß sie ein amerika- irisches Pfund Kupfer— etwa 454 Gramm— zum Preise von 7.88 Eents herstellen kann, während sie in der Loge ist, dieselbe Menge jetzt nach der neuesten Preiserhöhung mit 18,75 Eents abzusetzen. Das sind geradezu phantastisch« Gewinne, die dem Kupfcrkortell zu danken sind. Die nachstehende Tabelle zeigt, wie teuer jetzt Kupfer geworden ist. Es kosteten lOOKilo am lö.Zau. 28 Jan 22. Febr. 28. Febr 1929 Elektrolyttupser.. 159,2.5 161„50 171,— 180,25 M. Blei...... 45.— 44,75 47,50 47,59„ Zink..... 53,— 53,75 52,— 52,—, Zinn...... 450,— 450,— 454,- 454,—, Während Blei und Kupfer sett 15. Januar im Preise gestiegen sind, ist Zink billiger geworden, obwohl die Mitglieder des europöt- schen Kartells die Einschränkung der Produktion, die im Januar 7 Proz. betrug, aus 10 Proz. sür Februar erhöht hatten. Hier wirkt sich die ausgedehnte Produktion auf die Preisbildung aus. Die Wellproduktion betrug 1927 ungefähr 1,322 Millionen Tonnen und 1928 schätzungsweise 1,420 Millionen Tonnen. Der Verbrauch hat sich nicht annähernd im Verhältnis zur vergröhertm Erzeugung ent- wickelt. Kokspreise erhöht. Das Rhelnifch-Wesffälische Kohlensyndikat hat die Preis« für .Koks und Eierbriketts„infolge der großen Nachfrage" um' 5 bis 7 Proz. ab 1. März erhöht. Gesagt wird dazu, daß die Erhöhung sich im Rahmen festliegender Beschlüsse der Kohlenwiri- schaftsorgane hatte. Konkurse im Februar. Nach Mitteilung des Statistischen Reichs. amts wurden im Monat Februar 1929 durch den„Reichsanzeiger" 775 neue Konkurse, ohne die wegen Massemangels abgelehnten An- trage auf Konkurseröffnung, und 335 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich aus 832 bzw. 259. wie der Frost den Güterverkehr der Reichsbahn drosselte. Die letzte» Mittellungen der Reichsbahn über den Güterverkehr im Monat Februar zeigen mit aller Deutlichkeck die außerordentlich großen Wirkungen, die der scharf« Frost aus den Güterverkehr hatte. In der Woche vom 10.— Iß. Februar, der Woche der aller- kältesten Tage, ist die arbeilstägliche Waacngeftellung der Reichsbahn von 128 499 aus 117 200 Wagen zurückgegangen, nachdem sich bis dahin die Wagengeftellung, wenn auch unter der Frost- Wirkung nicht erhöht, so doch aus ungesähr gleicher Höhe wie im Januar gehalten hatte. Reue Pfandbriese für Wohnungsbau. Die Preußische Landespfandbriefanstalt in Berlin, die fatzungsgemäß Darlehen zur Herstellung und Erhaltung von Klein, und Mittel- Wohnungen gewährt, legt laut Veröffentlichung im heutigen An- zeigenteil in der Zeit vom 5. bis 25. Mörz dieses Jahres 3 Mil- lionen Goidmnrt 5prozentige Goldmark-Psandbriefe zum Vorzugs- kurs von 97,50 Proz., 1 Million Goldmark 7prozemigc Goldmark- Pfandbriese, serner 1 Million Goldmark 8prozenttge Goldmark- Kommunal-Obligotionen zur össentlichen Zeichnung aus. Sämtliche Werte sind reichsmündelsicher. Rr. 10346. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 2. März 1929 Verfassungsdebatte im Reichstag. Genoffe Landsberg gegen die Volkspartei.- Auseinandersehung Volkspartei- Zentrum. Im Reichstag mollie am Freitagnachmittag der Abgeordnete Stoeder( Komm.) vor der Tagesordnung eine Erklärung abgeben, die Präsident Lobe jedoch nicht zuließ, da sie unerlaubterweise die Maßnahme des Präsidenten vom Donnerstag tritiftere. Die Beschwerde der Abgg. Zorgler und Stoeder gegen ihre Ausweisung aus der Donnerstagfigung wird auf die nächste Tages. ordnung gelegt. Abg. Aushäuser( Soz.) berichtet eingehend über Beratungen des Sozialen Ausschusses. Dieser beantragt einen Gejezenturf, wonach Nenderungen am Angestelltenversicherungsgefeß in folgender Weise vorgenommen werden sollen: § 53: Die Wartezeit Gauert 60 Beitragsmonate Sind weniger als 30 Beitragsmonate auf Grund der Versicherungspflicht nachgewiesen, so beträgt die Wartezeit 90 Beitragsmonate. $ 397: 21s berufsunfähig gilt auch, wer das 60 Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens einem Jahr ununterbrochen arbeitslos ist. Beitslosigteit gemährt. Herr Bredt mirst der Berfassung vor, daß sie in den zehn Jahren nichts Wesentliches geschaffen habe. Hat man vergeffen, wie es noch par sieben Jahren bei uns war, wie das ganze deutsche Volf in einen unheilbaren Rausch verfallen schien. Und wie ist es heute? haben die Denischmationalen Ende 1918, foweit sie in Deutschland geblieben waren( heiterfeit), die Rüdfchr zu den alten Zuständen gefordert? Nein, fie forderten die Nationalversammlung, und damit Demokratie und Barlamentarismus. Schon daß die Weimarer Berfassung besteht und daß unter ihr geordnete Zustände geschaffen worden find, spricht für die Verfassung. Die Republik jft fo gefestigt, daß sie selbst die leidenschaftlichsten Angriffe von lines und rechts mit gutmütiger Milde sich gefallen laffen tann. is elffer ich im Weltfrieg fich für den unbeschränkten U- Boottrieg hatte gewinnen lajien, jagte er im Haushaltsausschuß: Selen wir uns tlar, wenn diese Karte nicht sticht, find wir für 100 Jahre verloren." Jeßt nach dem Ablauf der zehn Jahre macht es nicht den Einbrud, als ob mir verloren wären. Tüchtige Optimisnnus ist wieder eingelehrt. Sie sagen, daß Sie Anhänger Kräfte sind im deutschen Bolt om Werte, die aufwärts streben, der Systems feien, aber daß man dazu vielleicht ein Das Ruhegeld wird für die weitere Dauer der Ar Besteht ein Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung( versichellebergangsinstem brauche, wie es die Albaner, die Bolen nungsmäßige Arbeitslosenunterstügung, Krisenunterstützung oder Gonderunterstügung bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit), so beginnt das Ruhegeld frühestens mit dem Wegfall dieses Anspruchs. Das Ruhegelb fällt mit dem Ablauf des Monats weg, in dem Ber Empfänger in eine invaliden oder angestelltenversicherungs. pflichtige Beschäftigung eintritt. Für die Anwendung der Abfäße 1 und 4 bleibt eine Beschäfti gung, die über eine gelegentliche Aushilfe nicht hinausgeht, außer Betracht. Die Borschrift des Abf. 1 tritt mit Jahresschluß 1933 außer Straft. Ein bis dahin festgestelltes Ruhegeld wird von dieser Termine bestimmung nicht betroffen. Diefes Gefeß tritt( ofort in Kraft. Abg. Lambach( Dnat) begrüßt die Ausschußnorlage, die die Abg. Frau Urendiee( Komm.) erhebt Befchuldigungen gegen bie Sozialdemokratische Partei, daß fie Berschleppung getrieben hätte Mot der älteren Angestellten findern könne. 02120. Abg. Aufhäuser( Soz.): Ich kann verstehen, daß Frau Arendsee darüber best rat ift, Baß aus den tommunistischen Anträgen fein Weg zu finden war, mie man den arbeitslosen älteren Angestellten sofort helfen tönnte. ( Anbauernder Zwischenruf des Abg. Torgler.) Warum sind Sie denn nicht in den Unterausschuß gekommen, Sie Interessenvertreter?( Abg. Lorgler: Ich hatte teine 3eit!) Häffen wir so lange gewartef, bis Sie Zeit haben, so häfte der Unterausschuß überhaupt nicht gefagt! Die Kommimistische Bartei fonnte einen Weg zur Hilfe nicht zeigen, die Sozialdemokratie ist zusammen mit anderen Borteien den rich #gen Weg gegangen, und die Kommunistische Bartet ist schießlich mitgegangen. Warum wollen Sie absolut den älteren Angestellten diesen Fortschritt mißgönnen, den Sie selbst für nötig halten? Ein Vorwurf gegen uns geht dahin, daß wir die Aftersgrenze nicht herabgefeßt haben, aber diese grundsätzliche Frage fonnte nur im Zusammenhang mit der Neuregelung der Invaliden und der Altersversicherung entschieden werden, nicht jedoch jetzt im Unterausschuß gelöst werden, der sich nur mit der Arbeitslosig feit zu beschäftigen hatte. Man muß sich auch flar fein, daß die Herabsehung der Altersgrenze mit der Beitragsfrage zu fammenhängt.( Zurufe der Kommunisien.) Wir haben den Mut, den Berficherten zu sagen, daß die koffen für einen Ausbau der Bersicherung auch aufgebracht werden müssen. Die Deutsche Bolkspartei hat sich seinerzeit gegen eine Erhöhung der Unternehmerbeiträge erflärt, die Kommunisten gegen eine Er höhung der Versicherungsbeiträge und an diesen beiden Barteien ist die Aufstockung der Lohntlassen gescheitert. Ueberlegen Sie sich, ob Sie nicht entoenen der Ankündigung der Frau Arendsee auch für ben zweiten Teil der Vorlagen stimmen sollen, um wenigstens eine Annäherung an den Charakter einer Arbeiterpartei zu verjuden. ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Murren bei den Rommmunisten.) Damit schließt die Besprechung. Nach weiterer Debatte wird die Ausschukvorlage unter Ablehnung fommunistischer und deutsch nationaler Anträge angenommen und verabschiedet. Darauf wird die erste und andere fo fagte Herr Graef zivilifierten Rationen haben ( Heiterfeit Zuruf rechts: Und was sagt Dr. Wirth?) Wirth und ich brauchen doch nicht einer Meinung zu fein, das ist ja das schöne bie Meinung der herrschenden Partei.( Sehr gut! Hints.) llebrigens in der Demokratie; im alten Breußen war es nicht so, be galt mur würde das italienische Bolf iu freier Abstimmung sicher mit übermältigender Mehrheit die Rüdtehr zur Demofralie Belangen, und ebenso sicher würden alle demokratischen Bänder mit gemaltiger Mehrheit den Uebergang zum Faschismus ablehnen. Die gefeggeberife. Seiftung des neuen Strafgefez huches mit feinem Einführungsgeleg, mit der vollständigen lim gestaltung des Strafprozeffes und mit dem Strafvollzugsgesetz ist mert mobi jehen laffen Sie nehmen sie doch sehr gern für fich doch nicht zu unterfhagen. Die Berfaffung felbft tann sich als Gefes in Anspruch! Der Reichspräsident hat heute schon große Macht; wenn er eine Bersönlichkeit ist, schon dadurch. Außerdem fann er gegen ein vom Reichstag befchloffenes Gesetz an das Bolf appellieren, er ernennt und entläßt die Minifter, und Sie, Herr Graef, haben ja selbst erfahren, wie der Reichspräsident diefes Recht ausübt. ( Große Heiterfeit, meil Hindenburg f. 3t. den ihm norgeschlagenen Graef nicht zum Minister ernannt hat.) Wenn Sie noch mehr Rechte für den Reichspräsidenten fordern, fo zeigen Sie eine geradezu itaunenetmedende Selbstoerleugnung.( Seiterfeit.) Es ist natürlich ein Unterschied, ab der Minister die Eignung für fein Umt auf dem Standesamt erwirbt, ober auf dem Ber= ftandesamt.( heiterfeit.) Dic Lobeshymne Graefs auf Muffolini werden die Deulichen Südlirols mit größter Bitterfeit vernehmen, die von Mussolini mit unerhörtem Drud verfolgt werden.( Lebh. Zustimmung lints, Gegenrufe rechts.) Für den volksparteilichen Antrag find wir nicht zu haben. Die Kölnische Zeitung" hat auseinandergefeßt, daß dieser Antrag verursacht worden ist durch die vom Stahlhelm angefündigte Berfassungsinitiative.( Widerspruch bei der Volkspartei.) Bitte, feßen Sie sich mit der Kölnischen Zeitung" auseinander. Es würde mich freuen, menn es nicht richtig märe, eine zu große Ehre für den Stahlhelm, wenn auf deine Anregung hin Berfassungsänderungen bean trogt würden. Der Stahlheim braucht ja eine falche Anerkennung gar nicht. Ju der Seldte- Biographie Unfer Franz" wird u. a. erzählt, daß die große Bedeutung des Stahlhelmführers schon im Alter von fünf Jahren hervorgetreten ist, als er einem neuen Kindermädchen fagte: Wenn Sie mit uns ausgehen, müssen Sie aber Ihren Hut auffeßen." Und der Ton, in dem er das jagte, habe jeden Widerspruch ausgeschlossen.( Minutenlange Heiterfeit.) Das Kindermädchen muste nicht, fagt die Biographie weiter. tiassen vom politischen Einfluß ausgeschlossen sind. Und was war Es gibt nichts Gefährlicheres für ein Land, als wenn ganze Boltses für ein jämmerlicher Zustand, daß der frühere nationalliberale führer Dr. Baffermann bei jeder Reichstagswahl einen anderen Parteiführer im Reichstag zu haben, Rechnung getragen ist Herr Wahlkreis fuchen mußte, während heute der Notwendigkeit, dic Zapf beflagt den Einfluß wirtschaftlicher Grappen. Ich verstehe, baß der Eindruck der Wirtschaftspartei in ihre Reihen Sie nrit banger Gorge erfüllt und dieser Siegeszug dürfte nicht verbevor sie sich noch einarbeiten fonnten; zwar stockt deshalb nicht die Gesetzgebung, aber die höhere Bureautratie wird affe mächtig. Beil wir das nicht wollen, wünschen wir stabile und flare Berhältnisje, aber nicht burch Sicherung der Regierung gegen Berufsunfälle, fondern durch Schaffung flarer Mehrheiten. Der Antrag der Boltspartei will auf gefchlichem Beg erreichen, was auf diesem Weg nicht zu erreichen ist. Wir alle empfinden es als Unfinn, daß fast am Schluß jeder unserer Debatten ein Mißtrauensvotion gegen die Regierung eingebracht wird, modurch die Einbringer offenbar das Bestehen des von ihnen behaupteten parlamentarischen Kretinismus beweisen wollen. Aber diese Anträge sind unschädlich anb erfordern nicht ein Sondergesetz. Regierung und Reichstag find gewissermaßen gleichberechtigt. durch die Amahme des volksparteilichen Antrages würde der Eindruck erwedt werden, als wäre die Regierung dem Reichstag übergeordnet. Dabei würde die Autorität der Regierung nicht einmal gestärkt, denn eine Reichstagsmehrheit tönnte ihr alle Vorlagen ablehnen; fein! Im Kriege hat die Rechte immer mit Neid auf die führenden was würde es ihr helfen, gegen ein Mißtrauensvotum gefchilt au deutung beruhte auf ihrem Zusammenarbeiten mit ihrer BarlaStaatsmänner Englands und Frankreichs gesehen, aber deren Bementsmehrheit! Die Folge des poilsparteilichen Anträges wäre, daß die Opposition Schiedsrichter zwischen Regierung und Mehrheit nicht Ausgaben ins Blaue, ohne Ginigung mit der Regierung und würde. Ein verantwortungsbemußtes Parlament wirb jo mie la ohne Deckung beschließen. Wir franken nicht an zu viel Demofratie in der Weimarer Ber faffung, sondern mir franken an zu wenig Demetratic in gewissen Parteien. Nicht Maßnahmen brauchen mir zur Beseitigung der Mißstände, sondern Männer von Ber antwortungsgefühl und Pflichibewußtsein.( 2abh. anhaltender Beifall bei den Sog.) Abg. Dr. Bell( 3.): Bor allem brauchen wir eine stafile tes glerung und die Mithilfe der Boltspartei wäre wertvoller für das parlamentari de System verebeln, hält aber an seinen Grundlagen partamentarische Eystem, cis ihre Anträge. Das Zentrum will bas und am Budgetrecht feft. Das Gelingen des Weimarer Verfassungswerts war eine Großtat der deutschen Geschichte. Das parlamentarische Syftem ift 1918 auf dringendes Berlangen der Obersten Heeresleitung eingeführt worden. Eine Dittatur mare bas Ende eines freien und entwidlungsfähigen Deutschland. Nicht einen starten Mann brauchen mir, sondern eine starte Regierung und ein ftartes Borlament. Gegen peranimortungslose Ausgabenwirtschaft hilft am besten eine starte foalitions mäßig gebundene Regierung mit einen interfraktionellen Ausschuß. Abg. Maslomiti( Romm.): Der Barlamentarismus bat abgemirischaftet. Das Proletariat mind ben Reichstag auseinanderjagen und die Rätebittatur errichten. Abg. Dr. Haas( Dem.) furidht in der Hauphade über die Regierungstrise: Benn Strejemann und Curtius in der Regierung fihen, dann ist die Voltspartei doch frattionell daran gebunden; gäbe fie das mir zu, so hätten wir die Große Koalition Das Bolt ift erbittert über diese ergebnislosen Berhandlungen und unsinnigen Methoden. Die Regierung muß mit ihrem Brogrammn vor dem Reichstag trekers und seine Entscheidung fordern. Neue Steuern tann unsere Birtschaft nicht tragen, aber im Intereffe des Baterlandes darf man nicht unerläßliche Bedingungen stellen. Das Baterland über die Bartei. Abg. Dr. Pfleger( Bayer. Bp.): Die Erschuerung der Annahme von Mißtrauensanträgen ist durch die Geschichte der Republit nicht als notwendig nachgewiesen Einschränkung der Ausgabenpermeh rung erscheint geboten. Im Ausschuß werden mir sehen, pб auf dem Wege dieses Antrages eine Besserung möglich ist. Abg. Dr. Göbbels( Rat. Sog.): Unseren Bertrauensantrag für disjes Kabinett der Köpfe"( Zuruf rechts: Bafferköpse!) hat man verschwinden laffen, grundsägliche. Debatten hat man hier nicht gewagt. Einer dieser Wafferköpfe ist schon abgeschwommen, der des Herrn v. Guérand, der 8000 m. jährlich Pension belomant. Abg. Döbrich( Chr. Nat. Baueritp.): Die Weimarer Verfassung hat dem Bolt nicht die Macht gegeben, sondern dem Kapital und feiner Breffe. Der deutsche Bauer ist der Leitragende. Wenn man die Diktatur vermeiden will, muß bas Bolt die Möglichkeit erhalten, in einer neuen Nationalpersammlung sich eine beffere Verfassung zu geben. Zentrum gegen Bolkspartei. Beratung des volksparteilichen Berfaffungsantrags Langfamt werden, wenn erst die Geschichte der letzten Wochen mit dem Auch die Wirtschaftspartei erhebt diesen Bormurf, sie aber drückt sich fartgelegt. Berhalten der Bolfspartei zur Regierungsbildung publiziert wird.( Sehr gut!) Der Einfluß des Bundes der Landwirte, des Bundes der Industriellen, der Steuer- und Wirtschaftsreformer war unter dem früheren Wahlrecht ungleich größer. Herr Bredt bedauert, daß die Minister von den breiten Wählermassen ab: Bagte ein Minifter, gegen den fonjervativen Stachel zu löden, fo waren feine Tage gezählt. Abg. Graef Thüringen( Dnat.): Bon dieser Beratung fönnen wir uns nicht die Rettung aus dem gegenwärtigen Berfaffungschaos Dersprechen. Die Weimarer Berfassung wird der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kräfteverteilung nicht gerecht. Das Barfament hat zuviel Macht. Die Minifter dürfen nicht so abhängig von den Fraktionen sein. Um der Regierung unangenehme Abhängig feien; füher waren sie abhängig von einer einzigen. Bartei. ftimmungen zu vermeiden, werden fragwürdige Mittel der Geschäfts ordnung usm angewendet. Noch schlimmer als im Reiche wirkt der Parlamentarismus in den Ländern. Der volksparteiliche Antrag ilt ein Versuch mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt. Wir wollen die Stellung des Reichspräsidenten stär fen. Der faschismus in Jialien bat das fage ich dem Zentrum- genial bie römilte Frage gelöst. Ein großer Mann steht dort an der Spike. Bei uns fehlt es an Führern, aber mir hoffen auf eine Boltsbewegung, die wie eine Lamine an wächst und aus der ber Führer emporwachsen wird.( Lebhafter Beife rechts) Abg. Landsberg( Goz.): Bei der Kritif bes Borrebners an ber Reidsverfaffung begreife i nicht recht, wie die Regierungsertlärung vom 3. Dezember 1927, se such im Namen der Deutschnationalen abgegeben war, den feiten Bilen der Reichsregierung betonen fonnte für den Gruß, bie Achtung und die Chre der Berfeffung in ihrer Gelamtheit, ihren Organen und ihren Reichsfarben mit aller Kraft einzutreten.( Short, bört! links.) Bir haben in Deutftland eine Wahlbeteiligung von 80 Broz, wodurch das große politiche Intereſſe unter dieser Berfaffung erwiesen ist. Unter dem Dreitlaffenwahlrecht aber betrug die Wahlbeteiligung lange Zeit 10 Broz, im erst als bie Sozialdemokraten sich beteiligten, ift fie auf ganze 29,7 Broz. ge friegen! Benn Herr Graef von einem Etel am Barlament gesprochen hat, jo trifft uns dieser vor allem aus der Wahlbeteiligung unter dem Dreiflaffenwahlsystem entgegen.( Lebh. Zustimmung bei den Goz.) Mo die Deutschynafionalen regieren, haben sie gegen das parlamentarische Syftem nichts einzuwenden, Indem Sie die Minifter vom Berfrauen des Reichstags anabhängig machen wollen, ftreben Sie nach dem Monopol, die Minister auf anderem Wege zu stürzen. ( Sehr gut! ünts!) Herr Zapf fagt, der Reichstag fet night populär. ber mir find doch nicht hier, um uns populär zu machen, sondern inn unbefümmert um Gunft oder Ungunft unferer Bilicht zum Wohl des Bolles zu gerdigen. Wenn ein Reichstag, wie dieser, ein großes Defizit deden und höhere 3wangsausgaben bestreiten, daher neve Steuern einführen muß, bat er es freilich schwer, fich populär zu machen. Das parlamentarische System ift nicht durch die Repolufiou gefchaffen worden, fondern im Herbst 1918, als die damaligen Beherrscher des Reiches ertaunten, daß sie das Bertrauen vere loren und als fie das Bedürfnis haffen, die Verantwortung duf andere Schullern abzuwälzen. Die beutide Demotretie hat denn auch den Wut gehabt, die Ber. antwortung in der schlimmsten Seit zu übernehmen. Erinnern Sie sich doch, wie der Reichstag bis zur Revolution behandelt wurde. wenn die Bismardstatue ba braußen mit dem Rüden gegen ben Reichstag gestellt ist, so ist mir das immer als eine fymbolische Handlung erschienen. Der ganze Reichstag mußte nichts von der Größe der Katastrophe on der Marne, und als der Zusammenbruch offenbar wurde, brach der tonservative Führer Dr. v. Heyde brand mit den Worten zusammen: Man hat uns vier Jahre hindurch Lyftematisch belogen und betrogen." Ift foldhe Einflußlosigkeit des Reichstages ein wieder anguftrebendes Biel? Gewiß ist es nicht wünschenswert, daß Minister gestürzt werden, Abg. Dr. Zapf( DBp.)( Schlußwort): Mit dent Bortoni der Krisenmacherei wird man uns in eine Koalition hineinpressen. immer und hofft, aus einer Stoalitionsbeteiligung unserer Partei Borteil zu ziehen. Wir erstreben lediglich vollberechtigte Forderungen der Wirtschaft, daß neue Steuern unterbleiben und endlich Sparjamteit getrieben wird. Das wollen mir energisch durchfehen.( Abg. Dr. Werth( 3.) bezweifelt, daß dies im Sinne der Boltsparteifratsion gesprochen fei.) Sie waren ja nicht in unserer Fraktionsfizung.( Zuruf von Zentrum: Das wäre ganz gut gewesen.) Gewiß, da hätte er was letnen können.( Heiterteit.) Abg. Dr. Wirth( 3.): Wenn Minister Stresemann nicht wüßte, daß eine Mehrheit hinter ihm stelyt, bürfte er heute nicht nach Genf fahren. Wenn aber ein solches Programm der Boltspartei verfündet mande, so müßte die Boffspartei sofort hier festftellen, ob sie dann an der jetzigen Regierung nody teilnehmen lann 25g. Dr. Zapf( DBp.): An unserem Bertranen zu Strefe mann wird Dr. Wirth nichts ändern. 2bg. Dr. Wirth( 3): Der Etat ist mit Zustimmung rer Minister rigestellt. Ihr Brogramm fab ptiert diesen Giot! bg. Dr. Zapf( D2p.): Der Etat ist aber auch mit Zustimmung Ihres Ministers aufgestellt, der ingmischen aurudgetreten ist.( An dauernde zurufe und Bewegung.) Der pollsparteilidhe Antrag geht an den Reisoqsidus. Cin beutschnationaler Antrag auf Uebermeifung an einen besonderen Berfoffungsgusius ppm 28 Witgliedern, meil ber Rechtsausschuß überlafter fei, miro nach lebhafter Geschäftsordnungsdebatte abgelehnt Abg. Frid( Rat- 50g) beantragt, heute, Sonnabend, eine Sigung abzuhalten, um mit der Regierung über das belgifmfranzöfifch englische Militärabtammen reben zu tönnen. Abg. Graf Weftary( Dnat.) zünfat boldige Aussprache hier über. Die Regierung hätte selbst die Initiative dazit ergreifen müssen. Da der Außenminister bereits unterwegs nady Benj fei, fönne man nicht Sonnabend darüber verbondeln. Der Antrag Frid wird abgelehnt. Mittwoch, 13. März. 3 Uhr: Nachtragseiat 1928, tat 1929, Beschwerde Stoeder- Torgier. Schluß 18 1hr, Warnung! Au die, oppofitionellen" und sympathifierenden Gewerkschaftsmitglieder. Die im Allgemeinen Deutschen Gemertschaftsbund nereinigten| freigewerkschaftlichen Zentralnerbände haben ihre befonheren Geseze, die sie sich auf den deutschen Gemertschaftsfongreffen und auf ihren Berbandstagen gegeben haben. Den Mitgliedern find dieje Gefeße bekannt und es ist allen Mitgliedern ohne peiteres flar, daß fie ihre Berbandsjagungen und Verbandstagsbeschlüsse zu beachten und hochzuhalten haben, nicht aber dagegen handeln und verstoßen dürfen. lleber die 3medmäßigkeit der einen nder anderen Einrichtung oder Bestimmung farin in den Gemertschaftsversammlungen gesprochen, zu gegebener Zeit nor den Ber bandstagen fönnen Abänderungsanträge gestellt und nerfochten merden, doch solange sie bestehen, sind sie für jedes Mitglied bindend. Unbilliges verlangen die Gemertschaften von ihren Mitgliedern nicht. Sie fordern in ideller Beziehung gegenseitige Solidarität, in materieller Beziehung die notwendigen Beitragsleistungen. Es hieße die Gewerkschaftsgenossen beleidigen, menn man ihnen bes langen und breiten auseinanderseßen wollte, marum und mes halb sie sich den Gesezen ihrer Organisation unterordnen müssen. Beider ist es notwendig geworden, bei den Borbereinigen zu den Betriebsrätemahlen einen bestimmten Teil der Gemertschaftsmitglieder davor zu marnen, fich gegen die Gemertschaftsgesetze zu vergehen. Die politisch in der Konumunistischen Partei organisierten Gemertschafts. mitglieder find non ihrer Bartel verpflichtet morden, abfichtlich und fyftematisch gegen die Gemerfschaftsgefeße zu verstoßen. Sie sollen zu den Betriebsrätemahlen besondere Listen aufstellen mit Unorganisierten und Andersorganisierten, gegen die gemertschaftlichen Biften, in der ausgesprochenen 2bficht, bie Ranbi baten der Gemerffchaften zu den Betriebsrätemahlen durch Sandi haten der Stommunistischen Partei, der mit ihr Sympathifierenden and ber Inorganisierten zu perdrängen. Gemertschaftlich geschulte Mitglieder der BD. haben sich gegen biefen gemertschaftsfeindlichen, verbrecherischen Anschlag gewehrt und lieber ihrer Partei den Rüden gefehrt, als fich zu solchem Berrat an ihrer Gewerkschaft herzugeben. Nicht die Gemerfschaften find es, die RBD. ist es, die thre gemerffchaftlich organisierten Mitglieder in diesen Konflitt Die Mansfeld A.-G. macht Riefengewinne. Zahlt aber die schlechteffen Löhne. gebracht hat: entweder Befolgung ber tommunistischen Barole und usihluß aus der Gemertidaft aber umgefehrt: Gemert. fchaftsdisziplin und deshalb Ausschlußausder& PD. Ründigung im oberschlesischen Bergbau. Der Arbeitgeberverband für den oberschlesischen Bergbau hat in Berfolg der Kündigung des Mehrarbeitsabfommens durch die Gemertschaften munmehr den für den oberschlesischen Bergbau gül tigen Manteltarif mit allen Anlagen und Richtlinien sowohl für den Aohlen als auch für den Erzbergbau und für die Kofereien ge fündigt. Es ift zu erwarten, daß die Verhandlungen über den neuen Manteltarif genteinfam mit den Berhandlungen über ein neues Mehrarbeitsabtominen geführt werden. Eisenbahner fordern Winterbeihilfe. Die in der organisierten fommunistischen Opposition zu ihrer Ge mertschaft stehenden Gewerffchaftsmitglieber wiffen genau, daß Die Bertreter der Eisenbahnergewertschaften der Tschechos mit dem Augenblick, in dem sie sich zu gewerkschaftsfeindlichem und geslomakei haben im Eisenbahnministerium unter Hinweis auf die wertschaftsschädigendem Handeln herbeilaffen, fie fich außerhalb gesundheitlichen Schäden infolge des scharfen Frostes eine befon. der Gemertschaftsgemeinschaft ftellen, ihren Ausschluß dere Winterbeihilfe gefordert. Die zuständigen Stellen Die Gemertschaftsspalter fißen auf der sollen grundsäglich der Forderung nicht ablehnend gegenüberstehen. unvermeidlich machen. Seite, aurf ber gegen die Gewerkschaften fortgefeßt intrigiert wird. Es ist nicht Sinn und 3med der Gewerkschaften, Mitglieder aus. Aus Australien. girschließen. Und nicht te wenden sich gegen die Unorganisierten, fondern umgekehrt, fie feßen alles daran, um auch die Unorganisierten ihren Reihen zuzuführen. Mitglieder aber, die absichtlich ihre Gewerkschaft schädigen, in einem so hohem Maße, wie die PD. es, pon ihrer Opposition" verlangt, brechen ihren Ausschluß direft nom Baum. In ihren Berbandsorganen menden sich die Verbandsvorstände des Deutschen Metallarbeiterverbandes mie des Berbondes der Bergbauinduftriearbeiter Deutschlands in besonderen Aufrufen an thre Berbandsmitglieder, um sie über die non der PD. geschaffenen Situation aufzuflären und fte zu warnen, den Barolen dieser Partei gegen ihre Gewertschaft zu folgen Beide Berbandsvorstände laffen teinen 3meifel darüber auftommen, daß sie gegen jedes Mitglied, bas den Beschlüssen seines Ber. bandes zumiderhandelt, unnachfichtlich vorgehen müssen. eg mit allen Sonderbestrebungen, die die schlimmsten Feinde der gemeinsamen Eadhe find* mahnt der Borstand der Metallarbeiter. Gerabe die gegenwärtige Beit mit ihrer steigenden Arbeitslosigkeit und den Bestrebungen der Unternehmer, den Metallarbeitern Langfristige Tarifverträge mit unzureichenden Löhnen aufzuzwingen, nätigt zur Sammlung aller Kräfte auf dem Boden einer entschiebenen, aber ihrer Berantwortung sich Bem fein Berband auch bemußten Gewerkschaftsorganisation." fieb ft, minht ihm nicht entgegen. wie& B. die Arbeiter des Edwerfuhrgewerbes, fchon oft im Rampfe thren Mann geftanden haben. Die Arbeiter jeben jedenfalls den tomarenden Dingen ruhig entgegen und jegen in ihre Organisation bas Bertrauen, daß fie ben Schlag ber Unternehmer zu parieren verfteht. Proteftfundgebung des Personals. Halle a. d. S. 1. März.( Eigenbericht.) Mährenb bie Mansfeld 2.-G. jahrelang nach dem Kriege mit dem Hinweis auf die Unrentabilität ihrer Kupferbergbaubetriebe mahre Hungerlöhne zahlen tonnte, haben sich die Berhältnisse feit Die Nationalen" im Bieh- und Schlachthof. fangem, namentlich seit der Berbindung mit ber ameri tanischen upferbergbauindustrie, grimblegend AG indert. Nichtsheftoweniger hält die Mansfeld 1-8. an ihrem Be ftreben fest, die niedrigsten Bergbau Löhne in Deutfd Land zu zahlen. Um 17. Januar wurde von Schlichter ein Spruch gefällt, der eine vierprozentige 2ohnerhöhung vorjah unb ber bis. L. April 1929, laufen follte. Die Bergarbeiter beantrag fen Berbindlichkeitserklärung, die jedoch verweigert wurde, nad dem furz vorher die Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts gefallen mat, daß Schiedssprüche, die nur mit der Stimme des Schlichters gefällt werden, ungültig sind. Der Bergbauinduftriearbeiternerhonb trat nunmehr in eine neue Kampfphaje ein, deren Ziel insbesondere dadurch bestimmt murde, daß die Mansfeld M.-G., wie aus dem Jahresabschluß her Dorgeht, auch in diesem Jahre mit einem erheblichen Reingeminn von rund 3 Millionen abschmeidet. Um diesen Rein gewinn möglichst ein erscheinen zu laffen, hat man rund ein Drittel des Gesamtjahresertrags als Abschreibungen in die Bilanz eingefekt. 7 Broz, merden der Generalversammlung als Dividende vorgeschlagen. Die fortgelegte Erhöhung der Stupferpreise hat zu dem hohen Gewinn ber Mansfeld-B. beigetragen. Nach Befanntwerden ber Bilanz hat die Mansfeld L.G. einen Schritt unternommen, der ihre Loyalität gegenüber den Arbeitern beweisen soll Gie hat durch Anschlag in den Bergmerten verfünden laffen, daß sie bereit ist, ab 4. März 4 Pro& Zariflohnerhöhung au zahlen. Melbourne, L. März Das Schiedsgericht legte dem Arbeitersyndikat bet Holzindustrie die Höchstbuße von 1000 Bfund Sterling auf, weil es im Streif ermutigt und dadurch gegen die schledss richterliche Entscheidung gehandelt habe. Sidney, 1. März. Die Gewerkschaftstonferenz der Bergarbeiter hat alle Borschläge Der Arbeitgeber auf Lohnherabfegung abgelehnt. Durch diesen Be schluß wird die für 11000 Bergarbeiter ausgesprochene & ündigung heute nachmittag mirljam. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Achdung, Boranzeige! Wir besichtigen Sonntag, 3 März, 1014 Uhr, bas Lindcar Fahrrabmert, Unternehmen der Gemertfchaften, Berlin- Lichtene pade, Berlängerte Bittorioftraße. Fahrverbindung: Eisenbahn ab Ents damer Bahnhof, Zugabfahrt 9.48 Uhr; Straßenbahn: Linie 99. Teilnehmertarten find in den Zugendgruppen erhältlich. Gonntag, 3. Mara, im Gigungsfagl des Bezirksamts Areuzberg. Dorditr. 11, Das finnische Rolfslied", Der finnische Bollsfänger Olli Suolahti fingt finnische Boltslieder zur Rantele, Fran Dr. Bahn vezitiert einleitenb finnifde Dichtingen. Untostenbeitrag 10 Bf. Einlaß um 19 Uhr. Beginn 19 Uhr. Eonnabend, 9. März, 19 Uhr, inz Gigungstaal bes chamaligen Herrenhaufes, Leipziger Stz, 3. Cinlas u 18 Uhr. Die großen Sprecher der Senolution. Mitmirkende: fred Beierie, Sauler ber Staatlichen Sochschule für Mufit, Liebertafel Berlin- West, Mitgl DSB. Untoftenbeitrag 30 Bf. Cintrittstarten find in den Jugendgruppen in den Ortsverwaltungen der Berbände und in der Freigemertschaftlichen Jugendzentrale, Engelufer 24-25, eine Sneppe, Simmer 7a, gu haben. 20 PE Juaendaruppe des Rentralverbandes der Angestellten Sente, Connabenb, 20 Uhr, Bollstanaturfus im Jugendheim Lehrten Straße 18-19. SPARKASSE Laboreise OSKARPACK 100 MAR JOENSA Quittungs-, Rabatta. Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. fertigt tert seit 45 Jahr ais Spezialität. Conrad Maller Leipzig Schkeuditz → Der Berband der Gemembe mb Stantsarbeiter und die Reichsgewerffchaft deutscher Kommunalbeamten botten gut Donners. tagabend bas Bersonal des städtischen Bieh- und Schlachthofes anferate im einer Broteftfundgebung gegen die nationale Arbeits. Vorwärts gemein( chaft aufgerufen. Die Rundgebung mor außerordent ich start besucht Der Borsigende des Betriebsrats oft mann fichern Erfolg! und der Stadtverordnete Genosse Semper referterten. Unter allgemeiner Zustimmung der Bersammelten brandmarkten die Redner das unqualifizierbare Berhalten der Leute der Nationalen Arbeitsgemeinschaft", bie die Bertreter der Stadt in der niedrigsten eise beschimpfen. Einstimmig murde folgende Entschließung angenommen: Die in ber Börje tagende Bersammung der Arbeiter, Angestellten und Beamten des Städtischen Bieh- und Schlachthofes pro testiert aufs allerschärffte gegen das provozierende Berhalten der fogenannten Nationalen Arbeitsgemeinschaft im Betriebe. Die Bersammelten erparten nom Magistrat die fofortige uier furdhung, ber in der Ausfprache befanntgegebenen Borfomnniffe ind deren scharfste Abudung. Die Versammelten lehnen es ab, in Zukunft mit diefen Schädlingen der Belegschaft gemeinsame Berufsarbeit zu verrichten. Am 25. Februar starb nach schwerem. Leiden unser guter Vater, Schwieger vater und Großvater, dar Kaufmann Elias Majerczik iro 76. Lebensjahre, fünf Wochen nach dem Tode unserer lieben Mutter, Dr.- Ing. W. Majerozik, Felix Majerczik, Else Majerczik, geb. Scherer, Irane und Theodor Majerczik. Berlin u. Charlottenburg. L März 1929. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Beileidsbesuche dankend verbeten. + FURNICULUS+ Verkäufe Dejen, eiferne, teber Art und Größe 12.50 an, Ameritaner, Jrife, Dauerbrand( auch filr Gale bis on 5000 ebm), transportable Rachelofen. 98-100 Mäheltäufer. merle Arebit und bar Möbelbajar, große Auswahl, Ueine Preise! Beispiele: Solataimmer 455. 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Samar ge- 3m Berbande der Nahrungsmittel und Geträufearbeiter. fällten Schiedsspruch des Schlichters mit dem Unterschied, daß sie In der Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des Ber- Bekleidungsstücke, Wäsche usw. amei Monate Bohnerhöhung sparen mill Die Berg bandes der Nahrungsmittel- und Getranfearbeiter am Mittwoch in Benig getragene Fradanzüge, Smo arbeiter haben diefes Manöver durchschaut und denten nicht daran, Boekers Festfälen fonnte der Borsitzende, Genoffe Hodapp über tinganzüge, Gehrada züge, Sadett fich bupieren zu laffen. Inzwischen find die upfer einen erfreulichen Aufschwung der Organisation im ner engilge, Gummimantel. Eutawananzüge, infpianos. überaus preiswert Biano preife abermals erhöht worben Die Mehreinnahmen gangenen Jahre berichten. Der neue Industrieverband barbiemäntel, Cavex tcoatpaletots, file abril in Brunnenrake 35 jebe Figur paffenb. Sp statifät: Bauch Bianas 173, 275, 423, 9% der Mansfeld A- G. aus dieser Erhöhung dürften, vorsichtig gezählte bei seiner Gründung am 1. April v. 3. in Berlin 13 705 Mit angge foottbidlig. Gefellichaftsanzilge braucht, große Auswahl in neuen: Iditgs chaht, 8 bis 9 millionen Mart im Jahre betragen. Bei dieser Sady glieder. Um Jahresschluß bagegen gab es in Berlin 16 496 organismen perlichen. Balvein, Rosenthaler, jährige Garantie. Herer, Brunne ttoße 191, 1 Treppe, Rofenthaler Ma lage und um den miserabel bezah'ten Bergarbeitern einen einiger fierte Nahrungsmittel und Geträntearbeiter zaße 4.1 Ctage Wenig getragene, teils auf Gelbe geeilaahlung. maßen austömmlichen Lohn zu sichern, hat der Bergbauindufirie. Es wurden denmach binnen neun Monaten rund 2 800 arbeitete, erittlaffige Sadettansige, rad arbeiterverband jest in einer start besuchten Delegiertenfon neue Mitglieder gewonnen. Diese Entmidlung zeigt, daß analige, Smolinganzige, Gehro tanzüge. ferenz befchloffen, eine Lohnerhöhung von 15 Broz zu fordern auch die neue Industrieorganisation die gleiche Merbetraft befigt mie Bauchanzige, für jede Figur paifend, getragene Commerpaletots in allen For Gebrauchte, fpottbillige, Binterpreise. amb von dieser gerechten Forderung nicht herunterzugehen. die früheren felbständigen Berbände. men; außerdem hochelegante neus Gar. Schlame, Weinmeisterftraße vier. berobe, non eritilaffigen Schneidern gt Zeilzahlung Mortenfahrräder, allee arbeitet, au ftaunens billigen Breisen. Gelegenheitstäufe fiz Serren und günft gite Bedingungen, Binterpreise. Damenpelzen. Bethhaus fowidi, Bein- Golame, Beinmeifterstraße viez. en ftrage 105, cine Treppe. Reine Lombathware. Der Berband tritt jegt in eine große Kündigungsaftion ein, die am Sonntag beginnt. Die Gefchloffenheit ist, wie beim mitteldeutschen Braunfohlenbergarbeiterstreit im September 1927, Dorbildlich. Einige belanglose tommunistische Saboteure find auf her erwähnten Delegiertentonferenz glatt an die Band gebrüt morden. Die mitteldeutschen Arbeiter des Kupferbergbaus sehen im Berein mit ihrer Bezirksleitung deni Ausgang des Kampfes mit Parhe und Zuversicht entgegen. Konflikt im Verkehrsgewerbe. Die Unternehmer fündigen die Lohntarife. Audy in Berlin scheinen die Unternehmer den Frühjahrsiohn. bewegungen ber Arbeiterschaft baderdh zu begegnen fuchen, daß fie non fich aus zum Angriff übergehen. So haben jetzt die Unter nehmer im Berliner Schmerfuhrgemerbe, die Befizer der Holzplashandlungen und die der Eisen, Stahl- und Bledgroßhandlungen bem Berkehrsbund sämtliche Bohn Die Holzhändler haben bereits zu ertennen gegeben, daß fie trcch biefen Schachzug eine Berlängerung ber Lohntarife un zwei Jahre durchfehen wollen. Benn auch die Unternehmer her anderen Branchen ihre Forderungen noch nicht befanntgegeben haben, so ist doch bestimmi anzunehmen, baß sie das gleiche Biel perfolgen. Jebenfalls mollen bie Unternehmer fich eine günftige Bofition schaffen, da ihnen bekannt miar, daß die Arbeiter dieser Bemerbezmeige ebenfalls die Kündigung, der Rohntarife, befchlossen batten, um eine Erhöhung der Löhne zu fordern. Es ist damit zu rechnen, daß es infolge des Borgehen der Unternehmer zu erniten Auseinanderjegungen fommen wird, da es fich hier uma, hurdhmeg gut organisierte Arbeidergruppen handelt, die, T # Die finanzielle Entwidlung hat mit der Mitglieder bewegung ebenfalls Schritt gehalten, obwohl infolge der Ber ichmelzung große Gelbausgaben für die Einrichtung des neuen Drts Bei der Bersamelzung betrug der bureaus notwendig waren. Lotalfaffenbestand 47 290 m, Ende 1928 dagegen 46 137 Mt., mobei zu berücksichtigen ist, daß allein der Umbau und die Anschaffung neuer Bureaumöbel über 24 000 m. fofteten. Fahrräder Berlesh Anzüge Leihhaus Lowidi. Bringen. ftraße 105 becheleganter Gefedfchafts Kaufgesuche Beiteter Beg lohnend, Vergnügungen Calibr Sale. Schöneberg. Martine Genosse Hodapp nermies bana au auf die 2ohn- und Mänzen. Briefmarken tauft Groß Benig getragene Ravaliergarderobe Zarifbemegungen in den verschiedenen Branchen, deren Er von Millionären. Beraten. Inwälten mann. Sohannisftraße 4 Empfehle Babzgebine. Blatinabfalle. Sinne gebnisse und Berlauf eingehend in ben gaarudi norgelegten Be Fabelhaft billige Breife. chaftsbericht geschildert finn. Eine Dishiifion muurde nicht gewünidy, fings. Gebrodanzüge Solen. Sport Goldfchmelaerei Chriftionat, Rövenider Saillenmantel Taletots, rads. Sms metalle, Quedfilber. Silberichmelze momit der Ortsgruppenleitung das volle Bertrauen Gebpelze, Gelegenheitsläufe in neuer trage 39( Salteftelle Adalbertstraße) Der Delegierten für ihre Tätigkeit im Borjahre ausgesprochen wurde. Garderobe. thaler Blak. dapp ging dann noch näher auf die Bedeutung der Beothringerftraße 56, 1 Treppe. hoien. triebsraiemahlen ein und brandmarkt das gemertschafts- Bos feindliche Vorgehen der BD. bei den diesjährigen Bahlen. Revalieren wenig getragene Verschiedenes 3affettanzige, Emafingonaige, band. In der Distuffton über diese Frage versuchten zwei oppo anailge, Commerpaleints, farbig und fttionelle Rebner bie Ausführungen Hodapps als überflüssig für jebe Figur passend, Belamaren- be. marengs, Baudanzilge uns Talatots, hinzustellen, ha in den Betrieben, bie zum Bereich des Nahrungslegenheitstäufe enntm BUG. Retite Luther- Straße 69. täglich. außer Mon mittel und Getranfearbeiternerbandes gehören, bie Rorauslegun Pombardware. Leihhaus Friedrich 2 lags unb Pienstags, azokez Bal oce gen für ein Bergehen der Oppofition nach den Richtlinien und Be Sallefches Ten. schliffen der RBD. nicht gegeben find Gegen eine Stimme auf Seibe, 18, Smolinganaüge. Bouch murde schließlich folgende Entichließung angenomment Die Delegiertenberjammlung der Ortsgruppe Berlin des Bernenb billig Gelegenheitstäufe in neuer bandes der Stahrungsmittel- und Getranfearbeiter lehnt die von der Kommunistischen Bartei in Rundschreiben und in der Roten Fahne peröffentlichten Paralen zur Durchführung der Betriebsrätewahlen auf bas entsch edenste ab Die Deleglerienversammlung befchließt, daß die Aufstellung der Kandidaten zu den Be triebsrätemahlen treng nach den Beschlüssen des Letpziger Gemertfchaftsfongrefies und den Richt Tinien des DG8. fomie des Berliner Ortsmusicruffes hes Benig getragene Radettanzüge. teils ensuge. Faillenmäntel. Baletots ftau Foz. intenſtraße 203-204. Ede Rosen. Sertengarberobe Leihlaus Rofenthalet haierftrake Reine Combarbware Möbel Batentmatragen. Brimiffima". Metal beffen, Muffegematragen. Cheifelenques. Balter. Stargarderstraße atazehn Rein aben Mabel- Ramerling, Roftantenore 56. reiteren Sugenb Arbeitsmarkt Stellenangebote Arbeiterinnen merben( oort einges ftellt. Jofef Schimel, Berlin, Mühlen Straße 11. Sujentfaffeur Dad Ben für feite Bodarbeiten ftellt Tofort ein. noel .- G., Sajineberg, Solonnenstraße 26. Rugbaum- aid tommoden, engliige Bett Sebrmädchen für Bureau jofort oben ftellen, Nachttische Riefenauswahl( päter, aber fortbildungsschulfrei, ge Burchloies. Spottpreife Sahlungs fucht. Bareinfoed u. Co., Berlin D. 17, Sohenlohebrile, Ede Ruboliftrate DGB. zu erfolgen hat. Me Mitglieder der Organisation find vers pflichtet, diefe Grundläge zu befolgen. Mitglieder, die gegen diefe Grundföge perftoßen, ftellen fich außerhalb der Organisation erleidterung. Gommbevö 2. März 1929 Unterhaltung unö AAissen Vellage de« Vorwärts 3)er IfMaglstraispraMik Der 3!Rffgiftr<ös>praittftira war ein iunger unerfahrener Menfch, der nickt mutzt«, daß auf dein Magistrat für Menifchen feines Schlages taufeirderlei Gefahren lauern und dah es eines festen Tharolter? dedarf, wenn sich ein Praktikant nicht in irgendeine Lorniplionsaffärc mit feilten Pnrgefetzien ader ahne sie verwickeln fall. Der Magiftratspraktilont Bochuro wußte nicht, daß mich die Krdra Mammon lauert, inn die zarten Seelen der Magistrats- deamten zu verschlingen, wie sie bereits die grauen.haare vieler Stadtverordneten verschlungen batte. Äeine von den großen Äorruptionsaffären auf dem Rachaus. die die öffentliche Meinung in Aufruhr gebrach: haben, läßt sich auch nur im entferntesten mit der Affäre des Praktikanten Bachura»er- gleichen. Der heute korrumpiert« Bachura treibt sich als Judas irgendwo in der Welt herum, denn er hat die reine Fahne des Rachaufes ohcrmal» in Sumpi und Schmutz gezerrt. Ja, sogar befleckt. Ilm also in diese Geschichte eiitzudringen, müsien wir in dieser obfcheulichei' Aiiäre mit der Lleinfeite beginnen. 2luf der Klernseit«, in dein Wirrfaal altertümlicher Gößchen, be- findet sich das Gofchaus des Herr Schediw». Herr Schsdiwi war einer von den alten, gutmütigen Menschen. die der Gelundheäsvorfchriste» des Magistrats nicht achteten und vielleicht ganze Dcchrzehnie long die Dentilatuntsröhren im Pissoir münden lieh. Die Gäste beschwerten sich iriemols, denn das Bier war gut und im P'ffSir war es uiruiuerbrocheu finster. Dieses, in der'Kvrruptionsasfäre des Praktikanten Bachura eine Rolle spielende Pissoir, hatte kein Fenster, das in den Lichchas geführt hätte, hotte kein« Oefsnung, die wenigstens ein wenig pom Licht GoUss in das Innere des traurigen, feuchten Raumes dnqelasien hätte, um den dunklen Ort Kchtervoller und heiterer zu machen. Diejenigen aber, die herkamen, um Bier zu trinken, waren ganz zui rieben. Die konservative Äteinfeite in ihr« steinernen Erstarrt- heit Protest»«»« mcht dagegen. Aber es kam schließlich«in« Zeit, in der dos Tempo des moder. nen Lebens auch das Pisioir des Herrn Schadinu«griff. Ein« Baukommifsiou stellte zwei fürchterliche Dinge fest. Di« in dos Pissoir mündenden Bentilationsrvhren,— was soso» der Gesundheitskommissio» übergeben wurde— und das unbeleuchtet« Pissoir, ohne ein« an die Lust führend« Oefsnung. lind so geschah c«, daß der Magistratspraktikant Bachura als Schriftführer der Daukommifsian die Bekanntschast Herrn Schediwis inochte. Mit einem vernichtenden Blick verfolgte er alle Bewegungen i�s Wirtes, der kampflustig und fest behauptete, daß die ganze glor-. reich« Kommission nach mcht aus der Welt gewesen sei, als man hier bereits feine Notdurft verrichtet« und daß es auch gegangen sei. Daraus müsse man nicht sehen, wenn nur ein Abfluß vorhanden fei. das genüg« oollkommen. Eil« Tür sei''da und das sei doch.eine genügend große Oeffuung. um ine Last hereinzulassen. „Mäßigen Sie sich," sagte man ihm,.-damit Sie sich nicht auch «ch' ewe'Beamtimbsletdigung zuschulden kommen lassen. Gkonben' Sie denn, daß es em Honiglecken ist. von einem Pissoir zum anderen zugehen?" Dann wurde ihm angeordnet, daß er die Mauer durchbrechen und im Ptssoir«in Fenster machen müsse, zumal es sich ober um ein« Beränderung«in«s dem Gastgewerbe angehörenden Raum hanA«, müsse er Pläne und ein Gesuch einreichen, um die Aenderitng vornehmen zu dürfen.' Das geschah am Bormittag. Am Nachmittag kam die Gesund» heüskommissiait. Di« ordnete an, die Röhren durch die Oessnung. die gemacht iverden sollte, in den Lichchof zu führen. Er war davon halb verrückt. Die Mauer muß durchbrochen werden, das halt« man Hm zugeordnet. Und den Plan muß er vorlegen und um Be» «illigung einreichen, damit er die Mauer durchbrechen und die Ben» Kotlansröhren mrs Gesundheitsrücksichten in den Lichchof führen darf, wohin die Fenster sämtlicher Klosette im.Haus münden. Er schiles die ganze Rächt nicht und ging früh zu einem Maurer» meister, um sich oon ihm einen Plan für dos Fenster entwerfen , und durch Bennittlung eines Berui�chreibers ein Geiuä, überreichen zu lassen, auf Grund defien die das Pissoir betreffenden Pläne in kürzoster Frist vom hohen Magistrat genehmigt und die Durch- bsechung der Mauer zmecks Anl'rinyung eines Fensters gestattet wuvde. wofür er sich durch sittliches Betragen im Alter erkenntlich zeigen wolle. E- verslosien drei Wachen und die Erledigung des Gesuchs kam nfchr. Gastwirt Schediwi begab sich also zun, Magistrat, um die Angelegenheit zu urgieren. Än Bau Referat traf er nur den Mag lstratspraktikanten Bachura an, denn die andern befanden sich bereits feit neun Uhr mi gegenüberliegenden Wirtshaus beim Früh» stück. Jetzt war«s gerade zwöl» Uhr.( ..Was wünschen Sie?" frag« Praktikant Bachura würdevoll. „Ich komme wegen meines Pissoirs, junger.Herr, Schediwis Pissoir auf der Klein leite, Sie erinnern sich dach." ,.?a, ich erinnere mich," sagte Bachura feierlich,„ich denk«, ich eri miere mich, und was wollen Sie eigentlich?" „Wissen Sie, es baue» schon drei Wochen, und es würde nickt schaden, die Sache zu beschleunigen. Mein« Gast« fr«u«n sich jetzt schon wie kleine Kinder aus das Fenster, bei uns geschieht nämlich nie etwas, und das ist«n Ereignis." Bachura besann sich, daß das Gesuch bereits längst erledigt sei und in der Scbublade liege. Es mußte mir noch abgeschickt werden. Ader der Ehes hatte ihm gesagt:„Schicken Si« es noch nicht, soll so ein Gastwirt warten. Der Magistrat muß diese Laut« s-st am Zügel halttb." Er schwieg eine Aeülang und dann sagte er ernst:„Nun, wir werden sehen/ was sich machen läßt." Etwa sine Woche nach diesem Besuch ging Bachura üb«? den Franzens-Ouai. Er hatte dort nämlich Rendez-vou? mit«nsm Fräulein, dos sehr froh war, einen.Herrn vom Magistrat zu kennen. Es war«in schöner Nachmittag, warm und heiter. Bachura blieb bei dem Sodawass-rkics? stehen. li«ß sich ein Glas Htmbeer- und«in Glas Zitronerilimonod« einschenken und schritt, seines Mädchen». dem er bald hegegnen mußte, sehnsüchtig gedenkend, wieder weiter. Der Hrodichin am Horizont, der Laurenziberg In Grün gehüllt, blühende Kgstar-ien au« den«chützenins-ln Aber mitten in all der Schönheit befielen ihn Bauchickwerzen. Bachura hau«, bevor er oon Hause fortgegangen war, ein Glas Doghourt, die Nationallpeif« der geschlagenen Bulgaren, getrunken, die Hurweer- und Zitronen» limonade vollendeten den unerbittlichen Prozeß bn Labyrinth der des Magistratsbeamten. Gegenüber dem Hrodschin aus dem Quai befindet sich im Park ein lleines Häuschen. Bom Quai aus kann man die Auffchrist„Für Herren", vom Kinderspielplatz in den, Park aus diskreter die„Für Damen" lesen. Wie eü, Löwe, wie ein durstiger, stürzt« Bachura noch iirnan. „Erste oder zweite?"—.„Zweite," sagte Bachura b«scheid«i, aber schnell. Die Ate schaute Ihn an und sagte:„Ich kenn Sie von irgendwo, junger Herr," und riß-inen Zettel vom Block. Bachura griff tns Portemonnaie und schrie entsetzt:„Das ist nicht möglich. Ich dachte, daß ich einen Sechser hob«." Die Alte schaute ihn noch einmal an und sagte dann langsam, die entsetzlich« Situation Bachuras auf die Spitz« treibend,„Wissen Sie, woher ich Sie kenne? Ron meinem Bruder Schediwi. Gastwirt aus der Kleinseite. Ich war damals zu Haufe, wie Sie mit der Kcnn- Mision wegen des Pissoirs bei uns waren. Nehmen Sie sich nur «in« Karte, wir werden keinen Schaden an Ihnen haben." Bachura sprang in das Hein« Separee und als er sich glucklich und fröhlich entternt«.»es die Alte ihm nach:„find oergesien Sie nicht, junger Herr, meinem Bruder die Erledigung des Aborts zu schicken." Bachura schickt« gleich am folgenden Tag, ohne den Chef erst zu fragen, das erledigte Gesuch und die Plön«, die bereits fest fünf Wochen genehmigt waren, an Herrn Schediwi und atmete«uleichte» aus. Jeden Morgen vor g Ilhr hielt sich Mogfftvatseat Stanek in jenem kleinen Häuschen auj dem Franz-Iofefs-Quai auf, wo Magfftratspraknkaiu Bachura fürchterliches Delitt begangen.hatte. Do» plauderte dex Herr Rat mit der Alten, wn sich zu informieren, was die Oeffentlichkeit von der Siadtverwoltung denk«, denn die Alte aus dem öffentlichen Klosett war für ihn die Stimm« des Volkes. Dos war wm mal fein Steckenpferd. .Ja, Euer Gnaden, die Korruption erfaßt auch schon die Kleinsten,"«rzähldc die Alt«,„ja. dies« Herren vom Rathaus, wenn man ihnen erlaubt- sich umsonst auzzu..„ gehen sie der Pa»«i gleich an die Hand, so wie meinem Bruder..." Und sie erzählte dem Herrn Rat die ganz« abscheuliche Korrup- ttonsaffäre des Magistratspraktikanten Bachura mit allen Einzel» heiten. Heut« sitzt bereits auf Bachuras Platz«in anderer Praktikant. Bachura wurde nach Beeiidigung der Disziplinaruntersuchung, während welcher ihn, in der Angelegenheit des Gastwirts Schediwi Lck» stechlichkeit nachgewiesen wurde, entlassen. Er treibt sich heut« wie Judas in Europa herum und zuletzt hat man ihn in Hamburg verdächtig in das schwarze Wasser des Kanals blichen gesehen. Jemand hat eines seiner Selbstgeipräche balquscht:„Wenn ich wenigstens«in Abonnement für das ganze Jahr bekommen hätte... Ja ja. die kleinen Diebe hängt man.. Iaroslav Hasek. fSVadtiate Jl/Iweftiune aus t*Jn Tschechischen tum Oeett Rein««.) Wir suchen in der schönen Well Siilder aus Itlalaga Das Schiff: Der.Lampa". der„Blitz", roter Spartkutter ans Stadt Trieft. Perjonen: fünf. Drei Männer. Zwei Mädels. Rom, Bortvlo und BuMtdiita. mit Zunamem Barbopunta. der Spitzbart. Lach dich tot.' Und dann die beiden Mädels, di« Lordstöchter, zwei See- brillanten, eingefaßt ins Silber der Stürme. Lucio, schwarzer Bubi- kops, Augen— Feuer, brauner Teint. Blut— wild, Herz— wie Sonn«, sonst: Berkäuienn in den Magazzini Generali in Trieft. Run aus Urlaub. Ebenso Margret«, aber blond ist die, rosig wie eine Damaszenertulpe, klug— wenn Ihr eigenes Interesse in Frage kommt, Lippen: königlicher Purpur, sonst: Tippmädcl aus der Triesiinischen Sseosseturanz. Der Hund: Albaturco, wachsam, ist»anisch«r Zattclfpitz, lieb und treu. Albaturco. der Bordhund. Ort: Malaga Stadt, an der irisblauen Bucht. Zeit: Sommerlicher Winter. Wahrheit und Dichtung— sti gleichen Teilen gewischt— und mit- Phantasie verbrämt. � Zweit r�Mr|u�t in der �HSnen bunten Welt-st SazteUsrns! Da wären wüc nun also von Tunis her glücklich herüber g«t flitzt—- noch Spanien— wir sind in Malago. Unser„Lampo" liegt im Puerto ürtenor, an der Pier, am Mast die roffeidene Wellen- flagge— Sozialisten auf Reisen? Rings um Malaga die Montes, die Berg«, dst Sonne liegt drauf— sind di« Berge Gold? Der Monte El Torcal. 2100 Meter hoch, droben steht Jungfer Sonne— und schwingt ein schneeweißes Wolkenfähnchen. Iuhsi? Malaga Hofen. Heut« wird nicht gearbeitet: Sonntag? Aber da wehen Flaggen von überallher, Schiffsflaggen von Britannien, Norwegen, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Itakia, Griechenland, Schweden und Belgien Sind alles Appelsinenschiss«— und Wein, schiff«— und Oelschiff«(Olive nöff—»nd Rosinenschi fse— und Mandelschisfe— denkt mal: Lübecker Marzipan! Wir schlendern so am Hafen dahin, in den Weinschenken ist Musik und Tanz— Kinder bälgen sich um einige Kupfermünzen— und der alle Bettler dort hat ein Antlitz wie«in Marquis: so stolz und so dumm! Hier sind wir bei der Industrie, hier wären wir zu Haus«— Proleten bei Proleten— Eisengießereien. Zuckersabriken, Baumwoll- spmnereien— schön« Carmens, wo seid ihr? Di« Fabriken' haben heute kein« Puste— Sonntag, Sonntag, Sonntag! Nun hinein in Malaga Alfftodt—'wieder, Lueia: Dia»ante», wie winkelig. Die Häuser küssen sich über die Schlucht der Straß« hin gegenseitig aus die Stirn«. Häuser— mit schwarzverwittcrteu Säulchen und mit Hufessensenstern— ganz afrikanisch— arabisch— alle Fenster fest vergittert— von wegen dem feurigen Blut der Makagatöchter— Gitter vor die Fenster, baß uns kein Liebhaber o» den Kirschen und Erdbeeren nascht. Grete! lacht— uns geht auch tetner dran— wir schützen uns durch die Dolche der Augen. Borlolo forde»: Gretel: Stich mich durchs Herz, daß meines Herzens Flamme dich umlodere! Malaga: Malagueta: Dolks- Malaga—«inst wohnten in diesem Gosscngewirr di« maurischen Grarrdi. wohl alles oeffallen— ober der Glanz der Maurenzeit bricht noch durch dos Oxyd der Jahr- hundert«. Do», schau« hin— welch prächtiger Patio, der Hof— ein Brunnettbecken: halb geborsten, ohne Wasser, Kehricht liegt drin— statt Tauben: Spatzen— statt arabischer Harem sdamen: saute, lustig« Models, mit Antlitzen w'e Orangen, so rund und so strahlend— Mädels, singt mall Und sie singen, und ss« tanzen— aller Belketanz, zur Gitta»«. El Fandango— und Männer kommen— und Frauen— Holl mal Wein her, schenkt«in: brauner Bernsteinwein— a Salud, Gesundheit— Hotz unser Blut wird hitzig. Laßt uns andere doch auch mal tanzen— Lucio und Gretel nehmen sich'nett- spanischen Prinzen— Rani und Bortvlo nehm«: die blitzenden Orangen iy den Arm. die spanischen Volkstöchter— und dann � ti-ta-tanze: si-sa-sing«: Kostognetten geben den Dal;- tott— und Barbopunta steht oben am Brunne»— er gibt«ff seiner Seemannspseif« den Dirigenten ab. Li-la-loche! Malaga! Malagueta— deutsch« Sporksegler unterm Dolk. Hol. das ist fein,. stoi, das ist lustig. Was macht der Albaturco an Bord, unser Hündchen? Da kommt ein fliegender Wursthändler— zwei Würste her, Hundewurst für unser Hündchen an Bord, für den treuen lieben Wächter. Albaturco, Albaturco!. So, nun haben wir Mittag gegessen. Im Gambrinus. In b» j deutschen Bierstube Et gab Gulasch und P-parmü. L-der-.rbräu und «in Pirmasenfex Schuhjchnäpschen. Sonst war alles ziemlich steif— es fehlt« da« spanische Feuer. Und di« Gäst« des Gambrwus sahen voller Entsetzen aus unser« Mädels, auf di« Lucia und di« Grete!— was find den» da» für freie, lachend«, übersprudelnde Seemxen? Rot« Kunstseide, braun von Sonne und Wind, am Herzen die Fackes, in Goch: Wellensockel des Sozialismus! Schon wieder auf der Straße. Die Haupffttohe hin— die Calle M Morquös de Larios. Sonntag— Geschäft« all« zu— ober ein Geschäft geht doch: Straßeichuben verkaufen staatlich« Lottenelose! Muchaäjos. Jungen?— gebt mal so'n Los her— da. nimm du'?, Lucia, stecke du das Los-in.— Und wenn wir gp» Winnen?— Rur kein- Aufregung, wir g-winn-n nichts— au« Spaß gekauft— mir haben z» viel Glück in der Liebe, da versagt dann die Lotteriejortuno ihr« Gunst.— Also weggeworfen Geld?-»> Na, ja: zum Sonntag, behall's nur, Lucia, das Los! Straßenbahn. Einsteigen. Hin zur Plaza de Toros. Zur Arena. Wir sind schon da. Soimtag— Stierkampf. 14000 Zu» schauer zittern vor Blutdurst: tötet den Stier! Spanien begeht Selbstmord— es tätet in sich sein Besseres. Das Tier hat Seele wie der Mensch— wenn auch kein« Menfch-nseele, sondern Ti«v- seel«. Wer Tiere zur Freud« tötet— der ist koh! Malaga— deine« Stierkampf mögen wir nicht. Fo» aus der Arena. Hinauf ans dtt. freien B-kgc— droben weht Liedeoluft. die Stolbust der Aren« ist Mordlust'.:, Wir sind droben— am Gibroffaro, am allen arabischen Burdberg. Drunten— weiß und grau— die Stadt Malaga, groß wie Kassel: 170 000 Bewohner Dos blau« Irismeer, drüben das blutige Afrika— wer aber machte Afrika blitten? Melilla c' Eeuta? Ev-> Rif? Europas höhere>„Kullur"' schlägt dem.dunklen" Erdteil böse, nicht heilen wollend« Munden. Am Berge Gibralsaw.. Di« Ruinen der Alcozaba, des alte« Maurenschlosses. Ruinen— ja: ober winterlicher Frühling im: di« Trümmer oller arabischer Festballen— Alcazaba: Burg. Schloß. einstens: Salisensitz über Malaga. Der Duit: hier blühen Magno- lien, und R-ik-n duften— und die Sonne läßt Goldstücke aus un» fallen— Bordmädels, ballet eure roten Sonnenschirme auf! Wer kommt hier, ein humpelnder Greis, wie all? Ist«r wirklich 1000 Jahr« all? Ja. Und der Greis— oder ist«r der Geist d«r allen Araberzeit— der erzählt: lieber diesem Lande haben wir geherrscht vom Jahre 711 bis ins Jahr 1457. Wir waren das Glück dieses Landes— Malaga erWrihre unter arabischer Kultur wie ein« dustende Magnolie. Ferdinand und Isabella äber, Kostiii«»» und Asturi«ns gewalttätig«» Königsgeschlecht— die zertraten unser« arobische Kultur— unterm Ebristsntum welkte Malaga dahin,«ine Blüte ohne Wasser. Er sinkt hinweg, der greise Sprecher— wn ist er? Er mar der Geist der maurischen Zeit. Aller Malaga hat sich nun doch wieder erholt— wieder blüht es: in Waffen— t» leb« die Diltatur: Priino de Rivers ist Spaniens Stier! Waiu, kommt«r in die politische Arena? Nach drei Togen. Bei uns an Bord des roten„Blitzes" ist groß« Auiregung. Wir verloden piff Proviant. Neue Seeinstrw mente. Karten vom atlantischen Ozean. Ein Fötzchen braunen Malaga wein. Lucio und Gretel verstauen!» der Kombüse— Kon- fervenbüchsen, niele Hundert. Albaturco, unser Hündchen, springt und tanzt und bellt— er ist an Deck, er ist unter Deck— alles ist toll, all« sind wie aus dcm Häuschen und Schiffchen, im Schiffchen drm und hoch aus dem Schitfche»— uns fehlen di« Worte— alle» überstürzt sich— IRo mmo, jo'n Glück aber auch, ab«,(ortunat Was ist denn ft>s? Wir haben gewannen— in der Lotterie— da» Lv? der ßjieto kam. raus— tOO 000 Peseten— wir hoben das gleich irmgewechsell— in tzer Matratze des blauen Sofas stecken 79 schwere Goldrollen—«ine Roll« gab Proviant— 4000 Pffmd Sterling in Gold— denkt euch— und nun machen wir'ne Weltenreise— in 'ner Stund« hieven m»r da? Großsegel— auf nach Madeira, d« Lampo" etoi*» die Well— wir kommen noch lang« nicht nach Hwts«— von Madeira aus schreiben wtt euch mal wieder. Freiheit und glückliches Leben euch allen Liebeu in der Heimat! Di« See fei unsere Mutter— Mutter, mir fliegen indem« Arm«: Madeira! Madeira.!......,___, Max Dort«. 40er gefrierende ffiodeiutee Aus Anlaß der bedauerlichen Katastrophe, die sich auf dem Boden!«* ereigne! hat. erfuhr man, daß dieses gewalkige Wasser» decken auch in strengen Wintern nicht ganz zufriert, sondern mir in einzelnen Teilen Der See kühlt sich nur allmählich ab, und erst wenn er aufhört zu„rauchen", erkennt man. daß das Wasser am Gefrieren ist. Der Bodeni«« ltelli nämlich ein gewaltiges Wärme- relervoir dar, das in der Zeit vom öivjtderbO W-? Ende Februar groß« ilhärmemenaen abgibt, hat man koch berechnet, daß der Baden» fe« vom Oktober bis Februar ISO Milüarden Kalorien abgibt, was der Wärme von 23 Million«, Tonnen Kahl« gleichkommen würde. Darum zähv der See zu den sommerkühlen und winterwarmei' Gewassent. dessen wmaüjche Lage als mild zu bgzeichneu iftz Preußische Landespfandbriefanstalt 23 perf5aft bes öffentlichen Rets Mohrenstraße T Berlin 8 Fernspr.: Zentrum 8033-37 Grundlapital und offene Reserven rund 27 Dillionen R Zeichnungs- Einladung ir legen hiermit in bez Beit vom 3. bis 25.93r 1929 zur Zeimung auf: reichsmündelsichere GM 3000 000 8°.ige Golomt.- Blandbriefe Reihe XV zum Borzugsturje non 97.50%( legter Börsenfurs 98%) Gesamtkündigung bis zum 1. Juli 1934 ausgefchloffen. GM 1000 000 7°. ige Goldmt.- Bfandbriefe Reibe X zum Borzugsfurie von 89.500( legter Börjenfurs 90%) Gefamifündigung bis zum 1. April 1933 ausgeflossen. ก GN 1000000 8%. ige Goldmt.- Komm.- 9bl. Reihe XVI zum Borzugsfurfe von 94,75%( letter Börjenfurs 95.25%) Gefamffündigung bis zum 1. Juli 1934 ausgefchloffen. 1 Obige Wertpapiere werden an den Bärfen zu Berlin und Frankfurt a. M. amtlich notiert. Die Reihen X und XV find bet ber Reichsbank in Sloffe A beleihbar. Die Lombardfähigkeit bet Steibe XVI H bemnächst zu ermotten. Stüde zu GM 100-200-, 500.-, 1000.- und 5000.Bezahlung hat bis zum 25. April 1929 zu erfolgen. Beichnannen nehmen alle Banten, Banfiers, Arebitpenoffenschaften, Spar imd Girofaffen und bie nftalt birett entgegen Ausführliche Prospette tuh Zeichnungsscheine sind bei biefen Stellen erhältlim. Höhe der Zuteilung und fellherer Beichnungsflug bleiben vorbehalten. Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 23 Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 56 20 Uhr Fra Diavolo Sonnab.. d. 2. 3 Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 191 Uhr Eugen Onegin Staats- Oper Staatl. Schauspb. Am Fl.d.Republ R.-S. 48 19% Ubr an adarmenmarkt A.-V. 58 20 Uhr Hoffmanns Karin. Anna Erzählungen Staatl. Schiller- Theater, Charith. 20 Ubr Oedipus METROPOLTHEATER 8: Lustige Witwe mit Fritzi Massary Max Hansen Walter Jankuhn, Uschi Elleot, H. Junkermann W. Schaeffers Beauty Siris. Jackson- Boys Ausstattg: Prof. Ernst Stern Regie: CHARELL Sonnt.nachm. 3 U. Kleine Preise Weg auf Electrola Gr. SCHAUSPIELHAUS 8: Heute 7 Premiere Der liebe Augustin mit Alfred Braun Mady Christians Trude Lieske, Siegfried Arno, Paul Morgan, Paul Westermeier. Winkelstern, Orlik, Sunshine girls, Laksanboy Begie: Ernst Wellsch Mas Leitung: Ernst Hauke Anke Prof Ernst Stap Berner Theater Direkt.HeinzHerald Charlottenstraße 90 A.%. Donhoff 170 Zum 75. Malé 8. UMT 3 X Hochzeit ( Able's Irish Rose) 81% Theater des Westens 8 Uhr Der größte Erfolg Berline Friederike Muf von Lebat| Crifa v. Zhellmann Carl Siegler ( Staatsop Bien) Braffedt, Limburg Dera, Coster, Векрестаил, В, Rafe ununterbr. Steinpl. 931 u. 7180 Thalia Theater resdener Str. 72-72 8 Uhr Oelrausch" SCALA 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 Josma Selim/ Gr.Ralph Benatsky Barinoffu.Eulalia/ Jack Stanford und die übrigen Attraktionen!! Sonnabends u. 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März im Komödienhaus Reichshallen Theater Steffiner Sänger Winter Garten Das neue Marz- Programm! Moderne Bühnen- Größen." Groteske Mevzel n. Britten. Anfang 8 Uhr, Stg. Nachm. 3 Uhr( halbe Preise.) Billettbestellungen Telephon: Centrum 11263. Donhott- Bratti: Familien- Varieté 10 Nummern. Deutsches Theater Kleines Theater Norden 12310 BU, Ende geg. 10% Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele Norden 123TU SUhr, Ende 10% Uhr „ Seeben erschienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Die drei- Groschen Forster Larinaga. Oper Valetti, Lingen, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovskt Dienstag 8% Uhr G.ftgas Ober Berlin R ose- Theater Die Komödie Bismarck 2414/7516 8% Uhr, Ende 10%) Täglich 8 UhrKurt Goetz, Valerie v. Martens Paul Otto in " Trio" Lustsp v. Leo Lenz Regie: FriedmannFrederich. Dtsch. Künstler- Th. 8 Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace deutsch Rita Matthias Preise 1-10 Mark Wospeisiman fn.bills? Nur „ Olympia" Groß- Berlin von Franz Molnar Alexandern'air. Regie: Forster Larinaga. in Francterte St.1937 Barnowsky- Behnen Krause- Pianos 4 Uhr Die siebenRaben 8% Uhr Theater in der Königgrätzer Straße 81% Uhr Revolte im Der Obersteiger Erziehungshaus Trianon- Th. Täglich 8% Uhr Der Herzog und die Sünderin mit Erika Glassner und Martin Kettner Hier Arbeitsamt Berlin- Mitte. Im März geben wir durch Rundfunk an den Wochentagen Dienstag, Donnerstag u.Sonnabend um 18.30 Uhr für Arbeiter und Angestellte wichtige Mitteilungen über ottene Arbeitsplätze, Lehrstellen, über Neuerungen in der Arbeitslosenversicherung und andere arbeitsmarktpolitische Angelegenheiten. Die Arbeiter und Angestellten hören diese Mitteilungen regelmäßig ab. LEIPZIGER BAUMEISE. FRÜHJAHR 1929 STAHL Besucht die Halle Stahlbau Stand 42-45- Freigelande DEUTSCHER STAHLBAU- VERBAND BERLIN am Sunkturm STAHLBAL EMER STAHLBAU Brücken Industria bouten. Hallenbauten Wasserbauten. 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Kreditaren 66 314 87 a) tägliche 10 TET 946 44. 285 968 91 793 79 297 500 23 292 93 RM 14 814 417 58) Komische Oper( 8) Die große Revue Paradies der süssen Frauen! 100 Mitwirkende. & Hypotheken. Grundschulden Immobilien, Maschinen und Inventar. • f) Termin. RM 13 839 45017 s Transitorische Passiva 6. Ueberschus Giro- Verbindlichkeiten RM Avale 23 100, 59 7 677 05 13 846 822 12 182 747 10 71 230 44 RM 14814 417 58 Das gesamte baftende Kapital beträgt RM 6 000 000, Schauspiel von P. M. Lampel. Komödienhaus 8 Uhr Das Geld aut der Straße Aberton v. Bernater u. Oesterreicher Planetarium am Loo fering. Joachimsthaler Stra Noll, 1578 1 Uhr Sternhimmel des Frühjahrs 18 Uhr Sternbilder und Weltbau 20% Uhr Wunder des südlichen Himmels Täglich außer Monags und Mittwochs Erwachsene 1 Mk Kinder 50 PL MI tw.: Er achsene 50 Pf. Kinder 25 Pl. Lustspielhaus 4 Uhr Wiederauftreten Guido Tielscher Weekend Im Paradies Lessing- Theater Täglich 8 Uhr Katharina Knie 8 Uhr Rauchen erlaubt Internat. Varieté. Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 30 und 8 Uhr, 3 kleine Preise. Theater a. KottbusserTor Kottbusser Str. 6. Tel. Mpl. 16077 Täglich& Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( ermäßigte Preise) Elite- Sänger u. a.„ Die Schönheitskönigin" verbunden mit Modenschau. Allgem. Preisherabsetzung auf allen Plätzen Am Lager über v. 85 M. an Polster Stahl150 Standuhren Goldene Herren- Uhren Uhren aller Art Gold- und Silberwaren Silber- und Alpakabestecke Trauringe Karl Wutke Uhrmachermeister Invalidenstraße 16 ( Stettiner Bahnhof) Gegründet 1900 Chaisezur Miete Matratzen er longues Metall- und Holzbetten, Schlafzimmer WS0, Ansbacherstr.1an Private. Ratenzahlung. Rafalen 267 fra Eisenmöbelfabrik Suhl( Thür.) ST.LOUIS UND, MILWAUKEE DIE GROSSTEN DEUTSCHEN MOTOR SCHIFFE Erste Ausreise St. Louis" 28. März ab Hamburg HAMBURG- AMERIKA LINIE Vertretungen in Berlin: Reisebureaus der Hamburg Amerika Linie, Unter den Linden 8, W 50( am Zoo), Hardenberg4 H 口味 straße 29a- e; Poseidon Schiffahrt AG, Potsdamer Straße 103a, W 15, S. Kleinschmidt, Kurfürstendamm 190, Gewinnauszug 5. Klaffe 32. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lotterie. Ohne Gewähr Rachorud verboten Auf jebe gezogene Rummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und war fe einer auf die Zofe gleicher Rummer in ben beiden Abteilungen I und II 19. Ziehungstag 1. März 1929 In der Bormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 inne g 300000 m. 138122 4 Gewinne as 10000. 256573 262040 2 Gearinne an 8000 265262 4 Qeminne 3000 m. 23950 35031 12 Setoinne 2000 9.109103 138447 227974 291110 374847 883858 32 Gewinne sa 1000 4912 36550 52884 84733 85071 129057 136339 172409 173169 194779 212886 245600 271620 300967 315325 818879 92 ewinne au 500 g. 8765 38228 38836 58252 77116 80895 81215 83750 91735 93703 107795 108798 112707 114293 122927 126048 159151 173866 185281 188636 195174 204162 206127 220064 225193 229877 251261 258386 265356 281713 292544 293272 293600 297059 301497 304121 311945 312960 315829 329630 332271 333979 355381 361539 391517 395616 234 Gebinne au 300. 6821 7499 24769 24825 28294 30189 31770 36611 48077 49484 56805 62068 64055 67710 70247 72561 73459 76447 83053 85757 89746 94304 97543 101702 108310 108631 110344 110809 117771 117981 119083 125489 130653 131070 134705 136785 138042 138126 138621 140778 143359 151930 156527 189233 163302 169378 182987 184820 185081 185776 186669 192139 194323 205343 209828 213200 215020 219547 220184 222912 223041 225221 229314 230177 231518 236152 239268 239734 242168 246876 252221 255147 255592 256446 281414 262616 266653 273349 274491 281649 284288 287685 291880 293397 293707 293952 294615 298916 302567 304004 307402 310854 313648 317250 318581 320818 324561 330581 336148 339396 347183 359055 361936 363623 369459 371097 371622 378645 378741 380050 382000 387388 988086 391862 393240 395632 398685 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150. gezogen .4 Gebinue 10000 78996 180160 2 Gewinne ju 5000 2 6 Gewinne zu 3000 9 10 Gewinne sp 2000 252689 47352 174138 380799 37396 265668 296288 318598 343819 24 Gewinne z 1000. 13434 27945 88949 96309 110756 152258 180496 191067 234251 293137 342152 354785 64 Gewinne 500 m, 18278 27640 31008 35931 44710 31058 53298 61591 68120 71620 82706 84471 97306 144170 158876 171694 196086 209616 223800 238088 240009 247867 275841 277177 278623 321922 330353 335188 339432 341733 343283 382865 160 Seminne 300 9.7884 14404 17799 22224 23604 30133 39714 43758 45523 53511 54210 57549 61794 74146 78502 81259 83815 89466 97983 103119 112919 118431 119369 120162 123307 126150 126409 132433 141531 149456 149708 153387 159714 167004 168334 170215 170838 176902 179436 192138 193643 208087 225012 228952 229179 233279 234935 236022 240081 245843 246518 251142 254762 255492 259714 262885 264271 265675 274183 276111 282482 289078 289199 295633 302363 303148 306003 315459 316122 319467.342546 350860 367387 368705 370703 373970 378346 381922 387321 394605 Die in der heutigen Vormittagsziehung gezogenen beiden Saupte geroinne von je 300000 R. fielen auf Str. 138 122 in Abteilung I nach Berlin, in Abteilung Il nach Landshut( Bayern). Jm Gewinnrabe verblieben: 2 Prämien zu 500000, 2Gcw.gu 200000, 2 au 50000, 4 zu 25000, 24 a 10000, 52 zu 5000, 134 at 3000, 274 a 2000, 614 au 1000, 1586 au 500, 4224 au 300 Marl