BERLIN Sonnabend 2. Mrz 1929 10 Pf. ?Ir.l04 B 52 46. Jahrgang. (SrfAefnt t i zli ch außer Sonntag o. Zugleich Abendausgabe des.DorirSrts". Bcjugtxrei« beide Auizabcn 8ö Ps. pro Woche, 3,W R. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSW ücklich ausgesprochen habe. Indes die Annahme trifft nicht zu. Hier liegt etwas anderes vor. Wir haben uns im preußischen Innenministerium erkundigt und erfahren, daß in der Tat die Polizei sich mit dem Gedanken be-- schäftigt, im Inlercsie der öffentlichen Ordnung und Sicherheit das Stück zu verbieten, daß aber die Erörterungen hierüber noch keines- wegs abgeschlossen sind, mSglichcrnjeisc aber eine Entscheidung bereits vor Dienstag getroffen werden sein wird. Trotz Abschaffung der Zensur besteht das Recht der Polizei, im Jnteresie der össentlichen Ruhe und Ordnung gegen eine Theoteraussühr�ng einzuschreiten. Wir meinen allerdings, daß dieses Recht nur in einem besonderen Ausnahmefall zur Geltung kommen darf, nämlich dann, wenn es gilt, Gefahren für Leib und Leben abzuwenden, die auf andere Welse nicht abzuwenden sind. Das Recht, die Seelen vor gefähr- lichen Theaterstücken zu schützen hat die Verfassung der Polizei unwiderruflich genommen. Sowohl das Rcichswehrministmum wie dos Rcichsaußcn- Ministerium erklären gegenüber Behauptungen der Presse, sie seien es nicht gewesen, die von der Poli-�i ein« Verhinderung der össent- lichen Aufführung des Lompelschcn Theaterstückes„Giftgas über Berlin" verlongt hätten._ Tieue Gasexplosion im Ruhrgebiet. In einer nicht mehr in Betrieb befindlichen alten Rohr- leitung des Daroper Walzwerkes hatte sich aus noch nicht festgestellter Ursache Gas angesammelt, das e x p l o- vierte. Dabei wurden insgesamt vier Arbeiter durch umher- fliegend« Eisenstücke verletzt: einer der Verletzte» ist im Kranken- Haus an einem Schädelbruch gestorben. Eine Kommission jft mit der Unlerstichung des Unglücks beauftragt worden. Das gefunkte Bild. „Gocialdemokrat" Kopenhagen grüßt den„Vorwärts". Am Freitag wurde der Bildfunk Berlin- Kopenhagen amtlich eröffnet. Unsere Freund, vom dänischen Parteiorgan„Socialdemokral" übcrmitletlo» uns da» Bild des sozialdemokratischen Führer, Abg. Borg. bjerg, dessen lelegrophifche Begrüßung wir der Wiedergabe seines Bildes folgen lassen. Für die Bildübcrmittlung wird ein neues Bildgerät der Sic- mens u. Halste A.-G. noch dem System Siemens- Karo« lus-Telcfunken(stehe Bil-d) verwendet, bei dessen Herstellung r Kjgiteimm W 31 19t e» Frhrtct St«»pf8P" Berlin AtÄpSA 3S.-5, «MW m Storgbierg- Kopenhagen. all« Erfahrungen nutzbar gemacht worden sind, die seit der Errich- tung der Bildlinie Berlin— Wien im In- und Ausland gesammelt wanden sind. Die Verbesserungen betreffen den mechanischen Auf- bau, die Abtastung des Bildes am Sender, die Empfangseinrich- tungen, die Synchronisierung, die Phaseneinstellung, die Verstärker und anderes mehr. Photozelle und Äerrzellc sind beibehalten war- den. Mit Hilfe dieses BUdgcrätes ist ein fast ununterbrochener Betrieb insofern möglich, als das Einsetzen neuer Trommeln(Kos- fetten) noch Herausnahme der abgetasteten und belichteten Trom- mein mir wenige Sekunden in Anspruch nimmt, ohne daß der Apparat noch Abtastung oder Belichtung einer Trommel angeh Ilten und neu eingestellt zu werden braucht. Die Wiedergabe der Binder ist infolg« der größeren Genauigkeit bei der Abtastung und Ber- Der Nadisdiitö Ittr Barcelona. Das eingcschneUe Kohlenrevier. Berichte 2 Seite. vollkommnung der Sende- und Empfangsorgane erheblich oerbessert worden. Die Bilder können in Deutschland(Berlin ist allerdings vorläufig die einzige Aufgabestelle) drahtlas wie auch auf dem Drohtwege gesendet werden. Ihr« Größe beträgt 18 mal 23 Zcnii- meter. Man kann die Bilder, die man übermittelt haben will, bei jedem Postamt ausgeben, von wo sie dann auf ldem schnell!:«» Weg«' zum Haupttelegraphenomt gesandt werden. Bon dort aus übermittelt man sie nach Kopenhagen bzw. nach Wien. Auch inner- halb Deutschlands soll ein Ausbau des Bild-Telegraphennetzes er- t!« verlin 037,**»«- Deutsche Reichspost l- liff'»jMlBljH« r 170 5�1 1520 Uehrr-tesosse m tsäe-mes ne«# tecmtiscUB, .�orßennttps ibs UtemtiOBaLBn verKBhrs ssade ich 611,1 bbO»BrttlchstBB-ßrasj-BS'tBtie als latemBtloBaOe arSelter- aal BOeLter- salläarUaet, borgtj'rg SBciau- dBialsralBa folgen. Zunächst wird der Bilderdienst mit Frankfurt a. M. und dorm mit München aufgenonnnen werden. Es besteht außer den ossiziellen Linien Berti»— Wien und der Linie, die gestern eröffnet wurde, Berlin— Kopenhagen, zwar kein weiterer offizieller Bild-Tele- grapherwerkehr, doch is»>der Bild-Telegrophendicnst zwischen Benin und London, Berlin und Paris sowie auch zwischen Paris und Lan- don betriebsbereit. Man Hot auch schon Bildsendungcn zwis Hcn Berlin und Buenos Aires durchgeführt. Bisher ist Berlin der ein- zig« Ort in Deutschland, von dem aus Bilder gesandt werden können. Das Ziel der Arbeiten ist aber, daß dies In Zukunft von jedem deutschen Postamt aus möglich sein soll. Die Gebühre n für die telegraphische Uebevmitttung eines Bildes zwischen Berlin und Kopenhagen betragen für die Mindestfläche von 100 Quadratzenti- SDer Siemen* XMrolut-Velelunken-CBIIdtender. meter zehn Mark und steigern sich um jeden Ouadratzentimeter der Bildfläch« mehr um zehn Pfennig« bis zum Betrage von fünf- undoierzig Mark für«in Bild mit den äußersten Atniressun-gen. In der verkehrsschwachen Zeit van sieben Uhr obeyds bis acht Uhr morgens werden die Gebühren um zwanzig Prozent ermäßigt. Außerdem wird in gewissen Fälle» bei regelmäßiger Auslieferung von Bildern ein weiterer Preisnachlaß gewährt. Vie Türkei tritt Litwinoff-protokell Ui. Moskau hat dazu eingeladen. M o s k a u. 2. MZrz. Der Aufforderung der Regierung der US SR. entsprechend h'l die türkisch« Regierung der Sowjetregien, ng den Beilrill der Türkei zum Lilwinoff-prolokoll n o t i s i z l e r l. Der Nachschuß für Barcelona. Die Industrie will nicht zahlen. In, Morgenblatt berichteten ivir über die Besprechungen im chaushallsausschuß des Rsichstags, die die Gewährung eines wei- teren Betrages von 730 000 Mark zu den bereits bewilligten 330 000 Mark für Beteiligung Devtschlands an der Internationalen Ausstellung in Barcelona zum Gegenstand hatten. Die Angelegenheit beschäftigte den Ausschuß nun bereits zum dritten Male. Aum Beginn der heutigen Sitzung erklärte der General- tommissar Dr. von Schnitzler, er habe den Freiiagnachmitiag benutzt, um festzustellen, ob aus die Wirtschast mehr ab- gewälzt werden könn<� und er habe sich zu diesem Vehus« mit den matzgebenden Herren der Industrie ins Benehmen gesetzt. Seine Bemühungen seien vollkommen ergebnislos geblieben. Nun fühle er persönlich süli Spanien gegenüber gebunden. Durch seine Vermittlung sei der gegenwärtige Zolltarif um ein Jahr oer- längert worden. Die deutsche Gegenleistung sollt« die Beteiligung in Barcelona in dem vorgesehenen Umfange sein. Könne er diese Beteiligung nicht durchführen, so werde er sein Mandat dem Herrn Reichswirtschoftsintnister zurückgeben müssen. Der Reichswiiztschoftsministcr C u r t i u s betonte, dah die Bor- läge nicht von ihm, sondern vom Kabinett mit Zustimmung des Reichsfinonzminiftsriums gemacht lei. Wenn der Generalkommissar sein Mandat niederlege, so bliebe, da der Reichsverband der Industrie sich weigere, einen entspvechend höheren Zuschuß zu leisten, nichts weiter übrig, als das Unternehmen zu liquidieren. Daraus würden sich wirtschaftlich und außenpolitisch sehr ungünstige Resultate er» geben. Das hier ausgegebene Geld sei gut angelegt. Mit 130 000 M. könne die Sache aber nicht zu Ende geführt werden. Reichsfinanzminister Hilferding erklärte sein Einoer- ständnis mit der Vorlage. Nachdem die Einladung einmal akzeptiert fei, würde eine nachträglich« Zurückziehung große außen- politische und wirtschaftliche Nachteile im Gefolge haben. Diejenigen Mitglieder, die die Summe nicht zu bewilligen geneigt sind, müssen diese Nachteile in Kauf nehmen. Der volksporteiliche Abgeordnete von Räumer bat, zu berücksichtigen, daß das Reich nicht mehr als loyaler Vertrags- gegner angesehen werden würde, wenn die durch den General- kommisiar eingegangene Verpflichtung nicht nachträglich vom Reich sanktioniert würde. Nach seiner Meinung müßten nicht nur der Wirtschasts- und der Finanzminister, sondern auch der Reichskanzler vor dem Ausschuh erscheinen, um auch seine Stellung zu dieser Frage hier darzulegen. Abg. Leicht(Bayer. Vp.) führte aus. für ihn spitz« sich die ganze verwickelte Angelegenheit aus die Frage zu, ob die aus- ft eilende Industrie in dcr Lage fei, von sich aus das zutzu- legen, was das Reich unter dem Zwang der Notwendig- keit ab ft reichen müsi«. Er bejahe diese Frage unbedingt und ziehe daraus die Konsequenzen. Nach zum Teil sehr erregten Entgegnungen der Abgg. Cremer und v Raumer bat der Reichswirtschastsminister, zu erwägen, ob man nicht eine Summe zwischen einer halben und einer ganzen Million sestsetzen könne. Man würde sich dann ernstlich bemühen, mit dieser Summe auszukommen. Ein Vertagung santrag des Abg. Raumer wurde abgelehnt. Gleichfalls der Ablehnung verfiel ein Antrag Räumer, einen Betrag von 300 000 Mark nachzubewilligen. Dagegen wurde mit großer Mehrheit der demokratische Antrag angenommen, der zu den lOW bewilligten.330 000 Mark noch weitere 130 000 Mark nach- bewilligt, so daß damit der ursprünglich von der Regierung an- geforderte Betrag von einer halben Million erreicht ist. In der dann fortgeführten zweiten Beratung des Nachtrogsetats des Reichsimienministeriums wurde der von Severing ver- langte Ministerialdirektor für die neu zu schaffende kommunal- p o l i t i s.ch c Abteilung im Reichsinnenministerium a b- gelehnt! Das eingeschneite Kohlenrevier. Katastrophale Verkehrslage in Mähren.--15 Meter hohe(Schneewände. Die Verhältnisse aus einigen Abschnitten der Eisenbahastrecken Nord» und Nordostmährens find geradezu katastrophal, so dah Militär herangezogen werden muhte, da» sich mit den Eisen- bahnarbeitern beim wegräumen des Schnees Tag und Nacht a b l ö st, well der wind die freigelegten Strecken immer wieder mit Schnee verweht. Die Schneemassen erreichen an manchen Stellen eine höhe bis zu acht Metern. Die Elsenbahnstrecke sührt in zahlreichen Abschnitten durch Schncewände. die beiderseits bis zu 15 Meter höhe erreichen. Die Feldwege sind spurlos ver- schwundeu. Bäume sind bis in die Kronen verweht. Die D ö r s« r sind ohne jede Verbindung. Zeder Verkehr aus den Land- straheo ist unmöglich. Gestern ist von Olmüh ein Bataillon Znfan- lerie mit Souderzug au den meist betrossenen Abschnitt der Haupt- strecke Oderberg— Prerau nach Pohl gcsahren. hier bestand die Gefahr, dah der Verkehr auch aus dem einzigen Gleis hätte einge- stellt werden müssen, wodurch überhaupt jegliche Verbindung des Ostrauer Gebietes mit dem übrigen Mähren und Böhmeu unmöglich und die Kohlenbeförderung überhaupt eingestellt worden wäre. Auf sämtliche» Bahnhöfen der Strecke JJ r e r a u— O Verberg stehen uaabgesertigte Güterzüge, die bereits mehrere Tage vollkomme« eingeschneit sind und wie unsörmige Schneeberge aussehen. Die deutsche Eisenbahnoerwaltuag in Oppeln ersuchte um Einstellung des Frachtguloerkehrs über die tschechoflowakische Grenze. da die Züge weder aus deutscher noch aus lschechoslowakischer Seile au» Mangelon Moschinen und wegen verstopsung der S i a l i o n e n übernommen werden können. Die grohe Anhäu- sung nicht abgesertigter Güterzüge ist besonders in Mährisch. Ostrau. Privoz und aus den Kohleobahnhöseo einge- treten, während der gestrigen. Nacht wurde nicht ein einziger Güterzug au» dem Ostrauer Gebiet in die Richtung nach Prerou ob- geserligt. Zn Mährisch-Ostrau stehen 34 nicht abgefertigte Züge. Aus den Grubenbahnhöseu halte» sich gestern 330 Waggons mit kohlen ongehäusl. Zn einigen Stationen der Strecke Oderberg— Prerau stehen über 30 Sohlenzüge. Z« Pelrowih befinden sich 250 Waggons mit oberschlesischer kohle für Oesterreich und 150 Waggons mit anderer. Ladung für Ostrau. Zw ganzen Bereich der Olmüher Bahndirektion befinden sich 200 nicht abgefertigte Züge. Die vereiste Ostsee. Einer der finnländischcn Eisbrecher meldet durch Funkspruch, daß sich in der Ostsee unter dem Einfluß des Windes groß« Eis- stauungen gebildet hätten. Das Packeis sei so kräftig, daß selbst Eisbrecher es nicht überwinden könnten. Der Eisbrecher, der sich zurzeit mit 12 Dampfern auf der höhe von Gotlond befindet, berichtet weiter, dah der Bottnilchc Meerbusen in einem Umfange zugefroren sei. wie es zum letzten Male im Jahre 1803 festgestellt wurde. Es bestehe die Gefahr, dah der Eingang zum Finnländischen Meerbusen durch Eisbarren verstopft werde, Am Freitag vormittag stach der große lettländischc Eisbrecher in See. um die Eisoerhältnisi« im Rigaischen Meerbusen festzustellen, An Bord befindet sich auch der lettländischc Staatspräsident. Der Rigoer Hasen ist durch dos Eis völlig blockiert. 34 Dampfer liegen im Hafen fest. Libou und Windau sind vorläufig eisfrei. Kälte in Italien. Seit gestern herrscht in Italien neue Kälte, die van Stürmen und Schneefällen begleitet ist. Blättermeldungen zufolg« ver- zeichnet Mailand eine Temperatur von plus 1 Grad, Neapel nan plus K Grad und Trieft von minus l Grad. In Tosrana und in den Marken ist während der Nacht reichlicher Schneefall eingetreten. In den Niederungen liegt der Schnee bis zu 8 Zentimetern hoch. Die Stürme haben insbesondere aus den elektrisch betriebe- ncn Linien zu großen Betriebsstörungen geführt. Der Pariser Luxuszug traf mit neunstündiger Verspätung in Rom ein. Bei Catanzaro wurde eine Bäuerin mit ihren zwei Kindern auf dem Heimwege von der Feldarbeit von einem Schneesturm überrascht. Man fand sie später über ihren Kindern liegend tot aus. Sie hatte die Kleinen in ihre eigenen Kleider gehüllt und ihnen aus diese Weise dos Leben gerettet. Der Schoden, den die Kälte auf den Feldern angerichtet hat, wird allein im Gebiet von Pistoja aus drei Millionen Lire geschätzt. In T r i e st hat eine Bora von 120 Stun- denkilometern einigen Schaden im Hasen angerichtet. In Nord- und Mittelitolien waren dle Telephon- und Telegraphenverbin- düngen 24 Stunden lang fast vollständig unterbrochen. Statt Haß Verachtung! Eine bemerkenswerte Stahlheimkundgebung. Während die Rechtspresse über die Einstellung der preußischen Regierung zum Stahlhelm tobt, faßt sie sich merkwürdig kurz über einen Vorgang, der sich am Freitag im Preußischen Landtag abspielte. In der Debatte über den deutschnatwnalen Mißtrauens- antrag wegen des Pankower Mordes bestieg der Redner der Deut- schen Fraktion. Dr. P o n f t ck, mit dem Stahlhelm abzeichen sichtbarlich geschmückt, die Rednertribüne und erklärte folgendes: Es ist nicht richtig, daß der Stahlhelm den gegenwärtigen Staat haßt. Denn zum Haß gehörk immerhin noch Achtung. Man kann nur hassen, wovor man einen gewissen Respekt hat. Viesen Staat aber verachten wir auf das liessie. Das ist unser gutes Recht, auch das Recht der aktiven Beamten. Mit dieser Erklärung eines parlamentarischen Stahl- Helmvertreters sind die scheinheiligen Beteuerungen der Stahl- helmsührer vor Hindenburg gekennzeichnet. Nicht einmal Haß. son- kern das noch giftigere Gefühl der Verachtung erfüllt nach der Be> kundung des Herrn Ponfick die Stahlhelmbeamten, die angeblich dem Staat«„treu und gewissenhaft di«nen wollen". Wie man solches miteinander vereinigt, wird das ewige Geheimnis Seldteschen „Frontgeistes" bleiben. Der Staat ist jedenfalls im Recht, wenn er sich nicht auf solche Beamte stützen und verlassen will, die ihisi Hohn und Derachtung entgegenbringen. Er tsi doppelt im Recht, wenn er den Heuchlern mißtraut, die solche Gefühle unier der Maske der Pflichttreue zu verbergen suchen. Wegen Versuchs— sechs Jahre. Geheimverfahren wegen Verrats militärischer Geheimnisse- Breslau. 2. März. Unter dem Verdacht des versuchten Verrats militäri- scher Geheimnisse an Polen hotten sich der Arbeiter Suschta und die Schneiderin Reminrz aus Königshütte vor dem ersten Straf- senat des Breslauer Oberlandesgerichts zu verantworten. Die Tat soll am 9. August 1328 begangen worden sein: die Angeklagten wurden am 10. August in Neustadt(O.-S.) oerhastet. Die Verhand- lung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Strafsenat verurteilte Suschka zu drei Iahren Gefängnis, die Reminrz zu drei Iahren Zuchthaus und beide zu je fünf Iahren Ehrnerlust. Die erlittene Untersuchungshaft wurde auf die erkannte Strafe in Anrechnung gebracht. Auch bei der Urteilsbegründung wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Oberschlesien in der Wohnungsfürsorge. Die Sozialdemokratie fordert höhere Mittel. Dem Preußischen Landtag ist ein sozialdemokratischer Antrag zugegangen, der das Staatsministerium ersucht, den Wohl- sahrtsminister zu oeranlassen, bei der Verteilung der Mittel aus dem Wohnungsfürsorgesonds die große Not Oberschlesiens durch erhöhte Zuwendungen zu berücksichtigen. Der Antrag wird damit begründet, daß durch den ungeheuren Zustrom der ostoberschlesischen Flüchtlinge und die sträfliche Vernachlässigung des Wohnungsneubaues in der Vorkriegszeit die Wohnungsnot in den meisten Städten Ober- schlesiens heute noch einen katastrophalen Umfang Hab«. Die Losten, die bisher schon die Gemeinden für den Wohnungsbau auf sich genommen haben, überstiegen erheblich deren Leistungs- fahigkeii und könnten nickst weiter gesteigert werden. Es bestehe deshalb die große Befürchtung, daß im Jahre 1323 in Obersckstesien der Wohnungsbau erheblich zurückgeht, wenn nicht Mittel aus dem Wohnungsfürsorgesonds über das bisherige Maß hinaus für Oberschlesien bereitgestellt würden. Wieder ein Kommunistenüberfall. Ein netter �andtagsabgeordneter. Gestern abend wurde in einem Lokal in der Wilsnacker Str. 34 in Moabit ein regelrecht vorbereiteter kommunistischer U e b e r s a l l aus bundcstreue Arbeit« rfußballer verübt. Die An- greiser, die zum Teil dem Rotfronstkämpserbund angehören, schlugen aus jugendliche Sportgenossen in brutaler Weise«in, so dah einer blutüberströmt zusammenbrach. Das alarmierte Ueberfallkommanda verhastet« zwei der Rädelsführer: beide wurden der Abteilung l A im Polizeipräsidium zugeführt. Von einem Augenzeugen, der diese neuerliche Schandtat kom- munistischer Rowdys miterlebte, geht uns folgender Bericht zu: In dem Lokal Wilsnacker Straße 34 tagte gestern abend der bundestreue Fußballverem„Moabit". Nach Schluß der offiziellen Sitzung wurden Lieder gesungen. Der Gesang der„Internationale" hott« es den im Schontrauw versammelten„Revolutionären" angetan. Bewußt provoziert« einer dieser„Klassenkämpfer" die im Bereinsziminer Versammelten. Nach emsni kurzen Wortwechsel und der Aufforderung des Abteilungslelters, das Zimmer zu verlassen, stürzten vier bis fünf dieser Helden auf den Genossen mft ihrem Schlachtruf„Rot-Front!" und schlugen auf ihn ein. Dabei tat sich der kommunistische Landtagsabgeordnctc Arthur G o h l k« besonders hervor. Während einer der Angreifer die auf dem Tisch stehenden Eßteller ergriff und sie aus den Kopf des zu Boden gestürzten Genossen zerschlug, so daß er erheblich blutend« Verletzungen erlitt, traten die anderen, darunter Gohlke. mit Füßen aus den am Boden Liegenden herum. Dos herbeigerufene lieber- fallkommaicho konnte noch zwei dieser Rowdys festnehmen. Gohlke, der sich tapfer aus seine Immunität berief, wurde unbegreif- licherweisc von den Beaucken, die sich sonst korrekt verhielten, laufen gelassen. Es handelt sich zweifellos um einen vorbereiteten Heber- fall, da beobachtet wurde, wie sich gegen 8 Uhr an der Ecke Wils- nacker- und Perlcberger Straße ein Trupp dieser, an ihren Mützen erkenntlichen Rotsrontkämpfer, versammelte. Es wurde allerdings nicht damit gerechnet, daß sich diese Rowdys friedliche Arbeiter- sportler als Prügelobjekt« aussuchen würden. Ein gerichtliches Nachspiel wird die Folge für das feige Be- nehmen dieser Strolche sein. Ermittlung wegen des Geheimpakts. In Brüssel eingeleitet. Brüssel. 2. März. Di« Staatsanwaltschaft hat in der Angelegenheit der vom „Dagblod" veröffentlichten Schriftstücke eine Untersuchung eingeleitet. König Alexander verschärft da» Pressegesetz. In Südslawien wurden die Strafen für Pressevergchen bis zu 20 Iahren Kerker und bis zu 20 000 Dinar Geldstrafe erhöht Todessturz aus dem dritten Stockwerk. In der Islandstraße 11 spielte sich in der vergangenen Nacht ein ausregender Borsall ab. Aus dem Schlaszimmersenster ihrer im dritten Stockwert gelegenen Wohnung stürzte sich die 32jährige Frau Martha Engelhardt auf die Straße hinab. Mit schweren inneren Berletzungen wurde die Selbstmörderin durch die Feuerwehr ins Lazarus-Krankenhaus gebracht, wo sie bald nach ihrer Einlleferung gestorben ist. Am Schlesischen Busch wurde gestern nacht gegen 2 Uhr «in junger Mann mit einem schweren Schläsenschuß leblos aufgefunden: neben ihm lag eine Mehrladeptstole. Passanten brachten den jugendlichen Selbstmörder, der etwa 20 Jahre alt ist, zur Rettungsstelle am Görlitzer Bahnhof, wo der Arzt jedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte. Infizierte Schulkinder. West über Berlin hinaus hat die Nochrichl von der Erkrankung Neuköllner Schulkinder an Gonorrhöe Schrecken hervorgerufen. Wenn setzt die K o m m u n i st« n in ihrer Presse die Erkrankung der Kinder.zum Gegenstand einer Hetz« g«gen sozialdemo- tratisch« Kommunalpolitiker machen, so ist dadurch wieder der Beweis erbracht, daß ihnen die Heilung der Kinder wenig bedeute?, die Berunglirnpsung des politischen Gegners aber alles. Der breitesten Oessentlichfeit ist bisher unbekannt geblieben. daß vor«inigen Monaten es gerade Sozialdemokraten waren, die anläßlich der Erkrankung von Kindern in einem Kinderheim die Anweisung gaben, daß im Einverständnis mit den Eltern auch ein« Untersuchung der Geschlechtsorgane zu erfolgen habe. In der Neu- köllner Bezirksverfammlung war es der kommunistische Stadtrat Dr. Schminke im Bunde mit dem Renegaten K l o t h, die eine wüst« Hetze gegen unseren Bürgermeister Scholz und unsere Genossin Fürsorgeärztin Frantenthal wegen dieser Verordnung einleiteten.— Wenn jetzt vor Verschickung in ein Erholungsheim bestimmte Kinder in ihrem eigensten Inter- esse untersucht werden, so werden die Eltern das nur begrüßen. Die Zustände auf diesem Gebiet in einigen Kinderheimen und Schulen haben die Notwendigkeit der seinerzeit von der Genossin Franlenchal im Einvernehmen mit dem Bürgermeister Scholz er- lassen«« Verordnung bewiesen. Den Kommunisten kommt daran nicht der geringste Verdienst zu. Wemr es aber nach Herrn Dr. Schminke und seinen deutschnatianalen Bundesgenossen gegangen wäre, so würden die Kinder der Ansteckungsgesahr noch weiter aus- gesetzt bleiben. Selbstmord einer Operettenfängerin. Die erst seit dieser Spielzeit dem Breslauer Schauspielhaus an- gehörende erste Sängerin Dorit Jenny hotte in der Nacht zum Montag einen Selbstmordversuch unternommen. Sie nahm in ihrer Wohnung ein« groß« Anzahl von Veronaltabletten und mußte in die Klinik gebracht werden, wo sie in den heutigen Morgenstunden gestorben ist, ohne da» Bewußtsein wieder- erlangt zu haben. Für die kommende Saison hatte sie bereits eine feste allererste Verpflichtung an die große Städtisch» Bühne in Frankfurt o. M. Der Grund zur Tat ist noch nicht ausgeklärt. Zeiluugsoerbol in Ostpreußen. Der Oberprasident der Provinz Ostpreußen hat aus Grund de? Gesetzes.zum Schutz« d« Republir das.Dstpreußlsche Tageblatt" w Insterburp wegen eine- Artikels, der ein« grobe Beschimpfung und Herabwürdigung der verfassungsmäßig festgestellten republkani- schen Staatsform enthält, aus die Dauer von vier Wochen oerboten. Morgendämmerung in derFilmvroduktion? Wir warten eigentlich schon recht lange auf eine Verinnerlichung, auf eine weltanschauliche Reform des Films. Wir haben«ine Fülle technischer Errungenschosten im Film konimcn und teils wieder gehen sehen. Wir haben nun endlich auch den sprechenden Film(jcfehen und gehört, und es war ein« Katastrophe. Manche haben sogar gehofft, dah von der technischen Seite her die Erfiillung des Films kommen werde. Aber sie ist nicht gekommen. Es ist bei eincr Naivität geblieben, die wir im Theater nur noch mit allergrößtem Erstaunen uns an- schauen würden. Das liegt vielleicht wahrscheinlich daran, daß Amerika und nicht Europa die Führung der Filmpraduttion in den -Händen hat und mit seiner Produktionsmosse den Ton angibt, d«n Geschmack diktiert. Dieser amerikanische Geschmack aber ist ebenso naiv, ebenso unverständlich einfach und weltanschaulich stach, wie sich das in den amerikanischen Mago.sinen und Zeitungen ausdrückt. Da besteht die Welt noch immer aus edlen Menschen und Verbrechern. Vom Problem des Schicksalhaften, von jenen ernsten, schweren Fragen, die an der Grenz« zwischen menschlicher Größe und Verbrechen liegen, ahnt man im amerikanischen Film nichts. Außer Tricks und Massenszenen, außer Komik und Sensation grl'l es nur den edlen.Helden und seine bösen Gegenspieler. So kam es, daß stets, wenn eine Frau als Verführerin, als Zerstörerin einer glück- lichen Ehe aus der Leinwand erschien, sie von noncherein den Charakter des Verbrechers an der Stirn trug. Dieses komisch« Objektiv am Kurbelkasten, es steht der Schauspielerin sofort an der Zlasenspißc an: dies ist«in« edle Frau, jene aber ist ein Dämon,«in Vampyr,«in Vamp, wie es in der amerikanischen Filmsproche heißt. Die Darstellerin der Dämonin braucht nur zum erstenmal aus der Leinwand zu erscheinen und alle West steht sofort an ihren Gesichts- zügen, an ihrer Haltung, an ihren Gebärden, daß sie dos böse Element im Film darstellt. Nur der so unendlich kluge Heid des Dramas ist anscheinend blind. Er ist der einzige Begriffsstutzige. der diese Kluft zwischen Gut und Bös« nicht sieht, der die dämonischen Gesichtszüge nicht deuten kann, die jeder Kuli in Hinterindien ihm gerne leicht erläutert hätte. Do kam Greta Garbo, die blond« Europäerin, die nordisch« Schauspielerin aus dem Land der Gösta-Berling-Sage und da war plötzlich olles anders. Ihr ganzes Wesen war Reinheit. Klarheit, sie schien zur Naiven gebaren, ihre Blondheit war unberührt, ihr zartes, leuchtendes Gesicht unantastbar, ihre Augen waren voller Güte, sie selbst von abgrundtiefer Schönheit. Hub dieser Engel in Menschengestalt spielte in allen Filmen die Rolle des dämonischen Weibes. Es war ein Ereignis im Film. Zum erstenmal kam ein« Frau, die das Dogma Gut und Bös« mit zarter Hand still und schlicht bei- feite schob, die die Einteilung an Engel und Kanaillen einfach nicht anerkannte. Sie spielt« die Frau in ihrer ganzen Größe und Weib- lichkeit, in ihrer ganzen Macht und Schönheit, in ihrer hemmungs- losigkeit, und Liebeskraft, sie spiette dos Schicksal, das die Begriffe gut und böse auslöscht. Seit Greta Garbo wissen wir, wie kläglich wir bisher bei der Lösung dieses Problems versagt haben. Diese Frau ist nur Frau Sie ist weder gut noch böse, sie ist gut und bös«, sie sielst ihr ganzes Frauentum mitten in die Schickfolsprobleme hinein und läßt es sich aus eigener Kraft auswirken, bald bindend, bald lösend, bald klärend, bald verwirrend, bald aufbMiend, bald zerstörend mst jener Unbekümmertheit, die eben nur im Unbewußten liegt, im Schicksolhosten, im Geborenen, Nichtgesuchten, Nicht- gelernten. Für die Rolle der Frau hat seit Grete Garbo eine neue Aera im Film begonnen, hoffentlich beginnt mit ihr auch die Derinner- lichung des Films, die Vestsciung des Films von der lächerlichen Moraltendenz, hoffentlich beginnt mit ihr der psychologische Film, der Film der Lebensechtheit. Es wird ein harter Kampf werden, denn Filmmonuskripte sind soviel leichter zu schreiben, wenn man den, einen olle Schandtaten und dem anderen allen Edelmut andichten kann. Probleme sind soviel einfacher zu konstruieren, wenn das Böse immer die Taten des Guten stört, sind soviel einfacher zu lösen, wenn Edelmut schließlich über Tücke triumphiert. Aber es bleiben eben Hirngespinst«, die mst dem Leben nicht, zu tun hoben. es bleiben rührselige.Hintertreppengeschichten, ohne künstlerische und weltanschauliche Bedeutung. Ein sachtes Dämmern macht sich jetzt schon am Horizont bemerkbor. Da sind die Kullurfftme, die immer mehr in den Vordergrund rücken, und die mit einem Minimum an gestellter Handlung sich bemühen, uns fremde Zonen. Menschenrassen und Tiere näher zu bringen. Und dann sind einige hoffnungsvoll« Versuch« zu de- grüßen, den Spielfilm seiner hergebrachten Banalität und Kitschig- teit zu entwöhnen. Man denke etwa an den wundervollen Jungens- film„Dar Kampf der Tertia", der in Handlung. Aufbau und Photo- graphie weit über dem Durchschnitt der deutschen und amerikanischen Produktion steht. Dieser Film ist überdies ein Beweis dafür, daß man auch ohne den Aufwand ungeheurer Mittel, die in den wenigsten Fällen durch das Ergebnis gerechtfertigt werden, Kunstwerke schaffen kann, die zu den herzen der Menge sprechen, wenn nur etwas Geist und Gesinnung hinter der Arbeit steckt. Die Fistnprobuktio» hat eine große Chance, man wird sehen, wie sie sie wahrnehmen wird. Oer Formaljurifl. Er wird immer noch gezüchtet zum Schrecken der gehörten Trotz aller gutgemeinten Bemühungen, die juristische Aus- bikdung den Erfordernissen des praktischen Lebens anzupassen, will sich die ost beklagte Westfremdhest des Juristen nicht so leicht über- winden lassen. In einem sehr lesenswerten Bericht über das Er- vcbnis der Referendarsprüfungen in Preußen, den der Präsident Vr Prüfungskommission S ch w i st e r im.Justizministerialblatt er- stattet, wird beklagt, daß selbst bei den besten Referendaren häufig Lücken in der praktisch c'n Ausbildung festzustellen waren. Wörtlich heißt es sodann: Es sehst in steigendem Grade zahlreichen Prüflingen nicht so sehr an posstiven Kenntnissen, als an der Fähigkeit, im p r o k- tisch gegebenen Fall das richtige Ergebnis aufzu- finden und sachlich zu begründen. Besonders aussällig ist, wie unfrisch, unselbständig, abslrakk. ja, langweilig. in den mündlichen Prüfungen häufig die Vorträge über einen der Praxis entnommenen, meist nicht" besonders schwierigen Prozeß ausfallen, wie oft hier zugunsten einer falsch verstandenen Poll- stänugkeit oder eines übertrieben sormalen Schematismus der praktische Kernpunkt des Falles übersehen oder doch vernachlässigt ist. Ebenso bedauerlich ist, daß nach wie vor die Kunst, einen klaren Tatbestand und eine überzeugend«, auch den Beteiligten verständliche Urteilsbegründung zu schreiben, immer mehr zurück- zugehen scheint. Einem erheblichen Teil der Referendare ist im Vorbereitungsdienst der Unterschied zwischen einem wissenschast- lichen Gukachteu und der Begründung des gefällten Richlerfpruchs nicht klar geworden: nicht sesten werden mit rechtsgelehrten Aus- iührungen und sogar mit Literaturnachweisen überfüllte Urteile selbst in solchen Fallen vorgelegt, in denen es nach dem im Gut- achten begründeten Ergebnis auf die erärterien Rechtsfragen überhaupt nicht ankam: häufig läßt die Freude an der Konstruktion eine ausreichend« Würdigung der als erheblich an- erkannten Beweisaufnahme in den Schatten treten und würde selbst der Anwalt der obsiegenden Parlei die llrteilsgründe nur mit kopsschüttelu lesen. Präsident Schwister bringt diese Ergebnisse in Zusammenhang mit dem andauernden Sinken des Bildungsstandes der Abiturienten und spricht den harten Satz aus, daß ein großer Teil der Abiturienten sich überhaupk für keinen akademischen Berus eigne. Gerade dieser Teil suche in der juristischen Laufbahn eine Versorgung. Wer für nichts eine ausgesprochene Eig- nung und Neigung besitze, der wcrSe eben I u r i st und hosfe, sich notfalls später einmal ein Richteramt zu ersitzen. Daß unter solchen Richrern die ganze Rechtsprechung und nicht zuletzt das Objekt der Rechtsprechung, nämlich die Bevölkerung, aus das schwerste lachet, bedarf keiner Begründung. Der Aussatz des Präsidenten Schwister mahnt aus das schärfste dazu, auf den höhe- ren Lehranstalten den Begabtenaus stieg restlos und rück- sichtssos durchzuführen und es nicht zuzulassen, daß sich auf Kosten der begabten Mittellosen die unbegabten Sprößlinge der Begüterten erst das Abiturium, dann das Referendarerainen und schließlich dos Richtcramt„ersitzen". Keine Feindseligkeit gegen Sowjetunion Qtwinoff heißt die englische Delegation willkommen. TNaskau. 2. März. Die Blätter veröffentlichen ein interview, das der Kommissar sin auswärtige Angelegenheiten. Litwinoff, dem Berichterstatter der „Associated Preß" über die geplante Rußlandreise einer Delegation von englischen industriellen und Finanzleuten gewährt hat. Litwinoff bestätigte, daß eine einflußreiche Gruppe englischer Konservativer aus der Geschästswell in der Sowjetbotjchast in Paris den Gedanken der Entsendung einer Delegation angeregt habe. Die Vertreter der Botschaft hätten erwidert, daß die Sowjelregieruag lein« Einwände gegen den Besuch der Delegation geltend mache« werde, daß man ihr jede mögliche Unterstützung beim Studium der sie interessierenden Frage« gewähren werde. Bei der Zusammenstellung des Materials werde auf das besondere Znlereste. das die englische Gcschäslswelt an der Sicherung einer möglichst große,, Ausfuhr englischer Maschinen und Ausrüstungen für Industrie und Landwirtschaft nach Sowjelrufzland habe. Rücksicht genommen. Auch die anderen Formen, die eine Mitwirkung eng. lischen Kapitals au dem Aufbau der Industrie und der Landwirtschaft in der Sowjetunion annehmen könne, wurden beachtet. Angesichts des planmäßigen Eharaklers der sowjetistischen Volkswirtschaft sei c» den beteiligten Wirtschaftsorganen nicht schwer gefallen, all- gemeine Umrisse eines eveuluelleu Einkommens zu enlwersen, durch das auf der einen Seile die Erhöhung der eng- lischen Ausfuhr nach der Sowjetunion erzielt und die Möglichkeit des Absatzes der eingeführten waren innerhalb der Sowjetunion sichergestellt werden würden und durch das aus der anderen Seite auch die Ausfuhr der Sowjetunion gesteigert werden könne. Die Haltung der Sowjetregierung gegenüber dem Besuch der englischen Delegation werde durch die Grundsätze der sowjetistischen AußcnpolUIk bedingt, die die Ausrechterhaltung normaler De- Ziehungen zwischen allen Staaten der Erde sorderten. Die Bemühungen einer Gruppe einflußreicher englischer Geschäslslcote zur veseikigung eines solchen politischen und wirlschastlichen Mißstandes, wie ihn das Richtvorhandenjeio normaler Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Großbritannien darstelle, sei zu b e g r ü ß e n Der Umstand ist beachtenswert, daß bei einem bedeutenden Teil der englischen Großindustriellen und Finanzleute die lleberzeugung von der völligen llniav glichkeil einer Politik aktiver Feind- seligkelt oder eines passiven doktrinären Abwarlens gegenüber der Sowjetunion bereits heranreift oder auch schon heran- g e r e i s t i st._ Die Genfer Mnderheiieniagung. Ml Lllih wird gesondert behandelt. Geus. 2. März.(Eigenberichts) Die am Montag beginnende Tagung des Völkerbunds- r a t s wirft ihre Schatten voraus. Als erste- Ratsmitglied ist der rumänische Außenminister Titulescu in Genf eingetroffen. Am Sonnabend wird u. a. Stresemann erwartet, während Chamberlain und Briand erst am Sonntag eintreffen. Serbien und Griechenland wollen während der Tagung versuchen, ihre vertraglichen Beziehungen enldgilltig zu regeln. Das Transit- komitse des Völkerbundes, das in Lugano beauftragt wurde, die Frage normaler Verkehrsbeziehungen Mischen Litauen und Polen zu untersuchen, wird erst nach der Ratstagung zusammentreten. Für die Minderheitsbehandlung zeigen u. a. die Mazedonier großes Interesse. Der Präsident der mazedonischen Organisation kommt ebenfalls während dar Ratstagung nach Genf, um den wohl .ziemlich aussichtslosen Versuch zu unternehmen, unter den Rats- mitgliedern Aichänger für die mazedonische Sache zu werben. Dos Mnderhsitsnproblem im allgemeinen soll schon ani Dienstag oder Mittwoch im Rat verhandelt werden. Für di« vorliegenden Einzel keschwerden dar deutschen Oberschlesier, z. B den Fall III i tz, ist eine Sonderbehandlung vorgejehcn. tTilhrlm von SBode Der frühere Generaldirektor der staatlichen Museen in Bertin, Wilhelm von Bode, der am Freitag gestorben ist. „Oer Mann, der lacht!" Universum. Wieder«in Film in historischem Kostüm. Diesmal aus der Zell der englischen Königin Anno, die hier als bitterböse alt« Dame erscheint. Sicherlich haben die Amerikaner Anno mtt Viktoria ver- wechselt. Doch das tut der Freude keinen Abbruch, denn sonst ist das ganze Arsenal des historischen Filmgenres geöffnet. Entsührun- gen, Duelle, Verstümmelungen, finstere Intrigantenbllcke, bedeutend« Worte und ähnliches gibt es im Uebersluß. Viktor ljugos Roman „T'bomwe, qui rit* scheint nur daraufhin durchgesehen zu sein. Dazwischen Konrad V e i d t, der lachende Mann. Als Sohn eines verbannten Lords ist er in frühester Kindheit Im Gesicht ver- stümmell worden, so daß er ständig einen lochenden Ausdruck zeigt. Er wird ein berühmter Clown, und jetzt tritt das Bojazzomotin, groß instrumentiert, in die Erscheinung. Man nimmt. ihn nicht ernst, trotzdem auch„voll Lust uitd Leid" in seiner Brust ein Herz schlägt. Die untere Partie des Gesichts mtt den gebleckten Zähnen bleibt unbeweglich, der Ausdruck konzentriert sich auf Stirn, Auge und Körperhaltung. Aber dieses Repertoire ist bei Veidt zu beschrankt, er kann dadurch nicht immer einen Affekt glaubhast machen. Erst wenn die Träne rollt, weiß man bestimmt, daß Trauriges in der Seele geschieht. Veidt ist kein Virtuose, kein wandlungsreicher Schau- fpieler, darum überzeugt er in diesem Fall nicht. An sich ist das Suset überhaupt unfitmifch, denn das Gesicht eines Menschen erhall durch die Mundpartie die stärkste Ausdruckssähigkeit. Veidt scheitert qlsa am Swfs. Unmöglich di« überzuckert« Lieblichkeit Mary Philbrns, gut in kleineren Rollen Brandon Hurst und Cefare G r a v i n a. Und trotz des wenig gegliederten Ausbaus, trotz Senstmentalität und Schauerromantik gelingt es dem Regisseur Paul Leni, den Ein- druck de» historisch Echten zu erwecken, das Bild einer fernen Zeit entstehen zu lassen_ F. S. ? a»»er kwdkrilube de» Film». Am Sonntag, vormittag« t2 Uhr orravltaltct im Eopitol am Zoo der Ring deutscher Kultur-stilm-Bübnen einen luftigen Vormittag, andern durch einen Zum 3 autgegrabene ssilme au« der Anfang«ze>t der Kinematogradbi« v. a. drei irrkomitche Grotesken mit Karl Baientin und Lisi Karlstadt zur Voriiihnmg gelangen. Im Iaftitat kür Meereskunde findet am Dien«taq. 20 Mr. die Vor- tübrung de« Filme«.Di« A i I a n t i k s a h r t de».Meteor" statt. Eintrittskarlen zu 50 Psg. Die»vreipro cheoop«' wird vom 5. März ab im Komödienhav« avi Schifibauerdamm in der bekannten Besetzung fortgesetzt werden. Am gleichen Tage übersiedelt»Da« Geld aus der Straß«» in da« Theater am Rollendorsplatz. Die Au»pelluvg»iaesisiber Kunst in der Akademie am Pariser Platz, l.iie wäbrend der ersten tech« Bochen von etwa 30»» Personen besucht , murde, bleibt»och bi« zum 2. April geöffnet. Wieder einmal: Berliner Kunstankäufe. Die Städtische Kunstdeputation ladet zur Besichtigung einer Ausstellung ein. in der sie alle seit dem 2?. März kW von ihr er- wordenen„beweglichen" Kunstwerke vorzeigt. Allerdings nur für einige Stunden eines Tages(von 10 Uhr an bis zum Schluß der Stadtverordnetenversammlung") und nur für„mtt Ausweis uer- sehen« Mitglieder der Presse". Wir kennen diese Art, in der sich schlechtes Gewissen hinter einer Nichtachtung der öffentlichen Meinung versteckt: sie wurde noch jedes Jahr hervorgeholl. neu ist diesmal mir die wirklich verblüffende mitteleuropäische Zeitbestimmung„bis zum Schluß der Stadtoer- ordnetenverfammlung". Es nutzt auch nichts, dagegen zu protestieren, solange di« Kunstpolitik der Stadt Berlin nach wilhelminischem Schema frisch, fromm, fröhlich mittels Diktatur betrieben wird Es gibt ja wohl kein« irgendwie geortete Zeitung, die mit diesem Kunst- sasehismus einverstanden wäre. Tut nichts, die Kunstdeputotton reist unentwegt durch die großen Kunstousstellicngen, erlaubt sich ihre Banausenkritiken und kauft ein, für unser Geld. Da kannst halt nix machen. Denn leider ist wieder einmal angesichts dieser Ausstellung .beweglicher" Kunstware zu sagen, was immer noch zu sagen war: daß es der größten Kommune Deutschlands unwürdig ist, ihr Geld für derartige Sachen hinauszuwerfen. Es ist nicht einmal ent- schiedener Kitsch dabei: das scheinen sich die Herrschaften, gewiß nicht leichten Herzens, abgewöhnt zu hoben. Aber all diese Oelbilder und Bronzen. Aquarelle und Radierungen sind so hoffnungslos gleich- gültig und durehschnittshaft, auch da. und gerade da. wo man einen guten Künstler seiner hohen Beachtung würdigte..Hauptbeispiel: Die Selbstkopie Lovis E o r i n t h s noch seinem„Ritter als Florian Geyer" unseligen Auktionsgedenkens. Zwei Kunstwerke sind, ab es min Zufall sei oder etwas Hoffnungsvolleres, in die trist« Gesell- sehaft geraten: das springende Bronze- Böckchen der Ren� S i n- tenis und das ausgezeichnete Döblin-Portröt von Rudols Schlichter. Das ist nun doch ein bißchen wenig für die sieber- haste Ankauftätigkeit von elf Monaten. Wieviel Geld man für dieses Resultat man benötigt hat. wird nicht verroten. Aber man kann sich's ungefähr ausrechnen: der Corinth ollein hat ja an 26 000 SR» gekostet. Wann kommt der sachverständige Museumsleiter für die Stadt Berlin? F. F. Scb. „Fräulein Fähnrich." primuei- Palast. Das deutsche Filinpublitum seheint unrettbar dem Umsonnkoller verfallen zu sein: zu der Anschauung kommt man. wenn man die Spekulation der Filmindustrie als Gradmesser der Gefühle betrachtet. Das Manuskript schrieben drei Autoren, von denen einer einen Ramen hat. für den er sich bislang Achtung zu verschaffen wußte. Man schweige daher au? Höflichkeitsgründen über den ganz unmöglichen Fllminhatt. Dabei sei auch hier nochinals darauf hingewiesen, daß man die unbedeutendsten Stoffe reizend gestallen kann und selbst krasse Un- Wahrscheinlichkeiten einen guten Film abgeben können. Das hoben uns die größten Regisseure bewiesen. Aber Fred Sauers„sprühende" Einfälle bestehen darin, daß er alle vorkommenden Personen, ob Mäimlein oder Weiblein, in Unifornr steckt und nebenbei mit Mützenbändern von SMS.-Schilfen Propaganda macht. Mary Parker spielt das Fräulein Fähnrich. Ihr sehll. selbst für diese kleine Rolle, schauspielerisch der letzt« Schliff. Alles in in allem kann man diesen Film nur als Dokument dafür nehmen. was sich dos Filmpublikmn von 1929 ungestraft bieten läßt. e. b. Ulasemuiuottr仫. Sonntag. 10 Uhr, sprechen im Alle» Rntemn Proi. Neugebauer Über„Attischer Graberschmuck durch Wert« der Keramik", im Staller Friedrich-Muteum Dr. Hager über.Frant Halt und O. van Dyck" und im Muleum für Völkerkunde I Direllor Preutz über„Dramatische Aufführungen der Naturvölker'.(Lichtbild er.> Elena potauitzkoia. die bekannte tulfische Schauspielerin, trägt beute abend im Grotrian-Steinweg-'saal, 21 Uhr, russische Lyrik vor(Puschtw, Blosek, Jesfleal). Werkvereinspolitik der KPD. Die„Stühpunkte". Weil cs Moskau besohle», gegen ihr« bessere Heber- z e u g u n g, müssen die Kommunisten jetzt gegen die freien(Bemerk- schasten mit den Unorganisierten sich koalieren. Diele kommunistische Gewerkschafter— und nicht die schlechtesten unter ihnen— hoben es abgelehnt, diese Werkvereinspolitik mitzumachen. Don der K-PD. vor die Wohl zwischen Moskau und ihrer Gewerkschaft gestellt, haben sie sich sür ihr« Gewerkschaft entschreden. Die kommunistischen Gewerkschafter, die in der P r a? i s stehen, die in den Betrieben sich mit den Unternehmern herumschlagen müssen, wissen ganz genau, doh sie niacht- und hilflos sind, sobald sie sich nicht au-f«inen von ihrer Gewerkschaft abgeschlossenen Tarifvertrag stützen können und nicht eine stark« Gewerk- schast hoben, die ihnen den lllüiken deckt. Ein Betriebsrat, der ohne gewerkschaftlichen Rückhalt wirtschaften muh, ist daraus onge- wiesen, Werkvereinspolitik zu treiben noch dem Muster der Gelben, auch wenn dies« Werkveremspolitrk unter der Fahne des Sowjetsterns, und nicht des Hakenkreuzes betrieben wird. Freilich, sagt die„Rote Fcchu«', lonnnt es ja gar nicht daraus ein, die Intereffen der Belegschaft zu vertreten, wie es»die resor- mistischen Ketteichund« des deutschen Imperialismus" mache». Soffdcm es müßten„Stützpunkt« des reoalutianären Klassen- kampfes" geschaffen werden, die„eine reale Kraft zur Bekämpfung des Krieges werden". Also nichts anderes als Stützpunkt« des moskowitischen Imperialismus. Truppen, mit denen man exerzieren kann, die im Betrieb nichts bedeuten, nicht den Mund aufzumachen wagen, aber auf der Straße mit Klimbim und vschingdara unter wehenden Sowjetfahnen moskowiii- jches Theater aufführen. Dazu kann man Leute mit Rückgrat nicht gebrauchen. Dazu braucht man auch nicht viel zu wissen. Im Gegenteil, viel Wissen ist da nur ein Hindernis. Anders freilich als L o s o w s k y und sein« Angestellten denken darüber die deutschen Arbeiter und Angestellten. Die Unternehmer haben vergebens mit allen Mitteln versucht, die Werk- Vereinsbewegung in Deutschland hochzubringen. Di« KPD. bildet sich«in, erfolgreicher als die Unternefuner zu sein, wenn die„Stütz- punkte" rot angestrichen sind. Aber nicht der Anstrich macht es, sondern die Mockp, die hinter den Betriebsräten steht. Der sich außerhalb der freien Gewerkschaften stellt, wer statt nach den Richtlinien des Leipziger Gewerkschaftskongresses noch den Richtlinien Lofowstys Betriebsrat spielen will, der hört aus, Gewerk- schoster zu sein und kann als Betriebsrot— falls er gewählt wird— nur die Werkvereinspolitik der KPD. machen. Lleberzeugungstreue Tlichtzahler. Warum die Haustüren um 5 Llhr geschloffen Verden. Der Bund Berliner Haus, und Grundbesitzer schreibt uns, daß für seine ablehnende Haltung gegenüber den Forderungen des Porti« ruerbondes aus Zahlung der Mehrarbeit bei Ber. längerimg der Osfenhaltung der Häuser die Ueberzeugung ausschlaggebend war, daß die Portiers auf Grund des 8 l3 des Tarifvertrages kein Recht dazu hätten. Was ober enthält der§ l3?— Außer der Gitltigkeiljbau« des Vertrages die Bestimmung, daß die Lohnsätze auch während der Tauer des Beitrages einer Nachprüfung unterzogen werden können, sobald besondere Umstände dies notwendig erscheinen lassen. Also gerode das, was der Bund bestreitet. Ob die Bertreter des Bundes wich schon bei Abschluß des Vertrages dieser Ueberzeu- gung waren, ist bedeutungslos. Ein Vertrag und»ine emfettig, .Ueberzeugung" sind zwei verschieden« Dinge. Auch ein Beschluß des Bundes kann«inen Vertrag nicht umstoßen. Im übrigen haben im Schlichtungsousschuß auch die Vertreter des Bundes f ü r den sehr mäßigen Dergleichsvarschklg gestimmt. Aber im Darstand des Bundes sitzen überzeugungstreue Nicht- zahler. So großzügig pflegen die Hausl'esitzer freilich gegenüber ihre» Mietern nickst zu sein. Schiedsspruch zur Förderung der Landflucht. „Lohnerhöhung" von einem Pfennig. In dem Lahnsirest in der mitteldeutschen Landwirt- schast ist vor einigen Tagen ein Schiedsspruch gefällt worden, der besagt: Der Spitzenlohn der Männer und der Frauen wird mlt Wirkung vom 15. März ab um 1 P s. pro Stunde erhöht. Die übrigen Barlohnsätze und Gesindelöhne er- höhen sich in dem Prozentsatz wie die Spitzcnbarlöhne. Alle einheimischen Arbeilerinnen über 17 Jahre, die in der Zeit vom 15. März bis 13. November 150 voll« Arbeitstage gear- beitet haben, erhalt«?» eine weitere Zulage von 1 Ps. je Sturide, zahlbar an, 13. November. In der Zeit roin 19. Juli bis 12. September wird für olle im Tagelohn geleisteten Arbeits- stunden sür Spitzenlvhncmpfonger(Männer) mit Ausnahme der Schäfer und Schweizer eine Ernte zulage von 5 Pf. je Stunde sestgejetzt. Die Zulagen für die übrigen Arbeitnehmergruppen werden in demselben Prozentverhältnis errechnet. Im Freistaat Sachien oerbleibt es bei den bereits tariflich festgesetzten Crntezu- tagen. Der Schiedsspruch ist das UiKrhörteste, was die bisherigen Lohnbewegungen in der Landwirtschaft gezeitigt haben. Den« S p i tz e ii l o h n e m p f ä n g e r wird eine„Lohnerhöhung" von einem einzigen Pfennig pro Stund« gewährt ohne Rückficht aus das fürchterliche Lohnelcnd unter«dem gerade die mitteldeutschen Landarbeiter leiden. Ueber die Einstellung des Deutschen Landarbeiter- Verbandes z» dem Spruch kann es keinen Zweifel geben. Er lehnt ihn mit aller Entschiedenheit ob. Di« OrgaNisätionsleitung Hot bereits große Konferenzen und Versammlungen anberannst, um den mitteldeutschen Landarbeitern Gelegenheit zur Aenßenmg ihrer Meinung zu geben. Die Eiizstellimg der mitteldeutsche» Land- aibeiter ist keine andere wie die des Verbandes. Auch sie sprechen sich mit aller Leidenschast gegen den Spruchk- kal».;. r« ftmWltSr Ttuftl. 6. OtluO». 7. ffm D:-«!-, 8. 02 II. AI Uhr) Sinfonitk«n«rt.». Dir W-Mr-. IN. CacaDena Rustimia und»ua«!. «m Platz ker Stpuklil: 3. Dir tzr-iWillk< Genrnn..•>. u. U. Ttt fliegt nl* boll-nktr. 6. Den»iooenni. 7. Softmann» Er,-klangen. 6. Tie ktimlirot(Öt.!>. ffikelw. in. Tic fflrtrtjmcus......... «tttttsche Cpt», avatletttnhug; 3. Jenny fwtlf elf.« steHimg. 5. Sahen». 8.«nMhranq aus kern Serail. 7. Snftan unk ZfslM. tz. O-vdru- unk Eurydike. n. Dar Dilkschütz. 10- eugrn Oncjun, 11. Tann. >Sch»»spItIk»»,«m CxnkormrnnwTlt; 3. Uhr. Dir Brbcr. 20 Uhu. Aarl nnb Anna. 4. bis 11. Sari und Anna. S»iS«rthea4er ChatUiUnbntii: 3. bis 11. Oebipus. Thealer mit festem Spielplan: Penttch« Thtatr«: 78t lustigen Wrikrr van Winksar. � K-nnnrv�iclt- Saekrn rrcch»n<-n.- 7» ftotnikit: OInmvia.— XV«!»*«»«»V«V»WloR- ■lh 3. fco»(Vlk auf Vr Strotze.- DVV'I«» ker Reaaltt im grü�>ungsV.us.- B»»okic«fc«n*:?>?« Strotz., Ab.V Die Drcigraichtnav.r.-«mtz» �.» lnV luaustln— Metropol-TVate»: Dir luftigt Witwe.— X Vater kt, Weflens. XrttVrif..—»«»iste vprr: Po radier Vr siltzrn Krauen.— Ktutschra ii»astlcr.XH»!tr: Der.Virr.- s*sti»i-lb«-«i Srekendim Poraki«». Leiiina-Xheater: vatbarina»nif. Ab 7. Das JlfiltVn»nk M-kaiNc cintt ol.fn ärou— Xri-n»»-Tht-t.r: Dcr Herzog unk k>. SünVnn.- i'U'Vu-' IVote: Do, fförsterchristel.-- TheVer in Vr®taM.«°mina»ka°trnst»-V: Ab 4,.zrflomtn.— Die Tribüne: Hrrr unk Krau S« unb Sa.-»erlinc- XV-ter: 3> Sachsrit.-«lein.. IV«t.r: Xrio.-»»0-TV-t.r: Ter LVr. tzeizrr.—«»fino-Xhe-ter:«ilameterlirbchen.- Schl-tzvori-XV«».- Paeonini.—«i,terg»rte««nb»lala: IntermManales»artet«.— Reick- kellen- XVatrr: Stettinei Sänger.— Xheater»m«»ttlmffrr Ter: Slite-Sanger. Theater mit wechselndem Spielplan. Zee»«itz,»».,Ib««ter! Ibgl.» W't Uhr. Da, aratze«KS.». l1>? Jü'. Wabltätiafeit�arsirllung. Pacta Laura tu,. 3. 16 Uhr Kranfheit Vr Sugenb. 0.»u- tlV. Scaur»übe. Nachmillagsvorslellungea. S�Naküh,«. XValer«»«b»l°»»l-tz: tz.?i- Bergboh», 10. T-ai MäVI au, Vi Korliadt.— Xheat«,«» SchitfVnerk««»! 3-10. Silken.— Xh-lia- Ttzeater! 3.. 10. velrouick.— XV-ter»m ZU>I«»kortvI»tz: 10. Da» Seit aur ker StryV.— XV«te»'* ker«Sniagrätzervkb a srnilc",„bediene mit Lächeln", hier zu erwähnen. Dies leichte, kaum verbindliche Lächeln gehört nicht nur zum guten Ton, sondern wird von allen Arbeitenden unbedingt verlangt. Hier ein Hinweis auf dem Autobus in Chikago ,chu wirst mit Lächeln bedient", dort in einer großen Nahrungsmittelfabrik im Lastaufzug das Schild.Lächle!", im Kinoorgcloorfpiel mit unsicht- barer Engelstimme„Zeige der Welt deine Sorgen nicht— lächle!", auf dem Afphalt von Detroit, quer über den Dannn mit riefen- großen Lettern hingemalt„C>be>' �nd srnilc"—„Gehorche und lächle!". Dies Lächeln Hot sich in die Gesichter schon so eingegraben, daß es ihnen eine besondere Note, einen ganz anderen Ausdruck gibt. Das macht allmählich„das amcrikanijdie Gefidst!". Uni» mit diesem, ein wenig leeren Lächeln bedient die kleine Verkäuferin jedermann— unpersönlich und doch persönlich liebenswürdig wirkend. Betreten wir die Hochschulen für Arbeiter, so erfreut das anmutige Bild gut aussehender Frauen unser Auge. Amerika zählt bereits mehrere Arbeiterkollegs und zwar rn New Dork, Philadelphia und Katonah. Als das führend« Institut des Arbester- bildungswesens ist das Brookwood La b o r-C oll e g e in Katonah weit und breft anerkannt. Studenten aus 13 Staaten, die 17 Berufstätigkeiten repräsentieren, unter ihnen Bergarbeiter, Schneiderinnen, Maschinisten usw., besuchen seine Kurse, Ueber ihre Lehrtätigkeit hinaus beteiligt sich die Hochschule an allen größeren Industriekämpfcn, sammelt für. streikend« Kohlengräber und leistet praktische Hilfe. Daneben können die Frauen aus der Industrie in vier S o m m e r s ch u l e n wissenschaftlichen Unterricht nehmen. Welt- bekannt und voll zu beachten ist auch noch die Großarbcit, die die AWCA.(Christliche Vereinigung junger Frauen) in allen Teilen des Ämdes leistet, mit dem Motto:„Geist,' Denken, Körper und Soziales." Da diese Organisation auch bei uns in Deutschland vcv- treten, erübrigt sich hier näher darauf einzugehen. Llnd wenn du krank wirst? Der letzte Punkt, dem unsere Betrachtung heute noch gilt, gehört Nicht nur zu den wichtigsten, sondern leider ouck) noch am wenigste« geregelten in den Vereinigten Staaten: das Versicherung--» Kranken- und Invaliden wesen. Wir wissen, daß ei» gut bezahlter amerikanischer Arbeiter und natürlich auch eine Fraw stolz daraus sind, im Krankheitsfälle von ihren Ersparnissen nehmen: zu können, ohne auf Unterstützung des Arbeitgebers angewiesen znt sein. Ja, die Kollegen würden ihn bemitleiden, und er würde sich schämen, wenn er es nicht allein schaffen könnte. Aber das kommt natürlich nur für den in Frage, der lange Zeit bei gutem Lohn tätigs war und sparen konnte. Wir ersahen aber aus den Lohntabellen: und anderen Unterlagen, daß bei weitem nicht überall und vor allein auch nicht für alle Frauen diese Voraussetzungen zutreffen. Do« 10 bis 20 Dollar Wochenlohn kann nicht viel beiseite gelegt werden. wenn die Frau sich allein davon ernähren soll. Und dann in, Krankheitsfälle? Wir hörten ja schon, daß es keine allge» meine staatlich« Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherungen—« noch ArveiiswftNUnterstützungen gibt. Am vielen Plätzen bestehe« zwar staatliche Versicherungen, die durch ihre niedrigen Sätze de« privaten überlegen sind, jedoch sind ihrer so wenig, daß sie keine ausschlaggebend« Rolle spielen. Auch manche Verbände haben; Kronken- und Arbcitslosenkassen, z. B. in New Port die Konsektio» und die Zimmerleute. Anfang 1929 wurde im Staate Mas-, sachusetts eine Vorlage eingereicht, die eine Entschädigung voir 2,39 Dollar pro Tag für Arbeitslose voraussieht. Arbeiter in, Alter unter 18 Jahren sollen nach dieser Vorlage 1,23 Dollar täglict» erhalten. So günstig diese Versicherungsvorlage, so unwahncheinlichj ist noch, daß sie angenommen wird.' Die Anerkennung von Versicherungszwcmg durch den Arbeite gebcr ist gewöhnlich nicht gesetzliche Pflicht. Jeder Staat hat andere» Unfollgesetze, greifen wir einmal Michigan heraus: Das Gesetz be» stimmt, daß Unterstützung nur als Folge von Un» fall gezahlt wird. Wenn z. B«ine Frau durch den fortgesetzte» Transport von Stühlen erkrankt, erhält sie keine Beihilfe, anders ober, wenn sie sich bei der Arbeit verhebt. Weiter bestimmt das Gesetz, daß für die ersten sieben Tage nid>ts gc, zahlt wird. Nach den ersten sieben Tagen der durch den Unfall einge- tretenen Arbeitsunfähigkeit werden 66 Proz. des verdienten Lohne» gezahlt und wenn die Unfähigkeit länger als sechs Wochen dauert, muß die Unterstützung von Anfang an gezahlt werden— jedoch nickst mehr als 18 Dollar und nicht weniger als 6 Dollar wäckjentlich. Also, nur Arbeitsunfähigkeit wird entschädigt. Wenn eine Arbeiterin verunglück!, und der Arbeitgeber isk bereit, die gesetzlichen Mindestsätze zu zahlen, so kommt es zu einem: Vertrag. Einigen fi« sich nicht, so setzt das Bureau des Arbeits--. Ministeriums eine Verhandlung a». Gelingt auch hier keine» Einigung, so wird das Gericht angerufen. Die Theorie des Gesetzes geht dahin, daß grundsätzlich mir für» die Zeit der Arbeitsimsähigkeit Unterstützung gezahlt werden soll- Sowie der gesundheitliche Schaden kuriert ist, fallen die Unter» stützungen fort. Dabei kommt es dann häufig zu Meinungs» Verschiedenheiten zwischen dem Arzt des Arbeiters und des Arbeit- gebers und ein neutrales Gutachten muß entscheiden. Es hoben sich für gewisse Unglücksfälle f e st e Sätze ge- bildet: Für einen tödlichen Unfall erhalten die Hinterbliebene» 399 Wochen Unterstützung, für totale Arbeitsunfähigkeit 299 Wochen(19 Jahre) jedoch nickst mehr als 18 Dollar und nickst weniger als 6 Dollar pro Wach«. Ausländer, die nicht i» Amerika wohnen, bekommen nur 72 Proz. dieser Summe. Bei Wiederverheiratung der Witwe fällt die Unterstützung für die Frau fort, jedoch kaim die Rente auf Antrag kapitalisiert werden. Für den Verlust bestimmter Gliedmaßen und Körperteile hat man Rormolgesetze festgelegt: ein Auge— 199 Wochen Unterstützung, zwei Augen— 299 eine Hand---- 122— 159 Wochen Unterstützung usw. Länger als 500 Wochen werden jedoch keine Unterstützungen gewährt. Darum versuchen die Arbciterorganssationen in dieser Zell den Verletzten auf einen anderen Beruf umzustellen, damit er späterhin wieder ins Erwerbsleben eintreten kann. Die Gesetze im Staate Michigan sind so günstig, daß nur noch drei weitere Staaten, nämlich New Bork, Ohio und Wisconsin, noch bessere Bedingungen haben So wird in New Bork auch Be- jchädigung als Folge der Arbeit(Berufsarbeit) unter- stützt. Ja, arbeite und bediene mit Lächeln— solange du es noch kannst! O WMU BnTfömjan. sSäf"?- von der Jiuclson-aai Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W3S. �ZeLcfafZUrZQZQfZ. I/On, /icloff. l�Q�nOT� (14. Fortsetzung.) Ein paarmal gelangten sie an große Ströme. Da sainmeltcn sie Heidekraut, stopften es nebst ihren Renntierfcllen in das Zelt, schnürten es zu und rollten es ins Wasser. Es schwamm wie ein« Blase, und st« setzten sich oben draus und stakten sich hinüber. Naß wurden sie zwar; aber si« kamen hinüber. Und die Hunde mußten ihnen folgen oder wurden vor ihnen hergcpettjcht. Das gab viel Vergnügen und Abwechselung. Mala kannte das Leben, wußte, wie olle Schwierigkeiten zu überwinde» waren. Endlich hörten die S-noben eines Tages in der Nah« schießen, und oll« wollten dem Geräusch folgen, es mußt« hübsch sein, wieder Menschen zu treffen. Si« fanden auch bald eine Stelle, wo ein Nenmier getötet worden war, und verstanden, daß sie in der Nähe eines Lagers waren. Es konnte nicht lange dauern, bis st« die Menschen aus dem Norden trafen, bis sie wieder daheim waren. Mala hatte sich gesehnt; jetzt aber, da«r am Ziele stand, eilte es nicht mehr. Was machte es, ob er einen Tag mehr oder weniger wanderte? Er wollte noch einmal allein mit den Knaben und Orsokidok schlafen. Ein Loger wurde aufgeschlagen und Feuer gemacht, und bald lagen sie Seite an Seite da, die Nachtsonne leuchtete, und die Erde duftete. Si« sprachen nicht miteinonder, alle dachten daran, was der nächst« Tag wohl bringen mochte. Mala hatte viel zu denken, er wußte, daß dos Leben für ihn nicht ruhig werden konnte. Eine Frau mußte er wieder haben, um für Kleidung zu sorgen. Das Winterzeug der Knaben mußte instand gesetzt werden. Daß st« j«tzt zerlumpt und schmutzig waren wie er selber, gehörte zum Sommer. Da sollten die Kleider nur gegen die Sonne schützen und nicht wärmen wie im Winter, wenn man den Renntieren ihre Behaarung midet«. Er würde gezwungen sein, fremde Hilfe anzunehmen, was Un- ruhe und vielleicht Kampf bedeutete, bis er eine neue Frau unter das Leben gebeugt hatte, dos er leben wollte. Sein Verlangen stand noch keiner aber er fühlte die Leere des Mannes, als er selbst seine Sohlen nähen und sein Esten kochen mußte. Das ging an, wenn man auf Reisen war, auf die Dauer aber wurde es beschwerlich. Die Sehnsucht nach etwas Neuem, aber gleichzeitig die Furcht davor lebte in ihm, ohne daß er es sich selber klarmachte. Es war spät, als er einschlief, und der Tag war schon weit vorgeschritten, als man wieder seine Las! aufnahm und weiter wanderte, bis man ein Lager erreichte, das Toportos, wie sick) zeigt�. Hier traf man die Menschen, denen man begegnet war, als man nach den Schiffen zog. Mala schlug sein Zelt neben den anderen auf. Hier gab es viele Renntier« und in den Strömen Lachse. Tapartc hatte beschlossen, einige Zeit hier zu bleiben, und Mala blieb bei ihnen, jagte in der Umgegend, oergrub ringsumher Renntlerc und schichtete Steine über ihnen auf. Wenn der Winter kam. war es bequem, hier durch die Talsenkung zu fahren und das Fleisch zu holen, wenn man es brauchte. Toparte war d«r Führer des Lagers. Seine Schwägerin Jnupaujok hatte ihren Mann getroffen, st« wärest in Tarpartes Ge- folge geblieben und wohnten in«inem Zelt für sich, junge Menschen, die immer Rat bei anderen suchen mußten. Papi und Hanne waren auch hier, außerdem Illubalik und seine Frau, die mit Aba verwandt waren, und dazu erwartet« man Taportes Brüder und deren Familien. Dann wollte man sich im Winter an der Küste niederlassen, wo man oll die Renntiere und das getrocknete Lochsfleisch, das man hier im Sommer sammeln konnte, gut gebrauchen kannte. Büchsen hatten si«, und viel« wurden geschossen. Die Renntiere zogen gut, und die Felle gaben schon gute Strümpfe und Sommerpelze ab. Die Sehnen sammelt« man zum Nähen. Man war geschäftig im Lager, und Tapartc redete laut. Er war es, der für die anderen dachte und Anweisungen gab, wie der Fang erfolgen sollte. Es waren die beiden Büchsen, die er besaß. und seine gute Ausrüstung, die ihm die mutige Rede oerliehen hatten, und die anderen beugten sich seinen Anweisungen. Es ist ja immer � hübsch, wenn einer sein« Wünsche sagt und man sich nur nach ihnen zu richten braucht. Mala begleitete sie aus die Jagd und brauchte bald neu« Stiefel und Sohlen Er ging daher zu Taparte und fragte, ob Aba sie nähen könnte. „Aba kann nähen,' sagte Taparte.„Du kannst ihr etwas Tabak geben." Das war. als sei Mala ei» Wann, der bezahlen sollte, wenn für ihn genäht wurde, aber er sagte nichts, er war der Mann ohne Frau. Wer durste Taparte einen Vorwurf machen, wenn er nicht wollt«, daß seine Frau für andere nähte. Mala gab ihr zwei Stücke Tabak, und sie nähte seine Sohlen. Am nächsten Tag« sagte er, daß sein Sohn ein Paar Hosen brauchte. „Hanne wird die Hosen nähen, komm nur mit deinen Fellen." Und Pap! teilte seiner Frau mit, daß sie für Mala nähen, und zwar schön nähen sollte,„Er gehört zu denen, die gute Kleider wünschen." Es wurde für die Knaben genäht, und mehrere Männer, die davon gehört hatten, forderten Mala auf. ihre Frauen für ihn nähen zu lasten. „Wenn du keine Felle zubereitet hast, so haben wir Felle in Menge." Prahlerei, wie Mola wußte. Er mochte es ebenso. Aber Taparte wollte Bezahlung für seine Frau haben, wenn mom ihr« Fertigkeit im Nähen zu gebrauchen wüuschte. Mala bestimmt«, daß kein« andere als Aba für ihn und seine Familie nähen sollte. „Orsokidok braucht neue Stiesel," sagte er eines Abends, als sie gegessen hatten, zu Taparte.Laß Abo neue Stiefel für ihn nähen." „Sann der Elternlose nicht ander« Stiesel gebrauchen, ol» die meiner grau? Laß ihn zu Jnupaujok gehen, si« hat keine Kinder. Sie kann nähen" Mala sagt« nichts, aber Orsokidok bekam die langen Stiche der jungen Frau m die neuen Stiesel. Di« Sohlen waren vorn schief und faltig. Wie soll ein sunges Weib neue Maße nähen können? Sie war aewandt und tüchtig in ihren eigenen Maßen, ober'chc mußte cmc älter« Frau zum Zuschneiden der Sohlen haben, wenn sie größer oder kleiner als die waren, die sie aus den Häuten des bärtigen See» Hunds zu schneiden pflegte. Und in diesem Fall hatte Mala durch ihren Mann die Stiefel verlangt, eine Extraarbcit zu einer Z«it. da es lustiger war, mit den anderen Kindern Ball zu spielen oder als Erwachsene mit den anderen Frauen zu schwatzen. Jnupaujok nahm die Freuden von beiden Teilen, aber es mochte ihr noch keine Freude, Fell« zu kauen und Kamikker für einen ganz Fremden zu nähen. » Eines Tages bestimmte Taparte, daß man die alten Fang. Methoden versuchen und eine Herd« Renntier« in den See treiben und dort erlegen sollte. Es gab Frauen und Kinder genug, um treiben zu helfen, sie sollten heulen und schreien, wie man es kannte, und man sollte die alten Stein« gebrauchen, die vor vielen Menschen- altern errichtet waren. Die erschreckten die Renntier«, als ob es Menschen waren. „Ihr sollt dort hinausgehen und auf der Anhöhe liegen, und ihr sollte nach der anderen Seite gehen, einige sollen weiter vor- und zurückgehen, und wenn ihr die Renntiere noch dem Tal kommen seht, sollt ihr schreien und lärmen. Am See sitzen die Fänger vere steckt und schießen sie, wenn sie ins Wasser gehen. Wir Fänger werden unten sitzen, und Malas Jungen können mit meiner Frau gehen und rufen." Toparte kommandierte. Er hatte bei den Schiffen gesehen, wie Befehle erteilt werden. Er streckte die Arme aus, wohin er sie schicken wollt«, wandte sich dann um und verließ si«, als er gesprochen hatte. Er war ein Mann, dem gehorcht wurde. Ein ganz junger Mann, der Katluk hieß und ein Nesse Taportes war, wurde weit fortgeschickt- Cr sollte Ausschau halten und melden, wenn die Renntierherde käme. Und Toparte meinte, es sei am besten, daß Orsokidok ihm folgte; aber er solle sich beeilen.„Ich habe dir neue Stiefel verschafft, so daß du richtig laufen können mußt." War Mola wirtlich so gering geworden, daß er Tapartc erlaubte, seinem Knaben Befehl« zu erteilen? Und sein Pflegesohn wurde Katluk. nachgeschickt, der noch nie eine Robbe gefangen hatte, während es mehrere Jahre her war. daß Mola und seine Wohnplatzgenosten den ersten Fang von Orsokidok gegessen hatten. Und Mako selbst? Ihm wurde allerdings ein Platz auf der Tatsohle neben den anderen Fängern angewiesen. Dort durfte er sitzen und schießen. Hier wußte wohl keiner, daß er der erste unier seinen Londsleuten bei den Schiffen war, daß er versucht hatte, Wale zu harpunieren, und daß er um Rat gefragt wurde, wenn die weißen Männer sich entschlossen, Mannschaften mit den Booten auszufchicken. Rein, Mala wollte nicht länger ein Mann ohne Hausholt sein. Er war verhöhnt worden. Alle, die gewohnt waren, von seinem Fang zu essen, wenn ihr eigener Vorrat im Winter ausgebraucht war, saßen hier mit ihren Familien. Nur er allein mußte sich hier«inen Stropp in seine neuen Stiefel nähen lasten und dort bitten, daß ihm seine Fäustlinge geflickt wurden. Und da.zu sollte er sich noch das überlegene Wesen Taportes gefallen, lasten. Taparte, der lächerlich war, wenn er in Rätsel-Ecke NMNMMUttkiNlMMiMNMMMtisNlsMitlltNMsMMMMIMMMriliMvitlkMM Rösselsprung. Silbenrötsel. Aus den Silben a a al au op bar bu chel' de de del der di e e e ei er erl fant, fel fer ge gie heit, i in ir kos kö lq kan lop las l« le ii li lin lis mit na nal nie nig nu o po ran r« re re re ren ris Ion las sei si si« so so stech su sund sus te tek tor tri tur ur ve wie sind 26 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen,«in Zitat von Goethe ergeben. natürliche Borsäure; 26. alter Krieger; 21. Vlumc; 22. Fehler; 23. Neger- stomm; 21 Tatkraft; 25. Insel an der Ostküst« Afrikas; 26. Nahrungsmittel.— eli.— einen Kajak kam, der Aba besaß, die Mola hätte nehmen können, als er sich in jüngeren Jahren eine Frau gesucht hotte. Ja, Ada war geschickt und tüchtig, gesund und frisch, aber sie war schon zu lange in Taportes Haus, sein Wesen hatte sie durchsäuert. Die Situation war für alle unerträglich geworden. Mala ging ganz longsam mit den Fängern zum See hinab, wo das Tal endete, jetzt« sich.zwischen die Steine und wartete mit den anderen. * Ach, wie die Frauen schalten, und wie schweigsam die Männer waren, als sie spät am nächsten Tag« heimkamen. Alles war schief c�gongen. Taparte, der Jagdleiter, hatte ihnen nicht�gesagt daß ein wenig weiter oben«ine Steinreihe quer durch das Tal lief» und in eine Schlucht seitwärts hineiniührte. Er hotte sich von den guten Ergebnisten der Jagden verleiten lasten, die er mitgemocht hatte, aber nicht alz Führer. Er glaubte, die Weisheit alter Männer sei ihm in den Kopf gefahren, aber er hatte sich geirrt. Es hätte eine gute Treibjagd geben können Nicht wenige Renntiere waren an Orsokidok und Katluk vorbeigekommen. Sie waren hinter den Rennticren her- gelausen und hatten gebrüllt und geschrien, die Renntiere waren in das Tat geflohen, wo Frauen und Kinder ihre Pflicht getan hotten. Die Tiere liefen weiter, stießen wieder auf einen Menschen, dann wieder auf die hohen Stein«, in denen sie auch lebendige Wesen zu sehen glaubten Die Kinder liefen, und die Frauen liefen, alle freuten sich, lärmten und riefen. Die großen Knabeu und die jungen Frauen kamen zuerst, di« alten Frauen blieben zurück, und die dicken kamen angekullert; aber sie lachten all« sehr, und die Renntiere fürchteten sich. Dann kam die Steinreihe quer durch das Tal. Die Renntiere bäumten sich und wichen zurück, und die Frauen heulten. Di« Hunde waren hinzugekommen, sie lärmten und stürzten den Rennticren noch. plötzlich ober brach ein großer Stier aus, er halle«ine Schlucht entdeckt, die niemand bemerkt hatte, und durch die die Renntiere stürzten, fort auf die Ebene, wo sie spwmgcn, daß die Hinterbeine gen Himmel flogen, so schnell, daß ihre klappernden Klauen weithin zu hören waren. Nicht«jn einziges Tier kam zu den Männern herab, nicht ein Schuh wurde abgegeben. Anderthalb Tage hatten st« gewartet: als sie sich sammelten, waren sie müde, und es war ein weiter Weg zu den Zelten. Puh, alles war umsonst gewesen. Einige lachten über die Enttäuichung, andere höhnten Taparte. Mala sprach nicht ein Wort. Tapartc war es unbehaglich zumute. Er schalt und gab Erklärungen ab, und er fühlte, daß er besser tat. anderswohin zu ziehen, wenn er Führer sein wollte. Aber dos half wohl auch nichts denn das Gerücht würde sich in allen Nieder- lastungen verbreiten. VII. Aus dem Heimwege ging Mala zwischen den Männern, seine Knaben an der Hand. Er fühlte, daß er verhöhnt worden war, und das muht« gerächt werden. Und als er Aba unter den Frauen sah, trat er ohne Scham vor aller Augen auf sie zu und begann zu reden. „Mein Zelt muh größer gemacht werden, es ist nicht so schwer, daß ich es nicht leicht trogen könnte. Kannst du kommen und nahen, wenn du geschlafen hast?" Aba sah ihn unsicher an; „Host du mit meinem Mann gesprochen? Cr hat mir nichts davon gesagt" „Och habe gesprochen, und ich wünsche, daß du kommst, sanft muß ich dich holen." Ruhig ging er wieder zu den Männern hinüber. Aber die Frauen hatten seine Warle gehört, und bald wußten alle, daß Mala es auf Abo abgesehen hotte. des„Abend", RMmnnmramMMnmmimwimiminiiimnnHiBnnmminmraimmiiiimiiniiiia» Spiralenkreuzworiröifel. W a g« r e ch t i 1. Bokol;?. Wild: 4. organ. Gefäß; 6. Kirchen- einrichtung: 7. Handwerker: 8. Wiener Ausstellungsgebäude; 16. Sportgerät; ll. techn. Gesohrvorrichtung; 13. Verwandter; 1 1. Sagen- gelänkic im Harz.— Senkrecht: 1. persönl. Fürwort; 3. brutal. 4. weibl. Vorname; 6. Pootszubehör; 7. Himmelskörper; S. Vc- lsuchtungskörper; 16. Gestirn; 12. Komposition; 13. Drama von Ibsen. (Auslösling der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagmcht; 1 und 54. Sozioldem»- kvaiische Parte, Deutichlonds; 9. Saar; 16. Rod; ll. Gerda; 12. Diktatur; 15. Ger; 16. Malad; 17. See; 19, Url; 20. Sur; 21. Rast; 23. Omega; 25. Null; 26. See; 27 Hecke; 28. Ire; 29. Leer; 36.©eres; 37. Rar; 38. Alo; 46. Raps; 41. Nero; 43. Oman; 45. Arion; 48. Taub; 50. Eli; 51." Tonn«; 52. Alt; 53. Ahn.— Senkrecht: 2. Ifer; 3. Aar; 4. Lade; 5. Drachme; 6 Arod; 7. Tat; 8. Idu»; 11 Geisel, 13. Taurus; 14. Rekurs; 15. Gras; 18. Eule; 22. Tee; 2.3. Ohr. 24. Fee; 25 Nie. 31. Kap; 32. Arsenik; 33. Mignon; 34. Melonen; 35. Landtag; 36. Ale; 37. Romme; 39. Armut; 46. Rio; 42 Orb; 44. Ali; 45. Ata; 46. Roh; 47. Inn; 49. Alm. Silbenrätsel: Engerlina. Jnkosto, General, Nachod, Eberesche, Reblaus, Wogenow, Eil«. Rotibor. Dummheit Eigener.Herd, goldeo wertl Rösselsprung: Grausamkeit gegen Tieve ist ein«« der kennzeichnendsten Lasier eines niedrigen und unedlen Volkes. Alexander von Humboldt Oesizitousgabe; Tabakbau, Tabelle, Taeitus, Tafelluch, Tagebuch, loizeszeit, Taqore, Tahiti, Takelwerk. Talisman, Tapet«, Tarantel, Torifbruch. Taschentuch, Taverne(To-). Zahlenrätsel: Seocring, Egcr, Venen, Esten, Ring, Inge, Neige, Genever. Nr. 104 46. Jahrgang Sonnabend Z.März 1929 Rationalisierung in der Küche Als noch dem Kriege die Flut des Ralionalisierungsgedankens au? Amerika über uns kam, gab es fast kein Gebiet, auf dem man nicht aus Sparfamksits- aber anderen Gründen normalisieren, jche- matisteren. rationalisieren wollte Das hat sich inzwischen ein wenig gegeben: man hat erkannt, daß es für alles Grenzen gibt, und dost sich eins nicht für alles schickt. Damals wurde auch zuerst aus gewisse Mängel in der.i>aushaltsführung hingewiesen, ganz Radikale for- derten eine gründliche Rationalisierung auch des Hausstandes. Dos ist allerdings nicht ganz einfach: denn wenn schon Männern der Zwang der Rationalisierung durchaus nicht immer behagt und sie ihn aus mancherlei Gründen in tausend Fällen scharf bekämpfen, wieviel mehr müsien die Frauen gegen diesen Eiitdringking in ihr ureigenste? Reich Front machen, sie, denen straff« Disziplinicrung, scharfe Einteilung oder, was noch schrecklicher ist, genaues Rechnen, Buchführung und dergleichen unangenehme Dinge, meist ganz und gar nicht liegen! Inzwischen Hot sich mancherlei geändert, auch im Haushalt. Die Hauswirtschaft ist zwar noch wie vor ein Stiefkind der Tech? n i k. aber vieles ist doch bester geworben, und die Hausfrau, die den Sinn dafür hat, kann sich ihre Arbeit wohl etwas praktischer ein- richten als noch vor ein paar Iahren. Das Wort, daß die Hausfrau Beherrscherin ihrer Arbeit sein soll, nicht Sklavin, hat Anhänger gefunden. GewiH darf man gerade im Haushalt die Rationalisierung nicht zu weit treiben wollen. Wer von vornherein zuviel verlangt, wird oft gar nichts erhalten: gerade zur Rationalisierung gehört, dah man sie n i ch t ü b e r t r« i b t: Und ein Haushalt ist, auch wenn man Kinder hat, noch kein Industriekonzern. Es ist kein Kunststück, den Haushalt wirtschaftlicher zu gestalten, wenn man Gold genug hat, um sich alles Neue aui diesem Gebiete zu kaufen, jeden neuen Apparat, jede neue Haushaltungsmaschine. In sehr vielen Fällen wird noch dazu eine erhöhte WirtschoftlilÜeit gar nicht auf diese Weise erreicht werden, weil man die Anschaf- fungskosten der verschiedenen Geräte nicht berücksichtigt oder viel- leicht die Kosten für den elektrischen Strom. Durchaus nicht jed« Haushaltsmaschine erhöht die Rentabilität der.Haushaltungen, ja. nicht einmal die Bequemlichkeit der Hausfrau. Ist der HaushaU klein, lohnt sich keine Kühlmoschine, und ist die Küche klein, nimmt sie sogar noch dazu viel Platz fort und stört mehr alz sie der Haus- frau nützt. Die tüchtige Hausfrau muß wissen, ob sie überhaupt eine Kühlmaschine gebrauchen kann oder beim einfachen, wenn auch weniger rationellen Eisschrank bleiben soll, oder sogar lieber mit Wasser kühlen. Durchaus nicht die Hausfrau ist die tüchtigst«, die sich, well sie die Mittel dazu hat. auf jede Neuerscheinung zur„Ver- cinfachung" des Haushalts stürzt. Nach acht Tagen steht vielleicht die neue Bohnermaschine in der Ecke, weil ihre Bedienung so ichwierig ist, daß die Hausfrau einfach nicht mit ihr fertig wird. Auch das muß man sich vorher überlegen. Der Haushalt darf nämlich auch nicht zur Werkstatt oder gor zur Reparaturwerkstatt werden! Nein, die wirkliche Rationalisicning sängt nicht erst bei der arbeit- oder zeitersparenden Maschine an: Rationalisieren kann man bei jeder Tätigkeit, die nur irgendwie gesundem Menschenoerstand zugänglich stt, vorausgesetzt, daß die Ausübende dem gosunden Menschenverstand nicht selbst unzugänglich ist: das stt übrigens in der Werkstatt oder im Bureau auch nicht anders; die denkend« Frau findet im Hause durchaus ebenso lohnend« Aufgaben wie in der Fabrik oder im Bureau, das sollte man tn einer Zeit, in der Stellungen nicht auf der Straße siegen, nicht vergessen! Der selbstbestimmte Zwang, der zu jeder Rocionosiisierung. jeder Wirtschosllichergestaltung gehört, kann die e ntämge Arbeit des Haushalts anregender gestalten, kann über das Ällmglichs hinausgehende Aufgaben fchastsn. Man schafft sich nur scheinbar Fesseln, in Wirklichkeit wird aus der Sklavin des Haus- Halts besten wahre Beherrscherin: Freizeit wird gewonnen. Geld kann gespart werden und viel unnütze Arbeit, und die Haus- frau braucht abends nicht halbtot und abgehetzt zu sein, sondern hat selbst auch ein wenig Nutzen und Freude an der eigenen Arbeit. Nicht aus Faulheit soll möglichste Be- quemkichkeit bei ollen Arbeiten im Hause ungeschriebenes Gesetz sein: jedes unnütze Bücken, jeder unnütze Schritt kostet Kraft und Zeit. Während der Arbeit soll man nicht mensenblecken: warum müssen in der Küche so viele Geräte so tiefliegend untergebrackst sein, daß jeder Grijs nach ihnen zur Turn- Übung wird? Muß die Hausfrau unbedingt immer erst auf einen Stuhl klettern, um die Zuckerbüchse vom viel zu hohen Regal zu holen? Warum liegen oder hängen nicht alle Geräte ha, wo sie reqelniößig gebraucht werden, also jeweils über oder neben dem Herd, dem Tstch, dem Borratsfchrank? Warum erledigt die .Hausfrau nicht möglichst viele Arbeiten im Sitzen? Damit wird kaum Zeit verloren, aber viel Kraft gewonnen. Worum sind die Möbel in der Küche nicht in der natürlichen Folge ihres täglich sich mehrsach wiederholenden Gebrauchs angeordnet, also z. B. der Geschirr schrank unmittelbar am Abwaschtisch usw.? Warum liegen in sämtlichen Schubloden sämt'iche kleinen Geräte durcheinander? Ist etwa das Suchen die Hauptausgabe der denken- den Hausfrau? Sollte sich ferner nicht trotz der nicht immer gleichen täglichen Ausgaben des Haushalts ein täglicher Plan machen lasten, den man wenigstens ungefähr einhält, der möglichst gleich- artige Arbeiten praktstch zusammenfaßt? Aufregung schadet doch nur! Merkwürdigerveste sind die„guten Hausfrauen" ge- wohnlich die aufgeregtesten, was gerade auf Plan» los igtet t schließen läßt. Sie haben immer soviel zu tun. daß sie nie„wissen, wo sie anfangen sollen". Das stt eben das Unglück! Di« gut« Hausfrau weiß, wo sie anfängt und wie sie esanfangt. Für jede Tätigkeit, auch im Haushalt, läßt sich das prvktischste, kürzeste Derfahren finden, das natürlich heute, unter ganz anderen Berhäktnstsen, manchmal ganz anders ist, als es die Großmutter macht«. Acht, Lust. Sauberkeit. Abwaschbarteit, Einfachheit der Ge- rät« und Möbel sind Forderungen, die im Haushalt den Erfolg der Arbeit steigern, genau wie in der Werkstatt: oft ist ihre seelische Wirkunz wesentlicher als ihre unmittelbare. Unmengen überflüssi- ger Gerästchoften,„Sätze" schlecht geformter Töpfe und Töpschen, die nie gebraucht werden, aber viel Staub fangen und Platz weg- nehmen, passen zu diesen Loraussetzungen schlecht und müsten ver- schwinden. Es muß allerdings zugegeben werden, dah auf diesem Gebiete die Industrie sich keine sonderliche Mühe gibt, aber schließ- lich kam, ja auch die Hausfrau in dieser Richtung ihren Ensluß geltend machen und ihr« Erfahrungen auspacken, soweit sie sich die Mühe macht, welche zu sammeln. Nirgends in der Welt sind Gegen- stände des täglichen Gebrauchs so unzweckmäßig gestaltet wie in der Küche. Man denke nur daran, wieviel Platz die gebräuchlichsten Küchengeräte im Schrank brauchen. Da paßt nicht ein Tops in den anderen, da ragt aus der fürchterlichen Kaffeemühle der Dreh- arm ein ganzes Ende heraus und ist nicht so angebracht, daß man ihn zusammenklappen oder mit einem Handgriff lösen kann; und so gibt es noch ungezählte Beispiele. Ein anderes Gebiet ist die Wärmewirtjchast, über die vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus gan.ze Bibliotheken zusammengeschrieben werden. Ais wenn die Hauswirtjchojt nicht zur.Lolts- Wirtschaft gehörte! Und als wenn es nötig wäre, daß jeder Kock»- taps ein Wärmsfrestcr ist, und jeder Gaskocher die Küche heizi und beleuchtet, anstatt, alle seine Wärme an den allerdings für ihn nst gar nicht geeigneten Kochtopf abzugeben! Und von der wärme- und brennstosssparenden Kochkiste wird ja immer noch behauptet, daß in ihr gar gewordene Gerüchte muffig schmecken— eine Erscheinung, die man nur als Wunder bezeichnen könnte, wenn sie wahr wäre. Ja, ein wenig naturwissenschaftliche und auch wirtschaftliche Kenntnisse gehören eben auch dazu, den Haushalt wirtschaftlicher zu gestalten: ober das sind Dinge, die sich jede Hausfrau aneignen kann, die den Haushalt nicht als Tretmühl« betrachtet, sondern als ihr Arbeitsfeld, aus dem sie Alleinherrscher sein kann wie kein Unternehmer und gewiß kein« Angestellt« oder Arbeiterin. Wichtiger als solche Kenntnisse, wichtiger als alle„Me- chonisierung" durch neuzeitliche Maschinen ist eben, wie gesagt, der gesunde Menschenverstand. Dipl.-Jng. A. L i o». Neue Technische Hochschulen? Diese in den letzten Monaten in der Oesfentlichkeit vielfach erörterte Frag« hat den, Berein deutscher Ingenieure Veranlasiung gegeben, dem für die weitere Entwicklung des tech- mschen Nachwuchses so überaus wichtigen Problem in eingehenden Untersuchungen näherzutreten und die hierbei gewonnenen Ergeb- niste in einer soeben erschienenen Denkschrift niederzulegen. Ausgehend von der Feststellung, daß die Unkenntnis der wirklichen Berufsaussichten und die Ueberwertung der sozialen Dorteile der gelehrten Berus« als Folge eines immer weiter um sich greifenden Berechtigungswcsens zu einer verhängnisvollen Verjchulung geführt l)at, wird in der Schrift an Hand von Zahlen gezeigt, wie unter der Wirkung überspannter Anforderungen der Praxis«in u n g e f u n» der übermäßiger Zudrang zu den Technischen Hoch- schulen eingesetzt hat, dem weder ein im gleichen Verhältnis sich steigender Mehrbedarf der Technik und Iickmstne entspricht, noch die Lehranstalten mit den ihnen zu Gebote stehenden Einrichtungen ge- wachsen sind. Als irrig erweist sich insbesondere die Auffassung, daß neben der Industrie die össentlichen Wirtschaftsbetriebe in größerem Umfange alz Abnehmer für Ingenieure in Frage kommen, wenn man erfährt, dah zum Beispiel die Reichsbahn in den nächsten ti bis 10 Jahren nicht mehr als Ä1 bis 25 Maschinen- und Bauingenieur«, und die Reichspost etwa 30 Diplom-Ingenieur« einzustellen in der Lage sind. Die noch immer bedauerlich hohe Zahl von beschäftigungslosen Ingenieuren einerseits und die durch die Ueberfüllung der Hochschulen notwendig bedingte Verringerung der Ausbildungsmöglichkeiten andererseits machen den Kampf gegen die ungesunde Ueberschätzung der aka- demischen Bildung durch ernste und sachliche Aufklärung über di« wahren Berufsaussichten der Ingenieure in der gegenwärtigen Zeit zur Pflicht der großen Berufsvcrbände: sie legen es insbesondere nahe, mit allem Nachdruck vor der Neuerrichtung von Technischen Hochschulen zu warnen, zumal nach der eindeutigen Angab« der Statistik jede Hochschule allein durch ihr Vorhandensein einen starken Anreiz zum Studieren gibt, der wicht im Interesse der beruflichen Weiteventwicklung des Ingenieurstandes liegt. Es kommt hinzu, daß der Geburtenrückgang ohnedies«ine starke Abnahme des Nach- wuchses herbeiführen wird, die sich etwa vom Jahr« 1933 ab auch an den Technischen Hochschulen bemerkbar machen dürfte. Auf Grund aller dieser Erwägungen, die sich auf eingehende, im Anhang zur Denkschrift neräffentlichte statistische Erhebungen stützen, kommt der Verein deutscher Ingenieure zu dem Ergebnis, das Bedürfnis nach Gründung neuer Technischen Hochschulen in Anbetrocht der außerordentlich schwierigen finanziellen Lage des Staates zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu verneinen und die Vermertdurig der bescheidenen zu Gebote stellenden Geldmittel zum Ausbau der bestehenden Hochschulen und ihrer An- pastung an die heutigen Erfordernisse z u« m p f e h l e». Die Schrift schließt mit der an die maßgebenden Kreise in Technik und Industrie gerichteten dringenden Bitte,„sich dafür einzusetzen, daß die schweren Schäden, die sich durch Ileberspan- nung des Berechtigungswesens heute schon zeigen, zurückgedämmt werden". hoUerstott aus leitendem Metall. Ein eigenartiger Isolierstoff, der im wesentlichen aus elektrisch leitendem Magnesium besteht, ist in den Laboratorien der ameri- konischen Wejtmghouse-Gesellschaft zu so hoher Vollkommeicheit aus- gebildet worden, daß es einen entschiedenen Fortschritt darstellt. Es gestattet, wie wir einem Originolberichl entnehmen, die Herstellung von elektrischen Heizapparaten von größerer Leiswngsfähigkeit und Dauerhaftigkeit als bei Verweisung von Glimmer, Asbest und anderen normalen Isoliersubstanzen. Der neue Werkstoff, der unter dem Nairwi, Corax in den Handel kommt, besitzt nämlich einerseits größeres Isoliervermögen, andererseits aber l>öl)cre Wärmeleitfähigkeit als Asbest, Glimmer und ähnliche Substanzen, wie sie gewöhn- lich zur Isolierung von elektrischcn.Heizapparaten zur Verwendung gelangen..Hierdurch wird eine zehnprazentige Erhöhung der Lerstungsfähigkett und eine 200 bis ZOOprozenrig« Steigerung der Dauerhaftigkeit derartiger Apparate erzielt. Dos eigentlich« Heiz- element, ein hochschmelzender Widerstandsdraht, wird mit metallischem Magnesiumbond umwickelt und das ganze dann in ein Kupferrohr eingesetzt. Hierauf wird Dampf von etwa 30 Atmosphären durch das Rohr hiirdurchgcpreßt. wobei sich das Magncsaimnictall in sein Lxyd verwandelt. Aus diese Weis« erhält man ein Rohr mit darin enthaltenem Heizdraht, der in ein« harte, dichte, weiße, marmor- ähnliche Substanz eingebettet ist. Hierauf werden die Enden des Rohres zugeschmMzen, und Zwar derart, daß die elektrischen Kon- takte herausrogen. Das Rohr kann beliebig« Form haben: es läßt sich löten, hortlöten und-ebenso auch auf jede beliebige andere Weise m jede gcwünjcht« Fassung einsetzen. Das auf diese Weise her- gestellte Heizelement ist bei normaler Verwcildungswcise so gut wi« unverwüstlich. Die Erfindung selbst stammt von dem Norweger Ehristion B. B a ck e r, doch war jahrelange Forschungsarbeit in den Laboratorien der Westinghouse-Gesellschast erforderlich, um den Gedanken in die Praxis zu übersetzen. Dos neue Material findet bereits ausgedehnte Verwendung. A. G r a d e n w i tz. Bücher der Technik. Da» neue Bafielbuch. Ein Wegweiser sür.Handfertigkeit, Spiel Ulld Arbeit. Band 2. Franckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Preis geb. 4,80 Mk. 192 Seiten, über 500 Bilder. Das Buch ist reichhaltig und bringt zahlreiche gute, zum Teil sogar ausgezeichnete Anregungen. Bei einzelnen Aussätzen wünschte man eine etwas eingehendere Beschreibung. So wird z. B. mancher Bastler— wenn er nicht gerade„vom Fach" ist— bei dein Aussatz von Alfred Seidler, der den Bau eines kleinen Elektromotors be- schreibt, nicht wissen, wi« er die Wicklungen aufbringen soll. Bei der an sich sehr guten Berechnung eines Windrades wird mancher VostK-r sicherlich auch noch die Konstruktionszeichnung vermißt haben. Aber das sind Kleinigkeiten. Das Buch gibt Anregungen zum selbständigen Denken und trägt, sicherlich dabei, bei vielen seiner Leser auch eigene Gedanken zu wecken. Technische Fachbücher. Dipl.-Jng. Conrad Aton: Der Elektromotor(Gleichstrommokore). 12b Seiten, 44 Abbildungen im Text und 1l3 Ausgaben nebst Lösungen.— Dipl.-Jng. H. R. Müller: Be- sörderungstechnik. IIb Seiten. 94 Abbildungen im Text und 92 Aufgaben nebst Lösungen. C. W. Kreidels Verlag, München. Preis des einzelnen Bandes: 2,25 M. Die.�Technischen Fachbücher" zeichnen sich durch sehr Übersicht- liche Anordnung des jeweils behandelten Fachgebiets aus. Sie ver- mittel» in der einfachsten Weise Kenntnisse und vor allein das Ver- ständnis für die technische Arbeit. Sie setzen nur die Beherrschung der vier Grundrechenarten voraus, doch wird die Kenntnis der Algebra stets von Nutzen fein. Das Arbeiten nach diesen vor allem dem technischen Nachwuchs sehr zu empfehlenden Büchern ist eine wahre Freude. Die Herausgabe dieser Bücher ist ein Verdienst. Reinhard Thebis: Der Kraftfahrer. Kurzgefaßtes Hilfs- und Nachschlagebuch für Auto- und Motorradfahrer. 92 Seiten, 44 Ab- bildungen im Text. Verlag von Wilhelm Köhler, Minden i. W. Preis 2 M. Das übersichtliche Handbuch enthält in gedrängter Kürze alles, was der Kraftfahrer wissen muß, bevor er auf die Menschheit losgelassen wird. Neben den technischen Grundlagen sind auch die behördlichen Vorschriften für Ausbildung, Priisung und praktisches Fahren wiedergegeben. Der Verfasser weist auch auf die Gefahren hin, die durch Fahrlässigkeit entstehen können, er geht auf die Störungen und ihre Beseitigung ein. Das Buch dürfte jedem Fahr schiiler eine willkommen« Hilfe fein. Franz Möllmann: Schönheit der Technik. 251 Seite», 151 Abbildungen. Verlag Albert Langen, München. Preis steif geheftet 11.50 M.. geb. 15.— M. Kollmann hat es oerstanden, aus dem ungeheuren Formen- reichwm der modernen Technik anschauliche Beispiele herauszusuchen. Mit großer Liebe und Sachlichkeit widmet er sich seiner Aufgabe, von der Schönheit der Technik zu sprechen. Fast glaubt man eine Art Philosophie der Technik In seiner Arbeit zu erkennen. Er be- spricht Werkbanten, Brücken, Krane, Schisse, Luftschiffe, Flugzeuge, Kraftwagen, Lokomotioen, Moschinen, Maschinenteile. Ueberall zeigen sich vielversprechende Ansätze.zur Schassung solcher Formen, di« das Änge erfreuen und den Verstand gerade durch ihre Ordnung und Sachlichkeit befriedigen. Das Lesen und Beschauen dieses Buches wird jedem Interessierten einen hohen Genuß bieten. Dr. H. Schmidt-Melms: Die Alpenbahnen. KZ Seiten. Komniis- sionsverlag Fallmeizersche Buchhandlung, Wien-Leipzig. Der Verfasser gibt eine geschichtliche Uebersicht über die Ent- stehung der Alpenbahnen und erläutert im Anschluß daran die wichtigsten Pläne zur Schaffung neuer Dertehrslimen in den Alpen. Sehr eingehend beschäftigt er sich mit der Elektrifizierung der Strecken, schildert ihr« Vor- und Nachteile. Auf knappen Ramn ist ein reichhaltiges Material vereinigt. Alexander 5tüler: Radiahören leicht gemocht. 102 Seiten, 69 Abbildungen. Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Alexander Stüler ist bereits durch sein Buch„Phatographieren leicht gemacht" in weiten Kressen betonnt geworden, Er Hot jetzt auch aus dem Gebiet der Hochfrequenztechnik eine ähnliche wirklich volkstümliche, dem Laien zugeeignete Arbeft fertiggestellt. Wirklich gute Zeichnungen ergänzen den Text. Viele Radiohärer. die sich bisher um die Technik nicht gekümmert habe», werden diese» Buch mit großem Nutzen leftn können. Es ist wirklich einfach, klar und eimvaadfrei geschrieben. 'ARBEJWLTUSSBALL Um die Berliner Meisiersdiafi. JMe ScrwTifpide der Fußballspielvereimiping im 1. Kr ei« de« Urbeiter-Tur» und Sportbundes sind beendet. Das Entscheidungs» spiel um die Berliner Arbeiterfußballmeisterschaft findet am 10. März im Lichte, lberger Stadion, Herzbergstrah«, statt. E» treffen sich Kermania-Pankow und Luckenrnalder Ttirnerschaft, Z. Abt. Die Luckcmvalder Mannschaft hat ihre Sericospicle in der 1. Klosse, Abt. A, ohne Punktverlust beendet und stellt einen äußerst beachtenswerten Gegner dar. Gerrnania-Pankow, der Meister der Abt. B., foimie die spielstarke Manirschast von Lichten- berg 1 4: Z Magen. Die junge inld sehr flinke Mannschaft von Pankow wird den LuAenwaldern Turnern ein ebenbürtiger Gegner sein. Der Berliner Arbeiterschaft ist der Besuch dieses ersten Meisterschaftsspieles der b u n d c s t r e u e n Arbciterfußballer zu empfehlen. Die Ausgabe der Wcrbeplakate erfolgt am Sonnabend, 2. März, alxnfcs 7 Uhr, bei Engel, Swinemünder Straße K?. Ein jeder Groß-Berliirer Fußballoerein oder jede Abteilung muß ver- treten sein. im Sportpalast. Ungarn in Berlin. Di« internationalen Eishockey- ZL«ttkämpf« im Sportpalast werden heute und morgen fortgesetzt. Nach den Wienern wird sich diesmal der B u d a p e st c r E i s l a u f- D e r e i n den Berlinern vorstellen. Es ist das erstemal, daß ungarische Eishockey- fpieler nach Berlin kmninen. Di« Ungarn haben in diesem Jahre viele Kämpfe gegen schwer« tiUer nationale Gegner mit Erfolg ausgetragen und eine beträcht- liehe Spielstarke an den Tag gelegt. Mit den Tschechen, den dies- jährigen Europameistern, haben sie unentschieden gespielt. Ihr Kampfteimperament und Drmkfgängertmn stnd besonders l>eroorzu- heben. Heute wenden die Budapester gegen den diesjährigen Ber- liiter Cishockeymeifter„Brandenburg" und gegen das internationale Team des Berliner Schlittschuhklubs antreten. Am Sonntag werden auch die diesjährigen B e r l i n e r K u» st l a u fm e i st e r- fchaften jür Herren, Domen und Paare, wozu die Stadt Berlin wertvoll« Ehrenpreise gestislet hat, zum Austrug gebracht werden. Die Pili ch kl aasen werden vormittags ab b's.- Uhr absolviert, wäh- rend die Kürlaufen abends 7K- Uhr vor dem Eishockcykanrpf statt- jinden werde». Kelcor�sport für Kinder? Oder Unterricht im Schwimmen? 5« Berlin haben wir sogenaimie Werbeschwimm's est« für Schulen, bei denen um Preise wettgeschwonnnen wird. Demnächst findet ein solches Fest weder im Lunabad statt. Angeblich reichen die Hallen siir den Schulschwimmunterrichi nicht aus. Warum werden die Kinder der Schulen nicht einsach ans die Hallen verteilt und der gesamte Unterricht so organisiert, daß Möglichst jedes gesund« Kind Schwimmen lernt? Ein Bezirk hat etwa 3V 000 Kinder. Hierzu gehören knapp gerechnet 40 000 Eltern. An einem HaUenschwimnisest könne» teilnehmen elwa 1000 Au- schauer und 200 Mitwirkende. Ans wen soll also diese Werbung wirken? Jeder Eingeweihte weiß, welche Unmenge von Arbeit da- mit verbunden ist, mit Kindern einen auch mir einigermaßen ge- tungenen Startsprung, das Wenden und Ablösen einzniiben, ganz abgesehen vom Aussuchen und Trainieren der schnellsten Schwim- mer. Kann die Zeit nicht besser ausgenützt werden, um Nicht- schwimm er n das Schwimmen beizubringen. Wozu Wettschwimmen beim Schulschwimmnnterricht? Hat die Schule denn auch einen Weltstreit beim Zeichnen, Rechnen usw.? Ein narnialer Schulschwimmunterricist ist ein S ch u l s a ch wie jedes andere auch. Oder joU elwa die Leistung der Lehrer gezeigt wer- den?— Die kleinen Wettkämpfer tragen zum größten Teil«ine Vcreinsbodehoje. Liegt da nicht der Gedanke nahe, daß die vor- geführte Leistung mij die Arbeit der Schwimmvereine und nicht die der Lchrerjchall zurüchzufüliren ist? Die Freude der Kinder am Schwimmen soll gehoben werden? Welcher Kinder? Der 200 Mitwirkenden? Wo bleiben die anderen? Jedes Kind, das regelrecht das Schwimmen gelernt hat, hat auch ohne jede weitere Zutat ein« Freude an der Sache selbst, eine Freude siir das ganze Leben! Die best« Werbung für das Schwimmen fchlcchihin ist nicht ein Wetischwinmien, sondern«In regelrechter, für Berlin gut durchorganisierter und erfolgreicher Schuljchwim in unter» richt, der zugleich die Sicherheit der Kinder in jeder Weife ge- wahrleistc-t, elwa so wie er im Bezirk Frledrichshoin schon seit Mer Arbelier-FoBfiallineisMalt ■ Sonntag, 10. Mlrz, 18,30 Uhr: Germania- Pankow I— luckenwaloer Turnerachaft, 2. Abt.\ im Stadion Lichtenberg, Herzbergstraße.— Vorher 14.15 Uhr: Jugend-Werbespiei Neukölln-Saxonia. 4t4 Jahren mit bestem Erfolg durchgeführt worden ist. Das Wett- schwimmen ist eine Angelegenheit der reiferen Jugend in den Schwimmvcreinen und auch hier ist eine übertriebene Rekordhaschcrei abzulehnen, denn sie geht leider sehr oft auf Kosten der Gesundheit der Mitwirkenden. Und wem ist letzten Endes damit gedient, daß Schulze 100 Meter um 1/io Sekunde schneller schwimmt als Müller? Volkssport soll auch das Schwimmen sein! Alle, die körperlich geeignet sind, sollen es erlernen, sich daran er- freuen und dadurch gesund erhalten, die Grundlage hierfür muh der Schulfchwiminunterricht sein._ Schmeling! Sdimcling! Sdimeling! Der Boxer im Spiegel der Presse. Der deutsche Meisterboxer Schmeling hat seine amerikanische Dallartournee unterbrochen, um in der Heimat sich mit seinem ehe- mokgen Manager auseinanderzusetzen. Es ist interesiant, die Be- grüßungsarien bürgerlicher Sportblätter Revue passierren zu lasten. Das.Z-Uhr-Abendblott" bringt einen dreistrophigen ge- reimten„Gruß an Max Schmeling", der sogar schon in Musik gesetzt ist. Der Kehrreim soll auch unseren Lesern verabreicht werden. hier ist er: „Fechier ohne Wehr und Waffen, Ohne Schild aus kaltein Erz, Kämpft, wie euch der Herr geschaffen, Start der Arm und stark das Herz." Leider ist nicht gesagt, ob beim nächsten Boxkamps Text und Noten an die Zuschauer zum Mitsingea gratis verteilt werden. Die„Nachtausgabe" zeigt im Bilde Schmeling beim ersten Nachmitiagstaffee in seiner Wohnung. Hier zeigt Hugenbergs Ge- fühl für Sensationen einen bedenklichen Mangel. Warum tonter- feite man den Gefeierten nicht beim Zähneputzen? So etwa ver- Kunden mit einer niedlichen redaktionellen Neklame für Zahnbürsten urid Mundwässer? Man ist dos doch sonst bei Blättern dieses Schlages gewöhnt. Vom Empfang auf dem Lehrter Bahnhof heißt es: „Sein« Mutter wurde beiseite gestoßen, seine anderen Freunde von ihm abgedrängt, und wieder war Schmeling der Spielboll her Masten. Als es dann glückt«, Schmeling in ein Auto zu bringen, gelang es ihm, über die Stadtbahn- gleisezuenttommen.� Auf der Sprungschanze im Grunewald findet morgen wieder Skliprlngen slaii. Der Boxe?«st dem Auto aaf den StudtKchilA'Vent Da scheint d« Dorpmüllersche..Bahnschutz" oersagt zu haben, llebrtgms: wit kommt man mit einem Auto von der Straße auf die hochlicgonden Stadtbahngleise? Aber dann verrät die„Nachtausgabe" allerlei Finan- zlelles von Schmeling: „Sein Ausenthalt in Deutschland wird sich, trotzdem er keinen Kamps bestreitet, lohnen, denn«schmelina unternimmt n i ch t s u m s o n st. Er kann es auch nicht mehr, denn er hat sich einem amerikanischen Syndikat verschrieben, das alles ausnützt. Schmeling muß überall, wo er sich zeigt, schon durch seinen wunderbaren, dicken Kamclhaarmantel aufsallcn, den ihm eine New Yorker Firma zur Verfügung gestellt hat. Auch sein Erscheinen bei den Boxkämpfen in den«pichernsälen ist nichi um- sonst, aber hier Hot er die Vergütung der Unterstützungskasse des Vereins deutscher Faustkämpscr zur Verfügung gestellt." Der Tenor Tauber versuchte. Autogramme gegen Entgelt los- zuweldcn, Schmeling trägt hoffentlich den Firmenstempel des Kamclhaarschneiders auf der I n n e n s c i t e des Paletots. Außerdem läßt er sich für Geld sehen. Weshalb bort der Mann beim oigeiit- lich noch?— Das„1 2- U h r- B l a t t" ist offenbar beim Empfang im Adlon schlecht weggekommen. Es bringt einen sehr kühlen Bericht und schreibt am Schluß: „Im übrigen steht noch nicht fest, ob sein Rundfunlvortrag am Sonntag stattfindet. Die F u n k st u n d e. die immer an der falschen Stelle spart, will ihm nicht das geforderte Ho» norar bewilligen. Schmeling hat in New Jork für sieben Minuten Radio zweitausend Dollar erhalten." Macht 8400 Mark, allerdings in Dollarien! Wir erlauben uns einen Vorschlag an die Funk st und e, dahingehend, Schme- ling an Stelle der sonntäglichen Morgenandocht sprechen zu losten. Wenn man schon Beethoven opferte, waren denn nicht auch einen Bibelsprecher und einen Pastor? Schmeling ist doch Trumpf! Sporkunfallverhüfungsvorlräge. Heut«, Sonnabend. Gesund- heiishaus Kreuzberg, Am Urban 10'll, 19 Uhr(Dr. Franzmeyer): Turnhalle Carl-Micha eiis-Realschul«, Badstroßc, 20 Uhr(Dr. Adam): Stadtbad Kreuzberg, Bärwaldstraße 64, 20 Uhr(Dr. o. Rücker). ?«>< Arteittr Schachoeleiniguni,«Sroß-BkNi». Z. März Gritntung ebiee nrucn AKIcilung in Potsdam, Berlin(oirlt gel»» Brandrndurg-Romawcs. Mr Udtrilnngcu treffen sich!h20 Uhr am Bahnhof in Potsdam und bring:» Evirle und Decken mit. z?ach.ziiglcr 10 Uhr Potsdam. ZZotlshaus. Miihlrn. derggrotte. Äucruftofiraße, S. Mürj, 20 Uhr,»unktioniirversinnmlung bei kn>a!d, Aaliber Strage, 20, Mg». 14 Uhr(Rorfrtiiog), Warbeoeranftaltuna bei Emaid. Äinhttttitnoxjtt« de» t. Bcz>rt». De�irtslehrstunde am 17. Mir,;. 9 Uhr, In Lichtenbory, Turnholl« Marklstraze. Drc Ucbunzrn»um Bezirts-Klndarsport. fest werdln acilbt. arbeitci-Nadfah«» und Sraftfahr-rbund.Solidarität-, Z, Brzlrt. Sonn. tag. Z. Marz, Beiirtsvcrsommlunz in Wannloc. Reichsadler, Siinigftr.-7. 10 Uhr. Trcffpuntt der Ortsgruop« Charlottcnburg am Bahnhof CharloNen- bürg SVi Uhr. Treffpunkt der Ortsgruppe Banmfchnlenwea. Lankwih, Schöne. berg, EtcgUH, Wilmersdorf, Mariendori.Tempeihot und Nbpenick, am Bahn- Hof Wannfee, um#Vi Uhr. Zahlreiches und piintlliches Erscheinen wird gewünscht. Sihung der Srlegirrtrn de» Sportlartcl» Eharlottenburg Montag, 4, Mär',, N'h Uhr. bei Engelhardt, Äirchstrahc Ecke Schulstrahc. Äc Bcrcinsvorflände erscheinen auch. Frei« Turnerfchaft Wilmersdorf, Morgen. Sonnwg, 17 Uhr. bei ikroih. Gafkeiner Str. v, Fest unserer Kinder. Eintritt frei..Entlarvung" 19 Uhr. Mittwoch, A Uhr, zunttionarsitzung bei Nroiß. Sonnabend. 9, Mär,!. Eeneral. verfammlung, Lorstandswohl, Jahresbericht. 20 Uhr. Mitgliedsbuch mit- bringen. Frei« Faltborlfahrer Berlin. Sonntag, Z, Wrg, Wanderung Birkenwerder Rühlendecker See. Treffpunkt 9 Uhr Stettiirrr Borortdohnhof.(Säfte will- tommen. Narter siir Arbeitersröei und Körperpflege, Bezirk Neukölln. Die Monlog- k, März, fällige Kartell-Pelegiceten-sitzung findet umständehalber Monlog. 11. Mär,,'20 Uhr. bei Isrank, Eangboscrftr. 1. ft»t!, Brdetter.ziad. und»raftsahrer-Bnub.Solibaritäi", Ortsgruppe Berli». Seschäftsftclle: Robert Rothborth, Schöneberger Str. 17». Sonntag, Z. März, Führung durch Alt-Berli», Treffpunkt 10 Uhr Epiticlmarkt, an der Unter» grundbahn.— 2. Abt.! 9. März, 10 Uhr. Römcrfchanzei IN Uhr Wannsee. Reichsadler, Start Dieffenbochstr..70. Rhabc. Mittwoch, 0, März. 20 Uhr. Sitzung bei Müller, Lchönleinftr, 0.— 5, Abt.: Sonntag. März, 12 Uhr. Simrnlt. Start Landsberger Platz. Mittwoch, i>. März, 20 Uhr. Sitzung. zortuna-Eäl», Strousberarr Str. it.—». Abt.: gm lag, 1. März, 20 tmv, Sitzung bei Büttner, Schuudter Str. 24—26. Sonntag, 3. März, 12' r Uhr. Birkenwerber, Waldfchänle an ber Bah», Start Arnimp'aiz, Stolpifchr, Ecke Seclower Strafte,— 10. Abt.! Tonnrrstag, 7. Marz. 20 Uhr, Sitzung o.'! Wittschuft, Petersburger Str. ,>.— Ick Abt, Motoriährcr: Freitag. 1, März Wittschuft, Petersburger xtr, Z,— Ortsgruppe Reukölln:, SefchLftsstelle: Karl Westphol. Neukölln. Lahnstr. 71. Sonntag. 3, März. Wanufcc, Bczirksvcr. sammlung im Rrichsadlin:, ftünigstr. 27. Treffpunkt 8',i Uhr Bahnhoi K.",- mannftrafte. Tonnerstag. 7. März. 20 Uhr, Sitzung bei Müller, lkaiser- zriedrich-Str, 17l— 172.— Ortsgruppe Eharwtteuburg: Eclchäflsstclle: ar g Schulze, ttaiser-ssrieiwich-Str, 26. Gartenhaus I Tr, Sonntag. 3. März, 8' j U-n, Bahnhof Ehariotienburg. Wannfce, Be-irksoerlammluiig im Refthsadler, König- strafte'27, Mittwoch. 6. März, 20 Uhr, Sitzung bei Reimer. Wilmersdorfer Strafte 2l,— Ortegruppe Treptow-Baumschuleuweg: Sonntag. 3, März Wann. s«e, Bezirksoersammlung im Reichsadler, Aönigstr. 27, Start 8 Uhr Bahnhof Barnnfcknilenweg, Bohnfahrer 8'i> Uhr Stralau-Rummelsburg, Zug»ach Pois» dam. zur Bezirksoersammlung in Wannsee, Mitgliedsbücher mitbringen. Dienstag. 3. März Sitzung, Bauntfchulcnstr. 64.(Kefchllftssrelle: Richard Schaprr. Niefbolzslr, 2!>6, zrckB. Die Ttiknehmerinnen der fhraurnlehrstunde am?, und 3, März kreiien sich mit ihrem Anhang zur Erholung von der Anstrengung Smrntaa. 3. März, von 16 Uhr ab zum a-lrairdfcft des Neuköllner Bezirks in den Passage- fsestsälen. Neukölln, Bergstr. 132. wozu auch alle befreundete Vereine cingc. joden find. SCAtIK 8 Uhr b 5 Barbarossa 9256 Josm« Sttflm/Or.Rafpli Barlnoff u.Eulana/iack Stanford um) die adrig« Ittraktkmn! I Sonnabends n. Sonntags |e 2 Vorslcllanßen !.'nd I Lhr— 3* zu ermäßigten freisen das ganre Programm Volks b Ulme Tkiitn nMinriliti «Utir Kreazabnaiime Tftnur am sainkmrttnm 8 Uhr Bit Orai-GrcsdiCT Thalia Thealer 8 Uhr Oelraosch Stiitl.UiiliN-Ui- 8 Uhr Oodlpus TtztaKr m smilt&aaeniaiu Täglich~ Uhr AbS.Mllra n KomÄdlcnhem Die Drel-GroHteD- Valetti, Lingen, Ander, Gerron. SchaufuB, Kühl. Lvovskl. Dienstag SV« Uhr Oittgas Ober Berlin Trlanon-Th. Täglich Uhr Oer Herzog und die sanderin mit Erika Glässner und Mirlln SetNirr Adtlani, Adifonü Hier Arbeitsamt Berlin-Mitte. Im März geben wir durch Rundfunk an den Wochentagen Dienstag, Donnerstag iLSonnabend um 18.30 Uhr für Arbeiter und Angestellte wichtige Mitteilungen über offene Arbeitsplätze, Lehrstellen, über Neuerungen in der Arbeitslosenversicherung und andere arbeitsmarktpolitische Angelegenheiten. Die Arbeiter und Angestellten hören diese Mitteilungen regelmäßig ab. Roichshallaii-Thoaier Slctflncr sanier Dos neue Marx-Prsonnml „Moderne Batmea-OrOhen." Groteske Hm«». BiUen. Anfang 8 Uhr, Sitz. Nachm. 3 Ihr(h a i h e Preise. BlUeitbcdellanaeik TtieulBHi! ternnim 11283. uönBott. Brettl: Famillen-VvisK ✓ 1« Uuntn. Renaissance- Theater Haidtnbsrgstr 6, Tel. tleinpi. 901», 7583184 S"« Uhr. Zum 73. Malfe:«''« Uh> Die Walterfolgskomddle „Das große ABC von Marcel Pagnol Reg: Gest. Harting, ia Praailemtwstza. vtg. nehm. 4Uhr: Kranialen a.JDgena Berliner||kH-TrlO Neuköilo« V Ubn A. 7. Dönhoff 17r Zum IS. Male Uhr« Uhi 3 X Hochzeit (Abie's irish Rosei Otsch, KQnstler-Th. PIt Uhi Der Zinker v.Edgar Wallaee fnivti Uta littbin Preise I— 10 Mark | 8 Uhr Rauchen erlaubt{ Internat. Variete. Sonnabend und Senntag Je 3 Vorstellungen 3» und 8 Uhr. 3" kleine Preise. m »'-vhr CASINO-THEATER Uhr Lotarm�er Stralic 37. HilometBrliaöchen Dazu ein erstklassiger bunter Teil. Hiir unsere Leser Uutscnein iQr i— i Hers. Fauieuil nur 1.15 dL, Sessel 1�5 M. preisp Parket« n. Ran••.ä PtAZA Alex.»067 M Taglich 5 und S" sonntags 2g 5 und 8" INTERNA TiONALES VARIIII Karlen S Ta�c im ▼oraa«| Wal(JrGstaiiranl„l{l]lßnliorst" CApculck, MfthUdorfcr Strafte 61 Hau. Seidler. Fcsträumc von 30—600 Pcrs. Garten 1000 Pers. fassend für Hoch- reiten und Vereinsfestlichkeiten. Jeden Sonntag nachm. Kaffeekonzert mit noch- folgendem Tanzkränzchen Tel.; Cöp. 397