BERLIN Montag i. Marz 1929 10 Pf. flr.ioe B 53 46. Jahrgang. ErscheinttSalich außcrSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bejugsprei« beide Ausgaben 8SPf. pro Woche. S.öOM. pro Monat. Redaktion und Eppcdition; Berlin SW6S,Lindenstr. 3 nlbwasfa Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile «9 Pf.. Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Vcrlag G. m.b.H.. � Berlin Nr. 37236. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Die Fälschung von Lttrecht. Geständnis des Schwindlers /Verbindung mit deuffchen Nationalisten Brüssel, i. März.(Eigeubericht.) Tas angebliche Kriegsbündnis zwischen Belgien und Frankreich von» �Iahre Ii>27 ist als eine Fälschung er- Sannt worden. Ter Verfasser, Albert Frank Heine. bat den Hergang der Fälschung erzählt und auch seine Hintermänner angegeben: seine Beziehungen reichen biS Zu H u g e n b e r g und den deutsche» Nationa- Ii sten, die ein Interesse an der«törung der guten Bc- Ziehungen zwischen Belgien. Frankreich. Holland und Teutschland haben. Brüssel, 4. März.(Eigenbericht.) Seit Tagen hat man hier davan gesprochen, daß Albert Frank Heine, eine seit vielen Jahren sehr verdachtige Brüsseler Persönlichkeit, der Urheber der Utrechter Fälschung sei. Am Sonn- abend leitete daraufhin die Brüsseler Staatsanwaltschaft ein Ver- fahren zur Aufdeckung der Fälschung ein und machte sich nach dem genannten Frank Heine auf die Suche, zunächst vergebens: denn d>cser mar einige Tage vorher verschwunden. Seine in Brüssel zu- rllckgebliebene Frau teilte der Polizei jedoch mit, daß ihr Mann i n Holland sei, und sie ihn mit dem um VA Uhr morgens am Brüsseler Südbahnhof fälligen Amsterdamer Schnellzug zurück- erwarte. Heine traf tatsächlich.mit diesem Zuge ein und wurde sofort verhastet. Seine Frau wurde ebenfalls in Haft ge- nommen. Eine Abschrift des Ulrechler Dokuments befand sich in den Taschen Heines. Ins Verhör genommen versuchte er erst zu leugnen, legte aber bald daraus ein vollcsGcständnisab Er erklärte, der alleinige Autor sowohl des gefälschten„Geheimvertragcs" wie der angeblichen Auslegung durch die französischen und belgischen General- stäbe zu sein. Den Gcheimvcrtrag habe er im wescmlichen mit den durch die Umstände gebotenen Abänderungen von dem Text des Vorkriegsbündnisses zwischen Frankreich und Rußland ab- geschrieben. Die Auslegungen der Generalstäbe habe er glatt e r- s u n d e n. Di« Unterschriften seien gefälscht und die angeblichen amtlichen Siegel des belgischen Generalstabes nichts anderes als der Abdruck einer belgischen 2ä-Centime-Münzc aus der Kriegszeit. Von der Staatsanwaltschaft wurde zunächst nichts weiter bekannt- gegeben, mit der Begründung, daß die Aussagen. Heines zahlreiche Persönlichkeiten belasteten, die. zunächst in Haft bzw. ins Verhör genommen werden sollten. Das Brüsseler Blatt„Soire" enthält am Sonntag einen langen Bericht eines nach Amsterdam entsandten Redakteurs, der Heine dort gctrofsen habe. Heine habe ihm mit größter Bereitwilligkeit die Vorgeschichte der Fälschung sowie seine eigene Rolle dabei geschildert: Vor einigen Iahren gründete Heine in Brüssel eine übrigens von niemand ernst genommene Zeitschrist„R o u v e a u x I o u r s"(Neue Tage), die einen deutsch-propaga«distischen und belgienfeindlichen Charakter hatte. Im Dezember 1927, so erzählte Heine nach der Darstellung des„Soire", bot Kurl Vähren«. Brüsseler Korrespondent des deulschnationalen„lag", der Leitung der„Nouveaux Iours" Geldunterstützungen von Hugenberg an. Vom 12. bis 17. Februar 1928 organisierte derselbe.Kurt B. Zusammenkünfte zwischen zwei deutschen Spionen, namens U n g e r und Reiser und führenden flämischen N a t i o n a l i st e n. Im März 1928 wurde Heine von einem ge- wissen„Konrad Häuser" schriftlich nach Köln berufen, um ihm die Gründung von Spionageagenturcn in Frankreich und Belgien vorzuschlagen. Nach seiner Rückkehr nach Brllsicl will Heine die belgischen Behörden benachrichtigt haben. Das amtliche Deutschland. so fährt Heine sort. duldet, da ihm der Friedensvertrag die Staats- fpionage des Militärstaates verbietet, gern private Spionage- orzanisationen und kauft unter Umständen die Frucht ihrer Arbeit. In meinem Falle wurde mir vom damaligen deutschea Geschäftsträger in Brüssel. Herrn von Mackensen. einem Sohn des Generals von Mackensen, das Reise visum kostenlos erteilt, aber vorsichtshalber im Reisepaß vermerkt „Gebühr 222 Franken". Auch hatt« Herr von Mackensen aus der Rückseite des Briefes des Spions Häuser ein freundliches Wort für mich bezüglich des Reisevisums geschrieben. Nach der Darstellung Heines schöpfte man schließlich in deutschen Kreisen Verdacht. Er will im September 1928 in Hohenberg bei Köln. Holpener Str. 200, wegen einer in Frankreich begangenen Ungeschicklichkeit von vier Personen einem Verhör unterzogen worden sein, habe sich aber schließlich herausreden und das verlorene Vertrauen wiedergewinnen können. Wertlose militärische Angaben, die man in Handbüchern (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Orahilos Whiting— Wissett. lNadiogespräch von New �ork zur Leipziger Messe. Leipzig, 4. März. Anläßlich der Eröffnung der Leipziger Frühjohrsmesie sührte der Reichsarbeitsminister Wissell Sonntag abend em draht- loses Telep Hongespräch mit dem amerikanischen Handels mini st er Whiting. Das Gespräch wurde durch den deutschen Botschafter in Washington, Dr. von Priltwitz, ver- mittell, der zunächst der Frühjahrmess« einen vollen Erfolg wünschte. Der amerikanische Handelsminister Whiting nahm dann das Wort und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er auf diesem Wege mit dem Vertreter der deutschen Rcichsregierung sprechen könne, ganz besonders in Anbetracht der immer stärker werdenden wirtschaftlichen und finanziellen Baiche, die Deutschland und die Dereinigten Staaken verknüpfen. Es sei besonders bezeichnend, daß die Amerikaner mehr und mehr die internationale Bedeutung der Leipziger Messe anerkennen als eine große Ausstellung und K a u f z e n t r u m für die verschiedensten Arten von Waren. Mehr als 2009 amerikanische Käufer seien bei der Frühjahrsmesse im letzten Jahre dort gewesen und man hoffe, daß diese Anzahl während der nächsten zehn Tage erheblich überschritten werde. Er hoffe, daß die diesjährig« Veranstaltung sich erfolgreich gestalten werde. Reichsarbeitsminister Wissell erwiderte mit Worten des Dankes. Auch er begrüße es, daß durch die Entwicklung der Fern- sprechtechnik die unmittelbare Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland erleichtert worden fei und hoff«, daß dieser Umstand dazu beitrage, die Beziehungen der beiden Länder immer enger zu gestalten. Die Anerkennung für die deutsche Industrie sei um so erfreulicher, als sie aus einem Lande komme, das hinsichtlich der Technik und der Organisation seiner Wirtschaft an führender Stelle stehe und von dem auch Deutschland aus diesem Seilte mittag null firafl Nobile sdiuldig Berichte 2. und 3. Seite Gebiete manches gelernt habe. In diesem Zusammenhang müsse er aber auch eines zweiten Faktors gedenken, der für den Wiederausbau der deutschen Wirtschaft entscheidend gewesen sei: der deutschen Arbeiterschaft. Gerade die Leipziger Messe habe von jeher niit großer Deutlichkeit gezeigt, wie stark das Gepräge der deutsche» Erzeugung von der Qualität der- deutschen Ar- bciter bestimmt werde. Auch von Vertretern Amerikas seien ja in den letzten Iahren besonders viele Abschlüsse mit denjenigen � unserer Industrien zustande gekommen, bei denen die Fähigkeilen der menschlichen Arbeitskraft noch eine bestimmende Roll« spielte. Diese Tatsache beweise wieder, daß das amerikanische Volk die Leistungen der deutschen Arbeiter ebenso zu schätzen wisse, wie dos deutsche Volk die großen Leistungen der Vereinigten Staaten. So dürfe man wohl überzeugt sein, daß sich auch diesmal die Leipziger Messeveranstaitung als ein guter Helfer zur Bertiejung der gegen- seitigen Handelsbeziehungen bewähren werde. Die Bedeutung der Messe. Leipzig, 4. Mär�(Eigenbericht.) Die Leipziger Messe zeigte bisher eine nur schleppende Eni- Wicklung. Für alle hat der über Nacht gefallene Schnee die Stim- mung äußerst ungünstig beeinflußt. Man kann heute schon zum Beispiel für die Text! l messe sagen, daß die Aussteller nicht auf ihre Kosten gekommen sind. Die sogenannten N a ch- b« st« l l u n g e n, die in der Regel auf der Leipziger Frühjahrs- messe aufgegeben werden, sind so gut wie ganz aus- geblieben. Wenn einzelne Branchen auch Aufträge herein- nehmen, handelt es sich durchweg um kleinere Posten. Die Ein- käufer halten zurück und zeigen in ihren Dispositionen eine fast übertriebene Aengstlichkeit. Das kann aber nicht entscheidend sür den Gesamtoerlauf der Messe sein. Es zeigt sich heute, daß zahlreiche ernsthafte Interessenten am Markte sind. Das gilt besonders für die auslän- bischen Einkäufer, die zahlreich erschienen. Zu größeren Abschlüssen ist es aber naturgemäß bis jetzt nicht gekommen. Man prüft und sondiert vorläufig. Die Entscheidung darüber, ob die Messe 1929 ein späteres Exportgeschäft bringt, das den schlechten Jnlandsabsatz in etwas ausgleichen könnte, kann auch erst gegen Mitte oder Ende der Woche fillen. Di« Slussteller verschiedener Branchen hoffen allerdings, mit dem Ausland früher oder später in ein größeres Geschäft zu kommen. Jetzt läßt sich schon sage», daß das nur unter dem Opfer größerer Preisermäßigungen möglich sein wird. Auf der Technischen Hesse sind zahlreiche Interessenten und Studienkommission erschienen. Die Abschlüsse ans der Tech-, Cin Slirk auf den großen Wesxeplala. nischen Messe erfolgen in der Regel erst gegen Ende der Benin- stoltung. Diesmal aber sind schon größere Abschlüsse am Sonntag und Montag vorgenommen worden. Man hofft, daß die Tech- nische Messe sehr gut abschneidet und unserer Maschinen- Industrie einen willkommenen Auftrieb für die nächsten Monate gibt. Am Sonntag besichtigte Reichsarbeitsminister Wissel! die Technische Messe und sprach sich befriedigt über die Veranstaltung aus. In einer Ansprache an die Ehrengäste der Leipziger Früh- jcchrsniesse sagte der Minister unter anderem folgendes: „Es liegt in der Rawr der Sache, daß auf der Leipziger Messe vorwiegend die Erzeugnisse der F e r t i g i nd u st r i e zur Dar- stellung gelangen, also desjenigen Teils der deutschen Industrie, der einen besonders hohen Prozentsatz an Arbeit enthält. Textilwaren. Glas und Keramik, Maschinen, Spielwaren, Haus- und Küchengeräte, Kurzwaren, Möbel und noch viele andere Fertig- fabrikate treten hier in stets neuer und stets besserer Gestalt vor das Publikum hin. So ist die Leipziger Messe mehr und mehr zu einer umfassenden und grandiosen Schau der deutschen Arbeil geworden, der deutschen Handarbeit und der deutschen Kopfarbeit, die es verstanden hat, durch immer höhere Leiswngen,-durch immer wechselnde Formen die Kauflust des Inlandes und vor allem auch des Auslandes anzuregen. Lassen Sie mich mit den herzlichen Wünschen der Reichsregierung noch persönlich die Hossnung ver- binden, daß die bevorstehende Messe auch die vielen und großen Sorgen des Reichsarbeitsministers«in wenig oermindem möge!" Am Sonntag abend sprach der Minister vor der in- und ausländischen Presse. Der Arbeitsminister wies darauf hin, daß Deutsch- land ein Fleckchen Erde ist, das abgesehen von Kali und Kohle, kaum Naturschätze hat. Man müsse RohstoffeausdemAus- lande einführen und sie veredeln und verbessern. Eines aber hat Deutschland: nämlich die Fähigkeit, Qualitätsarbeit zu leisten. Dos sichert den deutschen Warenabsatz in aller Welt. Deutsche Arbeit findet in deutscher Ware ihren Niederschlag. Dieses kostbare Gut, die deutsche Qualitätsarbeit, müssen wir aber pflegen und achten. Man hat in letzter Zeit soviel von den sozialen Lasten ge- sprochen. Man muß aber bedenken, daß diese sozialen Lasten ein Ding sind, die mit der deutschen Qualitätsarbeit in unlöslichem Zusammenhang stehen. Der Krieg hat die Läger geleert, der Krieg hat aber auch die sozialen Läger geleert und auf die Messe eingewirkt. Das stellt Anforderungen an den Staat wie nirgendswo. Psleg« der deutschen Qualitätsarbeit zu leisten, sichert den deutsche» Waren- absatz, sichert den Export, ist die beste Propaganda für die deutsche Warenausfuhr! Wie die Russen in die Fasse gingen Die polizeilichen Ltntersuchungen gegen die Ookumentensälscher. Der gefälschte Kriegspatt. (Fortsetzung von der 1. Seite.) und amtlichen Veröffentlichungen finden kann, habe er als wert- volle Spionageberichte nach Deutschland gebracht. Bei diesem Geschäft heißt es geben, wenn man etwas cmpsangen wolle. „Ich fragte also," so fährt Heine sori,„bei gewissen zuständigen Stellen an. ob es nicht möglich wäre, wichtige Dokumetitc zu fälschen. Man zögerte, aber gab mir zu verstehen, daß ich solche auf eigene Faust fabrizieren könne." Nun ging er an die Arbeit. Aus dem amtlichen Militärblatt, aus Mitteilungen„zuständiger Dienststellen", aus Angaben ausländischer Militärzeitschriftcn, ferner an Hand von Verträgen und Protokollen von- Gencralstabstonferenzon aus der Vorkriegszeit, spwie alter Militärkarten habe er das Referat des belgischen Generalstabschess G a l e t vor der Gemischten Militär- kommission von 1928 fabriziert, ein Schriftstück, das deukfchc Ossiziere in Berlin im Januar 1929 einen Monat lang geprüsl hätten. Sie hätten es für das Werk einer Ossiziersgruppc gehalten, die seit langem daran gearbeitet habe.„Ich," sagte Heine,„habe das Ganze in acht Togen fertiggestellt. Später lieferte ich den Deut- ichen noch zwei Schriftstücke ähnlichen Kalibers, die es dann dem Hugenbcrgfchen Aeitungskonzcrn verkauften." Der Ursprung des Utrechter Dokuments ist nach Heines Dar- stellung der folgende: Im Oktober 1928 wurde er von Ward H e r m a n s, einem Redakteur des Antwerpener flämisch- nationalistischen Blattes„D e Scheide", den er schon von früher kannte, ausgesucht. Dieser Hermans inachte öfter Reisen nach Deutschland und stand mit Organisationen wie Stahlhelm. Jungkonservative und wer- wolf in Verbindung. Hermans hatte von Hitler und den Nationalsozialisten dos Ver- sprechen erhalten, daß sie ihm Geld und Materiol zur Bildung von fliegenden Kolonnen für die Sabotage der Antwcrpcner Weltausstellung von 1939 zur Verfügung stellen würden. Ferner stand Hermans mit dem sogenannten Ring in Verbindung, eine von einem gewissen Spahn— offenbar ist der deutsch- nationale Professor Spahn gemeint. Die Red.— und Rose- moier geleiteten Organisation, die die irredcntistischc Deutschen- Propaganda im Elsaß und in anderen ausländischen Gebieten leitet. Diesem Ring gehören— nach Erklärungen Heines— auch der frühere Minister von K e u d c l l und Staatssekretär z. D. von Rheinbaben an. Dem Ring untersteht ein von Dr. Wilhelm Stengel in Mühlheim a. d. Ruhr, Hagerfeld 89, und Dr. Ispert in Elberfeld geleiteter Spionagedienst, der in Belgien arbeitet und namentlich junge flämische Front pari ei kr zur Spionage zu gewinnen sucht. Hermans und ein gewisser F., ein anderer flämischer Rationalist, stehen in enger Verbindung mit Ispert, Stengel und Rosemeier. Im November 1928 erblickte Hermans zufällig bei Heine das gefälschte Protokoll Galet, das er, Heine, eben nach Deutschland 'chicken wollte.„Nun hotte Hermans— so fährt Heine nach dem .Soire" wörtlich fort— mich schon seit Wochen geplagt, ich möchte ihm den fronzösisch-belgischen Geheimvertrag oder mindestens den darauf bezüglichen Brief, den Vandervelde an de Brouckere geschickt hatte, verkaufen.(Dieser angebliche Brief Danderveldes an de Brouckere, von dem eine holländische Zeitung bereits vor einigen Iahren faselte, und den, wie es scheint, in den letzten Tagen die Hugenberg-Presse wieder auswärmte, hat nie e x i st i e r t. De Srouckere hat das seinerzeit bereits öffentlich festgestellt und hat es am Sonntag dem Brüsseler Berichterstatter des„Soz. Pressedienst" gegenüber nochmals als glatt erfunden erklärt.) Darauf habe ich dos in Utrecht-»erössentlichte Dokument in den leisten Januarlagen dieses Jahres in aller Eile feriiggestellt und am 29. Januar in einem Mecheler Cafähaus dem Hermans übergeben." Soweit die Erzählungen des Heine, die wir gekürzt wiedergeben, vorläufig ohne jeden Kommentar. Heine machte sich während der ganzen Erzählung über die Leichtgläubigkeit und Dummheit sowohl der deutschen wie der holländischen Offiziere 'ustig. Von der S aatsanwaltschgfl wurde am Sonntag nachmittag mit- � daß Heine unter der Anklage der-Fälschung in Haft be- j ver Polizeipräsident teilt mit: In der amarikauischen Presse wird über die von der Berliner politischen Polizei vorgenommene Festnahme von vier Personen berichtet, die in dem verdacht stehen, politische Dokumente angefertigt und ver- kaust zu haben. Bei dieser Angelegenheit handelt es sich um zwei frühere russische Staatsangehörige Wladimir Odo ff und Peter pawlonowsky, die bereits im Jahre 1928 in dem verdacht gestanden habe«, Hersteller von damals in Umlauf gekommeneu. angeblichen Originaldokumenten der kommunistischen Internationale zu sein, und um zwei weitere Personen, denen eine wesentliche Beteiligung jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. Diese beiden letzteren find daher nach ihrer Vernehmung wieder entlassen worden. Die bei Orlosf und Pawlonowsky vor- genommenen Durchsuchungen förderten ein reiches Material an Entwürfen für Dokumente, eine umfangreiche Kartei über poli- tische Personen, photographische Apparate. Stempel. Päße usw. zutage, mit dessen Sichtung die politische Polizei noch beschäsligt ist. Veranlassung zu dem neuerlichen vorgehen der politischen Polizei gab die Anzeige eines amerikanischen Journalisten, dem Orloss und Pawlonowsky drei Urkunden angeboten halten, aus denen hervorgehen sollte, daß die vor einem Jahr in Paris aufgetaucht e n. die Senatoren Borah und Harris kompromittieren. den Urkunden Fälschungen waren. Bisher konnte festgestellt werden, daß die dem Journalisten angebotenen drei Urkunden im Jahre 192b von Orloss angefertigt worden sind. Ob diese drei Dokumente mit den seinerzeit in Paris ausgelauchlen Dokumenten identisch sind, ist bisher nicht festgestellt worden, ebenso nicht, welche Bewandtnis es mit den Pariser Dokumenten hat. Die in amerikani- schen Zeitungen wiedergegebene Nachricht, daß Orloss und Pawlonowsky gestanden hätten, den sogenannten Sinowjew-Brief ange- fertigt zu haben, trifft nicht zu. Die Erhebungen dauern an. Aon der Abteilung I.-V des Berliner Polizeipräsidiums wird die Untersuchung gegen die russischen Dokumentenfäkscher, den früheren zaristischen Staatsrat Orloss und den früheren Polizei- agenten und Gesandtschastsangeftellten Michael Sumarokow, der auch Ausweise ans den Nomen Julius Pawlonowsky be- saß, mit aller Energie weitergeführt. Die Bernehmungen der beiden dauern seit der Festirahm« an und kommen nur sehr longsam vorwärts, weil die Verhöre mit Hilfe eines russischen Dolmetschers geführt werden müssen, da beide der deutschen Sprache nicht ge- raigend mächtig sind. Daneben ist ein großer Stab von Uebersctzern tätig, um den Inhalt der in großer Fülle beschlagnahmten Akten und Auszeichnungen in- Deutsche zu übertrogen. Die politisch« Polizei hofft, bereits im Lause des morgigen Tages einen«nd- gültigen Ueberblick über den Umfang der Fälschertätigkeit Orloffs und Pawlonowskys zu erhalten und die Untersuchung zu einem ge- wissen Abschluß bringen zu können. Hauptquartier der Fälscher. Schon jetzt läßt sich erkennen, daß die Fälscherzentrale in der Potsdamer Str. 119 zu den modernsten Betrieben gehört, die man jemals auf diesem Gebiete entdeckt hat. Orloss, der bekanntlich Untersuchungsrichter der zaristischen O ch r a n a war, hatte seine ganzen Kenntnisse und Erfahrungen bei der gefürchteten politischen Geheimpolizei des alte« Rußland in den Dienst der Fälscherwerkstatt gestellt, und die Polizei fand bei der Haussuchung zahlreiche photographische Wiedergaben alter Notizen aus der Ochrano, daneben umfangreiches Material über dir Organisation der Sowjet behorden und zahl- reiche Entwürfe für politische Dokumente aller Art. Auch private Auszeichnungen der Fälscher über von ihnen in Aussicht genommenen Falsifikat«, durch die die Sowjetbehörden und andere politische Kreise kompromittiert werden sollten, fielen der Polizei in großer Anzahl in die Hände, da diesmal die Haussuchung völlig überraschend kam und es den Fälschern nicht, wie im Jahre 1928, gelungen war, das belastende Material vorher beiseite zu schassen. In eingeweihten Kreisen nimmt man an, daß die Fälscherzentrale Orloffs auch mit mrderen antisowjetistischcn Doku- mentensälschern Verbindung aufrechterhalten und ihnen infolge der genauen Kenntnis der politischen Verbindungen und Organisationen Material gegeben und Ratschläge erteilt hat. Die politische Polizei hat es sich vor allem zur Aufgabe gemacht, diese Hintergründe aufzu- decken und viellicht ist es sogar möglich, auf diese Weise den Falschem des bekannten Sinowiew-Briefes auf die Spur zu kommen. Ein gelungener Trick. Besonders interessant ist es, wie die geschickten Fälscher der politischen Pollzei und dem amerikanischen Journalisten Knickenbocker, dem sie dos kompromittierende Materiol gegen die Senatoren Vorah und Norris zum kauf anboten, in die Falle gegangen find. Der amerikanische Journalist hatte sich bekanntlich nach den ersten Verhandlungen mit den Russen an die Berliner Polizei gewandt und diese hatte ihm geraten, zum Schein aus das Angebot einzugehen. Die russischen Fälscher waren ober inzwischen schon mißtrauisch geworden, und wollten unter keinen Umständen das Dokument aus der Hand geben. Hiermit hatte man schon gerechnet und einen höchst originellen Trick erdacht. Knickenbocker. ließ sich das Schriftstück für einen Augenblick geben und wandte sich dann überraschend schnell nach der Tür zmn Nebenzimmer unter dem Vorwand, ein Glas Wasser haben zu wollen. Hier im Nebenzimmer aber hatte ein Polizeiphotogroph schon mit sorgsam vorbereitetem Apparat Aufstellung genommen. Der amerikanische Journalist hielt es nur für wenige Sekunden in die Nähe der Linse und innerhalb weniger Sekunden hatte man de» wichtigen Inhalt des Falsifikats auf die Platte der politischen Polizei gebannt. Knickenbocker gab den Russen dann das Dokument wieder und kilt« ihnen mit, daß ein« Verwendung doch schwerlich in Frage kommen könnte. Beamte der politischen Polizei folgten dann un- auffällig Pawlonowsky und so gelang es ihnen, das Domizil der Fälscherwerkstatt in der Potsdamer Straße aufzufinden. Vergeblicher Einbruch. Aber auch die Russen hatten mit ollen Eventualitäten gerechnet, denn bei ihnen war auch der Verdacht aufgetaucht, daß man irgendwie eine Vervielfühigung des Schriftstücks in der kurzen Zeit vorgenommen hätte. Noch am selben Tage wurde in dem Bureau des amerikanischen Journalisten Unter den Linden eingebrochen und aus der Tatsache, daß man Geld und«inen beträchtlichen Briefmarkenvorrat unberührt ge- lassen, aber sämtliche Schreibtische erbrochen und durchwühlt hatte, ergibt sich, daß sie nur nachsehen wollten, ob man von dem Schrift- stück- irgendwelchen Gebrauch gemacht hotte. Ihre Durchsuchung oerlies natürlich ohne jeden Erfolg, weil die Photographie des be- lastenden Dokumentes inzwischen schon sicher im Polizei- Präsidium im Tresor lag. Bald darauf erfolgte dann auch die Verhaftung der Fälscher. Ein Llnzufriedener. Mexiko im Aufstand. Truppen meutern.— Kriegsrat mit Calles. Mexiko- City. 4. März. lEigendericht.) Das Land befindet sich in vollem Aufstand. Tie Generäle des IonorastaatcS. sowie die von Veracruz und anderen Gebieten sind von der Regierung abgefallen und habe« ihr den„Krieg" erklärt. CS handelt sich vor- läufig um insgesamt 29 Proz. der Bundesarmee. In der Hauptstadt des Landes ist noch alles ruhig. Im Verlauf deS Tonntags hielt der Präsident ProteS Gil mit den treugebliebenen Generalen und dem Cxpräfidenten Calles einen KriegSrat ab. CS ist beabsichtigt, die Führung des Abwehrkampfes in eine Hand zu lege». Lffizielle Nach- richten über den Umfang des Anfstandes und die Stärke der aufständische« Truppen fehlen bisher. Heute abend wurde die Zensur über daS ganze Bundesgebiet verhängt. Oer Kommunist:„Alle loofen se dem Schmeling nach, dabei boxt doch unser Landtagsabgeordneter G o l k e Visse öster!" halten wirb. Seine Frau wurde auf freien Fuß gesetzt. Der Redakteur der„Scheide" Hermans wird von der Polizei gesucht, ist aber zurzeit imausfindbar. Ein Dementi jagt das andere. Amsterdam. 4. März. „Utrechtsch Dagblad" veröfsentlichi heute früh eine Erklärung, der zufolge weder die Direktion noch irgendein Mitglied der Redaktion oder des Personals des Blattes jemals unmittelbar oder mittelbar irgendwelche Derbindu,ng mit einer der in Brüssel in der Angelegenheit der von dem Blatt veröstcnt- lichten Geheimdokumente verhafteten Personen gehabt hat. Das „Utrechtsch Dagblad" habe außerdem für diese Dokumente- niemals auch nur einen Cent bezahlt. Kandidatur Löon Blums. Im Wahlbezirk Aude hat der sozialistische Abgeordnete Pelissier sein Kammermondat wegen Krank- heir niedergelegt. Die sozialistische Vereinigung hat als Kandidaten für die Neuwahl Löon Blum aufgestellt, der bei den letzten Wahlen in seinem Pariser Wahlbezirk gegen den Kommunisten Marty unterlag. Tfobile, der Schuldige. Lhn Hfff voTle Verantwortung für die„Italia"- Katastrophe Am Sonntag wurde ein Auszug aus dem amtlichen Bericht des Untersuchungsausschusses über das..Ztotw".lloglück bekanntgegeben. In dem Bericht, den Admiral Eagni vor einigen Tagen Mussolini unterbreitet hat, wird festgestellt, daß das„Ztalia"-Unglück aus ein falsches Manöver des Kommandanten und auf die unzweckmäßige Zusammensetzung der Mannschaft zurückzuführen ist. Einstimmig wird getadelt, daß Nobile sich als er st er von der Eisscholle retten lieh. Sein verhalten wird mit seiner„seelischen und physischen Depression" erklärt. Das handeln Zappis und Marianos verdient nach Ansicht des Ausschusses höchstes Lob. Der aus Rom zurückgekehrte Teilnehmer an der Nobilc-Erpe- dition Dr. Behounek erklärte in einem Interview, daß der Ausschutz zur Untersuchung der Italia-Äatastrophe ausschließlich aus Seeleuten, demnach aus Nichtfachleuten, zusammengesetzt war. Dr. Behounek harte den Eindruck, daß es sich vor ollem darum handelte, die beiden Seeoffiziere Zappi und Mariano zu rehobili- tieren, während Nobile eine ganz nebensächliche Rolle spielte. Nobile, der vor den Nichtsachleuten einen sehr schweren Stand haue, wurde als leyter verhör! Die Aussagen der Fremden, besonders die des schwedischen Fliegers Lundberg, waren für ihn sehr günstig, während sich die Aussogen der iralie- nischen Teilnehmer scharf gegen ihn richteten Besonders Seccion, trat gegen Nobile auf und beschuldigte ihn direkt, die Katastrophe oerschuldet zu haben. Er erklärte, nur die Ratlosigkeit des Generals und feine Unzulänglichkeit bei der Lei- tung des Luftschiffes Hab« die Katastrophe verursacht. Dr. Behounek antwortet« auf die ihm vorgelegte Frage nach den Ursachen der Katastrophe, der Absturz der Italio sei so plätzlich erfolgt, das; an irgendwelche Sicherungsmahnahmcn nicht zu denken war. Mittags 12 Llhr nuN Grad. Ende der Kältewelle. In den lehtea Tagen hat sich allmählich ein lleb ergang zu einer wesentlich milden W c l l e r l o g e vollzogen. Die kalten kontinentalen Ostwinde haben gänzlich ausgehört und an deren Stelle sind milde Nord- bis Nordwe st winde getreten. Die Temperatur betrug Sonntagmiltag Grad Wärme in der Innenstadt; in den Autzcubezirken wurde noch minus% Grad gemessen, heute mittag herrschten 0 Grad. Nachts ist noch mit leichtem A r o st zu rechnen. 3n ganz Deutschland macht sich ein Nachlassen der Temperaturen, die augenblicklich nur noch zwischen minus l und Z Grad schwanken, bemerkbar. Feuer bei der AEG. Die Feuerwehr 60 mal alarmiert. Die Feuerwehr wurde heute früh kurz noch Z Uhr nach der Wilhelminenhofjtraße 83—85 in Obcrschönewcide alarmiert. Dort war der D a ch st u h l der U m f o r m e r st a t i o n im Transformatorenwerk der AEG. aus noch unbe- kannter Ursach« in Brand geraten. Beim Eintrejscn der Wehren, die mit drei Zügen anrückten, brannte ein Teil der Dachkonstruktion bereits lichterloh. Durch einen umfassenden Löschangriff konnte dos Feuer nach einiger Zeit abgeriegelt und auf seinen Herd beschränkt werden. * Das Nachlassen der �älte hat gestern und besonders heute vor- inittag wieder zahlreich.' l a s s e r r o h r b r ü ch e zur Folg« gehabt. Die Feuerwehr wu�ue rund 60m al alarmiert, um in besonders gefährlichen Situationen Hilfe zu leisten. I/-Vahn, Autobus und Gas. Die tödlichen Unfälle feit Sonntag. Auf dem Untergrundbahnhof Schönhauser Tor sprang Montag morgen gegen �7 Uhr ein etwa 30 Jahre alter Mann, dessen Personaliien noch nicht festgestellt werden konnten, aus einem noch inFahrt befindlichen Untergrundbahnwagen heraus. Er kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er sich tödliche Verlegungen zuzog.— Bor dem Hause Kaiserallee 94 wurde Sonntag abend gegen>»8 Uhr der 40 Jahre alte Musiker A l f o n s B e r g e r, Niederbarnimstraße 9 wohnhaft, von einem Autobus der Linie 20 überfahren. Berger hatte dabei so schwere Ber- legungen erlitten, daß er bei der Cinlieferung in die Rettungsstelle 43 verstarb.— In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag stürzte der 59 Jahre alte Arbeiter Max Schulze die zu seiner Wohnung in dem Hause Petristroße 26 führende Treppe hinunter. Er fiel dabei so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt und nach kurzer Zeit verstarb.— Am Sonntag nachmittag wunde die siebzohnjährige Jsobella Brügge in chrer Wohnung Stier- straße 3 zu Schöneberg durch Gas vergiftet tot auf- gefunden. Die Leiche wurde in die Leichenhalle gebracht. Ob ein Ilnglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden.— In chrer Wohnung in der Berliner Straße 158 in Wilmersdorf wurden in der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr die Eheleute Wiegert leblos aufgefunden. Sie waren durch aus- strömende Gase vergiftet. Während die Wiederbelebungs- versuche bei der 70 Jahre alten Ehefrau erfolgreich waren, blieben all« Anstrengungen bei dem gleichaltrigen Ehemann erfolglos. Frau Wiegert fand im' Krankenhaus in der Pflazburgcr Straße Aufnahme. Es handelt sich in diesem Falle zweifellos um einen Unfall Achi Personen überfahren. Oer rücksichtslose Führer geflüchtet. Am Wittcnbergplatz spielte, sich am Sonntag kurz vor Mitternacht eine Schreckensszen« ab. Vom Nollendorsplatz her näherte sich in rasender Fahrt«ine Autodroscht e. Der Führer verlangsamte die Geschwindigkeit auch nicht, als er in die Kurve einbog, die gm den Wittenbcrgplolz herumführt. Auf dem glatten Fahrdomm kam der Wagen ins Schleudern, geriet dabei auf die Schutzinsel und fuhr in eine Menschen- gruppe hinein, die an der dort befindlichen Haltestelle wartete. Acht Personen wurden zu Boden gerissen und mehr oder weniger erheblich verletzt. Unbekümmert um die Entsetzens- und SdMcrzerisschrcie der verunglückten setzte der Führer des Autos in vollem Tempo die Fahrt fort und entkam unerkannt. Die Verunglückten wurden zur Rettungsstelle 7 in der Budapester Straße gebracht, wo sich die Verletzungen glücklicherweise als nicht sehr schwer herausstellten. Nach Anlegung von Notverbänden konnten sie sämtlich in ihre Wohnungen entlassen werden. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlunger, nach dem flüchtigen Chauffeur ausgenommen._ Karl Schurz zum Gedächtnis. Die Ehrung Oes deutsch-amerikanischen Republikaners. Gestern vormittag veranstaltete im Plenarsaal des Reichstags die Karl-Schurz-Vereimgung zusammen mit den Freunden der Deutschen Akademie zum hundertsten Geburtstage des großen deutsch- amerikanischen Staatsmannes Karl Schurz eine Gedenkfeier. Reichskanzler, izermann M ü ll e r vertrat dos Reichskabinett, Innen» minister G r z e s i n s t i die preußische Siaalsrcgierung. Reichetags- Präsident Paul L ö b e sprach kurze Begrüßungsworte und berichtete von der großen Anzahl der aus Amerika eingetroffenen Telegramme. Der Präsident der Akademie, Prof. Dr. O n ck e n, feierte den Mann, der das stärkste Bindeglied zwischen Nordamerika und Deutschland bilde. Schurz sei amerikanischer und deutscher Gemeinbesitz. Dann nahm der populäre Botschafter Washingtons in Berlin, S h u r m a n. dos Wort.„Meine Mitbürger in meiner Heimat feiern den heutigen Tag in noch größerem Maße und mit keiner geringeren Begeisterung. Das Leben des großen Mannes gehörte beiden Völkern, für beide Böller bleibt sein Andenken ein stolzer Besitz und ein Gegen- stand der Bewunderung und Verehrung. Seine Auffassung von Idealen war klar, sein« Erfasiung von Prinzipien sicher, sein Mut großartig, seine Beredsamkeit unwiderstehlich. Er war kein.Leibeigener einer Partei, sondern ein moralischer Resormator, ein feuriger Prophet und Prediger politischer Gerechtigkeit. Karl Schurz war Deutschlands größte Gabe an Amerika." Als Dritter sprach Prof. Dr. Albert B. F o u st von der Cornell Universität in Jthako USA..Keiner vertrat." so sagte er.„vor ihm und nach chm das Deutschtum in Amerika würdiger als er. hätten doch in den Jahren um 1914 herum die Deuffchamerikoner einen Führer von seinem Schlage gehabt!" Erfreulich war die Mitteilung d«s amerikanischen Gelehrten, daß jenseits des Ozeans eine Karl-Schurz- Gcdächtnisspcndc gegründet werde, um der Vertiefung der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu dienen. Mit d«m Schlußsatz aus Schumanns Rheinischer Srnfomc endete die Feier. Bühnenkunst Matinee der Bau! Im Rohmen der Volksbühnen-Tanz ausführungen gastierte die Bauhausbühne Dessau im Theater am B ü l o w p l a tz. Das, was sie bot, fügte sich allerdings nicht ganz in den Begriff„Tdnz". Man muß überhaupt so ziemlich auf olle althergebrachten Vorstellungen verzichten, wenn man diesen Dar- bietungen vorurteilslos und aufnahmefähig gegenüberstehen will. Reue Sachlichkeit war hier mit der Metaphysik des Expressionismus ineinandergefügt, und wenn noch kein unlösbares Ganzes daraus geworden war, so liegt das eben an der Ilnvollkommenheit, die jeden Anfang belastet. Was von der Bauhausbühne angestrebt wird und auch wenigstens in den Umrissen bereits klar erkenntlich ist, ist eine ganz neue Bühnenausdruckskunst. Es wäre gut gewesen, das Wort „Tanz" dafür in Programm und Ankündigung ganz zu vermeiden. Es zwang dem Zuschauer von vornherein Ideenverbindungen auf, die mit dem Dargebotenen keinerlei Berknüpsungspunkte hotten und— mindestens im Ansang— das Einfühlen in diese neu« Kunst erschwerten. Denn die tänzerisch« Bewegung trat hier ganz in den Hintergrund:«in wirklicher Tanz— P-rsönlichkeitsausdruck. Er- lebnisgeftallung des besreiten Körpers— wurde nicht geboten. Wie beim Tanz, wie bei jeder Bühnenkunst ist auch hier das Grundelement der Raum: aber nicht der Raum in Abhängigkeit von den darin befindlichen Menschen, sondern der Raum als treibende Kraft. Diese Raumherrschost ist das Neue an der Bühnenkunst des Bauhauses. Sie gibt ihr«in spukhaftes, metaphysisches Leben, das einen E. T. A. chofsmonn— trotz der allzusachlichen Inszenierung seiner„Erzählungen"— auf dos stärkste gepackt hätte. Der Mensch ist die Puppe, die von der Gewalt und dem Geheimnis des Raumes bewegt wird. Dieses Geheimnis des Raumes hat sein« Gesetze, seine mathematischen Krastrichtungen, die den Bewegungscharakter be- stimmen. In einem„Raum tanz" wurde dos am deutlichsten herausgehoben. Dieser„Tanz" besteht geradezu nur darin, die Deutscher Blumengarten. Deutschland gleicht einem lieblichen Garten: Da grünen auf siebzehn getrennten Beeten (Verboten das unbefugte Betreten) Die einzelnen Stammeseigenarten. Abseits von ihren badischen Muhmen Sprießen blauweiß bojuvarische Veilchen. Der preußische Rittersporn Hot ein Abteilchen, Und eines zwei Mecklenburger Kuhblumen. Ein grünes Feld ward der sächsischen Raute,� Daß nicht sich fremdes Gewochs ihr mische Und die Sochsenpersönlichkeit verwische Durch Kreuzung mit einem Thüringer Kraute. Wo du auch gehst, stößt dein Fuß an Rabatten, Fängt sich dein Rock am Stacheldrahtzoune. Doch naht sich der Pförtner:„Diese Laune Müssen Sie schon uns Deutschen gestatten". ..Einst zogen wir auf getrennten Beeten Gar an dreihundert oerschiedene Blüten. Die meisten davon hat leider das Wüten Des Korsen Napoleon schnöde zertreten." „Daß man auf siebzehn uns reduziert hat. Benachteiligt sehr uns gegen die Väter, Wo früher auf je zehn Kilometer Ein eigener Londcsfürst residiert Hot." „Wohl uns, daß in ihrer zierlichen Kleinheu Noch Schaumburg-Lippc und Detmold bestehen. Doch beten wir vor dem Schlasengehen Allabendlich brünstig für deutsche Einheit!" Jonathan. Repertoire- und Kuriositätsfilme Die alte Klage, daß der Film wie ein Verschwender mit seinen Schätzen umgeht, besteht immer noch zu Recht. Als ob die Film- schöpfungen unerschöpflich waren, wird in den Tag hinein gewirt- schastct. Immer neue Filme tauchen auf, durchsausen ihre kurze sichtbare Kometenbahn und verschwinden dann aus immer. Man stelle sich einen Theaterspielplon vor, der nur aus immer neuen Stücken bestände! Nur in der stillen Saison greifen die Geschäfts- filmtheater zuweilen auf ältere Filme zurück. Nur ein Theater spielt in Berlin dauernd ein Repertoireprogramm:„Die Kamera" (Unter den Linden 14). Und plötzlich hieß es, auch diese Heimstätte für gute alte Filme hätte schließen müssen. Glücklicherweise be- wahrhcitete sich das Gerücht nicht. Dos Thcaterchen wechselt« nur den Besitzer, es gehört jetzt der großen amerikanischen Wurlitzer- Orgclfabrik, die dort eine ihrer Kinoorgeln eingebaut Hot, im übrigen aber die bewährte Tradition fortsetzt. Bei der Neueröffnung wurde einer der besten Filme des oer- storbenen schwedischen Regisseurs M. Stiller„Hotel Stadt Lemberg" herausgebrocht. Pola R« g r i, die wir in der letzten Zeit nur in mäßigen Rollen sahen, spielt darin eine ihrer würdige Partie, und der Film ist so frisch wie am Tage seiner Premiere und unendlich besser, als die Durchschnittsfilm« vom Tage. Die Wurlitzer Orgel ersetzt wirklich mit ihren Instrumentalstimmen und Geräuscheffekten, die durch elektrische Uebertrogung ausgelöst werden, ein Orchester, und der reichhallige Spielplan bietet überdies u. a. «inen diesmal wirklich gelungenen, wenn auch bescheidenen Tonfilm. Der Wiederbelebung älterer Filme galt auch die Matinee, die Sonntag im Capitol unter dem bezeichnenden Titel„Aus der Kinderstube des Films" stattfand. Man sah-chort Filme aus der Frühzeit des Films van 1900 bis 1910, die einem großen Teil des Publikums heute nur noch komisch vorkommen, nicht bloß wegen der überholten Technik(sie sind.zum Teil hondkoloriert), der maßlosen Gesten und der heute unmöglichen Kitschigkeit, sondern vor allem auch infolge der furchtbaren Moden von damals. Uralte Grammophonplatten und die prachtvoll echte Ansage- und Re- kommandiertechnik Walter I c r o e n s sorgen dafür, daß dieser „König Lear", diese moderne.Aufführung der schönen Helena" v. a. jetzt prähistorisch omnutende Filme eine Quelle von Heiterkeit bieten. Aber man präsentiert auch zwei Filme von dem Münchener Komiker Karl Valentin, die dieser vor 17 Jahren allein zustand« brachte, worin er die Klauen seiner tragikomischen Kunst bereits deutlich zeigt. Man bedauert, daß dieser einzigartige(in seiner Erscheinung, seinem philosophischen Humor und seiner Urwüchsigkeit) Komiker keine Ge- legcnheii gehabt, sein« Talente für einen deutschen Grotcsksilm zu entwickeln. Dieser hätte neben dem amerikanischen seine volle Be- «chtlZUllg gehabt. r. der Zukunst? ausbühne Oessau. Dynamik, die Bewegungskraft des Raumes, zu erfühlen T in den übrigen«rnsthosten Tänzen, im„F o r m« n t o n z", im „Tanz in Metall" spürt man dos Beherrschende des Raumes, dos den Menschen zwingt. Nie ist es umgekehrt, nie ist ber Mensch das Geheimnisvolle. Die Möglichkeiten, die für jede Bühnenkunst in dieser Entdeckung des Raumes als treibende Kraft liegen, sind vorläufig noch gor nicht abzusehen. Theater und Tanz können davon auf dos stärkste be- fruchtet werden, können ganz neue, von uns Europäern wenigstens bisher nie gesehene Kunstzweige hervorbringen. Ja, man kann sich sogar denken, daß eine völlig eigene Bühnenkunst au, dieser Ent- deckung hervorgeht— eben jene Kunst, die die Bauhausbühne anstrebt. Irregeführt durch das Wort„Tanz", vermißte man in der ersten Darbietung„Tanz in Metoll" das Tänzerische. Aber Tanz war gar nicht der Sinn dieses Raumbildes: in metallisch glänzenden, abstrakten Raumsormen bewegte sich ein weißer, metallisch ver- brämter Körper— dem man allerdings stärkere Lockerung gewünscht hätte. Das heißt also: nicht den Tanz, sondern die ungehemmte Beweglichkeit, die die handwerkliche Voraussetzung des Tänzers ist, entbehrte man. Dos gilt übrigens für alle Darbietungen. Die Darsteller sind zwar akrobatisch nicht ungeschult. Die Lösung des ganzen Körpers ober, die Möglichkeit, sich ganz jedem Be- wegungsimpuls hinzugeben, mangelt ihnen. In parodistische», sehr amüsanten Bildern empfand man das allerdings weniger. Pros Oskar Schlemmer hatte Leitung und Regie der Aufführung: der künstlerische EinNang von Formen,.Forben und Bcwegungsidee war damit gesichert. Das Publikum ließ sich über- raschend schnell in die Bahnen dieses völlig Neuen führen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß olle Zuschauer gleich seinen Sinn ver- standen: daß alle ober von dieser Bühnenkunst gepackt wurden, bewies der starke, einstimmige Beifall, den man ihr spendet«. Drude E. Schulz. Gegen die Zensur. Die Bestrebungen, die Theaterzcnsur offen oder verschleiert wieder einzuführen, haben eine Anzahl Vertreter des geistigen und künstlerischen Deutschlands zur Gründung des„Vereins zur Förderung junger Theaierkun st" veranlaßt,«dessen satzungsgemäßer Zweck der Kampf gegen jede polizeilich- oder sonstige außerkünstlerische Einwirkung aus das Theater ist. Dem Vorstand des Vereins gehören u. a. an: Prof. Dr. Albert Einstein, Prof. Alfons Goldschmidt, Berg Brecht, Prof. Wolter Steintal, Direktor Nest. Zu den Gründern gehören: Heinrich Mann, Leonhard Frank, Dr. Alfred Kerr, Erwin Piscator, Arnold Zweig, Dr. Monty Iocobs, Direktor Ernst Josef Ausrecht, Agnes Sträub, Ludwig Klopfer u. o. Unter dem Namen„K a m p f a u s s ch u ß gegen Zensur" ist außerdem ein Aktionskomitee gegründet worden, dos die folgen- den kulturellen Verbände vertritt: Akademie der Künste, Dachorgani- sation silmschafscnder Künstler, Genossenschaft deutscher Bühnen- angehörigen, Goethe-Bund, Reichsverband der bildenden Künstler Deutschlands, Reichsoerband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer. Reichsoerband des deutschen Schrifttums, Schutznerbond deutscher Schriftsteller, Verband Berliner Theatsrkritiker, Vorbond Deutscher Kunstkritiker, Verband Deutscher Musikkritiker, Verband Deutscher Rundsunkkritikcr, Verband der deutschen Volksbühnenvercine, Ver- «inigung schönwissenschaftlicher Verleger. Der Kampfausschuh will als bleibende Organisation den Kamps gegen die drohende Gefahr einer Auferstehung der Zensur und aller ihr verwandten rückläufigen Bestrebungen ausnehmen. Zum Aus- tati soll eine Kundgebung dienen, die am 11. März, 20 Uhr, unter dem Vorsitz des R e i ch s i n n e n m i n i st e r s S e v e r i n g stattfinden wird. Aus der guten alten Zeit. „Försterchristl" im Residenz-Theater. Di« Mottenkiste geht aus: ein Wögelchen mit einem grauen Pferdchen davor rollt heraus,«in Rehlefn mit einem blouseidenem Halsband kommt ongchüpit und hinterher, ei, ei, die„Förster- ch r t st c 1" van Georg Jarno. Ja, Namen verpflichten, und wenn man Rejidenz-Theater heißt, muß man den Trodi- tionen von dunnemols treubleibcn und sein Repertoire aus vor- vorgestern abstimmen. Robert Winterberg ist natürlich Regisseur und musikali,'chcr Leiter dieser verstaubten Herrlichkeit, und Leopold H a i n i s ch der fromme, edle und gute Kaiser Joseph ll. Lotto Carola, die wirklich reizend« Naive, ist die Förster- christcl. Und sonst? Schluß. Vorhang-!>. z. Englische Kinderehen. Im Oberhaus erklärte Marquis Salisbury. daß in England seit dem Jahre 1917 318 Fünszehnjährige, 28 Vierzehnjährige und 3 Dreizehnjährig« sich vermählt hätten, da noch dem englischen Gesetz Männer im Alter von 14. Mädchen im Alter von 12 Jahren heiraten können. Da selbst in China und in der Türkei die Grenze des heiratsfähigen Alters eine höhere ist als in England, nahm das Oberhaus einen Gesetzentwurf an, durch welchen alle Eh-n zwischen Personen unier 16 Jahren annulliert werden. Ein kleines Erlebnis. Es gibt eine Photographie von Wilhelm IL, die ich gern besitzen wollte: Ein bejahrter Herr steht unternehmungslustig in einem Abendmantel mit seidenen Revers vor seinem eigenen Schatten, einen keß gekniffenen Hut schief auf dem Kops. Ich betrete ein Papiergejchäst in der Budapester Straße, dessen Schaufenster mit„fürstlichen" Photo? überladen ist:„Zeigen Sie mir bitte Photographien von Wilhelm IL," sage ich zu einer ältlichen Dame mit hohem Stäbcizengozekragen. Die erstarrt: „Vermutlich wünschen Sie Bildnisse von seiner Masestät zu sehen, andres führe ich nicht" ll. 5ch. Edward Sicht, det Sühoenvildaer de» Thealer»«m Lülawplotz. Kall au! Einlodung der VoUSbukme ,E. V. am S. und S8. zwei 2ichtdilderi>orlrazc über des Thema.Das Bühnenbild, Deie». Werden, Wir- tun g'. Di« Borllögc finden im Hörsaal des Kutistgewerbejnuieiuns. Prinz- Zllbrecht- Ztr. 7a. statt. Einlaßkarten 0,70 M. Eine lavzn oliaee«eranstalten am 10. März. t1'/,.UHr. im Ji e. naissancetheater Serafine Kinne, Nich-rd T ch° �" n und Aurel von M ilkoß. Karten bei Bot- u. Bock. Zl.»erthenn, H. Tietz. im Jnaalidendant und nn der Kaste des Theater? David-cuschn-I Abend. In ihrem am 14.. 20 Uhr. in der Kunfttammcr. Leipziger Str. 26 1, stattsindendeir Tortraatabend wird R ari« Menvni ausschließlich Werke von David Luschuat p«l Lorw« brdv». Mädchenhandel vor dem Arbeitsgericht. Deutsche Tänzerinnen im Ausland schuhlos. Wenn man in einem deutschen Polizeipräsidium ansragl, ob es einen Mädchenhandel gibt, so wird diese Frage stets und ständig verneint. Und mit Recht, wenn man an einen Mädchenhandel mit gewaltsamen Eni- sährungen und Verschleppungen denkt, wie er in gewissen Hintertreppenromanen oder Ausklärungesilmen geschildert wird. Der wirkliche Mädchenhandel arbeitet sehr viel vor- sichtiger, so daß hinterher noch immer gesagt werden kann, daß sich die Opfer„freiwillig" zur Verfügung gestellt haben. Aus Anlafz einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht erfuhr man mit Entsetzen, wie leicht junge Mädchen der Prostitution in die Arme getrieben werden können, wenn, wie in diesem Fall, die deutsche Auslandsvertretung sich des Ernstes der Situation nicht bewußt zu sein scheint. Ein Truppenches sucht« für eine Tanzgruppe in Berlin sugendliche Tänzerinnen. Es fanden sich vier noch minderjährige Mädchen. Wie üblich, wurde ein Vertrag für ein« längere Zeitdauer abgeschlossen. Bedingung war. daß die neu« Trupp« die internationalen Varietäs bereiste. Da der Vertrag durch Vermittlung einer angesehenen Berliner Agentur zustande gc- kommen war, trugen die Behörden keine Bedenken, den jugendlichen Tänzerinnen die Ausreiseerlaubnis nach Spanien zu erteilen. Noch- dem die Truppe zunächst ganz kurz« Zeit in verschiedenen Städten gearbeitet hotte, wurden die vier Tänzeriirnen ohne jede B e- gleitung nach Barcelona geschickt. Dort meldeten sich Sie Mädel bei dem im Vertrag vorgesehenen Unternehmen und erfuhren zu ihrer Ueberraschung, daß sie für die vereinbart« Gage von 14 Peseten j« Tag verpflichtet waren, sich von nachmittags 4 Uhr bis nachts 4 Uhr im Lokal aufzuhalten. Außer dem zwei- rnaligen Austreten sollten sie sich den„Gästen widmen". Worin dieses„Sich-den-Gästen-widmcn" bestand, kann nian sich ungefähr vorstellen, wenn man erfährt, daß die in dein Lokal verkehrenden „Damen" teilweise nur mit Hemdhöschen bekleidet waren und daß in den verschwiegenen Logen des Hauses das Hauptausstottungsstück «ine Chaiselongue war. Das Unternehmen war ein regelrechtes Bordell, wie sie in Spanien, wo«s eine Straßenprostitution picht gibt, zahlreich zu sinden sind. Di« Tänzerinnen weigerten sich, täglich 12 Stunden in diesem »Lokat" zu bleiben, stellten daraufhin ihre Arbeit überhaupt ein und setzten sich zunächst telegraphisch mit dem„Truppenchef" in Vcr- bindung, der in Holland saß. Der verwies sie an dos Deutsch« Kpnsulat in Barcelona. Nunmehr setzten sich die Tänzerinnen mit dem deutschen Konsul Lenz in Verbindung, der die Aufgabe hat, die Interessen unserer Landsleute in Spanien wahrzunehmen. Wie unser Konsul sein« Ausgabe auffaßt, kann man an seinem Der- halten den jugendlichen Tänzerinnen gegenüber erkennen. Cr hott« sür die Mädel zunächst nur den einen Rat:„Ihr könnt ruhig in dem Lokal arbeiten, bis Ihr Euch das Geld zur Reise nach Deutsch- land verdient(!) habt. Ich verkehre selb st in dem Lokal." Der Borsitzende des Arbeitsgericht, ein alter, erfahrener Amts» gerichtsrat, der seine Wort« sehr wohl abwägt, bezeichnete das Lokal, in den: sich der deutsche Konsul Herr Lenz so wohl fühlt, als einen ..Puff". Die Mädel saßen also ohne Geld in Barcelona, hatten Hotel- schulden und wußten nicht, was sie anfangen sollten. Durch 53er« mittlung der Internationalen Artisten-Log« ge- lang es, die Tänzerinnen nach Berlin zurückzubesördern, nachdem die s panischen VertreterderLogemitdem deutschen Konsul„Deutsch" gesprochen hotten. Di« Rückreise er- folgt« nach den Darstellungen der Tänzerinne» rpie ein Vieh- transport. In Berlin eingetroffen, klagten sie auf Zahlung der Gage für die ganze Lertrogsdouer. Der noble Truppenchef ließ sich im ersten Termin vertreten. Er hatte es vorgezogen, den Sühne- termin in Holland abzuwarten. Das Gericht hat zum Kammer- termin das persönliche Erscheinen des Beklagten angeordnet, shm aber durch seinen Vertreter gleichzeitig den Rat gegeben, lieber«inen außergerichtlichen Vergleich abzuschließen, da sonst mög- iichcrweise noch andere deutsche Gerichte den Fall aufgreifen könnten. Zu erwähnen ist noch, daß dieser sonderbare Arbeitgeber sogar eine Klage auf Konoentionolstrase gegen die Tänzerinnen ankündigt, da sie in Barcelona„kontraktbrüchig" geworden seien(!), als sie sich weigerten, sich den Gästen des Bordells zu widmen.— Der Ausgang des Prozesses kann nicht zweifelhaft sein. Das Auswärtige Amt aber würde gut tun, den Herrn Konsul L«l»z in Barcelona zur Berichterstattung aufzufordern, denn ein Vorfall wie der geschilderte, würde z. B. einem englischen Konsulatsvertreter Kopf und Kragen kosten. Ohne die Hilfe der Artistenloge wären die Mädchen verloren gewesen und mären in dem spanischen Bordell uirterge gongen. Panzerwagen statt Kavallerie. Die Technisierung deei englischen Heeres.— Fallen der Gesamtausgaben. London, 4. März. Kriegssekretär Sir Worlhington Evans erklärte iin» Unter- Haus bei der Begründung des Voranschlags für den Heeres- «tat, daß-die tatsächlichen Ausgaben von SKl4 Millionen Pfund •Sterling im Jahre 1920 auf 3213 Millionen im Jahre 1929 z u- rllckgegangcn feien. Diese Verminderung der Heeresausgaben um 11 Prozent erscheine um so bemerkenswerter, wenn man sie •mit den Heeresbudgets anderer Länder vergleiche. In Seil Bereinigten Staaten seien die entsprechenden Ausgaben von öl Mit- lione» Pfund Sterli»>g im Etatsjahr 1925/26 auf 59 Millionen in 3928/29 gestiegen, in Italien von 18 aus 28 Millionen, in Deutsch- land von 20 auf 25, in Frankreich von 34 auf 58 Millionen Pfund Sterling. Rußland habe in der gleichen Zeit sein Heeresbudgct mehr als oerdoppelt. Das russische Budget stelle sich jetzt aus 84 Millionen Pfund Sterling, i>as seien 40 Millionen mehr als mi Elatsjohr 1924/25. Auch in Belgien, der Schweiz und Japan seien die Heeresausgaben gestiegen. N u r Großbritannien habe seine Heeresausgaben ständig eingeschränkt. In der Motorisierung der Armee seien große Fortschritte er- gielt. Jedem Kavallerieregiment sei nunmehr ein« fahrende Maschinengcwehrabteilung beigegeben. Zwei Kavallerie- Regimenter seien in Panzerwagenregimenter umgewandelt worden. Nur eines von ihnen habe man 22 dreiachsige Panzerwagen des neuesten Typs angekauft. Die Zahl der Maschinengewehre �»i soweit vergrößert worden, daß nunmehr jedes Bataillon über 38 Maschinengewehr« verfüge. Man habe auch mit der Motorisie- rung der leichten Kavallerie begonnen. Zwei Brigaden der Feld- «rtillerie seien mit drahtlosen Fernfprechanlagen aus- gerüstet worden, vier weitere Brigaden würden im Laufe des Jahres mit derartigen'Anlagen versehen werden. Bei dem Tankkorps seien die alten Tanks der Kriegszeit durch T a n k s d e s modernsten Typs ersetzt worden. Die Maler wollen Arbeit! Die KPO. hat bei ihnen kein Glück. In einer gutbefuchten Mitgliederversammlung der Maler und Lackierer am Freitagabend im Gewerkschaftshaus sprach der Ber- tmndsvol sitzende Balz über„Die Situation im Malergewerbs". Nach einem allgemeinen Ueberblick über den Umfang der Arbeits- losigkeit, besonders der im Baugewerbe, zeigte er die Wege, die nach der Ausfassung der Gewerkschaften aus dieser ungeheure» Wirt- schaftskris« herausführen. Da von der B a u i n d u st r i e als Säilüsselindustrie die Beschöstigung in allen Gewerlen abhängt. müsse versucht werden, zunächst wieder diese Industrie flott z» machen. Dazu ist notweiidig, daß zunächst einmal größere A u f- träge von den öffentlichen Betrieben erteilt und mehr Not st an ds arbeiten z u m Tariflohn vergeben werden. Bor allem aber müsse sür die Bereitstellung von Zwischen- kredite» zu annehmbaren Zinssätzen zum Wohnungsbau gesorgt werden, damit die Bautätigkeit sofort nach der Frostperiod« ausgenommen werden kann. Desgleichen müsse ober auch in größerem Umfang« als bisher die Hauszins st euer dem Woh- nungsbau zugeführt werden. Um die Arbeitslos, gkoit besonders im Malergewerbe einzudämmen, fei es iTeben der Bekämpfung der Absichten der Unternehmer aus Verlängerung der Arbeitszeit, denen man jetzt sogar im Arbeitsschutzgesetz entgegen- komnien will, notwendig, die Zahl der Lehrlinge zu beschränken. Der Widerstand der Unternehmer gegen diese im Interesse des gesamten Malergewerbes erhobenen Forde- rungen wird aber nicht eher gebrochen werden können, bis nicht auch der letzt« Rialer der Gcwerkschasl zugeführt ist. Genosse Balz ging i» diesen, Zusammenhang kurz auf die Spaltungsporolen der KPD. ein und kündigte denen, die diese Parolen befolgen, den schärfsten Kampf der Gewerkschafls- instanzen an. Von besonderer gewcrkschastlichcr Schulung.zeugte es gerode nicht, daß der erste„oppositionelle" Diskussionsredner d i e Forderung au f" He ra b s e tz u» g der Loy r l i n g s z a h l als arbeiterfeindlich und zünftlerisch bezeichnet« und behauptete, daß diese Forderung nichts mit dem Geiste von Karl Marx zu tun habe. Was der kommunistische Landtogsabgcordnei« Ob erd öfter, der auch schon«in Jahr Mitglied(!) des Malerocrbandes ist, zum besten gab, war Demagogie übelster Sorte und ein einziges, noch dazu wenig nielodiöser Haßgesong gegen die Sozialdemokratie. Als den beriissmößigen„Revolutionären" von imsereil Genossen der Spiegel vorgeholten wurde, singen sie an zu brüllen. Die Be- deutungslosigkeit der„Opposition" offenborte sich bei der Abstim- mung über verschiedene ihrer Anträge, die mit etwa 95 Proz. der Stimmen aller'Anwesenden dem Verbandsoorstand als Material überwiesen wurde»._ Tansbewegung in der Keramik. Sie ersten Erfolge. Die Arbeitslosigkeit ist m der Grobteramit dieses Jahr enorm groß. Ein großer Teil der unter die Grabkeroinik fallenden Betrieb« ist der Sonderregelung für berufsüblichc Arbeits- losigkeit unterstellt worden. Trotzdem wollen die Unternehmer diese Löhne nun auch noch abbauen, oder mindestens in der bisherigen Form verewigen. Zu diesen, Zweck haben sie in einer ganzen Reihe von Bezirken bereits die Lohntarise gekün- d i g t und rasche Erledigung der Verhandlunge» gefordert. Nicht Abbau, sondern Ausbau der Löhne— das ist die Forderung der Arbeiterfchafl in der Grobkeramik. Die Organi- sationsverhältnifse haben sich seit 1926 sür die Zlrbeiterschast gc- wältig gebessert. Sollten die Unternehmer es hart auf hart an- koinmen lassen, dann werden sie dies« Besserung deutlich zu spüren bekommen. In de» Bezirke» Thüringen und Sachsen ist das zum Teil bereits der Fall gewesen. Dort und in Mittel- d e u t s ch l a n d sind in der Kalk- und Zementindustrie schon einige Lohnbewegungen beendet worden. In den Verhandlungen ist es in allen drei Bezirken gelungen, für die Arbeiter eine Spitzen lohnerhöh ung von 5 Pf. pro Stunde zu sichern: auch noch oerschicdcne airdere, kleinere Verbesserungen wie z. B. Versetzung von einzelnen Arbeiterkategorien in eine höhere Lohngruppe, wurden hernusgcholl. Bei der Zement- und Kalkindustrie Mitteldeutschlands ist der im vorigen Jahr ver- einbarte Ausgleich für Verkürzung der Arbeitszeit bei den Zement- aheitern um einen weiteren Pfennig erhöht worden. Das Reichslohn- und Ueber.zeitabkomnren in der feinkera- mischen Industrie ist von beiden Parteien gekündigt worden. Der Reichsmonteltarif läuft erst 1930 ab. Für die Ar- besterschaft mar ber der Kündigung die Tatsache entscheidend, daß die Löhne in der Feinkeramik viel zu niedrig— tief unter dem Lohmnoeau anderer Inimstrien— liegen. In dem Ueberzeitab- kommen muh ebeirfalls eine Korrektur zugunsteu der Arbeiter vor- genommen werden. Die Verhandlungen zum Abschluß neuer Ver- tröge finden voraussichtlich Mitte März statt. Die Beschäftigungs- zahl der von der Kündigung betroffenen Arbeiter in der Porzellan- und Steingutindirstrie beträgt rund 70 000. „Em Streik in Krankenanstalten?" Wir erhielten von dem Syndikus Dr. Philipsborn folgende Berichtigung: „In dem„Ein Streik in Krankenemstalten?" überfchriebenen Artikel von, 13. Februar 1929 wird behauptet. Herr Dr. Philips- dorn, der Syndikus des Provinzialvcrbandes von Berlin und Brandenburg für freie Gesundheitsfürsorge, habe bei den Lohn- verharchlungen über die„Krankenkassen mit ihren Palästen" gesprochen. Diese Behauptung ist unrichtig. Herr Dr. Philipsborn hat weder inhaltlich»och der Form„ach eine derartige Aeußc- rung getan. Entgegen dieser Berichtigung bleibt unser Gewährsnmm, dabei, daß bei der Erörterung über den Jahresbericht der Ortskrankenkasse Berlin von den Palästen, die sich die Krankcnkasien bauen, gc- sprachen würbe. Der Herr Syndikus ging sogar noch weiter� und sprach von den politischen Lohnbewegungen der ctadi» gemeinde Berlin._ Angestelttentanf im GaflwirtSgewerbe gekündigt. Der Zentralverband der Angestellten hat auf Beschluß seiner Mitglieder und Funktionäre dos Geholtsobkommen zun, Tarifvertrag für dos kaufmännische, technisch« usw. Personal in Hotel-, Restaurotions- und verwandten Betrieben und den domi- verbundenen Weinhondliingen zum 31. Mörz 1929 gekündigt. Der ZdA. und der Deutsche Wcrkmeisterverband sind beruftragt worden. daraus hinzuwirken, daß namentlich die Angestclltengehältcr in den unteren und mittleren Gruppen erhöht werden. Die am u.ar:i- vertrage beteiligten Organisationen haben beim Arbeitgebcrverbano inzwischen Aerhandlungen beantragt. In allen Tarif- und Berufsangelegenheiten«ende man stm schriftlich oder telephomsch an den Zentralverband der Angestellien bzw. den Deutschen Werkmeisterverband. Hehe gleich wie, aber hehe. llnwahre Angriffe gegen die 3ieichS s i c r t" mag er vielleicht anerkannt werden, nicht ober al« sozialpolitisch unterrichtet,— oder aber der Sersasser hat bewußt die Oefientlichkeit angelogen. Seine Anschuldigungen sind derart, daß wohl der Bcrwoltungsrat der Reichs- anstolt selbst gezwungen sein wird, sie ganz energisch abzuschütteln." Die Zeitung, die diesen Protest gegen einen Artikel der „G e r in a n i a", des Zentrumsorgans, veröffentlicht, ist „Der Deutsche", das Organ der christlichen Gewerl- schaften._ Wetter für Berlin: Nachts heiter und leichter Frost, am Toge wieder zunehmende Bewölkling, Temperaturen nahe bei Null uns später Neigung zu Schneefällen.— Für Deutschland: Nachts überall Frost, am Tage wechselnd bewölkt� und besonders im Norden Temperaturen bei Null und vielfach Schneefälle. .�loatsg, 4. März. Berlin. 16.00 Crust Laubsch, Matdcbars: Geist nnd Technik im Bureaubetrieb. 16.30 Paganini. Anläßlich seines ersten Konzertes in Berlin vor 100 Jahren u. a. Konzert für Violine und Orchester, D-Dur(Konzertmeister Maurits van den Berg). 17.30 Novellen von Oedön von Horvath. Gelesen von Victor Sch�annekc. 18.10 Der Haopt� örtcfslil(Deutscher Sprachverein), 19.60 Red�lob: Die altrussische Malerei in ihrer Bedeutung für unsere Oexen- traft. 19.30 Oscar Bie: Musik im Theater. 20.00 Josef Conrad über sie* selbst.(Vortrag und Lcscprobeii: Dr. Erich Franzen. 20.30 Von Prag: Internationaler Programmaustausch. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Marek Weber). Könicswustcrhausei. 16.00 Englisch(kulturkundlich-literarlschc Stunde). 17.30 Prof. Feinbcrtr. Moskau; Werke von Liszt. 18.00 Dr. Arnold Hahn: Wie steigert man die Leisluntsfähizkclt seines Geistes? 18.30 Erslisch für Anfänger. N 18.53 Dr. Margarete Wolff; Wirtschaftliche Ausbildung unserer Landfrauen und-töchter. 19.20 In?. Hans Rehr: Wcrkmeistcrlchrgang für Facharbeiter: Werkrcusc, 20.00 Hermann Rößler: PolaMand Polannenschen und Polsehnsucht. Verantwortl. Mir b\t Rebaktion: NoHgang Schwarz. Verlin: An�eiqen: Th. Sic e. Merlin. Berlofl: Vorwärts Verlag(S. m. b. Berlin Druck: vorwärts Buch. bn'ckerd und Derlagsanstält Paul Singer 5c Co.. Berlin SW 68. Lindcnstrane 3. Hierzu 1 Beilage. Stauchen Sie Mit wertvollen Gutscheinen l'lle sie sind besser! Mokfar, 5 Pf, Mokvi Superb, 6 Pf Auslese-Edel Türken, 5 Pf, 4leiy/#! Lbuhzsü In den Klauen des Fascio Ein litauischer Flüchtling erzählt seine Geschichte Erinnern wir uns noch on jene Togo, in denen ein Woldemaros sein eigenes Noll mit Krieg überzog, um der Freiheit Litauens den Nackenstreich zu versetzen, an jene kurzen Tag«, in denen unsere litauischen Genossen vergeblich versuchten, der Freiheit eine Gasse zu bah- nen? Gewalttat, Mord und Unterdrückung hier wie in Italien. Aber«rinnern wir uns noch? Lang ist es her und Litauen ein kleines Land. Wir vergessen zu schnell. Da kommt nun ein litaui- scher Genosse, dem es gelun- gen ist— verwundet—, der litauischen Hölle zu entfliehen, und berichtet uns über sein Schicksal. Es ist die Geschichte von einem jungen, ursprünglichen und heldenmütigen Volke. Es ist die Geschichte einer graiisamen Unterdrückung. Es ist die Geschichte des Faschismus, wo immer er auftritt. Vera Broido, die Tochter jener russischen So- zioldemotratin, die den Mut hott«, nach Sowjetrußland zurück- zukehren und den Mut nun in den Gefängnissen des Bolschewis- mus büßen muß, hat diese Geschichte aufgezeichnet, so wie sie unser litauischer Genosse erzälzlt hat. Und wir wollen uns erinnern. * Auf den 9. August wurd« der Aufstand gegen das faschistische Gewoltreglment sestgelegt. Das Zentralkomitee der litauischen Sozialdemokratischen Partei hatte beschlossen, an diesem Tage in Stadt und Dorf loszuschlagen. Die lang vor- bereitete geheime Arbeit schien vollendet, in jedem kleinsten Fleckchen hielten sich die Genossen zum Aufbruch bereit. Alles schien erreicht, alle Vorsichtsmaßregeln getroffen und doch war alles uinfonst. Die Partei wurde verraten. Einen Tag vor dein angesetzten Datum verhaftete man die führende» Genossen und erstickte so i»n Keim die ganze Bewegung. Ich war Kassierer des lokalen Porteikomitees in mein«» Heimatsdorfe T. In den letzten Tage» vor dem 9 August entwickelte ich wie alle Genossen im Dori eine rege Tätigkeit. Am 8. August abends um die Effenszeit trennten wir uns für kurze Zeit voneinander, um nach unseren Angehörigen zu sehen, und gingen nach Hause. Kaum hotte ich mich an den Tisch gesetzt und meinen Eltern und Geschwistern„Gute Mahlzeit" gewünscht, als schwere Tritte und Lärm die Ankunft der Polizei meldete. Wie ei» Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht im Dorfe. Än Ru waren alle draußen und die Polizei mußte sich beeilen, um aus dein allgemeinen Wirrwarr die Richtige» herauszufischen. Auch ich wollte mich unter die Menge mischen, um In einem günstigen Augenblick zu entfliehen. Aber«S war zu spät. Die Gendarmen waren bereits ins Haus gedrungen und standen imr gegenüber. So blieb mir mir die Hintertür, und mein« Beine trug«,, mich so weit, wie sie konnten, bis ich mich ini dicksten Wald allem und unoerfolgt fand. Äei-HafW? 18 Tage blieb ich im Walde versteckt. Wer jemals die un- berührten, urweltlichen Wälder Litauens kennengelernt hat, wird verstehen, welche Gefahren, aber auch welche Sicherheiten ein solches Versteck bietet. Hier konnte mich kein« Verfolgung erreichen, aber genau so schwer die Gcnosien, die mir Hilfe, Essen und Kleidung bringen wollten. So mußte ich mich doch täglich in Menschennähe begeben, und ging viele Kilometer bis zum Nachbardorf G. und wartete am Waldessaum aus das verabredete Zeichen. Dann kamen die Genossen, brachten mir Lebensmittel und erzählten von den neuesten Ereignissen, um erst nach Anbruch der Dunkelheit wieder zu gehen. Die Nächte Ende August sind feucht und schon kalt. Nach zwei Wochen war ich erschöpjt und entkrästet. Ich bat die Genossen, mich zu verstecken. Nach lange, n Betteln gaben sie muh. Das war mein Verhängnis. Schon in der ersten Nacht führten mich die Gendarmen ab. In, Kreisgesängnis brachte man mich in einer Zelle mit noch IZ anderen Genossen unter. Alle waren sie aus derselben Gegend. Hier fand ich auch meine Dorssrcunde wieder. Bauer», Arbeiter, Intellektuelle waren vertreten. Auch ein« Frau war dabei. Ein großes tiefes Gefühl der Zusammengehörigkeit oerband uns, uich die Begeisterung, die bei den Vorbereitungen zum Ausstand in uns entbrannt war, ließ uns unser Schicksal leichter tragen. Tage- lang erzählten die Genossen von den schweren Mißhandlungen bei der Verhaftung. Viele berichteten von Schlägen, die nicht nur ihnen selbst, sondern auch ihren vollkommen schuldlosen Angehörigen vor- abreicht worden waren. Oer Herr des Schicksals. Wir sollten vor das Feldgericht kommen. Das bedeutete für viele von uns Todesurteile. In den Wochen bis zur ordentlichen Verhandlung waren wir der Willkür des Untersuchungsrichters aus- geliefert. Untersuchungsrichter G o l o t i n f ch u s fitzt jetzt selber im Gefängnis wegen Unterschlagungen und schweren Betruges. An seiirer Stelle steht ein anderer, genau so gewissenloser Beamte. Damals aber war Golotinschus der unumschränkte Herr unseres Schicksals und arbeitete mit den Mitteln eines durchtriebenen Sadisten. In Gesellschasj von unsere», Gefängnisdirektor und v»deren hochbeamtetcn Justizpersonen durchsosf er die Tage, um PN- nachts halb bewußtlos vor Trlltilncheil zu«tnxfange», Nach dem Gefängnisgesetz durfte der Gefängnisdirektor nach 12 Uhr nachts keine Gefangenen mehr ausliefern. Aber das machten die Saufbrüder untereinander ab und so wurden wir stets um 1 bis 3 Uhr in der Frühe zum Verhör vorgeführt. Ein Schwoll von Beschimpftingen und Beleidigungen«mpfi.uz den Gesängen«,,. Das kleinste Zeichen von Unmut und er wurde verprügelt. Dabei vermied die feige Bande jede Prügelmethode, die äußere Zeichen der Mißhandlung hinterließ. Man legte den Gefangenen zwischen zwei Bretter und schlug dann auf ihn ein oder man stieß ihn wieder und wieder gegen eine harte Sieinwand. Die Folge waren innere Blutungen und Quetschungen. Jedesmal, wenn nach Mitternacht das Schloß an der Zellentllr klirrte und einer von den Genossen unsere Mitte verließ, warteten wir bange, wache Stunden aus seine Wiederkehr und jedesmal kehrte ein zerbrochener, mißhandelter Mensch zurück. Genosse N. bekam so viel« Schläge auf die Augen, daß er 4 Tage lang nichts sehen komite und man für sein Augenlicht fürchtete. Genosse Z.. der jetzt im Gefängnis wahnsinnig geworden ist, wurde damals schon so geprügelt, daß er schwerhörig wurde. Fast endlog wäre die Auszählung aller Schikanen, Mißhand- lungen und Gewalttätigkeiten, die uns da zu Teil wurden. Man versuchte uns mich auf eine andere Art unterzukriegen. Der Untersuchungsrichter wählte aus unserer Reih« den jungen Anton P. aus, der ihm schwächlich und charakterlos vorkam, bor ihm ein« größere Summe an und sicherte ihm Strasfreiheit zu. Dafür sollt« er ihm alles mitteilen, was er über die einzelnen Gefangenen wußte. Slus Angst vor dem Untersuchungsrichter, der ihn seine Macht fühlen ließ, und vor den Mitgefangenen, die sein scheues, unstetes Wesen mißtrauisch machte, tischte Anton P. dem Untersuchungsrichter Mordsgeschichten aus. die in keiner Weise stimmten. Donach wurden di« Anklageschristen versaßt. 4. Mai hinter Kerkermauern. Acht Monate waren wir bereits verhaftet und es wurd« schon Frühling. So kam der 1. Mai heran. Am Morgen dieses Tages herrschte in unserer Zelle eine fieberhafte Ausregung. An diesem größten aller Arbeiterfciertoge schien uns die Haft unerträglicher als fcmft, und auch wir wollten tellhaben an der Festfreude. Genosse P., mein Dorfnachbar, hatte ein rotes Hemd. Das zerriß er, damit wir uns olle ein Abzeichen daraus»lochen konnten. Nur der Verräter Anto» P. wurde übergongen. Es schien, als ob ihm plötzlich seine ganze Gemeinheit klar würde. Stumm verkroch er sich in eine Ecke und vergrub das Gesicht in die Hände. Als um die Mittagszeit die Wächter mit Eßtöpfen hereiukam«,, standen wir dicht beieinander und stimmten die Interiuitionale am Ueberroscht starrten uns die Wächter an. Ihrer Aufforderung-,„den Unsinn zu lassen", kamen wir nicht nach. Nach einigen Minuten ergebnislosen Zuredens holten sie den Gefängnisdirektor. Wut- schnaubend kam er in Begleitung seiner Getreue» angekeucht. Unser Gesang schwoll an und hallte in den Gefäugnisgänge», wider. „Aufhören? Abzeichen abreißen! Zu», Essen niedersetzen!", brüllte der fassungslose Gewaltige. Als alles nichts nützte, Hagelten schwere Schläge auf uns nieder. Vergebens versuchten sie uns die roten Bänder abzureißen»nd unseren Gesang zu überschreien. Mitten in den Lärm hinein klang auf einmal die hohe, vor Erregung zitternde Stimme des Anton P,:„I ch gehöre zu euch, Genossen, vertraut in ir wieder und gebt mir das rote Band!" Weinend nel er in unseren Gesang ein und warf sich in die erste Reihe, den Schlägen entgegen. Die Wächter zogen fluchend ab. Wir blieben zwar zerzaust und zerschlagen, aber stark und froh zurück. In der nächsten Woche bereits fand das Gericht statt. Bor den Richtern gestand Anton P.. daß seine Angaben erdacht und erdichtet waren, und so fielen die Anklagebeweise in sich zusammen. Denn- noch fällte dos Gericht Zuchthaus st rasen in Höhe von ZbislZ Jahren. Nur drei Genossen wurden wegen mangelnder Beweise freigesprochen. Zu diesen Glücklichen gehörte auch ich. Entlassung und neue Flucht. Nach meiner Freilassung ging ich in mein Heimatdorf zunick und nahm die Parteiarbeit wieder aus. Ich ging bald ganz in der Wiederaufbautätigkeit auf, ober es dauert« nicht lange. Nach kaum zwei Wochen fand die Polizei eine» Anlaß, einen neuen Haftbefehl gegen mich zu erlassen, und wieder konnte ich noch im letzt«, Augen- blick in den Wald flüchten. Diesmal sollte di« Waldeinsamkeit noch länger dauern. Tage- lang irrte ich im Dickicht umher und traute mich nicht in di« Nähe der Menschenwohnungen. Es war Ende Mai und noch kalt und ungastlich im Wald, die Natur noch nicht erwacht. Ich trug mir Tannenzweigc zusammen und machte mir daraus ein Lager, aber ich hatte keine Decke, um warm zu bleiben, und wachte jeden Morgen mit vor Kälte erstarrten Gliedern ausL Dazu litt ich Hunger. Meine Stimmung war verzweifelt. Da hörte ich eines Tages Menschenstiminen. Aus meinem Versteck heraus erkannte ich zwei Genossen. Sie hatten mir einiges mitgebracht und viele Neuigkeit«, auf Lager. So erzählten sie, daß es«nige« Geovjjen aus mewkr Zelle getungen mar. auj den; Transport nach dem Zuchthaus die Flucht zu ergreifen. Darunter auch meinem Freunde P. Den wollten sie zu mir bringen und uns beide mit Lebensmitteln versorgen. Am nächsten Tage bereits führten sie diesen Plan aus und seit- de», teilte ich mit P. das Waldesdasein. Zwei ganze Moiwte blieben wir so versteckt. Es bestand immer weniger Aussicht auf glücklichere Wendung. Unsere Genossen konnten in den Dörfern und Stödten keine Versammlungen mehr abhalten und verlegten sie in den Wald. An einer dieser Versammlungen nahm ich teil. Es waren viele Menschen von nah und fern gekommen. Sie waren viele Stunden auf schmalen, unbegongenen Pfaden gernandert, einzeln, im Nachtdunkel. Man verständigte sich durch leise Pfiffe. Mehrere Stunden bliebe» wir zusammen und unter vielem anderen, was wir besprochen haben, wurde unsere Flucht nach dem Ausland beschlossen, da es kaum möglich schien, uns länger geheim- zuhalten. Schweren Herzens nahmen P. und ich Abschied von den anderen Genossen und nahmen ihre besten Wünsche mit auf den Weg. Verwundet über die Grenze! Mitten In der Nacht brachen wir auf. Der Weg bis zur litauischen Grenze betrug über 300 Kilometer. Aber es geschah oft. daß wir mühselige und lange Umwege wählten, um nicht in die Hände der Streifwachen zu fallen. Ans einem kleinen Ranzen und einem Mantel bestand unsere ganze Ausrüstung. Unsere Stiefel waren nicht für eine so lange Fußreise bestimmt. Wir litten des- halb an furchtbaren Fnßsch, nerzen. Wir gingen aufs Geratewohl. Manchmal mußten wir eine Wiese, oder gar einen ganzen Getreideselderkomplex überqueren. Dann krochen wir aus allen Vieren, bis wir wieder im schützenden Schatten der Bäume standen. So kamen wir langsam, aber sicher vorwärts und nach unjcreir Berechnungen mußte der Marsch bald beendet sein. Längs der Grenze, wußten wir. standen die Wachen dicht bei dicht. Es war eii; heller, sonniger Morgen, als wir uns der Grenze näherten. Nachts aber hotte es geregnet und wir waren van, Waten durch den Schlamm so in Anspruch genommen, daß wir erschreckt aufsahen, als wir dicht vor uns Menscheisstimmen hörten. Wir erstarrten. Nur wenige Schritt entfernt stand ein Grenzposten. Wir versuchten, uns seitlich in die Büsche zu schlagen. Da knackle ein Zweiglein, die Soldaten blickte» herüber und jagten Salven hinter uns her, als wir flohen. P. lief voraus. Plötzlich sah ich, wie zwei Schüsse seine Oberschenkel durchbohrten. Einige stolpernde Schritte»iid er knickte zujaimmn.„L auf, ich komme schon nach!" Im selben Augenblick streifte mir eine Kugel de» Hut vom Kopse, eine zweite sauste dicht an meinem Ohr vorbei. Etwas riß an meiner Hand. Entsetzt, entgeistert betrachtete ich sie: ein einziger Blutklumpen: die gauze Mittelhand zertrümnnnt und Ströme von Blut. Im Lausen fetzte ich den Mantel in Streifen und wickeUe sie um die Hand, einen um den aniwrei,. Immer wieder aber färbten sie sich rot.... Inzwischen hotte das Schießen nachgelassen. Vorsichtig tappte ich weiter, meine Sinne waren unnaftirlich gespannt, jedes kleinste Geräusch riß an meinen Nerven. Ich ging gebückt. Lange, lange. Da, die Stelle, an der ich verwundet wurde. In meinem Gehirn klapsten tausend Hömmerchen. Meine Hand lvurde unnatürlich schwer. Ein Stechen, ein Prickeln. Wieder mochte ich mich aus den Weg, an den stachligen Büschen vorbei, wieder ging ich endlos weit im große» Bogen, lind wieder dieselbe Stelle. Unerträgliche Schmerzen. Ich tonnte mich kaum noch auirecht halten. Ich drehte mich um mich selbst, sah und hörte kaum noch. Die Stacheln der wilden Rosenfaüsche und Brombeeren zerrissen die Kleider, die Tannenzweige zerkratzten das Gesicht. Horch, ein leiser Pfiff! Mein Freund? Mit neuer Kraft strebte ich dem Pfeifen noch. Der Wald lichtete sich immer mehr. Hier, der Waldessaum. Und dort, im Schatte« der letzten Baume Soldaten einer Grenzwoche! Ich wurde umringt. Meine Kraft war zu Ende. Ein leichter Kolbenschlag und ich log am Boden. Erlösung. Ich erwachte in einem Polizeirevier aus meiner Ohnmacht und sah die lachenden Augen meines Freundes P. über mir. Trotz seiner Wunden war es ihm gelungen, den Häschern zu entrinnen. Auch er war dem Grenzposten in die Ann« gelaufen, aber— es war ein lettischer! Die lettische Polizei brachte uns nach Riga. Bon dort flüchtet«? wir weiter muh Deutschland, als Waldemar« unsere Auslieferung verlangte. tä�fsr- von cter Jinntfon-J. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W 35. von cter Hudron-T�ai Zeic/murzgzerL i/orz Adoff Leknert (15. Fortsetzung.) Illu batik sagte, daß ein solcher Mann natürlich nicht ohne Frau sein könnte, und daß Toparte kaum viele Felle zu bereiten hätte. Hotte er etwa jetzt Glück gehabt, als er versuchte, Herr zu sein und alle veranlaßte, aus Fang zu gehen? Und wie war es damals, als er Geistermahner spielen und dem kranken Mann Helsen wollte, der sich erholte, obwohl Taparte sagte, daß er sterben müßte. Bald darauf sahen sie zwei Schneehühner. Mala hob die Büchse und schoß sie, jedes bekam eine Kugel in die Brust, die anderen standen bewundernd da und sahen zu. Er gab jedem seiner Knaben eines der Schneehühner, die sie noch warm aßen. „Sie kreuzten meinen Weg, sie wurden geschossen.' sagte Mala und ging weiter, als sei nichts geschehen. Man verstand, daß große Dinge zu erwarten waren. Als man das Lager erreichte, setzte Mala sich vor das Zelt, rauchte seine Pfeise und sah in di« Lust. Die anderen waren müde und begaben sich bald zur Ruhe. Er ober blieb sitzen und grübelte über sein Schicksal und seine Einsamkeit. Würde Aba am nächsten Tage kommen? Der Sommer war warm, er konnte es nicht er- tragen, allein zu sein. Aba kam nicht. Taparte wachte ständig über sie und verbot ihr, zu gehen. Da ging Mala aus die Jagd, mehrere Tage war er fort, und als er wiederkam, brachte er viel Fleisch mit, ging zu Aba, warf drei Renntierzungen vor sie hin und sagte: „Hier ist ein bißchen Zunge. Es ist lange her, daß dein tüchtiger Mann dir etwas gebracht hat.' Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er heim und wartete, was geschehen würde. Kurz darauf kam Taparte aus seinem Zelt und tat, als sähe er erst jetzt die drei Zungen. „Wer hat Fleisch gebracht? Haben wir nicht selbst genug zu essen?' „Mola kam mit Zungen und gab sie mir.' Taparte nahm die Zungen und schleuderte sie weit fort, so daß die Huiibe sich darüber stürzten und sie in wenigen Bissen ver- schlangen. „Nimmst du Fleisch ohne Wissen deines Mannes an? Hast du nicht eine Menge zu essen?' sagt« er hierauf und gab seiner Frau einen Stoß, daß sie hinstürzte; dann nahm er das Fell, das sie schrabte und riß es mittendurch. Taparte war zornig geworden, aber seine Frau war noch nicht geduckt. Sie sprang aus, stellte sich vor ihn hin und sagte: „Wenn du schlagen willst, warum schlägst du dann nicht den, der die Renntierzungen bracht«? Warum strafft du nicht den Fänger. der sie hier aus die Erde legte. Ich habe nichts dazu getan, es sind nicht mein« Zungen. Aber eine Frau wagst du zu schlagen" Ein Kichern ertönte von den hinter den Zelten lauschenden Zu- schauern, die schnell herbeiströmten, als sie Unfrieden witterten. Ihr Lachen machte den Mann rasend. Er hatte keine treffende Antwort auf der Zunge, fuhr aber auf Aba los und schlug sie mit geballter Faust an den Kops. Sie fiel hin, stieß ihm aber im Fallen ihre Hand in den Bauch, und er taumelte, um das Gleichgewicht zu bewahren. Dabei stolperte er über einen Stein und konnte nicht wieder auf die Füße kommen, sondern kollerte zu Boden. Eine Frau hatte ihn umgeworfen. Das Lachen erscholl von allen Seiten. Aba genoß ihren Triumph, sie blieb liegen, wo sie hingefallen war, lachte mit und sah ihren Mann verächtlich an. Mehrere Menschen kamen verlegen hervor, und einer der Männer stellte sich neben ihn und fragte, warum er dasäße? Tapartes Größe war gering. Ein Weib konnte ihn umwerfen. Wild vor Wut sprang er auf, stürzte sich auf seine Frau und hämmerte auf ihren Kopf los. Er packte sie am Haar und zerrte sie über den Boden; aber nicht ein Laut kam van chren Lippen, trotzig verbiß sie ihren Schmerz. Taparte wurde immer wütender, er ergriff einen Stock und prügelte sie. Nicht ein Wort kam über chre Lippen; plötzlich aber sprang sie auf, hob einen großen Stein mit beiden Händen über ihren Kopf und warf ihn aus den Mann. Es gelang ihm, beiseite zu springen, aber er ließ den Stock fallen, wieder scholl ihm jubelndes Lachen entgegen, und Kinder und Halbwüchsige begannen zu rufen: „Er hat seinen Stock verloren. Wer ist wohl der Stärkere?' Was sollt« der Mann tun. Er stand eine Weile da und bedachte sich, was er tun könne, um sich in den Augen der Siedlungsgenossen zu behaupten: ober da kam der Höhepunkt des Skandals. Aba drehte ihm den Rücken zu und sprang kurz entschlossen auf den Stock los. Sie hotte einen ganz ausgezeichneten Gedanken. Sie hob den Stock auf und zerbrach ihn mit ihren beiden Händen. Und alle mußten es sehen und das Krachen hören. In so hohem Maße ver- achtete sie ihren Mann. Schallender Jubel von allen Zuschauern. Mala, der alles durch eine Ritze im Zeltfell gesehen hatte, mußte jetzt auch mit dabei sein, er trat vor sein Zelt und stand lachend unter den anderen. Taparte sah sie alle in einem roten Schein und sprang wieder auf. Neue Prügelszenen, neue Schlägerei. Wie ein durchtriebener Boxer sprang Aba auf ihren Mann los und umklammerte ihn, so daß es ihm unmöglich war, sie zu treffen, und da sie groß und schwer war, behinderte ihn ihr Gewicht. Nicht viele wirkliche Schläge brachte er ihr bei. Schließlich ober bekam er ldie Ueberhand, zwang sie Zu Boden und bearbeitete ihren Unterleib und ihre Nieren mit seinen Fäusten., Mer da geschah etwas Unerhörtes. Mala trat ganz ruhig vor und nahm sie bei der Hand. Was war das? Die Zuschauer be- lustigten sich. Welch einen herrlichen Wohnplotz sie gewählt hatten! Ein Mann mischt« sich in den Streit zwischen Eheleuten. Kann eine Beleidigung größer sein? Wer dazu hatte Mala noch Aba bei der Hand genommen und war mit ihr fortgegangen. Ein Frauenraub bei hellichtem Tag«, ohne daß der Mann Widerstand leistete. Mala blieb vor seinem Zelt stehen. Er suchte verschieden« Kleinigkeiten zusammen, warf seine Büchse über die Schulter, reicht« Aba einen Topf und wanderte dann, von ihr gefolgt, davon. Toparte blieb zurück und fand sich in alles. Er fühlte das Lachen der Zu- schauer wie einen physischen Schmerz, und er wandte sich um und rief seine Frau, aber sie war schon weit fort. Cr sah, daß Mala einig« Worte zu ihr sprach:„Du sollst nicht antworten,' sagte er natürlich, und sie gingen ruhig weiter, man sah, daß es keine Flucht mar. Es waren ein Mann und eine Frau, die fortgingen. Da ergriff Taparte eine Harpune, einen Lochsspeer, der neben seinem Zelt lag und schleuderte ihn auf Walas großen Hund, der gerade in der Nähe log. Der Hund sprang auf, aber er war tödlich verwundet und fiel bald wieder um. Ja, wahrlich, es geschah viel in dieser Ansiedlung. Kurz darauf wandte sich die Aufmerksamkeit den Fortziehenden zu, die bereits fern und ganz klein waren. Man sah Aba auf dem Hügelkamm stehen bleiben, nach dem Zelt sehen unii sich umdrehen, als wollte sie oersuchen, umzukehren. Der Zorn hatte sie wohl verlassen. Aber da sprang Mola auf sie los, packte sie um den Leib und hob sie hock?. Sie zappelte mit den Beinen und leistete Widerstand, das sah man; aber er warf sie über die Schulter, beugte sich mit ihr nieder, hob den Topf auf. der zu Boden gefallen war, und ging über-den Hügelkamm, wo sie oerschwanden Eine Anzahl von jungen und neugierigen Frauen begannen gleich zu laufen. Si« stürzten nach der Seite, um den Hügel zu um- gehen und zu sehn, was weiter zwischen den beiden Fortziehenden vorfiele. Die Männer und die älteren Frauen blieben daheim, die Frauen nahmen die Schrabbretter vor; aller Blicke richteten sich aber doch auf Taparte, und er sah, daß sie sich über ihn lustig machten; aber er wollte sich nicht ergeben. Er ging ins Zelt, und man hörte ihn mit verschiedenen Dingen rumoren. Dann kam er mit der Büchse im Halfter wieder heraus, warf sie über die Schulter, nahm sein mächtiges Messer in die Hand und ging mit festen Schritten fori, den Weg, den er Mala mit seiner Frau hatte oerschwinden sehen. Orsokidok war nicht daheim, er war mit Walas zweiter Büchse auf der Renntieriagd und hatte eine Schachtel Feuerhölzer in der Tasche, so daß er imstande war, lange fortzubleiben. Er war weit gegangen, denn er hatte mit einigen Renntieren Pech gehabt: sie entwischten ihm stets, ehe er in Schußweite kam, und als er endlich nahe genug war, hatte er fehlgeschossen: ober er wollte doch etwas vorzeigen können, wenn er wieder zu den Zellen kam,/ und ging weiter. Er wurde warm vom Gehen, und als die Müdigkeit ihn übermannte, legte er sich in die Sonne schlafen. Als er aufwachte, war ihm seltsam zumute. War es der ge- waltige Traum, den er gehabt, oder war etwas mit ihm geschehen? Ach, jetzt erinnerte er sich. Kukiaktarnak, das entsetzliche Feldgespenst, die Klaue, war hinter ihm hergewesen und hatte ihn im Schlafe überwältigt. Die Klaue, dieses unheimliche Gespenst, das immer ein- same Renntierjäger überfiel. Die Klaub« hatte ihn im Schlafe ver- gewaltigt, um ihn zu einem Geistermahner umzuschaffen. Eine heftige Schwere war über Orsokidok gekommen, und er hörte noch die ent- sctzlich schnarrende Stimme der Klaue, die ihm erzählte, daß er. wenn er Geistermahner sein wollte, keinem davon erzählten dürfte. Im Laufe des nächsten Winters würde er dann einen Berggeist gebären, der mit der Klaue zusammen fem Hilfsgeist werden sollte. Wenn er aber nicht Geistermahner sefn wollte, so Önnie er von der Begegnung erzählen, und dann würde die Leibesfrucht in ihm von selber verschwinden, aber«ine Materiensammlung in seinem Mast- dorm, die erst entleert werden müßte, würde die Saat der Klaue sein. Erschrocken log Orsokidok da und zitterte vor Angst. Er merkte, daß er schwach war und sich nicht erheben konnte. Was war nur mit ihm geschehen? Ihm wurde warm, und ihm wurde kalt. Bald brannte ihm der Kops, und bald waren seine Füße eisig. Plötzlich sah er weit unten im Tal etwas sich bewegen, das kein Renntier war» und feine Aufmerksamkeit wurde gefesselt. Er sah sofort, daß es ein Mensch war, oder war es vielleicht die Klaue, die noch umher- wanderte? Die Gestall kam näher, bewogte sich langsam wie«in Mann, und bald darauf sah er, daß es Taparte war. Orsokidok freute sich, wieder Gesellschaft zu bekommen. Die drei Tage, die er fori- gewesen, waren wie eine Ewigkeit. Er war krank und merkte, daß er baldigst zu den Menschen mußte. Der Anblick Tapartes hatte ihm jedoch etwas Kräfte wiedergegeben. Er stand auf, nahm sein« Büchse und ging ihm langsam entgegen. Toparte sprach nicht mit ihm, rief ihm nicht die Wiedersehens- sreudc entgegen, sondern ging düster und mit Zorn im Gesicht; da sagte Orsokidok, daß er krank und müde sei. „Seil wann sprechen junge Knaben mit Männern, wenn sie nicht gefragt sind?' fragte Toporte.„Du Wurm, den ich verachte. Hast du Mala gesehn? Folgst du ihm? Ich suche ihn.' „Ich weiß nicht, wo Mala fft, ich oerließ das Zelt, als er da war. Ist er nicht auf Fang gegangen? Ich habe nichts erlegt. Einig- liefen weg. andere fehlte ich.' „Ja. du fehltest, aber es gibt Menschen, die richtig schießen und treffen können, und wer getroffen wird, mutz sterben. Gib mir deine Büchse, ich will sie sehen." „Die Büchse gehört Molo, und ich habe sie geliehen. Aber warum bist du zornig? Warum sprichst du so? Wer Hot dich erzürnt?" „Gib mir die Büchse, oder ich nehme sie dir. Schnell." Orsokidok reichte ihm die Büchse. Es war ein erwachsener Mann, der ihm einen Befehl gab, wie konnte er sich weigern, ihm zu ge- horchen. Taparte ergriff die Büchse, faßt« den Lauf mit beiden Händen und schlug st« gegen einen Stein, daß sie zersprang. Schlug noch einmal, daß das Schloß in Stücke ging. Als die Büchs« völlig unbrauchbar war, warf er sie über seinen Kops hinweg und sagte: „Das war die ein« von seinen Büchsen, und du, Malas Pflege- söhn, du sollst mit all den Seinen gejolleri werden.' Er packte ihn an der Brust, hob ihn auf, schlug ihm mit ge- ballten Fäusten gegen die Schläfen und schleuderte ihn fort. Orsokidok konnte sich nicht wehren, so überraschend war der Angriff gekommen. Taparte stand grübelnd da. Sollte er den Knaben erschlagen oder ihn am Leben lassen? Mala war der Mann, den er zu treffe» wünschte, Mala, der mit seiner eigenen Frau in die Berg« ging. Er sollte seine Rache fühlen. Warum war er auch hierhergekommen? Er sollte Taparte fürchten lernen und von seiner Niederlassung weichen. Deshalb nahm er seine Büchse, schob eine Patrone hinein und schickte sich an, den Knaben zu erschießen. Orsokidok wurde von Schrecken gepackt, er setzte sich auf und rief, so schnell er konnte: „Willst du mich erschießen? Willst du mich treffen? Kukiaktarnak, mein Hilfsgeist, komm! Ein Mensch, der glaubt, ich sei ohne Schutz! Kukiaktarnak, ich sehe, daß du kommst, hilf mir!" (Fortsetzung folgt.) tt�tS DER TAG BRINGT. rniimiinninunirnwiimwiwmiiwwmiHwmuHNimmiiwwiiiwwimiiuHifflUWiMW Altmodische und moderne Insekten. Zwischen den Lebensbedingungen der aus älteren Erdperioden stammenden Insekten und denen der Insekten aus jüngeren Erd- zeiten besteht ein großer Unterschied. Der amerikanische Zoologe Dr. Clarence H. Kennedy hat nun die Theorie ausgestellt, daß die„modernen" Insekten im Vergleich zu den„altmodischen" viel intensiver und rascher leben, lebhafter und intelligenter sind und besonders viel Licht und Wärnre brauchen. Diese Insekten, die sich erst in späteren Erdperioden entwickelten, wie z. L. die Ameisen, Bienen, die höheren Libellenarien wie auch die Tagfalter, deren Auftreten zum Teil in die Tertiörzeit zurückreicht, lieben den Auf- enthalt in den warmen Ländern— besonders in den Tropen—, bevorzugen Plötze, wo ihnen reichlich Sonnenbestrahlung zuteil wird, und meiden dunkle schollige Berstecke. In Ländern, in denen«in kühleres Klima herrscht, gedeihen sie im warmen Sommer besser als während eines kühlen Frühjahrs. Unter diesen Bedingungen leben sie ein verhältnismäßig kurzes Leben, ihr Lebenslauf vom Ei bis zur eigenen Fortpflanzung verläuft gewöhnlich sehr schnell und geht oft innerhalb weniger Wochen vor sich. Während nun diese„modernen" Insekten kürzer, aber intensiver leben, dauert dos Leben der„altertümlichen", d. h. aus der Iuroporiode der Erde stammenden Insekten viel länger. Unter ihnen gibt es Formen, die drei volle Jahre zur Reife brauchen und sich sogar auf Eis im Kühlraum aufziehen lassen. Alle dies« langsam lebenden Insekten vermehren sich in der Regel auch nur einmal und lieben den Aufenthalt in schattigen Wäldern wie' überhaupt an dunklen Orten; wenn es kühl ist, sind sie lebhafter als bei großer Hitze. Zu diesen Insekten, die man auch als„überlebende Fossilien" bezeichnen kann, gehören unter anderem auch die Bücherläiffe, Frühlingsfliegen, Blafcnfüße sowie die nieder organisierten Arien der Heuschrecken, Motten und einiger Fliegen. Neue Inseln im Südpolargebiet. Der englische Fgrschungsretsende Sir George H. W i l k! u s, der jetzt von seiner Südpolarexpedition nach Valparaiso zurück» gekehrt ist, machte dort Mitteilungen über seine Entdeckungen. So konnte er feststellen, daß G r a h a m- L o n d, das bisher auf den Karten als ein Teil des antarktafchen Kontinents verzeichnet wird, aus einer Reihe von kleinen Inseln besteht, die durch Kanäle und einen breiteren Wasserweg getrennt sind. Viel« neu« Inseln wurden entdeckt und eine Küstenstrecke von über lSlltl Kilometer westlich vom Weddel-Meer, die nach dem amerikanischen Geographen Dr. Isaiah Bowmon den Namen Bowman-Küste erhielt. Wilkins stellte auch fest, daß die vulkanischen Wassergebiete in der Nähe der Küste h-r Deeeptton-Jnsel so heiß sinid, daß von ihnen Dampf in die Luft steigt und es unmöglich fft, die Finger tn dies«? Meer zu tauchen. Duell zwischen Journalisten. Ein Duell zwischen einem französischen und einem amerikani» schen Journalisten fand kürzlich im Wald von Boulogne bei Paris statt. Der Franzose hatte sich in seiner Ehre schwer gekränkt gefühlt, da der Amerikaner ihn mit einigen Sensationsmeldungen über den Gesundheitszustand des kranken Marschall Foch genarrt hatte. Die einzig mögliche Weise, diesen Schimpf wieder gut zu machen, war für ihn die Forderung seines amerikanisäien Aollegen. Die beiden trafen sich in der strengen Winterkälte mit ihren Seku»- danten im einsamen Walde. Die Geschichte lief aber nicht trogisch aus, denn nach einigen fehlgegangenen Schüssen ver- söhnten sich die beiden Helden. St. Bureaukratius und das erfrorene HSsIein. Geht da bei der bekonnten sibirischen Kälte ein mitleidiger Malersmann seinen täglichen Arbeitsweg von Osfleben nach Gotcns- leben. Am Wegrand« kauert ein Häslein, dem die Kälte so arg mitgespielt hat, daß es vor dem nahenden Menschen nicht davon- rennt, sondern sich ruhig greisen läßt. Was liegt näher, als daß der mitleidige Tierfreund dos arme Tierchen auf dem Arme nach seiner Arbeitsstätte trögt. Am warmen Zinuner eines Einwohners findet es Aufnahme und Futter. Doch die Hilfe kam zu spät: am nächsten Tage war das Häslein tot. Nicht eingefroren war der heilige Bureaukratius, wie fol- gendes Schreiben bewefft, das der junge Maler nach einigen Tagen erhielt: „Es ist mir angezeigt worden, daß Sie ein der Jagd unter- liegendes Tier, einen Hasen, angenommen haben. Sie werden ersucht, falls die Angaben der Wahrheit entsprechen, den Hosen umgehend hier abzuliefern. Der Geineindevorsteher." Das schon beerdigte Häslein wurde wieder ausgegraben, in Papier verpackt und auf den Tisch des Gemeindebureaus gelegt. Sa geschehen im strengen Winter des Jahres 1929 n. Ehr. Tierfang mit„barmherzigen Kugeln'*. Die Verwaltung des Zoologischen Gartens von Pretoria, der Haupfftadt der südafrikanischen Republik, hat Eaptain Burnett Harris, den Erfinder der.chormherzigen Kugel' mit der Ausführung der neuen Fongmethode betraut. Das Tier, das von der Kugel ge- troffen wird, fühlt keinen größeren Schmerz als den durch einen Steinwurf verursachten. Die Kugel ist mit einem Betäub-ungs- mittel gefüllt, dos das Tier einschläfert, ohne ihm schädlich zu sein. Blutegel regen. Während und nach einem heftigen Wirbelsturm fielen in Ca- b a l l i t o in der argentinischen Provinz Buenos Aires Blutegel in größerer Zahl auf di« Erde. Da sich zunächst niemand diese Natur- «scheimmg erklären konnte, wandte man sich an dos Ackerbau- Ministerium, dos nach gründlicher Prüfung mitteilt«, der Wirbel wind habe in den vor der Stadt gelagerten Sümpfen neben anderen Objekten, trockenes Laub usw. auch die Blutegel hochgesaugt und zwischen den Häusern, wo sich seine Gewalt brach, sielen sie dann zur Erde. Er kennt sich. Der verstorbene Chordivigmt Siegfried Och» besaß ein über- aus lsidenfchafttiches Temperament, das von den Sängern ge» furchtet war. Mit seiner„göttlichen Grobheit' hatte Ochs eines Tages ein« Dame aus der Probe so furchtbar abgekanzelt, daß ihr schließlich die Geduld riß und si« sagte:.Ich werde hinausgehen, bis Sie sich wieder anständig benehmen." Worauf ihr Ochs würend nachbrüllte:„Dann können Sie gleich ganz fortbleiben!' Eishockey im Sportpalast. BSC schlaft Budapest 5: 0. Mit dem für Sonnabend angekündigten Eishockey match Budapest gegen„Brandenburg" wurde es nichts, denn die auf dem Wege nach Berlin befindliche Ungarnmannfchaft war kurz vor Prag im Schnee steckengeblieben und traf deshalb erst mit vielen Stunden Verspätung in Berlin«in. Als Ersatz stellte sich der „Berliner Schlittschuh-Club" den Brandenburgern zum Kamps. Die Mannschaft der Brandenburger war der Technik der Gegenseite keineswegs gewachsen. Das Treffen endete mit einem 3: 2- S i e g des BSC. Von den fünf Toren des Schlittschuh-Clubs schätz Ball zwei und Zahler, Jänecke sowie Römer je ein Tor. Aus der Gegenseite waren Prange und Merkcr je einmal erfolgreich. Der Sonntagabend brachte dem Sportpalast wieder ein gut- besuchtes Haus. Roch Absolvierung der Berliner Meister- s ch a f t e n un Kunstlaufen des Brandenburgischen Eissport- Verbandes, über deren Ausgang wir am Schluh berichten, betroten von allen Seiten stürmisch begrützt die Budapester und die BSCer die Eisarena. Nach dem„Unentschieden", das die Ungarn gegen den tschechischen Europameister errungen hatten, war die Chance für beide Seiten völlig offen. Bold zeigt« sich aber die große Ueber- legenheil der gut in Form befindlichen Internationalen des BSE. «Famoses Kombinationsspiel und gut eingeleitete Einzeldurchbrüche brachten den Berlinern einen— man kann ruhig sagen— kaum erwarteten 5: st- S i e g. In besonderem Matze waren es Brück, Häßler und Iänccke, die den heimischen Forben zu einem so über- legenen Siege verhalfen. Auch Lücke im Tor war immer auf seinem Posten; wenn er auch nicht sehr viel zu tun bekam, hielt er doch einige scharfe Schüsse sicher. Das erste Spieldrittel brachte schon kurz nach dem Anpfiff den BSC. in Führung. Eine Lorlage von Brück sendet Hotzler unfehlbar ein. Die Magyaren drängen zum Ausgleich, aber ihre Angriffe scheitern fast immer an der Berliner Verteidigung, die höllisch auf- paßt. Ein gelungener Durchbruch Holsbeer-Jänecke-Brück bringt dem BSC. das zweite Tor. Das Spiel wogt hin und her, meist entbrennt der Kampf um die Scheibe vor dem Tor der Ungarn, denen selten ein erfolgversprechender Durchbruch gelingt. Kurz vor Schluß des ersten Drittels ist es der jugendliche Iänccke, der das dritte Tor schießt. Im Alleingang durchbricht er die gegnerischen Ketten und jagt die Scheibe aus der Flanke bravourös ein. Im zweiten S p i e l d r i t t e l ist der Kampf etwas aus- geglichener, obgleich die ständige Ueberlegenheit der Berliner unver- tennbar ist. Die Ungarn verteidigen letzt auch stärker, niehrfach bringen sie das Berliner Tor in Gefahr, ohne jedoch zu einem zähl- baren Erfolg zu kommen. Dann bekommt der Budopefter Tor, Wächter wieder reichlich Arbeit. Häßler geht mit der Scheibe durch und schießt, der Tsrwächter wirft sich, aber die Scheibe rollt über ihn hinweg hinein ins Netz. Das viert« Tor für Berlin! Kurz darauf fällt für Berlin das fünfte und letzte Tor. Hals- beer umspielt geschickt das Ungarntor, Ball nimmt die Scheibe auf und sendet ein. Das letzte Spieldrittcl endet torlos, da beide Parteien van dem scharfen Tempo sichtlich ermüdet waren. Wohl haben die Berliner noch mehr als einmal gute Torchancen, doch legt Budapest zum Schluß alles auf die Verteidigung. Die V« r l i n e r K u n ft l a u f m e i st e r f ch a f t« n, die durch geringe Beteiligung und mätzige Leistungen charakterisiert wurden, brachten folgende Ergebnisse: Herren: 1. Haertcl(BSC. Platz- Ziffer 5, 267 Punkte: 2. P. Franke(BSC.) Platzziffer 12, 235 Punkte. Damen: 1. Frl. Flebbe(BSC.) Platzziffer 3, 228 Punkte; 2. Frl. Dietze(BSC.) Platzziffer 6. 182 Punkte. Paare: 1. Ehe- paar Krümling(BEB. 86) Platzziffer 3, st, 3 Punkt«; 2. Frl. Hempel-Baumgärtner(BEC.) Platzziffer 6, 7,8 Punkte. Die schwimmende Polizei. Schwimmfest der Gruppen West, Nord, Mitte. Um, wie Polizeioberst G e n tz in feiner Begrüßungsansprache besonders hervorhob, mit dem Publikum in ein immer engeres Verhältnis zu kommen, veranstalteten die Berliner Polizei- gruppen West, Mitte und Nord gestern im Lunapark«in S ch w i m m f« st, dem bei vollbesetzten Tribiinen auch Polizei- Präsident Z ö r g i e b e l und Kommandeur Heimannsberg beiwohnten. Stoffeln uni> Einzelschwimmen. Springen und Rettungsoor- sührungen, humoristische Einlagen und schließlich«in Wasserballspiel hielten bei der flotten Abwicklung und bei der�ingenehmen Kürze der ganzen Veranstaltung das Interesse des Publikums stets wach. Unter den Schwimmern im Maniy'chaftsrange sah man sehr gute Kräfte. Soweit die Konkurrenzen für alle Dienstgrad« offen waren, hielten auch die Offiziere topfer mit. Da» Istst-Meter-Rückenschwimmen wurde von Wachtmeister Wiedemann-Nord erst nach scharfem Komps gegen seinen Gruppenkameradeu Wendt gewonnen: fünf Sekunde» trennten beide. Die Istst Meter beliebig holte sich Wachtmeister Bervke- Nord mit nur 2,8 Sekunden Vorsprung vor Wachtmeister Busse- West. Interesiante Kämpfe lieferten sich die Offiziersteilnehmer in der Dienstgradstaffel, in der jüngste Wachtmeister und„älteste" Hauptleute mitwirkten. Der Sieg der Gruppe West war nicht zuletzt auf das kräftige Eingreifen der Offiziere als Schlußmänner zurück- zuführen. Ein interessantes Rennen lieferten sich Hauptmann Alt- richter, Oberleutnant Quasbarth und Hauptmann Baltrufch. die die 3314 Meter Brustschwimmen in dieser Reihenfolge mit nur einer resp. drei Sekunden Abstand absolvierten. Ein 100-Meter-Brust- schwimmen war eine sichere Sache vl�i Wachtmeister Möller-Nord 1:26.3 Min.), dem aber dichtauf Wachtmeister Schnndt-West folgte. Bei einem Rettungsfchwinmien traten die Mannschaften in Aus- rüstung an; sie mußten beim Signal ablegen,«ine Bahnlänge zum Opfer hin- und schließlich eine Bahnlänge mit dem Geretteten zurück- schwimmen. Hier brachte Schönwiese-West seine»„Verunglückten" in 1:27.3 Mirrnten ein. Ein« ganz besondere Leistung sei noch hervorgehoben: Wacht- meistcr Vo lla ck von der Inspektion Prenzlauer Berg sprang in voller Ausrüstung, sogar mit Karabiner umgehangen, Seitengewehr und Revolver vom ID-Meter-Turm und entkleidete sich völlig(bis aufs Trikot!) unter Wasser.— Die Schutzpol izeikopelle machte gute Musik; die Presse wurde von Hauptmann Denk« sehr aufmerksam bedient.— Resultate: 3 X 100 Meter: I. Kruppe Nord 4:05: 2. Trupp« West 4:39. Belfabig 66�3 Muf die Fährte. Heber den Fkakensee, nach einem steilen Anstieg durch dick mit Unterholz bestandenen Hochwald schraubten wir uns langsam Schritt für Schritt in die Höhe, um dann wieder hinab zu saufen. In rasemdern Galopp ging es bergauf, bergab, durch dick und dünn, bis wir Plöhlich den ganz ahnungslosen Fuchs in aller Ruh« Mar- kierung stecken sahen. Er wähnte uns noch weit im Felde und ganz leise pllrschten wir uns heran. Aber der Fuchs hatte einen guten Riecher. Jin letzten Augenblick fauste er davon, sämtliche Kurven ausnützend, bis er unseren Blicken entschwunden. Wieder kühn geworden, lieh er jich zu kurzer Rast verleiten. Es gelang uns, ihn zu umzingeln. Ein kühner Spnmg rettete ihn kurz vor dem Ergreifen aus dieser Sackgasse. Der arme gehetzte Fuchs hatte nun keine Zeit mehr Markierungen zu stecken, so daß die Nach- zugler lange vergeblich nach einer Spur suchten, ehe sie sich aus den Weg zum Uebungshang machten. Die ärgsten Verfolger heftete» sich dem Fuchs hart an die Fersen, doch ein schlauer Fuchs ist selten zu kriegen: so war es auch hier. Er landete mit l'A Minuten Vor- iprung am Uelningshang. Da die festgesetzte Zeit überschritten, war er frei. Nun noch einige Schwünge geübt, und dann noch einmal zur Mondscheimvisse. Hier christelte und sprang noch alles tüchtig. Keiner dachte an das„morgen" und an die Heimfahrt, bis die Dunkelheit mit Gewalt hereinlbroch und so alle zum Aufbruch zwang. Noch ein« Fahrt durch das nächtliche Schneegestöber und alles landete wohlbehalten«i» Bahnhof. Alle« in allem«in sehr schöner, genuß- reicher Sonntag und für eins Aibeiter-Wintersportlcr ein schöner Fortschritt. M. P. Skilaufen beim Reichsbanner. Das gute Sportwetter hatte auch die W i n t e r s p o r t a b t« i- lung des Reichsbanners in»ie niärkischen Berge gelockt. Die Wetterpropheten k)atfen nicht recht behalten, die weiße Schnee- decke war zwar ein wenig vereist,»»er aber gut aus seinen Skiern stand, dem tonnte auch/der verharrschte Schnee nicht viel anhaben. SS««och dazu rtchtlg geuuchfi hott«, de? konnte aus«we» guten Sport rechnen. Di« Wintersportabteilung fuhr in zwei Gruppen in die Saarmunder Berge. Die Skitünftler mußten schon in Reh- brück« bei Potsdam ihre Bretter anschnallen. Sie sollten erst ein- mal ihre Kunst im Springen zeigen. Auf der Uelmngsschanze bei Rehbrücke war auch recht bald ein lustiger Sportbetrieb im Gonge. Wer nicht mitspvang, übte Stemmbogen, die Gewandteren sogar Telemark und Geländesprung. Allzu schnell mußte wieder weiter- gewandert werden. Heber die— als Stigeländ« idealen— Kahens- berge gings zu den Schönen Bergen und von da zu den Seisbergen und nach Saarnnuch. Dort wurde gemeinfam mit den Skibabys, die von Wilhelmshorst«intrafen, Mittagsrast gehalten. Nach kurzer Ruhepause wurde dann dos eigentliche Hebungsgelände, die Saar- munder Berge, gesucht, wo dann gemeinsam bis in die Abend- stunden fleißig geübt wurde. Bon Michendorf, wo am gleichen Abend ein republikanischer Abend stattfand, wurde die Heimfahrt angetreten. Die Wimersportabteilung hat den— wahrscheinlich— letzten Sonntag mit guter Schneedeck« ausgenutzt. In den O st e r t a g e n fährt die Wintersportabteilung in das Riefengebirge. Don Gründonnerstag bis zum 2. Ofterfeiertag wird das Riefengebirge durchwandert. Standquartier ist Brückenberg. Mit Fahrgeld und Pension kostet die Fahrt 45 TO. Anmeldungen müssen rechtzeitig erfolgen. Frcifag wieder Boxen. Das für Freitag, den 8. März, im Sportpalast zu- sammengestellte internationale Boxprogramm, desien Haupikampf die Begegnung Franz O i e n e r s mit Gibst) Daniels ist, hat insofern«ine Aenderung erfahren, daß Fritz Reppel, der Gegner des Engländers Poung Spears, an einer gefährlichen Grippe er- krankt, den Kampf absagen mußte. Es ist gelungen, rasch Ersatz zu finden, indem Jakob Domgörgen engagiert wurde. Hm eine Hebermüdung des Ringrichters und Fehlurteile zu verhüten, ist für jeden der fünf Kämpfe ein besonderer Ringrichter verpflichtet. Einen Kampf zu ringrichtern, bleibt Max Schmeling vorbehalten, während für di« anderen Aemter Dr. Kurt Gutmonn, Max Pippow, Otto Griese und Fritz Hanunerschlag gewonnen wurden. Die Reihenfolg« der Wettbewerbe wurde wie folgt festgesetzt: Dübbers— Zimrdorf 6 Runden 6 Unzen weich(Ringrichter Hammer- schlag), Jakob Dvmgörgen— Doung Spears 8 Runden 5 Unzen hart (Max Schmeling). Poldi Steinbach— Joe Ralph 8 Runden 5 Unzen hart(Ringrichter Dr. Gutmann), Paul Noack— Iohny Courley 8 Runden 5 Unzen hart(Ringrichter Otto Gries«), Franz Diener— Gibsy Daniels 10 Runden 5 jlnzen hart(Ringrichter Pippow). Polizei-Hallcnsporttesi. Für das. am Dienstag, 13. März, im Sportpalast ab- rollende Polizei-Hallensportfest ist ein recht inter- essantes Programm zusammengestellt worden. Neben den beliebten gymnastischen Massenvorführungen werden Einzelkämpfe und Staffeln unter Beteiligung der Sportverbände und namhaftester Sportler des Reiches gezeigt, die die Veranstaltung zu einem ganz besonderen Ereignis werden lassen. Au? der Fülle der Dar- bietungen verdient u. a. auch der national« Hindernislauf insofern besondere Beachtung, als sich Vertreter der verschiedensten Polizeien im sportlichen Wettkompf gegenüberstehen. Wien, Danzig, Sachsen- Hessen, Schwerin-Berlin und andere Polizei-Landesverbände hoben str diese Konkurrenz MeSwngen abgegeben, � daß b-t diesem Ländertreffen mit interessanten Kämpfen gerechnet werden muß. In den weiteren leichwthletischen Wettkämpfen stehen sich u. a. Körnig und Lammers im Rcoanchekampf gegenüber, während der 1000-Meter-Lauf von Boitze, Schümann, Schmidt und anderen her- vorragenden deutschen Mittelstrecklern bestritten wird. Arbeiker-Fußbollvereine! Die Ausgabe der Wevbeplokate zur Berliner Meisterschaft erfolgt heute, Montag, und morgen, Dienstag, abends 7 Uhr, bei Engel, Swinemünder Straße 55. Jeder Groß- Bettiner Fußballverein oder jede Abteilung muh vertreten fein. Trabrennen in Ruhleben. «m»»«» Stc«lltz: l. Halllz ti». RAl): Z. Barone߀.; 8, 2inbt. Tow: 27:10, Platz: 11, 12, 11:10. Ferner liefen: Fetzrbcllin, Belletrist, Rippsache, Madonna, Neidhammel. Prei»»v« Raicncit: 1. Inaelind«(Bes.): 2. Importeur: 8. Dele Mario«. Toto: 18:10. Platz: 13, 34. 23:10. Ferner liefen: Einsicht, Eitelfried, Haea Burton» Schneesturm, Petronilla A., Tcrraria, Eood Boy, Hellina, Abdullay Silver. Prei»»»» Zehlcodors: 1. Peter Hornester sSnöpnadel ir.): 2. Florian: 3. Ehrenberg. Toi«: 37: l0, Platz: 17. 3». 2S: 10. Ferner liefen: Demeyphine, sslaminoo. Marcel. Eraffus, Beninillnze, Co pol. Interpellant. Prei» oo« Halens«: 1. Freibeuterlmei«dors: 1. Kapitain Salle(B. Heckert): 2. Barometer: 3. Armenier. Tow: 31: 10, Platz: 17. 33, 24; 10. Ferner liefen: Lu, Mori.e, Langemann, Importeur, Prinz Aobcll, Schnadahüpfl. 13. Be,irk»k-rtell für Arbeitersport und»örperpflegr. Montag. 1. März, 20 Uhr hei Lögow, Tcmpelhvs, Kaisrr-Wlhelm-Straße Ecke Fricdrich.Frä:>z- Strotz«. Kartellsitzunq.. . 13. BezirUIartell(Treptow). Montag. 4. Mär,. 30 Uhr, K-rtellau-tchutz. sitzuny bei Krahl. am Bahnhos Riederschöncweide. Berliner Str. 12». Tonristen«« rein.Die Naturfreunde". Zcntral««ien. Abt. Nörten: Dicno- taa, 5. März, 30 Uhr. Sonncnburger Str. 20. Lichtbilderoortrag:„Der Harz".—' Abt. Wedtiog: Dienstag, ö. Marz, 30 Uhr, Turiner. Ecke Seesiraße: Löns-Aben». Iugendgruppc: Dienstag, 3. Mär,. 1» Uhr, Borackenschule. S-estr.»4: Reu« Lieder.— Abt. Treptow: Dirnstag, ö. März, 20 Uhr, Elsenstr. 3: iSe- sanqsabcnd.— Abt. Pankow: Dienstag, ö. Mär,. 20 Uhr. Sörschstr. 14." Abt. Prell, teuer«er«: Donnerstag, 7. März. 20 Uhr, Domiger Str. 62, Alters. heim. Baracke 2: Seschäftlichcs.— Abt. Sesu-dbrnnnrn: Donnerstag. 7. Mär,, ?0 Uhr, Pank., Eck- Wiesenstrasi«: Opernabend mit Borfilhruiigen, Sehtnist. liches. Zugendgrupp«: Dienstag, 5. März, 20 Uhr. Ledigenheim Schönst edtstr. 1: Inqendbnoegung der Gegenwart.— Abt. Tiergarten: Donnerstag, 7. Mär». 20 Uhr. Lehrter Str. 18-19; Sing-Sang.— Abt. Lichtenberg: Donners. tag, 7. März, 20 Uhr, Genter Str. 44: Vcneralveriammlung.— Abt. Sllbn>e>t: Donnerstag. 7. März, 20 Uhr, Yorckstr. 11: Rawmissenschoftliches.— Abt. Sponda»!'Dounerstag, 7. März. 20 Uhr. xindenufer 1: Heimabend.— Natur. wisirnschastliche Abt.: Donnerstag. 7. März. 20 Uhr, Iohannisstr. 13: Ans. stcllungsfrogen.— Abt. Fricdrichshain: Donnerstag. 7. März, 20 Uhr, Bromyty- stratze 1: f�ihrtenberichte......._____ Freie Schwimmer S roh. Berlin, Gruppe Friedrich» Hai». Di« Aliersriegen. sitzniig findet nicht Mittwoch, fondern bereit» Dienstag. 20 Uhr, bei Sehnig!. Miihleiistr 38. stoit— Alle Neigenfchwimmerinnen der AUersriegr der Freie» Schwimmer« roh. Berlin treffen sich zur letzten Einübung des Reigrn, zunr Sännimiirfest am 9. März am Dienstag, a. März, 20 Uhr, rm Sdodtdo» Selnvingbruck«. Erscheinen aller Alterzgenosstnncn unbedingt erforderlich. Frei« Schwimmer Berlin XII. Ab heute, Zllontag, an sämtlichen Uebungs. statten wieder Ucbungsbetri»b. Di« Mäunrrtl-fi- der Arbeiter-Turn-»od Sportfchul« übt wieder Kde» Montag pon 20—22 Uhr in Treptow, Tlirnhall« Boucheftr. 73. All- Teilnehmer niüsien unbedingt erscheine» zum U-ben sür de» Gymiiastitwettstrmt>»« Mercedes-Palast. Die Turnerinncnklasse wird demnächst zusammenkommen, un» zwar Mittwochs. Nähere» folgt. Tlteeiier, Lidthpielt usw. Theater a.KottbusserTor Kottbuser Sir. 6. Tel, Ups. 18077 TSglrch 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermiBigte Preis«) Ellte-S8nger ii. a.„Die SEhöDheitskönigin" verbunden mit Medmnschau« Allgem. Preteharatoetnofl auf alten Pützen Winker Garten SCAtb 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 JosmaSelim/Gr.Ralph Banaixky Bertnaf f u.Eulelie/- Jack Stanford and die übrigen Attraktionen!! «llllltiUNIUUlMI ■IIMIIIIiniUlUllilllMIIII Sonnabends u. Sonntags Je 2 Torslellunden J" und»Uhr— 3® ru ermSBigten Preisen das ganze Programm plAza KAntTli»«» Al«x. soora» Täglich 5 um 8« sonntagt 2, 5 umi 8,s INTERNATIONALES VARIETE I Kartcp S Tage tm Torem «i'ühr CASINO-THEATER Loinrinscr eitraUe 37. Nur noch bis 13. März KilomBteriieliclien Am 14. MArz 1929 zum 1. Male „Eine ungeliebte Frau1* rör unsere Leser Guischein fürl— 4 Pcrs» Fauteuil nur 1.15 M.. Sessel l.b.5 iVL SonstliFp Preise- Parkett n. R?no o.nu M. H�ühr | Sonn D 3� up< Raadim erlaubt Internat, varietd. Sonnabend und Senntag je 2 Verstellungen V und 8 Uhr. 3» kleine Preise. Volks mfiine Thea! er inBllt«|ilitt 8 Uhr Kreuzabnahme Tlnitr«n seiniwiirdaiM 8 Uhr Bit Drei-Gnsdn- Bier Thalia• Theater 8 Uhr Oelransch StaatLSdiiller-T!i. 8 Uhr Oedipus stnisftscfagpuu Mr BeoabUk 7'b Uhr Carmen Tbwier an SfltinDaucrtaaai Täglich H Uhr Ab S. Mir» im KomSdlembau Oie örei-Grosdieo- Oper Valetli, Lingen, Ander, Gerron, Schaufuß, Kühl, Lvovski. Dienstag S'/r Uhr aiHgas Uber Berlin Lessiog-Theater Täglich 8'/. Uhr Katharina Knie Donnerstag, ck 7. 7lä U.. zu ml. Male Maria Gröba in .JDasVendiea' Die Hedalllea einer aileoFraa Deolidits Theater Norden 12310 8 U., Ende geg. 10>l, Die leitim Vcilier m fitdsor ron Shakespeare Regie: HeinzHilpert Kamraenpiele Norden 12310 8 Uhr, Ende 10'hUhr Jntai mckiem" Komödie von Edouard Bourdek Regte: Forster Larinaga. Die KomSdie Bismarck 2414/7316 S'i Uhr, Ende lOi.'i „Olympia" von Franz Molnar Regie Forster Larinaga. Berliner Theater OirekLHeinzHerald Charlotieastrasie 90 A. 7. Dönhoff 170 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) Lnstspielbaas 8V« Uhr Guido Tielseher Weekend in Paradies METROPOLIHEDIERS: Klelnei Theater Täglich 8V, Uhr: Kori Goal», Valerie ▼. Martern Paal Otto in „Trio" Lustsp. T. Leo Lenz. Regie; Friedma rr�ocrlffl» £usüqe W Fritzi Massam Max Hansen Walter|anknlin,IIsdii| Elleot.H.lunkeraiannl w. Sdiaetfers Boauty Girl», lackten- Boy» Aaestattg.; Prof. Enal Stör« Regle: CHARELL SsnnLiaekB.SU Klein« Prei««| WW lei auf Eltclitla I Reichshallen-Thealer Sfelltner Sfinger Das neue USrj-Proaramm) „Moderae BUuiea-GrSgea." 6rot(ik( Ueysal o. BrUlon. I Anfang 8 Uhr, S(g. Nachm. 3 Uhr«halbe Preise.) Billetibettelliragea TtieptoB: Cuntram Tma. * Dönhoff- Brettl: Famiun-Tarteiä/ io liammem. ciW« TlgL 0 Tl.. saaatagt aucn 3 U. 1 3 neue weitslaaiattraHttaaeB a.(Iiiai.NÄdiie"T<..ls::.'M: mit Cieorrrs Blawvalet. Sa dun. Kinder Dan« Preis« l 8'/. Tltaltr tts Westens h >< i ms| Der größte Erfolg Berlins LrieSerike Musik von Lehar Erika v. Thellmann Carl Ziegler sElaolsop. Wien) Amftedl, Limburg, Vor», Sdslrr. Br»» ermann. Stf, Mit mmnlerbe. |6tei«W.931lL71»0| Thalla-Ttieater dresdener Str. 72-73 8 Uhr „Oelransch" Rose-Theater 3r.FrnUiTtirSt.137 8'A Uhr Der Obersteiger Bamowsky-Bühnen Theater in her Xtni|grStz(r StraBe 8-.1 Uhr Revolte im Erzlehanosbaos Schauspiel von P. M. Lampel. KomBdlenhaus «Vi Uhr Das Geld auf der straae ttnlmtrv- Bernauer u.Oestcrrelcher Mal- U. Zeichen Bedarf L-Juergens Alczaaderplat/ Planetarinra am Zn 'iriirj. inchjnllulir Sink Noll. 1578 16 bis 19 Uhr Dlaposttlu- ftusstellung 19 bis 19V- Uhr Dar Abendtummel ZOK* Uhr Das uieltali im Lichtbild Dt»cli. KBnstler-Th. PI* Uhr Der Zinker v.Edgar Wallaee hglsdi lila Witlhiu Preise 1—10 Mark Trianon-Th. Täglich 8V« Uhr Oer Herzog und die sonderin mit Erika Glisxner und Hanta Renner Rundfunkhörei haltte Preis« Renaissance- Theater Hardwibergstr. 8. Tel.: Steliipl. 801 u. 2583/84 »V« Uhr. Zum 74. Male: SV* Uhr Die WelterfolgakomSdle „Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg-Basi.Banunt. la Prtniltrciilieitta. Berliner II Ik-TrlO Nttukölln. W lahaalr.M'TSt Verkäufe Möbel MSbellöulrr werte«rcdit und bar Möbelbazar, grobe Auswahl, Ueiat Preise: Beispiel«: Schlafzimmer 433, Speisezimmer 343, Herrenzimmer 260. Lpiigclfchränle 118, Anrichteküchen 73, lileiderfchränke 43, Zolzbettstellcn 48. 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