BERLIN Dienstag 5. Marz 1929 10 Pf. flr.lOS B 54 46. Jahrgang. ErfcheinttäslickaußerSonntass. 5ugleich Abcndailkgabe des.Vorwärts". Bciugsxrcis beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche, Z.SOM. pro Monat. Kcdaktion und Erpedition; DerlinSWe8,Lindenstr.S j}J(3fVDUfi6 Anzeigenpreis: Di« einspaltige Vonpareillezeile 8« Pf., Reklamczeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Poüscheckkout«: Vorwärts-Verlag G. m.b.H., Berlin Nr. Z7SZ6. Fernsprecher: Dönhvff292 bis 297 Mexiko im Aufruhr. Schwere Niederlage der Bundestruppen in der Stadt Leon. Gandhi festgenommen. Mexiko, Z. März. fEigeabericht.) Die innenpolitische Lage hat sich im Verlauf de» Montag nachmittag durch den Anschluß des Militärs von Coahuila an die Aufstandsbewegung gegen die Re° gicrung verschärft. Die Regierung richtete an die ganze Ratio« de« Appell an der Unterdriilkung der Aufstandsbewegung mit- zuwirken und damit die von den Generalen geplante Militärdiktatur zu verhindern. New Aork. Z. März. Aus Arizona wird berichtet, daß sich im südlichen Teil des niejrikanischen Staates Sonora 600 Maco-Ändianer de» Aufständischen angeschlossen haben. Bon leitenden Aufständischen wird gemeldet, daß General Gruz sich mit 5000 Mann ans dem Marsch nach Guadalajara befinde, während General Goroseeta Truppen sammle, um auf Colima zu marschieren. Wie..Associated Preß" meldet, hoben sich die Staaten Zoeatecas und Noyarit der Revolution angeschlossen. Somit haben sich nach Angaben der Führer der Aufständischen insgesamt neun Staaten gegen die mcxilanijche Regierung erhoben. Schwere Niederlage der Äundestruppen. New York. Z. März. Aus Nogales(Arizona) wird berichtet: Räch einer Meldung des Oberbefehlshabers der aufständischen mexikanischen Streitkräfte, General Escobar, haben die Aufständische« die Hauptstadt von Nueva, Leon, die ein Hauptstapclplatz für daS ftriegsgerät der BundeS- 3>orles QU irr 9rUaUenl, gegen den«Ich der./luftland richtet. truppen war, eingenomemn. Der Kampf, der sich um den Besitz dieser Stadt entspann, endete mit einer Nieder» läge der Vundestruppen. Die Ausständischen nahmen 81 Offiziere, unter ihnen drei Generale, und 5fl0 Mann gefangen. Tie erbeuteten 12 Maschinen» gewehre und lOlH) Gewehre. Ein„allzuausrichtiger" Oikiaior. primo sagt erst die Wahrheit— jetzt streitet er sie ab. Madrid. 5. März. Die Agentur Fabra meldet:„Die Auslandsprefle kommentiert die vielleicht zu aufrichtige Erklärung Primo d« Rioeros, daß er 90 Proz. der spanischen Presse gegen sich habe. wobei er sich jedoch allein auf die Madrider Presse bezog. In der Tat ist dies Verhältnis bekanntlich in der Provinz ganz o itders: denn zahlreich sind die Prooinzblätter. die. obwohl sie nicht von der Union Patriotiea gegründet worden sind und auch von der Regierung keine Unterstützung erhalten, gerecht und unparteiisch sind und der Diktatur einen schätzenswerten Beistand leisten. Selbst in Madrid scheuen sich große Blätter wie„ABC",..Debote". „Epoea",..Correspondencia Militär" und andere nicht osfentlich die glückliche Initiaiioc und den Erfolg der Regierung abzuerkennen. mögen si« auch in einigen Fragen mit der Regierung nicht«mer Meimmg sei».- So läßt sich Wussolini wählen! „ttähl mich oder idi fre»ge dich!' Englische Stoffe verbrannt. Kalkutta, 6. März. Hier wurde der Rationalistenführer Gandhi und andere indische Rationalbsten, darunter Dr. Roh, nach heftigen Szenen, die an die Unruhen der Jahre ISÄt» und 1927 erinnerten, verhaftet. Hunderte der Anhänger Gandhis hatten sich versammelt, um eine Rede von ihm anzuhören, und versuchten danach, Frendenfeuer aus ausländischen Stoffen, die in der ganzen Stadt zusammengesucht worden waren, zu veranstalten. Die Polizei wollte das Anzünden der Feuer verhindern, aber Gandhi, der in seiner Rede für den vollen Boykott aus- ländischer Stoffe eingetreten war, erklärte der Menge, daß er alle Verantwortung für daS Anzünden der Freudenfeuer übernehme. Taraufhin setzte die Menge sofort die riesige« Stofshaufen in Brand und als die Polizei versuchte, daS Feuer auszulöschen, wurde sie Mit Ziegeln und Steinen beworfen. Bei einem Massenangrifs auf die Polizei wurden mehrere europäische Polizeisergeanten und eine große Zahl indischer Polizisten verletzt. Berittene Polizei wurde in Gile herbeigeholt und die Ordnung schließlich wieder hergestellt. Gandhi wurde später gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Er fährt heute vormittag «ach Burma ab und wird nach seiner'Rückkehr nach Kalkutta vor Gericht gestellt werden. Krach im preußischen Landtag. Schamlose deuifchnaiionale Provokation.— Entrüsteter Sozialdemokratischer Protest.— Oer präfident hebt die Sitzung aus. Im Preußischen Landtag kam eS heute vormittag beim ersten Punkt der Tagesordnung, der dritte» Lesung deS Urantrages der Regierungsparteien über das Flaggen durch Körperschaften des öffentlichen Rech- t e S zu lärmende« Szenen. Als erster Redner bekämpfte Abg. Steuer(Dnat.) die Porlage, die als Gesetz unwirksam bleiben müsse. Sie sei der Paragraphen- mäßige Ausdruck einer schwarzweißrotjeindlichen Gesinnung. Als der Redner in diesem Zusammenhang von dem„gewerbsmäßigen Revolutionsgesindel von 1918" spricht, kommt es zu stürmischen Unterbrechungen, von feiten der Sozialdemokraten und Kmnmunisten. Das Rednerpult ist im Nu dicht umringt und Rufe ertönen: „Schluß, Schluß!— Der Redner muß aus dem Saat gewiesen werden!" Cs ist dem Präsidenten Bartels schwer möglich, sich Gehör zu ver- schaffen, denn bei den verjchiedentlichen Bersuchen des Redners. weiterzusprechen, wird er jedesmal durch anhaltende st ü r- mische Schlußrufe der Sozialdemokraten und Kommuni st en daran gehindert. Da schließlich dem Präsidenten nicht mehr möglich ist, die Ordnung wieder herzustellen, verläßt er seioen Platz und hebt damit die Sitzung aus. Roch Wiedereröffnung der Sitzung durch den Präsidenten Parlels und seine Ermahimng nach allen Seiten. Ruche zu holten, ist es dem Abgeordneten Steuer nur schwer möglich, sich Gehör zu ver- schassen. Als endlich Ruhe eintritt, betont er. daß es ihm niemoird verwehren könne, Ausdrücke zu gebrauchen, die rechtlich zu- lässig sind.(Erneuter Lärm links.) Erst wenn wir aus dem IJiilersDdiiing der Riusenfälsdinng immer wieder sicuersfrclkhcizc Berichte 2, Seite raten Schtanun der Korruption und des Landesaerrates heraus sind, wird sich die Flaggensrog« selbst regeln.(Zuruf links: Uno er- schämter Provokateur!) Abg. teinerl(Soz.) szur Geschäftsordnung!: Wir haben den Vorredner zu Ende reden lassen nicht aus Achtung für ihn, sondern aus Achtung vor dem Präsidenten und der Geschäftsordnung. Seine Ausführungen standen auf einen: Niveau, wie es bisher in diesem Hanse unerhört ist. Deshalb hallen nur e» uater unserer würde, un» an dieser Debatte zu beleiligen. Da sich niemand weiter aus dem Hause zum Wort meldet, wird nach einer geschästsordnungsmäßigen Bemerkung des Abge- ordneten Steuer(Dnat.) die Abstimmung Über den Entwurf der Regierungsparteien aus nachmittags 2 Uhr vertagt, da die Deutschnationalen noch eine Reihe von Abändcrungsanträgen ein- gereicht haben. Hierauf setzt das Haus die zweit« Lesung des Justizhmish.il tos fort. Kohlenpreiswucher. Das mitteldeutsche Vraunkohlensyndikat erhöht die preise. Halle, 5. März.(Eigenbericht.) Wie wir soeben feststellen konnten, hat daö mittel- deutsche Braunkohlen-Shndikat von sich ans die B r i k e t t p r e i s e ab Werk umLbisSMarkPro Tonne erhöht. Diese Preiserhöhung kommt aNein dem Merke zugute. Wir fragen, wo bleiben Regierung und Reichskohlen- rat um diese unglaubliche, durch nichts zu rechtfertigende Preiserhöhung schnellstens zu unterbiude«? Die Schreibmaschine als Verräter. Die Llniersuchung der Ruffenfälschungeu. ?!ach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchung gegen die russischen Dakumentenfaischer Orloff und Pawlonowski ist es kaum mehr z weiselhast, doh O r l o s f der eigentlich« Leiter und Urheber der Fälscherwerkstatt gewesen ist. obwohl gerod« er sich nur sehr langsam zu einem umsossendcn Geständnis bequemt. Als gewiegter Routinier leugnet er zunächst alles und gibt nur diejenigen Punkte zu. die ihm von den Kriminalbeamten haarscharf bewiesen werden können. So hatte er, wie gestern gemeldet, der Polizei die reichlich phantastische Erzählung ausgetischt, dost er den chissrierten Brics mit den Belastungen des Senators Borah aus einem echten Doku- ment durch Aenderung der Chisfrierung und des Schlüssels hergestellt habe. Für die Polizei ist es jetzt aber einwand- frei erwiesen, daß auch dies angeblich« OriginaldokL- ment in der Potsdamer Straße 119 hergestellt worden ist. Zum Verräter ist nämlich die dort mitbeschlagnahmte Schreibmaschine geworden, die, wie jede, gewisse Eigenarten im Tqpcna Uschlag zeigt. Dies« spezifischen Eigenarten stimmen ober ebenso wie die Schrift haargenau mit dem Schriftbild des angeblichen Originaldokuments überein. Mit chilse der mikroskopischen Photographie hat man die schon zum Teil mit dem bloßcn Auge erkennbare Identität nachgewiesen, so daß Orloff nichts weitcr übrig blieb, als zuzugeben, daß auch das„Originaldokument" in seiner Fälfchcrwerkstatt sabri, ziert worden ist. Voraussichtlich schon Im Lause des heutigen Tages wird von der Slbtetlung IA eine genaue Darstellung über das bisherige Ermittlungsergebnis veröffentlichi werden.. Immer wieder Steuerstreikhehe. Oie Folge des Versagens der Gerichte. sollen dem Finanzamt als nicht anerkannt wieder z u g e st e l l t werden. Gleichzeitig wurde beschkossen. daß die „Rothilse" gegen den Staat Anklage wegen Er- Pressung und Ausbeutung aus Grund des§ lfM stellen soll. Die.Hetzer zum Steuerstreik sind bisher von den Gerichten sehr milde behandelt worden— um so frecher werden sie. Der Dr. Stadler zeichnet sich durch undeutliche Beschimpfungen der Republik aus, die ein Gericht für zulässig erklärt hat. Di? Folgen der skandalösen antirepublikonifchen Rechtsprechung zeigen sich setzt'. Tödliche Liköre. "13 Personen in einer amerikanischen Stadt qefforben. wie aus New York gemeldet wird, sind in Peoria im Staate Illinois in den letzten 46 Stunden 13 Personen nach dem Genuß von Likören gestorben. Die Polizei hat einen Alkoholschmuggler verhastet, der eingestand, daß er die Spirituosen noch einem„neuen" Versahren herstellte und in den Handel brachte. Da» Verfahren bezeichnete er im Verlause der vcr- nehmung selbst als„anscheinend nicht so gut". „Brandstiftung" in der Dachstube. Er wollte es einmal richtig warm hoben Er. dem dies passiert«, war durch Arbeitslosigkeit und Hort? Sorgen genötigt, den ganzen'Dinier hindurch in einer kalten Stube zu leben. Er wohnte in der A ck e r st r a ß e in einem Hause hoch oben unter dem Dache und das Frieren hatte er gründlich satt. Da kam er auf den Gedanken, zwei kleine Bänke und einen Tisch, außer zwei Matratzen, auf denen er schlief, die einzigen Einrichtungsstücke der Behausung, zu Kleinholz zu machen. Das legte er auf die Matratzen und steckte es dann mitsamt seiner Schlafdecke an. Als er den Qualm aufsteigen sah, kamen ihm aber Bedenken. Statt das Feuer wieder zu löschen, lief er daoort. Während die Feuerwebr noch auf der Stelle war. kehrte der arme Mieter zurück, gestand, was er gemacht hatte und stellte sich selbst der Polizei. Bor dem Branddezernat der Kriminalpolizet erklärte er sein Beginnen weiter. Er hatte„ausgerechnet", daß ihm die Brandstiftung wohl Z I o h r e Zuchthaus einbringen werdt. Cr bat nun. ihn bis zum Früh- lahr sestzuhalten und ihm bann bis zum herbst Strafaufschub zu gewähren. Frühsahr und Sommer über werde er sich noch Arbeit umsehen, im Herbst werde er wiaderkominen, um die Strafe wester zu«verbüßen. So sei er denn zur tasten Dinterzest wieder untergebracht. Ebenso möge man e« sür die nächsten Jahre machen, bis er seine Strafe ganz verbüßt habe. Keine Zensur? Vit Polizei macht sich mehr Sorgen, als nötig ist. Die jungen Schriftsteller Deutschlands haben heute allen Grund, neidooll auf ihren Kollsgen Peter Martin L o m p e l zu blicken. Er hat das unerhörte Glück gehabt, die Aufmerksamkoit der Behörden aus sich zu lenken, die von seinem neuen Stück„Giftgas über Berlin" eine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit befürchten. Seit Togen wird ein Verbot dieses Stückes erwogen. Dergleichen wirkte schon in der Kaiserzcit als das sicherste Mittel, für einen Autor und fein Werk Reklame zu machen. Um so größer muß die Wirkung heute sein, da doch die Zensur aufgehoben ist und Verbote nur noch durch eine ziemlich gequästc juristische Konstruktion — indem man nämlich das Allgemeine Preußische Landrecht über die Reichsverfassung stellt— möglich sind. Da fragt sich jedermann: wix gefährlich muß doch dieses Stück sein, wenn es trotz alledem verboten werden soll, wie gefährlich und— wie interessant! Aus der Geschichte wissen wir, daß Verbote niemals die Auf- sührung eines irgendwie bedeutenden Literaturwerks oder gar sein« Verbreitung im Druck aus die Dauer verhindert haben. Niemals ist dadurch der Ruf eines Autors geschädigt worden, desto häufiger aber der Ruf der verbietenden Behörde. Selbst Stücke, die in den Zeiten des Absolutismus so eminent gefährlich erscheinen (mißten wie„Emilia Golotti",„Die Räuber",„Kabale und Liebe". „Wilhelm Tell" haben sich durchgesetzt. Und sie haben den Staat nicht in Gefahr gebracht, während in Brüssel 1830 bei der recht harmlosen Oper„Die Stumme von Portici" die Revolution aus- brach. Es ist aber sehr umoahrschcinlich, daß diese Revolution nicht ausgebrochen wäre, wenn man die Oper verboten hätte. Politisch stellt ssich die Frage so: Leben wir wirklich in einer so gesährlichen Zeit, daß die Aufführung eines aufregenden Theater- siückes eine Explosion hervorrufen könnte? Diese Frage ist glatt zu verneinen, und darum ist— von der Rechtsfrage abgesehen— ein wirklich durchschlagender Grund sür ein Verbot n i ch t zu finden. Die Polizei soll sich doch ihre Ausgabe nicht überflüssig schwer machen. Die Schöpfer der Reichsversossung haben, indem sie die Zensur ab- schafften, die Verantwortung dafür übernommen, daß es bei einer Theateraufführung auch einmal zu einer Keilerei kommen kann, und die Polizei sollte froh sein, daß ihr diese Verantwortung abgenommen worden ist. Spricht sie sich trotzdem das Recht zu, Aufführungen zu oerbieten, so ladet sie sich damit eine sehr unbequeme Pflicht auf, deren Grenze schwer zu erkennen ist. Aengstliche Gemüter werden bei jeder Gelegenheit nach Verboten schreien, und kommt einmal ein reaktionäres Regime, jo werden wir eine neue Hochblüte der von der Verfassung abgeschafften Zensur erleben. Die Sorge der Behörde um die Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe ist etwas durchaus Anerkennenswertes. Neben ihr aber muß derRespektvordergeistigenFreiheit stehen. Wir würden es schwer ertragen, winn von Sozialdemokraten in amtlicher Stellung mit einem Schein van Recht behauptet werden könnte, die Sorge um Ordnung und Ruhe habe sich bei ihnen zur bureaukratischen Aengstlichkeit entwickest und der Respekt vor der geistigen Freiheit sei ihnen darüber verloren gegangen. Die Vorgeschichte der Veröffentlichung. Neue Erklärung des Lltrechter Blattes. Amsterdam, 5. März. Zu dem Geständnis, das Frank Heine abgegeben haben soll, des Inhaltes, daß er die Schriftstücke gefälscht und dem„Utrecht«? Tage- blast" verkauft habe, erklärt dessen Chefrodaktion«. a. folgendes: „Die Chefredattion des„Utrechtsch Dagblad" hat sich zu der Ber- öfsentlichung des Schriftstückes auf Grund einer Eröffnung cnt- schlössen, die von einer hochstehenden amtlichen nieder- ländischen Persönlichkeit gemacht wurde, deren persön- licher Charakter und amtlich« Stellung zu unbedingtem Vertrauen de- rechtigen.... Die Chefrodaktion hat die Schriftstücke mst eigenen Augen gesehen und zitiert und sich nach eigenem Gewissen von der Echt- heit überzeugt. Sie Hot vor der Veröffentlichung das Urteil eines Graphologen von anerkannter Fachkenntnis über die Echtheit der Unterschrift eingeholl. Außerdem ist die Echthest der Schriststücke selbst durch hochstehende Kollegen von untadeligem Namen in hohem Maße sür wahrscheinlich gehallcn worden, so daß sie, wenn sie ihnen selbst zur Verfügung gestellt worden wären, nicht gezögert hätten, sie zu veröffentlichen. Di« Chefredattion hält die Acröifentlichung aus folgenden Gründen für gerechtfertigt, da sie wußte, a) daß den befugten niederländischen Behörden vor der Veröffentlichung Gelegenheit gegeben wurde, sich aus Wunsch von der Echtheit der Schriststücke zu überzeugen oder sich über- zeugen zu lassen. b) daß man von sehr hochstehender a ni t l i ch e r Seite sehr großen Wert auf die E r we r b u n g der Schriststücke legte, c) daß vertrauenswürdige Stellen der oberstenBehörden, die in dieser Angelegenheit als unbedingt zuständig gelten müssen, die Richtigkeit und den Inhalt für sehr wahrscheinlich be- zeichneten, und da eine dieser Stellen die absolute Echtheit der Schriststücke vor der Veröffentlichung garantiert hat und diese auch sowohl nach den ausländischen Dementis als auch nach Be- kannstverden des sogenannten Geständnisses als unbedingt u n- antastbar auf das entschiedenste aufrechterhält." * Die Hugenberg-Presse erklärt zu den Mitteilung«» des Brüsseler „Soir" über das Geständnis des Schwindlers Heine, daß Dr. Bährenz, der Brüsseler Vertreter des Scherl-Verlages,„niemals dem Frank-Heine ein Angebot gemacht hat, die Zeitschrist Frank- Heines oder ihn durch Geld aus irgendwelchen Geheimrat hugenberg nahestehenden Unternehmungen zu unterstützen. Zwischen Gehclmrat hugenberg, dem Scherl-Verlag oder sonstwie Geheimrat hugenberg nahestehenden Unternehmungen und dem Frank-Heine bestanden und bestehen keinerlei Beziehungen". Das Schwindelgenie über sich selbst. Amsterdam. 5. März. Die Brüsseler Meldungen über die dort in der Angelegenhest der Veröffentlichung des Utrechter Tageblastes erfolgten Veröffent» lichungen haben in Holland beinahe in noch größerem Ausmaße sensationell gewirkt als die ersten Verösfentlichungen des Blattes. Di« in den Kommentaren der holländischen Blätter zum Ausdruck kommenden Meinungen sind durchaus geteilt. Mehrere Blätter, wie der„Amsterdamer Telegraaf", der seinerzeit sehr entschieden gegen die in den Enthüllungen des Utrechter Tageblatte« erblickte milstärische Bedrohung der holländischen Neutralität Stellung nahm, und das sozialdemokratische Parteiorgan„hei V o l k", das bereits vor mehreren Tagen auf-Grund von Meinungsäußerungen belgischer Sozialisten an der Echtheit der Utrcchtcr Dokumente zu zweifeln begann, zeigen sich nunmehr von der Unechtheit der letzteren völlig überzeugt. Die meisten anderen Blätter nehmen jedoch eine vor- Ztzchoe, S. März. Die Landvolkbewegung hotte zu einer Kundgebung der not- leidenden Stände nach hier aufgerufen. Dem Aufruf« waren am Montag nachmtttag etwa 2000 Personen gefolgt. Als Hauptredner sprach Dr. Stadler-Berlin. Im Anschluß an die Kundgebung wurde eine„N o t h i l f e" gegründet, deren Vorsitz Landwirt ham- kens-Tetenbuell übernahm. Als erste Maßnahme wurden die in die Versammlung mitgebrachten Steuerbescheide und Psändungsurtoile in großen Säcken gesammelt: sie sichtig abwartende Stellung ein. Im übrigen weichen die in den Blättern gebrachten Meldungen und Kommentare so stark voneinander ab, daß es schwierig ist, allen auftauchenden Gerüchten auf ihren wirklichen Wert hin nachzugehen. So will der noch Brüssel entsandte Sonderberichterstatter des„Algemeen.Handels- blad" dort aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Doku- mente, die Heine nach Holland verkaust haben will, mit Mitwirkung belgischer General st absoffiziere angefertigt worden seien. Ferner läßt sich ,�h e t Volk" aus Brüssel berichten, daß es nicht unwahrscheinlich sei. daß der nach Amsterdam entsandte Sonder- berichtcrstatter des Brüsseler„Soir" niemand anders sei als der in Brüssel verhaftete Frank-Heine, so daß dos berüchtigte Interview des„Soir" mst Heine anscheinend vollständig von Heine selb st verfaßt worden ist. Es fällt auf, daß der„Soir" seit fünf Tagen Angaben veröffentlicht, die von Heine in seiner„Unterredung" nach der Verhaftung bestätigt wurden. Man behauptet, daß olle diese Angaben von Heine selbst stammten. Schweizer Volksabstimmung. Bürgertum gegen Getreidemonopol. Bei der Volksabstimmung über die künftig« Organisation' der Schweizer Getreidewirtschaft wurde der Vorschlag des Bundesrates und der Bundesversammlung, ein« st ä o t s m o n o- polfre-ie Getreideoersorgung durchzuführen, angenommen. Für den Regierungsantrag stimmten alle bürgerlichen Parteien mit 438 000 Stimmen, dagegen die Sozialdemokraten und Kommu- nisten mit 222 000 Stimmen. Auch sämtlich« Kantone, deren Zu- stimmung ebenfalls erforderlich war. erklärten sich mit einer Aus- nähme für den Regierungsantrag. Vom 1. Juli an ist also die private Getreideeinfuhr in der Schweiz unter einem be- stimmten Zollsatz zugunsten des einheimischen Getreidebaues wieder frei. Das Ergebnis dieser Voltsabstimmung lonmu nicht überraschend, da das eigentliche Aetreidemonopol durch den Volks- entscheid vom 5. Dezember 1926 schon aufgelöst war. Dabei hat sich das Monopol, das 1914 infolge des Kriegsausbruches eingeführt wurde, gut bewährt. So konnte während seiner Geltung der Körner- anbau in der Schweiz so gesteigert werden, daß er den einheimischen Verbrauch bis zu 35 Proz. gegen nur 16 Proz. in der Vorkriegszeit deckte. Nach Schweizer Berichten ist die Abneigung der Bürger- schichten gegen Monopoleinrichtungen entscheidend gewesen, und zwar um so mehr, als für die Entscheidung der Volksabstimmung die neue Regelung die Vorteile des Monopols voll zu erhalten sucht. Oer Siettiner Fememordprozeß. Das Gericht gegen Ausdehnung ins Uferlose. In dem Fememordprozeh Heines und Genossen hat das Gericht fast restlos alle Beweisanträge der Verteidigung abgelehnt. Das Gericht ist der Ansicht, daß Zeugenvernehmungen über die Vorgänge in O b e r s ch l e s i en und im R u h r g e b i e t mit dem gegenwärtigen Prozeß nichts zu tun haben. Die Verteidigung kündigte an, daß sie eine Reihe von Zeugen direkt laden werde, u. a. Reichs- minister Severins. Ministerialdirektor Dr. S p i c ck e r. preußischen Iustizminister Dr. Schmidt. Der Borsitzend« teilte mit. daß er bei der Vernehmung dieser Zeugen jede Frage ab- lehnen werde, die nicht zu der zur Verhandlung stehenden Sache gehört. Der Oberstaatsanwalt nahm gegen die direkte Ladung dieser Zeugen aus prozessualen Gründen Stellung. Die weitere Vernehmung der Zeugen ergab nichts wesentlich Neues. Abermals Herr Gereke. Er fOnn es nicht lassen. Solbcrg, 3. März. �Eigenbericht.) Der Präsident des Verband«» der preußisch:» Landgemeinden, Lindrat a. D. Dr. Gereke, erklärte in der Generaloersammlung des Landbuades Kolberg- Köslin. es gelle wieder bessere Verhältnisse unter der Fahne Schwarzweißrot zu schaffen Diese nationalistische Phrase leistete sich Herr Gereke, ob- wohl ihm vom Vorstand des preußischen Londgcmeindcverbandes unlängst anläßlich seiner unveranlwortlichen reaktionären Schimpfereien in Stellin«ine scharfe Rüge erhellt und ihm empfohlen wurde, sich in Zukunft mehr Zurückhaltung aufzuerlegen. Verkehrsstörung auf der U-Bahn. Der hochbahnverkehr wukd« heut« früh von einer empfindlichen Störung betroffen. Zwischen den Stationen Gleisdreieck und Bülowstraße wurde ein in Richtung Westen fahrender Zug defekt und blieb mllten aus der Strecke liegen. Trotz den Warnungen, die im Innern der Wagen angebradn sind, verließen, wie die Pressestelle der Berliner Bertchrs-A.-G hierzu mitteilt, zahlreiche Fahrgäste ungeachtet der großen Gefahr die Wagen, um den nächsten Bahnhos zu Fuß zu erreichen. Die Störung, die etwa 10 Minuten gedauert hätte, wurde dadurch auf eine halhe Stund« ausgedehnt, da inzwischen die ganze Strecke stromlos gemacht werden mußte. Um 8.20 Uhr war der Schaden behoben und der Betrieb tonnte wieder aufgenommen werden. Lustschah. Die Internationale Frouenliga für Frieden und Freiheit weist in einer Peti.ion an den Reichstag aus die Nutzlosig- kell aller Schutzmaßnahmen sür die Zwilbevöllerung gegen Gas- angriffe und das völlige Versagen feglicher Abwehrmaßnahmen gegen Fliegerangrissc hin. Sie fordert, daß die von der deutsch- nationalen Reichstogssrattion beantragten 3 Millionen Mark zur Förderung des Luftschutzes abgelehnt werden, da sie eine finan.zicllc Verschwendung dodeuten. Lieber nicht noch Madrid. Der Völkerdundsrat wird im Juni, entgegen feiner anfänglichen Absicht, nicht in Madrid tagen. Die angekündigte Einladung der Ipaniichen Regierung ist ausgeblieben, und zwar angeblich infolge des Todes der spanischen Königinmutter. In Wirklichkeit dürste der Verzicht aus ein« Einladung aus die gegen- wartigsn unsicheren politischen Verhältnisse in«panien zurück- zuführen sein. Hungersnot in Nordlstaven. In den Gebieten Nordlitaucns, die im vorigen Frühjahr und Sammer von Ueberschwcmmungen heimgesucht wurden, wütet Hungersnot. Eine Kommission berichtet erschütternde Dinge. Rund 8000 Menschen hungern darunter 2600 Kinder. Zu ihrer allernotwendigsten Ernährung sind monatlich 200 000 Lit erforderlich. wegen d« Fetstökungan in ber Soivsetavsslcllung in Driiss'l wurde«in Angetiagtcr zu einem Monat Gefängnis mit dreijähriger Bcwährungssrist verurteilt, zwei weitere Angeklagte sret- gesprochen. Lieber den Tisch gelegt. Schmerzliche Erfahrung eines kommunistischen Geschäfts- führers. Die Inseratonakquisiteure der„Roten Fahne" sind mit der Direttian der, Peuvag", des Konzerns der kommu- nistischen Leitungen, sehr unzufrieden. Sie beschusdigcn sie, daß sie ihnen die Prozente beschneidet. Die Akquisiteure haben in der innerhalb der KPD. üblichen Welse dagegen Einspruch erhoben, worüber der oppositionelle „Bolkswille" berichtet: ,Ln der vergangenen Woche besucht« eine Reihe von KPD.- Akquisiteuren, denen man seit Wochen und Monaten eine Siszung versprochen hatte, die G c s ch a f t s l e i t u n g d e r KPD. im K a r I- L i e b k ne ch t-.h a u s, um endlich Erledigung ihrer A>v gelegenheit zu erreichen Sie trafen dort den„Genosse n" C a l l a m, der wie ein guter Unternehmer für solche„Leute" nicht zu sprechen mar, und der dann tätlich werden wollte. Er kam an di« falsche Adresse. Die Akquisiteure legten ihn über den Tisch und ocrdrofchcn ihn noch Strich und Fade h.* Das ist die Methode, die in der KPD. gelehrt wird. Man wird erzogen. Andersdenkende zu oerprügeln, und wendet das Gelernte auf das eigene kommunistische Familienleben an. Fein« Familiel Auch ein„Welirevoluiionar". In einem Aussah„Ueber Kurt Eisner" im kommunistischen Montagsblöttchen besinn, sich Herr Otto Thomas auf sein« welt- revolutionäre Misston. Im Jahr« lliZI wollte er noch zusammen mit s a s ch i st i s ch o n Studenten«ine„Front vom Ural bis.zum Rhein" bilden gegen den„Feindbund". Heute ist ihm das Büchlein von Felix F e ch e n b a ch„Der Revolutionär Kur» Eisner" nicht revolutionär genug und er wirft dem Autor wiederholt Geschichts- fälschung vor, ohne allerdings zu sagen, worin die Geschichtsfälschuag bestehe. Besonders hat«s ihm die Darstellung von Eisners Haltung bei Kriegsausbruch und in der ersten Zeit während. des Krieges angetan. Thomas behauptet, Fcchenboch oersuche„Eisner zu rechtfertigen und sein damaliges Eintreten für den Krieg und leine Arbeit für di«.Kriegskreditbewilligung usw. umzufälfchen. Hier haben wir «ine glatte Geschichtsfälschung vor uns". Da ist überhaupt nichts„gerechtfertigt", Herr Thomas, die Er- eignisse sind, zum Teil sogar gestützt auf Tagebuchous.z«ichnungen Cisners, in ihrem historischen Ablauf geschildert und die Haltung Eisners in jenen Tagen, wie Fcchenbach sie darstellt, kann jederzeit Votum« ntarisch belegt werden. Vom Krieg sollte Thomas besser schweigen. Er sagt zwar,„Wir olle haben wehr oder weniger im Kriege versag t", und er will diese Schuld damit gutmachen, daß er„mit dem revolutionären Proletariat in vorderster Front gegen jeden imperialistischen Krieg und für die proletarische Welt- revolution" kämpft. Das hört sich etwas merkwürdig an von einem Mann, der während des Krieges die Kriegspolitik der deutschen Regierung deckte und in viel«n Versammlungen eifrig Propaganda machte für das Naumannsche Mitteleuropa. Damals war Thomas, kommunistisch gesprochen, ein Hausknecht der Bourgeoisie. Während des Munitivnsarbeiterstreiks im Januar 1st18 sagt« er zu IISP.-Genossen:„Ich bin ja innerlich bei euch, aber ich kann nicht mitmachen!" Natürlich, wenn man reklamiert ist und der politische Kamps persönlich« Opfer fordert, da fehlte es am Mut. Da ist e» schon weit ungefährlicher, dein Verfasser einer Er- innerungeschrift Geschichtsfälschung vorzuwerfen und von politischer Halbheit zu schwätzen Von„Weltrcvolution" in Zeitungen schreiben, das tut nicht weh. Wenn es irgendwo kritisch war, ist Herr Thomas nie dabei gewesen. Aber bei dem jetzigen Kurs in der KPD. ist es ratsam, sich al»„Weltrevolutionär" in Erinnerung zu bringen, wenn man nicht die Schule des „Fliegens" mitmachen will._ OieMansfeldA.G.rustdenGchlichieran Die Kündigungsaktton wirkt. Die Einmütigkeit, mit der sich die Maneseider Arbeiter hinter di« Forderungen und die Weisungen ihrer Organisationen stellen, hat ihre Wirkung bei den Herren der Monsfeld A.-G. nicht verfehlt. Der allgemeine Druck der Belegschaften hat die Generaldirektion oeranlaßt, die Gewerkschaftsvertreter zu einer Be- sprechung am vergangenen Sonntag nach Etzleben einzuladen. Sn dieser Besprechung gelang es nicht, die gegensätzliche Auffassung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu überbrücken, so daß die Ver- Handlungen ergebnislos abgebrochen werden mußten. Di« der mitteldeutsche Schlichter in Erfurt mitteilte, hat die Mansseld A.-G. ihn um SchlichtungsverhortWungen ersucht. Der Scklichter hat sie aus Montag, den 11. März, festgesetzt. Für die Arbeiter qilt es nun erst recht, die Kündigungsaktion mit aller Macht durchzuführen. Sckio-n in den Sonnabendversamnllungcn kam der Wille zur Durchführung der Kündigungsaktion darin zum Ausdruck, daß die größte Anzahl der Nerfainntlungebesucher den Kündigungszettel unterschrieb. In den 16 Versammlungen am Sonntag, die zum größten Teil überfüllt waren, legten die Redner der Tarisorgamsa- tionen nochmals deren Standpunkt tn der Lohnsrage dar. der einmütig von den Versammlungen gebilligt wurde. Viele Arbeiter er- klärten, daß e» so gut besuchte Versammlungen seit 1923 in Mans- selb nicht mehr gab. Den Kündigungszettel haben Tausemde von Arbeitern sofort unterschrieben. Der Anfang der Kündigungsaktion gestaltete sich damit zu einer wuchtigen Kundgebung. An der ge> schlossenen Kampffront in Mansseld zerschellen auch die Ouertreibe- reien der KPDisten. Der Reitergenerol L a d e in a n n- Halle ist mit seinem Stab nach Mansseld abgezogen, um dort eine Schlacht für die Kommu- nistische Partei zu schlagen Noch den bisherigen Meldungen hat er sie glänzend verloren. Die Mansselder Arbeiter haben es satt, sich von den Phraseuron gängeln zu losten. Entweder kamen di« Mos- kauer überhaupt nicht zu Wort oder die Versammlung ließ sie glatt abfallen. Die Kommunisten tun so. als s«ien sie Lakaien der Monsfeld A.-G. und müßten sich anstrengen, die Einheitlichkeit der Bewegung zu zerschlagen. Die Organisationsleitungen haben dos Notwendige veranlaßt, um dem kommunistischen Treiben wirksam zu begegnen._ Amerika baut in Moskau hänscr. Der Moskauer Sowjet unter- zeichnete einen Vertrag mit der amerikanischen Firma Long Acre über den Vau von Arbeiterwohnhäusern, für die im lausenden Jahre vier Millionen Rubel vorgesehen sind. Der Vertrag sieht eine be- träch lich« Erweiterung der Bautätigkeit für den Fall vor, daß eine große amerikanisch« Hypothekenbank, die bereite«in entsprechendes Angebot gemacht hat. den Wohnungsbau in Moskau finanziert. Die Auflosung des ostoberschlesischen Landtags bezeichnet eine sozialistische Interpellation im Warschauer Sejm als die staatsrechl- liche Ordnung verletzend, denn sie war während einer Budgetberowng snzulässlg. Von Buhn Farbenzauber im Gr.(Schauspielhaus. „Oer liebe Augustin"' mit Alfred Braun. Wie lange hält eine Operette vor? Eine einzige Saison, zu- rncilcn nicht mal so lange, wenn sie Glück hat. ein paar Jahre. „Der liebe'August in" van Leo Fall hat das ehrwürdige Alter von.zwei Jahrzehnten crvcicht. Er müßte also oerstaubt und vergessen sein. Tatsächlich ist er auch überhalt. Die Handlung vom verschuldeten Duodezsürsten, der durch eine reiche, ober liebelcerc Heirat der Prinzessin seinen Finanzen aus dir Beine Helsen will, st für heutige Begriffe unmöglich. Und die Musik? Falls alte Me- lodicn zünden immer nock». Aber inzwischen haben wir uns an einen icuen musikalischen Stil in der Operette gewöhnt. Es war. eigentlich eine verrückte Idee, den.Lieben'Augustin" vorzukramen. Und doch hat dos Große Schauspielhaus mit seiner Verarbeitung ganz großen Erfolg erzielt. Man w«iß nicht, woran es liegt, vom ersten bis zum letzten Bild ist man gefangengenommen, wenn die drei Stunden um sind, denkt nron. es ist eine Stunde gcweicn. Regisseur(Dr. Ernst W c l i s ch) und Ausstottungs- künstler(Pros. Ernst Stern) haben es daraus angelegt, das Publikum in einen Rausch zu versetzen, der Bewegung, des sorglosen Uebermuts, der Farben. Kostüme von zaulierhaster Buntheit füllen in immer neuem Wechsel die»vsite Bühne. Phantastisch« Bilder drehen sich um und um, von vorn ebenso märchenhost anzusehen wie vön hinten, die Sunshine-Girls und die Jockson-Bays exekutieren in vollem Tempo ihre Gnippentänze und die Einzeldorsteller überbieten sich an guter Laune, Siegfried Arno, Paul Westcrmeier, Paul Mvrgan. Gustav Matzner. Karl G e p p c r t, der kessc Rabbi) Hanke, die schnippische Trude Lieste. Alfred Braun, der liebe Augustin, hat es am schwersten. Er hol die einzige sentimentale Figur zu verkörpern und macht dos ohne jedes Operettenichmolz,.zurückhaltend, bescheiden, sympathisch. Als Träger der Hauptrolle spielt er sich nie in den Vordergrund. Seine Partnerin Mady Christions bezaubert das Publikum mit ihrem Temperament und ihrer wohrhast könig- lichen Erscheinung, und Marianne Winkel st«rn begeistert es in einem Tanz zu dem Houptschloger der Operette„Und der Himmel hängt voller Geigen". Ohne etwa die Musik zu illustrieren, übersetzt sie die Melodie durch ihren Tanz in das Bild ausgelassenster Lebensfreude. Oxr. Theater in der Stadt. „Zyklamen" von Hans Ernst Wolff. Eiu« neue Direktion im Theater in der Stadt. � Herr Paul Gordon, der mutige Mann, der es wieder wagt,, dos ehemalig« Herrenfeld-Haus der Koirimandantenftraße auszulüften, lädt mit einem freundlichen Prolog ein. Der alt« Kasten ist eigentlich ein Mausoleum, in dem eine nicht immer illustre Gesellschaft ehrenvoll gefallener Vcrgnügungsunternohmer beiAssetzt wunde. Nun verzagt Herr Gordon die Fledermäuse. In vier Wochen sollen wir entscheiden, ob es sich gelohnt hat. Können wir so lang« warten? Können wir verschweigen, daß der erste der jungen Dichter, die der Direktor protegiert, gar kein deutscher Steppenwolf, sondern«in schon abgeklapperter Pusztagaul ist, nämlich der Budapester Bühnenplauderer Ander Gabor, dessen Lustspiel schon vor zwanzig Jahren nicht viel taugt«? Es ist eine zahme Kpmödie, mittelmäßiges Fabrikat, Geplänkel um ein Liebesdreieck. Di« Uebcrrafchung kommt dadurch, daß die vevdächtigt« Ehegattin eine Doppelgängerin hat, und diese zweite Dam« ist so geschickt, daß sie einem Husorenofsizier die Soldaten- ehre rettet und sich selber einen gehorsamen Liebhaber erwirbt. Die beiden Domen werden von der gleichen Künstlerin gespielt, von Fräulein Grete Jacobsen. Fräulein Jacobsen zeigt« schon früher in Berlin, daß sie im tragischen Fach sehr gefühlvoll sein kann. Jetzt, da sie mondän und ein Star der witzigen Beweglichkeit und Anzüglichkett sein soll, keucht ihre Kunst, statt liebenswürdig zu funkeln. Auch di« Regie und all« sonstigen Kapazitäten des Pro- gramms erregen nur Kopftchuttcln. Wenn die Kasse und der Idealismus des Direktors trotzdem vier Wochen aushatten, wollen auch wir noch geduldig auf die bessere Zeit des Theaters in der Stadt warten. dl. H. ? und Ulm. „Gefangene des Meeres." Marmorhaus. Flottenbegeistcrung, Patriotismus und— Sensation sind i.v Signaturen dieses Rustaniilmes. Die beiden ersten Bestandteile lassen uns kalt, der dritte packt uns. Zuerst Kämpfe zwischen Weißen und Roten anno 1919. Der Voter Ler, ehemals zaristischer und setzt bolschewistischer Kommoi»dant, wird gesangen genommen und durch seinen Sohn, Adjutant bei den Weißen, gerettet. Phüippow, ein anderer Bolschewist, der sich durch Ler— fälschlicherweise— verraten glaubt, soll erschossen werben, kommt aber mit einer Wunde davon. Die Landschaft war bis hierher winterlich, kalter Schnee sunkelte bei Nachtbelcuchtung. Im 2. Teil, der acht Jahre später im Sommer spielt, ist die Sonne(auch des Bolschewismus) ausgegangen. Dos südliche Sebastapol und seine Gestade ist der Schau- platz. Der Familiengegensotz besteht weiter zwischen Bater und Sohn, der illegal und unerkannt lebt. Kompliziert wird die Affäre durch den wieder auftauchenden Philippow, der in die Tochter des Lers verliebt ist. aber den Vater weiter beargwöhnt. Der junge Ler stiehlt militärische Papiere seines Voters, flieht damit, wirb ober vom eigenen Vater auf der See gefangen genommen. Da- zwischen schiebt sich die Sensation: Philippow gerät mtt dem von ihm kommandierten Unterseeboot an Grund(weil ein besoffener Matrose die Klappe öffnet!). Die Leiden der Eingeschlossenen, die den sicheren Tod vor Augen haben, und ihre Rettung durch den ollen Ler, der als Taucher sein eigenes Leben ouss Spiel fetzt, sind dramatisch wirksam bargestellt. Wie bei dem„Potemkin" spielt die Freude an der„verwickelten" Maschinerie, die immer wieder in all ihren Teilen vorgeiührt wzrd, und der Abschuß eines Torpedos dabei ihre Rolle. Die Regie M. W e r r e r s Ist im übrigen kaum weiter bemerken?- »vert und auch die Darstellung nicht aufregend. Ein russischer Durchschnittssilm— bis auf die Unterseeboot- katastrophe— der spezistsch russischen Interessen dient. r. „Oer Sohn der Taiga." Terra-Lichtspiele. Benjamin Christian so n schuf den Film„Michael". Der war zwar, ob seiner ungünstigen Jilmeignung, weiter nichts als verfilmte Literatur, dennoch erbrachte der Regisseur durch ihn den Beweis, daß er ein ganz verinnerlichtes Werk schaffen kann. Wir waren daher berechtig», einen Film voller Ruhe zu erwarten, während uns ein Werk voller Unruhe erwartet. Drchbuchversosser und Regisseur sehen nämlich die russische Rc- volution als Schaudcrgeschichte vom Ichstandpunkt aus. Die einmal oben sind, haben das Recht oben zu bleiben. Und die unten find, nun, die machen die Resolution, um sich einmal nach Herzenslust zu besaufcn und sich einmal gehörig satt fressen zu können. In dieser ganzen Äintopprevolutjon ist keine große Linie, nein, es ist nicht einmal die Andeutung auch nur einer Gesinnungstat vorhanden. Ein« Gräsin, die dem Hauptquartier ein« Nachricht zu über- bringen hat, erkauft durch ein paar Lebensmittel einen armen, dummen Menschen zu ihrem Begleiter. Unlektvegs fallen sie einer wüsten Soldateska in di« Hände. Pawel, der arm« Kerl, gibt die Gräfin für seine Frau aus. Ihrethalben erduldet er die schlimmsten Martern. Im Hauptquartier angelangt, kommt Pawel ins La- zarett, die Gräfin verlobt sich init einem Offizier. Bei einer Re- volte wird Pawel aufgestachelt, er verfolgt die Gräfin. Als ihr Verlobter ins gefährdete Haus eindringt und die Meuterer an die Wand stellen läßt, sogt die Gräsin, eingedenk der furchtbaren Leiden, die der einfache Mensch für sie ertrogen hat:„Pawel war treu." Und Pawel wird treu, er stirbt später den Opsertod für die Gräfin. Es ist also das Lied vom treuen Knecht mit Knalleffekten. Ehristianson meint offenbar, er sei dem Lon Chaney viel Un- Heimlichkeit schuldig. Lon Chaney ist wieder der ganz große Schau- spiclcr und der sabelhost geschickte Meister der Maske. Er ist der Mensch, der halb Tier ist, weil sich alles an ihm versündigte. Sein ganzes dumpfe» Gefühlsleben treibt ihn zum Opfertod. Barbara B c d f o r d Hot gute Momente. Sic ist ein Kind ihrer Kreise, aber ein Mensch. Alles in allem ist Benjamin Christlonsonz Arbeit als Experiment ganz interessant. Doch bringt hossentlich das„Film- Paradies" Amerika, diesen Regisseur, der eigene Wege gehen und einen verinnerlichten Film schassen kann, nicht um sein Können. «. d. Freie Gewerkschastsjugend. Bolksliederabenv. Die Frei« Gewerkschastssugend hatte zu einem be- sonders hübschen, gar nicht alltäglichen Abend eingeladen. Der finnisch« Sänger Oll» Suolahti trug Volkslieder vor. an denen sein« Heimat ja so reich ist. Er sang Klagelieder, heiter« und sehn- süchtig« Weisen, und wenn die Zuhörer auch den Text nicht ver- standen, so klang doch aus der Musik deutlich der Eharokter jedes Liedes. Ja, mehr noch: ein Brautlied, das ein Spielmaim dem vorüberziehenden Hochzeitszug aufspielt, wurde von einer so anschaulichen Begleitung untermalt, daß map da» Herannahen der Hochzeits- gesellschaft, dos Borübergehen des von Musikanten begleiteten Zuges, schließlich dos hauchleise Verklingen In der Fern« sast bildhast vor sich sah. Denn Olli Suolahti ist nicht nur ein ausgezeichneter Lieder- länger, er ist auch ein Meister aus dein finmschen Nationalinstnnnent, der Kanteie, einer Art Harfe, die aber flach aus den Tisch gelegt wivd und nur etwa die Größe einer Zither hat. Dieses außerordentlich klangschöne Instrument paßt mit seiner sentimentalen Tonsärbung so gut zu dem Charakter der finnischen Volkslieder, die von ihm nicht nur begleitet, sondern, wie bei dem Hochzeitsliod, geradezu illustriert»Verden. Doch auch als selbständiges Instrument hörte man die Kantelei besonder» schön erklangen aus ihr alte finnische Voltstänze. Der Beifall, den di« erfreulich gitt besucht« Veranstaltung fand, zeigte, daß dieser schöne Volksliederabend von der werktätigen Jugend noch Gebühr gewürdigt wurde. K— z. Agnes-Miegel-Feier. In der Gesellschaft ostprevßischer Künstler und Kunstfreunde. Agnes M i e g e l ist 50 Jahre alt. Sie trägt das Schicksal vieler Dichter, die es nicht verstanden haben, von sich reden zu machen. In Literaturgeschichten räumte man ihr ein Plätzchen ein: in Schul- lesebüchern stehen einige ihrer Verje. Was sonst noch? Lebendig ist ihre Dichtung nur in einem kleinen Kreis. Und doch ist Agnes Miegel, die Ostpreußin, eine große Dichterin. Sie schwimmt nicht im Strom der Zeit: ja, sie bat mit dieser Zeit so wenig Berührung, wie etwa Seimo Lagerlös. Wie diese lebt sie im Reich der Sag«, im Reich der Träume. Von dort saugt ihr« Dichtung die Kraft. Der Mensch, der einzelne Mensch, und der Luftraum, der fem Leben, fem Werden und Bergehen umschließt, ist ihr Inholt. In Lyrik und lyrischen Balladen erreichte Agnes Miegel den höchsten Gipfel ihrer Kunst. Als lyrische Dichterin ist sie den bedeutendsten Lyrikern aller Zeiten ebenbürtig. Die Gesellschaft o st p» e u ß i s ch e r Künstler und KunstsreundezuBerlin feierte in den Räumen des R« i ch s- k l u b s den fünfzigsten Geburtstag Agnes Miegels. Einen Fest- vortrog, der dadurch reizvoll wurde, daß er sehr intime Züge aus dem Leben und Wirken Agnes Miegels enthüllle, hielt Universität»- Professor Dr. Hermann Reich. Dr. Heinrich S p i e r o sprach Gedichte von Agnes Miegel: es wäre allerdings erfreulicher gewesen, diese so sehr auf Versmusik gestellten Dichtungen von einem geschulten Sprecher zu hören. Einen hohen künstlerischen Genuß hatte man dagegen von den Vertonungen Miegelscher Gedichte von Georg V o l l e r t h u n, die Meto Glaß-Villoret mit sehr gepflegter, schöner Stinikne sang. Tcs. Ein Feuer, da» seit einem vierleljahrtaujend brennt. Von einem Rekord ganz besonderer Art berichten Londoner Blätter. Die Herdfciicr, die vor 258 Jahren angezündet wurden, brennen bis. zur Stunde noch unter den Oesen einer keramischen Fabrik in Fulham, dem südwestlichen Stadtteil Londons. Angezündet wurden sie zum ersten Mal« vermittels Schwamm und Feuerstein im Jahre 1671 von John Dwight, einem Töpfer aus Fulham, dessen Erzeug- niste noch jetzt von Sammlern eifrig gesucht werden. Seine Söhne und Töchter führten dos erweiterte Unternehmen zunächst fort. Später mechselte die Fabrik wiederhost die Eigetttümer, bl« sie in den Besitz der privaten Gesellschaft kam, di« sie noch jetzt betreibt. Die Brennöfen, die heute in Tätigkeit sind, uirterscheiden sich nur »venig von denen, die John Dwight im 17. Jahrhundert bei seiner Arbeit verwandte._ INu eumsvorträge Sonntag, den 10.. 10 Uhr, sprechen im Neuen u s e u m Dr. Kurth über„Die Graphik von Touloute- Lautrec". im Kaiser-flriedrick-Museum Dr. Zuvtz über „Botticelli" und im Museum lür Bölkerkund«! Pros. Btönnet über.Hinduismus und Buddbitmut* Teilnehmer- tarten SO Ps vor Beginn am Eingang.— Di« Führungen im S a i I e r. Friedrich-Muieum Freitag» 11 Mr werden am S.. 15. und 22. März durch Prof Schotlmüller fortgesetzt. Thema: Querschnitte durch die deutsche und niederländische Malerei. Teilnehme,- kalten l M. am Eingang. ver Zilm.Di« Mund« de» Film»', cw Werllied von der Arbeit am Kulturfilm, lomponiert von Dr. Edgar Behsuift, wird im Tauentzienpainit ab 7. im Abendprogramm geboten. Oer Ziabbi und der Oieb. Gin entheiligter Versöhnungstag. Als der Rabbiner N. nach oierundManzigstündigem s6)wcren Fasten am letzten Versöhnungstag seine Wohnung betrat, cruxirteto ihn eine Ucbcrraschung: Während er in der Synagoge Gott Zebaoth uin Erlösung von allen Sunden ansieht« und sie auch erhielt, sandte ihm der Strafende einen Dieb ins Haus, der ihn um seine kost- barste Habe, um Silber und Schmuck, brachte. Hatte ihn der liebe Herrgott deshalb weniger lieb, wollte er ihm nicht dadurch feine Gnade zeigen, wie er sie Hiob gewährt hatte? Der Rabbi 'neigte sein Hangt vor der Weisheit und Allmacht des Herrn, murrt« nicht wider ihn und verschmerzte den Verlust. Nur bei der P o l i z c i erstattete er Anzeige— der Ordnung wegen. Voni Täter keine Spur! Aber an einem Lockkästchen fand sich ein Finger- obdruck, ein einziger. In der Fingerobdrueksammlung der Kriminal- polizei gab es keinen zweiten der Art. So wurde dieser in die Sammlung eingeordnet. Einige Monate waren ins Land gegangen. Ein polnischer Jude wurde wegen Paßubertretung zwongsgestellt. Wie üblich, wurden auch bei diesem Fingerobdrückc abgenommen, und siehe da— der Fingerabdruck des mittleren Zeigesingers der rechten Hand war identisch mit dem am lackierten Kästchen des Rabbiners gefundenen Abdruck. Der Zeigefinger der linken war identisch mit einem Fingerabdruck, der einige Tage nach dem Diebstahl beim Rabbiner an einem lackierten Etui in der Wohnung einer alten Näherin festgestellt worden war: ihre. D o n b l e e s a ch c» waren Beute eines Diebes geworden. Der patzlose polnische Jude leugnete seine Täterschast. Er lietz das Leugnen, als man ihm die Finger-. abdrücke vorwies. Er wollte es aber nicht allein gewesen sein. Der große Unbekannte habe die Diebstähle vollbracht und ihn bloß als Helfer mißbraucht. In Wirklichkeit lagen die Dinge anders. Der paßlose polnische Jude ging bei dem Rabbi ein und aus. Durch ihn erhielt er Unterstützung von der jüdischen Gemeinde. Er hat aber nicht nur seinen Wohltäter bestohlcn, nicht nur seinen Glaubensgenossen und das Haupt der jüdischen Gemeinde ausgeplündert, nein, den Versöhnungstag, das höchste jüdische Fest hatte er entheiligt. Er wußte, daß an diesem Tage in der Wohnung des Rabbiners niemand anwesend sein würde. Und die arme Näherin? Ihr Verlust war gering! die Vor- stcllung, daß in ihrcnr Hanse Einbrecher gewesen waren, hielt aber die alle Frau wie eine Zwangsidee monatelang im Banne. Das Schöffengericht Berlin- Mitte verurteilte den Frevler zu einem Jahr acht Monaten Z u ch t h.a u s und drei Jahren Ehrverlust. Wegen der ganz mitzerordentlichen Ge- »icnchcit und Verwerflichkeit der Gesinnung, sagte der Vorsitzende i» der Begründung. Der Mann war unvorbestraft: das Gericht meinte, man könne ihm die Vorstrafen nur nicht nachweisen. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr sechs Monate Gefängnis beantragt: das Gericht sagte: Zu wenig: hier ist Zuchthaus am Platze. Die Ansicht des Rabbi über die Straftat, erfuhr man nicht: er war nicht erschienen. Das Gericht hatte ausgerechnet für Sonnabend die Sitzung bestimmt. Ein Rabbiner entheiligt aber nicht den Sonnabend init einer Gerichtssitzung. Soviel Respekt hätte das Gericht den religiösen Gefühlen des Hauptes der jüdischen Gemeinde crrtgegen- bringen und für die Sitzung einen anderen Tag wählen können. Eine Almosenschwindlerin. Oer Trick mit dem Ohnmachtsanfall. Die geschiedene Frau Domschi führte einem früheren Auslands- deutschen die Wirtichast. Eines Tages erschien sie im Stadthaus dci einer W o h l f a h r t s st e l l e, die dem Oberbürgermeister untersteht und die der schnellen Hilfeleistung für verschämte Arme dient. Sie gab sich als die Ehefrau des Afrikaners aus und erzählte, daß ihr Mann krank liege und daß groß« Not im Haufe herrsche, da das Verjähren beim Reichscntschädigungsamt noch immer in der Schwebe sei. Der Vorsteher der Wohlfahtrskasse gab der armen Frau sofort eine Unter st ützung von 30 Mark, und als dies« nach einiger Zeit mit ihren Klogen wiederkam, nochmals denselben Betrag. Bald darauf wurde eines Tages dem Obermagistratsrot gemeldet, daß in der H a l l c des Stadthauses eine Frau ohnmächtig zusammengebrochen sei, die nur noch mit schwacher Stimme ihren Namen hätte hauchen können. Er eilte hinunter und erkannte Frau D., die, nachdem sie aus ihrer angeblichen Ohnmacht erwacht war, weinend schilderte, sie sei vor Entkräftung zusammengebrochen, ihr armer Mann liege zu Hause krank und dem Hungertode nahe. Der Beamte griff in seine Tasche und gab der Frau zunächst 20 Mark, damit sie gleich etwas essen könne und ihrem kranken Manne auch Hilfe bringen könne. Da inan nun aber der bedauerns- werten Familie nachträgliche Hilfe gewähren wollte, und Ermittlungen anstellte, ergab sich, daß das Ganze Schwindel war. Der Afrikaner, der gor nicht ihr Mann war, befand sich keineswegs in Not, sondern in einer aus- kömmlichen Stellung bei einer Behörde. Er hatte von dem Mißbrauch seines Namens durch feine Winschofterin keine Ahnung gehabt. In der Verhandlung vor dem Schöffengerickst Mitte stellte sich heraus, daß die Angeklagte schon vor vier Iahren wegen eines ähnlichen Falles von Almosenjchwindels bestraft worden war. Damals war sie vor einem Sanatorium im Westen ebenfalls vor Hunger und Er- schöpfung zusammengebrochen. Der so stark bemitleideten Frau war damals eine sehr reiche Spende zugeflossen. Trotzdem hatte sie den- selben Trick noch an anderer Stelle wiederholt, bis man den Schwindel entdeckte. Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen dieses neuen Betruges zu einem Monat Gefängnis. Soldatenmord in Schwedt. Die Täter noch unbekannt. In der Nacht zum Sonntag wurde der?-4 Jahre alte Gefreite Otto B e n t e r, der seit kurzem bei der 4. Eskadron des g. Reiter- regiments in Schwedt a d. Oder stand, sterbend aufgefunden. Ein Auto, das zu jener Zeit die Berliner Straße in Schwedt passierte, sah plötzlich im Licht des Scheinwerfers einen Mann regungslos mitten auf der Fahrbahn liegen. Die Insassen des Wogens brachten ihn sofort nach dem Krankenhaus, wo er drei Stunden später ver- schied, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Man nahm zunächst an, daß Acuter in der Dunkelheit von einem Auto onge- fahren und tödlich verlegt worden sei. Da aber später verschiedene Anzeichen darauf hindeuteten, daß der Gefreite einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte, so wurde die Berliner Mord- k o IN m i s s i o n benachrichtigt. Es ergab sich nun, daß Benter am Sonnabend abend mit mehreren Kameraden einige Gnstwirtschasten, in denen auch getanzt wurde, aufgesucht hatte. Zwischen den Soldaten und den Zivilisten war es wiederholt der Mädchen wegen zu Streitigkeiten gekommen. Es konnte aber noch nicht sestgcstellt werden, ob Benter in diese Streitereien verwickelt gewesen ist. Di« von Professor Strauch vor- genommene Sektion ergab, daß der Schädel Bcnters mehrmals gespalten ist, ofsenbar von Hieben mit einem stumpfen Werk- zeug. Der Gefreite ist ohne Zweifel überfallen und niedergeschlagen worden. Für die Aufklärung liat die Staatsanwaltschast Prcnzlau eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Benter wird als ein ruhiger Mensch geschildert, der Händeln gern aus dem Wege ging. Er stammt aus einer Fischerfamilie in Warthe auf der Insel Usedom._ Ausstellung«-Wien im Bild�. Das Bezirksamt Kreuzbcrg und der Oesterreichisch-Deutsche Volksbund veranstalten im Gesundheitshaus Krcuzberg(Am Urban 10/ll) ein« bild statistische Ausstellung des Wiener Gesellschafts- und Wirtschaftsmufeums, die weiteren Kreisen soziale Tatsachen einprägsam zeigen soll. Nicht nur österreichische, sondern auch deutsche und im besonderen Ber- liner Verhältnisse sind berücksichtigt. Angegliedert ist eine kunst- gewerbliche Abteilung, die das alte und das neue Wien gegenüberstellt. Auch Modelle und Photographien von Neubauten der Gemeinde Wien werden gezeigt. Die Ausstellung ist vom 9. b i s 3l. M ä r z an. Werktagen 9 bis 2l Uhr und an Sonntagen 10 bis 14 Uhr geöffnet. Der Zutritt ist unentgeltlich. intiqiisMe Büffler ans den Gebieten: Sozialismus/ Religion Vplkswirtschaft Erziehung 6 I.vr.. Parteibuchhandlung J.H.W.Dletz Hachl., Berlin SW. 68. ündenstraoe 2 Antiparisffle Büffler ans den Gebieten: Philosophie/ Technik Naturwissenschaft Schöne Literatur » tUhr CASINOTHEATER• � Lothringer StraKe 37. Nur noch bis 13. März KUometeriieDctien Am 14, März 1929 zum 1. Maie. .Eine ungeliebte Frattu FOr unsere Leser üutschein Uin— 4Pers. Fauteuil nur I.ISM., Sessel 1.63 M. Sonstise Preise- Parkett u. Rano afin M. Theaters, KottbusserTor Kottbusaer Str. 8. Tel. Mp|. 16077 TSglich 8 UHrr auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermäßigte Preis«) Eilte-Sänger u. l„Die Schönheiiskönigin" verbunden mit Modenschau. Aiigem. 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Thellmann Ebuorb cchtenstein, Srnflrtf, Limburg, Sero,«Zvslrr, Vespermann. Aer, «äffe nnunftrhr. 6teinel. 931 n.TlM Oentsdin Ttieater Norden 12310 8 U, Ende geg. lO' t Die lustigen Weiber von Wiodior von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Kamraerspiele Norden 12 310 8Uhr, EndelO'/aUhr Komödie von Edouard Bourdek Regie; Förster Larinaga. Lessing-Tbeater 8'. Uhr Katharina Knie Donnerstag, d 7. 7'; U., zum 1 Male Marl« Orsk« in „Das VeUthen" Ke Medatllen er alten Fraa Lastspielbaas f Vi Uhr wiadarauttreten Guido Tielsohep Weekend im Paradies Trlanon-Th. Täglich, Uhr Der Herzog und dta Sünderin mit Erika Gllssnar und Martin Kettatr Rundfunk hure i •tnibe Preise P.anetariüiu an im 'trlle;. JnAinutSils'tnb Noll. 1578 U V« Uhr Sternhimm«! das Frühjahrs 18'.'« Uhr Starnbilder und Weltbau 20i, Uhr Wunder des südlichen Himmels Täglich außer Montags und Mittwochs Erwachsene 1 Mk., Kinder SO Pf. Mi tw.: Er»achsene 30 Pf. Kinder 25 Pf. malla-Theater iresdeuer Str. 72-7i 8 Uhr Oelrausch" Kleines Theaier Tätlich m Uhr; Kart Gociz« Valerie ▼. Märiens Paol Otto „Trio" Lustsp. v. Leo Lenr. Regie; Friedmann- Freder ich. i. T ä g I 8 Uhr 12 neue 12 Weltstadfettrakt. und ..nai. nachte" Philharmonie 8 Uhr ■ozart-Hajdn- Beelhoren-Äbtnd des Philharm. Orch. Dirip. Prot. I. Prower Cello-Konz. D-dur- Haydn-(Graudan) 5. Sinf.-Beethov. Rose-Theater 3r.FraQkforterSt.132 8Ve Uhr Der Obersteiger Anzüge UUler, Paleiots Teilzahlung monail. von 10 M. an, lief, nach Maß Tomporowtki, Schneidermc ster, Dreibundstr. 47, am Untergrundb=hn- hof Kre uzberg. Billige Preise. Feinste Ausführung. Zur weiteren Einführung unserer Qualitätsartikel veranstalten wir vom Dienstag bis.Sonnabend dieser Woche B tn der Gesomtauflagc des.Vorwfirt»" sind besonders virks«» und trotzdem sehr billig I I BILLIGE MARINADENTAGE Wir bieten an: BismarcMieringe. Rollmops, Kronsardinen. Geleeheringe, Bratheringe 1 Liter Dose'/, Liter Dose ca. 2 Pfd. 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Da finden wir in der„S i e m e n s- W o ch i" einen Beitrag über Untallsteigerung durch Akkordschinderei und Rationalisierung. Ein W Jahre alter Siemens-Arbeiter klagt darüber, daß er, wenn er in fünf Jahren pensioniert wird, bei einem vorherigen Finnen- Wechsel feines Werkes, der erfahrungsgemäh nicht ausgeschlossen sei, Gefahr läuft, den Zuschuh zur Invalidenrente aus der Siemens- Kasse zu verlieren. In der„O s r a m- F a ck e l" werden Ver- giftungserscheiiurngen besprochen, die sich bei ungefähr 200 Werkspeiseteilnehmern eingestellt haben. Es wird auf die Unsitte der Pausenarbeit hingewiesen. Die Frage der Betriebs Hygiene nimmt einen besonderen Platz in den Betriebszeitungen ein. Besonders mit den Garde- . roben- und Toilettenoerhöltnissen scheint es nicht immer am besten bestellt zu sein. So geht aus einer Auschrist an die„Siemens- Wacht" hervor, dah dort in der Garderobe keine v«rfchl?etzbaren Schränke vorhanden sind. Ein« ähnliche Klage in der„O s r a m- Fackel": Die Verhältnisse in den Garderoben sind urchaltbor ge- worden. Dah zwei, mitunter sogar drei Personen ihre dicke Win- terklcidung in einem Spind« unterbringen müsien, ist ein unmög- sicher Zustand. Die Sachen bleiben feucht und klamm und leisten der Grippeausbrcitung hervorragende Dienste. Eine weitere Gefahr für die Gesundheit besteht in der Umnog- lichkeit, die Garderobenräume von den Arbeitsräumen direkt zu erreichen. Iinmer ist ein längerer oder kürzerer Weg über den Hof notwendig. Die Hochofentemperatur an vielen Mo- schinen zwingt zum Trogen dünner Kleidung»rib in solcher b e i 12 bis 2 0®rad Kälte oder bei feuchtem Wetter den Hof zu betreten, ist selbst für die robusteste Natur ein Wagnis. Die- selbe Gefahr der Erkältung besteht auf den ungeheizten Toiletten. Diese Beschwerden beziehen sich auf die Fabrik A, mit deren Toiletten sich noch eine weitere Zuschrift beschäftigt. Die U n- s a u b e r k e i t wird hier als standalös bezeichnet. Dunkelheit und sibirisch« Kälte seien der Grund dafür. Aber es wird auch an die Reinlichkeit und das Schamgefühl der Kollegen appelliert. In anderen Zuschriften wird über zunehmende Staubenlwick- lung und Zugluft oder Platzmangel im Betrieb geklagt, der bei einer Panik zu einer Katastrophe führen müsse. Es wird Warm- wasser für die Garderoben und die Beschaffung von Speise- räumen gefordert: Die einschneidendste Maßnahme scheint die Beschaffung von Z p e i f e r ä u m e n zu sein. Doch scheint dies nur so. Die DIrek- tion steht auf dem Standpunkt, weil die Fabrik in der Großstadt liegt, wären die Räume zu teuer Gewiß sind die Räunie teurer als in der Prooiizz, aber dieser Umstand wird durch die groß- städtisch beweglichere Arbeiterfchait und durch die zunehmende Technisierung der Produktion wettgemacht. Die Fabrik gleicht nach der Umstellung einer einzigen großen Moschine. Van taufend Gefahren umgeben, bedarf die Arbeitskroit des Schutzes. Zur Vorbeugung von Unfällen und Krontheiten. sind geeignet« Speisen und Getränke in hygienisch einwandfreien Räumen erforderlich. Die trockenen Bemmen in den schmutzigen Fäuste» müsien verschwinden. Dazu gehört vorheriges Hände- wasche». All das steht mit der Beschaffung von Speiseräumen in Verbindung. Die Beispiele zeigen die Nützlichkeit der Betriebszeitungen. Sie sind das Sprachrohr des Arbeiters, an das er sich direkt wen- den tonn. Sie vermögen besser als die Tagespresie die täglichen Sorge» und Beschwerden des Arbeitnehmers widerzuspiegeln. Was i» der großen Press« als Statistik losgelöst von, Einzelbetrieb er- scheint, prägt sich hier auf das lebendigste mit Mensch und Betrieb verbunden aus.- Der Betrieb ist nun einmal«in wesentlicher Teil der Umweli des Arbeiters. Der Arbeiter hat ein Anrecht daraus, diefe Umwelt mftzugestalten, er hat«in Anrecht daraus zu fordern, daß diese Um- well besser wird, als sie es in der übergroßen Zahl der Fälle heute noch ist. Er hat auch In diefer Umwelt«in Recht auf Gesund- heit. Freude und Behagen. Im modernen Strasvollzug bemüht man sich heute, die Lustgefühle des Gesangenen nicht ver- kümmern zu lassen. Um wieviel mehr Anspruch daraus hat der Werktätig« im Betrieb! Wie anders sollte man samt sein« Aiztcil- nahm« verlangen! Ein Teil dieser Anteilnahme äußert sich in den .Betriebszeirungen. Auch wo sie Beschwerden bringen,©«rade da! Hier ist der Kampf un> die Anteilnahme, der Komps um die Er- oberung des Betriebes. Die Betriebszeitungen sollten deshalb ausgebaut werden. Die Belegschaften sollten sich aktiv an ihnen be- teiligen. �lt-er die Betriebszeitungen dürfen mehr verlangen. Sie können beanspruchen, von den Arbeitnehmern beachtet zu werden. Sie können die Aufmerksamkeit der Gewerbeaus» sichtsbeamten sür sich beanspruchen, die ans ihnen ersehen können, wo es In den Betrieben hapert. Daß auch die Vefsentlich- keit an' den Betriebszeitungen interessiert ist, zeigt ein Vorschlag im „AEtl-Sender", Gesundheits Vertreter in jeder Abteilung zu wählen, die mit den Gejundheitsveriretern im Betriebsrat zu» sammenorbeiten—«in Vorschlag, der einer öffentlichen Erörterung wert ist._ Entschädigung von Arbeitsunfällen Das Internationale Arbeitsamt wurde benachrichtigt, daß die Schweiz das internationale Uebereinkommen betreffend die Gleichbehandlung einheimischer und ausländischer Arbeitnehmer bei Entschädigung vyn Betriebs- Unfällen ratifiziert hat. Dieses Uebereinkommen wurde aus der 7 Tagung der Internatioimlcn Arbeitskonferenz in Genf im Jahre 1l>25 beschlassen. Jeder Staat, der ihm beitritt, verpflichtet sich, den Staatsangehörigen jedes anderen das Ucber�nkommen ratifizieren- den Staates, die auf seinem Gebiet einen Betriebsunfall erlitten. oder ihren Hinterbliebenen, bei der Entschädigung aus Anlaß eines solchen Unfalls die gleiche Behandlung zu gewähren, wi« feinen eigenen Staatsangehörigen. Dieses Uebereinkommen wnrd« bis jetzt von 21 Staaten rarisiziert, und zwar: Deutschland, Oesterreich, Belgien, Kuba, Däne- Bor wenigen Tage» ist dem Reichstag eine S t a st i st ik d« s j deutschen Gesängniswesens zugegangen, zusammengestellt aus Veranlassung des R e i ch s m i n i st e r s der Justiz. Diese Veröffentlichung bringt wichtiges Material für dos demnächst zu beratende neue Strasovstzugsgefetz. Wir erfahren, dah es 1027 62 000 Gefangene, davon 10000 Untevfuchui�sgefangene gab, die in 17.12 Anstalten untergebracht waren. Die Belegung der Siros- anstalten war besonders stark in Hamburg, Baden und Preußen, während in Thüringen und Hessen die Anstalten nur bis zu etwa SO Prozent ihrer Belegungsfähigkeit ausgenutzt waren. Ganz besonders interessiert uns hier die Frage nach der körperlichen und geistigen Gesundheit der Ge- sangen« n und vor ollem noch den Maßnahmen zu ihrer Ge- sunderhaltung. Wer berufsmäßig sich mit enttosienen Strafge- fangenen zu beschäftigen Hot, dem gilbt die körperliche Untersuchung der Haftentlassenen schon ei» gewisses Material der Kritik an die Hand. Es gibt keinen Strafgefangenen mit längerer Strafzeit, der nicht an seiner Gesundheit, leiblich und seelisch, Einbuße erliften hat. In den seltensten Fällen kann man bei den Entlassenen von voller Arbeitsfähigkeit sprechen, die nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht von maßgebender Bedeu- tung ist. Der erwähnt« Bericht gibt gewiss« Ausschlüsse über die hygie- nischen Unzulänglichkeiten, die zu dem schlechten Ge sundheitszustond der Geiange«» sichren. Es ist bereits ost be- mängelt worden, daß die Hosträum« ungenügend sind, daß in der Milcherzahl der Fälle Konalisaiion besteht, daß also die Gefangenen ihre Notdurst nicht nur in der Zelle verrichten müssen, sondern daß die Exkremente dort auch sbindenlang stehen. Ebenso hat man iinmer wieder mit Recht Kritik geübt an der Einrichtung der ge- »neinsamen Schlafräume: ober noch heut« dürfte kaum mehr als die Hälft« der Insassen nachts in der Zelle allein sein. Dieser Punkt ist gerade für die jüngeren Gefangenen von besonderer Bedeutung. Roch der neuen Statistik waren von Haft- und Schlosräumen über 2000 überhaupt nicht heizbor und 13 600 ohne elektrisches Dicht oder Gasbeleuchtung. Ob bei derartigen Zuständen die Gefangenen noch daran glauben können, man wolle sie bessern? Daran dürsten auch die 14 2 7 G e i st l i ch e n, die sich um das Seelenheil der Internierten bemühen, nicht viel helfen. Es wäre besser und wich- tiger, zuniindest eimnol für A« rz t e zu sorgen! Jüt die 62 000 Gefangenen gibt es 36 hauptamtliche ilerzt-t! Alle anderen Aerzte sind nebenamtlich oder vertraglich angestellt. Man kann sich dem- noch vorstellen, wie kursorisch, revierswbenmäßig der gonze ärztliche Dienst an den Strafanstalten betrieben wird, zumal wem, man hört, dah bei 807 Anftalten die Zuziehung eines Arztes nur von Fall zu Fall erfolgt. Der schlünmfte Vorwurf, der den Sefängnissen gemacht werden kann, ist der, daß Menschen in ihnen sitzen, die an Leib und Geist krank sind und also aus keinen Fall hierher gehören. Man ver- nehme, daß noch den Berichten der 62 großen Anstalten ftos sind solche mit mehr als ZOO Jissassen) fast 4000 geistig minderwertig sind. d. h. dauernde und wesentliche krairkhafte Eigentümlichkeiten aufweisen. Und wieviele mögen es in den kleinen Anstalten fein? Ohne Uebertreibung darf man annehmen, daß jeder zehnte Insasse wegen geistiger Miicherweriigkeit überhaupt nicht ins Gefängnis gehört, war doch in den großen Anstalten bei über 1000 die Min- derwertigkeit so stark, daß sie für den Strafvollzug überhaupt nicht in Betracht kamen. Hätten diese verurteilt werden dürfen? Nicht oichers sieht es mit den körperlich Kranken aus. Man denke an die Tuberkulose, die besonders große Opser unter den Gesang«»«» sorderl. Der Vergleich zwischen der Sterblichkeit an Lungenschwindsucht in der freien Bevölkerung lchrt, daß in de» Anstalten mehr starben als draußen, daß also das Anstaltsleben unhygienifcher»st. In ganz Preußen hat man bisher drei(!!) Tuberkulose-Abteilungen in den Strasan- stalten gehabt. Glaubt man wirklich, damit etwas Entscheide,»«? gegen die Tuberkulose der Gesängen«» ausrichten zu können? Gab es doch nach der Statistik der Preußischen Gesangenenonftolten aus dem Jahre 1023/24 1800 Tuberkutöse. Von ihnen verblieb d!e Hälfte in der Anstalt, nur 20Z wurden als nicht haftfähig entlasse». Di« Zahl der wirtlich Tuberkulösen ist sicher größer, da die Kranken- obteilungen der meisten Gefängnisse gar nicht über das notwendige liuterfuchungsgeröt verfügen. Auch der Entwurf zur neuen Strafvollzitgsvrdnung steht den Speziolkrankenobteilungen reicht allzu sreuitdlich gegenüber. Es dürste bei der in den badischen Anstalten üblichen Praxis verbleib»», daß Derfetzureg in eine derartig« Abteilung nur geschieht, wenn die Erkrankungen„offen und fortgeschritten" waren. Ein« vom ärzt- lichen Standpunkt völlig abwegige Praxis, die zeigt, daß Gefangene nach anderen als medizinischen Maßstäben beurteilt werden. Manche setzen Hossmingen auf die Resonncn des kommenden neuen S traft, ollzug sgef etzes. Man sei vorsichtig! In hygienischer und ärztticher Hinsicht wird sich, wenn der Entwurf in der vor- liegenden Form Gesetz wird, nicht allzuviel ändern. Es sei hier nur erwähnt, daß der Entwurf zur Siros» vollzugsordnung über die Größe wie überhaupt über die Gestaltung der Hofträmne und damit Über eine der wichtigsten Fragen des Geiongenenlebens nichts ou-fagt, sondern diese wie auch andere wichtig« Regelungen der Aussührungsvcrordnung überläßt, daß er die Frage der Arbeitsfähigkeit nicht genügend klärt, daß er für das Zuchthaus eine Arbeitszeit bis 10 Stun- den zuläßt, daß K o st s ch m ä l e r u n g, also eine gesundheits- beeinträchtigende Maßnahm«, als H a u s st r a f e beibehalten wird. daß die Prügelstrafe beibehalten werden soll, daß der Entwurf der so ungemein wichtigen sexuellen Frage ausweicht. Es ist damit zur Genüg« gezeigt, daß wir vom ärztlichen Stand- punkt schwere Bedenken für die Zukunft des Strafvollzugs hegen müssen. Das kormnende Strofvollzugsgefctz hat einen zwitterhaften Charakter. In ihm gibt es ei». Nebeneinander und Durcheinander von Crziehungs- und Vergelt ungsobsichten. Dadurch erklärt sich nieles Schief« und Komprvmißhast«, was sich auf hygieinschom Gebiet weit über die erwähnten Beispiele hinaus nach- weifen läßt. Stellemoeife ein« Festlegung von einigermaßen fort- schrittiichen, ober schon in der Praxis erfolgten Maßnahmen, also keine Reiorn,. Diese herbcizusiihren wird auch durch Besserung einiger Paragraphen nicht gelingen, da hierzu eine gan,z andere Grundlage aus dem einheitliche» Geist einer vo»> Vergeltungsab- sichten freien Kriminolpsychologie geschaffen werden müßte. mark, Finnland, Frankreich, Graßbritannien, Indien, Italien, Japan, Lettland, Luxemburg, den Niederlanden, Polen, Schwede», der Schweiz. Südsiawien, der Tschechoslowakei, Ungarn sowie der Union von Südafrika. Aerxtliehes Ehrengericht Uns wird im Original eine Entscheidung des Berliner ärztlichen Ehrengerichts vorgelegt, die wir vhne jeden Kommentar wiedergeben können. Diese Entscheidung, als Antwort auf die Beschwerde einer Patientin, lautet wörtlich: „Das ärztliche Ehrengericht l)ot ein Einschreiten gegen den van Ihnen beschuldigten Arzt Dr. L. abgelehnt. Ein Fall dringendster Not. der den Arzt zur Hilfcleisiung verpflichtet, wird in Berlin nur in Ausnahmefällen vorliegen, weil de», Kronken bei der II e b e r z a h l von A e r z t e n jederzeit noch andere Aerzte und auch die Rettungswoche zur Verfügung stehe». Tatsächlich ist ja auch ein anderer Arzt geholt worden. Aus Ihren Angaben, die Sie dem Dr. L. machten, war nicht zur Genüge zu erkennen, daß es sich um eine unmittelbare Gefahr wegen eines Blutergusses handle. Sie haben ferner einen Fomilienschein vorgelegt, der nur für Ambulatoriiimsbehondlung gültig war. Die 10 M. hat Dr. L. nicht vorher verlangt, sondern er hat nur gesragt, ob Sie 10 M. haben, und da Sie dies ver- neinten, Sie an die Rettungswache gewiesen. Gegen dieses Verhalten des Arztes läßt sich vom ehrengerichtlichen Standpunkt nichts einwenden." Asrztliches Ehrengericht. Der Vorsitzende: K a e h l e r. Alhohotxensur im Rundfunk Wir hatten vor einigen Wochen berichtet, daß au» Sorge vor de», Einspruch des Alkoholkapitols in einem Runds unkvortroge Dr Drucker» über die Heilbarkeit der Trunksucht sehr sonder- bare Streichungen vovgenommen worden waren. Der Bundes- vorstand des Arbeitetabstinentenbundes hat daraufhin ein« entschieden gehalten« Beschwerde an das Retchsministermm des Innern gerichtet. Darauf ist ihm folgender Bescheid zugegangen: „Ich vermog die von der Funkstunde in dem Manuskript des Dorkrages„Ist Trunksucht heilbar?" vorgenommenen Streichungen nicht zu billigen und hob« den Rund- sirnl-Kommissar des Rsichspostministers gebeten der Funkstund« das Erforderlich« zu eröffnen, um Vorkommnissen diefer Art in Zukunst vorzubeugen. gez. S e v e r I ng." Derselbe Bescheid ist mich anderen alkoholgegnersschen Stellen aus gleichartige Beschwerden zugegangen. Wir wollen hoffen, daß dem Verlangen des Ministers mehr Kraft innewcchnen möge als dem uimblösiig betriebenen rücksichtslosen Drängen des durch Be- Ziehungen und Geldtnittel einflußreichen AKccholkapitals. Warnt doch die„Tageszeitung sür Brauerei" mit besorgter Miene vor„einseitigen" Rundsunkvorträgen, d. h. vor sachlicher Belehrung über die Frage, die bisher durch leichtfertige Affohoireklam« in den Hintergrund gedrängt wurde. Ein Zar, ein König, ein Arzt Der Regimenlsfeldfcher der preußifchen Armee, Mursinna, hatte ein< Abhandlung der„Krankheiten der Schwangeren und Wöchnerinnen" versaßt und ein Exemplar sowohl an den Kaiser Paul nach Rußland als auch an König Friedrich II. gesandt. Kaiser Paul antwortete dem Verfasser folgendermaßen: „Die medizinijch-chirurgifchen Beobachtungen, welche Sie, Herr Generol-Ehirurgus Musinna, mir zugesandt haben und die Ihren Keimtnisien Ehre machen, habe Ich mit Wohlwallen empfai�e». Um meinen Beifall hierüber deutlicher an den Tag zu legen, übersende Ich Ihnen beigeschlossenes Merkmal der Kaiserlichen Huld, mit welcher Ich Ihnen in, Gnaden zugetan verbleibe St. Petersburg, den 1. März 1798. P a u l." Friedrich der Große hingegen schrieb folgendermaßen: „Seiner Ktmigi. Majestät von Preußen, unserm allergnädigsten Herrn ist zwar der II. Band von der Abhandlung der Krankheiten der Schnxmgeken und Wöchnerinnen des Regiments-Feldscheees Mursinna Stowlinstischen Regiments mit seinem Schreiben vom 24. Iunii eingehändigt worden. Höchstdieselbc aber finden, daß er seiner eigenttichen Bestimmung weit gemäßer handeln wird, wenn er die besten Kurorten bei denen Krankheiten des ihm anvcrtrmiten Regiments ouszusinde» sich bemühen wird. Potsdam, den 5. Juni 1786. Friedrich." Kleines Mißverständnis Für ein« Statistik wurden in einer Schule die Augen sämtlicher Schüler durch einen Augenarzt untersucht. Dem Schüler Fritz gab � der Direktor folgenden Brief an den Voter mit:„Die heut« onge- stellt« Untersuchung hat ergeben, daß Ihr Sohn Fritz stark zu Myopie(Kurzsichtigk«>0 n«igt. In dieser Sache muß etwas getan werden." Am nächsten Morgen brachte Fritz dem Direktor folgendes Ant- wortschreiben seines Vaters mit:„Werter Herr Direktor! Besten Dank für Ihre Nachricht. Ich habe meinem Sohn ein« gehörige Tracht Prügel zuteil werden lassen und ich hoff«, er wird es nicht wieder tun." In der Stadt und auf'm Lande herrscht eine Seuche Da gibt es also natürlich manch« Leiche: Doch an Oertern, wo keine Aerzte sind Sterben sie nicht so häufig„och so g'schwind. (Sie Iefefebt neu JUtlum.) Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W 35. l-SöU Zeic/ifzungen. i/on Acloff lefznert (16. Fortsetzung.) Vielleicht sah er etwas, vielleicht war es List? Tapart« wurde bange, chatte er einen Gcistermahner vor sich, einen jungen Mann. der das Unsichtbare beherrschte? Bor Menschen fürchtete Taparte sich nicht, aber Rache würde ihm folgen, wenn er«inen Mann tötete, der in der Gunst der Berggeister stand, und er hatte auch gehört, daß die Kugel zurückschlug, wenn man schätz. Wie auch charpune und Lanze schlaff zurückfielen, wenn man sie gegen einen Geistermahner schleuderte. Er sprach kein Wort, warf die Büchse wieder über die Schulter. wandte sich um und ging weiter. Orsokidok sah ihm nach, sein Fieber war� vorbei, und seine Kräfte waren wiedergekehrt. Es schien, als fei Feindschaft ausgebrochen, was er mit der Empfindsamkeit des Kindes vorausgeahnt hatte. Er hott- das Gefühl, dah seine Bedeutung stieg. Jetzt war er ja Kampf. genösse. Stammesbruder seines Pflegevaters, man mußte mit ihm rechnen, und er war auch Geistermahner geworden und muht« die Gelegenheit benutzen. Er hob die Stücke der zerschlagenen Büchse auf und gingen langsam Heimworts. Zwei Tage, nachdem Orsokidok das Lager erreicht hatte, kamen Mola und Aba. Sie kamen denselben Weg. den sie fortgezogen waren. Mala trug außer einem Bündel Renntierzungen ein« große Last Fleisch, und beide waren mit Fellen beladen. Mala hotte mit seiner neuen Frau Glück auf der Jagd gehabt. Sie zogen in Malas Zelt. Taparte war nicht daheim. Er ging sie auch nichts an. Es fiel Mala nicht ein. nach ihm zu fragen, und keiner von den Bewohnern des Ortes erwähnte ihn. Nur, wenn sie allein S,ar«n. wenn kein Fremder«s hörte, sprachen sie darüber. Keiner wagte zu fragen. Orsokidok hatte nichts darüber gesagt, wie die Büchs« zertrünimert worden war, aber man vermutete, daß eine Begegnung stattgefunden hatte, und daß Taparte sich nicht mehr zeigen würde. Aber gegen Abend kam er leibhaftig gegangen. Er sprach mit keinem, sondern ging in sein Zelt. Inupaujak und Urajak setzten sich demonstrativ zu ihm, und er aß aus ihrem Topfe. Orsokidok hatte Mala von der Begegnung mit Topart« erzählt. Er besah die verdorbene Büchse, die kostbare Waffe, die er mit Fuchs- fellen und Wolbarten bezahlt hatte. Dann trug er sie vor das Zelt und legte sie, ollen sichtbar, auf«inen großen Stein. Aber«ine Erklärung wurde nicht gegeben, und die Leute schlichen sich vorbei und scharten sich zusammen. Welch« Kostbarkeit war hier zerschlagen, eine Büchse, mit der man jahrelang Füchse fangen konnte, war wert- los» zerbrochen und zersprengt! Die Luft war mit vielen großen Dingen geladen. Aba ging zum Flusse, um Wasser zu holen Sie mußt« dabei am Zelt Tarpates vorbei, und im selben Augenblick sprang er heraus, packte sie um den Leib und schleuderte sie hinein. Drinnen hörte man nur einen stummen Ringkampf, dann wurde alles still. Taparte hatte feine Frau wiedergewonnen. Mala ordnete seine Geräte. Er sah seinen toten chund daliegen. Taparte hatte nicht einmal den Lachsspeer aus ihm herausgezogen, aber keiner sagte etwas, obwohl viele daran vorbeigingen. Am Abend kamen Inupaujak und Ujarak aus Tapartes Zelt, um sich in ihr eigenes zu begeben. Aba war nicht zu Mola zurückgekehrt. Das hatte ihn aus dem Gleichgewicht gebracht, er war groß und heftig, ein Unruhestifter an seinem Wohnplatz, und deshalb sprang er vor die beiden und sah sie erhobenen Kopses an. Er packte Inupaujak hart am Arm. so daß sie stehen bleiben mußte. „Mich gelüstet nach einer Frau/ sagte er.„Ich nehme deine Frau, morgen kannst du sie wiederhaben." Was sollte Ujarjak wn. ein junger Mann ohne Waffen. Und welcher Schaden geschah ihm? „Nimm nur meine Frau. Warum solltest du meine Frau nicht nehmen? Ich gehe auf die Jagd." .La. deine Frau, deine Frau," sagte Mala,„«in solcher Knabe hat«ine Frau, solange Männer es zulassen." Mehr wurde nicht gesprochen. Er schob sie in sein Zelt, und hier blieb sie die Nacht hindurch. Auch dos wurde bemerkt. Natürlich. Geschieht etwas in einer Ansiedlung, so sehen und hören es alle. Man lief von Zelt zu Zelt, tuschelte, und der Klatsch ging weiter. Aber Mala blieb daheim und hatte Inupaujak bei sich. Inupaujak, die kleine, schön«, tüchtige Frau. Ja, sie war noch ein Kind, aber sie erinnert« ihn an Iva, die tot war. Sie war aus einem tüchtigen Geschlecht, und Mala überlegte, ob er sie nicht behalten und die andere fahren lassen sollte. Ein Pfiff durch die Luft und ein Knall in einem Zelt, aber nichts geschah. Mala war ausgegangen. Er hatte sich nach dem Lachsfluß be- geben, als er aber an Tapartes Zelt vorbei mußte, wurde durch ein« Ritze geschossen. Man verstand, daß Tapart« in seinem Versteck gesessen, auf seinen Gegner gelauert und, als er vorbeikam, ge- schössen hatte. Mala sprang zurück, so schnell«r konnte. Noch eine Kugel pfiff an seinem Ohr vorbei. Er lief in sein Zelt und ergriff seine Büchse. Er wollte zum Fluß. Di« Männer sollten sehen, daß Taparte ihn nicht von seinem Borsotz abbringen konnte. Mit fchuß- bereiter Büchs« ging er am Zelt vorbei. Seine Schritte waren fest, und keiner merkt« ihnen die Unruhe an. Ja, es waren richtig Lachs« in der Sperre. Es war ein großer Fang. Ein Rufen über den Platz, und hinaus eilt« der ein«, hinzu itürzt« der zweite, all« wollten beim Fang mit dabei sein. Durch- einander und Lärm, chier schlugen sie einen Lachs, dort traten fi« einander auf die Füße. Hinein sprangen sie, wo da» Wasser am liefften war und bis an die Brust reichte, um den verwirrten Fang dorthin zu treiben, wo der Strom seicht war. Der Lachs bohrt« sich zwischen die Steine und saß fest. Der Lochs sprang empor, um über das Hindernis zu gelangen. Sie stachen und hieben. Einige be- kamen Schrammen, aber alle bekamen Fische. Taparte und Mala 'landen nebeneinander. Beide waren tüchtige und viele Fische be- tamen sie-, als der Fang vorbei war, trugen sie jeder ein Bündel heim. Illubaliks Frau erbot sich, Malas Lachse auszunehmen und zum Trocknen aufzuhängen. Sie dachte an den kommenden Winter. Welche Frau sollte sie in ihrem Hause haben und fremden Gästen anbieten? Daß Mala eine Frau haben wollte, das wußten alle. Aber wer würde sie sein? . Noch ein paar Tag« vergingen. Die beiden Männer, auf die sich die Aufmerksamkeit aller richtete, oerhielte» sich ruhig. Tny*- war meistens in seinem Zelt, Mala ging seiner Arbeit nach wie immer. Das Leben ging seinen Gang, und keiner konnte etwas anderes merken als Frieden und Lebensfreude unter der Sonne und in dem lauen Wind, als plötzlich und gewaltsam die Abrechnung kam. Sie trafen sich in einiger Entfernung vom Lager. Taparte war fortgewesen, und Mola hatte ihm ausgelauert. Er lag hinter einein großen Stein, und als Tapart« wiederkam, sprang er vor. Eine Büchse hotte er nicht mit, es sollte ehrlicher Kampf sein. Er schoß nicht aus dem Hinterhalt. Er schritt gerade auf Taparte zu, und der sah de» Tod im Blick seines Gegners lauern. Hier waren keine Zuschauer, vor denen es sich zu zeigen galt. Er blieb stehen und dacht« daran, fortzulaufen. „Mir scheint, daß man einen Harpunenschaft in einem Hund stecken sah. Das ist wohl sein rechter Platz?" Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm er seine Lanze und warf sie mit unbarmherziger Kraft nach Tapart«. der im selben Augen- blick beiseite sprang und sich zum Fliehen uxmMc. Dadurch wurde er nicht in die Brust getroffen, wie es die Absicht war, sondern er- hielt halb seitwärts gedreht den Stoß tn die rechte Niere. Es war keine Todeswunde, ober er stürzte nieder, heulte und rief um Hilf«. Mala war jedoch gleich über ihm und stand mit seinem Messer bereit, ihn zu töten. Taparte versuchte sich zu verteidigen, aber Mala schlug ihm mit dem Messer über die Hand, daß«in langer Blutstrahl hervorschoß. „Ein gewaltiger Herr bist du," sagte Mala und stach nach seinem Hals«, aber Toparte wich aus und das Messer ging ihm in den Mund. Mala zog das Messer heraus, daß die Backe durchschnitten wurde. Die Zähne grinsten aus der Wunde. Mala geriet in immer größere Wut. Er jagte ihm das Messer ins Auge. Tapart« war jetzt bewußtlos. Einen Stoß noch dem anderen erhielt er tn den Hals, das Blut spritzt« hoch. Mala hieb auch jeitswärts und schnitt ihm die Nase ob. In oll seiner Wut erquickt« es ihn. das Messer tief in sein Opfer zu versenken. Endlich jagte er es ihm durch die Rippen ins Herz, und Taparte war tot. Aber Molo war noch nicht befriedigt. Man sollt« spüren, wer der Stärkste war, wer gewohnt war, in seiner Niederlassung zu gebieten, und wen der große Kapitän erwählt hatte, um den Men- schen zu befehlen. Und er stach weiter mit dem Messer zu. Das Blut strömte nicht mehr,«s sickerte nur noch longsam heraus. Das nasenlose Gesicht sah unheimlich aus, aber Malas Blutrausch wuchs, als er all dos Blut an seinen Händen sah. Menschenblut, das war etwas anderes als Robben- und Renntierblut. Er brach mit dem Messer das link« Auge heraus, es stierte Ihn an, als ob«s f# fefoern Leiden lachte. Er riß es ganz heraus und machte es dann mit dem anderen Auge ebenso. Ha, dos war ein jämmerlicher Mann, der vor ihm lag. Ein Mensch war es nicht mehr. Mala nahm sein Messer und jagte es dem Mann in den Unterleib. Er war ganz wild von Mordlust, schlitzte ihm den Arm auf. schnitt ihm die rechte Hand ab»nd schleudert« sie in den Fluß. „So," sagte er,„da schwimmt deine Kraft fort." Mit lauter Stimme begann er ein furchtbares Lied zu singen, das Mörder sangen, wenn sie vor ihrem Opfer saßen. Mala war nicht geringer als andere. Seine Harpune und sein Messer wischt« er an d«r Hand ab. spült« weder izönde noch Waffen ab. nahm die Augen, die daneben lagen, und ging heim. Niemand hatte seine Tat gesehen: aber alle sollten sie erfahren. Mit festen Schritten ging er. Als er an Tapartes Zelt vorbeikam, riß er den Vorhang beiseite und warf die Augen auf den Boden. „Etwas von«uerm gewaltigen Hausherrn kam zurück. Laßt es mit im Lampentran leuchten." Einen mächtigen Mordgesang auf den Lippen ging er dann in sein« eigene Behausung. Sein« Kinder schrien laut, als sie chn sahen, denn sein Gesicht war blutig und schreckeneinflößend. Mala war mächtig. Mola hotte gesiegt. Allmählich kam Ruh« über ihn, und die Gedanken meldeten sich. War«s gut, was er getan? Ja, Taparte mußte ausgerottet, sein Gedächtnis vernichtet werden, und das würde geschehen, denn wenn Leute vorbeikamen und ihn sahen, fanden sie sein« Nase über dem Kopse liegend. Bor Mola aber stand ein verschwommenes Bild von Ivo, van ihr, die die Mutter seiner zwei Knaben gewesen, von ihr, die stets dos Glück an ihrer Seite gehobt hatte. Sollt« Abo in Zukunft seine Lampe hüten und auf seiner Pritsche liegen? War Inupaujak nicht besser, ein herrliches Weib, noch jung und zart: ihre Stimme klang wie die Ivos, und ihre Wort« waren gut. Wer war Wo? Ein dickes Weib, das von Hand zu Hand gegangen war. Mala suhlte kein Glück mehr über seinen Sieg. Still sang er ein monotones Lied, nicht den mächtigen Wordgesang, und die Lust aus Inupaujak wuchs tn ihm, aber dos sollte nicht sein, denn er hatte Aba genommen, und es konnte wie Furcht aussehen, wenn er sie nicht zum Weibe nahm. Aber dennoch,— Inupaujak.-- Ja, ober wo waren sein« Gedanken, worum nahm er nrcht beide? Zwei Frauen hatten ja di« Möchtigen, zwei Frauen wollte auch er hoben. er, der Furchtbarste am Platz«. Orsokidok kam herein. Di- Knaben spielten draußen. Was wissen die Kleinen von den Lei.- aschasten der Bäter. „Geh und hole Aba. sog. dost sie kommen soll." Orsokidok ging. Kurz darauf kam er wieder und blieb in der Zelttür stehen. „Sie weint, sie sogt, daß sie nicht kommen will." Mala antwortet« nicht, stand ober schnell auf. Er irot vor Abas Zelt und rief sie barsch. „Komm in mein Zelt. Seß dich auf die Pritsche, es ist Zeug dort, das genäht werden soll." „Ich komme nicht," antwortet« sie von drinnen.„Ick) fürchte mich vor dir." .Lamm in mein Zelt, sonst wirst du geholt. Mach schnell, eure Frechheit hat mich ermüdet."(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Europas Kabelneiz. In Europa sind ungefähr 25006 Kilometer Sprechkabel aus- gelegt von rund 825 000 Kilometer Limenlänge. Don Ortsnetzen ist hierbei abgesehen. Deutschland hat allein rund 8000 Kilometer Fernkabel, England 3500, Frankreich 1500 Kilometer. Infolge der geographischen Lage ist das Kebelwejen Deutschlands und der Schweiz auch für die angrenzenden Länder van großer Bedeu- hing, diese beiden mitteleuropäischen Länder haben daher verhalt- nismäßig den größten Ausbau. Die großen internationalen Linien gehen teils von Nord nach Süd, wie Berlin— Luzern, Berlin— Ehiasso, wobei auch Lugano bedient wird. Amsterdam— Basel und die über den Brenner geplante, aber noch nicht gebaute Lim« München— Malland. Die Ost-West-Limen gehen tells über Basel, teils über Nürnberg. Weller noch Osten wird das in Possau be- ginnend« und über Wien nach Budapest führend« Kabel vor- dringen. Automobilstraße über See. Der amerikanischen Technik ist ein neues großzügiges Werk auf dem Gebiete des Verkehrs gelungen. Eine der längsten Brücken. die ausschließlich dem Autmnobil verkehr dient und in ihrer Art bisher einzig dastehen dürfte, ist vor kurzem im Staate Virginia fertiggestellt worden. Die neue Brück« hat die respektable Länge von BVi englischen Meilen(etwa 8B Kilometer), ennoglicht ein« Automob ilverbiiK»ung zwischen den Städten Newport News, Nor- fcilf und Portsmouth und schließt damit ein« große Lücke, die die breite Mündung des James River tn den Zltlontischen Ozean bisher in der Küftenftroß« für den Kraftwogenverkehr bildete. Dos neue Bauwerk, das wie eine schnurgerade Autorennstrecke über. Wasser wirkt, wind von zahlreichen, bis zu 35 Tonnen schweren und bis zu 40 Meter langen Pfählen getragen. Für den Schiffs- verkehr ist die Brücke mit einem 100 Meter breiten Durchlaß aus- gestattet, der derart konstruiert ist, daß der betreffende Brücken- bogen zwischen zwei gewaltigen 70 Meter hohen Eisentürmen fahr- stuhlartig gehoben wird. Bei der Höchftstcllung können die größten Schisse darunter hindurchfahren. Bon den Abmessungen dieser merk- würdigen Autowasserstroßc kamt man sich ein Bild machen, wenn man erfährt, daß die Kraftfahrer bei dunstigem Wetter das Land nicht zu sehen vermögen und so zeitweise unter dem Eindruck stehen, über das Meer hinzu rafen. Vögel, Nester, Schlangen, Menschen. In den Felswänden an den Küsten von Java leben an wind- geschützten Stellen große Massen von Salanganen, jenen indischen Seeschwalben. deren Nester bei den Chinesen als besonder« Leckerbissen gelten. Der schwach salzige Geschmack der kleinen, etwa 10 Gramm schweren Nester, deren Baumaterial ein von den Bögeln abgesonderter dicker Schleim tfi, de? getrocknet sehr fest wird, gekocht dagegen eine gallertartige Beschafsenhcit annimmt, ist allerdings ziemlich unbedeutend, we-holb man sie unter Zusatz von starken Gewürzen kocht. Nun sind aber di« Salanganen-Nester gewöhnlich an so unzugänglichen Stellen gelegen, daß das„Pflücken", das drei« bis viermal im Jahre stattfindet, stets mll Lebensgefahr ver- bunden ist. Aber Nachfrage und Bedarf gingen andauernd in die Höhe, und viele hunderttausende von Bogelnestern wurden alljährlich aus Java ausgeführt. Für das Nestereinholen in den Klippen muß allerdings der niederländische» Regierung eine hohe Manatspocht gezahlt werden. Bor einigen Jahren nun machte man, wie Sp«nne- mann in der„Orniihvlogilchen Monatsschrift" darlegt, in Soetji auf Java die Beobachtung, daß sich in den von den Vögeln bewohnten Felsgrotten Schlangen angesiedelt und derart vermehrt hotten, daß sie eine wirkliche Gefahr für die Salanganen blldeten. Darauf be- gannen die Salanganen ihr« Nester in nähe am Strand gelegene Häuser zu bauen. Do man die Bogel nicht stört«, wurden sie zutraulicher und kamen in immer größeren Schoren herbei, um ihre Nester in d«» Häusern.zu bauen: schließlich fanden die Besitzer dieser Häuser es vi«! vorteilhafter, ihre Häuser den Bögeln zu überlassen, als sie zu vermieten, well die Summe, die der Berkauf der Nester einbrachte, die früheren Mieteinnahmen weitaus über stiegen. Dank der neuen und seltsamen Nistgewohnhell der Solan gonen sind in den letzten Iahren viele Leute zu Geld gekommen. allerdings zum Nachtcll.der Regierung, denn während früher Tausend« von Gulden an Pochtsummen bezahlt wurden, zahlt heute im gleichen Ort kein Pächter mehr alz 300 Gulden im Monat für die Ausnützung der Schwalbenklippen. Heuschrecken verhindern eine Ausstellung. Die Heuschreckenplage, unter der zurzeit die britische Kenia- Kolonie(Britisch- Ostasriko) leidet, hat die Regierung in die Zwangslage versetzt, den Bau der in Nairobi geplanten öffentlichen Gebäude einzustellen. Auch die.„Kenia-FruchtaussteMng" mußte geschlossen werden, da die Heuschrecken alle landwirtschaftlichen Er- Zeugnisse vernichtet hoben. Di« Felder sind vollständig kahl ge- fressen, der angerichtete Schaden ein unabsehbarer. Hundehotel im Wolkenkratzer. Die Weigerung der New-Porker Hotels, Gäste auszunehmen, die als Anhang Hunde oder Katzen mitsühren, hat einem anderen Unternehmen zum Erfolg oerholsen. Es hat nämlich bei seinem Neubau gleichzeitig Unterkunftsräume für die vierbeinigen exklusiven Gäste vorgesehen, die in ihrer Pfleg« und mit ihren Ansprüchen den Luxusgewohnheiten ihrer Herrschasten in nichts nachstehen. Das Stockwert für Hund« und andere tierische Begleller der Gäste be- findet sich in der 33. Etage. Durch Schnellist werden die Herr«« und Damen„Vierfüßler" hinaufgefahren, wo ihrer aller nur er- denkbarer Komsort wartet. Badezimmer, Spielzimmer, Schönheitsund Frisiersalons sind vorgesehen. Ein Tierarzt wird ständig um die Gesundhell und das Wohlergehen seiner Pfleglinge besorgt sein. und er hat besonders darüber zu wachen, daß sich di« Pensionäre nicht an ihren Lieblingsspeisen überfressen, tue ein speziell für sie engagierter Koch zuberellet. Diele neue Einrichtung im amerika- nischen Geschöstsleben gibt sicher manchem dortigen Arbeiter und Arbeitslosen Gelegenheit, darüber nachzudenken, dah di« Glücksgüter dieser Welt recht ungleich verteilt sind. Eine Stadt tu verkaufen. In Buckinghomshir« kommt demnächst eine ganz« Stsdt unter den Hammer. Es handelt sich um dos Städtchen West Wycombe in der Näh« von Oxfovd. West Wycombe. dos im Jahre 1021 3199 Einwohner hotte, besteht fast ganz aus alten, male- risch gelegenen Häusern und hat seit der Zell der Postkutschen wenig Aenderungen erfahren. Eine Fuhrwerkshcrberge, der„Block Bor Inn", hat ein Aller von 700 Iahren. Das Städtchen befand sich sell etwa 200 Iahren im Besitz der Familie Dashwaod, deren Chej Sir John Dashwaod sich nunmehr pon diesem Besitz trennen will, Massengymnastik auf dem Bundesf est Im Vergleich zum Leipziger Bundesfest 1922. Der iurnerisch« Uebungsstost hat sich von Grund auf geändert. Was 1922 noch der Gipfel der Schönheit war. ist heute schon ver- öltet. In der Festschrift zum Bundesiest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes 1322 heißt es über die Massenübungen:„Jeder Teil- »ehmer muß die Reihenfolg« der Bewegungen sicher im Kopf haben. Alle Ruhestellungen müssen Ruhe, Sicherheit und künstlerische Schönheit sein Darum heißt es, tüchtig üben, um die„Klippen" der einzelnen Uebungen zu überwinden." In der Festschrift 1929 dagegen ist gesagt: „wir lehnen jeden Lerndrill ab. Durch das Lernen der Massenübungen erfolgt auch keine wesentliche Belastung der Uebungsstunden, da alle Einzelüdungen sowieso in FraueDÜbangca 19X1 und 1919. feiner Uebungsstunde fehlen dürfen. Alle männlichen und weiblichen Bundesmitglieder— gleich welcher Sparte— können und sollen diese Uebungen mitmachen." Das„Modell für den Künstler" ist sollen grasten! Die früheren Darbietungen gingen von dem Grund- saß aus, dem Zuschauer«in schönheitliches Bild gut ein- exerzierter Sportler zu bieten. Die einzelnen Stellungen waren so gewählt, daß sie beim Zusomnr mwirken der Masse«ine Augenweide boten. Aber das ganz« war für diesen Zweck besonders eingeübt. gleich wie«in Theaterstück für«ine bestimmte Vorführung geübt werden muß. Der allgemein« Uebungsbetrieb wurde dadurch oft monatelang gestört. An Stelle der alten Disziplin ist als neues die sogenannt« Gymnastik getreten, die das Zweckmäßige, die Durcharbeitung des ganzen Körpers, in den Bordergrund stellt. Diese Gymnastik erfreut sich— im Gegensatz zu den alten Freiübungen— großer Beliebtheit nicht nur bei den Turnern, sondern bürgert sich auch als Ergänzungssport bei den anderen Sportarten ein. Durch die Nürnberger Uebungen wird die Gymnastik überall dort, wo sie bisher in den Vereinen noch nicht gepflegt wurde, ihren Einzug halten. Die Leichtatksteten sind mit ihren Sport lerfrelübungen übrigens noch weiter gegangen. Während die Nürnberger Masten- Übungen nach Musik geturnt und daher noch Rhythmus und Gleich- Mäßigkeit— also Bildwirkung der Masse— in einem erheblichen Maße erfordern, üben die Sportler rein individuell, ohne Takt und Gleichmaß, lediglich noch dem Grundsatz, jeden einzelnen Körper nach seiner Veranlagung gründlich zu trainieren. Da die Zweckmäßigkeit gegenüber der Biidwirkung bereits einen halben Sieg davongetragen hat, ist ein Fortschreiten auf diesem Wege zu erwarten. Boraussichtlich ist das„Musikturnen" nur ein Ueber- gongsstadium, das über kurz oder lang dem Spartlerprinzip Platz machen wird. Beachtenswert ist auch, daß in Nürnberg noch Männer und Frauen getrennt üben und verschiedenartige Uebungen zeigen. Begründet wird dies damit, daß wegen Platzmangel— 30 000 Mitwirkende— Schwierigkeiten entstehen. Mit Recht sagt die Fest- fchrist:„Die rein körperlichen Grundformen der Gymnastik sind für Frauen und Männer, groß und klein, alt und jung im Prinzip gleich. Es geschieht auch schon, daß Männer und Frauen die gleichen gymnastischen Uebungen gemeinsam ausführen." Da das Bundessest nicht nur ein« große Schaustellung sein soll, sondern ein Muster für die praktische Kleinarbeit in den Bereinen, so zeigt sich hier doch eine Lücke. Di« Kleidung sah 1922 bei den Frauen so aus: schwarze Strümps«, schwarze Schuh«, über dem Knie g c- schlosäene schioarje chost; bei den Männern: lange weiße 5)ose, das TuSchemd bei beiden mit langem A« r m e l. In Nürnberg ist Vorschrift für Männer und Frauen: kurze dunkle Sportlerhose, ärmelloses weißes Hemd. Strümpfe und lange Hofen bleiben im Umkleideraum, was ein großer Fortschritt ist. Auch die Uebungen zeigen gesteigerte Ünlensiläl. Die Turnerin von 1922 ist schon modernisiert gegen dos alte Turnen, aber sie mutet steif an gegenüber der Beweglichkeit von 1929. Die Rumpfbeug« des Turners von 1922 ist heute auch überholt, sie wird jetzt mit Körperdrehung bzw. Sprei.zstcllung der Beine verbunden. Die alten and die neuen Männerübungen. Noch wertvoller ist die Rumpfbeuge freilich in Verbindung mit Armbewegung. Dos Bundessest in Nürnberg wird«in Fest des Fortschritts sein. Die vielen Sonderspartcn können ihre Leistungen zeigen, das Ganze tritt zur Einheit bei den Masten- Übungen auf den Plan. Die Gymnastik ist der neutrale Boden, mrf dem sich in Zukunft alle Sparten einigen sollen. Wir schließen uns dem Wunsch des technischen Bundesleiters B e n e d i x an:„Nürn- berg muß für die Schulung der Masten durch Gymnastik„Schau und Schaffen" werden!" Die Lundesmilgiiedschosl wird viel neues lernen zum Wohle de» gesamten Arbellersporls! Arbeitersport in Rußland. j Von einem bürgerlkfacn Journalisten gesehen. In einer Artikelserie in der„Frankfurter Zeitung" behandelte Dr. Ptnoff kürzlich die Frage der Leibesübungen in Sowjetrußland. Der Derfasier entpuppt sich als ein eifriger Anhänger der in Rußland geschaffenen sportlichen Einrichtungen: ein« kritisch« Stellungnahene zu den von chm aufgestellten Bshaup- nmgcn ist allerdings kaum möglich, da die Artikelrech« davon absteht. zahlenmäßiges Material zu bringen. Interesjanter und für die international« Ardestersportbewegung wescnAicher ist. mos Pinofs über den Stand der sportlichen Leistungen in«sowjetrußlond und die Einstellung der russischen Sportler zur Höchstleistung berichtet. Aus keinem Gebiet hat der Bolschewismus so«lend»ersagt, wie gerade in sportlicher Hinsicht. Zahlreiche Sportler und besonders die Arbeitersportbewegung in den europäischen Ländern hasten das anfängliche Bemühen der Bolfchewisten,«ine reine Arbeitersportkultur zu propagieren und einzuführen, mit größtem Interesse oerfvlgt. Die Russen haben aber die alten Ideale längst über Bord geworfen. Bei ihnen regiert die Sucht nach der Höchstleistung. Es zeigt sich, daß trotz des guten Willens einiger Funkticmär« die russische Masse noch nicht einmal reis ist. der Sportau fsassung des westeuropäischen Arbeitersportes zu folgen. Pinoff sagt, dost der russisch« Sport in kaum irgendeiner Desziplin Beson- tere» geleistet habe. Dies« Minderleistungen würden von den omt- lichen Kreisen damit motiviert, daß die russisch« Sportbewegung nicht nach Höchstleistungen streb«. Das trifft jedoch n i ch t zu. Der Ber- soster erklärt wörtlich:„Wenn man näheren Einblick in den Sport- betrieb gewinnt, kann man sehr schnell feststellen, daß diese Erklärung nicht stininst. Der Betrieb wird durchaus so gehandhabi, daß Höchstteistungen herausgefordert werden. Sowjetrußland führt mit großer Sorgfalt eine Rekordliste. Aielleicht wird die Bewegung in Rußland im Lauf« der Eni- Wicklung einen mehr arbesterfportmäßigen Charakter annehmen. Solange das jedoch noch nicht der Fall ist, haben die Kommunisten kein Recht, sich so überheblich zu gebärden, wie sie es heut« noch tun. sobald die Rede aus Rußland kommt. JBraBdenburg* schlägt die Ungarn- Der am Sonnabend abgesetzte Eishockeqkamps za*sch«n iwm Berliner Meister„Brandenburg" und dem Budapester Eislauf. verein wurde am Montag abend im Sportpalast vor 1300 Zuschauern nachgehov. Wie aegen den Schlittschuklub am Lortags zogen die Ungarn auch diesmal den Kürzeren, und zwar wurden sie mü 3; 2(1: 0. l-.a 1:2) Toren geschlagen. Dam Spielverlaus, der„Branden- bürg" den ersten internationalen Sieg bracht«, hätte ein unent- 'chiedene? Ergckms aber bester entsprochen. Das erste Drittel verlies meist ausgeglichen. Der Ersatztorwort der Ungarn. Benyovitz lieh. etwa» nervös, einen Weitschuß von Herker passieren. Mit Geschick latb Glück hielt dagegen Brandenburgs Torhüter Schmidt sein Hellig- tum frei. In der ungareschen Stürmerrech« fiel Minder durch fchö« Laus« aus. Brandenburg spielt eifrig, ober etwas unsicher. Gleich nach Beginn des zweiten Drittels ging Kuklinsty durch fein« Flanke, landete bei Herker, der zum zweiten Treffer Berlin verwandelte. Di« Ungarn hatten mit ihren Schüssen rcichlilh Pech. Zu Beginn des letzten Drittels war es wieder Herker, der für Brandenburg einfchoß, dann erzielte Budapest durch Minder den ersten Treffer. Aus Zu- sommenspiel zwischen Minde und Lator folgt« gleich daraus durch letzteren auch der Zweite. Nun begann ein heiß«, Ringen, dos ober keine Partei mehr erfolgreich sah. -ARBEiTEH TU3SEALL Resultate vom 3. März. In Mariendorf begegneten sich aus Anlaß der Gründungsfeier die Abteilung Tempelhof-Mariendors der FTGB. und Butob. Ein ausgeglichenes Spiel, das bis zur Pause 3: 4 stand. In der zweiten Spielhälste konnten nur die„Techniker" noch einmal erfolgreich sein und damit den Sieg mit 3:3 sicherstellen. Schuld an der Niederlage der Tempelhoser hat der Torwart, der nur sehr mäßige Leistungen zeigte. Vorher spielte die zweit« Mannschaft der Tempel- hoser gegen eine kombinierte Mannschaft der Schweiffterne. Hier mußten die Tempelhoser gab«ine 3: 8- Niederlag« einstecken. Einen hohen Sieg konnte Lichtei�erg I über die II. Abteilung buchen. Schon die zweiten Mannschaften trennten sich 8:3 für Lichtenberg I. Zu Beginn des Spiels der ersten Mannschaften glaubte wohl niemand von den zahlreichen Zuschauern, daß das Resultat von 9: 0 für die I. Abteilung herauskommen würde, zeigte doch der Sturm der II. Abteilung gute Leistungen, vor dem Tor sehllc aber der Zusammenhalt. Jeder versuchte, durch Einzelleiswn- gen zu glänzen. Ais zur Pause gelang es der I. Zlbteilung, den Ball viermal ins Reg zu befördern. Nach der Pause war es mit dem Widerstand der II. Abteilung vorbei. In gleichmäßigen Ab- ständen wurde der Torwart noch fünfmal überwunden, somit auch das Resultat auf 9:0 gestellt. Die Kampfmethoden gegen bundestreue Arbciiersportler. AI, der bundestreue Arbeiter-Fußballoerein Saxonia 28 am Sonntag den Spielplatz in der Schöichaufer Alles betrot. wurde er mit„Spaller" und anderen schönen Worten begrüßt. Wer nicht genug damit. Bald mußte man feststellen, daß man die Querlatte vom Tor heruntergeholt hatte. Nach Absuchen des Platzes fand man die Laste in der äußersten Ecke im Schnee liegen. Weiter: Beim Min ArBeiter-FofibalWstersdiatt Sonntag, 10. Mfirz, 15,30 Uhr; Germania- Pankow I— Luckenwalder Turnerschaft, 2. Abt. I im Stadion Lichtenberg, Herzborgstraße.— Vorher 14.15 Uhr;«iugend'Werbeepiel Neukölln-Saxonia. Abbau des Spielfeldes hasten gewisse Leute dafür gesorgt, daß nur noch ll Absteckfahnenstangen übrig blieben. Die andere» waren gestohlen. Trotz dieser Schikane wachsen die bundcsireuen Berein« ständig. Vielleicht basiert daraus der Haß der Kommunisten. Der freie Sportverein„Saxonia 28" trägt zur Berwirklichmg der großen Ziel« des Arbeitersporis bei. Zlufnahmen jeden Doimers- tag, 20 Uhr, bei Zeuge. Miln- Eck« Canstanstraße. Bühnenschau der Bundestreuen! Arn Sonntag im Merccdespalast. Zum ersten Male nach dem Brandenburger Kreisiag laden die im Arbeiter-Turn- und Sportbund organisierten Turner und Sportler zu einer Bühnen jchau ein. Im M e r c e d e s p a l a st, Neukölln, Hermonnftroß« 218(direkt am Untergryiidbahnhoi Boddin- straß«), werden Sonntag, 10. März, 11 Uhr, Vorführungen gezeigt werden, die in jeder Beziehung befriedigen dürsten. Di« Vereine Berlins und der Provinz Brandenburg Isaben so zahlreiche Meldungen eingesandt, daß einige Berliner Borführungen vom Programm abgesetzt werden mußten. Das Gezeigte soll die Zuschauer mit dem Wesen und der Art des Arbeitersports vertraut machen. Neben einfachen Anfjührunge», die vor allem den allgemeinen gesundheitlichen wert der Leibesübungen betonen, werden Darbietungen gezeigt, die als geradezu erstklassig bezeichnet werden können. Außer einem Musikorchestcr von Berussmusikern wird alles von Bmrdesmitgiiedern ausgeführt, die aus Freude an der Sache sich gern zur Verfügung stellen. Am kommenden Sonntag Habel» alle Freunde der bundestreuen Turner Gelegenheit, auch einmal die Arbeitcrsportler zu unterstützen. Für nur 60 Pf.(an der Kaste 73 Ps.) wird ein erstklassiges Programm geboten, dos sehenswert für jeden ist! Karten find zu haben bei ollen Funktionären und in der G« schäftsstelle der Freien Turners choft Graß-Berlin, Berlin RO, stichtenbrrger Straße 3(am Landsberger Platz). Bczirksvcrsammlung des ARB.»Solidarität" Der zweite Bezirk des Gaues 9 im Arbeiter-Radfahrer- und Kraftfahrerbund„Solidarität" hatte am vergangenen Sonntag seine bimdestreuen Mitglieder.zu einer Bezirksversammlung noch dem Restaurant Reichsadler in W o n n s e e geladen. D!« Berfamn»- lung war sehr gut besucht, galt es dach, über das Wohl und Wehe des Bezirks.zu entscheiden. Um 10 Uhr eröffnete der provisorisch« Bezirksieiler Brenn» l> n g die Versammlung. Zur Begrüßung brachte die Freie Marchs- linen- und Giiarrenveveinigung Nowowes einige Musikstuck« zir Gehör, die reichen Beifall fanden. In dem darauf folgerche» Sitrm- tionsbericht schildert« Gauleiter Seeger die aiigenblickliche Lage im Bund und ging ausführlich darrnrf ein. wie es zur Spaltung kam. Er wies darauf hin, inß dieses politische Treiben der Gegen- fest« schon bis in das Jahr 1924 zurückreicht. Von der Opposition wurden insgeheim Funktionäre herangedrillt, die Uneinigkeit herbeiführten und Spaltung im eigenen Lager betrieben. Di« Versammelten billigten einstimmig das Verhallen der Bundes- und Gauleitung. In der sich anschließenden Distujjl«! forderten die Ortsgruppen mehr Aufklärung über die Karte llfoage. Nach der Mittagspause wurde in die Neuwahl der Bezirks« leitung«ingetreten, die reibungslos von statten ging und nur kurze Zeit in Anspruch nahm. Als Bezirksleiter wurde Lrennlinq gewählt. Alle Anfragen des zweiten Bezirks stich nunmehr an Willi Brennling, Ehnrlottenburg.' Am Volkshaus, zu richten. I�eue Kinderabteilung im ASC. Während die Spalten der bürgerlichen Zeitungen mit Meldungen über den Mitgliederrückgang der bürgerlichen Sportorgani- sationen gefüllt find, tritt im Arbeitersport die entgegengesetzte Ten- denz zutage. Der Zuwachs an Mitgliedern, und besonders an jugendlichen, ist in der gesamten Arbeitersvortbewegung groß. Wen» der Berliner Arbeitersport mit der Entwicklung im Reich Schrirt hält, dann ist das in Anbetracht der durchgemachten schweren Erschütterungen um so erfreulicher. Ein günstiges Zeichen für die weiter« Ausdehucklig der Berliner Bewegung stt die Tatsache, daß der Ll t h l e t i c- S p o r t- E I u b sich veranlaßt sieht, neben der seit längerer Zeit bestehenden 1. Kinderabteilung nun eine neue 2. Abteilung einzuriclsten. Nichts spricht mehr für die bisher geleistet«� Arbeit, als der Umstand, daß Räume und Leiter nicht mehr ausreichen, die anströmenden Kinder aufzunehmen. Die 2. Kinderabteilung des ASE. nimmt Mädchen und Jungen im Alter von h— 14 Jahren auf. Die Uebungszeiteu sind Montags und Donnerstags von 6— 8 Uhr. Geturnt wird in der Halle in der Glogauer Straße 13— 16. Die I. Kinderabteilung hat ihr« Uebungsstunden Donnerstags von 3—8 Uhr in der Kief- Holzstraße 46. Es ist an dieser Stelle schon so viel über Wert und Notwendigkeit der Leibesübungen für Kinder gesagt worden, daß es fast unnötig erscheinen müßte, den Arbeiiereliern immer wieder zu«mpsehlen, ihre Kinder zur regelmäßigen Leibesnbnng in Ar- beitersportoereinen anzuhalten. Da» SpotKarUU Erfurt wählie auf seiner legte» Generalver- sammlung u. a. Delegierte in den Ausschuß sür die I n t e r n a t i o- n a l e A r b e i t e r» H i l s e. Da diese Organisation ein rein kommunistisches Unternehmen ist, liegt ein grober Verstoß gegen die Beschlüsse der Zentrolkommifsian für Arbeitersport und Körperpflege vor. Die Generatoersammtung leistete sich außerdem den Scherz, ein wegen der Teilnahme an der Moskauer Spartakiade aus dem Ar- beiter-Iurn- und Sportbund ausgeschlossenes Mitglied als Dele- gierten anzuerkennen. Dabei war es ohnehin schon ein Verstoß, daß dieser Mann von einem der Zentralkommistion angeschtoisenen Arbeitervereine Erfurts aufgenoibmen wurde.— Die Zentralkommission hat bereits die ersorderlichen Schritte unternommen. Freie Ruderer- und Kanvsahrer. 1. Kreis. Sparte na,,»fehuß- sitzung Mittwoch, 6. März, SO Uhr, bei Itmke, Kietbvlzstraße 21. *»* memHUM. Wezui«fewUurr«ng.»». 6. 30 lU)t. aoiJrtJMtfojnutlung hei HoMmiiNl. Lachen«: Oft. S. tzTÖV.. Anixl Xf'3K*iicBh«cf. TOUhncwfi. S, 3Rärj. sr>»p>in»acnrr«l- n-rsammluny. Musteei-geftsäle, Aaiser.WiIH«Ill�Gtroße. Treffpunkt ,ur STHeJut 181, Ufir Koilerm-Aussusta�traße. Ruder»-«i» e.<„ Belli». Bandeslreur Ruderer und ilbripc Wassersportler treffen sich anläßlich trs Stistun�festes am Sonnaden». l«. SSäK. 20 Uir, im Hauptrelta'irant des Landesaussiellllng�parks.Ulap", »erlin R». 40. Alt.M«bit 4-10.«arten zu 1,50 SR. sind erlKtli» bei den Bertrauensleuten de»»onde» der technischen Angestellten und Beamten sowie Ul der«eschSftsstelle. Berlin 3». 40. Berststr. 7. fteriel f»t Arbeiters pert und»irperpslege. Bezirk Mitte. NarseSsitzuug "onu-rstag, 7. März. 20 Uhr. bei Bruniasth«omniandanirnstr. 77. Casd SRunai SS®®.. greilSrpertnItt, es parte! Me Spmnasrikabende unter Lpitun« von Martin Sleisuer finden nun wieder rrgelmäsiia jeden Montäg von ao— 22 Uhu in der»deren Tarnhalle ReukSIl,!, SRppiendorfer Weg. statt.— Ab Dienotai konmet die Orappe Sieniurteu tötetet pegSmShig"« W, Uhr im S-im Aaldeszersit.»-21,--------- Das Schlichtungswesen. Kritik und Antikritik. Es war sicher nicht zu erwarten, daß die Unternehmer eine salche Gelegenhett, wie den gestrigen Vortragsabend in der Deut- schen Fachschule für Politik, der dem Schlichtungswesen gewidmet war, da M benutzen würden, durch den Mund des ersten Geschüsts- führcrs der Vereinigung der Deutsche» Zlrbeitgebervcrbände Dr. Brauweiler nun mit klaren Worteei zu sogen, was unzweideutig auszudrücken die Unternehmerpresse bisher vermieden hat. Aber daß Brauweiler einen so dünnen Aufguß der sattsam bekannten ver- schwommenen Unternehmerkritik am Schlichtungswesen lieserie, ent- täuschte wohl allgeinein! die Erklärung liegt wohl in der Absicht, einem Gegner, dem Genossen Prof. Dr. Sinzheimer, so wenig wie möglich Angriffsflächen zu bieten. Es kann daher aus eine Wieder- gäbe seiner Ausführungen im allgemeinen verzichtet werden, deren Inhalt unseren Lesern nichts Neues bringt, angefangen von der Zlblehnung staatlicherZwangseingriffe m die Wirt- schaft bis zur H c r st c l l u n g des s o z! a l e ir F r i e d e n s aus der Grundlage freier Verständigung der Parteien des Arbeitsvertrags. Lediglich die Bemerkung aus dem Schlußwort verdient festgehalten zu werden, daß die Unternehmer nicht die Mitwirkung des Reichs- wirtschosisministers neben der des Reichsarbeitsministers bei der Berbindlichkeitsertiärimg von Schiedssprüchen wünschen, sondern die Entscheidung durch das gesamte Reichskabinett. Genosse Professor Dr. S i n Z h e! m e r, der sich sichtlich versagte, einen billigen Sieg dadurch zu erringen, daß er der phrasenreichen, schwächlichen Argumentation seines Vorredners zu Leibe gerückt wäre, keimzeichnete in logisch scharfein Aufbau die Kernpunkte des Schlichtungsproblem», als deren ersten er die Institution der Ver- bindlichkeiiserklärung von Schiedssprüchen nannte. Es sei aber falsch, die Aerbindtichkeitserklärung lediglich im Zusammen- hang mit dem Schlichtungswesen zu betrachten. Man müsse vielmehr vom kollektiven Arbeitsrecht ausgehen, dann gelang« man zu der Feststellung, daß der Staat ein eigenes Interesse an der Schaf- fung von Tarisoerträgen habe. Dieses Jntereste des Staates fei begründet im Tarifvertrag selbst, der zur HUseleistung für die Durchführung gesetzlicher vorschrisle«. j. B. der Arbeilszeil- besttmmungen. unentbehrlich sei. weiter durch das soziale In- t e r e s s e des modernen Staates, der neben das Eigentumsrecht das Existenzrecht der orbeilenden Menschen setze und schließlich durch die Notwendigkeit, Arbeitskämpse zu vermeiden, deren Austrag die Interessen der Lolksgesamtheit erheblich in Mitleidenschaft ziehen könnte. Der Kamps der Unternehmer gegen das Schlichtungswesen greife in Wirklichkeit das kollektive Zlrbeitsrecht an und das Ziel sei Bück- kehr zum individuellen Arbeitsvertrag und zur Diktatur des wirtschaftlich Mächtigen. Eine Reform des Schlichtungswesens sei nicht von einer Rege- l'ung des Tarifrechts zu trennen: daher müste zunächst das Schlichtungswesen so wiederhergestellt werden, wie es bis zum Urteil des R'ichsorbeitsgerichts im Eisenkamps galt und dann sollt« vorerst endlich an die Schaffung eines Arbeilslarifgesetzes herange- gangen werden. Den Redner lohnte reicher Beifall. Die Erwiderung des Herrn Dr. Brau weil er war ein verlegenheitsgered«, das von Mißfollsnskundgebungen der Hörer mehrfach unterbrochen wurde, besonders auch als der Wunsch zum Ausdruck kam, die Regelung der Arbeitszeit den, Tarifvertrag zu entziehen und der De- triebsverelnbarung zu überlassen. Moskauer Versammlungsspreuger. Der Anschlag vereitelt. Mi« den Aeberschrislen!„Polizei im Berliner che- »erkschastshaus. Oppositionelle Kollegen von Polizei und Reichsbanner schwer mißhandell und hinausgeworfen", brachte die „Rote Fahne" heule einen Bericht, der den Sachverhalt total ver- dreht. Richtig ist nur. daß die Gewerkschaften sich nicht länger mehr alle kommunistischen Uebergriffe und Biergiaswerfereien bieten lasten. hier der Talsachenbericht: Die Transportarbeiter des Graphische» Gewerbes im Verkehrs- lmnd hielten an, Montag ihre Jahresversammlung im Gewerkschafls- Haus ab, um die Neuwahlen der Branchenleitung vorzunehmen und den Bericht über den Stand der Lohnbewegungen entgegenzunehmen. Laut Beschluß der Branchenleitung wurden zu dieser Versammlung nur die Gruppen der verarbeitenden Industrie geladen, um alter Erfahrung gemäß eine sachliche Erledigung zu gewährleisten. Die Kommunisten hatten jedoch laut Anweisung ihrer Richtlinien Sprengkolonnen zu dieser Dersomm- l u n g entsandt, um sie im,,» glich zu machen. Es handelt sich hier ,nn Zeitungsausträger, die von der Branchenleitung in einer besonderen Versammlung zu den Neuwahlen Stellung nehmen sollen. Ein Hinweis darauf vor Begim, der Versammlung, sowie auch die schriftlichen Einladungen, wurden von den Kommunisten nicht anerkannt und sie versuchten "mm mit Gewalt d e n Z u t r i t t zu den, V e r s a m m l u n g s- räum zu„erobern". Als ihnen dies verwehrt wurde, gingen sie zu Tätlichkeiten über. Um nun Arbcilerblut nicht wie am Sonntag skießen zu lasten, rmnnte das U e b e r s o l l k o ni m a» d o, das durch den Oekcmom des Haus« angerufen wurde, den Vorraum und den Hof des Gewerkschastshaus«. Nachdem so einigermaßen Ruhe eingekehrt war, konnte die über- aus stark besuchte Versammlung ihre Tagesordnung erledigen. Kollege Oltersdors gab bekannt, daß alle Tarifverträge gekündigt und neue Verhandlungen gefordert worden sind.- Von dem Gang der Verhandlungen der gelernten Bewfe hänge der Termin für unsere Verhandlungen ab. Kollege Podubrin wies dann noch einmal darauf hin. daß seit Jahrzehnten das Zeitungsaustragepersonal stets in getrennten B e r s a m m l u n g e n zu seinen Angelegenheiten Stellung genvm- men habe und der Beschluß der Branchenleitung, es jetzt wieder zu tun, mir zu begrüßen sei, denn den Kolleginnen und Kollegen gehe dadurch durchaus nichts verloren. Die im Anschluß an die lebhaste Diskussion erfolgte Neuwahl der Branchenleitung ergab mit einer eiizzigen Ausnahme deren Wiederwahl. Zum Schluß wurde ein« Entschließung gegen neun Stimmen angenommen, welche die Maßnahmen des Bundesvor- standes und der Bezirksverwaltung in Sachen Deter und Genossen billigt. Mit dem Gelöbnis: Die Einheit in der Gewert- schaft zu wahren, fand die Versammlung ihren Abschluß. Schlag auf Schlag! Die Hamburger Schauerleute gegen die Moskauer. Hamburg, 5. März.(Eigenbericht.) In einer starkbesmhten Versammlung der Hamburger Schauer- l e u t e wurde de» Kommunisten wiederum eine erheblich« Schlappe beigebracht. Es war in dieser Versammlung hie Neuwahl der Betriebsräte, der Vertreter für die Sektionen der Hafenarbeiter und der Delegierten für die Generalversammlung des Deutschen Verkehrsbuiides vorzunehmen. In allen drei Wahlgängen wurden in einem Stimmenverhältnis von einem firaed a* 3>hw*i»I«»««»Ibutsu iat EwWKvbwern Richtuug gewählt. Sämtliche kuumusiMchbe» WahlvorsMSqe fiel«, damit glatt unter den Tisch. Einigung bei der preußischen(Zlektnzttäts«A.-6.30 KachmiUarskonzcrt von Leipzir. 17.30 Alfred Auerbach: Schallnachahmunf und renk. 18.00 Walther Howard: Franz Liszt. 18.30 Französisch für Anfänser. 19.00 Min.-Dir. Dr. Craemer: Die neuzelTiche Entwicklallt des Schneltnach- richtenverkchrs, 19.23 Dr. Isa Koch: Was muß die Arbeitertrae Tora FamilienrecH wiesen? 20.00 Debertratunt von Köln. 22.d5~-23.13 Bildfunkversuche.•' Strrontmortl.«ilr hie Stebeffisit; Balffluug Schwer,. Setlut; 3r : Poewdrt« Berlaz Welt-Kino Alt-Moabit 99 Frenenrnnb In Maroidco Wem gehört meine PrewT E �»«l»Onai5#�l�"b Alhambra Schöneberg. Hauptstr. 33 Die Tragödie derer TOM Habebarg (Die Tragödie eines Kaiserhauses) BöhDcnnchea Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutstntiffisstr. Beginn: W. öJO. 9, Stgs.«, 6.3», 9 Uhr NMbHreH(Piccadill») Auf der Bühne; Lilly und Emi Schwer* ■ UdatarreMw-Waat■ H; f; Wochentags 6.30. 9 Uhr l-lul Stg. 5, 7, 9. 3 Uhr Jug.-V. Hindenburgdamm 98 a Du Scblcktal derer Ton Hebabnrg Ein MSdel mit Temperement MbncMChan U SUdwaatan � Film-Palast Kammcrsäle Teltower Str. 1 t Beginn 6 U. Waterloo mit Otto Geb ihr als BIOcF.er E�iniiiSOdaw b Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab S, 6.30 Uhr. Stg. ab 4 Uhr SlraftesbelcaBatacbottea mit Werner Pitttchen f Moniy Benks, der Wüstllmg Filmeck BefiinBW-:£Ä Skalitzer Straße, am Oörlitrer Bahnhof Sbondal in Beden-Boden Diebe(ioooO Mark Belohnung) Böbnenacben litania(ute Scböoeberg) Hauptstraße 49 Ihr dankler Paukt mit Lilien Horrey Die Irene Nymphe E CttTtottanbyra E Schlüter-Theater ScWBterstr. 17 W. 7. 9.15, Stg. ab 4 U Ein Mensch der Maccc Der Schlauberger (7 lustige Akte) Primus-Palast Hermannplatz Francnronb In Marakka Auf der Bühne: Drei Orldos, Equilibristen Willy Gebron, Humorist Der Blckerlefcrllng auf dem Kölner Randtank Pa s s agc-Li di t spiele Neukölln, Bergstraße J51— 152 Woch.», 7 u. c«. 8.45. Stg. 3, J, 7 u. Ct. 845 U Ein Menaeb der Maaae Uer große Sensationsfilm:!••• PS. Bdhnenachon Luisen-Theater Reichenberger Straße 34 Franenroub in Morokko mit Clalre Rommcr Beiprogramm Variet«a«han Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, M5 Uhr. Stg. 2.45. 5. 9 Uhr Da« Hau« ohne Mtnner m.Onralda Lockruf des Goldes Gro�e BQhnemchaa VonrSrtstescr Südpalast Knesebeckstr. 113, Bhf. Hermannstraße Jahrmarkt der Liebe Drei MIdela and ihre Freier Grobe Btthncnacbaa Tivoli-Lichtspiele tempelhof. Berliner Str. 97 W. 6-50. ca. 8.45 S. 4.45. 6.45. ca. 8.45 U Der FOrut der Abcnlcnrer Die Komödiantin Bßhnenadiaa Jugendliche haben Zutritt > Mnrlandorl> Ma-Li JSSÄ1" Chausseestraße 305 mit Otto Geböbr als Blflcber Jagdaoaflog im Sodas Bfibnenacban Jugendliche haben Zotritt „Elysium* Prenzlauer Allee 58— Film und Böhne Die BörKae der Pondora Bühne: Schmidt-Rer.) Wir WaiBanna« Schloßpark Film. Böhne Berliner Alice 205—210 Der Komp' der Tertia Der Held dea Tage. Vartetearbaa Jngewdltcbe höben ZmtBK Ontwn Germania-Palast Frankfurter Allee 314 EUbrorbcr Kraaata(Vobfle-Rettg.) Die arbönate Frau ron Paria Anf der Bühne» Herakraak mit Brono Kaatner u. Looiae TTraab Beginn der erste« Vorstellung Wochentags 6 Uhr. Sonntags 3 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Die loattgea Vagabaadcn PapUoa mit Joacpbtnc Baker Grohe BObneaasbaa Concordia-Palast AndreasstraAc 64 Affeutheatcr mit Sld Chaplin Der gefesselte Eddie Polo Babnemdiau Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70—73 Die laattgea Vagabaadcn Der ßdtrtdaagagraad Bühne: GnsPI Beer Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7 o. ca. 845, Stg. 3, S, 7o. ca. 843 U. Die Repnblib der BazkflaAe Jahrmarkt der Liebe Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5. 7 u. C8. 845, Stg. 3, 5, 7 u. ca. 845 U. Der Faazblagaprtaz Die R epabUk der Backfladm ich Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Be: rnn täglii 7. 9 Uhr Geachldstea an. dem Wiener Wald Der Gentleman Twn Parti mit Ad. Menjea Elysium(fu�pILi) Hasselwerderstraße 17 Stnrm über Aalen Bühne: Der Fing am Maakon ■ Wordn V Skala-Lichf spiele Schönhauser Allee 80 Hinter Klo.termaoera Pal nad Paiadioo, die bliadea Fan agiere BOhaenadiaa Alhambra Müllerstraße. Ecke Seestraße Herzog HaorT Beiprogramm Revue: Wenn Betneb en plandern Fortuna-Lichtspiele Müllerstraße 12c Da. fahrende T ageiklno ab 10 Uhr spielt aar Spitzenfilme der Welt ptädakflon Metro-Palast Chausseestraße 30 Die ongekröntc Königin m. Gritfith Liebe Im Schnee m. Moria Pandlcr Tonfllmetnlage Noadk's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Die Siegerin m. Olga TaAnbowa Herzen ohne Ziel m. L. Paranelll Cot geheizt) Pharus-Lichtspiclc Müllers traße 142 Ronadi(nach Strindberg) Monbr Benitz, der WOaUIng „Rialto" mm a. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Die lollc KomteH m. Dtaa Gralla Beiprogramm BOhncnadiaa „Alhambra" Badstraße 58 Wtngalll Der große Fliegerfilm mit Geräusch- und Klaugefteklen Ballsdunicdcr- Udüsp. Badstraße 16 3 Tage Kamerai Der Kampf oatter dem Staraea- b anaer mit Fr. Tbomaoa Humboldt-Theater Badstraße 13« Ladb' Clown, Uth' m. twn Cbraep Grobe* Beiprogramm BOhncaMbaa Kristall-Palast Prinzenallee I— ö Verlängert Die BOttue der Paadora Beiprogramm Grobe BUbaeowbaa Maricnbad-Palast Badstraße 35-38 Bin leb rbr Typ? mit Clara Bow Mann, Weib, SSade m. Jobn Gilbert j Pankow E' Palast-Theater Breite Straße 21 a Beg. 6J0, 9 Uhr Vei länger«: Wlagal Der erste große Fliegerfilm mit Geräusch- und Klangetfekten Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Eine Nattil In London mit LUL Harrey Grobe BahneaiKbon Film-Palast Blankenburger Straße 4 Waterloo mit Otto GcMltt Ana dem Reldw de* Könige der Könige Jugendliche haben Zutritt » RnHHennwttorf-Oet U Bürgcrgartcn-Lichtsp, Hauptstraße 51 und Lindauer Straße Wolga. Wolga, das Heldenlied ron Stenka Rasin