BERLIN Mttwoch 6. Mrz 1929 10 Pf. JIr.110 B 55 46. Jahrgang. Crscheinttizlich außerSonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwirt«'. Bezugsprei« beide Autgaben 8SPf. prsWoche, Z.SOM. pro Monat. Redaktion und Exxedition; DerlinSWes,Lindenstr.s SfuUaultfaße xle& ,f}/ofu>tLf46 Anzeige n xreit: Die einspaltige NonxareiUcicile 80 Pf.. Reklamezeile 5M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. Z7ö3S. Zernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? all Malkus. Oer Todgeweihte zeugt gegen die Todesstrafe. Mr bringen hier eine ausführliche Darstellung de» am 5. ZNär; im Preußischen Landing vom Abg. Sullner vorgetragenen Falles Malkus. Der Fall erbringt von neuem den Beweis, daß Fehlurleile In Kapitalsachen nicht nur mSg- lich sind, sondern in wirtlichkeil viel leichter vorkommen, al» geglaubt wird. Oer Mann mit der grünen Segeltuchtasche. Ms am 1K. August 1919 um I2V3 Uhr der Vurenubeamte Ernst Röttgen, zu Gelsenkirchcn wohnhaft, wie gc- wohnlich zum Mittagessen seine in der Hermonnstraße.? gelegene Wohnung aufsuchte, bot sich ihm beim Betreten der Küche ein schrecklicher Anblick: seine Ehefrau lag tot mit durch- schnittener Kehle in einer Blutlache. Würgemerkmale am Holz und Kopfverletzungen deuteten darauf hin, daß dem Morde ein heftiger Kampf vorangegangen war. Ein weiterer Blick in die Wohnung zeigte, daß Raubmord vorlag: der Täter hatte all« Be- hältnissc durchwühlt und die Wohnimg in größler Unordnung zurückgelassen. Daß er es eilig gehabt hatte, bewies der Umstand. daß«in offenstehendes Schmucketui von ihm übersehen worden mar. Zum Wegschössen der geraubt«» Sachen hatte sich der Täter offensichtlich einer dem Röttgen gehörigen liaiidtasche mit grünem Segelt» chbezug bedient. Die sofort alarmierte Kriminalpolizei konnte.zunächst nichts weiter feststellen, als daß die Tat knapp eine Viertelstunde vor Heimkehr des Ehemanns Röttgen, also u m 12� Uhr geschehen war. Zu dieser Zeit hatten verschiedene Nachbarn in ihren Woh- nungen lautes Geschrei und Hilferufe gehört. Sie hatten wohl auch aus den Fenstern gesehen, aber nichts wahrgenommen. Don dem Tnter konnte daher niemand ein« Bescheidung geben. Erst nach mehreren Tagen gelang es der Kriminalpotizei, zwei Zeugen zu ermitteln, namens Kloß und Maluchnik, die den mutmaßlichen Täter gesehen hotten. Beiden war in der Nähe des Tatorts ein Mann aufgefallen, der eine grün« Segeltuch- t a s ch e trug. Diese Tasche war so voll gepackt, daß sie osfen stand, ihr Inhalt war mit Zeitungspapier umwickelt. Ihr Träger, der nach außerdem«inen Pappkarton unter dem Arm hotte, war den Zeugen durch sein scheues Wesen ausg«sallen. Die Be- schrcibung lautete: grauer Anzug, Halbgurt hinten am Jackett, weicher Filzhut mit dunklem Rand. Nachdem die Polizei eine Anzahl Berhostungen vorgenommen hatte, von den«n keine aufrecht erholten werden konnte, lenkt« sich endlich der Verdacht auf einen Schmelzer namens Heinrich Malkus. Die Zeugen Mos; und Maluchnik hotten nämlich bei Durchsicht des Verbrecheralbums auf die Photographie eines ge- wissen Petersen hingewiesen, dem der von ihnen beschrieben« Mann mit Segeltuchtasche ähnlich sehen sollte. Petersen selbst kam allerdings nicht als Täter in Frage. Aber die Polizei fand, daß zwischen Petersen und Malkus Aehnlichkeit be- steh« und verhaftete diesen. Oer Vorbestrafte. Wie aber kam es zu dem Verdacht gerade gegen Malkus? Malkus war wegen Eigentumsoergehens, hauptsächlich wegen Diebstahls, bereits neunmal vorbestraft. Zurzeit der Tat war er aus der Strafanstalt, in der er seine letzte Strafe verbüßte, entwichen und hielt sich unangemeldet in verschiedenen Woh- nungen in Buer und Gelsenkirchcn auf. Er war also ein Mann, dem»ach dem juristtschen Sprachgebrauch„die Tat wohl zuzutrauen uwr". Nun kam aber noch etwas Besonderes hinzu. Gleich beim ersten Verhör nach seiner Verhostung, die etwa sechs Wochen noch der Tat erfglgte, gab Malkus— über seinen Aufenthalt am 16. August be- fragt— unumwunden zu, daß er sich um diese Zeit in Gelsenkirchen, und zwar ganz in der Näh« de- Tatortes befunden hekbe. Er habe bei seiner Ehefrau in Buer übernachtet, sei ober am Vor- mittag des 16. August mit der Straßenbahn nach Gelsenkirchen gefahren, um sich von einer ihm bekannten Frau Kopetsch ein«, Rucksack zum Kartoffelhamstern zu holen. Diese Frau Kopetsch wohnte dei dem Schwager des Malkus namens B 0 r 0 st 0 w f k i in der Grillostroße, nur wenige Minute» von dem Hause Hermann- straße 3 entfernt, in dem der Mord geschah. Indes sei«r, Malkus, nicht gleich zu Borostowski gegangen, sondern habe erst seinen Freund Rv gallo in Gelsenkirchen besucht, sei mit diesem zu Borostowski geschlendert, habe Frau Kopetsch nicht ang«trofsen, dagegen sich mit Borostowski längere Zeit, bis etwa IL Uhr, unterhalten, habe dann den auf der Straße wartenden Rogalla wieder oufgesuchr und sei niit (Forti«tz,mg aus der 2, Seite.) Neue Kämpfe in Mexiko. Erfolge gegen die Ausstandischen. Mexiko, K. März.(Eigenbericht.)-l Anhänger der aufständischen Generale und nahmen sie Die Regierung erzielte am Dienstag nachmittag gegen die Rebellen den ersten großen Erfolg. Ihre Truppen stellten in Qricaba(Veracruz) 500 stark bewaffnete Zur Hcuolubon in noik« gefangen. Außerdem wurde zahlreiches Kriegs» material erbeutet. Es ist bisher jedoch unbekannt, ob und in welcher Form diesem Erfolg ein Kampf voraus» gegangen ist. Inzwischen hat die Regierung auch Trup- Pen gegen die anderen meuternden Generale in Marsch gesetzt. Das Parlament dürfte voraussichtlich schon in den nächsten Tagen einberufen werden, um der Regierung außerordentliche Bollmachten zu erteilen. Unter anderein ist auch an die Aufhebung der Immunität der in den Aufstand verwickelten und in den bisher von den Rebellen beherrschten Gebieten, wohnhaften Abgeordne- ten gedacht. Washington erwartet Sieg. Washington, 6. März..(Eigenbericht.) In hiesigen Regierungskreifen herrscht die Ansicht vor, daß es der mexikanischen Regierung gelingen wird, die aufständischen Generale aus der ganzen Front zu schlagen. Diese Aniwhme stützt sich vor allem darauf, daß Expräsidcnt Calles persönlich die Führung der Gegenaktion übernommen hat. Dreißig Soldaten erfroren. Sövfranzosen in der Besahnngsonnee. Paris,«. März.(Eigenbericht.) In der Kammer wurde der Kriegsminister von fozia- liftischer Seite über die 30 Todesfälle in der BesatzungS» armee interpelliert. Der Kriegsminister führte die Todesfälle der meist aus Tüdfrankreich stammenden Soldaten auf die starke Kälte zurück, gab aber gleich- zeitig zahlreiche Mißstände bei der Behandlung der krau» ken Soldaten zu. Er beabfichtigt eine Unterfuchungs- kommifsion einzusetzen. �Gistgas" verboten! Viel Ehre für ein so schlechtes Stück! Der Polizeipräsident teilt mit: „Da di« öffentliche Ausführung des Theaterstücks..Gistgc-s über Bettln" von L a m p e l di« öfsenttiche Ordming und Sicherheit g«- fährden würde, hat der Polizeipräsident von Berlin die Deran- staltung öfsentlichcr Aufführungen dieses Stückes verboten." Die Theaterkritik der heutigen Morgenpresse ist mit seltener Ein- mütigkcit der Meinung, daß„Giftgas über Berlin" ein sehr schlechtes Theaterstück ist: sie ist aber ebenso einmütig davon entsernt, ein Verbot zu wünschen. Das geschieht selbst in der rechtsradikalen Presse nirgends, während die Theoterkritiker der Linkspresse dem Polizeipräsidenten eindringlich rat«n, von einem Verbot Abstand zu nehmen. Der Grund für das. Verbot liegt nicht in der Terck>enz des "Stückes sondern in der Sorge vor Tumulten, zu denen es bei öffentlichen Aufführungen kommen könnte. Träfen im Zu- schauerramn, so sagt man, Hakenkreuzler und Rotsroittler zusammen, so könnte es Mord und Totschlag geben. So sehr nun zugegeben werden muß, daß dieses schlcchle Stück auch nicht«inen blauen Fleck und nicht einen Messerstich wert ist. den seinetwegen ein Un- schuldiger erhalten könnte, so hallen wir das Vcrbottrotzdev, nach wie vor für äußerst bedenklich. Denn noch dieser neue» Praxis hängt der Grad der Theoterfreiheit von dem Grade der Rauflust des Publikums ab. Auch wertvolle Werk� können der Moiüe der Preußenreöleninö. Mißbrandi der flrbcHsnadiwcise. Berichte 2. Seite Unterdrückung versollen, wenn dl« Polizei besorgt, daß«» bei ihrer Aufführung zu Prügeleien im Publikum kommen könnte. Wäre das Stück nicht verboten worden, so hätte es in«in paar Tagen abgesetzt werden müssen, weil niemand mehr Lust gehabt hätte, sich den Schmarren anzusehen. Jetzt wird es in„nichtöffentlich«»" Aufführungen gespielt werden, und sine gewisse Zugkraft ausüben, «eil durch das Verbot die Neugier gespannt worden ist. Alles in all«»: nie ist für ein« schlechter« Sache überslüsstgerc Reklame gemacht worden b Die Oänensähre im Packeis. Verproviantierung durch Flugzqeuge. Di« Dänen fähre»Schwerin" liegt nördlich von Warne. münde im Packeis eingeschlossen. Passagiere find nicht an voed. Der Zug besteht nur aus Gükerwagen. Zwei Flug- zeuge versorgen d>e Besahung mit Proviant, da die Einschließung schon beinahe zwei Tage dauerl. Man hofft, die Fähre heule nachmittag durch Eisbrecher floil Zu machen. Der große russisch« Eisbrecher»J« r m a k" ist heute vor- mittag mit dem Geleitdampfer„Batten" vor Kiel einge» troffen. Der Eisbrecher wurde gegen 11 Uhr von Friedrichsort aus auf der Höhe von Gnbelsflach gesichtet, wie er voin Dampfer „Bvlten" Kohlen übernahm. Der Eisbrecher„T r u v e r", der bisher mit dem»Jermak" zusammengearbeitet hat, ist dem deutschen Dampfer„Sayn" in der Mecklenburger Bucht zu Hilfe geeilt. Raisreden oder Kommiffionsarbeii. Die Minderheitenfrage in Genf. Gens. 6. März.(Eigenbericht.) Die Auseinandersetzungen über die Behandlung des Minder- heitenproblems spitzen sich zurzeit dahin zu, ob die Frage nach eurer ausführlichen Diskussion im Rat in einer besonderen K 0 ni- Mission gründlich geklärt, oder ob mit der Behandlung durch den Rat die Debatte als erledigt betrachtet werden soll. Deutsch- l a n d wünscht eine gründliche Erörterung der Frage in einer Koin- misston, England ist damit prinzipiell einverstanden, während Polen, Italien und Spanien dagegen sind und die Frage in der gegenwärtigen Tagung abschließend behandelt wissen wolle»?. Die anderen Mächte, darunter Frankreich, verhalten sich abwartend. ü- Der Bölkerbundrot Hai den Bericht des Juristenau-schusses über die Hinzuziehung der Tschechoslowakei, Litauen und Iugoslcksvien entgegengenommen. Der Rat le hn t im gegenwärtigen Staude ta; Oer Kührer. Gtrefemann: �Meine Partei steht geschlossen hinter mir,— fragt mich nur nicht: wo?.' � 23crf)onblan«g«t bie Hinzuziehu� der mt i>«c MmderheUen- frage tniereffierien Mächte grundsätzlich ab, erklärt aber zugleich, den interessierten Staaten würden Beschlüsse des Rates in der Minderl>sitensrags auf Grund des vorliegenden Antrages zur An- nähme vorgelegt werden. Darauf begann die öffentliche Mindcrheitendebatte, in der Dr. Etrefemann das Wort nahm. Dem Schafott entriffen. (Fortsetzung von der 1. Seite.) ihm zu einer Selterwasserbude Ecke Bismarck- und Pau- linenstraße gegangen. Auch.disser Punkt befindet sich nur wenige Minuten vom Tatort entfernt. Bei der Bude habe Rogalla ein Getränk genommen. Inzwischen habe sich ein gewisser K o l l a k o w s k i, des Weges kommend, zu beiden gesellt. Auch mit diesem habe man geplaudert. Schließlich sei er. Malkus, mit Rogalla, nachdem sie sich von Kollakowski getrennt hatten, zur Haltestelle der Trambahn in der Olgastraße gegangen. Dort habe er, mit Rogalla auf und ab gehend, einen Wagen der viertelstünd- lich fahrenden Bahn an sich vorbeifahren lassen und sei dann mit dem zweiten Wagen erst nach'AI Uhr nach Buer zurückgefahren. Aus diesem Alibi ging jedenfalls eins hervor: Malkus hatte sich während der ganzen kritischen Zeit von 12 bis Uhr in nächster Jtähe der Zstordstelle ausgehallen. Dazu neun Vorstrafen— hier itnir der„dringende Tatverdacht" zweifellos gegeben! Oer Untersuchungsrichter. Malkus wurde in Untersuchungshaft genommen. Auf Grund des Belagerungszustandes urtellten damals im Industriereoier über Kapitaloerbrechen außerordentliche Kriegsgerichte. Für Malkus war das AOKG. in Essen zuständig. Als Unterfuchungs, nchter fungierte Landrichter Dr. Thedieck. Er stellt« den Malkus zunächst den beiden Zeugen Kloß und M a l u ch n i k gegenüber, die den Mann mit dem grünen Segeltuchkoffer beobachtet hatten. Und— siehe da— beii�e Zeugen erklärten: Mr erkennen in Malkus mit Bestimmtheit den Mann mit dem grünen Segeltuch- koffer wieder! Von diesem Augenblick stand für Dr. Thedieck die Schuld des Malkus fest. Er behandelte Malkus nicht mehr als Unterfuchungs- gefangenen, sondern als überführten Verbrecher. Er empfand es als Frechheit, wenn Malkus die Tat leugnete, schnauzte ihn an und machte keinen Hehl daraus, daß er ihn für den Täter hielte. Lassen wir Herrn Dr. Thedieck selber sprechen! In einer dienstlichen Aeußerung vom 20. November 1919 gibt Dr. Thedieck zu: Gelegentlich einer erneuten Vernehmung des Verurteilten (Malkus) wurde dieser, als ich ihm die Verdachtsmomente vorhielt, sehr heftig und ausfallend. Ich hielt es daraufhin für angebracht, ihn energisch darauf hinzuweisen, daß ihm bei den vorliegenden Indizien sein Leugnen kaum ekwas nützen würde und daß ich ihn für den Täler hielte. Des Wortlauts meiner Aeuße- rung kann sch mich nicht mehr entsinnen. Ich hoffte, daß sich der Verurteilte durch meine Worte zu einem Geständnis bewegen lassen würde. Ich halte mich für berechtigt, einen, Beschuldigten bei seiner Vernehmung meine persönliche Ausossung von seiner Täterschaft mitzuteilen, da die Wahrheiisermittlung Zweck der Vernehmung ist und eine derartige Mitteilung unter Um- ständen den Beschuldigten in dieser Richtung beeinflussen kann. Zum Unglück für Malkus versagten auch sein« Alibizeugen in ziemlichem Umfang. Kein Wunder! Malkus war sechs Wochen nach der Tat verhaftet worden. Jetzt sollten sich die Zeugen auf die Minute genau über Zeitpunkt von Besuchen und Gesprächen äußern/ die zur Zeit ihres Stattfindens gar keine Bedeutung für sie gehabt hatten. Natürlich gab es da allerhand Widersprüche und Crinnerungsfehler, auch Malkus selber schwankte in seinen Angaben, was natürlich ein weiterer Beweis für seine Verlogenheit und sein schlechtes Gewissen war! Einen gewisien Anhaltspunkt boten die Bekundungen einiger Zeugen, die sich erinnerten, daß es bei der und der Gelegenheit 12 Uhr geschlagen oder Mittag geläutet hätte. Aber gerade für den ent- scheidenden Zeitpunkt, nämlich 12.15 Uhr, war kein sicherer Anhalt zu gewinnen. Weiter kam hinzu, daß die Entlastungszeugen des Malkus, des Borostowski, Kollakowski, Rogalla usw. auch ähnlichen Kreisen wie Malkus selber angehörten. Sicher hatten sie damals, am 16. August, nicht viel zu tun, achteten also kann, aus ihre Zeit- einteilung. Wahrscheinlich hatten sie auch eine gewiss« S ch e u v o r Polizei und Gerichten und fürchteten, wenn sie den Malkus zu sehr entlasteten, dann selber der M i t t ä t e r s ch a s t bezichtigt zu werden, wie das in einem Falle auch später geschah. Oer unvoreingenommene Richter. Am 24. Oktober 1919 stand Hauptverhandlung vor dem AOKG. Essen gegen Malkus an. Das AOKG. setzte sich zusammen aus zwei Ziollrichtern und drei Kriegsgerichtsräten. Den Vorsitz führte ein Zivilrichter, Beisitzer und Berichterstatter war— Unter- juchungsrichter Thedieck. Bei den außerordentlichen Kriegsgerichten ist nämlich die Teilnahme des Untersuchungsrichters an der Hauptverhandlung nicht ausdrücklich, wie sonst in der Straf- Prozeßordnung, verboten. Allerdings hätte dieser Untersuchungsrichter aus a l l e r« l e- mentarstenRechtsgrundsätzen nicht an der Hauptverhand- lung teilnehmen dürfen. Hatte er doch bereits in der Voruntersuchung sich völlig festgelegt und aus seiner Ueberzeugung von der Schuld des Malkus diesem gegenüber gar kein Hehl gemacht. Doch lassen wir wieder Herrn Dr. Thedieck selber reden. Er schreibt in seiner dienstlichen Aeußerung vom 20. November 1919: Das Verfahren beim außerordentlichen Kriegsgericht kennt nicht die Ausschließung des Untersuchungsrichters vom Urteils- spruch. Selbstredend kann ein Richter seine Befangenheit gellend machen. Diese Prüfung ist ihm selbst überlassen. Auch ich habe mich geprüft. Zch habe keine Veranlassung gehabk, mich für besangen zu hatten. Es ist bezeichnend, daß nach dieser dienstlichen Aeußerung selbst der Referent beim Chef des Stabes, Kriegsgerichtsrat Vogeker, votierte: Gegen das Urteil bestehen meines Erachtens Bedenken. Allgemein anerkannte Grundsätze müssen auch für das außer- ordentliche Kriegsgericht gelten. Solcher Grundsatz ist ober, daß der Untersuchungsrichter nicht Richter sein kann, zumal wenn er sich, wie geschehen, mit seiner Meinung festgelegt hat. Dabei war auch Vogeler von der Schuld des Malkus fest überzeugt. Jedoch sind dies Vorgänge, die sich erst nach der Urteilsfällung abspielten. Einstweilen nahm der„unvorein- genommene" Dr. Thedieck an Beratung und Urteilsfällung des AOKG. ungeniert teil. Wahrscheinlich ist er es auch, der die Urteils- begründung niederschrieb.(Weitere Darstellung folgt.) Die Betriebszeitungen AEG.-Sender, Siemens-Werk, Osram- Fackel und Loewe-Wickler, über die wir in der gestrigen Beilage des ÄAbend" berichteten, werden vom Bezirksvorstand der SPD. Berlin redigiert und verlegt. Die„Vorwärts"-Buchdruckcrei ist also mcht, wie es irtümlich hieß, der Verleger, sondern der Hersteller dieser Zeitungen. Die Einsicht wächst! Erfolge des Kabinetts Braun in Preußen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß in Preußen ruhige und erfolgreiche Regierungsarbeit auch ohne die Deutsch« Volkspartei geleistet wird, so hätte der gestrige Tag gleich wieder zwei solche Beweise erbracht. Im Landtag wurde in dritter Lesung das sogenannte Flaggengesetz angenommen. Unsere Leser wissen, daß die preußische Regierung angesichts der reaktionären Flaggensabotage -des Potsdamer Oberbürgermeisters am Bcrfassungstage Potsdam hatte zwingen wollen, in den Reichsfarbsn zu slaggen. Das preußische Oberverwaltungsgericht hatte daraufhin, von der Stadt Potsdam an- gerufen, diese Verordnung der preußischen Regierung als nicht rechts- gültig ausgehoben. Es mußte infolgedessen eine gesetzliche Grundlage für das Recht der preußischen Regierung geschaffen werden, sabotierende Städte zu zwingen, den Farben der Republik die gebührende Achtung zu erweisen. Nachdem bisher die Rechts- Parteien in gemeinsamer Obstruktion mit den Kam- munisten die Verabschiedung dieses Gesetzes im Landtag zu verhindern gewußt hatten, tft gestern bei Stimmenthaltung der Kom- munisten das Gesetz endgültig angenommen worden. Sämtliche Kommunen sind also in Zutunst gesetzlich verpslichtct, am Per-- fassungstagc und an anderen Tagen, an denen das Staatsmimste- rium das Flaggen anordnet, die schwarzrotgoldene Fahne der deutschen Republik hochzuzioheii� wenn auch die Pots- damer Hofkreise darüber manche blutige Träne weinten. Der zweite Erfolg der preußischen Regierung wurde am gleichen Tage im Reichsrat erzielt. In seiner Vollsitzung wurde das Gesetz über die Absindung der Standesherren mit allen Stimmen gegen die Bayerns angenommen. Das ist besonders be- deutungsooll angesichts der Tatsache, daß demnach auch die preußi- schen Provinzialbevollmächtigten zum Reichsrat, die sich zu den Deutschnationalen und zum Zentrum bekennen, dafür gestimmt haben. Und es ist besonders pikant angesichts der weiteren Tatsache, daß gerade drei Tage vorher das Oberlandesgrricht in Hamm i. W. in einem Prozeß, den drei Standesherren gegen den preußischen Fiskus angestrengt hatten, ein Urteil gefällt hat, das eine 6 st p r o- zentige Aufwertung solcher Renten festlegt, die gerade durch das neue Gesetz entschädigungslos fortfallen sollen. Man wird der Hoffnung Ausdruck geben müssen, daß das Gesetz nunmehr auch im Reichstag mit derselben Majorität angenommen wird. Mißbrauch der Arbeitsnachweise. Oer falsche Zieichstagsabgeordnete a!6 Siltlichkeitsverbrecher Der vor einiger Zeit unker Aufsehen erregenden Umständen verhastete Schneidermeister Wilhelm Mähig. der unter der Maske eines Reichstagsabgeordneten große Sammlungsschwlndeleien verübt hatte, wurde heute dem Großen Schössengericht Berlin-Mitte vorgeführt, um sich wegen mehrerer Sittlichkeitsverbrechen zu verantworten. Mätzig ist ein schwer vorbestrafter Mensch, er hat 19 Vor- strafen, die meisten wegen Betruges, er ist aber auch drei- bis viermal wegen Sittlichkeitsoerbrechens, darunter mit Zuchthaus, bestraft worden. In dem vorliegenden Falle hatte er einmal als Arzt, das andere Mal als Kinodesitzer bei den städtischen Arbeitsnachweisen angerufen und junge Mädchen für iin Sanatorium als Angestellte, dos andere Mal als Mitwirkende an einer Kinorevue verlangt. Die jungen Mädchen, die angeblich in seinem Sanatorium untergebracht werden sollten, unterzog er einer „ärztlichen" Untersuchung ihres Gesundhettszustandes. Bei der Kino- reoue sollte Maß zu einem Trikot genommen werden. Mehrere unerfahrene junge Mädchen- von noch tticht 18 Iahren sielen bei, diesen„Anproben und Untersuchungen" dem Wüstling zum Opfer. Bei Beginn der Verhandlung beantragte der Staatsanwalt den Aus- schluß der Oeffentlichkeit. Der Verteidiger machte auf das öffentliche Interesse dieser Verhandlung ausmerksam. da es sich um den Miß- brauch öffentlicher Arbeitsnachweise handele. Das Gericht erkonnte das öffentliche Interesse auch an, hielt es aber für unmöglich, den heiklen Pro.zehstosf in öffentlicher Sitzung zu ver- handeln. Der Angeklagte wollte von den Vorgängen nichts wissen und behauptet«, sich in einem Dämmerzustand befunden zu haben. Er hat schon gleich nach seiner Verhaftung im Gefängnis den„wilden Mann" zu spielen oersucht, und an seinen„Kollegen" Reichstags- Präsident Lobe geschrieben, er möge dafür sorgen, daß die Immunität der Reichstagsabgeordneten geschützt werde. Weiterhin gab der An- geklagte noch an, daß er vergebens gegen seine unselige Krankheit anzukämpfen versucht habe. Er habe eine Schneiderwerkstätte mit 22'Hilfspersonen gehabt, in der Reouekostüme für verschiedene Theater angefertigt worden seien. Medizinalrat Dr. Dyrenfurth be- zeichnete den Angeklagten ais einen hochintelligenten Mann, der zwar hysterisch und vermindert verantwortlich aber nicht geisteskrank sei. Staatsanwaltschaftsrat Conrad beantragte 1!� Jahre Gefängnis. Das Gericht kam zu einer Vertagung, da möglicherweise dos mjt Zuchthaus bedrohte Verbrechen der Entführung durch hinter- liftige Mittel vorlieg«. Zur nächsten Verhandlung sollen darüber weitere medizinische Sachverständige gehört werden. Abgebtihie Rationalisten. Die Zwerg-Tlattonalen in Bayern. München, 6. März.(Eigenbericht.) Die Deutschnationalen und Nationalsozialisten wollten am Mitt- wochvormittag im Bayerischen Landtag eine frischsröhlichc Hätz gegen den Außenminister Stresemann veranstalten. � Zu diesem Zweck hatten sie gemeinsam eine Interpellotton ein- gebracht, die sich mit der sogenannten Wold- und Forstreform in der Tschechoslowakei befaßte, von der sie behaupten, daß sie lediglich ein Mittel zur Vernichtung der deutschen Minderheit im tschecho- slowakischen Staate sei. Zur Abwehr diese» Angriffes auf das Deutschtum habe die Reichsregierung bisher nicht das geringste getan, deshalb müsse im Bayerischen Landtag wenigsten» etwas geschehen, damit man sehe, daß München der Ort ist. von dem die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei noch etwas zu erwarten hat. Di« Aufgeblasenheit dieses Zw ergnationalis- m u s zeigte sich sofort in seiner ganzen Lächerlichkeit, als der Prä- sident darüber abstimmen ließ, ob der Landtag«ine Besprechung dieser Interpellation wünsche. Es fanden sich nur ganz« 13 Abge- ordnete, die eine Fortsetzung der chauvinistischen Komödie verlangten. Sie unterblieb infolgedessen, da nach der Geschäftsordnung das Der- langen nach Besprechung einer Iitterpellation von mindestens 25 Mitgliedern des Landtages unterstützt sein muß Dr. Held als bayerischer„Außenminister" hatte vorher erklärt, daß das Reich alle Schritte getan hätte, die im deutschen Interesse unternommen werden konnten. Es bestehe auch die begründete Hoffnung, daß die jetzigen Verhandlungen mit der Tschechoslowakei in der Frag« der Waldreform mit einem befriedigenden Ergebnis für beide Teile abgeschlossen werden._ Frost verzögert den II- Bahnbau. Zurzeit werden 8000 Arbeiter beschäftigt. ZNil Ende dieses Zohres werde» sämtliche im Bau besindlichen �lniergrundbahnstrecken sertiggestelll sein und dem Betrieb übergeben werden können. Durch die Einbeziehung der beiden großen Linie» Gesundbrunne n— 71 e u k ö l l n und Lichtender g— A l c x- anderplah sowie der Verlängerungen der Rordsüdbahn nach Neukölln und Tempelhof. der Stammstrecke nach Pankow und Ruhleben und der aus Grund de» Vertrags mit dem preußischen Fisku» in Ausführung begriffenen Verlängerung der Dohlemer Strecke bis nach Zehlendorf-Alseostraße wird da» ver- llner Schnellbahnneh eine beträchtliche Ausdehnung erfahren. Die Termine der Betriebseröffnungen stehen für die einzelnen Abschnitte noch nicht genau fest. Sie werden sich etwa wie folgt auf das kommend« Jahr verteilen(die Veränderungen der Termine gegenüber den im Vorjahre bekanntgegebenen beruhen auf der außer- gewöhnlichen F r o st p e r i o d e, die eine Verzögerung der meisten Bauten um drei bis vier Monate verursacht hat): lughasen— Tempelhos..... Okt. 1929 oddinstrahe�-Leinestraße..... Juli 1929 Stadion— Ruhleben....... Okt. 1929 Thielplah-Alsenstraße...... Nov. 1929 Rordring— Rlühlenslroße..... Dez. 1929 Reukolln. Bergstraße— Grenzallee.. Dez. 1929 Ikcanderstraße— Gesundbrunnen.,. Febr. 1930 Kriedrichsselde— Alexandervlah... Mörz>930 Leinestraße— hermannstroße... April 1930 Insgesamt sind zurzeit bei den im Bau beorifsenen Strecken über 8000 Zlrbeiter, hierunter über 5000 Arbeitslose, beschäftigt._ Verqualmte Wohnungen. Nächtlich« Näumvng als Folge eines Oochftuhlbrandes- Die Feuerwehr wurde in der vergangenen Nacht nach der Landsberger Allee 153 gerufen, wo im D o ch st u h l des Ouergebäudes auf dem dritten Hof kurz nach AZ Uhr Feuer entstanden war. Beim Eintreffen der Wehren brannte der Dochstuhl in seiner ganzen Ausdehnung bereits lichterloh. Di« Der» q u a l m u n g des Wohnhauses mar so stark, daß die W o h n u n- gen der oberen Stockwerke auf Anordnung der Polizei geräumt werden mußten. Das Feuer tonnt« nach einftündiger Löfchtätigkeit aus seinen Heid beschränkt und abgelöscht werde» Das Zieichstagsforum. Seine wirtschaftliche Möglichkeit und politische Notwendigkeit. Am 1-t. Februar wurde hier als„Lebensfrage der Rcichshaupt- stodt" die Gesamtplanung am Reichstag und Lehrter Bahnhof vom stadtbaulichen Standpunkt aus erörtert. Zusammenfassend kann als Resultat bezeichnet werden die Verlegung oller Reichsministerien auf den Platz der Republik(Reichstagssorum), Errichtung eines zentralen Äreuznngsbahnhofs, nach unterivdischcr Durchführung der Nord- und Südstrecken, auf dem Gelände des Lehrter Bahnhofs, große durchgehende Nordsüdachse in Berlängerung der Siegesallec und entsprechende Entlastungsstraße von der Jägevftraße(mit Durch- bruch durch die Ministergärten) am Tiergarten entlang bis zur Kaiser-Wilhclm-Gedächtniskirch«: endlich der Plan eines geschlossenen Kesandtfchaftsoiertels austdcm heute von Lagerschuppen und Bahn- gleisen bedeckten Gelände am Spreeufer gegenüber den Zelten, also gegenüber dem Reichstagssorum. Dieses gewallige Projekt, eine Sache von� jahrzehntelanger Arbeit, muß durch einen Gefanrtbebauungsplan für Berlin, mindestens aber für jenes Gelände, rechtzeitig und gesetzlich gesichert werden, damit nicht unbefugte Pfuscharbeit die große stadtbauliche Idee sabotieren kann. Die Idee aber ist in ihrer Ausführung keine wirtschaftliche Utopie, und sie entspricht der politischen Machtver- teilung in Deutschland: sie sollte van dem Reichstag selber zu seiner eigensten Angelegenheit gemacht werden. Das Nächstliegende: Verlegung der Ministerien auf den Platz der Republik, ist so gut wie kostenlos zu erreichen. In der Leipziger Straße und an anderen Stellen der City befinden sich Berwaltungsbauten des Reiches in so großem Umfang, daß ihre Veräußerung an die Privatwirtschaft die Mittel hergibt, am Reichs- tag, auf kostenfreiem fiskalischen Boden, sämtliche Ministerien zu errichten, die man braucht, und dazu noch die großen— Wirtschaft- lich ebenfalls fruchtbringenden— Straßendurchbrüchs zu finanzieren. von denen die Rede war. Man hätte es wahrhaftig nicht nötig, so kostspielige Pläne zu fasten, wie Ankauf und Ausbau des Kaiserhofes für ein einziges Ministerium. Der Terrainhunger des Handels in der City, vor allem in der Leipziger Straße, bringt reichlich alle Mittel auf. Und die schönen alten Polais der Wilhelmstraße, über- flüssig geworden, können überdies zu kulturell repräsentativen Zwecken verwertet werden. Sie wüsten natürlich erholten bleiben. Es ist weiß Gott nicht schwierig, in dieser Richtung einmal grundsätzlich umzulernen, das schöne Alte zu konservieren, dein neuen Geiste eine Bahn zu brechen, Berlin zur Weltstadt zu erheben! Denn das kommt hinzu:«in Ministcrialsorum im Anschluß an den Reichstag, wie es vor allein Hugo Häring in mehrfachen Eni- würscn vorgeschlagen hat, wäre eine Tat von höchster poli- tischer Bedeutung. Volksvertretung und Reichsverwaliung an einem gewaltigen Platz vereinigt, und dieser Platz, nicht unähn- lich dem vor St. Peter in Rom(in Dimensionen und repräsentativer Würde) als Voltsversammlungs- und Festraum größten Maßstabes, wie ihn noch keine Hauptstadt besitzt, mit riesigen Terrasten und Ent- faltungsmöglichkeiten für Feiern und Rednertribünen: das sollt« doch ein Ziel für Politiker sein, die dem deutschen Volkswillen ein archi- tektonisches Symbol schassen können! Hier wäre, sichtbar für olle Welt, ein politisches Zentrum von mächtiger räumlicher Ausdrucks- kraft zu schaffen, in dem das Herz des deutschen Volkes schlägt. Und das unmittelbar benachbart und durch ein« Prachtstraße verbunden mit dem Zentralbohnhof am anderen Ufer der Spree, in dem sich die Houptoerkehrslinien Europas von West nach Ost, von Nord nach Süd schneiden und einen Mittelpunkt für den Weltverkehr schaffen. wi« es noch keinen gibt— am wenigsten in unserem stadtbaulich bisher so verpfuschten Berlin! Da ober die wenigsten sich überhaupt eine Vorstellung von diesen Projekten machen können, die einmal vor Iahren im Moabiter Gla? palast gezeigt waren und sonst in Zeitschriften und Architekturbureous ein verborgenes Dasein führen: so wird hiermii der Vorschlag ge macht, oll die Pläne und Modelle um dos Reichstags- forum im Reichstag selber auszustellen. Um sie den Volksvertretern noch näher zu bringen, sollen die berühmtesten Archi- tekten in Vorträgen und Führungen sie ihnen erläutern, wozu sie sich gern bereit erklären. Vor dieser dringlichen Aufklärung ober sollte der Reichstag und seine Ausschüsse keine Entschlüsse fasten, die in das große Zutunfts- bild, in diese steingewordeneRepräsentationunsercs politischen Gesamtwillcns, irgendwie störend hinein- greifen. Dr. Faul F. Schmidt. Jilmspiel mit Menschenleben. Eine halsbrecherische Leistung wird auf eigenes Ziisiko verlangt. Eine Verhandlung vor dem Arbeitsgerich» Berlin gegen die �rih-Lang.Ailm- G. m. b. h. gestaltete Einblicke in die Geheimnisse der(silmproduktion. Sie zeigte, wie wenig ein Menschenleben gilt, wenn der Artist fast schuhlos seinem über- eifrigen Regisseur, der dem Publikum Sensationen um jeden preis bieten will, ausgeliefert ist. Kläger waren z w e i A r t i st en, die eines Tages zu der Fritz- Lang-Film-G. m. b. H. bestellt wurden. Man zeigte ihnen im Atelier ein Schiff, von dem sie herunterspringen sollten. Die Sensation war dadurch besonders schwierig, daß sich die beiden Artisten umklammern sollten. Der reichlich waghalsig« Sprung sollte auf eine Sandunterlage von 15 Zentimeter Dicke erfolgen. Es mußte darauf verzichtet werden, den Sprung durch weich« Matten oder Kisten zu mildern, da dadurch das Bild Hoovers Friedensbotschaft. „Wir wünschen den Frieden in der Welt verbreitet zu sehen." (Au« Soovcrs Antrittsrede.) zerstört worden wäre. Für die Arbeit wurde eine Gage von 150 M. vereinbart. Die Ausnahme sollte am nächsten Tag statt- finden und den Artisten dann der schriftliche Vertrag ausgehändigt werden. Am folgenden Tag wurde den beiden Artisten zunächst ein Revers zur Unterschrift vorgelegt, daß sie verpflichtet wären, die Darstellung so oft zu wiederholen, bis der Regisseur, Fritz Lang, mit der Leistung zufrieden war, und außerdem sollten sie ausdrücklich erklären, daß sie die Arbeit auf eigenes Risiko ausführen. Die Artisten weigerten sich, diesen Vertrag zu unter- schreiben. Uebngens ist die Tätigkeit des Registeurs Lang in Kreisen der Artisten wegen seiner geradezu unmenschlichen Forderungen bekannt und gefürchtet. So mußt« beispiels- weise der Artist, der in dem mißglückten„Metropolis'-gilm den halsbrecherischen Sprung von der Brüstung der Galerie ausführt«, diesen Sprung etwa 20- bi» 2Smal wiederholen, ehe Herr Lang zufriedengestellt war. Der Artist hat sich bei dieser Aufnahme mehrer« lverwundungen zugezogen. Bei dem Nibelungensilm mußten die Komparsen, die für die Darstellung der Hunnen angenommen waren, stundenlang in grimmiger Winterkältc mit entblößtem Körper herumreiten, so daß viele der Darsteller„eingegangen sind". um mit den Worten eines Arbeitsrichters, des Filmschauspielers v. Ledebur, zu reden, der die Geschäftspraktiken des Herrn Lang sehr genau kennt. Im vorliegenden Falle weigerten sich die Artisten, den nach ihrer Auffassung unbilligen Reverszuunter- schreiben, zmnal, da sich keine private Bersicherungsgescllschast zum Abschluß einer Versicherung bereitfindet, wenn eine derartige Vereinbarung getroffen ist. Fritz Lang verzichtete daher auf die Dienste der Artisten, denn er hatte anscheinend nicht den Mut, für sein« Regtetätigkeit auch die Verantwortung zu übernehmen. Vor dem Arbeitsgericht klagten die Artisten die Gag« von 150 M. ein. Da im Artistengcwerb« üblich ist, daß jeder Vertrag schriftlich abgeschlossen wird, hier ober durch die Weigerung der Artisten«in schriftlicher Vertrag nicht zustande gekommen war, er- schien es zweifelhaft, ob die am Tage zuvor mündlich getroffen« Vereinbarung Gültigkeit hatte oder nicht. Die Richter rieten dringend zu einem Vergleich, der dann schließlich auch zustande kam. Die beklagte Filmgesellschaft zahlte an jeden der Artisten 20 M. „Die wichtigste Aufgabe." Mas sich in fommunistischen Schädeln int! Zur Feier des zehnten Jahrestages de?„Komintern" Hielt diese am 4. März im Großen Theater in Moskau ein«„feierlich« Sitzung" ab. Der erste Festredner, Kuustnen betonte. „daß der Kamps gegen die Sozialdemokratie und die Opportunisten in den eigenen Reihen die wichtigste Auf» gäbe ber Komintern ist o nd bleibt." Wichtigeres also hat die„Komintern" nicht vor sich! Die sozial- demokratische Arbeitnchmerschast wird allerdings andere Dinge zu tun haben, als vor den Verlautbarungen des Herrn Knusinen zu zittern!_ Emmmger und das Todesurteil gegen Göh. In einem Münchener Telegramm vom 28. Februar war anläßlich des Freispruchs des ISIS in Augsburg zum Tod« verurteilten Götz gesagt worden, daß das damalige Urteil des Vo'ksgerichts vom Staatsanwall Em minger durch Zsugenbeeinflus- s u n g erwirkt worden sei. Nachdem die„Münchener Post"(Nr. 52). die die gleiche Nachricht gebracht hatte, feststellt, daß dies von keiner Seite behauptet worden fei, sondern ein Hörfehler vorliege, schließen wir uns natürlich dieser Feststellung des München« Jorteiblattes cn. Trauerfeier für Wilhelm Bode. Unter sehr zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen der Kunst und Wissenschost, des Handels und der Politik vollzog sich ani Dienstag mittag die Trauerfeier für Wilhelm Bode in der sog«- nannten Basilika, dem Hauptraum des Kaiser-Friedrich- ?N u s e u m s. Der Platz hatte sich von selber ergeben. Dos Museum war ja die eigenste Schöpfung und, wie Waetzoldt sagte, das Lieblingskind Bodes, und der kirchenartige hohe Raum hat nun sein« wahre Bestimmung, die ihm die darin verlegen untergebrachten Kunstwerke niemals gebracht haben, ganz ausgezeichnet in der vom menfchlich-religiösem Ernst getragenen Gedächtnisfeier für seinen Begründer. Einleitungs- und Schlußgesänge vom Staats- und Domchor unter Leitung von Prof. Rüdel vorgetragen, vermittelten mit einem herrlichen Sonctus und Benedictus von Palestrina und einem Kirchenlied von I. S. Bach eine weihevolle Stimmung. Geheimrat Waetzoldt, Bodes Nachfolger in der Generaldirektion der staat- lichen Museen, fand klassische Worte für die Würdigung des Toten nach allen Seiten seiner ungeheuer umfangreichen Tätigkeit: der Organisation des staatlichen und privaten Sammlungswesens, der aus innerer Berufung, nicht um einen Beruf bloß zu ergreifen, in den Mufeumsdienst getreten war, der Forscher, der Freund allen tätigen Lebens, der Mensch, als Liebender wie als Hasser gleich stark und persönlich, wurde in knapper und erschöpfender Schilderung noch einmal lebendig. Geheimrat Max I. Friedländer sprach als nächster und bedeutendster Mitarbeiter in einem Tone echter Freundschaft, tiefbewegt von der Dankbarkeit aller, die dem V«r- storbenen als Kollegen und Untergebene nahe gestanden hatten, und gelohte Treue für das Werk, das den Schöpfer überlebt hat. Gshcimrat Adolf Goldschmidt legt« Kränze nieder im Namen der von Bode begründeten Kunsthistorischen Gesellschaft und der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Er schilderte Bode vor ollem als Kunstforscher, der immer von dem einzelnen Objekt, nie von Theorien ausgegangen war, und mit jeder Arbeit neue Er- kcnntnisse, neue Wissensgebiete erschlossen hatte. Er prägte für ihn das schöne Wort:.„Historischer Gestalter aus dem Kennertum heraus." Minister Schmidt- Ott redet« für den Kaiser- Fricdrich-Muscums-V«ein, in dem Bodes Initiative für die Privat- fommler ihren Mittelpunkt gefunden hatte: Max Lieber mann als Vertreter der Akademie der Asinstc und als Freund, der ihm mehr als 60 Jahre verbunden gewesen war, seit den Zeiten, da der Referendar und der Kunstschüler zusammen bei Stefseck noch der Natur gezeichnet hotten. Wenn er den B«storb«nen als Freund der modernen Kunst rühmte, dessen Interesse an der Gegenwart stets lebendig geblieben sei, so wird man das freilich auf eine Auf- fassung beschränken müsien, die in Liebermann selber den Abschluß der deutschen ÄUnstentwicklung überhaupt sieht. Man wird eine solche Anschauung dem gleichaltrigen Präsidenten der Akademie zugute halten dürfen, aber nicht mit ihm teilen. „Ods schöne Weftfalen." Admiralstino. „Das malerische und romantisch« Westfalen" haben uns vor langen Iahren Schücking und Freiligrath geschildert. Der Film, der im Auftrage des westfälischen Verkehrsverbandes hergestellt und im Admiralskino vorgeführt wurde, steckt sich ähnlich« Ziele nur mit moderneren Mitteln. Westfalen ist nicht nur der Einwohner- .zahl nach die zwellgrößte Proomz Preußens, es ist nicht allein der Standort der wichtigsten deutschen Industrien— im Ruhrrevier werden 77.2 Proz. der gesamten deutschen Kohlen gefördert: ein großer Test des Eisens wird dort verhüttet und verarbeitrt—, sondern es hat auch soviel olles und urwüchsiges in Rowr und Bevölkerung bewahrt, daß der alte Zauber der roten Erde noch lange nicht verklungen ist. Die Eigenart, die Schönheit und wirl- schaftliche Bedeutung Westsalens zu zeigen, war also die Aufgabe des Films. Er erfüllt sie. Zwar wird ein wenig zuviel des Guten getan, und manch« Bild« töimten mehr Details zeigen oder bei beste rem Licht ausgenommen sein. Indes, Kürzungen und Weg- lassungen sind ja leicht vorzunehmen. Dos stille Münlterlond mit seinen malerischen Wasserburgen, dem altertümlichen Münster, dem kernigen Bauerntum, das zui» Teil feit 1000 Jahren auf seinen Häsen sitzt, repräsentiert das alte Westfalen. Im stärksten Gegensatz dazu steht das Industriegebiet. das eines der höchstcittwickelten der Welt ist. Hier schlägt der schnellste Puls der Wirtschast, hier prägt der Mensch das Antlitz der Landschaft. Die Städte wetteiseni, um ihre modernen Siedlungen und prachtvollen Sportplätze zu zeigen. Die Förderanlagen recken ihre Türme in die Luft, Bergleute arbeiten vor Ort. Eine Riesen- symphonie der Arbeit ertönt. Freilich, das dunkelste Westsalen wird nicht sichtbar. Dann kommen wir wieder in stillere Zonen: Das Sauerland enthüllt seine landschaftlichen Schönheiten im Winterkleid und läßt uns seine alten Städte schauen. Der Teutoburger Wald und das Wesergebiet sind uns vertrauter. Es ist das Land der großen Wald« und der lzeilträftigen Bäder(Oeynhausen, Salz- uflen, Pyrmont). Auch hier eine Fülle alter Nester und dazwischen das Silberband der Weser. Wahrlich. Westfalen ist«ins der merkwürdigsten und interessante- sten Länder im reichen Kranze der deutschen Landschaft. r. Antike und Christentum. Entflehnng der griechifch-ortbodoxen.Heiligenbilder. Wir haben jetzt Gelegenheit, eine ganze Sammlung von alt- russischen Heiligenbildern in Berlin zu betrachten Durch«rläulerndc Vorträge im Hörsaal der Staatlichen Kunst- b i b li o t h e k soll die fürtstlerifche und kulturhistorische Bedeutung dieser Ikonen dargelegt werden. Prof. Oskar Wulff sprach im Rahmen dieses Zyklus über„Die Entstehung der Ikone und ihr« Entwicklung in der byzantinische» Kunst". Er zeigte, wie stark die ättest« Heiligenmalerei in der Antike verwurzelt ist, indem er die Proportionen und die Stilisierung dieser griechisch-orthodoxen Heiligenbilder mit Darstellungen aus der klassischen Antike verglich. Zahlreiche Lichtbilder begleiteten seine tiefschürfenden, für Laienpublikum allerdings etwas zu visienschastlich formulierten Ausführungen. Einig« kulturhistorische Parallelen hätten viel dazu beitragen können, die Darlegungen anschaulicher zu gestalten. 1�- Was der künstliche Mensch leistet. Die vollendetste Form de» künstlichen Menschen, die bisher ge- schaffen worden ist, wurde von seinem Hersteller, John Breisky, bei einem Essen vorgeführt, zu dem dos„Amerikanische Institut" in New Park geladen hatte. Der riesig« Moschinenmensch war schon vor den anderen Gästen erschienen und zeigte zunächst seine Künste, indem er. die anderen Söst« zählte, wenn sie durch»inen Lichtstrahl gingen. Der künstlich« Mensch arbeitet« sicher und gab kein« Nummer an, wenn einer der Gäste ihn dadurch zu täuschen sucht», daß er nur seine Hände durch den Strahl streckte. Die nächste Leistung offenbarte den Masckstnenmenschen als Feuerwehrmann. Ein Gefäß, das einen leicht entzündbaren Stoff«nthtelt, wurde in einen Lichtstrahl gebracht, der die elektrischen Augen traf, durch die der Moschinenmensch sieht und arbeitet. Ein angezündetes Streich- holz setzt« das Gefäß in Flammen und sofort, wenn der Strahl die rauchigen Flammen kreuzt«, löschte der künstlich« Mensch mit Kohlensäure da» Feuer. Sodann wurde gezeigt, daß er auch im- stand« ist, gewisse Gegenstände nach ihrer Farbe und ihrer Größe zu sortieren. Kleine Paket« wurden vor den beobachtenden Augen durch den Lichtstrahl geführt, und wenn eins dieser Pakete schadhast war, packt« es der künstliche Mensch und legte es beiseite. Alle dieje Leistungen werden durch die Reaktion der photo-elettrischen Zelle auf Licht hervorgerufen. B. Die Deutsch« Sunstgemeinschast zeigt in ihrer nächsten Ausstel- tuiig im Berliner Schloß, die am 10. d. M. 12 Uhr eröffnet wird, Sammlungen von Werken mehrerer Künstler. Fritz Berthold Neu- Haus zeigt 30 Oelgemälde mit Motiven aus Nordafrika, besonder» der ofrikanischen Wüste. Die Werte sind bisher in Deutschland noch nicht ausgestellt worden. Hmnerk und Lau Scheper vom Bauhaus in Dessau zeigen Aquarelle, Alexander Gerbig(Suhl) und Ferdinand Lammeyer(Frantsurt a. M.) Oelgemälde und Aquarell«.— Die Ausstellung ist täglich geöffnet von 9— 19 Uhr, Sonntag» von 10 bis 15 Uhr. Da» velk»blld»ng»awt firenzfectg veranstaltet seinen nächsten Kunst- abend.. K il n st l« r I s ch e Tänze' am S-. 20 Uhr. im O r p h e u m. Halenbeida. Ecke(»raeiefitahe. Für diesen Abend II das Ballett der Sinai«. over verpflichtet. Der EintriitSvtelS beträzt für Mitglieder der Kunstgemeindc und Jugendliche SO Pf., für Gäste SO Pf. Eintrittskarte» find im Bolls- dildiwgSamt Kreuzberg, Jorckftraße 11, Zimmer 136, und an der Adeiid- tage erhältlich. Es geht rüstig voran! Ausstieg der Sozialistischen Arbeiterjugend im Jahre-1926. Der Reichsausschuß des Verbandes der Sozialistischen Arbeiter- lugend war in Berlin zu seiner üblichen Frühjahrstagung ver- sammelt. Der Verbandsvorsitzende lkrich Ollenhauer konnte in seinem Bericht über das Jahr 1828 mitteilen, daß es durch inten- sive Werbe- und Kleinarbeit gelungen ist, die Zahl der Mitglieder von 48 859 aus 53 373 und die Zahl der Ortsgruppen von 1415 aus 1534 zu steigern. Diese Zunahme von 4.514 Mitgliedern und 119 Ortsgruppen ist ein sichtbarer Beweis sür die Werbekraft der sozialistischen Idee unter der jungen Arbeiterschaft: in diesem Jahr wird diese Zunahme nicht nur gleich hoch bleiben, sondern noch erhöht werden. Zwischen Arbeiterjugend und Sozialdemokratischer Partei besteht ein gutes Verhältnis. Aus ollen Teilen des Reiches wird von bester Zusammenarbeit zwischen alt und jung berichtet. Die Zahl der in der Partei- und Gewerkschaftsarbeit totigen älteren Mitglieder der SAJ. ist im Wachsen. Ein Beispiel sür die eng« Beziehung zwischen Jugend und Partei ist die Anteilnahme der Jugend an den De- batlcn um ein sozialdemokratisches Wehrprogramm. Auf der Sitzung des Reichsousschusses wurde folgende Resolution einstimmig an- genommen: „Die Stellung der Sozialistischen Arbeiterjugend zu Krieg und Militarismus ist festgelegt in den Satzungen des Verbandes und im Programm der Sozialistischen Jugendinternationale. Die So- zialiftjsche Arbeiterjugend betrachtet es noch ihren Satzungen als ihre höchste Aufgabe, unermüdlich für den Pölkerfrieden zu kämpfen. Die Sozialistische Jugendinternational« hat in ihrer Exekutivkomiteesitzung vom November 1928 das Brüsseler A b r ü st u n g s p r o g r a m m der Sozialistischen Arbeiterinter- internationale begrüßt und die Verbände ausgefordert, dieses Pro- gramm als Grundloge ihrer Friedenserziehungsarbeit zu bc- trachten. Angesichts der Debatte über die Stellung der sozialistjjchen Jugend zu deni Entwurf eines sozialdemokratischen Wchrpro- grmnms verweist der Reichsausschuß erneut und nachdrücklich auf dscse programmatischen Erklärungen unseres Verbandes und der Sozialistischen Jugendintcrnatiouale. Die Friedcnserziehung der arbeitenden Jugend und die Unterstützung jeder Aktion der sozio- listischen Arbeiterbewegung sür die Erhaltung des Friedens sind für die Sozialistische Arbeiterjugend Selbstverständlichkeiten. Die Entscheidung über die p o l i t i s ch e n Maßnahmen zur Erreichung der sozialistischen Friedensziele ist Aufgabe der Parteiorganisotio n." lieber die Entwürfe eines Bernfsausbildungs- und des Arbeitsschutzgesetzes referiert« der Jugendsekretär des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Walter M a s ch k e. Er gab einen informatorischen Ueberblick über das Schicksal dieser für die werktätige Jugend so bedeutsamen Gesetze. Vom Arbeitnehmer- standpuntt ist sehr Kritik an den beiden Entwürfen zu üben. Manche Jugcndschutzfordcrung der gesamten organisierten Jugend ist un- berücksichtigt geblieben. Die gesamte Arbeiterschaft und die gesamte Jugend muß den Beratungen dieser beiden Gesetzentwürfe die stärkste Beachtung widmen. Durch gemeinsame Arbeit oller in Frage kommenden Organisationen(Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Sportoerbände) muß es möglich fein, vor der endgültigen Ver- abschicdung noch möglichst viel Jugendschutzsorderuiigcn in die Gc- setze aufzunehmen. Die beiden Gesetze sind ein bescheidener Anfang, ber arbeitenden Jugend gesetzlich verankerten Schutz zu gewähren. Dieser Anfang ist ein Erfolg jahrelanger Bemühungen der sv.zialisti- schen Jugeudoerbände im Bunde mit Partei und Gewerkschaften. Einen Hauptteil in den Beratungen des Reichsousschusses nahmen die Vorbereitungen für den internationalen Jugendtag in Wien ein. Die Stimniung unter der deutschen sozialistischen Jugend ist glänzend. Bis jetzt liegen schon rund 7 tili 9 Anmel-. d u n g e n.vor.>Ieberall/ in der großen Stadt und im kleiiicn Darf, wird sür die Reise gerüstet und gespart. Das Programm des Wiener Jugendtags läßt erwarten, daß diese Hoffnungen nicht enttäuscht werden. Sehr viele Jugendliche werden die Fahrt noch Wien zu Alpenwanderungen benutzen, lieber die Technik und über die Gefahren des Aipenivanderns sprach Genosse Kurt Aiging- Berlin. Alpenwandern ist reizvoll, ober nicht ungefährlich, vor ollem ist eine andere Technik und Ausrüstung wie im Flachland oder in den Mittelgebirgen nötig. Der Sitzung des Reichsousschusses voraus ging eine informatorische Besprechung der preußischen Bezirksleiter über den wtond der Jugendpflege in Preußen. Erich Ollenhauer be- richtete über die Erfahrungen der sozialistischen Jugendbewegung aus der Zusammenarbeit mit der staatlichen Jugendpflege. Land- tagsobgeordneter Bauer- Luckenwalde sprach über die Vcrhand- lungen über den Etat des preußischen Wohlfahrtsministeriums und über die Weiterentwicklung der Jugendpflegearbeit in Preußen. In der Aussprache wurde allgemein der Wunsch laut, daß die staatlichen Jugendpflegestellen sich auf Unterstützung der Jugendorganisationen beschränken möchten und nicht, wie das von ehrgeizigen Bezirks- und Kreisjugendpflcgern angestrebt wird, eine eigene Bewegung neben der Arbeit der Jugendverbände aufzuziehen. Wüstling in der Lungsernheide. Wieder ein junges Mädchen angefallen. In der letzten Zeit wulden in der Gegend der Jungfernheid« wiederholt junge Mädchen und Frauen von einem Wüstling gröblich belästigt. Jetzt ist ein neues Verbrechen dieses Unholds bekannt geworden, das in mancher Beziehung an den Lichterseldcr lieberfall erinnert. Am Sonntagabend gegen 8 Uhr ging eine 19 Jahre alte Bureavangestellte imt ihreni Bräutigam am Dahnogestell in der Nähe der Z e e st r a h e ihrer Wohnung zu. Plötzlich näherte sich dem Paar ein R a d l e r, der abstieg und sie auffordert«, ihre Ausweise zu zeigen. Sein Benehmen war ruhig und sehr sicher, so daß das junge Paar einen Beamten vor sich zu haben glaubte. Der Bräutigam schlug nun vor. er wolle nach der nahe- gelegenen Wohnung laufen und Ausweise Hillen, seine Braut solle dem vermeintlichen Beamten auf das Revier folgen, dorthin werde er gleich nachkommen. Der Rodler und das Mädchen setzten nun ihren Weg fort in der Richtung noch der früheren Reichsversuchs- anstatt. Hier fiel der Wüstling über das entsetzte Mädchen her und schlug es nnt einem Totschläger nieder und verging sich an der Be- ivußtlosen. Damit noch nicht zufrieden, raubte er seinem Opfer noch die Handtasche, schwang sich aus sein Rad lind jagte davon. Es ist jetzt aber möglich, den Verbrecher ziemlich genau zu be- schreiben. Er ist etwa.38 bis 42 Jahr« alt, 1,68 bis 1,79 Meter groß, hat dunkles, ziemlich volles Haar, dunklen gestutzten Schnurr- bart und trug Brille mit dunkler Einfassung. Seine Kleidung be- stand aus einem dimkelqrünen langen Unihang, dunkler Hose und schinarzen Schuhen. Ausfallend ist seine nach vorn gebeugte Haltung starrt aus den Müllhaufen. Im rückwärtiges Hostrak! hantieri ein Schloffer mit Schweißapparat und Sauerstoffgebläfe, daneben sägt und hobelt ein Tischlermeister den ganzen Tag. Die arnie, ver- zweifelte Mutter, die bereits über 69 Jahre ist und noch arbeiten muß, um den Unterhalt für sich und ihr krankes Kind zu schaffen, laust von Pontius zu Pilatus: Luft zum Atmen will sie bloß haben und nicht einmal die ist ihr vergönnt! Lust, Lust! Oer Notschrei einer Mutter. Im Quergebäude des Hauses Frankfurter Allee 323 bewohnt Frau L. mit ihrer schwer lungenkranken Tollster eine Parterrewohnung von Stube und Küche. Das- Haus ist eines jener alten Wohnlöcher, in denen seit undenklichen Zeiten kein« Repara- turcn vorgenommen wurden: der Kolk bröckelt von den Mauern, die Leitungsrohre sind mehr als altersschwach und liegen zum Teil ganz frei, so daß vor einigen Togen, als in der Wohnung darüber die Wasserspülung benutzt wurde, im darunter liegenden Raum bei einer schadhasten Rohrstclle dos Wasser aus- strömte. Wasser gibt es erst wieder seit einigen Tagen. Aber das alles würde die Frau nicht so sehr zur Berzweislung treiben, als der Umstand, daß schon monatelang unter ihren Fenstern ein riesiger Müll Haufen thront, der trotz aller möglichen Bitten und Beschwerden nicht abgesahren wird. Die Frau ist nicht imstande, ihrem schwerkranken Kinde auch nur die kümmerliche Luft eines kleinen, bäum- und lichtlosen Berliner Hofes zuzuführen, da der Wind allen Staub und alle schändlichen Keime ins Zimmer trägt, Gift für die kranken Lungen der Tochter. Das Mädchen ist voll- kommen erwerbsunfähig und muh ihre jungen Tage im Zimmer verbringen. Da sitzt sie nun am fcstoerschlofscnen Fenster und Oer Lohnkonflikt in der LandVirtschast. Die mitteldeutschen Funktionäre des Deutschen Landarbeiter- Verbandes nahmen dieser Tage zu dem Schiedsspruch für die mitteldeutsche Landwirtschaft Stel- lung, der vor einigen Tagen gefällt wurde. Die Konferenzen waren durchweg glänzend besucht. Der Schiedsspruch hat unter den Landarbeitern st ü r m i s ch e Entrüstung ausgelöst. Die Referenten brachten zum Ausdruck, daß der Schiedsspruch alles bisher der Landarbeiterschaft Gebotene in den Schatten stellt. Der Lorsitzende der Schlichtungskammer habe die wirtschaftlichen Verhältnisse der Landarbeiter bei seinem Spruch völlig mißachtet. Ein Pfennig Lohnzulagc sei ein Hohn und geeignet, die Arbeitswilligkeit der niedrig entlohnten Landarbeiterschaft zu lähmen. Die A b- lchnung des Spruches sei erforderlich. Den Referaten solgte in allen Konferenzen eine gußcrordent- sich bewegte Diskussion. Die Diskussionsredner traten der Auffassung der Referenten restlos bei. Erfreulicherweise kam auch innner wieder zum Ausdruck, daß die Hauptsache in der jetzigen Situation die Stärkung der Organisation sei. Weiter wurde mehr- fach betont, daß Schiedssprüche, wie der vorliegende geeigiiet sind. das Vertrauen der Landarbeiter zu dem deutschen Schlichtungs- wcsen zu erschüttern. In allen Konferenzen wurde eine gleich- lautende Entschließung angenommen, in der unter anderem gesagt wird: „Die Konferenz stellt fest, daß der Schiedsspruch keine An- aleichung der Landarbeiterlöhne an die Jndustricarbeiterlöhne. in Mitteldeutschland mit sich bringt, sondern die Spanne noch er- heblich vergrößert. Diese Tatsache oerschärft die Situation um so mehr, als Industrie- und Landarbeit im mitteldeutschen Bezirk vielfach ineinanderlaufen. Aus diesen Gründen, die vom Schiedsrichter in keiner Weis« berücksichtigt sind, empfindet d e Konferenz den Schiedsspruch als eine Brüskieruirg und Verhöhnung der Landarbeiterschaft Mitteldeutschlands. Die versammelten Funktionäre lehnen deshalb diesen in jeder Beziehung un- möglichen Schiedsspruch einmütig ab. Sollte der mitteldeutscbc Arbeitgeberverband sür diesen Schiedsspruch die Verbindlich- keitserklärung beantragen, so erwarten die versammelten Funk- tionäre vom Reichsarbeitsministcrium, daß das Verlangen des Arbeitgeberoerbandcs unter keinen Umständen berücksichtigt wird." Weiter wurde beschlossen, am kommeirden Sonntag über 1999 Versammlungen zu veranstalten, um auch denJDlit- gliedern Gelegenheit zur Meinungsäußerunq zu geben. 799 Funktionäre haben sich bereits als Referenten für diese Versammlungen zur Verfügung gestellt._ Das Geheimnis des Oberfaschisten. Kapitän Äarfer- eine Frau. London. 5. März. Der Führer der Londoner Faschisten. Kapitän B a r k e r. wurde als Frau entlarvt. Er war wegen Bankrott vor einigen Togen verhaftet und in das 7I1ännergesängnis von Brorton gebracht worden, wo das Geheimnis entdeckt wurde.„Kapitän Bark er" ist in. das-' Fr a u e n g e f ä n g n i s übergeführt worden. Sie hat stch feil acht Jahren als ehemaliger Kapitän ausgegeben und mit ihren Box- und Reitkünsten die Londoner Faschisten- und Sportwelt entzückt. Ihr wahrer Zlame konnte noch nicht sesigestellt werden. Vcr-ntwör».'llr die Redaktion:«olsgan« Schwor». Vcrlin: ZIn,ciacn: Th.»locke. •Striin. Verlag: Vorwärts Verlag G.m.b.H.. Berlin. Trud: Vorwärls Buch. dreclerei und Verlagsanslalt Paul Lingcr& So., Berlin 633 63, Lindcnstzgßc 3. Hierzu 1 Beilage. Theaters. KottbusserTor Koilbusset Str. 6. Tel. Mpl 16077 Täglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermiMigte Preise) Elite-Sänaer u. a.„Die Schönheitskönigin" verbunden mit Modenschau. Allgem. PreisherabseUung auf allen PUtzen Renaissance- Theater Hardsnbergstr. 6. Tel.: Slempl. 30t u. 2533 84 >'/» Uhr. Zum 76. Male: SVi Uhr Dia WalterfelgskomSdie „Das grofie ABC" von Marcel Pagnol Ree: Gosi.Banuno. la Premlerenbosizg. Volksbilline Tliiater am Büloviilali • Uhr Kreazabnahme Theamr am Sditllbautröamm Keine Vorstellung! Thalia-Theater 8 Uhr Oelranscb Staat!. Sdiiller-Tli. S Uhr Oedipus Ttieater am Sdiitnan entarnm Täglich 8'/« Uhr Qiftgas Uber Berlin von Peter Marlin Lampel. Gastspiel Oer Grnapi lunper Sffiauspleltr. Norden IUI u. 281. Trianon-Th. Täglich 8'.'« Uhr Der Herzog und die Sünderin mit Erllia GIBssner und Marlin Kenner Rundfunkhörc i halbe Preise Baniovsk}-6llhDeii Theater in der KSniggrbtzer StraBe Täglich SVa Uhr Revolte Im Erziehungshaus KomSdlenhau« Täglich H Uhr Die Orei-Grosdien- Opar i heater am •ollendorfplat? Täglich 8>« Uh' Das Geld auf der StraBe Qentsdies Ibealer Norden 12310 3 U, Ende geg. 10V» Weiber m Windsor von Shakespeare Regie: Hein« Hilpert Kammerspiele Norden 12310 8 Uhr, Ende lOVtUhr „Soeben endi'mien" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Uarinaga. Die Komödie Bismarck 2414/751» S'U Uhr, Ende 10 Vi „Olympia" von Franz Molnar Regie: Förster Lannaea. Mm Theater DirektHeinz Herald Charloltenstraiie W A. 7. Dönhoff 170 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) 8'T TDeaier 1 dos Wesieas f—p Der größte I Erfolg Berlins� Friederike Wusif non Ccfcac Ofrifa v. Thellmann Söuaclt Cublenffcta, amflöi, limbur«, S-ro,«wi«r, Sesp«rin«ui. tct, Safte ummirrte, etcin|5l.9Jltt.7lA« Uustspielhaus Vi Uhr Ullederaanrtttm Guido Tielsetier WeefceRd im Paradies Nuk iirlifrklh vn Arthur Schtuljltr w? ACbzrl fhsie m a h n, Mert Steinrüd: Jick 7/mr dujii'.Jhi/ Cmntt pmpiphlt: Kail? mund URAUFFÜHRUN6 Mrrq&f AfarUh 5— CAPITOL BUOmSTERSTR.SS MRBAROS5A 705«-5? Torrcrhauf iSglich von 12-e Wtr. m Gicht- Rheumatismus Herxerkrankungan, Arlarlanvarkalkung, Narvanlaldcn Stern Engel Tee(giftfrei) Aerztlich errpfohten. Zu haben in den Apntheten, ß�wcls- mitten»! graus. fabrix Vescublischer ilsiiaiitte!» Bau bchandsu', Cib«. SCAI-Ä 8 LThr B 5. Barbarossa 9256 Jo«ma Saflm/Gr.Rolph Bpnatsky fprinoff u.Eulalla/Jack Stanford und die übrigen Attraktionen!! EMIL LUDWIG WILHELM II. Jllustriart. Ungekürzte Volksausgabe. Ganzleinen jetzt 2,85 Die Originalausgabe kostet 1 4 M. Das Aufsehen erregende Buch steht weit Ober dem engen Qesichtsfeld des Parteikampfes oder der kleinlieien Porträtmalerei.— Das Buch ist auf bestem, holzfrelemPapier in sauberstem Druck hergestellt.— Mit wichtigen Bildern aus dem Leben Wilhelms II. Mit schönem, farbig. Schutzumschlag. Das interessanteste Dokument! Bestellungen sind zu richten an Buchhandlg. J. H.W. Dietz, Nachf. Berlin SW. 68, Llndcnstrasse 2 Telephon Dönhoff 7653 Relchshalien-Theater Sfettlner sanier Das neue UBn-Programml „Moderne Bühnen-Gr* hen." Groieske Mencl u. Drllion. Anfang 8 Uhr, Slg. Nacnm. 3 Uhr(halbe Preise. BlllctlbesteUiuigcn Telepliwi: Ceninim 11283. L„önhott- tlretti: Fimillen-VarltM> 10 klemmem. P.anetariyra an 100 •'r.äng. Jeathiiwlhiler Stnf' Noll. 1570 UVs Uhr Sternhimmel des Frühjahrs IS' i Uhr Sternbilder und Weltbau 2OV4 Uhr Wunder das südlichen Himmels Täglich außer Montags und Mittwochs Erwachsene 1 Mk.. Kinder 50 Pf. MI tw.: Erwachsene V)Pf. Kinder 15 Pf. Rose-Theater jr.froMortBSI.13! SV. Uhr Der Obersteiger rtialia-Tlieater bresdener Str. 72-7. S Uhr „Oelrausch" Otach. KOnotler-Th. SV« Uhr Der Zinker v.Edgar Wallaca diundi Rha Mattnias Preise 1—10 Mark lessing-TtiealeF 8V, Uhr Katharina Knie iMorcen 71 s Uhr Premiere Maria Orska in. „Das Veilchen" Die Uedaillen einer alten Frae Kleines Tuesier Faglich 81 4 Uhr: Kori Goefir. Valerie v. Märiens Pau! Otto in „Trio" L'jstsp v. L'o Lenz. Regie: Friedmann« _______ »vi»»| C4S!N0-TBEÄTERsTuhr Lottirm er Strafe 67. Nur noch bis 13. März KilomBteNieDchea Am 14. März 1929 zum 1. Mal©: „Eine ungeliebte Frau** fürunsereUesertiuischem tiir 1— l Pcrs. Kauieuu nur 1.13 M.. Sessel 1.63 M. äonstige Preise: Parkett u. Rang Wk) M. Geila6e Mittwoch, 6. März 1929 ZkrMmd Sfiif/nuitfnfii l£iluHisA Kein schönrer Tod... Heldenlieder, gesungen für den Herrn Pfarrer Eckert Am sogenannten Dolkstrauertog icnd ein gewisser Pfarrer Eckert den schönen Mut, in der„Deutschen Toges- zeitirng" für den Heldentod eine Lanze zu brechen. Man kennt die Melodei. Sie war auch damals nicht ganz un- bekannt, als es de» Muschkoten vergönnt nkir,«in vierjähriges Stohlbod zu nennen. Ihr wißt doch wohl auch »och, wie sich jene Ehrwürden, die die Posaun« von Jericho am lautesten ertönen ließen, verhielten, wenn es Zunder gab? 191Z, Rußland. Wir lagen in einem Walddürschen vor B r e st- L i t o w s k als Reserve. Kein Schwanz durfte sich außer- halb des Dorfes blicken lassen, denn der Russe beobachtete scharf und seine Festungsgeschütz- flüsterten ihre heißen Segenswünsche herüber. Wir waren deshalb nicht wemg erstaunt, als am Wochenend« der Befehl kain, außerhalb des Dorfes zwei Platz« zum Abholten von Gottesdiensten— einen für die Gescheitelten und einen für die Geschorenen sclbstmurmelnd— auszusuchen. Aber Beseht ist Befehl, und so suchten wir nicht erst lange, denn es war ja doch olles vom Russen einzusehen. Der Sonntag kam. Wir standen zum Gottesdienst. Nach einigem Worten kamen die Prediger des Wortes Gottes, der ka- thclisch« und der Protestant, aus ihren Gäulen angdschuckclt. Selbst- verständlich waren sie berilten. Und hier sollten sie es auch bald nötig hoben. Kaum waren sie abgestiegen, als der Russe uns einen Segen zuteil werden ließ/ den die Männer Gottes in ihrem Pro- gramm nicht vorgesehen hotten. Schon nach dem ersten Schuß sausten die Kollegen des Herrn Pfarrers Eckert hopp hopp in die geliebte Etappe zurück, verfolgt vom Gelächter der Kompagnie und den Zurufen:„Hier ist wohl die Luft zu eisenhaltig für Gottes Wort?" Der Russe seifte uns noch anständig ein. Wir aber dienten nicht zurück in die Etappe. * Reservclager vor Berdun. Baracken im Waide. Nicht weit davon unsere Artillerie. Kaum aus dem Dreck da vorn heraus hieß es, die Sachen wienern zum Gottesdienst. Schimpfen und Fluchen. Es war gsrade die Zeit, in der die Glocken des Kupfers wegen eingezogen wurden. Und da hielt uns der Herr Pfarrer«ine Pre- digt, die seinem Kollegen Eckert wohl heute noch wie Rosenöl ein- gehen wird: Das deutsche Volk wollte Gottes Wort, das die Glocken so Leblich durch Deutschlands Lande ertönen ließen, nicht mehr hören: deshalb müssen die Glocken Kanonen werden, und die brüllen imn Gottes Wort ins Land. Wir armseligen, elenden Muschkoten haben damals den Herrn Pfarrer etwas näher an die Hölle von Derdun herangewünscht. Aber das hat er sich wohl gespart. » Ruhig« Stellung vor den R h e i m s e r Bergen. Außer dein Posten olles im Stollen. Plötzlich die Stimme des Stollenpostens: „Der Pfarrer kommt!" Schnell alles in die Flohkiste und Schlaf markiert. „Laßt nur die Kompagnie ruhig schlafen", entschied gnadigst der Pfarrer. Aber im Grobe» selbst gab es doch allerhand Neues: Da war die Latrine, die ihn mächtig interessierte, mrd vor allem der Granatwerfer, der zur nicht minder sreündlichen Benutzung gleich nebenan stand, imponierte ihm sehr. Mit dem Granatwerfer hotte es nämlich sein««igene Bewondt- ms. Nicht gerade daß er Wasserspülungsersatz in dieser an Ersatz so reichen Zeit geweien wäre. Aber nach Benutzung der Latrine bekam der Franzmann regelmäßig eine kleine Liebesgabe in Gestalt einer Granate. Er dankte doim sehr höflich und prompt da- sür mit einer Gcgenbatteri« seiner Meinen Pserdsöpfelgranatcn. Ob er nicht auch mal eine rüberfchicken dürfe, sragte Ehr- würden. Aber selbstverständlich! Und schon war es geschehen. Als dann allerdings die vier Liebesgaben vom Franzmann zurückkamen, rutschten Ehrwürden doch höchst unzeremoniell die zwanzig Stufen in unseren Stollen hinunter, zufrieden, einer großen Ge- fahr entronnen zu sein, und ließen den Posten allein. Aber der arme Herr sollt« auch jetzt sein Gleichgewicht nicht ganz wiedersinden. Der Possen war boshiost genug, eine Handgranate nach der aitderen abzuziehen, die wir dem Herrn Pfarrer als Einschlag feindlicher Granaten erklärten. Und so hatten wir das Dergnügen, Ehrwürden bis zum Einbruch der Dimkekheit in unserer Mitte zu haben. Er hat uns nie wieder besucht. » Abenddämmerung. Die Kompagnie geht vor zum Sturm. Jeder Nerv bis zum letzten gespannt. Da, an einer letzten sicheren Stelle, hinler einem dicken Baum hervor die Stimm«:„Sind ko- tholische Kameraden dabei? Ich erteile ihnen Absolution." Katholik? Protestockt? Schlachtvieh sind wir! Nehmen Sie eine Knarre auf den Buckel und kommen Sie mit! Der Herr Pfarrer blieb unsichtbar. * Ankunft im Lazarett. Die Freude war groß, nach über einem Jahre wieder in die Heimat zu kommen. Aber mitten im Walde häll der Zug. Truppenübungsplatz Zeithain in Sachsen. Unser Lazarett ein Liehstall. Wo früher«in Pferd stand, steht jetzt ein Bett. Der Futtertrog, mit einen» Brett zugedeckt, unser Tisch. Die Fenster, wie es sich für einen richtigen Stall gehört, klein u»»d hoch oben. Und doch— wie schön, wieder einmal in ein«, richtig« Bett zu lieg«! Und schlafen wollt« wir auch, nichts als schlafen. Da trippell die Schwester herein: Di« Herr« Pfarrer sind da. der katholische und der«vastgelische. Und der katholische ist ein Prinz, da müßt ihr sttannn im Bett li«g« und die Arme auf der Bettdecke so well wie möglich ousstreck«. Das Frontdeutsch hagelte knüppeldick. » Am Sonntag kam er wieder, der Priesterprinz. Unsere Frau« war« auch da und nohinen am Gottesdienst teil. Und der Prinz, der Mann Gottes? Ihr glaubt es incht— vorgehallen hat er uns, daß mir die Frauen kommen lassen, die Land der Gegensätze ....................................................................................... Auf Stippvisite in Süöslavien Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen steht unter der Diktatur feines eigenen Königs. Die Parteien sind aufgelöst und eine groß« Zahl von Zeitungen mußte ihr Erscheinen einstellen. Der junge, erst zehn Jahre alte Staat muß mit der Gewalt der Waffen zusammen- gehalten werden. Es müssen also auseinandcrstrebende Kräfte am Werk gewesen sein, die der Dynastie der Karageorgewitsch gefährlich wurden. Betrachten wir die national». Zusammensetzung der Bevölkerung, so scheint sie mit leichten Unter- schieden durchaus gleichartig zu sein: Südslawen sind sie all«, diese Serben, Kroaten und Slowenen und verständigen können sie sich mit der serbischen Sprache, von der das Kroatische und Slowenisch« nur dialektisch abweichen. Aber: Mitteleuropäischen Cha- rakter haben nur Kroatien und Slowenien. Dies« beiden Länder waren seit Jahrhunderten mit der österreichisch- ungarischen Monarchie verbunden, ihre beiden Hauptstädte L o i b a ch(Djubljono) und A g r a m (Zagreb) machen einen durchaus niodernen Eindruck, namentlich das lebhafte Agram, dos init 130 000 Einwohnern nicht viel hinter der offiziellen Residenz Belgrad nachsteht. Je weiter wir nach Süd«»' wandern, desto mehr offenbart sich die Well des Orients. Während die Küste(Dalinatien) italienischem Einfluß, hauptsächlich von Venedig her, offenblieb, herrschte der Halbmond in den bosnischen Lände« bis 1878, ja in Südj-rbien bis 1912! Kultur haben die Türken so gut wie keine hinterlassen, aber zun, Islam bekennen sich noch heute 31 Prozent der Bewohner der bosnischen Länder und wandelt nian durch die Straßen Sarajewos oder?Nostars, so überrascht die große Zahl idyllisch gelegener Moscheen; vermummte Frauen eilen scheu an dem Fremden vorbei und auf den» Basar sitzt der Kaufmann mit echt orientalischer Gelassenheit beim türkischen Kaffee und raucht seine Zigarette oder die geliebte Pfeife. Kommt der Abend, so hört inan den MueZzin von den Minaretts die Gläubigen zum Gebete ruscn. Hier konnir Kemal Pascha nicht das Tragen des roten Fezes ver- bieten und so trifft man den Türken, wie man sich ihn vorzustellen pflegt, viel eher in Bosnien als in Angora. Diesen Mohommedonerii in ihr« weiten Hosen und gestrickten, ärmellose» Westen begegnet nian immer wieder, während man von de» Frauen nicht viel inehr zu sehen bekommt als die mit zierlichen Panlosselchen bekleideten Füße. Hohe Mauern umschließen das Haus des Mohammedaners. Manchmal spielen Kinder vor der Tür, die Fingernägel rot init Hennah bemasi, in den Gesichtern einen seltsanien Liebreiz, der bei der verheirateten Frau ziemlich bald zu verschwinden pflegt. Bon wunderbarem Zauber umsponnen sind die venvahrlosten mohammedanische" Friedhöfe mit den schlanken, meist schiefstehenden oder schon gestürzten Grobsteinen. Daß die Türken auch Meister im Brückenbau« waren, beweist die„R ä m e r b r ü ck e" in M o st a r, die in einem einzigen hochgespannten Bogen die tiesgrüne Rarenta überspannt. Während in Bosnien prächtige Wälder grüßen, liegen die Karstberge der Herzegowina und Dalmatiens im grellen Sonnenlicht nackt da: Fluch vergangener Jahrhunderte, als die Venezianer hier die Wälder abholzten, um ihre Schisse zu bauen und die stürmische Bora den schutzlosen Humusboden vom Gestein blies. Rur in den Töle« drängt sich üppiger Pflanzenwuchs. Die Perl« der dalmatinischen Städte— R a g u s a(Dubrovnik)—, einst sreie Republik, übertrifft manche gepriesene italienische Küsten- stadt an kühnem Schwung der Anlage, an wundervollen allen Bauten, die zwischen Palmen von verklungenen Zeiten träumen. Bon den Bergen schauen zahlreiche Kapellen— hier ist man wieder fromm katholisch während im nahen Montenegro der griechisch-orthodoxe Pope herrscht. Gewaltige Bergrücken, die dein „Land der schwarzen Berge" seinen Namen gaben, zauberten durch ihre Unzugänglichkeit einen romantischen Zauber um ihre Bewohner, deren König 1918 feige nach Italien entwich und sein Ländchen seinem Schicksal überließ. Neben den Kroaten, die sich nur ungern einer serbischen Hegemonie beugen, sind die Montenegriner oder Omagorccn als ein an die Freiheit der Berge gewöhntes Volk sehr schwierig zu behandeln. Die kümmerlich« Anfänge«iirer Industrie(eine Bierbrauerei und ein« Seifen- fabrik!) werden kaum in der Lage sein, die traurigen wirt- schaftlich« Verhältnisse zu dessen». Mücklich,»ver Besitzer einer tradilionellen Hammel- Herde ist oder in einer wald- reichen Gegend etwas vom Holzhandel profitieren kann. Während diö Frauen meistens schwarz gehen und nur am Sonntag ihren Schmuck anlegen, trifft man die Männer häusiger nach halbtürkischcr Tracht gekleidet. In der sütvferbischen Landschaft liegt der durch sein mildes Klima und seinen Fischreichtum berühmt« Ochridase«. Zahl- reich« Klöster sind Zeugen uralter byzantinischer Kultur. Kaum eine Stadt ohne alte Befestigungen. Von hier aus eroberte das alte Großserbien die Vormachtstellung aus dem Balkan, jahrhunderle lange Kämpfe mit den Türken spielten sich auf diese?» unruhigen Boden ab, auf dem schon die Römer ihr« Wasserleitungen und Brücken bauten. Bedeutend nüchterner wirkt Nordserbien. Nur«ine einzige arm- selige Moschee erzählt von der vergangenen Türkenherrschast, als viele hundert Minaretts die Stadt Belgrad beherrschten und der ann« serbische Bauer für den reichen Pascha frohnen mußte. Modernes Leben burchprilst heute die aufstrebende Stadt, deren Lage an der Dona» eine zukunftsvolle Entwicklung gewährlcistei, wenn sich keine politischen Konflikte, wie sie auf dein Balkan so rasch aus- brechen, dagegenstemmen. Von der alten Festung„Kalimegdan" hat man einen weiten Ausblick auf die Ebene S y r»i i e n s, der„Korn- kammer" Siidslowiens, die mit ihren riesigen Dörfern, den unüber- sehbaren Mais- und Weizenfeldern als Symbol der Fruchtbarkeit erscheint. Man versteht, daß sich gerade hier, in Syrmien, im Banat,- in der Batschka die Kolonisten aus allen möglichen Gegenden getroffen haben: Schwaben, Magyaren, Slowaken aus der Tatra, Ruthenen aus Galizien, Nachkommen der alten„Grenzer", die«inst dieses Land zu bebauen und gleichzeitig gegen die Türken zu verteidigen hatten. K r o m m e r. nehmen uns die Kraft, wenn wir die nicht hätten, könnt« wir schon längst wieder an der Front sein und dem Dciterlande dienen! « Ja, ja, es ist so eine Sache, mit diesen Vertrete« der l�ehre von der christlichen Nächstenliebe, die das Schwert im Munde führen. Im Dschungel der Gesetze Es gibt heute in Deutschland zirka 11000 Rcichsgesetze. Das Reichsgesetzblatt, in dem»wr diese Reichsgcsetze veröffentlicht werden, zählle Ansang 1928 schon KZ 000 Seit«. 9000 Rcichsgesetze sind durch unzählige Gerichtsentscheidungen und Gesetzgebungsakte ab- geändert, ergänzt, erweitert oder rechtsungültig geworden. Zahl- reiche sind veraltet oder in ihrer Rechtsgültigkeit zweifelhaft Zählt man mm noch die Landes- und Ortsgesetze hinzu, so ent» steht ein undurchdringliches Dschungel von Gesetz«, durch das hin, durchziifmden. zuviel von dem gewöhnlichen Sterblichen verlangt ist. Aber das ist noch nicht alles. Hinzu kommt ein zweiter Ur, wald von Polizeioerordnungen, Bertehrsregslung« und— ja, wenn man anfängt darüber nachzudenk«, wird man schwindlig und wundert sich, mit heiler Haut davonzukommm. Und dann, das Unheimlichste: im Getriebe des alltäglichen Lebens kommt es einem noch mcht einmal zum Bewußtsein, in was für einen imdurchdringlichen und heimtückischen Urn>ald man lebt. Ist es mcht so, daß der moderne Mensch der allmächtigen Zivil! sati�» weniger vertraut ist mit den Gemhren seines Unvalds wie de? Wilde? Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. onrBsu Zeic/znurzgtet-L i/on Acloff Lehnert (17. Fortsetzung)! Zelt trat. Er jngte nichts, als er aber trinlen wollte, war kein Langsain zog sie den Vorhang beijeite. Er ergriff ihre 5)and! Wasser da. und schüttelte sie, doh fi« tanmelte und fiel: aber sie erhob sich gleich wieder.„Geh in mein Zelt, dort ist Zeug, das getrocknet werden ""�Von Tränen gebeugt, ging sie ihm ooran in sein Zelt. Hier setzte sie sich auf die Pritsche, zog ihre Stiefel aus und nahm die der Kinder, die wegen langen Frauenmangels schlecht geräuchert und gehalten waren. Sie begann sie instand zu setzen, trennt« die Strümps« von der Innensocke und dem äußeren Schuh: alles war don Wasser durchdrungen und mußte nachgesehen werden. Eifrig beschäftigt« sie sich damit, während die Tränen ihr unaufhörlich zwei breite Rinnen auf den schmutzigen Docken wuschen. Mala setzt- sich, legte sich dann mit Befitzersreud« zurück. Abos Tränen störten nicht sein Gleichgewicht, er log still und somg sein kleines monotones Lied. Zuletzt ermüdeten ihre Tränen ihn doch, sie erinnerten ihn an da» Geschehene, und mit zorniger Stimme sagte er: „Man wünscht frohe Frauen in diesem Zelt. Laß da? Weinen. Hier ist nur Grund zur Freude. Unser Zeug muß schnell instand gesetzt werden, wir reisen bald fort." Neues jammerndes Schluchzen. Da stand Mola auf. nahm die Büchse und ging hinaus. In die Berg« ging er. unzufrieden, aber doch mit dem Siegesgefühl, das jeden Mann erfreut. Ein mächtiges Geschrei ertönte. Ein Mann hotte Toporte gc sunden. Getötet und verstümmelt, so furchtbar geschändet, wie man es nie zuvor gesehen oder gehört hatte. Die Nachricht verursachte große Ausregung am Wohnplotz. All« eilten dorthin, wo Taparte gefunden war. Nur drei alte Frauen blieben zurück, liesen zu Aba und hielten sie fest. Sie durfte ihren Mann nicht sehen. Ach, wie geredet wurde Die Auge» waren fort, und die Nase log über dem Kopfe. Die Männer wollten ihn sogleich beisetzen. Er wurde in die Nähe an einen felsigen chang gelegt, und dort schichtete man Steine über ihn. Taparte war gestorben, aber nicht wie einer der anderen, die schnell vergessen wurden. Solange Menschen lebten, würde von dem Mord berichtet werden, und alle, die Zeugen waren, würden ihr ganzes Leben lang nicht fertig werden, davon zu erzählen. Als Mala wiederkam, brachte er ein Renntier mit. Er trug es ganz auf der Schulter, unaufgebrochen und nicht obgebalgt, ein kleines Renntier, aber doch eine Last, die nicht jeder Mann trogen konnte. „Man brachte etwas Fleisch," sagte er und warf es vor die Zelttür. Einig« Männer traten zu ihm und besahen das Tier. „chast du wie gewöhnlich Renntiere erlegt?" fragten sie endlich. „Eine elend« Deute," antwortete er.„Endlich habe ich etwas mit heimgebracht. Es ist lange her. Ich traf es oben und schoß es aus einem guten Abstand. Meine Büchse traf diesmal. Ach, möchte ich sie nur etwas besser gebrauchen." „Wir waren aus dem flachen Berge: aber wir sahen keine Tiere, sie müssen das Lager gerochen haben. „Ist etwas geschehen?" fragte Mala. „Geschehen," antwortete der Mann.„Nein, was sollte das sein? Mein kleiner Knabe ist schon tüchtig. Er sing einen Bogel, indem er einen Stein danach warf. Wir brachen ihm die Flügel, und jetzt spielt der Junge im Zelt mit ihm. Er ist so klug und süß und sagt, er Hobe eine Robbe bekommen." Mala lachte verständnisvoll:„Wenn meine Söhne nur so wären. Leider dauert es wM lange, bis sie endlich Robben fangen können." Er holte die Pfeife hervor, schnitt etwas Tabak hinein und setzte sich auf einen Stein. Die Männer setzten sich um ihn. „Im Zelt," rief er gebieterisch.„Ihr dort Im Zelt, bringt meine Stiefel heraus! Ich ging durch einen Fluß, und das Wasser drang herein." Dies war ein Mann, der sicher war, daß seine Frau kam, wenn er sie rief. Die anderen blieben sitzen. Sie waren gespannt, zu sehen, was geschehen würde. Aba kam indessen, als wäre sie es feit vielen Jahren nicht anders gewöhnt. Sie brachte trockene Stiefel und zog ihm die alten aus. „Ist Fleisch gekocht?" fragte Mala. „Ja, das Fleisch ist gekocht." „Ich esse hier draußen. Wollt ihr mitessen?" fragte er die Männer, und Aba kam mit einer großen vollen Schüssel. Mala »ahm sich ein großes Stück Fleisch. Es war noch eine Bluttruste aus seinem Handrücken: es waren rote Spritzer auf seinem Zeug, aber er nahm das Fleisch, schnitt sich einen Bissen ab und reichte das übrige dem Genossen. Der nahm seinen Bissen und ließ den Rest weitergehen. Der vierte Mann nahm seinen Bissen und reichte das Stück wieder Mala. Sie aßen ihr gemeinsames Mahl wie gewöhnlich und sprachen nur vom Fang und von den Hunden. Und sonst geschah nichts an ihrem Wohnplatz. VIII. Orsokidot konnte nicht die Bürde und Verantwortung des Geiftermahners tragen. Er erzählte deshalb Mala sein ganzes Cr. lebnis, und somit mußte das Bssessensein beendet sein. Er hatte nicht mehr die Macht, den Geistern zu gebiete», die um seinen Besitz gebuhlt hatten. Die Leibesfrucht starb in ihm, er spürte nichts davon: aber fein Mastdarm wurde krank und geschwollen, eine Beule bildete sich, und seine Schmerzen waren entsetzlich. Eines Tages aber öffnete sich die Beule, und eine große Masse gelber Materie strömte heraus. Die Saat der Klaue, des Berggefpenftes, entleerte sich, und er fühlt« soAeich Linderung und war froh, daß er die Geister nie mehr zu fürchten brauchte. Einmol oerschmäht, kamen sie sicher nie wieder zu ihm. Aber in Molos Zelt hauste das Glück nicht. Es war werkwürdig mit Aba. Sie weinte andauernd, wenn er zugegen war, unter den Frauen ober konnte sie lustig sein. Sie war ihrem Hausherrn ge- horsam: ober sie war nicht tüchtig im Nohen. Es war nicht wie in alten Zeiten, und Mala erfreute sich nicht an ihr. .Laß das Plärren," mußt« Mala sagen, und dann suchte sie sich zu beherrschen. Wenn er schlief, wachte sie. oft wurde er durch ihr Schluchzen geweckt und fragte sie liebevoll, warum sie weine. „Mir ist bange vor dir. ich fürchte dich," antwortete sie. Sie war nicht wieder in ihrem früheren Zelt gewesen. Niemand betrat es. Topartcs Augen lagen iroch auf dem Boden und trockneten ein. Eines Tages soß Aba wie gewöhnlich weinend da, als Mala ins Man wünscht Wasser zu trinken. Weshalb ist nicht» im Eimer?" Sie nähm den Eimer und ging hinaus. Als sie wiederkam, sah sie etwas Unheimliches in ihrer Lampe. Tapartes Augen, die Mala ausgestochen hatte, und die jetzt oerhindern sollten, daß es hier spukte. Denn wer konnte wissen, ob das andauernde Weinen nicht daher kam, daß er sich ihr als Gespenst zeigte, so daß ihre Angst vor Mala nicht schwinden konnte. Adas Schluchzen wurde noch hesliger, und Mala ging ent- täuscht hinaus. Der neue Pelz war auch flicht gut, er paßie nicht recht, und ärgerlich mochte er sich daran, feine Fanggeräte nachzusehen. Da kam Puolu heim: er hatte einen Fäustling verloren. „(8�h zu Aba und laß dir einen anderen geben. Zieh«in Paar neu« an,".befahl der Voter und arbeitete weiter an seiner Harpune. Kurz daraus kam der Knabe wieder:„Es sind keine anderen Fäustlinge da." „Ihr da im Zelt," rief der Vater zornig.„Warum sind keine Fäusttinge für den Jungen da?" „Man meinte, ein Paar Fäustlinge wären genug im Sommer," rief Aba zurück.„Nicnwnd hat mir gesagt, daß neue Fäustlinge genäht werden sollten." „Muß man dir sagen, daß die Knaben Zeug haben sollen, muß man dir sagen, daß du essen mußt? Ach, welch ein Weibl" sagte Mala und arbeitete weiter an seiner Harpune. Am nächsten Abend wollten die Knaben mit einigen anderen Kindern in die Berge, um Schneehuhnküken zu jagen. „Ich habe keine Fäustlinge. Ich muß mir die von Orsokidot leihen." sagte Pualu und streckte Aba die Hände entgegen, um sie sich anziehen zu lassen. „Wo sind die neuen Fäustlinge, sind die schon wieder fort?" Mala sah die Frau an. Sie antwortete nicht, es waren keine Fäustlinge genäht. „Nun. oerstehst du vielleicht nicht, Fäustling- zu nähen? Das tatet ihr vielleicht nicht im vorigen Zelt?" Da brach Aba weinend zusammen. Es war das erstemal, daß sie von ihrem neuen Mann verhöhnt wurde. Welche Grausamkeit, von einem Verstorbenen zu sprechen, den man obendrein selbst er- schlagen hatte! Ujarak und Jnupoujak wollten reisen, nach Norden«andern, um die Ereignisse des Sommers zu erzählen, es mußte hübsch sein, zuerst zu kommen. Ujarak hotte Tapartes Hund genommen und sie bei seinem Zelt angebunden, um sie zu beladen: ober da kam Mala ' hinzu, schnallte die Tragriemen ab. schleuderte sie weit weg und jagte die Hund« noch seinem Zelt. „Ach. seht doch einen Mann, der nicht weiß, welche.Hunde ihm gehören." sagte«r, und viele hörten es.„Nein, es ist kein Mann, es ist nur ein Knabe, der den Mann spielen will." Ujarak wagte keine Einwände, er wünschte nur, sobald wie möglich fortzukonunen und war fast reisefertig. Das Zelt war abgebrochen, und Imipaujak stand schon mit dem Stock in der Hand und einer an einem Stirnriemen hängenden Lost da. „Ein Knabe sollte auch keine Frau haben," fuhr Mala fort, eine plötzliche Leidenschost wallte in ihm auf. Er faßte Inupausat um den" Leib. Sie war aus keinen Angrisf gefaßt gewesen. Er hatte selbst einen Augenblick zuvor nicht daran gedacht, jetzt ober hob«r sie aus, warf sie sich über die Schüller und trug sie in sein Zelt. Aba sah ihn entsetzt an, als er heimkam. Er warf die neue Frau auf seine Pritsche. Sic blieb liegen, schluchzte zuerst laut, weint« dann stiller und nahm endlich die Hände vom Gesicht und sah ihren neuen Herrn an. Ihre Augen waren lockend, ihr Mund war jung. Mala wurde froh, war er doch jetzt ein Mann mit zwei Frauen, aber er war zu sehr Mann, um seine Hochzeilsfreude zu zeigen, und ging ruhig aus dem Zell: alle sollten sehen, daß die Sache in Ordnung war.(Fortsetzung folgt.) Rätsel= Ecke des„Abend". iiiuiiiiiniiiiiiuiiiiuiinaniiiiiiniuniiiiniuinuiiiiiinniniiiiiiinitmnininnminniitiimiitfluinmiMiuiiiiuaiiinmimniBRiinii>nniiiiiinmiaimnniunniiiiM«,iuniinnniui Kreuzworträtsel. 8. Indianerzelt, 9. Verwandter. 10. Matrosenruf, 11. Organ. 12. Werbung, 13. Oper von Lortzing, 14. junges Pferd, 15. Bote. 10. scherzhafte Bezeichnung eines Hundes, 17. Einsiedler, 18. Nagetier, 19. suideuropäisches Gebirge, 20. deutscher Staatsmann, 21. Obrig- keitz 22. exotisches Tier. 23. Herkunft, 24. schicksglfpinnende Göttin, 25. Gestalt aus der Französischen Revolution. mp. Küllrätfel. W a g e re ch t: 2. Farbe: 3. Bewohner Europas: 4. Zahl; 6. chemisches Zeichen für Barium: 7. Nebenfluß der Donau: 9. Lebensende: 10. Auszeichnung: 11. Vogel: 12. Kirchlicher Bau: 14. europäische Hauptstadt: 15..Schlechte Lebenslage: 17. chemisches Zeichen für Gallium: 18. Zeitmesser: 19. biblische Person: 20. elektrische Einheit: 22. Rindermagen: 24. landwirtschaftlicher Besitz: 25. menschliche Energie: 27. Wurf gerät; 29. Straußenart: 30. Bierart: 31. Flächenmaß: 32. Stammvater: 33. Fluß w Rußland: 34. Lotterieanteil.— Senkrecht: 1. männlicher Vorname: 2. Münze: 3. Nebenfluß der Donau: 5. Seemann; 8. Schanklokal: 12. deutscher Fluß: 13. Handwerk; 14. Aufbewahrungsort: 15. Lotterieverlust: 16. Verwarnung: 20. Flächenraum: 21. Gewichtsmaß: 22. Stadt in Polen: 23. Baustoff: 24. französische Bezeichnung für roß: 25. Zeitabschnitt: 26. Stadt in Italien: 27. Eßgerät; 8. Rätfelart. 2 Silbenkreuz. 1+2 vornehmes Bollspiel, 1+3 Trink» gcfäß, 1+ 4 Stadt an der Adria, 1+ 5 kleine � Ostseeinsel, 2+ 3 Raum, 2+ 4 Mädchenname, ...... 3+ 4 Zierpflanze, 3+ 6 Stadt an der Saale, 6 4+ a Erquickung, 5+ 4 Mädchenname, 5+6 deutscher Fluß, 6+ 4 ungarischer Königsname. Silbenrätsel. Au» den Silben a an bal band der der bert bon brin don de di e e fähr fe fül gel gor gi gie ha heim ho ho hops t tan le len lo mit nau ne ne no o or ras vat re re res rung fprung te de ton tos trog un un ur ü wenn wie wig zo sind 25 Worte zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten ge- lesen, den Anfang eines Gedichts von Meißner ergeben. Die Worte bedeuten; 1. Bogel. 2. Musikinstrument, 3. Stobt in Westdemfch- land, 4. Blume, ö. Kriegsgott, 6. ungezogenes Kind, 7. Spur, Es sind sieben Worte einzusetzen. Sie bedeuten: 1. schlechte Eigenschaft: 2. Beleuchtungskörper; 3. Fahrzeug: 4- Universitätsstadt: 5. Vollmacht; 6. männlicher Vorname; 7. deutscher Dichter.— Wurden die Worte richtig geraten, ergibt die schräg punktierte Linie den Namen einer deutschen Großstadt.* Rat. Durch Liebesworte betörst du die Maid: Sie wird dir dann leicht zum Vasallen. Laß nur von deiner Beredsamkeit Zwei Laute llüglich entfallen Und schüttle den Rest, wie ich dir riet, Dann bist du mit Ihr auf dem rechten Gebiet. ep. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung: Das Glück ist eine leichte Dirne, Sie weill nicht gern am selben Ort; Sie streicht das izaar dir von der Stirne Und küßt dich rasch und flattert fort. Frau Unglück hat im Gegenteile Dich liebcsest ans Herz gedrückt; Sie si Setzt Silbenrätsel: J. Zrts: 2. Stechapfel; 3. Detektor: 4. Erde; 5. realisieren; 6. Gesundheit: 7. Ursula: 8. Tribunal; 9. Eichel. 10. Wiesel: 11. Zrrael: 12. Lassa: 13. Liturgie: 14. Elefant: 15. Eremit: 16. Indianapolis: 17. Niere: 18. Erlkönig; 19. Saslolin; 20. Veteran: 21. Oleander: 22. Lapsus: 25. ttaffer; 24. Elan; 25. Sansibar: 26. Nudel.— Ist der gut« Wille eines Voltes nicht das sicherste edelste Pfand? Spiralenkreuzworträtsel. Wagerecht: 1.«: 2. Reh: 4. Ab«: 5. Altar: 7. Maurer: 8. Rotunde: 10. Fußboll: 11. Not- bremse: 13. Großvater: 14. Roßtrappe.— Senkrecht: 1. er: 3. roh: 4. Anna: 6. Ruder: 7. Meteor; 9. Laterne; 10. Fixstern; 12. Rhapsodie: 13. Gespenster. sie habe keine Eil«, ch zu dir ans Bett und strickt. Geistige Probleme 3u moiicn ft reifen v«rst«ht man unter Sport nur Körperarbeit. Wer in einen Sportverein eintritt, will dadurch nicht sein geistifjrs Wissen bereichern oder mit Gleichgesinnten eine geistige Arbeits- * gsmeinschaft bilden, sondern er bat lediglich die Absicht, durch Turnen, Sport unid Spiel seinen Körper zu krüstigen. Das gilt für jung und alt, männlich und weiblich. Andererseits haben wir eine grofee Anzahl Bildungsorganisationen der verschiedensten Art, die lediglich der geistigen Weiterbildung dienen und deren Anhänger zu einem großen Teil dem Sport bzw. den Leibesübungen wenig Der- siän-dnis entgegenbringen. Dies«„Arbeitsteilung" entspricht dem heutigen kapitalistische» Leitalter, in dem alles schablonisiert, rationalisiert und schematisiert wird. Diese Rationalisierung ist schon vielfach als Zeichen einer niedergehenden Kultur bezeichnet worden. 3m Sport haben sich durch das Berufsjportlertum und die Rekordsucht Auswüchse ge- zeigt, die nicht unbedenklich sind. 3n Arbeitevsportkreisen werden diese Symptome des Niedergangs nusmerksam vensoigt. Die menschliche Gesellschaft braucht zu ihrer gesunden EntwirfUing eine harmonische Zusammenarbeit von Körper und Geist. Demzufolge muß auch das Bestreben des Arbeitersports neben einer Volkstum� lichen Pflege der Leibesübungen der geistigen Erfassung seiner Mitgliedschaft gelten. Wr streben damit dem alten Ziele zu: 3n einem gesunden Körper ein gesunder Geist! Die„Sportpolitische Rund- f ch a u",' herausgegeben von der Zenträlkommission für Arbeiter« Ipotf und Körperflege. veröffentlicht soeben zwei interefsant« Artikel zu diesem Problem:„Mehr Geist im Sport" und.Bildungsarbeit", die weitere Kreise interessieren dursten. Im ersten Artikel schreibt Rudolf Teßmcmn:„Seit dem Zeitalter der Antike hat der Sport kein? so große Rolle gespielt wie in unseren Tagen. Großmacht Preff« widmet dem Sport in allen größeren Tageszeitungen täglich mehrere Seiten. Di« Sportbegeisterung ist großer al» der Sport selber, so daß leider immer mehr Sportleistungen bewundert werden, als selber Sport getrieben wird." Wem« zwei be- rühmte Boxer'austreten, so ist das nicht nur Tagesgespräch in der ganzen Stadt, sondern dos große Ereignis beschäftigt die nationale und internationale Presse. Und wenn zusammengekaufte Mann- schasten von Fußballspielern ihre Schaustellung haben, sammeln sich in England und Amerika 50000 bis 100 000 begeisterte Sportanhänger. in Deutschland müssen wir uns noch mit ZOOOO bis 30 000 begnügen. Mit Recht sagt Teßmann:„Griechenland starb daran, weil es seine Größen zu Götzen und das Dolk.zum Pöbel machte. Rom ging unter, als Mißwirtschast und Laster die Ober- Hand bekamen urtb die Masse des Volkes nach dem Zirkus, nach Tier- und Gladiatorenkämpfen rief." Die Forderung: Mehr Geist im Spori! Die Athleten veranstalten: Stadieringkajnpf und Artisfcnwettstrcil. Die bundestrsuen Arfeeiter-ÜIchleten begehen am 2 4. März, 16 Uhr. im großen Saale der Neuen Welt, wiederum chren traditionellen A r t i st« n- W e 1 1 st r e! t. der in diesem 3ohre durch eine besonders große Beteiligung aus allen Städten des Reiches eine besondere Note erhält. Mit 17 auswärtigen und 10 Berliner Artisten- truppen wird etwas noch nie gezeigtes geboten. Der artistische Bundesleiter Brüller hat wiederum sein« ganz« Kraft eingesetzt, um ein vorzügliches Programm zu bieten. Aus reinem Konkurrenzneid haben die aus dem Arbeiter- Athletcnbmid entfernten„oppositionellen" Athleten an dem gleichen Tage ebenfalls«in« Veranstaltung nach einem Lokal gegenüber der Neuen Welt vorgesehen. Di« Berliner Arbeiterschaft wird die Kommunisten unter sich lassen und zu den„Beindestreuen" in die„Neue Welt" gehen! » Wie in allen anderen Sparten, so gcht es auch im Ringer» spart der bundestreuen Schwerathleten vorwärts. Für den 15. Mörz rft nun eine größere Deronftaltung geplant. Breslauer Sportgenossen werden der guten Rmgevmonnschaft des -i. Kreises im AABD. auf der Matt« gegenüberstehen. Als Kampf- statte sind die Pha ru s s äl ein der Müllerstraße 142 ausersehen. Mit hochtönenden Worten hatte bereits der sogenannte„Oppo- sitionelle Achleten-Bund" einen Städtekampf Breslau-Berlin angekündigt. Die bundestreuen Dreslauer haben jedoch kurzerhand, als st« erfuhren, mit wem st« es zu tun hätten, eine deutliche Absage geschickt. Lügen haben kurze Beine und so ist den oppo- sitronellen rechtzeitig«in Strich durch di« Rechnung gemacht worden. Jeder bundestreue Arbeitersportier und Sympathisierende besucht daher am 15. März In den PharussSlen den vom 4. Kreis Brandenburg e. B. des AABD. veranstalte- len Städte kämpf Breslau- Berlin. Der 4 Kreis wird den Breslauern di« bewährte Alt-Wedding-Mannschalt entgegen- stellon. Die Breslauer Mannschaft ist aus der Freien Sport- Vereinigung 18S7 entnommen, die hervorragende Ringer in ihren Reihen hat. * Wie wir erfahren, wird in nächster Zeit eine kombinierte Magdeburger lieberenannschast gegen den mehrmaligen Bundesme-ister im AABD. Sportlich« Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsselde«inen Kampf, austragen. Man muß den Lichtenbergern alle Hochachtung zollen, die es wogen. gegen eine Mannschaft anzutreten, die als eine der besten im gaeyen Reich anzusehen ist. Wenn es kein« Versager gibt, werden beide Mannschasten am Ende nur mit einem knappen Punktunterschied auseinander gehen. Rrmifkihrcr bei„Solidarität. Die neugegründete Rennsahrerabt eilung des Arbeiterrad- und Kraftfahrerbundes.Solidarität" hat die nächste Sitzung morgen, Donnerstag. 20 Uhr, bei Schultheiß, Berlin. Stallschreiberstroße 20, wo die Abteilung seden ersten und dritten Donnerstag im Monat tagt. Obwohl noch Straßen und Chausseen mit Schnee bedeckt sind, gilt es jetzt schon di« Vorbereitungen zu treffen für di« diesjährig« - Rennsaison, die bereits in vier Wochen beginnt. Aufgeklärte Ar- beiterrad- und Rennfahrer, auch solch«, die es werden wollen, müssen es als ihre Pflickst hallen, sich dieser bundeetreuen Rennsahrerab- leilung anzuschließen. Besonders erwünscht sind noch Sportsreund«, die sich als Heiser, Sanitäter. Kampsrichter usw. der Abteilung zur Verfügung stellen wollen. Mitglieder werden in jeder Sitzung auf- genommen, auch sind Anhänger de» Rennsports und Partetgenossen ols Gäste stets willkommen. Beitrag pro Vierteljahr 2.20 M. weißenseer Radfahrer! Die bundestreue Ortsgruppe Weißen- feo-Heinersdorf des Arbeiterrad- und Kraftfahrerbundes �Solidarität" ruft all« im Bezirk nwhnevden Eenoken«Nd im Arbeitersport. wendet sich daher nicht nur au die aktiven Sportler, sondern vor ollem an die passiven Anhänger, die Zuschauer. Der Sport kräftigt den ganzen Körper, fördert den Blutkreislauf und erfüllt alle Teilnehmenden mit natürlicher Freude und Gemeinfchastsgeist. Das öffontliche Austreten des Sports darf nicht zur reinen Sensation ausarten, es soll begeistern für aktive Teilnahme. 3n einem weiteren Artikel wird die B i l d u n g s a r b ei I behandelt. Der Arbeiter, der sich einem Sportverein anschließt, ist bielsoch einer geistigen Schulung abgeneigt, zumal der Jugendliche will vor allem Sport treiben. Willi Bergmann kommt in seinen Ausführungen daher zu dem Resultat, daß die Bildungsarbeit mit dem Sport in Beziehung stehen muß. Die Aufklärung über die Unterschiede zwischen bürgerlichem und Arbeitersport ist notwendig, wenn wir die Mitgliedschaft, insbesondere die 3ugend, auf die Dauer an uns fesseln wollen. Die geistige Arbeit der Jugend darf nichr nach altem Schema lediglich aus der Leitung und den wissenschaftlichen Vorträgen Erwachsener beruhen, sondern hier muß die 3nilio- tioe der Jugend selbst geweckt werden. Bildungs- und Arbeite- gemeinschaiten der Jugend können groß« Erfolge bringen. Zu- fammenarbeit mit Gewerkschaften. 3ugcndorganisatic»r«n usw. bringt das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Eine schwierige Frage ist die der Festveranstaltungen. Eine rein proletarische Kul- tur ist kaum durchzuführen, solange die kapitalistische Gesellschasts- form herrscht, die all« Lebenserfcheinungeu beeinflußt. Aber unsere Arbeiterseste(auch Sportfeste) müssen ein eigenes Gesicht bekommen, selbst wenn dos gesteckte Ziel im einzelnen Falle nicht ganz erreicht wird. Auf allen unseren Festen muh die sozialistische Ivcllanschouung. irgendeinen Ausdruck finden, sei es durch plastische Gruppen, Bewegungschor oder sonstiges. Manche unserer Arbeitersportfeste unterscheiden sich nur dadurch von den bürgerlichen, daß die'Preisverteilung und der Personen- kickt fehlt. Dieser Unterschied genügt nicht, der sozialistische Gedanke sollte überall einen würdigen Ausdruck finden. 3» kleinen vereinen wird die Bildung von 3ugend-Arbeits- gemeinschasten und die Organisation sozialistischer Propaganda viel- leicht Schwierigkeiten machen. 3» diesen Fällen kannte die Auf- gäbe von den Ar'beiter-Sportkartellen übernommen werden. Hier kommen die verschiedenen Sparten zu gemeinsamer Arbeit zusammen, manches Trennende würde durch Genieinschasts- arbeit auf dem sozialistischen Bildungsgebiet oerschwinden und eine genossenschaftliche Harmonie entstehen. Der Arbeitersport hat die Pflicht, sich als wichtiges Glied in die sazialiftische Gesamtorganisation einzugliedern. 3e mehr der Arbeiter- sport nicht nur körperliche, sondern auch geistige Arbeit leistet, um so schneller wird dieses Ziel erreicht werden. Darum: Mehr Geist im«Port! ist. sympathisterenden Rad- und Motorfahrer auf, zu der am D o n n e r s- tag, 7. März, 20 Uhr, im Lokal Pohlmann, Weißensce, Langhans- straße 102, stattfindenden Werbevcrsammlung vollzählig zu erscheinen. Eine Vereinigung ehemaliger Mitglieder, die kaum ein Bäckerdutzend zählt, maßt sich an, unter dem Namen „Solidarität" Versammlungen einzuberufen: sie haben mit dem ARB.„Solidarität" nichts gemein und sind von unseren Anhängern zu meiden._ ,v Frauen lehren und lernen! Vom rwclten Froucnkursus der FXQB. Di« Freie Turnerjchaft Groß-Berlin veranstaltete am 2. und 3. März den zweiten mehrtägigen Lehrgang für Frauen- turnen, der gleich dem im November vorigen Jahres abgehalte- nen gut besucht war. Dem eigentlichen Kursus voraus ging Freitag abend eine Bersammlung der Turnerinnen und Sportlerinnen, in der Hilda S u ck e r- Leipzig über das Thema:„Rechte und Pflichten der Arbeiterfporllerin" sprach Dieser interessant« Vortrag hätte besser besucht sein können, verstand es die Referentin doch aus- gezeichnet, den Anwesenden die ihnen zustehenden Recht««indring- lich vor Lugen zu führen. Daß die weiblichen Bundesmitglieder aber auch Pflichten zu erfüllen l)aben, betonte die Rednerin ganz besonders. Erst wenn die Frauen versuchen, sich am Bereinsleben zu beteiligen, sich in das Wesen des Arbeiterspartgedankens zu vertiefen, wird es möglich sein, die Berhaltnisse für die sportliche Frauenbewegung besser zu gestalten. Di« anschließende Diskussion bewies, daß die Anwesenden den Ausführungen rege gefolgt waren. Rede und Gegenrede, auch der anwesenden Männer, gestalteten den Abend zu einem beachtenswerten Gedankenaustausch. Der„ernsthafter«" Teil de» Kurses begann dann am Sonnabend- nachmittag. Beinahe 80 Teilnehmerinnen fanden sich in der Lessing- Halle in Neukölln ein, um bei Lauf- und Echriitarten, beim Geräte- turnen und bei Spielen die neuere moderne Turnweise kennen- .zulernen. Genossin Sucker verstand es meisterhaft, die 3unginädchen und Frauen nach allen Regeln der Kunst gehörig in Bewegung zu bringen und zu halten. Drei Stunden ohne nennenswerte Pauie, wer spricht da noch vom„schwachen Geschlecht"? SanntagsriiH begann der letzte Teil des Kursus. Wieder waren es Geräteübungen, moderne Gymnastik, Keulen- und Stabiibungen und Volkstänze, die in der Zeit von 8—'A2 Uhr mir mit Izalb- stündiger Pause alle Beteiligten lebhaft beschäftigt«. Die flotte Leitung durch Hilda Sucker-Leipzig, Käthe Fahrenwald, Leder, Vogel und Kauschke ließ nicht die geringste Müdigkeit auskommen. Di« Beteiligung war so.zahlreich, daß gleichzeitig in zwei Turn- hallen geübt wurde. Auch die Kursisten mußten selbst Lehrproben abgeben, wobei sich zeigte, daß die ausgewendele Mühe nicht»er- gebens war. Besonderen Beifall fanden die gezeigten Volks- tänze zum Bundessest in Nürnberg. In der Schluß- anspräche wuxd« den Leiterinnen für ihre mühevolle Arbeit der Dank aller Teilnehmerinnen ausgesprochen. Hilda Sucker sprach ihre Anerkennung für die reg« Teilnahme und di« überaus eifrige Betätigung, besonders der Frauen, aus. Zu begrüßen ist, daß sich an diesen Lehrtursen Teilnehmerinnen aus allen Sparten der FTGB.«infanden. ErsreiFicher weise waren auch die Freien Schwimm«? Groß-Berlin oertreten. Dieser zweit« mehrtägig« Lehrkursus stand in keiner W«rl« dem ersten vam November 1020 nach. Hoffen wir, daß es möglich war, bei allen Beteiligten das Interesse für die Leibesübungen der Frau anzuregen, um dadurch der Frauenbewegung innerhalb de.' Arbeiter-Turn- und Sportbundes neue Anhänger zuzuführen. Arb«iler.Sportschvle Berlin, Schwimmer-Frauevlehrttasstl Die Reigenprvbe zum Kreissest findet Donnerstag. 7. März. lOK Uhr, in Lichtenberg, Hubertusstraße, Frauenhalle, statt. Sonntag, 10. Mär� beteiligen sich alle Wassersportleniuien an der Bühnenschau des 1. Kreise». Treffpuirki Donnittags 1014 Uhr. Neukölln, jftermunuftmfe Merredes- Palast(Eingang). Oh, dieser Winter! Mein Rudcrvcrcin hatte, wie alljährlich, den letzten Soirit.; im Februar zum Bootreinigen angesetzt. Es tan, natürlich ke n- Maus aus dem Bau— bei minus 16 Grad im Schotten kein Wunder. Das Wasier wäre ja auch in den Wnscheimern gefror n. Sonst waren bereits Mitte März die ersten Boote fahrbereit. 3-tzl steht Ostern vor der Tür, und nichts ist angefangen. Was soil das bloß nach werden? Der ganze Sport leidet ja darnntcr. Die Ruderbräutc warten sehnsüchtig darauf, ihre Stcuerkkniste von neuem zu zeigen. Die„Motorpupperlnhntscher"(das Habe ich in Wien gelemi) wollen in den Lenz geführt werde», mid die Segler warten mit Farbe, Lack und Piitsd auf die Sonne. Die Angler, die Schwimmer und die Rasensportler, sie alle leiden miter diesem Winter. Die einzigen, die diesmal aus ihre Rechnung kamen, waren die Winlersportler— und die Kohlenhändler! In meinem Betrieb sind die jungen Leute.schon ganz außer Rand und Band. Den ganzen Tag geht die Rede nur von„Ardie- Gespannen", ob Zündapp oder D-Rad, von Gangschaltung, Wechsel- getriebe und was dieser sachtechnischen Ausdrücke mehr sind. Und wenn sie Geld hätten, täten sie nichts anderes, als Motorräder kaufen. Nur streiten sie sich»och, ob sie gleiä) eine„Fünfhunderter" oder eine„DreiHiinderter" nehmen soller»,. ob sich's mit„Mischung" oder mit Reinbenzin, mit Keilen- oder Riemenantrieb oder mit Zwei- oder Viertakter besser fährt. Daß es D-Züge gibt, ist sti allen bekannt, nicht bekannt war mir aber, daß es jetzt auch D-Rädcr gibt. Man lernt eben nie aus. Ein anderer wieder schwärmt in allen Tonarten vom Motzener See. Was da nur los ist, mächte ich wisse». Als alter Ruderer müßte ich den See doch kennen. Und dabei ißt dieser Mensch dauernd Acpfel, rohe Mohrrüben, Nüsse, Schokolade und andere Südfrüchte! Nein, diese Jugend heute. Paulchen. Der„Akademische Reiterbund" schnorrt. Welche„Sorgen" Teile der Studentenschaft und der Altakade- mikcr zurzeit haben, in«incr Zeit, in der der überwiegende Teil der Studenten kaum die notwendigen Mittel zum Bestreiten des Lebensunterhalts und des Studiums Hai, zeigt wieder einmal ein Aufruf. Die Studenten schlagen sich recht und schlecht durchs Leben, sie müssen zum großen Teil nebe» ihrer akademischen a»ä) noch Berussarbeit leisten, um ihren Lebensunterhalt zu haben. Do will der „Akademische Rciterbund" ihnen Helsen un-d wenigstens dafür sorgen, daß sie billig reiten lernen. Wörtlich heißt es in dem Aufruf: „Der?lkodennsche Reiterbund ist im Sommer 1028 von den akademischen Reitervereinigungen gegründet worden, die am „1. Akademischen Reitturnier" ieilgenaimnen lzabc». Inzwischen find ihm andere Bereiniwinge» beigetreten. Der Akademische Reiterbund bezweckt, das Reiten für die Stil deuten-' ich oft in ganz Deutschland in weitestgehendem Maße an allen Hochschulen einzuführen.... Wir alle sind der lieber- zeugung, daß die F ii h r c r s ch i ch t d c s deutschen Volkes, die sich auch aus der Studentenschaft ergänzen soll, d e s R e i t e n s mehr als jeden anderen Sports bedarf, weil das Reite» für den Mokademiker der einzige Sport ist, de» dieser als Gegengewicht zu angestrengter geistiger Arbeit auch in höherem Alter auszu- üben vermag. Was man aber in der Jugend nicht gelernt hat, kann man in fortgeschrittenem Alter nicht betreiben." � Di« Führer als Reiter oder Reiter als Führer— jimner stelll man sich so einen Hauptmann vor, der seine Kompagnie befehligt. Und da» meint»m» wohl auch in den Kreisen, die de», Aufruf nahe- stehen. Wctiurnen der Volksschulen. Die Turnvercinigung Berliner Lehrer veran- staltete am Montag in der Halle Prinzenstraß« das Wetturne n der Gemein beschule n Berlins. Der Wettstreit, der als Mannschafbskampf gewertet wurde, setzte sich aus einem Hindernis- lauf und, aus Pflichtübungen an Reck, Barren und Pferd zusammen. Als Abweichungen von dem Brauch der Vorjahre war der„lieber- schlag zum Stand" in die Weitübungen aufgenommen. Die mit dieser Hebung gemachten Ersahrnngen sind so günstig, daß die Wettkamps- leitung beschlossen Hot, sie für die kommenden Wetwrnen bei- zubehalten. Der 13 8. Gemeindeschule gelang es� mit 876 Punkten de» ersten Preis zu erringen. Es folgten die 18. Gei»eiiideschule Friedenau mit 850 Punkten: 241. Gemeindeschule Berlin mit 825 Punkten: 31. Gemeinbeschnle Charlottenburg mit 816 Puirtlen; 29. Gemeindeschule Charlotte nburg mit 814 Punkien. Wcr-ffluhH flüür\ Die nächste Wanderung der Abi. Mitte des Touristenver- eine„Die Naturfreunde" findet Sonntag. 10. März, statt und führt von Wildau nach dem Ukleifee. Abfahrt Görlitzcr Bahnhof 6.41 Uhr nach Wildau.— Gäste willkommen.— Zu dem W e r b c s i l>»- a c n d des Arbeitersportkarlells Mitte am Montag, 11. März, 20 Uhr, in den Räumen der Kulturabteilung des Metallarbeiterver- bondes. Linienstr. 197, beteiligt sich die Abteilung Mitte des Tou- ristenvereins„Die Naturfreunde" gesästossen. Karten sind im Reise- bureau des Vereins. N. 24, Johannisstr. 14/15, von 18 bis 20 Uhr, auch für Gäste, erhältlich. An den O st e r t a g e n finden wiederum zwei Reisen des Touristenvcreins„Die Naturfreunde"— Reiseburean— statt, und Zwar führt die eine»ach Mecklenburg. Aus dieser Reise werden folgende Orte berührt: Boitzenburg mit herrlichem Park, Harden- beck. Schmaler Liicinsee, Feldberg, Neustrelitz, Bahnfahrt»ach Myrow, Waren. Die andere fuhrt in die B ö h m! s ch e Schwei z. von Dittersbach werden folgende Orte berührt: Falkenstein, Hohe»- leipaer Raubschloß, Rainwiese, Grundmühle, Balzhütle, Kreuzberg Prebischtor, Gr. Winterberg, Ltchtenhainer Wasserfall, Bad Schandau Ausführliche illustrierte Prospekte für 2 Pf.(einsäst. Porto) werden auf Wunsch zugesandt durch das Reisebureau des Touristenvereins „Die Naturfreunde", N. 24. Johannisstr. 14/15. Persönliche A»:- kimst Montags bis Freitags von 18— 20 Uhr. Telephon 4177. 91«.««»Ii,» t, Vr?!«».«in*t«» tunarr Trff' Isri« Hai stck«r-furVn. 6fr in bor lirfmnflon mit fpätoror(fmriütv't £ robefit. S. «arftl fit»rbeitor sport uab jtörperpslege, Be,irt Sichtende»g. Die Bade. abenbe de» Kartells finden wieder jeden Donnerstag. A Uhr. tieinr Holle, im ätolfslwb Sichle nberg. Hu ber wo strafe, flott. F»«B.. Mnripnwbteiluat ts-ddin«. Ad 6. Mar, findet der Ueduni. abend wieder regtlmämg an jeden Mittwoch flott. Benin n Ä»>-> Ubr. Di.- MÜgiub» Ine und der befreundeten SvzrrmfoOonen gnb besonder. Kameradschast der Tiere. Man schreibt uns aus Nordböhmen: Der heurige Winter, der so viel Tiernoi bracht� hat ein trauliches Idyll geschaffen. In dem Städtchen Bensen am Polzen hat ein Jagdliebhaber ein fast verhungertes Reh, das immer in feine Nähr kam, eingefangen. Er nahm es mit in feinen Garten und mm bekommt es täglich sein Futter und Wasser. Merkwürdig ist, das; sich dieses Reh und der Jagdhund als gute Freund» miteinander prächtig vertragen. Beide fressen einträcht- lich sogar aus einer«chüffel. Ja. mehr noch, der Hund läßt auch keinen Zweiten Hund in den Garten und bewacht das Reh als feinen Kameraden getreulich. Gewiß ein seltener Fall. Welter für Berlin: QJroßtenteils bewölkt mit leichten Nieder- schlagen, Temperaturen meist etwas über Null, nordwestliche Winde.— Für Deutschland: Stark wolkiges bis trübes Wetter, vereinzelte Niederschläge bei wenig veränderten Temperaturen. iWttvocd. 6. März. Berlin. 16.00 Paula Foerslcr:„VorkröklmeZ-�VanäervliLen". 16.30 Gerhart Hauptmann. Szenen ans seinen Werken. 18.10 Ein Zwiegespräch zwischen Architekt Ür.-ing. Paul Zucker und Egon Jacohsohn. 18.30 Landgerichtsrat Dr. C. M. von Holten: Wer darf Anspruch auf Begnadigung erheben? 19.00 Hans-Bredow-Schule, Werner Sombart: Die Rationalisierung des Wirtschaftslebens. 19.30 Senatspräsident Max Reichert, Leipzig: Der Beruf des Richters. W.« XieaÄdrterWlwt. tJanybcke MwMt Iber« fe Hebet, Sepvs» ütia Belti, Tenor: Kapelle Barnabas von Qccry. Am Flügel; S'egAia Skairacsonyi. 21.00 Literatur der Gegenwart. Friedrich Griese. Vortrag tmd Leseproben; Dr. Kurt Pinthus. 21.30 Der Journalist spricht... Presse-Umschau. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Dajos Bdla), Königswasterhansen. 16.00 Rektor Karselt; Praktisches Rechnen. Nachmittagskonzert von Hamburg. Min.-Rat Goslar: Ein Gang durch den Reichs- und Preußischen Staats"; haushält. Carl Lange: Agnes Micgel zum 50. Geburtstag. Französisch für Fortgeschrittene. 18.55 lug. H. Bornemann: Wcrkmeistcrlchrgang für Facharbeiter; Elektro; technik. 19.20 Prof. Dr. Hans Mersmann; Einführung in das Verstehen ron Musik. 20.00 Sondcrveranstaltung für den Dcutschlandsendcr:„Das Fest der Handwerker". Ländliches Gemälde aus dem Volksleben in einem Akt von Louis An gel v. Regie: Alfred Braun. Anschließend bis 21.30 Hotel Kaiserhof(Kapelle Gcza Komor), 16.30 17.30 18.00 18.30 � täüfchäfk-Junger (Bezirk füden-Wefien. Richard Rühle Oramenstraße 64 Sprechmaschinen platten/ Roten „Wirtshaus zum Mohren" SW. 19, Jerusalemer Straße 9 Tel. Dönhoff 7973 Ab 4 Uhr frOh jfeöffnet I. Stock: Saal für Versammlungen, Hochzeilen, Jubiläen, Kommerse Stammlokal für das Buchdruckgewerbe und R.U.[0. F. 189 Leüiliaus Sdunidt Relchenberger Str. 164 Ecke Mariannenstraße Mechaniker Gehre Weserstr.S, ln.20 am Herraannplatz Qualität, billig und Teilzahlung/ Reparaturen Wasserlor-Bad. Wassertorstraße 14[B27 Lieferant sämtlicher Krankenkassen Autobereifung* Wilhelm Grabs Vertrieb in- und auitSndlscfaer Reifen Autoreifen- und Sdilauch-Reparalnr- Werksf&ite/ AutozubehSr[R. 34 Berlin SW 48, Friedrichstr. 249 N�he BclIe-AlUencc-PIatz— Tel. F 5 Bergmann 4736 >BEi�7isCH. BEI DERARBE7r beIm spdrT B DAS ALKOHOLARME STARKBIER Ein herber, wflrefger Trunk. Erfrischt und belebt, aber berauscht nicht. � Schillerglocke Oberschöneweida, Schillerpromenade(o F.m Verkehrslokal der Gewerk- scha ten. Inhaber G. Sachs [ GrofF-Desflllalon August Schulz Dresdener Straffe 13S KOTTBUSSER TOR Maschinenfabrik Oskar Völkel, Berlin SW68 Alte Jakohstr. 129- Tel. Dönhoff 1S9 empfiehlt sidi[R. 42 zur Ausfahruns von Patenten und Ideen � jöu# — voim- 1 � 1 FEUERUSTATTUNfiS-VEaEMWU* UNTER REICHSAUFSICHT M Nach dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechieanepruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchenaustrttt erforderlich [0. F. 54 Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuch Haupt- Geschäftsstelle: Berlin N. 4, Invalidenstr. 110 Farnrof Norden 3015-0«, 50 44 WmM aNZl tn ddr Getamtauflagt de»»Vorwärts* sind besonders wirksam «nd trotzdem sehr billig) JK- Tnrü Hßrinann Boroinann tltl 1j IT Baumschulenweg Baumschulenstr. 89 Ecke Kiefholzstraßc 184 Tel.: Oberspree(F 3) 1527 Bilte au! die Edie zu adUen! „Hawag". Hciznng, Lfillung,»e und Enlwässcriing NOIS, Landsberger Str. 92, Tel.; Alex.9130/I B9 Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schiffbauerdamm 15|i| Sä mtl. Elektromaterial Spezialliät: Heizöfen und Bügeleisen Verkauf nur an zugelassene Installateure I Tee-Matte(m S B) Qualltätsmarke d. brasilianischen Folla Matö erhältlich u. a# In allen(B. 48 Verkaufssleilen der Konsum-Genossenschaft Berliner Bürgerbräu Gut gepflegte Speisen und Getränke Partei- und Reichsbannerlokal. Klim rtilie Hasenheide 13—15 Tel. Baerwald 6565|R.31 3Säle>i.Vereinsziminer zu kulanten Bedingungen Hödisle Belefbang Jeder Wertsadie sowie Garderobe im Leihhaus Hermann Joöl MarkgrafenstraBc 22, II. Deutscher Hof Arthur Kromrey iuekauer Straße 15 reSÄ SRF* Fes t s E I e von 20—1000 Personen WHi für Hodzccltcn, Diners and Vereinsfestllchkelicn.[R.74 Sämtlldhe Hotelzimmer fließend Wasser warm and kalt. SiH Inh. Gustav Besser(b.<5 Bln.-SteglUz, Aibredüstr. 29 Webereiwaren aller Art in nur bewährten Qualitäten. Die Künigstädtische Dampf-Wasch-Anstalt SO 36, Cuvrystrade 1— Hpl. 3618, 8982 I» wäscht gut und preiswert Kaufhaus Max Cohn (Inhaber Oeorg Hirschfeld) Orünsfr. 23-24 KÖPENICK am SchloBpiats Das Haus der guten Qualitäten l».m Fenster- und GebSude-Relnigungs- Gesellschaft m.b.H., S0 16, Michael. kirchpl. 4. Tel.: F 7, Jannowitz 4SI 4 usareltenl Alle Sorten und Packungen. Ufioretienl Zltarrea. Zigarillos und Stumpen Ober 2000 Mille In etwa 275 Sorten.— TabaKe: Lieber 700 Sorten der bedeutendsten Fabriken, auch alle Kautabake liefert nur an Händler, Kantinen und Reetaurateure allerbllllSSt.|R. 51 Gustav Paulke, C 2, Klootewlr. Oü-67 u. Waltemtr, TS. Tel. E 2 Kupfergrabep 1749 Bicn's Festsäle Krcuzbcrgstro�e 48— an der Katzbachstrafjc TSglldi auher Dient tag und Freitag Großer alideuisdier Ball RundfSnze— Zwei Kapellen— Ende Z Uhr fui6 ______' tJjivxm�örfhcj* 'cBj'J-fuV tö Filialen- 0.34, Warschauer Str.31 an der Revaler Str./ SO. 16, Köpenicker Straße Nr. 75./ S. 59. Kottbusser Damm Nr. 103./ N. 54, Alte Schönhauser Straße Nr. 46./ Steglitz; Bismarckstraße Nr. 64a. Verpackungen für Modewaren W. Bodlaender� Bcrlin-Halensce Frisier-Salon GRAPHISCHE KUNST ö.bkmthcf- ßcrte-AtrlshorR 3n Skklill-ZeWW! verkehren die Arbeiter bei(>78 V. WMMIItllS D.(SO. Berliner Ttrahe 100. Aufzüge Reparaturen