Morgenausgabe Ttr.iii_,, A 56 46. Zahrgang WöchenMch vonowch Z�V M. im oorou, �aklbor. Postbezug Vevttnee Vvttsblatt Oonn«rsiag 7. März 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- /Auswckrks 15 p-f. Die einspaltige Nonpareivezeile S0 Pfennig. Reklame�eile S.— Reichs« mark.„Kleine Anzeigen� da» ettge« druckt« Wort 25 Pfennig lzulässig zwei fettaedrucrre Wort«), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Mennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wort«. Arbettsmartt Zeile 00 Pfennig. FamiNenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annahm« im Hauptgeschäft Linden- strahe 3, wochentögl. von SV- bis 17 Uhr. Jentealorgan der Sozialdemokvatischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 ßttnfpKdjtt: Tönhosl 292—297 lelegrarmn-Ldr.: Goztaldemokrat©etil« Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: verlw Z7vsa.— vanklmto: Bank der Ltbdtet, Sngrstelll«« ttitb©ernnt« ßallftt. 65. Di»kontr>G«lellschaft. Depositenkast« Lindenstr. Z Fälschung auf belgische Bestellung? Große Llnruhe in Nrüffel.— Kran? als Werkzeug Brocauevilles? Brüssel, ti. März. sEigenbericht.) Da? Gefühl der Genugtuung darüber, die Fälschung der llkrechler Dokumente einwandfrei erwiesen zu haben, hat in Brüssel einer neuen schweren Bennruhi- g u n g Plolz gemacht. Was am Montag gemunkelt wurd«. wurde am Mittwoch laut ausgesprochen. Ron allen Seiten fordert man Aufklärung über die Beziehungen des Fälschers Frank Heine zu belgischen Spionage. organisationen. Cs machte an sich schon stutzig, daß Heine aus Holland nach Brüssel ziirückkain, um sich in die Arme der belgischen Polizei zu werfen. Der Fälscher mußte(Jrund zu der Annahme haben, daß er ein» flußrciche Schützer finden und nicht viel auss Spiel setzen würde. Tatsächlich zirkulieren Gerüchte über die baldige Frei- lassung Heines bzw. über dessen Verurteilung wegen ganz untergeordneter Vergehen. Gleichzeitig verdichten sich die Mutmaßungen, daß Heine nicht der einzige Verfasser der gefälschten Dokumente ist. Zwei untergeordnete Beamte des belgischen Milllärspionagedienstes sollen ihm bei der Abfassung zum Mindesten dehlislich gewesen sein und ihm das amtliche Schreibpapier des beigischen krirgsministerinms geliefert haben. In diesem Zusammenhang erklärte ein« Vrüsielcr Zeitung am Mitiwoclxibend, daß ein höherer Offizier des Kriegsministerinms seines Ainieo enthoben worden sei, weit ar seine Untergeordneten nicht genügend überwacht habe. Dies« Nachricht eilt nach unseren Jnsor- Motionen den Tatsachei, voraus. Die Amtsenthebung hat n o ch z u erfolgen. öine»m, der Pariser Zeitung ,.O c u v r c" am Mittwoch auf- gewnrsene Frage,.' ob der kobincllschef des belgischen kriegsinlnisier» Kenntnis von der Fälschung gehabt habe, hat in Brüsseler Regierungskrciscn wie eine Bombe eingeschlagen. Mit dieser Frage wird zugleich auch die Frage der Mitwisserschaft des Kriegs mini st crs de Brcqus- vilic ousgewarfcn, uich damit wiederum hängt die Frage eng zusammen, ob das Strafversahren gegen Heine rücksichtslos bis zu den letzten Konseqr>enzen durchgeführt werden soll oder ob es unter dem einen oder anderen Vorhaben praktisch niedergeschlagen wird, um h ä h c rg c st c l l t c Personen zu decken. In zu- ständigen Kreisen scheinen die Meinungen darüber geteilt zu sein, und es hat soft den Anschein, als ob man in den Aemtern geradezu darum kämpft, wie vorgegangen werden soll. Der Justiz- minister, der Ministerpräsident und der Außen- m i n i it e r sollen für energisches und rücksichtsloses Vorgehen fein. Die Frage ist vorläufig aber, ob der Kriegsminister der gleichen Meinung ist. Es braucht wohl kaum hervorgehoben zu worden, daß die So- ziatisten die Aufdeckung der vollen Wahrheit fordern. Im Pe u p l e* fordert de Brouckere am Mittwoch volles Licht. Krank-Heine auf freien Fuß gesetzt Wie wir in später Nachtstunde über Llmsterdain erfahren, ist der falscher Frank-Heine Mittwoch abend in Brüssel plSblich kurzerhand auf freien Fnh gesetzt worden. Damit gewinnen die obigen Angaben um so mehr an Interesse. Millio,nen gespart werden können. Den Besprechungen mit der Deutschen Voltspartei sollen in den nächsten Tagen Besprechungen mit den Demokraten, den Sozialdemokraten und dem Zentrum folgen. Oer 3xeichSnotetat dem Reichsrat zugegangen. Da jetzt feststeht, daß der Reichstag den am Dienstag vom Reichsrot verabschiedeten Reichshausholt für 1929 nicht mehr bis zum- Vcgiim des neuen Etatsjahrcs zu Ende beroten kann, so hat der Reichssinoizzminister dem Reichsrot einen R o t e t a t zugehen lassen, d. h. ein Gesetz, dos die Regierung ermächtigt, bis zur Verabschiedung des endgülttgen Haushalts die notwendigen Aus- gaben im Rohmen des vorjährigen Etats zu machen. Die zu- ständigen Ausschüsse des Reichsrats werdon üch bereits am Freitag fnit dem Stoteta: beschäftigen, der da.ni in der nächsten Woche vom Plenum des Rcichsrats ocrabjchiedel und dem Reichstag vorgelegt jMxten kann. Oie[Kenten der Standesherren. Alle Abfindungen für ehemalige Hoheitsrechte vom Reichs- rat gestrichen. Der Reichsrat nahm mit ollen gegen die Stimmen Bayerns den Gesetzentwurf über die Abfindung der Standesherren an. Der Entwurf sieht den entschädigungslofen Fort- fall aller Renten vor. die auf ehemaligen Hoheit?- rechten beruhen, oder deren Rechlsgrund, wie beim jus primae noctis, dem Iudenzinz und ähnlichem, noch heutiger Auf- sossung den guten Sitten widerspricht. Ein« Answer- t u n g in Höhe von 25 Pro.z. finden lediglich die Renten, dit als Ausgleich für Ucb�rgabc oder Verlust von Grundbesitz cnt- standen sind. Roch eine Hinrichtung? Da* Schicksal de* Johann Hein noch nicht entschieden. Seit der Anregung der Reichsregierung bei den Ländcrregie- rungen, bis zur Entscheidung über die Todesstrafe das Begnadigungsrecht gegenüber Todesurteilen anzuwenden, ist in Deutschland k c idi c Hinrichtung mehr crsolgt. Ueber da? Schicksal des Ja- Hann Hein, der in Koburg zum Tode verurteilt wurde, ist eine Entscheidung bisher nicht gefallen. Das Zieichsgericht hat am 28. veptembcr feine Revision verworfen, seitdem wartet Hein aus Begnadigung oder Hinrichtung. Das bayerische Stoatsmtnisterium hat bisher über die ihm vorliegenden Gnadengesuche nicht entschieden. Sollte Deutschland wider alles Erwarten vor der Abschaffung der Todesstraie doch noch eine Hinrichtung erleben, sollen alle Beteiligten gezwungen werden, dieser Szene beizuwohnen, die um so schauerlicher sein würde, als sich jedem der Gedanke tief ins Bewußtsein einbrennen müßte: dies ist die letzte Hinrichtung in Deutschland. uad jch bin gezwungen, ihr be-zuwohnent Wir und der Staat. Zur Klarstellung bei Erörterung der Wehrfrage. Von ISdnarck Bernstein. In was für einem Staat leben wir? � Es mag manchem Leser seltsam erscheinen, daß ein Sozialdemokrat diese Frage aufwirft. Wer aber die Artikel nachliest, die in der letzten Zeit in der sozialistischen Presse mit Bezug auf die Wehrfrage erschienen sind, wird bei einem TeU davon auf Betitelungen des Staats, in dem das deutsche Volk heute lebt, stoßen, die zu sehr irrigen Folgerungen hiit- sichtlich der Stellung der Sozialdemokratie zu diesem Staat verleiten können, wenn nicht geradezu verleiten müssen. Da konnte man in einem Blatt lesen, daß wir im„b ü r g e r- lichen Staat", in einem anderen Blatt, daß wir iin „kapitalistischen Staat" leben, und in der bolsck)e- wistisch-kommunistischen Presse erfährt man noch heute, daß Deutschland„ein imperialistischer Staat" sei; Er- klärungen, die allesamt darauf fußen, daß Deutschland noch kein sozialistischer, von revolutionären Sozialisten regierter Staat ist... Aber ist Deutschland deshalb, weil es noch kein sozialistischer Staat ist, schon ein antisozialistischer, sozialisten- feindlicher Staat? Wenn bolschewistische Kommunisten dergleichen Ungereimtheiten behaupten, so nimmt das nicht weiter wunder. Aber in einem von den sozialdemokratischen Parteimitgliedschaften in Hanau a. M.. Kaiserslautern und Suhl dem kommenden sozialdemokratischen Parteitag unter- breiteten Antrag zur Wehrfrage heißt es an der Spitze unter „Grundsätzliches": „Die Sozialdemokratifckx Partei Deutschlands will dem Mir- g c r l i ch e n Staat die Mittel zur Führung von Kriegen nehmen." Das setzt voraus, daß das„bürgerlich" bei Staat im Sinne � von bourgeois-kapitgl i st i f ch verstanden sein soll. Aber die Verfassung der Republik Deutschland erkennt dem Besitzbürgertum keinerlei politisches Vorrecht zu. Das Wohlrecht zu ihrem Parlament ist kein Wahlrecht der Bourgeoisie, sondern Wahlrecht der Staatsbürger, zu denen auch der Aermste zählt; es ist in der demokratischen Natur seiner Bestimmungen von dem Wahlrecht keines anderen Landes übertroffen. Allerdings sind in Sowjetrußland die Besitzen- den sogar vom Wahlrecht ausgeschlossen. Da sie jedoch nur eine nicht ins Gewicht fallende Minderheit der Bevölkerung bilden, wird durch ihren Wegfall beim Wahlakt das politische Recht der Besitzlosen nur dem Scheine nach nennenswert gehoben, während es dort unter allerhand Beschränkungen der politischen Diskussion schwer zu leiden hat. Künsteleien jener Art täuschen nicht hinweg, daß das politische Wahlrecht des Proletariats im sich kommunistisch nennenden Sowjet- rußland in jeder Hinsicht hinter dem demokratisch freien und gleichen Wahlrecht der Republik Deutschland zurücksteht. Nun wendet man von feiten der Wortführer des extrem radikalen Flügels der Sozialdemokratie in Deutschland ein, die demokratische Gleichheit sei hier„nur eine Formalität", im Wirtschaftsleben Deutschlands herrsche Ungleichheit vor, welche durch dessen Verfassung, die in ihrem Artikel 152 Freiheit von Handel und Gewerbe verkündet und im 2lr- tikel 153 das Privateigentum verbürgt, geradezu sanktioniert werde, die wirtschaftliche Ungleichheit aber spreche in der Politik das entscheidende Wort. So buch- stabengemäß gestalten sich indes in der Politik die Dinge nun doch nicht. Das demokratische Wahlrecht der Republik gibt der Ar- beiterklasse einen sehr in Betracht kommenden Einfluß auf die Zusammensetzung der Volksvertretung, von der wiederum die Gestaltung der Regierung abhängt. Und da nicht nur die politisch geschulte und wohlorganisierte spezielle Partei der Arbeiterklasse, die Sozialdemokratie, die stärkste Partei des Reichstags ist, sondern auch in ver- schicdenen anderen Parteien das durch die sozialdemokratische Propaganda immerhin mit dem Gefühl für die besondere Bedeutung seiner Klasse versehene Arbeiterelement einen nicht unbedeutenden Einfluß auszuüben vermag, trifft es schon deshalb am wirklichen Stand der Dinge vorbei, das Wahlrecht der Zlrbeiter, die doch in Deutschland über die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, für eine„bloße Forma- lität" zu erklären. Allein, die drei Parteien, die im Reichs- tag die entschiedene Linke bilden, die Sozialdemokraten mit.... 153 Abgeordneten Kommunisten mit..... 54„ Deutschdemokratcn mit.. 25_„_ zählen mit zusammen 232 Abgeordneten fast die Hälfte des 49(1 Abgeordnete umfassenden Reichstags. Schon der linke Flügel des Zentrums genügt, bei Entschei- düngen über Krieg und Frieden aus der knappen Hälfte eine Mehrheit zu machen, wozu dann noch die radikal gesinnten Elemente der Bauerngruppen kommen, während die 78 Deutschnationalen mit ihren nationalistischen Anhängseln und dem rechten Flügel der Volkspartei äußerstenfalls es auf 149 bis 159 Stimmen bringen. Den Arbeitern erzählen, daß die Republik Deutschland ein Bourgeoisstaat ist, heißt jie m verhängnisvoller Weise politisch irreführe». Nicht minder irreführend ist im zweiten Stück jenes Abschnitts der Satz:..Än der kapitalistischen Epoche trägt jeder Krieg stets den Charakter des herrschenden Jmpe- r i a 1 1 s m u s"(sehr_ treffend und klar weist Karl K a u t s k y in seiner Schrift Wehrfrage und Sozialdemo- kratie" da? Trügerische dieser Redensart nach. Dort schreibt er im 6. Kapitel„Der Imperialismus": Mit wenigen Warten wird in der Äriegsfrage von ktwni«. m frischer und den Kommunisten nahestedender Seite ei« solcher Unfug getrieben wie mit dem Wort.Imperialismus". Dabei fällt den menigsten ein. festzustellen, was sie unter diesem Wort ner- stehen. Zwei Begriffe werden gewöhnlich unter dem Won.Lmperia. lismus" verstanden. Zwei sehr verschiedene Begriff«, die ab« nicht ausoinandergehalten, sondern willkürlich durcheinandergeworfen worden. Der eine Begriff kennzeichnet das Bestreben, ein großes Land mit seinen kleineren Einheiten und Kolonien im Interesse größerer Sicherheit und Ausdehnung möglichst straff zusammenzufassen. In diesem Sinne kam das Wort in England gegen Ende des vorigen Jahrhunderts auf. ohne daß die Bewegung damals unmittelbar Kriege zur iTolge halte. Auch die 1871 erfolgt« Gründung des deutschen Kaiserreichs war in diesem Sinne ein imperialistischer Vor« gang. Sie war zwar das Ergebnis von Kriegen, hatte jedoch gleichfalls reine Kriege zur unmittelbaren Folge. In beiden Fällen handelte es sich um eine durch die besonderen Ilmstände der neuzeitlichen Entwicklung herbeigeführte poli tische Zusammenfassung, aber um keine kriegerischen Erobe rungen. Der andere Begriff des Wortes„Imperialismus" wird im Gegenteil für jedes Streben nach Erwekterung des Staates durch Eroberung neuer Gebiete gebraucht.„Nimmt man das Wort in diesem Sinne, und das geschieht in der Regel." sagt Kautsky sehr richtig,„dann ist es nicht gcist. reicher, aus dem Imperialismus den Krieg zu erklären, als die Armut aus der»„povertö" abzuleiten. Man sagt dann nichts, als daß die Eroberungskriege durch das Streben nach Eroberungen hervorgerufen werden." Und nicht minder treffend setzt Kautsky hinzu: Der Imperialismus in diesem Sinne ist vielmehr so alt, wie de? Staat selbst... Es ist nicht der Kapitalismus, der den Iin= perialismus— in diesem Sinne— schafft. Im Gegenteil, gerode der industrielle Kapitalismus erst erzeugt Elemente mit IiUerelsen und Tendenzen, die jenem Imperialismus«mtgegensteheir. Kautz!» führt als Beispiel die entschieden pazifistische Gesinnung des englischen Industriekapitals in der Mitte des vorigen Jahrhunderts an und zeigt dann, daß und warum jene Strömung in England später fast verschwunden ist. Ein sehr interessantes Kavital, das unier anderem erkennen läßt, wie töricht es ist, die Begriffe Kapitalismus und Im- perialismus nach dem Muster der Bolschewisten schablonenhaft anzuwenden. Man wird dadurch nicht nur dazu per- leitet, diesen Faktoren maßlos übertriebene Kräfte anzu- dichten, fondern auch dazu, ihre Verwundbarkeit und damit zugleich auch die politische Kraft der Arbeiterbewegung ihnen gegenüber ganz erheblich zu unterschätzen, se nachdem also mit Bezug aufstexalitischenPessimismuszu erzeugen. So heißt es im obigen Antrag denn auch weiter: „Deshalb lehnt dt» Soziotdemakrati«. jeden Krieg ob. mag er auch bei seinem Beginn als Verteidigungskrieg oder als Krieg zum Schutze der Neutralität bezeichnet werden.--_- ■T:: Sozialdemokratie lehnt darum auch im tapüolistischen Staat die- Mittel für die Wehrwacht ob und kämpft für die Beseitigung dieser Wahrmacht. Dies mutz die Sozialdemokratie auch aus inacrpolitischen Grün den tun. weil die hsrrschende Klaffe die Wehrmacht bei allen Aus- einaicherfetzungen zwischen Proletamt und Bourgeoisie zur Nieder- Haltung der Arbeiterklasse benutzt." Wer das liest, sollte meinen, es habe sich seit dem Zu- sammenbruch des deutschen Kaisertums nichts Wesentliches an den politischen Machtverhältnissen in Deutschland geändert. Wenngleich nun auch so manches aus den Kaisertagen sich m die Republik hinübergerettet hat. das nicht in sie hinein- gehört und beseitigt werden muh. so steht es doch mit der Verteilung der polttifchen. Macht in ihr zum Glück nicht ent- semt so arg, wie es in diesen Sätzen unterstellt wird. In emem zweiten Aufsatz soll das noch näher gezeigt werden. Oer Kampf um die Minderheiten. Stresemanns Vorstoß. Die meisten Vaismiiglieder bremse«. Lniernationale Reparationsbank. Das Ziel der Gfpertea: Allmacht des Finanzkapitals. Paris. 6. März. tEigenberichj.) Di« Sachoer st äudigenkonferenz hat am Mttwoch mittag ihr« zwei« V o l l s i tz u« g silr diese Woche abgehalten. Die Tagung war sehr kurz; trotzdem brachte sie die Feststellung, datz die drei llnterkommissione« austrogsgemäh zu einer Einigung gelangt sind. Die Konmussionen waren beauftragt zu prüfen, wieweit sich die Bereinigung aller notwendigen Kontrollorgane für die Mobilisierung und Transferierung der deutschen Schuld sowie sür die Sachliefe. rungen in einem einzigen Kontrollorgan ermöglichen ließe. Der Eimgungsoorschlag der drei Kommissionen geht dahin, ein selb- ständiges Bankinstitut zu schaffen, das alle in Frage kommenden Finanzoperationen erledigen soll. Die neue R e p a r a- tionsbank soll ihren Sitz an einein neutralen Ort haben. An sie sind alle deutschen Zahlungen zu leisten. Die Bank emittiert die deutschen Reparationsbonds, sie entscheidet über die Weiterleitung d«r Barzahlungen an di« Gläubigerstaaten und die Verrechnungen der Sachlieferungen.' Sie hat ferner die freie Verfügung über diejenigen Summen, die nicht transferiert werden können und die daher in Gestalt von Markguthabe» bei der Reichsbank bleiben. Dies« Idee, den gesamten Reparationsvertehr einem privaten Bankinstitut zu übertragen, beweist deutlicher als alles, daß die Sachverständigen die SnkpoMsierunz de» Reparalioasproblem, ans rein gefchSik. llcher Basis iuche». Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, daß a» der Bank. die gemeinsam von den internationalen Notenbanken errichtet werden soll, auch Privatbanken zur Beteiligung zugelassen werden sollen. Auf der anderen Seit« hat die Gründung eines derart mächtigen InftÜuts auch ihreschw-renGesahren. Das Institut wird in seiner Kasse Deoisenbeträge ansammeln kännan, wie sie keine ander« Bant der Well besitzt. Es wird durch diese Kapitalanhäufung«inen Einfluß nicht war auf die Börse ausüben können, sondern ez wird auch die wirtschaftlich« Entwickbmg durch seine Kredllpolllik eigenmächtig bestimmen können. Es Handell sich bei dies» Gründung also um die Zusammenballlurg derart starker Kapllallnassen, die leicht zu einer Art Finanzdiktatur miß, braucht werden dum. Senf. 8. März.(SlgenbcrUHL) Die Miktwochvorwiltagsslhvvg de» Völker- bundsrates mll den beiden großen Reden des Kanadiers Vau- du r and vud Slrefemaans muß als historischer Mo- meul in der Entwicklung des Völkerbundes angesehen«erden. Da» Minderhelkeurechl. das in der Pertode der Aich». zugehörlgkeit ventschlands zum Völkerbund immer«ehr zu eine« Stiefkind des Völkerbundes geworden war. ist von Slreseman» wie- derum in de« Vordergrund der völkerkmndsarbcit gestellt worden. mährend der Kanadier zeigt«, wie die Ausübung des Minder heilen- recht» zu einer loyalen und den Minderheiten gerecht werdenden Praxis geführt werdea könnte. vaudorand oerlas fein Memorandmn in der erweiterten Form und fügt« d«n «inen turzen ober wuchtigen Appell an den Völkerbund hinzu. Gerechtigkeitsgefühl und Pflicht gegenüber dem Völkerbund hüllen ihm fein« Vorschläge diktiert. Die G«h«imni»trüm«r«t und das Schweigen über das Schicksal der Mindsrhellenbeschweoden beunruhigt«« in zahlreichen Ländern die Sffenikiche Meinung und erschütterten das Vertrauen in den Völkerbund. Besondere Wichtigkell maß Dondurand der Erweiterung des Dreier- komitees bei, das bisher die Minderhestenbeschwerden in sich begrub, ohne daß in den meiste» Fällen die andere» Ratsmllglieder überhaupt erfuhren, was in diesem Komitee vor sich ging. Zur Begründuna des deutschen Antrages„Die Garantie des Bällerbunoes für die Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten" entwickelt« Or. Stresemann folgende Gedankengänge: Sell der Gründung des Wlkerbund.'» sind 1» Jahre vergangen, in denen sich gewaltige soziale Umwälzungen vollzogen haben. So ist die Zell zur Nachprüfung gekommen, auch in der Mnderhelleiffrage, zu der der Bertreter von Kanada, D a n d u- r a n d. hochbedeutend« Vorschlag« gemacht hat. Man darf die Wen- schen nicht von der Enttäuschung zur Skepsis und zur Der z weif- lung treiben, sondern muß ihnen zeigen, daß di« Entwicklung im Völkerl eben nach aufwärts strebt und datz kein klaffender Widerspruch zwischen Verheißungen und loten besteht. Die Minderheitenfrage tritt an den Völkerbund in Äestall von Einzelmünschen heran. Dadurch geht leicht das Gefühl dasstr verloren, daß es sich um ein« Frage von wellreichender>» t« r. nationaler Bedeutung handoll. Ein« Note von iS19 hat Gründe und Ziele de» ersten Miirderheitenoertroges in markanter Weise dargelegt. Es handelt sich um«in»cues System der internationalen Bezislumgen, dessen Garantie jetzt dem Bollerbund anvertraut ist. Die durch den Friedensvertrag abgetretenen Gebiet« schließen bedeutend« Volksteile in sich, die e'm« ander« Sprach« sprechen, anderer Rasse sind durch Jahre bitterer Feindschaft von dem Volke, in das fi««cnverleibt worden sind, getrennt sind. Leichter würden st« sich an ihr« neue Lage gewöhnen und d!« erwünschi« Annäherung vollziehen, wenn sie wüßten, datz sie wirksam gegen uozergchle Behandlung geschützt sind. Dem Völkerbund ist die Pflicht auferlegt, sich der Durchführung euer Bestimmungen zu vergewissern. Dabei sind Theorie und Praxis nach dem Gefühl der Minderheiten selbst nicht immer in Einklang mit. einander geblieben. Daraus folgt Enttäuschung und scharf« Krück om Völkerbund. Ein« sehr bekannte Erklärung eines früheren Ke° richterstallers(des Brasilianers M« ll o Franca) konnte so ge- deutet«erden, als ob die Minderhelten als solche schließlich ver- schwinden sollten. Einer solchen Assunilotionztheorie müßt« ich ent- schieden widersprechen. Di« Garantie des Völkerbund«- erschöpft sich nicht in der Behandlung von Petitionen. Schon 19M wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Völkerbund sich dauernd über die Durch- führung der Bestimmungen vergewissern müsse. Dieser Godank« hat vielleicht auch bei der Anregung ein« ständigen Miuderhoiteukonnnisston erne Rolle gespielt Die Aufgabe, die dadurch den verpflichteten Lan- der» auserlegr wird, ist weder unmöglich noch eines souveränzu Staates unwürdig. Dos Interesse eines Landes für Minderheiten in emem anderen Lande kann nicht als unzulässig« Einmischung angesehen werden. Di« Sorg« vor einer Irredento- b e w e g u n g ist u n b e a r ü n o« t. Ich bin nicht der Meinung. daß das Jahrhundert, m dem wir leben, eine für olle Ewigkeit de- stehende Ordnung festgelegt hat— ein Gedanke, den ja auch die Völkerbundssotzung klar zum Ausdruck bringt. Aber da» hat mit der Minderheitenfrage nichts zu tu». Es ist falsch, daß ein Ein- treten für kulturelles Recht der Ansatz de?-stebols ist, um Staaten auseinanderzusprengen. Vielmehr sichert die Abstellung berechtigter Beschwerden den Frieden. Ein Beispiel bietet das glücklich« Land, in dem wir tagen, die Schweiz, in der trotz Verschiedenheit der Sprach«, Rasse und Religion die alle mnspanNend« Liebe zur Heimat imerschütterlich geblieben ist Em Uebelstand, der von den Minder- heilen sehr beklagt wird, besteht, wie auch Dondurand bemerkt, darin, daß das Verfahren des Völkerbundes seinen Schwerpunkt in Dreierkomitees hat, wobei bei d«n Minderheiten der Eindruck entsteht, daß sie nicht gehört würden und daß nichts geschehe. Die Dreierkomitees sollten die Aufgaben der Ratsmitglieder erleichtern und ihnen eine Unterlage für ihre Entscheidung geben. In der Praxis ist es so geworden, daß die Petitionen nur in den Komitees behandelt werden. Das Ergebnis müßt« auf jeden Fall auch den übrigen Ratsmitalied«rn vorgelegt werden. Die Minderheiten sollten auch die Möglichkeit haben, sich schon bi diesem Stadium zu unter- richten, was aus ihrer Beschwerde geworden ist. Sehr nützlich wäre es. das Verfahren zv beschleunige«. indem die Beschwerden auch außerhalb der Ratstagungen von beauf. tragten Hauptdelegierten vorgeprüft werden. Der Prüfung bedarf es, ob die Komitees nicht auch von beruienen Vertretern der-M'nder. heit oder von anderen Sachkundigen, statt wie bisher nur von der beteiligten Regierung, Mitteilungen einfordern sollten. Zu einem kontradiktorischen Verfahren zwischen der Minderhell und ihrer Regierung braucht es deswegen nicht zu kommen. Dandurands Ge- danke muß weiter verfolgt werden, daß aus dem Drelerkomite« cm Komllee gemacht wird, in dem sämtlich« Ratemitplieder vertreten sind. Di« Verstärkung müßte von der WickUmkell de« Fall«, abhängig gemacht werden. Ein heikler Punkt ist der Ratebescklnß von 1925. der di» Regieruaa zur Teilnahme von bestimmten Doraus» setzungen abhängig macht D- rüber mirß offen gesv-ock-en«erben. Man glaubt, daß man von Lankern, d!«-ur beschwerdeführenden Minderheit m n"b«rer B'zlehuna stehen, nicht die notwendige Unparteilichkeit erwarten darf. E» scheint mir prlnckvlell nschf armännla. den Reale rnngev da» Vertrauen zu ihrer Obs-kklolt-t«j versaaev, die man für würdig hält, dem Rat anzugehSren. Gerade ihre Hnzuziehung könnte dazu beitragen, di» friedsichen Bc- Ziehungen-.wischen den heiclligten Ländern zu sichern Man sollt' e» dem Takt de» Ratspräsidenten überlassen, wen«r zuziehen will. Di« etwa ausgeschlossenen Ratemitglieder haben bei Behandlung der Sachs im Rat» selbst ja dennoch mitzusprechen. Au» den angeführten Erwägungen komm« ich zu solgendev Schlußfolgerungen: Was ich wünsch« und dem Rat« dringend zur Erwägung stell«. ist einmal ein« sorgfältige Durchprüfung der Wöglichkellen, die sür «ine Besserung des formalen Derfahreus bei der Be- honMung von Petitionen gegeben sind. Zweitens bitte ich, in Aussicht zu nehmen, die bisher geübt« Ausschaltung der be- t-iligten Nationen durch ihre Hinzuziehung zu ersetzen. Drittens wäre zu prüfen, in welcher Weise der Völlerbund seiner Garantie- pfstcht außerhalb de« Gebiete? der Petitionen zu genügen hat. Endlich lieg: mir daran, daß in der von mir ausgesprochenen Weise eine Klärung der grundsätzliche» Seite der Dölkerbundsgarantle herbeigeführt wird. Ich bin mir darüber klar, daß die Ausgabe, die sich hieraus ergibt, zu umfang reich und auch zu wichtig ist, als daß sie oou uns während der gegenwärtigen Ratssitzung bewältigt werden könnte. Wohl aber können wir die zu bewältigeitd« Arbeit in Gang bringen. Als das beste Mittel dazu erscheint wir die Einsetzung einer besonderen Studie»k omm issian. Sie wäre so zusammenzusetzen, daß sie über di« notwendig« Autorität und Sachtund« verfügt£:« müßte zugleich dl« Möglichkell bieten, oll« bei dem Problem in B«- tracht kommenden Gesichtspunkte geltend zu machen. Wenn ein« solche Komnussion ein hinreichend konkretes Mandat erhält. wird sie sicherlich in angemessener Zell zu Ergebnissen gelangen können, die eine Grundloge für die alsdann endgültig zu fassenden Beschlüsse darstellen. Gerne habe ich«S begrüßt, daß der Vertreter Frankreichs tn der Dezembertagnng in s o starker und feier- l i ch« r W- i s« sich zu den Grundsätzen de» Minderhellenschutz«- bekamst hat. Ich kennc in dieser Frag« auch nicht einen Ilmer- schied zwischen an diesen Fragen interessierten und nicht imeressierien Nationen. Denn di« Frage, die wir behandeln, ist eine Frage, die den Völkerbund in seiner Gesamtheit iisteressicren muß. Im Leben der Völler gibt es, wenn wir die Geschichte der Jahrhunderte durch- blättern, einen ewigen Wandel der Verhältnisse zu- einander. Immer wieder ist in diesem Wandel die Herrschaft, di« ei» Voll ausübte, durch Zellen abgelöst worden, m denen kulturell mll ihnen verbundene Bollsge nassen unter ein« fremde Staatshoheit kamen. Dl- Idee, d!«»u der Begründung des Döllerbundes und zu den van ihm übernommenen Garant,!«» iur die Minderhellen geführt hat. sehe ich gerade darin, daß er den Ausgleich schaffen wollte zwischen den Spannungen, die die neugeschaffenen Verhältnisse naturgemäß sthaffen und zurücklassen mußten, durch eine gerechl« Handhabung gegenüber den Mcuschen anderer Rasse. anderer Religio u und anderer Sprache. Dm Frieden auf dl« Ewigkell zu sichern, ist ein Ideal, dem di« Menschen»ustroben, ohne daß irgenh jemand würde behaupten können, datz die Menschhell dieses Ideal je erreichen wird. Wir können mir alles, was in unseren Kräften steht, dazu tun, um die Borau»setzungen sür einen solchen Frieden zu schaffen. Eine dieser Borau ssemmgon ist der kulturell« Friede der Völker untereinander, und stärker als Paragraphen und Dllidungen «s für die Ewigkell' vermögen, wird der Fried« gesichert»Orden" können durch'die Ausübung der Gerechtigkest gegenüber jedem, der für das ihm gegeben« Lebensrecht seiner Sprach», seiner Seele und seines Glaubens»intrllt. In der Nachmillagsfitzung forderte der polnisch« Außen- minister Saleski von dem Völkerbunüsrat analog d«u Schritt der Kleinen Entente, daß Aeude rungen im D«ckchwerdeoerfahr«n nicht ohne Zustimmung der Vortrags stooten getroffen werden. Da» von ihm gewünschte Dreiertomlle« soll au» drei unbeteiligten Staaten bestehen, aber keinesfalls ein« gründliche Untersuchung des Problems vornehmen können, Frankreich. England und Finnland gingen nicht so well. Auch sie verlangen die Einsetzunq einer Studienkommission, wa» durch- aus dem deutschen Wunsch« entspricht, ließen aber di« Frag« der Größe und Zusammensetzung dieser Kommission offen Finnland ichlng als Berichterstatter dieser Kommission den Japaner Adatci vor, der am Vonnerstag«in» Resolution unterbreiten wird, die die Aufgab« der Kommission umschreibt, Ehawbcrlaiu. der im Jahre tSZZ die Assimilaston-theorie uulerstühl hatte, rückt» jetzt mll der Behauptung von ihr ab. daß die lteberselzurg de» �Protakall» nicht stimmte. Nie mal» habe er ein völlige» Aufgehe» der Minderheiten in der Mehrhell, jondern mir«in loyales Verhalten der Minderheiten verlangt In die gleiche Kerbe hieb vriaad, der vom Harmonisieren der Minderheiten mit den Mehrheit?- Völkern sprach, im übrigen aber mit einigen Witzen und Wort- spielen die ganze Minderhellenangel eqenheit als ein» Angelegen- hell von Querulanten, Propagandisten und Unzufriedener dar- stellte. Stresemanns Red« nannte er spöttisch eine„philosophische Vorlesung". Trotz dieses seltsamen Spiels enchieit feine Rode de» Satz, daß die vttnderheitrgaronke de» Völkerbundev ihre Grenzen in der Souveränität der Staaten habe und der Völkerbundsrat nur den Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der Minderheiten und hen Interessen der Staats- fouveränität suchen müsse. Zwischen Stresemcmn und Chamberlain entspann sich domi noch«in kleiner Wortwechsel über Stresemanns Meinung, daß auch die in unserem Jahrhundert geschaffene Ordnung der Well nicht für die Ewigkeit lein werde, Edambetläin scheint dieser Passus etwas nervös gemacht zu haben, Er betonte, daß der Artikel 19 nicht zur Debatte stünde, was ihm Stresemami»hn« welleras zugeben konnte. Der Schluß der Sitzung bracht««tn« kurz« Replik Dandurands, die jedoch das viele Lob, das Chamdeplain und Driond dem Dreier kvinllee für die Minderheiienbes'' werde« ge- spendet hatten, mit einem Schlag hinwegfegte. Der Kanadier berichtete ans Grund seiner TS' ig kell in einem derartigen Dreievkomitee. daß es nahezu unmöglich sei, di«»rtmerdigen Iniormati"»«» von den Regierungen zu erhalten. Die Regierungen überreichten Meinungsäußerungen, nie Material, auf Gnu ich dessen man obseksto und sachlich prüfen könne. Schließlich zeigte der letdenschcfftliche Kanadier Zwei zu brelpiertel leere Blätter: Do-, sei, dos ganz« Material für die Untersuchung einer schwierigen Minder. heitenbeschwerte. das er vo« der zuständigen Regierung erhalte» Poincar6 aus dem Rückzüge. Streiiigkeii«» im Kabinett.— poimare voltte wieder demissionieren. Varl«. 6. Marz.(Eigenbericht.) Äa» AabinettPoiveari. das seit Erledigung des Ludgets sun Leb«» nur noch mühsam mit Hilf«'immer neuer kurzfristiger Moratorien gefristet hat, ist genötigt, abermals um«ine Be» Währungsfrist zu bitten. Wieder handelt es sich um die ominök Frag, der Religionsgesellschaft«», über di« lchon das vorig« Kabinett Poincar� geflürzt wurde. Man hatte diese Frag«, die nun fast dreiviertel Lahr in der Schweb« ist. immer Biicder vertagt in der choftnung. daß die Zeit ein Kompromiß reifen lest«» würde. Diese Hoffnung heu getrogen. Jnzwischev hat sich die Position deg Kabinetts Poinoar� so verschlechtert, daß es nicht mehr die Kraft besaß, es auf einen Kampf wegen der Mtssionsgesellschoften an- kommen zu lasten. So hat sich die Regierung, nur um ihr« Existenz bis ziun Abschluß der Sachoerftändigenverhandlungea über die Reparationsfrage friste» zu lönnen, gezwungen gesehen, die ein- ichlägioen Bestimmungen über die Wiederzulossung der Missionsgesellschaften und di« Rückgabe der beschlag- »ahmten Kirchengüter vorläufig aufzuheben. Die Bestim- »lungen, die bisher im Nachtragsetat enthalten waren, aber sowohl von der Finanzkommisston als auch von der Kommission für aus- wärtig« Angelegenheiten der Kammer abgelehnt worden waren. sollen nun den Gegenstand eines besonderen Gesetzentwurfs bilden, der von der Regierung zusammen mit den zuständigen Kaminerkommissionen ausgearbeitet werden soll. Damit ist also dieser Frag«, di« von den Linksparteien von Anfang an als eine Durchbrechung der Laiengesetzgebung bekämpft worden war, ein ebrenoollex Begräbnis erster Klaff« zuteil gemvrdem Aber mit diesem Opfer allein hat sich Polncarö den Wafsenstill- Hand van den Linksparteien nicht erkaufen können. Er hat sich auch bereit finden müssen, die von der Kammer oerlangten und von ihm noch vor wenigen Tagen aufs schärfste bekämpften S teuer" crleichterungen anzunehmen. Trotzdem bleibt es dabei, daß mit allen diesen Zugeständnissen die latente Krise nur vertagt und nicht aus der Welt geschafft ist. Der radikale Abg. Cazal» hat am Dienstag in der Fraktion»- iitziing feiner Partei recht interestante Enthüllungen über Streltigkeiteu im Schöße de» Kabinetts Poincarä, dieses Kabinetts der nationalen Eintracht, gemacht. Cazaks hat sich nämlich von dem Arbeitsministsr L o u ch e ur zu dem deli- loten Schritt bestimmen lassen. Poineorc klar zu machen, daß er demissionieren müsse, nachdem er bei der letzten Kammerabstimmung über die Derwaltungs. und Iustizrefon» nur ein« einzig« Stimm« Mehrheit erhalten habe. Poinearä antwortete auf dies« Demarche, daß er selbst die Notwendigkeit dazu eingesehen und schon im letzten Ministerrat seine Demission angeboten hol?,. Der Präsident der Republik aber und die Mehrheit seiner Minister hätten ihn über, r i m m t. Es bleibe also nichts anderes übrig, als das die Kammer ihn stürze. Er würde dies nicht ungern sehen: denn dann könne er eine Umbildung seines Sab tnett« vornehmeu Potnear« ■oll dabei, wie Eazals berichtet, sogar schon gefragt haben, ob die 'Radikalen wieder bereit wären, in di« Regierung einzutreten. Auf diesen Bericht Eazals' läßt Potncarä am Mittwoch er- klären, er sei unter keinen Umstände u bereit, noch. mal's die Regierungsbildung zu übernehmen. Mit dieser Erklärung ist weder der Bericht Eazals' dementiert, noch Sc- wißheit- Über. die WjichiM PMcar«. geschaffen. Bor und während der letzten. Krise hatte Poineare das'Gleiche erklären lasten, und doch hat wieder vie Minist« rprosidentschoft übernommen. Republikanisierung in Mecklenburg, Maßnahmen einer demolratisch-sozlaldemskratiftheu Regierung. Das Mecklenburg» Schwerinsch« Staatsnnnisterium hat« der tdumrner 9 des Regierungsblattes für Mecktenburg-Schwsrin zwei wichng« Verordnungen«lasten� l. Vertreter Mecklenburg-Schwerinscher Landesbehörden dürfen an Deranftaltungen. bei denen Floggenschmuck verwendet wird, nur dann teilnehmen, wenn die Reichsfarben einen würdigen An- teil an dem Flaggenfchmuck erhalten, namentlich an hervorragender Stelle gezeigt werden. Z. Die Mecklenburg-Schwerusichsn Landesdehörden werden an- gewiesen, sämtlich« Vordruck«. Formulare. Stempel und Siegel mit der Bezeichnung ,0 rotzherzoglich* oder dergleichen ohne Ausnahme zu vernichten und auch nicht mehr aus Grün- den der Sparsamkeit zu verwenden Kommunistischer Wirrwarr. Heeresbericht vom Thüringer fKriegoschauplah- wetmar. 6- März. Die kommunistische Bezirksleitung toilt mit. daß die ganze Ortsgruppe Greiz als aus der tommumstischen Part« aus- geschlossen gilt. Der Leiter des Rotfrontkämpfer-Dundes aus Lena besetzte im Austrage der Bezirksleitung mit einigen Greizer Kommunisten die Greizer Filiale der.Ostthüringischen Arbeiter- zeitung* und entließ die Angestellten fristlos. Die Folge war, daß die kommunistische Zeitung nicht verbreitet werden ' konnte. Sie Opposition sagt: dem Bankrott nahe. Zwickau. K. März.(Eigenberich?.) Hm Verlauf der Mittwochsitzung der Stadtverordneten— der ersten nach der Sprengung der KPD. durch die Brandlor«Gruppe— hielt der abgesetzte Unterbezirts-Parteisekretär Bauer eine ver- »il.siende Abrechnung mit seinen bisherigen Parteifreunden. Der Austritt der sechs Stadtverordneten sei erfolgt, weil e» die Führung der KPD. nicht ver standen Hab«. Korruption e« erschcinungen zu beseitigen. Angewidert von d« Polltit der Thälmann-Clique. hätte er mit seinen Freunden die Part« verlosten. Die KPD. habe durch ihr« unmarxisttsck««nfchwmng sich selbst zur praktischen Einflußlostgkeit verdammt. Si« schreit« voa Niederlage zu Niederlag« und sei dem Bantrott nahe. Äelchslnnetuninlflcr und Stahlhelm. Dieser Tage verbreitet« eine in Berlin«ischeinende linksgerichtete Privolkorrespondenz einen Artikel über die Absichten des Stahlhelms. dexoSUtgunberech- tigt als Zuschrift �aus dem Reichsinnenmlnisterlum* bezeichnet wurde. In Wirklichkeit stellt dieser Artikel eine Privatarbeit dar. mit der das Reichsinnenministerium und insbesondere der Reichsinnenminister nicht da» geringst« zu tun baben. D«r Reichsinncnm inister legt vielmehr Wert auf die Feststellung. daß er zahlreiche Wendungen de« inzwischen von ihm zur Kenntnis genommenen Artikel» entschied«» ablehot, Frommer Wunsch. Oer �ugeuberg-Notionale:»Ach würde sich doch bei uns in Deutschland auch endlich die Regierungsbildung nach mexikanischem Muster vollziehen?" Mexiko im Bürgerkrieg. Stadt Mouterey beseht und zurückerobert. New York.«. März. ..Slssoeiatad Preß" meldet aus Mexiko: Wie offi- ziell bekanntgegeben wird, ist die Stadt Monterch vo« da« Bnudestruppe» zurückerobert worden. Auch Eordoba, im Staate Veraoruz, ist von de« sttegie- ruugstruppeu wieder besetzt worden. In offiziellen Kreise« Mexikos ist man der Ansicht, daß die Rcgieruugs- trappe» tauerhalb bou drei Tagen auch die Stadt Beraeruz wieder besetzen werden. Oer Höhepunkt der Bewegung erreicht? Mexiko. City, S. Mörz.(Eigenbericht.) Der Ausstand in Veracruz wird von der Regierung alt nicht besonder? umfangreich angesehen. Sie hat da» hanpkkontingeot der regiernngstreue» Truppen gegen de« Rebellengeneral Cscobre vorgeschickt. Dieser hat. vom Coahuilastaai kommend, die Stadl Mouterey beseht, die von 7S0 Mann Regierungstruppen zäh verteidigt wurde. Der Führer der Verleidigvug. tvenerol Zu ringe, ist im Kampf gefallen. Diellerbludnng der havplstadt mit dem Norden unh Osten des Landes ist vSlliz unterbunden. Anscheinend hat die Rebellenbewegung seht den HSHepuukt ihrer Ausbreitung erreicht. Doch dürste die Vlrderherstellnag von Ruh« und Ordnung noch längere Zeil lu Anspruch nehmen. Die Regierung hat am Mittwoch Vrel»ro.utr»lllo«. Missionen gegen die Gefährdung der Leben smilkelverforgung der Hauptstadt durch Spekulanten eingesetzt. (Durch die obige Meldung zum Teil überholt Red) Auch die Klotte meutert? eoudou. S. März.(Eigenbericht.) Ans Mexiko eingetroffene unbestätigte Nachrichten besagen, daß die mexikanische Flotte, ndenAusständt scheu übergegangen ist und die Regierung jetzl außer von Nordwesten und Südosten auch-von der See her gefährdet fei. Lustizdebatte im Landtag. Oer Strafvollzug in Preußen Zw Preußischen Landrag gab am Mittwoch zunächst Abg. En, (Soz.) ein« Erkkäruita außerhalb der Tagesordnung ab. in der er Angriff« des Abg. Kaufmann(Natioz.) auf die Allgemeine Ortskrankenkafse Elberfeld als völlig unbegründet zurückweift. Ein sozialdemokratischer� Antrag zur Linderung der größten. durch völlig, Bereiiung verichuldet'ev Not den Steuerleuten und Lotsen des Rhctnstroms sind der Duisburg-Rübrorter Häfen eine angemessene Üntcrfrützmrg zu gewähren, wird ohne. Aussprach« dem Hauptausschuß überwiesen Nunmehr wird die allgemeine Aussprache über hen Haushalt der Iustizverwaltunfi zimächft zu Ende gefuhrt— Beim Abschnitt „Strafvollzug nimm/ zunächst da? Wort Juftizminister Dr. Schrnidk: Der Strafvollzug ist mcht nur em juristischer und nerwaltungs- technischer Vorgang, sondern eine Slusgab« von hoher gesellschaftlicher und kultureller Bedeutung. Ohne den Schutz der Gesellschaft vor Berufsverbrechern außer acht zu lassen, sollen die Gefangenen nach Möglichkeit zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. Da, geeignete Mittel ist der S t r a f n o ll z u g in Stuten Gemvhnhxitsverbrecher, die nach ärztlicher Ansicht eine aefelllchattllch« Wiedereingliederung nicht gewährleisten und geistig schwer Minderwertige Verbrecher sollen in diesen stusenweisett Straf. vallzua nicht eindegrissen sein. Auch die Erstbestrasten sollten von Borveirraften möglichst getrennt uruer gel» rächt werden. Ein geordneter Strafvollzug ist nur durch regelmäßig« Beschäf- tigung der Gefangenen durchzuführen. Dabei muß besonderer Wert auf dl« Weiterbeschäftiguna der Gefangenen in ihrer früheren beruf- liehen Tätigkeit gelegt werden. Di« Aufgaben des Strafvollzugs könne nicht allein van Juristen. sondern nur durch Mitarbeit des Arztes, des Pädagogen, des Psyeho- logen und des Seelsorgers gelöst werden. In erster Linie ist der St.rasoollzua eine Personenkrage, deshalb wird auf sachgemäß« und sorgfältige Aus- und Fortbildung der Beamten großer Wert gelegt Der Minister geh« sodann auf die bekannten Ereianifle>n der Sonnenburg er Anstalt ein. Hier habe die örtlich« Leitung versagt. Der Rückgang der Zahl der Gefangenen hob« c» möglich gemacht neben vielen kleinen Gcrichtsgesängnisfen die Zuchlhäuser in werden. Lichtenburg. Sogan und Striegan aufzugeben. Auch das Zuchthaus in Luckau, die alle Anstalt in Brandenburg sollen nach Fertigstellung des neuen Zuchthauses Brandenburg ge- schlössen werden. Auch eine Aenderung der Unter- suchungshast ist in Vorbereitung. Diese soll dabei mehr als bisher den Charakter einer vorläufigen Sicherheitsmaßnahme erhalten. Besonders tatkräftig werde die Fürsorge l'ür die ent> lasfevenStrafgefangenen gefördert durch Einrichtung und Unterstützung von Ueberganas Heimen und durch enge Zu- sammenacbelt mit den Organen oer öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege. Sobald die Neubearbeitung des Strafvollzugs abge- schlössen sei. werde eine llteusassung der die Entlassenen. s ü r s o r g e regelnden Bestimmungen erfolgen. Abg. Dr. Deerberg(Dnat.) meint daß es nicht nur auf einen humanen Strafvollzug, fondern auch auf eine wirksame Bekämpfung des Verbrechertums ankomme. Abg. Dr. wester(Z.) fordert die Mitwirkung des Arztes beim Strafvollzug. Di« Stellung des hauptamtlichen Gefängnisarztes fei endlich einzuführen. Für das Zentrum sei im Strafvollzug maß. gebend Gerechtigkeit. Menschlichkeit und der Schutz der Gesellschaft. Abg. MentzÄ(Komm.) wirkt dem Ministerium vor, daß die De- fangeneu um den Ertrag der Gekängnisarbeit betrogen werden. Der stufenweise Strafvollzug sei nur ein« Spielerei und di« angebliche Humanität Heuchelei. Er bringt eure Reihe von Beschwerden über Mißhandlungen in den Strafanstalten vor. Abg. Gehrmaa«(Soz.): Wir begrüßen die Ausfassung des Ministers in bezua auf die Umgestaltung des Strafvollzugs. Aber erst wenn sein« Auffassung über den modernen Bollzug übergeht auf seine Beamten, werden wir vom alten Vergeltung? zum E rzichungsstras vollziia kommen! Die Durchsuhrung des stufenweisen Strajoollzugs scheiten viel- -ach noch an der Einrichtung der heutigen Gefängnisse. Das hat der zelnsn Stufen in Aussicht stellte. Da» ist sowohl im Znterefs« dee Gefangenen, der Strafanstalten und auch der Staatsfinanzen not. wendig. Soweit Neubauten hierzu erforderlich sind, sollten dt« Mittel dazu nicht teelöffelweise angefordert werden. Mit besonderer Genugtuung begrüßen wir dos Bestreben des Ministers, mehr als bisher die Aerzt« zur Mitwirkung am Straf-- Vollzug heranzuziehen. Wir unterstützen die Forderung, in jeder Anstalt einen hauptamtlichen Gesängnisarzt anzustellen. Ebenso not- wendig ist die Hüuitziehung von Vpezialärzten und die Einrichtung eigener Krankenanstalten, well nur auf diese Weise das Entweiche» von Strafgefangenen verhindert-zünden kann. Unser« Ansicht über die Fürsorge für entlafse««' Straf gefangen« weicht allerdings erheblich von der der Kürgerlichsn Parteien ob. Damit will ich nichts gegen die private Fürsorge im allgemeinen sagen, aber hier ist sie in"der Hauptsache Aufgahe des Staates. Die noch vorhandenen Hemmungen beim Finanzminister müssen beseitigt werden, um noch mehr staatliche Fürsorger einzustellen. Solche Beamte machen sich schon durch die Verhütung von Rückfällen bezahlt. Was nützen aber alle schönen Deklamationen über einen humanen Strafvollzug, wenn es an der nötigen Ausbildung der Beamten fehlt. Hier kann nur die Errichtung einer Schule' und lilstematifche Schulung helfen.(Sehr wahr! bei den Soz.) In bezug auf di« Beschäftigung der Strafgefangenen hat unsere Kritik fördernd gewirkt Die Beschäftigung mit unnützem Kram, wie Tütenkleben usw., muß oerschwinden und endlich hochwertige und qualifizierte Arbeft geleistet werden. Der Redner setzt sich sodann mft den Ausführungen des Abg. Mtntzel(Komm.) auseinander, der es aber bei aller Kritik unter- lassen habe, feine angekündigte Schildenma über vorbildliche russische Gesängnisse zu geben. Er verliest Briefe von Augenzeugen über skandalöse Zustände in russischen Gefängnisse« und schließt: Wir sehen die Schäden in unserem Strafvollzug und arbeiten an ihrer Beseitigung, aber die Kommunisten haben nicht eher ein Recht zur Kritik, als sie uns beweisen, daß sie es in Rußland besser machen.(Beifall bei den Soz.) Nach wefterer Aussprache vertagt sich das Haus quf Montag. den 18. März. 1 Uhr. Tagesordnung: Einzelberamng de« Justiz- Haushalts. Etat Porzellanmanufaktur und Staatsbank. �ch noch Gegen den bayerischen Titelunfug. Auch in Bayern regt sich Widerspruch. München. 6. März.(Eigenbericht.) Der Reichsinnenmintster hat in seinem Kampf gegen ds« bayerischen Titelunsug einen unerwarteten Bundesgenossen erhalten. Im Bayerischen Landtag erklärte am Mittwoch der dem Bauernbund, also einer Regierungspartei angehörende pfälzisch« Ab- geordnete Munzenberger wörtlich folgendes: „Dos Ausmaß, in dem Titel verliehen werden, müßte doch ein geschränkt werden. Ich will dem sozialdemokratischen Reichsinne»- minister nicht da» Wort reden, aber ich sag«, erhatoölligrecht. wenn er gegen den Titelunfug in Bayern einmal eingreift, und ich würde es begrüßen, wenn er durch den Staatsgerichtshof erreichen würde, daß auch in Bayern die Titel in Zvknnft unterbleiben müssen."'. Die Reichsreform. Cän Vorschlag zur Orgaoisatiou der Länder. Der Unterausschuß des Berfassungsausschusses der Länder kons«. renz hatte bei seinem letzten Zusammentritt einig« Mitglieder mft der Ausarbeitung von Dorschlägen zur Frage der Organisation der Länder beaustragt In Ausführung dies,« Auftrage« haben heute Ministertoldirektor Dr. Brecht und Ministerialdirektor Dr. Poetzjch-Heffter zugleich im Namen der beiden anderen Be- richteiftatter dem Reichsminkster des Innern als Lorfitzendem des Unterausschusses ein von den vier Berichterstattern gemeinsam aus- gearbeitetes Referat vorgelegt Die Vorschläge werde« Ansang der nächst«» Woche veröjjeutlicht, Verräterisches Doppelspiel. Die Beiriebsräiewahlen als Spaltungsmanöver. Di« bevorstehenden Betriebsrätewahlen sollen laut Anweisung aus Moskau die Einleitung sein zur Spal- t u n g der freien Gewerkschaften in Deutschland. Moskau will bei den Betriebsrätewahlen die Probe aufs Exempcl machen, um fest- zustellen, wie groß die Zahl der Mitläufer ist, die bereit sind, hinter der Sowjetfohne herzumarschieren. Natürlich weiß man in der KPD., daß auf solche Truppen kein Verlaß ist. Aber in der KPD. hat man längst die chofsnung auf- gegeben, es jemals zu einer großen Arbeiterorganisation zu bringen. Di« Voraussetzung jeder starken Arbeiterorganisation ist der Erfolg bei der praktischen Arbeit. Die Voraussetzung jedes praktischen Er- folge? ist die tägliche Kleinarbeit. Die bolschewistische Theorie ver- trägt sich ober nicht mit der täglichen Kleinarbeit und mit praktischen Erfolgen. Wenn man mit der Organisierung von Putschen die Staatsmacht erobern will, dann muß man von vornherein sein« An- Hänger darauf dressieren, die praktischen Erfolge und die tägliche Kleinarbeit zu verachten und alles auf die Karte der Gewalt zu setzen. Die sogenannte Diktatur des Proletariats, wie sie von den Bpl- schewisten verstanden wird und die das Gegenteil der Diktatur des Proletariats ist, wie sie Mar? und Engels vertreten haben, vertrögt sich nicht mit der praktischen Gewerkschaftsarbeit. Die praktische Ge- werkschaftsarbeit ist aufgebaut auf eine stete Aufklärungs- arbeit sowohl der Berufskollegen wie der Oeffentlichkeit. Nur überzeugte und nicht fanatisterte Anhänger können gewerk- schaftliche Erfolge erringen. Nur Massen gewerkschaftlich organi- sierter Arbeiter und nicht kleine Stoßtrupps von Rauf- b o l d« n können dem Unternehmertum Zugeständnisse abtrotzen. Nur geistig überlegene Vertreter der Arbeiterschaft können die Oeffentlichkeit überzeugen, daß die Forderungen der Arbeiterschaft die Interessen der Gesamtwirtschaft nicht gefährden, sondern im Gegenteil fördern. Es ist schon schlimm, daß die KPD. auf Grund der Aiuveisungen aus Moskau, auf Grund der bolschewistischen Theörie darauf ver- zichten muß, mit den Waffen des Geistes die Durchdringung der öffentlichen Meinung anzustreben. Es� ist schon schlimm, daß an Stelle her Gewalt der Argumente die Argumente der Gewalt treten nnd daß organisierte Raufbolde im Auftrage der KPD. die Oeffent- sichkeit zu terrorisieren versuchen. Schlimmer noch ist, daß die Me- thoden der Gewalt, verbunden mit der von Lenin empfohlenen Me- thod» der Lüge, der List und des Derschwcigens der Wahrheit innerhalb der Arbeiterorganisationen gleichfalls angewandt werden. Wenn es erlaubt, ja sogar Parteipflicht ist, gegen die eigenen 5tlassenberufsgenossen mit Lüge, Hinterlist und Gewalt an- zugehen, wenn es den Mitgliedern der KPD. auferlegt wird, inner- halb der Gewerkschaften mit solchen verwerflichen Methoden zu ar- beiten, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Agitation unter den Unorganisierten nur in dem Maße Fortschritte macht, in dem der Einfluß der KPD. zurückgedrängt wird. Der Gipfel der Unehrlichkeit ist aber zweifellos erklommen wor- den durch die gegenwärtige Kampagne bei den Betriebsrötewahlen. Den Anhängern der KPD. wird zur Pflicht gemacht, innerhalb der Gewerkschaften tätig zu sein..Es wird von ihnen verlangt, sich dort nach Möglichkeit des Gewerkschoftsapporgtes zu bemächtigen. Gleichzeitig haben die Mitglieder der KPD. aber die Pflicht. sich mit den christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften zu vcpbünden, ja sogar und vor allem mit den Unorganisierten zusammenzugehen, um die freien Gewerkschaften zu be- k ö in p f e ii. Man verlangt also von den Mitgliedern der KPD. ein ver- räterisches Doppelspiel, das so verwerflich und niedrig ist, daß eigentlich jeder aufrechte Mensch mit Ekel eine derartige Zu- mutung von sich weisen müßte. Gewiß ist die Zahl derer, die eine solche Zumutung ablehnen, im Wachsen. Aber es ist doch beschämend für die deutsche Arbeiterklosse. daß es in den Gewerkschaften Mit- gliedcr gibt, Vertrauensleute ihrer Kollegen, die ein derartiges Doppelspiel mitmachen. Es ist ohne weiteres klar, daß die Gewerkschaften sich gegen einen solchen organisierten Verrat zur Wehr setzen müssen. In der KPD. hat man nun die Unverfrorenheit, über„Spaltung der Reformisten" zu schreien. Was würde wohl die KPD. tun, wenn die Gewerk- ichaften von ihren kommunistischen Mitgliedern verlangen würden, sie sollten sich ihrer politischen Partei gegenüber so ausführen, wie die KPD. es von ihren Mitgliedern gegenüber den freien Gewerk- schaften fordert? Die Frage stellen, heißt sie beantworten. Di« Gewerkschaften denken nicht daran, ihren Mitgliedern Vor- schriften zu machen für ihre Tätigkeit außerhalb der Gewerkschaften. Aber was innerhalb der Gewerkschaften geschieht, dafür sind ollein entscheidend die Beschlüsie und Satzungen der Gewerkschaften. Lohnbewegung in der Meiattindustrie. Die sächsischen Verhandlungen gescheitert. Dresden, ö. März. Di« Lohnoerhavdluugea in der sächsische» Metallivdustri« sind gescheitert. Die Ansichten der Parteien über den materiellen Inhalt der zu treffenden Vereinbarungen gingen so weit ansein- av&er, daß ein Ergebnis nicht erziett werden konnte. Auch die ver- Handlungen über die Wahl des Vorsitzenden eines nach den Dcslim- mutigen des Manteltarifs zu bildenden Schiedsgerichts scheiterten. so daß nunmehr der sächsische Schlichter angerufen werden muß. „Gemäßigtere Betriebsräte." Oer fromme Wunsch der Dankleitungen. Bei den bevorstehenden Betriebsratswahlen im Bonkgewerb« haben die Angestellten überall im Reich Gelegenheit zu cnt- scheiden, ob sie sich noch länger von ihren Fiiialdirektoren ibiß- brauchen lassen wollen oder ob auch sie sich wie die übergroße Mehrzahl der Angestellten in den Hauptniederlassungen zur frei- gewerkschosilichen Organiostion, dem Allgemeinen Verband der Deutschen Bankangestellten, bekennen wollen. Wie bisher im Bankgewcrbe an'den Plätzen, wo die frcigewcrkschaft- liche Bewegung der Bankangcstlllen nach nicht Wurzel gefaßt hat, Betriebsräte„gemacht" wurden, zeigt das Protokoll einer der Hauptversammlungen des Reichsvcrbandes der Bank- leitungen. Es heißt da wörtlich: „Aus der.Hauptversammlung wurde darauf hingewiesen, daß in verschiedenen Zweigniederlassungen von Großbanken in diesem Jahre keine Wahl zum Betriebsrat zuftandegekommen sei. Darin liege eine große Gefahr im Hinblick darauf, daß die in den Aufsichtsrat zu eni- sendenden Betriebsratsmitqlieder von sämtlichen Beiriebsver- tretungen des betrefienden ilnternehmens gewählt würden. Es.[ei erwünscht, daß bei diesen Wahlen die radikalen Be- triebsvertretungen der Hauptniederlassungen ein Gegengewicht in den gemäßigteren Betriebsräten aus dem Reiche fänden." Das ist das Rezept, wonach im deutschen Bankgewerbe die B«tri«bsvcr»rctung gemacht werden soll. T>ie Belegschaften der Hauptiriederlassungen der Großbanken, die stach Tausenden zählen, wählen auf vielleicht 250 Angestellt« ein einziges Bctricbsratsmilglied. 250 Mann Kopsstärke ist aber ungefähr die Stärke einer mittleren Filiale einer Großbank. Diese„gemäßigte" Belegschaft, wie sie bezeichnenderweise der Arbeitgcberocrband nennt, wählt sogar, wenn sie nur 101 Arbeitnehmer zählt, nach dem Betriebsrätegcsetz 6 Mitglieder in den Betriebsrat hinein. Man kann sich daraus ungefähr ein Bild machen, welche MajorisierungmitHilferelativ kleiner Iilialbetriebe eintreten kann. Daß sie in der Tat auch unter gütiger Assistenz der einzelnen Banken und des Reichs- Verbandes der Bankleitungcn eintritt, zeigt die Statistik des Deutschen Bankbeamten Vereins. Seine heutige Majorität verdankt er den Krücken, von denen das Protokoll des Reichsverbondes der Bankleitungcn spricht. Auch Ausländer in der Sonderfürforge. Entscheid des Reichsarbeitsministers. Wie steht's mit der Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit für A u sl ä n d e r. und S to a t c n l o s c? Da die Frage strittig und in erster Linie Gegenstand der Auslegung wor, jür die die Spruchbehörden zuständig sind, hat der Reichsorbeitsminfster den Präsidenten der Reichsanstalt ersucht, anzuordnen, daß Aus- länder und Staottose von den Arbeitsämtern ebenso behandelt wer- den wie deutsche Reichsangehörige. Bon der Prüfung der Be- dürstigkeit abgesehen, sollen die Leistungen der Sonderfürsorge für die Zeit, in der die Leistungen der Arbeitslosenversicherung nicht gewährt werden, an deren Stelle treten. Die Auffassung des Reichsarbeitsministers entspricht zweifellos dein Willen des Reichstages, und die Spruchinstanzen werden sich sicherlich dieser Auffassung anschließen. Damit ist die Streitirage, ob Ausländer oder Staatenlose Sonderunterstützung bei berufs- üblicher Arbeitslosigkeit erhalten, praktisch geklärt. Lohnerhöhung für Handelsarbeiier. In der EngroS-Konfekiion. Die Bekleidungsindustriellcn hatten den vom Schlichtungs- ausschuh gefällten Schiedsspruch abgelehnt. Auf Beschluß der Branchenversammlung der Handelsarbeiter �»cr Engrosfabrikation im Deutschen Berkehrsbund wurde der Schlichter f'ür den Bezirk Brandenburg angerufen, der folgenden verbindlichen Spruch fällte: „Die Parteien nehmen den Schiedsspruch vom 11. Februar 1929 mit der Maßgabe an, daß die Auszahlung der im Spruche vorgesehenen erhöhten Löhne erstmalig mit der Lohmvoche erfolgt, in die der 4. März d. I. fällt." Die Löhne erhöhen sich daher ab 1. März 1929 um etwa 5 Proz. und ab 1. April um etwa- 71! Proz. pro Woche. Tarif- abzüge sind im Bureau des Deutschen Berkehrsbundes, Zimmer 31, erhältlich. Angestelltentonflikt in der Süßwarenindustrie. Wie Genosse Lach« in der Versammlung der Eingestellten des Berliner Nahrungsmiltelqcwerbcs. am Dienstag im„Palais des Zentrums" mitteilte, Ifaben die am gleichen Tage vor dem Schlich- tungsausschuß geführten Verhandlungen wegen des Ab- schlusses eines Tarifvertrages niit der Sclioko- laden- und Zuckerwarenindustri« wiederum zu keinem positiven Ergebnis geführt. Während die U n t e r n e h m e r in den letzten Verhandlungen es ablehnten, eine„schcniatischc" tarifliche Bindung einzugehen und die Forderungen der Angestelltcnvertrcter auch nur einer näheren Prüfung zu unterziehen, redeten sie sich in der Verhandlung am Dienstag darauf hinaus, daß ihnen die Forderungen der Singest eilten gar nicht bekannt seien. Die Angestelltenvertreter erwiderten den Untemchmeni daraus, daß sie im wesentlichen nichts anderes fordern als die Zahlung solcher Gehälter, wie sie in den Richtlinien des Arbeitgeberverbandes festgelogt seien, die aber von den meisten Firmen nicht eingehalten werden. Die Angestellten wollen einen Rechtsanspruch aus Tarisgehälter haben und nicht noch ihnen unbekannten Richtlinien bezahlt worden, die von den Unternehmern aufgestellt und obendrein nicht einmal«ingelialton werden. Als den Unternehmern die präzisierten Forderungen der Anqe- stellten unterbreitet wurden, beantragten sie die Vertagung der Schlichtungsverhondlungen, um mit ihren Vcrlxindsmitglicdern erst darüber zu beraten Obwohl der Vertreter des ZdA. der Vertagung widersprach, weil die Unternehmer lange genug Zeit hatten, sich mit den Fordernngen zu beichäftigen und dir Verhandlungen durch solche Manöver nur verschleppen wallten, hat der Vorsitzende des Schlichtungsausschusies die Verhandlungen bis zum IS. März nerkazi. Dl» AnzefteLten werden»oMUssichtfich 'am gleichen Tag« in einer Versammlung zu dem Derhandlungs» ergebnis Stellung nehmen._ Kommunisten als Arbeiigeber. Die Alten werden auf die Straße gefetzt. Di«„B e r g i s ch e A r b e i t e r st im m e" in Solingen. das Organ der Kommunistischen Partei, ist infolge Differenzen zwischen der kommunistischen Geschäfisleiüing und den organisierten Buchdruckern ab' Montag, dem<1. März, nicht mehr erschienen. In diesem Betrieb, der von„linientreuen" Kommunisten geleitet wird. herrschte ein Antreibersystem, wie es schlimmer in keinem kapitalisti- schen Betrieb zu finden ist. Besonders sind es ältere Buch- d r u ck e r und andere Arbeiter, dir aus dem Betrieb aus- gemerzt werden sollen, weil si«— nach Ansicht der kommumsli- schen Geschäftsleitung— verkalkt sind. Sa sollte ein Buchdrucker, der 17 Jahre im Betriebe der„Arbeiterstimmc" tätig ist. auf die Straße gcworscn werden. Geschloffen wehrte sich die Belegschaft gegen diese brutale Maß- nähme. Daraufhin wurden die Buchdrucker aufgeforderk, den Betrieb zu verlassen. Der Geschäftsführer stellte sich auf den Standpunkt: Wer nicht mehr bei uns arbeiten will, kann gehen._ Es wird gespalten. Kommunistische Landeszentrale in Griechenland. Da der zweite Kongreß des dem Internationalen Gewerkschaft?» bund(JGB.) angeschiosienen Griechischen Gewerkschastsbundes seinerzeit den Ausschluß der kommunistischen Delegierten beschlofsen hat, sind nun die Äonnnunisten in Griechenland zur Gründung einer eigenen Landeszentrole übergegangen. Zn diesen! Zwecke fand kürzlich«in von der Kommunistischen Partei «inberurener Kongreß statt, zu dem, abgesehen von verschiedenen Ortskartellen, folgende Berufsverbänd« Delegierte entsandten: Tabakarbeiler, Lebensmittelorbeiter, Lederarbeiter, Typogrophcn, Bauarbeiter und Metallarbeiter, lieber die Verhandlungen und ihre Resultate erhält der IGB. von kompetenter Seite folgenden Bericht: „Alles in allem war der Kongreß ein M i ß e r f ol g. Würde die Kommunistische Partei nicht über finanzielle Mitte! verfügen, so hätte er keine 50 Delegiert« umiaßt. Was die internationalen Be- Ziehungen der komnuinytisch'n Zentrale betrifft, so ist sie der Roten Gcwerkschoftsinternotionale nicht angeschlossen, und zwar unter dem von den Führern geltend gemachten Borwand, daß diese Inter- nationale unter den griechische n Arbeitern nicht genügend bekannt sei... Diese Ausrode wird nomlich gebraucht, um bei den Arbeitern den Anschein zu erwecken, als ob es sich nicht um ein kommunistisches Manöver handle."__ Zwei Erwerbslosenraie vermißt. Der sogenannte.Lndustrieverband für das Baugewerbe",«ine „parallel« Massenorganisation", hat auch in Oranienburg ein« Zahlstelle, ln der, getreu dem Programm des Industrieverbandes. die Führer des Deutschen Baugewerksbundes unausgeletzt beschimpft werden. Einer der Schreier, der Kassierer Paul Gruhn', Rotfront- kämpfer und Erwerbolosenrot, ist jetzt plötzlich abgereist, ohne seine neue Adresse una die Verein? lasse zu hinterlassen. Wahlrechtslofe Gewerkschafismitglieder. GewerkschastS-.Spaliung" in Rußland. Aus Moskau wird berichtet: Nach einer Erklärung des Zentrale rotes der Gewerkschaften der Sowjetunion können Gewerkjchasts-' Mitglieder, denen das Wohlrecht entzogen wurde, nur noch während eines Jahres den(tzewerksehoiien angeboren. Im Laufe dieser Zeit können sie bei den zuständigen«kellen um die Zu- erkennung des Wahlrechtes nachsuchen. Diejenigen, denen das Wahlrecht entzogen bleibt, weiden nach Ablauf eines Jahres aus den Gewerkschaten ausgeschlossen. Aus dieser Erklärung geht hervor, daß in Ruhland renitente Gewerkschaftsmitglieder mit der Entziehung des Wahl- rechts bestraft werden, weiter aber, daß man selbst vor der „Spaltung" durch den Ausschluß unerwünschter Genosicn nicht I zurückschreckt. Die„Oppasiiian" in Deutschland wird mithin nicht gut ver- ! langen können, daß die deutschen Gewerkschaften russischer sein sollen als die russischen Gewerkschaften, vor Ausschlüssen, die sie notwendig erachten/ zurückschrecken sollen, weil die Spalter über„Spaltung" schreien._ »�reie Gewerkschasts-Lugend Groß-Berlin f Heut?, Donnerstag, 59'? 15hr. tag unt> Rtlde!".— Schöneber«: Iugendlieim Hauptstr. 15(Thelringenzimmer). Krupp? nbefurechune. Änschliestend Bortrag des Kollegen'Werner Becker über:„Wandern uird schauen. Berantwortllch kür Bo'itik:?!r. Suti Wirtschaft:®. Klinqclhöicr! Sewerkschaflsbeweauna: jsricdr. Etzkoin: fZeuillelon: Dr. John Schitowsli: Lokale» and chonfügeo: steig Karftädt: Anzcioen IT, Sitte. lamtllch IN Berlin Berlag: Borwärts-Lerlag D m d Berlin Druck: Borwirts-Buchdruckeret und BerlaasnuNalt Baul Zinaer o ko Berlin SB 55 Lindenstraste& Hierzu 2 Beilagen und �lnteebaltnng und Wiste«. Iii• 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Vonnerstag 7. März 4929 Die Schlammflut ist da! Rinnsteine sind nicht gereinigt, GuUis sind verstopfi. Die Gchneeschmelz« hat mit Wucht«macsetzt. Die Tchn«. Massen lösen sich in Dreck und Wasier auf. die Verschmutzung der Strotzen und Plötze kennt keine Grenzen. Gewitz ist es für die Stadtverwaltung schwer, die ganzen Schnee- mengen diese» Winter» auf einmal zu beseitige». An die Straßen- reinigung werden in diesem Jahr ganz besondere, seit langem nicht dagewesene Ansorderungen gestellt. Aber auf einen besonders großen Uedelstand mutz hingewiesen werden: dringende Aufgabe ist es. die Gullis und die Vinn st ein« freizumachen. hauptsächlich au den Strotzenecken haben sich, und zwar gilt da» vor» zugsweise für die Außenbezirke und die Vorort«, riesengroße Teiche gebildet« dl««m Verkehrshindernis darstellen und die zu Futz zu überqueren beinahe unmöglich ist. Besonders älter«, beleibte oder gebrechliche Leute sowie Sriegsbeschödigte sieht man in diesen Tagen öfter» hilflos an der Strotzenecke stehen: sie wiflen nicht. wie sie über diesen Ozean von Schmutz hinwegkommen sollen! Kraftwagen, die an den Ecken entlangsausen, lasten die dunkle Brüh« in dicken Strahlen auf den Lürgerstelg spritzen, so daß die Pastanten von oben bi» unten mit Dreck bedacht werden. E» ist notwendig, daß zum mindesten hier die Verwaltung Verlins so schnell wie irgend möglich Abhilfe schafft, vi« Polizei sollte dafür sorgen, dotz die Auto» langsamer fahren. Uebrigen» kann man sehr wohl, fall» die Auwfahrer keine Rücksicht nehmen, sie wegen Sachbeschädigung haftbar machan. Ewer unserer Zeitungsfahm, der ein Motorrad benutzt, be- richtet uns hierzu:„In diesen Tagen fuhr ich die Torckstrotz« in Richtung Potsdamer Straße entlang. Gleich hinter der letzten Unter- führuno find große Löcher in der Fahrbahn, so daß man sie, nament- lich bei der Schlammflut« mir mit Lebensgefahr passieren kann. Dazu kommt noch die mangelhafte Beleuchtung. Vei dieser Fahrt bade ich mir meinen Scheinwerfer durch das dauernde Anprallen beschädigt, so daß ich meine Maschine schieben mußte. Detin wäre ich ohne Licht weitergefahren, hätte ich mit einer Anzeige rechnen müssen. Zur Ruwo werden überall Plakat« zur Unfallverhümnz ausgehängt. Wo bleibt aber die Sicherheit auf der Straß« für die Fahrer?' Die Hochwassergefahr steigt. Schuhmaßnahmea überall eiageleitet. Au, allen deutschen Slromgebielcn liegen ZNeldungeu vor. nach denen die Hochwassergefahr im Steigen begriffen ist. Behörden und Bevölkerung ergreifen alle Maßnahmen. u« der Gefahr zu begegnen. Das Rheineis bei Emmerich sst in Vewegung. Gestern mittag war ein« größer« Eisfläch«, etwas über«inen Kilometer lang, im Wanken. Schiff« wurden wie Spielzengschochteln von der alle Lorsorge oetroffen worden. Auf der E l b e ist es den Eisbrechern gelungen« bis Lauen» bürg vorzustoßen. Auf der Leine wurde» beim Schnellen Graben, der st« mit der Ehm« verbindet, durch«ine Pionisrabteiluna Eisspren» gungen vorgenommen. Es wird damit der Gefahr begegnet« daß die Eisblöcke Brücken und alles, was m den Weg kommt« zu Tal reißen. Hochwassergefahr bleibt auch im Mittellauf der Oder w hohem Maß« bestehen. Vesonders groß ist sie im Landkreis Landsberg a. d. W., wo zum Teil uneingedeichte Warthebruchdörfer am schwersten ausgesetzt sind. Der Landrat hat das Vieh aus zehn ungeschützten Ortschaften wegbringen lasten. Sehr bedrohlich ist auch die Lag« für die an der Reiße und ihren Nebenarmen gelegenen Teile der Lausitzer Tuchstadt Forst. Eilzugiempo im Gchnellbahnausbau. Zwei neue Eitylinien. Der Magistrat hat in seiner Sitzung am 6. März dem Lue- bau der Verlängerung de» Schnellbahnnetz«» zu» gesttmnrt. Di« Baukosten In Höhe von rund 80 Millionen Mark werden durch Zuschüsse des Staat«» und des Reiches(zirka 15 Millionen Mark) und aus einer aufzunehmenden Anleihe der Berliner Verkehrs-A-G.(KS Millionen Mark) zu decken fein. Es sollen gebaut werden: Di« Verlängerungea der Nords üdhaha im Norden von Bahn- hos Soestroße bis Scharnweberstraß«(S.KS Kilometer), im Süden von Tempelhof-Südring bis zum Teltowkanal(1.7 All»- Meter). der S lammstrecke der Hochbahn im Norden vom Bahnhof an der Mühlenstraß«, der, wie wir bereit» mitteilt«� im Dezember diese» Jahre» fertig gestellt sein soll, bis Breite Straß«(Pankow) (1,75 Kilometer), und der Lahn Gefnudbruaaen— Neukölln im Süden von Thomasstraße bis zum Südring(Hennannstraß«) KZ Kilo. meter), msgesamt rund 6,3 Kilometer. Für zwei neue Eilyliuien. und zwar für die Linie Alex« onderplatz— Leipziger Straß«— Potsdamer Platz— Potsdamer Straße— K l« ist p a r t(5,1 Kilometer) und die Linie Hallesches To r— Potsdamer Platz— Lehrter Bahnhof— K r i m i. n a l g e r i ch t(5 Kilometer) sollen die Konzesstonsertellung durch die Aufsichtsbehörden betrieben und die nötigen Verhandlungen mit der Reichsbahn über die Gestaltung de» Bahnhofes Potsdamer Platz geführt werden. Oer Zuhälier semer Krau. Seheimer Terror de« Ringverein« im Sericht«saal. Auf längere Zeit wurde der Schlosser Hermann Sügler unschädlich gemacht, der sich vor dam Schöffengericht Ber- l i n- M i t t« wegen Zuhälterei zu verantworten hatte. Der An- geklagt« gehört zu jenen gemeingefährlichen Elementen der Groß- stobt, die sich von Frauen ernähren lasten. Ja dem vorliegenden Fall» hatte Kügler seine eigen« Frau auf die Straße geschickt. Gleich nach der Heirat hatte Kügler seine Ehefrau zu de« schimpflichen Gewerb« gezwungen. Gr kn«lt sie die ganzen Jahre durch die rohesten Mißhandlungen und schwerste» Beschimpfungen in Schrecken. Aus ihren Gängen nachts am Kurfürstendamm stand sie unter ständiger Beobachtung ihres sau- baren Ehemannes. Wenn sie nicht genug Geld heimbrachte, bekam sie ein blaue» Auge. In der Wut riß der Unmensch dann seiner Frau die Kleider vom Leibe. Die Frau fürchtet« sich vor Gericht, Aussagen zu machen und warf ängstlich« Böcke nach dem Zuhörer- räum. Amtsgerichtsrat Burkert schloß darauf die Oefsentlichkeit aus, da ohnehin ein« Gefährdung der Sittlichkeit zu erwarten war. Nachdem nun die Repräsentanten der Ringvereine verschwunden waren, atmete die Zeugm erleichtert auf und meint«: .Nun brauch« Ich ja keine Angst mehr zu haben.' Trotzdem war sie in den Beschuldigungen gegen ihren Ehemann sehr zurückhaltend und erklärt« immer wieder, daß ihr an semer Bestrafung nichts liege. Sie wollte weiter nichts, als nach den Jahren der Hölle auf Erden ihre Ruhe haben. Die Bewelsaufnvhm« bestätigte in vollem Umfange di« gegen den An- geklagten erhoben« schwere Anklage. Das Schöffengericht hielt es daher für angebracht, eine emp- findlich« Straf« zu oerhängen und verurteilte Kügler zu 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis und A Jahren Ehrverlust. Wegen der Höhe der Strafe wurde der Angeklagte im Gerichtssoal ver- haftet. Ms er von der Anklagebank weg ins Gefängnis abgeführt werden sollte, reichte er zum Abschied seiner Frau die Hand, in demselben Augenblick aber erhob er den anderen Arm. um seinem Opfer mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Nur dem energischen Zugriff des Justizwachtmeisters Ruda war es zu danken, daß eine Ausschreitung in, Gerichtsfaat durch den Angeklagten verhindert wurde. Zähneknirschend ließ sich Kügler dann abführen, ohne weiteren Widerstand zu lessten. Zentraler Zeppelm-Klugplatz. Magistrat beschließt den Antauf vom Flogplah Staaken. Der Magistrat beschloß in semer gestrigen Sitzung, den Flugplatz Staaken für die Stadt zu erwerben. Es wird nicht nur der eigentliche Flugplatz inBerli» und D a l g o w in Größe von 263 Hektar erworben, sondern es werden auch hinzu- gekauft die sämtlichen Bau. und Jndustriegeländ« zwischen den Hallen und dem Staakener Bahnhof in Größe von rund 35 Hektar. Die Stadt tritt gleichzeitig in die Optionsverträge «in. welche seitens der Zeppelinluftschiffbaugesellschoft mit der Filmwerk« Staaken A..S. abgeschlossen sind. Diese Optionen belaufen sich neben dem Hallengrundstück auch auf die Gelände zwischen der Film- hall« und der Feldstraße in Größe von 87 000 Quadratmeter zu einem Optionspreise von ö Mark pro Quadratmeter. Der Magistrat bo- wertet die Hallen mit einem Preis« von 2 Millionen, so daß für das gesamt« Flugplatzgeländ« und Jndustriegeländ« sich etwa ein Durch- schnittspreis von 2 Mark pro Quadratmeter errechnet. Die Stadt hat bei dep Auflassung eine halbe Million anzuzahlen und eine weitere halbe Million am 1. Oktober dieses Jahres zu entrichten. Der Rest des Kaufgeldes soll auf eine längere Reche von Jahren stehen bleiben und in der Zwischenzeit zu einem mäßigen Zinsfuß verzinst werden. Der Ankauf bezweckt die Sicher- stellung eine» Flugplatzes für Zeppelin-Luft- schiffe im zentraien Europa. Das tödliche Gas. Gestern wurde der 46jährige Eisenbahnobersekretär Arthur Kiehler in seiner Wohnung in der Ri�sstr. 33 zu Friedenau durch Gas vergistet leblos ausgesunden. Die hinzugerufen« Feuer- wehr stellte Wiederbelebungsversuche an. die jedoch ohne Erfolg waren. Nach den polizeilichen Ermittlungen ist K. das Opfer eines Unglücksfalle« geworden. Der Hahn der Goslampe war nur halb geschlossen, so daß größere Gasmengen ausströmen konnten, die den Tod des Mannes herbeiführten. • Am Ufer des Spandauer Schiffahrtskanals in der Näh« der PuttLtzbrück« sah gestern ein Spaziergänger einen Damenmantel und eme Handtasche liegen. Der merk- würdige Fund ließ auf einen Selbstmord schließen und der Mann aürmierte Polizei sowie Feuerwehr. Beim W>- suchen de« Wassers stießen die Beamten nach einiger Zeit auf eine Erauenleicha. Wie aus Papieren hervorgeht, die in der Hand- fch« vorgefunden wurden, handelt es sich um«ine Frau Karoline K i t o w s k i aus der Triftstraße 51. Der Grund z» der Ber- zweiflungstat ist noch unbekannt. Billige Fischlage. Durch tue eingetretene meld« Witterung werden größere Fänge in Seesischen gemeldet und sind die Preise heruntergegangen. Vom Donnerstag und folgende Tage kommen zum Verkauf: Prima Kabliau im.ganzen Fisch pro Pfund 30 Pf. an. im Anschnitt entsprechend teurer. Ferner sind grüne Hertng« preiswert, pro Pfund von 25 Pf. an. Konum eittee Reaolufion. Don GezUarl Heermarn« floslst Trossgk erwiderte an des Herzogs Stelle mit knappen Worten und ließ di« Stadt Bernburg hochleben— man war ja ein bißchen enttäuscht, daß der Fürst nicht selbst gesprochen halle, aber schließlich tonnte man wirklich nicht oerlangen, daß er nun die ungetreue Stadt gleich wieder hochleben ließ. Es folgt« ein Vertreter der Geistlichkeit, es antwortete ihm der neue Führer der Bernburger Kriegsmacht, der Major von Zitzewitz, der anfangs in wohlgesetzten Worten Christus als den besten Heerführer bezeichnete, dann aber aus dem Konzept kam und sich ebenfalls mit einem Hochruf aus der Affäre half:„Unser Herr Jesus Christus— er leb« hoch, hoch, hoch!' Alles stimmte ein, lediglich die Geistlichkeit hüllte sich in würdiges Schweigen; sie wäre anscheinend mehr für .�allelusa' gewesen. Und der Maffenchor sang noch«in Lied, und das hohe Paar nebst den Hofleuten bestiegen die Kutschen, und um- drängt und gefolgt von der jetzt etwas ruhigeren Bevölkerung g'ngs zum Schloß, und für diesmal wars aus, aber am Abend'ollte es ja noch Schloßbelellchtung geben—— Und die müd?getrampeste Landstraße draußen streckte sich erst jetzt endgültig erleichtert aus und ließ sich vom Nach- mittagswind die Fahnenfetzen und Stullenpapiere vom Rücken fegen: der ein« Mensch, der jetzt scheu aus dem einsam gewordenen Krumbholz trat, war sa noch zu tragen. Cr war so leicht geworden, daß sie Ihn kaum svürte, kaum wiedererkannte: den schiefen Calm. Anderthalb Jahre Einzelhaft in verdunkester Zell«— das nahm das Fletsch weg und ließ nur di« Knochen, das machte die Augen schwach, so daß die Sonne ihnen weh tat, das machte den Mund irre, daß er immer lauter Unverständliches vor sich hinsagte, wie es von einem ebenfalls trank gelittonen Geist diktiert wurde. Der schiefe Calm schritt auf die Stadt zu, schiefer al» je. Der Ausdruck seines Gesichtes war stumpf, nur die Stirn fallet« sich dunkel, glättete sich, furcht« sich wieder, in immer- währendem Wechsel: und als die ersten Häuser begannen und aus einem das breite Lachen eines heimgekehrten Fest- teilnohmers wieherte, zuckte Calm entsetzt zusammen und floh durch da» Friedhofstvr, das an der gegenüberliegenden Celle der Straße«inen trübdunklen Efeukranz in den Glanz des Tages wand. Calm ging den menschenleeren Friedhofsweg enllang, sah unter den graugewordenen dicken Brauen mll gequält blinzelnden Augen nach rechts und links, ging zuweilen zwischen Gräbern oder schlug die Zweige eines Lebensbaums ausein, ander. Er sucht« etwas, schüttell« den Kopf, schien nicht zu finden. Oft ging er die Wege auf und ab: die Kühle des Abends kam: ihn fröstelte. Endlich kam er an eine Ecke am rückwärti- gen kleinen Tor: hier wurden Selbstmörder und Land- strelcher ohne geistlichen Beistand eingescharrt. Calm blieb stehen und starrte auf zwei Reihen von Gräbern, die ohne Schmuck und Stein von Gestrüvp notdürftig überfleckt. Löcher ins du"«« Grün rissen. Seine Augen zähllen:«s waren zweimal sieben Gräber. Sein Kopf fiel auf die Brust. Er hatte begriffen. Sein« Hände hob-n sich abwehrend, als schöben sie eine Schuld weg, fielen wieder hilflos: diese Hand« waren zu schwach ge- worden, um so etwas fortichieben zu können. Er trat einen Schritt näher, blieb wieder stehen Wieder einen Schritt.. Immer kleiner, zager, furchtsamer wurden die ein'-lnen Schritte. Minuten dauerte es. bis er vor dem ersten Grab stand. Er schien den Hügel nicht zu sehen, tat noch einen Schrllt, fiel-- Calm blieb liegen drehte süss auf den Rücken, sah in den langsam erblassenden Himmel. Seine Stirn wechselte noch immer zwischen Furche und Glätte, zwischen Dunkel und Licht Sie schien das Schlachtfeld des Kampfes zu sein, den de? Geist hinter Ihr kämpfte. Als es länast dunkel geworden war. gegen neun Uhr, donnert« vom Schloß her ein Böllerschuß. Zischen, neues Kracken folgte. Calm sprang aus. Er schien aus einem Traum zu kommen. Ueber dem Schloß war der Himmel rot. .Letzt brsnnts!', schrie«r gsllend.„Jetzt brennts nunner!� Er warf die hageren Arm« empor, wollte zum Tor laufen, stürzte wieder— schlug hin, blieb wimmernd liegen, schlief ein Auch im Schlaf kämpft« seine Stirn, redete sein irrer Mund. Die Herbstnacht war kall. Betrunkene, di« lange nach Beendigung der Schloßillumination über den Friedhof tau- Mellen, sahen ihn nicht. Erst am andern Morgen fand man ihn Fieber und Frost schüttellen die schmerzenden Glieder. Man mußte ihn nach Hause tragen Seine zuckenden Augen glitten über die Iubelschildor, die noch von gestern hingen 18. Der goldene Schlüssel. Der Kammerherr Wilhelm von Kügelgen rannte in einer Sommernacht des Jahres 1858 in geradezu grauen- hafter innerer und äußerer Verfassung durch die Straßen— Gott sei dank nicht Dernburgs, sondern Cöthens, wo andere Leute Kammerherren waren, und wo ihn die Untertanen nicht kannten. Mo mochten die wenigen Passanten der nacht- lichen Gasse in Gottesnamen lachen über sein« wehenden Mantelschöße, über den krampfhaft mit zllttiaen Händen fest- gehaltenen, federgeschmückten Hut, über die schon gebrechlichen und dennoch zur Hast verurteillen Beine, über den nach Atem japsenden Mund. Konnten sie wissen, was ihm passiert war, durften sie es wiflen, was einem in untadeliger Pflichter- füllung ergrauten Herzoglich-Bernburgischen Kammerherrn passieren konnte. Aber alles lag an der verteufelten Eisen» bahn, die Alexander Carl hatte bauen lassen. Wäre Durchs laucht nur, so fluchte der verzweifelte Kammerherr innerlich während des Laufens, bei seinem Versprechen geblieben, das er Anno 18, in Kügelgens Gegenwart, der Bürgerdeputation gegeben hatte! Wäre Durchlaucht nur nicht zwecks«iner Aus» sähnuna ins Lustschloß seines Cöthener Vetters nach Bien» dork gefahren, da» an Anhalt-Bernburgs Grenze lag— dann hätte er auch di« Kleinbahn nicht gesehen, die sein pomp- liebender Berwandter sich hatte bauen lassen, um schneller und bequemer von seiner Stadt Cöthen in sein Schloß Bien» darf zu gelangen: dann hätte Alexander Carl auch nicht jenes berühmt geworden« Wort gesprochen:.Letzt will ich auch «ine Eisenbahn hoben, und wenn sie tausend Taler kostet. und den Plan auch ausgeführt, wenns auch etliches mehr gekostet hellte, das Dreihundertfache etwa! Und dann hätte her Kammerherr von Kügslgen nicht im herzoglichen Salon- wagen der Eisenbahn nach Dessau fahren müssen, sondern in der allen, lieben Kalesche, und als er die furchtbare Ge- schichte bemerkt«, hätte er den Wagen einfach noch einmal zurückfahren lassen— ein« Eisenbahn aber ging nicht mehr zurück!(Fortsetzung folgt.) Das Schicksal der Bewlina. Immer noch Erwägungen über die Schinkel-Halle. Wahrend die Siädtebmier bereits in Plänen das neu« Gesicht des Msxanderplatzes— der ersten weltstädtischen Plot�airla�e Berlins— gestalten, lagert das Wahrzeichen des Aleranderplatzes von ehedern die Berolina.in Treptow a uf«ine m Stei npla tz. Usber ehre Wiedererstehung hat man sich bis heute noch nicht den Kopf zer- brachen, nur soviel steht fest, daß ihr« Zeit am Aleranderplatz vor- über'ist und sie auf dem. künstigen Platz des Weltstadtverkehrs kein Uitterkommen mehr finden kann. lieber das künftig« Schicksal hat zuerst der B e z i r k M i t t e zu entscheiden, der in seinem Gebiete selbst keinen geeigneten Platz auf. weist, wo die gut« Berolina mit ihrer übervoll-schlanken Linie von dazumal wieder in alter Pracht thronen könnte. So wird das Symbol Berlins wohl in entlegenere Bezirke abwandern müssen und schon bestehen eine ganze Reihe von Vezirkswünschen. 3a, man hat sogar den Plan erwogen, als Zeichen für die Weiterentwicklung Berlins zur Havel der Berolina in der Neugestaltung des Frstbades Waimsee einen„Ueberragenden" Platz zu sichern. Vorläufig ruht sie aber noch und voraussichtlich noch ein« gut« Weile ln ihrem Treptower Domizil. In Verlin-Mitt« hat man kein« Eile, sie dort obdachlos zu machen. .Unterdessen schweben auch über die Wiedererrichtung de rSchinkel-Halle inmier noch Erwägungen. Im Magistrot scheint leine besondere Lust für einen W iederausbau zu bestehen. Mstr. 29—29. Kucktianärsttzuna. ?!- ��-Suckow. 19 Zh llhr b»i Becker, Ghauffttstr. 97, Kucktioiillrststuvg. 102.«bt. Bavwschnlauutg. 19M llhr bei Strtubtl, Baumschi-Itnst-aht. cuV» ordentlich wichtigt ffunktionärftiuno., 120.«bt. StiebtiffctfcÜK. 20 llhr bei Schevarz. Sapriviall«, Befonb«» Einladnag»folgt»icht. 124.«dt.«abladorf. 20 llhr iw Lokal Jtorbft«»'. QBvamtx Str. 49. Kuck. twnärsttzlmg. 128. bis 130. Abt.«ankam. 20 llhr wl Lokal«am»,«trlim» Stroit«, Aarblichstratzt, ffunktionärsttzuna. 142.«lt. Waibmannalnst. Z0 llhr Eltrrnnerianunliing in d« Turnhallt. Taar» orbnuna: 1. Vortrag:.Schult»nb Lthrling-'. Rtftrent: Genosse Schäfer. - Bortrag! Jl. und 10. Schuljahr'. Rtfrrtnt: Rektor Gautz«. Bezirksausschuß für Zlrbeikerwohlfahrl. 2.»tti» lleroartai. ffttitog. 8. März. 18 llbr. wichtige Sitz»»« all« Mfti unb b« Funktionäre bei Sandow. sslrnsbura« SN. 8. 7. ftttto eharlotttnbnrg. Freitag, S. Mörz, 19 Uhr, Im Ratchavs Gharlottr», dura, stimm« 139—140, Aktenbesprechnng. « Ntti»«Umettdars.«-britcrwobüahrtekfftr«, am Montag. U. StgaL 20 llhr, bei Schramm, Lohenvilltrndainm 2. Vortrag:.stuwibpflegt� Referent: Stadtrat starl Lchntidtr. Zuugsozialisteu. G aeppt«»,». Frtiwg, 8. März. 90 Uhr. i» Jugendheim yorckstr. U, Fartsttzung d««rdtttsgtneeinschast:.Zmptrialiwnusck. Leitung: Sora Fabian Arbeitsgemeinschaft der fünder freunde. Äiabttfttaabe.ÄBTfHg«iwost. Stute Donnerstag, 7. März, 20 llhr, i» bot Baracke, Schalt Renkälln, Ganghoftrstraßt, naturwissenschaftlicher Diskussion» abend. Thema:.Raturbeodachtungen im Frühling". Siskusstonsleitrr: Lrhttr Genosse Tschampkr. Geburtstage, Jubiläen usw. 14.«dt. OsFrcb liebt»«toafftn Ananst Schaf«, Sortzingstr. ii. i» feiaa» 79. Srburtttogc die herzlichste» Glückmii nicht. 43.«bt. llvftttm liebt» Stneffc» Robert Kaftmao». Srimmstr. 2». z» seinem heutige» 01. Seburtotage die herzlichste» SlLckwüosche. � Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation� 9. stttio Wilmeeodorf. Die Einäscherung unseres»erstorbenen Genosse» Willi Vrendl« findet am Sonnabend, 9. März, 16 iZ llhr, im Srematorium SBiluretsborf, statt. 21.«bt. Unser Genosse Merseburg, Hauonleister an der Oberrealschule 1» der Pasteurstrast«, ist«erstorben. Ehre seinem Andenken. Der Tag ber Bei» sttzung wirb noch bekannjgegedcn. 91.«bt. Renkälln. Unser lieber Genosse, ber ftasssrr« be« 21. Bezirks, Genosse August stimm, Dissmanirstr. 13, ist«erstorben. Ehre seinem Anbenke». Einäfcherung am Freitag. 8. Marz. Ali Uhr, im Itranatorium Serichtstratze. 9Z.«bt. Renkälln. Uns« Genosse Karl Heidemann, Stetnmetzstr. 24, est nach langem Leiden verstorden. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Sonn» abend, 9. März, 13 Uhr, im Krematorium Baumschulen weg. 198.«dt. ilkpenick. Uns« Genosse Richard Slukowski, Wendenschloh. Fon» lonestr. 3, ist am 1. März«erstorben. Ehr« seinem Andenken. Dtc Ein» Sicherung hat bereits am S. März stattgefunden. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio awsenbonq-n für diese Ztndrli NM o» do« z-aendletretart« JVrgn 673 OS. ClnbenOralc> M-V.-Sitzung heute pünktlich ISZh llhr im Vortragssaal des V-V< Lindenstr. 8, Z. Hof. 2. Treppen links. Die April-P ragramwe müssen eingereicht werden. Heute, vouaerslag. 7. März. 19� Uhr: Ztöllnifchei Pack: Treffpunkt zur Teilnahme an der Märzfeier des Werbe» tezick« lSZh Uhr am Strau«b«ger Platz.— Besten l: Heim Billowstr. 88.— Saiden; Heim Lortzing, Ecke Graunstraße.— Falkplatz I: Schul« Sonnen. durger Str. 20.— 5tottd»ss« Tori Heim Britzer Str. 27—30.— Siidnalt- Heim Lindenstr. 4.— Schäneberg III: Heim hauptstr. 13.— Tegel: Heim Babnhofstr. 13.— Bitte»«»: Heim Rosentbaler Etr. IS.— Zentrum: Tress. Punkt zur Märzfeier des Werbedezirk, 19 Uhr Alexanderplatz(Redi-Webi.— Schünhauier Vorstadt! Heim Sonnenburger Str. 20. Vortrag:»Der stiel« PartcUag".— gehl endo rs: Ziordschule, Keichensoal l, Potsdamer Str. 3—7. Liederabend. »öpen Icker viertel: Schul« Brangelstr. 128, ISZj llhr, Mär» gefallenen. Feier. Musik. Gesang. Rede, Rezitation. Berbebezick Mitte: Eesangckaal de, Sotchirn-Lnzetim«, Stein. stratze 12. Marzfeier. Seginn 19Ä Uhr. Alle Gruppen müssen pünktlich erscheinen. Berbebezick Osten: Hebung zur Werbesei« im Heim Litauer Str. 18. Berbebezick Renkälln- lieben für.Weh dem, d« lügt" im stFR«. werden noch einige Burschen und Mädel de nötigt. psteZe ' Lemberg- • j®• Seide mit Lux Seifenflocke sagt Hemberg LUX SEIFENPLOCKEN «»»tieot eiteuiciAer 0.0. We Sfobfoecorboefen haben ihre nächste Sitzung am heutigen LonnSrstag um 16% Uhr. Wintergarten. Die sogenannte Entreenmnmer, die erste des Programms, wird von den Artisten nicht sehr geliebt, weil sie unter der Unruhe des iinplinttlich kommenden Publikums zu leiden Hot. Hier haben die Gebrüder Miller das Entree. zwei Stürzklowns; sie bringen gleich zu Ansang das nötige flotte Tempo, das dann den ganzen Abend durchgehalten wird. Zwei großartige Kerle. Dosselbe Tempo wird dann in der vorletzten Nummer der zwei Heltanos noch einmal vorgelegt. Das sind Akrobaten, die ans Unglaubliche streifende Künste mit unerhörten Kraftleistungen verbinden. Und dann die Wirthfamilie. Man lernte sie vor drei Jahren kennen. Eine echte, prachtvolle, eine ganze Zirkusnummer auf ausgesucht schönen Pferden. May, Wirths Töchterlein, ist in ihren Saltos hervorragend. Mary und Erik, zwei wunderbare junge Menschen auf lautlos huschenden Rollschuhen, zu sehen, ist ein ganz seltener Genuß. Alles das. was man sich vom Tanz ersehnt, ein Sich-Lösen von der Erde aus den Fittichen zärtlicher Musik, wird hier zu entzückender Wahr- Keit. Das Madeline Tri o bringt uns dann den grotesken Humor. Alles, was einem am Tanz bedeutungsvoll war, wird hier unaufhaltsam lächerlich. Das ist die Kehrseite. Sahen wir im Februar die vollrassigen spanischen Senalags, so diesmal zwei toleda- Nische Schwestern, Dresna de Montenegros, ein ganz anderer Typ und natürlich tänzerisch bis in die Fingerspitzen. Die Trainingsszenen der M i d Air Girls boten teilweise weit mehr als nur Gymnastik. Die Waltz- und Jazzszenen wurden brillant ausgeführt. Besonderen Beifall erntete die derbdrollige Dortänzerin. Die beiden A r m o u r s führen eine sehr lustige Boxszene aus und find gute Pfeifvirtuosen. Das amerikanische Quartett sollte einem so vo riete- und amerikafreundlichen Volk wie den Deutschen die Konzession wenigstens eines deutschen Liedes machen, damit man den guten Willen sieht. Fred Brefin verblüfft und fesselt den Zuschauer mit seinen Zaubereien immer wieder von Anfang bis zu Ende. Und dann: Otto Reutter. Er füllt das Haus, er macht das Rennen. Sein« Art ist bekannt, und wenn er auch stichelt und boshaft wird. dem. Spießer�tut er bestimmt nicht weh. Sein ..... er auck Progra reichen Vielheit teilen wieder zusammenkommen wird.• spte. Ruhm ist aber auch, daß feine Narretei von Zoten frei ist.— In Summa ein Programm, das in dieser ausgezeichneten abwechslungs- Vorträge,Vereine und Versammlungen. Reichsbanner �Schwarz-Rol-Gold". S-lSäkt-st-II«: Belli- S. 1«, S«bastt-nstr. 37/38, S#f 2 St. ritckg. 8. Rar». Friedrichskai», ttonetoifchaft Renul. 19V? Uhr matsversammlunq Sei i5ng-l, Memelci Str. 13. A»schließend («aülilichts Beisammensein. Iungbanner. Turnabend Mcmeler Str. 25. Erscheinen Pflicht, gharlottenbvrg. Äameradlößikt Pathaus. Kameradfchaftsrer. sammlung bei Eerlach, Erreestr. 12. NameradsSikt Westend. 20 Uhr Pcrsamm. lung bei Schelldoch, Sönigin-Elisabettz-Etr.». Bortraa des Kameraden Reu- fcauer. Sermsdors. Kameradschaft. 20 Okrint. Berliner Ecke nersammlun« im..Alten Krua" sammlunq im Pereinslolal. Bortrag de« Kameraden Adter:„Rilrßbme 1848". — Tanrabend.». März. Ritt».«. Kameradschaft. 20 Uhr diezmal Bersamm- lunz im Beftarrant Wohlert-Earten, Pfluxstr. S. Fried rich»hai». Iungbann-x. »darf. Kameradlckaft. 20 Uhr Kameradschaftsaersammluna bei ner Ecke Bahnhoisiraß«. Tegel. Kameradschaft. 20 Uhr Mitfllieder- im„Alten krua". Hauptstraße. Sleinickenkors-Weft. 2V Uhr Per- wettert» ertchs der Sffe-Mche- Setterdieastsselle Sertw vvd Umoege-d chdr. vrrb.). T«l» heiter, teil? wollig, ohne nennenswert« StiederschlSge, am Tage Temperaturen� nm Null, n„cht« wieder Frost, nördliche Winde. puntt zur Wa rt Vl\ Uhr am Haupieinaang des Gorlitzer lung Rachzilgler Ä'l Uhr edenda'. Fo�rtioften 2 Ä�'Stegliti?Ortsv?irin>. 20 Uhr im Albrechtzhof, Berlin. Etegliß. Albrechtstr. 1»ea>fchla»d: I« Westen Fortdauer de» Tauwetter», im Osten mäßige Nachtfröste bm wolligem bi» hellerem Wetter, im Süden leine Aendernng. Modenschau bei Israel. Ein großes Kompliment tonn man der Mode der kommenden Tage machen: Sie wirkt dezent, vornehm, frauenhaft. Der eibige Bockfisch ist von der Bildfläche verschwunden, und wenn auch die 1 Röcke immer noch die kindhaste Kürze, speziell bei der Straßen- ; kleidung, beibehalten,, so ist doch das Modebild in feinen ruhigen Farbtönen und der weichen, schmiegsamen Stoffverarbeitung ein an- genchm ruhiges geworden. Für den Vormittag ist das Schneiderkostüm wieder oben auf, meist aus herrenartig gemusterten Stoffen und schlichter Verarbeitung. Die Bluse, entweder aus hellen, seidigen hm gegenüber nur 16,9% im Jahre 1915. Neben der finanziellen Ueberlastung werden auch eine wirtxhaftafeindliche Auslegung der Steuergesetze und die Formen, in denen die Erhebung der Steuern erfolgt, von der Wirtschaft als immer unerträglicher empfanden. Eine Unzabi von Steuert erminen ist innezuhalten, und kostspielige Sonderabteil ungeo müssen zur Bewältigung .ii*. � Buch- und Betrieb*. i führen bat. Die Landwirtschaft ist sich dieser Tetsache und bemüht«ich, durch Umstellungen in Produktion und Datier, die bi« in die ... j-----, j-.------.------ seiner Geschäftsführung dringen, wioderholeo sich m kurzen Abständen und verursachen gewaltigen, unproduktiven Arbeiteanfwand, nidit endende Schwierigkeiten und Verärgerung. Alles in allem schaffen die rigorosen Formen der Steuereintreibung eine Atmosphäre, deren Reinigung ebenso dringlich ist wie der Abbau der steuerlichen Belastung selber. Zu der Einschnürung der Kapiialbildung durch eine kapitalfeindliche Steuergesetzgebung gesellt sich die Uebersteigemng de« Prinzip* der sozialen Fürsorge. Gegenüber 1,2 Milliarden M im Jahre 19(5 hatten im Jahre 1927 Arbeitgeber und Arbeitnehmer für die Sozialversicherung insgesamt rund 4 Milliarden RM aufzubringen, und seither sind noch weitere Steigerungen eingetreten. Auch hier stehen neben den bedenklichen wirtschaftlichen Wirknngen die ebenso bedenklichen psychologischen.. In dem Maße, wie dem einzelnen durch Staat und öffentliche Institute die Sorge für die Zukunft und für die Wechselfälle des Lebens abgenommen wird, wird ar auch den wirtschaftlichen Zusammenhängen und Notwendigkeiten entfremdet. Es entsteht die Gefahr, daß eine verantwortungslose Generation heranwächst. die von der Wirtschaft, aus deren Ertrag allein alle Sozialpolitik ihre Mittel schöpfen kann, stets nur zu fordern, nicht aber auch ihr zu geben gewillt ist- Endlich hat die staatliche Lohnpolitik einen der wichtigsten Faktoren unter den Produktionskosten in einer Weise verteuert, die schwere Be- cintrichügung der Rentabilität und mit ihr der Kapitalbildung zur Folge hat Dia Steigerung der Arbeitsleistung ie Kopf, die in zahlreichen Industrien ru verzeichnen ist, bedeutet keinen Ausgleich der erhöhten Lohnkosten. da sie im wesentlichen durch technische und organisatorische Rationalisierung erreicht worden ist. d. h durch Maßnahmen, die reibst wieder mit hohen Kapitalaufwandungen verbunden waren. Wie sehr die behördliche Regelung der Löhne der Reform bedarf, hat besonders der schwere Arbeitskonflikt erwiesen, der gegen Ende des Berichtsjahres die Produktion der westlichen Eisen- und Stahlindustrie auf Wochen«tili legte. Auch auf den Widersinn muß hingewiesen werden, der darin Regt, daß In einer Zeit größter Arbeitslosigkeit die Erneuerung jede» Tarifvertrage« mit Lohnsteigerungen verbunden ist Voraussetzung jeder Kapitalbildung ist die Erziehung en sprechender wirtschaftlicher Leberschüsse. Anch im vergangenen Jahr hat die Wirtschaft alle Anstrengungen gemacht, durch Senkung der Unkosten zu solcher Ueber- schußbüdung zu gelangen. Et wirkt überaus entmutigend, wenn demgegenüber eines unserer führenden Montanunternehmen feststellen muß. daß es für Steuern und soziale Abgaben etwa 15% seines Aktienkapital« aufzubringen hat und daß nahezu der gesamte Erfolg der von ihm durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen durch die hohen steuerlichen Xasteo und die Eingriffe der staatlichen Lohn- und Sozialpolitik wieder aufgezehrt wird. Im Steinkohlenbergbau, einer unserer Schlüsselindustrien, ist der Zustand erreicht, daß bei genügenden Abschreibungen von einer Verzinsung des investierten Kapital» nicht mehr die Rede«ein kann. Audi für die Gesamtheit aller an der Berliner Börse gebandelten Stammaktien ergab «ich für Dezember 192$ eine Rendite von nur 4.99%. während risikofreie festverzinsliche Werte eine Rente von 8 bi« 9% abwerfen. Wenn auf diesem Wege fortgeschritten wird, kommen wir zu einem Stand der Dinge, der die wirtschaftliche Initiative lähmt und immer weitere Glieder der Wirtschaft zum Verkümmern bringen muß. Es ist Pflicht aller verantwortungsbewußten Kreise, der deutschen OeffentliAkeit die Größe der Gefahr vor Augen zn stellen und einer Politik Halt zu gebieten, die jenseits aller unabänderlichen Gesetze der Wirtschaft Phantomen nachjagt. Die Lohn- und Preisgestaltung ist auch ausschlaggebend für die Entwicklung des Außenhandels, dessen Bilanz zu verbessern die andere große noch ungelöste Aufgabe der deutschen Wirtschaft geblieben ist. Zwar bat im Berichtsjahr hei fast unveränderter Einfahrhöbe die Ausfuhr Steigerung den Gesamffehlbetreg der Handelsbilanz um etwa die Hälfte. nämliA von 5.4 auf 1.8 Milliarden RM, vermindert. Für den Ausgleich unserer Zahlungsbilanz und selbst für die kleinste Uebertragung von Reparationszahlungen an das Ausland aus eigener Kraft bleibt dieses Ergebnis völlig unzureichend. Auf der Ausfuhrseite bedeuten nach wie vor die internationalen Schutzzoll- bestrebuagen schwere Hemmungen. Die Steigerung der Fertigwarenausfuhr darf auch nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir ihren Vorkriegsnmfang noch nicht wieder erreicht haben, während andere Lander ihn Überschreiten konnten, und daß die Rentabilität dieser Ausfuhr rumeist wenig befriedigend gewesen ist. Die Einfuhrseite blieb durch die Abhängigkeit der deutschen Nahrungsmittelversorgung vom Ausland am stärksten belastet. Mindestens 15% unserer Bevölkerung lassen wir von der Landwirtschaft anderer Länder ernähren, können aber die dadurch entstehenden auswärtigen Zahlungsverpflichtungen nur durch Verschuldung statt durch Hergabe eigener Arbeitswerte abdecken. Die aus solcher Lage«ich ergebenden Gefahren beginnen endlich weiteren Kreisen unsere» Volkes bewußt zu werden. Die Konkurrenz fremder Nahrungsmittel bedroht die deutsche Landwirtschaft und verschärft den Kampf, den dieser lebenswtchtire Zweig unserer Gesamtwirtschaft um seine Existenz zu bewußt geworden_________________________. Absatz Wege fu finden. dSe sie an» ihrer kritischen Gegenwartslage heran«- führen- Es ist dringend zu wünschen, daß diese auch von unserem Instltot mit Nachdruck durch eingehende» Studium der Verhältnisse unterstützten Bestrebungen bald merkliche Erfolge reitigen. Es wäre aber verfehlt, zu glauben, daß es gelingen kann, auf diesem Wege in kurzer Zeit und ohne erhebliche Kapitalaufwendungen durchschlagende Erfolge zu erzielen. Um diesem Ziel saher zu komtaen. ist eine Handels-. Zoll- und vor allem eine Steuerpolitik erforderlich, welche die Landwirtschaft als den am stärksten unter den Folgen der Kapital teuerung leidenden Wirtschaftszweig so weit und so lange schützt, wie nötig ist. um ihr die erforderlichen Umstellungen zu erleichtern und deren Durchführung zu ermöglichen. In starkem Gegensatz zu der Geldmarktentwicklung des Vorjahre«, die In Auswirkung de« Konjunkfuranfschwungs von einer ständig fortschreitenden Anspannung beherrscht worden war, verlief die des Berichtsjahre» in sehr ruhigen Bahnen. Während des ganzen Jahres erfuhr der Reichsbenk- salz keinerlei Veränderung, Dabei hat die Kreditgewährung an die Wirtschaft von seiteu der Privatbanken eine ständige Erweiterung erfahren. Auch bei uns hat«ich der Befrag der Debitoren in laufender Rechnung gesteigert, und das Kreditgeschäft blieb bei dem anhaltend hohen Tätigkeit«- grad der Wirtschaft lebhaft. Die Nachfrage nach Rtraboorskrediten ist im Berichtsjahr erheblich gestiegen. Die vorliegende Bilanz zeigt infolgedessen eine wesentliche Zunahme der Vorschüsse auf Waren und Warenvcrschiffun- gen. von denen etwa 85% in dem Akzent unserer ausländischen Freunde und etwa 15% In Barkrediten zur Verfügung gestellt worden sind. Voraussetzung für die Ausweitung des Kreditgeschäft« war eine Steigerung der Kreditoren, die«ich für unser Institut auf rund 500 Millionen RM oder etwa 26% de» Bestandes von Ende 192? belief. Dio Vermehrnng der Spardepositen, die wir durdi Einrichtung bevorzugt behandelter Sparkonten zu fördern suchen, schreitet langsam f6rt. Die Unzulänglichkeit der in Deutschland vorhandenen Bestände an KreditkaoitaJ zwingt zur Heranziehung karzfrirtiger Auslandsgeldet. deren Ausleihung an da« Veraa*- wortangsgafüM der Banken gesteigerte Anforderungen«teilt Ans der Stagnation des Kapitalmarkt« ergab sich eine weitgehende Erschwerung des Emissionsgeschäft«. Wir hatten trotzdem Gelegenheit, an einer großen Reihe von Emissionen festverzinslicher Werte sowie Aktien teilzunehmen. Bei letzteren handelte es sich im Einzelfall vielfach um kleinere Beträge, bei deren Bemessung der beschränkten Aufnahmefähigkeit des Marktes sorgsam Rechnung zu tragen war. Bei der Unterbringung mancher Emissionen hat die Beteiligung des Auslandes eine nicht un bedentende Rolle gespielt, eine Tatsache. In der die erfreuliche Stärkung des Vertrauens zum Wiederaufstieg Deutschlands zum Ausdruck kommt. Von unserer Beteiligung an Konsonialgeschäfteo(Uebernahmea und Börsen- einführungea) nennen wir die folgenden; Staat»-, Kommunal- und IndustrieauIeUien: 6% Preußische Staatsanleihe; 5% Bayerische Schatzanweieungen: 8% Hessische Staatsanleihe;•% Lübecker Staatsanleihe: Provinz Niedorsch lesien 8% Anleihe: Provinz Hannover 8% Anleihe; Provinz Pommern S% Anleihe; Provinz Schleswig-Holstein 8% Anleihe; Bezfrksverband Kassel 8% Anleihe; tajide*kredi>« dt-Schätzen Weisungen; 8% Brea- lauer Stadtanleihe: 8% Dannstädter Stadtanleihe; 8% Dresdner Stadtanleihe: 6% Dresdner Stadt-Schatrscheine; 8% Elberfelder Stadtanleihe; 8% Konigsberger Stadtanleihe: 8% Koblenzer Stadtanleihe: 8% Magdeburger Stadtanleihe: 8% Mainzer Stadtanleihe: 5% Nürnberger Stadt- Schatran Weisungen;$% Ulmer Siadtanleihei 8% Wiesbadener Stadt-nleihe: $% Zwickauer Stadtanleihe: Landeshank der Provinz Schleswig-Holstein 8% Goldpfandbrief« und 8% Go!d-Koiamon«l-S» 2321.(0 RM im Jahre 1927 a.if(802.« RM im Jahre(»28. derjenige der SAecks gleidizcUig von M4.65 RM aof.838.83 RM Tcrmindert. Die fachlidie und allgemein kanfmänaisdie Aiubtldnng unterer Uhtlince nnd jugcndlidicn Angci. eilten sowie auch derjenigen bcfdhigicrcn Beemten. die allmählidi für gehobene nnd leiiende Posten heijnwaditen, findet in unvermindertem Maße unsere größte Aufmerksamkeit. Wir glauben, uns hiervon mit Recht die tntwirtlung eines tiiAtigen Narhwudises versprechen ru dürfen. Die Fiiinle Posen ist mit Ablauf des Jahres(928 gewilosseu worden da wir nnter den gegebenen Verhältnissen uns aeina gedeihliche Weilerenlwichlung versprechen konnten- In den bisherigen Räumen erfolgt nur noch die Abwicklung der Gcachäfte. Geschlossen wurden femer die Zweigstellen Hildburg- tansen und SteinaA(Thüringer Wald).-...., Die Norddcntsehe Bank In Hamburg hat auf ihr Aktien- kapital von(2 000 000 RM einen Gewinn von(0% varteüt, der in unserer diesjährigen Gewinn reduiung erscheint...... Der A Schaaffbenseisehe Benkvereim Aktieu- gesellschaft in Köln verleih euf sein Aktienkapital von 23 000 000 RM für das Jahr(>28 eine Dividende von(0%. die ebenfalls a unsere diesjährige Gewinnrechnung eingestellt ist._,.,____, Hinsichtlich der Entwicklang der Norddenlschen Bank in Hamburg nnd des A. SchaeShanten•sehen Bankvereins A.-G. in Köln im Einielneo verweisen Wir snf die Jahresberichte dieser beiden Insüinte... Die Süddentsche Diseoato-G«seil« c b a f t A.. G. in Mannheim hat im verflossenen Geschäfts Jahne befriedigend gearbeitet und, durfte «in' dam vorjährigen nicht nadistekendas Ergebnis emejt haben. Die Vor- iSffWitliehung das Abschlusses weht nodi ans.,....., s...... Auch hm dem Bankhaus L. P f a l f f e r in Kassel haben rieh die Geschaf'e normal entwickelt und für das abgeteufon« Jahr ein angemessenes Emegn-s Unsere kommandiiarischa Beteüiguug bei d«n Bankhanse Philipp Eli- m e y er in Dresden hat ein dem Vorjahr ontsprediendea gutes Crgebm- � Vörden Banken im Ausland«, an den«» wir maßgebend beteiligt Sind. berichten wir folgende*;.,_.,.... Die Handel. Maatseheppll H. Albert de Barr«. ,G«. Amsterdam, hat für das Geschäftsjahr(«7/28 bei Unverändertem Aktienkapital in Höhe von» Milliooan hfl ainen Brnttogewmn»on rund 3 Millionen hfl. nnd einen BeingewiM von 1.» Millioncm hll. ansgew�m ans dem wie ia vergangenen Jahre. 7% Dividende ansgeschntiet und 500 000 hfl. den offenen Reserven rugefiihrt werden. Di« Jets,«reo wachten damit auf s.3 Millionen hfl.- 30% des Aktienkapitals an. Mit einer Bdan�mmc vnn nber (00 Millionen hfl., von denen annähernd 68 Millionen>>N-»«k tremde Gelder und(? Millionen hkl. auf dos eigene Aktept eniWIen. beutst das AmMer- damer Hans einen Wirkungskreis von erheblicher Reichwaiie. Das Gesdiaft unserer Amsterdamer Freunde, dessen Crnndlagen nach wie vor auf d« Pflege der internationalen Effekten- nnd Deusen- Arbitragen den Waren rem bonnes und Emissionsgeschäftes beruhen, befindet sich Un Ä' gerade auf diesen.Arbeitsgebieten siandig neu auftauchenden mternationaZea Aufenbcn weiter in aufsteigender Entwicklung.,.. Das Bankhaus Ephrussi& Co., Wien, hat im wfloaaencm Iahte den Ausbau seiner Auslandsverbinduagan fortgesetat, während daalnlandagesAaft im"Einklänge mit der allgemeine« Wirtschaftslage m Oaatenwcji«um weitere Ans|ehnuhg �nkht erfiriir. � jra Berichraiahr gnfriedenateilend ge» arbeitet Von der unter de# Auspizieü de» Völkerbund»»bfe»ÄJo»8en«n Siabilisierangfanleihe wird im laufenden Jahre tiM weitere Knssohdirmng der wirtschaftlichen Verhältnisse Bnlgancns erwartet Die leiehie Besserung der Wirtschaftslage Braahmu.nt»-Ge«ellSckaft..... 135 000 000 RU Bilanzmäßige Reserven der Diseoiito-Gesällschaft. 33 000 000., Bilanzmäßige Reserven der Norddeutsche» Bank in Hamburg..........,. 5 000 000„ Bilanzmäßig« Reserven des A 5 draaff bansen sehen Bankverein« A,-G. in Köln........__ 9 509 000 Ensatame» Kapital und bilanzmäßig« Resezv«n�?OI 300 000�RM Berlin, im Mir» 1429. Direction der OIscento-Gesellschaff. Die CeaehafUinhaber (Fersonjidi haltende GesellschafieiJ Dr. Salomensohn. Dr. Russell. Erbig. Soli Moeler. Sehliepug. Th. Frank. 2. Beilage des Vorwärts o— Ttr. Iii• 46. Jahrgang Großbank Nummer 5. Oeuische Rank ist die größte v-Vank geblieben.— Häufung von Reserven. Mit der Deutschen Bank hat jetzt die dritte D-Dant und die fünfte Berliner Großbant ihren Jahresabschluß bctanntgeeben. Die Deutsche Bant, mit der besonders die Disconto tonturriert, ist die größte v-Bank geblieben. Sie hat heute 181 Niederlassungen, 10? Stadtniederlogen, darunter 37 in Berlin. Zum Verdauen anderer Banken hat sie«inen guten Magen. 1928 hat sie die Hildes- heimer Bank ausgenommen, im Jahre 1929 ist die Osnabrück« Bant gefolgt. Das Jahr 1928 war für die Deutsche Bant scheinbar besonders glücklich. Die Gcsamtsumtne der fremden Gelder, mit denen sie ihre Geschäfte macht, ist von 1872 aus 24M Millionen, also um weit über eine halbe Milliarde oder um fast 30 Proz. in dem einen Jahr ge- stiegen. Aus Akzepten hat sie ihre fremden Gelder um 14,8 auf rund 103 Millionen erhöht. Bei der Verwendung dieser Gelder zeigt sich in vollswiri- sämtlicher Betrachtung dasselbe Bild wie bei den anderen Groß- danken. Der größte Teil der neuzugegangenen fremden Gelder wurde»ür die Gewährung von Wirtschaftskrediten verwendet und nur ein geringer Teil der Spekulation zur Der- fügung gestellt. Die Wcchselbestönde stiegen um 241 auf rund 072 Millionen Mark oder um 30 Proz., die aus lagernde oder ver- frachtetc Waren gewährten Kredite stiegen um 140 auf 317 Mil- lionen oder umrund80Proz. Die in lausender Rechnung ge- währten Kredite erhöhten sich um 179 aus 1188 Millionen oder um mehr als 13 Proz. Dagegen wurden im Umkreis des Börsen- und Effektengeschäfts sehr viel weniger Gelder verwendet. Am Schluß des Gefchäftssahres waren die Börsen, und Lombarddarlehen gegen das Vorjahr um 23 auf 137 Millionen erhöht. Cs sieht so au», als ob die Aitiogefchäste der Deutschen Bank sich im vergangenen Jahre so stark vermehrt haben, daß man trotz der rückgängigen Konjunktur. hesanderz im letzten Vierteljahr, die flüssig bereitgehaltcncn Mittel nicht mit Absicht besonder? gestärkt Hot. Die Gewinne scheinen besonder» groß gewesen zu sein. Wenn Herr Wassermann sagte, er hoff«, andere werden mir der Bilanz der Deutschen Bank ebenso zufrieden sein wie er es ist. so hat das seinen Grund. Rein äußerlich möchte das zwar anders scheinen� denn die Gesamtsumm« der Einnahmen wird mit 178,1 gegen 129,1 Millionen um 1 Million niedriger ausgewiesen als im vorigen Jahr. Wer wenn das Konto der Provi- f i o n e n, dos bei anderen Großbanken entweder nicht oder nur sehr wenig gestiegen ist. mit 72.1 gegen 68,8 Millionen um fast 4 Millionen höher ausgewiesen ist— daneben sind die Zins- und Diskonteinnahmen um 2.1 auf 30,0 Millionen erhöht—, dann ist an einer sehr beträchtlichen Steigerung der Gewinne kein Zweisel mehr möglich. Dafür spricht auch folgendes: Aus dem Wertpopier- und Kansortialgeschöft werden mir je 1,5 Millionen in die Ein- nahmen-.eiiigestcllk, im ganzen nur ein Drittel gegenüber dem Vorjahr: der große Rest wird stille Reserve. Daraus ergibt sich sehr deutlich, daß die Einnahmen für 1928 viel höher sein müssen als im Jahre 1927. Da man nur die gleiche Dividende von 10 Proz. auf das 130 Millionen-Kapitol verteilen wollte, da die Handlungsuntosten mii 82,1 Millionen ja noch um IL Millionen niedriger liegen als im Vorjahre und die Steuern mit 13,74 Millionen nur um 300 000 M. höher, mußte natürlich nach allen Regeln der Kunst an Gewinnen versteckt werden, was zu verstecken war. Aus diese Weise komm: die Deutsche Bank zu einem Reingewinn von 23,87 gegen 23,38 Millionen im Vorjahr, der mir nüt 15 Millionen für die Dividende gebraucht wird, mit 3 Millionen aber(gegen 2,3 im Vor- fahr) die offen« Reserve stärkt, den Beamtenpenfionsjonds aus 8 Millionen erhöht(mit dem doppelten Betrag als im Vorjahr) und noch eine Sondcrabschreibung von 1,5 Millionen aus den Grund- besitz erlaubt. Dazu brachte das Jahr 1928 noch einen in der Bilanz bisher nicht aktivierten reinen Vermögenszufwß von 13 Millionen Mark aus der Freigabe von in Amerika beschlagnahmten Ver- mögen, aus dem weitere 7,5 Millionen an die ofsen« Reserve gehen, so daß sich diese bei einem Kapital von 130 Millionen jetzt aus 90 Millionen oder 60 Proz. des Kapitals erhöht. Dem Personal wurde eine gewaltige Arbeit zu- gemutet, 1927 war der Umsatz um 42 auf 207 Milliarden gestiegen: das Personal wurde um 1000 K ö p s e reduziert. 1928 stieg der Umsatz um 18 aus 223: weitere 300 Mann wurden entlassen. Das muh beachtet, darf auch in der Deuffchen Bank nicht vergessen werden. volkswirlschastlich interessante Zstilteilungen. D« gedruckte Geschäftsbericht der Deutschen Bank liegt noch nicht.>ae, ober in der Prcssebesprechung hat Direktor Wasser- mann«mlge Anssührnngen gemacht, die auch voltswirffchostsich von Tedeutung sind und darüber hinaus von einem Willen zur Publizität sprechen, wie er bei der Deutschen Bank zwar voraus- gefetz: wird, bei anderen Banken nichtsdestoweniger zur Nachahmung empfohlen sei. So wurde gesagt, daß der Anteil der ausländ!- Gläubiger an den fremden Geldern.in ollen inländischen Niederlassungen auf 35 Proz. gestiegen sei. Von den im Inland in Reichsmark gewährten Krediten eittsallen dem Betrage nach 18 Proz. auf Kredite bis 5000 M., 2(5,39 Proz. aus Kredite von 3000 bis 30 000 M..(5.42 Proz. auf Kredite von 30 000 bis 100 000 M. 16,95 Proz. aus Kredite von 100 000 bis 1 Million Mark und 32,04 Proz.ous Krediten»», über 1 Million Mark. Die in Reichsmark gewährten Kredite baben sich um 26,4 Proz. er- bäht. Auf der anderen Seile cnffallen auf die in Reichsmark her- eingenommenen fremden Gelder(Kreditoren) 89 Proz. oller Konten(!) auf Beträge bis zu 5000 M. und 97,5 Proz. auf Beträge bis zu 20 000 M. Hier wäre wünschenswert, daß nicht nur die Konten zahl, sondern auch die betreffenden Kreditoren- summen ausgcgliadcrt würden, soweit wie die Midland Bank, nämlich bis zur Berteilung der Kredite an die«ln- zelncn Industrien, ist auch die Deutsche Bank hier noch nicht gegangen. Die Sicherheit des Wechseldistontgeschästes. da- mit die Sicherheit im Wirtschaitslcbcn allgemein, kennzeichnet eine andere Zisi«. Von den 2 Milliarden Mark(ahne Bant- und Schatz- Wechsel) bei der Zentral« im Jahre 1928 hereingenommenen Waren- wechseln kamen 0,53 Proz. zu Protest, d. h. sie janden bei der Ein- lösung Schwierigkesten. Bank- und Schatzwechsek offenbar«inge- rechnet entfiel auf den einzelnen Wechsel im Durchschnitt ein Betrag von 1626 M. Neues zur Sonjuuklur.— Selbstfinaazierung uud stille Referveu in der Wirtschaft. Recht wertvoll scheint uns ein Versuch von Prof. Dr. Palyi. über dessen Ergebnisse wir nach dem Vorliegen des Geschäftsbericht» noch Näheres mittesten wollen. Dr. Palyi hat bei 500 der Deutschen Bank nahestehenden Unternehmungen ein« Statistik über die Entwicklung der Vorräte tm vergangenen Jahr ausgenommen, aus der sich ergeben soll, daß im Laufe des letzten Jahres Borräte im erheblichen Maße oerkauft worden seien, woraus sich allein erklären laste, daß bei gleichgebliebenem iiständi- schen Umsatz und im wesentlichen nicht veränderter Produktion dennoch der Export um ein« Milliarde vermehrt werden konnte. Eine Feststellung, die denjenigen des Konjunkturinstituts nicht ganz entsprechen würde. Herr Wassermann von der Deuffchen Bank gehört erfreulicher- weise nicht zu den kapitalistischen Unternehmern, die aus ihrem Herzen �in« Mördergrube machen. Er ist der Meinung, daß die Unternehmungen so viel als möglich Selbstfinanzierung treiben und stille Reserven aufhäufen sollen. Dos gelle insbesondere für die Banken. Daß das ehrlich und volkswirffchoftlich gedacht sei, ergebe sich daraus, daß die Direktoren von Großbanken als Grohaktio- n ä r e ihrer Institute ja selbst ein Interefle daran hätten, möglich viel Dividend« zu bekommen, daß sie aber als Mitglieder der Bantenoerwaltung eventuell Prozesse gegen die Aktionäre führen, um. wie er kühn sagte,„das Dioidendeneinkommen der Direktoren nicht zu erhöhen". Er sprach dabei von der deutschen Volkswirtschaft als einem Knaben, der heute erst fünf Jahre alt sei fest dem vollkommenen Zusammenbruch der In- slaffon. Es fei foffch, wenn dieser Knabe danach strebe, allzu schnell ein Mann zu werden. In dieser Linie liege auch die Begründung, weshalb Selbstfinanzierung und Bildung stiller Re- serven volkswirtschaftlich eine Notwendigkeit sei. Wir finden nun diese Art der Begründung sehr offen, mensch- lich und nett. Wir glauben nichtsdestoweniger, daß Herrn Wasser- manns Anschauungen falsch sind. Ganz abgesehen davon, daß seine Kollegen in Banken und Industrie Selbstfinanzierung treiben und stille Reserven bilden, das vor der Oeffentltchkest ober streng geheim halten, und dann nicht genügend jammern und schimpfen können über sozialpolitische Derschwendung und steuer- politisch« Auswucherung, scheint es uns auch für die Wirtschaft nützlicher, wenn die Banken zuerst einmal ihre Krediige- Währung verbilligen. Denn billigere Kredit«, geringere Provisionen und«ine kleine Zinsmorge nützen der Bolkswirffchaft durch Kostensenkung mehr als große Gewinne durch unangemessen« .Kapitalpreise, die mir durch die Erhöhung de? Kreditkostrn in der Wirffchast erreicht werden können. Arbeitslosigkeit auf dem Höhepunkt. Die Arbeitslosigkeit ist in der Woche zum 2. März nach den Berichten der Landesarbeitsämter noch langsam gestiegen, sie hat damit den Höchststand des Krisenjahres 1926 um etwa«ine halbe Million überschritten. Neben den unmittelbaren Folgen des Winters treten wachsend mittel bore Folgen auf. Infolge kohlen- mangels find immer noch Betriebe geschlossen. Die völlige Arbeit»- ruhe aus dem Baumarki drück» schwer aus die Entwicklung im Metall, und holzgewerbe. Die ftoiffktaji ist geschwächt, zumal der große Ledars an Hausbrand sie von sonstigen Verbrauchsgütern abzog. Berliner Konsum im Februar. Wieder ZV Prozent llmsaßsteigerung in der KGB. Trotz der durch die schwer« Kälte stark gesteigerten Arbeits- l o s i g k e i t und den damit verbundenen Kaufkraftverlusten vieler Zehntausende von Mitgliedcrfamilien konnte die Konsum- genossenfchaft Berlin im Februar ihren ll m s a tz gegenüber dem gleiche» Monat des Vorjahres um 1 312 998 Mark von 4 416 887 aus 3 729 883 Mark, d. h. um 29,7 Proz. erhöhen. Dabei hatte der diesjährige Februar«inen Berkaufstag weitiger als der Februar 1928. Die F l c i j ch a b g a b c st e I l e n haben mit 113,8 Proz. ihren Umsatz am stärksten erhöht, wobei allerdings zu berücksichtigen ist. daß ihre Zahl innerhalb Jahresfrist von 17 auf 29 vermehrt wurde. Die Warenhousabtciliing bleibt sehr interessanter weise hinter dem Durchschnitt der Umjatzvcrmehrung mit 13,8 Proz. Steigerung zurück. Hier zeigt sich messerscharf, wie die ver- ringertc Kauskrasr der Massen in erster Linie den lebcnsdring- lich st en Bedarf befriedigt und den Einkauf von Bekleidung, Wäsche und Hausrot aus Zwang vernochlösiigt. D«r Mitgliederzuftrom zur Genoslenschatt hält u»- oermindert an: 2848 Familien schlössen sich im Februar der Genossenschaft an. Die Mitgliederzahl stieg aus 168 023, die bisher allerhöchste, selbst in der Inflation mit ihren Papiersoldaten nicht erreicht« Ziffer. Das einzelne Mitglied hat auch erheblich mehr gekauft:>m Februar 1928 nur für 29,62 Mark, im Februar 1929 dagegen für 34,10 Mark. In der Sparkasse der KGB. überstiegen die Einzahlungen um 1 091 283 Mark die Auszahlungen. Der Einlagenbestand stieg da- mit zum Februarende auf 32 307 890 Mark. Große Steigerung d«r Oelausbeule bei der Shellgruppe. Einen mochtigen Aufschwung hat im letzten Jahr« der eirglffch holländische Oelkonzern der Shellgruppe, das Unternahmen des bekannten Balschewistensresiers D e t e r d t n g, genommen. Die jetzt bekannt gewondenen Produktionsziffern an Rohöl schlagen alle bisherigen Rekorde. Währeich die Förderung im Jahr« 1926 nur 13,5 Millionen Tonnen betrug, und im folgenden Jahre sich auf 16,9 Mill. Tonnen erhöhte, stieg'sie im letzten Jahr« sprunghaft auf 22,1 Mill. Tonnen. Da die W e l t p r a d u k t i o n 1928 aus etwa 190 Mill. Tonnen geschätzt wenden kann, ist der Anteil der Shellgruppe � in einem Jahre von 9,5 aus über 1l,3 Proz. gestiegen Die stärkst e Zunahme von den einzelnen Oeldistriktcn der Gesellschaft Hot Venezuela auszuweisen, das mit rund 7 Mill. Tonnen eine Steigerung seiner Ausbeute um mehr als 60 Proz. gegenüber dem Vorjahr« ausweist. Niederschlefischer Bergbau. Oer Montantrust in? Waldenburger Hungergebiet. Der Zusammenschluß der Waldenburger Kohlenzechen und di« vor anderthalb Jahren erfolgte Gründung der Riederschlesi, schen B e r g b a u- A.-G., die außer dem Grubenbesitz des Fürsten Pleß sämtliche Zechen dieses Reviers oereinigt, war von der Not diktiert. Der Waldenburger Kohlenbergbau besitzt zwar reiche Kohlenvorkommen in Höhe von etwa 600 Millionen Tonnen, doch arbeitet er unter d«n denkbar ungünstigsten geologi- schen Berhältnissen. Auch der Eigenverbrauch des Reviers beträgt wegen der fehlenden Großindustrie nur 10 Proz., während er in anderen Steinkohlenbezirken bis zu 60 Proz steigt. Die Waldenburg«? Zechen sind also fast ausschließlich auf Fern- absah angewiesen, der aber seinerseits durch die schlechten Frachtverhältnisse sehr erschwert ist. Die Derlustwirffchoft der Zechen vor der Verschmelzung, die nicht einmal durch die Glanzkonjunktur des deutschen Kohlenberg- baues 1926/27 beseitigt werden konnte, stempelte das Waldenburger Kohlenrevier mit seinen rund 27 000 Mann Gesamtbelegschaft zu einem der finstersten E l« n d s g e b i e t« In Deutschland ab. Der jetzt veröffentlichte erste Jahresabschluß des neuen Montantrusts läßt aber unzweifelhafte Erfolge der Verschmelzung und eine gewisse Entspannung der Lage erkennen. Das Gesamtergebnis der Kohlenförderung ffl mit 3,56 Millionen Tonnen günstig. Auch die Koksproduktion weist mit rund 715000 Tonnen höhere Ziffern ans. Die Belegschaft des Unternehmens ist um etwa 1500 auf insgesamt 17 000 Mann zurück- gegangen, so daß die Leistungen je Kopf und Schicht sich bedeutend erhöht und zu sinkenden Selbstkosten geführt haben. Bei gutem Koksabsatz und bis zum Sommer gleichfalls be- frfedigendem Kohlenverkauf muri» In dem Berichtsjahr 1027/28 ein Rohgewinn von 5,14 Millionen Mark erzielt. Nach Absetzung der Unkosten, Steuern und Abschreibungen von allein 2,6 Millionen verbleibt ein Reingewinn von 383 000 Mark. Berücksichtigt man. daß das erste Betriebsjahr 1927/28 noch ein I a h r d e r Um- stellung und Neuorganisation war und daß die unter sehr günstigen Bedingungen gegebenen Staatskredite van 11 Millio- neu noch nicht in Anspruch genommen wurden, so ist dieser Abschluß nach der jahrelangen Derwstwlrtschoft nicht ungünstig. Bei Fort- sctzung der notwendigen Rationalisierung wird sich erweise'», daß die in dem Oktoberkampf erzwungene Lohnerhöhung der Beleg- schosten dem Unternehmen nickst? geschadet hat. Die Gewinne im Maschinenbau. Auch 1925 war ein gutes Jahr. Unffatzsteigerung und erhöhte Gewinn« sind das Kennzeichen des Abschlusses der Maschinenfabrik und Eisengießerei Wegclin u n d H ii b n« r A.- G. in Hall«. Das ganze Jahr 1928 wurde voll gearbeitet, In einigen Abteilungen sogar in drei Schichten. So konnte die Gesellschaft trotz des sechswöchigen Streiks ihren Rohgewinn von 0,86 auf 0,98 Millionen Mark und den Rein- g e w i n n mff 370 000 M. steigern, so daß auch die in den letzten drei Jahren gezahlte Dividende von 7 auf 8 Proz herauf- gesetzt wird. Der Auftragsbestand im neuen Jahr ist gleichfalls gut, und' die Verwaltung rechnet daher mit dem gleichen hohen Gewiimergebnis für 1929. Die Hallesch« Maschinenfabrik A.-G. kam, zwar ihren Aktionären auch 6 Proz gegen 7 Proz. Dividende im Bor- jähr« auszahlen, jammert aber Stein und Bein über di« sozial- politische Entwicklung in Deuffchland, die auch die letzten spät- lichen Gewinne noch' aufzehre. Dabei steht die Gesellschaft finanziell glänzend da, denn bei einem dicken Bank- polster von 690 000 M. und tiber 500 000 M. weiteren Forderungen, betrogen die Schulden noch nicht 360 000 M., zu deneir noch 173 000 M. Anzahlungen der Kundschaft kommen. Auch dieses Unternehmen, das hauptsächlich Maschinen für die Zuckerindustrie baut, hat für mehrere Monate Arbeit vorliegen.— Zu gleicher Zeit wird bekannt, daß die Badische Maschinen- f a b r i k in Durloch für 1928 wieder 11 Proz. Dividende zahlen wird. Di« Lag« im deuffchen Maschinenbau hat sich im letzten Jahr, nach diesen Wschliisien zu urteilen, im Durchschnitt also keineswegs verschlechtert. „Wohnungsbauwirtschosk und Wirtschaftlichkeit im Bauen." Die groß« Tagung der Reichssorjchungsgeselffck>asl für Wirffchostlichkeit im Bau- und Wohnungswesen, die aemeilffom mit Über 40 Ver- bänden, darunter der Fachgruppe Bauindustrie sowie der Fach- gruppe Steine und Erden des Reichsverbandes der Deuffchen In- dustrie, dem Verein Deutscher Ingenieur«, den» Bund Deuffcher Architekten, dem Deutschen Werkbund usw. durchgeführt wird, ist auf den 13. bis 17. April 1929 sestgelegt worden. kortellabwehr der Texttlienkäuser. Wie die Handelszentrale Deutscher Kaufhäuser mitteilt, haben sich sechs führende Textileinkaufs-Berbände in Berlin, Chemnitz, Hamburg, DüsicHdorf, Dortmund und Erfurt zu einer Schutzgcmeinschost unter dem Nomen..Vereinigte TextilEinkaufsvcrbändc" zusammengeschlossen. Do der Einkmif dieser.lechs Gruppen weiterhin getrennt erfolgt, so ist in der Gründung keine Vertrustung des Einkaufs van Tertilfabrikaten zu sehen, sondern es soll eine gemeinsame Ab wehrsron t gegen willkürliche Bestinmningen der Texfflkortelle geschossen werden. Da diese Organisation einen jährlichen Umsatz von 400 Millionen hat, ist sie auch stark genug, um rigorosen Kartellmaßnahinen wirksam zu begegnen. Fracht enoerteuerung für getrocknet« Futterkartosseln ausge- gehoben. Auf Antrag des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschost hqt die R c i ch s b a h»- G e s e l l s ch a s t mit Wir- kung vom 1. März 1929 den Tarif für getrocknete oder gedörrte.Kartoffeln zu Futter zwecken dahin ge- ändert, daß für die Frachtbcrechnung die vor dem 1. Oktober 1928 gültig gewesenen Frachtsätze anzuwenden sind. Damit wollen di« beteiligten Stellen di« Verfütterung von Frost- kart'offcln fördern. Bielefelder Fahrrodverluste. Die Göricke-Fahrräd- werke A.-G. ü' Bielefeld legt noch einem Verlust von rund einer Million, der größtenteils durch notwendige hohe Sonder- abschrelbungen aus Anläget» und Vorräte entstanden ist, ihr Kapital von 2,1 auf 1,05 Mill. M. zusammen. Der schlechte Abschluß hängt mit der allgemeinen Uebersetzung im Fahrradbau zusammen. Jetzt ist die Gcsellschast nach den Ausführungen der Verwaltung mit Austrogen so gut eingedeckt, daß bis Mai die Leistung?- fähig keit de r Betriebe auf das äußerste onge- spannt sei. Zur Beschaffung neuer Mittel wird das Kapital nach erfolgter Sanierung auf drei Millionen heraufgesetzt. Gescitönsbericht der Dresdner Banü IUP 1928. l'«s r*hr 1928 u�bcopsvvvox�v. di« dsf IV-atsAUod dar N"-------"' „---------- Nacbkricfig�ii k«inzeidiD«n tm<3 imm�r vi�d at brwei«£a, daß wir uns nach nicht In Aiocr nnmialftD EoiwirklTinr de finden. Unier rteo nnsAr WirtAduifTRiAbAn nn�än�tix bA«jijflaM€Qdfn Tat- >«chfto peh�reo die Bcparaliftncn nnd die Kapitalpöt«ng rasamniftD. Kann die Rena rationsf rage, deren endgültige Lösong jetrl von neuem versucht wird, nienf so gercgoilt werden, aafl dem Anwachsen des den Ischen Kapitals weiterer Spielraom gelassen wird als bisher, so wird die Kapitalnot nicht fort bestehen, sondern noch drückender werden, da die Wirtschaft die durch bedingten hohen Zinsen nicht entrichten kann, ohne sich langsam aufzuzehren. Die Statistik des deutschen Kapitalmarktes zeigt, da.fi die. wachsenden Einlagen bei Sparkassen sowie die stark gestiegenen Versicherungssummen— a.l.v» die Haupt quellen der deutscheu Kapitalbildunc— mehr auf dem Gebiete der Bautätigkeit Verwendung gefunden haben. oRne übrigens den auf dem Baumarkt herrschenden KapitAibunger auch nur annähernd l'e friedigen zu cm nur sie vet den panke.n. durch die die weitere Alimenticrung der Wirtschaft im vergangenen Jahre erfolgt ist. beruht zum großen Teil auf dem Zufluß aus- landiseheo Kapitals. Dabei het die Verfassung des Kapitalmarktes im letzten Jahre, der fast völlige Mangel an Reakhonsfahürkci* auf Zins- und Konjunkturschwankungen gezeigt, daß'**■''' der deutsches•Wirtschaft auf die HR MWWWWSU�SW�IWWWMMWWW da* Problem der Kapitalbedarfsdeckung ___________— Dsuer nicht als eine reine Frage der Zinshöhe aufgefaJh worden darf. Maßte schon die gcsdüldcru; Vorfassung de* Kapitalmarktes auf die Kursenfv ick lang an der Börse ungünstig wirken. V) trug die der Wirtschaft fehlende Möglichkeit einer Konsolidierung der kurzfristigen Varp fli ch t ungen, zumal in einem Zeitpunkt sinkender Konjunktur, wieder das ihrige dazu bei. um eine optimistischere Beurteilung der Lage seitens der Börse nicht aufkommen zu lassen. Jko konnte denn das Wicder- er wachen des Ausland si n teresse* für deutsche Werte, die sich zunächst nur auf bGsnmmte Aktjengrnppen, wie Kali-, Elektro-, Farben- und einige andere Werte erstreckte, der Börse wohl einen gewissen finanziellen Bütkhalt gewähren und damit zu einer In ruhigen Bahnen sich voII/.ie.henden Entwicklung beitragen; eine nennenswerte, länger währende Belebung des Gcsdhäft» vermochten aber auch diese AuslandsKäufe nicht herbeizuführen. Die deutsche Ideologie der Nachkriegszeit hat bewirkt, daß den Kräften, die unsere Kapital not von außen her erzeugen, ein klares Handeln nach wir»- schaf Uichen Notwendigkeiten nicht gegenüberstand; vielmehr hat sich von Jahr zu Jahr in steigendem Maße ein System herausgebildet, das den Wünschen des Konsums mehr Rechnung trägt als den Erfordernissen der produktiven Wirtschaft. Diese* System, das Deutschland mehr und mehr deu Charakter eines sogenannten Wohlfahrtsstaates gegeben bat, zeigt sich vor allem in den starken Aufwendungen für Sozialpolitik und in den in Deutschland eingeführten Steuergrundsätzen. Das Jahr 1928 hat bewiesen, daß die Arbcitszcitgcsctzgebung eine Minderung der Arbeitslosigkeit, wie sie von den Befürwortern des Gesetzes in Aussicht gestellt worden ist, nicht berbeigeführi hat; es bat vtelmckr dargetan, daß die Beschäftigungsoiörlichkeit eine Frage der arbeitschaffcoden Kos- j u n k t o r ist, die nur durch einen gesnnden Kapitalma rkt fundiert werden kann; e* hat auch ein helle* Licht geworfen auf die Mangel In unserem Scblichtangswo. sen bei Lohntarifstreitigkeiten. Bei dem schmalen Wfrfscnaitsspielratil», der dem deutschen Volke verblieben ist, erheischt der Widerstreit der Interessen allerdings die Notwendigkeit eines objektiven Ausgleiebs, jedoch in einem Verfahren, das der Verantwortung gegenüber den le.lK.nsbodingungen einer gesunden Wirtschaft >oll Pechnung trägt und den—>:i:— �—*----«------- � � � �----:— des vergangenen Jahre* hat ai eine, auf sozial pol ii.i schoo Maßnah man geiri.._____.... w Kaufkraft der Bcvölken�ng für die Pröcluktjoo auf die Dauer nicht tragbar ist. daß vielmehr die These von der Notwendigkeit eine* starken Binnenmarktes ihre Grenzen da hat. wo die Produkt Jon smittal durch eine Erhöhung der Gestehungskosten nicht mehr gewinnbringend verwandt werden können. Wenn sich der Konjunktnrabstte.g im vergangenen Jahre ohne starke Spannungen und nur allmählich vollzogen hat. so ist dies weniger auf die kUnnt-l liehe Steigerung der Kaufkraft durch Lohnerhöhungen zurückzuführen, als auf rägt und den politischen Kampf ausschaltet. Die Depression Jahre* hat auch gezeigt, daß in unserem kspt talarmes Lande lolkischOD Mafinah man gegrüjidete künstUchc Erweitorung der ______________ Acvölkarung für die Produktion auf die Dauer nicht tragbat ist. daß vielmehr die These von der Notwendigkeit eine* starken Binnenmarktes ihre Grenzen da hat. wo die Produktionsmittol durch eine Erhöhung der Gestehungskosten nicht mehr gewinnbringend verwandt werden können. Wenn sich der Konjunktnrabstieg im vergangenen Jahre ohne starke Spannungen und nur allmählich vollzogen hat, so ist dies weniger auf die kün*d-l liehe Steigerung der Kaufkraft durch Lohnerhöhungen zu rüde zuführen, als a»]" den auch durch die GoIdarW trage geförderten starken Zufluß von Ausland« gr.ldern, der die Bildung von kon junkturelje.n Gefahrenpunk tan auf dem Kapitalmarkt einschränkte. Ans dem Mißverstehen dieser Zusammen hä n � entstand die tveit verbreitete Meinung, daß Deutschland sich bereits einer behäbigen Wohlhabenheit erfreue, während doch in Wirklichkeil die Wirt- Dreides. im Mär* 1929. Ulait&ep Friscb. Hsr&ert m. autmano. sehaft trotz weitgehender B a tional usierong heute auch uhht aunahered eine Bentabilität erreicht hat, die den gegenwärtigen Verbrauch wirtschaftlich rechtfertigen könnta. Auch in steuerlieher Beztebcng ist den Wünschen der Wirtschaft im vergangenen Jahre keine Pechnung getragen worden. Die Steuererleich te.rungen de* letzten.Fahre* sind lediglich ein Ausfluß der Wohjfahrtepolitik gewesen und haben der Wirtschaft nichts genütjrt. Sie haben das vorbrauchebereite Einkommen erhöht, aber nicht die Produktioo von ihren Unkosten entlastet und ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert. Im Gegenteil verharrt das deutsche die Verteilung der Steuern, in dem alten Zustand, _ I-----■------- MW>VWW»W>WW»Wyavtsche| Steuersystem, vor allem die Verteilung der Steuern, in dem alten der eine schwer« Schädigung der KapiialsmsammJuug bedeutet. So besteht noch unvermindert die Kap, talertr* gas teuer, die bei geringen Effektiverlösen im Inland den Verkehr mit dem Ausland, anf den wir angewiesen sind. hemmt und verteuert. Die steuerliche Bevorzugung der Öffentlichen Betriebe in der Zeit größter Finanznot des Reiches und der Lander gehört ebenfalls zu jenen Afafinahmen. die nur verstanden werden können, wenn man sie in Zusammenhang mit dem oben geschilderten System bringt. Nicht nur aus Gründen der stenerlichen Gerechtigkeit, sondern euch aus Gründen der wirtschaftlichen Lebe rsi cht über die Geroelndefinauzen halten wir es für nöti�, daß mit dieser Bevorzugung aufgeräumt wird. ebeni*o wie wir hoffen, daß die 1 der»M MM r________________ X....... Erörterungen, wie man durch eine Reform der schwerfälligen und kostspieligen Verfassung und Verwaltung de* Reiche* und der Lander der Wirr- sefaaft Erleichterung verschaffen könnt*, endlich zu einem Ergebnis geführt werden. Wie auf keinem anderen Gebiete berühren sich hier die Interessen aller Zweige der Wirtschaft mit den politischen Noiwcndigkeifeu- Untcr den geschilderten Verhältnissen hat die L a d d w i r t s e h a f t am meisten gelitten. Die unbefriedigenden, unter den Produk ur.n?Vosten liegenden Weltmarktpreise für Getreide, die für die deutsche Landwirtschaft durch den Getreidezol! nicht in genügendem Maße ausgeglichen werden, ebenso die schlechten Preise für Fleisch produkte sind zwar IntemationaJen Charakters und der deutschen Wirtschaftspolitik nicht zur Last zu legen, aber die im Jahre 1928 immer mehr hervortretende Widerstandsunfähigkeit vieler land- w i rischaft Ii«her selbständiger Botriebe, wozu auch die mittleren Und kleineren gehören, rührt in erster Linie davon her, daß man die deutsche Kapital- bildung sowohl von Beilen der Repatationsgläubiger. als auch nnfe.r dem Gesichtspunkt eigener finann- und sozialpolitischer Maßnahmen nicht genügend pfleglich behandalt hati Neben den sehr widiiigon Bestrebungen, die Milch- nnd Fle.ischprodukte zu standardisieren und nualitativ zu heben, wofür seit dem Baukiortage in Köln auch in der breiten öeffentlichkeit immer mehr Ver- M"•>•- � Zinsfußes und die billigere idbste Aufgabe an erster Stelle. ______________ �____._______ Der de.ntschen t�and Wirtschaft muß in dieser Be.ziehuug ein bevorzugter Platz eingeräumt werden, da ein weiterer Vorfall der landwiristha filichen Betriebe nicht ohne ernste Folgen für die Gesamtwirtschaft bleiben kann. Dem aufmerksamen Beobachter kann auch nicht entgehen, wie schwer die Kapitalnot auf einem anderen, wesentlichen Teü des WirischaftskÖrpers. den kleineren und mittleren Betrieben lastet, die bereits durch die Inflation am härtesten getroffen waren. Es wird oft der Fehler gemacht, dafi man die schlechte tage dieser kleinen Mittelbetriebe übersieht, weil ihr Existenzkampf im einzelnen kantn unter starken Nebenwirkungen nach außen in Erscheinung tritt. BeJbst die Konkutsstaiistik sagt über sie wenig aus, weil diese untergehenden Betriebe sehr oft ohne Konkurs still liquidieren und damit fast unbemerkt verschwinden. Dabei werden durch diesen Prozeß vod Jahr zu Tahr immer breitere Lücken geschaffen, die das Bild unserer W i rischaf isstruktur stark verändern. Vielfach gehen die bis dabin seibin andej* Berufe über, namentlich in den Zwischen- Handel (tltings- sfändigen Unternehmer gestört und apparates am ande.re Berufe über, namentlich in den Z w rvölkert t ____—______ Ceborl ro ungünstigen Einwirkungen auf iroduittire.r eise ändige � �______________ 4_ h a n d e 1. wobei dieser nicht nur übervölkert und der altei� ------------ I_______ I p)%tai*eite her«ine Verschärf unjz, die sich nach aJIen Richtungen �"'' j!*'---------— üidi eingeengt wird, sondern di ch ro ungünstigen Einwirk' PJ ohnehin diese Weise erfährt der Mangel infolge des F-cvölkerttngsprftolftttft der Kapitalteile ne.r nnd der alteingeseasene ■lastung des Gütervermi if die Preisbildung führt. Auf BeSchä f tigungsmöglichkeif, der dauernde borge bildet, von hin auswirkt, wobei sie in gleicher Weise wie die Versorgungsgrundlage die. Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stark einschränkt. Zu den Organisationsfonnen der deut*meu_ Volkswirtschaft, die sich glückliche Mischung von individueller wirtschaftlicher Betätigung und gemeinsamer Kapitalhilfe aus der Vorkriegszeit und durch die Nachkriegszeit hindurch erhalten und"weiter enfwitkeU haben, gehören die Kreditgenossen- des gewerblJchen Mitie.l5cht«(aHeii.Sotftrie. Obn« Gewähr Nachdruck Mibottn Auf jede gezogene Nummer siad zwei gleich hohe Gewin»e gefallen, und zwar je einer aus die Lose g!. icher Nummer in den beiden VbteUnngen 1 und 11 SZ. Uthungitag 8. März 1039 Sn bei Bormittagsziehung wurden Gewinn« Lb«r 150 N. gezogen 4»«ei»« ,» S000 SB. 990928 380064 4•»»Um H 3000 M. 198299 278266 14««Bisnt ib 2000 SB. 107720114929 U 7481 176967 18671« 188288 246491 28 OttDfmt» M 1000 OL 47480 69040 82826 109097 161039 188)99 102678 1S564Ö 261769 339248 342216 344934 378376 381499 106«u 600 SB. 2042 11833 17986 22378 30970 40168 40172 49906 47328 61316 69691 83975 87790 98277 110743 122265 123184 132365 146292 193372 165172 176536 179210 180664 182811 183187 187979 194146 201932 203360 209481 230523 238187 250483 264440 281201 266167 976610 279202 280760 265696 316642 327830 328643 330086 330927 337917 353521 338099 36 1900 362200 366764 397757 Am 5. März 1929, nachmittags 2 Uhr, starb Frau Busse Oime i» ja hbihu rattnl geb. Deining er im vollendeten 77. Lebensjahre. Seitdem Bestehen des Berliner Gewerkschaftshauses, dem 1. April 1900, war die Verstorbene die unermüdliche und treusorgende, bis in die letzten Stunden ihres Lebens tätige Herbergsmutter. Ihr stilles, aber um so segensreicheres Wirken für die Interessen des Qewerk- schaftshauses und insbesondere lür dessen Herbergsgäste wird bei Zehntausenden von Gewerkschaftskollegen aus aller Welt in dankbarster Erinnerung sein. Die Gewerkschaitshaus G. m. b. H. verliert in der Verstorbenen eine Mitarbeiterin, die in ihrer aufopferungsvollen und nie versagenden Tätigkeif ein leuchtendes Beispiel treuesier Pflichterfüllung war. Mit der Geschichte des Berliner Gewerkschaftshauses wird der Name der Verstorbenen für alle Zeit verknüpft sein. Auisicbisrai und Geschäfislcihmg der Gewerkschaitshaus G- m. b. H- Berlin. Die Trauerfeier findet am Montag, dem 11. März, 18 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt. St«ln*s ISSKOTSg (traft« 30 vsfimgwi zw onnii«. Blnmeaspenden leb« azt li«fect))c«t«:i>cc I Pa-u) CroUet« norm. Robert Meyer MertOTnenetraSe 3 C?de 9)ajirti)nftxe>ie •ana WozMpl IM'S ; juergens < Aiexenderplel 1 Neue KftolKStr.ia tFURNICULUS� 182®«iBtnn, ,» 300 M. 4033 6776 13389 23352 23658 26384 27162 39037 39195 39573 41.372 45718 46833 46866 59960 98010 60842 61987 03424 63926 69972 71426 77602 85234 94288»9342 101119 102068 109932 110811 112704 113488 114281 115942 1 17409 125190 ------ 7«——------------— 128296 134853 136076 137826 142166 144363 153011 155831 155916 168713 170540 175206 175848 181235 188236 190865 197168 199683 201103 205176 2)0632 220769 222836 225324 226733 227106 227344 230109 233704 233987 234198 239942 240484 259667 262854 265760 276272 276538 278646 287371 304369 314804 316733 318464 321623 340800 341215 353621 354428 357039 361298 364613 365618 873132 877767 3n der NachmittagszitHung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 2«ttoinn, tn 9000 M. 22760 10 Ouctn« ,u 3000 M. 16194« 176843 303280 317668 383197 2Mß8*Ä2WÄ|,L 18186 46671 183679 188614 243867 29,647 ...M 9mtnm ,» I.O�Ct 41211 67281 112846 126381 129809 17190»- 217679 260989 278587 295980 337876 342510 389246 372636 „86«SS"" J? 500®-*206 16180 36492 45217 66382 61631 7422! ?II&L8&802 84719 92663 103877 110826 112639 117491 132601. >86802 169636 173721 183973 214136 223346 224546 234919 266736 266864 28278? 29030» 318893 324424 344551 348379 369390 399855 >88 ee?'"« w 300 ö- 1779 3048 411 2 5092 6708 9063 1 1604 1 6693 20765 22079 29037 31637 39302 47070 93477 63487 70192 73036 88541 97033 98246 103902 103974 114322 116160 125850 130369 > 82781 137087 141982 147970 148442 161164 154776 195955 16102' 162752 167060 179291 176234 163295 185639 1875», 9 197186 197Ö2< 198432 199692 204928 216100 216299 223747 226979 227720 22644'. 228748 248800 249500 253028 257116 256191 258639 258791 258861 260104 28)474 262381 262587 284989 276440 293196 294889 303611 304.369 307342 308765 310281 320624 330295 330489 331900 337600 I96 I07 396750 399859 373067 373794 379886 388234 393447 394742 JlnGewinnrad« verblieben 1 ZPramIen zu 500000, Z Gem. zu 50000. 7»11 25000. tft zu 10000. 34 zu 5000. 68 zu 3000, 154 zu 2000 i.-j zu 1000, 938 zu 500, 2514 zu 300 HlorL KLEINE ANZEIfiEN IMmlUPl. FBt5rir«4ia*Bl»PI. inliBij! re-ljrfnit« Wwhl— Jn 1 Iri'Wfzrfn*!) Ii PI..;i1a nltai iirt i« Pf. e«m«Ii nur Iis Ii SiAjUifn rllsiu ffli:«i»orti »uego, mlftt fw dli ilSitc Pmaw tatiaat ii«1.eiunkhitflBt«n 19, iflir aitfm'ffi;» tc fv ü«�-hpt1iiiu te Vimrfm, Ug4mtnb 3, iluzdzr wodccOlsiilt* ihrrfiutiftnc aonm 1''-, Diu de uck«. j il», »«»»Urfr«!». Sekleiiiunzssluclie. 25« I Epeilczimmcr, Zich«. innen Mebaaoni, modernes Dllletf. große Anrichte, WZ.—, eichenes Schlafzimmer, Soiegellchronl, dreiteilig, iomolett. mit Spiraldoden .«nrichlewchcn tIZ.—, Einzel» >>möt>el enorm dillig. Moedel-Bocoel, iMorigolag. isabrilgedaud«.' Totnlaveveeteuf.' Herrcnanz Itrloi --------—........—...eüze. Paletots, Ulster. Wintrrloppcn.. Sportpei-e, g-ahrvelze, SummimUnt«!, Hosen. K-. rnfslleidung, reinwollene Maßstosi» zu Allsverfoufsoretsen. Bekleldungsdau--. Ztnvalidenstrahc IB. Site Z?orstg>teastc� Ststü getragene ftanorieraurbemd, von«illlonltren. Zerzien, Anwälten Sabctlxifl dillig» Breile. 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Winzig �wm- Gestalt, unscheinbar, tfer Gesicht chcn war ganz hübsch, ein bisichsn. sonnverbrannt Aber nichts Besonderes daran. Nur die twei großen, glühenden Augen waren darinnen, die wie Kohlen brannten. Als Johanna siebzehn Jahre alt war, hatte sie schon längst ihre fitem verloren. Ähre Tante, die Schwester der Mutter, die selbst m den dürftigsten Verhältnissen lebt«, empfing sie aus den Armen der sterbenden Mutter und fand für sie eine Stelle als Verkäuferin in einem Selchwarengeschäft in der Hauptstadt.. Der Chef des Unternehmens war ein Mann, krästig wie ein Gebirge. Aber dieses Gebirge fing vor den Blicken Johannas zu beben an. Johanna konnte nichts dafür. Sic wußte nichts van der 2 rast ihrer Augen: es war wader Rafsinement noch Koketterie darinnen. >nü welchen sie ihre saubermacht angewendet hätte. Doch der Chef pilcgte häufiger in diese Augen zu blicken, und Johanna mußte sie rasch niederschlagen. Mit Staunen nahm sie wahr, daß ihr der Chef mehr Aufmertsamkeit als dem übrigen Ladenpersonal widmete und daß er am ganzen Leibe wke Espenlaub bebte, sobald er in ihre Nähe kam. Einmal rief der Chef Johanna zu sich ins Bureau, damit sie G.'ld auf die Post trage. Kaum war sie eingetreten, als er chr entgegentrat.„Sehen Sie nicht, was in mir vorgeht?" fragte er. „Ich kann den Anblick Ihrer Augen nicht vertragen. Alle Kraft i crläßt mich, sobald mein Blick dem Ihrigen begegnet." Und der Ehef bebt« dabei wie Espenlaub. Johanna blieb einen Augenblick betroffen über das Neu« diese» Zwischenfalles stehen Sie war fast noch ein Kind und wußte nicht, was sie darüber denken sollte. Doch der Ehef besann sich gleich wieder, ergriff mit seiner mächtigen Rechten ihre kleine Hand und lcgann sie zu küssen und zu herzen. Hör Johanna stand jetzt kein kühner Befehlshaber, sondern ein untertäniger, demütiger Kittender. Las Ganze versetzte Johanna in«tu« eigenartige, bisher'un< bekannt« Seelenverfassung. Aus einem bedeutungslosen Ladenmädchen wurde mit einem Schlage die Herrin der Gefühle eines so mächtigen, gefürchteten Mannes. Nur ganz leise begann sich ihr Inneres zu regen, als sie ihr Chef inständigst um ein Stelldichein bat. Sie müßte die Stellung wechseln, sie müßte sich anderweitig nach einer Beschäftigung umsehen. Doch brachte sie die Kraft dazu nicht auf. Sie war froh, daß um sie gesorgt war. Nach der ersten Zusammenkunst trat Johanna formell aus dem �Unternehmen aus. Es war nicht notwendig, daß- sie den ganzen Tag hinter dem Ladenpult stand. Der Herr Chef mietete ihr ein schönes, behagliches Zimmer und umgab sie mit allem Luxus, von dem sie einst nicht einmal geträumt hafte. Cr schaffte ihr feine Wäsche, schöne Kleider an. Und mich an Bargeld hatte Johanna niemals Mangel. Polle zwei Jahre verbrachte Johanna untätig in diesem Luxus- leben. Johanna wußte überhaupt nicht, was sie mit der Zell be- ginnen sollte, sie haue ständig frei.'Sie spazierte durch die Straßen, sie kehrte in den Kaffeichäufern ein, am Abend besuchte sie die Kino». Nur bestimmte Augenblicke dieser ihr unendlich lang erscheinenden Zeü waren ihrem Chef gewidmet. Die Quartiersrau war zu Johanna oiißerordentlich dienstfertig und bemüht« sich, ihr in allem zu ent- sprechen. Ilebrigens tum es ihrem Besucher auf eine Banknote gar nicht an. Johanna verlernt« vollkommen, regelmäßig zu arbeiten. Doch nach zwei Jahren trat das«in. was eintreten mußte. Di» Augen Johannas begannen für ihren Chef die Anziehungskraft zu verlieren. Seine Besuche wurden spärlichere, der Chef begann sie zu vernachläsiigen. Doch auch der Zufluß seiner Geldmittel ebbte ob. Johanna mußt« ihn sogar darum mahnen. Diese Situation dauerte noch ein Jahr lang und ließ sich, so gul es ging, überbrücken. Dann aber kamen noch schlimmere Zeiten. Die Quartierfrau drohte mit der Kündigung, ihr untersetzter Leib sträubte sich vor Unzufriedenheit und Zorn auf. Johanna blieb nichts übrig, als all das Schöne zu verkaufen, was ihr ihr Chef angeschafft hatte. Aber schließlich und endlich klopfte doch noch Gevatterin Not an die Tür«. Da begann Johanna fiber die ganze Lag« nachzusinnen und kam zur Erkenntnis, daß ihr ehemaliger Chef doch eine gewisie Verantwortung ihr gegenüber habe und daß es möglich sein dürste, ihn zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Als er auf ihre Mahnungen zu antworten aufhörte, sandte sie ihm einen Brief, mit welchem sie ihm mitteilte, daß sie nicht vor der OefsenUichkeit ver- schweigen werde, was ihr in seinem Unternehmen widersahren sei, wenn er ihr nicht weiter genügend Geldmittel zur Verfügung stellen sollte. Der Chef wurde durch den Brief Johannas sehr beunruhigt. Er war sich einer gewisicn Deranftnortlichkeit bewußt: aber der Drohung nachgeben, das bedeutete für eine lange, ungewisse Zeit die Verantwortung übernehmen. Und so suchte er feinen Nechts- freund auf. um sich mit ihm zu beraten. Der Adnokat erklärte dem Unternehmer, daß Johanna kein Recht besitze, auf eine derartige Weis» Geld von ihm zu erpressen und daß man dem gerichtlich abhelfen könne. Doch machte er ihn gleich- zeitig aufmerksam, daß er sich dadurch selbst in Gefahr setze, wenn er seine Beziehungen zu Johanna bereits zu einer Zeit angefangen haben sollte, da sie in seinem Unternehmen beschäftigt gewesen war, und deshalb lehnte er es ab, persönlich in der Sache einzuschreiten. Johannas Chef empfand es mehr als dringend, daß die Episode mit dem Lehrmädchen schon zu lange dauerte und daß es notwendig fei. sie zu beenden. Er nahm sich daher den Mut und schritt bei Gericht selber ein. Das Glück war ihm hold, die Sache ging im ganzen und großen glatt ab. Es hatte den Anschein, als ob sich Johanna selber bemühte, seine Schuld zu entkräften,«Ks er selber zu versteheu gab. daß es sich ihm nicht um die Bestrafung Johannas handle, sondern darum. Ruh« zu haben, und als er erklärte, daß er bereit sei, etwas für Johanna zu unternehmen, um sie zu einer Beschäftigung zurückzuführen, die er ihr abgenommen hafte. Bald nach dem Gerichtsversahren reiste Johanna nach Berlin ab. Man hafte dort irgendwelche Bekannte für sie ausfindig gemacht. Der ehemalige Ehef stattete sie selber mit dem nötigen Gelde und den notwendigen Sachen aus. Und Johanna begann also zu arbellen.. Doch die Seele Johanna» war in den Jahren des Nichtstuns verdorrt und keinerlei Boden dafür vorhanden, daß der Fleiß in ihr Wurzel soffen konnte. Man erkannte dies sehr bald und entlieh sie. Johanna, ein junges Mädchen, befand sich jetzt ohne alle Stütze im Wirbel einer fremden Großstadt. Um den schweren Kampf ums Brot zu beginnen, dazu war sie nicht geeignet. Eine Zeillann reichte ihr noch das Geld ihres Chess, dann aber befand sie sich in Bedrängnis. Und sich wieder an ihn zu wenden, dazu besaß sie nicht den Mut. In dieser Notlage halfen Johanne ihre schönen, schwarzen Augen, die immer noch wie glühende Kohlen brannten. Johanna lernte es nun, ihre magische Krast auszunützen. Alles um sie herum sprach:„Du hast schöne Augen, aus diesen kann man Geld münzen, ohne arbeiten, zu müssen." Johanna schenkte dieser Stimme Gehör und versank in dem trüben Sumpfe der Großstadt. Man hört« nichts mehr von ihr, man bekam sie auch nicht zu Gesichte. Bis sie eines Tag«» wieder an der Oberfläche auftauchte. Da las man nämlich vor ihr. und zwar in der Zeitung, Rubrik„Ge- richtssaal". Johanna wurde das Schreckliche der Situation, in der sie sich befand, klar. Sie wurde von einem Rachegefühl angetrieben, sich an den Männern zu rächen, die sie so tief herabgestoßen hatten. Dem ersten, dem sie begegnete, nahm sie alles Geld bis auf einen kleinen Bettag ab. Und dann begann Johanna zu schwelgen. Sie mußte sich bettinken. Wenigstens auf einen Augenblick wollte sie an ihre Demütigung, an ihre vergoldete Not, an ihr ganzes Leben vergessen. Ihr nächster Weg führt« sie ins Gejängnis und von dort schob man sie in ihr« Heimat ab. Doch sie blieb schon bei dem gewählten Berufe. Je tiefet sie sank, desto schwerer konnte sie sich zu einer geregelten Arbeit entschließen. Leichten Herzens kam sie wiederum ins Gefängnis zurück. Es war für ihren gequälten Leib ein Augen- blick der Rast. Wenn sie Mangel litt, schonte sie nicht die Taschen ihrer Gäste. Die Erinnerung an die Zeiten des Wohlstandes kehrten wieder zurück. Und da begannen wiederum zwei schwarze Augenpaare wie glühend« Kohlen in der Kerkerzelle auszuleuchten. Augenpaare, die Johanna an diesen Ort gebracht hatten. Das Ge> fängnis wurde ein Zubehör für Johannas Beruf, genau so wie bd den anderen Mädchen, die auf die Anklagebank kamen. Sie glich ihnen vollständig mft ihrem Leben und durch ihre Rücksichtslosigkeit. Das Geheimnis ihrer dunklen Augen blieb wie mit einem dunklen Schleier verhüllt. Niewand fragte sie danach und sie mußte sich auch niemanden entdecken. Und niemand ahnte auch, daß diese schwarzen Augen einst, da sie noch ein junges Mädchen war, demütig und beschämt vor jedem zur Erde blickten, der in sie hineinzuschauen versuchen wollte. kSlnchtlate IMcrfctomg an« da» Tschechisch«» coa I. Stebauna.) 3riedr. Syrefiler:„(jS Nicht da, wo es Max und Mo Pitz juckt, sondern da. wo mein tastendes Ich aus die Außenwelt stößt. Und nicht die Haut selbst juckt mich, sondern in der Haut juckt es mich. Was Jucken ist, weiß ich genau, denn ich habe einen Sinn dafür, erlebe es, bin nicht wie der Blind- und Taubgeborene, dem man von Farben und Tönen vergebens redet, lieber diese»„Es" jedoch, das mich juckt. die eigentliche Ursach« des Juckens, will ich ein wenig nachdenken. Was ist Sinn? Bon sümen habe ich schon als Kind gehört, fetzt zählt man ein Dutzend. Sinn ist Modus der WahrnelMung, Art und Weife der Vermittlung zwischen Außenwelt und Seele. Auch der Hautsinn, um den sich das Jucken dreht, vermittelt zwischen Außenwelt und Seele. Ich will mir die Entslehung des Juckens vergegenwärtigen. Es ist offenbar eine Empfindung, eine abnorme zwar, ein« Paraesthesie, doch immerhin Empfmdurig. Wenn ich den Entstehung so kt zerlege, treffe ich auf gewisse Voraussetzungen, näni- lich aus den Reiz, der physikaüs ch- chemis ch ist und«ine Nerven- «rregung auslöst, dann auf die Fortleitung deifelben zum Gehirn, die ins Gebiet der Physiologie gehört. Diese Vorgänge kann ich mir zur Not erklären, well ich sie mir als Bewegungen von Teil- BerZJiaffeeverbrauch derWelt Normalerweise kommt wohl niemand auf den Gsdanken. daß di« Dänen und Schweden es sind, die«eitaus den meisten Kaffee trinken. Sie verbrauchen pro Kopf der Bevölkerung im Jahre mehr als 7 Kilo, während man in England, das den geringsten Kasfeeverbrauch aufweist, beispielsweise nur H Kilo pro Kopf der Bevölkerung braucht. Deutschland gehört zu den verhältnismäßig wenig Kaffee verbrauchenden Ländern. Es steht nach England, Spanien und Italien mft etwa 2 Kilogramm pro Kopf der Devöl» kerung als Jahresverbrovch an vierter Stelle. Sehr viel mehr Kaffee trinkt man bereits in der Schweiz, wo S'i Kilogramm, und in Frankreich, wo 4 Kilogromm auf den Kopf der Bevölkerung cntjallen. Dann folgen die Niederlande und Belgien mit etwa 5 Kilogramm, die Bereinigten Staaten und Norwegen mit etwa h Äilogramm und schließlich Dänemark und Schweden mft mehr nl»? Kilogramm. Der Weltverbrauch an Kaffee, der seit dem Kriegeende bedeutend gestiegen ist, erreichte im Jahr« 1923/24 mft 1,32 Millionen Tonnen einen Höchststand. Gegenüber einem Verbrauch von IM MMonen Tonnen im Jahresdurchschnitt 1999—1912 ist somit«ine Zunahme um rund ein Viertel erfolgt. Der Rückgang des Weltoerbrauchs im Jahr« 1924/2S war eine Folge des starken Anziehen» der Kaffee- preise am Ende de» Jahre» 1924. Der Verbrauch der beiden Jahre 1920/26 und 1926/77 überstieg wieder ILtz Millionen Tonnen Die Zunahme des Weltverbrauchs an Kaffee ist interessanter' weft« fast ausschließlich auf die starke Steigerung de, Kaff— oerbrauch« in den Vereimgttn Staaten von Amerika zurückzuführen, dürste also eine direkt« Folge des Alkoholverbotes sein. Di« Ver. einigten Staaten nehmen heute mehr als die Hälft« der Welternte auf, während si« im Jahresdurchschnitt 1999— 1913 doch 392009 Tonnen Kaffee verbrauchten, betrug ihr Verbrauch im Jahr« 1926 bereits 964 909 Tonnen. Der verbrauchten Kaffeemeng, nach folgen an zweiter und dritter Stelle Frankreich und Deutlchiand als Haupt« Verbraucher von Kaffee. Erst in weitem Abstand folgen Italien, Schweden. Belgien und die übrigen Länder. Der Kaffeeverbrauch der Bereinigten Staat«, der sich infolg« der Trockenlegung Amerikas fast verdoppelt hat, wird im wefeut- lichen, nämlich zu 90 Proz., durch die Einfuhr von Brasilien und Kolumbien gedeckt. Die mittelameritanifchen Sorten, die früher eine bedeutende Rolle im nordameritanifchen Kaffeeverbrauch spielten, sind In den letzten Jahren mehr und mehr zurückgegangen. Auch die europäischen Länder, mit Ausnahme von Deutschland und den Niederlanden, haben einen Mehrverbrauch gegenüber der Vorkriegszelt auszuweisen, was allerding» zum Tell auch auf die Gebietsvergroßerungen zurückzuführen fein dürste. Der seit Kriegsende größte Kaffeeverbraucher Europas, Frankreich, hatte seinen Verbrauch im Jahre 1922 mft 172999 Tonnen um 54 Proz. gegenüber der Vorkrieg szeft erhöht. Wenn der Verbrauch in den folgenden Jahren auch wieder etwas zurückgegangen ist, so war er dach 1927 noch um 44 Proz. größer als 1913. Durchschnittlich wur- den 69 Proz. des verbrauchten Kaffee» aus Brasilien bezogen, wäh- rend der Anteil der französischen Kolonie an der Versorgung de» Mullerlandes noch unbedeutend fft. Deutschlaich rückte nach dem Kriege infolge seiner verringerten Kauftraft von der zweften auf die dritte Stelle der Kaffee» verbrauchsländer. Mft 86890 Tonnen im Jahre 1922 war der Kaffoeverdrauch auf ein Fünftel de» Vorkriggs Verbrauchs gesunken. denn im Jahresdurchschnitt 1999—1913 haben wir nicht weniger als 131999 Tonn« Kaffee verbraucht. Erst fett 1924 ist der Kaffee» verbrauch wieder stark gestiegen und erreicht» im Jahre 1927 mft 124900 Tom»» wieder etwa 75 Proz de» Verbrauch» von 1913. Der Einfuhrwert des in den beiden letzten Jahren verbrauchten Kaffees war durchschnittlich um etwa 25 Proz höher als im Jahre 1912. Diese Zunahm« fft übrig«ns nicht nur auf die allgemeine Steigerung der Saffeepreffe zurückzuführen, sondern auch auf die Bevorzugung besserer Qualitäten. Der Vtrbrauch von brassliani- schem Kaffee ist gegenüber der Bortriegszeft auch verhältnismäßig zurückgegangen. Der Verbrauch von sonstigem amerikanischen, in». besondere mittelamerikanischen Kaff«« dagegen stark gestiegen. Die deutsche Berdroucherschaft wandte sich zwar den teureren, aber ergiebiger« milden nftttelmnertkanischen Kaffeesort« zn. mich.../ chcn vorstell«. Aber wie sich Atomschwingungen und Aetherwelleu in die mir als Erlebnis so wohlbekannte Iuckempfindung umsetzen, wie ein von der Außenwelt und meinem Körper bedingtes, von der Nervenerregung so ganz verschiedenes, Unwst enthaltendes Et- was mir zum Bewußtsein kommt, so daß ich es.chabe", darüber kann ich mir nicht die geringste Rechenschaft geben. Eines indessen wird mtt durch mein Nachdenken klar: Das Jucken fft, wie jede Empfindung, ein rein seelisches Erlebnis. Daher kommt es wohl auch, daß es mich bei Slblenkung der Aufmerksam- keit weniger juckt, daß«in« dem Jucken ähnliche Empfindung, das Kitzeln, bei manchem Individuum sehr leicht, bei anderen sehr schwer und oft. wie es scheint, ohne jeden äußeren Reiz, einzig und allein durch seelische Einflüsse auftritt. Wenn ich an Ungeziefer denke, kann es mich durch die bloß« Vorstellung am gangen Körper jucken. Tritt nun in solchen Fällen das seelische Erlebnis, die Juck- «npfindung, wirklich ganz unabhängig von einem körperlichen Reiz ohne alle Vorbedingungen auf? Der Empirisnms und Eensualis- mus eines John Locke und David Hume leugnet das. Und die „Kritik der reinen Vernunft" von Kant hebt mit„Erfahrung" an als„erstem Produkt der Verarbeitung des sinnlichen Rohstoffes". In allen Fällen von Jucken bei primären und sekundären Haut- trankheften, wo ich Hautveränderungen seh« und taste, bin ich ge- neigt, mir vieles Nachdenken über die Herkunst des Juckens zu er- sparen. Dem Bedürfnis, nach seiner Ursache zu fragen, fft gewöhn- lich genügt durch das Vorhandensein von Knötchen, Bläschen. Pusteln, Schwellung, Rät«. Ist und bleibt die Haut tadellos rein und es juckt mich trotzdem, so denke ich an jene durch gewisse Stoffe im Körper erzeugte und von deuffchen, amerikanischen und holländischen Aerzten erst jüngst als eigene Krankheit(Allergien) bezeuch. nete Ueberompfindlichkeit(„Süchi�keit". wie es von ottersher hieß) der Gewebe, die das Jucken als Ernpsindung selbst minimalster Reize erklärt. Muh ich aber auch diesen Urfochenkomplex noch aus- schließen und e» juckt mich dennoch— dann fallen mir alle unter- irdisch« Mächte ein. Und dann glaub« ich an die Entdeckungen der neuzeitlichen Psychologie, besonders an die Resultat« der von Sig- imind Freud und seiner Schul« ausgebildet« P s y ch o a n a- l y s e. die in das Dunkel der Wechselbezichung von Leib und Seele ein noch weiter streifendes Licht gebracht hat. Mit Genugtuung und Befriedigung meines Mssenstriebes erinnere ich mich, daß Empfindungen, also auch Juckempfindungen vom Wachbewußffein oft übersäen werden, keineswegs aber in Nichts vergehen, sondern im Unterbewußtsein schweben und wachsen, um gelegentlich aufzu- steigen und gleichsam materialisiert in der Haut ihren Spuk zu treiben. Seit Sigmund Freud bin ich nicht einmal erstaunt, wenn es mich nach seelisch« Konflikt«, mit denen ich innerlich nicht fertig werden konnte und die ich als ein U n l uflt v o l l e s im Lethe des Unterbewußtsein» zu ersticken suchte, mit einem Mal« ganz mörderisch in der Haut juckt, weiß ich doch, daß meine vom Konflikt gepeinigte Seele in höchster Not und Verwirrung sich des„Ich" bedient, den Affekt in onde« Sphären zu verschieben. Wctt rätselhafter erscheint mir. daß jemand in ohnmächtig« Wut Geschirr« zertrümmert oder weg« Geldverlegenheit sein« Hund haut, als daß meine Seele durch da» Ich zu den im Reich des Unbewußt« oogabundierrnden Jucksensatian« greift, auf daß der Leib ihr helfe, durch Kratz«, Kratz«, Kratz« an der Haut die inner« Unlust in Lust zu ver wandeln. „Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigteft... So bei Nietzsche und ähnlich bei Freud „Es" spricht zum„3 ch" aus tiefster Tief«.---- Dach wo bin ich? Ich wollt« über das Jucken plaudern. Und nim bln ich beinahe in Mystik und Metaphysik geraten. Man möchte es nickst glaub«- SR. SCHASSPIELBMS 1 1 HHHOPOIIHEMBR 8 KQnstlarlsch« Leitung i K CHARE ERI T>ec Üe&e Auqustm Alfred Braun flady Christians Trude üeske Siesfr. Arno Paul Morsan Paul Westermeier MariaBBß Wiokelsteni Iwan Orlik| jBniidellinins £usüqe Witwe. Massary Max Hansen Uschi Elleot W. Jankuhn H. Junkermann W. Schaeffers j( Grete ffaKer /Hans Sommer j 1 1 SaBsbiBeiiiflt| JatooBlioin| Narquita Sislcrs Frisco insstaltungen: Professor Ersst Stern | Sonntag Nachm. 8 Uiir Barbarossa 9256 Jesma Solim/Gr.Ralph Bonatzky Rarinoff u.Eulalia/ Jack Stanford und die übrigen Attraktionen! Uhr ungek.l , Vorstellung I Ultimi 1 Heins Preise| ETDSl HaDkB Wini-Qr uarren Jetzt viel mehr freie Zeit- S Uhr Raacfaen erlaubt Internat. Variete. I Renaissance- Theater Htidenliergttr. 6. Tel.: Stelnpl. 90) u. 2SB3/84 S'.» Uhr. Zum 77. Male: 81/« Uhr Die Welterfolgskemfidie „Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg Gnsi. Uanunn. la Pr6!nleren#esua- seitdem die Hausfrau diese nahrhaften, schnell zubereiteten Flocken verwendet Mit diesen köstlichen Quäker Rapidflocken hat das stundenlange Stehen am heißen Herd ein Ende gefunden— eine große Axbeitserleichterung für die Hausfrau, eine Ersparnis an Zeit und Gas! 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Adresse l Theater am Sthlllaguentamm Norden 1141 u.28t. 8 Uhr aesthlosstne Vorstellung defVolksbolm Deutjtbes Theater Norden 12 310 8 U, Ende geg. tO5,'- Die lostigao Velber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele Norden 12310 8 Uhr, Ende tOVeUhr „Soeben erstbienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Förster Larinaca. Die Komödie Bismarck 2414/7516 SV« Uhr, Ende 10'w Olympia" von l-ranz Molnar Förster larinaga. ± Tagt S Uh Seoes HBrxprogr.l u. a Chamgagnersauper im lOwenRDiiii und ..nai. nachte" Donnst., d. 7. 3. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 61 20 Uhr Fra Diavolo Staals-Oper Am Pl.d.Republ. A.-V. 8 >?>- Uhr EizKblDDgen Donnst. d. 7. 3. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 18'/, Uhr Tristan u. Isolde Staat!. Sthausph. in Gntlirniin/ik! A.-V. 57 20 Uhr Karin. Anna Staatl.Sehiller-Theater.Cbsrlth. 20 Uhr Oedipus Nachtvorstellungen am 8., 9.. 10. märz. nachts Ii Uhr; Pb&ras-Lichlspiele, Mflücrstra�c/ Hohen- rollern- Filmpolasl» Handjerystr. 64/ Ä ßallschmieder-Lichtspiele.Badjtra�e 16 4 w Noacks Lid&ispicle, Bronnenstra�e 16* Mariendorfer LldblspSele, Chaassee- sfra�e/ Theater am Morifzplatz Ahorn-Liditspiele, Ahornallee f J Welt' Kino Moabll. Alt- Moabit 90/ Film-Palast Pohl- mann, Schönhaas. Allee 14f Metro Fllmpalasf, Chausseestr ahe 50 x Schloß- park-Tneater, 5 Belgoddno Moskau 8>, Tbeoior, des Wosieox| Oer größte Örfolg Berlins[ Friederike Mustf neu Lehnt Cfnfo o. Theilmann CRhuarb C ihuoflcta, Rlmßedl. Limburg, Sore.(1061er, Jess-rma»>. Str. tiasie ununltrbr. Sitiwoi.osi 11.7100 Dtsch. KOastler-Th. Uh, Der Zinker v.Edgar Wallaco datut DIU Hittfeta! 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