BERLIN Sonnabend 9. März 1929 10 Pf. Jlf.ne B 56 46. Jahrgang. Ekscheiottiglich««ßerEenntazt. Zugleich Abendausgabe tti.Vorirärts'. Bezugspreis beide Ausgaben Sä Pf. pr» Woche. S.60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWes.Liodcnstr.Z Sfialauigaße xLto n}JoYu>tU46 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillczeile 8» Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag T. m.b.H., Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff SS2 bis 29? SS Der Kall Lllih in Genf. Eine Erklärung Gtresemanns: Endgültige Stellung vorbehalten. Genf. 9. März. Unter Stimmenthaltung des devtsche« Ratsmitgliedes Dr. Stresemann hat der Bölkerbundsrat in seiner heutigen Tchluhsifcuug den von Adatschi-Japan erstatte» ten Bericht über die Beschwerde des Deutschen Bolls» bundes gegen die Verhaftung seines Geschäftsführers Ulitz angenommen. Stresemann hat sich vorbehalten. nach Erledigung des Gerichtsverfahrens nötigenfalls auf die Angelegenheit vor dem Bölkerbundsrat zurück- zukommen und hat seine Stellungnahme mit folgen» der Erklärung begründet: Räch den Erklärungen, die in den vertchi aufgenommen sind nnd nach denen, die wir soeben von dem verehrten Herrn Vertreter Polens gehört haben, nehme ich an. daß der Prozeß gegen den Verwaltungsdirektor U l i h des Deutschen Volksbundes mit S o r g- sali und Schnelligkeit durchgeführt werden soll und daß der Herr Vertreter Polens die in der O e s s e n t l i ch k e i t des Verfahrens liegende Garantie ebenso glaubt in Aussicht stellen zu können wie die Garantie dafür, daß es sich nicht um ein ver- fahren gegen Herrn Ulih wegen seiner Eigenschaft als Führer der INinoritäten handeln soll.. Wenn ich Werl aus diese Feststellungen lege, so tue ich es de». halb, weil die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit durch den Herrn Vertreter Polen» selbst schon in der Dezember- sihung des Völkerbundrats aus die Angelegenheit gelenkt worden ist, indem er damals daraus hinwies, daß Herr Ulih unter Anklage siehe, und nur dank der Abgeordnelenimmunilät aus freiem Fuß geblieben sei. Wenn ein E i n; e l s a l l. al» der sich der Fall Ulih an und für sich darstellt, in dieser weise vor den völkerbundrat al» besonders charakteristisch hingestettl worden ist, so stempelt schon diese Tatsache ihn zu einer Angelegenheit von besonderem politischem Znleresse. deren Bedeutung über den Charakter eines Einzelfalles weit hinausgeht. Ich würdige durchaus das Prinzip der Unabhängigkeil der Rechtspflege und hob« Verständnis dafür, daß die Mitglieder des Rote» jetzt nicht ohne weiteres zu der gegen Herrn Ulih erhobenen Beschuldigung sachlich Stellung nehmen können: aber daneben besteht für mich die Tatsache, daß die deutsche Minderheit die vcrhaftungihresFührersalseinenbcwußtgegen sie geführten Schlag aufsaßt und dadurch in außer- ordentliche Erregung verseht worden ist. Angesichts dieser Talsache kann ich die Angelegenheit durch die im Bericht enthaltenen und die durch den Herrn Vertreter Polens abgegebenen Erklärungen nicht als endgültig erledigt ansehen. Da der Herr Vertreter Polens selbst gesagt Hot. daß die Behandlung der Angelegenheit ausschließlich von den polnischen Gerichtsbehörden abhäng«, ist ein endgültiges Urteil darüber erst möglich, wenn sich nach Beendigung des Versahrens erwiesen hat, o b sich die in jenen Erklärungen ausgesprochenen Erwartungen tatsächlich erfüllt haben. Ich muß mir deshalb, ohne dem Bericht formell zu wider- sprechen, aber auch ohne ihm ausdrücklich zuzustimmen, vorbehalten, nach Erledigung des Gerichlsversohrens nötigenfalls aus die Angelegenheit vor dem Völkerbundsrat zurückzukommen. Nachtarbeii in Genf. Verhandlungen über Ostoberschlesien. Genf, 9. März. Die Verhandlungen über die Beschwerden des Deutschen Volksbundes in Oberschlesien gegen die Verhaftung seines Geschäftsführer» Ulih und gegen die von der polnischen Regierung angeordnete Rachprüsung der Sprachenerklärung für die Einschulung in die deutschen Mlnderheitenschulen waren gegen l41Z Uhr nachts noch in vollem Gang. Generalsekretär DrummoNd und Untergeneralsckretär Sugimnra. der Leiter der politischen Abteilung de» völkcrbundssekretariat», waren seit 10 Uhr abends bei Dr. Stresemann und begaben sich an- schließend sosort zu I a l e s k i. Sie suchten nach Mitternacht Dr. Stresemann zum zweiten Male aus. Roch Beendigung dieses zweiten Besuches, der 20 Minuten dauerte, bestand der Eindruck, daß nach dem augenblicklichen Stand der Verhandlungen die Angelegenheit Ulih eine Lösung finden (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Die Waffer find los. Lteberfchwemmte Straßen und Laubenkolonien in den Außenbezirken. Die plötzliche Erwärmung beschleunigt die Schneeschmelze I in außerordentlichem Maße. In den Außenbezirken' Berlins machen sich bereits die ersten schlimmen Auswirkun- gen bemerkbar. Au vielen Stellen sieht es recht trostlos au». Ueberall überschwemmte und verschlammte Straßen, über- flutete Gärten und Laubenkolonien. Da» ist ober erst der Anfang, es liegt noch viel Schnee und die Bewohner be- sonders tiesllegender Grundstücke sehen den nächsten Tagen mit größter Sorge entgegen. Wie immer bei diesen plötzlichen Witterungswechseln, wird die Feuerwehr in ungewöhnlich starkcin Maße in Anspruch ge- nommcn. Anoushörlich rasseln auf den Wachen die Telephone, fort- wahrend werden Wosserrohrbrüche und Ueberschwem- m u n g e n gemeldet. Vielfach ist die Feuerwehr mit ihren Mitteln gar nicht in der Loge, Abhilfe zu schaffen und den großen Wasser- mäßen, da die meisten Gullys noch oereist sind, Abfluß zu ver- schassen. Besonders trostlos sieht es in Tempelhof. Mariendorf, Lichten- berg. Köpenick, Spindlersfeld und den nördlichen Auhengebieten Pankow, Tegel m»d Reinickendorf aus. Ueberall dasselbe Bild, über- schwemmte Gärten und Straßen.— Nach dein Kaiser- und Hohenzollernkorso wurde die Feuerwehr mehrmals alarinierr. Das Schmelzwasser hatte die hinter den Siedlungs- Häusern liegenden Gärten derart überflutet, daß ganze Strecken einen einzigen See bildeten. Die Wossermengen fanden keinen Abfluß und drangen in die Heiz- und Vorratskellcr ein. Einzelne Straßen» so der Braunschweiger Ring und die Zugongsftraße zur neuen Ge- meindeschule hinter der Siedlung sind völlig unpassierbar geworden. Die Bewohner müssen durch tiefen Schmutz waten. Aehnlich liegen die Dinge in Mariendorf. Ganze Straßenzüge von Marien- dors bi» Lichtenrade bilden ununterbrochen ein Schlammbad. Die Gullys sind zum Teil noch eingefroren und das Wasser dringt in die Gärten ein, die ohnehin schon überschwemmt sind. Schwere Vor- würfe werden auch hier gegen die Straßenreinigung laut, die es bisher unerklärlicherweise unterlassen hat, für die Freimachung der Gullys zu sorgen. Nur dort, wo die Siedler selbst die Abflüsse freigemacht haben, soweit ihnen das notwendige Handwcrkzcug zur Versiigung stand, sind die Straßen in guter Beschaffenheit. Be- sonders bedrohlich dürste die Situation für die Bewohner solcher Gebiete werben, die noch in Ermangelung einer Kanalisation nur sogenannte Rcgensammler, das sind tiefe Scrmmelgräben, haben. Die Sammler werden bald gefüllt sein und�iibcr ihre Ufer treten. In K ö p c n i ck hat die Schmelze besonders große Verheerungen angerichtet. Die Rudower Straße steht völlig unter Wasser, nur schwer kann sich die Straßenbahn ihren Weg durch den viele hun- dert Meter langen und einhalb Meter tiefen See bahnen. Die Feuerwehr kann zunächst hier noch keine Hilfe bringen, da der Wasserspiegel noch unaufhörlich steigt. In Spindlcrsfcld find ebenfalls viele Wohngebiete überschwemmt. In der K n i p r o d e st r a ß e, in der Nähe des Friedrichshains, ist eine ganze Laubenkolonie dem.Ersaufen" nahe. Die Lauben stehen tief im Wasser, den Kolonisten ist es kaum noch möglich, dem Kleinvieh Futter zu bringen. In der Hagelberger Straße im Südwesten und auf dem Lehrter Güterbahnhof wur- den zahlreiche Keller überschwemmt, die Feuerwehr ist zurzeit noch mit den Absaugarbeiten beschäftigt. Da schon m den nächsten St»»- den mit Massenhilferufen auf die Feuerwehr zu rechnen ist, werden alle Wehren unter besonderem Zl l a r m stehen. In der Neuköllner Gemeindeschule in der Kaiser- Frledrich-Straße 4 muhte heute wegen Ueberschwemmung des Schulhofes und der Keller der Unterricht ausfallen. Eine Arbeitskolonne ist mit der Beseitigung des Sees beschäftigt, so daß am Montag der Unterricht wieder aufgenommen werde» kann. Unleidliche Zustände entwickelten sich auch in der G r o ß s i e d- lung Zehlendorf. Natürlich sind hier ebensowenig wie in anderen Auherworortcn die Straßen von Schnee und Eis befreit. Viel schlimmer aber ist, daß sich an einer tief gelegenen Stelle einer Straßenkreuzung ein regelmäßiger See gebildet hat, der die Bewohner zu großen ivnwegen zwingt. Mit vollkommen unzu- länglicher Wirkung hat man jetzt eine Handpuinpe angesetzt, die das Wasser mühsam absaugt. Es hat den Anschein, als ob man in Zehlendorf keine Sumpfpumpen kennt. Großer Wasserrohrbruch in Lichtenberg. Vor dem Hause Prinzenallee 37 in Lichtenberg- Friedrichsfelde platzte heute mittag unter dem Fohrdamm das Hauptwasserrohr. Große Wassermengen, die an die Oberfläche geschleudert wurden, strudelten«in etwa 10 Ouadratinetcr großes Loch aus. Die Straße unts mehrere Keller wurden überschwemmt. Di« Wasserwerke wurden benachrichtigt, die ein« Arbeitcrkolonne an die Unsallstclle enlsandten. Durch Ein- schalten der Sichxrheitsschieber tonnte ein weiteres Ausströmen des Wassers verhindert werden. Wegen Einsturzgesahr mußte der Fahrdamm für den gesamten Fuhrwerksverkehr gesperrt werden. ffierlin in der Schmelze. SHcSchneeschmelxe rcnrati delt die Slraflen der Qroflsladl Irotss aller{Reittigungsein- riehlungen In Seen grauen Ittalsches. Unser SSIld zeigt die Schnierlgkeilen, diese Seenplatte stu passieren. i Oie Verhandlungen in Genf. (Fortsetzung von der I.Seite.) kann, in der der deutsche Standpunkt zum 2tusdruck kommt, ohne datz ein Scheitern der Verhandlungen eintritt. Es ist zu erwarten. datz Z a l e s k i eine Erklärung abgeben wird, wonach er für die Oeffentlichkeil des Gerichtsverfahrens gegen UNH im Rahmen der polnischen Gesetzgebung und für die B e s ch l e u n i. g u n g dieses Verfahrens Sorge tragen will. Dr. Strefemann würde in diesem Falle den deutschen Standpunkt präzisieren und nötigenfalls die Gründe angeben, warum Deutschland sich bei der Abstimmung über den Bericht der Stimm/ enthalten wird. Die Beschwerden der Gaarbevötterung. Genf. 9. März. Die parlamentarische Saardelegation, bestehend aus Geheimrat Röchling, Rechtsanwalt Levacher, Schmoll und S a r- t o r i u s, hat offiziell dem Völterbundssekretariat zwei Ausstellun- gen über die französische Schulpolitik und die An- Werbung für die Fremdenlegion im Saargebiet über- geben und die Aufzeichnungen durch mündliche Erläuterungen er- gänzt. In der ersten Aufstellung wird an einem Erlaß der Saar- regierungskommission vom Februar 1925 über den Schutz gegen jeden unzulässigen Zwang zum Besuch der französischen Schule Im Saargebiet erinnert und an verschiedenen Beispielen dargelegt, daß neuerdings die französische Saargrubenverwallung wieder einen Zwang zum Besuch der französischen Schule ausübt. In der zweiten Ausstellung werden die Namen von 57 Saar- ländern angegeben, die in der Fremdenlegion dienen, van denen einer bereits in Marokko gestorben ist. Unter diesen Angeworbenen sind 23 Minderjährige von 17 bis 20 Jahren. Es wird bemerkt, daß dieses Verzeichnis keinen Anspruch auf Vollständigkeit mache, da bei der Zusammenstellung nur ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Saargebietes erfaßt wurde. Die Gesamtzahl der saarländischen Fremdenlegionäre iverde 150 fis 180 Mann betragen. Dieser Schritt der saarländischen Delegation erfolgte unter Berufung auf einen Beschluß des Völkerbundsrates vom Jahre 1923, wonach die saarländische Bevölkerung berechtigt ist, den Völker- bundsrat von derartigen Mißständen zu unterrichten. Iustizkriiik im Warschauer Senat. Im polnischen Senat geißelte der deutsche Senator Dr. P a u t- Oberschlesien den nationalistischen Mißbrauch der Justiz und wies nach, daß die Verfolgung gegen Ulitz auf Urkunden- fälschung und saschen Spitzelaussagen beruht. (Studenienstreik in Spanien. Weinerliche Selbsterkenntnis der Diktatur. Madrid, 9. März. In einer halbamtlichen Erklärung heißt es: Studenten riesen gestern vormittag, wie vorausgesehen, im Innern der Unter- richtsanstalten dadurch Unruhen hervor, daß sie die Studenten, die am Unterricht teilzunehmen wünschten, am Betreten der Unterrichtssäle zu hindern suchten. Trotzdem konnten in einigen Unterrichtsanstalten die Vorlesungen in normaler Weise abgehalten werden, wahrend sie in den m e i st e n Anstalten ausfallen mußten. Die Behörden werden alle notwendigen Maßnahmen treffen, um den nichtstreikenden Studenten die Teilnahme am Unter- i icht zu ermöglichen. Einige Unruhestifter wurden sofort v e r- haftet. Auf die Frage nach den Gründen ihres Verhaltens er- widerten sie, man habe ihnen gesagt, daß sie durch diese Handlungs- weife den Sturz der Regierung herbeiführen würden. Diese Antwort zeige deutlich, so betont die halbamtliche Erklärung, daß diesen Ereignissen ein gegen das bestehende Regime gerichteter poli- -tischer Eharakter innewohne. Die Verschwörungen aller Art aber seien mißglückt, und die Regierung, die im Innern durch eine große Mehrheit der ösfentlichcn Meinung unterstützt werde(!), sei im Begriff, durch offene Darlegung des wahren Tatbestandes auch die öffentliche Meinung des Auslandes wieder für sich zu ge- «innen. Es sei sicher, daß selbst in dieser Ausnahmeepoch« von Unruhen das nationale Leben viel stärker sei'und sich eines viel höheren Ansehens erfreue, als während der besten frühe- ren Zeiten der Diktatur. In ganz Spanien Paris, 9. März. Nach Meldungen aus Spanien sind nicht nur die Studenten der Madrider Universität, sondern-a uchdiederProvinzuniver- s i t ä t e n, mit Ausnahme von Bilbao, in den Streik getreten. In Madrid hatte eine Gruppe von Studenten eine rote Fahne auf dem Dach der Universität aufgezogen. Nur daß der Rektor sofort die Tore schließen ließ, verhinderte, daß es zu einem Zufamemnstoß zwischen Polizei und Studenten kam. Dem„Iour- nal" zufolge hat ein Ministerrat beschlossen, die Studenten zur Wiederaufnahme ihrer Studien aufzufordern und diejenigen, die den Vorlesungen fernbleiben, streng zu be st rasen. Sozialistische Kritik der Bankmethoden. Kammerdebatte über die Finanzskandale. Paris, 8. März. Aus Anlaß der Angelegenheit der„Gazette du Franc" haben ein« Reihe von Abgeordneten Interpellationen eingereicht, in denen die Regierung ersucht wird, darüber Aufschluß zu geben, welch« Maßnahmen sie zu treffen gedenkt, um die Sparer vor betrügerischen Manipulationen zu schützen. Der sozial! st ischeAb g. Cha st a- n et, der in der letzten Zeit scharfe Kritik an den Methoden der fran- zösischen Finanzwelt geübt hat, griff als erster Interpellant die Politik der G r o ß b a n k« n an, die im Ausland gewaltige Kapita- lien anlegten, während die französische Industrie an Kapital» mangel leide. Er forderte strenge Maßnahmen zur Unterdrückung der Kundenwerbung durch Zeitungs- und Zeitfchriftenreklaina. Parlamentarier, die in Verwaltungsräten von Finanggesellschaften und anderen Unternehmungen tätig sind, wurden von dem Interpellanten scharf kritisiert. In den gleichen Gedanken- gängen bewegten sich die Ausführungen der übrigen Interpellanten. �ie Weiterberatung wurde auf nächsten Freitag vertagt. Finanzskandal in Rumänien. Bukarest(Kammer). 9. März. chondclsmmstcr Madyraru beantwortete eine Inter- pellation dahin, daß er im Ministerium einen neuen großen.,Pauama"»Ska«dal entdeckt habe: 5000 Luarez zurückerobert. Die mexikanische Motte regierungsireu. Mexiko-City. 9. März. tEigenbericht.) Ter Aufstand im Staate Veracruz ist nieder- geschlagen. Der Rebellenfiihrcr ist gefluchtet, dürfte jedoch noch heute festgenommen und standrechtlich erschossen werden. Inzwischen hat die im Hafen von Veracruz stationierte mexikanische Flotte den Hafen verlassen. Die Meldungen, daß sie unzuverlässig sei und sich auf die Seite der Rebellen gestellt habe, sind u n- zutreffend. Die Flotte hat Befehl, sich nach Dam- pico zu begeben und von dort auä evtl. an den militä- rischen Operationen gegen die Rebellen teilzunehmen. Die Regierung beziffert die Truppen sämtlicher rebellierender Generale auf 5999 Mann, von denen der Hauptteil im Sonorastaat steht. Davon besetzten am Freitag 899 Mann die Grenzstadt Cuidadjuarez. Die Bundestruppe« griffen jedoch mit Rücksicht auf die internationale K-onfliktsgefahr mit Amerika sofort ein, so daß die rebellierenden Truppen sich auf amerikanischen Bode« zurückzogen. Die amerikanischen Behörden e r- l a u b t e« die Rückkehr dieser Truppen über Luaedo nach Mexiko. Fm übrigen kst die Lage in den Aufstands- staaten unverändert. Nie Schlacht um Luarez. Wie die Bebellen siegten. El Paso, Texas, 9. März. Der Kampf zwischen der etwa 600 Mann starken Garnison von Iuarez und den 2000 angreisenden Rebellen rief in dem dichtbe- völkerten Teil El Pofos eine Pantk hervor, als verirrte Kugeln in dichten Mengen die Grenze überflogen und in der Stadt einschlugen. Eine Zeitlang schien es, als würde ganz Iuarez von den Stellungen der Rebellen in den benachbarten Ber- gen durch fortgesetztes Maschinengewehrfeuer bestrichen. In El Paso wurde ein amerikanischer Junge durch einen Fehlschuß vcr- wundet. Auch mehrere amerikanische Automobile wurden von Kugeln getroffen. Die meisten Fehlschüsse schlugen in der Nähe des Rio Grande ein und richteten keinen Schaden an. Das amerikanische Militär hielt sich während der Kämpfe in Iuarez bereit, nötigenfalls zum Schutze des Lebens und des Eigen- tums der Amerikaner einzugresten. Der verzweifelte Kampf um Iuarez konnte von den omerikanischen Truppen genau beobachtet werden. Der erste Ansturm der Aufständischen erfolgte um 6 Uhr, und zwar drangen die Rebellen plötzlich aus nordwestlicher Richtung unier dem Schutz eines Enlwässerungsgrabens. der etwa 70 Meter von der amerikanischen Grenze entfernt lieg», vor. Die Verteidiger schössen msdrig, und zwar offenbar, um zu ver- meiden, daß ihre Kugeln jenseits der Grenze einschlugen. Die Rebellen erwiderten das Gewehrfeuer und drangen bis zu dem eigentlichen Stadtgebiet von Iuarez vor, wo es zum N a h k a m p f kam. Um 6.40 Uhr hörte das Gewehrfeuer plötzlich auf und man nahm schon an, daß die Stadt sich den Rebellen ergeben habe. Nach kurzer Pause setzte der Kampf jedoch wieder von neuem ein. Um 9 Uhr morgens hatten die Rebellen fünf der sieben Befestigun- gen in den Händen. Die Vundestruppen wichen langsam nach der Grenze hin zurück. Die Aufständischen griffen unter Führung des Generals Balle mit großer Bravour an. Ihre Maschinengewehre be- strichen die Hauptstraßen, während die Verteidiger ihre Maschinengewehre auf den Dächern postiert hatten und von dort aus die Straßenkreuzungen unter Feuer nahmen. Die Buichestrup- pen wichen schließlich schrittweise zurück. Zahlreiche 2er- wundete und Tote lagen in den Straßen. Man nimmt an, daß die Robellen bei dem Angriff sehr schwere Verluste ertttten. 2lls die mexikanischen Kugeln in größerer Zahl auf amerikanischem Gebiet einschlugen, überschritt Brigadegeneral Mosel« y, der Kommandeur der amerikanischen Truppen in Fort Büß, die Grenze, um mit General R a m o s, dem Befehlshaber der mexikanischen Bundestruppen, zu konferieren. Die Besprechung fartd an einer Stelle statt, die nur wenig« Meter von der internationalen Brück« entfernt ist. Um 9.30 Uhr vormittags hatten die Truppen der Ausständi- schcn fast ganz Iuarez im Besitz. Sie erstürmten das Hotel Rio Bravo, das m eine Festung um- gewandelt war und in dem sich dos Hauptquartier des Generals Rawos befand. und es gelang ihnen bald darauf, auch die Zollgebäude zu besetzen. Ihre Kavallerie wurde bis zuletzt von den auf den Hausdächern postierten Schorfschützen der Vundestruppen beschossen. ver Führer der Rebellen erließ eine Proklamation, die alle Plündercien verbielet. und in der er erklärt, daß er der Ein- wohnerschasl keine Konkribution auferlegen werde. Der Befehlshaber der Bundestruppen General R a m o s hatte de» amerikanischen Kommandeur General M o s e l e y um die Erlaub- ms gebeten, seine Truppen auf der amerikanischen Seite de» Rio Grande wieder versammeln zu können. Er erklärte, er wolle den Versuch unternehmen, Iuarez zurückzuerobern. General Romas schlug daraus sein Hauptquartier am Südende der inter- nationalen Brücke auf, wo noch ein Teil der Bundestruppen stand- hielt. Der Kampf endete, als die Regicrungstruppen sich auf den Damm längs der Grenze zurückzogen, so daß die Ausständischen nicht feuern konnten, ahne Personen in El Paso zu treffen. General Ramos, der Befehshaber der Bundestruppe», ersuchte um U e b e r- lassung amerikanischer Armeela st wagen zu einem Gegenangriff: dies Ersuchen wurde jedoch abgelehnt. Nach dem Waffenstillstand wurde vereinbart, daß die besiegten Bundes- truppen nach El Pafo gebracht und dort interniert werden Außer einem sechsjährigen Knaben wurde ein spielendes zweijähriges amerikanisches Rlädchen in El Paso verwundet. Dos Mädchen erlag bald darauf seinen Verletzungen. Der amerikanische General Moscley suchte die Aufständischen im Hauptquartier auf. teilt« ihnen mit, daß zwei Kinder verwundet worden seien, da di« G e s ch ü tz e der Aufständischen in der Richtung auf das Gebiet der Vereinigten Staaten abgeseuert worden seien, und verwarnte die Führer der Aufständischen. Die amerikanische Artillerie verbleibt auf der amerikanischen Seite der internationalen Brücke. Oer Journalist in der Feuerlinie. Rem Jork, 8. März. Associated Preß berichtet über eine bemerkenswerte Leistung von Lest er Sütel iffe, Berichterstatter der zur Associated Preß gehörenden Zeitung„E l P a s o H« r a l d", der sich in einem unmittel- bar in der Feuerlinie liegenden Hause in Iuarez verborgen hielt, und während des galten Kampfes, mit Telephon und Kopfhörer an einem den Kampfplatz überblickenden Fenster kauernd, seiner Zeitung einen genauen Bericht des Gefechtsveriaufs telephomerte. Aktien der Erdölgesellfchast Sirius mußten unter der Regie- rung A o e r e s c u der„B o l t s p a r t e i" von der Gesellschaft zum Geschenk gemacht werden, damit man di« Gesellschaft nicht weiter verfolge. Die Erklärung hat ungeheures Aufsehen erregt. Der Minister fügte hinzu, daß er dem Staatsanwalt die Akten über- mütelt habe. Die Sanität am Bhein. Paris, 8. März. Der Kommerausfchuß für Gesundheitswesen hat sich mit dem Gefundhettszuftand unter den französischen Besatzung?- truppen beschäftigt und beschlossen, eine aus dem Borsitzenden dieses Ausschusses, dem Abg. Emile Vincent, und zwei weiteren Ausschußmitgliedern bestehende Abordnung noch dem Rheinland zu entsenden mit dem Austrag, die Lage zu prüfen und einen Kon- trollbericht vorzulegen. Der Heeresausschuß des Senats hat beschlossen, zwei seiner Mit- glieder anzuweisen, an der parlamentarischen Untersuchung über die sanitären Verhältnisse der Rheinlandormee teilzunehmen. Explosionsunglück in Rumänien. Zehn Tote, acht Schwerverletzte. Bei einer Petroleumbohrung in der Nähe der Ort- schuft Moreni wurden durch eine Dampfkessel- explosiv» neun Arbeiter und ein englischer Ingenieur getötet sowie acht Arbeiter schwer verletzt._ Terror gegen Trohkisten. ilrbahne« in Prag niedergebrüllt. Prag, 9. März. Der Rote Sludenkenbund veranstallele einen Vortragsabend, aus dem ll r ba h n s- Berlin über„Marxismus und pazislsmvs" sprechen sollte, vor Beginn kam es zu Zusammenstößen, wobei der Trohki-Anhönger Salus, Sohn de» erst vor einigen Wochen ver- storbenen Dichters hug« Salus, von den zahlreich erschienenen Partei- Kommunisten verprügelt wurde. Al» der Vortragende am Rednerpulk erschien, erhob flch großer Lärm, so daß der Redner nicht zu Work kommen konnte. Vergeblich machten die TrohNsten gellend, daß die Veranstaltung ein Vortrag vnd keine politische versamm- lung sei. E« kam wieder zu Tätlichkeiten. Als es der Polizei nicht gelang, dem vortragenden Ruhe zu verschaffen, wurde die per- sammlung ausgelöst und der Saal geräumt. Endlich zugegriffen! Verbot von Umzügen für Schleswig-Holstein. kiel, 9. März. Infolge der blutigen Ereignisse in Wöhrden(Holstein) hat der Oberpräsidenl der Provinz Schleswig-Holsteln olleöffeutlichen Umzüge bis aus welkere» verbalen. Verelt» erleilte Erlavbnisbescheinigungen stnd hinfällig. Dunkle Affäre in Reval. Bussische Poststempel bestellt und nicht abgeholt. Rcval. 9. März. Der russische Gcsandr« überreichte dem esiländischen Außen- minister«ine Note folgenden Inhalts: Eine Bestellung von Probe- stempeln, angeblich für die P o st v« r w a l t u n g« n von Lenin- grab und Moskau, war bei einem Renaler Graveur durch eine Persönlichkeit ausgegeben worden, die sich als Vertreter der Gesandtschast ausgewiesen hatte, später aber di« bestellten Steiüpel nicht abgeholt hat, worauf der Graveur bei der Ge- san�tschaft Erkundigungen einzog. Hierbei stellt« sich heraus, daß von einer solchen Bestellung nichts bekannt war. Die russische Gesandtschaft glaubt an eine Provokation verdächtiger Ele- mcnte. Es wird um strenge Untersuchung ersucht. Teddys Beförderung. In Fettdruck und- besonderem Kosten veröffentlicht die„Rote Fahne" die Iubelnachricht, daß die kam- munisttsche Westumoersttät in Moskau T h ä l m a n n zum Ehren- Mitglied in den Moskauer Sowjet gewühlt hat. Es kam nicht so sehr darauf an, Teddy seine Ehre zu bescheinigen(siehe Fall Wittors!), vielmehr wollte die Westuni oersität„durch diese Wahl shr Vertrauen zur leninistischen Führung der Kommunist!- lchen Partsi Deutschlands ausdrucken". Mit dieser päpstlichen Anerkennung seiner Rechtgläubiakeit auegerüstri, wird Thöl- mann doppelt eifrig gegen die sich gleichfalls„lemmstisch" nennenden Opposttionsketzer zu Felde ziehen! Kameraden als Richter. Im vorigen Sommer untrds der frühere belgisch« Kultueministsr Canrille Huysmans und sstne Tochter in Ostenide bei einem Scha'japin-Konzert, wo er bei der Nationalhymne nicht rechtzeitig aufgestanden sein soll, von einem Offizier Gras d'Oultremont beschimpft. Dos Krieg'gericht in Gent hat ihn freigesprochen, obwohl er zugab, Huy-mons eine Kanaille genannt zu haben. Die freisprechenden Kameraden schoben alles auf den„Patriotismus" des schimpfenden Offiziers, Theater/ Z Orska-Gastspiel. Lessing-Theater. Das Mario-Orska-Gcijtspiel im Lesiiiig-Thsaier bot manches Erfreuliche: der Raum war gut geheizt, die Pause dauerte 20 Minuten, so daß man auch an diesem Abend zu seiner Unter- Haltung kam, und, nachdem man schon olle Hoffnung ausgegeben hatre, daß die Sache je ein Ende finden würde, fiel wirklich der Vorhang. Dies war der schönste Moment. Teils atmeten, teils wachten die Zuschauer auf. Zunächst gab es„Das Veilchen" von Franz Molnar. Es ist schon ein Kunststück, diese charmante Studie über das vcr- goldcte Elend der kleinen Schauspielerin zu verpatzen. Die Regie brachte es fertig, indem sie den Einakter zu unwahrscheinlicher Lange zerdehnte. Besonderes Verdienst erwarb sich dabei Maria Orska, die das Stück durch alberne Uebertreibungen zu einem faden Ulk stempelte. Aus dem netten Bühnenmädel, dem Direktorsliebchen, machte sie eine unwahrscheinlich Minderbegabte Landpomeranze. Roch zeitraubender waren„Die Medaillen einer alten Frau", ein sentimentales Kriegsstück von 5. M. B a r r i e. Während die Orska im„Veilchen" einen leider verstimmten Humor intoniert«, zog sie hier das wehleidige Register. Als übertrieben altes Mütterchen entwickelt« sie eine bemerkenswerte Ausdauer in gebrechlich-gebückter Haltung und ersterbender leiser Stimm«: sie bemühte sich, das Publikum um jeden Preis zu rühren. Von dein abseitigen Winkel des Parketts aus, auf den mich die Direktion eingeladen hatte, hörte ich der Orska mehrfach„Lauter, lauter!" zurufen. So gemütlich war man bei aller Ergriffenheit. Am Schluß ertönte sehr herzlicher Beifall. Ich kann mir das nur fo erklären, daß man die Erfolge meinte, die die beiden Stücke vor einigen Jahren in Berlin gehabt hotten. Srnst Dexner. „Die Zirkusprinzessin". Titania- und primus-palast. Kaimans gleichnamige Operette ist allgemein bekannt und zu Rocht beliebt Doch beruhen ihre Erfolge auf der Musik. Es lag mithin nicht der allergeringst« Grund vor, sie zu versilmen. Man wollte auch wohl nur durch ihren Namen eine billige und zugkräftige Reklame für den Film haben. Ist es doch eine oft beobachtete Er- scheinung. daß Filme, die ein irgendwie bekanntes Werk behandeln, reichen Zuspruch finden. Das Manuskript ist aufs glücklichste einem l)«illos verkitschten Geschmack angepaßt. Ein junger, schneidiger Kaoallerieoffizier ist der wüsteste Lebemann, den man sich denken kann, weshalb das „liebe" Filmpublikum das regst« Interesse für ihn hat. Natürlich wird, der Herr Offizier für seinen liederlichen Lebenswandel be- lohnt. Er bekommt, wenn er auch erst den Umweg über den Zirkusreiter machen muß, eine leibhaftige Prinzessin. Sie freut sich, sie ist gesichert fürs Leben, denn wenn man mal keine Offiziere mehr braucht, dann kann ihr Zukünftiger doch wenigstens als Zirkusreiter gehen. Dies« Uebcrhobung! Als ob das Können eines Ziaoallerie- offiziers für einen Zirtusstehendreiter ausreichen würde! Harry Liedtke spielt die Hauptrolle. Als Liebhaber ist er sehr dauerhaft, dennoch sollte man ihn nicht zu scharf photographicren, namentlich nicht in einer Roll« wo er das Können eines jungen Artisten für sich in Anspruch nimmt. Harry Liedtkes Uniform sitzt selbstredend wie angegossen und die Zivilanzügc trägt er derart schneidig und elegant, daß einem sämtliche amerikanischen Film- ilm/ Tanz. liebhaber salopp erscheinen. Und da die Filme, in denen Harry, der Herzensknicker, auftritt, zum guten Teil eine Angelegenheit der Kon- fektion sind, ist dieses Äleidertragen von nahezu unschätzbarem Wert. Harrys beide Partnerinnen, Hilde R o s ch und Marianne Winkel st ern sehen sehr gut aus. Während dieses Dreigestirn die Schönheit im Film verkörpert, sorgen Lydia Potcchina. Ernst Verebes, Fritz Kampers, Hans Junker- mann, Hermann P ich« und Alexander Murski dafür, daß auch die Komik gut vortreten ist. Viktor Janson versteht es äußerst gejchickt, die vorzügliche Arbeit der Kameraleute seiner Regie zunutze zu machen. Sonst ist er groß im Nachempfinden, wodurch es ihm freilich gelingt, stets dem Allgcmeingefchmack zu schmeicheln. Das Singen ober sollte man jetzt endgültig dem Tonfilm überlassen. Diesmal freur man sich freilich jedesmal, wenn man die. rührendsten Liebeslieder auf galoppierendem Pferd«,— also nach dem Rhythmus von 16 Ga- loppadcn in der 12-Mcter-Manage vorgetragen„sieht", daß der Film stumm ist. e. b. Künstlerische Tänze. Veranstaltung des Volksbildungsamts Kreuzberg. Das Volksbildungsamt Kreuzberg hatte zu einer Ver. aiistaltunig„Künstlerische Tänze" im Orpheum in der Hasenheide«ingeladen. Die Veranstaltung wurde von Mitgliedern der Staatsoper Berlin bestritten, mußte also naturgemäß eine beachtenswerte künstlerische Höhe haben. Die Staatsoper hat aus dem Aufgabenkreis, in dein sie sich betätigt, eine ganz besondere Tanztechnik entwickelt: sie pflegt das klassische Ballett wie den modernen Tanz, wenn sie auch den Ballettanz mehr als notwendige technische Ucbung ansieht und ihn in Reinkultur eigentlich nie auf die Bühne bringt. Leider erhielt man von dieser Einstellung der Tanzgruppe der Staotsopcr in dieser Veranstaltung kein klares Bild. Schuld daran waren die Solotänze Eugenic N i k o l a j e w a s, die im verstaubtesten Ballettstil gebracht wurden. In diesen Tänzen pulst kein Leben: alles sind angelernte, äußere Mätzchen, die aus einer glänzenden Technik basieren. Eugenie Nikolajcwo rollt Aeugelchen ins Publikum, spitzt das Mäulchen, und man erwartet jeden Augenblick die klassischen Kußhändchen i» die Logen und ins Parterre. Dazu wählt sie sich Tänze, deren Musik oder Titel Der- gleiche init großen Künstlerinnen heraufbeschwören. Wer einmal Grete Wicfenthal die„Geschichten aus dem Wiener Wold" tanzen sah, wer die Pawlowa als Zigeunerin aus der Bühii« erblickt«, der mußte diese Tänze der Nitalajewa als tragische Parodien empfinden. Nur eine strenge, unerbittliche Regie kann vielleicht auf dem guten technischen Material dieser Tänzerin«ine Tanzkunst auf- bauen. Diesmal fehlt« solch« Regie ihr durchaus. Die übrigen Darbietungen des Abends entschädigten für diesen künstlerischen Leerlaus. Da sprang Rolf Arco aus den Kulissen und begeisterte mit der wuiideroollen Heiterkeit eines„C o p r i c- c i o s", riß die Zuschauer hin in den erschütternden Gesten des verzwcifelten Spielers aus dem Ballett„Die fünf Wünsche". Doisy Spieß, ganz jugendlich beschwingte Helligkeit, selbst noch in der «rschütternden„Fluch t", gab ihr bestes, weil ihr natürlichstes, in dem tanztrunkenen„Schwung". Sehr hübsch war auch ein zu vieren geianzter„W alz« r", voll amüsanter Tollheit eine „S t r an d h u m or e s ke", die Rolf Arco, Rita Zobel low und Liselotte. K ö st e it oufsührten. Der überfüllte Saal bewies durch reichen Beifall fein Vergnügen an den Darbietungen. T«s. Die Tränen desFinanzministers Wie sich Ezechowicz verteidigt. Warschau, S. Wärz. sEigenbericht.) Dem Rücktritt des Finanzministers Czechowicz sind schwere Reibungen im Kabinett vorhergegangen. Czechowicz, der aus der Linken hervorgegangen ist, wollte sich vor dem Parlamentsausschuß verteidigen und die Rechnungsabschlüsse für das Vorjahr vorlegen. Die Mehrheit des Kabinetts, mit Pilsudski an der Spitze, soll da- gegen gewesen sein, nur der Handelsminister und der Arbcitsmini- ster unterstützten Czechowicz, der Minister für Bodenreform enthielt sich der Stimme. Unter diesen Umständen blieb Czechowicz nichts übrig, als zurückzutreten. Man spricht bei diesem Stimmenverhältnis im Kabinett von der Möglichkeit einer weiteren Re- Das Tauwetter. gierungsumbildung, ja von einem Rücktritt des Ge- samtkabiuetts. 3m haushallsousschuß erklärte Czechowicz gestern schon als Privatmann, daß er im letzten Jahre wiederholt dem Parlament die Rechnungsabschlüsse habe vorlegen wollen. P i l- s u d s k i sei aber dagegen gewesen. Cr konnte einfach nicht, so erklärte Czechowicz mit Tränen in den Augen, die vom Kabinelt geforderten Gelder für h e e r e s z w e ck e. für den Aus- bau des Gdinger Hafens und für die Staatsbank verweigern, obwohl er sich dessen bewußt war. sich dadurch schuldig zu machen. Der Referent Dr. Liebermonn sSoz.s erklärte hierauf, daß man die Lage des Finanzministers Czechowicz wohl bemitleiden könne, nichtsdestoweniger müsse ober dos System, dos in der Finanzpolitik herrsche, energisch bekämpft werden. Cr stellte daher de« Antrag. Czechowicz auszusordern, sich in der nächsten Sitzung des Ausschusses zu äußern, was ihn an der Vorlegung der Rech. nungsabschlüsse gehindert habe. Dieser Ankrag wurde mit IS gegen y Stimmen des Regicrungblocks angenommen. Die Regierung ist über die Fortsetzung der Prüfung der Rechnungsübcrschreilun- gen äußerst ungehalten und läßt ihre Presic bereits Drohungen gegen das Parlament aussprechen. Massenverhastung angeblicher Anarchisten. Warschau. 9. März.(Eigenbericht.) In der vergangenen Nacht wurden in Warschau 200 Mitglieder einer angeblich anarchistischen Organisation verhaftet. Samt- lichen verhafteten drohen schwere Zuchthausslrasen, da der An- archtsmus in Polen noch viel schwerer bestraft wird als der Kommunismus. Ehrendoktor Wiffefl. Dem(Sohn des Voltes! Zu seinem 60. Geburtstag überbrachte eine Abortmuiig der Kieler Umoersität dem Reichsarbeitsmimster W i s s« l l die E r- nennung zum Ehrendoktor der rechts- und staaiswissen- schaftlichen Fakultät. Diese Ehrung gilt, wie es in der Urkunde heißt, „dem Sohn« des Volkes, der in zähem Ringen zur Führung emporstieg, dessen Venken und handeln daraus gerichtet ist. durch organische Wirlschastserneucrunq die Idee einer Gemeinschaft aller Schafsenden zu verwirklichen, der die kargen Mußestunden eines an Arbeit und Verantwortung reichen Lebens der Wtssenschost geschenkt und die deutsche Volkskunde durch das Wert„des alten Handwerks Recht und Gewohnheit" bereichert hat." Diese Anerkennung ernster Arbeit eines Arbeiters ist bisher außerodeMich selten gewesen. Um so mehr ist sie in diesem Falle zu begrüßen, als Wisiell gerade in Kiel lange Jahre als Metallarbeiter und als Gewerkschastzführer gearbeitet hat. Vertuschung statt Ltntersuchung. Rolland wünscht Klarheit über die iltrechter Dokumente. Amsterdam, S. März. Die Entwicklung der Utrechter Angelegenheit in lvelgien hat in Holland entschieden enttäuscht. Ter „Nicuwe Rotterdamsche Eourant" weist darauf hin, daß die belgische Regierung und die belgischen Berichte Fälschung der Schriftstücke feststellten, ohne die Schriftstücke überhaupt gesehen zu haben, die noch immer bei von Venningen liegen. Der zuerst von Belgien angeregte Plan einer Untersuchung unter Mitwirkung der holländischen Regierung. »u der Herr von Benningen ohne weiteres bereit geweseu wäre, sei nicht weiter verfolgt worden. Die Fälschung von Unterschriften eines Obersten und des Generalstabschefs auf dem Schriftstück scheine in Belgien nicht strafbar zu sein. Nur eine un- parteiische Untersuchung der Schriftstücke könne das Vertrauen wieder herstellen. George Groß. Ausstellung bei Bruno Eassirer. Bei Bruno Cassirer in der Derffiingerstraße, wo eben noch einige vortresfliche Werk« des alten Max Liebermann zu sehen waren, stellt George Groß seine Zeichraingen und Aquarelle aus. Ein beträchtlicher Unterschied im Stil; in der künstterischcn Gesinnung ist die Entfernung zwischen den beiden nicht ganz so groß, wie man meinen kömttc. Di« Schärfe der Beobachtung war auch bei Liebermann zeitlebens nie durch rosa Brillen gedämpft. Seine Unerbittlichkeit dem Objekt gegenüber hat sich bei George Groß, den Zeitumständen folgend, bis zu positiver Ablehnung ge- steigert. Denn sein Gegenstand ist ollein der Mensch, und er findet, daß der Mensch nicht gut ist. Sett anderthalb Jahrzehnten hat sich dies« Meinung bei ihm nicht geändert, und er tut nichts, um sie zu verbergen, er sogt sie so geradezu, daß auch der schlechtwilligste Optimist sie nicht überhören oder vielmehr übersehen kann. Kein Wunder, daß ihn die Bourgeoisie, die«r mit äußerster Bitterkeit verhöhnt, gerode um dieser Aggressivität willen schützt und seine Sachen kaust: denn wer sähe seinesgleichen nicht gern in seines Nichts durchbohrendem Gefühle abgespiegelt? Ausgenommen bleibt doch stets, ungetrübt von Erkenntnis, das liebe Selbst, und Schaden- sreude ist die reinste Freude in diesem angenehmen Dasein. Die Ausstellung bringt diese betonteste Seite in der Großschen Kunst: die Entblößung des ewig'cn Bürgers im Menschen, unoer- mischt heraus. Es gibt darin auch ander« Tön«: aber sie kommen hier fast gar nicht vor. Dafür find es durchgängig künstlerisch aus- gezeichnete Blätter. Was man an Gckegenheitsskizzen nach der Natur sieht(die Groß sonst nicht herzeigt), bestärkt den Eindruck eines auf graphische Kunst gerichteten Talentes: sie sind nicht inter- essant, nicht„sprechend", denn alles, was Groß zu sagen l)at, hat erst den langen Umweg von der Natur durch die stark umbildende Phantasie gemacht und kommt als vollendete graphische Form(auch sein Aquarell ist Graphit) zum Vorschein. Die Natur gelangt erst da wieder zu ihrem Recht, wo Groß sie in sorgfältig durchgefühlt« Bleistiftzeichnungen großen Formats übersetzen kann: und zwar nur in Akten oder Porträtköpfen(seine Mutter, Hermann-Neiße). Diese außerordentlich schönen Bleististblätter stehen den graphischen Visionen ganz selbständig und fremd gegenüber: sie gehören zu den Oelbildern, der plastische Stil genauester Modellierung ist der l nämliche und hat nichts mit der Flecken- und Umrißwirtschast seiner Aquarelle zu tun. Hier öffnet sich auch das Ventil für die große Bedeutung von Groß, deren Gesohr die Erstarrung in Einseitigkeit bildet. Man kann nicht jahrzehntelang dasselbe negative Ideal verfolgen, immer nur dos Bourgeoise aufgreifen und die Menschen im Zerrspiegel sehen. Einmol erichöpsl sich die Vorstellung. Da gibt sich die Rückkehr zur Natur, wie immer, als das selbstverständlichste Heil- mittel; und wirtlich sind die Attzeichnungen und Porträts der letzten Jahre so frisch, so groß gesehen, so fruchttragend gewesen, daß man sagen kann, hier habe sich ein Weg zu neuer bedeutender Form für George Groß geöffnet._ Dr. Paul F. Schmidt. .Giftgv« über Berlin* von Pcter Martin Latnprl wird ol5 geschlossene 1 Vorstellung de».AcreinS zur Förderung junger Theat-rkunit* am t«. und 17. «m Theater am Schtffdaaerdämm, 8 Uhr abends, ausgeführt. Ewttttt nur 1 für Mitglieder. Die deutschen an die französischen Intellektuellen. Folgender Aufruf geht uns mit der Litte um Veröffentlichung zu: Zehn Jahr« sind es her, feit der weit über Frankreichs Grenzen bekannte Schriftsteller Henri Guilbeaux, im Krieg« Heraus- g«b«r der schon damals gegen den Krieg gerichteten Zeitschrift „Dematn"(Gens) vom 3. Kriegsgericht zu Paris(März 1919) wegen Hochverrats zum Tode verurteilt wurde. Wir wollen nicht in dos französisch« Prozeßverfahren eingreifen. Aber wir sehen Guilbeaux, der in Berlin lebt, aus der Nähe. Wir wissen, daß dieser Mann, der im Krieg für den Frieden gekämpft hat und in der Zeit nach deni Kriege glaubte, der von ihm als richtig erkannten Idee dienen zu müssen, kein Verbrecher ist. Seit zehn Iahren lebt Henri Guilbeaux im Exil. Seit zehn Iahren lebt er, der in jranzösischer Sprache denkt und schreibt, in fremde» Ländern. Wir glauben, daß die französischen Intellektuellen die unge- wöhnliche.Härte dieses Auslandes sehen und sich mit uns für feine Amnestierung einsetzen werden. Georg Bernhard, Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, George Groß, Gerhart Hauptmann, Arthur Holitscher, Herbert Jhering, Alfred Kerr, Emil Ludwig, Heinrich Mann, Erwin Piscator, Ernst Toller, Fritz von Unruh, Theodor Wolsf, Stefan Zweig. Diesem Ausruf schloffen sich Arnold Bennet und Georg« B. Shaw an. Bodes Nachfolger. Wilhelm Bode, war bis zu seinem Tod« mit der Vertretung des Generaldirektors der Staattichen Museen in Sachen des Kaiser- Friedrich-Museums beauftragt und ferner beauftragt mit der Leitung der Gemäldegalerie. In diesem Amt war Geh. R«g.-Rat Dr. Max I. Friedländer sein Stellvertreter, der seinerseits Direktor des Kupferstichkabinetts der Museen ist. Die Stellvertretung wird nun zur Nachfolge werden: Geh. Reg.-Rat Friedländer übernimm' Leitung der Gemäldegalerie des Kaifer-Friedrich-Mufeums. Der Sprech, und Sew«Dung»chor der Volksbühne C. V. bereitet «ine Aufführung von Lobo Franks„KreuzzugderMaschine" vor.' Swidersti, der Leiter der russischen HauvtverwoUuna für Kunstangelegenheiten, der Uebungen des Chores besuchte, sprach den Wunsch aus, ein Gastspiel des Chores in Moskau zu ermöglichen. Der älteste Sludeul der Welt. In New Port ist der 80jährige Student John Cuthil, der wohl der älteste Student der Welt ge- wesen ist, gestorben. Er hatte insgesamt„nur" 120 Semester stu- diert, indessen war diese Liebe zum Studium weniger aus dem Drang nach Wssen als aus dem Testament seine« Onkels gegeben, der 1870 testamentarisch bestimmt hatte, daß seinem Neffen eine Iahresrente von 2700 Dollar für die gesamte Dauer seiner Studien gezahlt werde. Vo» Theater«m Schifsbauertamm bat gegen bat verbot von..VislgaS über Serlin" Emspluch bei den Behörden erhoben. Erwin Plscalor spricht am 28. im TitzangSsaal de»«bemalige» Herren- hauseS vor de» Sonderabteikungen der LvlkSbth»«. Aufgang nur für Herrschasten. Mitielalter in der Tlettzeii. In einem Hause der Kaiseralle e gibt es, wie das in Berlin W. üblich ist, eine Vordertreppe ui»d einen Fahrstuhl„n u r für Herrschafte n".' Die„Dienstboten" sind auf die ausschlief)- liche Benutzung der Hintertreppe angewiesen. Im Hause wohnt als Mieter ein Rechtsanwalt W. Sein Vaby wird täglich vom Kinder- mädchen in einem Kinderwagen spazieren geführt. Die Hinter- treppe ist in einem derartigen Zustande, dah der Transport des Kinderwagens über sie eine Gefahr für das Mädchen und das Kind bedeutet. Deshalb benutzt das Mädchen im Einverständnis mit seinem Arbeitgeber, dem Rechtsanwalt, den Fahrstuhl, um den Kinderwagen mit dem Baby hinab und hinauf zu befördern. Zwar hat das Baby als em Glied der„Herrschaft" wohl Anspruch auf den Fahrstuhl, aber das Kindermädchen ist ja ein„Dienstbote" und gehört auf die Hintertreppe es darf den„Aufgang für Herrschaften" nicht entweihen. So denkt der Hauswirt, und das Amtsgericht Schäneberg stimmt ihm zu durch eine vom Hauswirt beantragte Entscheidung, welche dem Rechtsanwalt bei Strafe verbietet, den Fahrstuhl durch feine Hausange st ellte be- nutzen zu lassen., Der Rechtsanwalt faßt nun die Sache von einem anderen Ende an. Er veranlaßt sein Kindermädchen, gegen ihn eine Festslellungs- klage beim Arbeitsgericht Berlin einzureichen, welche das Ergebnis haben soll, daß dem Mädchen nicht zugenmtet wenden kann, den Kinderwagen über die Hintertreppe zu transportieren. Die Klage stützt sich auf ij 618 BGB., wonach der Arbeitgeber oerpflichtet ist, die zur Ausübung der Arbeit nötigen Borrichtungen so einzurichten und zu unterhalten, daß der Arbeitnehmer gegen Gefahr für Leben und Gesundheit geschützt ist. Das Arbeitsgericht kann sich nicht entschließen, der Hausaiigestellten grundsätzlich das Recht auf die Vordertreppe und den Fahrstuhl zuzuerkennen. Es will sich überführen, ob die Benutzung der Hintertreppe wirklich eine Gefahr für Leben und Gesundheit der Angestellten in sich birgt. Das Gericht begibt sich an Ort und Stelle, um sich durch den Augenschein von de» Beschaffenheit der Hintertreppe zu über- zeugen und stellt fest, daß man von der Straße ans über mehrere Steinstufen aufwärts, mehrere Stufen abwärts, durch einen 15 Meter laugen dunkle« Gang die eiserne Wendeltreppe erreicht, die nur an einer Seit« ein Geländer, nur Tageslicht, aber keine Abendbeleuch- tung hat. Auf Grund dieser Feststellung kam das Gericht zu dem Urteil: „Der Beklagte ist nicht berechtigt, der Klägerin die Benutzung der Bordertreppe und des Fahrstuhls, auch mit dem Kinderwagen, zu verbieten. Das Urteil wird der grundsätzlichen Bedeutung wegen für b e r u f u n g s s ä h ig erklärt." Wie der Vorsitzend«, Rechtsanwalt Dr. Altertum, betonte, stützt sich das Urteil lediglich darauf, daß sich die hier in Frage kommende Hintertreppe in einem solchen Zu stände befindet, daß, wenn die Gewerbeausicht zuständig wäre, ihre Benutzung verboten werden müßte Die Benutzung dieser Treppe durch eine schwächliche Person, wie die Klägerin, mit einem Kinderwagen, ist ein« Gefahr für Leben und Gesundheit. Dies« Entscheidung berührt nicht das Recht zwischen Hausbesitzer und Mieter, sondern nur das Recht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nun ist also die Sachlage so: Gestüllj auf dos Urteil des Arbeitsgerichts kann die Hausange st ellke die Benutzung der Vordertreppe von ihrem Arbeitgeber v«r- langen. Dieser aber darf die Benutzung nicht ge- statten, denn das verbietet ihm ja dos vom Haus- wirt angerufene Amtsgericht. Bis nun die höheren richterlichen Instanzen dies« widerspruchsvolle„Rechtslage" geklärt haben, wird wohl die Hausangestellte auch ferner mit dem Kinder- wagen den lebensgefährlichen Auf- und Abstieg auf der Hintertreppe ausführen müssen. Uebrigens: Warum hat das Arbeitsgericht sein Urteil als berufung»fähig erklärt? Das könnte man olleirfalls verstehen, weim es den Hausangestellten das uneingeschränkte Recht aus Vordertreppe und Fahrstuhl zugesprochen hätte. Das aber hat das Gericht geflissentlich vermieden. Es schützt die Angestellte ja nur in einem besonderen Falle davor, daß sie gezwungen werden kann, tagtäglich ihr Leben und ihre Gesundheit auss Spiel zu fetzen. Das ist doch keine grundsätzliche Angelegenheit, sondern ein« durch Recht, Gesetz und Menschlichkeit gebotene Selbstverständlichkeit. Oer Ausbau des Schnetlbahnnehes. Den Stadtverordneten zur Vefchlußfassung vorgelegt. Bon den Plänen zum Ausbau des Berliner Schnellbahn netzes, über die im„Borwärts" schon mehrfach berichtet wurde, hat ein Teil— wie wir gleichfalls bereits inel- deten— die Zustimmung des Magistrats erhalten. Jetzt ist den Stadtverordneten eine Vorlage hierüber zugegangen, die für die nächste Sitzung auf der Tagesordnung stehen wird. Gebaut werden sollen zunächst die Verlängerungen der Nordsüdbahn im Norden von Bahnhof Seestroß« bis Schornweberftroße einick:n. dort: Eickdornstr. 93, bei Matter.— Lichtenberg: Wekcrstr. 30, bei Heer«. Köpenick: Schönerlinder Str. 3, bei Stippctohl.— Spnnabend, 9 März. Prenzlauer Berg: Cantianstr. l, im Sportrestaurant.— Montag, ll. März. Hermsöars: Turnhalle Roonstratze.— Krcuzdcrg: Luisenufer 52, Restaurant „Zur K laufe".— Neukölln: Kirchhosstr. ll, bei Schilling.— Weinensee Shar. ioltenburger Siratze, bei Stärke.— Schäneberg: Ebersstr. 89, bei Rösenthal. — Dienstag, 12. März, Friedrichshain: Tiifiter Etr, 27, bei Busckr.— Donnerstag. 14. März. Sharlottcnburg: Rolinenstr. 3, im Ingenirheim.— Pankow: Kisfingenstr. 48. im Jugendheim.- Treptow: Wildenbruch» Scke cüraetzstr.— Mitte: Srotze Hamburger Str. 24. bei Frieboes,— Tiergarten: Predow, Sckc Wiclefstraße, hei Lansch.— Dienstag, 19. März. Wcdding: Schulstr. 12, bei Verreiter. Prof. Kestenberg spricht heute, Sonnabend, 7.26 bis 7.43 Uhr auf der Deutschen Welle über Haus- und Volksmusik. welter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, Tagestempera. tnren einige Grade über Null: schwache Luftbewegung.—- Für Deutschland: Im Osten noch etwas unbeständig, im größeren weit- lichen Teile des Reiches vielfach heiter und am Tage mild. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Theater der Woche. Vom 10. bis IS. März. Volksbühne. V-Nsbüh»«: Th«ai«r a»»»lowPlatz: Kreuzabnahmr. Theat»«» Kchitfbauerdamm: Ztranihcit dcr Ingen». Thalia, Theater: Oelrausch. Stoalsthealer. Staat»» per Uater he» Liuhe»: 1«. Sapalleria Rufticana. Baiazz! II. Mona Lisa. 12. Madame Buttersln. 13. Fortunios Lied. Die silns Wünsche. 14. Fra Diavalo. J5. Siegfried. 16. Troubohanr. 17. Figaros Hochzeit. 18. Carinrn. Oper am Platz her»epnblil: 10., 16. Flrdcrmans. 11., 15.. 18 Der"-»-ndc Holländrr. 12. Sossmann» Erzählungen. 13., 17. Carmen. 14. Don chiooonni. Stahtisch« Oper eharlattrnbnrg: 10. Eugen Onrgin. kl. Tannhäuirr. lZ. Fiäclio. 13. Lahrngrin. 14. Margarete. 15. Wilbschiltz. 16. Zosca. 17. Eos: fön tutte. 18. Wcfchlafsene Borstellimg. Staatliche» Schauspielhaus am ttzendarmeumarit! 10., II., 12., 15., 16, 17., 18. Karl und Anna» 13., 14, Ein besserer Herr. Schiller-Theatcr Eharlattruburg: l0„ 11., 13.. 14., 17. OcdipUZ. 12., 15., 1«.. 18. Kalkutta, 4. Mai. Theater mit festem Spielplan: Deutsch«» Theater: Di« lustige» Weiber von Winbsor.— Zheate« a« Nolenbarsplatz: Da» chelb aus der Straße.— Theater i» he» Käaiggratzer Straß«: Revolte im Erziohungshou«.— Kamöhienhau«: Die Dreigraschenppcr. — Sroße» Schauspielhau»: Der licbe Nugu stin.— Metropol-Theatee: Die lustige Witive.— Theater de» Westen,: Friederike.—»amiichr Oper: Paradies der sliße» Frauen.— Luftipielha»»: Weekend jm Paradies.— Leffing Theaier: Da» Bciichen und Medaillen einer alten Frau.— Trianan-Zheater: Der Her», und die SUnderin.— Resihenz.Theater: Försterchriftl.— Theater in der Stadt, Sommandantcnstraße: Zntlamen.— Die Tribiine: Herr und Fra» So und So — Berliner Zheatee: 3 d Hochzeit.— Rene» Theatee am Ja»: Der K'toisse»--. wurm.— Kleine» Ideatee: Trio.— Renaistane«. Theater: Da» große-ABC.— Roie-Theatrr: Der Obersteiger.— Schloßpark. Theater Steglitz: Paganini.— Plaza: Barictd.—«intergarte» und Seal»: Internationale» Barietd— Reichshallen-Theata«: Stettiner Sänger.— Theater a« Kattbuffer Tor: Elite- Sänger. Theater«st«echselade« Spiekplaa. »«»»erspiel«: Bi, 12. Soeben erkchirnen. Tb Ii Di« Ursache,-- Di» JtMKSHa:»i, 14. Slumpia. Ab 13. Warnt kommst Du wieder?— Deutsche« «ünftlcr.Theater: Bi» 14. Der Zinker. Ab 15, Potiasch und Perlmutter a!» Detektive.-«astno. Theater: Bis 13. Kilometerliebchen. Ab 14. Eine un. geliebt- Frau.— Theater in her Lützowsteaße: 10. Zimmerticu und Immer. mann. Ab 11. Die ungelußtc Eva, iNachmiltagsvorstellungen. Ballsbühn«. Theater am«ülawpla»: 10., 17. Das Mädl aus der Bor- stadt. Theater»« Schitibauerbamm: 10., 17. Heiden.— xhalia-Theat«-. 10. 17. Oclraulch— Staatliche» Schauipiclhan» am Senbarmcnmarkt: l,. Wilhelm Zell.— Deutsches Theater: ,7. Dir Kassette.- Theater am Ragenbors. platz: 10.. 17. Da»«rld aus der Straße.— Theater r» der«a»u>g'a>>ci Straß«: 10.. 17. Revolte im Erziehungshou».— itomöbienhau«: 10. 17. �>e Drelarvichenoper.— chrvße, Schanipielhana: 10., 17. ter liebe-- Metropol Theater: 10., 17. Die lustige Witwe— Deutsche, Su»stlcr.Thv»t-r 10 Der Herer 16, On Approval.— Di« Tribüne: 10,. 17. Herr und Frau So und So.- Rene. Theater am Z-a: 10 Drr S'wm-nswurm.- Rose. Theater: 15.. ,6. Wilhelm Trll. 17,. 17','. Uhr: Der Ooersteiger: 144» Uhr. Die strben Raben,- Schloßpark-Zbeot«. Steglitz: 16, Der Z'geunerba�n- Theater in de. Lützowstraße: 10, Frau Salle." garte» und Seala: Internationales VarietS.— M��h«Re»'Tyea«r.�lv..\. Etettincr Sänger.— Theater am Aottbufier Damm: 10., 1<. �Itte-Sangcr. Erstaufführungen der Woche. Montag. Theaterin der LUtzowstraß-t Dil ungekußte Dpa. Dienstag. Theater in der Klosterstraße: Iettchen Gebert.— Ritt- wach. Kammerspir le: Tie Ursache.- Dannersta». La sin a- Tdeater: Eine ungeliebte �ran.— Freitag. Sta atso per unter den Linden: Siegfried.— Komödie: Wann kommst Du wieder i Lotinadekrä. 9. März. Berlin. 16.00 Leopold Lehraann: Die Staatsraünse. 16.30 Unterhaltangsrnnsik d« Konrert-Orchcsters Otto Kcrtnbach. 18.30 Dr. Ernst Pole; Moderne Betricbsfonncn des Einrclhandels. 19.(X) Dr. Richard H. Stein: Enslischc nnd amerikanische Mnsik(mit Beispielen am flügcl). 19.30 Osuald Riedel. M d. L.: Oestlichcs Orcnrland. 20.00 Bunter Abend. Mitw.: Prida Wcbcr-Plcßburg; Jnlias Brandt; Max Knttner; Berliner Pcnk-Orchcster. AnsclicCcnd bis 0.30 Hotel Adlon. Tanrmnsik(Kapelle Hajos Bcla). KdBisstrasterhanscB. 16.30 Nachmiltasskonzert von Hamburg. 17�0 Willy Steinkopf. M. d. R.: Der Beamte und das Parlament 18.00 Ob.-Rez.-Rat PriU Teicssy: Arbeiter und Muttersprache. 18.30 Spanisch fflr Anfänger. 18.55 Dr. P. Schönemann: Erriehane rum Staat in Amerika. 19.20 Prof. Dr. Leo Kestenberj: Die musikalischen ürondlacen im Lebe« unserer Zeit. 20.00 Sondervcranstaltunj des Deatschlandsendcrs: Die- Stunde des Landes. (Rheinische Stunde.) Sonntag, 10. März. Berlin. 06.55 Stundenctockeospiel der Potsdamer Gamisonkirche, 09.00 Morgenfeier. Glockenjeläut des Berliner Doms. 11.30 Aus dem Großen Schauspielhaus: Vormittaeskonzert der Kapelle Dajof Bela. 13.13 E. Nebermann: Die moderne Schachpartie. 14.30�15.25 Für den Lavdwiit. 15.30 Märchen.(Erzählt von Paula Knüpffei.) 16.00 Gustav Hochstettcr:..Qcduldir wartet der Berliner". 16.30 Unterhaltungsrnnsik der Kapelle Gebrüder Steiner. 19.30 Direktor Dr. Karl Schuchhardt:„Ausgrabungen und Pünde auf deutschem Boden". 20.00 Abcndunterhalturvg. 700 Jahre deutsches Studentcnllcd. 21.00 Musik der Gegenwart. Bcla Bartök: Vier altungarische Volkslieder fü- vierstimmigen Minnerchor.— Heinrich KaniiflÄkT: Motette für Altsolq und sechsstimmigen gemischten Chor.— Felix Petyrek: Zwei frohe geistliche Lieder(Berliner Fur.kchor; Ltg. M. Albrecht). 21.30 Der Journalist spricht.. Anschließend: Zeit. Wetter, Tagesr.achrichtcn, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hoffmann), Königswustcrhaasen. 13.45— 14.15 Bildfunkversuche. 16.00 Dr. A. Weise: Messen und Märkte im Wandel der Zeiten. 16.30 Unterhaltungsmusik von Berlin. 18.00— 19.00 Reichsjustizminister Dr. Koch-Wcscr und Prof. Grcbc, M d. L.; Das Problem des Einheitsstaates. 19.00 Emanuel bin Ooricn: Das fabulierende Israel. (Schluß des redaktionellen Teils.) Aufklärung über Geschlechtskrankheiten im Film. Am Sonnabend. 9. Mär,. 2311 Uhr, findet in der«lhambea,«chineberg. Haupts tr, Zd. jo: Rahme» einer Nachtvorstellung eine einmalige Aussilhruns. de. Film»„Falsche Scham. 4 Episoden aus dem Tagebuch eines Arztes" statt. Eintritt zum Einbeitspreis von 1 M.�____ Berantwortlich für die Redaktion: Franz Kliihs, Berlin: Anzeigen: Th. Dlocke. Berlin, Beeloq: Borwärts Verlag" Noll. 1578 16". Uhr Stamhimmal dm FrOhJakra 18V. Uhr Sternbilder and Wattbau 20". Uhr Wundar dm »adlleh.n Himmel« Tägl.auBer Montags u Mittw. Erwachs 1 Mk„ Kinder 50 Pf. Miitw.: Erwachsene 50 Pf. Kinder 25 Pf. Oentsdies THeatef Norden 12310 8 U, Ende geg. lOV- Weiber m Vindsnt von Shakespeare Regie: HeinzHilper. Kamtnerspiele Norden 12310 8Uhr, EndelO'bUhr Zum 51, Male .Joeben embienen" Komödie von Edouard Bourdek Regie: Forster Larinaga. Die Komödie Bismarck 241417516 SV. Uhr, Ende 10V'. „Olympia" von Franz Molnar Regie. Forster Uarinaea. Berlio» Theater Olrekt-HeinrHerald CharlotteosiraSe 90 A. 7. Dönhoff 170 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Able's Irlsh Rose) Kleioes Theatsi f üglich av« � Kort � a»«rle v. Marlen» Paul Otto „Trio" l.usfep v. Leo Lcnr. Regie; Fnedmaan Frt derieh. Bannrasby- Bahnen Theater in der KSniggrltzer Straße Täglich 8Vi Uhr Revolte Im Erziehungshaus Komödienhaus Täglich« Uhr Die Orei-Gresdien- Oper Tbaater am lollendorfplati Täglich 8>. Uhi Das Geld auf der Straße Trianon-Th. Täglich 8','« Uhr Der Herzog und die Sünderin mit Erltza Sllstgir und Uanin Kcttacr Rundfunk liört> halbe Preise Lessing-Titeater i iglicr» SV* Jhi Maria Orska in „Da« Veildacn" Die Medaiilea einer allen Frau rtialia-Theater ►resdener Sir. 72-7. 8 Uhr „Oelransch" Lostspielhaas tV< Uhr Waderiiitreien Guido Tielscher Weekend im Paradies OUch. KUnstler-Th. SV* Uhr Der Zinker ?. Edgar Wallace 4ntm lila Malihin Preise 1—10 Mark Rosa-Theater irjrnllfrtie 51.157 4 Uhr Wilhelm Teil S'.f Uhr Der Obersteiger 8'. Tlieaier «n Wesiens Oer größte Srsslg Aerlins Friederike Mustk oon Lahor Srika o. Thellmami Carl Ziegler Lei. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M '>nstiEllte«» sauge» u. a.„Die SchSnheitskönigin" verbunden mit Modensehaw. Allgsm. Preitlisrabsstzung auf allen Plützea ClKJscH Tagt. S 41.. 8«antaga auch 3 41. I. L„Spanlceb« Kampfatiere" »8<„Löwen baim Souper". Itm li.l UK7i,tao.laraaapracanga SchlLrSJlQE. nCUlIcTaaimtnegmcna» 1 Hechei. 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In 22 Staaten ist es er- laubt, Kinder unter 14 Jahren anzustellen, um den Fahrstuhl zu bedienen. In 17 Staaten gibt es keine Gesetze, welche Kindern das Orlen und Reinigen von Maschinen und Transmissionen währe, rd der Bewegung verbieten; so ließe sich die Aufzählung bc- liebig fortseien. Das alles gibt tiefen Einblick, und wir scheuen uns nicht, dos amerikanische Wort:„Die Gesundheit des Kindes ist die Macht der Nation" hierher, gerade an diese Stelle zu setzen. Meine Kinder als Heimorbeiier. Wie man für die Erwachsenen über 500 Berufstätigkeiten ausrechnete, so nennt man deren 50 für kleine Kinder als reguläre Arbeiten. Nehmen wir die Heimarbeit vorweg. Sie ist hier ebensowenig kontrollierbar wie bei den Erwachsenen. Bilder, die wir dem Fraucnbureau verdanken, zeigen uns die Kinder beim Perlenkctten-Aufziehen. Da in den billigen 5- und 10-Cent-Läden die fertige Halskette mit Verschluß nur 3 bis 10 Cent kostet, kann man sich den halben und Viertelpfennig-Lohn der Kinder leicht aus- rechnen. Gewiß ist die Perlenkette weit mehr als bei uns drüben ein Massenkonsumartikel. Das Aufreihen ist zwar keine schwere, so doch eine nervenanstrengende Arbeit, die keineswegs von den Kindern ohne Aufmerksamkeit erledigt werden kann. Achnlich steht es mit dem Nähen von Puderquasten. Auch dieser Artikel erlebt in Amerika viel größeren Umsatz als bei uns. Alles was netten Tand und Schmuck angeht, wird von der Frau des Volkes gern und leicht gekauft. So auch die künstlichen Blumen, die zarten Kinderhänden entwachsen. Das Aufreihen von Knöpfen auf Pappkartons oder das Ausammenfassen von Sicherheitsnadeln, wie das Auszacken von Taschentüchern, gehört ebenfalls zu der'bekanntesten und ge- suchtesten Heimarbeit von kleinen Kindern. Auf den Austernbänken. So wenig sich gegen hygienische Heimarbeit im beschränkten Maße etwas sagen läßt, so bedenklich treten wir aller Arbeit gegenüber, die kleine Kinder stundenlang und allein festhält und sogar körper- liche Gefahren in sich trägt. Wer hätte nicht schon von der Kinder- arbeit auf den Austerbänken gehört! Nach getroffener Feststellung sind 322 Kinder von 544 dort tätigen noch zwischen 6 und 14 Jahren, und zwei sogar noch nicht 6 Jahre alt. 64 Proz. der Kinder arbeiten regelmäßig, die anderen vor und noch dem Schulunterricht, sowie Sonnabends. Untersuchungen ergaben, daß 25 Proz. der beschäftigten 10- bis 15jährigen Kinder Analphabeten waren. Mehr als ein Viertel der Kinder verdient nur zwei Dollar Woche»lohn. Dabei handelt es sich um eine schwere und unsaubere Arbeit. Die Austern müssen geösfnet und dann in den Konservenfabriken weiter behandelt werden. Scharfe Splitter haben oft Verletzungen und Vergiftungen zur Folge.» Obgleich der größte Teil der Arbeit von Kindern verrichtet wird, arbeiten auch Frauen auf den Austernbänken. In 48 Staaten haben die Mütter ihre noch nicht neun Monate alten Säuglinge mit zur Arbeit genommen. Die Wohnungen dieser Familien ge- hören mit gcriiegen Ausnahmen den Besitzern der Austernbänke: ihre Bewohner besinden sich also in vollständiger Abhängigkeit von ein und derselben Persönlichkeit. Das Gesetz allein macht es nicht! Nachdem vor nicht allzulanger Zeit das Kinderburean der Zentralregierung diese Zustände kontrolliert und dann seinen Befund mitgeteilt hat, war alles ziemlich entsetzt. Man ver- sprach strenge Gesetze, und wir hörten ja schon, daß diese in der Tat bereits in, vergangenen Jahre bessere Zustände ausgelöst haben. 'Aber mit den Gesetzen allein ist es ja nicht ge- s che h en! Was nützen sie, wenn sie unbefolgt bleiben. Es dürste nicht immer genügen, das von de» Eltern genannte Alter des Kindes einfach als das richtige anzunehmen. Oftmals machen ge- wiffenlose Eltern in ihrer Notlage unwahre Angaben— die Leidtragenden sind aber die ausgelieferten Kinderl Von den vielen Vereinen und Stellen, die sich mit der Gesundheit und Person des Kindes beschäftigen, wollen wir nur die herausgreifen, deren Prä- s i d e n t der neu gewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoooer, ist. In den Jahren von 1914 bis 1920 hat er große Erfahrungen gesammelt, als er 15 Millionen Kinder in Zentraleuropa mit Nahrung, Kleidung und Kohlen versorgte. Eine Uebersicht über die fünf Jahre des Bestehens der„Gesellschaft zur Pflege des amerikanischen Kindes" gibt Ueber- blick aus der Vogelperspektive. Wir ersehen, daß viel geschah, um Krankheiten zu beseitigen und die Sterblichkeit im Kindesolter zu verringern. In 86 mtttleren Städten beobachtete man Kinder, und zwar schon vor dem Schulbesuch, um Gesundheit und Erziehung abzuwägen. Es würde hier zu weit sühren, über diese allgemeine Apfzählung hinaus ins Detall einzudringen.. 24000 Kinder in den Gruben! Die amerikanische Zeitschrift„Das amerikanische K i n d" setzt sich mehr niit den uns heute beschäftigenden Fragen ausewander. Sie stellt ForderunMn und tritt als der Anwalt des � arbeitenden Kindes auf. Man solle sie aus Glasfabriken heraus- lassen. Auch das Kapitel jugendliche Bergarbeiter beschäftigte sie schon des öfteren. Znsgesamt werden über 24 990 Kinder unter 16 Jahren in Gruben und Industrie beschäftigt. Allein in den Kohlengruben von Pennsylvania arbeiten 14 999 Kinder unter 16 Jahren. Allerdings verbietet das Gesetz Kinderarbeit in diesem Zllter, da aber wiederun,— wie schon oben erwähnt— keine Gesetze der Alterskontrolle. sondern die Angaben der Eltern ge- nügcn, entwickeln sich solche Zustände. Dämmriges Halbs dunkel und schlechte Luft sind Gift für diese inl der Entwicklung befindlichen jungen Menschen. Ihre Arbeitsleistung ist weniger eine schwere, als eine abstumpfende: auf einer breiten Rinne rollen ohne Pause Kohlen und Schlacken herunter, diese voneinander zu trennen, ist ihre Aufgabe. Lleber S000 Llnfälle in einem Jahr! Daß es auch bei verhältnismäßig ungesährlicher Arbeit nicht ohne Unfälle abgeht, ist selbstverständlich. Die diesbezügliche Sta» tiftik überrascht und erschüttert— so weittragende Folgen lassen sich nicht vermuten. In einem einzigen Jahr wurden 8746 Kinder durch Jndustrieunfälle arbeits- unfähig. 56 von ihnen wurden getötet, 152 muhten Glieder amputiert werden und alle anderen hatten Verletzungen, die sie fürs Leben schwächten. Noch gibt es in den Staaten keine genügende Unfalloersicherung für Kinder. Bei einem Durchschnittslohn von 2 bis 10 Dollar wöchentlich die Zukunft, ja, das Leben eines Kindes aufs Spiel zu setzen, ist ein Risiko, das kein menschliches Gewissen tragen kann. Darum fordern die Kämpfer des Kindcrrcchts folgende Bestimmungen: 1. Arbeitsverbot für Kinder unter 14 Jahren. 2. Kein« Nachtarbeit für Kinder unter 16 Jahren. 3. Höchstens den Achtstundentag für Kinder unter 16 Jahren. 4. Keine Beschäftigung von Kindern in Berufen, die physisch und moralisch gefährdend sind. In wenigen Staaten ist— wie wir schon ausführten— dieser! Standard erreicht. Verpachtete Kinder. Auch das Gebiet der Land- und Hausarbeit müssen wir mit einbeziehen. Die deutschen diesbezüglichen Schutzgcsetzs sind noch nicht ausreichend, arbeiten wir doch erst seit 1926 wirklich intensiv an deren Ausbauung. Ein besonderes Kapitel für sich stellen in Amerika die„oerpachteten Kinder" dar. Denn di.es wird noch in vielen Staaten geduldet. Unter- suchungen haben ergeben, daß in 540 Haushaltungen 48 Proz. direkt schädlich, 44 Proz. ungenügend und nur 8 Proz. gut unter- gebracht waren. Diese Kinder werden von der staatlichen Volks- schule oder auch vom Distrikt-Armenkominissar an Bauern in der Umgebung weitergegeben. Alle vorkommende Arbeit wird ihncst übertragen. In diese Linie fällt die Tätigkeit der Kinder, die mit ihrcix Eltern ab Frühsommer von Ort zu Ort ziehen und als W a n d e r, a r b e i t e r ihr Brot verdienen. Bei einer Jnspektionstmir fand »van 63 Kinder im Alter von 7 Jahren. Hier liegen mehr in heutiger fortgeschrittener Zeit die Gefahren des Analphabetismus, Wie steht es mit der Schulpflicht? Die Tatsache, daß nur in 14 Staaten die Kinder acht Schul» klasscn durchgemacht haben müssen, um einen reguläre»'Arbeits- schein zu erhalten, gibt uns die Erklärung. Das schulpflichtige 'Alter ist in jedem Staate anders festgesetzt. So erhöhte jetzt der Schulrat der Stadt New'Uörk das schulpflich- tigc Alter von 16 auf 17 Jahre im Einklang mit den Bestimmungen des Staats-Arbeitsgefetzes, welches die gleicho Altersheraufsctzung für die Beschaffung von Arbeitspapieren vor- nahm. Ohne diesen Erlaubnisschein(cmploz'mcnt certi- licate) oder eines Ferien-Erlaubnisscheines(vacation worfc permit) ist z. B. in New Park E'ty für Personen von 14 bis 17 Jahreiz keine Arbeit zugekommen. Jungens im Alter van 12 bis 17 Jahren müssen sich, falls sie Zeitungen verkaufen wollen, außerdem noch ein Straßenschild(Street traäex baclxe) verschaffen. Kinder im Alter von 14 bis 17 Jahren können in Fabriken von 8 Uhr inorgens bis 5 Uhr nachmittags und in kaufmännischen Betrieben va« 8 bis 6 Uhr beschäftigt werden, jedoch nicht länger als acht Stunden täglich oder 44 Stunden wöchentlich. Kinder unter 16 Jahren, die Fabrikorbeit verrichten wollen, müssen auch ihre Eltern(oder Vormund) um ein Arb-eitezertisiIat ersuchen. Mit einem Ferienorbeit-Erlaubnisschein können nur Minderjährige Im Alter von über 16 Jahren in einer Fabrik arbeiten. Die Mütter fragen. Das Bundes-Kinderbureau des Arbeitsministeriums wird mit Anfragen bestürmt aus allen Gegenden des weiten Landes. 120000 Antragen von Müttern liefen in einem Jahre ein, dies beweist, wie dringend notwendig diese Tätigkeil der Zen- trale ist. Ihr dankt Amerika schon heute ein gut Teil seiner Zu» kunft, in die es jo stegesjtark und stolz hineinschreitet. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. Bh jRomxStn, von UerNiwlson-Bai Zeic/inungce/i. i/on Acloff LeAnert (20. Fortsetzung.) Mala und die Knaben singen viele Wölfe auf diese Weise. Sie Beute war wertlos, denn die Felle haarten: aber man freute sich doch, die schädlichen Tiere auszurotten. Mala zeigte den Knaben auch, wie man Lachse fing, wenn der Herbst kam und sie sich in Löchern auf dem Grunde sammelten. Er legte Schlingen für Schneehühner: und eines Tages fand er in einem kleinen See eine Schar Gänse, die niedergestürzt waren und nicht fliegen konnten. Sie gingen alle hin und jagten sie. aus dem Eise kamen die Gänse und liefen so schnell wie ein Mensch, hielten aber nicht lange aus. Wenn sie beinahe eingeholt waren, duckten sie sich dicht an den Boden, und oft konnte man direkt an ihnen vorbeilaufen und sie für Steine halten. Der Winter näherte sich. Da wurde beschlossen, dah Mala und Jllubalik mit den Hunden an die Küste gehen und die Schlitten holen sollten. Er selbst hatte keinen dort, aber sie wollten die Ta- partes nehmen und die Küste entlang nach dem Winterwohnplatz sahren, für den man die Mündung des Flusses gewählt hatte. Dort gab es viele Walrosse und Robben, und es war nicht weit zu den vusgelegten Depots. Wie gewöhnlich wollte Mala Jnupaujak mitnehmen. Diesmal aber protestierte Ada. „Immer soll sie dich begleiten. Es muß zwar herrlich sein,«ine junge Frau zu haben, laß mich doch daheim bleiben und Kleider für dich und sie nähen. Aber warum tatest du soviel, um mich zu be- kommen? Bin ich denn nicht Frgu genug sür dich, daß du mich immer zurückläßt? Und haben wir Fleisch genug, bis ihr wieder» kommt? Wann darf ich mitziehen?" Mala antwortete nicht. Selbstverständlich antwortete er einer Frau nicht, die Einwände machte. Nachts aber dachte er, daß er es wirklich anderen und sich selber viel hatte kosten lassen, Ada zu erwerben. ..Wie dumm die Menschen sind," rief er und beschloß, sie zu tauschen, wenn er einen Mann im Norden traf, dessen Frau ihm gefiel. Denn zwei Frauen wollte er haben, jetzt kannte er diese Freude, und darans ersah man auch, daß er der große Mala war. Die Süßigkeit der Macht und die Freude an vielen Untergebenen hatte er auf dem Schisse gesehen. „Koch Fleisch." sogt« er am Morgen zu Abo.«he sie fortzogen. „Warum soll ich kochen? Laß Jnupaujak dein Essen bereiten." Mala antwortete nicht, er ging vor die Tür, wo das Renntier- fleisch unter Fellen lag, nahm ein Stück davon und tat es in den Topf. „Ada, koch Fleisch." sagte er zum zweitenmal.„Ich habe Fleisch in den Topf getan." Aba antwortete nicht. Sie ging wieder in das Zelt, wo sie sich niedersetzte und mit einem Greifspiel spielte. „O, hörtest du nicht, daß ich mit dir sprach?" Aba spielte weiter. „Koch Fleisch," sagte Mala wieder in seinem ruhigen Ton. „Ich koche kein Fleisch. Du hast meinen Mann getötet, und ich habe nichts mit dir zu schaffen. Nur aus Furcht blieb ich bei dir und aus Mitleid mit deinen Kindern, jetzt hast du eine andere Frau, die dir mehr zu gefallen scheint, laß sie Fleisch kochen." Es war das erstemal, daß Mala genötigt war, seine Frau zu prügeln, ober jetzt tat er es. Und sie merkte bald, daß seine Schläge kräftig waren. Alz er aufhielt, setzte sie sich auf und schien geknickt zu sein. Sie stand auf, ging'aber zur Seitenpritsche, nahm ein kostbares Fleifchmcsssr, das dort lag, legte es auf einen Stein, und ehe der Mann es verhindern konnte, brach sie die Klinge mit dem Schlag eines anderen Steine» ob. Erst dann kam Ruhe über sie, und sie ging hinaus und kocht« Fleisch. Mala rührte sich nicht, ehe sie draußen war: dann ging er ihr langsam nach. Sie hotte schon Talg gekaut und ihn auf ein Stück Torf gelegt. Jetzt zündete sie es an. Der Talg schmolz und nährte das Feuer. Es brannte wie eine Fackel. Sie legte Weidenzwcige und Heide- kraut darauf, legte sich nieder und blies, daß ihr Kopf von Rauch umgeben war. Mala ging hin und gab ihr einen Stoß in den Rücken, daß sie einen Purzelbaum schoß. Dann setzte er sich ein wenig abseits und sah Aba an, die furchtsam zurückkroch und wieder das Feuer anblies. Er blieb unbeweglich sitzen, bis das Fleisch gekocht war. Selbstverständlich hatte Illubalik den Auftritt bemerkt. Er hatte alles durch die Zeltwand gehört: aber als das Fleisch gekocht war und Mola ihm zuries:„Komm und iß Fleisch," kam er mit seinen Söhnen aus dem Zelt, als wäre nichts geschehen: sein Blick hatte keinen Ausdruck. „Nun, hast du wie gewöhnlich Fleisch gekocht? Komm und laß uns essen." Aber da rächte Aba sich. Als sie das Fleisch aufgießen sollte, stieß sie gegen den Topf. Der stürzte um, die Suppe floß in das Feuer und löschte es. Mala sagte nichts. Er trat ruhig zu Aba, hob das Fleisch aus und gab ihr mit dem Handrücken eine so heftige Ohrfeig«, daß sie hintenüber fiel. Sie kroch ins Zelt, während Mala das Fleisch wieder in die Schüssel legte. Auch ihm sah man nichts an.„Bitte cßt," sagte«r. Mit seinem Messer schabte er die ärgste Asche fort, dann nahm einer einen Bissen und reichte seinem Freunde das Fleisch- stück, das nach jedem Bissen hin und her ging. Keiner sagte ein Wort, keiner dachte etwas, man hörte Abas erbittertes Schelten und Schimpfen gedämpft aus dem Zelt, aber das störte nicht. Hier saßen Männer und aßen. Sollte Frauenrede sie bekümmern? In festlicher Stimmung kamen Illubalik und Mala mit seiner jungen Frau an die Küst«. Ihr« Hunde trabten chnen mit leichter Last nach. Es hatte begann«» kalt zu werden, und die kleinen Pfützen auf dem Lande waren vereist. Die großen Seen konnten zwar noch nicht tragen, aber das tat nichts, denn auf ihnen lagen Gänse, an einigen Stellen auch Schwäne, die mauserten und nicht fliegen konnten Mit Büchsenschüssen konnten sie sie erreichen und erhielten die herrlichen tranigen Gänse. Mala schoß auch eme klein« Robbe, di« sie an Land bargen. Es war herrlich, nach den Renntieren des Sommers wieder Robben zu bekommen. Das Fleisch der Seetiere 'üllte den Magen eher und sättigte besser. Und der Geruch der Zpeckseuer war fett und lecker. Während die Männer auf ein« Landzunge gingen, um nach Beute auszuschauen, langW»lte Jnupaujak sich. Sie hatten kein Zelt, son- dern hatten nur einige Felle über einen Unterschlupf zwischen den umgestürzten Schlitten gedeckt. Jnupaujak sammelte viel Gras zu einem weichen Lager. Dann zog sie ihr Fußzeug ab und flickte die Sohlen ein wenig: ober das Alleinsein war langweilig. Sie war ängstlich. Gegen Abend wurde es dunkel, hoffentlich kamen die Männer bis dahin wieder. Sie hatte viel von den Berggeistern gehört, di« einsame Frau«n entführten, und von dem schrecklichen Schicksal, dos Frauen widerfuhr, die in die Zelt« der Inlandbewohner geraubt wurden. Einige große Möwcnjungen kamen angeflogen und sahen die Reste der geschlachteten Robbe. Sie kannten keine Furcht. Inu- paujak nahm einen Stein und warf ihn, sie traf das Tier sicher und brach ihm den Flügel, so daß es nicht allein fliegen tonnte. Froh lief sie hin, um ihre Beute zu fangen, ober die Möwe flatterte immer weiter. Jedesmal, wenn sie sich bücken wollte, um die Möwe zu greifen, flatterte sie seitwärts und war frei. Jnupaujak lief long«, denn sie wollte die Möwe gern lebendig haben, und nach großer Mühe glückte es ihr endlich, sie in ihren Schlupfwinkel zu jagen, wo sie sie packte. Sie war sehr glücklich über ihre Beute, mit dem lebendigen Bogel V- y J sJ konnte sie»fefc andere fangen. Sie legt« stsn aus den Röcken and(fct paar große Steine auf die ausgebreiteten Flügel, so daß er außer- stände war, aufzufliegen. Das zappelnde Möwenjunge wurde gleich von den Kameraden in der Luft entdeckt. Was sie wollten, war unverständlich. Waren sie neugierig oder wollten sie Hilfe bringen? Schnell schoß ein Vogel auf den gefangenen Kameraden herab, der ihn mit den Krallen packte, um sich zu besrcien, es war unmöglich, und der HUfsbereue wurde festgehalten, bis Jnupaujak ihn ergriff, worauf er ebenfalls mit Steinen auf den Flügeln hingelegt und der erste Vogel getötet wurde. So ging es weiter, viele Möwen waren da, und zuweilen lagen drei auf dem Boden, um andere zu fangen. Als Mala und Illubalik am Abend heimkamen, erhielten sie gekochtes Möwenfleisch, das bereits fertig war, und tranken die herrliche, mit Salzwasser gekochte Suppe. Ja, Mala hatte eine tüchtige kleine Frau be- kommen. Als die Schlitten an ihren Platz geschafft waren, sahen Molas scharfe Augen gleich, daß etwas mit den Knabe» war. Es zeigte sich, daß Aba dem kleinen Upik mit einer Feile die Nase zerschrammt hatte, und das war«in Streich, der nie vergeben werden konnte. Sie hatte das Kind ihres Mannes geschlagen, ein Kind, das sie nichts anging, und zwar mit einer Feile, und all«, waren entsetzt. Illubaliks Frau berichtete es ihrem Manne. Sie hotte es von Orsokidok gehört, und ein erwartungsvolles Schweigen log über dem Platze. Mala war gefürchtet, er war ein großer Mörder und dazu ein angesehener Großfängcr. Sollten seine Kinder von einer Frau geschlagen werden? Wußte man nicht, wie das enden würde? Aber die Nacht verging, nichts geschah, der nächste Tag auch. und am Abend herrschte immer noch Frieden in Molas Haus. Sclt- sam war das. Illubaliks Frau machte sich in dem anderen Zelt zu schaffen, lieh sich ein Hausgerät. Ja, sie fragte geradezu noch einer Feile, um ihr Knimmesser zu schleifen. Sie lenkte die Auf- merksamkeit auf das kriminelle Werkzeug. Etwas mußte getan werden, um die Spannung auszulösen. Aber sie sah. daß Mola sich schlafen gelegt hotte, und obendrein neben Aba, unter deren Decke. Jnupaujak lag ollein an der entgegengesetzten Wand. „Die Feile liegt dort." sagte Mala. Sie nahm sie und ging. „Ein merkwürdiger Mann ist er," flüsterte sie ihrem Ehemanne zu. Illubalik wurde ganz ausgeregt bei dem Gedanken, daß Mala sich das gefallen lassen könnte, und seine beiden eigenen Söhne, die natürlich die ganze Geschichte kannten, lagen lange wach und flüsterten. „Vielleicht," dachte Illubalik,„ist er gegen die Seinen gar nicht so furchtbar. Nur gegen andere. Und jetzt wohne ich ollein hier mit ihm, soll den Winter mit ihm verbringen. Er ist ein Mann, der zu töten pflegt. Soll ich der nächste sein?" Die Gedanken stürmten auf ihn ein. Furcht stieg in ihm auf, ober er sagte keinem etwas. Am nächsten Morgen schlug Mola Illubalik vor, auf die Renntierjagd zu gehen. Die Wölfe waren fort, und es zeigten sich wieder Renntier« in der Nähe. Illubalik sollte durch das eine Tal, Mola und Orsokidok durch das andere gehen. Es war schlechtes Wetter, es regnete, so daß es leicht war, sich an die Renntiere heranzupürschcn. Der Hauptzug nach Süden war allerdings vorbei. Aber drei junge Bullen, die in der Brunstzeit von den alten Ausgewachsenen oerjagt waren, streiften allein um- her, und man konnte offenbar leicht in Schußweite gelangen. Puolu und Upik spielten mit Illubaliks Kindern. Es war sehr lustig, über den Platz liefen sie und den Fluß entlang, daß da? Wasser sie bespritzte. Daran dachten sie nicht. Es regnete auf ihre Renntierpelze, aber daran dachten sie auch nicht. Die Pelze waren neu. Was ging es sie an, sie sollten sie nicht nähen. Aber es war luöglich, daß Jnupaujak es tun mußte. Bald konnte man Besuch von fremden Schlitten erwarten, dann mußte dag Zeug der Kinder fein sein. Jnupaujak beneidet« die Kinder, sie hätte am liebsten selber mitgespielt. Aber sie mußte auch an das Pelznähen denken. (Fortsetzung folgt.) Rätsel= Ecke des„Abend". ■aanuwimiAnnmnfflminnimiiniiimianniniiiniiiiumiuimuiMiiuiinniKiR ttmstellrätsel. In jedem der nachfolgenden Worte soll ein Buchstabe geändert werden. Die Anfangsbuchstaben der neu gefundenen Worte ergeben dann in d«r gleichen Reihenfolge ein bekanntes Sprichwort. Die ursprünglichen Worte lauten: Kuno, Alfter, Bote. Nero, Trab.�Eger, Lanze, Ober, Fimmel, Zobel, Jugend, Uebel, Ilse, Bonne, Engel, Nudel. Kreuzworträtsel. Wa gerecht: 1. Mißtrauen: 4. Geschichtsschreiber: 5. Luft» fahrtausstellung: 7. Unterwelt: 8. jeetechnischer Ausdruck: 10. französischer Artikel: 12. Papag«ie»art: 14. Gemeinschaft: l6. Blume: 10. Artikel: 20. Verwandte: 21. Stadt in Westfalen I 22. arabisches Bindewort: 28. Klosterraum: 24. Hausgang: 25. alkoholisches Getränk: 27. Pflanze: 30. Zahl: 31. Gewässer: 33. Gebirgsformotion: 34. unangenehm: 37. afrikanisches Land: 38. frühere türkische Kops- bedcckung: 30. altdeutsche Anredeform.— Senkrecht: 1. erstaunter Ausruf: 2. Wild: 3. Sagengestalt: 5. Einfall: 6. Lotterie- papicr: 0. deutscher Fluß: 10. Vulkanouswurs: 11. Liebesgott: 13. Zeitalter: 13. Souterrain: 17. Eiesichtsteil: 18. Gebirge: 10. klein- asiatische Stadt: 20. deutsche Großstadt: 26. Lebensstoss: 28. Grün- futter: 29. Renntierart: 32. Teilzahlung: 33. Belustigung: 34. Märchensigur: 36. Stellung: 26. nicht heiß.* Geographisches Rätsel. Folgend« Namen sind richtig zu ergänzen:.. ma....(sy- rische Stadt),.... ni..(europäisches Köniareich)..... s«. (deutscher Freistaat).. h. n.(französischer Fluß).... a(Verhan- nungsort)... k.. s.(sibirische Stadt), ch...... z.(Berg in den Kordilleren),. e... i.(amerikanische Autostadt),...« (deutscher Strom),..... n(Stadt in Birma),. a.. h.. i (Inselgruppe im Großen Ozean),. n... r...(Stadt in Tirol), . r.... i.(nordafrikanische Stadt),... c.(italienischer Fluß), (nordamerikanischcr Lee).— Bei richtiger Ergänzung ergeben die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, den Beinamen eines großen afiatrschen Reiches,(ch= ein Buchstabe.) Latte, Deckel, Glucke, Silbenrätsel. Aus den Silben ant ba bo die bros cha cha chal chin doni de de der so««m er ge gen gi ho i in im ki la lan le li lung ma ma na ne ne n« ne nie nie no o a on ra re rc ri sa sei ser sst ta tc ten ti to turn um us wre find 20 Wärter zu bilden, deren Anfangs- und dritte Bucksttaben, von oben nach unten gelesen, ein Zitat von Goethe ergeben(ch= 1 Buchstabe).— Die Wörter bedeuten: 1. früherer bayerischer Staatsmann: 2. Ruhezeit: 3. Glaubensbekenntnis: 4. Planet: 5. türkische Insel: 6. Mongolen- stamm: 7. europäischer Staat: 8. Reisebeschreibung: 9. wasserhaltiges KaMonerdestlikat: 10. Nervenerkrankung: 11. Fluß in Frankreich: 12. biblischer Ort: 13. Kamelart: 14. Insekt: 15. militärischer Rang: 16. Stadt in Japan; 17. Südfrucht: 18. weiblicher Lorname: 19. Mineralquelle: 20. Leiter eines Theaters. L. K. Doppelsinnig. Man Hot sie zu Haus zu manchem Gebrauch, doch sind sie zugleich ein Volksstamni auch.* Auflösungen der Rätsel aus voriger Rümmer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. Rot: 3. Ire: 4. El>: 6. Ba: 7. Nab: 9. Tod; 10. Lob: 11. Aar: 12. Dom: 14. Rom: 15. Not: 17. Ga: 18. Uhr: 19. Lot: 20. Amp: 22. Lob: 24. Gut: 25. Mut: 27. Ger: 29. Emu: 30. Met; 31. Ar; 32. Ahn: 33. Don: 34. Los.— Senkrecht: 1. Ernst: 2. Rubel; 3. Inn: 5. Lotse; 8 Bar; 12. Donau; 13. Maler; 14. Regal; 15. Niete: 16. Tadel; 20 Areal. 21. Pfund: 22. Lomza; 23. Beton; 24. Grand; 25. Monat: 26. Turin: 27. Gabel; 28. Rebus. Silbenkreuz: 14-2 Polo: 1+3 Pokal; 1+4 Pola: 1�3 Pocl; 2+3 Lokal: 2+4 Lola: 3+4 Kalla; 3+6 Kalb«: 4+6 Labe; 5+4 Ella: 5+6 Elbe: 6+4 Bela. Silbenrätsel: 1. Medehopf, 2. Orgel. 3. Hanau, 4. Lotos. 5. Are,. 6. Anband. 7. Fahrte, 8. Mgwom. 9. Oheim. 10. horho. 11. Leber, 12. Antrag, 13. Undine, li Füllen, 15. lleb erbringer, 16. Bonzo, 17. Eremit, 18. Rorte, 19. Balkon, 20. Eberl. 2l. Regierung. 22. Giraffe, 23. Ursprung, 24. Norne, 25. Danton.— Wohlauf, wohlauf, über Berg und tiluß, dem Morgenrot entgegen! Füllrätscl: 1. Habgier: 2. Laterne; 3. Dampfer; 4. Mar- bürg: 5. Prokura: 6. Gerhard: 7. Lessing.— Hamburg. Ratz Rhetorik, Erotik, Nr. 116 46. Jahrgang Sonnabend 9. März 1929 Sin technisches Wuseum. Anläßlich einer Besichtigung der LEG.-Fabriken Brunnenstraße wurde den Teilnehmern auch das dort untergebrachte technische Museum gezeigt. Wir geben aus dem reichhaltigen Anschauungs- ftoff zwei Bilder wieder, die einen interessanten Einblick in die Eni- wicklung elektrischer Maschinen ge- statten. Dos obere Bild zeigt vier Maschinen. Maschine 1 ist eine Dy- namo für Lichtzwecke, IliZ Bolt, Edison-Type. Erwähnenswert sind die besonders hohen Magnetschenkel sowie der ausfallend tiej gelegene Anker. Die Maschine, die im Jahre 1880 gebaut wurde, rührt aus dem Betriebe des Städtischen Elektrizitäts- wertes Lübeck her.— Maschine 2 ist eine Dynamo für Lichtzwecke. 100 Amp. und 110 Bolt. Type ACE. 200..Außenliegende Riemscheibe. Oeltropfgefäße und Wasserkühlung. Das Gewicht dieser 1880 von de: Deutschen Edison-Gesellschaft für an- gewandte Elektrizität gebauten Ma- jchine beträgt 2000 Kilogramm. Die Dynamo ist während 23 Iahren im Betriebe der Maschinenfabrik Eß- lingen gelaufen.— Maschine 3 zeigt eine Dynamo für Lichtzwecke, 100 Amp. 110 Bolt. Type AEG. 200. Jnneniiegende Riemscheibe, Oeltropfgefäße und Wasserkühlung. Die Ma- jchine wurde 1889 von der Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität gebaut, wiegt 2000 Kilogramm und arbeitete 21 Jahre lang im Betriebe der Firma I. Bienert, Dresden-Plauen.— Die mit Nr. 4 bezeichnete Maschine ist ein Motor, 20 PS und 110 Boll. Type AEG. 200. Außenüegenbe Riemscheibe, Oelring- schmienmg. Die Maschine wiegt 2000 Kilogramm, entstand 1880 und lief während 25 Iahren in dem Be- trieb der Berliner Dampfwäscherei Akt.-Ges.— Das untere Bild zeigt fünf Elektromotoren von annähernd gleicher Leistung. Das Baujahr, die Leistung und das Gewicht der fünf Motoren find aus der Unter- schrift zu ersehen. Die schwere Form der ersten Maschinen erklärt sich vor allem aus der in den Anfangsjahren des Elektromaschinen- baues vorherrschenden Bemühung, einen möglichst hohen Sicherheits- grab zu erreichen. Die elektromagnetischen Kenntnisse waren noch nicht groß genug. Man wollte sich gegen alle Möglichkeiten schützen. Der Umstand, daß derartig konstruierte Maschinen, in einem uns galt damals als einer der größten Borzüge. Aus der äußeren Form der Motoren find nicht alle Berbesserungen zu ersehen, die in den 35 zwischen der ersten und der letzten Type liegenden Jahren vor- genommen wurden. Jedes Maschinenteil wurde in der Form, meist Baujahr. Leistung Gewicht 1693 1901 1910 •SPS'. ■400 ko SPS fri' I ZÖ kg■ SPS 1923 5. 5 PS 1928 5.5 PS' 120kg 113kg 70kg heute überrojchnch hoch vorkommenden Maße überlastbar waren, auch im Material vereinsacht. Der innere Aufbau der Motoren ist von Grund auf geändert. Der auffallend starke Kontrast zwischen der ersten Maschine(1803) und der zweiten(1001) ist darauf zurück- zuführen, daß diese Entwicklung in die Anfangsjahre des Elektro- Maschinenbaues fiel. In den letzten Jahren stich weniger äußerlich erkennbare Aenderungen zu verzeichnen, doch werden in jeder neuen Motorentype eine Unmenge von theoretischen und betriebswissen- schaftlichen Erfahrungen verwertet. Wo hlen sä 11 resch nee und Trockeneis. Wem» man heute von Eis und feiner praktischen Berwendung für Kühlzwccke spricht, pflegt man nur an Wassereis zu denken. Es hat sich so eingebürgert, daß wir an anderes Eis überhaupt nicht denken. Nur zu wenige wissen, daß es auch anderes Eis gibt, daß eigentlich viele bei gewöhnlicher Temperatur flüssige Körper eisförmig werden können. Begünstigt wird das durch de» Umstand, daß das Wasser wegen seiner bemerkenswerten Wärmeeigenschaften— es hat die größte sogenannte spezifische Wärme von alle» Körpern, d. h. es kann unter sonst gleichen Umständen im gleiche» Körperinhalt die größte Menge Wärme ausnehmen— in der Lage ist. außerordentlich- große Wärmemengen und umgekehrt auch Kältemenge» zu bilden. Die Kühl- und Kälteindustrie war deshalb bis vor kurzer Zeit allein an Wassereis gebunden. Die Berwendung von Wassereis, namentlich auch im'Haushalt, ist durchaus keine besonders reinliche Angelegenheit. Legt man es in Kühl- oder Eisfchränke, so entsteht Schmelzwasser. Und da die Kühlschränke beim Oeffnen immer dem Einströmen warmer Luft ausgesetzt sind, die innerhalb des geschlossenen Schranks sich abkühlt und ihre Feuchtigkeit abgibt,„niederschlägt". Dadurch werden aber auch die gekühlten Waren— und das sind fast immer Lebensmittel— unansehnlich und schmierig, daher verwendet man im Haushalt Wassereis recht ungern. Beim Transport von Lebensmitteln wie Fleisch. Fische», Butter, Milch ist man aber aus eine Kühlung in den Eisenbahnwoggons an- gewiesen. Man hat dann den großen Nachteil» außerordentlich große Massen des schweren Eises mit transportieren zu müssen, die viel Raum und Fracht kosten. In Amerika ist man deshalb auf einen Ausweg verfallen, der technisch sehr interessant ist. Da? Wassereis wurde dabei oerlassen und man ging zu einem Körper über, dessen Eigenschasten vielen aus der Schule her bekannt fein dürften, nämlich die Kohlensäure. Dieser Stoff wird Handels- üblich in starken Stahlflaschen geliefert, die ihn in stark zusammen- gepreßtem Zustand« entHallen. Oeffnet man das Bentil einer solchen Flasche und läßt die Kohlensäure daraus entströmen, so dehnt sie sich infolge der Druckoerminderung von 50 Atmosphären auf 1 Mino- sphöre stark«ms. Sollte sie bei diesem schwachen Druck gasförmig bleiben, so müßte man ihr plötzlich ungeheure Wärmemengen zu- führen. Da das nun beim freien Ausströmen nicht der Fall ist, ent- nimmt sie diese Wärmemengen sich selbst, wird dann aber stark ob- gekühll und kann dann nicht mehr gasförmig, sondern nur noch als fester Körper bestehen. Es entströmt also dem Ventil ein weißer Schnee: Kohlensäureschnee. Dieser Hot eine oußerordent. [ich tiefe Temperatur, mindestens 78 Grad. Läßt man ihn frei an der Luft liegen, so verdampft der Schnee langsam. Langsam deshalb. «eil die Kohlensäur« schwerer»st als die umgebende Lust. Sie bleibt deshalb über dem Schnee liegen und schützt ihn gegen Wärme- zustrahlung und weitere Verdampfung. Diesen Schnee kann man auch zu Blöcken pressen. Er wird dann fast durchsichtig, wieWassereis. In dieser Form kommt er in Amerika in den Handel. Die ganze amerikanische Eiscreme- industrie und ihr Versand beruht aus diesem Kohlensäureeis, dem Trockeneis, wie es heißt, weil es nicht schmilzt, sondern oer- dampft, und deshalb kein Schmelzwasser hinterläßt. Mit Trockeneis kann nian Eiscreme in Postpaketen oersenden. Eiscreme hält sich in dieser Verpackung viele Tage lang, und man hat nicht selten von New Uork nach San Franziska solche Sendungen in der heißesten Jahreszeit auf den Weg gebracht, wo sie in harten Blöcken ankamen. Für den Haushalt kommt das Trockeneis leider weniger in Frage, weil es gasförmige Kohlensäure entwickelt, die nur in ganz geringen Mengen im Räume vorhanden sein dürfen. Man dürfte es im Kühlschrank auch nur in der Weise verwenden, daß man die Lebensmittel den verdampfenden Gasen aussetzt. Bettet man sie in Kohlensäure ein, so würden sie unbedingt gesrieren, was für die meisten Lebensmittel keineswegs erwünscht ist. Der große Vorteil des Kohlensäureeises ist, daß es infolge seines größeren KältegehaltZ durch die Abkühlung auf— 78 Grad im gleichen Raum gewissermaße» viel mehr Kälte enthält, als Wassereis. Es ist übrigens in Blöcken auch fast doppelt so schwer wie Wassereis. Für de» Kühl- wareutrausport ist das insofern sehr zweckinähig, weil man nicht soviel totes Gewicht mitzuschleppen und so viel Raum braucht. Während in Amerika die Trockeneisindustrie schon Verhältnis- inäßiz ausgebreitet ist, gibt es in Deutschland erst eine einzige Fabrik dieser Art. Solche Fabriken arbeiten hierzu- lande deshalb unter verhältnismäßig ungünstigen Uniständen, weil ein Kohlensäuresyndikat besteht, und weil solche Fabriken die Kohlen- säure selbst herstellen müssen. All das ist eine verhältnismäßig teure Sache, um so mehr, als der Absatz noch ganz unsicher ist. Immerhin dürste es nur ein« Frage der Zeit sein, daß sich auch in Deutschland dos Trockeneis einführt. Jng. F. L i n k e. Vom Mörtel. Wir sind es gewöhnt, Naturvorgänge auszunutzen, ohne uns über die Natur der Borgänge wissenschaftlich im klaren zu sein. Wer weiß etwa, auf welchen chemischen Grundlagen die Berwendung des Mörtels beruht? Zur Anfertigung des Mörtels wird zunächst Kalk gebrannt. Kalkstein ist ein Salz der Kohlensäure, beim Brennen wird die Koblensäure(genauer: die ihr entsprechende wasserfreie Verbindung, das Kohlendioxyd) ausgetrieben. Der gebrannte Kolk verbindet sich beim Löschen chas heißt beim Zusatz von Wasser, sehr heftig, ja unter Wärmebillmng mit diesem, Der gelöschte Kolk ist eine starke Lauge und wirkt als solche ätzend, daher ist beim Arbeite» mit ihm größte Vorsicht geboten. Alle Laugen bilden mit Säuren Verbindungen, die man Salze nennt. So ist etwa das Kochsalz da? Salz der Natronlauge und der Salzsäure, der Kalkstein ein Salz der Kaltlauge mit Kohlensäure. Der gelöschte Kalk zieht unter Salz bildung sehr begierig Kohlensäure aus der Luft an: um dies und die damit verbundene Erhärtung zu verhindern, läßt man ihn vor Ge- brauch in der Kalkgrube unter Wasser stehe». Der Knlkschlaiim' wird mit Sand oermischt und dient dann als Mörtel zur Bindung der Mauersteine. Das Hartwerden des Mörtels beruht nämlich nur auf der Aufnahme der Luftkohlensäure durch die Kalklauge unter Bildung des festen Salzes. Der Sand soll die Masse lockern und der Luft Zutritt in alle Teile verschaffen. Lielsach stellt man in Neu- bauten eiserne Körbe mit brennendem Koks, sogenannte Kokskörbe, auf, um durch diese Verbrennung den Kohlenfäuregehalt der Luft zu vergrößern. Beim Zement hingegen beruht das Erhärten nicht auf der Aufnahme von Kohlensäure, sondern wahrscheinlich in der Bildung verschiedener Aluminiumverbindungen. Forfchungsarbeitdeutfcher Ingenieure Das Aörder Höhenverhältnis der Kreiselpumpe für ideale und wirklüh« Flüssigkeit betitelt sich ein Aussatz von Dr.-Jng. Wilh. Schulz in Nr. 307 der„Forschungsheste". Es ist ein altes Gebiet, a»f dem sich diese Untersuchungen bewegen, berichtet doch schon Crelles Journal 1826 von Saugschwungmaschinen. Die vorliegende Arbeit ist ein Teil aus einer Reihe von Bersuchen, die von der T. H. Braunschweig vor gesehen sind. Die Arbeiten beziehen sich zunächst darauf, unter Zu- grundclegung hydrodynamischer Methoden für die ideale Flüssigkeit die spezifische Schanselarbeit zu berechnen, wenn das Rad bei be- liebiger SchanselzaHlen und Radienverhältnissen mit logarithmisch- spiraligen Schaufeln versehen ist. Die Versuche und Berechnungen ergaben, daß dos Förderhöhenverhältnis für ideale Flüssigkeit mit den Schaufelzahlen wächst bis zu hohen Werten, um darüber hin- aus bei weiter zunehmenden Schaufelzahlen nur wenig zuzunehmen. Für wirkliche Flüssigkeiten ergaben sich, bedingt durch die Reibung, geringere Werte. Steile Schaufeln sind wegen Berschlechtening des Wirkungsgrades zu vermeiden und bei stark rückwärts gekrümmten Schaufeln sollte die Zahl von 5 bis 6 nicht überschritten werden.— Ein ebenso interessantes wie wertvolles lind wichtiges Gebiet, auf dem noch viel Unklarheit, trotz aller technischen Fortschritte, herrsch!, behandelt Dr.-Ing. Rod. Wolff in Nr. 308:„11 e b e r die S ch m i« r s ch i ch t in Gleitlagern und ihre Messung durch Interferenz." Es dürfte auch jedem Laien klar sein, daß bei allen Höchst- und Dauerleistungen von Motor und Maschinen, die dabei verwendeten Lager in hohem Maße an den Erfolgen teil- haben. Der Lagersochmann aber weiß, daß der Schinierschichtdicke in den Lagern eine große Bedeutung zukommt. Die bisher bekann- len Verfahren zum Messen der Oelschicht waren zu ungenau. Das vom Verfasser angegebene und in der Versuchsanstalt G ö t t i n g e n der Deutschen Reichsbahngesellschaft ausprobierte neue Meßverfahren beruht auf Lichtinterserenz bei einem Spalt ans der Welle des zu untersuchenden Lagers und einer am Lager- metall angebrachte» Schneide. Die einfache und zuverlässig« Kon- struktioir gestattet dennoch ein genaues Messen. Kein Fachmann wird dieses Heft aus der Hand legen, das, mit Skizzen und neuen Formeln belegt, soviel Neues und Interessantes bietet, ohne Borteil daraus gewonnen und nicht zuletzt der Verkehrssicherheit und damit dr Allgemeinheit gedient zu haben. Jng. E— f. Bücher der Technik. Siegfried Giedeon: Bauen in Frankreich, Bauen i» Eisen, Bauen in Eisenbeton. 127 Seiten, 130 Abbildungen. Verlag Klinl Hardt u. Bicrmann, Leipzig und Berlin. Der Kampf um die zweckmäßige Form spiegelt sich in dieser Arbeit wider. Wir lernen Frankreichs revolutionäre Architekten kennen und werden durch die Baukunst eines Jahrhunderts geführt. Der Verfasser zeigt an zahlreichen Beispielen, wie sranzösische Bau- meister versuchen, die moderne Wohnung zu schassen, bei der Eisen und Eisenbeton die bevorzugten Baustoffe sind. So entstehen Wohn- bauten, die sich in ihrer Form lösen von der kompakte» Steinbau- weise. Die Wohnungen werden leicht, luftig. Die Landschaft wächst in sie hinein. Die sehr guten Bilder müssen besonders hervorgehoben werden. Dr. Zug. W. von Langsdorfs: L Z 127. Graf Zeppelin. 80 Seiren, 66 Bilder. H. Bcchhold Verlagsbuchhandlung, Frankjurt a. M. Eine genaue durch gute Bilder unterstützte Arbeit über den Aufbau des letzten Zeppelin-Schiffes. Darüber hinaus eine Werbe- schrift für das Großlnstschiff. Sehr gut ist auch ein Kapitel über den Betrieb des Zeppelin. Eine lehrreiche, gut lesbare, empfehlenswerte Arbeit. Hanns Gunther: Gold auf der Straße, Was aus Abfallstosfeu werden kann. Geheftet 1,80 M., gebunden 2,50 M. Verlag Dieck u. Co., Stuttgart. Das Büchlein behandelt das Problem der Abfallverwertung, das für»ufere Wirtschaft von der größten Bedeutung ist. Der Verfasser führt seine Leser in Kohlenzechen» und Eisenhütten, in Stahlwerte und Hochöfenanlagen. Er gibt Einblicke in die Schmuck- und Metallindustrie und erläutert an diesen Beispielen die Wich- tigkeit der Verwendung von Abfallstosfen. Slnch die Beseitigung des Hausmülls und der Abwässer wird kurz behandelt. Mit Recht betont Günther, daß wir heute errst am Anfang dieser gewaltigen Sparmaßnahmen stehen. Das Endziel ist die Zeit, in der das schwarze Industriegebiet nicht länger schwarz sein wild und die Flüsse ihr kristallenes Wasser wieder erhalten. Prof. Dr.-Znz. G. Lomonossosf: Diesellokymotiven. 304 Seiten, 401 Abbildungen, 3 Tafeln. Preis in Leinen geb. 32 M. BDI. Verlag, Berlin NW. 7. Der BDI.-Verlag hat sich durch die Herausgabe von technischen Werken, durch die auf bestimmten Gebieten bisher geleistete Ar- betten zusammengefaßt werden, ein großes Verdienst erworben. Lomonossosfs Buch über die Diefallokomotioe gehört zu diesen Wer- ken. Jeder Ingenieur, der auf dem Gebiet der Diesellokomotive arbeitet oder sich für diesen jungen Zweig der Technik interessiert, findet hier eine klare Uebersicht über dos bisher Geleistete und ob- jektioe Kritiken der vollendeten und der vorgeschlagenen Diesel- lokomotiven. Das Buch Lomonossoffs muß zu de» klassischen Werken der Technik gerechnet werden. > �IZGf'tunjoloJflL�L Dieners Punktsieg. Der Boxabend im Sportpalast. Der gestrige Bojrabmb im Sportpalast, über dessen Ergebnisse wir bereits kurz in der Morgenausgabe des„Vorwärts" berichteten, sand vor restlos ausverkaustem Hause statt. Zweifellos oerdankte der Abend seine Anziehungskraft der Begegnung zwischen dem ehe- nialigen deutschen Schwergewichtsmeister Franz Diener uno dem erstklassigen Engländer Gipsy Daniels: Würde der durch Max Schmeling entthronte Diener gerade gegen den Mann bestehen, der vor Jahresfrist in Frankfurt a. M. Schmeling in einer Rund- besiegt hatte? Diener hat die schwere Probe nicht nur bestanden, sondern ihni ist sogar der Sieg nach Punkten zugesprochen worden. Man kann über die Berechtigung dieses Spruches verschiedener Meinung sein, obwohl das Publikum ihn als eine Selbstverständlichkeit anzu- sehen schien und fast widerspruchslos bejubelte. Sicher hatte am End« der zehn Runden Diener einen leichten Vorteil errungen, der stch a»ch äußerlich bei dem aus Auge und Ohr ziemlich stark blutenden Daniels offenbarte. Reichte dieser Vorteil wirklich zu einer positiven Entscheidung zugunsten des Deutschen aus? Nach der achten Runde jedenfalls noch nicht, denn bis auf die fünfte waren alle acht ersten Runden ziemlich ausgeglichen. Erst in der vorletzten Runde kam Dieners Vorteil leicht zum Vorschein und auch die letzte Runde schien diesen Eindruck zu bestätigend Aber es war vielleicht mehr ein Eindruck, denn bis zuletzt schlug der Eng- länder noch immer recht zäh und angriffslustig, sobald er einen Stellungsvorteil ausnutzen zu können glaubte. Auch Dieners linkes Auge war bereits in der Mitte des Kampfes stark geschwollen, ohne indessen zu blliten. Beide Kämpfer schlugen hart und gaben sich stark aus. Daniels' Abwehrlechnik war die bessere, ober Dieners Schlag- tcchnik scheint stch unter Samson-Körners Leitung wesentlich gebessert zu haben. Seinen weniger geschickt abwehrenden und zähe» Gegner als Daniels hätte er wahrscheinlich durch Niederschlag besiegt.' Nach diesem Kampf taucht natürlich die Frage, wer der beste deutsch« Schwergewichtsmeister ist, ob Schmeling oder Diener, aber- inals auf. Die übrigen Kämpfe des Abends verblaßten zwar neben diesen Hauptmatch, waren aber zumeist durchaus auf der Höhe. Paul N o a ck s Sieg über den Engländer Johnny Curley war ver- dient, aber auch der Unterlegene zeigte sich als ein sehr geschickter und überaus wackerer Boxer, der mehrere Runden lang mit einem stark getroffenen Aug« mutig durchhielt und immer wieder zum Angriff überging. Getroffen hatte indessen Noack zweifellos weit häufiger. Sehr lebhaft und ausgeglichen von Anfang bis zum Ende war die Begegnung zwischen Jacob Domgörgen und y o u n g S p e a r s. Der„Unentschi«d«n"-Spr»ch wurde allgemein als ge- recht anerkannt. Dagegen erhob sich starker Protest bei dem Punkt- sieg, der dem Oesterreicher Poldi Steinbach gegen den belgischen Kongoneger Joe Ralph zugesprochen wurde. Wohl batte Steinbach besonders in den ersten Runden viel häufiger ge- troffen, aber di» stärksten Schläge schienen an dem sehr sympathisch lämpfenden Neger spurlos vorüberzugehen. In den letzten Runden war dieser Kampf mindestens unentschieden, denn sast schien es, als ob der Farbige frischer geblieben wäre als der Oesterreicher. Im Einleitungskampf siegte erwartimgsgemäß der frühere Amateur-Europameifter Franz Dübbers über Erwin Zinn- darf nach Punkten. Quellen lies englischen Sports. 75000 Schüler spielen Fußball. Es kommt nicht von ungefähr, daß Fußball in England Volts- spart im besten Sinne des Wortes geworden ist. Man denke nicht, daß der Fußballsport sich hier sein« Jünger und Anhänger in erster Linie aus den Ziereinsnütgliedern holt, die Verhältnisse sind ganz anders, wie sie sich in den Augen des Kontinentalen darstellen. In England genießt der Fußballsport in erster Linie an den Schulen eine außerordentliche Förderung und Pflege, wie man es wohl kaum in einem anderen Lande bei einer anderen Sportart iindet. Es existiert nämlich in Englaiid die„Englich Schovl Footdakl- Association", also«in richtiggehender Schulfußballverband, der feiner letzten Statistik zr�oige an jedem Sonnabend nicht weniger als 73 Schüler in Schulmannschaflsspieten spielen sieht. Hier wird der Nachwuchs für die Vereine unter sachgemäßer Leitung fachkundiger Lehrer Herangebildet. Wenn ein englischer Junge später einem Verein beitritt, hat er das Sl und O des Fußballs längst ge- lernt, beherrscht die Technik und besitzt Spieloerständnis geivug, um in den Vereinsinannschaften seinen Mann zu stellen. Die Schul- maunschastcn tragen in einzelnen Bezirken Punktspiele aus, und ein Sieg im Kampfe im English-Shield-Fiual ist die höchste Auszeich- nuug, die es für den englischen Sportboy gibt. Es gibt sogar. international« Spiele gegen Schottland, Irland und Wales, und moucher der späteren bedeutenden englischen Spieler entstammt diesen repräsentativen Schulmamrschaften. Wirtschaftsbuiid der Rennstallbesitzer. Der deutsche R e n n s p o r t, in dem Zehntausende von Men- scheu beschäftigt werden, ist ein wirtschaftlicher Faktor. Da ist es auch gerade kein Wunder, daß die deutschen Rennstallbesitzer sich zu einem Wirtscl)ajtsbund zusammengeschlossen haben. Als sein Ver- t, eler sprach kürzlich bkaf Spreti in Form einer Kritik der Presse zu Vertretern der Presse. Er legte u. a. der Presse mche, für die Disziplin der Jockeys einzutreten. Der Jockey sei dazu engagiert, das Pferd geradeaus zu reiten. Es gehe nicht an, daß ehrgeizige Iockeys im Kampfe um das Ehampionot sich einander anritten. Solche Hitzköpfe müßten, wenn sie als Reiter auch noch so bedeutend wären/ bestraft werden. Der Redner spielte damit auf die bekundete Vorliebe einer gewissen Presse sür den einen oder den anderen bekannten Jockey> an, der, weil die Presse stets ein großes Geschrei für ihn erhebt, sich schließ- Ich alles erlauben kann. Ferner bat der Redner, der Arbeit der Trainer Gerechtigkeit zu erweisen. Heute ist es nämlich beinahe so, daß ein Trainer, mag er noch so fleißig und gewissenhaft ar- betten, sobald er Pech hat, als ein unfähiger Mensch bezeichnet wird und sobald das Glück ihm hold ist, sür ein Künstler in seinem Fach gilt. Dabei leistet dieser Mensch womöglich ganz gleichbleibend seine Arbeit. Zudem ist der Trainerberuf sicher einer der schwersten Bc- rufe, Hai der Trainer es doch nicht nur mit den Pferden, sondern mich noch mit den Besitzern der Pferde zu tun! Der Sprecher wies darauf hin, daß m Deutschland sehr oft nicht daran gedachr würde. daß wir einen Weltkrieg verloren hätten! Es fei eben kein Geld bei uns vorhanden. In Anbetrocht dessen könnten wir aber mit der zähen Aufbauarbeit im Remifport zufrieden fein. Er zog Vergleiche mit England, wieß dabei jedoch eindrücklichst auf die dortige Gefent- lich andere Wirtschaftslage hm, wo die Rennvcreine Erwerbsgesell- fchaften sind, die Dividende zahlen. -ARBEJTEH WSSBALL Die Berliner Meisterschaft. Im Lichtenberger Stadion wird morgen, Sonntag, das Ent- fcheidungsspiel um die 1. Berliner Arbeiter-Fußballmeisterschaft ausgetrogen. Für diesen Endkampf haben stch als Meister der 1. Klasse der Abt. A Luckenwalder Turnerschoft 2. Abt. und Germania-Pankow als Meister der Abt. L durch- gerungen. Beide Vereine treten in stärkster Ausstellung an, sie werden mit großer Energie und Hingabe an das Spiel herangehen. Trotz der Uehungsspiei im Schnee. Wichtigkeit des Spiels werden beide Mannschaften in Wahruizg und Würde des Arbeitersports ein einwandfreies und kamerodschostliches Spiel vorführen. Den eingespielten und technisch gut durchgebildeten Luckenwalder Turnern stellen die Pankowcr«ine Angriffsnwnnschaft gegenüber, die der starken Hintermannschaft von Luckenwald« schwer zu schassen machen wird. Der besseren Mannschaft wird neidlos der Sieg gegönnt. In nachstehender Aufstellung treten die beiden Abteilungsmeister an: f Luckenwalde: Schdnsee Lchlofhauer Ziehe Niendorf Licht Jen, Spielhagen ttarau Linie Hanack Becker H.«ehrle W.»ehrte Klose KlaieszN Iuhr Larnitzki O, Sehrle ZKalzigu« Eichstiidt Rogge Sermania: Wolf Der Beginn des Spieles ist auf 15,30 Uhr festgesetzt. Borher ab 13,15 Uhr werden die Jugendinannschaften von Lichtenberg II und Saxonia und anschließend Neukölln— Moabit Iugendwetlspiele austragen. Arbeiler-Schachwcttkämpfe am Sonntag. A- G r u p p e Wedding— Treptow. Lokal Herms, Müller- straße 26. Meine!— Kreuzberg, Lokal Lücke, Memeler Straße 10. Mittwoch, 13. März, 20 Uhr, Friedrichshain— Mitte. Lokal Alb recht, Straßmannstraße 42. Stand am 8. Mär j: Mitte 2154, Wcdding IS1,-, Fricdrichshain 1434, Treptow 13, Kreuzberg 1254, Memel » tOwntts.»«a*«*. ff,»R Prodi«, üntereffenten bei Krepp, Plamtf« 76/76. Vortrag:„Das indisch« Problem". Anschließend freie Aussprache. Gäste find immcx willkommen._ JujJcndwerbcfcst- W edding. In absehbarer Zeit werden wieder unzählige Iugendkühe die Schutbank verlassen, um die Schulstub« mit dem Arbeitsraum zu vertauschen. Vorbei die schöne und frei« Zeit. Der freie Noch- mittag init seinen viele» Verlockungen zum Spielen, Baden und dergleichen inchr muß auch geopfert werden. Muß vertauscht wevdcn mit einer immer gerade nicht sehr angenehmen Atmosphäre. Manchem wird es nicht leicht fallen, so plötzlich der Freiheit beraubt zu sein. Aber um so besser müssen die Abendstunden ausgenützt werden. Noch des Tages Mühen muß der Geist wieder zu neuen Taten angeregt werden. Um einen gesunden Körper trotz der Berusstätigkeit zu erziehen, müßte es Pflicht eines jeden Jugend- lichen sein, Leibesübungen zu treiben. Gebt aber acht bei der Aus- wohl einxs solchen Vereins. Nur Vereine, die dem„Arbeiter, Turn- und Sportbund" angeschlossen sind, kommen hierfür in Frage. Es gibt ja auch genug derer, die auf euch warten! Besucht die Veranstaltungen der Vereine, erkundigt euch nach den Uebungs- orten, man wird sehr gern Auskunft geben,— Um den Bewohnen« des Bezirks„Wedding" einen Einblick in die Trainingsftund« zu geben, veranstaltet di« FTGB, am Freitag, 15. M ä r z, 20 Uhr, in der Turnhalle der Lessing-Schul«, Pankstroß«(Nettelbeckplotz), einen Werbeabend. Kommt alle hin, bringt Freunde und Bc- kannte mit._ Provinzkartcll Obcrschlcsicn. In der Wetterecke Südostdeutschlonds fand am Sonntag In Veuthen eine Tagung des Arbeitersport-Prooinz- kartells Oberschlesien statt. Von der Zentralkommisston für Arbeitersport und Körperpflege war B u ck anwesend, der ei»- leitend einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„Die Aufgaben der Arbeitersportbcwcgung" hielt. Anschließend konnte der Vorsitzende des Proöinzialkartells, Beyer-Leobschütz. berichten, daß auch in Obcrschlesien die Kartellarbeit in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Die Zusammenarbeit der Verbände ist gut, gelungene Werbeoeranstaltungen haben dem Arbeitersport Geltung in der Oeffentlichkeit verschafft. Das Verhältnis zu den übrigen Arbeiterorganisationen ist ebenfalls gut, besonders zu dem Bund für Arbciterbildung, mit dem ein enges Zusammenarbeiten Arbeiter-Turn- und-Sportbund, 1. Kreis 10. Mirz 1929, Mercedes-Palast Neukölln, HermannstraBe(am Untergrundbhf. BoddinetraBe) BUhnenschau moderner Gymnastik Konzert:: Zweck-Gymnastik Erstklassige Vorführungen der Berliner und Provinzvereine;; Film ErSffnnng 10 Uhr r: Beginn II Uhr:: Vorverkaa, 60 Pf in der Geschäftsstelle des FTGB, Lichtenberger Str. 3, und bei allen Funktionären:: Kasse 7S Pf stattfindet: eine gemeinsam« Kundgebung wurde mit der Gcwerk- schaftsjugend veranstaltet. Durch Verhandlungen mit den Behörden gelang es, einen größeren Betrag für den Arbeitersport flüssig zu machen, der sür Lehrkurse und Vereinsuntcrstützung verwendet wurde. Ans Regie- rungsmitteln Hot das Prooinzkartell nichts erhalten, jedoch ist beantragt worden, den Bezirksjugcndpjlcgeausschuß neuzubitden, da der Arbeitersport darin nicht vertreten ist. Einem van den Behörde» ins Leben gerufenen Verkehrsoerband ist das Provinzkartell beigetreten, um bei der oberschlesischen Verkehrsregelung die Inter- essen des Arbeitersportes vertreten zu können. Der Beitritt zum Deutschen Jugendherbergsverband wird in nächster Zeit vollzogen, Beyer behandelte am Schluß seines Berichtes Aufbaufrogcn. so die gründliche Durchorganisierung der Ortskartell« und die Neubildung von Kreiskartellen, soweit solche noch nicht bestehen. Der Kassenbericht zeigte ein« gesunde finanzielle Grundlage des Provinz- kartells. Zur Diskussion wurden keine Wortmeldungen abgegeben, ein Zeichen dafür, daß auch die oberschlesischen A-rdeitersportler m i t der Stellung der Z c n t r a l k o m m i s s i o n, di« Buck zum Vortrag brachte, einverstanden sind. Bei der Etataui- stellung sür 1029 gab es dann eine lebhaite Debatte, Für 1320 sind größere Beträge vorgesehen'für die Unterstützung der Orts- und Kreiskartelle, besonders aber für abzuhaltende Lehrkurs«: für kulturelle Ausgaben ist ebenfalls ei» höherer Betraa«ingesetzt. Bei der Dorstandswahl wurde der alte Vorstand einstimmig wieder- geu>ähll.______ ZTSV,. Tiipefttn Trrpf»«. Iugtndckbtriln»« Sonnabent, 0, Mäw. Irin ferimabeni. Oftccfastrt in dir Märistchr Sckwriz(Buckow». Unkostrn dir Tastc- geld und Urdrrnachtung rtwa».jO M. Anmeldungen sofort. Satuvtnia Eicke-Süpenick. Sc tief Sohnedort. Treffpunkt zur Bichnenslbau Sonntag 9H Ustr Bahnhof(Sruitnu. Ab 17 Uhr Familientreffen in„Waldes- ruh". Wenden fchloh. Line Million Autos in Deutschland. Reichsverband gegen Autoprüfungcn. Der Sportkorrespondenz K o w e s' entnehmen wir: Der Reichsverband der Autvmobilindiiftrie beschäftigte sich in etner am Freitag in Berlin abgehaltenen Sitzung mit der Frage der Beteiligung der ihm angeschlossenen Fabriken an auto- mobilistischen Wettbewerben. Man nimmt im Reichs- verband den durchaus vernünftigen Standpunkt ein, alles das zu vermeiden, was das Fabrikotionsprogramm irgendwie hemmend de- einflussen oder unnötigerweise vorteuern könnte, weil die deutsche Autoindustrie bei der überaus schweren ausländischen Konkurrenz heute mehr denn je nur das eine Ziel im Auge haben muh, ihre Erzeugnisse zu möglichst wohlseilen Preisen herzustellen. So verständlich diese Ansicht ist, darf sie doch nicht dazu führen, durch einen offiziellen Beschluß die Beteiligung an sportlichen Wett- bewerben nun Prüfungen einfach zu verbieten. Die ADAE.-Gc- brauchsweriprüfung und der Große Preis der Nottonen auf dem Nürburgring, um welche Deranstattungen es sich hauptsächlich dreht, sind Konkurrenzen, die für die Fabriten bei verhältnismäßig gerin- gen Kosten die günstigste Gelegenheit zu einer umfassenden Pro- paganda bieten, da sich diese Wettbewerbe nicht an Spe,zialbauten, sondern an serienmäßige Fahrzeuge wenden. Die mahnen- den Sttmmen, die der RdA. auf das Verkehrte seiner beabsichtigten Stellungnahme aufmerksam machten, scheinen aber ihr« Wirkung nicht oerfehlt zu hoben, denn es ist zu einem Beschluß nicht ge- kommen. Da einige maßgebende Fabriken nicht vertreten waren, will man em« Abstimmung im /Wege einer Umfrage abhalten und nur dann einen Boykott aussprechen, wenn alle Fabriken ausnahmst los für eine Nichtheteiligung sind. Nach Schätzungen des Reichsverbandes der deutschen Automobil- industrie hatte der Bestand an Kraftfahrzeugen am 1. Januar 1029 um 34 300 Einheiten die erste Million überschritten. Da- mit lausen gegenwärtig rund 10 Proz. mehr. Fahrzeuge als am 1. Juli 1928. Die in Deutschland im Verkehr befindlichen Fahrzeuge haben sich also iiiuerhalb von 254 Jahren fast verdoppelt. Vom Gesamtbestand entsielen auf Kraftwagen 552 000 und auf Krafträder 488 000 Stück(nur England übertrifft die Zahl der in Deutschland im Verkehr befiiMichen Krafträder mit 693000, erst an vierter Stelle folgen die Vereinigten Staaten mit 124 000 noch Frankreich mit 158 000). Die Entwicklung der Motori- sicrung in Deutschland geht im einzelnen aus folgenden Ziffern hervor: l!>« was 1077 ISßO tWltjeugart 1 Zanupr 1 tzult l.tzu« I.Iu» Personenwagen.. 389 000 351 380 267 774 206 456 Lastkraftwogen... 13.? 000 121 765 100 969 90 019 Großkraftrader... 351 000 334 314 295186 236 411 Kleinkrafträder... 137 000 103 974 40 040 26 934 Zugmaschinen u. a. Motorfahrzeuge. 24 300 21879 15 966 12 032 Kraftfahrzeuge insgcs. 1 034 300 933 312 719 935 571852 Während am 1. Juli 1928 auf 134 Einwohner ein Kraftwogen und auf 68 ein Kraftfahrzeug entfielen, betrug das Verhältnis am 1. Januar 1929 121 und 61. Der Anteil des Auslandes an der Verjorglmg des deutschen Marktes ist bei Personenwagen größer geworden, bei Laslkraslwagen und Motorrädern dagegen leicht zu- rückgegcmgcn.