BERLIN Dienstag 12. Mrz 1929 10 Pf. Nr. 1t 20 B 60 46. Jahrgang. Erfch ei«t tSglich außerS»n»t«a«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Dejugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWS8,Lindtnstr. 3 iMnWwdb Anteigenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m.b.H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff'292 bis 29? Bulgarische �eparationsnot. Gesuch um Stundung.- Und der Handel in Paris. Hungerkatastrophe in Ostafrika. Massensterben der Gingeborenen. » Sofia, 12. März. Zie Interalliierte Kommission in Sofia hat der Reporotions- toimnission ihren Veschlutz über das Ersuchen Bulgariens mitgeteilt, daß ihm zwei weitere Reparationsraten erlassen würden. Der Bericht empfiehlt, daß Bulgarien nur die Hälfte der vorgesehenen Zahlungen für 1929 leisten soll. Die andere Hälfte ist dazu bestimmt, die öffentlichen Gebäude in den von dem Erdbeben betroffenen Gebieten wieder aufzubauen.— Die bulgarische Presse erklärt, daß diese Summe für den angegebenen Zweck völlig unge- nügcnd sei. Bulgarisches Arbeiterelend. Was tun die Negierungsvertreter in Genf? Sosia, 12. März.(Eigenbericht.) Anläßlich der furchtbaren Explosionskatastrophc im Arsenal und der zahlreichen ande»,, Betriebsunfälle in der letzten Zeit hat der i jozialistifche Abg. Prof. Janulow im Parlament«ine Interpellation eingebrocht, in der gefragt wird, was die Regierung zur Verhütung dieser Arbeiter morde vorzukehren gedenke. Di« Regierung wird gefragt, warum die Konventionen über die Arbeiterschugmaß- nahmen seit Iahren unbeachtet geblieben sind.' Der sozialistische„Rarod" klagt die verantwortlichen Regierungs- stellen an, daß sie trotz gesetzlichem Verbot die Beschäftigung von jugendlichen Arbeiterinnen— teilweise von sechzehnjährigen! — in gefahrvollen staatlichen Betrieben zulassen. Wohl gingen die Delegierten der Regierung auf Kosten der sozialen Fonds zu den Genfer Konferenzen. Aber das Schwergewicht ihrer Tätigkeit konzen- tricrc sich auf Gelage und Banketts, statt auf Fürsorge für die Arbeiterschaft, die an Elend, Tuberkulose und Betriebsunfällen zugrunde gehe... Di« Zeit der Bestattung der Explosionsopfer war verheimlicht worden. Man wollte eine, wenn auch stumme Protestaktion der Arbeiterschaft verhindern. Rur eine kleine Schar nächster Anverwandter umstand die lange Reihe schwarzer Särge. Mit Ausnahm« des Krisgsministers war kein Minister am Massengrab der„in Erfüllung ihrer Pflicht Dahingegangenen" auch nur vertreten.» Die Höhe der Reparationsschuld. Gerüchte über die deutschen Dorschläge. Paris, 12. März.(Eigenbericht.) Obwohl die Pariser Sachverständigentonferenz bisher noch keine offizielle Diskussion über die ziffernmäßige Festsetzung der deutschen Schuld begonnen hat, weiß die Pariser Presse immer neue Zahlen zu nennen. Das„Echo de Paris" glaubt heute nültcilcn zu können, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht zu- nächst eine Annuität in Höhe von 700 Millionen Mark vorgeschlagen habe. Nach endlosen Diskussionen habe er sein Angebot auf 1,2 Mil- liarden erhöht. Mit diesen Ziffern sei er weit unter den Forde- rungcn der Zllliierten geblieben. Der„Petit Parisien" ergänzt diese Slngabe des„Echo de Paris" durch die Mitteilung, daß das Höchstangebot des Reichsbankpräsi- deuten etwa 1 Milliarde unter den Forderungen der Allterten geblieben sei, de tu nach ist also anzunehmen, daß diese alliierten Forderungen sich nur wenig unter der normalen Höhe der Dawcs- Annuität bewegen. Der Kampf um die Ziffern, der bisher, wie betont werden muß, nur in privaten Unterhaltungen angeschnitten worden ist, wird nach Ansicht der Pariser Presse nach der Rückkehr des Reichsbankprösidentcn aus Berlin beginnen._ Kredite für Meinwohnungsbau. NeichSbürgschast für 250 Millionen Mark. Dem Reichstag« ist ein Gesetzentwurf über die Bereit- stellung von Kredit zur Förderung des Klein- Wohnungsbaues zugegangen. Der Reichsarbeitsminister wird darin ermächtigt, im Eiiwernehmen mit dem Finanzminister in der Zeit vom 1. April 1929 biß 31. März 1932 für Darlehen an Re Deutsch« Bau- und Bodenbank A.-G. in Berlin bis zmn Gegenwert von 250 Millionen Mark die Bürgschaft zu übernehmen. Die Bau- und Bodenbank ist zu verpflichten, dies« Darlehen als Zwischenkredite für den Kleinwohnungsbau zu verwenden. Di« Zwifchenkreditc dürfen nur gegeben Verden, evenn die volle Finanzierung des Bau- pochabeas als �sichert anzusehen ist. London. 12. März. Infolge der durch die große Dürre und die Heu- schrcckenplage verursachten Hungersnot st erben tag. lich Tansende von Eingeborenen in Belgisch- Ruanda(früher ein Teil von Deutsch-Ostafrika) oder ver» suchen, sich in erschöpftem Zustand nach Uganda zu retten. Angeblich haben die belgischen Behörden nicht rechtzeitig für die Zufuhr von Nahrungsmitteln gesorgt. Mexikorebellen kapitulieren. Nebellengeneral Aguirre geflüchtet. Mexiko-City, 12. März.(Eigenbericht.) Die letzten im Staate Veracruz vagabundieren- den Rebellen haben am Riontag ihre Waffen bedin- gungslos niedergelegt. Der Rcbcllengeneral Aguirre ist, von feinem Bruder begleitet, in die Berge von Veracruz geflüchtet. Die Arbeitermörder verhafiet. Sie belasten sich gegenseitig. Der ZSjährige Geprg Dywel au« der Lrunnenstraße und der ZZjährige Erich Sieinke aus der Puttbufser Straße, die die Parleigenossen P a e g e und Heinrich erstochen haben, sind gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Auf Grund des vor- läufigen Untersuchungsergebnisses ist gegen beide Haftbefehl erlassen worden. Sie wurden al» llntersuchungsgesangene nach Moabit gebracht. Dywel hat bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung zu- gegeben, daß er früher dem Rotsrantkämpserbund angehört Hobe. Sein Kumpan Steinte wurde aus dem Rol- srontkämpferlokal heraus verhaftet. Jetzt belasten sich die Burschen gegenseitig: keiner will die tödlichen Stiche geführt haben. Die nächsten Stunden werden hossentlich auch die Hinlergründe dieser dunklen furchtbaren Tal aushellen. Die innerpolitische Spannung in Polen. Die Opposition gegen pilsudski verschärft sich.— „Geheimnisse" der Negierung. Warschau, 12. März.(Ostexpreß.) Nachdem die Oppositionsparteien den Rücktritt des Finanz- Ministers Ezechowicz erzwungen haben, wird der Kampfs gegen die Regierung in Parlament und Presse fortgefetzt. Sogar der Senat, der immer für fügsam galt und von der Regierung bevorzugt wurde, hat nunmehr mit 48 gegen 46 Stimmen die vom Sejm in Pilsudjkis eigenem Ressort, dem Kriegsministerium, vorgenommenen Kür- zungcn des Dispositionsfonds bestätigt. Man sieht darin eine Zurückweisung der verletzenden Rede des Marschalls gegen die ehcinaligen Kriegsminister, die so peinliches Aufsehen gemacht hat. Für die allgemeine Verschärfung der Lage ist kenn- zeichnend«in Artikel in der heutigen Ausgabe des„R o b o t n i k", der u. a. die Aeußerung wagt, die Bezeichnung„Sanator"(An- spielung aus die seinerzeit von Pilsudski angekündigte„Sanierung" des Staates) sei zum Schimpfwort geworden.' Die„Gcrzeta Warszawska" fragt, warum keine Nachtragskrediie vorgelegt werden. Offenbar habe die Regierung etwas zu ver- bergen, und zwar die Erhöhung der Ausgaben des Ministerrais um 48 Proz. während der Zeit der Wahlen. Sogar der regierungs- freundlich:„Ilustrow«iy Kuryer Codzienny" gibt zu, daß ein scharfes Vorgehen gegen den Sejm jetzt wie eine Flucht vor der Klarstellung der Budgetfrage erscheinen würde, welche Frage ohne- hin„eine verheerende Wirkung ausübt". Gestern fand im Palais Belvedere eine lange Konferenz des Staatspräsidenten mit Pilsudski und Bartel statt. polizeiaiiacke auf dem Friedhof. Ukrainer feiern einen Näuber als Märtyrer. Warschau, 1?. März.(Eigenbericht.)\ während der Beerdigung eines ukrainischen Studenlea. der bei einem llebersall aus einen Geldbriesträger in Lemberg von einem Polizisten erschossen wurde, kam es auf dem F r i e d h o s zu schweren Zusammenstößen zwischen mehreren hun- dert Ukrainern, die einen Kranz mit der Ausschrift„Dem het- ;*' v.-'■......'H'Z'thAh~ � Mochtrasser in ffierlin Auf dem'Cempelhofer 3eld hal sich ein See gebiidel.— Die£auben geländc stehen unter'Wasser. dcnhafte« 5relheit»?S»pf«r" ÄÄerlegken.«obe< fie die ukrainische Nationalhymne anstimmten, und einer größeren Ab. teilung berittener Polizei, die die Demonstranten zu zerstreuen suchte. Die Polizisten ritten in die Menge hinein, wobei zahl. reiche Ukrainer verletzt wurden. Etwa 20 Ukrainer wurden festgenommen. Aus dieser Totenfeier ergibt sich, daß die Beraubung des Geld- briesträgers Mittel für den ukrainischen Befretungstampf gegen die polnifche Herrschaft liesern sollt«; sie war der Versuch einer solchen„Expropriation�, wie sie gerode Joseph Pilsud- fki gegen den Zarismus praktiziert hat! polnischer(Seneralstabsoffizier ermordet. wie der.Expreß Poranny" aus Lemberg meldet, soll dort der polnische Generalstabsosfizier Kapitän M a j e w s k i ermordet ivorden sein. Er hatte mit einigen freunden ein Nachtlokal besucht. In später Stunde ging er aus dem Nebenzimmer in den leeren Saal. Als er nicht zurückkehrte, suchten ihn seine freunde und fanden ihn schließlich mit durchschossener Brust tot auf. Gefährlicher Wohnungsbrand. Mehrere Ziauchvergistongen. Durch einen gefährlichen Wohnungsbrand, wurden heute früh die Mieter des Hauses Marienburger Straße 19 in helle Aufregung oersetzt. Im dritten Stockwerk des linken Seiten- flügels bewohnt die 78jährige Witwe Pauline N. mit ihrem 45sährigcn Sohn ein« aus Stube und Kammer bestehende Wohnung. Die Greisin, die sehr kränklich ist. schlief in der Stube, der Sohn hatte seine Schlafstötte in der Kammer. Morgens gegen Uhr wurde der Mann durch starken Brandgeruch aus dem Schlaf ge- schreckt. Als er. nichts Gutes ahnend, ist das Zimmer der Mutter eindringen wollte, fand er es völlig verqualmt vor, ein Teil des Mobiliars brannte bereits lichterloh. Trotz der Gefahr gelang es N., seine greise Mutter, die infolge der Raucheinwirkung schon das Bewußtsein verloren hatte, ins Freie zu bringen. Inzwischen war das Feuer auch von Hausbewohnern bemerkt worden, die sofort die Feuerwehr alarmierten. Beim Eintreffen der Löschzüge war das ganze Treppenhaus verqualmt. In der über dem Brandherd ge- legenen Wohnung, die ebenfalls von einer alten Frau und einem Untermieter bewohnt wird, waren die Rauchgase eingedrungen und hotten beide Leute betäubt. Mit Sauerstoffapparaten ausgerüstet, drangen die Feuerwehrbcomten in die Wohming ein und brachten die in höchster Lebensgefahr Schwebenden in Sicherheit. Die Stube, in der das Feuer zum Ausbruch gekommen war, brannte aus. Die Entstehungsursache konnte nockz nicht einwandfrei geklärt werden. Frau N. mußte mit schwerer Rauchver- giftung ins Krankenhaus am Friednchshoin gebracht werden. Das verdorbene Geschäft. Eine verhinderte Pensionierung. Aus dem Brandenburger Provinziallandtag gab es dieser Tage sehr lange Gesichter. Der deutschnationale Landesdirektor von Winterfeld-Menkin hatte überraschend den Antrag gestellt. ihn vorzeitig zu pensionieren. Aus Gesundheitsrücksichten natür- lich. Die Rechtsparteien.waren,. wie erwartet, bereit, dem Rück- trittsgesuch zu entsprechen. Und da sie, alles zusammengerechnet. auch eine kleine Mehrheit haben, sahen sie das Geschäft schon als gelungen. Nach der Pensionierung Winterfelds wollten sie dann wieder einen zuverlässigen Rechtsmann wählen und so den im Herbst neuzuwählcndcn Provinziallandtag vor vollendete Tatsachen stellen. Dos ist ihnen mißglückt. Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten stimmten geschlossen gegen die Rücktrittsgenehmigung: ihnen schloffen sich zwei. Wirtschaftsparteiler an und außerdem gab auch der zur sogenannten„bürgerlichen Fraktion" gehörige Ober- bürgermeister Kinne aus Frankfurt(Oder) seine Stimme gegen die vorzeitige Pensionierung ab. Darüber sind jetzt besonders die Volksparteiler aus dem Häuschen. In ihrer„Nationalliberalen Korrespondenz" jetem sie besonders gegen die Wirtschaftsparteiler. die nicht den junkerlichen Fallenstellern ins Garn gingen, und gegen besagten Oberbürgermeister aus Frankfurt. Dieser ist wegen seiner Abstimmung sofort aus der Rechtsfraktion ausge- schlössen worden. Die„Nationalliberale Korrespondenz" unter- stellt ihm, daß er seine Stimme nur mit Rücksicht auf seine Be- Werbung nach Westdeutschland abgegeben habe. Alles, was sonst nach volksparteilichen„Grundsätzen" schmeckt. wird hier schonungslos beiseite geschoben: das„Persönlichkeitsrecht" des Abgeordneten— gibt? nicht! Die„Sparsamkeit"— gibts nicht. Die vorzeitige Pensionierung muß ausgesprochen werden, wenn der Aemterschacher des Rechtsblocks sie fordert. Wer das zu verhindern wagt, den trifft der Zorn der Gewaltigen, auch wenn er Oberbürgermeister ist und von dem sonst so gepriesenen liberalen Persönkichkeitsrecht Gebrauch macht! Tarifkonftiki im Einzelhandel. Llnternebmer wollen unbezahlte Lleberstunden verewigen. Der Manteltarif im Einzelhandel ist in seinen wesentlichsten Bestimmungen seit 1928 bei allen Neuabschlüssen immer ungünstiger gestaltet worden. In der gestrigen Verhandlung erklärten die Ar- beitgeber, daß nicht nur alle Forderungen der Angestellten abgelehnt �werden, sondern nach ihren Vorschlägen ein weiterer Abbau der VTarifrechte erfolgen müsse. So verlangten sie die Herausnahme de? »Gruppen 3 und 4 aus dem Tarifvertrag überhaupt, den Wegfall fles Zuschlages für Aushilfskräfte, Verminderung des ohnehin dürf- 'igen Urlaubs, insbesondere bei den Jugendlichen. Nebenher wollten sie unter anderem festlegen, daß ein nicht rechtzeitig vorgebrachter Einspruch als Verzicht auf rechtmäßiges Tarifgehalt auch für die Zukunft gelten soll. Trotz der ablehnenden Haltung der Arbeitgeber, welche am liebsten ohne Verhandlungen die Schlichtungsinstanzen angerufen Izätten, bestanden die Angestelltenvertreter auf direkter Verhandlung. Di« Arbeitgeber blieben dckbei, für alle Zukunft unbezahlte lleberstunden von ihren Angestellten fordern zu können. Da es unter den mehr als 100 Angestelltentarifverträgen kaum einen gibt, welcher derartige Bestimmungen enthält, enthüllte die gestrige Verhandlung so recht den Gegensatz zwischen der iozialen Theorie der Einzelhandelsunternehmer und ihrem durchaus reaktionären Verhalten in der Praxis. Die EinzelhaNdelsongestelllen sind nicht gewillt, weiterhin un- 'ezahldc Mehrarbeit zu leisten. Die Verhandlungen fcheiterten: die Mitglieder des ZdA. nehmen heuteabendin den„Musiker- 'ölen" zu der Situation Stellung. Churchill und der Friede. Oer 11. Aovember 1918— Lenin— Locarno als Kriedensfundameni. Dr. Strefemann ist Montag abend von Genf nach S a n R« m o abZereist. Bor der Abreise hotte er eine Unterredung mit Reichs- arbeitsminister Wif�ell. E. W. London, im März. Es ist unmöglich, den vierten und abschließenden Band von Churchills Geschichte des Krieges zu öffnen und in den beinahe 500 Seiten zu blättern, ohne etwas von jener Leiden- s ch a f t und jener Intensität zu spüren, die Winston Churchill unter allen lebenden Staatsmännern auszeichnet. Diesem Mann kann man die Bewunderung für seine schriftstellerische Leistung und, bei allen Meinungsverschiedenheiten, für seine ritterliche Hol- tung nicht versagen. Churchills fünf Bände sind das einzig- artige Dokument eines Mannes, der an den Ereignissen selbst entscheidend teilgenommen hat und diese Fähigkeit des Handelns mit einer schriftstellerischen Fähigkeit verbindet, die ihn ohne Titel, politische Familientradition und Geld zu einem der ersten Journa- listen der Welt gemocht hätte. Vielleicht ist Churchills Intensität in diesem Bande nicht mehr so groß wie in den drei vorhergegangenen. Der Krieg ist zu Ende und Churchills strategssche Leidenschaft kann sich hier nicht mehr, wie in den früheren Memoirenbänden, am Militärischen wider- sprucherregertd und aufreizend entfalten. Aber es bleibt genug, um zehn andere Memoirenbände zu füllen. Wozu für uns noch hinzu- tritt, daß die in diesem Band geschilderte Periode der Geschichte, die vier dem Kriege folgenden Jahre, unmittelbareres Interesse bean- sprucht als die Kämpf« hinter den Kulissen der Alliierten während des Krieges. Der neue Band,„Nachlese" betitelt, enthält eine Reihe von Jnformatton�n, die bisher niemals der Oeffentlichkeit bekannt ge- worden sind. Es ist,„an alle, die da hassen" gerichtet, ein unge- wohnlich pathetischer Zug im Bilde dieses Zynikers. Der Band be- ginnt mit einer Schilderung der Situation, in der sich die alliier- t«n Staatsleute am 11. O�ooember 1918 befanden. Churchills eigene Schilderung jenes schicksalsschweren Tages ist charakteristisch: „A m W a f f e» st i l l st a n d s t a g e aß ich mit dem Minister- Präsidenten in Downing Street zu Abend. Wir waren allein in dein Zimmer, an dessen Wanden die Porträts von Pitt und Fox, von Nelson und Wellington und— paradoxerweisc— auch das Porträt Washingtons auf uns herabblickte. Einer der bewundernswertesten Züge in Lloyd Georges Charakterbild war sein völliger Mangel an pompösem Gehaben oder überlegenem Getue auf der Höhe seiner Macht. Er war stets einsach und natürlich.... Die Größe und der absolut entscheidende Charakter des Sieges versetzte ihn in eine gedämpfte Stimmung, in der er die Lage leidenschaftslos betrachten konnte. Er hatte nicht das Gesühl. daß sein Werk getan sei. Im Gegenteil: er war sich voll bewußt, daß eine neue Phase mit noch größeren Anforderungen bevorstand. Meine eigene Stimmung war zwischen Sorge um die Zukunft und dem Wunsche, dem gefallenen Feinde zu helfen, geteilt. Unser Gespräch kam auf die großen Eigen schalten des deutschen Volkes, auf den unge- heuren Kampf, den es gegen Dreiviertel der Welt geführt, auf die Unmöglichkeit des Wiederaufbaues Europos ohne seine Hilfe. Air glaubten damals, daß es wirklich hungerte und daß die deut- schen Stämme unter dem doppellen Druck von Niederlage und Hunger mis ihrer Rcoalution in einen schauerlichen Abgrund ge- raten könnten, der Rußland bereits verschlungen hatte. Ich schlug vor, sofort ein Dutzend großer Schisse mit Lebensmitteln nach Hamburg zu schicken. Wiewohl die Bedingungen des Wasfenstillstands die Blockade bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags ausdehnten, hatte» die Alliierten doch das Versprechen abgegeben, das Notwendige zu liefern. Der Minifterpräsideni erwog das Projekt gewogenen Sinnes. Von außen tönten leise die Gesänge und Rufe der feiern- den Menge, wie ferner Wellenschlag von der Küste." Aber bald sollten, wie Churchill feststellt,„andersartige Empfindungen vorherrschen", und die allierten. Stoatsleute, die am Abend des Sieges nicht ohne Größe dem gefallenen Feinde Bewunderung ge, zollt hatten, sollten eine Beut« des Psychose werden, die die N o r t h c l i f f e s in ihren Millionenblättern wach- hielten. So wurde aus Furcht vor dem entsesfclien Mob die Blockade nicht aufgehoben, sondern noch o e r st ä r k t. Churchill versucht nicht die britische Verantwortlichkeit für dies« Episode der britischen Geschichte abzuwälzen, die eine Londoner Zeitschrift als ,ck>ie stupideste, brutalst« und am wenigsten zu entschuldigend« Tat", bezeichnet,.deren sich irgendeine der krieg- führenden Nationen vom Tage des deutschen Einmarsches in Bel- gien" schuldig gemacht Hot. Churchills Bericht bestätigt im diesem Zusammenhang zum ersten Male in authentischer Weise ein Ge- rücht, das sich damals herumgesprochen hatte, ohne daß es freilich jemals von amtlicher Seite beglaubigt worden wäre, nämlich, daß die Blockade schließlich aus Initiative der bri- tischen Rheinarme« ausgehoben wurde. In seinem letzten zusammenfassenden Kapitel„Das Ende der Weltkrise", in welchem Churchill viele seiner anfechtbaren Behauptungen aus den früheren Bänden wiederholt, dem Leser seine Thesen über den Weltkrieg nochmals»ntgegenschteudert, kommt Churchill schließlich zu der Feststellung, daß die Zeil der Kriege vorüber sei: „Die Diskrepanz zwischen den Zwisligkeiten der Nationen und den Leiden, die ein Krieg verursacht, der aus diesen Streitfällen entsteht, die armseligen S-i e g e s p r e i se, die die Opfer der Schlachtfelder belohnen, die vergänglichen Triumphe des Krieges. der lange, langwierige Wiederaufbau, die furcht- baren Gefahren tapfer ertragen: der Tod um Haaresbreite ver- mieden, durch die Lage eines Geldstückes, in der Tasche, durch den Zufall eines Zufalls abgewendet,— all dies macht die Per h i n d c- rung eines neuen Krieges zur hauptsächlichen Ausgabe der Menschheit. Der Krieg ist nunmehr seines Glanzes und Schimmerg beraubt." So nimmt Churchill, dieser Fanatiker deq Krieges, dem es im Blut brannte, wenn irgendwo die Völker aufeinanderprallten, der sich im Alter von vierundzwanzig Jahren rühmen konnte, aus drei Kontinenten gefochten zu haben, vom Kriegsgotte Abschied. Mars hat seinen letzten großen Anbeter verloren. „Der Vertrag von Locarno", stellt Churchill ab- schließend fest,„kann als das e u r o p ä i s ch e Gegen st ijck z n in Vertrag von Washington zwischen der USA., Groß- britannien und Japan betrachtet werden, der im Jahre 1921 den Frieden im Stillen Ozean herstellte und sichert«. Diese beiden er- habenen Instrumente sind eine Sicherung der Zivilisation. Sie sind die Zwillingspyramiden de» Friedens auf beiden Seiten des Atlantik, fest und unerschütterlich..., sie sor- men die granitenen Pfeiler, aus die sich die größer« Vision des D ö l- terbundes und der Idealismus des K« l l o g g- P a k t e s. di« geräumigeren und einheitlicheren Konstruktionen der Zukunft auf- bauen kann. Noch ist die Aufgabe nicht vollendet. Es wird der Anstrengung vieler, langer Jahre bedürser». Die Kriegsgefahr ist vom Erdboden noch nicht verschwunden. Atte Gegensätze schlummern, und der Trom- melschlag neuer Gegensätze beginnt dumpf zu dröhnen. Die A e n g st c Frankreichs, die Bitterkeit in Deutschland ist nur zum Teil behoben Ueber den unendlichen Ebenen des östlichen und �.entraleuropas mit seinen zahlreichen neuen, ausgesprochen nationa- listischen Staaten breiten enttäuscht die Schotten Peters und Friedrichs des Großen-, schweben die Erinnerungen au iy« Kriege, die sie gc- führt haben. Rußland, ausgestoßen aus eigenem. Antrieb, schärft (eine Bajonette in feinem orklifchen Zwielicht und verkündet mit ver- dorrter Zunge, eintönig seine Philosophie des Haffes und des Todes. Aber seit Locarno ruht Hoffnung aus einem festeren Piedestal. Die Zeit des Schauervs vor den Schrecken des Krieges wird lange andauern: und in diesem geseg- neten Intervalle können die großen Nationen ihren Schritt vorwärts zur Weltorganisation in der Ueberzeugung tun, daß die Schwierigkeiten, die sie noch zu meistern haben, nicht großer sein werden, als diejenigen, die sie bereits überwunden haben." Soweit Churchill. Die Freunde des Friedens in Europa aber werden sich fragen dürfen, ob nicht tatsächlich die Bahn zur Verwirk- lichung ihres Traumes freizuwerden beginnt, wenn selbst ein Churchill das Hohelied der Völkergemeinschaft singt. Oer Mörder seiner Großmutter. Ein Totschlagsprozeß vor dem Schwurgericht III. Unter der Anklage des Totschlages und schweren Diebstahl» steht heute der 2vjährige Elektromonteur Werner Gebhardt vor dem Schwurgericht III. Der Angeklagte Hot am 27. Oktober 1928 seine Großmutter, die Stjährige Auguste Gebhardt erschlagen, da sie ihm kein Geld gegeben hatte. Noch der Tot brach er die Kommode ans und nahm 20 0 IN a r k aus der Schublade, die er am selben Tage in Tanzdielen und Kaffeehäusern mit INädchen ausgab. Die Großmutter soll schon früher einmal geäußert haben, daß sie A n g st vor ihrem Enkel hätte. Sein Blick wäre immer so merkwürdig starr. Zu einem befreundeten Filmschauspieler soll der Angeklagte geäußert haben, daß er Gewatt brauchen würde, wenn er nicht freiwillig Geld bekäme. Bei Eintritt in die Verhandlung. die von Laridgerichtsdirektor Friedmann geleitet wurde. ermahnte dieser den Angeklagten zur Wahrheit. Gebhardt hat vor einigen Tagen dem Gericht eine völlig andere Darstellung seiner Tat eingereicht, ats er vor dem Untersuchungsrichter zugegeben hatte. Weinend erzählte er bei der Vernehmung die L e i d e n s g ej ch i-h t e seiner Jugend. Von beiden Eltern hätte er viel Schläge und wenig Essen bekommen. Auch seiner Schwester wäre es so schlecht ergangen, die hätte es schließlich nicht mehr ausgehalten und sich vergiftet. Im Jahr« 1923 liehen sich seine Eltern scheiden, und er kam nach auswärts zur Lehre in ein Inftallations- geschäst. Als er im Jahr« 1927 wieder nach Berlin kam, harte sein Bater eine zweite Frau geheiratet, die dem Jungen olles Geld ab- nahm und mit der er sich, ebenso wie mit dem Boter. sehr schlecht vertrug. Er ließ sich daher zu Hause nicht sehen und lebte von Gelegenheitsarbeiten. Er war sehr leichtsinnig und gab all sein Getd für Vergnügungen und Mädchen aus. Im Ottober wußte er sich keinen Rat mehr. Er halte lange keine Arbe't mehr gehabt und wohnte im Christlichen Hospiz, wo er seine Rechnung bezahlen sollte und nicht konnte. All seine Sachen hatte er schon versetzt. Da fiel ihm die Großmutter ein, die ihm beim Selbstmord seiner Schwester gesagt hätte, sie würde ihm jederzeit beistehen Tatsächlick, hat sie ihm auch öfter Geldbeträge, im ganzen etwa 100 Mark, gegeben. An jenem Morgen, erzählte der Angellagie schluchzend, habe ihn die Großmutter ganz anders empfangen. Sie bot ihm weder einen Kuß noch Kaffee an, und alz er sie um Geld bat, sagte sie barsch, daß sie kein» hätte und daß sein Vater ihr auch verboten hätte, den Enkel irgendwie zu unterstützen. Darauf zog sich der Angeklagte an und fragte noch beim Fort- gehen, ob er nicht wenigstens«in paar Tage bei ihr wohnen könne. Darauf soll die Großmutter erklärt haben:„Du wirst schon bald so enden wie Deine Schwester. Mein Enkel bist Du ja nicht, Du bist ja nur ein K u ck u ck s e i. Meinetwegen kannst Du auf der Straße verrecken!" Darauf ergriff Gebhordt eine Fußbank und schlug auf die alte Frau los. Was er dann weiter tat, chll er heute nicht mehr wissen, unr, daß er das Geld aus der Kommode nahm, seinen Tanzanzug aus der Pfandleihe holt» und sich den Tag über in Dielen herumtrieb. Vors.: Früher sagten Sie nicht, daß Sie durch die 4leuße- rung Ihrer Großmutter, wie„Kuckucksei" gereizt wurden. Es liegt der Verdacht sehr nahe, daß sie in der Anklageschrift gelesen haben, daß Ihr Vater an seiner Vaterschaft an Ihnen zweifett. Dadurch sind Sie wahrscheinlich da.zu gekommen, den Sachverhalt heute so zu schildern. Früher gaben Sie auch genau an. wie Ihnen das Röcheln der alten Frau, di« Sie niedergeschlagen hatten, auf di« Nerven ging, so daß sie ihr noch einen Kinnhaken versetzten und ihr dann«in Taschentuch um den Hals zuzogen. Angetl.: Diese»Einzelheiten weiß ich heute nicht mehr. Den Ausdruck„Kuckuckeei" wollte ich nicht wiederholen, um meine» Vater nicht bloßzustellen. Als erster Zeug« wurde der Vater des Angeklagten auf- gerufen, der trank und nervös sein soll. Er verweigert« aber trotz des Einwurfs des Gerichts und der Verteidigung, daß seine Au»- lagen für den Sohn nur günstig sein könnten, ein Zeugnis abzu- legen. Dann betrat die Mutter schluchzend den Saal und er- klärte auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden, daß sie jederzeit be- schwören könne, daß Werner der Sohn ihre» früheren Manne? fei. Nach dem Gutachlei, des Medizinalrot» Dr. Störmer ist der Tod der allen Frau durch Erdrosseln erfolgt. Gegen die Landbundhetze. » Warnung vor Aufforderung zum Steuer streik. Kiel. 12. März. Oos Londesiinanzamt veröffentlichte«ine Erklärung, in der es auf die Gesetzwidrigkeit hinweist, die in der von den fo- genannten Landvolkskundgebungen beschlossenen Art der Zurück- sendung der Steuerbescheide liegt. Das Landessinaiiv amt macht auf die ernsten Folgen ausmerlsam. die eine Aos- sorderung, der Steuerpflicht nicht zu genügen, nach sich zieht. Zeitgemäße Erinnerung. „Was nichtsozialistische Finanzpolitik verdorben hat." Um Steu«rn zu„sparen", versucht der ch a n s a b u n d die deutschen Unternehmer zum Sturm gegen die Sozialpolitik zu führen. Die Deutsche Volkspartei will um jeden Preis einen Etat ohne neu« Steuern: nur Vorschläge macht sie nicht, das vorhanden Loch zu' stopfen. Beide treiben mit Gewalt zur Schaffung eines Defizitetats: an die Sünden der eigenen Vergangenheit denken sie dabei nicht. Deshalb ist es notwendigundnützlich, an«in« Kennzeichnung der heutigen Finanzsituotion des Reiches zu erinnern, wie sie der den Unternehmern heute gewiß unverdächtige Univ«r,- sitätsprofessor Dr. Echumpeter am 26. Oktober vorigen Jahres im„Deutschen Volkswirt" formuliert hat. Er schrieb über die Finanzpolitik der bürgerlichen Parteien folgendes: „Nicht nur traurig, auch beschämend ist die Geschichte des Weges, der vom Ueberschuh des Jahres 1924 bis zur heutigen Finanzlage des Reiches führt. Keine unoorhersehboren oder auch nur tatsächlich unvorhergesehenen Ereignisse haben die Einnahme- entwicklung gestört oder die Ausgabensteigerung erzwungen. Die sachliche Möglichkeit nicht nur geordneter, sondern sogar prospe- rierender Reichsfinanzen war durchaus gegeben. Und um sie sicher- zustellen, badurfte es keiner anderen Politik und keiner größeren Opfer und Entsagungen als wir sie in anderen Ländern vor unseren Augen haben. Statt dessen war schon das Gleichgewicht des Jahres 1923 gefährdet, denn auch ein aus früheren Ueberschüssen ge- Russische Zkon-Ausfiellung. und bekehrt an einem Tage zehntausend wilde Schupos. decktes Desizit ist ein Defizit. 1926 waren die Früchie von 1924 ver- braucht. 1927 und 192S vollends mußte zuAuskunftSmittelk gegriffen werden, die großzügig« und gesunde Finanz- Politik vermeidet. Beschämend für all« ist dieser Sachverhalt, doch besonders be- schämend für die ni ch t s o z i o l-ist i s che n Parteien, deren Kraft und Können auf diesen, Gebiet hinter den billigsten Erwartungen zurückblieb: Während gewissenhaft« und erfolgreiche Verwaltung der Staatsfinanzen sonst überall zu den Dingen gehört. auf die die bürgerlichen Parteien vor Sem Forum der Geschichte als Leistungen hinweisen können, steht heute bei uns ein sozio- l i st i s ch e r Minister vor der für ihn ganz besonders schweren Aufgabe, zu heilen oder zu bessern, was nichtsozialistische Finanzpolitik verdorben hat. Deutschland bedarf einer großen Finanzresorm. die seine staats- finanziellen Problem« an ihren ökonomischen und politischen Kernen faßt. Aber che daran auch nur gedacht werden kann, ergibt sich die undankbare Aufgabe, das Budget in Ordnung zu bringen— denn nur im gesicherten Besitz eines Ueberschusses sind andere als solche Reformen möglich, die lediglich Einnahme- steigerung zum Ziel haben. Dazu bedarf es, wie die Dinge liegen, unvermeidlich einiger Steuererhöhungcn. Das weiß jeder." „Das weiß jeder!?" Hansabund und Volkspartei wissen es nicht! Sie haben die Sünden vergessen, die ihr Freund Dr. Schum- peter ihnen hier vorhält. Sie haben sie vergessen, weil jetzt die Sozialdemokratie für ihre Sünden geradestehen soll. Sie dürfen sich ihrer nicht mehr erinnern, weil sie sich sonst schämen müßten. Aber wozu hätte man eine eiserne Stirn, wenn man sie nicht ge- braucht? Gut. daß Herr Schumpeter, der unverdächtige Zeuge, diese Stirn in den Lichtkegel der Oeffentlichkeit gerückt hat. Oiktatur-Geschwätz. Ein Hugenberger-Kabinett von Luther bis Schacht! Haanover. 12. März.(Eigenbericht.) Die deutschnationale„Niederdeutsch« Zeitung" bringt in großer Alls machung aus„bester Quelle" aus Berlin die Meldung, daß „dort" folgender Plan bestehe: Gleich nach Ostern solle der Reichs- Präsident da- Kabinett entlasten und ein neues bilden, für das in Aussicht genommen sind: Luther als Reichskanzler. Kaas, Groener. Schacht und eine fünfte, noch nicht genannte Persönlichkeit. Ein solches Kabinett will nmn als Rechtskabinett bezeichnen. Dann soll der Reichspräsident unter Gegenzeichnung des Kabinetts den Artikel 4« in Kraft setzen und die vollziehende Gewalt dem General Groener übertragen werden. Die„Niederdeutsche Zestung". die sehr gute Verbindungeu zu Hugenberg lwt, plaudert in ihrer Naivität diesen sauberen Plan ans, ohne zu beachten, daß dadurch sein Ursprung allzu leicht zu er- Wunen iji. Lob der Funktionäre. Von Hans Bauer. Es ist. kein End« damit, daß geistige Menschen mit Achselzucken aus schlichte Parteiarberter herunterblicken und höhnisch sagen: Nun ja..., Funktionäre! Und st« meinen damit, daß die Träger dieser Bezeichnung nur einen Durchschnittsverstand und eine Durchschnitts- bcgabung besäßen und daß das Qualitäten wären, mit denen nichts Entscheidendes bewirkt werden könne. Manchmal sind diese„gei- stigen Menschen" bloß Aesthetensexe und Papierliteraten. Es ist kein Wort darüber zu verlieren, daß es sich nicht oerlohnt, mit ihnen politisch zu diskutieren. Aber diese Sorte von Intellektuellen ist nicht gemeint, sondern jene andere, die es bestimmt auch gibt, und die im vochinein und mit einer bloßen Handbewegung abzulehnen denn doch übereilt wären. Es sind zuweilen recht durchdringende und schars« Köpfe unter ihnen, ausgezeichnete, und unerbittliche Logiker, ehrliche und strenge Denker. Es ist tatsächlich die Sache des Geistes, die sie oertreten. Aber hier stockt man schon: Ist es denn so sicher, daß die Boraussetzung einer guten Politik die sub- limierte Geistigkeit ihrer Träger ist? Kein Zweifel, daß Geistige für eine politische Idee einen Gewinn bedeuten. Sie vermögen es, ihr ein« glitzernde Formulierung zu geben, sie erhöhen ihr Prestige, forcieren ihre Propagierung. Aber es steht doch auch fest, daß das Tatbeftandsmertmol der Geistigkeit nicht gleichzeitig Tatbestands- Merkmal dafür ist, daß sie sich' nur iu einer bestimmten politischen Richtung bewegen könne. Es hat gegeben und gibt in sämtlichen politischen Lagern Geistige von hohen Graden. Ist es nicht bla- mabel genug für die Deistigkeit, daß man so ziemlich olles mit ihr anfangen kann? Aber wir meinen ja doch auch nicht die Gcistigkeit schlechthin, dürften jene Intellektuellen einwenden, fondern die linke Geistig- keit. Jawohl,„linke Geistigieit" ist schön, aber es ist ein Denk- fehler, sie als ausreichend für die Anerkennung als Politiker zu erachten. Zunächst einmal war festzustellen, daß Geist noch keine Bürgschaft für die Güte einer Forderung bedeutet: es ist weiterhin festzustellen, daß die Güte einer Forderung dem Forderer noch keinen Anspruch aus das Mandat zu ihrer Verwirklichung verleiht. Wir haben jetzt dos Beispiel des Herrn Lampel erlebt. Lampel kann recht und schlecht„links" Theaterstücke schreiben. Wer aber möchte, wenn es hart auf hart ginge, dos Schicksal des deutschen Proletariats von dem Charakter abhängig gemacht wissen, den Lampel in dem entscheidenden Augenblick zeigen würde-- und wer möchte gar die Abwehr politischen Unheils seinen positiven Fähigkeiten anvertrauen? Geistige Spitzenleistung kann nichts schaden in der Politik, aber es genügt auch schon ein guter, aufgeweckter Durchschnittsver- stand, und unentbehrlich jedenfalls sind einige ander« Qualitäten. über deren Vorhandensein das Vorhandensein der geistigen Potenz noch keinen Aufschluß gibt. Der Funktionär hat dem Intellektuellen ein« entscheidende Tugend voraus: sein« Auftraggeber kennen ihn. Nicht, wie man irgendein« Prominenz kennt, die unter radikalen Ausrufen prangt: als ausgezeichneten Schauspieler, hervorragenden Sexuolforscher, gefeierten Architekten, sondern, wie man Herrn Schulze kennt: als Menschen, auf den Verlaß ist, der ein Nertrauen nicht mißbraucht, der einen Blick für das Durchsetzbare besitzt, der gerade steht, wenn es darauf ankommt, der Veruntwortungs- bewußtsein hat, der für die Sache persönliche Opfer bringt, der die Sitzungen nicht schwänzt, der dem Gegner aus der Stelle Rede und Antwort zu erteilen vermag, der Demonstrationen mitmacht, der nicht ausreißt, wenn es knallt, der Charakter hat, der es ehrlich meint. Selbstverständlich: nicht jeder Funktionär hat unter allen Umständen olle diese Qualitäten. Selbstverständlich: manch« Geistige hätten sie wohl. Aber der Funktionär als Gattung hat sie. Der Geistige als Gattung hat sie nicht. Lenin hat einmal das vielzitierte Wort von der Köchin gesogt, die imstande sein müsse, den Staat zu regieren. In diesem Punkte können wir ihm zustimmen. Es bedarf nicht eines Maximums an Scharfsinn, nur eines Maximums an ehrlichem Wollen, um die Welt freundlicher zu gestalten. Sie ruht mit dem Haupttteil ihrer Schwere nicht auf den Sprüchen der Geistigen, sondern aus den von ihnen mißachteten Tugenden der Funktionäre. Tänze. Vachsaal, Renaissance-Theater. Die Hellerau-Laxenburger Gruppe d«r Kratina tanzt« im Bach-Saal. Ich sah sie vorigen Sommer auf dem Essener Tänzerkongreß. Der stark« Eindruck, den ich dort empfing, wieder- holte sich hier. Vollkommen reiner, abstrakter Stil. In der Technik der Eingeltänzer und im Zusammenschluß noch nicht die Vollendung der unvergeßlichen Wigmann-Gruppe. Aber in den Kompost- tionen ein« reiche Fülle origineller und wirksamer choreogrophi- scher Ideen. Bemerkenswert die Kühnheit, mit der streng moderne Tanzsormcn und leichte, ans Ballett anklingende Pos vermischt erscheinen. Gestaltung eindrucksvoller Attitüden, die stets vrga- nisch aus der tänzerischen Bewegung sich entwickeln. Das kleine Podium hinderte leider die volle Entsoltung der Gnippengliede« rung, ließ den Rhythmus des Mit- und Gegeminandergehens nicht immer deutlich werden. Das zeigt« sich besonders schmerzlich ui den beiden letzten Nummern des Programms. Sowohl das Traum- spiel„Das andere Ufer" wie die Pantomime„Marionetten" gehören nicht auf die Bretter eines nüchternen Podiums. Verlangen weiten Raum und Dekoration und Beleuchtung der Theatevszen«. Im Renaissancetheater eine Matinee von Serafine Kinn«, Aurel v. Milloß und Richard Schösfmann. Die Kinn«, Mitglied der Feist-Gruppe, erfreulich in slotten, rein dekorativen Tänzen, unzureichend im stilstrengen Ausdruckstanz. Ein« schön« Bühnenerscheirning, die leider trotz federnder Schlankheit eine ge- wisse Schwere nicht überwinden kann und der das rechte tänzerische Temperament mangelt. M i l o h,«in Tänzer von zuweilen über- raschender, ober nicht ausgeglichener akrobatischer Technik, in seinen Kompositionen vor groben Geschmacklosigkeiten nicht immer zurück- schreckend. S ch ö f s rn a n n, die stärkst« Begabung unter den Dreien, sehr schmissig in einem spanischen Zweiianz mit der Kinn«, technisch vollendet in einer javanischen Parodie und in den Dvehsprüngen der Studie„Bogenspanner". Eine stark« tänzerische Natur, auf die man Hoffnungen setzen darf. Ein Dorbehalt: Was ich über dies« Matinee sagen konnte, ist vielleicht nur zur Hälfte richtig. Denn der Platz, den dos Renaissancetheater dem„Vorwärts"- Referenten anzuweisen pflegt, läßt immer nur 39 Proz. der Bühne sehen. J. S. Eine australische polarexpediiion. Der austmtische Premierminister Bruce hat im australischen Abgeordnetenhaus bekannt gegeben, daß die Regierung eine groß« Südpolarexpcdition vorbereitet, die unter der Leitung des Polarforschers Douglas Mawson densenigen Teil des Südpolor- gebietes erforschen wird, der unmittelbar südlich von Australien sich ausdehnt. Da die neuseeländische Regierung sich ebensall» an diesem Unternehmen beteiligt, so sollen die Forschungen auf das Gebiet zwischen dem Roß-M«er und Enderby-Land ausgedehnt werden. Als Schiff wird die in der Geschichte der Polorforschung bekannt« „Discovery" verwendet werden. Der Hauptzweck besteht in der kartographischen Aufnahm« der Küstenlini« und in der Ausführung wissenschaftlicher Beobachtungen, die für Australien von Bedeutung sind. Durch das Studium der meteorologischen Verhältnisse soll die Beziehung auf das Klima Australiens festgestellt werden, und aus der eingehenden Beobachtung der Tierwelt hofit man, den wirtschaftlichen Wert der Gewässer dieses australischen Tetz» der Antarktis kennen zu lernen. Für die Arbeiten an Land sollen Flugzeuge in großem Umfang Anwendung finden. Der Tag de, Luches. Der Tag des Buches, der am 22. März im gesamten Reichsgebiet und in Oesterreich veranstaltet wird, wird am 21. März abends 8 Uhr durch eine öfientliche Kundgebung im Reichstage unter dem Protektorat des Reichsministers des Innern eröffnet. Roch seiner Begrüßungsansprache sprechen Leo Weis- mantel über„Buch und Volk". Eugen Diederich» über die„Krisis des deutschen Buches". Wolter von Molo über den„Weg des Schrift- stellcrs in unserer Zeit", Profesior Dr. Anna Siemsen über„Buch und Leser". Der Oeffentlichkeit sind die Tribünen des Reichstage» eingeräumt. Freie Eintrittskarten sind bis zum 16. Mörz Im Bureau des Reichsvcrbandes des Deutschen Schrifttums, Lutherstr. 19, erhältlich. Eine Stiftung Feruaud Louifsoas. Bouisson hat, wie„Petit Parisien" meldet, den Betrag des ihm im Jahre 1927 zuerkannten Nobel-Preise? in Höhe von Z99 999 Franken dem Staat« zur Er- richtung einer Stiftung geschenkt, deren Zinsen zur Verbreitung de; Werks de» Völkerbundes in den Schuten und in den Kreisen des Volkes dienen sollen. -Asphalt." Ein Joe May-Film im llfa-palast. Man wird die stärksten Einwendungen gegen das Drehbuch und seinen symbolischen Titel machen, man wird feststellen, daß dos Leben so nicht ist— und doch zugestehen müssen, daß der Regisseur Joe M a y zu packen und erregen versteht und daß er über eine großartig« Marke verfügt. Dies« Geschichte von dem brave» junge» Wachtmeister, der in die Netze einer Juwelendiebin gerät, ihre» Freund in der Notwehr erschlägt und durch das Geständnis und die Aufopserung der Geliebten gerettet wird, ist ja typischer Hinter- treppcnroman. Aber wie Joe May die brausende Symphonie der Großstadt einfängt, wie er das altväterliche Heim der Wachtmeister- familie schildert, wie er den raffinierten Iuwelendiebstahl und die Lockungen der schönen Diebin spannend aus die Leinwand bringt, das bezeugt seine filmisch« Virtuosität. Als aktuelle Delikatesse legt er den Tresoreinbruch in der Kleiststraß« ein. verlegt ihn freilich nach Paris, hat aber die Lacher doch auf seiner Seite. Die Kamera- leistung Günther Rittau ist erstrangig, die Bilder schmeicheln sich ein in ihrer Tonigkeit. Di« Welt der braven Beamtensamilie ist mit dem Milieu der Hochstaplerin aufs wirksamste kontrastriert. Dort das Muster eines. pstichtgetreuen Beamten, den Albert S t e i n r ü ck unvergeßlichen Angedenkens prachtvoll monumental und echt filmisch verkörpert, die liebende Mutter Else Hellers hier die ganze Kunst der Ver- führung, die Betty Aman» als Verkörperung gleißender Sünde — frei nach«stuck und im Stile der amerikanischen Vamps— spielen läßt und dazwischen der gute Sohn und Wachtmeister. Gustav Fröhlich ist der geeignet« Mann dafür, stramm und kernig und gradaus. Wenn nmn so halb wider Willen loben muß, so bleibt doch der Wunsch berechtigt, so viel Aufwand endlich einmal in den Dienst einer Sache zu stellen, der man auch inhaltlich zustimmen kann. r. „Pflicht und Liebe." Marmorhaus. Dieser amerikanijche Film ist restlos auf Schau Wirkung ein- gestellt. Er bringt malerische Bilder, technisch vollendete Kata- strophenszenen und ist erfüllt von den erlebtot Rollen großer Schauspieler. Doch liegt ihm»ins der trostlosesten Manuskripte zugrunde. Ein Kapstän hat vier prächtige Jungen». Sie vertrogen sich noch Brüderart, d. h. sie spielen sich manchen Schabernack, prügeln sich und sind doch einander zugetan. Die Katastrophe bricht über sie herein, als der Aelteste, ein Kapitän, sich mit dem Mädel ver- lobt, die den Jüngsten liebt. Von da ab betättgen sich im Film ungefähr alle vorkommenden Personen als Amokläufer. Eine Ge- wolttat zeugt die ander«. Die halbe Schisssbesatzung geht zu» gründe. Der besonders zählebige Kapttön wird erst zuguterletzt, dafür aber auch recht„wirkungsvoll", nämlich durch eine Harpune, erledigt. Uebrig bleibt von den Brüdern der Jüngste und das Mädel, das ihn wahrhaft liebt. Der Regisseur William R i g h ist ein Filmmensch durch und durch, schade, daß er sein Können an einem solchen Manuskript verschwendete. Als Auftakt bringt er ganz wunderbar beobachtete häusliche Szenen. Die Hauptrolle spielt Raman R o v a r r o. Man ist leicht geneigt, den Vielumschwärmten nur sür«nen schönen Mann zu halteu. Doch diesmal erbringt er den vollgültigen Beweis von großem schauspielerischen Können. Ebenso führt Ernest Torrence ein Sondcrdasein unter den amerikanischen Dar stellern. Sein verwittertes Gesicht ist enorm ausdrucksföhig, er ist ein Stier an Krast. Ioan Crawsord gefällt als liebendes Mädel, während Anna May-Wong in emer kleinen Rolle knapp zur Geltung kommt. e. b. Eine neue Affenart entdeckt. In der Akademie dxr Wissen schaften wurde am Montag eine Mtttellung von Dr. Georges Monthandon. Mitglied des französischen Instituts für Anthropologie verlesen, worin dieser mitteilt, daß er in Brasilien in den llrwölde:: längs des Flusses Eatatumbo eine neu« Affenart entdeckt Hobe. Diese habe eine Höh« von 1.39 Meter, das Aussehen eines Gibbons, die Glieder eines Orang-Utangs, habe aber«in menschenähnlicheres Aussehen als all« bisher bekannten Affenarten. 91«»ersvchsbüh»« de» Thealer» am Schiffbau er dam« bringt als nächste» Werk.Wölkenkuckucksheim', ei» Phantastisches verSspiel van Karl Kraus(nach den.Vögeln' de» AristophaneS) zur Uranfiübrung. Ei» neue» Drama von paal Ragaal. Paul Raqnal, der Berjatser der KriegStragödie.Da» Grabmal de» unbekannten Soldat«»', hat«m drei- allig«» Schauspiel-La Marne' vollendet. Kind und Kunst. Ausstellung der Schulen im Bezirk Kriedrichshm'n. Aeben der Erziehung des Kindes zum Kunst. Verständnis steht die Pflege feines Triebes zum eigenen künstlerischen Schassen. Die Schule unserer Zeit kommt mit ihrem neuartigen Zeichenunlerrichl diesem Trieb entgegen— und die Erfolge bleiben nicht aus. Was erreicht wird, zeigen immer wieder die von Schulen ver- anstaltclen Ausstellungen der Schülerarbeilen aus dem Zeichen- Unterricht. Eine Ausstellung der Arbeiten aus Schulen des Der- waltungsbezirks Friedrichshain, die am Sonntag im Schulhause Petersburger Straße 4(nahe der Frankfurter Alle«) eröffnet wurde, verdient Beachtung in weitesten Kreisen der Elternschaft und der Freunde von Schule und Jugend. Die Volks- schulen, die Realschulen und die höheren Schulen des Bezirks sind mit zusammen 3(XK) Blättern vertreten, bei deren Betrachtung wir die Schaffensfreude der Kinder mitempfinden. Beteiligt hat sich auch der Bund für Kunstausstellungen in Schulen, dessen Bemühungen um die Kunsterziehung der Schuljugend bekannt sind. Er hat eine Anzahl Gemälde lebender Künstler beigesteuert/ Bei der Pfleg« des künstlerischen Schaffens durch die Schule wurde so verfahren, daß der Lehrer von dem Werk eines Künstlers ausging. Er nannte den Kindern das„Thema" des Bildes, ohne ihnen schon das Bild selber zu zeigen. Dann forderte er sie ohne weitere Besprechung auf, zu inalen. Die Besucher der Ausstellung werden an den Ergebnissen ihre Freude haben, Natürlich ist das Zeichen- und Maltechnische bei den meisten Arbeiten kindlich unvollkommen, aber die Schärfe der Beobachtung und die Kraft des Ausdrucks in der Wiedergabe find oft erstaunlich groß. Sehr reizvoll ist es, zu sehen, wie verschieden die der ganzen Klasse gestellte Aufgabe von den einzelnen Kindern gelöst worden ist. Die Arbeit wurde nicht zu Hause ausgeführt, sonder» im Unterricht, wo fremde Hilfe ausgeschaltet und d i e Selbständigkeit der Arbeit gesichert war. Den Kin- dern wurde zu Beginn des Unterrichts die Aufgabe gestellt, und bei der sofortigen Ausführung mußte jeder sehen, wie er damit fertig wurde. Erst nachher zeigte cher Lehrer den Kindern das Werk des Künstlers, das ihn zur Wahl der Aufgabe angeregt hatte. In der Ausstellung hat man die Arbeiten über jedes Thema zusammengelegt, so daß Vergleichungen erleichtert sind und die Verschiedenheit der Lösung in die Augen fällt. Ausgehängt ist ein«. Auswahl der Ar- beiten gleichen Themas, und in ihrer Mitte das Kunstwerk, das zu der Aufgabe geführt hat. Diese Anordnung wird auch für die Be- sucher der Ausstellung zu einer Quelle der Belehrung. Die Eröffnung der Ausstellung vollzog im NamkN des Bezirksamtes Friedrichshain der Stadtrat G c n s ch, Dezernent für das Schul- und Bildungswefen des Bezirks. Genfch hat sich seit langem bemüht, in unserer Schuljugend das Kunstverständnis zu wecken und zu fördern. Er und Konrektor Hoepncr wiesen in ein- leitenden Vorträgen auf die Bedeutung dieser Kinderarbeiten hin. Durch eigenes Schaffen soll den Kindern der Weg zum Verständnis des Kunstwerkes gebahnt werden. Die Ausstellung bleibt geöffnet bis zum 17. März an allen Werktagen von 18 bis 21 llhr und am Sonntag von 16 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist u n e n t g e l t l i ch. An allen Abenden werden in der Aula V o r t r ä g« bei freiem Eintritt gehalten. Die geplatzte Seltersflasche. Betriebsunfall einer Hausangestellten. In einem Haushalt wurde täglich eine Flasche Setter- wasser als Tischgetränk des Hausherrn unter dem Wasserhahn des Splltlisches gekühlt. Als das Mädchen, dem dies« Arbeit oblag, einmal durch eine aizdere Beschäftigung behindert mar, legte die Hausfrau die Flasche uirter den geöffneten Wasserhahn. Nach kurzer Zeit kam das Mädchen wieder in die Küche und sah, daß dampfendes heißes Wasser über die Flasche rieselte. Die Frau hatte aus Versehen statt des Kaltwasserhahns den dicht daneben befindlichen Warmwasserhahn geöffnet. Das Mädchen wollte das Versehen der Frau wieder gutmachen und griff nach den: Kaltwasserhahn. In demselben Augenblick platzte die Selterslasche mit lautem Knall. Glassplittcr flogen umher. Einer von ihnen traf das eine Aug« des Mädchens so unglücklich, daß sie nach langem Krankenläger als Einäugige aus den: Krankenhause entlassen wurde. Die Sehkraft des beschädigten Auges ist für immer vollständig zerstört. Dadurch ist die Erwerbsfähigkeit des Mädchens nach ärzt- lichcm Gutachten um 3S Proz. herabgesetzt. D a die Housange st eilten immer noch nicht der Unfallversicherung unterstehen, entstand für die Ver- letzte die Frage, wer ihr für den Schaden haftet. Sie klagte beim Arbeitsgericht gegen ihren Arbeitgeber. Es gab juristische Bedenken: Kann der Ehemann haftbar gemacht werden für die Folgen eines schuldhaften Versehens seiner Frau, falls ein solches überhaupt vorliegt? Das Gericht kam über diese Be- denken hinweg, indem es sagte: In der Hauswirtschast gilt die Frau als Beauftragt« ihres Mannes. Dieser ist also haftpflichtig aus demselben Grunde, wie ein gewerblicher Unternehmer für den Schaden haftet, den sein Beauftragter in Ausübung des Auftrages einem dritten verursacht. Nachdem dieser Punkt zugunsten der Klägerin geklärt war, ent- stand die weitere Frage: Ist die Selterflasche geplatzt, weil sie dem heißen Wasserstrahl ausgesetzt war, und wäre sie nicht geplatzt, wenn nicht die Klägerin kaltes Wasser über die erhitzt« Flasche geleitet hätte? Zur Beantwortung dieser Frage fordert« das Gericht« i n wissenschaftliches Gutachten ein. Aber der Gutachter konnte diese Frage nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Es ließ sich auch nicht feststellen, ob die Klägerin den Kaltwasser- hahn geöffnet hat, oder ob sie erst im Begriff war. dies zu tun, als die Explosion der Flasche erfolgte. Das Gericht nahm das erstere als wahrscheinlich an und kam zu dem Urteil, daß der Unfall durch ein Versehen auf beiden Seiten entstanden und der Schoden von den Parteien je zur Hälfte zu tragen sei. Der Beklagte hat also der Klägerin die Hälfte des Schadens zu ersetzen, der ihr aus dem Unfall entstanden ist und infolge der Erwerbsbejchränkung noch ferner entsteht. Nach einem langwierigen Prozeß bekommt die Verunglückte also nur einen Teil des Schadens ersetzt, den sie in Ausübung ihrer Berufsarbeit erlitten hat. Auch diefei�Fall spricht dafür, daß die Unfallversicherung auf die hausangeslellten ausgedehnt werden muß._ Lohtwerhandlungen bei der Reichsbahn. Auf Einladung der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft fand gestern eine Besprechung über die Kündigung des Lohnabkommens mit den Eisenbahnerorganisationen als Vertrags- Kontrahenten statt. Zu irgendeinem positiven Ergebnis ist es jedoch nicht gekommen. Die Gewerkschaften erklärten, daß die Kündigung des Lohnabkommens nicht in Rücksicht- »ahme aus die Rede des Herrn Generaldirektors D o r p in ü l l e r vom 30. Januar 1929 erfolgt fei, sondern weil die schlechte wirtschaftliche Lage der Lohnempfänger dieses be- dingte. Aus diesem Grunde forderten die Gewerkschaften eine e i n- h e i t l i ch e Lohnerhöhung für alle Lohngruppen und Wirt- schastsgebiete. Die Vertreter der Hauptverwaltung haben sich sachlich zu der unterbreiteten Forderung nicht geäußert. In der nächsten Zest wird die Hauptverwaltung die Gewerkschaften erneut zu einer Ver- Handlung einladen._ weller für Berlin und Umgegend. Meist stark bewölkt, Temperaturen über Null, westlich« Winde.—(Jör Deutschland: Vielfach neblig oder wolkig, Temperaturen allgemein über Null. (.�NI Dienstag, 13. März. Berlin. 16.00 Stunde mit Büchern. Novellenbücher. Walthcr von Holunder. Mikrophon: Bernard von Brentano.) 16.30 Unterhaltunesmusik. 18.30 Prof. Dr. Robert Schmidt: Ein Abendbesuch im SchloBmnsetim. 19.00 Hans-Bredow-Schulc. A, Vierkandt: Von der„Qesellschaff zur Gemeinschaft. 19.30 D. Lic. Stanse, Kassel; Die evanselische Botschaft in den Waadlunsen der jünzsten Generation. 20.00 Abendunter�ialtunE. Mitwirkende: Sabine Meyen. Eothar Müthel. 21.00 Aus der Hochschule für Musik. Konzert Jos. Haas: a) Christuslieder, b) Deutsche Vesper. AnschlicSend: �rcsse-Unitchau des Drahtlosen Dienstes. Könixs Wusterhausen. 16.30 Nachmittazskoflzert von Leipzis. 17.30 Dr. Kaphahn: Reisen nach Irland. 18.00 Dr. Hans Lebcde: 100 Jahre ,, Faust" auf der Bühne. 18.30 Französisch für Anfänzer. 18.55 Prof. Dr. Friedrich Metz: Wanderuneen am Oberrhein. 22.45—23.15 Bildfunkversuche. Verantwortlich für die SUboftion: Fron» fllühs, Berlin: Anseigen: TH. Slode, Berlin. Verlag: Vorworts Verlag G. m. b. s.. Berlin. Druck: Vorworts Vtidt- bruderei uttb Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Linbenslrabe 3. HieYu 1 Beilage. Nack, langem, schweren, mit großer «Bebnlb ertragenem Leiben starb am 9. Marz her Leberarbeiter lErnst Fiedler CinOscherung sinbet am Donnerstag, bem 14. März. löVi Uhr, im Srema- turtum Baumschulenweg statt. via traoeniden Hinterbliebenen. Ehre seinem Anbenken! "r" | The Thealer, Lieh{spiele usw. Dienstag, d. 12. 3. Slaats-Oper Unter d. Linden A.-V. 65 20 Uhr Madame Butterfly Staats-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 60 19", Uhr Hoftmanm EuNiliiDgeD Dienstag, d. 123. Stadt. Oper Bismarcks tr. Turnus I 19V, Uhr fidel Karin. Anna Staat!. Sebiiler-Tlieater.Charltli. 20 Uhr Kalkutta, 4. Hai »(Uhr CASINO-THEATEH- � Lothringer 2»irat$e 37« Nur noch bis 13. März KilometerlieDchen Am 1 4. März 1 929 zum 1. Maie „Eine ungeliebte Frau** Für unsere Leser Gutschein für 1— 4 Pers, Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 AI Sor�tine Preise- Parkett u. Ran« M. 1 Winker Qcirren 8 Uhr Rauchen erlaubt Internat,»artete. SCAtlV 8 Uhr B 5, Barturom 9256 Josma SaUm/ Br. Balph Banatzhy Berfaoff u. Eni all•/ Jaok Stanlord and dl« Obrlotn Attrakttenen 1 1 Morgen, MMwqdt, J* nadtrMHi 13. Män Sonder■'Vorstellung für Jung und AU zu besonders ermäßigten Preisen von O.SO bis 3.» Mark das volle Abend- Programm In der Pauset Kaffee mit Kadten far SO Pf. pi, Aza A» K«.teln«r Alex.«066 6» 1801.2 Vorstellitnflßn 5 ühP50Pf bisl.-M. 8". 1.-M. ■M. INTERNATIONALES VARIETE Karlen» Tmge im Torans 1 Theater a.KottbusserTor Kottbusser Str. 6. Tel. Mpl. 1 6077 TBglich 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermäßigte Preise) Ellte-sanger u. a.„Die Schönheitskönigin" verbunden mit Modenschau. Allgem. Preisherabsetzung auf allen Plätzen Reichshalien-Theater' Siettiner Sänger Das neue Man-ProgniniDl „Moderne BOhnen-GrOJen." Groteske Mmol o Rrillon. PAnfangSUhr. Stj;. Nachm. 3 Uhr«halbe Preise.) Biilettbestellangen TolopkM: Cenlniwi 11913. 'Dönhoff- Brettl: Fanmien-Varleie/ 10 Nmnnieni. Berliner IJlk-TriO N au k öl In. W laluu;< Theater des Westens Eaunlog * auch'.t4 Uhr Oer größte Erfolg Berlins Friederike Mufit van Cehac Erika v. Thellmann Eduard Lichtenstein Arnftebl, Limburg, Dura, ikpsler, Bespernumn, Sei, mt ummttrbr. 6(etIU)L931n.T180 Hleinei fteater Täglich 8V« Uhr• Kort Goetz, Valerie ▼. Marlens Paul Otto in „Trio" Lustsp. v. Leo Lenz. Regie: Friedmana- Frederidi. Barnowsky-Botinen Thaater in dar KSniggrStzer StraBe Täglich 8>/, Uhr Revolte im Eniehunoshaus Komädienhaus Täglich 8 Uhr Die Drei-CnKdmi- Bper Theater am Nollendorfplatz Täglich SV« Uhi Das Bold auf der Straß« Thalia-Theater Dresdener Str. 72-73 8 Uhr „Oelraosch" Berliner Tüeaier DirektHeinzHerald CharlotienstraBe 90 A. 7. Dönhoff 170 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) CIRCUS BUSCH Tägl. 6 Uhr Das labeikalti ClrcisprairaBii I Sensationen I Idttnni! letzter Spielnonat! Rose-Theater Sr.rrolrtDlra.137 8V« Uhr Der Obersteiger Planeiarinm —— am Zoo—• frlia«. Jadüantktlo Vnl. Noll. 1578 16V» Uhr ttenihimnel du FrBhJahrt I8Vj Uhr Sternbilder and Weltbau MV- Uhr Wunder de« südlichen Himmelt Tägl. außer Montags u MIttw. Erwachs. i Mk., Kinder 50 P(. Mi tw.; Erwachsene 50 Pf., Kinder 25 Pf. ( Künstlerische laeitvnsrt ERIK CHARELL DetJUe&e AuqustUi i £usüqz lüUwe Alfred Brami Nady cnristlaiM Trade Ueske Slesrfr. 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März 1929, 19Vz Uhr Harmonie-Festsäle, Invalidenstraße la Kostproben! oellenfllches WettKochen Montag, den 18. März 1929, 4'/z Uhr Festsäle Hackescher Hof, Rosenthaler Straße 40-41(Aufgang Kino) Botelligung Kostonlos I Jedo Hausfrau wird erwarte!> Näheres über Beding., ausgesetzte Preise usw. in unseren Geschäftsstellen Berliner Städtische Gaswerke AHt.- Ges./ Berlin c 2/ Neue Friedrichstraße 109 Fernsprecher: E2/ Kupfergraben 0013 (Hellage Dienstag« 12. März 1929 torftbntö Sfin/nulfrrlk j£a Qehärxmang oder freie Entscheidung Um das Schicksal des Paragraphen 218 Der Rechtsausschuß des Reichstags schickt sich an, bei der Beratung des neuen Strafgesetzes eine der wichtigsten sozialen Fragen zu entscheiden: die Frage der Strafbarkcit der Unterbrechung der Schwangerschaft. Der berüchtigte Para- graph 218, der sogenannte Abtreibungsparagraph, eines der ver- hängnisoollsten Ueberbleibsel einer antisozialen, reaktionären Gesetz- gebung, wird in kurzer Zeit im Rcchtsausschuß zur Debatte stehen. Die sozialdemokratische Reichstagsfrattion hat bereits in früheren Jahren Anträge eingebracht, die die Auf- Hebung des§ 218 oder doch wenigstens die Straflosigkeit der Unter- brechung der Schwangerschaft durch die schwangere Frau oder einen staatlich anerkannten approbierten Arzt innerhalb der ersten drei Monate der Schwangerschaft verlangen. Die Sozialdemokratie wird auch diesmal mit allem Nachdruck ihre Forderungen wieder- Halen. Sie stellt sich mit diesen Anträgen auf den Boden der realen Tatsachen, sie fordert etwas, was in den weiten Kreisen der Bevölkerung weder als unmoralisch, noch gar als ver- brecherisch angesehen wird. Das bis letzt gültige Gesetz Hot dazu geführt, daß allsährlich Tausende Leben und Gesundheit aufs Spiel setzen, daß heimlich getrieben wird, was öffentliches Geheimnis ist. Es ist übelste Heuchelei, wenn Leute, die vom Volk durch eine Kluft des Denkens und Fühlens getrennt sind, demselben durch Strassanktionen sittliche Normen vorschreiben wollen. Das Volk läßt sich nun einmal seine Sittlichkeit nicht von einer höheren Instanz vorschreiben. Unsittlich ist der Zwang zur Mutterschaft. Unsittlich ist es. die Frau, die der Ueberzeuoung ist, ihr Kind infolge der wirtschaftliche» Zwangslage nicht ernähren zu können, zu zwingen, das Kind zur Welt zu bringen. Unsittlich ist es, durch gesetzlich festgelegte Morolbegrifse die ohnehin schwere wirtschaftliche Situation der Proletariersamilien noch mehr zu ge- sährden, ja unmöglich zu machen. So sehr man auch dos Recht auf Mutterschasl anerkennen mag, ebensosehr nmß man unter Umständen auch die Ablehnung der Muttekschait anerkennen. Unsitt- lich ist vor allem der Klassencharakter des Paragraphen 218. Seine Drohung richtet sich ausschließlich gegen das Proletariat. Die Unterbrcchui»g der Schwangerschast bei einer Proletarierfrau, die infolge ihrer Wirtschaftslage gezwungen ist, de» strafbare» Akt an sich selbst oder mit chilfe einer Kurpfuscherin vorzunehmen, wird mit der vollen Strenge des Gesetzes bestraft. Die„Dome� aber, die ohne wirtschaftlichen Zwang sich in ein Sanatorium begibt und dort die Unterbrechung der Schwangerschaft vornehmen läßt, bleibt erfahrungsgemäß straflos. So sieht die Wirklichkeit aus. Eine absolute Moral gibt es nicht und hat es nie gegeben. Zu allen Zeiten haben die moralischen Begriffe und Anschauungen gewechselt. Was heute als erlaubt, als unanitößig gilt, galt frühe- rcn Geschlechtern als anstößig und unerlaulu. Was heut« unter dem Zwang der herrschenden Sitte moralisch verfemt, das. galt in früheren Zeiten als natürlich und selbstverständlich. Die höchste Unsittlichkeit liegt aber darin, daß heute Interessen bestimmter Klasscngruppen mit der Moral identifiziert werden. Man verweist auf die B e v ö l k e r u n g s st a t i st i k: Das Volk darf nicht aussterben. Je mehr die Voltszisfer steigt, desto größer sei das Glück für die Nation. Darum predigen die„natio- nalcn" Parteien: Schrankenlose Volksoermehrung, Aechtung und Verfolgung dem, der einen anderen Standpunkt einnimmt, harte Strafe dem, der diesen Interessen mit der Tat entgegenarbeitet. Die Moral ist aber nur der Vorwand, gewisie Interessen zu stützen. Wer sind diese Interessenten? Zunächst die Militaristen. Ihr Ideal ist ein starkes Kriegsheer. I« mehr Kinder geboren werden, desto mehr Soldaten gibt es. Die Produktion von Kanonen- iutter ist ihre„Weltanschauung". Damit Menschen zur Schlacht- bank geführt werden können, müsien Menschen geboren werden! Die zweite Jnteressentcngruppe sind die Kapitalisten: Je mehr Menschen geboren werden, desto billiger werden die Arbeitskräfte. Auch der Kapitalismus braucht Soldaten. Je mehr Arbeitsuchende sich auf den Fabrikhöfen zusamemndrängen, desto größer ist die Auswahl, desto mehr können die Löhne gedrückt werden. Das ist die tiefere„Moral" des„Schutzes des Kindeslebens". Soll das Proletariat für eine solche Sittlichkeit Verständnis haben? Nirgends trit die doppelte Moral stärker zutage als gerade bei der Unterbrechung der Schwangerschaft. Die Hüter der Sitt- lichkeit verschreiben die moralischen Rezepte für andere, hüten sich ober selbst, von ihnen ausgiebigen Gebrauch zu machen. In den Kreisen der Besitzenden versteht man sich sehr wohl auf die Kunst der Vorbeugung. Man korgt von vornherein dfofür, daß neues Leben sich nicht erst bildet. Sollte aber das Unglück doch geschehen, min, dann gibt es ja Sanatorien geinig. Wird aber die Prävention dem Volk gepredity, dann können sich diese Herren vor Entrüstung nicht fassen. Sie Entsetzen sich, daß der Bestand der Nation ge- sähndet wird. In Wirklichkeit natürlich befürchten sie, daß zu wenig Soldaten, daß zu wenig billige Arbeitskräfte geboren werden. Die öffentliche Anpreisung von Schutzmitteln wird von den Moralpredigern hart verfolgt. Dagegen aber, daß die P r ä o.e n t i o n in ihren Kreisen seit Jahr und Tag geübt wird, hoben sie nichts. Sie kennen sehr wohl den Unterschied: Hier Prävention oder Sonotoriurnsbehandlung, dort entweder jedes Jahr ein Kind oder kurpfuscherische Abtreibung. Dort Straflosigkeit, hier harte Strafe. Das ist ihre Moral, ihre Sittlichkeit. Und s i e sprechen über den Verfall der Sitte, dos Zunehmen der Unmoral, wenn das Volk diese erbärmliche Heuchelei durchschaut und gleiches Recht für sich verlangt. Sie sprechen vom Recht des ungeborenen Kindes. Eine be- wußte Fiktion. Sie wollen es mit Absicht nicht wahr wissen, was doch dem gesunden Dolksempsinden und damit auch der Sittlichkeit entspricht, daß das Leben und Wohl der Mutter, also eines schon bestehenden menschlichen Wertes, vorangeht, daß auch die Mutter ein Recht auf menschenwürdige Existenz und Gesundheit hat, daß es Wahnsinn ist, das Leben und Glück der Mutter durch die noch nicht zum Bewußtsein erwachte Frucht gefährden zu lassen. Sie sprechen von der Gefährlichkeit der Schwangerschaslsunter- brechung. Sie wissen aber ganz genau, daß gerade durch den heutigen, durch das Gesetz hervorgerufenen Zustand Tausende von Frauen gesundheitlich gefährdet sind, daß da- gegen der ärztliche Eingriff—�rechtzeitig vorgenommen— keineswegs mit Gefahren verknüpft ist. Das haben hervorragende Wissenschaftler wiederholt bestätigt. Gerade das Gesetz schafft die gesundheitlichen Gefahren. Es verhindert die Aerzte, den hilfesuchenden Arbeiterfrauen Hilfe zu leisten. Es zwingt diese, sich selbst zu helfen. Wieviel Menschen hat der§ 218 schon gemordet? Und dabei ist der Eingriff— das fei nochmal betont—, wenn er von Fachleuten ausgeführt'wird, unschädlich. Unvernunft und verbrecherische Klasscnintercsscn haben sich zusam- mengetan, um diese Wahrheit zu vertuschen. Sagt doch der bekannte Berliner Frauenarzt Max Hirsch, der sich seit Jahren mit dem Problem der Schwangerschaftsunter- brechung wissenschaftlich befaßt Hot, in einer seiner Abhandlungen: „Seien wir doch ganz offen: Nur nicht, wenn auch aus löblicher Absicht, die Wahrheit entstellen! Der Prozentsatz der Unglücksfälle bei Unterbrechung der Schwangerschaft ist doch verschwindend gering. Man mag dem Publikum die Gefahren so schwarz malen, wie man wolle, wir Aerzte dürfen uns aber nicht selber täuschen." Und der Direktor der Medizinischen Frauenklinik an der Universität Halle, Gehcimrat Dr. S c l l h e i m, erklärt in einer vor kurzem erschienenen Abhandlung: Es ist vielleicht dos krasseste Zeichen der schiefen Weltbetrach- tnng vergangener Zeiten, daß man die höchsten und eigentlich weitesttragenden, mit dem Seelenleben des Menschen auf das engste verbundenen körperlichen Triebe, dos Geschlechtsleben, mit dem ver- achtlich machenden Begriff der„U n z u ch l" in Verbindung bringen konnte. Das hat sich gewandelt. Uneheliche Schwangerschast gilt heut« längst nicht mehr als eine Schmach, die den Menschen aus deni Kreise seiner Gesellschaft aus- flößt. Die ledige Mutter geincßt heute in den verständigen Schichten des Volkes die gleiche Achtung, wie die hoffende Ehefrau, und man achtet oft an ihr den Mut, einem werdenden Menschen das Leben zu schenken, auch wenn sie nicht in der wohlbehüteten Umgebung einer bürgerlichen Ehe lebt. Auch die Acrzteschaft hat sich gewandelt! Es gibt einen Beschluß der Berliner Aerzlekammer. wonach bei der Beurteilung der Berechtigung einer Schwangerschafts- Unterbrechung auch wirtschaftliche und soziale Gründe und nicht nur schwere Krankheiten berücksichtigt werden sollen. Wenn auch der weitaus größte Teil öer Aerzte leider diesem Fort- schritt nocb verständnislos und oft aggressiv ablehnend gegenüber- steht, so ist die in die Mauer der Rllckständigkeit geschlagene Bresche so groß, daß es kein Zurück mehr gibt, und daß alles Zurückbleibende sich nur noch lächerlich inachen kann. Nicht ganz angeschlossen dieser geistigen und politischen Wand- lung Hot sich die I u st i z. Das wirkt sich um so schlimmer aus, als mit ihren Paragraphen den rückwärts strebenden Kräften ge- jährliche Waffen in die Hände gegeben werden.„Jin Nomen des Volkes" werden heute weiter unglückliche Frauen, die ein Kind Aus einer Denkschrift... Zu den sozioldemokvtischcn Anirägen auf Abänderung des Abtreibungsparagraphen haben die Vereinigung Evangelischer Frauenverbände und der Katholische Frauenbund Deutschland Eingaben an den Reichstag gerichtet, von denen die «ine Abtreibung ein Verbrechen und das Kind ein von Gott g<- schenktcs und anvertrantcs selbständiges Wesen nennt, während es in der anderen heißt:„Millionen christlicher Frauen ist gottgewolltes Leben heilig." Ein Pastor Hoppe aus Lichterfelde bezeichnet in einer Schrift den Kampf gegen sj 218 als sexuellen Bolschewismus. Demgegenüber zitieren wir aus einer Denkschrift des Bayer!- schen Statistischen Landesamtes: ,F)ohe Geburtenhäufigkeit stehen mit hoher Säuglings st crblichkeit in engster Wechselbeziehinig. bewirkt doch häufiges Gebären oft dauernde Schwächezustände der Mutter, namentlich, wenn die Entbindungen so schnell aufeinander- folgen, daß die neue Schivangcrschaft der Mutter keine Zeit läßt, sich von den Anstrengungen der letzten Niederkunft zu erholen. Dabei komint»fahrungsgemäß die Nachkommenschast mehr oder minder lebensunfähig zur Welt und leidet gewöhnlich unter dein Mangel der natürlichen Ernährung an der Miitterbrust. Die hohe Geburtenzahl wird in solchem Zusaemncnhang— weil auf Ueberproduktion, auf Raubbau am Volkskörper, an der Volkskraft beruhend— zu einem recht fraglichen Gut. Sie verschlechtert die Konstitution der Bevölkerung und stellt schließlich die Fortdauer der Generalion und der Rasse sowie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bevölkerung in Frage." Kann sich die Vereinigung Evangelischer Frauenvcrbände, kann sich der Katholische Fvauenbund Deutschland, kann sich Herr Pastor Hoppe diesen Argumenten entziehen? Sie schreien nach einer Geburtenregelung. Schreien nach einer Geburtenregelung wie die Tatsache, daß vom Jahr« 1871 biz zum Jahre 1312 in Deutschland über 17 Millionen Säuglinge vor Tlblaus des ersten Lebensjahres wieder in die Grube gesunken sind. Diese Vertreter einer christlichen Weltanschauung können sich auch nicht darauf benisen, daß die Sittlichkeit, wie sie sie meinen, sich in Gcgeirden, in die die Aufklärung über» die Geburten- regelimg noch nicht gedrungen ist, reiner erhalten hat. Laut Reichs- statistik sielen nach den letzten Zählungen aus 10Y Lebendgeborene in Berlin 17,2 uneheliche Kinder, in Bayern 20,5, in M üu cht u sogar ZIL. Diese Zahlen sprechen deutlich genug! „In den Händen des geschulten und gewissenhaften Arztes ist der unter den üblichen Vorsichtsmaßregeln, wie sie auch zu anderen Operationen notwendig find, ausgeübte künstliche Abort vor ollem in früher Zeit der Schwangerschaft im großen und ganzen leicht und relativ ungefährli ch." Das heutige Juristenrecht entspricht nur den Interessen der Besitzenden und kann vor den natürlichen Rcchtsgrundsätzen nicht bestehen. Die Moral, auf die sich die bürgerliche Gesellschaft stützt, wird von ihr selbst nicht befolgt. Der Gebärzwang muß aufhören. Nur wer will, nur wer imstande ist, dem Kind ein menschenwürdiges Dasein zu beschaffen, soll für den Zuwachs der Bevölkerung sorgen. Wo aber dieser Wille nach der Lage der> Dinge nicht vorhanden, sein kann, da darf das Gesetz weder Mutter noch Kind zum Unglück zwingen. Die Sozialdemokratie wird auch diesmal olles aufwenden, um den Z 218 in seiner veralteten, unmoralischen und verbrecherischen Form zu beseitigen. Die Verantwortung für alles kommende Unheil komme auf jene Parteien, die diese Zlbsicht durchkreuzen. " Dr. Julius Moses. nicht zur Welt bringen können und sich von der unerwünschten Schwangerschaft befreien lassen, ins Gcsängnis geschickt, und„Im Namen des Volkes" wird das weiter gehe», wenn nicht die Mehr- heit des Reichstages dieser Justiz in den Arm fällt. Wir haben immer betont, daß nur die Geburt berechtigt und wahrhaft segensreich für die Familie und damit letzten Endes für das Land sein kann, die beabsichtigt und gewollt ist, und daß mit versehentlichen Schwangerschaften in der Mehrzahl der Fälle Un- glück und Elend in die Welt kommt. Aerztlich cinwandsrei« und sichere Maßnahmen ermöglichen es heute, die Entstehung einer un- erwünschten Schwangerschaft zu verhindern, ohne daß dem mensch- lichen Körper geschadet wird und ohne, daß spätere gewollte Schwangerschaften unmöglich gemacht werden. D i e Justiz aber, die nur ihren Buchstaben kennt, nimmt von diese?» Fort- schritt und von dieser Wandlung der Geister keine Kenntnis. Für sie sind solche Mittel„zu unzüchtigem Gebrauch" bestimmt, und war sie verbreitet, muß verfolgt und bestraft iverden. So kürzlich erst geschehen gegen eine Firma der chemischen I n d» st r i e, die das Spcton, eines der bekanntesten chennschcn Verhütungsmittel, herstellt.„Zu unzüchtigem Gebrauch" nämlich find solche Mittel bestimmt: „Sind Speton-Tabletten aber empfängnisverhütend, fo sind sie damit Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauch bestimmt sind, da sie zum Gebrauch nicht nur beim ehelichen, sondern auch zum außereheliche» Geschlechtsverkehr geeignet sind und erfahrungsgemäß dabei Anwendung zu finden pflegen." Das soll so bleiben„Im Namen des Volkes", wenn sich nicht machtvoll der Volkswill« gegen diese Vergewaltigung anstemmt und das Bestehen des Mittelalters auf diesem Gebiet verhindert. Kurze Zeit nur trennt uns noch von den Beratungen dieser Fragen ini Strafrcchtsausschuß, eine Zeit, die gut ausgenützt werden muß, soll nicht für Jahrzehnte der Mensch auf'diescin Gebiet Sklave einer volksfreipdcn Gesetzgebung sein. In einem Artikel des Dr. Lezius, der erschienen ist kurz vor dem Kriege in der Zeitschrift„Die Reformation", die seinerzeit vom Hofpredigcr Stöcker begründet, dann von . Pastor Philipps herausgegeben wurde und an der Herr Mumm eijrigstcr Mitarbeiter gewesen, heißt ce: „Ebenso verwerflich ist es, wenn viel« Aerzte den Ge- brauch antikonzeptioneller Mittel enipsehlen. Sie raten B o r d e ll ä u»c r n dazu, um sie vor der Syphilis zu schützen. Ich kann das durchaus nicht billigen. Der Gebrauch der antilonzeptioiVellen Mittel ist in ethischer, hygienischer und ethnischer Hinsicht so verderblich, daß ihre Fabrikation, ihre Anpreisung und ihr Verlaus mit 10 Jahren Zuchthaus zu bcstrasen ist. Diese Mittel find von der Erde zu vertilgen. Mögen daher alle Bordelläuser sich der Ansteckung durch Syphilis aussehen und ein Prozentsah von ihnen an der Lues eingehen. Das ist besser, als daß Millionen von Eheleuten es erleichtert wird, sich dem Präventivverkehr zu ergeben. Ich kann es auch nicht billige», raenn Aerzte, um herzleidcndcn und tuberkulösen Ehefrauen vielleicht zu einem längeren Leben zu>fr- helfen, ihnen den Gebrauch anrikonzeptionellcr Mittel empfehlen. Ist eine Frau an einem unheilbaren Leiden erkranlt, da? es ihr erschwert, eine Niederkunft zu überstehe», so hat sie mit ihrem Gatten auf den geschlechtliche» Umgang zu verzichten, oder sie muß sich scheiden lassen, oder endlich, sie muß eine Schwangerschast riskieren und vielleicht die Geburt eines gesunden Kindes mit dem Tode büßen. Die letzte Alternative wäre in jeder Hinsicht zu begrüßen. Die krank« Frau stürbe auf dem Felde der Ehre mit Hinterlassung eines Kindes, und der Mann wäre frei, zu heiraten und andere Kinder zu zeugen. Das mag hart klingen in den Ohren moderner Sentimentaliften, die ein Leben in naturwidriger ehelicher Gemeinschaft einem ehrenvollen Tode vorziehen, ist aber medizinisch und moralisch der allein mögliche Standpunkt. Die Völker müssen sich reinigen durch den Tod oller für die ssortpslanzung unbrouch. barer Elemente, kranke dieser Art haben keine Existenzberechtigung. Di« natürliche Selbstreinigung eines Voltes darf nicht durch nawr- widrig« Künsteleien im Geschlechtsverkehr verhindert ikord'cn." Gibt es heute noch einen Menschen, der diese Ausführungen ohne Abscheu und'Entsetzcn liest? Und doch, die Gesetzgebung, wie sie heute ist, wird noch völlig von diesem Geist der Finsternis be- herrscht. Mensch und Wisscnschast sind inzwischen fortgeschritten. Wer will es verantworten, daß die Gesetzgebung dem Geist des Mittelalters verhaftet bleibt? „Xu unzüchtigem Gebrauche" Randbemerkungen zum Paragraphen 184 �.3. StGB. E*«*© vnn cter HhdronrJ. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. von cCer/ÜLo�sonSsu Zeic/mung:e?i~ von, Acloff Lehnert (22. Fortsetzung.) Es schmeckte Arola nicht, Malas Tüchtigkeit so gelobt zu hören. eis wurde ihm zu oft unter die Nase gerieben, und er wußte, daß sein eigener Stern bei dem Kapitän sank, während der des anderen stieg. Er machte sich deshalb nicht mit allzu großem Eifer auf die Suche nach Mala, fondern fragte die Wohnplatzgenossen, welchen Weg er eingeschlagen hätte. Dos wußte keiner, und so sogt« er denn, die Kapitäne wünschten, daß sie etwas ins Land hineingingen, um nach ihm zu sehen und ihn, wenn möglich, zurückzubringen. „Aber ihr wißt. Mala sucht ein« Frau. Er wird dann eine von den unseren nehmen. Das ist klar. Dann gibt es selbstverständlich Streit und Mord hier. Aber dos versteht der weiße Mann nicht. Er denkt nicht daran, daß einer von uns entweder Mala töten muß, um seine Frau zu verteidigen, oder daß sie ihm geraubt wird. Des- halb finde ich es nicht gerade wünschenswert, daß er wiederkommt." Die anderen schwiegen und sahen vor sich hin. Sic verstanden natürlich genau, was er meinte�, Arola war so viel mit weißen Männern zusammen gewesen, daher sprach er offen heraus, wo Menschen sonst nur einen schwachen Wunsch angedeutet hätten. Aber Joe schloß sich ihm an:„Es wäre gefährlich, Mala zurück- zubringen. Er ist ein streitsüchtiger Manm aber er ist wohl kaum zu finden." Die Menschen wunderten sich über diese Reden, sowohl Joe wie Arola avaren keine richtigen Menschen mehr. Man verstand, daß sie auf ihre Landsleute herabsahen, und daß beide sich zu behaupten vcrsuchlen, indem sie jeden Menschen, der ihrem eigenen Einfluß schaden konnte, von den Schiffen sernzichalten versuchten. „Mala war nicht zu finden, er ist weit fortgegangen." war die erste Mitteilung, die Arola am Abend dem Walsängerkaprtän über- brachte.„Mala kommt nicht wieder. Er ist einer von denen, die oft ihren Sinn ändern und einen neuen Ort auffuchen. Außerdem möchte ich ihn auch ungern wiederbringen, denn er hat gesagt, daß der weiße Mann, der seine Frau tötete, sich hüten sollte. Mala würde sich vielleicht rächen, denn er glaubt nicht, daß sie durchs ein Versehen erschossen ist. Deshalb ist es nur gut, daß er fort ist." Der Kapitän seufzt«, gewiß, dos war richtig. Diese Eskimos, unter denen er feit bald zwanzig Jahren lebte, waren doch nie zu verstehen. Wenn man gerade meinte, sie in- und auswendig zu kennen, fp entdeckte man immer neue Seiten an ihnen. Er wußte, daß der wohlwollende, frohe Eskimo aus einem geringen Anlaß in ein rachgieriges, blutdürstiges Wesen verwandelt werden konnte, ohne daß man wußte, warum. Und lsier, wo ein« Frau getötet war und ein Mann mit zwei Söhnen allein stand, war es höchst wahr- scheinlich, daß die Leidenjchast ins Kochen kam. Und da war es vielleicht nur gut, daß sein Kamerad nicht der Gefahr ausgesetzt wurde, den harten Manu immer hier um sich zu haben: aber«i« merkwürdig, daß er dem anderen Kapitän dann die Felle geschickt hatte! Merkwürdiger Eskimo!„&tß Mala' seiner Weg- ziehen, es gibt»och andere." Er schlug sich Mala aus dem Sinn, und die Walfängerboot« zogen wieder aus. Die Somm"j >2, Baralte 2. Vortrag:„Die russifchc N-volutian". Rrfcrrnt: Dr. Max Schitttl.— AM. Gesunbiruanen, Ingendgrupvr: Die«- tag, 12. März. 20 Uhr, Lehigtnhcim Schönstedtstr. 1. Vortrag:„Der werdende Mensch".— AM. Tiergart»»: Donnerstag, 11. März, 20 Uhr, Lehrter Sit. 18110. Vortrag:„Nacktkultur". Referent: Horjewig.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag. 1«. März, 20 Uhr,(hunlcrstraße. Vortrag:„Märzgedaulen".— AM. Siib «est: Donnerstag, 14. März, 20 Uhr, Porckstr. II. Vortrag:„Morzgedanten", — AM. Spandan: Donnerstag, 14. März, 20 Uhr, Lindenuter 1. Heimabend.— Naturmiffenlchatltich« Abt.: Donnerstag, 14. März, 20 Uhr, �ohannisstr. IX Raturnnssenschastlich« Literatur.— Abt. fsriedrichshäin: Donnerstag, 14. März, 20 Uhr, Brommpstr. 1. Werdeabend stlr die Büchergtlde(Miltenberg. Ärbeiler Schnii-ndund Dentschlaads G. V., Ortsgruppe Berlin. Abt. Mitte: Menstag, 12. März. 20 Uhr. im Sportlokal Kurzrock, Zionsttrchploh 5, Sport» und Schießabrnd.— Abt. Schön» berg: Dienstag, 12. März. 20 Uhr, im Sport- lolal Ilrrgene, Barbarossastr. Spart» uub Schiehabend. Gäste stets wttl kommen.— AM. Lichtenberg: Demnächst Gräfsniing. Anmeldungen tiimmt entgegen: Wilhelm Maschte, Lichtenderg, ssriedrichstr. 10, 1. KTSB., Bezirk Nordost: Die Turnzeiten des Vezirtcs sind Rontags und Isreitag» von 10—22 Uhr für Kinder, Jugendliche und Gnpachsene, in der S»inrich,Rollei.Etr. 18. Gine weitere Kiiabenabteilung führt der Bezirk Die»»- tags und Donnerstags in der striedenstr.$5. Turnzeit von 18—20 Uhr,— Wintersport bezirk: All« Gisläufer tressrn fick. Mittwach, 13. März, im Sport. Palast zur Uebung.- Bezirk Zriedeaa»: Vorstandssthlina Mittwoch, 13. Mär:, 20 Uhr, bei Klobe, HanHjertiftr. 60—61.— Bezirk Reinickendors West: Verein»» versanunlung Donnerstag. 14. März. Ulli Uhr, Nicht im Bolkshans, sondern bei Stroust, Scharntveberstr. 100,— Sportbezirt„Ostring": Hkiite, 20 Uhr, Versammlung im Lokal Weqner, Lichtenberg, Frankfiirter Allee 286. Trainings- abend«: Montags oo» 20—22 Uhr in der Turnhalle Bitrgcrheimstrahe. Do»»cra- tag» von 19'«— aiV, Uhr in der Turnhalle Reatgpninasiui» an der Parka ur.— Bezirk«tialaii: Die für heute abend angesetzte Mitglied»rversa»m,tnng muh umständehalber oussallen. Dafür findet am sfreiiag nach Turnschliitz eine kurze Besprelhu»« statt. tkartel fiir Arbeitersport«nb Aorprrpslegr, 3. Beziri Webding All» Iugcndgenosscn fdi» 21 Jahre) der UN» angrschlassenc» Vereine nnd Ab» toilungen zur Henntms. dah die Iungsozialistische Bereinig»»« Wedding.lne. sundbrunneil einen Werbeabend ai» 13. März in der Roteii Schule, Kot-»» burger Straße, veranstaltet. Stmo» Katzenstein spricht über„Iiigend»»d Bolitil". Außerdem est« sang»nd Rezitation. Um das Band zwischen Ardiiter- spart und Partei fester zu knüpfe», ist rege Beteiligung irwünscht. Raturfrenabc. Giolänfer. Mittwach, 18. März, 20 Uhr. Gislaufc» im Spe>: palaft. Potsdamer Straße. T-esfpunkt Wl Uhr Saupteingan«. Sonnabend, 16. März, 20 Uhr, gemütliches Belsaminenscin mit Tanz tu der cerlcrrafic, Röderstr 12—18. Gintrttt frei. Zrcund« und Bekannte herzlich willkomm-n. lzahrtoetBindung.: Straßrud-H» Linie 53, 6« 68:«ickodns Linie 2. Ford und seine Ausstellung. In der Berliner Automobilwekt macht augcnblicklick) wieder einmal Fori» von sich reden. Ford will seine Krise überstanden haben, er will wieder— wie jedem Besucher der Ford- Ausstellung im Zoo hundertmal in die Augen geschrien wird — an der Spitze der Autoproduktion stehen.„Täglich werden 8999 Automobile fertig, stündlich werden 1999 Ford-Auto? in der Welt gekaust!"— Da sollte man eigentlich die Wassen strecken! Ford hotte gegen stark auskommende Konkurrenz im eigenen Lande zu tämpsen, und diese Konkurrenz verstand es, besonders in den Absatzländern, wo auf gutes Aussehen und auf Qualität von Wagen und Maschine gesehen wird,. weitgehende Konzessionen an den Geschmack des Publikums zu machen. Das ging und geht noch so weit, daß das Auto und insbesondere der bessere, kleiner« Personenwagen für zwei. Höchstens vier Personen zu einer Ange- legerchcit für die mondäne Dame gemacht wurde. Man eroberte sich die Herzen der Damen mit der Lackierung, mit der Farbe. Wie Farbensreudigkest auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens Trumps ist, so verstanden es die ausländischen Autofabriten, auch bei den Wagen Farbenzusammenstellungen, die man früher nicht für möglich gehalten hätte, zu komponieren. Di« deutschen Firmen mußten mit, mußten ebenfalls— wenigstens dem Aussehen nach— Luisuswagen bauen und so ist die Angelegenheit„Auto" heute nicht zuletzt zu einer Angelegenheit des guten Geschmacks, der Mode, des Mondänseins geworden. Der„selbstfahrcnde Herr" will nicht nur mit und durch das Arno seine Geschäfte schneller erledigen können, die„Dame am Steuer" will nicht nur ihren Grad von Emanzipation zeigen. Beide wüsten einfach zum 5-Uhr-Tee im eigenen Wagen vorfahren— wenn dabei auch der fußgehende Zeitgenosse seines Lebens nicht ganz sicher ist. Dieser Entwicklung mußte Förd folgen. Er schuf neu« Modelle(oder seine Leute taten das!), aber um es gleich vorweg zu sagen: Es sind nur„Fords" geblieben! Man erzählt unter Autosachverständigen, daß Fords Autotypen in Amerika eben nur„ein Ford" sind und daß man unter„Automobil" etwas anderes versteht. Nun, das mag übertrieben sein, aber selbst von den neuen Modellen der Ausstellung Hot man den Eindruck, daß Ford von seinem alten Typ nicht loskommt. Ganz gleich, welche Karosteri« auf dem immer gleichen Chassis sitzt, immer ist es der etwas spinnenbeinige, so noch Draht und Blech aussehend« Fordwagen. Der Fachmann riecht förmlich die einfach« Spritz- lackierung, der Fachmann sieht, daß Ford«ine Schwabbel zum Glänzen der verwickelten Teile nur fetten anwenden läßt. Was am Wagen nicht sofort in die Augen fällt, ist roher Eisen- oder Metall- goß QBbütbea, em pMBig mit Lack ubeyoQca. SxachtA an Karojjerie,| Ehassis oder Motor ist bei Ford ein Luxus. Es ehrt zwar den amerikanischen Auwmonn, daß er seine sichtbaren Teile so drehen, stanzen, pressen, ziehen läßt, daß er keinen Spachtel zum Verdecken von Unebenheiten braucht, es kemizeichiiet gleichzeitig aber auch seine Fabrikationsprinzipien, die darauf hinausgehen, nichts an- scheinend U e b e r f l ii s s i g c s zu machen, wenn ohne diese Arbeit der Motor und der Wogen auch läuft. Ford will ein, das „V o l k s a u t o" bauen und er leistet darin viel. Aber sein« Autos sind nicht die gesälligen Wagen, die für das gleiche Geld von anderen Firmen, auch deutschen, gebaut werden. Seinen Wagen fehlt der rassig« Schwung der Linien, sie sind zu hoch und erscheinen dadurch zu kurz, sie sind unten zu frei, wodurch dem Beschauer das Gefühl aufgedrängt wird, als müßten sie aus Straßen nicht einwandsrei liegen. Der Deutsche ist nun einmal für das Solide, aber Fords Autos sind typisch amerikanisch, sind eben nur: ein Ford. Wie die Ausstellung zeigt, sind ailch die neuen Modelle beim Vierzylindermotor geblieben. Es gibt nur zwei Typen: den 8/28 PL. und den 13/49 PS. Die Moloren sind sonst fast gleich, nur daß Bohrung und Hub verändert sind und damit der Zylinderinhait. Ford- ist kein Freund vom Sechszylinder: er „wolle den Preis niedrig halten, das könne er beim Sechszylinder nur auf Kosten des Materials. Er erreiche mit seinen Motortypen dieselbe Geschmeidigkeit der Maschine wie andere mit Sechszylindern und außerdem seien seine Maschinen langsamtonrig und deshalb langlebiger". Ob das olles richtig ist, kann man beim Ansehen allein nicht entscheiden. Ob sechs öder nur vier Zylinder, ist nicht nur eine Modesache wie eine augenfällige Lackicrung. Bei sonst gleiche» Qualitäten ist dem Sechszylinder beim Auto seiner größeren Ge- jchmcidigkeit wegen der Vorzug zu geben, das beweisen nicht nur hypermoderne Personenmagen, sondern auch der Umstand, daß Nutz- fohrzeuge aller Arten immer mehr zum Sechszylinder, ja zum Achtzylinder, übergehen. Was die Ausstellung an Einzelteilen bringt, ist manchmal, besonders was die Preislage anlangt, erstaunlich. Ford liefert eine embausertige Kurbelwelle für 109,65 Mark. Ein fertiger Leicht-Speziolmetallkolbcn kostet 15,89 Mark. Für 115 Mark liefert Ford einen Dynamo(Lichtmaschine), für 25,9<) Mark eine fertige Nockenwelle,«in komplettes Getriebe für 172,50 Mark und, um die Preislist« zu schließen, einen Vergaser für 25,99 Mark. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt bis einschließlich 15. März von 19 bis 19 Uhr geöffnet. Eingang: Zoo, Marmorsaol, Adler- goom, vijDogqp» Sxmpr,»«3. Die Krau als Gtrafrichter. Kräulein Assessor Or. Bahl beimZugendgerichi Berlin. In Verlin amtiert als erster weiblicher Strafrichler Fräulein Zlssesjor Dr. V a h l. Ursprünglich Lehrerin, hat sie Inra studiert, ihren Assessor gemacht und ist seht als erster weiblicher Strasrichter an das Zugendgericht Berlin- Bl i t f c berufen worden. Der Saal, in dem Fräulein Assessor amtiert, sieht aus wie jeder andere Gerichtsjaal. lind wirkt doch ganz anders, wenn die junge Dame, angetan im neuen Talar, den blonden Bubischnitt unter dem Barett verborgen, ihres Amtes maltet. Man vernimmt plötzlich vom Richtertisch her eine Damenstimme. Fräulein Assessor spricht etwas Dialekt,«ine Mischung von rheinischer und Berliner Klang- färbe. Aber mir manchmal, wenn die Verhandlung erregt wird. Das Fräulein Assessor hat zweifellos keinen leichten Stand. Die Angeklagten sind vielfach junge Bu r s.ch e n und stehen gerade in jenem Alter, in dem sie eine Frau von vornherein ablehnen. Aber sobald das Fräulein Assessor sie mit ihren großen, braunen Angen ansieht, geben die Sünder klein bei.— Der jugendliche „D e f r a u da n t", der im Beistand seiner Mutter, einer ver- arbeiteten alten Frau, erscheint. Er hat eine Stelle als Bote be- kommen, 120 M. einkassieren sollen und ist mit dem Geld einfach nach Hamburg gereist. Er wollte einmal die Welt kennen- lernen. Nach drei Tagen stand er in Hamburg auf der Straße, ohne Geld in der Tasche, seine neu gefundenen Freunde hatten ihn »m 9<1 M. bestohlen. Er war froh, als ein Schutzmann ihn aufgriff. Nach weiteren drei Tagen holte ihn die Mutter nach Berlin. Vor Gericht gibt der Junge alles zu und erzählt unter Tränen, daß er durch die Sache feine Stellung verloren habe und anch keine neue Stellung finden kann, da der Chef über ihn schlechte Auskünfte gibt. Die Mutter hat inzwischen den Schaden zwar ersetzt, aber der Junge sitzt ohne Arbeit zu Hause.„Na, sehen Sie mal an, was Sie da gemacht haben! Haben Sie denn nicht vorher daran gedacht, wie die Sache auslaufen würde?" fragt Fräulein Assessor den An- geklagten— sie vermeidet grundsätzlich das Wort Angeklagter als Anrede und fragt dann die Mutter:„Wie ist der Junge denn sonst? Ist er ordentlich?"— Das Urteil lautet auf 30 M. Geldstrafe an Stelle der verwirkten Gefängnisstrafe von drei Tagen. Die Strafe gilt als verbüßt durch die in Hau, bürg erlittene Untersuchungshaft. Fräulein Assessor kann aber auch energisch sein. Ein ehemaliger weiblicher Fürsorgezögling ist bei einem Warenhausdieb- st a h l ertappt worden. Die Angeklagte will sich herausreden, sie sei von einer anderen, der großen Unbekannten, verführt worden. Trotzdem hat sie' auf der Polizeiwache ein Geständnis abgelegt. Aber der als Zeuge vernommene Hausinspektor belastet die An- geklagte schwer. Da sie beim Leugnen bcharrt, läßt die Richterin keine Milde walten. Das Urteil lautet auf 30 M. Geldstraf« anstatt der verwirkten 6 Tage. Nach Schluß der Verhandlung muß das Fräulein Assessor dem Kreuzfeuer der Photographen standhallen. Sie tutges, indem sie ihr bezauberndstes Lächeln auffetzt. SozialdemokratamVerwaltungsgericht Senatspräsivent von Harnack. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, wird am 1. April der bisherige Vizepräsident der Kölner Regierung, von Harnack, als Senatspräsident an das Oberoerwaltungs- g e r i ch t in Berlin berufen. Harnaik, der der Sozialdemokratischen Partei ai»gehört. hat sich in den Iahren seiner Wirksamkeit im Kölner Regierungsbezirk die Siimpalhien der weitesten Kreise der Bevölkerung erworben. An seiner Stelle wird der Oberregierungs- rat Bier am 1. April zum Vizepräsidenten der Kölner Regierung ernannt werden. Auch er gehört der Sozialdemokratischen Partei an. Mansselder Verhandlungen gescheitert. Die ManSfelder A.-G. will nicht nachgeben. halle, 12. März.(Eigenbericht.) Ani Montag fanden in Halle unter dem Vorsitz des mittel- deutschen Schlichters Dr. H a u s ch i l d die Einigungsverhandlungen über den Lohnkonflikt in Mansfeld statt. Trotz mehrstündiger Ver- Handlungen mußte der Schlichter am späten Nachmittag die Ver- Handlungen als gescheitert abbrechen. Die Vorschläge der Mansfeld A.-G. waren für die Gewerkschaften unannehmbar. Der Schlichter setzte nunmehr für Dienstag, den IS. März, Schlich- tungsverhondlungen an. Sollte am Dienstag ein Spnich gefällt werden, der der günsti- gen finanziellen Lage des Kupferliergbaues keine Rechnung trägt, so wird am Mittwoch die Kündigung ausgesprochen werden, die dann am 20. März wirksam würde. Von diesem Tage an befänden sich 15 000 Arbeiter des Mansfelder Kupferbergbaues im Kampfe um eine» menschenwürdigen Lohn. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Bergarbeiter geschlossen der Strcitparole der freien und christlichen Gewerkschaften Folge keiften würden, denn soweit sich-die Lage der bisher durchgeführten Kündigungsaktion übersehen läßt, ist die Zahl der Kündigungsunterschriften bereits heute erheblich größer als in demselben Stadium des Braunkohlenkampfes vom Herbst 1927. Das ist auch der Generaldirektion der Mansfeld A.-G. sowie Herrn Hauschild, dem Schlichter, bekannt. Es ist daruni nicht nötig, weitere Warnungstafeln zu errichten. Auch die Weyer-Ltnion... will sich mit dem Metallarbeiterverband verschmelzen. In der gestrigen Generalversammlung der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbcitervcrbandes— über deren Verlauf wir noch besonders berichten rverden— machte der G/nvsse ll r i ch einige Angaben über die Konzentrations- bestrebungen irnierl�alb der freien Gewerkschaftsbewegung im allgemeinen und in der Metallindustrie im besonderen, wo der Zu- samnicnschluß der Zentralverbände der Maschini st en und Heizer und der Kupferschmied« mit dem Deutschen Metall- arbeiterverband gepUmt sei. In diesem Zusammenhang erregte die Mitteilung des Genossen llrich besonderes Erstaunen, daß selbst der Bezirksleiter des „Deutschen Industricverbandes"(Wcye r), Franz Müller, an den Metallarbeiterverband mit dem Wunsche heran- getreten sei, über den Zusomnienschluß des„Industrie- Verbandes" und des Metallarbeiterverbandcs zu verhandeln. Es ist in symptomatischer Beziehung bemerkenswert, daß in den 'SklMen ver Bertkn« gbefekfctfyftwr, We fÖJ wr»em Metallarbeiterverband unter Führung von Weyer loslösten, jetzt doch die Einsicht gereift ist, daß die Schaffung und Ilmer- Haltung von Sonderorgonisotionen mit den einfachsten gewcrkschoft- lichen Begriffen unvereinbar ist und unnütz« Kraft- und Zeit, Vergeudung bedeutet. Entschließungs-Pech bei den Buchdruckern. In der von etwa 230 Mann besuchten Versammlung der Gruppe Rotationcr und Ticfdrucker am Sonntag brachten die KPD.» Leute zwei Anträge an. Der erste Antrag enthielt ein Miß- trauensootuin gegen den Berliner Ortsausschuß des ADGB., weil am 1. Mai keine Straßendemonstration, sondern Versammlungen veranstaltet werden sollen. Dieser Antrag wurde gegen 10 Stimmen abgelehnt. Noch weniger Glück hatte die„Opposition" mit dem Antrag, gegen das Demonstrationsverbot des Polizeipräsidenten zu pro- testieren. Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen ab- gelehnt. Selbst der kommunistische Vorsitzende der Gruppe vertrat die Auffassung, daß politische Debatten in Gewerk- schaftsversamnilungen unangebracht sind, vielmehr in den Parteiorganisationen zum Austrag kommen sollen. Oer Krauenmord in der Wohnlaube. Paul Krüger bleibt bei seiner Aussage. Der verhaftete und zum Teil geständige Paul Krüger wurde von den Kriminalkommissaren Dräger und Hartwig am Montag abend noch bis 10/4 Uhr verhört. Er blieb bei seiner Dar- stellung, däß seine Schwägerin, Frau Krüger, ihn in einem hysterischen Ansall mit dem Messer, das sie zur Bereitung des Frühstücks bereit hatte, bedroht habe. Wenn nun auch Frau Krüger. wie auch ihr Mann erklärt, ziemlich temperamentvoll war, so hat Paul Krüger bisher noch immer nickst den Grund angegeben, aus dem sie plötzlich den Anfall bekommen haben soll. Dos bedarf um so mehr der Aufklärung, als die beiden, auch nach der Bekundung des Ehemannes, miteinander auf gutem Fuße standen. Im übrigen konnten wesentlich« Feststellungen nicht gemacht werden. Es wurde ermittelt, daß es hin uns wieder Auseinandersetzungen zwischen den beiden Brüdern gab, bei denen die Frau oft auf seilen des jungen Bruders stand. Der Tatort wird noch einnrnl gründlich abgesuckst werden. Die Vernehmung des Verhasteten ist vorläufig noch nickst wieder aufgenommen. Man muß ihm einig« Zeit lassen, um so mehr, als er geistig nicht sehr geweckt ist. Deutsches Pressejubiläum in Osloberschlesien. Die„Kottowitzcr Leitung" ist wegen des Artikels des englischen Oberleutnants Hutchinson über seine Eindrücke in Oberschlesien beschlagnahmt worden. Seit dem 1. April 1927 ist dies die 3 0. Beschlag- nähme.— Der verantwortliche Redakteur der„Katto- witzer Zeitung" Dr. H o f f m a n n wurde wegen Veröffentlichung von Artikeln in Minderheiten- n n g e l e g c n h e i t e n in vier Fällen zu insgesamt 1200 Zloty Geldstrafe verurteilt, während in zwei Fällen Vertagung erfolgte. Der verantwortliche Redakteur des sozialdemokratischen„Volks- wille n", H e l m r i ch, wurde wegen der gleichen Delikte in vier Fällen zu 630 Zloty Geldstrafe verurteilt, in einein Falle frei- gesprochen. Die Gemcindewahlen in Tondern(Dänisch-Schlcswig) haben folgendes Ergebnis: 8 Deutsche(-1-1), 5 Dänen(— 1), zwet Sozialdemokralen. Die Deutschen verfügen über die ab- s o l u t e Mehrheit. Auch im Kirchspiel Bau, Kreis Apen« r a d c, haben die Deutschen einen Sitz gewonnen. In Lügumkloster, Norburg, Tingleff und Bedtstedt haben die Deutschen ihre Sitze behauptet. für die Zeit vom 12. bis 14. März I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 12. bis 14. M&rz ©IOG Potsdamer Strafe 38 Ihr dunkler Punkt 'mit LllUn Harrey Ihr gr öfter Flirt(7 Akte) Rhcinstrafjc 14 Verlängert: Der Mann mit dem Laubfrosch mit Heinrich George, Eyelyn Holt Ein Grab am Nordpol(6 Akte) Odcon, Potsdamer Str. 75 Der«roBe Fliegerfilin: Wing» (Mit Geräusch- und Klangeffekten) Turmstrafje 12 Stürme mit Llllian Glsh Modellhaus Cr ekelte mit Dina Gralla Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Lach', Clown, lach* mit Lon Chaney Mann, Weib, Sünde(7 Akte) Welt-Kino Alt-Moabit 99 Fat und Patachon als DetekllTe Der Held Ton Arizona mit Fred Thomson Jugendliche haben Zutritt �__«chane5arS"�h Alhambra Schöneberg, Hauptstr. 33 Des großen Erfolges wegen verläng.: Dos brennende Herz mit M. Chrkitians Bühnenschan W ChartottenlMirfl> Schlütcr-Thcatcr Schlüterstr. 17 W. 7. 9.15, Stg. ab 4 Uhr Werktags bis 7 Uhr von 60 Pfennig an Waterloo mit Otto Gebühr als Blücher Jugendliche haben Zutritt g st.ant«> Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Beginn; W. 6 30, 9, Stgs. 4, 6.30, 9 Uhr Uraufführung: Die Zirkusprinzcssln Auf der Bühne: Die rler Kaeths W iichterfelde-West M W5 f i Wochentags 6.30, 9 Uhr ni-'JUI stg. 5, 7. 9. 3 Uhr Jug.-V. Hindcnburgdamm 58a Der Herr vom Finanzamt Sonne, Süden, Leidenschaft Bühnenschan— g Südwesten g Fiim-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1-4 Beginn 6 U. Kinder der Strafe(Zille) Karneval des Lebens •«me* 1 Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5, 6.30 Ultr, Stg. ab 4 Uhr Heuf war ich bei der Frida Karussell der Lüge > Sttdostew W Filmcck BtsinnW:s�Hhh; Skalitzer Straße, am Görlitzcr Bahnhof Wlngs mit Klang- und Gerluscheffekten Bfihncnschau Titania(uf. /cwlSberg) Hauptstraße 49 Das Liebcsleben der schönen Helena mit Maria Corda Lockruf des Goldes Luisen-Theater Reichenberger Straße 34 Wochentags ab 6 Uhr. Sonntags ab 4 Uhr Et« Im Paradies Bühne; Der bekannte Komponist Otto StrantzWy(Oper, Operette, Chanson. t Schlager, Ballett) Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Die Verschwörer mit R. Colman Gauncrliebdhen Bühnenschan Vorwärtslcser Vorzugspreise g weukällw g Primus-Palast Hermannplatz Das weihe GehelmnU EUbrecfacr Kraxln Rln-Tin-Tin nnd die Goldgräber Auf der Bühne: Billy Jenkim die berühmte Wild-West-Schau Passage-Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151—152 Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, Stg. 3, 5, 7 u. ca. S.ftU. Ein Bandit von Ehre mit Fred Thomson Rutschbahn mit Heinr. George Bühnenschan Südpalast Knesebecksir. 113, Bhf. Hermannstraßo Oxi hat die Hofen an Der Sprang ins GIfick Bühne: Opernsänger Tivoli-Lichtspiele Tempclhof. Berliner Str. 97 W. 6-30, ca. 8,45 U., S. 4.45, 6.45, ca. 8.45 U. Meine offizielle Frau Die Schreck ensfahrl auf dem Goldexprc� Bühnenschan 4 Hartondorf M UMaricndorfcr Lichtspiele Ma Chausseestraße 305. Stg. Jugd.-Vors Zuchihaus(Nach Sibirien) 16 Töchter und kein Papa BUhnensdian � WorttosTen"!"�"� JBlysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Weib in Flammen mit O. Tschcchowa Das Grab am Nordpol Bühncnsdiau WeiOenscR Schioftpark Film- Bühne Berliner Allee 205—210 Zuchthaus(Nach Sibirien) Seine gröftte Liebe (Kriminal-Abenteuerfilm) Böhnensdhan o 1 1«n Germania-Palast Frankfurter Allee 31« Wlngs I Der große Fliegerfilm r Geräusch- und Klangeffekten Das nene Tonfilmprograrnns Beginn der ersten Vorstellung Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Fünf bange Tage Die Juwelenmardcr Internationale Bühneasdiai Concordia-Palast Andreasstraße 64 Das göttliche Weih m. Greta Garbo Der Postraub in d. Teuf elsschln cht Auf der Bühne: Bruno Kastner persönlich Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 7�—73 Der Faschlngsprinz mit Harry Liedtkc Blaue Jungen, blonde Mlddien Bühnenschau Viktoria-Lichtbild-Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5. 7 u. ca. 8.43, Stg. 3, 5, 7 u. ca. 8.45 U. Engel der Strafe Das Ooknment von Changhal BOhnensdiaa Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, Stg. 3. 5. 7 u ca. 9.43 U. Der Herzschlag der Well Das Dokument von Changhal Bühnenschan Kino Busch Alt-Friedrichsfclde 3 Blaue Jungen— blondo-Mödchen Was eine schöne Frau begehrt Bühnenscfaau Elysium(Fiim�T«.») Hasselwcrdcrstraßc 17 Der Schrecken von Santa F6 Bühne: Gusfl Beer Bühnenscfaau ■ Nor<'*H* Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Geschichten aus dem Wiener Wald Kampf der Tertia Bühnenschan Alhambra Müllcrstraße, Ecke Seestraße Der MIHemadilswalier Beiprogramm Bühnenschau F ortuna-Li chtspi ele Möllerstraße 12c Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Weltpro daktion Metro-Palast Chausscestraße 30 Die Büchse der Pandora Der Raub der Sabinerinne« Noack's Lichtspiele Bmnnenstraße 16 Frauenraub In Marokko Um seine Ehre Pharus-Lichtspielc Mü.llerstraße 142 Pollzelpatroullle Jagd auf Menschen L und 2. Teil in einem Programm „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Wing«, mit Geiäuscheffekten Beiprogramm Bahnern diao W Getundbrurmon „Alhambra" Badstraße 58 Straftenbekanntschaften Beiprogramm Grofte VaHcteschau Ballschmicdcr- Licht sp. Badstraße 16 Der Adfutant des Zaren Affentheater mit Sid Chaplin Bühnenschan Humboldt-Theater Badstraße 13 Das gewisse Etwas mit Clara Bow Vollblut(großer Sensationsfilm) _ Bühnenscfaau__ Kristall-Palast Prinzenallce 1—6 Der Scfaeidungsgrund Das Findelkind von Siagapore Varietescbau Marienbad-Palast Bad Straße 35—38 Der Hensensphotograph mit Harry Liedtke Die Nacht ohne Hoffnung B Pankow H Palast-Theater Breite Straße 21 a Beg. 6�0. 9 Uhr Das Schicksal derer von Habsburg Ein Grab am Nordpol Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Pal und Patachon, die blinden Passagiere Bühne Li Upuianer-Rcvne: Klein, aber oho! Film-Palast Blankenburger Straße 4 Eine Nacht in London mit Lilian Harrer SU, das Weib, da« den Mord beging W B«lnick»n