Morgenausgabe 7lr. 1 21 A 61 46. Jahrgang Wvchel�llch L5Pf� monaMch ZF0 R. t« voraus zahlbar. Postbezug 4�32 M. einschließlich 60 Pfg. Poftzeitungs« und 72 Pfg. Postbestelkgebühren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat. Ver �vorwärts" erscheint wochentags lieh zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Bern« und im Handel mit dem Titel„Der Abend* Illustriert« Beilagen �Volt und Zeit" und„Äinderfreund". Fenwr �Unterhaltung und Wiflen*.„Frauen- stimme".„Technik".„Blick in die Vücherwelt" und„Iugend-Dorwörts* Verlinsr VoiWblatt Mittwoch 13. März 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswäris 15 pf. Die-t n s p altt ge Nonpareillezeike 80 Pfennig. Reklame» eile 5— Reichsmark.„Kleine Anzeigen� das.ettge- �druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei "fettaedrucne Worte), jedes weitere Wort -12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort '10 Pfennig. Worte über 15 Büchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Aeile 60 Pfennig. 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In einer Extraausgabe des Verbands- bllrttcs übt ein von de» neuen Vorstandsmitgliedern unterschriebener Artikel schärfste Kritik an der offiziell kommunistischen Taktik. Besonders wird betont, daß der letzte Textilarbciterftreit gewissenlos ge- führt und kopslos liquidiert worden sei; der offene Ektl-Bricf, der auf dem Prager Parteitag vor- gelesen und in» Prager Aentralorgan veröffentlicht Wurde, fei in Prag gefälscht worden. Der Verrat an den Textilarbeitern. Nach dem mißglückten„Roten Tag", der anstatt der Kraft der tschechischen Kommunisten ihr demütiges«ichducken vor der Polizei gezeigt hatte und der vcm„Ekti" onacoi'dnct war, erfuhr mau Y.Ü.S den taminuuistischeu Zeitungen, diskutierten.Rechte", .historische Suchte". Trotzkisten, Neo-Trotzkisten, Äcesvhnlcr, alle stnd neue Ligke.vielleicht noch einige Schattierungen fast ein halbe? yaht lang um die richtige Linse und lunbegtech sich doch olle der gleichen Linie ju, der von Moskau vorgeschriebenen. Denn jeder schlug zuletzt reuig an die Brust- und bekannte, gefehlt zu haben. Ein Zukreuztriechen um die Wette! Aber als der eine ganze Zeitungs n u m m c r umfassende Ekki- hrief der tschechischen Kommunisten Bersagen, sozialdcmo. kratischc Derseuchung, Isolierung von den Massen und l e g a l i st i- s ch e n Kretinismus bekundet hatte, da stellte sich nickst nur die gesamte Parteileitung aus diesen Boden, sondern gelobte auch, sofort die anbesohlene Reorganisation durchzuführen und Beweise der Besserung zu erbringen. Die Lavdeswahlen und das Staats- jubiläum sollten die gesteigerte Aktivität zeigen. Beim Staatsjubi- läum merkte man nichts von der Ezistcnz einer kommunistischen Partei und bo, den Wahlen erlitten die Kommunisten eine empfind» lichc Niederlage. Man hatte aber doch Taten versprochen! Die„linke Opposition".>n Wahrheit längst keine Opposition mehr, weil ihr, der von Stalin begünstigten Gruppe, alle anderen willig die Führung überlassen hatten, sah sich nach einer günstigen Gelegenheit um. Sie fand sie, als die nordböhmischen Textilarbeiter Lohn- forderungen stellten. Diese Arbeiter, einst in starten freien Gewerk« schaften zusammengeschlossen, sind dank der Spaltung mir noch zum Teil organisiert. Bei dieser geringen Kampfsähigkeit mußte die frei« Gewerkschaft das Angebot einer einmaligen Zulage von 64 Stundenlöhnen annehmen. Aber die Kommunisten befehlen den Streik, der auch„gegen die reformistischen Gewerkschaftsführer und gegen die Einkreisung Sowjetrußlands" gehen sollte. Von 66 666 Textilarbeiieni streikten höchstens 8000, diese waren zumeist Unorganisierte, Indifferente, junge Burschen. Nach drei Tagen riej die Partei zum„Generalstreik" auf. Und am selben Tage brach jl« den Streik bedingungslos ab. Die kommunistlschen Arbeiter hotten die Gefolgschaft versagt. Da jetzt die„Linken" am Ruder sind, jo wurde festgestellt, daß alles. in Ordnung war, daß die„objektiven", aber auch die „subickfinen" Voraussetzungen gegeben waren, daß der Streit eine „historisch« und hervorragend radikale Wendung in der Stra- t e a i« und Taktik der Dirtschastskämpje bedeutet". Und mit besonderer Genugtuung wurde teftgestellt, daß.die indifferenten ungelernten Arbeiter in diesem Kampfe ein« hervorragend rc> volütionäre Rolle gespielt haben". Die KPE. wird sich mit dielen unorganisierten„Revolutionären" trösten müsien, denn«in Teil der Mitgliedschaft der kommunistischen Gewerkschoit tritt zur „U n l o n" über und der andere rebelliert gegen die Partei. Die Führer der Textilsektion der kommunistischen.Llllgcwerkschoft" haben zuerst in Flugblättern schwere Anklagen gegen die kommu- nistische Partei erhoben und nun schicken sie sich an, einen eigenen Verband z>t gründen, der völlig unabhängig von der kommu- nistischen Partei sein soll. Dem Streikzusammenbruch folgt« unmittelkiar ein geheimer Parteitag. Geheim mußte er sein, um Stalin zu zeigen, daß man nun den Legolttätskretiiilsmus glücklich los ist. Auf dem Partei- tag gab es fast nur noch„Linke". Richtige Linke, nicht etwa die Leute von der„alten" Linken. So konnte man ganz« Arbeit machen. Dex- Parteitag entlarvt« alle Opportunisten und Liquidator»». Die Neurath, M u n a, S ch in e r o l, K r« i b i ch, oll« Gründer der Partei, wurden aus der Leitung hinausgedrängt. Sufchsn, Katzbuckeln, sich b-müsigen— die notwendigsten, die uneiiihehrliche» Tugenden eines kommunistischen Revolutionärs! Dr. Victor Stern, vor Jahresfrist noch einflußreichster Führer, ist abgetan. Und doch hat er sich so schön unterwarien! Da hat er auf der Reichenberger Kreiskonserenz vor dem Parteitag erklärt, daß er „mit der linken Opposition einverstanden sei, daß er sich ober gegen die linke Opposition stellen müßte, wenn sie diese seine Erklärungen nicht mit dem größten Mißtrauen ouinehmen würden". Freundschaitlich wurde ihm gesogt,„daß seine Erklärungen nicht die mindeste Gewähr dafür bieten, daß er seine politischen?lufsasiungen ernsthaft revidiert habe." Er darf zwar wieder mitarbeiten, aber nicht in der Führung. Di« kommunistischen Arbeiter- jedoch sind gleichgültig geworden, st u m p s. Daß die Sozialdemokraten Verbündete der Bourgeoisie sind, dürsten nicht wenige ernsthaft glauben, chot man ihnen doch jahrelang die ungeheuerlichsten Lügen erzählt, so zum Beispiel die, daß beim Hamburger Kongreß der Sozialistischen Inter- nationale eine Zarensahnc aufgezogen war! Aber das Gezänk der �ührercliquen interessiert die Arbeiter nicht, das verstehen sie auch nicht.. In die Versonunlungen kommen sie nicht mehr. Einer wirkiichcn Aktion ist die KPE. nicht mehr fähig. Sie ist erstarrt zu einer Sekte, über die sich die Bourgeoisie lustig macht und die sie zugleich doch auch schätzt, weil sie immerhin einen noch beträchtlichen Teil der Arbeiter hindert, zur Sozialdemo- kralie zu kommen. poincares schwere Woche. Freitag Debatte über das(Soldatensterben im Rheinland. Parts. 12. März.(Eigenbericht.) Der Konflikt zwischen Regierung und Opposi- t i o n ist bisher bereits in einer gan.zen Serie von neuen Kämpfen zum Ausbruch gekommen. Fortgeleßt werden von der Opposition die kleinsten Möglichkeiten des parlamentarischen Appa- rotes ausgenützt, um der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Dabei kann nach nicht einmal davon gesprochen werden, ob die mit allen Mitteln der Obstruktion kämpfende Opposition bereits jetzt genügend moralisch gefestigt und geschlossen ist. mn etwa die Macht übernehmen zu können. Es handelt sich sozusagen um Geplänkel zur Troinierung der Truppen, und wahrscheinlich wäre man im Lager der Radikalen selbst keineswegs erbaut, wenn der Gegner bereits das Feld räumen würde. Der Ministerpräsident ist entschlossen, dieser unangenehmen Be- lagerung standzuhalten. Zu den Kongrcgationsgcsetzcn, die seit Wochen das Kampsobjekt bilden, sind in letzter Minute dil Mißstände unter der Besatzung so rmee im Rheinlande gekommen. Was die Gesetze betrifft, so besteht gegen deren jetzige Fassung auf der Linken im Grunde keine prinzipielle Opposition. Der von der auswärtigen Kam- mistwn angeiwmmene Entwurf enthält immerhin einige Garantien gegen den Mißbrauch der Bestimmungen durch dl« Kongregationen. Die Regierung hat damit der Auffassung der Linken weit- gehend« Konzessionen gemocht. Trotzdem wollen die Radikalen die Verabschiedung der Gesetz««verhindern. Die ain Dienstag geführte Debatte trug lediglich den Eharokter eines Vor po st engesechtes. Die Opposition hatte sich vorge- nmmnen, mit allen durch die Geschästsordnung gegebenen Mitteln die Diskussion zu verschleppen. Da Painearä jedoch nach wie vor noch auf eine, wenn auch schwache Mehrheit zählen kann, war dieses Bestreben ziemlich ousfichtslos. Schwieriger dürfte für die Regierung die Situation in der Interpellationsdebotte über die Todesfälle in der Rheinlandarmee werden, die auf Freitag festgelegt wurde. Kolgen der Gchlachl von Wöhrden. Versammlungsverbot für das hamburgische Staatsgebiet. Hamburg, t?. Alärz. vi« polizei-presststelle teil! mit: Mit Rücksicht auf die Infolge der Ereignisse in Wöhrden vom Oberpräsiden len der Provinz Schlcowig-Halstetn erlassenen Versammlungsverbote hat sich dw Senat culschlossen, auch für da» hamburgische Staat». gebiet alle Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel fornoht der Rationals-ztalislen al» auch der£ o m m u n i st e n hl» aus weiteres estmäß Artikel 123 der Retchsverfassung zu verbiete«». Ivie aus Heide gemeldet wird, find«»-gen Verdachts der v e. t e i l i g u n g au den Tumulten in Wöhrden neuerdings Zwei kommunistische Arbeiter festgenommen und, wie der früher schon verhaftete Kommunisten führ« heuck. noch Altona gebracht worden. Drückende Erbschaft! Die drei Divisionen der Republik. Von Lrtod Hoßmarm. „Glücksiches Deutschland, du hast nur eine Reichswehr von 100 00g Mann!" In militärischen Unterhaltungen mit ausländischen Friedensfreunden ist diese Feststellung neben der Velonung des finanziellen und wirtschaftlichen Segens, der früher oder später aus dieser Verminderung der Wehr- macht zu erwarten sei, gewissermaßen der Kern aller Mei- nungsäußerungen. Die Monarchisten in Deutschland sprechen anders:„Seht euch diese verschwenderische Republik an! Ob- wohl unsere stolze, alle Wehrmacht von 800 000 Mann, die den Hauptteil der Ausgaben des Kaiserreichs erforderte, durch 100 000 schmucklose Reichswehrsoldaten ersetzt worden ist, arbeitet der neue Staat mit einem Zehnmilliardenetat. Der Steuerdruck wächst, die geschäftliche Not steigt! Wohin kommt dos viele Geld?" So ooer ähnlich hört man es in völkischen oder deutschnationalen Versammlungen. Die kleinen Korpo- rale der Herren W e st a r p und Hilgenberg ziehen daraus den Schluß: Natürlich die Iudenrepublik und ihre Nutznießer! Sie sitzen olle am Fettopf und füllen sich die Taschen! Selbst Herr Stresemann, der als Mttglied sämtlicher Kabinette seit September 1923 die Verantwortung für alle Ausgaben des Reiches in fester Währung über- nommen hat, gestattete sich neulich auf der Tatjung des Zentralvorstandes seiner Partei einen Ausflug in die Gefilde der Demagogie. Die Ltquidation des Krieges erfordert 3462,8 Millionen Mark. Das sind 33 Proz. aller Ausgaben des Reiches. Gerade Herr Stresemann sollte wissen, daß das eine Rechnung ist, die dem deutschen Volke für die katastrophale Außenpolitik der Monarchie präsentiert wird. Sie ist einige Erläuterungen wert. Das Heer der allgemeinen Wehrpflicht verursachte im Jahre 1913 einen Aufwand von 1738 Millionen Mark. Für die Reichswehr sind im Voranschlag für 1928 etwa 750 Mit- lionen Mark vorgesehen. Bei oberflächlicher Betrachtung sieht es also so aus, als ob unser militärischer Aufwand heute rund eine Milliarde niedriger wäre als vor dem Kriege. Das ist ein absoluter Trugschluß. Die Armee der Republik ist in Wirklichkeit viel größer und kostspieliger als vor dem Kriege. Sie ist freilich von besonderer Beschaffenheit. MUitärischer Ehrgeiz und Sehnsucht nach kriegerischen Lorbeeren können mit ihr nicht mehr befriedigt werden. Sie besteht aus einer toten, einer kranken und einer kleinen lebenden Division. Zwölf Millionen Männer im wehrfähigen Atter sind auf deutscher Seite während des Weltkrieges unter die Waffen getreten. Die Knochen von 2 Millionen bleichen in fremder Erde. Dasi st dietote Division. Trocken und nüchtern meldet Anlage 6 zum Abschnitt XII des Haushaltplanes, daß diese tote Division 10 Jahre nach dem letzten Kanonenschuß noch 372 001 Witwen, 797 531 Waffen unter 18 Jahren und 300 376 hilfsbedürftige Eltern als Hinterbliebene mustert. Sollte die Republik an diesen armen Volksgenossen etwa die Prognose verwirklichen, die ein verrückter Alldeutscher 1911 für unsere Gegner in dem Satz formulierte:„Der Krieg darf dem Unterlegenen nichts lassen als die Augen zum Weinen über sein Unglück"? Das Kaiserreich hatte finanziell und gesetzgeberisch eine ganz un- zulängliche Vorsorge für die Hinterbliebenen getroffen. Die wahrhaftig nicht üppigen Hinterbliebenenrenten der Republik belasten aber den Haushalt für 1929 immerhin mit 661,5 Millionen Mark. Zu den Hinterbliebenen dieser toten Division gehören noch 17 000 Unteroffizierswstwen und 4000 Offizierswitwen, deren Sonderversorgung weitere 52 630 340 Mark beansprucht. Blinde. Irre, Lahme, Verstümmelte und sonstige vom Kriege Gezeichnete bilden die kranke Division. Die Etattechniker und die Sparsamkeitsprediger bekommen das Gruseln, wenn sie den traurigen Heerhaufen besehen. Aus der großen Reserve der 12 Millionen wächst er trotz 11 000 Mann jährlichen Abgangs durch Tod von 720 931 im Jahre 1924 auf 761 294 Mann im Mai 1928! Nicht weniger als 334 163 sind schwerbeschädigt. 54 034 Kapitulanten des alten Heeres treten hinzu. Von den zwei Grenadieren der stolzen napoleonischen Slrmee, die aus russischer Gefangen- schaft nach Frankreich zogen, läßt Heinrich Heine nur den einen sogen:. Was schert mich Weib, was schert inich Kind... Laß sie betteln geh'n, wenn sie hungrig sind! Aber auch dieser eine sieht wohl ein. daß er vom Patrio- tismus allein nicht leben kann und will wenigstens so lange tot sein, bis der Kaiser über sein Grab reitet. Die Drehorgel und der Schnoppsack waren die Versorgungsmittel der absoluten Monarchie. Ihrer durfte sich die Republik doch wahrhaftig nicht bedienen. Sie muß daher 1929 für die Versorgung dieser Opfer des Kriegswahnsinns 680 765 000 Mark- ausgeben, wobei der Durchschnittsbetrag für den ein- zelnen Empfänger durchaus kein imponierender ist. Auch diese Division hat ein Offizierskorps und einen Beamtenstab i'Dtt 37 837 Mann, deren Pensionen die Summe von 154 All 000 Mark im Lahre 1929 erfordert. Und die lebende Armee, unsere Reichswehr? Waren es die Politiker, die sich vorbehaltlos zur Republik chekennen, die den Appetit der Reichswehr immer kritiklos befriedigten? Zu den 750 Millionen Mark die sie verschlingt. tritt noch das hübsche Sümmchen von 62 510 040 Mark, die die neue Wehrmacht bereits für Pensionen und Uebergangs» gelder für ausgeschiedene Reichswehrangehörige erfordert. Zusammengefaßt ergibt sich folgendes Bild: 1. tote Division..,. 714120 240 M. 2. kranke Division... 835 076 000„ 3. lebende Division... 812 510 040„ 2 361 706 280 M. Das ist die wahre, nicht durch Akte republikanischer Politik geschaffene Wehrlast des Reiches! Sie ist in Wirklich- keit nicht niedriger, sondern um 6 2 3 Millionen Mark böher als im Kaiserreich. Rechnet man dieser Summe noch hinzu die 234 Millionen innere Kriegs- l a st e n und die 1540 Millionen äußere Kriegslasten iReparationen), soweit sie aus dem Reichshaushalt jährlich aufgebracht werden müssen(960 Millionen sind dazu außer- halö des Haushalts noch durch die Industrie und die Reichs- bahn aufzubringen), so ergibt sich für die Republik ein Mehr an Wehr- und Kriegslasten van 2397 Millionen Mark. Diese Milliarden sind eine Erbschaft aus dem von der Monarchie geführten und von ihrverlorenen Kriege! An dieser Tatsache werden sich die Finanzpolitiker der Republik und die Svarsamkeitspharisäer der Bolkspartei die Zähne cmcbeißen. Manche von ihnen sehen in dieser Position die Apotheke, aus der man die Medikamente für eine kom- mende Entlastung des Reichshaushalts entnehmen kann. Soweit die äußere Kriegslast in Betracht kommt, ist es selbst- verständlich, daß mit allen tauglichen Mitteln ihre Er- Mäßigung angestrebt werden muß. Die beiden besten Män- ner der Volkspartei, die Herren Stresemonn und E u r t i u s. verwalten als Minister die beiden Rossorts, auf die es dabei auf deutscher Seite neben dem Finanzministerium in erster Linie ankommt. Wir wollen sehen, was sie aus- richten. Ueber die Reichswehr wollen wir uns mit der Volks- Partei gerne unterhalten und bei dieser Gelegenheit den Ernst ihres Willens zur Sparsamkeit erproben. Ein Veto würden wir diesenr Willen allerdings entgegensetzen müssen, wenn er sich etwa an den Kriegsopfern erproben wollte. Für diese ist es bitter genug, daß sie zum mindesten während der Herrschaft dieses Notjahres auf eine weitere Verbesserung der Versorgunffsgesetze werden verzichten müssen. Sie sind harte Opfer für das Ganze gewohnt. Der Ausbau der Kriegsversorgung aber bleibt nach der Ucberwindung des Notjahres eines der vordringlichsten sozialen Probleme. Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß die damago- gische Steuerscheu, die die Dolkspartei jetzt geradezu zum Prinzip erhebt, sich diesem Ausbau als das schwerste Hinder- vis entgegenstellt.__ Keine Revision von Washingion! Oer englische Zievisionsaatrag abgelehnt. Genf, 12. März.(Eigenbericht.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes lehnt« am Dienstag sämtliche Anträge aus ine Einleitung einer Nachprü- ifirng und Revision des Ä ch tstu nden t agb k o m m e ns ab. Danach ist zu erwarten, daß das Washingtoner Abkommen bis zum Jahre 1S31 in Kraft bleibt und erst dann das vorgeschrieben« Revisionsverfahren in Kraft tritt. Di« Mehrheit der Regierungen hat sich ai»f ein« englisch« Resolution geeinigt, die die Einsetzung einer Kommission für die Prüfung der von England vorgetragenen Zweiselspuntte und«neu Bericht dieser Kommission an die Tagung des Ver- waltungsrats im Mai vorsah. Für diese Resolution wurden acht Stimmen ausgebracht, darunter Deutschland und Frankreich. Die Unternehmer enthielten sich der Stimme, da von ihnen eingebrachte weitergehende Resolutionen abgelehnt worden waren. Die sechs Arbeiter stimmten gegen die Resolution. Die Entscheidung lag so bei Belgien und Italien. Es erregt« allgemeines Aufsehen, daß die Regierungen dieser Länder mit den Arbeitern stinunten. Eine ähnliche polnisch« Resolution wurde mit 9 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Die Haltung der Arbeitergruppe war bestimnrt und fest. Sie wurde durch I o u ha u x in einer Erklärung begründet. Di« Arbeitergruppe— so führte er aus— sei für Auslegungen des Achtstundentagabk ommen s zu haben, aber nicht für Resolutionen wie die vorliegenden. Sie konnten infolgedessen direkt oder indirekt zu Revisionen führen. Ein solches Verfahren könnten die Regierungen, die wie Deutschland die Ratisikotion des Washingtoner Abkommens in Angriff genommen hätten, nur ver- anlassen, diese Ratifikation zu verzögern. Am Dienstag vormittag hatte der deutsche Arbeitervertreter Hermann Müller- Lichtenberg ähnlichen Bedenken Ausdruck gegeben. Er verlangte die stritte Ablehnung jeder Re- oision. Thomas suchte in letzter Stunde die Arbeite rgruppe umzustimmen, aber ohne Erfolg, da weder England noch die Unter- nehmer sich zu Zugeständirisseu bereit erklärten. Der Standpunkt des Arhcitsministers W i s s c l l weicht nicht sehr von der Ausfassung der Arbeitergruppe ab. Die Arbeiter mußten nach den Acußeruugcn des franzosischen Ilnternehwerocrtrcters, der eine„komplette und totale Revision des Washingtoner Abkommens" forderte, das Schlimmste befürchten. Der englische Arbeitsminister nahm überhaupt nicht mehr das Wort. Er vermied es so, aus die Anfragen des dsutschcu Arbeits- Ministers Wissell und des französischen Arbeitsministers, ob er sich bei einer Annahme der Londoner Punkte zu einer Ratifikation verpflichten wolle, zu antworten. Dagegen zeigten di« Ausführungen d»» indischen Regierungsvertreters und de« indischen Unter- nehmers, auf welche Schwierigkeiten ein Revisionsverfahren stoßen würde. Die Inder lehnten in stark ktMieuropäischer Rede die Lon- donsr Vereinbarungen rundweg ob. Heute Llrteil im Jememordprozeß. Ende der Derteidigerreden. Da?' Urteil lm Statiner Fememordprozeß wird am Mittwoch nachmittag 4 Uhr verkündet werden. Die Plädoyers der Verteidiger waren in der Hauptsache politische Agitationzrcden gegen Reichs- und Staatsbehörden. Der Haubhaltsausschuß de? Rctchslages beendete gestern die Beratung de? Nachtragsetats. „Htm Verichierstatier ohne Dornrleile." Sowjet-Rußland und die„Daily News". Am 25. Marz verläßt eins britische Studienkommissitm England. um die Frage der Wiederaufnahme der englisch-russischen Beziehungen an Orr und Stelle in Sowjet-Rußland zu studieren. Die Initiative zu dieser Reise geht von einem anglo-rus fischen Komitee aus, aber die Sowjet-Union, die an günstigen Ergebnissen dieses Unternehmens sehr stark interessiert ist, ist ihrerseits bemüht, der Sache das größte Relief zu oerleihen. Das führende liberale Blatt Londons, die„Daily News", wandt« sich an das Komitee mit dein Vorschlag,«inen Sonder- b e r i ch t« r st a t t e r mit der Delegation nach Moskau zu senden. Nach einiger Zeit erhielt das Blatt vom Moskauer Presiedeparte- meist folgendes Telegramm: „Würden uns freuen,«inen Vertreter Ihres Blattes mit der beabsichtigten Wirtschaftsdelegation zu sehen, können aber nur einen solchen annehmen, der frei von Dorurteileu gegen- über den Sowjets ist." Di«„Daily News" schlugen daraufhin den Journalisten F. Zl. Macken zie vor, erhielten aber bald danach nachstehende Antwort aus Moskau:, „Bedauern, aber Mockenzie erfüllt nicht unsere Be- dingungen." Dys Blatt ersuchte daraufhin um näher« Bekanntgabe der Ein. wendimgen gegen ihren Mitarbeiter und erhielt schließlich am 9. März folgendes Telegramm: Moskau. 8. März. Mackenzi« uns wohlbekamst durch seine antisowjctisti- fchen Vorurteile und wird kem Visum erhalten. Pressedepartement." Damit war für die„Daily Nervs" der Fall erledigt und das anglo-russische Komitee hat inzwischen beschlossen, überhaupt keinen Zeitungsberichterstotter mitzunehmen, offenbar um einer Solidaritätserklärung aller sonstigen in Aussicht ge- nommenen englischen Journalisten mit Mackenzie vorzubeugen. In einem Artikel in den„Daily News" gibt der abgelehnte Berichterstatter selber die Aufklärung für das VerHollen der Sowjets Regierung. Aus seinen Darlegungen geht hervor, daß er alles eher denn ein Feind Sowjet-Ruhlands ist, daß er vielmehr stets für die Wiederaufnahme normaler Beziehungen mit Rußland ein- getreten ist, was ihm vor einiger Zeit die heftigsten Anpöbelungen durch Lord Sydenham in den„Sunday Times" einbrachte. In englischen konservativen Kreisen wurde er allgemein als ver- kappter Bolschewist verschrien! Den Grund, mesholb ihm trotzdem die Einreiseerlaubnis ver- weigert wird, gibt Mackenzie selber an: Don 1921 bis November 1924 vertrat er In Moskau die„Chicago Daily News" und bereiste in dieler Zeit ganz Sowjet-Rußland bis nach Turlestay und zum Stillen Ozean. Er bemühte sich dabei stets, in seinen Be- richten den Bolschewismus gegen vorgefaßte Meinungen in Schutz zu nehmen. Indessen kritisierte er das Wiederaufleben des za- ristischen V e r b a n n» n g s s y st e m s unter dem Bolschewis» mus. Er besuchte während seiner Fahrten mit Wissen der Sowjet-Behörden verschiedene Konzentrationslager: „Was ich." so schreibt Mackenzie.„in den Polargebietc», im Weißen Meer(Solowetzki-Inseln! Red. d.„V.") und in den Dörfern um Tomsk und Krasnowiak herum sah.�e r s ch ü t te r te mich schwer. Ick) will dabei keineswegs die Sowjet-Regierung als alleinige Sünderin hinstellen. Man wird wohl sehr ähnliche Zustände in den Lipäri-Inseln unter Mussolini finden, und wenn auch nur die Halste von dem. was berichtet wird, wahr ist, so sind auch die rumänischen Gctängniss« kein angenehmer Aufenthalt für oppositionelle Politiker. Aber in diesem Falle handelte es sich nun einmal nicht um Italien oder Rumänien, sondern um Sowjet-Rußland. Als ich nach Moskau zurückkehrte, schrieb ich ein langes Telegramm, in dem ich in der denkbar klarsten Sprache schilderte. was ich vorgefunden hatte. Dieses Telegramm sandte ich dem Pressezensor mit einem Begleitbrief, in dem es hieß, daß ich es für msiner nicht würdig hallen würde, meinen Bericht von hinten herum an die Oeffentlichkeit zu bringen, oder ohne der Regierung die Gelegenheit zu gaben, darauf zu antworten. Ich würde mich freuen, jede Entgegnung ebenfalls ob.zu- drucken. Gleichzeitig ersuchte ich um ein Ausreisevisum." Mackenzi« erhielt das Visum und verließ bald danach Ruß- land. Aber, wie er selbst am Schluß bemerkt, hat man seinen damaligen Bericht in Moskau noch nicht vergessen. Dos Verhalten der Moskauer Machthaber ist nicht nur kleinlich, sondern auch kurzsichtig. Die Engländer wsrden sich schon ihr Teil denken: offenbar wollcn sie nur Rußland-Nenling« zulassen, die man bluffen kann, während ihnen jeder wirtliche Rußland- Kenner höchst unbequem ist. Wir wundern uns über diese neue Torheit nicht, denn wir haben ja den FallHeinig erlebt und später die Ablehnung der Zulassung eines ständigen Vertreters des„S o z i a l d e m a- k r a t i s ch e n Pressedienstes" m Moskau. Sawjer.Rußlaird hat eben zu viel zu verbergen. Es kann Männer mit kritischem Blick und.Erfahrungen nicht vertragen, sondern nur Neulinge— oder Kreaturen. Denn die allein erfüllen di« Bedingung,„frei von Vorurteilen" zu sein. Die Mißhandlungen von Maria Quett. Sie werden amtlich zugegeben. München. 12. März.(Eigenbericht.) Fünf Wochen hat der zuständig« Minister des Innern zu den von der sozialdemokratischen Abg. A rn-m o n lm Bayerischen Landtag aufgedeckten Mißständen im Kinderheim Maria Quell geschwiegen. In seiner am Dienstag abgegebenen Erklärung mußte er zu geb e n. daß gegen die Anstall, die zur Aufnahme. Pflege und Heilung kranker Kinder in oorschulpflichtigem Aller bestimmt ist und die der Beaufsichtigung der Regierung von Oberbayern untersteht, Vorkehrungen zur Hintanhaltung von Mißständen getroffen werden mußten. Di« Klagen über die Behandlung und Ernährung der Kinder seien beim Münchener Stadtjugendamt bereits im Juni v. I. eingelaufen, die daraufhin vorgenommene Revision hätte im ollgemeinen ein günstiges Bild von dem Anstaltsbetrieb ergeben. Durch ein- gehende Vernehmung aller Beteiligten sei aber festgestellt worden, daß dos den Kindern gereichte Essen den an eine Heilstätte zu stellenden Anforderungen nicht ganz entsprochen habe. Ferner sei festgestellt worden, daß von der A n st a l t s l e i t e r i n und dem Hausgcistlichen gegen einzelne Kinder unzweckmäßige, nicht zu billigende Strafen, wie Esienentzug. Einsperrungen in den Kellerraum, verhängt wurden. Inzwischen habe das zuständige Bezirksamt und die Regierung von Oberbayern alles Erforderliche angeordnet, um die Mängel für di« Zukunft auszuschließen. Für die Beaufsichtigung des Betriebes sei ein eigenes Kuratorium eingesetzt worden, das aus einem Münchener Facharzt für Kinderheilkunde und einem Münchener Stadlschnlrat besteht. Außerdem werde der ganze An- staltsbetrieb fortlaufend durch den zuständigen Bezirksarzt und durch das Münchener Stadtjugendamt überwacht. Da der Minister in seiner offiziellen Erklärung die vorge- brachten Klagen und Beschwerden zum Teil als übertrieben und als unrichtig bezeichnete, sah sich die sozialdemokratische Fraktion zu neuen Feststellungen genötigt. Sie verwies vor allem darauf, daß zwischen den Anzeigen und der ersten amtlichen Unter- suchung ein Zeitraum von 14 Tagen lag, in denen es natürlich mög> lich war. die vorhandenen Mißstände zu vertuschen, so daß amtlich nicht mehr viel festzustellen war. Dann macht« sie dem Minister zum Vorwurf, daß er sich bei den amtlichen Unter- suchungen lediglich auf die Darstellung der A n st o l t s- l e i t u n g und der behördlichen Beamten stützte, während di« Be. fchwerdeführer gar nicht gehört wurden. Ganz vorübergegangen ist der Minister an der Tatsache, daß das Jugendamt München die U e b e r w c i s u n g von Kindern in die Anstalt sofort nach Bekanntwerden der Mißstände durch die Anzeigen gesperrt hat und auch der Ausschuß des Kreistages von Oberbayern nach der vön ihm durchgeführten Untersuchung die Mißhandlung der Kinder als Tatsache festgestellt und der A n st a l t s- lciterin einen Verweis erteilt hat. Wirrwarr in Aeustrelih. Zoll Iakubowski und Landeskriminalamt. Im Haushaltsausschuß des Mecklenburg-Strelitzschen Landtag« ist ein eigenartiger Beschluß gefaßt worden. Auf Antrag der Deutschnationalen Partei ist mit der Stimme de» demokratischen Führers, des ehemaligen Ministers Hustedt, der im Fall« Iatu- bowski eine sehr unglückliche Rolle spielle, beschlossen worden, das Landeskriminalamt aufzulösen und den Leiter de» Krüninolomts, Regierungsrat Steuding, sofort in den Warte- stand zu versetzen. Regierungsrat Steuding ist aber kein anderer als der Mann, der im Mai v. I. im Auftrage des Staatsministers greiherrn von Reib nitz mit Unterstützung des Münchener Krüninalpsycho- logen Hans von Hentig die neuen Ermittelungen im Falle Iakubowski ausgenommen hat und zu dem Ergebnis kam, daß das Urteil keinesfalls stichhaltig sein kann und die Ab- lehnung des Gnadengesuches überhaupt nicht zu rechtfertigen wäre. Seitdem kämpfen der deutfchnationol« frühere Minister Schwabe und Dr. Hustedt gegen den Regierungsrat Steuding, und der Antrag, das Landeskriminalamt aufzulösen, war ein willkommener Anlaß, diesen pflichttreuen Beamten zu- beseitigen. Die Mchrheitsver holt nisse in Neustrelitz sind so eigen- artige, daß sie dem Uneingeweihten ganz besonders klar gemacht werden müssen: Die Regierung verfügt im Neustrelitzer Landtag über 16 Stimmen, die Opposition über 19 Stimmen. Die Oppo- silion besteht aus Deutschnationalen. Demokraten. Handwerkern und Völkischen, während die drei Kommunisten nicht direkt zu dem Oppositionsblock gehören. Sic haben übrigens im Oktober n. I. bei dem Mißtrauensantrog gegen die Regierung Reibnitz sich der Stimme enthalten. Im Haushaltsausschuß, in dem fünf Sitze besetzt werden müssen, hat die Opposition eine Mehrheit. Diese Mehrheit ist auf ein« in der Parlamentsgeschichte seltsame 2lrt zu- stände gekommen. Die Kommunisten scheiden für die Besetzung der Ausschüsse aus, so daß die gleich starke Rcgierungskoalition und Opposition um den 5. Sitz im Mecklenburg-Strelitzschen Landtag würfeln mußte. Der Würfel fiel zugunsten der Opposition. Diesem Würfel hat nun das Landeskriminolomt und sein Leiter den drohenden Abbau zu verdanken, wenn nicht das Plenum dies« un- verständliche Entscheidung korrigiert. Das ist um so notwendiger, weil die jetzt von dem Oberstaats- anmalt Dr. Weber an die Strafkammer in Neustrelitz abgegebene Anklageschrift zu dem ungefähr selben Ergebnis wie Steuding im Mai 1928 kommt! Sie erhebt Anklage gegen di« Brüder A u g u st und Fritz Rogens wegen Mordes und Mein- e i d s. gegen deren Mutter wegen Beihilfe zum Mord und Meineids, gegen Heinrich Dlöckner wegen Meineids, gegen die früher« Luise Kreutzseld wegen sortgesetzter Begünstigung. Das Hauptoersahren dürste demnächst eröffnet werden. Ms Anfang Januar 1928 die Gerüchte auftauchten, denen übrigens noch nachzugehen wäre, daß die oerwitwete Frau Rogens auf dem Sterbebett für die Unschuld Iakubowskis gezeugt habe, erklärte der damalige Oberstaalsanwalt Müller,„daß die Gc- Nichte aus müßigem, im Interesie der jetzt beschuldigten, einer achienswerlen Frau, deren Liebling der Ermordet« war, sehr bedauerlichen Klatsch beruhen. Die Großmutter hat nach Ihrer Rück- kehr weinend nach dem verschwundenen Knaben gesucht." Heute steht die Großmutter unter der schweren Anklage der Beihilfe zum Mord. Em unwürdiger Abgeordneier. Zum Offenbarungseid zwangsgestellt. Dresden. 12. März. Der Sächsische Landtag befaßte sich Dienstag mit einem An- trog eines Zwickouer Rechtsanwalts auf Ertsilung der Genehmi- gung zur Verhaftung des Londtogsab geordneten Tittmann von der nationalsozialistischen Part«i zum Zwecke der Leistung des Osfenbarungeeides. Es handelt sich dabsi um di« Zahlung von Unterhaltsbeiträgen an Frau Titt. mann. Nach längerer Ausiprochs wurde der Antrag des Rechts« ausschusse», die Genehmigung zur Vollstreckung pes Haftbefehls nicht zu erteilen, mit 47 gegen 31 Stimmen abgelehnt. Mit diesem Be. schluß ist die Genehmigung zur Verhaftung des Abg. Tittmann erteilt. Tschllscheriv ist seit Monaten mit Krankheitsurlaub in Deutsch. land, zumeist in Berlin-Grunewäld. Der daraus gezogene Schluß, baß Tschitscherin gemisierinaße!' verbannt und durch Litwinois als Staliniancr ersetzt sei, wird von genauen Moskoukcnnern bc- zweiselt. Da« neue britische Unterhaus wird noch seiner Wohl am 28. oder 29. Mai im Juni zusammentreten und nicht«rst, wie in unserer gestrigen Morgenausgabe zu lesen war, im Januar. Das Damoklesschwert. „Das(wieder ausg-s» ebene) Volksbegehren des Stahlhelm wird als Damoklesschwert bereitgehalten.* Seldte in IliZnstrr. „Wir wollen noch einen Knoten mehr hineinschlagen, denn wenn— Gott behüte � unser Oamoklesschwert hinunterfällt, merken die unten, daß es von Pappe ist/ „Volks begehren für die Industrie. Die Hintermänner des Stahlhelm. Warum das Volksbegehren zur Abänderung der Reichsverfassung, das der Stahlhelm immer wieder ankündigt und gleichzeitig immer wieder vertagt? Weil auf diesem Wege nicht mir die„Macht des Reichs- Präsidenten" gestärkt, sondern vor allem die Macht der I n d u- striekapitäne gegen ihre Arbeiter wieder aus den Vorkriegsstand gebracht werden soll! Wer noch daran zweifelt, den wird der Antrag der Z w i ck c u c r Ortsgruppe des Verbandes sächsischer Industrieller sicher aufklären. Der Verband sächsischer Industrieller hält am Donnerstag in Dre-den eine Gesamteorstandssitziing ab. die sich mit dem erwähnten Zwickauer Antrag beschästigen soll: Dieser verlangt: Der Verband möge alle Forderungen, die auf eine A e n d e- pung des parlamentarischen Sy st em s i m Inter- cUe unserer Wirtschast hinzielen, nachdrücklichst unter- stützen, mich wenn eine solche Forderung von einer politi- schen Partei oder von einer vaterländischen Organisation aus- g-l>t. Der Verband möge sich ferner in Verfolg dieser prinzipiellen Stellungnahme dem Volksbegehren des Stahlhelms anschließen. Roch welcher Richtung sich der sächsische Industriellenoerband, dessen Geschäftsführer einmal Dr. Strcsemann war, enischci- den wird, mag dahingestellt bleiben. Welleicht hat er nicht einmal Lust, noch sein Ansehen und seine Geldmittel in die Stahlhelm- pleite zu stecken. Vielleicht auch umgekehrt.... Interessant aber bleibt der Zwickauer Antrag auf jeden Fall. Zeigt er doch die Triebkräfte, die hinter dem Geschrei gegen den Parlamentarismus stehen, zeigt er doch das Verlangen der In- dustrickapitäne oder der Industrieunterofsizicre, am dem Wege über einen Volksentscheid ihren alten„Herni-im-.<)ause"-Standpunkt wieder einzuführen und zu befestigen. Dazu ist vor allem der Kampf gegen die Sozial- polttik des Reiches notwendig. Der Gesamtvorstand des Per- dandes sächsischer Industrieller beschäftigt sich auch mit dieser Frage. Er laßt sich einen Vortrag halten über„Soziale- S y st c m oder V« r s i ch e r u n g s s o z i a l i s m u s". Di« Tendenz ist aus dem Thema zu entnehmen. Um die Sache aber gleich auf die rechts Bahn zu bringen, läßt er auch das Ergebnis einer Rundsrage über die Einführung einer Alterspension für die In» dustriellen bekannt geben! Man sieht, die Herren sind für ihr Alter besorgt. Wenn aber die Arbeiter, die weder über Schätze verfügen noch sie zurücklogen können, die gleiche Besorgtkeit zeigen, werden die Industinellen ftahlhelmbegeistert. Und warten auf die Dummen, die sie beim Volksbegehren einsangen könnten! Zusammenlegung nach der Pleite. Verschmelzung von Vaterländischen und Stahlhelm m Bayern. München. 12. März.(Eigenbericht.)' Durch die Trennung des Bayerischen Kricgerbundes von den vaterländischen Verbänden standen diese vor der Gefahr der völligen Isolierung, durch die ihre organisatorische und politische Bedeutungslosigkeit in vollster Oefscntlichkeit sich zu enthüllen drohte. Die d c u t s ch n a t i o n a l e Leitung der Vater- ländischen ging deshalb freundlich auf das Angebot des Stahl» Helms nach einer Verschmelzung ein. Die Einigung wurde bereits beim letzten Besuch des Stahlhelmführers Seldte in München persckt. Der Zuzug des Stahlhelms, der in Bayern bisher nicht mehr als rund 1200 Mitglieder zahlt, ist allerdings nicht sehr bedeutend, denn den geschlossenen Uebertritt haben einstweilen nur die sogenannten vaterländischen Bezirksvereinc München, die die Reste der früheren Einwohnerwehr darstellen, vollzogen. lieber diese Bereine hinaus hat die Leitung seit langem keinen organi» satorischen Einfluß mehr auf die nur auf dem Papier stehenden vaterländischen Organisationen auf dem flachen Lande. An der D-rschmelzung soll auch der ehemalige Kronprinz Rupprecht mitgewirkt haben. Nationaler Nellgionskrieg. Zum Kapitel Polen und seine Minder heitSvölker. Warschau, 12. März. Einer Interpellation der Ukrainer ist zu entnehmen: In dem fast nur von griechisch-orthodoxen Ukrainern bewohnten Dorf Zabez« bei Luzk spolnischc Ukraine) wurde die D o r s t i r ch e aus Beseht der Behörden mit Beschlag belegt, weil Anhänger der von der polnischen Regierung begünstigten Uniiertcn Katholischen Kirche den Besitz der Dorfkirch« für sich in Anspruch nahmen. Die Er- regung der Dorfbewohner war umso stärker, als die„Uniienen" im Dort cii«: verschwindende Minderheit bilden. Als obendrein noch ein Diebstahl in der Kirche verübt wurde, wobei die Siegel abgerissen wurden, begaben sich etwa 300 Bauern mit Frauen und Kindern, von ihrem Priester geführt, in die Kirche. Hier schlössen sie sich ein und harrten acht Tage lang in Hunger und Kälte unter Zlbsingen von Kirchenliedern und Gebeten aus. Die Zufuhr von Nohrungs- mittel» und Trinkwasser wurde von der polnischen Gendarmerie verhindert. Die Eingeschlossenen, die den Schwur geleistet hotten,„für Glauben und Kirche zu sterben", wurden zuletzt von der polnischen Polizei mit Gewalt aus der Kirche»er- trieben. Viele find infolge-der erlittenen Entbehrungen schwer erkrankt. Der Priester und sechs Bauern wurden in Ketten ins Gefängnis cingeliesert. Zierden der Armee. Warschau, 12. März. Vor dem Warschauer Krixgsgericht begann der Prozeß gegen den früheren Ehef des polnischen Generalstabes, General K u« linski. der unter der Anklage steht, ihm nicht zustehend« Gelder eingezogen und durch Nachlässigkeit im Dienst U n t e r s ch l a- gungen seines Adjutanten, Kapitän R e m e r, be- günftigt zu haben. Der Adjutant ist vom Kriegsgericht bereits zu zwei Iahren Zuchthaus unter Ausstoßung aus dem Heere verurteilt worden. Der Brigadegeneral H e in p e l wurde.zu sechs Wochen Festung verurteilt, weil er eine Ordonnanz durch Schläge gesundheitlich geschädigt hat. Die umgangene parlameniskonttolle. Warschau, 12. März.(Eigenbericht.) Die Diensiagsitzung des Haushaltsausschusses befaßte sich mit der Anklage gegen den Finanzminister. Der Vorsitzende der Obersten Kontrollkammer erklärte, daß das Budget im Vorjahre um 3 6 4 Millionen Zloty überschritten wurde: er habe die Re- gierung wiederholt vergeblich um Aufklärung ersucht. Einzelne Positionen seien um das Mehrfache der bewilligten Beträge über- schritten worden. Allein den Dispositionsfonds des Mi- nisterpräsidentcn habe die Regierung auf das Vicrzigfache crhöhtl Der zurückgetretene Finanzministcr Ezechowicz nennt in einem Brief an den Ausschuß als Grund für seinen Rücktritt die Meinung?- Verschiedenheiten zwischen ihm und dem Ministerpräsidenten Bartel über die Frage, ob die nachträglichen Ausgaben dem Sejm vorgelegt werden sollen oder nicht. Er sei für die Vorlegung, Barle! d o- gegen gewesen. Auf Antrag des Referenten Dr. Liebermann chaften haben es niemals für nötig befunden, in nähere Fühlung mit den gefetzlichen Vertretungen ihrer Belegschaften zu treten. Das Bild hat sich erst gewandelt, als mit der Orüntmng der Berliner Verk«hrs-A.-G. auch Vertreter der Arbeiterfchaft in den Vorstand dieses kommunalen Verkehrsunternehmens kamen. Die Ge- Währung der Kältezuloge war eine der ersten sozialen Taten. die den Verkehrsarbeitern zeigte, daß an der Spitze dieses Unter- nehmen? jetzt Männer stehen, die für die Arbeiterschaft weitestgehendes Verständnis zeigen. Um ober aiich das letzte Mißtrauen gegenüber den neuen Männern zu beseitigen, hatte der Vorstand der Verkehrs-A.-G. zu Montag die Betriebsräte der bisherigen drei Verkehrsgesellschaften zu einer Besprechung geladen, inn aus ihrem Munde die Wünsche der Berkehrsarbeiter zu oernehmen. Genosse B r o l a t, der Personaldirektor des neuen Groß- Unternehmens, entwickelte in kurzen Zügen das Programm, das sich der neue Vorstand hinsichtlich der Verkehrs- und personalpolitischen Entwicklung gestellt Hot. Oberster Grundsatz sei es für den Vor- stand, das Unternehmen so auszubauen, daß es in jeder Beziehung als mustergüliig gelle in der Leistungsfähigkeit. Jeder, der im Dienste der Der- kehrs« A.- G. stehe, ob er nun Vorstandsmitglied oder Bureau- böte sei, müsse sich stets vor Augen holten, daß die Bevölkerung nicht für die Vcrkehrsgesellschaft, sondern dies« für die Bevölkerung da sei. Durch verständnisvolle Zusammen« arbeit zwischen dem Vorstand' und der Vetricbsvertretung müsse «s gelingen, die Berkehrs-A.-G. bei der Berliner Bevölkerung in dos gleiche Ansehen zu bringen, wie es die Berliner Feuerwehr hat. Er werde bestrebt sein, den Forderungen der Verkehrsarbeiter soweit entgegenzukommen, daß sie hinter den städtischen Arbeitern nicht mehr zurückstehen. Allerdings könne alles dos, was in langen Iahren nicht erreicht worden ist, nun nicht von heute auf morgen ver- wirklicht werden. Di« Belegschaft kann ihre Wünsche jederzeit durch die Betriebsräte dem Vorstand unterbreiten, der sich nicht durch Postenketten vor den Betriebsräten absperren wird, sondern in loyaler Zusammenarbeit jede Differenz beilegen wird. Der Vorstand habe sich die Aufgabe gestellt, soweit es irgend möglich ist, olle Differenzen durch Verhandlungen mit den Betriebs- rätcn im Betriebe selbst beizulegen und das Arbeitsgericht nicht zu belästigen. Der Vorstand verlange, daß die Arbeiter und Ange- stellten der Verkehrs-A.-G. ihre ganze Kraft in den Dienst des Unternehmens stellen, er oerlange aber auch auf der anderen Seile, daß die Vorgesetzten die Arbeiter und Angestellten ebenso a n st ö n d i g behandeln, wie sie selbst behandalt zu werden wünschen. Genau so, wie der Vorstand der Verkehrs-A.-G. die treu« Pstichterfilllung des Fahrperionals und der im Außendienst Be- lchästigten während der strengen Kälte durch die Gewährung einer Kältezulage anerkannt habe, werde er auch in Zukunft bestrebt sein, den Arbeitern und Angestellten gerecht zu werden. Wenn der Vor- stand und die Betriebsräte vertrauensvoll.zusammen arbeiten, wird die Berliner Dcrkehrs-A.-G. in kurzer Zeit ein Unternehmen sein, «ms das die versiner Bevölkerung mit Stolz blickt. Genosse Dr.-Ing. M a j e r c z i k wies in einigen ergänzenden Ausführungen auf die Bedeutung der Schaffung der Dcrkehrs-A.-G. hin, die nicht bloß ein« Zusammenlegung der drei Verkehrsbetriebe aus Zweckinäßigkeitsgründen sei, sondern viellnehr ctne gründlich« Umwälzung. Dos gehe am deutlichsten aus der Zusammen- setzung des Vorstandes hervor, in dem zwei Vertreter der Sozialdemokratie wichtige Funktionen haben. Diese Ausführungen waren dem kommunistischen Arbeiterrats- Vorsitzenden der Hochbahn. Deter, sichtlich unangenehm. Von einem etappermiäßigen Vordringen der Arbeiterschaft will die KPD. eben nichts wissen, weil das„reformistisch" ist. Im übrigen aber waren die kommunistischen Betriebsratsmitglieder von der Offenheit der sozialdemokratischen Vorstandsmitglieder der Der- kehrs-A.-G. so überrascht, daß sie gar nicht den„revolutionären" Ton finden konnten, der ihnen sonst in Versammlungen so ge- läusig ist. Jedenfalls dürfte dies« Zusammenkunft den Betriebsräten be- wiesen haben, daß in der neuen Verkehrs-A.-G. auch ein neuer personalpolitischer Kurs gesteuert wird. Klare Linie der Metallarbeiter. Die DerbaudStagSbeschlüsse sind bindend. In bit Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter am Monntag ist mit den Saboteuren praktischer gewerkschafllicher Aus- bauarbcll gründlich Fraktur geredet worden. Die Kam- muntsten hallen nicht weniger als sechs Dcmonstrations- antrage gestellt» anscheinend mit der Absicht, die Versammlung . ja lange aufzuhallen, daß eine Beschlußfassung über die Abwehr- maßnahmen gegen. das kommunistische Spaliungsmanöver nicht wehr möglich wurde. Sie hallen sich aber gründlich verrechnet. Nach einer kurzen Erläuterung des gedruckt vorgelegten Kassen- Berichts für das 4. Quartal durch den Genossen Schmidt wurden Äie kommunistischen Antröge kurzerhand abgelehnt. Nachdem schließlich noch ein Antrag angeiwinmen worden war, der die- Ortsver- tpaltung verpflichtrk, die«ezkrke öntspttchend der Abgrenzung der kommunalen Wahlbezirke neu einzuteilen, entspann sich eine mehrstündige Debatte über den A ntra g S'o mmetfeld. Dieser Antrag verlangte, daß jeder Funktionär schriftlich die Beschlüsse der Berbandskörperschasten als bindend anerkennen und sich verpflichten solle, die bekannten Richtlinien der KPD. energisch zu bekämpfen. Zu diesem Antrag nahm außer dem Antrag- steller der Bevollmächtigt« Genosse U r i ch das Wort, der in längeren Ausführungen die Ursachen dieses Antrages aufzeigte. Er wies darauf hin, daß gerade wegen dieses Antrages van den KPDisten ' in den Wahlkörperversammlungcn und in der Oefsentlichkcit ein« so wüste Hetze gegen die Organisation getrieben worden ist, die an Gehässigkeit und Berleuindungen nicht mehr zu überbieten sei. Diese„Agitation" hat aber auch den von den Kommunisten bestimmt nicht gewünschten Erfolg gehabt, daß mehrere von ihnen seit Jahren besetzte Wahltörper in den Besitz der Amsterdamer übergingen. Genosse Urich wies dann dokumentarisch noch, wie die KPD. schon seit Jahren aus die Spaltung der deutschen Gewerkschaften hinarbeitet und jetzt ihre Mitglieder, wie die bekannten Richtlinien zur Betriebsratswahl uiü> Bildung von gewerkschostsfcindlichcn Kamps- leitungen bei Wirtschostskämpien beweisen, zum ofsenen Bruch mit ihren Gewerkschaften auffordert. Dies ist ein umso größerer Berrat der Arbeilerinleressen. als gerade jetzt die Konzentration in den Gewerkschaften vorwärts schreitet, ja wo selbst der Bezirksleiter des Deutschen Industrie- Verbandes(Weyer-Organisotion) Franz Müller Verhandlungen wegen der Verschmelzung mit dem Metallarbeitcrocrband nachsucht. Wenn aber die gelben Wcrkvcreine und der Reichslügenverbond in der Borkriegszeit und die Unternehmer während der Inflation die freien Gewerkschaften nicht zu zerschlagen vermochten, so geben sich jetzt die Kommunisten die denkbar größte Mühe, dieses Werk zu voll- bringen. Genüsse Urich empfahl der Versammlung einen vom Ge- nassen K o n e tz k y an Stelle des Vorschlages Sommerfeld eingebrachten Antrag zur Annahme, in dem auf die Richtlinien der KPD. hingewiesen wird, die im Gegensatz stehen zu den Beschlüssen der Berbondstoge van Kassel und Karlsruhe zu den Betriebsräte- mahlen. In dem Antrag Konetzky heißt es dann:„Roch diesen Beschlüssen dürfen Sonderlisten von Mitgliedern des DMB. weder ausgestellt noch unterstützt werden... Die Aufstellung der Kan- didatenliste erfolgt in Betriebs-, Abteiiungs- und Bertrouensmänner- »ersammlungen der sreigewerkschastlich organisierten Belegschaft... Verbandsmitglieder, die gegen diese durch Ver- bandstagsbeschlüsse festgelegten Grundsätze verstoßen, habe» mit dem Ausschlietzungsversahren zu rechnen." Dieser Antrag wurde, nachdem Niederkirsch n er sich noch - für die„tsassenbewutzten" Unorganisierten kräftig eingesetzt und sein« Anhänger für die Ablehnung mobil gemacht hall«, mit großer Mehrheit angenommen, so daß er jetzt als Beschluß der Generalversammlung für olle organisierten Berliner Metallarbeiter bindend ist. paritätische Wirtfchastspolitik in England. Gemeinsame Dorschläge von Arbeitnehmern«mV«gebern Dondou. 12- März.(Eigenbericht.) Das aus Vertretern des Generolrates der Gewert- s ch a f t« n und der sogenannten Mond-Gruppe der Unter- nehmer zusammengesetzte paritätische Komitee zum Studium der Arbeitslosensrage hat nach einer gründlichen Prüfung der Ursachen der Arbeitslosigkeit in Großbritannien pnd der Wege zu ihrer Beseitigung ein Mentoranduin sertiggcstellt,.. das mindestens ebenso infolge des Ausmaßes her auf beiden Sellen gemochten Kon? zissionen bemerkenswert ist, als iiifolge seines eigentlichen Inhaltes. Das Memorandum fordert u. a� staatlich« Kredithilfe für«ine Reihe von britischen Schlüsselindustrien(Kohle. Eisen und Schiffbau, sowie für eimge Zweige des Moschirxnbaues und der Textilindustrie, die sich in Krcdiljchwierigkeiten befinden): es tritt für die Rationalisierung der britischen Industrie mit entsprechendem Schutz für di« Arbeiterschaft«in und spricht sich für die Vornahme einer Untersuchung über die wechselseitig«» Beziehungen zwischen Kreditpolitik, Währung und industrieller Kon junttur aus. Das Memorandum empfiehlt zur Entlastung des Ar- beitsmorktes des ferneren entsprechend frühzeitige Pen- sioni«rung für überalterte Arbeiter, Erhöhung d«s schulpflichtigen Alters und Inkraftsetzung wohlaus- gearbeiteter Auswanderungspläne für arbeitslose Arbeiter. Die letztgenannten drei Punkle stellen eine bemerkenswerte Anleh- nung an die entsprechenden Forderungen des Birminghomer Pro- grammcs der L a b o u r Party dar. Dieser Bericht der paritätischen.Kommission fand am Dienstag die B i l l i g u n g der Vollsitzung des Generolrates der Gewerk- fchaften und der Unternehmer der Mond-Gruppe. Gegen den Bericht stimmte lediglich der Bergarbcitersekretär Cook, der als Mitglied des Generolrates an de» Konferenzen teilnimmt und von Anfang an gegen die gemeinsamen Besprechungen gestimmt Hot.(Bekanntlich vertritt die Mond-Gruppe nur«inen Teil der englischen Unter- nehmer.) Die Angestellten zum Arbeitefchutzgefeh. Reichskonferenz im ZdA. Am Sonntag veranstaltete der ZdA. eine sehr gut besuchte Reichskonferenz der Angestellten d«s Groß, und Einzelhandels. Roch Begrüßung durch das Vorstandsmitglied Rogon gaben Beil u-nd Suckert die Tätigkeitsberichte der Reichs fachgruppcn- leiiung, denen eine rege Aussprache folgte. Im Zlitschluß hielt Schröder vom Verbandsoorstand ein Referat über den Entwurf zu einem Arbeitsschutz- g e s e tz, der gerode durch die vielen vorgesehenen Ausnahmen für die.ha ndel-an gestellten von ganz besonderer Bedeutung ist. Fol- gercde Einschließung wurde einstimmig angenommen: „Die am 10. März 1929 in Berlin tagende Reichskonseren.; der Angestellt«» des Einzel- und Großhandels im Zcittralverband der Angestellten stellt fest, daß die im Entwurf eines Arbeitsschutz- gesetzes vorgesehene Regelung der Arbeitszeit, der Sonntagsruhe und des Ladenschlusses, des erhöhten Schutzes für jugendliche und weibliche Arbeitnehmer, des Mutterschutzes und der Durchführung des Angeftelltenschutzes durch Ausbau der Handel saussicht den fo- ' zialen Schutzlbedürfnisseit der Aitgestellien des Einzel- und Groß« Handels nicht entspricht. Der Gesetzentwurf bedarf deshata in all diesen Fragen einer grundlegenden Umgestaltung, die auch notwendig ist zur Erfüllung des Artikels 157 der Reichsverfossung, der die Arbeitskraft unter den besonderen Schutz des Reiches stellt. Die Konferenz weist mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß die im Arbeitsschutzgesetz geplante Regelung teilweise sogar dos geltende Recht in bedenklichem Umfange verschlechtert. So ist durch Urteil des Reichsarbeitsgerichts entschieden, daß auch die Zli, gestellten des Einzelhandels einen gesetzlichen Anspruch aus B e- Zahlung oller Mehrarbeit, die über die regelmäßige Arbeitszeit von 48 Stunden in der Woche hinausgeht, mit einem entsprechenden Zuschlag, haben. Damit ist rechtlich auch die Nicht- anmendborfeit des Begriffs„Ar b e i t s b e r e i ts chaf t" für den Einzelhandel ausgesprochen. Der Gesetzentwurf läßt nicht nur die Einführung des Z e h n st u n d e n t a g c s für den Einzelhandel über die Ärbeitsbereitschaft zu, er schließt dadurch gleichzeitig auch den gesetzlichen Anspruch ans Bezahlung der Mehrarbeit aus. Die Konsereng erhebt schärfsten Einspruch gegen die Forderung der Hauptzemeinschost des Deutschen Einzelhandels, durch Auwen- dung des Begriffs„Ärbeitsbereitschaft" den Zehnstundentag für das Vcrkausspcrianal einzuführen: sie legt gleichzeitig schärfste Ber- wohrung gegen die damit verbundene herabsetzende Kritik der an- strengenden Tätigkeit des Verkauf spersonals ein. Dies« systematische Herabwürdigung des Verkaufspersonals kann nicht zur Hebung der Arbeitsfreude beitragen. Die Konferenz wendet sich ebenso mit allem Nachdruck gegen olle Versuche aus Wiedereinführung der Soiurtagsarbest und gegen Bsstrelnwgen van Handelskammern auf allgemeine Wisderem- führung des H-Uhr-Ladenschliisses und des g-Uhr-Ladenschlusses an den Sonnabenden. Die Konferenz begrüßt die vom Zentrawerband der Ange- stellten vorgesehenen Maßnahmen zur Abwehr dieser reaktionären Pläne und zur Erkümpsung eines den sozialen Erfordernissen der Angestellten gerecht werdenden Arbcitsschutzgesetzes. Dieses muß den Angestellien des Einzel- und Großhandels insbesondere die 45.Slundcn-1Vochc. die vollständige Sonntagsruhe und den 6-Ilhr- Ladenschluß bringen. Di« Konserenz fordert die Angestellten am. durch Zusammenschluß im Zentralverband der Angestellten diese Forderungen auf das tatkräftigste zu unterstützen." Keine Einigung mit den Versicherungen. Wie der Zentralverband der Angestellten mittetlt, sind die Vor- Handlungen mit dem Arbeügeberverband deutscher Versicherung-.' Unternehmungen über Erhöhung der Gehälter der Angestellten g? scheitert.. Die Angestelltenoerbände werden nunmehr ein Schlich- tiingsoersahren beim Reichsarbeitsmimsterium beantragen. Die ArbeUslosigkcii in England ist auf 1 458 000 Arbeitslose gesnege», 115 495 mehr als in der zweiten gebruarwoche und um 321 313 mehr als vor einem Jahre. SPD.-Zralti»» tu Suliau städtische» Sanaub.©oitnusiag, 19 Uhr, im Kackcschcn Hos. Ziosrnlholu Str. 10— allgemein« Fra!- »ionsiifcung. Zagciotimung: 1.„Dir Ausgaden uni fliehten her So triebsrote." Referent Kolleg« Qsiar Sutpat. 2. Stellungnahme zu tun lleoorstehenden Beiriebsratstoohlen. 3. Verschiedenes. Pjücht eines jeden Parteigenossen ist e». dasUr zu.sorgen, daß dir Versammtung von den Parteigenossen unbedingt besucht wird. Parieianswris ist vorzuzeigen, j■ Ter zra!ti»ll»»oeft«od. achtiing, Vergmonn, Seestrah«! Slonnerstag. ill Uhr. bei Kroll. lltreidter. Sitc- Hennigedorfer Zira�c,- wichtige zeattlonsoersamtalung der SPD.-lSe nassen. Regen Besuch rewar�et Der Frattioosnorstaud. Achtung, L. Löwe«. So., Kuttenstraße! Donnerstags 17 Uhr, bei Oehlschlägrr. Berlichingenstr. 3, wichtig« FraktionsoeesomiiUuitg aller SPD.-ISenossen. Erscheinen aller Eenosien ist Pflicht. Der Fialtionsvorstond. Tapezierer! Am Donnerstag. 14. März. 19 Uhr, Mitzlieterversantmlung bei©touttttinn(Dörings Arstsitic), Naunqnstr. 27. »Freie Gewerkschasts-Lugenö Groß-Berlin tWWWWW»»» Aenle. SIHiftnocft,.lOVs liijr, tagen die. Gruppen: Jeatrum: Jugend- heim Zehdenicker Str. 24— Ä. �eihcnvortrag:„Bub und Mädcl." Wcisicnsce: iöruppenhcim Weißcnsee, Parkstr. 3si. Vortrag:„Die 6tcl» lung der Gewtrkschoftrn anderen Organisatjpneu."— Baumschulen weg: Gruppe ndoim Baumscbulcnweg. Ernststr. 16. LichtbiUiervortrag:..Das schöne SJUtitmcn." Nc lköllo: Jugendheim Berg skr. 29(Äof). Literarischer Abend: :c Revolution 1845 im Spiegel der Satire."— Lüben, Südweste»: Städk. Jugendheim PorÄstr. II f�abrilgcbiiude). Vortrag:„Der-Aufbau der freien Gcwerfschaften." � Zugeodtursu« Rocdtrcis im Iugendheini Schule Sonnen- burzec Str. 20. SJjciuc;»Aus der Arbeiter- und Gcwcrtschaftsbcw�gung." «Zuqendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute. Mittwochs finden folgende Veranstaltungen statt:(befand* Scannen: Jugendheim Schon st edtstr. 1 lLedlgcnheim). Sinqabend.~ Osten: Jugendheim Schule Litauer Str. 18. Gruppenbesprechung.— Stralau: Jugendheim der Schule Gotzlerstr. 61. Ausspracheabend:„Die freien Gewerl» schatten ol? Kulturorganiiationen— Neukölln: Jugendheim Vöhnusche Straße 1—4. Äurzrefcratc:„Meine Bcrukrarbeit."— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 128. Dortrag:„Moderne Grziebungsprobleme"(Fortsetging). Refe. rentin Martha Schultze-Frentzel.— Spandau: Jugendheim Linbcnufer 1. Vor- bereitung zum ssrühlingsfest des Werbebezirks.— Potsdam: Jugendherberge Nowawes, Priesteri'lraßc.„Wilhelm� Busch-Abend"(mit Lichtbildern). Referent Georg Heilbrunn. verantwortlich kür Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtiä�ft: S. ZUinqelhöfer; Eer.erkschaftsvewcgung: I. Stetuer; Feuilleton: De. John Schikowski; Lokale« and Sonstiges: UnH»arstädt: Anzeigen: Th. SloSe. fämUich»n Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlaq G. m d H.. Berlin Druck: Borwärts-Buchdructerei und Berlagsnnstalt Paul Singer u(so. Berlin SW H8 Lindenstraße& Hierzu 2 Beilagen und„Uuterhaltvng und Kissen". Vsxvll rot© läade In'iiiiHirtlilliUllil lllilililBWi in HillimHilll1 IIIHIimil iii—ll u Rufioringen der Haut und unschSne Haiufarb« nerwendet man am bissen die ichneeig-weiZi, settstii« I.rofitfr, wclchc den Händen und dem Gesicht jene matte Weihe oerlcilst, die dar vornehmen Dam« erwünschl ist. Ein beiondercr Dorlell liegt auch darin, daß diese matte Creme mundervoll kühlend bei Iuckietz der Haut wirst und gleichzeitig eine vorzügliche Unterlage stir Puder ist. Der nachhaltige Dust dieler Creme gleichi einem taufrisch gepflückten Frühlütgsstrauh von Beilchen, Maiglöckchen und Meder, ohne senen berüijiijten Moschusgeruch, den die vornehme Welt verabscheut.— Preis der Tube 1 Ml.— Mirflam unterstüt» durch Leodor- Edel Teife, SllPf. das Stück.— In allen Chlorodonl-Ber lausssteilen zu haben. «r 141 — die vorteilhafte Packung zu 13 Pf. für 2 Teller guter Erbsen-Suppe tfr. 121* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 13. März 1S29 Zwischen langsam schmelzenden Schnecwällen geht der Weg zum Heim unserer pflanzlichen Exoten, nach dem Botanischen Garten in Dahlem. Auch hier liegt noch alles unter der Schneedecke und hält Winterschlaf. Aber drinnen, in den Gewächshäusern! Da blüht und grünt es, von wohliger Wärme sorgsam umhüllt, treibt Knospen und trägt Früchte! Eine Welt für sich! In den F a r n h ä u s e r n, wo die Pflanzen dicht und groß gen chimmel wachsen, ist gerade Großreinemachen. Alle zwei bis drei Jahre muß die aufgebrauchte Erde wieder erseht werden: für die Gesteinsmassen, an denen das Farnkraut gedeiht und die gleichzeitig die Aufgabe haben, die Erdfeuchtigkeit abzuhallen, gelangen Schlacke aus Feuerungslöchern und Lava(aus Italien eingeführt) zur Ber- wendung. Alles wird hier gelockert, umgegraben. Später werden die Pflanzen wieder frisch eingefetzt. Im Haus nebenan stehen die Bromeliaceen(Ananas-Gewächse) gerade in voller Blüte. Hier färben sich die oberen Laubblätter am Grunde rot. die Blüte selbst ist meist ganz unscheinbar und versteckt. Die Blütezeit dauert hier zwei bis drei Monate. Nun kommt eine zwar ganz unscheinbare und mißfarbene Pflanze, die Tillandsia, eine Flechtenart aus Florida, die ganz ohne Erde wächst und sich von Luft und Staub ernährt. Im Vananenhaus hängen liefrole Vlükenglocken; der ganze Blühprozeß bis zur Fruchtreise dauert dreiviertel Jahr«, die Zeit, bis zu der eine BaNanenpflanze überhaupt tragfähig ist, beträgt zwei Jahre. Die Eßbananen setzen nie Samen an. Die Befruchtung muß hier wegen der fehlenden großen Insekten auf künstlichem Wege durch Pinselbe st äubung geschehen. Di« wilden Bananen (Faserbananen) liefern das Flechtmateriol für Körbe, Matten usw. in chrer Heimat Südamerika. Süßer Banilledust weist auf das angrenzende Orchideenparadies. In zartlila blüht die Cattleya, in einem tiefen Gelb die bolivianisch« Orchidee, die Banda-Blüt getigert mit lila, der Frauenschuh braunrot-getigert. Früher wurden von Blumenfirmen vielfach Expeditionen ausgerüstet, um all die ver- schiedenarligen, eigenartig-schönen Pflanzen zu sammeln; jetzt werden auf wissenschaftlichem Wege durch Kreuzungsoersuche(es lasten sich nicht nur Arten, sondern auch Gruppen untereinander kreuzen) inter- essaMe Neubildungen gewonnen. Durch eigenartige Formenzeichnung fällt die tropische Begonie(Bittonia) auf. Manche Blätter hoben lichtempfindliche, linsenähnliche Zellen, die das Licht brechen und so hell und dunkel erscheinen. Ein interestanter Exote ist der nächste Nachbar, die Kannenpflanze. Aus winzigen Spitzen am Ende des Stengels entwickelt sich die Kannenform, die ein« Größe von 20 bis 25 Zentimeter erreicht. In ihrem hohlen Innern sterben die Insekten durch Verdauung einen sicheren Tod. In einem becher- artigen Gehäuse blüht die Feigenfrucht und am blühenden M e- lonenbaum(Earica) wölben sich die Blütenblätter zu einem schützenden Schirmdach. Bei all den tropischen Gewächsen ist die Frucht selbst meist unscheinbar an Form und Farbe und ganz ver- steckt. Schön und eigenartig ist immer nur das Blattgebilde. Im Palmen hau« ist so reiches Blühen und Wachsen, daß gerade wieder durch Ausschneiden Lust geschaffen werden muß. Zwischen den immer wieder neu gepflanztcn Gewächsen stehen einige Urahnen, von denen manche das stattliche Alter von fast zwei Jahrhunderten bereits erreicht haben. Während es im Orchideenhaus 20 bis 26 Grad Celsius haben muß. ist es bei den Palmen schon merklich kühler und bei den Kamelien wird es ganz kalt. Hier ist gerade der März die Hauptblütezeit und schon jetzt breitet sich ein Blütenmeer in weiß, rot und rosa über den Raum; daneben Azaleen in ihren zarten und kräftigen Farbtönen. Mit ihren unzähligen winzig- kleinen gelbe» Kügelchen und dem eigenartig herb-süßen Duft steht auch die Akazie— die wir unter dem Namen Mimose kennen in Blüte. Die richtige Mimose ist eine tropische Pflanze; ihre zarten Blätter schließen sich bei bloßer Berührung. Im Kakleenhau» blüht die Aloe in gelb-brauner LiNenform, die Euphorbia in winzig-zarten gelben und roten Blütchen. Die Kakteen tragen an der obersten Spitze und an den Blütenstielen rote, gelbe oder weiße Blüten. Einige von ihnen tragen oben Früchte, rote, apfelartige Gewächse; die in chrer Heimat Amerika auch gegessen werden. Di« Stacheln der ganz großen Kakteen werden von den Mexikanern als Zahnstocher benutzt;«in sindiges Genie, das die Industrialisierung dieses Artikels in die Wege geleitet hätte, bat sich bis jetzt allerdings noch nicht gesunden. Die A go v e sondert in ihrer Heimat einen stark zuckerhaltigen Saft ab, der, in Gärung versetzt, ein beliebtes mexikanisches Getränk. Pulque, liefert. Ihre Blütezeit ist der Sommer, dann folgt der Tod; wenn die Agave ge- blüht hat. stirbt sie. Man schließt die Türe der Gewächshäuser hinter sich, vorüber ist der Sommer und seine buntfarbene Melodie, schnell ist die Phantasie wieder zurückgedreht zur Gegenwart, zur Schneeschmelze auf den schmutzerfüllten Wegen. Die Tragödie des Verwachsenen. Das Geheimnis des Lichtenberger Mordes enthüllt. Der wegen Mordes an seiner Schwägerin verhastete frühere Pferdeknecht Paul Krüger hat gestern am späten Nachmittag in einem umfassenden Geständnis den Unter- grund seiner Bluttal enthüllt. Sie stellt sich jehl dar als der Schlußakt einer seit Monaten in dem jungen Manne nagen- den Erbitterung. Der Unglückliche schildert ausführlich, was er seit seiner An-, tunft in Berlin im Hause seiner Berwandten ertragen muhte. Er war hoffnungsvoll hierher gekommen, nachdem er seine Stellung aufgegeben hatte und gedachte bei Bruder und Schwägerin ein Heim und einen Halt zu finden. Bald aber mußte er einsehen, daß das Ehepaar ihn nicht für voll ansah. Einesteils störte sie sein Ge- brechen— er war etwas verwachsen—, andernteils nahmen sie Anstoß daran, daß seine Garderobe nicht sehr umfangreich war. Sie brachten die Mißachtung dadurch zum Ausdruck, daß sie ihn bei Ausgängen am Sonntag oder in den Abendstunden nur selten aufforderten, mitzukommen. Geschah es doch einmal, so sorgten sie dafür, daß er hinter ihnen blieb. Den letzten Anstoß zu der un- seligen Tat gab der Sonntagabend. Das Ehepaar besuchte ein Theater, ließ aber den verwachsenen Bruder zu Haus. Früh- morgens ging Fritz K. auf Arbeit und sein« Frau legte sich noch einmal halb angekleidet zu Bett. Als sie eingeschlafen war, erhob Paul sich leise, nahm eine leere Bierflasche, schlich sich an das Bett und schlug auf die Schlafende ein. Nach zwei wuchtigen Hieben aus den Kopf ging die Flasche in Trümmer. Paul packte nun den Hals der Flasche wie einen Dolch und stieß blindlings mit den zackigen Scherben auf den Kopf der Frau ein. Im ganzen wurden 26 Hiebverletzungen festgestellt. Dann zerrte er sie aus dem Bett und würgte sie so lange am Halse, bis sie tot um- sank. Sein blutbesudeltcs Hemd zog er aus, steckte es in deq Küchenherd, übergoß es mit Pettoleum und verbrannte es. Bei dem Geständnis trat klar zutage, daß der Unglückliche aa der vielleicht krankhaften Einbildung gelitten hat, man verachte ihn und fetze ihn zurück. Durch sein Gebrechen überempfindlich, mag er Worten und Handlungen seiner Verwandten eine Bedeutung beigelegt haben, die nicht beabsichtigt war. Wieder das tödliche Gas. Ein Todesfall und zwei Vergiftungen. Im hause hochmeisterstr. 12 ereignete sich gestern wieder ein schweres Gasunglück. Auf dem Treppenjlur machte sich plötzlich Gasgeruch bemerkbar, der immer stärker wurde. Hausbewohner alarmierten schließlich die Feuerwehr. Als die Beamten in den Laden des 66jährigen Kauf- mann» Haymann-Schaim eindrangen, fanden sie den Mann i» dem völlig vergasten Raum hinter dem Laden leblos auf. Der hingezogene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Wie ermittelt wurde, hatte sich die Borschluhschraub« des Gasometers gelöst und die ausströmenden Gasmengen hatten den Tod des Ladeninhabers herbei- geführt. Als die Beamten in die über dem Laden gelegene Wohnung Einlaß begehrten, um nachzusehen, ob dort alles in Ordnung sei, wurde ihnen nicht geöffnet. Die Tür mußte deshalb gewaltsam erbrochen werden. Die Feuerwehrbeamten entdeckten den 66jährigen Ingenieur Richard Buchow und feine 50jährige Frau Margarete bewußtlos im Schlafzimmer. Die Gase waren durch Mauerritzen und Dielen nach oben gedrungen und hatten das Ehe- paar betäubt. Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg, doch war der Zustand des Mannes so ernst, daß er ins Krankenhau» im Friedrichshain gebracht werden müßte. Bon der Pressestelle der Städtischen Gaswerke werde» wir um Aufnahme des folgenden ersucht: Die Berliner Städttschen Gaswerke weisen ihre Konsumenten immer wieder darauf hin, irgendwelche Manipulationen am Gas- messer a u f keinen Fall selb st vorzunehmen. In Fällen, wo das Gas schlecht brennt, ist stets die zuständige Geschäftsstelle des KotttAH einet Kevolulion. Von GecltAtl MettntAMn MosIaz „Wie geht es Eurer Hoheit?" „Danke. Kügelgen. Sie können übrigens auch Durch- laucht sagen, oder einfach Sie, wie Sie wollen.— Der Arzt ist zufrieden." „Und Eure Ho— Cure Durchlaucht? „Ich bin auch zufrieden, nur anders zufrieden.— Wenn Sie sich übrigens immer versprechen wollen, können Sie auch bei der Hoheit bleiben." Sie schwiegen eine Weile. „Sagen Sie, Kügelgen, fragte Alexander Carl dann un- vermittelt,„glauben Sie, daß es Leute gibt, die mich hassen?" „Wer sollte Eure Hoheit hassen?" „Ach, Kügelgen, lügen Sie nicht!" Er lachte leise.„Sie wissen so gut wie ich, daß es welche gibt, hier im Schlosse. Und noch mehr, denen ich gleichgültig bin." Er sah zum Fenster hinaus.„Uebrigens: die im Schlosse meine ich gar nicht so sehr. Aber unten, in der Stadt und im Land«? Daß ich ihnen gleichgültig sein muß. ist ja selbstverständlich. Es kann niemand etwas dagegen tun, andern gleichgültig zu sein. Aber daß man mich haßt, möchte ich doch nicht." „Eure Höhest haßt niemand." „Und die Leute von 49, die Trosegk erschießen und ein- „Auch die werden Eure Hoheit nicht hassen." „Ich möchte es doch genau wissen," sann Alexander Carl. .Komisch, daß ich noch nie jemanden danach gefragt habe. Alles ist so komisch... Sagen Sie, wie hieß doch gleich der Mann, der damals den Aufruhr geleitet hat? Ein Jude war's, glaube ich." Kügelgen erschrak.„Abraham Calm heißt er. Uebrigens sollten Eure Hoheit—" „Vor dem ich damals so erschrak— ja. Das ist auch so komisch... Lebt der Mann noch?" „Ich glaube schon." i.... Jl!. „Das weiß man nun nicht, und man hat ihn regiert... Sehen Sie, dieser Mann muß mich doch hassen!" „Gewiß nicht." log Kügelgen.„Er wird seinen Irrtum eingesehen haben." „So?" Der Herzog lächelte merkwürdig.„Meinen Sie? Irrtum— ja ja, es war ein Irrtum von ihm, natürlich. Er kannte mich ja nicht. Warum eigentlich nicht?" „Weil Eure Hoheit doch nicht alle 48 vül) Anhall-Bern- burger persönlich kennen können!" „So? Geht das nicht?" Alexander Carl sah Kügelgen voll und bittend an.«Sie müssen mir«inen ganz großen Gefallen tun, Kügelgen. Gleich jetzt." „Alles, was Hoheit befehlen." „Ich möchte den— den Calm da kennen lernen. Holen Sie ihn her." „Hoheit—" „Ich bitte Sie darum! „Hoheit wollen bedenken—" „Dann befehle ich es Ihnen, Kügelgen!" Der Kammerherr verbeugte sich.„Aber heut« wird man kaum---" „Es muß heute fein, Kügelgen. Glauben Sie es mir. Schicken Sie Hulsch und drei, vier andere Diener durch die Stadt. Irgendwo wird man ihn finden." Kügelgen ging zur Tür. Alexander Carl rief ihn noch einmal zurück.„Sehen Sie zu, daß Trosegk nichts davon merkt. Er bringt's fertig und läßt ihn noch vorher ver- haften."— Nach einer Stunde erst brachte man Calm. Der Bot« war nach dem Weinberg gewiesen worden. Der Weinberg. steinig, aus kahlem Muschelkalk, lag dem Schloßberg weit gegenüber auf der andern Seite des Flusses: zwischen den beiden Höhen breitete sich die Stadt. Dort auf dem Wein- berg pflegte Calm, seit er seine Gerberei nicht mehr betrieb, mit Ziegler, dem ehemaligen Schloßgärtner, zu sitzen, der nach den Unruhen seine Stellung verloren hatte. Calm sah erbärmlich aus. An seinen schlecht geflickten, alten Kleidern hastete noch gelber Sand. Er wirkte in dem hellen, mädchenhaften Zimmer wie«in dunkles Loch, das in einen Abgrund voll Schutt blicken ließ. Alexander Carl schien es nicht zu bemerken. Er be- trachtete Calws ewig wechselnde Stirn. „Woher haben Sie das?" fragte er kindisch-direkt. Calm wußte nicht, wie er sich diesem merkwürdigen Ge- schehnis gegenüber verhalten sollt«. Zlber bei de» Herzogs Frage gewann es in seinem kranken, eng gewordenen Hirn eine undeutliche Selbstverständlichkeit. „Das ist feit's Iefängnis," sagte er ruhig. Alexander Carl wies auf den Riß in seiner Stirn und lächelte.„Ja, ja, es geht uns beiden so. Den Stirnen tut das nicht gut, das alles. Treten Sie doch näher, Calm!" Der stapfte gehorsam durchs Zimmer. Er sah aus wi« ein zerzauster, vergreister Satyr. ■ Die blasse Hand des Herzogs fuhr den in ungeschickten. großen Stichen genähten Rand eines Flickens an Calms Rock entlang.„Wer hat Ihnen denn das gemacht? Haben Si« eine Tochter?" „Io. Awwer die hat's nich jemacht... das hat jeflickt de Gerda, was meine Enkelin is. Ee is man erst an zwelf� jährijes Ding. Da kann se das noch nich so." „So? Eine Enkelin haben Sie?" Die Falten in Calws Gesicht zuckten fröhlich.„Iawoll. Is een jutes Mächen!" Die Frage nahm ihm den letzten Rest von Scheu. .Sehen Sie, das habe ich nun nicht. Das muß merkwürdig sein, wenn so etwas von einem übrig bleibt. sagte Alexander Carl ernst, besinnlich, traurig fast.„Vielleicht war's auch das mit bei mir— und bei ihr..." Kügelgen. der bisher neben dem Bett gestanden hatte. machte sich jetzt in einer Ecke zu schaffen. Er wäre taktvoll hinausgegangen, aber er dachte an sein nächtliches Erlebnis auf der Landstraße zwischen Käthen und Bernburg und hatte schon den Dienern draußen befohlen, für jeden Fall sofort bereit zu sein. „Sagen Sie, Herr Calm," ging Alexander Calm jetzt un- vermittelt auf seine Hauptfrage ein,„haften Sie mich eigentlich?" Calm schwieg. Solche Frage kannte er nicht. Er hatte sie noch kaum verstanden. „Aber Sie haben mich doch jedenfalls gehaßt— damals?� half ihm der Herzog. „Das," quälte Calm heraus,„das war wall oo so von Sie aus." Alexander Carl sann zurück, dachte an den Vorfall auf dem Kirchplatz. Er fühlt« verwundert, daß er all sein Ver- gangenes heute belächeln mußte.„Vielleicht. Ich will Ihnen ja auch gar keine Vorwürfe machen. Ich will Sie ja nur kennen lernen, endlich einmal. Ich glaube nämlich, das �anze Unglück lag nur daran, daß wir uns nicht gekannt aben, daß überhaupt keiner den anderen kennt." (Fortsetzung folgt.; V / Lleberall Hochwasser! Rhein und seine Nebenflüsse sehen das Land in Schrecken. Mainz, 12. März.(Eigenbericht.) Auf dem Rhein, auf seinen Nebenflüssen und aus den Bächen wandert es Tag und Nacht unaufhörlich. Es knirscht und Webt und drängt: Das Eis geht zu Tal ins Meer. Aus den Bergen und Höhen hat es zu tropfen und zu rinnen begonnen. Der Schnee schmilzt und die Wasser beginnen sich zu sammeln. Kopfüber stürzen sie sich zu Tal, Schlamin, Wurzeln und Bäume mit sich reißend. Die Bäche schwellen an, jagen brausend in die Flüsse und spielen dem Eis einen Tanz, daß dem Auschouer schwindlig wird. NonStunde zu Stunde wächst das Wasser, sein Spiegel hebt sich, und von den Dörfern der Niederungen schallt der Schreckensruf: Hochwasser! Es ist die von den Gebirgsbächen angesacht« Revolte, die sich mit rasender Schnelligkeit ausbreitet und fortpflanzt und Hunderle von Dörfern unter Wasser seht. Das ist in den Niederungen der Nebenflüsse des Mains, das ist in den Tälern der Mosel, der Nahe, des Neckars, des Rheins, und wo immer die Fluten hinunterrollen. Aus Bächen werden Flüsse, aus Flüssen Strome, und wo das vorgebaute Bett nicht ausreicht, wälzen sich die Wasser über Flur und Aecker und ver- wandeln sie in riesig« Seen. Die Nidda, bei Höchst, spottet aller Nor- sichtsmaßregln. Der Nordteil der Stadt Höchst steht unter Wasser, die Feuerwehr arbeitet, mit Hacken und Picken müssen die Barrieren niedergelegt werden, die von Eis, Schlamm, Wurzeln und Holzstücken gebildet worden sind. Aehnlich ist das Bild an den Usern der Mosel. Was sich den Wassern in den Weg stellt, wird mitgerissen. Holz- brücken brechen krachend zusammen. In den Dörfern werden nachts Türen und Fenster eingedrückt und die Bewohner im Bett überrascht, in den Ställen brüllt das Vieh und reißt sich von den Ketten. In Weibern wird ein dreijähriges Kind, das in der Floß- rinne spielt, umgerissen, in ein Loch geschwemmt, aus dem es nur noch als Leiche in die Hände der Mutter gelegt werden kann. In R h e i n h e s>' e n und in der N o r d p s a l z hat sich ein einziges Seengebiet gebildet. Straßen, Wege und Felder sind meilenweit überschwemmt. Gerade noch, daß die aus dem Wasser ragenden Baumkronen und die Telegraphenstangen einige Richtung geben. In den Orten Wahlheim und Ketteyheini wurden die Straßen aus ein« Strecke von 300 Meter in trostlose Steinwüstcn verwandelt. So wild rasen die Wasser heran, daß sie die Wege unterminieren und deren Unterbau mit sich sortsührcn. Bei Zell und Mölsheim toben die schmutzigsten Wasser brausend zu Tal. Die Alsenz schwoll inner- halb weniger Minuten mehr als zwei Meter in die Höhe. Je weiter man dsn Rhein hinunter toinmt. um s» schliinmer wird es. Andernach steht unter Wasser. Die Antelii, sonst ein kleines harmloses Bächlein, ist einem reißenden Fluß angeschwollen und überflutet unaufhörlich mit ihrem schmutzigen gelben Wasser die Straßen der Stadt. Die gesamte Bevölkerung ist auf den Beinen und arbeitet fieberhaft. Dämme zu errichten und Kellerlöcher zuzustopfen. Die Provinzialhsil- und Pslegeanstali, die Vereinigten Mörtelwerke und die in der Nähe liegenden Gebäude sind auch diesmal wieder am schlimmsten mitgenominen. Die Saaten in Gärten und Feldern sind vernichtet. Hiobsbotschaften kommen auch aus den Ortschaften des Maiseldes. Das kleine Bach- Irin Ritz war innerhalb weniger Minuten zu einem reißenden Fluß angeschwollen, und bald stand der ganze Ort R i tz unter Wasser. Die Gefahr war so groß, daß die Feuerwehr aus Mayen zu Hilfe gerufen werden mußte. Ein Glück, daß wir trockenes Tauwetter haben. Wäre«z mit Regen verbunden, ganz Deutschland wäre entsetzt über eine Katastrophe, deren Ausmaß nur zu ahnen ist. Aber auch ohne Regen ist der Schaden groß genug. Dabei stehen wir erst am Anfang des Hochwassers. Immer mehr Schnee schmilzt, immer mehr Wasser stürzen zu Tal, immer größer wird die Angst in den Dörfern und Tälern. Hochwasserschäden in der Provinz Sachsen. ?lus allen Teilen der Provinz kommen Meldungen über Hoch- Wasserschäden. In einigen Bördedörfern kam das Hochwasser so überraschend, daß viele Bewohner ihre Häuser verlassen mußten und kaum das nackte Leben retten tonnten. Große Ackerflächen stehen unter Wasser. Wenn auch der Verlust von Menschenleben nicht zu beklagen ist. so ist doch der materielle Schaden außerordent- lich groß. Tag und Nacht sind Einwohner und Feuerwehr bemüht. dem"Wasser einen Abzug zu verschaffen, sehr oft ohne Erfolg. Die Saale ist fast eisfrei. Auf der Elbe werden die Eissprengungen in der Magdeburger Gegend fortgeletzt. Bei Dessau hat sich die Elbe bereits in Bewegung gesetzt. Im H a r z befürchtet man wegen der Schneeschmelze, die dort bis jetzt noch nicht eingesetzt hat. für die nächste Zeit große Wassersnot. Technische Nothilfe, Feuerwehr und Reichswehr sind bemüht, das Eis der für den Harz schon so verhängnisvoll gewordenen Holzemmc zu sprengen, Wehre zu ziehen und alle nur möglichen Borsichtsmaßnahmen gegen das Hochwasser zu treffen. Gaswerkes zu benachrichtigen, die dann durch geeignete Fachkräfte schnellstens für Abhilfe Sorge tragen wird. Auch das Auffüllen von Wasser auf die Gasmesser ist von den Konsumenten auf jeden Fall zu unterlassen. Oer Totschlag an der Großmutter. Neue Zeugenladungen beschlossen. Erregte Szenen spielten sich gestern vor dem Schwurgericht III ab, vor dem sich der 21jährige Werner Gebhardt wegen Tot- schlages an seiner Großmutter zu i>era»tworteii hatte. Die Ver- teidigung versuchte, den Nachweis zu führen, daß der Angeklagte nicht eine Blutsverwandte getötet habe. Sem Bater hatte in dem Ehescheidungsprozeß gegen die Mutter immer bc- hauptet, daß der Angeklagte nicht sein Sohn sei. Gestern verweigerte er vor Gericht die Aussage. Die Mutter des Angeklagten, die sich noch der Ehescheidung nach Westfalen verheiratet hat, und die fett Jahren keine Beziehungen mehr zu den Kindern erster Ehe gehabt hat. betonte mit Enlschiedenheit, daß ihr Sohn Werner der Sohn fe i n c s Vaters sei. Sie habe auch weit zurückgerechnet bis zu dessen Geburt keine anderen Beziehungen gehabt. Obwohl die drei Verteidiger aus der Zeugin das Gegenteil heraushole» wollten, blieb sie nnt Entschiedenheit bei dieser Aussage. Nunmehr wurde von der Verteidigung beantragt, einen gewissen Groß zu laden, der in dem Eheschcidungsurteil gegen die Mutter des Angeklagten eine entscheidende Rolle gespielt hat. Der Staatsanwalt beantragte, diesen Beweis als unerheblich abzulehnen. Einer der Verteidiger vertrat jedoch den Standpunkt, daß diese Feststellung wesentlich sei, da bei einem Totschlag an Blutsverwandten die Mindeststrase zehn Jahre Zuchthaus betrage. Der Verteidiger äußerte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Mutter und führte dabei au, daß oie Frau keine Teilnahme gezeigt habe, als sie im Gerichtssaal zum ersten Male vernahm, daß ihre Tochter sich vor vier Jahren ver- giftet hätte und als sie ihren Sohn unter der Torschlagsanklage auf der Anklagebank nach Jahren wiedersah. Die Zeugin rief dein Verteidiger darauf mit lauter Stinnne dreimal„Pfui" entgegen und verließ erregt den Saal. Weiterhin wurde der Gerichtsbeschluß verkündet, daß der Zeuge Groß ermittelt und zu Sonnabend früh geladen werden soll. Die übrigen Zeugen bis auf die Mutter des Angeklagten wurden entlassen, und die Verhandlung dann bis Sonnabend vertagt.< Oie Beratung des StaSthaushalts. Die Stadtverordneten haben in dieser Woche ihre Sitzung am Donnerstag um 16?» Uhr. In derselben Woche wird der H a u s h a l t z a u s s ch u ß an nicht weniger als vier Tagen sitzen. Er will zusammentreten an einein Tage zu einer Sitzung, an einem Tage zu zwei Sitzungen und an zwei Tagen zu drei(!) Sitzungen, das sind neun Sitzungen iit einer Woche. Aus diese Weise soll der Hrnishaltplan bis spätestens Freitag dieser Wache durchberaien werden, so daß in der nächsten Woche(ain Dienstag) die Stadtverordnetenversammlung mit ihrer zweiten Be- ratung des Haushaltplans beginnen kann. Man hofft diesmal noch «m März fertig zu werden und ben Haushaltplan vor dem 1. April festsetzen zu können. , Lpfcr eines raseuden Lieferwagens. 1 Wieder hat der Führer eines rasenden Liefertvagens ein :: Menschenleben aus dem Gewissen. In der Fennstraßc wurde gestern abend der Kohlenarbeiter-I o Hann W ü y k von einem'Last- äuto, das von der Brücke her gerast kam und plötzlich nach links schwenkte, um einen anderen Wagen z» überholen, vor dem Hause Nr. 20 gefaßt und ein Stück Weges mitgeschleift. Der Mann, der sich an die Laterne des Zkutos anklammert«, blieb schließlich schwer verletzt liegen uno starb bald darauf tm Virchow- Krankenhaus. Der Führer des Unglückswagens kümmerte sich nicht pm sein Opser und sagte nach dem Wedding zu weiter. Durch fort- gefetzte und eingehende Vernehmungen ist jetzt festgestellt, daß es sich um einen Lieferplattemvagen mit Seitenwänden handelt, die wahr- scheinlich rötlich gestrichen waren. Ueberspannt war er mit Zelt- leinewand. Die Vordcrlalerne, an die sich der unglückliche Arbeiter angeklammert hatte, wurde dabei so stark gelockert, daß sie schließlich heruntergefallen ist. Man hat sie jetzt auch gefunden und an der Hand dieser Laterne konnte weiter festgestellt werden, daß man es mit einem Chevroletwagen zu tun hat. Zlllc diejenigen, die dazu beitragen könn«n, nun auch den Wagen selbst und den an dem tödlichen Unfall schuldigen Führer zu ermitteln, werden gebeten, sich an Oberkriminalkommissar Mittmann, den Leiter der neusn Dienststelle für Stroßcnunfälle durch Fahrzeuge, im Zimmer 238 des Polizeipräsidiums zu wenden. Die Dienststelle führt die Bczeich- nung A. 9. Die Kluft Mischen Eltern und Kindern. In der ,. Vereinigung für Schul- und Erziehungsfragen". Gruppe Treptow, sprach Studiendirektor Feist über„die seelische Entwicklung der Jugend innerhalb des Familienlebens der Gegenwart". Der Redner betonte, daß die heutige Jugend ungleich selbständiger sei als die Jugend früherer Zeiten. Die Erwerbstätigkeit beider Eltern läßt die Kin- her das behagliche Familienleben und die Fürsorge des EUernhauses vermissen und stellt sie ftühzcitig auf eigene Füße. Während der Kriegs- und Iirflationszeit konnte die Jugend Erfahrungen sammeln, die normalerweise in ein späteres Alter gehörten. Die guten Vsrdienstmöglichkciten gerade für die nichtwehrpflichkige Jugend während der Kriegsjahr« mochte sie unabhängig vom Elternhaus?. Versuche der älteren Generation, die Jugend nach der Stabllisie- rimg der Verhältnisse wieder in die alte Ordnung ziiriickzuzwingen, löste eine natürliche Reaktion der Jugend aus. Die Familie nimmt heute nicht mehr den Platz ein. den sie in früheren Zeiten eingenommen hat. Sportliche und politische Interessen und die Beziehungen zu gleichaltrigen Freunden sind stärker als die Familienbande. Gewalt maßnahmen der Eltern, die Jugend stärker an die Familie zu binden, werden immer dos Gegenteil des gewollten Zwecks erreichen und die Kluft zwischen Eltern und Kindern immer mehr ver- g r ö h e r n. Die Eltern müssen vielmehr versuchen, die Interessen der Jugend zu verstehest und dadurch ihr Vertrauen zurückgewinnen. Erziehung zur Tolerauz. Der Landesverband Groß-Berlin des Zentroloereins deutscher Etgatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete zu dem Thcnia„D: e Ileberbrückung der konsejsionellcn Gegensätze durch Erziehung zur Volksgemeinschaft" cmen Aus- fpracheabend. Protestantische, katholische und jüdische Lehrer be- kündeten ihren ernsten Willen, eine Jugend heranzuziehen, die konfessionelle Gegensätze nicht hindern, die staatsbürgerliche.Einheit zu wahren. Wäre die gesamte Lehrerschait an. den obere» Schulen von diesem Geist durchdrungen, so müßte sich der demokratische Volksstaot aus sein kommendes Geschlechts freuen. Es wurde vermieden, das Problem von der politischen Seite aus zu betrachte». Die Redner schienen aber übereinstimmend doch der Ansicht.zu sein, daß der Weg zur wirklichen Volksgemsinschait über die Konsessionsschula geht. Ani deutlichsten sprach dies Rektor Kellcrmann aus. Er betonte gleichzettag, daß, um zur Volksgemeinschaft zu kommen, nicht nur weltaaschnusiche Gegensätze zu überbrücken sind, sondern auch soziale und wirtschaftliche. Auf allen Gebieten muß der Wille zur Toleranz die Grundlage bilden. In der Diskussion befürwortete ein Volks- schullehrcr die Siinultanschule. Ein paar jugendliche Rowdys fanden zu ihrem Bedauern keine rechte Gelegenheit, vorher ausgeklügelt« Zwischenruf« anzubringen. H 51 als Freibrief? Die Bluttat am Strande von Swinemünde. In einer Sommernacht des'Juni 1928" wurde tn Swine- m ü n d e der Berliner Kellner Walter Schwaben stöcker von dem Schiffer Schwank aus Kröslin bei Wolgast erstochen. Noch einer Mitteilung des Oberstaatsanwalts ist Schwank von der An- schuldigung des Totschlags außer Verfolgung gesetzt worden, weil er sich nach dem örztlichen Gutachten zur Zeit der Tat in einem die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustand krankhafter Störung der geistigen Tätigkeit im Sinne des§ 51 StGB, befunden hat. An dem verhängnisvollen Abend hatte der Swincmünder Po- lizeikommissar P i l ü g n« r in einem Nachtlokal mit dem Schiffer Schwank einen Zufammeisstoß gehabt. Der Kommissar verwies den Schiffseigner aus dem Lokal, weshalb dieser beschloh, sich an Pslügncr zu rächen. Gegen 3 Uhr morgens trafen Schwobensiöcker und Pflügner den Schwank auf d�r Straße. Dieser zog«in Dolch- mcsser, und vielleicht weil er Schwabenstöcker mit dem Polizei- bea inten verwechselte, stach er auf den Kellner ein und verletzte ihn so schwer, daß er kurze Zeit darauf starb. Nachdem sich der Schiffseigner selbst gestellt hatte, gab er an, vollkommen b e- trunken gewesen zu sein. In der Bevölkerung van Swinemünde wurden scinerzett über das Verhalten des Poli.zeikammisiars lebhafte Klagen wach. Pslügner soll die ganze Nacht hindurch gezecht haben und gleichfalls nicht nüchtern gewesen sein, als er Schwank begegnete. Darüber hinaus aber wirft man ihm vor, daß er nach der Bluttat weder für ein« sofortige Hilfe noch für«ine nach- trägliche Feststellung des Tatbestandes sorgte, sondern einfach fest- stellen ließ, daß es sich um eine Messerstecherei mit tödlichem Aus- gong handele. Die Entscheidung des Oberstaatsauwatts muß um so mehr Verwunderung hervorrufen, als der Schiffseigner Schwank nicht etwa als gemeingefährlich interniert wurde, sondern s i ch auf freiem Fuße befindet. Er hat also die Möglichkeit, unter ähnlichen Umständen similoser Betrunkenheit eine gleiche oder ähnliche Tat zu begehen. So weit geht nach ollen sachverständigen Auslegungen der Schutz des§ 51 StGB, ohne Zweifel nicht! Mtt einer gewissen Berechtigung wollen sogar sehr angeschene Juristen sinnlose Betrunkenheit, die auf eigenes Verschulden zurückzuführen ist, nicht als strafmildernd, sondern als st r a s oe r s ch« r s« n d angesehen missen.' Die Oessentlichkeit, dos Publikum, hat «in Recht darauf, vor Männern, die»ach dem Genuß von Alkohol ihre Selbstbeherrschung verlier» und aus nichtigen Gründen zum Messer greisen, geschützt zu werden. Der niedergestochene Schwabenstöcker galt bei ollen, die ihn kannten, als friedfertiger und gesitteter Mensch. Der Oberstaatsanwalt �ür Stettin uni» Swinemünde möge sich darüber klar sein, daß ihn ein beträchtlicher Teil der Verantwortung trifft, wenn außer dem jungen, unschuldigen Kellner noch ander« Menschen von dem Schissseigner unter dem Schutze des Z 31 getötet oder verletzt werden. Tagung des Lebensmittel Einzelhandels. D>e Verbanüstagung des Zentraloerbondes der Lebensmittel- Händler und des Reichsvcrbandes deutscher Obst- und Gemüse» Händler in den„Kammersülen" gestaltete sich zu einer wüsten Wahl- Propaganda der Winschaftspartei iür die kommenden Kommunal- wohlen. Anders fließe» sich die Begrüßungsreden der mehr oder minder befugten-Sprecher nicht deuten, und selbst das Referat des Verbandsgefchöftsführers N e u b o u r über„W i r t scha f t s u m- stürz oder Wirtschoitsautbau?" war nichts anderes als eine maßlose wahldemagogjschc Hetzrede gegen die Regierung, das heißt gegen die sozialdemokratischen Minister im Reich und in den Ländern, gegen Gewerkschaften. Arbetter und Arbeitslose. Englischer Dampfer gesunken. 42 Mann der Besahung vermißt. Ter Londoner Dampfer„L u n e s d a l e" ist gester« vormittag im Nebel an der ktiiste von Northamber» land mit dem schottischen Dampfer„Melrose" zu» s a m m e ng e st o ß e a und gesunken. 42 Man« der Besatzung der..Lunesdale" werde« vermißt» und «an nimmt an. daß sie ertrunken find. Die„Melrofe" nahm drei der Ueberlebende» des gesunkenen DampserS aus. konnte aber von den übrigen keine Spur mehr ent* decken und setzte ihre Fahrt daraufhin fort. Ans der Geschichte des Zoo. Im Oddfellow-Logenhaus sprach Gcheimrat Dr. Heck, der Direktor des Bertiner Zoologischen Gartens, im Rohmen eines Bor» tragszyklus des Oddsellow-Jugendhundes über„Der Berliner Zoologische Garten in seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Bedeutung". Der Vortragende schildert« zunächst Entstehung und Werdegong der Zoologischen Gärten im allgemeinen, die zumeist ihr Dasein fürstlichen Tiergärten verdankten, so auch der Berliner Zoo, der seinen Ursprung von der„Königlichen Menagerie aus der Pmucmirfel" ableite. Im Laus« der Jahr« entwickelte er sich zu dem einzig in seiner Art dastehenden Tierpark, der heute eine« wesentlichen Faktor der Frentdenindustrie der Weltstadt, dan'lelltz An der Hand von Lichtbildern gab Geheimrat Heck ein anschauliche« Bild von der wissenschaftlichen Bedeutung des Zoologischen Gartens, der mit seinen 1300 Abarten von Tieren wohl an der Spitze samt» lichcr Tiergärten der Welt marschiere. Ebenso sei man künstlerischen Forderungen nach geschmackoollen und zugleich den Lebensbedingungen der Tiere entsprechenden Bauten bei der Unterbringung und Zurschaustellung gerecht geworden. Der Zoologische Garten bilde somit eine Lehrquell« für die gesamt« Bevölkerung und erfülle als gemeinnütziges Kutturwerk durchaus seinen Zweck.' Nachdrücklich erhob der Vortragende allerdings die Forderung, daß der Zoo der Stadt Berlin in seiner jetzigen Gestalt am selben Ort der Stadt erhalten bleiben müsse. vürgermeislereinführuug in Trebbin. Bor einiger Zeit wurde in Trebbin(Kreis Teltow) die Neuwahl des Bürgermeisters vor- genommen. Die Wahl fiel auf den Stadtobersekretär R ö t t k e r aus Bochum. Nachdem durch die Regierung die Bestätigung ausge- sprachen war, erftlgte dieser Tage die Einführung des neuen Bürger» meistere in fein Amt in öffentlicher Magistratssitzung. Der bisherig« Bürgermeister tritt in den Ruhestand. Die prächtig schäumende Sunlicht Seife gibt wahrhaft weihe, völlig gefchovte Wäfche. Nochmals: Gasexplosion. Sebatte im Vezirk Prenzlauer Äerg. Di« letzt« Ae�irksverordnetenversommliing begann mit einer Antrage der KPD.-Fraktion über die vorn„Metcr-Aktienbauoerein" im Tetirk errichteten Neiibauwcchnungen� Trotzdem eine Anzahl Wohnungen bezugsjertig sind, sind sie noch nicht bezogen. Die An- trage wurde vom Ztadlrat Degner(KPD.) beantwortet, indenv er daraut hinwies, dah das Bezirksamt ohne Eint Kitz aus die Gesell- schast ist und die Versolgung dieser Angelegenheit der Stadtverord- netcnvcrsammlung übertragen werden müsse. Die Kommunisten nersprachen. dorl in die Machenschaften dieser Gesellschast hinein- zuleuchten. Von einer vom Magistrat eingegangenen Antwort, in der die aus den Straßenbahnlinien 4. 5 und 72 getrossenen Verbesserung«!: mitgeteilt werden, wurde Kenntnis genommen! zugleich aber noch au: Antrag der Dnat. Vp. beschlossen, im Jnler- esse der Heineredorser Laubenbcsitzer die Verlängerung der Autobus- linic 3V zu fordern.— Ein« Vorlage über nachtragliche Bewilligung der Kosten der Veriassungsseler im vorigen Jahr brachte den schärfsten Bratest der Kommunisten und der Deurschnationalen. Den einen g eitel die Republik als Staatssonn nicht, die andern hielten die Feier für überflüssig. Ihnen wund« unter.Yimveis auf die Vor- kriegszeit und die letzigen politischen Freiheiten von dem Demo- traten Wille und unserm Genossen D L h n e r t geantwortet, daß die Fäden zwischen Maskau und Pat-dam auch heure nach bestehen und wir es ablehnen, mit diesen Parteien über die Republik zu debattieren. Di« Vorlage wurde mit Mehrheil bewilligt..— Zur Durchführung baulicher, hngienisch dringend notwendiger Verönde- rungen in der Säuglingsfürsorge stelle Driesenstraße wurden die eriorderlichen Mittel bewilligt.— Aus Anlaß der E r p i a s i o n des Gasbehälters in der Sclierstraßc wurde beschlösse!:, beim Magistrat dahin vorstellig zu werden, daß die Sicherungsvarrichtungen der Gasanstalt in der Danziger Straße durch die Sachverständigenkommission unter Hin.zuziekung des Hauptbetriebsrates einer sorgfältigen Prüfung unterzogen und irgendwelche Mängel ohne Verzug abgestellt werden. „Arbeiisami Ost". Vom Standpunkt der Erwerbslosen. Man schreibt uns: Im„Vorwärts* vom 15. Februar. Stadtbeilage, war in einem Aufsatz das Arbeitsamt Oft ge- schtldsn vom Standpunkt der Verwaltung aus. Was dort gesagt wurde. Icheint mir durchaus nicht angreisbar. Immerhin aber erscheint es mir nützlich, die Neuarganlsation des Arbstisamles auch vom Standpunkt des Arbeitslosen zu betrachten. Ist doch die Verwaltung nicht ihrer selbst wegen da! Das Arbeitsamt Ost hat u. a. in Grünau eine Zweigstell« er- richtet, die für Bohnsdorf. Grünau, Eichwalde und Schmöllwitz zuständig ist. An der Görlitzcr Bahnstrecke find im Bereiche Graß- Berlins keine weiteren Zweigstellen errichtet und meinem Wissen nach auch nicht geplant. Was heißt das aber? Vom Standpunkte der Verwaltung kann das Ersparnis heißen, kann es ein einfacheres > Funktionieren ermöglichen. Der A r b e i t S l o s e a b e r sieht Tür s i ch zunächst nur Schattenseiten aus dieser'Reu- arganisation. Für die. Einwohner von Grüna» bedeutet es keine Benachteiligung, wohl aber schon für die Arbeitslosen aus B o h n s- darf. Aber das mag nach hingenommen werden: lebhaftesten Nn- willen muß die Neuregelung erregen bei den in Eichwalde oder Schmöckwitz ansässigen Arbeitslasen. Diese müssen dreimal wöchentlich nun nach Grünau fahren zur Kontrolle und zum Ab- heben der Unterstützung! Das bedeutet für sie, daß oon der geringen Unierstützung wöchentlich noch 1,20 M. nur für Fahrgeld in Abzug gebracht werden müssen. Da muß sich doch die Frage er- •äebm;.hätte es nicht bei der alten Regelung, bleiben können,.daß die Kontrolle der Erwerbsloi-ir aui den Ortsamtsstellen erfolgt, wo sie „so � nebenbei* doch wohl ganz gut vorgenommen werden konnte. Der Arbeitslose betrachtet die Nenorganisatwn des Arbeitsamtes also mit recht gemischten Gefühlen und wünscht sich nur, daß seine Wünsche berücksichtig« werden. Bei gutem Willen wird das der Verwaltung auch möglich- sein. Die Direkkion der Berliner Brennstofs-Gciellschaft veranstaltete am Sonntagvormittag im„Admirals-Kasino* für ihre Arbeiter und Angestellten eine Filmmatince, die der Aufklärung über die U nf a I I g e f a h r e n im Berufs- und izäuslichen Leben diepte. Die Veranstaltung konnte während der„Ruwo**, für die sie eigentlich vörgeichen war. nicht stattfinden, weil die Belegschaft im Interesse der Kohlenocrsorgung Verlins während, der letzten Wochen ange- spannt tätig sein mußt«. Die Unsallsiime waren geschickt in das übliche Kinoprogramm eingefügt, wodurch ihre Wirkung nicht stiva abgeschwächt, sondern die gesamte Veranstaitung noch anziehender gestaltet wurde. Wie sehr die Unrallgerahren, die jeden Menschen täglich und stündlich umlauern, noch unterschätzt werden, zeigte der Besuch dieser interessanten Veranstaltung, der leider nicht den Er- Wartungen entsprach. Als Entschuldigung kann vielleicht die eingangs erwahn-e Tatsache gelten, daß viele Arbeiter infolge der Anstrengungen in den Kältewochen der Borsührung fernblieben. Für das neu« Land. Der deutsche Zweig desKerenhajessod lIüdisches Palästinawerk) hotte zu einer Kundgebung aufge- fordert. Der große Festsaal bei Kroll konnte längst nicht alle fassen. die durch ihr Erscheinen ihre Sympathien für das Werk ausdrücken wollten. Es ist dem Äeren hajessod gelungen, auch die Kreise inner- halb des Judentums, die nicht zionistisch eingestellt sind, am organi- salorischen Ausbau Palästinas zu interessieren. Es sprachen Dr. Rosen. blüth, Martin Buber, Kurt Blumenseld, Alfred Lisier und Julius Schindler. Aus welchen Motiven sie auch zu dem Gedanken des Auf- baues Palästinas gekommen sind, sie alle sehen die Möglichkeit des Änxug-Stoffe giU�QxuJuaten. hesondett pmOwrrl- mur fl Koch& Seeland Gcriraadicnstrafic 20—3.1. Prügelstrafe als„Allheilmittel"? Der Reichsverbond deutscher Dolksschullehre- rinnen hotte zu einer Kundgebung für die Reform der Für- s o r g e e r z i e h n n g eingeladen. Die Reserenttn, Frau Regierungs- rätin Dr. Anna Mayer, setzte sich zunächst mit Lampel auseinander, der durch seine Veröfsentlichtingen der Jugend- und Erziehungsarbeit schweren Schaden zugefügt habe. Dann aber erging sie selber sich in Varwürsen gegen die Jugendämter, die viel zu lange. meint sie, an den Jugendlichen herumdoktern, ehe sie sie der Für- sorgeerzichung überweisen. Die Abschaffung der Prügelstrafe hält Frau Dr. Mayer nicht für so wichtig. Bei besonders rohen Bcrgehen, z. Tierquälereien, seien Prügel sogar g e s u n d. Der Gedanke, daß solche Rohlinge etwa krankhast veranlagt sind und besonderer Betreuung bedürfen, kam ihr nicht. Dos schlimmste aber war. daß die Versammiung gerade an dieser Stelle der Rede b e- sonders st ark Beifall klatschte. Es gibt, wie man sieht, heute noch Pädagogen, die in der Prügelstrafe das„All heil- mittel* sehen. Arme Poltsschuljugend, die diesen Damen anvertraut ist! Besonders rühmte die Rednerin die kvnfessio- n e l l e n Anstalten, die nach ihrer Meinung heute die Schwerst- erziehbaron bekommen, weil, wie ihr ein Direktor gesagt habe, die städtischen und staatlichen Anstalten mit ihnen nicht fertig werden könnten. Das konfessionelle Erziehungssyftem führ« immer noch am sichersten zum Erfolg. Di« interkonsessivnellen und religionslosen Anstalten, sagte Frau Dr. Mayer, zeigen, nws sie können. Wir wollen sie vor die Arbeit stellen. Alle Menschen, die vor der Arbeit stehen, werden s o klein. Dürfen wir bei solcher Einstellung dieser Beamtin, die im Ministerium Fragen der Fürsorgeerziehung bearbeitet, uns wun- dem. wenn wir nicht weiterkommen? Als Vertreter der Stadt Berlin sprach Obermagistratsrat K n a u t. Er lehnte die Unter- bringung Andersdenkender in konfessionellen Anstalten ab. Schutz forderte er für die jungen Menschen, die noch ihrer Entlassung aus der Fürsorgeerziehung wieder in die Gesellschast zurückkehren und oft mit großen Schwierigkeiten kämpfen müssen. Die Vorsitzende teilte mit, daß eine Entschließung zur Reform der Fürsorge- erziehung erst noch ausgearbeitet werden soll. Nach dieser Ver> sammlung kann man sich denken, von welcher Zlri die Entschließung sein wird. Nach Sem Tumult in LlnSenhof. Die Ausschreitungen im Berliner Erziehungsheim „L i n d e n h o f* zu Lichtenberg, über die wir berichteten, sind noch nicht völlig geklärt. Einige Zeitungen gefallen sich immer noch in sensationeller Aufmachung und reden weiter von einer„Revolte* nach der Art des Lampelschcn Schauspiels. Das ist Unsinn. Es handelt sich um einen Streich einiger aufgehetzter Jungen, die nachher sehr bald selber einsahen, daß sie(wie sie sagten)„Quatsch gemacht haben". Obermagistratsrat K n a u t tonnte gestern bei eineo Besichttgung des Heims, zu der er die Der« treter der Prelle eingeladen hatte, diese Mitteilung machen. Er fügte hinzu, daß drei der festgenommenen fünf Rädelsführer auch das Lampelsche Schauspiel gesehen haben. Die allermeisten derZöglinge des Heims haben sich an den Ausschreitungen nicht beteiligt und mißbilligen sie. Fortschritts nur durch Festhalten an dieser, von ihnen als richtig erkannten Aufgabe. Die Schwierigkeiten wurden oon niemand unier- schätzt. Auch nichtjüdisch« Kreise sind om Aufbau Palästinas inter- essiert und wenn man von den Leistungen Hort, die seil Kriegsende in Palästina vollbracht worden sind, so konnte man wohl den Ein- druck gewinnen, daß hinter diesem festtäglichen Wollen auch ein Können steht.__ Lichtenberg, das Stiefkind Verlins? Man klagt uns: Wer jetzt das Älück hat, abends nach 11 Uhr mit der Straßenbahn nach Neu-Vichtenberg fahren zu müssen, der kann sein blaues Wunder erleben. Seit 14 Tagen fährt die Linie 76 nur mit Triebwagen. Nebenbei bemerkt, die einzige Linie, die nach 11 Uhr abends den Verkehr bewältigt. Van 11— 2 Uhr ist ab Pols- damer Platz nicht nur kein Sitzplatz mehr zu haben, sondern man muß zufrieden sein überhaupt mitgenommen zu wsrden. An einem 'Abend wurden zwischen Dönhossplatz und Wismarplatz 6 4 Personen gezählt, die nicht mitgenommen wurden. Konnte man mit. nun so hat man einen Platz in einer Vücklingskiste und dar: dafür sein Fahrgeld bezahlen. Ist man Schichtarbeit«�, und muß jeden Tag fahren, so ist das natürlich ein« große Freude. Auf jede Aeußerung dein Schassner oder dem Kontrolleur gegenüber, erhält man die Antwort: führen Sie Beschwerde Krausenstr.<5. Aber das nützt nichts, wie man jeden Abend von den Fahrgästen, die diesen Weg beschritten, hören kann. Wenn die Herren, die für den Verkehr verantwortlich sind, auch nur einmal dies« Tour mit- machten, würden sie schleunigst für Abhilfe sorgen. Vor dem Kriege fuhren vier bis fünf Linien und' Lichtenberg war halb so groß bzw hatte halb fo viel Einwohner. Wieder ein sarbioses und formloses Tagesprogramm, wie es für den Berliner Sender nachgerade charakteristisch geworden ist; jeder Redakteur eines Winkelblättchens könnte an Einfallsreichtum die veranrworllichen Herren der Funksturrds bejckstimen. Wenn um 10.30 Uhr ein Vartrog über„Die evangelische Botschaft in den Wandlungen der Geaemvart* in langweiligster Form gehalten wird, wenn vorher Prot. Dr. A Vierkandt in seinen Ausfüyrungen„Von der Gesellschaft zur Gemeinschaft* vergißt, daß er nicht vor einem Sttideittenauditorium, sondern vor von der Tagesärbeit ermüdeten Menschen spricht, die knappe, klare durchgreifbare Beispiele, er- läuternde Darstellungen h rauchen— so fällt die Schuld auf die Funkstunde zurück, die es nicht versteht. Redner richtig auszuwäblen. Wertvoll war allein ein Werbeoortraa, den Prof. Dr. Robert Schmidt hielt, weil er einen guten Zweck erfüllte: er wies die Berliner Hörer auf das Schloßmuseum mit seinen reichen küirst. lerischen und kunstgewerblichen Sammlungen hin, dos jetzt auch abends— gegen eine Gebühr von 50 Pf.— zu besichtigen ist. Die A be n d u n t e r ha l t u n g wollte in die Berliner Salons um die Iahrhündertwende einführen. Man machte sich die Aufgabe sehr leicht. Vom eigentlichen Salon im Sinne oon kultur- und fünft- pflegenden Gesellslhaftszirkeln konnte ia damals kaum noch die Rede sein Denn die wesentliche neue, frische Strömung kam aus einer ganz anderen Richtung. Der Naturalismus, der ia nicht nur ein« Kunstanschauung, sondern eine Weltanschauung bedeutete, ist mft der damals gegründeten„Freien Bübne*. auf der die Wetk« von Ibsen und Hauptmann ihre ersten Ausführungen erlebten, untrennbar ver- bunden. Das schiefe Bito, das die Rundsunkveranftattung gachjaurde nicht schöner durch den sehr mäßigen Koloraturgesang Sabine Meyens oder dadurch, daß man die begabte Franüska ftirns Verse aus Hofsmannsthals„Der Tor und der Tod* rezitieren hörte, mit denen sie ihrem Temperament nach nichts anzusangen wuß-e und bei denen sie sich deshalb vollständig im Ton vergriff. Königs- Wusterhausen sandte von 21 Uhr ab«in eigenes Programm mit schöner Streichquartettmusik, die aber wahrscheinlich nur wenig Wllckliche erwischten, da sie in keinem„offiziellen* Programm an- gezeigt war. T« s. Und wie steht es mit der Sauberkeit in den Straß e n? Wir haben nur einen Ausdruck: Sumpf in allen Straßen. Kein Rinnstein frei. In iast allen Straßen der Dreck 5 Zentimeter hoch über den ganzen Fahrdamm. Kinder, die morgens zur Schule müssen, sitzen den ganzen Vormittag mft nassem Schuhwerk' und holen sich Erkäftungskrankheiten. Gibt es denn keine Behörde, die sich um dies« Zustände kümmert? Sind wir Lichtenberger-keine Steuerzahler oder zahlen wir Steuern nur für den Westen? Mit dem Tode bezahlt! Die üble Unstft« des Ausspringens auf einen fahrenden Zug hat am Dienstag wieder ein Todesopfer gefordert. Der Ar- befter M a r z i a k, aus der Kaiser-Friedrich-Straße in Buch, ve» sticht« auf dem Bahnhof Bernau den bereits in Fahrt befind- liche» elektrischen Vorortzug zu besteigen. Er glitt dabei aus und stürzte so unglücklich, daß er zwischen Wagenwand und Bahnsteigkante gerieft Marziak wurde mit schweren Verletzungen in das Kreiskrankenhaus Bernau übergeführt, wo er wenige Stunden nach seiner Einliesernng gestorben ist. parteljubllare tn Friedrichshagen. Die Friedrichshagener Abteilung der Partei ehrte im Rahmen einer gutbesuchten Frühlingsfeier ihre Jubilar«. Zweiunddreißig Alt« nahmen an einer Ehrentafel Platz. Ein hübsches Programm wurde durch die Kapelle Hofimann, das Ebert-Manz-Ouartett, den proletarischen Volkstanzkreis Neukölln und die Freie Turnerfchaft bestritten. Zur Ueberrafchung und' besonderen Freude der Iükftlare beteiligte sich auch die ne-ugegründete Kinderfreundegrupve an der Ehrung. Die Kinder brachten den Jubilaren erst ihr Falkenlisd zu Getzör, dann sprach eines der Kinder einen Prolog und erfreut« die Jubilar« mit einem Strauß roter Nelken. Die Festansprache hielt der Abteilungsleiter, Genosse Engel, Der Partei vor 25 Iahren und früher beigetreten zu fein, bedeute, so führte er u. a. aus, Mut und Kampsesgeist bekundet zu haben. Angefeindet, verfolgt und wirtschaftlich benachteiligt zu werden, das sei das Los gewesen, das die Sozialdemokraten von früher in Kauf nehmen mußten. Um es zu ertragen, sei ein starker Glaube an die Sache und ein tiefwurzelndes Siegesbewuß sein notwendig gewesen. Die Hofsnungen seien nicht umsonst gewesen: ein Teil der Saat, die von den Kämpfern ausgestreut wurde, sei aufgegangen. D i e Sozialdemokratische Partei sei heute die größte Partei im Staat. Von ihrer Stellung hänge es zum erheblichen Teil ab. wie sich die politischen Nerhälinisse gestalten. Das sei eine Entwicklung, mit der die alten Kämpfer der Partei zufrieden sein können. Der Redner schloß mit warmen Worten des Dankes füc die Treue und Hingabe, die die Jubilar« der Partei bekundet haben. Er ließ dem Dank das Gelöbnis der Jungen folgen, tatkräftig und unermüdlich im Sinne der Jubilar« fortzuwirken. Für die Jubilar« sprach in temperamentvoller Weise Parteivorsitzender Otto Wels. Er gab seiner Freud« über die starke Beteiligung der Jugend an der Feier Ausdruck und unterstrich die Feststellung des Abteilungs- (efters, daß die Partei mft dem Ergebnis ihres Kampfes zusrieden sein kann. Keiner habe vor einem Vierteljahrhundert geglaubt, daß sich die Partei in so kurzer Zeit zum tonangebenden Faktor im Staate entwickeln würde. Die Erfolge, die die Partei erzielt habe. erfülle jeden Jubilar mft großer Genugtuung und lasse ihn die Leiden für die Sache vergessen. Genosse Wels schloß mft einem be« geistert aufgenommenen Hoch auf die Partei und den Sozialismus, Zur Gesund« Haltung! Fachinger TertandsteU«, Berlin SV(I Seböneberger Str. I6j. Tel. Lilizow 8260�1 ißh tun*' u*, www er «ckfvfüib AßMfts tvics ßJLn* �.........*'"- Scheidender Winker. Aus dem düsteren, triefenden Nebelmeer des Tales stiegen wir hinauf auf die verschneiten Berge, wieder einrnal die Sonne zu sehen. Welch herrlicher Anblick! Dort unten alles grau in grau, hier oben lachender Sonnenschein, blauer Himmel, schimmernd« Höhen. Unter den Strahlen der Sonne schimmert herrlich der Wintertag, in Schön- heit rüstet er sich zum Scheiden. Erschütternd fast ist fein Sterben, wenn die letzten Lichtstrahlen am Abendhimmel verlöschen und die Nacht mit ihrem eisigen Hauch alles erstarren läßt. Todesstille herrscht dann auf den Bergen. Die sinkend« Abendsonn« zaubert am westlichen Himmel buntes Leuchten hervor, schön, farbenfreudig, doh die Augen wie gebannt an diesem Naturwunder hängen. Aus ihrem purpurroten Füllhorn giestt die Sonn« ihr« glühendsten Farben auf die Erde. Da strahlen die verschneit«» Höhen in goldenem Widerschein, einzelne Taimen schein«» in Feuersglut zu stehen, die kahlen Kuppen, die tannenbewachsenen Hänge heben sich scharf ab von der blendenden Farbenpracht am Abendhimmel. Langsam geht der Tag zur Neige: aus den Tälern und Schluchten steigen die Nachtschatten auf, verdüstern das Bild mit ihren dunklen Schleiern und löschen das Tageslicht aus. Nur die fern« Berges- kette hält noch ihre Ehrenwache, leuchtet den Tag in sein« dunkle Gruft hinein. Sieghast stehen sie im Glanz der Abendsonne da, die kühnen Recken, herausgehoben aus der Niederung und oerklärt vom Glorienschein des Lichtes. Scharfe Türme, Zacken und Spitzen, eng aneinandergereiht, leuchten im goldenen Abendschimmer maje- stätisch herüber. Ihnen gilt der Sonne erster und letzter Gruß. Ein gewaltiges Alpenglühen zeigt sich in all seiner Pracht dem Wanderer. Mittlerweile ist der Tag vollends entschwunden, ein herrlicher Wintertag ist in Glanz und Schönheit ins unendliche Meer der Ewigkeit hinabgesunken. Ein eisiger Hauch weht uns entgegen, in tiefem Dunkel liegt die Landschaft. Eiligen Schrittes, auf flinken Skiern, geht es hinunter ins Tal, dem blinkenden Licht« zu. Dort oben, am nächtlichen Himmel, strahlen milde Stern«, grüßen den scheidenden Tag, leuchten hinüber in einen neuen, der mit junger Kraft sein Werk beginnt. Skala und Plaza. In diesem Monat ein erlesenes Programm. Unter den Artisten find viele neue Gesichter, die man zum ersten Male in Berlin sieht. Zunächst Harry und M a r j o r i e R i st o r i. die nicht nur virtuos Violine spielen, sondern dazu noch steppen, tanzen und singen. M a n n i n g und C l a ß produzieren sich in alten und neuen Tänzen auf dem Drahtseil. Der spanische Fandnngo könnte auf spiegelndem Parkett' nicht besser wirken und der Russentanz auf schwankendem Seil bracht großen Beifall. Ueberhaupt ist dem Tanz diesmal ein breites Feld im Programm eingeräumt. Die beiden Hugos, er Riese, sie Püppchen, wirken schon beim Austritt durch das Paradox« ihrer Erscheinungen und sind in ihren Tänzen von wundervoller Komik. Jack Stanford. Steptänzer, ist ein wirbelndes Etwas rhythmisch zuckender Glieder und B e r i n o f s und Eulalia zeigen nicht nur schöne Körper, sondern auch Höchstleistungen aus dem Gebiete des akrobatischen Tanzes. Auch die Iackson-Girls warten mit einem neuen rhythmisch, sehr hübsch abgestuften hollän- dischen Tanz auf. Die musikalischen Elowns ArnautBros bringen neben anderem das nicht mehr neue aber immer wieder wirkungs- volle Duett eines Kanarienvogelmännchens und-Weibchens. Dem febr sungsn Balljongleur B o p R i p a �gehorchen die Bälle wie folgsame Hunde. Mit einer Ruhe und Sicherheit jongliert er mit ihnen in den schwierigsten Situationen, man kann ihm wohl eine große Zukunft versprechen. Iosma Selim.in den temperament- voll und liebenswürdig vorgetragenen Chansons, die von Dr. Ralph Benatzky gedichtet uito komponiert sind, konnte sich des üblichen. reichen Beifalls freuen, der ihr auch in der Scala gespendet wurde. Das Programm der„Plaza" un Ostbahnhos bringt für die erste Hälft« des März ausgezeichnete Leistungen auf dem Gebiet« der Gymnastik. Zuerst F r e d R o l a n d. Er wie auch sein Partner meistern den Körper vorbildlich. Von demselben überlegenen Können legen die vier S« r r a s, die das gleich« Gebiet beherrschen, ebenfalls beredtes Zeugnis ab. Gleich zu Beginn des Abends produziert sich Mr. Heny mit seinen vierbeinigen Lieblingen: Es ist Hundedressur tn großem Stile. Mit Geschick und tomischer Mimik erledigen I a q u e s und Harry Deep ihr« Ausgabe als Jongleure. Von recht amüsanter, wenn auch nicht origineller Seit« zeigen sich Man und Thit als Akrobaten. In der Fregolia lernen wir ein« Dame kennen, die es versteht, blitzschnell Herren- und Damenkleidung, Haartrachten und Hüte zu wechseln. Später zeigt sie in einem Film den Trick ihrer Arbeit.„Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- tangel" betitelt sich ein Sketsch, dem man mit einiger Skepsis«nt- gegensicht. Bald aber schwindet die Skepsis: man lacht, ja, kann sich nicht mehr halten, über diesen Blödsinn, so daß es im großen Haus« nur so schallt! Kabarett der Komiker. Da sind zwei Frauen, die mit ihrem bodenständigen Humor richtig« Stimmung schaffen. Gisela Werbe- z i r k, die Wienerin aus der Leopoldstadt, die leider diesmal in einem höchst albernen französischen Schablonenschwank kaum zur Geltung kam. und Lotte Werkmeister, die schnuddlige, blond« Berlinerin, die mit kessem Augenplmkern und vergnüglichem Glucksen all das Gemeckere ihrer Landsleut« um«in bißchen Lieb«, Frohsinn oder Modernität so trefflich charakterisiert. Tamara and Roberts sind zwei prächtig tanzende Schiffsjungen, die mit Humor und Exaktheit allerlei ulkige Kaskaden servieren. Emilia Vidali ist eine stimmliche Vprtragskllnstlerin von Rang, Scamp and Scamp treiben Allotria am Reck. Witt, Carr and Redd spielen auf drei Flügeln schmissige Jazzmusik, und Willy Rosen verzapft mit gewohnter Bravour humoristische Klaviervorträge. Paul Nikolaus und Fritz Grünbaum teilen sich in das Amt des Ansagers, und beide werden ihrer Aus- gäbe in angenehmer Weise gerecht. Aedsitsi'dtt«iung55«kul«. tlsuts, Mittwoch, abends TVj Uhr, pünktlich LlndenstraBe 3, 2. Hof II, Zimtner II, Dritter Vortrag im Kursus für Laienrichter und in der freiwilligen Oerichtsbarke t tätigen Genossen und Genossinnen. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Maruhm M. d. R. sp icht über das Stralrecht— besjnderer Teil. Kommunalpolillsche Vortrassreihe Sonntag, den 17. März, vormittags 10 Uhr, Rathaus, Eingang KönigstraBe, Bürgermeister Paul Hirsch, Dortmund, spricht über Verfassung und Verwaltung unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Berlin.— Mitgliedsbuch der SPD. legitimiert Hörgeld wird nicht erhoben. parieinachnchien fürGroß-Verlin Einsendungen für Mefe Subtlf sind Berlin SA 68, Lindenstrabe 3, stets an da« Bezlrkssetretartet 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten. <. Rreis Prenzlauer Berg. Donneeetag. t<. Mäez, l»Vi Ahr, t» den Raflns. gestsäleu, Pappelallre 13, Rreioacrireterpcrsammlung. Vortrag. Resereut Stadtrat Ernst Zieutcr. Ziaiutkubfratuag. veriehrssragen. 5. Rtel» Friedrickshain. Siimtliche Adtrilungen werden gebeten, in allen Bezirken iiHgehend Mitglieder zur Zeitung-kommission wählen zu lassen. D!« Bez!rlWhr-r tnilssen sosort die Mitgliederlisten beim Nreisobmann, Kenossen Iakdbits,«rautstr. ZI, einsenden.— Inngere Parteigenossen! ?onn»r»tag, 14. März, 20 Uhr, im Jugendheim Tiisitcr Str. 4, Vortrag: ..Wirtschaftliche und soziale Lage Chinas." Es spricht ein Miiglied der Kuomingtana. I«.»reis gehleudars. ssreitaa, 15. März, lg>4 Uhr,»reisvorstanbüsitzung im Wirtshaus Schilling,$ o 5t» m, KSn!gin»Lu!se.S!r. 40. 14.»reis Rcntrlln. Sic»rcisnertretcroresamminng sindet am Freitag, 22. Rärz, 1»<4 Ahr, in de» Paffage-Frltsälea, Bergstraße, statt. heule. Mittwoch. 13. Marz. 20.«dt. 19% Uhr zah labende bei Bontke, Cdtulsti. 74. Vortrag:»Sie «rbeiterwohlsahrt." Beferentin Meta Paasch. Bose,»oloniestr. Id. Tillgner,»o onicstr. 42. Referenten werden oor Beginn der Berlanttn. lnng befannlgeqebe». 43. Abt. 19% Uhr Zahlabende. Truppe»Inski: Lokaf Minnig. Lausiger Straße 46. Vortrag:„Europäiscte Arb eilerbewegung." Referent Genosse Allina. Gruppe Rüden: Lolal Bokel. Förster Str. 9. Vortrag:.Repara- tionsprabiem." Referent Genosse Vogt. Gruppe Sohlstein: Lokal Penski, Wiener Str. 53. Bortrag:..Rriori» der ssürsorgeerzichung." Refcrent Otto Fentelati. Gruppe SoG: Lokal Wienz-er. ssVchetiberger Str. 104. 78. Abt. Wilmersdorf. 20 Uhr bei Rtoiß. SoUteinifche Sil. 60, Vortrag: „Bolitifche Plaudereien." Referent Sans Nickel. 90. Abt. Neukölln. SO Uhr Mifgbedervcrfommiungen in fofaenden Lokalen: 18. Bezirk bei Rüdiger. LohmIUenstr. ZS: 13. und S6. Bezirk bei Jahn, Fuldassr. 46: 16. und 26. Bezirk bei Tckönsii», Weichseisfr. 15, Referent Genosse Backhaus: 17. und 24. Bezirk bei Lehmann, Tellstr. 9, Referent Genosse Allmann: 22. Bezirk bei fliemf, Berliner oft. 100, Referent Genosse Werner: 28. und 86 Bezirk bei Schabeiko, Weichsefftr. 5, Referent Genosse Rblting: 34. und 48. Bezirk bei»ienitt. ssfughafenftr. 7: 33. Bezirk im Ideafkassno. Weichfelstr. S. Lichtbildervortrag. Referent G-n. Droedatius. 99. Abi. Beiß. Buckow. 1g% Uhr Iahlobend«. 2. Bezirk: Lokal Becker, Chaussee» straße 97. 4. Bezirk: Lokal Reis. Hannemannstr. 84. 122. Abt. Biesdorf. 20 Uhr ssahfabend bei Boroth, Marzahner Str. 81. Bor- trag:..Soziafdrmokrafie und Wrhrproaramm. Referent»urt Großmann. 124. Att. M-bfedorf. 20 Ubr bei Anders, Babubotstr. 87, ZshreshanptpersomM» lnng. Jahresbericht. Renwabl des Vorstandes. 186. Abt. Reinickerbarf.vst. 19% Uhr?ab?abende. I. Bezirk: Lokal»onnifc, Graf-Rädern-Allee. 2. bis».. 1«. und 11. Bezirk: Lokal Rochhaus. Relibeii», straße 152. 7 bis 9. Bezirk: Lokal Steinbach, Schillerpromenade 48. 12. bis 14. Bezirk: Lokal Spindler, See., Ecke Sansastraße. 13. und 16. Bezirk: Lokal Ret-mann, Pankower Allee. Ecke Prooinzstraße. 17. bis 21. Bezirk: Lokal Brückner. Proninzstraßr. 140a Abt. Wittenau. 20 Uhr im Lokal Schulz, am Nordbahnhof. Mitglieder- verkammlung. Vortrog:.Tie Aufgaben her städtischen Werke im Jahre 1929." Referent Stadtv-rortMcter Heinrich Schäfer. Morgen. Donnerstag. 14. März. 28.«M. Achtung!»reisnertreteriag um 19% Uhr in den»assno-Festfälen. Pappelallee 13. Vie Delegierten, die noch nicht im Besshe ihrer Mandate sind, nebntcn dieselben am Saafeingang beim Genossen Beer in Empfang. 88. Att. 19% Uhr bat die 84. Abteilung ein« Besichtigung der Ausstellung Kindliches Schaffen und Kunstwerk" des Boilsbildurigsamfes Friedrich». bain in der Petersburger Str. 4 vorgeseben. Führung: Genossen Wuttl« und Hoepner febeirtalls einleitendes Referat). 94. Att. Reukölln. 19% Uhr Versammlung 33.166. Schul« in Reukölln, Seichenfaal, Weisestr. 19—20. Vortrag: ,?n weiche Schul« schicke ich mein Kind?" Referentin Lehrerin Gertrud RShler. Frauenveranstattung. 46.«tt. Freite g, 13. März, pünktlich 18 Uhr. treffen sich hie Senpsstnnen, um die Ausstellung„Wien im Bild" zu besichtigen. Eintritt frei. Bezirksausschuß für Arbellerwohlfahrt. 8.»rei, Wedding. Donnerstag, 14. März, 20 Uhr, Schänstedtstr. 1, 8. Stock. »rei sausschußsitzung. Alle Abteilungsleiter der Arbeiterwohlfahrt, Fach. gruppenobleuie und Schriftführer, die Vertrauensleute der mit uns arbei. tendcn Organisationen werden gebeten, unbedingt an der Sitzung teil- zunehmen. Berichte der Fachgruppen über die bisherige Arbeit. ,ssu- sammenarbeit mit anderen Organisationen. Geschäftliches. 6.»reis Rrenzberg. Freitag. 13. März. 18 Uhr, treffen sich alle in der Wohl. fahrtspfleg« tätigen Genossinnen und Genossen am Geiundheitshaus am Urban zur Besichtigung der Ausstellung.Wien im Bild". Eintritt frei. Zungsozialisten. Gruppe Baumfchulenweg: Wir befefligen uns heut«, Mittwoch, 18. Mär», geschlossen an der Mitglicterrersammlung der Partei. Der Heimabend fällt aus. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-verlia. Seminar am Donnerstag. f4. Mär,. 20 Uhr. in der Paracke Renlölln. Gang. hafeestraße. Thema:.Entwicklung landwirtschaftlicher Arbeitsformen"(mit Lichtbilderu). »reis Neukölln: Heut«, Mittwoch, Sprechstund« von 17 bis 18 Uhr in der Baracke Ganghoferftraße. Morgen, Donnerstag, von 16% bis 19 Uhr, Sprech. chorprobe im Kaiser-ffriedrich-Realgymnasium. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Otniendungen ldt diese StPbrU nB«n See Zageabfetretaeiat »erst» GW«, rindenfiraß« 8 Es müssen nach»an perfchiedenen Abteilungen abgerechnet werden: Volks» bühnenlatte» und Frtedrich-Ettrt.Heim.Markeu. Abrechnung der Beiträge usw. heute zwischen 17 und 19 Uhr. Heute. Mittwoch. 19% Uhr. Arlanaplatz: Schul« Slisabethklrchstr. 19..Iugendtagerlebnlsse."— Wedbing: Seim Turiner, Eck« Seeftroß«.„Praktilche Gruppenarbeit."— Petersburger Viertel: Heim Tilsiter Str. 4. Lichtbilder:„Wien."—«eichenttrger«ier.el: Heim Britzer Sir. 80.„Meine Lehrzeit."— aharlottenburg.Rord: Heim Oid-rs. strnße.„Wien."— Tempelhol: Lpzeitm Eermaniastr. 4— 6..Bub und Mädel." — Wanniee: Schul« Eharlottenstroße.„Friedrich Ebert."— Friebricksselde: Heim Alt-Friedrichsfeid«, Ecke Schiotzstrojje. IN-Minuten. Referate.— Lichten. ttrg-Mitt«: Heim Scharnwebersir. 29.„Wehrirage."— Reu-Lichtenberg: Heim Hauflstraße lSportpIatz)..Januarkämpse." Werttttzirk Ostea: Heim Tiisitrr Str. 4. Lichtbiideroortrag der Abteilung Petersburger Viertel:.Dos Rote Wien". Unkostenbeitrag 10 Pf. Die Gruppen sind eingeladen..„ Werbe bezirf SchZneberg: Sildungskursus.Das»ommuntst.sch« Mauisest", Schule am Wortburgplatz. LSG. Nenfslln: Heim Pergstr. 29.„Taac-politische Fragen.__ 83«. Wedding und Brunnenpiatz N: Schule Gotenburgcr Str. 2. 17% Uhr: Märzseier._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. « Reichsbanner..Schwarz-Rok-Gold". AiBSm SesckSItssteile: Berlin 0. 14. Sebastianstr. 37188. Hof 2 It. Gauoorstand. SRätzfciet am Sonntag, 17. 9Käts,10 lif)t, im bellet all» zur Stell«.— D-aaeestag. 14. Mär». Ziergarte»: 20 Uhr Bolluer- sammiuug des Ortsrerrins in den Arminiushallen. Bremer Straße. Vortrag Rom. Vit» Meier, M. d. L.:..Politik in Preußen". AnschNeßcnt B er cht der Ramerads-baftsführrr. Pfil»terfd:einett. Friedrickshain, f-.ameradfchast strank. furt: 20 Uhr Sitzung bei Otto. Rigaer. Eck- Proekauer Straße. Erfd.-'ii-n Pflicht. Referat. Pten, lauer Beeg. 8. Hundertfckait: 20 Ubr Versammlung in d:n Schönhauser Festsäien. Filmoortrag. Zleu.wahi. Erscheinen Psl'.cht. Ren. «ölln.Beitz, Iungdanner: 20-22 Uhr Schutzfportattnd. Turnhalle Walter. Rothe nan-Echule, Boddinstroße.— Freitaq. 13. März,»renziauer Seeg: Ab 20 Uhr Baden im Etadtdod vderderger Straße T-mpelh-s: 2« Uhr im Resta-.- rant Ol!» Pinger, Tcmpelhos. Dorfftr. 30. MitgNederpersammlung bei erat Seimut p. Geriach:„Reichsbanner und Friedensbewegung." We:tzenfec: 19 Uhr Borstondslitzung, 20 Uhr sämtliche Funktionäre bei Bohlmann.�Lang. hansftr. 102— Wintertpeetattellnug: Viertägige Oster-eek. fahrt ins n.lef gebirge. Eesamtkostrn 43 M. Anmeldungen mit 3 M. Anzahlung an Stom James Breslaner, Markgrafenstr. 22. Anmrldeschlnß: 18. März. Sonna.end, 16. März, 20 Uhr. Monatsoerfammlung und Preisvcrteilnng. Anlchl rßend geselliges Beisammensein in Schneiders Hotel, König-, Ecke Klosterstraße, Bnnd entschiedene, Schuir« soemee. veffcntlich« Versammlung Dienstag, 19. März, 19% Ifhr. im W«rner-E!emen.s.s"eaignmnasinm, Hoh-nftauten. straße 47—48. Es spricht Oberswdiendirekior Dr Georg Vilmar iioer„Die Häher« Schule als Gesamtschule im Rahmen der Einheitsschule." Jedermann wiÄmnmen. Deutscher»-«ist-nttinb. Freitag, 13. März, 20 Uhr, Aula des Werner. Eiemen».5se«»7qymnastums, Ccköneberg, Ho�ZpstQufen straße 47— 4d, jpt-'.chr Dr. Tftii Echift über �Asien unS Europa". Ein Bergleich. Modenrevue bei Tieh. In sämtlichen Geschäften des Warenhause? Tietz finden zurzeit Modenvorführunpen statt, um dem Publikum das ModebiUl der kommenden Saison zu zeigen. H«llsarbig, bunt, lebendiq heißt die Devise der Frühjahrs- und Sommermode. Kleid- che» aus leichten, meist porösen Wall- oder Slrickstofsen in hellen Farbtönen für den Vormittag, dazu ein herrenartig gearbeiteter Mantel au« derberem, rauhem Stossmaterial. in sich gemustert, in bräunlichen und grau«n Farben. Daneben behauptet sich nach wie vor das Schneiderkostüm, das durch einen flotten Pullover, Halstuch und Knopflochblume etwas aus seiner Ruh« gelockt wird. Dazu trägt man den ollbeliebten kleinen Filz, oder etwas größere Schuten aus zartem uni oder buntem Seidenstroh. Rot ist Tnimph. Die Nach- mittag», und übend Neider weisen eine reichhalttge Fülle an warben. Stossmaterial und Verarbeitung auf. Bunt«, ganz groß und ganz kleine gemusterte Kleider aus Lröpe cke Qune, Kunstseide-Musscline, Vott« usw. mit koketter Spitzen- oder Falbelgarniwr, andere wieder dunkel abgesetzt, sind der letzte Schrei. Und wer ganz schick sein will. der trägt dazu ein flottes, ärmelloses Bolerojäckchen, oder einen Mantel aus durchsichtigem Woll-Etamin«, Woll-Georgette in dunkler Unifarb«, meist blau oder schwarz. Das Complet, zwei- oder drei- teilig, besteht auch in dieser Saison weiter. Ersparnisse im haushall. Die bange Frage„Wie komme ich mit meinem Wirtschaftsgelde aus?" stellen sich die Hausfrauen täglich aufs neue. Sie werden es daher freudig begrüßen, wenn sie bei den demnächst stattfindenden Vorträgen über Gasersparnisse, verbunden mit praktischen Kochvorführungen, Winke zur Erzielung eines mög- lichst geringen Gasoerbrauches für Kochzwecke erhalten. Die Möglich- keiten hierzu sind vielfach noch recht wenig bekannt, weshalb es sehr zu empfehlen ist, die im Bezirk Mitte stattfindenden L o r t r ä g e der Berliner Städtischen Gaswerke A-G. zu besuchen. Die Vorträge finden am 13. März 19>s Uhr in den Eily-Feftsälen, Dresdener Str. S2, und am IS. März 19 Uhr in den Harmonie- Festsälen, Invalidenstr. 1». statt. Gleichzeitig sei auf das öffentliche Wettkochen, das am 18. März 16)4 Uhr in den Festsälen Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 49/41, veranstaltet wird und an dem man sich kostenlos beteiligen kann, hingewiesen. Das vom Feld herrührende Asthmaleiden hat sich durch Ihr Nymphosan bedeutend gebessert. Das Präparat hält wirklich, was es in der Reklame verspricht. Ich spreche Ihnen daher meine Anerkennung aus und werde jedermann, der mit solcher Krankheit behaftet ist, Ihr Fabrikat aufs beste empfehlen. So schreibt A. 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Die Herrschost über die Firma Opel, die im vorigen Herbst «ine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 60 Millionen Mark une.er bem Namen Adam Opel A.-G. Riissclsheim geworden ist, wird an die Amerikaner übergehen, und zwar an die General Motors. An dieser Tatsache ist heute kamn«in Zweifel möglich; das meinen auch die nächstbeteiligtcn deutschen Großbanken. Die Tatsache bedeutet, daß die Aktien der Zldam Opel A.-G. aus beut- schen in amerikanischen Besitz wechseln, daß die großen Produttions- anlogen in Rüsselshcim bestehen bleiben, ober nicht mehr von einem deutschen, sondern von amerikanischen Unternehmern geleitet werden. daß weiterhin deutsche Arbeiter, nur jetzt mit amerikanischem Ka- pital und unter amerikanischer Leitung, auf deutschem Boden Autos und Fahrräder produzieren werden, daß für den Kaufpreis der Aktien amerikanisches Kapital nach Deutschland kommt und daß die Familie Opel, die Empfängerin des Kaufpreises, ihr Geld nicht mehr in eine Autofabrit, sondern wo anders angelegt haben wird. Freilich. die Adam Opel A.-G. ist nicht ein beliebiges deutsches Unternehmet]. Sehr viel und sehr genaues wußte man von Opel nie. Als Familienunternchnien war sie in der Vergangenheit der Oeffentlich- keit keine Rechnung schuldig, und als Aktiengesellschaft hat sie erst «in halbes Jahr existiert. Es steht aber fest, daß Opel der größte deutsche Auto- und Fohrraderzeugcr ist, nach seiner Leistungsfähig. keit wahrscheinliäi auch der größte europäische Auto- und Fahrradproduzent. Die Leistungsfähigkeit für die Autoprcchuktion wird für 1928 aus jährlich ISO 000 Wagen angegeben, tatsächlich sollen 69000 Wagen produziert worden sein, was gegenüber Ford und General Motors mit je 8000 bis 9000 Stück pro Tag gewiß nicht viel ist, innerhalb der deutschen Autoindustrie aber 50 bis 60 Proz. der HesamtprÄncktion ausmacht. Di« Kapazität für Fohrräder schätzt man aus 1.2 Millionen bis Ich Millionen Stück im Jahr, die latsächliche Erzeugung dürste aber sehr erheblich darunter liegen. Der Ausstieg der Firma Opel war enorm. Wiederum ist kein Vergleich mit den amerikanischen Riesen möglich, aber da die Opelsche Auto- und Fohrradproduktion spätestens fest 1924 ganz sizste- matisch aus die Bandsobritation unigestellt wurde, da Opel mit seinen Gadan'en der Massenherstellurcg des billigen Wagens für den. kleinen Mann im ganzen wohl recht beholten Hot, ist Opel zum mindesten für Deutschland als der wichtigst« Faktor der Auto- und Fahrradindustri« anzusehen. Es kommt hinzu, daß die Firma DnÄ in Rüsselsheim seit 1924, während die übrig« deutsch« Auto- mdustrie von einer Finonztrisis in di« andere schlidderte, immer gut oerdient hat. Das richtige Augenmaß für den Fall Opel. Nun ist gewiß der Größe des Objektes nach— es handelt sich lZöchstcns um 130 Millionen neue amerikanische Kapitaleinsuhr, und deutsche Aktien sind sicher schon in viel höheren Beträgen in ausländische Hände übergegangen— die Opel-General Motors-Trans- oktion an sich nicht zu überschätzen. Auto und Fahrrod sind durch ihre Beziehungen zum Sport zur Mode und auch als Mittel, Zeit für Wege zu sparen oder mehr Zeit für di« Muß« zu finden, eine populäre Angelegenheit, und dos ganze Volk kümmert sich darum. In Deutschland kommt hinzu, daß die mannigfaltigen Krisen in der Autoindustrie, die Kämpfe der Großbanken um ihr« Beherrschung bzw. um d>« Abwälzung von Verlusten aus dem Besitz von Aktien- pakcten, der Charakter der Autoindustrie als hochwertig« Fertig- und Exportindustri«. der Kamps um die Erziehungszolle, die große Autoreklome und die Propagierung des Kaufes deutscher Autos dem Schicksal der Autoindustrie in der Oessentlichkcit ein besonderes Interesse gesichert hoben, lieber diesen Dingen soll man aber nicht i eberf el)cn." daß«s sich bei dem Verkauf von Opel an General Motors doch grundsätzlich zunächst um ein« kapitalistische Trans- aktion wie jede andere handelt. Dennoch aber ist es berechtigt, von einem Fall Opel zu sprechen, der allgemeine und volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Das liegt noch weniger an der an sich nicht bedeutungslosen Tatsache, daß ein großes deutsches Unternehme» auf einmal als Gesamt- unternehmen in ausländische Hände kommt, obwohl es gewiß für das öffentliche Bewußtsein in Deutschland alarmierend wirken wird, daß dies jetzt geschieht und daß es gerode das führende und tos allein wirklich ren tobst? Unternehmen der deufsthen Autoindustrie ist, an der außerdem gewisse nationale Gefühlswerte hängen. Man wird die Bedeutung des Falles Opel mehr dann zu erblicken ivben, daß durch den Uebergang von Opel an General Motors dem öffentlichen Bewußtsein mit elementarer Kraft klar wird, daß das amerikanische Aiitokopitol jetzt von Deutschland, vom deutschen Ab- satzmarkt für Autos und darüber hinaus weitgehend vom ganzen europäischen Kontinent sichtbar Besitz ergreift. Die Ueberlegenheit der amerikanijchen Technik und Kopitalstärke, erioachsen aus einer glücklicheren Partnerschaft am Weltkrieg und ac�f der ungeheuerlichen Aufnohmekrast des inneroinenkanischen Marktes, erobern auf dem populärsten Gebiet der industriellen Betätigung den europäischen Kontinent. Sin Ausschaltl an» der amerikanischen Eroberung Europas. Der Uebergang der Firma Opel an die General Motors ist ein Stück des großen Prozesses, mit dem seit«inigen Jahren die Ford- Tompagnie und General Motors Europa zu erobern begonnen haben. Daß die Methoden der beiden Gesellschaften v e r s ch i e- den sind, daß Ford eigene Fabriken unter dem Namen„Ford" in den europäischen Hauptstädten errichtet, während General Motors vorhandene führende Fabriken in den europäischen Haupt- [ändern kaust, bedeutet nur«ine Variante in der großen Tat- sache dieser Eroberung des europäischen Kontinents. Diese Tatsache ist es, die den Fall Opel bedeutsam macht und die auch vom volks- wirffchaftlichen Standpunkt aus dazu zwingt, die Bedeutung und die Konsequenzen des Falles Opel zu überlegen. Es entsteht mit anderen Worten die Frage, ob zur Verhinderung des Ver- kauss von Opel an General Motors aus volkswirtschaftlichen Grün- den etwas hätte geschehen sollen, und es entsteht die andere Frag«, welche Folgen der eventuell nicht zu verhindernde Verkauf für die deutsche Autoindustrie, und wenn ähnlich« Fälle in anderen Ländern folgen, für die europäisch« Autoindustrie Hot. Vrikgbhende Zwangslöufigkeik der Dmge. Wir hallen di« erste Frage, ob etwas gegen den Verkous van Opel an das Ausland hätte geschehen können, für müßig. Ein Eingreisen des Staates wäre nach Auffassung der Unter- nehmer im kapitalistischen System inkonsequent, es konnte und es kann nicht in Frag« kommen. Was von der Prioatindustrie aus und von den beteiligten deutschen Großbanken geschehen konnte, dürste wahrscheinlich geschehen sein. Jedenfalls ist bekannt geworden, daß von der in der Daimler-Gruppe führenden Deutschen Bank ent- sprechende Verhandlungen mit der Firma Opel geführt worden sind, und auch von der Darmstädter und Nationalbank, die bekanntlich den Adlerwerken nahesteht, wird behauptet, daß vergebiiche Ver- Handwagen geführt worden seien. So wird man den Uebergang von Opel an General Motors so zu verstehen haben, daß einmal di« finanziellen Möglichkeiten, den Verkauf zu verhindern, nicht ge- geben waren, und daß zum anderen die Firma Opel selbst aus zunächst nur ihr bekonnten Gründen den Verkauf für das richtige hält und entsprechend vorgeht. Wir glauben auch nicht, daß die Bemühungen um die Schaffung des deutschen Autotrusts, an dem sich mit aller Sicherheit Opel nicht beteiligt haben würde, ohne Opel eine erfolgreiche Chance für die deutsche Autoindustrie gewesen wären, wenn einmal die beiden Amerikariesen Ford und General Motors ohnehin die Absicht haben, den europäischen Kontinent zu erobern. Die Vermutung ist nicht ungerechtfertigt, daß ein Autotrust als Torso der deutschen Auto- Produktion dem Ansturm von General Motors und Ford sicher nicht gewachsen gewesen wäre und daß ein Trust die heute zu erwarten- den Schwierigkeiten für die deutsche Autoindustrie nicht verringert haben würde. Man würde Vogel-Strauß-Politik treiben, wenn man angesichts einer von Ford in London. Berlin. Antwerpen, Kopen- Hagen, Paris, Barcelona, Trieft, Stockholm, Helpngfors, Rotterdam bereits eingeleiteten Ricsenprodukiion von mehreren 100 000 Autos, einem heute schon bestehenden 4l>0.Millionen-Umsatz von General Motors in Europa und dem wahrscheinlich nach Opel zu erwarten- den Uebergang der italienischen, französischen und ungarischen Führcrsirmen an General Motors die Chancen eines deutschen Autotrusts besonders hoch eingeschätzt hätte. Stil Tatsachen rechnen. So bleibt nichts anderes übrig als mit Tatsachen rechnen, und wenn Opel an General Motors endgültig übergeht, die Totsache endgültig in Rechnung zu stellen, daß zwischen den amerikanischen Riesen und der europäischen Autoindustrie ein außerordentlich schar- ser und harter Kampf einsetzen wird, der aber um so verlustreicher für Deutschland und Europa sein wird, je später man mit dem Ernst der Tatsachen rechnet. Wir glauben, daß die deutsche Autoindustrie verhältnismäßig noch viel erholten und selbst gewinnen kann. Wenn General Motors in Rüsielsheim produziert, so wird er mit großer WohrscheiMich- keit sich aus billige Typen einstellen, deren Mosseiffabrikation einen großen kapitalistischen Aus wand am ehesten lohnt. Es werdcn teurere Wagen, Luxuswagen, Spezialwagen, Lastautos und Motorräder eine Produktion sein, die auch von großen und leistungs- fähigen deutschen Unternehmungen aufrechterhalten werden kann. Wenn es aber der amerikanischenProduktion in Deuischland und Europa gelingen wird, die Produktionskosten und die Preise für billige Wagen erheblich zu senken, und dos muß dos Ziel für Amerikaner in Europa sein, oder auch sie machen pleite, dann kann in volks- wirtschaftlicher Betrachtung der Verlust kaum groß sein. Es kann daraus im Gegenteil eher»och ein Gewinn erwachsen. Gelingt im großen Umfang die Absatzsteigerung, so wird die Zahl der in der Autoindustrie verwendeten Arbeitskräste nicht sinken, sondern steigen; uird die Belebung der Lieferantenindustrien in Deutschland und in Europa wird deshalb nicht kleiner sein, weil es omerikonisches Kapital und amerikanische Methoden sind, mit denen produziert wird. Allerdings ist dafür eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen: es müsien die Zubehörindustricn, es müssen die Lieferanten aller zur Autoproduktion benötigten Stoffe und Waren so leistungsfähig sein, daß sich für die amerikanischen Produzenten die Fracht und die Zölle nicht lohnen, die mit dem Import von amerikanischen Maschinen. Rohstoffen und sonstigem Zubehör verknüpft sinf». Für die deutsche Autoindustrie freilich wird es mit Sicherheit schwierige Uebergangszeiten geben. Die Autoindustrie steht vor ganz neuen Umftellungsproblemen und ein großer Teil des in der Autoindustrie investierten Kopitals wird so oder so als verloren betrachtet werden müssen. Das ist aber bei den heutigen Börsenkursen der Autofirmen schon weitgehend Taffache, das sind Dinge, mit denen die deutsche Autoindustrie nicht erst seit gestern und heute, nicht erst mit dem Fall Opel zu rechnen hatte. Das ist eine Entwicklung, die schon seit Jahren vorgezeichnet war und von der man nur sagen kann, daß ihr mit viel zu wenig Enffchlußkrast und Tatsachensinn entgegengesehen worden ist. Diese Entwicklung ist gewiß nicht zu begrüßen und auch die Arbeiterschost hat keinen Anlaß, sich über diese Entwicklung zu freuen. Aber sie ist zweifellos sehr weitgehend ein natürliches Ergebnis der Lage, die mit der Ausblutung Deutschlands und Europas durch den Weltkrieg, desien Kosten immer noch nicht bezahlt find, und durch die viel glücklichere Partnerschaft Amerikas am Weltkrieg gekennzeichnet ist. Wir glauben, daß man in einer solchen Lage alle Kräfte darauf konzentrieren muß, das beste aus ihr zu machen und dazu sollte der Fall Opel eine tiefwirkende Anregung werden. preußische(Siaatsbank als Kaufmann. Privatdienstvertrag für Beamte. Das preußische Stoatsintnisterium hat einen Gesetzentwurf aus- gearbeitet, der die Umwandlung der Preutzijche« Staatsbank, der alten Seehandlung, in einen modernen kauf» männischen Betrieb vorsieht. Wie bei den großen preußischen Wirt» schaftsbetrieben und der Preußenkasfe soll das Geschäft der Staats- dank in Zukunft unter Berücksichtigung des Staatswohls und der allgemeinen wirtschastlichen Erfordernisse nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet werden. Von der Uebersührung m eine Aktiengesellschaft hat man im Jnteresie eines möglichst engen Zu. sammenarbeitens zwischen Staat und Staatsbank abgesehen, dagegen soll die Führung der Bücher und die Aufstellung des Jahresabschlusses (Bilanz und Gewinn- und Berlustrechnung) nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches über die Attiengesellschast vorgenommen werden. Auch tritt an Stelle der tomeralistischen Kontroll« der Oberrech- nung stamm er. die ihrer Aufgab« seit langem nicht mehr ge- wachsen ist. die Prüfung durch eine noch Anhöryng der Oberrech» nungskammer und der Slaatsbank zu bestimmende Reoisions- g e s e l l s ch a f t(Treuhand). Im übrigen soll sich in der Stellung der Staatsbank nichts ändern. Sie bleibt ein« Anstalt des öffent» lichen Rechts, die ihre Satzungen vom Staatsministerium erhält. Der Staat hastet auch, nach wie vor, für olle Verbindlichkeiten der Bank unumschränkt. Die geplanten Veränderungen bedingen nach Ausfasiung de« Staatsminsteriums auch«ine AenderungderPersonalver- h ä l t n I s s e. So sollen die zum Geschäftsbetrieb der Staatsbant er» forderlichen Personen in Zukunft auf P r i v a th.» ensto e rt r a g eingestellt werden. Der Präsident und die übrigen Mitglieder der Generaldirektion werden vom Finanzminister auf die Dauer von vierJahren ernannt. D«n bisherigen Beamten fleht es frei, in ein Prioatdienstverhältnis überzutreten. Di« zur Zeit des Ausscheidens aus dem Beomtenvcrhältnis erworbenen Ansprüche auf Ruhegehalt und Hinterbliebennsüfforge bleiben gewahrt. Eine An- stcllung im Beamtenverhältnis findet jedoch nicht mehr statt. Soweit dies für vorhandene nicht planmäßige Beamte zu unbilligen Härten führt, sind Ausnahmen mit Zustimmung des Finanzininisters zulässig. Geht es der Textilindustrie schlecht? Die Dividenden geben die Antwort. Seit Monaten bemüht sich die Textilindustrie, diy Oeffentlichteit von ihrer schwierigen Lage zu überzeugen. Die Kla- gen über den ständig rückgängigen Absatz im letzten Jahre und die auf der anderen Seite erhöhten Lasten wechseln ab mit Polemike» gegen die Zollpolitik der Regierung, die angeblich di« Interessen der Textilindustrie außer acht lassen. Ganz besondere Energien aber entwickelten die einzelnen Verbände der Textilunternehmer, wenn es galt, Lohnforderungen der durchweg schlecht bezahlten Belegschaften, ganz gleich, ob es sich um westdeutsche, sächsische oder schlesische Bezirke handelt, z u sabotieren. Daß die Hochkonjirnktur der Textilindustri« von 1926/27 im letzten Jahre abgestaut ist, wird niemand bestreiten, ebensowenig kann abar die Textilindustrie behaupten, daß es ihr 1928 allge- mein schlecht ergangen sei. Wie außer den bisher schon bekannt gewordenen Bilanzen, weisest auch die in den letzten Tagen veröffentlichten Jahresabschlüsse durchweg hohe Gewinne und Dividenden aus. So zahlen: 1928 1927 Dividenden Duncan Leinen AG(Sachsen).. 10 Pro� 0 Proz. Seidenweberei Viersen..... 15, 15 m Leipziger Baumwollspinnerei... 14, 16# Spinnerei und Weberei Psersec.. 12» 14» Geraer Strickgarn AG...... 12„ 12, Bremer Wollkämmerei..... 12, 12# Falkensteiner Gardinen..... 6• 6, Baumwollenspinnerei Kolbermoor 8« 12. Von den angeführten Unternehmen hat also der größte Test seine Dividenden gegenüber dem sehr guten letzten Betriebsjahr nicht gekürzt. Wenn eine Gesellschaft w-e die Leipziger Baum» Wollspinnerei nach einer Ausschüttung von 16 Proz. ein« Kürzung ans 14 Proz. vornimmt, so will das um so weniger be- sagen, als diese Gesellschaft in der Lage war. m den letzten drei Jahren ihre gesamten Neuanlagen und Moschinenkäufe, die sie etwa > 2L Millionen ZRart gekostet haben, voll abzuschreiben Jini außerdem noch 5(�000 M. Hern Spezialreseroefonds zuzuschlagen. Diese» Unternes/tNen, das je Kilogramm Gespinst rund 10 Pf. Stein» geminn— also fast 25 Proz. des Lohnanteils der Facharbeiter— erzielt, sollte es jedenfalls unterlassen, über untragbare Löhne zu jamM-rn. Wenn seruer der Bericht der Bremer Wollkämmerei auf den verringerten Reingewinn von 1,S gegen 2,7 Millionen Mark und die BetriebAeinschränkungen seit dem August hinweist, so be- meist die Lechtung einer IZprozentigen Dividende bei gleich hohen Abschreibgpgen von einer Million nur, daß wohl die Belegschaft die verschlechterte Goschöstslage durch Arbeitseinschränkung bereits zu spuren bekommen hat. nicht aber die Unternehmer. D>« Baumwollspinnerei und Weberei Kolber- in o o r. München, zahlt gleichfalls trotz der Reduzierung»och die hohe Dinidi�tde von 8 Proz. Bemerkenswert ist, daß zugleich mit einem Rychgang der Betriebseinnahmen von 3,6 auf 3 zugleich auch d.ie Un�bsten sich von 2,9 auf 2,6 Millionen Mark ermäßigten. Bei dieses Gesellschaft sank allerdings der Beschäftigungsgrad von Juli bis Rovember auf 62 Proz. Alles in allem genommen, beweisen also die Gewinnabschlüsse der Textilindustrie, daß si« sehr wohl die heutigen Löhne bezahlen könnte. Und wenn diese Industrie das böse Beispiel der Schwer- industrie nachzuahmen und durch Au-sperrungsdrohungen ihre Be- legschaiten einzuschüchtern versuchte, so zeigt dies nur. wie eng der nolkswirtschoftlich« Gesichtskreis der Textilunternehmer Ist, die die Mctssenkaufkraft erschlagen, von der sie leben wollen. Preußische Jinanzgesetlschast gegründet. Sie heißt„preußische Vereinigte Elettrizitäts- und Vergwerks-A.-G." Die Gründung der FinanzierungsgeseUIchoit für die preußischen Glektrizitäts und Bergwerkaunternehmungen. non der wir kürzlich berichtet haben, ist jetzt vollzogen worden. Das Grund- kapital der Gesollschast beträgt 180 Millionen Mark: e» wird durch die Einbringung sämtlicher Aktien der Preußischen Elektrizitäts.A.-G., der Preußischen Bergwerk»- und chiitten-A.-G.. der Bergwerk»- A.-G. Recklinghausen und der Bergwerksgesellschan Hibernia gebildet. Die Gesellschaft heißt„Preußische Vereinigte Elektrizität»- und Bergwerkz-A.-G." und Hot keine ander« Ausgabe al» die der Kopitalbcschosfung für die angeschlossenen Unternehmungen. Erhöhte Werstgewinne. Deutsche Werst zahlt 6 Prozent auf das erhöhte Kapital. Als erste Großwerft veröffentlicht die Deutsche Werftin Hamburg, deren Großaktionäre die Gutehoffnungshütte(Hornel- Konzern) und die AEG. sind, ihren Abschluß für 1928. Dieses Unteruehmen hat die Befchöftigungskrif« in der Schiffbauindustrie bisher noch nicht zu spüren bekommen. Es konnten im Gegenteil bei dem Unternehmen die Kosten durch gleichbleibend« Beschäftigung der Betrieb« sogar gesenkt werden. Auch die früher« Reiherstiegwerft, die von der Gesellschaft aufgenommen und zu einem Roparaturbetrieb umgestellt wurde, hat im Gegensatz zum legten Jahr mit Nutzen gearbeitet. So tonnte die Deutsch« Werft nach Abzug der Gencralunkosten und Löhne die Betriebsgewinne von 1.28 auf 1,32 Millionen Mark st e i g e r n und auch der ausgewiesene Reingewinn liegt trotz erhöhter Abschreibungen mit 733 000 Mark noch über d«m Ergebnis von 19?7. Da» auf lO Millionen heraufgesetzt« Kapital ist diesmal voll zu verzinsen, so daß bei gleicher Dividend« von 6 Proz. an dl« Aktionäre 600 000 gegen 510 000 Mark im Borjahre abfließen. Der in der Bilanz mit J0.3 gegen 12,8 Millionen Mark ausgewiesene Posten„Im Bau befindliche Schiffe«in- schließlich Material"' zeigt, daß die Werft auch zu Beginn des laufe»- den Jahre» noch gut befchäfligt war. Dies bestätigt auch der Ge- slbästsbericht, der betont, daß der Auftragsbestand durch die Neubau- Aufträge der deutschen Reedereien voll« Beschäftigung für mehr a l s ein Jahr sichert. Berücksichtigt man. daß die Deutsch« Werft, wie sämtliche Schisfbaubetriebe. durch den dreimonatigen Streik nur«in DreiyUrteljahr gearbeitet hat, so gewinnen dies« Ab- schlußzitfern nach besonder« Belxutung. Wi« schon der im Dezein- her veröffentlichte'Abschluß der größten Hamburger Werft B l o h m u. Boß für 1SZ7/28 bewies, hoben die Hamburger Schiffbau- betriebe auch im l«tzten Jahr durchaus rentabel gear- bcitet. lim so mchr ist daher die Lohnpolitik der Werfiherren zu verurteilen, welche die Belegschaften zu dem dreimonatigen Streik tri«b. Europäische Zucknbesprechungev. Aus Einladung des Verein» der Deutschen Zuckerindustrie hol eine Aussprache zwischen Ber- tretern der tschechoslowakischen, polnischen nnd d c u t- schen Auckerindustrie ubcr die allgemeine kritische Lage der Zucker- Industrie statlgesunden. Aus der Partei. parteitonflitt in Breslau. Seit einigen Jahren haben sich in der Breslauer Parteigenossen- schaft starke Gegensätze herausgebildet, die besonders heftig bei den letzlen Kandidatenaufstellungen zum Austrag kamen. Jetzt ist nun eins sehr unerfreuliche Verschärfung eingetreten. In der letzten StadtverordeMenversaimnlung sollte ein Stadtrat gewählt werden. Die Dertreterversammlung der Partei hatte �dafür den Genossen Schramm als Kandidaten bestimmt, der früher Sekretär des Zentral- Verbandes der Angestellten war und seit einiger Zeit in einem städtischen Institut angestellt ist. Die Stadtverordnetenfraktion M sich in ihrer Mehrheit nachträglich mit dem Vorschlag der Vertreter- Versammlung einverstanden erklärt. Unmittelbar vor der entscheidenden Sitzung der Stadwer- ordnetenversammlung haben nun neun Parteigenosse» ihr Mandat niedergelegt. Di« Wahl mußte deshalb vertagt werben. Als Grund führen die Genossen an, daß sie die Person des Kandidaten nicht für ge«ign«t holt«», aber auch, daß die Per- tret-rv-rfammlung Kandidaten für städtische Zlenttcr aufstellt, ohne baß die Stadtverordnetenfrattion als ganzes bas statutarisch« Recht und bi< Möglichkeit habe, zu den Vorschlägen Stellung zu nehmen und si« zu beeinflussen. Di« Mandotsniederlegung der neun Parteigenossen ist sehr zu bedauern, besonders da sie den vorhandenen Konflikt w-chrschsinftch noch verschärfen wird. Der enveiterte Vorstand der örtlichen Partei- --raanisation spricht ihnen in der„VoUswocht" schärfste Mißbilligung aus. Aber sie lenkt auch die Aiismertsarnkeit der Gesamtpartei auf die Breslauer Verhältnisse. Di« Gesamtpartei hat aber ein sehr großes Interesse daran, daß die Genossen in den einzelnen Bezirken ihr nicht durch derartige auf persönlichen Verstimmungen beruhende Auseinandersetzungen das Arbeiten erschweren. Sie muß daher«r- warten, daß in Breslau auf beiden Seiten versucht wird, die Gegen- sätze zu überbrücken und daß nicht um einzelner Personen willen dem Vaitzcn Dchadew zugefügt wirp. wetlerbtrichl der Sfteotltche» weNerdienslsteUe Berlin und Awgezend (Nachdr. selb). Bewqltt, ohne wesentliche Niederlchläze, Temperaturc« weniü»«rändert, mäßig«vestliche bi» nordwestliche Winde.— Aür Deutschland: Im Nordosten vereinzelt Rieberschläg«. sonst ruhiges, im Sstdrn viehach beileuS Setter, keine mchartüche Temperaluränderung. Berliner Handeis-Gcseusssau _ Bllnn« Tom SI. Peacmbrr J9tm. Vermögen. Kssse................. Ouitieben bei Banken und Bankiers.... Wecheel und C>«vi«en......... Reoona und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere............. V'orsehO»*« aut Waren u Waren verschllfu ngen (davor gedeckt 8M61 IZisiTlO) Debitoren(davon gedeckt RM WJ IM 739,61). Wertp«pl«r. und Konaortiai-Komo..... Dauernde Beielligungcn bei anderen Danken "Nd Bankti tuen............ BankMbäude.... anatlger Qrundhesiu tonsilge BOrgsch Orgachaften RM läa»«l,S5 Verb> n d iVc h k ehe n Kommandit' Kapital....... RM j' ooo ooo,— P.-»erv n......._ i.1 npn orm,- Kreditoren............... Akzepte................ Rückständige Gewinnanteile....... Nürgachalten RM ISMO 481,33 Reingewinn.............. RM i 6 II 460 710 69 39 8.11.'68 12 k>390,?01.44 I 40 448099 39 93 21.4 831 10 13» 783 019109 lSOäOd4Sji4d 5 519 89» 75 SOOOOuCr- 4oj47ä.; RM 2 93» 041 81 Cr. MuasDioilMua» I MeirspollÄealer 8 Kttnatlerlaeke Lmliungt ERIK CHARELL 8 Uhr 8 8. Barbarossa 8236 «•am* Baun' Dr. Salph Beqaiahj BortnaD u. BnlaUi- Jack B'anlori und dl« Obrloan Attraktionan! I Jteiule 3 30 nadunUltg* öonder- Vor Stellung fäi Juno and Att n besonders etmißigien Preisen von 0.S0 bis J.~ Hak des voll» Abend- Pnoremm In der Peasei Kajjee mir Kurhen für AO PI, 469 308 2/0,33 1 «iewlnn- ond Verlnai-RedtBtM« tob» it. Dezember«018. i F O I 1. Verwaltungskosten(einschl. Tantiemen)., rnnaionskassenbeiträge und Ruhrgehäfter. Steuern.............. l.'eberweiaung an die Rcsarven Zuwendung an die penslonazuschuBkassc. Reingewinn............. Verteilung des Reingewinns: 4".'0 Gewinnanteil auf das de winnberechtigte Kommanoit- Kapital von RM 22 0QUOOO- RM 880 OOO,— Gewinnanteil d.Verwaltungsrats„ 202 690,0 8'/. weiterer Gewinnanteil auf das Kommandit-Kapital., 1 760 000,— Vortrag auf neue Rechnung.. 109831.7! - kK;�i04.,H RM 3 RTS 907 577 700 1 979 074 10 000 000 600 000 2'.32 041 81 'li 687 RM-> reioinss 6 6 45 42.4 1 2 4 0 6869 99 1 295 302 93 8 000 000— 2l 8.8772�,87 Berliner Handels- Geselbchaft. Fürstenber�. SlnlenU. Jcldels. Bieber. H. Fürstenberg. ) » M YJ w T SV" JSen KU.«einer P|'t, Alex. 5066 66 TSgl.2 VorstellDimso B UftPBOPi bis 1.— M. S"i. 1,-M.« Z.— M. INTERNATIONALES [ Karlen 8To«e im vorans| ▼aa Bamauar und Wallaah Alfred Braun nady cnrtstlons TruCe Lleske Siefctr- Arno Paul Muzbbr ?»»> Wczt.rmrl.r GoztQT Mntzper Marina» Wlnbalztarn lata« inilli[ ladleittST Breie Waiiar/Reas«ommer Fritzi Massary Mar Hmumom Cachl Ell«»« W. Jankobn tt. Jnnkermmum W. 8eb««««re Blargatta Slatar» Prlaco Besntr Clrls stonedlacOc?! Profeuor Ernit Stern Sonalad � Euba. O Uhr unoak. Vontallung Kleina Prallt Hm* esst R1 ertr.l« Nulk.Uimsä: Emst Hl Ii kB). RgdoK Fink Haben. Vortrag aus 1927........... Zinsen, Wechsel und Devisen...... Provisioner............. Wertpapier- und Konsortialgcwinne... Freigegebene amerikanlscho Vermögenswerte I Theater, Lichtspiele usw. � Oper(«' 4 I Komische Di« grob« Revue Paracües der süssen Frauen 1 100 MUwlrkcnde. ) Sonn oa «udj t.-4 Uhr -Oer probte Erfolg Berlin» Musik von Cthae Srika p. Thellmoim Eduard Lichtrnsteio «mstedi, limdurg, Sora, gO»I»r. Sesprrnunin,«er. «alle uwuterbr. «irinbi.931 ii.7180 » u*" CASINO-THEATER" vb. Lotnrinaer SiraiSc 37. Nur noch bis 13. MÄrz KiiomBteriienchen A m'�rTSärz'TSa�'jiumT'M»!« .Eine ungeliebte Fnu» Püru nwre Ueser Gutschein tür l— ♦ Pcrs. Pa Uieuil nur 1.15 Sessel 1.65 M. {onsti»»e Preise Parkett n. Ran � W, biBißEi loeam räalleh 81.4 Uhr; Kort Ooet«. t alert« v. Marten» Pool Otto In „Trio" .uetap v Leo Lena iegie: frledmeau- Fredcrfd). am Zoo tmem >.>94. badilmiiwH u» Noll. 1378 (ö'-UhrStarnhiinmal das Frühjahrs 18'» uhr gtcrnblldcr und Waltbsu 20' t Uhr Wunder daa sUdlichaa Hirrmslt Tägl.auBerMonlagt u Mlttw. Erwachs 1 Mlc, Kinder 50 PL Mj tw.! Em achsene 50 Pf.. Kinder 25 PL Lessing-Tlieater rägiicn gi/i Lihi Maria Ornka In „DaaVellcbeo" Die Uedalllea einer allen Frau Trlanon-Th. Taglich O'.'i Uhr Oer Herzog und dio sunderin mit irlki OUUtr.sr und kbhib itttoBf Rundlunk höre i Preise BirilDei Taeater DirektHelnjHerald CharloucntlraOs«€ A. 7. Dönhoff 17« 8 Uhr 5 Uhr 3 X Hochzeit (Abi«1» Iriah Rose) Lestspiolliaa» '/t Uhr wtBMraunpotBB GnldoTjelseber WceKsna im Parodies SS Reichshallan-Theaker Slcltlncr sanier Das neue Mlri-Proerannii „Moderne DOhnen-OrBgea." Sraiatt* Kertei b. Irtiion. Anfans 8 Ihr. Stf. Nachm. 3 L'hr(halbe Preise., BlUallbeetellnngeii r i�eniioii:[«mma i12ü:i. iJÖnhor»- areillt raaliiBa-Tantu/ io Ruvatra. Berliner||lk-TrlO Naukölln. Lataitr. 74/784 VoiitslrtUine fmitv iüiBüijwpiaii 8 Uhr Krenzahnahme TBeattr an SailllMiBtnlaiBa 8 Uhr Die Krankheit der aluflenfl Thalia-Tbeaier 8 Uhr Oelransch ltiatl.S(Mllir'Tfe. 8 Uhr Oadipua Staatseoer an Platt dar Beaafiltk Ks Uhr Carmen Theater am SdiiffbEnerdamm. Norden IUI u- 281. rägiich fiv, uht Krankheit der Jugend von Ferd. Bruckner Insr. Qutt. Härtung. Elisabeth Unnaru. Thorenhur«, Kahnert, Dämmest, Andersen. Rappard u. Iluschünsky, DßmsdiEs Tiiater v i. Norden U31i 8 U. Ende geg. lO'.t Die lEsiisen Veilier von Vindur von öh«kesp«*ps Regle: Heini Hilpert Hauiraerspiele iXU Norden i23i »Uhr, Ende 10>sUhr Zum leiztea Maie Joeben ersdrienen" Komödie von Edouard Dourdek Regie: Porstar Larrinau» Mittwoch, 4. 13- MIri 7'b Uhr, Zvrn I, M»ie Die Ursache Schauspiel v. Leonhard Frank Renaissance- Theater Hinfenkergeli. 8. Tel.: Btelepl 101» 2581,14 8 Vi Uhr. Zum 83. Male: 8' t Uht Ol* Welterfolgekomödle ..Das große ABC" von Mercel Paanol Reg: HosL HanonB. tl PremlBfartesu� Oteeh. KOnstler-Th. 8V4 Uhr Der Zinker v. Edgar Wallsca toiiO Uta Blftblo Preisel�iOlark Die Komödie ölsmarck 2414,75)6 8 1,, Ubr, Ende 10'> „Olympia" Spiel in 3 Akten. von Frane Molner Regie: Förster Larrinaga Freitag, d 15 März 71,5 Uhr Zum 1. Male Wann kommst Du wieder? Komödie von S Maugham. Barnowsky-SSbnnn The.ter in der KBmgjrätzer StraBe räglieh 8' i Uhr Bevalte im ErxlebunanliaDS Kombdlanhaua Täglich* Uhr Hin Onl-Cruduo- Onw I heatar am lollandorkplau Täglich«>/« Uh: Pas Geld auf der Streue fliaiia-riieaier •resdener Sir. 72- 8 Uhr „Oelransch" Roae-rhaatai -r�rmUnifk.U! »/( Uhr Der Oberstelger Papierhous LJuergens sei!« Nr. 45 Prelsllate maü» üaDlank.D). Pumpenfibriks BERUH H BS, lelnidientiulv Str. 95 KINDERTAGE BAER SOHN BERLIN 14. CHAUSSEESIRASSE 29.50 Theater a. KottbuaserTor KottbufcseiSb 8 Tel M.l. 1S077 TBglfcb• Uhr, auch geneteg nachm. 3 Uhr termäOigU Preise) Elite-Sänger U. a.„Die SchönheiiskUnlgin" verbunden mit Modenschau. Allgew. PrDishtTDbMtf sog auf ilian Platzen Unserem Ömefscn Z Ernst Milkereit CfjttcUittcnlttaSc 8 o, 8U feinem 00.«Bebnrtotagc N die Herzttchste»«vlö-twansche. Ift 39. Abtellang HAMBURC-AMERIKII MMIK HAMSURC KAM OWE KT NACH ÄWfztFSI Nächste Passagier. Abfahrten: .« 2. Mär» ..... 16 Mär» o.Wostphoita- 0„Thunr.flia* M-S ,5t Loms"..... 29 Msrj 0..Westphalia"..... 10 April D..Thür mg ü"...... 24 April D..Qeveland"....... 9 Mai iAUtWAMMM* beliebe««tcb ve�eo oller Etazelbett«» so veodeo«a HAMBURO- AMERIKA LINIE HAMBURG 1/ ALSTERBAMM 26_ Verirrtuog In Berlin, am heu, fHL'�l|i Hnr4einb.TS.lr. 2»«�, Unier«Uo|]n g. H'] Undem 8 o»d PnMidon Schiff-[jQP'Gli fnhrt.-A.-G., Potsdamer Str. 103« IV-, Mittwoch IS.Marj i929 Unterhaltung unö AAissen Beilage des Vorwärts niax Dorm: Sang am Wir fitzen im Saff-eJjaus. 2i« dustige Würze des schwarzbraunen Getränkes lähi unsere müden Herzen um einige Takt« schneller schlagen. Kaffee! Ein Zauberwort. Ein Erlösungswort. Ein Befreiungswort. Vom Gram des Alltags, von der Last der täglichen Fron befreit dich der würzige Duft deines Kaffees. Und nun fetzt noch gar die Musik ein— kleine feine exotische Musik: Geige, Flügel, Flöte, Cello— hörst du es rauschen? Das Rauschen äes Windes in den Kronen der Kasteebäume. Wind herab von den Kordilleren Südamerikas. Land Kolumbien, die weiten weiten Kaifeeplantagen, unendlichen Reichtum schenkend, Kaffeesäcke voll Gold zaubernd— Kolumbien: 400 Millionen Kafseebäume. Kaffee- Herren und Kaffeeproleten— arme Plontagenknechte und golden- föhnige Luxuskapaune: Plantagenherzög«. Rausche, rausche, du Wind— Bergwind durch die Plantogen: singesangc um Freiheit! Fühlst du den Duft der Blüten, die Kafsceplantagen blühen— das duftet wie in den Sybillengärlcn Alt-Attikos. Silberne Blüten- fterne, Schwestern des Blütchcns Edelweiß— und um die Kaffee- bluten her die bunten und buntesten Falter: blau, perlmuttern, opalcn, zinnobern, purpurn, smaragden— und die zarten Döglein, die Kolibri?, nicht größer als eine Wallnuß— auch sie umgaukeln die blühenden Kasteeboume. Kafseebäume— drei, vier, sechs, acht Meter hoch, wie Zitrone ubaumc, wie nordische Pappetbäumc— nur, daß das Blatt hart und schwarzgrün fft. In Bündeln geeint, sprossen aus den unteren Zwickeln der Blattstiele heraus die silbernen Kasteeblütea. Und dort läuit der Strom— der Mogdalenenstrom— nein: er hüplt. wirbelt und springt von Felsstufe zu Fclsstuf«: Kaskaden, Katarakte. Stromschnelle» und sausend« Wirbel: mitten hindurch schwimmt der boumstammortige bronzcnfarbene Kaiman, da» Krokodil des tropischen Südamerikas. Kolumbien. Kaffeeplantagen und Kaifceplo»tagen— ganze Provinzen voller Kaffeebönme— in einent einzigen Jahre exportiert Kslumbirn für über dreihundert Millionen Goldmark Rohkaffee. Wie sind die Preise? Fragt auf den Kaifeebureaus in der kolum- luschen stauprstadt Bogotä— und fragt auf den Prositbureaus in de» Hafenstädten Koliundiens: in Porto Colombio. in Earlageno, in Sania Maria, m Rio Hacha und in San Antonio— alles weiß« Tropenslädte: an der bleischweren, hitzekochenden Karibischen See. Was kostet heute vormittag der Rohkoste«? New Dork zahlt 1,05 W. Homburg 1.09 M, Antwerpen tfi7 M.. Le Havre 1,10 M.. Trieft 1,12 M., Amsterdam 1.08 M. pro Pfund. Gut: abschließen für tn« höchi Zahlenden Märkte. Heute vormittag wurden für rund 20 Millionen Mark Kasfce verkauft— gut« Preise erzielt; Kauf- mann, Makler. Exporteur und Plantagenbcsiyer werden heute mittag Kraftbrühe aus Proletenschweiß speisen, mit goldenen Knodelchen drin. Senoroaes, wir gratulieren zum guten Geschäft— wann erhöhen Sie Ihren Packern, Wägern, Sortierern und Plantagen kulis die Löhne? ilud denken Sie auch mal an Ihr« braunen schönen Plaistagenwädchen— lasten Sie auch die an Ihrem Profile teil- nehmen, daß sie statt Glasperlen um den braunen Hals— ledern« Schuh« an den schlanken Füßen tragen mögen, zum Schutze gegen den Biß giftiger Schlangen. Aber— lrilldiri und fillderj und zwitfche pfeife höhnt die Musik. Was Kuli» und Plantagenmädels: Wir sind die Herren Kolumbiens: Plantagenher.zög« und Börsen- fürsten. Kaufmannsgrascn und Maklerbaronc. Zwitschezwatsch«— di« Geigen! Hoi, es grollt, es donnert, es bebt— blitzt— und flammt— auf den Kordilleren, di« Biilkane brechen durch, Volk aus der Tiefe flammt feine Lebens- und Menschheitsrecht« als Stichflammen hinauf zum Throne der Mutter Sonne. Vulkane— sthif. bis sechstausend Meier hoch— die wilden Kordilleren, da« Rückgrat de« Landes Kolumbien. Rotbrüftige Äönigsgeier kreisen schreiend in den kristallenen Lüsten. In den Klüften des Gebirges heult der Jaguar— die weiße Bergziege zittert— und die schlank« Antilope saust im fliehenden Sprung« wie ein brauner Pfeil hinweg über violett gähnende Ab- gründe. Urwälder rauschen. Wasserstürze brausen— flinke Affen schwingen sich rudelweise durch das Gewirr der gelbgnmen Lianenarme— rotbraun« Papageien beleben die im Winde tanzenden schlanken Palmbäum«— und ganz im Westen rollt der Groß« unruhige Ozean weiße Wogenwolzen auf den hellglitzernden Quarz- sirand. Farbenprächtige Quellen zergehen in der Somu. Kolumbien: fast dreimal so groß wie ganz Deutschland. Ein- wohner mir soviel wie in Bayern: 7 Millionen. Kolumbien— Tropenland— Hitze, die himmelstürmenden Kordilleren im Westen— und das rsichbewäiserte Tiestand im Osten— die Llanos— unendliche Grassteppen— unterbrochen vom Urwald— durchglitzert von breiten, gesunden Strömen. Der grasgrüne Kordillerensee: ringsher weiße Landhäuser der Plantagenfürsten— und aus dem See heraus der silbern« Strom— La Moddaleim. Länger als der Rhein— wilder als der Niagara— ungezähmte Urtvast springt durch die Urwälder: der stürzende Strom, die wilde Colombina: La Maddalena! Der Magdalenen- ström. Kolumbiens große Lebensschlagader. Der Strom— von den Kordilleren her— hin zur Karibischen See: der hitzigen Tochter des alten schaumbärtigen Boters Atlantik. Kolumbien— eine schön: üppige Tropent achter, im Süden küßt ihr der Jnkoprinz Peru den goldenbeschuhten Fuß. Land Ecuador verneigt sich im Südwesten vor der Jungfer Kolumbien, im Südosten aber weift ihr der Riesenprotz Brasilien die nackte Schulter. Venezuela im Nordosten, ein« Schwester der schönen Colombia. Und im Nordwesten spielt Jüngling Panama dem Lande Kolumbien eine lockende Gitarrensonate. Ganz im Hintergrunde des Nordens aber preist durch die goldenen Zähne der grimasien- schneidende Gulliver, der Bankeeparoenü: Schön« Eolombio, ich kriege dich doch, meine Sendling« aus Wallstreet-Rew Park kriegen dich ichon noch klein— nur dem Aanke« und keinem anderen wirst du zu Willen sein: anstandshalber binde ich mir die rotweiß gestreifte Schlachthausschürze der Demokratie vor. Und auf meinem Zigarren- etui steht: Monroe— wer mag Opium rauchen? Europa. Hamburg. Der Hasen. Die Börse. Die Dillen an der Alster. Die armen Borstädte der Proleten. Das Luftviertel von Sankt Pauli. Dos Millionenviertel Uhlenhorst. Hamburg. Die langen Reihen der Logerhäuser und Speicher am Hafen— die vielen Aoffeedampfer— joi: dort auf den Säcken steht es zu lesen: Colombia, Kolumbien, Cafä Excelsior! Und der Kaffee rinnt durch unsere Hände, der Rohkaffee— Perlen vom Hals« der braunen Trapenjungser Colombia. Und wir lausen hunderttausend Sock, für Volksrechnung, zur Erfrischung des Volkes— Einkoufszentrale des Konsums. Die Lagerhäuser de» Konsumverbandes, Dolksverband zur Regulierung der Preis«, Schugdamm gegen kapitalistische Uebervorteilung. Die großen konsumgenöstischen Kasteeröstereien— wie's blau dampft, wie's zwitschert, wie's knistert: Kaffee, Kaste«, Röstung, Röstung! Und sauber gekleidet« Männer und Frauen gehen zwischen den sich drehen- den Röstereimaschine» prüfend hindurch, das Herz der Maschinen beobachtend, regulierend undchewachend. Genosten und Genzstsnnen vom Verbände der Lebensmittelarbeiter. Und manchmal stt es den kaffeeröstenden Genossen— als ob das Rauschen und Rasseln ihrer Maschinen dos Rauschen und Brausen des Wirides in den Baumkronen der fernen Kasteeplantagen sei. Manchmal blühen au« dem blauen Rauche der Kaffeeröstereien groß« dunkle Augen auf, blitzende Augen, fragende Augen, leidende Augen— aus denen die Seele der Plantagenorbeiter des Tropenlandes spricht. Wann werden wir Arbeiter der Erde uns vom internationalen Joch« der Ausbeutung international beircien? Horchet, sehet— die Kordilleren stehen in Brand, Zorncsausbrüch« der Vulkan«— Flammen, Donner, Getose. Geslöte, Gezwitscher, Gelock«— und zur wilden Musik tan.zt die schön« Tropentochter ihr« Carmagnole, der Tanz hinweg über die geborstenen Trümmer des kapitalistischen Zeitalters. Tanz«, tanze, du schöne wilde Coloinbine, unser Blut und unser Herz tanzt mit— hier wird gebrannt! Kasse« und Zukunft. lind Mutter Sonne wirst uns von ihrem goldenen Himmelsthrone her duftende Kränze von roten und weihen Rosen ums Haupt, auf blauen Kranzbändern steht: Freiheit! Spaziergang auf dem Weeresgrund Die Wunder der Meerestiesen gewähren Sensationen, die nicht alltäglich und nur den wemgsten zugänglich sind: es gehört zu den Seltenheiten, wenn einmal— abgesehen von den Benisstouchern, die ja zu anderen Zwecken In die Tiefe steigen— ein Mensch di« abenteuerliche Fahrt in di« Unergründlichkeit wagt und von dem berichtet, was sich ihm ,da unten" bot, wo es nach des Dichters Wort sürchterliai»«n soll. Der bekannte amerikanisch« Forscher William Beeb« erzählt in seinem bei Brockhaus erschienenen Buch„Das Arcturus-Abenteuer" von den Erlebnisten. die er aus dem Grund« des Pazifik hatte.„Im Badeanzug," schreibt er,„steige ich die Leiter am Heck so weit hinab, bis mir dos Wasser an den Hals geht; ich muß mich aber in acht nehmen, nicht den Kopf natzzmnachen. Nun hebt John den Helm; ich set>e mich noch einmal schnell noch allen Seiten um, hol« tief Atem und sehlüpsc hinein; sobald er fest aus den Schultern sißt, steig«' ich weiter abwärts. Solang« ich den /iops noch über Wasser habe, wuchtet der Helm mit ichier unerträglicher Schwere, aber so- bald ich untertauche, weicht dieses Gefühl; er übt mit all seinen Bleigewichten nur noch einen sanften Druck aus, der gerade genügt, mir vollkommene Standfestigkeit zu gewährleisten. Inzwischen hat man die Pumpe in Gang gesetzt. Undeutlich huschen das Heck und die Wasieroberfläche beim Eintauchen an mir vorüber, unter Wasier bildet sich jedoch sofort«in klares Bild. Ich steig« drei Sprossen tiefer, streck« den Arm nach oben aus, und man gibt mir ein« kurz« Harpune oder einen Dreizack in d'.e Hand. Auf der vierten oder fünften Sprosse drückt die Luft fühlbar an die Ohren, und ich schasse mir durch Schlucken Erleichterung. Im ersten Augenblick entsteht durch die aufsteigenden Luftblasen«in schwaches, gurgelndes Ge- räulch; sobald der Helm sich ganz unter Wasser besindet. hört es auf. Ich klettere langsam welter hinunter, wobei ich ab und zu schlucke, bis ich die letzte Sprosse erreicht habe; mit einem Ann halt« ich nun die Leiter fest und laste mich gemächlich sinken, bis ich mit den Füßen leicht den Boden berühre. Sollte mir ernste Gefahr drohen oder die Pumpe in Unordnung geraten, so brauch« ich nur den Helm zu lüften, darunter hervorzutauchen und an die Oberiläch« zu schwimmen. Da» Wasser dringt nicht wester als bis zum Hals, nur wenn ich mich vorwärtsbeuge, steigt es mir allmählich bis zum Mund. Das Wasser spritzt nicht, und ich fühle keinerlei Druck, Nun stand ich also mit den Füßen aus dem Grund. Ich blickte voll Eiser aus die Felsen und Fische ringsumher, ober ich füh!« ein« leicht« Enttäuschung. Ich atmete so leicht, da» Wasser um mich her berührte mich körperlich nicht anders als wahlgeheizte Luft, ich blicke durch eine Glasscheibe aus umherschwimmende Fische— alles, wie ich es hundertmal in unserem New>Borkcr Aquarium getan und gesehen habe. Ich hatte nur das Gefühl, daß ich mich in einem sehr kleinen, etwas ungewöhnlichen, aber vollständig bequemen Raum besändc, wo ich mir ein wundervolles Gesäß voll lebender Fische mit einem ausgezeichnet gemalten Hintergrund anschaute. Der Ein- tritt in dies« langersehnte iieuc Welt war von leiner so gewaltigen Erschütterung begleitet gewesen, wie ich es mir vorgestellt hatte— trotzdem ich mich nicht erinnern kann, daß ich etwa sofortige An- griffe von Riesenhaien oder schleimige Berührung durch schlangen- haste Arme eines herannahenden großen Kraken erwartet hätte. Di« Tatsache des körperlichen Wohlbesindens und die lebhaft« Erinnerung an die Aquarien in aller Welt hotten das Gefühl für die Überwältigeltie Seltsamkeit des ganzen getötet. Ich suchte mir einen bequemen Felsblock, fetzte mich, schloß die Augen und sagt« getreu der empfangenen Lehre folgende» Sprüchlein auf:„3«h bin nicht zu Haus, bin in keiner Stadt und bei keinem Doike; ich bin weit draußen im Stillen Ozean, bei einer wüsten Insel und sitz« aus dem Meeresgrund: stch befinde mich tief unter Wasser, an einer Stelle, wo noch niemals ein Mensch gewesen ist; es ist einer der bedeutend- ften Augenblicke meines ganzen Leben»; Tausend« von Menschen würden viel dafür zahlen, würden größte Opfer bringen, um nur fünf Minuten das gleich« erleben zu können." Das genügte. Ich öffnete die Augen und sah. kaum 8 Zentimter von meinem Gesicht entfernt, auf einem Felsvorsprung.hsn roten Stier von Kim". Es war wirklich der seltsamste kleine Schlennfisch der Welt; er maß 12 Zentimeter, bestand houpifächlich aus Kopf, während der Schwanz gerade genügt«, um ihn auf feinen Felienplatz in der Ruhelag« zu erhasten, und' der breite, flache Kopf, der von zwei gebogenen Hörnern überragt wurde, machten ihn in lächerlicher Weif« einem Preisstier ähnlich. Er war dunkelscharlachrot mit goldbraunen Flecken an den Seiten, was noch zu dem Bergleuh passen mochte. aber kein Stier ist über und über mit blauen und gelben Fetzen und Fransen bedeckt(es sei denn, daß wir die grausamen Banderillas als Schmuck ansehen wollen). Mein Schleimfisch hatte silberne Augen, in denen purpurne Hieroglyphen glänzten, und als ich ihn ansah, blies er verächtlich ein Maulvoll Wasser gegen mein Fenster und verschwand. Am schwierigsten war es, innezuwerden, daß ich wirklich naß war. Es war die alte Geschichte der Relativität. Da ich ganz und gar naß war und nicht in die trockene Luft hinauflangen konnte, so fühlte ich di« Nässe nicht. Ein Blick auf meine Finger, an denen sich echte Woschirausasten bildeten, genügte jedoch, um mich zu über. zeugen! Ich streckte den Arm aus und griff auf dem Felsen vor mir einen Seestern: als er langsam über meine Hand kroch, kam es mir voll zum Bewußtsein, daß ich es mit einem frei lebenden Seestern zu tun hatte und nicht mit einem eigen» für mich bereit- gestellten Schaustück. Ein Mangel, der sich bei jeder Taucherunternehmung fühlbar machte, war die Unmöglichkeit, Notizen nieder- zuschreiben, es sei denn aus eine unzulängliche Schiesertasel. Die Riesensülle von Ereignissen und interessanten Lebewesen zersplitterte meine Aufmerksamkeit, so daß es sehr schwierig war, sich hiitterher alles Gesehene und Erlebt« in klarer Folg« zu vergegenwärtigen. Ich hoff«, daß in Zukunft Abhilfe geschaffen wird, denn in dem Helm, den ich nach meinen Angaben onseriigen lasten werde, soll an der linken Innenseite, wo ja die Luft trocken bleibt, eine Art Backentasch« angebracht werden, um eine Rolle Schreibpapier und «inen Stift aufznnehmen." Ä Jlmtenische Wänste Au« brr soeben erschienenen Nr. 1 der Moskauer HQl?»monstübchr!st „Jln/tre ErrungcnschQften", als deveu Hauplschriftleiter Maxim Gorki zeichnet und die eine Schilderung seiner Studienreise durch die Sowzet« union enthält, sei dieses K.aukasuserlebnis des Dichters mitgeteilt. 'Abends im Stadtpark führte die Jugend von Eriwan die Tänze der Sasiun-Armenier vor. Es war ein ganz außergewöhnlich ichüner und eigenartiger Anblick. Ich bin kein Kenner der Tanzkunst, dem Ballett steh« ich gleichgültig gegenüber, aus Tharaktertänze schaue ich wie aus eine Art leichter heiterer Akrobatik, auf Foxtrott»— nicht ohne Widerwillen; dennoch finde ich, daß eigentlich jede Kleidung bei diesen armenischen Volkstänzen überflüssig ist, sie de- hindert wahrscheinlich die Bewegungsfreiheit der Tänzer, die man meinetwegen schamlos nennen konnte, obwohl es in der Naturwelt weit schamlosere Geschöpfe gibt, wie zum Beispiel: Fliegen, Hahne und.Hühner, Böcke, Hunde. Di« Tänze der Sassun-Armenier verblüffen nicht etwa durch Er- findung und Mannigfalt der Figuren und streben auch gor nicht danach. Sie entholten etwas anderes, Bedeutsameres und Tieferes. Das Podium betreten zwei Musikanten in flanänenh bunter Nationaltracht— mit einer großen Trommel und einer durchdringend gellenden Pfeife. Gleich darauf fchwebt ein strählender bunt farbiger Korper hervor— zwanzig Männer. Schulter au Schuster geschmiegt, halten sie hinter dem Rücken einander bei den Händen,— sie bilden «inen einzigen Körper, bewegt von einer einzigen erstaunlich rhytt,- misch wirkenden Kraft. Dieser Körper biegt sich zu einem Kreis ziismiunen, einer Spirale, streckt sich zu einer Geraden, gliedert sich in verschiedenartige Kurven: die ideale Rhythmik, die fließende Leichtigkeit der Konstruktionen verstärkt noch di« bezaubernde Illusion der Einheit, der Verschmolzenheit. Die einzelnen Tänzer zu unterscheiden ist schwer, man sieht eine Reihe hübscher Gesichter vor sich schweben, sieht ihr Lächeln, das Blitzen ihrer Augen, jetzt scheint es, als habe ihre Zahl sich per mehrt, im nächsten Augenblick— als habe sie sich verringert; die individuellen Züge des einzelnen Gesichtes sind kaum wahrnehmbor, die ganze Zeit über redet und lächelt uns nur ein Antlitz an— das Antlitz eines phantastischen Geschöpses, dessen Innenleben un- sagbar reich ist. Erregend flötet die Pfeif«, doch chren hohen schrillen Ton empfindet man jegt nicht mehr so schneidend; wuchtig, aber weich schlägt die Trommel den Takt, und durch diese Musik hindurch erklingt eine andere— die Musik der überraschend schönen Be- megungen des geschmeidigen Menschenleibes, sein freies Spiel m der buntgrellen Woge der Gewänder. Zuweilen, wenn der ungestüme Schwung der Bewegungen dieses vielköpfigen Körpers anschwellend sich zu einem goldenen regenbogenglitzernden Wirbelsturin steigerte, — wartete ich auf den Augenblick, wo die Kette der Tänzer in ihre einzelnen Glieder zerspringen müßte und dadurch den Eindruck ihrer mächtigen Einheit bestärken würde. Niemol» sah ich und konnte ich mir ein Bild solch vollendeter Verbundenheit vieler zu einer gemeinsamen Handlung vorstellen. Zweisello» steckt in diclem gewiß sehr alten Tanz etwas Symbolisches — ich konnte es nicht erfahren— ein religiöser Priesterrcigen oder ein Kriegertan,;. Mir scheint, daß er manches Gemeinsame mit dem kriegerischen Tanz der Gorier in Georgien hat— ich entsinne mich nicht, wie er heißt—„Perchuli" oder„Choruii". Doch dieser armenische Tanz enthält nichts, was auch nur im entserntesten an die ekstatischen Rosereien der Geißler-Sekte gemahnt, die ich in Nischni-Nowgorod gesehen Izabe, oder etwa an die hysterischen Krampsbewegungen der sich drehenden Derwische, von deren Wahn- wig, wie man erzählt, auch die kaukasische Sekte der Springer an- gesteckt ist. Wahrscheinlich ist der Tanz der Sassttn-Armeniek—- ein Siegestonz von Kriegern. Ebenso eigenartig und anmutig tanzten die Frauen, die gleich- falls in di« bunt leuchtenden Gewänder des Orients gekleidet waren. Im Tang zeigten sie, wie die Frau ihr Haar strähnt, ihr Gesicht schminkt, das Geflügel iüttert und Wolle spinnt— und wiederum war man hingerissen von dem wundervollen Ebenmaß dieser B«- wegungen, von der Schönheit der Gebärden. Die Frauen tanzten getrennt voneinander, das Gebärdenspiel jeder einzelnen war individuell, um so schwieriger mußte es sein, den gemeinsamen Rhyttymus, die Einheit in der Zeit, zu wahren, was dennoch bis zur Vollkommen- heit erreicht wurde. Alsdann führten die Frauen einen komischen Tanz der Lahmen vor— sie tanzten so, als ob bei jeder die Hüfte verrenkt sei— und. obwohl ihre possierlichen Bewegungen die Grenze des Mißgestalteten streiften, war man immer wieder über wältigt von ihrer Harmonie und Grazie. putsch ven Sust-w vv-q» Die gefährlichen Ikegertrommeln. Di: kubanische Regierung hat ein Verbot erlassen, die asritanische Negertromwel m den Tanz- kapellen zu verwenden. Als Grund iür dieses Verbot wird ange- führt, daß durch die monotonen Tone dieser Instrumente die Tänzer in«ine wahre Raserei oersetzt werden, die ost genug mit«pilep- tischen Anfällen endet. was der Londoner Nebel kostet. Die Gesellschaft zur Be- kämpfung der Londoner Rauchplage hat ein« Unkostenberechnung aufgestellt für die Mehrausgaben für Beleuchtung, die während eines Londoner Nebeltages entstehen. Rechnet man die Reini- gungstosten noch hinzu, so ergibt sich ein Mehrauswand pro Nebel- tag in Höhe von 800 000 Pfund Sterling, das sind über 18 Mi! lionen Mark, VJ Dehorationssioiie Gardjnenmull ea. 120 cm broit, in feinen PasteUfarten, Q 1 90 gemustert....................... Mete; X Gardinenvoile 950 �90 ca. 110 cm breit, farbig gemustert, Meter jLi O Madras ea. IM«m'breit, �60'izs ballgrundig, gcinnstArt..,.. M..,,.Meter KJ Damast Kanafeetde mit Baum. �95 /f 25 volle, neue Muster, ca. 123 cm breit, MV. iu Tc Noppenrips 4 90 mnlTert, Ca 90 ca. 130 cm brstit, einfarbig, Meter TT Meter*J Velvet r/S ca. 130 cm brtit, fa viele» Farbe». 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Mär, ISSS La der Vormiltagsiiehung wurden Gewinne twer 150 M. gezogen «»«Win», 1» 8000 M. 60677 183754 262277 6»tteinn« ,» 3000®. 78098 130428 306171 T78M4*278080"362(187B' 82728 90428 130323'«<>83? 182742 , 8,743 8859, 894,2 88087 87371 187333 196888 201888 212022 218890217483 217889 224386 228398 300041 305115 360826 382373 b4»»wmn« in 600 M. 14388 20837 35163 35784 42176 47687 48042 KSIIS»6�.2�2 69231 95449 126559 137868 141368 165200 178369 S127S9 222,67 222791 226948 235718 236524 239933 240152 21,9�95 262740 268424 270129. 280781 287878 300200 302978 39.6J?i 309620 321 559 381823 364021 377863 390053 399742 2M»«winn« I» 300 M. 2525 4997 6832 16689 18924 31144 31981 IS?25 f?S?2 SIZil 44802 46877 62333 62715 56767 59694 60163 ?Ri22,7?l?ol3B63 80818 87071 88900 95727 100806 101846 102926 103681 1'8988 119038 126285 132889 135664 138637 138893140358 141871 140434 82420 1 88357 157041 167242 161187 161724164593 187086 I6'076 167238 17 1244 174661 175419 177190 187393 190021 103882 104866 106403'96992 197659 197958 199001 208959209284 SUI21 2,6304 220085 2222n 228132 228926 229582 232046 233412 238604 236159 238866 2391 14 239565 239827 252480 256393 263596 273205 273430 274974 279834 280176 280453 283708 284165 284990 267338 2604,5 20,047 293659 306931 307220 310007 312126 320236 Z2623' 326062 32849:1 335818 339379 340499 347517 348414 348437 38,087 353,75 308367 358858 364436 372747 384071 388507 394804 38o93o 3n der Nachmiltogsziehung wurden Gewinne über ISO M. gezogen 2»«Sinne M 50000®. 132635 2».Winne ,u 1 0000®. 1 38656 4»«Sinn. ,ii 6000®. 269073 371683 6»«Winne ,» 3000®. 199188 276111 309336 10«»Winne ,» 2000 M. 2000 26741 6202 1 207772 275878 . 22»ew.nn« ,» 1000®. 8835 48677 84362 101847 154813, 78363 286090 282047 297837 365774 381130 luiötc 104BI3 i fojca 70»«Winne ,u 500 M. 56898 S5864 70848 76069 61675 115128 ]Vc-%l iolSSS ,27807 130804 134936 1 54634 168234 172788 180432 189/96 224989 249273 268438 263318 267963 282022 282893 294483 390306 392725 330428 344041 303858 373972 377280 377401 382617 192».Winne in 300®. 2371 6436 6864 26093 35975 37457 41687 42177 46332 52039 57230 57263 80192 63864 64236 75266 77649 83379 84909 90783 91498 94320 95302 99176 99540 109478 109505 110161 113685 120210 123494 126908 128093 137843 155154 155991 166974 181125 183213 192643 192748 195090 196959 219623 227347 231628 232852 233573 245627 246806 249419 250499 251909 253607 263648 265386 265571 290317 294096 296310 296678 302883 303088 304822 305990 307177 308703 308890 310778 314790 317516 318150 320893 320938 328687 33029« 331998 336076 339912 342351 362101 363118 356841 356846 386269 353349 359104 369575 370338 372842 376655 383377 384470 389436 392913 399899 ImEewinnrad« verblieben: ZPramienzii 500000, SGew.zu 10000, <>u-000.« zu 3000. 20 zu 2000. 52 zu 1000, 110 zu 500, 340 zu 300 Mark Danknagangr. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Tode meiner lieben guten Frau und unserer herzensguten Mutter und Schwiegermutter Elise Busse, geh. Deininger sowie für die groBe Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Trauerfeier sagen wir allen Beteiligten, Freunden. Genosten und Bekannten unseren innigsten Dank. Insbesondere danken wir den Genossen Mahler und K tzing für Ihre herzlichen, trostreichen Worte am Sarge der Verstorbenen. Gtufa. Baue. Abb. Bwtc. Otto and Marie Baue. Berlin SO 16. den 12 M.lrz 1927. Engelufer 24/25 Gewerkschaftshaus. Slnnenspenilen i«b«t Art liefert peeismet I Paul C.ollets norm. Robert Meyer MarlaBBearira»« 3 Eck« Slaunpnftrol?« Amt Morigpl im 03 zur Miete W50,Antbicherstr.l WM Metallarbeiter- Mod Verwaltungsstelle Berlin Tedesansclg« Den Milgliedern jut Nachricht, daß unfer Kollege, der Dreher Alfred Dabergotz geb. 9. April 1896, am 9. MStz g«. starben ilt Sie Cindfchcrung findet Donnere- tag, den 14. Märi, M Uhr, im Kremalorium Baumschulenweg, Rief. holzsiraße. statt. Siege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Arn 7. März starb unser Kollege, der Schlosser XeOtils Lewinsohn gel». 2. April 1883 Ehr« ihrem Andenken! Die Ortsoecntalfunq. Arn 10. Mär, Ist nach furzer, schwerer Rranfheit unser Seuofte Otto Graßmann NeufüHn, Donaulir. 27/28 im Alter von 40 Jahren»erstorben. Cr war über 20 Jahre Parleimitglleb und Mieterverireler unserer Abteilung Chre feinem Axbenfen! Itouttfciet am.freitag, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg zahlreiche Beteiligung erwartet Orr vorsta»» der 90. Adlig. Nach furzem. Ichwerem Leiden verstarb am 10. März, nachm. X.lö Uhr. mein lieber, guter Mann und unser Vater Otto Graßmann im Alter von 41 Jahren. Dieses zeigen tiesbetriibt an Cüsadeth«ragman» and Kinder. Die Cinäscheiuna findet am Freitag, dem 15. März. 17 Uhr, im Stematortum Baumschnlenweg statt. Verkäufe Beachtenswert! Deuisches Zeppichhaua Cmil Lesivre seit 1882 nur vranien strafte 158. 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