Morgenausgabe JIM 23 A 62 46. Iahrgang Wöchentlich LS Pf.. monaMch Z�V M. tm voraus zahlbor. Postbezug<32 M. «inschließlich b0Pfg.Postzeitung»- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»» abonnemem 6,— M. pro Monat. Der„Vorwärts� erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montags einmal, die Äbendausoaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte BeUaaen.Volt und Zeit" und.Kinderfreuno". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme"..Technik"..Blick in die Bücherwelt" und.Jugend- Vorwärts" Berliner Volksblatt Donnerstag 14. März 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. DU clnipelllge üonparein»«!!« SO Pfennig. Reklame'«!!« S— Reich»» mark.„Kleine Anzeigen' da, lettge- druckt» Wort 2! Pfennig(zulässig zwei s-ttaedrunie Warte), sede» weitere Wort lZ Pfennig. Stellengesuch» da,«rft» Wort lb Pfennig, jedes weitere Wort 10 Psennig. Worte Ober 15 Buchstaben 'ilr zwei Worte. Lrde>t»markt leil« 00 Pfennig. Fomilienonzeigen für Ibonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm« Im Hauptgeschäft Linden- ftrab«?! wochentägl. uon&'/, dl, 17 Uhr, Jentvaloegan der Gozialdemoövatikche« Varteß Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin TW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donboff 292—297 lelegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Dostscheckkonio: verlin Z7 KZS— Bankkonto: Bank der Ärdetter. Sngeftellten und Beamten Dollftr. KS. Ditkonto-Geleklschast. DeposilentaN« Lindenstr t Das Urteil im Gteitiner Prozeß. Milde Strafen und eine interessante Begründung. Slelkin. 13. März. wegen Totschlags wurden verurkeilt: Heines za S Jahren Gefängnis. Ottow zu 2�6 Jahren Gefängnis, Jräbcl wegen Beihilfe zu IM Jahren Gefängnis, Bär zu 6 Monalen Gefängnis. Krieger. Bandemer und Voigt wurden frei- gesprochen. Die Uniersuchungshast wird in voller höhe angerechnet. Der Antrag auf Aushebung des Haftbefehl» bei Heines wurde abgelehnt. Nach den Schlußoorträgen war noch einmal in die Beweisaufnahme eingetreten worden. Einer der Verteidiger überreicht« die von Herrn o. Bodungen erwl>»ite.Liste der feindlichen Personen�, in die der Name des getöteten Schmidt einge- tragen ist, und zwar von der Hand des Leutnants Waltsr Schulz. Dieser erklärte als Zeuge, daß er seine Handschrift anerkenne, daß er aber von dieser Lifte nichts mehr gewuhk Hab«. Der Oberstaatsanwalt sagte, es fei fraglich, ob es sich um denselben Schmidt handele. Im übrigen ändere dos nichts an der Tatsache. daß Heines nicht geprüft habe, ob Schmidt ein Lerräter fei. Die Urteilsbegründung betont zunächst, daß sich tri lebenswahres Bild der Winnen ließ. Das G.. er von dem Feldwebel Just die Nachricht von Verröterelen Säunidls erhalten und von ihm den Be'ehl bekommen Hab«, Schmidt noch Marienthal zu bringen. Er hat fest geglaubt, daß Schmidt ein Verräter sei und sich keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Bei Ausführung der Tat hat Heines insolgedefien nicht mit U e b e r l e g u n g gehandelt, er war deshalb wegen Totschlages zu verurteilen. Ottvws Verhalten läßt ihn als Mittäter erkennen, während Fräbel und Bar, die von Anfang an wußten, daß es sich nicht um eine Waffenumbettung handelte, der Beihilfe schuldig sind. Ihre Entschuldigungen tragen den Stempel der Unglaubwürdigkeit. Bei der Prüfung der Trage, inwieweit die Angeklagten eventuell durch einen Befehl gedeckt seien, muß zunächst festgestellt werden, daß Heines sich überhaupt auf keinen Befehl beziehen kann, denn die Anweisung, die Waffen mit allen Mitteln geheimzuhalten, ist kein Befehl, den Schmidt zu töten. Das Gericht Hot die Ueberzeugung gewonnen, daß die Angeklagten sich als Soldaten fühlten, daß sie aber nicht Soldaten waren. Da schließt sich das Gericht in vollem Umfang der Ansicht des heeressachver ständigen an. Ottow, Fräbel und Bär sind aber durch 8 47 des Militärstrafgesetzbuches nicht geschützt, denn die Tat ist in'cine Zeit gefallen, in der auch im mlliiärischen Verhältnis nicht der blinde Ge- h o r s a m herrschte, sondern in der auch der einzelne Mann zu denken hotte. Ein gewisses Verstehen log bei den Beteiligten vor, sie hotten das Bewußtsein, nicht zu Recht gehandelt zu haben. Bei der Bemessung des Strafmaßes beachtet das Gericht, daß von Schmidt nicht sestgestellt worden war, daß er sich als Verräter schuldig gemacht habe. Es handelt sich hier um ganz andere Der- mutungen, möglicherweise um Mißverständnisse. Zu der Zu- billigung mildernder Umstände hat sich da» Gericht unter äußerst schwieriger Abwägung aller Momente, besonders auch der strasverfchärfenden Moment« bei Heines doch bereit g«- f u n d e n, zumal die ganzen Zeitverhältniss» berück. sichtigt werden muht«»: daher kommt für diese Handlung Heines die Zuchthausstrafe nlchk in Frage. wohl aber die nächste höchst zulässige Strafe. Die mildernden Um- stände� sind besonders deswegen zugebilligt worden, weil die Zeit- Verhältnisse ungeklärt waren, well die Angeklagten im Kriege aufgewachsen sind, auch nach dem Kriege gleich wieder an Kämpien tellgenormnen haben:«f wurde ihnen zugute ge< hallen, daß sie sich von den Kommunisten die Meinung gebildet hallen, als ob diese nur Schlechtes gegen den Staat im Sinne hätten. Daraus lasse sich ihre scharfe Einstellung gegen Verräter erklären. Es sind junge Leute, die ein besonderes Schicksal durchgemacht haben, die an die Wichtigkeit ihres eigenen Tuns glaubton, es sind ihnen c.: Befehle gegeben worden, die für sie zu schwer waren. Das Gericht erkennt den Standpunkt des heeressachverständigen an, daß die höchsten Stellen eine gewisse Mitoer- a n t w o r t u n g tragen, aber dadurch kann die Verantwortung von den Angeklagten nicht abgehoben werden. Die mildernd«» Umstände habe das Gericht auch deshalb zugebilligt, weil die Angeklagten nicht eigennützig gehandelt haben, weil si« in Schmidt den Verräter sahen und weil sie glaubten, ihrem Vaterlande einen Dienst zu erweisen und eine Pflicht zu erfüllen. Die von der Verteidigung aufgeworfene Frage eines Staatsnotstandes Hobe dos Gericht v« r- n« i n t, und zwar versteht das Gericht darunter nicht einen straf- rechtlich auswertbaren Begriff. Bewährungsfrist wird nicht gewahrt. Die Angeklagten, auch die Verurteilten, wurden beglück- wünscht. Fräbel wurde sofort auf freien Fuß gesetzt, Heines bleibt in Haft. Sein« Verteidiger wollen Revision anmelden. Etaiberaiung im Reichstag. Entscheidung erst nach Ostern. � heute. 12 Uhr mittags, tritt der Reichstag in einen kurzen Tagungsabschnitt ein, der bis zu Beginn der Oster- ferien, etwa Freitag nächster Woche, dauern wird. In diesem Abschnitt sollen der Nachtragsetat für 1928 und der Notetat für April— Juni 1929 erledigt und der eigentliche Etat für 1929 durch die erste Lesung geschickt werden. Etwa am 19. April— manche meinen, erst am 17.— soll dann der Reichstag die Arbeiten wieder aufnehmen, und dann wird der Entscheidungskamps um die Gestaltung des Etats und um die Deckung seines Defizits beginnen. Mit dieser Frage steht die Reglerungsfrage in engstem Zusammenhang. Eine Mehrheit für Etat und Deckung ist notwendig. Selbst wenn die zurzeit im Ka- binett vertretenen Parteien sich einigen würden, wäre diese Mehrheit solange nicht gegeben, als das Z e n t r u m sich nicht anschlösse. Gelingt es aber nicht, ein Einverständnis zwischen der Sozialdemokratie und der V o l k s p a r t e i zu erzielen, so bliebe nichts übrig als das Bemühen, eine Plattform zu suchen, auf die wir gemeinsam mit dem uns zum mindesten in den sozialpolitischen Dingen näherstehenden Zentrum und den übrigen republikanischen Gruppen treten könnten. Die Etatvorlage wird von dem Reichsfinanzminister h i l f e r d i n g begründet werden. Für die Sozialdemokratie wird Hertz sprechen, für das Zentrum Brüning, für die Demokraten R e i n h o l d, für die Volkspartei C r e m e r, für die Deutschnationalen Oberfohrcn. * Die bemotratische Reichstagssrattion gibt über ihre Sitzung am Mittwoch folgenden Bericht aus: Die demokrattfche Reichstagssrokiion bestimmte in ihrer Sitzung am Mittwoch den Abgeordneten Dr. Reinhold zum haushaltsredner. Sachlich häll die Fraktion an ihrem Standpunkt fest, daß mit aller Energie der Versuch gemacht werben muß. durch Ausgaben- drosselung und grundlegende Reformen und durch Verein- sachung von Gesetzgebung und Verwaltung das Gleichgewicht im haushall zu erzielen, um dadurch Stcuererhöhungen zu vermeiden. Sie'glaubt, daß dieses Mittel nur durch sachliche Arbeit erreicht werden kann, nicht durch Stellung von Ultimaten, durch die die Deutsche Volkspartei die Durchführung des Programms mög- lichster Vermeidung von Steuererhöhungen nur gefährdet hat. Krank-Heine und seine Protektoren. Ein echter MobilisiervngSplan bei Hermans gefunden. Brüssel, 13. März.(Eigenbericht.) Der vokumenlenfälscher Frank- Heine wurde am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft nochmals vernommen. Außerdem wurden ein G e n e r a l und ein Oberst der belgischen Armee, deren Namen jedoch geheimgeholten werden, verhört. Die Kriminalpolizei schrill kurz nach dem verhör zu einer Haussuchung in der Wohnung der Sekretärin des flämischen Journalisten hermans in Heys«. Sie beschlagnahmte verschiedene Dokumente, darunter einen Mobilisierungsplan des belgl- schen Heeres, der. wie mitgeteilt wird, aus dem dritten Bureau desGenerolstobes stammt, wie und durch wessen Mlthilse dieses geheime Dokument in den Besitz hermans gelangt ist, bleibt zunächst r ä t s e l h a s t. Die holländische Regierung hat genug. Amsterdam. 13. März.(Eigenbericht.) In der ersten Kammer wurde der freisinnige Antrag, die Regierung zu einer weiteren Erklärung in der An» gelegenheit der Utrechter Veröffentlichungen zu veranlassen, zurückgezogen und zwar auf Veranlassung der Regierung. Neues Dementi Chamberlains. London. 13. März.(Eigenbericht.) In Beantwortung einer Ansrage des Abgeordneten Harris stellte Chamberlain am Mittwoch im Unterhaus fest, daß die englische Regierung seit dem Kriege mitkeinemauswärtigen Staat« irgendeinen gegenseitigen Defcnsivver- trog abgeschlossen habe, von dessen Existenz dos Parlament teine Kenntnis erhalten habe, oder der nicht im Völkerbund deponiert worden fei. Kellogg-pakt ratifiziert. Brüssel. 13. März.(Eigenbericht.) Die Kammer ratifizierte am Mittwoch einstimmig den Kellogg. Patt. In einer kurzen Rede begrüßte V a n d e r- velde den Pakt. Er wies aber zugleich auf die h e u ch e l ei hin. daß trotz des Friedenspaktes die Rüstungen fortgesetzt wer- den und insbesondere dieVereinigtenStaatennntder Ratt- fitation des Pakt«» den Bau von 15 Kreuzern beschlossen. Reichshaushalt 1929. Woher stammen seine Einnahmen— wohin fließen seine ' Ausgaben? Vor» Hugo Heimann. Der Entwurf des'Reichshaushaltsplans für das Rech- nungsjahr 1928 schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit der ungeheuren Summe von 19 211 Millionen. Bon diesem Betrag entfallen auf den Ordentlichen, in der Haupt- fache durch Steuern gedeckten Haushalt 9 922 Millionen, auf den stark- gedrosselten- und durch außerordentliche Einnahmen balancierten außerordentlichen Haushalt 289 Millionen......... Die gesamte Finanz- Und Kassenlage ist, nicht zuletzt durch die Finanzwirtschaft der früheren bürgerlichen Regierungen, aufs äußerste angespannt. Die hohen Ueberschüsse früherer Jahre sind gänzlich aufgezehrt. Der vorhanden gewesen« Be- triebsmittelfands ist verschwunden. Die Kassen des Reichs sind vollkommen leer. Die Grenze der Münzprägungen ist er- reicht, ein Münzgewinn daher nicht mehr zu erwarten. Die Wirtschaftslage steht nicht mehr im Zeichen guter Kon- junktur, und das Sinken der Konjunktur läßt eine rückwärtige Entwicklung der Steuereinnahmen und ein Steigen der sozia- len Ausgaben, insbesondere der Ausgaben für Erwerbslosen- fürsarge, befürchten. Die Atempause in der Erfüllung der Reo arations Verpflichtungen hat ihr Ends er- reicht. Das Normaljahr des Dmves-Planes hat im Rechnungs- jähr 1329 begonnen, und damit steigen die Reparativns- leistunaen um über 399 Millionen gegen 1928, ohne daß für diese, seit 1924 in Aussicht stehende Mehrausgabe irgend- welche Reserven durch die früheren Regierungen zurückge- .stellt wären. Um das notwendige Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben des Ordentlichen Haushalts herzustellen, hat die Reichsregierung, nach Kürzung der von den Reichsressorts gestellten Anforderungen, sich entschlossen, die Steuerlast der deutschen Steuerzahler um 379 Millionen zu er- ö h e n. von denen ein Teil auf die Besitz-, ein Teil auf die �.assenbelastung entfällt. Es wird die Hauptaufgabe der sozialdemokratischen Fraktion sein, durch rigorose Streichungsanträge die höhe der neu anzufordern- den Steuern auf ein Mindestmaß herabzusenken. Die weit verbreitete und von bürgerlichen Parteien aus Profitmter- esse und in demagogischer Absicht genährte Auffassung, daß es bei der ungeheuren Endsumme möglich werden müßte, den ganzen Fehlbedarf einzusparen, ist indessen falsch. Der bei weitem größte Teil aller Reichsausgaben ist z w a n g s- läufig. Zwangsläufig in dem Sinne, daß die Reparati- onsverpslichtungen durch den Reichstag allein überhaupt nicht, die anderen Ausgaben nur nach vorheriger entsprechen- der Aenderung der Spezialgesetze, auf denen sie beruhen, ge- senkt werden können. So hat z. B. das Reich im Rechnung?- jähr 1929 auf Grund der neuen Besoldungsgesetze für Gehälter und Löhne der Beamten, Angestellten und Ar- bester 867,3 Millionen zu zahlen, von denen auf das Heer 229,2, auf die Marine 47,1 Millionen entfallen. Dazu kom- men dann für Pensionen und sonstige Versorgungsgebühr- nisse 1 744,4 Millionen. Von diesem ungeheuren Betrage be- ansprucht die Zivilversorgung 195,4, die Versorgung der Reichswehr 65, die des alten Heeres jl 574 Millionen. Es darf des ferneren nicht übersehen werden, daß aus dem Reichshaushalt nicht nur die Ausgaben des Reichs, son- dern fast ausnahmslos auch die gesamten Aufwendungen der Länder und Gemeinden bestritten werden, und daß die Ueberweisungen an diese beiden öffentlichen Körper- schaften den größten Ausgabeposten des Reichshaushalts ausmachen. Die nachfolgenden beiden Tabellen, die beruhen auf dem Haushaltsplan selbst, auf dem im Statistischen Reichsamt be- arbeiteten„Statistischen Uebersichten" und auf den vdm preußischen Ministerialdirektor Dr. Brecht gefertigten „Bergleichstabellen der Reichsausgaben, getrennt nach Zwecken", geben, wenn auch nur in großen Zügen, ein an- schauliches Bild, woher das Reich feine Einnahmen bezieht, zu welchen Zwecken und in welche Kanäle die oer- einnahmten ungeheuren Summen wieder abfließen. Die Reichseinnahmen im Ordentlichen Haushalt setzen sich zusammen aus: i. Vkassenbelasiung: 1. Lohnsteuer...... 2 Ilinsatzsteuer.... 3. Besörderungsfteuer.. 4. Zölle»»..».. S. Verbrauchssteuern a) Tabaksteuer... b) Zuckersteuer... c) Biersteuer.... li> Spiritusmonopol. e) Schaumweinsteuer. t) Zündwarensteuer. Sonst-Lerbrauchsobg Million. M. 1300 1120 380 1200 825 150 535 360 15 12 20 Häl? II. vesihbelasiung: 1. Einkommensteuer a) Steuerabzug vom Kapitalertrag.. b) Einkommensteuer d. veranl. Steuerpflicht. 2. Körperschaftssteuer. 3. Vermögenssteuer.. 4. Erbschaftssteuer.. Million. M. 200 1430 500 624 120 2974 > III. Verkehrssteuern: 1. Grunderwerbsteuer.. 40 2. Kapitolvcrkehrssteuer. 164 3. Kraftfahrzeugsteuer.. 205 4. Persicherungssteuer.. 55 5. Rennwettsteuer... 40 6. Lotteriesteuer.... 50 7. Wechselsteuer...-. 50 8. Obligationsstcuer.. II IV. Sonst. Einnahmen: 1. Verzinlung d.Borzugs- aktiend.Rsichsbahngef. 2 Ueberschüsse d. Post u. der Reichsdruckerei. 3. Verwaltungseinn. der Reichsministerien und der Reichsbehörden. 615 51.20 140.90 224.50 416,60 Krise in Kapstadt. Senat verwirst den Handelsvertrag mit Deutschland. Insgesamt Summe I— IV: 99? 2,6 Millionen. V. Die Einnahmen im Außerordentlichen chaushalt setzen sich zusammen aus der Rückzahlung von Darlehen und einigen kleinen außerordentlichen Einnahmebeträgen in der Gesamthöhe von........... 289,0 Die Nettoausgaben des Reichs nach Abzug derVerwaltungs- einnahmen und einiger kleinerer Posten betragen... 9325,3 Hiervon sind zunächst die durch den Krieg und die Folge- erscheinungen des Krieges entstandenen Ausgaben abzusetzen: a) Lonboncr Abkommen, Zahlungen aus dem Rsichshaushalt........... 1540,5 (Die Verpflichtungen aus dem Dienst der Reichs- bahn mit 660 und aus der Industriebelastung mit 300 Millionen belasten den Reichshaushalt direkt nicht) d) Innere Kriegslasten.......... 270,6 c) Versorgung der Kriegsteilnehmer und des alten Heeres einschl. der Kosten aller Versorgungs- Verwaltungen...........■ 1671,7 3482,8 Es bleiben................. 6342,5 Von diesem Betrage entfallen a) auf die gesamte Rcichsftnonzverwaltung.. 514,9 d) auf die Verzinsung und Tilgung der Reichs- schuld............... 435,5 950,4 Von dem verbleibenden Rest von....... 5392,1 hat das Reich auf Grund des geltenden Finanzausgleiches an die Länder zur Erfüllting der Aufgaben der Länder und Gemeinden abzuführen........... 3470,9 für die eigentlichen Reichsausgaben steht somit ein Betrag von................. 1921,2 zur Verfügung. Hiervon entfallen: o) für die Wehrmacht einschließlich Versorgung der neuen Wehrmacht................ 750,3 b) für soziale Zwecks............. 689,9 c) für wirtschaftliche Zwecke........... 255,4 d) für kulturelle Zwecke............ 39,6 e) für Gesundheitswesen............ 7,4 I) für polizeiliche Zwecke............ 5,8 g) für alle übrigen Verwaltungszweige(Reichspräsident, Reichskanzler, Parlamente, Auswärtines, Innen-, Wirtschafts-, Arbeits-, Ernährung?-, Verkehrs-, Justiz- Ministerium, Siatift. Amt).......... 124,8 h) für gemeinsame Verwaliungskosten(Postablösung, Beamtenfürsorge ufw.) außer Pensionen.... 48,0 1921,2 Eine kritische Würdigung der einzelnen Ausgabepositio- nen muß vorbehalten bleiben. Hier sei mir gesagt, daß die Ausgaben des Reichs für soziale, wirtschaftliche, gesundheit- liche und kulturelle Zwecke, so wenig sie an sich berechtigten Aniprüchen genügen, doch nicht so gering sind, wie sie nach der obigen Zweckaufteilung erscheinen. Nach der Kompetenz- abgrenzung zwischen. Reich, Landern und Gemeinden obsiegt die Fürsorge auf den genannten Gebieten zum Teil oder ganz den Ländern und Gemeinden, und in den Reichsüberwesiun- gey an die Länder sind hohe Beträge sür die aufgeführten Zwecke enthalten So betrug z. B. der Zuschußbedarf, also der Bedarf nach Abzug aller Einnahmen, für die Kullurauf- gaben in Deutschland(Schulen aller Arten, Wissenschaft und Kunst) 1913: 1048 Millionen, 1925: 1930 Millionen. 1926: 2003 Millionen Mark. In den folgenden Iahren werden sich die Ausgaben nicht verringert, sondern unbedingt erhöht haben. Leider liegen die entsprechenden Zahlen noch nicht vor. Kampf um den Reichszufchuß für die Arbeitslosen. Der Reichshaushosisousschuß beriet gestern den Nachtragsetat für 1928. Der Berichterstotter, Genosse Stückle n. hatte im Ein- vernehmen mit der Regierung beantragt, die dem Reichsfinanz- minister zu gewährende Anleiheermächtigung um einen Betrag bis zu 250 Millionen Mark zu erhöhen: daraus sollen Darlehen an die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gegeben werden.. Der Antrag war notwendig geworden, nicht etwa durch irgeird welche Schuld der gegenwärtigen Regierung oder der in ihr vcr- iretenen Parteien, sondern infolge des außerordentlichen Steigens der Arbeitslosigkeit, im vorigen Haushall aber trotz des voraus- zusehenden Ansteigens der Erwerbslosigkeit dafür nur ein Lee r- titel eingesetzt war! Dieser Leertitel muß jetzt ausgefüllt werden, da nach den Vorschriften der von der vorigen Regierung eingebrachten Arbeitslosigkeitsoersicherungsgesetze diese Darlehen nunmehr zu gewähren sind und zu«ineni Teil auch bereits g e- zahlt werdeil muhten. Gegen den Antrag,' der nur zwangsläufig Schlußfolgerungen aus Handlungen der früheren Regierung zieht, ritt der deutsche Abg. Dr. Zapf ein« Attacke: es müsse endlich Schluß gemacht werden mit Ausgabeerhöhungen, die Wirtschast ertrage das nicht länger. Der Etat müsse durch Abstriche ausgeglichen-wer- den. Genosse Keil erwiderte, daß die sozialdemokratische Fraktion bereits seit längeren: den Haushalt nach Strcichungsmöglichteiten durcharbeite und mit st arten Streichungsanträgen auf- warten werde. Die Doutschnationale Volkspartei habe bisher nur inhaltsleere allgemeine Forderungen ausgestellt: jetzt zeige sich, daß sie es mit ihre» Streichungsabsichten aus die Sozial- cinrichtungcn des Reiches abgesehen habe. Die Regierung»- Vertreter gaben zu bedenken, daß es sich hier um gesetzliche Ber- pflichtungen und um Kassentransaktionen handle, die in der gleichen Weife früher berells unbeonstanldet durchgeführt wurden. Die Schwierigkeiten seien doch dadurch entstanden, daß der außer- ordentliche Haushall seit 1926 mit etwa 600 Millionen Mark un- gedeckt sei. Schließlich wurde die Anleiheermächtigung mit 18 gegen 11 Stimmen erteilt. Dagegen stimmten Deutsche Volks- partei. Wirtschaftspartei und D e p t.s ch n a t i o n a l e. Das Zentrum enthielt sich der Stimme und behielt sich endgültige Stellungnahme zur dritten Lesung des Etats vor. Strefemann,»INorgenpost- und Demokraten. Die„Morgen- post" veröffentlichte gestern eine„von führender demokratischer Seite" stammende Einladung an Strefemann, in die Demokratische Partei einzutreten. Vor zehn Jahren habe er vergeblich angeklopft, dies- mal würde ihm geöffnet werden. Dazu bemerkt der„Demokratische Zeitungsdienst", daß man in der Parteileitung den Verfasser dieser Eiilladum; nicht kenne. Daß sein ossener Brief die von ihm vertreten« Sache fördere, fej kaum anzunehmen. Kapstadt, 13. März. Der Senat hat den von dem Mitgliede der«nd- afrikanischen Partei, Senator Francis, eingebrachte« Antrag, dnrch den der Handelsvertrag mit Dcntfchlaad abgelehnt wird, mit 20 gegen 15 Stimmen angenommen. * Ob damit das Schicksal des deutsch-südafrikanischen Handelsvertrages besiegelt ist, ist eine offene Frage, well auch über die verfassungsreckft liche Seite dieses Kon- fliktes zwischen Regierung und Opvosition schwere M e i- nungsverschiedenheiten bestehen. Die Regierung H e r tz o g hatte mit der relatw kleinen Mehrheit, die chr zur Verfügung steht, die Vorlage im eigent- lichen Parlament durchgesetzt, trotz der erbitterten Gegnerschaft der unter Führung von'S m u t s stehenden Opposition. Als nun die Smuts-Partei ihre Absicht äußerte, die Angelegenheit vor den Senat zur Entscheidung zu bringen, erklärte der Ministerpräsident Hertzog, daß er hierzu verfassungsmäßig nicht verpflichtet fei. Dennoch hat die Oppo- fition, die im Senat über eine kleine Mehrheit verfügt, ihren Willen durchgesetzt. Es bleibt abzuwarten, ob und welche Konsequenzen die Regierung aus dieser Sachlage zieht. Es handelt sich hier weniger um eine eigentliche"Regierungskrise, als um eine Verfassungskrise, entstanden durch die verschiedene Zusammensetzung der beiden Kammern. Das eigentliche Parlament fetzt sich gegenwärtig zu- fammen aus 63„Rationalisten"(Regierungspartei Hertzogs), 53„Südafrikanern"(Oppositionspartei Smuts'), 18 Arbeiter- parteilern und 1 konstttuttonellen Demokraten. Der Senat hingegen besteht aus 40 Mitgliedern, von denen 32 von den Provinzialparlamenten gewählt und die acht übrigen vom britischen Generalgouverneur ernannt werden. Gegenwärtig zählen die Oppositionellen 17 Sena- toren, die Regierungsanhänger 13 und die Arbeiter- parteiler 2. Während im Parlament sich die A r b e i t e r p a r t e i in diesem Konflikt neutral verhiesi und dadurch die Amiahme der Vorlage ermöglichte, scheinen ihre zwei Vertreter im Senat mit' der Regierung gestimmt zu haben, während ein Tell der durch den Vertreter des englischen Königs er- nannten Senatoren den Ausschlag zugunsten der Oppo» sition c)ab. Die Ursachen des Konflikts liegen bekanntlich in der kon- servativen Wirtschaftspolitik, die das englische Mutter- l a n d gegenüber den Dominien betreibt. Die englische In- dustrie sieht in jedem handelspolitischen Zugeständnis, das eines der Dominien einem nichtenglischen Lande macht, eine Gefährdung ihres Exports und der Vorzugsstellung, die sich die englische Industrie in allen britischen Dominien durch das sogenannte Preference-System mit seinen Vorzugs- zollen gesichert hat. Der am 1. September des vorigen Jahres abgeschlossene Handelsvertrag zwischen Deutschland und der südasritanlschen Union hat nun die Spannung zwischen dem englischen Mutterland und dem Willen zu einer gewissen wirtschaftlichen Selbständigkeit der südafrikanischen Union bedeutend ver- schärft. Die britische Industrie, insbesondere die britischen Handelskammern, haben gigen die Ratifizierung des Handelsvertrages mit Deutschland ununterbrochen Sturm gelaufen, und noch in den letzten Wochen vor der Anfang März vom Parlament vollzogenen Ratifizierung haben die brUischen Handelskammern eindring- llche Proteste nach Kapstadt gerichtet. Der Vertrag selbst bedeutet nämlich keineeiaentliche Einschrän-- tung des Systems der Borzugszölle, soweit dieses System bis heute ausgebaut ist. Für diesenigen Waren, für die Vorzugszölle im englischen Mutterland gewährt sind, erhält nämlich Deutschland keineswegs die Meistoeaünstigung. Der Vertrag sieht nämlich nur vor, daß die Liste der mit Vorzugszöllen ausgestatteten Waren nicht gegen das deutsche — und offenbar auch südafrikanische— Interesse noch erweitert wird. Der Konflikt ist also durch die Hartköpfig- keit der konservativen englischen Wirt- schaftspolitit verursacht, und es ist zu hoffen, daß die südafrikanische Regierung den Vertrag mit Deutschland im Interesse einer vernünftigeren Wirtschaftspolitik in der Welt dennoch durchsetzen wird. Was ist Ehre? Zwei Kälte aus der Wirklichkeit. Es gibt viele Dinge, die gemein, roh, sadistisch und hasseus- wert sind. 2Iber nichts wirkt auf einen anständigen Menschen so deprimierend, al» wenn Zemand, aus gesicherter Stellung Gifipfell« verschießend, die Ehre eines Wehslosen in den Kot zerrt. Dafür sind im Augenblick zwei Mllo präsent. ./ i.,•... Erster FaiI:'G?richie1«ak. AngeMttzt ein unsympathischer Zwan- zigjähriger, der seine Vroß'tnülle� viehifö erschlagen hat. Die Mutier des Täters wird als Zeugin vernommen. Sie ist fest Jahrzehnten von ihrem Mann geschieden, kennt ihr mißratenes Kind seit seiner frühesten Jugend nicht mehr. Nun geht das Examinatorium durch die Verteidigung los: War der Vater des Angeklagten wirklich der Vater? Können Sie, Frau Zeugin, beschwören, daß kein anderer als Erzeuger in Frage kommt? Weinend und im tiefsten verletzt ist die Zeugin zu diesem Schwur bereit. Aber die Verteidigung ist nicht zufrieden. In dem Ehescheidungsoerfahven vor anderthalb Dutzend Jahren sei doch von einem Bauunternehmer Sowieso die Rede ge- wesen, den der Dater des Angeklagten im Verdacht des Ehebruches gehabt habe. Man müsse ihn als Zeugen laden, denn sei er der Erzeuger des Angeklagten, so komme sür diesen nur gewöhnlicher Totschlag, nicht Verwandtentotschlag in Frage. So weit geht das juristische Recht der Verteidigung. Nichts dagegen zu sagen. Aber nun das ganz Unerhörte: Die unglückselige Mutter, die nach bald zwanzigjähriger Trennung ihr Kind als angeklagten Mörder wieder. sieht, jie wird als Zeugin von der Verteidigung, wie der schöne Ausdruck lautet,„madig gemacht": sie habe sich gefühlskalt be- nommen, nicht die nötige pachetische Rührung an den Tag gelegt, auch habe sie jetzt erst ini Gerichtssaal von dem Gifttod der Schwester des Angeklagten erfahren.— Wer kennt Schicksal und Innenleben dieser Frau? Wer weiß, wie weit sie die Erinnerung an«ine ver- unglückte Ehe in sich begraben hatte? Wer gibt einer Verteidigung das Recht zu einer derartigen Einmischung in die innersten Gefühl« eines anderen Menschen, der nichts verbrochen hat, als die geschiedene Mutter eines angeklagten Mörders zu sein?! Das„Pfui", mit dem die getretene Frau den Gerichtsfal verlieh, sollte von der ganzen Oeffentlichkeit wiederholt werden. * Zweiter Fall: Diesmal geht es ins Hochpolitische. Trotzli erhält von Moskau seine Eselssutztritte. Das ist das Schöne an einer Diktatur� sobald einer es mit den Machthaber» verdorben hat, kann man ihm die gemeinsten Absichten unterstellen, kann man seine Ehre durch Verdrehung und Verleumdung in den Kot zerren, ohne daß es für den Betroffenen noch irg«ndeine Gegenwehr, irgendeine Er- widerung gibt. Herr E. Jaroslawsky aus Moskau zeigt auf drei Spalten der„Roten Fahne", wie das Amt eines Henkers der persönlichen Ehre ausgeübt wird. Beispiele: Beim Ueberschreiten der türkischen Grenze hat Trotz'! an den Präsidenten der türlischcn Republik die Erklärung gerichtet, daß er nicht aus freien Stücken, sondern nur unier dem Zwang der Sowjet- regierung die Grenze überschreite. Folgerung des Herrn Jaroslawsky: „Der erste Schritt Trotzkis in«mein kapitalistischen Lande war also eine Beschimpfung der Sowjetunion."— Beschimpfung! Es ist nicht bekannt, daß die Sowjetunion Trotzki irgendwelche Subsistenz mittel in die Verbannung mitgegeben hat. Auch ein Verbannter kann schließlich nicht von Lust leben. Trotzki hat mit einer englischen Agentur einen Vertrag über Abdruck seiner„Er- innerungen" abgeschiossen. Was Trotzki dafür erhält, weiß Herr Jaroslawsky nicht. Bei einem Ehrabschneider, dem der Angegrifscnc nicht antworten kann, kommt es auch nicht darauf an. Er verbreitet Gerüchle, das ist noch weit wirksamer. Darum schreibt Herr Jaroslawsky: Wir wissen nicht, worin Trotzki mit den Agenten der bürger- lichen Presse übcreingekommen ist. Nach einigen Angaben wurden Trotzki für seine Artikel mehr als 10 000 Dollar, nach anderen Angaben etwa 25 000 Dollar ausgezahlt. Uns interessiert das nicht. Als der ver- st o r b c n e Josse sich über die Partei beklagie, weil sie ihm nicht gestallet hatte, seine Memoiren bei bürgerlichen Berlage» herauszugeben, die ihm dafür gutes Honorar versprachen, so rief das ein Gefühl des Ekels hervor. Zlllerdings ist Joffe ein Toter, der es vor seinem Tode schrieb. Hier kuhhandell aber ein lebenderpolitischer Leich- n a m,«in lebender Renegat, über den Preis, für den er berell ist, seine Verleumdungen gegen die Kommu- nistische Partei, gegen deren Führer, gegen die Sonsset- macht zu verkaufen. Zwei Fliegen mit einer Klappe! Gleich noch den toten Joffe mit erwischt, den das Aushungerungssystem der Machthaber zum Selbstmord getrieben hat. Am Schluß noch ein prächtiges Beispiel offizieller bolschewistischer • Verdrehung»- und Verleumdungskunsi. Trotzki hat in einem Artikel i erklärt:„Diesenigen, die einen boldigen Sturz des(bolschewistischen) ! Regimes erwarten, sind zu einer neuen grausamen Eni- ! täuschungoerurteil!.' Mas macht ein geschickter Verleumder hiermit? Jaroslawsky weih es: Er druckt das Wort„baldigen" fett und schreibt: Trotzki habe mit diesem Satz ausdrücken wollen, ,chaß man immerhin mit einem, wenn auch nicht baldigen, aber auch nicht sehr weit entfernten Sturz des Sowjetregimes rechnen könne". Gib mir drei Zeilen eines anständigen Mannes— und ich werde ihn an den Galgen bringen! Vor 150 Jahren ist dieser Satz in Frankreich geprägt worden. In Rußland gilt er gegenwärtig. Asylrecht sür Trotzki! Ein Mahnruf CübeS. Der Reichstagspräsident, Genosse Paul Lobe, veröffentlicht in einer parteigenössischcn Korrespondenz einen Üllissotz, in dem er nach einem Rückblick auf die Geschichte des Asylrcchts in England, Frankreich und der Schweiz zu folgender Schlußfolgerung gelangt: „Die deutsche Republik kann eine große Tradition fort- führen, und ein wichtiges Freiheitsgut sichern, wenn sie den politischen Verfolgten eine Freistatt bietet, solang« diese die Sicher- hell des eigenen Landes nicht gesährden. Sie tut es auch praktisch. Unzählig« der verfolgten russischen Monarchisten, bis zum Kriegs- minister Suchomlinow. haben Deutschland als Zusluchtsort gewählt und leben heut« noch hier, ebenso wie Angehörige anderer politischer Richtungen Groß ist die Zahl der ehemaligen oder gegenwärtigen bolschewistischen Volksbeaustragten, die in Reichen- hall, in Wiesbaden oder anderen Orten Kuraufenthalt suchen oder sich sonst in Deutschland erholen, wie T s ch i t s ch e r i n, der nun bald seit einem Jahr sich in der Nähe von Berlin aufhält. Was ihnen allen Recht ist, sollte man auch Trotzki nicht ver- sagen, nicht aus Freundschaft sür sein« Person oder seine Ideen, sondern in Wahrung eines hohen Menschenrechts der politischen Freiheit, das diejenigen niemals enteh''t«, die es den Verfolgten gewährten." Trohki als Gast der Türkei. konstanlinopel, 13. März. In einem Interview mit dem Vertreter der Agentur Reuter er- klärte Trotzki, der sich einer sehr guten Gesundheit zu ersreucn schien und der seinen Schnurr- und Kinnbart jetzt rasiert hat, er werde in Konstantinopel so lange bleiben, bis er eine Ein- reisebewilligung nach einem anderen Land erhalte. Obwohl er aus Rußland verbannt sei, habe ihn der Wali von Konstantinopel ver- sichert, er sei als ausländischer Gast betrachtet, der die türkische Gastfreundschafl genieße. Trotzki fügte hinzu, er Hobe den Schritt beim Reichsprästdenien L ö b e unternommen, weil er und seine Frau sich in die ärztliche Pjlege deutscher Spezialisten begeben möchten. Mexiko. Giandesrechi-iche Erschießungen. Vlexiko-Etty. 13. März.(Eigenbericht.) Der gefangene Rebellenführer Simon Aguirre, der Bruder des noch siüchf gen Rebellengenerols Aguirre, wurde nach einer-sum- marischen Varhandlung vor dem Kriegsgericht in Lucrezia(Veracruz- Staat erschossen. Angesichts der ständigen Besserung der Loge Hot di« Regierung die Anordnung zur Rekrutierung neuer Truppen- teile und zur Formierung freiwilliger Korps aufgehoben. Oer stolze Nazi. Vir nationalsozialistische sächsisch« Landtagsabgeordneie T i i i> mann weigerie sich, für seine Khesrau von seinen erbebliche» Eintünste i irgendwelchen Lluierhalt zu zahlen. Seine Auslieferung zur Ableistmg des Offenbamngseides wurde nach heftigen Kämpfen vom sächfiichm Landtag mit 42: SS Stimmen beschlossen. Was schert mich Weib, was schert mich Kind? Laß sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind. Ich habe weit bess'res zu tun! Alimente?— Ich bin immun? Die geplante Zentralbank. Keine Meinungsverschiedenheiten über die Höhe des Kapitals. 63 Kommunisten im Hungerstreik. Wo?— In Eowjetrußiand! Die Kommunisten kennen nur ein Vaterland: Rußland. In allen anderen Ländern fühlen sie sich berufen, den Um- stürz der Verfassung mit allen Mitteln zu betreiben. Trotz- dem gibt es heute merkwürdigerweife kein Land in der Welt, in dem sich mehr Kommunisten im Zuchthaus, im Ge- f ä n g n i s oder in der Verbannung befinden als in Sowjetrußlandl Von dort veröffentlicht die links- kommunistische Presse jetzt folgenden vorn 15. Februar datierten Notschrei: Gleich nach der Uebergabc des Genossen L. T r o tz k i, des Führers der Okloberrevolution. in die Hände der Weihgardiften, wurde gegen die besten Söhn« des Proletariats, die Bolschewisten- Leninisten, die Verteidiger der Oktoberrevolution, eine ganze Reihe von Represstonsnuttel angewandt. 63 Bolschewisten-Opposstionäre. darunter die Genossen Drcizer, Gaewski. Griittschcirko, Grinschtein, Naumosf, Mino, Bronstcin, Marcnko, Walcnti- n o s f. S u b r o s s, I w a n o f f u. a., sind nach dem Zuchthaus Tobolsk, welches man jetzt als„Isolator" bezeichnet, oerbannt worden. Den Verwandten und Freunden der Vcrhasteten-ist erklärt worden, daß sie nach Sibirien verbannt werden sollten. Auch den Verhafteten ist erklärt worden, daß sie laut Bestimmung der GPU. nach Sibirien verbannt werden sollten. Man hat sie aber nach dem Zuchthaus Toboljl gebracht. Die Forderungen nach warmen Kleidern oder warmen Schuhen find ohne Antwort geblieben. Dem alten Bolschewik-Genossen Drobnis sind beide Bein« erfroren. Das Regime des Zuchthauses ist unerhört. Jede Ueberssndung von Sachen an die VcrbaniUcn ist verboten. Die Verhafteten dürfen sich nicht auf eigene Kosten verpflegen. Ein Zusammenkommen der Verhafteten ist untersagt. Auch auf die Schwerkrank«» (Wannofs u. a.) wie auch auf die Genossin T u r m a n n, welche im siebenten Monat schwanger ist, wird dieses Regime ohne Ausnahme angewandt. Aus Protest gegen den unerhörten, ungesetzlichen Aufenthalt in dem Zuchthaus, aus Protest gegen das unerhörie Regime, hoben die 63 Genossen am 4. Februar einen Hungerstreik ertlärt. 12 Genossen, darunter der Genosse Drcizer, ein Held des Bürgerkrieges, welcher zwei Orden der roten Fahne hatte, sind in lebensgefährlichem Zustande ins Krankenhaus des Zuchthauses übergeführt worden. Gsnossenl In dem Sowjet-Zuchthaus sterben 63 Bolschewisten. Alle Zlrbester sollen diesen Fall genau wisien. Verbrestet diese Flugblätter, erzählt es den Arbeitern bei der Arbeit, schreibt es euren Freunden im Ausland. Alle Proletarier müssen um dieses Berbrechen wissen. Protestiert sofort, es kann sonst zu spät werden. Protestiert gegen das ZK., gegen die ZKK. Protestiert in den Parteikomitees, in den Zellen, in den Redaktionen, gruppenweise und einzeln. Sprecht in den Dersammlungeu, wählt Delegierte zur Unterstützung der Familien der Gefangenen. Die Verantwortung für das Leben der 63 Bolschewisten, welche alles für die Arbeiterklasse geopfert haben, liegt auf uns allen, auf jedem Arbeiter, auf jedem Mitglied der Parter. Bolschcwist�u-Lcimnsten. /Opposition). Das Verbrechen der Dreiundsechzig besteht in der Haupt- fache darin, daß sie über die Auslegung und Anwendung der Lehren Lenins anderer Meinung sind als d'e zurzeit berrschende Richtung. Nirgends in der Welt ist der Weg vom Kommunismus in das Zuchthaus kürzer als in Sowjetruß- land! Die Giaaisiheaier in Berlin. Debatte im LandtagSausfchvß Im Hauptausschuß des Landtags wandte sich Abg. Dr. Lau- scher(Ztr.) gegen die Steigerung des Aufwandes für die Staats- cheater um Millionen, ähnlich Abg. Dr. Bölitz(DVp.). Frau Abg. Oe st reicher(Soz.) forderte, daß der Not der Schrift- steiler durch Zuweisung von Aufträgen gesteuert und die S p r e ch ch ö re gefördert werden. Abg. Koch(Dnat.) beanstandet, daß dsn Reinhardt- Bühnen die Gemeinnützigkeit zuerkannt werde; das müßte im Hinblick auf Stücke wie hofencleoers„Ehen werden im Himmel geschlossen" unterbleiben. Abg. Dr. B o h n e r(Dem.) spricht gegen die ewige Sunstschnüffelci der Rechten. Der Geschmack des Publikums habe sich erfreulich gebessert. Wg. König(Soz.) anerkannte die volkstümliche Thsaterpolitik der Kroll- Oper und des S ch i l l e r t h e a t e r s, die im Gegensatz zu der Oper Unter den Linden und dem Staatlichen Schauspielhaus den B c- sucherorganisationen billig« Plätze überlasse?:. Jeß- ners Arbeit werde jetzt allgemein anerkannt. Kultusminister Dr. Becker teilte mit, daß sechs Schriftsteller nach Anhörung der Sektion für Dichtkunst«inen staatlichen Ehrcnsold erhalten hätten. Der Minister könne nicht weiter die Verantwortung dafür übernehmen, daß erste Kräfte der Staatstheater einen großen Teil der Spielzeit außerhalb Deutschlands verbringen, so daß an ihrer Stelle zweit« Kräfte auf dem Spielplan erscheinen. Eine Aenderung dieser Zustände sei ohne Mehrkosten nur durch die Der- bindung mit der Berliner Städtischen Oper möglich. Die G e m c I n n ü tz i g k c i t s e r k l ä r u n g des Deut- fchen Theaters und der jk a in in e r sp i el e sei ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Theaterkunst und habe den finanziellen Zusammenbruch dieser Bühnen verhindert. Dabei Hab« er allerdings vorausgesetzt, daß Max Reinhardt seine Krast dem Deutschen Theater wieder zur Der- sügung stellen würde, da seine Ausnahmestellung gegenüber diesem Unternehmen nicht verständlich erscheine. Die E t a t s s ä tz e wurden nach den Vorschlägen der Regierung angenommen. Die Unterstützungssumme für die Landes- b ü h n e zur Förderung der Volksbühnen wurde— nach einer warmen Empfehlung durch Abg. König(Soz.)— von 1,2 auf 1,8 Millionen Erhöht._ Der Llrafrechlsansschuß des Relchskags hat die Eidespara- graphen angenommen: Mindeststrase für vorsätzlich falsche Versicherung drei Monate Gesängiiis, Höchststrafe in besonders schweren Fällen Zuchthaus bis zu nins Jahren, ist die Angab« i".ir in einem bedeutungslosen Punkt unrichtig oder unvoll- ständig, so kann(!) dos Gericht die �St rase nach freiem Ermessen mildern oder von Strafe absehen. Strafe für wissentlichen M eineid Zuchth au s bis zu fünf Jahren, in besonder« schweren Fäll« Zuchthaus bis zu zehu Sahren. Paris, 13, März.(Eigenbericht.) Die Sachverständigenkonferenz hiell am Mittwoch- nachmittag eine etwa einstündige Vollsitzung ab, deren Beratungen ausschließlich dem Projekt eines Elearing-Houses zur Regelung der Reparationszahlungen galten. Von der Kommission für Sochlissernngen lag ein schriftlicher Bericht vor; die Deratun- gen der anderen Kommissionen sind noch nicht beendet. Lord Revelstot.c erstattete.jc'n mündstches Referat über die Frage der Kapital Sanft irtti.g u Ng der künstigen Zew t r a l- dank, ferner über deren Beziehungen zu den Notenbanken der Länder sowie ihre Kreditpolitik. Josuah St a in p wurde gebeten, die bisherigen Ergebnisse der drei Unterkommissionen gründlch zu überprüfen, um sie auf die Linie des Gesamtplanes zu brm- gen. Er soll in der nächsten Vollsitzung, d>c am Freitag stattfinden wird, Bericht erstatten und bis dahin einen Prograinmentwurs ausarbeiten. Der ursprüngliche Organisationsplan scheint durch die Beschlüsse der Kommissionen bereits sehr weitgehende Modifikationen erfahren zu haben. Die von der englischen Presse verbreiteten Meldungen über angebliche Meinungsverschiedenheiten, die im Schöße der Konferenz über die höhe des auszubringenden Kapitals Herr- schen sollen, werden von den Delegierten dementiert. Es herrscht über diesen Punkt völlige Einstimmigkeit. Das Kapital soll zum Teil durch die Notenbanken und Prioatbaiiken, zum an- deren durch die Abzweigung eines Teils der deutschen Annuitäten ausgebracht werden. Reichsbankpräsident Schacht, der am Mittwoch aus Berlin zurückgekehrt ist, hat an den Verhandlungen t ei Ige- n o m m e n. Nun wird über die Summe geredet! Paris. 13. März.(Eigenbericht.) Die Pariser Presse glaubt heute versichern zu können, daß nach der Unterredung des Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht in Berlin und nach seiner Rückkehr nach Poris die entscheidende Wen- dung in den Pariser Sachverständigenverhandlungen nicht mehr lange ausbleiben werde. Man dürste erwarten, daß noch i» dieser Woche eine prinzipielle Einigung über die Gesamthöhe der deutschen Schuld und die der deutschen Annuitäten erreicht Nach dem dänischen Wahlsieg. politische Rückwirkungen.— Die bürgerliche Negierung wankt. Kopenhagen. 13. Mär;.(Eigcuberichl.) Die dänische Sladlvcrordnelen- und Gemeinde- ralswahlea gestalteten sich zu einem großen Erfolg der Sozlaldemokralie. 3n der Provinz wurden 4 5 neue Mandate erobert. Die bisherige Mehrheit in Kopen- Hagen wurde um vier neugewonnene Mandate aus 35 sozialdemokralilch« gegen 20 bürgerliche Sitze vermehrt. Auch in der konservativen Rachbargemcinde Frederiksberg eroberte dle Sozialdemokratie— ohne allerdings die konservative Mehrheit da- durch las Wanken zu bringen— ein Mandat. Die Wahlen bleiben vielleicht ntchlohnepalilischeRück- Wirkungen. Do» aus der gemäßigten konservativen Agrarlinken hervorgegangene Sabiaell Madsea-Mygdal. dessen parlamen- tarische Mehrheil aus der Zusammenarbeit mit den Koaseroaliveu beruht, sitzt nicht besonders fest im Sattel. Die Frage des Ausbaue» der beflehenden Wehrordnung hat in letzter Zeit wiederHoll zu Ilostimmlgkellen zwischen der Zlgrarlinken und den ftoaservativeu ge- führt. Der jetzige Wehretat, der etwa 40 Millionen Kronen jährlich verschlingt, genügt den Konservativen nicht. Sie sordera als Minimum 50 Millionen, zu denen noch größege Sonder- bewilllgungen treten sollen. Die Regierung möchte dagegen mit Rücksicht auf ihre Wähler die Summe von 43 Millionen nicht über- schreiten. Das Scheitern dieser Verhandlungen ließ kürzlich bereits werde. Dabei glaubt der„Petit Porisien" in etwas übertriebenem Optimismus voraussogen zu können, daß die deutschen Delegier- ten sich jetzt leicht und schnell mit den Zahlen zufrieden geben wer- den. die die Ainerikaner als Schiedsrichter zwischen Schuldner und Gläubiger vorschlagen würden. Allerdings vor- sichern dabei immer noch die meisten Pariser Blätter, daß die künf- tigen deutschen.Annuitäten k a u m niedriger ald 2.5 Milliarden sein könnten, die,'wie PertiNax im»Echo de PariS�' erklärte, dayn gerghe W aMeAen. SchuldM. und die hülste der Wiederoufbaukösten decken würde». In, übrigen. sei diese Annuität für Deutschland durchaus tragbar,' behauptet der„Exzelsior", denn sie mache nur 25 Proz. der deutschen Butgetoinnahmen aus, während die übrigen kriegführenden Staaten für ihre Kriegsschuld mindestens 46 bis 56 Proz. ihrer Einnahmen zahlen mühten. painleve beugt vor. Soldatenessen soll gebessert werden. Paris, 13. März.(Eigenbericht.) In Erwartung der heftigen Kritiken, die in der für Freitag angesetzten Kammerdebatte über dos Massensterben unter den Besotzungstruppen im Rheinland an die Adresse des Kriegsnünisteriums gerichtet werden, hat sich Kricgsminister P a i n- levc entschlossen, inzwischen einem anderen Mißstand obzuhelsen, der ebenfalls schon häufig Anlaß zu berechtigter Kritik gab: Die Nahrung der Soldaten soll verbessert werden. Tat- sächlich ist ein vom Kriegsminister, Luftfahrtminister und Finanz- minister unterzeichneter Gesetzentwurs in der Kaminer eingebracht worden, laut welchem die Kredite für die den Truppen zu ge- währenden Lerpslcgungsgelder erhöht werden sollen, Es brennt im parlamenisrestaurant. Paris. 13. März.(Eigenbericht.) In der jranzösijchen Kammer brach am Mittwoch irachmillag in der Nähe des Restaurants ein Brand aus. der jedoch keinen großen llmfang annahm und dutch die rasch herbeigeeilt« Feuer- wehr bald gelöscht werden konnte. Als Ursache des Brandes wird Kurzschluß angegeben. ein« Regierungskrise möglich erscheinen. Zetzt beweist da» Ergebnis der kommunalwahlcn, wie gerechtserligl die Befürchtungen der Re- gierungsparlei waren. Sollte es dem Kabinett wadsen-wygdol dennoch gelingen, den drohenden Sturz durch Entgegenkommen in der Wehrsrage im letzten Augenblick zu vermeiden, so würde die Regierung trotzdem da» Ende der Wahlperiode kaum überleben. Eine sozialdemokratische Regierung ist für die Zukunft zu erwarten. Aiientat in Tienisin. Oer kehle Pekinger Kriegsminister erschossen. PeNng. 13. März. Zu Tienksin feuerte vor der japanischen Konzession ein gut- gekleideter Chinese aus aächster Röhe auf den ehemaligen Kriegs- minister der Pekinger Regierung. General Tschunhilln vier Schüsse ob, die in den Kopf trafen und ihn sofort löteten. Per Täter konnte»och nicht festgenommen werden, obgleich die japalüsche Polizei sofort die Verfolgung aufgenommen hat. General Tschuu war der letzte Pekinger Srlegsmlnister und in Tienlsto als geheimer Emissär TschanghsueNang, tätig. Di« sapaulschc politische Polizei vermutet, daß das Attentat von Anhängern der Soumlntang organisiert worden sei. General Nobile hat seinen Abschied eingereicht, der sojort angenommen wurde. Wie gehts dem Ruhrbergbau? Gin Dokument der Ltnwahrscheinlichkeiten. Die rührselige Geschichte vom kranken Mann an der Ruhr wird zurzeit wieder einmal von den Bergbauindustriellen kolportiert. Der Bergbaulich« Verein Essen hat vor kurzem eine Denk- schrist über die wirtschaftliche Lage des Ruhrberg- bau es versaßt, worin der Oeffentlichkeit und den maßgebenden Regierungsstellen die Lag« des Ruhrbergbaues in recht wenig freund- lichen Farben geschildert ist. Der Zweck der Hebung ist klar: eine Lohnbewegung der Bergarbeiter ist in Sicht. Die Denkschrift der Industriellen wird in der neuesten Nummer des Verbandsorgans der Bergbauindustriearbeiter unter die Lupe genommen. Das Resultat der kritischen Beleuchtung ist in vielen Dingen recht interessant. In der Denkschrift wird wieder einmal über s o z i a l p o l i- tische Betastung geklagt, über die st a a t l i ch e Regelung der Lohn- und Preisfrage und über die angeblich nicht genügende Berücksichtigung eines angemestsnen Abschreibungsbetrags in den amtlich ermittelten Selbstkosten. Auf der anderen Seite bringt die Denkschrift gegenüber den von der Wirtschastskritit erhobenen Einwänden der Ueberkapazität.der Fehlinvestitionen und einer nicht folgerichtigen Exportpolitik nur recht unzu- ländliche Argumente. Die Denkschrift nimmt das Schmalenbach-Gutachten vom November 1927 als Ausgangspunkt ihrer betricbswissenschast- lichen Betrachtungen. Dieses Gutachten ist heute nicht mehr zeit- gemäß. Man kann es auch nicht dadurch wieder aktuell machen, daß man auf Grund von lleberschlagsrechnungen behauptet, dos Gesamt- bild habe sich seit 1927 nicht wesentlich verändert. Noch der auch von maßgebenden Vertretern �es Reichswirtschastsministerlums ver- fochtenen Auffassung sind seit November 1927 in den Selbstkosten und Gewinnen beträchtliche Veränderungen eingetreten, so daß die gegenwärtige Situation erheblich anders aussieht als die vom Noveinber 1927. Jedenfalls bleibt es völlig unerklärlich, warum eine seitdem eingetreten« Verbesserung des bergmännischen teislungseftektcs von 70 Kilo- gramm pro Mann und Schicht und eine Erhöhung des Kohlen- verbandspreisc» um 2 Mark pro Tonne für die Standardorte bei einer Steigerung des durchschnittlichen Bor- Verdienstes- von 53 Pfennig pro Schicht sich so ausgleichen sollen, daß eine Veränderung des Verhältnisses zwischen Selbstkosten und Er- läsen ün letzten Jahr überhaupt nicht eingetreten ist. Nach den lieber- lchlagsrechnungen des Bergarbeiteroerbandcs ist sehr wohl«ine Besserung dieses'Verhältnisses zu verzeichnen. Der Bergbauliche Verein gibt zu, daß in den fünf Iahren seit der Stabilisierung bis jetzt etwa Z Mark pro Beteiligungs- tonne lnocstiert worden sind, wovon etwa 69 Proz. aus eigenen Mitteln stammen. Die Gesamtbeteiligung am Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat ist mit durchschnittlich 169 Mil- lionen Tonnen einzuschätzen. Das bedeutet, daß der Ruhrbergbau mehr als eine Dreioiertelmilliarde neu in- ve stieren konnte, und zwar, beinahe eine halbe Mil- liarde aus eigenenMitteln.d. h. aus Selbstfinanzierung. Als fruchtbar bezeichnet das Bergarbeiterorgan den in der Denk- schrist erwähnten Gedanken einer Teilung der tür die Abgeltuna des Kapitolaufwandes vertretbaren Kostenbeträge in ordentliche Ab- schreibungen und in Rückstellungen für Werkserhaltungen aus einem offenen Werkserhaltungskonto. Es stellt im Anschluß daran aber auch sofort die Frage der Verfügungsgewalt über dieses aus Mitteln der Allgemeinheit, nämlich der Kohlenverbraucher, gespeiste Werkserhaltungskonto, das man besser als Rattonalisierungsreserve bezeichnet. Eine gemein- wirtschaftliche Verfügung über eine solch« Reserve werde auch die bisherigen Gefahren der Ueberkapazität und Fehl- inoestitionen wesentlich«inschränken. Die Kapazität um etwa ein Drittel der Anlagen höher zu halten, als es einer begründeten Marktooraussicht entspreche, sei nicht vernünftig. Wer di« Anlagen für Möglichteiien, wie z. B. den englischen Kohlenaussall im Jahre 1926, rüste, spekuliere, und dafür müsse er selbst die Kosten tragen. Die zugegebenen Fehlinvestitionen wolle man mit behördlich erzwungenen Lohnerhöhungen rechtfertigen, mit denen der Bergbau sozusagen überfallen worden sei. Dabei werde in der Denk- schrist selbst erklärt, die Erfahrungen hätten in den letzten Iahren gezeigt, daß der Bergbau vor neuen Lasten durchaus nicht sicher sei. Eins stehe jedenfalls fest: bei wirksameren gemeinwirtschafllichen Kontrollen. als sie das Kohlcnwirtschastsg«seß.gegenwärtig biete, sei eine in die Millionen gehende Fehlleitung von Kapitalien viel weniger möglich. In der A u s s u h r s r a g e hält das Bergorbeiterorgan der Denkschrift gegenüber daran fest, daß unter keinen Umstän- den soziales Dumping getrieben werden dürfe. Der äugen- blickliche internationale Konkurrenzkampf könne abgestoppt werden, wenn sich die Unternehmer zu de» Vorschlägen bekennen würden, die vor kurzem die Arbeitersachverstänbigen in Genf vor- getragen hätten. Die K o n k u r r e n z führe zur P l e i t e, die Verständigung zur Blüte. Die Denkschrift der Ruhrinbustriellen ist noch der Auftossung der Bergarbeiter ein Dokument der Unwohrscheinlichkeiten. Das muß für Arbeiter. Derbraucher und Regierung von neuem Deränlassung sein, mehr als bisher für eine ständige Durchleuchtung des Ruhrbergbaues zu sorgen. Die Stelle, die Klarheit zu schaften hat, ist der Reichskohlenrat. Oer großzügige Hansabund. Abbau der Llnterstühunq der KriegSbeschäbigten. Jeher Ignorant hält sich heute für berufen, an der Sozialpolitik herumzukrmsicren. Man hat dos erst unlängst bei dem in der „Germanja" erschienenen lzetzartikel gegen di« Arbeitslojenversiche- rung feststellen müssen. Auch die vor kurzem veröffentlichte Denk- schrist des ff a n s a b u n d'e s/itt der gegen den Sozialetat los- gezogen wird, strotzt von geradezu grotesker Unkenntnis. Ein Beispiel wir: Im ffaushalt des Rcichsarbeitsministeriums befindet sich ein Posten von 2 799 999 M. für Beweiserhebung und Kostenerstattung in Vafforgungssachew Aus diesem Fonds werden den Kriegs- beschädigten Reisen und Uebcrnachtungsgelder bezahlt, wenn sie zu Untersuchungszwecken von einer Bersorgmigsbc- Horde vorgeladen werden. Also unter Berücksichtigung der gesetz- lichen Vorschriften ein zwangsweiser Fonds! Der ffansa- bund streicht kurzerhand 199 999 M. und schreibt dazu, es erscheine„angesichts der Entwicklung erforderlich, die Berwol- tung zu veranlassen, den Verwaltungsgong, der in allen diesen -fragen erhebliche Instanzenhäufung ausweise, zu vereinsachon'. Um dies zu erreichen, wird empsohlen, den Mehrbedarf von 1929 nur zu einem Teil zu bewilligen. Die zwongsläuftgei, Ausgaben ergeben sich ans der Durch- führung der Vcrforgungsgesctze. Der ffansabund hat nicht den Mut, eine Aenderung der Gesetze zu fordern, er verfällt daher nus ein sehr einfaches Mittel:, er streicht die Mittel, um auf diese Weise die Durchführung des Gesetzes unmöglich zu inache»! Großartig einfach, einfach großartig! Die KpO. und ihre Beiriebsraie. Wie Arbeiter von ihr behandelt werden. Die Betriebsrätcmahlen sind laut Anweisung aus Moskau Gelegenheit, um den unorganisierten Arbeitern, aber auch allen politisch nicht kommunistisch gesinnten Arbeitern vorzureden, daß die Kommunistische Partei geeignet und beritten sei, die Interessen der Arbeiterschaft zu vertreten. Wie d i« KPD. als Unternehmer niit ihren Arbeitern umspringt, das haben wir wiederholt auf Grund von Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht gegen die„Welt am Abend"' und andere kommunistische Betriebe aufzeigen können. Ein besonders krasser Fall aber ist die Maß- r« g e l u n g und Mißhandlung von Buchdruckern in dem kommunistischen Blatt„Der Kämpfer" in Chemnitz. Es hat noch kein Stahlhelmblatt, kein Blatt des deutschnatio- nalen Scharfmachers ffuge'nberg gegeben, dos den Versuch gemacht hätte, Buchdrucker Mgcn ihrer politischen Gesinnung zu entlassen. Was sich kein Faschistenorgan jemals geleistet hat, das hat die Kommunistische Partei zuwege gebracht. Die Entlassung des Schriftsetzers Birnbaum erfolgte aus Grund eines Beschlusses der Bezirksleitung der KPD., der mit 23 gegen 11 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen gefaßt wurde. Und warum wurde Birnbaum entlassen? Birnbaum ist Kommu- n i st. Er steht aber gegen den augenblicklichen Stolinkurs in der KPD. in Opposition. Dag hat ihn nicht gehindert, seine Arbeit im kommunistischen Parteiblott gewissenhaft auszuführen. Achnlich ging es kurz vorher einem anderen kommunistischen Schriftsetzer, der nicht auf die gerade gültige.Linie" eingeschworcn ist. Ein anderer Schriftsetzer, der gleichfalls der Opposition angehört und erst kurz vorher noch überstandener schwerer Krankheit in den Betrieb zuückkehrte, wurde.von einem stolintreuen Schriftsetzer so geprügelt, daß seine Ueberführung in eine Nervenheilanstalt notwendig wurde. Der Schriftseber Weid müller. der Vor- sitzende der Bezirksleitung der KPD., der auch im.„Kämpfer" de- Ichästigt ist, erklärte in der Belegschaftsversommlung:„Birnbaum muß gehen, es könnte sonst der Fall ettitreten, daß der eine oder andere mil halbem Schädel noch Hause gehl." In diesem„Kämpser" gibt es auch einen B e t r i e b s r o t, der nattirlich aus waschechten Kommunisten zusammengesetzt ist. Der Betriebsrat gab seine Z u st i m m u n g zur Entlassung. Der Be- triebsratsvorsitzende, in der Belegschoftsversammlung vor die Frage gestellt, welche Gründe der Betriebsrat für die Entlastung an- zuführen Hobe, getraute sich zunächst nicht zu antworten. Erst als ihn Weidmüller dazu ermächtigte, sagt« dieser kommunistische Betriebsratsvorfitzende wörtlich:„Der Betriebsrat Hot deshalb seine Zustimmung zur Entlastung gegeben, weil er den Betrieb nicht an die ousgelieiett wissen will, die einer anderen Richtung angehören." Und der schon erwähnte Weidmüller, Vorsitzender der Bezirksleitung der KPD., sagte:„Wer dos kommunistische Brot ißt. muß sich klar darüber sein, daß er alles zu tun hat, was die Partei von ihm verlangt." Das sind die Grundsätze, nach denen ein kommunistischer Be- triebsrat in einem kommunistischen Betrieb verfährt. Es handelt sich bier nicht etwa um Angestellte der KPD., die als Redakteur« oder Parteisekretäre die Interessen der KPD. zu vertreten haben, sondern um Arbeiter in einem technischen Betrieb, der si-h von anderen Druckereien nnr dadurch unterscheidet, daß er der KPD. gehört. Es ist gut und nützlich, wenn die Arbeiter, die in den nächsten Tagen Betriebsröte zu wählen haben, wissen, was sie von kommunistischen Betriebsräten erwarten können. An die Arbeiierschast der Verkehrs A.G. Am 16. März findet bei der Berliner Verkehrs-A.-G. die Betriebsratswahl statt. Der Ausgang dieser Wahl ist auch für die städtischen Arbeiter von größter Bedeutung. Das Bestreben der 26 999 Berkehrsorbeiter, bezüglich der Lohn- und Arbeitsbedingun- gen, mit denen der städtischen Arbeiter g l e i ch g c st e l l t zu werden, gibt der gesetzlichen Bctriebsoertretung der städtischen Arbeiter be- rechtigten Anlaß, die Kollegen der Verkehrsbetriebe zu warnen, etwas zu tun. was nie zum Ziele führen kann. Wenn die Lebensbedingungen der arbeitenden Klaste heute nicht so sind, wie es die freigewerkschaftlichen Arbeiter wünschen, so darf nicht verkannt werden, daß die Zeristenheit unker den Arbeitern der Faktor ist, der bedauerlicherweise jede Bewegung die zur wirtichasllichen Besserstellung der Arbeiter führen soll, von vorn- herein ungünstig beeinslußt. Dies haben die städtischen Arbeiter srühzeitig erkannt und den Weg zur srcicn Gewerkschaft, dein Verband der Gemeinde- und Staatsarb�jter, gefunden. Wenn auch die Lohn- und Arbeitsbedingungen in diesen Betrieben noch vieler Verbesterungen bedürfen, so ist das bisher „N i ch t e r r e i ch t c" auf andere Gründe zurückzusühren. Die städtischen Arbeiter wissen aber zur Genüge, daß ihre Bestrebungen nach wirtschaftlicher Besserstellung stark behindert-werden, wenn die Lebenslage anderer Gruppen ungünstiger ist. Sie richten daher die dringende Mahnung an dl« Kollegen d« städtischen Verkehrsbetriebe, sich geschlossen hinter die freien Gewerk- schasten zu stellen. Rur dadurch wird es möglich sein, das gesteckte Ziel zu erreichen. Kollegen, gebt euren Arbeitgebern bei der jetzt stattfindenden Betriebsratswahl nicht das traurige Schauspiel der inneren Zer- ristenheit! Bedenkt, daß ihr euch damit nicht allein schädigt, sondern die gesamten Kollegen der Stadtgemeinde Berlin. Wer dies nicht will, und es kann nicht der Wille denkender Arbeiter fein, der schare sich um das Banner der freien Gewerkschaften und wähle am Sonnabend, dem 16. März 1929 die Oiste der freien Gewerkschaften— Lifte 1. Die städtischen Arbeiter werden das kameradschaftliche Gefühl dann zu würdigen wissen Gesamtbetriebsral der Betriebe u. Verwaltungen des Magisirals Berka I. A.: P. ffepprich. Kommunistische Empfindlichkeit. Zur Generalversammlung der Schuhmacher. Zu dem Bericht über die Generaloersammwng der Schuhmacher schickt uns der Vorsitzende der Berliner Ortsverwairunq fförtz eine lange Berichtigung, in der er zu unserem Bericht Satz für Sag schreibt:„Es ist unwahr, daß... Wahr ist vielmehr... Es handelt sich soft durchweg um Werturteli«. und da ist es ohne weiteres klar, doh �)örtz anders urteilt als wir oder unser Berichterstatter. Was fförtz an Tatsächlichem berichttgt, ist un- wesentlich. So sei wohl ein Unorganisierter, und zwar in Gegenwart von fförtz selbst(!) zum verlrauensmonn des Verbandes gewählt, aber erst b c st ä t i g t worden, nachdem er Mitglied geworden war. Wir müssen schon sagen, daß wir mit einer solchen Gewertschasts- Politik nicht mit können. Würde es sich um einen Betrieb handeln. wo nur Unorganisiert« beschäftigt werden, da im könnte man die .Haltung des Vorsitzenden einer Ortsgruppe verstehen. Aber zulasten. daß in B e r l i n in einem Betrieb von 80 Arbeitern als Vertrauens- niann der Organisation ausgerechnet ein Unorganisierter ge- wählt wird, das heiß! denn doch die Parole der KPD., die das Bündnis mit dctt Unorganisierten vorschreibt, auf die Spitze treiben. fförtz bestreitet weiter, daß es richtig sei, daß sozioldemokratttche Funktionäre nicht in Frage kämen. Run. die�Ersahrungen geben fförtz keineswegs recht. Und was nun die Sympathie mit den Unorganisierten betrifft, so ist die Berichtigung selbst wohl beweiskräftig genug. Im übrigen würden sich die sozialdenm- kratischen Gewerkschaiten freuen, wenn so milde und sachliche Kritik geübt'würde, wie das im„Vorwärts" gegenüber der kommunistischen Ortsoerwaltung der Schuhmacher zii geschehen pflegt. Es bleibi immer etwas hängen. Der kömmmstlschs Rüchstagsabgeordnete Schreck keß durch die KPD.-Prests die Behaupwng verbreiten, der Vcrbandsvorsttzende des Zentralverbandes der Schuhmacher, Reichstagsabgeordnster Genosse I. Simon, habe in dem Ausschuß für die besetzten Ge- biet« gelegentlich der Erörterung eines Ärstrages der Schuh- industriellen aus Herabsetzung der Frachten wörtlich erklärt, daß er (Simon). alles getan habe und tun werde, um die Mehrbelastung der Schuhindustrie durch Lohnforderungen zu verhüten. Genosse Simon weist im„Schuhmacher" dem Oronn seines Verbandes, die niedrige Unterstellung als Luge zurück. Für den Fall, daß der kommunistische Reichstagsabgeord- nete Schreck dies« Lüg« toffächlich dem„Roten Echo" übermittelt hah erklärt er denselben für- eine». g« m e i n e n Lügner und Verleumder. �.Er fordert. Schreck agf, ihn daraufhin zu verklagen. und'wird' auf'seine Immunität als Abgeordneter zur Durch- führung des Prozesses verzichten. Schiedsspruch in der sächsischen Metallindustrie Keine Lohnerhöhung' Dresden, 13. März. Die Schlichterkammer fällte am Mittwoch im Lohnstreit der sächsischen Metallindustrie folgenden Schiedsspruch: Die Ausgangs- zifsern der Lohntabelle von 8l Pf. und für den Bezirk der Kreis- hauptmannschaft Bautzen von 79 Pf. bleibt vom 1. April 1929 ab für die Dauer des gegenwärtig b-eftehenden MetaMarifes bis zum 39. Seplcnrber 1929 beibehalten. Bon da ab unterliegt die Lohnregolung den gleichen Kündigungsbedingungen wie der Mantelvertrag. Die Erllärungssrist läuft bis spätestens Mitt- woch, den 29. März 1929, mittags 12 Uhr. TPD..Frakt>»u der Bcrliscr ftädtilche» Saumle. Heute, U Uhr, im H-nkelchcn Hot, Berlin, Loscnthalcr Str. 4U— 41, allgemeine iftal- tionefiKunä. Togcsordnuna: 1.„Jnt Aufgaben und Bslichten der Be- tricbsräte. Reicrent Kollege O-kar Lurpot. 2. Stellungnahme zu d'n deoorstebende» Bctriebsratswahlen. S. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Parteigenossen ist es, dafür zu sorgen, daß di« Versammlung von drn Parteigenossen unbedingt besucht mird. Parteiausweis ist vsrzuzcigen. Der Fealtionsvorstaad. Sichtung.«SS..Veuoucnstroße! ssrcilag Id'o pdr bei Caru«. Bolta- straße l!>, Bersammluna aller SPD.-Senosscn. Aeußerst wichtig» Tat es. »rdrtung. Mitglicdsbuch ist mitzubringen. Der Frottionsvorstaild. Z l&frrnc G ewerksckafts-Lugend Grotz-BerUn Honte, Donnerstag. IOVj Uhr, tagen die Wtuppen: Landsberger Plost: Jugendheim des Ofteus. Sroße ftranlfurier Str. 16, Quergcb. vgl tziinwer 2. Wir besuche» die chruvve Köpenick.— ffrantsurtcr rlllee: Ctödt. Jugendheim Litauer Str. 18. Borbosvrcchuno de? Ostrrfahrt.— Licksten- berg und Üen-Lia-tenberg: Iugcndheim Haut'strcße> Sportplatz), an der Lesung» straße.. Mörzstürmr."— Seiur.dbrunnrn: Jugendheim g oi« Schute, itzore». burgcr Straße. Unsterbliche Opfer:„Mörzgrdcntrn."— Köpenick: Augendhum chrtlimuer Str. Z. Brettspiclabonb.— Teniprlhos: Srupprnheim Lnzeum wer. maniostr. 4—6. Vortrag:.Untere Berlinor FSI.— ihr Aufbau und ihre Aufgadon.*— Südosten: chruppcnhelm Zicichcnbergcr Str. 66 sffeuerwehrhaus). Vortrag:.Jugend und Sexnatititt.-'— Moabit: Stöbt. Iug nbhetm Lehrter Straß« 16— l». Leseobend:„An»?ack Londons Werten."— Weddi.ng: Stadt. Zuaondhoim Orthstr. 10. Die Mädchen de» Kreises kommen zu un».— Nord- «rsttrei«: Kieisniödchcnabend im Jugendheim Orthstr. 10. Bortrag:„Bürger- liche und vrolelorischc Frauenbewegung."— Ivqeudabteilnng de» Deutsche» Belleidungsarbeiternerbonde», Jugendheim Scbast-anstr. 37—88.„Die Mooe irn Wandel der Zeiten." Fortsetzung des Lichtbildcroortroges des Kollegen A. Staps. Zuaendaruvve des Zentralvertandes der Anoesteliien jSvm) Acute, Tonncrstan, finden fo-gcndc VcranstQltungen statt: Treptow: I.lflendhcim Wilde nbruchstr. 58. LichtbildOrvortrag:„Die Insel Rüg�n.� Referent Georg Aeilbrunn.— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 1o(Thüringen» zimmer). Brettspielabc nd. Hcrantworttich Mr Politik- Dr. Citri Hcier: Wirttckatt:«ltnqelhiifcr: Gevterkschattsbeweanng: I. Gteiaer; Feuilleton: Dr. John Tchikowski; Lokales and sonftiaes: Fritz Karstadt.- An�eiaen: Th Gto-ke. tämttich in BerUn. Berlag: Borwär-s-Verlag D m b H.. Berlin Druck: LorOärts-Bucbdruckerei uicki Beriaasonüa't Daut Singer u So.. Berlin SW 68. Lind> nsirane 8. Kierzu 2 Beilage».„Uvterbaltuna and Visse»" v«d„Traucastiwmc*. ENVER BEYOBlllg GUTSCHEINE liegen allen, Packungen bei: ZIGARETTE Er. 123* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oonnersiag. 14. März 1929 Der Pensionär und Siedler, durch die behördlichen Maßnahmen zermürbt, machte vor 14 Tagen aus Verzweiflung seinem Leben ein Ende. Was wird nun aus der Familie, da die Witwe drei Monate nach dem Ableben ihres Mannes eine Gnadenpension von monatlich 4l1 Mark erhält? .i Ulli]® 8 i.lS yfnr'&pzngr und£ SSerlin an der JtareL Heute noch ein Schlagwort, das in naher Zukunft Wirklichkeit werden sollte. Wer kennt nicht aus eigenem Erleben oder Reiseberichten die Schönheiten einer Fahrt längs des Mittelländischen Meeres an der Rlviera, am Rande des Kanalwassers in Belgien, hoch über dem Kattcgatt in Dänemark oder auch am Ufer unserer großen Ströme, begleitet von Felsklippcn und Burgenrcsten! So etwas, im schlicht- bürgerlichen Ausmaße natürlich(gegenüber den genannten Wun- dem)— kann unsere Havel werden, wenn... Wenn zur rechten Zeit, d. h. jetzt, eingegriffen wird, um soviel für die Allgemeinheit zu reservieren, daß an den Ufern der Havel breite Alleen und Parkanlagen für den Teil der Bevölkerung zur Verfügung stehen, der dort draußen nicht wohnen kann. Und fügen wir hinzu, für den Fremden, der heute in flüchtigem Besuch die Schönheit dessSLannsees genießt und nur selten den Reiz des ganzen Wasserbeckens von Spandau bis Potsdam ahnt. Wer sich eine. Ahnung von der zukünftigen Gestaltung verschaffen will, fahre für insgesamt 40 Pfennig mit der 75 nach Spandau und zurück: der Blick auf Havel und Stösiensee ist ein Motiv, das die Stadt Berlin malen lassen sollte.— Aber bald sollte das Notwendige geschehen. Vor 40 Jahren wurde die Kolonie Grunewald geschaffen: Draht- zäune weisen heute dem Wanderer den Weg in die— Kneipe. Feuermelder„aufter föefrieb" I Zur Sicherung der Gegend am Schlesischen Bahnhof wurde Ende vorigen Jahres vor dem Hause Koppenstr. 95, dicht an der Unterführung der Eisendahn ein neuer öffentlicher Feuer- melder aufgestellt, der abends und nachts nach allen Seiten weit- hin sichtbar sein sollte. Der bisherige kleine, nicht beleuchtdar« Feuermelder steht gegenüber Ecke Madai- und Koppenstraße, ebenfalls an der Bahnhofseite, an einer Stelle, wo er schwer aufsindbar ist. Man tonnte daher die Aufstellung des neuen begrüßen. Aber, was nutzt ein Feuermelder, wenn er nicht betriebsfähig!si. Seit seiner Aufstellung prangt unter der Scheibe, die beim Melden zertrümmert werden muß, ein Zettel mit dem Aufdruck:„Außer Betrieb! Feuermeldung in der nächsten Feuerwache oder durch Fernsprecher!" Wenn wenigstens auf den kleineren Zkachbarmelder hingewiesen würde. So aber erweckt die Inschrift selbst bei Leuten, denen seine Existenz bekannt ist, den Glauben, er wäre auch„außer Betrieb". Wenn man an die vielen Wohnungen in der so dicht bevölkerten Gegend denkt, die besonders in der Koppechtrahe mit Fabrikgebäuden und Werkstätten in engster Verbindung stehen, wird man begreifen, welche großen Gefahren hier der Ausbruch eines Brandes für Menschenleben mit sich bringt und wieviel von jeder Minute abhängt, die die Feuerwehr früher bei der Brandstätte eintrifft. Also, man setze den weithin sichtbaren Feuermelder«nd- lich„in" Betrieb. Die beinahe drei Monate zur Disposition sind wirtlich schon etwas reichlich. A. H. Oirlegsbeschädigle und Straßenbahn, Wir Spandauer. insbesondere diejenigen, die die Linie 54 (Hakenfelds) in Anspruch nehmen müssen, sind die Stiefkinder des Verkehrs. Die Züge, die zwischen 6 bis 7 Uhr morgens von Haken- seid« abfahren, sind meistens schon an der Endhaltestelle besetzt, da sie nur alle 15 Mimiten und nur mit einem Beiwagen verkehren. Durch in den letzten zwei Jahren entstandene Neubauten der Char- (ottenburger Baugenossenschaft sind in diesem Stadtteil mindesten» 1000 bis 1500 neue Mieter zugezogen, die fast sämtlich ihr« Arbeitsstellen in Eharlottenburg bzw. Berlin haben und nur auf die ein« Fahrgelegenheit angewiesen sind. Es ist schon für die gesunden Fahrgäste eine Qual, in dem vollgepfropften Wagen die mehr al» eine Stunde Fahrt mitzumachen: um so schlimmer geht es uns, Kriegsbeschädigten(Beinamputierte und Versteifte), die! lange Fahrt zu stehen. Ich fühle mich daher veranlaßt, da ich selbst Schwerkriegsbeschädigter, gleichzeitig Lorsitzender des Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Spandau, bin, im Namen aller Kriegsbeschädigten aus diesem Wege die Berliner Berkehrsgesellschast einerseits und das fahrende Publikum andererseits auf die Mißstände aufmerksam zu machen. Junge Leute sitzen oder halten die Plätze für bekannte junge und jüngste Damen reserviert. Wenn uns Kriegsbeschädigten einmal ein Platz angeboten wird, geschieht das durch einen älteren Fahrgast. Es gibt aber auch noch Fahrgäste, die über ei» steifes oder künst- liches Bein st o l p e r n, noch obendrein gegen den Beschädigten aus- fallend werden, indem sie die Bemerkung fallen lassen:.Liehen Sie bitte ihre Beine ein!" Der Berkehrsgesellschast A.-G. möchte ich zurufen:„Sorgt für bessere Verkehrsmöglichkeit für den Bezirk Hakenfelde!", und den Fahrgästen:„Nehmt mehr Rücksicht auf Kriegsbeschädigte!"— Vielleicht bekräftigt die Verkehrs- A.-G. ihre in den Wagen bekanntgemachte Anordnung wegen der Freigabe von Plätzen an Schwerkriegsbeschädigte! Siedlerelend Im Jahre 1907 kauft««in Straß«nbahnbeamt«r aus seinen Ec- sparnissen an der äußersten Peripherie Groß-Berlins eine Parzelle von etwa% Morgen, auf der 1919 mit einer Beihilfe von 5000 Papiermark und Abgabe der Berliner Altwohnung eine kleine maljive Wohnlaube für die vierräpfige Familie errichtet wurde. Der Besitzer war durch Schlaganfall kränklich und bezog zuletzt eine Pension von 119 Mark monatlich: sein LOjähriger Sohn und seine 17jährige Tochter sind arbeits- l o s und erhalten keine Unterstützung. wei> die Eltern als Besitzer dieses Grundstückes sick in„guten" Derhaitnisien befinden. Im Vor- jähre verlangte die Baupolizei(Bezirksamt Lichtenberg) die Anmeldung der Wohnlaube als Kleinhaus,„well dieselbe in der Höhe 5 Zentimeter höher ausgefallen sei", und li«ß sofort folgende Hypotheken«intragen: Grundbuch Mahlsdorf. Bd. 130, Blatt 3866. 8 066,— Mk. als Sicherheits-Hypothek f. später« Anliegertosten, 2 772,—, als weitere Abzablungs-Hypothek für weitere Anliegerbeiträge. falls nicht einer Pflasterkass« angehörig mit Raten von 30 Gin. vierteljährlich mit 3°n Zinsen. 736,—, als Abzahlungs-Hypothek für Beleuchtungskosten. Beginn der Abzahlung vom 1. 6. 28. ab mit 30.— Gm. monatlich. Jus 11594,— Mk. Da bis heute in der Straußstraße weit und breit kein Pflasterstein, kein« Straßenregulierung und keine Bs- leuchtung zu sehen sind und auch in Zukunft noch nicht daran zu denken ist, ist die vorbezeichnete Sonderabgabe unbe- recht igt und deren Erhebung durch die Stadt ungesetzlich. Der Siedler mußt« nun monatlich folgend« Zahlung leisten: 30,— Mk. Beleuchtungskosten(Raten) 5,-. Pflasterkass« 3,90„ Grundoermögenssteuer und Zuschlag 2,—, Wassergeld _ 0,60„ Schornsteinfegergebühr Zus 41,50 Mk. Diese Summe muß von seinein Ruhegehalt, das ll9 Mark be- trägt, gezahlt werden. Von dem verbleibenden Rest solle» vier Er- wachsene ihren Lebensunterhalt und ihr« Kleidung bestreiten. Jetzt ist vom F i n a nza m t O st der Einbdtswert des Grundstücke« sogar aus 7000 Mark erhöht worden. Aber die Wahnlaube ist 5 Zentimeter zu hoch gebaut und daher ist sie eben ein Kleinhaus geworden. Wohin mit Alt-Berlin? Abbruch der Kolonnaden in der Leipziger Straße. Der Magistrat stimmte dem Bertrag init dem Preußischen Staat zu, in dem der Abbruch der Spittelkolonnaden i» der Leipziger Straße vorgesehen ist. Das Gelände, auf dem di« Kolonnaden stehen, ist Eigentum der Stadt. Die Stadt hat aber kein Recht, den Abbruch zu verlangen. Der Fiskus ist jedoch im Interesse der Neufestsetzung der Fluchttinie zwischen Spittel- markt und Dönhofsplatz mit der Niederlegung der Kolonnaden ein- »erstanden. Die Ausfuhrung der Arbeiten übernimmt der Staat, die Kosten trägt die Stadt. Die Südlolonnade wird so- fort niedergelegt, für die N o r d t o l o n n a d e ist ein Zeitraum von höchsten drei Jahren vorgesehen. Den Platz für den Wiederaufbau bestimmt der Staat. Di« Stadt ist nicht ver- pflichtet, einen ftädtijchen Platz zur Beifügung zu stellen. Wird der Aufbau durch den Staat nicht binnen drei Jahren nach Ab- schlug des Vertrages in die Wege geleitet, so ist die Stadt berechtigt, den Wiederausbau im Einvernehmen mit dem Staat vorzunehmen. Macht sie von diesem Recht keinen Gebrauch, so zahlt sie 150 000 Mark am 1. Juli 1932 zur Absindung für alle aus dem Abbruch der Kolonnoden dem Fiskus entstehenden Ansprüche. Bis jetzt besteht noch kein Plan darüber, wo dieses architektonisch so interessante Stück Alt-Verlin wieder aufgestellt werden könnte, Oer Racheakt eines Giebzehnjahrigsn. Saarbrückener Eaudmörder in Berlin festgenommen. Ein« furchtbare Bluttat wurde am 6. d. M. im Hause Vor-- siadt 61 in Alt-Saarbrücken entdeckt. In der Bäckerei von Wilhelm B e ch st ä d t kam gegen 6 Uhr morgens ein Feuer aus. Als die Feuerwehr in die im Hinterhause gelegene Backstube ein- drang, um den Brand zu löschen, fand man den 54 Jahre alten Meister in der Mehlkammer ermordet auf. In einem Nebenraum, in dem der Meister zusammen mit seinem Lehrling schlief, war der Kasienschrank mit Gewalt aufgebrochen und um 3000 Franken und 30 M. deutsches Geld beraubt. Der 17 Jahre alte Lehrling Kurt S e i n f o t h, der aus Göttelborn stammt, war verschwunden. Gegen ihn richtete sich der Verdacht der Täterschaft. Am Mittwochmittag tauchte auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin ein junger Mann auf, der sich anscheinend zwecklos dort umher- trieb. Später verloren die Beamten ihn aus den Augen. Schupo» beamte suchten nach ihm und entdeckten ihn in einem Leerzug, der aus einem toten Gleis stand. Cr hatte sich in einem Zlbteil zum Schlafen hingelegt. Auf der Bahnhofswache verweigerte er jede Angabe und Herkunft. Da man in ihm aber nach de? Beschreibung den siebzehnjährigen Seinsoth aus'Saar* brücken erkannt hatte, wurde er dem Polizeipräsidium ein« geliefert. Bor Kriminalrat Gennat gab er die Tat int" allen Einzelheiten zu. Cr war seit mehr als zwei Jahren bei dem Meister in Stellung. In der letzten Zeit hatte Bechftädt ihm wiederholt Vorhaltungen gemacht, weil er mit seiner Arbeit nicht zufrieden war. Am Tage vor dem Morde habe der Meister ihn sogar verprügelt. Dafür wollte er sich rächen. Ani nächsten Morgen um 5 Uhr wurde Pit der Arbeit angefangen. Als der Meister die Backstube einen Augenblick verließ, um Kaifee zu holen, legte sich Seinsoth ein Beil zurecht, knipste das Licht aus und versteckte sich hinter der Tür. Als der Meister zurückkehrte. schlug er ihn nieder und schnitt ihm die Kehle durch. Cr raubte dann das Geld, machte sich zum Weggehen fertig und steckte, ehe er das Haus verließ, alles in Brand. Ucber Trier, Frankfurt RotnAtt eitler Kecolulion. Don Gccltaci MerctttAttn Woslat „Nee, nee," sagte Calm schwer,„wenn mer kennen je- lernt hat de Leite, wirds noch schlimmer." „Nun. nun," befchwichtigte der Herzog,„es yibt vielleicht zwei Arten, einander zu kennen." Er setzte sich im Bett auf- recht und wies zum Fenster hinaus.„Da, sehen Sie mal, EÄm!" Der Sommertag neigte sich, die Sonne warf das blaue Himmelskleid ab und sank, schlicht, in roter Nacktheit. Eine goldene Brücke führte von ihr über den grünen Fluß bis gerade unter das Fenster, mattschimmernde Wellen gingen sie langsam entlang. Unter den Bäumen an den Ufern wartete schon das merkwürdige Blau des Abends, den Turm des Plötzkauer Schlosses klomm es empor, und den fernen Brocken band es mit dem Himmel zusammen. Der Tag hatte seine rauschenden Flügel schon gefaltet, ieder Boaelton war ein einzelner, hallender Ruf, die Stille schwebte kühl durchs Fenster. „Schön, nicht wahr�" fragte Alexander Carl. „O ja— noch ville scheener als wie von de Terasie.. _ jawohl." Der Herzog grübelte.„Wunderschön. wenn? da so liegt, ein Blick und weiter nichts, so, als wenns einem gar nicht gehört. Aber wenns einem gehört, da» ganze oder nur ein Stück davon, dann hat� es plötzlich so«in Gewicht, und man kanns nicht tragen..." Calm schüttelte den Kopf.„Es muß doch scheen sind, wenn eencn das allens jeheeren tut!" „Ach, Calm. Calm!" Alexander Carl lächelte tief in sich hinein.„Für einen andern vielleicht, aber nicht für Leute wie uns. Sehen Sie, wir haben beide dasselbe Unglück ge° hobt. Mir hat man's zu tragen gegeben, und Sie haben es durchaus tragen wollen. Wir hoben uns beide übernommen dabei. Was' wir tun sollten oder tun wollten, war zu groß für uns. Wir brechen darunter zusammen, wir kriegen Stirnzacken oder Kopfschmerzen, wir werden verrückt, sagen die Leute. Nicht doch, Kügelgen, Sie brauchen nicht zu be- schwichtigen! Man hält uns doch nun beide für verrückt, und es ist noch nicht einmal heraus, ob man uns nur dafür hält — nicht wahr. Calm?" „Jo— jo." sagte Calm rasch, Erregung würgte ihn, „jo, jo. Harr Harzogi" Zum ersten Male sagte er„Harr Harzog." „Sehen Sie. Kügelgen? Sie haben doch überhaupt das besiere Teil erwählt. Sie malen das einfach, sie machen ein Bild davon, Sie machen'? zu dem, was es ia auch ist. Und wir haben fa auch ein Bild gemeint. Calm und ich. eigentlich. Aber mir hat's gehört, und er wollte«s haben, um'» besser zu machen. Nein, nein, gar nichts haben, die ganze Welt nur ehrfürchtig betrachten wie ein Bild, das im Zimmer des Himmels hängt-- gar nichts darf einem gehören, das ist das Einzige." O „So ähnlich sagt's Ehristus," sagte der fromme Kügelgen leise. „Jawohl, und er wird schon recht haben." „Awwer," wandte Ealm ein,„es is doch nich bloß an Bild. Es loofen doch oo Menschen rum dadrin, die wollen? doch besser bon." Seine Stimme brach beinahe.„Das muß doch jehn, 5)arr Harzog, een Ma muß es doch jehn!" „Aber doch nicht durch uns. Calm!" Er sann eine Meile. „Eines kann man vielleicht: die andern, die alles für sich haben wollen, nur für sich, und alles böser machen dadurch, unschädlich zu machen. Er lächelte listig.„Einen von denen mache ich heute noch unschädlich." Sie schwiegen der merkwürdigen Aeußerung nach, bis die Sonne gelunken war. Das Land lag als blaues Gewebe unter der roten Amvel. „Sehen Sie," flüsterte Alexander Carl,„wenn man den Leuten da unten, die uns hassen, doch einfach sagen könnte. daß man zu schlapp ist! Daß man kein Held ist, kein Fürst, wie sie ibn sich denken, kein böser Mensch, sondern einfach jemand, dem zuviel zugemutet wird! Warum geht, das eigentlich nicht? Warum darf das nicht sein? Warum muß man immer lügen? Wenn man hingeht und den Leuten das jagt, dann können sie uns doch nicht hassen?" ..Ach, Harr Harzog. denn lachen je eenen äwen aus!" Kügelgen trat ängstlich hinzu Aber Calm hatte es nicht laut, hatte es traurig gesagt, sein: Augen waren feucht. „Sie können uns gar nicht so auslachen, wie wir uns einmal selber auslachen— wenn wir uns nur erst richtig sehen... und vor allen Dingen können sie nicht so herzlich über uns lachen und so froh, wie wir es dann können." Es wurde empfindlich kühl. Kügelgen wollte das Fenster schließen. „Lassen Sie's auf? Kügelgen! Es kommt nicht mehr darauf an.— Sehen Sie, Ealm, wie schön es ist! Und denken Sie daran, wie wir's geliebt haben, beide, vielleicht die Menschen und ich die Bäume und das Wasser, es ist ja gleich, und wie es uns erdrückt hat." Er legte sich matt in die Kiffen zurück. Sein Gesicsit war plötzlich rot, er begann zu fiebern. Kügelgen legte besorgt die Hand auf seine Stirn. gab Calm einen Wink, zu gehen. „Adieu, Herr Calm! Sie hassen mich also nicht mehr?" „Nee. nee. Ha'rr 5)arzoq— janz jewih niche... Un jloowen Sc miche: wenn Sie dän Eenen nich mehr können unschädlich machen, denn versprech ich Sie, denn mache ichsk So lange läwe iche!" „Nicht wieder übelnehmen, Ealm!" drohte Alexander Earl sehr matt. Aber Calm schüttelte den wirrhaarigen Kopf und ging. „Grüßen Sie Ihre Enkelin von mir!" rief er ihm leise nach. Slls Ealm in den Schloßhof trat, fuhr gerade der Wagen des Brofeffors Niemann wieder ein. Der Professor kam zu spät. In dieser Sommernacht des Jahres IKüZ starb Alexander Carl, der letzte Herzog von Anhalt-Bsrnburg. in Kügelgens Armen eines friedlichen Todes. Er hatte fein Berjprechen wahrgemocht, so gut er konnte. Anhalt-Bcrnburg, das ver- tragsgemäß an Anhalt-Deffan fallen und aufhören muhte, ein.Herzogtum zu fein, brauchte keinen Minister mehr. 17. Das Märchen vom kurzsichtigen Engel. Beim Hofböttchermeister Kniephacke wurde das Haus- tor geöffnet. Die Klingel an der oberen Leiste kreischte aus- dauernd, als zetere die Tür mit schriller Altweib erstimme über die Störung ihrer Sonntagsruhe. Frau Luise Kniephacke kam aus der Küche. Sie riegelte den engen, dunklen Korridor mit der langsam ins Ungeheure wachsenden Fülle ihres Leibes vollkommen ab. Wortlos er- staunt sah sie den Ankömmling an. Die Dreizehnjährige, deren derbes, jedoch gar nicht dickes FigÜrchcn sich angesichts der Masse da vor ibr umsonst zu vergrößern trachtete, hielt es für notwendig, sich vorzustellen.„Ich bin nämlich die Tochter von Herrn Dsllendahl." (Fortsetzung folgt.) am Main reiste er tn Etappen auf Berlin zu und tarn am vergangenen Sonnabend hier an. Neue„Kluft" und lustige Gesell- schost ließen sein Geld bald auf die Neige gehen. I>■'' Die Llmsietlung auf den Einheiisiarif. Starler Andrang beim Krastverlehrsamt. Am Freitag, den 15. März, läuft die» vom Polfzei Präsidium zur llmsielliung der Berliner Kraftdroschken auf den Einheitstarif gestellte Frist ob. Bis zu diesem Tage müssen sämtliche Berliner Kraft- droschken mit den neuen Fahrpreisanzeigern ver- sehen und dem Kmftverkchrsamt zur Abnahme vorge-ührt sein, widrigenfalls die Wagen auf Veranlassung des Polizeipräsidenten rücksichtslos entstempelt und aus dem Berkehr gezogen. werden. Da Ansang.dieses Monats von den 9000 Berliner Kraftdroschken erst zwei Drittel umgestellt waren, lind die Fechrpreisanzeizcr- sickriken sogar zll Arbeiterentlassuitgen schreiten mußten, da in der letzten Zeit nicht mehr genügend neue Uhren angesordert und ab- genommen wurden, hat sich in den letzten Tagen beim Krastoerkehrs- «mit ein ungewöhnlicher Andrang bemerkbar genta cht, und täglich wurden mehrere hundert Droschken zur Abnahme vorgeführt. Di« Ursache daslir, daß zahlreiche Kraftdroschkenbesiyer erst kurz vor Ablauf der Umstellungssrist ihr« Wagen dem Krastoerkehrsamt vorführen, ist darin zu suchen, daß diese Behörde die Wogen nicht irur aus das Vorhandensein der neuen Fahrpreisanzeiger, sondern auch auf ihre allgemeine Beschaffenheit, die bei den Ber- lwer Droschken zu einem sehr großen Prozentsatz erheblich zu wünschen übrig läßt, geprüft hat. Den Kraftdroschkenbesitzern wurde m vielen Fällen aufgegeben, ihre Wagen erst einmol instandsetzen und mit neuer Lackierung versehen zu lassen. Da die Frostperiode die Aiissührung derartiger Arbeiten sehr erschwerte, sind eine große Anzahl der Kraitdroschkenbesitzer zwar schon seit längerer Zeit mit den neuen Fahrpreisanzeigern zum Einheitstarif gefahren, hatten «ber die amtlich vorgeschriebene Vorführung beim Kraftverkehrsamt hinausgezögert, so daß sich jetzt die Abnahmen in der letzten Minute sehr stark zusammendrängen. Da eine Verlängerung der llmstelllingsfrift vom Polizeipräsidenten erst neuerdings strikt ab- gelehnt worden ist, kann damit gerechnet werden, daß mehrere hundert Wagen zu den, erforderlichen Termin noch nicht amtlich vegisiricrt sein und sicherlich aus dem Berkehr gezogen werden. In Berlin verkehren jetzt bereits 200 Kraftdroschken, deren Fahrpreisanzeiger mit einen, Quittungsdrucker versehen sind und automatisch eine Rechnung über den zu zu lg enden Betrag ans- händigen. Der Polizeipräsident lgit die Genehmigung erteilt, daß diese Wagen, die von dem Fuhrunternehmen„Berlima" betrieben «»erden, zur besseren Unterscheidung und Kenntlichmachung den Fahrpreisanzeiger, der bei den anderen Wagen grün ist, mit einem gelben Anstrich versehen dürfen. StrasverfaHren gegen Orloff unö Gumarakow Der Polizeipräsident teilt niit: „In einem Teil der Presse ist die Nachricht verbreitet worden, daß gegen den srühercn russischen Staatsrat Orloff und seinen Helfer Su mara ko w mit Ausweisung vorgegangen werde, daß aber ein Strafversahren gegen sie nicht eingeleitet werden würde. Diese Nachricht ist nicht zutreffend. Orloff und Sumorakow sind zwar in Äusweisimg-Hast genoinmen, die Ermittlungen nach der strafrechtlichen Seite sind aber inzwischen fortgeführt worden und haben zu dem Ergebnis geführt, d-ß gegen die Genannten«in Strafverfahren wegen Urkundenfälschung und Betrugs ...�RiZZgeleitet wird. Sie werden nach Abschluß der Ermittlungen dem , Mchter vorgeführt. Die Ausweisung wird erst nach Beendi- gung des Strafverfahrens erfolgen; eine Aiisipeisung oder Aus- : lieferung nach Sowjetrußland kommt nicht in Frage." Nuf der Treppe gestorben. Gestern abend gegen 6 Uhr fanden Mieter aus der Treppe des Hauses Palisaden st r. 15 ein junges Mädchen, das zu- fammengekaiiert mit fchmerzerfüllten Gesichtszügen bewußtlos holag. Der Arzt der nächsten Reitlingsstelle wurde herbeigeholt, der jedoch nur noch den Tod feststellen tonnte. Inzwischen war auch dos Polizeirevier benachrichtigt worden. An Hand von Pa- pieren, die in der Handtasche entdeckt wurden, gelang es, die Tote zu identifizieren. Danach handelt es sich um die Itzjährige Luise Ä. aus der Äirchsiraße. Wie das Mädchen auf de» Treppenflnr des Hauses Palisadenstraße 15 gelangt ist, konnte noch nicht ge- klärt werden. Es wird vermutet, daß an dem Mädchen ein ver- botener Eingriff vorgenommen wurde, an dessen Folgen sie auf dem Nachhausewege hilflos zusammengebrochen und gestorben ist. Fabrikbrand in Nenkölln. Gestern nachmittag entstand in, Lager der Luxuspapier- so br i k von F r i t s ch in der« ch i n k.« l st ra ß« 12 in Neukölln «in größeres Feuer, das erheblichen Sachschaden anrichtete. Die Flammen sonden an den im vierten Stockwerk lagernden Papier- ballen, Regalen. Kisten, sowie Farbe»Vorräten reiche Nahrung und griffen aus den darüberliegenden Dachstuhl über. Erst noch --, stündiger angestrengter Löfchtötigkeit war das Feuer auf seinen d beschränkt. Der Dachstuhl in einer Länge von 25 und einer reit« von 12 Metern ist niedergebrannt.— Ein ähnlicher Brand kam in einem Lagerraum des vierten Stockwerkes Chaussee- straß« 8 zum Ausbruch. Unter starker Oualmentwickliing brannten arößere Mengen Papiervorräte und Regale. Nach drei- Kundiger Arbeit konnten die Wehren wieder abrücken. 2 Ticgerinncn, Hii Besiegte. Im C a s 6 Wien am Kursürstendämm hatte der E x s ch a ch- weit m ei st er Dr. Laster 30 Gegner zum Simultankampf herausgefordert. Unter großer Publikumsbeteilignng setzte das Spie! kurz nach 20 Uhr ein. In etwas schleppendem Gang— Dr. Laster hotte iohrolang nicht mehr ösfentlich in Berlin gespielt— gab es um 10% Uhr den ersten Toten in 11 Zügen,»m IlUhr war ein Zweiter in 18 Zügen erledigt. Unter den übrigen Spielern gab es ei» paar recht hartnäckige Gegner, die ihr Remis nicht wahr hoben wollte»; so mußt« Dr. Lasker einige Partien trotz der vorgeschrittenen Zeit, «» war inzwischen I Uhr geworden, noch fortführen. Schließlich endete der Wettkamps gegen 2st> Uhr morgens mit 23 Besiegten, 2 Siegerinnen und sütif Remis. . Hochflut in Mitteldeutschland. Teilüberschwemmungen der Magdeburger Ltmgebung. Magdeburg, 13. März.(Eigenbericht.) Das Land an den Ufern der Mittelelbe ist Ueberschwemmungs- gebiet, steht i n j c d c m Frühjahr in der Geiahr. von der Elbe verwüstet z» werden. Flach liegen die Wiesen, und Felder der Alt- inark in der Flußniederung, nur gsschügt durch Deiche. Die Stadt Magdeburg wird geschützt durch einen Umslut- kanal, dessen Einflußöfsnung etwa 20 Kilometer südlich der Stadt liegt. Wenn dos Hochwasser in Magdeburg einen gewisien Pegel- stand erreicht hat, werden die Wehren des Kanals gezogen, ein Teil des Wassers wird abgeleitet, fließt durch den Kanal und trifft unter- halb Magdeburgs wieder in die Elbe. Zu verhindern ist in der Regel auch nicht, daß im Gebiet der Stadt die Rote Horn-Insel, auf isqr die Stadt hatte, dos Tagungslokal des diesjährigen Partei- tages, steht, zum großen Teil überslutet wird. Die Elbe ist die große Sorge. Mit ihr beschäftigen sich Behörden und Hilts- organisationen. Aber sie liegt heute noch in eisiger Ruhe von Roßlau ins zur Nordgrenze der Provinz Sachsen. Die milde Witterung, die Zonne, ja, einige Regengüsse haben sie noch nicht bewegen können, ciidlich aufzuwachen und den Wassern wieder ihren freien Lauf zu geben. Tag und Nacht donnern die Schüsse der Spreng- Kolonnen, die mit diesen Mitteln der alten Elbe den Schlaf aus- treiben wollen. Sie muß sich bewegen. Während die Stronibau- iixrwaltiiiig die Elbe beobachten und mit Dynamit bearbeiten läßt, kam ein Wasscrüberfall von ganz anderer Seite. Die Kleinen haben angefangen. Am Sonnabend, dem 9. und Sonntag, m 10. März, standen plötzlich einige Magdeburger Bor- rte und eine große. An zahl Dörfer und Städte der Um- cbung in der Ältmark, des Freistaates Sachsen und der benach- rtcn Viertel unter Wasser. In der Magdeburger Börde, im Kreise Neuhaldensleben. in den Kreisen Jericho I und II, Im Kreif« Halle a. d. S. wurden Ortschaften überschwemmt. In Stuben und Ställe drang das Wasser. Großer Schaden wurde angerichtet. Vieh i st i n g r o ß e n M enge n u m g e k o m m e n. Wohnungen mußten geräumt werden. Straßenzüge wurden plötzlich vom Wasser ein- geschlossen, von anderen Stadtteilen getrennt und konnten nur auf Kähnen wieder Verbindung finden. Aus Burg, aus Wal- mirstädt, Salzwedel. Althaldensleben. Groh-Ammensleben. Olven- städt bei Magdeburg. Köchen i. A. und vielen anderen Orten sind Hiobsbotschaften gekoimnen. E i s e n b a h n d ö m m e. wurden beschädigt. Gleise unterspült. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Am Sonnabend, in der Nacht zum Sonntag und den ganzen Sonntag hindurch mußten in den flachliegendcn Dörfern und Städten all« Männer schweren Rettungsdienst leisten. Kleine Nebenfllsse, daruntcch Riimsälchen, die im Sonnner kaum das Papierschifflein eines spielenden Kindes trogen, waren i it wenigen Stunden zu reißenden Strömen geworden. Sie sind inzwischen wieder in ihre Ufer zurückgetreten. In den Dörfern und Städten wenden die Schäden repariert. Aber noch innner liegt die ffillw in ihrer eisigen Starrheit. Grubenkatastrophe im Oonezgebiet. 27 Bergleute durch Jörderkorbabsturz getötet. Auf Grube Maria bei Gorlowka im Donezgebiet stürzte ein vollbesetzter Förderkorbab. 27 Bergarbeiter wurden getötet. , Riesengebirge.— Hamburg. Die billigen Ostersonderzüge der Reichsbahn. Zu Ostern wird die Reichsbahndirektion Berlin zwei billige s.Sondcrzüge verkehren lasten, die den Berlinern Gelegenheit geben, die Ostmeiertage noch einmal für den Wintensport im Iser- und liRiesengebinge auszunutzen oder Deutschlands größte Hafenstadt ;Hambung zu besuchen. '■ Der Sportsonderzug nach dem Riesen- undJsergebirge wird bereits am 28. März(Gründonnerstag) abends Berlin verlassen und am 1. April(2. Ostenfeiertag)) abends zurückkehren, so daß man .nahezu vier volle Tag« im Gebirge verbringen kann. Der Zug söhn ab Berlin Görlitzer Bahnhof 23.40 und trifft in Flinsberg um 5.46 Uhr, in Oberschmberhan um 6.01, in Krummhüb el 5.40 und in Schmiedeberg ebenfalls um 5.40 Uhr ein. Di« Rückfahrt erjolgt ab Schiniedederg 17.18, ab Knmnnhübel 17.12, ab Ober- schreiberhau 17.02, ab Flinsberg 17.35 Uhr und um 23.45 Uhr ist der Zug wieder in Berlin. Der Zug wird die zweite und dritte Klasse sichren. Der ermäßigte Fahrpreis für die Hin- und Rückfahrt beträgt: von Berlin Görlitzer Bahnhof nach Bad Flinsberg 2. Klast« 20,60 Mk., 3. Klasse 13,70 Mk.; nach Oberschreiberhau 2. Klasse 24,— NU.,.3. Klasse 1�80. Mk,; nach Knummhübel 2. Klasse 26,20 Mk., 3. Klasse 16,60 Mk. und nach.Schmiedeherg Z. Klasse 22,80 Mk.. 3. Klasse 15,— Mk, In Königswusterhausen werden Fahrkarten nach Oberschreiberhau mit 22,— Mk. btzv. 14,40 Mk. und nach Krummhübel 24,40 Mk. bzw. 15,20 Mk. oerkauft. Außerdem werden zu einem Preise von 25,80 Mk. bzw. 16,50 Mk. Karten ausgegeben, die von Berlin Görlitzer Bahnhof nach Oberschreiberhau, zurück von Krummhübel oder umgekehrt gelten. Der Berkauf der Fahrkarten beginnt am Montag, dem 18. März, bei den Fahrkartenausgaben Berlin Görlitzer Bahnhof und Bahnhof Königswusterhausen sowie bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reifebureaus (MER); Potsdamer Bahnhof. Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Reisebureau Wertheim, Leipziger Straße. Nach Hamburg wird der zweite Sonderzug am Öfter- so n n t a g, dein 31. M ä r z. um 6.38 Uhr ab Berlin Lehrter Bahn- hos fahren und um 12.1 7 Uhr in Hamburg eintreffen. Die Rückfahrt erfolgt am 2. Feiertag mn 19.20 Uhr, der Zug ist nach Mitternacht wieder in Berlin. Der ermäßigte Fahrpreis beträgt von Berlin Lehrter Bahnhof nach Hamburg und zurück 14,40 Mk., von Spandau Hauptbahnhos 14,— Mk. und von Nauen 12,80 Mk. Gleichzeitig mit den Fahrkarten werden drei Zusatzkarten ausgegeben: Zusatz- karte A zum Preis« von 4,50 Mk. für Stadtrundfahrt und ein Mittagessen am 3l. März, Zusatzkarte B zum Preise von 6,— Mk. oder 3,— Mk. für Uebernachtung einschließlich Frühstück und Be- dienung und Zusatzkarte C zum Preise von 1,50 Mk. für eine große Hafenrundfahrt mit Besichtigung eines Ozeandampfers. Der Fahrkartenverkauf beginnt ebenfalls am M o n ta g, dem 18. März, bei den Fahrkartenausgaben Berlin Lehrter Bahnhof, Spandau, Hauptbahnhos, und Nauen sowie bei den bereits oben genannten vier MER-Reisebureaus. Im Planetarium am Zoo, das bei der Berliner Bevölkerung noch keineswegs die Beachtung findet, die dieser außerordentlichen Vitdungsstätte zukommt, ist mit dem 1. März ein Wechsel des Programms eingetreten. Die Vorträge, die täglich um 16%, 18% und 20% Uhr gehalten werden, behandeln: Sternbilder des Frühjahrs, Sternhimmel und Weltbau. Wunder des süUichm Himmels. Nur an jedem Montag ist das Programm ein anderes; an diesen Tagen ist von 16 bis 19 Uhr die B i ld« r a u s ft c 1- l u n g unier sachkundiger Führung zu besichtigen, die gegen 300 der schönsten Hunmelsphotsgrophien umiaßt, dann wird eine halbe Stunde lang der jeweilige Abendhimmel eingestellt, ohne daß ein Vortrag stattfindet, damit die Besucher sich in Ruhe der Betrach- tung des Sternhimmels widmen können. Um 20% Uhr findet dann ein Bortrag statt;„Das Weltall im Lichtbild". „Der gelehrte Satyr." Das Bildnis des„geliebten" Onkels. Die Pariser Malerin Adrienne S., die ihren Onkcl, einen Sanitätsrat, gemalt und ihm auf dem Bildnis Bockshörner und B o ck s s ü ß e angesetzt hatte, war wegen versuchter Er- Pressung vor dem Amtsgericht Chaxlollektburg angeklagt. Mit diesem Gemälde, das sie„Dar gelehrt« Satyr" benannt hatte, auf dem Rücken spazierte sie in den Straßen herum, um ihren Onkel zu blamieren� da er ihre �Forderung, das Bild für 5000 Mark zu kaufen, nicht erfüllte. Im übrigen Jahr wurde die Angeklagte wegen Warenhausdiebstahls zu 5 M o- naten Gefängnis verurteilt. Auch damals behauptete sie, daß sie nur den Onkel ärgern wollte. Allerdings steht sie in dem Verdacht, eine geföhrlkh« internationale Diebin zu sein. Der Ver- leidiger wies damals wie gestern darauf hin, daß nach ärztlichen Gutachten die hysterische Frau hart an der Grenze des§ 51 stände. Auf die Frage des Richters, ob sie den Sachverhalt der Anklage zugebe, lachte Adrienne S., der man ihre fast 40 Jahre nicht ansieht. laut auf und erklärte in gebrochenem Deutsch:„Ich habe meinen Onkel angebetet, ich liebte ihn abgöttisch. Aber jetzt bin ich damit fertig. Unter Hypnose zwang er mich, ein Liebesverhältnis mit ihm anzufangen. Deswegen bestellte er auch das Porträt, um ungs- hindert zu mir kommen zu können. Später� oerließ er mich, und ich erkrankte vor Gram. Unter den größten Schmerzen, bei denen die Dichter oft ihre schönsten Verse machen, bekam ich eine Inspiration und versah das Bild mit Hörnern und Bocksfüßen. So entstand eines meiner herrlichsten Kunstwerke. Es ist wirklich etwas ganz Vollendetes, Herr Richter!" fugte sie mit kokettem Blick hinzu. Gxld hatte sie nie vom Onkel gefordert, da er ärmer sei als sie. Nur ärgern wollt« sie ihn, da er nicht mehr zu ihr kam. Der Onkel verweigerte in der Verhandlung sein« Aussage, da er an der Bc- strafung seiner„auf die Nerven fallenden" Nichte kein Interesse hätte. Angezeigt hätte er sie mir, um Ruhe vor chr zu bekommen. Das Gericht sprach die Angeklagte daher mangels Beweises frei. Freie Sozialistische Hochschule Sonnabend, den 16. März, 19'/, Uhr, im Sitzunjjssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3 Vortrag des Gerossen Prof Leo Kestenberg, Jas Kflosilerisdie Element im Sozialismus" ngs..»WWWWMWMWaWWWWWWWWW Arbeiterjugend GioS-Berfln, Lindenstr. 3, I. Hof links. 2 Treppen; Bnch- handhing J. H.\V. Pietz\'acrif„ Lindenstr. 2: Bank der Arbeiter. Angestellten Karten rum Preise von 50 Pfennig sind an folgenden Stellen zu haben: Bureau des Beziiksblldungsausschusses, Lindenstr 3. 2, Hof links.2 Trepren; \ � �„i rA,-- n o« r, i H H u___ i i:»* i»#•>' I■__ und Beamten. Walls'r, 65: Deutscher Ho!zarbeiter-Verb»nd. Am köTlnischen Park 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter. Ritterstraße Ecke Luisenufer; 7lgarrengcschäft Horsch, Engelufer 24,25: AfA-Ortskartell. Engelufer 24/25, Oewerksohaflshaus; Ver ag des Bildungsverbandes der deutschen Buch drucker, Dreibundstr.S; Zentralverband der Angestellten, Belle-Alliance-Str.7. Verlagsgesellschafr des A.O.O.B., Abt. Sortiment. Inselstr. 6a; Berliner Volkschor, J. Hofmann, Kurfflrstcnstr.)4o; Hauptgeschäftsstctlc der Volksbühne e. V., Linicnstr. 227. Ein wilhelminisches Verfahren. Uns wird zuverlässig berichtet: Ein junger Mensch von 17 Jahren war von seiner Lehrstelle unter Hinterlassung einiger unbeträchllicher Sd)ulden ausgerissen. Da er Vollwaise war, wurde er daraujhin in Fürsorgeerziehung genommen. Nach etwa anderthalb Jahren wieder entlassen, fand er dauernd Arbeit, Er wohnte unter polizeilicher Anmeldung ordnungsgemäß, zahlte seine Miete und ließ sich in keiner Weise etwas zuschulden kommen. Kurz vor dem An» tritt des Mündigkeitsollers erschien bei seiner Wirtin plötzlich eine Dame der Wohliahrtsfürsorge des Bezirksamts Wilmersdorf und fragte, wie sich der junge Mann schick«. Aus die verwunderte RUcksrage der Wirtin hin sagte sie, daß der Betreffend« f r ü h e r i n Fürsorgeerziehung gewesen sei und daß sie deshalb ver- pfliättet wäre, sich nach ihm zu erkundigen. Man weiß, daß nach kleinbürgerlichen Anschauungen Füff'rge. crziehung ein Makel ist. Wetterblickende wissen aber auch, daß jemand ohne besondere Schuld in Fürsorgeerziehung kommen kann! Wenn aber jemand jahrelang ordentlich arbeitet und sich auch nicht das geringste zuschulden kommen läßt, dann soll man ihn unter keinen Umstanden mit einem auch nur scheinbaren Makel Itelaften. Wilhelminische Methoden sind es, die diese Dame der SBoljffaljrisfürforge anwandte. Vor dem Krieg erschienen, wenn Vor- bestroste Arbelt gefunden halten, in den Arbeitsstellen u n i f o r- m i e r t e P o l i z i st c n, um noch der Führung des Strafentlassenen zu fragen. Der Mann war damit erledigt. Das ist heute abgeschafft. Ebenso zu. verwerfen aber ist es, wenn einem früheren Fürforge- zägling in der Weife, wie es diese Pflegerin tat, nachgegangen wird. Nichts liegt uns ferner, als in die Tonart des Herrn Lampel zu verfallen. Gerade deshalb sind wir berechtigt, das Äorgehen dieser Fürsorgerin scharf zu verurteilen! Ltnsaubere llniernehmer. Gonderbare Arbeitsmethoden im ArUstengewerbe. In der Klage der vier Tänzerinnen gegen ihr«» Truppenchcf. über die wir ausführlich berichtet hatten, wurde das Nrteil gefällt. Wie erinnerlich, hatte der Truppenchcf seine Tänzerinnen an ein Bordell in Barcelona verm.ictct, ohnc irgendeinen Begleiter mitzuschicken oder es für nötig zu halten, sich selbst um seine Angestellten zu kümmern. Bei der Verhandlung, zu der das persönliche Erschei- nen des Beklagten angeordnet war, versuchte dieser sich her- auszureden. Er führte an. daß er von einer bekannten Berliner Agentur über den wahren Charakter des„Theaters" in Barcelona getäuscht worden sei. Da? mag vielleicht zutreffen. Tatsächlich aber hatte der Truppenchef seine Tänzerinnen an einen anderen Unter- nehmer aiisgeliehe» und dieser selbst hatte sie wieder an den Theater- besitzer in Barcelona vermietet. Der Fall stellt sich also etwa so dar. daß der eigentliche Unternehmer in Barcelona eine Tages- gagc von etwa 600 Peseten zu zahlen hatte. Davvn erhielt der Truppenches, der die Mädel engagiert hatte, 32S Peseten und die Mädel selbst, die die eigentliche Ärbeit zu leisten hotten, 154 Peseten. Man sieht also, daß es ein sehr einträgliches Gewerbe ist, Tänzerinnen zu engagieren und auf blaue» Dunst hin in die Well zu schicken. Wenn es gut geht, verdient man bei dem Geschäft 60 bis 76 P r o z.. ohne ein Risiko einzugehen und wenn es schlecht geht, dann sind die Leidtragenden die Tänzerinnen, die, wenn nicht im letzten Augenblick die öfsentlich« Hand eingreift, in einem Bordell verkommen müssen. Ein Truppenchef, der mit dem Beklagten zu- sammen gearbeitet hatte, ließ nicht weniger als sieben Balletkruppen in der Weltgeschichte herumreisen. Dabei handelte es sich um einen Argentinier, der ohne jeden Pfennig Geld hergekommen war und sich von Fachkenntnisien unbe- fchwert das Unternehmen ausgebaut halle.— Bei dieser Sachlage hielt das Gericht die zur Entschuldigung seines leichtfertigen Unter- Nehmens vorgebrachten Gründe nicht für stichhaltig und nerurteille den Truppenchef zur Zahlung d«r eingeklagten Gagenrückständ«. Die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Berlin Hot wieder einmal gezeigt, wie notwendig die Abschaffung der berufe Niäßigen Stellenvermittlung, in diesem Fall der Agenten ist Das Reichsgeseß hierüber' trill im nächsten Jahr in Kraft. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit eines Reichs- theotcrgefetzes vorgeiührt, um das schon seit Jahr, zehnten ge- kämpft wird. Bor allen Dingen müssen auch die T r u p p c n ch e f s konzessioniert werden, genau so wie die Theater- und Kabarettdirektoren. Nur dann wird es möglich sein, derartige un- saubere Elemente auszumerzen, wie wir sie in diesem Fall kennen- gelernt haben._ Oer Islam feiert. Der Abschluß des Fastenmonats ist für die Moslems immer die Gelegenheit, ein großes Fest der Gemeinsamkeit und der Der- brüderung zu feiern. Mohammed richtete den Fastenmoruu ein, da- mit der Mensch sich an das Jenseits erinnere, Selbstbeherrschung übe und vor allen Dingen, damit auch der Reich« wisse, was her Hunger sel. In streng islamischen Gegenden hat daher her Fasten- monat zu der allgemein üblichen, hilfsbereiten Mildtätigkeit recht viel beigetragen. Die Berliner Kolonie, mit Ausnahme der Türken, die jetzt unter Mustafa Kemals Herrschaft andere Wege gehen müssen, beging ihr Fest durch ein gemeinsames Gebet im Älexander-von-Humboldt'Haus in der Fosaneirstraße. -Ein Ort der Airdacht ist für den Moslem ja schnell geschafien, sitzt er doch mit untergeschlagenen Beinen aus dem Teppich. Feierliche Musik und irgendein Schmuck der Räum« wird abgelehnt, da m ührertagung der Kinderfreunde. Lagerparole: Ordnung, Kreundfchast, Golidavitat. Am Sonnabend, dem 9.. und Sonntag, dem 10. Marz, ver- sammelten sich w Magdeburg die Delegierten der Bezirke und Ortsgruppen und der Vorstand der A r b en t s g e m e i n s ch a s t der K i n d e r s r e u n d c Deutschlands, um in gemeinsamer Beratung über die zu erfüllenden Ausgaben des Sommers 1020 zu sprechen. In einer überfüllten Empfangsfeier begrüßten die Vertreter der Magdeburger Kinderfreunde, der>sozialdemokratischen Partei, der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Freien Schulgemeinde die er- schienenen Delegierten. Die Magdeburger Roten Falken begrüßten ihre Gäste durch einen SprechchoV. Dann dankte Genosse Dr. L ö w e n st e i n namens des Borstandes der Reichsabbeitsgsmein- schaft für die gut vorbereitete Ausnahme in Magdeburg und appellierte an die Anwesenden, sich in die Arbeiterbewegung chpzu- gliedern. Die Arbeit der sozialistischen Crziehungsorganisation. geht langsam aber stetig vorwärts. Auch diese Arbeit ist Kampfchrbeit zum Sozialismus, den die gesamte Arbeiterschaft erstrebt. Die Tagung am Sonntag wurde durch einen Bericht des>Bor- sitzenden Genallen L ö w e n st c i n über die bereits geleisteten fvor- arbeilen eingeleitet. Wie im Vorfahre werden auch 1020 metzrere Zeltlogerkinderrepubliken während der Zeit der Sommerschulferien errichtet. Sie können nicht zu gleicher Zeit lstatt- finden, da der Widerstand, den die konfessionellen Kreise im IntHresse ihrer kirchlichen Festtage gegen eine Vereinheitlichung der Sampier- serien leisten, durch die Parlamcute bis jetzt nicht überwunden wchrde. SechsZeltlagcr, und zwar in 1000 Meter Höhe, im Allgäu nahe Obersdorf, in Franken nahe W e i ß e n b u r g auf einer I n s e l i m R h e in bei Andernach, in der D r« s d egi e r Heide, bei Jena in Thüringe» und bei Schmiedeberjg in Schlesien werden errichtet. Das Rheinlandlager wird für acht Wochen errichtet und in zwei Etappen belegt. 8 00 0 K i n d c rifind bereit« gemeldet, die vier Wochen in diesen Repulpiken wohnen und sie selbst verwalten werden. Weiterhin ist eine Be- teiligung an einem dänischen Lager bei Kopenhagen und an dem österreichischen Lager bei Linz vorgesehen.. In den deutschen Lauern werden ebenfalls ausländische Kin zu Gast sein. Besonders wurde betont, daß sich nur solche und Rote Falken an den Lagern beteiligen können, die sich bereits am Gemeinschaftsleben der Roten-Falken-Gruppen be! haben. Die Arbeiterwohlfahrt hat ihre weitestgci llntcrsti'itziina und Mitarbeit zugesichert. In längerer Auss! wurden Erfahrungen des vorigen Jahres ausgetauscht und viele regungen zum Bau und Gelingen der diesjährigen Loger ge� Gewünscht wurde, daß wie im Vorjahre eine Z e l t l a gD r- Zeitung als Bindeglied der Lager untereinander herausgegeben wird. Die Lager 1027 und 1028 haben deutlich gezeigt, daß sie iiir die Teilnehmer eine» gesundheitlichen.Ertolg brachten. Auch er- lobten hier die Arbeiterkinder w a h r e s G c m e i n s ch o f t s l e b e n. Die Parolen der Lager„Ordnung, Freundschaft, Sdbi- d a r i r ä t" zeigte ihnen in ihrer Auswirkung' die Notwendigkeit argonifatorifche» Zusammenschlusses, Das Zugehörigkeitsgefühl zur Arbeiterbewegung erfährt eine Festigung und der Wille, am Kampf für den Sozialisinus in späteren Iahreu trilzunehmeu, beseelt die Roten Falken. Gebrandmarkt wurde das un saubere Bor- gehen katholischer Kreise, die glauben, mit B e r l« ü.m- düngen die Kindersrcunde und ihre Zeltlagerrcpubliken bekämpfen zu müssen.. Sie wissen genau, daß in diesen Lägern sozialistische Aus- bauarbeit geleistet wird und darum ist ihnen zum Kampf gegen die Kinderfreunde jedes Mittel recht. Auch der Oraanisationsbericht zeigte Aufbauarbeit. Seit den Zeltlagern 1028 stieg die Zahl der Ortsgruppen in Deutsch- land von 374 aus 4 4 3. Neun Ortsgruppen mußten gestrichen werden, da durch plöÄichos Fortziehen der Helser kein Ersatz da war. Zwölf kleiner e Z e l U a g e r von kurzer Dauer wurden durchgeführt; des weiteren 18 H e l f e r f ch u l u n g s k u r s c. Es wurde angeregt, daß die Arbeitsgemeinschaft Kinderfreunde den Weg ebnen möchte, um zu einer engen Berbiliduiig und einheitlichen Kinder. organifationsarbeit mit den Arbeitersport- u»d Kultur- vereinen zu kommen. Die Kräfte in der sozialistischen Er« zichungsarbeit dürfen nicht zersplittert werden. Llnsere Jüngsten. Am Montdg riefen die Kindersrcunde Tempelhof zu einem Elternabend. Um 10>- Uhr wurden die Türen geöffnet und hinein marschierte eine stattliche Zahl irischer helläugiger Jungens und Mädels in blauen Blusen. Heute galt es, ihr Können zu zeigen. Als das erst« Lied verklungen war, erösfnete ein„Roter Falke" den Abend.„Wir wollen," so führte er aus,„heute keine künstlerischen Darbietungen zeigen,. sondern nur das Zusammenleben in unseren Gruppen. Wir wollen euch einen Einblick in unsere Arbeit geben, damit wir mehr Mitglieder gewinnen. Damit wir stark werden, um uns später einreihen zu können in die große Maiie des kämpfenden Bolkcs." Hierauf folgte eine bunte Reihe von Darbietungen. Be- sonders nett waren die Tänze und das Schattenspiel der Kleinst en. 2?ii Abschluß des Abend» bildzte ein von den Jung- falken auegeführter Sprechchor„Frau Sarge", der viel An- klang fand. Die Kinderfreund« Tempelhofs können auf einen ge- lungencn Abend zurückblicken. ihnen eine ablenkende Beeinflusiung gesehen wird. Hier halten sich annähernd 50 Personen, fast durchweg Studenten versammelt. Hie rekrutierten sich aus Arabern, Indern und Aegyptern Die Anxe- hörigen der erstgenannten Nationen sind auf alle Sludiengebiete verteilt, während die Aegypter fast ausschließlich Medizin studieren. Ferner war die ägyptische Mission anwesend, deren Mitglieder nach einer Art von Begabtenprüsung für das Auslandsstudium ausge- sucht werden. Unter den Gästen bemerkt« man den Drusenfürsten Schekib Arslan(Arflan heißt Löwe), einen der bekanntesten arabischen Schriftsteller und Journalisten. Er ist weiteren Kreisen bekannt geworden als der Präsident der syrischen Delegation in Genf. Er ist sehr fortschrittlich gesonnen, will aber keine Eisenbahn- wagen voll Kultur noch dem Orient befördern, sondern den Fort- lchritt auf die orientalische Kultur aufbauen� Die Wiedereingliederung entlassener Gefangener. Wie der Amtliche Preußische Presiedienst mitteilt. Hot der preußische Juftizmmister Dr. Schmidt zur Förderung der Wieder- eingliederung der entlassenen Gefangenen in die Volksgemeinschaft im Laufe des Geschäftsjahres 1028 Beträge von insgesamt rund 400000 Mark zur Verteilung gelangen lassen. Dies« Mittel dienen zur Einrichtung und llnterslügunq von Uebergangsheimen, in denm stcllung?- und wohnungsüise Entlassene bis zur anderweiten Ar- beitsbeschaftung Unterkunst finden, besonders auch zur Unterstützung der Organisationen»nd Einrichtungen der freien W o h l s a h r! s p f l e g e, die sich der wichtigen sozialen Arbeit der C n t l a s s e n e n f ü r s o r g e tatkräftig widmen. Die Mittel sind durch die Präsidenten der Strafvochzugsämter zur Verteilung gelangt. Für das Geschäftssahr 1929 sind wiederum 400 000 Mark im Staatshaushalt vorgesehen. Nicht einberechnet in die genannten Summen sind die Beträge für Entlafsenenkleidung, Reise-, Zehr, und Unterstützungsgclder, die den Entlassenen von den einzelnen, Straf» anstalten gewährt werden. Jugendweihe Neukölln. Die Jugendweihe findet am SoUNtag, dem 17. März, vormittags 10'A Uhr, im Mercedes-Palast, Neukölln, Hermannstraße statt. Es wirken mit: Slreichauintett Steinke, A-Capella-Verelnigung des Berliner Volkschors, Leitung: Dr. Zon- der.— Karten im Vorverkauf 75 Pf. für Erwachsene, für Kinder 10 Pf. im Parteibureau> Neckarstr. 2.— Di« Ordner treffen sich bereits früh 0 Uhr im Marcedes-Palast.— Der letzte Vorbereitungs- Unterricht findet am Freitag, dem IS. März, 16 Uhr, in dör Knaben- Mittelschule, Donaustroße, statt. Blitzschnell zubereitet— diese Flocken— eine nahrhafte, schmackhafte Bereicherung des täglichen Küchenzettels... HuZlc«r-8appe: Aus 2 Pfund Suppenfleisch eine kräftige Brühe kochen(zirka} Liter),'/> Pfund Rapieflocken, Va Pfund Kartoffeln hinzufügen, alles sämig kochen, durchschlagen, abschmecken und heifi anrichten. Ein Rehrhaftes, billiges Gericht rum ersten Frühstück, Mittag oder Abendessen! In drei Minuten ist es fertig! Eine duftende, dampfende Schüssel Quäker Rapidflocken. Aus dem sauberen Karton in den Kochtopf, ohne staubigen Abfall, ohne Spelzen, ohne bitteren Beigeschmack, sättigend, beliebt bei Groß und Klein. Ihr Körper braucht bestimmte Nährsubstanzen— Kohlehydrate, Proteine, Vitamine— um kräftig und elastisch zu bleiben. Vollreife, goldgelbe Haferkömet —» von Sonne und Luft durchtränkt— enthalten diese Aufbaustofie in reicher Menge. Eine wohlschmeckende, zeitsparende Bereicherung Ihres Speisezettels; auch�Suppen und Gemüse werden schmackhafter und nahrhafter mit Quäker Rapidflocken. Fragen Sie Ihren Kolonialwarenhändler nach der 1-Pfund- oder Vs-Pfund-Packung mit dem Gutschein für schwerversilbertes Besteck. Schreiben Sie eine Postkarte nach einer Gratisprobe. AusschntiJen l Eimen den! Quäker Jfipidflocken Quäker Nährmittel-Gesellschaft m.b.H. Abt. BV. 6 Elsen(Bezirk Düsseldorf) Bitte senden Sie mir sofort eine Gratisprobe Quäker Rapidflocken- Das neue Schweizer Vureau. Unter den Linden S<— 58 soll man sich zwanglos in die Schweiz versetzt fühlen. Schweizer Wappen, das weihe Kreuz im roten Felde, Schweizer Landschasten im Bild und viele Bücher, die einem Schweizer Reiseeindrücke vermitteln. Es ist das neue Reisebureau der schweizerischen Bundesbahnen. Hell, ruhig und fmmdlich. Nicht- Bureautratisisrendez,„Schallcr- mähiges". Fast niedrig erscheint der lange Schrankentisch, der die Halle der Längsrichtung nach durchzieh!, an dem die Auskunft- pichenden, die Reiselustigen beraten werden. Glattes, poliertes Malassar-Ebenholz ist das Material dieser Tischbarriere. Glas die Platte! Der�Käng« des Raumes entsprechen riesig« Wände. Zu ihrer Gliederung ist erfolgreich ein Mittel angewandt worden, das in der Theorie unmöglich erschien: Der Plakataushang. Fast militärisch ausgerichtet hängen in langer Flucht die bekannten. malerischen Schweizer Werbedilder— unter Glas und Raiimen. Weil sie einheitlich im normalisierten Weltformat herausgegeben werden, war dies« Lösung von überraschender Wirkung möglich. Die Plakate können ausgewechselt werden, wodurch lebendige Man- niasaltigkeit der Ausstattung gewährleistet, zugleich aber eine ständige Ausstellung der Hervorraaenden Schweizer Gebrauchsgraphik gegeben ist. Einladend, sinnfällig offenbaren sich im Bild die ewigen Firne, die lieblichen Matten, die schroffen, die Perspektiven aus Täler u-nd Seen! Dieses„Bureau" ist eine klein« Mustermesse schweizerischer jlunsh schweizerischen Kunstgewerbes: Än breiten Vitrinen Sticke- reien und Schnitzereien, und wer sich je in Schweizer Städten an den prachtvollen Schiiitzmöbeln erfreute, wird es lebhaft begrühcn, daß die Berliner nun bald Gelegenheit haben werden, abwechselnd Erzeugnisse dieser bodenständigen Schweizer Industrie zu bewundern. Die auf adsoluie Raum- unb Flächenwirkung eingestellte Gliederung der Geschäftsstelle bot mancherlei Schwierigkeiten. Zu- nächst der Beleuchtung: Jede Schattendildung muhte verhindert werden, allein schon»m die ausgehängten Piakate zu neutral-gleich- mähiger Geltung zu bringen. Das ist gelungen durch transparente, fast in einer cileichmähigen Linie in der Längsnchtng verlausende Lichtkörper. Eine noch größere Gefahr der- Zerstörung des einhest- kichen Bildes lag auf organisatorischem Gebiet, in dem Dienstbetricb an sich. Dieser erfordert ein reichhaltiges, vielseitiges Drucksachen- Material, dessen Fülle verwirren, den Eindruck der Unordnung er- wecken kann. Auch das ist vermieden: Prospekte und Broschüren liegen wohlverwahrt, staubgeschützt in zirka 1200 geschlossene« Fächern, die zu übersehen ein wohldurchdachtes, logisches Zahlen- systcm dient, das ein schnelles Auffinden der Auskunstsmtttel nach sachlichen oder lokalen Gesichtspunkten gestattet. Berantwortlich für die organisatorische und werbepsychalogifche Leistung der Anlöge ist d�r Pudllzitätsdi-nst der Srlpveizerischen Bundesbahnen, für die innenarchitektonische Ausführung der in Berlin ansässige Schweizer Architekt Meier- Appenzell. Märzfeier des Neichsdanucrs. Der Gau Berlin-Brandenburg des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold gedenkt auch in diesem Jahr wieder mit einer besonders würdigen Feier der Toten und der Ereignisie von 18k8. Die Per- anstaltung findet am Sonntag, 17. März, vamrttags 10 Uhr, im großen Saal des Lehrervcreinshauses statt. Die Red« des Tages wird Reichstagsaibgeordneter B r e i t s ch e> d halten. Di« Feier bietet weiter Musikoorträg« der Reichsbannerkopev« Treptow und Rezitationen Albert F l o r a t h s vom Staatstheater. Karten zu der Veranstaltung sind nur bei den Ortsvercinsfunktionären erhältlich. Goldene Hochzeit. 35 Iahreu im Haus« Müncheberg Der Stockarbeiier Gustav John, seit er Straße 32 wohnhaft, und sein« ?1jährige Frau begehen Jim Donnerstag, dem 14 März, ihr 50jähriges Ehejubiläum. Sie sind Rantenempsänaer und leben in dürftigen Verhältnissen. Seit langen Iahren ist das Jubelpaar Loser unseres Blattes.— Ebenfalls am heutigen Tage begeht das gleich« Fest'das Ehepaar Jahn, Münchederger Str. 32. Dem „Vorwärts" hielten sie seit seinem Bestehen die Treue. Sprel chor für Vrol-tarstche Aei« Hunden. UcBungSflunbe am Donner«- Ja«, dem 14. d. M.. abends 8 Uhr. im lSesaugslaat dec Sophienlchule, Wein- -Mristcrstratze 1K/17. Kinde: kommen um 7 Uyr. -Zuerst Oein Unter diesen, Schlagwort veranstaltete der Bertiner Tex- tilhandel gemeinsam mit seinem Verbandsorgan„Die Texill- Woche" in der Zeit vom 9. bis 13. März in Berlin und im Reich eine großangelegte Werbewoch«. die sich durch die ungeheure Beteiligung Berliner und auswöriiger Firmen zu einer imposanten Kundgebung für den Heimgedanke n gestaltete. Die Kunst des Deka- raten rs in Verbindung mit der ihm zur Verfügung stehenden Qualitätsware hatte in den Scha.usenftcrn und den Jimcnräumen der einzelnen Geschäft« ein Szenarium geschaffen, das das Publikum zur Ausgestaltung eines schöneren, gemütlicheren Heims mit allen modernen Vereinfachungen und Verbcfscruiegen animieren soll. All die hundert Kleinigkeiten, die, zu einem Ganzen vereint, dem Heim erst eine richtige persönliche Note geben, konnte man sehen. Da zeigte Grünfeld geschmackvolle, neuzeillicke Gardinen und Bett- wasche, Israel gibt in seiner Etadheimausstellung einen Gesamt« überblick des schönen Heimes, Cords sargt jür eine dekorativ« Außenfassade der Haussrau selbst, denn zu einem geschmackvollen Heim gehören auch gesck mackvoll gekleidete Bewohner. Die Frage der Wohnkultur, die ja heule mit verhältnismäßig geringen Mitteln gelöst werde» kann, wurde dem Publikum durch die vieffachen An- regungen verschiedenster Fachleute auf diesem Gebiet irnmer wieder auss neu« ins Gedächtnis gerufen. Es gilt, dem Heimgedanken, als einzig ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht, erneute und er- höhte Daseinsberechtigung zu schaffen. Björnsons Drama„Heber die Kraft" ist ein Werk von großer dramatischer Gewalt. Alfred Braun hatte daraus ein Sende- spiel gemacht, das trotz der völlig andersartigen Zusammenfassung nichts von dem starken Leben des ursprünglichen Werkes verloren hatte. Alles war gestrafft, scharf und klar herausgearbeitet. Hier bekam auch die verbindende Musik tiefen Sinn: sie schuf die Ueber- leitungen zwischen den verschiedenen Bildern, unterstrich die Symbolik de» Werkes. Aber es war wieder ein schwerer Abend; in dieser grauen Funkwoche wieder ein Abend ohne Helligkeit. Voran ging der Abendunterhaltung die sozialpolitische Umschau Dr. Wolfgang Pohls, notweisttige, hörenswerte Behandlung wichtiger Tagesfragen. Außerdem wollte an diesem Abend Ober- regierungsrat Dr. Albert H a h l die moralische Verpflichtung zur Kolonialbegeisterung propagieren. Dr. I. B. P o r i tz k y sprach sehr interesiant. aber für ein Publikum, dem die Kenntnis der Philosophie der Antike fehlte, schwer oder gar nicht verständlich über„Die Wiedergeburt des deutschen Idealismus aus der Antike". Leider auf eine zu frühe Stunde gelegt, waren die Ausführungen des Professors Dr. Ot o Kümmel, Direktor der Abteilung der asiatischen Sammlungen, über„Die China-Ausstellung", in denen nicht nur ein wertvoller Hinweis auf die China-Ausstellung in der Akademie, sondern auch auf die gesamte chinesische Kultur geboten wurde. Tes. Sinsendun-ze» fiir diese Rubrik sind Berti» TB«S, Liedensirahe 3, parismachrichten für Groß-Verlin stet, an de* Bezirk»sekr«t»r>«t 2. Hos, 2 Treppe» recht», zu richte». 2. krei, T'eegarten. Lonntop, 17. März, 19 Uhr, findet im Moabiter Eesellschaftohous, Wirieistr. 24, ei»„Heiterer Dbe»d" siatl. Auher einem erstkiaisizen Kiinsilcrorchcster sind Mitwirkende 2! est Lanner, Ebert.Manz.Onarteti, 3-ejitoiotln Erna Feld. Eintritt 60?>. Eintritt-kartln bei den Nezirkssiilircr». Ta die.startenanzad! sehr beschränkt ist. bitten wir die Genossinnen und Genossen, sich rechtzeitts an ihrer BezirkosUhrer zu wenden. Z..sie»!» fritdriffhain. 'ortjcfeRt....... _____„_____ Bildimp-avsschuh! Ger Kommunale Kursu» wird S'ijch-ster Abend am.,rei!aq. 16. Miirz, ISt? Uhr, in der Schule sCetccobi>rqem>steu! Heute, 20 Uhr, bei BoginM. Htubrnrauchstr 22.„Die Geschichte der Partei auf der Srundioge ihrer Programmentwlirfe." Morgen, Freikag. IS. März. rPer'ar.imIung der Vereinigung si!r Schul- und Erziehungssrag'N Uhr im Zeichcnsoal Ehrenbergstr. 24. Vortrag:„Suggestion. Hopnole B,d Erziehung.'._ 81. Wt. Frted-nau. V-i Schänfeid, Kirchsir. 23. siunkt.onarfttzung. Ausgab« j*.. aR{ttetT«n(wMöttf5. Iii*«bt. M«hlsd--s-CLd. 20 Uhr Fuiiktionärfitzung bei Drab-.r, Uhlanb. Käß- 18. Arauenveranstallung. 5. Kreis Friedri�shain. Die Genossinnen werden ersucht, sich recht rege am Donnerstag. 14. März. 1g'4 Uhr. an der Führung durch die Ausstellung Endliches Staffen und Kunstwer!" in der Schule Petersburger Str. i zu ielaiiigcn. Eiuiritt frei. G2bur—'dl:'— «bt. Unsere licoc Genossin Toni R a ch o w, Wehlauer Str 22. ist im Alter von Ä fahren plötzlich verftorb-n. Chre ihrem Andenken! Der Tag der Beisetzung wird noch bekanntgegeben. � Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlia oneisendoo«» ich dies« Mide» IM« o» do« Zugendietretaeiat. Geetw«D«. cwdenOra«», B.-B.-Sitzung gemrinlom ich IS-ih Uhr" pünktlich __________jlt den Werbedezirksleiter» heute, Donnerstag. im Vortragssaal des P.-B., Lindenstr. 3, 2. Hos, 2 Tr. heuke. Donnerstag. t9y2 Uhr: Best«» I und II: Heim Dülomstr. 88. Arbritskrrisob-Nd.— Korden: Seine Lortzing-, Eck« Graunstraße...Liebknecht und Bebel."— Köpenicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128.„Entstehung einer Zeitung."— Ksttbuffer Tor: Heim Britzer Str. 30.„KPD."— Südwest: Heim Lindenstr. 4.„Märzstllrme."— Echöneberg Iii: Heim Hauptstr. 13.„Unsere Osterfahrt."— Steglitz: Seim Airrechtstr. 47.„Der Parteitag."— gehlendors! Rortschule. Potsdamer Straße 3—7. Generalprobe zur Märzfeier.— Britz I: gunktioniirsttzung. Hufeisen Werbe»«, Irl Bedding: Di« Tambourkapclle kommt lm Heim der 512. Ge. meindeschul«, Seestr. 84 snahe Reinickendorser Straß«), um 22 Uhr zusammen. Aelterengrnppe Osten: Heim Tilsiter Str. 4. 20 Uhr:„Wirtschostbche und soziale Lag« Ehinas." E« spricht«in Mitglied der Kuo-ming-tang. Weldebezirt Renlölln: Das Ueben für„Weh dem, der lügt" sällt ans! aus! Werbebrzirk Prenzlone» Berg: Di« Abteilung Weißense« veranstaltet um Sonnabend, 10. März, 20 Uhr, in der Aula des neuen Lnzeums, Park-, El!« Pistoriusftraß«.«inen ffilmadend.(Kinderrepuhlik und lustige Filme.) Ein. tritt 20 Pf. Di« Gruppen unseres Bezirke, werden gebeten, sich zahlreich zu detrlligen._ Vorträge, Vereine undVerfammsungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sedastianstr. 57/38, Hof 2 Tr. M Ritte: Eintrittskarten jur Märzfeier sind bei den Kameradschasts» >>>WW>W>".>st-...,�.—.....-...........-........_. holen.— Sriekiickskain, Kameradschaft� ffrankfuri: Donnerstag, 14. �März. führern zu haben.— Prenzlauer Berg: Karlen zur Märzfeier sind von den Kameradschaftsführern bei Kam. �a�emann, Iabionfk.str. 3. ab zu Referat.— sireitog, 15. Mörz. Ehvrlottenburg. Inger im Jugendheim Spreeslr. 30 Lichtdildervortiag:„Die Sebwarz-Ziot-Goid." Alle Kameraden bis zu 21 Iahren 20 Uhr, Sitzung bei Otlo. Sügorr, Eck» Proskuuer Straße. Erscheinen Pflicht. ~" eharlottenburg, Iugendkameradichaft: 30 Uhr e Geschichte der ssarden __________________.___________ i werden erwartet. Reu- kölln-Brttz: 20 Uhr Persammlung aller radfahrenden Kameraden, die gewillt sind, dem Rachricht-nzug beizutreten, bei König, Weserstr. 38. Ecke Wildenbruch- ftraße. JUpeni«: 1»-21 Uhr Sport in der Turnhalle Amtsstraße,«ernan: 20 Uhr Lecsammlung bei Kam. Modisch. Kaiscrstr. ig. Freie«ebettee-Etpeeonto-Vereinigung Beelin. Achtung, Mitglieder und Iniereffenten besucht regrlmäßig die Zulammenkünstc der sireicn Arbeiter. Esperantv-Prrrinigring Berlin. Gruppe Osten: Donnerstag, 14. März, 20 Uhr. im Jugendheim Am Lstbahnhoi 17.—«rnppr Zentrum: Freitag, 13. Marz. 20 Uhr, im Kastanienwäldchen. Kastanienallee 03. wchierberichl der issrnillchen wetlerdieastslelle? erlin und Umgegend lNachdr. perb.). Teils wollig, teils heiler bei nur allmählich abflauenden nordwestlichen Winden: TageSiemperaturen ctrnaZ höher als bisher.— Jür Deuischlanb: 3m Zioi dosten xeilweile brilc: und am Tage ziemlich mlld, im Südweitkn nebelig, t'übe ohne weleniilche Temvcraluränderunz. Ei» bisee Husten ist ost der Borläuser weitcrer und schlimmerer Leiden. Achten Ei, daher aus den scheinbar harmlosen Husten rechtzeitig, damit sich nicht«in chronischer«der ein Bronchiallatarrh entwickeln kann. Husten ist lästig und wirkt störend und unangenehm auf Ihr« Umgebung. Des Husten, Heiserkeit, Schleimanhäufung, rauhem unb schmerzendem Hals, starkem Aus- wurf und katarrhalischen Erkältungen helfen Reiehels Kustentropfen, das millionenfach eroroblc Rezcpt, überraschend sckmell und sicher. Gehen Sie in Ahr« Drogerie«der Apoideke und holen Sic sich Reichels Hustenikopsen, Marie Acdieo,»der schreiben Sie an Otto Reichel, Berlin SO.. 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Wer Feinkoshnargarine»Blauband, frisch gekirnt" statt Butter verwendet, spart durch jedes Pfund eine Mark, ohne die Lebenshaltung-rgendwic zu verschlechtern. In Nährwert und Verdaulichkeit wie an Frische und Ge- schmadc ist«Blauband-Margarine" der Butter ebenbürtig. 7tr. 123» 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag. 14. März 1929 Oer letzte O-Bank-Abschluß. Oarmstädter und Nationalbaak. Die Dannstöt>ter and Nationalbant ist die letzte unter den vi« A-rliner O-Banken, die jetzt ihren Geschäftsbericht für 1928 ver- osientlicht.(Den Abdruck des gesamten Geschäftsberichtes finden die Leser im geschäftlichen Teil des Blattes.) Die Entwicklung der Danat im vergangenen Jahre war wieder sehr st ü r m i s ch. Die Danat ist zwar noch lange nicht die gröht« V-Bank. aber das Tempo ihrer Ausdehnung ist dos schnellst«. Ein Aeuge dafür ist die Umsatz- entwicklung. Seil lSZS sind die Umsähe von ltS aus 170 und dann aus 220 Milliarden gestiegen. 3n drei Jahren ist also fast ein« ver- doppelung eingetreten. Die Bilanzsummen erHöhlen sich in dem gleichen Zeitabschnitt von 1511 aus 1772 und dann aus 2Z12 Millionen. Die Bilgnz zeigt, daß das stark« Wirtschaftsjahr 1928 ebenso sehr neue Gelder zur Verfügung gestellt als wieder in die Wirtschaft zurückgesaugt Hot. Die Gesamtsummeder fremden Gel- der(Kreditoren) Hot sich bei der Danat von 1564 auf 2083 Millionen oder um 33,2 Proz. erhöht. Der um 8 aus 80,4 Millionen er- höhte Akzeptkredit, der die fremden Gelder ebenfalls verstärkt, spielt gegenüber der Steigerung der Kreditoren kein« Rolle. Di« ver- mehrten fremden Gelder haben durch die konjunkturelle Abschwächung am Iahrsschluß.zwar zu einer Verstärkung der flüssig gehauenen Summen gegenüber dem Vorjahr« geführt, doch ist weitaus der größte Teil des Zuganges der sremden Gelder in neuen Wirt- schaftskrediten angelegt worden. Die Wechselbe st ände sind insgesamt van 428 auf 537 Mil- lioncn oder um fast ein Drittel gestiegen: wie bei den anderen Banken sind durch den bedeutend oer stärkten Export und die oermehrten Rohstosfimporte die Darlehen aus schwimmend« und lagernde Waren enorm erhöht. Sie zeigen«in« Steigerung von 131 aus 266 Millionen oder auf mehr als das Doppelte. Di« Zu- nahnre der laufend gewährten Kredite von 727 auf 889 Millionen ist weniger stark, aber doch sehr beachtlich. Demgegenüber ist der Zu- jluh neuer Kredite für Lörsengesckäste van 29 Millionen— erhöht aus 139,6 Millionen— gering geblieben. Ihre Gewinne hat dl« Danat genau so sorgfältig frisiert wie die anderen Banken. Man kann der Danat glauben, daß die Zins» und Provifions- einnahmen— letztere wegen der schlechten Börse— nicht entsprechend der Geschästsausdehnung gestiegen sind. Dennoch sind die Einnahmen daraus mit 75,3 gegen 73-5 Millionen höher ausgewiesen als im Vorjahr. Es werden 82L Millionen Ge- s a m t e i n n a h m e n in die Gewinn, und Derlustrechnung gestellt. wobei natürlich wieder erhebliche stille Reserven vorweg abgebucht wurden. Die Lerwaltungskostev sind von 55.1 aus .Vi.2 Millionen erhöht, wovon nach Angabe» der Danat 81,29 Proz. Personakunkosten sind. Wieviel von den Personalunkosten auf höhere Beamte und Direktoren«ntsälkt, auch wieviel Tantiemen darin stecken, wird nicht gesagt. Nach Abzug der von 9,39 aus. 10,04 Millionen erhöhten Steuern verbleibt der frisierte Reingewinn von 16.71 Millionen, nur 0,34 Millionen mehr als im Vorjahre. Don den Gewinnen. kommen wiedxx 12 Proz, Dipidendc mz die Aktionäre für das Kapital von 60 Millionen Mark. In der Reservenbildung stellt die Danat einen Rekord auf. Die offenen Reserven haben jetzt mit 60 Millionen Mark genau die Höhe des Aktienkapitals erreicht. Man bleibt gegenüber der Danat gewiß im Rahmen der Objektivität mit der Feststelkung, daß sie ihr Personal gründlich ausbeutet. Obwohl der Umsatz seit 19?6 von 119 auf 220 Milliarden gestiegen ist. also fast verdoppelt wurde, beschäftigt die Danat in ihrem gesamten Apparat heute noch genau dieselbe Zahl van Angestellten— rund 7300— wie Ende 1926- Die Danat wird sich nicht daraus berufen können, daß die Mechanisierung des Betriebes etwa die Arbeit entsprechend erleichtert oder verringert habe. Auf der anderen Seue sind die Bezüge der Bankangestellten und Bankbeamten— verglichen mit der Vorkriegszeit und zurückgeführt auf die totjäch- liche Kaufkraft— heute noch außerordentlich niedrig. Auch die Danat wird sich deshalb der Notwendigkeit nicht entziehen können, eine Revision der Bezüge ihrer Angestellten durch- zuführen. Sie wird ja demnächst mit den übrigen deutschen Bonken dazu Gelegenheit haben, und wir hoffen, daß Herr G o l d s ch m i dt da» Verständnis für die Leistung seiner Angestell- tcn nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Geldbeutel bekräftigt. Die einleitenden Bemerkungen zum Geschä'tsbericht sink» auch in diesem Jahre wieder mit geistvollem Schwung, aber doch recht mageren greisboren Ergebnissen formuliert. Achrtlich wie kürzlich Herr Wasiermann sogt auch 5)err Goldschmidt: „Man kann einem Wirtschaftskörper nicht zumuten, in einer kurzen Zeitspanne den Wiederausbau und die Wiedergutmachung von materiellen und ideellen Gütern zu bewirken, deren Zerstörung das Werk einer langen Vernichtungsperiodc war." Man müßte daraus den Schluß ziehen, daß auch Herr Goldschmidt Verständnis dafür hat. daß Kapitalmangel und hoher Kapitalzins heute noch u n- vcrm eidliche Folgen der früheren Zerstörungen sein müssen. daß der Staat große neue Wiedcraufbauausgaben durchzuführen hat. die viel kosten, und daß auch der öffentlichen Wirtschaft zwang»- läufig eine größere Tätigkeit zuwächst, als es sonst der Fall gewesen wäre. Dazu gehört auch ein besseres Verständnis für die not- wendige innere Reparation im Haushalt der arbeitenden Massen, wo die Zerstörungen der Vergangen- heit nur durch höhere Einkommen und auf Jahre hinaus durch stärkere Rücklagcnbildung wieder gutgemacht werden können. Dennoch bleibt Herr Goldschmidt in dem geistvollen Feuerwerk seiner allgemeinen Ausführungen in der kleinlichen Untcrnehmerpolemik gegen die Steuerlasten, gegen die Tätigkeit der öffentlichen Hand und gegen Uebertrcibungen der Lohn- und Sozialpolitik stecken. Wohlstand und Weltgellung. Präsident Hoovers Kampf um die amerikanische Vorherrschast. Der neue Präsident der Dereinigten Staaten, Herbert Hoover, hat sein hohes Amt angetreten. Lauter Jubel in der kapitalistischen West der Vereinigten Staaten. Eine Wirtschaftskonjunktur sonder- gleichen, neue Rekorde in den verschiedensten Industriezweigen. weiter steigende Aktienkurse.— allerdings auch Sorgen über die Spekulation— liefern die Begleitmusik zu seinem Amtsantritt. Wohlstand und Wellgeltung für Amerika sind die Losungsworte des Produktioasfanatikers Hoover. Niemond zweifelt an seinen großen organisatorischen Fähigkeiten. Als Handelsminister hat er für die Steigerung der Ergiebigkeit der Produktion durch Bekämpfung der Verlustquellen und unnötiger Vergeudung viel geleistet und eine stürmische Rationalisierung mit allen Mitteln gefördert. Mit Haut und Haaren den kapitalistischen Wirtschaftsmächten verschrieben,, und alles Heil von der Entsal- tung der profitstrebenden Kräfte erwartend, war Hoover stets ein Vertreter des großen Industriekapitals. Das Oel- kapital erfreute sich seiner besonderen Gunst. Für die Antitrust- gesetze, welch« Gründung und Wirksamkeit von monopolartigen Unternehmungen wie Kartellen und Trusts unterbinden, hatte er nicht viel übrig. Diese Gesetze abzuschaffen, wird er sich wohl mit Rücksicht auf die allgemeine Volksstimmung hüten. Die amerikani- schen Gerichte tun schon das ihrige, um diese Gesetzgebung gegen die Kartelle und Trusts unwirksam zu machen. Was Hoover noch übrig bleibt ist, die Wirksamkeit der Verwoltungsinstonzen, die mit der Monopolkontrolle zu tun haben(Bundeshandelsamt, Federal Trade Commission) abzuschwächen. Hoover will von der Ausdehnung des Besitzes der ö f f e n t- l i ch en Hand nichts misten. Zweifellos zu seiner Befriedigung erfolgte kürzlich die«ndgüllige Auslieferung der staatlichen Handelsflotte an die privaten Schifsahrtgescllschaften. die aber künftighin aus staatlichen Mitteln mit großen Subventionen unterstützt werden. Hoovers Kabinett wird als„Kabinett der Millionäre" bezeichnet. Es zähst den mächtigen amerikanischen Astuviniumkönig Mellon als Finanzminister zu seinen Mitgliedern. Erst vor kitrzem hat Mellon«inigen mächtigen Unternehmern 75 Millionen Dollar Steuergelder zurückerstattet: unter ihnen befindet sich der Stahl- trust. dem setzt we�en im Jahre 1917 zu viel gezahlter Steuern tn Höhe von 16 Millionen Dollar hieser Betrog mit Zinseszinsen zu- rückgezahst wurde. Mellon selbst ist einer der. Großaktionäre, des Stahllrusts. Wird also Hoover im wesentlichen die Politik seines Vorgänger» fortsetzen, so werden doch zweifellos unter feiner Herr- fchoft, die er sicherlich viel straffer als der recht farblose Eoosidg« handhaben wird, auch weittragende Aenderungen in der omeritam- schen Wirtschaftspolitik vorgenommen. werden. Neue Schuhzollpolilik mik vollen Segein. „Die Republikanische.Partei, die Hoqoer vertritt- war stets schütz- zollnerisch eingestellt und schon der republikanische Präsident Eoolidge hat von seinen weitgehenden Rechten für Zollsteigerungen einen ausgiebigen Gebrauch gemacht. Hoovers Linie liegt es, die Schutzzollgesetzgebung zu verschärfen. Dies ist für die übrige Welt um so folgenschwerer, weil die Vereinigten Staaten keine die Zollsätze ermäßigenden Handelsoerträge ab- schließen: ihr« Handelsverträge sind rein«„Meistbegünstigung»»«?- träge" ohne Tarisabreden, d. h., die hohen Zölle bleiben nicht bloß auf dem Papler, sie sind mehr als bloße Derhovdlungswossen. Da die europäischen Länder auf amerikanische Lebensmittel und Rohstoffe stärker angewiesen sind als die Vereinigten Staaten auf die Einsuhr aus den europäischen Industrieländern, so können die Vereinigten Staaten eine solche einseitige Hochschutzzollpolitik gefahrlos durchsetzen. Die Haltung der amerikanischen Gewerk schasteu. Allerdings verteuern die hohen Zölle die Lebenshaltung der amerikanischen Bevölkerung. Wenn die Gewerkschaften dennoch den Zollerhöhungen keine Schwierigkeiten bereiten, so des- halb, weil sie die Schutzzölle als eine politische Gegenleistung für die Einschränkung der wegen der großen Arbestswsigkest gefürchteten Einwanderung ansehen. Trotz Hochkonjunktur ist nämlich Amerika von einer fürchterlichen Arbeits- l o s i g k e i t heimgesucht, zum großen Teil infolge der stürmischen Rationalisierung. Die Zahl der in der Industrie Beschäftigten ist Kohlenhändler gegen Verbraucher. Die Köit« hat die Verbraucher noch nicht genug geschunden Der Kohlenhandel hat versagt. Nicht versagt hat die genostenschost- liche Kohlenversorquntz- Dennoch wird gegen sie gekämpff. Wir lesen in der„Deutschen K o h le n ze it u n g" Rr. 6 vom 12. März 1929 Seit« 161 aus dem letzten Geschäftsbericht des Vereins der Kohlenhändler für Potsdam und Umgegend: „Um die Lieseruüg der Germanenwogev. die auf Grund de» Kohlenwirtichaitsgesetzc., siaichost ist, nach Möglickkeit zu unterbind e n. hat der Ki>l)ieni)äMerverbaird der Provinz Branden. dura E. D. vom gesamten Groß- und Plasthandel, soweit erster» an der Lelieserung des Aerbavdsgedieles beteiligt ist. eiiKN Revers unterfertigen lasten. Hiernach dürfen derartige heute um 10 bis 13 Proz. geringer als vor vier Iahren. Wenn man die Millionen berücksichtigt, die seitdem als Arbeitsuchende neu ins Erwerbsleben traten, die aber weder in der Industrie noch in der Landwirtschaft untergebracht werden konnten, so muß die Zahl der Arbeitslosen viele Millionen betragen. Zudem nehmen die Gewerkschaften die Argumente der Unternehmer für die Hoch- ichutzzölle, mit denen sie dos„soziale Dumping", die Schmutz- konkurrenz des mit niedrigen Löhnen arbestenden Auslandes zu bekämpfen behaupten, vielfach ernst und wollen nicht sehen, daß es sich in den meisten Fällen um durchsichtige Vorwände für die Steigerung der Sondergewinne der Unternehmer handelt. Das Iollbukelt. Die ollgemeine Revision des Zolltarifes von 1922 steht unmittelbar bevÄ'. Im neuen Tarif sollen zunächst einmal die Landwirte Agrarzölle auf eine Anzahl von Produtten er- hasten, auf Getreide(gegen die Einfuhr aus Kanada), auf Fletsch (gegen Argentinien), wahrscheinlich auch auf Zucker(vornehmlich \ gegen Kuba und die philippinischen Inseln, für welche die Zoll- ermäßigung bzw. die Zollfreihcit ausgehoben werden soll), auf ! Früchte(um durch Einschnürung der Einfuhr von Südfrüchten den Verbrauch von amerikanischem Obst zu steigern) und aus Tabak '(gegen Holländisch-Indien). Die neuen Agrarzölle werden die herrschende Krise in der Landwirtschaft nicht beheben. Da jedoch die Republikanische Partei den Farmern nicht entscheidend helfen will, aber etwas von den Wahlversprechungen einlösen muß, so werden die Agrarzölle gemacht, zumal sie von den Ver« bänden der Farmer gefordert werden. Di« Jndustrieunternehmer, die im Senat den größten Einslutz haben, stimmen den Agrarzöllen jedoch nur zu, wenn sie gleichzeitig erhöhte Industriezölle erhallen: ein« Schraube ohne End«. Eii« Anzahl van Industrien, darunter die starke Eisenindustrie(für Roheisen, Baustahl. Werkzeugstahl und Röhren), die in der Nach- kriegszeit entwickelt« chemische Industrie(Chemikalien und Farben), Schuhindustrie, Porzellan-, Ton- und Glaswaren, Zement, Ziegel. elektrische Maschinen, Uhren, sollen beträchtlicl« Zollerhöhungen erHollen. Ein« Opposition gegen die Zollerhöhung ist nicht zu erwarten, zumal auch die Demokratische Partei in das Lager der Hochschutzzöllner übergegangen ist. Wellgeltung und Herrschaft über die Aleere. Wird auf der einen Teste die Einfuhr durch Steigerung der Schutzzölle erschwert, so will die Wirtschaftspolitik von Hoover auf der anderen Seite die bisher verhältnismäßig geringe Ausfuhr amerikanischer Produkte mit allen Mitteln fördern. Als Handels« minister hat Hoover die Gründung von Ausfuhrk.artellet» — KartellMsainmenschlüste sind für'Ausfuhrzwecke gesetzlich zu« lässig— ermuntert, ja er stellte für die Oelindustri« ein Gesetz zur Abschaffimg des Kartelloerbots auch für das Inland in Ausficht.. Auch wird Hoover fein« A u tz e n p o t i't i k weitgehend in den Dienst des amerikanischen Warenexports stellen. Amerika hat als erstes Land den Handelsvertrag mit China abgeschlosten, und Hoover will nun auch mit den südamerikanischen Ländern durch Schiedsverträge bester« politische Beziehungen herstellen. Reben dem Fernen Osten schwebt ihm die völlige wirtschaftliche Durchdringung Lateinameritas mit Hilfe der amerikanischen Kapitalsanlage» vor. Bezeichnend für die Fortschritte dieses Eroberungszuges ist der Umlstand, daß 1928 von allen Anleihen der lateinamerikanischen Länder in der Höhe von 260 Millionen Dollar 240 Millionen au» den Bereinigten Staaten kamen. Da die amerikanische Regierung großen Einfluß auf die Richtung des amerikanischen Kapttalstroms hat, so wird hier Hoovers Politik eine wiclstige Rolle spielen können. Die amerikanische Aussuhr steht auf dem Weltmarkt in einem schweren Konkurrenzkampf mit der englischen und dringt in den englischen Dominions und Kolonien dauernd vor. Auf der anderen Seile beteiligt sich das amerikanische Kopital zunehmend an eng- tischen Unternehmungen. Wie werden diese Kräfte sich weltpolitisch aus, wirken? Das Problem der„Freiheit der Meere", in Wirklichkeit die Entscheidung über die Vorherrschaft zur See. wird unter Hoovers Präsidentschaft wohl neu entschieden werden. Di« Vorbereitungen dafür sind getroffen: im letzten, mit Zustimmung von Hoover aufgestellten amerikanischen Budget wurden für Heer und Flotte die größten Summen, die jemals-ein Staat für mili» tärische Zwecke aufgewendet hat, bewilligt. 21. H. Lieferungen nur unter bestimmten Voraussetzungen vorgenmnmen wenden. Sofern diese Regelung voni guten Willen des beteiligten Handels getragen rmrd, ist beskmuiU mit Erfolg zu rechnen." Zu den billigen Preisen der Lieferung mst Germanenwagen können die großkaiisenden Konsumverein« sich eindecken. Dagegen richtet sich der Revers. Wir weisen daraus hin, daß der Z 61 der Ausjührungsbestimmungen zum Kohlenwirtschostsgesetz besagt: „Er sorgt dafür(der Reichskohlenverband. D. Red.), daß jedem Derbraucher, der mindestens eine Wagenladung von 15 Ton- neu Brennstoff ab Werk, Umschlagsplatz oder Stapelplatz abnimmt, die Möglichkeit gegeben ist, die Brennstoffe unter dem mim Reichskohl eu rate bestimmten Voraussetzungen gegen Barzahiung zu beziehen." Der Rcichskohlenverhand hat also die gesetzliche Ausgabe, um das Recht der Verbraucher in dem angegebenen Umfange sich zu kümmern. Der Kohleichändlervcrband will das Gegenteil er will das gesetzliche Recht der Verbraucher sabotieren. Der Reichskohl cnverband hat dos Woti: Was godcnkt er gegen die rebellierenden Kohlenhändler zu unternehmen? Und die Verbraucher? Sie werden sich das Wohlwollen der Kohlenhändler merken! Für Potsdam existiert übrigens ein gut- geleiteter Konsumverein, nämlich die.„Konsumgenostenschaft„Hoff- nung" für Potsdam und Umgegend" und der o r g a n i f t e r t'c Verbraucher deckt feinen Bedarf dort. Maschinenindustrie leichte Besserung. Der Derein Deutscher Maschs netibauonstolten meldet jür den Monat Februar, daß der im Januar beobachtete Rückgang des Ein- gang? an Aufträgen und de? Bcschöstigiingsgrades sich im Februar zunächst nicht weiter fortgesetzt habe. Der Eingang von Aus- trägen zeigt« leichte Ansätze zu einer Erholung. �Die sortgesetzten Bemühungen der Maschinemndustrie, im Auslands- gefchäft einen Ausgleich für die abfallende Intandsko-njunktur zu schaffen, scheine nicht ohne Erfolg gewesen zu sein." Der ungewöhn- lich stark« und andauernde Frost Hab« durch Erschwerung der Ver- sandmdglichkeiten/ höhere Transporttosten, verzögert« Wruse, Ver- teuerung von Montagen und Vetriebsstönungen durch Kohlenmangel der Moschinenindustrie viel Schaden gebracht. Eine Besserung wird insbesondere vom Textilmaschinen-, Krastmoschinen-, Papiermaschinen-, Zerkleinerungz- und Aus« bereitungsmaschinenbau gemeldet. Ende der Vaiffeisen-Ban? am 1. April. Die kürzlich erfolgte Verhaftung des Rüsten Urallzew brachte nähere Einzelheiten über die Art der„nichtgenossenschaftlichen Go- schäste", die ohne die Hclfe der Preußenkasse die Bank der land- wirtschaftliche u Raiffeijen-Geuassenschaften zum Konkurs getrieben hätten. Der Zusammenbruch wurde seinerzeit nur dadurch verhindert, daß die Prcußenkast« als Hauptgläubiger ihre kurzfristigen Kredite in Höhe von 40 Millionen in einen lang- fristigen„Ueberbnickungskredit" bis 1938 umwandelte- Der Abschluß der Bank für 1928 weist, wie im Vorjahr, eine» Remgeminn von l Million Mark ans, der jedoch nur als ein fik» tioer, nicht beträchtlicher Gewinn anzusehen ist, da die in dem so- genannten„Abwicklungskonto"— auch noch nicht voll— er» icheinenden Verluste der Bank mit 48,2 Millionen Mark fast das Doppelt« des Kapitals ausmachen. Wie der Vorfitzende der Bank auf der Generalversamm- l u n g ausführte, werden sich die Verluste bei der bevorstehenden Liquidation der Raisseisen-Bank, die im Zusammenhang mit der Verschmelzung der landwirtschaftlichen Genostenjchastsorgamsationen stattfindet, auf insgesamt 56 Millionen belaufen. Der Liquidationsvertrag mst der Preußenkaste seh« ist« still« Auflösung zum 1. Apri 1929 vor, wobei die Fikialsn tn selbständige Verbandskassen umgewandelt werden, die Mein mit der Preußenkasse arbeiten. Von dem Berlustrisiko übernimmt die Raiffeisen-Bant 20 Millionen durch Abschreibung des Kapitals und Hergab« von Neseroen, während die Preußenkasse den Rest übernimmt. Zur Vermeidung von Härten ist ein Fonds von 2.2 Millionen Mark vorgesehen. Syadlratsamlage im Sohleusyndikak ermäßigk. Das Rheinisch. westfälische Kohlensyndikat hat im Monat Februar arbeitstäglich 24S 000 Tonnen Kohle abgesetzt gegen 251 000 im Januar. Dabei ist interessant, daß die st r e n g e Kälte den Absatz im unbestrittenen, d. h. hauptsächlich deutschen Gebiet von IZl 000 auf 151 000 Tonnen erhöht hat, während der arbeitstöglichc Absatz im bestritte- nen Gebiet von 120 000 auf 94 000 Tonnen gesunken ist. Die ein- gefrorenen Flusse und Kanäle haben also den verlustreiche« Export weitgehend eingeschränkt. Die Folg« davon ist. daß die G«- somterlös«. weil die Preise im unbestrittenen Gebiet günstiger sind, durch den Rückgang des Exports im Februar pro Tonne besser waren. Das Rheinisch-westfällsche Kohlensyndikat nimmt deshalb eine Ermäßigung der Syndikatsumlage vor— bisher 2.20 M. pro Tonne— die zur Finanzierung der Export« erhoben wird. Darmstädtcr und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Bericht der persönlich haftenden Gesellschafter Die deutsAc hat auch im Jahre l?»'S den Kampf uro die SiAer- stellung ihrer LcbeiiBgrundlagen— Ueutabililät und Kapitalbildungr—«n- exmildlich forteesei/t. Aber alle teebniseben Fortschritte, alle ins Auge. spein�euden Unolge unserer industriellen Rationalisierung können uns nidit von jenen beiden Faktoren unabhängig machen, die letzten Ende« unsere Tlokilnftige Entwicklung bestimmen, nämlicb von Zeit und Kapital. Man kann einem Wirtscbaftskörper nicht zumuten, in einer kurzen Zeitspanne den Wiederaufbau und die Wiedergutmachung von materiellen und ideellen Gütern zu bewirken, deren Zerstörung das Werk einer langjährigen Vcr- niebtungsperiodo war. Die intensive Beschäftigung mit dem Wesen unserer Zeit bringt uns nicht schon aus der Fbase schwieriger und gefährlicher Probleme heraus, sondern zeigt un$ erst deutlich, wie schwer es überhaupt ist. eine objektive Diagnose für den bestehendejt Zustand zu stellen, und wie schwer es ist, nach einheitlichen Grundsätzen und Ideen auf dthn Wege vorständiger Konzessionen und Kompromisse zu notwendigen und klaren Entwickeiungen zu kommen, die letzten Endes in die Ausdehnung nnd Verbreiterung der Wohlfahrt aller auslaufen sollen. Weitgehende Erkenntnis der wahren Situation des Kräftezustandes und der Möglichkeiten der deut sehen Wirtschaft müssen in diesem Augenblick mehr denn je sowohl von den maßgebenden Faktoten unserer Innenpolitik wie von dem Urteil der Sachverständigen über die Zahlungsfähigkeit und Transfermöglichkeit Deutschlands erwartet werden. Das Jahr 1928 hat mit seinem, im allgemeinen unbefriedigenden geschäftlichen Verlauf die Schwädien unserer Nadikriegswirtschaft stärker sichtbar gemacht. Jetzt ist der Augenblick gekommen, in dem unser arbeitsfreudiges, wirtschaftstüchliges Volk die Macht der Tatsachen erkennen sollte. Dann könnte die Wirtschaft trotz aller materiellen Enttäuschungen, die das abgelaufene Jahr brachte, sogar einen bedeutsamen Gewinn und Erfolg ver- buchen, wenn nämlich aus dieser Erkenntnis auch der erste Schritt zur Besserung geboren würde. Unsere Wirtschaftslage verlangt in steigendem Maße eine Abänderung jener, gefährlichen Verhältnisse, die man während der hinter uns liegenaen Umwälzungen und der ihnen folgenden Wieder- aufbauarbeiteo teils verkannt, teils als ein notwendiges Uebel hingenommen hat. Diese schon so häufig gekennzeichneten Zustände, augefangen von der Ucbersotzung unserer Verwaltungsmaschineric mit ihren komplizierten Steuer- imuhoden und zu hohen Stcucrfordeningcn bis zu der gefahrvollen staltung der Verhältnisse zwischen Kapital und Arbeit und Ge- ___________|__________..... np m., dem damit go- sammenhängenden sozialen Fragenkomplex, sowie die 'Interessen nähme der Öffentlichen Hand an der Privatwirtschaft haben allmählich, drastische und tiefgehende Erscheinungen herbeigeführt, die unsere Tcnntniikturollc Entwickclung gerade im Jahre 1928 schon stark beeinflußten und den ohnehin schw erarbeitenden Wirtschaftsapparat oftmals über Gebühr hemmten. Eine verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft muß es demgegenüber ermöglichen, daß das Land, besonders in Anbetracht der großen Leistungen, die ihm von den Reparatioosgläubigern auferlegt werden, alle Erleichterungen findet, um unter richtiger Ausnutzung der beiden Faktoren, Zeit und Kapital, langsam und sicher zu dem Ziele der St&bilisation einer mit normalen Funktionen arbeitenden Wirtschaft tu gelangen. Die Wirtschaft muß deshalb über das Einzclinteresse und die Tagesarbeit hinaus nunmehr den. Gefahren der bisherigen Gestaltung unserer � erhält- risse ernstlich entgegentreten und daraus eine Propaganda entschlossenen Handelns herleiten, zu dem sich Regierung, Arbeit und Kapital zusammenfinden müssen, um die Methoden zu ermitteln und praktisch ins Werk zu scetzen. die unsere schließlidie Gesundung herbeizuführen geeignet sind- In ruhiger Abwägung unseres Wollens gegen unser Können und im Bewußtsein dessen, daß die Zeit unbeiwinglich Tempo und Ausmaß unserer LeiÄtungcp bestimmt, müssen wir alle Kräfte systematisch konzentrieren auf die Erreichung von Rentabilität und Kapitalbildung, diesen beiden kraft- spendenden Elementen täglicher Wirtschaft. Trotz aller überzeugenden Beweise werden diese beiden Faktoren in Deutschland, wo im Unternehmer- tum zu viel Bürokratismus und in der Bürokratie zu viel Unternehmertum wd» auszubreiten bepinnt. noch immer nicht genügend beachtet, Wirtschaft und Politik müssen erkennen, daß diesen Tatsachen gegenüber gehandelt werden muß und das unter Hintansetzung aller politischen und sonstigen Meinungsvorschicdcnheiten die heute betriebene Wirtschaftsund Sozialpolitik da bekämpft werden muß, wo sie über das Ziel hinausgegangen ist. damit eine gesunde Grundlage für die großen Entwickelungs- möglidikeiten geschaffen wird, die im deutschen Arbeitswillen verankert sind, den wir als cm/igcs und sicheres Aktivum in dem großen Kräftespiel der Weltwirtschaft in vollem Ausmaße sich auswirken lassen müssen. Dam gehört auch die Wiedererstarkung des Bewußtseins, daß gerade unsere Zeit .eine individualislisdie Einstellung zu allen Fragen erfordert und die Abkehr von dem immer me.hr umsichgreifcndea Prinzip der Staatswirtschaft dringend geböten ist. Bei uns besteht noch immer die Tendenz, Risiken auf die öffentliche Hand abzuwälzen oder sie durch Schaffung bürokratischer Einrichtungen aus der Wirtschaft nach Möglichkeit auszuschalten. Das Unternehmertum muß zwar auf Sicherheit seines Einkommens und Sicherung vor Verlusten durch vorsichtige kaufmännische Methoden bedacht sein, aber es darf den Wert des freien verantwortungsvollen Schaffens nicht verkennen, das allein die Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens bringt und dem alten kaufmännischen Grundsatz von Treu und Glauben, der in bedenklicher Weise ins Wanken geraten ist— wie gerade bei den vielfachen Zahlungseinstellungen des Jahres 1928 mehrfach festgestellt werden maßte— wieder zu seiner hohen Bedeutung verhilft. Auch die Börse muß daran denken, daß sie das Zentrum des unter- nehtoungsfreudige.n, ja spekulativen— spekulativ im besten Sinne be- wertet— Handelns«ein soll. Auch hier muß die individuelle, leistungsfähige, von gegenseitigem persönlichen Vertrauen getragene Arbeitsgruud- lage zurüoegewonneu w'crden, die auf die Dauer durch schomatischc Regelungen nicht erreicht werden kann. Wenn auch naturgemäß gerade die Börse unter der mangelnden Kapitalbildung zu leiden hat und weiterhin durch die Verflauung der Konjunktur stark beeinflußt wurde, so ist doch dieser Grad von Geschäftsunlust und Apothie wesentlich durch die Eut- nervunf des Unternehmungsgeistes mit verursacht. Die Börse muß Anreger und Förderer kapitaibildender Wirlsdiaftsbewegung sein und hat bei richtigem funktionieren nicht nur die Frgebaisse einer kurzen Zeitspanne für ihre Bewertungsgrundsätze der Aktien werte zu berücksichtigen, sondern muß sich von der Entwickclungslinie der ganzen Zeit- und Wirtschafts- epoche maßgeblich beeinflussen lassen, Zusammenhänge, die den deutschen Börsen offenbar fremd geworden sind. Sowohl die Börse in ihren Organen wie das Bankgewerbe müssen ernstlich an die allmähliche Rückkehr indivi- daeller Vorkehrsfonuen im Börsen leben denken; Das Ausland, das alle Vorgänge in Deutschland von einem größeren und weiteren Gesichtsfeld beobachtet und beurteilt, bat das Vertrauen häufiger, wenn auch im allgemeinen nur im beschränkten Ausmaße, zum. Ausdruck gebracht und hat erkannt, daß der heutige Kursstand einer großen Anzahl gut verwalteter und systematisch arbeitender Unternehmungen auf einem Niveau angelangt ist, daß die konjunkturellen Erschütterungen des Jahres 1928 berücksichtigt. Nattirlich wird auch hier die Entwickelung von den Wirkungen maßgeblich beeinflußt werden, die aus unserer Wirtschaftspolitik und der Regulierung der großen Fragen de« Dawcsplanes resultieren. Der ungünstige Konjunkturverlauf des Jahres 1928 kann bei den vielen unsicheren politischen Faktoren an und für sich nicht verwundern und bietet besinnen können. Die Banken zeigen in ihrem Zahlenmaterial am besten, daß eine gewisse Atempause uns durchaus wünschenswert sein muß, und wir hebet» auch schon im vorigen Bericht darauf hingewiesen, daß die gewaltige und schnelle Ausdehnung des Warengeschäftes sich nicht ohne Unterbrechung fortsetzen dürfe. Es ist zu wünsoien, daß nach der großen Rationalisierungsarbeit, die nach der Produktionsseite hin üunm�hr in der großen Linie gesehen als beendet bezeichnet werden kann, auch die kaufmännischen Rationalisierungsmaßnahmen stärker in Bewegung gesetzt werden. Das wichtige Problem der Warenverteilung, die vorsichtige Disposition in der Warenhaltung, die sorgsame Pflege und dss eingehende Studium der Absatzmärkte und inre rationelle Erfassung müssen mehr gefördert werden, denn nur von hier kann die Produktion auf dio Dauer ausreichend gespeist werden. Der gesunde Inlandskonsum kann erst durch eine wirkliche und durchgreifende Besserung der Landwirtschaft erreicht werden, und es ist im höchsten Grade erfreulich, daß die gute Ernte des Jahres 1928 der Notlage der deutsches Landwirtschaft ein wenig zu Hilfe gekommen ist.__ Die Ziffern aller Baaken, auch die unseres Instituts, werden trotz der konjunkturellen Entwickelung des Jahres 1928 ud verändert maßgeblich beeinflußt durch eine Erweiterung der Kreditansprücbe. Die Risiken der Banken bei Erfüllung ihrer Aufgabe, der Aufrechterhaltung des großen wirtschaftlichen Kreislaufes trotz der schmalen Basis des Kapitalmarktes und bei einer vielfach verfehlten Wirtschaftspolitik, sind besonders groß. Demgegenüber sind die Zinsmargen stark zurückgegangen in Anbetracht des Umstände«, daß die Banken ihre wirtschaftliche Funktion als Geldgeber für die Wirtschaft durch die Heranziehung des Auslandes ermöglichen konnten, wo die Zinssätze ebenfalls eine steigende Tendenz aufwiesen, ausgehend von der kritischen Situation des New Yorker Geldmarktes. Das Ertragnis des Zinsenkontos konnte sich infolgedessen trotz der erhöhten Umsätze nnr in geringem Maße verbessern und auch die Einnahmen auf dem Provisionskonto zeigen pur eine Steigerung von rund RM. 1 Mill., nachdem auf diesem Konto die nennenswerten Einnahmen des Jahres 1927 aus dem Effektengeschäft fast vollständig fehlten. Der Mehrertrag au« diesen beiden Positionen fällt kaum ins Gewicht, wenn man die Erhöhung des Umsatzes in Betracht zieht, der tob fand RM. 170 Milliarden im Jahre 1927 auf rund RM. 220 Milliarden auf einer Seite de« Hauptbuches anwuchs. Unser Handlungsunkostenkonto erhöhte sich 1928 um rund 1 Mill. KM. Diese Steigerung ist im wesentlichen auf die erhöhte Belastung für Wohlfahrtseinrichtunaen nnd Pensionen sowie auf Zahlung höherer Gehälter und auf einmalige Anschaffungen zurückzuführen, die wir im Interesse der teilweisen Mechanisierung verschiedener Abteilungen machen mußten. Von den Unkosten entfallen auf persönliche Ausgaben 81.29 L» der Gesamtunkosten.(exkl. Steuern gerechnet), während sich der Prozentsatz bei Hinzuziehung der Steuern auf 66,96*% ermäßigt, An Steuern haften wir für 1928 RM. 10 037 441,28 zu zahlen gegen RM. 9 386 938.98 im Jahre 1927. Den Pcnsionsfond« für Beamte haben wir auch in diesem Jahre wiederum mit RM. I Million bedacht. Die im Jahre 1927 ins Leben gerufene Pensionskassc für unsere vom gesetzlichen Versieh er im gazwang nicht erfaßten Beamten hat sich im abgelaufenen Jahr gut entwickelt Wir überwiesen der Kasse rund RM. 333 000,--» Für Wohlfahriscinrid» taugen, Pentdonen etc. wandten wir insgesamt rund RM. 6 175 000,— auf. Wir beschäftiren z. Zt. etwa die gleiche Anzahl Angestellter wie im Vorjahre(rund 7300). Die Zahl unserer Filialen und Depositenkassen hat sich kaum verändert. Wir unterhalten gegenwärtig 110(III) Filialen und 32(51) Berliner sowie 47(46) auswärtige Depositenkassen. Unter vorsichtiger Bewertung aller Aktiven ergibt sich laut Gewinn- und Verlustkonto uüter Einredinung des Gewinnvortrages per 1927 in Höhe von RM. 2 590 533,08 ein Bruttogewinn von RM. 82 932 315,43 Nach Absetzunjr RM. der Händlungsuakosten mit 36 184 724.97 der Steuern mit v,,.. 10 037 44t. 28 verbleibt ein Reingewinn von......, dessen Verteilung wir wie folgt vorschlagen: 12% Dividende............ Einlage in die besondere Reserve*.**» Tantieme des Aufsichtsrats........ Zuwendung an den Pensionsfonds für Beamte insgesamt: 66 222 166,23 S•. 16 710 549.20 RM. 7 200 000.— 5 000 000,— 430 000.— t 000 000.— insgesamt: 15 660 000,— so daß als Vortrag auf neue Rechnung x RM. 3 030 349,20 verbleibe». Nach Genehmigung dieser Vorschläge durch die Generalversammlung werden unsere offenen Reserven mit R M. 60 000 000,— die Höhe unseres Akticnkapitalserrcicht haben. Kapital und Reserven sich demnach auf RM. 120 000 000,- bclaufen.______________ Zu unserem lebhaften Bedauern bat der Geschäftsinhaber«oseres Instituts. Herr Georg von Simse» sieh entschlossen, mit Wirkung vom 31. Dezember 1928 aus seiner Stellung auszuscheiden, um sich ins Privatleben zurückzuziehen. Herr von Simsen hat seine Lebensarbeit unserer Bank cewldmot. Zunächst bei der Firma Robert Warschauer& Co.. nach deren Uebergoag auf die Bank für Handel und Industrie in deren Vorstand tätig und seit der Fusion des letzteren Instituts mit der Nationalbank für Deutschland« Gc- schäftsinhaber unserer Bank, hat er auf den verschiedensten Gebieten eine umfassende und erfolgreiche Arbeit entfaltet und sich hervorragende Verdienste um die Entwicklung unseres Instituts erworben. Wir sprechen Herrn von Bimson auch an dieser Stelle für das, was er der Bank in langjähriger, hingebungsvoller Tätigkeit gewesen ist, unseren wärmsten Dank aus. Seine Wahl in den Aufsichtsrat wird der Generalversammlung vorgeschlagen werden. B e r l i b• im März 1929. Die persönlich haftenden Gesellschafter Dr. Beheim-Sdiwarzbadi. Bodesh■rr, Goldsdunidt. Dr. Botin. Dr. f.irnb«. Aus einem Leben reicher, umfassender und erfolggekrönter Wirksamkeft wurde das Vorstandsmitglied unserer Gesellschaft Herr Dr. OsköF JolleS am 11. März 1929 durch den Tod abgerufen. Seinen außerordentlichen Fähigkeifen und ausgeprägten Führereigenschaften ist zum Oberwiegenden Teile die Entwicklung unseres Unternenmens zu danken, dem er fast 30 Jahre hindurch seine Kräfte gewidmet hat Der Tod dieses hervorragenden Mannes ist ein schwerer, schmerzlicher Verlust für uns. Sein Name wird in und mit dem Werk, das er aufgebaut und geleitet hat, in dankbarem Erinnern fortleben. Berlin, 11, März 1929. Aufsichtsraf und Vorstand der H. Berthold Messinglinienfabrik und Sduiftgiefjcrel A.-G. Berlin, Leipzig, Stuttgart, Offenbach, Wien, Budapest, Riga, Basel. Nach kurzem schweren Leiden verstarb im 69. Lebensjahre unser verehrter Herr Direktor Dr. Oskar Jolles Sein allseitig beliebtes Wesen sichert dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken. Das gesamte techn. Fabrikpersonal der H. Bcrthold Messinglinienfabrik und Schriftgießerei A.-G. 3>en am 10 März erfolgten To!» meine« lieben Manne« und unsere, guten Bater» Edaard HoUitmim »eigen mit In ttefster'»ettübni«, um stille Teilnahme bittend hiermit ergebenft an. Berlin-Treptom den t l. Mörz 7020 Frau Unna Oofttnotm und Kinder Graehstr. 17. Die Trauet ieier findet nm Sonn- abend, dem l«. Mär». MV, Uhr. im Arematoriuin Boumschuienmeg stall. Daaluagaag. Für die vielen Bemeile herzlicher Teilnahm« beim Hmlchelden meine, I reden Manne», uniere« gulen Baters sagen mir allen Freunden, Be'annten, Kollegen, der Firma(5. Ade. dem Deutschen Bielallardetterverdand und den Mietern de, Hause, unfern herz- lichsten D-nt. Martha Selbmann emd Tftcfaier. Nachruf Am Dienstag, dem Ii März 1929, verschied plötzlieh unser Geschäftsführer Paul Töpfner Der Verstorbene, der schon seit einer Reihe von Jahren an einer Krankheit gelitten hatte, war bis zur letzten Wl nute, seinem Pflichtgefühl entsprechend, im Dienst, welchen er seit dem 1. Dezember 1906 zum Besten der Kasse und ihrer Mitglieder versah. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Der Vorstand Die Angestellten der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin-Pankow Die Beisetzung findet am Freitag, dem IS. Märr. nachmittags 3 Uhr, auf dem 3. öemelndefricdhof, Pankow. Bahnhofs trabe, statt. SiMMMW-W« w BmiiDMitaiiPtieri Freitag, den J5. Stflcj, abeabo 7 Uhr der Mittleren Orfsverwattung. BeksniUmsekung! Die In dar Zalt vom I. April bi* ad. Juni 19Zs versetzten piandcr sind versteigen worden. UebersehOsse tlrcf bis tum 11 März 1930 abzunebe-i. Staailldies LeUianit. (Rapttan-Kantabak 15 i KapItSHopcDtiaw 20 n Die Marke der Feiiuchmecker| Inden meisten Qesthjften käuflich' Carl Httcker. Berlin NO. uicmencereer S r.'t K't'-"dl • metan- Rott an nsm SMau- Denen matn r Kinderbetten. Folner, SdiUtzxmmer, Chsue- •m lonsnte,»n Privite. RztenzahJe. Kit, Im 267 iH uEiMtimo&eifetiriK Suhl(Tnurj Landparzellen 950 mif. Anzlhinni so Uuiüuho roriii. zo bl btster Gartenboden, verkauft M. Kein, Berlin, Bbtzowrtrafie J», bei Oerladx. OnbSnnanina i- Klasse 31 Pttotzllch-Süddealsch« Klassen-Lvllene. OSnt Gewähr_ Nachdruck verbdfeck Slof feb« gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gefallen, und zwar je einer aus dl« Lose gleicher Alnmaier b> den beide» Ableiluugen i und U SS. Ltedungstag 1Z. Mär, ISLS Sn der heungen Ziehung würben Gewinne über 1S0 M. gezogen ««ewlaa« 10000 OL 107901 4 fttmmt IS 9000 ffl. 534004 373643 309987 10•eanmu u> 2000 M. 38•ettt.ne ,» 1 000 9E. 1527 IS 188014 34784 13182 21612 71092 1B2299 881167 9330 15066 30611 63166 136076 181334 347843 383725 589686 3» 236078 236202 2�°7 286'02 3'�2 ..64 i» 500 M. 17236 19609 19623 34148 39790 69098 69976 8642305022113230115987118125120838 125164 160500 161612 'SSSVd 171828 184378 210838 270383 306432 307931 312621 312800 3'öf 30 343353 345720 364623 370797 375233 379434 222»«Dma. n 300 JU. 7723 7980 17917 31252 33480 33724 42232 45529 539—--------------------------- «IIS 676 103642 10532 JfSi?? i'5373 164494 166147 166747 169343 178231 180066 189989 'fOg'g 200693 202469 205236 207879 210194 212341 216914226433 230757 234168 235522 239806 243241 243820 246138 245618246393 2ZS771 254343 260398 263256 263422 264123 264599 266226269803 2? 034 276.039 279678 288410 289143 290845 293615 294314 297450 30'70S 312209 315781 316800 321633 333290 334916 336219 336834 337862 339311 345682 346702 351692 352585 356742 359831 360180 305423 375851 376672 377070 387229 390235 391740 391888 392086 3&2o74 394583 388230 Am Gewinnrad« verbliebe«: 2 Prämien zu ZOOOOO, 2 Gew. zu 10000, i an 3000, 10 an 2000, 14 a» 1000, 46 zu 500, US zu 300 Mari. Unterhaltung unö issen Beilage des Vorwärts Dr. SSruno SSorchardt: J SBu seinem 50. Geburtstag am 1*1. �llärsE Der Name Mbert Cinftein ist in der ganzen Welt bekannt imd geschätzt. Dieser Mann hat in erster Reihe mit dazu beige- tragen, die deutschen Vertreter der ihrer ganzen Natur nach intcr- nationalen Wissenschast wieder in Berührung mit den Vertretern der Wissenschaft in anderen Ländern zu� bringen, von denen sie während des Krieges fast völlig abgeschnürt waren, sehr zum Nach- teil der wissenschaftlichen Entwicklung, für welche der lebendige Verkehr ihrer Vertreter über die staatlichen Grenzen himtus eine Notwendigkeit ist. Beim Hören des Namens Einstein denkt man unwillkürlich zu- erst an die von ihm begründete und weiter ausgebaute R c l a t i v i- tätstheoric. welche umgestaltend aus unsere gesamte Physika- tische und philosophische Weltanschauung gewirkt hat. Aus diese zum Begreisen bestimmter physikalischer Erscheinungen ersonnene Lehre kann hier natürlich nicht eingegangen werden, mir so viel sei kurz bemerkt, daß Raum und Zeit, die als absolute An- schauungsformen für all« Erfahrung gegolten haben, weil wir nur räumlich und zeitlich wahrzunehmen imstande sind, ihren ab- soluten Charakter noch Einsteins Lehre verloren haben, indem der Raum von der in ihm enthaltenen Materie oder Masse nicht un° abhängig ist, und die Zeit nicht von der Bewegung der Masse bzw. des Beobachters, der sie feststellt und mistt. Durch den Ausbau dieser Lehre ist auch auf das mehr als 2M Jahre nlte Rätsel der Schwerkraft neues Licht gefallen, und in allersüngster Zeit ist es Einstein gelungen, die Schwere und den Elektromagnetismus unter einheitlichem Gesichtspunkt zu begreifen. Zu einem tieferen Eindringen in diese Lehre gehört ein nicht geringes Matz mathematischer und physikalischer Vorbildung. Trotz- dem Hot sie wegen ihres umgestaltenden Einflusses auch auf unsere philosophischen Anschauungen ein sehr lebhaftes allgemeines Jnter- esse über die Fachkreise hinaus erregt. Natürlich ist sie wie alle großen wissenschaftlichen Leistungen nicht unvermittelt und ohne Vorgänger aus dem Kopf« ihre« Urhebers entsprungen, und es ist reizvoll, solchen Zusammenhängen nachzugehen, die bei jeder de- deutenden wissenschastlichen Cntdeckuirg und technischen Erfindung vorhanden sind— hängen doch die wissenschaftlichen und technischen Leistungen einer Zeit aus das engste mit ihren gesamten ökonomi- schen und kulturellen Zuständen zusammen. Die wisse nschastliche Bedeutung Einsteins erschöpft sich tewes- weg? mit der Relatlvitälsthevrie. Don seinen zahlreichen anderen wissenschaftlichen Arbeiten sei nur die Lehre von den Licht- q u a n t e n erwähnt und die Untersuchungen über die licht- elektrischen Wirkungen. Die hohe wissenschaftliche Bedeutung Einsteins rechtfertigt und erklärt es, daß seiner heute in der ganz«« Welt, wo immer man am wissenschaftlichen Leben teilnimmt, ehrend gedacht wird. Darüber hinaus haben wir noch besonderen Anlotz, dieses Mannes rühmend zu gedenken— hat er doch so gor keine Spur on sich von dem typischen deutschen Professor, der selbst bei hervorragenden wiisen- jchastlichen Fachleistungen in politischen und allgemein menschlichen Dingen oft von einer erschreckenden Beschämtheit und Unwissenheit ist und von dem hochmütigen Dünkel, der unsere Universitäten und Hochschulen von jeher zum Hort der ärgsten Reaktion gemacht hat. Bei Einstein mögen die in der Schweiz verlebten Schul, und Stu- dienjahre dazu beigetragen haben, ihn vor einer ähnlichen Einstcl- lung zu bewahren. Er hat schon sehr früh sozialistische An ichailUNgen in sich ausgenommen und ist ihnen auch in seinem späteren Lebensalter treu geblieben. Politisch ist er nicht hervor- getreten, dazu liest ihm wohl die intensive njisienschciitlich« Arbeit keine Zelt; aber die politisierenden deutschen Prosessoren hat er stets sehr richtig eingeschätzt. Als nach dem Zusammenbruch des alten Regimes unser leider zu früh verstorbener Genosse Leo Arons in seinem unverwüstlichen Optimismus die deutschen Universitäts- l ehrer nuseics, sich als geistige Führer des Volkes zu fühlen und sich in die«rste Reihe der am Wiederaufbau Tätigen zu stellen, antwortete Einstein ihm mit einem sehr deutlichen Hinweis auf die gänzliäze Unlauglichkeit des er Gesellschaft, von der Arons sich Hofs- mingsfreudig Förderung der Volksbewegung versprach. Die gewaltige wissenschaftliche Arbeit, die Einstein bewältigt hat und die ihn fortdauernd in Anspruch nimmt, hat ihn jedoch nicht gehindert, stets auch össentlich für jeden kulturellen Fortschritt einzutreten. Er ist Mitglied der Kommission für die Wissenschaft- liche Zusammenarbeit der Völker und sein Nam« ist stets zu finden, wenn es gilt, gegen Vülkerhast, gegen geistige Beschränkung jeder Art, für kulturellen Fortschritt und Dölterfrieden einzutreten. .Wir wünschen dem heute Fünfzigjährigen noch viele Jahre glücklichen Erfolges, ihm selbst zur inneren Befriedigung, den Völkern der Erde zum Segen. Xoberi Anton: 3)6? SChÖtlC R«pf Er war zu lang, wußte niemals, was er mit seinen dünucn Armen und Beinen machen sollte, und stieß außerdem mit der Zunge an. Aber er wollte zum Theater. Wollte es mit der Inbrunst, die nur die unerfüllbaren Wünsche haben. Wahrscheinlich deshalb, weil fein Kops so wunderbar schön war. Ja, das war er. Unter hoher gewölbter Stirne samtige dunkle Augen, die Nase schmal, gerade, griechisch und die lächelnden, ewig kußbereiten Lippen eines jungen Gottes. Aber wenn er einem Theaterdirektor etwas vorsprach, so warf ihn der schon noch den ersten Worten hinaus. Er saß im Filmkofseehaus und der Ober sah ihn böse an, weil er den Mokka von der Vorwoche nach nicht bezahlt hatte. Ein Film- regissr-r, der vorbeikam, bemerkte den schönen Kops und bestellte den jungen Mann ins Atelier. Aber es war nichts zu wollen. Der Unglückliche konnte nicht gehen und nicht stehen, und wenn er „spielen" sollte, so machte er bloß unglückliche Schwimmtempi. Der Regisseur brüllte, die anderen Darsteller lachten. „Unmöglicher Mensch!" Er schrieb Adressen, um Geld zu verdienen. Er putzte Stiesel an einer Straßeneck«. Mädchen, deren Blick sich in seinem herrlichen, samtdunklen Auge verfing, gingen lang- samer. Stellten ihre kleinen Füße auf das Putzbrett. Er bürstete die Schuhe, steckte das Geld ein und verstand nicht. Seine Sehnsucht wies ganz wo anders hin: zur Bühne. Also gründete er, nachdem er monate- und jahrelang gespart hatte, einen Verein, der den Zweck hatte, Dilettantenvorstellungen zu veranstalten. Aber als man bereits im klaren war, welches Stück gespielt werden sollte, wurde der einstimmige Beschluß gefaßt: er müsse an der Kasse sitzen. Denn— eine junge Dame konstatiene es schonungslos—:„Menschen mit Sprachfehlern gehören nicht aus die Bretter." Er war gekränkt und meldete seinen Austritt aus dem Verein. Man nahm das zur Kenntnis. Er ging. Er füllte, wie weiland Demosthenes. seinen Mund mit Kiesel- steinen und oersuchle, da kein« Meeresbranüung in der Nähe war. in der Hauptverkehrsstraße der Stadt seine Stimme trotz dies.-- nicht unbeträchtlichen Hindernisses ertönen zu lassen. Da geschah es. Ein Auto stieß an ihn. Er fiel nieder, schluckte seine Kiesel und wurde außerdem überfahren. Rettung. Spital. Exitus. Anatomie. Ein Student, dem der schöne Kopf auffiel, wollte ihn einbalsa- mieren. Aber- das war nicht erlaubt. Ein anderer schälte Haut und Muskeln ab. legte das Skelett kunstvoll bloß und nahm den schönen, regelmäßigen Totentopf mit Nach Hause. Da stand er auf einem Wandbrett, wies hohläugig zwei Reihen Zähne und die lilia hospitalis schlug«in Kreuz, so oft sie die Bude betrat. Dann brauchte der Student Geld. Der Schädel sollte versetzt werden. Wer im Leihomt wollt« man ihn nicht nehmen. Ein Trödler kaufte ihn. Da lag er zwischen den verschiedensten alten Gerürschasten, bis ihn ein Theaterdirektor für seinen Fundus erstand. Und jetzt mag es geschehen, daß vor andächtig lauschendem Saale Hamlet, dunkel und bleich, den schönen Kopf, dessen ganzes Sehnen die weltbedeutenden Bretter waren, in der Hand hält und mit weh- mütigem Tremolo spricht: „Dies ist Acrricks Schädel!". 6 CarU)/ ICie matt es ntahl siehl Monte Carlo, herrlich weich in die blühende Riviera gebettet, ist ein« Stadt von blendender Schönheit, von einer Helle, einem freundlichen Licht ohnegleichen: ein« Märchenjtadt also, wie wir von der Natur so überreich begünstigte Orte zu nennen pflegen. Freilich: man kann Biese Märchenstadt auch bei richtigem Neimen nennen und von einer Stadt der angedichteten Märchen sprechen. Das poesiereiche Moiite Carlo, sein« Naturüppigkeit, seine wundervolle Lag« und Umgebung sind bekannt und berühmt genug. Weniger bekannt, allerdings auch weniger berühmt, ist die Prosa Monte Carlos, sosern man unter ihr nickst ausschließlich dos Spiel verstehen will. 99 Prozent der Monte-Cario-Besucher komme» des Spiels wegen. Es geht sie weiter gär nichts on, als der Roulettetisch und das Bac- corat. Für die Natur haben sie kaum ein Aug«. Bon, Hotel geht man morgens in den Speijejool, ißt zu Hause das Dejeuner und macht sich wieder auf, um fein Glück aufs Spiel zu setzen. Ein Außen- stehender, der„nur mal" im Spieljool gewesen ist, kann sich schwerlich cnstn Begriss machen, was on einem Tag« hier verspielt wird. Man muß schon un„Tercle prlve" gewesen sein und eingehende, fach- männische Studien gemacht hoben, um sich ein Urteil über den Reich- tuist der große» Spieler machen zu können. Es kommt ihnen absolut nicht darous an,«in Spiel mit llOOd Franken„zu machen", diese zu verlieren und die ganze Nacht so weiter zu spielen. Das Geld spielt in Monte Carlo keine Rolle. Im Hasen von Monako liegen die großen Jachten der schwerreichen Amerikaner. Wer von Mil- lionären spricht, unterschätzt den Reichtum der Leute: e» sind olles Milliardäre, die eine Abwechslung darin finden, ihre Millionen aus«ine Karte zu setzen und dann, kaum weniger reich, in ihr Land zurückzukehren. Leute, die mit Leichligkeit ihre 1000 Franken täglich im Luxushotel bezahlen, denen es nicht daraus ankommen würde, halb Monte Carlo auszukaufen. Drinnen, an den Spieltischen, sitzen die Frauen: drei, vier, sechs bis achst Diamanten tragen sie auf ihren Fingern, deren einer den Wert eines Hauses hat. Es klingt die» übertrieben, nicht wahr, unglaublich, unmöglich, aber wer Augen hat, kann sich von der Tatsach« diese» Reichtums sehr wohl überzeugen. Heber- trieben allerdings, durchaus uirwahr, dos lffiörchen von den schönen Frauen an der Riviera. Es ist nicht mehr als«in Märchen. Man steht zu den Premieren in der Oper den erdenklichsten Staat, den höchsten Luxus, die unausdenkbarste Verschwendung, ober eigentliche Schönheit trifft man doch selten. Man sieht alt«, vor- nehm« Damen, mit aller Kunst versehen, die Jugend hervorzu- .zaubern und Alter zurückdrängen soll. Ee wird hier mit dem be- wunderungswürdigsten Geschicklichkeitsverfahren operiert. Auch die Natur draußen selber, so verschwenderisch fröhlich sie auch ist. verspricht nicht immer dos. wo? man in weiter Fern« Bestes von ihr hält. Man rühmt Monte Carlo, der Riviera, ewigen Frühling nach� man schwärint von der glühenden Süd- sonne uud der lachonden Blumeupracht. Aber nian vergißt zu er- wähnen, daß«« auch, wenn auch nur selten, Schnee" und Eis gibt, daß Cannes, Nizza, Monaco, Monte Carlo, die ganze Riviera, Srik(Juel: Semowitsch ist wohlhabend, zugleich ist er knickerig. Das soll man nicht sein, wenn man eine junge Frau hat. Es rächt sich immer in einer oder anderer Weise. Wenn Semowitsch hier nicht ausdrücklich als reich und geizig und seine Frau als in der Blüte der Jugend stehend bezeichnet werden, so geschieht dies, um den Norwurs der Uebertreibung zu oermeiden. Er hat Jdora erst vor kurzem geheiratet und ist bis über beide Ohren verliebt. Er kann wcchi zufrieden sein,— ein Mann in seinem Alter— eine Frau zu haben wie Jdora. Ihre Anmut soll nicht des längeren und breiteren beschrieben werden, ebensowenig im« die körperlichen Mängel des Herrn Semo- witsch aufgezählt werden sollen. Man würde nur ein Vorurteil gegen Jdora fassen. Man würde sagen, daß sie ihn nur wegen des Goldes genommen habe, um versorgt zu sein, um unter die Leute zu kommen und ihren Schmuck zu zeigen und ihre neuen Kleider, all« die schönen Ding«, die Semowitsch seiner Frau angeschafft hat; denn er ist wirklich stolz darauf, sie überall Zu zeigen. Wenn er sein Haus in der Taborstrahe verläßt, meint er die Einwohner ftüstern zu hören:„Sehen Sie, da geht Semowitsch mit setner hübschen jungen Frau. Wie prochwoll sie angezogen ist." Er fühlt ihren Neid im Nacken und das tut ihm gut, er schüttelt sich vor Wonne, richtet sich gerade aus, so daß der kleine, kugelrunde Bauch hervorquillt. Es gab wohl einige, die Semowitsch warnten, als er sich ver- heiraten wollte. Sein« alten Freunde zogen sich zurück. Eine junge Frau— sagten sie— sie wird sich wahrscheinlich langweilen, sie wird allerlei Schmuck habe» wolle». Du bist ein alter Trottel Semowitsch. sagten sie, uud dann gingen sie ihrer Weg« » Aber Semowitsch heiratete Nichtsdestotrotz und es zeigte sich, daß Jdora oll« Prophezeiungen der Freunde zuschanden machte. Hatte sie auch nur ein paar seidene Stnimpse während all der Monate verlangt, die sie nun schon verheiratet waren? Zugestanden, Semowitsch hafte sie ja mit allem ausgestattet— hatte den Schmerz der Ausgaben aus einmal getragen. Ja. INN» denke, Semowitsch geht mit seiner Frau zum Tanz, sowohl zum Vormittags- wie zum Abendtanz der großen Etablissements. Semowitsch jazzt mit Jdora im Arm und sühlt sich glücklich dabei, sein Eigentum zu zeigen. Winterstürme haben, daß die Palmen voll Schnee sind und in den Riviero-Tunnels Eiszapfen hängen. Mit der Blumenpracht ist«s zu mancher Jahreszeit nicht immer so reichlich bestellt. Die Be«ie und Blumen in den Anlagen werden vorsorglich schon immer ain Spätnachmittag mit Tüchern bedeckt, daß die jungen Blüten nicht nachts erfrieren. Ach, es gibt, bei näherer Betrachtung, sovielc Ding«, dl« einem ausfallen können und aus das Konto„Märchen von Monte Carlo" fallen. Gehört es nicht auch zum„anderen Monte Carlo", wenn sich da ein armer, von Krämpfen befallener Menscheubruder im Rinnstein wälz/ und keiner von den Umstehenden hinzutritt, um Hilfe zu schassen? Da eilen und stürzen die malen Reichen zu Fuß und in ihren eleganten Autos in den Klub, aber keiner denkt da an das Leid der anderen. Die Rücksichtslosigkeit triumphiert. Gerade dieser Fall prägte sich mir als typisch ein. Luch der Armut an und für sich schenkt man wenig Gehör und Barmherzigkeit. Aber ausfallend, wie man die„Armen" im Klub„unterstützt", ein trauriges Kapitel Monte Carlo. Da suchen sich„bessere Damen" an reiche Spieler zu drängen und halten unter Erklärung ihrer Notlage die Hand auf. E, gibt auch Spieler dort, di« tagelang kein Mittagessen in den Nagen bekomm«« haben, weil sie Heller und Pfennig per- Morus Mmüm Kommt einmal jemand, der jiir Jdora inkliniert, so kann es Semowitsch auch eiimial einfallen, seine Zustimmung zu einem Tanz zu geben. Da sitzt er denn und sieht zu und paßt auf. Rein, er hat allen Grund dazu, mit seiner Frau zufrieden zu sein. Bescheiden, hingebungsooll und genügsam— sie ist wirklich eine ideale Frau. Bald kommt Jdoras Geburtstag. Der erste in ihrer.. Ehe und Semowitsch fragt sie, was sie sich wünscht. Eine Flasche Parfüm? Handschuhe? Eine rote Blume für ihren Mantel? Semowitsch macht diesen und jenen Lorschlag. Aber er steckt doch gewisse Grenzen, wie man sieht/ Er rechnet mit einer annehm- baren Summe. Aber Jdoras Bescheidenheit überwältigt ihn. Sie legt ihre Wang« an seine Wange— ein paar neue Absätze für ihre Tcmzschuhe— das ist alles, was sie sich wünscht. Ein paar neue Absätze!— Semowitsch lacht.— Ein paar neue Absätze, hat man so etwas schon gehört! Wie die Witzeleien der Freunde zuschanden werden. Die feinsten uird hübschesten Absätze, die es in der ganzen Fremde gibt, soll Jdora haben. Das schwärt Semowitsch. lind wenn Semowitsch schwört, hält er sein Wort, dos ist nun einmal sein Geschäftsprinzip. An irgend ermas muß der Mensch sich doch halten. Beim Juwelier in der Kärtnerstroße stehen ein paar hohe Ab- sätze für Tanzschuhe aus vergoldetem Silber mit eingelegter königs- blauer Emaille. Diese Absätze hat Jdora gesehen, diese Absöge will sie haben für ihre Tanzschuhe. Semowitsch beklagt sich, er jammert, er zerstört seine Frisur beim Rause» der Lycken, aber er bezahlt. Er hat geschworen, also hält er sein Wort. Die neuen Absätze für Jdoras Schuhe koste» nicht weniger als 300 österreichische Schillinge. Semowitschs Gluck hat einen Stoß bekommen. Nicht wegen der Ausgabe— die Dreihundert nimmt er von seinem Bankkonto und er bekommt sie wohl bei einem guten Geschost wieder herein. Nein, darum l>ondelt es sich nicht, hingegen darum, daß die Klüger« den weniger Klugen hineingelegt hin und daß- er. Iwan Semowitsch, der zweiten Kategorie angehört und nun aus der Hut sein muß, wenn es sich um Jdora handelt. Armer Semowitsch, ihre neuen Absätze haben fast sein Herzchen zertreten. lAuierisiert« Ukliersrdusg von David Luschnat) spult haben und nun aus di« großen Gewinner warten, die ihnen von ihrer Fülle«inen Brosamen abgeben, der dann natürlich wiedcr aufs grüne Brett geworfen wird. Gerhard Krause. Ein blindes kinderorcheflcr. Eine New-Norter Wohltäligteits- gesellschast hat an« blinden Wirdern im Alter von 7 bis 14 Jahren ein Orchester gebildet, dos regelmäßig Konzerte veranstaltet, deren Erträgnisse in die Blindenfursoogekosse fließen. Ein bekannter amerikanischer Komponist hat sür diese seltsamen Musikanten eine besondere Silisonie komponiert. Das Orchester ist sehr vielfarbig beietzt, es sind Violine, Piano, verschiedene Trommeln, Triangel, Zimbeln, Tamburins und Gangs oertreten. Die Verbreitung der englischen Presse. Die Londoner Zeitungen werden täglich von 40 Millionen Menschen gelesen. Die Morgen- blätter haben ollein in England einen Kreis von 9!Z Millionen Lesern, di« Wendblätter einen solchen von 0H Millionen, während die Smintagszeittingen 11 bis 12 Willionen Interessenten finden. Diese Zahlen werden vom Verband der englischen Presse mit der Bemerkung herausgegeben, daß sie nur für dos englische Gelamtreich Geltung haben.' Hinzu kommen, die im Auslände ver- triebenen Exemplare, die die Ziffern beinahe verdoppeln. Jedoch ist hierüber eine genaue Zahl merlwürdizerweise nicht jeitzustellen. IF Mil Nächste Passagier« Abfahrten: D..Thuringia*. M. S..!!. Louis* D..Wesfphalla' D..Thuringia", D..Cleveland'. D..Weslpholla* 16. Mfin 29. Möri 10. April 24. April 9. Mai 22, Mai mSWMMRER belieben«cb wegen aller Einrelhcften so weedeo an- HAMBURG-AMERIKA LINIE HAMBURG 1/ ALSTERDANIMZS Veilielung in Berlin, am Zoo,— J Hardenbergsir. X9 a-e. Unter den H VI n R 1 Linden 8 und Poseidon Schilf- 8Q»*ßJ fahrts-A.-C., Potsdamer Str. 103a mjährspu *'-64 ....n'ÄLf �-r? f.*.**! jpih '"i Theater, Lichtspiele usw. Tf Gr. SdianniieiBau 8 i netropoimeaier 8 Künstlerische laCltemM H ERIK CHARELL ron Btrnautr and Wtllsch Alfred Braun Mady CBrlsflans Trade Lleske Slefirfr. Arno Pstal Morgan Paul Westermeier GnKtaT Matxaer ftüarlanne Wlnhelstarn Iwii Oritt| BnflgBlbMi Fritzi Massary �mgr.w V1M scata 8 UllP b 5 Barbarossa 9256 Joama Snllm/'er.Ralpb Banatxfcy Bnrlnoff u. Eulalia /Jack Stanford und die Übrigen Attrsktloiunll PLA�a Km KP. feiner p,, Alex. 8080«8 Tiisl.2 Vorstelioogen 6 Uhr 50 Pf bis 1.- M. 8", l.-M... 2.-M Ab Sonnabend vollst. neues Programm 1 1 Karten S Tode im voraas 1 (Komische eper(S1/«)! 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