BERLIN Sonnerstag 11 März 1929 10 Pf. Jlr.124 B 62 46. Jahrgang ErscheinttSglich avßerSenntags. Fugltich Abendaukgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8SPf. pro Woche, Z.goN. pro Monat. Redaktion und Expedition; DcrlinSWes,Lindtnßr.3 Sfialaabgaße xlßh S«zeigen»r«it:Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonti: DorwärtS-Verlag G. m. H.H.. Berlin Nr.»7336. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? r Die Kinanznot Deutschlands. Etatsrede des Neichsfinanzministers Hilferding. Der Reichstag trat heute mittag um 12 Uhr 13 Minute« wieder zusammen. Auf der Tages» ordnnng steht die erste Lesung des Reichs- Haushalts für 19 2 S. Zur Begründnug der Etatsvorlage ergriff sofort bei Beginn der Sitzung der Reichssinanzminister das Wort. Reichsfinanzminisier Or. Htlferding: Der Minister hob einleitend hervor, daß er sich in seinen Aus- führungen darauf beschränken werde, die chauptgesichts- punkte, die für die Aufstellung des Etats maßgebend waren, zu bohandsln, während er wegen aller Einzelheiten auf den diesmal besonders umfangreichen„finanziellen Ucberblick" verweisen kömie. Die Hauptaufgabe bei der Aufstellung des Etats für 1929 fei ge- wcfen, völlige Klarheit über die finanzielle Lage des Reiches zu schaffen, weil mir so ein richtige- Urteil darüber zu gewinnen ist, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Die gegenwärtige Finanzlage des Reiche ist entscheidend beeinflußt durch die Gestaltung des außerordentlichen Etals für 1926 und 1927. Die schwere WirtschaftskNI« des Jahres 1926 führte zur Ausstellung des Arbeitsbeschaffungsprogramms, das zusammen mit einer Reihe anderer Ausgaben, die teilweise in den ordentlichen Haushalt eingestellt werden mußten, den außerordentlichen Etat 1927 auf 1409 Millionen anschwellen ließ. Während aber beabsichtigt war, diese Summe voll durch Anleihen zu decken, l)at die R e i n h o l d- A n l e i h e dem Reich nur einen Erlös von nominell 4S2 Millionen gebracht, wovon auch noch im Laufe der Jahre rund 190 Millionen durch das Reich zum Zweck der Kursstützung zurückerworben werde» mußten. Es ist zwar gelungen, dieses Defizit des außerordentlichen Haushalts von rund 1 Milliarde auf 6Z8 Millionen zu senken, aber durch den außerordentlichen Hausholt 1928 sind weitere 89 Millio- ncn hinzugekommen, weil in dieser Höhe ein zur Deckung eingesetz- tes Reichsbahndarlehen tatsächlich nicht zurückgezahlt worden sei. Dadurch erhöht sich das Gefamtdefizit des außerordentlichen Haus- Halts aus 738 Millionen. Die Durchschlcppung dieses Defizits ist von Hahr zu Zahr in dem Umfange schwerer geworden, in dem die etalsmäßig vor- gesehenen Auegaben talsächlich geleistet werden mußten. Wahrend Ende 1927 erst 499 Millionen im außerordentlichen Haue- halt auf diese Weise ungedeckt verausgabt waren, stieg die Summe Ende 1928 auf 699 Millionen. Bei der Lage des Kapitalmarktes ist es ober in absehbarer Zeit nicht möglich, das Defizit des außerordentlichen Hmis Halts durch langfristige Anleihe» zu decken. Der deutsche Kapitalbedarf kann ohnehin durch die innerdeutsche Kapilalbildung bei weitein nicht befriedigt werden. Ebenso unbrauchbar ist der Vorschlag, dem Reich durch den Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn die erforderlichen Geldmittel zu beschaffen. Diese Lage des außerordentlichen Haushalts ist der Schlüsiel zum Verständnis für die schwierige Kassenlage. in der sich das Reich befindet. Es handelt sich hier grundsätzlich um das Verhältnis der in der Kasse befindlichen Msttel zu den jeweils fälligen Ausgaben. Die Kassemwttel setzen sich zusammen: I aus hcn Steuereinnahmen und 2. aus den Resten. Außerdem steht für die Deckung des Betriebsmsttclbedarfs des Reichs der Kontokorrentkredit von IM Millionen bei der Reichs dank und die Ausgabe kurzfristiger Schatzwechsel bis zur Höh« von 4M Mill. Mark zur Verfügung.. �... Gegenwärtig genügen diese Deckungsmitlel aber nicht, weil die Kassenbestände für andere Zwecke verwendet worden sind. 600 Millionen sind zur vorläufigen Deckung des außerordentlichen Haushalts gezahlt, IM Millionen hoben zur Kursstützung für die Reichsanleihen gedient. IM Millionen sind alz Darlehen an die Preuhenkasse gejlosjen, 80 Millionen Darlehen an die Reichsbahn haben Ihr belassen werden müssen, und weitere IM Millionen sind jn sonstigen Kasscnvorschüssen angelegt.— Aus diesem Grunde ist tz. läKttetem fet& Räumungstermin derzweiten Zone -lO.Zanuar-ISSO. London, 14. März.(Eigenbericht.) Der englische Außenminister erklärte am Mittwoch auf Anfrage im Unterhaus, daß Koblenz am 19. Januar 1939 geräumt wer- den müsse, wenn Deutschland seine Lertragsverpslichtungen erfüllt habe. Da Deutschland nach seinen Informationen seine Verpflich- hingen erfüllen werde, sei kein Anlaß vorhanden, jetzt noch Berhand- lungen über die Räumung der Koblenzer Zone zu beginnen. Die Festsetzung der deutschen Schuld. pariser Optimismus. Paris, 14. März.(Eigenbericht.) Die Pariser Presse versichert auch heute wieder in unerschüttcr- lichom Optimismus, daß die SachoerstSndigen nun Verhältnis- mäßig schnell zu einer Einigung über die Frage der Fest- setzung der deutschen Schuld gelangen würden. Diese Einigung sei um so leichter zu erreichen, weil Reichsbantpräsident Dr. Schacht volle VerHandlungsfreiHeit habe,„die Interessen Deutsch- lands bestens zu vertreten". Der„E x c e l s i o r" wiederholt die Versicherung, daß die deutsche Delegation nach heftigem Widerstand die Kompromißziffer» an- nehmen werde, die Owen Poung sür annehmbar holte. Weiter er- klärt die Pariser Presse, daß man vielleicht schon bis Ostern, spätestens aber bis 15. April eine Lösung werde gesunden haben. Was den Sitz der künftigen Reparationsbank angeht, so glaubt Sauerwein im„Matin" berichten zu können, daß dafür wahrscheinlich Basel gewählt würde. Pertinax im„Echo de Paris" aber protestiert sehr lebhaft dagegen, daß die Bant in der Schweiz oder in Holland installiert werden soll. Die beiden Länder ständen viel zu sehr unter dem finanziellen Einfluß Deutschlands. Allein Belgien könne in Frage kommen, wenn man schon einmal Paris als nicht geeignet ablehne. Echter Militarismus. Oer Mann hat zu frieren und das Maul zu holten. Paris. 14. März.(Eigenbericht.) Der Bericht der parlamentarischen Untersuchungstommission über die zahlreichen Todesjälle bei der Besagungsarmee im Rheinland hat einen wahren Skandal hervorgerufen. Dieser Bericht, der die militärischen Führer von jeder Verantwortung be- freien und lediglich das Schicksal für die Todessällc verantwortlich machen will, hat namentlich einen scharfen Protest des sozio- listischen„P o p u l a i r e" hervorgerufen. Das Blatt verlangt, daß man nun den Kriegsminister Painleve, dessen Maß übervoll sei, davonjage, zumal er jetzt noch den traurigen Mut ausbringe, den Skandal vertuschen zu wollen. Die Untersuchung im Rhein- land sei direkt ein neuer Skandal. Der Marschall P e t a i n sei in Begleitung zahlreicher Ossiziere durch die Kaserneiistube» gegangen, die jetzt natürlich schön geheizt gewesen seien, und habe sein« Rimd- sragen gehalten. Nach den heiligen Vorschriften der Militärdiszipbn hätten die Soldaten in militärischer Haltung geantwortet, daß sie über nichts zu klagen hätten. Ein unglücklicher Rekrut aber, dem das Geständnis entwischt sei, daß die Mannschaftsswben ein- null wegen Kohlemnangel vier Tage lang nicht haben.geheizt werden können, habe sofort- ine Arrest st rase von 14 Tagen erhalten. Jf oehmißser um Wlagdehurg Das plötzlich«ingetretene Tauwetter Hot auch in Magdeburg selbst und in seiner weiteren Umgebung schweren Schaden angerichtet. Unsere Bilder zeigen oben einen Magdeburger Stadtteil, de? schwer unter der Ucberfchwcnmiung zu leiden hatte, unten das Hochwasser « GroH.Awmeysleben(ffreis RcuhaldenÄedpn). Oer Prügelheld im RKB. Die Verantwortung für den Arbeitermord. Die Finanzrede Hilferdings. (Fortsetzung von der I.Seite.! in der Kasse ein Defizit von über 500 Millionen entstanden, das durch kurzfristige Anleihen gedeckt werden mutzte. In den letzten Monaten hat sich die Kassenlage in besonderem Maße verschlechtert, weil einmal regelmäßig in der zweiten chälfle des Rechnungsjahres im Gegensatz zur ersten die Ausgaben größer sind als die Einnahmen, und weil außerdem wegen der großen Arbeitslosigkeit die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung einen besonders hohen Reichskredit erhalten mußte, der bis Ende Februar über 150 Millionen beträgt, und bis zum Schluß des Etatsjahres wahrscheinlich auf rund 250 Millionen erhöht wird. Danach ist die Situation zweifellos ernst, aber es gehört schon ein besonderes Matz verantwortungsloser Bös- Willigkeit oder völliger Unkenntnis der tatsächlichen Sachlage dazu, diese Gelegenheit zu benutzen, um das Schreckbild der In- slation an die Wand zu malen. Es handelt sich nicht um eine Schuldenwirtschast des Reichs. sondern nur um ein vorübergehendes Defizit in der Reichskasse. Die kurzfristigen Schulden, die für den Ultimobedars ausgenommen werden mutzten, werden tatsächlich schon 10 Tage nachher aus Steuermitteln wieder zurückgezahlt werden. Unter diesen Umständen ist es mein ernstes Bestreben gewesen, den außerordentlichen 5) aushalt möglich st klein zu halten und durch tatsächliche Einnahmen zu decken. Das ist gelungen, der außerordentliche chaushalt balanziert mit 289,2 Mick. Außerdem habe ich gesetzliche Maßnahmen vorgeschlagen, die in Zukunft verhindern sollen, daß über den außerordentlichen chans- lM Ausgaben ohne tatsächliche Deckung vorgenommen würden. künftig sollen 1. die Ressorts bei allen Vertragsabschlüssen über 1 Million und über ein Rechnungsjahr hinaus an die Zu- ftimmung des Reichsfinanzminifters gebunden sein: 2. darf keine Ausgabe geleistet werden, bevor nicht ihre Deckung, insbesondere der Erlös einer Anleihe, eingegangen ist, und Z. sollen die Ressorts nur mit Zustimmung de» ZInanzministers über Reste verfügen können. Oer ordentliche Haushalt. Der ordentliche Haushalt steht noch mehr als jeder vor- angehende im Zeichen der R e p a r a t i o n s l a st, die im kommenden Rechnungsjahr um 312 Millionen anwächst und damit die Normalhöhe von 1540 Millionen erstmalig erreicht. In diesem Augenblick, wo die Sachverständigen in Paris über die Lebensfragen Deutschlands beraten, die zugleich entscheidende Fragen der Weltwirtschaft sind, kann ich materiell auf die Reparations- frage nicht eingehen. Die Persönlichkeit unserer Sachverständigen bürgt dafür, daß kein Gesichtspunkt unbeachtet bleibt, auf dessen Berücksichtigung Deutschland berechtigten Anspruch erheben kann. Noch liegen keine Entschließungen der Sachverständigen vor, noch ist daher die Stunde nicht gekommen, in der die Regierungen zu sprechen hoben. Ich brauche nicht zu betonen, daß die Regierung sich den vollen Ernst einer freiwillig geleisteten Unterschrift für die Zukunft unseres Volkes vor Augen halten wird, wenn es gilt, über das Ergebnis der Sachverständigenkonferenz zu entscheiden. Deutschland hat bisher unter den schwersten Belastungen das Gleichgewicht im Haushalt hergestellt und aufrecht- erhalten. Das Vertrauen, das damit erworben ist, darf nicht erschüttert werden. Deshalb ist es unbedingte Rolwendigkeit, das Gleichgewicht im Budget ausrechlzuerhalten. schon au» diesen Gründen mußte bei der Aufstellung des Etats jeder Gedanke an einen Defizitetat abgewiesen werden. Würde sich aber dieser Gedanke nicht berests deshalb verbieten, fo würde schon unsere Kassenlage, die Nachwirkung des Defizits im außerordentlichen Etat, uns die echte Bolanzimmg des Etats als unabweisbares Gebot aufzwingen. Denn sonst könnte wirtlich die Gefahr austauchen, daß Verpflichtungen des Reichs nicht recht- zeitig erfüllt werde». Die Erbschaft, die ich beim ordentlichen Haushalt über- n cm nn en habe, tst nicht minder schwer wie d-e dein, außerordentlichen Haushalt gewesen. Hier ist die sinanzielle Lag« gegenüber dem Vorjahre wesentlich verschlechtert, weil 1929 die R e p a r a- tionszahlungen um 312 Millionen steigen, während der Münzgewin» und der Rest des. Uebevschusses aus 1924, die zuscwnmeu mit 300 Millionen in den Etat 1928 eingestellt waren, im klnnmenden Rechnungsjahr« nicht mehr zur Verfügung stechen. Dieser Betrag von über 600 Mill-onen hätte also auf alle Fälle gedeckt werden müssen. Steuererhöhungen können dabei aber nur als letztes Mittel in Betracht kommen. Sie näissen angesichts der bereits vorhandenen Steuerlast und der niedergehenden Konjunktur nach Möglichkeit ver- mieden werden. Das liegt insbesondere auch im Interesse der Arbeiterschaft, weil nur so eine Erweiterung der Pro- duktion und damit eine Vermehrung der Arbeitsgelegenheit ermög- licht wird. Aus diesen Gründen muß in erster Linie der Weg der Sparsamkeit beschritten werden. Die Verringerung der Ausgabe», mn die sich demgemäß das Reichs- ftnanzministerium von Anfang an energisch bemüht hat, kommt allerdings im Etat deshalb nicht so deutlich zum Ausdruck, weil sis» insbesondere auf die u m s a n g r e i ch e u M e h r a n s o r d e- rungen der einzelnen Ressorts gerichtet sein mußte. Immerhin ist es z. B. gelungen, bei den W e h r a u s g a b e n— einschließlich der Abstrich« des Reichsrats— tatsächlich rund 30 Millionen einzusparen. Der Erfolg dieser Streichungsarbeit ist, daß die ordentliche» Ausgaben für den eigentlichen Reichsbedarf— wenn man Reparationen, Länderüberweisungen und Uebertragung von Ausgaben von dem außerordentlichen auf den ordentlichen Haushalt außer Betracht läßt— für 1929 um rund 80 Mlllionen.ge- ringer sind al» für 192 8. Aber diese Streichungen sind nicht groß genug, um Steuerechöhungen zu vermeiden. Die Regierung ist auch grundsätzlich bereit, weitere Streichungen zu unterstützen, aber für diese Streichungen ist talsächlich ein geringerer Spielraum vorhanden, als in der Oessentlichkcit angenommen wird. Einmal können sie nur vertreten werden, wenn sie wirtschaftlich ver- nünstig und sozial erträglich sind. Daruber hinaus dürfen sie aber auch nicht dazu führen, daß cm folgenden Jahre die Mehr- ausgaben in doppelter Höhe wiederkehren. Denn es ist noch durch- aus nicht sicher, ob die kommenden Jähr« gegenüber 1929 eine Er- leichterung bringen werde»! Schließlich ist"aber vor allem der Be- trag der Reichsausgaben, an dem tatsächlich gespart werden kann, oechältnismäßig imr sehr gering. Bon den gesamten Iketloausgaben des Reiches von rund 10 Milliarden müssen nämlich die Länderüberweisungen mit 3.47 Milliarden, die Verzinsung der Reichsschuld mit 450 Millionen»nd die inneren und äußeren Kriegslasten. mit Z,5 Milliarden und schließlich auch die Ausgaben für die Reichsfiuanzverwaltung mit rund 500 Millionen abgefetzt werden. Für die eigentliche Reichsverwalkung bleiben also nur rund 2 Milliarden Ausgaben übrig, aber auch diese Summe kommt nur zum Teil für Streichungen in Frage. Das Oeckungöprogramm. Die Kürzung der Steuerüberweisungeu an Länder und Gemeinden um 70 Millionen ist in dem vorgeschlagenen Ausmaß für Länder und Gemeinden erträglich, weil si« ihnen»ine Gefamtfmnme beläßt, die in« Soll-Ueberweifungen von 1928 noch Kommunisten und RFB. verteilen im Norden Flugblätter, in in denen sie die Schuld für die Ermordung der Ge- nossenHeinrichundPaeg« von sich abzuwälzen suchen. In diesen Flugblättern(unterzeichnet von der ersten, zweiten, dritten Straßenzelle der 6. Gruppe KPD. und von der vierten Kamerad- schaft der dritten Abteilung RFB.) wird behauptet, daß es sich um die gänzlich unpolitische Tat irgendwelcher Trunkenbolde handle. Dabei wird von dem einen Täter, angeblich namens Sterneck, behauptet, daß er„nie Mitglied einer Organisation gewesen sei", während selbst die„Note Fahne" zugibt, daß Sterneck „seine Aufnahme in den RFB. beantragt habe". Dazu wird uns von einer dem Betreffenden nahestehenden Seite mitgeteilt: Der Täter heißt Erich Steinte, nicht Sterneck. Auf diesem Namensirrtum beruhen wohl die Ableugnungsmanöver der Kommunisten. Erich Steinke war tatsächlich lange Zeit Mitglied des RFB. und verkehrte in dem Lokal Putlbusser Straße häufig. Er war bekannt dafür, daß er im Alkoholrausch die Besinnung verlor und sich dann zu jeder Tat mißbrauchen ließ. Das ist von dem RFB. lange Zeit planmäßig aus- genutzt worden. Man hat Steinke, der starker Alkoholist war, zu trinken gegeben und ihn dann zuRaufereienabtomman- d i e r t. Mit den nötigen Prügelwerkzeugen wurde er im Lokal Puttbusser Straße ausgerüstet. So kann bezeugt werden, daß Steinke eines Tages ein langes Messer und einen Revolver«m Besitz hatte. Auf Befragen gab er an, sie vom RFB. in der Puttbusser Straße erhalten zu haben. Cr kehrte am gleichen Abend mit deutlichen Spuren einer Schlägerei behastet (blau geschlagenem Auge) zurück. Zeugen haben auch gesehen, wie er am nächsten Tage die Waffen im Lokal wieder abgab. Steinke besaß auch Gummiknüppel mit Stahleinlage, die für ihn im Lokal Puttbusser Straße ausbewahrt wurden. Vor einigen Monaten wurde Steinte aus dem RFB. ausge- schlössen, aber nicht wegen seiner Prügeleien mit Andersgesinnten, sondern weil er sich im Rausch an dem Kameradschafts- fürer des RFB. selber vergriffen hatte. Er bewarb sich dann um die W i e d e r a u s n a h m e, die ihm wohl auch dieser Tage zuteil geworden wäre, wäre nicht der neueste Fall dazwischen gekommen. Die 500000-Mark-prämie gezogen. Alle Gewinner wohnen in Verlin. Heute vormittag wurde die Ziehung der 258. Preußischen Klassen- lotterte beendet. Gleich zu Beginn der Ziehung wurde aus die Rummer 29? 785 ein looo-Mart-Gewinn gezogen. Planmäßig kommt zu diesem Gewinn die Prämie. Die glücklichen Gewinner wohnen zum Teil im W e st e n, zum anderen Teil im Nordosten Berlins. Auch diesmal wieder hat die Glücksgöttin an die Aermeren gedacht. In allen Abteilungen wird diese Nummer in A ch t« l l o s e n gespielt, so daß also jeder nach Abzug der Unkosten und Steuern etwa 50 000 Mark ausgezahlt erhält. In einem Monat beginnt die Ziehung der ersten Klasse der 259. Lotterie, bei der zum erstenmal die beschlossenen Resormvor- schlage in Kraft treten werden. Die Kinoräuber verhastet. Ueberraschend schnell ist es der Berliner Kriminalpolizei ge- lungen. den nächtlichen Uebersall aus die Kant-Lichtspiele im Berliner Weste» aufzuklären und die T ä t e r z u v e r h a s t e n. Aus der Erziehungsanstalt Seehof bei Reppen war vor einiger Zeit der lüjährige WernerSlei st entwichen und hielt sich seitdem verborgen. Er wurde wegen verschiedener Delikte, u. a. wegen schwerer Körperverletzung, gesucht. Der Flüchtling konnte in einem Hotel in der Dankelmannstraße bei einer Razzia festgenommen werden. Zn seiner Begleitung besand sich ein 21iähriger Zoses B u r g n e r. Bei der Durchsuchung des Zimmer» fanden die Be- amten zwei Pistolen und einen größeren Geldbetrag. Die beiden Burschen wurden zum nächsten pollzelrevier gebrocht und in ein etwas übersteigt. Deshalb ist«ine Erhöhung der Realsteuern nicht erforderlich. Andererseits verkenne ich nicht, daß auf Länder und Gemeinden der Hauptteil der deutschen Verwaltungsaufgaben entfällt und daß sie z.B. für Schulwesen, Justiz, Polizei. Wohnungs- und Siedlungswesen und Verkehrswesen im Jahre 1926/27 allein rund SMi Milliarden aus Steuermitteln aufzuwenden hatten, wozu das Reich durch seine Steuerüberweisungen nur 2,6 Milliarden beitrug. Es darf, aber auch nicht vergessen werden, daß die Ueberweisungen seit 1926 um Yt Milliarde ge st legen sind und daß sich auch die Erträge der Landes- und Gemeindesteuern nicht unwesentlich erhöht haben, wogegen die Mehrkosten infolge der Befoldungsreform sich auf etwa 700 Millionen belaufen. Trotz der Kürzung der Länderüberweisungen sind Steuererhöhungen von Insgesamt 379 Millionen erforderlich. Sie sollen aufgebracht werden aus der Biersteuer inst 165 Mil- lionen, aus dem Branntweinmonopol mit 90 Millionen, aus der Erbschaftssteuer mit 20 Millionen und aus der Vermögenssteuer mit 104 Millionen. Es ist berechtigt, das Schwergewicht der Steuererhöhungen auf die Alkohol- steuern zu legen, weil das deutsche Steuersystem in diesem Punkte einen Mangel ausweist. England z. B. erhebt vom Branntwein da» Bierfache, vom Bier sogar das Fünffache der deutschen Steuer. 'Außerdem muß hervorgehoben werden, daß die Biersteuererhohung sich völlig im Rahmen dessen hält, was schon 1925 von dem Finanz- minister S cht i eben vortzeschlogen. aber damals vom Reichstag nicht angenommen worden ist. Ich verkenne die Gründe nicht, die gegen diese Steuererhöhun- gen geltend gemacht werden, vor allem aber kommt es darauf an, sich nicht den Weg für eine künftige Steuerentlastung zu verbauen. Das würde aber geschehen, wenn man jetzt den Ausgleich durch scheinbare Streichungen oder sonstige unzuläng- liche Deckungsmittel sirchen wollte. Diese künftig« Reform muß vor allem aus die Beseitigung der Zucker st euer und die Milderung der direkten Steuern gerichtet sein. Ein wichtiger Bestandteil ist aber auch die Regelung der finanziellen Fragen zwischen Reich und Ländern. Einig« Länder haben wegen eines Teiles ihrer Llufwer- tungs- und Entschädigungsansprüche bereits Kfoge beim«taotsgerichtshos eingereicht. Kommt es zur Entscheidung des Sraatsgerichtshofes. so ist wahrscheinlich, haß weitgehende Eingriffe in den Haushalt von Reich und Ländern erforderlich wären. Um das zu vermeiden, hält e» die Reichsregierung für richtig, den Ber- such zu machen, alle diese schwebenden Fragen im Weg« des Verhör genommen. Da die Beschreibung der Sinoräuber auf beide genau paßte, sagte man ihnen den Siooübersall auf den Kops zu. Räch einigem Leugnen gaben sie schließlich zu. den Uebersall ausgeführt zu haben. Sie hätten sich Pistolen besorgt und in der Zoachim-Friedrich- Straße einen Wercedeswagen ge- stöhlen, mit dem sie vor den Kant- Lichtspieleu vorführen. Der Uebersall gelang ihnen überraschend gut. sie fanden keinen Widerstand und suchten mit der Beute das Weite Krüppel auf Lebenszeit. Schwerer Unfall durch skandalöses Antreiber-Eystem. Bei der Firma Gobiet u. Pniower, Papiervertrieb und Tütenwerke. Berlin S 42. Titschiner Str. 44—48, hat sich ein schwerer Betriebsunfall zugetragen. Dem ZOjährigen angelernten Facharbeiter Oswald Z i m p e l, der als Beschneider dort tätig war. ist ein Be- triebsunfall an der Schneidemaschine passiert, der den armen Menschen für sein ganzes Leben zum Krüppel macht. Es wurde ihm durch Herunterfallen des Messers beim Herausnehmen der durch- schnitte»«» Bogen die recht« Hand direkt am Arm glatr abgeschnitten. Die Ursache dieses Unglücks ist in dem A n- t r e i b e r j y st e m, das von jeher bei der Firma beliebt war. zu suchen. Der Betriebsleiter der Firma, Kandier, glaubte, den Betrieb rentabler zu gestalten, wenn er zwangsweiseAkkordarbeit für jugendliche Arbeiterinnen und Packer einführte, obwohl sich deren Arbeiten durchaus nicht zu Akkordarbeiten eignen. Dir Firma verfügte einseitig diese Maßnahme gegendenWider- stand des Betriebsrates und der Orgqnisation. Der un- mittelbare Anlaß des Unglücks war, daß der verunglückte Beschneider das zugeschnittene Material den Akkordarbeiterinnen nicht schnell genug zuschieben konnte. Der junge Arbeiter wurde durch den zu- ständigen Vorsteher fortgesetzt angetrieben, wodurch das'Unglück ge- schehen muhte. Bei der Besichtigung durch das Gewerbeaufsichts- a m t und Vertreter der Organisation wurden himmelschreiende Zu- stände bezüglich der Sicherheitsmaßnahmen an den Maschinen fest- gestellt. Das Personal legte voller Empörung an dem Unplückstagc die Arbeit nieder. Es wird Sache der Staatsanwaltschaft sein, diesen Zuständen bei der Firma ein Ende zu bereiten. Auf behördliche Ver- anlassung darfan derSchneidemaschinenichtweiter- gearbeitet werden. Voy der Organisation wurde schon wiederholt versucht, in der Firma Ordnung zu schassen. Alle bisherigen Bemühungen sind an der Hartnäckigkeit des Unternehmers gescheitert. Dänisches Schulschiff verschollen. Seit dem �4. Dezember mit 210 Kadetten. Ucber den Verbleib des dänischen Tegelschulschiffes „kl jobenhav n", daä über TO Tekadetten an Bord hat, hegt man ernste Besorgnisse. Das Segelschul- schiff verließ am 14. Dezember Buenos Aires mit dem Ziele Australien. Seit diesem Tage hat man von dem Schiff nichts mehr gehört. Erdbeben in Südbulgarien. Zu S ü d b u l g a r l e n. wo vor einem Zahre ein katastrophales Erdbeben verheerend« Wirkung ausgeübt Hot, verspürte man gestern abend 6 Uhr wiederum heftige Erdstöße. Das Zentrum des Bebens liegt auch diesmal in der Stadt Schirpan bei P h i l i p p o p e l. die bei dem vorjährigen Erdbeben fast vollständig zerstört worden war. Auch das gestrige Erdbeben richtete beträchtlichen Schaden an. Mehrere Häuser stürzten ein, die Bewohner hallen sich jedoch rechtzeitig in Sicherheit bringen können, viele andere Häuser sind schwer beschädigt worden. Unter der Bevölkerung entstand eine große Panik. Alle« stürzt« ins Freie, und trotz der heftlgeu kälte verbrachte ein großer Teil der Bevölkerung die Rächt im Freien. Ausgleichs mit den Ländern zu lösen. Die unabweisbaren An- spräche der einzelnen Länder sollen dadurch in einer Weis« geregelt werden, wie sie mit der Finanzloge des Reiches und der Länder verträglich ist. Meine Damen und Herren! Ich habe Ihnen die Finanzlage des Reiches mit aller Offenheit und Rücksichtslosigkeit dargelegt. Es hat niemandem, der die Dinge verfolgte, verborgen bleiben können, daß dieser Etat nur mit außerordentlichen Schwierig- leiten ins Gleichgewicht gebracht werden kann. Zum Teil sind diese Schwierigkeiten auch der Grund für die verspätete E i n b r i n- gung des Etats. Weit mehr ist dieser aber eine Folge der politischen Verhältnisse. Angesicht» der Grundsatz- lichen Bereitschah der dafür in Frage kommenden Parteien, ein« feste Basis für die Regierung zu bilden, ist die Erwartung berechtigt gewesen, daß ein« solche rechtzeitig gefunden werde. Die Verabschie- oung des Etats durch das Kabinett hätte dann zugleich die grundsätzlich« Zustimmung der Mehrheit des Reichstages bedeutet. Die schnelle Beratung und Annahme des Etats wäre dann gesichert ge- wesen. Dies« Erwartung hat sich aber nicht erfüllt, die angesichts der Außeiipolstik so dringende Festigung unserer politischen Ver- Hältnisse ist noch nicht erreicht, und dadurch hat sich auch die Ein- bringung des Etats verzögert. Die Regierung Hot deshalb einen Roletat eingebracht, der im Reichsrat verabschiidcl ist und um dessen Annahme sie den Reichstag bittet. Im parlamentarischen System liegt die Führung bei der Regierung. Sie hat die Pflicht, sich Anträgen, die sie für ver- fehlt hält, zu widersetzen, und sür Maßnahmen, die sie für un- «rläßlich hält,«inzutreten und dafür auch ihre politische Existenz einzusetzen. Insbesondere der Finaiuminister trägt dafür die Verantwortung. Es darj ober auch nicht die Tg!- lache verdunkelt werden, daß die letzte Verantwortung beim Reichstag und bei den Parteien liegt, denn si« entscheiden schließlich über Annahme und Ablehnung. Dies« Verantrdortung trägt gerade in der Frage der FinanzpolMt und der Etatgestaltung die Opposition, sofern sie len Ansvrucb erhebt, mit ihrer Kritik ernstgenommen zu werden und unter Umständen selbst die Regie- rungsperantworiung zu übernehmen. An diese» Verantwortung»bewußiseln appelliere ich in einer Stande, die besonder» ernst ist. Viele und nicht geringe Aufgaben bedürfen der Lösung, wenn Deutschland» Finanzen über alle Gefahren der Gegenwart hinweg gesichert werden sollen. Allem voran wird die zukunstströchiigc Entscheidung stehen, die das Sachverständigengutachten von uns fordert. Möge der Re>chsl-,g mit qcsammelter Kraft an die Ausgaben der nächsten Zukunft gehen und tu gemeinsamer Arbeit die Schwierigkeiten überwinden!(Lebhafter Beifall link» und in der Miste.) Aach dem Minister ergriff«dg. Dr. Hertz(Soz.) das Wort. Opfer des Rekordwahnsinns. Todessturz bei 325 Stunden-Kilometern. Bei dem Versuch, den von Major Segraoe dieser Tage ausgestellten Schnelligteilsrekord zu überbieten, verlor der amerikanische Automobilsahrer Lee B i b l e in Daytona Beach sIlorida), als cr eine Stundengeschwindigkeit von 325 Kilometern erreicht hatte, die Herrschaft über seinen Rennwagen und rannte in eine Strand- düne. Der wogen überschlug sich und Bible wurde sofort getötet Ruch ein p h o t o g r a p h der J5a(he Ailmgesellschasl wurde von dem Automobil getroffen und getötet. Bible unternahm seinen Rekordversuch in einem Öb-Zylinder-Triplex-Rennwagen und geriet am Rordende der Sirandrennbahn zu nahe an das Wasser. Bei dem Versuch, nach der Innenseite der Rennbahn zu steuern, verlor er die Gewalt über den wagen. Das Opfer eines Erpressers. Der Raubmord an dem Potsdamer Kassenboten. Zur völligen Klärung des Raubmordes an dem Kassen- boten Hammermeister wurde heute in Potsdam ein Lokaltermin abgehalten. Der verhaftete Täter Walter Äutzbach wurde von Krim:. nalbeamten in einem Auto noch Potsdam gebracht. Als Vertreter der Staatsanwaltschaft war Staatsanwaltfchaftsrat Storgard (Potsdam) erschienen. Kutzbach sollte bei dem Lokaltermin, bei dem ein Lriminaibeamter die Rolle des ermordeten Hammermeister spielte, in allen Einzelheiten den Verlaus der Tat schildern. Den Ausgangspunkt bildete die sogenannt« Löwenvilla in der Marga- retenstraße, an der Kutzbach am Tage des Mordes den Kaisen- boten getroffen hatte. Von hier aus führte der Weg zum Ruinen- borg, dem Schauplatz des Mordes. Die Mutter des Kutzbach, eine arbeitsame und geachtete Frau, die sich als Wasch- und Koch- srau redlich ernährt, hatte in einem Versteck in der Wohnung eine größere Geldsumme gesunden. Ihr Sohn, den sie darüber zur Rede stellte, schwindelte ihr vor, daß er das Geld aus Rennwetten erhalten habe. Nutznieher der Beute war noch ein Bekannter und Freund des Kutzbach, ein gewisser Ewald Humbeutel, der auch sc st genommen wurde. Dieser hatte von vornherein seinen Freund im Verdacht der Täterschaft und durch Drohungen Geld von ihm erpreßt. Zeigte sich Kutzbach einmal nicht willig, seine Wünsche zu befriedigen, so machte er Anspielungen. daß er ihn oerraten werde. Als Kutzbach einmal im Berlaufe der Untersuchung festgenommen wurde, gelang es ihm im letzten Augenblick, Humbeutel noch 700 M. zuzustecken. Humbeutel verjubelte das ihm anvertraute Geld und stahl außerdem einem Händler, mit dem er eine Kneiptour unternahm, die Brieftasche mit 3t>l) M. Im Besitz von ftund 1000 M. ging er keinen Schritt mehr zu Fuß, sondern nahm sich auch für die kürzesten Wege ein Auto. Das mußte, da die Ausgaben im schroffen Gegensatz zu seiner sonstigen Lebenshaltung standen, naturgemäß Verdacht er- regen und eine Zeitlang glaubte man, daß Humbeutel der Mörder sei. Tatsächlich war er nur ein Parasit des Mörders. Marie Luchacz. Am Freilag, 15. März, wird die sozialdemotraiische Reichstags- abgeordnete Frau Marie Iuchacz fünfzig Jahre alt. Sie blickt an diesem Tage auf ein Leben voller Arbeit zurück, das zugleich ein Leben des Wirken» für die Allgemeinheit war. Aus der märkischen Kleinstadt Landsberg stammend, hat die Genossin Iuchacz sich als Näherin ernährt, aber schon sehr früh Anschluß an die politische Organisation der Arbeiterklasse gefunden und sich in ihr weiter aus- gebildet. Als im Jahre 1908 das Reichsvereinsgesetz endlich auch den Frauen in Preußen die Mitgliedschaft in den politischen Bereinen ermöglichte— während sie sich bis dahin mit Arbeiterinnenbildungs- vereinen begnügen mußten—. wurde Marie Iuchacz, 29jährig, in den Vorstand der Neuköllner Parteiorganisation gewählt. Don 1909 bis 1913 gehörte sie dem Vorstand des Wahltreisvereins Teltow- Bceskow an. Dann ging sie als Parteisetretärin an den Oberrhein. und von dort wurde sie schließlich gegen Ende des Krieges als Sekre» tärin in den Parteivorstand berufen, dem sie heute noch angehört Als die Revostltion den Frauen das politische Wahlrecht brachte, gehörte Marie Iuchacz zu den ersten weiblichen Abgeordneten, die in die Nationaloersammlung gewählt wurden. Als Vertreterin der größten Partei des Reiches war sie auch die erste Frau, die in einem deutschen Parlament öffentlich zu Worte kam. Seit jenem histo- tischen Tage Hot sie im Parlament des Reiches sowohl im Plenum als in den Kommissionen durch ihre ruhige Sachlichkeit ebenso ge- wirft wie durch die zielklare Entschiedenheit ihres Wollens. Ganz besonder« Verdienste«rwarb sich Marie Iuchacz aber durch die Gründung und den Ausbau der Arbeiterwohlfahrt als der sozialistischen Fürsorge und Wohlfahrtsorganisation. Hier konnte siä, ihr besonderer Eharakterzug. die mütterliche Hilfsbereitschaft, gepaart mit starkem Organisationstalent, voll auswirken. Nur wenigen Frauen ist es oergönnt gewesen, bei der Voll- endung des ersten Halbjahrhunderts auf eine so erfolgreiche Arbeit sehen zu können, wie es der Genossin Iuchacz heute möglich ist. Die politischen Ereignisie haben cht den Weg gebahnt. Aber sie selbst hat ihn mit Kraft und Ausdauer beschritten, immer im Kampf um die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der Arbeiterklaff«, besonders der Arbesterinnen. Deswegen wünschen wir der treuen Genossin zu ihrem Fünfzigsten, daß sie noch recht lange als Führerin zu weiterem Aufstieg wirken möge! Der schweizerische 2 iL tider al Hai mit allen Stimmen den Kellogg-Pokt angenommen, Albert Einstein— der Mensch. Von Rudolf Lämmel-Oornburg. Im südlichen Württemberg sind die Einsteins daheim. Deutsche Juden aus der Zeit vor Luther, sind sie Handwerkcr»nd Kaufleute. Ein« Magnetnadel war die erste physikalische Sensation, die Albert Einstein erlebte. Damals war er fünf Jahre alt. Und das zweite waren die Rufe Iud Jud, Hepp ljepp, die ihm die Münchener Schulkameraden widmeten. Der verschlossene verträumte Junge, der im Münchener Gymnasium als durchschnittlich galt, war in Mathe- matit ungewöhnlich begabt, wenigstens für die Münchener Verhält- nisse. Aber noch Jahre nachher, als ich ihn im Akademischen Lese- verein in Zürich als Studenten sah, war er schüchtern und weltfremd. Es ist bezeichnend, daß cr schon von der Zeit an, da seine Kindhest zu Ende ging, stch den drei verwandten Wetten verbunden fühlte: Mathematik, Mustt, Philosophie. Bei der Aufnahmeprüfung ans Züricher Polytechnikum ist er durchgefallen. Das ist für beide Teile keine Schande, der junge Albert Einstein war eben zu kühn gewesen: was der alte Boßhardt von Medusen und Foraminieren wissen wollte, das wußte der 17jährige Einstein eben nicht! So hat denn die Kantonsschule zu Aarau die Ehre, ihn zum Hochschüler ausgebildet zu habe». Als er 1912 die Fachlehrerabteilung am Poly hinter sich hatte, wollte er Assistent werden. Aber Hurwitz und Minkowsky sahen den Keinen Einstein nicht, der war zudem noch Ausländer. Daß sein Judentum dabei eine störende Rolle gespielt habe, wie Mosz- kowsty angibt, ist nicht richtig. Schließlich kam Einstein al» Beamter nach Bern ans Patentamt, wo er technisch« Gutachten abzugeben hatte. Um jene Zeft war er ein gärender Kessel: er las aufmerksam die zeftgenössische Physik, dachte und dachte. Schon 1905 erschienen die ersten Arbeiten in den„Annale« der Physik", die jür die Wissenden gleich einem Aufleuchten waren. In einem ungeschickten mathematischen Gewand brachte Einstein gleich«in ganzes Paket zusammenhängender unsterblicher Gedanken zutage, revolutionär und ketzerisch wie niemand seit Kopernikus und Galilei. Damals, unmittelbar nack) der ersten Veröffentlichung über jenen Gegenstand, den wir heute„Relativität von Zeit und Raum" nennen, fragte mich der Historiker Alfred Stern, der Einstein„protegierte", was ich von Einstein als Physiker hielte. Ich bin heute stolz darauf, nicht eine Belanglosigkeit geantwortet zu haben, sondern: seine Arbeit bedeutet den Anbruch einer neuen Epoche in der Physik, seine Anschauungen sind von allergrößter Bedeutung! Max Planck in Berlin schickte an Einstein ein anerkennendes Schreiben, die Universität Zürich wurde aufgefordert, Einstein als Professor zu berufen. Zögernd ging der alte Kleiner daran, den Mann, dessen Doktorarbeit(auch eine revolutionäre Sache) er abge- lehnt hatte, nun zu berufen. Aber Einstein ist bald über Zürich hinausgewachsen, Walter Rernst(der ehemalige Berliner Professor- machet) und Max Planck, der geniale Erfinder der Quantentheorie, sorgten dafür, daß Albert Einstein nach Berlin berufen wurde. Einstein ist nach dem verlorenen Krieg in Deutschland„populär" geworden. Man suchte damals, als all« Größen schwanden, nach „ewigen Werten". Die einen wandten stch zur Astrologie, die anderen zur Anthroposophie und viele andere— aus Mißverstehen! — zur Relativitätstheorie. Es war eine aufgeregte fiebrige Zeit. Im Jahre 1919 hielt ich u. a. in Stuttgart einen Dortrag über die Relativitätstheorie. Es war kein anderer Saal für den Vortrag frei als gerade der allergrößte, der Sieglesaol, und wir hatten Angst vor der gähnenden Leere und dem Defizit. Aber was kam da am Abend! Ueber 1300 Personen waren im Saal, viele Hunderte konnten nicht mehr hineingelassen werden! So fiebrig war dos Interesse an einer Sache, die im Grund« nur abstrakte weltfremde Wissenschast betraf. Aber etwas Geheimnisvolles schwebte eben über Einsteins Namen und Werk. So heftig war die Autorität herkömmlichen Denkens durch Einsteins kühne Gedanken angegriffen worden, daß die Verleihung des Nobelpreises an Einstein nicht wegen seiner Verdienste um die Relativität geschah, sondern wegen seiner Arbeiten über Lichtquanten. Diese sind allerdings ebenfalls sehr wichtig, gehen aber auf Planck zurück. Die Schwedische Akademie mußte— so wurde damals ge° sagt— Rücksicht nehmen auf die reaktionären Kreise in Schweden, die in Einsteins Relativität immer noch so etwas wie«inen Umsturz der Religion oder Moral sahen.... Politische und religiöse Bedenken sind tatsächlich oft gegen Einsteins Theorie ins Feld geführt worden. Natürlich nur au« Unoerstand, denn seine physikalische Lehre hat mit Politik und Religion nicht das geringste zu tun. Die Nörgler hoben immer wieder gefragt:„Uebertreiben Sic denn nicht, Herr Doktor, wenn Sie schreiben, Einsteins Nam� werde künftig gleich dem des Galilei durch die Jahrhunderte leuchten?" So noch 1917, als ich ihn zu seinen Züricher Gastvorlesungen begrüßte. Heute weiß es wohl schon mancher, daß mit Einstein eine neue Epoche anhebt. Der Typ als Persönlichkeit? Ein bescheidener Mann, den sein Ruhm vorsichtig, aber nicht stolz gemacht hat. Ein Physiker, kein Mathematiker. Ein Musiker, kein Komponist. Ein gemischter Typ. halb klassisch, halb romantisch. Leonhard Krank:„Llrfache". Kammerspiele. Leonhard Imnk übt sich weiter in der Kunst, feine guten Er- zählungen in schlechte Theaterstücke umzuschreiben. Er macht schöne Fortschritte. Die Ehren des Dichterakademikers verjüngen ihn auch zusehends. War„Karl und Anna" ein immerhin mönn- liches Naturatistenstück ältester Schule, so wurde die„Ursache" das Trauerspiel eines blutigen Anfängers. Und dieser Knabe vcrsün- digt sich gegen alles, was der Geschmack verträgt. Die Ursache ist leicht«xkennbar. Was in dem Roman über- zeugend und aufregend wirkte, das Gespensterfchicksal einer Bluts- yerwondschaft mit dem Geschlecht her Unglücksraben und die»er- dämmte Bornierthett und Seelengemeinhett der Prügelpädagogen, das soll nun alles plastisch und unmittelbar vor die Augen des Zu- schau ers kommen. Nichts darf psychologisch oerttest werden oder durch schöne Worte langsam und lyrisch veredelt. Der Augenblicks- effekt soll stch zeigen, und er wird von Frank so kindisch und tino- müßig vorbereitet, daß jedes llberfchmalzte Boltsstück im Vergleich zu seinem Schauspiel wie ein taktvoll gemildertes Rührstück er- scheint. Schließlich wirkt diese Massivität gar nicht mehr. Trotzdem ist die Ursache, die den schwachen, schüchternen Pro- letarierjungen zum hilflosen Manne macht, scheußlich genug. Der Schulmeister hat dem achtjährigen Jungen die Seele heraus- geprügell. Der Rohrstockzwiebler hat den hilslosen Knaben stets gedemütigt. Und als der Junge groß wurde, blieb ihm nach dieser unauslöschlichen Erinnerung das unheilbare verbitterte Herz und die Unfähigkeit, dem Leben zu widerstehen. Er wurde ein Stümper im Daseinskampf, einer von den Revolutionären, die sich nur mit Dumpfheit wehren können, aber nicht mit siegreicher Energie. Nun rächt sich der Sklave, indem er den Lehrer, den Bernichler seiner Seele, umbringt. Kops ab, entscheidet das Gericht. Leonhard Frank stellt das alles ganz plump und mit roman- tischen Kunstmitteln dar, die in ihrem Wert vollständig herunter- gekommen sind. Auch sein Stück ist ein Beweis gegen die Sinn- losigkett der Todesstrase, es ist ein ebenso starker Beweis für die Talentlostgkelt des Schriftstellers, ein Drama zu bauen. Man täusche sich nicht: Der Mann ist auch vom Kino verdorben, er oer- gißt absolut, daß Menschen auf der Bühne etwas anderes als nur. geschnitzte Figurinen sind. Er macht ein Drama so grob wie etwa die amerikanischen Schriftsteller, die heute in Deutschland so sehr beliebt sind und in die Tinte, mit der sie schreiben, dickes Büffel- blut hineinschütten. Das Produkt ist dann unendlich blöde und grob. Ernst Deutsch spielt den armen Jungen, der auch als dreißigjähriger Mann noch der hilflose, verflucht knabenhafte Prolet bleibt und die Mörderhände aufhebt, weil er so brav, weil er so oerlassen und moralisch ist. Alles, was Herr Deutsch aus seine Rolle verwendet, kommt nur aus der Birtuosität. Frau Richard, Frau E y s o l d t und Herr Valentin wirken mit. Sie haben nur Etikettensprüch« herzusagen. Etwas Seelisches kommt gar nicht erst in ihnen aus. In dem Stücke hat ein« Prostituierte ein hüb- sches Kleid zu tragen. Die Berliner Modefirmo, die es lieferte, wtrd genannt, und sogar die Direktrice der Sonderabteilung steht imter den Mitwirkenden des Programms. Leider wird oer. schwiegen, welches Zahnpulver das Fräulein eebrambt. wo sie sich dy- Haar« schneiden läßt oder ihre Lippenstifte bezieht. Die Gc> wissenhastigkeit ernsthafter Theaterdirekttonen hat da noch vieles nachzuholen. Max Hochdorf. Kür die Kreiheit der Kritik. Pressekonflikt in München. Unter dem Titel„Für die Freiheit der Kritik" versendet der „Verband Deutscher Musikkritiker Üisertsr, Lichtspiele usw. Donnst., d. 14. 3. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 67 20 Uhr Fra Diavolo Staats-Qper Am PI d.Republ. RrS- 196 19-, Uhr Don Giovanni Donnsu, d. 14. 3. StSdt. Oper BiimarcKstr. Turnus 1 19 Uhr Staatl. Sdiauspb. am CewlarnunDnrtt A.-V. 63 20 Uhr Ein Pesserer Herr Staat!. Sehiller-Mer.Charltb. 20 Uhr Oedipus SCAtÄ 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Josm« Sdllm/'Gr.Ralph Banatxky Barlnoffu. Eulall«/ Jack Stanford und die übrigen Attraktionen 1 1 plAza CASINO-THEATER Loniriuger StraSc 37.. Neu! Neu! „Eine ungeliebte Frau" und ein erstklassiger bunter Teil. FiirunsereLeserGutschem für l—»Pers. Fauteull nur Sessel 1.63 M. Sonstiee Preise Parkett u. Ran» IU80 M. Reichshallen-Theater §(ettincr Sänger Das neue Ulrz-Pragranniil Xomponltlen im Olymp. I Anfang 8, Stg. Nachm. 30 Blllettbeaietlnniieii Telepbon: ZenlrmD 11283. N'achm. hal b e Preise. Dönhoff. Brettl: PamlUen-VsrieM' lagrM« Nommern. KttnHtlerlscha Leitung x ERIK CHARELL 2)et£leie Auqustm £usüq& lüitwe Ton Bamtutf und Wtlisch AUrcd Braun üafly Christians Trade Lleska Stearfr. Arno Panl Morsraa Paul WeRtermcler Gneta-r Hatxner. Marianne Wlnkelatern IvaaDrtik Boddiibnu Brrtf Walter/ Haas Sommer Sonstünedris iuitattnltt: Pnleuor Enut Stern lickmliori Fritzi Massary Max Haaaea rächt EUeot W. Janknhu JB. Junker man a W. Schaelfer» Marqulta Slstsra Fiiaeo BeaitT 6irls Comedlanboyi Sonntag utw unoak. lt*< Vorsteilun« Nachm. 4�9 Kleina Preise 1 Tfea anf Klectrola MulkUlhuj: EntfHiilui. Xriilt Penk WinFQr uarren S Uhr Rauchen erlaubt internal, uartete. Theater a.KottbusserTor Koltbusser Str. 6. l»l. Mpl 16077 TlgHeh• Uhr, auch Sonntag nachm. I Uhr(ermiSigta Prefaa) Elite- Sänger u. a.„Die SchfinhailskSnigin" verbundan mit Modenschau. tilg am. Preishartbaalriiag auf allae PUtzaa Renaissance- Theater hdrdenberqstr. 6. Tel.: Slainpl. 90t a. 2583 84 ««/•Uhr. Zum»4. Male:«'/«Uhr Die Wclterf olgskomSdie ..Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg Sist.UaninB. laPrenilerealintXD. Volks blUine IteiteranklUivoliti 8 Uhr Kremtinaliine fheater an seinbancntaBm 8 Uhr Die Krankheit der Jugend Thalia-Tkeater 8 Uhr Oelrausch Staat!. Sdiilkt-Iti. 8 Uhr Oedipus ThRat�r am Sdtiltbaoerdamm. Norden 1141 u. 281 läßlich'*/, ühi Krankheit der Jugend von Ferd. Bruckner Insz. Gush. Härtung. Lcnnanz, Sritia Brod, kohnert, Dämmest, Andersen. Rippard u. DuschßnskT. Die Komödie Bismarck 2414/7516 8'/. Uhr, Ende 10'., „Olympia" Spiel in 3 Akten. von Franz Molnar Regie: Forster Carrinaga. Freitag, d. 15 März 7>- Uhr Zum I. Male wann kommst Du wieder? Komödie von S. Maugham. Katmnerspiele D.I. Norden 123U 8'/«U„ Ende geg. 10 Die Ursache Schauspiel nh H v Leonhard Frank Regie; Hansu-eppe. OeDtsdies Tiieaiet D.I. Norden 1230 8 U., Ende geg. 10'/» Die instigen Weiber ran Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Kitines Ibeater Täglich 8'/, Uhr: Kort Goctz, Valerie ▼. Marlen» Panl Otto in\ „Trio" Lustsp. ▼. Leo Lenz. Regie: FriedmuBn- Frcdericfa. Barnowsky- Bohnen Theater ia dar kdaligritzar Strato Täglich S'/e Uhr fievolte im ErziebangsliaDs Komödienhaua Täglich H Uhr Die Drei-Gnsdiefl- Thaater am Mollendorfplati Täglich SV* Uhr Das Seid aut der StraBe R ose-Theater InfrwtlirtnSl.U? 8'/, Uhr Der Obersteiger BerliDer TDeater OirektHeinzHerald Charlotlenslrade 90 A. 7. Dönhoff 170 letiiR Torsieiiangaa 8 Uhr 8 Uhr 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) Thalia-Theater tresdener Str. 72-7. 8 Uhr „Oelraasch" Wach. KhnsUar-Th. 8'/» Uhr Der Zinker v. Edgar Wallace tochd Sita Matthiu Preise 1—10 Mark Planelarlnm —— am Zoo Mi dsriäog. Joarhimsthaltr Strak Noll. 1578 1 ö1/* Uhr Sternhimm«! das FrOhJahrs 18' ♦ Uhr Sternbilder und Weltbtu 20'/« Uhr Wundnr de« tödlichen Himmels Tägl. außer Montags u. Mittw, Erwachs I MIc, Kinder 50 Pf. Mi tw.: Erwachsene 50 Pf., Kinder 25 Pf. 41 Tägl.« Uhr 12 N«GS 12 Ctregaattraia. und ,.««!. Nächte" 7ciiff— n Aeros» Lessing-Thealer Täglich 81.« Uhr Marl« Orska in „Das Vclldicn<# Die Medaillen einer alten Frag Trianon-Th. Täglich 8'/« Uhr Oer Herzog und die Sünderin mit Erika Giaisnr und uartla Kdtiner Rundfunkhöre i tlOUie Preise Lastspielbaas f.» Uhr wieteraunratan Guido Tieisciter Weekend Im Paradies 8'., Theater des Westens Sonnrag auch'/»4 Üljr Oer größte Srsolg Berlins_ Lneöerike Musit vo» LeHar «rika ». 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Eine Fülle gelernter Berufe steht der Frau heute offen. Für ihr« späteren Jahre bieten die Berufe in Handwerk und Gewerbe bessere Aussichten als die kaufmännischen Berus«. Im Hand- wert ist die drei bis vierjährige Lehre nach denselben Grundsätzen geregelt wie für den männlichen Lehrling. Die Eltern sollten daher nie vergessen, den Lehrmeister oder die Lehrmeisterin nach ihrer Lehrbefugnis zu fragen. Ein ordnungsmäßiger Lehrvertrag muß vor der Innung oder Handwerkskammer abgeschlossen werden, sonst kann das Mädchen keine Gesellenprüfung ablegen. Von den Hondwcrksberusen ist die Schneiderei für die Frauen am«reisten aufnahmefähig. Nicht nur in der Maß- fchneiderei, auch in der Konfektion muß heute«ine ordnungsgemäße Lehre absolviert werden. Die ersten beiden Jahre können durch Besuch einer städtischen Fachschule erfetzt werden. Besonders Tüchtige und Begabte, die außer der Geschicklichkeit einen guten Geschmack und eigene Ideen hoben, können später als D i r e t- t r i c e n einer Werkstatt vorstehen oder ein eigenes Atelier eröffnen. Aber auch die tüchtige Näherin wird ihr Brot finden. Mit Saison- und� Konjunkturschwankungen muh hier natürlich wie fast überall gerechnet werden: doch wird eine Frau, die gut nähen kaisn, nicht lange Zeit erwerbslos sein. Stärker an die Saison gebunden ist das Putzhandwerk, einem bestimmten Frauentyp durch die größere Beweglichkeit und Vielgestaltigkeit wieder mehr zusagend als die Schneiderei und auch körperlich weniger anstrengend. In dem sehr begehrten Friseur- b e r n f schreibt eine gesetzliche Sperre, um Ueberfüllung zu ver- bitten, vor, daß jeder Meister mir alle zwei Jahre einen Lehrling einstellen darf. Darum sind Lehrstellen in diesem Beruf sehr schwer zu bekommen. In Gewerben mit starker Arbeitsteilung ist die Ausbildung meist nicht mehr durch die Handwerkskammer, sondern durch die Tarifverträge geregelt. Es sinden dann keine Gesellen- und Meister- prüsungen statt. Im Wäschcgewcrbc z. B. sind durch die Zerlegung des Arbcitsprozesies die verschiedenen Berufe der Zu- fchneiderin, Einrichterin, Näherin, Legerin und Plätterin entstanden. In der Kürschnerei lernen gelegentlich Mädchen das ganze Handwerk, meistens werden sie aber, nur im Pelznähen ausgebildet. weitere Beispiele mögen die Näherei von Mützen, Schürzen, SPickkleidung, Lampenschirmen, Schirmen dienen. Die Lehrzeit betrögt durchschnittlich zwei, für manche Berufe e kurz angelernte oder ungelernte Arbeiterin kann durch Liebling zur Facharbeiterin werden, z. B. die, S ch ä f t e st e p p e r i n in der Schuhfabrik oder die Kartonnagenarbeiterin. In den k a»'s m ä n n i sch e n Berufen wird es für die älteren Kräfte immer schwerer. Stellung zu finden. Leider sind aber auch viele Frauen in den Berus gelangt, die nur den einfachsten Forderungen gerecht werden. Nur die können sich dauernd in diesen Bcrusen behaupten, die die Anlagen und den Willen haben, sich zu verantwortungsvollen Stellen emporzuarbeiten, das sind i in Kontor die Posten der BuchhaUerin und selbständigen Korrespon- dentin, im Einzelhandel die Posten der ersten Verkäuferin. Filialleiterin, Abteilungsleiterin, Verkoufsdirektice. Einkäuferin. Daraus folgt, daß man mit der Auswahl des Nachwuchses für diese Berus« besonders vorsichtig sein muß. Vor allem ist hier eine gute Schulbildung wichtig, d. h. abgeschlosiene Volksschulbildung ünl» gutes Abgangszeugnis. Wichtig ist ober auch-ine gute Ausbildung. Die Lehrzeit dauert drei Jahre, kann bei der Kontoristin ober durch zweijährigen Besuch einer anerkannten Handelsschule(resp. höheren Handelsschule für Mittelschülerinnen und Lyccistinnen) ersetzt werden.(Städtische Handelssdüilen und Schulen der Handelskammer.) Zu warnen ist vor Kur�kursen in kaufmännischen Privatschulen. Viele junge Mädchen streben heute mit Recht nach einer guten hauswirtschastlichen Ausbildung, ein Teil von ihnen nur für den eigenen Gebrauch vor Eintritt in die Berufsausbildung, andere, um hier einen dauernden Berus zu finden. Wir haben in und um Berlin eine große Anzahl vorzüglicher Haushaltsschulen mit und ohne Internat. Ader man kann natürlich auch in einem Prlvath aushalt lernen. Perfekte Hausgehilfinnen und Stützen sind immer gesucht. Nach Ablegung einer schuiwissenschafl- lichen Prüfung kann sich die Hausgehilfin durch Teilnahme an einem Iahreskursus zur staatlichen Prüsung als Haushalts- pflegerin vorbereiten, um einmal einem Großbetrieb vor- zustellen. Auch im Gast wirtsgewerbe bieten sich dem wirt- schaftlich tüchtigen Mädchen Bcrufsmöglichkeitcn als Köchin oder kalte Mamsell. Wir kommen nun zu den Berufen für Mädchen, die nicht Sach- werte schaffen, sondern aus direktem Wege ihren Mitmenschen dienen und helfen wollen. Sie können große Befriedigung sinden in den Berufen der Kranken, und Säuglingspslegerin. In diese AnsbiSdung. die für jeden der beiden Berufe zwei Jahre dauert und mit einem Staatsexamen abschließt, kann man ober frühestens mit 18 Iahren eintreten. Do unsere städtischen Kranken- Häuser und Säuglingsheime Ausbildung. Wohnung und Verpflegung unentgettlich und dazu ein Taschengeld gewähren, brauchen dies« schon'' erwachsenen Mädchen ja nicht ihren Eltern zur Last zu liegen. Für den Beruf einer K i n d e r p f l e g e r i n. d. h. des qualifizierten.�inderfräuleins' in Familienstellungen, bereiten Kinderpflegerinnenschulen in 1 �jährigen Kursen vor. Für sozialpädagogischc Berufe aber wie Kinder- gärtncrinnen. Hortnerin, Wohlsahrtspslegerin wird eine über das Pensui» der Volksschule hinausgehende Allgemeinbildung verlangt Intelligente und strebsame Volksschülerinnen könne» sie sich aber »rwerben«id i»n es mich häufig. Sie können sich durch Teilnahme Ihr kennt doch noch alle das Plakat der Sozialdemokratischen Partei. Der kleine Knirps, der damals rief:„Muttsr, denk an m i ch!" ruft heute wieder. Inzwischen ist er älter geworden. Er soll nun die Schule verlassen und ist doch noch so klein, so schmachtig— möchte doch gar zu gern noch spielen—, und soll nun schon in die Fron des Lebens, in einen Beruf. Mutter, denk' an mich! Sieh', ich möchte dock) noch gar zu gern zur Schule gehen. Der Schularzt hat auch gesogt, daß ich noch ein halb' Jahr länger gehen sollte, um mich zu erholen. Und, Mutter, ich bin damals doch mal' sitzengeblieben. Dos fehlt mir jetzt. Ich werde aus der zweiten Klasse entlasten— einen feinen Beruf kann ich nicht erlernen, weil da nur Jungen? mit der ersten Klaste aufgenommen werden. Du weißt doch noch, daß ich immer sehr schwächlich und viel krank gewesen bin. Du selbst hast mir doch gesagt, welche Not wir als kleine Kinder in der bösen Kriegszeit zu leiden hatte«: darunter leiden wir doch noch alle. Auch du, Mutter, bist damals krank und sehr nervös geworden. Nicht wahr, Mutter, ich darf doch weiter zur Schule—, den Sonimer über wenigstens? i» Väter— Mütter— hört den Notruf eurer Kinder! Auch wenn eure Jungen stch stark fühlen und durchaus Geld verdienen wollen— Eltern, denkt an die Kriegszeit zurück! Wieviel Not, Aufregung haben wir durchmachen müssen. Die Kinder, die jetzt die Schule verlosten, hoben alle darunter gelittet«. Redet euren Kindern die Idee aus, daß ste schon jetzt als Lehrling Geld ver- dienten. Holtet sie von der Tretmühl« des Lebens fern, so lange ihr könnt. Ein Kind, das in die Lehre tritt, dürfte nicht unter 16 Jahre alt sein, dann ist die richtige Zelt zur Erlernung des Berufes gekommen. Wer einen qualifizierten Beruf erlernen will, muß einen Schulabschluß haben. Di« erst« Klasse der Volksschule ist Mindestforderung. an Kursen zur Mittelschulprü�ung oder unter Wegfall der Fremd- sprachen zu einer schulwisscnschäftlichert Vorprüfung vorbereiten. Dann steht ihnen, allerdings frühestens mit 16, bester mit 17 Jahren, falls sie auch hauswirtschaftliche Kenntnisse nachweisen können, der Eintritt in ein Kindergärtnerinnen- oder Hortnerinnenseminar offen, deren Lehrgänge 1?-- bis 2 Jahre dauern und mit einer staatlichen Prüfung abschließen. In den zweijährigen Lehrgang einer W.ohlsahrtsschule werden die Mädchen aber erst mit dem vollendeten M. Lebensjahre aufgenommen, und außer der schon genannten Schulbildung wird der Nochweis über eine schon vorhandene Berufsausbildung verlangt. Die Möglichkeiten für ein Mädchen sind also nicht so gering, wie von pessimistischen Eltern oft angenommen wird. Die Frage, welcher Beruf nun am aussichtsreichsten sei, kann aber allgemein nicht beantwortet werden, da immer Mensch und Beruf zusammen- stimmen müssen. Die für jedes Mädchen andersartige Antwort erteilen gern die Bcrufsämter in persönlicher Beratung. Margot Lißo, Bcrufsberaterin. Sin lieberblick Wir lasten im folgenden noch dem Werk des Direktors Dr. Arnold Knoke„Was kann unsere Tochter werden?" (Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig), eine Ucbersicht über die Berufe folgen, die heute der Frau offen stehen. Sie zeigt, daß der Frau bereits ein sehr weites Arbeitsfeld gegeben ist. Leider hat die Sache einen Haken. Die meisten der Lenste haben eine Vorbildung zur Voraussetzung, die an den Geldbeutel der«leisten Eltern un- erfüllbare Ansprüche stellt. Hier hat der Politiker— bei der Vorbildung im männliches Berus ist es nicht ander»— noch grundlegende Arbeit zu leisten, bis es allgemein heißen kann: Frei« Bahn dde»i Tüchtigen! Städtische hausnürifchast. Städtische Hausgehilfin— städtische Hauspslegerin— Haus- jchwester— Diätschwester, Diätküchenleiterin, Diätcstsiftentin. Landwirtschosl, Gartenbau. Landwirtin— wirtschaftliche Frauenfchul« auf dem Lande— ländlich« Hausgehilsin— ländlich« Houshaltspslegerin— Oberwirtin — Molkereigehilsin, Molkereibemebsleiienn— Geflügelzüchterin— Sanlzuchtgehilfin— Gutesekretärin— Lehrerin der haustvirtschast- lichen Haushallskunde— Semina rlehrerin an wirtschasllichen Frouenschulen— Gärtnerin— Schulgartenlehrerin, Gartenbaulehrerin. Gesundheilspslege. Krankenpflegerin— Oberin— Krankengymnastin— Masseurin — KrüppelpflegeschVester— Jrrenpslegcrin— Hebamme— Wochen- Pflegerin— Säuglings- und Kleinkinderpflegerin— Lehrerin für Säuglings, und Kleinkinderpflege— Gemeindchelferin— Pfarr- gehilfin— Landpflegeschwester— Wohljahrtspflegerin— Aerztin — Tierärztin— Zahnärstin— Zahntechnikerin— technische Astistentin an medizinischen Instituten— Apothckerin— Drogistin — Nahrungsmittelchemikerin. Technik. Gewerbe. Technische Assistentin für chemisch« Betriebe— Metallographm — Chemikerin— technische Physikerin— Architektin— Bau- ingenieurin— Maschinen- und Elektroingenleurin— Handwerks- beruf«. Handel. Kaufmann— akad-ernifch gebildeter Kaufmann— Diplom. taufmann— Bucherreviforin— Buchhändlerin— Handelslchrertn in Berufs- und Handelsschulen— akademisch gebildete Diplom- handelslehrerin. Verkehr. Reichspastbcamtin— Reichsbahnbeamtin— Reichsbahnober- (ekretärin.; Schickt eure Kinder erst mal bis zum Herbst weiter zur Schule, damit sie noch einmal sich austoben und austollen und noch einmal— für viele— die letzten Ferien in ihrem Leben genießen können. .* Wie mache ich es. wenn mein Kind länger zur Schule gehen fall? Nimm einen nicht zu kleinen Zettel und schreibe(Beispiel): An die Schuldeputation des Bezirkamts Mein Sohn Fritz Müller ist meines Erachtens noch nicht bcrufs- fähig. Ich habe mich daher entschlosten, ihn noch einstweilen zur Schule zu schicken und bitte um Ihre Genehmigung. Gustav Müller. Neukölln, Reuterstraße 136. Diesen Zettel gibt dein Kind dem Rektor der Schul« ab. IVo ist dein SSerufsami? Such« dir einstweilen das nächstliegende Amt aus, wenn du nicht schon in deiner Schule die Adresse erfahren kannst. Telephonisch sind die Aemter auch zu erreichen. verwckltungsdienst und Rechtspflege. Juristin— nicht akademisch gebildete Gcmeindebamtin— mittlere Berwaltungsbeomtin— Polizeifürforgerin— Strafanstaltsbeamtin— Krankcnkastenbeamtin— Gewerbekontrolleurin— Volkswirtin,• Erziehung, Unterricht, Wissenschaft. Kindergärtnerin— Hortnerin— Iugendleiterin— Landkinder-" pflegerin— Volksschullchrertn— Studienrätin— Studicnrätjn für, bildende Kunst, Zeichenlehrerin— Studienrätin für Musik— 1 Sprachlehrerin— technische Lehrerin— Gcwerbelehrerin— höhere Fachschule für Frauenberufe— Frauenoberschule— Handarbeitslehrerin— Fachlehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft— Lehrerin an Frauenarbeitsschulen— Turn- und Sportlehrerin— Orthopädische Turnlehrerin— Schwimmeisterin— Ruderlehrerin— Wertlehrerin— Hilfsschullehrerin— Erzieherin in Psychopathcn- und Fürsorgeerziehungshcimen— Blindenlehrerin— Taub- ftummenlehrerin— Vikarin— Bibliothekarin. Kunst. Privatmusiklehrerin— Organ iftin, Chordirigenlin. Hie ist's mit dem SSeruf des Kochs? Der Zcntraloerband der Hotel-, Restaurant- und Cafeangcftellien hat ein Heflchen über den Beruf des Kochs herausgegeben, das jeder beachten sollte, der Koch werden will. Die Schrift gliedert die Köche in Herrschaftsköche,' Hotelköche, Rcstourationsköche, Stadtköche und Köche auf den Pasfagierdampsern. Falsch ist die Annahm«, daß der Beruf des Kochs deshalb erstrebenswert fei, weil man sich „etwas anfuttern" könne. Wie falsch diese Ansichten sind, beweist der Abschnitt, in dem von einer 14- bis Iftstündigen Arbeitszeit die Rede ist. Völlige Gesundheit, kräftiger Körperbau, guter Geschmack und Frohsinn, Kaltblütigkeit und Geistesgegenwart gehören zum elementaren Rüstzeug der Köche. Große Lorsicht bei der Wahl der Lehrstellen ist nötig. Die größten Häuser sind nicht immer die besten Ausbildungsstätten. Di« Vendienstmöglichkeiten sind meist tariflich geregelt. Das Durchschnitts- einkommen beträgt bei freier Beköstigung rund 56 M. wöchentlich. Der schwerste Dienst der Köche ist der zur See. Die Bezahlung ist hier zum Teil besser, dafür sind die Anforderungen an Geist und Geftindheit erheblich höher. Daß man auch über Militärpapiere verfügen soll, dürfte wohl nur ein Irrtum sein. Die späteren Aussichten der Selbstäisdigmachungen sind ohne erhebliche Geldmiltel gering. Oder Kellner? Der stark verbreitete Irrtum, Jungen mit allgemeiner Schwäch« könnten Kellner werden, röcht sich bitter in kürzester Zeit. Das viele Gehen und Stehen in mit Rauch un>d Staub angefüllten Räumen erfordert eine gesund« Lunge, einen derben Knochenbau, kurz einen kerngesunden Jungen. Berufskrankheiten der Kellner sind: Lungen-, Magen-, Herzleiden, X-- und Ö-Beine, Krampfadern, offen« Füße, Rheuma, Nervenleiden. Es kommen nur flotte, aber doch gewissenhaft arbeitende Jungen in Frage. Rechnen, Sprachen, Schrift sind Dinge, die der Junge beherrschen resp. besonders lernen und pflegen muß. Für einen oerheirateten Kellner liegen die Verhältniste insofern ungünstig, als er ein geordnetes Familienleben kaum.führen kann. Die Zeit der Lehre erfordert einen erheblichen Zuschuß an Geld. Der Derbrauch an Kleidung, Wäsche, Schuhwerk ist groß. Beachtet auch hier den Lehrvertrag. Gebt eure Jungen nicht in Saal- oder Gaqtengeschäfte. Bier- und Weinwirtschaften ohne Küche sind' nicht geeignet. Di« Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten des Kellners sind sehr unsicher. Erst wenig Ort« haben tariflich geregelt« Der- hältnisse. Nur mit erheblichen Geldmitteln ist es heutzutage mög- (ich, sich selbständig zu machen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anspruch auf gute Stellungen. Das Ende ist dann das Leben eines Aushilfskellner«. 'uuchrny Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. ßn.___ ko/2 HiioUonrBsu Zeic/mtzn&et'L won Acloff LeAnert (Ü. Fortietzung.) Frcud- herrschte an Bird, am meisten aber bei dem jungen Kapitän, dessen Post nur seine Sehnsucht angesacht hatte. Jede Biertclmeile, die sie loggten, brachte ihn der chcimat näher. «ei Fullerton legten die Schisse an. Die Polizeistotion sollte errichtet werden, und die Fangschisfe gingen unter Sand, stellten ihre Mannschaften zur Versügung und waren fachkundige Ratgeber. Die Schiffer erzählten nicht, dah sie selbst gem bleiben wollten, um zu warten, bis das Eis vorbeigetrieben und dos Wasser wieder offen war. Sie ließen täglich verstehen, wieviel Zeit sie verloren und wieviel Geld durch den Hausbau für die Pdlizeileute ihnen verloren ging. Aber es war notwendig und gut, und der Inspektor sah dos ein und war den Walfängern aufrichtig donkbar. •* Das Haus wurde erbaut. Ein großes, prächtiges Haus aus Holz, und Menschen, die kamen, sahen mit Verwunderung diese mächtigen Räume, die die weißen Männer bauten. Es war also wirklich wahr, was man auf den Bildern sah, daß solche Wohnungen -ristierten. Als Oefcn, Stühle und Tische hineingeschafft wurden. war man sich klar darüber, daß das Land der Menschen dem der weiße» Männer nichts mehr nachgab. Eines Tages, während des Baues, kam ein Mann vom Land gegangen. Ein Mann, der nicht mit den Schissen im Norde» gewesen war, ein umherschweifender Renntiersäger, der so nahe ans Meer gekommen war, daß er Lust bekommen hatte, Salzwasser zu trinken und das Meer zu sehen, wenn kein Eis da war. Ucberrascht sah er die hohen Masten gen Himmel ragen und dies Ungeheuer von Haus mit großen Fenstern wie gewaltige Augen. Er nähert« sich nur scheu, bald aber sah er Leute, darunter viele Menschen» auf dem Lande gehen. Weiße Männer hatte er schon cimnql gesehen: aber er fürchtete sie und nähert« sich ihnen deshalb vorsichtig wie ein Wolf, der sich an«ine Beute anschleicht; als er aber sah, wie ruhig die anderen Menschen im Hause ein- und ausgingen, wurde er kühner. Sofort strömte alles herbei. Die Neugier war groß, aber der Mann brachte nur wenig Neues: sie selbst hatten im Sommer und fm vorigen Winter ganz andere Dinge erlebt, als sie bei den' weißen Männern waren, allniähllch aber wurde alles berichtet und sie sprachen auch von Mala, der geholt und gehenkt werden sollte. Der fremde Mann war ganz überwältigt von dem, was er sah uno hörte, und am nächsten Morgen eilte er nach seinem Wohnplatz zurucki Die anderen sollten auch den merkwürdigen Ort mit dem großen Hause sehen, teilhaben an all den Gütern, die die weißen Männer brachten, und sie kamen und brachten andere mit. Bald entstand ein großer Wohnplatz bei der Polizeistation. Endlich kam der Tag, da die Walfänger In See stachen. Es gab nichts mehr für sie zu tun, und das Meer lag offen und eisfrei da. Man hatte von den Bergen aus Wale blasen sehen. Es war schon am besten, hinauszukommen, ehe das Polizeischiff abfuhr und mit seinen Schrauben die Wale oerscheuchte. „Auf Wiedersehen und Dank, es war uns eine Freude, euch zu helfen. Hoffentlich sehen wir uns wieder." „Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen! Wir erwarten euch nächstes Jahr. Nehmt die Post mit, sür den Fall, daß ihr früher als das Polizei schiff heimkommt." Arola und mehrere von den Eskimos blieben an Bord, um Wale fangen zu helfen. Das Leben wurde einförmig. Kreuzen, beständiges Zlusfpähen. Die Menschen langweilten sich. Die Wale waren selten und ziemlich scheu. Es war schon bald Herbst, als die Ladung voll war, und doch hätten sie noch mehr unterbringen können, aber olle waren zufrieden. Der Kapitän hatte Geld verdient, die Mannschaft und die Reederei auch. Man brauchte nur noch die Eskimos an Land fetzen, dann ging es heim mit der kostbaren Ladung, heim zu den Freuden in Boston. Nicht weit vom Festland lag eine Insel, eine kleine, unschein- bar« Insel, und dort wurden die Menschen an Land gesetzt. Arola protestiert« in ihrem Namen. Was sollten sie hier? „Bringt uns ans Festland, dort können wir auf die Rcnntier- jagd gehen. Wir brauchen Kleider sür den Winter. Ach, meine armen Berwandte», denen ich Zeug verschaffen soll, und meine arme Frau, die keinen Pelz hat!" Aber es half nichts.„Ins Boot und schnell an Land," war die einzige Antwort. Es war gut, die Hunde und ihren Schmutz nicht mehr an Deck zu haben.. Es war herrlich, fortzukommen von dem Geruch der Eskimos, deren Frauen den weißen Männern zum Ueberdruh geworden waren. Minik war ganz kraftlos von dem Umgang mit den vielen Männern. Als sie vo» den Offizieren achtern verschmäht worden war, begab sie sich nach vorn zur Mannschaft. Sie hatte Routine von den drei Jahren im Lögcr der weißen Männer im Süden. Aber doch war sie schließlich müde. Auch sie sehnt« sich nach dem Lande und der'Nahrung, die sie von kleinaus gewohnt war. Des täglichen Mehls und der Grütze waren alle überdrüssig. Sie bekamen nur Walsleifch, Renntiersleisch hatten sie lange nicht geschmeckt, es mußte gut sein, wieder etwas Bernllnstiges zu tun und auf Menschenart zu leben. Aber welchen Sinn lMte es, nach Depot Island gebracht zu werden, wie der Kapitän die Insel nannte. Das war es nicht, was man gewünscht hotte, und der Zorn stieg in Ihnen allen auf. Aber ihre Zungen vermochten den Weißen nicht Zu widersprechen: sie mußten sich darein finden, und bald standen sie am Strande und sahen die Schiffe am Horizont verschwinden. Reiche Menschen waren sie alle. Sie hatten Holz sür Schlitten und Kisten, die die Walsängerschiss« nicht brauchten, und sie hatten Tabak und Mesior, Büchsen und Munition. Hier standen sie nun, die reichen Menschen, die doch arm waren, die nicht ahnten, wie sie sich Kleidung sür den Winter verschaffen sollten. Merkwürdig war es, daß Arola erst jetzt die Reife bereute. Er wußte, daß er sich Kleider von anderen kaufen mußt«, und er ähnle nicht, ob der Sommerfang nicht fehlgeschlagen war, was oft geschah. Dann wckkei, die Preise der Felle hoch, und er sah sich schon seines Tabaks, seines Tees und Zuckers, des größten Teiles seiner Reichtümer beraubt, nur um sich die notwendigen Felle verschaffen zu können. Aber merkwürdigerweise fühlt« man das erst, wenn die Schisse heim- fuhren. Arola war ein Mensch mit Menschensimi, wenn er wieder weiße Männer sah, war die Enttäuschung vergessen. XI. Sergeant Make stand vor der Station in Fullerton und sah das Erpeditionsschiff in der Ferne verschwinden. Es war Ihm eine Befreiung, daß es endlich abfuhr, er hotte sich längst danach gesehnt. Es hatte ihn sehr geärgert, daß der Inspektor alles bezüglich der Lage und Einrichtung des Hauses bestimmen wollte: aber Make hotte nur zu gehorchen, erst wenn das Schiff abfuhr, hatte er hier zu befehlen. Er war ein großer, kräftiger Mann, gutmütig gegen feine Untergebenen und gehorsam gegen seine Vorgesetzten. Ein tüchtiger Mann, der gern selbständig werden wollte, um zu zeigen, was er tonnte, und hier wartete seiner eine angemessene Aufgabe, die Er- greifung des gefährlichen Mörders Mala. Aber Make wollte es schon schaffen. Er hatte drei Konstabler zu seiner Unterstützung, hochgewachsene, schlank« Männer, die zu- packen konnten und ein Abenteuer nicht scheuten. Leute, die keine Furcht kannten. Sic waren von ihm selbst unter den Freiwilligen ausgewählt, und er verließ sich völlig auf sie. Man ging sofort daran, die Station nach Makes Wünschen zu verändern. Er betrachtete die Konstabler als seine Kameraden, forderte ober, daß Ordnung und Rang eingehalten wurden. Wenn sie aßen, saß Make selbst oben am Tisch. Er holte weder Kohlen noch Wasser und beteiligte sich auch nicht an der Zubereitung des Essens. Das war Arbeit für die Konstabler. Bald ober tot Joe alles. Er war der gemeiirsam« Diener, und nur das Kochen besorgten die Konstabler der Reihe nach. Es war noch lange Zeit, bis man aufbreche» toimte, um Mala zu finden, und der Müßig- gang wurde den Konstablcrn bald ermüdend. Sie spielten Korten und ließen dos Grammophon lausen, eine andere Zerstreuung kann- tcn sie nicht. Make hingegen hotte viele Bücher, er las Tag für Tag: daran fanden di� anderen keinen Gefallen. So wurden sie einander überdrüssig: bald stritten sie sich, bald schlugen sie sich. Aber Make stiftet« Frieden.„Keine Feindschaft hier. Gibt es etwas auszutragen, so zieht die Boxhandschuhe an und macht es, wie es sich gehört." Das half, hinterher konnten sie sich wieder über Kartenspiel und Eskimofrauen einigen. Von denen gab es genug, ihre Männer waren zufrieden, wenn sie nur Tabak und andere gute Dinge von den Poli�ileuten heimbrachten. Joe sah es nicht gern, daß sich so viele Eskimos bei der Station niedergelassen hatten...Was wollen sie hier? S'md wir nicht genug? Einzelne von ihnen können ja dlcüien," dachte er. Daß Frauen hier sein sollten, war klar. Joe war selbst nicht abgeneigt, davon zu profitieren; aber der große Anhang verringerte die Ration. Joe meinte deshalb, daß ein Teil der Familien fort- geschickt werden sollte, und er erklär!« Make, daß die Walschaluppcn nach einigen Inseln, wo die Walrossc an Land gingen, fahren Müßten, um Futter für die zwei 5)undegespanns zu vorschassen, die Make sür Patrauillensahrtcn- hatte; andere Eskimos sollten aus die Jagd nach Fleisch und Renntiorfellen gel)«», solange es noch kein Eis gab und die Felle gut waren. „Leih ihnen Büchsen und Munition und laß dir dafür von ihren Fällen geben. So ist beiden Teilen geholfen. Sie ernähren sich selbst, und wir brauchen sie nicht zu füttern." Make- fand den Rat gut. Deslialb wurden die Boote ausgerüstet und sorigcschickt. Er selbst hatte Lust, sich an der ReMüierjagd zu beteiligen. Er übergab daher das Kommando in der Station dem ältesicir Konstabler, schnallte sein Gepäck drei Hunden auf den Rücken und schloß sich. wie ein EÄimo ausgerüstet, dem Trupp an, der ins Land hin- einging. * Es fror in den nächsten Tagen, und zuweilen schneite es, so daß es(alt mar, um im Freien zu schlafen; ober sie hatten kleine Zelle, die sie bei schlechtem Wetter aufsckstugeit. Make schloß sich einem jungen Mann an, der aus Eskimoisch Kringak hieß, aber von den weißen Mäimern die Nase genannt wurde. Er war gewandt und liebenswürdig, und seine Frau Siksik war lebhaft und lachte viel. Die Nase war sehr hilfsbereit und lehrte Make viele kleine Knifse, de ihnen das Leben erleichterten. Sie jagten Renntiere und sammelten Fleisch und Felle, zogen immer von Ort zu Ort, und dieses Zigeunerleben fesselte Make. Di« Tag« wurden zu louttr Freude sür ihn, er führte kein Tage- buch mehr und zählte sie nicht, dachte gar nicht an die Zeit, sondern wohnte nur als«infamer Mensch in einer ungeheuren Landschaft und jagte. Wenn sie genug hatten, wurden Depots angelegt, die im Winter leicht mit Schlitten zu erreichen waren. Es war ein herrliches Leben; leider aber kam der Tag, da ihre Munition zu Ende ging, und sie lzotten auch mächtige �Bündel von Fellen beisammen. Make mußte an ganze Heuschober denken, die sich über die Ebene bewegten. Die Ingdfrcude war vorbei, Make erinnerte sich wieder, daß er Beamter, obendrein Hüter der Ordnung war, und er machte sich eiligst aus den Heimweg, um zu hören, ob neue Meldungen über den Mörder Mala eingetroffen waren. Als sie vor dem Hause standen, glich Make allem anderen eher als einem Beamten in Dienst. Gewaschen hotte er sich seit langem nicht, und seine Sticiel waren ausgetreten. Es waren schwere, Nägelboschlagene Stiesel, aber die Steine in den Bergen waren härter gewesen, und sein Zeug war zersetzt. Ja, es war ein richtiger Sergeant, der heimkam, cm Mann, der Manneskben liebte.(Forts, folgt.) WAS DER TAG BRINGT. IIMMUMMMMMIIMMIIMMIMUUIMMlMNMMIIMMMiMMMMMMMMMwMüMIMMMMMMMeMenlMvMMMiMIIMMMMUMlMMMNMIMÜMMttMIMMMMI Sommergewinn in Eisenach. Der sibirische Winter, der mit seinen Eis- und Schnecmassen alle gewohnten Wetterfestlcgungen des Kalenders über den Hausen warf, hat auch vor den ältesten festliche» Ucberlieferungen nicht halt gemacht. In C i s e n a ch hat sich ein altheidnisches germanisches Frühlingsfest— der Soimnergewinn— bis auf den heutigen Tag erhalten und wird alljährlich in allüberlieferter Weise am Sonntag Lätare in der westlichen Arbeitervorstadt von ollen Kreisen in froher Frllhjahrsstimmung begangen. Ein lustiger Festzug mit einem auf hohem Wagen grimmig thronenden Winter und einer nachfolgenden strahlenden Frühjahrsgöllin, umgeben mit allen erdenklichen Früh- lings- und Winter-Attributen zu Fuß und zu Roß und die sym- bolische Verbrennung einer Winterstrohpuppe unter d�m Jubel aller Frühlingsgeister und Zuschauer versinnbildlichen den ersehnten und erfreulichen Wechsel der Jahreszeiten. In diesem Jahre aber konnte das Festkomitee nach den bis- herigen Erfahrungen dem Festsonntag. Lätare, dem altbewährten, von Frühjahrsahncn beschwingten Ostervorläufer, nicht trauen. Selbst die tauenden Schneemassen sprechen einem Frühlingsfest geradezu Hohn. Und um die Frllhlingsgöttin mit ihrem leicht- beschwingten Gefolge nicht in Grippegefahr, zu bringen und die schweren Festwagen vor dem Steckenbleiben im Schncematsch zu be- wahren, mußte das Cisenacher Sommergewinn In diesem Jahr v«r- schoben werden, wohl zum erstenmal seit seinem über tausend- jährigen Bestehen. Und um ganz sicher zu gehen, und vor allen herben Frühlingswinden, die das Fest bisweilen begleiteten, geschützt zu sein, gleich um einen ganzen Mouat, bis zum Sonntag nach Ostern. Wie der witzige ober etwas boshafte Eisenacher Volksmund weiß, sollen als Ersatz sür das ausgefallene Fest die Eisenacher Kohlenhändler und Klempner, denen sich auch die Apotheker und Aerzte angeschlossen haben, planen, ein Erntedankfest am Sonntag Lätare zu veranstalte». M. D. Donnerstag, 14. Mär2. Bertis. 16.00 Tlicoilor Haeckcr, München: Humor und Humanitit. 16.30 Konzert. Sammartinj: Sonate tlir Cello. Mozart, Reeer. Malilef: Lieder. Beetheven; Variationen c-moll(Proi, Hermine Biher-Karschon, Klavier). 17.30„Die Wallfahrt nach Tinos" von Mai HöthdOrf(gelesen vom Verfasser). 18.40 Rans-BredorV-SeHufe. Prof. Dr. A. Stavenhagen; Chemie des täglichen Lebens. 19.00 Dt. Mag Osborn: Donatello. 19.30 Rechtsanwalt Dr. Mai AlsBerg: Der Beruf des RechUinvilts. 20.45 Zum 125. Geburtstag von Johann StrauB(Vater). Dirigent; Bruno Seidler. Winkler.• AnschlioBend bis 0,30: Tanzmusik(Kapelle Marek Weber). KÖnigswusterhaBieB. 16.00 Ob.-Stud.-Üir. Paul Hfldebraudt und Dr. Bruno Klopfer; Lrziehusgs- beratnng: Mein Kind IBSt. 17.30 Landgerichtsdirektor Dr. Hellwig; Justizirrtümer. 18.30 Albert Einstein zum SO. Geburtstag. 18.53 Zwiegespräch zweier Landwirte: Ist deine Rundfunkaniage in Ordnung? 19.20 Dr. FtitZ tierathewohl: Der reisende Kaufmann«IS Redner. 20.00 Prof. Dr. Hellpach, M. d. R., und Prof. Dr. Bredt, M. d. R.: Soll der Staat Titel und Orden verleihen?(Zwiegespräch.) Ein Vierzehnjähriger besiegt Bogoljubow. Man schreibt uns aus Heidelberg: Am ft. März gab in der hiesigen Stadthalle der berühmte russische Schach-Großmeisier E. D. Bogoljubow aus Einladung hiesiger Schachvcreinc eine Vorstellung im Simultanspiel, an der sich 47 Vertreter hiesiger und auswärtiger Bcreine beteiligten. Das Ergebnis waren für Bogoljubow 28 gewonnen« Partien, S ver- lorcne und 10 Renns-Partien. Interessant dürste sein, daß unler den Siegern gegen den Weltschachmeistcr sich auch der jüngste Schachfreund des Abends befand, nämlich ein 14jähriger Knabe namens M ö l l aus Dossenheim bei Heidelberg, der eine im Mittel- spiel gewonnene Figur zäh behauptete und sich dadurch in die Zahl der Sieger über den berühmten Meister einreihen durste. ßyrd funkt... Di« Südpolarexpedition der amerikanischen Flieger W i l k i n s und Byrd steht in dauernder Funkverbindung mit den„New Uork Times". Manchmal ist der Empfang iiu der Schriftleitung der „New'Kork Times" durch Lusteinstüsie gestört. Der Funker hat sür solche Fälle auch in seiner Wohnung einen Empfänger, wo die Luft- Verhältnisse günstiger sind. Wenn in der Schriftlcitung«ine Störung ist, geht er in sein« Wohnung und nimmt dort die Rachrichten Byrds entgegen. Vor ein paar Tagen nahm der Funker wieder in seiner Woh- nung auf. Die Schriftleitung wollte Ihn sprechen, aber der Hörer seines Fernsprechers war abgehängt. Rasch entschlossen, funkt« die Schriftleitimg über 13 000 Meilen hinweg von New'Kort nach dem Südpol ai«i>Byrd, er möge dem Funker sagen, daß ihn die Schrift- leitung sprechen wolle. Zwei Minuten später meldete sich der Funker am Fernsprecher:„Byrd funkt, daß Sie mich sprechen wollen. Was ist denn los?"... Das große Tiersterben. Während der scharfen Frostperiod« ist wie in Deutschland auch in Oesterreich viel Wild gefallen. Das Niederösterreichifchc Landes muse u m in Wien hat sich die gefallenen Tiere (Hirsche, �Rehe, Gemsen, Vögel usw.) zu Studienzwecken schicken lassen. Fünf bis sechs Tierleichen sind täglich eingegange». Die Stücke wurden zeilegi und sorgfältig untersucht. Da ist es bemerksus- wert, daß die Opfer meist sehr junge oder sehr alt« Tiere sind. Man konnte bei den meisten feststellen, daß es durch Lungenwllrmer oder Darmschmarotzer geschwächte Tiere waren, deren Leiden sich durch die Futternot so oerschlrmmerte. daß das Tier starb. Oder der weniger widerstandsfähige Körper wurde von einer Lünzen- cntzündung heimgesucht, das kranke Tier brach zusammen, konnte nicht mehr von der Stelle und erfror. Unter den Opfern gab es einen Hirsch, der schon so alt war, daß er mir noch drei Zähne hatte. Peking wird Peiping. Die chinesische Regierung hat eine Verordnung erlassen, wonach die bisherig«.Hauptstadt Peking in„Peiping" umgeändert wird Ein verdienstvoller Mann. Zu Bernard Shaw kam'«in junger Student und«.zählte ihm. daß er sein Medizinstudium aufgegeben habe, um Schriftsteller zu werden und sich um di« Menschheit verdient zu machen. /-Dazu brauchen Sie nicht Schriftsteller zu werden," meinte Bernard Shaw. „Weshalb?" fragte der Neugierige. „Sie haben sich Verdis um die Menschheit oerdient gemach!," entgegnete Shaw,„wenn Sie dos, Medizlnstudimn aufgegeben haben." Uh&rfuric/cstrcuen Vereinen den Tcnnisfport zu pflegen. Das sind außer Tcnnis-Rot lediglich FTGB. und F. T. Wilmersdorf. Tcnnis-Rot spielt in der low- menden Saison auf folgenden Plätzen: Volkspark Iungfernheide (Rehberge), Humbokdihain, Sportplatz Schönhauser Allee, Friedrichs- hoin, Stadion Lichtenberg, Lolkspark Hasenhcide(Neukölln) und Köpenick. Der Monatsbcitrag betragt bei„Tcnnis-Rot":! Mark. Dafür stellt der Verein Plätze und Bälle. Bedingung! politische oder sreigewerkschaftlichc Orgonisationszugchöriakeit. Jnteressenien wollen sich schon jetzt an den Vorsitzenden K. Kohler, O 34. Weiden- weg 63, wenden, da nicht unbeschränkt Mitglieder aufgenommen werden können. Anfänger erholten durch die Ahteilnngstcchniker kostenlos Unterricht. Bettet die deutsche Ehre! Die Voronmelbiingen für das zweite V u n d e S s e st des Ar- beiter-Turn- und Sportbundes lassen erkennen, daß die Nürnberger Veranstaltung zu einer der imposantesten Kundgebungen des Arbeitersports werben wirb. Das scheint den D e u t s ch» a t i o- nalen äußerst unsympathisch zu seii� denn sie versuche», mit Presseangriffen die Bevölkerung gegen die Arbcitcispvrtler aus- zuHetzen. Eines der übelste» deutschnationalcn Hetzblätter, die bekannic „München-Angsburger Abendzeitung" eröjsnet die Osseusive mit einem großen Artikel:„Tschechischer Aufmarsch in R Ü r n- berg". Der Artikel versucht, die nationalistischen Instinkte zu schüren, man hetzt gegen die bereits vorangemeldeten tschechischen Arbeiterturner. Es wird unterstellt, baß ber Aufmarsch der tfchechi- schen Sozialisten nicht im Iirteresse des Sports erfolgen werbe, sondern nur«in« moralische Auftnunterung der tschechische» Kolonie in Nürnberg darstelle. Das deutschnational« Blatt fordert, den tschechischen Arbeitersportlern die Teilnahm« unmöglich zu machen und meint, es„wäre hoch an der Zeit, daß man sich im Reich von allen Illusionen frei macht und nicht duldet, daß auf diese Weise deutsche Ehre und Würde verletzt wer- den!"— Bums! Es wird allerdings das Golzeimnis der Deutschnatiimaicn bleiben, wieso 2000 tschechische Arbeiterturner die deutsche Ehr« verletzen köimen. Di« deutsche Arbeltersportbeweguiig wird sich jedenfalls durch derartige Quertreibereien nicht hindern lassen, die tschechischen Ärbeitersportler in Nürnberg herzlich willkommen zu heißen. Botfront-«Wehrsport". Di« Kommunistische Partei weiß geimu, daß sie sich die Srpn- pathie auch des letzten oppositionellen Arbeitersportlers oerscherzt, wenn sie offen zur Gründung eigener Organisationen übergehen würde. Ihre neue Sportbetätigung wird deshalb mit der Bezeich- rmng„Wehrsport" maskiert und in den letzten Tagen ganz Uiwerhüllt durch den Roten Frontkämpserbund propagiert. Der Leiter des RFB., W. Leow. izat bereits vor einiger Zeit in einer erst jetzt auch ö-fsentlich bekaimt gewordenen Denkschrift „Körperliche Ertüchtigung der Kameroden" die E i n j ü h r u ng des Wehrsportes jür die gesamte Organisation gesondert. Dieses Verlangen soll mm scheinbar mit Hochdruck in die Praxis umgesetzt werden. Besonders die„Rote Juugfront" ist eifrig bemüht, den Wehrsportgedanken zu fördern. I» zahlreichen Parteizeitungen wird lebhaste Propaganda dafür getrieben. So heißt es beispielsweise im„R u h r e ch o" in einem Aufruf.zum Märzausgebot des RFB. und der RJ.:„Die RI. pflegt in ihren Reihen den revolutionären Geist und betreibt Wehrsport, um die Jungarbeiter körperlich zu ertüchtigen!" In einigen Gauen haben bereits kommunistische Wchrsportwge— wenn auch vorläufig noch mit recht geringem Erfolg— stattgefunden. In Glauchau(Sachsen) wurde dieser Tage ein Wehrsporttag vom Untergau des RFB. veranstaltet. Vom„Wehrsport" der kommunistische u Rotsronchorden hat'cn wir in letzter Zeit schon einige Proben in Ponkcnv und An Norden Berlins genossen.# Neues Ozean-Flugboot. In den Werken von Blöriot befindet sich ein neues Ozean-Flugboot im Bau. Seine Spannweite de- trägt 28 Meter, seine größte Länge 16 Meter. Es wird mit vier Motoren von je 800 PS ausgerüstet, so daß sich eine Gesamtkroft- quelle von 3200 PS ergibt. Das Flugboot, da? zum Frühjahr ftrttggestellt sein soll und dann auf längeren Versuchsflügen er- probt wird, soll 30 Fluggästen Raum bieten. Die Freien Schwimmer Groß-Lerlin bitten um Aufnahme folgender Berichtigung: Beim Brustschwimmen der Frauen über 40 Jahre auf dem Attersschwimmfest kam nicht die Genossin Sinnecker(FTGB.), sondern die Genossin Vogel von demselben Berein mit 1,04 Min. als erste durchs Ziel. Wir müssen gestehen: Galant wie wir stets gegen Frauen stnd, haben wir von Anfang an Bedenken gehabt, Frauen als „über 40 Jahre alt" zu bezeichnen. Nun muß uns auch noch dieser Fehler unterlausen I Sportlerjugend? 3n die Partei! Wir wiesen au dieser Stelle schon auf die Veranstattungen der IungsozialisteN hin. Als erste dieser Werbeveranstaltungen findet morgen, Freitag, in der roten Schule Gothenburger Str. 2 ein Abend statt, an dem Simon Katzensteiii über„Jugend und Politik" sprechen wird. Mr laden insbesondere die jüngeren Arbeikerspottler des Bezirks Wedding ein. Ae Veranstaltung beginnt um 20 llhr. Rezitationen und Gesang werben den Abend ausfüllen. Zlrbeiter-Radsahrer-Derein(vrotz-Berlin. Somttag, 17. März, 13 Uhr, Adlershof, Restaurant Wöllstein. Start: Waldemorslroß«, Ecke Mariannenplatz. Gäste roilltoumieu. XtntifidiMRiK.®ic««hitfteumbc', Zentrel« Wien. Ortsgruppe brilin. Mittwoch, JO. Mitrz. so Uhr, in bet Aula iSrintneiftrritr. Itt— 17, Lichtbilder. nortnog:„In, Land b« 35 000 6«tn.— Mit iZoltdoot>,n» Zrlt in Lavpland." Rrferrut: ewiiossc Dr. Kurt Bizinz. UnteftcnbeilMg HO Pf. iSölto»IBIOmmtit —«M. CbotlBttriibutfl: streit««, 15. JUäM. 20 Uhr. Sxrresil ___________________...----... 3q. Borira«, „Mit Hart« un» üompah",— Akt. iZiikoft: ÄMito«, lü. Dior.�, 20 Uhr, Zrisi-r Straß« S7, ttchttiilbervortrag.-«dt. Sttpitv: strritag, 1*. 305 r*. Ort Uhr, «Kenftr.». Litei!üura«chicht°.-«t.«rulöil»; streit.»». 1Ä Mar«. Z0 Uhr. Iiuqhafcuirr. SS, Mirzfoier. I»ue»dgr»vpe Ost»»: straitas. 13. März, 20 Uhr. Scharwwebrrstr. SO. ZZarttäq:.Photvaravhi« im Mevstc d» Statur iratmt.— fftttiMtaSteibmg: Freitv?. 15. März, 20 Uhr, Iohannieftr. 15, Au«oal>r her Boateaueweis« und Besprechung ber Fahrten. Phatogewein- ickprst: Moutag, 13. März, 30 Uhr, Tiltzter Str. i. Bor trag:„Der Harkr». Drutk.— Akt. Britz: Moittag, 13. März. 20 Uhr. Thausseesir.<3. Bortraiz: „SUliaion utü, EazUtlisoius".— Malliulftgr««i»ichatt: Montag, 18. März. 20 Uhr. Wassert» rftr. 9. Landschaftsmalerei. lumpt rein ,eUfe-*Bp*»I4*,»«»irt«ohuebotf. greita». 30 llhr, gpm. nastisch« Turnstunde fUr Frauen bei Heimann, Waltersdorser Straße, aann- abend, WA Uhr. treffen fich alle Turner und Turnerinnen, Letchiathlete» und lewniiballfpieler bei chrimQnn. Wallrrodott-r Straß«, ?«««., Bezirt TrMpelhos.Marienkerf. Sanpbaverl Heute. Donnerstag, rinmalige Lehrst, inke in oer Turnhalle, Schul« am Marichplah. ?e»ui»-Not: Kockey-Spieleriupcn unk-Spieler. Sitzung Donnerotäg, ll. Viärz, 20 Uhr. im alten Batzenhoser, LanSsberore Allee 13«._ Freie xaltbootsahrrr Berlin. Sonntag. 17. WSr».«anderunq Wild»««- ?erch.«ekhrt 3�7 Uhr Bahnhof«esunMmmnrn S2V JIte«8to»OTirr SMhäot,» Potrda» inuslrigeit. SäSr tvMbnmmttr.. �(fafchäfte-Jhtseiger* 'Bezirk Jlorden-Csien. Kiidien-Neycr Berlin N„ LindowerStr.nurlS/lO{ (am Batmhof Wedd ng) Bar und Kredit! BroluFeinbScKerel von K. Petersohn ROgener Str. 16 empfiehlt sein rorzSgliches Brof'.WclfHLFetntfeliadi. 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