Morgenausgabe JIr. i 33 A 62 46. Iahrgang ' Wöchentlich LSPf� monafßch 8/Ü R. bn voraus zahlbar. Postbezug 4J2 M. einschließlich SO Pfg.Postzeitungs- und 72 Pfg. Postdeftellgebühren. Auslands» abonnement 6.— M. pro Monat. �«r«Bonufirts* erscheint wochevtLg. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im chandel mit dem Titel„De? � Abend". Illustrierte Beilaaen„Volk . und Zeit" und.�kinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen",„Frauen- ' stimme".„Technik".„Blick in die Vücherwelt" und„Iugend-Dorwärts" P> wwr- �iw Berliner SowSblatt Mittwoch 20. März 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Di« einspaltig» Nonpareive�l» 90 Pfennig. Netlame' eile 5.— Ae,chs- mark.„Kleine Anzeigen' das letige- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettaedruare Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Dort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annähme im Hauptgeschäft Linden» straße 3, wochentägl. von S»/, bis 17 Uhr. Jentrawvsan der Gozialdemokrattsthen Kartei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 ßfinlrtedKi: Töndoft 292—297 Telezramm-Sdr.: Eozialdemokral Cetil« Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postichecktonto: Berlin Z7 536— Bankkonto- Bank der Arbeitet. Sngeslell»«» und Beamten Wadltt. KS Dibkonio-Geiellschalt, Depositeniaiie Lindenstr 8 Graf Siolberg vechastet. Unter dem Verdacht des Vatermordes! Hirschberg. 19. März. Der älteste Sohn des gestern auf Schloß Jannowih ermordeten Grasen Eberhard zu Stolberg-Ivernigerode. Graf Ehrl st lau Friedrich, ist unter dem verdacht, seinen Vater ermordet zu haben, verhaftet worden. Er wurde in das hirfchberger Untersuchungsgefängnis gebracht. vor der TZet hallung des Grasen Christian Jtiebtid) hatte die Lande skrlminalpoli, ei Liegnih u. a. sotgende Einzelheiten über die Mordtat bekannt gegeben: Zn dem Ziminet. in dem der Ermordete ausgesunden morde, steht ein Gewehrschronk. Diesem Schrank ist ein Zagdgewehr cutoommen worden, aus dem der tödliche Schuh abgegeben wurde. Der Einschuß ist am ht uterkops ersotgt. während der Ausschuh über dem rechten Auge liegt. Der Täter wird unter den kZausaugehörigen vermutet. Der Sohn de» Gelöteten, Christian zu Siolberg. Wernigerode, ist angeblich mit dem Täter. als dieser aus dem Zimmer de» ermordeten flüchtet«, aus dem Hausflur zusammengetroffen. Cr erklärte, bei diesem Zusammentreffen heftige Schläge gegen die vrust und aus den Kops bekommen zu hoben, so daß er voltftändtg benommen gewesen sei und keinerlei Aussoge über den Angreiser macheu könne. Cr habe sich kaum noch aus den Gntshos begeben können, wo er nur noch um Hilfe habe rusen können und dann erschöpft umgefallen sei. Di« Ermittlungen werden sortgesetzt. Die sonderboren Angabst» des Grafen Christian Fried- rich mußten bÄ den die Untersuchimg führenden Beamten sofort den-Verdacht aufkommen-lassen, doh ein Angehöriger der Familie oher zum mindesten ein Mitbewohner des Jannowitzer Herrenhauses ohi Töter in Betracht komme. Der Schuß war noch dem Befund aus nsternächster Nähe abgegeben, es war ein Geschoß mit abgeplatteter Pleispitze. Die Mordwasse,«ine Flint«. log auf dem Fußboden dys Limmers, sie war aus dem Gewehrschronk entnommen, der in der Nähe des Sofas im Mordzimmer stand. Graf Christian Friedrich behauptet, mit seinem Vater geplaudert zu haben. Er hätte austreten müssen und sei auf dem Flur von zwei Männern überfallen, gewürgt und bewußtlos gemacht worden. In seiner Angst sei er dann zu dem etwa iä<) Meter abliegenden Wirtschaftsgebäude gerannt. Der mit der Gerichtskommisston herbeigenisenc Arzt konnte ober bei dem jungen Grafen weder Würgen, ale feststellen, noch entdeckte er irgend- welche Spuren eines angewandten iiarkotisierenden Mittels.— Alle Verdachtsmomente wiesen aus d«n Sohn. Wohl ist dos Motiv noch ungeklärt, doch darf man annehmen, daß es sich bei der Unterhaltung zwischen Vater und Sohn nicht um eine harmlos« Plauderei, sondern um eine sehr ernste Auseinandersetzung gehandest l)at. Die Untersuchung wird sich ohne Zweifel ausgiebig mit dem Lebenswandel des verhafteten Grafen Christian Friedrich z» be- fassen haben. <- Die Mordtat von Iannowitz lenkt die Aufmerksamkeit aus dos Geschlecht der Stoiberge. die zu den ältesten deutschen Grafenhäusern zählen und— um uns eines Ausdruckes der Vornoveniberzeit zu bedienen— den regierenden Häusern standesgleich waren. Der ermordete Graf Eberhard entstammte einer Seitenltnie des weitverzweigten Geschlechts und wurde 190S beim Tode seines Vaters Fideikommihherr auf Iannowitz. Der unter Mordverdacht verhaftete Gras Christian Friedrich, der iSOt auf Iannowitz geboren wurde,«st der älteste Sohn des Ermordeten und somst nach der Primogenitur Erbe des aus- gedehnten schlestschen Grundbesitzes. Er hat acht Geschwister. Der ermordet« Graf ist in der Oesientlichkest wenig hervorgetreten. Er mar noch den rein äußerlichen Ernennungen der Kaiserzeit Nitt- meister k I» tniitc der Armee und widmete sich in der Hauptsache der Bewirtschaftung seines ertragreichen Grundbesitzes. Die Stolberge find im übrigen in der Geschichte sehr häufig hervorgetreten. Im achtzehnten Jahrhundert machten sich zwei Grafen Stolberg als Dichter«inen Ron,«», doch sind sie heute vor- gesfen. Dem Deutschen Reichetag haben tn der Vorkriegszeit nicht wsniger als acht Stotberg« angehört. Cs waren olle« sehr s e ch t» g e r i ch t« t e h e r r e n. Die vier aus der Linie Stolberg- Swlberg, die kothostich ist. standen auf dem reaktionären Flügel des Zentrums. Die evangelischen Wernigerodes waren Angehörige der Konservativen oder der Reichspartei. Zwei' von ihnen wurden in weiterer Oeifentlichkeit bekannt: Otto, der frühere Staatsminifter und Oberprüsideiit, den Wilhelm II. 1890 fürstete, und Udo, gleich- falls Oberpräsident, der Präsident des Deutschen Reichstages als Borgänger des Fortschrittlers Kämpf. Die große Umwälzung vom November 1918 ließ die Angehörigen des Hochadels zum größten Teil aus den deutschen Parlamenten ver- schwinden. In der Republik finden wir nur noch den Grafen Albrecht zu Stolberg-Wernigerod«, Grundbesitzer i» Ostpreußen, in den Preußischen Landtagen von 1S21 und 192.?. Er war Mitglied der Deutschen Volksparlei, während des Krieges von 1916 bis 1918 gehörte er dem Preußischen Herrenhaus, dem Junker- Parlament der hohenzollernmonarchie, an. In der Maiwahl 19S8 wurde er nicht wieder aufgestellt, vorher ist er nur als Mitglied der Zentralmoorkommisston des Preußischen Landtags misgetreten. Oer Kampf um die Gesamtsumme. Hexentanz von Sonderforderungen. V a r» s. 19. März, s Eigenbericht.) Die Sachnerstäudigenkonsereuz ist nunmehr eod- gültig in ihre bedeutsamste Periode eingetreten. Die Diskussion über die Ziffern ist in vollem Gange, und zwar so- wohl zwischen den Alliierten und Deutschland, al» auch unter den alliierten Delegierten selbst. Auf der Basis der Uebernahm« der interalliierten Schulden durch Deutschland in Form von 38 Iahreszah- lüngen und der Leistung einer Entschädigung für die Wieder« ausbaukost en in Gestalt von 37 Iahreszahlungen ist«ine grundsätzliche Annäherung der beiderseitigen Standpunkte bereits eriolgt. Trotzdem ist die Differenz der Auffassungen über die höhe der deutschen Leistungen nach wie vor sehr groß. Die Verhandlungen darüber werden noch erschwert durch die Taktik der Alliierten, sich gegenfeitig in der Aufstellung von Sonder- sordcrungen zu überbieten. So verlangt England über die Forderungen der Bolfour-Note(Deckung der Schulden an Amerika) hinaus nunmehr noch 3V Milliarden Mark für die Dominien und .zur Deckung seiner früheren Zahlungen an Amerika, die durch die bisherigen'deutschen Leistungen nicht gönzlich erfolgt ist. Die Belgier hieven den Augenblick zur Weiterverfolgung ihrer alten Ansprüibk ans Entschädigung für die während des Krieges von Deutschen in Belgien ausgegebenen Noten für gekommen. Selbstverständlich hat dos Italien Mussolinis bei so wichtigen Interessenkämpfen nicht den Ehrgeiz, zurückzustehen, zumal aus Oesterreich und Ungarn nicht viel an Reparationen herauszu- holen ist. Auch Japan tommt plötzlich mit einer Rechnung, und Rumänien und Jugoslawien haben die ibren bereits fertiggestellt. Angesicht? dieser Sachloge ho'-en es die amerikanischen Schied?- pchtcr schwer, die einzelnen Parteien zur Verminst zu bringen. Ihre Tätigkeit wird bereits von einem Teil der französischen Pvesi« ironisch charakterisiert. Ihnen sei«»— sc» ist dort zu lesen— vor ollem darum zu tun, ihre eigenen Forderungen sicherzustellen, wenn sie Deutschland gegen diese Sonder- sordcru ligen verteidigen. Tatsächlich scheint der amerikanische Dele- gierte Owen Uoung die Führer der einzelnen Delegationen«r- sucht zu haben, ihr« Ansprüche etwas mehr mst der deutschen Zahlungsfähigkeit in Uebereinstimmung zu bringen. Er hat am Dienstag den Führer der französischen Delegation, den Präsi- denten der Bant von Frankreich, Moreau, empfangen. Dieser soll erklärt Habens Frankreich sei mit einer Forderung von SO M i l» liarden Franken für die Wiederausboutosten bis zur äußersten Grenze hevabgegangen. Kein Verhandeln mit Vebellen. Neues Gefecht in Mexiko. Mexiko-Cith, IS. März.(Eigenbericht.) Tie Rebellengeneräle Earaveo und Eöeobar boten der mexikanische« Regierung— durch Vermittlung des mexikanische» Konsuls»in der USA.-Grenzstadt El Paso— ihre Ergebung unter ehrenvolle» Um- stände» an. Präsident Portes Gil antwortete daraus telegraphisch, die Regierung lehne es ab, mit diesen Rebelle» zu verHandel». Sie hätte» segliche Loyalt- tat ignoriert und de» bewaffneten Aufstand provo- ziert. Dadurch hätte» sie sich außerhalb de» Gr- j e h e 6 und außerhalb aller Ehrengruudsätze gestellt« Diktatur und Bauernschaft. Erzwungene Konzessionen. Von Bvtvr Garwy. Die Wirtschafts- und Ernährungskrise dauert in Ruß- land an. Die dumpfe Gärung in Stadt und Land nimint zu. Die in die Enge gedrängte Diktatur verteilt blindlings Hiebe nach links wie nach rechts. So sehen wir jetzt, inmitten des verhängnisvollen Links- kurses, der sich anschickt, das Dorf auf dem Zwangswcge zu „sozialisieren", eine neue Rechtsschwenkung in der Bauern- Politik. Das soeben erschienene Gesetz„Ueber die Erleichte- rung der Steuerlast der Mittelbauern' enthält eine Reihe von Steuerbegünstigungen, die die Förderung der Entwicklung der individuellen Bauernwirtschaft bezwecken. Derselben individuellen Bauernwirtschaft, die vor kurzem noch zum alten Eisen geworfen und durch die Zwangstollektivisierung und Gründung von Staatsgütern abgelöst werden sollte...'. Was ist geschehen? Was hat die hartnäckige Diktatur gezwungen, von der„Generallinie" der herrschenden Partei gewissermaßen abzuweichen? In dem Wortlaut des neuen Gesetzes selbst sind die Motive seiner Veröffentlichung ziemlich klar angegeben. Und zwar: die„Mangelhaftigkeit der Erfolge der Landwirtschaft für die Befriedigung der rasch wachsenden Bedürfnisse in Stadt und Land", insbesondere aber„das Zurückbleiben der Getreidewirtschaft", die„Unter- brechungen in der Brotversorgung der Bevölkerung" und endlich die„vollständige Einstellung der Getreideaussuhr". R y k o w, das Haupt der Sowjetregierung und gleich- zeitig der geheime Führer der Rechtsopposttion, hat offen die Notwendigkeit der neuen Konzessionen an die Bauernschaft mit dem Hinweis darauf motiviert, daß in den nächsten Jahren nicht die Kollelliowirtschaften und die Staatsgüter, sondern die 25 Millionen individuellen Bauernwirt- schasten„in der Brotversargung des Landes die e n t s ch e i- d e n d e Ro ll e spielen werden". Daher, führte Rykow aus, die Notwendigkeit, die Wirtslbaftstätigkeit der einzelnen Bauern durch die Steuerbegünstigungen zu fördern, da' der individuelle Produzent, ohne daran materiell interessiert zu sein, die Anbaufläche und die Ernteerträge nicht erweitern werde. Aber die neuen Steuerbegünstigungen sind trotz ihres ge- wissermaßen positiven Charakters nicht imstande, die Grundaufgabe zu lösen, die die Sowjetmacht unter dem Druck der Wirtschaftskrise sich zu stellen gezwungen war, und zwar„die Stabilität in die wirtschaftlichen Berech- nungen und Pläne der Bauernschaft hineinzutragen". Auch den Machthobern ist es nach dem spontanen Getreide- und Anbaustreik der Bauernschaft klar geworden, daß ohne solche Stabilität der Verbältnisse auf dem flachen Lande die Aus- dehnung und die Jntenswierung der bäuerlichen Landwirt- schaft unmöglich ist. Dessen ungeachtet sind die soeben erzwun- genen Begünstigungen nur auf 2 bis 3 Jahre berechnet. Eine so kurze Frist ist aber unzureichend, um bei den Bauern die wirtschaftspsychologischen Voraussetzungen für die Entwick- lung der ins Stocken geratenen Landwirtschaft zu schaffen. Dabei haben die Bauern nach den Erfahrungen des Links» kurses keine unbedingte Sicherheit, daß auch nur die zwei- bis dreijährige Frist wirklich eingehalten wird... Rykow hat vollkommen recht, wenn er behauptet, daß die Frag« der wirtschaftlichen Aktivierung der Bauernschaft sich an der P o l i t i k stößt. Lenin hat bekanntlich die NEP., d. h. die neue Wirtschaftspolitik„im Ernst und auf die Dauer" in der Hoffnung verkündet, daß sie eine Ueber- gangs stufe zum Sozialismus fein würde. Als es sich aber umgekehrt herausgestellt hatte, daß die NEP. nur der Uebergang vom Kriegskommunismus zum Kapitalis» m u s war, änderten Lenins Nachfolger mit Stalin an der Spitze teils aus eigener Ueberzeugung, teils unter dem Druck der Linksopposition den ganzen st r a t e g i s ch e n Plan. Sie nahmen nun den Weg zur forcierten Industriealisierung in der Stadt und zur Zwangskollektivierung der Bauern- schaft auf dem Lande. Die Folge davon war die Stagnation der Landwirtschaft und der Bruch mit der Bauern- schaft. Die neuen dürftigen„Begünstigungen" für die Mittel- dauern werden ihr Ziel schon deshalb verfehlen, weil sie nur als Provisorium, als ein erzwungenes Anhalten der eingeschlagenen„sozialistischen Offensive auf dem flachen Lande gedacht sind. Die Offensive muß immer weiter gehen. denn der linksgerichtete„strategische Plan" wird trotz allen Konzessionen beibehalten. Gerade anläßlich der neuen Steuerbegünstigungen für die Mittelbauern hat Rykow vor kurzem erklärt, es sei„keineswegs zulässig, daß die sozialistische Stadt und die sozialtstifck e Industrie vom flachen Lande eingekreist würden, das sich ans der kapitalistischen Grundlage entwickle". Jndesien bildet ge- rade dieses Zusammenleben beider Wirtschaftssysteme dos Wesen der von Lenin erdachten NEP! Solange der eigentlich linkskommuniftische„strategische Plan" in Kraft bleibt, ist auch der gefährliche Bruch mit der Bauernschaft, der zur politischen Krise der Diktatur fuhrt, unvermeidbar. Umsonst versucht die Sowjetmacht diesen ver- ftürtgni&Dnttcn Bruch dadurch aus der Welt zu schaffen, daß dw neuen Begünstigungen nur für die Klein- und Mittel- dauern gelten sollen, während die„Kulaki", die Großbauern, nach wie vor unter einem wirtschaftlichen wie politischen Aus- nahmczustand bleiben. Die Sowjetmacht schickl sich an,„sowohl die technische wie die s o z i a l e Rekonstruktion des flachen Landes durchzu- führen". Aber sie übersieht, daß die sogenannte„soziale Re- konstruktion", d. h. der Vernichtungskampf gegen die bemittel- ten Bauern in einen schroffen Gegensatz zu der„technischen Rekonstruktion" der rückständigen russischen Landwirtschaft gerät. Denn die linkskommunistische Nivellierungpolitik auf dem flachen Lande führt nicht zur Sozialisierung der Landwirtschaft, sondern nur zu ihrem Zurückbleiben und ihrem Verfall. Die sogenannte„strenge Durchführung der Klassenlinie auf dem flachen Lande" wird eben deshalb in der Praxis mit einer spontanen Vereinigung aller Schichten der Bauern- schaft zu einer Einheitsfront gegen die Wirtschaftspolitik der Diktatur beantwortet. Die neuen Konzessionen der Sowjet- macht werden diese spontan« Einheitsfront kaum zerrütteln, vielmehr noch festigen, da die Dauernschaft als Ganzes diese Kozessionen als den Sieg ihrer„passiven Re- s i st e n z" in der Form des Getreidestreiks betrachtet. Die zahlreichen sogenannten Kulakenbriefe, die jetzt in der „Prawda" veröffentlicht werden, bestätigen, daß sich nicht nur die Großbauernschaft, sondern vielmehr die gesamte Bauernschaft, die aus der Agrarrevolution als eine Klasse der Dorfbourgeoisie hervorgegangen ist, nach der Entfesselung der kapitalistischen Wirtschaftsmethoden in Stadt und Land sehnt. Die Zwangskollektivierung wird in diesen Briefen als „Wiederkehr der Leibeigenschaft" gebrandmarkt. Die neuen Konzessionen werden das politische Selbstbe- wußtsein der Bauernschaft, das auch in den neuen Sowjet- wählen zum Vorschein kommt, nur noch erhöhen. Dasselbe gilt für die kommunistische R e ch t s o p p o f i t i o n. die die Konzessionen an die Bauernschaft dem Polbureau abgerungen bat. Das unaufhörliche Trommelfeuer nach rechts kann den sachlichen Sieg der Rechtsopposition nicht verschleiern. Noch vor kurzem wurden Mandelstamm und manche andere Nechtsoppositionelle grausam gemaßregelt, da sie eine eigenartige„Theorie der Konzessionen" zur Rettung der Parteidiktatur aufgestellt hatten. Jetzt unter dem Druck der wirtschaftlichen und politischen Krise ist die Stalinsche Füh- runa gezwungen, diese„liquidatorische" oder, um mit Trotzti zu sprechen,„im Grunde genommen thermidorische" Theorie in der Praxis anzuwenden. Aber die vorhandene Reserve der Konzessiv- n e n, die der Diktatur zur Verfügung steht, ist sehr be- grenzt. Zu scharf sind die Fragen der Wirtschaftspolitik ge- stellt, zu stark ist die Gärung in den verschiedensten Schichten l'esonders auf dem flachen Lande. Ist aber die Reserve der Konzessionen erschöpft, dann kommt die Sckstckmlsstunde der Diktatur. Von dem akiiven Eingreifen der Arbeiterklasse in den Gang der Ereignisse wird es zum großen Teil abhängen, ob die unvermeidliche Ueberwindung der bolschewistischen Diktatur sich in der Richtung zur Demokratie oder zum Bona- partismus vollziehen wird... Nachfeier eines 80. Geburtstages. Tirpih der Prophet der Revolution. Die deutschnationale Press« hat gestern mit ungeheurem Auf- wand von Zeitungspapier und Druckerschwärze den 80. Geburtstag des Großadmirals a. D. Tirpitz begangen. Man hat feine ongeb- lichen Verdienste stürmisch gefeiert, seine Reden und Schriften massenhaft zitiert. Dabei fällt freilich die Sargsalt auf, mit der um ganz Wesentliches herumgegangen worden ist. Die Leser der Hugen- berg-Presse bekommen nur den„Schäpfer der deutschen Flotte" und den ohne eigenes Verschulden oerhinderten Sieger Im Seekrieg gegen England zu sehen, nicht aber den Mann, der während des Krieges vernichtende Kritik an der Monarchie geübt und die Revolution prophezeit hat. Dorum mag man es als«ine nützliche Ergänzung der Festartikel von gestern betrachten, wenn hier ein paar Sätze aus den Kriegsbriefen des Großadmirals in die Erinnerung zurückgerufen werden. So schrieb Herr v. Tirpitz schon am 23. August 1914: .Lch zittere in erster Linie für unser Deutschland, dem ich die Wucht und grimmige Entschlossenheit nicht in dem Maß zugetraut hätte: aber zuviel Jämmerlichkeit dadroben!" Und am 2. Oktober:„Die Leistung unseres Volkes ist großartig. Darin besteht unsere einzige Hoffnung, die Zügelführung schrecklich!" Am 13. November:„Ich habe gelitten und leid« noch mehr, daß unsere ganz« Politik derletzten Jahre Blödsinn war." Am 17. November:„Im August sind unerhörte Fehler gemacht, kein« Organisation im Bureau de» Generalstab» und später Kopflosigkeit, die, wie jetzt hier allgemein eingesehen wird, zu dem unnötigen falschen Rückzug führte." Am 18. November:„Wenn nur der Kopf ander« wäre, die Nation ist glänzend." Am 22. Januar 1915:„Je mehr ich sehe von der Neichsleitung durch den Kaiser und den Kanzler, je mehr schwindet meine Hoffnung." Am 22. März:„Ich habe diese Zietlosigteit, dies« Fan- saren dabei jetzt seit zwei Jahrzehnten miterlebt und gesehen, wie jedes Ressort für sich arbeitet, alles sich an„Ihn" drängt, dem man den Glauben beibringt, alles selbst zu machen und von dem so große Borteile ausgehen.— B y z a n z I Und nun haben wir diesen furcht- baren Krieg und dasselbe Durcheinander und dieselbe Ziellosigkeit." Am 23. März:„Wir sind nicht nur politisch, sondern auch militärisch in den Krieg hineingetapert." Am 26. März:„Es ist ein unerhörtes Versagen unserer Oberschicht, mitverfchuldet durch dl« Spitze." Und schon am 20. September 191.4 hieß es: „Vielleicht rettet uns das Volk und feine Kraft. Mit dem bis- herigen Sasien- und Kloffenwefen ist es vorbei. Sieg oder Niederlage. Wir bekommen die reine Demokratie." Und ähnlich am 3. März 1915: „Zch teile deinen Glauben an unser Volk, aber die Gefahr liegt nahe, daß wir e r st durch eine Revolution dnrchmüssen, an Stelle der Evolution." Herr von Tirpitz hat allerdings seine Ankündigung, er werde nach dem Krieg„unter die Sozen gehen" und sich„ßaternenpsähle aussuchen",'nicht wahrgemacht. Cr hat vielmehr sein politisches Asyl, wie es sich gehört, bei den Deutschnahonaleu gefunden. Deswegen hätte ihm aber die deutschnationale Presse doch nicht den einzigen Ruhm, der ihm bleiben wird, versagen sollen: den Ruhm nämlich, ein vernichtender Kritiker der Monarchie, ein Prophet der Revolution und der Demokratie gewesen zu sein. Erich sieht weiße Mäuse. Und muß deshalb vor Gericht. Euxhaven. 19. März. Am Mittwoch findet vor dem Amtsgericht Cuxhaven die Der- Handlung in der Privatklage Sparr gegen Luden- d o r f f statt. Bei dem Prozeh handelt es sich um die Klage des Inhabers eines photographischen Ateliers, Heinrich Sparr, der seit 1920 in Cuxhaven wohnt, gegen den General a. D. Erich Ludendorsf wegen Beleidigung. In dem Buch:„Die Vernichtung der Frei- maurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse", dessen Verfasser Erich Ludendorfs ist, wird auch ein Bild einer Loge gebracht, die während des Krieges in St. Ouentin tagte. In der Erläuterung zu diesem Bild wird gesagt, daß die auf dem Bild befindlichen Deutschen nicht nur Spionage zugunsten der Feinde unterstützt hätten, sondern daß der einzige Zivilist unter den zwölf in Uniform befindlichen Deutschen ein französischer Freimaurer sei. der an dieser Spionage beteiligt gewesen sei. Der angebliche sranzösische Zivilist ist ein einer alten Hamburger Bürgevsamilie entstammender Photo- graph, der in Wandsbek ansässig ist und seit 1920 in Cuxhaven ein phtographisches Atelier betreibt. Sparr hat nun eine Privatklage gegen Ludendorsf wegen öffentlicher übler Nachrede angestrengt. Die„Vauernfroni" brüchig. Differenzen am schein. ««n, 19. Marz. "mdesökpiwmierei Bolkig, langjähriges VorstavHsmüglied und stelloeetrstenber Vorsitzender des Rheinischen Bouornnereinz. der größten rheimschen landwirtschaftlichen Organisation, hat seine A e m t a r im Rheinischen Bauernversin niedergel-gt. In einem längeren Schreiben an den ersten Bor- stponden, n. Los. sagt Bollig u. a., aus ernster Sorge um die Zukunft der Landwirtichait und wegen schwerster Bedenken gegen die Verschmelzung de? Organisationen der Bauern- nergine und der Landbünde des Reichslandbundes, sehe er sich zu diesem Schritt gezwungen. Die Verantwortung für diese Ent- Wicklung könne»r nicht tragen. Cr halte die Verschmelzung grundsätzlich nicht für nichtig. Große Teile des deutschen Bauernstondes würden die Verschmelzung sicher ab- lehnen. Er sehe daher in der geforderten Cinheüsorganisation sein« Einheit, sondern Führer und Landvolk zerreibende neue Zersplitterung. Der deutsche Bauernstand bilde im Volks- aanzen nur 27 P r o z., bleibe also angewiesen auf die Zusammen- crbcit mit den anderen Benifsständen. Oer Landvolkmann vor Gericht. Gefängnis wegen Anreizung zur Steuerverweigerong. Flensburg, 19. März. Vor dar Großen Strafkammer des Landgerichts Flensburg als Berufungsinstonz wurde gegen den Bauer Wilhelm Hamtsns aus ?�ts>chüll wegen Beleidigung und Aufreizung zur Steuerverweige- rung verhandelt. Ts handalt sich um zwei Prozesse. Der erste betrifft di« Beleidigung«ine« Steuererheber«. Hamtens, her als Führer bei den sogenannten Landvolkkundgebungen auf- tritt, wurde dafür verantwortlich gemacht, daß ein Gesuch auf Stauerniederschtagung einer Steuer in Höhe von 28 M. abgelehnt wurde. Nach längerer Verhandlung wurde sowohl die Berufung des Angeklagten als auch der Staatsanwaltschaft zilrückgewiesen. Es hle-bt bei dem Urteil der Borinstanz in Höhe von 300 M. Die zweite Anklage behandelt die Aufreizung zur Steuern er- Weigerung. Diese wird in einem offenen Brief erblickt, den der Angeklagte im Auftrag der Landvalkbewegung an die Ge- meindeoorsteher seines Kreises gerichtet hat und in dem er aufforderte, den vorgesetzten Behörden mitzuteilen, daß alle Gemeindcmitglieder nicht länger in der Lage seien, Steuern zu zahlen. Außerdem soll d«r Angeklagte in einer Versammlungsrede zur Steuerverweigerung aufgefordert haben. Die Zeugeimussagen über diese Rede waren widersprechend. Er selbst behauptet, weder in der Bcrsammlung noch in dem offenen Brief zu einer Ttcuervarweigerung aufgereizt zu haben. Das Gkricht war jedoch anderer Ansicht und verurteilte den Angeklagten zu vier Wochen Gefängnis. Am Nachmittag wurde gegen neun Landwirt« aus Dithmarschen, darunter zwei Gemeindevorsteher, verhandelt, die im November vorigen Jahres in Sunden«Ine Pfändung gewaltsam verhindert hatten, inhem sie sechs Ochsen, die auf dem Hamburger Markt ver- steigert werden sollten, auf dern Wege zum Bahnhof in Sunden ob- fingen. Das Schöffengericht in Husum hatte wtf QMdstrosä von 50 bis 100 M. erkannt. Da« Landgericht verurteilte die beiden Gememdevorsteher zu 500 bzw. 400 M. und die übrigen Angeklagten zu j« 300 W. Geldstrus«,_____ Trotzki ist wirklich krank. Gutachten eines deutschen Arztes. Zur Widerlegung der Gerüchte, daß �rotzki gar nicht trank sei, sondern eine Krankheit nur vorschütze, um die Einreiseerlaubnis nach Deutschland zu erhalten, hat sein Vertreter, Rechtsanwatt Dr. Kurt Rosenfeld, der Reichsregierung und der Preußischen Regio- r.ung jetzt«in Gutachten de» Professors Dr. Iulrus Citron überreicht. Aus den Erklärungen dieses Arztes geht hervor, daß Trotzki bereit» im Jahre 1926 in Behandlung deutscher Aerzte ge- wesen ist, daß er damals in Berlin operiert wurde und daß die ärztliche Behandlung nicht abgeschlossen iverden konnte, weil Trotzki vorzeitig noch Rußland fahren mußte. Prof. Citron hat die Notwendigkeit der Fortsetzung der ärzt- lichen Behandlung ausdrücklich bescheinigt und auch erklärt,' daß dar Wunsch Trotzkis. von den deutschen Aerzten, die chn durch nHih» wöchige Beobachtung und eingehend« Untersuchung am heften kennen, wetterbehandelt zu werden. Medizinisch gerechtfertigt ist. Kriegsprophezeiung Trotzkis. Sonstankinopel, 19. März. fRsuter.Z In einer PreffearilSrung sagt Trotzki. daß aus den Gegensätze« zwischen England und den Dereinigten Staaten im Krieg innerhalb der nächsten zehn Jahr« zum Ausbruch komme« müsic. Gegenwärtig wolle sich Amerika die Herrschaft zur See sichern und Englands marttim« Vorherrschaft brechen. Der Kellogg-Palt beschleunige den Kriegsausbruch. Verfassungskunde in den Schulen. Dankenswerte Anweisung des preußischen Kultusministers. Nach den Feststellungen der Sachbearbetter des preußischen Kuttusministeriuws bei Schulbesichtigungen entspricht die Einführung der Kinder in das Verständnis der Verfassungen des Reichs und des Freistaates Preußen oft nicht den Ansprüchen, die an die staatsbürgerliche Ilnterweisting in der Schule gestellt werden müssen. Minister Dr. Becker hat die ihm nachgeordneten Regie- rungen daher ersucht, die Schuttätc anzuweisen, diesem Unterrichts- gegenstände ihre besondere Fürsorge zuzuwenden und dabei folgendes zu beachten: Die Richtlinien vom 15. Oktober 1922 fordern die Berücksichti- gung der Verfassungen des Reiches und des Freistaats« Preußen bei der ausführlich und möglichst anschaulich zu gestalten- den Darstellung der gegenwärtigen staatlichen Derhällnisie. Die Voraussetzung für eine befriedigende Lösung dieser Aufgaben ist zu- nächst, daß lehrplanmäßig hie ausreichende Zeit für ein« solche Behandlung der Lersasiungen gesichert wird, sodann aber und vor allem, daß sie planmäßig in dem vorangehenden staats- bürgerlichen Unterricht vorbereitet wird. Nach den Nicht- linien ist Staatsbürgerkunde, d- h. eine dem Verständnis d«r Alters- stufe angepaßte Einführung in unsere staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände, von Ansang an im G e sch' ch t s- Unterricht und auch in anderen Fächern zu betreiben. Dabei soll stet« auf die Gegenwart Bezug genommen werden. Die« wird offenbar nichj immer sorgsam genug beachtet. Die abschließende Einführung der Kinder in die Per- fasiuiig, die zwcckinäßigsrweiss nicht paragraphenweise, sondern nach den großen Gesichtspunkten, die dem ganzen Unterricht in der Staatsbürgerkunde zugrunde gelegen haben, zu erfolgen hat, soll zum größten Teil eine klärende und vertiefende Zusammenfassung der bereit» erarbeiteten Erkenntnisse sein, so daß die Aerfasiung als das Ergebnis der bisherigen geschichtlichen Eni- Wicklung erkannt und gewertet wird. Tschechisch-polm'scher Zwischenfall. Legionäreinfall in Teschen. Tesche«. 19. März. In der vorgestrigen Nacht wurde aus eine polnische Druckeret bei Teichen ein U e b e r s a l l von ehemaligen tschechischen Legio» nären au« der Tschechoslowakei oersucht. Sie demolierten di« ganze Einrichtung, wurden dann aber durch Revoloerschüffc ans der Druckerei verscheucht. Die Täter entwichen vor den sie ver- folgenden Polizeibeantten überdieSrenz«. In dieser Druckerei waren vor kurzem Schriften gegen die tschechojlawatijchen Legionäre gedruckt worden. Die Stadt Teschen im ehemaligen Oesterreichi Ich- Schlesien ist von den Weisen in Versailles zwischen der Tschechaslowakei und Polen geteilt worden, was natürlich dauernd Konsliktstpff gibt. Bergwerksunglück bei Waldenburg. Zwei Bergleute erschlage». Waldenburg. IS. RWrz. Aus Grube Rüben der Reuroder hohlen, und Tnnwerke wurden durch einen;y Bruch gehenden Pfeiler mehrere Perglevle verschöllet. Der Steiger ksildebrandt und der Bergmann Herden wurden durch die eisernen Träger erschlagen. Die übrig« verschütteten könnt« noch lebend geborgen«erden. Der Kamps um die Missionare. Voncour verteidigt die Regierungsvorlage. Parls. 19. Marz. sEig-nbsrlchi) Die Kammer setzte am Dienstag nachmittag die Beratungen über die Äonzregationsgesegs fort, nachdem die Sazioltsteit ihr«» ursprünglich geplanten Bectogungsantrag zurückgezogen hatteir. Paul-Boncour psrteidigte in seiner Eigenschost ql» Bor, sitzender des auswärtigen Ausschüsse« die neu« Bor- löge und betont«, daß die Kommission sich in völligem Cinpernehmcn mit der Regierung besind«, nachdem diese den von ihr angenommenen Entwurf zu dem ihren gemacht habe.(Auch in diesem Punkt geht Boncour seine eigenen Wege. Bereits bei der letzten Abstimmung über diese Frage hat er im Gegensatz zu der Haltung der gesamten Fraktion sich der Stimme enthalten. Diese Haftung wird in der Partei scharf kritisiert. Red. d.„V.".) Der Berichterstatter H ö r o u d betonte, daß bereits die Urheber der Trennungsgeletzgebung daran gedacht hätten, die Gesetz« in einigen Punkten zu verbessern. Man habe nicht gewollt, daß die Kongregationen eingehen, sondern daß ihre Existenz gesetzlich sei. All« sranzäsischen Außenminister hätten seither die Kongregationen im Auslände unterstützt. Es müsse betont werden, daß die vom Staat unterhallenen Laienschulen, die 34 Mil- lionen Zuschüsse erhiellen, im ganzen nur 10 000 Kinder unterrichten, mährend die Kongregationen bei 7 100 000 Franken eine Gesamt. schülerzahl von 500000 erreichen. Italien unterstützt seine Mis- sionen. ebenso Deutschland. Wenn dl« sranzösische,, Missionen heute verschwänden, so geschehe die« nur zum Sölden des fron- zösischen Einslusies. Es handele sich um die Zukunft der französischeu Geltung im Auslände. Das kommt ihnen spanisch vor! Lfu� »Tatsächlich— in Spanien kämpfe« Studenten gegen statt für Diktatur. Sage ja immer: den deuffchen Couleurburschen macht uns die ganze Welt nicht nach!� Utrecht vor der belgischen Kammer Sozialistische LnierpeNation—Schwere Angriffe aus Regierung und Generalstab. Lrüssel. tS. März.((Eigenbericht.) 21m Dienstag stand in der Sammer die sozialistische Interpellation über die lltrechter Jätjdjungs- ossäre zur Debatte. Der sozialistische Abgeordnete Mathien forderte die Regierung in einer wirkungsvollen Rede auf. über da» Verhalten der militärischen Sicherheitsbehörde Aufklärung zu geben. „Dieses Verhalten— so führte der sozialistische Redner aus— hat bei allen ehrlichen Menschen Entrüstung hervorgerufen. Auch die Kammer hat es verurteilt. Wir verlangen genaue Auf- k l ä r u n g über die Rolle des militärischen Spionagedienstes. Ist es wahr, dah der Lhes dieses Dienste» da» gefälschte Dokument korrigiert und mit Bemerkungen versehen hat? Wie kommt es. daß der militärische Spionagedienst, der alle» wußte, eine ganz« Woche beharrlich schwieg, wahrend die Regierung von nichts wüßt« und nach allen möglichen Mitteln greifen mußte. um die Wahrheit zu erfahren? Warum hat sich die Regierung nicht sofort an den Generalstab und durch besten Vermittlung an den militärischen Nachrichtendienst um Aufklärung gewandt? Ferner hören wir, daß der militärische Nachrichtendienst schonseiteinem Jahre Kenntnis von dem Bestehen eines privaten Spionagsbureaus in Mülheim an der Ruhr hatta Siat der militärische Nachrichtendienst Außenminister ch y m a n» von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt?"'(Außewnimster Hyman»: „Nein.") Mathieu fortfahrend;„Wie ist diese? Schweigen zu er. klären?" Mathieu erinnerte im weiteren Verlauf seiner Rede daran, daß der Kriegsminister de Brocqueville vor zwei Jahren von der Kammermehrheit die erhöhten mllitärischen Kredite uijb die Zustimmung zu neuen Grenzbefestigungen durch den(Hinweis auf einen Geheimbericht über di« angeblichen deutschen Rüstu». gen erlangte. Wörtlich fährt er dann sart;„Stammt dieser Geheimbericht. über den der kriegsmtnlster seinerzeit jede Avsklärung ver- weigerte, au» derselben Quelle wie die lltrechter ZSlschung?"(Zuruf link»;„Er stammte offenbar van F r a n k-ch« i n e l") Kriegsminister de Bracqueptlle:„Ich wußte nicht» von der Existenz de» Mülhetmer Bureaus." Mathieu:„Der militärische Nachrichtendienst scheint sich über- Haupt mehr mit inner politischen Angelegenheiten als mit militä- rischen Dingen befaßt zu haben.(Es lug lhm wehr daran, die flämisch- aktivistischeu Verschwörungen als geHelme Pläne von Ausland»- mächten auszudeiken. Ist der militärische Rachrichtendienst dazu da, durch derartige unsaubere Machenschaften den Wahl- kämpf zu beeinflusten? Die Regierung erklärt, si« werde die Schuldigen bestrafen und den militärischen Nachrichtendienst reorganisieren. Auch darüber wollen wir Aufklärung. Will man sich damit begnügen, dies« Organisation einem anderen Ministerium zu unterstellen oder will man wirklich reinen Tisch machen? Ferner kündigt P« Regierung eine schärfere Aussicht der A u»l ä n de r an. Die Aus- lander haben mit dieser Angelegenheit überhaupt nicht» zu schaffen. Die Spione sind Belgier."(Zuruf Danderveldee:„Wenn man di« Behandlung der Ausländer noch verschärft, dann bleibt überhaupt nur noch die reine Willkür gegen sie.") Mathieu fährt fort:„Und schließlich: Warum hat man Frank-theine plötzlichaussreienFuhgesetzt? Die öffentliche Meinung ist der Ueberzeugung daß die Regierung hier etwas ver» tuschen wallte." In seiner Erwiderung versucht der Mnisterpräsident Zafpar, der wiederholt durch Zwischenrufe unterbrochen wird, sich daraufhin auszureden, daß die Regierung den Gang des Gerichtsverfahrens gegen Heine i» keiner Weife beeinflußt habe. Die Freilastung Heines fei don der Staatsanwaltschaft in voller Unabhängigkeit und aus rein juristischen Gründen angeordnet worden. In Belgien s« die Justiz von der"Regierung unabhängig. Die Regierung Hab« nichts vertuschen wollen. Das Gegenteil werde bewiesen durch die Tat» fache, daß sie die Staatsanwaltschaft ursprünglich aufgefordert habe, das Strafverfahren gegen Heine einzuleiten.„Sit hat— so fuhr Ministerpräsident Ja spar fort— ferner die Disziplinarmaßnahmen gegen die Beamten de? mllitärischen Nachrichtendienstes ergriffen, di« ohne Wissen ihrer Vorgesetzten sich mü Hein««ingelaslen hatten, und ferner hat sie einschneidende Maßnahmen getroffen, damit sich solche Borfälle nicht mehr wiederholen können." Anschließend nahm Vanderveld« da? Wort. Er erklärt, es sei unerhört, daß ein Spion und Fälscher wie Heine, der durch verbrecherisch« Machenschaften den Frieden stören wollte, fr« ausgehen könne. Das könne die öffentliche Meinung ni« und nimmer verstehen. Vandervelde stellte ferner die Frage an den Kriegsminister, ob Frant-Heine vom belgischen militärischen Nach« richtendienst ein monatliches Gehalt von 800 Franken erhalten habe. Kriegsminister de Brocquemlle:„Das ist fall ch" Ein sozialistischer Abgeordneter ruft:„Sagen Sie un? dann, wie» v l e l er bezogen Hai!" DeBroequevill« antwortet:„F ü r d i e Fälschung hat er nichts bezahlt bekommen."(!) Vandervelde schließt mit der nochmaligen Aufforderung, diesem ganzen Treiben ein Ende zu machen, vor allen Dingen volles Licht über die An- gelegenhest zu verbreiten. Der flämische Frontistenführer V o s wies schließlich noch darauf hin, daß Zaspar 1923, damals Außenminister, sich entschieden wei» gerte, eine Enquete über die Beschäftigung von belgischen Lockspitzeln im besetzten Rheinland zu veranstalten. Der Kommunist Jacquemolte behauptete, daß die belgische Regierung am 26. Fe« bruar, als sie die holländische Reaierung auffordert«, eine Unter, suchung über di« Herkunft der Fälschung anzuordnen, ganz genau wußte, daß Frank-Heine der Fälscher war. Iaequemotte will ferner wissen, daß Frank-Hein« am Tage seiner Verhaftung van der holländischen Grenze aus eine Depesche an den milttä» rischen Nachrichtendien st geschickt habe. Am Mittwoch wird über die Interpellation abgestimmt. Oer Gmndbesitz im Osten. Warum mußten die Großen verschuldkn? Von bin» Simon, M. d. L. Es ist Tatsache, daß in Ostpreußen wie im gesamten Osten dex Bauer, zum Teil auch der Siedler, besser durch die landwirtschaftliche Verschuldungskrise hindurch- kommt, als der Großgrundbesitzer. Dagegen spricht nicht, daß umfangreiche landwirtschaftliche Großbetriebe, die in der Form von Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. H. in Verbindung mit Jndustrieunternehmun- gen unter Benutzung aller Errungenschaften landwirtfchaft- licher und industrieller Technik arbeiten, sich halten. Es wäre auch vom Standpunkt der Volksernährung aus ein Wahn- sinn, musterhafte Großbetriebe zu zerschlagen, um aus ihnen landwirtschaftliche Kleinsiedlungen zu schaffen. Doch die Fehler, die in der Vorkriegszeit von dem Großgrundbesitz be- gangen wurden, sind heute durch keine wirtschaftlichen Maß- nahmen, auch wenn solche noch so gut gemeint sind, wieder gut zu macken. Durch den Zolltarif vom Jahre ISOI erhielt der Großgrundbesitz noch eine letzte Gnadenfrist. Schon dieser Zoll- tarif war eine glatte Inflation; die K a u f k r a f t des Geldes wurde durch ihn um etwa 3 0 P r o z. vermindert. Die Wirkung dieser Inflation war erst zehn Jahre später (1914) zu spüren. Industrie- und Agrarprodukte hielten sich 1914 die Wage. Schon damals kam eine Menge Güter zur Zwangsversteigerung. Der Großgrundbesitz wäre in den Iahren 1914 bis 1929 langsam zusammengebrochen, wenn ihn der Weltkrieg nicht nochmals gerettet hätte. Er wäre als Latifundienbesitz in diesem riesenhaften Ausmaß in Ost- elbien schon viel früher erledigt gewesen, wenn das Drei- klaffenwahlrecht und die Gutsbezirke schon lange vor dem Kriege abgebaut worden wären. Krieg und Inflation sicherten dem Großgrundbesitz ein üpviges Iyhrzehnt. Nicht ein Hektar Land wurde in der Inflationszeit von Großgrundbesitzern freiwillig zu Sied- lungszwecken abgetreten, die heute Hunderte, zum Teil sogar Taufende von Morgen zur Neu- und Anftegersiedlung ab- stoßen oder, wie der Fürst Carolath-Beuthen. der Baron von der Lanken-Wacknitz und andere, sie selbst besiedeln. Die In- flation ging 1923 zu Ende. Der Großgrundbesitz hat im all- gemeinen an eine stabile Wertfesi'etzung der Zahlungsmittel nicht geglaubt. Die Führer des Landbundes unterstützten ja auch diese Meinung. So hielten die Großgrundbesitzer ihre übersteigerte Lebenshaltung der Inflationszeit aufrecht. Kein Wunder, daß im Jahre 1924/25 ungeheure kurz- fristige Schulden gemacht wurden. Da die Währung stabil blieb, mußten die Landwirte die kurzfristigen Schulden in langfristige umwandeln. Spar- gelder standen nur im geringen Umfanq zur Verfügung, des- halb mußten hohe Zinsen, in vielen Fällen auch ein Kapital- abschla�, gezahlt werden. Von 1624 bis 1926 bekamen die Landwirt« sehr oft nur 60 Proz. der eingetragenen Hyvo- thekensumms in bar Trotzdem war ein Teil der großen Landwirte auch in diesen Iahren im Frühjahr in Aegypten oder Italien, im Sommer im Nordland oder an der See, im Winter in Berlin oder in der Schweiz zu finden. Es kommt noch folgender Umstand zum Niedergang des Großgrund- besigez hinzu. Im Kriege waren die tüchngsn Landwirtschaft- lichen Beamten zumeist eingezogen, während ein starker Vrozentsatz der Rittergutsbesitzer oder ihrer Söhne zu Haus blieben und die Güter selbst bewirtschafteten. Das ging zur Not rm Kriege. Viele der landwirtschaftlichen Beamten wurden zu Ovfern des Krieges. Die Güter wurden von den Söhnen der Großgrundbesitzer verwaltet, die wenigen Fach- beamten der Landwirtschaft wurden hinausgedrängt. In der Inflationszeit ging das zur Not, nach der Inflationszeit ging die Kunst dieser Herren zu Ende. Die Güter brachten nichts mehr, das Defizit wurde Jahr un) Iabr größer. Die wirkl'ä) tüchtigen Landwirte aller Betriebsgrößen— ich kenne eine größere Anzahl in meiner Heimatprovinz Schlesien— hoben nach den Infonnattonen. die mir zugegangen sind, weder nennenswerte Schulden, noch sind sie bisher der Agrarkrise zum Opfer gefallen. Es wird aber auch in Schlesien kein einziger Großgrundbesitzer nachzuweisen sein, der unver- schuldet in seine Not geraten ist. Das Endergebnis des Weltkrieges für die Großlandwirt- schaft ist: wenig Fachkenntnis(dafür wird um io mehr mit politischen Schlagworten„gearbeitet"), hohe Sä'ulden zu 9 und 19 Proz.(dazu kommen% Proz. Amortisation und '/j Proz. Unkosten), ferner noch hohe Steuern und Lasten, die auch der Landwirtschaft w'e jedem Berufsstande Deutschlands als Folge des Krieges aufgebürdet werden müssen. Durch das Fehlen des Dreiklassenwahlrechts ist dem Großgrundbesitz die frühere starke Einflußnahme auf Wirt- ickaft und Politik genommen, durch die Eingemeindung der Rittergüter und Gutsbezirte in die Gemeinden wurde ihm die letzte Machtstellung entzogen. Durch den Zutritt des Rittergutes kommt der bäuerliche und der Kleinb-sitz in den Steuern herunter, der Großgrundbesitz hinauf. Diese Aus- Wirkung wird erst in etwa drei bis vier Jahren eintreten. Die Krise des Großgrundbesitzes im Osten wird durch Stützungsaktionen anscheinend nur verlängert werden, sie ist wahrscheinlich auch durch kein« Aufnahmeorganisation aufzuhalten, es wäre denn, daß di« Aufnahmeorganisation in seder Provinz jährlich etwa 199 Güte? aufkaust. Das dürfte deshalb unmöglich fein, weil fetzt noch kein Großgrund« besitzer die Güter preiswert, d. h. zum Schuldenstand an die AufnahmeorgaN''ation abgeben wird. Auch eine Radikalkur, die Herunterfetzung des Hypo- thekeneinsatzes auf 3 h's 4 Proz.. würde d'e Krise nur um vier bis fünf Jahrs verlängern, sie aber nicht beendigen. Im Gegem'atz zum Großgrundbesitz ist der bäucrltäze Besitz unter 300 Morgen— besonders in Schlesien— ver- hältnismäßig gesund und kommt vorwärts. Der Besitz unter 199 Morgen, der im wesentlichen mit eigenen Kräften wirt- schaftet. ist fast ganz gesund. Die wirtschaftliche Entwicklung der Landwirtschaft geht in Richtung des Agrarprogramms der Sozialdemokratischen Partei mit seiner Unterscheidung von Arbeitseigentum und Hsrreneigentum und der Zielsetzung der Beseitigung des Latifundien- und Großgrundbesitzes über 759 Hektar land- wirtschaftlich genutzter Fläche. Paul Frölich—„bei keiner Fraktion". Im Reichstag liegt neuerdings eine Lifte auf mit dem Aufdruck..Bei keiner Fraktion". Einziger Benutzer dieser Liste ist der„Brandlerist" Paul Frölich, der noch viele Monate nach seinem Ausschluß aus der Partei auf der kommunistischen Fraktionsliste geführt worden war. Die neue Lifte weist noch Plag für sieben Abgeordnete auf. Ob das reichen wird?...___ j,______ Demagogische Zollpolitik. Am die Vieh- und Fieischprelse. Der Handelspolitische Ausschuß de» Reich?» tage» hatte gestern übex die Anträge auf Erhöhung der Weh- zöll«, um sie den Fleischzöllen anzugleichen und über die Anträge auf Erhöhung der Speck- und Echmalzzölle zu entscheiden. Nach langem Hin und H«r wurde ein Antrag der bürgerlichen Parteisn bei Stimmenthaltung der Sozialdemokratychen Partei angenommen. Danach soll die Regierung Maßnahmen vorschlafen, um ein angemessenes Prsisverhästni? zwischen Vieh- imd Fleischpreisen herzustellen. Angesichts der von uns wiederhol: vertretenen und unwider- sprachen gebliebenen Auffassung, daß die Erhöhung der Viehzölle die gedrückten Rinderpreise nicht heben kann, wäre ineser Antrag oernünsti gerweise nur so aufzufassen, daß andere Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die Viehpreise zu heben. Wir möchten hierbei daraut hinweisen, daß es zur Hebung der Viehpreise absolut keiner Erhöhung der Fleischpreis« und keiner neuen Belastung der Verbraucherschast bedarf. Gegenüber dem Dar- jähr« sind die Rindviehpreisc um 10 bis 20 Prozent zurückgegangen, van einem Absinken der Rindslrischpreifc im Kleinhandel ist dagegen bis heute so gut wie nichts zu bemerken. Die ZwischeNhandelsspann« zwischen Erzeugerpreis und V«r- br.iucherprei? hat sich also bedeutend erweitert. Hier muß der Hebel angeletzt werden. Die übermäßigen Prosste de? Zwischen- bandet» und des Ileifchergewcrbes müssen auf ein normale? Maß reduziert werden. Daß eine Hebung der Viehpreise ohne Erhöhung der Fleisch- preise möglich ist. zeigt das von uns vor wenigen Tagen mit» geteilte Beispiel der Zusammenarbeit von Viehverwerwngsgenosselr» schaft mit Äonfumgenossenfchatt im Braunkohlengebiet, die m wenigen Wochen eine Erhöhung der Piehpreis« um mehr als 10 M. j« Zentner, d. h um mehr ol? die Höhe de» gesamten Piehzolle» ermöglicht«, ohne zusätzliche Belaswng der Berbraucherschast! Nur aus dem Wege einer planmäßigen Organisation de» L'ehablatzes in ganz Deutschland, verbunden mit gründlicher Marktbeodach- tung und Marktforschung kann dem Uebelstand der gedrückten Rindmehpreise abgeholfen werden. Nach dieser Richtung hin müssen sich daher auch die Darschläge der Reichsregierung zur Besserung der Rindviehpreife bewegen. Ist somit durch diesen Antrag die'Möglichkeit einer vernünftigen Regelung der Rinderpreise ausgezeigt, so ist der zweite Antrag d«r bürgerlichen Parteien im Handelspolitischen Ausschuh aus Cr- höhung der Zölle für Speck und Schmalz nichts anderes als sinnlose Brutalität oder Demagogie. Denn die Er- höhung dieses Zolles muß absolut ohne Einfluß auf die Preisge. stolhung für deutschen Speck und deutsches Schmalz bleiben, wohl aber muß sie die ärmsten D e r b r a u ch e r s ch i ch t e n, die bei ihrer Ernährung aus den nirgends beliebten amerikanischen Speck und das amerikamfifte Schmalz aus finanzieller Not angewiesen sind, schwer bedrücken. Obwohl die Sozialdemokraten diesen Standpunkt mit genügender Klarheit und Energie vertreten haben, wurden sie von den Bürgerlich«» niedergestimmt. Erneut zeigt dieser Vor- fall, daß es den agrarischen Vertretern n>el weniger darum zu tun ist. der Landwirtschatt wirklich zu Helten, als nach außen hin Ihren Anhängern auf dem Land« mit nutzlosen Scheinerfolgen zu im- panieren. Tagung der Buhnengenossenschast. In schwerer wirtschaftlicher und künstlerischer Krisenzeit hält die Genossenschast Deutscher Bühnenangehör'ger diesmal ihre Tele- giertenversamnilung ab. Der Präsident Karl W a l l a u e r hat es nicht leicht, die Abgesandten der Schauspieler zu befriedigen. Noch komplizierter ist die Beherrschung der Tribünen. Denn ein« „radikale" Gruppe von Bühnenkünstlern, die sich oifen zur „Roten Internationale" bekennt, hält die Zuhörerplätze besetzt. Man versucht, von den Tribünen aus die Delegierten zu terrori- f i e r e n, und es bedarf der ganzen Energie des Präsidenten, um Ruhe zu schaffen. Die Radaumacher wagen es schließlich nicht mehr, ihre gewaltsame Entfernung zu riskieren. Sie hören friedlich an, was verhandelt wird. Die Genossenschaft legte einen Geschäftsbericht vor, der sich über drei Jahre erstreckt. Es ist charakteristisch, daß in dieser Zeit die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder beträchtlich herunter« ging. Viele mußten g e st r i ch e n werden, weil sie chre Bei- träge nicht mehr zahlten, und andere schlössen sich aus oppositionellem Eigensinn von dem Gewerkschaftsleben aus. Di« Leitung der Genossenschaft hat sich trotz andauernder Attacken persönlichster Art nicht davon abhalten lassen, für die künstlerische und wirtschaftliche Wohlfahrt der deutschen Bühnen- künstler zu sorgen. Der Kampf mußte außerordentlich energisch geführt werden. Die privaten Bühnenleiter, aber auch die bureaukratisch organi- sierten Berwaltungen der Landes- und Stadttheater sind immer mehr bestrebt, ihre künstlerischen Betriebe einzuschränken. Man weiß, daß besonders das Thüringer Land von solchen Spar- samkeitsmaßregeln für kulturelle Zwecke bedroht ist, und im Thü- ringischen Landtag sind es die kommunistischen Abgeordneten, die kein Herz und keine Liebe mehr für die Schau- spieler aufbringen. Diese Abbaulendenz grassiert augenblicklich bei allen sogenannten gemeinnützigen Theatern. Selbst große und hochstehende Kunstbetriebe, wie etwa die Theater von Frankfurt und Wies- baden, sollen zusammengelegt werden. Für die künstle- rische Entwicklung dieser Institute bedeuten solche Absichten eine schwere Schädigung, sie betreffen vor allem das Schau- spiel er personal. Ein hochwichtiges Problem bedeutet für die Schauspieler die Regelung und Organisierung des Nachwuchses. Eine Menge von Anträgen liegt vor. die sich mit der Lösung dieser schwierigen Frage beschäftigen. Nock, ist es nicht entschieden, wie man sich aus der Zwickmühle befreien will. Fest steht auf jeden Fall, daß der Zu- lauf ungeeigneter und auch ungenügend vorge- b i l d e t« r Elemente zum Theater abgedämmt werden muß. Die Direktoren benutzen gerade diese Anfänger, um die Gagen zudrücken und den Bühnenangestellten unmögliche Ueberschreitun- gen der tarifmäßigen Arbeitszeil und Ruhepausen zuzumuten. In der Zell der allgemeinen Arbeitslosigkeit beim Theater wird die Frage eifrig erörtert, auf welche Art der Stellenmarkt am besten auszunutzen fei. Die beiden Organisationen der Arbeit- geber und Arbeitnehmer beim Theater, der deutsche Bühnenverein und die Deutsche Bühnengenossenschast, haben den„p a r i t ä t i- schen Stellennachweis" gegründet, der den Bichnenkünstlern zu angemessenen Provisionen Stellungen nachweist. Neben dieser offiziellen Agentur besteht ober eine Unzahl privater Slellenver- milllungen. über deren Geschäftsmethoden vielfach geklagt wurde, und gegen die das Gesetz keinen ausreichenden Schutz gewährte. Zum Glück müssen diese privaten Agenturen mit 1. Januar 1930 verschwinden. Die Theateragenten sind natürlich erbitterte Gegner dieser kommenden Organisation. Die Schauspieler sind aber entschlossen, diese Privatunternehmer künftig'aus- zuschalten. Noch immer ist das Reichsthealergefeh bei den vorbereitenden Instanzen verwahrt. Selbst dann, wenn dieses Reichsgesetz Kraft erhalten sollte, wird es nur die öffentlich-rechtlichen Fragen beim Theater regeln. Di« gesetzlichen Bestimmungen, die das Arbeits- Verhältnis des Bühnenkünstlers angehen, sollen so geregelt werden, daß sie innerhalb des kommenden Rcichstheatergesetzes einen besonderen Abschnitt bilden. Aber alle Hoffnungen aus diese allge- meine Regelung sind noch nicht erfüllt. Man weiß auch noch nicht, wann der Reichstag dos Reichscheatergesetz und das durch ihn er- gänzte Reichsarbeitsgesetz für die deutschen Bühnenkünstler durch- bringen wird. Die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger ist dem A f A- B u n d angeschlossen. Siegfried A u s h ä u s e r, der Bor- sitzende des AfA-Bundes, ließ sich die Gelegenheit denn auch nicht nehmen, gewerkschaftliche Grüße zu überbringen. Aufhäuser be- tonte die politische Neutralität und den rein gewerkschaftlichen Charakter der Bühnengenossenschast. Gerade diese Aeußerungen m i ß s i e l e n der kommunistischen Tribüne, und es wäre beinahe zum Krach gekommen, wenn der Berhandlungs- Präsident nicht mst seiner überlegenen Taktik eingegriffen hätte. „Ltnmöglich"- sagt Herr Oorpmüller. Zu den Lohnforderungen der Eisenbahner. Gestern empfing Generaldirektor Dr. Dorp müller die am Tarifvertrag beteiligten Vertreter der Reichsbahn- gewerkschaflea. die den Wunsch ausgesprochen hatten, dem Generaldlrektor noch einmal ihr« Lohnforderungen persönlich vor- zutragen. Die Forderung der Gewerkschasten geht auf Erhöhung des Stundenlohnes allgemein umsechspfennige(das macht eine angebliche Mehrbelastung für die Reichsbahn von S1 Millionen Mark im Zahre). *3on Generaldirektor Dr. vorpmüller wurde daraus htngewlefen. daß es der Reichsbahn bei der bekannten gespannten Finanzlage unmöglich sei, irgendeine weitere Mehrbelastung auf sich zu nehmen. Alle irgendwie verfügbaren lausenden Mittel mühien für Sach- ausgaben zur' Erhaltung der Betriebssicherheit in Anspruch genommen werden. Damit dürfte das letzte Wort in dieser Sache noch nicht ge- sprochen sein. Die Frage steht schließlich doch so, ob es den Eisen- bohnern noch länger möglich ist, mit ihren niedrigen Löhnen zu- rechtzukommen. Diese Frage läßt sich von der Frage der B e- triebssicherheit unmöglich trennen. Oie Wahl bei der Verkehrs A.-G. Das Ergebnis der Betriebsrätewahlen bei der Berliner Verkehrs A.-G. steht nunmehr endgültig fest. Von 2 381» wahlberechtigten Arbeitern haben sich 2 05 0 3 an der Wahl beteiligt. 3307 Arbeiter sind infolge von Krankheit und Urlaub der Wahlurne ferngeblieben oder haben es nicht für notwendig erachtet, ihre Stimme in die Wagschal« zu werfen. Es haben erhalten: List« I(freigewerkschaftlich) 5934. Liste 2(deutsch- national) 1811, Liste 3(Christen) 372, List« 4(kommunistisch- unorganisiert) 10747 und Liste 5(Christl. Fachverbond) 1493 Stimmen. Ungültig waren 146 Stimmzettel. Der Arbeiterrot der Verkehrs A.-G. fetzt sich demnach ein- schließlich der Ergänzungsmitglieder zusammen aus neun Frei- gewerkschoftlern, zwei Deutschnationalen. 17 K o m m u- nisten bzw. Unorganisierten und zwei christlichen Fach- verbändlern. Im Betriebsrat sind 12 Freigewerkschoftler, zwei Deutschnationale, 14 Kommunisten bzw. Unorganisierte und zwei christliche Fachverbändler vertreten. * Es ist selbstverständlich, daß die kommunistische Presse— voran die„Rote Fahne"— ein Freudengeheul anstimmt über den Aus- gang dieser Wahlen. Verständlich und begreiflich angesichts der sonst überaus mäßigen Erfolge der neuen Linie der Opposition. Ohne die Bedeutung dieser.neuen Linie" zu unterschützen, sind wir der Ueberzeugung, daß diese Parole der Kommunistischen Partei nur dort Erfolge auszuweisen haben wird, wo die gewert- schaftliche Organts aTio n r'e I ä Ii v sich wach ist. Es mag zugegeben werden, daß einzelne gewerkschaftliche Organisationen, für deren Organisationsgebiet dies zutrifft, Schwierigkeiten in ge- wissem Maße haben werden. In den Verbänden und in den Bc- trieben, in denen die Organisation gut ist, dürste die Parole der KPD. wirkungslos bleiben. Damit fallen auch die Schluß- jolgerungen, die vor allen Dingen die bürgerliche Presse aus dem Ausfall der Wahlen bei der Verkehrs A.-G. zieht, in sich zusammen. Die freien Gewerkschaften haben im Lause der letzten zwei Jahre«ine solche numerische Stärkung erfahren, daß Gefahr für sie aus den Maßnahmen der Kommunistischen Partei nicht entstehen kann. Das Wahlergebnis bei der Verkehrs A.-G. ist auf ganz andere Umstände zurückzuführen. Die Organisation in allen drei Unternehmungen ist verhältnismäßig jungen Datums und alle Kinderkrankheiten, die junge Organisationen durchzumachen haben, machten sich angesichts der besonderen Eigenart dieser Betriebe besonders bemerkbar. Hinzu kam, daß im Jahre 1923 durch die Stillegung der Straßen- bahn die gewerkschaftliche Organisation fast völlig zer- stört wurde, daß bei dem Ausbau des Unternehmens alle che- maligen Funktionäre ausgeschaltet wurden, daß man die freigewerk- schaflliche Organisation systematisch bekämpfte. Hinzu kam weiter, daß auf diesem so schwierigen Gebiet eine ganze Reihe von Gewerkschaftsorganisationen sich um die Organisierung des Personals bemühten. Die C h r i st« n, die H> r f ch- D u n ck e r- schen, die Deutschnationolen und die wirtschastssriedlichen Bereinigungen waren bemüht, nach Kräften Verwirrung in d-e Köpfe der Belegschaft zu bringen. Daß unter diesen Umständen die kommunistischen Phrasen auf günstigen Boden sielen, ist nicht ven» wunderlich. Weiter ist nicht ohne Bedeutung, daß der Führer der Oppo- sitionsliste, D e t e r, in seiner Eigenschaft als Landtagsabge» o r d n e t e r und als Berliner Stadtverordneter immerhin sich einen gewissen Einfluß sicherte, wobei nicht vergessen werden darf, daß Deter angesichts seiner außerordentlich vorsichtigen Hat- tung der Direktion der Hochbahn gegenüber sich an dieser Stelle einer gewissen Beliebthest erfreute. Es ist schon so, daß den frühe- ren Direktionen der Straßenbahn wie auch der Hochbahn kommuni st Ische Arbeiteroertretungen lieber und angenehmer waren, als die Vertreter der einer noch den Grund- sähen freigewerkschaftlicher Gewerkschaftsarbeit arbeitenden Der- trctung. Faßt man oll« dies« Umstände zusammen, so war dem Wisicn- den das Wahlergebnis keine Ueberraschung. Es kann also durchaus nicht als Symptom für die Beurteilung der allge- meinen Situation in der Gewerkschaftsbewegung angesehen werden. Wir sind überzeugt, daß in nicht allzu serner Zeit der„O p p o s i- t i o n" mit Deter. trotz aller Rücksicht und Vorsicht, die dieser„ent- schieden- Oppositionsmann" walten lassen wird, auch in den Per- kehrsbetrieben i h r Sterbeglöcklein läuten wird. Dieses um so mehr, als die Arbeit Deters im Betriebsrat im Gegensatz stehen wird und stehen muß zu den Parolen, die die KPD. und die er auch selbst in der Oeffentlichkeit geben wird. Schiedsspruch im Mansfeld-Konflitt. halle. 19. März.(Eigenbericht.) Gestern um 17 Uhr wurde im Lohnkamps zwischen Berg- arbeitern und Mansfeld A.-G. noch sechsstündiger Sitzung folgender Schiedsspruch gefällt: Die Löhne bei der Mansfeld A.-G. werden erhöht ab 1. Fe- bruar 1929 um 7 Proz., ab 1. April um 10 Proz., ob I. Mai um 12 Proz. Die Spannungslöhne werden ausgeglichen durch 20pro- zcntige Lohnziilagen auf die niedrigsten Bergarbeitereintommen. Dieser Schiedsspruch ist einmonallich kündbar, erstmalig zum 30. Sep- tcmbcr 1929. Im Lause dieser Woche werden die Bergarbeitcrfunktionäre des Bezirks Halle zu diesem Spruch Stellung zu nehmen. lugen noch nicht zu Ende geführt. Es bleiben daher auch wie bisher alle anderen Personenschifsahrtsnnternehmun- gen für unsere Mitglieder gesperrt. Zu weiterer Auskunft sind wir gern bereit.(Telephon?. 7 Iannowitz 6191.) Berliner Personenschiffahrt. Di« Schifsahrtsabteilung des Deutschen Derkehrsbundes schreibt uns: Aus den Kreisen der modernen Arbeiterbewegung gehört uns zurzeit ständig Anfragen zu, mit welchen Reedereien der Perscnenschisahrt der Deutsche Berkehrsbund die Lohn- und Arbeitsbedingungen für das Personal durch Tarifverträge geregelt hat. Wir erkennen daraus, welch großes Interesse die werk- tätige Bevölkerung an einem geregelten Arbeitsverhältnis des Schiffahrtspersonals hat. Zur allgemeinen Information teilen wir daher mit. daß bis jetzt nur T a r i s a b s ch l Ü s s e mit den bekannten Reedereien Langwaldt u. Schmolte, C. 2, Stralauer Drücke 8, sowie Klempin u. Seel, Stralauer Brücke 7, getroffen worden sind. Mit einigen anderen Reedereien sind die Berhand- Einsetzer! Wegen Differenzen mit der Firma Beckmann» Güstrow, Zwjschenmeister Carsten, sind für Einsetzer sämtliche Bauten, auf denen diese Firma Arbeiten hat. gesperrt. Deutscher Holzarbeiter-Lerband. ßd�reie Gewertschaffs-Iugend Groß-Berlin Heute, Mittwoch, Uhr. tagen die Gruppen: Zentaun: Gruppen. _________ �____ Bauwschulenweg, Ernst sir. 16. Reihenvortrag:„5üI)Cce'der A r bcitcxbcro 0 cai ng. Karl Mar? und Friedrich Endels",— RenkSllv: tHuppendeun, Jugendheim. Ergste. 29(Hof). Bortrag:„SHc Revolution im Spiegel der Satire".—- Siideo, Südwestut: Gruppen�« im. Stadt. Jugendheim,'yorekitr. U(Sfabrit.- gebäude). Äusspracheabeird:„Wie bereite ich mich zu mehrtägigen Wanderungen vor". Zusammenkunft der Wanderleiter im Saal V. G«w«rkschaftÄ>aus, Saal- aebäude, Hokeingang, rechts parterre, Engelufer S4— Tagesordnung: Unsere Ostersahrten. §Luaendarllpp« des Zentralverbandes Oer Angestellten Öcirtf. Mittwoch, fin&on folgcnic SScronflaltunoin statt: ßefirnti- braunen: Iiigen bbeim öchitnsiebtslr. 1(SWurnnTinns'). Vortrag:.Die Entstehung der proletarischen Jugendbewegung". Referent: Sein., Mang Osten: stuaeubbeint Sckule Litauer Str. Ig Storfrnn--U.ltrttrt« und.Un,;, Zuge____________ ß___|| Portrcg:„ftrit, Reuter". Refereat: Arthur Rachow.— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 128. Lichthildervortrag:.Eine 3dA.. Fahrt ins Riesengebirge". Referent: Erich Brehaw.— Spanban: Zugendheim Linden nfer 1. Anleitung üum Vortragen von Re�itatwue». Leiter: Theo Mar«.— Potedam: Jugendherberge Rowawes, Priesterstrahe. Vortrag:.Für und wider die Todesstrafe". Referent: Wilhelm Leminfti. Verantwortlich Ur Politik: Dr. Sur««euer: Wirtschaft:«.«l'nqelhäter: Dev-errfchastsbewegung: Z. Stein«»; Feuilleton: Dr. Zohn Schitowsli! Lakale« and Sonstiaes: Frist ftarstüd«: Anteiaeu: Ii. E>l»«e. sämtlich:n Berlin. Verlag: Borwärts-Lerlag G m d. H.. Berlin Druck: Vorwärts-Buckidruckerr« und Berlagsanstalt Paul Singer n So Berlin SV 58 Lindenllraste a Sierra 2 Beilagen nnb.Anterhaltnng nnb Wilsen". Bis Dienstag den*26. März, Q___ uf Jede* �Pfö.DeHkafePMargarirle sowie auf|eden SPfiMteufeMtfeHl ein aefülltes m ___ Reicheit's beralles- p(a1.20MJc •„Aiierfelnste" Pfa1.00Mk- OeliKateli- Margarine Reicheit's ..Auszugmehl" s-pfa-seutei 1.55Mk ..Blütenmehl" s-pfd.-Beutei 1.25Mki Mahdein.... prd.2.60Mk. Sultaninen. Pfd. 80�8 Backpulver.. PaK. 1 0L Vanminzucker Pa«. ?k itZ3. 46. Jahrgang 1.. Mittwoch 20.��-1929 Gtadthaushaltberatung. Oeuischnational-kommunistisches Duett zur Vorbereitung der Wahlen. An dem Stodthaushaltsplan�ür 132 9, den jetzt die Stadtverordnetenversammlung in zweiter Beratung nochmals durchgeht, hat der Haushaltsausschuh geändert, was sich ändern ließ. Die Parteien wissen, dah weitere Aenderungen von Belang nicht möglich sind, weil man Ausgaben nur machen kann, wenn die entsprechenden Einnahmen da sind. Aber Deutsch- nationale und Kommuni st en dürfen die Haushaltsberatung nicht vorübergehen lassen, ohne im Hinblick aus die kommenden G e m e i n d e w a h l e n sich den Wählern in empfehlende Erinnc- rung zu bringen. Sie tragen ihre Forderungen vor, um die Nicht- erfüllung in ihrer Werbearbeit für die Wahlen ausschlachten zu können. Die Redner der Kommunisten sagten das gestern ganz offen, indem sie immer wieder erklärten, sie sähen die Ablehnung ihrer Anträge voraus, aber gerade die möchten sie zeigen. Die Reden, die von den Kommunisten und Deutschnationalen gehalten wurden, waren Reden zum Fenster hinaus. » Die Versammlung beriet nur den aus dem Ausschuß zurück- gekommenen Haushaltsplan für 1929. Gegen den Beschluß des Aeltestenausschusies, die Redezeit bei den einzelnen Kapi.eln auf fünf Minuten zu beschränken, mit Ausnahm« der größeren Abschnitte, wie Schulen, Wohlfahrt, Oefundheitspsleg« usw., protestierten Kommunisten und— Deutschnationale. Stadtv. Gäbel(Komm.) beantragte unbeschränkte Redezeit(bei den unzähligen Kapiteln und Abteilungen des Etats und bei den I8Z— einhundertfünwndachtzig— Anträgen, die dem Plenum vor- liegen!). Stadw. o. Zecklia(Dnat.) begann: Wir schließenuns den Kommuni st en an!(Schallende Heiterkeit. Hört, hört! bei den Soz.) v. Iscklin beantragte schließlich 20 Minuten Redezeit für den Umlagebeschluß, d. h. den Beschluß, wie die Steuern zu ver- teilen seien. Beide Anträge wurden gegen die Stimmen der Deutsch- nationalen und Kommunisten, die beide für beide Anträge stimmten, abgelehnt. Dorsteher Genosse Haß gab bekannt, daß die ersten Abstimmungen am kommenden Donnerstag 7 Uhr stattsinden. Die Verhandlungen beginnen mit der Beratung des Kapitels Jfolizei. Der Kommunist widnewski beantragte Streichung der 5 Millionen Mark und bezeichnete die Berliner Polizei als eine B ü r g e r k r i e g s a r m e e, wie die Ueberfälle der Schupos auf Arbeiter bewiesen. Stadtv. Merten(Dem.) erinnerte, daß der städtische Zuschuß zur Polizei Berlin gesetzlich auferlegt sei, so daß eine Streichung ein Eingreifen der Aufstch'sdehörde zur Folg« haben würde. Im übrigen gebühre der Polizei hohes Lob für ihre Wirk- samkeit, es sei ihr gelungen, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, sie stehe treu zur Verfassung. Das alles sei nicht zuletzt das Verdienst von Männern, die aus der Arbeiterschaft hervorae- gangen seien.— Beim Kapitel Siedlungs- und Wohnungswesen sagte Stadtv. v. Zecklin(Dnat.) den baldigen„Bankerott der sozio- listischen Wohnungzpolitik" voraus; dann werden Sie(zu den Soz.) dasitzen und werden zu uns kommen und um Hilfe bitten, näselte Herr v. Iecklin.— Man lächelte über ihn!— Die Städtische Oper bezeichnet?. Frau hossmann-Gwinner(Komm.) als ein Institut für die Bourgeoisie, für das die Stadt nur imnier.Zuschüsse leisten dürfe, ohne erheblichen Einfluß aus die geschäftliche und künstlerische Geschäftsführung zu haben. Die Kommunistin verlangt« die Rück. sührung des Opernbetriebes in städtische Regie. Der Ausfckuß forderte die Beendigung des Gästeengagementswesens bei der Städtischen Oper und die Rückkehr zur ständigen Enscmblebesetzung. Beim Kapitel Volks-, Mittel- und höhere Schulen polemisierte Stadtv. Menz(Komm.) gegen die Beschlüsse des Ausschusses. Er kündigte ein« Anzahl Anträge seiner Fraktion an, sah aber die Ablehnung durch die„sozialistisch-bürgerliche Etatsmehrheit" voraus. Im Gegen- sah zu Menz bezeichnete der Demokrat Hildebrandt den Schuletat als zeitgemäß. Obwohl die Schülerzahl um 8000 gefallen ist. seien die Etatausgaben gestiegen. Es fei doch nicht so, daß alle Schulen in finsteren, unmodernen Gebäuden untergebracht seien. Berlin hätte auch eine große Zahl moderner Schulhäuser, die nach Möglichkeit vermehrt würden. Stadw. Widnewski(Komm.) warf der Schuloerwaltung, an deren Spitze ein Sozialdemokrat stehe, vor, für die bessere Unterbringung der Fachschulen nichts zu tun. Die Sozialdemokraten bemühten sich nicht einmal, die ein- schlägigen Bestimmungen der Verfassung in die Wirklichkeit umzu- fetzen.(Zuruf des deutschnationalen Stadtverordneten Timm; Er- widerung Widnewskis: Das sind die Koalitionsgenossen der Sozial- demokratcn!) Stadtschulrat Genosse Ziydahl bewies dem tonnnu- nistischen Redner, daß die Neubauten für Fachschulen auf eine Vorlage des Magistrats und nicht auf einen Antrag der Kommunisten oder anderer Fraktionen zurückzuführen seien. Wenn die gegenwärtig in Ausführung befindlichen acht Fachschulbauten fertig sind, werde man sich wieder sprechen.(Bravo! bei den Soz.) Alle Redner der kommunistischen Fraktion schlössen stereotyp mit den Worten: Wir wissen, daß die Sozialdemokraten unsere An- träge ablehnen werden; aber wir werden der Bevölkerung zeigen, wer etwas für sie tut!— Nun, wenn es aufs Antragstellen ankäme. ist allerdings die kommunistische Fraktion nicht zu schlagen. In dem- selben Atemzuge, wo sie die Anträge begründen, lehnen sie den Etat ab! Di« weiter« Beratung wurde aus Donnerstag vertagt. Zweimal im Monat freier Eintritt in den Zoo? In den letzten Haushaltungsausschußverhandlungen der Ber- liner Stadtverordnetenversammlung ist von neuem zur Sprach« gekommen, ob es nicht möglich ist, der minderbemittelten Beoölke- rung Berlins den Zoo zugänglich zu machen. Aus diesem Grunde soll der Magistrat noch einmal mit der Direktion des Zoologischen Gartens verhandeln, ob nicht zweimal im Monat an Sonn- tagen ermäßigt« Eintrittskarten und zweimal sogar ein freier Eintritt sich ermöglichen ließ«. Diese neuen Verhandlungen werden im Zusammenhang mit den Verhandlunge? über den Zuschuß, den die Stadt Berlin dem Zoo- logischen Garten gewährt, geführt werden. Entleerung der Schmelzwasserteiche Sie Sehmelanasgerseen Im SdiBneberger Sladlpark irerden durch diene prlmlllcen ZPumpanlagen enlleerl Romah einer Revoluiton. Von Gerlt&ci Metrentann M-osfat „Nebensache?" Ihr Atem begann zu pfeifen.„Neben- fache?!" Sie sprang jäh vom Fenster auf ihn zu und preßte ihm die gespreizte Hand über das Gesicht.„Lump!" Trosegk wankte ein wenig, stand wieder, riß ihre Hand herunter, schleuderte sie fort. Er sah sie unter engen Brauen an: ihr Mund zog sich zu schmal, zu blutlos über die großen Zähne, ihr graues Kostüm hatte sich geöffnet, unter der dünnen Bluse zitterten ihre Brüste von denen er wußte, daß sie alt geworden waren. Seine Mundwinkel zerrten sich schief. „Danach," sagte er und preßte die Worte hart in der Kehle,„danach ist über den Fall wohl nichts mehr zu sagen." Er stäubte imaginäre Flecken von seiner Uniform und wandte sich zur Tür. Sie starrte ihn an, vornübergebeugt. Ihre Hand lag vor der Brust, ihr Mund stand offen, in ihren weiten Augen dunkelte Angst.„Heinrich!" würgte sie heraus. Trosegk wandte sich nicht um Er war schon an der Tür. Sie rannte ihm nach, riß seinen Kopf zurück, schrie fast weinend:„Heinrich!", küßte ihn auf den Mund, auf die Stirn, in das ganze Gesicht... Angeekelt riß er sich los, wies nach draußen:„Nimm dich doch zusammen!" Friederike trat zwischen ihn und die Tür und sank an ihm herunter. Ihre Arme schlössen sich in seinem Kreuz, daß sich sein Oberkörper schmerzvoll nach hinten bog. Sie wim- merte seinen Namen. Ihre Worte stießen sich wund am Gaumen: � „Heinrich, nun ist er doch tot. Nun ist doch der Weg frei. Für uns beide, Heinrich. Wir haben doch so lange gewartet. Auf uns. Auf die Macht. Nun' können wir doch— können wir doch beides haben. Ich habe dich doch mehr lieb als je. Wie du ja auch mich, nicht wahr, Heinrich, nicht wahr? Es ist doch so? Ja, ja! Nun brauchen wir ihn doch nur zu gehen, den Weg. unfern Weg. Du mußt ihn finden. Der Herzog ist tot, nun herrscht der Ritter vom Pfuhl. Weißt du noch, Hein- rich, Heini, du..." Er hatte ihre Arm« mit aller Anstrengung voneinander gelöst. Er sah sie an, wie man eine verdorbene Speise an- sieht. Sie war ihm nur widerwärtig.„Laß das doch— wenn dich jemand hört!" sagte er barsch. Sie sank erschöpft an seinen Knien herunter zur Erde. Er benutzte ihre Ermattung, öff- nete die Tür, trat hinaus und schloß sie schnell. Friederike stand mühsam auf und starrte die Tür an. In ihren Augen stieg trüb die Scham nach der Demütigung, glomm hell der Haß auf. Trosegk ging draußen den Gang entlang. Seine Schritte waren ganz leicht, sein Atem holte die letzte Schwere aus der Brust. Er traf den Herrn von Aloensleben. „Könnten Sie mir vor der offiziellen Audienz«ine Aus- spräche mit Seiner Durchlaucht ermöglichen, Herr von Alvens- leben? Ich würde das in beiderseitigem Jnteresse für ganz günstig halten." „Seine Durchlaucht werden meines Erachtens schon jetzt für Sie zu sprechen sein. Fahren Sie ins Schloß. Meine Kalesche steht Ihnen zur Verfügung." Trosegk ging aus dem 5?ause. Der Dessauer trat zurück ins Prunkzimmer. Dort war inzwischen in ziemlich genauem Verhältnis zum Weinkonsum auch die Stimmung für Anhalt-Vernburg ge- wachsen. Lediglich der Bürgermeister hatte sich der peinlichen Notwendigkeit einer Entscheidung für oder gegen die Auto- nomie durch schleuniges Einschlafen entzogen und blieb allen noch so energischen Weckversuchen gegenüber fest; indessen klangen auch seine Schnarchtöne wie tiefe, überzeugte Jas, und man gab sich zufrieden. Als Aloensleben, der mit be- merkenswerter, lächelnder Ausdauer den stürmischen Lokal- Patriotismus über sich hatte ergchen lassen, wieder hereinkam, war man gerade beim kraftvollen Absingen der anhalt-bern- burgischen Nationalhymne angelangt— der Adjutant sah sich also zweifellos dem Höhepunkt der Stimmung gegenüber. Zur Verblüffung der Bernburger stimmte er auch hier, mit genauester Melodie- und Textkenntnis, in die Strophen ein; das Erstaunen des Chores war so groß, daß die helle, frische Stimme zuletzt ganz allein übrig blieb: „Mag Treue rings und Glaube wahanken, Siegt überoll der Trug der Frahanken, Wir halten fest der Liebe Band, Denn du bist unser Batertond!" „Also prost!" rief er lustig in das verdatterte Schweigen hinein. Der falsche Michael Kohlhaas. Sturmiauf gegen dichter und Staatsanwalt. Ein Landwirt und Kaufmann namens Speckmann beschimpft« Richter und Staatsanwalt so schwer, daß ihn das Schössen- geeicht Berlin. Mitte gestern wegen übler Nachrede und Be- leidigung zu 500 Mark Geld st rase verurteilte. Der Straftat lag folgender Sachverhalt zugrunde: Speckmann und seinem Bruder hatte vor 20 Jahren der Vater ein Geschäft eingerichtet und überlassen. Durch Familienzerwürfnisse kam der Vater dazu, nach dem Kriege diese Ueberlassung als ein Geschenk rückgängig zu machen, da er den Söhnen Undank vorwarf. Die Brüder stellten sich auf den Standpunkt, daß sie das Geschäft als Ausstattung erhalten hatten, die der Vater nicht zurückziehen konnte. Aus diesem Streit erwuchsen mehrere Zivilprozesse, mit den Söhnen auf der einen und dem Bater und der Schwester auf der anderen Seite. Das Landgericht Landsberg gab nun in einem Verfahren dem Vater vecht und wies den Erstattungsanfpruch der Söhne ab Diese Entscheidung stand im Gegensatz zu allen bisherigen Kammer- gerichtsurteilen und wurde auch später aufgehoben. Der eine Sohn Speckmanns griff in maßloser Wut zur Selbst hilf«. Er richtete an Kammergericht und Staatsanwaltschaft eine Unsumme von Eingaben, in denen er die Richter und den Staatsanwalt mit Verbalinjurien wie„grünen Jungen",„Strolchen",„Lum- pen" und„Verbrechern, die für Sonnenburg reif sind", bewarf. Außerdem behauptete er. daß die Richter Bestechungssummen erhalten hätten. Dem Staatsanwalt, der die Sache bearbeitete, warf Speckmann vor, daß er mit seiner Schwester befreundet wäre und ihn daher verfolg«. Dieser Staatsanwalt hätte auch durch seine Be- kanntschaft mit den Landsberger Richtern das ungerechte Urteil gegen ihn veranlaßt. Die Behörden achteten zunächst nicht auf Speckmanns beleidi- oende Aeußerunaen; erst als sie sich vor Anwürfen nicht mehr retten konnten, stellten der Kommergerichtspräsident und der Generalstaats- anwalt S t r a f a n t r a g. In der gestrigen Verhandlung bezeichnete ein Arzt den wegen Beleidigung oft vorbestraften Angeklagten als einen Querulanten, der schon in Heilanstalten interniert war und mit der Verbissenheit eines märkischen Bauern zu unverantwortlichen Handlungen hingerissen wird. Das Gericht erklärte, daß Speckmann wohl in Wahrnehmung berechtigter Interessen zu handeln glaubt«, aber viel zu weit über die zulässigen Grenzen hinausgegangen wäre. Die Raumnot im Arbeitsgericht. Das Arbeitsgericht ist seit seiner Gründung stiefmütterlich de« handelt worden. In der Z i m ni e r st r a ß e hat es in einem Miets- haus völlig unzureichend« Räume erholten. Nach Annahme de« Arbeitsgerichtsgefetzcs wurde der Aufgabenkreis noch größer, aber die Räume blieben die gleichen. Erst als es gar nicht mehr ging, als der Geschäftsgang darunter zu leiden hott«, daß zum Beispiel die Richter kein« Berawngsräume hatten, wurden in einem Nebenhaus und im Kunstgewerbemuseum in der Prinz-Albrecht-Straß« Räum« gemietet. Dadurch ist die Raumnot nur zum Teil beseitigt. aber der Gsfchästsgong ungeheuer erschwert. Wenn in den Ab- teilungen in der Prinz-Albrecht-Stroße einmal schwieriger« Ent- scheidungen zu fällen sind und der Richter in den Gesetzeskommen« taren nachschlagen will, muß er erst einen Bote', zu der im Haus« Zimmerstraße liegenden Bibliothek schicken. Will er Akten einsehen, muß er in eine dritte Abteilung, die räumlich wieder getrennt van der Zentral« in der Zimmerstraße untergebracht ist, schicken. Aus den Kreisen des Publikums wird lebhast« Klag« darüber geführt, daß die Räume in der Hauptverwallung, so die Klogeauf nähme, völlig unzureichend sind. Auch die Sitzungszimmer sind' so klein, daß man praktisch von öffentlichen Verhandlungen nicht sprechen kann, weil außer den Klägern und Beklagten ebenfalls noch ein bis zwei Zeugen Platz haben. Ja. es ist schon vorgekommen, daß bei größeren Terminen ein Teil der Zeugen immer wieder auf den Flur geschickt werden mußte, weil kein Platz war. Auch Beratungszimmer fehlen bei«inigen Kammern, will das Gericht beraten, dann muß eben alles, auch der Schreiber, den Raum verlassen und sich auf den Fluren herumdrücken. Auf Anfragen sozialdemokratischer Abgeord- neter hat der preußische Justizminister versprochen, ein andere» Gebäude für das Arbeitsgericht freizumachen. Bisher ist noch nichts geschehen. „Jetzt sa'n Se mich bloß ema," fragte aber Iuckenack, mühsam,„woher— woher kenn'n Sie denn das?" „Nun, das singen wir hier in Dessau auch!" Holzvoigt brummte der Schädel.„Wa— unsere Natio» nalhymne?" „Freilich. Nur singen wir eben nicht„Anhalt-Bernburg", sondern„Anhalt-Dessau" ist unser Vaterland." Juckenack wandte sich mit überzeugender Geste an die anderen.„Da säht Jhrsch. Das han Se uns oo schonn je« klaut!" Er schlug dröhnend mit der Faust auf den Tisch, und seine Augen sahen den Dessauer an, als ob ihre Blicke es wären, die klirrten.„Awwer mehr jiwwet's niche!" «Erlauben Sie, meine Herren," lachte Aloensleben,„wir können Ihre Hymne aber wirklich nicht gut gestohlen haben. Weil sie nämlich"— er machte eine Kunstpause—„vom Forstmeister Mahre aus Wörlitz gedichtet und vom Konzert- meister Appel aus Dessau komponiert wurde. Der Herzog- liche Kammersänger Krüger hat sie hier im Germaniagarten zum erstenmal öffentlich gesungen. Das war anno 31." „Woher wissen Sie'n das?" „Aus der Schule." Holzvoigt schlug sich an den Kopf.„Dadrumme hat uns das unser Kanter oo nich verzählt!" Iuckenack faßte es noch nicht:„Denn han mir se also je- klaut?" „Wenn Sie so wollen— so." Langes Schweigen. „Schade," ließ sich dann Iuckenack wieder vernehmen. „Nu kenn'n mir se nicht mehr singen. Un se war doch so scheenei" „— wenn sie auch aus Dessau kam!" Aloensleben hob sein Glas.„Aber trösten Sie sich. Wir werden alle das Lied weitersingen können. Wir werden einfach singen:„Anhalt ist unser Vaterland." Das singt sich viel besser. Und wir haben dann auch ein größeres Baterland. Hundertzwanzigtausend Einwohner!" Ein Abwehrendes Brummeln war die Antwort. Aber die richtige Stimmung zum kräftigen Widerspruch war verflogen und blieb es auch, bis man zur Audienz aufbrack und, nach- dem der Bürgermeister mühsam geweckt war, draußen die Herzoglichen Kutschen bestieg. Ein dritter Wagen stand vor der Tür, ein Reisewagen. Eine einfach gekleidete Dame kam aus dem Gasthof und stieg rasch«in. Der Wagen fuhr ab. (Fortsetzung folgt.) Potsdamer Heiratsschwindler. Arbeitslose Frauen und Mädchen betrogen. Der Potsdamer Kriminalpolizei war es vor einigen Wochen ge- fongen, einen gemeingefährlichen Betrüger in der Person des ZVjährigen Kaufmanns Herbert Marschaus, auch Banfe gc- •nannt, aus Magdeburg festzunehmen. Marschaus hatte sich vor dem Potsdamer Schöffengericht wegen fortgesetzten Riickfallbetruges zu verantworten. Im September kam der Angeklagte nach Potsdam, bestellte bei zahlreichen Buchdruckereien Prospekte und Firmboqen für einen märkischen Klcingewerbeverband, dem er als General- Vertreter in Potsdam angeblich vorstand. Dieser Verband hotte den Zweck, Kreditschutz für Handel und Gewerbe zu gewähren. Wer Mitglied werden wollte, mußte drei Mark zahlen. Später machte der Angeklagte einen noch größeren Schwindel auf. Er gründete ein« sogenannte„Kcschästsstelle der märkischen Bauernschaft" für West- und Osthavelland in Potsdam. Angeblich sollten zwei adlige Potsdamer Rechtsanwälte die Rechtsvertretungen führen. Aber nun kommt das Tollste. Marschaus bestellte beim Arbeitsamt Nowawes ein« größere Anzahl FrauenundMädchen zur Arbeits- leistung für die märkische Bauernschaft. Zahlreiche arbeitslose Frauen meldeten sich bei dem Angeklagten in Potsdam, und dieser schloß mit ihnen Bcrträge mit sogenaimtcr Sicherheitsleistung ab, das heißt die Arbeitnehmer mußten Summen von 10 bis läOMark beibringen, was auch geschah. Mit einigen dieser armen Frauen knüpft« der Gauner Bekanntschaften an. versprach ihnen die Ehe, und die betörten Frauen nahmen ihr Letztes und gaben es dem Gauner. Ja, als dieser Mann, der durchaus k«in reizvolles Aeußere besitzt, bereits hinter Schloß und Riegel saß, liefen Liebesbriese bei der Gesängnisverwaltung ein. Und zur heutigen Hauptverhand- lung sah man einige verlassene„Bräute" auf dem Korridor stehen. Der Angeklagte war voll geständig, so daß auf alle Zeugen verzichtet werden konnte.' Der Staatsanwalt beantragte insgesamt zwei Jahre Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust und 1000 Mark Geldstrafe. Mit Rücksicht darauf, daß er voll geständig war und er durch die Leicht- gläubigkeit der vielen Potsdamer Geschäftsleute und Frauen in seinen Betrügereien unterstützt wurde, ließ das Gericht mildernde Umstände pxilten und erkannte auf drei Jahre Gefängnis. Kirchenaustritt und Kirchensteuer. ,■) r; Da das Kirchenstcucrsahr vom Kalenderjahr abweicht und vom 1. Ipril bis zum 31. März läuft, fei nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, daß derjenige, der aus der Kirche austritt, für das laufende Stenerjahr noch Kirchensteuer zahlen muß, mindestens aber noch drei Monate nachdem Austritt. Wer also noch vor dem 1. April 1029 austritt, zahlt noch drei Monate, und wer erst nach dem 31. März 1929 austritt, noch bis zum 31. März 1930 Kirchensteuer. Jetzt muß daher sofort der Austritt aus der Kirche erfolgen! Die 5iirchenaustrittserklärung muß gegen- über dem Amtsgericht des Wohnortes, und zwar von jedem Cr- «achfencn persönlich abgegeben werden. In Preußen müssen mich Kinder über 14 Jahre die Austrittserklärung persönlich abgeben. Für jüngere Kinder erfolgt die Erklärung durch die Eltern, nicht durch den Vater allein. Die Austrittserklärung kann kostenlos auf dem Amtsgericht in den Geichäftsstunden gewähnlich bis 13 Uhr mündlich abgegeben werden. Auch schriftliche Einsendung an das Amtsgericht ist zulässig. , Aber die schristlick)»' Erklärung erfordert, daß die Unterschrift van einem Notar b e g l a u b i g t wird. Eine Beglaubigung kann. aber von einem Notar nur vorgenommen werden, lvenn die Unter- schrift in seiner Gegenwart vorgenommen oder anerkannt wird.' '•''Wer also seine Kirchenaustrittserklärung schriftlich dem Gericht «lirreichen will, muß sich zu diesem Zweck von einem Notar in besten Sprechstund«, die gewöhnlich nachmittags stattfindet, begeben. Die Erklärung muß die Kirchengemcinds bezeichnen, aus welcher der Austritt erfolgt, und Geburtstag, Geburtsort und Adreste ent- halten. Auf Wunsch wird eine sachgemäße Erklärung auch von dem amtierenden Notar entworfen und dem Amtsgericht«ingereicht. Pie Kosten sind verhältnismäßig gering. Um allen denen, die in den Vormittagsstunden nicht abkommen können, den K�t r ch e n a u s t r i t t zu ermöglichen, stehen an den folgenden Stellen in den Abendstunden Notare zur Ver- fügung, die gegen die Mindestgebühr von 2 Mark die Kirchenaustrittserklärungen entgegennehmen. In jedem Falle empjiehlt es sich, den Austritt nicht bis zum Ende des Bierteljahres hinaus- zuschieben, fondern ihn jetzt schon zu vollziehen. SW. 29, Gneijenau- straßc 41— Freidenterhaus: nur noch Montags und Donnerstags von 7— 8 Uhr abends(nicht mehr Dienstags und Freitags).— 31.65, Reinickendorfer Straße 118 v. III, Montags. Dienstags, ,. Donnerstags und Freitags von 6— 7 Uhr abends— 0. 17, Große Frankfurter Straß« 141 o. II r„ Dienstags und Freitags von 7— 8 Uhr abends.— Charlotten bürg, Rofinenstr. 41(Jugendheim), Eon nabends von 5— 6 Uhr nachmittags. Kreditgemeinschaft Berliner Spezialgeschäfte. Der wirtschaftlichen Baisse Rechnung tragend, haben sich vor kurzer Zeit auch eine Reihe erstrangiger Berliner Speziolgeschäste einer Kreditgemeinschaft zusammengeschlossen. Jeder nde erhält auf Wunsch die gekaufte Ware auf Teilzahlung bis zu zwölf Monatsraten bei einer Miridestzahlung von 10 Proz. des Kaii'vrsifes. An Zinsenverlust erheben die Finnen einen Ausschlag von 1 Proz. pro Monat. Der Verkauf aus Kredit erfolgt nicht etwa in einer gesonderten Warenabteilung, fondern der Käufer wählt die Ware am Latzer und gibt dann bei der Kasse cm, daß er aus krodit zu kaufen wünscht. Nach Ausfüllung eines Fragebogens, dessen 3)er Schandfleck amSSahnhoS&riedrichfiraBe DerBorplatz am Bahnhof Friedrich st rohe, seit dem Tau- weiter ein wahres Schlammparadies, das sich hinter einem öden Bretterzaun vor den Augen der Passanten verbirgt. ist durch die Verhandlungen, die die Berliner Verkehrs- A.-G. über den Erwerb dieses Grundstücks führt, wieder in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt. Be- kanntlich plante man ursprünglich den Bau eines Turmhauses, der von der „Turmhaus-A.-G." durchgeführt wer- den sollte. Aber die Schwierigkeiten der Fundamentierung in dem morosti- gen Boden brachten diesen Plan zum Scheitern. Jahrelang dient« dieses Gelände, auf dem früher die Pepiniere untergebracht war, als Rummelplatz: ein kürzlich eingebrachter Antrag in der Stadtverordnetenversammlung wünschte das baldig« Berschwinden dieses„Schandflecks". Dadurch, daß die Vertehrs-A.-G. in kurzer Zeit zur Besitzerin des Grundstücks wird, wird es möglich, die notwendige Beseitigung des zurzeit noch mitten auf der Straße liegenden Untergrundbahneinganges und in« weiteren Verkehrs- der Reichsbahn den modernen Erfordernisten de» Verkehrs ent» anlagen der Reichsbahn, die mit den Untergrundbahnen der Stadt in ein« direkte Verbindung gebracht werden müssen, durchzuführen. Erst dann, wenn alle diese unterirdischen Anlogen der Stadt- und sprechend ausgestaltet sind, wird man sich durch neue Feststellung der Fluchtlinien über das wettere Schicksal dieses Geländes entscheiden. Angaben aus raschestem Weg« nachgeprüft werden, erhätt dann der Kunde binnen wenigen Tagen die Ware zugestellt. Aus diese Weise hofft der Emzeihandei, der durch die schlecht« Wirtschaftslage be- sonders stark gettoffen wird, die Kauftroft des Publikums zu stützen. seine eigene Leistungsfähigkeit in Qualitätsware ernsut zu beweisen und den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. In dieser Kredit- yemeinschaft besinden sich u. a. folgende Firmen: Cord«, F.V.Grün- seid, E. A. Herpich Söhne, Arnold Müller, Friedmann u. Weber, Herrmann Gerson, Teppich-Bursch, Ouantmeyer u. Eicke usw. Die schnellste Köchin. Wettkochen def Berliner städtischen Gaswerke. Im Hack« schon Hof, Rosenthaler Straße, ringen 20 Hausfrau- liche. Kochkoryphäen in schneeigem Kittel und Häubchen am funket- nagelneuen Gasherd um die Siegespalm« des Bezirks Mitte. Es ist dies das vorletzte Bezirkswettkochem am 4. April folgt dann das A u s s ch e i d n n g s k o ch e n in der Philharmonie, aus dem die Besten der Besten, die Repräsentanttnnen des rationellsten Kochtempos von Berlin—„Miß Gcrmany am Kochherd"— als Siegerinnen hervorgehen. Das Eramen war wieder das gleiche wie in den übrigen Be- zirken: Kafseewasjer, Erbssuppe mit Speck, Gulasch mit Gemüse und Kartoffeln, Kompott, Spülwasser und nochmals Kaffeewaster in kürzester Zett bei sparsantztem.Gosverbkattch schmackhaft zuzubereiten? und im KucheMounder Mißer KoNttirrenz— einen einpsündigeN Kuchen zu- backen. Bor- zahlreichem und mit.Argusaugen bewaffnetem Auditorium stiegen die Kandidatinnen ins Examen, und bald erfüllten allerlei Wohlgerüche den Raum. Die Musik spielle, das Blitzlicht der Photographcn flammte auf, die Konttolleurinnen gingen die Herdreihe entlang und Hunderte von Augenpaaren männlicher und weiblicher Zuschauer kochten mit. Da heißt«s schon allerlei Ruhe bewahren und kein Lampenfieber kriegen. Es ging ober alles wie am«chnürchen, und nach einer guten Stunde standen 20 tiptop gekochte Menüs und 20 knusprige Kuchen eßberett. Als Erst« kam Frau Martha P l a n tz,-Bernuneirstraß« 173, mit einer Kochzeit von 64 Minuten und einem Gasverbrauch von 427 Litern, als Zweite Frau Richnow, Neukölln, Weserstraße 149, Kochzeit 65 �Minuten, Gasverbrauch 423 Liter und als Dritte Frau Olga Sipply, Marienstraße 8. Kochzeit 67 Minuten, Gasverbrauch 436 Liter, ans Ziel. Als ersten Preis gab es einen 3„ Gasherd mit Bratofen und 40 Kubikmeter Freigas, als zweiten Preis denselben Gasherd mit Ziel. Als ersten Preis gab es einen 3° Gasherd mit Bratosen und 40 Kubikmeter Freigas. Die übrigen Teilnehmerinnen erhietten Trostpreis« in Form von Kochern, Plätteisen, Backformen und Freigas. Am Totalisator— auf die Kochsiegerinnen wird jedesmal durch Preisraten gewettet— kamen die drei ausgesetzten Preise von 100, 80 und 60 Kubikmeter Freigas ebenfalls an drei Gewinnerinnen zur Perteilung._ Berliner Abeudgymoasium. Anmeldungen für das neue Schul. sahr werden ab 2. April werktäglich, außer sonnabends, von 6 vis 7 Uhr abends in der Ziegelstr. 12 entgegengenommen. Wer das Berliner Abendgymnasium besuchen, will, muß das 18. Lebensjahr vollendet haben und berulptättg sein. Der Unterncht findet wirk- täglich, außer Sonnabends, von 7 bis 10 Uhr abends statt. Abge- sehen von einer Halbjohrsgebiihr von 10 M. ist der Unterricht unentgeltlich. Wirtschaftlich Schwachen werden auch die Lehrbücher kostenlos gestellt. Domen und Herren mtt Volksschulbildung werden in die Obertertia ausgenommen: für die Aufnahme in eine höhere Klosse ist dos Zeugnis e-iner ösfontlichen höheren Lehranstalt für disse Klaffe erforderlich. Tcle- phanijche Anfragen bleiben unbeantwortet. Wahnsinnstat im Krankenhaus. Zwei S5 jährige von einem Geisteskranken ermordet. Eine furchtbar« Bluttat hat sich km Elbinger städtisch« n Krankenhaus abgespielt. Sett Mittwoch der vorigen Woche war der Schlosser P r e u s ch o f s zur Beobachtung seines Geistes- zustandes im Krankenhaus untergebracht. Er verhiett sich sehr ruhig. so daß man ihn in einen Schlafraum zu anderen Leuten brachte. Bon einem Kranken lieh er sich ein Rasiermesser, das er nach Gebrauch wieder zurückgab. Er. muh dann aber genau aufgepaßt haben, wohin der Kranke dos Rasiermesser steckte. Gegen 4 Uhr morgens Holle er sich das Messer, begab sich w ein nebenan liegendes Einzelzimmer, in dem zwei8Zjährige Rentenempfänger aus Clbing untergebracht waren, und schnitt beiden die Kehle durch. Einer von ihnen starb sofort, der andere einige Stunden später. Hugenbergs Küchentrampel. In der illustrierten Sonntagsbeilage des„Berliner Lokal- Anzeiger",„Die Weite Well", findet sich in der letzten Nummer ein Aufsatz mit Bildern,"der sich„Aus welchem Fuße leben Sie-" betitell. lieber einer Photographie, die besonders ungraziäsc Füße wiedergibt, steht: ,, Dies. jedoch ist der bekannte unökonomisch ver- anlagte K üch e n t ra mp e l:" Viele unserer Leser werden nicht wissen, was ein.Küchen- ttampel" bedeutet. Es ist echt Hugenbergscher Leutnants- und Assessorenjargon und soll eine Hausangestellte bezeichnen, die in sogenannten„herrschaftlichen" Wohnungen für die Ordnung m der Küche und die Sauberkeit in den Zimmern sorgt. Da sie dm Tag über schwer arbeitet, hat sie nicht die Zell, auf die Pflege ihres Körpers so bedacht zu sein wie die„gnädige Frau", deren Füße auf einem weiteren Bilde mit bewundernder Unterschrift dargestellt sind. Auf der anderen Seite frettich würde die hochherrschaftlich« Wohnung ohne„Kllchentrampel" vielleicht einen Anblick bieten, der an Ver- lotterung nichts zu wünschen übrig ließe, und der gnädige Herr mit Frau Gemahlin müßte wahrscheinlich ein Mittagsmahl einnehmen, das mehr als ungenießbar wäre. Vergnügen, Nichtstun und Körper- pflege für die Gnädige. Arbeit und herabsetzende Beschimpfungen für die Hausangestellten— das ist ein Stück Hugenbergscher Welt- ordnung! Vielleicht aber merken sich die„Kücheiürampel", die heute noch den„Lokal-Anzeiger lesen, die Wertschätzung, die sie bei diesen Herren genießen! Für die notleidenden Musiker- Zugunsten der notleidenden, im Deutschen Zkustkerverband organisierten Musiker veranstallen die Orchester der drei Berliner Opern in Gemeinschaft mtt dem Funk- und dem Sinsonie-tBlüthner)-Orchest«r am Sonntag, dem 24. März, in der Städtischen Oper Charlottenburg ein Wohltätigteits- k o n z e r t. Gespielt werden die Sinkonie rathetigue von Tscbai- kowski, Wotans Abschied, gesungen von Kommersänger Rohde- München und der Feuerzauber von Wagner und schließlich Tod und Verklärung von Richard Strauß. Die Gesamtleitung hat Generalmusikdirektor Prof. Walter. Alle Mttwirkenden haben sich uneigennützig zur Verfügung gestellt. Das Konzert beginnt um 11 Vi Uhr. Korten zum Preise von 1,50 bis 10 M. sind an den Kassen der Opernhäuser und an den bekannten Stellen zu haben. . 4C 4iickt eSett nuk töetheh'ö fäuckpufaefk, föuckUt* ij/jn muß sich vorstellen, daß seit mehr als 30 Jahren an der Vervollkommnung dieses einzigartigen Backpulvers gearbeitet wird.„Badiin" war sdion vor 35 Jahren gut und gerade deshalb war es doppelt schwer, es noch weiter zu verbessern. Unermüdliche Forscherarbeit und zahllose Versuche haben nun ein Endprodukt erbracht, von dem man sagen kann es ist unvergleichlich I Unsere deutschen Hausfrauen wissen es. Deshalb backen sie nur nach Oetker- Rezepten und sind damit vor Fehlschlägen bewahrt Eint lute von praitisditn Baii-Ktzepitn bitttn„Dr. Ottler-Rtstpf" Au,- F CPrti, CS Pfy.) a.„Dr. Defltr', SAul-KoAlufr', ( Pr.JO P/g.J zu haben in den Lebeasmlilelgtsdiaflen, sonst, geg. Voreinsendung v. Marken bei Dr. /lugusi Ootkcr, BiclcfcuL Im Berliner Hausfrauen-Verein kommt. nur Dr. Oetker'a Backpulver„Backin" zur Verwendung. 5. Reichskonferenz„Ausbildung" des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt. Da einzelne Druckfehler in den Voranzeigen waren und Um- stetlungen vorgenommen wurden, geben wir noch einmal das end- gültige Programm der gesamten Veranstaltungen bekannt: Dlilkwoch, den 27. Dlärz(geschlosiene Verhandlung). 1.„Der Stand der wohlfahrtspflegerischen und sozialpädagogischen Ausbil- dun«.* Referent. Käte Büchrucker, Berlin. 2.„Unsere Forderungen an die berufliche Ausbildung in der Wohlfahrtspslege." a)„Besondere Fragen sozialhygienischer Ausbildung.* Referent: Dr. Gold- mann. Berlin, b)„Wohlfahrtspflegerische Ausbildung und Laufbahn des mittlere» Beamten.* Referent: Robert Görlinger, Köln. c)„Wirtschast-schulung und Wohlfahrtspflege.* Referent: Dr. Men- nicke, Berlin, d)„Akademiker und Wahlfahrtspflege.* Referent: Dr. Kantorowicz, Kiel, e)„Forderungen an die Leistungen der Ausbildungsstätten.* Referent: Regierungsrat Dr. Gudula Kall, Düsseldorf. Donnerstag, den.28. März. 9 bis IZ Uhr Diskussion. 14 Uhr öffentliche Versammlung.„Demokratisierung der Wohlfahrtspflege.* Referent:. Rcgierungsrat Hedwig Wachenheim, M. d. L.. Berlin. Die Hauptausschußsitzung(Reichssitzung) findet am Dienstag, dem 2 6. März 1929, statt. Die Verhandlungen beginnen an allen drei Tagen früh 9 Uhr pünktlich im Volkebildungs- heim, Frankfurt a. M., Eschersheimer Anlage 46/41. Die Teil- nehmerkarren werden vom Hauptausschuß ausgegeben. Es wird gebeten. Anmeldungen an das Bureau des Hauptausschusses, Ber> !in SW6l, Belle-Alliance-Platz 7/8(Telephon: Dönhoff 8188), erfolgen zu lassen. Zuschriften über Zimmerbestellungen sind umnittel- bar und beschleunigt an den Bezirksausschuß für Arbeiterwohlsahrt, Frankfurt a. M., Am Schwimmbad 8(Zimmer 5), zu richten. Iugenöweihen in Verlin. Der Bezirk Köpenick kann stolz sein, daß es ihm als erstem der 26 Berliner Bezirk« gelungen ist, eine gemeinsame Jugendweihe der Freireligiösen Gemeinde, der Freidenker, der Freien Schul- gemeinde und der Sozialdemokratischen Partei zu veranstalten. Durch die hohen Fenster der Aula der Korner-Schule flutet das Licht der langersehnten Märzsonne. Aus den ersten Bänken saßen die Jungen und Mädel, die mit chrer Jugendweihe von der Kindheit Abschied nahmen. Zu d'esen Jugendlichen der Arbeiterklasse sprach Artur (s r i s p i e n. feie sollen die Jugendlichen daran denken, aus dem Leben zu flüchten. Sie können stets das Bewußtsein haben, daß mit ihnen das Proletariat der Welt kämpft. Um diesen Kampf siegreich zu gestalten, ist es notwendig, daß sich die Jungen frühzeitig der Jugendorganisation ihrer Klasse anschließen. Sie sollen stolz darauf sein, dem Arbeiterstand anzugehören! » Die freien Schulgemeinden Pankstraße und Tier- garten hatten zur Jugendweihe der 244. und 243. Schule in die „Volksbühne* eingeladen. Die zahlreich erschienenen Eltern und Mitglieder der Schuljjemeind« erlebten hier eine Feierstunde, die vorbildlich zu nennen ist. Ganz untraditionell wurde versucht, ohne feierliche Ansprache und ohne Vielgestaltigkeit des Programms den Kindern eine festliche Stunde zu bereiten und ihnen gleichzeitig zu sagen, welche Hoffnungen und Wünsche wir an diesem Tage für sie— und für uns haben. Nach zwei einleitenden Liedern, die von der Singgemeinschaft der 244. und 245. Schule Tagesordnung: Btricht über die Lohnoerhandlungen und Stellungnahme zu dem ergangenen Schiedsspruch. Zutritt haben nur Funktionär« unter Vorwetsuug Ihr« Rtt- gtiedsduche» und der Au»weiskartc für das Zahr l9A>. �__ vi« Srtsvarmolknag B In der GessmtMiSadt de».Vorwirt»*«ind bMonden«trkM» «ad trolidu» selirbllltöl I llehuwa 22. Harz L Rotei&Kreuz- Caeid-Lotlerie des Vctcrlfindischen Frauenrcrctn* ProylmlalTerband Grcfeberlln 3341 Geldätw.n. 1 Prämien xtu. 15000m. bfScbstsev. Haupiß tv. und Primlcn 8000 h. SOOOm. 2000h. IOOOn. Lese nur 50 PI. TJIT. 10 Lose rcrsch. Taus. Sil!, j in allen•«kennten Yc.kaulssteüen, Lud. MUller A Co. Berlin S W 19, Jenjso'emrr ZUete IS tiochherd«, eisern«, Sa«, tiohle, scher Art und Größe, Siedlung, Haushalt, Restauration iGelcgenheiten). billige Badeeinrichtung, Abwaschtisch«. Mische- rollen. Waschtesscl, Ofcntllren, Teil. Zahlung.« vefe», eisern«, sedcr Art und Größe, auch sllr Sale bis ztXX» obm. Die alte Speualsabrik Srmmler n. ZZl-yberg. Tresdenerstr-b« SS— 1.00.» 'Sehik'llunyZlilurii?. 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Die Einäscherung findet Donnerstag den 21. Stärz. 18 Uhr. im Krematorwm Baumschulenweg statt. Ehr, seinem Lndenkenl Reg« Beteiligung wird erwartet. Die OrlnocnsaltaM. Am Sonntag, dem 17. März, nachm 4'/,Uhr.enlschIi«fnoch rurzem,Ich««rem Leiden mein lieber Mann, unier lieber Pater, Schwiegervater und Opa Gottfried Delckert im 61. Lebensjahre. In tleter Trauer im Namen der Hinterbliebenen Anna veickeet. DieEinäjcheeung findet amDonners- «ag, dem 21. März. 7'/, Uhr, im Krematorium Serichistraße statt. «Bdlo Anoden ZLll. Accu 8,50 Sparröhren 150 Apparate Teilzahlung. Dreh- landen» 1.20 Schönleiu ftraße 2* Fahrräder Fahrraddecken 2,80. Schläuche 1,20. Pedale 150. Reparaturen dillig. Schön- leinstraße 2. Kaufgesuche Platinadiälle, Kinn- Silb erschmelze Goldschmelzerei Ehristionat. Köpenicker. ftraße 8» sHaltestell« Adalbcrlstraßr) Briefmarken. Münzen kauft Groß. mann, Iobanntsstraße 4.' Statt begonckerer Heute ftllb stsrd naab Kurree, setinrerer Krankheit meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Schwiegermutter Toni Lockenvüz geb. TheneaTUa Im Alter von 49 Jahren. In tiefer Trauer Paul Loekeavlts Haas Loekeavlts Karl Hafaeler a. Frsa Margarete, geb. Lockeavila BerIJn-Frohnau, den 19. Mirz 19291 Dominikanerweg 1. Trauerieier im Trauerhause am Sonnabend, dem 28. d. Mts.. nachmittags 3 Uhr. Beisetzung auf dem Friedhofe In Frohnau. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Kassen, varländon Fflrsorgeamiern usw. wird in herrlich gelegenem Badeort Mitteldeutschiards mit wertvollen Heilquellen Baugelände fOr Heilstätte umsonst abgegeben und Vergün- st 1 p u ng e n gewährt. Offeit. unter W. 18, Hauptexpedition des Vorwärts m&MWb«. Unterricht Abitur, vdrrseknnda. Bormiltags-!I schule, Abendkurse. Direktor Danztgers Porbereitungsanftalt, Alt« Iakobstr. 124, 1 Gitschinetstraße 1.�______•] SchnellfSrdernde Privatzirkel. Kur?e 1 fchrift. Maichinenfchreiben. Buchhaltung.! 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Da neuerbings besonbers heftige Angriffe gegen die öffentlichen Betriebe und ihre steuerliche Bevorzugung erhoben worbe» fiub, ist bei der großen Bebeutung dieser Frage für bi« Allgemeinheit eine sachliche Unler- juchung ber gegen das Steuerprivileg vorgebrachten wichtigsten Argu- mente notwendig. Das Gesetz hat die sogenannten öffentlichen Dersorgungsbetriebe — das[inb im wesentlichen bie in tommunalem Besitz befinblichen Elektrizitäts-, Gas- und Wafferwerte— von der Bermögens-, Umsatz, und K ö r p e r s ch a f t s st e u e r-befreit. Diese steuer- liche Bevorzugung der öffentlichen Versorgungsbetriebe wirb mit den gemeinnützigen Ausgaben, die sie erfüllen, begründet. Der für ihre Verwaltung maßgebende Gesichtspunkt ist im Gegensatz zu den pri. traten Unternehmungen nicht bas Gewinnstreben, sondern das Wohl der gesamten Bevölkerung.„Sie dienen," wie der Gesetzgeber sich in der Begründung zum Entwurf eines Körperschaftssteuergesetzes vom 23. April 1925 ausgedrückt hat,„vor allem dem Gemeinwohl." Es ist bekannt, daß diese Dersorgungsbetriebe vielfach öffentliche Gebäude, Schulen, Krankenhäuser, Museen und andere gemeinnützige Anstalten entweder kostenlos ober doch zu niedrigeren Preisen beliefern. Auch den privaten Verbrauchern geben sie Elektrizität, Gas und Wasser billig ab und wirken bei der großen Bedeutung dieser Pro- dukte für die Befriedigung der alltäglichen Bedürfnisse günstig in sozial- und kulturpolitischer ch ins, cht. Unlautere Konturrenz. von den Gegnern des Steuerprivilegs wird mit ganz besonderer Vorliebe behauptet, den öffentlichen Betrieben wäre dank ihrer steuerlichen Bevorzugung die Möglichkeit gegeben, den privaten Unter. nehmungen der gleichen Art eine unlautere Konkurrenz zu machen. Während die privaten Unternehmungen genötigt seien, ihre Steuer- belastung voll als Unkostenfaktor in der Kalkulation zu berücksichtigen. seien die öffentlichen infolge ihres Steuerprivilegs in der Lage, ihre Produkte billiger zu liefern und so ihre privaten Kon- kurrenten zu schädigen. Der Reichssinanzhof, der auch dieses Argu- ment sich zu eigen gemacht hat, glaubt aus diesem Grunde sogar von einer Treuverletzung des Staates sprechen zu müsien(Entschei- dung vom 23. September 1928, II A 283/28, amtl. Samml. Bd. 24). -Tatsächlich trifft aber dieser Vorwurf die Dersorgungsbetriebe der öffentlichen chand üb erh aü p t N i ch ti Es Ist nicht richtig, wie vielfach von privatwirtschaftlich interessierten Kreisen behauptet wird, daß die diesen Betrieben angegliederten Reparatur-, Jnstallations- oder sonstige Nebeuwerke von irgendwelchen Steuern befreit sind. Damit ist auch der ständige Hinweis darauf, das Stenerprivileg schädige die kleinen Händler und Handwerker und die moralische Entrüstung darüber völlig gegenstandslos: Nur soweit die öffentlichen Versorgungsbetriebe ihre eigentliche Aufgabe erfüllen, d. h. die Bevölkerung mit Gas, Wasser und Elektri- zität versorgen, genießen sie eine steuerliche Bevorzugung. Jedoch stehen sie in der Ausübung dieser Tätigkeit in keiner Kon. k u r r e n z mit privaten Unternehmungen. Es ist nicht richtig, daß in irgendeinem Verforgungsgebiet etwa zwei Elektrizitätswerke mit- einander konkurrieren. Vielmehr beliefert jedes einzelne Werk sein Gebiet, und von einem Wettbewerb zweier Betriebe der gleichen Art kann keine Rede fein. Mit diesen Argument rennen bie Gegner des Steuerprivilegs offene Türen ein. Billiger oder teurer? Wie unsachlich und mit welcher Skrupellosigkeit und dialektischer Spitzfindigkeit der Kampf gegen das Steuerprivileg der öffentlichen ZZersorgungsbetriebe geführt wird, zeigt die Tatsache, daß man ihnen einerseits ihre niedrigen Preise als unlauteren Wettbewerb vorwirft, und dabei andererseits gleichzeitig nach- zuweisen sucht, daß die ösienliichen Versorgungs betriebe für ihre Erzeugnisse höhere Preise verlangen als die pri- vaten. Aus diesen angeblich höheren Preisen folgert man dann weiter, daß die Kommunen ihre Elektrizitäts-, Gas- und Wasser- werke ganz wie die privaten Unternehmer, ausschließlich auf da? G e w i n n st r e b c n abgestellt hätten, und daß deshalb mit dem Verschwinden des gemeinnützigen Charakters dieser Betriebe ihr Steuerprivileg unberechtigt fei. Auch diese Argumentation geht fehl, weil sie gleichfalls auf falschen Voraussetzungen aufgebaut ist. Man pflegt näm- lich stets die Behauptung, die öffentlichen Betriebe feien teurer als die privaten, auf die Broschüre des Diplom- Inge nieurs Hans Lndcwig:„Die Lieferpreife für elektrische Arbeit bei kommunalen und privaten bzw. gemischt- wirtschaftlichen Unter- nehmungen"(Verlag: Springer, 1928» zu stützen. Dabei wird aber geflsssentlich übersehen, daß Ludewig zugunsten der privaten Elek- trizitätswerke voreingenommen ist und zu feinen Ergebnissen kommt. indem er falsche Zahlen methodisch falsch verar- b e i t e t. Bei der Ermittlung seiner angeblichen Durchlchnittspreife geht er fälschlich davon aus, daß jeder Einwohner des Reiches die gleiche Licht- bzw. Kraftstrommenge konsumierte und verwendet dazu noch teilweise falsche Zahlen im Hinblick auf die Tariffätze der einzelnen Werke für eine Kilowattstunde. Die Ergebnisse sind deshalb selbst- verständlich willkürlich und geben kein Bild von den wirklichen Preisoerhältnissen. Tatsächlich versorgen die öffentlichen Betriebe die Bevöterung nicht teurer, sondern bedeutend billiger als die pri- vaten mit Elektrizität, Gas und Wasser. Räch einer umsaffevden und demnächst auch zu veröffentlichen. den Berechnung, und zwar unter voller Berücksichtigung der von Lndewig benutzten Unterlagen, besteht für die Llchtstunde zwischen kommunalen und gemlscht-wirtschastllchen Werken zugunsten der kommunalen eine Preisdifferenz von 1,0. zwischen kommunalen und privaten Werken sogar eine Visserenz von 4.0 Pfennig. Die Srastflnnde der kommunalen Werke ist zwar um IL Pfennig teurer als die der gemischtwirtschaftlichen, aber um volle 7L Pfennig billiger al» die der privaten werke. Dabei versorgen die öffentlichen werke vielfach Gebiete, deren Aufschließung für die Privatwirtschaf» sich nicht genügend lohnt. Es kann nicht bezweifelt werden, daß die etwaige Beseitigung des Steuerprioilegs infolge der kommunalen Finanzlage ein« Er- höhung der Preise für die Erzeugnisse der öffentlichen Betriebe zur Folge haben müßte. Eine Erhöhung der Preise für Elektrizität. Gas und Wasser würde aber wie eine Verbrauchssteuer auf lebens- notwendigen Bedarf wirken, und im Interesse der kleinen Ber- braucher darf eine so unsoziale Desteuerungsresonn nicht gewählt werden. ,,. De? wahre Srupd für das Verlangen- der Deutschen Volkspartei trnö der ihr nahestehenden Kreise auf Beseitigung des Steuerprivilegs der öffent- lichen Versorgungsbetriebe, die übrigens dem Reich bestenfalls 50 Millionen brächte, liegt nicht in dem Wunsch nach Ausschaltung eines angeblich unlauteren Wettbewerbs, sondern ist vielmehr aus- schließlich in der Expansionslust der privaten Unternehmer zu suchen. Das spricht recht ossen in dem Artikel:„Entbehrlichkeit pri- vilegierter öffentlicher Unternehmungen, insbesondere auf dem Ge- biet der Elektrizitätsversorgung"(Nr. 6 des„Bankarchivs" vom 15. Dezember 1928) Herr Oberregierungsrat Dr. von Lilienthal aus, der ganz klar sagt, man müsse die deutsche privalwirtschasl für die verlorenen Tätigkeitsgebiete auf dem Wellmarkt durch die Privatisierung und Einschränkung der öffentlichen Wirtschaft entschädigen. Er lzält ein Gesetz für notwendig,„das in klarer und weitgehend einschränkender Weise das Recht der öffentlichen Hand. Wirtschaft- liche Unternehmungen zu betreiben, begrenzt". Da liegt der Hase im Pfeffer! Dem Staat soll eine Politik, die zum Wohle der ge- samten Bevölkerung mit den Versorgungsbetrieben verfolgt wird, unmöglich gemacht werden. Vielmehr sollen diese lebenswichtigen Bedarfsartikel produzierenden Monopokbetriebe restlos dem Privat- kapital ausgeliefert werden, damit aus ihnen auf Kosten der Be- völkerung, insbefoirdere der ärmeren Schichten. Gewinn« heraus- geschlagen werden. Gewinne auf Luthersruh. Zum Abschluß der Gemeinschastsgruppe deutscher Hypothekenbanken. Die Gemeinschastsgruppe deutscher Hypothekenbanken, in der acht private Hypothekenbanken von einer Gemeinschoftsdirektion oer. waltet werden, die kürzlich mich den Reichskanzler a. D. und Reichs- ernenerer Dr. Luther bei sich engagiert hat, hat, wie alle Hypotheken« danken, ibre Geschäfte 1928 stark erweitert. Rene Hyporhetc-noarlehen und Kommunaldo flehen wurden für 261 Millionen gewährt, der Umlauf von neuen Pfandbriesen und Kommunal- schuldverschreibungen hat sich um 249 Millionen erhöht. Die liqui- dierlen Popiermarkhypotheken eingerechnet, ergab sich eine Steige- rung oller Darlehen von 879 auf 1378 Millionen und sine Steige- rung des Pfandbrief- und Schuldverschreibungsilmlaufs von 841 auf 1324 Millionen. Gegenüber dem Darlehensbestond von 2469 Mil- lionen im Jahre 1913 sind heute also erheblich mehr a l s 3 0 P r o z. des Borkriegsdarlehnsstondes erreicht. Dos neue Geschäft brachte erheblich neue Gewinne. Es wird(ohne stille Reserven) eine Steigerung des Reingewinnes von 7,54 auf 10,11 Millionen ausgewiesen, aus der fed« der acht Banken auf das von 55.2 auf 60,2 Millionen insgesamt erhöhte Aktienkapital ihre Dividende gegenüber dem Vorjahr von 9 a u s 1 0 P r o z. erhöht. Ab 1. Januar.1929 werden di« um 3,2 auf 25.2 Millio- nen erhöhten offenen Reserven über 40 P r v z. des ge- samten Aktienkapitals betragen. Von diesen 25.2 Millionen offenen Reefrven sind rund 20 Millionen seit Ende 1925 aus den Ge- «innen zurückgestellt worden. Außerordentlich beträchtlich scheinen die stillen Reserven iu sein. Es wird zwar kein Wort darüber nerloren. aber man kann onnebmen. daß in den ,39,48 Millionen Mark Kreditoren(be- nur r 16 Millionen Debitoren) mindestens 20 Millionen Morl stille Reserven enthalt«, sind. Diese starke Gewtnnbitdung auch bei der Gemeinschastsgruppe feit dem Jahr« 1925 muß deshalb hervorgehoben werden, weil sich die Geschäftsberichte der privaten Hypothekenbanken sehr darum zu bemühen scheinen, daß die Kraft des Kapitalmarktes auch durch gesetzlich« Maßnahmen gestärkt wird. Man de. schwort sich über die preuhffchen Anilagevorschriften für die Spar- tasten, über die Vorenthaltung der Reichsmündelsicherheit gegenüber den privaten Hypothekeninstitutcn und über die bisherige Aufrecht- erhalbmg der Kapitalsrtragsftener. Man geniert sich auch nicht, di« öffentlichen Realkreditinstitute und ihre Pfandbriefe bzw. die Staatsanleihen in den Augen der Pfandbrief- und Anleihekäufer schlecht zu machen, um den Anspruch auf die Reichsmündel- sicherheit zu begründen. Das mag alles im Geschäftsinteresse der privaten Hypothekenbanken zweckmäßig sein. Die gesamtwirtschaftliche Kapi« tcrlbildung und Kapitalmenge, auch der Kapitalzins würden aber durch die Erfüllung solcher Wünsche keineswegs günstiger werden. Mr glauben vielmehr, daß die privaten Hypothekenbanken selbst der Gesaintwirtschast einen sehr guten Dienst leisten könnten, wenn sie bei der Häufung von offenen und stillen Reserven, di« heute in acht- bi« zehnmal so schnellem Tempo erfolgt als in der Vorkriegszeit, etwas größer« Zurückhaltung üben würden. Es ist außerdem auch für die Gesamtwirtschaft kein Vorteil, wenn ein Hypothekenbanksnkonzern, wie die Gruppe deutscher Hypa- thekenbanken, bei einem Kopital von nur 60 Millionen und nur etwas mehr als 30 Proz. des Varkriegsgeschäftes einen Stob oon Direktoren und Aufsichtsräten hält, der mit bald 100 Köpfen ein unheimliches Geld verschlingt. Zinsverbilli- gung und Sparsamkeit in der Verwaltung wären zweckmäßiger al? die einig dauernde Kritik nach außen und die recht bämiichc Vekömps'tua der öfftrtlicbcm Bankenkonkurrenz, die einmal billiger arbeitet und zum anderen ihre Erträge der Volks- Wirtschaft unverkürzt wieder zur Verfügung stellt. Asch recht gespannter Geldmarkt. Aber kein Grund zur Diskonterhöhung. Die Reichsbank bat ihren Wochenausweis zum 15. März ver« öffentlichk. Sie weist einen geringen Rückgang der Wechselbestände um S4.2 aus 715,2 Millionen aus, eine beträchtliche— zur Monatsmitte sogar ungewohnte Abnahme der Lombarddarlehen um 94,8 auf 59.0 Millionen und einen Rückgang der Bestände an Reichs» schatzwechseln um 16,1 aus 5 Millionen. Die fremden Gelder auf Girokonto sind um 54,4 auf 448,5 Millionen zurückgegangen. Der Abbau der Reichsbankkredite vom Februarende ist bis zum 15. März mit weniger als der Hälfte des Betrages von über 700 Millionen olio noch recht gering. Es ergibt sich daraus, daß die Anspannung aus dem inlöndischen Geldincxrkt ziemlich p r o fz geblieben ist, lieber die Ursachen haben wir schon gesprochen-, es sind der Abfluß kurzfristiger ouslöndischer Gelder nach London und New Vork. der starke Kassenbedarf des Reiches»nd schließlich sehr wahrscheinlich schon jetzt die Vorbereitung oui dos Märzende, von dem alle Welt erwartet, daß es sehr schwer sein wird Der Notenumlauf verringerte sich um 171,9 auf 4165.8 Millionen, derjenige an Rentenbonkscheinen um 3,5 auf 473,4 Millionen. Starke Veränderungen zeigen sich bei den Geldbe- st ä n d e n und den deckungsjähigen Devisen. Bei den Gold- beständen ist die Veränderung ohne eigentliche Wirkung aus den tatsächlichen Goldvorrat der Reichsbank. Die Reichsbank hat 36 Millionen Mark noch New Tork gegeben, sie ober dort nicht verkaust, sondern nur sür die Reichsbank selbst deponiert. Der Rückgang der Goldbestände der Reichsbank oui 2646,9 Millionen;st also kein totsächlicher, sondern nur ein buchmäßiger. Dagegen sind die deckungsfähigen Devffen tatsächlich um 60,2 auf 67V Millionen zurückgegangen, was wahrscheinlich mit dem Abzug ausläubifchef Kredite zusommeichängt, die ja größtenteils in ausländrlcher Währung zurückgezahlt werden müssen. Die Wahrungs- und Kreditlage der Reichsbank ist aber noch wievargut, so daß zumindest bisher oon irgendeiner Notwendigkeit. durch Diskonterhöhung die Devifen- oder Goldbestondo der Reichsbank zu schützen, nicht gesprochen zu werden braucht. Die Golddeckung der Noten hat sich noch oon 61,8 aus 63,5, die Notendeckung durch Gold und Deoisen zusammen oan 64,8 aus 65,2 Proz. erhöht. Dos ist immer noch ein Deckungsrekord. der eine lehr beträchtliche Spanne zur Gewährung neuer Kredite ohne Diskonterhöhung auch dann offen läßt, wenn dos beginnende Frühjahrsgeschöst für die Wirtschaft neue Reichsbankkredile verlangt. Zwei Großbanken der Provinz. Auch hier starke Ausbeutung des Personals. Di« Allgemeine Deutsche Creditanstalt in Leipzig ist eine der wichtigsten großen Bonken außerhalb Berlins und die Hauptbank der sächsischen Industrie. Aehnfich wie bei den Berliner Großbanken erfolgte 1928 eine starke Ausweilung der fremden Gelder, und zwar von 294 auf 364 Millionen Mark. Die gute Kanfunktur van 1928 hat auch bei der ADEA. den Großteil b-r neuen fremden Gelder hauptsächlich in Borschllssen aus schwimmende, und lagernde Waren(Exportsteigerung!) der Wirtschaft wieder zu- geführt. Die ausgewiesenen Gewinne sind von 21.2 ans 22,2 am rund eine Million Mark erhöht. Wie im Vorjahr beirägt die Dividende aus das im Jahre 1927 von 26 auf 49 Millionen erhöhte Kopital wieder ll> Proz. Die Inanspruchnahme des Personals scheint auch hier aus dem psychologifcheu Abbaudruck der letzten Jahre, ber über dem Personal liegt, Vorteile gezogen zu haben. Seit 1926 ist der Umsatz von 15,9 auf 24,5 Milliarden, die Bilanzsumme von 269 auf 442 Millionen gestiegen. Gehälter und Unkosten sowie der Aufwand für Wohlsohrt seinrichtimgen, Beomtenobrindungen und soziale Lasten haben sich gegen 1926 aber nur sehr geringfügig, nämlich von 15,20 aus 15,78 Millionen erhöht. Alit bestenfalls dem gleichen Personal bei gleichzeitig stark vermehrten ZUaschioentasien wurde also eine um kaum weniger als 60 Proz. erhöhte Arbeikslost bewältigt, ahne daß die Gefamtkosten um mehr als 3 Proz. stiegen. Ein ähnliches Bild zeigt die Süddeutsche Diseonto- Gesellschaft in Mannheim, die von der Diseonto-Berlin be- herrschte provinzielle Großbank der südwestdeutschen Ecke. Die Bilanzsumme stieg von 206 aus 248 Millionen, die Einnahmen sind mit 10,14 gegen 10,12 Millionen etwas höher ausgewiesen, der Reingewinn mit 2,16 gegen 2,13 Millionen ebenfalls. Trotz der er- heblichen Ausdehnung der Geschäsle sind die Gesainispessn(einfchließ- lich der Tantiemen!) sogar von 6.59 aus 6,56 Millionen gesunken! Wieder S Prozent Horch-Oividende. Steigende Umsähe.- Erhöhte Gewinne. Der Aufsichtsrat der Horch-Autamobilwerke A.-G. i n Zwickau hat dfe Dividende für 1928 wieder aus 8 Proz. fest- gesetzt. Die Aktionürsgewinpe ersordem jedoch diesmal Jost dos Doppelte der vorsährigen Dividendensumme, nämlich 400 000 gegen 239 000 M.. da 1928 das auf 5 Millionen erhöhte Kapital erstmalig voll zu verzinsen ist. Der Fabrikationsgewinn ist um mehr als 50 Proz. auf rund 3.9 Millionen gestiegen, die Abschreibungen sind um fast 170 Proz. auf 0.85 Millionen heraufgesetzt und trotz dieser starken Kürzung konnte der Reingewinn mit 516 000 M. weit mehr als verdoppelt werden. Einschließlich der Abschreibungen hat das Unternehmen mehr als 27 Proz. ihres erhöhten Kapi- t a l» verdient. Die Umsätze sind gegenüber- dem schon sehr guten Betriebsjohr 1927 erheblich gestiegen und hotten schon in den ersten nenn Monaten den Gesamtumsatz des Vorjahres überschritten. Der Geschäftsbericht steht noch aus. Di« hannoversche Bodevkredilbank JL-G-. die von den freie n Gewerkschaften Über die Arbeiterbonk bekanntlich beherrscht wird, hat in ihrer Generolversammlung die von uns vor einigen Wochen besprochene Bilanz und die vorgeschlagene Dividende von 12 Proz. genehmigt. An Stelle des ousgelcbiedenen Auilichtsrots- Mitgliedes Direktor S. Cohler-Berlin wurde Genosse M. d. R. Schumann vom Verkehrsbund gewählt. Reuer Glanzabschluß im Mitteldeutschen Maschinenbau. Der große Magdeburger Maschinenkonzern Wolf« Buckau weist für das Betriebsjahr 1928 einen verdoppelten Rein» gewinn in Höhe von 1,4 Millionen Mark aus. Die D> n i d e n d e wird wieder auf 10 Proz. festgefetzt, erfordert jedoch diesmal aus da? erhöhte Kapi'al von 1? Milkionen die dovpalte Summe gegenüber dem Vorjahr. Nach Beröffcmlichung des Geschäftsberichtes kommen wir auf den Abschluß noch zurück.' Beamtendebatte im Reichstag. Oer Rachtragseiat angenommen. Zter R«>chstaj, hat am Dienstag nach debattenloser Der- akschieduna einer Aenfcerung des Gesetzes über den Berkehr mit Milch die Veratnng des Nachtragsetats sortgesetzt. Abg. Maroth(D. Lp.): Herr Toraler hat dt« Opposition?- farderungen der Sozialdemokratie ihrer Nichtersüllung durch diese Regierungspartei gegenübergestellt. Herr Torgler wird freilich kaum in diese Lage kommen. Di« Länge der Reichetogsreden über Beamtcnfragen steht außer Derhöltms zu ihrem Erfolg. Endlich ist die Sensationsmeldung von einer Kürzung der Beamten. gehälter klar dementiert worden: eine Reichstagsmehrheit dafür hätte sich allerdings nicht gesunden. Abg. Gteinkopf(Soz.): Der deutschnationale Abg. Schmidt-Stettin hat behauvtet. wir hätten Agitationsanträge zur Besoldungsordnung gestellt, den Beweis dasür ist er trotz meiner Ausforderung schuldig ge- blieben. Die Behauptung selbst wird durch einen Artikel des Abg. Morath widerlegt. Wir sind immer für gerechte Besser- bezahlung der Beamten eingetreten, aber stets im Rahmen des Wehls der Allgemeinheit. Wenn aber der deutfchnationote Finanz- minister v. S ch l i e b e n bei seinen gefüllten Kassen auch an die Beamten gedacht hätte, wären ihnen die unangenehmen Er- jchsinungen nachher bei der Besoldungsordnung erspart geblieben. kleberall im Lande sind die Landbündler. die Varteisrennde der Deut Ichnationalen, gegen die Beamten ausgetreten. Herr Schmdt-Stettin hat einmal geschrieben, er wolle nicht mehr die Beamten der Borkriegszeit mit den abgescheuerten Ellenbogen sehen. Wir wollen die Beamten so stellen, dah sie sich rechtzeitig neue Kleider kaufen tonnen. Unwahr ist auch, daß der§ 22 aus meinen Antrag gestrichen worden wäre. Schmidt-Stettin weiß das alles, scheut sich aber, es vor der Oeffentlichkeit zuzu- geben. Ich bedauere, daß Preußen höhere Aufwandsentschädigungen «ingesührt hat, dieselben Deutschnationalen aber, die dagegen reden, haben hier im Ausschuß nicht für die Herabsetzung der erhöhten Ministerialzulagen gestimmt: talionsrücksichten b : ihr ganzes gestimmt. die Herabsetzung d nzes Verhalten ist Bei Herrn von Ä g I- Torgler be- wundere ich die Verantwortungslosigkeit, mit der er hier auftriü. Es stivd doch in der Kommunistischen Partei noch einige organisierte Arbeiter: lassen dies« zu, daß Sie hier groß« Zulagen für die Beamten beantragen bei der jetzigen Finanzlage, die die Gewährung ausschließt? Entweder sind die kommunistislhen Arbeiter über das Austreten des Herrn Torgler im Reichstag nicht unterrichtet, oder sie nehmen ihn nicht ernst! Im Unter- ausschuh hat Herr Torgler wiederholt sein« Papiere zusammen- gepackt und erklärt, nicht mehr mitzutirn. In der nächsten Sitzung war er allerdings wieder da. Daß Herr Torgler mich als Bericht- erstatter des Ausschusses lächerlich zu machen versucht hat, ist ge- ichmacklos und eine Unanständigkeit dieses Herrn, der positive Arbeit im Parlament noch nicht geleistet hat.(Cebh. Zustimmung bei den Saz., Rüge des Präsidenten wegen der„Unanständigkeit"). Abg. Dr. Gertrud Bäumer(Dem.): Die Kündbarkeit der weib- lichen Beamten, eine verfassungswidrige Bestimmung, ist leider tn das württembergische Beamtengesetz dauernd übernommen morden. Der vom Zentrum vorgelegte Entwurf verlängert den Austand, daß ein« Beamtin entlassen werden kann, wenn sie heiratet. Das lehnen wir ab. Abg. Frau herkwig-Bünger(D. Dp.): Der Artikel 14 der Abbauverordnung(Kündigungsmäglichkeit für verheiratete Be. anst innen) ist vom Reichsgericht wiederholt als Verfassung?« widrig bezeichnet worden; er kann die Folge haben, daß Be» amtinnen auf die Eheschließung verzichten und sich mit einem außer- ehelichen Verhältnis begnügen. Abg. Dr. Frick(Natsoz.): Warum dementieren die vom „S-Uhr-Abendblatt" als Anreger einer Gehaltskürzung genannten Asntrumsabgeordaeten nicht hier persönlich? Es wird schon etwas Wahres daran sein! Man setze doch die Gehälter der Minister in ein rechtes Verhältnis zu ihren Leistungen.(Aurufe links: Ihre Pension und Ihre Diäten auch!) Pensionszahlung an parlamentarisch« Minister ist grober Unfug. Fangen Sie mit. dem Sparen bei den Grobpensionären an! Mr sind nicht Demagogen genug... fGroß« Heiterkeit.) Eine so heruntergekommene Republik braucht nicht zu repräsentieren, Stresemann mag seine Loearno-Brüder in einem kahlen Zimmer empfangen. Parter Gilbert hat seinen Eindruck, daß es dem deutschen Volk gut geh«, m der herrschenden � Berliner jüdischen Gesellschaft gewonnen. Herr Köhler hat seine Ministerwohnung mit 50 000 Mark Etatsgeldern und eigenmächtig ausgegebenen 45 000 Mark herrichten lassen, ehe er einzog. Abg. v. Sybel(Cristlichnat. Bouernp.): Wir wenden uns gegen die fortdauernde Aufblähung des Beamtentörpers infolge der parlamentarischen Bewilligung von immer neuen Aufgaben und Ausgaben. Dieser Zustand ist für die Wirtschaft unerträglich. Es muh«in Wandel eintreten und die Landwirtschaft mehr gekräftigt werden, dann kann sie auch mehr zahlen. Abg. Schmldt-Stettin sDnat.) erwidert dem Abg. Steinkopf: Es ist richtig, daß Sie keinen Antrag auf Gehaltserhöhung für Unter beamte gestellt haben. Als wir regierten, hat Preußen uns immer gemahnt, nur nicht zu hoch zu gehen mit der Beamten- besoldimg. Die Sozialdemokraten haben für die Besoldungsordnung gestimmt, aber die sozialdemokratische„Allg. D. Beamtenztg." hat die Lesoldungsordnung heruntergerissen. Heute schweigt sie sich aus. Abg. Kattenberg(Soz.): Als ich in der ersten Lesung de? Nachtragsetats sprach, meint« Herr Torgler, er müsse mich warnen, diese Rede etwa i» einer Beamtenversammlung zu halten. Mit der demagogischen Methode der Kommunisten, unerfüllbare Anträge zu stellen, wird man bei den Beamten keinen dauernde» Erfolg haben. Sie scheinen Gewerkschaftspolitik mit Parteipolitit zu verwechseln. Ich erinnere Sie daran, daß bei der ersten Lesung der Beamtenbesoldung im Ausschuß wir beantragt haben. Assistente«, die Sekretärdienste leisten, von der Gruppe 8» in die Gruppe 7 zu befördern. Das ist abgelehnt worden, ebenso in der zweiten Lesung«in ganz ähnlicher Antrag von uns. Sie können doch unserer Partei nicht vor- werfen, daß wir nicht alles versucht hätten, um herauszuholen, was möglich war. Angenommen wurde allerdings anstatt unserer An- träge eins Entschließung, wonach im Etat die Möglichkeit geschaffen werden solle, derartige Beamte von 8» nach 7 zu befördern, und zwar nach Maßgabe des sachlichen Bedürfnisses. Di« damalige Bürger block mehrheit hat also weit weniger getan, als unsere Anträge verlangten. Wir tragen dafür nickst die Berant- wortung. Mit de» Angriffen aus Abg.«teinkopf, der stets die moderne Elüwicklung vertreten hat. die Sie(nach rechts) voll- kommen verschlafen haben, werden Sie die Beamten nicht täuschen. Die kennen Sie heute gut genug. Herr Torgler braucht auch nickst immer so zu tun, als ob er immer die Welt neu ent, decken würde. Vor einiger Zeit stand er mir in einer Gewerkschafts- Versammlung gegenüber. Positive Vorschläge hat er n i ch t gemocht, sondern n»r gesagt, es müsse ein wirklicher Stoß der Beamten- schast enffacht werden. Mit derartigen Phrasen erreichen Sie doch nichts.(Zuruje der Kommunisten.) Das war gerade 14 Tage, nach- dem Sie mit Ihrem Vollsbegehrea so heruntergerutscht waren. Aus dem Weg demagogischer Forderungen kann nichts erreicht werden. Der Rechst« halte ich vor. daß wtba Arbeiterlohnpolltik noch Leamkenpolltik i« luftleer« Baum gemacht werden kann. Wer den Beamten nutzen will, muß auch für gerechte Arbeiter- farderungen eintreten. Herr Sybel hat sine rücksichtslose Rückwärts- revidierung der Beamtenbesoldung verlangt, im gleichen Atemzug aber bessere Bezahlung der Beamten; Ihr« Praxis zeigt aber der Sturm auf die Finanzämter des flachen Landes. Herr Frick bewegt sich mit seinen Dorwürsen gegen uns auch im falschen Gleise: wir muhten die Liguidatoren werden, als der kaiserliche Staat rettungslos zusammenbrach.(Lebhaste Zustimmung links.) Abg. Erssng(Z); Ich stell« fest, daß an der Meldung des .Z-llhr-Abendblottes über einen G«halt?türzungsvorschlag, den Stegerwald und«b gemacht haben sollen, kein wahre? Wort ist; dieses Blatt sollte entweder sein« falsche Behauptung zurück- nehmen oder sein« Gewährsmann nennen. Sonst stellt es stch«i ei«n Boden, den anständige Menschen nickst beschreiten können. Der Nachtragsetat wird unter Ablehnung zahlreicher Anträge m der Ausschußfassung angenommen. Dem Ausschuh ülbev- wiesen wird ein Gesetzentwurf des Zentrums zur Frage der weih- lichen Beamten Angenommen wird ein soztaldemo» t r a t i s ch e r Antrag aus Wiederaufnahme der Berhandüingen über die Reichsarbeiterlöhne. Ohne erst« Lesung wird dem Haushaltsousschuß ein Regierungs» entwurf überwiesen, wonach zur Sanierung und Zortsührnng der Schichan-Werke in Elbing und vanzig ein« Aktiengesellschaft gegründet und ihr«in einmaliger Barbetrag von 14000 000 M.� erforderlichenfalls auch ein laufsnder Zuschuß gewährt werden soll, der im ersten Geschäftsjahr bis zu 2,34 Mit- lionen Mark betragen darf. Mittwoch, 3 Uhr: Notetat.— Schluß �6 Uhr. « Im Bericht über die Freitagsitzung ist dem Abg. Scheide- mann ein Zwischenruf zugeschrieben, den Abg. Ludwig gemacht hat; dies sei hiermit berichtigt. Landesverrat und Strafrecht. Tteue Verhandlungen im Girasrechtsausschuß. Der Strasgeseßausschuß de? Reichstag? begann heute die Beratung der Bestimmungen über Landesverrat. Den Verhandlungen wurden die bereits veröffentlichten neuen Vorschläge des Iuftizminlsters Koch zugrunde gelegt. Abg. Dr. Bell(Z.) erstattete den Bericht über diesen Abschnitt: Die Vorschriften über den Landesverrat gehören zu denjenigen Rechtskapiteln, die bei der Oeffentlichkeit das stärkste Interesse ge- sunden haben, zugleich aber auch im Anschluß an die Rechtsprechung zum Gegenstand überaus scharfer Kritik in der Tagespresse wie in den Fachzeitschriften gemacht worden sind. Vergegenwärtigt man sich die sicherlich höchst unersreullche Tatsache, daß nach der Statistik die Zahl der Landesverratsprozesse in Deutschland und besonders auch die Zahl der Verurteilungen wegen Landesverrats sich gegen- über der Vorkriegszeit in einem außerordentlichen Ausmaß gesteigert hat, so wird gerechte Kritik dabei an der Tatsache nicht vorübergehen dürfen, daß wir während einer Reihe von Iahren der Nachkriegs- zeit unter ungewöhnlichen und anormalen politischen Gesamtver- Hältnissen gelebt haben. Die in den letzten Iahren einsetzenden ruhigen Verhältnisse haben sich auch in der Rechtsprechung bemerk- bar gemacht. Es darf der bestimmten Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß die Rückkehr zu geordneten und normalen Verhältnissen die ständig« und erheblich« Abnahm« der Prozesse wegen Landesverrat» zur Folg« haben wird, so daß wir dann für die Zukunft höchsten» noch mü dem vorkriegszeitlichen Stand« zu rechnen haben werden. Der Entwurf, dessen einjchlä- gige Vorschriften über Landesverrat bereit» vor Iahren entworfen wurden, stand begreiflicherweise noch stark unter dem Einfluß der damals herrschenen anormalen Verhältnisse. Sei«« wesentliche Umgestaltung erscheint daher um so mehr geboten, als das in seiner Geltungsdauer auf viele Zahrzehnte berechnete neue Strafgesetzbuch nicht den vorübergehenden anormalen Zeitabschnitt, sondern die gesunden und normal« Zeitverhältnifl« zugrunde zu legen hat. Diesem Grundgedanken trägt die neu« Vorlage Rechnung, die da? Ergebnis eingehender Bvrberatungen zwisch« Ausschußmitgliedern mehrerer Parteien und der Reichsregierung nach sorgfältiger Durch- Prüfung aller in der öffentlichen Kritik gemachten Reformvorschläge darstellt. Als Mttberichter statter führt Abg. Dr. Levi(Soz.) aus: Aufgab« de« Gesetzgebers wäre es. nicht die bestehenden Vor- schristen zu verschärfen, die schon zu scharf sind, sondern zu prüfen, inwieweit sich bei der bisherigen Rechtsprechung Mißstände ergeben haben. Di« Landesverratsbestimmungen sollen die äußere Macht- stellung des Staates gewährleisten. Einmal dadurch, daß sie den Verrat von Geheimnissen unter Straf« stellen und alsdann durch die Abwehr anderer Eingriffe in die zur äußeren Verteidigung er- forderlichen Machtmittel des Staates. Oft sehe es so aus, als ob der Gedanke vorherrschend sei: Ze mehr Geheimnis, desto mehr Sicherheit des Staate». Solchen Gedankengängen müsse entgegengetreten werden. Schon Thukqdide» lasse PeriUes sagen:„In unseren Kriegsmaximen haben wir dies vor den Feinden voraus, daß wir unsere Stadt einem jeden offenstehen lassen, und keinen Fremden daraus verweisen dür- fen, um ihm gewisse Dinge nicht sehen zu lassen." Die kluge Lebens- erfahrung dieses Satzes dürfe nicht ohne wettere» von der Hand gewiesen werden, besonders dann nicht, wenn der Staat demokratisch sei. Man solle den Geheimnisbegrisf nicht über- spannen, denn dadurch ist schon großer Schaden dem gemeinen Wohl zugefügt worden. Man denke nur an die Fememorde und an den Lohmann-Standal. All« solch« Erscheinungen. die das Rechtsempfinden auf» tiesste erschüttert hatten, seien nicht möglich ohne Ueberspammng de» Geheinchaltungsbegriffs. Bei den Bestimmung«» über den Landesverrat mußte man meinen, daß nur verraten werden könne, was noch nicht bekannt sei. Das Reichsgericht halte aber auch Landesverrat dann angenommen, wenn«mer fremden Regierung auch mir die Richtigkeit einer längst bekannten Tatsache bestätigt werde. Niemand verteidig« gewiß den Dersailler Bertrag. Niemand könne wünschen, daß uns die Entwaffnungsbestimmungen auferlegt wurden, aber viel« wün- scheu gewiß die Tatsache, die durch den Bertrag geschaffen wurde. wünschten außerdem, daß da» deutsche Volk sie geschossen hatte. Auch iver in der Herabsetzung de« Umfang«» in der Reichswehr «inen Gewinn sehe, müsse geschützt sein, wenn er wahrheitsgemäße Angaben mache. Es fei ein« Untergrabung jeder Autorität des Gesetze», wenn sogar wahrheitsgemäße Mitteilungen schwerer bestraft wurden, als wahrheitswidrige. Wer beweisen könne, daß er der Wahrheit gemäß gesetzwidrige Dinge an» Tageslicht gezogen habe, werde wegen vollendeten Landesverrats bcstrast: wer aber den Wahrheitsbeweis nicht führen köime, käme mit einer geringeren Strafe wegen versuchten Landesverrats davon. Mil einem Gesetz, das solche Rechtsprechung zulasse, müsse aufgeräumt werden. Sehr bedenklich sei die Rechtsprechung zum Landesoerratsparagraphen während des Krieges gewesen, als seder Streik alz verboten an- gesehen wurde. Noch der reichsgerichtlichen Rechtspreckmng sei der Streik, gleichviel ab er als Lohn-. Sympathie- oder Proteststreik geführt wurde, während eines Krieges kein gesetzlich gewährleistetes Recht der Arbesterschaft, auch wenn dieses Recht in Friedenszeste» bestände. Der Krieg begründet die Verpflichtung, nicht» zu unter, nehmen, was geeignet fei, einer feindlichen Sache Vorschub zu leisten oder der Kriegsmacht Schaden zuzufügen. Nach dieser Rechtsprechung hebe der Kriege die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse, der groß- ten Klasse der Gesellschaft, auf und mache sie rechtlos. Solcher Rechtsprechung müsse einEnde gemacht werden. Deshalb habe die sozialdemokratische Fraktion eine Reihe von Derbesserungs- antrügen eingebracht. Abg. H e r g t(Dnat.) wandte sich gegen die Ausführungen des Vorredners. Man könne in der Anwendung des Landesverrats- Paragraphen gar nicht weit genug gehen. Seine Freunde seien gegen jede Sentimentaliät und gegen jede Derwässerung der Strafbestimmungen. Man müsse gerade auf die richtige Formulte- rung der Bestimmungen des Landesverrats besonderes Gewicht legen. Von der Gestaltung dieser Paragraphen werde es abhängen. ob seine Freunde für den Gesetzentwurf stimmen und damit die überwältigende Mehrheit herstellen können, von der ein neues Straf- gesetz getragen sein müsse. Reichsjustizmlnister Koch hob die Notwendigkeit hervor, bessere Bestimmungen zu schassen, als die das geltende Gesetz enthalte. Di« von ib.m ausgearbeiteten Vorschläge trügen den Staatsnot- roendigteiten hinreichend Rechnung. Sie seien besser als das gel- tendc Gesetz und auch nicht zu scharf. Sie geben die Möglichkest, die Taten zu strafen, die nach Gesinnung oder Erfolg einer Bestrafung wert seien, die aus Gewinnsucht oder landesoerräterischer Absicht begangen seien. Diese Bestimmungen reichten aus. um den Staat zu schützen. Nächste Sitzung: Donnerstag. Obflrukiion im Landtag. Wegen der Grundvennögensstever. Der Preußische Landtag sollte am Dienstag in 2. Lesung drei Finanzgesetze verabschieden: Gewerbe-, Hauszins- und Grundver- mögenssteuer, deren Geltungsdauer am 31. März d. I. ablauft. sollen um ein Jahr verlängert werden. Außerdem standen auf der Tagesordnung die Abstimmungen über die zum Iustizetot gestellten Anträge. Abg. Kl oft(Z.) beantragte aber im Einverständnis mst den übrigen Regierungsparteien, die Abstimmung über den Iustizetat von der Tagesordwtng abzusetzen. Damit sollte Zeit gewonnen werden für die Verabschiedung der drei Finanzgesetze, die noch in dieser Wach« in 3. Lesung das.Haus passieren müssen, well der Landtag sich am Sonnabend vertagt. Die Rechtsparteien, die die Erledigung dieser Gesetze gern verschleppen möchten, wandten sich dagegen. Aber schließlich setzten sich die Regierungsparteien gegen Rechte und Kommunisten durch und schafften so Platz für eine vor» aucsichtlich ungehinderte Verabschiedung der Regierungsparlogen. Es gelang auch den Regierungsparteien, in 2. Lesung die Verlängerung der Gewerbesteuer durchzusetzen. Da sie bereits in der 1. Lesung und im Hauptausschuh ihr« Stellung präzisiert hasten, konnten st« in der Debatte aus das Wort ver- zichten. Desto mehr redeten die Oppositionsparteien und erst ein Schlußantrag machte der Aussprach« ein Ende. In der Abstimmung siel u. o. ein deutschnationaler Antrag, der auch die sünfprozentigen Kundengewinns der Konsumvereine besteuern will Angenommen wurde dagegen in namentlicher Abstimmung ein Zentrumsantrag. der die stehenden Gewerb«, einschließlich des Bergbaues und der freien Berufe, soweit sie nicht wissenschaftlicher oder künstlerischer Art sind, in die Gewerbesteuer einbezieht. Nach der Regierungsvorlage solle die Grundvermögen?» st« u e r abgeändert werden. Sie solle die Umstellung auf den Einheitswert nur für die landwirtschaftlichen Betriebe, aber nicht für den städtischen bebauten Grundbesitz bringen In letzter Minute war jedoch ein Kompromiß der Regierungsparteien zustand« ge- kommen, nach der die Steuer im wesentlichen unverändert in der bisherigen Fassung bis zum 31. März 1930 verlängert werden soll Di« von den Deutschnotionolen beantragte namentliche Ab- stimmung ergab aber die B e s ch lu ß u n f ä h i g k e i t des Haus«?. Für die Verlängerung des Gesetzes stimmten wieder nur die Re- gierungsparteien, die aber diesmal nicht die nötige Siimmenzabl für eine Mehrheit aufbrachten. Alle anderen Parteien obstruierten, indem sie keine Karten abgaben. Präsident Bartels mußte deshalb die Sitzung aufheben und auf sofort ein« neu« Sitzung«inberufen. Auch bei der Abstimmung über die Verlängerung der Haus- zinssteucrverordnung machten Rechtsparteien und Kam- munisten gemeinsam durch Nichtabgabe der Stimmkarten das Haus beschlußunfähig. Der Präsident vertagte hierauf das Haus auf Mittwoch, de» 20. März. Die durch Obstruktion der Opposition?- Parteien durchgesetzt« Verschleppung der Verabschiedung der Gesetz- emwürsc wird ihnen nichts nützen. Sie stehen am Mittwoch wieder auf der Tagesordnung. Außerdem sollen, die Etats der Porzellan- Manufaktur und der Staatsbank beraten werden. DamenStoffe neacti« Mode- Ideal* füt Kostüme a.Mdntel- nur bei Koch& Seeland Ccrtre adleiufrbSc ao~2te Mittwoch 20. März 1929 Unterhaltung und Aussen Vellage des Vorwärts Wesen der Vererbung Seine wertvollste Aussteuer trägt jeder Mensch schon bei sich. wenn er den ersten Atemzug tut und seinen ersten Schrei als Pro. test gegen die vielen neuen Reize der ungewohnten hellen Älußen. weit formuliert. Dos biologische Schicksal des einzelnen Menschen ist im wesentlichen bereits bei seiner Geburt entschieden: es ist abhängig von der Summe dessen, was er von seinen Eltern mit. bekommt an körperlichen und geistig.seelischen Veranlagungen, von seiner biologischen Mitgift. Natürlich greisen die vielen äußerlichen Zufälligkeiten des Lebens, die Verschiedenheiten des Milieus, in das der Mensch hineingeboren wird, abwandelnd, verbessernd oder verschlechternd, in sein biologisches Schicksal ein,— aber letzten Endes ruht unser Schicksal in unserer eigenen Brust, das heißt, der mit guten Faktoren ausgestattete Mensch wird auch soziale und wirt- schastliche Nachteile leichter überwinden können als ein anderer mit schlechterem Erbgut versehener Mensch. Die Summe der unter dem Einfluß der Wirklichkeit zur Aus- prägnng gelangten erblichen Veranlagung nennt der Wissenschaftler die Konststution des Menschen. Die Konstitution ist äußerlich an dem Körperbau zu erkennen, nach dessen Form man eine große An- zahl von Konstitutionstypen unterschieden hat. So bezeichnet man zun, Beispiel als Astheniker die Menschen mit langem, schlankem Körper, schmalen, herabhängenden Schultern, vorspringender Nase, Winkelprofil, langem Hals und schmalem, einförmigem Gesicht. Der entgegengesetzte Konstitutionstyp ist der sogenannte Pykniker, der eine kurze, gedrungene Gestalt, abgerundete Formen, kurze Glied- maßen, einen runden Schädel, Neigung zur Fettbildung usw. hat. Ein dritter Typ wäre zum Beispiel der Athletiker, der breite, aus- ladende Schultern, einen weiten, gewölbten Brustkorb, große Hände und groben Knochenbau hat.— Diese Körperbauformen haben be- stimmte Beziehungen zu den Charaktereigenschaften des Menschen. Der Pykniker zum Beispiel ist behäbig, heiter, gemütvoll, ein be- quemer Genießer mit einem guten Blick für die Wirklichkeiten und Notwendigkeiten des praktischen Lebens; er hat den sogenannten gesunden Menschenverstand, ist zufrieden mit der Welt und haßt das Ungemütliche. Der Astheniker ist diesem Typus des ausgeglichenen, harmonischen Menschen entgegegengesetzt; er ist sehr empfindsam, leicht verstimmt und verletzbar, ein weltfremder Idealist, egoistisch, oft teilnahmslos, in sich gespalten und mit sich selbst entzweit.— Natürlich sind alle derartigen, nur andeutende Auesagen eine sche- matische Attraktion der Wirklichkest: es sind unendlich viele Kombi- Nationen möglich, die so bunt und mannigfaltig sind wie das Leben selbst. Es bestehen ferner praktisch wichtige Beziehungen zwischen Konstitution und Leistungsfähigkeit eines Menschen. Auch die Er- krankungsberestschaft ist bei den einzelnen Konstitutivnstypen ver. schieden. Der sogenannte Pykniker zum Beispiel ist der gesund«. in allen praktischen Dingen des Lebens leistungsfähige Mensch: der Leptosome, das heißt feingliedrige(ein anderes Wort für Astheniker), wird dagegen durch seine eigene innere Zerrissenheit oft in seiner ArbektsfUhigkeit beeiNtriichtizt'NNd ist Krankheiten gegSNüvSV weniger widerftandskräftig. Die Anfälligkeit bestimmten Schädlichkeiten gegenüber bezeichnet man als Disposition. Es gibt eine Disposition zu Erkältungen. Rheumatismus, Blutungen, Frostschäden usw. Bei solchen anbrüchi- gen Menschen genügt zum Beispiel ein kleiner Luftzug zum Zustande» kommen eines langwierigen Katarrhs, während andere Menschen mit einer kräftigeren Konstitution sich stundenlang Kälte, Nässe, Wind aussetzen können, ohne krank zu werden. Auch die Funktion der sogenannten endokrinen Drüsen ist für die Art der Konstitution des Menschen bedeutungsvoll. Die endokrinen Drüsen sondern Stoffe ins Blut ab, die das gesamte Geschehen im Organismus regulieren. Zu diesen innersekretorischen Drüsen ge- hört zum Beispiel die Schilddrüse; wird ihre Tätigkeit gestört, so daß die von ihr abgesonderten Stoff«, die als Schilddrüsenhormone be. zeichnet werden, nicht mehr ins Blut gelangen, so verändert sich die Gestalt des Menschen. Er wird kleiner und bekommt eine dicke, trockene, wulstige Haut, die geistigen Funktionen lassen bis zu beinahe gänzlichem Verlöschen nach, das Gesicht verändert seinen Ausdruck, es wird mongolenähnlich usw. Auch bei einer Erkrankung der Hirn- anhangsdrüse. der Hypophyse, ändert sich die körperliche Gestalt des Menschen in charakteristischer Weise; es entsteht dann der sogenannte Riesenwuchs, die Enden der Extremitäten, das Kinn usw. vsröndern sich in besonders hervorstechender Weise, und ähnlich sst es mit vielen anderen Drüsen. Die innersekretorischen Drüsen beeinflussen also auch die Körperform: sie sind mithin die eigentlichen Träger der menschlichen Konstitution. Durch Beeinflussung der Lebensbedutgungen des Menschen ist es möglich, seine Konstitution abzuändern, das heißt bisher nicht zur Auswirkung gekommene Erbfaktoren zu lösen und zu akübieren und ungünstige Komponenten zu unterdrücken. Es muß also auch möglich sein, auf diesem Wege in ganz bestimmter Wesse auf Krankheiten einzuwirken. Der Gedanke der konstitutionellen Therapie gewinnt in der modernen Medizin immer mehr an Boden. Eine große Bs- deutung hat in dieser Hinsicht die rationelle Ausübung von Sport, Leibesübungen und Gymnastik in Luft, Licht und Sonne, wozu bei den meisten Konstitutionen-Anomalien von ärztlicher Seite geraten werden kann. Dr. F. H. Wasserdichte Strümpfe Wenn jetzt da» Tauwetter einsetzt, werden besonders die Damen durch die herumspntzenden Waisersluten übel mitgenommen. Dic dünnen Seidenstrümpse werden rasch durchnäßt, und so manche Frau mag sich danach sehnen, ebenso einen wasserdichten Strumpf zu be. sitzen, wie sie einen wasserdichten llkantel ihr eigen nennt. Ein Mittel. um die Strümpfe auf leichte und billige Weise selbst wasserdicht zu machen, gibt eine englische Frauenzeitschrift. Weldon's Ladies' Hour- tioi, an:.Löse 90 Gramm Alaun in einem Litergcsäh mit feuchtem Wasser aus. und tauche die Strümpfe etwa eine Diertelstunde lang in diese Lösung. Dann nimm die Strümpfe heraus, drück« sie sorgfältig aus und spüle sie ab und bringe sie in eine warme Flüssigtest, in der 30 Gramm Seif« und«in halber Eierbecher Ammoniak mst S Liter heißem Wasser aufgelöst sind. Laß die Strümpfe eine Diertelstunde sang in der Seifenilülsigkeit. nimm sie dann wieder heraus, spül« sie w lauem Wasser ab. drücke sie aus und trockne sie." D'eie BeHand. lung hat kein« Einwirkung auf dl« Farbe der Strümpfe, macht sie aber für eine bestimmte Zest vollkommen wasserdicht. Wenn die Dichtigkeit gegen Wasser nachläßt, kann man dis Behandlung wieder- Sans moinar:£Palho Arm war die Schule, derart arm, daß es nicht einmal fürs Holz zum Heizen langt«. Der Lehrer hatte dabei den Befehl erlassen, jedes Kind möge täglich«in Scheit Holz mitbringen. Der Lehrer war ein furchtbar strenger Mensch, ein hagerer, knochiger, schwarzer Teufel: niemand wußte, woher er gekommen, wer, was er sei, niemand sprach mit«hm. Sein Beseht hatte natürlich Erfolg, auch schon darum, well er selbst gar so furchtbar war. Tag für Tag konnte man die kleinen Kinder sehen, wie sie. große Scheite Holz unter den Armen schleppend, durch den Schnee zur Schule wateten. C» mochte gegen sieben Uhr morgens fein. Um diese Zeit ist es im Winter noch nicht hell, aber die Kinder gingen schon zur Schul«, sie verschwanden fast in dem frisch gefallenen Schnee, auf den die dicken, weichen weißen Flocken noch immer fielen. Die Schäfte ihrer Stiefel waren bis hinauf weiß. Auf ihre kleinen Lommfellmützen fetzt« sich haldfeits der Schnee, wie ihn der von Szitnya her blasende Wind schief himveht«. So torkelten, stolperten sie einher, klein« schwarz« Käfer auf der unendlichen weißen Fläch«, die irgendwo in der Ferne bereits mit dem abgetönten Bloßlila des Morgens verschmolz, und auf der von der anderen Seite jetzt der erste Strahl des Wintermorgens dämmert«. Wo der Sonnen- strahl die Schneefläche traf, glich sie einer riesigen glatt polierten Kupfertasel, die vom Hauche Gottes glänzte. Den weitesten Weg hatten jene Kinder zurückzulegen, die beim unteren Essenhammer wohnten. Bei Schneegestöber mußten sie von daheim bereits um halb sieben Uhr morgens aufbrechen, um beizeiten ans obere Ende des Dorfes zu gelangen. Ein Verspäten wäre schrecklich gewesen, denn der hagere, schwarze Lehrer tonnte keli« Gnade. Wenn die vom unteren Ende des Dorfes, die Immer zusammen kamen, sich verspäteten, verzog sich sein Gesicht zu einem teuflischen Grinsen, fein« Augen sprühten Funken, und er kratzte mit einer katzenarttgcn Bewegung feinen Schnurrbart, jene jpär- lichen roten Borsten unter seiner großen und gebogenen Nase. Es gab dumme Burschen, die da sagten, daß der Lehrer niemand anderer sei, als der Teufel selbst. Aber die waren entweder sehr dumm, oder aber sie sind vom Lehrer verprügelt worden. Sie wateten durch den hohen Schnee in der düsteren winter- lichen Dämmerung, die vom unteren End« Kommenden. Die Armen Wechsesten fortwährend die Scheite unter ihren Achseln. Schmerzt« sie die linke Hand, trugen sie das Holz in der rechten. Es war eine unangenehme Sache, aber das Lernen sst nun einmal ein schweres und bitteres Ding. Sie mußten sich dareinfinden. Sie mochten ungefähr schon in der Mitte des Dorfes gewesen sein, beim großetk Stollen der Aktiengesellschaft, als Palko Petrenc« plötzlich bestürzt stehen blieb. „Sulchen," sagte er,.chu hast kein Hotz gebracht." Von Julchen guckte nur das kleine rot gefärbte Mschen aus dem großen Tuche hervor, in das man zu Hause ihren Kopf ge. wickelt hatte.-•-■ ä■„:,V i'V.. 1.7.1'». wVj. Sie blieb stehen. „3ch habe keines gebracht," antwortete sie schlicht. Alle blieben stehen. So etwas war noch nicht vorgekommen. Julchen war die erste, die es wagt«, ohne Hotz in die Schule zu gehen. Wenn das der„Teufel" sieht, geht die Welt zugrunde. „Warum Haft du keins gebracht?" fragt« sie ein kleines Möd- chen mst einem mächtig großen Scheit unter dem Arm.„Der Lehrer wird dich schlagen." Julchen gab keine Antwort. Palko Petrenc e, der stets zu Julchen gehasten und sie immer begleitet hat, fuhr sie mst dem Rechte eines Freundes in liebevoller Strenge an: „Warum hast du kein Hotz gebracht?" Jutchen zuckte die Achseln. „Weil ich keins habe." „Auch nicht dein Bater?" „Nein." „Und auch nicht der Nachbar?" „Der hätte schon, er hat mir aber bereits viermal gegeben und gestern hat er gesagt, er gibt selbst dem Herrgott keins mehr. Heute hat er schon keines mehr gegeben..." Sie machten sich tangsam wieder auf den Weg. SchlieMch, Ungiück bleibt Unglück, verspäten darf man sich ober doch nicht. Die anderen preßten ihre Scheite fest an sich, es freut« sich gleich- fam jeder, daß nicht er es war, der keins hatte. Palko Petrence schritt ernst neben Julchen einher. Dieser sah man es aber gar nicht an, in welch überaus schrecklicher Lage sie sich befand. Gleichgültig trottete sie dahin. Dielleicht dacht« sie, daß auch der Lehrer die Sache sehr einfach sinden werde. Doch Palko Petrence fühlte sich sehr gedrückt. Er war bereits acht Jahre alt. Julchen erst sechs. In gewissem Sinn« fühlte er sich daher auch als Julchens Bruder. Er hat auch sonst, öfters gar manchen verprügelt, der Julchen- etwas zuleide getan hatte. Das Hotz unter dem Arm begann ihm schwer zu werden. Ais hätte es feine große Liebe in sich gesogen und als wäre es davon so schwer geworden. Sie stolperten weiter, schon näherten sie sich der Schule. Jul. chen war noch immer vollkommen ruhig, desto aufgeregter wurde aber der Knabe. Es ist ganz sicher, daß der Lehrer das kleine Wäd- chen schlagen, es bei den Haaren reißen und im Winkel knien lassen wird. Das wird schrecklich sein. Es wäre ihm Möhler zunuste ge- wefen, wenn das kleine Mädchen gewußt hätte, welch einem Un- gemach es entgegenging. Wer nein, Julchen trippelte ruhig mit den anderen einher: zwei klein« Sttefel und ein großes Tuch. Ihr winziges, feines, gerötetes Naschen oben in einer Oeffmtng des großen Tuches. Das mar Julchen. Und der kleine Dummkopf be- eiste ssch sogar noch, statt furchtsam, langsam zu gehen, um die Kataftpophe nach Wögiichkest hinauszuschieben...(Schluß folgt.) Sin neuer Singvogel- der Pinguin Der Pinguin, dieser merkwürdige Tauchervogel der Eismeere. sst als der„Clown" des Tierreiches wegen seines komischen und possierlichen Benehmens«in« Quelle unserer Belustigung; aber dies drollig-plumpe Der besitzt auch eine höher« künstlerische Begabung, die man an ihm kaum vermuten möchte. Der Pinguin singt näm- lich, und seine musikalischen Leistungen sind von Dr. Hans Stadler an den Pinguinen des Hagenbeckschen Tierparkes genau beobachtet und in Noten festgehalten worden. Er erzähll von den Leistungen dieses neuentdeckten Singvogels in„Hogenbscks illustrierter 23«. und Menfchenwekt". Wenn der Pinguin aus dem Wasser steigt, dann schüttest er sich die letzten Wassertropfen vom Gefieder und pustet sie von den Borsten sein« Nasentöcher; dabei schnaubt er Luft au», so daß e» klingt, als ob et niese. Dieses„Niesen" ist eine Eigentümlichkeit dieses Bogels, die man sonst bei keinem anderen und auch nicht bei Reptilien und Omphibien findet. Vom Niesen zum Singen ist noch ein großer Schritt, ab« der Pinguin tut ihn. Die verschiedenen Pinguinarten lassen auch verschiedene Melodien hören. Das Lied des Königspinguin beschreibt Stadler folgend«maßen:„Ein« tremo- lierend«, etwas näselnd« Trompete schmettert, drei- bis viermal das Motiv wiederholend. Das ist des Königspinguin Gesang, d« sich ohne weiteres in Noten schreiben läßt. Die Tonlag« ist Ende der ersten und Anfang der Zwesten Oktave; das Ganze kann auch einen Holben Ton ttefer gesungen werden. Dos Tremolieren ist höchst eigenartig; man meint, der Vogel müßte Kopf und Hals deftig schütteln, um solche Töne zustande zu bringen. In Wirk- lichkest verzieht er keine Miene, hüll einfach den Schnabel west offen und steht unbeweglich wie«in Soldat bei Abnahme einer Parade." Ganz ander« Laute läßt der Brillenpwgmn«schallen. Ist der Königspingum der Tenor dieses Chores, dann ist er der Bassist: die Tonloge der Laut«, mst denen er sich gewöhnlich unterhält, umsaßt die erst« Halste d« kleinen Oktave. Aber wenn er singt, kann er auch noch sehr viel tiefere Tön« hervorbringen: er„pumpt"— das sst der Eindruck— im �/«-Takt leise ganz tiefe Töne aus dem End« der Großen Oktave herauf und bringt dann, laut» werdend. andere, etwas zitternde Rufreihen." Das Taktmotiv entspricht völlig der Art der Kohlmeise: ezi. ezi, ezi, ezi und ist ein neues Beispiel für gewisse, nur wenig bekamst« Tatsachen: l. daß die gleichen Rhythmen und Melodien durch das Rufen und Singen der gesamten Bogelwell hindurchgehen: 2. daß viel« Gefiederte TaU singen und daß nicht bloß die höchssstehenden Sang« Takt kennen, wie man annehmen sollte, sondern viele Arten aus allen erdenklichen Vogel- gruppen, Raubvögel, Raken, Rollen, Reiher, Schnepfe». Regen- pscis«— und auch der Brillei'pinguin. Der gesamte Tonumfang dieses Bassisten reicht vom gestrichenen bis zum großen L, von nahe der Grenze des menschlichen Pfeifens bis zum tiefften Ton d« menschlichen Singstimme. Dieser Pinguin könnt« also, wenn seine Stimm« sonst entwickelt wäre, ganz so singen wie der Mensch: aber ein solcher Tonumfang sst überhaupt nichts Unerhörte» im Bogel. reich, sondern findet sich z. A. auch beim Kaiseradler. D« Lauteste unter diesen wundsrlichen Sängern ist der Gold- schopspinguin, ein hübiches schwarzweißes Tier mst einem Büschel von goldenen Strähnen über den Schestelseiten. Diese Vögel haben sich immer etwas zu sagen: die ausgesperrten Schnabel gegen- einander kreuzend, sprechen zwei Nachbar» miteinander, vermutlich «in„Ehepaar". Beim Meinungsaustausch steht der eine kerzen- gerade und beugt nur seinen Kopf und Schnabel zu dem aui- gesperrten Schnabel des and«en herunter, der leicht gebeugt, schräg von unten her, ihn anredet. Manchmal„zerren" sie sich auch ein bißchen, wie dos ja unter Ehepaaren vorkommt, ab« im allgc- meinen Weckern" sie nur miteinander, und das ist ei» scheußliches ttefes Knarren. Dieses„Seckern" entwickelt sich dann zur Melodie. wenn der Goldschopspinguin singt. Er beugt dabei den Kaps tief auf die Brust, keckert erst mehrmals hintereinander, hebt dann den Kopf schnell empor, streckt ihn in die Höhe und singt slügeischlagend den zweiten Test seiner Arie: korkorkorkou, den er mehrmals wieder- holt. Nach diesem Fortissimotell geht et dann wieder bis zum Piano h«ab, und bei diesem Zwesten Teil schwenkt er Kopf und Hol» langsam von links nach rechts und wieder zurück. Jhisrotlung des Aussat&es Eine der furchtbarsten Kranthesten, die d« Menschhest fest un. vordenklichen Zeiten das Sinnbild des Grauens war, dürfte in gb- sehbarer Zest ausgerottet werden. Es ist der Aussatz, jene Haut. krankhest, die als so schrecklich und unheilbar empfunden wurde, daß man die Betroffenen.aussetzte". Das Leiden, das schon in der Bibel erscheint und im Mittelalter als schlimmstes Schicksal empfunden wurde, herrscht auch heut« noch. Nach den neuesten Schätzungen, die Dr. Laudert in einem Aufsag der Frankfurter Wochenschrift die „Umschau" mitteill. gibt es noch etwa 2 800 000 Aussätzig« auf der Erde. Davon entfallen auf China und Indien je«in« Million, auf Afrika üb« 500 000, auf Rußland 150 000. In Europa hat Deutschland die geringste Ziffer, nämlich nur 8. dagegen zählt man in Frankreich noch etwa 200 Lepröse, in Spanien gegen 900. in Lioland 210. in Lettland 226. Jeder 640. Mensch ist also noch aussätzig! Aber fest einiger Zest besitzt mau Heilmittel, die immer mehr vervollkommnet wurden. Noch einer allen indischen Sag« soll«:n König ssch selbst vom Aussatz gehellt haben, indem er die Blatt« und Früchte eines Baumes bevorzugte, den dic Eingeborenen Chaul- moogra nennen und der den botanischen Namen Hydnocarpus Kurz« trägt. Aber diese Kunde eines Heilmittels führte doch jahrhunderte- lang nur zu gelegenllichen Erfolgen, bis der deutsch« Professor Engel in Kairo das chemisch wirksame Prinzip des in dieser Pflanz« ent- hallen«» Fruchtöls rein darstellte und der Engländer Roggers 1917 zum erstenmal dos Notriumsalz der darin«nthallenen Oelsäur« durch intravenöse Einspritzung zur Heilung verwendete. Seitdem sind nnt diesen chemischen Erzeugnissen des Ehoulmoogra-Oels überraschend« Erfolge erziell worden, und die Behandlung wurde noch vervoll. kommnet, als der englische Arzt Dr. Muir in Kalkutta ei» neue» Mittel in dem I o d k a l i u m fand, das in der Form von Em» spritzungen die Leprazellen noch viel schneller löst« als das Chaul. moogra-Oel, so daß«in Heilerfolg, der vorher in einem Jahr erziell wurde, auf diese Weise schon in sechs Wochen erreicht wird. Heut« ist man so weit, daß jeher Fall von Aussatz, wenn«r früh genug behandett wird, geheill werden kann, und man darf hoffen, daß diese Geißel der Menschheit, wenn erst«ine regelrecht« Bekämpfung eingesetzt hat, im Lauf« eine» Menjchenallci» nahezu ausgerottet sein wird. Gfotfentmngeit für diese Rubrik sind S e r 1 i a SS«8, Ltudenstrahe.i, G parieinachrichtenjW� fürGroß-Verlin stet»«a da» Bejirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen recht», za richten. Sitzung der gesamten Mldungtkommisston . Mar,, 2N Mir, bei Berger. Leoetzowstratz« i. Sttri» Tiergarten. Wichtige de» Kreise» am Donn«r»tag, 21 Ecke Ioaowstratz». 3. ftttis«cdding. Freitag. 22. Mär», I» Uhr. Kre>»»ntglieder»ersammlu-g im Lokal Patzenhoser, Ehaussccstr. dt. Vortrag:»Die kommunale Lee- »altnng im Bezirk Wedding*. Referent: Bürgermeister Karl Leid. 4. und!. Kreil Prenzlauer Berg und Friedrichshai». Heiterer Abend am Soanabend. 2z. März, im Saalbau Friedrichohaia. Boll» l Z kommen neue» erstklassiges Varietrprogeamm. Anschließend Tanz Sin» btüt 5n Ps. einschließlich Steuer und Tan,. Au der Abendkaff« 7Z Ps. � lleberschnß k»nln:t der Partei zugute. SaalerSssnuug I» ilhr. .t 4:i-4. i i 7. Ärtis Eharlottenburg. Donneretag, 21. Mörz, l»v. Uhr. im vartrag». saal des Deutsche» Kraukenkaffenhause». Berti»er' Str. tZ7, Kreiamit- glicderversammlung. Vertrag:»Soziale Wohnunqspolitik'. Resereni: Bürgeruieister Paul Kirsch, M. d. S. tz. greis Wilmersdorf. Donnerstag, 2l. Mörz, 2» Uhr. im Viktoriagar tcn, Wilhelmsaue 114—115, Eastnozinnner, erweiterte Kreisvorftandssitzun« mit den Mitgliedern de» Bildungsausschuffes. II. Kreis Zehlendorf. Kostenlose Eprechstellc in ollen Wohlsahrioangelegen. besten beim Genossen Bernhard Zander, Zehlendorf, Even-Hedin-Str. 74. Donnerstags von 17—1» Uhr. 14. Krei» Reniölln. Freitag, 22. März, 1»>4 Uhr, Kreismitgliederoersammlang in den Passagesälen, Bergstr. 151. Tagesordunng: Statutenbcratuag uud SteNnngnahme zum Bez'rksparteitag. 1«. Kreis Köpenick. Bildungsausschuß. Heut«, Mittwoch, VI. Mörz, 1»>4 Uhr, Sitzung im Dibliothekszimmer, Schlvßstr. 27, I. Morgen. Donnerstag. 21. März: z. Abt. 18 Uhr gemeinsame Vierteljahresabrechnung samtlicher Bezirks» kasfierer im Konferenzzimmer des Gewerkschoftshause». Engelufer 24— 2S. so Uhr»bendort Sitzung mit sämtlichen Funktionären. JB. Abt. an Uhr bei Burg. Prenzlauer Allee 18», ffunktionarsstzung. Ab- euchnung et« Stunde vorher im gleiche» Loilitl. Gleichzeitig sind die Billett» vom Kreisvergnugen im Saalbau Friedrichshhaia abzurechneu. 91, Abt. Die Bezirksfithrer sind verpflichtet, in der Zeit von 18— ist, Uhr die Eintrittskarten für den 23. März beim Genossen Sieriing, Am Ostbahae ho? 18, abzurechnen. Di« nicht zurückgegebenen Karten gelten als verlaust. ZZ. Abt. Die Vezirksfichrer rechnen bis Tonnerstag die Billetts vom Heiteren Abend und für das Schillertheater ab. Desgleichen wird um Angab« der Mtcherkreiswerke für das I. Quartal gebeten. 8t. Abt. Fricbeuan. Bildungskreis jüngerer Parteigenosse». Zusammenkunft um 20 Uhr bei Baginski, Stubenrauchftraße Ecke Taunusstraße. Vortrag: „Ferdinand Laffall« und das Verfassungswefen". Referent: Ludwig Diedcrich. Rrulöll». 90. Abt. Di« Sozialistische Arbeiterjugend veranstaltet um 19V1 Uhr in der Aula der Knabenmittelschule, Donaustr. 120, eine Märzfeier. An- sprach«: Dr. Kurt Linoenftein, M. d. R. Sprechchor, Frauenchor, Rezi» tationen, Musikvorträge.—»1. Abt. 19',i Uhr Funrtionärsitzung bei Mäufeler, Mllnchcner Str. 23. 107. Abt. Fallenberg-Alt-Glienick«. 20 Uhr im Gemeinfchastshaus der Gartm» stadt Mitgliederversammlung. Vortrag:»Amerika und Deutschland". Rese. renttn: Genossin Else Fleischer. Parieiongelegcnheiten und Verschiedenes. Achtung! Vorstandsützuag bereit» um 19 Uhr. Arauenveranstalttingea. 11. Krei, Schöncbeeg. Heute, Mittwoch, 20. März, 19fb Uhr, in i-i der Uhlandschule, Solonnenstiaße, Film» und Vortragsabend. 1. An» gjj , spräche des Genossen Dr. Julius Moses, M. d. R. 2. Film:»flreiw» D M zug des Weibes". Auch die Genossen sind zu diesem Vortragsabend Ss — eingeladen. 17. Kreie Lichtenberg. Heute, Mittwoch, 20. März, 1»lh Uhr, bei Tempel, Gudrunstraße. Kreisstauenobend. Genosse Mchlhose spricht über:»Die Freidenker in der Kuliurbewegung". Di« Funktionärinnen werden gebeten, schon um Uhr zu«rsche:ncn. 24. Abt. Prenzlauer Berg. Donnerstag, 21. März, 20 Uhr, im Bezirisver» ordnetcnsaol de» Dczirksamte» Prenzlauer Berg, Danziger Str. 54, Vor. trag:»Der Komps um den 8 218". Referent: Dr. Julius Moses, M. d, R. 44 Abt. Donnerstag, 21. März, treffen sich die Genossinnen zur Besichtigung der städtischen Horte um 14 Uhr vor der Schule Waldemarstr. 77(am Lausitzer Platz). 45. Abt. Di« Hortbeflchtigung am 21. März fällt umständehalber aus. 48. Abt. Damrevaiag. 21. Miez. VPt, Ilhr, findet die Beffchtiguag da» Kinder» horte«. Schule Görlitzer Str. 52, statt 51., 55. und 58. Abt. Ebo rlolten bnrq. Tie Frauenabend« in diesem Monat falle» aus. Dafür beteiligen sich alle Genossinnen an den Kveisfrauea» Veranstaltungen am 21. und 28. März. 104. Abt. Riederschöueweibc. Heute, Mittwoch, 20. März. 19Vs Uhr. bei Thiel« Rachf., Berliner Str. 38.»Bunter Abend". Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrl. 4. Krei» Per», lauer Berg. Donnerstag, 21. März, 20 Uhr, im Bezirksamt Danziger Str. 54, Zimmer 314, Aktenausgab«. Di« Leiterinnen werden gebeten, Liften sämtlicher Helfer mitzubringen. Zungsozialislen. Arbeiterausichußsitznng heute Mittwoch, 20. März, pünktlich II Uhr, im Jugendheim Aorckstr. lt. Gruppe Baumschulenweg. Alle junge« Parteigeuofle» b-teiligeu sich an de« Werbcvcranstaltnno der Inugsozialisten heute Rittweä,, 20. März. 19)� Uhr. im Loial Haß. Baumsckuleustraß« Ecke Zrouenlobstraßc. Jugend, hiueiu in die politisch« Front. Referent: Paul Bernstein. Musik, Rezitationen. Gruppe Neukölln. Heute. Mittwoch. 20 Uhr. in der Baracke Sanghofer» straße, Echlußvortrag:»Wirtschaftsdemolratie". Rcferentin: Dr. Tora Fadian, Zlrbeitsgemeiuschast der kindersreunde. Keri» Kreuzberg. Heute, Mittwoch, 19 Uhr, Porckstr. 11, Falkenralasitzung. Geburtstage, Zub'.iäen usw. I. Abt. Unserem liebe» Parteigeuosse» Heinrich Urba», Gliässer Str. 52, zu seinem heutigen 70. Geburtstag« die herzlichsten Glückwünsche. Möge e» dem alle» Kämpfer»ergöuut sein,«och viele Jahre für dl« Partei zu wirken und zu werben. 22. Abt. Unserem Genosse» Hermann Rühl ,» sciuew heutigen 55. Gebnrt». tage die herzlichsten Slückwüasih«. Die Genosse»»er 22. Abteilung wüascheu» baß unser Partei»«!»»» diese» Tag»och recht oft erleben möge. Fast vier Jahrzehnte hat er der Partei gedient und noch heut« fludc» wir unsere» alten Kämpser bei der«leluarbeit für die Partei. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei-Organisation� 91. Abt. Neuköll». Die Aschenbeisetzung unsere« verstorbenen Genossen Tereck« findet am Freitag. 22. März, IZlh Uhr, in Baumschulenweg statt. Um reg« Beteiligung ersucht der Vorstand. Sie sollten doch Mit wertvollen Gutscheinen E rauchen, sie sind besser! Mokfar, 5 Pf. Molen Süperb, 6 Pf. Dresdner Bank Setfisimdifinfzl�sle ordenflldie Generoäversamralnnö. Hiermit werden die Aktionllre zur sedtsDROiaRfzIgsten ordenflidicn GencralvenamnilaiuL die Jifivodi» den 10. April 1029, vonnlUags tvu(mr im Bankgebäude Dresden, Johannstraße 3, stattfinden wird, eingeladen. und Tages-Ordnung: 1 Vorlage des OeschäktsberitJlts sowie der Bllanr mit Oewinn- Verlust-Rechnung per 31. Dezember 1928. 2. Beschlußfassung Ober dl* Genehmigung der Bilanz und die Verwendung des Reingewinns. 3. Beschlußfassung über die Entiaslong des Vormunds und des Aa?- slchisrats. 4. Satzungsänderungen: a)§ 3(Bekanntmachungen) soll folgende Fassung erhalten: »Oeffentllche Bekanntmachungen der Oesellschan erfolgen du, od den Deutschen Reichsanzeiger, die Sächsische Staatszeitung, die Berliner Bdrsen-Zeltung, den berliner Bürsen-Courler. Zur oültigkeit der Bekanntmachungen genügt deren Veröffentlichung im Deutschen Reichsaneiger. b)§ 18(Antsichtsrat) soll folgenden Zusatz erhalten »Willenserklärungen des Auftichtsrats eifolgen durch den Vorsitzenden oder einen»einer Stellvertreter." S. Wahl von Aufslchtsratsmitglledem. Jeder Aktionär ist zur Teilnahme an der Generalversammlung bereebtigt Um in dieser siimmen oder Anträge stellen zu können, müssen die Aktionäre gemäß t) 21 der Satzungen spätestens bis zum 6. April einscblieSlich ihre Aktien— oder die über diese lautenden Hinterlegungsscheine einer Effekten- girobank— entweder bei einem deutschen Notar oder bei einer der nach- verzeiefneten Stellen hinterlegt haben und bis rnr Beendigung der Generalversammlung dort belassen: bei der Dresdner Bank in Droden und BcrBa sowie Ihren Übrigen Niederlassungen, hei der Dörener Bank In Dören, bei dem Bankhause Slxuan»lixtilnnd In Bssen und Hamb ort, bei der Dcatrdien Veretoakaak KommandUgesetUcbaU»wk AltOtm in Frankt ort a. M- hei dem Bankhause Veit U Homburger in Kariarwbe, bei dem Bankhause A, Lery In Köln. hei dem Bankhause Flcmmlng lll Co. in Magdcbnrg, bei der Oldeaborglsdien Landesbank in Ofdenbarg L O, bei der Mecklenburgischen Bank in Sdiweria L M., bei der Neneorpommerschen Spar- and Credlibank Aktien- Gesell schall In Stralsund, bei den Herren Proehl S Qwkmaim 1 ,,,,__ bei der Amsterdamsdren Bank/ Die Hinterlegung ist auch dann ordnungsmäßig erfolgt wenn Aktien mit Zustimmung einer Hinterlegungsstelle für sie bei anderen Bankfirmen bis zur Beendigung der Generalversammlung im Sperrdepot gehalten werden. Dresden, den 18. Mfrz 1920 Der Vorstand Naikan. y T healev, Lidtispiele usw. j Ol. kdiJusPleinau 8 i ncuropoUlieoler s KUnstlnrlache I.eituns: a ERIK CHARELL See ileße Atigusün £usüge Tüitwe rnp Bernausr und Wstisch AKred Brann Kady Cttrssllans Trude Izleabe »IcRfr. Arno Paul Morfran Paul Wratermeier Guntav Matcner Mari anno Winkelstern Ivan Oriik Bmldelbumi ßrete Walter/ Bans Sommer Soasttnertrls»atfi senber Friftzi Massary Man Hnn««» Dacht Blleot W. Jankuhu B. Jnnkermania W. Schoeffera Barquita Frlsba isssistiBiürr hiicullr 1�3 Emst Sten i katiiUB. 3 I»oasty filrl;[CtowIImS«» Hazsk sjtftidtz EmsiHaukc* Uhr uneik Vorstellun«...... Klima PnlM I IldoU fUU «F. TdBater igt WRitcn Sonniag auch» U«»BSF Mitternachislaxe haute In den Kammerlichtspielen in beiden. Vorstellungan persönlich anwesend mit Bwtty 8lrd/ Manuskr.: Hob. Liebmann Regisseur und Hauptdarsteller; Harry R i e I Auf der Bühne: SJrP Tsing-Tau- Tseng W- Vr Original chlnatlacha Bauklar Ufa-Theater Kamenerlichfispiele •. Maä ntd. aecktnL 7, 1, llaauad 0. Joost 5.7,0. r»n. 12-2 L läset(Holl. 2095) i ntrOtia AuBardem l&uftder Film Im Ufa-Theater Kurfürsten da mm 2$ ttocIcatcgG: 7» 8'»i Sonrlaji: ß» 711 v"(To!.: Bism. 6179) Vorv. D. Werthelm Mittwocligd�O. 3. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V.73 19 Uhr Staats-Oper Am PI.d.Republ. R.-S. 50 W!, Uhr Mittwoch.d.20.J. StOdL Oper Blsmarcksu. Turnus II 19V» Uhr Cosifaim SlaatlStespl?. sb Cto4sni,iaittt Karl o. Anna Bnn-Rlpa, gas lugendi. Ball- lonclanr- | Wnndsr, Amani firats., Uaslcal-Ciovns| und dio übrigen Atirsktkanen! I «Hl Süfliaei Tbeam Direkt.HeinzHerald Charlnttenstrade 9» A.7. Dönhoff 170 8 Uhr 8 Uhr Zu an letlten Male 3 X Hochzeit (Abfe's Irish Rose) Donnerst-'1 Märrj Vit fbr: /um 1..Male Helden |voa Bernard Shaw. Staat). Sebiller-Theater, Charit!}. 20 Uhr Hl Kalkutta, 4, Mai HDBEHiHHSBHBHMBSSBiH � CÄSIM1EÄTEH»-üb. Lothringer StraUe 37. Neu! Neu! „Eine unfleiieDte Frau" und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere LeserGutsche nfürl— 4Pers. Fautcuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M Sonstige Preise: Paiket u. Rang 0.80 M. Renaessanse- Theater Hardenbergstr. 8 Tel.: Stelnpl. 901a 2583/84 8V. Uhr. Zum 90. Male:»>/. Uhr Ol. W.lterfoisskomSdl. „Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg; Onst. Hannüll. la Praiplcrgnoeilzq. Theaters. KottbusserTor Kottbnsei Str. fl. Tai Mpl. 18077 Tlgllch B Uhr, auch Sonntag nschm. 3 Uhr( ermäßigt» Pralu) jEIISe» u. 8.»vis Sciidnhsi.säüPigiii'' verbunden mit BCociefkschau. Allgem. Preishersbsatzang auf allen PlfiUan Volks btthne rbtiUi anBlllowglatT 8 Uhr Krenzabnalmie Tkeaier im Sdttnhßgenlamn 8 Uhr Die KranHheit der Jugend Thalia-Thealer 8 Uhr Oelraascb Staat!. Sdiiller-Tli» Kalkutta, 4. Mai Theater am Sdilffhauerdair.m. Norden 1141 u. 281. Täglich 8»/. Uhr Xraikheit der Jagend von Ferd. Bruckner Ins:. Ciust. Härtung. Lcnnarlz, Srilta Brod, Kahnert, Dämmest, zndersen, Rappard u. Duschünsky. öeutsdiej Theater D. I. No: Jen 1231: 8 U, Ende nach IC'b Die lustigen Weiber von Wisdsor von Shakespeare Regle: Meint Hilpert Kammerspiele D.I. Norden 123b SVtU.. Ende geg. 10 Die Ursache Schauspiel v Leonhard Frank Regie: HansDeppe. Die KonTödle ZI Bisrnck. 2414/7516 V« U., Ende geg. 10 wann Kommst Du wieüer? Komödie von S. Maugham. Regie: Gustaf Gründgens Barawsky-ßE'ansn Theater in der KAniggritxer Straße Heute 7�> Uhr Uraafffthrung Riva I en Komödienhsus Täglich H Uhr Dia Orsi- Ernste- fheater am follendorfplatf Täglich 8V» Uhr Das Geld auf der straBe Lustspielhaus 8V« Uhr wiedaraunPBlBo Vcekeafl In Paradies Auslese"Edel Türken, 5 Pf. HieiiiBSEEliri Bilanz zum 31. Dezember 1928 Vermögen Reichsmark Kassenbestand, Postscheck-, Bank- und ähnliche Guthaben............... 932 79 124 Wechsel................ 61 378.53 Aussenstände.............. 3 318 493-61 Bete ligungen.............. 170 000— Warenvorräte.............. 1 749 722.04 Bureaumaschinen und Fuhrpark.. 135 248.70 abzügl. 20% Abschreibung..._ZTOSOJO 108 198— Bureaueinrichtung........ 106 9"!.— abzügl. 10°/, Abschreibung.. 10 690— 96 211.— Vertriebsorganisation........... 200 000.— Verlust 1926.......... 16, 263.11 1927.......... 88 7,9.04 1928.......... 103 514.3, 356 526 49 Avalkonto.... ���_�_�_;J_780J72;V5_�___�_> Reichsmai k 6 993 328.91 VczblndllcbkeUen Reichsmark Aktienkapital.............. 1 000 030— Verpllichtungcn bei Banken......... 3 022 375.— bei Lieferwerken und Sonstigen._�97095i9i 5 993 328.91 Avalkonto........... 1 780 872.75 Reichsmark o 993 oJd 91 Gewinn- und Vezlnstzeebnong för die Zelt vom 1. Janoar bU 31. Dezembcz 1928 Soll Reichsmark Verlustvortrag 1926 27........... 253 01 15 Verwaltungs- und Vertriebsunkosten..... 1 890 58589 Abschreibungen............ 37 740.711 21-1 3.H i4 Haben Reichsmark Rohgewinn............... 182481225 Verlust 1926........... 164 253 11 >927........... 88 749.04 1928........... 103 514.34 356 520-49 2 181 333.74 Berlin, den 4. März 1929 Deutsche Zfindbolz-Verkaufs Aktlen-Gesellscbaft Der Vorstand Dr. SOdekum Adolph Nau Der Anlsichbtrat Hans Kraemer, Vorsitzender Inanon-Th. Täglich S'-'i Uhr Oer Herzog und die Sünderin mit Erika Eiasinsr und Martin Kettner Rundrunkhöret tialhe Preise Disco. KOnstler-Th. 8'/. Uhr Oer Zinker v. Edgar Wallace 4«! tut#11« Mattfei ts Preise I— 10 Mark ttieinei iaeaisf Täglich 8'« Uhr- Curt Goaiz, Valerie v. Martens Ferd. v. Allen in „Trio44 Lustsp v. Leo Lenr- Regie: Friedmax Frcdcricb. Lessinj•Itieaicr Heute SV« Lh' zum letzten Male Maria Orska JDasVeUchen- oi« mwiaiiien •mar allen rrao; Morgen 8 LT r 3 x Kochzrtt. fiialia-Theaier »resdener Str. 72-73 8 Uhr „Oelraasch" Rosa-Thaatai Wrn'chrT�r Zt.lZ? 4 Uhr Wilbein Tel! 81/# uhr Der Obersteiger ReichshaSlen-Theater Sfelliner Sänger Das neue tUn-Pragraimi I XnmponiiUm Im Olymp. Anfang A Stg. Nachm. 3 ü k!Uellf>e»feI!ung>-n i\