BERLIN MMoK 20. März 1929 10 Pf. Nr. 134 B 67 46. Jahrgang. Ersch«I«t- aßekSoxntiß«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Autgaben SS Pf. pro Woche. S.ö0M. pro Monat. giedaktio» und Expedition; DerliuEWss.LmdeuKr.Z SfialauJ�faße xlei„Vffutasfa «»teigeupreit: Die einspaltige Nonpareille, eile «o Pf., gleklamtieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftscheckkooto: DorwärtS-V erlag G. m. b.H., Berli« Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Oer Vatermorb von Iannowih Verdacht gegen weitere Familienmitglieder Ltegaih. 20. März.(Eigenbericht.) Auch im Laufe des heutigen vormittags ist es noch nicht gelungen. Licht in das Dunkel zu bringen, das den Mord an dem Grafen Eberhard zu Slolberg-Wernigerode auf Schloß Z annowitz umgibt. Die widersprechenden Umstände beim Zannowiher Schloßmord und die Sachlage der örtlichen vcrhällnifle ließen von vornherein darauf schließen, daß der Mörder mit größter Wahrscheinlichkeit im Schlosse selbst zu suchen war. Den Angaben des ältesten Sohnes Christian Friedrich stand man von Anfang au sehr skeptisch gegenüber und es war nur folgerichtig, daß seine Verhaftung erfolgte. Es erscheint übrigens nicht aus- geschlossen, daß weitere Mitglieder der gras- lichen Familie an der Tat beteiligt sind, und zwar mittelbar oder unmittelbar. Die Ltnterfuchung, l>i« am heutigen Vormittag fortgeführt wurde, ergab, baß ulcht das geringste geraubt worden ist. Es können also nicht Einbrecher in dem Zimmer des Grafen Eberhard gewesen sein, wie der später verhastete LSjährige Sohn Christian Friedrich behauptet hat. Es ist auch bemerkenswert, dah niemand von den im Haufe weilenden Familienmitgliedern etwas von einem Streit zwischen Bater und Sohn gehört haben will. Aus der Lage der Leiche ergibt sich deutlich, dah der Graf währeiü» der Lektüre in einem Roman von hinten erschossen worden ist. Nichts deutet darauf Inn, daß der tödliche Schuh während oder noch einer Auseinander- setzung gefallen ist. Schloß Zannowitz. der Hchauplatz der furchtbaren Tat in der Nacht zum Dienstag, liegt im Riesengebipge, unweit von Hirschberg. Der ermordete Graf Eberhard wohnte übrigens mit seiner Familie nicht im Schloß selbst, sondern in dem etwa zwanzig Meter davon entfernten ehemaligen Rentmeisteramt im Park des Herren- Hauses. Im Schlöffe selbst hatte der älteste Sohn und Voraussicht- liche Majoratserbe, der unverheiratete 27jährige Graf Christian Friedrich, der gestern verhaftet wurde, und der Verwaltung?- direktor sein Zimmer. Weiterhin waren dort die Räume der Guts- Verwaltungen. Graf Eberhard war Besitzer der Rittergüter I a n n o» witz. Kupferberg und Rohrlach. Wie sich jetzt heraus- stellt, war die Wirtschaftslage nicht so gut. wie man bisher an- genommen hatte, die Güter waren sogar stark verschuldet. Im Besitz der Familie befinden sie sich seit 1846. Der Ermordete lebte für die Verhöltniffe eines Großgrundbesitzers durchaus b e- scheiden. Er war ein anspruchsloser Mann, der in der Gegend deshalb eine gewiffe Beliebtheit genoß, weil ihm der Dünkel so vieler seiner Standesgenossen fremd war. Vom Chef des Hauses Stolberg, dem Fürsten Christian Ernst in Wernigerode. bezog die Ionnowitzer Linie einen jährlichen Zuschuß. Von seinen fünf Söhnen hielten sich am Mordtage zwei in Berlin auf. von denen der eine, Konrad, Musik studiert, während sein Bruder Theodor die Kolonialfchule besucht und demnächst im Auslande eine Stellung beziehen wollte. Als erste entdeckte, von dem verhafteten Grafen Christian abgesehen, die 21IZHrige Gräfin Antonie das Verbrechen. Sie sprang aus den Schuh hin aus dem Bett, eilte ans Fenster und schrie laut um Hilfe. Die Angaben des Grafen Friedrich Christian waren fo v«. worren und widerspruchsvoll, daß sie von der Srlmloalpollzei leicht widerlegt werden konnten. Nirgends fand sich eine Spur, die auf fremde Eindringlinge deuten tonnte. Nichts war erbrochen, alle Schlösser waren in Ordnung und die Fenstergitter waren unversehrt. Ein Hausbewohner mußte der Täter fein. Nach den neuen Bestimmungen über die Fideikommisse würde das Fideikommiß mit dem Ableben des gegenwärtigen Besitzers, eben des ermordeten Grafen Eberhard, zu bestehen aufhören. Der neu« Besitzer würde das Recht haben. Teile der Besitzungen rder den Besitz als Ganzes zu veräußern. Die Tal wäre otso als Versuch einer vorzeitigen Auslösung de» Fideikommisse» zu erklären. Wenn man aber derartig weitgehende Ueberlegrmgen dem Grafen Christian Friedrich unterstellt, so ist die Ungeschicklichkeit» püt der das Verbrechen ausgeführt wurde, um fo unerklärlicher. Gvrtsetznng-mi der 2..Seite.) Er muß es wiffen! Oer heutige Staat ist ein Sauhaufen— sagt Stahlhelm« führer Seldte! Haifisch-Konzern. Oer Niesenskandal um die Handelskammer von Hannover. Hannover, 20. März.(Eigenberichk.) vle Enthüllungen über den„Haiftsch-Kouzern' haben in Hannover ungeheures Aussehen erregt. Die städtischen Kollegien befahlen sich am viensiag mik dieser Angelegenheit, allerdings in geheimer Sitzung, weil die bürgerliche Mehrheit die unter schwerer Anklage stehenden sogenannten wlrtschaslssührer in der Oeffentlichkeit nicht blohstellen will und den Skandal nach Möglichkeit zu vertuschen sucht. wie wir aber aus zuverlässiger Quelle erfahren, waren die Kollegien einer Meinung in der Verurteilung de» Skan. dal». Selbst der Ordnungsblock ließ die Männer des„Haifisch- Konzerns" fallen. Nur ein ganz alleinstehender deulschnalio- naler wirtschaslsverlreler, Herr Dr. Liebernickel, ebenfalls Syndikus der Industrie, und Handelskammer, wie der schwer kompromiklierke Dr. Finkenwirl, fand den Muk, die Hand- loagsweise de»„Halfisch-Sonzerns" zu verteidigen. Die Kollegien beschlossen schließlich gegen wenige Slimmen. den Oberbürgermeister in dem von den Mitgliedern des„Haifisch- Konzern," gegen ihn angestrengten Prozeß zu decken. Die sogenannten wlrlschafiskreise um die Handelskammer. die sich milgelroffen fühlen, weil sie das Verhallen der Mitglieder des„haififch-Sonzerns" als„durchaus einwandfrei" bezeichneten. besitzen setzt die Frechheit, durch die hugenbergsche Telegraphen- Union die festgestellten Talsachen des Flnanzskandals als„un- bewiesene Behauptungen" abzuleugnen. Rebellen als Geldschrankknacker! Ltnerhörie Ausschweifungen der Gscobar-Truppen. Wirkung der verbündeten Streitkräste in Aguas Calientes«nd San Luis Potost ein« Offensive gegen die Armee Calles zu unter. nehmen. Nach hier vorliegenden Berichten haben die Ausftön- dischen, ermutigt durch die Berichte des Generals I t u r b e, in den Staaten Sinaloa und Rayorit zwei Siege über die Bundes- truppen errungen. x Keine Kriedensvorfchlöge der Aufständischen. New Park, 20. März. Der Rebellengeneral und Gouverneur des Staates Chihuahua, T a r a v« o, dementiert mit allem Nachdruck die Berichte, daß die Aufständischen der Bundesregierung striedensoorschläge gemacht hätten. Caraveo erklärte, er sei bisher nicht in Verhandlungen mit der Calles Regierung getreten und beabsichtige auch nickst, dies zu tun.______ Fünf Bergleute verschüttet. Orei getötet. Myslowih. 20. März. Gestern mittag ereignete sich auf der hiesigen Grube«in schweres Unglück. Durch Pfeilerein stürz wurden fünf Bergleute verschüttet. Obwohl die Bergungsarbeiten sofort aufgenommen wurden, konnten von den fünf Verschütteten drei nur noch als Leichen geborgen werden, während die beiden übrigen schwere Verletzungen davontrugen. Mexlko-Eity, 20. März.(Eigenbericht.) Die aus T o r r e o n vorliegenden Berichte zeigen, daß der Re- bellengeneral E s c o b a r und seine Horden alle während der Zluf- standsperiodc üblichen Ausschreitungen weit in den Schatten gestellt haben. Die Geldschränke der Danken und der Prival- bureans wurden unter der Führung der Generale restlos aus- geraubt. Außerdem sind alle transpartablen Wertgegenstände in Eisenbahnzüge verladen und uordwäris abtransportiert worden. Der bisher zu verzeichnende Schaden ist zahlenmäßig überhaupi nicht feststellbar. Allein die kosten des zerstörten Eisenbahnmaterials und der Schienen werden auf 12 Millionen Mark bezisferi. (Zscobar tut zuversichtlich.- Nur strategischer Rückzug ins Gebirge? New Zsorf. 20. März. General Esc o b a r. der Führer der Rebellentruppen, die Torreon geräumt haben, erklärt in einem an die„Associated Preß" gerichteten Telegramm, daß die Kämpse um die Vorherrschaft In Mexiko außerhalb der Städte ausgetragen werden sollten, damit dos Leben der ZWUbevölkerung nicht gefährdet werde. Er leg« Wert darauf, ein« strategische Stellung im Ge- bkrge zu beziehen, und halx daher Torreon vorübergehend ge- räumt, um zu verhindern, daß die Stadt und die Frauen und Kinder dem Tod, einer Fcuersbrunst oder anderen Schrecken des Krieges ausgesetzt würden. Inzwischen gebe sich Calles der Selbst- täufchung hin. daß er Trrreon erobert habe.. General Cscobar, der nach der Räumung Torreons fein Haupt- quartier hier ausgeschlagen hat, erklärte, er messe dem Umstand, daß er Torreon den Bundestruppen kampflos überlassen habe, keine Bedeutung bei und beabsichtige, in absehbarer Zest unter Mit- Gehl Bruno Waller? Hugzengahsliin hei Calais. Berichte J* Seite Explosion in einer Gasolinfabrik. Sechs Oelianks in Flammen.- Sin Arbeiter getötet. Marcus hook(Penfyloanta)), 20. März. heute früh ereignete sich in einer Gasolinfabrit eine Explosion, durch die sechs Oeltanks in Flammen ge- rieten. Ein Arbeiter wurde getötet, vier andere schwer ver- letzt. Mehrere Arbeiter werden vermißt., Owen young soll entscheiden! Krankreich enigegenkommender als die anderen? Paris. 20. März.(Eigenbericht.) Der Präsident der Pariser Sachverständigeakoaserenz. Owen P o u n g. hat am Dienstag nacheinander die Führer der verschiedenen Delegationen, darunter zulehl auch den Reichsbankpräsideulen Dr. Schacht, empfangen. Es handelte sich bei allen diesen De- sprechungen immer wieder darum, die reinen Reparationssorderun- gen der Alliierten mit den Zahlungsmöglichkeiten Deutschlands in Einklang zu bringen. Selbst die Pariser Presse gibt auch heute wieder zu. dah die Einigung noch in weitem Felde liege. Das Entgegenkommen Frankreichs, das die Rmkerstattuug nur der Hälfte seiner Wiederaufbaukosten verlangle, habe nur sehr wenig oder gar keine Nachahmung gesunden. Der„Malin" richtet daher au Owen Poung die berechtigte Aufforderung, er möchte einen Schiedsspruch fällen, um endlich einen Ausgleich zwischen den Alliierten und Deutschland herbeizuführen. Die Deutschen, schreibt das Blatt weiter, hätten in manchen Fällen nicht ohne Erfolg zu beweisen versucht, dah bei einer Addition der Zurückzahlung der interalliierten Schulden und zur Wiedergutmachung der reinen Reparationskosten geforderten Summen manchmal Beträge herauskämen. die nicht zu rechtfertigen feien. Die Schwierigkeiten in Paris. London. 20. März. Der Pariser Korrespondent der„Times* sagt: Nach vorheriger gemeinsamer Beratung teilen jetzt die Führer der alliierten Dele- gationen gesondert dem Vorsitzenden Owen Poung ihren Standpunkt mit. Es muß anerkannt werden, daß die Möglichkeit einer so ernsten Meinungsverschiedenheit, daß die ganze Arbeit des Aus- schusses gefährdet werden würde, nicht ausgeschlossen erscheint. Es ist Deutschland während der Verhandlungen klar ge» macht worden, daß Großbritannien und die Vereinigten Staaten keine Vereinbarung dulden werden, die eine ernste Gefahr eines Zusammenbruchs des deutschen Kredits mit sich bringt. Aber es sind Forderungen von anderer Seit« möglich, deren Annahme für Deutschland sehr schwierig sein würde. Di« bisher von den deutschen Delegierten genannten Zahlen haben geschwankt zwischen einer Gesamtsumme, die offenbor unannehmbar für die Alliierten ist, und einer Summe, die sich mehr dem nähert, was zum mindesten die britische Regierung für ein vernünftiges An- gebot holten würde. Aber in Erwartung des Beginns des ent- scheidenden Stadiums sind Anzeichen für eine Berstelfung in der französischen Haltung bemerkbar. Man glaubt, daß Moreau in seiner Unterredung mit Owen Uaung eine Mindestsumme genannt hat, unter die Frankreich nicht gehen könne, die eine viel größere Zahlung seitens Deutschlands er- sondern würde als irgendeine Summe, die bisher die deutsche Dele- gation ins Aug« zu fasten geneigt schien. D«r Korrespondent sagt: Frankreich würde durch einen Fahlschlag der Verhandlungen und durch eine Rückkehr zum Dawes-Plan weniger zu ver- lieren haben als irgendein anderes Land, wenn auch oll« Alliierten es sich lestten können, sich mit einem solchen Ergebnis abzufinden. Die Meinungsverschiedenheit zwischen dem französischen und dem deutschen Standpunkt scheint augenblicklich die h e i k e l st e Seite der Verhandlungen zu sein. Andererseits würde ein Fehlschlag nach so langen Arbeiten sicher derartig ernste Rückwirkungen nicht nur in Deutschland ausüben, daß Grund zu der chosfnung besteht, daß die Nationen in ihrem eigenen Interesse eine Regelung zustande bringen werden. Dem Poriser Korrespondenten der„Financial Times" zufolge nannte Moreau als Summe, die Frankreich von der Mobilisierung der deutschen Schuld erwarte, 1l> Milliarden Mark, Großbritannien soll 4 Milliarden und Belgien 3 Milliarden Mark erwarten. Großbritannien hat einige U e b e r- r a s ch u n g dadurch hervorgerufen, daß es erklärte, die Balfour-Note beziehe sich nicht auf die Ansprüche der Dominions, und Groß- britannien erwarte Mckzohlungen a conto der früher von ihm an Amerika gezahlten Kriegsschulden. Die Gesamtsumme der vorgebrachten Ansprüche würde eine deutsche Annuität von 1240 Millionen Mark bis IVä Milliarden Mark erfordern. Es bestehen Anzeichen, daß Deutschland es ablehnen wird, die Zahlung einer derartigen Summe zu erwägen. Dem Pariser Korrespondenten der„Daily News" zufolge erklärte Moreau in seiner Unterredung mit Owen Poung, weniger als 8 Milliarden Mark würden für Frankreich u n a n- n ehm b a r fein. Oer Vatermord. (Fortsetzung von der I. Seite.) Es ist übrigens nicht das erstemal, daß um ein Fideikommiß unter dem hohen und mittleren Adel mit Mitteln, die gegen die Strafgesetze verstoßen, gekämpft wird. Im Jahre 1921 erregte der Fall der Gräfin Schlieffen Aussehen, die mit ihrem Sohne zusammen Mörder dang, um den Majoratsherrn umzubringen und so in den Besitz des Erbes zu gelangen. Der Borsatz der beiden war durchaus ernst, sie fielen ober Er- prestcrn in die chände, die keineswegs an die Ausführung des Mordes, sondern nur an den Bezug möglichst hoh:r Geldsummen von der an sich schon stark verschuldeten Gräfin dachten. Das außer- ordentlich mild« Urteil der Görlitzer Richter— die beiden gräflichen Ucbeltäter gingen fast straffrei aus— erweckte seinerzeit allgemeinen Unwillen. Um die Jahrhundertwende sprach ganz Europa von dem Streit um Wroblewo, den Majoratsbejitz der Grafen Kwilecki, in dessen Verlauf die etwa fünfzigjährige Gräfin in Berlin von der Anklage der Kinde«unterschiebung freigesprochen wurde. Namenllich die Gegenpartei focht damals mif den schmutzigsten und unlautersten Mitteln. Es war ein typisches Bild des Adels unter sich... Thälmann-Gcharnhorst.; Von Gnaden der Oevtschnationalen. Wir haben kürzlich auf Grund der Denkschrift des ousgeschlostenen Reichsführers der Roten Jungfront die organisatorischen Verhältnisse beim Rotsrontkänrpferbund beleuchtet, namenllich die gewaltige Fluk- tuation der Mitglieder und den tatsächlichen Zyprozentigen Mit- gliederschwund im letzten Jahre. Der„Deutschnational« Zeitungsdicirst hält auf Grund dieser Zahlen den Rotfrontkämpferbund für ganz besonders gefährlich: denn, so schreibt er: � „Weiter oben ist schon erwähnt worden, daß 1927 60000 und 1928 40 000 Rotfrontkämpser wieder aus dem Bund austraten. Das sind zusammen 100 000 Mann, die den Geist dieses Bundes in sich ausgenommen haben, die entsprechend geschult worden sind und imn eine große stille Reserve des Roten Front- kämpferbundes bilden, auf die die Dundesleitung jederzeit zurück- greisen kann, wenn es notwendig werden sollte. Wir haben also in Deutschland nicht ein cheer von militärisch aus- und durchgebilde- ten Rotfrontkämpfern in Stärke von hunderttausend Mann, w i r haben«in« Rote Armee, die vielfach stärker ist." Mit dieser„Roten Armee" ist es genau so bestellt, wie mit jener „Roten Armee" unter Radeks Führung, die im Kapp-Putfch im Norden Berlins operierte und den Kappisten als Vorwand für ihr hochverräterisches Verbrechen dient«— sie ist nur in rechtsradikalen Köpfen vorhanden. Immerhin wissen nun die T h ä l m a n n und L e o w. wie sie den Verfall ihrer Organisation zu verteidigen haben. Sie werden mit den Deutschnationalen sogen: je mehr davonlaufen, um so größer wird die Rote Armee, der Mitgiiederfchwund ist nur ein geheimes Krümpersystem, und Thälmann wird in Heldenpose als der kom- munistisch« Scharnhorst von Gnaden der Deutschnationaien dastehen. Warum diese deutschnationale Uebertreibung? Um Vorwändc für den Stahlhelm zu haben. Mißbrauch der Reichswehruniform. Erlaß des Reichspräsidenten über das Tragen der Uniform. Der Reichspräsident hat folgende Verfügung getroffen: „Der Zweck der Uniform und die Rücksicht auf die überparteiliche Stellung und das Ansehen der Reichswehr erfordern. daß für die ausgeschiedenen Reichswehrangehörigen die Ausübung des ihnen auf Widerruf gewährten Rechtes(§ 30 des Wehrgesetzes) zum Tragen einer Reichswehruniform an bestimmte B e- dingungen geknüpft wird, um Mißdeutungen in der Oeffent- lichkeit und Angriffe gegen die Wehrmacht zu vermeiden. Ich erlasse daher zum 8 30 des Wehrgesetzes folgend« Ausführungsbestimmungen: 1. Die beim Ausscheiden verliehene Uniform darf nicht getragen werden a) in der Ausübung eines neuen Berufs einschließlich des Vor- bereitungsdienftes dazu(gleichviel ob Staatsdienst oder sonstiger Denis), b) bei allen Veranstaltungen, an denen die Reichs- wehr auf Grund der zum 8 36 des Wehrgesetzes erlassenen Be- stimmungen nicht teilnehmen darf. Auskunft darüber können auf Anfrage die Kommandanturen und Standortskommandos er- teilen. Die grundsätzliche Befreiung der ausgeschiedenen Wehrmacht- angchörigen von politischen Beschränkungen wird dadurch nicht be- rührt. 2. Iin übrigen unterliegt die Ausübung des Rechtes zum Tragen einer Uniform keinen Beschränkungen, sofern nicht das An- sehen des Soldatenstandes das Tragen von selbst verbietet. Revision im Heines-Prozeß. Staatsanwalt und Angeklagte legen sie ein. In dem Stettiner Heines-Prozeß ist gegen dos Urteil des Schwurgerichts vom 13. März vom Staatsanwalt Revision eingelegt worden. Auch die Angeklagten Heines, Ottow, Fräbel und Bär hoben durch ihre Verteidiger Revision gegen das Urteil beantragt. Rachwahl in Liverpool. Konservativer Stimmenrückgang. London, 20. März.(Eigenbericht.) Die am Dienstag vorgenommen« Nachwahl in Toxteth, Bezirk Liverpool, ergab an sich keine Veränderung des bisherigen konservativen Besitzstandes. Immerhin stellt das Wahlergebnis eine Niederlage der Regierung dar. Der konservativ« Kandidat Mond, ein Sohn des Jnduftriomognaten Lord Melchett, erhielt 9692 Stimmen. Das sind 45 Proz. weniger als fein Bor- ganger im Jahre 1924 erhalten hat. Verhältnismäßig g u t haben die Liberalen abgeschnitten, deren Kandidat 6206, d. h. rund 2000 Stimmen mehr als 1924 erhielt. Di« Snmmenzahl der Arbeiterpartei blieb mit 6563 st a b i l. Die neueste„Verschwörung gegen«emal Pascha" soll englische Teilnehmer haben. Die Konstant uro peler Presse behauptet, daß vor drei Monaten der englische Oberst Edward Walter an einer Berschwörersitzung teilgenommen habe. Die türkische Polizei ''oll viel belastendes Niäterial über die Tätigkeit dieses Engländers habe». Auch das gibi es! Wir lesen in der„Nationalliberalen Eorrespon- de nz": „Wi� Arbeiter in der Deutschen Volkspartei.." „Bei der Schaffung sozialer Gesetze finden wir d i e Abgeordneten der Deutschen Volkspartei führend..." „Wir Arbeiter innerhalb der Partei...* Innerhalb der Deutschen Volkspartei! Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre, daß es immer noch Arbeiter gibt die sogar der Deutschen Boltspartei nachlaufen und dann behaupten, diese Partei sei führend in der Sozialgesetzgebung! Weitere Sanktionen in der Rheinarmee Auch gegen Zivilpersonen.— Staub statt Kohlen geliefert? Paris, 20. März.(Eigenbericht.) Der Skandal des Massensterbens in der französischen Rheinarmee scheint noch weitere Folgen ziehen zu wollen. Der„Matin" teilt heute mit. daß in den nächsten Togen eine Reihe weiterer Sanktionen nicht nur gegen Militär- sondern auch gegen Zivilpersonen ergriffen werden. Alle Fehler und Verstoße, die von der Untersuchungskommission oder von den Interpellanten in der Kammer berichtet worden seien, würden ein- gehend untersucht und selbstverständlich bestraft werden. Einige Lazarelle hätten nur sehr ungenügende Mengen Kohlen erhallen können, man Hobe aber festgestellt, daß verschiedene Kohlen- lieserungen auf Reparationstonto nur von sehr schlechter Qualität gewesen seien. Anstatt Kohle sei nur Staub geliefert worden. Man darf sich wohl fragen, ob dieser letzte Satz des „Matin" etwa die versteckte Drohung enchalten soll, daß die neuen Sanktionen auch gegen deutsche Staatsangehörige verhängt werden sollen. Der sozialistische„P o p u l a i r e" protestiert heute erneut gegen diese„Komödie der Sanktionen" und zitiert gleichzeitig die Namen einer ganzen Reihe von Offizieren, die die Verantwor- tung für das Massensterben tragen sollen. Die Generalskrise in China. Ohne größere Bedeutung. Schanghai, 19. März.(Vom Privatkorr. des MTB.) Die Folgen des plötzlichen Rücktritts Kriegsminsster F e n g- j u h s i a n g s und des ebenfalls mit Gesundheitsrücksichten be- gründeten Rücktritts General Peichunghfis ist zwar in ihrer weiteren Entwicklung noch nicht zu übersehen, jedoch im Augenblick und für die Dauer des Kuomintangkongrcsses kaum bedrohlich. Die Meldung, Fengjuhsiang verweigere die Ausführung der Rankingcr Beschlüsse und Anordnungen, ist vollkommen erfunden. Deutsche Beobachter glauben, daß die akuten Schwierigkeiten überbrückt werden, da die führenden Männer einschließlich Fengjuhstangs wissen, daß neuer Zerfall und Kampf alle außenpolitischen Erfolge der Einigung unter der Nankingregierung sowie alle weiteren Hoff- nungen auf politische Erfolge gegenüber dem Ausland oder poli- tische und wirtschaftliche Hilfe vom Ausland zunichte machen würde. Daher dürfte das gemeinsame Interesse schließ- lich überwiegen und die Beilegung der latenten Differenzen herbeiführen. Dergleichen Manöver mit Rücktritts- g e f u ch e n und Abreisen, wie auch die heutige plötzlich« Erklärung des alten Kuomintangführers Tfoijuanpai, wegen Erkältung von Schanghai nicht nach Nanking zum Kongreß zurückkehren zu können, sind altechinesischeBerzögerungstaktiten und lassen keine oiettgehenden und definitiven Schlüsse nach europäischer Art zu. Dagegen verlautet zuverlässig, daß Fengjuhsiang tatsächlich krank sei. Sein Rücktrittsgesuch ist in diesem Moment, abgesehen von Krankheit, auch zu erklären aus ssiner nicht unbedingt klaren Persönlichkeit und gewissen politischen Divergenzen wegen der NichtHinzuziehung der Vertreter des linken Kuomintang- flügels zu dem Partcikongreß. Jedoch betonte Fengjuhsiang stets die Notwendigkeit der Ausrechterhollung der politischen Einig- t e i t. Der Rücktritt Peichunghsis erklärt sich aus seinem Gefühl der Unsicherheit seiner Stellung, da seine Truppen angeblich u n- zuverlässig sind, weshalb er schon lange lavierte. Sein Rück- trittsgesuch ist daher wenig bedeutsam. Urteil im Limbourg-prozeß. Neun Monate Gefängnis. Köln, 20. Mörz. Heute wurde das Urteil im Meineidsprozeß gegen Peter Limbourg verkündet. Der Angeklagte wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteill, wovon fünf Monate als durch die Unier- suchungshaft verbüßt gelten. Oer Kahrdamm brennt! Gasousbruch in Lichtenberg. In Lichtenberg auf der Straßenkreuzung der Möllen- darf- und Norman nenstraße brach heute vormittag unter dem Fahrdamm aus noch ungeklärter Ursache das Gasdruck- rohr. Große Gasmengen strömten aus und verbreiteten auf den Straßen einen penetranten Gasgeruch. Durch einen Passanten, der einen Zigarettenstummel achtlos wegwarf, wurde das Gas entzündet. Ein« meterlang« blaugelbe Stichflamme schoß über den Fahrdamm, der in einer Ausdehnung von etwa 12 bis 15 Quadratmetern brannte. Auf Alarm eilte die Feuerwehr und eine Kolonne der Städtischen Gaswerke an die Unfallstelle, die inzwischen von der Polizei ab- gesperrt worden war. Es gelang, die Flammen, die unaufhörlich aus dem Pflaster herausschlugen, durch siarkes Wassergeben und U oberwerfen von Asbesttüchcrn bald zu ersticken. Im An- schluh an diese Arbeiten wurde die Bruchstelle freigelegt, um dos schadhafte Rohr auszuwechseln. Der Verkehr muß aus diesem Grunde für einige Zeit umgeleitet werden. Oer Toie im Cisblock. Im Eise eingefroren war die Leiche eines unbekannten Mannes, die Dienstag nachmittag aus dem Spandauer Schiff- fahrtskanal gelandet wurde. Spaziergänger, die sich aus der Eisdecke bewegten, sahen sie und benachrichtigten die Polizei und die Feuerwehr. Diese hackte sie aus der»och festen Decke heraus und brachte sie nach dem Schauhaus Der Tote dürfte etwa 30 Jahre alt sein, Hot aber schon leicht ergrautes Haar, mittlere Gestalt und volles Gesicht mit Stumpsnase. Seine Hände sind gut gepflegt. Der nur etwa 1,65 Meter große Mann trug blauen An- zug, gestreiftes Oberhemd und Strümpfe und schwarze halbe Schnürschuhe. Sein Trauring ist K. D. 24. 12. 23. gezeichnet, das Oberhemd N. W. Sein schwarzledernes Portemonnaie enthielt 5,41 Mark. Di« Leiche mag wohl schon acht Wochen im Wasser gelegen haben. Slrasser soll vorgeführt werden. Der Geschöstsordnungsoue- schuß des Reichstags lehnte in seiner Sitzung am Dienstag eine größere Anzahl von Strosverfolgungsonträgen gegen Mitglieder des Reichstags ob. Gegen die Stimmen der Deutschnationaien wurde dagegen einem Borsührungsbesehl gegen den Abg. S t r a s s e r(Rat.-Soz.) zugestimmt, ebenso wurde in ei nein zweiten Falle beschlossen, der Strafverfolgung gegen den Abg. Strasscr wegen Beleidigung statt.zugeben. Auch ein„Zubiläuw". Die Völkerbundspolitik, als deren Vorkämpfer sich die französische Regierung gern bezeichnen läßt, Hinbert Frankreich keineswegs an der Verfolgung einer Bündniepolttik im alten Stile. Während der Osterfeiertage wird.zum Beispiel„unter dem hohen Protektorat des Außenministers B r i a n d und des Herzogs von Connaught" in Nizza der 25. G e- burtstag der Entente cordiale durch.zahlreiche Fest- lichkeiten gebührend gefeiert werden. Eine besondere Feier soll vor dem Denkmal des Königs Eduard Vll., dem die Begründung der Entente cordiale besonders am Herzen lag, stattfinden. Bruno Walter. Bleibt er der Berliner Opernwelt erhalten? Wie wir erfahren, hat der Aufsichtsrat der Städtischen Oper in setner gestrigen Sitzung die Verlängerung der Arbeitsgcmein- schuft der Berliner Staatsopcr auf weitere drei Jahre beschlossen. Wir haben wohl wenig Grund, diese Nachricht ohne Borbehalt mit besonderer Genugtuung auf�unchnien. Im„Vorwärts" ist immer wieder aus die schweren prinzipiellen Mängel hingewiesen worden, die dieses System einer halben Gemeinschaftsarbeit in sich schließt, und wir haben volles Recht, die höchst unbefriedigende Gc- jamtlage des Berliner Opernlcbens zum größten Teil auf dieses System zunickzusuhren. Dos heißt nicht, daß die Idee einer Ar- beitsgcmeinschaft an sich, sondern, daß die bisherige Art ihrer Durchführung sich schlecht bewährt hat. Es ist kein Geheimnis, daß in Erkenntnis der fundamentalen Mängel an denen unser Opernwesen krankt, der städtische Generalmusikdirektor Bruno Wolter sich seit längerer Zeit um eine gründliche Aeirderung der Ber- Hältnisse unter seiner Führung bemüht hat. Vor ein paar Wochen hat er der städtischen Behörde einen großzügigen Plan zur tünst- lerischen Sanierung der Berliner Opern vorgelegt. Der leitenden Idee dieses Planes, die bisher nur verwaltungmäßigc„Arbeits- gemeinschaft" zu einem tatsächlichen Zusammenschluß auch in ollen künsllerischen Dingen, vor allem in der Frage der Sänger- engagements zu verdichten— dieser Idee, als dem zurzeit allein aussichtsvollen Versuch, aus der verfcchrenen Opernsituation heraus- zukommen, hat von staatlicher Seite der preußische Kultusminister Becker im Hauptausschuß des Landtags seine grundsätzliche Zu- stimmung ausgesprochen. Wir wollen, so sicher buch umlaufende Gerüchte es wisien wollen, zur Stunde noch nicht glauben, daß die verantwortliche Stelle in der Stadt sich wirvich entschlossen habe, ihr definitives Nein einem Projekt entgegenzustellen, von dessen Verwirklichung es nun in der Tat abhängen wird, ob die unschätzbare und unersetzbare Kraft Bruno Walters der Berliner Opernwelt erhalten bleibt. Daß es aus die bisherige Art keinesfalls weitergeht, darin sind wir mit ihm bedingungslos einig- Wenn er in seinem Pessimismus so weit gekommen ist, seine wcstere Mitarbeit für verloren zu halten, sofern im übrigen alles beim alten bliebe, so müssen wir daraus den höchst bedenklichen Schluß ziehen, daß in der Tat die Arbeitsverhältnisse noch viel unbefriedigender, ja unhaltbarer sind, als sich von außen erkennen läßt. Ein Künstler wie Bruno Walter braucht nicht gegen die Unterstellung verteidigt zu werden, als ob er in einer trisen- hasten Situation wie der gegenwärtigen, in der es sich tatsächlich um die Rettung der Berliner Oper handelt, irgendwelche Ziele für seine Person nebenher verfolgte. Aber für die Stadt Berlin wäre es schlimm, wenn sie in einem solchen Augenblick nicht in der Lage wäre, den Mann zu halten, der heute in seinem Fach— als künst- lerischer Opernleiter— unbestritten der erste der Welt ist. Und es müßte sich an jedem rächen, der jetzt irgendwie zu einem negativen Ergebnis der Verhandlung beitrüge, die nun zwischen der städtischen Behörde und Bruno Walter wird geführt werden müssen. FrinLsbeim. Das Ringen am Südpol. Byrd erreicht seine vermißten Kameraden. New Bork. 20. Mär,.(TU.) Byrd erreichte seine vermißten Gefährten, woraus B a l ch e n und June zurückflogen, während Byrd, Gould«nd Hanson zurückblieben. Das Flugzeug Bat- chens ist durch den Sturm völlig unbrauchbar geworden, Byrd. Gould und Hanson sollen später von einem Hilssflngzeng abgeholt werden. Flugzeugabsturz bei Calais. Deutscher oder norwegischer Flieger? Aus B o l o g n e wird gemeldet, daß am Dienstag nachmittag, kurz nach 2 Uhr, in der Nähe des Leuchtturmes von Calais ein deutsches Flugzeug, das sich auf dem Wege nach Oslo befand, abgestürzt ist und Feuer sing.' Der Pilot wurde am Kopf schwer verletzt und erlitt außerdem Quetschungen am ganzen Körper. Dem einzigen Passagier namens Meyer wurde ein Bein gebrochen. Pilot und Passagier wurden in das Krankenhaus nach Calais übergeführt. Eine ander«, dasselbe Unglück betreffende Meldung sagt: Ein mit zwei Norwegern besetztes Kleinflugzeug, dos in der Nähe des Leuchtturms landen wollte, geriet im Nebel in eine Hochspannungsleitung, wodurch der Benzin- tank in Brand gesetzt wurde. Das Flugzeug stürzte ab. Die beiden Insassen wurden verletzt. Flugzeug-Llnsall-Statistik Amerikas. Washington. 20. März. Nach einer von der Luftverkehrsabteilung des Handelsministeriums verössenttichten Statistik ereigneten sich im Jahre 1328 in den Ber- «inigten Staaten 1062 Unfälle von Handsls flug- zeugen. Dabei wurden 368 Personen getötet, 322 schwer und 3SÜ leicht verletzt. Die omeritonischen Flieger legten insgesamt 125 Millionen Fl u g k il o met e r zurück. Der schwedische Reichslaq genehmigte den Beitritt Schwedens zum K e l l ag g- P a k t. In der ersten Kammer wurde ein An- lrag des sozialistischen Bürgermeisters von Stockhalm Lindhagen auf vollständige Abrüstung abgelehnt. Kunstprobleme des Theaters. Aus der Tagung der Bühuengeuoffenfchast. Die Bühnengenossen balgten sich um Brot. Es ging nicht sehr sanft zu. Feind und Feind wollten sich bis aus die Knochen bloß- stellen, und nicht einmal die persönliche Ehre wurde geschont. Da faßte man den Entschluß, in diesen Togen der großen Wirtschaft- lichcn Auseinandersetzung auch wieder von den geistigen Problemen und von dem Schöpsergeheimnis der Theaterkunst zu reden. Das sollte beim Theater eigentlich nicht so selten vorkommen, aber da der Bratkorb den Schauspielern in diesen traurigen Zeiten so hoch hangt, hat man längst nicht mehr daraus gehofft, daß Pan- dara ihre schöneren Gaben noch einmal spenden könnte. Gestern abend war wieder Hoffnung. Man besann sich wieder, um über diese Kunstprobleme des Theaters zu reden. Es sprachen die vorzüglichsten Bühnengenosscn für die deutschen Schauspieler und ihre Freunde. Es sprach Emil Lind als Sammler der Ideen und als Herold für den ganzen Kreis der Männer, die in ihr schöpferisches Talent einen Einblick gewähren wollten. Dann folgte LeopoldIcßner. Einmal war er auch Schau- spieler. Er ist mit dem Herzen bei den Komödianten geblieben. Im Gegensatz zu vielen seiner heutigen Berliner Kollegen hat er niemals mit Grundstückspachten und ähnlicher Ware gehandelt. Wir haben uns oft gewundert, daß dieser bis zur Abenteuerlichkeit unternehmungslustige Theatermann auch dann experimentierte, wenn ein Drama die lieberpflanzung in den Armeleutestil unserer Tage weder geistig noch materiell ertrug. Man denk« an„Hamlet" und „Egmont". Jetzt begriffen wir, da er sich erklärte, daß er nicht nur spintisiert, um den Glanz und den Geist aus den klassischen Dramen herauszuquetschen. Indem er sich nur in der Andacht vor dem Schlichten. Unrvmantischen und Zeitlosen des großen Dramas ge- fällt, will er auch seine Weltanschauung dokumentieren, die ganz auf die Einfachheit der persönlichen und sozialen Gedanken hinzielt. Solches Bekenntnis ist sehr angenehm zu hören. Werden dann die Augen und die Ohren aufgefordert, die Freude an dem Regiewcrk empfänglich aufzunehmen, dann verwandelt sich natürlich die moralische Teilnahme für den tapferen Mann. Man will jenseits des Gewollten auch das absolute Gelingen der Absicht entdecken. Und die Kritik beginnt. Neuerer vom Schlage Jeßncrs werden immer zugleich geliebt und attackiert. Zu entnehmen ist aus dem Jeßncrjchcn Vortrag noef) der hohe Genuß der Erinnerung an die Umgangsinethoden, die er an seine» Schauspielern üben will.. Er will sie behorchen, er will die Art, die zu ihrem besonderen Naturell gehört, kultivieren, ohne den Schauspieler mit einem Tyrannen- oder Sklaoenkult zu bedrücke». Der Regisseur Jeßner resprektiert den Komödianten, er hütet sich, ihn zu überreizen, in dem er allen Reiz der Persönlichkeit gewaltsam aus dem Komödianten herauslockt. Der Regisseur Jeßner will ein hygienischer Regisseur sein, der dem Schauspieler wohltut, aller- dings nicht im banalen Sinn weichlicher Tanten. Man merkt, daß ein Mann mit solcher Aesthetik auch moralisch zuverlässig ist, sobald er die Alltags- und Arbeitsverhältnisse der Schauspieler regelt., Ein solcher Regisseur respektiert zugleich die Kasse und das Gemüt des Schauspielers. Jeßner nennt sich einen drarnaturgilchen Regisseur. Dos ist also ein Mitdichter, der dem dramatischen Wortedichter dient, wenn dessen Werk noch unfertig oder nicht kräftig genug ist, um ganz und gar die Redekunst des Schauspielers und die Regiekunst des Regisseurs zu vertragen. So ging der Redner auch auf das litero- rische Gebiet ein. Es ist das unsicherste Gebiet für seinen an vielen Theaterkühnheiten interessierten Geist. Hier müssen wir kritisch sondieren, doch diesmal geschehe das nicht. Berichtet werde nur nach, wie nobel der Münchener Helden- spieler und Regisseur Friedrich U l m e r zii den Ideen Ießners trat. Der Münchencr, der ein universaler Welt- und Kunstbetrachter ist, warnte auch davor, den Schauspieler nur als einen leere» Schlauch zu bclrachlcn, in den der eigensinnige Regisseur nun un- gestraft sein phantastisches Stroh hineinstopfen darf. Emil P i r ch a n, Berlins Staatstheaterdekoratur, Bern- yard Dicbold, der an den Dramatikern kritische Bivtsektion übt, weil er aus ihrem geistigen Eingeweide dos Geheimnis unserer Zeit erfragen möchte, schließlich Otto ErHardt, der Dresdener Oberregijjeur, beteiligten sich auch an diesem Rcdekampf. Sie brannten selber in Leidenschaft und übertrugen, was in ihnen flammte, auf die Hörer. Die deutschen Schauspieler glaubten wieder, sie würden etwas leichter in ihren Daseinskampf gehen können, da sie sich über das Geheimnis ihrer Zauberkunst etwas klarer ge worden sind. Max Hochdorf. Oeuisthes Künstlertheater. „Pottasch und Perlmutter als Oetekttve." Der Schwank„Pottasch und Perlmutter" hat vor einigen Iahren einen ungeahnten Erfolg erzielt. Das hat die Verfasser Montague Glaß und I. E. Goodman veranlaßt, sich eine Fortsetzung auszudenken, in der ihnen einige, allerdings ziemlich alberne Einfälle gelungen sind. Der Mißerfolg der ersten Fortsetzung hat sie dann zu einer zweiten, hoffentlich letzten, ermutigt. Sie liegt durchaus auf dem einmal eingeschlagenen Entwicklungsgang: es ist ihnen überhaupt nichts Vernünftiges mehr eingefallen. Pottasch und Perlmutter, die Helden aus der Konfektion, übernehmen erbschasts- halber eine Detektei. Sie sollen einen Iuwelenraub aufklären und stellen sich dabei so dumm an, daß sie schließlich selbst ins Kittchen kommen. Di« dünn« Handlung ist verworren, die Sttuarionen sind stets nur halb zu Ende gedacht, die Witze an den Haaren herbei- gezogen. Paul G r ä tz und Karl Ettlinger versuchen, dem lendenlahmen Sbück mit eigenen Mitteln auf die Beine zu helfen. Es bleibt«in Versuch am untauglichen Objekt. Dgr. „Hotelgeheimnisse." Ein Abenteurerfilm im primus-palafi. Hoteldiebstähl«, besonders solche, die von Frauen ausgeführt werden und die Verbindung mit einer Liebesgeschichte ermöglichen, sind für den Film bereits ein ergiebiges Thema. Abgesehen von dem kriminellen Interesse bieten solche Filme Gelegenheit, das Lebe» und Treiben in großen modernen HotelO abzuspiegeln, Einblicke in das Luxusleben der großen Welt zu tun und gleichzeitig schöne Landschastsbilder vorzuführen. Der deutsch-russische Film, mit dem wir es heut« zu tun haben, macht von all dem reichlichen Gebrauch: er weiß unter der Regie von Friedrich F« h e r Spannung zu er- zeugen und auch ein gewisses menschliches Interesse zu erwecken. Denn die Diebin ist zunächst ein braves Mädchen, das zwar in die Affäre eines Hochstaplers, ihres Geliebten, verwickelt wird, aber doch unschuldig ist. Sie muß für seinen Juwelendiebstahl auf zwei Jahre ins Gefängnis. Wir treffen sie dann wieder in Biarritz in- mitten eines mondärtcn Lebens, dos sich in einer herrlichen Land- schaft entfaltet. Nun ist sie wirkliche Diebin, und wir erleben die Sensation der Hoteleinbrüche mit. Der Staatsanwall, der sie«inst verurtellte, sieht sie hier wieder, verliebt sich in sie und rettet sie in einer sehr gewagten Sttuation vor dem Zugriff der Polizei. Sie wird an seiner Seite ein neues Leben beginnen. Magda Sonja ist zunächst das einfache Mädchen, das sich aber sehr bald in die elegante Hochstaplerin umzuwandeln versteht. Sie ist äußerst charmant und weiß sich in der vornehmen Gesell- schaft einen anziehenden Nimbus zu geben. Eine höchst eigenartig« Charakterstudie gibt Gertrud E y s o l d t als alte gelähmte Her- zogin, die in allen Luxusorten herumreist und mit ihren Juwelen prahlt; wie sie mit allen kosmetischen Mitteln den körperlichen Ber- fall zu verdecken versteht, ist köstlich charakterisiert. r. Entwicklungslehre, Menschheit und Sagenwelt Vortrag von Prof. E. Dacquä-München. Di« Entwicklungslehre ist feit den Forschungen Darwins und Höckels populär geworden— aber nur im darwinistischen Sinne. Mit der hypothetischen Feststellung: der Mensch stannnc vom Affen ab, ist die volkstümliche Kenntnis von der Urgeschichte der Mensch- heit eigentlich erschöpft, obgleich die Wissenschost heute bereits weiß. daß es zwar sicherlich enge Lebenszusammenhänge zwischen Mensch und Affen gibt— aber keineswegs so einfache, wie es nach diesem Schlagwort scheinen müßte. Prof. E. D a q u ö, München, hiell im Verein für kosmotechnische Forschung«inen Dortrag über„Eni- wicklungslehre, Menschheit und Sagenwelt". An Hand zahlreicher eindrucksvoller Lichtbilder' zeigte er, daß aller Wahrscheinlichkeit nach der Mensch in seinen Uranlagen schon in sehr alter Zeit existiert hat; denn in vielen seiner charakteristischen Körpermerkmale weist er aus Zellen zurück, die well vor denen llegen, aus denen uns Wen- schen bekannt sind Der Affe ist in seinem Skelett viel höher ein- wickelt als der Mensch. Wie der„Mensch" dieser Urzeit ireilich ausgejehen haben mag, können wir uns h-auie nicht vorstelle». Pros. Daque steht jedoch in der Reihe der Wissenschaftler, die glauben, daß— in jeder beliebigen Tiersorm. die er damals gehabt haben mag— schon die ganzen Entwicklungsmöglichkeiten zu dem Men- schen, wie wir ihn heute auffassen, gelegen haben. Wie diese An- nähme zu begründen sst, zeigte Prof. Daque an vergleichenden Licht- bildern: die Tiere haben sich in den Epochen der Weltgeschichte vom Zwergwuchs zum Riesenwuchs entwickelt, haben die Gestalten immer wieder verändert und gewandelt: aber alle Barianten einer Gattung tragen alle charakteristischen Merkmale dieser Gattung. Bei Urmensch und Assen ist aber diese Gemeinsamkeit nicht vorhanden. Als technische Leistung der Natur steht der Affe weit über dem Menschen. Pros. Daque kam zu dem Schluß, daß, weil für die Technik des Körperbaus geringere Kräfte nötig waren, alle bei dem Menschen auf die Entwicklung des Gehirns einwirken kannten. Di« Sagenwelt, die von Zwergvölkern, von Fisch- und Vogelwenjchen, von Menschen mit einen, Auge aus der Stirn— einem urzeitlichen Organ— erzählt, berichtet von Dingen, die wir ähnlich aus der vorgeschichtlichen Tierzeit heute sturchaus kennen. Wie wüßte aber der Mensch davon, der seit Jahrtausenden, bei jast allen Völkern der Erde, diese Sage» erzählt? Dr. Daque vertritt die Ansicht, daß eben schon in Zeiten, aus denen wir keine Menschen kennen, Ur„menschen" gelebt haben, das heißt Geschöpfe mit dem charakteristischen, nur bei den Menschen vorhandenen Dcnkapparat. Iz. Ein Heim für Girls in Paris. Der Reporter des„Quoti-dien" gibt in s einsin Blatt einen anschaulichen Bericht über ein Heim für englische Revue-Girls, das ihnen in der Weltstadt Paris ein Stückchen Heimat bieten soll. Diese Für- sorge für die Girls bildet gewissermaßen ein Gegenstück zu den Er- lsbnissen deutscher Tänzerinnen in Spanien, die in Madrid in einem verrufenen Hause ihrem Schicksal überlassen wurden und nur mit großen Schwierigkeiten in die Heimat zurückkehren konnten. Es ist bekannt, daß die Tanzgirls in Frankreich meist aus Eng- fand importiert werden. Sie erhalten in London oder in Manchester ihre Ausbildung und es wird von ihnen verlangt, daß sie sehr „blond", gelenkig und sehr— jung sein müssen. Mit geringer Aus- rüstung, die oft nur aus einer Puppe und einer Schachtel Schoko- ladenplatzchen, sowie dem Vertrag ihres Managers in der Tasche besteht, kommen sie in Paris an. Der fremden Sprache nicht mächtig, geben sie ihr Gepäck in einem der Hotels des Montmatr« ab. Um sie vor den Gefahren der Weltstadt z-u bewahren, hat der englische Pfarrer Eardcw ihnen ein eigenes ständiges Heim errichtet. Das„T h e a t r c Girls H o st e l" befindet sich in der Nähe des Platzes Pigalle. Die Pension bildet zugleich eine Art Klub sür jene Girls, die nicht im Hause wohnen. In den wohnlich aus- gestatteten Zimmern hausen die jungen Mädchen zu fünf und sechs an der Zahl: sie fühlen sich hier ganz wie zu Haus. Der Preis für die Pension ist ihren geringen Einkünften gemäß äußerst niedrig ge- halten, er beträgt für die volle Pension nur 150 Franc in der Woche. Die Einzelpreise für Frühstück betragen 5,50 Franc und für Mittagessen 7,50 Franc. Freundschaft und geselliges Leben verbindet die Girls untereinander, so daß, einmal zusammengeschlossen, sie sich auch auf ihren sonstigen Reisen nicht trennen wollen. Die Leiterin, eine klug« ältere Dame, betreut ihre Schutzbefohlenen mtt mütterlicher Sorgsalt. Sie muß Finanzier und Beichtvater in allen ihren Nöten sein.„Beraten, ein wenig schimpfen, ermittigen!" so nennt die Dame ihre Pflichten, die viel Takt und ein gutes Herz ersondern. Im Salon, an dessen Wänden der Baumschmuck vom letzten Weihnachten hing, fand der Berichterstatter ein Dutzend junger Mädels vor. Einige von ihnen hatten schon große Weltreisen zurückgelegt und waren eben— wie sie bedauerten— als unoerheiratet aus Amerika zurückgekehrt. Man feierte gerade den Geburtstag eines dieser Girls, es zählte an diesem Tage— 17 Jahre. Die Frphlichkeit in ihrem Kreise ließ nicht daraus deuten, daß sie vom Heimweh geplagt seien. Friedrich Natteroth, Der vculsche Nusiktr-Verdand neraniialtct am 24. Mär», vorm. H.IS Ubr, cm Wohlläligkcitskonzert zum Beben nolleidender Musiker. Dirigent: Pros. Bruno Valicr. Solist: Kammersänger Roch. München. Orchester: Jn«ge- samt ca. 270 Künstler. CintrittSpreise von 2,— Mk. bis 10,— Mt. Karten an der Abendkasse der Städt. Oper, Wertbeim-Theaterkassen und im Musiker» Verband, Kommandantenstr. S3-S4 zu haben. Zugunsten der Geellschasl der Tanzlnnststeund« veranstalten die Solomitglieder des Ballens der Staatsoper. Elisabeth Grube. Daisy SpieS, Rudols Kölling, am 24., mittags 12 Uhr, Im Gloriapalast eine Tanzmatinec.! Abbau der MeiallarVeiierlöhne geplant. ZSrandenburgische Industrielle kündigen das Lohnabkommen Der verband Brandenburgischcr Vlelall- industrieller hal dos Lohnabkommen zum ZV. April g e k ü n d i g l mil dem Vorschlag, die Lohnvereinbarung u m zwei Jahre, bis zum Z0. April lZZl, zu verlängern und die Löhne um S Pro z. abzubauen. Die Metollmdustriellen in der Provinz Brandenburg wissen sehr wohl, daß ihre Löhne su niedrig sind, um ihnen gegenüber die Metallnrbcitcrlöhne in Mecklenburg als vorbildlich erscheinen zu lassen. Sie wissen, daß die Metallarbeiter der Provinz Branden- bürg gezwungen sind, aus eine Erhöhung ihrer Löhne bedacht zu sein und deshalb suchen sie nnt ihrem„Borschlag" vorzubauen. Die Spitzenlöhne der über 23 Jahre alten Arbeiter be° tragen für gelernte Arbeiter 77 Pf., in der niedrigsten der vier Ortsklassen 66 Pf.: für angelernte Arbeiter 67 Pf. bis herab auf ö7� Pf.; für ungelernte Arbeiter 57 Pf. bis herunter auf 49 Pf.; für Arbeiterinnen 40 Pf. bis herunter zu 34� Pf. Die Vororte Berlins bilden eine Sondcrgruppe, in der zu dem Spitzcnlohn der Ortsklosse A ein Zuschlag von 15 Proz. gezahlt wird. Teilweise liegen diese Löhne in der Metall- industric noch unter denen der Textilindustrie. Und nun noch ein Abbau von 5 Proz. und dann Festlegung der verschlechterten Löhne auf zwei Jahre? Eine Konferenz der Vertreter der Tariforte in der Branden- burgischen Metallindustrie befaßte sich mit der Tarifründigung durch den Unternchmcrverbaud. Als Antwort auf den„Derschlag" der Unternehmer wurde die Bezirksleitung Brandenburg des Deutschen Mctnllarbeiterverbandes beauftragt, die Forderungen aus eine an- gemessene Erhöhung- der Löhne zu formulieren und sie den Branden- burgischcn Metallindustricllen zu unterbreiten. Oer Gireik der Mühtenarbeiier. „Arbeitswillige" in der(Schüttmühle. Im Streit der Berliner Mühlenarbeiter, der am Montag früh eingesetzt hat, ist bisher noch keine Veränderung eingetreten. Die Arbeit ruht vollständig in der Dampfmühle, Hermannsmühle, Hum- boldtnrühl«, Salomonnrühle und Viktoriamühle. Lediglich in der S ch ü t t m ü h l e in der Stromstr. 1/3 haben es etwa 20 Arbeiter fertigbekommen, ihren kämpfenden Berufskollegen in den Rücken zu fallen. Diese Auchkollegen haben sich von ihrem Direktor Bloch ködern lassen, der sie sür ihre Streikbrecher tätigkeit dadurch belohnt hat, indem er sie zu„Angestellten" gemacht hat. Die An- stcllung besteht darin, daß die Arbeiter ihren Wochenlohn i n Monatsgehalt umgerechnet ausbezahlt bekommen, aber dessenungeachtet weiterhin gewerbliche Arbeiter bleiben. Es ist bedauerlich, daß sich in dem schweren Existenzkampf der Berliner Mühlenarbeiter Leute» gefunden haben, die, anstatt mit ihren Berufskollegen Schulter an Schulter zu kämpfen, die Ge- schäfte ihres Unternehmers besorgen. Den Ausgang dieses Kampfes und darüber sind sich anscheinend auch die Unternehmer tlar, werden diese Elemente bestimmt nicht beeinflussen. Direktor Bloch von der Schüttmüh'e hat vor drei Iahren, als er noch Direktor der Rolandsmühle in Burg bei Magdeburg war, mit den gleichen Mitteln, unter Assistenz des Stahl- Helms, einen Streik der Burger Mühlenarbeiter niedergerungen. Er erklärt ganz offen, daß er das gleiche Ziel auch bei dem jetzigen Streik der Berliner Mühlenarbeiter verfolge, um sie und ihre Orga- nisation für längere Zeit aklionsunfähig zu machen. Bezeichnend bei feinem Vorgehen ist, daß er sich gegenüber dem Betriebsrat bereit erklärte, aus dem Unternehme rverdand auszutreten, und mit seinen Arbeitern einen Werttarif abzuschließen. Er hat jedensalls nicht in Rechnung gestellt, daß die Verhältnisse in Berlin doch wesentlich andere sind als damals in Burg. Die Ber- liner Mühlenarbeiter führen nicht ihren ersten Streik und wissen sehr gut, wie sie solchen arbeiterfeindlichen Maßnahmen zu begegnen haben. Die Schüttmühle verfügt über keine Mehloorräte: sie ist ledbgnch«st die gering« Meng« von Mehl«rngnötefat die von den Streikbrechern täglich hergestellt wird. Da als Ab- rnhmer der Schüttmühle die Firmen Oskar und Paul Hanke, Wittlcr, Aschinger,, Giller und Cords in Frage kommen� ist es Ausgabe der Betriebsräte dieser Firmen, den Bezug von Streikbrechermehl.zu unterbinden. Die streikenden Berliner Mühlenorbeiter erwarten von der or- ganisierten Arbeiterschaft die moralische Unterstützung in ihrem Kampfe, den sie nicht etwa leichtfertig vom Zaun gebrochen haben, sondern der ihnen von den Unternehmern aufgezwungen worden ist. Sonnlagskonzerl der Reichswehr. Am kommenden Sonntag finden wiederum in Berlin an zwei verschiedenen Stellen Konzerte der Reichswehr statr. Das Musikkorps des III. Bataillons des Infanterieregiments 9, Lichterfelde, spielt in der Zeit von 12 bis 13 Uhr auf dem Witzlebenplotz am Lietzensee, und das Musik- korps der Fahrabteilung 3 konzertiert zur gleichen Zeit in Tempclhof. Wetter für Verlin: Zeitweise etwys nebelig, sonst trocken und ziemlich heiter, nachts leichter Bodenfrost. Taoestemveroturen wenig verändert, südöstliche Winde.— Für Devlschlond: Im Küstengebiet nebelig und kühl, im Binnenlande meist heiter und vielfach leichte Nachtfröste, am Tage mild. (Schluß des redaktionellen Teils.) Tez schlichte» vaMlafc«, dem bald von Latz und lfreundschatt, BerachUinq und Vevehrung umtobten Paria der Hauetiermekt, dttnt im gleichen Maße wie den Angara?, Perser und Eiameten genanirtrn Salontaften die vam Donnerstag, 21., bis Sonniaz, 24, März, im„Schuber tfaal", Blllowttr. UN, �»on der Jjrtsgruvv« Berlin im?nnd« für ÄaftrnMcht und Kaftenschuft c. P. neranstalteie Äaftenausltellung. Hier werden brav« MSusejägerinnen vnr »nichtigen Lang, und llurqhaarimporten lonturrierrn.(Siehe Ailzetgr.I Perantwortlich kllr die Redaktion: geanz itlühs, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Bering: Borwitrts Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- bruckerci und Vcrlageanstalt Paul Singer& Co., Berlin EW b8. Lind ensi rohe 3. Hierzu 1 Beilage. 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai IWonder. Araaui ttrum.. Hnsini-Cfsviis i ona du) udngcn ZilraKtionen I! 8 Uhr 8 5. Barbarossa 92561 Bop-üipa. das Inpendl. Ball- longlenr- "------"'" tlai WM Töeater D. I. Norden 12 31( 8 U., Ende nach lOVa Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Renaissance- Theater Hardenbergstr. 6. Tel.: Stelnpl. 901 u. 2583/84 SV* Uhr. Zum 90. Male: ftVsUhr Die Welterfolgskomödie „Das große ABC" von Marcel Pagnol : fiBäl. Hariung. la PremicrcnDesUn. "'"d' CÄSINO-THEATER 81 � I-oiiiriii�er StraÜe 37. Neu! Neu! „Eine ungeiieftte Frau" und ein erstklassiger bunter Teil. 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Kahnert, Dämmest, Andersen, Rapnard u. Duschünskj. Kammerspiele D.I. Norden 12311 8l- U„ Ende geg. 10 Die Ursache Schauspiel # Leonhard Frank Regie: Hans Deppe. Die Komödie JI Bismck. 2414/7516 's1/* U-, Ende geg. 10 wann Kommet Du wieder? Komödie von S. Maugham. Regie: Gustaf GrOndgens von Bamauar nnd Wallach Allred Brann flady Chrlsflans Trade Ueske Slc-grfr. Arne Paul Morsraa Panl Wentcrmcier Gnntav Matr.ner Harlanne Wickelstern Iwaa Oriik| Bnldelhuns Breie Walter/ Him Sommer SBMhlBcttrli| fidooehoys imtittinlei:{ hrolesur Emst Sltn Fritzi Massary Max Hansen Uschi Ellent W. Janknbn H. Jankermann W, Sehacflers Marqolta Slsters Frtsco cnmaczzna S0imta( �"hr onosk. u L � Vorstellum MfiChfll. Kleine Prsi ITea anf Klectroli | Musik. Leitug: Ernst Haoiei. 1 Riiiolt Perali Kanowskj-BBlmeD Thaatae in dar KSniggrätiar Strafle Heute 7% Uhr UraaffQhrung Rival en Komödienhaus Täglich H Uhr Die Drei-Grosdien- Theatsr am 4ollendorfplat2 Täglich SV. Uhi Das seid auf der StraDe tfieiD« Tbeater Täglich gV, Uhr: CurtGoeiz, Valerie v. Marlen« Ferd, v. Allen ' in „Trio" Lustsp. v. Leo Lenz. Regie: Frtedmann- Frederidh. | 8 Uhr Zentrum 2819 Rauchen erlaubt! Otto Reutter un4 lA internationale IW Darbietungen. AG Acmcrx GRAPHISCHE KUNST e.Wrrrcrtttf• ßtrtinÄartshorsf '/na y&zJ nton Lcltiodrci Rj es uze/v r-u msater I Um gnstens p (Sonntag auch Vi4 Uhr Der größte Erfolg Berlins Lrieöerike Musik von Lehar Erika v. Thellmann Karl Ziegler, Staot.oper Wien »nigrdl, kimdurg, Soeo. Svsler, Scspermann. Sex, «äffe mumterbr. seteiitv1.0ZIu.l18« Mim liieater DirekLHeinzHcraid CharlottenstraBe 9« A. 7. Dönhoff 170 8 Uhr 8 Uhr Zum letzten Male 3 X Hochzeit (Abie's Irish Rose) Donnerst., 21. März 7-s- Uhr; Zum 1. Male Helden von Bemard Shaw. Lessing-Thealer Heute 8V« Uhr zum letzten Male Maria Orska „Das Veilchen" Die MeeaHien einer arter Frao I Morgen 8 Uhr 3 x Hochzeit Thalla-Tlieater Iresdencr Str. 72-73 8 Uhr „Oelrauscli" Lustspiclhao» 8"i Ulir wieMraunpetM Enifio Tbielseber Weekend im Paradies Trianon-Th. Täglich Uhr Der Herzog and die Sünderin mit Erika filössner und Hanin Kcttnsr Rundfunkhörer halUe Preise Hasenheide 13—15 Tel. Bacrwald 6565{R.*31 3 Sälen. Vereinszimmer zu kulanten Bedingungen. Leibhaus Sdimidt Relchenberger Str. 164 Ecke Mariannenstraße Otich. Künstler-Tb. 8 Vi Uhr Der Zinker v.Edgar Wallace deuhdi Rita MaUhias Preise 1—10 Mark Rosa-Theater 3r.Frankfirt«r St.132 4 Uhr Wilhelm Teil 8V« Uhr Der Obersteiger Planelarlum • am Zoo■ Vznäng. Joacfaimstbaler StraBf Noll. 1578 I6V4 Uh r Sternhimmel des Frühjahrs I8V4 Uhr Sternbilder und Weltbau 20' 4 Uhr Wunder des südlichen Himmels Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk., Kinder 50 Pk. Miitw.: Erwachsene 50 Pf., Kinder 25 Pf. 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Mär», na». mittag» V,4 Uhr. auf dem St.-Je- Hannes-Friedhof in Plötzensee statt. Ehre seinem Andenken. Rege Beteiligung wünscht Die vrtaverwaltieug Otto Thomas Buchbinderei <5 42, Alexandrinenstraße 95-96 ZcL: Dönhoff 6(1« Cinbänöe/Massenauflagen [Gro�-Deslillalon August Schulz Dresdener Stratze ISS KOTTBUSSER TOR 3. Berliner Kalzen-iBsslellüno von Donnerstag, den 21. März mittags 12 Uhr bis Sonntag, den 24. März abends 7 Uhr im Sd)ul)ertsaa]eBülgvstr.l04 Die schönste und reichhaltigste Katzenschau seit der Internationalen Ausstellung PRÄCHTIGE IMPORTEN •„KASIMIR", der FilmKater Täglich geöffnet von 9-22 Uhr VcranslaltcrlB; Ortsgr. Berlin Im Bunde (flr RalxeninAt und RaUensmnlz e. T. Emil Braun Berlin 027,4ndreasstr. 75 Drahtgeflecht Eiserne Schiebkarren Spaten- Schaufeln Gartengeräte raF.io2 Die Königstädtische Dampf-Wasch-Anstalt SO 36, CuvrystraBe 1— Mpl. 3618, 8982(30 wäscht gut und preiswert [R. 7 „Kawag" Hciznii�. Lfllftuid. 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Januar 1859 zum erstenmal in die Wehen kam, war die Freude groß: das Neugeborene war männlichen Geschlechts, also ein Thronerbe, denn wenn auch noch der geisteskranke Friedrich Wil- Helm IV. als König galt, so mußte dem Kinderlosen doch bald sein Bruder Wilhelm folgen, und bei einigermaßen normalem Ablauf der Geschlechter würde der neue Hlchenzoller um 1990 herum die Krone tragen. Der Klein«, aus den Namen Wilhelm ge- taust, war ein lebhaftes Kind. Wäre es nicht Unfug, aus den Lebensäußerungen des Säuglings auf dos spätere Gebaren des Mannes zu schließen, so könnte nachdenklich stimmen, was die glück- liche Multen-über den Vierwöchigen an ihre Mutter, die Königin von England, schrieb:„Dein Enkel scheint, wenn er wacht, nur gufrieden, läßt nian ihn die ganze Zeit in der Lust herumtanzen." Ader auf das Glück der Mutter siel ein Schotten. Erst am dritten Tag« nach der Geburt bemerkt« man, daß der link« Arm des Kindes verkrüppelt und gelähmt war. Alle ärztliche Kunst ver- mochte diesen Schaden auch dann nicht zu beheben, als der künf- tige Träger der deutschen Kaiserkrone heranwuchs: bitter mußte es dem Knaben sein,„sich bei jeder körperlichen Uebustg viel kleine- ren Jungen unterlegen zu suhlen":»er kann," berichtete die Mutter schmerzlich bewegt,„nicht schnell lausen, weil er kein Gleichgewicht hat, er kann nicht reiten, kletter» oder sein Essen schneiden usw." Da./der unglückselige lahme Arm" auch den Gesichts- ausdruck des Prinzen in Mitleidenschast zog, seine Haltung, seinen Gong und seine Figur verändert« uitd olle seine Bewegungen linkisch mochte, stellte die Mutter fest, daß diese? Fehler ihren« Sohn mit dem Bewußtsein vollkommener Abhängigkeit,„weil er nichts ohne Hilfe tun kann, em Gefühl der Schüchternheit" gebe. Ihrer Verantwortung war sie sich durchaus bewußt, wenn sie, 1870 schon, erwog,„wieviel Hoffnungen jetzt bereits aus das Haupt des Kindes gesetzt werden, während äußere Familien- und Rangrück- sichten, Berliner Hosieben und viele andere Dinge sein« Erziehung so bedeutend erschweren", aber sie ahnte noch nicht, daß der körper- liche Fehler zur Quelle üblen Komödiantentums werden sollte, daß Wilhelm ewig übertriebene Forschheit posieren tvürdc, um seine Schüchternheit zu oerdecken, daß, mit einem Wort, der drohend geftröable Schnurrbart die Folge de» gelähmten Arme» sei» würde. Die Fürstin, im Innersten Wesen dem oltpreußischen Deipoils- mus feindlich, träumte davon, daß chr ältester Sohn einmal die Eigenschaften seines Großvaters, des Koburgers Albert, und seiner Großmutter, der Queen Viktoria, vereinen, also«in ton- stitutioneller Herrsche? mit maßvoll liberalen Anschauungen sein werde. Was sie tun konnte, geschah, um Wilhelms Entwicklung in diese Richtung zu drängen. Sie wußte es durchzusetzen, daß der künstige Thronerbe wenigstens zum kleinen Teil auf dem Kasseler Gymnasium etwas wie«in« bürgerliche Erziehung erhielt, ober jene Mächt« am preußischen Hof, die die.Engländerin" wegen ihrer Abneigung gegen den Absolutismus haßten, ließen, nicht zuletzt der alte Wilhelm, olle Minen springen, um dem Einfluß der Mutter entgegenzuarbeiten.„Des Kaisers Interesse," berichtete die Kronpringsflin am Konfinmotionstag ihres Aeltesten'nach Schloß Windsor,„ist warm, ober leider ist sein Einiluß auf die Erziehung des Kindes, wann immer er ihn«isübt, ein sehr schlimmer." Als dann der Prinz in das Oflizierkorps des Ersten Garderegiments zu Fuß in Potsdam eingestellt wurde, kam er in eine Atmosphäre, von der die Mutter erkannte, daß sie„gefelllchafltich und politisch schlecht" für ihn sei:„es wird ihm dort geschmeichelt"— und für Schmeichelei war er nur zu empfänglich— „er wird verdorben nnfc macht mit dein Kaiser was er will!" Wieder war es der Wunsch, den Thronerben vor der„liberalen Slnfteckung" im Elternhaus zu schützen, was ihn zur Beschäftigung dem Auswärtigen Amt zuteilen lieh:, /damit seine junge Seele vor Irrtümern bewahrt bleibe," sagte salbungsvoll der alte Wilhelm. Hier geriet der Prinz ganz in den Bann des„eisernen Kanzlers" und unter den Einfluß des Grafen Herbert Bismarck, der der Kronprinzessin am allervcrdevblichsten erschien. Die Charakter- entfaltung ihres Sohnes beobachtet« sie fortan mit wachsendem Kummer, denn sie liebte ihn nicht nur mütteitich, sondern sah mit seiner Entartung auch so viele eigene'politifche Hoff mingen ent- tgeiten. Aber wenigstens mochte sie sich nichts vor. Sie klagte über die Kesühllosigkeit dessen, der Anhänglichkeit an lang- bewohnte Räum« als lächerliche Sentimentalitöt abtat und es siir ganz gleichgültig erklärte, in welcher Stadt, welchem Gebäude, welchem Zimmer er wohne, und als er die Ellen«, den auf den Tod kranken Vater und die sich in Sorgen oerzehrende Mutter, in San Roma besucht«, benahm er sich gleich bei der Ankunft zu ihrer lebhaften Betrübnis „so roh, unangenehm und frech wie nur mäglich". Was die Schorfsichtige aber am meisten entsetzte, war der Mangel an Ernst bei dem jungen Mann, dem über kurz oder long die Regierung eines großen Reiches zusallen mußte. Seine obek- ftächliche Art war ihr schon auf seinen Resten bedenklich geworden: „Er legt»einen Wert darauf, irgend etwas anzusehen, interessiert sich absolut nicht für Kunstwerke, bewundert schöne Landschaften nicht und wirft keinen Blick in einen Reiseführer oder irgendein anderes Buch, das Ihn über die Stötten, lvelche er besucht, belehrt." Letzt fand sie den Si-benundzwanzigjährigen „ebenso blind und grün wie verschroben and HIHig w politischen vingen". ,md hatte nur den dürren Trost, daß ihm eben„erbärmliche Freunde" dm Kopf„systematisch mit Unsinn vollgestoplt" hätten, und daß— däses Erbe der Aera Bismarck!— seine Ansichten in Deutschland peft»ctoötrt föm. Äx jelajühsize Ar«? sttcß es ebenso ab, tag er sich vor dem Tod des Vaters schon als Kaiser, und zwar als „einen absoluten und outokratischen" gebärdete. wie das Getue und der Pomp, mit dem er bei"seiner Thronbesteigung der Welt in die Ohren trompetete, daß eine neue Zeit begonnen habe. Am tiefsten aber verwundete es sie, daß der junge Kaiser die dem Gc- döchtnis seines Vaters und dem Ruf seiner Mutter von der reak- tionärcn Clique zugefügten Beleidigungen billigte und unterstützte: Er hat in der Atmosphäre Bismarcks ein langes und sorgfälliges Training und eine gute Vorbereitung durchgemach!, so daß sein Sin» s ü r Recht und Unrecht, für Dank- barkeit, Ritterlichkeit. Respekf Elternliebe und Mitleid mit allen Ungliicklichen vollkommen zerstört worden ist. Immer wieder bemerkte die Mutter zu ihrem Sch«erz, wie Eitelkeit und Unwissenheit im Innern ihres Erstgeborenen um die Palme rangen: Wilhelm liest nur die für ihn zurechtgemachten Zeittmgsu, versteht nichts und kümmert sich nicht um alle die schwierigen und komplizierten Fragen der inneren Regierung: er ist abso» iut unwissend in bezug auf soziale, industrielle. agrikulturell«, kommerzielle und finanzielle Fragen, da er sich nur mit militärischen Dingen beschästtat, ein wenig in der äußeren Politik herumpfuscht und permanent settert sein, herumreisen, Diners und Empfänge geben will. Daß er stets nur„mit Osfizieren, Hofleuten, Konservativen und Bismorckiten" verkehrt habe, stellt« sie fest, und auch die Hofs- nungen, daß seine Heirat mit Auguste Viktor« a, deren stärkste Seite die Beschlagenheit im Katechismus war, zu seiner moralischen und intellektuellen Wandlung beitrogen werde, begrub seine Mutter sehr rasch. Heber die junge Kaiserin urtestte die geistig Ueberlegene nicht ohne Bosheit, daß sie sich ihrer Stellung aufs äußerste erfreue: Ihr ganzes Gesicht drückt die intensivste Besnedigung aus. Sie ist davon überzeugt, daß olles, was Wilhelm und sie tun, denken und sagen, vollkommen ist: ganz bestimmt muß das ein Zustand höchster Glückseligkeit sein. Aber die strahlende Selbstzufriedenheit wurde auch bei Wil- Helm II. immer mehr zum hervorstechenden Charakterzug:„Mit sich selbst ist er vollkommen zufrieden, und die Schmeichelei, mit der er permanent überhäuft wird, läßt ihn s l ch vollends als ein Genie fühlen!" Die Uebettiefenmg des englischen parlamen- tarisch-konstitutionellen Systems, die in der geborenen britischen Prinzeß Royal lebte, schaudert« davor zurück, wie hier„ein junger, ganz unwissender und unerjahrener Mann den Despoten spielte", ohne daß ihm jemand wancend in den Arm siel. Die Mutter ran- die Hände:„Er hat kein« Vorstellung davon, was eine Verfassung ist, und kennt kein einziges Mitglied der liberalen Parte!— er liest niemals eine der gute», vernünftigen Zeitungen," und wenn sie sah, wie der sprühend Impulsive„mit dem größten Aplomb und mit der größten Gleichgültigkeit" redete und telegraphierte,„wo er bester nichts sagen oder seine eigene Meinung langsam formen und selten ausdrücken sollte", entfuhr ihr der Wunsch, den schließ- lich Millionen Deutscher mit ihr teilten: „Zch wollte, ich könnte ihm bei allen Gelegenheilen, bei denen er öffenllich sprechen will, ein Schloß vor den Mund hängen!"' u««d sie fügte kopfschüttelnd hinzu: „Bei all seiner Baschheit und Widerspenfligkeil usw. ist er ein große» Baby!" Wehe dem Land, dessen König ein Kind ist! Aber tausendfach wehe dem Land, dessen Kaiser im erwachsenen Zustand nach dem Urteil derer, die ihn«rm nächsten kennt, ein Baby ist! Wir haben es schmerzlicher erfahren als, je eine Generation und verstehen es nur zu gut, daß sich der Mutter dieses großen Verderbers, da sie voll böser Ahnungen in die Zukunft schaute, die Erkenntnis auf- drängte: Es gibt nicht immer große Männer und nicht immer Souve- ran«, di. so für ihren Beruf geschult, vorbereitet und geschaffen waren wie der, den wtr ewig beweinen werden. Die Ration muß lernen, sich auf sich selbst zu verlassen und ohne sie fertig zu»Verden. Sie wind auch, dessen bin ich gewiß, ihre Aufgaben lösen und einer glücklichen Zukunft entgegengehen. Die Nation tat es, als sie, gewitzt durch das Unheil, das sie dem„großen Baby" verdankt, sich der Hohenzollevn für immer entledigte, um in der Republik, aus sich selbst bauend, ihre Auf- gäbe zu lösen. Hermann Wendel. Proletarier der Feder Keine theoretische Angelegenheit Man stelle sich vor: Ein ArbLi'tcr geht zum Unternehmer und sagt ihm: Bisher habe ich für dich gearbeitet, du gabst mir Lohn und aus meiner Arbeit zogst du deinen Profit. Ich schlage dir vor, mir von jetzt ab außer meinem Lohn auch noch deinen Prosit aus- zuzahlen. Ein Arbeiter, der so etwas vorschlagt, miede ohne weiteres in ein Irrenhaus gesperrt werden. Man stelle sich umgekehrt vor: Ein Kapitalist kommt zum Arbeiter und sagt ihm: Bisher gab ich dir für deine Arbeit Lohn. Dos hört jetzt aus: von jetzt ab host du mir für die viele Mühe, die mir die Berivertung deiner Produkte macht, noch etwas zuzu- zahlen. Wird ein solcher Unternehmer auch ins Irrenhaus gesperrt? Kcinesn>egs. Ein solcher Unternehmer, baut vielmehr seinen Vorschlag zu einem wunderbaren System aus, er nennt sein« Ein- richtung einen„Weltbund' der Kulturträger", er läßt sein« neuen Prinzipien drucken und wendet sich dann— an Geisteskranke? nein, er wendet sich vielmehr an die„Herren Studierenden der Universität Berlin". Er bittet dies«„Herren Studierenden", sie möchten dach für sein Organ Artikel schreiben. Wie dies Organ heißt? Es nennt sich, nicht im mindesten unbescheiden,„W e l t- p o st". Noch kennt zwar kein Mensch den Weltruf dieses Blattes, aber diesem Mangel an Wissen wird durch die folgende Erklärung abgeholfen. Die„Weltpost" ist nämlich„Amtliches Organ des Welt- bundes der Kulturträger, Intarnationale Akademische Association für Künste«md Wistenschoften, Schriftstellerisches Wettbewerbsorgan der Arbeitsgemeinlchoft ongehmder Publizisten, Schriftsteller, Dichter, Literaten, Journalisten und dient gleichzeitig den Lerlegern, Redaktionen, Zcitungs- und Zeitschriftertherousgebern als Studienquelle über neue Mitarbeiter". Diese Erklärung ist wörllich am Kopf der„Weltpost" zu lesen. Ganz offenbar hat es uns bisher an einem solchen Organ ge- fehlt, wenigstens nach Meinung der.W«ltpost"-Redoktion. Es gibt zwar schon jetzt zahllos« Zeitschriften, Zeiwngen und Korrespon- dcnzen aller politischen, beruflichen und religiösen Schattierungen, ober, so heißt es in der Ankündigung der.Wettpost", es fehlt bisher„an einem Organ,»velches allen berechtigten Interessen ohne Ansehen der Partei und Konfession Geltung verschassen und alles der Oesfentlichkeit zugänglich machen will, was bisher aus politischer. religiöser oder sonstiger Boreingenommenheit im Druck nicht er- scheinen konnte". Also: Für dies große Organ des„Weltbundes der Kultur- träger" sollen die Herren Studierenden Artikel schreiben. Vielleicht »vnch es so unverschämte oder altmodische Studenten geben, die sagen: Schön, ich werde schreiben, wie hoch ist das. Honorar? Ein solcher Student hat ossenbar nicht begriffen, was er dem„Amtlichen Organ des Weltbundes der Kulturträger" schuldig ist. Ihm wird daher in der Ankündigung gesagt:„Jeder Einsender hat für die Veröffentlichung seines Artikels einen Druckkostenbeitrag von mindestens 5 M. miteinzu- senden." Wo» tut»mn die Redaktion mit dem Artikel? Menschen, die nicht zu den Mitgliedern dieses Weltbundes gehören,»»erden viel- le'cht vermuten, die Redaktion werde die eingesandten Artikel lesen, prüfen, durcharbeiten. Die Redaktion der„Weltpost" hat solche Mühewaltung jedoch nicht nötig:„Eingesandte Artikel»verdcn von der Zkedavw» auf ihre ErstvärSHattllchuuz wcht zepriift. Jeder Einsender trägt für seine Publikationen selbst die Leraniwortung. Schrlftleltung und Verlag lehnen jede gericht- liche und außergerichtliche Verantwortung o b." Alle Anklagen nxgen Beleidigung, Landes- oder Hochvorrot, Gotteslästerung usw. fallen also auf den nichtsahnenden Verfasser. Und»venn nun solch ein Artikel irgendwo abgedruckt wird?„D i e eingesandten und abgedruckten Manuskripte werden Eigentum des Verlag s." Mit anderen Worten: alle Honorare für Abdruck, Ueberfetzung usw. fließen nicht etwa dem Versosser, sondern dem Verlag der„Weltpost" zu. Man wird vielleicht glauben, das ganze sei ein schlechter Witz. Nein, dies« Zumutung ist eine Tatsache, diese Ausforderung an die Herren Studierenden ist am 28. November vorigen Jahres wirklich ergangen, und diese Angelegenheit«st ein sehr ernstes Zeichen einerseits der Notloge, in der sich zahllose geistige Arbiter befinden, andererseits ihrer Unfähigkeit, ihre Klasienlag« zu begreifen. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß es Studenten und junge Literaten gibt, die sich auf derartige, jedem denkenden Menschen unmöglich erscheinende Bedingimgen eingelassen haben. Arbeitslosigkeit herrscht ja nicht nur bei den Angestellten und Handarbeitern, sondern seit Jahr und Tag bei der großen Zahl der sogenannten„freien Schriftsteller", am schlimmsten bei der großen Masse derjenigen, die sich noch keinen„Namen" gemacht haben. Hier herrschen Zustände, die an die tollsten Zustände des Früh- kopitalisnms erinnern. Der frei« Schriftsteller ist, seiner sozialen und wirflchafttichen Lage nach, ein Heimarbeiter, er ar- beitet meist ohne jeglichen Tarif, er ist gezwungen,«m Honorar zu nehmen, was ihm geroöhrt wird. Keine gesetzliche Regelung schützt ihn, keine Vorschrift setzt etwa ein Mindestzeilenhonorar fest, und da auch hier, mrf dem Arbeitsmarkt der freien Schriftstellerci, das Angebot der Arbeitskraft viel größer ist als die Nachfrage der Redoktionen und Verlage, so kann die Entlohnung beliebig nach unten gedrückt werden. Die fertige Arbeit kann beliebig lange bei der Redaktion liegen bleiben. Der Verlag tonn mit der Honorar- zahlung beliebig lange warten, oft Wochen und Monate. Bei dieser Lage der Dinge snrd die Zumutungen der„Wettpost" noch gor nicht einmal Außergewöhnliches, sie fmd lediglich Zeichen der Not, der Verwirrung und der Ratlosigkeit dieser Schicht der Kopfarbeiter. Wäre es nicht vielleicht angebracht, über Wege nachzudenken, diesen geistigen Arbeiten» gesetzliche Schutzmittel zu geben, etwa so, daß jeder Verlag sich strafbar macht, der nicht ein Zeilenhonorar von bestimmter Höhe jedem Verfasser für verlangte Arbeiten zahlt, und zwar innerhalb einer bestimmten Frist nach Ablieferung? Heute, wo die„freien Schriftsteller" nicht ausreichend organisiert sind,. Ivo die Verleger mit ihnen meist noch Willkür ver- fahren können, sind diese Menschen nicht nur wirtschaftlich, sondern mich moralisch ruiniert und sie schreiben vielfach, was und wie es von ihnen verlangt wird. Auf keinem Arbeitsmarkt herrscht in- folgedeffen eine solche Korruption und ein solches Elend wie auf dem der freien Schnftstelleret. Man gebe daher diesen Kops- orbeitern einen gesetzlichen wirtschaftlichen Schutz, dessen sie zu ihrer Existenz bedürfen, und sie werden dann in der Lage sein, besser als heute ihren Charakter als Proletarier der Feder zu erkennen, d. h. ihren Klassencharakter und ihre Zugehörigkeit zur groß«, Magq der admknbcu BroölCpunß. Exudx. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. o Bh Ttomsn_. ktv? oierJiuofson'Jsau Zeic/murzge/'L von Acloff Lehnert (29. Fortsetzmig.) Ach. Unfinn! Er lachte über sich selber. Natürlich toimte Balk ,hn in diesem Sturm nicht hören, aber daß er sich ganz m der Nähe befand, war klar. Er ging ein wenig rechts, nur wenige Schritte, dann wieder nach derselben Stelle zurück, und dann ging er ein wenig nach links und wieder zurück. Daß er sich hier in der Nähe des Schlittens befand, darüber war er sich klar. Wenn er sich hier hielt und nach allen Richtungen ausschaute, mußte er hin- gelangen. Dann wollte er Keks essen und eine Dose Eingemachtes. auch«ine Büchse Milch öffnen. Beides war so süß. daß es nicht in der Kälte gefror. Man konnte sich auch einen Schlupfwinkel hinter dem Schlitten machen, die Felle darüber ausbreiten und Tee kochen. Und eine Pfeife konnten sie auch rauchen. Und dann breiteten sie die Felle Über sich aus und warteten auf Joe. Ja, das wollten sie tun. und vielleicht hatte Balk etwas, dos noch besser schmeckte als Eingemachtes. Jetzt bin ich herumgelaufen: während er Tee kocht. will ich mich Hinfetzen, unter das Fell kriechen, mich ausruhen und schlafen, bis er mit dem Tee fertig ist. Ja. ich will die Milchdose nehmen, zwei Löcher hineinstoßen und sie aussaugen. .Reich mir die Dose, Balk---" Unsinn, er war ja noch gar nicht am Schlitten. Wo der wohl sein mochte? Er stand still und bedachte sich..Ich verließ den Schlitten, weil ich mit dem Winde fuhr. Ich hätte ihn schräg von vorn haben müssen. Also ging ich gegen den Wind zurück, und um den Schlitten zu erreichen, muß ich jetzt mit dem Wind« gehen." Er ging wieder, immer weiter. Nein, dos war zu weit. Es war auch blöd mit diesem Schnee» gestöber. Man sah und hörte nichts vor diesem ekelhaften Spek- takel: aber jetzt wußte er, wo er war. In dieser Richtung lag der Schlitten, das fühlte er. Und die Richtung konnte er leicht inne- halten, wenn er nach dem Winde ging. Gerade seitwärts mußte er ihn haben, so daß der Schnee ihm nicht in seine Pelzkapuze stob. Er wankte weiter. Was war das nur? Hier war ein großer Stein, den er zuvor nicht gesehen hotte. Er umging ihn und stand plötzlich vor einer steilen Felswand. Hier schien der Wind schwächer zu sein. Er blieb stehen, um Luft zu schöpfen. Dunkel war es hier, und der Schnee wirbelle überall, chier war es also nicht. Versuchen wir es einmal nach der anderen Seite. .Teufel auch!" brachte er heraus, als er in einer, tiefen Grube lag. „War das eine Fallgrube oder was sonst?" Ein mächtiger Stein stand hier gerade im Winde. Deshalb war ein Loch davor in den Schnee gewirbelt, und in das war er gefallen. Merkwürdig, daß er den Stein nicht bemerkt hatte, als er ihn vorhin mit dem Schlitten passiert«. Es war Übrigen» angenehm zu sitzen, so herrlich frei von dem ermüdenden Winddruck. „Ich bleibe einen Augenblick hier sitzen, ehe ich zu Balk geh«. Der ist ein vernünftiger Bursche. Er macht Tee, um ihn bereit zu haben, wenn ich zurückkomme. Ach, wenn er nur die ganze Milchdose in den Teetopf gießen wollte! Ja, das tat er wohl. Selbstverständlich tat er es. Der herrlich«, warme Tee! Danke, hast du mich Zucker hineingeian? Und reich mir auch den Keks dort! Ach. Unsinn. Ich sitze ja hier im Loch bei einem großen Stein und muß erst zu dir hin. Ich bleibe sünf Minuten sitzen, denn das Schneegestöber hat mich miid« gemocht. Und mir ist so warm, daß ich erst ein bißchen abkühlen muß." Ihm begannen die Füße zu frieren. Zuerst wenig, dann stärker, und als er ausstehen wollte, war er halb im Schnee begraben. Ja. es war richtig, er mußte weiter. Mit Mühe kam er auf die Füße und wankte vorwärts. Ihm schien, er. sei daheim in den Polizeibaracken in Edmoirdsiown oder Bampf und habe mit allen Kameraden gesprochen, die sich damit vergnügten, ihre Pferde in den verschiedenen Wettkämpfcn zu prüfen. Das war das rechte Leben für einen Polizisten: Auf Pferderücken. Besser, als hier im Schneesturm herumzustolpcrn und sich nicht finden zu können. Es war ein gräßlicher Unsinn, aber desto angenehmer muhte es sein, wenn er ins Schneehaus kam und sich ausschlief. Er beschloß, den nächsten Tag liegen zu bleiben und sich aus- zuruhen, denn jetzt hatte Joe Balk erreicht und ein Schneehaus gebaut. Sie tranken Tee und aßen Pemmikan und warteten auf ihn. Er würde übrigens Joe ausfchellen, well er Illubalik nicht mit- gebracht hatte. Aber Joe hatte wohl Illubalik zur Urnkchr bewogen. Und da wollte er ihnen eine kleine Rode hallen, daß alles zwischen ihnen wieder eingerenkt war. Und er würde weiter der große Mann bleiben.— Ja. ein großer Mann, der hier herumstolpert und nicht einmal seinen Schlitten finden kann. Na, jetzt war er es müde, hier herumzulaufen, er wollte zum Schütten, und das im Laufe einer halben Stunde. Die beiden saßen jetzt da, backten Pfannkuchen und hatten zwei herrliche für ihn aufgehoben. Ach. wie die schmecken sollten! Die festtiche Wärme auf der Zunge und der fette Geschmack im ljalfc, wenn sie hinunter» glitten. Er wollte Zucker darauf streuen Er meinte auch, als Chef ein Anrecht darauf zu haben, etwas mehr zu essen als die anderen, wo er doch hier in der Wildnis herumgelaufen war, während sie schliefen. Er kam in ein Gelände, wo es bergauf ging. Das ist also die eine Seite des Tals. Aber welche? Ich will mich«inen Augenblick hinsetzen und verschnaufen. Wie herrlich es doch ist, stillzusitzen und nur die Augen zu schließen. Tottnüde schlief er ein. » Balk saß totmünde neben ssinem Schlitten mit den vorgespannten Hunden.„Der Sergeant braucht reick�ich lange, um die Spur zu finden. Wenn er sie nicht finden kann, sollte er zurück- kommen und mich nicht hier allein lassen. Ich warte nur noch ein Weilchen, dann lasse ich es mir nicht mehr gefallen." Die Schläfrigkeit wollte ihn überwälligen.„Dlein, daß ist doch zu arg." Er richtete sich auf, und eine Menge Schnee fiel von ihm ab. Er war ganz verschneit, mußte lange geschlummert haben. Aber es war auch ein aisstrengender Tag gewesen. Und der Sergeant kam nicht. Er war hungrig. Glücklicherweise befand sich Proviant auf dem Schlitten. Er erhob sich, nahm den Schnertlopfer, der u itter die Zurrleinen gesteckt war, und klopfte seine Kapuze und sein Zeug ab. Dann steckte er seine Hand unter ein Fett in der Praviaittkiste, nahm einen Keks und aß ihn, noch ein paar folgten, hierauf nahm er ein Stück Pemmikan und setzte sich dann wieder neben den Schlitten. Die Zeit verging. Balk bekam kalle Füße. Cr mußte aus- stehen und stampfen, um sich die Zehen zu erwärmen. Dieses Biest von Sergeant! Das sah ihm ähnlich, diesem Borgesetzten? Make wollte ein guter Kamerad sein! Aber in Wirklichkeit galt ein Kon- stabler nichts. Dos war klar. Das kameradschajlliche Getue war nichts als Berechnung. Er ist natürlich zu Joe zurückgegangen, baut ein Schneehaus, und da bleiben sie nun liegen, warm, und mästen sich, und ich muß hier im Schneesttirm sitzen, ohne ein Haus bauen zu können. Es war ja auch lächerlich, daß er diese Kunst den Eskimos nicht abgelauscht hatte.„Aber ich lasse mir das nicht ge- fallen. werde Make mitteilen, daß ich mich über ihn zu be- klagen denke, dann wird er degradiert. Aber das geschieht ihm recht. Ich will hier nicht hungern. Ich esse, soviel ich kairn, mehr als meine eigene Ration." Und er ließ den Worten die Tat folgen. Er aß und aß. Das Essen belebt«. Ihm war klar, daß er unter Dach kommen n rußte, um warm zu weriden. Ja. es war reizend, hier könnt« er im Freien liegen und in Wind und Wetter schlafen, während Make sich im Hause mästete, herrlichen Tee kochte und warme Pfarrn- kuchen backte: aber daraus sollte nichts werden. Wenn er sich ein bißchen nach dem Essen ausgeruht hatte, wollte er zurückfahren. Er schlief wieder ein. Nein, wie ihn fror, als er aufwachte! Die Füße fchmerzten und die Fingerspitzen brannten, feine Knie waren ganz steif. Als er aufsprang, konnte er den Schnee beinahe nicht ab- schütteln. Welch ein Wahnsinn auch, hier noch dem Norden zu gehen, um Abenteuer zu erleben! Ja, Abenteuer, von denen ließ sich gut träumen, wenn man daheim am Ofen hockte. Nein, jetzt wollte er weg von hier und wieder heim. Aber zuerst wollte er zu dem Sergeanten urtb Joe fahren, und Illubalik war wohl auch niii zurückgekommen. Die drei saßen also im Hause, oder sie schliefen drinnen. Nein, sie aßen und aßen, dos wollte er sich nicht gefallen lassen. All das fette Essen, das auf dem Schlitten war, wollt« er haben. „Hol) auf, Hunde, wir müssen weiter. Heraus aus dem Schnee!" Mit Fußtritten bekam er jeden einzelnen auf die Beine. Sie schüttelten sich zuerst■den Schnee ab.„Macht, daß ihr weiter kommt!" Es war ihm nicht ganz klar, wo er himvollt«. Aber fort wollte er, so schnell wie möglich fort von hier. „So, du großer schwarzer Lümmel! Komm, Hängeohr!" Der Schlitten kam in Gang. Di« Peitsche ließ die Hunde links abschwenken, und vorwärts ging es. Was tat es, daß der Schlitten über Steine ging und die Ciskufen verdorben wurden. Fort wollt« er, und fort kam er. Wie wett und wie lange? Das wußte keiner. Am wenigsten er selber. Die Hunde wurden matter. Es ging immer langsamer, und sie wollten stehenbleiben. Balks Zorn ließ nach, und er dachte:„Es bleibt mir nichts übrig, als mich hinzusetzen und zu warten, bis es Tag wird, daß ich die anderen sehen kann und sie mich. Das hier ist ja Tollheit." Aber mechanisch trieb er die Hunde weiter nach links. Langsam ging es, sie krochen vorwärts, bald ging es nicht weiter. Dann wollte er sich niedersetzen, um sich aus joden Fall ein wenig aus zuruhen, ehe es weiter ging, denn jetzt war er wieder warm gc- worden: er war lange hinter dem Schlitten gegangen, und es-mußte herrlich sein, sich ausruhen zu können. Schritt für Schritt schlichen die Hunde �vorwärts. Plötzlich aber kam Leben über sie. Was gab es? Sie hoben Rute und Schnauz«. Sie begannen Zn laufen. Mit einem Sprunge war er oben und klammerte sich fest, denn jetzt ging es im Galopp. Plötzlich hielten die Hunde an und drängten sich zusammen. Alle zehn. In der Dunkelheit sah er den Eingang zum Schnee- hause nicht recht. Aber dort mußte er sein. Er kletterte vom Schlitten, trat zu den Hunden und sah, was sie gewittert hatten. Sergeant Make lag im Schnee. Balk schüttelte ihn. „Was, bist du es, Balk? Wo ist Joe?" „Joe? Den habe ich nicht gesehen. Ist er nicht bei dir?" „Nein, ich bin gelausen. Gelaufen, weiß nicht, wo. und weiß auch nicht, wie lange. Ich glaubte, dir wärst umgekehrt oder von ihm eingeholt worden. Ach, wie ich friere." „Das tue ich auch. Wir hätten nicht in dieses Land reisen sollen, ohne Schneehäuser bauen zu können." „Nein, du host recht, das lzätten wir nicht tun sollen Aber Illubalik ist weg und Joe auch. Nun. wir beide werden es zusammen schon schassen."(Fortsetzung folgt.) Rät sel= Ecke des„Abend". unmmiiiiiiuiiuuiiuiiiiuumuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiumiuiiinminmiHtiiiuuinnnKnnnuiuoinmimiUiHiuiiiffiiiimiHii&iuuiniuimniiuuiuiuiiiiiniinniuiianniaiiimuiiiiiniiiHJ Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Ausdruck beim Schach: 2. Fahrzeug: 3. weib- licher Vorname: 4. Nebenfluß der Donau: 5. Blutgefäß: 6. Haustier: 10. Vogel: 11. Wild: 12. Flußmündung: 14. morgenländifche Religion: 15. Blütenstand: 17. Wild: 18. Zeichen: 23. Zeitmesser(Mehrzahl): 25. Ersristhung: 27. Vogel: 29. Befestigung: 30. weibischer Vorname: 32. seemännischer Ausdruck: 33. unbestimmter Artikel.— W a g e- recht: 2. Vulkan: 7. Vulkan: 8. Teil des Mittelmeeres: 9. Vogel: 11. Gründerin Karthagos: 13. Stadt in Lioland: 16. nordischer Gott: 17. Getränk: 19. Gewässer: 20. siehe Nr. 32: 21. Schöpfung: 22. Kopfbedeckung: 24. germanische Göttin: 26. Vogel: 28. englischer Dichter: 30. Nährmutter: 31. Oltseeinfel: 34. Schmuck: 35. geographisches Gebilde: 36. Elektrizitätswerk. Z. Magische Pyramide. Die Punkte in nebenstehender Figur sind .. so durch Buchstaben zu ersetzen, daß jedes ... Wort aus den Buchstaben des vorhergehenden ... unter Hinzufügen eines neuen Buchstabens . � gebildet wird. Die Wärter bedeuten: 1 Vokal: 2. Präposition: 3. Hirtcngott: 4. ebene Fläcke: ...... 5. Astronom und Mathematiker: 6. Hilfsgeist- ....... licher:?. südafrikanische Landschaft. hl. Silbenrätsel. Aus den Silben a brück chi de dert di ei en fünf fünf ger ha him in Inns ir ly lob man mer mus na na ne on ra ris ro ja sal sis son son stet ter tt tra tu tus tyfch wold zach sind 16 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben abwechselnd gelesen, einen bekannten Sinnspruch ergeben,(ch. ck, st— ein Buchstabe.) Die Wörter bedeuten: 1. Untersuchungsinstrument, 2. Land in Asien, 3. Nebenfluß des Inn. 4. Stadt in Tirol. 5. Wüste in Afrika, 6. griechischer Bildhauer, 7. asiatisches Reich. 8. Zahl, 9.«chreckensherrschast, 10. Nebenfluß des Ob, 11. Planet, 12.� Anerkennung. 13. Waldgebirge Frankens, 14. Küchengerät, 15. istadt in Italic n. 16. Gesamtheit von Menschen.— est. Abzählrätsel. ar ster kunst mus dem bei li das ge so ter ni heißt hört zi und e in die a die dem er zu Iis srau.— Vorstehende Silben sind durch eine zu ermittelnde Zahl abzuzählen, aneinandergereiht er- geben dieselben einen Ausspruch Bebels. str. Rösselsprung. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Spiralenkreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Du: 3. och: 4. Turm: 6. Stadt: 7. Myrthe: 9. Ekstase: 10. Trapper.— Senkrecht: 2. hu; 3. Amt: 5. Tram: 6. SoWm; 8. Enttee: 9. Euphrat. Rösselsprung: Was bist du, Glück: Ein Stern— und Nacht umher Du bist ein Trapsen Süß im Meere Bitter. Du bsst dem Lebenskleid»', schwarz und schwer, Am Saum« eingewebt— ein goldener Flitter. Lerd ist des Lebens Stamm, und du ein Splitter. Was bist du, Glück Ein Schatten und nicht mehr! Friedrich Halm. Magisches Quadrat: 1. Maria: 2. Abend: 3. Reife; 4. Iissel; 5. Adele. Silbenrätsel: 1. Duett: 2. Erich: 3. Sprinter: 4. Violine: S. Olaf; 6. Leipzig: 7. Karenz; 8. Ekstase: 9. Soissons; 10. weichen- steller: 11. Ostösterreich. 12. Highlife: 13. Lager: 14.?leischn>«hl: 15. Ab y dos: 16. Hortensie; 17. Reisbesen: 18. Turin.— Des Volkes Wohlfahrt ist die höchste Pflicht; . � i", Ngsräk'sel: 1. Vogt: 2. Ulf; 3. Luft; 4. Kohl: 5. M: 6. Nacht:». Angst; S. Uhr: S. Salz: 10. Band; IL«auch. 12. Unten; 13. Chef.— Bullanausbruch. dflC�uriclQjflLei Berlins Arbeitersport. Der Aufbau des neuen Kartells. Die Zlujbauarbeit im neuen, bundestreuen Arbeitersportkartell ist beendet, wir sind jetzt in der Lage, die Erfolge der Oessentlichkeit unterbreiten zu können. Die Vorgänge, die zur Spaltung im Berliner Arbeitersport führten, sind bekannt. Nachdem sich ein großer Teil der Vereine, angewidert durch die parteipolitischen Wühlereien der Kommunisten, zu einem„Freien Arbeitersportkartell" zusammenge- schlössen hatten, nahm die Spitzenorganisation des deutschen Arbeiter- sports, die Zcntralkmnmission für Arbeitersport und Körperpflege, Anfang Juli v. I. zu der gegebenen Situation Stellung und löste durch einen einstimmig gefaßten Beschluß daS Arbeitersport- und Kulturkartell auf. Mit dem Aufbau eines neuen, den Grundsätzen der Zentralkommission treuen Arbeitersportkartells mußte vollständig von vorn angefangen roerden. Trotz aller Angriffe der Gegenseite, die es an gehässigen Verleumdungen von Mund zu Mund und in den kommunistischen Zeitungen Berlins nicht fehlen ließen, sind die vereine in großer Zahl zum bundeslreuen Kartell gekommen. und sie haben dadurch bewiesen, daß ihpen an kainmunistischer Radaupolitik ebensowenig gelegen ist, wie sie es ablehnten, als Anhängsel der Kommunistischen Partei in einem Kartell zusammen- gefaßt zu sein, das durch Kostgänger der Parteizentrol« geleitet wird. Gegenwärtig sind Üg Vereine mit 19 897 Mitgliedern im neuen Kartell zusammengefaßt. Davon sind Turner und Sportler Schwimmer 3362, Ruderer 1197, Fußballer 228, Tennisspieler 129, Mitglieder im Arbeiter-Rod- und Krastfahrerbund„Solidarität" 1171. Der Freie Seglerverband mustert 1199 Angehörige, Arbeitcr-Athleten sind 513 vorhanden, Verband Volksgesundheit 1849, Touristenverein Die Naturfreunde 1305, Arbeitersamaritcr 751, Arbeiterschachbund 205, Ärbeiterschützen mit 30 Mitgliedern. Nicht rechtzeitig gemeldet haben vier Dereine, die noch dazugezählt werden müssen. Rund hundert Vereine mit 20 000 Mitgliedern, das ist immer- hin selbst für Berlin eine Sportlerorganisatwn. mit der die Gegner rechnen müssen. Airssichtsreiche Verhandlungen bestehen weiterhin mit zwei Zentralorganisationen über den Anschluß an die Zentral- kommission, so daß damit zu rechnen ist, daß das Jahr 1 929 mit einem Mitgliederbestand von etwa 40 000 Sportlern aller Disziplinen abschließen wird. Von Interesse ist der jetzt ernsthaft in Angriff genommene Plan der Schaffung einer Berliner Arbeiter-Turn- und Sportschule. Der Plan hat schon im.Haushaltsausschuß der Stadtverordnetenversammlung vorgelegen und wird jetzt im Stadt- amt für Seibesübungen nach dem eingelieferten Material bearbeitet und dann dem Magistrat vorgelegt werdgn, der dann der Stadtver- ardnetenversammlung die Vorloge weiter gibt. Jedenfalls wird Berlins zentral organisierte Arbeitersportlerschaft in den Besitz einer Turn- und Sportschule kommen, die sich überoll sehen lassen kann. Alles sportliche Leben wird hier seinen organisatorischen und tech- Nischen Mittelpunkt haben. Es l�ird sogar möglich sein, eine Kasten- ruderanlage zu schaffen. Die zentrale Lage dicht am Alcxandcrplatz gibt die Gewähr, daß dort eine rege Tätigkeit herrschen wird. Der Gedanke der Schaffung einer Arbeiter-Turn- und Sportschule, war schon oft Gegenstand der Beratungen im aufgelösten Kartell. Nur kam man vor lauter Kampf gegen die Sozialdemokratie und vor all den politischen Dingen nicht dazu an die Arbeit zu gehen. Jetzt ober geht es vorwärts. Im neuen Kartell herrscht Einigkeit, sogar ohne die täglich«»„Einhcitsfrontparole". Wie es die Ausgabe der Arbeitersportvcreine ist, so wird im neuen Kartell strengste Sporlarbeil geleistet. Mitglieder, Vorstände, die Leiter des Kartells und der Zentral- kommission sind sich des Ernstes ihrer Aufgabe bewußt. Sie wissen aber auch, daß sie Mitglieder hinter sich haben, die festen Willens sind, als Vorkämpfer für den Sozialismus zu wirken. Frei von Parteipolitik, unbclöstigt von politischen Agitationsreden, ungeschwächt durch persönliche Reibereien und Verleumdungen, gehen sie ihren Weg, der der Weg der gesamten freien Arbeiter- bewegung ist. * Gestern hat sich der Segle roerein 1919, e. V., Stralau, als einer der letzten Vereine dem neuen Kartell angeschlossen, so daß sich jetzt aktenmäßig genau 100 Vereine beim neuen Kartell befinden. 5port im Sportpalast. Boxen und Eishockey. Ziemlich rasch nach seiner Rückkehr aus Amerika bestreitet Ex- meiftcr Hermann Herse seinen ersten Kampf im Berliner Ring, und die ihm diesmal gistellie Aufgabe wird den Beweis erbringen, was herse drüben über dem Ozean gelernt hat. Nach langwierigen Verhandlungen ist es gelungen, für den am Donnerstag. 4. April, im Sportpalast stattfindenden Großkampftag, der bekanntlich auch die Entscheidung der deutschen Schwcrgewichtsmeisterschast zwischen Meister haymann und Wagener und der deutschen Leicht- gcwichtsmcisterschast zwischen Meister R e p p c l und C z i r s o n bringt, als Gegner für herse den' deutschösterreichischen Mittel- gewichtsmeister Poldi S t c i n b a ch zu verpflichten. Stcinbach ist über Meister Domgörgen und den Neger Joe Ralph gemessen, ein sehr reeller Prüfstein für herse. Der Vorverkauf hat bereits heute begonnen. Am kommenden Sonnabend und Sonntag werden wieder zwei auswärtige Eishockeymannschaften, nämlich der Sportklub R i e s s« r s e c und der L T E. Prag im Sportpalast erwartet. Der bayerisch« Eishockeymeister hat in diesem Jahre gegen starke internationale Gegner überraschend gut abgeschnitten und hat auch dem Berliner Schlittschuh-Club bei der deutschen Eishockeymeister- schaft einen völlig ebenbürtigen Kampf geliefert. Der LIC. Prag verfügt über die beste tschechische Eishockeymannschaft und ist Landes- meister. Sein Mittelstürmer Maleczek bildet ein« Klasse für sich. Die Präger waren in diesem Jahr die einzigen, die dem BSC.«ine Niederlage beibringen konnten, hier geht es also vor ollen Dingen um die Revanche. Wieder werden allabendlich je zwei Kämpfe durchgeführt werden, am Sonnabend spielt Sportklub Ricssersce gegen Berliner Schlittschuh-Club und LTC. Prag gegen eine Auswahlmannschaft des Brandenburgifchcn Eislaufverbandes: am Sonntag treten Sportklub Riessersee gegen die Verbandsmannschaft und anschließend Berliner Schlittschuh-Club gegen LTC. Prag an. Sporllerjugend des 15. Kreises! heute. Mittwoch, spricht im Lokal haß, Baumschulenweg, Baumschulenftraße Ecke Frauenlob- straße, Genosse Paul Berrtstein über„Jugend, hinein in die pojitische Front!" Die Veranstaltung, die um 191b Uhr be- ginnt, wird durch Musik und Rezitationen äusgesülll. Die lurnerinnenklasse der Arbeiter-Turn- und Sportschule Verlin wird heute, Mittwoch, 20. März, in Friedenau, Rubensstraß«, dickst an der Nalanaelkirchc, eröffnet. Fahrt bis Untergrundbahnhof Hauptstraße, Straßenbahn 65, 119 und Wannseebahnhof Friedenau. Uebungszeit von 20 bis 22 Uhr. Wer fährt mit? Fahrten des Touristenvercins«Die Naturfreunde". Bei den Arbeiterwanderern Hot sich in den letzten Jahren immer mehr das Bestreben durchgesetzt, nicht nur in nawrwisiem'ck)astlichen Dingen Aufklärung zu verbreiten. Sie pflegen auch das soziale Wandern. Fahrten mit diesem Ziel wurden von der Natur- wissenschaftlichen Abteilung der Berliner Naturfreunde durchgeführt. Die nächste Wanderung hat das städtische Rieselgut Blanken- i e l d e und das naturwissenschaftlich' interessante Gebiet um Schildow zum Ziel. Am Sonntag, 24. März, 9 Uhr, treffen sich die interessierten Naturfreunde, Sportler und Parteigenossen am Endholtepunkt der Straßenbahnen 48, 51 und 199 in Nordend. Bon dort geht die Wanderung zunächst zum Rieselgut Blankenjeldc. Dort wird Fach- liches und Soziales aus dem Land- und Gutsarbeiterlebcn gezeigt. Sachverständige Führer erläutern aus Grund eigener Erfahrungen die technische Einrickstung des Gutes und der Riesclanlagen mit Ein- ichluß der geplanten Neuerungen in den Kläranlagen. Die alte Mönchsmühle wird dann durch den Mund eines Kenners von ver- qangenen und gegenwärtigen Zeiten künden. In der Nähe von Schildow wird vor ollem die Wanderung durch das Kalktusfgebiet bei Schildow Interessantes bieten. Es bietet sich hier ein Landschasts- bild mit einzigartigen geologischen Erscheinungen, das im ausge- sparten Gelände erhalten wird. So tragen die Naturfreunde durch „soziales Schauen" zur Erkenntnis in Arbeiterkreifen bei und nie- mand sollte sich die Gelegenheit entgehen lassen, fein Wissen zu bereichern. Die Abteilung Mitte des Touristenvereins„Die Naturfreunde" veranstallet am Sonntag, 24. März, ein« Wanderung durch den Grunewald. Trsfspunki: 8.30 Uhr, Bahnhof Grunewald. An den Ostersciertagen führt die Wanderung der Abteilung Mitte von Werder über Phöben, Götzer Berg nach Brandenburg. Abfahrt 1. Osierfeiertag 6.25 Uhr ab Potsdamer Hauptbahnhof. Reisen mit den Naturfreunden. Wieder kommen die Uriaubstage und jeder hat wohl auch de» Wunsch, wenn es irgendwie angängig ist, einmal im Jahre seiner alltäglichen Umgebung zu entfliehen, um sich für die kurzen Frei- tag« etwas zu entsponnen. Es ist für den einzelnen— selbst bei den bescheidensten Ansprüchen— nicht immer leicht, den Urlaub so zu verleben, daß er ihm eine Quelle dauernder angenehmer Er- innerungen bleibt. Sehr oft ergibt sich schon bei dem ersten Ueber- schlag, daß die in Aussicht genommene Reise aus Mangel an Mitteln xicht durchgesichrt werden kr.— Abt. Stiinau; Tiritstaijü Gemlinsilxiftslxius Gutshpf galtenbrrfl; Abtei lungaturnicr.— Abt. Sumboldtbain: Dicns.au- Bminnenstr. l bei Drilllina: Endspiele.— Abt. Friedrichshain: Montag- lind Mittwochs Straßniannstr, 42 bei Albreiht:„Die Alicchin-Verleidlauna"..- Abt ktreuzberp: Donnerstags Planuscr 7ö— 7« bei Krepp:„Eriiffnunaolehre". Abt. Treptow: Donnerstags Elson-, Ecke Beermannstragr bei Nols:..Die Wiener Partie".— Abt. Westend! Donnerstage tkharlottcndnra, Lophic-Eharlotle- Strafte M bei gamtn: Beginn des Anfängerkursus.— Abt. Prenzlauer Aerg: Donnerstags Danzigcr Elr. 71 bei Klug: Abtcilnngsturnier.— Ab«. Siemen-. stadt: Donnerstags Eiemensstr..74 bei Hesse.-- Abt. Rcinickeubors.Osl: Donnerstags Rendcnzstr. lüll bei Rochlmus: Baucrncndspiele.— Abt. Wrdbinq: ssreitaqs Miillerstr. SS bei Herms:„Dauiengambit".— Abt. Mitte: �reitaa:. Zionstirchplaft ,7 bei Kurzrock:„Aljechins Eröffnung".— Abt. Weiften!cc: Frei tags bei Sollas, Bcrlincr Allee, Ecke Lchbcrstraftc:„Eröffnungslclire". Anfragen in allen Vcreinsangelegenheitcn an Georg Werwinfki, S. 59. Planuser 91. Freie Kanu-Uxio» Enoft-Berlia. Donnerstag, Li März, M Uhr, Bar stanbsfiftung bei Prondzinfti, Grtinthaler Etr. li lZILHe Bhf.»iesnnbbrunnen). Mittwocb, 20. März. Berlin. 16.00 Oskar Baum. Prajj; Hörl das Ausx— sieht das Ohr? 16.30 Jujcndbuhne: Szenen aus„Hamlet". 18.10 Dr. Hans Bollmann: Sportschau des Monats. 18-38 Drt Sleslried Mauermann: Die Venlechtanü im I.cbcn der Kunst Westeuropas. 19.00 Heiltran: Rechlsirascn des 7ascs. 10.30 Slegerwald: Der deutsche Arbeiter und die Weltwirlsühaft. 20.00 Wovon man spricht.(Redner und Thema Verden durch Rundfunk be- kunntrereben.) 20.30 Irland in Musik und Dichtua;.(Berliner Funk-Orehesicr. Dirisent: Bruno Seidier-Wlnkler.) Ansehliellend: Presseumschau des Drahtlosen Dienstes. Nach den Abcndmeidongen bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hoifmann). Königswustcrhausen. 1610 Kalbe Uaebel: Das Berechtignngsunvesen. 16.30 Nactonitiarskonrerl von Hamburg. 17.30 Theodor Heuß: Buch und Wirtschaft- 18.00 Harald Braun: Aktuelle Romanstoffe: Die Wendung zur Geschichte 18.30 Französisch für Fortgeschrittene. 13.55 lug. H. Bornemann; WeTknicistcrlehrgaiig Sur Facharbeiter: Elektro- techrük. U.jo Prot Dp, tfeog Mennatmj Usflbnars»«to$eirtcte« xo» Jtusd.. � ßelchäfa-Jlnsmer (Bezirk füden-Weften. �NTE��EICHSAUFSICKTmU Nach dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch �uf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchenaustritt erforderlich [G F. är Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuch Haupt- Cieschäftsstelle: Berlin N. 4, Invalidenstr. 110 Fernruf Norden 38«5-88, 5044 Wittling& GUIdner BAUAUSFÜHRUNGEN HOCHBAU. TIEFBAU Bln.-Wilmersdorf HELMSTEDTER STR. 3= TEL. AMT UHLAND 962/63% Friedrichshagener �|gi� ,,, Baugenossenschaft E'B. 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I.—, Monatsbeitrag M 0,70 einschl. Todesfall-Unterstütznng 70 Beratungsstellen in Groß-Berlin Institut für Lidit- und physikalische Behandlung, Höhensonne, Massage usw. Aaskuoft erteilt«He Geschäftsstelle. IggE-G m.' b.H Genossensdiafts-Tisdilereüdeal 3iscMeMci für Jtlöbcl. FZ«KK u. JinncnatMsbatM f>°s Neukölln(Hermannshof) Harmannstr. 48. Tel. F 2 Neukölln 2444 ytlcrücn fic sitfk bitte: eine Adresse für Ihre Wäfäe, es ist die besonders bevorzugte 3>amtff-H7ii»tbevei Westend Charlottenburg, Wallstrape 22. Telephon: VCilh. 6693 1 1 W�ir liefern Qualitätsarbeit und sind billig #•••—»atfaa— s—m—s•»•»»»»»»»— Kaufhaus Max Cohn (Inhaber Georg Hirschfeld) Qrünstr. 23-24 KÖPENICK am SchloBplatz Das Haus der guten Qualitäten[if.ih OOS?OOOOSOOO««O 6666e—#• OOOOOO«S»O«OO6Oj — Franz Lange-rrr Fabrik für Eisenkonstruktionen, Kunst- und Gesenkschmiede/ Bau- Beschlag Berlin-Wilmersdorf, Cicerostraße 20 , Fcrnsprech«AnschluSi Uhland Nr. 6989 and 6590 Gebr. 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