Morgenausgabe Nr. 135 A65 46. Iahrgang WöchentNch 85 monatlich ZfiMR. im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. emschließlich tiO Pfg. Postzeitung»- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6.— M. pro Monat. De? �VorwSrts� erscheint wochentög« Lch zweimal, Sonntags und Montags > einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilaoen„Volt und Zeit" und„Kindersreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauen- stimme".„Technik".„Blick in die Vücherwelt" und„Iugend-Dorwärts" Nerlincr Solksblatt Donnerstag 21. März 1929 Groß-Verlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeil« S0 Pfennig Retlame�eile Belchs» mark.„Kleine Anzeiget da, ,ettge- druckte Dort 25 Pfennig(zulässig zwei fettaedruckre Worte), jede, wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da, erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 50 Pfennio. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annähme im Hauptgeschäft Linden« strotze 3, wochentägl. von S'/a bis 17 Uh«. Sentvalovga« der GoziatdemokraMOen OavieS Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprechei: Dönbokt LS2— Z97 Telegramm-Adr� Sozialdemokrat Berti» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin S7 636.— Bankkonto: Bank der arbeitet, angestellte» und Beamten Wallstr. 65. Diitonto-Gelellschast. Depositentaste Lindenstr. 3 Sturm auf die Sozialgesetze. Angebliche Mißbrauche und falsche Sparmaßnahmen. D�e Unternehmeroerbände laufen wieder einmal Sturm gegen die Sozialgesetzgebung. Natürlich wird das Ziel nicht offen eingestanden Man gibt vor,..Miß- brauche" in der Arbeitslofenoersicherung. abstellen zu wollen, andererseits durch Sparmaßnabmen der schwierigen Finanz- läge des Reiches abzuhelfen. Der Hansa-Bund hat zu diesem scheinbaren Zweck seine Vorschläge gemacht, deren Voraus- fetzung aber der Abbau der Sozialgcfetz- g e b u n g ist. Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hat in einem durch die Veröffentlichung in der Presse nicht mehr vertraulichen Rundschreiben ihre Mitgliedsorganisationen aufgefordert, Material einzuschicken, um gegen die Arbeits- losenverficherung in der Presse Stimmung zu machen. Daß diese Stimmungsmache selbst in der bürgerlichen Linkspresse Eingang gefunden hat. zeigt eine oberflächliche Lektüre der deutschen Presse der letzten Wochen. Wenn die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberver- bände wirklich nur Mißbräuche und Auswüchse in der Ar- beitslosenversicherung abstellen wollte, so hätte sie die Mög- lichkeit, innerhalb des Vorstandes und des Verwaltungsrates der Reichsanstalt, wo sie vertreten ist, entsprechende Vor- schläge zu machen. Wie auf einer Pressekonferenz des Allge- meinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, die gestern stattfand, festgestellt wurde, sind solche Vorschläge nicht gemacht wor- den. Das„Material", das die Vereinigung der Presse zu- gehen läßt, ist der Reichsanstalt für Arbeitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung vorenthalten worden. Das ist durchaus begreiflich-, denn entweder ist dieses Material überhaupt nicht stickhaltig, oder die Anaaben ünd aar nicht nachzuprüfen,- weil Ort, Zeit und nähere Umstände, wo solche Mißbräuche angeblich vorgekommen sind, fehlen. - Angesichts der systematischen Stimmungsmache gegen die Sozialgesetze war es deshalb sehr zu begrüßen, daß der ADGB. die Vertreter der Presse zu einer Besprechung ein- geladen hat, um sie über den tatsächlichen Stand der Dinge zu informieren. Soweit di« Reichsanstalt für Arbeitslosen- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung in Betracht kommt, ist festzustellen, daß ihre Finanzlage besonders ungünstig be- cinflußt worden ist durch die Kürze der Zeit ihres Bestehens, die es nicht ermöglicht hat, einen größeren Notstock anzu- sammeln für die Zeit der außerordentlichen Arbeitslosigkeit, küe das Jahr 1928 und besonders der außerordentlich harte Winter, den wir jetzt hinter uns haben, mit sich gebracht hat. Obwohl der n i e d r i g st e Stand der Arbeitslosigkeit während des anderthalbjährigen Bestehens der Reichsanstalt 561 009 Hauptunterstützungsempfänger betrug, um bis Ende Februar auf rund 2� Millionen anzu'chwellen, ist es infolge der Durchführung der auf Grund des Gesetzes möglichen Per- waltungsmatznahmen gelungen, die Zuschüsse, die aus öffentlichen Mitteln geleistet werden, aegenüber der Zeit vor der Einführung der Arbeitslosenversicherung gan, erheblich berab zusetzen. Während des Krisenlcihres 1926 mußten Reich. Länder und Gemeinden aus öffentlichen Mitteln rund 7 00 Millionen Zuschüsse zur Erwerbslolenfür- sorge zahlen, obwohl damals bereits die Beitragsvflicht in der L>öhe von 3 Vroz. bestand, aber der A n s p r u ch der Ar» beitslolen auf Unterstützung bedingt war durch die B e- dürftigkeitsprüfung. Jetzt hat der Arbeitslose, sakern er 26 Wachen Beiträge geleistet hat Anspruch auf Ar- beitslosenunterstützung. Trotzdem beläuft sich der Zuschuß, den das Re'ch bis jetzt inlolge der Krise und des außerordent- stch harten Winters geleistet hat, nun auf insgesamt 236 Mil- lionen. Gerade das Gesetz über Arbeitslosenversicheruna und Arbeitslosenvermittlung hat also das Reich und die Länder ganz wesentlich entlastet, ohne die Rechte der Versicherten einznlchränk-n. Das wurd- zuwege geb'-acbt ba"''stächlich durch die Steigerung der Einnahmen, indem die Beitrags- Pflicht schärfer gezogen worden ist. Es kommt noch hinzu, daß unter dem Getetz der Erwerbslossnfürsorge die Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln ä konä« gegeben wurden, während es sich jetzt— abgesehen von den Zuschüssen für die Sonderfürsorge— um Darlehen an die Reichsanstalt handelt. Wenn in der Presse behauptet wird, daß die Reichs- anstalt«inen zu großen Verwalwngsapparat unterhalte, so muß darauf hingewiesen werden, daß seit Uebernahme der Verwaltung durch die Reichsanstalt das Personal in der Ar- beitslosenversicherung und Arbestslosenvermittlung um rund 4666 oermindert worden ist- Man übersieht weiter, daß die Reichsanstalt nicht nur die Arbeitslosenunterstützung auszu- zahlen hat. sondern vor allen Dingen geschaffen ist. um die Vermittlung von Arbeitskräften und die Be- rufsberatung durchzuführen. Räch den Erklärungen, die der Präsident der Reichs- anfüllt, Dr. S y r u p, gestern abaegeben hat, ist die Reichs- onstalt in der Lage, aus eigenen Mitteln, ohne Reichszuschuß, das ganz« Jahr hindurch die Lnjprüche von 806 006 Haupt- Hilf- für Ostpreußen. Gesehentwurf einstimmig vom Ministerrai angenommen. Amtlich wird mitgeteilt: Unter dem Vorsitz des Reichs- Präsidenten wurde am Miitwochnachmittag ein Ministerrat abgehalten, an welchem der Reichskanzler mit den Mitgliedern des Reichskabinetts und die zuständigen Minister des preußischen Staatsmini st«riums teilnahmen. Auf der Tagesordnung stand der Entwurf des Reichsministers für Er- nährung und Landwirischoft über wirtschaftliche Hilfe für Ostpreußen, über den zwischen Reich und Preußen eine vor- läufige Einigung erzieU war. Der Gesetzentwurf enthält eine Fülle von Bestimmungen zur Sicherung der landwirtschaftlichen Gütererzeugung und zur Stützung der mit der Landwirtschaft verflochtenen Wirtschaft in der von dem übrigen Reichsgebiet abgeschnürten Provinz Ostpreußen. Die Bestlmmimgen des Gesetzentwurfs beziehen sich im einzelnen auf die unbedingt erforderliche Lastensenkung, die Neusiedlungen und Anliegerstedlungen, eine umfassende Kredithilfe und die Kredit- und Grundstücksregulierung. Alle diese Maßnahmen im Zusammenhang mit den seit längerer Zeit im Gange besindlichen sonstigen Aktionen des Reiches und Preußens dürsten geeignet sein, der besonderen Notloge der ostpreußischen Landwirtschast noch Möglichkeit zu steuern. Die erforderlichen namhaften Mittel sollen noch im Nahmen des Rcichshausholtsplanes ISZg flüssig gemacht werden. Mit der Ausführung der nach diesem Gesetz nötigen Maß- nahmen des Landankaufs und der Grundstücks- und Kreditregu- lierungen wird die preußische Landesregierung beauf- tragt. Ein von der preußischen Landesregierung zu diesem Zweck zu bestellender Kommissar wird im Einvernehmen mit der Reichsregierung ernannt. Er erhält seine Weisungen von der preußischen Landesregierung im Benehmen mit der Rcichsregierung. Der Ministerrat«rteilt« nach«ingehender Aussprache einstimmig dem Gesetzentwurf seine Zustimmung. Der Gesetzentwurf, der mit dem Tage der Verlündung in Kraft treten soll, geht sofort den gesetzgebenden Körperschaften zu. Der Reichspräsident schloß di« Sitzung mit dem Ausdruck de« Dankes und der Anerkennung für die mit diesem Gesetzentwurf ge- leistete sachliche Arbelt. die«ine wertvoll« und wirksame Hilfe für O st preußen darstelle. Marschall Koch gestorben. Oer Oberkommandierende der aNiierien Heere im letzten Kriegsjahr. Paris. 20. Marz. Marschall F o ch ist heute nachmittag um 5%. Uhr einem Herzschlag erlegen. « Ist die Strategie eine besondere Kunst, die hohe Anforde- rungen an die Intelligenz stellt, oder wird diese Kunst nicht maßlos überschätzt? Wir in Deutschland haben alle Ursache, dem Begriff des„militärischen Genies" mit äußerster Skepsis zu begegnen. Um nur eins von verschiedenen Beispielen zu nennen: Seitdem wir wissen, daß der„g r o ße S t r a t e g« Ludendorff" eine besondere Abneigung gegen den Psy- chiater hat. seitdem wir die intellektuellen Fähigkeiten dieses Mannes mehr kennengelernt haben, der während des Krieges mit dem Nimbus des genialen Feldherrn ausgestattet war, ist es uns sehr schwer, an die militärische Kunst als an eine besonders hochstehende Gattung der menschlichen Intelligenz zu glauben. Sicher spielt die Geschichtsklitterung, die in allen Schulen aller Länder seit jeher in bezug auf Feld- züge und Feldherren getrieben wird, bei der allgemeinen Ueberschätzung des militärischen Ruhmes eine wesentliche Rolle. Man uberträgt auf einen Mann, well er gerade Gene- ralissimus ist, das Verdienst an Siegen, die in Wirklichkell mindestens ebenso sehr von zahlreichen Unterführern und von der namenlosen Masse der„gemeinen" Soldaten errungen werden. Und so weit es wirklich besondere strategische Fähig- kellen gibt, sind es oft still« Mitarbeiter und Untergebene, die sie allein besitzen, während der Ruhm und die Orden fast aus- schließlich ihrem obersten Vorgesetzten verliehen werden, der nach außen hin das Kommando führt«. Es hat auf d e u t s ch e r Selle während des Krieges Bei- spiele genug solcher frommen Geschichtslügen gegeben, um nicht zu oermuten, daß es auf der Gegenseite genau dasselbe war. Wir wollen hier di« Frage offen lassen, ob eine solche Skepsis auch auf den MarschallFoch anwendbar ist, oder ob er w i r k l i ch der geniale Feldherr war, als der er natür- lich nach dem Sieg der Alliierten fast in der ganzen Welt gefeiert wurde. Vielleicht hat er nur etwas mehr Glück Sehabt als seine drei Vorgänger an der Spitze der französi- hen Armee Ioffre, Rioelle und P 6 t a i n. Vielleicht hätte es ein jeder Durchschnittsgeneral genau so gut geschafft wie er, als das frische Millionenheer aus Amerika nach Frankreich gekommen war und gegen die schlecht ernährten, mangelhaft ausgerüsteten und mit unver- gleichlich weniger Munition, Tanks und Flugzeugen ver- scheuen Reste der deutschen Armee eingesetzt wurde. Immerhin ist das eine unbestreitbar: das persön- lich e Prestige von Fach war im französischen Dolke und darüber hinaus auch in den übrigen alliierten Ländern so groß, daß seine Ernennung im Frühjahr 1918 zum alleinigen unterstükungsemvfängern zu befriedigen. Berücksicsttigt man, daß z. B. im Sommer 1927 der Tiefstand der Anzahl der Hauptunterstützungsempfänger bei 336 666 und der Höchst- stand im Winter 1927/28 bei 1 376 666 lag, so wird man fest- stellen, daß der zur Scbau gestellte Pell'mismu« mindestens stark übertrieben ist. Es darf eben nicht vergessen werden, daß durch den außerordentlich harten Winter nicht allein die Außenberufe vollständig zum Erliegen gekommen sind, sondern auch andere Berufe teilweise stillagen, die nicht zu denen gehören, die im Winter unter Arbeitslosigkeit leiden. Die Anzahl der Arbeitslosen ist nach den Mitteilungen des Präsidenten Dr. Syrup dadurch nm 1566666 er- h ö h t w o r d e n. In der nächsten Woche wird also die Anzahl der Haupturnerstützungsempfänger auf 966 666 sinken. Dadurch wird eine weitere Belebung des Arbeits- Marktes eintreten, so daß auch mit einer Besserung der Kon- junktur für das kommende Frühjahr gerechnet werden kann. Aber es liegt durchaus auf der Linie der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverdände. durch übertrieben pessi- mistische Beröffentlichungen eine Art Panikstimmung zu erzeugen, um den Abbau der Sozialgesetzgebung in die Wege zu leiten. Rur so ist es auch verständlich, wenn der Hansa-Bund seine ungeheuerlichen„Sparmaßnahmen" auf Kosten der Sozialversicherung vorzuschlagen wagt. Nicht weniger als 264 Millionen sollen nach den Vorschlägen des Hanja-Bundes bei den Sozialversicherungen gespart werden. Dies« Sparmaßnahmen könnten ohne Aenderungen der bestehenden Gesetze gar nicht durchgeführt werden. Es kommt also auch hier nicht auf angebliche Sparmaßnahmen, son- dern auf den Abbau der Sozialgesetze hinaus. Allein bei der Invalidenversicherung will der Hansa-Bund nicht weniger als 172 Millionen in diesem Jahr sparen, obwohl die D u r ch f ch n i t t s r e n t e der Rentenempfänger nur 29 Mark im Monat beträgt. Der Höchst- s a tz. den ein Versicherter heute überhaupt beziehen könnte, wenn er niemals arbeitslos war und seit Bestehen der Alters- und Invalidenversicherung immer in der höchsten Klasse Bei- träge geleistet hätte, würde heut« 57 Mark monatlich be- tragen! Das sind die Folgen der Inflation, die das Vermögen der Versicherungsanstalten vernichtet hat. Daß unter diesen Umständen die Rentenempfänger auch noch aus der Wohl- fahrtspflege unterstützt werden müssen, liegt auf der Hand. Die Sparmaßnahmen des Hanfa-Bundes find also gar keine Sparmaßnahmen. Was das Reich auf der einen Seite weniger aufbringen würde, müßte auf der ande- ren Seite durch die Wohlfahrtspflege, also wieder aus öffent- lichen Mitteln, aufgebracht werden. Darüber hinaus verlangt der Hansa-Bund u. a. die Streichung von 32 Millionen Reichszuschüsse zur Familien- wochenbeihilfe. Hier schneidet der Hansa-Bund ein Problem der Bevölterungspolstik an, zu dem die angebliche Sparmaß- nabme von 32 Millionen in k-i'-em Verhältnis steht. Nicht Abbau, sondern Ausbau und Aufbau der Sozialversicherung tut not! Das Blutbad von Dinant. Reichspost gegen eine belgische Druckschrift. Wie die„Voffifche Zeitung* erfährt, hat das Reichspost- Ministerium vor kurzem an sämtliche Postanstalten folgende Verfügung erlassen: Nach den Berichten einiger Oberpostdirektionen an das Reichs. Postministerium wird von der belgischen Stadt Dinant an Empteinger in Deutschland, namentlich an Bürgermeister, unter Streifband eine Druckschrift, betitelt..Das Märchen non den Franktireurs von Dinant", versandt, die an zahlreichen Stellen schwere Beleidi- gungen und Schmähungen des früheren deutschen Heeres, insbesondere der sächsischen Truppen, enthält. Da der mit der Versendung der Druckschrift erstrebte Zweck als gegen das öffentliche Wohl gerichtet anzusehen ist. werden die Postanstalten angewiesen, solche Drucksachen von der Posibesörderung auszuschlietzeu und als nnzustellbare. wertlose Drucksachen gemäß 8 47/3 der Postordnung zu behandeln. Die von einem belgischen Geistlichen und einem belgischen Staatsanwalt oerfaßte Schrift ist eine Antwort auf die Denkschrift des Würzburger Professors M eurer, die im Auftrag des Parlamentarischen Unterausschusses des Reichs- tags verfaßt ist. In dieser Denkschrift, die von den sozial- demokratischen Mitgliedern des Ausschusses unzweideutig ab- Selehnt wurde, wird der Nachweis zu erbringen versucht, daß ie Tötung von 517 männlichen und 92 weiblichen Einwohnern von Dinant und die Per- brennung eines großen Teils der Stadt am 23. August 1914 Folgen eines Franktireurkriegs gewesen seien, den die Einwohner Dinants gegen die Deutschen geführt hätten. Die belgische Schrift dient dem Zweck, zu beweisen, daß es einen solchen Franktireurkrieg nicht gegeben habe. Wenn eine deutsche Schrift den Einwohnern von Dinant die Schuld an dem Unglück ihrer Stadt zuschreibt, gegen die Verbreitung einer Entgegnung aber von deutsch-amtlicher Seite eingeschritten wird, so ist das ein mehr als sonderbares Verfahren.„Das öffentliche Wohl* kann zu seiner Deckung nicht herangezogen werden, denn das öffentliche Wohl er- fordert die Feststellung der Wahrheit durch freie Rede und Gegenrede. Das Verbot, die belgische Schrift als Drucksache zu be- stellen, ist sinnlos, well erstens die Versendung schon vor Monaten erfolgt ist, zweitens aber sie nach Belieben fortge- setzt werden kann, wenn sie in geschlossenem Um- schlag erfolgt. Erreicht ist also nichts, als daß die Versender zur Zahlung eines höheren Portos verurteilt find. Wahr- scheinlich werden sie aber jetzt in der Lage fem. die höheren Unkosten reichlich zu decken und ihre Broschüre, statt wie bis- her gratis, gegen Bezahlung zu oersenden, nachdem die Reichs- post für sie so trefflich Reklame gemacht hat. Erreicht wird ferner eine Verzögerung des Postbetriebs infolge zweckloser Durchsuchung der Drucksachen nach.Konterbande*. Das Ganze ist ein mit untauglichen Mitteln unter- nommener Versuch, die Bürger der deutschen Republik geistig zu bevormunden und ihnen unliebsame Lektüre vorzuenthalten. Dagegen muß um so entschiedener Einspruch erhoben werden. als der Vorgang leider nicht allein steht. Auch heute noch, 81 Jahre nach dem März von 1848, gibt es in Deutschland allerlei Vormärzlichkeiten. Not tut auf den verschiedensten Gebieten weniger bureaukratische Aengstlichkeit und mehr Respekt vor dem, was den geistigen Inhalt einer demokrati- schen Republik ausmacht, vorpersönlicherund kultu- reller Freiheit! Bureaukratie macht was sie will. Verlehungen des Eiatsrechts und der Haushalisordnung festgestelli. Dein Reichstage liegt>«tzt der gedruckte Bericht des Rech- flungsausschusses über die Reichshaushaltsrechnung v o n l 9 2 7 vor. Er enthält eine ganz« Reihe interessanter Feststellungen und Bemerkungen über Verletzung der Haus- Haltsordnung und des Haushaltsrechts des Reichstags. Insbesondere wird darauf hingewiesen, daß viele über und außer- planmäßig« Ausgaben der notwendigen Begründung des unabweis- baren Bedürfnisses entbehren. Das Reühsfinaozmimsterium habe nicht immer mit der gebotenen Schärfe die Verletzungen des Haus- Haltsrechts abgewehrt. Der Ausschuß, so wwd erklärt, werde in Zukunft bei unzureichenden Begründungen oder Recht- fertigungen von U-berschreitungen deren Genehmigimg beim Reichs- tag nicht mehrbeantragen. Weiter werden die umfangreichen Dorgrssfe bemängelt, die im Laufe der Jahre einen solchen Umfang angenow- men hätten, daß sie aus den laufenden Bewilligungen nicht mähr obgedeckt werden können und ihr« Bereinigung durch Sonder- bewiligungen erfolgen müsse. Der Bericht wendet sich auch gegen Zulassung gegenseitiger Deckungsfähigkeit übertrogbarer Haushaltsmittel. Er kriti- fiert weiter die Ansammlung von Resten. Bei einzelnen Haushalten habe sich die Praxis herausgebildet, starke Reste als eine Art von BetrtebsmttWfonds anzosammekn. Die Ronfeguenz fei, daß für eine erhebliche Anzahl von Haushalts- titeln dem Reichstag« bei der Haushaltsberatung die»olle Höh« der den Verwaltungen zur Verfügung stehenden Mittel nicht bekannt sei. so daß er bei der Bewilligung der Mittel für das kommende Jahr nicht klar sehen könne. An vielen Stellen sei die Ueb crschreitung de» Haas- haltsplans durch Ersparnis bei anderen Ausgabetiteln als gedeckt bezeichnet worden. Dieses Verfahren bietet die Gefahr, daß es sich bei der Zurverfügungstellung von Resten zur Deckung ander- weitiger Ueberschrettungen gar nicht um echt« Ersparnisse handelt. sondern um die Rest« von Titeln, die im Soll zu hoch angesetzt gewesen sind. Bei einzelnen Ministerien sei diese Praxi» der Benutzung von Weulger-Ausgaben zur Deckung von Aeberschreituugen schon in ein feste» System hineingewachsen, so beim Reichswehr- Ministerium. Besonders auffällig sä bei der Haushaltsrechmmg 1927. daß ü berund außerplanmäßige Ausgaben für Minister. mohnungen gemacht worden sind. So sä die außerplanmäßig« Ausgabe ftlr die Ausstattung der Wohnung d«? Reichowirt- schaftsministers fein unabmäsbare» Bänirfws gewesery well die Wohrmng vom Rächswirtschastsminister gar nicht in An- spruch genommen worden ist. Auch bei der Ausstattung der Noh- mmg des Reichsfinanzministers hätte die GenehmiMmg zur Ueberschreitung der Ausgaben eingeholl weiden müssen. Erhebliche Ueberschreitungen bringe die Zersplitterung des Nachrichtenwesens mit sich. Beim Haushall des Aus- wörtigen Amt« wurde sine Anzcchl Ueberschreitungen festgestellt, für die die Genehmigung des Finanzministers nicht ein- geHoll wurde. Es handle sich hier mn eine grobe Verletzung der HaoshaVs- ordnung. Zum Schb/ß stellt der Bari cht fest, daß vielfach Ausgabemiftä well über das tatsächliche Bedürfnis hinaus angefordert worden waren. Angesichts der Finanzlage des Räche» müsse verlangt werden, daß bä der Anforderung mm Mitteln hm sichtlich der Bedürsnisfrage der strengste Maßstab angelegt werde. Oberbefehlshaber sämtlicher Ententetruppen auf der Gegen >efte einen starken Optimismus auslöste. Sicher ist auch, daß Fach das Oberkommando in einem Bit die Entente sehr kritischen Augenblick übernahm, «imlich zu Beginn der großen deutschen Frühjahrs- « f f e n s i v e an der Westfront. Durch den ersten Stoß war »ie alliierte Front in der Nähe von A m> e n s beinahe »urchbrochen, und wenn es nicht im letzten Augenblick ge- stückl wäre, die Lage wieder herzustellen, dann würden das mglische und belgische Heer vom französischen vollständig lbg-trennt worden sein. Eine der ersten Maßnahmen, die inier dem Oberkommando von Foch verfügt worden waren. «»ar die Bildung einer starken Re s e r n e a r m e e, die erst m Anspruch genommen werden sollte, wenn die deutsche Offensive zum Stillstand gekommen sein würde. Es ist nicht pl leugnen, daß Foch und seine Mitarbeiter, auch in den 'ritischsten Tagen des deutschen Vormarsches ein hohes Maß »frn Kaltblütigkeit bewahrten und dieses Reservoir. »rts für den späteren Gegenstoß bereitgehalten werden sollte. »icht in An-spruch nahmen. Es folgte im Juli der s w e i t e deutsche Durchbruchsversuch, diesmal an der Oise sei Compidgne. an der Marne bei Chateau Thierry und in »er Champagne bei Reims. Auch diese Offensive war ein Ziehlschlag trotz anfänglicher Erfolge, bei denen das große »eutsche Hauptquartier sich rühmte, die Fochfche Reserve- »rmee aufgerieben zu haben. Selten hatten Lügen kürzere Leine als diese Luden- »orffschen Kriegsberichte. Kaum war diese letzte deutsche Der- iweiflungsoffensive zum Stillstand gekommen, da trat die auf Jem geduldigen Papier der deutschen Siegesberichte„auf- geriebene" Reservearmee in Aktion. Der Erfolg war so durch- chlagend, daß nicht nur die soeben eroberten neuen Stellun- len von den deutschen Truppen geräumt werden mußten, jondern nach wenigen Wochen bereits auch die vielgerühmte „Siegsned-Linie" an wichtigen Stellen durchbrochen war. Wenige Wochen später war der Zusammenbruch der Zentralmächte eine vollendeteTatsache. Die sehr harten Waffen st il Ist andsbedingun- ß e n, die im November 1918 durch Marschall Foch der von rrzberger geführten deutschen Delegation überreicht wurden, waren da» persönliche Wert des jetzt verstorbene» Oberkommandierenden. In einem türzlich erschienenen Buch »es Generals M o r d ac q. des persönlichen Verbindung»- rnannes zwischen Clemenceau und Foch,„Die Wahrheit über »en Waffenstillstand*, wird eingehend geschildert, wie nament- stch die Engländer starte Bedenken gegen die Härte dieser Be- »ingungen hatten und wie man selbst auf französischer Seite »efürchtete. daß die Deutschen am Ende derartige Bedingun- xen ablehnen würden. Schließlich setzte Foch, namentlich von »en Amerikanern unterstützt, seinen Willen durch. Mordacq zibt zu, daß man auf alliierter Seite über den Umfang des »eutschen Zusammenbruches nicht recht unterrichtet war, und rus seinen Schilderungen spricht das nachträgliche B e- dauern der französischen Militärs, daß sie den Deutschen überhaupt den Waffenstillstand gewährt haben. Nach Beendigung der Feindseligkeiten setzte Foch alles »«an. gestützt auf seinen frischen Ruhm, m die diplomatischen Verhandlungen aktiv einzugreifen und besonders die v ö l l i g e Loslösllng de« Rheinlandes von Deutschland durch- Zusetzen. Ohne den Widerstand, der ihm von englischer und amerikanischer Seite entgegengesetzt wurde, wäre es ihm wahrscheinlich auch geglückt, dieses wahnsinnige Militär istische Kriegsziel zu erreichen. Aber Clemenceau, der sogar um eine z e it l i ch begrenzte Besetzung des Rheinlandes schwer ZU kämpfen hatte, lehnte es ab. diese Forderung von Foch offiziell zu vertreten. Darüber gerieten der Ministerpräsident and der Generalissimus in einen außerordentlich scharfen Konflikt, und es ist historisch verbürgt, daß sie sich im Laufe einer sehr gereizten Auseinandersetzung gegenseitig mit Sem Staatsgerichtshof drohten. Foch blieb nach Friedensschluß noch lange Zeit Bor- sitzender des Obersten militärischen Rates der Alliierten und führte in dieser Eigenschaft dauernd das große Wort bei den Verhandlungen über die Durchführung der E n t w a f f- nung Deutschlands. Er zeigte sich dabei von einer Rigorosität, die um so unangebrachter war, als er selber mährend der interalliierten Friedensoerhandlungen einen Entwaffnungsentwurf ausgearbeitet hatte, wonach Deutschland ein Heer von 200 000 Mann mit einjähriger D i e n st z e i t. einen Generalstab. 180 schwere und 600 leichte Geschütze belassen werden sollten. Dieser ursprüngliche Vor- schlag von Foch entsprach wohl dem militaristischen-Uätcr- gedanten, daß Deutschland ein« ansehnliche Wehrmacht be- halten müsse, damit der Ruf nach allgemeiner Abrüstung nicht laut werde. Dieser erste Entwurf von Foch begegnete dem lebhaften Widerstand der Engländer und aus diesem Konflikt entstanden schließlich die Versailler Entwaffnungsbedingungen. In den letzten Jahren war Foch weniger hervorgetreten. Er gefiel sich darin, hin und wieder pazifistisch gefärbte Inter- niews zu publizieren. Vielleicht hatte der„Geist von Locarno* sogar auf diesen eingefleischten Militaristen etwa» abgefärbt... 5ochs Lebenslauf. Pari«. 20. März.(Eig-nHericht.'» Der lwnrnchr im Aller von fast 78 Jahren verschiedene Ma rscholl Fach ist in Taibes in den Pyrenäen geboren. Seine Familie war eine in ganz Spanien bekannt« Kauffnanns- und Be- amtenfamili«. ein Bruder Fuchs war Rechtsanwalt, ein zweiter trat in den Jesuitenorden. Der sirnge Foch trat bereits im Jahre 1870 ah Krieg sireiwilsiger in die Armee ein, wurde aber mir im Re- krutendiensto verwandt. Nach dem Kriege studierte er in Metz und Raney. um 1874 zum Offizier befördert, in seine Heimat Tarbes zurückzukehren. Als Hauptmann mit Vorlesungen an der Kriegsakademie in Holland betraut, hielt er«nffebenerregend« Kurse über angewandte Strategie und veröffentlichte ein vielbeachtetes Buch über den älteren Moltke. Es folgte«ine kurz« Zeit im aktiven Dienst. Dann berief Clemenceau den späteren„Bater des Sieges*, den hoch- betagten Offizier, zun, Vater der Kriegsakademie. Auf diesem Posten entfaltete Foch eine höchst aktive Tätigkeit: man kann sagen, daß er geradezu die heutige Offiziersgeneration des Landes herangebildet hat. Als der Krieg ausbrach, kommandierte er das 20. Armeekorps in Nancy. Gleich zu Beginn der Feindfeligkeften verhinderte der von ihm organissort« Widerstand bei Mörchingen«inen völligen Zusammenbruch der Arme« Caftelnau. Während der Marnefchlacht stand Foch alsdann an der Spitze der 9. Armee und nahm entscheiden- d«n Anteil am Sieg. Clemenceau war es tniedemm, der seine Ernennung zum Oberbefehlshaber der aUnerten Streitkräfte durchfetzt«. Als solcher errang er sein« glänzendsten Erfolge in der dritten Marnefchlacht. auf welche die großen Offen- sinm der Amerikaner in der Woevre und der Engländer und Fron- zosen an der Smnme sowie die Schlachten von Cambrai und St. Quentin folgten, die den völligen Zirfammenbruch Deutschlands zur weiteren Folg« hatten, Rotetat angenommen. Misttravensvotum gegen den ei chSfioauMiaistn' beantragt. Der Reichstag hat gestern den Notetat gegen die Stim- men der Kommunisten, der Deutschnationalen, der National- sazialisten und der Christlich-Nationaleen angenommen. Die Kommunisten brachten ein Mißtrauensvotum gegen Reichsfinanzminister Dr. Hilferding er«. Die Abstun- mung darüber erfolgt heute, die Ablehnung ist außer allem Zweifel. Das Recht der verheiratete« Beamtin. Sozialdemokratischer Antrag im Louptaveischvß angenommen. Der Ausschuß für den Reichshaushakt behandelt« in seiner Mittwochsitzung den Autrag des Zentrum» und dar Bayerischen Bolkspanei, denArtikelI4d«rPersonalobbauv«rord- nung nicht am 31. März 1929 außer Kraft treten zu lassen. Der betreffende Artikel behandelt den Abbau verheirateter Beamtinnen und regelt die Abfindung für die von ihnen er- dienten Pensionsansprüch«. Im Gegensatz dazu legte hie sozialdemokratische Fraktion einen Antrag vor. denjenigen Beamtinnen, die nach Ablauf de« Artikels 14 wegen Verheiratung freiwillig aus dem 'Reichsdienst auszuscheiden wünschen, für den Verzicht auf die er- dienten Pensionsansprüche im Verwaltungswege eine A b s i n- dungssumme im bisherigen Ausmaß zuzubilligen. Der sozialdemokratisch« Antrag wurde von der Genossin Böhm- S ch u ch in eindringlicher Weise begründet. Di« Zentrumsabgeord- net« Frau Teusch vertrat den Zentrumsantrag. Im Lauf der langen und lebhasten Debatte, an der sich zahlreiche weibliche Ab- geordnete aus allen Fraktionen beteiligten, wurde vom Abg. Leicht tBaycr. Vp.) der Antrag gestellt, die Frist für die Aufhebung des Abbaues um ein Jahr bis zum 31. März 1930 zu verlängern. In der Abstimmung wurde der Zentrumsantrag mit 12 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Gleichfalls der Ablehnung verfiel der Antrag Leicht. Dagegen wurde der fozialdemo- kratisch« Antrag mit 18 Stimmen angenommen. Gleichfalls angenommen wurde eine Zentrumsrejolution. im der die Regierung ersucht wird, die Dienst- und Rechtsverhätortfle für die verheiratete Beamtin möglichst bald durch eine reichsgesetzkichc Regelung zu ordnen. Die Ltmgemeindungsfragen. Suffchlieftuug des kommoualpolitlschen Beirats der SPO. Der kommunalpolitifch« Beirat der SPD. nahm in erner Sitzung am 20. März bei Anwesenheü des p r e u ßi sche n Inn« n- minister» und Vertretern der sozialdemokratische» Landtag»fraktion nach einem grundsätzlichen Referat des Genossen Harsch zu der Umgemeindungsvorlage der preußische» Regierung Stellung und faßte einstimmig folgende Entschließung: .Jbtr kommunalpolitisch« Beirot der SPD. erblickt in der Vorlage «men Schritt zur großzügigen Lösung des Umgemeindungsprobleins im rheinisch- westfälischen Industriebezirk. In bezvg auf die Neugliederung geht der Beirat von dem Gesichtspunkt aus, daß die Bildung leistungsfähiger Gemeinwesen eine unbedingte Stoatsnotwendigkeit ist, hinter der die örtlichen und parteipolitischen Wünsche zurückzutreten hoben. Dagegen, daß im Zusammenhang mit der Vorlage auch Aenderungen von Ge m e i n d e v e rf a s su n g s g e sc tz e n vorgeschlagen werden, ist nichts«inzuwenden. Die Möglichkeit der Einrichtung örtlicher Ber- waltungen liegt im Intoress« der eingemeindeten Orte und wird deshalb befürwortet. Der Erweiterung der Zuständigkeit der Kreise stimmt der Beirat grundsätzlich zu. Der oft geäußerten An- ficht, daß die Vorlag« eine einsettige Bevorzugung der Großstädte bedeutet, kann der Beirat sich nicht anschließe»! er stellt vielmehr fest, daß die Regierung in dem Streben, leistungsfähige Kommunal- gsbilde zu schassen und zu erhalten, Stadt und Land in gleicher Weise berücksichtigt. Ein baldiges Inkrafttreten des Gesetze» erscheint dem Beirat dringend notwendig." Zw Mecklenburgischen Landtag murd« am Mittwoch mir den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten beschlossen, all« mittel- oder unmittelbar mit den politischen Ereignissen des Jahres 1923 zusammenhängenden Strafen ohne Ablauf der Bewährungsfrist zu erlassen. Di« Regierung wird bald entsprechend verfahr«», 1812- 1929. f>tr französische Seaeral: �Schabe, hätte ich statt 200 Man« 200000 erfriere« lasse«, wär ich ei« Napoleon?� painleves„Strafmaßnahmen". Kahndung nach den— Anzeigern! par«». 20.«Urs.(«gnferthL) Vi« tlngelegenheil des Massensterben» der Soldaten der ve- fahnagsannee hat mit den gegen einige höhere 0sflzler« ergriffenen „Sanktionen" noch kein Ende gefunden. Nunmehr beginnen, worauf der sozialistische Abg. Barth« in einem Prolestsihretbea an den krlegsminister hinweist, die betreffenden mililSrischen Steven ihrer wnt freien Laus zu lassen: im Rheinland hat eine eifrige Fahndung nach den gemeinen Tätern" eingesetzt, die den Skandal au die Oefsentllchkeit gebracht haben. Sriegsminlster Painlevä beeilte sich, dem Protest Varthcs ein Dementi entgegenzusetzen. Barth« wird wahrscheinlich eine Zaterpellatio» einbringen. Ein Teil der Presse nimmt mit Absicht die von oben aufgezeigte »Spar" aus. nach der schlechte deutsch« Kohleultefe. rangen die Schuld tragen sollen! Vatikan und Glsässerbewegung. Paris. Sanuner. 20. März.(Eigenbericht.) 5n der Weuerberawng der Songregationsgesetze richtete der Sozialist g r 0 t an den Außenminister die Frage, ob die Regierung selbst zu ihren jetzigen Entschließungen gelangt sei oder ob man die oorllegendeu Entwürfe auf den Einfluß de« Latitaus zurückführen müsse...Also," rief Vriand.„Sie bezweifeln unsere Unabhängigkeit?" Ariand und Poinrarä beeilten sich dann zu ver� sichern, daß der Inhalt der Besprechungen zwischen der Regierung und dem Dotikan der Oeffentlichkeit stets mitgeteilt worden sei. F r 0 t fragt« weiter, ob der Vatikan nicht gegen die autonomistischen Priester im Elsaß einschreiten könne. Lriand antwortete, daß dir Vatikan die Stellungnahme de, Bischof, Ruch von Straßburg gegen diese Priester gebilligt habe. Während de» Krieges, fuhr der sozialistische Redner fort, hätten die französischen Katholiken den Vatikan gebeten, Stellung gegen andere katholisch« Mächte zu nehmen: er könne demnach auch heute in einer Frage Stellung nehmen, die für Frankreich so wichtig fei. Ministerpräsident P 0 i n c a r ä ries hier dazwischen, der Vatikan Hab« da» getan; er habe den Bischof von Straßburg verschiedentlich gemahnt, die über ihm stehende Obrigkeit zu respektieren. Gefährliche Teuerung. Paris, 20. März.(Eigenbericht.) Di« langsame, ab« stetige Steigerung der Leben,» Haltungskosten beginnt die französisch« Oeffentlichkeit stark zu beunruhigen. Die Pariser Presse— nicht nur die linke— weist ans die Gefahre» hin. die für die Volksgesundheit entstehen. Es feien bei Arbeitern, Angestellten und kleinen Beamten Zeichen von Unterernährung festzustellen. Die Betroffenen seien dadurch auch fürKrantheitskeimeoielempfäuglicher. iheute sei es z B. für Wini>er bemittelte ein Festessen, wenn sie sich frisches Gemüse leisten könnten. Fraglos wird in nächst« Zeit die Beamtenschast Gehalt;- «höhungen fordern. Finanzminist« Cheron«klärte auf die Frage«ine» kommunistischen Abgeordneten, er Hab« bereits ein Programm für die Aufbesserung der Beanüengehälter ausgearbeitet und werde es in den nächsten Tagen vorlegen. Gpattung der Kuommiang. Starker Anhang ZengyuhsiaugS. Schaaghai üb« Paris. 20. März.(Ag. Zadopactflque.) D« Rücktritt des Marschalls Fengyuhfiang als Sriegsminlster hat aus den Kongreß d« Kuomintang eine unmittelbare Ruck- Wirkung ausgeübt, v« frühere Chef des Generalstabes von �eagynhsiang, General Lutschungluu. hat beschloffen. Nanking zu verlassen, ebenso äer frühere Leiter der Kuomintang. Duyaogea. sowie zahlreiche Delegierte. Die Haltung .�enayuhswngs läßt eine militärische Aktion wegen des Hönau-Zwischenfalls vermuten. Zeltensalls zeigt feine Opposition gegen den dritten Kongreß, daß et nicht mehr gewillt ist, mit Tschiaogkalschek zusammenzuarbeiten. Fengynhfiang, von dem«an behauptet, daß« krank sei. soll sich jedoch in Petschuea rege mit der Reorganlsiernng seiner Streitkräfte beschäf- tigen. und man meldet bedeutende Truppenbewegungen. Rat« den Kongreßleilaehmeru herrs�l große Verbitterung trotz d« Versicherung der leitenden Personen, daß die Tagung bis zu ihrem Ende durchgeführt werde, da eine künstliche Mehrheikdurch Gewaltstreiche geschaffen worden sei und der Exekntiv- ausschuß selbst seine Deleglerke» ernenne. Hastbefehle gegen frühere Minister. Paris. 20. März. Ag. Jndopacifique meldet, daß die sstanking-Regierung dem Bürgermeister von Peking Weisung ertellt habe, die früheren Mnister Tfoojuling, Tschangtschuts chao und Lutsungyu zu verhafte». Japaner entwaffnen Negierungstruppen. T0N0. 19. März. An der Grenze der japanischen Besatzungszone in China ist ein« Brigade der Nanking-Arme« von japanischen Truppen ent- waffnet worden, als sie die Grenze überschreiten»wllte. AnSländerfluchf. Conbo«, 19. Mörz. In Echanghai treffen ununterbrochen ouständische Frauen und Kinder aus Nanking ein, ohne Erklärung, warum die Abreise aus Nanking nahegelegt wurde. Der engtisch« Kreuzer ..Berwick" hat einen dringenden Defehl nach Nanking erhalten. Zwei englische Kanonenboot« erwarten ähnliche Befehle. Eine Erklarirng für diese Vorgänge fehlt vorläufig noch vollständig. Neben ein« offenbar wieder stärker ansteigenden a l l g e m e i- 11 e n Ausländerfeindseligkeit liegen Anzeichen nicht vor, die derartige Ausweisungen rechtfertigen könnten. Verschwörersuche in Vritisch-Zudien. Ueberau Derhastungea uuö Haussuchungen. Samba?. 20. März. Zw Zusammenhang mit der Angelegenheit öuer verschmi. rung l» Meerut hat die Polizei 120 Haussuchung-» vorgenommen, unter anderem l» de» Lokalen der Arbeiter. gemerkschastea.der kindischen Freien Preffe" und im Haupt. marki« der Gesellschaft junger Männer in der Wohnung des swara- üstljcheu Gemeinderales Zlarlmau. Drei Arbeiterführer wunden verhaftet, zahlreiche Bücher uvd Papiere beschlagnahmt. Zu der ganzen Stadt waren umfangreiche Sicherheilsmaß- nahmen getrosten. Polizei und Truppen besetzten all« strategischen Punkte, bei de» Spinnereien find bemastnele Wächter aufgestellt. Räch Haussuchungen in Poona morde der ehemalige Vorsitzende de« Gemerkfchaft«. k an g reffe» ont« der Anschuldigung verhaftet, den Krieg gegen den König vorzubereiten. Zu derselben Angelegenheit wurden in Kalkutta Z5 hansfvchun- neu vorgenommen. Die Polizei verhaftete dort wehr«« Arbeil«. führ« und beschlagnahmte viele kommunistische Schriften. Als die Arbeit« der Spinnereien im Norden von Bombay Scnnkais davon«hielten, daß mehrere Arbeikerführ« verHaftel worden seien,»«liehen sie in geschlossene« Zuge dl« Be- »riebe. 20 000 Arbeit« aus sechs Spinnereien haben die Arbeil niedergelegt. 3« nördlichen Stadtteil von Bombay herrscht starke Erregung. Oer Prozeß angekündigt. Rem Delhi. 20. März. A»f Veranlaffung der Regierung wird ein Versahren gegen 31 Kommunisten i» verschiedenen Testen Indiens eröffnet werden, die beschuldigt werden, eine Verschwörung gegen den Lizekömg von Indien angezettelt zu haben. Die Hastbefehl« find von der Behörde in Meerut«lasten wachen, und wahrschetnSch wich dort auch das Verfahren gegen sie durchgeführt merden. Die Ausraubung von Torreou. Arbeiter ond Säuern sichern die tZisenbaha. Mexiko�llty, 20. März.(Eigenbericht) Vor dem Mzug ans Torreon hat der Robellengeneral Escobar bei den Banken und größer«» Geschäftshäusern Bargeldsmnwen von 1023 000 Pesos vegiunert: auch große Warenpost««. wertvolle Materialien und chausgegenstände wurden mitgenommen. Die Regierung hat zur Sicherung der im Derorniz-Staat ver. kehrenden Eilenbahnzuge an 3000 Arbeiter des Orizaba-Indu- itnedistrikts Waffen verteilt. Bewaffnete Arbeiter und orga- msierte Bauern kontrollieren abwechselnd die Bahnstrecken, um Attentate der Rebellen zu verhindern. Nationale Klucht aus der Mark. Die Folge der Hugenbergfchen Agitation. Vor den Kulissen«scheinen Hilgenberg und die Seinen als die Gralshüt« der deutschnationalen Interessen, hinter den Ku. lissen ober arbeiten sie heimlich, still und leise gegen Deutschland, gegen die deutsche Währung, gegen die deutschen Wirtschafts- ivteresten. Es ist vor kurzem der auffehenerregende Fall mit- gcieilt worden, daß ein sehr �iiamhaster sächsischer Textil- industrieller in einem Schreiben an einen spanischen Ge- -chäftsisreund sein« Zweifel an der Festigkeit der deutschen Mark ausgedrückt und gebeten hatte, die Geschäfte nicht mehr in deutscher Reichsmark. sond«n nur in spanischen Peseten zu be- rechnen. Run hat sich herausgestellt, daß dies nicht ein verein- zelter Fall war. Die.Frankfurter Zeitung", die diesen Fall aufgedeckt hat, hat mehrfach Zvfchrist-n erholt««.« de«» f«fb- gestellt wurde, daß i» d« letzte» Zeit derartig« Fälle»i«b«e» holt beobachtet worden find. Das ist einerseits die Folge der chugenbergschen Hetze, anderer. felis die praktische Vaterlandsliebe jener Wirtschasts. kreis«, die Hugenberg nahestehen. Diese praktische Latertandslieb« äußert sich wie in den Zeiten der Inflation in einer.Flucht aus der Mark". Wir tasten dahingestellt, ob es wirklich Besorgnis ist. die zu so wahnwitziger Haltung führt, oder die bewußt« Absicht der Pauikmacherei zu politischen Zwecken, der Dersuch, die prioatwirtschaftliche Position zu einem politischen Angriff gegen die Interessen des eigenen Landes auszunutzen. Glücklicherweise ist heute ein solcher Dersuch zur Erfolglosigkeit verurteilt. Jene Kreis«, die sich, gestützt auf ihre Erfahrungen in der Inflationszeit, vielleicht einbilden, ont solcher Taktik Geld zu oerdienen, werde» nur die Erfahrung machen, daß sie bei der Spekulation gegen die Mark die Leidtragenden sei» werden. Das Witt» verdiente, gerechte Strafe fei«. Die Oeffentlichkeit hat jedoch alle» Anlaß, sich nicht bei dieser Strafe zu beruhigen, sondern sehr taut Protest zu erheben gegen dies« Treiben wie. gegen jene deutschnationalen Gralshüter der nationale» Interessen. die« gefüffentlich hervorgerufen habe». Angst vor der eigenen Courage. vrannschwelg, 20. März.(Eigenbericht) In der Mittwachsitzung desHaushaltsausschnssesdes Braunschweigischen Landtage»«klärt« der deutsch nationale Führer Profestor Dr. Roloff, die Deutschnationalen hätten niemals behauplet, daß das Land Lraunschweig Pleite fei. Sie wollten mir rechtzeitig Verhandlungen mit Preußen sichern, da- mit man bei einem etwaigen Anschluß noch mit Vermögenswerten aufwarten könne. Plötzlich Angst vor der eigenen Courage! Oer endgüliige Reichswirtschastsrat. Derffärkung der Arbeitervertrer«».Ke»eralacrsammliin�. Wichtig« Tagezordnug(u. a.: Wahlen zum Ortsvers, autt. Ieöcr Bertreter muß avwesenti sein. Mitgliedsbuch und Dclcgiertenauswei» legitimieren. Glitte aus der Zrtlichen Mitgliedschaft sind milllommcn. vesseatliche Versammlung»er in der Metallindustrie beschäftigten Lackierer, Maler, Anstreicher nnd Kiifsarbeiier im Berliner Gemerkschaftsbaus. Engel- ufer 24—25, Saal I, am Freitag, 22. März, 19% Uhr. Klasseneinteilung und Lohnfarderungen fiir die in der Metallindustrie Beschäftigten unseres Geeoerbes. Kolleg«»! Da die Kündigung des Ziahmen. und Lahnvertrage, erfolgt ist. gilt es, zur Eruppeneinteilung und zum Lohntarifvertrag Stellung zu nehmen. Die in d«n Betrieben vorgenommen« Klassifizierung entspricht kemesmegs unseren gestellten Forderungen. Die Lohngestaltung für die Ausübung des gesund» heitsschädlichen Lackiererberuses liegt weit unter dem Lvhnsaß gleichwertiger Arbeit anderer Industrien. Durch zrvrckentsprechende Anträge und duräi Massenbesuch der angesetzten Versammlung gilt es, einheitliche Beschlüsse zu fassen, für d«ren Durchführung die Ortsverwaltung zu sor«n hat. Erscheinen jedes in der M-tallindustri«— Abteilung Lackieretn— Beschäftigten ist un- brdingt erforderlich._ ckffc foftrete Gewerkschasts-Iugenö Groß-Verlin Heute, Donnerstag, finden folgende Veransialtungen statt: Sesnnd. brnanen: Jugendheim Ziot« Schul«, Eoienburger Straß«. Vortrag: .TId:„-____ e____~.* Q.. �> m Vortrag:„Die Berufsausbildung in Gegenwart und jukunft".— Landsbeiger Platz: Kreismädchenabent.— Tempelhof: Gruppenheim, Lvzeum Germania- straß« 4—«. Vortrag:.Di« deutsche Revolution 1848".— Südosten! Gruppen» heim Reichenbrrger Str. SS sFeuerwehrhous). Ansspracheabend:.Di« gcwerk- ichaftlich« Kleinarbeit und ihr« Bedeutung für die ivemerkschoftsbeweaung".— Moabit: Städt. Jugendheim Lehrter Str. IS— IS. Reihenvortrag:»Die Frau im Orient".— Wtddin«: Etädt. Iug«ndhe:m Orthstr. 10. Vortrag:.Der Ar. beiterschutz im Betriebe".— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Licht- bildervortvag:.Di« Zöerilzeuge von der Urzeit bis zur Gegenwart".— Ost- Inip: Jugendheim Litauer Str. IS. Vortrag:.Die Frau in der Arbei:er. __ ÄsstTrtWif K4» QV! i— a m>!« tV,» rvn � tttt-X ktirp tt ______________________________ J_________..._____ aa:.. Schneider im Lied". Vorgetragen vom Genossen Geroerbeoderlehrer Zteifchies. Iuaendarnppe des?eniralverhande6 der Anaestelltea teute. Donnerstag, finden folgend« Beranstaltungen statt: rreptow: ugendheim Wildcubruchstr. 53. Bartrag:.Krankheiten und ihre Be» kämpsung". Referenti«: Frau Dr. Frieda Aleranter.— Schöaeberg! Iug«nd- heint Hauptstr. 15 sThüringenzimmer). Lichtbildervortrag:.Winterliche«ihn. rakterlnlder aus dem Erzgebirge". Referent: Erich Bredow. Verantwortlich stir Politik: Dr. Gurt Gener: Wirtichait: S. KlinqelhSfee: Geoartschaltsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Ttz.»locke, sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwär!»»VerIag G m d H. Berlin. Druck: Borwärts-Buäidruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u?o Berlin SÄ S8 Lindenstraße 3. Hierzu i Beilage» nnd �Ivterhgltnng nn» Wissen". Nr �36» 46. Jahrgang Donnerstag 2�. März 1929 Die Tragödie Mord oder Z ciegnth. 20. MSrz. Die Untersuchung de» Morde» an dem Grasen zu Stolberg. Mernigerode hat nach Mitteilungen der Landeskriminal. Polizei Liegnih im Lause de» Heuligen Tage» mit ziemlicher Sicherheit ergeben, dah der verdacht, als seien Angehörige der gras- lichen Jamilie mittelbar oder unmittelbar an der Tat de» Grasen Christian beteiligt, als beseitigt gelten kann. Es muh sogar mit der Möglichkeit gerechnet werden, dah entgegen der ersten Annahme vielleicht eine Fahrlässigkeit de» Grasen Christian den Tod seines Vater» herbeigeführt Hai. Allerdings wären nach Ansicht der Landeekriminalpolizei dann noch die Widersprüche in der ersten Aussage des Festgenommenen aufzuklären. Solange er dies nicht vermag, muh mit dem Vorliegen vorsätzlicher Tötung gerechnet werden. Das Geheimnis. Die Untersuchung über den gelzeimnisvollen Tod des Grafen Eberhard Stolberg-Wernigerode wird mit größtem Eifer fortgesetzt. Bio zur Stunde ist es noch nicht gelungen, den Sch'eier zu lüften. Die Kriminalpolizei prüft mehrere Möglichkeiten für das dunkle Geschehnis. Hat der Majoratserbe, Graf Christian Friedrich, die Tat aus sich allein heraus begangen, um als nächst- berechtigter Erbe in den Besitz der väterlichen Güter zu gelange» und sie dann aus Grund der veränderten Gesetzesbestimmungen über Fideikommiss«, Majorate und Minorate zu verwerten? Es ist fest- gestellt, daß zwischen der Frau des Toten, seiner ältesten Tochter, dem Grafen Christian Friedrich aus der einen und dem Grasen Eberhard ans der anderen Seite ernst« Meinungsverschieden» Helten über die Bewirtschaftung der drei Güter Jannowitz, Kupfer- berg und Rohrlach vorhanden waren. Man warf dem Grafen Eber« hard allzu große Leichtgläubigkeit und Gutmütig- keit vor und behauptete, daß seine Geschäftsführung sehr zu wün- schen übrig lasse. Ueber die hohe Verschuldung der Güter haben wir bereits berichtet. Die Frau des Ermordeten, eine geborene Gräfin Erika Solms-Sonnenwalde, hat inzwischen einen Nerven- zusammenbruch erlitten und ist in ein Sanatorium gebracht worden. Untersuchungen, um klarzustellen, ob es möglich war, wie »i« Gräfin angibt, den tödlichen Schuß zu überhören, sind im Gange. Eine weitere Bersion wird augenblicklich ganz besonders nach- geprüft: Ist der alte Gras etwa einem Unfall erlegen? Ein Bruder des verhafteten Erbgrafen hat ausgesagt, daß sein Bruder sehr oft abends die Jagdgewehre gereinigt habe. Dies wird durch den Verwaltungsdirektor der Stolbergschen Güter be- stätigt. Es könnte sich also bei der Gewehrreinigung ein Schutz entladen haben. Der Verwaltungsdirektor gibt sogar an, daß Gras Christian Friedrich ihm nach dem Geschehnis auf dem Hofe zu- gerufen habe:„Es ist etwas geschehen. Ich habe etwas angestellt/ Der Crbgraf wird als«in Mensch von besonders unsicherer und schwankender Wesensart dargestellt. Er gehört zu jener degenerierten Klasse von Menschen, die in ölten Adelesamilien besonders häufig vorkommen: Heiraten unter Verwandten sind, das beweist ein kurzer Blick in die Genealogie der Familie Stolberg, gerade hier äußerst häufig gewesen. Ee wäre bei einem so wenig festen und starken Manne nach Anficht dor maßgebenden Kreise nicht ausgeschlossen, daß er nach dem furchtbaren Ereignis sein Erinne- rungsvermögen verlor. Die Untersuchungsbehörden hoffen auch jetzt noch, den Fall in aller Kürze aufzuklären. Das Vermögen der Siolberg. Der Tod des Grafen Eberhard Siolberg-Werni- gerade auf Jannowitz in Niederschlesieu'macht schon deshalb«in so großes Aufsehen, weil die gräflich Stolbergsche Familie «in« der meistverbreiteten in dem ebenbürtigen oder hohen Adel Deutschlands ist und weil zahlreiche Mitglieder dieser Familie sehr auf Jannowitz. hervorragende Stellungen eingenommen haben. Mit einem großen Teil der früheren Monarchenfamilien Deutschlands sind sie oerwandt. Zu den bekanntesten Staatsmännern dieses Namens gehört« Graf Otto Stolverg, der als Blzepräsident des preußischen Staatsministeriums im Auftrage Bismarcks bei Kaiser Wilhelm l. das deutsch- österreichische Bündnis durchsetzte. Bon diesem seiner Kollegen sprach Fürst Bismarck immer mit besonderer Hochachtung und er- zählte gelegentlich, daß Stolberg dem Kaiser in den kritischen Unter» Haltungen zu Baden-Baden durchaus nicht servil entgegengetreten sei. Als Haupt der ehemals relchsunmittclbaren Dynastenfamilie Stol- berg-Wernigerode und als Besitzer eines sehr bedeutenden Vermögens war es ihm leichter, auch dem Kaiser gegenüber energisch aufzutreten. Die Oeffentlichteit überschätzt das B e r m ö g e n des vor einigen Tagen erschossenen Eberhard auf Jannowitz. Diese Herrschaft hat nur 6000 Morgen, und zwar mittleren Boden, wie schon aus den, niedrigen Grundsteuerertrog hervorgeht, so daß der Morgen nur mit 300 Mark bewertet werden kann. Der Wert dieser Fideikommiß- Herrschaft betrögt also nur l,8 Millionen Mark, während das Ver- mögen des Oberhauptes des Hauses Wernigerode, nämlich des Fürsten Stolberg-Wernigerode, auf mehr als 30 Millionen Mark geschätzt werden muß. Der erschossene Gras Eberhard verheiratete sich am 30. Juli 1900 mit Erika, Gräsin zu Solms-Sonnenwalde, und hat, wie bereits erwähnt, aus dieser Ehe nicht weniger als neun Kinder, nämlich fünf Söhne und vier Töchter. Die große Herrschaft Sonnenwald« erbt« aber der einzige Bruder der Gräfin Erika, Graf Wilhelm von Solms-Sonnenwalde, während feine vier Schwestern natürlich nur mit bescheidenen Geldkapitalien abgefunden wurden. Di« am 12. Dezember 1878 gestorben« Mutter des ermor- beten Grasen Eberhard, Gräfin Antonie, war selbst eine geborene Gräfin zu Stolberg-Wernigerode und die richtig« Nichte de» Ober- Präsidenten von Schlesien Graf Eberhard zu Stolberg-Wernigerode, der von Jugend an zu den intimsten Freunden des Fürsten Bismarck gehörte. Wie bei allen Familien des hohen Adels, so ist auch bei den Stolbergs die Inzucht sehr bedeutend, und seit Jahrhunderten ereignete sich die Heirat zwischen Better und Kusine sehr häufig in der weiten Familie. Der erschossene Graf Eber- hard konnte aber seinen neun Kindern nicht mehr für die Zukunft eine Lebenshaltung gewähren, die Ansprüche zuläßt. Durch den Begriff des hohen Adels und da» Bestreben, die Be- dingungen der Ebenbürtigkeit mit den monarchischen Familien Cu'o- pas aufrecht zu erhalten, werden, wie man hier deutlich sieht, Zu- stände ungesundester Art geschaffen. Die Wiederherstellung der 22 früheren Dynastien und die Aufrechterhaltung der Ebenbürtigkeit und des hohen Adels ist das Ideal der Deutschnationalen Volks- Partei, des Stahlhelms und der gesamten Rechten. Rudolf Martin. Neuköllner Deu'rkSversammlung aufgeflogen' Nachdem schon seit Dezember vorigen Jahres planmäßig ver- sucht wird, die Neuköllner Bezirksversammlung nicht arbeiten zu lassen, kam es gestern anläßlich einiger neuer Rundreiseonträge der Kommunisten zur Erwerbslosenfrage zu wüsten Szenen. Unser Vorsteher, Gen. Groß mann, ermahnte die Tribüne immer wieder vergeblich zur Ruhe. Als all« Versuchs Nicht» nützten, lieh er die Tribünen räumen. Das war das Signal für die Radau- macher. Vor d«n Tribünen kam es dann zu Schlägereien, in deren Verlauf ein Besucher sein Messer zog� Nur dem euer- zischen Zugreisen einiger beherzter Tribllnenbesucher, die ihm die gesährliche Waffe entwanden, ist es zuzuschreiben, daß nicht schon wieder ein Arbeiter durch Mordbuben zum Krüppel gestochen wurde. Der Messerheld erlitt dann auf einmal einen„Krainpsanfall". Der demokratische Bezirksverordnete, Sanitätsrat Dr. Borchardt, bemühte sich um ihn, konnte aber bei der Untersuchung keine Krämpfe feststellen. Einige Baldriantropfen genügten bereits, um ihm auf jafa/bitäiirfn' Rom&t* einet Revolulion. Üoh Gecluiti MevtntAnn I�loalät Iuckenack stieß Holzvoigt an.„Du— war das nich— war das nich unse Harzogin?: „Ich jloowe oochl" sagte Holzvoigt dumpf.„Un so een- fach wie eine von unse Frauenl" „Un schleckt sah se aus— so schlecht! Ianz krank/ „Awwer so jrade jing se— „Trotzdem!" „Du. ich jloowe, die is uff de Flucht!" „Quatsch! Warum soll se denn jrade nach Dessau fliehn?" Da waren sie schon vorm Schloß, gingen über teppich- belegte, für ihren Zustand wohltuend breite Treppen, an ebenfalls wohltuend ernst bleibenden Livrierten vorbei in ein einfaches Zimmer. An einem Schreibtisch saß Friedrich Leo- pold. Neben ihm stand Trosegk „Na also!' rief der Herzog,„da sind ja die lieben Bern- burger! Ich begrüße Sie herzlichst!" Er ging von einem zum andern und gab jedem die Hand, was ziemlich lange dauerte, da sich jeder die seine vorher am Tischtuch abwischte. Der reichlich alkoholschwere Zustand der Bernburger Deputation blieb Friedrich Leopold dennoch nicht oerborgen. „Sie wollten mir Ihre Wünsche vortragen, nicht wahr?" fragte er jovial.„Na, dann schießen Sie mal los!" Der Bürgermeister hatte sich bereits in eine Ecke aelebnt und kämpfte schwankend mit dem Schlaf. Holzvoigt stieß Juckenack vor. „Ja, sähn Se, Durchlaucht." sagte der ziemlich fließend, „nämen Se's uns man nicht for iwwel, awwer mir sin nu so an unsen Harzog jewehnt gewän. Dadrumme mechten mir nu oo unse Harzogin beHalen und dän Hof un das Theater un so— un es soll— soll— soll iwwerhaupt allen» beim alten bleiwenl" „Selbstverständlich l" sagte Friedrich Leopold sehr freund- sich.„Selbstverständlich wird alles beim alten bleibenl Ihre Durchlaucht die Herzogin Friederike wird bei Ihnen bleiben, und—" „Na also!" konnte sich Holzvoigt seiner Zustimmung nicht enthalten. „— und Sie müssen mir nur gestatten, Sie mit meiner Frau und meinem Hofstaat jeden Sommer mal zu besuchen! Bernburg ist ja landschaftlich viel schöner als Dessau, und dann haben ich und die Damen und Herren meines Hofes immer gern von den soliden Bernburger Kaufleuten be- zogen!" „Awer selbstverständlich l" beeilte sich nun Iuckenack und sah ganz« Polstermöbeleinrichtungen abgehen. „Und im Winter müssen Sie meinen Sohn, den Krön- prinzen Friedrich, den Ausenthalt in Ihrer schönen Stadt b«- willigen. Er möchte in Ihrem Theater Wagner-Festspiele inszenieren— er liebt nun mal das entzückende Bernburger Hostheater so!" „Awwer natierlichl" dienerte Iuckenack wieder, fügte aber dann vorsichtig hinzu:„De Frau Harzogin wird ja woll nischt derjäsen Hanl" „Im Gegenteil!" sagte jetzt Trosegk,„das kann ich ver- sprechen!" „Außerdem möchten wir, natürlich vollkommen unbe- schadet der Selbständigkeit der Bernburgischen Verwaltung, die dortigen Steuerlasten denen im übrigen Anhalt an- gleichen. Sie wissen ja wohl, daß man in Dessau zurzeit 26 Prozent weniger Steuern zahlt als in Bernburg—" „Ach ja, Durchlaucht." meinte hier Holzvoigt mit tiefer Empfindung,„wenn Se das fier uns tun kennten!" „Aber sonst bleibt, wie gesagt, alles beim alten. Ich kann Ihnen auch gleich Ihren neuen Kreisdirektor vorstellen: Ihren alten Minister von Trosegtl" Iuckenack hätte sich beinahe hinter dem Ohr gekratzt. So war das„beim alten bleiben" nun nicht gemeint gewesen. Gerade Trosegk! Aber er sah ein, daß man für die Erfüllung aller Forderungen ein Opfer bringen müßte. Vom Sachlichen begriff er nur so viel, daß der Minister jetzt auch noch den Titel Kreisdirektor führte. Und das war ihm gleichgültig.— Als der Zug, der die Bernburger bald darauf zurück- die Beine zu bringen. Schließlich mußte vi« Polizei das Rat- haus räumen. Die unterbrochene Sitzung tonnte nicht weiten tagen, weil die Kommunisten die Oeffnung der Tribünen beai-'ragten, und als der Antrag abgelehnt wurde, fortgesetzt randalierten. Jetzt lag ihnen nichts mehr an der Weiterberatung der Anträge. Der Zweck war erreicht. Die sozialdemokratische Fraktion wird, wie der Fraktionsvorsitzende, Gen. Juritto, bekannt gab, Mittel und Wege finden, um diesem grausamen Spiel ein Ende zu bereiten Opfer der Welistadt. Halbverhungerte und obdachlose Jugendliche. Ein krasse« Beispiel, welchen Gefahren junge INädchen, die mit große« Hoffnungen au» der Provinz nach Berlin kommen, ousgefeh» find, lieferte gestern abend eine Sireise der weiblichen Kriminalpolizei von der Inspektion G. Di« Streif« erstreckt« sich nur vom Potsdamer Platz und Bahichof bis zur Potsdamer Brücke und nahm kaum mehr als 1 H Stunden in Anspruch. Trotz der geringen Zeit» und Raum- spann« wurden nicht weniger als drei gefährdete Mäd- ch e n auf offener Straß« angehalten und zu ihrer eigenen Sicher- heit vorläufig In Schutzhaft genommen. Es sind alles ganz jung« Dinger, die«ine zählt 17 Jahr», kam vor 8 Wochen aus Pom- in e r n nach Berlin und trieb sich völlig mittellos, ohne Beschäftigung und Unterkunft umher. Eine Aerztin, der das Mäd- chen zugeführt wurde, stellte fest, daß sie erkrankt war. Die zweite Angehalten«, ebenfalls 17 Jahr« alt, entlief vor 14 Tagen aus Swinemllnde und teilt in jeder Beziehung das Geschick der ersten. Die dritte, eine IKjährig« Mllnchenerin, die seit drei Wochen buchstäblich auf der Straße liegt und halb verhungert war, wurde mit den anderen dem Pflegeamt überwiesen. Dort wird vor allen Dingen für eine ausreichende Mahlzeit und ein Bad gesorgt. Wenn die Mädchen nicht in ihre Heimat zurückwollen oder die Angehörigen die Wiederaufnahm« ablehnen, so tritt das Jugend- amt ein und bemüht sich, den Gefährdeten Wohnung und Befchäfti- gung zu verschaffen. * Einen eigentümlichen Vorfall sucht die Inspektion A der Kriminalpolizei aufzuklären. Anfang Februar d. I. erschien bei einer Frau in der Berliner Straße zu Neukölln, diemöblierteZim» m e r vermietet,«in junges Mädchen und wurde sich mit der Wirtin bald über den Preis einig. Ein« Anzahlung leistete sie nicht, lieh aber als Unterpfand einen modefarbenen Damenmantel, einen Unterrock und ein Paar graue, ganz neue Halbschuhe zurück. Sie wollte, wie sie angab, noch bei einem Arzt vorsprechen, in dessen Familie ein Kinderfräulein gesucht wurde. Sie traf dort den Haus- Herrn persönlich nicht an und wurde gebeten, am nächsten Tage wiederzukommen. Sie ist aber weder dort noch bei der Vermieterin jemals aufgetaucht, hat auch die Kleidungsstücke nicht abgeholt. Es ist völlig rätselhaft, was aus ihr geworden ist. Durch Nachforschungen wurden in Berlin mehrere Mädchen des Namens„Hertha S ch ö n f u ß"— so hatte sich die Mieterin genannt— ermistelt. doch kommen sie für den Borfall nicht in Betracht. Di« Bcrfchanm-' den« war etwa 20 bis 22 Jahre alt. 1,67 Meter groß, hatte ein frisches rundes Gesicht und sprach Harzer Mundart. Wer Angaben über den Berbleib de» Mädchen« machen cktfnn, wird ersucht, slcht an Kriminalkommissar Johannes Müller bei der Inspektion A des Polizeipräsidiums zu wenden. Ofterausflüge mit Sonntagsrückfahrkarten. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft teilt mit, daß die Sanntags» rückfahrkarten zu Ostern eine erweiterte Gültigkeit»- d a u e r haben. Sie gelten vom Gründonnerstag, den 28. März. mittags 12 Uhr, bis zum Dienstag nach Ostern, den 2. April, morgens 9 Uhr. Zur.Hinfahrt können die Karten benutzt werden am Donnerstag von mittags 12 Uhr ob und vom Karfrettag bis Montag unbeschränkt. Die Rückfahrt ist am Gründonnerstag ausgeschlossen, am Sonnabend vor und am Dienstag nach Ostern muß sie bis 9 Uhr früh angetreten sein, während sie an den übrigen Tagen unbeschränkt erfolgen kann. bracht«, dicht vor der Stadt an einer hochgedammten Stelle vorüberfuhr, welche die Große Aue sichtbar werden ließ, fuhr der Reisewagen der Herzogin gerade am Blas vorbei. Der kleine Weiher war dunkel uno glanzlos. Der Reisewagen fuhr langsam und mit verhängten Fenstern. 19. Das Faß. „Das Faß hält nich mehr lange!" scherzte der Altgesella in Gustav Kniephackes Böttchcrwerkstatt. Es war ein roher Scherz: denn gemeint war nicht eines der vielen Wein- und Bier- und Gurkenfässer, die allwöchentlich im gutgehenden Betrieb hergestellt wurden: gemeint war vielniehr Frau Luis« Kniephacke, die eben den Raum verlassen hatte, und die ob ihrer immer noch zunehmenden Dicke vom Lokalhumor mit dem Beinamen„Kniephackes größtes Faß" oder kurzweg „das Faß" geschmückt worden war. „Mir wärn's reparieren missen!" setzt« der zweit« G»- selle den Hohn fort. „Nischt mehr zu reparieren! Das Holz is faul!" gab d« Altgeselle zurück und wollte zum Hof gehen. Als er die Tür öffnete, fuhr er zurück: vor ihm stand das Faß: es mußte alles gehört haben... „Jetzt jibts an Donnerwetterl" dachten die drin und hämmerten eifrig: merkwürdigerweise aber rollte das Faß nicht zeternd und unflätig fluchend in die Werkstatt, wie es sonst seine Art war. sondern watschelte wortlos, asthmatisch stöhnend, in die Küche und fiel schwer in den Stuhl am Fenster. Die fetten, kurzfingrigen Hände, die plump auf den massigen Oberschenkeln lagen, zitterten leise: und als es nach einer Weile dämmrig wurde, sah Luise Kniephacke, wie fahl, wie glanzlos die ungestraffte Haut ihrer Hände war.. Sie hob diese Hände, um ihnen zu schaffen zu machsn» stand mühsam auf, patschte zur Anrichte— darüber hing der Spiegel: sie sah hinein.„Nischt mehr zu reparieren," scitzte sie mit merkwürdig leisem Lachen, und ging wieder zurück zum Stuhl. Sie sah tatsächlich übel aus. Ihr Fett war nicht mehr prall: kein Knochen schien mehr da zu sein, um ihm Form fiu geben: es war, als ob es hinter der Haut flöjfe: und tumpf, farblos grau, großporig war dies« Haut— das Holz war faul. (Fortsetzung folgt.) Liebesiragödie im Korst. Die Geliebte hinterrücks niedergeschossen. Im Stolpe? Forst bei Hennigsdorf spielte sich gestern nachmittag eine L i« b e, t r a g ö d i e ab. die in ihren eigentlichen Motiven noch ungeklärt ist. Ein Hennigsdorfer Einwohner, der sich mit seinem Fahrrade auf dem Weg« nach Heiligensee befand, hörte plötzlich aus nächster Nähe mehrer« Schüsse fallen, denen unmittelbar darauf laute Hilferufe folgten. Als der Mann hinzueilte, fand er am Rand« einer Schonung, etwa SV Meter vom Bahndamm der Vorortbahn entfernt, ein jüngeres Mädchen und einen Mann mit schweren Schußverlegungen daliegen. Hilfe war bald zur Stelle und durch ein zufällig des Weges kommendes Auto der Reichspost wurden die Verletzten ins Paul-Gerhard-Stift in der Müllerstraße gebracht. Das Mädchen, das einen schweren Rückenschuß davongetragen hat, ist eine 21jährige Ella U. aus der Ackerstraße K8. Sie konnte, bevor sie das Bewußtsein verlor, der Polizei noch kurz« Angaben über den Hergang der Tot machen. Donach hat sie mit ihrem Geliebten, dem Zlljährigen Josef St., der im gleichen Hause wohnt, einen Au». flug unternommen. Unterwegs kam es zwischen beiden zu Streitigkeiten, da ihr St., der Grund zur Eifersucht zu haben glaubte, Vorhaltungen machte. Plötzlich habe ihr Begleiter sie unter einem Dorwand ausgefordert,«in Stück vorauszugehen. Sie hatte kaum einige Schritt« getan, als hinter ihr zwei Schüsie krachten. Von einer Kugel in den Rücken getroffen, sei sie zu- sammengebrochen. Im selben Augenblick trachte abermals ein Schuß. der Täter hatte die Waffe gegen sich gerichtet und sich einen Schuß in die rechte Schläfens«ite beigebracht. Die Kugel war au» der Schädeldecke wieder herausgetreten und hatte das Gehirn verletzt. St. liegt hoffnungslos danieder, das Mädchen dürste mit dem Leben davonkommen. Nach dem bisherigen Untersuchungs- «rgebnis hat es den Anschein, daß St. schon mit dem Vorsatz, sich und seine Gellebt« zu erschießen, hinausgefahren ist. Hastbefehl gegen Orloff und Äawlonowfti. Wegen verfochten und vollendeten Betruges. Der Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium hat gegen die ihm von der Polizei vorgeführten Houptbeteiligten an der Dokumenten- fälfcheraffäre, Wladimir Orloff und Peter Pawlonowski »lia� Sumarokow, gestern Haftbefehl wegen he» bringenden Taloer dachles des versuchten und vollendeten Betrüge» erlasse«, so daß das Verfahren gegen die beiden Russen nunmehr an den zu- ständigen Untersuchungsrichter übergeht. Bei Orloff Handell es sich um den versuchten Betrug an dem amerikanischen Journalisten Änickerbocker und um den vollendeten Betrug gegenüber dem ehemals russischen, jetzt preußischen Staatsangehörigen Sievert, dem er die sogenannten Trilisser-Briefe verkauft hoben soll. Es handelt sich dabei um Fälschungen eines angeblichen Briefwechsels zwischen dem Chef des Außendienstes der GPU. und Auslandsver- tretern der Sowjetregierung über bolschewistische Propaganda in anderen Ländern. Die übrigen in Berlin festgenommenen Russen dürften nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen kein Straf- verfahren zu gewärtigen haben, da da« bei ihnen beschlagnahmte Material sich lediglich auf eine politische Nachrichtentätigkeit, aber nicht auf Fälschungen bezog. Sie bleiben aber in Ausweisungs- Haft» bis das gegen sie eingeleitete Ausweisungsverfahren ent- schieden ist. Bei der von der politischen Polizei auch in der Provinz vorgenommenen Aktion sind in Hamburg drei Russen festgenommen worden, doch scheinen sich die in ihren Woh- nungen beschlagnahmten Dokumente ebenfalls nur auf ihre Tätig- keit im Dienst gewisser politischer Nachrichtenstellen zu beziehen. Die„katt"gestellten Sishändler. Was wir im Winter an Eis Im Ueberfluß haben, da» fehlt uns nn Sommer. So sind auch die Inserat« der Troß-Berliner Kunst. «is-Gesellsck>ast m. b. H. zu oerstehen, die im Winter die Herab» setzung der Eispreise ankündigen, um im Frühjahr die Preise sofort heraufschnellen zu lassen. In Berlin teilen sich etwa 2 Oll Eis- Händler in die Belief« rumi der Kunden mit Kunsteis. Kleine, mühevolle und schlecht rentable Existenzen, die alles schlucken müssen, was die GKG., die Ringvereinigung der Eisfabriken, diktiert. Durch einen Cinzelvertrag muß sich jeder Händler auf Gedeih und Ber- derben an sie binden. Der Vertrag geht sogar so weit, daß der Kleinhändler sein Geschäft nur an«inen Dritten abtreten kann, wenn dieser sich verpflichtet, da» Ei» von der GKG. zu be- ziehen. Dabei sind die Händler dauernd, Tag und Nacht, unterwegs, um das Eis an die Kunden zu bringen. Meist müssen Frau und Kinder mitarbeiten. Di« GKG. diktiert die Preise, die die Kleinhändler lähmen dürfen, unterbietet sie selbst aber durch ihre eigenen Verkaufswagen, wenn es gill, die Konkurrenz der nicht im Ring angeschlossenen Eisfabriken in Köpenick zu be- kämpfen. Eine vorgeschobene Einkaufsgenossenschaft für Eis und Futtermittel der Händler hat feit ihrem zehnjährigen Be- stehen noch nicht ein Stück Eis an ihre Mitglieder geliefert, aber sie ist der Strohmann für den Eistrust, wenn er den Eishändlcrn eins auswischen will. Die Interessenoereinigung der Eishändler wird dafür sorgen, daß die Vormachtstellung des Eistrusts nach Ablauf der Verträge erschüttert wird. Schon heut« stehen die eiskonsumierendcn Geschäftsleute wie z. B. die Halten- fchlächter, dem Gedanken sympathisch gegenüber, eigene Eis- f a b r i k e n gemeinsam mit den Kleinhändlern.zu betreiben. Dem Publikum wird es nur recht sein, wenn dadurch das Eis billiger wird. Mit 2stl> Proz. Gewinn nicht zufrieden sein, ober dem kleinen Händler durch einen Krawattenoertrag die Existenz abschnüren, das ist ein bezeichnendes Beispiel für kapitalistische Wirtschm' Morgenstunde hat Gold im Munde. Daß dies alte Sprichwort wahr ist, erlebte am 18. März, morgens 8 Uhr, ein Korbmachermeister, als er die Räume der Firma W. A. O. Casten in der Alexanderftraße betrat. Ein Herr begrüßte ihn höflich mit folgenden Worten:„Sie sind der erst« Kunde in unseren neu eröffneten erweiterten Räumen, und ich erlaube mir, Ihnen im Namen der Firma ein Präsent in Form einer goldenen Uhr zu überreichen." Was tat unser Kordmachermeister? Er stand verdutzt und meinte dann trocken:„Na. wenn es nicht anders ist, ich habe nichts dagegen." Es muß doch Frühling werden. Di« Sonne scheint, aber nachts geht die Temperatur auf minus 1 bis Z Grad zurück. Die Schneeschmelze ist in unserer Gegend beendet, nur die als feucht bekannten Stellen stehen noch unter Wasser. Aber leider ist der Boden durch die bisher nur schwache Erwärmung der Luft wenig aufgetaut, so daß seine Bearbeitung noch unmöglich ist. Dabei nähern wir uns dem Frühlingsanfang. einer Zeit, die sonst schon den Landmann in vollster Arbelt sah. Oie späte Frühjahrsbestellung. So wertvoll der Schneefall im Winter und ein viele Schädling« vernichtender scharfer Frost im allgemeinen ist, so hat dieser oer- slosiene Winter doch zu lang« gedauert. Wenn man darauf hin- weist, daß z. B. der russische Winter noch länger anhält, so ist der dortige spät« Frühlingseinbruch viel intensiver. Mit Recht sagt man: heute Schlitten und Schleife— morgen klapperndes Rad. Aber bei uns, wo die viel intensivere Bodenausnutzung eine größere Arbeits- leiftung zur Borausfetzung hat, liegen die Berhältnisie so, daß ein Zusammendrängen der verfchiedensten vorbereitenden Arbeiten nicht gut möglich ist. Schon das Mistfahren auf tiefem Schnee verbietet sich, noch mehr das Ausbreiten. Nu» soll gepflügt und g««ggt, dann gesät werden— di« Kortoffeln sollen gesetzt werden: geduldig muß man warten, bis der Boden so weit gelockert ist. daß der Pflug ihn stürzen kann. Daß die bestehenden Saaten im ollgemeinen nicht gelitten haben, ist der ersten Schneedecke zu verdanken. Der viele Schnee, der später hin- zukam, half dann die stärkere Kälte abwehren. Da Schnee für das Wachstum der Pflanzen günstige Bestandteile enthält, so ist zu hoffen, daß die kommende Ernte sich der vorjährigen eben- bürtig erweisen wird: was damals der spät« Sonnenschein bewirkt«, kännt« die diesmalig« reichhaltige Winterfeuchte erreichen. Aber eh« die neue Ernte, eh« die Früchte der Frühgemüfekulwr auf den Plan treten, dürfte es schlecht genug au» sehen. Europas Länder haben all« mehr oder weniger durch Kälte ge- litten, und selbst die asrikanischen Gebiete sind durch die abnorm« Wetterlage in Mitleidenschaft gezogen worden. Wenn nun auch die klimatischen Verhältnisse des Südens einen raschen Ausgleich der Verluste ermöglichen, so wird das neu« Produkt hoch im Preise stehen, also für Volksnahrung nicht in Frag« kommen. Da ist es glücklich zu preisen, daß Regierung und Städte sich für Mehrung unserer Frühgemüseerzeugung eingesetzt haben— durch die Kreditgewährung, die die Herstellung der bekannten Blocks von Glashäusern ermöglicht«. Run ist freilich durch die große Kälte das, was bereits ausgepflanzt war, stark beschädigt worden, und das, was gerettet werden konnte, so stark mit den Kosten für di« Heizung belastet worden, daß auch diese Produtte nicht für di« breiten Massen in Frag« kommen. Aber die Glashäuser, di« nun einmal vorhanden sind, gewähren den Trost, daß sie der neuen Heranzucht von Gemüse jenes schnell« Tempo verleihen werden, das im Süden die Sonne bewirkt. Selbst da. wo die in den ganz warm gehaltenen Gewächs- Häusern angetriebenen Saatpflänzchen wegen der Unmöglichkeit sie auszupflanzen, überaltert, daher wertlos geworden sind, und durch neugezogene ersetzt werden müssen, wird man noch immer einen Dorsprung gegen die Freilanderzeugung haben. Für den kleinen Siedler sollte sich aus Obigem die Mahnung ergeben, sich— falls er es nicht früher getan Hai— ein oder einig« Frühbeetfenster zu beschaffen, um die nicht viel Platz beanspruchenden Gemüse, also Mohrrüben, Kohlrabi und Salat schnell heranzuziehen und sich gleichzeitig ein Plätzchen zu sichern, auf dem er die späten Kohlpflanzen, Porree usw. sich vorkultivieren kann. Für jeden, der über Land verfügt, heißt es diesmal, da» Aeußerft« zu leisten; die aufgewendete Mühe macht sich gleich bezahlt und Anschaffungen wie Glassenster ufw. bringen einen Nutzen für viele Jahr«. Oer Schah im Autoreifen. 4 84,— Mark. Webfehlerteppich 8 X 4 55,— Mark. zabrii-Teppi ch-B- riauk Äberbach, Fried- rilbstraffe tk8, Ecke Dehrenfiraße. Ein. gana Groffe Ballage. Aufgaag 83 1' Bettenperiaus! Wegen Seldman« fvotth!lr>g! Neue 15.—! �achtpolle 2250! 25,—! Bauernketten 29,-1 Keine Lam. Hardware! 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Dr. S t e g e r w a l d spricht im Rahmen des Zyklus„Deutschland in der Weltwirtschaft" über„Der deutsch« Arbeiter und die Weltwirtschaft" und entwickelt dabei Ansichten, denen man zustimmen muh, denn er tritt ein für einen guten, er- höhten Lebensstandard der proletarischen Bevölkerung. Und auch Dr.(Bestrich findet, nachdem er in seinem Vortrag„Uebe'r aktuelle Fragen der allgemeinen Wirtschaftslage" zuerst nur eine tief ver- dunkelte Palette gebraucht hat, Worte, die ein« besser« Zukunft künden und das Dunkel der augenblicklichen Finanzmisere rosig er- hellen, hoffentlich gilt diesmal der Prophet etwas m seinem Pater- iand«. Das Abendprogramm heiht„Irland in Musik und Dichtung" und beginnt mit der Maritana-Ouoertüre, die Seidler» Winkler mit allerlei rhythmischen und dynamischen Finessen aus- stattet. Bei dieser(Belegenheit erfährt man, daß Wallace und Balfe, der Komponist der„Zigeunerin" aus Irland stammen. Für den Hausgebrauch glaubt man sonst, sie seien Engländer, und man wirst die Frag« auf, ist die eingezuckert« Maritana-Ouoertüre Kitsch? Möglich, aber trotzdem, sie verfügt unbedingt über melodische R«ize, über eine sieghaste Sentimentalität, der sich selbst ein verhärtetes, musikalisches Gemüt kaum entziehen kann. Irland hat Gesühl, das zeigt sich auch in der Dichtung, über die ein kurzer Ueberblick vom achten Jahrhundert bis Wilde und Shaw gegeben wird. Vielleicht sind' Wildes geschliffene Paradoxe und Shaws glitzender Esprit nur ein Resultat des Kampfee gegen das Gesühl. Allerdings vertragen BezIrhsbildnii&aiiMdiiift Grob-Berlin Sonniad, den 24. März, nacbmiHAg* pflnldllcfa S1/� Uhr im SiaailicfacB S efaiUcrihcatcr in Charlottcnbnr� OedfiiBus Nach Sophokles übersetzt und bearbeitet von Heinz Lipmann In Szene gesetzt von Leopold Jeßner I. Teil: Oedipus der Herrscher» 2. Teil: Oedipus auf Koionos* Prei* 1,50 Mark, elziMhltepllA Garderobe und Progranun Karten sind zu haben im Bureau des Bezirksbiidungsausschusses. Lindenstraße 3, 2. Hof II, Zimmer 8, Buchhand ung Vorwärts, Lindenstraße 2, Zigarrengeschäft Morsch, Engelufer 25-25, Zemralyerband der Angestellten. Belle-Al- Tiance-Straße 7-10, verband der graphischen H Ifsarheiter, Rltiertraße 1, In den Vorwärtsexpeditionert, bei den Funktionären der Kreise und Abteilungen. / diese Dichtungen nun doch nicht den tränenreichen Gefühlsschwimg, mit dem hannah Zweig verschwenderisch den Hörer umhüllt, _ S.S.. Aus der Partei. Robert Smillie, der bekannte britische Bergarbeitersührer und Abgeordnet«, hat dem Bergarbeiterverband von Northumderland seine Absicht bekanntgegeben, bei den bevorstehenden Wahlen nicht mehrzu kandidieren; sein hohes Alter erlaube ihm nicht mehr jene Aktionsfähigkeit, die seine Wähler fordern müßten. Robert Smillie ist ein Äück der Geschichte der englischen Arbesterbewc- aung. Schon mit 11 Iahren war er 1868 in die Fabrik gekommen. Al, Siebzehnjähriger wurde er Bergarbeiter. Die Organisation der Bergarbeiter wurde später seine Lebensaufgabe Während des Kriege« lehnt« Smillie alle hohen Aemter ab, die ihm von der Regierung angeboten wurden. welkerbericht ber östeafllchen wefferdienslge«« Berlin anb Hrngegenb (Nachdr. vetb.h Dtelsach nebllp, nur am Tage zeitweile beiter. Temveraluren niedriger als bisher.— Für Deutschland; Im Nordwesten vielfach neblig und ziemlich fflbl, in West-, Süd» unb Südostdeulschiand heiter, am Tage mähsg waim, in Mitteldeutschland nur am Tage zeitweise heiter und etiva« jibfühiung. ! Theater, � Lichtspiele usw. Donnsu, d.21. 3. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V.* 20 Uhr Pra Diavoio Staats-Oper Arn PI d.Republ. R.-S.70 190. Uhr Staad. Sclilllep-Ttieater,C!iarHli, Donnst.d. 21. 3. Staat. Oper Bisrnarckstr. Turnus II 19V» Uhr Der' Wiidsdifitz Staatl. Sdianspli. inCtteim.nüli A.-V. 69 20 Uhr Karin. Anna 20 Uhr Oedipus scam 8 IJlir o5 Barbarossa 925C 1 j bop-aipa, das sujictidl. Ball- longimr- | Wond«, irnan, Bnnn.. Mnsltal-Clawa� f tind die üjbnqen Attraktionen! Winl-er- Qarren |8 Uhr Zentrum 2S19| Rauchen erlaubt! Otto Reutter und 4|A internationale IV Darblehiztgeii. ..ramr«, LutiiriaAC Stratt« 37. Neu! Neul „Eine ungeliebte Frau und ein ersiklasslger bunter Teil. Für unsere LeserQutscheinfür 1— 4Per», Fauteuil nur 1.15 M.Sessel 1.65 M Sqns'ire Preise; Parket u.Rang 0 80 M. Renaissance- Theater Hardenbergstr 8. Tal.: IttiogU 801 u. 2583/84 «V« Uhr. Zum 91. Male;«Vt Uhr Ole Wetterfolgskopnddl* „Das große ABC" von Marcel Pagnoi Ree ifinsi. Bariana. Ii Premiere nbtitio. 8 Uhr TSglidi S Uhr Pferde, Bären, LC wen, Stiere Clin Seros,.'SMas and die flbrlgen oroücu Min- Alirahilunea! Siisonschiuß unw dtrrufi. 7. Jpril, Theaters. KottbusserTor Kolttaaset Str. 8. Tel. 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Räch einer kürzlich vom Statistischen Reich samt oerössentiichten Erhebung belies sich die Stromerzeugung Deutschlands im Jahre 1927 aus 25,1 Milliarden Kilowattstunden, fast 4 Milliarden mehr als 1925 und 5 Milliarden mehr abs 1925. Man kann daraus schließen, daß 1928 eine Stromerzeugung von schätzungsweise 39 Milliarden Kilowattstunden erreicht weiden wird. Vergteichs- weise sei erwähnt, daß die amerikanische Elektrizitätserzeugung jetzt etwa 100 Milliarden Kilowattstunden beträgt. Vor dem Krieg« betrug die deutsche Elektrizitätserzeugung nur etwa den vierten Teil der jetzigen. Auch sür die Iukunst ist mit einer weiteren Jnnahmo des Strombcdarss und der Stromerzeugung in einem ähnlichen Tempo zu rechnen. 30 Milliarden Kilowatlsiunden— Jahresarbeit von 120 Millionen Menschen. Es est ober, um diesen Ziffern mehr Anschaulichkeit zu geben. ganz gut, wenn man weiß, was ein« Kilowattstunde eigentlich ist. Aus dies« Frag« gibt Pros. Dr. Windel in einem sehr interessanten Buch(„Aufbau und Entwicklungsmöglichkeiten der europäischen Elektrizitätswirtschast' herausgegeben von der Bank Schwarz, Gold- fchmidt u. Co.) ein« gute Antwort. Er verweist nämlich darauf, daß die körperlich« Arbeitsleistung eines Menschen, der ohne Ma- schinenhilf« arbeiten würde, im Durchschnitt nicht mehr beträgt als 82,5 Kilowattstunden jährlich.„Um die gesamte Elektrizilätserzeu- gung des Jahres 1925 bewältigen zu können, wären also 82,3 Millionen arbeitende Menschen erforderlich." Hieraus ergibt sich also, daß im lausenden Jahr, wo die deutsch« Stromerzeugung, wie erwähnt, aus 30 Milliarden Kilowattstunden geschätzt werden kann, diese Leistung einer Jahresarbeit von rund 120 Millionen täglich acht Stunden arbeitender Menschen gleichkommt. Das sind fast doppelt so viel Arbeitende, als Deutschland Einwohner hat. Don der für das Jahr 1927 festgestellten Strommeng« von 25,1 Milliarden Kilowattstunden entsallen 48 Prag.(12,3 Milliarden) aus die öffentlichen Elektrizitätswerk« und 52 Proz.(12,8 Milliarden) aus die„Eigenanlagen". Der Hauptteil der 1927 erzeugten Strom- menge stammt auch heut« noch aus Stein- und Braunkohle, immerhin betrug die aus Wasserkräften gewonnene Strommenge bereits 3,8 Milliarden Kilowattstunden oder 15 Prog. der gesamten Strommeng«. was soll mit den Wasserkräften geschehen? Es ist bekannt, daß die Frag«, ob die Deutschland zur Verfügung stehenden Wasserkräfte weiterhin in stärkerem Ausmaß ausgebaut werden sollen, nicht entschieden ist: vielfach wird insbesondere von privatkapitalistischer Seit« der Standpunkt oertreten, daß Wasserkraftanlagen, wenigstens für die erste Zeit, zu kostspielig sind und nicht genügend hohen Prosit abwerfen. .7 L ol ks wirtschaftlich sieht das Problem freilich etwas -anders aus. Man kann dem schon erwähnten Prof. Dr. Windel weitgehend zusttmmen, wenn er sagt:„Jeder unausgenutzt zu Tal fließend« Tropfen Wasser, ebenso wie jedes verbrannt« Kilogramm Kohl« ist für die Volkswirtschaft«in unwiedereinbringlicher Verlust. Zwischen dem Verbrauch der diesen beiden Elementen innewohnenden Kraft besteht aber ein volkswirtschaftlich bedeutend großer Unter- schied. Im Kreislaus der Natur erneuert sich ständig die Kraft des fallenden Wasiertropfens, während die Energie der Kohle noch ihrem Verbrauch praktisch unwiederbringlich für immer verloren geht." Hieraus ergibt sich als grundsätzlich« volkswirtschaftlich« Zweckmäßig- reit, alle nur ausnutzbaren Wosierkräste auch tatsächlich auszubauen. Die Schätzungen, wie groß eigentlich die Deutschland zur Verfügung stehenden Wasserkräfte sind, gehen weit aus- einander, und die Ziffer von 10 Milliavden Kilowattstunden ist sicher- lich zu tief gegriffen. Auf jeden Fall wäre ober Deutschland nicht in der Lage, mit Hilfe des Ausbaues aller seiner Wasserkräfte auch nur die Hälfte seines jetzigen Strombedarfs zu decken. Hieraus erklärt sich, warum deutsche Kapitalgruppen sich in letzter Zeit lo stark für den Ausbau der Alpenwaiserkräfte inter- essieren. Rur zum kleinen Teil fließt heut« aus den'imerfchöpslich erscheinenden Wasserkräftevorräten der Alpen Energie nach Deutsch- land. Im laufenden Jahr dürften es nicht mehr als 300 bis 400 Mil- ßonen Kilowattstunden sein, und auch wenn die Kraftwenk« im west- liehen Tirol und in der Schweiz(Aargau), an deren Ausbau das Rhewisch-Westsälische Elektrizitätswerk interessiert ist in Betrieb sein werden, so wird der Anteil der nach Deutschland gelangenden alpinen Wasierkraft am gesamten deutschen Elektrizitätsverbrauch erst immer noch nur einen kleinen Bruchteil darstellen. | La» große Tauernprosetk— Europäische Reserven. r Dogegen beansprucht da» große Tauern Projekt, über das auch wir schon kurz berichteten, ein besonderes Jnteresie. Hier hat die AEG. zusammen mit der Landesregierung des österreichi- schen Bundeslandes Salzburg einen Plan ausgearbeitet, wonach der größer« Teil der Wafferkräfte der Tauernkette nutzbar gemacht wer- den soll. Drei große Kraftwerke sollen jährlich 5 bis 8 Milliarden Kilowattstunden produzieren. Man schätzt den Kostenauswand für den Ausbau dieses Riesenprojekt? auf mindestens ein« Milliarde Mark und die Dauer der Arbeiten auf 10 bis 12 Jahre. Am 19. Februar hat nun der Salzburger Landtag den Beschluß gesaßt, die Landesregierung Salzburg zu ermächtigen, gemeinsam mit der AEG. eine Borbereitungsgesellschaft m. b. H. zu bilden, um das Projekt in allen Einzelheiten auszuarbeiten. Damit ist freilich dos Unterneh- men noch nicht gesichert, denn ersiens wird die Konzessionierurl einer solchen Anlage nicht lediglich bei der Salzburger, sondern de. der Wiener Regierung liegen, und zweilens ist die Frage der Kopi- talaufbringung vorläuftg noch ungelöst. Insgesamt wird seitens der AEG. die allein in den Tauern- bergen zu gewinnende Energie auf rund 15 Milliarden Kilowattstunden geschätzt,- und wollte mau berechnen, welche Energiemengen in dem gesamten alpinen Gebiet noch unausgenutzt schlummern(Schweiz, Tirol, Salzburg, Kärnten, Norditalien, Ober- bayern und französische Alpen), so wurde man wahrscheinlich feststellen können, daß es möglich wäre, den gesamten jetzigen Jahres- strornbedars des europäischen Kontinents— enva 70 Milliavden Kilowattstunden— aus dieser gewaltigen Reserve zu decken. Ein« zweite europäische Reserve von ähnlicher Bedeutung ist Skandinavien. Schon seit Jahren wird von einer Nutzbar- mochung dieser Energiemassen sür Mitteleuropa gesprochen, und auf der Genfer Weltwirtschastskonfereng 1927 verwies ein deutscher Be- richt aus diese Möglichkeit. Wenn auch gegenwärtig noch die Strommenge, die Deutschland aus dem Ausland einführt, recht bescheiden anmutet— 1927 waren es erst 265 Millionen Kilowattstunden— so kann dies in baldiger Zukunft doch wefenllich anders fein: eine internationale Elektrizitätswirtschaft und ein um- fangreicher Elektrizitätsaußenhandel ist eine so ernste Mögtichkeit, wie heute die Verflechtung der deutschen Wirtschaft mtt der Weltwirt- schaft auf allen anderen Gebieten ein« Selbstverständlichkeit ist. Die politischen Auswirkungen einer solchen Entwick- lung sind nicht abzusehen. Man kann sich vorstellen, daß einzelne privatkopftalistische Gruppen die Finanzierung und Durchführung dieser Entwicklung an sich reißen und gewaltig« Energiemonopoie ovganifleven, von deren Macht große Teile der europäischen Wirt- schast ntchängen würden. Man kann sich aber auch vorstellen, daß dieser Ausbau unter öffentlicher Führung und Kon- troll« vor sich geht und die europäischen Staaten Hand in Hand miteinander an der Verwirklichung der Projekte arbeiten. Dadurch würde zwar Europa noch keineswegs«in« Einheit sein, aber die quer durch den ganzen Erdteil sich ziehenden europäischen Stromsammelschienen würden die einzelnen Länder so fest aneinonder ketten und ihre Wirtschaft so eng miteinander verflechten, daß die politische Einheit Europas ein schneller erreichbares Ziel wäre.— h. Oer letzte Großbankabschluß. Commerz» und Privatbank wieder 11 Prozent Dividende. Schon bei den Bantabs chlüsien im letzten Jahre fiel da« schnell« Entwicklungstempo der an sich nicht sehr großen Commerz- und Privatbank auf. Allerdings hatte bei der starken Umsatz- steigerung und der Zunahme der fremden Gelder im Jahre 1927 die 20.Millionen-Dollar-AnleiH« zur Gewährung langfristiger Kredite die Geschäftstätigkeit der Dank stark beeinflußt. Das Tempo der Ausdehnung hat sich auch 1928 nicht v e r- r i n g e r t. So sind die fremden Gelder(Krediroren), mit denen die Bank arbeitet, im letzten Jahr weiterhin um rund 31 Proz. mif 1357 Millionen gestiegen gegenüber einer gleichfalls etwa 30prozentigen Erhöhung der fremden Gelder im Geschäftsjahr 1927. Dieser neue Zuwachs an fremden Geldern kommt in einer starken Ausdehnung der Wirtschaftskredite, welche die Bank gewährte, zum Ausdruck. So stiegen die Schuldner in lausen- der Rechnung von 552 aus rund 675 Millionen, die Wechsel- bestände von 235 auf 309 Millionen, während die Vorschüsse auf verfrachtete und«ingelagerte Ware, ein Haupt- geschäftszweig der Bank, sich von 116 auf 205 Millionen ganz be- deutend erhöhten. Das Finanzierungsgeschäft im Warenverkehr hat sich damit in den letzten drei Jahren f a st vervierfacht. Das Gewinnergebnis ist, wie schon im letzten Jahr, wieder sehr günstig. Der Rohgewinn stieg von 61,8 auf rund 66 Millionen und der Reingewinn von 10,2 auf 11,5 Millionen. In den Reservefonds werden diesmal 2,5 gegen 1,5 Millionen im letzten Jahr abgeführt, so daß die Dividende trotz der erhöhten Gewinne mit II Proz. unverändert bleibt. In dem Gesamt- Umsatz der Bank kommt die schnelle Entwicklung des Unternehmens deutlich zum Ausdruck. Nach einer Steigerung von 85 auf 104 Millionen im Jahre 1927 erhöhte er sich im Berichtsjahr weiterhin auf 120 Millionen, also seit 1926 um rund 41 Proz. E» verdient hervorgehoben zu werden, daß die Commerz- und Privatbank im Gegensatz zu den anderen Großbonken ihren Per- sonalstab aufbaut, denn die schon 1927 um 6 Proz. aus 7617 gesttegen« Belegschaft wurde im letzten Jahre weiterhin aus fast 8000 Mann erhöht. Allerdings stellt diese Vermehrung des Ange- stelltenstabes nur' ein Viertel der Umsatzsteigerung in den letzten Jahre dar. Nach der kürzlich vollzogenen Verschmelzung mit der Mitteldeutschen C r e d i t bo n k wird die Commerz- und Privatbank neben den großen V-Banken rangieren. Der Bericht der Gesellschaft ist im heutigen Inseratenteil erschienen. Geht es der Landwirtschast schlecht? Lieber 1 Milliarde Einlagen bei 1)000 Oarlebenskassen. Wir sind weit davon entfernt, aus der allmählichen Wieder- auffüllung der Einlagen bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften für die tatsächliche Lage in der Landwirtschaft zu g ü n st i g e Schlüsse zu ziehen. Diese Einlagen vermehren sich aber in einem Tempo, daß die Ocssentlichteit doch mit der größten Sorgfalt die darüber verössenrlichien Ziffern beachten müßte. Der Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften stellt für seine 13 000 ländliche Spar- und Dar- lehenskassen fest, daß allein im Jahre 1928 die Steigerung der Einlagen in diesen Genassenschaftskasien 3 2 5 Millionen Mark betragen hat. Vom 3l. Dezember 1924 bis zum 31. Dezember 1928 sind diese Einlagen jeweils am Jahresschluß von 125,5 auf 322,9 dann aus 584,5 weiter auf 753,8 und schließlich auf 1078,9 Millionen Mark gestiegen. Das ist eine Vermehrung in vier Jahren um 95 3 Millionen Mark oder fa st eine Milliarde. Davon kommt mehr als eine Drittelmilliarde auf dos letzte Jahr 1928. Am 31. Dezember 1913 betrugen die Gesamteinlagen bei diesen 13000 Kasten 1371,6 Millionen Mark. Nominell sind heute davon 80 Proz. wieder erreicht und wenn man auch die Geld- entwertting berücksichtigen muß. so bleibt dennoch die auhcrardent- lich rasche Steigerung eine auffällige Tatsache. Der Reichsverbond hebt selbst hervor, daß von der Steigerung des Jahres 1928 um 325 Millionen allein 2 9! M i l l i o n e n o u f die reinen Spareinlagen entfallen. Dos sind durchaus günstige und gewiß lehr zu begrüßende Zeichen, aber sie mahnen auch dazu, gegenüber dem.Mode gewordenen Geschrei landwirt- schaftlicher Organisationen die realen Totsachen noch viel ernster zu prüfen alz bisher. Erste Erleichterung des Arbeitsmarkts. Die winterlich« Arbeitslosigkeit hat erst in der Woche zum 16. März, zwei Monate später als im Vorjahr, ihren Höhepunkt überschritten. Die Entlastung des Marktes setzte nur s ch w o ch und zögernd ein. Der Erdboden ist noch so hartgefroren. daß die Aufnahm« der Außenarbeiten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die erhofften Mastenabruf« von Arbeitskräften blieben noch aus. Etwas spürbarer wurde die Lage in Westfalen, Niedersachsen. Siidwestdeutschland und Hesten erleichtert. Slaatsgelder für zweiselhasle Fusionen. Wir haben vorgestern festgestellt, baß für die zur Besserung des Fleischabsatzes aus dem Notprogramm für ein« schleswig-holsteinisch« Fleischwarensabrik be» willigte eine Million Mark Reichskredite durch die Verbindung der Bauernhand-A.-G. Schleswig mit zwei wenig rentablen privaten Fabriken eine Gefahr bestehe. Von zuständiger Stelle wurde uns jetzt mitgeteilt, daß das Reich die Million noch nicht ausgezahlt habe, und daß dos Reich gegebenenfalls von den damit auszustattenden Fabriken«ine Bankbürgschaft vor- langen und aus diese Weise auch die erforderliche Kantröllc und zweckmäßige Verwendimg sicherstellen werde. Wir sprechen die. E r- Wartung aus. daß die Oeffentlichkeft sich auf diese Festlegung des Reichs« rnöhrungsministeriüms verlosten darf. Europäischer Linoleumkrust wächst weiler. Die Deutsche Linolen mwerke A.-G., die eigentliche Trägerin des deutschen und euro» päischen Linoleummonopols, wird für 1928 voraussichtlich wieder eine Dividende von 15 Prozent ausschütten. In der Generaloersammlung soll auch über den Anschluß eines großen sranzäsischen Werkes in Reims, das sein Kapital um 36 aus l06 Millionen Franken erhöht, und eines großen hol- ländischen Werks, der Reederlandschcn Linoleum-Fabrik in Krommenie an den deutschen Trust verhandelt werden. Die beiden Auslandswerte sollen der Continentolen Linoleum Union in Zürich beitreten, der Dachgesellschaft der den Trust beherrschenden deutschen Gruppe. So ist das Linolenmmonopol in Europa fast lückenlos geworden. Gegen eine Kündigung des deulsch-sranzösischen Handelsverträge«. Am 1. April 1929 könnte der deutsch-sranzösstche Handels- vertrag zum erstenmal gekündigt worden. In der„Industrie- und Handelszeitung" hat der seinerzeitige deutsche Verhandlungsführcr in Paris, Min isterialdirettor Posse, zu dieser Mög- lichkeit Stellung genommen. Er spricht davon, daß man trotz einiger Opposition in Frankreich den Handelsvertrag mit Deutschland fortbestehen lassen will. Das Jahr 1928 habe je länger desto deutlicher eine Verminderung der für Deutschland bisher gegen- über Frankreich bestehenden Handelspossivität gebracht. Die zweifellos große Bedeutting der Reparationslieferungen fei in dem Verhältnis derselben zum freien Warenverkehr in langsamem Schwinden. Die Frage der Kündigung von deutscher Seite sei kühl und gründlich zu untersuchen. Persönlich kommt Posse aber zu einem für den Weiterbestand des Abkommens günstigen Urteil, und zwar trotz der verbleibenden starken Passivität des deutschen Handels nach Frankreich nach Abzug der Reparattonsliefe- rangen und trotz der nichtbefriedigenden und oft willkürlichen Praxi« der französischen Zollbeamten. Konjunktur und bargeldlose Zahlungen ISZS. Die Reichs- dank hat heut« 70 Abrechnungsstellen,, in denen 844 Finanz- und industrielle Großkunden der Reichsbank ihre gegenseitigen Per- pslichtungen durch Gutschriften statt durch Bargeld abwickeln. Das Jahr 1.928 hat bei diesem bargeldlosen Abrechnung«- v e r k e'h r eine Erhöhung von 104,6 auf 121,0 Milliarden Mark gebracht, ein Zeichen für die im Jahre 1928 sich noch stark aus- wirkende gute Konjunktur. Gegenüber 1913 mit allerdings nur 270 Teilnehmern hat sich der Abrechnungsverkehr von 73,6 auf 121,0 Milliarden Mark, also um rund 60 Proz. erhöht Der Noietat bewilligt. Sicherung gegen voreilige Ausgaben. Der Reichstag beriet am Mittwoch zunächst den Notetat, der die Regierung zur vorlaujigen Fortführung des Reichshaushalts ermächtigt. Berichterstatter des Ausschusses ist Abg. Dr. C r e m e r £D. 25p.). Abg. v. Rlchkhofen(Dnat.): An der gewaltigen Arbeitslosigkeit ist die Not der Landwirtschast schuld: vor allem muß ihr sohnendsr Absatz gesichert werden. Dazu ist die Sicherung des Innenmarktes durch ausreichende Fälle nötig, wamst uns die anderen Länder langst vorausgegangen sind- Abg. Torgler(Komm.): Es handelt sich um ein Ermächtigung?- gesetz: ihm kann nur zustimmen, wer Vertrauen zur Regierung hat. Abg. Stückten(Soz): sind. uns die jetzt einzugehen ein Anlaß nicht besteht. Gewiß ist die Vorlage ein Ermächtigungsgesetz, es war nicht möglich, den Notetat voll- lammen zu detaillieren. Ein Tkoletak hak den großen IkachkeN, daß er der Verwaldivz außerordenllicheu Spielraum gewährt. 'Aber es ist die Sicherung geschaffen, daß bei den von Torgler an- geführten Zlusgoben der Haushastsausschuß erst um seine Zustim- mung angegangen werden muß. Es sind aber auch große Beträge für Arbeiterinteressen eingestellt, wovon Herr Torgler allerdings nichts gesagt hat. Wenn ein Antrag der Kommunisten bei diesen Arbeiten nur die Gehäller und Löhne auszuzahlen, alles übrige aber streichen will, so würde das praktisch bedeuten, daß Arbeiten entlohnt, aber nicht geleistet werden! Würden wir ein Viertel der Ausgaben von 1328 bewilligen, so wäre nachher die Ablehnung der restlichen drei Viertel allerdings sehr schwierig. Des- halb hat der Ausschuß die Bewilligung auf ein Fünftel herabgesetzt. Das ist eine ganz wesentliche Ersparung, und wenn an dem ganzen Etat ein Fünftel gespart werden könnte, so würde wahrscheinlich aus neue Steuern verzichtet werden können. Von dem Wettbewerb der Beamien in Nordamerika, die angeblich im Sparen einander zu übertreffen suchen, sind wir noch weit entfernt. Bei uns trachten die Behörden, das ganze bewilligte Geld auszugeben, weil sie fürchten, sonst später weniger bewilligt zu erhalten. Da ist noch Erziehungs- arbeit nötig, und wir werden daran gewiß mitwirken. Der Notetat schreibt vor, daß nur bei unzweiselhaften bürgerlich- rechtlichen Verpflichtungen über das eine Fünftel hinaus- gegangen werden darf. Man Hölle vielleicht auch hinzufügen sollen, in welcher Form diese Verpflichtung geprüft werden kann. Da der Haushaltsausschuß jedoch am 13. April seine Tätigkeit wieder auf- nimmt, wird er jeden Tag eingreifen können, wenn sich herausstellt, daß die Bestimmungen nicht richtig angewendet werden. Es liegen schon eine ganze Anzahl Forderungen beim Haushastsausschuß vor, ober wir haben eine Berotungdarüberabgelehnt, solange der Notetat nicht beschlossen ist. Jede dieser Forderungen wird auf das genaueste geprüft werden. Darunter sind auch 50 Millionen zur Förderung des landwirtschaftlichen Siedlungswesens im Osten. Neubavlen wird man nlchk grundsätzlich ablehne» können, dem» fle vermindern die Zahl der Erwerbslosen, und sowest diese Bauten notwendig sind, wird mau sie bewilligen müssen. Im Reichstag besteht eine Einheitsfront des Sparwillsns. ober über das Wo und Wie gehen die Meinungen noch west aus- c-nander. Kein Zweifel, beim Etat kann außerordentlich viel ge- rt werden. Der Reichstag hat die Ausgabe, den Etat ohne Desizst einer für das Volk erträglichen Form zustande zu bringen. Wir stimmen dem Notetot zu.(Zustimmung bei den Sog.) Die Konmmnisten beantragen ein Mißtrauensvotum gegen den Reichsftnanzminister. Die Abstimmung darüber kann erst in der nächsten Ätzung erfolgen. Bei der Abstimmung über den Natetot wird zunächst mit Erfolg die Beschlußfähigkeit des Hauses bezweifelt. Nach einigen Minuten sind genug Mitglieder im Saal und der Notetat wird in zwester und dritter Beratung gegen die Kommunisten, Deutschnationalen, Nationalsozialisten und Ehristlichnationalen angenommen. Der Gesetzentwurf auf Abänderung der ltzerordnung über die Errichtung von Arbeitskammern(Verlängerung der Wahlperiode non zwei auf vier Jahre) im Bergbau wird in erster und zweiter Beratung angenommen, nachdem Abg. Zadasch(Komm.) behauptet hatte, die Vorlage habe nur den Zweck, die Radikalisierung der Bergarbeiter zu verhindern. Um 4% Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr: kleiner« Vorlagen. Oer porzettanskandal. Besprechung des Kalles Moufang im Landtag. Der Landtag wiederholte am Mittwoch zunächst die namentliche Abstimmung über die Verlängerung der Grundver- m ö g e n s st e u e r, bei der am Dienstag bekanntlich Rechtsparteien und Kommunisten das Haus durch Obstruktion beschlußunfähig machten. Diese Parteien übten auch diesmal wieder Obstruktion, und es gelang den Regierungsparteien nicht, die Beschlußunfähigkell des Hauses zu verhindern. Auch die Verlängerung der Hauszins st enerver- o r d n un g scheitert« in zweiter Lesung durch Obstruktion der Oppo- sitionsparteien an der Beschluhurisähigkeit des Hauses. Auch dieser Gegenstand wurde daraus von der Tagesordnung abgesetzt. Wahr- schemlich werden in der nächsten Woche, schon der Dringlichkeit wegen, die beiden Vorlagen durch den Ständigen Ausschuß verabschiedet werden. Hierauf erfolgt« die Fortsetzung der zweiten Lesung des Hanshall» der Vorzellanmannsaktnr. Abg. Zaspert(Dnat.) erklärt, daß ihn die mild« Behandlung des Falle, Moufong durch den Berichterstatter Siering in großes Erstaunen gesetzt habe. Für die Interessen der Arbeiter und Angestellten hätte sich Herr Siering aber als Vertreter einer arbeiter- sreundlichen Partei viel zu wenig eingesetzt. Die Geschäftsführung des Herrn Moufong streife an Urkundenfälschung. Abg. veler(Komm.) hielt den Deutschnallonalen vor, daß sie sich bis fetzt überhaupt nicht um Arbeiterinteresien in der Manufaktur gekümmert hätten. Handelsminister Dr. Scheeiber: Di« lebhafte Agitation Dr. Moufongs in der Oeffentlichteit und die Erklärung der Künstlerschaft für ihn zwingen mich, die bisher aus menschlichen Gründen geübte Zurückhaltung auszu- a e b e n. Die Iahresbezüg« Moufongs beliesen sich auf 33 333 M.. davon erhiell er 8333 M. als Aufwandsentschädigung und freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung. Darüber machte er»»eitere Aus- gaben für Repräsentation, Reisen usw. Moufong hat da» verlranen, das er für sich in vollem Maße verlangle, enttäuscht. Eine Nachprüfung der Oberrechnungskammer 1926/27 ergab, daß AufwendungeninHöhe von24 813 Mark ohne nähere Belege gemacht waren. Davon sind 2Z33 M. für Künstlerhonorare, S681 M. für ein Auto, 3143 M. für einen Privatsekretär und 5934 M. für Einladungen ausgegeben. Seinen Privatwagen ließ er in Höhe von 7233 M. aus der Manufatwrkosie abschreiben. Auch alle Be- triebskosten dieses Privatwagens, Versicherung und Chauiseurgehall gingen auf Kosten der Manufaktur. Der sogenannte Privat- s e k r e t ä r war sein Bruder, der bei ihm wohnte und von dessen Tätigkeit niemand etwas wußte. Er hat ihn in einer Zeit eingestellt, wo Arbeiter und Angestellte entlassen wurden. Die Prüfung ergab, daß Sünstlerhonornre doppelt bezahl« waren. Moufong hat angegeben, daß einem Künstler einmal für die Ve- fchaffung des Kunstwerks und ein zweites Mal für die besonder? überarbeitete numeriert« und signierte Lorzugsousgabe gezahlt sei. Dafür legt« er als Beleg einen Brief des Künstlers vom 18. Februar 1926 vor. Wir haben festgestellt, daß dieser Brief erst im Herbst 1928 währendderReoisiongesihriebenist. Auch eine Reihe von Aktenbelegen über Kirnsllerhonorar« sind geändert worden. Dabei handelt es sich nicht um unwesent- ich völlig sind außer- liche Äenderungen, sondern Beleg» sind nachträglich völlig neu angefertigt worden. Diese Wonivulallonen sind außerhalb der Dienststunden von nicht zuständigen Beamten vorgenommen und man Hot den Belegen künstlich durch Zerknittern ein alles Aussehen gegeben und dabei sogar den roten Revisionsstrich der Ober- rechnungskammer nachgeahmt. Den Revistonsbeo inten wurden solch« Beleg«'als Originale übergeben. Dabei kann nicht be- hauplet werden, daß Moufong einen persönlichen Vorteil im Auge hatte.(Große Unruh« rechts und links.) Aber solche Vorgänge machen ihn als Deiter eine, staatlichen Unternehmens unmöglich. Das non ihm 1927 herausgegebene Luch„Alt-Berlin in Porzellan" ist von chw alsPrivatarbeit erschienen. Nie- wand hat etwas davon erfahren, daß 44 333 Mark für die Her- stellung und 7333 Mark für die Absatzpropaganda des Werte? aus der Manufatturkass« entnommen waren. Moufong behauptet, daß diese? Werk«inen Teil des Kunst- kataloges darstellen solle, wofür ihm ebenso wie für den Technischen Katalog ein« Summe zur Verfügung gestellt war. Tatsächlich ist dos Wert als Kunstkatalog nicht geeignet. Daß es ein« Privatorbeit war. geht daraus hervor, daß er der Vertrag mit dem Verlag im eigenen, Namen abgeschlossen hat. Don den gemachten Auftoendungen irr Höhe von 31 003 M. hat die Manufaktur bisher nichts zurückerhallen. Um hei der Untersuchung den Anschein zu erwecken, als seien die Er- trägnisie des Buches für die Manufaktur bestimmt, hat Moufong ein Schreiben verlesen, dos über die Verhandlungen vom 19. bis 22- Mörz 1927 aufgenommen war. Auch diese Aufzeichnungen sind erst im November 1928, also während der Untersuchung, hergestellt worden. Er hat auch andereManipulationen unternommen, so daß ihm sein virekllonssekrelär sagen mußte, daß« keinen Zweck mehr habe, weitere Täuschnngsversuche zu unternehmen. Zluch sonst war das Verhalten des Manufakturleiters nicht einwandfrei. So hat er bei der Inventur einen Fehlbestand von 138 333 M. an den Vorräten einfach abbuchen losien. Nach seinem'Ausscheiden wurden davon Gegenstände im Werte von 48 700 M. wieder ermittelt, zum Teil in seiner Wohnung. 133 333 M. sind ihm bewilligt worden sür Anschaffung von Porzellanmasie, damit diese gut ablagern kann. Er hat die Masie mcht gekauft, das Geld dafür im Bettieb oerwendet, ohne davon in der Gewinn- und Verlust- rechnung Kenntnis zu geben. 133 333 M. waren ihm zur Verfügung gestellt siir den AuÄau des Ladens in der Leipziger Straße. Angeblich ist dieser Betrag nur um 3933 M. überschritten, in Wirklich- teit aber sich» noch weitere 137 432 M. dafür in der Manufaktur selbst zur Ausstattung des Ladens verausgabt, die in der'Abrechnung über den Bau überhaupt nicht erschienen sind. Obwohl die Manufaktur alljährlich mit Verlust arbeitete, hat er versucht, in der Bilanz einen Gewinn auszuweisen. Die Umsatzsteigerung erklärt sich im wesentlichen aus einer Erhöhung der Preise. Nicht bureaukrattsche Engherzigkeit, sondern dieernstenVer- sehlungen Moufongs führten dazu, ihn zu entsernen. Es ist unmöglich, daß der Leiter eines Unternehmens, der so schwere Inkorrektheiten begeht, an der Spitze eines staatlichen Instituts unter Mißbrauch Untergebener weiterarbeiten kann. Wir hoffen, daß wir diejenigen Kräfte finden werden, die das Unternehmen einer stetigen Entwicklung entgegenführen. Abg. Mehinger(Z.) betgnt, daß er nicht die 2lbsicht habe, die Person Moufongs zu verteidigen. Seine Fraktion sei aber nicht hinzugezogen worden, als der Minister über diese Angelegenheiten mit anderen Parteien Fühlung genommen habe. Das Zentrum habe einen Untersuchungsausschuß beantragen wollen. Es sei ihm aber vorgehalten, es solle die Angelegenheit aus sich beruhen lasien, weil sonst der Minister gezwungen wäre, noch andere Dinge öffentlich zu behandeln. Nach der heutigen Red« des Ministers sei aber zu überlegen, ob nicht ein Ausschuß sich mit den Dingen be- schäftigen solle. Sollte der Minister der Ueberzeugung sein, daß Moufong für den Staatsanwalt reif ist, dann babe er bereits zu lange gezögert. Aber zweifellos habe der Minister irnt seinen scharfen Ausführungen über das Ziel hinausgeschosien. Handelsminister Dr. Schreiber: Die Ausführungen des Vorredners entkräfte«»«cht die schweren Vorwürfe, die gegen die Geschäftsführimg Moufong««ich oben werde« müssen. Abg. heidenreich(D. Vp.) häll«inen Untersuchungsausschuß nicht für zweckmäßig. Zu einer weiteren Klärung der Angelegenhell lieg« nach den Ausführungen des Ministers kein Anlaß vor. Noch de« Ausführungen des Ministers scheinen auch kriminell« V«r» fehlungen vorzuliegen. Abg. Merten(Dem.) billigt den Standpunkt de« Minister». Moufong sei seinem Posten zum Opfer gefallen, weil er ihm als Kaufmann, Wirtschaftler und auch als Charakter nicht g«wachse« war. Das beweisen seine fortgesetzien Verschleierungen und die Ve» leituna von Untergsbenen zu Fälschungen. Hoffentlich bekomm« nun-- mehr die Manufaktur eine Leitung, die allen Aufgaben gerecht wird. Nach wetteren Ausführungen der Wag. yaase(Wirts ch.°P.). Mohrbotler(Deutsche Fraktion) und Kerl(Natsoz.) wird der Au». spräche durch Annahme eines Schlußantrage« ein Ende g» macht. Das Haus genehmigt hieraus»och die Einzeltttek oh»«« Sn» sprach«. Lei der Abstimmung über den Hauptausschuhantrag, de» Geschäftsbericht durch Kenntnisnahme für erledigt zu erklären, bleibt das Bureau zweifelhaft. Rechtsparteien und Kommunisten obstruiere« hieraus beim Hammelsprung und machen das Haus wiederum be» schlußunsähig. Hierauf verlagt der Präsident das Haus auf Donnersag, de» 21. März mittags 12 Wr. Tagesordnung: Etats der Staatsbank, des Landtages und des Staatsrats, kleinere Vorlagen. IZuverfesiß- bequem- elegant- preiswert so soll Ihr Wagen beschaffen acta. Fahren Sic etnmal den Mercedes-Benz Typ 350 C14/ÖO PS) dann werden Sie einen Wegen der mittelstarken Riasse kennen lernen, der diese Dgenstbaflen in bödistem Maße besitzt Audi Sie werden es vorziehen, einen wirklichen Klassewagen zu besitzen, veim Sie ihn zu solch günstigen Preisen erhalten können. Machen Sie einen Versuch, wir er> warten Sie zur Probefahrt I r■.»,:. 6 sitziger offener Toürenwagen(ab Werk)-. RM. 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Mär» aellotdsn ist Di» SWZschenrna findet Dannerrtag, den ZI. Würz. 30 Iftr. im«umatortam Boumschulenweg. kiel halbste., statt. Am IS. d. M. starb unser Sallege. der Wertteugmacher Paul l>ilep«ld geb. A. Rarz M7- Die Stnälcherung findet Donner». lag. 21- M»r». 14 Uhr, im Stemo. totüttn Vaumichulenmeg, Aiesholj» itraß«, statt. Am 17. d. D starb ferner unfer Kolleg«, der Drüeer Auxust Kaselow geb 23. September ISN. Di« Beerdigung findet am Freitag, dem 22. Marz INS. Ih Uhr, von der l:eick>enhall« de» Neuköllner Fried- Hofe«. Sottliad-Dunkel-Htr., aus stall. Ehr« ihre« Andenken! stieg« Beteiligung wird erwartet Ol* Otesemnalttino. Am Sonnabend, dem 13 Wir». vormittag« 1IV, Uhr,«nttchliei nach liingerer»ranthetl mein lieder Man». unser guter Bater und Schwieg eröater üilbckil Uudt« im Alter von TS Sohren. In tiefet Trauer Die Hlolerbllebenen. Die Trauersetcr findet am Freitag. dem 22. Mar», ZV Uhr» Uhr abend»), im Krematorium Berlin, Gericht. straße 37.38, statt. !?>'< L-Juergens aicuinderplatz Neue Könlgslr. 'Vo speis, man im n.bUliS T Nur Oroft-Barlln A fmnefrmintr. AmlS.Mar» enischliet viötzl ch onHer». fchlag unser« gute Mmtee. Schwiextr. mutter. Sroßmutter. Urgroßmutter und Tante Waoda vo�s. Um stille» Beileid bitten Fon. ii>« au«©i Die Trauerseier findet am de» 22 Mär». I«-/. Uhr. im torlum Gertchtftraß» statt. ag, ttattaizeil »Metall- un1h247M. sEisenmODenabrtKSuhi(Thür.) Danksagung. AUrn'Varwandtrin. Frrundan tmd Bo- kanoten die mlätlich der Beisetttwg meines lieben Mannes mir ihre Teilnehme bezeugt heben, sage ich hiermit meinen herzlichsten Denk. Besondere dem Verband für Frei- denkerttun und Feuerbestattung, der SPD, dem Reichebenner, der Freien Tumerscheft Grob- Berlin, dem Baugeweikebund Berlin nnd dem Kleingirtncrrerein ,tdyll am See*. Rosa Heinrich >»>». WoHf. von jetzt ab an jedem einzelnen Paar noch weniger zu verdienen als bisher. 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Licht«»d«»(Ott9D««in). 30 Uhr Sitzung her llaAirradschaftsvorstanlx, Au«, und Gruppensiihrrr, Odlrut« mit Grsamn orstand bei ftloft, Ru»rechtstr. 87.— Freitag. 22.«ötj.«horlottraburg IZIachrichtenWg). 20 Uhr Iug-nhhcim Spreestr. 31 Brrsammlung. Alle rod» sahrrndrn Kamrrodrn sind herzlich eingeladen. Reinickendorf. Ost. 20 Uhr Käme. rakschaftssitznng bei«irhne. Residenzstr. 8. Vortrag:»Unsere Verfassung". Referent: Kamerad kriiutlein. 19 Uhr Borstandstitzung.— Sonnabend. 28. März. Schöneweide-Zohanniothal. 20 Uhr Mitgliederversammlung in der Brllckenllause, BrllckenstraKe. Bortrag de» Kameraden Reuter. Gruppenführer «ine Stund« früh«. Rnderriege. 21 Uhr kastenrudern in Mor»«g Blumen. garten. Oberschöneweid«. Ostentstratze. Schilneberg-Frirdenaor. Zungbanner. Sameraden, die sich an der Osterfahrt beteiligen wollen,»leiden sich sofort bei Kameraden Sparfeld. Prinz-Georg-Str. 3, oder in der Geschitftsstrll«. e- «aunorstand. Iungb-»»«�chnlu»g»Iur!n». Donnerotag. Sl. Mdrz, 20 Uhr, Ztomerad Martin Schneid« spricht üb« die gegnerischen B«bSnd«. Bund«ntschiedene» Sch«lrelorm«. Oeffentlich« Versammlung Dienstag. 19. März, lZsh Uhr. im Werner�Siemen�Realgymnasium. Hohenstaufen. strasie 47—48. Sa spricht Oberstudiendireltor Dr. tbrarq Vilmar über»Di« höhere Schul« al» Gesamtschule im Rahmen d« Einheitsschule". Unlostrnbeitrog erbeten. Freie Hochfchnle. Donnerstag, 21. März. 20 Uhr. Brinz-Louis-Ferdinand» (.trage 2, I, Vegetarisch«» Restaurant, vr. pbv. Herm. Sialde, unter Mit. «irlung eine» ehemaligen MrsorgezSgling»:.Fürsorgeuntvesen und seelische Berniässung der Jugend". Gäfie willkommen. »und Berlin sür Einheitolurzschrift. Uebung in allen Geschwindigkeiten leben Freitag von 20—22 Uhr im Franzäsischen Gymnasium, Reichstagsufer 6. «M Relcholagogebdude. n6 leden Diengtaa vmr 20— gg na- dB CKktSaake Utrecht« Str. 30—81» am Wedding. Unfängerturs« forrne Aufnahme neu» Mit. gliedcr zu jeder Zeit. Auskunft erteilt Fritz Plauschinn. B«rli».z«hler>dors. Saldemarstr. 8. Bn»d für vagelschud, vrtogrnppe Groh-Berlin. Hauptgoschästsstelle Giengen a. Brz. Dienstag. 28. März. 20 Uhr. IS. Hauptversammlung l24. Mitglieder. Versammlung) der Ortsgruppe Grosi. Berlin des �Sundes für Bogelschutz" im grotzen HSrsaal des Zoologischen Institutes. Ziwalidenstr. 48, linker Sflg. Tagesordnung: Bortrag des Herrn v. Sellhorn üder»Der Bogel im Wappen" mit Bildern. Bortrag des Herrn Major a. D. o. Skopnik über„Der deutsche Tierschutzoerein und der deutfche Dogelschutz" mit Bildern. Beginn der Barträge 20M Uhr. Alle Raturfreunde sind herzlichst eingeladen. Reichsverband der Kleingartenoereine Deutschlands. Bezirksverband Käpenick. Nleingärtnerversammlung Freitag, 22. März. 19� Uhr im Köpenick« Stadtheater. Zur Vorführung gelangen die Filme»Land und Sonne" und »Liebe üb« den Zaun". Gintritr frei. Bolkschnr Moabit. Uebungsstund« in dies« Woche am Donnerstag. Sonst übt der Ghor Freitags von 19)4— 22H Uhr in den Arminiushallen Bremer Straße 72. Stimmbegobte Damen und Herren sind willkommen. Modenschau Joseph& Co. Im O r p h e u m, Hasenheide, zeigte die Firma Joseph u. Co. Neukölln, im Rahmen einer Abendunterhattung mit künstle- risäfen Vorführungen und anschließendem Tanz ihre leliten Schöpfungen für die Frühjahrs- und Sommermode. Unter Orchesterbegleitung und der launigen Ansage von Kurt Fritz lust- wandelten die Probegekleideten auf dein Parkett auf und ab. Für den Vormittag sah man hübsche Strickkleider, unter denen die Wiener Modelle, dunkelblauer oder beige Grundton mit bunten Intarsien- mustern, besonders wirkten. Daneben behauptet sich nach wie a« das Schneiderkostüm, vielfach in hellen, leichteren Wollstoffen ver- arbeitet. Sehr hübsch sind Kleider in Beloutine, Woll-Georgette und Wall Rotte, glockig geschnitten, bestickt oder mit zierlichen Garnituren versehen! diese Kleider machen sich außerdem durch«ine wirklich niedrige Preiszifser angenehni bemerkbor. Wöhrend der Vormittag die Frau in der herberen, männlichen Linie erscheinen läßt, gibt ihr die Mode des Nachmittags und Abends nach ionacr Pause wieder ihre eigene weibliche Note. Die Kleider und Mämel aus Crepe- Satin, Crepe de Chine, buntem Crepe Georgelt«, Woll-Georgette und Woll-Etamine erfreuen sich reichlichsten Sloifinaleriales und fallen in loser, graziöser Linie. Auch bei den Hüten dominiert die weiche, ichwungvolle Linie, die dem Gesicht«in vorleilbafte- Re ief biete. Das Trumpsballett würzte den angeregten Abend auss beste. Bö«». Löwe», Ps«b«»nd Stie« stillen das Programm des Zirins Busch. Da» ist das echt« Zirlu»programm. so wie es sein soll. Doch nicht nur Dressuren werden gezeigt, soickxrn auch Sensationsnummern wie sie das Barielö bringt. In erster Linie ist Eliff Acrvs zu nennen, der allabendlich seinen Todcs- sprung aus zwanzig Meter Höhe in dl« Manege ausführt. Die farbenprächtig« Tanzmanegrfchau»Italienischc Nächte" bildet den Abschluß des Programms. Die man sich den Frühjahrspntz erleichtert, kann leb« praktische Hausfrau selbst ausprobieren. Die Sunlicht-Gesellscha t Mannheim bietet ihr mit Srnr ausgezeichneten Putzmittcl Bim«ine vielseitige Hilfe. Man brauäst nur die so einfache Gebrauchsanweisung zu befolgen und wird sofort beim ersten Per- such merken, wie Bim die vielen Putz, und Scheuerarbeiien erleichicrt. Mit Bim läßt sich einfach alles schnell und grünblich putzen, Holz. Glas, Porzellan und Metalle. ß\|V 4ie4el doUeMe � ßeiiuufifadlAGM, 1/2Pfd50Pfg. Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Hamburg- Berlin 59. Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1928 I»»nMjrem TorjShngea Geadiäfttberidbi kab— wir a«f die rtinstiffe Konjunktur des Jahres 1927 hingewiesen, rnnfiten aber besonders darauf aufmerksam machen, dafl der Anfstieg hanptsädilich einem durch die damaligen reichlichen Ausländsanleihen begünstigten Ahsatx anf dem Inlandsmarkt zuzuschreiben«ei nnd hierdurch Gefahren für eine weitere. Ent- wickiung entsteiien könnten. Diese haben sich im Jahre 1928 deutlich ausgewirkt und trotz einer leichten Steigerung des Exports zn einem Abstieg der Konjunktur geführt. Unverändert schwer lasten auf Deutschland die Reparationen, die nunrmehr in ihrer rollen Höhe ron jährlich RM 2� Milliarden zu zahlen sind, und der deutschen Wirtschaft die xn ihrer Stärkung notwendigen Kapitalien entziehen. Die erhöhten Steuerlasten, die steigenden sozialen Abgaben nnd erheblichen Lohnerhöhungen beschneiden die Erträgnisse der einzelnen Unternehmungen in immer stärkerem Maße. T«r- hindern weitgehend die Kapitalbildun� nnd damit auch Neuinrestierungen zum Zwecke der weiteren Rationalisierung nnd erforderlichen Modernisierung der industriellen Anlagen. Von einer Erstnrknng unserer Gesamt- Wirtschaft, abgesehen tOo Einzelfällen, kann daher nicht die Rede sein. Wenn auch das Jahr 1928 den Abschlnl! weiterer Handelsverträge gebracht hat. wirkt sich die Schutzzollpolitik vieler Staaten nach wie rot äußerst ungünstig für unseren Exporthandel ans. Die schon erwähnte Steigerung des Exports war infolge des Wettbewerbes der ausländischen Industrien, die nicht durch so hohe Lasten beschwert sind, und der hohen. vielfach prohibitir wirkenden Zollschranken in vielen Fällen nur unter Verzicht auf Gewinn an erzielen; die Steigernn* ist anch sn gering, als daß Deutschland den Passirsaldo seiner Handele- nnd Zahlnngsbilaaz hätte ausgleichen können. Das Freigabegesets der bereinigten Staaten ist als günstiges Moment zu verzeichnen; wenn es auch nicht ganz den Erwartungen Deutsch lands entspricht, so dokumentiert es doch die Anerkenanng fremden Prirat- eigeniuzns. Es ist nur zu.bedanern, daß andere Staaten diesem Grundsatz bisher nicht angenommen haben. Sehr ungünstig ist noch immer che Lage der deutschen Landwirtschaft. Die gute Ernte hat keine fühlbare Erleichterung gebracht infolee der ungünstigen Weltmarktpreise für Getreide; anch haben die Pronibitir- mafinahmen Englands bezüglich der Einführung raffinierten Zuckers in ihrer indirekten Wirkung anf �en deutschen Zackermarkt sn einer Einfuhr fremden Zuckers geführt. Die dagegen ergriffenem ZollschntsmaBnahraeu sind zu spät in Wirksamkeit getreten nnd haben keine Erleichterung gebracht. Unter diesen ungünstigen Umständen steht unsere Landwirtschaft vor der Unmöglichkeit, an eine Abtragung ihrer Scheiden zn denken. Die gesamte Agrarsdiuld wird zurzeit anf über RM 7% Milliarden geschätzt bei smweren Zins- und Amortisationsbcdingungen. Eine rationellere Verwertung der Agrarprodukte und eine Minderung der Lebensmitteleinfuhr sind durch Sciaffung von Verbänden zn erstreben, die die Aufgabe haben, die Erzeugung von Markenwaren und die Einrichtung von Gctreidclngerhäusern für Lombardzwecke zu fördern. Von der Möglichkeit einer Konsolidierung der deutschen Wirtschaft kann erst gesprochen werden, wenn bei den Reparationsglänbigern die Einsicht durchdringt, daß eine für Deutschland erträgliche Lösung des Reparationsproblems nicht nur im deutschen, sondern anäi in ihrem eigensten Interesse liegt, nnd dafl die Kräftigung der europäischen Wirtschaft aufs engste von der Gesundung des deutschen Wirtschaftslebens abhängt. Erst dann ist eine stetige Entwicklung des Geldmarktes wie auch eine Milderung der auf Deutschland lastenden Kapitalnot zu erhoffen. Die iSpartätigkeit bat zwar im Berichtsjahre an nnd für sich erfreuliche Fortschritte gemacht, ist aber an der Vorkriegszeit gemessen, noch immer unzureichend. So machen die Einlagen bei sämtlichen deutschen Sparkassen erst ein knappes Drittel des Vorkriegsbestandes aus. Dabei ist zu berücksichtigen, daß gewisse Bestände der kommunen und öffentlichen Unternehmungen, die heute bei den Sparkassen und Stadtbanken stehen, mit eingerechnet sind. Vor allem aber ist im Gegensatz zn früher gegenwärtig nur wenigen Bevölkerungsgruppen, wie B. einzelnen durch hohe T nhnbeziige begünstigten Arbeiterkategorien, die Möglichkeit einer Spar- Der f)ifkontsatz der Reichsbank verblieb während des ganzen Jahres auf der Höbe von 7%. Unter so schwierigen Verhältnissen fielen den Banken besondere Aufgaben zu. Durch ihre Vermittlung mußten die Mittel, die langfristig durch Anleihe» vom Ausland nicht zu erhalten waren, in kurzfristiger Form beschafft werden. Wir haben es uns besonder« angelegen sein lassen, durch weiteren Ausbau unserer internationalen Beziehungen der deutschen Wirt- sdiaft förderlich zu sein und unserer Kundschaft, insbesondere mittleren p«werbJidien und kaufmännischen Unternehmungen und der Landwirtschaft. die notwendigen Kredite zur Verfügung z" stellen.(Von unserer Kredit in Anspruch nehmcndcD Kundschaft können 75% dem Mittelstand zugerechnet werden.) Wir hoben das Reiuboursgeschäft weiter entwickelt und außerdem durch Mitgründung der General Mortgagc and Credits Corporation. Naw York, den Weg geebnet, am hierfür geeignete Unternehmungen mit langfristigem Hypothekar-Kredit m versehem- Ara schwerste« wurde die Wertpapier-Börse voa dem Kapitalmangel betroffen. Die erhoffte Aufhebung oder Erleichterung der Kapitalertragsteuer zur Besserung der in- und ausländischen Finanzierungen hat aicht stattgefunden. Die Umsätze an der Börse schrumpften mehr und mehr zusammen, und besonders war es der Kassamarkt, der zeitweilig völliger Geschäftslosigkeit anheimfiel. Nur vereinzelt haben Anfwärtsbeweguugen in Spezial werten, häufig hervorgerufen durch Ausiamlskäufe, eine kurze Anregung gegeben. Zur Beurteilung der Börsenlage ist es bemerkenswert, daß nach unserer Statistik am Jahresschluß 1928 41,4% aller amtlich notierten Aktien an der Berliner Börse unter pari standen(11,1% sogar unter 50%), während nur 58,6% sich auf nnd über Parität zn stellen vermochten. Anch die Emissionstätigkeit war gerinz und insbesondere Emissionen im Ausland konnten nur zu verhältnismäßig hohen Zinssätzen placiert werden. Unser Institut'war immerhin bei einer Reihe von Emissionen mit Erfolg beteiligt und in der Lage, ansehnliche Posten von Goldpfandbriefen zn Anlazezwecken nnterzubrineen. Unter de« oben geschilderten Verhältnissen und dem dadurch bedingten Kreditbedarf der Kundschaft hat sich im Berichtsjahr das in unseren Filialen und Depositenkassen in erster Linie gepflegte Kontokorrent- Geschäft befriedigend entwickelt. Um uns weitere Stützpunkte im Inland zn schaffen, haben wir unser Filialnetz weiter ausgedehnt. Wir haben uns an der Firma Marcus Nelken& Sohn, Berlin nnd Breslau, komxnanditarisch beteiligt nnd die Bankfirma Kronenberger 4 Co. in Mainz, mit Filialen in Worms and Bad Kreuznach, übernommen. Die Verhandlungen mit der Aachener Bank für Handel A Gewerbe, Aachen, und mit der Braunschweigi- schen Baak und Kreditanstalt A G., Braunscnweig, zwecks Angliederung der Institute konnten zum Abschluß gebracht werden. Im Laufe der letzten Wochen eingeleitete Vcrhandlnngen haben zur Vereinigung mit der seit 1856 bestehenden, großes Ansehen genießenden Mitteldeutschen Creditbank in Frankfurt a. M. und Berlin geführt Wir versprechen ans von dieser Verschmelzung neue aussichtsreiche Beziehungen ta bedeutenden Unternehmungen sowie eine Ausdehnung unseres Geschäfts ia Gegenden, in denen wir bisher durch eigene Geschäftsstellen nicht so umfassend, wie wir wünschten, vertreten waren. Im Zusammenhang mit dieser Transaktion hat eine am 28. Februar 1939 abgehaltene außerordentliche Generalversammlung eine Kapitalserhöhung aa RM 15 Millionen, von RM 60 Millionen auf RM 75 Millionen, beschlossen. Ueber das Geschäft im einzelnen berichten wir: Der Gesamtumsatz ist im Berichtsjahr von; RM 104 Milliarden auf RM 120 Milliarden gestiegen. Das Geschäft unserer Filialen und Depositenkassen nnd unserer Korn- mandite S. Kaufmann A Co., Berlin, führte zu günstigen Ergebnissen. Die N. V. Hugo Kaufmann A Co'a Bank. Amsterdam, weist ein befriedigendes Gewinnresultat aus und bringt 8% Dividende zur Verteilung. Das Vorschußgeschäft auf Waren und Waren-Verschiffungen war auch ia diesem Jahre sehr rege und hat weiter an Umfang zugenommen. Die Ausdehnung unseres Kundenkreises kommt in der Erhöhnng unserer Debitoren nm rund RM 123 Millionen und in dem gleichzeitigen Anwachsen der Kreditoren am rund RM 324 Millionen zum Ausdruck. Demgemäß hat sich das Ergebnis unserer Zinsen- nnd Wechsel-Kontos sowie des Provisions-Kontos gegen das Vorjahr erhöbt. Die Zahl unserer Beamten ist infolge des vergrößerten Filialgeschäftes von 761? Ende 1927 anf 7991 gestiegen. Dieser Zuwachs hat in Verbindung mit einer im Frühjahr 1928 erfolgten Tariferhöhung eine weitere beträchtliche Steigerung der Unkosten hervorgerufen. Ebenso haben Stenern und Abgaben eine Steigerung erfahren. Im Geschäftsjahr 1928 haben wir bei folgenden Konsortialgeschäftcn mitgewirkt: Staats- aad Gemeiodeanleihen: 5% Schatzanweisungen des Freistaates Bayern, 5% Schatzanweisungen des Bezirksverbandes Kassel. 5% Schatzanweisungen des Bezirksverbandes Wiesbaden, 5% Schatz- an Weisungen der Stadt Augsburg, 5% Schatzanweisungen der Stadt Baden- Baden, 5% Schatzanweisungen der Stadt Berlin, 5% Schatzanweisungen der Stadt Dresden, 5% Schatzanweisungen der Stadt Frankfurt a. M., 3% Schatzanweisungen vder Stadt Nürnberg. 6%• Preußische Staatsanleihe. 7% Deutsche Kommunal-Sthatzanweisungen. 8% Anleihe des Freistaates Hessen-Damstadt, 8% Anleihe de« Freistaates Lübeck. 8% Anleihe des Freistaates Mecklenburg-Schwerin, 8% Bayerische Kommunal-Anleihe, 8% Deutsche Kommunal-Anleihe IIL Ausg., 8% Anleihe der Provinz Brandenburg, 8% Anleihe der Provinz Hannover, 8% Anleihe der Provinz Niederschleoien, 8% Anleihe der Provinz Oberhessen, 8% Anleihe der Provinz Pommern, 8% Anleihe der Provinz Schleswig-Holstein, 8% Anleihe des Bezirk �Verbandes Kassel, 8% Anleihe der Stadt Breslau. 8% Anleihe der Stadt Dresden. 8% Anleihe der Stadt Duisburg. 8% Anleihe der S�adt Elberfeld. 8% Anleihe der Stadt Hagen. S% Anleihe der S�dt Koblenz. 8% Anleihe der Stadt Königsberg. 8% Anleihe der Stadt Leipzig. 8% Anleihe der Stadt Magdeburg, 8% Anleihe der Stadt Mainz. 8% Anleihe der Sfedt Solingen, 8% Anleihe der Stadt Stettin, 8% Anleihe der Stadt Ulm. Pfandbrisfc and Teilaekaldvarsehraibnngaal 5% Debcnturea der Aktiebolaget Krenger A Toll, Stockholm, 8% Kommanal« Obligationen der Landesbank der Provin» Schlczwig-Holstein, 8% Hypotheken-Pfandbriefe der Landeskreditkasse Kassel, 8% TcilsAnldversdireit bungen des Schleswig-Holsteinischen Elektricität»- Verbandes. Gründungen: Fiaanzierongsgesellschaft für Industrielieferuogcai Aktiengesellschaft, Berlin, General Mortgage and Credits Corporation, New York, Getreide-Vereinigung Aktiengesellschaft, Hamburg, König Friedrich August-Hütte Aktiengesellschaft. Dölzschen bei Dresden. Maschinenbau-- Aktiengesellschaft vorm. Ehrhardt A Sehmer, Saarbrücken, Ostprcußisdio Fleischwarenwerke Aktiengesellschaft, Königsberg, Tonbild-Syndikat Aktien-. gcsellschaft, Berlin. Kapitalserhöhungen: Aktiengesellschaft für Energiewirtschaft« Berlin, Aktiengesellschaft für Strumpfwarenfabrikation vorm. Max Segall, Berlin, Bank für Brau-Indnslrie, Berlin-Dresden, Berliner Hypothekenban'c Aktiengesellschaft, Berlin, Braunkohlen-Indnstrie-Aktiengesellschaft„Zu- kunft", Eschweiler. Kreis Aachen, Burbach-Kaliwerkc Aktien-Gesellschaft« Bahnhof Teutschenthal, Deutsche Hypothekenbank(Aktien-GeseLlschaftE Berlin, Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, Berlin, Deutscher Lloyd. Versiehe-* rungs-Aktien-Cesellschaft. Berlin, IL Dolberg Aktiengesellschaft. Berlin# Elite-Diamantwerke Aktiengesellschaft, Brand-Erbisdorf, Eisenwerk Wülfel, Hannover-Wülfel, Feldmühle. Papier- und Zellstoff werke Aktiengesellschaft Scholwin b. Stettin, Frankfurter Allgemeine Versicherungs-Akticn-Gesell- schaft, Frankfurt a. M. Glasfabrik, Aktiengesellschaft. Brockwitz. Großen« hainer Webstuhl- und Maschinen-Fabrik Aktiengesellschaft. Großen- hain. Hamburgische Baukasse Aktiengesellschaft, Hamburg, Kali-Chemio Aktiengesellschaft, Berlin, Rudolph Karstadt Aktiengcscllsaiaft. Hamburc:, C. Lorenz Aktiengesellschaft, Berlin. Maschinenfabrik Buckau R. Wo'£ Aktiengesellschaft, Magdeburg, Norddentsche Grnnd-Credit-Bank. Weimar, ..Nordsee", Deutsche Hochseefischerei Bremen-Cuxhaven Aktiengesellschaft, Hamburg. Ostwerke Aktiengesellschaft. Berlin. Ravag. R auch waren- Vcr- steigerungs-Aktiengesellschait, Leipzig. Rockstroh-Werke Aktiengesellschaft, Heidonau, Ruberoid-Wcrke Aktiengesellschaft. Hamburg, Somag Sächsischo Ofen- und Wandplatten-Werke Akt.-Gca., Meißen, yrhlftsisrhr Dampfer- Compagnie— Berliner Lloyd Aktien-Gesellschaft. Berlin. Schubert A Salzec Maschinenfabrik Aktiengesellschaft, Chemnitz. Schultheiß-Patzcnhofer Frauc- rei-Aktiengcsell schaft, Berlin. Thode'sche Papierfabrik Aktiengesellschaft, Hainsberg i. Sa., Emil Uhlmann Aktiengesellschaft. Chemnitz. Vereinigt© Mosaik- u. Wandplattenwerke Aktiengesellschaft(Friedland-Sinzig-thrang), Vereinigte Zünder- und Kabelwerke Aktiengesellschaft. Meißen. Werkzeug- Maschinenfabrik„Union*(vorm. Diehl), Chemnitz, Woll-Wäscherci und Kämmerci in Döhren bei Hannover. Bär.««ein führ an gen: Aktien der AIIi»,r und Stultrartnr LebensTerMchernDgsbetik Aktienge,ell.,d,Eft. Stnstgart. Aktien der Alstann und �Stuttgarter Verein Ver«idiernng,.Aktien-Ge.ell«haft. Neriin. Aktien der Gonsohdirte Alkastwerke Aktiengesellsdiaft. Wesleregeln. Aktien und Obligationen..oer Datmler-Benr Aktirngesellsriinft. Rerlin Aktien der Elektrizitits-AktienceselUdiafi eorm.»diniert i Co.. Nürnberg. Aktien der Industrieban-Held i Frandce AktiengeselUdiaft. Berlin, Aktien nnd Te.I- sdiuldrersAreipnngen der I. C. Farbenindnstrie AktiengeielUdiaft. Frank- fürt«. M., Aktien der Lcip«ger Speidierei- nnd Speditions-Aktieuaesell- schaft, Leipzig, Aktien und Tcilschuldverschreibungen der Lingncr- Werke Aktiengesellschaft. Dresden. Aktien der Mitteldeutschen Stahlwerke W.ticu- gespllschaft, Berlin, Aktien der.tMontecatini" Societu Generale per l'Industna Mineraria ed Agricolo. Mailand, Aktien der Obersdilesischea Eisenbahn-Bcdarfs-Aktien-Gescllschaft. Gleiwitz. Aktien der Pitfler Werk- zeugmaschinenfabrik Aktiengesellschaft. Leipzig- Wahren. Aktien der Radc- berger Exportbier brau erei Aktiengesellschaft. Radeberg Aktien der Svenska Tändsticks Aktiebologct, Stockholm, Aktien der Waggon- und Maschinenbau Aktiengesellschaft Görlitz, Görlitz. Aus dem in der vorliegenden Bilanz ausgewiesenen Reingewinn voa RM 11 520 091,45(inkl. RM 1 520 067 69 als Vortrag) beantragen wir, 11 Dividende zu verteilen und demgemäß den Gewinn wie folgt zu verwendens 4% auf das Aktienkapital von RM 60 000 000,—.. RM 2 400 000.— in den Reservefonds.............. 2"»(>0 OCT Gewinnanteil an den Aufsiditsrat.......... 388 400.— "% weitere Dividende.............. 4 2(i0 ooo,— Vortrag•»»»»»,,» ,, 1 S31 601,43 RM 11 320 001.43 Ha mbnrg, Berlin.""" MJra Der Vorstand. Berliner Goetr Leiter Lincke Nenerbouri Sebaltze Sobernheim "s. Unterhaltung unö Missen 3)er Tater des SEu John£atrs 200. Todestag, 21, ItlärsE 3t. Weber: N«l«NN»ÄeN Es ist jetzt endgültig beschlossen worden, die Kolonnaden in der Leipziger Straße verschwinden zu lassen. Der Durch- schnittsberlvner wird sich nicht allzuviel Gedanken darüber machen. Die niedrigen. Halbrundon Säulengänge zwischen Dönhoffplatz und Spittelmarkt, oerfallen, abbröckelnd und, zwischen viermal so hohe Nachbarhäuser eingeklemmt, ohne Daseinszweck, werden ihn ohne- dies mehr geärgert als gereut haben. Trotzdem sollte man diesen Ueberrest aus dem friderizianischsn Barock nicht so ganz sang, und klanglos zu Grabe tragen. Eine ausgezeichnete städtebauliche Idee steckt dahinter, die eine interessante Geschichte hat. Wir lümmern uns ohnehin viel zu wenig um das Kapitel Städtebau. Das Resultat dieser Vernachlässigung sind die erschreckend öden Straßen uni) Plätze, aus denen sich das moderne Verlin zusammensetzt. Die Idee, lustige Säulenhallen an öffentlichen Plätzen zu er- bauen, stammt aus dem Süden. Der dorische Tempel ist ja be- reits von einem offenen Säulengang umgeben. Die hellenistische Baukunst überträgt ihn ins profane Leben, faßt Plätze mit Wandel- gängen ein, die vor Regen und sengenden Sonnenstrahlen schützen und doch gleichzeitig der frischen Luft Zutritt gewähren. Ein großer Teil des öffentlichen Lebens spielte sich in ihnen ab. Zunächst blieb die Säulenhalle noch im Süden. Der italionische Barockstil hat sich ihrer, vielleicht bewußter und absichtsvoller als die Antike, bedient. Wenigstens ist die Verwendung, die sie in Lorenzo B e r n i n i s Doppelkolonnaden auf dem Vorplatz der Peterskirche in Rom gefunden hat, wo sie ein« Ellipse und daran anschließend ein Trapez einfassen,«in Werk von raffiniertester Raumberechnung. Sie mußten vieles von dem, was ungeschickte Hände an der Faffade der Peterskirche verdorben hatten, wieder- gutmachen. 1667 stand dieser pompöseste aller Kolonnadenplätze vollendet da. Es dauert noch fast hundert Jahre, ehe die nordtschm Länder die offene Säulenhalle übernehmen. Knobelsdorfs, der Er- bauer des Berliner Opernhauses, wendet sie gern an: in Rheins- berg, am Stodtschloß in Potsdam, an der Rückseite des Schlosses Sanssouci. Er liebt dieses Mittel, eine Baumass« ausklingen zu lassen, allmählich in Lust auszulösen. Gekuppelte Säulen schließen wie steinerne Gstter den Potsdamer Lustgarten ab: die ovalen Säulengänge, die sich an. Sanssouci anlehnen, sind gewiß von Bernims Peterskolonnaden' angeregt. Es ist«in Jammer, daß die Ungnade seines dilettantischen Bau- Herrn, Friedrichs II., den Meister mitten aus seinem Schaffen her- ausgerissen und fahmgelegt hat. Was hätte Knobelsdorfs stiidte- baulich noch leisten können! Der um ein Menschonalter jüngere Karl von Gontard aus Mannheim, zuvor Hofarchitekt bei Friedrichs Schwester Mlhelmine in Bayreuth, tritt an seine Stelle. Gontard. der die Jkammuns' am Neuen Palais und die Kuppel des Militär- Waisenhause» in Potsdam erbaut Hot, widmete sich der Verschöne- rung des Berliner Stadtbildes. Die Kuppeltürme am Gondarmen- markt, die.Salz"'- und.Pfefferbüchse", sind sei«, Wert. Aber auch die �köntgstolonnoden", die nach dem. Kleistpark versetzt worden sind, und die Leipziger Kolonnaden. Im nordischen Klima hat natürlich die Kolonnade eine andere Bedeutung als im Süden. Sie fft kaum mehr als«n Zierstück. Die.ftönigskolonnaden" führten auf die Brücke über den Königsgraben zu, der beim Bau der Stadtbahn— er befand sich in der Nähe der Börse— zugeschüttet worden ist. Weniger reich in der dekorativen Gestaltung sind die Leipziger Kolonnaden, die auf den.Festungsgraben" zuführten, zugleich aber die lange gerade Flucht der Leipziger Straße unterbrechen mußten. — In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde für den Bau der Stadtbahn der Kömgsgraben zugeschüttet. Der Festungs- graben, zwischen Dönhoffplatz und Spittelmarkt. teilte fein Schick- sal. Die Kolonnaden blieben zwar stehen, aber sie verschwanden allmählich in den hohen Nochbargrundstücken. Wenn auch sie ge- fallen sind, werden nur noch die viel schlichteren Kolonnaden an der Mohrenftraße übrigbleiben, die um die Werde des 18. zum 19. Jahrhundert entstanden sind als ein letzter Ausklang barocker Städtebaukimst. Auch ihre Tage dürften schon gezählt sein. g>olarexpedition in der Ostsee Die grimmig« Kälte, die in diesem Winter Europa heimgesucht hat, fft gebrochen, die Nachwirkungen des ungewöhnlich strengen Winters machen sich aber in den skandinavischen Ländern immer noch bemerkbar. Im Kattegat sitzen immer noch dreißig Dampfer im Packeis fest, während dos dänisch« Schiff„iyr", das beinahe vier Wochen von der Welt abgeschnitten unweit von Arkona festsaß, erst vor einigen Tagen von der Fähre.�Oanmark" befreit werden konnte. Der Kapitän der„Danmark" erzählt in einer Kopenhagener Zeitung von dieser Expedition, die in vieler Beziehung einer richtigen Polarfahrt ähnlich war. „Die Eismassen der Ostfee sind", sagt Kapitän Eriksen,„in ihrer Bewegung vollständig unberechenbar. Was in dieser Minute als Wahrheit erscheint, kann in einer Stunde«in verhängnisvoller Fehler werden. Die Eismassen des Kattegat strömen als Treibeis durch drei Röhrenkanäl«— den kleinen Delt, den großen Belt und durch den Oeresund nach der großen Sackgasse, die man Ostsee nennt. In der Ostfee hat das Eis wie ein schwerer Parkettboden festgelegen, die zuströmenden Eismassen müßten sich also entweder über die Eisdecke türmen oder sich unter der Deck« einen Weg suchen. Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe.— Schiffe, die im Eis fest eingefroren sind, sind der Gefahr ausgesetzt, erdrückt zu werden. Der Dampfer„Tyr" saß seil Mitte Februar unweit von Arkona aus Rügen im Eise fest. Wir hatten keine Möglichkeit, dem Schiff nahezukommen. Der Nebel war so dicht, daß man in einer Viertelmeile Entfernung kein Licht sehen konnte. Wir hörten das Heulen der Sirenen, tonnten aber den„Tyr" nicht in Sicht be- kommen. Am Morgen des 14. März lüftete sich der Nebel, und wir sahen endlich das von Eismassen umringte Schiff. Eine starke Eis- Karriere trennt« uns von dem„Tyr", und unsere Fähre war nicht imstande, mit ihren 3000 Tonnen Wasserverdrängung den riesigen unter Wasser gelegenen Eisberg zu sprengen. Sechs Mann begeben sich mit Lebensgefahr über das Packeis noch dem Schiff, um es mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Unser« Leute werden von der Besatzung mit Hurrarufen empfangen. Die Rationen auf dem .Tyr" waren längst herabgesetzt. Die einzige Verbindung mit der Umwelt war die Radioanlag«, die den Eingeschlossenen Darbietungen der in Kopenhagen gastierenden italienischen Oper übermittelte. Am nächsten Tag konnte der„Tyr" endlich geborgen werden, womit dieses Polarabenteuer in der Ostsee«in Ende nahm." Im zweiten Teil von Goethes„Fernst" rettet Mephisto den l Kaiser aus seiner Geldnot durch die Einführung des Papiergeldes und stimmt«in Loblied an aus die Herrlichkeit dieses neuen Zahlungsmittels, durch dos all« Wunder des Reichtums und de» Glücks entfesselt werden. Der Dichter hat dies« Episode seines Werkes der Wirklichkeit entnommen, indem er dem Teufel die Rolle übertrug, die nicht lange vor seiner Geburt in Frankreich der geniale Finanzmann und Abenteurer John Law gespielt hat. Law ist der Dater der modernen Papiergeldwirtschaft, deren außer» ordentliche Möglichkeiten er zuerst offenbart« und zu der ersten großen Börsenspekulation in Europa ausnutzte, ohne freilich die Schattenseiten richtig zu erkennen. Laws Charakterbild schwankt in der Geschichte, und auch sein« neuesten Beurteiler sind sich nicht darüber einig, inwieweit er Betrüger oder Betrogener war, bis zu welchem Grade er selbst an den segenbringenden Zauber seines Finanzverfahrens glaubte. Der Sohn eines schottischen Gold- schmiedes, durch kluge Geschäfte rasch zum reichen Mann geworden, glaubte er, daß Geheimnis gefunden zu haben, wie man der ewig geldbedürftigen Menschheit aus aller Not helfen könne. Er sah im Papier als dem Ersatz für das Metallgeld das wichtigst« Geld der Zukunft, und ei hat mit diesem Glauben recht behalten. Aber wenn er es zuerst durch sein faszinierendes Auftreten durchsetzte, daß sich eine Zeitlang alles der Macht des Kredits beugte, so mußt« er doch an den Glauben scheitern, er könne durch den Kredit neues Kapital, wirkliche Werte schaffen, während er doch nur eine An- Weisung auf Kapital darstellt, die eingelöst werden muß. An die Einlösung aber dachte Law nicht, sondern er glaubte, die Kräfte des Landes, besonders des Grund und Bodens, durch seine Banknoten zu entbinden, und er bracht« es tatsächlich zu einer Scheinblüte, die eine Zeitlang als das größte Wunder des menschlichen Witzes an- gestaunt wurde. Bei dem geistreich-liederlichen Regenten Philipp von Orleans, dessen Beutel stets leer war, kam der Schotte an die rechte Schmiede, als er ihm im Jahr« 1716 sein« Pläne darlegte. Er gründet zunächst eine Privatbank, die bald in eine Staats« dank umgewandelt wurde und mit erner Handelsbank verbunden war, die sich die Ausbeutung Kanadas und der Länder am Mississippi zur Aufgabe machte. Laws Persönlichkeit, der als grvßer Herr auftrat, In seinem Haus, dem einstigen Palais Mazarins, Kunstschätz« aufftapelte und die größten Herren des Landes zu seinen Füßen zwang, wirkte dazu mit, daß«in fanatischer Glauben an das neue Papiergeld entstand, daß man das Gold, das allmächtig« Gold, für entthront hielt, und das Publikum in Scharen nach der Straß« Ouincampoix drängte, wo sich der erste große Börsenhandel abspielte. Als Law für das Jahr 1719 eine Dividende von 40 Proz. verteilen konnte und der Kurs seiner Aktien aus 18 000 stieg, da kam es wie ein Rausch über das ganze Land. Jeder wollte an diesem Geldsegen betelligt sein, jeder taufte Aktien und jeder verdiente. Es gab Leute, die im Jahr« 1716 Laws Bank 10 000 Louisdors anver- trauten und drei Jahn« später ein« Million besaßen. Das verarmte Frankreich, dessen König Ludwig XIV. es in Not und Schulden zurückgelassen hatte, schien plötzlich das irdische Paradies geworden zu sein. Industrie und Gewerbe blühten auf, man brauchte so viel Arbeitskräfte, daß sogar die alten Leute und die Kinder mitarbeiten mußten. Fremde strömten von allen Seiten herbei, um hier leicht Geld zu verdienen. Paris soll damals um dreinialhunderttausend Einwohner zugenommen haben; es gab keine Wohnungen mehr und die Straßen waren von prächtigen Gefährten versperrt. Alles oerdiente wieder an diesen Fremden und dem ausblühenden Luxus. Kirchen, Straßen und Brücken wurden gebaut, Kanäle gegraben, die Kunst des Rokoko entfaltet« sich so rasch und reich wie Blumen im Sommerregen: der Unterricht an der Pariser Universität wurde für unentgeltlich erklärt, und die Studenten brachten Law einen Fackelzug. Er war auf der Höhe seiner Macht, wurde angestaunt wie der„Gott des Reichtums", der auf die Erde herniedergcstiegen. 1720«vor Law zum Finanzminister ernannt worden. Aber de« höchsten Aufftieg folgte der jähe Sturz. Der Sandboden, auf dem sein Gebäude errichtet war, bestand in dem Vertrauen, daß er sich errungen hatte. Aber dieses Vertrauen wurde zunächst durch die schlechte Wirtschast in den Kolonien erschüttert, wohin nur Ver- brecher und Vagabunden als Ansiedler gesandt werden konnten und die größte Mißwirtschast herrschte. Die Kunde davon sickert« durch, und so heftig man sich eben noch um die„Misssssippi-Aktien" gebalgt hott«, so rasch suchte man sie mm zu verkaufen, um in den Besitz des soeben noch verachteten Goldes zu gelangen. Der Glaube an die Zaubermacht des Papiers schwand. Furchtbare Szenen der Verzweiflung spielten sich in der Straße Ouincampoix ab, die einst das Dorado aller Glücksucher Europas gewesen war. Im Mai begann der Zusammenbruch; viele verloren alles; am besten waren noch die dran, die wenigstens retteten, was sie«ingesetzt hatten. Im Oktober waren die Banknoten außer Kurs und wertlos. Law floh vor der Wut des Volkes, indem er sein eigenes großes Ver- mögen zurückließ, als mittelloser Mann zuerst nach Brüssel und dann nach Venedig. Hier hat er noch einige Jahr« gelebt, in Armut und Dunkelheit, die er mit Würde trug. Als er am 21. März 1729 starb, war er ein- vergessener Mann, aber die Nachwelt zerbricht sich noch immer den Kopf darüber, wie viel an diesem rätselvollen Bater des Papiergeldes Genie und Schwindler, Abenteurer und Phantast war. Pranst'lllolnnr:£ (Schluß.) Als sie noch ungefähr hundert Schritte von der Schul« sein mochten, war Polka Petrence schon sehr aufgeregt. Dieses kleine närrisch« Mädchen ging, wie ein unverständiges Tier der Lokmno- tio« entgegengeht. Er wußte, daß es schlecht ausgehen wird. Es empörte sich in ihm der erfahrene Mann und er schrie das kleine Mädchen an: „Du, Julchen, der Lehrer wird dich schlagen." Julchen sagt« leise: „So wird er mich eben schlagen." Noch eine Biegung, ein« kleine hölzerne Brücke, und sie sind bei der Schule. Palko Petrence blieb plötzlich stehen und sagt« sehr ernst zu dem Mädchen: „Bleib stehen." Sie blieb stehen. „Nimm den Arm aus dem Tuch." Er legte das Scheit Holz auf die Erde und half Hr, den rechten Arm aus den Derschlingungen des großen Tuches herausgube- tommey. „Hier hast du mein Holz," sagte er.„Sytüe es fest, du Tölpel." Julchen nahm das schöne, dick«, runde Scheit unter den Arm und es war ihr wahrhaftig nicht anzusehen, daß sie sich darüber freute. Nicht ein Wort sagt« st«, sie bedankt« sich auch gar nicht. Sie schritt nur weiter. Palko ging mit einer gewlsien Zufriedenheit, jetzt schon leichteren Gefühles hinter ihr her. Dennoch überlief es ihn kalt, als er unter dem Arm nichts mehr spürte. Es tat ihm aber wohl, daß man Julchen nicht bei den Haaren reißen wird. Heut« war die Dunkelheit in der Schule besonders stark, es hätte auch«in« Kerze nicht geschadet. Di« vom oberen End« saßen bereits auf ihren Plätzen, mit verschränkten Armen, steif, still. Die vom unteren Ende grüßten vorerst ehrerbietig, rissen die über die Ohren gezogenen Mützen vom Kopf« und gingen der Reih« nach zum Ofen, die Holzscheite mit lalutem Gepolter hinlegend. Der Lehrer stand bei seinem Tische, im langen schwarzen Rock, er war dürr wie eine verdorrte Weintraube. In dem auf vier Füßen stehenden Ofen, in dem klemm wackeligen Hexenherd flackerte bereits dos Fmer. Hier und da entströmt« ihm sogar Rauch. Das Türchen stand offen und die Flamm« warf durch die viereckig« Oesfnu-ng ihren Schein auf den dunklen Fuß- boden und auf die erst« Bank. Selbst der Lehrer bekam etwas von diesem höllischen Schimmer. Seine Brill« flimmerte, als würden feine Augen aus Glut bestehen. Draußen aber, statt heller zu wer- den, wurde die Dunkelheit innner größer. Lichtauffangende, finstermachende Flocken fielen dicht und wirbelnd. Der Lehrer stand noch immer beim Tisch« und sah zu, wie die Kinder das Holz vor dem Ofen zu einem Stoß zusammen- legten. Palko Petrence kam als letzter in das Zimmer. Ohne auf den Ofen auch nur einen Blick zu werfen, ging er langsam nach rück- wärts, auf seinen Platz, mit unsicheren Schritten, wie einer, der da weiß, daß er bestimmt zurückgerufen werden wird. „Palko Petrence," rief der Lehrer mit seiner scharfen, herben Stimm«. Und plötzlich wurde es totenstill. Sogar der ausgestopfte Rabe auf dem Bücherregal schwieg noch tiefer, als bisher. Das Feuer knistert«, der Wind heult«. Palko Petrence drohte sich um und schritt mit den Stiefeln fest aufschlagend auf den Lehrer zu. „Wo fft das Holz?" erklang es noch einmal, jetzt schon schauer» lich. Und der Lehrer kam in Bewegung. Er neigt« sich näher zu Palko hin. Der stand dort wie ein Pfahl und biß die Zähne zusammen. Cr muckste sich nicht einmal, tind in dieser entsetzlich dumpfen Stille schwirrt« die Frag« weiter. „Wo ist das Holz?" fragt« knisternd der zornige kleine Ofen, und als würde er auf seinen langen, dünnen Eisenfüßen, wie irgend- eine unverschämte kleine schwarze Vlechschachtel, aus dieses stolz Anspruch erheben. „Wo fft das Holz?" fragten die Schneeflocken, ernst, gleichsam langsam niederschwebend, um durchs Fenster hineingucken zu können. Der Lehrer langte nach seinem Stock. Dann versetzte e» Palko eine Ohrfeige, daß der Arme taumelle. Jetzt wagten sich auch die Kinder zu'rühren, die Furchtfameren atmeten aus, und es war, als würden auch die Flocken rascher fallen. „Du antwortest nicht?" fragte der Lehrer. Aus diese Frage wäre es aber nicht ratsam gewesen zu antworten.„Du antwortest nicht? Du antwortest nicht?" Jedes„Du antwortest nicht?" war von einer Ohrfeige oder einem Fußtritt begleitet. Beelzebub war in Wut geraten, er riß Palko Petrence bei den Haaren, schlug und ohrfeigt« ihn. Er keuchte vor Zorn: �Jch werde dir zuliob« erfrieren, du elender Kerl! Und er ant- wortet nicht einmal... Du antwortest nicht?" Er versetzte Palko«inen Fußtritt. „Marsch nach Haufe!" fuhr er ihn an.„Damit dich auch dein Dater schlägt! Vor morgen will ich dich nicht sehen! Und wenn du auch morgen so kommst, schlage ich dich tot! Marsch..." Palko Petrence ging zum Kleiderrechen, schlüpfte in seinen kleinen Pelzmantel, nahm die Mütze in die Hand. Und der Lehrer schaute ihm mit stechenden, funkelnden Augen nach, den Kopf vor- gestreckt, wütend. Indem Palko so angekleidet an der Tür stehctr blieb, wurde es abermals sehr still. Nur er schluchzte innerlich mit aus der Tief« kommenden stoßweisen Seufzern, wie einer, der das Weinen nur mit Anstrengung, nicht mehr lange zurückhalten kann. Im Hintergrund aber spielte Julchen mit ihrer Feder. Jetzt erst regte sich in ihr das Gefühl, daß diese schmerzhaften Schläge auch sie angcheir. Bor ihr lag das Rechenheft ausgeschlagen. In dieses begann sie zu schreiben, verlegen, unbeholfen. „Palko Petrence..." schrieb sie in dasselbe. Sie blickte auf. Dann schrieb sie weiter: Palko Petrence, Palko Petr P P P..." Pallos Herz mußte von bitterem Wch erfüllt sein. Das Feuer flackerte, knistert«, summte fröhlich, und der Lehrer begann im A-B-E-Buch zu blättern. Da fühlt« Palko, daß er sich nicht länger bemeistern könne. Er begann zu blinzeln und seinen Augen ent- strömten auch schon, reichlich und traurig, große dicke Tränen. Julchen schrieb gerade in ihr Rechenheft. „... ist gut gut g. Dann neigte sie ihren Kopf zur Seite und schrieb mit ihrer möglichst schönsten Schrift, das„H" mit vernehmbarem Kritzeln: ..... Hol?..." Aber da weinte Palko Petrence schon laut, und er ging hinaus, die schwere Tür hinter sich artig zuziehend. (Uebersetzt vm M. OTtjel.) Sinsendllilgen für diese Rudrii find v e r l t» S««>. Ltlldeastrab« 3. parieinachn'chien für Groß-Verlin stet»»» das«»»trteseklnlnrint z. Hos, z TrePpe» recht», j» richte». Achtung, Abteilungsleiter! DI« Fnaltionärauoweile Mr ISA können ob fieettng»»« Bedlekosekretoriat «baeholt»der angefordert werden. Di« bioherige»»»»weise»erllere» ob t.»vril ihre Kiilrigkcit. » 1.»rel, Mitte. Die fiortfithruna der ArbeitsgemelnsKoft, Leiter Jakob Meier, ltder:„Sowset-Rußland, findet am Freitag. 22. März, 2» Uhr, Ghungssaal des Bcrbandes der Gemeinde- und Staatsarbeitrr, im Zo- hannissir. 14—15, statt 4. Kreis Prenzlaoer Derg. Eihung des erweiterten Krrisvorstande»«» Dienstag. März, lg Uhr, bei»lug, Danziger Sit. Tl. 5.»reis FriedriSshein. Die Abrechnung der Billetts zum Heiteren»dend erfolgt bis Freitag, 22. März, mit dem«assierer in seiner Wohnung. Heute, Donnerstag, ZI. März: 1». Abt. Die Bezirlswhrer rechnen bestimmt bis Sonntag, 84. März, beim Genossen Kemnitz ab. W. Abt. Lichtenrade. Sämtliche Delegierten und Funktionär« erscheinen ohne desondere Einladung zur Versammlung lg',h Uhr im Restaurant„Mali", Maricndorf, Ehausseestr. Zbö. 132. Abt. Blanlcndura Heute, Donnerstag, 21. März, 19 Uhr, muß die Fest- lomm'sston vollzählig bei Klug, Torsstr. 2, sein. Karten zur Märzfeier am Sonnabend, 23. März, müssen spätestens auf der Beranstaltung ab. gerechnet werden. 134. Abt. Buch. 20 Uhr Borstandssttzung mit den Funktionäre» bei TSpfert, am Dahnhof. Morgen, Freitag, 22. März: 45. Abt. Die Bezirkssilhrer rechne» bestimmt beim Genossen Cüebert, Grün. auer Str. 35, ab. in. Abt. Treptow. Itlib Uhr im Lokal Ritschk«, Am Trentowe, Bark 25—8«. große Nttgliederperlammlung mit Gästen. Bortrag:„Die politische Loge". Reserent: Ernst Deilman«, M. d. L. 124«. Abt. Mahlkdorf-Tird. 2» Uhr Mitglledernersammlona bei Grober, llh. laadstr. t8. Bortrag:„Die Bedcntnng de» Konkordat»'. Zlrferent: Lehrer Walter Pirrenz. Frauenveranstaltungeo. 45. Abt. DI» für heut«, Donnerstag, A. März, angesetzt» Besichtigung de» Kinderhortes stillt aus. Vezirksansschuß für Arbelterwohlfahrl. 1.«ret, Mitte. Freitag. 22. Mär,, lg� Uhr. im dackeschen Hos. Rosen. thaler Str. 4l>— 41, Versammlung aller in der Wohlfohrispflege und in den kommunalen Kommissionen tätigen Genossinnen und Genossen. Vortrag:„Fweck und Fiele der Arbeiterwohlfahrt". Referentin: Hedwig Wachenheim, M. b. L. Interessierte Darteigenosseu sind dazu freundlichst eingeladen. Arbritsgemeinschafl sozialdemokratischer Lehrer und Lehre- rinnen Deutschlands sASL.), Ortsgruppe verlia. Fachgruppe der Lehrer an höheren Schule«. Sitzung Freitag, 28. März, IWj Uhr, im Kvllnischen Snmnasium, Berlin E. 14, Znselstr. 2—5. Tages. vrdnung:!, Seiwssin Wegscheidel:„Der Haushalt der höheren Schulen".. 2. Unsere Stellung zum Philologenverband sPreutzen). 3. Die Sugendorgani. sationen, insbesondere die SSG, Iungfozialisten. Morgen. Freilag. 22. März: Gruppe Süden. 20 Uhr im Jugendheim Borckstr. 11 Dortrag:.Koalition». Politik". Referat und Korreferat der Genossen Eeigewasser und Peter».— vsterfahrt-Tresspunlt: Karfreitag 8 Uhr Haupteingang Anhalter Bahnhof. Fahrt nach dem Fläming. Nachzügler Sonntag KZL Uhr vom Bahnhof Ehar» loltenhurg. lSonntagsrilltfahrkarien noch Belztg.) Gruppe Wcdding.Eclnndbrnnnen. Wir treffen UN» schon um 1914 Uhr zur Besprechung unserer Ostcrfahrt. Anschließend Besuch der Kreismitgliedervcr. sammlung im Patzcnhoscr, Ehausseestr. K4. I Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation| 1». Abt. Unser Genosse Heinrich Lösch««, Freienalder Straß», Ist am ktz. März noch längerer Krankheit im 30. Lebensjahre verstorbeu. Ehr» seinem Andenken. Einäscherung am Freitag, 22. März, 20 Uhr, im Krematorium 125. Abt. Weihensee. Am Sonntag. 17. März, verstarb unser alter Genosse Gottfried Deickcrt, Parkstr. 28. Ehre seinem Andenke». Einäscherung heute. Donnerstag, 21. März. 1S1L Uhr. im Krcmawrium S«richtstraße. EoziaiisiifHe Arbeiterjugend Groß-Serlio ainienvunaen iSr diese nor an das Jaatndfefrätfrtat Lerlw WM«, �thdcnftrafte 5 Heute, Donnerstag. 19* Uhr: Westen I: Heim Bülowstr. 8«. Vortrag:„Ferdinand Lassall«'.— R»rd«»: Heim Lortzing. Ecke Graunstraße. Borlrog:„Bub und Mädel".— Fallplatz I, Schul« Sonnenburger Str. 20. Märzgedenkfeier.— Schönhauser Borstabt: Schule Sonnenburger Str. 20. Bortrog:„Zugendschutz".— Köpeaicke, Viertel! Schul« Wrangelstr. 128. Einführung-abend.— kottbnsser To«: Heim Britzer Straße 30. Märzseier.— Steglitz: Heim Albrechtstr. 47. Tagespolitrsch« Fragen. — gehlenbors: Schul« Potsdamer Str. 7. Bortrag:„Jtack London.— Tegel: Heim Bahnhoistr. 15. Besprechung zur Maifeier.— Wittenau: Heim Rosen» thaler Str. 15. Vortrag:„SAI. und kinderfreund«"._ TAFELFERTIG in 3 bis 5 Minuten aus Vollreifen, großen Körnern— einem Reichtum an Aufhaustoffen Ein wogendes Getreidefeld— sonnen- durchglüht! Und die dicken, goldgelben Körner, wenn sie fast aus ihrer Hülle bersten, überreich an Vitaminen, Proteinen und Kohlehydraten, werden auf besondere Weise verarbeitet. 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