Morgenausgabe Ar. �39 A 20 46. Iahrgang WöchevtLch 85 Pf.,«oAaMch 8,60 M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg.Postzeiwng». und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland«- abonnement 6.— M. pro Monat. Der„Corroarts* erscheint wochentäg* lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit" und„Kmderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen",„Frauen» stimme".„Technik".„Blick in die Büchenvelt" und„Jugsnd-Vorwärts" Berliner Volksblalt Sonnabend 25. März 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die eins p altige NonpareillezeUe 80 Pfennig. Reklameieur ö.— Reich»- mark.„Kleine Anzeigen� da» leuge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zw« fettgedruaie Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeits martt Zeile 80 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschäft Linden» straße S. wochentögl. von 8»/, bis 17 Uhr. Aentvaloesa« der sozialdemokratischen Waeiei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönbofs 292—297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokral Berti» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Posticheckkonto: Berlins? KSK.— Bankkonto: Bank der Srdeiter. Lngeftellten «nd Beamte» Wallstr. KS. Ditkomo�Selelllchaf». Deposilenkafle Lindenstr� S Wahlen in Sachsen. Der Gtaaisgerichtshof erklärt die Wahlen vom Sit. Oktober-1926 für ungültig. Leipzig. 22. März. lEigeavericht.) I» de» verfassungsrechtli«5»en Streit zwischen der sozialdemokratischen Fraktion des Sächsischen Landtages und dem Lande Sachsen wegen der Ungültigkeit der Wahlen znm Sächsische« Landtag wurde am Freitag vor dem Staatsgerichtshof unter Borsth des Reichsgerichtspräsidenten Simans folgendes Urteil ge- fällt: „Tie Landtagswahl vom Sl. Oktober 19 2 6 i st ungültig. Die Regierung wird ver- pflichtet, sofortige Neuwahlen vorzunehmen." Als voraussichtlicher Wahltermin wird" der 12. Mai genannt. Die Wahlen zum Sächsischen Landtag fanden am 31. Oktober 1926 statt. Wenige Tage vorher, am 5. Oktober, wurde von der sächsischen Regierung ein neues Wahlgesetz in Kraft gesetzt. In§ 14 Abs. 8 besagt dieses Gesetz, doh die Einreichung ein'er Liste von der Hinterlegung einer Summe von 3000 Mark abhängig zu machen sei. Dies« Summe soll bei der Wahl eines Kandidaten zurückgezahlt werden. Auf Grund dieser Bestimmung reichte di« sächsische Sozialdemokratie beim Staats» gerichtshüf folgende Anträge ein:„1. Der Staatsgerichtshos wolle beschließen, daß§ 14 Abs. 8 des sächsischen Wahlgesetzes gegen die Reichsoerfassung verstoße: 2. die Wahlen des Sächsischen Landtages mm 1926 sind ungültig. Der Landtag wird ausgelöst, die Regierung hat sofort Neuwahlen auszuschreiben." Dos Land Sachsen bean- tragte dagegen die Anträge als unzulässig zu verwerfen. Dem ersten Antrag der SPD., daß der§ 14 Abs. 8 des sächsi- schen Landtagswahlgesetzes gegen die Reichsversassung verstößt, entsprach das Reichsgericht bereits am 23. November 1928. Am Freitag stand deshalb nur der zweit« Antrag zur Verhandlung. Während die sächsische Regierung den Standpunkt vertreten ließ, daß der Landtag ollein über die Gültigkeit der Wahlen zu entscheiden habe, behauptet die SPD., daß die Zuständigkeit des Landtages für ein« Auflösung nicht in Beteracht kommen könne, und nur der Staats- gerichtshof darüber zu entscheiden hat. In der Urteilsbegründung des Staatsgerichtshofs heißt es:„Der Landtag ist in fehlerhafter Weise ins Leben getreten, aber solange er am Leben blieb, ist seine Tätigkeit in Ordnung. Wenn also gesagt worden ist, daß die Wahlen ungültig seien, so soll das nicht heißen, daß alles, was entstanden ist, durch diesen Landtag ungültig sei, sondern nur, daß der Rechtsbestand nicht dauern kann, sobald durch Richterspruch die Ungültigkeit fest- gestellt ist. Daraus fplgt, daß die Regierung in Sachsen ver- pflichtet ist, neue Wahlen in Sachsen herbeizuführen." Die letzte Landtagswahl in Sachsen fand am 31. Oktober 1926 statt. Sie erfolgte in einer Zeit der wirtschaftlichen Depression und der Massenarbeitslosigkeit. Das Ergebnis zeigte eine völlige Zersplitterung des Bürgertums, das Vordringen des unpolitischen Inleressentenstandpunktes, das nament- lich in der Stärkung der Wirtschaftspartei zum Ausdruck kam. ! Die Sozialdemokratie litt unter der Abspaltung der Altsozia- � listen. Die Neuwahlen zum Reichstag im Jahre 1928 haben ! gezeigt, daß die Sozialdemokratie ihre Stellung wieder ver» stärkt hat— die bürgerliche Aufsplitterung aber ist geblieben. Ueber die Wahlziffcrn von 1926 und 1928 unterrichtet die folgende Tabelle: Das Ergebnis der Landtagswahl von 1926 machte die Regierungsbildung äußerst schwierig. Die vier altsozialisti- schen Abgeordneten gaben den Zlusschlag. Es wurde zunächst eine Regierung gebildet, in der unter dem altsozialistischen Ministerpräsidenten Heidt noch«in Altsozialist, ein Demo- krat, zwei Volksparteiler und zwei Wirtschaftsparteiler ver- treten waren. Diese Regierung verfügte nur über 31 Man- däte von 96, sie war gegenüber der sozialdemokratischen und kommunistischen Opposition, die zusammen 45 Stimmen führte, auf die Gnade der Deutschnationalen und der Auf- wertungspartei angewiesen. Im Juni 1927 erzwangen die Deutschnationalen die Umbildung der Regierung. Die Altsozialisten, die den Aus- schlag gaben, schreckten vor Neuwahlen zurück; es wurde ein Kabinett von den Altsoziali st en bis zu den Deutschnationalen unter Zuziehung der Aufwer- tungspartei gebildet. Diese Regierung hat keine einheitliche Politik geführt— jeder Minister tat, was er wollte. Das Durcheinander nahm groteske Formen an, reaktionäre Tendenzen, namentlich in der Bureaukratie, stießen auf keine Hemmungen. Die Neuwahl des Jahres 1928 war eine Verurteilung dieses Systems— die Regierung Heidt erhielt ein Miß- trauensvotum der Wähler. Ihr Verbleiben im Amt war be- sonders grotesk angesichts des Derschwindens der Altsozialisten in den Wahlen. Sie hatten im Jahre 1926 noch 98 000 Stim- men gehabt» 1928 nur noch 34 009 Stimmen von 2,7 Millio- nen— aber sie blieben mit zwei Ministern, darunter dem Ministerprä deuten, in her Regierung. Das Urteil des Staatsgerichtshoss schafft Gelegenheit, in Sachsen aufzuräumen. Die sächsische Sozialdemokratie wird gegenüber dem bürgerlichen Durcheinander mit gesammelter Kraft in den Wahlkampf ziehen. Noch zwei Baldwin-Niederlagen! Arbeiierpartei und Liberale erobern je ein Mandat. London, 22. März.(Eigenbericht.) Tie Wahlen in North Lanart(Schottland) und in Holland Wich Boston habe« Niederlage« der Re- giernugskaudidateu ergeben. North Lonark. wo die Konservativen 1924 noch«inen vor- sprung von über 2000 Stimmen erringen konnten, ist nach dem im Zeichen der Arbeitslosenfrage stehenden Wahlkampf, an die Arbeiterpartei gefallen. Ihr« Kandidatin erhielt 15 711 Stiimnen, 4000 Stimmen mehr als Ihr Vorgänger 1924. Die neue Abgeordnete Genossin Jenny Lee ist di« 2Siährige Tochter eines ehemaligen Bergarbeiters, die den Beruf einer Lehrerin gewählt hat, nachdem sie nicht nur die philosophisch« Fakultät absolviert, sondern auch«in Iuristen-Doktorat gemacht hatte. Jenny Lee hat zwar nach englischer Verfassung die Wählbarkeit, aber noch kein Wahlrecht, da di« neu« Bestimmung, die den Frauen unter 30 Jahren das aktive Stimmrecht gibt, erst im M a i in Kraft tritt. Die andere Nachwahl stellt insofern eine Enttäuschung für die Arbeiterpartei dar, als diesmal die Liberalen, die 1924 an dritter Stelle gestanden hcUten, den Sitz nnt 13 000 Stimmen von den Konservativen«r«Mt haben. Die Regierung schneidet hier nach wesentlich schlechter ab als in Lanart: der konservativ« Kandidat erhielt nur 8257 Stimmen gegen 15 459 für seine» vor- gänger 1924. Di« fünf Rachwahlen in dieser Woche stelle» et« Art Generalprobe für die allgemeinen Wahlen dar. Gesamt- «rgebnis ist, daß die Regierung schlechter, die Liberalen besser abgeschnllle» haben, als mau noch vor Ivochenfrist annehmen konnte. Di« Regierung hat von den fünf Sitzen nicht weniger als drei verloren, davon zwei an die Liberalen. Die Arbeiterpart ei hatte bei diesen Nachwahlen teilweise unter äußerst ungünstigen Verhältnissen zu kämpfen. In Lanark hat sie«inen konservatioen Vorsprung von 2000 Stimmen in«ine absolute Arbeitermehrheit von über 4000 Stimmen über di« beiden bürgerlichen Kandidaten zu oerwandeln vermocht und damit einen der glänzend st«n Wahlsiege errungm. Obwohl größte Vorsicht bei Wahlprophezeiungen erforderlich ist, kann doch mit größter Sicherheit der Sturz der Regierung Baldwin und«ine Unterhausmehrhett aus Arbeiterpartei und Liberalen vorausgesagt werden. Gewerkfchafien im Siurm. Die Probe bei den Betriebsrätewahlen. Das Ergebnis der Vetriebsratswahlen in der Berliner Verkehrs-A.-G. hat allgemeines Aufsehen erregt und große Freude und Befriedigung hervorgerufen sowohl bei der Kom- munistischen Partei, wie auch bei ihren Partnern auf der bürgerlichen Rechten. Seit ihrem Bestehen läuft die Kommunistische Partei Sturm gegen die Gewerkschaften. Schon von ihrer Grün- dung an gewerkschaftsfeindlich gesinnt, hat sie auf Anwei- sung Moskaus nach bekanntem Rezept den Versuch unter- nommen, die Gewerkschaften zu erobern. Das gelang ihr nicht, und so versuchte sie es unter Ausnutzung der ungeheuren Krise Ende 1923 und Anfang 1924, nach dem Zusammen- bruch der Währung, eigene kommunistische Gegenorganisatio- nen aufzuziehen. In Wirklichkeit ist ihr nur gelungen, die Schwankenden aus den Gewerkschaften herauszuziehen. Die von ihr ins Leben geru,enen Gewerkschaften blieben jedoch ohne Einfluß, und auch in ihren besten Zeiten haben sie es auf kaum mehr als 290 000 Mitglieder gebracht. Nach diesem Mißerfolg erhielten die Mitglieder der KPD. den Parteibefehl, in die Gewerkschaften zurückzukehren, dort Zellen und Fraktionen zu bilden, mit deren Hilfe man sich der Gewerkschaften selbst, sowie der Betriebs- räte zu bemächtigen hoffte. In den Verhaltungs- maßregeln wurde den Mitgliedern der Kommunistischen Partei aufgegeben,„nach einem Arbeitsantritt in einem Be- trieb sich seiner kommunistischen Fraktion anzujchließen. Bc- steht«ine solche Fraktion noch nicht, so muß er(der Kom- munist. Red. d.„V.�) mit gleichgesinnt«« Genossen sich zu einer Fraktion zusammenschließen... Jeder Kommunist»st verpflichtet, über alle wichtigen Vorgänge in seinem Betrieb. seiner Gewerkschaft und anderen Organisationen, seiner Parteileitung sofort Bericht zu erstatten... Alle Kommu- nisten müssen sich in allen Arbeiterorganisationen a l s K o m- munisten gesondert zusammenschließen, um «in einheitliches Handeln herbeizuführen". Die Mitglieder der KPD. dürfen also in den Gewerk- schaften nicht nach den Beschlüssen der Gewerkschaft, sondern müssen nach den Vorschriften handeln, die sie von ihrer Partei für ihr« Haltung in den Gewerkschaften be- kommen. Trotz dieser Absonderung und straffen Zusammenfassung sind die Kommunisten in den Gewerkschaften nicht weiter- gekommen. Während die Gewerkschifften die Krise 1923/24 überwunden haben, während heute in den freien Gewerk- schaften etwa 5% Millionen Arbeiter und Angestellte ver- einigt sind, ist der Einfluß der Kommunisten in den Gewerk- schaften statt zu wachsen, von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Nun hat die Kommunistisch« Partei nach den Unter- nehmern und den Gelben nochmals die Entdeckung gemacht, daß die Gewerkschaften heute noch nicht die Mehrheit der Arbeiter umfassen. Von der Taffache ausgehend, daß die organisierten Arbeiter sich immer mehr von den Kom- munisten abwenden, und daß die unorganisierten Arbeiter noch die Mehrheit bilden, versucht sie jetzt, die Gewerkschaften nicht nur von innen, sondern gleichzeitig auch von außen zu bekämpfen. Diese Methode ist ja nicht neu. Ganz abgesehen davon, daß die kommunfftische Presse tagtäglich gegen di« freien Gewerkschaften in maßloser Wesse hetzt, gibt es keinen Lohn- konflikt, keinen Streik, keine Aussperrung, bei denen die KPD. nicht mit Hilfe der IAH. den Versuch macht, die Aktion der Gewerkschaften zu durchkreuzen und di« Arbeiter gegen ihre Organisation aufzubringen. Neu ist nur, daß jetzt auf Anweisung von Moskau die Kommunisten überall, wo die Situation für sie günstig, d. h. überall da. wo die Position der Gewerkschaften schwach ist, bei den Betriebsrätewahlen der Liste der freien Gewerkschaften eine Oppofitions- liste entgegenstellen müssen, auf der unter Umstän- den auch Unorganisserte, sowie Mitglieder der Christlichen und der Hirfch-Dunckerschen Gewerkschaften als Kandidaten figurieren. Nach den Beschlüssen de« Leipziger Gewerkschaft?- kongresses müssen bei den Betriebsratswahlen einheitliche freigewertschaftlich« Listen aufgestellt werden, und Kandi- daten dürfen nur Mitglieder der freien Gewerkschaften sein. Da das Organisationsverhältnis in der Berliner Verkehrs- A.-G. bisher leider s« h r s ch l e ch t ist, und da die Unorgani- sierten unter dem Eindruck standen, daß für die freigewerk- schaftliche Liste nur Mitglieder der freien Gewerkschaften stimmen dürften, ist der Ausgang der Vetriebsratswahl bei der Verkehrs-A.-G. nicht überraschend. Wenn man aber daraus schließen wollte, daß infolge dieser„neuen" Taktik die steten Gewerkschaften in ihrem Be- stand« ernstlich bedroht sind, so braucht man nur auf die eine Tatsache hinweisen, daß am Tage der Betriebsratswahl bei der Verkehrs-A.-G. über hundert Neuaufnahmen beim Deutschen Verkehrsbund vollzogen wurden. Auch diese Neuaufnahmen zeigen, daß die Unorganisierten unter dem Eindruck standen, sie müßten erst Mitglied der Gewerkschaft sein, wenn fu für die freigewerkschastliche Liste stimmen wollen. Aber nicht nur bei den Betriebsrätewahlen, auch bei Streiks und Aussperrungen müssen sich künstig Kommunisten gemeinsam mit den Unorganisierten gegen die freien Gewerkschaften formieren. Es müssen sogenannte Kampfleitungen gebildet werden, die entsprechend den Anweisungen der Kommunistischen Partei den� Kampf zu führen haben und die Gewerkschaften von der Führung der Kämpfe verdrängen sollen. Der erste größere Versuch mit diesen Kampfleitungen und dieser antigewerkschaftlichen Kampfführung ist während der großen Ruhraussperrung im November des Vor- lahres gemacht worden. Dort lagen die Verhältnisse für diese neue Taktik besonders günstig, weil das Organisations- Verhältnis sehr ungünstig ist und weil der KPD. im Ruhr- gebiet immerhin noch über Reste einer Organisation verfügt. Es wurden also Kampfleitungen gebildet,„Massenkund- gedungen" veranstaltet usw. Das Resultat war gleich Null. Die Organisierten wie die Unorganisierten kümmerten sich nicht im geringsten um die Beschlüsse der„Kampfleitungen" und der ,L«ntralrampf- leitung". Als die Gewerkschaften beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, fehlte auch nicht«in Mann. Die KPD. war so sehr sich ihrer Ohnmacht zur Führung eines großen Wirtschastskampfes bewußt, daß sie nicht ein- mal den Versuch machte, die Beschlüsse und Parolen durchzu- führen, die sie vor dem Beschluß der Gewerkschaften zur Wiederaufnahme der Arbeit in die Welt hinausposaunt hatte. So wie die Dinge im Ruhrkampf verlaufen sind, werden sie sich künstig auch bei anderen Kämpfen abspielen. Wir warnen jetzt schon die Unternehmer, allzu große Hoffnungen auf die„revolutionären Unorganisierten" zu setzen, die etwa hie und da bei den Betriebsrätewahlen gewählt werden sollten. Gewiß sind die Betricbsrätewahlen in diesem Jahr eine Nervenprobe für die Gewerkschaften und ihr« Mitglieder, gewiß wird es auch in Privatbetrieben vor- kommen, daß die freigewerkschaftliche Liste zugunsten der Oppositionsliste der Kommunisten und Unorganisierten Man- date«inbüßen wird. Zweifellos und mit Recht werden sich die Unternehmer freuen sich über diese Schwächung des Ein- flusses nach außen, den damit die freien Gewerkschaften zweifellos erleiden. Man darf aber nicht annehmen, daß, von besonders gelagerten Einzelfällen abgesehen, Erfolge solcher Art besonders groß fein werden. Einen gewissen Erfolg wird die Kommunistische Partei mit ihrer neuen Taktik nur dort haben, wo sie Kandidaten aufstellen kann, die bisher als Mitglieder der steien Gewerk- schasten schon Betriebsräte waren, wie dies auch bei der Verkehrs-A.-G. der Fall war. Aber da diese Betriebs- I rate künftig nur noch die kommunistischen Parolen hin!'" s sich haben werden und im übrigen auf ihre eigenen Kenn j msss und Energie angewiesen sein werden, so dürften sie bald ausgespielt haben. Die Kommunistische Partei lpiell jetzt in der Gewerk- schaflsbewegung ihren letzten Trumpf aus. Wenn es ihr auch gelingen mag,' hie und da die Arbesterfront zu .fchkpächen und damit den Widerstand der Unternehmer gegen den Aufstieg der Arbeiterklasse zu stärken, so. sind das Erfolge, um die wir sie nicht beneiden und über deren Dauer sie sich keine üoertriebenen Hoffnungen Zu mächen braucht. Gewerkschaften haben noch ganz andere Schwierigkeiten uderwunden und noch ganz andere Kämpfe siegreich über- standen! Für sie ist es auch nichts Neues, daß man oersucht, die Unorganisierten zum Sttirm gegen die Organisation zu mißbrauchen. Neu ist nur die Fortsetzung dieses Versuches durch die Kommunisten, nachdem er den Gelben miß- langen ist— an dem Endergebnis wird sich aber dadurch nichts ändern! Aebettion gegen Hitgenberg. (Sine abgesagte DorstandSsitzung.— Sozialreaktionäre Phantasien. In dieser Woche sollte eine Sitzung des deutschnationalen Parleivorstandes abgehalten werden, in der Herr H u g e n- berg. der Vorsitzende, seine Reformpläne entwickeln wollte. Sie ist, wie der„Deutsche" berichtet, abgesagt worden unter dem Eindruck einer Rede, die Hugenberg in der preußischen Landtagsfraktion gehalten hatte. Was er dort vorge- bracht hat, soll derart sein, daß man auf eine Wiederholung im Parteivorftand zunächst verzichtete. Nach dem„Deutschen" wünscht Hugenberg nicht« mehr und nichts weniger als das Reichsarbeitsministerium und das preußische Wohlsahrtsministerium zu beseitigen und die ge- samte Sozialversicherung abzubauen. Geschehen soll das durch die D i k t a t u r, der zum Zweck scheinbarer Legalisierung das Mäntelchen des Artikels 48 umgehängt werden soll. Der„Deutsche" erinnert an die drohenden Beschlüsse der evangelischen Gewerkschaftssekretäre vom letzten Sonntag und fügt folgende Charakteristik des.deutschnationalen„Führers" hinzu: Ihm mangelt ossensichllich jede Voraussetzung zum Real- p a l i t i t- r, sonst könnte er im Ernst nicht solch unmöglich« Aeiormpläne vorschlagen. Herr Hugenberg lebt im vori- gen Jahrhundert, tief im vorigen Jahrhundert. Er hat von der neuen Zeit keinen Hauch verspätt. Nein,«r ist auch kein« Gefahr. Er wird niemals Gelegenheit finden zum Reformieren. Kein Reichspräsident wird ihm dazu jemals die Macht geben. Nicht einmal feine«igen« Partei wird er in diesem soziaireaktionären Geiste umgestalten können.<■ Er wird sie ruinieren, wenn sie ihn gewähren läßt, weiter nichts. Nickst nur der christlichsoziale Flügel, die Arbeiter und Angestellten, würden der Pattei den Rücken kehren. Auch den anderen Schichten und Kreisen der Deutschnationalen trauen wir soviel gesunden Menschenverstand und soviel Einsicht in die sozial- und gesellschaftspolitischen Gegebenheiten zu, daß sie diesen Kurs Huaenberas nicht mitmachen iverdsn. Einfach auch— um Lebens und Sterbens willen. Sonst würde am Ende als Deutschnationale Pattei übrigbleiben— Herr Hugenberg mit seinen Freunden Bang und Freytagh-Loringhosen. Mit änderen Worten: Herr Hugenberg ist ein Vorsitzen- der, wie wir Sozialdemokraten ihn der Deutschnationalen Partei nur wünschen können. Gegen eine Trauerdkundgebung für Marschall Fach, die der Präsident K u b a t im Landtag von Böhmen sprach, protestierten die Deutschen— schon deshalb, weil der Landtag eine reine Ver- waltungskörperschaft seiq soll. Bayern als Hüter des Reichs. Bayerischer Regierungsverireier beleidigt den(Strafgesehausschuß. In der Beratung des Strafgesetzausschtisse« zu den Landesoerratsparagraphea begründete Abgeordneter Dr. Rosenfeld e'neu sozialdemokratischen Antrag, als Staatsgeheimnisse nur solche Nachrichten anzusehen, welch« ledig- lich den amtlichen Stellen bekannt sind. Schon der Strafrechtslehrer Lißt habe diese Einschränkung verlangt, um zu verhüten, daß auch derjenige wegen Berrats von' Staatsgeheimnissen verutteilt werden könne, der über Vorgänge berichtet habe, die jedermann von der Eisenbahn oder in der Zeitung habe sehen können. Ministerialrat Dürr(Vertreter der bayettschen Regie- rung, bracht« einen neuen Ton in die bisher völlig sachlichen Be- ratungen des Ausschusses. Er erklärte, es sei niederdrückend, zu beobachten, wie im Strasrechtsausschuh um jede« Wort, da, dem Schutz des Reiche» diene, nicht mehr nur gerungen, schon gefeilscht werde. (llnruhe links.) Er könne verstehen, daß man genau prüf«, imvie- weit das Recht des einzelnen gegenüber den Interessen des Staates zurücktreten müsse. Ab« das Reich fei doch vom Volke selbst ge- schaffen und ihm könne der Schutz, dessen er dttngend bedürfe, nicht oerwehtt werden. Er bäte, alle Rücksicht auf das Recht des einzelnen zurückzustellen und dem Reich zu geben, was des Reiches sei. Abg. Landsberg(Soz.) wandte sich gegen diese beleidigende Wendung. Eine Antwott an die bayerische Regierung sei unbedingt erforderlich. Eigentlich müsse man dem bayerischen vettreter danken, daß er trotz niederdrückender Eindrücke, die er aus der Zeitung gewonnen habe, sich doch hervor bemüht habe. Hier spreche niemand vom Feilschen und hier feilscht auch nie- m a n d. Die Sozialdemokraten wollten in ihren Anttägen dem Wohl des Reiches dienen und sie seien überzeugt, daß sie sich da besser verstünden, als manche andere, dessen Tätigkeit mehr an die des Bären erinnert, der die Fliege verscheuchen wolle auf dem Schädel des Schlafenden und dabei den Schädel einschlüge. Gewiß müsse das Reich gegen Landesverrat geschützt wenden. Denn die Sozialdemokraten verlangten, daß bei der Formulierung des Gesetzes besonder, vorsichtig verfahre» werde, so sei dies vor allem auf die Gerichte eines Lande» znrückzusühren. dessen Rechisprechung oft zum Widerspruch herausgefordert habe. Wem«in bayerssches Gericht in dem Haß gegen einen Mann, den es habe verurteilen wollen, sogar übersehe, daß die Straf- tat oerjährtsei, wegen welcher er verurteilt war, so könne man dafür kein Verständnis mehr aufbringen. Gerade gegenüber solchen Gerichten, die die Pflicht zur Unparteilichkeit nicht beachten, sei man genötigt, die einzelnen Bestimmungen auf das genaueste zu prüfen. Merkwürdigerweise wendeten sich diese Urteile immer nur gegen ein« Richtung. Augenblicklich berichtet die deutsch- nationale Presse triumphierend, daß die deutsch« Währung durch die Verhandlungen von Paris über, die Reparationen Ge» fahren ausgesetzt sei. Diese Berichte haben sogar dazu ge- führt, daß deutsche Kaufleute von Ausländern Zahlungen in frem- der W ährun g gefordert hätten. Gegen solches Treiben werde nicht eingeschritten(Zuruf des Abg. Hergtiz„ich verbitte mir das!") Abg. Lastdsberg fottfährestik:'Ich Häbh nlcktstols prophe- zeit, daß die Acheri/ancr nicht fliegen und nicht schwimmen können. Ich habe auch nickst gesagt, ich könne nicht anders und konnte doch am anderen Tage anders, Herr Abg. Hergt ist der letzte. der das Recht habe, mirzu widersprechen. Der Vertreter der bayerischen Regierung hätte sich mehr über- legev- sollen, was er sagen wollt«, als er hier ahne jeden Grund in dieser Weise in die Debatte eingriff. Abg. Hergt(Dnat.) begrüßte es, daß durch de» Mund de» bayerischen Vertreters die Länderregierungen sich geäußert hätten. Man sehe, daß auch in einzelnen Ländern die Arbeiten des Aus- schusses mit Ernst und Sorge verfolgt würden. Die sozialdemo- kratischen Angriffe gegen die deutschnotionale Presse müsse er zurück. weisen. Nirgends in der Zeitung habe gestanden, daß die deutsche Währung in Gefahr sei, es sei nur auf den zunehmenden Niedergang der deutschen Wirtschaft hin- gewiesen worden. Reichsjustizminister Koch erNStte. daß von einem nieder- drückenden Gefüh: höchstens bei jemand die Red« sein könne, der den Dingen ferner stehe. Im Ausschuß ringe man miteinander in ruhiger und sachlicher Verakung..Leider sei der ruhige und sachliche To» henke ver- * lassen worden. Er suche die Verhandlungen dadurch zu fördern, daß er'Reusormu- lierungen da vorschlage, wo sie ihm geboten erscheinen. Alle bedeu- tungsvallen Vorschläge lege er vorher dery Kabinett vor: das Kabinett und er persönlich übernehmen die wolle Verantwortung dafür, daß die Bestimmungen über den Landesverrat keine stumpfen Gesetze seien. Ministerialdirektor Schäfer«rklätt« als Vertreter der preußi. fchen Regierung, daß der preußische Justiz- und der preußische Innenminister die Vorschläge geprüft hätten und sie als eins geeignete Grundlage zur Regelung tzer Landesverratsbestimmungen ansehen. Die preußischen Miniftqr ständen in allen Grundzügen hinter der Vorlage des Reichsjustizm'nifters. Der Weg der Rsichsregierung, Neuformulierungen im Ausschuß vorzulegen, sei der einzige Weg, bei schwierigen Materien die-. Strafrechtsreform wirtsam zu fördern. Er möchte auch ausdrücklich� anerkennen, daß die Reichsregierung die Länderregierungen ausreichend über ihre Ansichten informiert habe. Abg. Alexander(K.) wandt« sich ebenfoll« gegen den Ver- treter der bayerischen Regierung und erklärt«. fü'»r die sozial- demokratischen Abänderungsanträg�e stimmen zu wollen. Abg. L e o i(Soz.) fühtte aus, der vettreter der bayerischen Regierung dürfe nicht oerkennen, daß in Bayern der Begriff„das Wohl des Reiches* verkannt worden sei. Diese bayertschea Zustände seien heule noch kelnesweg» überwunden und schädigen das ganze Land, das wirtschasilich und kuliurcll sich nicht entwickelt. Niemand wisse mehr, welche Nachrichten Landesverrat darstellen könnten. Vieles sei heute schon Geheimnis, was früher bedeutungs- los gewesen sei. Schon bei Zeitungsübersichten über die Wittschafts- läge könnte die Frage austauchen, ob nicht die Lage der Regierung in Verhandlungen mit den Gegnern dadurch geschädigt werde. Rehme man das an, so sei eine Erdrosselung der öffentlichen Meinung zu befürchten. Die sozialdemokratischen Abänderungs- antrüge müßten angenommen werden, um für die Zukunft eine zu weitgehende Rechtsprechung zu verhindern. Ministettalrat Dürr(Vertreter der bayettschen Regierung) bemühte sich, seine zuerst gemachten Ausführungen abzuschwächen. Dabei war nur interessant, daß er in bezug auf die Tätigkeit der Volksgerichte von überwundenen Zeiten sprach und deren Rechtsprechung also damit preisgab. Bei der Abstimmung wurden diesozialdemokratischen Anträge abgelehnt und nur ein Antrag Wunderlich(Dnat.), der sich an, einen sozialdemokratischen Antrag anlehnt, wonach mir Nachrichten über Vorgänge, Zustände und Tatsachen anderer Att als Staatsgeheimnisse abgesehen werden können, angenommen. Der Ausschuß vertagt« sich dann bis zum S. April. Was Herr Hergt ulcht weiß. In der Sitzung des Strafgesetzausschusses hat der deutschnatto- stalik Abgeordnete Hergt aüsgttühtt, nirgends habe einer deutschnattonÄen Zeitung gestankwvdstß We deutsche Währung gefährdet fei.'s Am 30. Januar sprach Herr Hugenberg in Dresden:. „Die Gerüchte über den steigenden deutschen Wohlstand und die Sicherheit der deutschen Währung seien Lügen, au denen Deutschland selbst beteiligt sei." Dieser Satz stand in der Hugenberg-Preffe. Herr Hugenberg wurde darauf gestellt, am 27. Februar erklärte er in Stettin: „Man hat mir de» Vorwarf de» wirtschaftliche« Landesverrates gemacht, well ich kürzlich in Dresden von der Lüg« des steigenden deutschen Wohlstandes, von der Lüge der deutschen Zahlungsfähigkeit und von der Lüge der Sicherhell der deuljchen Währung gesprochen habe. Ich halt« diese Wort« in volle« ll mfa n g«l aufrecht." Herr Hugenberg hat ausdrücklich bekannt, daß die Sicherheit der deutschen Währung seiner Ansicht nach eine Lüge sei, sein« Presse hat seine Wort« weiterverbreitet. Hält Herr Hergt Herrn Hugenberg nicht für«inen Deuts chnationalen, die Hugenberg-Zeitungen nicht für deutschnatio- nale Zeitungen? Ein Projekt des Or.(Schnee. Zehniahr-Gedenktag der Llnterzeichnuag in Versailles. München. 22. März.(Eigenbettchl.) In einer Pressekonferenz des Arbeitsausschusses beut- scher Verbände machte der Präsident, Gouverneur a. D. Dr. Schnee, die Mitteilung, daß die zehnjährige Wiederkehr der Unterzeichnung des Versoiller Diktats(23. Juni) durch ein« einheit- liche Willenskundgebung des deutschen Volkes begangen werden soll. Diese Willenskundgebung soll gerichtet sein auf die Ablehnung des Attitels 231 des Dersmller Vertrages(Alleinschittd Deutsch- lands am Kriege) und auf Einsetzung eines internationalen Hssto- ttkerausschusses zur Prüfung der Kriegsschuldfrage. Sie soll zum Ausdruck kommen in öffentlichen Kundgebungen aller Volkstelle ohne Unterschied der Pattei. Sedacht fei auch an eine Kund- gebung des Deutschen Reichstags. Daran müßten sich dann diplo- matlsche Verhandlungen der Reichsregierung an- schließen, und zwar mst dem Ziel einer internationalen Verem- barung über die Außerkraflsetzung des Artikels 231. Außerdem sei zum Zeichen der Trauer ein« allgemeine Arbeitsruhe von mehre- ren Minuten in Aussicht genommen, die mit den Arbestgebern und Arbeitnehmern zu vereinbaren wäre. Ettnnerungsveranstal- tungen in den Schulen und bei den Behörden, Läuten der Kirchen- glocken u. a. m. wären ebenfalls geplant. * Der Arbeitsausschuß der deutschen Verbände, dem weder die großen Parteien noch die Gewerkschaften angeschlossen sind, hat unseres Wissens die großen Organisationen nicht gefragt, ob ihnen seine Initiative erwünscht ist. Ebenso- wenig hat er mit der Regierung und dem Reichstag Fühlung genommen. Sein Beruf, einheitliche Kundgebungen des deutschen Volkes zu veranstalten, ist stark bestritten. Praktisch ist heute auch nicht die Aenderung des Artikels 231— wie will man die erreichen? das nächste, sondern eine erträg- liche Lösung derReparationssrage und die Räumung des besetzten Gebiets. Ob und wie die Lösung dieser brennenden Probleme durch allgemeine Kundgebungen günstig beeinflußt werden kann, ist eine offene Frage. Indem der Arbeitsausschuß ein unausgegorenes Projekt in die Oeffent- lichkeit schleudert, erwirbt er sich ein höchst zweifechostes Verdienst._ Reaktionärer Vorstoß abgeschlagen. Annahme des Mecklenburg-Schweriner Haushaltsplanes in dritter Lesung. Schwerin. 22. März. In der heutigen Domittogssitzung des Landtages wurde nach Schluß der großen Aussprache der Haushaltsplan in dritter Lesung mit 27 Stimmen der Regierungspatteien gegen 25 dar Deutschnationalen, der Deutschen Volkspattei. der Wirtschoftsportei, der Deutschvölkifchen Freiheitspattei und der Kommunisten onge- n o m m« n. Der Mißtrauensantrag der Oppositionspar» teien wurde bei Sttnimenthaltung der Kommunisten mst den Stimmen der Sozialdemokraten und der Demotraten gegen die Stimmen der Deutschnationolen, der Deutschen Dolksportei, der Wittschaftspartei und der Deutschvölkischen Freiheitspattei a b g e- lehnt. Zum Schluß der Sitzung wurde noch dos Gesetz über die Trennung organisch verbundener Kirchen- und Schulämtcr in dritter Lesung angenommen. Politischer Mord in Agram. Ein Ebefredosteur erschössen. Am Freitagabend ist der Ehefredakleur Anton Schlegel der Lttgrader„Jlooostl" und präsidenl der„Jugoslawischen Slampa*. des größten südflawischen Druckerelunkeraehwev». wie e» j heißt, an» politischen Gründen erschossen worden. H Bilanz des Buchtages. ,Gewühtt Habense alle, getaust haben wenige und der, von dem wir dachten, er wär besonders scharf auf Tücher, hat die Ladentasse ausgeraubt!� Wer Hilst dem deutschen Buch? Oer Tag des Buches. Zlm Donnerstagabend eine öffentliche Kundgebung im Plenar- saal des Reichstages und Freitagmittag«in« interne Sitzung in der Singakademie. Sehr viele schön« und kluge Worte sind von Referenten und Korreferenten gesprochen worden. Sehr viel Geist wurde über die Hörer ausgeschüttet, aber man sucht ver- gsbens— wenn man das Ganz« überblickt— nach einem befrie- digenhen Resultat. Die Veranstaltung„Tag des Büches" sollte neue Wege weisen, die den modernen Menschen zum Buch« zurückführen. Leider sind fast alle Vortragenden bei einer kritischen Analyse der augenblicklichen Situation stecken geblieben, man hat Probleme hin und her gewälzt, sie beklopft und von allen Sellen beleuchtet, sie sedoch damit nicht aus der Well geschafft. Rkmand wird behaupten wollen, daß diese gesprochenen Essays nicht sehr geschliffen, bis ins kleinst« Detail ausgefeilt worden find, nur kommt von der vollendeten Form, vom geistreichen Wenden der Gedanken kein« Hilf«. Allerdings beschränkt sich ja nicht die Veranstaltung auf das �.Preisen mit viel schönen Reden", sondern auch«wf etwas Positives:� auf Ausstellung guter Pücher in Buchhandlungen. In der gut aufgezogenen internen Sitzirng in der Singakademie, die nur unter dem«inen �Fehler krankte, zuviel des Guten zu bringen, wurde nicht' nur Aritifches dem Hörer fermei�r-doch eine Behauptung wie etwa diese:.Hier muß Wandel geschaffen werden" lchafst noch kemev Wandel, wenn der Vortragende nicht einmal sein« 'Wünsche Aar umrissen,' sondern wystisch verschwommen formuliert. ' Die. Sitzung, im Wenarsaal. des Reichstages entwarf, in großen Zügen ein Bild, das die intern« Sitzung am Freitag bis in kleine Detalls sorgfällig ausführte. Das Verdienst beider Veranstaltungen liegt wohl hauptsächlich � darin, daß über das spezialisiert« Gebiet des Buches hinaus eine Analyse des modernen Menschen und der Gegenwart überhaupt gegeben wurde. Dieses zeigte sich auch selbst in Referaten wie„D« r m o d« r n e Verlag" und erhiell seine ausgeprägte Form in den Borträgen von Werner Mahr holz und Walter Hofmonn. Leipzig, über den modernen Leser. Auch über dieses Thema hatte bereits Anna Siemsen Richtlinien gegeben. Mahrholz führte aus: Die Tag« einer literarischen Kultur sind vorüber, weil neben der literarischen Well drei andere von größter Wichtigkeit getreten sind, die des Auges, des Ohres und ' des Körpers. Film und Radio befriedigen Auge und Ohr und dos neugewonnene Körpergefühl absorbiert beim modernen Menschen neben der Berussarbeit die meiste Zeit und Spamckraft. Deshalb hat sich der Lesertyp der Gegenwart grundlegend geändert. Die Tag« einer lllerarischen Kultur sind vorüber, denn der seinen Körper trainierende Mensch bringt ganz andere Wertmaßstäbe mit als der verträumt schmökernde Romantiker in stiller Stube. Der moderne Mensch geht in die Natur und vor dieser zerfällt alles Literarisch«. Der.Sport drängt zum Wesentlichen. Deshalb muß auch die Literatur komprimierter werden. Ein anderes Moment kommt hinzu. Dies«st die Bewegung vom Individualismus zum Kollektivismus. Dem Gegenwarts- menschen entschwindet immer mehr das Bewußtsein seiner absoluten Einzigartigkeit. Er stcht dem Geist skeptischer gegenüber als frühere Generationen. Prioatschmerzen der Dichter und chrer Helden gehen ihn nichts an: er will das Wesentliche seiner Epoche im Buche finden. Damit liefert Mahrholz«inen allgemeinen Grundriß, em schema> tlsiertes Bild des modernen Menschen, er zeichnet ein« Grundein- stellung, die entscheidend die Literatur der Gegenwart beeinflußt. Aber auf dieser Basis bauen sich gewisie scharf gesondert« Typen auf, die durchaus verschiedene Interessen haben. Ludwitz Hos mann aus Leipzig spricht von diesen Typen. Und er.. Leiter einer öffentlichen Bücherei,, kennt nicht den Typ des Lesers, sondern nur sehr viele Typen. Diese entstehen durch die sozialen, wirtschaftlichen und geistigen Voraussetzungen, die jeder Mensch mitbringt.. Denn das geistige Leben schwebt nicht haltlos im Räume. Jeder Leser sucht das Buch, das ihm entspricht, das ihm zur geistigen Heimat werden, kann. Da die Bücherwelt äugen« blicklich in jeder Beziehung unübarschaubar geworden ist, muß sie wieder überschaubar gemacht roevdon. Hosman» tritt für ei» System ein,' das eine Orientierung ermöglicht. Di« Kürz« der Zell erlaubt ihm nicht, auf dieses System näher einzugehen. Ein Satz, sei von Hofmann noch hervorgehoben:„Der Mann, der zwei Millionen Wohnungen baut, tut für die Buchkültu? und für die Gesamtkultur des deutsch«» Volkes am meisten." Auch Dr. Alfred D ö h l i n, der eigentlich nur eine Kritik dy>. fllpderng» SqrlggeK soll, sirgist guch allgemeine Z�it- freiem Cr.ja�.'dah nchderne Buch onnchet, sich, da es zu. teuer ist,- im« pan kne'pllllokr�chsn Schichten der Bevölkerung. Dies« allein sind die Empfänger der Bildung, mit der sie nichts Gescheite» anzufangen wissen. Diese Schicht ollein lebt' von der Sensationslust und von dem Novitätenhunger, Sie ist unkultiviert bis zum letzten. und es ist«n Verbrechen des.kulturellen Verlage«, daß er nur imt ihr rechnet- Folgt er nur diesen kulturellen Snobs, so wird bald seine Stunde, schlagen. Es ist'dies eine Entgegnung auf die Aus, führungen des Verlegers Dr. Gustav Kilpper aus Stuttgart der em Lied von der Notlag« des deutschen Verkegerbim» singt. Auch er bringt überzeugende Argumente, aber die Döbiins scheine» schlagkräftiger. Im Rahmen dieses Themas spricht auch Julius Bab, der sich mit den Buchgeweinden auseinandersetzt. Bei einer. dck� tatarischen Ausschaltung der persönlichen Wahl und Geschmacks- richtung gebe es hier überhaupt kern geschäftliches Risiko. Abeö allmählich ist dieses Zwangsprinzip in den Buchgemsinden falle» gelassen worden. Man publiziert jetzt«ine bestimmte Anzahl po» Werken, unter denen das Mitglied wählen kann. Die Mitglieder setzen sich aus den kleinen Leuten zusammen, denen die Bücher, nicht nur prunkender Gegenstand sind, denen sie ein kultureller Besitz bedeuten. Hier liegt für Bab der Hauptwerk dieser Institutionen. Scharf« Worte findet auch der Korreferent D ö b l i n gegen die industrialisierten Riesenverlage, die kein persönliches Verhältnis zum Autor mehr kennen, sondern nur sein« Verwertbarkeit, seine Schlag« kraft auf dem Büchermarkt. Otto K r a u tz gibt in seinem Vortrag„Das deutsche Buch« gewerbe" einen klaren, plastisch geformten Ueberblick über die Ge- heimmsie der Duchdruckerei und M o n t y Jacobs spricht dan» noch über dos Verhältnis von„Presse und Buch". Wie gesagt, die augenblickliche kulturell« Situation wird klar belichte� von allen möglichen Standpunkten aus diskutiert. Wo ist aber der Retter? Wo sind die positiven Vorschläge für eine Besserung? Man kann sagen, zwei Tag« lang hat. man sich in einem sehr geistreichen Debattierklub befunden, aber man kennt gewöhntich die Resultate solcher Diskussionen. Fast wie ein SymbÄ wirkt es, daß Herr Dr. Külz, Reichsminister a. D. und Erfinder des prachtvollen Schmutz- und Schundgejctzes, den Vorsitz geführt hat. Di« Weltgeschichte leistet sich noch immer entzückende Witze.. F.G. Steuerveratung im Landtag. Gewerbefieuer für freie Berufe beschlossen. In der Freitagssitzung des Preußischen Landtages wurde zu- nächst nahezu einstimmig ein sozialdemokratischer Antrag ange. nommen, der die Regierung auffordert, die abgebrochene« Lohnverhandlungeu mit den staatlichen Arbeitern wieder aufzunehmen. Die Verhandlungen sollen parallel mit den gleichen Verhandlungen im Reiche geführt werden. Die Sozialdemokratie hat damit zum Ausdruck gebracht, daß sie zwar den Lohnstreit nicht im Parlament entscheiden will, ober den rein abweisenden Standpunkt des prsußi- jchen Finanzministers nicht zu billigen vermag.— Es folgt die drille entscheidende Lesung der Gewerbesteuer. Hauptgegenstand des Streites hierbei war, ob man abweichend von der bisherigen Regelung auch diefreienVerufe, Aerzc«, Zahn- ärzie, Architekten, Zivilingenieure. Rechtsanwälte, Schriftsteller usw., in die Gewerbesteuer einbeziehen sollte oder nicht. Alle bürgerlichen Parteien waren in dieser Frage gespalten, und auch die sozial- demokratische Fraktion hat lange geschwankt, ehe sie sich endgültig entschloß, die freien Berufe der Steuer mit zu unter- werfen, die jetzt Gewerbe- und Beruf s st euer heißen wird. Gegen die Neuerung sprach die Tatsache, daß die Frage binnen kurzem endgültig im Reich durch das Steuer- Vereinheitlichungsgesetz geregelt werden wird. Auch sind ?lrzt und Rechtsanwalt vielfach an staatliche Gebühren gebunden, dürfen formell keine Reklame treiben und ihre Praxis weder ver- kaufen noch vererben. Aber auf der anderen Seite wird es namentlich in den kleineren Städten bitter empfunden, daß wenig bemittelte Gewerbetreibende die Gewerbesteuer tragen, während vielfach wirtschaftlich besser gestellt« Aerzte und Anwälte kommunalsteuerfrei sind. Da- zu kommt, daß die Städte in so großen Finanznöten sind, daß man ihnen jede möglich« Mehreinnahme zuwenden muh, auch wenn die neue Steuer nicht gerade sehr schön in das Steuersystem paßt. So gab die Sozialdemokratie den Ausschlag dafür, die freien Berufe der Gewerbesteuer zu unterwerfen. Die Kommu- nisten machten sich zu begeisterten Fürsprechen, des Leipziger Aerzte- Verbandes und der Anwaltskammern. Aber ihr Schimpfen läßt uns kalt: all« Steuern ablehnen und auf allen Gebieten Mehrausgaben fordern ist eine allzu leichte Demagogie.— Es folgten zwei Kirchensteuergesehe. Ke nach unwesentlicher Debatte angenommen wurden. Es handelt sich dabei darum, der Kirche das Recht zu geben, außer Zuschlägen zur Einkommensteuer auch Zuschläge zur Grundsteuer zu erheben. Das erscheint deshalb notwendig, weil in weitestem Umfang« die Landwirte jetzt überhaupt keine Einkommensteuer mehr zahlen und auf diese Weise auch die Kirchensteuer restlos auf die Arbeiter ab- wälzen.'." Die Rechtsparteien und das Zentrum lieferten danach einen neuen Beweis für Patriotismus, und Liebe zum deutschen Land- iirbeit». indem sie eine Resollltion auf beschleunigte und oermechrte. Zulassung ausländischer Saisa,n> ärbeiter für die Landwirtschaft durchsetzten. Endlich trat das Haus noch in die Beratung des Haushalts des Jinanzmiaisteriums .eftr Abg. Simon. Reusa l z(SozJ steifte nach einmqsi den klsssenmÄßigeren Charakter des Besoldungsgesetzes, von.1927 gegen- «fcer dem Gesetz von 1920 heraus und trat im besonderen auch für die' Forderungen der Gemeinde- und Staats» ärbeiter ein. Der deutsch uäti anale Abg..Eb ersb ach leistete sich die Oberflächlichkeit zu sagen', daß Preußen seiner Finanz- läge nach von Juli ab keine Kassenbestände mehr haben würde. Der Finanzmiiftster' kennzeichnete sofort das Derhavsn des deutfchnatio- nalen Redners als unverantwortlich und irreführend. Die Finanzlage Preußens ist gesund: Weiterberatung Sonnabend 10 fthr. Ofierpause der Sachverständigen. Roch gar nichts endgültig vereinbart. Pari«. 22. März.(Eigenbericht.) '' Di« SachverstäMgenkonferenz hält zurzeit Bollsitzungen nicht ab, da die Rückkehr des Rsichsbankpräfidenten Dr. Schacht von Berlin erwartet wird. Der amerikanische Delegierte D o u n g nutzt die Zwischenzeit, >nn die einzelnen Delegationen zu Abstrichen zu bewegen, die «ine vernünftige Diskussionsbasis ermöglichen. Ein Teil der Pariser Presse benutzt die Gelegenheit zur Veröffentlichung sensationeller Betrachtungen über die Reise Schachts, die von den Konserenzteilnehmern als frei erfunden bezeichnet werden. Ca soll Schacht eine Jahreszahlung von 1,4 Milliarden vorge- schlagen haben, während die Alliierten auf 1,7 Riilliarden als äußerste Grenze heruntergegangen seien. Die Reise Schachts sei nun von entscheidender Bedeutung, und man werde bald sehen. ob er wegen 3 00 Millionen(!) die Konferenz„sprengen" wolle. Die Situation ist jedoch keineswegs so dramatisch: das wird durch den Umstand bewiesen, daß die Delegierten über die Osterfeiertage bis zum 3. April eine Ferienpause einlegen. Das Projekt des C l e a r i n g> H o u s e s bedarf noch gründ- licher Durcharbeitung. Es steht fest, daß die Bank Treuhänder � zwischen. Gläubigern und Schuldnern sein soll:.sie tritt an, die Stelle der durch den Dawes-Plcm geschaffenen Kontrollorgane. Indessen ist bisher weder über die Höhe des Kapital, noch über feine Aufbringung, noch über die Rolle der Bank als Regulator des Weltkredits und der Wellwirtschoft irgend etwas Endgülliges begossen worden. Der Reichsbankprösident. der am Freitag von Poris in Berlin eintraf, erstattete nachmittags dem Reichskanzler, dem Reich-finanzminister und dem Reichswirtschoftsminister gemeinsam Bericht über den Gong der Pariser Verhandlungen. parlamentsauflöfung in Dänemark. Reuwahl wird ausgeschrieben. Kopenhagen. 22. März. Bei der Sröfsnuig der heuligen Folkethingsihung gab Staat s- minister Madsen-Mygdal die Erklärung ab. daß die Regle- rung wegen der Ablehnung der Finanzgesehvorlage dl« Notwendig- keit als gegeben ansehe, daß die Wähler Gelegenheit erhalten, Stellung zn nehmen. Der Staatsminister hat dem König auheim- gegeben. Neuwahlen zum Folkething auszuschreibeo. ver König bat diesem Wunsch zugestimmt. Nach der Erklärung des Staat». minister» wurde die Folkethinzsshung geschlossen. Am Sonnabend wird dem Reichstag ein Noletat vorgelegt werden.— Die Neuwahl ist voraussichtlich am 23. April. Die Regierung Madfen-Mygdal wird bts dahin l» Amt bleiben.___,, Wirtschastsprogramm des LGB. Amsterdam und Zürich gemeinsam gegen Kriegstreiber. Die Aufstellung eines internationalen gewerk- schaftlichen Wirtschaft, Programms ist vom vorstand des ZGB. in seiner Sitzung am Freilag to Amsterdam als befon- derer Punkt auf die Tagesordnung der demnächst in Prag statt- findenden Ansschußfihung geseht worden. Da» Referat über das Programm wurde Deipart übertragen. Zur Vorbereitung des Programms war den Landeszenlralen ein Entwurf de» Sekretariats übermittelt worden, woraus in Amsterdam fünf verschiedene Entwürfe eingingen. Der Vorstand besprach die Programmfrage auch mit Sachverständigen verschiedener Länder und übertrug ihnen die Aufstellung einer gemeinsamen Formel. Der Programmentwnrs ist nunmehr fertiggestellt; er wird die Grundlage der Prager Be- ratungen bilden. Für die Bekämpfung von Krieg und Kriegs- gefahr wird der Vorstand dem Sekretariat der Sozialistischen Arbeiterinkernationale folgenden Vorschlag unlerbreilen: Die beiden ialernattonal-n Sekretariate werden beaustragt, miteinander in Fühlung zn bleiben., um im Bedarfsfalle eine perfön- llchc Aussprache herbeizuführen, zu der auch weitere Mitglieder der beiderseitigen Vorstände hinzugezogen werden. Gefaßte Be- schlüsse bedürfen der Genehmigung der Vorstände der betreffende« Internationale. Die augenblicklich im Gange befindliche Ab- rüfiungsakiion der Sozialistischen Znleruationale soll in der weise unterstützt werden, daß der Vorstand de» ZGB. sich in einem besonderen Schreiben an das Sekreiariol des Völkerbundes wendet und die angeschlossenen Landeszentraten ersucht, dasselbe zn tun.— Zum 1. Mai wird der Vorstand des ZGB. einen befon- deren Aufruf erlassen. Die Erkrankung Erich Kleibers. Schwere Blmbdarmoperation. Der Generalmusikdirektor der Staatsoper erkrankte in der Nacht auf Freitag plötzlich, so daß y,an einen Arzt holen mußte. Dieser stellt« Blinddannentzündung fest und lieh den Patienten sofort ins Westsana torium bringen. Er wurde dort openert. Die Operation ist gut verlausen, und es besteht keine akut«Gefahr für den Patienten: doch muß fein Zustand wegen der Schwere der Ent- zündung Und der Reizung des Bauchfells noch als ernst bezeichnet werden. Metallarbeiter in Krönt! Kündigung des Lohntarifes. Das Metallkartell hatte zu gestern abend die Funktio- näre der VBMJ.-Betriebe nach der Bockbraueei zusammenberusen, um m'it ihnen über die Kündigung des Lohntartfes zu beratea Der Vorsitzende des Metallkartells, Genosse U rich, erinnerte zimächst daran, daß es beim Abschluß des Lohntarifes im vorigen Jahre leider nicht gelungen sei, die E i n g r u p p i e r u n g e n der einzelnen Arbeiterkategorien so vorzunehmen, wie es die Organi- sationen gefordert hatten. Aus diesem Grunde gab es nach dem Tarifabschluß viele Differenzen in den Betrieben, die nicht immer zugunsten der Arbeiter beigelegt werden konnten. Schon der unhaltbaren Eingruppierung wegen hat das Mewll- kartell beschlossen, den Funktionären die Sündigung des Lohntarifes zum 27. April zu empfehlen. Das Metallkartell ist sich darüber klar, daß es bei dem VBMJ. auf den hartnäckig st en Wider st and stoßen wird. Die Metallindustriellen wissen leider ebenso gut wie die Organisationen, daß von den rund 180 000 Metallarbeitern in den VBD!J.-B«trieben nur etwa S0 Proz. organisiert sind. Wie schwer es ist, selbst mit einer g u t organisierten Arbeiter- schaft erfolgreiche Kämpfe zu führen, hat am besten der Werst- arbeiter streik gezeigt. Die Lohnkämpfe der letzten Zeit be- weisen ganz eindeutig, daß die Unternehmer nicht nur jeder Lohn- sorderung scharf ablehnend gegenüberstehen, sondern sogar zur Lohnabbauoffensive übergehen. Es gilt daher, für den bevorstehenden Kampf der Berliner Mekallarbeiter alle Kräfte zu sammeln und die Arbeiterschaft nicht gegen ihre eigenen Gewerkschasten aufzuwiegeln. Genosse Urich ging dann näher auf die Richtlinien Lvsowskis«in. die mit nicht mißzurerstehender Deutlichkeit erkennen lassen, wo die Spaller der deutschen Gewerkschafts- bewegung sitzen. Die Funktionäre bewiesen durch ihre entrüsteten Zwischenrufe, daß sie gewillt sind, diesen Thesen nicht zu folgen. Genosse Urich zerpfückte in diesem Zusammenhang auch das sogenanme K a m p f p r o g r a m m, das angeblich in einer Belegschaftsoersammlung der Firma Carl Flohr beschlossen worden, aber der Organisation nur durch einen anonymen Brief- schreiber übermittell worden ist. Dieser Brief ist auf der gleichen Schreibmaschine geschrieben, auf dem sonst die.oppositionellen" Antröge zur Generalversammlung fabriziert werden. Daher ist es auch erklärlich, daß ein Teil dieser Forderungen Verschlechterungen gegenüber dem bisherigen Lohnlarif enthält. Die Hauptfach« an diesen Forderungen ist anscheinend das Berlangen nach Bildung von.Dampfleitungen", die unter Ausschaltung der Gewerkschaften mit den Unter- nehmern verhandeln sollen. Es wird aber auch in Zukunft so bleiben, daß die Gewerkschaften die Streiks führen. Genosse Urich empfahl der Bersamnrlung zum Schluß, sich die bereits im vorigen Jahre ausgestellte Forderung zu eigen zu machen, wonach der vlindesleiostellungslohn 1,20 Mark pro Stund« betragen soll und die Eingruppierung gerechter sst. Lediglich zwei kommunistische Diskussionsredner versuchten, für die kommunistisch« Gewerkschaststaktik Propaganda zu machen, ohne jedoch bei der Versammlung Anklang zu finden. Der vom Genossen Urich im Auftrage des Metallkartells unterbreitete Vorschlag wurde von der Versammlung, in der etwa 1300 Funktionär« aus den Betrieben anwesend waren, gegen 10 Stimmen an- genommen. Die Abstimmung sowohl wie der gesamte Verlauf der Versammlung war der beste Beweis dafür, daß die Stimmung unter den Berliner Metallarbeitern eine ganz andere ist als sie die „Rote Fahne" täglich ihren Lesern glauben zu machen versucht. Die Funktionäre haben jedenfalls den kommunistischen Gewerkschafts- Zerstörern eine Antwort gegeben, die auch in der Kleinen Alexander- stroße nicht mißverstanden werden dürste. KeineEinigunginderZigarrenindustrie. Appell an den Reichsarbeitsminister. Die Tarifverhandlungen für die Zigarren- industrie, die dieser Tage in Oeynhausen sorkgesührl worden waren, sind gescheite rl. Die Veaustraglen des Reichsverbandes deutscher Zigarrenhersteller wie die Vertreter der Tabakarbeiter- verbände verharrten aus ihrem bereits Ende Januar in Hannover eingenommenen Standpunkt. Runmehr wird das Reichsarbeits- Ministerium zur Schlichtung angerufen werden. Das gegen- wärlig bestehende Tarisverhältnis soll bis zur Erledigung de» Schlichtungsverfahrens bestehen bleiben. Wieder ein?wel«pfenntg-Schiedsfpruch. In der thüringischen Metallindustrie. Erfurt. 22. März. In dem Torifftreit in der Thüringer Metallindustrie wurde nach dreitägigen Verhandlungen am Freitag srüh ein Schiedsspruch ver- kündet, demzufolge der Stundenlohn für Facharbeiter, Angelernte und Ungelernte über 18 Jahre um 2 Pf. erhöht wird. Diese Löhne bilden auch die Grundlage für die A k k o r d b e r e ch n u n g. Das Lohnabkommen tritt am 1. April 1929 in Kraft und kann mit einmonatiger Frist erstmalig zpm 30. Juni 1930 gekündigt werden. Im Fehlguß-Abkommen vom 24 Oktober 1928 wird geändert, daß in Grau- und Stablgießereien für Fehtguß anstatt bisher 75 Proz. nur noch KS Proz.(!) vergütet werden, soweit nicht ander« günstigere Betriebsoereiirbarungen bestehen. Former und Gießereiarbeiter in Grau, und Stahlgießereien erhallen einen Zuschlag von 10 Proz. auf den vereinbarten Lohn._ Tagung der Kommunalangestellien. Der Reichssachausschuß für die im Zentralvevband der Ange- stellten organisierten Angestellten bei Gemeinden, Gemeindever- bänden und kommunalen Betrieben beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit den wichtigsten, die Interessen der von ihm vertretenen Gruppen der Behöndenangestellten berührenden Fragen. Jen Vordergrund stand die Erörterung über die Schassung einer Alters- und hinterbliebenenoerjorgung für Kommunatangestellte. Der Zentralverband der Angestellten hat 1928 wieder ein« große Zahl von Tarifverträgen für Kommunalangestellte vereinbart. Eine Reihe wichtiger Tarisoerhandlungen schwebt. Bezüglich der Reichstagsoerhandlungen über das Steuer- vereinheitlichungsgefetz nahm der Reichsfachausschuß Kenntnis davon, daß der Berbandsoorstand im Reichstag« beantragt hat, außer den Angestellten der Landessteuerverwaltungen auch An- gestellte der kommunalen Derwaltungen, deren Aufgabengobiet auf das Reich übergeht, in die Reichsfinanzoerwallung zu übernehmen. Eine besondere Würdigung im Rahmen dieser Sitzung fanden auch die Fragen der gründlichen Beruszausbildung sowie die grundsätzlichen und wichtigen Fragen, die mit den Dienswer- hällnissen der Angestellten, mit der Uebernahme von Angestellten in das Beamtenoerhöltnis, mit der Erlangung von„Beamten- eigenschast" infolge Ausübung obrigkeitlicher Funktionen sowie auch mit der Anwendung des Betriebsrätegesetzes(insbesondere des§ 13 Absatz 4) auf Angestellte im Zusammenhang« stehen. Zum Schluß nahm der Reichssachausschuß noch zu Organifations- fragen und zu den vielseitigen Verbandseinrichtungen zur Schulung der Mitglieder des ZdA. und zum Verbandsze! tf ch rifteirwese n Stellung. f Opfer des Fortschritts. Di« SeschSstigungsmüglichkeit für Töpfer wird insalg« de« unaufhaltsamen Vordringens der Zentral- und Fernheizung von Jahr zu Jahr schlechter. Wie der Fachgruppenleiter der im Bau- gewerksbund organisierten Berliner Töpfer Dreher in der Jahres- Versammlung am Mittwoch berichtete, sind von den rund 24 000 Wohnungen, die im vorigen Jahr in Berlin gebaut wurden, 38,9 Prozent mit Zentralheizung versehen worden. Das ist eine Z u- nähme gegenüber 1S27 um rund 11 Prozent. Arenfo sind in den neuen Wohnungen nur etwa 4000 Kochherde ausgestellt worden, so daß hier ein Ausfall von 20 00 0 Herden gegenüber 1K 000 im Jahr« 1927 gewesen ist. Diese anhaltend schlecht« Arbeitsmarktlag« beeinflußt noturge- maß auch die Entwicklung der Löhne in diesem Berufe. So war «» erst im Herbst möglich, die seit langem gefordert« Erhöhung der Löhne und Akkorde um 10 Prozent durchzusetzen. In der Diskussion stand die Frag« des Existenzkampfes der Töpfer im Vordergrund. Am treffendsten waren die Ausführungen eines Mitgliedes der Fachgruppenleitung, der vor einer zünstlerischen Beurteilung der Streitfrag« Kachelofen- oder Zentralheizung warnte, da kein Mensch dem Rod der technischen Entwicklung in die Speichen fallen könne, ohne selbst zermalmt zu werden. Es habe leider auch wenig Zweck, wenn man zu beweisen versucht daß die Kachelosen- Heizung hygienischer sei als die Dampfheizung. Die Frag« des Miel» Preises der Nellbauwohnungen mit Zentralheizungen sowie das Problem der Uebergangsheizung in solchen Wohnräumen müssen mehr als bisher in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt werden. Jedenfalls tonnte die Fachgruppenleitung beweisen, daß sie alles getan hat, um der Verdrängung des Kachelofens entgegen zu wirken. Die Anerkennung der Versammelten für ihre Fachgruppenleitung kam in deren einstimmiger Wiederwahl am besten zum Ausdruck. Die Herren im Haus Neuerburg. Bei der Zigarettenfabrik Heus Neuerburg in Wandsbeck, die etwa 3000 Personen beschäftigt, sst es zu scharfe» Differenzen zwischen der Firma und der Arbeiterschaft gekommen. Ohne Rücksicht aus die Arbeitslosigkeit unter den Tabakarbcitern ließ die Firma bis zu 30 Ueber stunden in der Woche verrichten. Ebenso führt« sie Schichtarbeit ein, um möglichst viele Ar- beiterinnen noch vor dem 1. April entlassen zu können Auch an den neu ausgestellten Tabakaufiäsemaschinen soll Schichtarbeft ver- richtet werden. Man will aus diese Weise die Zahl der Entlassungen noch weiter steigern. Der Betriebsrotsvorsitzende der Belegschaft protestierte in sachlicher und korrekter Form gegen diese Maß- nahmen. Er wurde daraufhin unter nichtigen Gründen f r i st l o s entlassen. Dos Borgehen der Firma hat unter der Belegschaft große Erbitterung hervorgerufen. Oer„revoluiionäre" Klugblattverbreiier „Mit der Polizei gegen die Opposition."„SPD.-Betriebsrat von Zwietusch-Charlottenburg läßt oppositionelle Flugblattverteilcr verjagen."— Das sind die knalligen Ueberschriften über eine kam- munistische Anekdote der„Roten Fahne", deren Inhalt und Winzig- keit mit den Ueberschriften und beide mit der Wahrheft nicht über- einstimmen. Selbst noch dem kommunistischen Märchenerzähler ist der Flugblattverteiier nicht„verjagt" worden Wie uns der Vorsitzende des Betriebsrats, Genosse Ewald Fischer, dazu schreibt, hat er von der Verteilung der Flugblätter erst Kenntnis erhalten, als er nach Arbeitsschluß aus dem Betrieb kam und den Flugblattverteiler in Gesellschaft eines Schutzpolizisten sah. Fischer, der auf«inen Kollegen wartete, ließ sich ein Flugblatt geben und hörte eine Weile der freundschaftlichen Unterhaltung zwischen Schupomann und KPD.-Mann zu. ohne sich irgendwie in das Gespräch zu mischen, geschweige denn den KPD.-Mann beim Schupomann zu„denunzieren". Aber so geht das. Erst schwindelt der KPD.-Mann seinen Auftraggebern etwas vor, um sich in«in „revolutionäres" Licht zu stellen, dann überschwindelt die„Rote Fahne" den Schwindler. Schiedsspruch für den Bergbau in Oberschlesien Vor dem vom Reichsarbeftsminisierium ernannten Sanderschlichter Professor Dr. Brahm wurde am Mittwoch über den von beiden Seiten gekündigten Manteltarif und das Arbeitszeitabkom- men im oberschlesischen Bergbau verhandelt. Da am Bormfttag keine Einigung zustande kam. wurde am Nachmittag«iiy Schlichterkammer gebildet, die in später Abendstund« einen Schiedsspruch fällte, wonach die Arbeitszeit über Tage«ine Verkürzung von einer halben Stunde erfährt. während diejenige unter Tage weiterhin acht Stunden betragen soll. Das Abkommen soll bis zuch�l... Oktober 1930 Geltung haben. Die Erklärungsfrist für die Parteien läuft am Montag. dem 25. März ab. Versicherungsangestellte und Arbeitsrecht. Am 19. März sprach in der gut besuchten Versammlung der Versicherungsangestellten im Zentraloerband der Angestellten Genosse Brenk« über die Bedeutung des Arbeitsrechts für die Der- sicherungsangestellten. Er ging besonders auf die Auswirkungen der einzelnen Gesetze auf dl« Versicherungsangestellten ein. An das mit starkem Beifall aufgenommene Referat schloß sich eine lebhafte Debatte an. Vom Reichsfachgruppenleiter Genossen Drill ke wurde über die Besprechung mit dem Arbeitgeberverband deutscher Derstche- rungsunternehmungen berichtet, wobei er aus die Argumente der Unternehmer einging, die auf Grund der Wirtschaftslage im Ver- sicherungsgewerbe angeblich keiner Gehallc>erhöhung.zustimmen konnten. Ueberzeugend wies er an Hand von Geschäftsberichten noch, daß von dem deutschen Versicherungsgewerb««in angemessene Gehaltserhöhung der Angestellten durchaus getragen werden kann. also getragen werden muß.__ v«eb»»d kcx ttcntiafec-»od SUurteatbett«. TOontoft. 25. Mir,. 1SV4 Uhr, im Saale untere» BerdanUshauses. Iohannisgr. 14—15. g»rtbiU>»»a«b«id ftit unser« tzuirktionSre, die in den KLrperlchasten für Sazialversicheruna tätig find, verr Engen«,©irritor der Betriebst ranienkoffe der Stadt Berlin. spricht Über das Thema:„Rationalisierung der ttrantenv-rsicherung-.©ie Bei- an st» ltung verspricht, kehr interessant»u werden,«» wird deshalb um rege Teilnahm« gebtten.©ie Ortsverwaltung. �fo�feie GewerkfchastS'Iuaend Groß-Berlin W Selnillcheitshau» gmuzberg. Am Urban 1»— II. Geiiffnet bis«im Zl. Rär« Werttag» von S— 21 Uhr. und Sonntags von 10-14 Uhr. Eintritt frei. Iuaendaruppe veü �entralverbandes der Anaestellten teute, Sonnabend, 20 Uhr, Boltstangkursus im Iugendhrim Lehrter traße Ib-IS. Berantwortlich Mr Bolitit:©r. Cnrt©tqtt; Wirtschatt:®. glingelhSie»! Derarlschastsbewegung: 3. Steinet; Feuilleton: Dr. Jahn Schitowsli; Lotale» and Sonstige«: gelg«arftldt: Anzeigen: Th®>»it«. lämlliä! in Berlin. Beriag: Borwärts-Berlag GmbH.. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Berlaasansialt Bau! Singer o So.. Berlin EW 68. Linden lirob» l Kier,u«ine Beilage,..Unterhaltnng und Wissen- und..Jugend. Borwari«-. w sparsame mit spricfit tych Izaufe meinen �kajfee hei Ser�digeyiph/itwe. sind auch die billigen Reistagen gut und verlasrlich. besonders zufrieden bin vkmit l�1 brauche davon weniger und erhalte dnew sehr starken Qfaffet. �henn Qu das näAuü cMal hei einem der netten �WXfyfgden vorbeigehst, nimm euv 1U ynit, und Qu wirst wissen, was guter und sparsamer �Uaffee istl Nr. 439» 46. Jahrgang Sonnabend. 23. März �929 Berlins Stadihaushalt festgesetzt? Reaktionäre und Radikale gegen ihn in Einheitsfront. D!e Stadtverordnetenversammlung mußte gestern tn einer ungewöhnlich langen und zeitweise sehr stürmischen Sitzung sich abmühen, die chausholtsberatung zu Ende zu bringen, um zur Festsetzung des Haushalts zu kommen. Die K o m m u n i st e n versuchten, durch O b st r u k t i o n mit den Mitteln eines Vertagungsantrages und der Beschlußfähigkeits- onzweislung die Haushaltsestfetzung zu verzögern, und die Deutschnationalen leisteten ihnen als treue Bundes- genossen den erwarteten Beistand. Es gelang aber, den Streich der kommunistisch-deutschnationalen Einheitsfront zu vereiteln. Mit diesen Koalitionsbrüdern rechnete Genosse F l a t a u m seiner für die sozialdemokratische Fraktion abgegebenen Erklärung zum Ge- samthaushalt sehr nachdrücklich und gründlich ab. Er geißelte das verantwortungslose Treiben der Kommunisten mit ihren alle Grenzen des Möglichen überschreitenden Forderungen und der deutschnationalen Träger der Reaktion, deren Unterstützung die Kommunisten sich gefallen lassen. Eine Unzahl von Abstimmungen nahm den ganzen Abend in Anspruch, so daß erst gegen ll Uhr die Festsetzung des Haushalts zustande kam. Gegen ihn stimmten Kommunisten, Deutschnationole und Wirtschaftspartei. Ein Versuch der Kommunisten, eine dritte Lesung zu erzwingen und doch noch eine schikanöse Verschleppung durchzusetzen,.mißlang. * Vor Eintritt in die W« i terberotung des Haus- haltsplanes für 1929 ehrt der Vorsteher unseren Genossen G u st a v Tempel anläßlich seines 79. Geburtstages. Den Platz des Jubilars schmückt ein großer Strauß von Rosen in den Stadt- färben Rot und Weiß. Mit den Gcburtstagswünschen verband der Vorsteher den H�inwüs auf Tempels fast vierzigjährige ehrenamt- lich« kommunale'Tätigkeit. Mit dem Kapitel Kapital, und Schuldenverwaltung wurde dann die Haushaltsbcrotung fortgesetzt. Beabsichtigte Sihuttgssprettgiittg? Nach dem Berichterstatter. Stadtverordneten Zursch, meldete stch der Kommunist Gäbet zur Geschäftsordnung zum Wort, wies auf das schwach besetzte Haus hin, beantragte daraufhin die Dertogung der Haushaltsberotung und zweifelte gleichzeitig die Beschlußfähig- teit des Hauses an.s Millionen Mark ersorder- lich gewesen. Die verlangte Erhöhung der Summen für die sage- nannte allgemeine Notstand�aktion hätte einen Mehransatz vcm 25 Millionen Mark verlangt.— Die nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen gänzlich undurchführbare andere finanzielle Gliederung der Krisen für sorge hätte 7 Millionen Mark mehr gekostet.— Die Lieferung eines verbesserten Frühstücks an Obdachlose erforderte 2,6 Millionen Mark mehr.— Der Neubau von Familienwohnungen für Obdachlose hätte 3 Millionen Mark be- ansprucht, die sogenannte Blindenrente von 2 Millionen Mark und die unentgeltliche Abgabe von Frühstück und warmem Mittagbrot an sämtliche Schüler der Volksschulen usw. 46 Millionen Mark. Die gesamten Mehrforderungen der Kommunisten, ungerechnet ihre Forderungen anderer Art. beanspruchen einen Mehrbedarf von 334 Millionen Mark. Solche Forderungen werden gestellt in einem Augenblick, in dem die Fraktion, die sie stellt, als Ausgleich keine anderen Steuervor- schlüge zu machen weiß, als die in früheren Jahren von jedem Steuerfachmann schon als unmöglich c r k a n nt e n. Wiederum wurde von den Kommunisten vorgeschlagen, einen Satz von 50 Proz. vom Wertzuwachs als Grundlage für die Errechnung der Wer.- zuwachssteuer anzunehmen. Eine immer noch bestehende ministerielle Verfügung schließt die Erhebung eines Satzes von mehr als 30 Proz. ohne vorherige ministerielle Genehmigung aus. Jeder nicht dema- gogiscf) arbeitende Stcucrsachmann weiß, daß diese ministerielle Ge- nehmigung in keinem Falle zu erwarten ist. Auch der Lade n- hüter�dcr Wohnungsluxus st euer erscheint wieder. Bei diesem Steuervorschlage ist in früheren Jahren einwandfrei nach- gewiesen worden, daß die bestimmt zu erwartende Berufung auf den § 16a des Kommunalabgabengesetzes die G e st a l t u n g einer solchen Steuer einfach unmöglich macht, ganz zu schweigen von einer fast völligen Aufhebung des möglichen Ertrages einer solchen Steuer durch die entstehenden Verwaltungs- und Ein- ziehungskosten, falls eine solche Steuer überhaupt durchführbar wäre. Das nennt man kommunistisch, eine Arbeit zum Wohle der Notleidenden, zum Wohle der Minderbemittelten! In Würdi- gung der Wirkungen einer anders bezeichnen als solchen Arbeit kann man diese nicht ein Spiel mit der Rot der Aermsten. (Lärm bei den Kommunisten.) Den Rest eines vielleicht für diese vorhandenen menschlichen Gefühls läßt man brutal übertönen durch rein agitatorische Tiraden.— Und auf der anderen Seite das würdige deutschnationale Gegen st ück. Mit den veralteten Me- thoden vergangener Zeiten versuch� man hier, moderne kommimgle Arbeit zu leisten. Diese Arbeit würde sich als eine Hemmung des Aufftiegs des modernen Berlin darstellen, wenn nicht in dieser Ver- sammlung verantwortungsbewußte Fraktionen wären, die finanziell der Reichshauptstadt der deutschen Republik das geben, was sie braucht. Die alten Trümpfe werden wieder in den deutschnationalc» Anträgen ausgespielt: Schaffung einer zweiten Klasse in den Krankenanstalten, Erhöhung des von den Kronkenkassen der Stadt zurückzuvergütenden Satzes um ein Viertel des gegen- wältigen Betrages. Dieser letztere Antrag ist ein bewußter Kamps gegen mühevoll geschossene soziale Einrichtungen. ein Kampf, der, wenn er erfolgreich wäre, sich nur auswirken könnte zum Schaden der Mitglieder der Krankenkassen. Die Krankenkassen haben es schwer genug, unter Beachtung der oe- setzlichen Vorschriften und bei der durch wirtschaftliche und gesund- heitliche Röte übersteigerten Inanspruchnahme ihren eigenen Etat im Gleichgewicht zu halten. Das olles weiß man bei den Deulschnatio- nalen. Aber weil man eben neue Ideen nicht hat, greift man auf die Antragsantiquitäten zurück. Auf der einen Seite ein fast bis zur Sinnlosigkeit gesteigert r Radikalismus, auf der anderen Seit« eine fast in völliger Erstarrung versunkene Reaktion. Sie kämpfen gemeinsam an gegen diejentgen Fraktionen, die in ehrlicher Ueberzeügung sich dafür einsetzen, daß die Stadt Berlin durch das Etatgesetz eine finanzielle Grundloge erhält, die ihr ein Weiterleben ermöglicht. Sie lehnen diesen Etat ab und sträuben sich damit auch gegen die Verbesserungen, die in den Etat hineingekommen sind.' Sie lehnen mit diesem Etat aber zugleich aucb ab alle notwendigen Ausgaben für Wohnungszwecke, für das Gesundheitswesen, für Wohlfahrtspflege, für Schulen und für die Beamten, Angestellte'., und Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Soz.) Sie verweigerten der Stadt die Mittel, um die Zlrbeitnehmer angemessen entlohnen zu können. Das fei mit besonderem Nachdruck hervorgehoben. Radikalismus und Reaktion vereinigt zur Ctatoppofition in diesem Hauie wagen es, im Etatausschuß und im Plenum durch ihre Redner an die verantwortungsbewußten Stadtverordnetenfraktionen, und ins- besondere an die ihnen verhaßte Sozialdemokratie, die Frage zu richten, ob die Verantwortung für diesen Etat übernommen wird. Romah einer Revolulion. üoyt Ceckacl fieccmAttH MoslAt Das Faß schien all das nicht zu bemerken oder doch nicht als unangenehm zu empfinden; es blickte über die filz- haarige, rachitische Jungbrut weg. die es stumpf starrend umdrängte, und schluckte mit Mund und Nase den Dunst von schlechtem Stroh und ungewaschenen Kleidern und Menschen- schweiß... oder haschte es nach dem süßlichen Rübenduft, der von der Fabrik manchmal herüberwehte? Diesem Geruch tapste es jetzt jedenfalls nach, trat durch die Tür in den riesigen Saal, eine massive Scheune von einst; man ließ es ruhig durch die langen Reihen der Arbeiter und Arbeite- rinnen gehen, die ihr Rübenwafchen, Rübenfortieren, Rüben- schälen. Rübentragen flüchtig unterbrachen und sich zu- raunten:„Das Faß. das Faß!" Die meisten kicherten: auf den Backen einiger junger Mädchen war das grelle Rot einer .Hoffnung: die war auch von hier gekommen: vielleicht hei- ratete einen auch mal einer der Bürgersföhne, denen man sich nachts im Krumbholz hingab... Das Faß bemerkte auch das nicht. Es wälzte sich durch den rübenstaubdurchfchwelten. häßlich hohen Raum, als ob es zu Hause wäre. Der Aufseher- kam:„Wolln Se de Ma- schine sahn?" Auf ein gedankenloses Ja hin führte er sie in einen sauberen Anbau, in dem eine schwarze, häßliche Ma- schine stand; daran glänzte«in großes Schwungrad seltsam und silbern. Die eben noch fahlen Wangenwülfte des Fasies waren heißrot geworden: sie schienen zu fiebern. In dem engen Gang zwischen Maschine und Wand bewegte sich der un- förmige Körper mit einer Selbstverständlichkeit, die träum- Haft war. Seine Augen waren etwas trübe; es stand jetzt vor dem großen Schwungrad, das in seiner schnellen Drehung wie ein großer, silberner Teller aussah, und starrte hinein— so, wie ein Fabrikmädchen silberne Dinge anstarrt, von denen die Neichen essen, scheu, fremd, mit unklarer Sehnsucht. Das halbe Jungmädchenlächeln in dem verfetteten Gesicht wirkte so komisch, daß der Maschinist den Aufseher mit bezeichnen- dem Blick ansah. Dann fuhr er fort, seine Erklärung der Maschine zu brüllen, die das Faß gar nicht zu hören schien; da gab er es auf und putzte am Eisen herum: der Aufseher sah im Arbeitssaal nach dem Rechten. Die trüben Augen der Fiebernden waren allein mit dem silbernen Teller. Ein Schrei-- ein Herumzucken der Köpfe, ein Fallen- lassen der Rüben und Messer, ein Gerenne nach dem Ma- schinenhaus. ein Aufgellen vieler weiblicher Kehlen, eine Stille-- Der Maschinist hatte den Schrei ausgestoßen, hatte das Faß jäh vom Schwungrad zurückgerissen, aber dessen rechte Hand war ein blutiger Fetzen, die trüben Augen sahen den Fetzen an, Schmerz war nicht darin, nur Verwundern— das Faß hatte doch nur leicht über den großen silbernen Teller gestrichen— wie eben ein Fabrikmädchen Flecke von silbernen Dingen wischt, von denen die Reichen essen... Man rannte um Leinwand. Der Fetzen blutete, das Blut tropfte in hundert Tropfen, es floß fast. Man. fand endlich Verbandszeug, das Blut sickerte durch das Leinen. Einer rannte zum Arzt, einer zu Kniephacke; Man führte das Faß in einen Verschlag, der leer geworden war, weil man durch die Anschaffung der Maschine einige Arbeiter hatte entlassen können. Das Lagerstroh mar noch da: man legte .das Faß darauf: es schien keinen Schmerz zu empfinden, es lächelte komisch und irre den Verschlag an, den die trüben Augen absuchten: sie fanden mannshohe Mauer, Luftloch, Raufe und Stroh und schlössen sich zufrieden. Eine Frau blieb da und verband immer von neuem; der Fetzen strömte Blut. „Se hat uffs Rad gefaßt, wie'n se zu Haufe uff an Tisch faßt," berichtete draußen der Maschinist. „Se is je oo hier zu Hause I" meinte ein altes Weib ironisch oder ernst. Der Aufseher trieb zur Arbeit. Nach drei Viertelstunden kam Kniephacke: ein Arzt war noch nicht zu erreichen gewesen. Kniephacke war sehr ruhig, obgleich er zu wissen glaubte, daß dieser Unfall den Tod seiner Frau bedeuten würde. Aber er hatte seit langem erkannt, daß dies bevorstand. Lediglich die merkwürdigen Umstände irritierten ihn etwas. Er hockte sich neben sie und hielt ihre Linke. Ihre Augen waren noch immer geschlossen: aber langsam schwand das Lächeln, der Atem wurde heftiger. Ihre Lippen bewegten sich unaufhörlich, sie wollte Worte formen, aber es ge- lang nicht. „Schonn jut, Mutter, fchonn jut. Ich jrieße dän Jungen von diche," sagte Kniephacke. Der Fetzen blutete noch immer. Kniephacke sah, daß ein Asthmaanfall drohte. Nach ge- wohnter Art legte er ihren Kopf zurück, schwang den linken Arm auf und ab. Als ein gurgelnder Atemzug ihr wieder Luft geschafft hatte, schlug sie die Augen auf. Sie sah Kniep- hacken an, wie man etwas Fremdes ansieht, das gut ist, dem man dankbar fein muß, das aber eben fremd blieb; tastete dann mit langen, nahen Blicken wieder den Verschlag ab, schien alles richtig und heimatlich zu finden; suchte noch ein- mal ihres Mannes Hand zu drücken— „Schonn jut, Mutter," jagte Kniephacke wieder. Das Lächeln kehrte zurück, sie schloß die Augen und tat sie nicht wieder auf. Der Arzt konstatierte den Tod: Herzlähmung durch Asthma, Anstrengung, Schreck, Blutverlust. Der Arzt sprach sein Beileid aus.„Und daß sie gerade so— gerade hier sterben mußte...* Er sah sich im Räume um. „Jott, wissen Se, Herr Doktor," sagte Kniephacke ruhig. „an jeder jeheert dahin und zu die, wo e härjekomm'n is. Un wenn e se oo noch so lange nich kennen will, und wenn c oo ausrickt dafor sein janzes Läwen—- am Ende muß e zu feine Leite und in sein'n Verschlag. Die armen Ludersch hier läßt's nich los, wenn se's oo besser gehatt han derzwifchen. Awwer hier isse se zu Hause." Als der Arzt mit erstauntem Blick gegangen war, sagte Kniephacke nach einigem Grübeln vor sich hin:„Daderzu nu das Janze, damit'n se hier starwet... jeschieht mich recht. Ich geHeere oo widder in mein'n Verschlag." Am nächsten Morgen, als er mit einer großen Stange vor seinem Hause hantierte, stieß er, wohl von ungefähr, das Glasfchild„Hofböttchermeister" entzwei. Es wurde nicht wieder angebracht. (Fortsetzung folgt.) Die s erfi ald ckmo kr a tische Fraktion gibt hierauf klar und deutlich in aller Oesfentlichkeit die Antwort: „wir, die wir wesentliche Verbesserungen in diesen Etat hin. ingebracht haben, übernehmen für diesen Etat die Verantwortung, wir wissen, dah dieser Etat in den gegen- wartigen wirtschasllichen Aotzeiten keine ideale Gestaltung er- hallen konnte, wir kannten von vornherein die Grenzen, inner- halb deren dieser Etat beraten und verabschiedet werden konnte und muhte, wir haben aber bei der Gestaltung auch dieses Elals alle wöolichkeilen ccegeschovst, durch die wir den llnteressci des Berliner Prolelarials dienen können, wir scheuen vor der proletarischen Oessentlichkeit nicht die Veroul- ivorlung, die wir dadurch tragen, dah wir gemeinsam mit anderen Fraktionen, mit denen wir auch bisher der Träger der kommunalen Arbeit in Berlin waren, diesen Etat annehmen."(Lebhaftes Bravo! bei den Soz. und Händeklatschen!) Stadtverordneter v. Iecklin(Dnat.) sprach von hemmungsloser Mißwirtschaft, die Sozialdemokraten seien am Ende des Latein». So wie Hclfferich ein st die Finanzen des Reiches retten mußte(schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), so werden wir aus der rechten Seit« des Hausee wieder gut machen müssen(Lachen bei den Sozialdemokraten), was Sie(zu den Sozial- demokraten) verdarbem Herr v. Jccklin schränkte sich dann mit der Bemerkung ein: Cr wolle sich nicht auf das hohe Pferd des Eigen- lobes sehen!(Heiterkeit links.) Dem Mag! st rat bewilligen wir keinen Pfennig!— Für die k o m m u n i st i s ch« Frak- tion„entlarvte" dann noch einmal Stadtverordneter Leh die Sozial- demokraten. Stadtverordneter werten(Dem.) verteidigte die Höher- anjetzung des Ertrages der Gewerbesteuer unter gleichzeitiger Nicht- erheliung der Pflichtschulbeiträge: das sei ein Verdienst an der Wirt- schait. Gegen Zwischenrufe des deutschnationalen Stadtverordneten v. Je ck l i n muß sich Merten oft wehren. Dabei kommt es zu einem neuen Zwischenfall. Einmal sagt Merten: Herr v. Jecklin. solche Zwischenrufe habe ich früher von der Seite(nach den Kommunisten zeigend!) gehört, ich stelle fest, daß Sie von Ihren Koolitionsbrüdern schon viel i n Umgangsformen und Ton gelernt haben. Bravo! in der Mitte des Hauses.) Als Merten von den Wohnungsbauten sprach, rief v. Jetflin: Sie bauen Kulissen!— Nein, entgegnete Merten, für Sie bauen wir Gummlzellent Bei den Deutschnationalen entsteht ein großer Lärm, Glocke, Zurufe zum Vorsteher hin, erneuter großer Lärm rechts, Glocke des Vor- stehers. Ganz besonders tobt Herr v. Jecklin, der ständig zum Vor- fteher hin brüllt und mit den Fäusten auf dem Pult trommelt. Schließlich vertäßt der Vorsteher seinen Platz und unterbricht damit die Sitzung. Nachdem man außerhalb des Saales den Zwischenfall erörtert halte, eröffnet der Vorsteher wieder di« Sitzung und ruft Merten nachträglich zur Ordnung,„weil sein« Aeußerung:„Für Sie bauen wir Gummizellen" ein Angriff auf die Persönlichkeit des Herrn o. Jecklin gewesen sei". Stadtverordneter Merten bringt sein« Fraktionserklärung zu Ende, stellt aber die Frage, ob er gegenüber v. Jecklin nicht moralisch im Recht gewesen sei?(Lebhafte Zustimmung in der Mitte des Hauses.) Stadtoer- ordneter Caspars(D. Vp.) erklärte die Zustimmung seiner Freund« zum Haushalt. SInscher(Wp.) lehnt wegen der Steuern ab. Der i Zentrumsredner Lange stimmt zu. Um Ist Uhr beginnen Schwere Bluttat in Lichterfelde. Ein Inder erschießt seinen Kreund und tötet sich selbst. dle Abstimmungen. Bei den noch ausstehenden Kapiteln ollgemeine Wohlfahrt, Leibes- iibiingen, Hauptverwaltung, Steuern und anderen werden die 75 kommunistischen Anträge abgelehnt, die Mehrheit de« Hauses schließt sich den Ausschußbeschlüssen an. Angenomnlen wird. u. o. ein Antrag Merten(Dem.), den G e- we rbesteueransatz um 1 220l)l)0 Mark zu erhöhen uich' bei der Eintreibung von Gewerbesteuern weitgehende Stun- düngen und Niederschlagungen zu gewähren. Am Ende der vielen Abstimmungen wird dein Umlagebescbluß mit Mehrheit zugestimmt: dem Gcsamtetat stimmt dieselbe Mehrheit ebenfalls zu. Damit ist der Etat der Stadl verlin gegen die Siimmen der Kommunisten, der Deulfchnallonalea und einiger Splitterparteien verabschiedet. Eine von Gabel(Komm.) zum Schluß noch bean- tragt» dritte Lesung wurde gegen die Kommunisten, denen sich einige Rechtser anschlössen, abgelehnt.(Bravo bei der Mehrheit.) Der Vor- steher schloß die Sitzung um U Uhr mit Dankesworten an die Mit- glieder des Haushaltsausschusses. Trunkenheit ist keine Entschuldigung. Chauffeur Formansky zu drei Sahren Gefängnis verurteilt. Eine schwere Strafe verhängte das Schöffengericht Wedding über den Kraftwagenführer Otto For- m a n s t y, der. wie wir im„Wend" berichteten, in seiner Trunken- ttait am 27. Ottober v. I. den schweren Zusammen st oh des von ihm geführten Lastkraftwagens mit einem Straßenbahn- zug und damit den Tod von zwei Menschen und die Verletzung weiterer 4l)(nicht 14) Fahrgäste der Straßenbahn verschuldet hotte. Das Gericht ging über den auf i'A Jahre Gefängnis lautenden Antrag des Staatsanwalts hinaus und verurteilt« Formansky wegen sahrläffiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Transportgefahrdung zu 3 Jahren Ge- f ä n g n i s. Der Haftbefehl wunde aufrecht erhalten. Be- kannrlich hatte der Angeklagte zu seiner Entschuldigung angeführt, daß er vollkommen betrunken gewesen foi. Das Gerichts- urteil läßt keinen Zweifel darüber, daß Trunkenheit für einen auf verantw.vtlichem Posten befindlichen Chauffeur nicht als Entschuldi- gung gelten kann. Auch Lokomotivführer, Straßenbahn-, Hochbahn- und Autobusführer dürfen während des Dienstes keinen Tropfen Alkohol zu sich nehmen. Nach 2 Monaten geborgen. Gestern nachmittag wurde aus der Havel an der kleinen Badewiese bei Gatow di« Leiche eines Mannes ge- landet. Wie die Polizei an Hand vorgefundoner Papier«, die nur schwer leserlich waren, feststellte, handelte e» sich um den Tischler- meister Erdmann G u h l aus der Potsdamer Straß« 12. G. war an einem Sonntag im Januar mit seiner Frau und seiner siebenjährigen Tochter nach Schildhorn hinausgefahren. Beim Schlittschuhlaufen brach da« Kind, wie wir seinerzeit berichteten, plötzlich«in. Der Vater sprang sofort nach und e» gelang ihm. sein Kind zu retten. Der Mann selbst konnte sich dagegen nicht retten, well das Eis, an das er sich llammert«, ständig durch- brach- Auch von dem am Ufer Stehenden konnte dem Unglücklichen kein« Hilfe gebracht werden. So mußt« die Frau zusehen, wie ihr Mann, den bald seine Kräfte verließen, bilklos ertrank. Di« Leiche wurde nach der Spandauer Halle gebracht. Eine falsche Spur. Zu dem Raub in der Gerichtstraße erfahren wir, daß sich das Befinden der schwer verletzten asten Frau Zwick im Lazarus- Krankenhaus verschlimmert hat. Di« UeberfaUen« liegt ver- nehmungsuntähig danieder. Di« Nachforschungen noch den Räubern wurden bis spät in die Nacht hinein sortgesetzt. Die Polizei glaubte di« Verbrecher unter den Burschen suchen zu müssen, die sich arbeitslos in der Gegend des Weddings aufzus>ostsn pflegen, und nahm schließlich sechs jung« Leute sest. Di« Festgenommenen mußten aber bald wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Hie kommen, wie durch Gegenüberstellung mit den Zeugin erwiesen wurde, für den Uebersall nicht in Betracht. Zm Hause knesebeckslraße 10 in Verlin-Lichlerfelde ereignete sich gestern eln Mord und ein Selbstmord zwischen zwei Zadern. Der Znder Razar Mohamed besitzt in diesem Hause eln pholo- graphisches Atelier, das von seiner Frau, einer Deutschen, geleitet wird. Er selbst beschäftigte sich mit häuserspekulalionen. dle er gemeinsam mit seinem Freund« Ali durchführte. vor ungefähr einem halben Zahre kam e» zwischen den beiden Freunden zu Dissereazen, woraus sie sich mieden und sich sogar verklagten. Am Freilag sollte zwischen beiden eine Aussöhnung statt- finden oder zum wenigsten bestehende geschäfiliche Differenzen beigelegt werden. Zu diesem Zweck besuchte All mit noch einem drillen Inder, der wahrscheinlich den Schlichler spielen sollte, Tkazar Mohamed. Bei den Verhandlungen kam es zu Auseinandersetzungen, die schließlich in Tällichkeiten ausarteten. Als Mohamed dle Tür abschloß, eilte Alt zum Fenster und ries um Hille. Ein Passant alarmierte das Ueberfallkommando, das nach kurzer Zeit eintraf. Aua versuchte Ali zu entfliehen, wurde aber aus dem Korridor von Mohamed durch einen Schuß niedergestreckt. Der Mörder eilte dann in da» Zimmer zurück und tötete sich selbst durch einen Schuß in den Kopf. Zu der blutigen Tragödie werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Der Kaufmann Nazar Mohamed hatte seinen Kompagnon, den Kaufmann Ali Z a r e e m und einen Professor Habar in sein« Wohnung zu einer Besprechung eingeladen. Es sollten Zivilprozesse, die zwischen den beiden Kaufleuten schwebten, geschlichtet werden. Habar sollt« der Schiedsrichter sein. Bei der Aussprache kam es zu einem Streit. Mohamed hindert« Ali und den Professor am Fortgehen,»«rschloß die Tür, schlug mit einem Bleistock auf sie ein und zog schließlich eine Pistole und tötete All durch zwei Schüsse. Als der Professor zum Fenster hinaus um Hilfe rief, sagte sich Mohamed selber eine Kugel In den Kops. Beide Leichen wurden von der Polizei beschlagnahmt. Todesschuß aus Zufall. Die Staatsanwaltschaft I hat bei der Strafkammer des Land» gerichts den Antrag gestellt, den Postschaffner Karl Stephon, gegen den wegen Tötung seiner Ehefrau ein Strafver- sahren«ingeleitet worden war, außer Verfolgung zu setzen. Stephan hatte sein« Frau durch«inen Revoloerschuß getötet und sich dann selbst eine Kugel in die Brust gejagt. Nachdem er im Polizei- krankenhaus gehcist worden war, wurde Stephan in das Unter- suchungsgefängnis übergeführt, ober vor einiger Zeit bereits auf Antrag von Rechtsanwalt Mllller-Stromeyer auf freien Fuß gesetzt. Nach der Darstellung des Angeschuldigten war der unglückfelize Schuß durch«inen unvorhergesehenen Zufall losgegangen. Stephon lebt« von seiner Frau getrennt und wollte sich scheiden lassen. Sein« Frau aber verweigerte di« Einwilligung dazu. Er will nun im vorigen Sommer seine Frau in deren Wohnung in der Senefelder- stroß« 25 ausgesucht haben, um einen letzten Versuch zu machen, sie umzustimmen. Bei dieser Unterredung hatte er auf dem Schoß, unter seinem Mantel einen geladenen Revolver. Wie er behauptet, wollte er beim Fehlschlagen seiner Hoffnungen sich vor den Augen seiner Frau erschießen. Als er bei der erregten Auesprache aufsprang, soll sich der Revolver in die Tischdecke verwickelt haben, so daß sich die Waffe entlud. Da sich di« Angaben des Angeklagten, daß es sich um einen unglückseligen Zufall Handel«, nicht widerlegen lassen, soll er nach Antrag der Staatsanwaltschaft jetzt außer Verfolgung gesetzt werden. ki'l)s>tei'bilciu»sss«kiils Am Sonntag, dem 24. Märr, vormittags 10 Uhr, im Rathaus (Eingang Konigstraßei Koramunalpolitlsche Vortragsreihe „Finanxsn und 5»vu«pn" Referent: Stadtverordneter Dr. Richard Lohmann i i■ Partelmitglledsbuch legitimiert■> Vor einem Geständnis des Grafen Christian! Zwei Berliner Kommissare entsandt. Der llnlersuchungsrlchler beim Landgericht hlrschberg(Schlesien). der die lloke-suchuag des Morde, tu Schloß Zonoowih führk, hat am Freilag um die Entsendung von Berliner Beamten«sucht. Da» Landeskrimiaalpolizewml Berlin hat daraufhin kriminalpolizeirat Hoppe, Kriminalkommissar Günther Braschwitz und einen Beamten nach Hlrschberg entsandt. Srlmiualpolizelrak Hopp« wird, nachdem die neue Untersuchung ln dle Mege geleilet Ist, nach Berlin zurückkehren und Bericht«stalten. Dle Untersuchung über den geheimnisvollen Tod de« Grafen Eberhard von Stolberg-Wernigerobe. nimmt ihren Fortgang. Roch ist kein« Entscheidung gefallen, doch nimmt man an, daß die e n d- gültige Aufklärung unmittelbar bevor st eh t, Hos- scntlich bewahrheitet sich diese Anficht der Untersuchungsbehörden. Noch heute ist es die Meinung aller beteiligten Dienststellen, daß nur Graf Christian Friedrich den tödlichen Schuß abgegeben hoben kann. Ob Vorsag vorlag oder nicht, steht offen. Das Gewehr, dos am Vodkn gesunden wurde, muß erst kurz odr der Tat gelaoen worden sein und enthielt dieselbe Munition, die sich im Gowehrschronk des �toten Grafen vorfand. Es ist be- zeichnend, daß es sich um eine Spezialmunition für Rot- wild handelt, sie ist vorn abgeplattct, damit die Hirsche schneller zur Strecke gebracht werden können und die Masse selbst ist«in um- gearbeitetes Militärgewehr. Zur Jagd konnte es von den jagd- kundigen Familienangehörigen nicht benutzt werden, denn es ist jetzt nicht die Jagdzeit für Rotwild fällig. Am Freilag hat der Untersuchungsrichter den Grasen Christian Friedrich weiterhin«ingehend vernommen. Es ist von Interesse, daß mit Sicherheit behauptet wird, auch Graf Karl, der Bruder des toten Grafen Eberhard, werde in aller Kürze vernommen werden. Graf Karl ist durch seine Beteili- gung am Kapp-Putsch in der Gegend übel beleu- mundet. Er wohnte seibdem in der Steiermark und kam erst gestern nach Jannowitz. Aus seinen ständigen Geldforde- rungen an die Fideikommißinhaber vermutet man einen Zu- sammenhang mit der verschwundenen Korrespondenz des Grasen Eberhard aus dem Jahre 1929. Auch das hartnäckige Schw»iqen des verhafteten Erbgrasen läßt den Schluß naheliegen, daß Graf Christian Friedrich irgendwelche Personen decken will und deshalb alles abstreitet. Gestern vormittag hatte der Rechtsbeistand des Grasen Christian, Rechtsanwalt Dr. Rusche, in Gegenwart des Unter- suchungsrichters Thomas eine einstündige Unterredung mit dem Lcr- hasteten im Untersuchungsgefängnis. Der Angeklaate hat hierbei einen ziemlich sicheren Eindruck gemacht. Im Interesse der weiteren Vernehmungen kann über das Gespräch amtlich nichts bekannt gegeben werden. Da gegen die Tätigkeit der L a n d j ä g e r« i bei der ersten Aufklärung ist Jannowitz gewisse Vorwürfe erhoben worden sind, ist damit zu rechnen, daß die Landeskriminalpolizei in Liegnitz hterzu Stellung nehmen wird. Di« Landeskriminalpolizei ist der Ansicht, daß der Landjäger, dem man eine Verzögerung der Angelegenheit durch«ins Unterlassung der telegraphiscben Benachrichtigung der Liegnitzer Kriminalpolizei noch in der Nacht vorwirst, r.ichtig gehandelt hat._ Schiebungen auf einem Berliner Finanzamt. Di« Vorgänge auf einem Berliner Finanzamt, deretwegen das Gchöffenaericht Berlin- Mitte im vorigen Jahr« 20 Leute in 500 Fällen verurteilt hatte, beschäftigte wieder dasselbe Gericht. Im Finanzamt Mühlenberg arbeitet« der Angestellte Leo Wachmann in einem Bureau, das inzwischen arbeitslos gewor- denen Leuten die gezahlten Lohnsteuern aus entsprechend« Anträge zurückerstattete. Di« Leute mußten schriftlich oder perfon- sich ihre Steuerkarten auf dem Finan-amt abgeben. Wegen der Dringlichkeit der Anträge war di« Abfertigung oft so schnell, daß die wichtigsten Slcherbeitsmaßnahmen außer acht gelassen wurden. So kam Wachmann auf die Idee, sich Steuer- karten von Antragstellern anzueignen. Er fälscht« dann gemeinsam mit dem zweiten Anoeklagten Paul Günther die Erstattungs- anträge und auch Älrbeitsbeschginiatingen und ließ Günther mit diesen gefälschten Dokumenten zu sich aufs Bureau kommen, b-ar- beitete dann als Beamter die Sachen und brachte sie in den Ge- schästsgang. Das ausgezahlte Geld teilten sich die beiden An- aeklogten. In der Verhandlung waren beide geständig, nur gab Küntber eine weit orößerc An-abl van Fällen»u, als Wackmann, der nur fünf Betrügereien eingestand. Der Staatsanwalt bean- tragt« wegen Amtsverbrechen ein« Zuchtbausstrafe, da« Gericht ge- l wöhrt« aber den Angeklagten mildernde Umstände, da di« Betrüge- reien ihnen auf dem Finan.zonü durch die mangelnde Kon- trolle zu leicht gemacht worden waren. Wachmann wurde wegen sortgesetzten Betruges und Unterdrückung amtlicher Urkunden zu 1 Jahr 2 Monaten, und Günther zu 10 Monaten Gefängnis vec- urteilt._ Oer„Peiniger" vor Gericht. lOOO Mark Ordaungsstrafe gegen Orehrollen-Tefchke. Der Rekordmann Drehrollen-Teschke hat e? fertig gebracht, mit seinem Reichsverband zur Bekämpfung der Warenhäuser zwar nicht di« Warenhäuser und Konsumvereine dem Erdboden gleich zu machen, wohl aber das Arbeitsgericht Berlin auf den Kopf zu stellen. Von den rund 200 Klagen, die gegen den Präsidenten dieses Reichsverbandes von ehemaligen Kassierern und Werberinnen aus Rückzahlung der einbehaltenen Kaution von je 500 Mark angestrengt waren, sollten kürzlich nicht weniger als 49 als erste Rate oerhandelt werden. Es war ein Massenaufgebot von Klägern und Zeugen. Das Arbeitsgericht Verlin hatte sein Aussehen völlig»er- ändert. Im großen Sitzungssaal waren mehrer« Reihen von Bänken aufgestellt, zwei Wachtmeister waren in Tätigkeit, um die Ruh« auf- recht zu erhalten und Dutzend« von angeblichen Anhängern de» „Reinigers des Wirtschaftslebens" standen im Korridor und oer- juchten vergeblich in den Sitzungssaal einzudringen. Herr Drehrollen-Teschke hatte es vorgezogen, nicht persönlich zu erscheinen, sondern einen Vertreter entsandt, der erst einige Tage in seinem Reichsverbandsbetrieb tätig ist. Vielleicht handelt es sich um denselben Vertreter seiner Interessen, den Teschk« durch ein Inserat„Jurist gesucht, der Haare auf den Zahnen hat" für sich zu gewinnen oerstanden hat. Aber dieser Jurist mit Haaren auf den Zähnen mußte sich von dem Vorsitzenden des Arbeitegerichts in höchst unbequemer Weise ausfragen lassen. Es half ihm nichts, daß er gegen diese„indiskreten Fragen" mit Händen und Füßen protestierte— dank dem Vorsitzenden wurde das Dunkel allmählich gelichtet, da« um den Präsidenten des Reichs- verbände« zur Bekämpfung der Warenhäuser schwebt. Teschke hat zwar den von ihm angestellten Kassierern die Kautionen abge- nommen, zu bin hotten sie aber nichts, und wem, sie sich weigerten, auf Mitgliederfang auszugehen, wurden sie geohrfeigt und hinaus- geworfen. Seine Kaution sah aber keiner der Angestellten wieder. Nach Klarstellung all dieser Verhältnisse verurteilte da» Arbetts- gericht Herrn„Präsidenten" Teschke in weiteren fünf Fällen zur Rückzahlung der Kaution. In der letzten VerHand- Hing war Teschke wieder persönlich geladen, aber nicht erschienen. Der Vorsitzende verhängt« gegen ihn eine Ordnungsstrafe von 1000 Mark. Erst beim vierten Fall geruhte Drehrollen- Teschke zu erscheinen. Soweit die Klagen der Zlngestellten sich gegen den Reichsverband zur Bekämpfung der Warenhäuser richteten, macht« der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß der Reichsverband entgegen allen Ankündigungen seines Begründers und Präsidenten nicht in da« Vereineregister eingetragen sei. Der Vorsitzend« bezeichnet« Drehrollen-Teschke gegenüber dieses Vorgehen als„eine wissentlich« Irreführung des Gerichts und der Oesfentlichkeit". Im Lause der Verhandlungen gab Teschke dann eine«ides- stattliche Versicherung ab, daß er ein Vermögen von 250 000 Mark habe. Er gab ober auch zu, daß er noch recht beträchtliche Miet- schulden hätte. Aus Grund dieser eidesstattlichen Versicherung wurden dann in mehreren Fällen die von den Klägern erwirkten Arreste aufgehoben. In allen am Mittwoch anstehenden 4 2 Fällen wurden Urteile gefällt. Für die notleidenden Musiker. Zugunsten der nolleidenden, im Deutschen Musikerserband or- gamsierten Musiker veranstalten die Orchester der drei Ber- liner Opern in Gemeinschaft mit dem Funk, und dem Sinfoni«.(Blüthner)-Orchcster am Sonntag, dem 24. Mär.z. in der Städtischen Oper Charlottenburg«in Wohltätigkeitskonzert. Gespielt werden die öinkonie patheiique von Tschaikowski, Wotans Abschied, gesungen von Kammersänger Rohde-Münchcn und der Feuerzauber von Wagner und schließlich Tod und Verklärung von RitHard Strauß. Die Gcsamtleitung bat Generalmusikdirektor Prof. Walter. All« Mitwirkenden haben sich uneigennützig zur Verfügung gestellt. Da» Konzert beginnt um 1l� Uhr. gtötjes die wundervolle goldklarc Haarwascbseife für jedes Haar, auch als Shampoon jfüf 30&feivni9~ CinfcnbimgcB für dies« Rubrik sind «« r I t» SB Slnbenfttofc« i, parieinachn'chien für Groß-Rerlin stet« an da» Brzirkasekretariat Z. Hof, 2 Treppen recht», zu richten. t. und 5. itrei» Fri-drich»hala und Prenzlauer Berg. Heiterer ilbend deute, Sonnabend, 23. Marz, im Sa alba» siricdrichahain. Soll lammen neue« erst. ilotPfl«» Varletnpeogramm. Anschließend Tanz,«intriit R« Pf. einschlief. iich Steuer und Tavz. An der Abcndlasie 7z Pf. Ueberschnf lammt der J artet zupnte. Taalerüffnunp l» Uhr. rei, abarlattenbnrg und Spai-dau. Juristische Sprechstunde heut«. Sann. abend, 23. März, von 17—18 Uhr, im Jugendheim Soihicnftr. i. Gelegen. freit zum KIrchenauotritt! 9. st reis Wilmersdorf. Montag, 23. März, 20 Uhr, bei Ihlenfeld, Ubland. strafe 74, Sihung des engeren streisvorflandes mit den Mitglieder!! der graltion. Heute, Sonnabend, 23. März: >7. Abt. DI« Bezirlsstihrer werden gebeten, die Marke nb« stände beim Gen. Kähne abzurechnen. 4l. Abt. Die Besichtigung der Ausstellung„Wien im Bild* findet am Sonn. tag, 23. März, statt. Alle Genossinnen und Genossen treffen sich 10 Uhr vor dem Eesundheitshaus, Am Urban 10—11. 17, Abt. Dir Bezirlsstihrer werden gebeten, umgehend beim Genossen Mar, zank« abzurechnen, 9t. Abt. Reulälln. Gräfe, Jrüblingssest In der„Renen Welt*. Sasen beide 108—114. Eoaler Öffnung 19 Uhr. Eintritt 1 M. Mitwirkende! Tonksinsttcr. orchcste« de» DMB., Neuköllner Senqerchor, sieeie?nr»crichast Geoß-Ber. lin, Berliner Illt-Trio, Violinkünstleiu Ellen Byk, Oda ro» Kotten u. o. Alle Genassiunen und Genosse« sowie Sympaifrificreudr find frerzlichst«in. geladen. 132. Abt. Blauten bürg, sieicr: SrLfrling.März.Sozialisrnn». DentiGealpiegel. Renne.— Humor, Satire, Narrt, Sprechchor, lsilm, Musik. Rezitationen. «tchtbildee. Aufanq llfrr. bei stlng, Dorttte. 2. Eintritt t M. An. fchlicfierd Tanz. Da die!» sie°er anist tnegen ihrer fazialiftilchen und frockt. künstlerisch«» Tendenz fiie»rder« Abteilungen des 19. streife« bereltgestclu wird, werde» fäurtliche Abteilungen gebeteu. Vertreter zu entsenden. Morgen. Sonnlag. 24. März: 41. Abt. 10 Uhr Besuch der Ausstellung..Wien im Bild" im Gesundheitshaus streuzberg. Am Urban 10— Ii. mir Zhithrung. Treffpunkt pünktlich 10 Uhr rat dem Gefundhaitshans. Alle ehrenomtltch tätigen Mitglieder in der Kommune müssen unbedingt erscheinen, oll« übrigen Mitglieder werden gebeten, ssch zahlreich zu beteiligen. 48. Abt. Banrermeihe, reibnnden mit einer Ehrung der Parteijubilar« lm grosien Saal des Seweeischaftsbaufe», Engelufee 24—28. Festredner! Max Herdemann. Mitwirkend«! TouILnstlerorchester vom DMB., Männerchor Sol'dnr'tät, Freie Turuerlchaft Gros,.Berlin. Ave Senofsiauen und Se» Nossen de« 8. streiie, find dazu berzlichst eingeloden. 98. Abt. Reukella, Beziri Siedluug. Di« Genossen tresten sich pünktlich im Uhr im Srfol Bärwinkel zwecks einer Besprechung wegen Schulangelegenheiten. Jungsozialisten. Gruppe Renkökln. Sonntag, 24. März, Fahrt. Treffpunkt TA Uhr Ring. dahuhof Neukölln, Arbeitsgemeius6)aft der kinderfreunde Groh-Derlin. Spezialkursu» für Musik. Nächster stursusabeud am Montag. 28. März, 19ifr llfrt,_ i» der �RütistSchulc. Rerlölln. Znstrumeutc»nd Rotenpapirr»it- frriugei:. E» darf kein nehmer fehlen! Geburlskage. Jubiläen usw. lt. Abt. Unserem Nebe» Genossen Franz Lömeuhogen und seiner Gattin zur Silbe rhochseit die Herzlichsie» Slückuntnlch«. 88. Abt. Unser» Se-oss-ll Franz«anmgarte». Georg Lazar», und Georg Reitzel feiern ihr kZjShrtgr» Parteljnbilänm. vir hoffen, unser« bewihutrn Genosse»»och recht lange«l» Mitkämpfer in»«leren Reihen z» sehe». wekkrrberichi der össeuisichen wellerdiensisieve L er lin«od Utngegeud sZiachdr. vrrb.). Langsam zunedmende Bewölkung mit weiter ansteigende« Temperaturen.— Jür Deulschlnud: Mit AuZnabme de» Osten» meist wolftat» Setter und mild, vesonder» im westticheu Teil de» Reiche» strichweise leichte Regenfäll-. Verbaute Betten» erkaus! Wegen Geldmangel spottbillig! Reue lZ,— I Brachtvolle 22�01 ".'S/—! Bauerirdetten 29�-1 steine£oou Hardware! Üeidbau» Bruunenstrahe 47. Kochherd«, eisern«. Gas. stpbl«, jeder Art und Größe, Siedlung, Sausholt, Restauration lG-legenheiten). billige Rodeeinrichtuna. Abwafchtisch«, Wäsche. rollen, Waschlessel, Ofentüren, Teil- Zahlung.' Oefea, eisern«, jeder Art und Größe, auch für Säle bis 5000 cbm. Die alte Spezialfabrik Semmlrr n. Vlepberg, Drendenerstrsk« 98—100." LeliieillunssfrSlutlle. Fizzide uz« Leihhaus Spiegel, Shausseestraße 7, perkouft spottbillig stavalirrgarOerode, wenig getrageue sowie selbst hergestellte erstklassige neue Ulster. Iackcttanzllge, Grsellschaftsanzüge, Pel, waren. Größten. teil« aus mein«» Auktionen ersteigerte Saren�H venig gen« FroSanzüge, Smo. ringanzüge. Sehio-ianjUge, Jackett- «.nügc Gummimantel, Eutawayanzüge, Gabarl lemäntel. Eooerteoatpaletots. für jede F IUI passend. Sp»ialität: Bauch. anzstgl spottbillig. Slsellschaftsanzüge werdri-erliehen. Salpeen. Rosenthaler. straße l. Swge� Gehrockanzüge. Figur passend, >ts in allen For- „________ teils auf Leibe ge> arbeitete, erstklalsige Iack-tt-nzllge. Frack. anzüge, SmokinganMge. M Bauchanzva«. für lebe.. getragene Sommerpaletots »:tn: außerdem hochelegante neue Gar. prrobe. oon erstklassigen Schneidern ge. arbeitet, zu siaunend billigen Preisen. «eleaenbeltsläuf» in Herren. und Gamenpelzen. Leihhaus Lowicki, Pein. «nftraße l«. eine Treppe,«eine i-ambardware.____* "Pttleth dochelegantee Gesellschaft». Ansiige Leihhaus Lowicki. Prinzen. strafre slld_______ "venia getragene Kavaliergarderod« von Millionäre»,«etzten, Fadelhalt Anwälte»! billige Preis«. Emplehl« Täillenmänt-l. BOletots, Fracks. Smo. kings. Dedrockanzüae, Haken. Sport» Gebael»« Gelegenheitskaufe ln neuer Garderobe, �Weitester Weg lphnend. tothringerstraße 88, t Trepp«. Rase». tbaier Blad._______ ""ffleniN getragen«'Jackettanzüge. teils euf Seid«, 18,—. Smokinganzüge. Bauch. anzllge. Taillenmäntel. Poletote, staunend billig Delegenheitskäuse in neuer Hernengardsrode, Leihhaus Nofenthaler Tor. Llnienstraße 203—204. Ecke Zloien. tboierstrasie Keine Lombardwar»_ kauft sppttd ein�Sreope San»np-lie-e»»e>tt, g->rage' e und neue Jacke-tanv!?«, Smoktitganzüge. Abendonzügs, Lomnuerp-lewt, jardrg und marengp. Bauckotizüge u, Paletot», für j-de Figur v«l?end.•aclzwaren.Idk. l-g-nheitskLnI» enorm Lombardwar«. Leih hau» Friedeubltr. J. Höllisches Tar.■ Rehfild. Badstraße 81, verkauft spott. billig aus Teilzahlung Ankleidsschränke mit Spiegel. Anzahlung 40�-,,«nalische Bettstellen. Anzahlung 20�—. Wasch. toilettrn mtt Marmor und Spiegel. Anzahlung SO/—. Nachttische. Anzah- lung 10.—. Hausnummer achten. Rehfeld, Badstraße 34, vertäust fpott. billig auf Teilzahlung Standuhren. An. »uto_____„___, MW» Zahlung 28,— Ausziehtisch«. Anzahlung 10,—. Flurgarderoben. Anzablung 10.—. Bücherschränke. Anzahlung 20/—. Ruß. bailin-Bufetts. Anzahlung 80/—. Lang, 'ristige Wachen- oder Monalsroten. Freie Lieferung mit eigenen Autos auch nach außerhalb. Fahrgeld wird vergütet. Kataloge werden wegen der billigen Preise nicht versandt. Ein Lagecl-esuch lohnt sich. Mefrelkänser merk« Kredit und bar Möfrrlfrazar. große«»»wähl, Ileinc Piene! Beispiele: Schlafzimmer 488. Speisezimmer 848. ----------....,— sezi Herrenzimmer 260, Spieaelschränk, US. Anrichteküchen 75. Kleiderschränke 48, Lolzbettstellcn 48, Ehaiselongues 88. Metall bettstellen 16. Autlegematraßen 13 Sonstige Möbel entsprechende Preis«, Teilzahlung aukschlagkrei. Wochenraten. Monatsraten.«leine Anzahlungen. Kasso-Rabatte bis zehn Prozent«re. dile bis zwei Jahre. Neukölln. Her- mannplaß 7: Stegliß. Schloßlttaße 107; Belle- Allianee. Straße 98, Untergrund. Bahnhof______» MSbel.stemeeling, Kastanienallee 58� Rußbaum-Wafchkommoden, englische Bell. stellen, Nachttische. Riesenauswahl, Plllschlola». Spottpreise. Zahlung». erleichterung. »AuiiteierTii'uenenle Linlpian»,. überaus preiswert, Ltano. tobrik Link Brunnenstraße 88' Piano» 178.-. 375,-. 428.-. wlano» 173,—, 275,—, 425,—, ge, braucht, große Auswohl in neuen: lang, jährige Garantie. Herer, Brunnen straße lOl, l Treppe. No' Teilzahlung. »oscntholer Platz Fahrräder Teilzahlung, kulante Bedingungen. Fabrikpreis,, nur Oualitätsräder. Fahr. rgdbau„Wimo-, Ackerstraße dreißig. reilzahlnua. Diawanlrädee. Sver«� läder, Opelfahrräder. Winterpreis', am.»einmi- �-- Lchlaw«. Weiv.meisterstraß« vier. Gebrauchte, spottbillige, WlNiei Nielse, Schlawe, Weinmeisterstraß« vier. Xaukgesuche Münzen. Briefmarken mann. J»banni»straße 4 kauit Groß. Zafrngefrisi«. Plotingdfäy«, retalle, Luecksilder. IM metalle, Duecksilbe:. Lilberlchmelze Golbschinekzerei Christinnat. Köpenicker. straße 30 lHalteftell» Adalb«rtstr«ßt>. Palevtwatratz«»„Primissima". Metall betten,«uslegematratzen. Cdaiselongue». Walter. Storgarderstraße achtzehn, Kein '"Rchfeld, Badsiräße 34, perkauil spott, billig auf Teilzahlung prima Anr.cht«. stüä»!". Anzahlung A,—, Plüschsofa». Anzahlung 28,—. Schreibtische. Anzah lung 28,—. Nudebetten. Anzahluchg »MWW»MMMMM>MMM»»>� Rehfeld, billig auf spott, immer. Bgilrraßa 84, verkaust —... �tl8,fr llhr im Alten Krug, Tegel, Haupt, straße lö, Vortrag des Kameradelt Heinz Barchel Musterbeispiele hunwristijdler Abende.— Sonnabend, 23. März. Pankam. Frühlingssest im Bürgerparl. Aste Nepnblikanee sind herzlichst eingeladen. Friedrichshain. Kameradschaft Büsching. 20 Uhr FahneimagrUmg mit anschließendem gemütlichen Beisammensein bei Blawert, Weberstr. 24a.— Sauntag, 24. März. Treptow sOrlsoereln). Jung- bamter. Handballspieler S'.fr Uhr bei Winkler. Handballpunktspiel gegen Köpe. nick II, Alle anderen erscheinen zum Training, Maelueabteilung, S Uhr Ar, beitsdienst.— Rontag. 28. Marz. Steglig lOrtsverein). 20 Uhr Sitzung sämi. lid>er Funktionäre bei Schulz, Birkbuschstr. 90,— Prenzlauer Berg. Die Wel- bangen der Iunglameraden für den Fllrstenwalder Aufmarsch müssen bis Montag, 28. März, an den Jugentleiter oder Samerad Hans Vater, Pappel- allee 18, erfolgen._ Arbeiter. Samariter-Kolo»»« Berlin, Geschäftsstelle N. 24, Große Hamburger Straße 20. Telephon: Norden 3340. Ausweis Nr. 938 laute no auf den Namen Erwin Nätsch, geb. 20. fi. 1904, desgleichen Ausweis Nr. 243 lautend Karl Fenerhelm. geb. 21. 2. 1328, sind verloren gegangen, und werden hiermit für ungültig eellärt.— Mißbrauch strafbar.— Finder werden gebeten, dieselben der Geschäftsstelle zuzustellen. Nepubliloalsch« Rednerveeeinlgnng. Monlag, 20 Uhr, Vortragsabend mit Diskusston im„Alien Askanierch Anhalter Str. 11. Gäste willkouimea, sogt 6er Bär? EV. uu vm jvV,. % iOS&V e/n der Nasenh ei de wurde beschlossen. In diesem. Jahre nicht nur Eier zu legen, sondern sich euch bereit zu helfen, em Ostermorgen die flinken Beine restlos in den Dienet zu stellen von JfosejUiaX umso Berlins m ei sl gerauchter 4*% Cigarette Volkswirtschastliche Kaufmannschaft Zum ersten Abschluß der Preußenkasse unter der Leitung Kleppers. Der«rste Jahresbericht der Preußischen Zentrolgenossenschafts« tais« unter der Leitung des neuen Präsidenten Dr. Klepper liegt vor. Für die Beobachter der Preußenkasse konnte dieser Bericht nichts ent- scheidend Neues bringen; denn die für die genossenschoftiliche Kreditpolitik wesentlichen Ziffern sind von der Preußenkosse bereits für den 28. Februar 1923 bekannt gegeben, also zwei Monate nach Bilanzabschluß. Eigentlich neu ist nur die Gewinn- und Derlust- rechnung, die aber wiederum für die agrarische Finanzpolitik nicht viel bedeutet. Di« ausgewiesenen Einnahmen sind von 3,64 auf 13,03 Millionen erhöht, wobei die. Verwaltungskosten von 4,87 aus b,64 Millionen gestiegen sind und neben Abschreibungen von 233333 Mark und Ruhegehaltsrückstellungen von 835 333. M. der Hauptrest mit 3,3 Millionen— im Vorjahr ebensoviel— zur Stärkung der Reserven verwendet wird. Die Erhöhung der Geschäfts- Unkosten um rund 833 333 M. ergibt sich in der Hauptsache aus der Erhöhung der Beamtengehälter und dann aus den Kosten der von der Preußenkasse neu eingerichteten Betriebskontrollen und Revisions- und Treuhandorganisation. Man wird diese Vermehrung der Geschäftsunkosten produktiv nennen dürfen. Resultate der Preußenkassenarbeit für die Landwirtschaft. Bleibt die berichtsmößige Feststellung, was die Preußenkaff« in dem einen Klepperschen Jahr als Bant und für die Landwirtschaft geleistet hat. Als wichtigstes dazu die folgend« Tabelle: Kredite an eingeräumt Ende Ende 28 2. 1927 1928 ISA (in M i l l i o 769.7 296,8 314,4 419,3 457,6 470.1 benutzt Ende Ende 28. 2. 1927 1928 1929 n e n Mark) 354,7 307,7 303,8 486,0 366,8 325,5 709,0 74,0 21,6 50,9 15,5 754,4 74,1 21,6 34,2 20,2 784,5 77,2 21,6 32.3 22,9 840,7 68,5 1,7 17,7 12,3 674,5 56,9 U 13,6 19,2 629,3 49,8 1,5 12,7 18,9 871,0 904,3 938,2 941,5 765,5 712,2 Ländt. Gen. östl. der Elbe Löndt. Gen. wesll. der Elbe Zusammen... Gewerbl. Genossenschaflen Konsumgenossenschaften. Oesf. recht! Anft u. Spart. Sonstige Kunden... Insgesamt... Ende 1927 war die Preußenkasse als Ergebnis der Semperfchen Leitung und einer falschen Agrarpolitik bankmäßig völlig festgo- fahren und selbst hilfsbedürftig; dos ganze landwirtschaftliche Ge- nossenschaftswesen war im Grunde zahlungsunfähig und stützungsbedürftig. End« 1928, nach einem Jahre neuer Preußenkasfenarbeit, noch stärker ober Ende Februar 1929, ist das Bild v o l l k o m m e n g« w a n d« l t. Die von den ländlichen Ge- nosscnfchaften in Anspruch genommenen Kredite sind von 843,7 auf 674,5 bzw. 629,3 Millionen zurück gegangen. Dabei wurden in der gleichen Zeit die bereitgehaltenen Kredite von 739,3 auf 754,4 bzw. 784,5 Millionen erhöht. Aus starken Kreditüberziehungen, die die Genossenschaften und die Preußenlasse vollständig immobil ge- macht halten, waren noch nicht voll ausgenützte Kreditmöglichkeiten geworden: und das sogar für den Durchschnitt der ländlichen Ge- nossenschaften ö stl i ch der Elbe, die Ende Februar dieses Jahres zum erstenmal rund 11 Millionen noch nicht ausgenützte Kredite er- kennen lassen. Das freilich mit hartem Zwang und unter viel Weh- klagen der Genossenschaften mit Erfolg durchgeführte Flott- machen des G e n o f f e n s ch a f t s w« fe n s ist in diesen Ziffern umschlossen. Aber auch der hoffnungslosen finanziellen Bewegungsunfähig- keit von End« 1927 ist eine Floitmachung der Preußenkasse selbst gefolgt, die ihrer Leitung die freie bankmäßige und agrorsinanziell« Entschließung zurückgegeben hat. Ende 1927 stand die Preußenkasse mit rund 361 Millionen Wechselborgschulden bei der Reichsbank in der Kreide. End« 1928 waren es nur noch 131 Millionen. Bei Abfassung des Bericksts, d. h. vor dem inzwischen bekanntgewordenen lOOMillionen-Kredit an die Reichskasse, waren es nur noch knapp 53 Millionen. Auf der anderen Seit« sind die Wechselsorderungen der Preußenkasse überhaupt im Lauf« des einen Jahres von 678 auf 463 Millionen zurück gegangen. Zu- gleich find die der Preußenkaffe anvertrauten fremd«« Gelder (K-indenguthaben und Einlagen) von 63 auf 183 Millionen g e- st i e g e n, wovon 155 gegen Kündigung, d. h. längerfristig, zur Vertilgung stehen. Dazu gehört, daß die Güte der Forderungen der Preußentasse durch die öffentliche Ausdeckung der krisenhaften Ver- schuldungsherde der Landwirtschaft mit den den Großagrariern höchst unwillkommenen Denkschriften in diesem Jahre— eine„literarische Renaissance" nannte Klepper die Wirkung der Denkschriften beim befestigten Grundbesitz— gewonnen Hot. Die Aufaahmeorganisation.— Größere Pudlizilät. Das Ist der gewaltige Erfolg eines einzigen Jahres unter dem neuen Präsidenten. Allerdings ist bestimmt zu sagen, der Erfolg ist zunächst nur relativ: dem Versumpfen in weitere Der- schuldung, dem Zinsmorasmus bei den Landwirten, der Kosten- und Verlusthäusung bei den Genossenschaften ist ein Ende gemacht Aber die Organisierung eines beweglichen und widerstandsfähigen Güter- niarktes, der in den Krifengebieten ohne Gefährdung der Kredit- objekte den Wechsel der gefährdeten Güter vom schlechten zum besseren Wirt sichern muß, sie fehlt noch. Dr. Klepper versichert aber, daß, wenn auch die in seiner vertraulichen, deshalb so schnell bekanntgewordenen Denkschrift vorgeschlagene Ausnahmeorganisation jetzt in einer anderen Form kommen werde, sie doch in einer besseren Form zu erwarten sei. Hoffentlich geschieht dos bald. Der klare Erfolg der neuen Preuhenkassenarbeit ermöglichte die Erweiterung der Publizität als sich von selbst empfehlende Kon- sequenz. Die Forderungen sind in der neuen Bilanz bei allen Kreditnehmern nach Buchforderimgen und Wechselsorderungen ge- schieden, woraus die Oeffcntlichkeit in der Z u k u n f t sich ein bester«? Urteil über die Sicherheit der Forderungen bilden kann. Einheit und Selbstverantwortung der Genossenschaften. Folgendes ist das Wesen der agrarfinanziellen Arbeit der Preußen lasse unter der neuen Leitung: unter Ausmerzung des unfähigen, unter Schonung und Förderung desfäh ige n Landwirts will die Preußenkaffe das Instrument der von den Landwirten selbst geschaffenen Genossenschaften«in- he i t l i ch zur Verfügung haben und zwar zu dem Zweck, die Ge- nossenschosten gesund zu machen, ihre Kosten zu senken und ihr« Wirksamkeit zu erhöhen, um durch die Verteilung de» Krisenrisikos auf länger« Zeit und feine Begrenzung auf möglichst enge Gebiet« die genostenschaftliche Haftung der Bauern nicht zum Ruin aller Bauern und aller Genossenschaften werden zu lassen. Rationalisierung und Dereinheitlichung des Genossenfchaftswefens ergibt sich schon daraus als gebieterische Konsequenz. Was dazu getan werden konnte, ist unter brutaler, aber not- wendiger Anwendung der finanziellen Uebermacht der Preußenkaste mit Erfolg weitgehend durchgeführt. Es scheint sinnvoll, wenn Präsident Dr. Klepper heut« die Personenfrage in der Leitung der Genossenschaften als Zweckmäßigkeitsfroge ansieht und seine Forde- rung scheint vernünftig, daß bei der Verwendung des 2ö-Mil- lionenfonds aus dem landwirtschaftlichen Notprogramm des Reichs zwischen Rationalisierung und Verlustdeckung heut« kein Unter- schied mehr gemacht zu werden braucht, denn die Subvention von 25 Millionen dient lzeute nicht mehr der Fortsetzung der Schlamperei, sondern dem Aufbau. Nur die eine, allerdings wichtige Ein« f ch r ä n k u n g gilt, daß im Reich und in Preußen vom Gesetzgeber und der Staatsverwaltung der landwirtschaftlichen Schlamperei durch unvernünftige Agrarpolitik nicht von neuem Vorschub geleistet wird. Aus einer Bemerkung Kleppers ist zu schließen, daß er aus die äußerliche und rein repräsentativ« Einheit des Genossenschaftswesens keinen Wert legt. Er will eine Einheit, die eine wirts chasts- politisch wirklich aktive Arbeit gewährleistet und die auch die ständige Kontroll« des genossenschaftlichen Arbeits- und Leistungs e f f e k t e s sichert. Es wäre machtpolitisch verlockend für die Preußenkaste gewesen, Betriebskontrolle und Revisionssystem bei der Preußenkaste zu halten. Die Preußenkaste will sie ober aus eigenem Entschluß bei den Genossenschosten wissen. Selbstverwaltung soll erhöhte Selbstverantwortung und Selbstkontrolle sein. Der volkswirtschaftliche Kaufmann Klepper. Es wird niemand geben, der di« Erfolge des neuen Präsidenten der Preußenkaste nicht anerkennt, selbst wenn er Klepper haßt. Uns aber ist die neue Preußenkastenarbeit und auch die Arbeil des neuen Präsidenten noch aus einem anderen Grunde wichtig. Klepper ist kein Marxist und kein Sozialdemokrat. Er käme sicher In Verlegen- heit, wenn man ihn noch Karl Marx oder der historischen Aufgabe der Arbeiterklasse befragen würde. Klepper ist ober der Repräsentant eines neuen Systems volkswirtschaftlich-kauf- m ä n n i s ch e r Politik, das für die Zukunft auch vom Stand- punkt der Arbeiterklasse wichtig ist. Er hat die neuen Erkenntniste der Betriebs- und Kreditökonomie auf einen ganzen Gewerbe- zweig übertragen, so als ob dieser Gewerbezwelg, hier die Landwirtschaft,„ein einziger Betrieb" wäre. Er hat es mitten in einer ungeheuer schweren Agrarkrise getan, als alle agrar- und kreditpoliti- schen Routiniers versagten und als eine jahrzehnteallc, nur Ver- luste häufende, nicht Qualität fördernde Subventionspolitik zu- sammenbrach, als die Klepper freimütig di« bisherige einseitig« und schematische Schutzzollpolitik bezeichnete. Klepper hat in erstaunlich kürzer Zeit bewiesen, daß die Anwendung der neuen Betriebs- und Kreditökonomie auf die Landwirtschaft so, als ob dieser Gewerbe- zweig ein einziger Betrieb wäre, ungeheuer fruchtbare Möglichkeiten in sich schließt. Der neue Präsident der Preußenkaste ist auch alles andere als ein Planwirtschastler. Mit einer kreditpolitisch zwar planmäßigen, aber doch höchst individuellen finanziellen Lenkung der Landwirtschaft hat er den Gewerbezweig im ganzen gefördert und auf den Weg der Gesundung gebrocht. Präsident Klepper kann mit Recht fest- stellen, daß auch die heutige Agrarpolitik durch die neue Preußen- kasscnarbest— natürlich auch umgekehrt— in neue sachliche Bohnen gekommen ist. Aus diesem Vorgehen eines Mannes, der ein System reprS- sentiert, kann auch die Arbeiterschaft für ihre eigenen Ziele lernen. Der Sozialismus kommt nicht von selbst; man muß ihn machen. Man wird ihn sicher nicht anders machen können, als daß man die gesamte Volkswirstchaft als einen Betrieb ansieht, deni die wirtschaftliche und politische Verfassung, die Gesetzgebung, die Verwaltung und das Wirtschaften als Instrument und Mittel zu dienen haben, wobei das Ziel der volkswirtschaftlichen Betriebs- führung allein das Wohl der arbeitenden Staatsbürger, nicht irgendeiner Wirtsäiaft als Selbstzweck, zu sein hat. Die deutsch« Sozialdemokratie ist gewiß auf dem Wege dazu, sich das für die Betriebsführung in der ganzen Volkswirtschaft erforderlich« Sachverständnis.anzueignen, und es ist sicher kein Zufall, daß die deutsche Sozialdemokratie die Arbeit der neuen Preußenkaste vom ersten Tage an gefördert hat und hat fördern müssen, obwohl Herr Klepper alles andere ist als Sozialdemokrat oder ein Interessent an den Zielen der ArbeiterNasse. W i« er seine Sache aber gemacht hat, als volkswirtschaftlicher Kaufmann, der einem ganzen Gewerbezweig gewissermaßen als einem einheitlichen Betrieb« aus seinem sinan- ziellen Niederbruch zur Genesung Hilst, das ist sin Beispiel auch für die Art jener volkswirtschaftlich-kaufmännischen Arbeit, die die Arbeiterklasse und ihre Führer zu leisten haben, wenn der Sozialismus gemacht werden soll. K— r. Kupferpreiskaiastrophe— Metattprofite. Zwanzig Preiserhöhungen in sechs Monaten. Die amerikanischen Kupferkönige beherrschen mehr als 93 Proz. sämtlicher Kupferoorräte in der Welt. Sie Izaben also frei« Hand in der Ausbeutung aller der Länder und Industrien, die auf Kupfer- bezug angewiesen sind. Die Entwicklung der Kupferpreise berechtigt dazu, von einer allgemeinen Kupserkotostrophe in der Welt zu sprechen. Mitte Sep- tember setzten die Preissteigerungen«in, die.zunächst den Kupfer- preis je englisches Pfund auf 155L amerikanisch« Cents setzten und ihn bis zum Jahresende auf 1661 Cents trieben. Die Entwicklung in den folgenden Monaten bis zum 21. März gestaltet« sich wie folgt: Januar..... 2 neue Preiserhöhungen bis ITV« Cents Februar..... 7„„.„ 19'/, März(bis 21. 3.)- 8„„„ 23'/g-„ Aus deutsche Verhältnisse übertragen, bedeutet das eine Steige- rung des Kupferpreises von rund 135 auf 219 Mark für je 133 Kilo Kupfer. Jedes Anziehen der Preisschraub« um ein Viertel Cent bedeutet für Deutschland volkswirtschaftlich«ine Mehrbelastung der Einfuhr um fünf Millionen Mark, so daß bei einer durchschnittlichen Einfuhr an Kupfer wie 1927/28 die deutsche Handelsbilanz wertmäßig mit 155 Millionen gegenüber der Zeit der Kupferhaust« mehrbelastet wird. Welche phantastischen Profite die amerikanischen Kupferkönige aus den jetzigen Preisen ziehen, geht darqus hervor, daß ihre Selbst- kosten mit 6 Cent je englisches Prund nur wenig mehr als ein Viertel ihrer Erlös« betragen, so daß sie mit fast 333 Proz. Reingewinn rechnen können. In der deutschen Metallindustrie haben ober nicht allein die wenigen Metallrohstossunternehmen, wie der Mansfeld-Konzern, aus der beispiellosen Kupjerhausse hohe Sondergewinne geschlagen, son- dern m fast gleichem Maße auch dl« metallverarbeitenden Werke, wie der Abschluß der Hirsch-Kupser- und Messingwalz- werke in Berlin-Eberswalde zeigt. Waren die Werke schon 1927 bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt, so konnte der Umsatz, der im Vorjahr von 39 aus 59 Millionen erhöht wurde, im letzten Jahre weiterhin aus 6 7 Millionen g«- steigert werden. Der ausgewiesen« Reingewinn ist mit 1,28 Mil- lionen rund 53 Prt)z. höher als im letzten Jahr, obwohl für die Ab- schreibungen etwa 135 333 Mark mehr abgesetzt wurden als im Vor- jähre. Dementsprechend wird auch di« Dividend« von 6 auf 9 P r o z. herausgesetzt. Hohe Reserven sind offenbar in den Vor- räten enthalten, die mit 7,7 Millionen Mark nur wenig höher als im letzten Jahre ausgewiesen sind. Da im Geschäftsbericht er- wüjhnt ist, daß die Kaufpreissteigerungen auf den Betrieb und die Erlöse durch rechtzeitige Dcckungskäus« ohne Einfluß blieben, wird also der Hirsch-Kiipferkonzern aus den inzwischen mehrfach erfolgten Preisaufschlägen für Halbfabrikate ganz bedeutende Sondergewinne geschlagen haben. Di« Gesamtleistung der Werke betrug 41 333 Tonnen._ Gute preußische Elektroarbeit. Auch die Dividende von 4 auf 5 Prozent erhöht In Deutschland geht die Ausdehnung der Elektrowirtschoft mit großen Schritten vorwärts. Di« 1927 gegründete Preußisch« E l e k t r i z i t ä t s- A.-G. hat im vergangenen Jahre, dem ersten vollen Geschäftsjahr seit der Gründung, ihren Anteil an der beut- schen Elektrowirtschoft wahrscheinlich auch relativ nicht un- erheblich erweitert. Die Slromabgabe aus den eigenen Betrieben und der Nobdwcstdeutschen Kraftwerke A.-G stieg von 425 auf 438 Millionen Kilowattstunden. Durch den ungünstigen Wasserstand nahm dabei die Wasserkrofterzeugung von 132 auf 88 Willionen Kilowattstunden ab, wählend die Braunkohlenkrast- erzeugung von 136 auf 168 Million«» und die Steinkohlenkraft- erzeugung von 76 auf 135 Millionen Kilowattstunden stieg. Er- freulich, daß diese Gliederung noch Kraftquellen bekanntgegeben wird. Starte Betriebserweiterungen im letzten Jahr und in der Zukunft kennzeichnen di« Entwicklung. 45 333 Kilowatt Maschinenleistung kamen 1928 neu in Benutzung, neue 33 333 Kilo- watt kommen 1929 allein im Kraftwerk Borken hinzu. Ein großes Bauprogranim, schon aus Vorrat genehmigt, liegt vor. Diese Entwicklung erfordert viel Geld. Aus England wur- den rund 24 Millionen, aus Amerika rund 16 Millionen Mark hereingenommen. Das Kapital wird von 83 auf 133 Millionen erhöht, so daß unter Berücksichtigung des Kurses von 146 Proz. für die Kapitalerhöhungsaktien aus Anleihen und Kapital erhöhungen gut 65 Millionen zunächst für die Erweiterung zur Verfügung stehen. Bilanz- und Gewinnrechnung sind naturgemäß stark verändert. Die ausgewiesenen Einnahmen sürd von 6,41 aus 13,61 Millionen erhöht. Handlungsunkoften und Steuern von 3,44 auf 1,85 Millionen— davon 1,15 Millionen allein Steuern, was die Gegner der öffentlichen Wirtschast beachten möchten— und es ergibt sich«in Reingewinn von 4,26 gegen 2,58 Millionen im Vorjahr. Daraus kommen an den preußischen Staat, dem Volleigentümer der Preag, 5 Proz. auf das Kapital von 83 Millionen Mark. Die Abschreibungen werden um 4,11 (3,13 im Vorjahr) auf 17,81 Millionen gesteigert, bei einem von 56,4 auf 71,1 Millionen in der Bilanz erhöhten Wert der An- lagen. Die Erhöhung der Bilanzsumme von III auf 149 Millionen geht natürlich auch auf die Englandanleihe zurück— die Amerika- anleihe erfolgte 1029 erst— wobei die hohen Bankguthaben von 28,7 Millionen noch unverbrauchte Anloiheerlöse darstellen. Man wird annehmen dürfen, daß die von 4,8 auf 12,1 Millionen er- höhten„Schulden" der Prtag auch einige Millionen stille Rück- st e 1 1 u n g« n enthalten. Erfreulich ist der von der Preag unternommene Versuch, im Einverständnis mit den kommunalen Verteilergesellschaften aus di« Bewirtschaftung des Stromes bis zur Lampe und zum kleinen Motor zugunsten einer vernünftigen und auch billigen Tarif- Politik Einfluß zu nehmen. Kastel, Hannover und Wasserkante sollen die Zentren der Gebiete sein, wo unter gegenseitiger Be- teiligung der Erzeuger und Verteiler die sehr notwendige Rationa- lisierung durchgeführt wird. lieber den vom RWE. heraufbeschworenen Konflikt in der deutschen Elektrowirtschait äußert« sich die Verwaltung sehr zurückhaltend. Mit der Westdeutschen E l e k t r i z i t ä t s- A.-G. beständen vorläufig noch keine Differenzen und Gegensätze. Verständigung zwischen A.-G. für deutsch« Elektrizitätswirtschaft und dem RWE. sei möglich; doch sei jedes Wort darüber heute verfrüht. Wir glauben das auch. 115 Millionen Umsah bei Bergmann. 53 Prozent Steigerung in 2 Jahren. Der Aufschwung, den di« B e r g m a n n- E l e k t r i z i t ä t s- werte in Berlin im letzten Jahr genommen haben, steht der kräf- tigen Entwicklung von Siemens und der AEG. nicht nach. Das Unternehmen, das eine Belegschaft von etwa 13 333 Mann beschäf- tigt, tonnt« schon 1927 seinen Umsatz von 75 auf fast 133 Millionen steigern und hat ihn im letzten Jahr weiterhin aus 115 Millionen erhöht. In den beiden letzten Betricbsjahren konnte also der Umsatz um rund 53 Proz. erweitert werden. Natürlich stehen die erzielten Gewinn« Himer dieser Betriebs- «ntwicklung nicht zurück. Der Rohgewinn stieg von 11,6 auf 12,2 Millionen Mark und übertrifft den Rohertrag von 1926 um mehr als 53 Proz. Trotz bedeutend erhöhter Abschreibungen kann aus dem ausgewiesenen Reingewinn wieder eine Dividende von 9 P r o z. gezahlt werden. Der Geschäftsbericht der Gesellschaft ist noch nicht veröffentlicht. Reue Pfandbriefe. Die Hannoversche Bodenkredit-Bank in Hiidesheim legt vom 26. März bis zum 8. April 1929 2 Millionen Goldmark ihrer 8prozemigen Goldpfandbriefe(derzeitiger Börsenkurs 98 Proz.) zum Vorzugskurse von 97� Droz. und 2 Millionen Goldmark ihrer 8prozentiaen Gold- Kommunal- schuldverschreibungen(derzeitiger Börsenkurs 95 Proz.) zum Vorzugskur sc von 94)4 Proz. zur öffentlichen Zeichnung auf. Ford komm! auch nach Berlin, und zwar mit sämtlichen Leitern der europäische» Ford-Gcsellschasien, die durch dos Vorgehen von General Motors geschafsene Lage zu besprechen. Fort) ha: sich bereits noch Europa eingeschifst. Serbien stabilisiert den Dinar. Das ist einer der Beschlüste, die das neue diktatorisch« Kabinett von Jugoslawien gefaßt hat. Zur Sicherstellung des Dinar soll die Goldwährung eingeführt werden. Hundert Dinar, früher 81 Mark, entsprechen seit längerer Zeit dem Wert von etwa 7,43 M. Amol hilft b.Rhnuma, IschiaS.hexenschuß. Äecven- und ErkältungSschmerzen.— Aarmelitergeist Amol ist in allen Apotheken und Drogerien«rhältllch. Sonnabend 23. März 1929 Unterhaltung und ANissen Beilage des Vorwärts Heinrich Wolek.ZDer JubÜftr Wochen und Monate hindurch hatte er sich insgeheim aus den Tag gefreut, an dem es volle fünfundzwanzig Jahre fein werden. da er in diesem Betrieb zu arbeiten begonnen hatte. Dann wird nkm ihm zu Ehren eine Feier veranstalten, wie sie schon so manchem seiner Kollegen veranstaltet worden war, der vor ihm sein« fünf- undzwanzig Jahre im Betrieb erreicht hatte. Unzähligemal hatte er in der letzten Zeit an diesen Tag gedacht und die Tage gezählt, die ihn noch von ihm trennten, am Abend vor dem Einschlafen und tagsüber bei der Arbeit, wenn er an seiner Hobelmaschine stand und die rauhen Bretter in das eiserne, breitgeschlitzte Maul der Maschine schob, deren Gebrumm den' weitläufigen Maschmensaal erfüllte und das Kreischen der vielen anderen Maschinen überbrüllte. Und nun war der langersehnte Abend dal Franz Hasenöhrl saß als Jubilar an dem blumengeschmückten Ehrentisch und neben ihm sein« Frau. Und ihm gegenüber saß der Herr Direktor mit dem Betriebsleiter und dem Werkmeister, die ihn von Zeit zu Zeit ins Gespräch zogen. An den Nebentischen saßen seine Arbeitskollegen mit ihren Frauen und Angehörigen, und der Lärm ihrer fröhlichen Unterhaltung brandete durch den Saal, die Musik spielte, kurz, es war alles so, wie er sich's die ganze Zeit her im Geiste vorgestellt hatte. Aber es war dennoch anders! Er saß da, saugte verlegen an seiner Zigarre und hatte das Gefühl, als gehe ihn dos alles gar nichts an und als sei er nur zufällig von der Straße hier her- cingekommen. Es war ihm gar nicht so freudig zumute, wie er sich's immer vorgestellt hatte. Also darauf hast du dich immer so gefreut, dacht« er ein mns anderemal bei sich. Die Musik begann wieder zu spielen, aber er hörte nicht sie, sondern das dumpfe Summen der Hobelmaschine, und während er unverwandt auf den mächtigen Blumenstrauß blickte, der auf dem Tische vor ihm aus der Base ragt«, sah er das breitgsschlitzt« Eisenmaul der Maschine vor sich... Und wie ein Traum ging alles an ihm voniber, was er während der fünfundzwanzig Jahre erlebt hatte. Es war viel, aber doch eigentlich wenig gewesen. Einen Tag um den anderen, Woche für Woche, jahraus jahrein hatte er an der Maschine gestanden und ihr die rauhen Bretter zugereicht: im Frühjahr, wenn draußen die Natur zu neuem Leben erwacht war und die Frühlingssonne für einige Stunden das gitterartige, vom Holzstaub fast undurch- sichtig gewordene Fenster neben ihm beschien, an dem sich von Zeit zu Zeit die Vögel für einen Augenblick niederließen, deren Ge- zwitscher er nur ahnen konnte, weil es im Lärmen der Maschinen erstarb: im Sommer, wenn nach schwülen Tagen ein Gewitter die Natur in Aufruhr versetzt«, sah er nur das Zucken der fahlen Blitze. Das Rollen des Donners ging im Brüllen der Maschinen unter, wie so vieles im Lauf« dieser Jahr« untergegangen war, was Franz Hasenöhrl mit Freud und Leid erfüllte. Und er wunderte sich nun darüber, wie schnell doch eigentlich diese fünfundzwanzig Jahre verflogen sind, obwohl ihm die Tage, ja die Stunden im Maschinen- sagt oft wie Ewigkeiten vorgekommen waren. Besonders an jenen Tagen, m denen sich ein Unglück ereignet hatte, wie damals, vor sieben Jahren, als kurz vor dem Feierabend das Sägeband der Bandsäg« gerisien war und trotz der Schutzvorrichtung dem Moser die rechte Hand und auch das Gesicht jämmerlich zugerichtet hatte. Wenige Tage hernach war der Gruber an der Kreissäg« aus- gerutscht und geriet mit der rechten Hand in die gefräßigen Zähne hinein. Es war gerade an einem Samstag gewesen und er, Häsen- öhrl, hatte es übernommen, der Frau des verunglückten Kollegen den Wochenlohn ihres Mannes und die traurige Botschaft von dem Unglück, das ihn betroffen, zu überbringen... Und die Kollegen. die an der Fräsmaschine ihr« gefährliche Arbeit verrichten, haben keiner mehr fünf Finger an jeder Hand. Biel« hatten die Maschinen schon gefressen... Dem Huber fraß sie erst vor drei Monaten gleich drei Finger von der rechten Hand auf einmal weg, so daß er nur noch den Dauinen und den kleinen Finger an dieser Hand hat und mit ihr wie mit einer Zange zugreift. Und ihm selber war es vor drei Jahren passiert, daß die Hobelmaschine ein Eichenbrett mit solcher Wucht zurückschleuderte und er schwer getroffen nieder- gesunken war und dann sechs Wochen im Krankenhaus liegen mußte... Ein sanfter Rippenstoß, den er von seiner Frau bekam, scheucht« ihn au» seinen Gedanken auf. Der Herr Direktor hatte sich er- hoben und hiett ein« Ansprache, in welcher er die Pflichttreu« und den Arbeitseifer des Jubilars lobt«, ihn beglückwünschte und als Zeichen der Anerkennung ihm im Auftrage der Firma eine goldene Uhr samt Kette überreichte. Der Jubilar sitzt da, fühlt, daß jetzt die Augen aller auf ihn gerichtet sind und saugt verlegen an seiner Zigarre. Dann nimmt er mit einer schweren Handbewegung, als würde er ein schweres Brett vom Holzstoß herunterholen, die Uhr aus den Händen des Direktors. Und dann hätt ein Arbeitskolleg« eine kurze Ansprache und überreicht dem Jubilar einen Ring, den ihm die Kollegen ge- widmet haben, die ihm nun auch alles Gut« wünschen. Mit unbe» holfenen Worten dankt Hasenöhrl dem Direktor und der Firma sowie seinen Kollegen für die Ehre, die sie ihm erwiesen haben, und für die icherreichten Geschenke. Als er sich wieder setzt, fühlt er, daß er sein« Sache nicht besonders gut gemacht hat. Er hatte sich die Dankesworte, die er hatte sagen wollen, schon lange vorher gut eingeübt. Aber das, was er gesagt hatte, war etwas ganz anderes gewesen. Nun schaut er auf die Geschenke und wagt nicht, um sich zu blicken, weil er sich beim Reden so ungeschickt benommen hatte' Aber die anderen nehmen keinen Anstoß daran, weil sie denken, er sei eben sehr bewegt gewesen. Und während die Musik einsetzt, kommt der eine oder andere seiner Arbeitskollegen, um dem Jubilar die Hand zu reichen und zu gratulieren. Musik und fröhlicher Lärm erfüllen den Saal. I» einer Ecke tanzen einig« junge Paare. Der Jubilar sitzt einsilbig da, trinkt von Zeit zu Zeit einen Schluck, raucht an der Zigarre und fühlt nur eins: Enttäuschung! Der Herr Direktor verabschiedet sich und mtt ihm zugleich auch der Betriebsleiter. Und eine Stunde später ist das Fest zu End«, Hasenöhrls Ehrenabend ist vorbei! Die Kollegen verabschieden sich von ihm und versichern ihm, daß es sehr schön gewesen ist. Hasen- öhrl lächelt und dankt, reicht ihnen die Hand und sagt ihnen„Gute Nacht!". Einige von den Kollegen, die ein Stück denselben Weg zu gehen haben, begleiten ihn. Dann biegen sie ab. Der Jubilar und sein« Frau setzen allein ihren Weg fort. Schweigend gehen sie nebeneinander dahin. Schließlich unterbricht die Frau das Schweigen:„Was ist beim mit dir heute los, daß du den ganzen Abend so wunderlich warst?" Der Mann antwortet nicht. Daheim angekommen, beginnt er sich zu entkleiden und, nachdem er den Rock abgelegt hat, zieht er den Ring vom Finger und die golden« Uhr an« der Tasche und legt beides auf den Tisch. Dann spricht er gepreßt:„Da, schau her, Alt«! Da» ist alles, was ich mir mit meiner Arbeit die ganzen Jahr« her erwirtschaftet habe. Und dabei kann ich noch von Glück reden, daß ich nicht arbeitslos war In diesen fünfundzwanzig Jahren. Sonst hätte ich nicht einmal das! Und dabei ist der Ring geschenkt, die Uhr aber habe ich sehr überzahlt, ja, sehr über- zahlt. So schaut das Arbeiterglück aus!" Di« Frau schwieg, denn sie wußte nicht, was sie darauf hätte entgegnen sollen. Sie fühlte nur, daß ihr Mann recht hatte. Am anderen Morgen stand Franz Hasenöhrl wieder an der Hobelmaschine und schob ihr Brett um Brett in das brettgcfchlitzte Eksenmaul. sritm waber; Xändtvi rischaft und Chemie Von der.Zlotgemeinschaft der deutschen Wissen» schastt', die im Reichotag»in« Sitzung abhielt, wurde Uber For» schungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft berichtet. Pros, ffritz Haber, der Direktor des Dohlemer Institut» für tchnstkalllche Ghemi« und Elektrochemie sprach aber„Landwirtschaft und Chemie'. Di« Aufforderung hier zu sprechen verdank« ich dem ilmftande _ führte Professor Haber aus—, daß ich vor zwanzig Iahren ein Stück von der Arbeit getan habe, durch die sich in den letzten Jahr- zehnten die Chemie der Landwirtschaft besonders nützlich gemacht hat. Mein Fach ist ein« große Firma,«ine Firma, die für den landwirtschaftlichen Konsumenten schön« Kleider macht, und auf mir sollen sie rasch im Vorübergehen zur Ausstellung kommen. Ich fürchte mich vor dem naheliegenden Mißverständnis, daß ein bißchen Unterstützung der Wissenschaft von Ihrer Seite eine neue Stickstoff- industrie als Ausfluß wissensthastticher Leistung erwarten läßt, und womöglich auf diese Weise die Nöte befeittgt, unter denen unsere Landwirtschaft leidet. Soweit mein Verständnis und meine Jnfor- mationen reichen, kann diesen Nöten nur durch wirtschaftlich« Maß- nahmen geholfen werden, die letzten Endes darauf hinauskommen, daß wir unseren deutschen Landwirten alles in ollem genommen für die Substanz unserer Nahrung im Jahr« drei Milliarden Mark mehr bezahlen, als wenn wir die gesamte Substanz zu den heutigen Weltmarktpreisen draußen im Ausland« tauften. Es scheint mir, daß man bei der unbeschreiblichen Bedeutung einer gedeihenden Landwirffchaft in unserem Vaterland« dem Bersuch nicht wird ausweichen können, dies« drei Milliarden aus dem Zwischenhandel herauszuziehen, um sie dem landwirffchaft- lichen Erzeuger zuzuführen. Ader, wenn man es versucht, so muß man sich klar sein, daß dies« Milliarden letzten Endes ein« Vor- belastung sind, die auf unserer Wirffchoft und speziell unserer in» dustriellen Wirffchaft liegt, und man muß das wn, was irgend möglich ist, um diese Belastung zu erleichtern. Dazu mag es man- cherlei organisatorisch« Möglichkeit geben, die nicht in den Rahmen meiner Kenntnis fällt, aber sicher scheint mir. daß ein« eindring- lichere Pflege der Wissenschaft«ine schr nützlich« Bei- hilf« fft. Zwei Generaffonen lang ist die Intelligenz der Natton bevor- zugt in Arteitskreff« hineingegangen, die der Industrie angchören, und jetzt ist es Zeit, nachdrücklicher als bisher sie den landwirt- jchaftlichen Ausgaben zuzuführen. Eine ganze Menge geschieht auf dem chemffchen Gebiet« von der Dünger-Jndustri«. Aber da sie Praduzentin fft. so kann sie den Verdacht der Partellichkeit nicht restlos von sich weisen, und das unparteiliche Urteil ist dringend der wissenschaftlichen Entwicklung bedürftig. Ich erinnere an die statistischen Ernteergebnisse aus der Vorkriegszeit und aus der Nach- kriegszeit und an die Irrtümer, die Römer darin nachgewiesen hat. Aber es ist doch übrig geblieben, daß unser« Ernten bestenfalls ge- rade an die Dorkriegsernten herankommen, und die Freunde des Chile-Salpeters haben den warnenden Finger des Propheten er- hoben, um in diesem Sachverhalte den Zorn Gottes aufzuzeigen darüber, daß wir unseren Stickstoff machen und nicht mehr ihre chilenische Exportware benutzen. Ist das«in Stück Gotteswahrheit aus dem Munde der Importeure oder liegt es daran, daß es Folgen von fetten Jahren und Folgen von mageren Iahren gibt, wie schon in der Bibel zu lesen, und daß diese klimatische Periode nach dem Kriege eine magere Zeitperiode war, die mit der vorangehenden ge- rechterweffe nicht verglichen werden darf? Oder liegt es daran, daß wir der Säuerung des Bodens ungenügend durch Kalt ent- gegengewirkt haben und daß wir zu wenig Phosphorsäuren an vielen Stellen verwendet haben und in der Badenbearbeitung durch Jahre hindurch vieles vernachlässigt hoben? Wir haben heut« un- gesähr achtzehn Sorten von Stickstoffdünger. Daß wir richtig beurteilen, unter welchen Bedingungen und in welchem Aus- maße wir die ein« oder ander« Sorte nehmen, das ist«in« Sache des wissenschaftlichen Urteils, die wir ebenso wenig der Fabrikwisien- schast überlaflen können wie die vorangehend« Frag«. Wenn wir das Ein« oder das Andere falsch machen, so erhöhen wir die Vor- belastung, die wir als Natton um der Landwirffchaft willen auf uns nehmen müssen, durch Ertragsminderung und bezahlen hundert- fach, was wir an der wissenschaftlichen Ausgab« sparen. Ich will nicht von der Schädlingsbekämpfung reden und vom Beizen des Saatgetreides. Was ich aber noch stressen will, das sind die großen Fragen einer halbchemischen Landwirtschaft, über die wir mehr lernen sollten. Wenn wir Krasffutter brauchen, so hängen wir von der Sonn« ob und von den klimatischen Faktoren, ober wenn nur Holzsubstanz wachsen soll, sind wir freier. Nun kann man aus der Holzsubstanz Zucker machen, am besten und ergiebigsten nach einem Willstätterschen Verfahren, das man ins Groß« zu über- setzen bemüht ist. Wenn wir aber den Zucker gemacht haben, können wir niedrig« Organismen verwenden wie manche Hefemassen, um daraus Eiweiß zu machen. Ist das rationell oder schicken wir besser Sttckstoff ins Aus- land, wo die Sojabohne wächst und holen im Austausch die Soja- buchen herein?'Solcher Fragen gibt es mehr, und sie verlangen Urteil, wissenschaftliches Urteil und Urteil industriell unbeteiligter Wissen schastter, um des Glaubens und der Autorität willen, die unentbehrlich stick». Abschließend aber ist zu sagen, daß wir überhaupt die Wissenschaft pflegen müssen und wieder pflegen, weil sie die Sorte Milch darstellt, die wirffchastlich noch bedeutender fft für uns als die Kuhmilch, obgleich die Kuhmilch wirffchastlich fast doppett so wichttg fft in unserem Lande wie die Kohle und wich- tiger als Eisen oder was wir sonst an führenden Werten uns aus- suchen. Denn wir stchen in einem ungleichen Kampf. Wir hoben die Sonne nicht, von der die südlicheren Länder bei gleichem Fleiß unerhört viel reichlicher und bei gleichem Anspruch unerhört viel leichter leben als wir, und wir haben die Schätze unter der Erde nicht, wie die Amerikaner, und nicht die Kolonien, die von unseren Landsleuten bewohnt und bearbeitet sind, wie die Engländer. Wir müssen alles aus der Schulung unseres Verstandes holen und aus der wisseiffchafttichen Entwicklung, in der wir glücklicherweise einen Vorsprung erworben haben und, wie ich hoff«, auch behalten wollen. Suropas größte Sisbrecher Die große Zahl Handelsschiffe, die in deuffchen und dänischen Gewässern eingefroren waren und sich zum Teil in gefährlicher Loge befanden, hatte Deutschland und Dänemark Anlaß gegeben, die Hilfe der größten Eisbrecher, die es gilbt, m Anspruch zu nehmen. Dies sind die russischen.Krassin",„Lenin" und„Jermack", sowie die sinnischen„Sampo" und„Iääkarhu", von denen einige im Kieler Kanal und bei Rügen wirken. In Europa machte Rußland den efften Versuch mit Eisbrechern, um den Weg nach Kronstadt und Petersburg ofsenzuhalten, denn der Finnische Meerbusen weist schwierige Eisoerhältnisse auf. Auch Finnland mußte Eisbrecher beschaffen. Der erste finnische Eis- brecher stärffter Art war der„Sampo", 1898 fertiggestellt. Mtt ihm erprobt« man ein neues System, indem das Schiff außer der Hauptschraube auch am Voiderteil eine Schraube hat, die das Wasser unter dem Eis wegsaugt, so daß dessen Widerstandskraft geschwächt ist, wenn sich das Dorderteil des„Sampo" auf die Eis- decke schiebt. Dieses System ist schon seit langem auf den großen nordamerikanischen Binnenseen im Gebrauch, wo ebenso schwere Eisoerhältnisse wie im Finnischen Meerbusen herrschen, weshalb die mächtigen Dampffähren, die über die Seen Eisenbahnzüg« befördern, als Eisbrecher gebaut wurden. Sie haben längst die Auf- merksamkeit der technischen Kreise erregt.„Sampo" vermag drei bis vier Meter dickes Treibeis zu durchbrechen. Besonderes Aufsehen erregte der russische Eisbrecher„I er« m ack", der, 1899 nach den Plänen des Admirals Makarow ge- baut, im Winter Sfonstodt und Petersburg offenhalten und im Sommer den Schiffen auf dem Handelsweg durch das Eismeer zum Ob und Ienissei den Weg bahnen sollt«. Namentlich das Karische Meer kann ja mit seinen Eismassen schlimm« Hinder- nisse bilden.„Jermack" machte auch eine Fahrt nach Spitzbergen und drang tiefer ms Polareis ein, Eisfelder von vier Meter Dick« durchbrechend. Sehr erfolgreich war„Iermack" im Finnischen Meerbusen, wo er gleich bei der ersten Fahrt 82 Schiffe aus dem Eise befreit«. Rußlands größter und stärkster Eisbrecher fft der„K r a s s i n", der im Jahre 1928 s«in« Lefftungsfähigkeit im Norden von Spitz- bergen gelegentlich der Nachforschungen nach den oermißten Ab- teitungen der Nobtleschen Expeditton bewies. Im Jahre 1914 ge- baut und von 10 000 Tonnen Größe, besitzt er riesige Maschinen. Mit seinem am Bordervande befindlichen Propeller hämmert er die Eisdecke in Stücke und zerbricht die Decke, indem er sich nut seinem gewaltigen Gewicht aufs Eis preßt. Nicht ganz so stark ist der„L eni n", zu gleicher Zeit wie„Krassin" gebaut und von etwa 6000 Tonnen. Maschine und Kessel nehmen fast die ganze Länge des Schiffes ein, und der Dampf wird in zehn Kesseln ent- wickelt. Von ungefähr gleicher Größe ist Finnlands neuester Eis- brecher„Iääkarhu", vor zwei Iahren gebaut. Schon äußerlich gibt er mit seinen abgerundeten Hinten zu erkennen, daß er nicht leicht zwischen den Eismassen festgeklemmt weiden kann. Bei seiner jüngsten Hilfstätigkeit war der„Iääkarhu" u. a. bei Rügen wirk- jam. Uebrigen» hat der strenge Winter, der in die Schiffahrts- Verbindungen im Nochen, besonders in den dänischen Wasserstraßen sowie im Dampffähreverkehr zwischen Warnemünde— Gjedser und Sassnitz— Trelleborg eine heillose Verwirrung brachte, verschiedenen nordischen Ländern Anlaß gegeben, die Anschaffung neuer, stärkerer Eisbrecher in Erwägung zu ziehen. S. .Iteberfremdung" der deulschen JCUeratur Dem Deuffchen fft von jeher«in besonderer Hang zum Fremden vorgeworfen worden, und auch in unserer Zeit tauchen wieder di« Klagen cnff, daß wir die eigenen Werte um der ausländffchen will«» vernachlässigen. Auf dem Gebiete der Literatur hat man das Heber- handnehmen der Uebersetzungen bedauert, aber nach den stattstffchen Uebersichken über das Uebersetzungswesen, die Dr. August von Löwis os Menar im Buchhändler-BövseNblatt veröfsentticht, treffen diese Vorwürfe nicht zu. Bei einem Vergleich der Uebersetzungen aus dem Deuffchen und ins Deuffche für das Jahr 1927 ergibt sich. daß unsere Aussuhrbilanz nur England, Frankreich, Dänemark und Norwegen gegenüber passiv fft, denn hier stehen allerdings 217 Uebersetzungen aus dem Deuffchen S8S Üebertragungen ins Deuffche gegenüber, doch sonst ist Deuffchland der gebende Teil. Aus den anderen Ländern, die Bereinigten Staaten eingeschlossen, wurden nur 388 Werke übertragen, während 1404 deuffche Bücher in di« Sprachen dieser Länder überfetzt wurden. Im ganzen wurden 648 Werke mehr aus dem Deutschen als ins Deuffche übersetzt. Am zahlreichsten sind die Uebersetzungen in» Deuffche aus der schönen Literatur, und zwar besonders aus dem Englischen und Französischen. Aber auch da zeigt sich, daß nur einige wenig« fremde Schrfftsteller bevorzugt werden: so erscheint Jack London mtt 22 Ausgaben, Shakespeare mit ebensoviel, R. L. Stevensohn mit 20. Dickens mtt 16, Edgar Wallace mit IS, Oscar Wilde mit 11, Shaw mit 9 Ausgaben. Bon französischen Dichtern steht der älter« Dumas mit 22 Ausgaben an der Spitze, es folgen Zola mit 21, Balzac mit 8, M. Leblanc mit 6, Romain Rolland, Maupassant und Eolette mit je 5 Ausgaben. Die„Ueberfremdung" im Jahr« 1927 gipfelt« also in den Werken kaum eines Haiden Dutzends moderner aus- ländischer Schriftsteller: im ganzen aber überwiegen bei den Ueber- setzungen di« fremden Klassiker und Halbklassiker, deren Uebertragung frei fft Von den 5066 Neuerscheinungen auf dem Gebiet der schönen Literatur waren nur 689 Uebersetzungen, also 13,6 Prozent. Unter den deutschen Uebersetzungen in fremde Sprachen steht Rußland an der Spitz«, das haupffächlich wissenschaftliche Werke übernimmt: an zweiter Stelle stehen Großbritannien und die Vereinigten Staaten: Japan, das den dritten Platz einnimmt, übersetzt neben staat»- und soziatoissenschastlichen Schriften haupffächlich Werke der schönen Literatur. Das niederländisch-ftämffche Sprachgebiet bevorzugt Belletristik und Italien fchilosophffch-pädagogffch« Literatur. Theater, Lichtspiele usw. 5 ü 5 Barbarossa 9256 lasms Boitin/ er. Raion Benaiiü? Lermoll o. Eal-lla ✓ ladt Staalerd und die übrigei) Altrahtionen i Sonnabends n. Sonntags ie 2 Vorstellnngen 3®'- und 8 Uhr— 3« ermäßigte Pr. »'-vd. CASIMO-TGEATEH»■•w» Lotunn�er Stratic A7, Neu! Neu! „Eine ungelieate freu" VoiKsbttlue fi'aOr inSIIOTgirtj 8 Uhr Krenzalinalinie nratn im setnnaninlana 8 Uhr DIB KranMieit der Jugend Thalia-Theater 8 Uhr Oelraasch 5laalt.Sdiiller-Tli. Uhr Pletro AretiBQ Theat ram Khilfhauerdami Norden 1141 u. 281. Tätlicheise es zurück 9tch niebi durch ohnfichc Packungen- und fast gteichtautendePamen tauschen! Verfange nur das eckte J ALM IN und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Fers. Fauteuil nur 1.15 M, Sessel 1.65 M» Sonstige Preise: Parket u.Rang 0,80 M, | Komische Oper(81 4)S Nur noch | heute und morgenj Die große Revue Paradies der süssen Frauen 1 100 Milwlrkcnde. | iiiiiMiiMiiiiiiitiiiiiiiiuiifiif itiiiiiisiiiHiiuiiiniiiiii g Ostersonnabend Premiere nie bctuc■ Poise Von Bstfchen zu Bettchen. Renaissance- Theater Hartfenbergstr. 6. Tel.; Steinpt. 901 u. 2583/84 tM/s Uhr. Zum 93. Male:«»/»Uhr Die Welterfolgskomödie ABC" Paeno l Reg: Bnst. Hanuno. Ii PtemiertB&esug. „Das große von Marcel Pai 25 -eASciiiilsrsaal 7o° faO J Da letzten Öonnab. u Sonntapr ausverkauft Heute Sonnabend und morgen Sonntag:, 24. Män noch zwei, unbrdfn�t liOtzlc faUNtl�o Abondo Mar.GSlLShlZER 0 Karten: Schiilertbe- ater, Bote i Bock, Wertheim n. te'ef. v.i 10 2 Lichterfeldö 3596\ sowie AbendkasHse. Reichshaüen-Theaier iUebeBdi. Q] Ukr. Sonoiao H«an.[3J SteMner Sänger Nachm. halbe Preise, volles Programm I BiUclibesfeUnngeB ItlepbOfl: ZüiUrum 1128!. Oönt-iofr. Brett) Varlet«> Romert/ um. ■..............«■■■■III I 8'/. Tkeater I flgs ft'osiens 1" Sonn aa auch'Iii Uhr Oer gröbie Erfolg Berlins LrieSerike Muüf van LeHar Erika v. THeilmann Karl Ziegler, Slaalsoprr Wien Zlrngebi, iimhurg, Sora,(fWIer, StSpermani, Her, «äfft ummterhr. Sfdttbl.<>31 11.7180 Trianon-Th. Täglich»>,. Uhr Ztg. nachm. 3% Uhi Der Herzog und die Sünderin Erika Elflssmr ktartin Kennor f. Moeilcnflorlt i neacet am Nallendorfplatz Täglich 8'/. Uhi Das Geld aut der SiraBe Lnstapielhauo 8V< Uhr wicacfkunrofen Guido TMelsetier int Paradies Iose-Theatei ir.Frai'lenv SM 3? 4 Uhr Wiklm Teil 8*14 Uhr Der Obersteiger KP' NEr «NZJ EIGEN Kleines T&eatei Täglich R1/# Uhr Curl Goetz, Valerie v. Merten» Ferd. v. Alten in „Trio" Lustsp v. Leo Lenz. Regte: Friedmznn- Frederich. in der GesamteuOec« de».VorwfirU" sind besonder»«nrksur «nd trotzdeo» sehr billig! Am 21 M5n d. J. verschied in seinem 72 Lebensjahre der Rat de* Berliner Pfandbriet- Amlcs» Stadiältesier Stadtrat a. D. August Hintze Seit dem Jahre 1920 gehörte er unserer Direktion an. In jahrzehntelanger ehrenamtlicher Betätigung auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens, insonderheit auf dem der Berliner Stadtverwaltung, hatte er sich bereits einen Namen gemacht. Das Hauptfeld seines kommunalen Wirkens war das Gebiet der Wohlfahrtspflege. Seine an harter Arbeit, Mühen und Entbehrungen reiche Jugend, sein tiefes Gemüt und sein warmherziges Verständnis für die menschlichen Nöte und Schwächen konnten sich anf diesem Gebiet besonders zum Segen der Bedrängten und Hüfsbedürttigen auswirken. Diese Eigenschaften seiner Persönlichkeit, verbunden mit reicher Lebenserfahrung, lauterem Charakter und ernster Pflichtauffassung gaben auch uns, seinen Mitarbeitern in der Direktion des Pfandbrief-Amtes, in ihm nicht nur einen wertvollen und hochgeschätzten Kollegen, sondern begründeten auch zwischen ihm und uns Bande aufrichtiger Freundschaft.. Das Andenken an den Heimgegangenen wird das Amt und dessen Direktion stets verehrungsvoll und mit Liebe bewahren, Berlin, im März 1929. Das Berliner Pfandbrief'Amt Le VLscur. Statt Anzeige. Am 21 März, früh 7 Uhr, verstarb plötzlich mein lieber guter Mann, unser treusorgender Onkel der Stadtrat a. D und Stadtältester August Hintze im 72 Lebensjahr. Im Namen aller Hinterbliebenen Sophie Hintze geb. Loeffler. Die Einäscherung 25 März, 18(6) Uhr, straße statt findet am Montag, dem im Krematorium Gericht- Bcilcidsbesuche dankend verbeten. Lessing-Theater Täglich 8 Uhr 3 x Hochzell. luergens Alexander plflfc Neue KAnljtstr. 43 mAzy Quitlnngs-.Rabatl- u.Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzt gesch. fertigt seit 48.lohr als Spealalltfit. Conrad MQUer Letozi ScüKeuditr rtiatia-lbeater dresdener Str. 72»?. 8 Uhr „OelrausctT Dtacn. kUn«tler-Th, 8'/» Uhr Pottasch und Perimuiter aisDetcKtiv Paul(xrfitz, Karl Ettllngcr. Planelarinm —— am Zoo— 1 JaaaxmU'it.tr Noll. 1578 fä'/. Uhr Sternhlmnal des FrUhJahrt ISV« Uhr SUrnbild.r und Weltbau 20,/i Uhr Wundtr d„ slldllchen Himmelt Tägl. auSer Montags u Mittw. Erwachs. ; Mk� Kinder 50 Pf. |Mi tw.: Erwachsene 150 Pf. Kinder 25 PI. Theater a. KottbusserT or Kolfbuster Str. 8. Tel. Mpl. 1 6077 THglleh S Uhr, auch tonntag nachm. 3 Uhr(ermäBIgte Preital Elite-Sänger u. 3..Dia Schflnheitskfininin" verbunden mit Modenschau. Allgem. PrHishsrtbtetzung auf allen Plätzen LucliBni«a!fle�fiss�hcno: II. Klasse 2. 0, Sonnt m. Rückf. 2,50 u. 3,80 M. Stadt v herrl. Waldgürtel umg, Laub-u.Nadelwald. Ausflug z.H. Golm 178 m. Günstig. Zugverbind, m Berlin Loitneroet wtci enenaziei. Auskunft im Verkehrsbureau Karl Orischk.t. Bielte Str 20, Fernruf 800. -M" Mairalzcn Ä »Metall- und Holzbetten, Schlafzimmer m an Private Ratenzahlung. Kaliln 267 fiai. sElsenmOhettahrtKSuhi(Thür.} Kaptän-Kautabak 15 pf KapjMwnDageDff..20pi. Oie Marke der Feinschmecker •nden meisten Geschäften käuflich Carl Höcker, tterltn\0. uicntenneri er r. 2 k»s.»nai Moor-, Soie-.nchhennadei'U.g. Bäder Jnhalaforiom, LufN und Sonnenbad� -7) Pflüschal-Heilkuren J-f Wochen 136-198A c/ruii fNfues)(uTtMd hcchrtL�oor, yiimefitcherSaMpos-tuffkuroft Hgrkonzerre.Raunions. Tennis. UegewnslinShiirimmbid. Praijw. Sasffadfc 8»nr>-pBnsionen. Rrtuflir Protp. Sfidhsdte mn Jberger 'Jropfsteuüiöhl». Am 21. Mä z verstarb nach kurzem Krankenlager im 72. Lebensjahre unser August Hintze Jahrzehntelang war er in unserem Kreise tätig, und bis in die letz'e Zeit nahm er regen Anteil an den Parteiarbeiten und Veranstaltungen unseres Kreises. Ehre seinem Andenken. Kreis ffl, Wedding Der Vorstand Die Einäscherung findet am Mon ag, dem 25. März, 18(6) Uhr, im Kremaiorium Gerichtstraße statt Rege Beteiligung der Mitglieder wird erwartet. Am 2t MS-, nuftarb nach ftitjetn ßron cnlogrt unitt Mitglied August Hintze Bis nur legten Siunb- mar et al»| Junttionäc in unfern Abteilung iStig. Syee feinem Andenfen. Der Vorstand der 19. Abteilung. Die SlnSlcherung findet am Man- tag. dem 25. Märt. 18 10' Uhr. im Kremaiorium lberichlltrafie statt. Am 21. MSrz. matgen.»>', Uhr. entschlief fanff nach langem Ichweren Leiden mein lieber Mann und freu- ibrgender Paler. Sah». Bruder, Schwager, Oniel und Schwiegersohn. oer Lagerhaiier Max Ihlenfeld m Aller von 47 Jahren. Berlin, den 21 März 102». Ruheplatzstr 27. Die. geigen lieideirildt an ffloea Zhleuseld und Tochler Die Eindscherimg findet am Dien.» lag. de n 2k. Mdru. n.chm Z'/, Uhr, iftt Jtremniorium«Betichifttahe statt. Vstlu»!! tn.wliiiniBr-D.I'spifrffrarlifitft Ortsvcrwaitung berlin. Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, ratz unser Kollege Erich Klinner durch einen Uniall verstorben ist. Shre feinem Andenfen! Die Beerdigung finde: am Monlag dem 25 Mar, nachm i'h Uhr, oi: dem Jern aiemer s riedhoi in Neukölln Hennannitrave. siati Nege Beleiligung erwartet vir Lrfauerwa fi ng. Nach'ahretanger firankheit wurde meine Frau Hedwig, üb!). BnitJlDiaDl durch den Tod erloit. krlfz Xodu, Neukölln, Allerllr I Einäscherung am 25. MSrz. IN/, Uhr, im fi emakorinm Baumschnlenweg Fllr die rege, herzi che Tet.nahm, bei der Trauerfeier memc« lieber. Manne», Baiers Sohnes tt. Bruder. Hans Höher agen wir allen Befannien. dem Deul.dien Meialiarbeiler-Verbanb»nd den jidiiegen d..Maiiary'-Figareiien- abri! herziichsteit Dank. kriedek klsber und knmUl« P, HSber �geeee««——»»»sssKA Jj» Unserem allen Genossen � | Richard Werner DDilFiau t zur Silberhochzeit sV '' die herzlich. ten Gl&drwünsche � % 131. Ahl.(findi). Jf �SSSSSSS v e eeeeet«*'