BERLIN Montag 25. Mörz 1929 10 Pf. Nr. 142 B71 46. Jahrgang. erfchetattSjlich avßerSanutas«. � � J...££ s»,eise»prei«:Dt««inspaltige Nenpanillt»«»« ZuMch Zlbendaurgabe de«.vorwSrtt'. Bczugzrreit tri§ fj/ I f a �" mJa«o Pf., SleNawtieile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. b«idc Au-zabm»sPf. pro Woche, Z,60M. pro Monat.» ftl ftmiii iÄfi/1 if/* JiüX mm tüthKUrflAHlA Postscheckkonto: BorwärU-Derl-g G. m. b.H., Redaktion und Expedition; BerlinSWos.Lindenßr.Z vmww■. vu v/ // f rV V�f Tw zz�jn Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Onen eppelin". Nachtfahrt über Krankreich.— Marseille passiert. Vao Luftschiff„Gras Zeppelin" hat seine lange geplante Orient- fahrt angetreten.(Es ist heute früh 0.5« Uhr in Friedrichs- Hafen aufgefliegen. Lei klarem Mondschein, aber etwas böigem Wetter, kreuzte das Luftschiff kurze Zeit über dem Luftschiffbau, um dann in der Richtung Basel weiterzusliegem Die weitere Fahrtrichtung ist beim Luftschiffbau zurzeit noch nicht bekannt, doch nimmt man an. daß nun doch zunächst weiterhin westlicher Surs Mussolinis Gchwindelwahl. Gelbst Güdiirol„begeistert".. eingehalten wird. An Bord befinden sich außerder Vesaßuug 2 5 Fahrgäste. Seim Postamt in Friedrichshafen waren bis Sonnlagabend an südliche und östliche Länder adressierte Sendungen eingelaufen. die da» Luftschiff in Säcke verpackt mitnehmen und an den dafür geeigneten Orten abwerfen sollte.— 3n der Rächt zum Sonntag hat sich auch diesmal ein blinder Passagier eingeschmuggelt, und zwar der ZDjährige Kellner Friedrich Herzog aus der Salz- burger Gsgend.(Er wurde aber sofort entdeckt und natürlich von der Blitsahrt ausgeschlossen. An Bord„Gras Zeppelin". 2«. Marz. 2.45 Uhr. (Eig. Funkbericht.) Nachtfahrt bei Windstille und 139 Kilometer Geschwindigkeit durch und über große Nebelbänke in Richtung Schafshausen den Rhein entlang. Basel wurde um 2 Uhr in 899 Meter Höhe überslogen: gegen Z.Z0 Uhr wurde französisches Gebiet erreühl. Die Weiterfahrt erfolgt nördlich Belfort in Richtung auf das Rhonetal. Marseille wird voraussichtlich 6.39 Uhr erreicht werden. Die weitere Fahrtrichtung hängt von der Wetterlage ab. An Bord„Graf Zeppelin". 25. März. 6.42 Uhr. tEig. Funkbericht.) Lyon wurde 4.39 Uhr überflogen. Die Fahrt geht durch außerordentlich starken Nebel, so daß seit Stunden jede Sicht unmöglich ist. Marseille wird deshalb voraussichtlich erst in den Vormittagsstunden überflogen werden. Marseille, 25. März. Der„Graf Zeppelin" hat um 7.45 Uhr französischer Zeit Mar- seilte überflogen. Er schlug ö st l i ch e Richtung ein. Zl« Vordres„G rnfZePpeli n". 23. März, 11,20 Uhr.(Eigener Funkbericht.) Das Luftschiff„Graf Zeppelin" erreichte um 8.40 Uhr bei Marseille das Meer. Weiterfahrt bei klarer Sicht aus Korsika, das um l41 Uhr erreicht wurde. Man rechnet. zwischen 3 und 4 Uhr über Rom einzutreffen. Geschloffenheii der Vergarbeiier. Zm mitteldeutschen Braunkohlenrevier. Halle, 25. März.(Eigenbericht.) Zurzeit liegen die Ergebnisse der Betriebsrats» wählen aus 30 Grubenbetriebe« des Bezirks Halle mit einer Belegschaftszahl von insgesamt 14 333 Mann vor. Es sind abgegeben worden: f L r d i e L i st e des Bergbau- und Judustriearbeiter-Ber» b a« d e S 11 408 Stimme»(— 22« Mandate), für die christliche Lifte 180 Stimmen(_ 3 Mandate). Hirsch- Tuncker 108 Stimmen(— 3 Mandate). Gelbe und Werks- vcrcinlcr 442 Stimmen(—« Mandate), Syndikalisten 108 Stimmen(— 1 Mandat). Vergeblich such! man hier nach den Stimmen sür die Liste der AWXAWHextegML. De» SÄjels c-jupg stegt jchc«che. Rom, 25. März. Das 3 nneuml niflertv« keilt folgende» Gesamtergebnis der plebiszltwahlen mit: Stimmberechtigt waren 9 650 570.„gestimmt" haben 8 650 140. davon mit 3a 8 506 576 und mit Rein 136 198. Die Stimm- beieiligung betrug demnach 89.63 pro}. Da nur noch dl« Ergebnisse einiger abgelegener Gemeinden fehlen, dürften obige Zahl«, kaum eiae Aendernng erfahren. Mailand. 25. März. Nach der ersten Zusammenstellung der Ergebnisse des Plebiszits in der Stadt Mailand sind von 162 769 Wahlberechtigten 136 442 zu den Urnen gegangen, von denen 124145 mit Ja und 19977 mit Nein stimmten. 1167 Stimmen find ungültig. Monza...»». Turin...... Stadt Venedig. Provinz Venedig Trieft...... Bozen...... Meran...... Brixen...... Ein hundertprozentiges Abstimmungsergebnis wird aus Grado gemeldet, wo von 1931 Wahlberechtigten 963 für und niemand gegen das Regime gestimmt haben. Schon die ersten vorläufigen Zu- sammenstellungen zeigen, daß bei einer außergewöhnlichen Wahl» beteiligung in den Städten durchschnittlich 5 bis 19 Proz. gegen das Regime gestimmt haben. Auf dem Lande ist der Prozentsatz der Nein.Stimmrn noch erheblich kleiner. « Gerade der ungeheure Prozentsatz der„Wahl"-Beteill- gung in S ü d t i r o l und die Zahl der abgegebenen Nein- Zettel ist der beste Beweis für den vollkommenen Schwindel, der gestern in ganz Italien inszeniert wor- den ist. Wen wird Mussolini Glauben machen wollen, daß in einer Stadt wie Meran oder Bozen zwei Drittel, und in einer Stadt wie Brixen gar fünfSech st el aller Abstimmungsberechtigten aus freiem Willen«in Bekenntnis zur faschistischen Diktatur abgelegt hätten— zu dieser Diktatur, die die deutsche Muttersprache der Südtiroler ausrottet, ihre Zeitungen abgeschafft, ihre Vor- und Familiennamen, ja sogar ihre Grabschriften verwelscht und ihre einst freigewählten Führer nach den Lipari-Jnseln ver- bannt! Hier ist der wahre Terrorcharakter dieses Zwangplebiszits zu handgreiflich. Und daraus allein läßt sich mit hundertprozentiger Sicherheit der Schluß ziehen, daß es in ganz Italien ähnlich gewesen ist. Wahrscheinlich ist sogar die Zahl der abgegebenen Nein- Zettel in Wirklichkeit viel geringer gewesen und von den Be- Hörden nach oben abgerundet worden, um überhaupt eine Opposition zu fingieren, über die Mussolini„gesiegt" habe. Denn es ist kaum denkbar, daß es in Italien so viel Helden gibt, die sich für nichts und wieder nichts durch Abgabe eines nicht rotweißgrünen Zettels den schlimm- sten Verfolgungen ausgesetzt hätten, Mögen Mussolin' und seine Schwarzhemden heute noch so laut triumphieren und der Welt verkünden, daß das italienische Volt begeistert hinten ihnen stehe, wir haben mehr denn je die Gewißheit, daß das italienische Bolk gestern ebenso zähneknirschend zur Urne gegan- gen und den trikoloren Zettel abgegeben hat wie die kern- deutschen Bauern und Kleinstädter von Bozen, Meran Brandunfillial bd Bergmann Keine Klürunä inlannowllz Berichte 2* Seite und Brixen, die in ihrem Herzen Mussolini oerfluchen.' Man lasse morgen unter dem Schutze des Völkerbundes die Abstimmung in Südtirol wiederholen: es werden k e i n q zwei Prozent Stimmen für Mussolini abgegeben, und auch diese zwei Prozent werden nur von eingewanderten faschistischen Beamten stammen. In Italien selbst würde bei einer wirklich freien und geheimen Wahl das Verhältnis für den Faschismus zweifellos etwas günstiger sein. Denn abgesehen von den überzeugten Faschisten, die immerhin 1l) bis IS Proz. der Wählerschaft ausmachen können, gibt es zu viele, die an der Korruptionskrippe des faschistischen Staates fressen, oder die sich auch sonst mit dem Faschismus kompromittiert haben. als daß sie nicht an seinem Fortbestand interessiert wären. Aber nie und nimmer ist das auch nur annähernd die Mehrheit des italienischen Volkes. Denn wäre es die Mehrheit, dann würde ja die ganze Diktatur überflüssig sein und nach dem gestrigen„Ergebnis" abgeschafft werden können. Mussolini wird sich aber schwer hüten, die Fesseln zu lockern— denn er weiß ja am besten, was von diesem „Plebiszit"' in Wirklichkeit zu halten ist! Faschistisches offiziöses Stimmungsbild. Rom, 25. März.(Agenzia Stefan'.)" f Di« Wahlen vollzogen sich im ganzen Königreich unter großer Begeisterung der Bevölkerung. Hervorragende Persönlichkeiten aller Berussstände machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch, unter ihnen der Kronprinz. Mussolini, Generalsekretär Turati, die Kardinäle, Bischöse und der gesamte Klerus, die Veteranen des Weltkriegs und die Kriegsbeschädigten und selbst alte Leute, die sich kaum fortbewegen konnten. Die Besatzungen der Dampfer. die sich aus hoher See befanden, verliehen auf t.e l e g r a p h i s ch e m Wege ihrer Anhänglichkeit an das Regime des Duce Ausdruck. Die Wahlbeteiligung betrug bis 4 Uhr nachmittags 89 bis 99 und in einigen Bezirken sogar 95 Prozent der eingetragenen Wähler. Berschieden« Wahllokale wurden bereits in den ersten Sttinden des Bormittags geschlossen, da alle dort eingetragenen Wähler von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht hatten. In vielen Ortschaften begaben sich die Bauern und Arbeiter in geschlossenem Zuge mit Musik» kapellen und wehenden Fahnen zu den Wahllokalen. In einigen Gemeinden mußten die Bürgermeister Listen auslegen, in denen sich die N i ch t w a h l b e r e ch t i g t e n eintrugen, um ihrer Loyalität gegenüber der Regierung Ausdruck zu verleihen. Der Erzbifchos von Palermo weigerte sich, sich in die Wahlzelle zu begeben, sondern bestand darauf, seinen Stimmzettel in aller Oefsentlichkeit auszufüllen, womit sich der Wahl- oarstand schließlich unter dem Beifall aller Anwesenden einver- standen erklärt«. Oer sanfte Druck... 3nnsbruck, 25. März. Die faschistische Bozener„Alpenzeitung" die einzige zugelassene Zeitung, brachte in Plakatforni auf der ersten Seit« folgende Worte: „Wer ein« Nein-Stimme abgibt oder sich der Stimmabgab« ganz enthält, ist ein Verräter und Deserteur." Neue Arbeiierwahlsiege in England. Bei Gemeindewahlen. London. 25. Marz. sEigenberjchl.) wie aus den ersten in London eingelaufenen Meldungen über dle am Sonnabend erfolgten Stadl- und Gemeindewahlen in einem Teil Englands hervorgehl, hat die Arbeiterpartei große Gewinne zu verzeichnen. 3n Ensield eroberte die Arbeiterpartei sämtliche süns zur Wahl stehenden Sitze. 3n Tollen ha m gewann die Arbeiterpartei zwei Sitze, in Dogen- ham sämtliche sechs Sitze, die durch die Erweiterung des Stadl- bezirks neu geschassen worden sind und außerdem zwei weitere bisher konservative Sitze. Auch in den übrigen kleineren Orlen, aus denen Wahlergebnisse bisher cingetrossen sind, hat die Arbeiter- parlei überall ihren bisherigen Besitzstand aufrechterhalten oder neue Sitze gewonnen. Sie Ruhrbergleute fordern! Oer Lohntarif wird gekündigt Essen. 25. März.(Eigenbericht.) Oer Bergarbeiterverband kündigt den Lohntarif. Die groszc Bcviertonserenz des Deutschen Bergbauindustriearbeiterverbandes Halle in Bochum die Funktionäre des Verbandes der Bergbau- und Industriearbeiter(Areigewerkschafllicher Berg- I arbeilerverband) versammelt. Die Delegierten beschlossen eiastimmig die Sündigung des Lohntariss am t. April zum l. Mai. Diese Entscheidung wurde gefällt nach Referaten des Ve- zirksleiters Klein und des Volkswirtes Dr. Berg er über die wirtschaftliche und sozialpolitische Lage des Ruhrbergbaues. Zahlreiche Diskussionsredner klagten über die schlechte Entlohnung der Ruhrbergarbeiler und namentlich darüber, daß ein groher Teil nicht den verössentlichten Durchschnittslohn verdiene, sondern mit dem Mindestlohn auskommen müsse. Aus diesem Grunde wurde die Kündigung ein st immig beschlossen. Räch einer Rede des Vorsitzenden August Schmidt wurde festgelegt, daß die Durchführung des Kampfes nur Sache der Gewerkschaften sei und bleiben müsse. Gegenüber den versuchen der Kommunistischen Partei,„S a m p s a u s s ch u s s c" zu bilden, wurde betont, daß alle Mitglieder, die sich an den kommunistischen Machinationen beteiligen würden, sich ohne weiteres außerhalb der Organisation stellen. Eine in diesem Sinn ein- gebrachte Entschließung wurde e i n st i m m i g angenommen.. Eine Annktionärversammlung des Christlichen vergär b e i l e r v e r b an d e s hat sich ebenfalls dafür ausgesprochen, daß im Ruhrbergbau der nächste Termin zur Kündigung des Lohntarifs wahrgenommen wird. Die Arbeitgeber lehnen nach wie vor jede Lohnerhöhung strikt ab. Kommunistenfiasko in Basel. Oasvr Sturmangriff auf das Züricher„Volksrecht*! Zürich. 25. März.(Eigenberichte Die kommunistische internationale Kundgebung in Basel hat nicht stattgesunden. Durch vollständige Grenzsperrung ist der Zuzug deutscher Rolsronlkämpser verhindert worden. Schweizer Kommunisten wurden in der Eisenbahn vor Basel angehallen und zurückgeschickt. Auch Automobile wurden noch Kommunisten kontrolliert. Die Bahnhöse und öffentlichen Gebäude waren militärisch beseht. Zm allgemeinen ist der Sonntag in Sasel in Kirchhofsruhe verlausen. 3n Zürich veranstalteten die Kommunisten Protestoersamm- lungen. Roch den Versammlungen unlernczhmen die Kommunisten Angriffe gegen sozialdemokratische Arbeiter. Die Polizei räumte den Platz mit dem Gummiknüppel. Abends zogen kommunistische Horden vor die sozialdemokratische Zeitung„v 0 l k s r e ch t". Sie zertrümmerten die Aushangkästen und Anschlagtafeln und warfen die Fenster ein. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und den kommunistischen Horden, wobei ein Kommunist verletzt wurde. Es wurden l5 Verhaftungen vorgenommen. Braunschweig und der Einheitsstaat. Stellungnahme der Sozialdemokratie. Vrounschweig. 25. März.(Eigenbericht.) Der Bezirksausschuß der Sozialdemokratischen Partei im Frei» slaat Braunschweig und die drei Staatsminister hielten am Sonn- abend«ine gemeinsame Sitzung über die Frage des Anschlusses Brounfchweigs an Preußen ab. Nach eingehender Aussprache wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die Neugliederung des Reiches ist eine Schicksalsfrage des gesamten deutschen Volkes, die vom gehässigen Parteistreit frei bleiben muß. Die Sozialdemokratie des Lande's Braunschweig lehnt den von der Deutschnationalen Partei gestellten Antrag, den Frei- staat Braunschweig in Preußen ausgehen zu lassen, als einseitiges Parteimanöver ab. Für die Erklärung des Freistaates Braunschweig zum Reichslande fehlt zurzeit noch jede verfassungsmäßige Grundlage. Die Arbeiten der Länder- konserenz sind»och so wenig abgeschlossen, daß ein u n z e i t g e- mäßes Vorgreifen kleinerer Länder eher eine Erschwerung als«in« Förderung der Frage bedeuten würde. Der Bezirksaus- schuß der Sozialdemokratie im Freistaat Braunschweig wird in Ueber- einstimmung mit der Gcsamtpartei jederzeit die Bestrebungen aus Schaffung eines dezentralisierten Einheit? st aates sördern." Granaten gegen Schmuggler. Englisches Alkoholschiff an der Floridaküste versenkt. Da» englische Schmugglerschiss„3 m a lo ne" wurde in der Rähe der Ostküste von Florida am Freilag von einem amerikanischen Süstenwochkschiss gesichtet. Es entspann sich eine 24stündlge 3agd. Freitag abend gelang es einem amerikanischen Küstenwachtschiss. die „Imalone" zu überholen. Ohne es erneut zur llebergabe auszufor- dern, wurde da, Schiff durch Granatenvolltresser versenkt. Ein Rlatrose, ein Reger au» Britisch-Honduras, wurde gelötet. Die übrige Besatzung der„Zmalone" wurde von dem küstenwachtschiff ausgefischt. Ossiziere und Mannschaft des englischen Schisfes sind als Strafgefangene in Rew Orleans gelandet und ins Unlersuchnngsgesängnis gebracht worden. Rew Park, 25. März. Der amtliche Bericht der amerikanischen Küstenwache stellt fest, daß die Versenkung des britischen Schoners„Imalone" wegen Mitführens von Altohol auf Grund des internationalen Seegesetzes zu Recht erfolgt sei. Keine Klärung in Lannowitz! Die Berliner Mordkommission an der Arbeit. Hirschberg, 25. März.(Eigenbericht.) Die Berliner Mordkommission unter Führung von Kriminal- rot Hoppe hat ihre Untersuchungen über den Mord auf Schloß Jannowitz aufgenommen. Nachdem sie das bisher vorliegende Aktenmoterial durchgearbeitet hat, wird sie nunmehr zunächst den objektiven Tatbestand feststellen, um sich ein eigenes Bild machen zu können. Die Erwartung, daß noch der Beisetzung des Grasen Eberhard der verhaftete Gros Christia» Friedrich volle Auf- 'lärung über die Vorgänge geben werde, hat sich nicht erfüllt. r Hot dem Untersuchungsrichter nur mitgeteilt, daß sein Voter es Vit der ehelichen Treue nicht sehr genau genommen hätte, ine Bekundung, die immerhin gewisse Rückschlüsse zuläßt. Grzefinskis Warnung. Die sich getroffen fühlen, schreien! Der preußische Innenminister hat in seiner am Sonntag veröffentlichten Warnung bestimmte Parteien und Verbände nicht genannt. Der Erlaß spricht allgemein von Aus- schreitungen bedauerlichster Art, die sogar Menschenleben ge- fordert haben, von technisch organisierten Auf- lehnungen gegen die Polizei, von Friedhofs- und Denk- malsfchändungen. Diese Jacke braucht selbstverständlich nur anzuziehen, wem sie paßt. Und— siehe da— sofort melden s ich die Radikalinskis von rechts und „Wenn wir nicht mehr prügeln dürfen, dann müssen wir stempeln geh'n* links, um herzhaft zu beteuern, daß sich der Erlaß allein gegen sie richte. Man kann wieder einmal prächtig die Stimmen der äußersten Rechten und der äußersten Linken gegenüberstellen: „Deutsche Zeitung"(rechtsradikal): Genosse Grzesinski ist der Nachfolger des Sozialdemokraten Severing, der di« Todfeinde des Staates— nicht des Systems— als„politische Kinder" bezeichnet. Auch sein heutiger Erlaß richtet sich sehr deutlich gegen die Rechlsverbände.... „Rote Fahne"(kommunistisch): Der Wortlaut dieser ungeheuerlichen Kundgebung ist absichtlich so gefaßt, als ob Herr Grzesinski auch den R.chisorganisationcn zu Leibe gehen wolle. Davon kann natürlich keine Rede sein... Rein, di« Androhung der Auflösung politischer Vereinigungen ist an die Adresse des Roten Frontkämpfer-Bundes und der kommunistischen Partei gerichtet. Aus diesen Beteuerungen spricht offensichtlich viel Schuldbewußtsein. In der Tat dürfte eine statistische Feststellung darüber, ob Hakenkreuzler oder Rotfrontler den Löwenanteil an den Exzessen der letzten Zeit für sich be- anspruchen dürfen, wohl so ziemlich„totes Rennen" ergeben. Schließlich ist es auch gleich, und hängt nur von Zufällen ab, ob bei Schlägereien die eine oder die andere Partei ein paar Verletzte mehr bucht. Die Erscheinung selber ist der Oeffentlichkeit so bekannt, daß Einzelfälle den Tatbestand nur illustrieren, aber nicht ändern. Warum benehmen sich die 5zerrschaften jetzt so aufgeregt? Sie schreien aus voller Kehle:„Wir sollen verboten, wir sollen aufgelöst werden!" Das ist nicht wahr. Siesollenweder verboten noch aufgelöst werden, sie sol-len allein sich anständig betrogen, wie es gesitteten Menschen zukommt. Sie sollen nur darauf verzichten, bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit mit Revolvern, Gummiknüppeln, Dolchen und Schlagringen auf politisch Andersdenkende soszugehen. Sie sollen ihren Kampf m i t geistigen Waffen, mit den Mitteln der Ueberredung und der Ueberzeugung führen, dann wird ihnen kein Härchen gekrümmt werden. Warum also das Geschrei? Es kündigt nur an, daß man in den Lagern jener Radikalen nicht gewillt ist, auf jene beliebte Methode zu verzichten, daß man dem Gegner, den man nicht überzeugen kann, den Schädel einschlägt oder ein Stück Blei in die Rippen jagt. Jene Verbände, die jetzt so wehleidig über ihre Bedrohung durch den„Diktator" und „Tyrannen" Grzesinski zetern, brauchten bloß ein Rund- schreiben an ihre Mitglieder zu richten mit der strengen Anweisung, jedes Verbandsmitglied auszuschließen, das den Boden der Gesetzlichkeit verläßt— und— siehe da. sie wären gerettet! Aber wahrscheinlich wollen sie gar nicht gerettet werden. Denn diese Rettung würde auch voraussetzen, daß die Prügel- Organisationen unter ihrer Mitgliedschaft etwas genauer Musterung hielten und zwischen dem rauflustigen Kaschemmengesindel, dos sich bei ihnen angesammelt hat, und dem wirklich politisch denkenden Teil' einen dicken Trennungsstrich zögen. Mit Scherlinskis, Koniecznys und Konsorten kann man keine politischen Organi- sationen bauen. Aber wenn von Terror geschrien wird, so besagt der Erlaß des preußischen Innenministers ganz klar. daß er nicht den Terror ins politische Leben hineintragen, sondern den Terror dunkler Elemente aus dem politischen Leben bannen will. Wer nicht selber Terror übt, für den bedeutet der Erlaß keine Gefahr. Wer andere terrorisieren will, der hat kein Recht sich zu beklagen, wenn ihn der Staat daran verhindert. So fassen wir die demokratische Freiheit allerdings nicht auf, daß sie rauflustigen Burschen die Freiheit gäbe, anderen mit Gewalt ihre Frei- heit zu nehmen. Anspruch auf demokratische Freiheit hat nur, wer auch seinen Mitmenschen ihre Freiheit läßt. Brandunglück bei Bergmann. Eine Arbeiterin tot, ein Arbeiter lebensgefährlich verletzt. 3m Veiriebe der Bergmann Elektrizität». werke A.- G. In Reinickendorf-Rofenthal. Lindenallee, er- eignete sich heute vormittag ein schweres Vrandunglück, das einer jungen, kaum achtzehnjährigen Arbeiterin das Leben kostete. Ein 24jähriger Arbeiter erlitt gleichfalls l e b e n s- gefährliche Verbrennungen am ganzen Körper. Sein Zustand wird als hoffnungslos bezeichnet. In nächster Nähe der Bahnhofsanlagen und Neparaturwerk- stätten der Liebenwalder— Groß-Schönebecker Kleinbahn liegen die ausgedehnten Fabritanlagen der Bergmann Elektrizitätswerke A.-G. In einem der modernen Fabrikgebäude, die in den letzten Jahren errichtet wurden, stehen im vierten Stockwerk, in dem sich das Brandunglück abspielte, in einem großen, langgestreckten Raum zahlreiche Pressen, in denen Ifolierteil«, Schalterkappen usw. unter einem Druck von 2 00 Atmosphären gepreßt werden. Die Wertstöcke und Stempel der Pressen werden durch Gasflammen beheizt, die eine Temperatur von etwa 200 bis 250 Grad Wärme er- zeugen. Wenige Minuten nach �10 Uhr ertönte in den Arbeitsräümen plötzlich l a u t e s Z i s ch e n. Ein kupfernes Oelzuführungsrohr war unbemerkt undicht geworden, und das Oel wurde unter dem Druck von 200 Atmosphären herausgepreßt. Das Oel zerstäubte, und im Augenblick war die ganze Etage in eine Oelwolke gehüllt. die sich an den Gasslammen entzündete. Das alles spielte sich so schnell ab, daß es nur einem Teil der Belegschaft gelang, der Gefahrenzone zu entrinnen. Eine gewaltige Flamme erfüllt« den Raum, und einer jungen Arbeiterin, der 18jährigen Herta K r a s l, Reinickendori-Ost, Straße 13, die in einer Ecke itand, war der Weg ins Freie abgeschnitten. Sie kam in den Flammen um. Ihre Leiche würde noch beendeten Löscharbcitcn geborgen: sie war bis zur Unendlichkeit verbrannt. Ein zweites Opfer des Brandes wurde der 24jährige Ernst Fischer aus der Genter Straße 35. Fischer bediente gerade seine Presse, als die Feuerwolke heranschas? und sein« ölige Kleidung sofort in Brand setzte. Der Mann war völlig in Flammen gehüllt, trotzdem gelang es Arbeitskolle- gen, die auf seine Entsetzensschreie hinzueilten, den lichterloh Breimenden zu r e t t e n. Er hat jedoch so schwere Brondverletzun- gen am ganzen Körper erlitte», daß wenig Hoffnung für die Erhaltung seines Lebens besteht. Fischer liegt in der Universitätsklinik in der Z i e g e l st r a ß e bewußtlos danieder.— Bei dem Rettungewerk erlitt weiter der 48jährige Arbeiter Bruno Hoff- mann aus der Köpenicker Straße 25 in Friedrlchshagen erhebliche Verbrennungen am Kopf und an den Händen. Nach Anlegen von Notverbänden wurde er in seine Wohnung transportiert. Das Feuer, dos sich in dem oberen Stockwerk schnell au?- gebreitet hatte, fand an Velen, Tischen, Werkbänken und Verschläge» reiche Nahrung. Nach einstllndiger Löschtätigteit war di« Hauptgesohr beseitigt. Di« unter dem Brandherd liegenden Betriebsräume mußten aus Sicherheitsgründen eine Zeitlang ge- räumt werden. Besonders tragisch ist es, daß der Vater der toten Arbeiterin im gleichen Betrietz« beschäftigt ist. Am Sonntag waren Oberstaatsanwalt Dr. Engel und Land- gerichtsrat Thomas aus Hirschberg sowie die Berliner Kriminal- bcaMten und Beamte der Landeskriminolpolizei Liegnitz, ferner der Amtsvorsteher und der zustäichige Landjäger ini Schlosse und im Nentomtshause zu Iannowitz. Die Beamten wurden über die Oertlichkeit und die bisherigen Ergebnisse der Ermittlungen ein- gehend unterrichtet Die Besichtigung dauerte etwa drei Stunden. Es verlautet, daß man zu der Ansicht gekommen sei, der verhaftete Christian Friedrich komme nicht als Täter in Frage, sondern eine Liebessache liege der Mordtat zugrunde. Eine neue Ber- n e h m u n g des verhafteten Christian Friedrich ist für heute an- g-lent worden. Radikale gegen Leon Blum. Gegenkandivatur aufgestellt. Poris. 25. März.' lCigenbericht.) Im jchroiien Widerspruch zu den Bemühutzgen der radikalen Führer, das alte Linsskartell mit der Sozialistischen Partei wieder zu beleben, hat di« radikale Parteiorganisation von Narbonnc am Sonntäg dos Kriegsbeil gegen den sozialistischen Führer Löon Blum ausgegraben. Die Narbonner Radikalen behaupten, Blums Kandidatur in Rarbonne bedeute nichts anderes als eine Offensive groß-.'n Stils gegen sie und s«i daher ein flagranter Ber. floß gegen die gebotene republikanische Disziplin. Angesichts dieser Haltung Blums bleibe de» Radikalen nichts anderes übrig, als seine Kandidatur aufs energischste zu bekämpfen. Als radikaler G e g e n k o n d l d a t«gegen Blum wurde der Rechlsau- walt G o u r g o n aufgestellt, der bei den letzten Kammenvahlen nur mit wenigen Stimmen dem sozialistischen Kandidaten unter- legen war. Die llebersührung der Leiche von Fach vom Triumphbogen nach der Rotre-Dame-Kathedrale hat Sonntagabend unter ungeheurem Andrang des Publikums stattgefunden. Es gab Zusammenstöße mit der Polizei und zwei Menschen starben vor Ausregung.— Auch 5 o r r a i( wird aus Staatskosten beerdigt »nd im Invalidendom beigesetzt. Prima de Rivers Hot sich von seiner„Nationalversammlung" wieder einmal das Vertrauen aussprechen lassen. Hugenberg im Porzellanladen. Oer deutschnationale„Führer" macht Politik in Amerika. Ein Berliner Montagsblatt ist in der Lage, den Wortlaut eines Briefes wiederzugeben, den der Vorsitzende der Deutschnationolen Partei. Hugenberg, an eine Reihe von amerikanischer« Zeit- schritten gerichtet hat und der drüben mit Wonne veröffentlicht wird, Das Schreiben erinnert stark an jene Professorenbriefe, die während des Krieges im Ausland für die deutsche Sache werben tollten und dabei nichts anderes erzielten, als das schon brüchig« Porzellan der Sympathien ganz zu zertrümmern, Hugenberg will den Ainerikanern jetzt begreiflich machen, daß die Reparations- konferenz in Paris die deutsche Zahlungsfähigkeit nicht über- schätzen dürfe, sich vielmehr bemühen müsse, erträgliche Bedingungen festzusetzen. Diese Unterredung fängt er so an: Die Feinde des deutschen Volkes außerhalb und innerhalb unserer Grenzen bestehen darauf, dag Deutschland und hauptsächlich der konservative Teil seiner Bs- völkerung, dem allgemein die vage Bezeichnung Real- t i o n ä r e gegeben wird, verantwortlich für den Kriegsausbruch war. Wer nach dieser Anprangerung der„inneren Feinde" Deutsch- lands noch nicht überzeugt ist von der Wahrheit Hugenbergfcher Beweisführung, dem kommt der große Mann mit anderen Mitteln. etwa in folgender Tonart: Tatsächlich war Deutschland seit dem Dawes-Abkommen nicht imstande, irgendwelchen Betrag aus eigenen Mitteln zu zahlen. Die Amerikaner zahlen deswegen in Wirklichkeit die Tribullasten, die Deutschland ausgezwungen wurden. Die Amerikaner sind es, die— zweifellos im guten Glauben, aber nichtsdestoweniger tat- sächlich— den französischen Militarismus finanzieren und Eng- land die Mittel liefern, seine Kriegsschiffe zu bauen. Die A m e r r- k a n e r stnd es auch, die dem deutschen Marxis- m u S die Mittel für sozialistische Experimente in Ver- wzltung und Wirtschaft liefern. Deutschland verliert allmählich durch Abzapfung der Tribute, die es durch Anleihen zahlt, seine finanzielle Substanz. Es ist«ine absolute Lüge behaupten, daß Deutschlands Prosperität zunimmt, ebenso wie es eine absolute Lüge ist. Deutschland für zahlungs- fähig zu erklären. Als„Führer" der Deutschnationalen ist chugenberg drauf und dran, sogar seine eigene Partei zu einem Trümmerhaufen • i machen. Die Warnrufe aus dem christlichen Arbeiterlager, von denen wir dieser Tage berichteten, sprechen Bände. Aber der deutschnationale Trümmerhausen genügt dem großen Manne nicht. Er sieht bereits— oder er will den Amerikanern wenigstens einreden, daß er es sähe!— das Chaos und den Bolschewismus in ganz Europa! Deshalb setzt er den Amerikanern folgende Weisheit vor: Wenn Deutschland durch unverständige Politik und durch untragbare Lasten in Berzweislung getrieben wird, wird es eben- ialls in die Arme des Bolschewismus gelrieben. Rur dann und nicht vorher wird Deutschland wahrscheinlich eine Gefahr für die ganze Welt werden. Die Deulschnationale Bolkspartei hält den Gedanken des Pri- vateigentums aufrecht als Basis jeder Art staatlichen Lebens. Sie lehnt daher ab, mit dem Sozialismus einen Kam- p r o m i ß zu schließen. Sie weigert sich aus dem gleichen Grunde — als einzige große Partei Deutschlands— die Regierung mit Sozialdemokraten zu teilen. Tatsächlich ist es nur durch die chilfe anderer Parteien möglich, daß die Sozialdemokratie sich ihre marxistischen Regierun gsexperimcnte leisten kann. Der Sozialismus ist der erste Schrill zum Bolsche- wiemus. Deswsgey stellt die Deutschnatiynale Volkspartei das einzige Bollwerk gegen das Chaos dar... Wenn durch unverständige Regelung der Tributfrage unser Kampf vereitelt ckird, wird ein gewaltsamer Einbruch des Chaos in Deutschland und Europa die Folge sein, und dieses Ereignis könnte die ganze zivilisierte Welt gefährden. Denn der Bolschewismus und der Sozialismus sind nicht besondere Produkte Rußlands, sondern eine Seelenkrank- bcit der industriellen Menschheit, die. wie die Grippe, über Ozeane reisen kann.„Unsere Sache ist ebenso die Ihre!" Man rühmt dem amerikanischen Bürgertum nach, daß es volitisch« Dinge mit kühlem Beistand und nüchternem Rechenstift zu prüfen pflege. Es wird deshalb chugenbergs Denun- z i a t i o n e n«beirso kritisch unter die Lupe nehmen und die Be- Nuptung von der deutschen Zahlungsunfähigkeit ebenso lächelnd bei- feite tun wie das blöd« Schwenken des bolschewistischen roten Tuches. Etwas anderes aber Ist es. wie die Deutschen zu chugen- bcrgs Beröfsentlichungen stehen. Es ist vor kurzem auf Hilgenbergs Reden das Wort vom„wirtschaftlichen Landesverrat" geprägt worden. Solange der Inhaber von Zeitungskonzcrnen und Nachrichtenbureaus nur«in Privatmann mit politischen Lieb- b.ibereiei, war, könnt« man seine Auslassungen mit einem Achsel- zucken beiseite legen. Jetzt aber ist er der mit fast diktatorischen Bollmachten ausgerüstete„Führer" der D« u l s ch n a t i o- nalen Partei. Deshalb ist diese für seine politischen Auslassungen mitverantwortlich. An sie ist deshalb die Frage zu stellen, ob und wieweit sie dies« Art deutscher„Propaganda" in Amerika billigt, ob sie damit einverstanden ist, daß durch Hugen- bergs Brief« der amerikanische Kredit an Deutschland «ingedämmt und abgebunden werde, kurz, ob sie es billigt, daß der wirtschaftliche Landesverrat immer offener und immer ungenierter von ihrem„Führer" gerrieben werden darf. Vor einigsri Wochen nahm sogar die„Deutsche Tageszeitung" dos agrarische Blatt, wenn auch verblümt, so doch dcurlich erkenn- bar gegen die H u g« n b e r g. D i k t a t u r bei der« Deutsch- nationalen Stellung. Wir sind neugierig, wieweit der neueste Vor- stoß dieses seltsamen Führers in den Kreisen seiner Panel Zustimmung und Unterstützung findet. Giegerwald für feste Koalition. Aber gegen Oittatur und Reichstagelaufiösung. Bielefeld. 25. März.(Eigenberich!.) In Büren in Weftfolen fand am Sonntag ein Kreisparteitag des Zentrums statt, auf dem Dr. Stegerwald eine programmatisch« Rede über die Stellung des Zentrums zur Koolilionsfrogc hielt. Er führte dabei aus:„Es gibt nur dreierlei, entweder O: l t o t u r oder Reichstagsauflösung oder f e st c Koalition. Drt- tatur bedeute die Zerreißung der Reichseinheit, Reichstogsauflöjung aber Stärkung des Radikalismus. Es bleche also nur der Weg zu einer festen Koalition. Wohl wäre es unter parteipolitischem Ge» sichtspunkt und zu politischen Erziehungszwecken für das Zentrum das Best«, wenn es noch längere Zeit außerhalb der Regierung verbliebe. Mer es verkenn« nicht die Gefahren, die dies mit sich bringen würde. Wer im Zentrum für ein bewußtes Fernbleiben von der Regierung arbeitet, würde praktisch mir di« Anbahnung der Diktatur fördern. Jede Regierungs- koalition müsse sich allerdings klar darüber fein, daß die deutsche Politik in'fcen nächsten Jahren auf ollen Gebieten Ausgleichspolitik fein müsse. Zur Agrarfrage erklärte Stegerwald: Das Zen- tvum trete für mäßige Agror zolle ein, es sei ober durchaus irrig, wenn man in den Kreisen der Landwirtschaft glaube, daß der Zochhutz das Whellmittel sei. Theater u Hans I. Rehfisch:„pietro Areiino". Echiller-Theater. Rehfisch ist ein doppelzüngiger Dramatiker. Seine juristischen und sozialen Thesen klopften bestimnit an das Gewissen der Leute, die er vor die Rampe bittet. Aber er redet häufig zu grob und alt- klug. Er meint es ernst, doch er witzelt. Es entsteht beim Zuhörer die Stimmung, daß man geistig geneppt wird. Der ergiebige Mann kombiniert vielleicht Dramen für die Saison, bevor ihm die In- spiration für die Ewigkeit geschenkt wurde. Trotzdem erlosch der dichterische Schwung noch nicht. Das beweist gerade der„Pictro Aretino", der nach Rehsischs Zeitdramen kommt, doch dort an- knüpft, wo der Dramatiker vor zehn Jahren die Poesie aufgab, um als reiner Bühnentechniker für erprobte Wirkung zu sorgen. Rehsijch will in Pietro Aretino ein kurioses Menfchcnexemplar fassen, den Humanisten, der Heiligenlcgenden und Schmähschriften mit gleicher Tüchtigkeit verfaßte und dazu noch jene Kurtisanen- gespräche, die heute noch, trotz ihrer stilistischen Steifheit, von Kulturhistorikern mit Erfolg zu lesen sind. Dieser Aretino erpreßte von Fürsten und Kaisern Geld, um Venedigs arme Schlucker zu füttern und einen Harem von Freudenmädchen in seinem Palazzo zu erhalten. Er war zugleich Ehrenmann und Halunke und schlich- tete mit seiner genialen, viel gekauften Feder die zahlreichen Händel, die zwischen den Höfen der westlichen und östlichen Welt zu erledigen waren. Wir würden ihn heute einen glänzenden Revolverjourna- listen nennen. Um ISösi bedienten sich Kaiser und Päpste dieses talentiertesten Preßpiraten. Rehsisch macht ihn zum genialen Schweinigel und zum Gerech- tigkeitsapostel und schließlich auch zum erotischen Melancholiker. Nachdem er alle Frauen gehabt hat, oersagt sich ihm die keusche Perina. Sie ist eine Gottesbraut kalvinistischer Prägung, nicht vom oberflächlichen und sinnlichen Schlag der Venezianerinnen, die Casanova, Aretinos ebenbürtiger Geistesfohn, als die vorzüglichsten Dienerinnen der Lust gepriesen hat. Perina gesteht erst im Sterben, daß sie Aretino irdisch wegstieß, um ihn himmlisch zu vergöttern. Und diese außerordentliche Offenbarung macht den Mann tief sitt- lich und hoch pathetisch. Er setzt sich nieder, um die Völker der Christenheit zum Kulturkampf gegen den türkischen Padischoh mit seiner Feder aufzupeitschen. Rehfisch hat das olles mit großen Sentenzen geschmückt und sogar überladen. Aber der Plan war größer als das Wert. Das Drama ist figuvenreich und trotzdem lebensarm. Es pulst in der Hauptperson und in den Nebenpersonen nur das, was der Dichter ihnen geben konnte: die lauwarme Weltbetrachtung eines liberalen Pfiffikus. Aretino sollte das Gewissen der Weiber und Bölker werden, er wurde im Schauspiel nur ein Großmaul mit gelegent- liehen Edelmutsattacken. Rehfisch konstruiert, doch er ist nicht Nug genug für das Gedankenspiel, nicht lyrisch genug für das Liebesspiel, nicht übersinnlich genug für das Spiel, das sich um Glauben und Ahmmg dreht. Hoffmann-Harnisch, der Regisseur, will die Unglück- lichen und harten Theatervokabeln slott machen. Es entsteht oft eine Parodie des alten klassischen Theaters, besonders dann, wenn die Dramen venezianische Buhlkunst oder Nonnenekstase heucheln sollen. Im Stück erscheint ein englischer Botschafter, der die Krämerpvlitit des perfiden Albion zu zeigen hat. Solche Theaterkarikatur, die ganz unfreiwillig ist und gegen den Willen des Regisseurs auf die Bühne kommt, haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Paul W e g« n e r spielt den Aretino mit seiner körperlichen Schwere, mit seiner bärenhaften Melancholie, mit seiner imponieren- den Uebertogenheit im Bewältigen der eigenen Natur und der schwächlichen Frau. Der Künstler ist aber vom Schicksal verfolgt. Imnier peinlicher macht sich bei ihm das Lispeln bemerkbar. Könnten ihm nicht demosthenische Uebungen helfen? >lax Ilocbdork. „Zaraihustra-Kolome" für Rackituliur. Bon einer merkwürdigen Kolonie nackter Sonnenonbeter, die sich auf dem Gipfel eines der höchsten Berg« der Rioiera, etwa 3ll Kilometer von Nizza entfernt, angesiedelt� haben und unter der Leitung eines Deutschen, Dr. Goldberg, stehen, erzählt«in Besucher des seltsamen Völkchens in einem Londoner Blatt. Die bi) Männer, Frauen und Kinder, die zu der Zaraihtlstra-Kolonie gehören, gehen tagsüber vollkommen unbekleidet. Als aber in diesem Winter auch im sonnigen Süden die furchtbare Kälte einsetzte, waren sie ge- zwungen, ihre spartanische» Gewohnheiten zu mildern und sich in Tücher zu hüllen. Trotzdem hatten sie Furchtbares zu erdulde». Die Kolonie besitzt nur einen einzigen kleinen Ofen, der für das Kochen benutzt wird. Sie mußt« daher große Feuer im Freien anzünden, um die sich die Mitglieder zusammenkauerten. Sie konnten mit Ferngläsern in dos Herz von Nizza und Cannes von ihrem Gipfel aus sehen,' aber es lag so viel Eis und Schnee, daß es ihnen unmöglich war, herabzusteigen, um Nahrung zu bekommen. Sie waren daher gezwungen, sich von Kräutern und Schwarzbrot zu nähren, und auch bei diesen« spärlichen Mahl erhielt jeder nur eine bestimmte kleine Ration. Die Verehrer Zarathustras haben sich aber so abgehärtet, daß auch in diesem sibirisltyrn Winter kein Todesfall zu beklagen war: aber viele erkrankten und erholen sich erst jetzt longsam in der Sonn«. „Wir haben keiy Geld, kein Cigentuin und keine Ehe," erklärte Dr. Goldberg dem Besucher.„Die Kinder haben keinen Familien- namen: sie sind nur Söhne und Töchter der Zarathustra-Kolonie. Wir haben auch keine Pässe und gehören keiner Nation an. Wir haben uns eine Welt für uns innerhalb der Welt geschassen und wünschen nichts, als allein gelassen zu werden." Die Mitglieder der Kolonie bestehen hauptsächlich aus Deutschen, Italienern, Spaniern und Dänen. Gewöhnlich gehen zwei in Tücher gehüllte Männer zweimal in der Woche nach den Küstenstädten herab, um dort das Nötige zu erwerben: sonst leben sie von den geringen Erträgnissen, die ihnen der Gemüsebau auf dem Berggipfel liefert. Ein Posten ist stets aufgestellt, der die völlig nackten Angehörigen dieser großen Familie warnt, wenn sich Fremde nahen; sie verbergen sich dann in ihren Berstecken. Der Besucher, der von Dr. Goldberg und einer seiner Frauen in recht unvollkommener Verhüllung empfangen wurde, unterhielt sich mit den Kindern, die frisch und gesund so herumsprangen, wie sie Gott geschaffen. Sie kennen den Namen ihres Baters nicht, aber die Mütter find verpflichtet, die ersten vi« Jahre für chre Kinder zu sorgen; dann werden sie in der Schule der Kolonie gemeinsam aufgezogen. ?m Saisceilagstoozerl der voUebühae. abends Hz« Utir im Tbeater am Bülowplatz. wird u. a. Robert Schumann».Manfred' mitLudwig Wüllner in der Titelrolle«rr AnMftrilNg gelangen. Mitwirtend«: Der Berimer Dolls-Char, da» SaRner Etnsonie�drchestrr. Lriwng Dr.«dost Zander. ni> Musik. Heiterer Opernabend./ Städtische Oper. Zwei alte Neuheiten, zwei Opern, die sozusagen noch kein« sind. „L. a s e r v a p a d r o n a"—(der Name ließ« sich immerhin auch ins Deutsche übersetzen und bedeutet: Die Magd als Herrin)— nur als lustiges Zwischenspiel gemeint, um die Pausen der ernsten Oper zu füllen, ist das unzerstörbare Urbild der opera bukka unlz der glänzendste Ansang ihrer Geschichte geworden. Lebendig geblieben durch zwei Jahrhunderte: weil der Spaß, den die Handlung macht, sich nicht abnützt, und vor allem, weil die Musik des Neapoli- taners P e r g o l e s i— des selben, dessen„Pulcinella" durch Strawinsky eine Art neuer Popularität erlangt hat— frisch, natürlich, unmittelbar wirksam ist, nämlich von überzeitlicher Genialität. „Der D o r f b a r b i e r" ist noch ganz Wiener Singspiel, ein wenig possenhaft zum Teil und im Geistigen von rührender Be- scheidenheit; ober das Vorbild, das die Spieloper Lortzings darin gefunden, ist nicht zu verkennen. In dem Vergnügen, das uns die Wiedergabe bereitet, gibt freilich die Freude am historizistischen Aesthetisieren der, Ton an. Aber gar zu fühlbar fehlen im Grund- ton dieser kleinbürgerlich netten Musik, die das ihr gemäße Spiel mit sinnigem Behagen begleitet, Lust und Mut zur Diversion in „weit entfernte Tonleitern", wie Johann Baptist Schenk sie bei seinem Schüler Beethoven, dem„guten Louis", treuherzig bewundert. Alles in allem zwei Stunden beglückend leichtes Theater. Dank Bruno Walter und seinen Mitarbeitern: Karlheinz Martin und Emil Preetorius. Und vor allem Dank der unoergleich- lichen Maria I v o g ü n. Dos Haus in der Bismarckstraße ist zum intimen Kammerspielhaus geworden an diesem Abend, zugleich Festabend des Vereins„Berliner Presse". Er klingt aus in läuten Ovationen für Bruno Walter, der, um also gefeiert zu werden, des aktuellen Anlasses der„Opernkrise" nicht bedurfte. Wir hoffen, in kürzester Zeit zu erfahren, daß sie überwunden ist. Ki. P. //Oer Lunge Chor" in der Singakademie Ein Konzert des Thießenschen Jungchors ist immer ein Ereignis. Die vorzügliche Vorbildung erlaubt dieser Elileschar, im Programm ohne alle Konzessionen ihren eigenen Weg zu gehen, und Heinz Thießens Stempel wäre auch ohne Nomen weithin erkennbor. Von den oorklassischen Gesängen ist das„Festlied" von Schütz derb und bieder, das„Liebe erwockit" von D o w l a n d weit wir- kungsvoller in Chorklang und Satz, auch seelisch eindringlicher. Bon den alten Volksliedern ist weder das streng kontrapunktische„Drei Laub" noch dos„Braune Maidelein" besonders aufregend. Einen merkbaren Ruck fühlt man von den vier„internationalen Volks- liedern" an, deren Bearbeitungen von Heinz Thießen wahre Kost- barkeiten sind. Die einfacheren„Da droben".„Schöne Minka" und das schweizerische„Das Gäßle" sind bei aller Satzkunst viel natür- licher und zündender als manche früheren seiner Bearbeitungen, Auch die teilweise» neuen Tendenzchöre sind freudig zu begrüßen. Scherchens„Wir sind so gemein" steht an Plastik und packender Wirkung weit über seinen vier„Lancashirc-Liedern", und das .Lampslied der Bauern" von Walter Rohdc ist textlich und musikalisch ein brillanter Treffer. Hier zeigen sich auch die höchsten Qualitäten des Dirigenten. Zwei Originaltompositionen van Thießen aus dem„Frühlingsmystcrium",„Krankenhaus" mit seiner feinen, sensiblen Gedantenlyrit, und der kanonische, prachtvoll zusanimengeraffte„Chor der Arbeit" preßt der dirigierende Koin- pomst mit all dem Zauber und der hämmernden Energie aus, die nur ihm so eignet. Das Bläserquintett Völker, Blumensaat, Schwägert, Machut uird Binncr bringt in vorzüglidicr, souveräner Ausführung H i n d e m i t h s op. 24 Nr. 2, eines seiner sympathisch- sten, durch Richard Strauhsche Anklänge besonders gewürzten Kammermusikwerke. dl. Mr. Bauwunder in Moskau. Bor dem Weltkrieg war Rußland das weltbekannte Wunderland der Bestechungen. Heute ist das sreilich anders, da es vielfach denen an Bargeld fehlt, die gewohnt rvarew andere zu bestechen. Dasür geschehen Materialwunder. Hier«in Beispiel. Eine öffentlich- rechtliclze Baugenossenschaft baut mit staatlidier Hilfe etwa 27 Häuser. (Im ganzen wurden in dieser Zweimillionenstadt 1928 nur 159 Neubauten fertig. Mangel an— Ziegeln!) Also man engagiert einige hundert Bauern, die Ziegel nach Moskau fahren müssen, die Fabrik ist in der Nähe Moskaus. Die geplanten Bauten konnten aber nicht ausgeführt werden, weil zu wenig Ziegel ankamen, trotz- dem genug bestellt waren. Es zeigte sich nach langem Suchen, daß eine ganze Anzahl von Häusern durch private„Initiative" aus den unterwegs gestohlenen Ziegeln gebaut worden ist! Ein Teil der Moskauer Presse sagt: nun, wenn schon, gebaut ist doch und verloren ist nichts. Ein anderer Teil sagt: nein, die illegalen Häuser müssen eingerissen werden. Denn wohin kommt der Sowjetstaat, wenn dergleichen. Methoden sich ausbreiten'? Jetzt hört man aud), daß für die verschwundenen zehn Millionen Steine ein regelrechter Marktpreis bestand und viele der Käufer keine Ahnung hatten, daß sie„verschwindende Ziegel" tauften. Arattor— die„Dürer-Schrift". Beim Dürer-Iubiläum im orrigen Jahre ist eine Tat des Meisters wenig beachtet worden, die für uns noch heute von größter Bedeutung ist. Das ist nämlich der Anteil, den Dürer an der Schöpfung der Frakturschrift, der eigentlich deutschen Schrift, hat. In welchem Umfang der Meister bei der Ent- stehung der Fraktur mitgewirkt hat, läßt sich nicht genau erweisen: es ist aber zweifellos, wie Max Fleck im Buchhändler-Börsenblatt hervorhebt, daß Dürer bei dem Entwurf der Schritt gewissermaßen Pate gestanden hat und den Schreibmeister Johann Neudörfscr sowie den Formenschneider Hieronymus Andrea, die die ersten Buchstaben' in Fraktur geschaffen hoben, mit Rat und Tot unterstützte. Fleck schlägt daher vor, daß die Fraktur, die bald ihren Stegeszug durch das ganze deutsche Schrifttum antrat und es bis zur Gegenwart beherrscht, zum Andenken an diese Tat„Dürer-Schrist" genannt werden soll. Sin Konzen in der preußischen Akademie wird Dienstag. 26., 8 Uhr, von der Meisterschule des Professors Georg Schumann veranstaltet. Ver Komponist veer-walbrunn gestorben. Der Komponist und Professor Ott der staatlichen Akademie der Tonkunst Anton Beer-Walbrunn ist in München im Alter von 64 Jahren gestorben. Der Verstorbene ist u. n. bekannt geworden durch die Oper„Don Outchote" und.D-S Ungeheuer" und die Burleske„Wölkenkuckucksheim". Ein neues krebsforschongsinsllii.'!. Der Amerikaner S. CunniKa CkildS hat 100009 Dollar jurn Grundstock!ür ein in Wien zu errichtendes KrebSiorjchungSinstiwt gespendet. Das Institut, dessen Herstellungskosten sich ans 400009 Dollar betausen werden, dürste aus dem Gebiet der Krebsforschung und cheiinng da» größte der Erde werde». Ein Sonntag der Jugendweihen. In diesen Tagen verlassen wiederum Tausende von Kindern die Schule und treten in das Berussleben, in das Heer der Proletarier ein. Diesen Kindern, die jetzt von ihrer Zugend Abschied zu nehmen haben, galt der gestrige Sonntag, der Tag der Jugendweihen der Arbeiterschast Grotz-Berlins. Die Kinder, die gestern im Großen Schauspielhaus die Weihe empfingen, gehörten dem Jahrgang 1914/1915 an, waren also jene, die in der Zeit der großen Entbehrungen und der' stärksten Ein- schränkungen Kinder waren. Stärker als sonst traten bei diesen jungen Menschenkindern die Zeichen der„P r o l e t a r i« r k r a n k- heiten" in Erscheinung: Rachitis und zurückgebliebenes Wachs- tum, Folgen der Unterernährung derHlgroßen Zeit". Vielleicht wirkte die Feier im Großen Schauspielhaus darum so besonders ergreifend, denn all die vielen unter den Jungen und Mädel, die schmächtig und engbrüstig blieben, sind ja bestimmt, in wenigen Tagen schon täglich in die Fabrik oder in die Werkstatt, ins Bureau oder gar von den Eltern sort in einen fremden Haushalt, zu gehen und zu arbeiten. Als die Feier im Großen Schauspielhaus um 9 Uhr begann, war der riesige Zuschauerraum bis zum letzten Platz ge- füllt, und alles lauschte andächtig den«inleitenden Vdisikvorträgen und d«m von Heinrich Witte gebrachten Vorspruch.— Der Junge Chor erfreute durch sein hervorragendes und gut ge- schuktes Stimmaterial. Das von ihm gesungene Festlied: Run weiht diese Stund« Und heiligt diesen Ort Im brüderlichen Bunde Mit ernstem, treuem Wort, Schwört auf ein neu Gebot: Nur Dienen, Lieben, Schassen Sind unsere Wehr und Waffen Im Leben bis zum Tod tonnt« nicht glücklicher gewählt sein, d«nn Sinn und Endziel des Sozialismus läßt sich kaum auf eine klarere und knappere Formel bringen. Die Weihred« hielt die Genossin Mathilde Wurm, die seit drei Jahrzehnten für die Völkerbefreiung durch den Sozialis- mus kämpft und die Arbeiterschaft im Reichstag vertritt.„Es ist etwas Großes um die Gemeinschaft der Arbeit, in die ihr morgen eintretet" war der Ausgangspunkt ihrer Weihrebe. Sie forderte die jungen Genossen und Genossinnen auf, mitzuarbeiten und mit- zukäinpfen an der Völkerbefreiung und einzutreten für die geistige Freiheit. Noch sind die Massen der Arbeiterschaft nicht erlöst aus den Fesseln und dem Joch der Wirtschaft. Dieses Joch beseitigen und an seine Stelle freie und würdige Arbeitsbedingungen zu setzen, das können nur die Arbeiter selbst.„Wacht auf, Verdammte dieser Erde!" Aber nicht Waffen und Gewalt sind das Mittel zum Dölkeraufstieg, sind Mittel, um die unwürdige Macht des Menschen über den Menschen zu brechen, sondern die große Menschen- liebe, die Völkerverständigung sind die Mittel zur Hebung der Kultur. Die Mahnung, die Genossin Wurm den Kindern mit auf den Lebens- weg gab, lautete:„Neue Menschen zu werden, das sei euer Ziel. Seid stark im Festhalten an eurem sozialistischen Ideal!" Aus den nun folgenden musikalischen Darbietungen dürfte das vom Jungen Chor vorgetragene„W ir pflügen und sä'n" durch seinen Rhythmus sich allen denen, die an der Feier teilnahmen, besonders eingeprägt haben. Nachdem der Sprechchor„Es stehen viel Blumen aus der Aue" zu Gehör gebracht hatte, konnte Ge- nosiin Wurm nochmals einige kurze Mahnworte an die jetzt: jus Leben tretenden jungen Arbeiter und Arbeiterinnen richten. höchst eindrucksvoll verlief auch die Feier der Jugendweihe, die der Verband der Freidenker in der„Volksbühne" veranstaltete. Ein Solotrio des EMV. füllte das schöne Theater mit stimmungsvoller Musik. Die klaren Stimmen des Neuköllner Sangerchors brausten auf und rissen die letzte Verzagtheit unserer jungen Freunde hinweg. Dann zeigte ein fröhlicher Tanz der Gruppe Herta Feist, daß auch Schönheit und Rhythmus in sozio- listischer Ideenwelt wurzelt. Genosse Dr. L o e w« n st e.i n betonte in seiner Festrede nochmals das Gemeinsame, das die Arbeiter aller Länder zusammenbindet, das gleiche Schicksal, der gleiche Wunsch, die Welt glücklicher und schöner gestalten zu helfen. Die große Kulturbcwegung wird sich erst in der proletarischen, sozialistischen Gesellschaft gestalten, dann erst, wenn die Arbeit frei sein wird von den Fesseln des Kapitals. An den Mut, die Entschlossenheit und an die Treue der Jugendgenossen appelliert er mit schlichten, ver- ständigen Worten und schärft den Jugcndgenossen ein, daß die hoff- nung der Aelteren nur auf ihnen allein beruht, weil sie es sind, die den Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse weiter fortsetzen und zum Siege führen sollen. Durch die Stille des dichtbesetzten großen Raumes fühlte man die Wirkung, die diese Worte geweckt haben.' Genossinnen vom Sprechchor packten die herzen, und stür- misch drängend kam zum Schluß das Treugelöbnis aus dem Munde der jungen geweihten Kampfgenossen, hoffentlich sind sie auf immer unseren Fahnen gewonnen. Zweimal mutzte die Feier wiederholt werden, weil dos Theater die Masse der Besucher auf einmal nicht fassen konnte! „Wir weihen euch der Jugendfröhlichkeit, wir machen euch zu Kampf und Ernst bereit." Unter diesem Sinnspruch vollzog die Sozialdemokratische Partei gemeinsam mit der Arbeiterjugend die Jugendweihe der Pankower Schulentlassenen. Für die Jugend, die den ersten Schritt ins Leben wogt, hatt die Sozialistische Arbeiterjugend mit Fleiß ein ausgezeichnetes Programm zusammen- gestellt. In Sprechchören, in Einzelrezitationen, in Gesang und Tanz zeigte sie den Jungen und Mädeln chre Arbeit, ihren Kampf und ihre Jugendfröhlichkeit. Das Lichtspielhaus Tivoli war am Sonntagvormittag bis auf den letzten Platz besetzt. Fast hundert Jungen und Mädel waren zur Jugendweihe angemeldet. In Vor- bereitungsabenden waren sie eingeführt in die Jdeenvoelt des Arbeiters. Die Jugendweihe erhielten sie in einer Feierstund«, die in ihrer Programmgestaltung aufzeigte, eine wie hohe Kulturarbeit in den Reihen der Sozialistischen Arbeiterjugend geleistet wird. Ein Programm, das alle, jung und alt, mitriß! Nach Volkstänzen stand der Sprechchor der Jugend auf verhangener Bühne, und kalt und grausam steigen die Jahre des Krieges aus der Dichtung eines dieser Jungen herauf. Pionier will sie sein, die Jugend, gegen den Krieg für Völkerversöhnung und Sozialismus erzieht sie ihre Mitglieder. Symbolisch war es, daß nicht einer der Alten die Jugendweihe voll- zog. Als die Schulentlassenen auf der Bühne standen, war die Arbeiterjugend neben ihnen. Aus ihrer Hand erhielten sie da« Er» innerungsbuch an diese Feierstunde. Hand in Hand verließen die Jugend und die Schulentlassenen mit dem Gesang„Auf Sozialisten, schließt die Reihen" und wehenden Fahnen den Saal. Die �ache des Verschmähien. Ein tödlicher Schuß vor dem Dahnhof Eharlottenburg. Eine Liebeslragödle spielte sich gestern gegen Mllernacht auf dem Stuttgarter Platz in unmittelbarer Rilhe de» Bahnhofe» Eharlottenburg ab. Ein 28 Jahre alter Schmied V o g e l, der in der Paukstrah« 28 wohnt, hatte früher mit einer Arbeiterin Hedwig P. aus der Stephanstraße ein Liebesverhältnis, das zur Ehe führen sollt«. Die Geliebte gab ihm jedoch schließlich den Lauspaß und wandte ihre Liebe einem anderen, namens R o s e n o w zu, mit dem sie sich auch verlobte. Vogel konnte sich nicht beruhigen', machte wiederholt, aber vergeblich, Annäherungsversuche, und schwur, als er abgewiesen wurde, der früheren Geliebten Rache. Gestern abend beschloß er, seinen Plan auszuführen. Er muß ausgekundschaftet haben, daß dos Paar einen Ausflug gemacht hatte und daß es nach dem Bahn- Hof Eharlottenburg zurückkehren werde. Mit einer Mehrladepistole bewaffnet, lauerte er dort. Sofort schlug er auf Hedwig P. an, de: sein« Rache eigentlich galt. Rosenow deckte seine Geliebte mit seinem Körper und so erhielt er den Schuß. Die Kugel drang ihm in den Bauch, so daß er schwer verletzt zusammen» brach. Jetzt richtete Vogel die Waffe auf das Mädchen und drückte ab. Die Pistole versagt« scdoch zum Glück, und bevor er sie � in Ordnung bringen konnte, sprangen Bahnbeanüe und andere Leute dazu, ergriffen ihn und hielten ihn fest, bis Polizcibcamte heran- kamen, denen sie ihn übergaben. Rosenow wurde nach dem Krankenhaus Westend gebracht und st a r b dort gleich nach der Aufnahme. Der Verhaftete wurde heute morgen der Mord- lnspektion A im Polizeipräsidium vorgeführt. Schiedsspruch im Nuchbindergewerbe. Fünfpfennigzulage in der Spihe. Ain 21. März wurde über«ine Neuregelung des am Z. April ablaufenden Reichslohntarifes für das deutsche Buchbindergewerbe zwischen dem Verband der Buchbinder und Papierverarbeiier Deutschlands und den Unternehmern in Berlin verhandelt. Ver- geblich, weil die Unternehmer jede Lohnerhöhung abge- lehnt haben. Das von den Unternehmern angerufene Reichs- arbcitsminifterium setzte einen Schlichtungsausschuß ein, vor dem am 28. März im Reichsarbeitsministerium verhandelt wurde. Das Ergebnis war ein Schiedsspruch, in dem es heißt: Der bisherige Spitzenlohn von 1,99 M. pro Stunde wird mit 3)ie �Brandstätte in Borsigwalde S>*r XraHposl-tFerk in Morsipiraldc rrurde, irie beridüd, am Sottnabend ron einem ßroßfener heimgesucht. Vilser Süd szeifli die Zrümmer der zerstörten SleparatunterksläUen. Bhfung vom 4. Äpi* auf 1,14 M. fefig�etzt. Ale Drisge» Dehn. säße errechnen sich nach dem Lohnschema des Reichs manieliartfs, Der Vertrag soll erstmalig zum 2. Juli 1989 kündbar sein. Ausdrücklich fei bemerkt, daß es sich bei diesem Xorifstreit um die Arbeiterschast in den Geschäftsbüchersabriken, in den Brief- umschlagsabriken und den handwerksmäßigen Betrieben der Buch- binderei handelt._ Llnorganisierte gegen Gewerkschaften. Zum Wahlovstfall bei der Derlchrs-A-G. „Gegen den Strom" geht der Behauptung der„Ztoten Fahne" auf den Grund, als habe die„neue Taktik" der KPD., in ihrem Kampfe gegen die Gewerkschaften sich mit den Unorganisierten zu verbünden, bei den Betriebsrötewahlen der Verkehrsarbeiter zum Erfolg geführt. Demgegenüber weist da» Blatt der SPD.-Aus- geschlossenen auf die Feststellung hin, daß die auf der Liste de: „revolutionären Organisationen" gewählten 17 Arbesterräte alle sreigewerkschaftlich organisiert seien. Zwei davon seien zwar aus dem Derkehrsbund ausgeschlossen, Deter und ein an der Bierglaswerferei Betestigter, doch auch diese beiden gehörten noch einer freigewerkschaftlichen Organisation an. Die KPD. habe allerdings versucht, die„neue Taktik bei den Berkehrsarbeitern anzuwenden." „Di« Instanzen verlangt«,, daß unbedingt«in Unorganisierter aus die Liste müsse, auch wenn dafür ein Parteigenofie zu streichen fei. Well bei den Hoch» und Undrgrundbahnern da» Organisastons- Verhältnis ein sehr günstiges ist und weil die Unorganisierten dort zu den untenvüriigsten, direktionsfreundlichsten Elementen gehören, veranlaßt« diese Zumutung den Genossen Deter auf der Delegiertenkonferenz im S. Verwaltungsbezirk(der KPD.) zu der Bemerkung: „Daß die Unorganisierten revolutionärer sind, als die Or-- ganisierten, hoben wir ja nun schon oft gehört, daß sie nun aber auch revolutionärer sind al- ein(kommunistischer) Parteigenosse, das ist mir neu." Deter habe sich geweigert, zusammen mit Unorganisierten und Hirschen aus eine Liste zu gehen und da« ZK. habe schließlich nach- geben, die„neue Linie" preisgeben müssen. Bei Windler darf nichi mehr geohrfeigi werden. Aber die KpO. darf sich selber ohrfeigen. Wir berichteten im„Abend" vor kurzem über da» arbeits- gerichtlich« Nachspiel einer Lehrlingsmißhandlung bei der Firma W i n d l e r A.»G., wo die Lehrlings.ausbildung" des Mci- ster» Bettzüche mit Ohrfeigen begleitet wird. Unsere Veröffentlichung ist nicht ohne Erfolg geblieben. Die Firma hat nunmehr mir der Betriebsvertretung vereinbart, daß kein Lehrling mehr im Betriebe geschlagen werden darf. Lehrlinge, die durch ihr Verhalten oder ihre Tätigkeit Anlaß zu berechtigten Klagen geben, erhalten schriftliche Verwarnungen. Nach dreimaliger Ver- wornung werden die Eltern gebeten, zur Firma zu kommen, um sie zu bewegen, ihren erzieherischen Einfluß auf ihr Kind geltend zu machen. Falls diese Rücksprach« mst den Eltern des Lehrlings keinen Erfolg hat, ist die Firma berechtigt, vom Lehroertrag zurück» zutreten. Es braucht nicht ausdrücklich betont zu werden, daß Lehrlinge nicht durch Schläge zu brauchbaren Facharbeitern erzogen werden. Der„Roten Fahne" war dieser bedauerliche Vorsoll wieder ein Lorwand, die sozialdemokratischen Betriebsräte„an den Pranger zu stellen", um damit die Notwendigkeit der Aufstel- lung von„roten" Vetrlebsratskandidoten zu beweisen. Es ist ihr freilich wieder«in kleiner Irrtum unterlaufen. Der von ihr an- gegriffene Betriebsratsvorsitzende Kopf der Firma Windler ist nicht Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, lehnt jede Partei- politisch« Bindung ob, sympathisiert aber mit der sogenannten „Opposition". Denn also dank unserer Kritik bei Windler nicht mehr geohrfeigt werden darf, in der KPD. darf man sich fröhlich selber Ohrfeigen austeilen. kevfiiM-Medeafch»«. Wat m frübere« Jahr« an fremder Släite veranstaltet wurde, da» kann nunmehr im eigenen Heim vor sich gehen: im ErsrischunzSrau« ihre«»arenhaufe« am Oranienplatz veranstaltet die Konsumgenossenschaft Derlin und Umgebung am Dienstag, dem 2«.. und Mittwoch, dem 27. März. Modevorführungeir an zwei verschiedenen Tageszeiten: sowohl vormittag« 10 Uhr wie nachmittag» 2 Uhr werden den Frauen und Mädchen der grotzen Genossenlchalts- famil!« die schönsten und geschmackvollsten Schöpfungen der diesjährigen Frühjahrsmode gezeigt nnd damit eine Werbung durchgeführt, deren Eigen- heit den genoffcnschastlichen Warenhaufer« sicher neu« Freunde gewiinic» wird. Varlrag im Rtrndfvvk. Im Rahmen der emmal wöchentlich stattfindenden Bücherstunde spricht morgen, Dienstag, 1« Uhr. in, Berliner Rundfunk Genosse Dr. Paul Kampsf meyer über das Thema:„Biographien führender S o z i a l i st e n". Zur Besprechung gelangen die neuesten Schriften über Marx, Losialle, Viktor Adler, Lenin, Rosa Luxemburg und Eisner. Von Nah und Fern, Durch die Tagespreste Wilhelmshaven» hat die Marinewerft zwei alte Torpedoboote zum Verkauf angeboten. Der Käufer wird sich wie bei den Minenbooten verpflichten müssen, ob- wohl das nicht ausdrücklich bestimmt ist, die Torpedoboote umzu- bauen und friedlichen Zwecken zuzuführen. Bei den zum Berkauf gestellten Torpedobooten handelt es sich um solche aus den Jahren 1909 und 1997. Sie tragen die Nummern T. 144 und T. 146 und find 530 Tonnen groß. * Graf Henckel von Donnersmorck auf Schloß Neudek in Polnisch- Oberschlesien ist in der Nacht zum Sonntag einer doppelseitigen Lungenentzündung erlegen. Der Verstorbene hat vor einigen Iahren die Führung des Deutschen Volksbundes übernommen und noch vor kurzem nach der Verhaftung des Abgeordneten Ulitz eine Sitzung des Lerwaltungrates des Deutschen Volksbundes geleiket. » Am S. April 1929 tritt in Stuttgart der Vorstand des Deut» lchen Landkreistages zusammen. Zur Beratung stehen Fragen der Wohnungsbauförderung und des Internationalen Verbandes für Wohnungswesen, Finanz- und Steuerfragen und das Problem der Kleinrentnerfürsorge. Am 2. und 3. Mai 1929 tritt in Aachen der Vorstand des Preußischen Landkreistages zusammen. * Der Preußische Lehrerverein hält vom 3. bis 5. April 1929 In Dortmund eine Tagung ab. Auf der Tagesordnung steht neben anderen wichtigen Themen aus dem großen Aufgabenkrcis der staat- lichen Schulpflege und-fiihrung ein Vortrog über den„Ausbau der Volkijchulc". Sullusmmijter Becker Hot jein Echhcinsa ziigejagl. jSefVoge Montag 25. März 1929 AprÄblMd SfJUaulfaHt-tüt IbieärA Prohibition. Prohibition... Line feuchte Wanderung durch das trockene Amerika Wir verösfentlich«? die Ausführungen Mane-Therefe öhemmer» mit Vorbehalt. Man braucht die Objektivität � ihrer Schilderungen nicht zu bezweifeln, um sich nicht dach bewußt zu bleiben, daß es auch ei» anderes Amerika gibt. Trotzdem bleibt es nützlich, auch sinmal die Kehr- feite der Prohibition zu betrachten. Am dritten Tag nach meiner Anbunft m New Pork sah ich in gemütlicher Familienrunde vor lieblich duftendem Punsch. „Was ist das, Froschgift?- fragte Onkel Nob,„ich Hobe etwas Besseres mitgebracht-, und stellt« ein paar echte, importiert«, schön verkapselt« Schnopzflaschen aus den Tisch.„Probier erst einmal Georges cheim-Dräu, das ist ihm diesmal wirklich glänzend ge- lungen,- forderte die Wirtin auf, und zu meinem Staunen famniel- ten sich auf diesem friedliche», bürgerlichen Tisch im trockengelegten Amerika Flaschen, Krüge, Gläser wie zu einem Saufgelage. Im Spnchleischen Auf der Oberfläche ist Amerika trocken, wo man es aber kratzt. da fließt Alkohol heraus; schlechter und teurer Alkohol. In jedem zweiten chous findet sich ein„Speakeasy"— ein„Sprichleischen", eine heimliche Kneipe.„Es ist gut, zu wisicn, daß es keine Kneipen mehr gibt, aber es ist besser, zu wissen, dah es welche gibt-, sagt der Amerikaner und kommt sich schrecklich witzig vor. Früher war es den Leuten peinlich, angetrunken zu erscheinen, heutzutage ist es der größte Spaß. Gestern haben wir uns«in Speakeafy, ein Sprichleischen, an- gesehen. Natürlich«in anständiges Sprichleischen, in das man eine Dame nehmen kann. Wenn man auch in jedem Restaurant, in jedem Lebensmittelladen, den edlen Stoff bekommen kann— man muß nur wissen, wie die Parole heißt: das rechte Auge zu oder die Nüstern blähen— hin und wieder möchte man doch mit Freuden bei einem guten Gläschen in ein«? gemütlichen Ecke sitzen. Wir klingelten an der Tür eine» normalen Wohnhauses und man beöugelte uns durch einen Spalt. Da mein« Freunde bekannt waren, wurde sofort geöffnet. Ein kleinbürgerliches Wohnzimmer mit Möbelgerümpel. Ein Kellner in schäbigem Hausanzug serviert Scotch Roc Rye, Gin oder Burbon Whisky, das Gläschen 2,50 M. Kleine Angestellt«, Geschäftsleute sitzen herum. Hier ist es einfach langweilig. Wir werden in ein etwas eleganteres Sprichleischen gehen müssen, in dem das Möschen schon einen Dollar kostet. Die Sprichleischen in New Bork sind so mannigfaltig an Schat- 5Ü ticmngen wie die Frühlingsblümchen auf der Wiese. E? gibt haus- dackene, fast puritanische Sprichleischen, in denen ein« stille, alte Dame— die auf diese Weise vielleicht das Geld für das Unioersi- tätsftudium ihres Sohnes verdient— bedient; es gibt Hinterzimmcr in Arbeiterwohnungen, die Kneipen sind; es gibt Stammlokale für alle Gattungen von Menschenkindern, und wenn du vielleicht glaubst, das ist eine chemische Waschanstalt— nein, das ist ein« Schanlsiubc, in dem während der Freistunde der Kommis aus der Schlipshondlung mit Peggie, den, Fratz aus dem Strumpfband- Inger, kneipt. Wenn der policeman kommt Natürlich gibt es auch Nachtlokot« und Ton.zdielen. Im all- gemeinen bekommt man dort ober keinen Attohol, weil sie der Polizeinase zu leicht zugänglich sind. Aber Alkohol getrunken wird auch dort, mehr sogar, als bei uns in Europa. Draußen an der Gailderob« legen die Herren ihr« Pelzmäntel ab. übergeben mit Grandezza ihren Hut, überstreichen mit Eleganz ihren Schlips und spazieren mit einem schöbigen Bündel unter dem Arm in den Saal. Jedermann sein eigener Wirt. Der eine hat einige Flaschen in Ieitungspapier gewickelt, der andere bringt eine Aktentasche, der dritte einen ganzen Reisekosfer. Und Selters und Fruchtsaft verwandeln sich plötzlich in Whisky und Wein— es ist die reinste Hochzeit von Kanaa. „Was mm, wenn dl« Polizei die Bude überfällt?- fragt« ich meine Freund«. .Hier in diesem Lokal ist es ziemlich sicher; wir haben drei Polizisten, die draußen Wache stehen.- Die Hauptsache ist, daß einem die Polizei nicht»nochweisen kann, daß einem der verpönte Stoff gehört.„Woher kommt die Flasche auf Ihrem Tisch?"„Aber bitte, keine Ahnung, eben stand sie noch nicht da!- Und man stößt die Reserveslaschen mit einem Bein diskret unter den Stuhl des Nebenmannes. Prosit! Whoopce! Ein« arme Frau dagegen, Mutter von lO Kindern, haben sie soeben in einem der amerikanischen Staaten zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, weil sie zum vierten Male Alkohol verkauft hat. Nach dem Gesetz dieses Staates ist der Berkaus von Alkohol nicht eine Gesetzesübertretung, sondern ein Verbrechen. Wer zum vierten Male für ein Verbrechen abgestraft wird, bekommt lebenslänglich. Da ist nichts zu machen. Di« Hexe wird verbrannt. Erwisch ober einer einmal einen entschlossenen, profitwütigen New Yorker Geschäftsmann, der Alkohol en gros, herstellt! Da brachten die Abendzeitungen neulich einen amüsanten Fall. Aus einer Streife stieß die Polizei auf eine große Schnapssabrik. Röhren, Tuben, Fässer, Flaschen, schtvirrende Moschinen. Schnaps fließt von Faß zu Faß: ilt das eine voll, schalten sich die Röhren selbst. tätig ein und füllen das nächste. Die brave Polizei kratzt sich hinter den» Ohr. Wen soll man hier verantwortlich machen? Niemand ahnt, wem der Betrieb ge- hört, memand weiß etwas. Wer ist der Inhaber der Wohnung? Der Mister hat sie dem Untermieter vermietet, der Unter- dem Unteruntermieter, d«r Unteruntermieier dem— wo mag der Kerl bloß stecken? Die Polizei beschlagnahmt don Vorrat, während das Unternehmen an einem neuen Ort schon wieder zu blühen beginnt. Materialoermchtung? Verlust? Kleinigkeit! Bei der Konjunktur! Auch gibt es ja Dersicheningen. Die Schnspsindustri« ist groß- zügig organisiert. Kleine Geschäftsunfälle kommen natürlich olle naselang vor. Die Detektive nehinen ein Speakeasy, ein Sprichleischen, aufs Korn: B*! ist der Schnaps? Die Detektive suche» in allen Ecken, alles � � U SS« äSügtfU&L aus den» Wasserhahn dort?„Whisky?" sagt der Kellner erstaunt und schüttelt mit dem Kops.„Ja, ich habe immer so meine Zweifel in die heilige Schrift gesetzt, aber jetzt glaube ich, daß sich Moses' Stab m eine Schlange verwandelt hat. Whisky aus den» Walser- Hahn?— Wer hätte da- für möglich gehalten!" „Wem gehört dies« Wohnung?" fragt der Polizist, denn er kann sie für zwei Jahre sperren, wenn er den Besitzer findet. Aber der Kellner Hot keine Ahnung, er hat seine Stellung erst vor einer halben Stunde vertretungsweise angetreten.... Hin und wieder wird die Polizei wütend, demoliert die ganze Bude und sperrt den, der ihr gerade zwsschen die Beine rennt, ins Loch. Damit muß man rechne»»— es kann einem ja schließlich auch ein Dachziegel ans den Kopf fallen. Daß bei derart eininenter Explosionsgefahr bei der Hand- habung. von Alkohol die Preise haarsträubend sind, ist nicht zu ver- wurrdern. Doch gibt es ein Auf und Ab, je nach der Geschäftslage. Bei Nebelwetter, wenn die Schnapsflotille guietfchvergirügt die Küste anschleichen kann, sinken die Preise. Uebrigens braucht man sich durchaus nicht auf die Angaben seines Liftboys zu verlassen. Magazine notieren ungeniert die Kurse der Schnapsbaron« und geben den„Kostenpunkt" für die Einzelflasche. Kein Gesetz ka»m sie daran hindern. Braue zu Hause Der klein« Mann, d«r mit diesen Preisen mcht mitkann, braut zu 5)ause. Amerika— konstatiert ein Statistiker— gibt' für die Maschinerie zur Herstellung von alkoholischen Getränken iin Privat- Haushalt soviel Geld aus, wie für die gesamte Filmfabrikation. Kann die Polizei einer Hausfrau verbieten, sich Malzsyrup, Schläuche, Korken, Zucker»md Weintrauben zu kaufen? Das Kamel auf einein Reklameplakat der Malzsyrupfobrik zwinkert mit einem Auge... Und warum muß man Weintrauben absolut al» Trauben ver- kaufen? So viele werden zerdrückt— worum nicht gleich zer- drücken und in Fässern auf den Markt bringen? Ein bis auf die Knochen trockener Propagandist hat dem kalifornischen Wcinhandel in seiner Naivität hilfreich unter die Anne gegriffen. Er kaufte solch ein Fäßchen Traubensast, ließ es ein paar Wöchelchen in feinem Bureau stehen, und als er eines Tages prüfte— enthielt sein Sästchen leibhastige 12,85 Proz. Alkohol. Da ging er hin und erhub«in Zctermordiogeschrci in der Presse. Worauf das Geschäft blühte. Man kann schließlich ebensowenig jedem Käufer eines Fäßchens Traubensaft einen Polizisten zur dauernden Beobachtung auf die Bude schicken, wie es angeht, die Leute auf der Straße noch Schnapsflakons abzutasten— der Spaß ginge denn doch über den Spaß. Schnaps in der Brieftasche Würde nion aber taste»», man hätte sein« hell« Freude an den entzückenden Necessairechen und geschliffenen Glasbehältern, die zum Vorschein kämen. Meine Freundin Glvendoline z. B. hat ihrem Mai»n zu Weihnachten ein« reize>»de„Whcopee Case" geschenkt, eine Brieftasche mit genial konstruierten Fläschchen, runden, flachen, gewölbten; sie schmiegen sich konturenlo- an die stolze Männer- brüst und fassen etn>a% Liter.„The New-Yorker", das elegante Magazin, bringt in der Nummer vom 15. Dezember auf Seit« 93 einen gutgelaunten, kleinen Hiniveis auf die Einkaufsquellen der- artiger Weihnachtsgaben. Hübsche Neuigkeiten gibt es in allen Warenhäusern, z. B. unter den Cocktail-Shakern, allerhand scherz- haste Korkzieher und Flaschenöffner. Abercrombie, Modison Avenue, empfiehlt kleine Reisekofser mit besonders reizvoller Flaschenausstattung: Eastmai» Brothers, 46the Street liefert besonders preiswert« kleine, tragbare Bars; Hammacher, Schlemmer, Ovingto» usw. offerieren alles Ausdenkbare an Trinkerutenstlien in feinster Ausführung. Und für den„iittl« Snister", für den kleinen Schnapsler, korkumwundene Taschenflakons in Lederhüllen zu 3,95 Dollar. Diese Dinge gehen wie die heißen Semmeln. Wirklich,»nitunter ist man geneigt, zu sagen, seit Einführung der Prohibition ist das Trinken Ehrensache in den Staaten. Der Backfisch nippt an seinem Flakon; die Tag« der Apfelkuchen und Schlagsahne sind vorüber. Der errötend ihren Spuren folgende Jüngling führt feine Flamme nicht mehr in die Koriditorei— er nimmt sie in ein Sprichleise. Auf dem Land macht man abends Autotl'inktouren. Die Studentin trinkt, das Societygirl trinkt, die »vohlerzogenstei, Mädchen, die Mädchen der„Junior League", deren Mitglieder der besten Gesellschaft angehör«», trinken. H«ut« spa» ziert uw» nicht mehr Zigaretten rauchend durch die Räume, sondern Cocktail schüttelnd. Wer stimmt trocken? Anfangs waren die kalifornischen Weinbauern naß— sie fürchteten für den Weinbau; jetzt stimmen sie trocken. Wer Gummi- schläuche, Utensilien für Alkoholsabrikanten verkauft, stimmt trocken: nxr Whisky verkauft— und fei es i»ur 14 Liter an die Nach- barin— stimmt trocken;»ver Schmiergelder bezieht, stimmt trocken, wie das ganz« ungeheure, im Schnaps-Engroshandel investierte Kapital, die mit Kanonenbooten ausgestattet« Schnopsflottill« bis auf den kleinsten Schiffsjungen. Und eine Nebenfrage: Rockefeller betet in der Kirche und gibt Uilsuinmen für die Antialkoholbewegung. Die Wohnung«» in feinem Riefenneubau. Block aber, die schwer zu vermieten sind, verpochtet er mit Aufschlag an Schnapswirte. Wie reimt sich das zusammen? Man darf eben nur den Humor nicht verlieren. Hlarie-Tiiereze Hemmer, New York. Wetten, die sich fremd sind Soivjetrußland und der Amazonas Brasiliens, zwei Welten, durch Abstammung, Politik, Kultur und Wclta»rschauung unüber- brückbar getrennt, gewinnen Gestalt, Leben und Wirklichkeit in den beiden neue» Romanen des Fischer-Berlages, in Arthur H o l i t f ch e r s„Es geschah in Moskau!" und in Arnold Höllriegels„Das Urivoldschiss-. Roman«?— Eher Reportagen größten Formats, Reportagen über Menschen und Dinge, Repor- tagen, die nicht an der Oberfläche haften bleiben, sondern die Er- scheinungcn von innen heraus durchröntgen, sie psychologisch»md kulturwissenschosilich ergründen wollen, und damit»vochsen sie über den Wirtlichkeitsbericht hinaus. Holitfchers Stellung zu Ruhland ist die eines leidenschaft- lichen Liebhabers, der über die Pusteln und Falten im Angesicht der Angebetenen Puder streut, ganz unbewußt und ohne die Absicht, zu täuschen. Er diskutiert mit strenger Objektivität die Probleine des Sowjetstaates, aber seine Neigung entscheidet von vornherein über die Einstellung, über das Kolorit. Wie ficht diese Welt»nin aus? Neue Formen find im Werden. Der Gärungsprozeß nähert sich dem Stadiuin der Klärung. Es ist die Zeit, als Rußland Anschluß an den«uropäisch-amerikanischen Kapitalismus sucht. Das Für und dos Dagegen wird in stürmischen Dialogen erörtert. Alle Menschen sind hier erregt durch die Leidenschast der Gedanken und Ideen. Der Intellekt revolutioniert, das Blut ist von ihm ausgesaugt worden. Die Welt erscheint als eine Gedankenkonstruttion, das Leben hat sich zu beugen. Romantische Träumerei, persönliche Liebhabereien gelten nichts vor der Macht wirtschajtlicher und politischer Diktatur. Und ein kleiner Schullehrer fährt nach Brasilien, um den Ainazonas, den Tronin seines Lebens, zu erblicken. Sein Wunsch wird nicht erfüllt, weil der Dampfer in Para liegen bleiben»nuß, es ist schon»zneder einmal«ine Revolution ausgebrochen,«in« harn»- lose allerdings, denn die Südamerikaner stehen nickst wie die Russen unter der» Z»»ong einer Idee. Revolution bedeutet ihnen nur eine angenehm� und ehrgeizig« Spielerei,«ine Opcrnhondlung mehr, die »nnn nicht besonders ernst zu nehmen braucht. Auch Revolutio»»«»» tragen verschiedene Gesichter. Aber es ist nicht notwendig, daß Hföllriegel seinen Lehrer in die Wunder des Urwaldes führt. Sie sind keine Wunder,»venn man sie erlebt, wenn man von ihnen nicht mehr träumen darf, sie in phantastischen Farben sich ausmalen kann. Höllriegel zeigt, daß auch im modernen Menschen die Sehn- sucht nach der blauen Blume nicht erstorben ist. Und träumen Holitfchers inbrünstig intellektuelle Russen nicht ebenfalls von einer blauen Blume? Sie wächst nicht im brasilianischen, üppigen Ur- ivald, sondern zwischen den Dyi»ainos der Wirtschaft. Die kalte, russische Landschaft prägt andere Menschen als die dumpfe Tropik am Amazonas, die die Herrschaft des Intellekts bricht, und wo Problem« ihre Schwer« verlieren. H o l i t f ch« r lacht nicht, H ö l l r i e g e l dekoriert dagegen feine Menschen mit ironischen Arabesken, unsspielt sie mit' einem ver- ftchendeii und leise wehinütigen Lächeln Hvlitscher glaubt wie die Russen an«ine koirstruierte Zukunft und Höllriegel wagt einen Blick jtt ist-'»W/i-Tnn-ntwir» Mmn mii iWin Tuy i il 7»>„ hgidw kommen nicht zusammen, sie sind grundverschieden, aber«ine ist so wirNich nste die andere, und diese Gegensätzlichkeit zeigt«in», das Leben bleibt vielgestattiger, al» es einer Idee recht sein kann und zeigt ferner die Relativität aller Wertungen, gemessen an der Mannigfaltigkeit des Seins. F. 5. j Boston ein erster Hinweis Up ton Sinclair hat zu Ende des vorigen Jahres einen großen zweibändigen Roman veröffentlicht: Boston. Es ist ein historischer Roman, der in zwei Bäi»d«n die Geschichte des S a c c o- Banzetti-Prozesses behaiidelt. Im Mittelpunkt des Ro- maus steht die Gestalt Bartolomeo Danzettis, des geistigen Führers der beiden von der herrschenden Klasse Massasuchetts unschuldig Hi»igerichteten. Die ganze Geschichte Amerikas vom Jahre 1915 bis zum Jahre 1927 wird vor den Leser hingestellt: die Kriegs- Hetze der amerikanischen Großindustriellen, die ihre Kriegsprofite einstreichen, nstihrend die Arbeiterklasse vergebens in Streiks um Lohnerhöhung kämpft, die durch die ungeheure Steigerung der Warenpress« notwendig ist; die„siegreichen" anreritanischen Truppen kehren aus Frankreich zurück, Arbeitslosigkeit herrscht: der ameri- kanssche Bairkier kämpft gegen die angebliche Flut der„roten" Berbrechen, indem er Polizeitruppen finanziert und anstatt seinen Arbeiten» anständigen Lohn zu zahlen, den konterrevolutionären weißen Terror in Ungarn und Italien finanziert. An den beiden unschuldigen Al»archisten, Sacco i»»»d Panzetti, soll die„rote Gefahr" in einem weit sichtbaren Beispiel radikal vertilgt werden. Sinclair zeigt die einzelnen Stadien dieses Justiz- Mordes: nie zu vcrgessendcr Beweis einer haßerfüllten Klaffen- justiz, die unbeirrt von allen, lauten Widerspruch der gesitteten Welt ihr Opfer haben muß, ein erschütternder, zäher, siebenjähriger, aber vergeblicher Kamps! Mit Meisterschaft deckt Sinclair die Korruption der Bostoner herrschenden Klasse auf. Dieses Werk Sinclairs ist für jeden So- zialisten ein unschätzbares Lehrbuch der Klassenjustiz. * Wir hielten diesen ersten Hinweis auf das Buch Sinclairs um so mchr für notwendig, als uns ein crmmkansscher Genosse folgendes schrieb: „Das Buch scheint nicht soviel Sensation zu»Nochen, als man elwortetc. Man hört nicht viel von ihm, und die Verkäufe feit seinem Erscheinen vor drei Monaten sind»icht so zahlreich wie bei „Petroleum". Das enttäuscht mich, weil ich dachte, es würde an- gegvisten werden. Es ist, soviel ich weiß, sogar in Boston nicht oerboten worden. Ostenbar hat sich die kopitalistifche Presse vor- genoinmen, das Buch totzuschweigen. Die wenigen liberale», Zeitungen, die ich gesehen habe, sprechen von„Boston" als von einem.hübschen, historischen Roman", ohne daß sie sich besonders da»« rttec Öaaeßfift aatf&tt,*& Map* � Zi Copyright Safari- Verlag G.m.b.H., Berlin W 35. \son der Hujolfon-Bsu Zeic/mungee?� won Acloff Lefinert (33. Fortsetzung.) Joe übersetzte, und Mala antwortete:.Ich kann� einem weißen Manne nicht widersprechen. Aber ihr müßt eine Weile warten. Ich muß mein Fleisch heimholen. Meine Frauen müssen Felle zu� bereiten und neue Pelze nähen. Meine Knaben müssen Laufpelze haben, und wir brauchen Hundefutter für eure zwei Gespanne und für mein großes Gespann. Laßt uns einige Male schlafen. Laßt uns auf den Fang gehen und nach Walrossen sehen. Vielleicht gibt es Fleisch genug, und dann laßt uns die Reis« vornehmen, die ihr wünscht." Inupoujak subelte:.Ach wir reisenl Freude, Freud«! Wir sollen zu den weißen Männern und viel« Freund« besuchen. Wir sollen im Gefolge des weißen Mannes angefahren kommen. Ach, ich will nähen, ohne zu schlafen, um schnell mit meinem Pelz fertig zu werden." „Joe," sagte Make.„Du sollst ihm sogen, daß es keine Fest- reise wird. Ich habe Mala gern, weil er mir das Leben gerettet hat, und weil er gut zu uns ist. Aber die weißen Herren sollen ihn richten. Der weiße Mann verbietet, einander zu töten. Die Frauen und Kinder können auch nicht mitkommen. Mala muß allein reisen." „Wie soll ich allein reisen," sagte Mala.„Meine zwei Frauen und meine Knaben? Wer soll meine Hunde hüten? Nein, weißer Mann, das kann ich nicht. Ich wünsche nicht, meine Familie zu verlassen." „Mala," antwortete Make. Ich wünsche, daß du reisest. Und wenn du nicht willst, gibt es Kampf. Ich bin hergekommen, um dich mitzuführen, und ich reise nicht ohne dich zurück." „Ja, aber was geschieht, wenn ich nein sage? Wenn es Kampf gibt und ich gewinne, was geschieht dann? Du sagst, du hast mich gern. Und doch willst du mit mir kämpfen. Seltsam seid ihr weißen Mänßer doch. Ihr seid das Volk eines fremden Landes, und wir verstehen uns nicht." Aber Joe übersetzte für den Sergeanten, wenn er ohne Mala -»rückkäme, würde er nicht in dem Haus der weißen Männer bleiben können, sondern heimgeschickt und ihm alles Eigentum und alles Essen genommen werden. Er sei hergesandt, um die Gebräuche der weißen Männer zu oerbreiten, damit habe er begonnen. Wenn Mala zu fliehen versucht, würde er erschossen werden. Und er würde mit eisernen Fesseln gebunden und auf dem Schlitten gefahren werden, wenn er nicht gutwillig reiste. Ihm würden in der Kälte die Hände erfrieren, aber es sei notwendig. Denn er solle mit- kommen. Der Wille des weißen Mannes sei unbeugsam. Mala saß lange schweigend da. Auch die Frauen waren stumm. Dies war ihnen unverständlich. Die Mystik des weißen Mannes war in das Heim gedrungen. Di« Kinder oerstanden nicht, um was es sich handelte, aber sie fühlten, daß der Wille ihres Vaters gegen eine Mauer gestoßen war. Und Orsokidok begriff, daß Malas Macht gebrochen war. Der Feind hatte Hilfe bei den weißen Männern gesunden. Und er sah Unheil kommen. „Ich werde mit euch reisen," sagte Mala endlich.„Aber erst morgen wollen wir reisen. Ich muß meine Frauen nach Saitoks Wobnvlatz schicken: dort sollen sie auf meine Rückkehr warten." „Kannst du Molos Familie auf deinem Wohnplatz haben?" fragte der Sergeant. „Das kann er," antwortete Mala. Saitoks Worte waren ihm xleicbgültio. da er selbst Fleisch und Fell« hatte.„Und wir wollen auf dem Wege hinfahren. Aber alles Hundefutter von hier werdet ikr andern für die Reife brauchen, und morgen müssen wir fertig sein." Nachdenklich ging er hinaus und begann, alles instandzusetzen. Fleisch wurde aus einem Schuppen geholt, und Sairok und Orso- kidok mochten sich daran, es mit dem Beil zu zerhauen, damit es leickt zu verfüttern war. Joe half ihnen. Die Frauen rollten Felle auseinander»nd rollten Felle zusammen. leerten ihre Säcke und Verstecke. Nie war man so unvorbereitet auf eine Reis« gegangen. Make schrieb Rapporte für die Behörden in Ottawa. Als Balk eine Weil« später herauskam, fragt« er nach Mala, und Joe über. setzte „Er ist fortgefahren," antwortet« Orsokidok. „Fortgefahren?" Balk lief eiligst hinein. „Mala ist geflohen. Er ist fort. Sein Schlitten und feine Hunde sind weg." Der Sergeant sprang auf.„Wir müssen dem Flüchtling nach- setzen. Wir kehren nicht ohne ihn heim.--- „Joe, Joe!" Der zeigte sich.„Schirr die Hunde an." „Wo fahren wir hin?" fragte Joe. „Wir fahren Mala nach in seiner Fährte. Er soll uiu- nicht entgehen." „Mala will nicht entweichen. Er ist nur gefahren, um seine Renntierzungen und Talg zu hole». Das ist guter Reiseproviant, »nd außerdem will er seine Fuchsfallen einziehen. 5)eute abend ist Mala wieder da." Die Verfolgung wurde aufgegeben: aber Make war doch unruhig. Durfte er sich auf Joe verlassen? Viele Gedanken schössen ihm durch den Kopf. War es nicht doch am besten, wenn Mala fortblieb? Er wünschte ja doch, daß er nicht in dieser Sache aus- gesandt worden wäre. Der Mann, der verhaftet werden sollte, um gehenkt zu werden, hatte ihm das Leben gerettet. Und dieser Mann begriff michl, daß er unrecht hatte. Es war hoffnungslos, darüber zu grübeln, es war nichts zu tun, als dem Gebot der Pflicht zu folgen und Mola heimzubringen. Nein, Mala war nicht geflohen. Unter lauten Rufen und Peitschenknollen kehrte er gegen Abend heim und stürzte seine Lost vom Schlitten Herrliche Renntier«, zwei oerfoulte Seehund« »nd in einem Bündel eine Menge Renntierzungen. und viel Talg. Er hatte unterwegs ein wenig über die Sachs nachgedacht. Es war ihm unmöglich, recht lange verstimmt zu bleiben. Das Ver- sprechen war gegeben, sein Beschluß stand fest, er wollte mit dem Fremden reisen, mit diesen merkwürdigen Männern, die von ihm verlangten, daß er ihnen folgen sollte. Es konnte auch ganz P'Üia k"n, die weißen Männer zu besuchen. Wo die waren, gab e; Feste. Einen kurzen Besuch wollte er machen und bald zu- rückkchrcn. Am Abend ging es lebhaft in feinem Haufe zu, und als. man am Morgen alles zur Reise bereit machte, herrschte Freude. Viel nahmen sie. mit, denn Malas Hunde waren stark und gut trainiert, ober das meiste mußten sie doch zurücklassen. Sein Haus wurde zugemauert und einige Stangen davor aufgestellt, an die mit Bind- faden ein Heubündel gebunden war. das im Winde wehte und Füchse und andere Tiere verscheuchte. Sie zogen die Küste entlang noch Süden. In der ersten Nacht erreichten sie Saitoks Haus noch nicht, aber Mala baut« ein« mäch- tige Schneehütt«, die allen Raum bot. Er war es, der sein« Wächter bewirtete, und sein Fleisch war es, das die Hunds fraßen. Molo war es auch, der auf der Schlittenfahrt immer voranging, dann folgten Soitok und Joe, und zuletzt kamen mühselig die weißen Männer. Saitok fühlte sich nicht wenig. Er merkte, daß er ein bedeu- tender Mann war. Er war es, der Joe zum Wohnplatz gebracht hatte, er sollte Malas Familie beschützen, während der bei den weißen Männern war. Er war sich nicht ganz klar darüber, ob es eine Chrenreise für Mala war oder was sonst: ober es gab auch nicht viele, die mit Saitoks Gedanken zu rechnen pflegten. Auf Saitoks Wohnplotz an der flachen Landzunge baute Mala ein Haus. Es bot reichlichen Raum für seine Frauen, und dazu baute er ein Vorhaus und Seitenschuppen. Hier stapelte er alles Fleisch aus. das die Polizisten nicht brauchten. Die Familie sollte es gut haben, wenn er fort war, und olles wurde auf das Beste für sie eingerichtet. Die Polizisten wurden eingeladen, nachts bei Saitok zu wohnen, aber sie wagten nicht, Mala aus den Augen zu lassen. Mala legte sich zu Inupaujak und schlief sofort ein. Er schlief den Schlaf des Unschuldigen. Auch die weißen Männer schliefen fest. Die Reise hatte sie ermüdet. Als die Polizisten am nächsten Morgen aufwachten, hotte Mola schon Tee gemacht, den er ihnen lächelnd vorsetzt«. '„Make," sagte er, ich Hobe viel nachgedacht und habe mich entschlossen, meine eine Frau mitzunehmen. Ich nehme Inupaujak mit nach dem Süden." Joe wohnte allerdings bei Saitok, aber er war immer dort, wo es Tee und Zucker gab/ und er übersetzte Malas Worte und die Antwort des Sergeanten. Das ließe sich nicht machen. Mala müsse allein reisen. Es täte ihm leid, ober Jnupaujack müsse hier- bleiben. „Verstehst du denn nicht." sagte Mala,„daß ich schwer reisen kann. Inupaujaks erster Mann kann kommen und sie wieder rauben, und dann gibt es noch mehr Kampf, wenn ich heimkomme. Und das willst du doch gerade verhindern." Es war richtig, was er sagte, aber Make mußte sich hart machen.„Du mußt mit uns reisen. Du mußt sie hier zurücklassen. Laß uns heute fortziehen, ich muß es dir befehlen- denn so haben die weißen Männer mir gesagt." Mala antwortete nicht. Aber zum erstenmal kamen ihm am- rührensch« Gedanken. Warum sollte er sich von diesen weißen Männern, denen er beständig helfen mußte, zwingen lassen. Er hatte sie fast sterbend im Schneesturm gefunden, jetzt war er ein Kind in ihrem Gefolge, ein Willenloser geworden. Aber der Ge- danke bekam keine Kraft: Menschen müssen den weißen Männern gehorchen.— Und sie reisten. Togein, tagaus zogen sie nach Süden. Abends war es Mala, der das Schneehaus für sie baute. Am Tage war er es, der den Schlitten voranlief, wenn der Weg gezeigt werden sollte, oder der die Hunde des Sergeanten fuhr. Balk saß bei Joe. Auf jedem Schlitten waren zwei Mann, und es ging schnell vorwärts. Mala und der Sergeant fühlten bald Freundschaft zwischen sich wachsen. Sie erwähnten das nicht mit Worten, aber einer freute sich über die Gesellschaft des andern. Make konnte sich ohne Joes Hilfe nicht gut verständlich machen. Aber er merkte, daß der Mala nicht richtig aussprechen ließ. Mala mochte diesen Mann offenbar nicht leiden, der die Zunge der weißen Männer war, und allmählich glückte es-ihnen, sich immer besser zu verstehen. „Du mußt versprechen, nicht fortzulaufen, dafür will ich dir alle Freiheit lassen. Du sollst auf die Jagd gehen dürfen, den» ich verlasse mich auf dich. Du sollst wie einer von uns ander» sein dürfen, ober du mußt bleiben, bis du heimreisen darfst. Tu l du das nicht, fliehst du. so habe ich darunter zu leiden. Dann wird mir alle Nahrung genommen, ich kann nicht länger hier- bleiben und habe nichts zum Leben." „Ich will nichts tun. was dir schaden kann." antwortete Mola. „Ihr weißen Männer seid merkwürdig." Sie kamen an einen Wohnplatz und reisten weiter. Sic kamen noch an einen. Wo Mala hinkam, gab er seine Befehle.„Wir brauchen viel Fleisch, geht und verschafft es uns. Wir müssen etwas zu kochen hoben, geht und holt es. Einen neuen Hunde- strana, schafft ihn." Mala war gewohnt, zu gebieten, und die weißen Männer sahen, daß er ihnen weit nützlicher als Joe war, auf den mass sich nie verlassen konnte, der aber doch seiner Sprachkenntnisse wegen unentbehrlich war. Immer weiter reisten sie, und endlich er- reichten sie die Polizeistation. Diesmal war olles in bester Ordnung, die zwei Konstablcr hotten sich danach gesehnt, die Expedition wiederzusehen. Es wurde aufgetischt. Die zwei zu Hause Gebliebenen sahen gleich, daß Mala keine Handschellen trug. Sie merkten, daß Make sich persönlich des Gefangenen annahm, aber das ging sie nichts an. (Fortsetzung folgt! WAS DER TAG BRINGT. Die Zuidersee wird Ackerland. Holland hat damit begonnen, einen Teil der Zuidersee in fruchtbares Ackerland umzuwandeln. Die Zuidersee, die heute 3100 Quadratkilometer groß ist, war nicht immer Meer, sondern bis zum Jahre 1237 ein Landsee von etwa 1400 Quadratkilometern. Erst als vor 630 Jahren die Nordsee eines Tages wild wurde und das äußerst fruchtbare Land ringsum überflutete, nahm die Zuidersee ihre heutige geographische Lage an. Nun soll dcks damals verlorengegangene Land zurückerobert werden. Der ver- bleibende Rest der See, in den dann noch die Jjissel, der Neben- arm des Rheins, münden wird, soll ein Süßwossersee werde». Dies will man durch Errichtung eines 30 Kilometer langen Dammes zwischen der Zuidersee und der Nordsee erreichen: den» auf die Weise kann kein Salzwasser mehr in den See eindringen. Die Arbeit dürste nach den Berichten der Ingenieure 15 bis 20 Jahre in Anspruch nehmen. Die Kosten für das Werk«»erden vorläufig auf eine Milliarde Mark veranschlagt. Wenn das Zollamt nicht war.../ Im Wiener„Aken d" lesen wir: Ein guter Sohn schreibt seinem alten Vater aus Amerita: „Lieber Vater! Ani letzten Freitag, dem 1. Febniar, habe ich eine kleine Ileberrafchung zu Ihrem siebzigsten Geburtstag abgeschickt. Nämlich ein kleines Kistel mit Zigarren und Tabak. Es ist wenig. kostet kaum 3 Dollar— 20 Schilling(1 Schilling— 60 Pf.), aber vom Herzen. Schreiben Sie mir, ob es.zollfrei war oder wieviel Zoll Sie bezahlt haben... Ich wünschte, ich könnte Sie sehen, wenn Sie das Kistchen aufmachen... O guter Sohn, sei froh, daß du nicht da warst, als das Kistchen ankam. Der Bater,«in Angestelltenpensionist, konnte es gar nicht in Empfang nehmen. Der eigentliche Zoll war zwar nicht hoch, er betrug nur einen Schilling SO Groschen. Doch die Lizenzgebühr, das ist jene Gebühr, die man zahlen muß, um von der Tabokregie die Einsuhrbewilligung zu bekommen, auf Grund denen man aus- ländische Zigarren in Oesterreich rauchen darf, betrug für die kleine, kaum ein Kilogramm schwere Meng« Tabak 88 Schilling 50 Graschen. Sllso mußte der Vater die Annahme seine Geburtstagspack« rls ablehnen und es wieder nach Amerika zurückgehen lassen. Die Liebe findet über Meere und weite Länder, doch die Zollschranke übersteigt sie nicht. Ein Kino mit vier Bildwänden. Der Wiener Architekt Friedrich Kießler hat ein Kino mit vier Bildwände» erfunden, das von der New-Porker„Film Arts Guild", einer sich erfolgreich für die Kultivierung von Kleinkinos einsetzenden Vereinigung, als neucste Sensation gebracht wird. Bon der Rückwand des Zuschauerraums ziehen sich an den beiden Seiten- wänden und unterhalb der Saoldecke dieses etwa S00 Personen fassenden Kinos breite Leinwondflächcn nach vorn, wo sie unmittel- bar an die Kanten der regulären Kinobildwond anstoßen. Man kann mit dieser Einrichtung die wundersamsten Effekte erreichen. Spielt zum Beispiel die Handlungsszene der vorderen Bildleinwand in einer Waldlandschast, so werden mittels Lichtbildern an die Seitenwände stimmungsvolle Waldansichten und auf die Deck« Baum- krönen, dahinziehende Wolken. Mond und Sterne projiziert. Spielt sie in einer Kirche, so erscheinen an den Seiten.Kirchenmotive, und über den Zuschauern wölbt sich«in riesiges Kirchenschiff. In Schlachtenszcnen stürmen die kühnen Seeräuber in greiibarer erschrecklicher Nähe seitlich in den Zuschauerraum hinein, über dem die Granaten zerplatzen, Das Prinzip dieses. Baues ist nicht so neu, Bereits Professor Walter Gropius, der ehemalige Leiter des Bauhauses Dessau, hatte in den/ von ihm entworfenen„Total- theater" seitlich und über dem Zuschauerraum die Aufstellung von Projektionswänden für die Stimmung unterstützende Lichtbilder und Filme vorgesehen. Ein Förderer der Polarforschung. Elles Ringnes, Norwegens größter Bierbrauereibesitzcr und hervorragender Förderer der norwegischen Polarforschung, ist in Oslo im Aller von 87 Iahren gestorbeü. Mit großen Geldmittel» unterstützt« er die Nordpolexpeditionen von Nansen, Otto Sverdrup und R o a l d A m u n d s e n, und noch im vorige» Jahre war er einer der ersten, die zur Ausrüstung der„V e s l s- Kari"- Expedition beitrugen, die zur Aufsuchung der Nobile- leutc ausgesandt wurde. Sverdrup hat hei seiner Expedition mit der „Fram" 1898— 1902 zum Aktisch-n Archipel Nordamerikas eine der größten Inseln, die er dort entdeckte, Ningnesinsel getaust. Di? Akademie der Wissenschaften wählte Ringnes zum Mitglied, ebenso war er Vorstandsmitglied in der Geographischen Gesellschaft. Echt USA. Der„Pacific Coast Sportsman Elub" in Kalifornien hat ein Zlreal von 30 000 Morgen genrietet, um dort Löwenjogden ob;»- halten. Der Klub geht von d«m Gedanken ans, daß die Jagd am wilde Tiere für die Amerikaner, die zu diesem Zweck erst nach Indien und Afrika reisen müssen, zu teuer kommt. Es ist billiger, die Löwen aus diesen Gegenden für dos einheimische Iagdgelände zu beziehen. Neben Löwen werden auch Pumas, Leopard«», Tiger und Bären importiert werden. Noch den Prospekten des Klubs wird das Billett auf eine Löwenjagd 100 Dollar kosten. Jeder getötet« Löwe wird allerdings extra berechnet. Das Geheimnis des Atlantik. Die Walsischbai, die in die Küste von Südwestafrika in Halb- inselform eingeschnittene Bucht, ist der Schauplatz eines inerk- würdigen Naturphänomens, das sich fast olljährlich während der Mrnate Noveiiiber und Dezember zu wiederholen pflegt. Zu dieser Zeit sind weile Laiidstreckcn am Meeresufer mit Millionen gi- strandeter Fischkodaver bedeckt. Man will dieses Massensterben auf Ausbrüche oder Explosionen von Unterseevulkanen zurückzuführen In Verfolg dieser Ausbrüche wird, wie man annimmt, das Wasser mit schwefligen Gasen gesättigt, an denen die Fische zugrundegehen. Di« Strecke, die von den toten Fischen übersät ist, schwankt von Zeit zu Zeit zwischen 45 b-s 150 Kilometer. Wenn auch die Mehrzahl der an den Strand geworfenen Fische aus niindcrwertigrn 'Arien besteht, so finden sich darunter doch auch viele Dorsche und Seezungen„Ich selbst", schreibt Kommandeur E. D. W. Law s o r d in einer illustrierten Londoner Zeitschrift,„sah mit eig?n«» Augen ein fünfzehn Kilometer breites Feld von Seezungen be- deckt, die in zwei Schichten rief die ganz« Breite der Bucht aus- füllten." Di« durch einen vorzüglichen Hofen ausgezeichnete Woi- sischbai wurde 1878 von Großbritannien besetzt. 1884'einem Ko- lonialbesitz einverleibt und gehört zur Kapkolonie. Die Duse lernte die bekannte Münchener Schauspirteri» Klar« Hees« in Leipzig kennen. Die Vorstellung zwischen der gebrochen deutfch sprechenden Italienerin und der geborenen Dresdenerin fall sich sebr ergötzlich abgespielt baben. Duse:„... ich... Hees«... Duse..." Heese:„lind ich du'S« Heesv Heeßen!" Amateure der Artistik. Wettstreit des Arbeiter� Athletenbundes. Auch das diesmalige gegenseilige Kräftemcssen zahlreicher Arbeiterartistenoerein« aus Berlin und dein Reich, das am gestrigen Sonnlag in der Neuen Welt stattfand, gestaltete sich zu einem wirklich guten, stellenweise sogar ausgezeichneten Variete- Programm. Da sind vor ollem die oier Eraks(Sportklub Würzen), die gawz Erstaunliches auf dem Gebiet der Parterreakrobatik leisten. Der prächtige Untermann hat entschieden das Gesetz der Schwere überwunden und balanciert seine drei Kollegen in den kompli- .ziertesten Stellungen leicht, elegant und sicher: auch die beiden jugendlichen Hondakrobaten zwei Rouvells(AB. Einigkeit- Neukölln) boten auherordentlich gute Leistungen. Der Zahnkraftakt der drei Achilles(Sportklub Magdeburg) zeigt prächtige Arbeit, und die Exzentriker L u r i u. L u r i(AB. Hoffnung, Südost) sind ein paar ausgezeichnete artistische Spaßmacher: einer von den beiden leistet als Kontorsionist in schwindelnder Höh« ganz Erstaun- lichcs.„Was Rostelli kann, dos kann ich auch," lagt V o g i n i, der Bolljongleur(AB. Einigkeit-Neukölln), und wirklich, er ist auf dem besten Wege, solch jonglierendes Unikum zu werden. Ein Springer van Qualität ist D o r n e l l y(Sportklub Dessau), der von vier auf- einandergestellien Tischen im rückwärtigen Salto in Handstand springt. Zwischen all der kraftstrotzenden Männlichkeit erscheint plötzlich ein liebliches kleines Fräulein, Anneliese Heider (AB. Einigkeit-Neukölln), wie uns der Vorsitzende verrät, direkt von der Jugendweihe auf die weltbedeutenden Bretter verpflanzt— und gibt mit virtuosen Fingerchen und forschem Rhythmus ein TylopHonkonzert. Es ist keineswegs böse Absicht von uns, sondern lediglich Raum- Mangel, der es oerbietet, alle Darbietungen zu nennen. Aber auch den Nichtgenannten sei gesogt: Alle Hochachtung vor solch sauberer Arbeit und geschmackvoller Ausmachung! An der äußerst wohl- gelungenen Deranstallung, die vor ausverkauftem Haufe unter reichstem Beifall stattfand, harten sich folgende Vereine beteiligt: Sportklub Dessau. Artistenverein Leipzig, Sportklub Görlitz, Sport- klub Würzen, AV. Union-Liegnitz, Sportklub Magdeburg, AV. Finsterwalde, AV. Einigkeit-Neukölln, Sportklub Einigkeit 26, AV. Hoffnung-Südost, Sportklub Luckenwalde. Mit höchst ge- spannter Aufmerksamkeit verfolgte das Publikum die Leistungen der wackeren Sportler und die Wertungslisten, die jede einzelne Dar- bietung nach Art der Nummer, Ausmachung und Zeitdauer beurteilen sollten, wurden mit aller Strenge und Gewissenhaftigkeit ausgefüllt. All den Anwesenden mag bei der wirklich gleichmäßig guten Arbeit die Wahl der Sieger schwer geworden sein. Auch die Vielseitigkeit des Programms trug dazu bei, die Beranstaltong zu einem wirk- lichen Beweis ernsthafter Arbeit der Vorführenden wie auch der Leitung.zu stempeln. So ist es nicht mehr als natürlich, daß sich diese Veranstaltung in jedem Jahre mehr Anhänger sichert. Den „Ausgeschlossenen" war es trotz ihrer schreienden Reklame und allen sonstigen freundschaftlichen Versuchen nicht gelungen, das Publikum vom Besuch des Wettstreites abzuhalten und in fhr Lager zu ziehen. Ob ihre Getreuen ebenso vollzählig erschienen wären? In der „Neuen Welt" war der Riesensaal knüppeldickevoll! Oarissel Immer noch Eishockey. Guier und schlechter Sport. Am Sonnabend war der Sportpalast wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Gleich zwei Eishockeyspirle standen auf dem Programm: Der Berliner Schlittschuh-Club gegen SC. Riesser- see und der Law» Tennis Club Prag gegen Brandenburgs Aus- wahlmannfchaft. Die Favoriten kamen, ganz wie erwartet, zu überlegenen Siegen. Es war mehr ein Katz- und Maus- spiel, denn sowohl der Schlittschuh-Club wie auch die Prager Gäste hätten ihren Torreigen noch beliebig fortsetzen können. Also die ersten ungleichen Gegner waren Riesserfee und Schlitt- fchuh-Club. Die Berliner waren stäichig im Angriff und verlegten das Kampffeld zumeist vor das gegnerische Tor. Allein im ersten Spieldrittel fielen für Berlin 4 Tore. Brück, Jänecke, Haßler und der junge talentierte Ball waren die Schützen. Im zweiten Teil des Kampfes war das Zusammenspiel der Bayern merklich besser, aber Steinke im Berliner Tor wehrte alle Angriffe ab. Kurz vor dem Abpfiff schoß Jänecke für den Schlittschuh-Club noch das fünfte Tor. Im Schlußdrittel waren die Bertiner noch viermal erfolgreich und die Bayern kamen durch Schrättl zu ihrem einzigen und Ehren- tor. 9:1 für den BSC. Die Brandenburgische Auswahlmannschaft wurde im nachfolgen- den Kamps von Prag 11: 2 geschlagen. Ein zeitweise viel zu ein- seitigcs Spiel, das trotzdem noch begeisterte Zuschauer fand. Für die vor einigen Wochen in Prag erlittene Niederlage durch den Lawn Tennis Club Prag nahm der Berliner Schlittschuh-Club am Sonntag im Sportpalast glänzende Revanche. Er besiegte die Tschechen, die sich mehr auf die Verteidigung beschränkte», mit 2:1(1:0, 1:0, 0:1). Der Sturm erzielte nach systemati- schem Zusammcnspict im ersten Drittel durch Jänecke und im zweiten durch Haßler je ein Tor. Den Ehrentreffer für die Gäste schoß Toficka aus einem Gedränge heraus.— Das zweite Spiel führte die Berliner Auswahlmannschaft mit dem SC. Riessersee zusammen. Nach ausgeglichenem Kampfe, der um eine ganzeKlasse ärmer war als der voraufgegangene, siegten die eifrig spielenden Berliner ebenfalls mit 2: 1 Toren. Zllle Treffer wurden im zweiten Drittel erzielt. Die ersten Radrennen. Berlin— Frankfurt— Berlin. Zu einem großen Erfolge gestaltete sich das erste Berliner Straßenrennen, das von der Ortsgruppe Berlin der DRU. auf der 132 Kilometer langen Strecke nach Frankfurt o. d. Oder und zurück oeranftoltet wurde. Taufende waren auf der Strecke: am Ziel bildeten die Zuschauer kilometerweit Spalier. Leider machten sich die„wilden" Motorradfahrer wieder sehr unangenehm bemerkbar. Sie brachten verschiedene Fahrer zum Sturz, darunter auch Paul I o n i tz, der schwer verletzt ins Frankfurter Krankenhaus eingeliefert wurde. An der Fahrt nahmen 120 Herrenfahrer teil, die ein äußerst scharfes Tempo einhielten. Dennoch war eine Sprengung der starken Spitzengruppe zunächst aussichtslos. Etwa 30 Mann er- reichten geschlossen den Wendepunkt, in Abständen bis zu 20 Minu- ten folgten weitere 60 Fahrer. Hinter Heidekrug, also 30 Kilo- meter vor dem Ziel, sicherte sich Ulbricht einen Vorsprung von 300 Metern, von dem er bis ins Ziel leben konnte. Die dichtauf folgende Hauptgruppe lieferte sich einen scharfen Endkampf, aus dem A. Kittler als Sieger hervorging Ergebnis: 1. H. Ulbricht (Alberto) 4:38:00: 2. A. Kittlcr(Alberto) 4: 38: 33: 3. Ouindt (Frico): 4. Galle(Fedia): 5. Bretzke(Alberto): 6. Herm. Wolke (Alberto): 7. Kurt Tadewald(Alberto): 8. o. Bronikowfki: 9. Wilh. Schliep(Alberto): 10. F. Köpchen(Möwe): 11. Siedenberg(Stabil): 12. Püfchel: 13. K. Winkler(Snbfp.);' 14. Gräber: 15. Wagner: 16. Kempf(alle dichtauf): 17. Roth 4: 38: 50: 18. Nagel 4: 39: 20. �rbeiteibockex- Nach langer Zeit konnten nun auch wieder die Hockeyspiele einwandfrei durchgeführt werden. Allen Kämpfen sah man aber die lange Pause an. Noch klappt es nirgends wieder gut. Trotz- dem sah man schnelle und saire Spiele. Der Bezirk Nordring der Freie» Turncrschaft Groß-Berlin spielte mit der 1. Mannschaft gegen' den Sportverein Moabit I und gewann 6: 2. Die größere Erfahrung und das bessere Zusammen- finden konnten diesen Sieg sicherstellen. Der Bezirk Ostring 1 gewann gegen Nordring II, beide Freie Turnerjchaft Groß-Berlin, 3: 2. Der Athletit-Sport-Club I konnte einen sicheren Sieg von 4: 1 gegen Tennis-Rot I(Halbzeit 1: 0) erkämpfen. Tennis-Rot II verlor gegen den Athletik-Sport-Club II hoch 2: 8. Der Bezirk Pankow I der Freien Turnerschaft Groß-Berlin verlor gegen Sportverein Moabit 11—2:6. Die junge Mann- jchast von Moabit zeigte ein sehr beachtliches Hockspiel. Todesstürze beim Eilenricdcr Rennen. Die erste große Motorradprüfung des Jahres, das Eilen- rieder Rennen in Hannover, ist zu einem Todesrennen geworden. Gleich zu Beginn der Sonnabend-Rennen wollte der Holländer B a a r in der Einlaufskurve Gosfe-Köln überholen, kam dabei ins Schleudern, raste mit voller Wucht gegen einen Baum, wobei ihm die linke Gesichtshälfte völlig zerrissen wurde. Bevor die erste Hilfe eintreffen konnte, war der Fahrer verstorben, sein Beifahrer blieb unverletzt. Im ersten Lauf der Motorrad-Straßenmeisterschaft, die am Sonntag auf der gleichen Bahn ausgefahren wurde, kam es wieder zu schweren Stürzen. Der Stuttgarter Messerschmidt kam mit seiner Maschine nach der Hälfte des Rennens ins Schleudern und prallte gegen einen Baum. Auch seine Verletzungen waren so schwer, daß olle Hilfe vergebens war. In den Mittagsstunden waren die Straßen so naß, daß die Motorräder stark ins Rutschen kamen. Der Berliner Hermann Rasch stürzte mit seiner Maschine und brach sich ein Schlüsselbein, andere Unglücksfälle waren noch so glimpflich, daß die Gestürzten nach Anlegung von Notverbänden das Rennen sortfetzen konnten. Motorräder und Autos müssen ausgcprobt werden. Wozu aber diese Todessahrten veranstaltet werden, das wissen sicher nicht einmal die Fahrer, noch viel weniger die Veranstalter dieser Rennen. Es bleibt auch sehr fraglich, ob eine Firma, deren Maschinen im Rennen siegen konnten, nach diesen Erfolgen einen erhöhten Umsatz haben wird. Jeder, der sich eine Maschine kauft, weih auch, daß die im Rennen benutzten Maschinen für den Publikumsgcbrauch schwerlich in Frage kommen. Jung gewohnt, alt getan. 5. Schwimmfest der Berliner Schulen. Im prächtigen Wellenbad des Lunaparks zeigten die Volts- und höheren Schulen am Sonnabend ihre Schwimm- k ü n st c. Die riejige Schwimmhalle mit ihren hohen Fenstern und dem natürlichen Oberlicht wirkte beinahe wie ein Freibad, das zur Feier des Tages mit den Reichs- und Stadtsahnen festlich ge- schmückt war. Lehrerschaft und Kinder hatten fleißig geübt, so daß den zahlreich erschienenen Gästen ein gutes Programm geboten wurde. Die Schulen wetteiferten gegenseitig um das beste Resultat, wobei es oft recht lebhaft zuging. Bei der großen Bedeutung, die das Schwimmen für die Kinder hat, kann man dieser Veranstaltung des Stadtamts für Leibesübungen nur einen recht großen Erfolg für die Zukunft wünschen. Den Anfang machten die Mädchen der Volksschulen mit einer 8 mal 23-Meter-Bruststaff«l, dann folgten die höheren Mädchen- schulen mit 10 mal 30 Meter. Hierbei zeigte sich, daß das Wenden »och besser geübt werden muß. da sonst unnötige Zeitoerluste enl- stehen. Dieser Nachteil zeigte sich auch bei den Staffeln der Knaben, wenn auch in etwas geringerem Maß«. Das Stilschwimmen bot ein erfreuliches Bild, die 208. weltliche Volksschule zeigte besonders gute Leistung. Lebhaften Beifall fanden die Sprünge der höheren Schulen, die im Salto rückwärts und mit Anlauf ihre Krönung fanden. Mit den Leistungen der Sprungrieg« des Vereins für Leibesübungen der Berliner Lehrerschaft konnten sie freilich nicht tonkurrieren. Aber sind diese Kunstsprünge von Erwachsenen auf einem K i n d e r schwimmfest überhaupt angebracht? Dafür hätte man lieber die Volksschüler mit einer Sprungvorführung be- teiligcn sollen. Recht nett mar das Figurenliegen der 262. weltlichen Volksschule und der Reigen der 208. weltlichen Volksschule, letzterer nach Art der Lampionreigen mit elektrischen Birnen und vielen Tauchübungen. Die Berufs- und Fachschulen kämpften in einer flott geschwommenen Schwellstaffel. Die Rettungsmethoden beim Boots- und Eisunfall wurden von Erwachsenen gezeigt, von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, es war daher nicht ersichtlich, ob die Kinder ebenfalls im Rettungswesen ausgebildet werden, was sicher sehr begrüßt werden würde. Ganz aus dem Rahmen einer Kinderveranstoltung fielen die Kunstsprünge einiger Kanonen des bürgerlichen Klubs„Poseidon", die unter Namensnennung der Betreffenden einem staunenden Publikum produziert wurden. Immerhin soll dieses Vorgehen schon ein Fortschritt gegen früher sein, wo die Schulschwimmseste überhaupt unter Leitung der bürger- lichen Vereine standen. Wir würden es begrüßen, wenn das nächst- jährige Fest als wirkliches Kinderfchwuninfest angesprochen werden könnte. Den Abschluß bildete eine Ansprach« des Leiters vom Stadtamt für Leibesübungen, Professor v. D r i g a l s k i, der auf den großen Wert des Schwimmens hinwies und ihm recht zahlreiche und begeisterte Anhänger wünschte. Dann erhielten die Schulen ihr« Wanderpreise und. Anerkennungen, womit die gut organisierte Veranstaltung ihr Ende erreicht hatte. Besonders darf hervorgehoben werden, daß die Schülerinnen und Schüler der weltlichen Schulen in allen Wettkämpfen den ersten oder zweiten Platz be- legten und damit bewiesen, daß die Leibesübungen an den weit- lichen Schulen besonders gepflegt werden. Trabrennen zu Mariendorf. ?"i«»»>> Z-kl«»: I. Planet(K. Kkuvver).?. Hewq Louis,!t, Harfe». maHchcn. Toto: 38:1(1. Platz: 16, 18, 23:10. Ferner liefen: Hanna Archt>a>e, Roblclle. Einnebler, Rosenfrau, Primel, Lndlina, Armenier, Flaqaenlieo, aon Palos, Goudster jr., Nation: Meister B. P«i,»»» Lichterfelde: 1. Hell: na(W. Tzerson). 2. Erster Seehofer, 8.«hty loto: 204:10. Platz: 39, 15, 22:10. Ferner liefen: Madonna. Duo notos, Nnshaaa Bon, Eampannla, Eharlen Worthn, Larlenfpieier. Lnr. Eoriolanne. Carl Alexander, Weinbrand. Marne, Pelronella?l., Inlerrffent, Abdullah Ellver, Dante. Importenr. Dcwenphine. . Palmorum.Prei«! 1. Albrccht Diirer(Ianh jr.), 2. Banco Duftn, 3. Fallen- Nein. Toto: 13:10. Platz: 11. 13, 15:10. Ferner liefen: Oflermiidel, o Bedelia, Olympia, Eharmant, Heinrich. Prei»»o» O»d»rf! 1. O'Eaploin L-crberg(Bes.). 2. Terraria. 3. Dichtunq, Toto: 84:10. Platz: 20. 22, 28:10. Ferner liefen: Irrwisch(als 2. disqn. 80 Pro». Platz zur.), Schneesturm, Quintessenz, Kohlenlönig. Valencia!, Lombardei. Mar» lpny. Prei»»»» Ke>»«r»d«rs: 1. Mimose(I. Mills), 2. Nordeik. 3. Baron Dukko. Foto: 16:10. Platz: 12. 28, 24:10. Ferner liefen: Obersteiser. Ossi Osnmlda. Peter Vrussiloff. Siegmund, Saleasse. Prechtmädels Tochter, Ordensritter. Preis»oa Saxtwitz: 1. Shrrnbrr-I(ch. Kaupvcrl, 2. Fels. 3. Florion. Toto: 39:10. Platz: 17, 43, 17:10. Ferner liefen: Prinz Addell. Eopal, Denk- milnze, Pawfon Watts, Papellmoistcr, NSniqsadler. Iitlerpellant. Bclwin. Preis»,» Siebende: I. Lustiges Mädchen(F. Mills). 2. ilalat», 1, 3. Meisterstilck. Toto: 24:10. Platz: IS, 19, 31:10. Ferner liefe»: Nebelkappe, Adresse,(Saleere, Linne, Hella Timoko. Krofchel, Holoferncs, Nchofcrin, Safi- mir, Eitclfried, Beate, Passer, Prei,»SN Teltow: 1. Meisterschuß(S, Schröder), 2. FehrMIi», 3. Lind:. Toio: 129:10. Platz: 25, 15, 17:10. Ferner liefen: Lifuska, Zlann. Lolliario, Baroncst<£.. Tbeolrat, Sili>aplann, Rushaga Boy, Modena, Agitaior. Prei»»«« Steglitz: 1. Hannibal:10, Ferner liefen: Isegrim, SchnadahUp'l, Mäglich. Mari- Lnisr(als 3. t>i»gu. 80 Platz zur.). Edzard. Lindowlind, lturgast, Manrico._._ FTSV., Bezirk Norde» Iii! Dringender Umstände wegen sindet morgen, Dienstag, ein« Borstandssitzung bei(dottschalk, Pnibusser Str. M, statt. Frei««rbeiter-Lchachoerriaiguog. Abt. Hnmd»Ibth»i»: Dienstags Brunnen- strotze 79 bei Döhling. Endspiele. Arbeiter-Schwimmverein»Hella«",»erlin. Monatsveriainmlung am Mon- lag, 25. März. 20 Uhr, im Weddinger Vrrrinshaus, chcricht-, Site«unkelstratz:. Um 7 Uhr Borstandssstzung.— Pereinepartir am«arfwitag. Trcsspunlt 7)1 Uhr am Bahnhos Wedding. Fahrgeld 80 Pf. billiger! Wer Rad fährt, will Zeit und Geld sparen. Wir tragen hierzu bei. Unsere Preise: Continental Wulstreifen, stahlblau. Continental Wulstreifen, rot... Continental Schlauchreifen... ab heute: RM. 4,90 .. 5,10 ,, 8, bisher; RM. 5,50 5,75 10,- f 9 f I 1914: M. 8,— .. 8,25 v y 19.75 Weltberühmte Continental-Qualität! Jeder kann jetzt sein Rad mit dem erstklassigen Markenfabrikat ausstatten, dem CONTINENTAL CAOUTCHOUC- UND GUTTA-PERCHA-COMPAGNIE, HANNOVER \ Slerontisottlid) füt bi« Redaktion: Ar»-, Müh-, Berlin! An�iaen: Ah. Slock«, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag-Meter- Sprinter-Lauf siegte Hille vom Ostring. Dann folgte Rutz und Lindemaiin, beide von Südost-Trcptow. Die M a n n s ch a f t s- wertung ergab für Südost als beste 9, für Ostring 22 und für ASC. 26 Punkte. Die Jugend startete in zwei Abteilungen, einmal der Jahrgang 11/12: hier wurde erster Henipt-Ostring mit 6,13,2 Minuten: zweiter Gloger-Ostring und dritter Hanuemonn- Südost. Die besten Mannschaftsleistungen zeigte hier Ostring mit 9, dann Südost mit 13 imd ASC. mit 29 Punkten. In der Klasse Ilieows, l.idifLpie!s usw. Montag, d.25. 3- Staats-Oper Unter d, Linden A.-V. 77 20 Uhr toriila Staals-Opor Am Pl.d.Rcpubl. R.-S. 74 19'/. Uhr RottmaDiis EnabluDgeD Montag, d. 25. 3. Stadt. Oper BUmarcksu. Turnus III 19 Uhr rm Staat). Sthausph. m Seadinatannkl R.-S. 25 20 Uhr Staat!. Seiiiller-Tbeater, Mb. 20 Uhr: Kalkulla, 4. Mai � CASINO-THEATER• Loinrlnger Straße 37. Neu! Neu! „Eine unflBHeMe Frau" and ein erstklassiger bunter Teil. 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Uhr Guido Thielseber Veehead im Paradies BerliDer Theater DirektHeinz Herald Charlottenstraae 9C A. 7. Dönhoff 170 Anf-SU., Ende 10 U. Helden von Bernard Shaw. Lesslng-Theater Täglich 8 Uhr 3 x Hochzeit 8V< Theater 1 dt» Westens Sonnt BS auch V.4 uf)c Ber größte 1 Erfolg Zierlins J Lneöerike Mufti von Lehne Erika v. Thellmann Karl 3>egler, Sta