BERLIN Sienstag 26. März 1929 10 Pf. Nr. 144 B 72 46. Jahrgang. Erscheint ttglich außerSonnt«»«. Augle>ch Abendausgabe de«.Vorwärts". B«jugck>")— 59 000 Tonnen—,„M a j e st i c"(„Bismarck")— 56 000 Tonnen— und„B e r e n g a r i a"(„Imperator")— 52 000 Tonnen— übertroffen. Aber sie sollten zu den schnellsten Schiffen gehören, die den Zltlantik insechsTagen überqueren. Mit diesen Baute» rückte Deutschland mit einer Tonnagezunahme von 12,3 Proz. an die vierte Stelle in der Welffchiffahrt. Italien und Frankreich ließ es hinter sich, es blieb nur noch hinter England, den Bereinigte» Staaten von Norden»erika und Japan zurück. Im Schiffbauauftrag dagegen stand Deutschland mit diesen Neubauten an z w e i t e r Stelle der Nationen. Der deutsche Auftragsbestand belief sich im zweiten Vierteljahr 1928> auf 87 Schiffe mit 407 500 Tonnen, während England eine Neubautonnage von 1,2 Millionen Tonnen ausweisen konnte.— Die Inneneinrichtung der„Europa" sollte allen Anforderungen der Zeit entsprechen. An Stelle des Zwischen- decks sollte eine moderne dritte Klasse ausgebaut werden mit Kabinen und Aufenthaltsräumen, so wie dies schon bei der„Albert-Ballin"- Klasse der Hapag und den letzten Dampfern des Norddeutschen Lloyd, zum Beispiel bei dem 32 354 Lrutto-Registertonnen großen Doppel- schraubenLampfer„Columbus" der Fall war. Die„Europa" hätte 4500 Passagiere bequem unterbringen können. Daß es an voll- endeten Sicherheitseinrichtungen und an künstlerischer Ausstattung. an allen Sport- und Hygieneanlagen nicht gefehlt hätte, braucht kaum hinzugefügt zu werden. Jetzt hat eine unvorhergesehene Katastrophe dieses Werk fried- lichen Wiederaufbaues vernichtet. Ltniergang eines Gieitmer Dampfers. Die Besahung gerettet. S t« l t i n. 26. mär j.» (Ein der Reederei fiunstmann gehörender Dampfer„venekk a". der sich mit einer Ladung Eisen aus der Reise von London nach Hamburg befand, ist nach Zusammenstoß mit dem holländischen Dampser„Vataoier I" 17 Seemeilen östlich von Zer- s ch e l l i n g. gestern vormittag gesunken. Der Stettiner Dampfer„Benetto", der im dichien Nebel still- gelegen hatte, ist von dem Dampser„Batavier l" gerammt worden und innerhalb von drei Minuten untergegangen. Glücklicher- weise konnte die gesamte Besatzung der„Venetta", die allerdings nur ihr nacktes Leben rettete, auf den Dampfer„Batavier I" übernommen worden, der inzwischen wohlbehalten in Rotterdam angekommen ist. Auch„Batavier I" hat schwere Beschädigungen am Vordersteven davongetragen, konnte aber seine Reise vis Rotterdam fortsetzen. Die Sachverständigenberatungen. pariser Pessimismus. pari», 26. März.(Eigenbericht.) Nach der am Montag stattgesundenen Vollsitzung der Pariser Sachverständigen glaubt die gesamte Presse einen übertriebenen Pessiinusmus an den Tag lege» zu müssen. Man erklärt all- gemein und zwar augenscheinlich aus taktischen Gründen, daß d i e Konserenz in«ine schwere Krise eingetreten sei und wahrscheinlich einem Mißerfolg zusteuere. Vor allen Dingen zeigt man sich enttäuscht, daß der Reichsbankpräsidcnt Dr. Schacht doch keine neuen Vorschläge aus Berlin mitgebracht habe. Dann aber behauptet inan, daß es Differenzen zwischen den deutschen Angeboten und den alliierten Anforderungen hinsichtlich der Gesamthöhe der deutschen Schuld, die mindestens 13 bis 17 Mil- liarden ausnrachien, geben werde. Deutschland sei zwar bereit, die interalliierte Schuld ab, zudecken, aber es wolle darüber hinaus nicht mehr, oder doch höchstens nur noch 3 Milliarden Mark als Rücker st attring für die Wiederaufbaukosten zahlen. Was nun in Paris weiter größte Sorge bereitet, das ist die Ausrechterhaltung der alliierten Einheitsfront. Man glaubt jetzt nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Engländer in dem Verdacht haben zu können, daß sie eine nichtgenügende Bundestreue zeigen könnten. England, so betont vor allem das„Journal", sei an den Wiederaufbaukosten, ebenso wie Amerika, »ur sehr wenig interessiert. Wenn es sich nicht bereit findet, Frank- reich, Belgien und die übrigen kleinen Alliierten zu ihren Forde- rnngen zu unterstützen, dann müsse die Konserenz unbedingt zum Mißerfolg führen. Das„Oeuvre" sieht schon eine Möglichkeit zu einem K o m p r o- m i ß. Es glaubt voraussagen zu können, daß der Schiedsrichter Owen Poung die Deutschen dazu bringt, ihr 3-Milliarden-Angebot aus 8 Milliarden zu erhöhen, während die Alliierten ihr« 15-Mil- liarden-Forderung aus die gleiche Summe ermäßigen müßten. Die Ausklärung des Moides an dem Grafen Stolberg in Jannowitz macht immer neue Schwierigkeiten. Die Berliner Mord- kommiffirm, die seit einigen Tagen dort amtiert, hat zu ihrer Ueber- raschung festgestellt, daß jenes Buch, in dem der Ermordete zur Zeit der tödlichen Schüsse las, und das lmzw«>iselhaft mit Blut- fpritzern versehen war, verschwunden ist. Die Ermittelungen nach dem Verbleib des Buches ergaben, daß es ohne Kenntnis der Behörden dem Ermordeten mit i n d e n S a r g g e l e g t worden ist. Da die Mordspezialisten aus den Blutspritzern gewisse Schluß- solgerungen auf die Lage des Ermordeten ziehen zu können glauben, so ist die Wiederausgrabung der Leiche nicht unwahr- scheinlich. Außer dem Buche ist auch eine Reihe von Dokumente» verschwunden, die möglicherweise für die Beweisführung von Wichtig- London, 26. März. Der ainerikanische Schatzsekretär Mellon veröffentlicht eine Erklärung, in der die Versenkung des britischen Alkoholschmuggler- schiffes„I' m a l o n e"(„Ich bin allein") durch die Küstenschutzwache voll gerechtfertigt wird. Mellon gibt einen genauen Ueber- blick über die Vorgänge nnd die Tätigkeit"des britischen Schisses, wobei er z» dem Ergebnis kommt, daß kein Zweisel darüber be- stehen könne, daß der versenkte britische Schoner ein Alkohol- jchimigglerschiss war. In englische» amtlichen Kreisen legt man sich vorläufig in der Beurteilung starke Zurückhaltung aus, da die vorliegenden Angaben noch unzureichend sind. Di« Entscheidung. Parlamentsschluß in Warschau. Annahme des Budgets.- Niederlage der Regierung. Warschau. 26. März. In der heutigen Sejmsitzung wurde der Antrag des Regierungsblocks, die Kommissionsarbeiten über die neue Verfassung auch nach Schluß der Session fortzusetzen, mit starker Mehrheit abgelehnt.� Dann schritt der Landtag zur endgültigen Abstimmung über das Budget und über die vom Senat vorgeschlagenen der Polizeipräsident von Magdeburg, wurde unter Ernennung zum Ministertalüirektor mit der Leitung der Abteilung I(Poli- tik, Verfassung, Verwaltung und Beamtentum) im Reichsministc- riurn des Innern betraut. Der neue Mitarbeiter Severings Hot sich in Schlesien als Landrat bewährt, bevor er vor wenigen Jahren an die Spitze des Magdeburger Polizeipräsidiums ge- stellt wurde. Aenderungen. Politisch bedeutsam ist der Beschluß des Sejni, den vom Senat wiederhergestellten Dispositionsfonds des Innenministers, Generals Skladkowjki, von neuem zu streichen. Im allgemeinen wurde das Budget wiederum in der ursprünglichen Sejm- sassung hergestellt. Der veranschlagte Haushalt für das kommende Finanzjahr sieht Ausgaben in Höhe von 2 766 000 000 Zloty vor, denen Einnahmen in Höhe van 2,788 000 000 Zloty gegenüberstehen. Noch Verabschiedung des Budgets ergriff unerwartet der den unpäßlichen Ministerpräsidenten Bartel vertretendi: Innenminister, General Skladkowski, das Wort, um ein Schreiben des Staats- Präsidenten zu verlesen, der die Schließung der Budgetsession des Sejm oerfügt. Keine Auflösung in Mecklenburg. Schwerin. 26. März.(Eigcnbertchi.) Amtlich wird von der Pressestelle des Staatsministeriums mit- geteilt: Die Zeitungsnachrichten, das Staatsministerium sei im Hin- blick auf das Urteil des Stootsgerichtshofes in der Sache des Frei- staates Sachsen zum Rücktritt und zur Auflösung des Landtags bereit, treffen nicht zu. Made in Bavaria. Man schreibt uns: Ich kauft« in diesen Togen einen Bleistift- spitzer. Als ich ihn mir gelegentlich näher besah, wurde ich leb- hast an Herrn Held, den bayerischen Ministerpräsi- deuten, erinnert. Der hat kürzlich dem Korrespondenten einer. amerikanischen Zeitung ein Interview gegeben, das er jetzt vergeblich abzuleugnen sucht. In dieiern Interview'tandcn allerhand törichte Ding« über die Unterdrückung Bayerns im Reiche, u. a. der Satz, I daß die Bayern nicht in der Masse der Deutschend keit sein könnten. Vor allem sind mehrere Briefe in der Nacht des Mordes verbramit worden. Sie wurden aber nicht beschlagnahmt unid sind dann augenscheinlich von Familienangehörigen verbrannt worden, so daß sie jetzt nicht mehr als Beweismittel her- angezogen werden könneni Wie von der Polizeioerwaltung F r e i b e r g(Freistaat Sachsen) mitgeteilt wird, hat sich dort ein 43 Jahre alter Bergmann Siegmund selbst gestellt, mit der Behauptung, der Mörder des Grafen Stolberg-Jannowitz zu sein. An den beteiligten Stellen steht man der Selbstbezichtigung skeptisch gegenüber, da Siegmund einen geistig nicht normalen Eindruck macht. Augenblicklich prüft die Berliner Mordkommission, ob es sich bei dem Todesschuß nicht auch um einen Fernschuß gehandelt haben kann. ob ein formeller Protest erfolgen wird, hängt von der Klärung von von zwei Punkten ab: 1. ob die Versenkung des Schoners außerhalb des Gewässers erfoigle, das von Großbritannien gegenüber den Vereinigten Staaten für die Zwecke der Bekämpfung des Alkohoffchmuggels als Hoheits- gemäsicr zugestanden wurde, und 2. ob die Bereinigten Staaten an der Rechtmäßigkeit der Versenkung festhalten, wenn sie außerhalb dieses Gebietes erfolgt sei. In der gesamten englischen Oeffentlichkcit findet der Vorfall größte Beachtung und hat die englisch-amcrikanischen Beziehungen erneut einer gewissen Belastungsprobe ausgesetzt. aufgehen wollten. Nun, und eben daran erinnerte mich der Bleistiftspitzer. Er war hergestellt von einer sehr bekannten Blei- stiftfabrit in Nürnberg und trug auf der Grundfläche die Bezeichnung. DRGM.(Deutscher Reichsgesetzmusterschutz) Made in Bavaria — hergestellt in Bayern. Verstehst du, sehr verehrter Leser, in Bayern, nicht in Deutschland! Denn Deutschland— lieber Gott, dafür kann man keine Verantwortung übernehmen, und außer- dem für dieses Deutschland, das uns verschlucken will, um nicht zu sagen annektieren, auch noch Reklame machen mit unseren Pro- dukten! Nichts da, wir wollen nicht aufgehen in dem ollgemeinen Brei, in der Masse der Deutschen, wir bleiben hübsch für uns. DRGM.. ja, das muß man leider sagen, denn hier hat der Zentra- lismus schon gesiegt. Aber im übrigen: Made in Bavaria. Die separatistischen Gelüste als Fabrikmarke— es ist Näglich, aber echt bayerisch._ Oer Zerrspiegel. «) Wie die„DRott Fahne" uns zitiert: Und so übertrumpft der„vorwärts" gestern abend die ganze bürgerlich« presse und fordert da» verbot der kommunistischen Partei. Indem dos Organ der entarteten Sozialverräter der Kom- nm nistischen Partei unterschiebt,„bei jeder möglichen und unmög- lichen Gelegenheit mit Revolvern, Gummiknüppeln, Dolchen und Schlagringen auf politisch Andersdenkende loszugehen", begründet es dte Notwendigkeit des Verbot». b) Was im„Vorwärts" stand: Waruni benehmen sich die Herrschosten jetzt so ausgeregt? Sie schreien aus voller Kehle:„Wir sollen verboten, wir sollen aufgelöst werden!" Das ist nickst wahr. Sie sollen weder verboten noch ausgelöst werden, sie sollen allein sich anständig betragen, wie es gesitteten Menschen zukomnck. Sie sollen nur darauf ver- z i ch t e n, bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit mit Revalvern, Gummiknüppeln, Dolchen und Schlagringen auf politisch Andersdenkende loszugehen. Sic sollen ihren Kampf mit geistigen Waffen, mit den Mitteln der llcberredung und der Ucbcrzeugung führen, dann wird ihnen kein Härchen gekrümmt werden. Milch darf nicht billiger werden. Händler und Paragraphen gegen Konsumvereine. Nur den Konsumoereinen ist bisher oine Berbilligung des Milchprcises gelungen. Kein Wunder, daß sich die Händler gegen den Milchhandel"der Konsumgenossenschaften wenden und ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen suchen. So nahm der Konsumverein Vorwärts in Dres- den auf Drängen weiter Kreise den Milchvertrteb im Jahre 1925 auf. Es gelang ihm, den Milchpreis von 35 bis 36 Pf. auf 28 Pf. herunterzudrücken, während im Privat- Handel jetzt noch 30 bis 31 Pf. verlangt werden. Nun kommen die Händler und behaupten, der Konsumverein ver- kaufe Milch in Räumen, in denen auch übelriechende oder staub- erregende Waren abgegeben werden. Daß das nicht zutrifft, daß in den Verteilungsstellen des Konsumvereins Dresden die Möglichkeit vorhanden ist, Milch in einem den Geschmack nicht beastiträchtigen- den Raum unterzubringen, beirrt die Feinde der konsumgenossen- schoftlichen Milchverteilung sehr wenig. Hauptsache ist ja auch, daß ihnen der Konsumverein das Geschäft verdorben hat. Sie haben es dann auch soweit gebracht, daß sich demnächst das Oberverwal- tungsgericht mit ihrer Beschwerde gegen den Konsumverein Vo:- wärts zu beschästigen haben wird. Nun hat ein Geheimrat im Reichsernöhrungsniinisterium einen der Oeffentlichkcit immer noch nicht bekannten Entwurf eines Rcichsmilchgesetzes ausgearbeitet. Dieses Gesetz sielst auch Bestimmungen über die Beschaffenheit, Ausstattung und Lag« von Räumlichkeiten, in denen Milch aufbewahrt und verkauft wird, vor. Di« Interessenten haben seit Monaten gefordert, daß dos Gesetz den Verkauf von Milch in gesonderten Räumen bestimmen soll. Dieser Forderung scheint der Geheimrat im Reichsernährungs- mimsterium voll und ganz nachgekommen zu sein. Wie eine solche Bestimmung aber zum Schaden der Berbraucher ausgelegt werden kann, zeigt der Fall des Konsumvereins Vorwärts. Wir. wolle» hoffen, daß der Reichsernährungsminister Dietrich hier schon von seinem Blaustift Gebrauch macht, ehe das Gesetz an den Rsichsrot und den Reichstag kommt. Der Fall des Gchmugglerschiffes. Gchahsekretär Mellon rechtfertigt die Versenkung der„L'm alone". 3>r. Vlenasel Revolution des Berufsmilitärs Oer Kampf der Mexikorebellen gegen die'Zivilregierung. Alexiko-Ciiy, Mitte März.(Eigenbericht.) Die Geister Mussolinis, Primo de Riverns und der jugoslawischen Diktatur von Königs Gnaden gehen in Mexiko um. Urplötzlich hoben einige Generale entdeckt, daß der wünschens- werteste Zustand im Land« eigentlich die militärische Diktatur wäre und keinem der verdienten„revolutionären" Militärchefs Mexikos zugemutet werden könne, sich(zum ersten Male in der Geschichte Mexikos der letzten 7l) Jahre!) den Anordnungen einer Zivil- rcgierung zu unterwerfen. Nur aus dieser primitiven Denk- weise kann man sich einen Aufstand erklären, der außer schäbigen Vorwönden, die von niemanden geglaubt werden, nichts Positives und Wegewcisendes auf sein Banner zu schreiben weiß und ausschließlich vom Ehrgeiz des verufsmilitärs und persönlichem Eigennutz diktiert ist. Wohl selten Hot eine Militärreoolte in Alexiko so geringe Gegen- liebe und' so geringes Interesse gefunden und selbst in der Hauptstadt, die trotz Itzjähriger Revolution im Lande ein überaus intcr- essantes Gemisch reaktionärer Triebkräfte darstellt, ist, abgesehen von fanatischen katholischen Elementen, die jeden Schlag gegen Mexikos Regierung mit Freuden begrüßen, die Verurteilung der aufständi- scheu Generale allgemein. So mag denn gesagt sein, daß der Aufstand der Generale Manzo, Aguirre und Gonzalo Esco- bar in den Bundesstaaten Sonora, Veracruz und Eoahuila— vom rein politischen Standpunkt gesehen— von Anfang a» zum Zusammenbruch verurteilt war und an diesem katastrophalen Resultat nicht einmal momentane militärische Erfolge der Rebellen, nicht einmal die Außerkraftsetzung der Regierungs- Maschinerie und ihrer verfassungsmäßigen Funktionen ein Iota geändert hätten. Unzweifelhaft stellte der Aufstand, soweit man ihn bisher übersehen kann, eine viel ernstere Gefahr für die Regierung und die Nation dar als etwa die im Jahre 1327 im Blut erstickte Gomcz-Serrano-Rebellion, der einzig zulässig« Vergleich ist wohl nur mit der de la Huerta-Revolution des Jahres 1324, die der damaligen Obregon-Regienmg monatelang militärisch zu schassen machte und deren Folgen noch heute deutlich am nationalen Körper zu spüren sind. Die schäbige Ausrede der Aufständischen, es ginge gegen die Regierung, weil diese einen ihr genehmen Präsidentschaftskandidaten, Ortiz Rubio, auf der Konvention der Revolutionären National- parte! durch ihr gefügige Delegierte durchgesetzt hätte, kann mit einer Handbewegung übergangen werden. Aber selbst wenn die Anklag« der Aufstellung eines offiziellen Kandidaten, dessen Sieg in den kom- Menden Präsidentschaftswahlen absolut gesichert erscheint, berechtigt wäre, so sind diese Generale sicherlich am allerwenigsten dazu berufen, die Sache der Demokratie und des mexikanischen Volkes mit den Waffen in der Hand zu vertreten. Jedermann in Mexiko weiß, daß diese militärische Verteidigung demokratischer Grundsätze nur ein Vorwand ist und daß letzten Endes, mit den Worten des Kriegsnnnisters Calles, die vargetäufchte Ein- fetzung eines der jetzigen Rcgierung genehmen Präsidentennachfolgers mit der wirklichen, gewaltsamen Einsehung eines den ZNililörs genehmen Manne» geantwortet werden sollte. Aber wohl keine Tatsache dieser Rebellion ist so bedeutend für das politische Innenleben Mexikos als da» Iviedererscheinen des Expräsidenten Calles auf der öffentlichen Bühne. Wieder einmal hat die überragende Per- fönlichkeit des stärksten Mannes der Republik abschreckend auf eine Anzahl Mitläufer des Aufstandes gewirkt und manchen veranlaßt, seine zweifelhafte Haltung einer gründlichen Revision zugunsten der Regierung zu unterziehen. Calles, heute auf den Posten des Kriegs- Ministers gestellt, hat ohne Zweifel das Rad des Schicksals zugunsten des Zivilisten Portes Gil gewendet und steht wieder einmal als Retter des Landes und der in den ersten schüchternen Anfängen steckengebliebenen mexikanischen Demokratie da. Was eine solche überragende Position in Mexiko bedeuten kann und ob wir nicht eines Tages einen Rückfall in die Diaz-Diktatur- periode der mexikanischen Geschichte erleben werden, ist bei dem kaleidoskopartigen Bilde der gegenwärtigen Entwicklung Mexikos noch zu früh zu entscheiden. Es kaiin mit relativer Sicherheit gesagt werden, daß der Ausstand auch militärisch verloren ist. Es war nicht nur die moralische und praktische Unterstützung und die entschiedene Verurteilung des Militärputsches durch den hiesigen amerikanischen Botschafter Morrow, nicht nur die überragende mili- tärischen Kräfte und die Uebcrlcgenheit der Regierungsleute, sondern letzten Endes die öffentliche Meinung, die, bis auf kleine Splitter, vereint hinter der Regierung stand und ohne die nicht einmal in Mexiko, dem klassischen Lande der Revolutionen, regiert werden kann. Auch diesmal endet der politische Ausslug der ausständischen Generale vor einem Erschießungs-kommondo, sofern es ihnen nicht glückt, das Land noch vor dem offenen Eingeständnis des Zusammenbruchs zu verlassen. Die Feststellung, daß Las Niveau der aufständischen Elemente in Mexiko ständig sinkt und die Aufstands- sührer die elementarsten Vorstchtsmaßnahmen bei diesem immerhin gefährlichen Spiele immer mehr außer acht lassen, wird auch diesmal allzu deutlich durch die-Erfahrung bestätigt. Keine Ideen, geringe Truppenkräfte(die Generale glaubten nach berühmten mexi- konischen Muster mit einer Anzahl einflußreicher Gesinnungsgenossen rechnen zu können) und dazu noch zur Regierung übergehende mili- tärische Unterführer, da ja keiner nach ebenso berühmten mexi- konischen Muster auf der verlierenden Seite sein will! So sieht die militärische und moralische Bilanz dieses letzten Auf- standcs aus und fast könnte man bei aller Skepsis hoffen, daß sich auf diese Weise die militärischen Revolten in Mexiko eines Tages endgültig totlaufen werden. Oer Kampf um Mazatlan. Mexiko Eity, 2-5. März.(Eigenbericht.) Seit drei Tagen richten die Rebellen wiederholte Sturmangriffe gegen den Pazifithafen Mazatlan: sie sind aber von den Ver- tcidigern unter General Carilla blutig abgeschlagen worden. Todesanzeige. Will man sich selbst das Grab graben? Der GesamtvorstanddesPreußischenRichter- Vereins hat„fast einstimmig" das Verhalten der Vereins- leitung gegenüber den Prenzlauer Richtern gebilligt — ein Beschluß, den man nur als völlig unbegreiflich und ge- radezu verhängnisvoll bezeichnen kann. Verhängnisvoll für dos gesamte öfsentliche Leben, für den Richterstand und im besonderen nicht zuletzt für den Richterverein selbst Gistgas 1919. Eine Lampeliade. Au» der»Deutsche« Zeitung" vom W.März 1S2S. „Guten Morgen, die Herren!"... Mitte-n in der Nacht ist's. Breitspurig steht er im grellen Licht der elektrischen Lampe, die der Wärter bei seinem Eintritt eingeschaltet hat. Er trägt Kürassier- stiefel unglaublicher Dimensionen an den Beinen, die hochgebauten Schaftblätter bilde» ihm den herrlichsten Unterleibspanzer: aus ihnen ragt eine grün« Joppe, und auf ihr sitzt wieder ein blitznagel- neuer Stahlhelm. Eine silbenie Offiziersbinde um den Leib, auf dem goldenen Schloß das>V mit der Krone. In der Hand den schußfertigen Revolver.„Guten Morgen, die Herren!" Dieser merkwürdig ausstaffierte Mann ist einer von den Leuten des Novembersturms, der neue Kommandant des Zehlendorfer Lazaretts, der sich seinen Pflegebefohlenen, Zungen verwundete» oder erkrankten Offizieren, mitten in der Nacht vorstellt. Dieser vollendete Prolet. Schutzgestalt einer wildgewordenen Revolutionsphantasie, benimmt sich sehr unzioilisiert:„Er streicht sein Zünd» Hölzchen am breitledernen Gesäß in Brand", und er nimmt dos Maul gewaltig voll:„Die alte oerfaulte Rcgierung is aus, end- giiltig. Jetzt sind wir am Ruder. Und wir werden denen schon zei.gen, was'ne Harke is. Nu weht die rote Fahne auf'n Branden- burger Tor, und Liebknecht hat heute Nacht in't Bette von Willem gepennt. Es lebe die soziale Republik!" Wissen Sie, welchem Hirn diese Karikatur entstammt? Spüren Sie nicht die Klaue des Löwen? Nun denn: ich stehe dieser Tage an einem Bücherkarren. Mein Blick fällt plötzlich auf oincn Titei: „Wie Leutnant Jürgens Stellung sucht", Roman von Martin Lan>- pel: 1920. Auf der ersten Seite prangt das Signet des Verlags Langenscheidt. Berlin: ein geharnischter Ritter mit einer Fahne: ..Wahrhaft— Wehrhast." Natürlich nehme ich den Schmöker mit, denn ich verspreche nur eine Entdeckung, lind es ist eine Eni- deckung. Mit Ergötzen lese ich gleich auf der ersten Seite die Schil- dcning des Zehlendorfer Lazarettkommandanten. In dem Roman wird geschildert, wie der Leutnant Jürgens, empört über den Umsturz, seine Waffen ablegt und Unterkomme» im bürgerlichen Leben sucht. Erst meldete er sich noch beim Heimat- schütz und legt dort den Entwurf zur Bildung eines Lützowschcn Freikorps vor. Aber diese Krapüle, diese Brüder des Lazarett- kommandanten, die die Sache schmeißen und sich auf ihren an- gemähten Plätzen wohl— man muß schon sagen: sauwohl— sein lassen, haben kein Verständnis für den jungen Offizier. Sa gebt Jürgens zum Film. Eine dreckige Welt, diese Filmgesellschaft! Kein Mensch! Wie bei den Revolutionären nur Karikaturen des Menschen! Aber Jürgens hält aus, bis sich ihm die Aussicht er öffnet, nach Schlesien zu gehen, um gegen Bolschewiken und Polen zu kämpfen:„Bewegt, ernst und glücklich zugleich sah Leutnant Jürgens vor sich hin. Dann nahm er den sorglich gehüteten Degen au- dem Kosfer. Von dem silbernen Portepee der blanken Klinge lachte ihm das helle Licht zurück." Schluß! Jürgens, der„Offizier seines Königs", der„Flieger seiner Majestät", der die Mobilmachung als„ungeheuren, unvergeßlichen Rausch" erlebt hat, hängt an seinem König und seiner Unifonn. Auf vielen Seiten verteidigt er hymnisch den alten Offiziersstand, und empört trennt er sich von seinem, ihm kontrastierten Freunde, dein Offizier, der um des Lebens willen die Würde des Kleides und des Berufes preisgibt, lind Jürgens ist ein guter Hasser, der die Umstürzler nur im verzerrenden Licht sehen kann. Das Neue ist Unrat, grotesk und ungeheuer. Blutig« Tränen weint er. als man ihn zwingt, sein« Kokarden von der Mütze zu nehmen, und er jubelt, als ihm sein Redakteur erzählt, wie er die Banden, die, von Russen geführt, seine Redaktion besetzen, durch seine Schneidigkeil zum Kuschen bringt. In einen, Atemzug spricht Jürgens von ..Mordbrennerei, Räuberbanden und Bolschewisten", und im Treiben der Umstürzler vernimmt er die„irren Schreie wahnwitzigen Ueber- schwänge?, die geilen Rachegelüste der Bestie im Menschen". Das ist also der Lompel von 1313! Aber nein, es ist auch der Lampel des„Giftgases". Belustigt erkennt man in beiden Werken dasselbe Gesicht, dieselbe geistig« Unreife und dieselbe karikaturistische Verzerrung der Wirklichkeit. Der General mit dem„Giftgas" und der Zehlendorfer Lazarettkommondant komme» aus demselben seeli- scheu Raum: sind die Produkte des gleichen kleinen, hysterisch subjek- tiven.Hasses. Wer da- einsieht, wird Peter Martin Lampel nichl länger überschätzen, sondern wird lächeln über ihn. Und ivenn er sich heute noch so kormnunistisch gebärdet: seine Werke sind kein Gistgas, sie sind allerhöchste»? Stinkbomben, die eine Weile kie Lust verpesten. Schließen wir die Akten! Es lohnt nicht der weiteren Worte! XV. L. piscator rechtfertigt sich. Veranstaltung der(Sonderabteilung der Volksbühne. Unter dem Titel„Rechenschaft" hatten die Sonderabteilungen der Bolksbühnc im Plenarsaal des eheinsligen Herrenhauses einen Erwin-Piscator-Abend veranstaltet. Der Saal war überfüllt, und die meistens sehr jungen Leute jubelten ihrem angebeteten Regisseur zu. Worüber sollte sich nun Piscator rechtfertigen? Jede Bühne kann einmal in Schwierigkeiten geraten, besonders in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Aber der Fall liegt hier anders. Aus den Reihen seiner intimsten Anhänger sind Piscator Vorwürfe darüber gemacht worden, daß er proletarische mit kapitalistischen Interessen ver- knüpfte. Jetzt, vor dem Beginn einer neuen Piscator-Aera, mußte sich also der Regisseur und Thcaterdirektor zu reinigen versuchen. Gelang dies? Piscator gab zuerst einen kurzen Abriß seines Lebens, d. h. allerdings nicht seines Lebens, sondern«her seiner Regisseurlausbahn. Ein Uneingeweihter wird aus diesen Ausführungen nicht ersehen haben, woher Piscator der Fahrt kam, noch„wie sein Rom' und Art". Klar umrissen gab Piscator ein Bild von seinen Auseinander- setzungen mit der Volksbühne, von den Prinzipien seiner Regie und von der Situation des bürgerlichen Theaters. Berschwonimen wurde er jedoch, als es sich um die Darlegung der Finanzierung seines Theaters am Nollendorfplatz handelte. Er erklärte, daß die Gelder von Privatkapitalisten stammten, die sie ihm bedingungslos zur Per- fügung stellten. Ferner betonte er die Schwierigkeiten, die sich ihm boten, als das Theater finanziell schlecht stand. Die Rechtfertigung allerdings, warum er sein Theater zum legten Schrei des kommunistische» Kurfürstendamm-Snobismus machte, blieb Piscator eigentlich schuldig. Er rechnete vor, daß er der Bolksbühnc Plätze für l,2l> M. abgeben mußte, die in Scr Aufstellung der Bilanz 3 M. koste» sollten. Schließlich würde sich kein Thcaterdirektor dagegen wehren, trotz schönster Ueberzeugung, wenn' eine gut zahlende Oberschicht sein Theater frequentiert. Hier aber liegen gerade die Gründe seines Zusammenbruchs. Durch gute Einnahmen verführt, engagierte er Schauspieler, deren Gagen den Etat überschritten. Piscator gibt selbst zu, daß er die sinanziell« und persönliche Kraft überschätzt und daß er selbst am Schluß den lieberblick verloren hätte. Das später an die Piscator-Bühn« angegliederte Leffing-Theater erschwerte besonders die sinanziellc Situation. Der Kurfürstendamm-Enthusiasmns ließ bald nach, und das Unglück war sertig. Der reumütige Piscator oerspricht nun für seine neue Bühne eine Umstellung. Der Snob hätte in seinem Theater keinen Platz mehr. Die neue Bühne soll ebenfalls ein aktuelles kämpferisches Theater sein, ein Fundament für die großen Massen, die in ihr eine Vertretung ihrer Interessen sehen sollen. Parteipolitische Spaltungen dürfen nicht auftreten. Auch für den neuen Spielplan bedeutete die größte Schwierig- keit die Wahl der Dramen. Bisher ist kein ideales Stück vorhanden, aber vierzig der eingereichte» Drainen könnten zur Aufführung gelangen. Piscator will universelle Stoffe zur Darstellung bringen. Er nannte Trieb, Ehe, Justiz. Solange keine Dramen vorhanden sind, sehe er sich gezwungen, durch die Regie seine Gedanken zum Ausdruck zu bringen, auch wenn der Stoff sich manchmal als spröde erweist. Aktuell« dramatisiert« Reportage ist die Notwendigkeit. Am Schluß erklärte Piscator, daß ei» enges Zusammenarbeiten mit der Volksbühne notwendig sei, jetzt vor allem, da der fort- schrittlich denkende Karlheinz Martin zum künstlerischen Leiter er- nannt sei. Keine Lösung von der Bolksbühne, dagegen Zlusbau der Sondcrabteilungen. In ihnen wirke die politisierende Jugend. Eine Rechtfertigung also, die vorsichtig herumtaftet und Kom- promisse sucht. Die nächste Spielzeit wird zeigen, wohin das Aepfelchen rollt. F. 5. Der tschechische vichter vreziaa gestorben. Am Montag ist der bedeutende Dichter Ottokor Brezina in einen, Alter von 61 Jcchren gestorben. Er hat sich durch seine pantheistischen Dichtungen jjanz moderner Art und seine Essays einen Namen gemacht,«eine Arbeiten find zum Teil von Werse! ins Deutsche übersetzt worden. Zum Staatsjubiläum erhielt Brezina einen literarischen Staatspreis im Betrage von 100 000 Kronen. Da» Berliner Seetlioven-Stlpeadinin. das die Stadt Berlin zum An- denken an den 100. TodeSIaa tludwig van Beelbaven« im Betiaqe van jährlich 10 000 lür dcdnrll'ge»nd begabte Mutllslndierende zeltiltet bat. winde jedl zum ersten Mal ucincben«zugleich jui da« Varjahr,. 20 Schüler der Staatliche» Hochschule für Musik in CharloNenburg und der Orchester- schule enthielten ein JichreS ftipeudium von je 1000 3S. zllge»n>b� Oer Lokomotivführer von(Scheibs. In«chcibs im Oesterreichischen hat man jetzt ein Denkmal eingeweiht, das ein wenig aus dem Rahmen des üblichen fällt. Denkmalswcihen an sich sind in unserer Zeit ja nichts Neues. Die Bürger haben sich daran gewöhnt, ihr schlechtes Gewissen den Opfern des Krieges gegenüber durch das Aufstellen markiger Gedenksteine zu entlasten. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Ge- weinde den Helden der großen Zeit eine steinerne Geschmacklosigkeit widnict. Hier ein erhobener Schwurfingcr, der zur Vergeltung mahnt, dort eine Schlachtfeldszen« in lyrischer Verklärung mit lächelnden Kriegern, die in den Tod gehen, als marschierten sie zur .Kirchweih und ähnlichen Motiven unserer Heimatmaler. Das nennt man dann Heldenver«hrung. In Scheibs im Oesterreichischen aber war es ausnahmsweise mal anders. Da hat man keinen Helden des Krieges geehrt, son- der» einen Helden des Friedens, einen schlichten Lpkomvtio- sichrer, der keinen Rekord im Töten, sondern einen Rekord im Retten von Mitnienfchen ausgestellt hatte. Der Lokomotivführer hotte bei einem Maschincnbruch den von ihm geführten D-Zug im letzten Augenblick noch zum Halten ge- bracht. Sein Heldenmut und seine Geistesgegenwart bewahrten den Aug vor einer schweren Katastrophe. Aus einer schmalen Brücke, die über einen Abgrund führte, kam der Zug zum Stehen.... Nur der Retter„büßte" die große menschliche Tat mit dem Leben—, er stürzte in die Tief« und konnte erst als Leiche wieder geborgen werden. Diesem Helden hat man bei Scheibs nun ein Denkmal gesetzt. Es war alles wie sanft—, nach außen wenigstens. Korporationen mit Fahnen,— Ansprachen, eine Kapelle.— Ader die 500 Lokomotivführer, die aus ganz Oesterreich als Deputationen der österreichischen Eisenbohncr gekommen waren, um ihren Helden zu ehren, waren nicht Flessch vom Fleisch der üblichen Denkmals- statisten. Sind sie doch alle Helden des Werktags, namenlose«vi- datcn der Arbeit, die tagtäglich in den Schützengräben des Lebens stehen. An jeden. Ort, in jeder Fabrik, aus jeder Lokomotive, in jedem Schacht, aus der Straßenbahn und hoch oben auf schwindeln- dem Baugerüst sitzen sie— die namenlosen Helden des Proletariats. Und denken des einen unter ihnen, der den Kampf mit dem Leben bezahlen inußtc und dem sie ein Denkmal gesetzt haben, bei Scheibs im Oesterreichischen. Emst Dittmar. „Die Giunde der Entscheidung." (llniversum.) Die gilmproduktion, besonders die amerikanische, wird von den gleichen Gesetzen beherrscht wie die Wirtschast überhaupt. t>ie Konkurrenz bemüht sich, neue Artikel, die eingeschlagen hoben, so- fort nachzuahmen. Lubitschs„Hotel Stadt Lemberg"- war ein großer Erfolg, also macht man dieselbe Sache noch mal: der Krieg rnti die Straßenfchlacht als Hintergrund und die Frau, die zwischen den beiden kriegführenden Parteien hin- und hergeworfen wird, im Zentrum. Nur übersteigert nwn»och alle Motive. Das Mädchen wird hier zuerst zur Prostituierten degradiert, damit sich dann ihr Aufstieg um so prächtiger gestaltet:«in russischer und ein österreichi- scher Offizier werden ihre brüderlichen Freunde. Der Krieg schlägt alles auseinonder, aus den Freunden find Feinde geworden, dos Mädchen wird von dem Russen, als er Tarnopol erobert hat, zur Hingabe gezwungen. Und sie tut es, um Landsleute vor dem Tcde zu retten und chrem Baterland durch die Befreiung eines Spions einen großen Dienst zu ermessen. Die Oefterroicher kommen zurück, das Mädchen avanciert zu einer Art Notionalheiligen und findet Berzeihung und erneute Liebe bei ihrem Ocfterreichcr. Der Stoff ist ja beim Film nicht ollein entscheidend, sanft müßte man diesen Kolportagereißer unbesehen ablehnen wegen seiner Verlogenheit, Sentimentalität und der Spekulation auf die Tränendrüse. Aber die Regisseur« Henry King und Sam Taylor bringen dank einer hervorragenden Photographie viele gute Bildeffekte her- nor� und vor allem versteht es Normo Talmadge in diesem Musterexemplar einer Filmrolle, die ungefähr alle» umfaßt, was eine Frau überhaupt darstellen kann, die mannigfaltigsten Seiten ihres Talentes abzuschlagen. Sie sst bald süß wie ein Mädchen von Greuze. bald bringt sie leidenschaftliche und tragssch« Akzent« ins Spiel, und immer sieht sie interessant aus. Di« beiden Rivalen um ihre Liebe sind»ach der üblichen«chwarz-Weiß-Technik charoktc- risiert. Arnold K e n t hat mit dem, Lösen" Russen die lohnendere Aufgabe. r. Geheimnisvoller Raubüberfall. Eine neue Phase in einem alten Erbschastskampf. Der Z4 Jahre alle Kaufmann Arno von Freder»- d o r s s wurde am Zllonlagabend in einem holel in der Nähe des Anhattet Bahnhofes überfallen, gefesselt und geknebelt und werlooller Dokumente beraubt. Die ganze Angclegenheit ist jedoch so undurchsichtig und merkwürdig, dah man sie zunächst mit größter Reserve betrachten muß. Bisher konnte folgende» ermittelt werden: Fredersdorfs führt, wie in der Oeffentlichteit schon bekannt, teils mit dem Willen seiner Familie, teils gegen ihn, feit längerer Zeit einen Kamps um eine Erbschaft, die bis in die Zeit Friedrichs II. zurückreichen soll. Um den voraussichtlich entstehenden Prozeß zu finanzieren, wollte v. F. eine Reise mit einem Motorboot rundum Amerika machen. F.. der in Berlin-Schöneberg wohnt, erhielt am Montagnachmittag ein Stadttelegramm, in dem er aufgefordert wurde, in das Hotel zu kommen Hier traf er auf einen Mann, der sich„Selbes" nannte. Dieser Mann war in das Hvtelbuch unter dem Namen Willy Seldes, geboren am 25. September 1893 in Draunschweig(es kann auch Brounsberg heißen), eingetrogen. Woher er kam. gab er nicht an. Nach der Beschreibung, die von Fredersdorfs und das Hotelpersonal übereinstimmend machen, ist er etwa 1,7Z— 1,78 Meter groß. Er trug dunkelblauen Anzug und schwarze Halbschuhe. Das Haar ist kraus, braunrötlich schimmernd und an den Schläfen ange- graut. Der Hotelgast hatte ein gepflegtes Aeußere und machte den Eindruck eines sehr gebildeten Mannes. Selbes nun soll dem v. Fredersdorfs folgenldes Angebot unter» breitet haben: Wenn v. F. bei seiner Reise Fordmotore benutzen würde, die ihm kostenlos zur Verfügung stünden, würde man ihm in Anbetracht der guten Reklame eine angemessene Entschädigung zu- billigen. Von Fredersdorfs wurde mit Geldes über das Angebot von Fordmotoren und einer größeren Geldsumme gegen entsprechende Reklame mif der Amerikasahrt bald einig, so daß sofort ein Vertrag abgeschlossen werden sollte. Zu diesem Zweck bat Fredersdorfs seinen Rechtsanwalt und einen Freund um einen Hotelbesuch durch den Fernsprecher. Nach diesem Gespräch setzt« Selbes die. Verhandlung mit dem Partner weiter fort und über- reichte ihm dabei wiederholt ein« Zigarette. Der Raucher er- müdcte bald, wurde schlapp in allen Gliedern und verlor endlich das Bewußtsein. Als der Rechtsanwalt und der Freund nach Verabredung um 4 Uhr erschienen, während die Verhandlungen schon um 3 Uhr begonnen hatten, fanden sie keinen Einlaß. Sie ver- muteten, daß die beiden ausgegangen seien, und warteten lange auf ihre Rückkehr. Da wurde um 6� Uhr von Zimmer 168, d>is Seldes gemietet hatte, die Telephonzentrale des Hotels angerufen. Der Rufer konnte tau in sprechen und man eilte deshalb sofort hin und öffnete mit einem Reserveschlüssel. Seldes war nicht mehr da und muß den Hauptschlüssel mitgenommen haben. Wann er weggegangen ist, hat nleinant» gesehen. Fredersdorfs lag ge- knebelt und gefesselt auf dem Fußboden. Der Knebel war ein Hand- tuch, gefesselt waren Hände und Füße mit Gardinenschnuren. Nach- dem er das Bewußtsein wiedererlangt, hatte er sich auf den Knien mühsam an den Fernsprecher herangemacht, und es war ihm ge- lungen, den Hörer abzunehmen. Welche Aktenstücke ihm geraubt worden sind, kann er im einzelnen noch nicht sagen, bevor er sein ganzes Material wieder gesichtet und durchgesehen hat. Ein fingierter Raubüberfall. Die eingangs von uns geäußerten Bedenken scheinen nicht un> begründet zu sein, und es läßt sich nicht verhehlen, daß der dringende Verdacht besteht, daß es sich hier um einen fingierten lieber- fall handelt, vielleicht um die Aufmerksamkeit der Oefsentlichkeit auf den nun schon seit Jahren schwebenden Prozeß um die Erbschaft des Kammerdieners Friedrichs des Großen, Fredersdorfs, zu lenken. Auffällig erscheint vor ollem die Tatfach«, daß der angebliche Bs» wohner dieses Hotelzimmers. Seldis, Herrn v. Fredersdorfs nach der Fesselung so auf den Boden gelegt hoben soll, daß er ohne allzu große Anstrengung die fast über ihm hängende Tele- phonschnur erreichen, den Apparat herunterreißen und sich der Fernsprechzentrale des Hotels bemerkbar machen konnte. Außer- dem ist nicht recht ersichtlich, was dieser„große Unbekannte" gerade mit einigen der angeblich geraubten Aktenstücke anfangen soll, die sich ohne weiteres auf Grund der Prozehoorgänge bei den Gerichten und den in Frage kommenden Anwälten rekonstruieren lassen. Kriminalkommissar Werneburg, der die polizeiliche Untersuchung in dieser Affäre führt, wird im Laufe des heutigen Tages Herrn v. Fredersdorfs noch einmal eingehend über den ganzen Vorgang vernehmen. Die Person des angeblichen Seldis ist noch völlig im Dunkeln, aber es erscheint absolut nicht ausgeschlossen, 'daß es sich hier um eine zu bestimmten Zwecken verabredet« Sache und nicht um einen wirtlichen Raubüberfall handelt. daß also dieser mysteriöse Hotelgast in Wirklichkeit irgendein Be- kannter des angeblich Ueberfallenen ist. So mysteriös wie diese noch ungeklärte Affäre ist bekannllich auch die ganze Erschaftsangelegenheit v. Fredersdorff. Der Nach- komme des Kammerdieners Friedrichs des Großen will vor einigen Jahren in der Spitze des Kirchturms eines märkischen Dorfes dort verborgene Dokumente aus der friderizianifchen Zeit gefunden haben, aus denen hervorgehen soll, daß die Nachkommen Fredersdorffs um chr großes, aus Barvermögen und Grundbesitz bestehendes Erb« durch dunkle Machenschaften gebracht worden seien, und zwar sollen sehr bekannte Mitglieder des märtischen und meck- lenburgischen Adels heute auf Gütern wohnen, die eigentlich den Nachkommen Fredersdorffs gehören sollen. Feuer in Berlin GO. Ein Fabrikgebäude ausgebrannt. Ein großer F a b ri kb ro n d beschäftigte heut« früh mehrere Löschzüge der Feuerwehr in der Äaldemarstr. 4 4. Auf dem Hof befindet sich in einem langgestreckten, einstöckigen Ouergebäude eine Maschinenfabrik. Um 6.29 Uhr wurde in den Räumen plötzlich heller Feuerschein wahrgenommen. Als die Feuerwehr mit mehreren Löschzügen anrückte, stand die Fabrik in ihrer ganzen Ausdehnung in hellen Flammen. Da� Feuer hatte bereits auf den D a ch ft u h l übergegriffen und es muhten zahlreiche Schlauchleitungen in Tätigkeit gesetzt werden, um das Feuer niederzukämpfen. Das Gebäude ist völlig aus- gebrannt. Bis in die Mittagsstunden hinein war die Feuer- wehr an der Brandstätte mit den Ausräumungsarbeiten beschäftigt. Selbstmord eines Buchbiuderlehrliugs. Aus Angst, die in den nächsten Tagen stattfindende Gesellen- r ü f u n g nicht zu bestehen, hat gestern nachmittag der 17jährig« uchbinderlehrling Georg S ch m i d t in der Wohnung seiner Eltern, Emser Straße 38, Selbstmord verübt. Als Familien- angehörige nachmiüags heimkehrten, fanden sie den jungen Men- schen in der völlig mit Gas erfüllten Küche leblos auf. Wiederbelebungsversuch« der Feuerwehr und eines Hinzugerufe- nen Arztes blieben leider ohne Erfolg. vlenstse. 26. Mirz. B e r 1 1■. 16.00 Stunde mit B&ehern. Biocraphiea Illhrtader Sodalitten. Am Mikrophon: Paul Kaxnpffmeyer. 16.30 Unterhaltanramnsik Kapelle Emil Rodaz. AnschlfeDend Mitteilunten des Arbeltaamtea Berlin-Mitte. 18.10 Ein Oans durch die Vereinlpten Slaatshochsehulen für freie and»nte- wandte Kunst.(Am Mikrophon: Helmut Jaro Jaretzki.) 19.00 Ober-Reg.-Rat Flach; Rußland und der lerne Osten. 19.30 Ober-Inrenieur Otto Main; Das Wunder des Fernemplanf». 20.00 Sendespiel;„Das zoldene Kreuz", von Irnaz Brüll. Leituni; C. Brans- teest. Dirlrenl; Leo Blech. Anschließend; Presse Umschau des Drahtlosen Dienstes. KdnirsTusterk aasen. 16.00 Ob.-Stud.-Dlr. Rohrberr: Die rationelle Methode des Rechnens. 16.30 Nachmittapskonzert von Leipzlp. 17.30 Dr. Paul dünthei; Explosionen and Explosiva toll. 18.00 Mary Schneider-Braillard: Moderne Dlchtunpen. t 18.30 Französisch Ißr Anlänper. 18.50 Dr. Ludwip Klapes: Orundfraped der Charaklerkunde. 19.30 Dr. Fritz Schill: Moral and Sozialkritik in der Malerei. 22.45—23.15 Bildlunkversuche. Ooppelhaltestetten der(Straßenbahn. In der Leipziger und Potsdamer Straße. Zur schnelleren Abwicklung de» Verkehrs an den stark über» lasteten Hallestellen in der Leipziger und Potsdamer Straß« hat die D«rkehrs-A.-G. bei der Straßenbahn jetzt eine Neuerung eingeführt. An besonders gekennzeichneten Haltestellen — Hastragfäulen mit einem gelb umrandeten Schild.�Doppel- Haltestellen der Straßenbahn"— wird es jetzt möglich werden, daß das Publikum auf zwei Straßenbahnzügen gleichzeitig aus- und einsteigen kann. Während die Wagen im allgemeinen so halten, daß der Hinterperron des Vorderwagens genau an der Haltestelle steht, fährt an die Doppelhaltestellen der erste Wagen mll Anhänger über die Haltestelle hinaus, während die folgende Bahn kurz davor hält. Der zwoite Wagenzug braucht also an den Doppel- Haltestellen nicht nachzurücken und ein zweites Mal zu halten. Man erwartet von diesen Doppelhaltestellen einen geringeren Zeitverlust. Die Sozialversicherung in Deutschland. Vor den an der Arbeiterwohlfahrt interessierten Kreisen sprach die Genossin Luise Schröder, M. d. R., über den„Ausbau der Sozialversicherung". Aus dem Referat ergaben sich zwei Talsachen: Die enge Verbindung des Standes der Sozialversicherung mit der politischen Lage und die Notwendigkeit, weite Kreise der Bevölke- rung über die zustehenden Rechte aus der Versicherung aufzuklären. Die Einstellung der Sozialdemokratie zur Sozialversicherung ist durch das Heidelberger Programm, dos ihren Ausbau fordert, eindeutig festgelegt. Wie die Referentin ausführte, haben wir natürlich das größte Interesse daran, alle Berusstätigen und ihre Familienangehö» rigen in die Versicherung einzubeziehen, denn je größer die Sicher- heit für die Arbeitenden ist, um so mehr Hoffnungen bestehen für eine günstige kulturelle Fortentwicklung. Wir können auf allen fünf Gebieten, bei Kranken-, Invaliden-, Arbeiter-, Angestewen. und Unfalloersicherung, in der deutschen Republik Erfolge aufweisen. Bei der augenblicklichen politischen Lage bleibt nichts anderes übrig, als die erkämpften Erfolg« zähe zu verteidigen. Internationales Minöerheltenrecht. In der Internationalen Vereinigung für ver» gleichende Rechtswissenschaft sprach Dr. Karl Georg Brun» über internationales Minderheitenrecht. Nach einleitenden Ausführungen über die Stellung des Minderheiienrechts im Völker- recht behandelte er einige Rechtsfragen, die auf der letzten Tagung � Völkerbundrate» aufgeworfen worden sind. Das einzige endgültige Ergebnis der Genfer Verhandlungen ist die Stellungnahme gegen die Assünilationstheori«. Im Einklang mit den bestehenden Mmderheitenoerträgen haben außer Strese- mann auch Chamberlain und Briand als Zweck der Minderheitenverträge die Erhaltung der kulturellen Eigenart der Minderheiten anerkannt. Der Vortragende erörterte dann die verschiedenen Stellungnahmen zum Wesen der Völkerbundgarantie über die Minderheitenverträge. Nach der Auffassung der Kleinen Entente, Polens und Griechenlands be- steht die Garantie einzig in dem Individualrecht eines jeden Rats- Mitgliedes, die Aufmerksamkeit des Rates aus die Verletzung oder die Gefahr einer Verletzung der Verträge zu lenken. Diese Aus, sassung verkennt, daß dieses Recht der Ratsmitglieder nicht das Wesen der Garantie, sondern nur ein Mittel ist, die Garantie wirksam zu gestalten. Der völkerbundsrat hat sich mit einer be- stimmten Frage zu befassen, s'obäld ein Ratsmitglied die BeHand- lung der Frag« verlangt. Von Stresemann ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß sich dke Garantie des Völkerbundes in dem Versahren zur Behandlung konkreter Verletzungsfälle nicht erschöpft. Der Gedanke des Vertreters Kanadas, Dandurands, an Stell« des Dreierkomitees den sich als Komitee konstituierenden Rat mit der Vorprüfung von Petitionen zu beauftragen, würde besser als bisher den Ratsmitgliedern die Prüfung der Frage erleichtern, ob sie im egebenen Fall von ihren Rechten und Pflichten Gebrauch machen ollen oder nicht. Auch der Vorschlag Dandurands, daß die Petitionen durch Dermittlung der betreffenden Regierungen einge- reicht werden müssen, hat neben Nachteilen den Vorteil, eine bessere Vorbereitung des zu prüfenden Materiols zu ermöglichen. Eine üterung der Verpflichtungen der Minderheitenstaaten tonn in dem Borschlag nicht gesehen werden, da die Regierungen in ihrer Erweiterung dem Borschlag nicht gesehen werden, da die Regier Enffchließung darüber durchaus frei sind, ab sie dein Vorschlag Dandurands entsprechend in einen Meinungsaustausch mit den Bitfftellern eintreten wollen oder nicht. Wetter für Berlin: Teil» heiter, teils wolkig, ohne wesentliche Niederschläge, wenia geänderte Temperaturen, stellenweis« Morgen- nebel.— Für veulschlomd: Ostwärts fortschreitende Wetterbesserung. verantworllich für die Siebollion;?zo»> ftlth«, Berlin: Anzeigen; Zh.«locke, Berlin. Berlog: Borwärts B erlog®. m. b. ft., Berlin. Druck: BannötU Buchdrücke rei und Berlegsonstolt Paul Singer&. Co., Berlin 633 68. Linhensiroße 3. ftien» 1 Beilage. Dienstag.25 3 Staafs-Oper Unter d. Linden A-V. 78 Wh Uhr Kleitemnser von Undm Dienstag d. 26 1. Stadt. Oper Bismarcasu Turnus III 20 Uhr La serva padrona (Der OortMitleD Staals-Oper Am PI a.Republ. R.-S.7S 19'• UM Staat). Scbaosph. an fr. Blens um>a A.-V.73 20 Uh Karl o. Anna Staat!. Schiller-Theater, Charith. Pielro Aretino Retcbshatl«n»Theajer jliaaendi. nT] Ußr, lonottg üafflro.(7] Sieiitaer Sänger stchm. ha be Preise. volles ro-ramm: T illctlbeslcllnmpev e.ecDon; Zenirnm 1128.1. önhotf- Brettl: Verteio/ Kopien ✓ Toni. Winfer ★ Qarron* | S Uhr Zentrum 2S19 1 Rauchen erlaubt! Otto Reutter und inlernmü on ale IV Darbiehm�en. vu uhr CASINO-TBEATER Lot.intir.er Strohe 37; Heul Neul „Eine ungelientB frair und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Les r Gutschein Iflr 1- 4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M. Sessel 1.55 M Sonstige Preise: Pa'ket u. Kang 0 80 M. Renaissance- Theater Hardenä'�str 6 Tel. Sle.npi. 901 u. 2582-94 8 Vi Uhr Zum 9«. Male.»>/, Uh Ola Welterfotgakomfidla „Das große ABC4' von Maretj Pa< n» Re■ ilpsi. HariBni). laPremiereohesiio. 8 Uhr d 5 Barbarossa 9256 Bof-Ilpo, Iii lignll. Ben• loniloor- Wunder, iraom Bntk., Hiilcal-tioni and die Obrtgan tttriktmiaa 1 1 PIzA�a i- Ufta" Alex.« lägt 5u.815; Intern. Variete Karten ti Tat*« im yoraos -.s.| n.Varietg I ▼oratu H ftteiiift m ,gt r SV« Curt Goets. Valerie v. Marlens Ferd. v. Allen in „Tr.o" Lustsp v Leo Lenz. Regit': Frledmcnn- FrederUh. Tnanon-Th. 18« Ii eh SV« Uht Stg na hm. 3Vi Uhi cep Herzog und die SOndertn Erika Sillsinoi ■ orlln kennet T. V-oellendorfi Planetariam — am Zoo— -. tonBimu.-ttri i Noll 1578* 15V« Uh: Stemm tnai«1 des Frabjahn 18V« Uhr Stambilder und Waltbau 20V« Uh Wandt das •Ddliehan Himmola Täjl. außer Montags u Mittw. Erwachs Mk.. Kinder SO Pf. Mi iw.: Erwach ene WPt Kinder 23 Pr. Otaen. Zünatlar-Th. 8V« uh Pottasch und Perimutter a s Detektiv Panl(hrfilr, Karl EttÜiigcr. 'anmwsky-iiOhneii fnaatar m dar (»niggrltza, Straßa T SV« Riva> en Kom6di«nh«us Täglich übr Die Jrr-GrKdieii- !'»« « nea.ai em tollendorfpla n-tigh sv, i-, Das Seid au: dar strase 8 ose- Thea t«i Kf fan�arm St. 13«' MA Uhr DreirtiSiMitelii VolhiDUtme lnutn in IllraglM I Uhr Irenzabnaiime TlHttr«■ seuiMMrSn» 8 Uhr Dia KrankMit dar Jugend Thfliia-TSealer 8 L hr Oelranscb 'tutUdiillir-Tli. Uh- Pietro Aretino siMtsoßeram Pia« der kopukllk 7V, Carmen lessiiig-Thealer ra*.»ch •i Uhr 3 x Hochzelt. Phliharoionle 8 Uhr etzlef Wasner-Ähui -bs rttilhaim.Orch Dlrli. frsl. I. Prower Theater a. KottbusserTor Kattbasui Str. 1 Tal. Mpl. 11077 rinllch• Uhr, auch Sonntag nacHm. S Uhr(armSaigtc Pralaa) > Eilt«-sanaer u. a..Dia SehönhoilskSnipin" verbunden mit ModenacKau. ABgam. Prataharabaalma auf ahan PHUan D.I. Norden 12310 8 U. Ende nach I0V, Diitefqn Silber tm Viiitot von Shakespeare Regle:'leinrHilpert Jie homödle JI 8ismck.24I4/75I5 8V« tndf geg.>0 wann Kommst ou wieüar? Komödie «on S Maugham Regie hiu"af OrOndgen- rupat t am SdüttDauerdamm. Norden 1141 u. 2bl r i atfl ftr«- 1/ h tokteif der Jogsad von Ferd. Bruckner Inst Gusl Härtung Len..artz, Srliia Hrud. ihnen, Dan tuest, sndersen. Rappard u, Dn.chCnst». lüaua-i Dealer � v aener c»tr, � Uhr „Oelrausch" auch V«4 Oer größte Erfolg Berlin« Friederike Muh: nun Ccbet Snka e. THe'lmann Äan Ziegler, Staataaprr Win Srnftrh, ümhurü, ftara,«Mltr, ßupenrum, 8er, «alt mmmerdr. ®rfliit>i.9Jin.7i»o Kammers? e e J. 1. VC-den 10 ■'hU- Ende geg. 1 ßieürsschc Schausniet v Leonhard Frank Regle: Hans_eppe idtisei litti« .NrekLHeinzt1era!d dnarlvneasiradc A. 7. Dönhofl 17' Inf. 8 U„ Ende 19 V. Helden von Jertiard Shaw. .astsolelliaas 8V* Uhr Guido Ttileiselier VHknd tn Paradies Mlier-Falinli gibt bis aui weiteres Aasft«c Mater, Paletots zu Fabrikpreisen ab. Bitte, überzeugen Sie sich. KaMiiMni-MH. Hr. *< r k* a■«in« die KLEINEN ANZEIGEN ia derGesamtanflate da««Vor* im"«ad Mkaaeweiiuw« Ol Metrapoukeuer S Kflnntlertaeh« Leltnmv* ERIK CHARELL See Ue&e Aaqustia a»ob Bamauar und Wtliaeh | AUrcd Bronn Hady C&risflAns Trade Llesk« Sieprfr Arno Pddf Morgun Panl Wemermeler Wbshelalertt I«»» iwHIi| nnjjtnüi tTua u'ier/ mu»BBier I £usüqe lüiiwe t--- 113 Fritzi Hassarv Max Baoneo D»cbl Blleot W Joiakaba II. J Mn Uermania W, Scbaeffern Mmrqatta Sintern ftrUnn! izfikuihcrtj Beretr«rti ICeandiaiton j Prelatitr j tonnljß Emst ttan| Nicha. | Wo««■( Kleetrolo| Nult. Utting ________ fraJlKagksi. Maina Pralaa| lidlif Rgnl Uhr ongek Varstallung Prall tieitage Dienstag. 26 März 1929 IprWimÄ Geschlechts» hrankheiten bei Kindern Die geschlechtlichen Erkrankungen, die bei Neuköllner Tchulkindern festgesteM wurden, haben in der Oeffentlichkeit große Bestürzung hervorgerufen. Es ist notwendig, festzustellen, daß in keiner Weise von einer Verseuchung der Neu- köllner Schulen oder einer Epidemie die Rede sein kann. Unzu- treffend ist mich der Bericht, den die„Welt am Abend" vor einigen Tagen brachte, in dem es heißt:„Bekanntlich hotten sich infolge der verwahrlosten Toiletten da mehrere Mädchen mit Gonorrhöe in- fiziert." Die Gonorrhö« bei kleinen Mädchen kann auf mannigfach« Art übertragen lverden, aber gerade die Uebertragung durch Benutzung der Toilette ist außerordentlich unwahrscheinlich und kommt praktisch kaum in Frag«. Die Erhebungen, die von Neukölln gemacht wurden, hoben zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß e« sich um eine Häufung von Erkrankungen handelt, die. man früher nicht kannte. Diese Häufung ist nur«ine scheinbare und dadurch zu erklären, daß in letzter Zeit mehr' auf dies« Dingt geachtet wird. Wie hoch die Prozentzahl der geschlcchtskranken Kinder ist, läßt sich weder aus der Neuköllner Untersuchung, die ja nur eine Stichprobe ist, noch aus anderen Statistiken mit einiger Wahrscheinlichkeit sagen. Nur in Amsterdam wurden einmal größere Erhebungen gemacht urtd man fand dort 1 Proz. der Kinder gonorrhöekrank. Sonst gibt es naturgemäß kein« zuverlässigen Zahlen, da ja aus naheliegenden Gründen' Reihenuntersuchungen nicht gemacht werden. Woher haben nun die Kinder die Krankheit? Diese Frage ist immer sehr schwer zu beantworten und entgegen allen ausgesprochenen Vermutungen muß gesagt werden, daß der Ursprung der Erkrankungen in Neukölln noch nicht festgestellt werden konnte. Bei Erwachsenen wird die Gonorrhö« in der überwiegenden Mehrhest der Fälle durch den Geschlechtsverkehr übertragen. E« kommt auch vor, daß Kinder, die einem Verbrechen zum Opfer fallen, auf diese Art infiziert werden. Weit häufiger ist ober bei Kindern die Uebertragung auf indirektem Weg«, d. h. durch schmutzige Wäschestück«, gemeinsam benutzt« Betten oder ähn» liches. Ohne Frag« spielt bei der kindlichen Gonorrhöe das W o h n u n g s e l e n d«in« außer- ordentlich große Rolle. In einer Kinderheilstätt« in Schreiberhau wurde festgestellt, daß im vorige« Zahre von 2674 Kindern SZO kein eigenes Bell hatten. 3m 3ahre 1927 hatten von 2383 Kindern 894 kein eigenes Bett, nnd 1926 teilten sogar von 2349 Kindern 1538 ihr Bett mit einer anderen Person. Bei einem Mangel an Betten wird man im allgemeinen in ein großes Bett, daß von einem Erwachsenen benutzt rckrd, noch ein Kind legen. Bei der großen Empfänglichkeit der kindlichen Schleimhaut sür die Gonorrhöe kommt es auf diese Art sehr leicht zu einer Ueber- tragung, wenn der Erwachsene krank ist.-/ Wenn es bekannt ist, daß ein Kranker in der Wohnung ist»-st) wird man ja alle Vorsicht walten lassen, um eine Uebertragung zu verhindern. Sehr viele Familien sind aber genötigt, sich durch Auf. r-ihme von Schlafgängern einen kleinen Verdienst zu schaffen, und die Fälle sind nicht einmal selten, wo«in Kind mit einem fremden Schlafgänger das Bett teilt. In solchen Verhältnissen ist es immer möglich, daß eine Krankheit eingeschleppt wird, ohne daß die Eltern etwas davon wissen. Je enger die Wohnungsoerhältnisse sind, um so knapper ist meist auch der Bestand an Wäsche und Gebrauchsgegenständen, sowie die Möglichkeit der hygienisch einwandfreien Körperpflege. Die Erreger der Gonorrhöe sind sehr empfindlich gegen Austrock- nung und gehen dabei sehr schnell zugrunde. In feuchtem Milieu halten sie sich aber stundenlang insektionssähig. Eine häufige U ebertrag ungsform ist der gemeinsame Ge. brauch von Schwämmen, Handtüchern, Wäsche sind Waschwasser. Wenn Proletarierkinder häufiger an Gonorrhöe erkranken, so ist der Grund dafür keineswegs in einer sittlichen Verwahrlosung zu suchen, sondern in den elenden sozialen Verhältnissen, in denen diese Kinder zu leben gezwungen sind. Hat ein Kind eine Gonorrhöe, so ist durch die wechselseitige Onanie, die vielfach bei Kindern getrieben wird, die Möglichkeit gegeben, die Krankheit auf andere Kinder zu übertragen. Empfänglich für das Gonorrhöegift sind nur die Schleimhäute, und zwar sind die zarten kindlichen Schleimhäute weit empfänglicher als die Schleimhäute Erwaätsener. Wenn eine Infektion durch den Abort erfolgen soll, so müßte ein unwahrscheinliches Zusammenwirken unwahrscheinlicher Zufälle stattgefunden haben, das gegenüber den anderen Jnfektions- Möglichkeiten keine Roll« spielt. Obgleich eine genau« Statistik der kindlichen Gonorrhöe nicht existiert, nehmen die Kliniker an, daß die Geschlechtskrankheiten im Rückgang begriffen sind. Während bis zum Jahre 19 2 6 von allen Seiten eine Häufung der Erkrankungsziffern bc» obachtet wurde, wird in den großen Polikliniken und Kinderkrankcn- Häusern nunmehr eine Abnahme der Krankheitsfälle festgestellt. Es mag das ein« Folge der besseren Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten sein, die wir zu verzeichnen haben, seit durch die Ausführvngsk'estimmungen des Gesetzes zur Bekämp- fung der Geschlechtskrankheiten die Stadt Berlin als Gesundheit«- behörde fungiert. Es ist heute in Berlin jedem Men- fchen Gelegenheit geboten, sich unentgeltlich in den städtischen Behandlung, st ellen heilen zu lassen Durch eindringliche Aufklärungeaktionen wird auf die Gefahr der Geschlechtskrankheiten immer wieder hingewiesen und durch nochgehende Fürsorge oersucht man, die Infektionsauellen zu ermitteln und unschädlich zu machen. Der allgemeine Rückgang der Geschlechtskrankheiten muß sich daher auch auf die Erkrankung der Kinder auswirken. Eine geschlechtliche Erkrankung des Kindes ist immer für seine Entwicklung außerordentlich schädijstnd. Zwar treten die kompli- zierenden Unterleibserkrankungen beim Kinde viel seltener auf. als bei Erwachsenen, auch neigt die kindliche Gonorrhöe im Entwick- lungsalter zur Ausheilung. Aber die monatelange, unter Umständen auch lahrelange genital« Behandlung ist auf die Psych« des Kindes von un- heilvollem Einfluß. Das Verbot des Schulbesuches während des ansteckungsfähigen Stadiums, das oft recht lange dauert, erschwert und schädigt di« Erziehung. Und schließlich hat auch eine Nachunter. suchung ergeben, daß 57 Proz. von Frauen, die als Kind ein« Gonorrhöe durchgemacht hatten, in der Eh« kinderlos blieben. Sozialhygieniker und Erzieher sind daher verpflichtet, mit allen Wie geht es dem Volk? Ergehnisse einer Gesundheitsstatistik Wie in den vorangegangenen Iahren, veröffentlicht das Reichs-! innenministerium auch diesmal für dos Jahr 1927 eine Denk- � f ch r i f t, die einen Ueberblick über den Bevölterungsstand. di« all- i gemein« Bevölkerungsbewegung, die Erkrankungen und Sterbefälle an den einzelnen Krankheiten, über den allgemeinen Gefundheits- zustand und die soziale gesundheitlich« Lage des deutschen Volkes in diesem Jahr gibt. Wir müssen uns an dieser Stell« darauf beschränken, auf einig« wichtige Abschnitte einzugehen. Folgen der Rationalisierung— ein ernstes Kapitel Eine besonder« Aufmerksamkeit verdienen die Ausführungen der Denkschrift über die Zunahme der Srankheilea de, Nervensystem». Dos Memorandum sagt:„Die Fäll« von Neurasthenie und von ähnlich bezeichneten Krankheiten haben, worauf auch fast sämtlich« Berichterstatter unabhängig voneinander hinweisen, eine Zunahme erfahren, die nur zum geringen Teil auf einer Aenderung der wissenschaftlichen Einstellung zu bestimmten Kronkheitssymptomen zurückzuführen sein dürfte." Dann weiter:„... so geben doch di« sich nunmehr häufenden neuro st henischen Krank» bilder zu Besorgnissen Veranlassung, da bei der starken Abhängigkeit des allgemeinen Gesundheitszustandes von der seelischen Verfassung auch die körperliche Elastizität all- mählich herabgedrückt werden muß. Die Zunahme der Neurasthenie ist hauptsächlich durch di« Umwelteinflüsse bedingt. Monotone Arbeit im weitestgehend speziaNflerten Arbeil». Mechanismus nnd da» großstädtische Leben haben die Beachtung. die dem einzelnen zuteil wird, und damit sein Selbstgefühl und seine Leben»besahung verringert und verleitet zu einer durch übertriebene(?? die Red.) Besorgnis gesteigerten Selbst- beobachtnng und zur Unzufriedenheit." Dieser Teil des Memorandums ist vom sozialhygienischen Stand- punkt von höchster Bedeutung. Ohne Zveifel ist es richtig, daß di« zunehm«nde Rationalisierung der Betriebe das Nervensystem der Arbeiter ungünstig beeinflußt. Wir erinnern uns, daß erst vor kurzem in«in«r wissenschaftlichen Versammlung dieses Thema er- örtert wurde, ohne daß man aber zu einem positiven Resultat kam, da die zur Beobachtung zur Verfügung stehend« Zeit noch zu kurz ist. Jedenfalls wäre es ein« dankbare und wichtige Aufgabe der Sozialhygieniker, die gesundheitlichen Auswirkungen der amerikanischen Arbeitsmethoden, die sich immer mehr ousdshlten, aufi die Arbeiterschaft zu untersuchen. 'Der Gesundheitszustand der Schulkinder Der Bericht erklärt den Gesundheitszustand Im Jahre 1927 gegenüber dem Vorjahre nur wenig verändert. Erfreulich seien namentlich im Berichtsjahre die im Kampf gegen die großen Volks- leiden— Säuglingssterblichkeit, Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten — weiter errungenen Fortschritt«. Der Ernährungszustand der Schulkinder hat sich nach den Erhebungen im allgemeinen gebessert. Nach dem aus den preußischen Regierungsbezirken über rund 70000 Schulkinder vorliegenden Zahlenmaterial befanden sich rund 49 Proz. der Schulkinder in gutem und außerdem rund 50 Proz. in völlig ausreichendem Ernährungszustand, bei etwa» mehr als 10 Proz. allerding» befriedigle der Ernährungszustand nicht. Ueber die Krankheitserscheinungen macht der Bericht folgende Angaben: Etwa 8 bis 10 Proz. der Schulkinder wurden von den Schulärzten als blutarm bezeichnet. Rachitis wurde bei etwa 6 Proz. festgestellt. Keine besondere Rolle spielte die Skrofulöse, an der schätzungsweise etwa 7 Proz. leiden dürften. Tuberku- lose wird bei den Schulkindern etwa bis zu 2 Proz. beobachtet. Erhöhtes Augenmerk wird auf den Zustand der Z ä h n e der Schul- linder gerichtet. Es scheinen mehr als ein Fünftel der Schulkinder mit schadhaftem Gebiß angetroffen zu werden. Am günstigsten sollen die gesundheitlichen Verhältnisse in den Kleinstädten sein, während bezüglich der ländlichen Verhält- nisse„mannigfache Beanstandungen geltend gemacht werden". Der Bericht sagt wörtlich:„Aus manchen ländlichen Bezirken wird sogar über Mängel im Ernährungszustand geklagt, die. wie in den Vonohren. darauf zurückgeführt werden, daß von den unter wirtschaftlicher Not leidenden Kleinbauern zu wenig hochwertige Lebensmittel zum eigenen Verbrauch in der Fa- milie vom Verkauf zurückbehalten und daß die anderen Nahrung»- mittel in zum T«il ungeeignet zubereiteter Form verzehrt werden." Sehr kritisch müsse» die Auslassungen des Berichtes gegen eine „wahllose Ausdehnung der Schulspeisungen" ausgenommen werden. Der Bericht versteigt sich zu d«r seltsamen Logik, daß ein« allge- meine planlose Zusatzernähvung bei einem erheblicher«,, Teil d«r Kinder zur Folge hob«, daß der Appetit sür die häuslichen Mahl» zelten(t) herabgesetzt würde, dadurch entstehe ober ein nnzweck- mäßiger Aufwand von Geldern, die eine bessere Berwendnng finden könnten.(!!)„So mehren sich die Stimmen, die eine Beschrän- kung der Schulspeisungen auf die in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht tatsächlich bedürftigsten Fäll« wünschen, die aber gleichzeitig ein« ausgiebig« körperlich« Betätigung der Kinder sordern." Wir glaub«», daß es sich da um hoch st bedenkliche Forderungen handelt. Die Schulspeisungen sind unseres Wissens noch völlig unausreichend. Die Besorgnis, die Kinder könnten sich den Magen verderben, ist sehr übertrieben, ebenso der plötzlich auftretende Sparsamk«itskomplex, der b«i Kinderspeisungen absolut nicht am Platz ist. Wir fürchten, daß die„häuslichen Mahl- zelten" der meisten Proletarierfamilien ein« Zusatzernährung dringend erforderlich machen. Die„körperliche Betätigung" als Ersatz für Speisungen zu empfehlen, erinnert an die Kuren des seligen Dr. Elsenbarth. Das Wohnungsclcnd Di« Wohnungsverhältnisse nehmen in der Denkschrift einen breiten Raum ein. Nach der Reichswohnungszählung vom 16. Mai 1927 wurden jn den Gemeinden mit 5000 und mehr Einwohnern außer rund 50 000 Wohnungen in Barocken und Wohnlauben und über 140 000 Wohnungen in Anstalt»-. Fabrik-, Geschäfts-, Amts- gebäuden und dgl. rund 8,6 Millionen Wohnungen in Wohn- gebäuden gezählt. In d«n Großstädten lebten nur 73,4 Proz. der Bevölkerung in eigener Wohnung ohne Untermieter. 45 000 Einzel» Personen, 369 000 Familien mit 2 und 377 000 Familien mit 3 und mehr Personen lebten als Untermieter mst eigener Hauswirtschaft. Der Wohnungsmangel und die hygienische Unzulänglichkeit zahlreicher Wohnungen wird als die schwerste Not der Be- völkerung bezeichnet. Im Hinblick auf die fortdauernd« Zunahme der Erwachsenen und der kleinen Familien wird di« Wohnungsnot stlbst bei meient. ticher Verstärkung der Neubautätigkeit voraussichtlich noch aus Jahre hinaus in kaum vermindertem Maße bedrückend bleiben. In«ngem Zusammenhang mit der Wohnungsnot steht die mangelnde Körperpflege, üb«r di« sich die Denkschrift b e- sonders auf dem Lande beklagt:„Nur langsam bessert sich in manchen Gegenden die Reinhaltung des eigenen Körpers. Regel- mäßig« Ganzabwaschungen oder-bäder sind noch keineswegs überall gebräuchlich. Dabei wird der ärmeren Bevölkerung die Durch- führung solcher Reinigungen unter den ungenügenden Woh» nungsverhältnissen außerordentlich erschwert." Eine gewisse Besserung macht sich dem Bericht zufolge bezüglich der noch immer erheblichen Bettennot geltend. Der Grund dieser noch immer großen Bettenn�t ist neben wirtschaftlichem Unvermögen hauptsächlich die Wohnungsnot. Eine neue Erhebung des Reichsaus- Ichusses der deutschen Jugendverbände hatte das Ergebnis, daß jeder fünfte Jugendlich« kein eigene» Bett hatte. Wenn in dem Bericht mit einem Stirnrunzeln über den an- haltenden Rückgang der Geburten und die außerordentlich hohe Zahl der Abtreibungen gesprochen wird, wenn erklärt wird, die Besserung des allgemeinen Lebensstandards erfolge zum Teil auf Kosten des Nachwuchses und der Zeitpunkt s«i nicht mehr fern. „in dem da» dann stark überalterte deutsche Volk die durch den Tod entstehenden Lücken im Bolkrkörper nicht mehr auszufüllen vermag". so ist demgegenüber auf die Ursachen dieses Vorganges hinzuweisen, die aus dem Bericht klar genug hervorgehen: Wohnungsnot, Arbeits- Überlastung und soziales Elend. Die Schlußfolgerung muß heißen: Nicht Abbau, sondern Ausbau der Sozialpolitik; Mitteln der Ausbreitung dieser Krankheit unter den Kindern entgegenzuarbeiten. Soweit di« häuslichen Verhältnisse in Frage kam- men, kann man nur durch ein« Besserung der sozialen Lage und des Wohnungswesens Abhilfe erhoffen. Nimmt man aber di« Kinder aus dem Haus« heraus, z. B. bei Verschickungen in Kinderheime, Ferienaufenthalt und ähnlichem, dann wird man Sorge tragen müssen, daß auf keinen Fall eine Krankhest«inge» schleppt wird. Bei dem Iusammenschlafen in Sälen und dem engen Zusammensein, wie es das Leben im Internat mit sich bringt, ist es bei aller Aufsicht nicht zu vermeiden, daß di« Kinder sich Schwömme oder ähnliches ausleihen oder in ein«m unbewachten Augenblick zusammen in ein B«U gehen. Ein krankes Kind kann dabei viel« andere gefährden und es ist wiederholt vorgekomnwn, daß in Kinderheimen klein« Epidemien ausgebrochen sind. Die Forderung, das Einschleppen von Krankheiten zu verhin- dern, ist aber nicht ganz leicht durchzuführen, well di« Diagnose Gonorrhö« oft sehr schwer zu stell«» und bei«in«r einmaligen Unterluchung gar nicht möglich ist. Eine eingehend« g«ni- tal« Untersuchung ist für das Kind ein psychische» Erlebnis, das man ihm nach Möglichkeit er. sparen soll. E» muß also gefordert werden, daß di« Unter- suchung mit größter Schonung und unter Bermeidnng van allem, NM» das Kind erschrecken»der sein Schamgefühl verletzen könnte. vorgenommen wird, daß sie aber andererseits auch so gründlich ist. daß verdächtige Erscheinungen nicht übersehen werden. Die Unter- suchung der Hemden auf Eiterslecke ist schon darum nicht geeignet, weil die Kinder zur Untersuchung meist mit frischer Wäsche er- scheinen. So fanden sich z. B. bei dem Kinde, das in Neukölln zuerst festgestellt wurde, keinerlei Flecken in der Wäsche. Eine Be- sichtigung der äußeren Geschlechtsteile ist erforderlich, und zwar sst es ratsam, diese immer im Rahmen der allgemeinen Untersuchung vorzunehmen. Wenn das Kind völlig entkleidet ist und untersucht wird, fällt es ihm gar nicht auf, wenn auch der Unterleib besichtigt wird. Eine gesonderte Untersuchung auf Geschlechts- krankhesten, getrennt von der allgemein«» Untersuchung, ist u n- bedingt zu vermeiden, wenn nicht verdächtig« Krankheits- erfcheinungen dazu zwingen. Der positiv« Befund von Gonokokken. der wegen der Schwierigkeit der Diagnose von einem Facharzt er- hoben werden muß, ist immer maßgebend. Der negative Befund und auch da» Fehlen entzündlicher Erscheinungen beweist leider noch nicht, daß kein« Gonorrhöe vorliegt. In einem solchen Stadium ist die Krankhest dann aber sehr wenig infektiös, daher vom sozial- hygienischen Standpunkt in bezug auf Uebertragung nicht schwer- wiegend. Für das betroffen« Kind stlbst kann diese unbekannt« Krankheit natürlich sehr schwerwiegend sein, da sie jederzeit wieder ausflackern kann. Ein Aufflackern macht sich durch Auftreten von Ausfluß bemerkbar. Wenn vor der Verschickung ein« diskrete Unt«rsüchung vorgenommen wird und in den Heimen di« Wäsche beobachtet und «ventuell austretender Ausfluß gleich festgestellt wird, wird man di« Uebertragung der Krankhest mit großer Wahrscheinlichkeit verhin- dern können. Widerstände sn d«r Elternschaft werden sich nicht ergeben, wenn di« Eltern über di« Gefahr d«r Krankheit aufgeklärt werden. Eine einmalige Untersuchung mit größter Schonung vorgenommen, bedeutet nichts gegenüber einer Erkrankung, die langwierige Behandlung und Unterbrechung des Schulbesuches bringt. Anstalten, die der Hebung der Gesundheit dienen sollen, dürsen nicht zu einer Gefahrenquell« werden. Das erfordert das Interesse der Allgemeinheit und das liegt auch im Interesse jedes«> izelnen, der diese Anstalten aussucht. Dr. Küt« Fronkenthal, Stadtverordnet». Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. Bh T�om�n. von der Nudson-Bai ZeicAMunget-L won Adoff Lehnert (34. Fortsetzung.) Mala trat in di« Stube, er saß neben dem Sergeanten, und sein Wesen war durchaus nicht demütig. Er war ein gleichgestellter Mann, der seine Stimme erhob. Er war ein Mann, der früher Wirt gewesen und jetzt Gast war. Der alles, mos er besag, zur Verfügung gestellt hatte und mit dem Recht auf Vergeltung auf- leat. Sie aßen und tranken, aßen wieder und tranken mehr Tee imh Kaffee und andere gute Dinge. Sie zündeten sich ihre Pfeifen an und plauderten gemütlich. Volk erzahlte vom Verlaus der Reise und von Jllubolik» Ver- ichwinden. Auf der Station hatte man nichts von ihm gehört oder gesehen. „Stellt ein Feldbett für den Gefangenen in meine Stube," besohl der Sergeant. Dort sollte er nachts unter Makes Aufsicht und ohne irgendwelchen Zwang liegen. „Ob es nicht doch besser ist," fragte der eine der Konftabler, „ihm an die link« Hand eine Handschelle zu geben und ihn an dos Bett zu fesseln! wir können sie ihm ja am Tage, wenn wir ihn beaufsichtigen, abnehmen." „Hier bedarf es keiner Handschelle. Mala läuft nicht weg. Er ist Gefangener aus Ehrenwort." Die zwei Konstablcr lachten! aber Balk verstand, daß es nicht allein die Dankbarkeit war, die den Sergeanten Mola wie einen gefangenen Offizier eines feindlichen Heeres behandeln ließ: es war auch persönliches Verständnis für die Situation dieses Mannes..Dieser Edelmann von Gemüt, dessen einziges Vergehen war. daß er nach den Gebräuchen gehandelt hatte, di« bei seinem Volke galten, und daß er nicht das Gesetz des weißen Mannes kannte, für dessen Uebertretmig er nun bestraft werden sollte. Mola ging ein und aus. Er� benutzte die Hunde des Ser- »eanten. Er zog zu den Luftlöchern der Robben und betrieb Wartesong, und immer kam er mit frischen: Fleisch dein:. Mola war ein Gewinn für die Leute der Polizeistation, denn hier brauchte man viel Fleisch, da viele Familien sich in der Nähe des .siauses zusammengedrängt hatten. Ce waren die Schlechtesten des Stammes, die bettelnd die Situation ausnutzte» und von ihr lebten. Und Joe, der vornehme Mann, Dolmetscher und fest An- gestellte, ging nur auf Fang, wenn es ihm paßte. Er jagte nur noch zum Vergnügen. Fehlte ihm etwas, so hotte er ja das Vor- '.atshous der Polizei, das mit Nahrungsmitteln bis oben ge- füllt war. Der Sergeant schrieb und schrieb. Rapport über den Gefangenen. Rapparte über die Reise und ütu!r den Unfall, über Jlluboliks Flucht und alles, was er gesehen hatte. Rapporte über den Fang, Rapporte über die Konstabler. Alles mußte dem De- partement in Ottawa geschrieben«erden, wo große Männer dos Schicksal van Leuten bestimmten, die sie nie mit eigenen Auge» gesehen hotten und deren Sitten und Gebräuche ihnen fast un- bekannt waren. Die Rapporte und die Post mußten viele Tagereisen süd- märts nach Fort Nelson, dem äußersten Bollwerk der Zivilisation im Norden, gesandt werden. Von dort ging der Weg weiter. Aber bis dahin haste Make die Post zu besorgen, und er hatte beschlossen, daß Arala den Postjchlitten fahren sollte, da er und Minik genau den Ort kannten: sie hatten mehrere Jahre dort gelebt. Arola, der krank und ausgehungert zur Station gekommen, war jetzt wieder mächtig wie im vorige» Sommer. Einen Schlitten hatte er von den weißen Männern erl)altcn und Hunde auch. Was noch zu einem mächtigen Gespann sehlt«, hatte er sich von den Wohnplatzgenossen verschafft, unter denen er viel galt, da er wäh- renk Joes Abwesenheit der einzige Mensch war, der mit den weißen Männern reden kannte. Es war herrlich gewesen, auf der Station zu wohnen, aber nach Joes Heimkehr war das Vergnügen zum großen Teil dahin, und Arola war begeistert, daß er den Postschlitten fahren sollte. Als die Rapporte fertig waren, kamen er und Minik daher, festlich für die lange Reise gekleidet, angefahren, und ihr Schlitten wurde mit Hundesutter und Blechdosen beladen. Proviant für sie selbst, soviel sie wülsichten. Zwei Säcke enthielten Butter und Zucker, Tee und Kakao. Das Lustgefühl, den andern alles zu zeigen, ließ Arola ein K>tzeln durch da« Rückenmark fahren. Er war de/ Sachverständige, ein Mann mit gerunzelten Brauen, von der Wichtigkeit seiner Mission entflammt. Er erklärte und erklärte, und die Wohnplatz- genassen standen bewundernd davor und schauten den großen Mann und all sein« Herrlichkeiten an. Er forderte mehr, konnte nicht genug bekommen: zuletzt aber wurde halt gesagt. Die Hunde wurden in Gang gesetzt, und, von den neidischen Blicken der Menschen gefolgt, verließen Arola und Minik die Sta- rion. Große Wort« hatte er gesprochen von der Reise zn den andern weißen Männer», viele gute Erlebnisse würden sie haben: daß sie vielleicht auch einige weniger gute haben konnten, hatte er nicht erwähnt: aber er wußte, daß es in der Nähe des Forts Nelson gefürchtete Binnenlandbewohner gab, unheimliche Jäger, die seit dem Morgen der Zeiten auf Mordfuß mit den Menschen ge- standen hotten. Aber Arola fühtte sich doch recht sicher. Er wußte, daß die Polizei sie gezüchtigt hatte, wußte, daß es verächtliche Leute waren, die keine Robben und keine Weißwale aßen. Einst waren sie furchtbar gewesen, jetzt froren sie in ihren Kleidern, die sie von den weißen Männern kauften. Sie gingen nicht in Fellen, auch im Winter nicht, sie wollten lieber fein sein und frieren, und sie redeten eine unverständliche Sprache. Es waren Leute, die nicht di« Wälder verließen. Indianer nannten die Weißen fi«: und di« Menschen verachteten sie und wollten nichts mit ihnen zu rnn haben. Arola und Minik fühlten beide, daß eine Begegnung mit den Binnenlandbewohnern recht unangenehm werden könnt«: aber warum daran denken? Sie entgingen ihnen wohl, und es«ckfcn viele Freuden zu erwarten. Sie fuhren dem Abenteuer- entgegen. und Arola hatte erfahren, daß er, wenn er zuverlässig und schnell war, olljährlich den Postschlitten fahren sollte. Es war gut, weiße Männer bei sich zu haben. Wenn die Walfänger im Sommer kamen, wollte Arola ihnen dienen, und wenn die Post im Winter zu fahren war, wollte Arola auch das besorgen. Seine Zukunft war gesichert, und es war eine Zukunft in Licht und� Freude und mit viel Essen. Am Abend des Tages, als Arola gereist war, trat Mala in das Zimmer des Sergeanten. „Sie sagen in den Schneehäusern, Arola sei gefahren, um einen Mann zu holen, der mich henken soll. Sie sagen, ich soll getötet und aufgehängt werden wie ein Hund. Warum hast du mir das nicht gesagt, als wir im Norden waken? Dann wäre ich dir nicht gefolgt, sondern hätte mich zu retten gewußt. Du bist immer mein Freund gewesen und du bist gut zu mir gewesen, aber ich will die Wahrheit hören. Soll ich gehenkt werden, und warum?" Es war blutiger Ernst in seinen Zügen, und seine Haltung zeigte, daß er ein ganz anderer Mann war, als wenn er liebens- würdig unter ihnen umherging und ihnen nach Kräften half. Jetzt sah er aus wie an den: Tage, als er sie im Schneesturm gerettet hatte. Dieselbe Miene, die er hotte, wenn er ein Walroß om Eis- rand harpunierte. Er wollte fein Schicksal wissen.— Der Ser- geant rief Joe. „Joe, komm herein und übersetze mein« Rede. Mola hat gehört, daß er gehenkt werden soll. Frage ihn, wer dos ge- sagt hat." Da wurde Mala zornig:„Läßt du Joe mich fragen? Joe selbst hat es den Menschen gesogt. Er, der die Sprach« zweier Männer redet, der eine koppelte Zunge hat. Er ist es, der es in de» Häusern erzählt hat." Der Sergeant fragte, was das bedeutete, und Joe räumte ei», es gesagt zu haben: aber die Konstabler hätten es ihm erzählt. Da sah Make, daß die Sache nicht länger zu verheimlichen war, und entschloß sich, offen zu reden. „Diese Männer habe» gesogt, daß du gehenkt werden sollst, und ich gestehe dir, daß man im Lande der weißen Männer den henkt, der einen anderen tötet. Aber niemand weiß mit Sicher- heit, ob du gehenkt wirst. Ich kann weder Nein noch Ja sagen. Nur das weiß ich, daß die Herren fern im Süden dein Schicksal bestimmen werden, und daß du dem nicht entgehen kannst. Eines aber kann ich dir versprechen: daß niemand dich haßt. Was man tun wird, das tut man, weil es die Gedanken des weihen Mannes über Recht und Vergeltung sind." Mala stand still da, seine Augen funkelten. „Höre, du weißer Mann, ich sage dir, daß du dos die ganz« Zeit gewußt hast. Du hast mich hierher gelockt und erzählt, daß du mein Freund seiest, um mich wie«inen Hund aufzuhängen. Ich habe oft sagen hören, daß die weißen Männer treulos ssiew Das bist du also auch, du, der mir om liebsten war. Du kamst hungrig und sterbend in mein Haus. Ich bot dir oll mein Hunde- futter. Du aßest von meinem Fleisch. Ich gab dir olles, und ich reifte mit dir hierher. Du gebotest mir, meine Frau und meine Knaben zurückzulassen. Aber jetzt glaube ich euch nicht mehr, und wenn ihr mich suchen wollt, so müht ihr mich sogen, denn hier ist kein Mala mehr." Ehe Joe seine heftige Red« übersetzt hotte, sprang Mala auf. Aber Make hatte genügend verstanden, und im selben Augenblick sah Mala den Revolver dicht vor seinen Augen.„Steh still," rief der Sergeant.„Joe, sag ihm, er soll stehen, oder ich schieße." Aber es bedurfte keines Revolvers. Mala wußte gut, daß er in Gefahr war. Es war nicht Todesfurcht, die ihn zurückhielt. Es war di« Erkenntnis, daß er klein war. Er starrte vor sich hin, stand ganz still und sank zusammen. „Du brauchst nicht zu schießen," sagte er langsam. Joe übersetzte feine Worte. „Ich werde dir nicht weglaufen, ohne zuerst zu sprechen. Aber worum hast du mich hergeholl? Welche Freude macht es dir, mich sterben zu sehen?" „Lieber Mala!" Dos war eine merkwürdig« Anrede, wenn Io« sie übersetzen sollte, den niemand leiden mochte und aus dessen Ehrlichkeit sich niemand verlassen konnte. „Lieber Mala, ich wünsche deinen Tod nicht. Ich will für dich tun. was ich kann, aber ich bin nicht der Herr. Ich habe in das Land der weißen Männer geschrieben, von allem, was du gesogt, und allem, was du getan hast. Arola ist mit den Briefen gereist, und bis er wiederkommt, wissen wir nichts. Ich habe dir gesagt. daß ich. wenn du wegiäusst, kein Essen mehr habe und sterben muß. Willst du daher nicht lieber bleiben und nur Helsen? Versprich mir das, dann sollst du deine Freiheit haben wie bisher." „Uni deinetwillen werde ich bleiben," sagte Molo.„Und ich werde warten, bis das Schiff kommt, aber ich sehne mich noch meinen Knaben, und ich sehne mich nach meinen Frauen. Wie »rag es ihnen gehen, wenn ich fort bin? Darf ich nicht heimreisen, ihnen Fleisch verschaffen uird wiederkommen? Saiiok ist ein schlechter Fänger, und vielleicht leiden sie Not." „Nein, Mala, du kannst nicht reisen. Du mußt bei mir bleiben. Ich verlasse mich aus dein Wort. Deine Kinder rnerd«» nicht NM leide». Ich werde einen Schlitten mit Proviant und eine Büchse für Orsokidok hinschicken, daß er sie ernähren ton». Später wird olles anders werden." Make wußte gut, daß man dem Morden unter den Eskinws Halt gebieten wollte. Die Oessenllichkeit sollte die Gerechtigkeit kennen lernen, und unter Gerechtigkeit verstand man, daß fremd? Menschen mit Gewalt unter ein Gesetz gezwungen wurden, dessen Geist ihnen fremd war. Mala sollte das erste Opfer sei», und er selbst würde mit Ehre in den Polizeiropporteu erwähnt werde». Sergeant Make war dos Herz schwer. Ei» verfluchtes Leben, der Henker eines Mannes sein zu müssen, der besser als er selber war.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Deutschlands größte Seen. Der größte deutsche See ist der Müritzsee in Mecklenburg: denn seine Oberfläche Ist 133,23 Quadratkilometer groß. Seine Wassermenge beträgt allerdings nur 1333 Kubikmeter, während z. B. die des Starnberger Sees, der feiner Wassermenge nach der größte deutsche See ist(seine Fläche umsaßt nur 37 Qua- dratkilometer), 3034 Millionen Kubikmeter beträgt. Der preußisch« Spirdingsee und der M a u e r s e e(119,4 und 193,8 Quadrat- kilometcr) stehen ihrer Fläche nach an zweiter und dritter Stelle unter den großen deutschen Seen. Ihre Wassermenge(789 und 1159 Millionen Kubikmeter) reicht aber noch nicht einmal zur Auf- süllung des Chiemsees, der der größte See Bayerns ist: denn obwohl fein Wasserspiegel nur 83 Quadratkilometer groß ist, enthält er eine Wassermenge von 2294 Millionen Kpbikmeter. Der B o d e n s e e, der eine Flächenau-dehnung von 538 Quadratkilometern hat, also viermal so groß ist wie der Müritzsee, und über eine Wassermenge von 48 449 Millionen Kubikmeter(also mehr als das Dreifache oller anderen bekannten deutschen Seen) verfügt, kann, weil sein Wasser auch österreichische und schweizerische Ufer bespült, nicht als größter deutscher See bezeichnet werden. Elektrizität im Gartenbau. Durch eifriges Experimentieren ui»d dank der Unterstützung des Staates nimmt Schweden ein« führende Stellung im elektri- scheu Gartenbau ein. Die Elektrizität im Gartenbau dient dazu, die Erde zu erwärmen und den Sonnenschein zu ersetzen. In dein Versuchsgarten bei H c m l i n g b y unweit Genlc wurden im Januar d. I. 19 909 Tulpen, 1500 Lilien und 1500 Hyazinthen auf elektrischem Wege gezüchtet, wobei der Stromoerbrauch nur 1 Proz. des Kaufwertcs dieser Zierpflanzen ausmachte. Der Sonnenschein- Ersatz durch Elektrizität ist noch nicht ganz gelöst, weil die Pflanzen sehr empfindlich gegen das Licht sind und verschieden darauf reagieren, doch ist man auf gutem Wege, auch diese Frage zu lösen. Schweden hat gegenwärtig 399 elektrische Gartenbauanstal- ten und ein besonderes Institut, in dessen Laboratorium die wissen- schaftliche, i Untersuchungen ausgeführt werden. Großmüttersterben in England. In den Großstädten Englands wütet feit langer Zeit die Epidemie der sterbenden Großmütter. Allerdings— ohne Todesopfer. Die Epidemie ist ayf die Sportlsidenfchast der Engländer zurückzuführen. Die interessierten alten Damen pflegen nämlich ausnahmslos an den Nachmittagen beerdigt zu werden, wo nennenswerte Sportereignisse stattfinden. So nimmt es weiter nicht wunder, daß ei» großes Londoner Warenhaus folgend« Mohnimg anschlagen ließ: Die Angestellten, deren Großmütter beigesetzt werden, haben dies spätestens 24Stun- den vor dem betreffenden Match anzumelden. Noch gemütlicher rerhielt sich dos Direktorium der Bank of England:„Da wir wissen, daß om Tage des Wettkompfe» zwischen Oxford und Cambridge die rerehrlichen Großmütter unserer Angestellten in großer Anzahl aus dem Leben scheiden werden, geben wir diesen Sonnabend für alle Herren dienstfrei, deren Famssien- mitplicder nickt schon anläßlich des englssch-schottischen Länderkampfes das Zeitliche gesegnet haben." Das Madrider Zeitungsmuseum. Die seit 10 Jahre» in Madrid bestehende Zeilungssaminlung „Hemeroteca municipal" besitzt heute rund 21999 Bände von etwa 5999 verschiedenen periodischen Veröffentlichungen, unter denen natürlich die Madrider Presse besonders berücksichtigt ist. Das Museum, das in einem mehrstöckigen Gebäude untergebracht ist, hat zwei große Lesesäle, die im Monat von etwa 4999 Lesern besucht werden. Wie Fr. W. Ocnro im„Zeitungs-Verlog" mitteilt, finden sich hier viele Seltenheiten, so daß zuerst 1732 in Madrid erschienene„Idiario historico, politico y nioral", Di« erste täglich ausgegebene Zeitung erschien 1738 in Madrid. Von der bekamiten „Gazeta de Madrid" ist die fast vollständige Reihe vorhanden, die bis in die letzte Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückreicht. Außer den in Spanien erscheinenden Presseerzengnisscn werden auch die spanischen Zeitungen des Auslandes möglichst vollständig gesammelt. So bilden eine interessant« Abteilung die Blätter, die von den spanischen Flüchtlingen in London berousgcgeben wurden. Sehr zahlreich sind die mittel- und südamerikanischen Zeitungen aus Peru, Mexiko, Kuba, den Philippinen usw., also aus den Ländern, diR «inst den, spanischen Kolonialreich angehörten. Ein geräuschloses Flugzeug? Ein junger englischer Ingenieur hat eine Turbine konstruiert, die mit Dampikrast arbeitet, vollkommen geräuschlos lauft und für den Einbau in Flugzeuge geeignet ist. Bon dieser Erfindung versprechen sich englische Fachkreise vor allem eine bedeutende Förde- rung des Passagierflugoerkehrs. Das ajtösf er reicht' sehe Parlament war wegen seines rauhen, ober herzlichen Tones wettvekannt. Und das mit Recht. So findet man im stenographischen Protokoll einer Sitzung, mitten in der Rede des christlich-soziolen Dr. Geß- mann folgendes Zwischenspiel: ...(Lebhafte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten, Gegen- rufe der Christlichfozialen.) Abg. Prochazka(christl.-soz.) zum Abg. Dr. Ellen- bogen(Soz.): Oberjud! Abg. Schuhmeier(Soz.) zum Abg. Prochazka(christl.- soz.): Obertepp! Abg. Dr. G e ß m a Ii Ii(christl.-soz.— fortfahrend):... Bon einem(Eingreifen des Präsidenten kein Wort. Wozu auch? Ein neuer„Ticker". An der New- Porter Börse ist jetzt ein neuer„Ticker" eingeführt worden, der die Kurse sehr viel schneller überallhin berichtet, als es bisher möglich war. Diese Maschine druckt 599 Zeichen in der Mi- nute und ist sicherer als die früher verwendete. Bisher blieb der „Ticker" in feinem Bericht über die Kurf« manchmal 49 bis 59 Mi- nuten zurück, so daß ein Spekulant, der zu einem bestimmten Kurse kaufen wollte, dann nicht selten einen ganz anderen erhielt. Jetzt wird er so schnell über die Kur st in Wallstreet unterrichtet, daß ihm solche manchmal recht unangenehmen Ileberroschungen erspart bleiben. Böcklin empfing in seinem Atelier den Besuch eines bekannten Ehirurgen. Aus einige Bilder des Meisters deutend, rief er entrüstet aus:„Aber mein lieber Böcklin--- diese Wesen dort haben ja überhaupt keine anatomischen- Existenzmöglichkeiten!" Böcklin lächelte:... Lieber Professor.. die leben länoer als Sie!!" UhorflindoJjuel -WBEJTEH WSSBALL Die letzten Ergebnisse. Schöi�stss Fußballwetter lachte zum Start zur neuen Serie, ober leider zog es eine große Anzahl der Bereine vor, nicht zu er- scheinen. So mußten verschiedene Spiele aussallen. Lichtenberg I spielte, da Luckenwalde nicht erschien, gegen Saxonia. Wohl ver- suchten die Saxonen, ein möglichst günstiges Resultat zu erreichen, gegen Lichtenbergs Sturm war aber kein Kraut gewachsen. Mit 7:0 sür Lichtenberg trennten sich die Parteien.— Die Stralau«: weilten bei Butab in Spandau. Die Techniker machten mit ihren Gästen nicht viel Federlesen. Wie nach Zeichnung arbeitend, slog der Ball von Mann zu Mann und in dos Tor des Gegners. Neun- mal mußte Stralaus Torwart das Leder zur Mitte geben, wahrend sich sein Gegenüber nur zweimal dieser Müh« unterziehen braucht«. In Caputh standen sich Lichtenberg II und die dortigen Fußballer gegenüber. Di« Lichtenbcrger errangen mit Leichtigkeit«inen 9: 1- Sieg. Dafür erging es der zweiten Mannschaft Lichtenbergs in Oderberg schlecht. Die Oderberger gewonnen leicht mit 7: 0. Wacker-Britz fertigte die sie besuchenden Ketziner mit 11: 2 ab. Ffonddnll. Recht rege war die Spielbetätigung der Ardeiterhandballer.— Balten 1. Männer konnten Freie Sportvereinigung Schöneberg'mit 1:9(2:9) abfertigen. Die 2. Männer gewannen gegen Moabit I mit 2:1(1:9), während die Frauenmannschaften sich torlos trennten. Moabit gab sich die größte Mühe, etwas herauszuholen, aber die Veltener Verteidigung war auf dem Posten. Zehlendorf halte nur eine Mannschaft nach Hennigsdorf gebracht und mußte darum beide Spiele absolvieren. Gegen die 1. Mannschaft verloren sie mit 4:1(1: 9), während bei der 2. Mannschaft das Spiel un- entschieden 1:1(9:9) endete. Die Hennigsdorfcr Frauen hotten Schöneberg als Gegner. Schöncbcrg übernahm die Führung, konnte aber in der ersten Halbzeit nichts einsenden. Die Durchbrüche konnte Hennigsdorf in der zweiten Halbzeit nicht aufhalten, so daß Schöne- bcrg zweimal einsenden konnte, während Hennigsdorf leer aus- ging. Beide Maimschasten spielten reichlich aufgeregt. FTGB.-Neu- kölln verlor gegen Friedrichsthal mit 2:1(1:9). Trotzdem Neu- kölln überlegen war, konnten sie es doch nicht verhindern, daß Friedrichsthal kurz vor Schluß noch dos siegbringend« Tor anbringen kannte. FTGB.-Pankow mußte mit 9:9(2:9) Freie Turnerschaft Wilmersdorf de» Sieg überlassen. Wilmersdorf ging schon nach 5 MinuteTH» Führung, während Pankow sich nicht zusammenfand. Mahlsdarf spielte gegen Kaulsdorf überlegen und konnte innerhalb 19 Minuten drei Tore erzielen. Kaulsdorf wechselte dann den Tor- Hüter, was sich sofort in der Hintermannschaft bemerkbar machte. Koulsdors stellte bis zur Pause das Spiel unentschieden. In der zweiten Halbzeit wurde scharf gespielt, so daß Kaulsdorf nach vier Tore aufholte. Erst jetzt raffte sich Mahlsdorf wieder auf und gab dem Torwächter noch dreimal Gelegenheit, den Ball heraus- zuholc». FTGB.-Süden 2. Frauen gegen Schörreberg II 8':: 9), FTGB.-Baumschulenweg 1. Männer gegen FTGB.-Neukölln II 11:9(5:9)._ Sport zu Ostern. Rfitt erötfnet.— Der Spichcroring. Für das„Nationale Omniuin", eine der Hauptnummern des E r ö f f n u n g s p r o g r a m in s der R ü t t- A r e n a am 2. O st e r- f e i e r t a g, hat Rütt die ausgezeichnete Leipziger Strahenfahrer- Mannschaft Ncbe-Seiserth verpflichtet, so daß man geradezu von einem Omnium der Straßenkanonen sprechen kann, da sa letzten Endes auch der famose Miethe aus dem Straßenfahrerlager hervor- gegangen ist. Jedenfalls kann man zwischen den drei glänzend ein- gefahrenen Paaren Kroll-Miethe, Nebe-Seiferth und Gebr. Rudolf und Bruno Wolke rnit den schärfsten Kämpfen in den drei Weit- bewerben des Omniums rechnen. Das Omnium setzt sich aus«ineni Fliegcrlauf mit Mannschaftswertung, ein«» Zeitfahren über 599 Meter(zwei Rundon) und einem Mannschoftsverfolgungsrennsn mit Ablösung nach Scchstageart zusammen. Das Zeitfahren über zwei Runden, das von den beiden Fahrern jeder Maimfchaft gleich- zeitig bestritten wird, ist ein neuartiger Wettbewerb für Berlin. Eine interessante Besetzung wird auch das erste Mann- fchafts rennen dieser Saison auf offenen Bahnen aufwois«', das über die Strecke von 59 Kilometer führt und fünf Doppelwer- tungen enthält. Hier sinh neben Krall-Miethe, Gebr. Wolke und Nebe-Seiferth in erster Linie die ausgezeichneten Breslauer Preuß- Resiger, die beini letzten Berliner Sechstagerennen ein überraschend großes Rennen fuhren, sowie der ehemalige Straßenmeister Galle zu erwähnen, der eifrig trainiert hat. Im ganzen nehmen zwölf Mannschaften an dem Wettbewerb teil. Ein neuartiges Mal- fahren über ein« deutsch« Meile mit„menschlichen" Schrittmachern sowie die erste„Armbinde" der Rütt-Arena und zwei Amateurwett- bewerbe umrahmen die Hauptnummern. * Der nächste Kampftag im Spichernring sendet am Ostersonntag statt. Auf der vielversprechenden Karte stehen in der Endausscheidung für die deutsch« Leichtgewichtsmeifterschoft Walter Hemisch und Hans Kruse, ferner Egon Stief gegen Karl Carter, Fritz Kracht gegen Willi Bolz, Martin Arlt gegen Erwin Zinichorf und im Qualisikationskampf Willi Frey gegen Paul Schmidthaber. Tanzende Jugend! Mit Recht kann' man sagen, daß der Voltslanzkreis Prenzlauer Berg mit seinem Tanzfest ein Fest der Jugend, der neuen Generation veranstaltete. Eine gute Musikerschar leitete den Abend«in, dann folgte in bunter Folge Walzer, Polka, Rhein- länder. Hier sah man auch die Eltern und Freunde des Tanzkreises dos Tanzbein schwingen. Die Volkstänze im weiteren Programm führten oll« jugendlichen Teilnehmer zusammen. In bunter Folge wurden die Schottsch Quadrille, Dölziger Mühle, Bnrmby, der Bruder Lustig und andere Iugendtänze gebracht. Es zeigte sich hier, daß die Tanzfläche des festlich geschmückten Saale» viel zu klein war. Der Vortanzlreis brachte die Bottmühle und die Lange Reihe, zwei flotte Vierpaartänze mit abwechselnder Schrittfolg«. Der Dolksianzkreis Spandau zeigte den„Krakowiak", der bei den An- wefenden viel Freude auslöste und dafür zweimal gezeigt werden mußte. Der mitwirkende Tänzer brachte es fertig, feine Füße ob- wechselnd bis über die Kopfhöhc ohne Schwierigkeit zu bringen. Mao itma jagen, daß das Fest vollauf gelungen ist. Die Iu- TfcpAte»«g W» Rauchverbot erlassen hatten, sah man niemanden rauchen und die Luft im Saal war am Schluß der Veranstaltung genau so klar wie am Anfang. Da die Jugend noch besonderer Unterstützung bedarf, soll hier gesagt werden, daß bei künftigen städtischen Neubauten auch für die Jugend sin besonderer Festsoal berücksichtigt wird. Diesen Wunsch der Jugendorganisationen kann man nicht nur ver- stehen, man sollte ihn auch verwirklichen. Gruh an die Arbeit! Der Arbeiter-Tür n- und Sportbund erläßt durch seinen Lorsitzenden Gellcrt folgenden Au f ru f an die Arbeiterschaft: Des winters strenge wacht Ist dahin, hinter uns liegen Tage und wachen, die für viele der Arbeilsbrüder Arbeilslofigteit und bittere Not brachten. Und doch waren es Tage des Erlebens. Ge- brachen ist der Bonn, daß die Schönheiten des winters nur für die besitzende klasie da seien, vorbei ist die Zeit, wo nur in den Winter- kurorten der Sport im Winter gezeigt wurde. Auch die Arbeiter- sportler haben den Winter erobert und bewiesen, daß die Pflege der Leibesübungen zu allen Zeiten nicht mehr das Vorrecht der besitzen- den Klaffe ist. Aber trotz all des Erlebten stehen die Arbeilerfportler an der Schwelle des Frühlings und begrüßen ihn und die damit beginnende Arbeit. wieder beleben sich die Plätze, bevölkern sich die hallen, und überall rüstet man, das erwachende Leben zu begrüßen. Groß sind die Aufgaben, die uns bevorstehen. Es gilt, den Vereinsbetrieb aufs neue auszugestalten, es gilt, neue Blassen sür unsere Sache zu ge- Winnen und vorhandene vlilglieder mit der sich ergebenden Arbeil in der Organisation zu durchdringen und sie mit der Ausgabe unserer Bewegung vertraut zu machen. Auch der Tugend gilt unsere Arbeit. Die der Schule Entlasienen treten den Zugendabteilungen bei. Für sie müssen jüngere Zahresklassen neu gewonnen werden. Z n d e r Arbeiterschaft ist die Sympathie sür die Ar- beiter-Turn- und Sportbewegung gewachsen. Nicht mehr stehen die Gewerkschaften und Teile der Partei uns teil- nahmlos oder gar ablehnend gegenüber. Die Notwendigkeit geregelter Leibesübungen ist Allgemeingut geworden. Und da gilt es. für die Arbeitersportler diese günstigen Verhältnisse in den Dienst ihrer Sache zu stellen. Nicht kleinlich nörgelnd, sondern der großen Ausgabe eingedenk soll uns der erwachende Frühling finden. Mit der aufstrebenden Kraft der Sonne wetteifernd wollen wir Lust und Freude. Hoffnung und Sampfesmut in die Hetzen der Arbeiterschaft kragen. Großes fleht bevor, wirtschaftliche und politische Kämpfe werde» sich abspielen. Für die Arbeiterturner und-sportler sollen die Bundesfesttage in Nürnberg Tage des Erlebens werden. Es gilt zu rüsten für große Taten. Es gilt, im Frühling zu arbeiten für die Ernte des Sommers. Es gilt mit gesteigerter Aktivität tätig zu sein sür innere Verbundenheit, sür machtvolle Gestaltung künstiger Arbeit. Zn diesem Sinne begrüßen wir dos Erwachen der Natur, das Fest des Frühlings und rufen allen Arbeitsbrüdern und Schwestern zu: Kommt zu uns! Freut euch mit uns. helft mik eine Stätte zu bereiten, wo Körper und Geist gesundet und ihr euch alle wohlfiihlt. Tretet ein in die vereine des Arbeiter- Turn- und Sportbundes. ZI»»., Kezirk»«ftk». Nach Instantisc�iin!» der Turnballk und d«r Reben, anlagen sind unsere Uebungsabenie uiicber dienstags in der Culmstr. tä, und Dannerstaz in der Pallas- Ecke ElßholdstraZe, von 20—22 Unr.— Ninter- ipori bewirk. Alle Miiglikder ireffen sich Mittwochabend im iSportpalast ,ur Gemeinsamen Uebung.— ZreitSwerkultursPart«. Die Eprecksstunde der Epartc». eitunq Rillt in dicker Woche aus. Riichsie Sprechstunde Freitag, 5. April, in der E-cschiistsstelle, Lichtenberger Str..2, von IS— l» Adr. Eintrittskarten jum Film- und Vortragsabend am K. April sind auch ansicrhalb der Sprcchstund« in der«eschLftsstcue zu Hobe». MusiNar»» FTiSB. Uebunasstunde jeden Dienstag von 20— 22Zs Uhr im Neuköllner Vercinshaus. Hermannsir. 11. Interessenten jederzeit willkommen. Anschrift: Karl Mahnecke, Berlin-Eharlottenburg, öacselcrstr. 1g>>. Te»ni«'Not G roh. Berlin. Mittwoch. 27. März, 20 Uhr, Senerolversamm- lung im„Petersburger Hof", Petersburger Etr, 57. Engerer Vorstand ISU Uhr im gleichen Lokal. Rvberverei».Eollegia", t. B. Bootshaus: Spandau, Tieswerder Weg. Narsrcitag Arbeitstag. Am gleichen Tage Mitgliederversammlung im Bovis. haus. Am 1. und 2. Ostertag gemeinsame Wanderung»ach der Dubrvw, Köris und Tcupihsed. Meldungen werden noch angenommen. 6. und 13. April findet ein Steucrmannskursu» statt. 20. Mai: Interne Regatta. Mitglieder kijnnen noch ausgenommen werden, auch in der Iugcndobtcilung. Meldung im Bootshaus oder Freitags, 20 Uhr, im Lokal Thunack. Chorlattenburg. Wieland. straße 1. Oxsard- Cambridge und Sowjetstern. Oxford und Cambridge, das sind die beiden großen Universitäten Englands, deren Studenten sich alljährlich traditionell gewordene Sporkwettkämpfe in Rudern und Leichtathletik liefern. Na, und was ei» Sowjetstern ist, das wißt ihr. Aber wie kommt Sani unter die Propheten oder der Sowjetstern unter die jungen Torrys der feudalen englischen Izoch- schulen? Das kommt so: Der sowjetrufsische Außenminister Ttschit- scherin Hot einen Sohn(sein Stellvertreter Litwinow hat bekanntlich einen Bruder, der„berühmt" wurde), und dieser Sohn studiert in England aus der Cambridge- Universität(Gott, wie proletarisch!). Besagter Tschitscherin junior ist auch ein großer Sportsmann(na- türlich streng proletarisch) und hat in dem letzten großen Leicht- athletikwettkampf der beiden Hochschulen zugunsten Cambridges den Ausschlag gegebe».— In allen sowjetrussischen Kolonien, besonders aber in den deutschen, herrscht über diesen Sieg Sowjetrußlands eitel Jubel und Freude. Der hiesige Turnverein Fichte soll bereits beschlossen haben, den ruhmbedeckten Studenten zum Ehren- proleten zu ernennen. Herr Friedmann, der Tennisanreißer der KPD., wird ihm einen EHrenschläger stiften und A. Nitfchke, der Antirvetttämpser, soll die Absicht haben, ihm seine berühmte Broschüre„Gegen den Wettkamps" in Schafsleder und Goldschnitt zu verehren. Für die Spärtproleten der KPD. ist eine Sendung roter Brillen au» Moskau unterwegs, damit sie die Sache im richtigen Licht« sehe». Es gecht doch nichts über prole- tarische Definmingstrckue. * Fußballkapitalismus. Es gibt wohl keinen Bund, der in so schlechtem Ansehen bei seinen Mitgliedern steht wie der Deutsche Fußballbund. Was dem schon an Grobheiten an den Kopf ge- warfen ist, dos könne ein anderer Bund nicht einmal auf seiner Kehrseite ertragen. In der Fußballpresse mühen sich die besten Köpfe in einem wahren Wettstreit damit ob, immer saftigere Bos- hellen gegen die Bundesleillmg zu ersinnen. Es scheint aber, daß diese im„Nehmen" nicht nur geldlich sondern auch sportlich abge- härtet ist. Anscheinend pariert sie alle Angrisse mit besagter Kehr- seit«, denn von irgendeiner Gegenwehr hat man noch nichts ver- nommen. Besonders tüchtig ist die Bundesleitung, von der jedes Mitglied überzeugt ist, daß sie nicht den geringsten Gnmd für ihre Daseinsberechtigung zu erbringen vermag, in der Erhebung van Beiträgen. Sie hat ein ganz rasfiniertes Steuersystem ein- geführt, und zwar hat sie sich auf die Vergnügungssteuer geworfen, auf die das Reich bekanntlich bei sportlichen Veranstaltungen ver- zichtct hat. In der„Vossischen Zeitung" findet man einige intcr» essante Angaben über das einnehmende Wesen der Bundesleitung: „Alle Einnahmen gehen in einen Topf, von denen in der ersten Runde der Deutsche Fußballbund jedem der 16 Teilnehmer 5 Proz. vom Netto gibt, er selbst nimmt 29 Proz. In der zweiten Runde werden unter den verbleibenden acht Mannschaften je 19 Proz. verteilt, die Quoi« des Bundes bleibt die gleiche wie früher. In der dritten Runde, bei vier Teilnehmern, nimmt der Bund 69 Proz. und vom Schlußspiel sogar 89 Proz., mährend jeder der beiden teilnehmenden Verein« je 19 Proz. erhält." Für das laufende Jahr hat die Bimdesleiwng die Einnahmen aus den Meisterschaftsspielen mit 85 999 Mark in Ansatz gebrocht. Und da wundert man sich noch, daß die Steuerbehörden der Städte gegen die Befreiung dieser Spiele von der städtischen Vergnügung». steuer Sturm laufen. Gibt es«in größeres Vergnügen, als solche Summen einzunehmen? * Sport und Magenkrämpfe. Bei den Motorradrennen mit Bei- wagen in der Cilenriede(Hannover) ist der holländische Fahrer Baar tödlich verunglückt, während sein Mitfahrer ohne Verletzung davongekommen ist. Herr Baar soll Magenkrämpfe gehabt haben, die so heftig gewesen sein sollen, daß sein Mitfahrer über seine un- sichere Fahrweise entsetzt gewesen ist. Mußte er dann aber fahren und nicht nur sich, sondern auch noch seinen Begleiter in Lebens- gesahr bringen? Es gibt doch schließlich nach andere Mittel gegen Magenkrämpfe als den Selbstmord. Das Interne Schwimmsest der Berliner Schwimm-Union am Sonntag war ein voller Erfolg. Etwa 399 Zuschauer umsäumten die Schwimmbahn: Eröffnet wurde das Fest durch einen Kunst- reizen der Frauen, dann wurde ein volkstümliches Programm, bei welchem vor allem die Kinder und Jugendlichen berücksichtiqi wurden, abgewickelt. Nach dem Puhsballspiel der Frauen wurden 19 Minuten Kurbadcn eingelegt, um de» Zuschmiern zu zeigen, daß in den Arbeitervereinen neben ernster Zlrfieit auch die heitere Seite nicht vernachlässigt wird. Sport und Ruck. Auch die Sportverbände haben sich in den Wcrbedienst sllr das gute Buch gestellt. Um so mehr muß es überraschen, daß von ge- wisser Seite der Tag des Buches zu einer Attacke gegen den Sport benutzt worden ist, den man als„Feind des guten Buches" bezeichnet. Ist dieser Vorwurf berechtigt? Man soll nicht schlechtweg vom Sport sprechen, wenn man den Uebersport, also die Entartung des Sports, meint? Leider machen die Gegner des Ueberfports nicht diese notwendige Ulster- scheidung, und sie bringen sich damit in einen Gegensatz mit allen Gegnern der sportlichen Entartung in den Sportverbänden selbst. Nirgends wird ja mit größerem Nachdruck gegen den Geschäfts- und Rekordport gekämpft als in den Arbeiter sportvcrbänden. Auch in manchen bürgerlichen Sportkreisen ist erfreulicherweise ein starker Widerstand gegen den Uebersport festzustellen. Man soll auch nicht den gesamten Sport»ach den Ausartungen beurteilen, die hin und wieder ein einzelnes Fußballspiel zeigt. Es handelt sich dabei um Ausnahmeerscheinunge», die sich auch in anderen Bewegungen zeigen, beispielsweise in der Politik, wo manchmal auch Stuhlbein« als schlagend« Argumente benutzt werden. Es ist ferner ganz falsch, anzmiehmen, daß die Mehrzahl der Sportler Abend für Abend und Sonntag für Sonntag auf den Beinen sei, um Sport zu treiben. Die große Mehrzahl wird vom Sport keineswegs so in Anspruch genommen, daß sie zum Lesen eines guten Buches keine Zeit und Muße hätte. Nichtig ist. daß Sportier keine Bücherwürmer find, die die Nase in das mehr oder niinder gute Ronianbuch vergraben und vor lauter Lesen den Tag nicht mehr sehen. Aber solche, meist mit Kurzsichtigkeit begabte, nicht selten im praktischen Leben etwas fremd umherwondelnde Menschen zählen sicher nicht zu den wert- vollsten, mögen sie auch den Kops voller Bücherweisheit haben. Gegen dieses Bücherwünnertum bedeutet der Sport freilich«inen gesunden Protest. Wir Sportler erstreben einen Menschentypus, der mit offenen hellen Augen dem Leben ins Antlitz schaut, stets bereit, den Kampf mit ihm aufzunehnien und es zu meistern. Dieser neue Menschentypus wird den Geist sicher nicht weniger achten als den Körper, aber er wird auch das Leben nicht ge- ringer schätzet! als d« Dichtung. Es kommt in Gegenwart und «f t* Lebmmtüchkigkcit des Menjchen imd der VRter stehen wird als die weniger an. Die Arbeitszeit wird leider höher im Kurs Zeit der Muße und Beschautichteii. Das Leben Träumer als Kämpfer fordern. Körper und Geist bedürfen der gleichen Pflege und Bildung. Jede Einseitigkeit ist ein Hebel. Die Freunde des Buches sollten sich hüten, ihre Sache in einen Gegensatz zum Sport zn bringen, sie leisten ihr damit keinen guten Dienst. * Wie die bürgerlich« Presse meidet, hat die Berliner Stadt- o e r o rdneten oe r sa mmln n g beim Haushalts an gefordert, daß den Sportvereinen der städtischen Gesell- schasten keinerlei Förderung aus städtischen Mitteln mehr zuteil werden darf. Man verlangt, daß 1. sede fiiuinzielle und sonstig« Förderung und Unterstützung besonderer Sportvereine der Gesellschastcn usw. unterbleibt: 2. neue Einrichtungen usw. sür Sport- und ähnliche Zwecke Sportplätze, Unterkunstshäuser usw.— nicht getroffen und Sport- gerate nicht mehr angeschafft werden: 3. die jetzt vorhandenen Sporteinrichtungen der Gesellschasien — Sportplätze, UMerkunstshäuser usw., die von den Gesellschaften eingerichtet, erstellt und anschafft werden—, der Stadt Berlin überwiesen werden, damit sie— unter den üblichen Bcdingun- gen— der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden können und nicht einem bestimmten Kreis allein vorbehalten bleiben. Di« Benutzung dieser Sportplätze durch die Belegschaften der Gcsellschosten ist nach einem Organisationsplan zu regeln. Es wäre ein vergebliches Bemühen, wollte man die Behörden- jind Werksportoereine künstlich unterdrücken. Aber es ist durchaus gerecht, ihnen die behördlichen Subventionen zu entziehen und sie dadurch mit den Privatvc reinen gleichzustellen. Diesen Standpunkt vertritt auch die linksgerichtete bürgerliche Sportpreise, wenn- auch mit vielen Wenn und Aber. Soweit die Vertreter der Arbeiter- fchoft ausschlaggebenden Einfluß bei den Behörden und den par- la mentorischen und kommunalen Vertretungen haben, sollten sie dem Berliner Beispiel folgen. Eine Förderung der Behörden- sportvereine kann nur ihm Rahmen der allgemeinen Förderung der Leibesübungen als zulässig erachtet werden, denn Steuer- mittel find Mittel der Allgemeinheit und dürfen nicht Sonder- hawffMZt „Oer Anfang ist gemacht"____ Die KPO. organisiert die Spaltung. So wenig wie irgendeine oudere Gewerkschaft kann die Orts- Verwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiteroerbandes der bei- spiellosen systematischen Hetze ruhig zusehen, die auf Anweisung der Kommunistischen Partei unter Verstoß gegen die Beschlüsse der Gewerkschaftskongresse wie gegen die Verbandstags. beschluffe und die Verbandssatzungen gegen sie betrieben wird. Die verhinderten„Eroberer" des Metallarbeiteroerbandes wollen zur Spaltung übergehen. Sie provozieren deshalb in der hinterhältigsten Weife den Ausschluß des einen oder anderen kommunistischen Säulenheiligen, um dann ein ebenso großes wie ver- logenes Geschrei anzustimmen über Spaltung des Verban- des durch die Organisationsleitung, um ihre Spaltungspläne zu- nächst zu verhüllen, sie aber durchzuführen, nachdem sie ihnen in- folge der Hetze dazu reif erscheinen, die Schuld dafür aber von vornherein von der schuldigen KPD. abzulenken und sie der Ver- bandsleitung in die Schuhe zu schieben. Der Kommunist N i e d e r k i r ch n e r hat sich von seinen Aellenfreunden in der Rohrlegerbranche zur Einberufung einer Konferenz der„oppositionellen" Funktionäre der Berliner Orts- Verwaltung des Metallarbeiterverbandes beauftragen lassen, die am Sonntag tagte. Das Unschuldslamm Niederkirchner„betonte", er sei nicht abgesetzt worden, weil er gegen das Statut oder Verbandstags- beschlüsse verstoßen hat, sondern weil er offen und klar seine politische Meinung vertreten habe. Abgesehen davon, daß der Metallarbciterverband mit der polilisch-kommunistischen Meinung Niederkirchners, die in diesem Falle die Meinung von Losowski ist, nichts zu tun hat, hätte es nur nötig, dem Hauptvorstand in Stuttgart den Beweis für feine Behauptung zu erbringen. Offenbar befürchtet er, daß dieser nicht so leichtgläubig ist wie die von Nieder- kirchner„zusammengeschobene" Konferenz. Er ließ auf dieser Kon- ferenz ein Komitee einsetzen,„das alle Maßnahmen, die(gegen den Verband. D. Red.) zu treffen sind, einleiten soll." In einer Entschließung wendet sich der mit der Führung der Spaltung von seiner Partei Beauftragte„gegen den Spaltungs- kurs der Reformisten" und behauptet, der Kampf, den er gegen den Verband führe, gehe um die„W iederherstellung der Demokratie". Diese Behauptung steht zur Wahrheit in keinem besseren Ver- hältnis als die weiterfolgende,„Urich und feine Anhänger versuchen im Interesse des Friedens mit den Unternehmern den Verband zu spalten." „Der Ansang ist gemacht"— jubelt die„Rote Fahne". Es ist also höchste Aeit, solchen Anfängen zu wehren. Eine„Aaiionale Gewerkschaft". Mit der Ueberschrift„Mit treudeutschem Gruß" versehen, brachte der„Vorwärts" in Nr. 201 vom 28. April 1928«inen„Betriebs- Unfall" bei der„Nationalen Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner" zur Kenntnis. Diese schwindsüchtig« gelbe Gewerkschaft hatte im November 1927 für 129 Mark Bureaubedarfsa.rtikel auf Kredit be- zogen. Der Reichsbahnobersekretär Schmalz als Vorsitzender dieser„Nationalgewcrkschast" und der Sekretär Schemel hatten zwar für den Betrag gutgesagt, aber nicht für Bezahlung gesorgt, bis sie schließlich auf Drängen der Firma mit Schecks auf die Mittelstands- und Kreditbank«. G. m. b. H. bezahlten, der sie als A u f s> ch t s r a t s m i t g l i e d e r angehörten. Ihre Schecks konnten jedoch im Zeitraum von acht Wochen nicht bezahlt werden wegen Mangel an Deckung. Die Nationale Gewerkschaft wurde daraufhin zum Offenbarungs- eid geladen— sie war mit über 1000 M. verschuldet und ihr Bureauinventar nur geliehen—> während gegen ihre Führer Be- trugsonzeige erstattet wurde. Nunmehr teilen uns die Herren Schmalz und Schemel mit, daß dos Betrugsoerfahren gegen sie eingestellt wurde. Der Ein- stellungsbeschluß besagt, gegen eine betrügerische Absicht spreche zunächst die Tatsache,„daß die Schuld inzwischen durch Raten- Zahlungen gedeckt ist. Dazu kommt, daß der Beschuldigte aber auch nach seinen Abmachungen mit der Mittelstands- und Kreditbank damit rechnen mußte, daß die Schecks eingelöst würden Denn diese hatte gegen Abtretung der Mitgliedsbei- träge die Sanierung der Gewerkschaft übernommen und sich gleich- zeitig zur Zahlung kleinerer Beträge für Lieferungen verpflichtet. Bei dieser Sachlage läßt sich«in Betrug nicht nachweisen." Die Nationale Gewerkschaft auf„Stottern" mit ihren verpfän- deten Mitgliedsbeiträgen brauchte keinen Offenbarungseid zu leisten. Damit sind die Heren Schmalz und Schemel rehabPi- t i e rt, ihre„Nationale Gewerkschaft" aber bleibt nach wie vor hinreichend charakterisiert. Achtstundentag in Rumänien! Worauf es ankommt. In seiner kürzlich im rumänischen Parlament gehaltenen mutigen Rede hat der Präsident des rumänischen Gewerkschafts- bundes, Genosse Flu« ras, speziell auch daran erinnert, daß es in Rumänien wohl ein Gesetz betr. den Achtstundentag gebe, daß jedoch für seine Durchführung bis jetzt nicht das geringste geschehen sei. Er fordert« deshalb die Regierung auf, das gegebene Versprechen endlich einzulösen. Drei Tage darauf hat denn auch der Ministerrat das Versäumnis nachgeholt. Endlich ist die Ver- ordnung zur Durchführung des Gesetzes über den Achtstundentag er- schienen. Damit ist— das Gesetz regelt auch die Frauen- und Kinder- arbeit— der Achtstundentag in Rumänien zur Tatsache geworden. Das Gesetz ist noch unter der letzten liberalen Regierung zustande gekommen. Es sollte jedoch damit nur eine internationale„For- malität" erledigt werden, und man hatte die offene Absicht, die Der- ordnung nie durchzuführen. Die wiederholten Konferenzen der Ar- beiter zugunsten der Durchführung des Gesetzes hatten nicht den geringsten Erfolg. Erst nach den Interventionen dersozia- listischen Delegierten im jetzigen Parlament ist nun Ernst gemacht worden. Der„Vorwärts" von Czernowitz kommentiert das Ereignis wie folgt: „Vierzig Jahre hat man um den Achtstundentag gekämpft, jetzt ist er Wirklichkeit geworden. Wirklichkeit? O nein, nur G e f e tz! Denn die A n w e n d u n g de» Gesetzes dürfen wirnichtvon den llnternehmern und auch nicht von den Behörden er- warten. Das Gesetz wird so viel Geltung haben, als Arbeilerkrafl hinter ihm sieht. Das neue Gesetz muß für die Arbetter ein Ansporn sein, sich zu organisieren: Gewerkschaften zu gründen, wo keine sind und sie zu stärken, wo sie schon bestehen. Gewerkschaften im Sinne der Amsterdamer International«. Di«„unitarischen"(kommunistischen) Gewerkschaften mSge» sich vorzüglich eignen, um Sympathiekundgebungen für Stalin und gegen Trotzki, und im Auftrag von Moskau, Proklamationen zugunsten eines chinesischen Generals zu erlassen, aber für den Klasienkampf der Arbeiter, als Instrumente für die Befteiung der Arbeiterklasse durch den Kampf um Erhöhung der Löhne, Verkürzung der Arbeits» zeit und Sicherung der sozialen Lage sind sie jedoch unbrauchbar. Sauftall-Reklame. Die N o r m a l- Z e i t G. m. b. H. empfiehlt den Unternehmern. die ihre Betriebe noch nicht mit Signalanlagen, Angestelltenkontroll- apparaten. Arbeiierkontrollapparaten und dergleichen mehr versehen haben, ihre Dienste. Dabei betreibt sie eine eigenartig« Reklome in folgender Form: 31 Lohnwoche Ausgezahlte Löhne: Produtti» unproduktiv Wrrkzeuz 1812,42 816,28 470.60 Wochen-Rapport männl. weibl. Arbeiterstd A fg. d. Woche S2 21 Ende„, 50 26 Einstellungen 3 8 Entlassungen 5 3 Bericht: Auftragsgemäß wurde Pünktlichkeitskontrolle vor» genommen: Zu spät gekommen Montag: 26 Arbeiter total 141 Minuten Dienstag: 14.„ 62« Mittwoch: 11„ ,59„ Donnerstag: 52,. 590, Straßenbahnstörung: Freitag: 6 Arbeiter total 14, Sonnabend: 17_.47„ 15h« Stunden!" Total: 913 Minuten Versuchte Lohnkürzung scheiterte am Einspruch des Arbeiteraus- schusses, denn die Verspätungen konnten nicht einwandfrei bewiesen werden. Nichts zu machen!" Frühstückspause und Mittagspause: 5 bis 7 Minu- ten vor Beginn allgemeine Unruhe und Arbeitsstockung. Bei Schluß der gleiche Zustand. Die Aufräumerei beginnt schon Stunden" Lohnabzug wurde Saustall Arbeitsschluß um 4.30. vor 4.15!!! Zustand!" IM Fräser Zinn fehlte Dienstag 4M Stunden. übersehen. Der Meister: Unterschrift. Somit 55M Stunden— M. 57.25" Die mit Stern bezeichneten Stellen sind in diesem plump kon» struierten„Wochen-Rapport" als Rotstiftanmerkungen der Normal. zeitgejellschaft gedacht, die den„Saustall" durch Lieferung einer Signalanlage in Ordnung bringen will. Muß eine reelle Firma solche wirklich« arbeiter- und meiste« feindliche„Saustall"-Reklame machen? Lohnkampf im Hamburger Hafen beendet. Hamburg, 26. März.(Eigenbericht.) Die Lohnbewegung der Hamburger Hafenarbettet ist b« e n d e t. Der von der Schlichterkammer gefällte Schiedsspruch war mit erheblicher Mehrheit abgelehnt, da aber die satzungsgemäß er. forderlich« Dreiviertelmehrheit nicht erreicht wurd«� gilt der Spruch als angenommen. Auch die Unternehmerorgamsationen der Hafenbetriebsvereln� hatten dem Schiedsspruch zugestimmt. Es tritt somit sür die Hafen- arbeiter vom 1. April an eine Lohnerhöhung von 40 Pfennig für die erste Schicht in Kraft. »«S S«Z»»«»« für die Zeit vorn 26. bis 28. März M I m O-T A F i I. PROGRAMM für die Zeit vorn 26. bis 28. Hirz Potsdamer Strafe 38 Das brennende Hers mit Mady Christians Am Karfreitag: Das Monumeival-Fllmwerk; König der Könige Rheinsfrafje 14 �"�e» Verlängert! Der Mann, der lacht mit Conrad Vcidt Am Karfreitag: Das gewaltige Filmwerk: Johanna von Orleans Odeon, Potsdamer Sfa*. 75 Das Monumental-Fllmwerk; König der Könige 17 gewaltige Akte Jugendliche haben Zutritt Am Karfreitag; König der Könige Turmstrabe 12 Das Monumental-Fllmwerk: König der Könige 17 gewallige Akte Jugendlcihe haben Zutritt Am Karfreitag: König der Könige Alexanderstr. 39-40 (Passage) Die Siegerin, Akte mit Olga Tschechow« Unter talschcm Verdacht, 8 Akte Am Karfreitag; König der Könige Welt-Kino Alt-Moabit 99 Der Mann, der l.dii mit Conrad Vcidl Ich beb für Sie ein wenig Sympathie W SthaneSargT""� Alhambra Be&�&hV5L Schöneberg, Hauptstr. 33 Ncn«(nach Zola) mit W. Kraub Das Dokument yon Shanghai Bühnen schau Titania(ut. s��erg) Hauptstraße 49 Gefangene des Meeres Zwischen Liehe and Pflicht Schlüter-Theater Schlüierstr. 17 W. 7. 9.15, Stg. ab 4 Uhr Werktags bis 7 Uhr von 60 Pfennig Die ungekrönte Königin mit Griffith Madame wagt einen Seitensprung 9 SteflUt»» Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Beginn: W. 6.30, 9, Stgs. 4, 6�0, 9 Uhr Die keusche Kokotte Nur bis einschließlich Mittwoch Ab Donnerstag: Frl. Else Am Karfreitag: König der Könige �UchterfeMe�West�p H4 I 4 Wochentags 6.30, 9 Uhr ni-ia Stg, 5, 7, 9. 3 Uhr Jug.-V, Hindenburgdamm 58a Weib in Flammen mit Olga Tschechow« Der Weiherkrieg mit Kampers und Haid BOhnenschau > SOdwRSf n Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1-4 Beginn 6 U. König der Könige Grones Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt ■ Süden m Th. am Moritzplatz Beginn: W.�ab 5. 6.30 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Geheimnisse des Orients Vom Töter fehlt Jede Spur W Südosten Filmeck BegimiW:s5Ä Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Nacfatgestalien Küsse, die man nie vergibt BOhnenschau Luisen-Theater Reichenberger Straße 34 Wochentags ab 6 Uhr. Sonntags ab 4 Uhr Hallo Tom Mix! Blaue langen, blonde MSddten Revue: Launen der Liebe Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 9 Uhr Die Königin der Kerne Scfalacfatenbummler 3 Bahnenaltraldionen Vorwärtsieser Vorzugspreise W Haukgllii 1 Primus-Palast Hermannplatz Affenthcaler mit Sld Chaplin Auf der Bühne; Fred Roland und Partner: Plaitiscbe Gymnastik Die T»!ngtau-Chinejen-Comp. Am Kartrenag: König der Könige Passage-Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151—152 Woch. 5, 7u. ca. 8.45, Stg.3,5.7u.ca. 8.45 U. Der Fürst der Abenlenrer mit Ramon Norarro Lotte, das Warenhansmldei Böhncnsdian Südpalast Knesebecksir. 113, Bhf. Hermannstraße Tragödie des Zarenhauses (Tolstoi-Lenin) Kampi um den Mann Grobe Bfthnenschau W Tivoli-Lichtspiele Tempelhof. Berliner Str. 97 W. 6.30, ca. 8,45 U., S. 4.45. 6.45, ca. 8.45 U. Der Herzensphofograph mit Harry Liedtke Freibeuter der PrÄrte Böhnexuchan J1""" Harlencgorf A T£ Mariendorfer ria~Lrl Lichtspiele Chausseestraße 305. Stg. Jugd.-Vorst. Die Vierte von rechts Das Geheimnis der Villa Bfthnenscfaaa „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bqhne Moderne Piraten mit S. Arno, C. Bell, Jack Trcvor Ansgewöhltes Verieidprogramm WniOense« Schloßpark FOm- Bahne Berliner Allee 205—210 Der weihe Wildling Hurra I Ich lebe t BOhnenschan Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Das Schicksal derer Ton Habsbnrg (Das Ende einer Dynastie) Beiprogramm Grobe Bühnensdisn Das neue Toniilm Programm Beginn der ersten Vorstellung Wochentags 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr ��Fri«grlcei«Fel chBwewekfgTfc Elysium(fiÄL.i) Hasselwerderstraße 17 Die Leidenschaften einer Schau Spielerin(Seine große Liebe) Postrluber yon Nevada Die gute BOhnenschau ■"* Skala-Lidhtspicle Schönhauser Allee 80 Procttintton Monfr, der Wüstling mit Monty Banks ß&fanenscbau Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Flucht vor Blond Beiprogramm BOhnenschan F ortuna-Lichtspiele Müherstraße 12 c Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Well- Produktion Metro-Palast Chausseestraße 37 Der Mann, der iadil mit Conrad Veidt Fat nnd Faiacbon als Detektive Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Raascfa mit Lars Hansen Fräulein Fähnrich Sonnta 1 3 Uhr; Jugend-Vorstellung Pharus-Lichtspiele MüJlerstraße 142 Das Haus ohne Mfinncr mit Ossi Oswald« Das Kind des Anderen m. A. Sien Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Sdiinderhannes Eins+ eins— drei Böhncnsdian ��Oeiundbrunnen� „Alhambra" Badstraße 58 Frauenraub In Marokko mit Rommer Bräatigamm auf Abbruch VarieMschan Ball sdimicder- Lichisp. BadstraSc 16 Wolga— Wolga (Das Heldenlied des Stenka Rasin) Grobes Beiprogramm Bühnensdian Humboldt-Theater Badstrafe 19 SOS Schiff in Not m. Liane Haid Goldfieber Bühnenschau Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Wie Madame befehle* mit Ad. Menjon Ben Ali mit Ramon Norarro Grobe BflhnenstAan Marienbad-Palast Badstraße 35—36 Johanna yon Orleans Adam und Eva mit Reinhold Schünxel Palast-Theater Breite Straße 21 a Beg. 6�0. 9 Uhr Die Siegerin m. Olga Tschechow» Der Scheidungsgrund Beiprogramm_ Tivoli, Pankow Berliner StraBe 27 S bange Tage Das lozie Si| Bühne: aal GleUadhah fl Mietdertihönnauten iH Film-Palast Blankenburger StraBe 4 Die ongekrönie Königin Klein-Dorrtt Bg'lnltker.aor7-Oat jF Burgergarten-Lichtsp. HauptstraSe 51 und Lindauer StraBe Stürme mi' Lillan Glsh Zwilchen Pflidit nnd Liebe mit Ramon Norarro I BOhnenschan