Morgenausgabe Nr. 145 A 73 46. Jahrgang «ochenMch 85«onatvch IjMVL im voraus zahlbar. Postbezug<52 M. einschließlich 60Pfg.Postzeiwng»- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands» abonnement 6.— M. pro Monat. * Der„Cormirts* erscheint wochentLg» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlm und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Deilagen.Volt unv Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen",.Frauen» stimme"..Technik"..Blick in die Dücherwelt" und.Iugend-Vorwärts" p- Berliner vottsblatl Mittwoch 22. März 1929 Groß'Berlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Di««i»sp altige Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Retlame'.eile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen' das lettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei settoedrucne Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkl �eile SO Pfennig. Familienanzeigen für bonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm« im Hauptgeschäft Linden» itraße 3. wochentögl. von 8l/a bis 17 Uhr. Jentralorgan der Sozialdemokratischen■Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher! Dönboss 292—291 lelegrarnm-Sdr.: Sozlaldemokr« Derlt» Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Volischecklonto: verli»S7 KSK— vanklonto: Bank der Arbeiter. Ongestell«» »«d Beannen Wallftr. SS. Ditkonlo-Gelellschafr. Deposilenkasse Lindenstr i Christian Gtolberg gesteht! Das Geheimnis von Zannowih trotzdem nicht geflärt? Gestern wurde der verhaftete Christian Friedrich Graf Stolberg-Wernigerode mehrere Stunden durch den Berliner Kriminalrat Hoppe vernommen. Er legte das Geständnis ab. seinen Bater ans Fahrlässigkeit ge» t ö t e t zu haben. Nach den Aussagen Friedrich Christians wurde er von seinem Dater beauftragt, das vom Förster repariert« Jagdgewehr nach- zusehen und auszuprobieren. Dabei blieb eine Patron« im Lauf stecken. Als er auf dem hinter dem Sofa stehenden Tisch han- tierte, ging das Gewehr los und die Kugel traf den D a t e r. In der Verwirrung sei er aus dem Zimmer gestürzt und im Flur zusammengebrochen. Die Berliner Kriminokbeamten sind dabei, diese Angaben auf ihre Richtigkeit nachzuprüfen, vor allem muß Verwunderung erregen, daß Christian Friedrich erst jetzt, nach einer Woche, dieses Geständnis ablegt«, chatte er diese Aussage gleich nach dem Geschehnis gemacht,— st« wäre glaubwürdiger erschienen! cheute darf er sich nicht wundern, wenn Zweifel auftauchen. Besonders seltsam muß es anmuten, daß nach den Berichten aus chirfchberg und Liegnitz der verhaftete noch am Sonntag, vor zwei Tagen also, aussagt«, sein Dater habe es mit der ehelichen Treu« nicht sehr ernst genommen. Wie verträgt sich dies« Bekundung mit t-an plög- lichen Geständnis, eine fahrlässige Tötung begangen zu haben? Weiter: Christion Friedrich schwieg, nicht etwa im Augenblick der ersten Bestürzung, sondern tagelang, vor Untersuchungsrichter und Kommissaren. Er führte aus dem chofe, vor dem Landjäger, am ersten Tag« der Untersuchung, die Komödie mit den Einbrechern, dem vorgehaltenen Tuche, der geheimnisvollen Betäubung auf. Man darf zusammenfassen: Die Berliner Mordkommisston des Krimina!- rats Hoppe steht nach diesem Geständnis noch nicht am End« ihrer Aufgab«!' Di« von uns registrierte Selbstbezichtigung des Bergmanns Siegmund hat sich, wie wir voraussagten, als Schwindel erwiesen. Siegnmnd hielt sich, wie amtlich« Stempel beweisen, zur Zeil der Tat in Groß-Albersdorf bei Marienberg(Amtshoupt- Mannschaft Chemnitz) auf....... Wie wir weiter erfahren, hat Christian Graf Stolberg-Wernige- rode das den Berliner Kriminalbeamten gegenüber abgelegte Ge- ständnis auch vor dem Untersuchungsrichter und dem Oberstaats- anwalt wiederholt. Vor einem Llmschwung in Polen. Kursänderung auf Verlangen Amerikas? Warschau, 26. März.(Eigenbericht.) Die angekündigte Regierungskrise hat durch die Er- krankung der Ministerpräsidenten B a r t e l, der mit 38 Grad Fieber zu Bett liegt, ein« Verzögerung erfahren und wird voraus- sichtlich erst nach den Osterfeiertagen eintreten. Indessen steht schon heute fest, daß die Regierungsumbildung eine durchaus grundlegende sei« wird. Cs bestätigt stich daß der Ministerprästdent Bartel zum Rücktritt gezwungen werden wird, ebenso der Innenmini st er und auch der eine oder andere der übrigen Minister, die sich im Kampfe gegen das Parlament hervorgetan haben. Diese radikale Aende- r u n g der politischen Verhältnisse, die eine Entspannung des bisherigen Kampszustandes zwischen Regierung und Parlament be- beuten wird, soll, wie von unterrichteter Seite perlautet, auf ein« Reihe wichtiger Unterredungen zwischen dem Staatspräsiden- ten Moczizki und dem amerikanischen Finanzkontrolleur D e w e y zurückzuführen sein. Dewey hat nämlich wie weiter vir- lautet, den Staatspräsidenten auf die verhängnisvollen Folgen einer weiteren Ausschaltung des Parlaments aus der Staatspolitik in bezug auf die Einstellung der amerikanischen Finanzkreise Polen gegenüber aufmerksam gemacht. Insbe- sondere konnte Dewey dabei aus den radikalen Surs der polnischen Stabilisierungsanleihe von«7 aus«2 hinweisen. Das Fehlen der parlamentarischen Kontrolle soll den amerikanischen Finanzmarkt Polen gegenüber mißtrauisch ge- macht haben. Dewey hat daher den Staatspräsidenten b«- schworen, nicht etwa um der Demokratie und des Parlamentaris- mus willen, die man hier bereits vollkommen vergessen hat, sondern einzig und allein aus praktisch wirtschaftlichen Erwägungen heraus eine innerpolitische Entspannung herbeizuführen. Dieser soll nun die Reglerungsumbildung dienen, deren Einzelheiten noch zu unklar sind, um wiedergegeben zu werden, die aber, wie heute schon festzustehen scheint, frei von der antiparlamentarischen Vergangenheit des Kabinetts Bartel sein sollen. Es ist bemerkenswert, daß diese �Dinge während der Krankheit P i l s u d s k i s vor sich gehen, dessen Stellungnahme hierzu nicht bekannt ist. Was er nach seiner Genesung zu all dem sagen wird, ist natürlich völlig ungewiß Hiervon hängt es aber ab, ob die Initiative des Staatspräsidenten Erfolg haben wird. ZGB an Völkerbund. Haltet das Abrüstungsversprechen! Amsterdam, 26. März.(Eigenbericht.) Ter Internationale Gewertschaftsbunb spricht in einem Schreiben an de« Völkerbund die Erwartung aus, daß die vorbereitende Abrüstungskommissiou ihre Ar- beiten energisch fortsetzen werde. Die internationale Librüstungskonferenz müsse im Laufe des Jahres lv2S einberufen werden. Ter Völkerbund müsse die fei er» lichübernommenenVerpflichtungeuhalten. Der Internationale Gewerkschaftsbund verlangt, daß den Wünschen der Arbeiter der ganze« Welt Gehör geschenkt und der Frieden endlich durch Abrüstung und Schiedsgericht organisiert werde. Kanada protestiert in Washington. Die Versenkung des Schoners unberechtigt. New Bork. 26. Mär». Die Erledigung des„J'm alone"-Falles ist von der britischen Regierung dem kanadischen Geschäfts» träger übertragen worden. Dieser ist bereits im Staatsdepartement erschienen, um zu Protestieren, weil die Versenkung unberechtigt erfolgt sei. Der englische Generalkonsul in New Orleans hat der Londoner Regierung eine« Bericht übermittelt» in dem «S heißt, daß die„J'm alone" völlig im Recht war. als sie die Untersuchung nnd Beschlagnahme dnrch de» amerikanischen Küstenschutz verweigerte; das Geae» rnlkonsulat sei empört, daß die Mannschaft des versenk» te« Schisfes aussage« mußte, bevor sie sich mit dem Konsulat in Verbindung setze« konnte. Der bei der Versenkung getötete Seemann soll zwar französischer Herkunft, aber englischer Staats- bürger sein. Es ist verabredet worden, daß dem eag- lische« nnd de« kanadischen Gesandten das Protokoll der Vernehmung des Kapitäns Randell nnd der übrige« Besatzung des Schoners vorgelegt werde« wird. Gachsenwahl am-12. Mai. Beschloß des Gesamtministeriums. Dresden. 26. März.(Eigenbericht.) Die Staatskanzlei teilt mit: Das«esamtminifterium hat in seiner Sitzung vom 26. Mär, beschlossen, bte Ren» Wahle» ,»« Landtag am 12. Mal 1929 ftattfiudea zu lasse«. Die Vertreter der Regierungsparteien, die unter dem Vorsitz de» Ministerpräsidenten am Dienstag im Ministerialgebäud« eine Besprechung abhielte«, bekundeten, daß sie entgegen der Auffastung des Präsidenten Schwarz keinen Wert auf die Abhaltung einer noch-! maligen Plenarsitzung des Landtages legten. Am Rachmitt.ig traten die drei Präsidenten des Landtage» zusammen. Auch ste. beschlossen, von der Abhaltung einer weiteren Sitzung abzusehen, j Aach der Miniaturneuwahl. Lloyd George soll das Bürgertum retten! E. W. London. 26. März. Es scheint, daß die fünf in der vergangenen Woche ab- gehaltenen Nachwahlen, die eine Miniaturneuwahl darstellten, mit ihren zum Teil überraschenden Ergebnissen dazu beigetragen haben, die Apathie, die sich der Wähler- chaft bemächtigt hatte, zu überwinden. Die dreißig- bis unfzigprozentigen Verluste sämtlicher kon- ervativen Kandidaten, der außerordentliche Sieg der Arbeiterpartei in N o r t h- L a n a r k und die beiden un- erwarteten liberalen Siege haben den Wählern plötzlich Stoff zum Denken gegeben. Gewiß! Man muß bei der politischen Auswertung von Nachwahlergebnisien überaus vorsichtig sein. Sie sind vielfach von anderen Stimmungselementen beherrscht als all- gemeine Wahlen, und die nächsten acht bis neun Wochen können noch vieles ändern. Soviel scheint jedoch deutlich zu sein, daß die Regierung überall, in den Großstädten, in den provinziellen Industriezentren und auf dem flachen Lande, stark an Anhängern eingebüßt hat; daß die L i b e- ralen in den agrarischen Bezirken seit 1921 wieder erhebliche Fortschritte gemacht haben und daß die Arbeiterpartei in den ausgesprochenen Industrie� Zentren, die keineswegs mit den englischen Großstädten zusammenfallen, unerschütterliche Stützpunkte besitzt. Nach einer Aufstellung der konservativen„Times" stellen sich die für die Parteien in den 61 Nachwahlen seit 1921 abgegebenen Stimmen wie folgt dar: Anzahl der Kandidaten Stimmen S8 Konservative 630680 5C Arbeiterpartei. i».»»>. 567 918 < 59 Liberale 447 834 1 Kommunist 2 618 |" 6 Unabhängige........ 10698 Diese Aufstellung ist für die Konservativen insofern be- sonders günstig, als die Regierung Baldwin in den ersten Jahren ihrer Existenz stimmungsmäßig g u t abschnitt und damals Zehntausende von Stimmen erhielt, die heute nicht mehr für sie abgegeben werden würden. Obwohl die obige Aufstellung für die Regierung günstig und von den„Times" zu dem Zwecke veröffentlicht wurde, um die Stärke der Konservativen Partei zu beweisen, so zeigt die Tabelle doch nach deutlicher als die Stärke der Regierungspartei, wie sehr die Konservativen gegenüber den für die Arbeiterpartei und die Liberalen abgegebenen Stimmen in der Minderheit bleiben. Deutlicher jedoch beweist eine Aufstellung über die neun Nachwahlen im Jahre 1929, in welcher Richtung sich die Sympathien der öffentlichen Meinung bewegen. Nach einer vom„Daily Herald" vorgenommenen Aufstellung über die Ergebnisse der Nachwahlen seit Jahresbeginn stellt sich die Situation wie folgt dar: Arbeiterpartei Konservative. Liberale.. u e i s» 92 828 ,.,». 78331 58 068 Diese Aufstellung, aus der die gegenwärtige Stimmung der Wählerschaft hervorzugehen scheint, deutet darauf hin, daß die Arbeiterpartei die Aussicht besitzt, aus den kommenden Neuwahlen als die st ä r k st e Partei, aller- dings ohne eine selbständige Majorität, hervorzugehen. Selbst Philip Snowden. der Schatzkanzier der Regierung Macdonald, dessen Pessimismus in den Reihen der Arbeiter- artei sprichwörtlich ist. hat während des Wochenendes seine uffassung dahin ausgesprochen, daß die Arbeiterpartei im nächsten Parlament zur Führung der Regierungsgeschäfte be- rufen sein wird. Nun darf allerdings ein Moment nicht übersehen werden, das unter Umständen in den nächsten Wochen die gesamte innerpolitische Situation recht bedeutungsvoll beeinflussen könnte: Die L l b e r a l en haben zwar in den jüngsten Neu- wählen überraschend gut abgeschnitten: sie hatten je doch das Glück, um zwei agrarische Wahlkreise zu kämpfen, in denen ihre Erfolgschancen stets am höchsten waren. Irgendein wirklicher Stimmungswechsel zu ihren Gunsten konnte jedoch aus diesen Siegen noch nicht abge- leitet werden. Es ist jedoch nunmehr unverkennbar, daß einige ein- flußreiche Pressemagnaten angesichts der an- scheinend rettungslosen Lage der Konservativen und der Alternative einer Arbeiterregierung auf die Idee geraten sind, die bürgerliche Sache auf alle Fälle zu retten, selbst wenn dies nur unter flagran- lest er Treulosigkeit gegenüber der Konser- vativen Partei möglich sein sollte. Es ist unver- kennbar, sowohl Lord Rothermere als auch Lord Beaverbrook spielen im gegenwärtigen Augenblick mit dem Gedanken, das sinkende Schiff Baldwins zu verlassen und als den großen Wahlcoup die Parole der Stimm abgäbe für die Partei Lloyd Georges, also für die Liberalen, auszugeben. Auf diese Weise hofft man, die Unzufriedenheit mit der Regierung, die viele bürgerliche Möhler veranlassen könnte, Labour, also sozialistisch zu mahlen, aufzufangen und zu verhindern, daß die Arbeiter. Partei, daß die Arbeiterpartei an die Regierung gelangt. � Der„S u n d a y Disput ch", Lord Rothermeres Sonntagsorakel, schrieb am 24. März ganz offen: „Es ist möglich, die Sozialisten von der Regierung fernzuhalten, ohne für die Regierung Daldwin zu stimmen, die uns alle«nt täuscht hat. Gegen die Sozialisten stimmt man nicht durch«inen lonscroativen, sondern durch«inen liberalen Stimmzett«l." Roch ist dies ein Versuchsballon, den man bezeichnender- weise nicht in der„Daily Mail", sondern im politisch bedeu- tungsloseren„Sunday Dispatch", dem sonntäglichen Ableger der„Daily Mail", hat aussteigen lassen. Aber niemand, der sich von 1924 her der bedeutenden Rolle entsinnt, die Lord R o t h e r m e r e beim Sturz der Arbeiterregierung und den „Sinowjew-Brief-Reuwahlen" gespielt hat, wird die Macht der Beaverbrook-Rothermere, deren Blätter ins» gesamt etwa eine Auflage von 4 Millionen Exem- p l a r e n besitzen, unterschätzen. Die Dinge sind heute noch in der Schwebe, und das Ganze ist möglicherweise nur ein Erpressungsversuch, um Jaldwin zu einer schlagkräftigen Wahlparole zu zwingen. Deshalb ist es heute nur möglich, auf gewisse Symp- rome und Manöver hinzuweisen, ohne jedoch schon ihre Bedeutung für die herannahenden Wahlen einschätzen zu können. Beide Oppositionsführer für aktive Friedenspolitik. Condon, 26. ZNärz.(Eigenbericht.) Die britischen Dölkerbovdsllgen haben au die führenden politischen Persönlichkeiten Großbritanniens«in M e- morandnm gesandt, in welchem die Unterzeichnung der s a k o l- lalivea Schiedsgerichtsklausel und der Abschluß eines ntlge«n einen Schiedsgerichtsvertrage» sowie die Verhinderung oller militärischen AManzen und die Zurück- Ziehung der ausländischen Truppen au» dem deutschen Gebiet gefordert werden. Sowohl der Führer der britischen Arbeiterpartei. Ramsay Macdonald, als auch be- zeichnenderweise der Führer der eiberalen. Lloyd George, haben ihre volle Zustimmung zu diesen, Memorandum be- lannt gegeben. Jenny Lees Einzug ins Parlament. London, 26. März.(Eigenbericht.) JennyLee.dieiüng st«Abgeordnet« des Unterhauses imd vermutlich der jüngste weibliche Abgeordnete irgendeines euro- päischen Parlaments, wurde am Dienstag mit dem üblichen Zeremoniell im Unterhaus eingeführt. Als Paten bei diesem feierlichen Akt dienten ihr Robert Smillie, der greise Arbeiterführer und jahrzehntelange Freund ihrer Familie, und der Abg. Max ton, der Präsident der Unabhängigen Partei. Der neuen Abgeordneten wurde von der Fraktion der Arbeiterpartei bei ihrem Eintritt ins Parlament eine lebhafte Ovation dar- gebrocht. Mit der Einführung durch zwei männliche Abgeordnete hat Jenny Lee mit einem seit Jahren üblichen Brauche gebrochen, sich durch zwei weibliche Mitglieder einführen zu lasten. Di« Wahl Maxtons durch Jenny Lee deutet darauf, hin, daß sich die neue Abge- ordnete zum linken Flügel der Partei zählt. Konservative Angst vor einem Wahlprogramm. London, 26. März.(Eigenbericht.) Wie oerlautet, hat sich di« Regierung entschlossen, ihr Wahl- Programm erst am 15. April bekanntzugeben. Dies wird c llgemein als ein schwerer taktischer Fehler der konservativen 'Karteileitung betrachtet, da sie sich dadurch alle Initiative für den Wahlkampf entgleiten loste. Gegen Todesstrafe im Heer. London. 26. März.(Eigenbericht.) Di« Arbeiterpartei brachte am Dienstag im Unterhaus einen Antrag ein, der für die Abschaffung der Todesstrafe im ch e w und in der Luftfahrttruppe Großbritanniens eintritt. An der interessanten Debatte, die sich an den Antrag knüpfte, be- wntcn die Sprecher der Arbeiterpartei, daß die Todesstrafe im Kriegsfalls keinerlei abschreckende Wirkung ausübe. Die Abschaffung der Todesstrafe bei den australischen Truppen bade die Moral dieser Arm« im Feuer nicht ungünstig beeinflußt. Der Antrag der Arbeiterpartei wurde mit 174 gegen 108 Stimmen abgelehnt. Faschistische Wahlfälschung in Tirol. Oeffentticher Protest des Katholikenführers. Innsbruck, 26. März.(Teiunion.) Nunmehr kommen zuverlässig« Nachrichten aus Südtirol über den Terror, unter dem die Deutschen am Sonntag zur Wahl gepreßt wurden. Der angebliche Erlaß des Fürstbischofs von Trient an die Dekane in Deutsch-Südtirol ist gefälscht. Dieser Erlaß wurde von den faschistischen Behörden der Presse übergeben. Der Fürstbischof hat lediglich an die italie- nischc Geistlichkeit in der Provinz Trient gewisse Anweisungen gegeben(er ist selbst Italiener), jedoch nicht an die deutsche Geist- lichkeit. Durch Flugzeug« wurden am Freitag und Sonnabend in allen Tälern Südtirols grünweißrote Zettel abgeworfen, aus denen angeblich der Vorstand der.�katholischen Aktion" zur Wahlbeteiligung zugunsten der Regierung auffordert. Der Prä- fident der„Katholischen Aktion" in Südtirol, Dr. Ludwig, be- schwcrte sich beim Präfetten gegen diesen Mißbrauch einer religiösen Einrichtung. Die Beschwerde war jedoch vergebens, weshalb der Präsident am Sonntag vormittag in der Pfarrkirche in Bozen von der Kanzel herab öffentlich und feierlich Protest gegen diesen Mißbrauch erhob; der„Katholischen Aktion" sei von den Flugzetteln überhaupt nichts bekannt gewesen. Von einem Wahlgeheimnis war keine Rede, da die Zettel mit dem„Ja" die Farben der Triko- lors trugen, während die anderen Zettel weiß waren. In den einzelnen Orten wurden die Landwirte sowie die Ge- werbetreibenden ausgefordert, zur Entgegennahm« wichtiger Mit- teilungen zu einer bestimmten Stunde in die G e m e i n d e k a n z- leien zu kommen. Das Nichterscheinen sollte strengstens bestraft werden. Als die Vorgeladenen hinkamen, wurden sie g e z w u n- gen, zur Wahlurne zu schreiten. Arbeitslose und Llnternehmer. Ein gedeckter Mckzug. Di« Dereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, oder viel- mehr dessen Syndikus und Sachbearbeiter in Fragen der Arbeits- losenversicherung, Dr. E r d m a n n, hat sich genötigt gesehen, als Antwort auf die Pressekonferenz des Allgemeinen Deutschen Ge- wsrkschaftsbundes in der vorigen Woche, die Presse zu gestern nach- mittag einzuladen, um ihr Auskunst über die Absichten der Unter- nehmer zu geben. Herr Dr. Erdmann hat sehr ausführlich gesprochen. Es sind von den Vertretern der Press« auch viele Fragen gestellt worden, auf die der Vertreter der Vereinigung zu antworten gezwungen war. Faßt man das Ergebnis der gestrigen Besprechung in der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberoerbände zusammen, dann kann man wohl sagen, daß die Vereinigung, nachdem sie einen großen Feldgug gegen die Arbeitslosenversicherung, die Reichs- anslait für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und di« angeblichen Mißbräuche mit der Arbeitslos« nversscherung in- szeniert hatte, sich nunmehr wesentlich rückwärts konzentriert. Wohl hat zum Schluß Dr. Crdinann in Aussicht gestellt, daß die Bereinigung der Deutschen Albeitgebeiverbände in einem s p 2- teren Stadium konkrete Dorschläge machen werde. Wie dies« Vorschläge aber aussehen werden, war aus den Ausführungen nicht zu entnehmen. Es ist jedenfalls eigenartig, daß man einen Feld- zug organisiert und Behauptungen in die Oeffenttichteit lanciert, ohne sagen zu können, was und wohin man will. Der Tenor der Allsführungen des Syndikus der Leremigung war, daß die Arbeitslosigkeit verstcherungstechnisth nicht erfaßt werden könnte. Aber im gleichen Atemzuge erklärte Dr. Erd- maim, daß die Bereinigung keinesfalls die Absicht Hobe, etwa di« Beseitigung der Arbeitslosenversicherung oder auch nur deren grundlegende Umgestaltung zu verlangen. Daß di« Arbeitslosigkeit Versicherung st echnifch-nicht erfaßt werden könnte, begründet« Dr. Erdmann damit, daß das Reich gezwungen fei, in Form von Darlehen oder Zuschüssen zur Finanzierung der Arbeits- losenversicherung beizutragen. Es ist ihm darauf in der Pressekonferenz entgegengehalten worden, daß ja auch bei der Invalidenversicherung das Reich Zuschüsse leiste, ohne daß bisher davon gesprochen ryorden ist, die Invalidenversicherung müsse als Versicherung umgebaut werden. Ohne di« von dem Präsidenten Dr. S y r u p gemachte Fest- stellung, wonach die Reichsanstalt in der Lag« ist, ständig ZstOOstO Arbeitslose zu unterstützen, zu bestreiten, meinte der Syndikus der Bereinigung, daß diese Zahl um etwa 50 000 vielleicht zu hoch gegriffen sei. Nun hat am selben Tage der Direktor des Statisti- fchen Reichsamtes, Professor Wagemann, in einem Vortroge im ADGB., über den wir an anderer Stelle berichten, erklärt, daß man mit einer durchschnittlichen Reservearmee von Arbeitslosen von 500 000 rechneu müsse. Selbst wenn diese Schätzung als optimistisch ai»gef«hen werden sollte, so bleibt doch zwischen dieser Schätzung und den Finanzierungsmöglichkeiten der Arbeitslosen- Versicherung ein solcher Spielraum, daß niemand ernsthaft von einem Bankrott oder von einer. Gefährdung der Reichsanftatt sprechen kann. Dr. Erdmann hat auch ausdrücklich wiederholt betont, daß von der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände niemals von einem Bankrott der Reichsanftatt gesprochen worden sei. Daß aber solche Behauptungen in der bürgerlichen Presse zu lesen waren, ist nicht zu bestreiten. Es ist sicherlich nicht anzunehmen, daß diese Behauptungen etwa von der Reichsairstalt selbst oder von den Ge- werkschaften in die Press« lanciert worden sind. Auch über die„angeblichen Mißstände"— wie Dr. Erdmann selbst sagte- konnte man gestern keinerlei konkretes Material be- kommen. Der Syndikus der Vereinigung stellt« ausdrücklich fest, daß solche Mißstände bei einer neuen Organisation�zunächst nicht zu vermeiden sind, daß auf Antrag des Genossen S p l i e d t und im Einvernehmen mit den Vertretern der Unternehmer der Vor- stand der Reichsanstalt eine Kommission zur Prüfung der angab- lichen Mißstände eingefetzt habe und daß das finanzielle Er- gebnis der Beseitigung der in der Presse so aufgebauschten Miß- stände ganz unwesentlich sein würde. Von dem großangelegten Feldzug gegen die Arbeitslosen- Versicherung bleibt also zunächst nichts übrig. Die„konkreten Vorschläge", die di« Vereinigung später machen will, wird man in Ruhe abwarten können. Aoieiai auch in Braunschweig. Vertagung der Krise. Braunschweig. 26. März.(Eigenbericht.) Am Ilachmiltag nahm der Landlag mit den Stimmen der Sozialdemokratie und der Fraktion der Milte den von der Regierung vorgelegten N o t e t a l sür 132? an. Die Rechts- Parteien enlhiellen sich der Stimme. Ob nach Ostern eine Regierung»- Umbildung oder eine Landtagsauslösung oder eine Neuberatung des Etat» notwendig werden wird, ist Im gegenwärtigen Augenblick noch nicht zu übersehen. Was wird in Württemberg? Kritische Lage nach dem Staatsgerichtsurteil. Stuttgart. 26. März.(Eigenbericht.) Die politischen Auswirkungen der Wahlrechtsentschei- d u n g des Staatsgerichtshofs zeigen sich in Württemberg zunächst in einer großen Beunruhigung innerhalb der Regie- rnngsparteien. Sie findet in der Presse lebhaften Ausdruck. Sehr schwarzseherisch ist das Blatt der Deutfchnationalen, die»Süd» deutsche Zeitung". Sie stellt fest, daß sich die Regierungsbasis nun- mehr auf nur 36 lKaradate von 80 verringert hat. Ob die ver- schiedenen jetzt bestehenden Splittergruppen— Deutsch« Dolkspartei und Christlicher Volksdienst mit je drei, Volksrechtspartei mit zwei Mandaten und Nationalsozialisten mit einem Mandat— der Regierung in Konfliktsfällen die erforderlich« Unterstützung gewähren werden, sieht das Blatt als zweifelhaft an. Es befürchtet daher, daß es zu Neuwahlen kommen könnte, obwohl das verfassungsrecht- lich nicht erforderlich sei. Dos Blatt ttitt daher jetzt für den Zu- sammenschluß aller bürgerlichen Parteien von den Deutfchnationalen bis zu den Demokraten ein. Es wird den Demokraten überlassen werden müssen, sich mit der Einladung zum Eintritt in die Regierung auseinanderzu- setzen. Aber selbst wenn sie sich dazu bereit fänden, blieben doch sehr erhebliche Schwierigkeiten bestehen. Wer garantiert einer so zusammengesetzten Regierung, daß der Bauernbund— ohne den sie keine Mehrheit hinter sich hätte— sich stets für ihr« Politik einsetzen würde? Das erscheint um so zweifelhafter, als der Dauern- bund heute schon gar nicht daran denkt, für di« von seinen eigenen Parteimmistern ring--brachten Vortagen die Miweranttvorttmg zu übernehmen. Das Landesorgan des Zentrums, das Stuttgarter„Deutsche Polksblatt", steht in der Begünstigung der kleinen Splitterparteien durch das Urteil des Staatsgerichtshofs eine Erschwerung der parlamentarischen Arbeit und übt bei diesem Anlaß eine scharfe Kritik am Derhältniswahlsystem überhaupt. Der Grund- satz der größtmöglichen Gerechtigkeit habe hier zu großen Unzu- träglichkeiten geführt. Das Leipziger Urteil gebe der Reichsver- fassung lediglich eine formal-juristifche Auslegung. Darum müsse ent- weder das BerhSltniswahlfystem geändert oder das parlamentarische System in den Ländern eingeschränkt werden. Man darf annehmen, daß die Auseinandersetzungen über diese Fragen im Vordergrund der Etatdebatten stehen werden, die in den Wochen nach Ostern im Landtag beginnen sollen. Bolk richten. Eckener habe daraus gesagt:„Don ungünstigen Winden leider gehindert, Aegypten zu überfliegen, grüßen die Passagiere des „Grafen Zeppelin" von der Schwelle dieses märchenhaften Landes aus das Land und seine uralte Kultur; sie hoffen, daß das nächste Luftschiff, das hierher kommen wird, günstiger« Wetterb«- dinguugen vorfinden möge und dem ägyptischen Volk dos moderne Luftschiff als ein Symbol des friedlichen Verbindungs- mittels zwischen den Völkern zeigen wird." Dr. Eckener meinte, wie dazu berichtet wird, die ungünstigen po l i t i s ch e n Wind«, ein« An- spielung auf das englisch« Verbot der Uebersliegung Aegyptens. (Weiteres siehe Vellage!) Eckener grüßt Aegypten. Funkgrüße an König Fvad. Die politischen„Winde". Kairo, 26. März. Das Luftschijf„Graf Zeppelin" hat vom Toten Meer kommend Port Said erreicht und ist hier zum Rückftuge umgekehrt. Dr. Eckener sandte dem Ministerpräsidenten von Aegypten folgenden Funkspruch: „Die Bemannung und die Passagiere des„Graf Zeppelin" am Rand des Landes der tausend Wunder angelangt, bitten Eure Exzellenz, S. M. dem König Fuad ihre achtungsvollen Grüß« und ihre Glück- wünsche zu Seiner Majestät heuttgen Geburtstag zu übermitteln. S>e freuen sich, bald das Vergnügen zu haben, S. M. als hochwill- kommenen und geehrten Gast in Deutschland begrüßen zu können." Vom Bord des Luftschiffes wird bekannt, daß Dr. Eckener gebeten wurde, er möge auf der Höhe von Port Said, bevor das Luftschiff wieder Kurs nach Haufe nehme,«ine Botschaft an das ägyptische Owen �oung vermittelt. Alliiertenfordernng und deutsches Angebot. Paris, 26. März.(Eigenbericht.) Der amerikanische Delegiert« Owen Doung, der die Aus» gab« des Schiedsrichters mit viel Umsicht zu bewältigen sucht, be- müht sich, die Alliierten zu weiteren Abstrichen und die Deutschen zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen, um zu einer An« Näherung zu gelangen, die ein« Diskussion im Plenum e r° möglicht. Unter den alliierten Delegierten hat die Meinung he- standen, Dr. Schacht werde von seiner Berliner Reise mit neuen Vorschlägen zurückkommen. Auch Poung verlieh dem Ausdruck, als er in der Polloersammlung am Montag sagte, ihm scheine nunmehr der Augenblick zur Diskussion der Anzahl und Höhe der deutschen Jahreszahlungen im Plenum gekommen. Hierauf erfolgte jedoch peinliches Schweigen, und Doung sah sich daher genötigt. die Sitzung aufzuheben. So groß auch gegenwartig noch der Abstand zwischen den Forderungen der Alliierten und dem deutschen Angebot ist, so besteht doch allgemein die Hoffnung, daß es nach Ostern zu einer Einigung kommen wird. Kochs Heimgang. Große VeieiligungderBevölkerung-po!ncar6sTrauerrede Paris. 26. März.(Eigenbericht.) Am Dienstag fand im Inoalidendom die Bestallung des Marschalls F o ch unter gewaltiger Betelligung der Bevölkerung statt. Schon vom frühen Morgen an hatten dichte Menschenmengen an den Straßen und Plätzen Aufstellung genommen, durch die der große Leichenzug seinen Weg nehmen sollte. Um 3 Uhr begann die Totenfeier in der R o t r e D a m e-K i r ch e, wo der Sarg aufge- bahrt war, in Anwesenheit des Präsidenten der Republik, des eng- lifchen Thronfolgers, des Prinzen Karl von Belgien, der Mitglieder der Regierung und einer imposanten Anzahl offizieller Persönlich- leiten des In- und Auslandes. Die Geschäfte blieben geschlossen. Zahlreiche Häuser hatten Halbmast geflaggt. Der Zug setzte sich noch 10 Uhr in Bewegung. Vor dem Sarge, der auf einer von sechs Rappen gezogenen Lafette ruhte, marschierten in langer Rehe Ab- Ordnungen aller französischen Truppenteile sowie die zur Bestattung kommandierten Detachements der Alli- iertcn. Dem Sarge folgten di« Mitglieder der Familie sowie der Präsident der Republik, der englische Thronfolger und die anderen offiziellen Persönlichkeiten. Vor dem Inoalidendom hielt Ministerpräsident P o i n c a re eine Rede, in der er ausführlich den Lebens« gang und die Verdienste des Marschalls würdigte, der niemals etwas anderes als seine Pflicht habe wn wollen und sogleich nach Beendigung seiner Aufgabe Niederlegung der Wasfen empsoh'en habe. Dann folgte im Dom die Bestattung an der Seite Na- p o l e o n s, aus die laut Gesetz alle Generäle Anspruch haben, die im Kriege«ine Armee befehligten. Der einstige Lberkommon- deur der Ortentarmee General S e r r a i l wird am Mittwoch gleichfalls im Inoalidendom beigesetzt werden. Einige taufend ehemaliger Frontkämpfer veranstalteten vor der Kammer eine stürmische Manifestation, da sie wegen mangelhafter Anordnungen keine Plätze auf den Tribünen erhalten hatten. Za Moskau wird jetzt nach der Brotkarte auch die Zucker« kort« eingeführt. Die werklälige Bevölkerung soll darauf 2 Kilo- gronim Zucker monatlich pro Kopf erhalten können. Die Zucker- oorräte Moskaus reichen sür etwa vier Wochen. / Der Eindruck in Amerika. �Seltsame Leute, diese Germans? Erfinden ständig neue Methoden, sich bei uns zu blamieren.' Wo kann gespart werden? Anmerkungen zum Reichshaushalt. Die Beratungen im Haushaltausschuß des Reichstags über den Reichsetat 1929 sollen erst am 9. April beginnen. Man hofft, daß sich bis dahin die politische Situation geklärt hat und daß Mlndestens in groben Umrissen ein« Derstimdigung zwschen den die Regierung stützenden Parteien über den Inhalt des neuen Etats gefunden fft. Um diese Verständigung zu erzielen, haben in der letzten Woche verschiedentlich Besprechungen stattgefunden. Bisher fft in ihnen aber kein Ergebnis erzielt worden, das den Gang der Ereignisse wesentlich beeinflußt. Nach wie vor gilt es, erstens die Schwierigkeit zu überwinden, die durch das Ausscheiden des Zentrums aus der Reichsregierung hervorgsmfen wurde und zweitens, die Deutsche Volkspartei von ihrem Ultimatum abzubringen, das verlangt, daß der Etat mir durch Abstrich« und ahn« neu« Steuern verabschiedet wird. Die bis jetzt geführten unverbindlichen Besprechungen zeigen nämlich die U n du r ch f ü h rb a r k« i t dieser Forderung der Deutschen Volkspartei. An Abstriche in Höhe von 389 Millionen fft nicht zu denken. Auch der ernsteste Wille zur Sparsamkeit findet dort eine Grenze, wo gesetzliche oder sachliche Schranken sich als unübersteigtw erweisen. Zwar weist der Reichsetat Gesamt- 'ausgab« n in Höhe von rund 19 Milliarden Mark auf. Aber man vergißt zu leicht, daß der größte Dell dieser Ausgaben Zwangs. läufig ist und für Ersparnisse kein« Möglichkeit bietet. Um das zu begreifen, muß man sich immer wieder vergegenwärtigen, daß von den zolin Milliarden nicht nur 3'A Milliarden an Länder und Gemeinden fließen, sondern auch weitere 3A Milliarden an inneren und äußeren Sriegslasten aufzubringen sind. Und zwar erfordern die ReparationSlasten(ohne die 960 Millionen aus der Reichsbahn und der Jndustriebelastung) 1ö49 Millionen, die Versorgung der Kriegsteilnehmer 1672 Millionen und die anderen inneren Kriegslasten 271 Millionen. Außer diesen 7 Milliarden Mark aber sind auch noch die Ausgaben für die V e r- z i n su n g und Tilgung der Reichsschuld mit 43S Millionen und die Kosten für die Finonzverwaltung mit 515 Millionen zwangsläufig und unabänderlich. Diese Ausgaben allein erfordern alfo rund 8 Milliarden Mark, so daß für alle übrigen Ausgaben des Reiches nur knapp zwei Milliarden zur Verfügung stehen. Heer und Marin« allein erfordern rund 759 Millionen, die Sozial- ausgaben rund 799, für wirtschaftliche Zwecke werden 249 Millionen ausgegeben, so daß für all« übrigen Bsr> waltungszweck« des Reiches nur noch ein Rest von rund 399 Millionen übrig bleibt. Gewiß kann an diesen Ausgaben erheblich gespart wenden. Das «filt m erster Linie von den militärischen Ausgaden, bei denen selbst dann einige Dutzend Millionen sich ersparen liehen, wenn die Größe der Reichswehr von 199 999 Mann und der Marine von 15 999 Mann unverändert bleibt. Auch bei dem Etat des Reichsverkehrsminffteriums sind Ersparnisse möglich und zweck- mäßig. Der Luftverkehr, der bisher etwa 59 Millionen Mark Reichsgelder verwirtschaftete, hat sicherlich in diesem Ausmaß keine Berechtigung. Auch bei den Wasserstraßen lassen sich Erspar- nisse erzielen. Ein« weitere Möglichkeit, die Ausgaben zu verringern, ist die Herabsetzung der Beträge, die den Rcichsministern als F o nd s zur Verfügung stehen und Suboentivnen an Organisationen oder Einzelpersonen enthalten. Auch an einzelnen sachlichen Zwecken braucht durch Ersparnisse keine Verletzung der Allgemeininleressen einzutreten. Aber bei allen diesen Erfpornisien muß man sich immer wieder fragen. ob der finanzpolikische vorkeil größer ist als der volkswirtschaftliche Nachlei l. Wenn man z.B. die MittÄ für einen angefangenen Bau streicht. der dann im nächsten Jahr weitergebaut werden muß, so hat rnaiT kein« wirklich« Ersparnis erzielt. In verstärktem Umfang gilt dos von dem Vorschlag«, die Mittel für die produktiv« Erwerbslosen- fürsorge zu streichen. Da mit diesen Mitteln Werte hergestellt werden, so ist dieser Borschlag, der aus antisozialer Gesinnung her- vorgeht, zugleich unsinnig. Dasselbe gilt von den Vorschlägen, an den übrigen sozialen Ausgaben zu sparen. Dadurch werden letzten Endes keine Ersparnisse erzielt, sondern nur Not und Elend ver- größert. Vergegenwärtigt man sich diese sachlichen Schwierigkeiten bei der Kürzung der Ausgaben des Reiches, so kann man sich nicht darüber wundern, daß selbst bei der strengsten Anwendung von Sparsamkeit sich kaum größer« Ersparnisse erzielen lassen äls 199 bis 129 Millionen Mark. Aber auch dieser Betrag wird nur erreicht werden, wenn der größte Teil davon eingespart wird bei den Zlusgaben für militärische Zwecke und für den Luft- o e r k e h r. Die Sozialdemokratie ist zu solchen Streichungen, bei denen die finanziellen Vorteile ganz offensichtlich sind und die keinerlei oder nur gering« Nachteile volkswirtschastlicher Art noch sich ziehen, durchaus bereit. Sie wird deshalb auch in den Be- sprechungen, wenn sie nach Ostern ihr« Forffetzung finden, alles aui das ernsthafteste prüfen, was zur Erleichterung der Verabschiedung des Etats beitragen kann. Sie kennt für ihr Entgegenkommen bei Erfparnisien nur ein« Grenze: das Wohl der Massen de» Volkes, dos ein« Einschränkung der sozialen Aufwendungen der öffentlichen Körperschaften nicht verträgt. Paul Hertz. Die Hugenbergiade. Allgemeine Ablehnung.~ Oentschnationale Verlegenheit. Während die ganze deutsche Presse, soweit sie nicht deutsch,.national" ist, den propagandistischen Ausflug Hugen- bergs nach Amerika aufz schärfste mißbilligt— sogar Zentrum und Bolkspartei find da wieder einmal ganz einer Mei- nung—. zeigt die deutschnationale Prefle durchaus keine Neigung, sich mit dieser Angelegenheit weiter zu befassen. Auch die„Deutsche Tageszeitung, die im ersten Schreck eine .ernsthafte" Kritik angekündigt hatte, bleibt stumm. Sie begnügt sich damit, eine amerikanische Pressestimme zu zitieren, die allerdings mit besonderer Sorgfalt ausgewählt ist, nämlich die der„New Dork Times", wo über die Deutsch- nationale Partei gesagt wird: Di« Partei leidet an extremen Tendenzen ihrer Führer. Zahlreiche Deutsch« sympathisieren mst ihren Zielen, mißbilligen aber ihre Methoden. Die Deuffchnationale Partei hat kein Monopol zur Beschützung von Teuffchlarrds Interessen. Es wäre nicht menschlich seitens der wirklichen deutschen Führer, irgendeine Gelegenheit zu übersehen, einen Druck zwecks Herabsetzung der Schulden Deutschlands auszuüben, aber diejenigen. die am lautesten dies« Politik befürworten, zeigen sich häufig höchst unklug bei dem Versuch, sie auszuführen. Der„New Pork Times" hat ein Gott gegeben auszu- sprechen, was die„Deutsche Tageszeitung" leidet. » Auch abgesehen von dem Artikel der„New Park Times" ist das Auslandsecho überaus unfreundlich. Wenn„Herald and Tribun«" ihrer Kritik die Ueberschrift geben„Taktlose Propaganda". io Ist damit schon alles gesagt. Dieses New-Dorker Blatt begnügt sich aber nicht damit, sondern spricht auch von„Torheit" und„Un- verschämtheü". Sachlich stellt es fest, daß die Aktion Hugenbergs den politischen und finanziellen Kredit Deutschlands zu Amerika ernstlich schädigen müßte— wenn sie ernst genommen würde. Di« Deutschnationalen werden also schon bitten müsien, man möge ihren Führer lieber nicht ernst nehmen! Auch der Pariser„Temps", der«in vortreffliches Gefühl für alles hat, was Deuffchland schadet, beschäftigt sich mit dem Hugen- berg-Lrief auf das ausführlichste. Er kommt zu der Schlußfolge- rung, daß es der deutschen Demokratie offenbar noch nicht gelungen sei, die reaktionär« Gefahr zu beschwören. So zeigt die Haltung auch der Auslandspresse, daß Herr Hugen- berg als Meister in der Kunst, auswärtiges Porzellan zu zerschlagen, die Erbschaft Wilhelms II. angetreten hat. Ein echier Hohenzoller! Die feinere Familie. Die demokratische„Ulmsr Abendpost" berichtet über eine Stahl- Helmseier m Ulm. bei der der vierte Sohn des Cxkoffers, August Wilhelm, genannt Auwi,«ine Rede hielt. In dieser Rede, die von etwa 299 Personen gehört wurde, hat der Prinz noch derselben Quelle u. a. ausgeführt. sein Haus fei 599 Zahr« all, da» fei doch etwas an- der es. als beispielsweise die Persönlichkeits Eberl», von dem man nicht wisse, vb feine Großeltern iw Zu cht hau fr «lesesfea hällea. Die„Ulmer Abendpost" bemerkt dazu, Cbert Hab« im Kriege -we: Söhne verloren, während das Haus Hohenzollern sich immer sorgfältig zu schonen und zu erhalten gewußt hätte. Wenn August Wilhelm die ihm zur Last gelegte Aeußerung wirtlich getan hat, so kann man nur sagen, daß er sich damit als ein echter Hphenzoller erwiesen hat. Er beherrscht die Me- »Hobe, mit der sein Papa und sein ältester Bruder dem deutschen Volke die Ueberzeugung beibrachten, daß aus dieser Familie ein vernünftiges und taktvolles Staatsoberhoupt nicht mehr zu erwarten sei.' Herr v. Hindenburg erfährt aber noch einmal, wie die Erklärungen zu bewerten sind, mit denen ihn die Stahlhelm- z ü h r e r davon abhielten, seine Ehrenmitgliedschast in dieser Or- ganisation aufzugeben. Giahlhelm-Gorgen. Er möchte gern, aber das Geld fehlt. Der Stahlhelm erteilt bereits Anweisungen an seine Ortsgruppenführer zu jenem Volksbegehren, über das man nun Ichon so viel gehört hat, nur nicht einen Termin, an dem die 'Attacke gegen der Weimarer Verfassung beginnen soll. In den„An- Melsungen" wird das Volksbegehren als eine günstige Gelegenheit bezeichnet,„die wahren Freunde von den falschen zu unter- scheiden". Die Durchführung des Volksbegehrens kostet— nach eigenen Kalkulationen des Stahlhelms sieben Millionen Mark. Ob die Herren Seldt« und Düsterberg so viel„wahre F r e u n de' entdecken werden, um diesen Betrog aufzubringen? Wir sind recht gespannt, da erfahrungsgemäß der Haß gegen Marxismus und Republik selbst vor dem„nationalen" Geldbeutel aufzuhören pflegt. Kommunisiengerede um Schulz. Ein Gnadengesuch an den preußischen Landtag. In sensationeller Aufmachung bringt ein kommunistisches Boulsoardblatt die Meldung, daß der Femeoberleutnant Schulz demnächst„durch eine Aktion des preußischen Rechtsaus- schusses endgültig aus der Hast entlassen werde". Wie wir hierzu von unterrichteter Seite erfahren, handelt es sich um phantasicoolles Gerede zu der seit langem bekannten Tat- fache, daß Schulz durch seinen Rechtsbeistand, Professor Grimm, ein Gnadengesuch an den Preußischen Landtag gerichtet hat, das vom Rechtsausschuß am 9. und 19. April berätsn werden wird. Es ist dies ein Gnadengesuch, wie deren jährlich Hundertc dem Landtag vorliegen: nur hat der Borsitzendc des Rcchtsausschusses, der volksparteilicho Abgeordnete E i ch h o f s, in Anbetracht der politi- jchen Bedeutung des Falles und der zu erwartenden ausgiebigen Debatte für dieses Gesuch, eine längere Berat ungszcit m Aussicht genommen, als sie sonst üblich ist. Zum Berichterstatter wurde der vollsparteiliche Abgeordnete Dr. Kriege bestellt. Auch hier ist der ständigen Uebung entsprochen worden, die Berichterstattung einer dem Gesuchssteller wohlwollenden Persönlichkeit zu übertrogen. Wenn das kommunistische Boulevardblatt über diele Tatsachen lünaus behauptet, daß ein Erfolg des Gesuches im Rechtsausschuß und danach im Plenum im Sinne einer sofortigen Begnadigung de« Schulz bereits gesichert sei, so sind das Hirngespinste. Aus den Debatten zum Iustizhaushast weiß man allerdings, daß die Rechtsparteien ziemlich geschlossen für eine Begnadigung des Schuh; eintreten werden. Dagegen ergibt die bloße Tatsache, daß das Gesuch des Oberleutnants Schulz den Landtag beschäftigt, schon, daß es— gemäß dem Geschäftsgebrauch— zuvor vom Justizministerium abschlägig beschieden worden ist. Im Justizministerium steht man auf dem Standpunkt, daß das Schwur- gerichtsurteil gegen Schulz durchaus nicht so brüchig und so schwach fundiert ist, wie es die Verteidiger des Schulz in zahllosen gedruckten Schriftsätzen und Reden behaupten. Da sicher anzunehmen ist, daß das Justizministerium für seinen Standpunkt stichhaltige Gründe hat, so besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß diese Gründe sich bei der Mehrheik, namentlich bei der Regierungskoalition durchsetzen werden. Richtig ist allerdings, daß die rechtspolitischen Freunde des Schul; eine ungeheure Agitation für seine Freilassung entfalten. Es wurde schon im Landtag darauf hingewiesen, daß die Fürsprecher des Schulz auch Persönlichkeiten gegnerischer Parteien besuchen und um- zustimmen suchen, daß z. 58. der Major Buchrucker zweimal persönlich ein sozialdemokratisches Mitglied des Rechts- ausschusses aufgesucht hat. Als positiver Erfölg dieser Bemühungen ist jedoch bisher nur der Oefsentlichkeit bekannt geworden, daß der kommunistische Rechtsanwalt Appel, der Verteidiger des Max H ö l z, öffentlich für Schulz eingetreten ist. Theaierskandal in Kassel. Bei der Erstaufführung des„N a ch i o l g e Christi- Spieles" von Meli, dessen Apostelspiele bereits über zahlreiche Bühnen gingen, kam es im Kasseler Staatstheater zu einem Skandal. In dem Spiel wird ein Schloßherr von einer Räuberbande überfallen und ans Kreuz geschlagen. Bei Beginn dieser Kreuzigungxszen- verließ ein großer Teil des Publikums unter aiihallenden Protestrufen das Theatsr. Man verlangte stürmisch das Heruntergehen des Vorhangs. Erst nach begütigendem Einspruch des anderen Testes des Publikums und der Darsteller konnte das Spiel beendet werden. Gegen Landtagsobstruktion. Grundvermögens« und Hauszinssieuer genehmigt. Der Ständig« Ausschuß des Preußischen Landtags nahm am Dienstag die von der Regierung vorgelegten Rotoerord- nungen zur Verlängerung der Grundvermögens st euer und der H a u» z i n s st e u« r mit 15 gegen 14 Stimmen an. Die Notverordnungen haben für ein Jahr Geltung. Di« Deutschnationalen bemühten sich ohne Erfolg, die Geltungsdauer auf ein Vierteljahr zu beschränken. Im Verlans der Debatte wurdest die von der Opposition im Landtag kürzlich geübten O b st r» i- tionsmethoden durch den Fibanzminister Dr. Höpker- 21 f ch o f f und den Abg. H e i l m a n n(Soz.) scharf perurteilt. Dieser hob hervor, die Kommunisten seien bestrebt, die Rechtsparteien zu Herren des Landtags zu machen. Di« Obstruktionen würden sehr viel seltener, wenn im Landtag wie in anderen Parlamenten das Fehlen bei namentlichen 'Abstimmungen mit Diätenentzug bestraft würde. Die Vertreter der Deutschen Volkspartei suchten ihre Teilnahme an den Obstruk- tionsmanöoern mit dem Hinweis zu entschuldigen, daß das Zentrum früher in einer anderen Frage ebenfalls obstniiert habe. Der Ständige Ausschuß genehmigte in der gleichen Sitzung die neue.Notverordnung über die Staatsoorbehalte an Kohlen» und Erdölvorkommen in der Lausitz, der Provinz Brandenburg und den benachbarten Gebieten. Ertrankung des Kanzler». Reichskanzler Müller ist an sin« leichten Gallenofsektion erkrankt. Es ist jedoch zu erwarten, daß er in den nächsten Tagen bereits wieder ganz hergestellt fein wird. Reichskaafereuz der Arbeiterwohlfahrt. Am 27. und 28. März tagt in Frankfurt am Main die Reichskonferenz der Ar- beiterwohlfahrt. Bereits im Laiffe des Dienstag, sind die Delegierten aus allen Testen Deuffchlands dort eingetroffen. Wer soll die Gewerkschaftskampfe fuhren? Oie Angst der Kommunisten vor der eigenen Ltnsähigkeii. Anläßlich des Ausganges der Vetriebsrätewahlen bei der Der- liner Verkchrs-A.-G. sahen sich die freien Gewerkschaften gezwungen, die Frage zu erörtern, ob sie noch weiterhin die Mantel- und Lohntarifverhandlungen für die Berliner Verkehrs- arbeiter führen oder ob sie das den n e u g e w ä h l t e n„r e o o- lutionären" Betriebsräten überlassen sollen. Di« freien Gewerkschaften, die bisher die Träger der Tarife waren, hatten deshalb die Gewerkschaftsfunktionäre aus der Berliner Der- kehrs-A.-G. zu Montag abend nach dem Berbandshaus der Metall- arbeiter geladen, um deren Stellungnahme zu dieser Frage kennen zu lernen. Wider Erwarten stellte sich in der ausgiebigen Debatte heraus, daß die Anhänger der„Opposition" aus Angst vor der eigenen Unfähigkeit die Regelung ihrer Lohn- und Arbeits- bedingungen nicht der neuen stalintreuen Betriebsvertrewng über- lassen wollen. Sie oerlangten vielmehr, daß die G e w e r k- s ch a f t e n die Verhandlungen über die Forderuiigen der Verkehrs- arbeiter zum Neuabschluß des Mantel- und Lohntarifes weiter- hin führen sollen. Im Gegensatz dazu war ein größer Teil der„reformistischen" Funktioänr« aus verständlichen Gründen der Auffassung, die Früchte des„roten Sieges" ruhig reifen zu lassen und die Verhandlungen den von den„klassenbewußten Un- organisierten" auf den Schild gehobenen Heilsboten Mostaus zu übertragen. Infolge dieser uneinheitlichen Stellungnahme der Funktionäre vertrat die Ortsverwaltung des Deutschen Verkohrsbundes im Einvernehmen mit den übrigen freien Gewerkschaften den Standpunkt, daß es schließlich auch im Interesse der irregeführten Verkehrs- bsdiensteten, die mehr aus persönlichen, als aus antigewerkschaftlichen Gründen der Liste 5 ihre Stimme gegeben haben, läge, wenn die Gewerkschaften nach wie vor die Tarifverhandlungen mit der Ver- kehrs-A.-G. führen. Hätten die Vertreter der freien Gewerkschaften nicht so eindringlich vor den üblen Folgen eines Beschlusses gewarnt, wie ihn die erdnickende„reformistische" Mehrheit der Funktonäre willens waren zu fassen, wäre zweifellos beschlossen worden, den „revolutionären" Betriebsräten Gelegenheit zu geben, einmal zu zeigen, was sie besser können als die Gewerkschafts, Hureaukraten". Lediglich infolge der Warnungen der Gewerkschaftsvertreter kam mit knapper Mehrheit der Beschluß zustande, den Gewert- schaften auch weiterhin die Führung der Tarisbewegung anzuver- trauen. Wenn man schließlich auch annehmen kann, daß die Anhänger Deters und Genossen mehr aus rem taktischen Gründen die Gewerk- schaften mit der Führung der Torrsbewegung beauftragten, um nachher das, wenn bei den Verhandlungen nicht alles erreicht werden konnte, über„Arbeiterverrat" der Reformisten schreien zu können, so ist es aber dennoch bezeichnend, daß die Kommunisten sich scheuten, das Maulheldentmn in die Tat umzusetzen. Wahl in den Eiemens-Wernerwerken. Freie Gewerkschaften haben die BetriebsratSmehrheit. Die KPD. hütet sich wohl, überall den freien Gewerkschaften bei den Vetriebsrätewahlen Gegenkandidaten entgegenzustellen. Rur dort, wo die Kommunisten und Syndikalisten bisher eine gewisse Rolle gespielt haben und wo daher die Unorganisierten und Gelben einen sehr starken Prozentsatz der Velegschast ausmachen, versucht die KPD. das Bündnis mit den Uuorgamsierlen praktisch zu verwirklichen. So hat die KPD. selbst im Siemens-Konzern bisher nur in den Siemens-Werner-Derken, wo neben einem starte« kom- munistischen Einschlag auch die syndikalistische Union bisher noch einige Bedeutung gehabt hat und wo die Unorganisierte» und Gel- den noch ziemlich zahlreich sind, eine Gegenliste gegen die Liste der freien Gewerkschaften ausgestellt. Lei den Wahlen zum Arbeiterrat erhielten«ach den vor- läusigen Ermittlungen— das Ergebnis der Abstimmung der Won- teure steht noch aus— die Liste 1 der freien Gewerkschaf- ten 7962 Stimmen und 15(bisher 18) Arbellerratsmilglieder und 11 Veiriebsratsmitglieder, die Liste 2 der Gelben 1022 Stimmen, 1(2) Arbeiterratsmltglied und 1 Betriebsratsmilglied, Liste 3 der syndikalistischen Union 542 Stimmen und 1(3) Arbeiter- ralsmilglied. Liste 4 der E h r i st l i ch e n ging mit 424 Stimmen leer aus. Liste 5 der Kommunisten und llnorgaoisier- l e n erhielt 7075 Stimmen und 12 Arbeiterrotsmitglieder und 9 Le- triebsratsmitglieder. Dieser kamen nicht nur die Stimmen der Unorganisierten und Gelben zugute, sondern auch die Stimmen, die bisher zur syndikalistischen Liste„abkommandiert" waren. Soweit sich das Stimmenverhältnis noch ändern kann, wird es zugunsten der Liste 1 der Fall fein. 3m Angestelltenrat erhallen die sreien Gewerk- schaften 11. der GdA. 3, der Dhv. 5 und die sogenannte Rot- gemeinschast 3 Mandate. Das Ergebnis Ist also für die Partei der revolutionären Unorganisierten selbst in diesen Werken nicht gerade überwältigend. Die sreien Gewerkschaften b e h a l l e n im Arbeiter- wie Im Betriebsrat trotz allem für sich allein die Mehrheit. Ergebnisse der Betriebsräiewahlen. Zm Reich für die Kommunisten gleich Rull. Von den Betriebsratswahlen im linksrheinischen Braunkohlengebiet liegen aus acht Betrieben die Ergebnisse vor. In diesen Betrieben erhielten die freien Gewerk- schaften 41 Betriebsräte, die Christlichen 14 und auf einem Werk die Stahlhelmer 2 Mitglieder. Christen und Stahlhelmer haben in fast allen Betrieben an Stimmen verloren. In der Stick st offdüngerfabrik in Knapsack er- hielt di« Liste des Fabrikyrbeiterverbandes von 1367 abgegebenen Stimmen 1186, die Liste der Christen 117 Stimmen und die des Stahlhelms 53 Stimmern Die freien Gewerkschaften er- halten im Betriebsrat 10 Sitze, Christen und Stahlhelmer gehen teer aus. Gegenüber dem Jahre 1328 haben die Christen 43 Stimmen I verloren. Auf dem Kraftwerk in Grevenbroich erhiell> di« Liste de» Fabrikarbeiternerbande» 303 Stimmen. die christlich« Liste nur 137 Stimmen. Der Fabrikarbeiterverband erhält 6 Sitz«, der christlich« Verband nur 2. In allen großen Betrieben der Schuhindustrie Kölns war nur eine f r e i g e w« r t s cha f tl i ch e List« und keine Gegenlist« ausgestellt, so daß alle Vertreter den freien Gewerkschaften zufallen. Die KPD. glänzt« durch Zlbweienheit. Die Arbeiterratswahlen auf dem Werk Lever- kufen-Wiesdorf der I. G. Farbenindustrie, einst eine Do- man« der KPD., hatten folgendes Rbfullat: Für die freien G e- we r ks cha fte n wurden von 4323 abgegebenen Stimmen 3337 gezählt gegen 3714 im Vorfahre. Die christlichen Gewerkschaften er- hielten 1377 Stimmen gegen 1463 im Vorjahre. Auf die freien Gewerkschaften entfallen 17 Sitze gegen 16 im Vorjahre, auf die christlichen 6(im Vorjahr« ebenfalls 6). Die ,.O p p o f i t i o»" hatte, wie auch sonst im Kölner bezirk, keine Liste ausgestellt. Sie gab aber in diesem Werk Stimmzettel aus, wodurch erreicht wurde, daß etwa 160 Stimmen ungültig waren. Bei den Funktionärwahlen der Hamburger Hafenorbeiter sind in 13 Branchen ausschließlich Vertreter der Amsterdamer Gewerkschofts- r i ch t u n g gewählt worden. Wo in einzelnen Positionen noch kommunistisch« Vertreter gesessen haben, wurden auch diese bei der Neubesetzung herausgewählt. Den Abschluß der Wahlen blldete die Neuwohl des Vorsitzenden des Hafen- betriebsrate». der gleichsfalls nur mit Amsterdamer Gewerkfchastsleuten besetzt wurde. Damit ist den Bolsche- wisten je de fr Einfluß auf den izroßen und wickstigen Funk- ftonärkörper der Hamburger Hasenarbeiter, auf dessen Beherrschung sie immer den größten Wert gelegt haben, vollkommen ent- zogen worden. Zur Abwehr und KlarsteNung. Graphische Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen Berlins! Der Porstand der Berliner Ortsverwaltung de» Verbandes der graphischen Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen teilt mit: Seit gesten verbreiten die sich„Opposition" nennenden Kom- munisten in den einzelnen Berliner Betrieben ein mit„Alarm" bezeichnetes Flugblatt. In diesem stellen sie di« Borgänge der Mit- gliederversammlung vom Sonntag geradezu auf den Kopf und be- haupten das Gegenteil von dem. was sich zugetragen hat. Sie sind ober zu feige, die Flugblätter mit ihrem Namen zu decken und benutzen dazu außerhalb des Verbandes stehende Personen. Auf das ganze von„Lüge, List, Verleumdung und Berschweigen der Wahrheit" strotzende Flugblatt wollen wir heute nicht eingehen. sondern unseren Mitgliedern kurz mitteilen, was sich zugetragen hat. Schon bei den Darbietungen des Gesangvereins glaubte der sich „ultrarevolutionär" gebärdende„Säugling" Pfennig durch«inen Aurus:„die International« wollen wir hörenl" sich bemerkbar machen zu müssen. Nachdem über den Entwurf der Statuten- beratungskommisfion berichtet und diskutiert war, wurde von einem Kollegen der Antrag auf Schluß der Debatte gestellt. Ein KPD.- Mann sprach gegen diesen Antrag. Die Abstimmung ergab ein« ungeheure Mehrheit für den Schluß der Debatte. Dieses paßte den„Stalintreuen" nicht in den Kram, weil dadurch ihr Konzept verdorben war. Benutzten sie doch wieder ihre alte Methode und zweifelten die Abstimmung an, verbunden mit einem furcht- baren Indionergeheul und niederträchtigen und gemeinen An- würfen gegen die Versammlungsleitung. Bei der Endabstimmung über das neue Statut wollten sie mit Gewalt ihr Ziel durchsetzen und schrien„die Gegenprobe", bevor der Bersammlungsleiter die Gegenprobe feststellen konnte. Die Abstimmung hat den unzwei- deutigen Beweis erbracht, daß sie allein aus weiter Flur waren. Jetzt setzte ein solcher Tumult und Terror ein, der über alles Maß ging. Der Versammlungsleiter verlangte dreimal, daß die „Opposition" Ruhe und Anstand bewahren soll. Da dies nichts nutzte und an eine ordnungsmäßige Weitersührung der Bersamm- lung nicht zu denken war, schloß der Leiter die Versammlung. Warum geschah das? Um die Versammlung nicht zum Tummelplatz von Radaumachern werden zu lassen. Angewidert von dem Verhalten dieser„Weltrevolutionär«", die seit ein paar Iahren Mitglieder der Organisation sind, verlieh die Kollegenschast die Versammlung und ließ die Krakeeler unter sich. Auf welches Niveau die Versammlung gebracht werden sollte, bewies ein„Revolutionär", indem er nach dem Borstandstisch mit einer Flasche werfen wollte. Jedoch wurde der Plan dieses„Jünglings" von unseren Kollegen vereitelt. Die Berliner Kollegenschaft wird diesen Spuk nicht länger dulden und das, was die„Stalinisten" wollen, weit von sich weisen. Kolleginnen und Kollegen, laßt euch nicht beirren durch die Flug- blätter der sich„Opposition" nennenden„Kapedisten". Oer Konflikt im Nuhrbergbau. Arbeitsleistung und Lohn der Bergarbeiter. Der Z e ch e n v e r b a n d hat die Gelegenheit der Presiekonfe- renz in ber Vereinigung der Deutschen Arbeikgeberverbände benutzt. um die Presse nach semer Art zu informieren. Der Zechenverband ver- sucht die Dinge so hinzustellen, als habe er ganz offen und rückhalt- los seine Selbstkosten dargelegt und sich darüber hinaus bereit er- klärt, durch eine Kommission von Sachverständigen diese Selbst- kostenberechnung nachprüfen zu lassen. Dieser Vorschlag, der vom Reichsarbeitsminister und dem Reichswirtschastsminister gemacht worden ist, sei aber von den Gewerkschaften abgelehnt worden. Die Gewerkschaften verlangten einfach eine Lohnerhöhung, ganz rück- sichtslos, ob die Zechenbesitzer das bezahlen könnten. Schließlich wurde gar noch mitgeteilt, daß der Zechenverband wahrscheinlich das Arbeitszeitabkommen gleichfalls kündigen werde, um ein langfristiges Abkommen sowohl über Arbeitszeit wie über Löhne zu erhalten. Nun liegen die Dinge totsächlich so, daß, wie auch die Unter- nehmer in jener Konferenz im Reichsarbeitsministerium nicht bestritten haben, die Arbeitsleistung seit Abschluß des letzten Lohntorifs ganz erheblich gestiegen ist. n i ch t aber find gestiegen oder jedenfalls nur ganz unwesentlich die Löhne. Die Frage ist nun, ob die Bergarbeiter einen Lohnanspruch aus ihre gesteigerte Arbeitsleistung haben oder ob man zunächst u n- b e f r i st e t eine Kommission beaustragen soll, Untersuchungen anzu- stellen, ohne daß die Löhne der Bergarbeiter aufgebessert werden. Die Bergarbeiter haben auch keinessalls, wie gestern wieder be- hauptet worden ist, eine Nachprüfung der Selbstkostenberechnung ab- gelehnt. Sie haben im Gegenteil seit Jahren diese Nachprüfung der Selbstkosten gejordext. Sie haben ausdrücklich in jener Kon- ferenz vorgeschlagen, den R.e i ch» ko h l e n.r a t mit der Unter- juchung zu betrauen. Aber der Reichskohlenrat behagt den Zechen- befitzern nicht. Die Revision der Löhne wird also, wenn es nicht anders geht, im wirtschaftlichen Kampfe vorgenommen werden müssen. f Freie Gewerkfchasts-Jugend Groß-Verlin Mittwoch. ISVi Ubr. tagen die Snippcn: Zentrum: Jugendheim Zehdenicker Str. 24—25. Vortrag:„Die Entwicklung der deutschen©e. werlschasten."— Weißensce:©runpenheim Weihen see, Partftr. S-i. Lichtbildervortrag: ,.Da» Riesengebirge.�— Reotölln: Iuarndheim Bergstr. 2g (iof). Lichtbilderoortrag:„Der Har,."—«»den, Sadwesten: Liiidt. Jugend- heim Horckstr. U tffabrikgedäude). kliirjreserate: Freuden und Leiden unseres Berufes."— Banmfchulcnseg: Jugendheim Baumschulenweg. Ernststr' 16. JTideler Abend.— Achtung, heut« Spr-chstund». Di« IuS-ndzeniral- ist heute von 1k— IS Uhr geosfnet.— Achtung! Besucht dt- Ausstellung„Wien im Bild" im Gefundheitshaus Kreutberg. Am Urban IK— U. Geöffnet bis tum Zl. Märt werktags von S— 21 Uhr, Sonntags von 10—14 Uhr. Eintritt frei. Iuaendaruppe des Lentraiverbandesi der Anoeflellten Heute, Mittwoch, finden folgend« Veranstaltungen statt: Sefurh. brunnen: Jugendheim SchSnstcdtstr. I iLcdig.'nhcim). IZortsehung de» Portroges:„Mgderne Er�ehung." Aeferenr Martha Schultze-Frenbel.— Osten: Jugendheim Schule Litauer Str. IS.„Stegreifspieic und Brettspiele." Stralau: Jugendheim der Schule Gohlerstr. kl. Vortrag:„Die weltlich- Schule." Referent Friedrich Weigelt.— Rentölln: Jugendheim BSHmische Str. l— 4.„Der »ergangene Reichsiugendtog in Frantsurt o. M.— der lammende Gaujug.'nd- tag in Neustrelist."—«üdoft: Jugendheim Wrangclstr. l2S. Kurzreferate.— Spandau: Jugendheim Lindcnuser 1.„Die Entwicklung des Vcrtehrswcs:ns." Referent Kollege Lotterer.— Potsdam: Jugendherberge Rowawes, Priester- strahe. Vortrag:„Fritz Reuter." Referent Arthur Rachow._ Vrrantworllich stlr Politik Dr.«urt©euer: Wirtschaft:©. Klinqelhif-r: Gevarklchaslsbewegung: Z. Steiner! Feuilleton: Dr. John Schilow,k>! Lolale, and Sonstiges: Fei» Kueslädt: Anzeiaen: th.»I»«e. lämtlich IN Berlin «erlag:«orwärt�Vrriag© m d S. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlaasonstall Paul Singer u?o Berlin SW 6S Lindcnstratze» Hier,» 2 Beilagen und.Unteehaltuug uud Wissen". Auf jedes halbe Pfund Osterbaffee in festpacbung 2u QQO• Q.00 Oden 19° Hanta 2 gefüllte Ostereier ßeichelf Kaffee— den l/affee fun die Festtage! Nr. 446-» 46. Jahrgang*1« �66 Mittwoch, 27. März �S2S Oer Brand t Am späten Aachmittag gelöscht.— � Hamburg, 2K. März. Am späten Nachmittag ist das Feuer auf der „Europa" bis auf einige geringfügige Glimm- «est er gelöscht worden. Eingehende Feststellungen von Ingenieuren der Werft und der Reederei haben gezeigt, daß die Feuerschäden erfreulicherweise doch geringfügiger sind, als ursprünglich angenommen werden mußte. Außer den Kessel- und Maschinenanlagen und dem gesamten Hinterschiff mit allen Einrichtungen sind auch das Unterschiff und die unteren Decks fast in der ganzen Länge sowie das Vorschiff vomFeuerver» schont geblieben. Mit den Aufräumungsarbeiten ist sofort begonnen worden. Von einem Totalverlust des Schisfes kann demnach also keiue Rede sein. Das brennende Wrack. Um 4 Uhr nachmittags brannte die„Europa* noch immer. Nach Mitteilung der Direktion der Werft von Dlohm u. Voß wird sich eine zumindest vorübergehende Einstellung des Baubetriebes nicht vermeiden lassen. Die 3000 Arbeiter. die bis gestern auf dem Schiff beschäftigt waren, mußten einstweilen nach Hause geschickt werden. Gegen Mittag war die Feuerwehr, die wieder an Bord arbeitet, mittschiffs etwa zur Höhe des großen Schornsteins vorgedrungen. Die Mannschaften mußten natürlich in den einzelnen Docks getrennt vorgehen. Das Schiff, das infolge der enormen Wassermengen im Schiffsrumpf, wie bereits gemeldet, Schlagseite hatte, halte sich inzwischen sicher im Schlick festgesetzt. Es sind nurnnehr die Bodenoentile geöffnet worden. Auch äußerlich bietet da« Schiff jetzt den Anblick eines Wracks. Ein Teil des Oberdecks zwischen den beiden Schornsteinen ist in sich zusammengesunken. Die Plattengänge der Außenhaut sind durch die Glut ausgebeult, und zwar derart, daß teilweise die Ver- Nietung gerissen ist. An vielen Stellen sind die Versteifungen des Schiffsrumpfs unter der Einwirkung der Glut auseinandergebrochen. Mehrere Feuerwehrleute sind im Lauf der Löfcharbeiten an Rauchvergiftung ertrankt. Dagegen sind, soweit bisher festgestellt werden tonnt«, Arbeiter nicht verletzt worden. Lleber die Entstehungsgeschichte des Brandes wird noch bekannt, daß nach übereinstimmenden Berichten das Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig zum Aus- bruch gekommen ist, so daß Kurzschluß als Brandursache wohl schwerlich in Frag« kommt. Man war mit den letzten Arbeiten in den Maschinenräumen und mit den ersten Einbauten für die innere Ausstattung der Wohn- und Gesellschaftsräume beschäftigt. Arbeiten, die größtenteils des Nachts ruhen, während tagsüber 16 Stunden, d. h. in zwei Schichten gearhettet wird. Um 1 Uhr früh haben die Bord- «ach« und der an Lord postierte Feuerwehrmann der Werstfeuer- «ehr nach ihrer eigenen Aussage nach den vorgeschriebenen Rund- gang durch das Schiff gemacht und nicht die Spur eines Brandes oder Brandgeruches entdeckt. Kurz oor 2 Uhr früh zeigten sich mitt- schiff« plötzlich die ersten Flammen. Die„Europa* war durch die Werst bei fast allen beut» scheu Bersicherungsgefellschaften versichert. An der Rückversicherung sind auch ausländische Gesellschaften beteiligt. Maschinenanlage unversehrt. ' Wie der Norddeutsche Lloyd zum Brand der„Europa* mitteilt, war die Kammeranlage des Schiffes im Rohbau auf- gestellt. Bon den Saloneinrichtungen und von der inneren Kannnereinrichtung war nichts an Bord. Die Kammerwände er„Europa". ein Totalverlust des Ozeandampfers. haben im Mittelschiff an den Seiten Feuer gefangen und sind mit allen schon verlegten Rohr- und Kabelleitungen zerstört. Hierbei ist die Eisenkonstruktion der Ausbauten des Schiffes in Mitleiden- fchaft gezogen. Der hintere Teil des Schiffes sowie die gesamten waschinen- und kesselanlagen sind vom Feuer verschont geblieben. Durch die bei der Bekämpfung des Feuers aufgewendeten Wasser- mengen hat sich der Tiesgang des Schiffes so vergrößert, daß es nunmehr auf Grund liegt. Eine Kentergefahr für das Schiff besteht nicht. Inwieweit alle Eisenkonstruktionsteile des Schiffes durch den Brand der Holzeinbauten gelitten haben, bleibt noch weiteren Untersuchungen vorbcholten.. Der Gesamtfchaden Ist durch Versicherung gedeckt und das Feuer so weit bekämpft, daß«in« Gefahr für das Schiff nicht mehr besteht. Die Kriminalpolizei fft eifrig mit der Ermittlung der Brandursache beschäftigt. Di« Unter- suchungen gehen dahin, festzustellen, ob eine der Schiffswachen heut« früh mit der brennenden Zigarette den neu gelegten Gummiüber- zügen der Trepp« zu nahe gekommen ist und so den Brand verursacht hat. Andererseits wird auch die Vermutung einer Brandstiftung ausgesprochen. Wie verlautet, wird der Norddeutsch« Lloyd auf die Ermittlung der Brandurfache eine Belohnung aussetzen. Wieviel Leute bei dem Aufkommen des Brandes auf dem Schiff beschäftigt waren, hat sich zurzeit noch nicht feststellen lassen. Die„Europa* ist, wie mitgeteilt, einer der beiden Riesendampfer, die der Norddeutsche Lloyd im Frühjahr vorigen Jahre» für sein« Nordatlantikfahrt in Bauauftrag gegeben hatte. Während die „Bremen* im August vorigen Jahres auf der Weserwerst in Bremen vom Stapel gelaufen ist, erfolgte der Stapellauf des Schwesterschiffes „Europa* einen Tag später auf der Werst von Blohm u. Boß°n Hamburg. Wie bereits gemeldet, sollt« die„Europa* Anfang dieses Jahres zu ihrer ersten Reise ausfahren. Aoch Eis auf Spree und Havel. Trotzdem Aufnahme des Personendampferverkehrs. Während in früheren Jahren bereits Anfang März der Personendampferverkehr auf Spree und Havel einsetzt, liegt jetzt noch aus den Seen eine starke Eisdecke, so daß am letzten Sonntage auf dem Wannsee sogar noch Segelschlitten beobachtet werden konnten. Seit Bestehen der Perfonendampfschiffahrt— also fett rund 36 Jahren— wird in diesem Jahre zum ersten Mal« auf den Gewässern der Spree und Havel zu Ostern noch Eis stehen. Um zu Ostern den Dampferverkehr durchführen zu können, ist die Stern- und Kreisschiffahrt jetzt dabei, mit Eis- brechern die Seen aufzubrechen. Auf der Havel wird gegenwärtig der kleine und große Wannse« sowie der Griebnitzsee ausgebrochen i voraussichtlich wird auch durch das Eis des Schwielowsees eine Fahrrinne gebrochen werden, so daß zu Ostern der Verkehr zwischen Wannse«— Potsdam— Ferch durchgeführt werden kann. Auch der Tegeler See soll zwischen Tegel und Tegelort ausgebrochen werden. Auf der Oberspre« und der Dahme ist der Verkehr bis Grünau möglich. Zu Ostern wird die Dahme jedoch bis Schmöckwitz befahrbar fein. Osterkonzert des Neuköllner Reichsbanners. Das Musikkorps Reichsbanner Neukölln veranstaltet gemeinsam mit dem Gesang- verein der Berliner Buchdrucker„Typographia* am 1. April, 17 H Uhr, im Konzertsaal bei Kliems, Hasenheid«, ein Konzert, bei dem Werke von Strauß, Brückner und Bach aufgeführt werden. Kornau einet Kevoluliotu Von GerUaci Herr mann WosUt Sie rückten eng ans Feuer, und Calm erzählte... Als etwa«ine Stunde später ein großes, schlankes Mäd- chen unten am Berge einem Wagen entstieg und mit räumi- gen Schritten den Berg hinaufkam, bemerkten die drei sie gar mcht Das Mädchen trat ungesehen nahe ans Feuer: Kniepwackes Gesicht zuckte in furchtbarem Kampf: Ziegler saß und stieß unartikulierte Laute aus: Calms Hände gestiku- lierten wild, aber seine Augen sahen über die Stadt hin bis zu einem einsam im fernen Schloß aufleuchtenden Fenster. Es war, als sähen der Schloßberg und der Weinberg sich feindselig an, aus roten Augen, in denen der Haß brannte. 21. DieblutendenHände. So erregt vom wilden Lauf der Seminarist Kniephacke auch war(denn aus dem Seminargebäude hatte es eben scharf geläutet, in fünf Minuten war es demnach einhalb sieben Uhr und die zweite Freizeit zu Ende, und wer sich da auch nur um eine Minute verspätete, dem ging's schlecht)— so hochrot also der Seminarist der zweiten Klasse Alexander Earl Kniep- hacke noch in dem Augenblick gewesen war, der ihn den Lauf- schritt angesichts der jungen Dame hemmen ließ, so weiß wurde sein Gesicht eine Sekunde später, als er Gerda Dellen- dahl erkannte.. � „Ah, da sind Sie ja!" sagte sie banal, weil ja das Banale immer am gleichgültigsten klingt, und gab ihm die Hand. Was wollte sie? Was trieb sie zu ihm, so plötzlich, seit jener Kinderstunde zum erstenmal? In wildem Wechsel prickelten die Gefühle den mageren Körper hinter dem scha- bigen Mäntelchen herauf und herunter: Freude, Angst, Scham... „Ach bitte,* platzte er heraus, schon wieder hochrot, „warten Sie noch fünf Minuten! Ich muß— es geht nicht anders— die Pauker— ich bin gleich „Gehen Sie nur. Ich yabe Zeit! lächelte sie ohne Ah- nung von den Schwierigkeiten, die einem Cöthener Semina- risten durch ein weibliches Wesen bereitet wurden, das ihn gerade hier, direkt vorm Seminar, erwartete. Der mit also zweifelhaftem Glück Beschenkte rast« durchs Tor, aus dem breidicke Schulstubenwärme in die Kälte schwelte. Fünf Minuten später stand er wieder vor ihr:„Die erst« Revision ist vorbei. Jetzt habe ich Ruhe bis zum Abendbrot.* Er reichte ihr die Hand hin. Aber sie schlug nicht ein. sondern sie faßte erst sein eines, dann sein anderes Gelenk:„Um Gottes Willen— Ihre Hände bluten ja!* „Der verdammte Stacheldraht!* schimpfte er, und er- klärte dann:„Man muß nämlich über einen Stacheldraht» zäun, wenn man hinaus will.* „Ueber einen Zaun? Ja, dürfen Sie denn um einhalb sieben nicht mehr auf die Straße? Ihre kleinen Uebungs- schüler gehen ja noch spazieren!* Er zuckte die Achseln.„Im Sommer ist das noch viel ekelhafter, wenn's draußen erst abends kühl wird... Bitte, lassen Sie uns weggehen. Man könnte uns hier sehen.* In einer laternenlosen Seitenstraße verband sie ihm die besonders stark blutende rechte Hand mit ihrem Taschentuch. Er ließ es sich widerstrebend gefallen.„Es kommt oft vor, daß sich da jemand die Hände blutig reißt!* jagt« er— sie sollte nicht glauben, daß sein Ungeschick schuld gewesen war. „Neulich hat einer den halben Zaun umgerissen. Noch vier Wochen später waren seine beiden Hände voll Narben.* „Scheußlich!* bemerkte sie empört. „Da ist dann übrigens etwas ganz Sonderbares passiert. Einen Monat später war die Beschädigung des Zaun» endlich entdeckt worden Wir sahen gerade im Speisesaal beim Mittagessen, da kam der Dtrex herein und fragte, ob niemand wüßte, wer den Zaun umgerissen hat. Es hat keiner was ge- sagt. Der ein«, der's gewesen war, hatte aber natürlich Schiß-* „Was hatte er?* .. Angst. Und plötzlich mußte er schnell die Hände unter den Tisch nehmen. Die Wunden, die seit vier Wochen ver- narbt waren, waren aufgesprungen, und die Hände bluteten. Komisch, nicht wahr?* „Ich finde das gar nicht komisch* sagte sie böse.„Ich finde das grauenhaft." Ihre Brauen tonnten sich tief nach unten und eng über die schmale Naje ziehen, wie die ihre» Großvaters, Zeppelin über Palästina. Haifa, Jaffa, Jerusalem. „Gras Zeppella", 26. März, 18 Uhr.(<£lg. Funkd.) „Graf Zeppelin* erreichte nach Eypera sein vorläufige» Ziel Palästina bei Haifa nachmittags 4J5 Uhr nach rund vierzig- stündlger Fahrt. Die Küste von Kleinastea war in allen Farben schillernd mit Schnee bedeckt. Da» Gebirge Hermon war bereit» eine Stunde vorher sichtbar, lln Haifa große Begeisterung. Aus, enthalt S Minuten, weiterfahrt bei Gegenwind Dichtung Jaffa. Auf den Anflug von Alexandria wurde wegen Gegenwind verzichtet. Frledrichshafen, 26. März. Nach beim Luftfchlsfbau eingegangenen Funkmeldungen überflog da» Luftschiff„Graf Zeppelin* um 5 Uhr Jaffa und um 6.30 Uhr Jerusalem. » Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen gibt übex den Verlaus des Fluges folgendes bekannt: Nach dem bisherigen Kurs muß sich das Luftschiff„Gras Zeppe- lln* nachmittags Vtl Uhr etwa östlich der Insel Kreta, und zwar in dem meteorologisch schwierigsten Teil des Mittelländischen Meeres in der Richtung nach Palästina befinden. Die letzte Stand- ortmeldung wurde um 3 Uhr morgens gegeben. Leider störte eine anscheinend norwegische Station genau auf der kurzen Sendewell« des Luftschiffes, so daß die Aufnahme ver- hindert wurde. Dies« Station versucht«, das Luftschiff aus der Sendewelle anzürufen, ein Versuch, der deswegen ichfn zwecklos war, weil das Luftschiff aus der Sendewelle nicht empfängt. Der Erfolg dieses Zusendens war also, die Verbindung zwischen Luftschiff und Norddeich zu unterbinden. Um 8 Uhr morgens hatte das Luftschiff zum Zwecke der Navigation Wetterdienst machen müssen und hat deshalb wieder nicht gesendet. Genaue Standortmeldungen lagen daher nicht vor._ Spanischer Ozeanflug gelungen. In Brasilien glatt gelandet. Bahla. 26. März. � Die spanischen Flieger Iglesias und Jimenez, die am 24. März, nachmittags gegen 3 Ahr. von Sevilla mit ihrem Flugzeug „Jesus del Gran pader* abgeflogen sind, landeten gestern um 10� Uhr östlicher Zeit ans dem Flugfeld Eamafsary (Brasilien) wohlbehallen. „Baureifes Land" zu verkaufen. In den Tageszeitungen findet man immer wieder Inserate de« Inhalt«, daß dieses oder jenes Gut parzelliert wird, daß dieser oder jener Bauer die Austeilung seines Landes in Kleingartenland vor- nimmt. Selbstverständlich steht in allen diesen Inseraten, daß das Land„baureif* und für Siedlungszwecke besonders geeignet ist. So werden wieder aus dem Bezirk Kaulsdorf-Mahlsdorf Grundstücke angeboten, die zu günstigen Bedingungen an kleine Siedler abgegeben werden sollen. Besucht man den an der Straus- berger Bahn gelegenen Ortsteil Mahlsdorf, so liest man dort erstaunt auf Plakaten„Der Eichenhof*, Heimstätten-Großsiedlung im Bezirk 17 unter Aussicht der Stadt Berlin. Folgt man dem Rich- tungsanzeiger, so erreicht man in einer reichlichen halben Stunde das Gebiet der kommenden Siedlung und stellt dann fest: es han- bell sich um ehemaliges Wiesenland m der Nachbarschaft des Kauls- dorfer Wasserwerts. Als das Wasserwerk angelegt wurde, erhielte» die umliegenden Bauern eine Absindung, weil ihr Land nicht mehr für Wiesen- und Waldeszwecke durch die Wasserentzishung ver» wendbar war. Dieses Gelände soll jetzt an Landhungrige abgegeben werden. Die Stadt Berlin Hai bereits durch ihren Nachrichtendienst darauf hingewiesen, daß sie mit diesem Geländeoerkauf nichts zu tun habe. Es kann auch nicht genug davor gewarnt werden, dieses Gelände als baureif zu betrachten. Jeder Sachkundige weiß, daß eine Landfläche noch nicht den Erfordernissen der Baureife ent» „Na ja." gab er«ilig zu,„«in bißchen gegraut hat uns ja auch. Ich mußte an Siegfried denken, dessen Wunde blutete, als Hagen—* „So meine ich das nun auch wieder nicht." Ihre Finger« di« jetzt das Taschentuch knoteten, zitterten in Empörung. „Aber es ist doch schrecklich, daß achtzehnjährige Menschen heutzutage vor diesen blöden Paukern Angst haben müssen, solche Angst, daß ihre Narben aufspringen. Das hat gar nichts mit Siegfried zu tun. Siegfried hat mit achtzehn Iahren Lindwürmer erschlagen. Aber bei euch hat noch keiner einen Lehrer verdroschen, was?" „N— nein." Alexander Carl war vollständig verblüfft- „Es ist doch nun mal so." „Ft!" machte sie grenzenlos verächtlich und ging weiter- Er schritt stumm neben ihr her und betrachtete seine weiß- leuchtende Hand, die sie verbunden hatte. Ein selffamer feiner Duft stieg aus dem Tuch, der in den Seminarstuben selten war. „Ich komme übrigens im Auftrage Ihres Herrn Paters,* sagte sie endlich patzig.„Bor zwei Stunden traf ich ihn mit meinem Großvater am Weinberg." „So so," sagte er uninteressiert und sehr enttäuscht. Sein romantisches Knabengemüt hatte tatsächlich geglaubt, daß sie nur um seinetwillen gekommen war, um des blassen, un- schönen, so gar nicht siegfriedhaften kleinen Kniephacke willen, der hier ohne Mantel im scheußlich kalten Märzabend neben ihr herfror. „Wenn ich da» nun auch sagen wollte: es ist nun mal sol* griff sie plötzlich auf das ursprüngliche Gespräch zurück. Sein Herz schlug hoch. Sie hatte also geschwindelt, was seinen Vater anbetraf. „Dann," fuhr sie fort,„dann säße ich jetzt zu Hause und feierte Verlobung mit irgendeinem blöden Affen. Dann liefe ich-nicht in dieser ekelhaften Kälte hier mit Ihnen herum. So aber bin ich einfach durchgebrannt.— Jawohl, durch- gebrannt, heute abend l* bekräftigte sie. als er sie verblüfft ansah.„Zu Haus sitzen die Alten jetzt beim Abendbrot und glauben, ich bin bei meinen Cöthener Verwandten. Mit dem Wagen haben sie mich hergeschickt, dieses Besuchs wegen. Aber ich denke gar nicht daran. Ich schlafe im Hotel, setze mich morgen früh auf die Bahn und fahre nach Leipzig. Tableau." Immer noch betrachtete er sie grenzenlos erstaunt, etwas ehrfürchtig und etwas abfällig. (Fortsetzung folgt.) Ein diebessicherer Tresor. Oer Einbrecher darf nicht mal husten. Vor Vertretern der Reichs-, Staats- und Komnmnalbehörden. sowie des Polizeipräsidiums und der Schutzpolizei fand ein inter- essanter Demonstrationsvortrag über das Thema„Der Stand der Technik auf dem Gebiet der elektrischen Sach- und Raumsicherunz" in dem Vortragssaal der Mix und Genest A.-G. statt. Dieses durch den Tresorraub am Wittenbergplatz besonders aktuell gewordene Thema fand eine stark interessierte Zuhörerschaft. Direktor A. E. Hoffmann wies u. a. darauf hin, daß infolge der fortschreitenden technischen Entwickelung des Verbrechertums der Tresorbauer heutzutage allein nicht in der Lage sei, ausreichende Sicherungen zu schaffen. Die Vollkommenheit der technischen Wertzeuge ermöglicht es jedem Einbrecher, den härtesten Stahl an- zugreifen. Besonders interesiant sei auch die Tatsache, daß die über- wiegende Mehrzahl der Verbrecher, wie sie für Bankeinbrüche in Frage kommen, ursprünglich dem Schlosierhandwerk oder der Geld- schrankfabrikation angehört hätten. Als stärkster und erfolgreichster Gegner des modernen Bankeinbrechcrs habe sich die elektrische S i ch e r u n g s e i n r i ch t u n g erwiesen, die unter Anwendung der neuesten Forschungen auf dem Gebiete der Fernmeldetechnik kon- struiert sei. Bei der Innenausstattung dieser Schutzeinrichtungen handele es sich um e l e k t r i s ch° m e ch a n i s ch e Mittel, bei der zweiten um akustisch-elektrische Mittel. Durch beide Methoden können a k u st i s ch e oder optische Alarmsignale aller Art, wie Alarmwecker, Hupen, Gesahrsignale, an der Straßen- front angebrachte elektrische Blinkzeichen, polizeiliche Notrufanlagen usw. betätigt werden. Sehr interessant gestaltete sich auch die Demonstration des elektrisch-akustischen Einbruchschutzes. Dieses Sicherungssystem würde schon durch das noch so leise Schleichen, das Husten, das Ansetzen des Diamantbohrers eines Verbrechers, dos Zischen eines Schneidbrenners, ja selbst, wie der Dortragende zeigt« durch da. Zerreiße» eine« P«pl«t A Tätigkeit treten. Der zuletzt geschildert« Einbruchschutz, der demnach auf schr geringe Erschütterungen reagiert, hat ober auch zweifellos sein« Nachteile, wie wir an dem folgenden nachgewiesenen Beispiel en- härten wollen. Ein bekannter, ungewöhnlich wohlhabender Schrift» steller. der am Kursürstendamm wohnt, hatte sich zum Schutz seiner ko st baren Sammlungen eine elektrisch- akustische Weckanlage anbringen lasten. Eines Nachts wird die ganze Familie durch wilden Alarm geweckt, aber kein Dieb, kein Einbrecher ist festzustellen. Nach langem Raten und Probieren stellt es sich heraus, daß die Sicherung lediglich durch die Erschütterung, die ein vorbeifahrender Autobus oder Lastkraftwagen verursacht hatte, gelöst worden war. Fernschau Mihaly. Seit etwa 14 Tagen haben Funkhörer auf d«r Berliner Welle (Witzleben) in den Pausen, besonders von 13 bis 1314 Uhr, eigen- tümliche Geräusche wie von einer etwas schlagenden Maschine gehört. Es handelt sich um Sendeversuch« der Relchspost mit dem Tclehor-Fernschau-System von Mihaly. die bisher sehr zu- friedenstellend verliefen. Mestungen ergaben die genaue Einstellung des Frequenzbandes von 9000 Hertz, es lasten sich also ohne Störung anderer Wellen Kinobilder mit gutem, scharfem Empfange über- tragen. Die Versuche werden fortgesetzt. Man darf in absehbarer Zeit auf eine Einführung des Heimkinos hoffen, daß neben Filme» auch direkte Ueb ertragungen von Personen. Theaterszeaeu sowie Darbietungen wissenschafllicher und belehrender Art bringen wird. spricht, wenn sie in lauter Nein« Grundstücke ewgeteM ist. Die Verkäufer dieses Gelände» haben zwar einen Bebauungsplanentwurf dem Bezirksamt eingereicht; es steht aber noch dahin, ob dies« Baufluchtlinien genehmigt werden; auch kann nicht damit gerechnet .werden, daß eine Genehmigung in Kürze erfolgt. �Em Knacks und er war ioi." Jwölf Tage mit einem Toten gehaust— und alles umSOM.! Anna Neugebauer, eine Frau von etwa 50 Iahren, lebte mit einem über 60 Jahre alten Rentenempfänger in dessen Wohnung in der Friedenstrahe zusammen und führte ihm die Wirt- schaft. Eines Nachts, während beide im Bett lagen, verstarb der alte Mann plötzlich.„Es gab eine'n Knacks und er war tot", sagte Frau Neugebauer vor Gericht aus. Sie blieb aber ruhig liegen. Am nächsten Morgen zog sie der Leiche das Hemd aus, »ahm die Bettwäsche ab und trug sämliche Habseligkeiten des alten Mannes in die Pfandleihe. 12 Tage schlief sie neben der Leiche, ohne von dem Tode die Kinder oder den Hauswirt zu benachrichtigen oder Anzeige zu erstatten. Die Wohnung wurde schließlich durch die Polizei gewaltsam aufgebrochen, als die Haus- bewohner es vor Gestank nicht mehr aushalten konnten. Der Grund für das Stillschweigen der Wirtschafterin stellte sich nun auch heraus. Sie hatte nämlich noch gewartet, bis die zu Neujahr ausstehende Armenunterstützung von 50 M. fällig war. Darauf hotte sie den Betrag abgehoben. Frau Nengebauer wurde gestern vom Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Unterschlagung und Be- truges zu drei Monaten Gefängnis sowie wegen Nichtanzeige eines Todesfalles zu weiteren zwei Wochen Haft verurteilt. Näisel um einen Lungen. Unerklärliches Verschwinden eines'14jährigen. Sekt mehr als zwei Monaten ist aus Stettin der 14 Jahre alte Sohn Alfred de? Arbeiters Leeck aus der Pionier- ftratze 40 s p ürlos verschwunden. ,. Das Verschwinden dieses Kindes hat sich unter Umständen er- iefDYfck,. die sich wesentlich von denen der anderen kleinen Ausreißer unterscheiden. Alfred Leeck war am 9. Januar gerade 14 Jahre alt geworden. Große Geschenke konnten ihm die Eltern nicht machen, denn der Vater ist seit längerer Zeit arbeitslos und der als sehr fleißig und bescheiden bekannte Junge erwartete daher auch nichts. Er erhielt, damit er nicht ganz leer ausgehe, von den Eltern und einer im Hause wohnenden Verwandten 1,80 M. geschenkt, von denen er nicht einen Pfennig für das eigene Vergnügen verwendete. Seiner Mutter, der er stets hilfreich an die Hand gegangen war, gab er 1,30 M. als Beisteuer zum Haushalt zurück, für die restlichen 30 Pf. kaufte er einen Lampenzylindsr. Am 10. Januar, also einen Tag'»nach seinem Geburtstag, beteiligte er sich an einem Klassen- ausflug zum Schlittschuhlaufen, kehrte aber pünktlich zur Mittags- zeit nach Haufe zurück. Nachmittags um 3 Uhr ging er zum Spielen auf die Straße hinaus. Cr trug seinen gewöhnlichen Hausanzug und an den Füßen Plllschpantojfeln mit Ledersohlen. Seit dieser Stunde ist der Knabe verschwunden und man hat trotz sofort aufgenommener Nachforschungen keine Spur von ihm ent- decken können. Daß er aus Abenteuersucht das Elternhaus ver- kästen hätte, wie manche andere, kommt bei Alfred Leeck nicht in Frage. Es bleibt nur die Möglichkeit, daß er vielleicht irgendwo A rb e i t zi ng e n oznzn e n hat, um feine Eltern unterstützen zu können. Nicht ausgeschlosten ist auch, daß der gutmütige Junge unter irgendeinem Borwande um eine Hilfeleistung gebeten, v e r- fchlepp'i und das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Die dritte Möglichkeit wäre die, daß Alfred sich das Leben genommen hat, um seinen Angehörigen nicht mehr zur Last zu sein. Der Verschwundene, nach dem überall geforscht wird, ist 1,30 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, lückenhafte Zähne und trug zuletzt gestrickten grünen Wollpudel mit schwarzen Streifen, braungemusterte Sportjacke, hellgrüne Strickjacke, blaue Kniehose, braune Strümpfe und die schon erwähnten Plüschpontoffeln. Mit- teilungen über den Verbleib des Jungen nimmt in Verlin die In- spektion A. im Polizeipräsidium entgegen. Zwei-Wasserrohrbrüche auf der Straße. Unter der Eisenbahnunterführung in der Frank- furter Allee platzte gestern nachmittag das Hauptwasser- röhr, und große Wassermengen crgosten sich in den Schacht der Anlagen des Unter grundbahnbaues. Bald war der Fahr- dämm derart unterspült, daß die Schienen der Straßenbahn abzu- sacken drohten. Die Gefahrenstelle wurde sofort polizeilich gesperrt, Kui-»u» für Laienrichter, Schöffen usw. heute, Mittwoch, 27. Märe, abends 7'/, Uhr, in der Arbeiterbildungsschule, LindensfraBe 3, 2. Hof, 2 Treppen, Zimmer II „WirtschaKsrecht", Ref.: Dr. Franz Neumann der Verkehr wurde durch Umleitungen aufrechterhalten. Die Feuer- wehr, dje alarmiert worden war, schaltete die Sicherheitsschieber ein und verhinderte dadurch ein weiteres Ausströmen des Walsers. Erst am vergangenen Sonntag war an der gleichen Stelle ein Wasserrohr- bruch zu verzeichnen, der den Straßenbahnbetrieb nahezu drei Stunden lahmlegte.— Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich kurz nach 16 Uhr in Stralau- Rummelsburg. Dort wurde unter der Eisenbahnunterführung plötzlich der Fahrdamm aufgerissen. Ein starker Wasserstrahl stürzte an die Oberfläche. Der Fahrdamm wurde in weitem Umkreise überflutet. Di« Wasserwerke waren stundenlang mit der Behebung des Schadens beschäftigt. Der Straßenbahnverkehr war einige Zeit gestört. Für die Brücken besteht keine Gefahr._ Wo sind Retten frei? Die Frage der Unterbringung in den Krankenhäusern. In letzter Zeit wurde wiederholt von Fällen berichtet, in denen sich die Aufnahme kranker oder Unfallverletzter Personen in den Krankenhäusern der Stadt zum Schaden der erkrankten Personen verzögert hat. Die Unterbringung von Kranken in Krankenhäusern wird dadurch erleichtert, daß man das Rettungsamt der Stadt Berlin anruft(Norden Rettungsamt vi), das von den meisten Berliner Krankenhäusern ständig Nachrichten über freie Betten in den Krankenhäusern erhält. Es ist daher zweck- mäßig, in denjenigen Fällen, in denen ein Kranker im Kranken- Hause untergebracht werden soll, das Rettungsamt anzurufen und dem Rettungsamt die nötigen Angaben, die telephonisch erftagt werden, über den Kranken zu machen. Das Rettungsomt nimmt die Angaben auf und teilt den Anfragenden nach angemestener Zeit telephonisch mit, wo der Kranke Aufnehme finden kann. Das Bett wird alsdann 2 Stunden freigehalten. Das Rettungsamt steht, um diese Aufgabe erfüllen zu können, mit der Mehrzahl der Krankenhäuser in direkter telephonischer Verbindung. Darüber hinaus entsendet das Rettungsamt auf telephonisch« Anfrage Krankenwagen zum Transport w Krankenhäuser. die ebenfalls unter Amt Norden, Rettungsamt. D 1. bestellt werden können. Das Rettungsamt vermittest täglich eine sehr große Zahl von Betten und führte im letzten Jahre über 70000 Krankentrans» parte aus._ Ausflugsverkehr in den Osterfeieriagen. Die Verkehrsabteilung der Berliner Verkehrs A.-G. teilt mit, daß sie am Karfreitag und an den beiden Ost er- f e i e r t a g e n einen verstärkten Ausstugsverkehr auf folgenden Linien unterhalten wird: Bahnhos Zoo— Schild Horn; Bahnhof Zoo— Gatow— i Kladow: Bahnhof Zoo— Gr.-Glimicke— Krampnitz— Nedlitz: Stettiner Bahnhof— Schönerlinde— Schönwalde— Basdorf— Wandiitzsee: Seestraße Ecke Müllerstraße— Carlshof und Zehlendorf-Mitte, Rathaus,— Nikolassee— Wannsee— Potsdam (Glienicker Brücke). Die Fahrpreise für diese Strecken liegen je nach der Entfernung zwischen 30 Pf. und 1,50 M. für die ganze Strecke für Erwachsen«: Schüler die Hälfte. Teikstxecken ebenfalls billiger. Im Ausflugsverkehr werden, soweit wie möglich, die modernen luftbereiften Drelachsomnibusse mit einem Fassungsvermögen von 75 Personen benutzt. Es wird ferner darauf hin- gewiesen, daß außer diesen nicht ständigen Ausflugslinien noch eine Anzahl ständiger Vorortlinien(durch Dreieck kenntlich gemacht) zu einer Reihe von Vororten führen. Schließlich finden neben diesem Linienbetrieb ort den beiden Osterf eiertagen auch Sonderfahrten in die Mark statt, und zwar nach Rheinsberg. Buckow. Bad Freienwald« und zun» M e l l« n s e«. Die Preis« für diese Fahrten liegen zwischen 5 bis 12 M., kommen also für westere Volkskreise nicht in Frage. Große Fischzufuhren. Von allen Seiten werden reichliche Zu» fuhren an See- und Süßwassersischen gemeldet und ist in dieser Woche der Markt besonders gut beschickt. Ferner findet ein billiger Salzheringsverkauf statt, es werden feinste Matjesheringe Stück 13 Pf., 8 Stück eine Mark in den einschlägigen Geschäften feilge- boten. Alle Geschäfte sind durch Plakate kenntlich gemacht. Wegen des am Karfreitag erfolgenden Geschäftsschlusses empfiehst es sich, den Einkauf am Donnerstag zeitig vorzunehmen, da der Andrang am Nachmittage sehr groß ist. Im vorigen Jahre sind durch den verspäteten Einkauf viele Haushaltungen um das üRiche Fisch- gericht am Karfreitag gekommen.' KAISER'S IM GE:S CHENKBEUTEL-A US GEWÄHLTE MISCHUNGEN KAISEWS OJBTERARTIKEK El Eft• H/KiEN• K.VK.EH AUS FEINSTER SCHOKOLADE UND ECHTEM MARZIPAN 3 TAFELN OSTERSCHOKOLADE O 700 O HAMM SCHMELZ MILCHNUSiVOUMILCH ZU f AMMEN IMK KAISEREIS SCHOKOLADE� REÄL.NEX-*•***£ lEf,ANNTEBESTE qual/TÄTEN � US£/ GEMEN SCHOKOLADEN-UND BACKWAREA/FÄßR/KEN Ihr« 95. Geburtstag beging die m dürftigen DerhSltntflen lebend«, seit 1853 in Berlin wohnende Witwe Louise Mehler, geb. Wagener. Steinmetzstr. 24 bei Werner. Genosse Ernst Berger, Levehowstr. 21. wird heute 73 Jahre alt. Er ist einer von den Alten, die noch die Zeit unter dem Sozialistengesetz kennen lernten. Noch heute nimmt er regsten Anteil an der Parteibewegung. Die Irühjahrslugeadweihe für Charlottenburg findet am Sonntag, dem 31. März, vormittags 1l Uhr, im Lichtiviellheater.Piccadilly', BiS- marckftrahe 93/94(Unlerqrundk'ahnhoi BiZmarckstr.), statt. Die Weilierede hält Genosse Arthur C r i K p i« n M. d. R. Ferner wirken mit: Volks- chor Harmonie> Charlottenburg, M. d. A.-S.-B., Cello-Trio und Herr Opernsänger Werner Roese. Außerdem gelangt zur Aufführung der chorische Teil aus dem Wcibcsestspiel.Ins Leben hinein" von Max Barthel; Chorteiler: Herr G. Jo Bischer, Tänze gestellt von der Jutta- Klamt- Schule. Spielplaaäudernng. In der StaatSoper Unter den Linden wird heute, Mittwoch, insolge mehrtacher Erkranlungen im Personal an Stelle oer uriprünglich angekündigten Borstellung ,Fra Diavolo".Madame Butterflv" (S0 Uhr) gegeben. Da, Theoler am Schiffbaoerdam« bat mit ifiüdficht aus die Steinrück- Feier seine Premiere von.Pwnier« w Ingolstadt" aus Sonnabend verlegt, Sprechchor für JJroletarische Arier stuvden. Di« UcbungSstund« am Donnerstag, dem 28. März, fällt aus. Die Thormitglieder treffen fich ober am Karfreitag pünktlich»/, 11 Uhr im Großen Schauspielhaus zur Mitwirkung bei der Jugendweihe. parieinachrichien für Groß-Bertin «inseaduagea für dies« RubrU find Ii Äff stet, ra da, Se,Irt,sekr«tort8, Funk- tionärsitzung. 88. Abt. Lichtenrade. lSH Uhr in der Schul« Roonstratz« MitgUederoersamm. lung. Bortrag des Genossen Dr. sseigel über.Toller*. 108. Abt. Köpenick. Borftandssitzung»rit den Bezirksführer» a» bekannter Stell«. Di« Sitzung beginnt bereit» um 18 H Uhr pünktlich, da anschlietzend der Kommunale Kursus stattfindet. Zungsozialistea. Gruppe Reuköll»: Heut«, Mittmoch, 27. Mäm, 20 Uhr, in den Baracken Ganghofirftratzc. Sruppenangelegenheiten und ZAHrtbesprechung. Gruppe Baumschnlcnmeg! Heute, Mittwoch, ISVi Uhr. im Heim Grnftstr. 18, Bortrag:.Kommunalpolitik". Referent Stadtverordneter Hermann Lempert. Gruppe Süden: Achtung! Da sich zur Osterfahrt für Sonntag früh niemand gemeldet hat, fahren wir in zwei Gruppen. 1. Gruppe: ssreitag, 20. März, früh 8.27 Uhr ab Anhalter Bahnhof. sTrrffpunkt 8 Uhr Haupteingang). Ignatz Brülls Oper„Das goldene Kreuz" hat die musikalische Frische und Einfachheit, die für Rundfunkseicheopern notwendig sind. Wenn dazu Leo Blech, der seinerzeit dem Werk an der Charlottenburger Oper zum Erfolg verhalf, am Dirigenten- pult steht, wenn Emmy Bettendorf, Eugen Transky, Eduard Habich singen, so sind damit eigentlich alle Borbedingungen für einen an- genebmen Rundfunkabend gegeben.— In einem Vorttag„D a s Wunder des Fernempfangs" versucht« Oberingenieur Otto Nairz das zum Sommer wieder aktuell werdende Problem des Fernempfangs volkstümlich zu erörtern. In seinem Zwiegespräch mit einem Alien gelang dem Dortragenden auch, wenigstens einige der wichtigsten Fragen des Fernempfangs auf gemeinverständliche Art zu beantworten. Der Vorttag„In der K u n st h o ch s ch u l e" — ein« von Helmuch Iaro-Äaretzki geleitete Führung durch die Hochschule für freie und angewandte Kunst— litt unter einem gruichlegenden Fehler: der Vorttagende bemühte sich, sichtbare Dinge«n Worten anschaulich zu machen. Dazu wäre aber eine Umstellung zu den geschilderten Szenen notwendig gewesen. Das. was sich als Bild darbot, hätte als in sich gefchlosien« Folg« von Handlungen dargestellt werden müsien. Bei dieser Führung aber, während der einzelne Lehrer der Kunschochschule befragt wurde, kam nur ein« ziemlich unplasttsch« Beschreibung zustand«. Erfreu- (ich in der künstlerischen Ausführung war trotz des nicht sehr originellen Programms das Nachmittagskonzert der Kapelle Emil Roosz. In der„Stunde mit Büchern" sprach Paul Kampfs- meyer über„Biographien führender Sozialisten". Er gab keine eigentlichen Buchbesprechungen, sondern er legte neuerschienenen wertvollen Büchern einen biographischen Ueberblick über Leben und Lehre bedeutender Sozialistenführer zugrunde. Man wurde also hier nicht für die Stosfgestaltung, sondern für die Themen selber interessiert, die die Berfasser behandelt haben. Gerade dadurch er- hielt der Vortrag einen erfreulich unliterarischen, volkstümlichen Charakter. Tes. I»c-vve: Commtbenb, 86. Mir». 8.1» 8»!-»«ehnW ffrieteiAfii«*«.(Senn. toasrückfahikark»» noch Belzi» 3M M.) Säst« sinb herzlichst willkv--«-,. All- «emeines Treffe» Sonntag 7% llhr am Bahndof Riemegk-FIäming. Arbeitsgemeiuschaft der Sindersreunde Groh-Lerlia. Acht»»»! In dieser Woche fällt die Sprechstunbe an». Kreis Rcviölv. Hent«, Mittwoch. Sprechstn-d« vv» 17—18 tl»r 33»»»«« Sanghofersteatze. Gruppe Reinickendorf. Ost: Wir treffen»n» zur Osterfahrt»ach Che«!» cm Donnerstag, 28. März, um 13H Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen. Zurück kommen wir am Donnerstag. 4. April, gegen 10 Uhr. Gruppe Landsberger Platz: Treffen zur Ostersahrt nach Dubr»w.-B»eg Donnerstag, 28. März, pünktlich 11 Uhr. Frieden», Eck« Diestelmeyerstratze. Nachzügler Sonnabend, 30. März, 17 Uhr, ebenda, ssahrkosirn ZL0 M. Mel» dung noch bis Mittwoch 10 Uhr Jugendheim Diestelmeyerstratze. Di« Gruppe tagt jetzt Montag, Mittwoch und Freitag 17—10 Uhr Jugendheim Diestelmeyer» strotze(Weltliche Schule). Geburtstage. Jubiläen usw. ll. Abt. Unsere» liebe» bewährt«» Genoffe» ckr»st Berge«, Leoetzae». fteatze 21, d«« scho» unter dem Tozialiftengeletz für die Partei wirkte, z» sei»»» heutige» 70. Geburtstage die herzlichsten GlSckwüitlch«. Möge es»usevem Alte» »» ber Seite sei»«« liebe» Gattia Sr»effi»« vergönnt sei», sei»«« Geb»it»t»g »»ch recht oft i» geistiger Frisch« und Seiunbheit I» Kreise ber Parteigruaffe» z» begehe». 03. Abt. Reuköll». Unserem Parteigeuoffeu P a» l« e i l, Pri»».K»»»ier». Stratzc, zn seinem 63. Geburtsiaq«, den«enoffe» S. R S l t ck e. Allerftratz«, u»b».«rcttschneider, Otcrstrgtz«, zu ihrem 23jährige» Parteijnbilau» die beste» Glückwüusch«. Mögen st«»»ch recht»iele Iah» s«i»»b« KSmpler de« Partei bleibe». Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| 41. Abt. Unser tzOsöhriger Genoffe Karl Schuster ist a« 83. Mär» verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Donnerztag, 28. März, l«'� Ahe, auf dem Ierusalemer Friedhof. Bergmannstratze. Wetterbericht der öffeolliche» wetterdirnstfielle Berka«ad Umgegend iRachdr. Verb.). Teils Heller, teil» wollig, ohne wesentliche Niederschläge. Tagestemveraluren höher als bisher.— Für veatschlaad- Im Küsten- gebiet und im Osten meist stärker bewölkt, im übiigen Reich« trocken und Heller, Tagestemperaturen allgemein höher als bisher. ®i« gr»tze» Festtage de» Iah«, find stet, auch grvtze Derlobungstage unt» unzertrennlich stirb damit für die sungen Paa« wohlgemeint« Ratschläge aller Art oerdunten, mutz doch insbesondere die Braut beginnen, stch um all die Fragen zu kümmern, die ihren zukünftigen Haushalt angehen. Ein« wund»»- bare Quelle nützlicher Kenntnisse für das Heim stnd die Kurshefte der Eonljchi- Gesellfchaft in Mannheim, die an alle Berbraucherinuen von Eunlicht, Seife. Lux-Terfenflocken. Bim»der Suma völlig kostenlos abgegeben werden. Es gibt 3 Kurf« zu je 12 Heften! der eine Kurs behandelt das Kochen, und den Haus- halt, der ander« bietet einen vorzüglichen Lehrgang im Schneidern und her dritte betrifft das so wichtige Gebiek der G-sundheitspfieg« und Kind-rer»eh-lng. Es lohnt stch, den Prospekt anzufordern. 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Der auf unsere Kommanditanteile für das Geschäftsjahr 1928 entfallende Gewinnanteil wird mit RM 10— für die Stücke von RM 100.— RM 100.— für die Stücke von RM 1000.— unter Abzug von 10% Kapitalertragssteuer vom 28. MSrz 1929 ab gegen Einlleferung des Qewlnn- ■nteilschelns Nr. 3 bezahlt in den üblichen Geschäftsstunden bei der DirBction derDisconto-Gesellschaft in Berlin, der Norddeutschen Bank in Hamburg, Hamburg oder dem A. Schaaff- haussn'sohen Bankverein Ä.-G. in Köln, sowie bei sämtlichen Filialen oder Zweigstellen der vorgenannten Banken an anderen Plätzen. Berlin, den 25. März 1929. Direction der Disconto-Gesellschaft. WWWWWWWMWWNWWWWWW Am Sonntag, bem St. Mär», otr- starb plStzllch mein liebet Mann Franz Daiirin» Zm Samen der SintetbUc&enen Witwe EmUle DShrtatf Einäscherung; Donnerstag. Den| 28. März, nachm. Uhr. Kremm »orium Baumschulenweg Ii»»«» Sir nur KaplianK&ufaiiaK die QualltStsmarke 15 PI« Kapltän-Kopenhagener2�'; In den meisten Geschäften erhältlich. Plätziich und unerwartet verschied heute morgen, t Uhr. mein lieber Mann. Vater. Sroß- und Urgroßvater. der Echaniwnt Karl Sdmsler im 81. Lebenvlahre. Die, zeigt im tiefsten Schmerz an Stiima Schuft-r. Zrih Schuster al» Sohn Die Leerbigung findet am 2». März. IS/, Uhr, auf dem Zerusalemer Kirch» hos in der Bergmannstiaße statt. Berlin, Ehamissovlah t, den 25. März IS2S. klä'�ämidnl i!etfkubd->nl!t'i!t!ji!ib!i' OrisAruppe verii». VoUchTanzsIz«, Unseren Mitgiieoern des Einheit� verbände» die traurige Mitteilung. baß unser Mitglied, der Anstreicher August Kaiweit vom Reichsbahnau?desserung,weri Tempelhof am Zi. Mär, im Atter von St Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andeuten! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, dem 27. Mär». 11.45 Uhr. auf dem Friedhos»In den Jtisscln* in Spandau statt. Um rege Teilnahme ersucht vi» OctnocnBalfuag. OfflßMMaMrtW m SDimmmie Sonnabend, den 90.«Ar,. 4 Ahr. tu,»Aofeuthaiee chos-. »oseuthoier Straße tlltZ v Versammlung-MG aller außerhalb aus Montage be- findllchen Kollegen der Metall- Industrie mit Ausnahme der Rohr leger und Heizungsmonteure. Die Tageaordnuna wird in der Versammlung bekanntgegeben. Da, Erscheinen aller Monteur« wird erwartet._ Achiungi Achtung! Vezagnehmend auf da« Osterfest bleiben unsere Bureau« vom Freiiaa, 2», Mär-, bis einschließlich t. April sOstermontag) geschlossen ffimmer t58. Rkinerlei Beziehunaen zur ähnlich Mögenden ffirma. Mau achte aus Porname» EmiL* Uddndungs'.tucäe. W.isrh. iiset Serre»sch»eiderei fertigt»u bequemen " nff che' Ratenzahlungen elegai tobe nach Maß an. Stein. straße 185. errengarde- Invaliden. Leihhan« Spiegel, Ehausseeftraße 7, verkauft spottbillig Ravaliergarderode, wenig getragen« sowie selbst hergestellt, erstklasfige neue Ulster, Iackettanzllge, Gesellschaft«anzllge, Pelzwaren. Größten. teils auf meinen Auktionen ersteigerte Waren.' 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Die Arbeiter- schaft weiß, daß die Nackenschläge jeder Krise sie selbst in erster Linie und am schärfsten treffen. Vei den heftig umstrittenen Fragen über den Zusammenhang zwischen Lohn und Konjunktur ist es begrüßenswert, daß der Bun- desausschuß des ADGB. den Präsidenten des Statistischen Reichs- amts und des Konjunkturjorjchungsinstituts Professor Dr Wage- inann im Gewerkschaftshaus vor einer öffentlichen Versammlung zu einem Referat über das Lohnproblem im Lichte der Konjunktur- forschung eingeladen hatte. Das ist um so natürlicher, als das Konjunkturinstitut auch von den Gewerkschafben mit erhalten wird. Der Referent, der einleitend auf die U n v ol l st ä n d i g k e i t der deutschen Lohn statt st ik hinwies und feststellte, daß eine einwandfreie Erfassung der Lohnbewegung bisher noch nicht erzielt werden konnte, betonte, daß das Lohnproblem weit weniger eine konjunkturpolitisch« Frage als vielmehr eine Frage der Wirt- schaftsorganisation sei. Zwar wäre denkbar, daß durch Lohnver- änderungen in Depressionszeiten eine vorübergehende Entlastung des Arbeitsmarktes enitreten könne, jedoch fehle bisher noch der Ttachweis, wann Lohnsenkungen oder Lohnerhöhungen am Platze seien. Vor dem Kriege gingen die Löhne mit den Preisen weitgehend parallel, nur daß die Preise viel stärker schwankten als die Löhne. So eng Preise und Löhne auch miteinander verslochten sind, scheint doch zwischen Preis- und Lohnbewegung kein kon- junktureller Zusammenhang mehr zu bestehen. Dies fei ein Ausdruck der weitgehenden Bindungen in der heutigen Mrt- schaftsorganisation. Man könne sagen, daß die Preise heute zu etwa 50 Proz. gebunden seien. Roch stärker wären die B i n d u n- gen bei den Löhnen auf Grund der Tarisvereinbarungen. Da es andererseits aber noch nicht gelungen fei, die Mengenbewegung in der Wirtschast, insbesondere den Beschäftigungsgrad in ähnlicher Weise zu binden, d. h. zu stabilisieren, so könne man von einem .chalb starren S y st ein" unserer Wirtschaft sprechen. Tendenzen zur weiteren Bindung der Wirtschaft seien aber unver- kennbar. Wenn die Lohnhöhe als solche konjunkturpolitisch auch nicht von Bedeutung sei, so bleibe die Beweglichkeit der Löhne doch von entscheidender Bedeutung. So seien seiner Meinung nach höhere Löhne in Zkrissnzeiten bei der Textilindustrie wohl geeignet. den Verbrauch zu steigern, während bei gewissen Exportindustrien, wie bei der Papier-, Leder- und Teilen der- Eisenindustrie� Lohn- senkungen exportfördernd-wirft«*- und- damit einen � gewissen Ausgleich schafften. Auch würden sich Lohnsenkungen bei den Bau- orbeibern m Zeiten der Depression in ölner Derbiiligung des Mohnungsbaues und der Mieten auswirken. Die Erfahrungen Amerikas in den letzten Iahren, daß hohe Löhne bei sinkendon Preisen Hand in Hand mit einer un- geheuren Ausdehnung der Produktion gingen, erklärt Dr. Wage- mann damit, daß die Vereinheitlichung des Konsums die einzelnen Märkte gewaltig ausgebaut und dementsprechend die Massenpro- duktion verbilligt habe. Das L o h n p r o b l e m, d. h. die Frage, wie groß der Lohnanteil an den Produktionskosten und wie hoch das Lohneinkommen im Rahmen des Volkseinkommens sein müßte, gehöre nicht in den Krei» so kurzfristiger Entscheidungen und Ueberlegungen, wie der Konjnnkturpolitiker sie anstellen muß. Es sei daher ein Fehler, bei Lohnkämpsen die Konjunkturpolitik mit hineinzuziehen. In der Diskussion wies Genosse Eggerl vom ADGv. ausdrücklich darauf hin. daß der L o h n a n t e i l in einer technisch voll- kommenen Wirtschaft durch die Massenproduktion entschei- dend herabgedrückt werde. Um der Massenproduktion ihren Absatz zu sichern, sei es volkswirtschaftlich und konjunkturpolitisch von größter Bedeutung, die Kaufkraft der Massen unter allen Umständen hochzuhalten. Der Standpunkt Wagemanns, daß bewegliche Löhne das Entscheidende seien, also Lohnerhöhungen und Lohnsenkungen je noch der Konjunkturlage, sei für die gewerk- schaftliche Politik unhaltbar. Das unverrückbare Ziel der Ge> werkschaften sei, den breiten Massen einen möglichst hohen Lebend st andard zu sichern, der auch der beste Brems- klotz gegen katastrophale Auswirkungen bei schweren Wirt- schaftskrisen bleibt. Im übrigen seien nicht Lohn und Preis allein die entscheidenden Faktoren für den Konjunkturoerlauf, sondern auch dos Kapftal und seine Bewertung sowie die Höhe der Zinssätze. Auch Tornow kritisierte Wogemanns Feststellung, daß Lohn- Politik keinen Einfluß aus den Ablauf der Konjunktur habe. Die Produktion innerhalb des kapila'islischen Systems hol die Tendenz, stets schneller zu wachsen als die Absahmöglichkeiten. und da heule für die europäischen Industrieländer nicht mehr das Ventil der Industrialisierung der Kolonialländer offen stände, muß das Absahproblem im eigenen Lande gelöst werden. Es sei eine primitive Auffassung, die heute noch vielfach von den Unternehmern vertreten wird, auf der einen Seite»ach»euer Kopitalbildung zu rufen und auf der anderen Seite nicht dafür zu sorgen, daß ausreichende Kaufkraft da ist, die dem neuen Kapital auch Arbeitsmöglichkeit schafft. Steht dem neuge- bildeten Kapital kein« entsprechend starke Massenkaufkraft gegen- über, so ist die Folg« nur eine sinnlose Vergeudung und Vernichtung des Kapitals in jalschen Anlagen. Auch Genosse Brandes vom Metallarbeiterverband erklärte, daß er nicht daran denke, die Zumutungen der Unternehmer in der Metallindustrie, die Löhn« auf lange Zeit festzulegen bzw. sogar zu senken, anzunehmen. Da die Arbeilerfchast auf die Preisbewegung leider noch keinen Einjluß ausüben könne, fei die Lohnpolitik ein Weg, auf dem die Arbellerschasl einen Teil ihres wirlschaslspolili- schcn Einflusses fruchtbar machen muß. Wie Tornow betonte auch Brandes nachdrücklich, daß die Lohnpolitik der Gewgpkjchaften, wo sie den Arbeitern nützt und die Masscnkaufkraft stärkt, auch ent- scheidende volkswirtschaftliche Ausgaben erfüllt. Genosse Bernhard vom Baugewerksbund wies auf Grund der Erfahrungen von 1926 nach, daß die damaligen Lohnsenkungen bei gewissen Gruppen der Bauarbeiter keineswegs den von Wage- mann unterstellten Erfolg einer Verbilligung der Kosten für den Wohnungsbau bzw. Verbilligung der Mieten gehabt habe. Solange die Unternehmer sich noch weigerten, Lohnforderungen der Arbeiter- klaffe in ihren Volkswirt fchaftlichen Auswirkungen zu be- wetl�n, fei die Lösung der Lohnfrage unter den heutigen Umstän- den n c> ch e ine M a ch t f r a g e. Je eher es den Gewerkschaften gelinge, avch den legten Mann in die Organisation zu bekommen, um so fester sei ihre Position in diesem Kalnpfe. Lautsprecher auf die'Dächer! Damit die Notlage der Bankbeamten im Volk bekannt wird. Die Disconto-Gesellschaft hat zu ihrer diesjährigen General- Versammlung ein« Neuerung eingeführt. Lautsprecher i m g r o h e n Sitzungssaal sorgen dafür, daß die Aktionäre auch wirtlich hören, was die Direktion zu sagen hat. Die Einrichtung sollte»er- oollkommnet werden. Lautsprecher au'ch auf den Dächern etwa hätten dann den Berlinern verkünden können, was in der Generaloersammlung von dem Genossen Marx vom Allge- meinen Verband der Deutschen Bankangestellten festgestellt wurde, daß heule die Gehäller der vankangcslelllen teil- weise noch unter denen der Vorkriegszeit liegen, und zwar nominell! Es ist erfreulich und richtig, daß die Vertreter der freien Gewerkschaften auch in Generalversammlungen den Aktionären und der Presse sagen, wie sich die Politik der Banken auch nach innen, d. h. sozial- und gehaltspolitifch auswirkt. Genosse Marx geißelt« auch vor den Disconto-Aktionären die von uns schon kritisierten Bemerkungen im Geschäftsbericht, die sich gegen die Begehrlichkeit d er Arbeitnehmer richten. Er sprach von dem neuen Abbau von Bankbeamten, obwohl die Maschinenarbeit mehr als das menschenmögliche aus dem Personal heraushole. Er forderte ein« Aufgliederung der sogenannten Un- kosten, um öffentlich zu machen, was dabei, die Masse der A.n.- g e st e l LI» n und was die Eiunahinen d e r Q e} ch.ä f.t»epchab er (S Man«, allein 41» ,Wvjgn«sS.-KreztKvep»uO PxMristen an- geht. Marx oerlangte,, daß die Generalverfamnllung. durch Beschluß 1 Mill. Mark aus den neugebildeten Reserven als Gratifikation an die Angestellten verteilen solle. Die Deutsche Bank hat noch keine Lautsprecher. Vielleicht werden sie dort gleich auf das Dach gestellt. Hier bezisferte Genosse Marx— sicher auch für die Aktionäre interessant— die Reservenbildung aus dem Gewinn des letzten Jahres auf rund 39 Mill. Mark: 5 Mill. neue offene Reserven, 7,5 Mill. Freigabegelder offen. 5.5 Mill. Freigabsgelder still an die Reserven, 1,5 Mill. Sonderabschreibung aus Grundbesitz, 6 Mill. stiller Reserven bei Wertpapieren, dazu die Rückstellungen aus dem Konfortialgefchäft. 15l>0 Angestellte seien in zwei Jahren trotz Umsatzsteigerung von 165 auf 225 Milliarden(nach Wassermann sind es sogar ZOO Milliarden) abgebaut worden. Auch hier verlangte Marx die Auf- gliederung des Unkostenkontos, und der Aktionärsversammlung legte er nahe, aus den 13 Millionen Freigabengeldern 3 Mil- lionen zu Gratifikationen für die Angestellten zu ver- wenden. Ein P r i'v a t a k t i o'n ä r unterstützte diesen Antrag. Klar, daß die Anträge von den Generalversammlungen ab- gelehnt wurden. Wichtig aber, daß die Großbankenchess antworten mußten. Je nach Temperament iini Charakter fiel die Antwort aus. Bei der Disconto einfach ablehnend, mit dem Hinweis auf die Ta r i f g e h ä l t c r, bei der Deutschen Bank wenigstens niit dem Versuch einer Begründung, wenn diese auch absolut abwegig war. Die vonkangestellten gehören heute zu den geplagtesten und relativ am schlechtest bezahlten Arbeitnehmern in Deutschland. Der psychologische Abbaudruck hat auf den Wiederaufbau einer an- ständigen Lebenshaltung verheerend wirken müssen. Wie mit dem Abbau muß es mit der Elendsexiftenz ein Ende haben. Das ganze jahrelange Unrecht an den Bankangestellten ist gutzumachen. Die Bankleiter werden jetzt beweisen müsfgn, wo die Tarifbedingun- gen'neugeordnet werden müssen, ob sie et�ias von sozialen Rot- wendigkeiten verstehen. Die Bankangestellten werden nicht m U t- willig kämpfen, sie wollen ehrlich verhandeln; aber sie dürfen aus Verantwortungsbewußtsein vor ihren Familien, wenn sie dazu gezwungen werden, auch den Kampf nicht fürchten. Geldzuwachs bei Banken. Wiever Zwischenbilanzen für Ende Februar. Seit Ende November, für zwei Monate, sind keine Bankzwischen- bilonzen veröffentlicht worden. Die Jahresschlußbilanzen der ein- zelnen Banken berücksichtigt man zum Vergleich besser nicht, weil Bilanzrücksichten die Ziffern fälschen. So müssen die jetzt verössent- lichten Ziffern für Ende Februar mit den Ziffern für Ende November verglichen werden. Rund X Milliarde neue Gelder sind den berichtenden 98 deutschen Kreditbanken in dem Quartal bis Ende Februar neu zugeflossen, wie bekannt zu einem großen Teil kurzfristig aus dem Ausland: die sogenannten Kreditoren(Summe der fremden Gelder) ist von 12 840 auf 13 419 Missionen gestiegen. Der Akzept- k k e d i t der/Banken(Finanzwechsel) hat sich von 596 auf 615. Mil- lionen erhöht, Dieser große Zuwachs ist fast voll in neue Wirtschafts- kredite umgewandelt worden. Die gesamten Wechselbestände (einschl. Schatzanweisungcn) sind von 3200 auf 3539, die laufend gewährten Kredite von 6711 auf 6812 Millionen gestiegen. Eine starke Vermehrung zeigen mit 1865 gegen 1662 Millionen die Kredite auf lagernde und schwimmende Waren, bei denen besonders gern Zluslandsgelder zur Exportfinanzierung benutzt werden. Di« den Börsengeschäften dienenden Bankkredite sind gegenüber November aüffälligerweise— aber in Uebereinstimmung mit der flauen Börse— gesunken, und zwar von 851 auf 795 Millionen Mark. kapitalerhöhunqen für Bayerns Elcktrowirtjchaft. Die Bayernwerk A.- G. hat ihr Kapital von ,6 auf 18, die Mittlere Isar A.- G. von 18 aus 27 Millionen erhöht. Der boycrischeStaat.derdie Gesellschaften größtenteils beherrscht, soll die jungen Aktien zu 100 Proz. übernehmen. Beide Gesell- schaften, auch die Walchenseewerk A.-G., verteilen je 4 Proz. Dividende. Das Sprilmonopol wird auch In Danüg eingesührl, da die Danziger Regierung im Hausl>alt fehlende 6 Millionen Gulden durch Alkoholbewirtfchaftung und Erhöhung der Verbrauchsabgabe decken will. Der Gesetzentwurf ist schon beim Senat. Der deutsche Z5-Willionen-Sredil an Rumänien ist unter Füh- rung der Reichskredit-Zl.-G. grundsätzlich beschlossen. Weitere Verhandlungen über das Industrie- und Verkehrsousbau- Programm sollen die von Deutschland zu leistenden Material- l i e f e r u n g e y betreffen. Hantel He renstoft- 5 Ana litten FeidiesWeld reine Wolle, mit Kurbelst! okerei Sakko-Anzug CheTiot, haltbare Qualität RotLHantel reinwollen. H Herrenstoff,> ganz gefüttert; 6abrd.-Ulster gute Paßform%• und Verarbeitung• �hnnFblut�i IM OSTEN:<�v yr-frantfurfgrürln |p£CKf KßAUTSIR- AM 5IßAU5SÖGPL* im Süden: pBsttfaflserdammß Ltnsere ElektriziiSiswirischafi. Llebersicht nach der letzten umfassenden Statistik. Der Siegeszug der Elektrizität wurde auch im Jahr« 1927 nicht unterbrochen. Nach dem Schlußbericht des Statistischen Reichsamts über die Ergebnisse für 1927 betrug die Gesamterzeugung im deutschen Reichsgebiet 2ö,1 Milliarden Kilowattstunden gegen 21,8 Milliarden Kilowattstunden im Vorjahre und 20,3 Milliarden Kilowattstunden im Jahre 192S. Die Stromerzeugung stieg gegen- über den Borjahren in den öffentlichen Werken um 21 Proz. und bei den eigenen Anlagen um 16 Proz. Die Stromerzeugung pro Kopf der Bevölkerung beziffert sich auf 39? Kilowattstunden gegen 3�0 Kilowattstunden im Jahre 1926 und 325 Kilowattstunden im Jahre 1925. Die K o« z e n t r a t i o n der Stromerzeugung hat während de? Berichtsjahres'weitere Fortschritte gemacht. Di« Bedeutung der Stromerzeugung in. kleinen Anlagen geht immer weiter zurück, und di» Stromselbstoersorger haben sich vielfach auf Strom b e z u g um« gestellt. Die Erhebungen des Statistischen Reichsamtes erstrecken sich auf 7114 Kraftanlagen. Davon waren 1399 gewerbliche Elektrizitätswerke mit einer Erzeugung von 12,3 Milliarden Kilo- Wattstunden, 6015 Eigenanlagen mit einer Erzeugung von 12,8 Mil- liorden Kilowattstunden. Die Steigerung der installierten Maschinenleistung betrug bei den öffentlichen Werken 11 Proz. und bei Eigenanlagen 3 Proz., und ist insgesamt von 9,6 aus 10,2 Millionen Kilowatt gestiegen. Die Energiewirtschast Deutschlands wird nach wie vor von den festen Brennskosfen beherrscht, und zwar 36 Proz. aus Steinkohle und 34,2 Proz. aus Braunkohle. Die Umstellung der Werke auf Verwendbarkeit billiger Staubkohle ist auch im Berichtsjahr« festzustellen. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft hat sich im Be> richtsjahr weniger erhöht, als diejenige aus festen Brennstoffen. In Bayern betrug die Steigerung 14 Proz., in Württemberg 29 Proz., in Baden 19 Proz. Der Anteil der aus Wasserkraft erzeugten Energie an der Gesamtstromerzeugung betrug 15 Proz. gegen 14 Proz. im Jahre 1925. Die Elektrizitätserzeugung aus Gas ist ebenfalls im Berichtsjahre zurückgeblieben. Ihr Anteil an der Gesamtstromerzcugung betrug 10,7 gegen 11,2 Proz. im Borjahre. Zwischen den öffentlichen Elektrizitätswerken und den Eigenanlagen bestehen hinsichtlich der Verwendung der Kraft- quellen' erhebliche Unterschiede. Die Stromerzeugung der öffentlichen Werke erfolgte zu 79 Proz. aus festen Brennstoffen und 19 Proz. aus Wassertraft. Di« restlichen 2 Proz. oerteilen sich auf die übrigen Kraftquellen. Bei den Cigenanlagen überwiegt als Energiequelle durchweg der feste Brennstoff. Hier benutzen die An- lagen über 5000 Kilowatt in großem Umfang auch Gas, Abhitze und sonstige im eigenen Werk anfallende Kraftquellen. Die Erhebung für das Jahr 1927 gibt zum ersten Male Auf- schluß über die Stromerzeugung der einzelnen Gewerbe- gruppen. Mehr al»»ier Fünftel der Stromerzeugung der Cigenanlagen entfallen aus den Bergbau und die eisenschasfeqj>« Industrie.(Schwerpunkt Rheinland-Westfalen), die chemische In- dustrie(Provinz Sachsen und Bayerns und di« chr verwandte Papierindustrie(Sachsen und Thüringen). Die eisenschaffende Industrie erzeugt ihren Strom zu 60 Proz. aus Gas. Die chemische Industrie verwendet als Energiequelle überwiegend Braunkohle und außerdem— namentlich in Bayern— Wasserkraft. Jnteresiant ist im Bericht die Aufstellung über den Aus» landshandel mit elektrischer Energie. Die Strom- abgäbe nach dem Ausland erhöhte sich hiernach um rund 30 Proz. und zwar hauptsächlich infolge der zunehmenden Strom- abgab« an Polen. Trotz dieser Steigerung liegt der Strom- bezug aus dem Ausland immer noch um rund 50 Proz höher als die Abgabe der elektrischen Energie an das Ausland. Im Rahmen der Gesamtelektrizitätswirtschaft spielen diese Zahlen eine geringe Rolle. Immerhin beweist die jährliche Zunahme des Kraftaußen- Handels, daß die elektrische Energie immer mehr die nationalen Grenzen sprengt und wir in kommenden Jahren mit einem erhöhten Stromaustausch zu rechnen haben. _ I. O. Schlechte Vranntwelnwirtschast. Der Abschluß des Branntweinmonopols für 1927/2 8 zeigt, soweit der Umsatz in Frag« kommt, eine recht günstig«' Entwicklung. Angeliefert wurden 2,596 Millionen Hekto- liter WeinMist(davon 1,922 Millionen aus landwirtschaftlichen Be- trieben) gegenüber 1,699 Millionen Hektoliter im. Borjahre. Der Absatz steigerte sich von 2,312 Millionen Hektoliter auf 2,424 Mil- lionen. Die Meng«, die zum regelmäßigen Verkaufspreis abgesetzt wurde, also vorzugsweise Trinkbranntwein, verringert« sich von 695 000 auf 663 000 Hektoliter. Die Verringerung dürft« sich aber aus anderen Ursachen erklären und nicht aus einer Verringerung des Verbrauchs an Trinkbranntwein. Nur unwesentlich gesteigert erscheint der Absatz an Branntwein für Antriebszwecke (179 000 gegen 167 000 Hektoliter). Di« Einführung von Motorsprit scheint sich also nicht so zu vollziehen, wie man das früher einmal erwartet hat. Wie bereits in den Dorjahren, ist die finanzielle Entwicklung äußerst unbefriedigend. Das Monopol nahm 289,6 Millionen Mark an Steuern«in und führte davon nur 264,7 Millionen Mark an das Reich ab. Zwar sind dieses Mal rund 8 Millionen Mark mehr als im Vorjahr an das Reich abgeliefert worden, jedoch steht diese Steigerung in keinem Verhältnis zu der Umsatzsteigerung. Gewinne in der Metall wareninduslrle. Die Thüringer M e- tallwarenfabrik H. A. Erbe in Schmalkalden, die in der Hauptsache Bestecks und Haushaltsmetalle herstellt, hat wieder ein sehr gutes Betriebsjahr hinter sich. Bei einem Reingewinn von 225 000 M. kann die Dividende der beiden letzten Jahre von 9 auf 10 Proz erhöht werden. Außerdem wand«rn trotz erhöhter Abschreibungen noch 45 000 M. vom Gewinn in die Re- seroen. Der Thüringer Metallwarenfabrik sind die heraufgesetzten Preise sehr gut bekommen, doch wäre es heute hohe Zeit, nicht nur einseitig Exportpreise zu senken, sondern auch dem beut- schen Konsumenten den Bezug von Masienartikeln zu vcr- billigen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlio aimenduvaen für diese ZNibrU nur au das ZugendWretariae StNia 638 Oft. Cindcnffrafe J Für die Zutrru-tlanal« Surldakbuna am t. April irr der JJLtatn äSttt*, Hafer>b«it>e, lind heute, Mittwoch, die»»laßlartea und Handzettel abzuholen. heute Mittwoch, 19% Uhr: Gesundbrunnen II: Schule Shristianiastr. M.„Koalition und Klaffcnkamvf." — Hkdding: Heim Turiner, Ecke Seestraße.„Sozialismus— Nationalismus."— H-lmholtzplaß: Heim Tanziger Str. 62..Unsere Werbearbeit."— Pet-r-burg-r Viertel: H-Im Tilsiter Str. 4. Mitgliederversammlung für April.— W-richauer Viertel. R. g.: Heim Litauer Str. 18..G. Hauptmann."- Reichenberger Viertel: Heim Brihcr Str. R. Wcrbcabend.— Sharlottenburg-Nord: H-rm Older-stroße sSpielplotzs.„Die Utopisten", 2. Teil.— Tempclhof: Heim Luzeum Scrmaniastr. j— k.»Rechte und Pflichten eines Lehrlings."— Zallenberg: Eemeinschaftshaus. Osterfahrtdesprschung.— Zriedrlchshagen: Heim Ki edrich- straße 87. Osterfahrtbesprcchung.— Licht-nberg.Mitte: Heim wcharnweberitr. S. Ostcrfabrtbesprechung.— Lichtenberq-Reu: Treffpunkt zum Vcsuch des»um« vom DMV. 19 Uhr Bahnhof Neu. Lichtenberg.— Kriedcichelclde: Helm Schlog. straße. ecke Alt-Frietrichsfelde.„Aufgaben und.stiel« der SAZ." Werbebkgirk Slköneberg: W..V.-?orstandsstßung im Lokal von Jürgens. Barbar- ffastr. Se. Die Vertreter der Partei. Kinderfreuudc und Iungsozialüten „FranzSsische sind herzlich eingeladen. »6». Wedding: Schul« Dotenburger Str. 2. ITH Uhr: Schulen."~ SS®,«enkölln: Heim Bcrgstr. 29..Arbeitsbesprechung. Voriräge,VereineundVersammlungen. G Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Seschästsstelle: Berlin S U. Sebastianstr. 37/38, Hol 2 Tr. Mittwoch, 27. März. Reukölln-Vriß, L«ameradschaft, 1, stug: 20 Uhr Zugversammlung bei Erommcck. Sanderstr. 10. Vortrog Kam Schlimme:„Sozialpolitik". Erkner: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Karbe.— Donnerstag. 28. März. Ariedrichshoin. Iungbanner: Ostcrivandcruug nach Dubroiv— Burg. Treffpunkt 17*5 Uhr«Slirlißer Bahnhv,. Haupteiitgang. Nachzügler Sonnabend. 30. Miirz, 11% Uhr ebenda. Fahrtunkosten« M.- » r«>tag, 29. Mörz. Sharlottenburg: 10 Ulir Treffen aller Sportler und Zügen» Sportplatz an der Avusbahn zum Waldlauf. Lichtenberg«Ortsvercinf: 9', Uhr ordentlich« Generalversammlung im Logenkasino, Knorrpromenadc 3. stutmt haben nur Delegierte mit Ausweis und Mitgliedskarte. Saalkontrolle Kamerad. fchaft Boxhagen. Die Ausweis« sind nicht übertragbar. M-rincabte>l--g: 8 Uhr Arbeitsdienst. Nuderriege: Arbeitsdienst im Bootshaus Wend?nsch:oß.— R-uI-lln-Brih: Montag, l. April, ll�i Uhr. 2. Konzert de» Musikkorps isieichs. bailncr Neukölln. Dirigent R. Nudlofs. Unter Mitwirkung drr Tnpograph-a. Am Klavier Manfred Legall. Künstlerische Leitung Dr. Hugo Strclißcr. An. schließend Tan,.— Prenzlauer Berg, Zungbanner: Donnerstag. 28. Marz. Mrstenwalde.jfahrer pünktlich 19 Uhr am Bahnhof Alexanderplaß. Eingang Dircksenstraßc. Bundcskleidung. Deeken mitbringen.— Treptow, Zungdanner: Mittwoch. 27. Mörz, lO'N Uhr, im Jugendheim Bildenbruchstraße. Erscheinen Pflicht. Gauuorstand. Zungbanner-Schulungskursui Mittwoch, 27. März, lOVi Uhr. im Gesundheitsljous«reuzderg. Am Urban 9—19. Portrag Kamerad Dr. Neu. mann:„Jugend und Geschlechtskrankheiten." Arbciter.The-ier.Bund Drutschlauds, e.«. Kür dir Teilnehmer unserer zu Ostern in Berlin stattflndenden Neich-konf-ren, erbitten wir umgehend MU. tcilung von Gesinnungsfreunden, die gewillt sind, Delegierte in Ouartier zu nehmen, an Margarete Lade, Berlin NO. 33, Hufelandstr. 18._.. Vereinigung ehemaliger krirgsgelangeuer Berlin-Süden. Versammlung Donnerstag, 28. März, 30H Uhr. bei»rüger, Grimmstr. 1. Die mangeihafle Funklion der Ausscheidungsorgane hat schlechtes Blut und die Ansammlung von Krankheitsstoffen zur Folge Nehmen Sie eine Zeitlang Reichels Wacholder-Extrakt„Marke Medico". Er sorgt für gutes Funktionieren des Stoifwechsels und hält Leber und Nieren in Ordqung In Drogerien und Apotheken erhält- lich, aber echt nur in Originalfüllungcn mit Marke Medien. Osterausfllia FFHIZV"I_ÖI Ueberau erhältlich St. Unterhaltung unö AAissen UBtl'jüUgilALL-MJJiJWJL.iLlLMJJ— E8B3i lillllil II....................................................................................... III! HL____ Ä Vaiumkes Dlorbert Majunke verachtete sich selbst. Ein Bummler war er, ein Schmarotzer in all der Berliner tempotollen Geschäftigkeit. Schon dag er dichtete, verzieh er sich nie, vor allem, daß ei Bcrse und Epen schrieb, die kein Mensch drucken wollte. Ja. wenn er ein Poem- fabrikant wäre wie man Parfüme fabriziert, dann hätte er sich gelten lassen. Doch so für einen ganz waschechten hungerleidenden Dichter gehalten zu werden und— unzähligte mißglückte Versuche, in die Geheimnisse geordneter bürgerlicher Tätigkeit einzudringen, bewiesen es— für nichts anderes zu taugen, als mit zärtlicher Hingabe ab- wegige Gefühle in der chaotischen Menschendrust zu deuten, mit einer„silbernen Sprache, die das Erlebnis atmete", wie ein Kritiker jüngst schrieb— das war einfach keine Lebensaufgabe in diesem handfesten Jahrhundert. Wer lebt noch von solchen Kinkerlitzchen, hatte ein Bureauinspettor gesagt, bei dem er Hilfsschreiber werden wollte für 1SÜ Mark monatlich. Norbert Majunke lebte davon. Seit Jahren. Sich von dem .kionorar für ein Gedicht drei Wochen nährend. Geschenkte Klei- dungestücke zu Würden gelangter Mitschüler tragend. Bei einer alten Jungfer wohnend, die seine Verse sammelte, ein Tantchen aus dem vorigen Jahrhundert, die in Majunke Heinrich von Kleist wieder auferstanden sah. Nu wenn schon, dachte Majunke. Aber lassen wir ihr das Vergnügen! Fräulein Breitenbrett sah in Majunke wirklich ein höheres Wesen. Sie liebte ihn, wie man Götterknaben liebt, also auf«ine so heilige, innige Weise, für die heutigentags jedem Menschen, der in die Welt paßt, ganz einfach da� Organ fehlt. Fräulein Breitenbrett flüsterte:„Mein Dichter, hier ist Ihr Kaffee!" Und wenn es auch nur Kornfrank- Sirup war, den sie ihm bot und ein« gestrige trockene Semmel dazu, so war das doch zweifellos eine schöne, gute Tat von Fräulein Breitenbrett. Mit ihrem neugierigen Mausegesicht schnüffelte sie dann über Tisch, Stuhl, Kommode und Bett, viel mehr stand übrigens in dem Kämmcrchen nicht, ob ein frisch beschriebenes Blatt da lag, womöglich mit der Widmung„Fräulein Anastasia Charlotte Breitenbrett zugeeignet". „Nun sind schon sieben Monate vergangen, seit Sie Ihr letztes Drama vollendet haben, Norbert, und seit drei Wochen fehlt das tägliche Gedicht." „Haben Sie eine Zigarette?" knurrte er. „Erst dichten," bat sie, halb altjüngferlich beleidigt, halb besorgt. „Ohne Zigarette kann ich keine Gedanken mehr fasten." Anastasia Charlotte sah ihn voll Mitleid an. Ihr Unmut ver- flog. Sie eilte in ihr biedermeierliches Stübchen und holte ein Kästchen mit fünfundzwanzig Zmeipfennigzigaretten hervor, die sie von ihrer letzten Kleinrentnerzahlung sich abgespart hatte. Zehn Stück fehlten schon wieder: aber er braucht eben die Zigaretten wie Schiller den Geruch fauler Aepfel, dachte sie. Sie rauchten ja wohl alle heute, von Gerhart Hauptmann angefangen, beim Schaffen. Also auch Norbert Majunke. Sie brachte die Zigaretten. Masunke zündete sie' sich am"„In fünf Minuten liefere ich mein Gedicht ab, damit Sie sehen, der Born ist nicht versiegt, Anastasia Charlotte, gütige Gönnerin. edle Greifin—" ,.O— mein Dichter. Sie belieben mich zu verhöhnen—" Sie sprach wirklich diese courthsmahlerhaste Sprach«. Hier in dieser allen Iungsernseele war sie urecht und urlebendig.„Ich gehe, ich warte, ich weiß, Sie werden mich nicht enttäuschen." Und sie trippelle auf Zehenspitzen hinaus, ihr immerwährend getragenes Kapollchen zitterte auf dem dünnen grauen Haar, und das runzelige Mausegesicht lächelte oerklärt. Sie hatte den Dichter zu neuen, Schaffen angefeuert.— Als sie tue Tür schloß, da warf ihr Mo- junke allerdings ein Gastenwort nach, dos sie Gott sei Donk nicht verstand. Sie hatte es in ihrem sorgsamen behüteten Leben nie aus anderem Munde vernommen, aus Norberts hehrem Dichter» munde, besten Sprache ihr Honig der Sphären war, so Gräßliches zu hören, wäre ihr wahnsinnsnah« Qual gewesen. Dabei war es natürlich gar nicht bös gemeint. Und Majunke schrieb: Letztes Gedicht.. Das Leben ist ein Trauerspiel. Nun sei's. Und kannst du viel, was kannst schon viel. Drum Ich... Aus alles, was da groß sich tut, Nur tut. Der schönste Präsidentenhut. Ein Hut. Und alles wird zu hoch bezahlt, Nur nicht, Was einsam aus der Seele strahlt Und scheu zerbricht. Majunke lachte diebisch. Er war voller Verachtung und Haß gegen diese betriebsame Welt und gegen die idiotische Groteske seines Lebens, so daß es ihm Genugtuung war, sich an der alten Jungfer mit diesen bissigen Bersen zu rächen Er wußte, sie hatte es am wenigsten oerdient, wenn ihm ihre betuliche Güte und ihr« auf- richtige Verehrung auch auf die Nerven ging, schließlich wäre er ohne sie längst obdachlos oder verhungert. Cr warf die Derfe durch den Türspalt. Wartet« auf ihren empörten Aufschrei. Sah sich schon hinausgeworfen: Elender!! Der- dorbensr!! Aber Fräulein Breitenbvett kam noch einer Weile mit ihrem alten gütigen, oerklärten Lächeln hinein. „Dank,»nein Dichter, Dank! An jeder Zeile spüre ich, trotz Not und Entbehrung, die Ihr Körper erduldet, schwingt sich dennoch die Seele zu lichteren Höhen! Nur etwas ist mir unklar— g'ng J'men da der Reim aus— oder was soll das heißen, das angedeutete Wort-n der vierten Zeile—?* „Reimen Sfe doch!" brüllte Majunke wütend. „Ja, ja— aber das ist doch nichts-- was bedeutet das?" lind sie buchstabierte dos Reimwort der vierten Zeile mit einer d«"irt engelhaften, unschuldigen Miene, daß plötzlick Majunke merkte: sie kannte dies wegwerfende Gastenwort wirklich nicht. „Anastasia Charlotte— Anastasia Charlotte— lachte er unter Tränen,„du bist ja ein viel größeres, seltenes, edleres Geschöpf der Welt als ich. Du bist die letzte kindliche Seele Berlins. Deutschlands. der Welt! Ist so etwas möglich!" „Ja. mein Dichter, was denn—?" „Das verstehen Sie nickit. wenn Ich es Ihnen erkläre, Anastasia Charlotte' Aber kommen Sie her—" Er nahm das alte dürre Mädchen in feine Arme und küßte den jungfräulichen Mund. Das ist zwar sentimental, dachte er. leimte® Q Aber ich muß es tun. Sie verdiente es. Er schaut sie mit Rührung an:„Sie ganz guter Mensch!" „Norbert Majunke, mein Dichter— nein— ach—" .Lch will Sie wirklich nicht veräppeln, wirklich nicht," sagte Norbert Majunke unter Tränen lächelnd.„Und jetzt will ich ver. suchen, ein anständiger Mensch zu werden, nicht mehr zu dichten. sondern arbeiten!" „Nicht mehr dichten??! Norbert! Ihre heilige Sendung!" „Aber wir verhungern doch eines Tages beide." „Dann werde ich erst arbeiten, wenn meine Unterstützung nicht langt. Ich plättck, ich sticke, ich gehe als Scheuerfrau. Aber S�e! Oskar Wöhrle: ZpZSASkNNgf DJie schwarz ein fiten sich scharf abhebt vom Himmelsblau und ragend reckt die schmalen Eisenglieder, so lroh auch ich ins Wert gefügt und schau an mir gebändigt auf und nieder. Trohdem gelenkig alle Glieder spielen. such ich erschauernd nach den neuen Zielen. Du volles Schiffi Lah deine Wimpel fliegent Schmück' die Masten t Und wieder dreht sich dumpf die Dampfturbine. Ich packe gierig nach den schweren Lasten. schlepp sie gehorsam, ganz Waschine. in helle Kammern ein und fühle schmerzlich die Pracht, in der ich wühle. Was soll mir Gut aus India? Was Gut aus aller Welten Ende? Eins wie das andre, keins ist da, das ich für mich als mein erkennte. Eins wie das andre, keins ist da. das willig bei mir bliebe. kein einz'ges kennt Beständigkeit, kein einziges die Liebe. Und immer muh ich tälig stehn und muh mein ganze» Leben. ja. Tag für Tag. ja. Schlag für Schlag, die fremden Lasten heben. Und doch macht es mich schön und gut: es ist ein Weitergeben! Niemals werden Sie sich selbst verleugnen! Majunke!! Sie sind auf der Welt, die Menschen mit Ernsterem, Tieferem, Ewigerem zu de. glücken."" „Aber wenn ich nicht mehr wollte—" „Sie können ja nichts anderes." Sie sagte es verklärt. „Ja, wahrscheinlich kann ich wirklich nichts anderes." sagte er voll Hohn gegen sich selbst. Aber da traf ihn ein anbetender Blick, ein flehender zugleich Anastasia Eharlottes, und weil er wahrhaft nicht mit der ausbrechenden Energie eines amerikanischen Selsmade- man, sondern mit der zuinnerst weichen verträumten deutschen Seele des vorigen Jahrhundert, wie sie in einigen mühsain vegetierenden Menschlein auch noch heutzutage lebt, begabt war. so blieb er. Sein„letztes Gedicht" war nur der Austakt zu neuen ungedruckten Dramen. Versen und Novellen, lind sie wurden gesammelt, Stück für Stück, blau und rot und golden umschnürt, von"Anastasia Charlotte Breitenbrett. Kaum hundert Meter vom Spittelmarkt entfernt, wo das„andere Leben" sich in Geldjagd und arbeitswütigem Ehr- geiz wirklich und echt dünkt, geschieht noch heute dies leise Dasein der beiden Vergessenen und Weltverlorenen, in einer kleinen Man- sardenwohnung— wer aber will ganz genau wissen,»b sie nicht das Geheimnis des Lebensglücks eher ergründeten als jene Lärmen- den mit gefrorenem Lächeln, die auf ihrem Mercedes oder Ford ihr Herz im Tempo der Zeit dahinrasen ließen. Wohin? &unde in llr und fflisch ArchSjoloyisdier SJcrrcfs für die Sinlflul Für die Sintflut, von der die Bibel berichtet, ist ein über- raschender Beweis bei den Grabungen gesunden worden, die der englische Archäologe C. Leonard Woolley seit längerer Zeit an der Stätte des alten Ur der Choldöer in Mesopotamien ausführt. Der Bericht des Gelehrten, von dem bereits Auszüge mitgeteilt wurden, stellte fest, daß sich zwischen den Gesteinsschichten, die mit Kultur- Überresten aus den verschiedenen Epochen der sumerischen Geschichte durchsetz! waren, plötzlich«ine 8 Fuß tief« Schicht von wasserhaltigem Ion fand, in dem nicht die geringsten Spuren einer menschlichen Siedlung aufzufinden waren. Die Kulturschicht unterhalb dieser Tonlag« zeigte ein Stadium, in dem bemalte Töpfereien vorherrschten und nur«ine geringe Kenntnis des Kupfers vorhanden war. In der Schicht, die über der Tonlage sich befindet, erscheint eine Kultur, in der das Kupfer ausgiebige Verwertung findet, aber keine Spur von bemalter Töpferei mehr zu finden ist.„Nur eine Flut, und zwar eine von außerordentlichem Umfang", so meint Woolley,„konnte dies« 8 Fuß dicke Tonablagerung verursacht haben, und die Tat- fachen, die unsere Grabungen ans Licht bringen, lassen sich auf keine- andere Art erklären." Die englische Wissenschaft beschäftigt sich bereits eifrig mit dieser aufsehenerregenden Entdeckung, und man glaubt, hier den„ersten tatsächlichen archäologischen Beweis für die Sintflut" gefunden zu haben. Die Theorie erfährt noch«ine bedeutende Stärk« durch die Mit- teilungen des Professors für Asfyriologie an der Universität Oxford, Stephen Langdon, der S Jahre lang die Ausgrabungen von Kifch in der Näh« von Babylon für das Field-Mufeum geleitet hat. Auch bei diesen Grabungen wurde eine Erdschicht festgestellt, die äugen- scheinlich von einer großen Flut überschwemmt worden war und in der sich«in gestrandeter Fisch befand. Oberhalb und unterhalb dieser Schicht wurden Ueberreste verschiedener Kulturen gesunden. „Es scheint mir in hohem Maße wahrscheinlich, ja ganz sicher", er- klärt Langdon.„daß die Tonfchicht in Ur von einer großen Flut hervorgerufen wurde und nicht von einer bloßen Ueberschwemmung des Flusses. Da die Kulturepoch«, die sich unter dieser Schicht fest» i stellen läßt, etwa mit dem Jahre Z200 o. Chr. endet, so darf man die Sintflut etwa in diese Zeit verlegen, die ja mit den Daten über- einstimmt, die sich aus der Bibel erschließen lassen. FreiUch müßten auch noch Grabungen an Stätten vorgenommen werden, die nicht direkt am Fluß liegen, um aus diese Weise jed� Möglichkeit einer lokalen Ueberschwemmung auszuscheiden. Di« Flut zerstörte den größeren Teil der sumerischen Kultur vollständig. Unter der Flut- schicht ist in Krsch das große Bauwerk gesunden worden, das so schöne goldene und silberne Schätze enthielt und altertümliche Ln- schristen. Die Flutschicht ist nirgends durchbohrt, so daß die An- nähme ausgeschlossen ist, daß irgendetwas von dem, was wir g«° funden haben, von Menschen hier vergraben wurde, die nach der Flut kamen. Augenscheinlich war Kisch 6 oder 7 Jahrhunderte vor der Flut die größte Stadt des sumerischen Königreiches und befand sich in einer Hochblüte, bis es von den Wassern verschlungen wurde. Wir haben bei unseren Grabungen auch Spuren von zwei kleineren Ueberschwemmungen beobachtet, die etwa um 4cXX> v. Chr. sich er- eigneten. Unter diesen Schichten wurden Mengen schöner Töpferei, aber kein« Jnschristen gefunden." Die Schriftfunde in Kisch reichen weiter zurück als die in Ur. In Ur hat man bei den letzten Grabungen in einem„armen Grab", dos augenscheinlich keinen Herrscher oder hohen Würdenträger barg, beschrieben« Torrtäfelchen ausgegraben, die etwa um das Jahr 3500 v. Ehr. zu datieren sind. Die noch älteren Inschriften von Kisch haben eine viel altertümlichere Fyrm. Lang- don nimmt aber an, daß die Kunst des Schreibens den Sumerern schon vor 4000 v. Chr. bekannt gewesen ist und daß man noch äljere Inschriften in Kisch entdecken wird. Jedenfalls unterstützt auch die literarische Ueberljeserung der Sumerer den archäologischen Fund, und so treffen viele Beobachtungen zusammen, um die Darstellung der Bibel von der großen Flut als. eine geschichtliche Tatsache zu erweisen., Die äliesien tßäume der Welt Das Geschlecht der Pflanzen verfügt über Greis«, wie sie weder Menschen noch Tiere auszuweisen haben. Gibt es doch eine Anzahl von Bäumen, die das Alter von mehreren tausend Jahren bereiia überschritten haben und noch heut vorhanden sind. Allerdings witd man die meisten Angaben nur mit Vorsicht betrachten dürfen, da nur dort die Jahreszahlen uralter Bäume Vertrauen verdienen, wc sich totsächliche Urkunden über die Geschichte der Bäume vor- finden. Einer der berühmtesten Baumgreisc der Welt ist der sogenannte „Vuddha-Vaum", der sich in Anuradhapura auf Ceylon befindet und der heute einen Wallfahrtsort für fromme Buddhisten darstellt. In Anbetracht seiner religiösen Bedeutung sind von den Buddha» Priestern über diesen Baum Auszeichnungen gemocht worden, ssie seine Geschichte tatsächlich aus 2200 Jahre zurückveriolgen lassen. Der Baum wurde im Jahr« 2S0 v. Chr. vom König Dcwanampya angepflanzt. Da er mit dem Baum verwandt sein soll, unter dem Buddha schlief, so wurde er seit jeher als Heiligtum Buddhas de- trachtet. Noch älter ist der Drochenbaum von Orutawa, der ongeb- lich 8000' Jahre alt ist, ohne daß allerdings sein AlteF'iAsächlich verbürgt ist Dieser Baum stand in der Nähe des Landhauses La Plaz, wo Humboldt im Jahre 179? diesen Drachenbäurtid fand und mit einem Stamme von 15 Meter Umfang beschrieb. Er wurde im Jahr« 1868 durch einen Sturm vernichtet, dem er wegen seines hohen Alters nicht mehr standhalten konnte. Berühmt ist auch fernerhin die Platane von Böjüt-Dcrc in der Nähe des Bosporus. Hier befindet sich«ine sehr bekannt« Platanengruppe Jedi-Kardasch, wo angeblich bereits Gottsried von Bouillon gelagert hat. Di» älteste dieser Platonengrupp« Jedi-Kardasch(„Die sieben Brüder") soll das hohe Aller von 4000 Jahren haben. Auch die„PWIane des Cäsar" in Tratcssus l)Qt angeblich ein Alter von 2000 Jahren erreicht. Sicher ist, daß die Platanen eine Höhe von 20 Metern und einen Stammdurchmesser von 15,4 Metern erreichen. Damit sind sie aber noch nicht die dicksten Bäume, denn es gibt Edelkastanien, deren Stammdurchmesscr nicht weniger als 20 Meter beträgt. In den Urwäldern kann man heut nach Bäume von ähnlichem Umfang sehen, und es ist klar, daß diese Riesen auch ein wahres Methusalem- alter erlangt haben müssen, bevor sie zu so gewaltigen Größen ange- wachsen sind. Ost genug sind heilige, dem Gedächtnis berühmter Leute geweihte Bäum«, die angeblich über ein ungeheures Mter verfügen, bereits vor langer Zeit abgestorben und durch neue ersetzt. während die fromme Legend« von diesen Tatsachen niö'ös berichte!, um dem Baum nicht seine Weihe zu nehmen. Zu diesen berühmten Bäumen gehört« der Feigenbaum am Fuße des palatinischen Hügels, an dem die Mulde mit den ausgesetzten Kindern Romulus und Remus hängen geblieben war, unter dem sie angeblich von einer Wölfin gesäugt wurden. Im Anschluß daran sei mitgeteilt, daß man für mehrere Bäum« ein sehr hohes Aller auch wissenschaftlich berechnet hat. So glaubt man, daß Zypresse und Eibe ein Alter von 3000 Jahren, die Zeder vom Libanon und die Kastanie ein Aller von 2000 Jahren,' die Fichte ein Alter von 1200 Jahren, Lärche und Kiefer ein Alter von' 500 bis 700 Jahren und die Buche ein Alter von 300 Jahren er. reichen. Es handelt sich also hier um Lebensvorgänge, die, an dem Erdendasein der Mcnfchen gemessen, ungeheuer longdauerud sind und selbst die Lebensdauer der größten Tiere weit übertreffen. �iefenkralaser" In Vapan Für Japan ist die Ausbildung einer vollkommen erdbeben- sicheren Bauweise wohl die wichtigste Aufgabe der Bautechnik. Die groß« Katastrophe von 1023 hat zu hohe volkswirtschoittiche Werte vernichtet, als daß diese Sorge so bald wieder verschwinden dürste. Die bedeutendsten japanischen Architekten haben sich der Aufgabe gewidmet, bebensichere Bauweisen auszubilden. Die amerikanisch- europäische Bauweis« eignet sich keineswegs für die tcktonischcn Verhältnisse Japans. Andererseits zwingt oöer auch die Beschränkt- heit des japanischen Raumes mit seiner gewaltigen Ueberbeoölkerung zur intensiven Ausnützung der vorhandenen und nutzbaren Boden- fläche. Deshalb muß die japanische Bautechnik neue Wege gehen. Die Wege, die man dabei einschlägt, dürften den Europäer etwas eigenartig zumuten, sind aber gar nicht so ungewöhnlich. So will jetzt«in Tokioer Bauunternehmer ein großes Geschäftstiefhaus, das nzan in Analogie zum amerikanischen„Wolkenkratzer"„Tiefkratzer" nennen kann, bauen. Der Plan wird in der gesamten japanischen Tagespreffe eifrig besprochen. Dieses Tiefhaus soll nicht weniger als 25 Stockwerke erhalten, von denen 34 unter der Erde und ein Stock- werk zu ebener Erde liegen werden. Der Bau soll in Eisenbton errichtet werden, da» Rcchmenwerk wird Stahl fein. Die Bauzeit des Tiejtratzer» wird«ehrer» Jahre umfassen. Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, i.27. 3. Siaats-Oper Unter d. Lirtden A.-V. 79 20 Uhr Ililadatne Butterfly Mittwoch, d.27.1 Staut. Oper BismarcKstt. Turnus III 20 Uhr Orpheusu. Enrydike Staais-Oper | Am Pl.d.Republ. A.-V. 10 19'/, Uhr Jphlgenie autlauris Staat). Sdiausph. am Gcodarm nffljikt A.-V. 74 20 Uhr Karl o. Anna Staat). Sehiller-Theater.Ctiaritl). 20 Uhr O e d i p u s Berlin NW 7, Unier den Linden 48/49 Bilanz am 3*1. Dezember 1928 Aktiv» Kasse, Guthaben, Wechsel n. Lombardforde rangen Wertpapiere(davon eigene Oentr»lpf»ndbrieie u. Kommunalschuldverschr. KM 10 548 689,49) Roggenhypotheken............ Goldhypotheken......... Im Goldhypöthekenregister als Ersatideckung eingetragene Wertpapiere.........- IIyp..I)nrlehnsford. ans Rentenhank-Kreditanst. Llypotheken-Darlebnssinsen......... Köggen-Kommunal-Darlehnsfordenmgen... Gold-Kommnnal-Darlohnsfordeningen.... Kommunal-Darlehnszinsen.......... Verschiedene Debitoren und B»nkgeb&ude KM] Pf. 18 200 000:00 8 771 291 64 1 790 194 70 •299 398 295 1 00 23 405 769, 95 1 989 568: 70 98 019 590 00 26 562 418! 13 2 647 61 6| 79 480 784 764)91 Die auf 10", festgesetzte Dividende ist abzüglich der Kapitalertragsteuer vom 27. März ab zahlbar. Berlin NW 7, im März 1929. Preussische Cenfral-Bodenkredit-Aktieugeseltschaft Die DlrekHoa: Lindemann. B artmann. Oesterlink. Wrede. Passiva Aktienkapital........ �» Keserve- und Pensiohsfonds.(.......- 5*/, Oentral-Roggenpfandbriefe.. Ztr. 177 247 Central-Goldpfandbriefe.......... Gnthaben der Deutschen Rentenbank-Kreditanst 5•/, Roggen- Kommunal• Schuldverschreibungen Ztr. 196 987................ Gold-Kommunal-Schnldversfthxeibungen... Verschiedene Kreditoren...:..... Uebersohuss der Aktiva über die Passiva. RM 24 596100 11 884 777 1 790 194 ;i02 336 343 4 735 078 23 407 808 4 287 870 1 989 568 99 844 700 752 270 36 5 163 051� 09 480 784 764191 f'U Theater des Westens H Volhsbiiline flieattr aniBülotplali 8 Uhr Kreuzabnahme Theater am smilicauenianiin 3 Uhr Die Krankheit der Jugend Thalia- Theater 8 Lhr Oelrausch StaatLSdiilltr-Tl!. 8 Uhr Oedipus Thalia-Theater »resdener S|r. 72-7? 8 Uhr „Oelrausch" Beotjto Tbeatet D.i. forden 12310 8 U. Ende nach IV/i Die Intigan Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Tlieat ram Sdünuaueriiamni. No;den 1 141 u. 281. Tätlich- Vi Uli« Kranl:lieit der iiizend von Ferd. Bruckner Insz. Oust. Härtung Lennartz, Sriua ßr,)d. Kahnerr, Dämmest. Andersen, Rappard u. Dnschünsky. CASINO-THEATER Lornrinjei dtraUe 37, Neu! Neu! „Eine«ngeiietite Frau" Die Komödie J-l Wsmck. 2414/7516 81 4 L'., tnde geg. 10 wann Kommst Du wieder? Komödie von S. Maugham. Regie Gustaf Ciündgcns Karamerspiele 0. 1. Norden 12310 8V2 Um Ende geg. 10 Die Ursache Schauspiel » Leonhard Frank Regie: HansUcppe. und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Fers. Fautcuil nur 1.15 M. Sessel 1.65 M Sonstige Preise: Parket! u. Rang 0.80 M. Renaissance- Theater Hanlenliergitr. 6. Tel.; Steinpt MI». 7513/84 »><. Uhr. Zum 97. Male; SV< Uhr Die WelterfolgskomSdle „Das große ABC von Marcel Pagnol Reg': Gast. Barinna. la Premlerenheslsc. Theaters. KottbusserTor Kottbusser Str. 6. Tel. Mpl. 16077 Ttfglieh 8 Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr(ermSBigta Pralaa) a\EBite- Sänger u. 3.„Die Schönheitskönigin" verbunden mit Modenschau. Atlgem. Preisherabsetzung auf allen Plätzen Reichshallen-Thealer UiBbenU. QO Ubr. Sein tag ladun.|TJ Steißner SSnger Nachm. halbe Preise, Voltes Programm I FillcttbesicUungcn Tetepbon; Zentnun 11289. �Dönhoff- Brot»»: Variete ✓ Roanrl s Tuu. Sonmaa euch«;«4 Übt Orr grSHte Srsolg Berlins Friederike Musik von Lehne Srika v. Thellmann Karl Ziegler, Stcotsopn Wien Jrnstedl,{im barg, Sora. dtJJUr, JcMcrmann, Scj. «äffe mmnlet dr. eiein»L93in.7i8«{ Kleines Ibeater Täglich S'U Uhr: Curt Goetz, ▼•lerl'e 4. Marien« Ferd, y. Alten -, 4, ,1(0.tSF' j ...Trio" Lustsp. v. Leo Lern. Regie: Fricdmann- Frederldi. Dtoch. KUnitlar-Th. 8'/. Uhr Ponasch und Perlmutter als Detektiv P.nl Grfiiz. Karl EUtlnger. Seriinei Iieater OirekLHeinz Herald CharloitenstraOe Hi A. 7. Dönho« 170 Anf.SU., EndelOU. Helden von Bernard Shaw LusttpielbaDs SVi Uhr wiedaraonreten Guido Thielseher WHltend im Paradies v:S5ö},att Am Lager(Iber 150 Standuhren Goldene Herren-Uhren Uhren aller Art Gold- und Siiberwaren Silber- und Älpakabesledie Trauringe Karl Wutke Uh rmachetm eiste r InvalidenstraBa 16 (Stettiner Bahnhot) Gegründet lipo— ßettfedern doppelt gerelBigt jr»i e 60 Pf., 90 Pf., Rupf 1.50. wef« 3.50, 4—. Ilalbdau. neu, Z.75,veia,vo» daunig. 5., Daunen 4.-. 7-, welB dl» 10.—, Ober- betten, IVe-acblbtrig, von 12.—.Kissen von 3.50 aufwärts.— Muster gratis BSbm. Bettfcdernspcxialban» Sadiscl ä Stadler, Berlin C25 Landsberger Str. 43-47, KäheAlexanderpl. Filiale: 0 34, Kochhannstr. 24. a. Viehhol, Fahrveld wird vergütet Gr. Scbaospielhaus 8 KttnstleriA ERIK C I Melrapiilllieiiler I ch© IdCltung-: HARELL von Bernauer o. Wellteh Alfred Braun Mady Christians Trude lätesfe© HteitWr. Anw» Paul Morifan Paul Wcstormefer Uustav Matsner Marianne Winkalttern Iwan Orllk| Buddeibums An balden Unter- feiertacen naehmltt. 3 Uhr tmfekQrzto Vorstellmaf Kleine Preise Fritzi Hassary Max Hansen Usehl Uleot W. Jankutin H. Junkermanu W. HdiaofTers Marqulfa Stators Frtsco B>aaty 8irio| CoRKäUnbey« Aasstattungcn: Prof. Ernst Stern. Haeik. Leltang: Ernst Hank« Rudolf Perak* 1 5>©u auf Klektrolal KARFREITAd 8 Uhr DUOS DEM 8 UAr . KONZERT AUF 4 FLÜGELN mit seinam Orohetter and Solletaa. Frei« 1-4 4L Vorrerk. The»t«rkt«en, A, Werthalm, Bot« k Beek. Gelbtrnnk Mttfmnnm. Zaktn PomernnR. Frei« 1-6 iL Banwwsliy- Bohnen Theater in der KSniggrätzer Straße T i«*tich 8V* Uhi Riva I en Komödienhaue Täglich H Uhr Die ßrei-GrosdiED- Opei i heater am Nollendorfptat? Täglich 8','« Uhi Das fieid aut der straoe R oso-Theatei jrJnnkfBrt«! lt.131 8V« Uhr DnlilteSduditeln Lesslug-TliEafer Täglich 8 Uhr 3 x Hocteeit. Trianon-Th. Täglich S'/t Uhr Stg. nachm. Z><> Uhr Dar Herzog und die sonderin erlka GlSssnsr Manie Kenner v. MoBUeHertl Planelariam —— am Zoo—— fmur..udiimtnil« Ural. Noll. 1578 16'« Uhr Sternhimmel de» Frühjahr» I8>, Uhr StereblMtr und Welthau 20'• Uhr Wunder de» •Milchen Himmel» Tägl. auSer Montags u Mittw. Erwachs I Mks Kinder 50 Pf. Mi iw.: Erwachsene 50 PI.. Kinder 25 Pf. Blumettspenden ieber Art Ii t f t r t pee fem e 1 1 Paol Oollets norm. Robert Heyer Mari.nnrtu trage S lidt Nounynstrane Amt ÜRerigpl 103 03 ■VospetiiniBii tat n.btlllü? Nur GroS-Bariin A'exandornf«**. zur Miete W50, Ansbacherstr. I ster-Wein W Oninangs-.Raball- u.BeklamemarkeD gegen Nachahmung gesenl. gesch. fertigt seit48 Jaht als SpealalltSt. Conrad FfOller Lttpel» ScbkeudHi gr. Zinnnern «t>t» o. Rfaeu. matI«ma»-Tce-Ii lieb Kit 30 lihtin vu- ibflleb bswihrt. Utbtr 20000 Antrkninurqt«. Pjkel H. 1.80». 2.50 i» lau iiiin Ipelhtkin. Dr.Zln�r 2i Co., Leipzig 251.