Morgenausgabe Freitag «####■ � t"« «zch-n-nch ssPf, m-natNch Z.S0 M. SU W �Uf�' A■■ W■/ �■ Auswärts ilS vf tm Dorous gobibar, �oltiejug 4�2 SDi. W> JKJ QB W H f iW W H W W■ �UKWUllir .wichii-ßiich so Pfg. Po,lg.iw°s». und fpB W W W M H■■ W W W/ W Bi�v/ 72Pfg- Postbestellgebühr,«.Auslands. MU» p?» W W W W W W W W W W) W W»I»«onpanIll-z.N, abonnem-nl s,- M. pro Monal. W�W I DEL;■■ 99 WZ>W-> �9 1 M Pfennig,«rllame.u, 5,- Sttirtie- VSäl i Bw B B B B B B mark,„«law» da» itttge * Bi I Bi B B ��U�BV B B druck,.«aN L PIenn.g �B� B?/B ,«lg.bru,n. ffiortr)|.b«mrit«r» Won Nch zweimal. Eonatag» und Montag»>9 1 I // B L St.ll.ng.such. da»«rfte einmal, bi. älbcnbau»gaben für Berlin f'' MMV>7 B fflort Id Hsninig.(«b.» w.tter« W°n nnb im Handel mit bem Iit.I.D.r 10 Mennig. Wort, über» Buchstaben «benb». Illustriert,«eilagen.Volk T/ zählen für zwei Won., llrb.iismorfl SI$il666lllÄ4< Büch.no.lt" und.Iug.nb-BorwäN»' ftrahe Z. wochentagl. von SV, b>» 1? Uhr. Jentvawvsan der Sozialdemokratischen Vartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrotze 3 gerniptedxt; Dönhoff 292—291 leltaramm-Hbt.; Sozialdnnokral B«rli> Paris. 28. März.(Eigenbericht.) I» der Vollsitzung der Sachverständigen, die rnnd eine Stunde dauerte, gaben die Führer der einzelnen Delegationen Erklärungen über die Art ab. in der nach ihrer Auffassung das Problem der Anzahl nnd Höhe der deutschen Jahresleistungen angeschnitten werden solle«nd entwickelten hierbei im einzelnen die Forde- r u n g e n nnd Zugeständnisse ihrer Länder. Der Vorsitzende Owen Boung forderte die Delegierten auf. ihre Auffassungen nochmals genau zu überlegen. damit bei Wiederaufnahme der Verhandlungen am s. April die Diskussion über die Jahresleistungen so» gleich beginnen könne. Die Delegierten sowie der Vorsitzende faßte« ihre Erklärungen in schriftlichen Memoranden znsamme«. die am Nachmittag fertiggestellt waren. Ueber den Inhalt der Memoranden wird streng st es Stillschweigen beobachtet. Warschau. 28. März. Der sozialistische«Äobofnif" erklärt, ihm seien Nachrichten zu- gekommen, denen zufolge ans den sozialistischen Abg. Dr. Lieber- wann ein Hebers all vorbereitet werde, um es ihm unmöglich' zu machen, den früheren Finonzminister Czechowicz vor dem Staatsgerichtshof anzuklagen. Das Blatt schreibt, wenn man sich auch in der Zeit der„Sanierungsregierung" an viele lleberraschungen gewöhnt habe, könne man doch diese Nachricht nicht glauben. Zmmer- hin gibt„Robotnik" den dazu sanguinischen Faschisten den Rat. von diesen räuberischen Absichten abzusehen. 3n diesem Zusammenhang wird daran erinnert, daß seinerzeit der Budgetreferenl und ehemalige Finanzminister Zdzjechowski von unbekannten Offizieren nachts in seiner Wohnung überfallen wurde, nachdem er sich im Sejm gegen die Aus- gabenpolitik der Regierung ausgesprochen hatte. 3ur Liebe kann ich dich nicht zwingen... Warschau, 28. März. Der sozialistische„Robohrik" meldet: Im Finanzministerium for- dern die leitenden Beamten die übrigen Beamten und Ange- stellten auf, für den vom Sejm gekürzten Dispositionsfonds des Kriegsministers Pilsudski freiwillige Spenden zu zeich- nen: diese freiwilligen Geldspenden seien zum Kampf gegen die Spionage, den der Sejm offenbar nicht führen wolle, bestimmt. Zlls Beamte sich w e I g e r t e n, zu zahlen, drohte man ihnen mit Unannehmlichkeiten, ja sogar mst E n t l a s s u n g. Die be- treffenden Beamten verpflichteten sich dann aus Furcht,„freiwillig" einen Prozentsatz ihrer Gehälter zu zahlen. ZuskizpraxiS in Ppmmerellen. Bor einiger Zeit ist der durch seine konziliante Form in der Vertretung der Minderheitenrechte bekannte Chefredakteur des „Pommereller Tageblatts", Dr. Krull, wegen eines Artikels zu vierzehn Tagen Gefängnis und dreihundert Zloty Geld- strafe verurteilt worden. Wie die„Weichselzeitung" meldet, ist nun- mehr Dr. Krull aufgefordert worden, über das Osterfest fein« Straf« anzutreten l polnische Richter können auch mild sein. Vor dem Stadtgericht Kattowitz standen drei„Aufftändifche". di« im Ottober 1928 auf dem Heimweg von einer Fahnenweihe drei Damen und zwei Herren, die sich deutsch unterhalten hatten. überfallen und ein« Dam«, die nicht schnell genug flüchten konnte, mißhandelt haben: außerdem haben sie den als Deutschen bekannten Obersteiger Wießner aus Bytkow über. fallen und so schwer mißhandelt, daß er längere Zeit im Lazarett zubringen mußte. Von den Zlngeklagten hat nur ein einziger zugegeben, beteiligt gewesen zu sein. Dos Urteil lautete für zwei Angeklagte auf je 4 9 Zloty(20 Mark) Geldstrafe, während der dritte freigesprochen wurde! Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Owen �oung und Schacht. Parts. 28. März. Der„M a t i n" weiß über die Bollsitzung der Sachverständigen- beratung am Donnerstag noch zu berichten, daß Owen Poung Schacht nicht gebeten habe, irgendeine Z�h l zu nennen, ihn aber aufgefordert habe, dem Ausschuß mitzuteilen, ob er bereit sei, die deutschen Angebote auf der Grundlage der alliierten Forderungen(Deckung der Schulden und Ersatz der Kriegs- schöben) aufzubauen. Falls dies nicht der Fall sei, so habe Owen Poung hinzugefügt, müsse die Konferenz fristlos vertagt werden. Schacht habe in seiner Autwort auf die deutsche Leistungsfähig- keit zurückkommen wollen, worauf ihn Owen Doung jedoch mst den Worten unterbrochen habe:„keine Zahlen, sagen Sie un». ob Sie unsere Verhandlungsgrundlage annehmen." Ueber die Antwort Dr. Schachts werde dosgrößteStillschweigen bewahrt. Der „Matin" glaubt allerdings, daß Anlaß für die Annahme vorliege, daß Schacht versprochen habe, sich auf die ihm vorgeschlagene Methode einzulassen und mit„annehmbaren" Zahlen nach Paris zurückzu- kehren— eme Vermutung, für die man ebenso wie für diesen Bericht dem Blatt die Verantwortung überlassen muß. Deutsch- und polnisch-Oberschlefien. Feststellungen eines prominenten Engländers. London, 28. März. Der englische Oberstleutnant H u t ch i s o n. der 1929 der ober- schlesischen alliierten Kommission angehörte und kürzlich Oberschlesien aufs neue besuchte, stellt— in Erwiderung auf Behauptungen des polnischen Pressebureaus— in einer Zuschrift an den„Man- chester Guardian" fest, daß in D e u t s ch- Oberschlesien nirgends Unterdrückung festzustellen sei. In ganz Deutsch-Oberschlesien seien überall Zeichen des Segens der deutschen Kultur vorhanden in Form von besseren Löhnen, guten Unterkunftsmöglich- keilen, einem guten Gesundheitsdienst sowie der Wohlfahrt der Angestellten. Sest dem Kriege und der politischen Umwälzung in Deutschland sei die Freiheit aller Bewohner Deutsch- Oberschlesiens, ob polnischer oder deutscher Nationalität, in sehr bemerkenswertem Ausmaße sichergestellt. Es habe keinen Fall von Unterdrückung religiöser, politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Art gegen Polen von den Deutschen gegeben, während in Polnisch-Oberschlesien überall die Tyrannei der polnischen Verwaltung gegen die sehr große deutsch« Minderheit in die Augen falle. Wenn di« deutsche Kultur vom polnischen Pressebureau verspottet werde, dann dürfe es sich nicht wundern. welche Meinung von der polnischen Kullur dieses Pressebureau von England zu erwarten hätte, derselben Kullur. die die niedrig- sten Löhne in Europa hervorbringe und di« den früheren Lebensstand in Ostoberschlesien bettächtlich herabgedrückt habe. Die Bauernnot in Rußland. Sibirien von Einwanderern überschwemmt. In letzter Zell tauchen in Westsibirien große Gruppen russischer Bauern auf, di« aus dem europäischen Rußland nach Sibirien über. siedeln wollen. Die Ueberstedlung nach Sibirien steht unter Staats- aufsicht und ohne besondere Erlaubnis der betreffenden Sowjet- behörden ist eine Einwanderung nicht möglich. Die jetzt dort auf- tauchenden Dauern haben sich aber nicht nur um die Einwand«- rungserlaubnis nicht gekümmert, sondern sich auch keinerlei Informationen über die Zustände in Sibirien oerschafft. Aus bloße Gerüchte über angeblicheLandanweisungen sind sie nach Sibirien gekommen, wo die Behörden nunmehr ihren Rück- transport nach dem europäischen Rußland organisieren müssen, da zurzest«ine Unterbringung in Sibirien bzw. die Zuteilung von Land nicht in Frage kommt. ..... Aus Kabul abgeholt haben füns russische Flugzeuge drei Mitglieder der Sowjetbotschaft, vier russische Flugzeugführer und' drei türkische Staatsangehörige. Postscheckkonto: verlin 8? öS«.— Bankkonto: vank d« Arbeiter, ltlngeftell:en und Beamten Wallstr. KS. DiSkomo-Gelrllschasi. Depositenkasse Lmdenftr S Gelbstzersehung. Kommunisten und Faschisten in der Tschechoslowakei. Von Rudolf niOTy.» Vor dem kommunistischen Gewerkschastshause in Prag stehen Schutzpolizisten. Die linksradikale Leitung der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei ließ sie holen, um das Haus der widerspenstigen roten Gewerkschaften wieder in ihren Besitz zu bringen. Doch der Spieß dreht sich um, die stalinistischen Jünglinge werden hinausgedrängt. Die Polizei patrouilliert« weiter vor dem Hause, um das Eigen- tum der rechtmäßigen Besitzerin, der„Internationalen Allgewerkschaftlichen Vereinigung", vor Störungen zu schützen. Die Kommunisten fordern die Prager Arbeiter zu einem Streik auf, in den Fabriken wird ruhig weiter- gearbeitet. Fast niemand erscheint vor der Gewerkschafts- zentrale, um gegen die„Liquidatoren" zu demonstrieren. Di« Kommunistische Partei hofft zwar, die Mehrzahl der Mitglieder der gewerkschaftlichen Organisationen zurückzuge- Winnen,, doch bleiben die Organisationen selbst und ihre Zen- trale, wie auch immer dieser Zwist ausfallen mag, weiter oppositionell. Die Stalinisten in der Tschechoslowakei werden genötigt sein, eigene gewerkschaftliche Organisationen aufzubauen, aber damit nur ihr organisatorisches Unvermögen und ihre fortschreitende Zersetzung von neuem beweisen. Der Kampf nimmt immer schärfere Formen an. Einige Abge- ordnete stehen als Opportunisten knapp vor dem Ausschluß: die Mehrzahl des Klubs der kommunistischen Abgeordneten und Senatoren verhält sich zu den Ereignissen in der Gewerkschaftsbewegung passiv, ja sie sympathisiert sogar mit dieser Revolte gegen Moskau. Die kommunistischen Parlamentsmitglieder sind auch aus persönlichen Gründen gegen ihre Parteileitung erbost, da sie von ihr zu abhängigen Parteiangestellten gemacht worden sind. Diese Parlamentarier müssen alle ihre Bezüge, welche monatlich fünftausend tschechisch« Kronen betragen, an die Parteileitung abführen, die sie sodann nach eigenem Gutdünken wie alle anderen Parteiangestellten entlohnt. Dadurch entsteht der paradoxe Fall, daß der Tschechoslowakische Staat eigentlich die Kom- munistische Partei mit fast vier Millionen tschechischen Kronen jährlich unterstützt. Die Spaltung ist nicht mehr aufzubalten. Es be- steht zwar schon eine kommunistische Oppositionspartei, die ihren Hauptsitz in Brünn hat, doch ihr Anhang ist bis jetzt nicht besonders groß. In der nächsten Zeit wird sie durch die Mitglieder der gewerkschaftlichen Organisationen«ine be- deutende Stärkung erfahren. Obwohl die offizielle Partei nach außenhin noch immer den Schein ihrer Einheit bewahrt, sind in ihr doch so viele entgegengesetzte Strömungen vorhanden, daß die Risie nicht mehr zu verkleistern sind.' Das Haus, in dem sich jetzt noch die kommunistische Zentralexekutive, die Druckerei und das Hauptorgan der Partei befinden, gehört einer Genossenschaft, deren Führung in Händen von unzu- friedenen Elementen ist, und über kurz oder lang wird das kommunistische„Politbureau" obdachlos werden. Auch das kommunistische Finanzinstitut ist von den Oppositionellen be- herrscht, die bereits der Parteileitung den Kredit verweigert haben. Zwar würde die Partei etwa die Hälfte ihrer Wähler- stimmen retten, doch für die Zukunft ist sie erledigt. Sie ge- denkt sich von nun an insbesondere auf Unorgani- sierte und Indifferente zu stützen und hat für den sie verlassenden organisierten Arbeiter das Schimpfwort „Arbeiterbourgeois" geprägt. � Bei dem kläglich zusammengebrochenen T« x t i l a r- b e i t e r st r e i k, der ein Hauptanlaß für den Abfall der roten Gewerkschaften von der Partei war, kommandierten schon Nichtorganisierte die Streikenden. In der tschechischen bürgerlichen Presse ist helle Freude darüber, daß wieder«in- mal die Arbeiter gegeneinander wüten, gleichzeitig aber herrscht in der Bourgeoisie«ine ziemlich große Angst, die Sozialdemokratie könnte nach dem Zerfall der Kommunisti- schen Partei stark anwachsen. Die tschechischen Agrarier, die längst den Höhepunkt ihrer- Macht erreicht haben und von denen sich schon die Wählerschaft auf dem flachen Lande ab- zuwenden beginnt, würden sehr gerne vorzeitige Neuwahlen durchsetzen, da jeder weitere Aufschub Dorteile nur der Sozialdemokratie bringt. Während so di« kommunistische Selbstvernichtung sich noch vollzieht, findet der Zersetzungsprozeß einer anderen extremen Partei, der tschechischen Faschisten, soeben seinen unrühmlichen Abschluß. Die Kommunisten sehen laut neuestem Auftrag aus Moskau wohl überall Faschismus, sie bezeichnen ihre oppositionellen Gewerkschaftler und Politiker als Verbündete der Faschisten und titulieren die Sozialdemo-, kraten„Sozialfaschisten". Aber die wirklichen Faschisten, die behandeln sie viel besser, denn gleiches Schicksal verbündet beide. Das Absterben des Faschismus in der Tschechoslowakei zeigt am besten eine Gerichtsoerhandlung, bei der als inter- essanteste Tatsache zutage trat, daß. di.« tschechischen Faschisten mit bayerischen H a k e n k re u z l e r n. wegen Unterstützung im Falle eines faschistischen Umsturzes Osterpause in Paris. Deutschland sott sich inzwischen entscheiden. Der Ankläger soll verstummen. Lteberfatlpläne in Warschau. »-'rhandelten und diese Hllfe ihnen von Hillerleuten auch versprochen wurde! Die Anklage selbst klingt wie eine Geschichte aus Wild- west. Als im August 1S27 gegen den degradierten General- stobschef und Faschistenführer Gajda ein Disziplinarverfahren im Gang« war, pochte jemand um 5 Uhr morgens in einer Sommerfrische an die Tür eines hohen Staatsbeamten, der mit dem Studium der Angelegenheit Gajda betraut war. Sechs Männer drangen mit vorgehaltenem Revolver in die Villa«in und überfielen den Beamten und feine Familie mit den Worten:„Im Namen der Revolution fordern wir Sie auf, uns die Schriften über Gajda auszufolgen. Jeder Wider- stand ist nutzlos, Masaryk ist nicht mehr Präsident!" Sie durchstöberten den Schreibtisch und suchten einen vermeint lichen Brief Masaryks, doch fanden sie nur belanglose Akten die sie mitnahmen. Diese Banditen wurden bald verhaftet. doch in einer früheren Gerichtsverhandlung nur zu verhält nismäßig geringen Strafen verurteilt. Da inzwischen neues. belastendes Material aufgetaucht ist, wurde der Prozeß er- neucrt und die Anklage auch auf Gajda selbst erweitert. Ein Zeuge, der früher Mitglied des faschistischen„Direk ioriums" war und die faschistische Auslandsagenda zu besorgen hatte, gab an, daß er einen ihm von Gajda-Leuten diktierten gefälschten Brief Masaryks ins Deutsche übersetzte und dem Redakteur des„Völkischen Beobachters", Alfred Rosenberg in München, zur Veröffentlichung ein sandte. Aus verschiedenen Broschüren, welche die früheren Faschisten herausgaben, geht ganz deutlich die Waffenbrüder- schaft der bayerischen Hatenkreuzler mit tschechischen Faschisten hervor. So fand z. B. im März 1927 ein faschistisches Bankett in Prag statt, an dem als Delegierter der Hakenkreuzler ein Fabrikant Schmidt aus Nürnberg teilnahm. Abgesandte der tschechischen Faschisten neisten nach München, wo sie durch Vermittlung des Redak- teurs Rosenberg mit Hitler oerkehrten. Auch in der Ge- sellschaft Luden dorffs bewegten sich tschechische Faschisten. Aehnlich wie mit bayerischen Hakenkreuzlern traten die tschechischen Faschisten auch mit ungarischen Magnaten, die in der Slowakei begütert sind, wegen finanzieller Unter- stützung in Verhandlungen. Alle diese Pläne der Prager Faschisten schlugen fehl. Der Extremismus von rechts ist an seinem Ende ange- langt: der Extremismus von links nähert sich ihm mit Riesenschritten.__ Von der Spaltungspariei. In Stuttgart... Stuttgart, 27. März.(Eigenbericht.) Die kommunistisch« Fraktion im Stuttgarter Ge- vreinderot hat sich am Mittwoch in Konsequenz der Zwistigkeitm der KPD. in zwei Gruppen gespalten, von denen die eine vier, die ander« fünf Mitglieder zählt. Es kam zwischen beiden Gruppen "i einer heftigen Auseinandersetzung, in der der Wortführer der > men Gruppe dem zurzeit im Auftrage der Zentrale in Stuttgart wtigen Kommissar mitteilte, daß die Opposition mit den Worten ge- droht habe:„Mit den Fäusten werden wir euch bekämpfen: wir w«rd«n euch die Zahne brechen." In Sachse«... ?!n der letzten sächsischen Bezirksoorstandssitzung der»ommu- rtifiischen Partei Deutschlands wurden die Stadtverordneten Nagel Schneider in Freithal aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Man hatte ihnen die Beteiligung an Fraktionssitzungen der Brandlerianer.zum Vorwurf gemocht. Llttd im Gaargebiet. Saarbrücken, 28. März.(Eigenbericht.) Auf dem Bezirksparteitag der saarländischen K o m m u- n i st i s ch e n Partei wurde den beiden kommunistischen Landes- ratsabgeordneten Reinhard und Weiß„rechte Ab- irrung" vorgehalten und ihnen angedroht, bei Fortsetzung ihres Brandlerischen Kurses aus der Kommunistischen Partei hin- ausbefördert zu werden. Weiß ist Ortsverwaltungssekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Völklingen, Reinhard Berg- arbeUerfekretär der Lothringer kommunistischen Bergorbeiter- nrgonisotion. Reinhard, ehemals preußischer Feldwebel, hat nach dem Kriege in leitender Stelle den Ausbau der saarländischen Kam- rnunistischen Partei geführt. Er wird aber jetzt immer mehr von neu auskommenden Elementen aus der Arbeiterbewegung vor- drängt. Hetze vor Kindern. Gewissenloses Treiben kommunistischer Agitatoren. Am 2v. März hielt die KPD. eine Versammlung in den Pharus- sälen, Müllerstr. 142, ab, an der u. a. 6 00 Jugendliche und 3 0 Kinder teilnahmen. In dieser Bersammlung wies der Kam- munist S ch w e n ck auf die Iugendtagung des KIVD. hin, die Ostern in Düsieldors stattfinden soll, und forderte die anwesende Fuge Nd auf, sich nicht durch die Polizei einschüchtern zu lasten, son- dern mit aller Macht zu demonstrieren. Er sagte weiter: Laßt Euch von Zörgiebels Schergen nicht em- schüchtern, auch wenn sie mit dem Gummiknüppel auf Euch ein- dringen und sogar schießen, wie es kürzlich der Fall war, wo ein Arbeitergenosie erschossen worven ist. denn Ihr seid die Stütze des ganzen Proletariats. Mit anderen Worten: Herr Schwenck hat sich bemüht, 600 Jugendliche und 30 Kinder zum Widerstand gegen polizeiliche An- ordnunge» aufzuhetzen— auf die Gefahr hin, daß sie sich bei diesem Widerstand schweren Schaden oder Bestrafung zuziehen. Herr Schwenck wird natürlich hinter der Front bleiben und sih hinter den Jugendlichen decken. Aus einer tteinen Republik. Oer Geßlerhut in Litauen. In der litauischen Ortschaft S ch e t a verhaslete die Polizei einen Bauern unter der Beschuldigung, den Staatspräsidenton S m e t o n a dadurch beleidigt zu haben, daß der Bauer, wegen einer Auskunst aufs Polizeirevier gekommen, den Hut nicht abgenommen hat,„ob- gleich das Porträt des Staatspräsidenten an der Wand hing". Die Opposttionsblätter erinnern an Schillers„Wilhelm Teil" und den Befehl des Landvogts Geßler, einen Hut als Symbol der Staatsgewalt zu grüßen. Ein Blatt schreibt:„Die Auf- gäbe der Polizei ist. für Ordnung und Sicherheit zu sorgen, nicht aber einen des Lesens und Schreibens unkundigen Bauern zum Staats- Verbrecher zu stempeln, weil«r fein« Mütze vor einem Bild auf- bchitÖ."__................ t...... Reichskonferenz der Arbeilerwohlfahrt. Verwaltung und Arbeiterklaffe. Frankfurt a. M.. 28. März.(Eigenbericht.) Der zweite Tag der Reichskonferenz der Arbeiter- wohlfahrt war der Diskussion der vorangegangenen Referate gewidmet. Zu Beginn der Sitzung übermittelten Frau B o ck- Wien, Deutsch- Prag, sowie ein Vertreter des ZdA. und andere in warmen Worten die Grüß« ihrer Organisation. In der folgenden Aussprache wurden von dem Kongreß und von den einzelnen Sprecherinnen wertvolle Anregungen gegeben und die Referat« erfuhren nach vielen Seiten hin weitere Ergänzung. Im Bordergrund der Dis- knssion stand die Frage der Einstellung wohlfahrts pflege» risch geschulter Kräfte bei der Reichsanstalt für Arbeits- Vermittlung. Die Diskussion befaßte sich weiter mit der Frage, ob die Ausbildung der Fürsorgekräfte einheitlich oder nach der bis» herigen fachlichen Dreiteilung vorgenommen werden soll. Die überwiegende Meinung ging dahin, daß die Einheitsschulung gefordert werden müsse. Eine Pmktikantentätigkeit wird für alle Wohlfahrtsschüler verlangt. Dabei erhob sich die Frage, ob man die Praktikanten bezahlen solle oder nicht. Im Interesse der Kinder unbemittelter Eltern wurde die Bezahlung von verschiedenen Rednerinnen als dringend notwendig erachtet. Diese und andere Probleme nahmen den ganzen Vormittag in Anspruch. In ihrem Schlußwort faßte Frau Hedwig Wachenheim noch einmal alle Probleme, die im Mittelpunkt der gesamten Be- ratungen standen, zusammen. Frau Wachenheim betonte besonders die politische Bedeutung der Ausbildungsfrage der Fürsorgerinnen. Die wohlsahrlsfürsorge wüste in der Arbeilerkloste verankert werden. denn die Objekte der Fürsorge seien in der Hauptsache Arbeiter. Die bürgerliche Fürsorge kranke daran, daß sie die Gefährdeten zum demütigen Kleinbürger erziehe. Die sozialistische Wohlfahrtspslege müsse das Gegenteil erreichen. Der Liberalismus sei an der Bureautratie in den Verwaltungen gescheitert. Deshalb sei es vor allen Dingen unsere Aufgabe, die Berwal- tung zu durchdringen und sie mit dem Volk zu verbünden, was ollein möglich sei, indem die Arbeiterschaft selbst in der Der- waltung mitarbeite. Nicht nur an die fachliche Eignung der Für- sorgerinnen sei zu denken, sondern hauptsächlich auch daran, daß wir die Verwaltung für die Arbeitertlaste öffnen. Wir dürfen nicht wegen jedem Fehler der Fürsorgerin deren Ausbildungszeit ver- löngern. Den jungen Menschen erleichtern wir den Eintritt in die Verwaltung durch die berufsmäßige Schulung. Durch die lang» jährigen Schulungen würden die jungen Pflegerinnen nur ncr» zärtelte höhere Töchter, die aber nichts von dem Leben der Ar- beiterschaft erfahren haben. Die Referentin hofft, daß man den Wohlsahrtspflegerinnen auch den Weg in andere Verwaltungszweige ebnet, es könne auch unseren Kommunen nichts schaden, wenn Wen- schen in sie hineinkommen, die nicht die vorgeschriebene Beamten- laufbahn hinter sich haben. Die Schule der Arbeiterwohlfahrt müsse das Vertrauen oller Kreise der Arbeiterbewegung erringen. Die Arbeiterwahlfahrt sei der erste Zweig der Arbeiterbewegung, der für die öffentliche Berwaltungsschule eintrete und in engster Verbindung mit den Sozialdemokraten in der Verwaltung stehe. Es sei zu hoffen, daß die Arbeit der Arbeiterwohlsahrt die Unterstiitziing der gesamten Arbeiterbewegung und der Zlrbeiterschast findet. Nicht wohltätigteii, sondern klassenbewußte Erziehung für die poliflschen, gewerkschaftlichen und staatlichen Ausgaben des prolelarlals. da» sei das vornehmste Ziel der Arbeilerwohlsahrl. An das mit stürmischem Beifall aufgenommene Referat schloß sich das Schlußwort der Abg. Frau Iuchacz, die den Delegierten und dem Ortskomitee Dank aussprach und die Teil- nehmer mit dem Wunsche auf gute Erfolge ihrer Arbeit in die Heimat entließ. Kuhfladenurteil beseitigt! Stadler in zweiter Instanz verurteilt! S k a r g a r d(Pommern). 28. MSrz.(Eigenberichi.) Das hiesige Gericht verurteilte den bekannten Stahlhelmagitator Eduard Stadler— entgegen dem freisprechenden Urteil der Vorinstanz— wegen vergehen» gegen da» Republikschuhgesetz an Stelle einer.verwirkten Ge- sängnisstrose von einem Monal zu 3 00 vl. Geld st ras«. Der milangeklagte Redakteur Schlüter vom„Rlosiower Anzeiger" kam mit lOO ZV. Geldstrafe davon. Der Freispruch des Stahlhelmpropagandisten Stadler in erster Instanz hatte in ganz Deutschland berechtigte Ent- rüstung ausgelöst. Nach den Urteilsgründen des erstinstanzlichen Urteils hat Stadler die Republik in folgender Form beschimpft: Um seinen Zuhörern, die hauptsächlich aus Landwirisn urtd Landarbeitern bestanden hatten, dies« Wandlung vom Untragbaren ins Trogbare zu veranschaulichen(!), habe er zu dem Borgleich der Zustände von 1918/1gl9 mit einem Kuhsladen gegriffen und dabei ausgeführt, der frische Kuhfladen würde von jedermann als un> tragbar erkannt. Wenn der Kuhfladen lange liegen bleibe, trete eine Verkrustung«in: der Kuhfladen würde äußerlich härter. Dann könne mancher auf den Gedanken kommen, der Mist sei jetzt tragbar und tragsähig. So ungefähr habe man sich in Deutschland an dos Würdelose, Ehrlose, Unmögliche und Untragbare gewöhnt, das durch die Niederlage Über uns gekommen fei. nur weil sich eine gewisse feste Staatsform darüber als Kruste gelegt habe. Trotz dieser festen Siaatsfarm bleib« Schmach Schmach. Untragbar ist Untrag- bar. Mist bleibt Mist trotz Kruste. Bei dieser Feststellung war das Schöffengericht in Gollnow zum Freispruch gelangt, den es wie folgt be- gründet hat: Der mit den Worten:„Wenn man einen Misthaufen" begin- nende Satz bezieht sich nicht aus den vorhergehenden Satz, in dem gesagt ist, daß der Staat sich befestigt hat. Cr hängt viel« mehr mit den nachfolgenden Sätzen zusammen, in denen zum Aus- druck gebracht ist. daß all das Unreine von 1018, das Schiebertum, die Gemeinheit, die Wüvdelasrgkeit, jetzt zwar äußerlich durch eine gewisse feste Staatssorm verkrustet ist, daß aber im Wesen sich nichts geändert Hai. Daß die Zustände äußerlich durch eine feste Staatssorm verkrustet sind, heißt in dem Zusammenhange noch der Ueberzeugung des Schässengerichts, daß die„Zustände" wegen der esten Siaatsfarm äußerlich nicht mehr so in die Erscheinung treten. Bei dieser Auslegung war eine Beschimpfung der Staatssorm nicht festzustellen. Diese gewundene Juristenlogik ist nun durch das Urteil zweiter Instanz korrigiert. Es muß hervorgehoben werden, daß nach dem Freispruch erster Instanz Stadler seine ge- meinen Redensarten in jeder öffentlichen Ver- sammlung, in der er sprach, wiederholt hat mit dem Zusatz: Ihm könne nichts passieren, er sei wegen dieser Worte freigesprochen!— Es ist nunmehr zu erwarten, daß der„Rechtsirrtum" des Herrn Stadler in sämtlichen nachweisbaren Fällen berichtigt wird. Von'den seltsamen Freisprüchen der letzten Zeit, durch die Beschimpfungen der Republik für straffrei erklärt wurden, haben die höheren Instanzen zwei korrigiert. Sie betreffen die Schimpfworte„S a u r e p u b l i k" und.Kuhfladen". Nur der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts unter Herrn Lorenz kann sich rühmen, die Beschimpfung der Reichsflagge durch das Wort„i)ühnereigelb" höchst- instanzlich straffrei" gemacht zu haben, falls die Absicht der Beschimofung nicht„aus den begleitenden Gebärden" hervor- gehe. Ein Urteil, dos man auch nur mit einer entsprechen- den Gebärde richtig werten kann. Ersparungen der Reichszollverwaliung. Durch Vereinfachung der Organisation. Im Neichshau�haltsaiisschiiß Hai Staatssekretär Dr. Popitz bei der Beratung des Nochtrogshanshilts des Rcickssinanzininisteriums auf nicht unbedeutend« Einsparungen in der Reichszollverwaltung hingewiesen. Danach wurden im Jahre 1028 drei Hauptzollämter. 27 Zollämter und Zollabfertigungsstellen sowie öl Bezirkskom- missoriate ausgehoben. In den ersten Monaten dieses Jahres ist bereits wieder die Aushebung von weiteren zwei Hauptämtern, 43 Zollämtern und 19 Kommissariaten verfügt worden. Dabei wurden die Bedürfnisse des Wirtschaftslebens durch diese Reorgani- sationen keineswegs vernachlässigt. Das Tempo dieser Einsparungen durch Rationalisierung ist heute bedeutend schärfer als früher. Hätten die bürgerlichen Parteien, die heute so nach Ersparnissen rufen, nicht schon früher selbst zu dieser Reorganisation die Möglichkeiten gehabt, als sie an. der Regierung waren?_ Gieuerzahleu ist schwer. Schimpfen uod pumpe« ist leichter. Das von den bürgerlichen Parteien ob i einer Verschwendung sa verlästerte Reich dient der Privatwirtschaft mit Milliarden- betrögen nicht nur als Melkkich für Subventionen und Kreditgarantien. soodern es. muß der. Prrnatwstffchaft auch � noch fällige Steuern und Zölle in riesigen Betrögen stunden. Dem Reichstag ist jetzl ewe Ueberfichl über die Erhebung Beitreibung der Besitz- und Verkehrisieueru nach dem S lande vo« l. Zanuar d. Z. vorgelegt worden. Danach wäre« im kehlen Kalender. qnarlal 1028 1.10 Milliarden— derselbe Betrag wie im drille» Quartal— fällig gewesen. Zn nicht weniger als 1 282 103 Fälle« waren aber 477.63 Millionen oder fast die Hälfte der fälligen Stenern rückständig, und davon waren 203 Mit- lionen oder fast ein Drikkel der Fälllgkeike» gestundet. Ganz ähnlich liegt e» bei de» Zöllen und Verbrauchtabgaben. Dort betrug das Auskommen im vierten Quartal 700 Millionen Marl. Zu 7736 Fällen aber waren 112 Millionen Mark Rückstände vor» Händen, wovon über 35 Millionen gestundet waren. Man sieht, daß die deutsch«„Wirtschaft" es beim Steuerzahle»! lange nicht so eilig hat wie beim Schimpfen. Diese Rückstände und Stundungen siich dabei keineswegs ein« Kleinigkeit: sie bedeuten ein lausendes und stilles Defizit in der Kassenhal- tung des Reiches, und«in großer Teil der jetzigen Reichstasien- sorgen hätten gespart werden können. An Sparaktionen. die dem Reich die geschuldeten Steuern einbringen, denkt die„Wirtschast" freilich ungern. Wie wäre es. wenn die Arbeiterschaft sich einmal auf ein Vierteljahr die gesamten Lohnsteuern st und«» lassen w ürde? Oer internationale Gemeindekongreß. Abschluß in Rarrelona. Barcelona. 28. März. Die Tagung des Internationalen Temelndeverbmrdes, die unter Beteiligung von 30 europäischen und außereuropäischen Ländern am 10. März in Sevilla begonnen hat, wurde am 22. März in Sevilla und am 27. März in Barcelona fortgesetzt und beendet. In Sevilla wurde noch das wichtigste Thema der Enteignung aus Gründen des öffentlichen Wohles behandelt. In der Diskussion sprach u. a. Oberbürgermeister Dr. Luppe- Nürnberg. Im Mittelpunkt der Erörterungen in Barcelona stand die Frag« der Staats» Zuschüsse für die Gemeinden. Wenn auch die Berhältnisie in den einzelnen Ländern verschieden sind, wurde doch allgemein betont, daß die Städte, Gemeinden und.Gemeindeverbände in ihrer Finanz- und Steuergebarung möglichst selbständig sein sollen und durch bedingt gegebene Staatszuschüsie nicht in die Gefahr geraten dürfen, ihre Finanzautonomie zu verlieren. Für die deutsche Delegation sprach der Präsident des Reichs- städtebundes Dr. H e a e k e l. Die deutsche Delegation nahm Gelegenheit, die wichtigsten Städte Spaniens kennen zu lernen und sein« Gemeindeoerhältnisie theoretisch und praktisch zu studieren. Der Kongreß wuvde durch den Präsidenten des Internationalen Gemeiicheverbandes W i b a u t- Amsterdam (Soz.) mit einem Festakt, an dem auch Ministerpräsident Primo de Rivers teilnahm, geschlossen. Für die ausländischen Delegationen dankte der Präsident des Deutschen Städtebundes Dr. M u l e r t- Berlin dem Leiter des Kongresies, der trotz seiner 70 Jahre die Der- Handlungen mit einer erstaunlichen Frische und Energie führte, und rühmte die Gastfreundschaft der spanischen Städte. Der nächst« Internationale Gemeindekongreß wird voraussichtlich 1032 in Eng- land tagen, dessen Selbstverwaltung besonders stark ausgebildet ist. Dr. Detgerl— Ministerialdirektor. Im Reichsarbeitsministerium wurde der Ministerialrat Dr. Weigert zum Ministeriol- vi vektor ernannt. Karfreitag. T Noch immer streiten sie um den Nock, den sie dem Armen ausgezogen haben? Mussolinis Wahlzirkus. Oer Zttesetihisntbtig des Wahlsonntags. Stärkung der Ttanking-Regierung. Fengjuhsiang wieder treu! Tchanghai, 28. März. lVTL.- Sonderberichterstatter.» I« her Politisch-mllitärische» Lage ist tlnt cnt« scheidende Wendung eingetreten durch die offizielle Erklärung Feugjuhfiaugs, daß die Niederwerfung der den Friede» störenden Generäle der Provinzen Sunan und Kwangsi gerechtfertigt sei. so das» er selbst sich mit seineu Truppe« de« B e» kehlen der Nauking'Regiervng unter st elle. Temgemäsi hat Tschiangkaischek den Feugjuhstang unter- stellte« General Hanfuchu, der bei der vorjährigen Militärexpedition gegen de« Norde» eine hervorragende Rolle spielte, zum Befehlshaber der dritte» Heeres- gruppe ernannt, die auf dem Bormarsch gegen H a n k a u an der Peping— Hankau-Eisenbahn steht. lPeking in der Provinz Tschili heißt fortan Peping in der Provinz P e i p o. Red. d. Oer Führer der Kanion-Negierung hingerichtet. R a n t i a g. 26. März.(Reuter.) Marschall Lichaisum. der in Siidchina viel zur herbei. führuag einer englisch-chinesischen Annäherung getan hat. ist hier hingerichtet worden, obgleich drei führende Mitglieder der Banking-Regierung und auch Tschiaugkaischek sich für sein Leben eingesetzt hatten. Mau nimmt an. daß die Hinrichtung Lichoi- sums das Aufflammen de» Bürgerkrieges in großem Matz st ab nach sich ziehen dürfte. Man ermartet. daß die Führer der Bewegung in kwangsi sich jetzt bemühen werde«, ein gemein s a m e s vorgehen mit hankau-Machthabern herbeizuführen, deren Ziel ein kombinierter Vormarsch auf Ranking wäre. Lustkampf in Mexiko. Nebellenflugzeug abgeschossen. Mexiko- Tity. 28. März.(Eigenbericht.) Der erste Luftkompf in Mexiko wurde am Mittwoch ist der Gegend von Mazatlao ausgesochten. Ein Militärflieger verfolgte die Rebellen, die die Belagerung Mozatlans aufgegeben haben und nordwärts abziehen, und schoß nach längerm Maschinengewehrgefecht ein Rebellenflugzeug ab, das brennend herunterstürzte und völlig zerstört ist. Weiterer Vormarschbericht von Calles. Mexiko. 28. März. Calles meldet, daß feine Truppen nach kurzem Kampf mst den Aufständischen den Bahnknotenpunkt Eskalon im Staate Ehihuahia besetzt haben. Di« Flieger dar Bundestruppen berichten, daß sich die Rsbellen van Jüninez in nordwestlicher Rich- tung nach Santa Rosalia zurückziehen. Äer schleppte Amnestie. � System- oder uor Ministerwechsel iu Numämen. Die rumänische Regierung des Bauernführers Maniu hat das Einfuhrverbot gegen den..Vonvärts" und die„Ge- werkfchaft" aufgehoben! daß sie aber noch ungleich mehr zu tun hat, um wirklich eine neue Regierung darzustellen, zeigt folgende Erklärung des Abgeordneten Dr. P i st i n e r(Soz.) in der Kammer: In der politischen Debatte hat unsere Partei die allgemein« Amnestie verlangt. Die Regierung hat bisher kein« Antwort gegeben, obwohl diese Frage das ganze Land beschäftigt. Sie wisien, .Herr Ministerpräsident, wievies Unrecht von verschiedenen oligarchischen Regierungen noch dem Kriege verübt worden ist. Sie wissen sicher, wie viele Verblendet« oder sogar U n- schuldig« in den Kerkern schmachten unter den schlechtesten Bedingungen und ihre Familien im größten Elend leben. Während in den Gefängnissen Menschen schmachten, welche Ber- zeihung oder Gerechtigkeit erwarten, fahren die Kriegs- geeichte fort, wegen Desertion vor 12 oder 13 Jahren zu verurteilen, für die der Beschuldigte heule keine Beweise seiner Unschuld mehr hat. und wegen wirklicher oder angeblicher politischer Delikte Zivilpersonen zu verurteilen. Der Ministerpräsident weiß, daß in allen Ländern schon lange die Delikte aus der Kriegszeit amnestiert wurden, in einigen Ländern sogar Hochverrat. Die öffentliche demokratische Meinung des Auslandes, bewegt von dem Unrecht, das bei uns nach dem Kriege verübt worden ist, hat sich wiederholt an die früheren Regierungen gewendet mit dem Ersuchen, das Unrecht gut zu machen.' Dieselbe öffentliche Meinung wendet sich jetzt auch an Sie und erwartet noch«her von einem Regime, das sich demokratisch bezeichnet, die Gutmachung des eckten Unrechtes, Verzeihung für die Unglücklichen als einen Beweis, daß in Rumänien in Wahrheit«in« neue Epoche ist und nicht bloß nur ein Regie- rungswechsel. Ich frage von neuem im Namen des Sozialdemokratischen Klubs. ob und wann die Regierung«ine allgemein« Amnestie für mili- tärische und politisch« Delikte gewähren wird? Eine Antwort des Ministerpräsidenten ist uns bisher nicht bekannt geworden.__' Antisemitische Lehrer entlassen. In Sowjetrußland. Moskau. 27. März.(Ost-Expreß.) An einer Schule in Smolensk Hot ein« Revisionskommission sestgestellt. daß dort die jüdischen Schüler unter a n t i s e- mitischen Verfolgungen schwer zu leiden hatten. Der Schul. leiwng wird zum Dorwurs gemacht, daß sie anstatt gegen diese Miß. stände einguischretten, sie zu vertuschen suchte. Neun Lehrer der Schule wurden entlassen, darunter auch ein Mitglied der Kommunistischen Partei._ Der griechisch.südslawische Freundschoftsvertrag ist unterzeichnet. Alle Differenzen werden dem haager Schiedsgericht vorgelegt. Ludendorfs hat gegm seine Verurteilung zu 800 M. Geldstrafe im Sparr-Prozeß Beruftmg eingetegt. Am Sonntag hal�n— nach amtlicher Meldung.— 8 506576 Italiener mit„Ja" und 136 198 mit„Nein" gestimmt. Es hätten also 89,63 Proz. der Stimmberechtigten gestimmt. Aus den 136000 aitti. faschistischen Stimmen wäre nur der bescheidene Schluß abzuleiten, daß es in Italien 136 000 Männer gibt, die entweder völlig w i r t« schaftlich unabhängig sind, oder die Affenkomödie dieser „Wahl" für wichtig genug hielten, um ihre bürgerliche Existenz und die ihrer Familie aufs Spiel zu setzen. A e u ß e r n konnte sich der Antifaschismus nur in der Wahl- enthaltung und gegen diese waren diesmal alle Pressionen ge- richtet. Gegen diese haben die Pfarrer von der Kanzel gepre- digt: gegen diese haben die faschistischen Syndikat« ihre Arbeiter in Kolonnen zur Wahlurne geführt. Wieviele Wohlberechtigte sich tatsächlich enthalten haben, wird man nie erfahren. Vielleicht melden es sogar die faschistischen Zentralstellen, denen an genauer Kenntnis der Zahlen gelegen ist. nicht erkunden können, well die Fälschung in unzähligen Fällen aus Grund lokaler Iniliativ« erfolgte. Jeder einzelne Fascio, jode Sektion eines Fascia hat Interesse daran, im eigenen Machtbereich eine möglichst große Wahlbeteiligung aufzuweisen. Da die Faschisten während der ganzen Wahlhandlung unter sich waren, konnte diese auf verschiedene Weise bewirkt werden, sei. es, indem man die Zettel schon vor Leginn des Wahlaktes in die Urnen tat. oder indem einzelne Faschisten immer wieder Zettel abgegeben � haben. Der Faschismus möchte vom demokratischen Negime die Lebendigkeit haben, ober ohne Opposition! Geworben hat man um die Beamten, deren man durch die Aufhebung der geheimen Wahl ohnehin sicher war. Di« zehn Tage vor der Wahl vom Ministerrat beschlossenen Gehaltsaufbesserungen bedenken gerade die hohen Beamten! Di« der ersten Geholtsklasse erhalten eine jährliche Verbesserung um 15 000 Lire, so daß sie sich auf 74 000 Lire stehen, die zweite Klasse 14 000� hie dritte 12 500, während die untersten Gehallsklassen sich mit 300 Lire Berbesserung begnügen müssen! Di« Zeitungen kom- montierten damals dies« Versprechungen als„saschistischen Stil": sie meinten damtt. es sei kein« Demagogie, wenn man denen gäbe, die ohnehin leidlich oersorgt sind. In Wirklichkeit war es aber Demagogie: Man gab jenen, von denen widerstand zu erwarten war, nicht den ohnehin wehrtosen. Und man gab kurz vor der Wahl, was in varsaschistischer Zeit den Ministern als plump« Wohlmache verübelt worden wäre. Die Geistlichen haben sehr energisch agitiert Auch den Arbeitern hat man Reden gehalten. Damit sie sie anhörten, pflegten die Redner sie in den Fabriken abzufangen. Der Unter- nehmer ließ den Betrieb einstellen und die Arbeiter irgendwo zu» samnienrusen, wo man ihnen die Wunder der saschistischen Wahlreform predigte. In Rom hat gar der Oberschulrat ein Rund- schreiben in den Schulen verlesen lassen, in dem es heißt: „Vielleicht fragen sich unser« Kinder, die der Faschismus gelehrt hat. daß es nicht zwei Italien gibt, eines für die Großen und eines für die Kleinen, sondern«in einziges mächtiges Italien der Faschisten, ob das Stimmrecht eine mächtigere Waffe sei als das Gewehr, dos man ihnen anvertraut hat, und ob in diesem Anlaß allein auf ihnen, die in der ersten Reih« marschieren wollen und können, die Demütigung des Ausgeschlosienseins lasten solle. Soll man sie nicht zu P r o p a g a» d i st e n bei der Wahl machen? Für eine intime Propaganda,«ine liebevolle, im Schoß der Familie, die den Dater oder den Bruder daran erinnert, daß er Mussolini das„Ja" der Dankbarkeit zu geben verpflichtet ist" Die Kinder wissen, was der Duce getan chat. Sie werden darum niemals verstehen, worum es zwei Stimmzettel gibt und warum auf einem ein„Nein" steht." Kinder der Elementarschulen mit Gewehr als politische Vorhut sind ein reizendes Bild. Auch, daß sie nicht verstehen, daß zu jeder Wohl ein„Ja" und ein„Nein" gehört, ist zwar kein Kompliment für die Lehrer, läßt auf einen zutunlichen chaustiercharokter schließen, der ihren Ausschluß von solcher„Parlamentswohl" als ein blutiges Unrecht kennzeichnet. Was die Wähler in Zlolien am vorigen Sonulag getan hoben. hätten die Kinder der untersten Volksklassen famos gekonnt. Leider hat der Oberschulrat von Rom nicht gesogt, wie d i e Kinder ihren Bater oder Bruder an die Dantespflicht gegen Mussolini erinnern sollen, deren Vater oder Bruder auf Mussolinis Befehl ermordet worden ist Im Mai 1919 schrieb Mussolini:„Durch di« Schule formt die Kirche die Seelen der Kinder im Sinne knechtseligen Gehorsams, freiwilligen Verzichts und intoleranten Fanatismus" Nach dieser Vorarbeit der Kirche gibt der Faschismus diesen Kin- dern das Gewehr. Schießprügel und Katechismus— darin ist das faschistische Regime beschlossen. Parlament und Parla» mentswahl sind nur für das Ausland. Sie interessieren da« Land weniger, als etwa eine dem Fliegenfang gewidmete Woche in den Vereinigten Staaten. Und sind auch weniger wichtig als diese. Verhastungen in Güdtirol. Erste Wahlfolge... Brennergrenze, 28. Mörz. In Bozen wurden der ehemalige Sekretär der „Tiroler BolkSzeitung". Malfertheiner. und der Kaufmann D e s a l e r- Meran unter der Anklage der- haftet, faschistenfeindliche Drucksch eisten der- breitet zn haben. In Tramin wurde« zwei junge Mädchen namens Welsch und Belog»« wegen angeblicher Erteilung d e v t« s ch e« Privatunterrichts zu je fünf Tagen Arrest ver« urteilt. Llnverfälfchte Worte Oeutfchsüdtirols. Innsbruck. 28. März- Di« Südtiraler Führer, die aus ihrer cheimat vertrieben worden sind, und zwar der ehemaligen Abgeordnete Dr. Reut- Rico, lussi, Oberlehrer R. Riedl, Pater Adots Innerkofler und der letzte freigewählte deutsche Bürgermeister Joseph Pixner von. St. Leonhard im Passeier, sowie Bezirkshauptmann Ernst Mumel, ter sagen in einer Erklärung zu der„Wahl" in Südtirol u. a.: Wenn eine mit ollen Machtmitteln ausgestattete Regierung durch ihre Behörden auf die Bevölkerung unter Bedrohung der persönlichen Freiheit eine in Europa ganz unbetanma Nötigung ausübt, wird jedes Wahloerfahren zu einem w i r k u n g z> losen Täujchungsversuch, besonders wenn außer den Werkzeugen der Diktatur niemand eine Prüfung des Abstimmungs, ergebnisses vornehmen kann.'. wir erklären daher die vom italienischen Rachrichlendienst gemeldeten Abstimmungsergebnisse für Südtirol als unoer. läßlich und poNtlsch bedeutungslos, wie immer auch die sogenannke wohl vom 24. März 1929 für Stallen gewertet werden mag. Eine Tatsach« läßt die Tragweite diese): Abstimmung für Südtirol hinlänglich erkennen: kein deutscher Abgeordneter gehört diesem italienischen Parlament an. Unsere Landsleut« in Südtirol, welche bei der ersten politischen Wahl 1921 vier Abgeord- nete nach Rom entsandt haben, sind mit all ihren in der Welt genügend bekannten nationalen Nöten ohne parlamento» rische Vertreter, chiermit ist das Bild der Unterdrückung unserer Heimat v o l l st ä n d i g geworden. Amtlicher Aleischwucher in Oesterreich. Proteststreik der Fleischereiarbeiter. Wien, 28. März.(Eigenbericht.) Am Donnerstagvormittag von 10 bis 11 Uhr haben in allen Wiener Großwerken di« Fleischereiarbeiter als Protest gegen die Verordnung der Regierung, durch die die Einfuhr von Fleisch aus Polen unterbunden wird, für«in« Stunde di« Arbeit eingestellt. Es wurden Versammlungen obgehallen, in denen Vertreter der Organisationen und sozialdemokratische Abgeordnete sprachen. Die Verordnung, auf Drängen der Agrarier er- lassen, schreibt vor, daß gewisse Tierteile nur gemeinsam mit den Innereien eingeführt werden dürfen, da nur hieraus die Gesundheit festzustellen sei. Die Wehex�orteure sind auf solche Der» sendungsart gar nicht eingerichtet und sie ist. sowie es wärmer wird. gar nicht durchzuführen. Eine gewaltige Flcifchteuerung muß di« Folge sein. Die Zeitschrist„Deutsche Republik" teilt mit, daß die Redaktton am 1. April an den Druckort Frankfurt a. M. verlegt wird. Von dem gleichen Termin ab. wird Herr Professor Dr. Friedrich Des- sauer, M. d. R., als'Mitherausgeber zeichnen, um die für di« Zukunft beabsichtigte stärkere Betonung dar Wirtschaftsprobleme in ihren Zusammenhängen mtt den politischen Fragen zu oertreten. Verantwortlich für die Redaktion wird Dr Werner Thormonn in Fräntsurt o. M, der bisherige Redakteur Dr. Heinrich Teipel bleibt in einem engen Mitarbsiterverhältnis mit der Zeitschrift verbunden. Aenderungen in der politischen Haltung der„Deutschen Republik" .oder in her Zusammensetzung des Verlags treten, wie weiter mit- geteilt wird, nicht an. f 5ie vereinigen vieder zum Vorteil unserer Kunden unsere sprich- M .vorf liehen billigen Preije und die exfra guten Qualitäfen auf M �Amahlunq.Rest in 6 Monats- od. 52 Vochenraten-ßei Ein= Käufen von 2oo.-Nc. bis 12 Monats- od. 52 Vocnen raten- Alte Künden, Staats-u. Kommunalbeamte ertialt. Waren ohne Anzahlq jfa oSk/Mum, VM&dSM/dhv. Fesches Kleid aus reinwollenem Cröpe Caid, Herren• Ulster aus gutem Shet- land.mitab- n knöpf barem>\x» Gurt.... JO# Flotter Mantel gute Qualität in Hcrrenstoff-. Muster n.QK* gans gefütt.VIU" reine Seide in �_ aus gutem kämm garnartigen Stoff, neue K||« Farbtöne VJ* In modernen Frühjahrs- färben, gute QQ m Paßform seb ö neu Farben... 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Angelo Ferrari OdcODj Potsdamer Str. 75 KdrfrettAgi König der Könige Ab Sonnabend i Da* brennende Hers mit Mady Chrlsttan* Turmstra�e 12 Karfreitag i König der Könige Ab Sonnabend i Kinder der Strafte und Moderne Mfltter Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Karfreitag i König der Könige Ab Sonnabend» Ich bösse Ihre Hand--- mit Harry Llcdtkc und Moderne MOtter ���Norttwastari�B Welt-Kino Alt-Moabit« MUfernadttslaze mit Harry Fiel dam 2 Lostsplele Karfreitag: Es werde B Schdwatterg 1 Alhambra Schöneberg, Hauptstr. 33 Karfreitag i Es verde Ab Sonnabend i Pat und Patachon als Defekfirc un j die große Bühnenschau Titania(ufa slhönebcrg) Hauptstraße 10 Karfreitag, König der Könige Ab Sonnabend I Der Mann mit dem Laubfrosch W Charlottenburg Schlüter-Theater Schlflierstr. 17 Wochentags 7 u. 9.15, Werktags bis 7 Uhr von 60 Pfennig an Die Bflchse der Pandora Ferner Liebe im Schnee Feiertags: 4 Uhr Jugendvorstellung ■»taallt«■ Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmutbsstr. Beginn: W. 6 30, 9, Feiertgs. 4,6.30, 9 Uhr Karfreitag, König der Könige Ab Sonnabend: Frl. Else mit Elisabeth Bergner €Uchtarral Ms T s Wochentags 6J0, 9 Uiir ni-L>l Felertg. 5, 7, 9. 3 Uhr Jug.-V. Hindenhurgdamm 58 a Karfreitag geschlossen Ab Sonnabend: Nachtveit mit Anna May Wong und Der Haienbaron Ostern 3 Uhr; Jugendvorstellung FUm-Paiasi Kammcrsäle Teltower Str. 1-4 Beginn ö U. Ab Karfreitag and Sonnabends König der Könige Ab Sonntag: Die ZirkospiinzeMln Ferner: Adam and Eva Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab S. A30 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Karfreitag: Es werde Jugendliche haben Zutritt Ab Sonnabend: Das groHe Festprogramm: Das brennende Herz mit Mady Christians Filmeck �nnw�uw Skalitzer Straße, am Görlitzcr Bahnhof Karfreitag: König der Könige Ab Sonnabend: Der Mann mit dem Laabfroscfa% Luisen-Theater Reichenberger Straße 34 Wochentags ab 6 Uhr. Sonntags ab 4 Uhr Pat and Patachon als DdekÜTe Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 145, 5. 7, 9 Uhr Die Büchse der Pandora Ferner Böhnentchao Vorwärtsleser Vorzugspreise B wuuaiin M Primus-Palast Hermannplatz% Karfreitag: König der Könige Bühne: ActherwcllcnmnsUc Ab Sonnabend: Das brennende Herz mit Mady Christians, Gustav Fröhlich Passage-Lichtspiele Neukölln, Bergstraße 151—152 Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, Ftg.3,5,7u.ca. 8.45 U. Der Mann mit dem Laubfrosch Dazu: Ein Sohn der Grenze Bfihnenschan Südpalast Knesebecksir. 113, Bhf. Herman�traße Das grofte Karfreitags. and Oslcrprogramm Tivoli-Lichtspiele Tempelhof. Berliner Str. 97 W. 6J0, ca. 8,45 U� F. 4.45. 6.45, ca. 8.45 U. Karfreitag: König der Könige Ab Sonnabend: Die ungekrönte Königin.- Dazu: Der Schrecken von Oklahoma Jugendliche haben Zutritt g MariaiMforl H Ma T i Marlendorfer l 28- 1.1 Lichtspiele Chausseestraße 305. Stg. Jugd.-Vorst Das and oftc Karfreitags. : erprogramm Nordosten „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Nachtveit mit Anne May.Wong und Singspiclrerae Pasta-Zaaber WelOcnseo Schloßpark FOm- Böhne Berliner Allee 205—210 Das grofte Karfrettag*. and Ost erprogramm Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Karfreilegi Franziska* tob Assisi Ostern: Liebfraaenmllch mit Henny Porten Ferner Bfihnenschan Beginn der ersten Vorstellung Wochentags 6 Uhr, Feiertags 3 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Karfreitag: Es werde Ab Sonnabend: Die Zirkuz- prinzessin mit Harry Liedike Concordia-Palast Andreasstraße 64 Der lebende Leichnam (Ebebrach) nach dem Roman von Tolstoi BühnenschaD Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70—73 Karfreitag: Luther Jugendliche haben Zutritt Ostern: Pat und Patachon als Schwiegersöhne Bühne:„Musik für Alle" Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7 u. C?. 8.45, Stg. 3, 5, 7 u. CA f-45 U. Karfrettag: König der Könige Ab Sonnabend: Pat and Patachon als Detektive Jugendfrei, Ostern Anfang 3 Uhr Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch.5,7 u. ca. 8.45, Stg. 3. 5. 7 u ca. 8.45 U. Karfreitag; König der Könige Ab Sonnebend> Pat and Patachon als Detektive Jugendfrei, Ostern Anfang 3 Uhr Kino Busch Alt-Fnedrichsfelde 3 Der geheime Kurier mit Iwan Mos|akin Ferner: Der Schrecken der Pr Arien Bühnenschau Elysium GuSpS�) Hassel werderstraße 17 Enthüllungen über Erzherzog Hansel und die PostmeistertoditeT Auf der Bühne: Eevne: Elysium steht Kopf G Nordün M Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Frelfhg: Es werde Sonnabend— Montag: Der Mann, der lacht mit Konrad Veit Dazu: Die gr. Liliputaner-Revue Alhambra Müllerstraße, Ecke Secstraßc Das große Karfreitags« und Oster programm Fortuna-Lichtspiele Müllerstraße 12c Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- Produktion Metro-Palast Chausseestraße 30 Die Zirkusprinzcssin mit Harry Liedike Ferner. Der Adjutant des Zaren Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Das große Karfreitags- und Osterprogramm Ostern 3 Uhr: Jugend-Vorstellung Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 Karfreitag: Franziskus von Assisi Ab Sonnabend: Lax, der König der Vcrb.cchcr Ferner: Modeine Mütter ��Oesundbrunnwi�� „Alhambra" Badstraße 58 Karfreitag: Johanna v. Orleans Ab Sonnabend: Pat und Patachon als Detektive Beiprogramm— Bühnen schau Baiischmieder- Lidüsp. Badstraße 16 Karfreitag: König der Könige Ab Sonnabend: Lux, König der Verbrecher und Moderne Mütter Die gute Bühnenschau Humboldt-Theater Badstraße 19 Karfreitag: Christus u. die Büßerin Ab Sonnabend: Skandal in Baden- Baden mit Brigitte Helm Ferner: Palais de Danse Marienbad-Palast Badstraße 35—36 Karfreitag: Johanna v. Orleans ab Sonnabend: Pat und Patachon als Detektive ferner: Mädel sei lieb Kristall-Palast Prinzen;illee 1—6 Karfreitag: Es werde. Ab Sonnabend: Die Kosaken mit John Guilbcrl Große Bühnenschau a Pankow M Palast-Theater Breite Straße 21 a Beg. 6.30, 9 l Karfreitag: adas Ab sa.i Der Mann mit den Lanbfro« „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Da* grofte Karfreitags. and Oslcrprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Karfreitag: Es werde Ab Sonnabend: Nachtwelt G Wlatteriehanhnufw k Film-Palast Blankenburger Straße 4 Das Hannerl vom Rolandsbogcn Der lebende Leichnam Bürgcrgartcn-Lichtsp. Hauptstraße 51 und Lindauer Straße Das grofte Karfreitags. and Oslcrprogramm Programm| mm■ wkm WM SWS WU AM AM■ 1 Programm für die vom I DSM IB J für vom 29. Märr bU 1. April 1 yfM■ MM MW■ WM fST WA I 29. März bü 1. Aprfl <4S» Iahrga», Jreifog. 29. BWrj 1929 Die Wohnung im&lugmeug. An der Scharnweberstraße in R e i N i cke N d o r f hat sich ein ArW ein Flugzeug als Wohnung«in- gerichtet: auch während der strengen Kälte logierte er hier, mit seiner Frau, mit seinem Taubenstall, ohne zu frieren, denn ein kleiner, eiserner Ofen gab genug Wärme her. Riga Riccardo, mit dem bürgerlichen Namen Willi Gerlach, plant, natür- lich, wie alle Leute, die wenig zu tun haben, mit seinem Flugzeug, das auf einem Autountergestell aufmontiert ist, eine Europareise an- zutreten. Ein richtiger Gaul soll das Vehikel von Ort zu Ort ziehen. Hat man sich einer Ortschaft genähert, in der ein« Vorstellung gegeben werden soll, so wird der Gaul ausgespannt, die mitgeführten Tragflächen mit wenigen Handgriffen eingehakt,«in echter Propeller eingesetzt und mit einer Kurbel von drinnen aus zum Drehen gebracht, um die Illusion einer.Notlandung' zu erzeugen. Wenn sich dann genug Neugierig« eingefunden haben, beginnen die beiden Riccardos mit ihren Kunststücken: er mit indischen Fcckiratten als.lebender Vulkan', der brennendes Petroleum aus dem Mund bläst, als«lebendes Karussell' auf einem Nagelbrett liegend, auf der Brust ein zwei- sitziges Karussell, sie al» Schlangenmensch, der mit Ringen spielt und durch Reifen schlüpft, beide zusammen als vollendet technische Künstler. Aber vorläufig sitzt Riccardo noch in Reinickendorf fest, da das nötige Reisegeld fehlt und arbeitet als Notständsärbeiter. Gern möchte er die Seitenflächen seines Flugzeugs an große Firmen zu Reklamezwecken vermieten, um seinen Traum, die Europareis« und später vielleicht die Anschaffung eines kleinen Zirkus zu verwirklichen. „Vorverhandlung" gegen Langkopp. Sine Neuheit im deutsch«« Strafverfahren. Als Einleitung zu dem am MtttlSoch nach Ostern beginnenden Prozeß gegen den Farmer Heinrich L a n g t o p p fand gestern nachmittag in einem Sitzungssaal in Moabit eine Vorverhandlung, allerdings in Abwesenheit der Angeklagten und der Richter statt, in der der Anklagevertreter und der Verteidiger sich gegenübertraten, um ihre Stellungnahme zu der Anklage der Presse gegenüber zu vertreten. Der Leiter der amtlichen Iustizpressestclle, Landgerichtsrat Dr. Becher, der zu der Borbesprechung die Anregung gegeben hatte, verwies darauf, daß bei dem Krantz-Prozeh und anderen Eensätionsprozessen mehrfach Beschwerden, auch im Preußischen Landtag über die Dorbenchterstattung erhoben worden fei. Die Schuld an den Mängeln woge nicht die Presse, sondern es liege daratt. daß sie kein« Kenntnis von dem Aktenmaterial haben könne, so daß es an einer authentischen Information über die Borge- schichte des Prozesses bisher gefehlt habe. Erster Staatsanwalt Köhler, der die Anklage gegen Looss erhoben hat, erklärt«, daß die Staatoanwaltfchaft der Einladung gern gesolgt sei. Der Staats- onwalt gab dann einen Grundriß der Anklage und deren Borge- schichte. Nach Schluß der Voruntersuchung hat die Staatsanwalt- schaft die Anklage wegen versuchten Verbrechens gegen das Spreng- stossgesetz und versuchten Mordes fallen gelassen, weil die Tat- bestandsmerkmale dafür nicht gegeben waren. Dagegen ist Lang- kapp setzt angeklagt wegen räuberischer Erpressung, wegen Derbrechens nach ß 7 des Sprengstoffgesetzes, worauf Zuchthausstrafe bis zu zehn Jahren steht, wenn nicht mildernde Um- stände eintreten, Nötigung und Bedrohung mit dem Ver- Romah tiner Revolulion. Von CetUntri Heer mann Hos/ar Gerda entzifferte im trübschwankenden Licht mühsam die ungelenken, blassen Züge: „Lieber Junge! Fräulein Dellendahl wird Dich diesen Brief geben den Du kein andern zeigen falls. Du falls Dich auch nichts drauß machen und keine Sorge davon haben es ist bloß das Du nichts falsches von deinen alten Dater denkst. Es ist bloß weil es Calm ja doch alleine machen thäte wenn ich ihn nicht dabei helfe und wenn ich ihn nicht helfe denn erwischen sie ihn sicher und darum muß ich ihn helfen ich kann doch nicht anders. Ich zeige ihn und Zieglern ja auch bloß wie sie es machen müssen und passe auf das keiner kommt und um Trofegk ist es ja auch nicht schade Aber wenn es doch rauskommen sollde denn solls Du nich denken das Dein Vater ein Brandstifter ist sondern ich thue es bloß aus Freundschaft und weil es doch 19� März Ist und weil Ich doch das an Calm wieder gut machen muß. Du folls nicht herkommen es ist doch zu spät wenn du den Brief hast und solls keine Unruh« davon haben und auf den Seminar brauch es keiner zu wissen das du keinen Schaden hast. Du solls bloß nichts schlechtes denken über deinen alten Dater der Dich herzlich grüßt als Dein treuer Later Gustav Kniephacke.' Alexander Carl hielt sich noch immer mit der Linken an der Laterne und fuhr sich mit der verbundenen Rechten fort- gesetzt über die schwitzende Stirn:„Was soll ich tun... was soll ich bloß tun.. Gerda suchte zu beruhigen.„Ihr Vater war angetrunken, als er das schrieb. Sie hatten Altohol auf dem Weinberg.' Aber dann sah sie wieder das merkwürdig gespannte Gepcht Castus mü den rrr flackernden Lugen, das Feuer. brechen des Totschlages und unerlaubten Waffenbesitze«. L v 0 f f ist angeklagt wegen Beihilfe. Die Verhandlung im Langkopp-Projeß beginnt am Mittwoch um Uhr in öffentlicher Sitzung des Großen SchSffengerIchts Schöneberg. Sie findet im Schwurgerichtssaal de« Neuen Kriminal- gerichtsgebäudes statt. Der Zutritt für Zuhörer und Presse ist nur mit Sonderkarten gestattet._ Flammentod eines Kindes. Das Opfer eines Wohnlaubenbrandes. 2« de« Kolonie Ken- Westend an der Spandau er Chaussee in Charlotlenburg ereignete sich gestern nach- mittag ein schweres Vrandnnglück, dem ein kleine» Kind zum Opfer siel. Der Mechaniker E. bewohnt dort mit seiner Frau und seinem vier Monat« alten Kind« die au» mehreren Räumen bestehend« Laube Nk. SS. Gestern nachmittag hatte Frau E. ein« längere Be- sorgung zu madun und ließ das Kind unbeaufsichtigt zurück. Währeno der Zeit brach in der Laube aus noch ungeklärter Ursache Feuer aus. Nachbarn sahen, wie aus den Fenstern plötzlich meterlange Flammen herausschlugen. Al» die alarmierte Feuerwehr anrückte, brannte die ganz« Laube und die angrenzenden Tier- verschtäge schon lichterloh, so daß es nichts mehr zu retten gab. Bei den Aufräumungsarbeiten fanden die Beamten die völlig verkohlte Leiche des kleinen Kinde». Frau E., dl« nach einiger Zeit heimkehrt«, fand von Ihrem Hab und Gut nur noch einen rauchenden Schutthaufen o0r. Als sie van dem furchtbaren Ende ihres Kindes erfuhr, brachfievölligzu- f a m m e n und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. das Licht im Schloß, das scheue Stammeln Kniephackes, der nicht betrunken geschienen hatte. Sie faltete den Brief zusammen.„Wir müssen nach Bernburg. Sofort." „Es fährt kein Zug mehr.' „Wir nehmen unseren Wagen. Kommen Sie.' Beide rannten dem Ausspann zu. Als sie ihn so neben sich herlaufen sah, immer noch die verbundene Hand an der Stirn, tat er ihr sehr leid. Sie strich ihm im Laufen über das nasse Haar:„Es sind alte Leute, etwas wunderlich. Sie reden viel, weit sie nicht mehr handeln können." Er nickte dankbar. Aber sie rannten weiter. Auf dem Hofe des Ausspanns trafen sie den Kutscher. „Das ist mein Cousin, Pleiser!' schwindelte Gerda ihn an und wies auf Alexander.„Wir wollen noch heute abend eine Spazierfahrt machen. Spannen Sie anl" „Schonn jut, Fräulein!" sagte der Kutscher arglos, an Gerdas plötzliche Launen gewöhnt, und ging in den Stall. Der Junge hatte sich gefaßt.„Was tun wir. wenn— wenn wirklich was passiert ist?' Sie sann eine Weile, mit gerunzelter Stirn. Dann warf sie entschlossen den Kopf hoch.„Dann nehme ich eben die drel Alten mit nach Leipzig.' Die Pferde waren angeschirrt— schlanke, schöne Kutsch- pferde. Pleiser wollte auf den Bock klettern. Gerda hielt ihn zurück. „Sie können hierbleiben, Pleiser. Ich fahre selbst. Trinken Sie inzwischen ein paar Glas. Soviel Sie wollen!' Sie saß schon auf dem Bock.„Setz dich neben mich!' forderte sie Alexander auf. Sie schnalzte und zog auffordernd an den Leinen. Lang- sam, auf fast gerlluschlofen Rädern, glitt der Wagen auf die Straße. Am Seminargebäude vorüber, das aus hundert gelben Augen argwöhnisch auf das Gefährt blickte. Alexander duckte sich unwillkürlich. Diese Fahrt konnte ihm die Zukunft kosten. Aber sie mußte sein. Von der nächsten Ecke ab li«ß Gerda die Tiere laufen. Sie taten es gern, schnaubten vor Freude, wann zu werden in der eisigen Kälte, die herangeklirrt war. Die Landstraße tat sich hinter den letzten Häusern auf, «in grauer Pfad zwischen schwarzem Baumzaun und weiß- blühendem Schnee auf den Aeckern. Die Nacht wachte breit- brüstig über dem Land, in kalter Sternenrüstung, mit der Milchstraße drohend gegürtet. Ihr scharfes, krummes Mond- ichwert zuckte gegen Westen: nach Bernburg. Wiens Enttäuschung über Zeppelin. Oer beraubte postsack. Dien, 28. März.(Eigenbericht.) Di« Wiener Blätter bringen alle ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck, baß der„Zeppelin' so spät bei Nacht über Wien geflogen ist. Die ganze Nacht waren Leute auf der Straße, die aus den Zeppelin warteten, jedoch wurde er gerade von der Innenstadt aus, wo die meisten Leute warteten, überhaupt nicht gesehen. Aus dem Flugfeld war er nur einige Augenblicke sichtbar. Ein Postsack, der vom Zeppelin abgeworfen wurde, wurde an der Stelle, wo der Brief an die„Arbeiter-Zeitung" aufgefunden wurde, aufgerissen und leer aufgefunden. Zwei Arbeiter des Wiener Elektrizitätswerkes hatten um 7!� ilbr sriih einen fsrigeworfenen Postsack aufgesunden, der in den Blättern so beschrieben wird, daß er aus wasserdichtem Leinen war, 4S Zentimeter lang und 28 Zentimeter breit. Er war auf der einen Seite ausge- chnitten und war vollkommen leer: die Briessendungen waren ver- ch wunden. Der Sack trug«ine 2 Meter lang« und lß Zentimeter breite Schleif« in den Farben Rot-Weiß-Rot. An den Enden hatte diese Schleife zwei schwarzrotgoldene Fähnchen. In S i n> m e r i n g bei Wien fand eine Gärtnersfrau in ihrem Garten ein P 0 st p a k e t, in dem sich ein Schreiben des deutschen Reichstags- präsidentenLöbeandenBürgermeisterSeitzbef md. Es wird zur, zeit Uniersucht, ob das Postpaket aus jenem Postsack des Luftschiffs„Graf Zeppelin' stammt, der aufgeschnitten und leer auf. gefunden wurde._ Schwere Bluttat im Kreise Teltow. Frau und Tochter erschlagen— Selbstmord des Täters. Trebbtn. ZS. März.(Eigenbericht.) In Lüdersdorf bei Trebbin im kreise Teltow ocr. übte ein Landwirt eine schwere Llnitat, der drei Mensche«� leben zum Opfer sielen. ver vüdnrr Doos hatte die Dacht von Mittwoch zu Donners- tag durchgezecht. Am Mittwochmorgen erschlug er iNi Rausch- zustand au« unbekannlen Gründen Frau und 1 0 ch l e r mit einer Rodehacke und erhängte sich dann selb st. Die Frauen waren dem Wüstiliuj hilflos ausgeliefert, da sie allein im hause anwesend waren. Al» der Schwiegersohn mit dem Fuhrwerk vom Feld« zurückkehrte, fand er alle Türen verschlossen. Cr schöpfke sofort Verdacht und lieh die Türen öffnen. Den Eintretenden bot sich ein furchtbarer Anblick. Im Hausflur lagen in einer große» Dlulioche die beiden Frauen. In der Scheune fand man den Täter erhängt aus. Dte Frauen wurden, da sie noch schwache Lebenszeichen von sich gaben, aus Anordnung des sofort herbeigerufenen Arzte» ln» Krankenhaus eingeliefert. An ihrem Auskommen wird gezweifelt. Die Untersuchung de» verbrechen» ist eingeleitet. Lebhafter Oflerverkehr. Nach den Beobachtungen in den Bertiner Reiseburecruz dürste in diesem Jahre der Ostervertehr ungefähr den gleichen Um- sang erreichen wie im Vorjahre. Auf den Berti'--'» Bahnhöfen setzte bereit» am Mittwoch ein lebhafter Verkehr ein. so daß die Züge«ine gut« Besetzung auswiesen. Am Gründonners- tag war der Verkehr schon am Bormittag noch lebhafter al» am Vortag. Es mußten Vor- bzw. Nachzllge eingelegt werden, und die Züge waren im allgemeinen b i» z u 100 P r 0 z. besetzt. Der Nachmittag des Gründonnerstag brachte den stärksten Andrang, da mit dem Bureauschluß für viele das viertägige Wochenende be- ginnt. Die Ordner der Vroletarischen Feierstunden treffen st cd zur Hilfe! für die Weih« im Großen Schauspielhaus, heut«, pünktlich 9 Uhr, Eingang Schiffbauerdamin. Die beiden saßen scheu nebeneinander. Sie sahen sich nicht an. Ihre Blicke stießen über die schaukelnden, matt- glänzenden Pferderücken voraus, ob sie nicht auf einen rote« Schein am Himmel trafen, der nicht von den Sternen kam... 22. D i e H e r z 0 g i n. Friederiks hatte gegen Abend wieder einen Brief ihtev königlichen Verwandten aus Dänemark erhalten. Mit der Post war er gekommen, vom selben Briefträger abgegeben worden, der auch dem Kreisdirektor Trofegk und der Kammerfrau und dem Pförtner und dem nächsten Bauern die Briefe brachte— Friederiks hatte verächtlich die schmal- gewordenen Achseln gezuckt im Gedenken an die reitenden Boten, die man früher für sie aufgewendet hatte. Sie ließ sich gern an alles erinnern, was sie verloren hatte. Den Brief las sie erst nach ihrem späten und spärlichen Abendbrot— er enthielt wiederum die oft ausgesprochene Einladung, doch zu einem längeren Besuch nach Dänemark zu kommen. Frie- derite ließ das Papier achtlos zur Erde gleiten. Sie wird wieder nicht fahren. Sie wird diese sinnlose, abscheuliche Per- einsamung hier im Schloß, das ihr nicht mehr gehört, weiter ertragen. Weshalb? Dänemark lockte— Meer und Wiesen- weite und Pomp des königlichen Hofes... Sie bückte sich, um den Brief wieder aufzuheben. Dabei fiel ihr Blick durch das Fenster auf«in helles Viereck hoch oben im gegenüberliegenden Renaissanceflügel, der jetzt die Kreisverwaltung barg. Hinter diesem Fenster arbeitete Trofegk— er arbeitete in letzter Zeit immer bis spät in die Nacht. Für Dessau. Friederike richtete sich wieder auf. ohne den Brief vom Boden genommen zu haben. Nein— sie wird bestimmt nicht fahren. Der Haß braucht die Nähe wie die Liebe.— Sie begann, nach ihrer Gewohnheit, auf den Stock ge- stützt, in den fünf Gemächern hin und her zu gehen, die man ihr gelassen hatte. Zwei dieser Zimmer blickten auf den Innenhof, zwei weitere auf die Stadt, das letzte auf zwei Turmerker, die fast senkrecht über dem Fluß hingen, weit in» Saaletal hinein. DI« Wege über das Parkett dauerten lange--- zehnmal länger als früher, ihre Schritte waren mühselig und klein geworden wie Ihr ganzer Körper. Man sollte nicht glauben, dachte sie. wenn sie sich im Mitteliaal in den Spiegeln sah, daß auch Knochen kleiner werden können wie Fleisch. Aber man tonnte ja auch Herzogtümer ver- lieren. (Fortsetzung folgt.) Wilhelm in Neukölln. Neillolln hat«in Denkmal Willielms I., das auf dem Hohen- zollernplatz steht. Das Verlangen, es zu beseitigen, stieß bei der zuständigen Stelle auf Widerspruch. Historischen Wert soll es haben, sagt« der staatliche Dcnkmalstonservator. Darum ist es stehen ge- blieben. Historischen Wert haben nach Ansicht der Schnxirzweih- roten auch die Straßen- und Platzuamcn, mit denen man Landes- nätsr, Heerführer, Schlachtorte usw.,„verewigen" wollte. Hinweg mit diesen Namen! Hinweg aber auch mit den an die monarchisch.' Zeit«rinnerndcn Rainen von Schulen und andern Anstalten! In Neukölln wird nach den Osterferien das nah« dem Bahnhof Köllnische Heide entstandene neue Schulhaus vom staatlichen „Koiser-Wilhelm-Realgymnasiiim" bezogen. Das hat Anlaß zu dem Gerücht gegeben, das a i s e r- F r i e d r i ch- Realgymnasiu m" in der Kaiser-Friedrich-Straße werde in dieses Schnlhaus übersiedeln und dabei in„Kaiser-Wilhelm-Real- gymnastum" umgetauft werden. Der Gedanke läßt an Toll- heit nichts zu wünschen übrig, aber die Sache wird geglaubt. Wir wollen öffentlich feststellen, daß das„Kaiser-Friedrich-Gymnasium" seinen bisherigen Namen behält und bis auf weiteres in seinem alten Heim bleibt, weil das geplant« neue Heim erst auf dem Papier steht. Das„Kaiser-Withelm-Realgymnasium", das in das Schulhaus am Bahnhof Köllnis che Heide einzieht und seinen bisherigen Namen mitbringt, hatte früher sein Heim in Berlin in der Kochstraße. Es siedelte schon vor einer Reihe von Jahren nach Neukölln über, war aber dort auf Mitbenutzung fremder Schulhäuser angewiesen und benutzt« zuletzt Räuine im Haus des ,„?aiser-Friednch-Rcal- gymnastums" und des Oberlyzeuins(Berliner Straße). Zeit wäre es, daß beide Schulen, das„Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium" und das„Kaiser-Friedrich-Realgyiimasiuin". u ni g e t a u f t würden, Hatfirlich im Sinne unserer Zeit. In der Arbciterstadt Neukölln könnte ma» den Ansang mache». Freilich steht die Entscheidung hierüber nicht den Bezirksämtern und nicht dem Magistrat zu. Ltrteil gegen die ,,Väier des Einspons". 36 Angeklagte im Derafungsverfahren. Der Massenprozeß gegen die 88 an den Eiiffpon-Betnigereien der sogenannten„amerikanischen Kolonie" beteiligten Angeklagten, > durch deren„oinerikanische Geschäfte" die deutsche Geschäftswelt fahrelnng um viele Millionen geschädigt worden ist. ging durch das Urteil der zweiten Instanz vor der Slraskammer des Landgerichts III unter Borsitz von Landgerichtsdiretlor Siege« zn Ende. Im Lause der Benifuiigsveihandlliiig, die am 4. Februar begann, hatte mehr als die Hälfte der Angeklagten die Berufung zurückgenommen. Zuletzt noch hatte iibctrctfchenbernxise der Kaufmann Dr. Klem pus aus Riga, der zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und MOOV M. Geldstrafe verurteilt worden ivar und der immer beliauptet hatte, er sei nnschiildig und unwissentlich in die Affäre hineingezogen worden, durch Annahme der Strafe die Berufung zurückgezogen. Die Strafkammer hatte dafür l)eiite am Schluß des Prozesses nur noch über die Schuld von 35 A nge- klagten zu entscheiden. Unter ihnen befanden sich die Haupt- beteiligten an dem Einspon-Betrug B a l s o n und B a r a n i, die sich gegenseitig den Ruhm,„Bater des Einspons" zst sein, ih die Schuhe schoben, außerdem ist weiterhin angeklagt der Kaufmann Lehne r t. Die Strafkcrmmer kam inrr zur Freisprechung eines l Rebenangeklogten und gewann bei den sämtlichen anderen Beschul- digten die volle Ueberzeuqung von ihrer Schuld. Bei dem Ange- klagten Ba ra n i wurde die Strafe von zwei Iahren sechs Mannten Gefängnis bestätigt. Unter Herabsetzung des Strafmaßes um wenige Monate wurden Saison zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis und öl) IXX) M. Geldstrafe, sowie Lehne« mit Ein- heziehung einer anderweitigen Betrugsstrafe zu drei Iahren neun Monaten Gesängnis und 25 OTO M. Geldstrafe verurteilt. Beiden Angeklagten wurden auch die bürgerliche» Ehren- rechte auf fünf Monate aberkannt. Die Strafkammer ermäßigte bei einer Reih« von Angeklagten, die nur an einzelnen Fällen be- : teiligt waren, die vom Schöffengericht erkannten Straien, dabei wurden für eine Reihe von Angeklagten, die inzwischen von anderen Gerichten ebenfalls wegen Betruges Strafen erfarlten hatten, Gesamtstrafen gebildet. Oer Trick mit dem alten Fünfzigmarkschein. Ein gefährlicher Schwindler. Ein gemeingefährlicher Schwindler, vor dem schon oft gewarnt worden ist, und der immer wieder neue Opfer unter armen Zimmervermieterinnen gesticht und gefunden hat, stand in der Person des Malers Albert Sommerfeld vor dem Schöffengericht Schönebcrg. Sommerfeld lebte davon, daß er ein Zimmer mietete, mit einem F ü n fz i g m a r k s ch e i n eine Anzahlung von 20 bis ■ 30 Mark machte und sich den Rest herausgeben ließ. Hinterher stellt« sich heraus, daß es eine Vorkriegsnote gewesen war. Diesen Schwindel hotte Sommerield in Berlin in etwa 30 F ä l- l« ii erfolgreich durchgeführt. Als ihm dann der Boden hier zu . heiß wurde, verlegte er sein Tätigkeitsfeld nach Breslau, wo er noch einiger Zeit festgenommen wurde. Er hatte dabei aber das Glück, daß das dortige Gericht eine sortgesetzte Handlung annahm, so daß etwa 30 Berliner Fälle in die damals gegen ihn erkannte milde Strafe von 3 Monaten Gesängnis als mit ein- ' gezogen gelten mußten. Nach der Strasoerbüßung war Sommerseld ober wieder nach Berlin zurückgekehrt und hatte seinen alten - Gaunertrick fortgesetzt. Er soll aus diese Weise an manchen Tagen vier bis fünf Zimmer gemietet haben. Nur in einem Fälle hatte er eine Anzahlung von iünf Mark in richtigem � Geld« gemacht, und war in die Wohnung eingezogen. An, nächsten . Tage schon erbrach er einen Schrank und stahl ielver Wirtin einen Pelzmantel. Sommerfeld wurde jetzt wegen Diebstahls und lort- gesetzten Betruges zu 1 Jahr 3 Monaien Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust vvrunieilk.__ Die Tapetenrolle als Waffe. Bei einem Streit wegen Ueberstnnden schlug der tiZjährige Tapezierer Max Müller am 22. September seinem LOjährigeu � Kollegen Boralewski mit einer Tapetenrolle an den Kops. Am nächsten Tage kam der Geschlagene zur Arbeit, bald wurde ihm aber schlecht und er starb nach wenigen Stunden an einer Gehirnerschütterung. Angeklagt'war gestern Mar Müller, der ein chronischer Alkoholiker und schon ojt wegen Roheitsdelikt vorbestraft ist, vor dem Schöffengericht � wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Geridjt hatte darüber zu . entscheiden, ab Boralewski an den Folgen der Korperverletzung mit der Tapetenrvllc gestorben ist. Die Aerzte stellten lest, daß der Tote an Leukämie litt und daß daher eine Gehirnblutung auch ohne gewolffamen Anlaß hätte«mr«™ können. Dos Gericht ' hatte daher Zweiiel, ob der Tod durch den Schlag � hervorgerufen - war und verurteilte den Angeklagten Müller wegen gefährlicher Mkperverletzung zu drei Monat«» Gefängnis.. Das Geständnis, das keines war. Vor einer Wendung in Zannowih? h i r s ch b e r z. 28. März. Aus zuverlässiger Quelle verlaulet, daß Christian Friedrich vor dem Geständnis, daß er den Tod feines Vakers durch Fahrlässigkeit verschuldet habe, bei einer der ersten Der- nehmungen ausgesagt Hai. er hätte das Gewehr, mit dem die Tat geschehen ist, überhaupt nicht"in der haud gehabt. Diese krassen Widersprüche in den verschiedenen Aussagen des verhafteten, veranlassen die beteiligten amtlichen Stellen, nunmehr alle Aeuherungen Christian Friedrichs mit allergrößter Vorsicht ans- zunehmen. Nach einer in v r e s l a u eingegangenen Meldung kommt das Gutachten de» Berliner SchießsachverstSa- d i g e n. der eine anerkannte Autorität ist. zu dem Schtuste. daß in der fraglichen Nacht nicht nur ein. sondern zwei Schüsse ab- gegeben worden seien und daß die aufgefundene Kugel nicht das todbringende Geschoß gewesen sei. sondern, daß ein zweiter Schuß abgeseuerl worden fein müsse. Träse das Sachverständigengutachten zu. dann läge nicht fahrlässige Tötung, sondern wahrscheinlich Totschlag vor. der im An- schluß an eine vorausgegan£ft£ Auseinandersetzung ersolgl sein müßle.— Gerichtsschemiker Umversitälsprosestor Dr. Brüning ist au» Berlin nach Zannowih berufen worden. Gräfin Erika, die Muller des Verhasteten, und die komleste Antonie wurden gestern den ganzen Tag über eingehend verhört: das Verhör dauert noch an. Zannowih. 28. März. Die im Laufe des Tages zur Aufklärung des Mordes auf Schloß Iarmowitz vargenommensn, heute besonders zahlreichen Vernehmungen haben, wie gegen Abend die Untersuchung führenden Beamten der Presse mitgeteilt haben, eine Aufklärung der Angelegenheit der verbrannten Brief« insoweit ge- bracht, als die Kriminalpolizei zu der Ansicht gelangt ist, daß die vernichteten Briese tatsächlich durchaus harmloser Natur gewesen seien. Weiter Hot die Vernehmung der Gattin des ermordeten Grasen Eberhard und der ältest«, Schwester Antonie des Verhafteten ergeben, daß sich ihnen rn der Mordnacht Graf Christian nicht, mir verschiedene Gerüchte be- houpteten. am»e«raiit hat. Christian Stolberg hat vor dem Unter- suchiingsrichter eine neu« Darstellung der Umstände gegeben, unter denen der Schuß losgegangen ist. Diese Erklärung soll den Zweck gehabt haben, den Hergang deutlicher und verständlicher zu machen. Sie soll von seinen früheren Aussagen in mancher Beziehung abweichen und wird bei der weiteren Eiitwicklung der Untersuchung unter Umständen noch sine sehr wichtige Rolle spielen. Die Mordsache Hammermeister. Die Ermittlungen in der Mardsach« des Kastenboten Hammer» meister, der vor zwei Iahren ous dem Ruinenberg bei Potsdam erschlagen wurde, worden von der Statasonwollschaft Potsdam unter Hinzuziehung von zwei Berliner Kriminalbeamten sarigesetzt. Staats- onwoltichoftsrat S t a r g o r d hat im Beisein der Berliner Kriminal- beamten in der Wahming des verhafteten Butzbach, Marienstr. 1 in Potsdam, eine Lokalbesichtig ung norgonamm-n, um die Behauptung Kutzbachs und seiner Schwester von einer Auffindung oder Aufbewahrung eines hohen Geldbetrages nachzuprüfen. Auf Veranlastung der'Potsdamer Staatsanwaltschaft ist der Freund des verhafteten Kutzbach. der Arbeiter Ewald Hum beutet, wegen Begünstigung v e r h a s t e t worden. Revue auf Reisen. Der Herr Direktor läßt„grüßen". Der Herr Dixektor hatte einen Engagementsabschluß für ein« Tournee gemacht, die in die verschiedenen Städte Deutschlands führen sollte. Die vollständig serugc Revue war da. die nötige Ausstattung, genügend Reklamematerial, es galt nur noch, die in Berlin zerstreuten Schrnispielcr für die Dauer der Tournee fest zu engagieren. Das geschah und der Herr Direktor machte sich mit seinem Ensemble, das 13 Personen umfaßte, aus die Reis«. 'Aber auch hier kam das dicke Ende nach. Bei uifferein Direktor kam das dick« Ende in einer kleinen sächsischen Stadt. Die Revue wurde hier am ersten'Abend einfach ausge- p f i s i e n und„flog a u f". An ein Wciterauftretcn war nicht zu denken- Der wirkliche Knollossekt kam erst am nächsten Morgen. Denn da stellte sich heraus, daß der Kassierer mit der wohl- gefüllten Thealerkaste— durchgebrannt war. Daraufhin er- griff auch der Herr Direktor das Hoseiipanikr und empfahl sich sran- zostich.(fr. reiste, ohne ein Wo« zu sagen und ohne seinen Mit- gliedern etryaa andert»-zii'-h!nte«asse»- a!s das— Nachsehen, ab, Die Trnppk Idß nun'in>her fermden Siebt'-tchne Geld und war noch bis iMkr die'. Vh'reff' Sei'''HotAs üiid� Pensionen ven'chuldet. Man setztet sich mit der Berliner Adresse de» Direktars in Perbin- düng»nd drängte auf Zahlung. Aber vorläusig hatte der Herr Direktor auf alle Borhaltungen nichts audll-es als ein„Ich weiß!" und„Einen schönen Gruß! Damit war de» Leuten nicht geholfen. Denn mit einem direktorlichen„schönen Gruß" kann man weder die Eiienbahnfahrkarie noch die Hotel- schulden bezahlen. Am schlimmsten war es mit fünf jungen Damen, die sich keinen anderen Rat wußten, als sich mit dem Wohlfahrtsamt, der sächsischen Stadt in Berbindung zu setzen, und die dann auf Koste» des Wohlfahrtsamtes„per Nachnahme" nach der nächsten Engagementsstadt geschickt wurden. Allerdings konnten sie nur nach Hinterlassung ihrer Koffer fahren, die das Hotel als Pfand für Verpflegungs- und Logierkosten zurückbehielt. Aber auch in der neuen Stadt war guter Rat teuer Di« Truppe flog auseinander, weil kein Direktor da war und die süiff jungen Damen, Tänzerinnen und Schauspielerinnen, kamen sich vor, als sollten sie plötzlich auf eigene Faust eine Szene in dem Film„Fünf Möde! suchen«in Rachiguariier" spielen. Dann hotte allerdings am näch- sten Tag die größte Rot ein Ende, denn, der Herr Direktor schick!« seinen fünf verirrten Schäfchen 50 Mark. Damit konnte wenigstens der größte Teil der Heimreffe nach Berlin bezahlt werden. Den Rest legte man„brüderlich" aus den letzten paar Mark, die man noch hatte, zusammen. In Berlin klagte man ebenso gemeinschaftlich beim Arbeits- gericht. Und hier wurde der Herr Direktor mit Pauken und Trom- „Sozialistische Erziehung der Jugend" ichilderie in dem Zyklus„Jugend in der Gegenwart" Iugendsekretär M ä s ch k«. Die sozialistische Jugenderziehung setzte erst vor etwa einem Bierteljahrhundert ein, als die sozialistische Bewegung die schwersten Kämpfe überwunden hatte. Bis dahin hatte das Ringen um seine Existenz die Kräfte des Sozialismus voll gefordert. Jetzt konnte mit der ausbauenden Arbeit für die Jugend begonnen werten. Aber durch das Bereingefetz von 1908 wurde es der Jugend iimuöglich gemacht, weiter der Partei anzugehören. Es galt daher, neue Sondergruppen für die Jugend zu gründen, die— wenn auch nicht die sozialdemokratische Parteianschauung, so doch den sozialistischen Geist pflegen sollte. Die Behörden taten ihr Mög- lichstes, den in diesen Gruppen zusammengeschlossenen Jugendlichen das Leben zu erschweren. Fahrpreisermäßigung, die bürgerlichen Iugeirdgruppen für Ausflüge und ähnliches gewährt wurde, siel für die sozialistischen fort. Nur selten wuri�n ihnen Gemeinde- sportplätze zur Berfügung gestellt. Staatliche Unterstützungen, wie sie anderen Vereinen reichlich zum Zwecke der Jugenderziehung zu- flössen, wurden ihnen nie zuteil. Heut« ist die sozialistische Jugend- bewegung, die Jugendliche im Aller von 16— 20 Jahren umsaßt. stark und weit verzweigt. Partei, Gewerkschaft und Arbeiterturn- vereine sind bemüht, die Jugendlichen zu wahrhaft sozialistischen Manschen.zu«ziehen.— Am Abend wurde aus Leipzig— nachdem anfängliche Störungen überwunden waren— sehr schön ein Konzert iml Werken von Paul Graener übe«ragen, das der Komponist selber dirigierte. Dann folgte ein„Berliner Passtons- spi« um 1400" in guter, wirkungsvoller Aufführung. Trotzdem wirkt« e-. langweilig, und es wäre gut gewesen, wenn für die Hörer, die an diesem frommen Spiel kein Interesse fanden, der Deutschlands ende r ein von Berlin verschiedenes Programm»«breitet hätte.„. Tes.. peten ohne weitere Beratung dazu verurteilt, rückständige Gag«, weitere Gage bis zirm Vertrags abtaiif und Reisespesen zu bezahlen und die im Hotel zunickgelassenen Psäirder einzulösen. „Wir Deutsche fürchten Gott.. Vom teutschen Mannesmut. Mit großer Reklame hatte der Stahlhelm zu einer Beronstaltimg am Donnerstag ins Kriegeroereinshaus aufgenifcn, in der man, wahrlich aus berufenem' Munde,„die Wahrheit über Sowjetrußland" hören sollte. Die zwei deutschen Angeklagten aus dem Schachty-Prozeß, Monleur Meier, angeblich 23 Jahr? Mitglied im sreigewerkschgstlichen Metallarbeiterverband, und Ingenieur Otto hotten sich als Reklame tanonen für diesen Abend hergegeben. Versprechen und Halten war aber bei diesen Herren zweierlei: Major Stefan!, der Berliner Miniatur-Seldte, war genötigt, den nicht sehr zahlreich erschienenen Anwesenden zu erklären, daß die beiden Herren es„nicht wagen könnten", zu erscheinen, der Monteur wegen d-er zah.lreizh a.y�ihn ab.g es a ndt en l.o.m-mu- 'ch'tst ss ch e'n Dr nhb.r-ke's«?<»!)/ der Ingenieur,«eff ehn, die Direktion der AEG. angeblich mit Entlassung gedroht hatte. Der Herr Major hielt sich noch für berufen, zu verkünden, Deutschland sei am Verhungern und stehe„am absoluten Abgrund". Eine Wiederholung der L)aßbotschast gegen die Republik und ein Rachegebrüll gegen Juden, Marxisten und die Republikanische Be- schwerdestelle beschloß diesen erhebenden Anschauungsunterricht über „teutschen" Mannesmut. F ron t H ei l! Qftergrußkarte für 3 Pfennig. Ohne Umschlag versandte gedruckte Osterkarten, die hinsichilich der Große. Form und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten, enffprechen müssen, kosten sowohl im O«»dereich des Aufgabeorts als auch im Fernverkehr 3 Pfennig. Es dürien in diesen Karten außer den sogenannten Absenderangaben(Absendungs- tag, Name, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders) nach weitere fünf Wörter, die mit dem gedruckten Wartlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugesügt werden. 'Als solche zulässige Nachtragungen gelten z. B. die üblichen Zusätze „sendet",„Ihre",„Dein Freund",..sendet Dir",.sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Werden solche Karten im offenen Umschlag veffandt, so kosten sie sowohl im Ortsbereich de» Aufgabeorts als auch außerhalb 3 Pfennig. Ungenügend freigemacht« Sendungen werden mit Nachgebühr belastet. Es kann daher den Berfendern nur geraten werden, die Bestimmungen zu beachten._ Genosse Vsarrer Fronde hält am 1. Osters eiertag. morgens 10 Uhr, in der Kirch« zum Heiligen Kreuz om Blücher- platz seine Abschiedspredigt. Als einer der wenigen Geist. lichen der preußischen Landeskirch«, die Sozialdemokrat sind, hat er manche Anfechtungen und Konflikte durchzukämpfen gehabt. Sie haben ihn aber nicht irre machen können in seiner sozialistischen Ueberzeugung. Francke, der d«n Boffiand des Bundes religiöser Sozialisten angehört, wird auch in Zukunft sich nicht von der religiö- scn und sozialistischen Arbeit zurückziehen, sondern sich getreu seiner Auffassung weiter betätigen.. MMoi' öt'Jtiv es ist wissenschaftlich festge« stellt, daß Coffein in die liuttef* milch übergeht! Werdende und stillende Mütter sollten ihrem Kinde und der eigenen Gesundheit zuliebe nur den ooffeinf reien Kaffee Hag trinken. Sie brauchen dann auf den Kaffeegenuß nicht zu verzichten, denn Kaffee Hag schmeckt ebenso gut wie Jeder andere Bohnenkaffee bester Qualität und ist dabei für Jeden vollkommen unschädlich. Über 7000 deutsche Ärzte haben allein im Jahre 1828 lobend .. Uber Hag geurtellt,.... Die HanSgranate als Kinderspielzeug. Almansa«Promnz Leon), 28. März. Ein Ho-zsöller fani> aus dem Felde eine Gr a n at e und brachte fie nach Haus«. Eines ssiner Kinder spielte mit der Tranate un!> w a r s sie ins Feuer. Sic explodiert« und; e r st ö r t e das Haus. Der Holzfäller, seine Frau und ihre fünf Kinder wurden schwer verletzt. Ein bestätigtes Todesurteil. Der zweite Strafsenat des. Reichsgerichts.verhandelt« so- eben über die Revision im Freydan t-MordPrazetz. Am 17. Dezember 1928 wurde, vom Schi»iirz«rit in Potsdam der Braucreiarbeiter Willy Schmidt wegen Mordes und schweren Raubes in Toteinheit zum Tod« und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte oerurteilt. Der Mord, war am 12. Dezember 1927 in Brandenburg verübt worden. Sein Opfer war der 60 Jahre alte Brauereibesitzer Freydank. Geraubt wurden 15 000 Mark. Als Täter kamen der geistesschwache Arbester Erich Schmidt, de.r den Mord ausführte, und Willy Schmidt in Frage, der seinen Freund Erich zur Tat angestiftet haste Erich Schmidt wurde der Provinzialimnanstalt Garden überwiesen: wo er sich vor kurzem erhängt hat. Die Renision des Arbeiters Willy Schmidt wurde verworfen. Damit ist das gegen Schmidt erkannte Todesurteil bestätigt. Es besteht kein Zweriel, daß auch in diesem Falle das Preuhische Staatsministerium von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch machen wird. ZtftM um ein Portemonnaie. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: Als ich kürzlich auf meiner Arhestsstäst« einiraf und zur Früh. stückszest mein« Aktentasche ofsnete, um ihr mein Frühstüstsbrot zu entnehmen, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dah«in gut parfümiertes Damenportemonnaie mit nur geringem Inhalt den Weg in mein« Aktenmappe gefunden hatte. Wie ist das Rätsel zu erklären? Zunächst glaubte ich. dah einer meiner Arbeits. kollegen oder-tolleginneo stch einen Scherz erlaubt hätte, obwohl das non vornherein schon nicht recht wahrscheinlich war. Mit Porte- monnaies, auch wenn sie nur geringen Inhalt haben, pflegt man nicht zu scherzen. Mich peinigt der Gedanke, dah.die Eigentümerin des Portemonnaies es schmerzlich vermißt, zumal es ein recht gutes Stück ist. Ich habe für den Borgang nur folgende Erklärung: Ich fuhr Freitag morgen» zur üblichen Zeit mit der Stadtbahn von Johannisthal nach Berlin und legt« mein« Aktenmappe in das oben angebrachte Netz. Reben meiner Aktenmappe lag noch ein« ander«: ich kann mich aber nickst erinnern, dah es die einer Dame gewesen ist. Die Eigentümerin Hot wahrscheinlich irrtümlich ihr Portemonnaie in mein« Aktentasche gesteckt und wird«rstaunt gewesen sein, in ihrer Aktentasche dos Geldtäschchen nicht vorzufinden. Beim Fundbureau es abzugeben, bin ich nicht in der Lage, weil ich das Portemonnaie ja nicht gefunden Hab«, sondern weil es mir zu- gesteckt worden ist. Sollte die Eigentümerin diese Zeilen lesen, dann wird die Redaktion wohl so freundlich sein, ihr Anskunft zn geben, wo sie es abholen kann. THrtfaebericht der dflenffid»« USetterdieasi stell« Berlin und ülmgegend (Rachdr.»erd.1. Teilweise bester, bei etwa« Häher cv TageStemveraluren. austrischende Kinde au« nordwestlichen Richtungen.— Für Den Ischl and: Im Binnenlande vielfach heiter, a« Tage«eitere Erwirmuna. an der.«kütte zunehmende vewoikung. besandert im Oftseegebiet fiari nufsrischend« Nord. weltwinde.__ Aus der Partei. ,Oie Gesell schaff.'' Da« April-Heft der wisfentchosstichen Monatsschrift der Partei, Jüit Gesellschaft', enthält eine groß« soziologifch-poliasche Unter suchung von Decker über die Krise der Demokratie, in welcher durch eine Analyse die gegenwärtige Situation durchgestoßen wird zu den grundsätzlichen Problemen von Demokrane und Paria- mentarismus. Lebhaftes Interesse dürste auch«in Artikel über das Recht des Ausnahmezustandes noch Artikel 48 erregen, m welchem die Hemmungen und Schwierigkeiten beschrieben werden, welche dem Ausführungsgcsctz entgegenslel>«n. Es wird ein Weg gewiesen, wenigstens Teillösungen vorzunehmen. Aus der klassischen Feder Eduard Bernsteins stammt der Aufsatz„L a s s a l l« s Kamps um Bismarck'. Der greise Kämpfer krstisiert mit dankenswerter Offenheit auch die Einlestung von Gustav Mayer. .stur Losung der römischen Frage liefert ein Italiener«in«» sehr ftnereffonten Beitrag unter dem Titel.�konstant« Element« im Verhältnis von Katholizismus und Faschismus'. Hier wird in Deutschland noch nicht bekanntes Material über die ver> schieden«» ontikotha tischen Strömungen innerhalb des Faschismus gegeben. Geiger nimmt die Tagung des katholischen Akademiker- Verbandes und ein Buch van Kautz zum Anlaß, in sachlichster Form, aber mit größter Schärf«, mit den romantisierenden Bestrebungen gewisser katholischer und Bolkshochfchulbildungs-Kreis« abzurechmm, welche die Gruftdsrogen der modernen sozialen Problcmabk zu um- gehen und auf andere Gebiele abzuschieben suchen. HozialtfiisAe Arbelterjugend Groß-Serliv Girsendi-naeii Ki dlese JteSto«r•* dae Nerftn ST? 6S.(HibenffreSt 9 ®i« Fahnenträger«Bei«lbteilnngen ntfllktn mit ihren raten Fahnen Mir Internatianalen Kundgebung om t. April, pünktlich 1» Uhr. in der bleuen Welt' anmeserd sei». Ben>egnng-ch«r fällt Lonnabend, ZV. Mär;, und S. April au«. ASchster Uebnngxtdend am 18. April. Ueben sür Magdcburg. Ällr Interessierten müssen erscheinen. Da« Sekretariat ist morgen, Sonnabend, und Z. Feiertag g'cschlossen. Morgen, Sonnabend, Oslerfahrien: ScBaischrr Pari! 30li Uhr GSrlitzer vahnhns. Haiiptsinganai Dubrom.— Wärther Alag: A> lltr Bohnhaf Ale�anderpla« lFernbahnhoil.— Sä-änetarg ir, R. F.! l8>-, Uhr NWP. Slankenho?.— Lankwig: Mb sthr Steitiner Fern- bahnhof. Bis S'iitniii fahren.— Neutötlii II u. 8-: 17% Uhr N-Bohnhof Derg- strahe.— NenknBa Iii:.>8»� Uhr Herriurthplag.- Rentötla IV! l» Uhr Bahn. hes S-rinannttraße oder t9?l Uhr Schieüsche? Bahnhof.— zehlendors: Zgsz Uhr Bahnhos zchIendorf.Mitte.— Lichtenberg'Mitt«: tZ?> Uhr Trepp« Stettiner Bahnhot. SS». Pren, laver Berg: Keim Dan-!g«r Str. HZ. Ba-äckc 8. M Uhr: �tlnssenbewusttleb» und Schule.' Redner Senall« Schöndrunn. soiisiisnsvke apdvnep�llgeno vpos-vei'Nn Kommt alle am Donnerstag, dem 4. April 1929, zur „Reuen Welt'(Großer Saal), Hasenheide, in die internalionale Kundgebung Es sprechen-Koos Barrink-Holland, Richard Lindström- Schweden, Felix Konitz-Wien, Ludwig Diadcrich-Berlin —?il>«— Sprechctior— Fahneneinmarsch Saalöffnung 19 Uhr Unkostenbeitrag 20 Pfg parieinachrichten «Insendnnge» für dies« Rvbr» find v« r I i n SW«8, Lindrnftrah« 8, für Groß-B erlin strt»»» da» Bestrtafekretariat 1. Hof, Z Treppen recht», gn rtchtrn. Achtung, Funktionäre? Die künssteriich ausgeführten Maimarten für 1929, die in diesem Jahre wieder 20 Pfennig kosten, sind allen Abteilungskassierern bereits zugestellt worden.— Die politischen Berlranensleut« der De- Iriebe werden gebeten, die notwendige Anzahl sofort bei ihren Abtei- limgskassiercrn abzuholen und eifrig zu vertreiben. I. A.: Alex Pag« ls.' » Sonnabend, den 30. Mörz ist dos vezlrtssekretariat geschlossen. wiedercrössuung Dienstag, den Z. April. m Parteigenossinnen. Parteigenossen! Besucht die latcreatto- nal« Kundgebung der SAZ., die al» Auftakt sür ihren Internationalen Zugcodtag in Wien dienen soll, am Donnerstag dem 4. April, pünktlich 19� Uhr, in der„Reuen Welt', haseohetde. Es sprechen ausländische Genossen. 8- 7. Kreis Charlottendiirg nnd Spandau. Iuriftisch« Sprechstunde am Sann- abend, So. Märj, findet nicht statt.. Einlrittotarlen 8U der am Ost»r- s-iiittaa, 81. März, ll Uhr, im Lichtfpieltheatrr„Pieadlllo', Bismar-j. straße SS— 98. sialtsindenden Zugenhtveihe find außer an den bekannten Stelle» auch am Taae der Wrihe an der Kasse erhältlich. Mitwirkende: Bollochor.Harmonie. Sharlottcnburg! Weiher.dc: Arthur Sriopien: Sello- Tri«: B-wegungschor: Io Bischer: Tanz: Iutta-Klamt-Schul«; Liederoor- träge: vpernsäuger Werne? Sioese. tZä. Abt. Buch. Sonnabend. Z0. Mär». 10.37 Uhr, Abfahrt»nt EinSscherona unseres»rrfiotbenen Senoficn Ps-Hner. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Verlin. Sr--:« aharlpttrrbv-a. B»-oo»e>ge! Sonnioq. 7. Aor�l. NM lfi Uhr und um I»-d Uhr säuft im Lo-ii-ahr-o-aai der Baug-nofienftkatt..aörigin.SI-sobeth. Straße 8,'der Ro:e-Fah!?n- und Achrrseefiltit. 7a dies» Beranfialtung ein Weroetes'»er«ind-rsr-und« und SAJ.:fi. bitte» wir alle Barte ig» ofien, b.e Beranltaltunp zu� besuchen. Die Rachmittagaoarstellung ifi hauptsächlich filr ttinber M�.vie sür und Jugvncßpfvikvn vier ArtoelterschaH Groß-Berlins. Heute, Karfreitast, den*9. stttrst BerBn, Gr. Sehausplelhius, KnrlstraS«. 11(Ihr. Saalöffnuag Wk Uhr. Orfhrioimlnö, den$1. Mir*: CharUttemchvr*..Piccadilty'-t.ictitipieltheater, BismarckitraBe 93, 11 Uhr Saatöffnrjng 10V» Uhr. Cborstcannst/ Mu»fk/ Weiherede/ Sprech«her n.«. m. Gastkarten sind nur noch für die Jngendweihe in Chartottenburg an der Kasse rv haben. Vorirage,DereineundVersammlunge??. « Reichsbanner �Schwarz- Rot-Gold'. Geschättoüclle: Berlin S. 14. Sebastianstr. SileS. S»s 2 Tr. vr/n)»»»auooeftavd. Die Geschäfiestell» ist am Sonnabend, 80. März, ge. 9kl<» schiofien und am Dienstag, 2. Avril. bis 18 Uhr geöffnet.— Sann- abend, 8«. März. Ritte, Iunqbanner: zweiiagige Osterwandrrung Tiefe», fee— Blumentbal. Koste» ffir Mittagessen und Nachtguartier 5 M. Tresspuntt Sonnabend. 30. März, 21 Uhr. Schlefische.n Bahnhoi. Eingang Wriezener Bahn. fi!ach-ilg!tr Sonntag. 8l. März, NV, Uhr. Rvderrieg«: 21 Uhr»aftenrud-rn in Moerners BImnengarien. Oberichoneweide, Ostcindstrafie. äharlottenbtirg,»'ad- fabrtteiluehnier: 14'. übr Treffpunkt Bahnhai Eharlottenburg. ifiiidkebr 1. AprU. fOhne Bannerkleidung.>— Tonntag, 81. März. Prenzlauer Berg: 17 Uhr im Saulbau Fr-edrichsliain Frühlingsfest- Mitwirkende:�Ber1iner Ult Lran.icnburqcr Str. 87. Wittenau: Iii Uhr Bannerwethe bei Schulze. Oranicn. burger Straße. Uniform. Erscheinen Pflicht. Marineabteilung!»Antreten tl> Uhr im Sfestalirhnt Schulz am Bahnhof Wittenau mit Fahne.— Montag, 1. April. Reuiöltn-Bttfi: 17' f Uhr 2. Konzert de» Musikkarpe Reichsbanner Neu?älln unter Mitwirkung der..Tnpographia', am Klavier Manfred Legall. Künstlerische Leiinng Dr. Hugo Sireliher. Antchtießend Tanz. Rnderriege: Arbeitsdienst im Boolshaus.___ Architekten- vub Zngenieuroerein zu Berliu. W. 8. Wilhelmstr. 92— 9S. Monlag. 8. April. 20 Uhr. im Grünen Saal des Meifierhaittes, Kothen er Straße':», Vortrag mit Lichtbildern über �öeiztrchnifch« Grundlagen des Archi. telden." Boriragenter: Reqierungsbaumeifter a. D. Wentfcher. Karten find in der Ge-chäftsstellc des Vereins, Wilhelmstr. lrk— 98. zu haben. Vnefkasten der�edakiion. Die Zuristische Sprechsknnde fällt am Sonnabend, dem ZO.MSr,. und am Dienstag, dem 2. April d. aus. M. t. IM. Weder der Sraftdrofchkenbrützer noch der Fahrer find geseh- Nch verpflichtet, einer Berficherungsgesellschaft anzugehören.— Willy. Tie könne« den Antrag auf Gewährung der Elternreute steilen. Bersorgungs, am'. Seneral-Pave-Stroße.— Kriegsgefangener Illld. Die Negelnng ist noch nicht erfolgt. Es ist zwedfos. Anträge zu stellen.— R. T. 88. Wenden Sie fich in b«:d--n Fällen an das Bezirksamt fSozialrentnerfürsorgrstellei. Dgnzigcr Straß» fit.— B.«. l. Fa. 2. Die Steuer ist nicht richtig berechnet worden. Wenden Sir fich an das Finanzamt. verantwortlich<ür Pvlitik: Dr. Gurt Keyerl Wirliäakt:». Klingelhöler: ig:___________„_____ u_______________ und Berloasanstalt Bau! Singer u(To. Berlin SW 68 Lindenstrak« Hierzu i Beilage»,.Unterhoitung nnd«ifi»»" na».Siabt beilag«'. Aü-K.. eröffnet ihr« neuen >en ElNtrlotien. und Wark. Di« Parabiesbettenfabrik 38. Steiner». Tod» Verkaufsräume in der Leipziger Sirafi« 80, zwischen arasenstraße, am vsterlonnadend, dem 80, Rärz, t2 Uhr. Vadchem die Firma ihre lnsheriaen Lokalitäten nach 2kj ähriger Wirksanck-it aufgeben nmfite. unter. nimmt sie den Wech'el in der festen gunersicht. das ihr d-r erworbene groge >>ire��M»>M�� Kundenkreis auch nach der neuen Qualitätswaren, gewisicnhafteste AU'. W hin oberster Erundfay der alten Weltfirmg bleiben. esten Kunersicht. das ihr d-r -n Arbeitsstätte folgen wird. Ausführung aller Auttrijg« wei Lieferung von werden auch weiter. arrf 6er Bär? ■f'/fi If/if KON 'l!'1 tifiOthf ....."T'�z MM.» ii xMM\ *on&liepsh verteilt der Osterhase am Festmongen seine Gaben an Gpo@ und K-lein. Die sch wi er Ige Au fga b s, das Rechte für die Raucher zu finden, löst er glänzend durch eine Spende der begehrten dtosetti«Iii£?<» Berlins meist gerauchter 44 Cigarette KAR FREITAQ WM Grosses Sciieuspiolhaus. 8 Uhr: EINMALIGES SYMPHONIE-KONZERT DAJOS BELA mit■einem Orchester und Sollstenk Preise 1-1 M. KARFREITAG METROPOL- THEATER 8 Uhr KONZERT AUF 4 FLÜGELN ERSTES KLAVIER- QUARTETT » Qslbtrunk/ L Mlttmans| A. Ztkin| J. Psmtrtne Preise 1-5 M. | FreiWJ, d. Z». z Staals-Opir Unter d. Linden A.-V. 81 WH Uhr Slaals-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 87 m. Uhr Rarfnita�- Konzert Prelis?, d. 29. i siam. Oper Bi.marcksw rurnu« in 19 Uhr SlMtlSduispb. in fexiimiUirti Oezdilouea! Barnowskj-MboM Thssfsr in dar KJnlgjriliat SlraSs TirllCh«Vi Uhi Riwal Komtfdlenhaus Täglich H Uhr Oii Dni-Onsän Onr Staat). Seüilicr-Tlieater.Cliaritli. Gesdilossen! 8"'Uhr EASINO-TBSATEB Loiiiriiiij.er ätratie 37.~ Heute geschlossen! 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Oer glühte Erfolg Berlins Friederike SRufU von Cebat Crifa v. Thellmann Äarl Ziegler, 6tnnt«oper Wie» «engeöl, iimfmra, »oro.(IWIer, »»pmwmn,»et, Safte ununterbr. trianon-Th, Heute 8V, Uhr Du Äpostglspie! Ab morgen täglich 8". Uhr Oer Herzog and die Sünderin Erika Sl&ssner Kirtln Rettner t. Hoeilendortt in beiden Feicriagea naenm. 4 Uhr OaierhtalelB* Zauber kiepe rtiaila-Theater »rcidener>ir. 72»?, Beule gesdnallta. Sonnabend Uhr Oelransch" l haater am Nollantforfplat} Täglich 8'/« Uhi Bevolle im ErilchunnBheus Lessing-UiestBr Täglich 8 Uhr 3 x Hochzeit Theater am Sdilifhaaerdamm. Norden 1141 Ii. 281 Rirtreiia« neidüellen Motgen Sonnabend 8 Uhr Erltaaffafanu. Pioniere in Ingolstadt (Soldaten u Dienst mädchtn) v.MaritlUlse FleiNr Regie: Jakob Geld. Bühncnb.lder: K as pa f Ve h» I Lnstspielhau» 8'/» Uhr «iMMriBnr«.-M Gudo Tbielscber Veekeid !b ParaPles tfieitiu rneaitr Täglich 8«/« Uhr• Curt Goetz, Valerie». Marien* FerdL*. Alten in „Trio" Lustsp. v.Leo LeAt. Regie: FriedmAi Frederl cb. R osa-Thaatar jf.fruklimrSt.lj: leuBlonet. Morgen 8 V« Uhr Drei alte SdiaditelL Reederei Bauer �ippdon�veüricbxtts�ei�ZZ AbSchillingSbracke(Schle».Bhf.) 2 Uhr nachm. An allen J Oster- feiertagen und Sonntags mildem gachloMcnrn S.Iond.mpfcr „BotoIIdV nach dem Müggelsee- moggeibergen Fahrpreis: Hin- und ROaktahri Mk. 1.80, Kinder die Hllfte Mntlk /■ Parketlanzdlelc Vereinen, Schulen und Gesellschaften stehen Dampfer und Motorboote jeder Gröde äu Ausflügen für die kommende Saison zu kulanten Bedingungen zur Verfügung SwiioBf T&eaiir DlrektHeinzHerald Charletienstrtäe« A 7. Dönhoff 170 Geschlossen. Ab motgen täglich 8 Uhr Helden von Bcmard Shaw Reichshailan�Theator iht.(5 a. a. bell raltflagea Nadua.|T] Slclflncr sanier mit dem«nndtmllim Osler- Programm t Nachm. halbe Preise. □ OnMöff- Brettl: estpro Tau. Dasjri' Je restprogr. Theater a. KottbusserTor Kottbusser Str. B. Tal. 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Bafenchnlet Slcafje 11/12 att Versammlung aller außerhalb auf ZNontage befindlichen Kollegen der Alelall- iadustri« mit Ausnahme der Rohrleger und yeizungsmonleure. Die rageaorbnuug wirb in der LerfaMmIung befannlgegeben. Da, Erscheinen aller Monteure wlcd enuaetiL via Ortvoermnltnng. güc die viele» Beweise aufcid)tiget Teilnahme beim Smicheiden meines Neben Menne» und Vaters Alsx IKIenkeltl Iprechen wie allen Verwanbte». Freunden, Kollegen und Befannlen. sowie der Itonsum-Senossenfchast, dem ZdA,, in SPS., dem glinfverein und den erfituferlnnen, ln»0«, andere dem ecen Redner Lüh und dem Kollegen «crlt Mttznar für die troftreichen tftrti unseren herzlichsten Dan! au». Clara IKIenleid u. Toch'cr. «Uheolatzstr. 37, 11. Stach ichwerem Leiden verichieb tn der Nacht zum 27. März mein lieber Mann und«reu orgenber Kater, der Echrtsfsetzerinoalibe Friedrich Simonsen im 77, Ledenesahre. Berlin, SNelsenanstr. 2L DI« trauernben Hinterbliebenen Klara Simonien, geb. Limburg Max Simonsen. Einäscherung: Mittwoch. 8. ttprti, nothm 8 Uhr, Krematorium Serichtftr. l.uvken«silla�se� Sannt m. Rückt. ZfiO u. I v. herrl. Waldgllrtel umg, adelwald Ausflug z.H. Golm, 178 m. Günstig. Zugverbind, m. Berlin. Lohnendes uoenonendztei. Auskunft im Verkehrsbureau Karl Grischkat, Steile Str. 30. Fernruf 800. mein lieber ruber. Schwager und «S«.. Werf Um Montag, de« ichieb nach tchweren Mann. Sohn. Brud vnfeL»et Heizer Im Adeestr, Miitt SdicHbadi 1 5L Lebenojahre. «igen fies betrübt an Via ttintarbllavenen. Elitäscherung: Sonnabd., 50. März, t0>/, Uhr, im Krematorium Serichtstr. im Die« Für die Dieltn Beweise herzlicher Teilnahme bei der Trauerseier meiner lieben Frau, unserer Ii, den Mutier Niartha Buche looait»f« allen Freunden, Bekannten. Sollegk» und den»enosstnnen und Senofsen bee tl». Abteilung unseren herzltchüen Danf. Friedet ri, Baebr nnd»»kne. Balm Heimgang meine« lieben Hannes, de* Stadtrates nnd Stadtältesfcen August Hintze wurde mir soviel herzliche Teilnahme bewiesen, dnD es mir nur auf diesem Wege möflibh ist, meinen Dank auszusprechen. Besonders möchte ich denen danken, die mir am Sarge des teoren Veratorbenen so trostreiche Worte Sagten und seine Debenserbeit in SO herzlicher Weise Bebilderten. Weiter danke Ich den Behörden, der Partei, den Verbänden, Vereinen Und Mietern des Hauses für die große Beteiligung. Sophie Hinhce, geb. Locffier. Berlin N 20, Pankstr. 57. uDuisüier Heiellar&siter-hrl Verwaltungsstelle Benin Tedttsanzelgen Den Miigiiebern zur Nachricht, daß 1 unsere Kollegin, die Arbeiterin Herta Kraft bei bei Firma Bergmann am Bö. März tBbhch oerunglUdt ist Am 23. März starb an Lungenlelben unser Kollege, der Rohrleger Aäotk kische? geb. 24. September ISSS. Am 28, März verunalllckte tödlich unser Kollege, der Presser tat Fischer bei der Firma Bergmann. Am 10. März starb unser Kollege. der Dreher vtto Grassmaim geb 9. Dezember 1838. Am lO.Mörz starb serner an Schlag- ansall nnier Kollege, der Schloj/.r � llsos vrutsciimszzk! geb. 29. Juni ISlll. Ehre ihrrin SnSiBJrn'. via OtlBootiDaftum. —— attHSCKSTilT rtfSKTM'. r- i Am S6. März, miUogs 1 Uhr, verstarb plöglich meine ükbe Tochter Lharlutte Rottes :m Alter»0» W Zehren. In tiefer Trauet: Im,»« fUidcr. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 2. April, nachmittags 2', Uhr. auf dem HetligkreuzNrchhoi Marien- darf, Silenacher Straße, statt 3lr. 149* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 29. März 1929 An die deutschen Bankherren! Vom Leben und Leiden der BankangesteNien.- Wer kenni es? Sehr geehrte Herren! Sie haben in den letzten Tagen und Wochen wieder gewinn- reiche Jahresabschlüsse veröffentlicht und Sie, die verantwortlichen Chefs, waren mit dem Ergebnis des letzten Jahres noch mehr zu- frieden als Ihre Aktionäre. Sie haben in den letzten Tagen gehört. daß Ihre Angestellten ihre heute immer noch sehr schlechte Bezahlung ausgebessert haben wollen, und Sie waren darüber weniger erfreut als über die Gewinnzifsern des letzten Jahres, die Sie verösfenil'cht «pv.— noch recht viel Mühe und Sorgfalt— verschwiegen haben Die Oeffentlichkeit hat es nun heute schwer, angesichts des so sorgfällig gelenkten Trommelfeuers der deutschen Ärbeitgeberver- bände und auch Ihres Reichsverbandes gegen die Begehrlichkeit der Arbeiter- und Angestelltenschaft, über die Berechtigung von Lohn- und Gehaltsforderungen sich eine deutliche Borstellung zu machen. Wir halten es deshalb für eine Pflicht der sozialdemokratischen Presse, diese öffentliche Urteilsbildung, in unserem Falle besonders über die Lage der Bankangestellten, zu unterstützen. Da Ziffern immerhin noch am deutlichsten sprechen, folge ein Vergleich zwischen den Gehältern der Bankangestellten lSIZ und heute, ein Vergleich mit den furchtbaren Elendsgehällern von 1924 und dem Minimum, dos die Bankangestellten angesichts der heutigen Teuerung verlangen müssen. Die Monatsgehälter betrugen brutto(für Männer): 1913 1928,29 1928/29„ach 1913 Der Ber- Unier Anrech- Mit Sratilikationen') Der Ledige debatele in nung eine» im Durchschnitt in Berlin') Berlin mit?eueriing»in- 2 Kindern- der von tS0°i, bei den Gruppen II III II III II III II III S. Dienstjohr M. 200 229 199 239 260 301 300 344 10.. 275 310 273 338 334 400 413 465 13.. 325 375 312 383 373 445 487 513 ') lieblich Bot ein Monotsgeholt zu Weihnachten und ein Monatsgehalt zum AbschlilK. ») Ohne tarifliche Verankerung emptiehlt der Reichsverband der Bant. leihingen die Zahlung eines halben Monatsgehalts als Gratifikation zu Weih. nachten. Dies« Tabelle, in der die Gruppe I der Bantgchilscn, die Boten und die gewerblichen Angestellten wegen der fehlenden Vergleichs- möglichkellen weggelassen werden mußte, lehrt nun, daß selbst der Berliner„hochbezahlte" ledige Angestellte der Gruppe II. gleichviel ob im fünften, zehnten oder fünfzehnten Dienstjahr, heute auch nominell noch weniger an Gehalt bezieht als im Jahre 1913! Die Angehörigen der Gruppe III liegen um ganz wenige Mark nominell höher als 1913. Nun gab es 1913 keinen Unterschied zwischen Verheirateten und Ledigen und die Unmöglich- Hut einer so schlechten Bezahlung ist wenigstens für die Verheirateten und Äindemichen anerkannt worden durch die sozialen Zuschläge, die gewährt werden mußten. Rechnet man aber selbst'den Vor- kriegsgehAtern für die Geldentwertung 50 Proz. des kümmerlichen Lebenshaltungsindex hinzu, so zeigt sich, daß sowohl in Gruppe II als auch in Gruppe III die heute gezahlten Gehälter auch bei Verheirateten mit zwei Kindern noch bis zu einem Drittel hinter den Sätzen zurückbleiben, die gerechterweise gezahlt werden sollten. Niemand, also auch Sie nicht, wird sich deshalb der Gerechtigkeit der Angestelltcnforderungcn nach besserer Bezahlung entziehen können. Sollen wir die Frage stellen, ob die Banken bessere Gehäller zahlen können? Es sollte bei den notorisch großen Gewinnen der Banken nicht nötig sein. Doch auch hier sind Ziffern sicherer als Behauptungen. Vier v-Banken 1920 1927 1923 Umsätze....... 514 677 791 Milliarden Personal...... 38 266 36 785 35 998 Köpfe Handl- Unkosten.... 234,49 242,73 244,20 Millionen Zinsen und Provisionen in Proz. vom Bruttogewinn 89,1 91,1 93,2 Prozent Man tut keiner großen Bank Unrecht mll der Behauptung, daß der, tatsächliche Gewinn— auch ohne die Freigobegelder— in den letzten Jahren mindestens dos Doppelte der ausgeschütteten hohen Dividende auf das vielfach stark erhöhte Kapital betragen hat. Daß die Banken höhere Beamtengehälter zahlen können, steht also außer Zweifel. Die Banken hoben aber auch die moralische Verpflichtung dazu, denn den Bankangestellten ist in den letzten Jahren ein Arbeits- penfum und ein Arbeitstempo zugemutet worden, das in der Geschichte der Banken unerhört ist. Bei den vier Berliner v-Banken sind von 1926 bis 1928 die Umsätze von 514 aus 791 Mil- liarden gestiegen, das Personal wurde aber trotz dieser gewaltigen Vermehrung der Geschälte von 38 266 aus 35 998 Köpse reduziert. Dabei sind die gesamten Handlungsunkosten in dielen drei Jahren um ganze 10 von 234 auf 244 Millionen gestiegen. Zieht man aber die sofort voll eingesetzten Maschinonkosten ab, dann sind die Hand- lungsunkosten sogar gesunken. Allein die Einnahmen aus Zinsen und Provisionen aber erforderten 1928 nur noch«inen Zuschuß aus den übrigen beträchtlichen Gewinnen von knapp 7 gegen knapp 11 Proz. im Jahre 1926, um daraus sämtliche Unkosten einschließlich Direktorengehältern und-tantiemen, Steuern, Dividen- den und offenen Reserven zu bezahlen, bzw. auszufüllen. Gerechtigkeit, Möglichkeit und Moral für die Zahlung besserer Gehälter sind also auf der Seite der Angestellten. Emst und heute. Nun wissen wir schr wohl, daß einige unter Ihnen sich gern ein soziales Verständnis zutrauen und sogar vorgeben, etwas t u n zu wollen, wenn heute der Banklciter Herr im Hause wäre. wenn die Gehälter nicht gebunden wären durch Tarife und Schlich- tungswesen, und wenn die Gewerkschaften sich nicht zwischen die Bankoerwallung und die Angestellten geschoben hätten. Aber wir haben aus allen Unterhaltungen, die wir gelegentlich mit Ihnen gepflogen haben, mir gesehen, daß Sie meist nicht wissen, was der Bankangestellte cinstwarundwaserheute i st. was der Bankbetrieb geworden ist, und daß der heutige gewerk- schaflliche Kampf der Angestellten um bessere Arbeits- und Lebens- bedingungen nur noch der Ausdruck jener vollendeten Pro- l e ta r i I i o r u n g ist, der diese ganze einst dem Mittelstand zu- gerechnete Schicht heute verfallen ist. Durch Ihre Buchungs.. Rechen-, Saldiermoschinen. Ihr Formular- und Durchschreibeverfahren, Ihre selbst in den Depositenkass.n weitgehend durchgeführte Zentralisierung der Buchhaltung und durch die Unzahl anderer Maschinen ist die Arbeit der Bankangestellten heute weitgehend Fabrikarbeit geworden. Wie in einem Fabrikbetriebe handelt es sich bei Ihnen heute soft ausschließlich noch um die Erzeugung von beliebig auslouschbaren Leistungen, deren höchster Effekt sür Sie dann vorliegt, wenn er mit einer möglichst billigen Arbeitskrast sichergestellt wird. In Ihren Be- trieben herrscht unsichtbar das laufende Band, das der Arbeit jede individuelle Färbung und jede Möglichkeit der Hingabe entzieht. In ihren Personalbureaus wird nicht wcnjger exakt, nicht weniger rücksichtslos und unpersönlich kalku- liert wie in den modernen Fabriken der Serien- und Massen- fabrikation. Der Beamte, der Angestellte, der sich einmal als Mensch betrachten durfte, ist ausschließlich Unkostensaktor geworden, nicht anders wie in jeder modernen Fabrik. Wo einstmals nach den Gesichtspunkten der Verläßlichkeit, des Vertrauens entschieden wurde, wobei die Verheirateten nicht zurückgestellt, sondern be- vorzugt wurden, da entscheidet heute die Fixigkeit und die Billigkeit. Der Verheiratete und namentlich der Kinderreiche steht um so schneller auf dem Abbauetat, je weniger er der Kon- kurren.z, der billigeren und jüngeren Kraft gewachsen sein kann. Ob„der Mann für den P o st e n nicht zu teuer" ist, das ist heute Gegenstand systematischer Untersuchung in ihren Personal- und Betriebsbureaus. Das Maß und das Tempo der Arbeit sind heute mörderisch geworden, mörderisch wie in jeder bis aufs letzte modernisierten Fabrik. Das ist das Urteil, das jeder Bankangestellte heute unausgesprochen über seinen Betrieb mit sich herumträgt. In der Vorkriegszeit hatten die Banken noch den Ehrgeiz, keine billigen und auch grundsätzlich keine weiblichen Kräfte zu beschäfti- gen. Nichts ist damit gegen die weiblichen Arbeitskräfte gesagt. Denn es ist traurig genug, daß das Verdienenmüssen sie in die Betriebe zwingt. Aber der einstmals typisch männliche Beruf des Buchhalters wird heut« zu 75 Proz. mit billigeren weib- lichen Kräften durchgeführt. Und auch diese weil'lichen Kräfte— das sollte Ihnen wenigstens nicht unbekannt sein— werden heute genau so zerrädert wie die männlichen, und die Fälle sind bekannt, in denen an der Maschin« zusammengebrochenen Frauen der Kün- digungsbrief am nächsten Tage in das Haus geschickt wurde, mit der Begründung, daß sie zur Arbeit ungeeignet seien! kennen Sie die Seele nnd da» Familienleben de» Bankbeamten von heute? Jahrelang ist unter dem furchtbaren psychologischen Abbaudruck dem„Wie geht's?" bei allen Unterhaltungen der Angestellten sofort die bange Diskussion über die Unsicherheit der E x i st e n z gefolgt. Und es ist auch heute noch so. In der Familie ist es nicht anders. Einer, den wir sprachen, hat kürzlich sein 25jähriges Bankjubiläum gefeiert und gehört zu den Höchstbezahllen der Gruppe III Er hat eine Frau und zwei Kinder. Sein« ganze Rücklage für das bald abgeschlossene Ar- beitsleben ist die Jubiläumsgabe, die er von seiner Bank erhalten hat. An die Zukunft denkt man nicht, über die Zukunft spricht man nicht: mögen die Kinder sich selber helfen. Die Kinder etwas lernen zu lassen, ist heute ausgeschlossen. Das war das, was er uns sagte. Und er ist einer der Besten. Aon der Befriedigung von K u l t u r b e d ü rs n i s s e�i ist keine Rede mehr. Die Bankangestellten ssnd vom Vorderhaus ins Hinterhaus gezogen! Von Theaterbesuch, Ferienreisen. Büchern und von einem Notgroschen, uüe früher, von der Ansaminlung eines Erziehungskapitals für die Kinder, von der Vorsorg« fürs Alter und für Krankheit ist keine Rede mehr. Die früher sich freuten nicht den Ludergeruch der Sozialversicherung an sich ,zu haben, sie sind heute glücklich, daß sie durch die Krankcnversiche- rungs Pflicht wenigstens den Ar?,t„umsonst" haben. An eine Lebensversicherung kann keiner mehr denken. Sie schmeicheln sich heute, meine Herren, durch Ihre Wohl- fahrtseinrichtungen viel für die Bankangestellten zu tun. Aber sie scheinen nichb�u wissen, daß Ihre Wohlfahrtseinrichtungen heute echte Wohlfahrtseinrichtungen geworden find im schlimm- sten Sinne des Wortes: denn sie m ü s j e n in Ansvruch ge- b nommen werden, weil für den Fall plötzlicher Notlage sich kaum einer durch Rücklagen mehr selber helfen kann. Und Sic scheinen auch nicht zu wissen, warum Sie für die Banken , heule keinen Ilcuhwuchs mehr bekommen, warum die Lehrlinge heute nicht einmal mehr in der tariflich zugelassenen Anzahl zu beschaffen sind, obwohl Sie sich wahrhaft bemühen, durch Werbeschristen, die Ihre Wohlfahrtsein- richtungen preisen, die Schulleiter bei der Berufswahl der jungen Menschen für die Bonken„korriere" zu gewinnen. Heute weiß alle Welt, daß es in den Banken keine?lufstiegs Möglichkeiten mehr gibt, und der Bankangestellte von heute läßt seine Kinder lieber überall sonst in Industrie und Handel einen Beruf ergreisen, nur nicht in den Banken, in denen er selbst verkümmert. So sieht das Bild vom Leben der Bankangestellten von heute aus. Diese Bankangestellten sind olle Proleten geworden, denen keine Bankverwaltung, kein guter Wille einzelner Bankleiter, denen nur noch die gewerkschaftliche und politische Organisation, die In- anspruchnahme der gesellschaftlichen Rechts- und Machtmittel helfen körmen. Das Erstaunliche aber ist, daß Sie, meine Herren, sich darüber wundern. Sie wie die breite Oeffentlichkeit werden nun aber begreifen, weshalb die Bankangestellten, ohne Unterschied des Geschlechts und der Gruppe», wenigstens eine gerechte Bezahlung wollen. Wie immer aber, wo es sich um die Interessen von Arbeitern und An- gestellten handelt, geht es hier auch um Interessen der Banken und des deutschen Bankwesens selbst. Mit einer freudlosen, verkümmern- den Angestelltenschaft, ohne brauchbaren und zukunstsfreudigen Nachwuchs kann die Funktion der Banken auch im kapitalistischen System nicht erfüllt werden. Das fügen wir, meine Herren, in Ihrem Interesse noch hinzu. Hochachtungsvoll Die Redaktion des„Vorwärts". Aach Lohndruck große Gewinne. Maschinenkonzern Wolf-Buckau zahlt 10 proz. Dividende- Die mitteldeutschen Metallindustriellen klagen zwar in ihren Geschäftsberichten für 1928 sehr, daß der sechswöchige Arbeitskamps im Januar und Februar 1928 sich äußerst ungünstig ausgewirkt habe, jedoch sträubten sie sich damals auch gegen die geringste Her- aufsetzung der weit unter dem Durchschnitt stehenden Stundenlöhne ihrer Belegschaften. Bei der im November 1928 erfolgten Kündigung der Tarife durch den Unternehmerverband haben wir untersucht, wie es mit der von den Unternehniern immer behaupteten Unrentabili- tät ihrer Betriebe bestellt ist und konnten bei den meisten Maschinenfabriken dieses Bezirks recht ansehnliche Reingewinne und Dividendenzahlungen feststellen. Jetzt veröffentlicht der stärkste mitteldeutsche Maschinenkonzern von Wolf- Buckau in Magdeburg, der mit 12 Millionen Kapital arbeitet und annähernd 6000 Mann Belegschaft hat, seinen Abschluß für 1928, m dem zum erstenmal die Gewinne der früher getrennten Unternehmen von Buckau und R. Wolf verschmolzen sind. � Wie gut die Fusion den beiden Unternehmen bekommen ist, zeigt sich zunächst darin, daß diesmal auf das gesamte Kapital von 12 Millionen eine Dividende von 12 Proz. gezahlt wird, während im vergangenen Jahre nur Buckau die gleiche Dividende ausgeschüttet hatte, Wolf dagegen ohne Dividende blieb. Genau die doppelte Summe, 1,2 Millionen Mark, fließen also diesmal den Aktionären zu. Die Beschäftigung in den einzelnen Betrieben war gut, besonders in Lokomobilen. Baggern und Brikettpressen. Der Um- fatz im Lokomobilgefchäft erreichte die höchsten Ziffern feit der Stabilisierung der Mark. Der Gesamtumsatz des Kon- zerns dürfte noch der starken Produktionssteigerung im letzten Jahr 45 bis 50 Millionen erreicht haben, was einem vierfachen Umschlag des Kapitals entsprechen würde. Aeniable Zechen. Zu den gut rentierenden Zechen gehört auch die Essener Steinkohlenbergwerks A.-G, die von dem Lokomotiv- konzern Henschel u. Sohn in Kassel beherrscht wird. Obwohl die Kohlenförderung im vergangenen Icchre um 7,24 Proz. gegenüber 1927 zurückblieb und obwohl die Abschreibungen um eine halbe Million auf 3.84 Millionen Mark erhöht wurden, blieb ein Reingewinn von 4,68 Millionen, aus dem die für rein« Zechen sehr hohe Dividend« van 8 Proz. verteilt wird. Di« Koks- «rzeugung stieg um mehr als 13 Proz., die Brikettherstellung un: fast 4 Pro;.: ebenso hol die Erzeugung von Nebenprodukten und Gas nicht unerheblich zugenommen. Ein großer Teil der Mehr- gewinn« stammt also aus der Kohlenverarbeitung und der Erzeugung von Nebenprodukten._ Berliner Morielwerte verdienen schwer. Das Baujahr 1928 war in Berlin glänzend. So berichten die Bereinigten Berliner Mörtelwerke. Die ausgewiesenen Eiimahnien sind um fast 25 Proz. auf 3,38 Millionen gestiegen, während sich sämtliche Unkosten und Steve-m nur von 2,29 auf 2,77 MiMonen «höhten. Di« Dividende wird von 6 auf 9 Proz. erhöht, hätte wahrscheinlich aber, wenn der tatsächliche Gewinn voll verteilt worden wäre, mehr als verdoppelt werden können. Krupp hat INillionenauflräge für die Mandschurei. Die Süd- mandschurische Eisenbohngesellschast will Stahl- und Walz- werke für den selbständigen Ausbau von chinesischen Eisenbohnen errichten. Der Krupp-Konzern soll auf den Gnison-Werken in Magdeburg dafür die schweren Walzenstraßen bauen: die Eisen- Hochbauten werden von der Friedrich-Alsred-Hütt« errichtet, wäh- rend die Krananlagen und Stahiwerkseinrichtungen von der Demag- Duisburg besorgt werden. Die Gesamtaussührung erfolgt durch Krupp. Werden wir 1929 Kapital zum Bauen haben? Ueber diese für die Bauwirtschaft und damit auch für die Wirtschaftsentwicklung entscheidend wichtige Frage meint die Disconto-Gesollschaft in ihrem letzten Monatsbericht, daß die Beschaffiliig von Zwischenkredrten anscheinend in genügender Höhe sicherzustellen sei. Die Disconto-Gesell- schaft erwartet, daß die diesjährige Bautätigkeit im Rahmen der vorjährigen kapitalmäßig durchgeführt werden könnte. Auf dem Wege zum Oelmonopol Russische Zugeständnisse. Herr D e t e r d i n g der holländisch-englische Oslkönig, ist in New Park zu einer Oelkonferenz eingetroffen. Er meinte, die Oelkonzerne von USA., Mexiko und Venezuela könnten die Oelproduktion auch ohne Mithilfe der europäischen Gesellschaften regulieren. Dabei hat er wahrscheinlich auch die kürzlich gebildeten— ähnüch wie bei Kupfer— amerikanischen Oelexportgesellschaften im Auge. Die Ab- sichten bei den New Porker Besprechuirgen lausen auf die Errichtung eines Welt Monopols hinaus. Wenn Herr Deterding dabei versuchte, die Bedeutung der russischen Oelproduktion zu verkleinern, so hat er wohl aus einer Zwangslage heraus gehandell. Inter- essant aber ist, daß Herr Deterding noch einmal ausdrücklich wiederholte, daß der 5prozentige Rabatt, den die Russm bei ihren Lieferungen an das englische und amerikanische Oelkapital zugestanden haben, für die Entschädigung der von Ruß- l a n d enteigneten Kapitalist«'« bestimmt sei und daß Rußland damit die Unrechtmäßigkeit des Oelfelderbesitzes anerkannt habe.— Inzwischen ist für Amerika ab 1. April eine Beschränkung der Erzeugung um 8 Proz. be- Ichlossen worden, was den Beginn der monopolistischen Marktregelung bedeutet. Englische Handelsdelegation In Moskau. Die englische Hände»- delcgation, die aus 84 Mitgliedern besteht, ist in Moskau eingetroffen. Sie wurde von Vertretern der Westlichen Handels- tammer der Sowjetunion empfangen, die einen Ausschuß zum Empfang per Delegation gebildet hotte. Reue seslverziasliche Anleihen. Die Preußische Central- Bodenkredit-Aktiengesellschost lädt zur Zeichnung von achtprozentigen Goldpfandfriefen und o,ch t- prozentige» Goldkommunalschuldverschreibon- gen ein. Beide Anleihen sind ausgefertigt in Abschnitten zu 100 bis 5000 Goldmark. Die Zeichnung auf einen Teilbetrag von 8000 000 Goldniark bzw. 4 000000 Goldmark findet statt vom 4 bis 17. April 1929 zum Kurse von 9 VA Proz. bzw. 94 Proz, während der Bärsenturs 98 Proz bzw. 94M Proz notiert. Weitere Zeichnungsbedingungen in unserem Anzeigenteil. �mol hilft b.Rheuma, Ischias, Hexenschuß. Nerven- und ErkälcunaSschmerzen.— Kacmelitergetst Amol ist in allen Apotheken und Drogerien erhältlich. Schlichtung/ Arbeitsschutz. Erwerbsarbeit der verheirateten Krau.— Wohnungsbau. Lit erbitterten Kämpfe um das Schlichtungswesen sind zu einem Abschluß gekommen. Auf der Bundesausschußsitzung der freien Gewerkschaften wurde daher von N o e r p e l, dem Leiter der orbeitsrechtlichen Abteilung beim Bundesvorstand, das Resultat der Schlichtungstämpfe und-debotten in einem instruktiven Referat beleuchtet: Di« Aufsassung, daß diejenigen, die für ein« VerfnMichkeitS' erklärung eintreten, für eine grundsätzlich« Beschränkung der Kampf- freiheit seien, ist irrig: denn der heutige Staat ist nicht mehr der gewerkschafts feindliche Staat der Borkriegszeit. Dieser neu« Staat muß in gewissen Grenzen auch das Recht haben, der Aktionsfreiheij der freien Organisationen, nicht zuletzt auch dem hem- mungslosen Machtstreben der sozialen Gegenspieler der Gewerk- schoften, Grenzen zu ziehen. Das bedeutet keine Einschränkung der Snmpffreiheit. Die Kampffreiheit ist heut« in Deutschland größer als in irgendeinem anderen Lande der Welt. Eine starke Gewerkschaft kann auch heute kämpfen. Die Kampffreiheit der Gewerkschaften ist in erster Linie eine Funktion ihrer Kampfkraft. Es besteht keinerlei Zwang zur Anrufung des staatlichen Schlichtungsausschufses. Wer sich zu dieser Auffassung bekennt, redet noch lange nicht einer Verdrängung der tariflichen Schlichtungsstellen durch die staatlichen Schlichtungs- inftanzen das Wort. Selbstverständlich sind die tariflichen Schlichtungs st ellen In erster Linie berufen, die Derständi- jjung in Arbeitskonflikten herbeizuführen. Die Aufgabe des Staates kann nur die fein, m bestimmten Fällen helfend einzugreifen. Bei der Stellungnahme der Gewerkschaften zum Schlichtungs- wesen handelt es sich nicht nur um ihr Verhältnis zum Staat, son- der» auch um ihr« Stellung zur Unter nehmerklass«. Im Vergleich zur Vorkriegszeit ist zweifellos eine Versteifung der Unternehmerfront eingetreten. Diese Front ist heute viel geschloffen««: »hre Machtmittel sind beweglicher als früher. Die Versuche, zu einer Verständigung zu kommen, lausen mehr als je Gefahr, ohne Er- gebni» zu enden. Auch ist es außerordentlich schwer, bei den Kämpfen sich ein wirklich klare» Bild von der Wirtschaft zu machen:, denn ausreichende Produktionsstotiftiken liegen nicht vor. Ein« Ab- wägung des Möglichen ist. erschwert. Und selbst wenn die Wirtschaft- lichen Verhältnisse besser durchleuchtet werden könnten, dann wird trotzdem der Kampf um den Anteil am Sozialprodukt in gleicher Weise wie bisher, ja vielleicht noch schärfer, geführt werden müsten. Di« Absichten der Unternehmer sind klar. Sie wollen entweder die Veseitigung oder die Unbeweglichmachung des Schlichtungswesens. Sie hoffen, durch die Gleichfetzung von Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen oder durch Tarifverträge mit Wsrkoereinen sich ihr« alte Machtstellung aus neu gesicherter Grundlag« zurüikzuerobern. Die jüngsten Entscheidungen des Reichs- arbeitsgerichts sind diesen machtpolitischen Bestrebungen der Unter- n elpner günstig., Wer die Schlichtungssituation in Deutschland richtig oerstehen «ill. braucht nur einen Blick aus England zu werfen. Dort gibt es kein« Unabdingbarkeit, keine Allgemeinoerbindlichkeit, kein ftaat- Kches Schlichtungswesen in unserem Sinne, keine Verbindlichkeits- erklärung, kern« Arbeitsgericht«. Dafür greifen die Lohnämter viel stärker in di« Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften ein. Di« Arbeftsstreitigkeiten werden ohne Mitwirkung der Gewerkschaften vor d«m Friedensrichter ausgetragen. Das englische Arbeitsrecht ist noch durchaus individualistisch. Worüber verhandelte man denn in den Konferenzen mit den Unternehmerorgonisationen der Mond- Gruppe? Ueber die Anerkennung der Gewerkschaften, über die Schaffung eines Reichswirtschaftsrates— Ding«, die bei uns längst vorhanden sind. England hat ein Antigewerkfchosts- g e f« tz(vom Mai 1927), das den Generalstreik und den Sympathie- streik verbietet und viel« in di« Kampfsreiheft der Gewerkschaften eingreifende Vestimmungen enthält— ein Gesetz, das in Deutschland einfach unvorstellbar wäre. In Deutschland Hoden die Gewerkschaften »in Maß von Mitwirkung bei der Regelung der Arbeitsbedingungen wie in keinem anderen Land«. Wenn man demgegenüber aus die Entscheidungen des Reichsarbeitsgerichts verweist, dann ist dazu zu sagen, daß eben das kollektive Arbeitsrecht nicht von heut« auf morgen verwirklicht werden kann. Sein« Grundgedanken sind vielen Verwallungsbeamten und Juristen noch sehr fremd. Aufgabe der Gewerkschaften ist es, hier nachzuhelfen. Ist künftig ein Kollegial» entscheid unmöglich, dann muß die Möglichkeit bestehen, daß der Staat mit normalen Mitteln und nicht durch Bestellung von Reichsministern von Amts wegen eingreift. Wenn ein Reichsfchiodsamt, wie die Unternehmer vorschlagen, die Prüfung der Begründung für eine Verbindlichkeftsertlärung vornehmen soll, dann müßte es auch die volle Verantwortung dafür übernehmen, ob eine Lerbindlichkefts- erklärung ausgesprochen wird oder nicht. Eine Trennung der Funktionen beim Prüfen und Aussprechen einer Verbindlichkeits- erklärung Hürde den Staat in ein« Hanswurstrolle drängen. Das können die Gewerkschaften unmöglich zulasien. Das Schlichtungswesen ist ein« staatspolitisch« Auf- gab«. Wie-diese Ausgabe anzupacken ist, darüber bestehen natürlich sehr verschiedene Auffassungen. Der Standpunkt, den in jüngster Zeit di« Reichsregierung gegenüber den Lohnforderungen der Arbefter der Staats» und Gemeindebetriebe und auch des Bergbaus eingenommen hat, nämlich, daß die Gewerkschaften mit Rücksicht auf die Reparationsoerhandlungen von Lohnforderungen für diese Arbeiterkategorien Abstand nehmen sollen, ist lehr bedenklich. Es ist aus der anderen Seit« kein Fall bekannt geworden, wo an di« Unter- nehmer die Forderung gerichtet worden wäre, auf die E r z i« l u n z von Gewinnen in der gegenwärtigen Situation zu verzichten. Zusammenfassend exklärte Roerpet: Das Schlichtungswesen hat eine staatspolitische Ausgabe zu erfüllen und die Vsr- bindlichkeitserklärung ist ein staatspolitischer Akt. Das bedeutet keine bedingungslose Unterwerfung der Gewerkschaften unter den Staat. Das Schlichtungswesen bedeutet vielmehr Einflußnahme der Dewert- schaften auf den Staat, wie die Wirtschaftsdemokratie Einflußnahm« auf die Wirtschaft bedeutet. Schlichtungswesen und Wirtfchoftsdemokrarie bilden eine unlösliche Einheit. Was ist Togal! Togal- Tabletten, sind ein hervorragend bewährtes Mittel bei Gicht, Ischias. Gripp«, Nerven und Kopfschmerz, Krkhllungsliranlchoilon I Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel! 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Je mehr die Unternehmer sich bereft finden lassen, in freier Vereinbarung annehmbare Tarifverträge� abzu- schließen und das frei« tariflich« Schlichtungswesen loyal zu fördern. um so seltener wird der Staat genötigt sein, mit seiner Hilfeleistung in die Arbeitskämpse«iyzugreifen." Zur Arbeitsschutzvorlage wurde vom Bundesausschuß ohne Debatte einstimmig folgende Eul- schließung angenommen: „Der Bundesausschuß nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß die endgültige Fassung des dem Reichstag vorgelegten Entwurfs eines Arbefterschutzgesetzes in keiner Weise die Kritik berücksichtigt hat. die der 1926 vorgelegte Entwurf bei den Gewerkschaften hervor- gerufen hat. Gerade in bezug auf die Arbeitszeitregelung sind so- wohl im Perfonenkreis durch weitere Herausnahme einzelner Gruppen aus der Regelung, wie auch in bezug auf di« zugelassene Dauer der Arbeitszeft selbst sogar weitere Verschlechterun- g e n zu verzeichnen. Di« Bestimmung, wonach für Betriebe mit in der Regel nicht mehr als fünf Arbeitnehmern abweichende Regelun- gen getroffen werden können, steht in krassem Widerspruchzum Washingtoner Abkommen. Der Verzicht auf die Festlegung der 43-Swndenwoche, der eine zusätzliche Sonntagsarbeit ermöglichr, muß unter allen Umständen als ein unerträglicher Rückschritt be- zeichnet werden. Die zahlreichen Ausnahmen vom Achtstundentag für Vorbereitungs- und Ergänzungsarbetten, für Arbeitsbereitschaft und Mehrarbeit machen die grundsätzliche Anerkennung des Achtstundentages bedeutungslos. Unbefriedigend bleibt der Entwurf auch in begug auf den Schutz der Jugendlichen und Frauen. Di« Bestimmungen über den Betriebsgefahrenschutz haben eben- falls den grundsätzlichen Forderungen der Gewerkschaften nur zum geringen Teil Rechnung getragen. Insbesondere ist aber bei der Organisation der Arbeitsaussicht die Forderung nach einer Berreichlichung und Vereinheitlichung nicht er- füllt worden. Der Entwurf bleibt hier in Halbheiten stecken, indem er die Hoheit der Länder und damit die Dezentralisation auf dem Gebiet der Arbeitsaufsicht bestehen läßt. Demgegenüber verweist der Bundesausschuß erneut aus die in der E n t s ch l i« ß u n g des 13. Gewerkschaftskongresses in Hamburg festgelegten For- derungen der Gewerkschaften zur gesetzlichen Regelung der Arbeitszeft und der Arbeftsaiftsicht und erwartet vom Reichstag,-daß er bei der Verabschiedung des Arbeftsschutzgesetzes diesen Forderungen Rechnung getragen wird.— Das Problem der Erwerbsarbeft der verheirateten Frau. das in der letzten Zeit in der breften Oeffentlichteft und besonders in der Gewerkschaftspreffe fast aller Industrieländer viel erörtert worden ist, wurde von Frau Ha nna, der Leiterin des Frauen sekre- lariats beim ADGB.. behandelt. Ihr« Ausführungen fanden ihren Riederschlag in einer Evtschlleßvvg, die ebenfalls einstimmig an- genommen wurde. Sie lauter: „Es entspricht gewerkschaftlicher Praxis, in Jeften großer Arbeftslofigkeit zu versuchen, die Arbeftsgelegenheften nach Möglich- keit zu strecken. Aus diesem Grunde hoben die Gewerkschaften sich bemüht, durch Verzicht ihrer Mitglieder auf ein« Anzahl Arbefts- stunden zugunsten arbeitsloser Kollegen zu wirken und durch dos Verlangen noch gesetzlicher Beschränkung des Arbeftstages über das normal« Maß hinaus größere Arbeftslofigkeit durch Betriebsstill- legungen zu verhindern. Dieser grundsätzlichen und praktischen Be- tätigung entspricht auch die.Haftung-der Gewerkschaften zu den so- genannten Doppeloerdienern und zu den Arbeitnehmern, die nicht unbedingt Not leiden, wenn sie kein sigenes Einkommen aus Erwerbsarbeft haben. Der Vorstand des ADGB. vertritt daher den Standpunkt, daß es in Zeiten großer und la n g a ndau« rnd er Ar- bsitslosigkeit sich nicht umgehen läßt, das noch der Berfaffung jedermann gewahrleistet« Recht auf Ar-beft insofern einzuschränken, daß Arbeitsplätze, die van Personen besetzt sind, die nicht un- bedingt auf eigenen Arbeitsoerdienst angewiesen sind, fre ig«macht werden für solche Arbeitslos«, die Erwevbsarbeft zur Deckung ihres Lebensunterhafts brauchen. Bei der Anwendung dieses Grundsatzes ist so zu verfahren, daß unbillig« Härten vermieden werden. Es«mspr-icht nicht der Aufiaflung des Borstandes des ADGB-, wenn in erster Linie— oder gar ausschließlich— verheiratet« Frauen von den Arbeftsplätzen entfernt werden. Ein solche« Borgehen würde gegen Gesetz und Recht verstoßen und nicht dem beabsichtigten Zweck« dienen. Die verheirateten Frauen haben, wie jeder ander« Staatsbürger. nach der Verfassung und nach dem in der Arbefterbewogung gellen- den Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau ein Recht auf Arbeit. Dieses grundsätzliche Recht darf besonders von den Mitgliedern der Gewerkschaften nicht angetastet werden. Machen außerordentliche Notlagen außerordentliche Mittel zur Abwehr notwendig, so müssen diese sich im Rahme» gleicher grundsätzlicher Anwendung für beide Geschlechter haften." Die vom Reichsarbeitsministerium dem Reichstag vorgelegten Richllivlea für das Wohnungswesen. gegen die die Haus- und Grundbesitzer und Bauspekulanten Sturm laufen, wurden vom Bundesausschuß als brauchbare Ansätze zu einer planmäßigen Wohnungspokittk begrüßt, obwohl sie Himer den von den Gewerkschaften aufgestellten Grundsätzen noch wesent- lich zurück bleiben. Der Bundesausschuß erwartet, wie aus seiner am Schluß der Beratungen angenommenen Entschließung zur Woh- nungsfrage hervorgeht, vom Reichstag, daß bei der Durchberatung der Richtlinien den Gewerkschaftsforderungen Rechnung getragen wird. Die Hauptpunkte des gewerkschastlichen Woh- nungsbauprogramms sind: Sofortige reichsgesetzliche Sicher- stellung des Hauszinssteuerauskommens für den Wohnungsbau auf mindestens 25 Jahre, volle Abführung der von den Mietern ge- zahllen Hauszinssteuer durch den Hausbesitzer an den Staat, stärkere Zusammenfassung der Wohnungswirtschaft beim Reich, insbesondere Ausstellung eines mehrjährigen Reichswohnungsbouprogramms, Verteilung der Bauausführungen über das ganze Jahr, restlose Zu- führung der bereftgestelften Mittel für den Bau von Wohnungen, die den Bedürfnissen der arbeitenden Bevölkerung entsprechen und deren Mieten für die Arbeftnehmerschaft erschwinglich sind und Aufrecht- erhaltung und Ausbau des Mieterschutzes. Reuer Schiedsspruch. Für die Berliner Gemeindearbeiter. Nachdem in der Lohnstreftsache der Berliner städtischen Ar. heiter die tarifliche Schiedsstelle einen rechtsunwirtsamen Schieds- spruch gefällt hatte, wurde am 2S. März 1929 vor der tariflichen Schiedsstelle nochmals verhandelt, entsprechend einer Parteiverein- barung, unter Vorsitz von drei Unparteiischen. Nach etwa sieben» stündiger Verhandlung erging folgender Schiedsspruch: „Die Swndenlohnsäße der im Zeitlohn stehenden städtischen Arbefter über 21 Jahre werden in der Spitze ab l. Lohn- wache im April 1929 um S P f. und ab D Lohnwoche> m Ottober 1929 um weitere 4 Pf. erhöht- Die Zeitlohn-Stundenlöhne der übrigen Arbefter und aller Arbeiterinnen erhöhen sich in dem bestehenden�Prozeiftoerhäftms. Diese Regelung gilt bis auf weiteres. Sie kann mit ein- monatiger Frist erstmalig zum 31. März 1939 gekündigt werden. Wirb nicht gekündigt, so läuft der Vertrag mft einmonatiger Kündigungsfrist jeweils um ein Vierteljahr roefter." Di« oereinigten Tarifkommissionen der städtischen Kämmerei- und Werksarbeiter werden unmittelbar nach den Feiertagen zu diesem Schiedsspruch Stellung nehmen. Dertragsverhanölungen in der Holzindustrie. Die Verhandlungen über einen neuen Mantelvertrag für das deutsche Holzgewerbe, die schon seft Beginn dieses Jahres geführt werden, kommen mir langsam vom Fleck. In den Tagen vom 25. bis 28. März wurde wieder in Berlin verhandelt. Nach Ostern soll versucht werden, unter Hinzuziehung eines Unparteiischen über die noch offenen Fragen eine Derständi- gung herbeizuführen. Um diese Verhandlungen nicht zu stören. vereinbarten die Parteien eine Verlängerung des seitherigen Mantelvertrags und der Lohnabkommen bis zum 19. Mai. Die Wahlen im Siemenskonzern. Sin Erfolg der Gewerkschaften. Den nachstehenden Ergebnissen der Betriebsrätewahlen im Siemens-Konzern sind die Stimmenzahlen des Vorjahres in Klam- mern beigefügt. Bei der Zahl der Mandate bedeuten die Zifsern hinter dem Pluszeichen+ die Zahl der Ergänzungsmitglieder. Siemens-Wernerwerk: Arbeiter: Liste I. Freie G e w e r t scha ft« i» 8153 Stim- men<19 491), 11 4 Mandate. Liste II(Gelbe) 1935 Stimmen (1977), 1-fi9 Mandate<1-s- 1). Liste III(Weyer-Union) 552Stim. men(2278), 9-41 Mandate<4-4 1). Liste IV(Christliche) 434 Stim- m«n(—). 9-49 Mandate(—). Einheitsliste der Kommunisten 7143 Stimmen, 19-4 3 Mandate. Angestellt«; Freigewerkschastliche Liste 1997 Stimmen (1813), 4+ 7 Mandate(4+ 6). GdA. 548 Stimmen(396), 1+ 3 Mandate(9+ 2). Gedag 982 Stimmen(849), 2+3 Mandate (1+ 3). Notgemeinschaft der' älteren Angestelltei» 676 Stimmen (887), I+ 2 Mandate.(2+ 2). Siemens-Schuckert-Elmowerk. Arbeiter: Freie Gewerkschaften erhielten 2939 Stunuw. (2167). 11+ 3 Mandat«(11+ 3). Gelbe, Richtung Wiedemmi», 249 Stimmen(295). 1+ 9 Mandate(1+9). Gelbe, Richtung Schmidt: 294 Stimmen(279), 1+ 9 Mandate(1+ 0). Angestellte: Die Wahlbeieftigung ist gegen das Vorjahr von 82.3 Proz. auf 88,6 Proz. gestiegen. Die freien Gewerkschaften «rhiellen 299 Stimme»("282), 2+ 5 Mandate(2+ 5). DHL. 239 Stimmen(171), 2+ 3 Mandat«(1+ 3). GdA. 87 Stimmen(97). 9+ 1 Mandate(1+ 1).(Der Führer des DHV. ist ein Bureau� Vorsteher, der mft Hilf« der Hauspost an jeden Angestellten«tue» vorgedruckten Stimmzettel des DHB. an seinen Arbeftsplatz schicken Dynamowert. Bei den Arbeitern fand kein« Dahl statt, da nur«d«e fteigewerkschoftluhe Liste eingelaufen war. Bei den Angestellten «rhiellen die fteien Gewerkschaften 572 Slftnmen<537> und 4+4 Mandat«(4+ 4). Gedag 234 Stimmen(133). 1+ 3 Mandate (1+ 1). Die Zunahm« erklärt sich daraus, daß der DHB. Richtung GdA im vergangenen Jahre 197 Stimmen erhiell und im Betriebsrat mit einem Mandat oertreten war. Fräsenbav. Bei den Angestellten erhielten die fteien Gewerkschaften 4 7 Stimmen/Mandate im Betriebsrat 2+2 Ergänzungsmit- glieder.(Im Lorjahre fand keine Wahl statt, weil nur eine Liste eingelaufen war.) Die von der Firma zusammenaestellte Liste erhielt nur 17 Stimmen, im Betriebsrot kein Mandat, für den Angestellten- rat mir ein Mandat. Bei den Arbeftern dieses Werkes war nur eine Liste eingereicht. Im Siemens-Planiawerk fand in diesem Jahre ebenfalls keine Wahl statt wie in verschiedenen anderen Werken. Ein bemerken»- werter Umstand ist dadurch eingetreten, daß die Gelben es nicht einmal fertiggebracht haben,«in« Liste aufzustellen. Der Betriebsrat setzt sich somit nur aus Freigewerkschaftlern zusammen. Beim Siemens-Sleinbauwerk ist es schon seit Iahren üblich, daß bei Arbeitern und Angestellten zur Betriebsratswahl nur je eine treigewerkschaftliche Liste eingereicht wurde. So auch in diesem Jahre. Die Betriebsvertretung dieses Werkes setzt sich aur aus Sozialdemokraten und Freigewerkschaftlern zusammen. Es kommen zwölf Arbefter und drei Angestellte in Frage, die olle der SPD. angehören. Weiterhin sind noch die Wahlen in folgenden Werken durch die Einreichung nur einer Liste erledigt: Siemens-Metallwerk, Bahn- Holle. Wenn man die Struktur der Siems n-z-bst riebe beftachtet und dabei die Pressefehde berücksichtigt, die in der„Roten Fahne", in der Werkzeftung„Siemens-Lautsprecher" sowie in den Organen der gelben Werkvereine geführt wurde, so können die freien Gewerk- schaften mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden sein. Streik in Wiener Automobilfabriken Wien, 28. März.(Eigenbericht.) Der Zentralvorstand des Metallarbeiter-Verbandes hat am Mittwoch zu der schroffen Ablehnung der Forderung nach Feier- tagsbezahlung durch die Unternehmer Stellung genommen und be- schlössen, den Streik in den drei Automobllfabriken, in denen am Dienstag die Arbeit niedergelegt wurde, au t z n- heißen und im übrigen die weitere Entwicklung des Kampfes abzuwarten. Die Forderung nach der Feiertagsbezahlung wird voll aufrechterhalten._ Erhöhung der Löhne im belgischen Vergbau. Brüssel, 28. März.(Eigenbericht.) Der Gemischte Rationale Zlusschutz für die Bergwerke hat be- schlössen, daß die Löhne der Bergarbeiter vom 7. April d. I. ab um 5 Proz. erhöht werden sollen. 0»Ud, OttsscBMUana SetliB. Sie Geschäftsstelle bleibt de, Osterfeste» wegen vom Freitag. 39. März, bis»um Montag. 1. April, geschlossen. Nächste AbenSspredlftullbe Freitag. 5. April. 10—19 Uhr. llbergtdl man aar dem Zla»we>» be» Dentichen Musiterverdondes. Berlin. Rom- Mandanten str 63.61 Dönhoff 3277-7». Deich-ft»i«st 9—3. Sonntag» 10—» Uhr. «st«sasch«»iiliiiiilifsch. Areiiag 29. März 1929 Unterhaltung unö AAissen Seilage des Vorwärts Zriedr. llatierolh: Wir Te Ratschläge zu erteilen, wie sich die Jugend zu ihrer eigenen Wohlfahrt zu oerhalten hat, ist töricht, denn sie hört nich» darauf. und übrigens weiß sie es besser. Richtiger ist es schon, den Zlelteren Ratschläge zu geben, wie sie sich zur Jugend verhalten sollten. Wir Aelteren— bitte, ich meine mir eine bestimmte Schichtung in diesen Dezennien, die wir zwischen dem Werden und dem Krieg zu früh alt wurden—, wir können nur mit spärlichen Früchten aufwarten und bleiben ohne jede choffming, weil es nichts gibt, das unserer Skepsis einen Riegel vorschiebt. Der Strom in uns ist übergetreten, und es findet sich keine Hilfe, ihn in sein altes, wohl- geordnetes Bett zurückzuleiten. Und doch erlaben wir Äelteren, die wir uns verschwenden und jeden Tümpel breit treten, heute ein Wunder. Das Wunder ist schön und in vielen Irissarben schillernd. Es weht uns an mit vertrauten Klängen und bleibt doch fremd wie das Land, in das man uns während unserer Gefangenschaft führte. Das Wunder nennt sich die junge Kunst, es ist wohl, kurzweg gesagt, die Jugend selbst. Vielleicht ist es ein Irrtum von uns Aelteren, aber ich segne meine Jahre, daß ich dieses Wunder noch sehen und fühlen kann. Auch wir sind einmal auf weichem Frühlingsboden stürmisch einher- gegangen, und unser warmer Lebensodem brachte die anderen zum Erstarren. Wir haben das alte Jahrhundert hinausgeläutet und waren eben daran, das Gerüst für eine neue Welt zu bauen, als uns der Krieg mitten in der Arbeit überfiel. Darum keine Senti- mentalttät. Es steht hier nur vor unserem Unglück als ein Charakte- ristikum, als eine Entschuldigung, wenn wir uns nicht so mir und dir nichts von der Jugend zur Seite drängen lasien. Wir sind noch nicht alt genug, um zu resignieren, wir hatten nur das Pech, ver- schüttet zu werden. Eben, als wir begannen, Früchte anzusetzen, die heut« niemand mehr mag. Die Jugend freilich steht voller Blüten, leider fühlen sie es gar nicht. Ihr Leben ist«in einziger Blütenhimmel. Liebe, Freund- schaft, Begeisterung. Nur Klinger. Böcklin und Nietzsche schöpften in unserer Zeit diesen Reichtum seelischen Ueberschwangs voll aus-, wir anderen irrten bänglich unter einem schweren Gewitter, bis daß ein Blitz uns niederwarf. Und heute brennt die große Welt wieder in schönen Leidenschaften, die leider nur durch das Gas der Politik getrübt werden. Wenn es die Jugend nicht erkennt, obwohl sie wie die Männer im feurigen Ofen dohinwandeln. so ist dies pur Gesetz und Geheimnis, sich im Unvollendeten zu vollenden. Aber es mag fein, daß wir Verschütteten in unserem Erdlach die Dinge falsch und unwirklich sehen, die sich über unseren Köpfen gestalten. Unsere Hoffnung ist, daß es so sein mochte, weil wir in der eigenen Lebensnot immer noch auf Hilfe warten, und von wem sollte sie uns kommen denn nur von der Jugend allein? Bielleicht geheimnifsen wir mehr in diese Jugend hinein als ihr einmal im Älter zugebilligt wird. Wenn wir Verschüttelen unsere Begeisterungen zählen, so waren es ebenso viele Niederlagen. Wir haben selbst den Krieg als Er- lebnis nicht ausgeschöpft, noch immer ist die Zeit heute nach elf Iahren politisch und wirtschaftlich so verworren fast wie damals. Ja, wir sind die Furchtsamen, die Schütteler, die Ueberempfindsamen geworden.„ Wohl oder übel sind wir gezwungen, der Jugend den Weg frei» zugeben. Sogar den Achtzehn- und Zwanzigjährigen. Wir hören ihnen zu und erstaunen. Di« Jugend zeigt uns ein« Welt, die vollständig neu und fremd ist. Schon ihr Rhythmus ist wie bei dem Tanz ein ganz anderer. In der Lyrik, im Drama und gar in der Musik bringt sie Gefühls- komplexe zur Offenbarung, die wir, obwohl wir sie kennen, nie ernst genommen haben. Meist lachen wir über den skurillen und oft obszönen Ton, mit dem sie unsere Heiligtümer abtun. Aber plötz- lich wird es uns mitten in einer Verszeile, mitten in der illustren Musik leid und etwas wie Angst überfällt uns, und wir möchten uns den Kindern in den Arm werfen, wenn wir sehen wie si« an Abgründen vorüberschreiten und in Untiefen zu ertrinken drohen. Wir verkennen, daß es nur die Schwachen und wiederum Ueber- reichverschwendeten sind, die in der Uebersülle von Fruchtbarkeit der Zeitenbaum abschüttelt. Dieses Mitleiden und Bedauern um das Stürzende sind bedenkliche Zeichen des Alterns, sind fast Groß- vätergefühle— wer hat denn uns bedauert, wie wir„verschüttet" wurden? Wir sollten uns ruhig in den Schatten der großen Esche setzen und froh sein. Wir Verschütteten oernehmen den Schrei, den die Jugend ge- waltig in die Welt stößt. Bis in unseren eingetrommelten Unter- stand hinein erklingt«r. Durch einen kleinen Erdriß glauben wir den Himmel zu sehen, wie er sich blau und leuchtend über die Erde wölbt. Vis in die Fingerspitzen unserer erhobenen Hände ver- meinen wir Musik zu verspüren. Visionen steigen im Dunkel unserer Seele auf. Dort draußen wird von einem neuen Gesch'echt der mächtige gotische Dom gebaut, ach, leider, wir sind nicht dabei. Mit ihren Ideen ficht dort draußen die Jugend um unsere Erkennt- nis, nicht durch Mord und Schändung, wie wir es getan, rein nur mit Ideen. Irgendwo in einem sonnigen Tal auf brauner, nackter Erdscholle liegt nackt im Glanz der erst« Mensch, unser Kind. Es stößt die Arme weit hinein in den freien Raum, jauchzt vor Erden- sreud« und Glück an der Sonne und weint vor Drang, sich zu erfüllen. Es sind wieder normale Zeitläufte geworden, und die Familien bauen sich auf in ruhigen Jahrhunderten, wie sie großen erschöpfen- den Kriegen folgten. Wir Verschütteten haben die Aufgabe, der Jugend zu ihrem Sieg zu verhelfen, die Welt gut zu machen. Das ist unsere politische und dichterische Sestdung. $tuai siim: Ostern der ZProletarierkinder Ostern ist dal Frühlingssturme jagten durchs Land. Sie rissen mit starker Kraft das Morsche und nicht mehr Lebensfähige pov Bäumen und Sträuchern, um Raum zu schaffen für das neue Leben. Die wiedererwachte Ratur läßt auch in den Proletarier- herzen neue Hoffnung keimen, und es ist nicht wahr, daß das Oster- fest für alle diejenigen keine Bedeutung mehr hat, die den Glauben an die Tragödie auf dem Kaloarienberg und die Erlösung durch den Gottmenschen verloren hoben. Auch di« Proletarier feiern Ostern und machen sich Gedanken über die Auferstehung, wenn auch auf ihre Weise. Ostern ist Feiertag. Ein Tag der Besinnung für die Arbeiter- eltern, denn sie sind Teil des getretenen und leidenden Proletariats, das„Gottes Sohn" in millionenfacher Gestalt di« Geschichte des Kalvarienbergs am eigenen Leibe erlebt. Sie kennen die tiefe Wahrhest der Worte:„Bist du Gottes Sohn, so hilf dir selb st." Sie wisien als.zielstrebige Menschen besseres um die Auferstehung und singen:„Uns von dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun." Ostern ist Festtag für das proletarisch« Kind. Und wer am Borabend des Festes durch die Quartier« der Arbeiter ging, wer einen Blick in die Wohnungen der Arbeiterviertel warf, der sah fleißige Frauenhände, d!« sich mühten, in die Proletarierheimc ein wenig Glanz und Schimmer zu bringen. Wir sind alle einmal jung gewesen und haben die West vom Kind aus gesehen. Wir haben all« einmal am Samstag vor Ostern uns an den Schau- fenstern der Läden die Rajen plattgedrückt und sehnsuchtsvoll die Osterhasen und die Nester mst den bunten Eiern betrachtet. Was waren das für hoffnungsbang« Abende, als man gebadet in die frischen Betten gebracht wurde. Die Kommer war blank gescheuert, die Gardinen strahsten in Elende oder Weiße. Und che man dem Ostermorgen entgegenträumte, hörten die kindlichen Ohnrn noch lange in den Nebenzimmern die Mutter hantieren. Da mußte noch der gute Anzug hergerichtet werden. Da war noch ein Stich zu nähen, noch etwa- zu bügeln und das Essen wurde umständlicher vorbereitet als fönst. Der Happen Fleisch war größer bemessen, denn es war�ja Feiertag. So war es und so ist es noch heut« in vielen Arbeiterfo misten. Tun ist Ostermorgen... In den schmalen Gassen der alten Städte und in den Mietkasernen der Großstadt wird es lebendig Hier und dort öffnet sich ein Fenster, in das eine Mutter die Betten zum Lüsten legt. Scheiben erzittern von den Rufen der Kinder. Sie sitzen om Frühstückstisch. Heute gibt es keine Marmelade, sondern Butter aufs Brot und der Kaffee schmeckt etwas stärker als an. den Werktagen. In den Familien, wo der Pater nicht arbeits- los ist, steht sogar ein Teller mit Kuchen auf dem Tisch. Auch den engbrüstigen Häusern in den Elendsvierteln hat der Osterhase seinen Besuch abgestattet. In dumpsen, niedrigen Stuben mußte er Nester bauen, denn hier gibt es kein« Gärten. Nur stickige Höfe, über die scheu die Sonne streicht. Sie dringt nicht in die Tiefe— aus der jetzt Kinderjauchzen klingt. Leichtfüßige Tritte hallen auf den gepilasterten Höfen. Und die Kleinen suchen in den Holzschuppen, im alten Gerümpel, nach bunten Eiern, die Freund „Lampe" hier und da versteckt«. Auch der. Osterhase ist ein kaptta- listischer Geselle und läßt dem Reichen viel und dem Armen wenig zukommen. Aber Freud«, tiefe echte Freude empfinden die llenien Kuben und Mädels. Die geringst« Gab« wird für sie zun, Riefen- gelchenk. Glück der armen Kinder, die in solchen Stunden ver- gessen— wie'furchtbar arm fi« sind. Was in den Kinderherzen webt, was sich in ihren jauchzenden Rufen offenbart, spiegell sich in den Mienen der Estern wieder. Sie tragen heute Feiertagsgesichter.- Roch sorgenvollen, harten Arbeitswochen ist endlich einmal ei» Tag gekommen, wo man sich den Kindern widmen kaim. Endlich einmal„Zeil". Der Sonntagsstaat liegt schon für den Osterspaziergong bereit. Won wind wieder einmal ausatmen können, sich die Lungen ausspülen mit der würzigen Lust des Frühlingstages. Losgelöst„aus dunkler Häuser engen Gemächer, aus Handwerks- und Gswerbesbanden, von dem Druck der Giebel und Dächer" werden die sonst in dumpfe Zimmer Gebannten sich des Frühlings freuen. Hoffnungen und Sehnsüchte werden wachsen und der Glaube an eine neue Meiffchenwerdung wird neu erstarken. Nicht olle Proletarier leben in solchen Derhästnisien. Nicht überall ist die Freude der Kinder in das schmutzige Gefäß dunkler Höf« und schmaler Gossen geschlossen. Draußen am Rande der Großstadt, in den neuen Siedlungen, wohnen auch Menschen, die wochentags, eingespannt in dos rasende Getriebe der Fabriken, fronen müssen. Sie genießen die ersten Erfolge einer neuen fort- schrittlichen Kommunalpolitik. Moderne Hausbauten. Sonnen- durchflutete Räume. Hd-r ist frische Lust, Sonne und Weite. Gärten, in denen der Osterhase seine Wstte machte. Dort an den Stachelbeersträuchern auf der Grasnarbe. Bunt« Eier. Fröhlich« Kinder. Ein schöneres Kinderland als in den engen Mietbäusern. Der Arbeiter, der noch am Vortag hinter Drehbank und Schraubstock stand, vergewissert sich jetzt als Gärtner über das Wachstum der Frühgemüsepflanzen. Er bindet vielleicht die ersten Blumen zum Osterstrauß. Schaut den Kindern zu.' die auf den Spielplätzen tollen. Und seine Gedanken sind bei den Arbeitsbrüdern. die noch nicht das Glück haben, in solchen Wohnstätten zu leben. Sie haben es all« verdient. Sie sind die Schaffenden. Es gilt, wester zu kämpfen, bis jeder Mensch ein« Wohnung besitzt, die man.Leim" nennen kann. So denkt der klassenbewußte Proletarier. Di« Arbeiterellern und Kinder seiern dos Ofierfesi als Auf- «rstehungstag der Natur. Hoffnungsströme gießen sich i» die Herzen, und die harten Wirklichkeiten, die schon in den nächsten Wochentagen an die Eltern wieder herantreten, werden leichter ge- tragen. Auch die Kinder wissen, daß noch dem Feste die Augen der Väter und Mütter ernster und jorgenvoller blicken. Wer kennt nicht aus seiner Kindheit die Eindrücke, das blitzartige Erkennen verborgener Dinge, dos schon dem Kinde fühlen läßt: Du gehörst zu einer bestimmten Gesellschaftsklasse-, zu den Mmen und Entrechteten— dem Proletariat, dessen Frühling noch nicht gekommen ist. Aber es regt sich in allen Wurzeln. Es gärt. Kräfte wollen zum Licht Arbestereltern und Kinder, laßt uns dem Frühling entgegen- sehen, beseest von dem Erlösungsglauben. Winterstürme weichen dem sieghaften Lenz. Durch unsere Kraft, die sich in den Kämpfen der Zukunft bewähren wird, zerbricht das Ast« und Morsch«. Es ist«in hartes und schweres Ringen. Doch wir stehen fest und halten aus im Kampfe, weil seder einzelne weiß:„Wenn einst di« Welt dich und dein Tun versteht, bist du er» l ö st. Es kommt dein Tag, Prolet!" Auferstehungstag des Proletariats! Oster» der Menschheit! Oteinr Memmer: tPllifchfOffßl Purranmurnin hieß die Holde: sie kam mst ihrer Freundin Tallarwarnin den Creek herabgegondest, ein Flußknie von der austta tischen Sorte, das irgendwie überraschend anfängt und unvermutet aufhört und keine sichtbare Verbindung mit einem Flusse unterhält. Rahe bei, am Hange eines kahlen Kugelhupfhügels, lag unser« Stammhöhle, ein natürliches Weekendquartier, wo wir stets zu Ostern kampierten(im Frühherbst), zu Weihnachten(im Sommer) und an den vielen anderen Ferien- und Faulenzertagen, die in Australien ausschließlich zum Picknicken oerwendet werden, dem Haupffport und-spaß dieses regellosen Landes. Ich bin ehren- wörtlich verpflichtet, keine näheren Ortsangaben über diese weit im Landinneren gelegen« Höhle zu machen, es ist uns noch immer nicht einsam genug in der Einöde, und wir wollen stritte unter uns vieren sein, eine exklusive Gesellschaft, bestehend aus Breveton, dem vegetarischen Shakespeare-Forscher, dem an perversen Pariser Ro- manen großgezogenen Porlamentsbibliothekar Quin», Getsch, dem unwiderstehlichen Cellisten des Sydneyer Konservatoriums, und meiner Wenigkeit. Wir nehmen nie Mädchen mit, aber große Mengen von Spirituosen, Tabak, kalten Broten und Salaten, und als Osiergeschenk für uns alle hotte der perverse Quin» ein kleines Klappstühlchen mit rotem Plüschsitz mitgebracht, so daß wir immer abwechselnd einer nicht auf der Erde zu sitzen brauchten. Wir hatten gerade das einzige Möbelstück ausprobiert und uns der Reihe nach wonnig auf unsere Schwimmhosen gesetzt, die wir den ganzen Tag anhatten und nur beim Baden auszogen, da erschienen im Creek die schwärzlichen Reize der Purranmurnin und Tallarwarnin. Die Mädchen badeten dort in aller Unschuld: es waren die ersten Australnegerinnen, die ich je gesehen hatte, und Gott weiß, wo sie herkamen. Wir liefen zum Creek hinab, das rot« Plüschsesselchen im Triumphe schwenkend: Hurra! die Mädchen stiegen aus dem Wasser, schüttelten sich wie schwarze Pudel, bliebe» ein Weilchen zum Trocknen in der prallen australischen Sonne stehe» und zogen dann ihr« schmierigen Hemden an: ein holdes Lächeln spielte auf ihren Bulldoggesichtern. Vielleicht hatten sich die zwei schwarzen Mädchen als Osterfreude ein Bad geleistet— viel haben schwarze Backfische nicht vom Leben, denn es ist bei den australischen Stämmen so«ingerichtet, daß die ehrwürdigen Patriarchen die jungen Mädchen bekommen und die jungen Burschen sich mit Großmüttern begnügen müsien. Brereton, der wie König Lear aussieht, erhob sich von dem Klappstuhl und bot ihn galant den Mädchen an. Sie kamen ganz zahm heran, befühlten den Plüsch: wie weich war das, wie sanft war das, wie wunderbar! Die beiden konnten sich gor nicht genug tun mst Befühlen, mst den Fingern und der hohlen Hand fuhren sie zärtlich über den röten Plüsch hinweg, der sich in der trostlosen Wildnis so seltsam ausnahm wie ein rotes Ei im Klee. „Tslee a seat young ladies—" wie bedeutet man es in der australischen Eingeborenensprache, daß man sich setzen soll: man deutet einfach auf den zum Niederlosien geeigneten Körperteil und den Sitz. Ja, dos war ein Spaß: sie setzten sich, die Purranmurnin und dann die Tallawarnirt, und jede wetzte aus dem Plüsch henim, um ihn ordentlich auszukosten Aber irgendwie hatten sich di« Mädchen noch mehr versprochen von bei Wirkung des Plüsches - Di« Purranrnnrntn entdeckte jetzt, woran es lag, daß sie den Plüsch nicht bis zur letzten Möglichkeit genoß: das lag einzig und allein am Hemd. Das Hemd war im Wege. Sie hob es auf: io! Jetzt kommt das Rechts zum Rechten. Wozu hat man Plüschsessel, wenn man nicht mit der bloßen Haut auf dem wohligen Element herumrutschen kann! Wir Weißen hoben den Plüsch erfunden, ober dos Maximum des Genusses herauszuholen blieb dem schwarzen Fräulein Purranmurnin vorbehalten. Gott segne sie!. HO 000 Vlark für einen SchnieUerling Zu den kostspieligen Passionen gehört atzßch dos Schmetterlings- sammeln, wenigstens wie es m gewissen Lieohaberfretfen betrieben wird. Man kann sich darüber am besten bei den großen Schmetter- lingshändlern, die in Deutschland, Frankreich und namentlich in England ibren Sitz haben, informieren, und ein in London ansäistger Großkausmann Hai dem italieniicheii Zoologen Virgilio Busti in dieser Hinsicht' hochinteressante Aufschlüsse gegeben. Jahr- aus, jahrein enftendet die in Frage stehende Firma ihre Sammler in di« verschiedensten Weltteil«, und je itach der Beute, die sie machen, haben diese Leute auch chre Einnahmen, die oft unglaublich hohe Ziffern erreichen, besonders in den Tropen, wo sich die grgziö festen und kostbarsten Vertreter der kleinen geflügelten Wesen t>vr- f inden. Die nachfolgende Episode, welche der Schmetterlingshändler unter anderem erzählte, mag als Beweis für die leidenschasrfiche Passion dienen, die auch der Schmetterlingssport zu entsochen vermag. Ein wunderschöner Schmetterling mst jchwarzgelben Flügeln und azurblauem Rücken war aus Neu-Gmneo entdeckt worden, und ein bekannter Schmetterllngssammler. ein Herr v. Hagen, war der erste gewesen, der ihn gesehen und sich seiner zu bemächtigen vermocht hatte. Er hotte ihn inmitten eines Lianendickichts gesunde n und mehrere Eremplare eingefangen. Aber unglücklicherweise siel er aus dem Rückwege in einen Himerholt der feindlich gesinnten Eingeborenen, die ihn töteten. Indessen gelang es einem feiner Diener, einen Teil des Gepäcks zu retten, inst dem er etliche Wochen später an der Küste eintraf und das die seltenen Schmetterlinge enthielt. Man gab dem neu gefundenen Schmetterlinge den Namen „Sirene des Paradieses", und für die vorhandenen acht Exemplare wurden außerordenttich höhe Preise gezahlt. Eins soll mit 4000 Mark bezahlt worden sein. Der teuerste Schmetterling überhaupt befindet sich im Natur- geschichtsmuseum von Kensinglon. Das Exemplar ist einzig m seiner An und seine Geschichte ist ebenfalls sehr interessant. Di« Jäger der afrikanischen Westküste schickten vor einigen Jahren den englischen Sammlern große Mengen eines Schmetterlings. welcher ganz schwarze, grüngesprenkelte Flügel besaß. Es war ein« kleine und seltene Spezialität, für die man 80 bis 120 M. pro Stück zahlte. Aber es fiel auf, daß unter der großen Schar kein einziges Weibchen anzutreffen war, und ein reicher Sammler, der sich darauf kaprizierte, ein solches zu besitzen, entsandte ohne Zaudern auf eigene Kosten sechs Sammler an die Sierra Leone- Küste auf die Suche nach einem solchen. Di« Leute verbrachten ihr« Zeit aus vergeblicher Suche, endlich aber— es waren inzwischen zwei Jahre vergangen— gelang es ihnen doch, ein Weib- chen einzufangen. Bei genauer Berechnung der für die Sammler aufgewendeten Kosten ergab sich für den glücklichen Besitzer des seltenen Insekts die ungeheure Ziffer von 2000 Pfund Sterling, das heißt 40 000 M. Der kostbar« Fang wurde von seinem Herrn dem Londoner Naturgeschichtsmuseum geschenkt. H. M. Unser mit den neuzeitlichsten und modernsten Einrichtungen ausgestatteter HERMANN UETZ DAMEN- UND KINDER- FRISIERSALON ist eröffnet FRANKFURTER ALLEE Bekleidungs- JnduS+rie G. m. b. H. Brunnenstraße 188-190, am Rosenthaler Platz Frühjahn-Ultter und Paletots in bester Ausführung Anzüge in allen Größen und Preislagen vorrätig Irenohcoals-, Loden- u. 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Verkehr ist not! Lteber den Ausbau der Berliner Wasserstraßen zur Planwiristhast im Güterverkehr! Im Jngemeurhaus in der Friedrich-Ebert-Straße hatte dieser Tage die Berliner trafen- und Lagerhaus A.-G. (Behala) Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der Stadt Berlin, des Polizeipräsidiums, Wirtschastsführer, Schifsahrtsinter- essenten und die Presse oersammelt, um in diesem sachverständigen und interessierten Kreise über den Ausbau der Berliner Wasser- straßen, über Berlins Hafen- und Lagerhauswirtschaft, also über Berlin als Hafenstadt schlechthin zu sprechen. Daß die Berliner Wasserstraßen, Spree und Kanäle, den gesteigerten Verkehrsverhältmssen längst nicht mehr genügen, ist eigentlich kein Geheimnis mehr. Daß auch die Mühlendammschleuse eine Einrichtung ist, die mehr verkehrshindernd als verkehrsfördernd wirkt, davon kann sich jeder überzeugen, der, ohne Fachmann zu sein, ein Stündchen darangibt, die Schleuserei von der Brücke aus zu beobachten. Regierungsbaurat F e ch n e r schilderte in einem Lichtbildervortrag, wie der Ausbau der Vervner Wasserstraßen vorgenommen werden kann. Berlin wird in nmd zehn Iahren um 1 Million Einwcchner zugenommen haben: wenn die Güterzustchr auf dem Wasserweg« in dem Maße wie bisher weiter wächst, wird sie von 9 auf 13 Millionen Tonnen jährlich gestiegen sein. Mit einiger Sicherheit ist damit zu rechnen, daß die jetzt gebräuchlichen Transportschiffe, die für Berliner Berkehrsverhältmsse nur einen Rauminhalt von 6l)<1 Tonnen haben dürfen, bre dahin durch das 1000-TonneN'Schisf ersetzt sind, so dah also die Verbreite- rung und Vertiefung der Wasserweg« und der Ausbau der Schleusen- anlagen eine zwingende Notwendigkeit wäre. Was wird alles gebaut und geändert werden müssen? Bon der Unterspree her muß eine direkte Verbindung zum West Hafen geschaffen werden, weil der Umweg durch die Kanäle in Chorlottenburg am Neuen- und Habsburger Ufer, am Lehrter Bahnhof vom Humboldtbeckcn her und durch den Hohenzollernkanal vom Tegeler See, für die von Spandau(Elbe-Havel) kommenden Güter zu zeitraubend ist. Der genannte Kanal am Humboldtbecken weist so starke Lrümmungen auf, daß schon jetzt die bOO-Tonnen- Schiffe nur unter Anwendung von allerlei„Navigations'-Kunst- stücken passieren können. Hier muß für ein« Begradigung gesorgt werden. Und schließlich ist der Umbau der Mühlendammschleuse schon jetzt drinasich. Dies« Schleuse gedenkt man etwa parallel zu der Uferstraße Neukölln am Wasser, etwa in.dic-Gegend des allen Insekspeicher», zu baue«. Sie wird zwei Schleusenkammern er- halten und so groß sein, daß selbst mit 1i« Berliner Hafenwirffchaft hat wie kaum ein anderer Binnenhafen in den letzten Jahren«ine Aufwärtsentwicklung durchgemacht. Man sagte sich mit Recht, ein Hafenbetrieb ist kein lokaler Monopolbetrieb, seine Funktionen gehen über die Stadt- grenzen hinaus, um die Verbindung mit den Städten des benach- barten Stromgebietes aufrecht zu erhalten. Das Arbeitsgebiet des Hafens ist nicht einmal an die Landesgrenzen gebunden. Die Beziehungen des Berliner Hasens gehen vielsach auch ins Aus- larü». Ein Betrieb, der solche Ausgaben zu erfüllen hat, darf keine Hemmungen irgendwelcher Art haben. Es wäre zu wünschen, daß dieser Standpunkt der Berliner städtischen Derwaiwng auch von anderen Behörden eingenommen würde." Der Konkurrenzkampf zwischen Eisenbahn und Binnenschiffahrt Ist in neuerer Zeit noch durch den Güter-Lasttrastwagenvertehr oer- schärst worden. In diesem Kampf, der sich nicht nur in den Städten. sondern zwischen den Ländern, d. h. also im ganzen Deutschen Reich abspiell, können die beteiligten Kreise allein nicht entscheiden. Aufgabe de» Reich«, wird es sein, hier einzugreifen. Direktor Schüning lehnt« eine starr« Reglementierung und kam- plizierte Berwallungsorgane ab und fordert« ein« planmäßige Bewirtschaftung des gesamten Güterverkehrs auf der Eisen- bahn, der Landstraße und dem Wasser. Der Verkehr müsse der- gesamten Wirtschajt dienen: deshalb ist ein einheitliche» Güter- verkehrssystem mit Einordnung der Binnenhäfen anzustreben. Alle Verkehrsmittel müssen sich gegenseitig ergänzen und unterstützen. Nur durch«ine Planwirtschaft wird der deutsche Güterverkehr so gestattet werden können, daß all« Verkehrsbetriebe, also auch die Berliner Häfen, rentabel werden. Mckschau auf die Berliner Grippe. In den Monaten Dezember 1927, Januar 1928 und Februar 1928 sind in Berlin 48, SS bzw. 47 also im ganzen 161 Grippetodessälle amtlich gemeldet worden. Für die Monate Dezember 1928, Januar 1929 und Februar 1929 stellt sich die Zahl der amtlich registrierten Grippetodessälle auf 78, 8K1 und 370, also im ganzen auf 1309. Es ist jedoch ein Irrtum, zu glauben, daß die Zahl 1148, die sich aus der Differenz der Grippetodessälle während der beiden Berichtszeiten ergibt, tatsächlich annähernd die Gesamtzahl der Grippetodessälle während der letzten Berliner Grippewelle kund gibt. Die Krankheitsbezeichnung„Grippe" ist auf medizinalstatistischem Gebiet ein sehr unsicherer Faktor: zahlreiche Todesfälle, die infolge von Nachkrankheiten, die an die Grippe sich anschließen, gelangen nicht als Grippetodesfälle zur Meldung. „Auf die Diagnose Grippe kommt es bei statistischen Nachweisungen gelegentlich der Berliner Grippeepidemi« nicht so sehr an. Di« während der Grippeepidemi« gegenüber den Ber- gleichszeiten überschießenden Sterbeziffern geben da» wahre, un- trügliche Bild."— Dies« Auffassung, die während der Grippe- «pidemie Z u e r st im„Vorwärts" vertreten wurde, erfährt durch die nunmehr amtlich veröffentlichten Berliner Gesamtsterbe- Ziffern für die Zeit der Grippewelle vollauf ihre Be- st ä t l g u n g. E» starben in Berlin im Jahre 1927 in der letzten Dezenrber- woche 1007 Menschen, 1928 dagegen 1144. Es starben in Berlin im Jahr« 1929(1928) in den Iahre-wochen I 1332(1070): II 1S11 (1166); III 1708(1093); IV 1780(1030)= 72 Pro}.: V 1503(1077): VI 1432(1021); VII 1329(961); VIII 1392(999); IX 1344(1006): X 1243(1035) Menschen. Die Sterblichkeit während der angeführten zehn Wochen des Jahres 1928 und der letzten Woche des Jahres 1927 ist als«ine „normale" anzusehen: sie entspricht dem Durchschnitt vergleich- barer Zeitabschnitte der Vorjahre. Die Gesamtzahl der Berliner Todessülle während der elf Bergleichswochen betrug 15 813 bzw. 11 455: die Steigerung belies sich unter Abzug des auf den Be- oölkerungszuwachs entfallenden Anteils(— 230) auf 36 Proz. Andere nicht mit der Grippe in Zusammenhang stehende Erkra«. kungen haben während der Zeit der Grippewelle in Berlin teinen beträchtlicheren Umfang»ehabt. Nur«ine verhäitnismäszig gering- fügige Zahl von Todesfällen dürfte auf die Einflüsse der starken Kälie. die namentlich End« Februar auftrat, zurückzuführen sein: wd-s war zu dieser Zeit die Grippewelle schon zum größten Teil abgeebbt. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß die Kälteperiod« namentlich Min» Nerven brauchen Baldrarnenl, ein Pflantenprockukl von grober Heilwirkung, die naiflriiehe Nervenrnedliin gegen nervöje Störungen, Erregungen, unruhigen Schlaf. Schlaflosigkeit. SdiwindelanfSUe, Beklemmungen und Herzschwäche, die Grundursache vieler körperlicher u. Nervenleiden. Fl. M 1.30 u. 2.50, in Drog. u. Apoth., sonst durch Otto Reichel, Berlin 43 SO, Eisenbohnstr. 4. denjenigen Kranken, die von Grippekomplitattonen befallen waren, besonders abträglich gewesen ist. Bis in die letzt« Zeit hinein ist die Gesamtzahl der Berliner Sterbefäll« recht beträchtlich hoch. Es ist anzunehmen, daß es noch eine Zeitlang dauern wird, bis die Sterbeziffern allmählich auf die Norm zurückgehen und die Nachwehen der Grippe, deren Opfer jetzt immer noch in gewisser Anzahl den oft so langwierigen Grippe- komplikotionen anheimfallen, völlig überwunden sein werden. Was lehrt dl« Grippeepidemie?— Vorsorge zu treffen! Vor allem hinsichtlich einer vermehrten Bereitstellung von Krankenhaus- betten, wie dies Im„Vorwärts" schon lang« vor der Epidemie und dann wahrend der Zeit der Grippewelle eindringlichst gefordert wurde. Erjreulicherweise steht dank der führenden Mitwirkung der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktipn der Bau zweier neuer kommunaler Krankenhäuser— in den Be- zirten Prenzlauer Berg und Wilmersdorf— zu erwarten. Ebenso dringlich ist es aber, auch ander« Fragen der Reorganisation des Krankenhauswesens schleunigst einer Lösung entgegenzubringen. Im Hinblick auf eine Rationali- sicrung des gesamten Krankenhausbetriebes, wird auf«ine Spaltung der vielen„Riesenabteilungen" und die Reuschassung der gerade in Berlin so dringend benötigten Spezialabteilungen in den Krankenhäusern ein besondere» Augenmerk zu richten sein, um so in gleicher Weise den Interessen der Patienten und der Stadt- Verwaltung, der Aerzte und der Krankenkassen zu dienen. Es ist an der Zeit, in diesem Sinne einer beharrlichen Aktivität zu huldigen. E>r. med. Alfred Korach. Aus den Bezirken. Das schwarzweißrote Kinderheim. 9. Bezirk— Wilmersdorf. Einen für die Rechtsparteien unerwarteten Verlauf nahm in der letzten Bezirtsvcrsammlung die Aussprache über die Instandsetzung und den Ausbau des Kinderheim» in Müntz, Die Bewilligung der angeforderten 30 000 M. war im Haushaltsausschuß der Stadtver- ordneteiwersammlung zurückgestellt worden. Die Gründe, die hierfür maßgebend waren, gaben der sozialdemokratischen Fraktion Ber» anlassung auch in der Bezirksversammlung die dringende Forderung zu erheben, möglichst bald die Kinderheime an der Nord- und Ostsee in die städtisch« Verwaltung zu übernehmen. Es ist nicht angängig, daß die Stadt Berlin fast den gesamten Kostenaufwand zu tragen hat, aber ein privater Verein die Rechte des Hausherrn wahrnimmt, und sogar dem Dezernat de» Landcsjugcirdamtcz der Stadt Berlin Schwierigkeiten bereitet, wenn ihm BefchwerdesäU« übermittelt werden. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kann es sich ereignen, dah— wie im Vorjahre— der frühere Kronprinz sich im Kresse erholungsbedürftiger Kinder, die von der Stadt Berlin an die Ostsee geschickt werden, photographieren läßt, daß immer wieder Klagen üb«r ein geradezu krankhaste Scheu d«r Heimleitung gegenüber den Reichssarben schoben werden müssen, daß den dort weilenden Kindern, die in der Mehrzahl der Groß- Berliner proletarischen Bevölkerung angehören, schwarzweih- rote Papierfähnchen in die Hand gedrückt werden usw. Während die Vertreter der Rechtsparteien die Dinge als harmlos hinzustellen versuchten, gab das Bezirksamt wenigstens die Erklärung ab, daß die Uebelstände abgestellt worden seien. Unsere Redner Siben der Hoffnung Ausdruck, daß die Berhandlungen zwischen der entral« und dem Bezirksamt zu einem gedeihlichen Abschluß führen werden._ Berlin sorgt für Waffer! 11. Bezirk- Schöneberg. Nachdem die Kommunisten in d«r letzten Bezlrksverochneten- sitzung eine Flut von Wahlanträgen emg«bracht hatten, warteten zur Abwechselung die Deutschnationalen mit einer Reih« von Anträgen zu Verkehrsverbesserungen auf. Ein« Anfrage wegen der Sicherung des Schöneberger Gasometer», die auch von unserer Fraktion unterstützt wurde, beantwortete Stadtrat Katz dahingehend, daß zu Besorgnissen kein Anlaß vorliege. Bei der Beratung des Ausschußberichts über die Vorbereitung der Wahl von zwei besoldeten Bezirksamtsmitgliedern wandte sich Genosse Fla tau gegen den Beschluß des Bezirksamts, wonach die Amtszeit bis zum 31. März 1930 verlängert werden sollte. Genosse Flatau erklärte sich gegen eine Amtsverlängerung, ganz gleich, ob es sich um Wahl oder lebenslänglich angestellte Beamte handelt. Ganz unverständlich sei es für die Bürgerschaft trotz formalen Rechts, daß zwar die Bezirksversammlung die Stellen- Inhaber wähle, über Verlängerung aber das Bezirksamt entscheide. Den Bericht des Ausschusses über die Sicherung der Wasser- Versorgung erstattete Genosse F ritsch. Nach längeren Ber- Handlungen mit den Wasserwerken sei festgestellt worden, daß Mängel in der Wasserversorgung Schönebergs nicht zu erwarten sind. Eine Anfrage unserer Fraktion, die sich mit dem eigenartigen Vorgehen de» Stadtjugendpflegers Eitze gegen Mitglieder der sozialistischen Arbeiterjugend anläßlich einer Filmvorführung des Jugendamts vor dem Titania-Palast in Steglitz am 10. März befaßte, konnte das Bezirksamt nicht beantworten, so daß die Angelegenheit erst in der nächsten Sitzung zur Verhandlung kommt. Lärm um m'chis! 13. Bezirk— Tempelhof. Der Borsttzende der Bezirksversammlung, Genosse Burg«- meister, hatte eine durchgreifende Neueinteilung des Sitzungs- raumes vornehmen lassen, um eine ungestörte Durchführung den Sitzungen besser, gewährleisten zu können. Seine Maßnahmen scheinen Erfolg zu haben. Der Aufiakt in der letzten Sitzung war«ine Anfrage der Bürger-.. lichen, die rm Bezirk viel besprochen« Ju.gendausstellung betreffend. Der Redner der Reckten mußte zwar zugeben, daß dem Dezernenten des Jugendamtes, Genosse Stadtrot Ewald, kemerlei Vorwurf zu machen fei, doch war er mit der Betätigung einzelner Iugendverbände absolut nicht einverstanden. Treffend wies Genosse Ewald in seiner Antwort daraus hin, daß gerade den Eltern daran gelegen fein muß, die einzelnen Verbände ohne jede Maske in ihren Arbeiten und Ziele» zu sehen, um sich darüber klar zu werden wem sie ihr Kind anvertrauen wollen. Im übrigen haben nur Organisationen von Erwachsenen Anstoß genommen, während die Jugendlichen wohl in sachlicher Art debattiert, sich aber nie aneinander gerieben hätten.(Da scheinen die Jungen in Tempelhof vernünftiger zu sein, alt die Alten!) Eine andere Anfrage der Rechten zeigte die Besorgnis der Herren, daß der Stadt in einem Fall« die Gebühren für Benutzung der Schulaula auf dem Tempel- hofer Feld entgangen fei, als die„L i st e S ch u l a u s b a u" dort eine Ellernversammlung abhielt. Der Leiter der Schule, Genosse G o b- b e r t. hat zwar genau nach Vorschrift gehandelt, doch war den Antragstellern nicht klarzumachen, dah sie in ihrer blinden An- ttpathie gegen„Rote" wieder einmal mit Kanonen nach Spatzen geschossen hatten.— Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wurde weiter beschlossen, daß die Straßenbahn-Endhalte- stelleinLichtenrade so umgebaut werden soll, daß ein Rangieren ohne Gefahr für den Verkehr möglich fft.— Eine Schulbaracke ist zu Beginn des neuen Schuljahres für das Westgelände in Lichtenrade unbedingt erforderlich.— An der Dovfftraße in Marieickorf ist auf jeden Fall eine Halte st eile der Nord- S ü d- B a h n vorzusehen. Ebenso gelangen zur Zlnnahme die An- träge, den W as s e rz i n s den Preisen der Städtischen Wasserwerke anzupassen, die Entwässerung von Lichtenrade auszubauen und den 1. M a i für Beamte, Angestellt« und Arbeiter des Bezirks frei zugeben. Dos Dezirksamt war mit einer einzigen Vorlage beteiligt. Es handelte sich um Bewilligung von Vovbehaltsmitteln zum Lau der T a g e s k u r st ä t t e für tuberkulös gefährdete Kinder. Die Juristische Sprechstund« fällt am Sonnabend, dem 30. März. und am Dienstag, dem 2. April d. ans. __..... unfc mit Kathreiner tnnltmDßmcifcmber bteiHilcftnock'mal lb l gem. Aeöe gufclttufter be/tatlytbas/ £ Kommunistische Blamage! 14. Aezirk- Neuköllu. I» der außerordentlichen Sitzung der Bezirksversammlung kam es bei der Beratung eines kommunistischen Antrages auf unentgelt» liche Abgabe von Essen an Sozial- und Kleinrentner und Erwerbs- lose zu einem Zwischenfall, der von den Kommunisten sofort in chrem Sinne ausgenutzt wurde. Nachdem Genosse Schneider die Gründe, die zu zeitweiser UeberfMlung der Abgabestelle in der Flug- hafenstroße führte und die Heranziehung eines einzigen Polizei- beamten zur Ausrechtcrhaltung der Ordnung bekannt gegeben hott«, machte Genosse Schulz einen harmlosen Zwischenruf. Das war für einige Tribünenbesuchcr Anlaß zum Randalieren. Der Vor- sicher. Genosse G r o ß m a n n, vertagte die Sitzung und sordertc den Zwischenrufer auf, die Tribüne zu verlassen. Nachdem der Radaumacher, ein der Polizei und nicht nur dieser bekannter jugend- licher Pathologe, erst noch eine Rede für die Erwerbslosen vom Stapel gelassen hatte, muß ihm wohl das Herz in die Hosen gerutscht fein, denn er war plötzlich verschwunden. Jede andere Partei würde einen solchen Pathologen abschütteln. Die bürgerliche Presse macht aus diesem kleinen Zwischenfall ein großes Geschrei. Besonders einlich muß es wirken, daß ein sehr angesehenes demokratisches erliner Blatt den letzten unwahren WTB.-Bericht gebracht und bis heute noch nicht berichtigt hat. Di« ganze„kommunistische Altion" dauerte einige Minuten. Die Tribünen wurden überhaupt nicht geräumt. Die Versammlung tagte bis zur restlosen Erledigung der Tagesordnung. Unsere Fraktion ließ durch den Genossen Arndt zu diesem Antrag ihre Zustimmung erklären mit dem Zu- satz, daß Sonntags auch in Berlin die Volksküchen offenzuhalten sind.' Einen schweren Reinfall erlebten die Kammunistcn bei dem Antrag, den Bezirksoorstehern, die kein« ge- eignete Wohnung zur Abhaltung der Sprechstunden haben, Amts- räume zur Verfügung zu stellen. Ihr Führer mußte kleinlaut den Antrag zurückziehen. Dabei murmelte er so unverständlich, damit die Tribüne absichtlich getäuscht wupde. Deshalb wollen wir es um so lauter sagen: Dies« Einrichtung besteht schon seit Iahren!— Und noch einmal blamierten sich die Kommunisten. Ihre Phantasie will im Rathaus Rollkomma n- dos des Reichsbanners gesehen haben. Genosse Harnisch gab dem Kammunistenfülzrer auf seine Drohung:„Sie werden noch viel mehr erlebenl" die einzig richtige Antwort:„Diese Wähler, die das Theater hier mitmachen, schenken wir ihnen." Im übrigen hat unsere Partei nur von dem Recht, die Tribünenkarten auch an Sym- pathisierende auszugeben, Gebrauch gemacht, und nicht, wie es früher geschah wahllos verteilt. Wir werden er auch in Zukunft so halten.— Dann gab es noch«ine rrrevolutionär« Rede zum„Belagerungszustand" und dem Demonstrationsoerbot. Eine halbe Stunde„mühte" sich der Oberkommunist im Schweiße seines Angesichts, die Weltrevolution zu prophezeien. Selbst die Per- bündeten, die Dsutschnationalsn, waren diesmal nicht zu überzeugen, denn sie schwiegen sich aus. Und da weiter niemand Lust hatte, dieses, wie der Kommunist selbst sagte,„Affentheater" fortzusetzen, ging die Geschichte, sehr zum Leidwesen der Spektakclmacher, wie das Hornberger Schießen aus. Die Partei in Köpenick. In der Kreisvertreterversammlung der Partei im Bezirk Köpcnick'gab Genosse Willam den Geschäftsbericht über das Jahr 1928. Der 18. Kreis ist in sechs Abteilungen eingeteilt, in denen 180 Funktionäre tälig sind. Bei den Reichstagswahlen wurden 12 247 Stimmen für die sozialdemokratische Liste abgegeben, das bedeutet etwa 33 Proz. aller abgegebenen Stimmen, oder gegen die Dezemberwahlen 1324 einen Gewinn von 43 Proz. der damals abgegebenen Stimmen für die Liste 1. Bei allen großen Veronstallungen des Bezirksvorstandes hat sich der 16. Kreis steig zahlreich beteiligt. In kultureller Beziehung ist in Köpenick Pionierarbeit geleistet worden. Es ist dort gelungen, eine gemeinsam« Iugeiidweihe der Arbeiterschaft schon ini Herbst zu veranstalten. Auch die Errichtung einer Weltlichen Schul« tonnte durch- geführt werden. Die Werbewoche im vergangenen Jahr brachte einen Mit- gliedergewinn von 109, und zwar 42 neue weibliche(davon allein 40 für die 108. Abteilung Köpenick) und 67 neue männliche Mitglieder. Bei den bevorstehenden Kommunalwahlen heißt es: Vorwärts mit nener Kraft. Der Kassenbericht des Genossen Schubert fand die Genehmigung der Versammlung und der Airtrag der Revisoren aus Entlastung fand Annahm«. Erfreuliches konnte die Kreisleiterin Genossin Jankowski über den Stand der Arbeiterwoblsahrt berichien, die im vergangenen Jahr stark zur sozialen Arbeit herange.zogen worden war. Auch die SAI. konnte sich ruhig und stetig«ntwickeliz obgleich es zu wünschen sei, daß auch in Grünau ein« Gruppe gegründet würde. Eine lebhaftere Debatte schloß sich an den Bericht über den Bildung?- a u s s ch u ß an, den der Genosse Kettner erstattete. Ausführungen des Genossen Engel, Mitglied der Pressekommission, über unsere Presse gaben den Anlaß zu einer lebhaften Diskussion. Die an- schließenden Neuwahlen des Vorstandes ergaben als 1. Vorsitzenden Genossen Willam, 2. Vorsitzender Kl a t t, Schriftführer T h e u n« r und Hunger, Kassierer Schubert, als Kreis- leiterinnen Genossinnen Jankowski und Keil. Beisitzer wurden die Abteilungsleüer und der Genosse Bendig. Als Bertreter in die Pressekommisston wurde der Genosse Dornow, der von der Abteilung Bohnsdorf vorgeschlagen worden war. neu gewählt. Volksspeisung au Sonntagen. Die städtische Dolksspeisung hält an Sonn- und Feiertagen folgende Essensausgabestellen bis auf weiteres offen: Bezirk Mitte: Kommandontenstr. 80/81; Holzmarktstr. 53; Artilleriestr. 9. Bezirk Tiergarten: Bremer Straße, Markt- halle X. Bezirk Wedding: Bellermannftr. 13/14 Bezirk Prenzlauer Berg: Mader Straße Ecke Kapenhagcner Straße. Bezirk Friedrichshain: Friedenftr. 60; Srrausberger Str. 3. Bezirk Kreuzberg: Luisenuser 30: Wrangelstr. 97/99, Bezirk Charlotteuburg: Havelstr. 10/12. Bezirk Spandau: Achenbachstr. 1. Bezirk Schöneberg: Hauptstr. 1«. Bezirk Neukölln: Flughafenstr. 68. Bezirk Lichtenberg: Möllen- dorsstr. 5; Türrschmidtstr. 25; Blumenthalstr. 33/34. Deutscher und Preußischer Landkreistag. Am 9. Slpnl tritt in Stuttgart der Vorstand des Deut- schen Landtreistages zusammen. Zur Beratung stehen Fragen der Wohnbauförderung und des Internationalen Verbandes für Wohnungswesen, Finanz» und Steuersrogen und das Problem der Kleinrentnersürforg«.— Am 2. und 3. Mai 1929 tritt m A a ch e n der Vorstand des Preußischen Landtreis tag«? zu- sammen. Die Diensträume des preußischen katasteramks Zehlendorf, das die Ortsbezirke Berlin-Dahlem, Berlin- Zehlendorf, Berlin- Nikolassee, Berlin- Wannsee, Potsdam- Forst, Klein-Glienicke(Gut), Pfaueninjel. Schwanenwerder und Düppel umsaht, werden vom 4. April 1929 ab nach Zehlendorf- Mitte, Rathaus, Kirch st raße (Fernsprecher Zehlendorf G 4 Nr. 0012) verlegt. Das Katasteramt ist wegen des Umzuges am 2. und 3. April 1929 geschlossen. 4««0 Kraftfahrzeuge iu der Rhetuorovwz. Nach dem Statistischen Amt der Stadt Köln sind in der Rheinprovinz im ganzen 47 698 Kraftsohrzeuge zugelassen, wovon 15 5 25 auf Köln entfallen. Mit einem Kraftfahrzeug auf je 47 Einwohner steht Köln an der Spitze der Städte des Rheinlandes. Weiter kommt ein Kraftjahrzeug in Düsseldorf auf 49, in Krefeld auf 50 und in Elberfeld auf 55 Einwohner. Konsumgeneralversammlung. 161541 Mitglieder./ 3603 Beschäftigte./ Lieber 30 Millionen Spargelder. Die am. Montag, dem 25. März, im Lehrerveremshaus statt- gefundene Generalversammlung derKonfum-Genossenschaft Berlin und Umgegend stimmte einmütig dem vom Geschäftsführer M i r u s be- gründe�n Borfchlage der Verwaltung zu, den vor 26 Iahren er- richteten Konsumverein für Strausberg und Um- g e g e n d am 1. April 1929 zu übernehmen. Die bauliche Entwicklung dsr Reichshauprstadt, deren Wohnbau- und Siedlungs- wesen immer weiter in die Außenbezirke und darüber hinausdringt, schafft zwischen der Berliner Genossenschast, die mit ihrer Waren- Vermittlung den geänderten Wohnverhältnissen Rechnung tragen muß, und den Arbeitsgebieten der umliegenden Konsumvereine immer stärker werdende Berührungspunkte, die im genossenschast- ltchen Interesse zum Zusammenschluß drängen Der Konsumverein für Strausberg umfaßt 7 A b g a b e st e l l e n, die in Strausberg» Stadt, Strausderg-Borstadt, Siedlungen Eckardtstein, Hen- nickcndorf, Herzselde, Neuenhagen und R e h f e l d e belegen find. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 2489, der Umsatz betrug iw letzten Geschäftsjahr 302 965 M. In Strausberg-Stodl, Herzfelde und Rehselde verfügt der Verein über eigene Grund- stücke, in deren Baulichkeiten eigene Abgabestellen Unterkunft ge- funden haben. Das Slufgehen des Strausberger Vereins in der großen Brudergenossenschast, wird sicher der konsumgenossenfchaft- lichen Entwicklung in den östlichen Vororten einen kräftigen An- sporn verleihen. Nach Eröffnung der Generawersammlung gab Genosse M i r u s als Zentralwcrhlleiter einen Bericht über die letzten Wahlen zur Generalversammlung, die ein klägliches Fiasko der kommuni st i schen Vorschläge zeitigten, da fast all« Listen von jener Seite wegen Nichtinnehaltung der statutarischen Vorschriften für ungültig erklärt werden mußten. Einem kommu- nistischen Redner entschlüpfte in der Aussprache das Eingeständnis, nichtordnungsmäßige Listen aufgestellt zu haben, indem er äußerte, die„Opposition" habe nicht vorausgesehen, daß das Statut ganz korrekt zur Anwendung gelangen wurde. Die Generalversammlung stellte nahezu einstimmig die Gültigkeit der Wahlen fest. Den Halbjahresbericht erstattete das Vorstandsmitglied Hille. Er hob hervor, daß seit dem Abschluß der Inflation die Genossenschaft eine ununterbrochene und Jahr für Jahr nicht nur in den absoluten Ziffern, sondern auch im prozentualen Verhältnis sich steigernde Umjatzvermehrung aufzuweisen habe; die Umsatz- erhöhung belief sich, immer im Verhältnis zum Vorjahr gerechnet: 1926 auf 14,7 Prozent, 1927 auf 26,2 Prozent und 1928 auf 35,2 Prozent. Für das Halbjahr Juli/Dezember 1928 beläuft sich die Umsatzsteigerung auf 36,3 Prozent. Hervorragend beteiligt an der Umsatzerhöhung sind die genossenschaftlichen Waren- Häuser, die mit 163 Prozent Steigerung im letzten Halbjahr weitaus an der Spitze stehen. Auf einen guten Er- folg kann auch das im September 1928 eingerichtete genossen- schaft liche Möbelhaus(Berlin S., Graefestraße 21) zurück- blicken. Die eigene Wurstfabrik wartet mit einer Erzeugung im Werte von 1 723 964 Mark auf gegenüber 1029 407 Mark im leichen Zeitraum des Vorjahres; die Steigerung beträgt hier 67 L Zrozent. Der Mitglieder st and erhöhte sich in der Berichtszett von 146 192 auf 1615 41. Trotz der die Sparmöglichkeit beeinträchtigenden großen Arbeitslosigkeit vermochte die Sparkasse ihre Einlagen von 24 957 129 auf 3 0 416 6 0 4 M a r k zu steigern; bemerkenswert ist, daß Neueinzahlungen aus Sparkonten, die auf Grund der Rückvergütungsvorschrift errichtet wurden, in Höhe von 671 898 Mark erfolgten, ein Beweis dafür, daß sich der Modus gut einbürgert, die den Geschäftsanteil übersteigenden Rückvergütung?« betröge auf Sparkonto' einzutragen. Das Ab gäbe stellennetz wurde um 15 Lebensmittel- und 10 Fleischabgabe- stellen erweitert. Der Personalbestand vermehrte sich von 3281 aus 3 6 0 3 Beschäftigte. Nach einer unwefeni- lichen Aussprache Über den nur erfreuliche Fortschritte aufzeigenden Bericht legte M i r u s einige Anträge auf Erwerb v o n G r u ii d- stücken vor. Das Warenhaus I am Lranienplaß erweist sich'n seinen räumlichen Ausmaßen gegenüber der sich ständig steigernd.?«: Benutzung als unzureichend. Für einen Erweiterungsbau wurden früher bereits die Grundstücke Luisen ufer 27, 2 8, 2 9 und Prinz essinnen st raße 3 angekauft: zur Ad- runduna des genossenschaitlichen Besitzes wird der Erwerb der Grund- stücke Prinzcssinnenstraße 4, 5, 6 und Luisenufer 30'empfohlen. Mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaues. der 7 Stockwerke ausweisen wird, ist frühestens im Sommer 1930 zu rechnen. Die Generalversammlung genehmigte die An- träge und gab auch ihre Zustimmung zum Erwerb von Acker- aeländ« zur Erweiterung des landwirtschaftlichen Be- sitzes in Sperenberg und zum Ankauf je einer Parzelle in Neu- Schulzendorf und Karow, auf denen in eigenen Gebäuden Abgabestellen errichtet werden. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betraf Satzuntzs- änderungen. Nach der zum Beschluß erhobenen neuen Fassung kann der Zlusschluß eines Mitgliedes erfolgen, wenn es im letzwerflossenen Geschäftsjahr keinen Umsatz nachgewiesen hat. Jedes Mitglied ist verpflichtet, innerhalb des ersten Jahres seiner Mitgliedschaft die Hälfte des Geschäftsanteils, innerhalb der folgen- den drei Geschäftsjahre je ein Sechstel des Geschäftsanteils ein- zuzahlen oder durch die Rückvergütung auszusparen. Für die Ein- reichung von Wahlvorschlägen ist erforderlich, daß die Unterschrift leistende» Mitglieder mindestens zwei Jahre der Genossenschast an- zuletzt ver- ; erreicht jchaft am Wahltag mindestens drei Jahre"angchören, die statutarischen Ver- pflichtungen erfüllt und in den letzten beiden Jahren mindestens den Äurchschnittsumsatz nachgewiesen haben. Von grundlegender Be- deutnng ist weiterhin die Bestimmung, daß die A m tsdauer der Vertreter auf drei Jahre festgelegt wird. Anschließend au die Statutenänderung erfolgte die Einsetzung eines Ausschusses, dem ein« gründliche Durchberatung der G e n osse n s cha ft s- sa Hungen als Aufgabe überwiesen ist. «nrndfoOlfari RH 1» 200 000 Xtfema„»MI 000 Otfamt-Ifetfet«« OH 4M 277 000 ersAllibliiie> vom Jahre 1928, mit April-Oktober-Zinsen, £ zum Kurse von 94»~~° jo — zuzüglich Stückzinse» vom 1. April bis zum Abnahmetage— die an den Börse« von Berlin, Frankfurt a. M., Mamburg, Köln und Leipzig bereits amtlich votiert werden» Die Zeichnung findet statt vom 4. bi» zvm 17« April 1929, früherer Sckluß vorbehalte«, bei der Preußischen Central-Bodenkredit-Aktiengesellschaft, „ Direction der Disconto-Gefellschaft und deren Zweiganstalte», S. Bleichröder, Berlin, Sal. Oppenheim jr.&(äste., Köln, und bei den sovstigev Zeichnuvgsstelle» sowie bei allen Bank- firmen und Spar- und Girokassen, wo ausführliche Prospekte zu beziehen sind. Die Abnahme der zugeteilten Beträge kann dtS ZV« 30. April d. I. erfolgen. Stücke liefern wir sofort. Eine Kündigung ist frühestens zum 1. Oktober 1934 zuläsfig. Die Tilgung muß spätestens 196« bezw. 1959 beendet sein. Die Pfandbriefe sind bei der Reichsbank in Klaffe A beleihbar; für die Schuldverschreibungen ist ein entspr. Antrag bereits gestellt. Die Aussicht der Preußischen Staatsregierung wird durch einen für die Gesellschaft bestellten besonderen Staatskommissar ausgeübt. Berlin KW 7, Unter den Linden 48/49 Mtjdje C l? ll t l ll l- MMM-MellgesÄWft Lindemann Hartman« Oesterlink Wrede üoittaogs-.Rsbatl- a.Reklamemtrken gegen Nachahmung gesetrl. gesch. fertigt seit 45 Jahr als SpexlalitSt. Conrad MOller Leipsic- Schkeuditz Das Gebol äcr Sfiinfle ist der Eintritt in den Erd- und feucr- Beslaflimdsvcrcin Groft-Berlin ,» W 35, SteglitzerStraBe 66 Fernsprecher Nollendorf 4ie8/S9 ßlamcnspenden («bet ÄN liefert pteismeti Paul«oUets norm. Robert Meyer Marlaenenstrat« 5 ®de Staunqnftrane Ami SJlotippl 10303 �•tpeldinen� tat n.biUU? 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