BERLIN Sonnabend 30. Marz 1929 W Pf, �r. 150 &15' 46. Jahrgang. ErschcinttZzlich anßerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.VvrwSrts". Bezugsxrciz beide Ausgaben SäPs.„ro Woche. pro Monat. Redaktion und Expedition; BcrlinSWOS.Lindcnstx.S ffibwasfa Anzeigenprel«: Die einspaltige Nonpareillczeile «0 Ps.. Reklamcjeile 5M. Ermäßigungen nach Taril. P o st sch e ck k o n t o: VorwärtS-Dcrlag G. m. b.H., Berlin Nr. 37230. Fernsprecher: Dönhoff-2ärdlichen Fest- stclliingcii hairbclt es sich um eine 3.S Jahre alte Schneiderin Elisa- bclh Klein, die zuletzt in B e r l i»- W i l m e r s d o r f wohn- Haft gewesen war und dort feit dem 2 3. März vermißt worden ist. Man nimmt an. daß die lebensmüde Schneiderin be- reitz am vergangenen Sonntag vom Lilienstein aus den Todes- fprung in die entsetzliche Tiefe ausgeführt hat. Welche Gründe hierzu geführt haben, ist noch nieht bekannt. Der Leichnam wurde nach der TotenhaNc des Friedhofes in.hohnftein übergeführt. Schlange geht. Orutschnationale Aührerkrise in Pommern. Der Beichstagsabgeordnetc Schlange- Schoningen hat den Vorsitz im Landesverband Pommern der Dentfchnationalcn Partei. den er feit 1l>2-l innehatte, niedergelegt. Das deutschnatianalc Haupi- organ der Provinz, die.Pommersche Tagespost", zeigt sich sehr beeifert, den Rücktritt auf unpolitische Gründe zurückzuführen. Sie versichert, er könne den Vorsitz nicht weiter behalten, weil ihn sein Mandat und seine sonstigen Ehrenämter zu stark belasteten. Diese Belostunei jcheinl sich ganz plötzlich gesteigert zu haben, denn .Herr Schlange hat nicht eimnol den nächsten Parteitag abwarten tönnen, aus dem ein Nachfolger gewählt werden muß. Zeppelins Mittelmeerfahrt. Beiseemdrücke eines Passagiers. Lllitz enthastet. ?sach sechs Wochen Hast gegen Kaution entlassen. kattowitz. 3». März. Roch dreitogigr» Bemühungen ist es dem Rechtsbeiftand des verhafteten Abgeordneten Ulitz gelungen, feine Haftentlassung gegen Stellung einer Kaution von 7il 000 Aloty zu erwirken. Abg. Ulitz, der sich seit über sechs Wochen in Hast befand, hat Sonn- abend mittag um 12 Uhr das Gefängnis»erlassen. Aussperrungsdrohung in Oesterreich. Die Metallindustnellen wollen„starker Mann" sein. Jn.dem Konflikt wegen der Bezahlung der Feiertage beschlassen die A u t o m o b i l i n d u st r i e l l c n, die Ausiro-, Fiat- und Froß- Büsing-Werke. die Arbeiter von heute ab auszusperren. Bereits am Karfreitag haben daraufhin die Arbeiter der Froß. Büfing-Werk« und der ihnen angegliederten Firma Götz und König, die Arbeit eingestellt. Der Houptverdand der Industriellen hat die Gesamtaus- sperrung der Wiener Metollarbeiter, 35 000 vis 40 000 an Zahl, für den Fall angedroht, daß der Konflikt in der Auiomobilinduftri« mit 1000 beteiligten Arbeitern, bis 6. April nicht beigelegt ist. Weiter aber sollen sämtliche 90 000 Metall- arbciter Oesterreichs ausgesperrt werden, wenn bis 13. April keine Einigung erfolgt ist. In der G r a z e r Waggon- und Maschinenfabrik Aktiengejellschast und der Maschinenfabrik Au d ritz wurden auf Betreibe» der Sektion Steiermark de» Verbandes der Industriellen ab heute 2500 Zlrbeiter ausgesperrt, weil sie sich von Mitgliedern des berüchtigten„lz« i m a t s ch u tz c s" nicht provo- zieren lasse» wolllen und sich weigerten, mit solchen Burschen zu- sämmenzuarbeiieii. Acht H e i m a t s ch ü tz l c r sollen an der Arbeit gehindert worden sein. Die österreichische Metallarbeiierschast wird der.<>«raus- sordening des Unternehmertum« zu begegnen wissen Kommunisten unter sich. (Sit bearbeiten sich mit(Schlagringen und Messern. In der vergangenen Nacht kam es an der Ecke der M e m e l e r und Königsberger Straße sti der Nähe des Schlesischen Bahnhofs kurz noch 12 Uhr zu einer Schlägerei zwischen Rechts- und L i n k» k o m m u n i st e n. Die Gegner gingen mit Messern und Schlagringen aufeinander las. Als Palizsibeamte des 81. Reviers hereibeilten, ergriffen die Prügelhclden die Flucht und versuchten, im Dunkel der Straßen zu entkommen. Fünf B e- teiligte konnten noch verhaftet werden: sie wurden der Ab- Heilung l-5. im Polizeipräsidium zugeführt. Zwei Personen hatten so erhebliche Kopfverletzungen davongetragen, daß sie zur nächsten Rettungswache gebracht werden mußten. Der Leiter de«„ Sozialdemokratischen Pressedienstes", Erich Alfringhous, Hot die große Orientfahrt des Luftschiffes „Gras Zeppelin" al» pastagier mitgemach». Er gibt jetzt von de« Erlebnisse« dieser Dauerfahrt eine eingehende Schilderung. der«ür da» Folgende entnehmen: E« ist Mitternacht! Der Wind eilt über den unmöglichen Flugplatz dahin, als wollt« er den bereits um zwei Stunden auf 12 Uhr verschobenen Start wiedcritm vereiteln. Wir stehen in der großen Halle vor der hcllerleuchleten Gondel, machen unsere Spaße und harren geduldig der Dinge, die da kommen sollen. Mik uns warten die Angehörigen der Besatzung und Paffagicrc. Roch weilt Dr. Eckener auf dem Flugplatz. Unterdessen wird dos Schiif von feinem Ballast befreit. Die Möglichkeiten, daß wir dennoch starten. werden großer. Kommandos erschallen durch die Halle. Der erste Offizier v. Sch'll bemüht sich eifrig, den Stau bis zum Letzien vorzubereiten. Mehr und mehr wächst sich die Erregung in Un- gsduld aus, bis endlich der Ruf erschollt:„Passagiere ein- steigen!" Es geht los! Wir zeigen unsere Ehrenkarten vor, erhallen Plolzonweisungen, und während die Führer des Schiifes die allerletzten Vorbereitungen zur Abfahrt tressen, nehmen wir in der gemütlichen Passogiergondcl Platz. Um 12,50 Uhr ist es so- weit. Einige Minute» später schweben wir über den Dächern von Friedrichshafen dalzin: kne Orientreise des„Graf Zeppelin" hat begonnen. Fahrt über Südöeusschlanö. Das Schiff nimmt Kurs auf Schasshausen— Basel. An den Kabmensenstern der Gondel halten die Passagiere Ausschau. Der eine entdeckt dieses, der andere jenes. Teilweise war man dem Lustschiss um eine halbe Stunde und mehr voraus. Dichter Nebel lagert« über der Stadt, als wir Basel passiorten: nichts war zu erkenne»! I» Windeseile ging es weiter aus Lizon zu: um uns dichter Rebci. Stundenlang waren wir ohne«icht noch unten, nach rechis und links. Wir fühlten uns in einem Rcbelmeer ohne Ende So steuerte das Schiss die alte französische Festung Belsort an, aber wir fuhren rechts an Bel- fort vorbei. Wir mußten, weil es von Paris aus Gründen der Landesverteidigung besohlen war,„mit der Maßgabe"� Phato- graphioren über Frankreich ist verboten! Die Herren Militärs mögen sich beruhigen: Niemand hat phatographicrt!«chlichlich aber sollten auch sie wissen, daß es unmöglich ist, in dunkler Nacht und in der vorgeschriebenen Höhe van 500 Meter zu„spionieren". Oer erste ZtmschenfaU. Es war 4 Uhr morgens. Die Passagiergoiidei war leer; alles war im Vertrauen auf Dr. Eckcners Führung schlafen gegangen. Ich harrte— wie in den drei späteren Nächten— allein aus, erkundigte mich ob und zu in der Führergondel nach«landort, Höhe und Geschwindigkeit des Schiffes und beobachtete mit Erlaubnis der wachthabenden Offiziere dü Bedienung des Schiffes und der Motarengondeln von der«teuergondcl aus. Wieviel Geist und Tatkraft haben hier praktische'Anwendung gefuichen. Lyon liegt bereits hinter uns. In stundenlanger Fahrt wurde Nebelbairk auf Nebelbank durchquert, ohne daß Aussicht aus Besserung bestand. Was sollte nur werdcn? Vor uns große Berge, um uns end- loser Nebel. Unerwartet erschien plötzlich Dr. Eckener in der Passagier- gandel. Ruhig und ouskunirst'ereii wie immer erzählte« oem in der Zwischenzeit vom Schlaf erwachten Siaotsjckrelär Sauter — ein Kurzschläfer niit viel«in» für Humor— und mir, was ge- jchchen soll und geschehen ist. Wir waren nicht wenig überrascht! Statt nach Marseille fuhren wir seit mehr als einer Stunde im dichten Nebel zurück! Die Vorsicht hatte Dr. Eckener zur Umkehr gemahnt. Der„ewige Dreck"— wie der Lustschiffer den Nebel nennt— wollte es so. So pendelten wir schließlich in der Nähe von Lyon herum, bis es Tag wurde und der Wettergolt ein Einsehen hatte. Dann ging es in voller Fahrt weiter: Richtung Mar- seille. Unter uns in 500 Meter Tiese das schöne Rhonetal mit seinen gutgcpflegten Weingärten, seinen sauberen Städtchen und Dörfern. Hier und da ein Eisenbahnzug, dessen Maschine den„Graf" mit schrille» Pfiffen begrüßt. Saust ist bis 7'- Uhr morgens kaum ein Mensch auf weiter Flur, als ab Frankreich Feiertag hätte. Marseille, dos bereits um 8 Uhr erreicht werden sollte, passierten wir infolge der Ungunst des Wetters erst um 8 Uhr. Die Stadt erwachte gerade aus ihrem Schlaf, als wir die historische Mündung des Rhein- R ho ne-Tunnels übersuhron. Erinnerungen aus der Vergangenheit wurden wach, Erinnerungen an den Morseiller Kongreß und seine Beschlüsse, die in der Zwischen- zeit zum Teil zum politischen Bekenntnis vieler Regierungen geworÄm find. Damals war der Ausgang des Rhein-Rhonc- Tunnels Zielpunkt einer gemeinsamen Fahrt des ganzen Kongresses. In unerhörtem Tempo, mit dem Winde im Rücken, überquert„Graf Zeppelin" den Hosen der sronzösischen Handels- nretropol« mit seinen fast unzähligen Riesenschissen. Sirenen ver- künde» den Passagieren des Luslriesen, daß man uns entdeckt hat. An der Küste entlang geht es weiter zur französischen Riviera. Spiegelglatt liegt das Meer unter uns. Eine«runde später verliehen wir'vieles non der Natur so begnadete Stück Erde. Dr. Eckener wollte»ns Korsika in seiner ganzen Größe noch in der Mittags- sonn« zeigen. Küste von Korsika.— Scherben über �om! Einige Stunden später künden am Horizont dunkle Umrisse, daß Land in Sicht ist. Grau in grau ragen ans dem endlosen Meere «insam und verlassen groß« Felsblöcke hervor. Wir nähern uns der Küste von Korsika. Mehr und mehr treten hohe, schneebedeckte Berge in Erscheinung; darüber der Glanz der Sonne. Ein imponierender Anblick. Es sind Felsblöcke, die keinen Menschen beheimaien: auch das Küstengebiet ist nur schwach bevölkert. Hier und da ein Leuchtturm uird kleinere Flecken: nur verein, zeit sehen wir größere Gcmeiiischafte». Korsika ist inzwischen unseren Blicken entschwunden. Wir nähern uns der italienischen Küste mit dem Kurs auf Rom. Um 4 Uhr nachmittags begrüßt uns in der Ferne ein i t a- lienischer Flieger. Wenige Minuten später ist Civitaoee- chia an der italienischen Küste erreicht. Wir sind im Lande des Faschismus! Vom Strande der reizend gelegenen Stadt grüßen uns zahlreick)« Bewohner. In Gedanken sind wir bereits in Rom. Wir erzählen von den herrlichen Bauten der ewigen Stadt, wir studieren den Baedeker nach sonstigen Sehenswürdigkeiten lind legen den Stadtplan zur besseren Orientierung bereit. Auf einmal wird es ungemütlich. Das Schiff beginnt ZU schaukeln, von vorn noch hinten, von links noch rechts und umgekehrt. Wir find in ein böiges Gebiet geroten. Nerven und Magen werden auf die erste Probe gestellt. Es geht alles gut, bis über Rom, das wir um 4.30 Uhr nachmittags passieren. Eine herrliche Stadt, der man Tradition und alte Kultur auch aus den Lüften anmerkt. Auf den Straßen und Dächern tausende von Menschen: zahlreiche Gebäude tragen Flaggenschmnck. Wir überfahren das Collosseum und das Eapitol, die im herrlichsten Soiinenschnn daliegen, kreuzen über dem neuen Kirchenstaat»no zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten. Als dos Schiff sich dann zur zweiten«chleife über Rom anschickt, stürzen Teller und Gläser in«cherben vom Tisch aus den Fußboden. Der erste Schreck ist bald vorüber. Später stellt sich heraus, daß eine Boc uns den harten Stoß oersetzt hat. Spaßmacher hatten für die Ursache des Unfalls sofort ein Rezept: Die Luft im Bereich des faschistischen Diktators wallte sich mit der aus der Paßögiergondel ausströmenden Luft nicht ver- einen: Unten das Hauptquartier des Faschismus, oben sieben Sozialdemokraten an Bord! Deshalb die Boc. Mit 150 Kilometer Geschwindigkeit eill„Graf Zeppelin" unier dessen davon. Schnell ist Rom unseren Blicken entschwunden. Ge- blieben ist der unvergeßliche Eindruck, den dies« Stadt auf uns gemacht Hot. Weiter geht die Fahrt, über Dörfer und Flecken hin weg, als rollte sich ein Film vor uns ab.»nd zum ersten Mo!« entsteht der'Verdacht, daß Dr. Eckener mit der Paläftinoiohrt einen Rekord auszustellen gedenkt. Er bestreitet es. aber das Tempo des Schiffes verstärkt in uns die Vermutung der Rekord» fahrt. Erst als Dr. Eckener alle Ueberredungskunst aufgewendet hat, lassen wir uns von der völkcrversöhn enden Absicht der Fernfahrt überzeugen. Aeapel in Sicht. Es ist 5 Uhr nachmittags. Das Schiff hat in Itzstündiger Fahrt last 2000 Kilometer zurückgeiegt. Bald muß Neapel auftauchen. Di« Fenster der Pasiogiergondcln sind bereits umlagert. Jeder will die so oft besungene und non der Natur begnadete, oder zugleich heimgesuchte Stadt zuerst erblicken. Schon sehen wir kleine Inseln, die Neapel vorgelagert sind. Sie sind zum Teil befestigt und van militärischen Gebäuden überragt die kaum zwei Valllressern stand halten dürsten. Endlich kommt Neapel in Sicht. Die Stadt ist von einem schwarz«» Dunst überiagert. der Vesuv�isl b;; der Arbeit. Er dampft wie der«charnstein einer großen Fabrik. Ehe mir uns ihm nähern, bewundern wir Neapel in seiner ganzen Pracht. Dampsschiffe setzen ihre Sirenen in Tätigkeit: in den Straßen schwenken unzählige Menschen zum Gruß ihre Tücher. Neapel ist nicht ,o sormvollendei wie Rani, nicht so reich an schöne» Baulichkeiten, wie diese ewige«ladt und doch hat auch Neapel seine großen Reize. Seine Umgebung, die ihm aus allen Seiten vor gelagerten kleinen Inseln mit ihrem Blütenreichtnm locken zum Besuch,«chsießsich der Vesuv in seinen! E l e m e n I Wir näher» uns ihm auf 500 Mcier, schon Pompcjr und weilcr entfernt Herknianum, die älteste» Opfer dieses feuerspeienden Berges, der über viele Familien ertt im vergangenen Jahr« wieder großes Elend gebracht hat. Trotz all der Schrecken ist dcr Fuß des Vesuvs noch stark bevölkert und die schon wiederhall heiin gesuchten Dörfer werde» wieder ausqcbani. Oie zweite Nachtfahrt beginnt. Don Neapel fahren wir über Capri an der Westküste eistüng. Langsam beginnt die Sonne ihr Tagewerk zu beenden In dcr Ferne erscheint bereits dcr Mond. Die zweite N a ch t i a l: r r beginnt. Der Himmel ist stark bewölkt: nur ab und zu kann sich der Mond in seiner ganzen Würde zeigen und das ruhige M.'cr in einen endlosen Spiegel verwandeln. Von� den unter uns in' Dunkel der Nacht dahinschwindenden kleinen Städten und Türicrn sehen wir die Lichter nur schivach. Inzwischen ist es Tag geworden. Mit ihm hat sich starker Seitenwind eingestellt. Dr. Eckener. vorsichtig mir immer, ändert deshalb die Fahrtrichtung. Statt von Norden her versircht er. Kreta mit iüdlichem Kur- zu erreichen. Nach 28siündigcr Faha über endloses Meer kommt Kreta in«ichi. In der Passagier- gondel wird es lebendig. Toni Sender erscheint i rn S ch l a s a n z u g. den Schlaf noch in den Augen: unser Freund Keil hat in seinem Eifer sogar das Waschen vergessen. Halb angezogen komm: er mit den Hosen in der Hand hcrbeigcftürnit. Niemand will etwas versäume». Schneller, als man denkt, sind sämtliche Passe giere zur Stelle. Man studiert und bestaunt in unmittelboec Nähe der Küste Land»nd Leute dieser jetzt griechischen Insel B:eV griechische»nd türkische Geistesgrößen haben auf'ihr das Licht der Welt erblickt: auch Veuhzelos, der ewige Revolutionär in jcii'.en Sinne, ist nur Kreta geboren. An der Küste bemerkt man zech! reiche neue Siedlungen: aus politischen Gründen aus der Türla ausgewiesene Griechen haben dort eine neue Heimat gefunden. Teil weise erweckt das Land den'Anschein äußerster Fruchtbarkeit, ganze Strecken sind mit großen Felsen übersät, ohne Baum und Strauch. Lieber Palästina. Das«chiss hat direkten Kurs auf Palästina. Die Ichel Ei) per» lasten wir links liegen: nur in Hinrissen ist sie in dcr Ferne mit ihren schneebedeckten Bergen.erkennbai. Mehr als si.' interessiert Palästina, die erste Etappe unserer Reise. Während mir in Windeseile dohintahren, wird der Drang noch neuen Erleb nisten immer größer. Rur wenige von uns kennen das Gelabte Land. Als wir ankomme», ist die Uhr bereits weit vorgerückt: dcr 'Abend steht vor der Tür Eine ganze«tunde vergeht, bis der links von Haifa gelegene Heimo» aus unserem Gesichtskreis entschwunden ist und wir endlich Haifa, diese unmittelbar am Strand des Mitte!- ländischen Meere- gelegene Stadt mit dem Libanon erblicken können. In den Straßen, aus den Dächern und den Plätzen drängen sich endlose Menschenmassen. Ein Fußballklub cunpsän'gl uns mit den Farben der Republik und einem in deutscher Sprache gehaltenen „W i l l k o in m e n". In fünf Minuten war alles vorbei. Wir ni u ß t e n weiter! Der Bürgermeister von Tel-Awiw hat uns ein- gelahcn: wir sollen landen. Langsam ziehen wir an Palästinas Küste entlang.'Arlit, die alte Kieuzfahrcrbiirg, neben den neuen Salzwerke», die Römersestung Eäsaria mit ihren Ruinen, neben den langausgedehnteii E u k a l y p t u s w ä l d e r n der Juden- kolonie von Eedcra Sichron und Jacobs, die neuen Siedlungen von Herzia und Rötha nia am Uier des Andscha, deren kleine Hau irr an die griechischen Flüchtlingshüufer erinnern, die wir morgens bei Canadia, der Hauptstadt von Kreta, sahen. I» wenigen Minuten taucht da- jung« Tel-Awiw aus. Ihm zur Seite liegt Jossa, die bekannte �Orangenstadt. Mehrmals überquert das Scknii die «ladt, deren«traßcn einem Ameisenhausen gleichen. Auto- hetze» hastig hin und her. Nirgends war die'öcgclftcrung so groß wie hier. Wir stehen bereits im Begriff zu landen, als wir von der Dunkelheit überrascht werden. Der sonnenklare Tag ist i» sünf Minuten von der Rocht verdrängt worden: die Landung ist ge- fährdct. Leuchilakeien der auf dem Flugplatz El Ramet stationierten englischen Flieger laden uns immer und immer wieder zur Landung ein. Es geht nicht: angesichts dcr Dunkelheit und dcr ungeübten Hnllemannschastcn besteht die Gefahr einer u n- glücklichen Landung. Wir werfen einige Postbeutel ab, lassen den englischen Fliegern durch die Funkstation des Schiffes herzliche Grüße der Besatzung und der Passagiere übermitteln, und dann ist der Kurs a u> Jerusalem gerichtet, der Regierungsstadt des „Heiligen Landes". Es Ist tiefe Nacht, als wir Jerusalem in 1500 Meter Höhe erreichen. Nichts ist zu sehen: nur dunkle Umrisse lassen nermulen. daß hier die Erlöserkirche steht, dort der Oelberg liegt. Dos Schiff zieht seine Kreise, und dann steuert es hinab von 1500 Meter bis I5k> Meter unter dem Meeresspiegel. 1. kreis(Llittc). Sitzung des erweiterten kreisvorsiandcs am Mittwoch, 3. April, l!>!.> Uhr, bei Dobrohlaw, Swmcmünder Straße 1l. \ Gesprengie Knedensversammsung. Stahihelmer im Bunde mit anderen Hakenkreuzlern. G ö r l i kz, ZO. ZNärz. 3n der im Konzerlhaus abgehaltenen stark besuchten Versammlung der Deutschen Friedensgesellschaft kam es während des Vortrages zu Störungen durch Ikatianatsoziatisten und zu Schlägereien, bei denen die Gegner mit Stuhlen, Stöcken und Biergläsern auseinander losgingen. Eine Arau erlitt schwere Kopfverle Hungen durch einen VZurs mit einem Lierglase: zwei weitere Versammlungsteilnehmer wurden durch Schläge mit Stuhlbeinen erheblich verleht; ein Rationalsozialist muhte sich aus der Polizeiwache verbinde» lasten. Sem herbeigerusenen llebersallkanunando der Schutzpolizei gelang es erst nach längerer Zeit, die Ruhe soweit herzustellen, dah der Redner seinen Vortrag sartsehen konnte. 3m weiteren Verlaus des IteueChauffeurWniform •Mr T ftrhiiffirrifi iUt MrHftAro*rhkmbrsil9rr'.ßerlhi* Ital itrm PolisuripräsfiHum Hnr neue'Uniform der'Jtrmfldrnscii kenfahrer Borgeführl, ron der sie rrflnxchi, dafi nie einhell- lieh für alle Taxnmeler Chauffeure eingeführt icerde. Abends riefen anwesende Stahthelmer eine neue Störung hervor. Die Polizei griss infolgedessen mit Gummiknüppeln ein. und die Stahthelmer verliehen geschlossen den Saal. Der Vortrag konnte dann ungestört zu Ende geführt werden. Wer Hai geschossen?, Llniersachungs-Wirrwarr in Iannowih. h i r s ch b e r g. 30. März. Die Mordkommission dementiert die Metdung, dah aus den Grasen zu Stolberg zwei Schüsse abgegeben worden seien. Das Gutachten Prosestor Brünings hat den Beweis erbracht, dah nur ein Schuh gesatten ist. An dem auf dem Fnhboden gesunde- nen Geschah sind tatsächlich bei der chemischen Untersuchung Blutspuren vorgesunden worden. Professor Brüning, der heute in Hirsch- berg weilt, wird morgen am Tatort eine Zlachprusung vornehmen. Die gestrigen Vernehmungen galten vor allem den Allbibeweisen der übrigen Mitglieder der gräflichen Familie. Die Alibi- beweise können sämtlich als gelungen angesehen werden. Prosestor Dr. Brüning vom Reichsnahrungsmitlel-Unter- suchungsamt hat dem Berliner Polizeipräsidium die Ergebnisse einer chemischen llnfersuchung mehrerer Gegenstände aus den Iannowiizer Ermittlungen vorgelegt. Er ist aus dem Wege nach chirschberg, um weitere chemische Untersuchungen vorzunehmen. Noch der Äus- jassung von Professor Dr. Brüning ist die gefundene frugel dieselbe, die den Tod des Grasen zu Stolberg herbeigeführt hat. Damit be- sieht ein gewisser Gegensatz zwischen den Aussastungen des Pros. Dr. Brüning und des Schieszsachverständigen Dipl.-Jng. Tchmuderer. Landgerichtsrat Thomas, der Untersuchungsrichter in der Jaunowitzer Mordangelegenheit, muhte in ein Sanatorium gebracht werden, wo er sich sofort einer Blinddarm- Operation unterziehen lieh. An seine Stelle tritt Landgerichtsrat S p ä t h e, der früher Staatsanwalt am hiesigen Landgericht war, als Leiter der weiteren Untersuchung, die durch diesen Wechsel natur- gemäh eine gewisse Verzögerung erleiden dürste. Landgerichtsrat Späthe hält im Gegensatz zum Staatsamvalt und zum bisherigen Untersuchungsrichter einen einfachen Unfall vorläufig für nicht aus- geschlossen. Erika Stolberg ist gestern abend während ihrer Vernehmung zusammengebrochen und mußte ins Bett gebracht werden. Die Aerzte haben aus Gesundheitsrücksichten nicht gestaltet. dah'die Gräfin vorläufig weiter vernommen wird. Einsturz einer Hängebrücke in England 20 Personen zum Teil schwer verleht. An der Brücke, die von Eotherstone über den Fluh Tees noch der Grafschaft Durhain führt, r I h heute ein Drahtseil, als sich etwa 40 Personen in wagen und Automobilen aufder Brücke befanden. Ein Test der Brücke stürzte zusammen und sänsttiche Personen und Gefährte wurden in den Fluh geschleudert. 20 Personen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Wetterbericht für Berlin: Kühl, windig und unbeständig mit einzelnen Schauern. Auch am zweiten Feiertag nur wenig Besse- rung bei unveränderten Temperaturen wahrscheinlich.— Für Deutschland: llcbcrall kühles, unbeständiges Wetter. Don der Not Konzerirundschau/ 2S0 Orchestermusiker. Die ausübenden Musiker haben schwere Zeiten: sie haben, fürchten wir, eine schwerere Zukunft. Am schwersten betroffen ist der Orchestermusiker. Radio und Grammophon, um nur davon zu reden, beginnen, ihm gefährlich zu werden: die wirtschaftlichen Verhältnisse sind der Orchesterkunst nicht günstig, die Komponisten wenden sich von ihr ab. Und schon sieht der Orchesters pieler den Unter- stand, den ihm eichtweileu noch das Filmtheater gewährt, durch den Tonfilm ernstlich bedroht. Der Not sollte ein großes Wohl- tätigkeitskonzert steuern. In der Städtischen Oper von der Ortsverwaltung des Deutscheu Musikerverbandes unter dem Pro- teltorat des Oberbürgermeisters veranstaltet. Stadtopern-, Sinfonie-, Rundfunkorchester, dazu Mitglieder der Staatskapelle— 250 Musiker unter Bruno Walters Führung oereinigt. Ei» Riesenorchester, wie Berlioz es sich träumen mochte, spielt die„Sinlonie patlietiquc" von Tschaikowsky und Richard Strauß'„Tod und Verklärung": dazwischen„Wotans Abschied" und„Feuerzauber" aus der„Wal- küre". Wilhelm Rodes mächtiger Bariton behauptet sich nur stellen- weise: aber die Sinfonie wird ein Elementarereignis. Und das Ganze, Programni und Zlusführung, gleichsam ein triumphales Musikerlebnis des ssogenannten) lll. Jahrhunderts: deutlich klingt es daraus wie ein zweifacher— geistiger und sozialer— Protest wider die Gegenwart, wider all die neumodischen Erfindungen, vom Kammerorchester bis zum gefilmten Musikgeschehen, die sich zur Ueberwindung des„romantischen" Musikideals, der Sinfonie und ihres großen Orchesters, mißbrauchen lassen. Aber was hilft es, die Gegenwart ist stärker als die Vergangenheit, um die Zukunft des Orchestermusikers und der Orchestermusik sieht es nicht freundlich aus. Das Orchesterkonzert als Institution ist von vielen Seiten her bedroht: auch wenn die Philharmonischen Konzerte noch ganz intakt sind: auch wenn das zehnte, das leßte in der Reihe dieser Saison. dem Dirigenten Furtwängler stürmische Dankkundgebungeu des Stammpublikums bringt. Sollte man aber nicht daran denken, die'Abonnementskonzerte der Lindenoper langsam abzubauen? Ohnehin sind sie, wie auch der mäßige Besuch zeigt, längst nicht mehr, was sie einst waren. Aber diese zehn?lbende, zusammen mit den Proben, belegen beinahe das Dreisache an Arbeitstagen: und das bedeutet jährlich den Aussall eines ganzen Monats im Arbeits- betrieb der Oper: und das ist doppelt fühlbar, solange im reno- vierten Haus jede Repertoireoper neu gestellt werden muß. Aber das bedeutet heute keine Kritik an den Leistungen des Konzert- dirigenten Kleiber. Und diesmal ganz im Gegenteil ist zu sagen, daß Lea Blech, der neulich veriretungsweise die Leitung eines Sinsoiriekonzerts übernammen hat, in einer Mozart-, einer Schubert- Sinfonie den Freunden seiner Kunst ungetrübte Freude bereitet hat. Muß«s, in Zukunft, aber im Opernhaus sein? 2luch den Philharmonikern wäre gedient, sie wären weniger aus fragwürdig« Gastdirigenten angewiesen, wenn hie und da die ersten Kapeflmeffter der Oper bei ihnen am Pult erschienen. Arbeiterchor. Unsere Arbeiterchäre, man weih es, konzertieren nicht, wie der Berussmusiter im bürgerlichen Konzertsaal, um Geld zu verdienen. Aber das heißt nicht, dah es dabei lein« materiellen Sorgen gäbe. Saal, Programmdruck, Notenmaterial, das alles kostet Oleld: wenigstens die Spesen müßten sich allenwl durch den Kartenverkauf decken lassen. Die Singakademie sah nicht eben ausverkauft aus newlich abends im Kanzert des Gemischten Chors„Groß Bertin". Vielleicht sollte man allgemein ein bißchen zurück- haltender sein in der Veranstaltung solcher Konzerte. Gewiß gilt das nicht im Hinblick aus die Leistung gerade dieses Chors. Er verfügt über gute Stimmen, und unter G. O. Schumanns glänzend bewährter Leitung wird bei deutlicher Herausarbeilung des Wortes musikalisch und tonrein gesungen. Eine kleine Neigung, insgesamt die Tyn- höhe sinken zu lassen— oder eigentlich ein kleiner Mangel an Neigung, sie zu halten— ist freilich zu spüren: doch dieses Sinken erfolgt so ebenmäßig/daß das Verhättnis der Stimme» zueinander „Oie Klucht der Nelia" Touenhien-palast Für ein anspruchsvolles Publikum ist ein Roman von Victorien Sardou gerade nich, der richtige Vorwurf eines Filmmanuskripts. Hier, wo Sardou nicht als bühnenwirksamer Sittenschilderer aus- genutzt werden kann, wirken alle Ereignisse stark gekünstelt und die schwierigen Situationen erscheinen gar zu absichtlich verwickelt. Und da man keine Entwicklungen miterlebt, sondern nur vor vollendete Tarsachen gestellt wird, bleibt die Heldin, die absichtlich einen Mordverdacht aus sich lenkt, um ihren, übrigens unschuldigen, Bruder zu ichützen, uns ziemlich uninteressant. Der Regisseur Henri Menessier führt die Regie in voll- tommen überholter Manier. Er macht sich bie Sache sehr einfach. Die schlechten Menschen haben Verbreckzervisagen und die gute» Menschen gehen elegant gekleidet. In den Trägern der weiblichen Rollen sieht er weite» nichts ols Manneguins, die zu jedem Kulissen- Wechsel im neuen Kleid zu erscheinen, habe». Infolgedessen spielen Marcella Alban! und Florence Gray auch nicht einen Augen- blick. Ebensowenig kommen Werner F ü t t e r e r, Gerhard F i e l- ding und Jean M u r a t zum Spiel, denn sie müssen als mehr oder weniger schöne Männer Posen einnehme». Die Photographen Paul Portier und. Monroe B e.n nett photographieren unendlich hart. Zudem bringen die Franzosen(ivas bei einem Amerikaner unmöglich ist und selbst beim schlechtesten deutschen Film kaum vorkommt) die Bilder wahllos unterschiedlich Heraiis. Sie kennen gar keine Linie, llngewollt liefert dieser Film de» Beweis, warum die Franzasen ihre Weltmarktgeltung verloren. Unter dem Titel„Die Donau" läuft ein sehr interessanter Film. Cr zeigt nicht nur den�Laus des Flusses vorn Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer, er erteilt zugleich ein bißchen Unterricht in Geographie, Architektur und Trachtenkunde. e. b. Auch eine Zeitrevue. Die„Unabhängigen" in den Sturmsälen. Jede Zeit nahm sich bisher prudlematisch, die Nachwelt registrierte dann gewiisenhäst, oh die Sache stimmte oder nicht. Die Zeitrevue will nur einen Ueberhlick über die Probleme geben und damit vielleicht einen Beitrag zur Geschichte der menschlichen Dummheit. Zwei Kardinalsragen hat sie aber»och nie berührt: übersteigertes Kärpergesühl und Geist und serner Verdrängung des Menschen durch die Maschine, und gerade diese Probleme scheinen der Musiker. Don Klaus pringsheim. vollkommen unverändert bleibt. Em höherer Grad von Voll kommenheit wäre es allerdings, immer genau im gleichen Ton zu schließen. Das Programm, von einem kultivierten Musiker zu- sammengestellt, bringt zwischen anderem eine Reihe alter Madrigale als schönst« Beispiel« hochentwickelter Vokalkunst. Pianisten. An großen Pianisten ist keine Not: die Not der Pianisten ist groß. Sie sind nicht zu zählen, nur die in Berlin leben, bedeutende Könner, ausgezeichnete Musiker unter ihnen— die vom Unterricht leben müssen, wie es sich eben heute davon leben laßt: glücklich ober, wenn die Stunden soviel einbringen, daß man einmal sich den Luxus gestatten darf, ein eigenes Konzert zu geben— mit dem wirtichastlichen Zweck wiederum, vielleicht neue Schüler zu werben. Doch schließlich, auch zur Bestätigung seiner selbst, hat der Künstler hie und da ein bißchen frische Podiumlust, Berührung mit der Oesseui tichkeit, Publikum, Beifall nötig. � Nur für ganz wenige trifft sich die Gelegenheit, als Solist in einem Orchesterkonzert auszutreten. In einem Kunwald-Abend des Sinfanieorchesters fällt Eleayor Spencer durch die pianistische Energie aus, mit der sie Eesar Francks Sinfonische Variationen meistert. Und an einem Sinfonieabend des Dirigenten Gatz gibt Anna Kremar im Schnmann-Konzert de» Beweis eines ungewöhnlichen Klaoiertalents. Bruno Eisner muß ein eigenes Konzert veranstalten, um sich von neuem als einer der besten seiner Kategorie zu bestätigen. Johannes Strauß setzt sich mit persönlichem Erfolg vor allem für neueste Klaviermusik ein, Stücke zuni Teil, die ihm gewidmet sind, darunter ein Foxtrott von Heinz Tiessen. Willi Hülser aber unternimmt es,' an vier Abenden Bach?„Wohltemperiertes Klavier" vorzuführen: er macht«s wohl ein wenig jchulmeisterlich-trockenen Tones und Klaviertons, aber die geistige Beherrschung und Durchdringung des Riesenwerks ist durch- aus imposant. Ein Bach-Spieler, Gestalter des großen Formats aber: Alexander Dorowsty, der schon seinen dritten Abend gibt. Und als Musiker und Virtuose größten Stils erscheint wieder Wilhelm Backhaus, auch er nun zum drittenmal Konzertgeber in diesem Winter. Bei Furtwängler, in der Chorsantasie von Beethoven, Hot Frederic La- monb, wie wir ihn kennen, ganz die Größe seiner Ausgabe. Aber etwas Außerordentliches, Einmaliges endlich: Osiip Grabilowitsch und Bruno Walter an zwei Flügeln, Mozart spielend— im Rahmen eines Mozart-Aberrds in der Philharmonie, der beispiellosen Jubel auslöst. Haben die Cellisten es leichter als die Pianisten? Jedenfalls, ihrer sind weniger. Unter den Seltenen eine Seltenheit ist Gregor Piatigorskn: technisch und musikalisch ein Vollendeter, reis für die große Karriere, deren Weg, üher den Ozean, er in kurzem antritt. Karfreitag. Ist es ertaubt, von einem.Karsreilagge>chäst der Konzertunter- »ehmer.zu spreche»? Jedenfalls, der gestrige Abend hat eine un- absehbare Flut von Konzertmusik ausgelöst. Piccaver, Easals, die Donkosaken, Aetherwellen-Ouartett, Bach-Pasiionen, sinfonisch mas- kierte Jazz-Evsernbles... die behördlich anbefohlene Heiligkeit kommt wohl nicht überall aus sroinmem Herzen. Der neue Hochjchulchor, nun unter der Leitung seines Dirigenten Bruno Kittel, singt religiöse Werke von Schütz, Bruckner, Bach. Und in der Volksbühne: Konzert mit dem Volkschor und dem Sinfonieorchester: Dirigent Dr. Ernst Zander. Häupknummer Schumanns Mansred-Musik; in einer Be- arbeitung für den Konzertvortrag, die Schumann ein wenig in den Hintergrund drängt, ohne doch das drarnatiiche Gedicht Byrons, das ihn inspiriert hat, ganz geben zu können. Aber Ludwig Wüllner, dem Anna Wüllner-Hosfmann als würdig« Partnerin zur Seite steht, ist der Meisterfprecher des Manfred. Er gestaltet, erlebt diese Verse init unerhörter Jntensirät, überflutet sie mit der Musik seiner Sprache. Wunderbar dieses Sterben unter den Klängen fernen Klostetgesangs. So findet das Konzerthalbjahr der Volksbühne einen schönen, erhebenden Ausklang.> augenblicklich von entscheidender Bedeutung zu(ein. Die neue Revue„SOS" der Gruppe der U n a b- h ä n g i g e n, die gestern in den S t u r m s ä l c n ihre Uraufführung erlebte, streift auch andere wichtige Fragen»icht. Der Dersasser I. Ligeti macht sich das Leben zu leicht. Anbetung der Frail »nd Aehnliches ist nicht als aktuell anzusehen, und wenn man Stepp- tänzer parodiert, muß man den Stepptan; ins Groteske hinein« steigern,»ruß ihn wenigstens beherrschen. Das Dreieck in der Ehe war aber schau bei Ibsen überaltert, und den Krieg kann man nicht aus tänzerische Kabarettmanier gestallen. Worin liegt überhaupt das Unabhängige dieser Gruppe? Etwa in der Loslösiilig vom Wort? Ligeti nennt seine Arbeit ein akustisch-optisches Spiel. Die paar Szenen, in denen gesprochen wird, zeigen einen hilslosen Dilet- tantismus des Wortes, die anderen dagegen eine gute Beherrschung des Körpers, eine Aiisdriicksähigkelt, die leider manchmal zu betont ins Dekorative abgleitet. Aber mit tänzerischer Pantomime allein sind keine Zeitproblem« zu gestallen. Ligeti und seine Truppe, unter der sich auch Laban-Schiiier befinden, erfassen nicht einmal die Oberfläche. Eine gute Zeitrevire soll aber aus die Drahtzieher hinweisen. „SOS" kann als ein Hilserus der Unabhängigen gelten. „Europäejchex Ia.zz" heißt der Untertitel. Das Resultat: Europa aus der Perspektive von Casehnnosünglingen geseheti. F. S. Mary»iguinn tanzt in der nächllcn T a n z> Al a t i n e e der Volks- bahne E. V. am sonnlag. dem 7. April, rormitlagd l I'/, Uhr im Theater am Bülomplatz. Loslarten silr Mitglieder der VoltSbübne 1,30 A., leite Plähe(bei Wertheim.TIeh und an der Thealerkasse) zum Prelse von 4, L und 2 M. Ale Lupe e. v. veranstaltet am 4. April, 20 Vj Uhr. im Deutsche» Lpzeum- Club. Liltzoivplah 8, einen Vortragsabend über das Thema:.Von Münch di« Otto Dix«(mit Lichtbildern). Redner: Dr. Paul Fei d. Schmidt. „Die Nacht vor dem Seil". Die unter dem Patronot der Liga für Menschenrechte stattsindende Erstanstührung«an Alfred Wollenstem? Drama .Die Rackl vor dem Verl" in der Inszenierung von Traugott Müller im Theater am Rollendorsplah ist al? Nachtvorstellung auf den 6. April abend; 11'/, Uhr festgesetzt. Die Mitglieder der proletarischen Orgamlatianen und der Volksbühne sind Karten zum Einheitspreise von 1,70 M.(Verlosung?- Plätze) Im Vorverkauf im Thealer am Nollendorfplatz erhältlich. Die Zullu» Harl-Feier der Schrislsteller. Verbände findet am S. April. 20 Uhr.>m Kaiiersaal wi Zoo statt. I u l i u? Sab hält die Festrede. Gertrud E h I o l d, Irene T r i e s ch und Friedrich Kahtzler lomie der Singer Jlo G allanb von der StaarSoper tragen Werk, von Juliu» Hart vor Minister Severing, Oberbürgermeister Söst und ein Vertreter de» Preustiichen Kultusminister? werden den Jubilar be- grüsten. Interessenten wollen sich an Qan? Ostwaid, Beelln-Zehienbori. siarlftr. 28, wenden.— Am Abend vorher slndet im Meistersaal ein Vor- trag?abeiid statt, jedoch obne anschliestende Feier, wie i rrt tt m I i ch gemeidel wurde. Oer Münzenberg. Hinter den Kulissen eines kommunistischen Geschästemachers! Zn der Jnflation-prriodc ist von der Konniumistischcn Inter- iiotionale und von der„roten Gcivertschoitsinternotionale" die Internationale Zlrbeiterhilfc lAAH.) gegründet worden. Diese Organisation sollte das diplomatische Instrument sein, um unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit Acld hcrbsizuschossen und der kommunistischen Bewegung außerhalb ihrer politische» Organisationen Zympathien zu werben. Aon vornherein wurde bestimmt, daß die IAH. den Direktiven der Kommunistischen Internationale untersteht. In oielsachcr Weise sollten Geschäft und Politik mit- einander verquickt werden, alles zu den» einen Zweck, in die alten Organisationen der westeuropäischen Arbeiter einzudringen und vor allem die Amsterdamer Gewcrkschaftsinternationalc für die Kommu- nisten zu erobern. Bei wirtschaftliche» Känipsen wollte die Kam- munistische Internationale aus dem Wege über die IAH. die Leitung an sich reißen. Bei dieser Gründung wurde das Leninsche Rezept in großzügigster Weise angewandt, wonach List, Schlauheit und Per- schweigen der Wahrheit im Kampfe für den Kommunismus erlaubt seien. Generalsekretär wurde der Reichstagsabgcordncte Willi Münzender g. Es ist zuzugeben, daß die Moskauer Diktatoren eine gute Wohl getroffen hatten. Münzcnbcrg. verschaffte sich durch Gründung der„Gesellschaft der Freunde des neuen Rußlands" die Adressen von Leuten, die in de» verschiedenen Ländern für die Bestrebungen der IAH. nutzbar gemacht werden konnten. Die erfolgreichste Tätigkeit entfaltete er aber auf dem Gebiete des Handels, wobei er alle Methoden des kapitalistischen Systems in seinen Dienst zu stellen verstand.?m Lause der Jahre hat sich unter seiner Leitung ein so vielfach verzweigte?, konzernartigcs Unternehmen herausgebildet, daß es schwer ist, einen vollständigen Ueberblick über alle die Betriebe zu gewinnen, die sür die IAH. die Ausgangs- und Dack)gesellschrtst darstellt. woher kommt, wohin fließt das Geld? In Rußland wurden eine Anzahl i n d u st r i e l l« r und landwirtschaftlicher Unternehmungen übernommen. So unterhält die IAH. eine Schuhfabrik in Moskau, eine Trinkbecherfabrik, ei» R e st a u r a n t in Moskau, drei Güter in Kasan, einen Fischereibctrieb in Astrachan i außerdem mar sie beteiligt an der Ural-A.-G. Für die außerrussischen Beziehungen dieser Unternehmungen wurde die I n d u st r> c- und Handels- A.- G. in Berlin bestimmt. Wie sie sich entwickelt habe», ist schwer festzustellen. Selbst Münzenberg hat einmal erklärt, daß er mit dem Reoolver bedroht worden sei, als er in die Buchführung der IAH. r.'i«d ihrer Betriebe in Rußland Einsicht nehmen wallte, j Man darf bezweifeln, ob aus diesen russischen Betrieben überhaupt etwqs an die IAH. geflossen- ist. Man kann oielmehr annehme», daß un> gekehrt aus de» Geldern der IAH. erhebliche B c i h i l s c ii an die russischen Geschäfte geleistet wurden. Woher nimmt aber die IAH. das Geld für ihre Transaktionen? Sie stammen zu einem erheblichen Teil aus Sammlungen in der Arbeiterschaft. Man verschmäht es aber auch nicht, bei bürgerlichen Geschäftsleuten den Bettclsack zu schwingen. Die finan- ziellen Trausaktioncii der IAH. und ihrer Betriebe wurden immer verwickelter, so daß Münzenberg sich veranlaßt sah. eine besondere Bank zu gründen. Das mar die Garantie- und Kreditbank für den Osten, die in Berlins teuerster Straße, Unter den Linden, ein oorncynics Gebäude besitzt. Gulaschkanonen und Speck. Je umsangreichcr die Geschähe Münzenbergs wurden, um so geringer« Beachtung fand die IA5?. bei der arbeitenden Bevölkerung. Es wurden zwar bei größeren Wirtschastskämpsen Gulasch- k a n o n« n aufgestellt, es wurde Brot und Speck verteilt, um bei streikenden und ausgesperrten Arbeiiern die Meinung auskommen zu lassen, als ob sie von den Gewerkschaften im Stiche gelassen seien. Aber auch das half nicht viel. Deshalb wurden eine Reihe van Rebenorganisationen gegründet. Zuerst die„R o t« Hilfe", die den polilischen Gefangenen und ihren Angehörigen helfen will. Sie arbeitet in ähnlicher Weise wie die IAH. und hat eine umfangreiche Organisation mit Bureaus, Sekretären und Presse. Später tarnen einige andere Organisationen dazu, wie der„Bund proletarischrcoo- lutionärcr Schriftsteller" und die„Assoziation revolutionärer bilden- der Künstler Deutschlands". Handel mil geistiger Ware. Diese Bereinigungen leiten zu einem umfangreichen Handel mit geistiger Ware über. Es wurde d«r„R c u e deutsche Verlag" gegründet mit der„Arbeiter-Illustrierten" und dem„Universum", einer Buchgemeinschast. Die„Welt am Abend" wurde von Münzen- berg um ein Butterbrot erworben und einem neuen„K o s in o s- Verlag" unterstellt. Die vorläufig letzte Gründung aus diesem Gebiete ist der„W i l h e l m st a d t- B c r l o g" in Berlin mit einem kommunistischen Konkurrenzblait gegcn die„Rote Fahne". Für das Anzeigcngcschäft wurde die I n s e r a t c n e x p c d i t i o n sür Arbeiterzeitungen geschaffen. Selbstverständlich besieht die engste Verbindung mit kommunistischen Parteigeschäften, wie der„Peuvag", der..Zentral« für Zciinngsvcrlage" und dem „Internationale» Arbeiterverlag". Eine besonders große Betriebsamkeit cntsältet Miinzenberg aus dem Gebiete des Films. Es wurde die„P r o m e t h e u s- F i l in- Gesellschaft" gegründet, die zusammen mit dem Pro- m e t h e u s- F i l m- V e r l e i h die russischen Erzeugnisse nach Deutschland bringt und auch eigen« Filme dreht. Da hierbei bänsig init Vertust gearbeitet worden ist, wurde zur Unterstützung de- Filmgcschäfts der B o l k s f i l ni v e r b a n d gegründet. Dieser Zweig des Münzenbergschen Konzerns besitzt oder kontrolliert auch einige Kinotheatcr. Die..Songresse'. Den ideologischen BUnob bilden die vielen Kongresse, die von Münzenberg und seinen Gehilfen veranstaltet werden. Da ist zunächst der Kongreß der IAH., auf dem zwar keine Aufklärung über die inneren Verhältnisse dieser Organisation gegeben, um so mehr aber gegen die Sozialdemokratie geredet wird. Vor einigen Jahren wurde ein Kongreß der Werktätigen ver- cinstoltct. über dessen Auswirkungen man aber seil-dem nichts mehr gehört hat. Dann gab. es einen Kongreß stir die Kolaniolvölker, auf dem nion zu Rcklaniczwcckeu auch die Angehörigen anderer farbiger Völkerschaften ausmarschiercli ließ. Ferner ist der Kon- greß der sozialen Organisationen zu erwähnen, ans dem sich die„Arso" entwickelt hat. Mit den Rußländdele- gntionen und mit der„E i n h e i t s" b e w e g u n g wurde einige Zeit Lärm gemacht, dos letzte Erzeugnis war der A 11 t i- fafchistenkongreß in Berlin. 5)ugenb«rg als Vorbild. Miuizcnbcrg lpit offenbar den Ehrgeiz, mit dem toten S t i ii n c s und de ni tebcirden H n g c n b e r g auf die gleiche Stiiso gestellt zu werden. Er niacht alles, er hat keine Bedenken, er scheint » i c ni o n d c m verantwortlich zu sein. Er war der Freund von Brandler, Trätzki, Klara Zetkin, Ruth Fischer, Maslvw, Thal- heimer: er i st der Freund Thälmanns und Stalins. Alle gehen II n d r am nie n, aber Münzen be r g bleibt, an ihn wagt sich niemand heran. Er stellt Parleiiose in seinen Dienst, er läßt einen Ullstein-Direktor auf dem„Antifaschistenkongreß" reden, er ver- bändet sich mit den offenen Gegnern der Revolution und der Ar- beileibewegung, wenn es sein Geschäft erfordert. Was die Oefsentlichkeit aber vor allem interessiert, ist die Tat, fach«, daß es für den wünzenberg-Kanzern keinertn Kontrolle gibt. Wie groß sind die Mittel, die durch die Sammlungen bei den Arbeitern ausgebracht werden? Wohin fließen sie? Wie wcrdeil sie verwendet? Wie groß ist der Ertrag oder der Verlust der ein- ze.nen Unternehmungen Münzenbergs? Es gibt keine Organisation, es gibt keine Instanz, die hinter das Dunkel dieses Konzerns dringen könnte. Wem Mllnzenberg eigentlich verantwortlich ist, wieviel er für die van ihm angegebenen Zweck", wieviel er für sich selbst ver- wendet, das weiß kein Mensch in Deutschland, das weiß vielleicht noch nicht einmal Stalin in Moskau. Für den Münzsnbergicheil Konzern existieren weder die Vorschriften des bürgerlichen Rechts, noch gibt es für ihn irgendeine Art proletarischer Kontrolle Pvizen Pregcr. Theaier der Woche. Vom 31. Marz bis 8. April. Volksbühne. Tbeoter am Pülswplctz: Bis 4. 3. Tas Mad?l aus bcfi Berstadt Ab 6, Trolaner. Thcater am Schifsbauerdamm: Pioniere in Ingolstadt. Thalio'TH«rtcr: Oelrausck). Sloatstheatcr. Staatsoper Unter den Linden: St.?Iosenkavalier. 1. April. Mad't des Schicksals� 2. Boris stodunow. 3. V armen. 4 iosra..3. Fidel o. 6.(laiwücrla, 7, Mo.ln Lisa. 8. Tn Aarbier von Sevilla. Staatsoper am Platz der Republik: 31. Carmen. 1. und 8. April.?cr Frei- schütz.?. Hoffmanns Cr�ciblunacn. 3. Fidelio. 4. Con Giovanni..3. Iphigenie auf Touris. t». Salome. 7. Carmen. Städtische Oper, Charlottenbvra: 31. Parsiial. 4. April. Die Entführung aus dem Serail. 2. Die Meistersinger. 3. Turaivdot. 4. Boheme, j. Tannhäuj�r. G. Die Zauberflöte. 7. La Cerva patrona. 8. Der Wildsckiltz. Sktanspielhaus am Gendormenwartt: 31.. 1. April. 3.. 6., 7. itnb 8. Karl und Anna. 2.. 4. Ein besserer Herr. 3. Minna von Barnhclm. Schiller Theater: 31.. 3. Ap.'is. 4. und 8. Pietro Arclino. 1., 3, und 7. Kalkutta 4. Mai. 2. Eos. 6. örbipuc. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Die lustigen Weilar von Windfor.— Kammerspiele: Die Ursache.- Die Somedic: Wann kommst du wieder?— Theater am Rollen» dorsplatz: Revpkte im ErZrehungshous.- Theater i» der Königgrätzcr Strafe: Rivaleir.— Aomödicvhaus: Die Dreigroschenoper.— Grotzcs Schauspielhaus: Der liebe Augustin.— Metrapol Theater: Die lustige Witwe.— Thtater de« Weste»»: Friederike.— Deutsches Slünstlerthcatcr: Pottasch und PcrlmuN'v als Detektive.— Lustspiclhaus: Weekend im Paradies.— Lessiny-Theatc-: 3 mal Hochzeit.— Teianan-Theater: Der Herzog und die Sünderin.— Rest- Venz Theater: Die Farsterchristel.— Theater ,n der Stadt. Aommavdautcn« strahe: 31. bis 2. East''p'iel. Die Cechseroperette. Ab 3. Die Schwärmer. Die Tribüne: Bis 4. Herr und Frau Conund'o. Ab 5. Duell der Liebe.— B ales Barmet/.— Rejchsballen. Tbeater: C�ett'N.er Sänger.— Theater a n Kottbuffer Tor: Elite-Cnnger. Komische Over: 30. Premiere: 8 Uhr...Bon Betlche u zu Bettche«". Ab. 31. täglich. 31. und 1. April, nachm.«Bon Vettär>r zu Bettckien".— Zentral�Theoter: Wenn der meiste Flieder wieder blüht. 31. und 1. April nachm. Wenn der weiße Flieder wieder blüht. Zkachmiltalisvorslellungcn. Bolksbühue. Theater am Bulowplatz: 7. Dos Möbel aus der Vorstadt. Tbeater am Schifsbauerdamm: 7. Helden.- Thalia-Theatcr: 7. Oelrausch.-4 Theater in der Aönigqrätzer Straße: 31.. 1.. 7 Revolte im Erziehungsl>aus.-�> Komedienhaus: 31.. l.. 7. Die Dreigroschenoper.— Trohes Gchaulpielhansz 31.. 1.. 7. Der liebe Augustin.— Theater des Westens: 31.. 1.. 7. Friedenk.'. — Deutsche« Künstlerthemt??: 31.. l. Der Herer.— Resideuz-Theatcr: 8.. 7. Schnirvs und Knirvs.— Theater iu der Stadt: 31.. 1. Die Sechseroperette.— Rose Theater: 7. 1 4'. l'hr. Hansel und Gretes. 17' i. Drei alte Schachteln. � Schloßpark Theater Stepl'b: 31. Paganini. 1. Der Iuxbaron.— Plaza: Inler« i:at'onales Bar-ct�.— Wimtergarten und Skala: 31.. 1.. ti.. 7. Internationa; c« Variete.— Refch-hasieN'Theater: 31.. 1., 7. Stcttincr Sänger.— Theater anh Aottbusser Tor: 31.. 1., 7. Elite.Sänger. Erstaufführungen der Woche. Sonntag. Neues Theater am Foo: Drei wetten um Eva.— Mi.U wsch. Theater iu der Stadt: Die Schwärmer." Schloßpark« t h e a t e r Steglitz: Frühlings'uädel.— Freitag. Die T r i b ii n e z Duell der Liebe.— Sonnabend. Theater am B ü I o w p I a tz: Trojaner� Verantwortlich für die Redaktion: Franz Klühs. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch« druckerei irnö Berlageanstalt Paul Singer ü: Co.. Berlin SW 68. Lindrnstraßc Z. Hierzu l Beilage. Verkäufe > l üeil!e'ltuny55tuehp. VkAscste usw | Thea! TUealec, Lidilspitle usw. > Theater, tts Westens Tägl.,sow an beid. Zetert. 3'.su,8'/«U. Der größte Erfolg Berlins j Friederike Mufll von Cefeoc Erika v. Thellmann Karl Ziegler, Stqvlsoper Wien «mlieot, llmbnrs, Sora. ilWUr. 9wnnaR.i, Her, Sage ununterhr. ®tetnei.93i u.Tiso Ttieat ram SiUilbaaerdamm. Norden IUI u. AI. Heute 5 tu Er»J«aitöhrnna Pioniere in Ingolstadt (Soldaten u Dienstmädchen) v.MarieluiFeFteiBcr Regie: Jakob Geis. Uühnenhilder: Kaspar Vehel. Bamowsky-BDhnen Thcvttr in dar KBniggrätier Straße Tattiich S'U Uhr Rival en Komödtenhaus Täglich H Uhr Die Brei-Hrnsdien- Oper Winter * uarten* 8 Uhr• Zenir. 2818» Rnudten erleehl Letzt« Tage Otto Reutter und die März-Attraktionen O ster m o i> t a g: PREMIERE Z Vorstcllangcn. 3.30 and ft Uhr mit DODGE TWINS den bcrülimten Revue- Zw, Hingen BeroanlDJidi Mmilti Tanz-Sensationen jap.Opern-Diva und weitere Internationale Variete-Beröhratheiten Vorverkauf überall i heater am Nollendorfplat; Täclich BVi h Revolte im ErziehunQshaus Planelarinm cm Zoo 'v.,«1. ItieianMl« in», Noll. 1578 ISi'-UhrSternlilmmel das FrOtiJahr» 18'«Uhr Sternbilder und Waltbsu 20'« Uhr Wunder dbs «Qdiichfln Himmels Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 iMk.. Kinder 50 Pf. Mlitw.: Erwachsene 50 PI, Kinder 25 Pf- Reichshallcn-Theatcr Abt. 21 n. 8. 8«M. Feiertagen kadiai. 21 Sieiflner Sünder mit dem wendervollca Otter- Programm I Nachm. halbe Preise. Dönhoff. Brettl; DasgroBe Festprogr. Kaann/ Tau. Beriinei T'oeatsr Direkl.HeinsHerald Cbarlottcnstraae 9C A. 7. Dönhoff 170 Täglich I Uhi Helden von Bernard Shaw Otscit. KOnstler-Th, 8- 4 Uh Pottasch und Perlmuttor alsDeteMtiu Paul Grit*, Kerl EttUngrr. R ose-Theatei jr.Fmkfiriv S.1S< 8- i Uhr BfiiilleSdudittli Thalla-Tlieater Jresdener ur. 72-i 8 Uhr „Oelraasch* Lastspielhaas S''. Uhr WiaderaanrafM Guido Thielselier WeekeDd im Paradies Inserate tm A Vorwärts sichern Erfolgt 5c»»-» 8 r'Iit* Bs Barbarossa 9256 | Nur noch bis morgen T] Eop-Bip», das iuicndl. loH-|aa«ltar- Wander. und die übrigen»tirikUntn 1 1 Ah 2 Osterfeier ag:[ CROCK ond dt droit April•Pregremei Heule und au beiden Feiertagen: |e 2 Vorslcllonden z« und i Uhr— J" ermäBigte Pr. lASlNO-THEATER» u-. Lothrtng:cr Strafte 37. Heute geschlossen! Morgen und an allen Feiertagen; Der neue Schlager! .Eine ungeiieftte Frau" und ein erstklassiger bunter Teil. Volks muine rimtir»llintfih ( Uhr Kreuzabnahme 7 analer am SAHIbaaeraann (8 Uhr Pioniere in Ingolstadt Thalia-Theater 8 Uhr Oelraosch StaatLSdiillar-Tli. 8 Uhr Pietro AreöDO StMisopsran Hau der RayabKk 8 Uhi Iphigenie auf Tauris Klein« laeaiei Täglich 8' 4 Uh- CurtGoetz, Valerfo ▼. Mortem FevcL ▼. Alten in „Trio" Lustsp v. Leo Lenz. Regie: Friedman«' Frcderlcfc. Lessing-Theater Täglich 8 Uhr s x Hochzeit. Renaissance- Theater ■Hardenderj.lr. S Tel.: Steinpl. 901 o. 75S3 84 »'«Uhr. Tsglidi»'«Uhr Max Pallonberg „Das große ABC" von Marcel Pagnol Reg: 8»si.a«rtBnB. I« PramlertnaasiiB- Theater a.KottbusserTor Kottbusser Str. 6. Tal. Mpl. 16077* TXglich 8 Uhr, aueb Sonntag nachm. 3 Uhr(ermSBigte Preise) >Elltc-saa»ger u. a..Die Sehönheilskönigin" verbunden mit Modenschau. Allgem. Preisherabsetzung auf allen Pützen l Gr. Schauspielhaus 8 1 Metropoltbealer 8 Unnsflerlsrho Jdeltnnpr: ERIK CHARELL 2)ec£le6e Augustin £usügc UMtme von Bernaoer n. Wellsch Alfred Braun Mady Christians Tzrnd« Llonke 99te|Cfr. Arno Pool Morpran Paul Westannalrr <>astaT Sfafsner An beiden«ater- feierfaipöii narbmitt. 3 Uhr nngpkflTEte Vorstellnng Kleine Preise Fritzi Massary Max Ilaneon Unehl Klloot W. Jankuhn H. Junhermann ftohaolforff Marqulta Sinton» Frisoo Beaaty fllrls| Cowedlswbc,« Agpptattunsren: Prof. Ernst Stern. Mosik.. Leitung: Ernet Hanke Rudolf Perak. Reederei Bauer Telephon: h'riedricbshageii 132 AhSchillingsbrucke(Schles.Rhf.) 2 Uhr nachm. An allen 3 Ost«»r- feiertagen und Sonntags mildem geschlossenen Saloadampfcr „Berollna"' nach dem Milsgeisee- Müggeibergen FahrprrU; Hin- and RSckf«hrt MV. 1.50, Kinder die HSIfte Mnitk/ Parkeil.nz dl ele Vereinen, Schulen und Gesellschaften stehen Da ni pf er und M o lo rboo l c jeder Größe zu Ausflügen lür die kommende Saison zu kulanten Bedingungen zur Veifügung Sonntag, den 31. marz 1929 (1. Ostertclertag) nadim. 2 1« Uhr Theater D. f. Norden 12310 8 U. Ende nach 10' i | Reo aal Elektro Inj Weiber von Wlodsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Die Komödie Jl Bismck. 2114/7515 8'« U.. Ende geg. 10 wann Kommst Du wieder? Komödie von S Maugham. Regie Gustaf Gröndgens frianon-Th. Täglich 8'« Uhr Dsr Herzog und die Sündenn Eriks Giassssr Kanin Kenner t. Moellendorif Ah hsldsD Feispfagco nachm. 4 Uhr 0.terb»»Ieln. Z.abertdepe Xaonnerspiele 0. 1. Norden 12 310 8';U., Ende geg. 10 Die Ursache Schausoiel v Leonhard Frank Regit; HansDeppc, L-)uergens Alexanderplatz Neue Königslr. Scighou« Spiegel. Choiiffceffrnst 7, vertäust spottbillig SUtoalicrgütbcvobc, wenig getragene sowie selbst hergestellte ersMassigo neue Ulster. Zacket tanzüge. (Sesellschaftsanzüge. Pelzwaren. Gr ätzten, teils auf meinen Auktionen erstcigcrie Waren.* Wäsche, Bett'. Tisch-. Leib» und Haus« wasche, auch ohne Anzahlung, liefert so, fort WSschehaus Südost, Neue Iakod« ftraße 5.« »gödel �.frntmofzaärn..Priuiifümg". Mrlall- bkllen. Äu'frgrmotretzru, eiidisclonglil-.. Wailkc. �fpraordcrsfraftr achtzeh». Rrin Ladrn___• äüiiclläufrz mttlt Stzcbit nnb bat Röbklba,ez. großc Au.wadl, tl«»ie Pzzif«! Brüpirl«; «cchlafjimmkr 115. Speifeziinmrr ZfZ, Ofcrcu.iimmtr 200. epifgrlfdiräiife US, üntiditrtiidicn 75.«Iribctfdiränte 48, SoljbcttftcDfn 48. ffbaifclongurs 28, äKctoUbctlflrüfii 16. Oliifltgcmatrabi'n 13. sonst gz Model cutiptcdjcubt Preise. TeiUadlung oujfdilogfrei, Wochenraten, Monatsraten. Älciue Sfniofilunqrn. 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März 1729 starb In Vcncdio ein Mann, ein armer, ge� hetzter Mann, verlassen von alle» Freunde», bespien und gehaßt von einer ganzen Nation, die ihn zehn Jahre vorher unter jubelndem Trinmphgeschrei durch die Straßen von Pario gciragen hatte; am 29. März 1729 starb John Law o f L a u r i st o n, ehemaliger Obcrintendont der französische» Finanzen. Schreibt mau eine Geschichte großer Abenteurer, Betrüger, Spieler, man wird Law? Namen nicht vergesse». John Law war ein Betrüger, gewiß. SUytr er betrog nicht aus, g e n n u Iz, er betrog eine ganze Ztation, weil er bei der Einführung seines Systems von falschen B o r a u s s e tz u n g« n ausging, weil er nicht den Mut hatte, zum Rückzug zu blasen, als er sah, daß das Spiel verloren ging. John Law war aber nicht nur ein Baute- roltcur, er war auch der Schöpfer vieler Ideen, die heute unser soziales Leben beherrschen. Gin genialer Kopi, Fanatiker seiner Idee, aber zu schwach, um Widerstände zu überwinden. Er starb nackt. Ein Spieler, der bis zum legten Augenblick an die Wirksam- kcit seines Systems glaubte., Wie sah es in Frankreich aus, als der Schotte John Law den Loden Calais' betrat? Trostlos sah es aus. Die Finanzen des Staates waren völlig zer- rüttct. Der Sonnenkönig hatte seinem Nachfolger nichts weiter als Schulden hinterlassen. Zwei Milliarden Livrcs, deren Jahreszinsen 89 Millionen betrugen. Das Volk wurde ausgeplündert bis auf den leg'cn Sous. Die Soldaten drohten mit Rebellion, ebenso die Bauern: Hunderttausende von Menschen sielen dem Hungertode zum Opfer. Alle Maßnahmen, die der für den sünsjährigen Ludwig XV. eingescgtc Regent, Herzog Philipp von Orleans, traf, um den Finanzklndderadatsch zu vci hindern,»erwiesen sich als völlig ungenügend. Da trat John Law aus den Plan. Er mar ein schöner Mann. Er hatte Geld. Abenteuerliche Geschichten waren über ihn in Umlauf. Wcibcrgeschichtcn, Duell- und Spielergcschichlen. Er verfügte über �Lerbindmigei:. Er kannte das Fiiwnzweseii. Fast bei jeder europäischen Regierung lag irgendeine Denkschrift von ihm. Dris schottische Parlament verwarf seine Finanzreformvorschläge. In Italien winkte man ab. In D e u t s ch l a n d Der.französische Regent aber, dem das Wasser bis zum Hals stand, lieh John Law, der mit lockenden Ber- sprechungcn nicht geizte, ein williges Ohr. Der fraiizösischc Finanz- rat hatte Bedenken, denn Laws Projekt, eine Bank zu errichte», die Papiergeld an Stelle des Metalls ausgeben inid dadurch den Kredit heben wollte, erschien ihm nicht ungefährlich. Der Herzog von Orleans aber setzte sich über die Beschlüsse seiner Ratgeber hinweg, die Bank wurde mit einem Kapital von 6 Millionen Livres gegründet und unter dein Titel„IZaUguc Eenersle cke l'rancc" eingetragen. Das Papiergeld erhielt Zwangskurs, flatterte umher, wurde«rst mißtrauisch betrachtet, erfreute sich aber bald allgemeiner Beliebtheit. Nach zwei Jahren, 1718, übernahm die Bank die gc- samte Kassenoerwaltung des Staates; sie wurde„könig- lich", der König wurde Bankier. Uebcrall schössen Filialen der „Uangue royale" aus der Erde. Die Geschäfte kamen in Schwung. Und im Jahre 1719 holte John Law zum großen Schlag aus, wollte er seine Lcrsprrchungen einlösen. Frankreich zum mächtigsten Land unter der Sonne zu machen. John Law hatte im Jahre 1717 in den französischen Kolonien Louisiana und 5>.onada die„Lcnnpagnie ck'Oeciäenr" gegründet, und zwar mit einem Kapital von 190 Millionen Papiergeld. Er schckite Kolonisatoren über das Meer, unter anderem lauste er dem Beherrscher der Pfalz 19 000 Landcskindcr ab, er ließ Schisse bauen, große Niederlassungen errichte». Die„Oi>m- paxmia d'Occident" arbeitete mit riesigen Gewinnen, wurde zwei Jahre später vergrößert und in di�„Compagiiie des Indes" um-» gewandelt. Nun erklärte siäi Law bereit, die gesamte» Staatsschulden zu tilgen. Die Gläubiger des Staates sollte» 2lktien der„Compagiiie des Indes" erlzalten, also Teilnehmer an den Handelsgeschäften der französiische» Nation werden. Als Sicherheit übergab der Staat der Eompagnic das'Münzrecht und verpachtete ihr die Steuern. Die neu ausgegebenen 300 990 Stück S00-Livres-Aktien waren bald auf das Zehnfache ihres Nenn- wertes hinaufgetrieben worden. Ganz Frankreich wurde vom Spekulationssieber ergrijsen. Es gab nur noch ein Gespräckisthema, es gab nur nod? eine Sehnsucht— Aktien! Man verkaufte Juwelen, Grun-dstücke, Möbel, nur um in den Besitz von Aktien zu kommen, die von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde stiegen. Z e h n t a u s e n d e von F r e m- den eilten nach Paris, um zu spekulieren. In der Rue Quincanipoix, einer engen, dreckigen Straße, der man den Namen Mississippi gab, etablierte sich die Papierbörse. Die wüstesten Szenen spielten sich hier ab.. Man lieferte sich Schlackiten, um in den Besitz von Zlktion.zu kommen. Der neue Reichtum mochte sich breit. Fabelhafter Lurus wurde getrieben. Die Aktien st i e- gen und stiegen, mit der Zeit stiegen aber auch die Lebensmittelpreise, die Löhne, es stieg das Elend der breiten Volksmassen, die nicht im Besitze von Aktien waren. Gegen End« des Jahres 1719 wurden 19 Proz. Dividende ausgeschüttet. Law stand auf dem Gipfelpunkt seines Ruhms. Seine Widersacher krochen um ihn herum; wer Bedenken äußerte, wurde bestochen. Law war überall. Durck) die Straßen zogen die Werber.„Land am Mississippi! Schätze am Mississippi! Leute, hinaus in die Welt hinaus in die Kolonien!" Man dankte. Als alle Versprechungen nichts fruchte- ten, wurden die Menschen eingcfangen, wie man herrenlos« Hunde einfängt. Man schlug die Werber tat. PlödS-ch kmukl« es im Gebälk Die Besinnung kehrte.zurück. Man hatte Papier, Bollen von Papier, man rechnete nach und kam zu der Erkenntnis, daß die Eompagnic niemals Deckung für die phantastischen Summen schaffen könnte. Laws Feinde, vor allen Dingen die in ihrer Machtstellung bedrohten Engländer, begannen wieder zu wühlen. Laws„Freunde" stießen ihre Aktienpakete ab, setzten sich wieder, in den Besitz von Sachwerten. Und mit einem Male brach die j Panik aus. Alle Versuche Laws, die Baisse aufzuhalten, blieben erfolglos. Er verschmolz die Bank mit der Compagiiie, er nahm dem Gold und dem Silber den Kurs. Nichts, nichts half. Die Lawine mar im Rollen. Die königlichen Dekrete wurden zerfetzt und bespien, Berge von Aktien wurden verbrannt. „Nieder mit Law! hängt ihn aus!" Pistotenschüsse krachten in den Straßen von Poris, Scheiben zer- splitterten. Die Hungernden, die Millionäre von vorgestern, erhoben drohend die Fäuste. Bon den Schreckensszenen, die sich in Paris abspielten, gibt Jules Michel et folgende Schilderung:„Der Juli war ein Monat des Grauens. Buvat sah als Beamter der königlichen Bibliothek die Vorkommnisse aus nächster Nähe, da er tagtäglicki durch diese schrecklickie Tür eintrat. Der Garten führte zur Bibliothek und zur niedrigen Galerie, wo sick, die Bureaus und die Kasse der Bank befanden. Die kräftigen Arbeiter stellten sich, um bessere Plätze zu erlangen, auf das Gnrtcngitter und sprangen von da aus blindlings auf die Schultern der Menge; die Schwachen stürzten, kamen unter die Füße, wurden e rd r ü ck t, z e r q» e t seh t. I» der Nacht vom 10. zum 17. Juli waren hier löOOO Perjonen oersannnelt. Man wurde gedrängt, man drängte. Ani Tage sah mä» schaudernd, daß nian Tote drängte. Man holte zwölf bis fünfzehn heraus, man rückte mit ihnen vor Laws Hotel, deg. Scheiben eingeworfen wurden. Man brachte einen weiblichen Leichnam n a dz dem L o u v r e, zum kleinen Louis XV. BiUeroii, der Angst bekam, ging hinunter, bezahlte die Beerdigungz- kosten. Mit drei Leichen wanderte man nach dem Palais Royal.— Seit dem 21. Juli war keine Zahlung mehr erfolgt, und es entwickelte sich daraus ein unerträglicher Notstand. Da selbst die kleinen Scheine von zehn Franken nicht mehr ausbezahlt und nicht gewechselt wurden, so st a r b man Hungers. Daher die Wutausbrüche, die Todcsdrohungen gegen Law und den Regenten." Und Law? Law flüchtete wie jeder Bankerotteur. An der Grenze hielt man ihn an, man nahm ihm weg, was er aus dem Zusammenbruch retten wollte, das Juwelenkästchen seiner Frau. Neun Jahre später starb er in Venedig. Es wäre falsch, in Law nur einen Schwindler zu sehen. Laws Projekt zerplatzte, weil cr die Gefahren des Aktienwefens nicht er- konnte, weil er eine falsche Auffassung vom Kredit hatte, sein Pro- jekt, die Banknoten durch die Gesamtprodukte Frankreichs und nidit durch dos Metallgeld zu decken, zerplatzte, weil die Verwirklichung dieser Idee ganz andere politische und wirtschaftlickze Zustände vor- aussetzt als die, in denen Law lebte. Hardy Vorm. Der Zahlenteufel geht um! Spielereien für große und kleine Kinder Maihematische Anekdoten gibt es ungeheuer viel. Man hat sie seit undenklichen Zeiten in die Welt gesetzt, seitdem sich überhaupt Menschen für komplizierte Rechnungsarten und vor allem jür Gleickiungen zu interessieren begannen. Das Testament des Arabers Eine alle arabische Aufgabe lautet: Ein reicher Araber hinterläßt seinen drei Söhnen eine Kamelherde. Da er aber deren Zahl nicht genau kannte, bestimmte er testamentarisch, daß der Aeltcstc die.Halste, der. Mittlere deiz�Z. �eAund der Jüngste den 9. Teil erhalten sollte. Nach dem Tode Wo, Arabers zeigte sich, daß die Kamelherde 17 Stück zählte. Wie sollte man Nur 17 in zwei, drei und neun Teile teilen? In ihrer Sorge begaben sich die Sahne zu einem klugen Kadi. Dieser riet ihnen, sich iioch ein Kamel zu leihen und dann die Täuschung vorzunehmen. Die Brüder verfuhren nach diesem Rat. Nun fielen dem Aeltesten 9, dem Mittleren 0 und dem Jüngsten 2 Kamele zu. Nachdem sie alle Kamele gezählt hatten, zeigte sich, daß sie 17 besaßen, also gab man das geliehene Kamel wieder zurück. Dieses Resultat ist nur scheinbar paradox. Aus der Summe dieser Teile aber, in die der Bater den Söhnen die ganze Schar zu teilen befahl(14+',ä+'/»— können wir uns überzeugen, daß. wenn die Teilung genau nach dem Wortlaut des Testaments erfolgt wäre,'/>, des Erbes von dieser Teilung nicht ersaßt worden wäre. In Wirklichkeil erhielt also jeder weniger, als der Bater bestimmte, der eine 14, der andere!» und der dritte'/» eines Kamels weniger. Bettler und Teufel Eine neuere Aufgabe. Ein B c t t l e r ging seines Weges dahin und klagte:„Wir schwer ist mein Schicksal, andere sind glücklicher, bei anderen macht Geld wieder Geld, aber auf mich füllt diefes Glück nicht herab! Ich will gar nicht so hoch hinaus und würde mich gar nicht ärgern, wenn sich diese Pfennige, die ich'in der Tasche habe, plötzlich verdoppeln würden und wenn sich diese Sunnne wiederum verdoppeln würde usw. Ha, dann könnte man sicki Helsen und sich sogar zum Fürsten emporschwingen.'Aber einem Bettler will selbst der Teufel nicht Helsen!" Auf diese Worte erschien der Teufel plötzlich neben Hein Bettler und sprach: „Sprich keinen Unsiiin, Alter, der Teufel weiß stets Hilfe. Schau her, siehst du jene kleine Brücke, die über den Fluh führt?" „Ich sehe," stotterte der erschrockene Bettler. „Du brauchst nur über jene Brücke zu gehen und deine Psennige werden sich verdoppeln, kehrst du über sie zurück, wirst du wiederum zweimal mehr als vorher haben; nur mußt du mir dafür, daß>.d> dich zum Millionär mache, ein Lösegeld zahlen. Für jeden Gang über die Brücke zahlst du mir 24 Pfennige." „Das ist kein großer Verlust, was sckzaden mir schon 21 Pfennige für jeden Gang!" Der Bettler ging über die Brücke. Und, o'Wunder, das Geld verdoppelte sich wirklich. Er warf dem Teufel 21 Psennige hin und lies ein zweitesmal über die Brücke. Das Geld verdoppelte sid? und er gab dem Teufel wieder 21 Pfennige. Er ging zum drittenmal über die Brücke. Da sah er, daß er zwar wieder die doppelte Summe besaß, aber daß cs im Gänzen nur 21 Pfennige waren. Wieviel hatte er im Ansang gehabt? Diese Aufgabe niuß man vom Ende aus lösen. Noch dem letzten Gang über die Brücke besaß tz.er Bettler 21 Psennige, also muß er vorher 12 Psennige gehabt hoben, die noch der Abgabe an den Teufel übrig geblieben waren: mithin besotz cr nach dem zweiten Gang 30 Psennige. Daraus solgt, daß cr den zweiten Gang mit 18 Pfenigen begonnen hatte. Diese 18 Pfennige blieben ihm nach dem ersten Gange und der Abgabe von 24 Pfennigen an den Teufel, also daß cr nach dem ersten Gang über die Brücke im ganzen 1K-s- 21— 42 Pfennige besaß, msty-in im Ansang 21 Pfennige, di? der„Teufel geholt hotte"....! Der Knabe Karl... Der berühmte Mathematiker Karl G a u ß erhielt, als er sieben Jahre alt war zugleich mit anderen Sdilllern folgende Ausgabe: Die Sunnne aller Zahlen von l— 19 zu finden. Der Lehrer ivar sicher, daß er auf diese Weise Beschäftigung für eine Stunde! gesunden hatte. Aber ez verflossen nur einige Minuten, als sich eine frohe Stimme meldete: „Ich bin fertig, Herr Psessor!" Und vor der Nase des Lehrers fand sich ein Heft mit der Aus- schrist Karl G a u ß ein. „Wart', du Lausbub', ich werde dir soldze Pfuschereien schon abgewöhnen!" rief der Lehrer und schaute aus die Aufgabe. Im Heft war iudesjeii statt mühseliger Rechnungen nur eine • Zahl zu finden: 829. Aus welche'Art war Gauß so schnell zu diesem Resultat gelangt?'Als er die vom Lehrer diktierte' 2liis- gäbe hörte, spielte sid) in seinem genialen Kopse salgender Prozeß ab: 1 H- 41)'= 41, 2-f 39-- 41, 3+ 38= 41 usw. Die allergrößte und allcrniedrigfte Zahl ergibt summiert stets 41, mithin multipliziert er statt zeitraubender Summierungcn 4! X 29 und schried dos Resultat auf. 'Aus diese'Art lernte der Lehrer zum erstenmal die u»gewöhn- liche Begabung des Knaben kennen, für den cr sich auch sofort interessierte. Dauer und Händler Wetd)er Kauf ist besser, der eines ganzen Pferdes oder der Kauf der Hufnagel? Davon überzeugte sich an seiner eigenen Haut ein russischer Bauer. Er kaufte von einem Händler ein Pferd für 130 Rubel, mußte .sich aber bald überzeugen, daß diese Transaktion unvorteilhaft war und er bemüht» sich um Rückgabe des Geldes. Daraufhin schlug ihm der Händler folgendes vor: „Hör' zu, Bauer: ich schenke dir dieses Pserd, kause inir aber seine Hufnägel ab. Und diese verkaufe ich dir fast umsonst. Für einen bezahlst du mir 1 Palusd>ka(Vi Kopeke), für den zweiten Nagel 2. für den dritten Nagel 3 usw. Der Bauer willigte mit Freuden in solch ein Gesdiäsi ein. Wie aber erging es ihm? In jedem Huf sind 0 Nägel. Die Berechnung sührt also zur Summe der geoinetrisd)eii Progression, die sid? aus 24 Positionen zusoni- mensetzt: 1 4- 2-s- 2--i- 2°-j- 2�-i- 23 usw. Die Summe beträgt 49 943 Rubel und 3,49 Kopeken. Bei einem solchen Preise der Nägel war das Geschenk des Kaufmanns nur scheinbar. Zongleurkunstflücke mii Zahlen Die Multiplikation mit 9 der Zahlen 9, 8, 7, 0, 5, 4, 3, 2, 1' kann man in eine Subtraktion verwandeln: 987024321 987004321 8 8 8 8 ö 8 8 8 8 9 Einige interessante Ziffernspiele, z. B. das Resultat der Multi- plikalion mit 9: 1X9+ 2= 11 12X9+ 3=111 123X9+ 4= 1111 1 2 3 4X 9+ 5= 1 1 1 1 1 1 2 3 4 5 X 9+ 6= 1 1 1 1 1 1 12 3 4 5 0 X9+ 7= 1 1 1 1 1 1 1 1 2 3 4 5 0 7X 9+8= 1 1 1 1 1 1 1 1 12345678X9+ 9— 11111111 1 Ferner eine andere interessante Zifsernpyramide ausgestellt aus der zweiten Potenz von Zahlen, die sicki aus laulcr Einsern zusam- niensetzen: 12=1 1 12=1 21 1112= 12321 1 1 1 12= 1 23432 1 1 1 1 1 12= 1 23454321 Hill 1«= 1234 5 654321 1111 11 12= 12345670 5 4321 1 1 1 1 1 1 1 12= 1 2 34 5 6 7 87 6 5 4 3 2 t 1 1 1 1 1 1 1 1 13= 1 2345078987054321 Wie kann man die Zahl 199 mit 6 Neunen schreiben? Fol- sndermoßen: . 99 99+-=199 Drei bevorrechtete Ziffern sind: 2, 1, 5 und 3. Ihr Lorrecht beruht daraus, daß 2+ 2~2 X 2 und 1,-5+ 3— 1,5 X 3 ist. Wie kann man leicht die Brüche'•/•s und ,s/«i kürzen? Streichen wir die Sechsen in den Zahlern und Nennern und der Bruch wird an Wert nichts verlieren. L. K. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. an JXomsn. von cter/zuü/jx>n~JD6u Zeic/inunge/'L won Acloff Lehnert (37. Fortsetzung.) itzic mübc der Inspektor doch wurde! Nicht müde vom Gehen, -'rnn er wor ein gestählter Charakter mit eine nischars trainierten Ükorpcr, aber müde von dem einförmigen Leben. Schnee, Eis und Kälte, und kein Mensch, mit dem er reden konnte, denn sich herab- zulassen und sich mit diesen beiden Eskimos z» unterhatten, fiel ihm nicht ein. Der Gedanke kam ihm gor nicht. Aber die eintörmigen Tage mit Schncehäusern und Wanderungen und Schlittenfahrten sollten glücklicherweise bald vorbei sein, abgelöst werden von dem angenehmen Leben in einem richtigen Hause und der Arbeit mit dem Mörder. Von Untersuchungen, die seinen Nennen aus aller Lippen in Kanada bringen und ihm das längst erwartete Avancement bringen sollten. , Fleute kommen wir nach Fullerton zu Sergeant Make," sagte Arola eines Morgens. Er und Minik waren nicht mehr feindlich gesinnt, sie waren es jetzt gewohnt, daß die Reise, daß der Mann nun einmal so war. Und bald sollten sie heimkommen mit einem weißen Mann in ihrer Begleitung.„Heute brauchst du nicht vorauszugehen. In Kürze sind wir da!" Aber der Inspektor war konsequent. Ob er voraus ging oder nicht, bestimmte er selbst. Er ging in der Richtung, die sie angaben. Bald konnten sie die gelben Felsen bei Fullerton sehen und fuhren darauf zu. Arola und Minik kochten an diesem Morgen nicht auf seiner Lampe. Sie mochten kaum einige Keks hineinstopfen, so ver- sessen waren sie auf die Heimkehr, und ihre guten Pelze wurden angezogen. Bald hatten sie den Inspektor eingeholt, der schon Schlitten- spuren auf dem Eise gesehen hatte und ihnen folgte. Auch die Hunde waren guter Laune. Alle drei saßen auf dem Schlitten, und immer schneller liefen die Hunde. Die Menschen sahen sie und strömten herbei, um sie zu empfan- gen. Der Schlitten schwirrte über den Steinboden, und der Inspektor mar in der nördlichsten Station der Polizei angekommen. „.Hallo, Sergeant Make, wie steht es?" „Alles wohl, Herr Inspektor. Willkommen! Nett, Sie zu sehen. Kommen sie hinein, essen Sie und wännen Sie sich! Sie haben wirklich eine lange Reise gemocht, ganz aus dem Süden. Bringen Sic Neuigkeiten mit? Haben Sie Post? Oder was führt Sie her?". „Ein,zelne Neuigkeiten habe ich wohl. Aber Post habe ich nicht. Ich reiste eine Stunde, nachdem ich Descheid bekommen hotte, ob, und bin gekommen, um diese Mordsache aufzuklären." „Jawohl," sagte Make,„ober kommen Sie zuerst hinein und lassen sie uns essen. Dann werde ich Ihnen die ganze Sache über- geben." Sie traten ein. Ein mächtiger Teekessel wurde geholt. Weiches weißes Brot mit Butter, Marmelade aus Dosen und eine rauchende Schüssel gebacketie Bohnen mit Speck. Der Inspektor konnte ein festliches Gefühl nicht zurückdrängen, als er nach so langem Auf- enthalt in Schneehütten dies aller wiedersah. Er setzte sich zum Essen, und die andern setzten sich auch. Aber Arola hatte, als er zu Tisch gebeten wurde, schon gesagt, daß der Inspektor zu denen gehörte, die es nicht liebten, mit Menschen zusammenzuesien. „Schon," dachte der Sergeant.„Wir wollen nicht gleich Streit machen.— Komm, wenn wir andern fertig sind." Der Inspektor saß mit vollem Munde da. Es war doch nett, so von Landsleuten umgeben zu sein. Er plauderte und war ganz gemütlich. Aber plötzlich fragte er:„Nun, wo hai� ihr denn den Gefangenen?" „Den Getangenen?" fragte der Sergeant. „Ja, den Mörder. Wo habt ihr ihn eingesperrt?" „Den haben wir gar nicht eingesperrt. Augenblicklich ist er nicht zu Hause." Der Inspektor sprang aus.„'Nicht zu Haus«, sagen Sie. Wa, heißt das? Ist der Gefangene fort? Wer begleitet ihn denn?" „Er ist mit ein paar anderen Eskimos auf der Renntierjogd. Wir brauchen frisches Fleisch, die Renntiere wandern schon nach 'Norden, und deshalb ist er drinnen im Laiche, um zu jagen uich bleibt einige Tage fort." Da schlug der Inspektor mit der Faust auf den Tisch. Sein Gesicht war plötzlich von Zorn verzerrt und er brüllte den Sergeanten an: „Was bildet ihr euch ein, ihr Taugernchtse? Einen Morder tagelang auf Jagd wegzuschicken! Seid ihr verrückt? Oder ist das hier eine gatzze Bande von Verschwörern? Den Mörder sehen wir nie wieder. Ich prophezeie Ihnen, Sergeant, daß dies Ihr Abschied wird. Der Mörder ist fort, aber er soll wieder aufgespürt werden, so wahr ich lebe! Es ist Ihre Schuld, daß er geflohen ist, nicht die feine. Daß er die Gelegenheit benutzt, ist ja gegeben." Sergeant Make sprang auch aus. Noch nie hatte er einen solchen Verweis erhalten. Es war stein Vorgesetzter, der mit ihm redete, aber Make war zornig. „Mala ist nicht geflohen. Mala wird wiederkommen. Er hat mir versprachen, nicht fortzulaufen, und ich verlasse mich auf ihn." Der Inspektor lachte„Sich auf eipeu Mörder zu verlassen, auf einen Eskimo. Das muß ich sagen, ihm solche Gelegenheit zu geben, ist etwas ganz Unzuverlässiges. Sie, als Polizeibeanitcr, lassen Ihre Gefangenen frei herumlaufen? Hat er Hunde mit?" „In, er hat alle unsere Hunde mit," sagte Make„um sie mit seinem Fang zu ernähren." „Immer besser, immer bester! Wie tüchtig, seinen Gefangeneu mit einem Borsprung von vielen Tagen mit seinen einzigen Be- sörderungsmitteln fortzuschicken. Sergeant Make, sie werden im Sommer mit dem Schiff nach Hause geschickt. Aber zuerst sind Sie mir dafür veraittwortlich, daß der Gefangene wiederkommt. Von jetzt an übernehme ich da» Kommando aus der Station. Verschaffen Sie mir ein Zimmer und ein Bett. Ich bin müde. Ich hoffe, daß der Mörder zurück ist, wenn ich aufwache." Sergeant Make antwortete nicht, und keiner der Konstabler sagte ein Wort. Sie hotten ihren Sergeanten liebgewonnen und wußten, daß er nicht? Unrechtes getan hatte. Sie sahen, daß der Inspektor kein Verständnis für die besonderen Ver.haltuisse hier im Norden hatte. Und wortlos gingen sie hinein, setzten Makes Zimmer für den Inspektor in Stand und stellten Makes Bett in ihr gemeinsames Schlafzimmer. „Wessen Bett steht dort?" fragte der Inspektor. Dort pflegte Mala zu schlafen.„So der Mörder? Na ja, das konnte ich mir denkeü. Ihm den besten Platz zu geben, ein feines Bett mit Decken neben dem Stationsches! Werft das Bett hinaus. Wenn wir ihn zu fassen kriegen, wird er mich Verdienst behandelt werden, aber hier bei mir soll er wahrhaftig nicht liegen! Vielleicht hat er auch mit euch am Tisch gegessen?" „Ja, das hat er," sagte Make trotzig. Aber das meiste Fleisch hat er uns auch verschafft. Er hat uns das Leben gerettet, als wir ihn suchten, wie ich im Rapport geschrieben habe Und wir verdanken ihm jedenfalls Esten und Hundefutter, sowie Kleider in der Zeil, als mir bei ihm wohnten. Und eines weiß ich: Einen braveren Mann als Mala habeFch nie getroffen. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die der drei Konstabler." „Sieh mal! Sich mal! Einen braveren Mann haben Sie nie getroffen! Ich sehe, daß die Polizei hier im Norden auch den Richter spielt und Mörder freispricht. Das klingt ja recht gemütlich und wird erzieherisch aus das Rechtsbewußisein der Eskimos wirken." „Wir haben niemand freigesprochen, und wir haben memand gerichtet. Wir hoben unsere Pflicht gegen Gesetz uird Menschen getan. Aber wahr ist, daß die Gesetze, gegen die Mala sich ver- gongen hat, ihm unbekannt sind, und daß er nie von ihnen gehört hat. Wenn es noch Gerechtigkeit gibt, wird man ihm kein Haar auf feinem Haupte krümmen." „Aber," warf der Inspektor rasch ei»,„selbsh wenn ihm die Haare nicht gekrümmt werden, so kann ihm doch der Hals gebrochen werden. Euer Freund, der Mörder, soll baumeln, das oerspreche ich euch. Im Sommer kommt der Richter her. Mala wird ver- urteilt und gehenkt. Selbstverständlich, wenn ihr ihn nicht schon hobt verduften lasten, indem ihr ihm die Transportmittel in die Hände gabt und auch noch Waffen dazu, um das Leben zu fristen. Und doch wird das nur ein kurzer Aufschub sein. Der Arm des Gesetzes reicht weit im britischen Reich. Er erreicht alle, selbst am Rande der Erde, und selbst, wem, man mit seinen eigenen Unter- gebenen kämpfen muß. die den Verbrecher fangen sollen, ihm aber statt besten forthelfen." XVI. Zwei Tage vergingen, das Verhältnis.zwischen dem Inspektor und den andern war gespannt. Dreimal täglich trafen sie sich bei Tisch, sonst schrieb der Inspektor. Bei jeder Mahlzeit fragte er nach Mala. „Ist er noch nicht gekommen, euer Freund, der Mörder?" „Mala ist noch nicht hier, aber er kommt bald. Wenn er genug gefangen hat, kehrt er heim." Als auch der dritte Tag vergangen war und sie schweigend ge- gesten hatten, befahl der Inspektor Sergeant Make zu sich. „Sergeant," sagte er, als sie allein waren.„Giefshen al j, dag ich recht hotte, als ich sagte, daß Mala nicht kommen werde. Er ist fort, und Sie sind sür seine Flucht verantwortlich. Morgen müssen wir uns an feine Verfolgung machen. Sogen Sie ollen Eskimos auf dem Platze, daß sie ihre Hunde und Schlitten abgeben »rüffen. Dem Gesetz zufolge sind sie verpflichtet, der Polizei zu helfen." .-Inspektor," sagte der Sergeant, ,cha wir jetzt allein und ohne Zeugen miteinander reden, so lassen Sic mich sagen, daß Sic sich den Kopf an etwas einrennen, von dem Sie nichts verstehen. Diese Leute können nicht mit Orders und Hinweisen auf das Gesetz regien werden. Ich habe gesogt, daß Mala wiederkommt, und dabei bleibe ich. So wahr ich lebe, soll Mala Ihnen ausgeliefert werden. Aber um feinet-, um des ganzen eskimoischen Volkes willen bchandrln caic ihn nicht als einen überwiesenen Verbrecher. Er weiß nichts von feinem Unrecht, das habe ich oft gesagt, uich das wiederhole ich." Der Inspektor erhob sich.„Sergeant, lassen Sie uns die Unter- Haltung abbrechen. Ich bin es, der hier dos Kommando hat.' „Jawohl," sagte der Sergeant.„Da- weiß ich. und ich habe dem nie widersprochen, aber deshalb ist es doch ja, wce ich sage.' „Sergeant, morgen machen Sie sich bereit, dem Entwichenen zu folgen, er soll gesucht und herbeigeschafft werden, und Zwar, ehe das Eis ouigebrochen ist. Sonst kommt es Sic teuer zu stehen." Make ging hinaus. Er stieg auf den Hügel, um zu sehen, ob Mala käme. „Sergeant, wir haben viel über die Ereignisse der letzten Tage nachgedacht." Es war Balk, der dos sagte, als die vier Männer sich am Abeird niedergelegt hatten.„Es ist klar, daß der Inspektor Ihnen Unrecht tut. Aber seien Sie ruhig, wir drei werden hinter Ihnen stehen, wenn die Sache in Ottawa vorkommt."� „Ich danke euch für eure Freundschaft: meine �ache ist gut, denn ich habe das Rcchr auf meiner Seite. Es gilt nur, die Zeit hinzuziehen, bis Mala freiwillig kommt, damit es nicht aussieht, als sei er geflüchtet und von dem Infskektor geholt worden." Sie sprachen noch miteinander, als sie Lärm draußen härtcn. Die Lampe brannte, und sie sahen alle drei, daß Makes Gesicht sich aufhellte. Kein Zweifel. Es war Mala. In aller Eile waren sie angekleidet und liefen hinaus. Und richtig: da kam Mala mit einer mächtigen Last nicht abgebalgter Renntiere, die er erlegt hatte. Die beiden Männer, die ihn begleitet hotten, folgten ihm, und nichts in Maias Gesicht oder Haltung deutete auf einen reuigen Sünder, einen Gefangenen, der nach einer mißglückten Flucht zurück- gebracht war. Mala reichte feinen Gefangenenwärtern die Hand. Längst hotte er feine alte Sicherheit ihnen gegenüber wiedergefunden. Die Drohung vom Henken und all das Mystische lag in weiter Ferne. Und konunt Zeit, kommt Rat. Er wor wieder da, ein Mann, der noch glücklichem Fang heimgekehrt war: nichts anderes war in seinen Gedanken. „Der Fall trat ein," sagte er zu Make,„daß wir ein wenig singen, ein garzz kein wenig Fleisch. Wir muhten uns mit dem begnügen, was wir zu oerimaften vermochten." „Welch wunderbare Masse Fleisch, welche Mengen von Tieren," antwortete Make, und er brachte es nicht übers Herz, ihm schon jetzt die Arrtunrtssreudc zu oerderben. Sein Herz war voller Kummer über Malas unabwendbares Schicksal.„Laß uns da» Fleisch in den Vorrotsfchuppen schaffen. Morgen können wir es anderswo hinlegen. Es ist Nacht, und ihr seid wohl müde," jagte er. (Fortsetzung folgt.) HätseUEcke des„Abend Kreuzworträtsel. Vier Worte. Vier Worte nenn ich euch, wohlbekannt, Obwohl ich sie besser verschwiege. Veranden nur, was am Ansang stand, Und suchet den Reim auf die Fliege. Das erste ist ein gehörntes Tier, Bringt Nutze» im Sinne des Worte». Das"zweite stellt eine Gruppe dar, Bekannt aus den Kämpfen des Sportes. Das dritte ist ein nützlich Ding Für Kinder, ganz unbestritten', Das vierte führt uns hinauf und hinab In. Fürstenpalästen und Hütten. Senkrecht: 1. Hunderasse: 2. Stadt in Rußland: 3. Getränk: ■1. Tonlage: 5. Schillersche Frouengestolt: 6. sagenhafter Riese: 10. Fluß in Sibirien; 12. Urkundenbeglaubigung: 14. europäische Hauptstadt: 18. Flächenmaß: 20. Niederschlag: 22. Teil des Baumes: 23. Vogel: 2ö. Fürwort.— Wagerechi: 3. Zeitabschnitt: 5. An- gestelltengewerkschaft: 7. Vorort Berlins: 8. Geigenbauer: 9. römisches Kleidungsstück: 11, Fürwort: 13. weiblicher Lorname: 13. Verhältniswort: 16. Nahrungsmittel: 17. Getränk: 19. Fürwort: 21. Stadt in Thüringen: 24. Stadt am Rhein; 26. Stadt i» Schlesien: 27. Fluß in Afrika; 28. Rind. Z. Silbenrätsel. Aus den Silben a as bcrg bürg der di e el er fer gärn ge gei hu liu le Ii Ig ma mar na nep ne now ra send son te l« te le tan lau ter tia tili to tun u u u»> ü sind 19 Wörter zu bilden, deren Zlnfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Spruch ergeben.— Di« Wörter bedeuten: l. Training': 2. Stadt in Deutschland: 3. Mädchenname: 4. Stadt an der Elbe: 5 Raubtier: 6. Flußrand: 7. Frucht: 8. Verwandte: 9 Nachtvogel: 10. Klassen- stufe einer höheren Schule: 11 Himmelskörper; 12. Maß: 13. weib- lichcr Vorname: 14 Zahl: 15. biblischer Name: 16. Meeresgotl: 17. Musikinstrument: 18. südeuropäifck)es Land: 19. Schreibmittel. wh. Gesund. Oiamanträisel. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die wagerechten Reihen folgendes ergeben l. Konsonant, 2. Besitztum. i 3 Verwandter 4. Teil des I Fensters. 5. Gestalt aus einem Lustspiel Freytags- 7 Tierbe- Häufung. 8. Antilcpenart. 9. Konsonant.— Die mittelste wagerechte und die mittelste senkrechte Reihe nennen einen verstorbenen Dramatiker. (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Eins Wasser in bestimmter Form, Zwei hat ein Tempo, oft enorm. Da» Ganze«in gesunder Sport. Wer nennt mir nun da? Wort? - kr.— Dreierlei. Mit„b" hat's Mann und Frau und Kind, Mit„d" ist's ein Produkt vom Rind. Mit„i" war es in Griechenland Als Instrument der Kunst bekannt. -kr'— Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuz worträtfel: Wagerecht: l. Mord: 2. Elbe: 5. Er. furi; 8. Ur: 9. cn: 12. See; 13. es: 14. Aal: 16. Inn: 17. nun; 18. t. t, t: 19. Eta; 20 Tee: 21. nu; 22. Od«: 25. Ar; 26. Ar: 27. Lommel; 28. Dieb; 29. Auge.— Senkrecht: 1. Maus: 2. et; 3 te; 4. Emil; 6. Fee; 7 uns: 10. Reiter: 11. Kanada: 14. Auto: 15. Ente; 20. Tand: 21. Arm 23. Ulm; 24. Erde; 27. le. Füll räl fei: 1. Unkenntnis: 2. Funkstunde: 3. Trunksucht: ■). Braunkohle: 5. Karbunkeln: 6 Landsunkcr: 7. Fifchnmfe; 8. Ebrentrunk. Uinstelloufgabe: Enkel, TUeta, Zlje. Leben, Insel. Abel, Geburt, Abend, Lende, Ober, Tafel, Tango, Idol— Enttlia Galott! Deiizitausoabe: Algebra. Amtaericht. Angela. Berge- darf. Chorgesang. Ingeborg. Lagerftft.«ägebock Schlafgemach. Ungetüm.(— ge—). G l e i ch k l o n g: Netze. Silbenrätsel: 1. Drehorgel; 2. Attentat: 3. Schleuder; 4. vinoria regia: 5. Oleander: 6 Lira; 7. Kreolin: 8. hasserode: 9. Arsenlics: 10. Thiaumant: 11 Anwalt: 12. Bteiweiß: 13. Eggc; 14. Rachiiis: 15. Drogen.— Dos Volk hat ober doch gewiss« Rechle. Abzöhlrätsel: Die Silben sind durch 5 abzuzählen.— Je früher die Jugend in den Rahmen des Ganzen eingegliedert und mit dem Geiste der Arbeiterbewegung erfüllt wird, um so schneller geht der Vormarsch der Arbeiterklasse. B erwandlung' Eule, Keule. Magisches Quadrat: Eros, Rosa, Ossa, Saat. Nr. 150 46. Jahrgang Sonnabend 30. Marz 1929 Dichter der Technik: Heinrich Fleißiner Als im August 1922 in Berlin ein plötzlicher Gchirirschlag das Ledcn des IZsährigcn Ingenieurs Heinrich Fleischncr vcr- nichtcte, verlor die tschechische Sozialdemokratie in ihm einen ihrer ililclligentcsten Kopse, und sein frühes Hinscheiden wurde auch von der tschechischen Kulturwslt betrauert. Genosse Ingenieur Fleischncr war bis zum Kriegsende Chemiker in einer Zuckerfabrik Böhmens und wurde noch dem Umsturz in dos Ministerium für öffentlich« Arbeiten in Prag berufen, wo er dann Vorstand einer Abteilung für das Studium der Sozialisierung war. Was ihn von seinen Aibcitskollegen unterschied, war nicht nur sein aufrichtiges soziali- stisches Bekenntnis, sondern insbesondere die Fähigkeit, seine originellen Gedanken über den Wert der technischen Kultur in poetische und dabei allgemein verständliche Worte zu tlciden. Zwei größere Werk« dieses Genassen, welche der sozial- demokratische Parteioerlag in Prag herausgab, verdienen es, die Ausmerksamkeit der deutschen Arbeiterschaft auf die darin enthaltenen Anfichleu eines Dichteringenieurs zu lenke». Es find dies das als„sozialistisches Lesebuch" bezeich- ueic zweibändige Werk„Der Arbeitsdom" und„Die technische Knlwr"(soziat-philosophische und kulturpvlitifche Betrachtungen über die Geschichte der menschlichen Arbeit). Beide Werke entstanden noch während des Krieges. In den zwölf längeren Essays des „A r b e i t s d o m s" tritt Fleischner als klassenbewußter Sozialist auf. Den„Arbeitsdom" stellte er sich als eine an die.fo.zialiftische Arbeiterinlernationale angelehnte Institution vor, in der alle Er- rungenschaften der Techmk zum Wohle der arbeitenden Menschheit ausgenutzt werden sollen.„Bis der Kanonendonner verklingt und der Rauch des Echießpulvers im Wind« zerstiebt, wird der erste Gedanke der erwachenden und ihre blutbefleckten Waffen fortwerfen- den Sohne menschlicher Mütter das Heil des Menschengeschlechtes sein. Dieser Gebonke wird die Erbauung des Arbeitsdoms zur Folge haben, jedoch nicht in den Menschenseetc», sondern aus Erden, durch die Arbeit der Menscheufäuste und der Gehirne zum Wohle aller leidenden Menschenstelen." So idealistisch urteilte Fleischirer über das Ende des Weltkrieges! Dieser Arbeitsdom sollte die Ergebnisse der technischen Forschung vom kapitalistischen Monopol befreien. Die Technik und die Produktionskräfte sollten nicht mehr dem Kapitalismus und dem Militärismus dienen, sie sollten„sür den Sieg des Soziatismus mobilisiert werden". Die sielige Entwicklung der Technik und insbesondere die fortwährende Entdcckuirg neuer Nalurkräftc, welche nun der marxistischen Theorie die Ursache aller Bcränderuiigen der Bcsitzverhältnisse bilden, ist, wie Fleischner weiter ausführte, nicht nur«in Werk der technischen Forscher, Erfinder und Ingenieure, sondern auch der die Maschinen bedienende» und an ihrer Vervollkommnung tätigen Arbeiter. Des- halb stellte er die Forderung auf:„Der Sozialismus, also die auf der Theorie vom historischen Materialisimis beruhende Bewegung, welche den Kapitalismus als volkswirtschaslliches, den Arbeiter aus- bauiendcs System zu beseitigen trachtet, muß eine einheitliche Taktik erhallen: die Leitung der technischen Entwicklung durch die eigene Kraft des klassenbewußten und intcrnatiaual organisierten Proletariats." Zu diesem Zwecke sollte ein großes, internationales Institut für die technische Forschung gegründet werbem In diesem Arbeitsdom sollten olle Möglich- leiten geprüft werden, durch die das Leben der Menschheit»er- bessert und der durchschnitttichc Wohlstand der Bolkstlassen erhöht werden könnte. Die InterNationalität eines solchen Instituts würde gleichzeitig die Einheitlichkeft der gesamten Weltwirtschaft schassen. Dieses Institut würde von Zeit zu Zeit den geeignetsten Platz, die beste Ausnützungsmöglichkeit oller Nationalreichtümer, die geeignet- s-eii lechnifchen Produktionsmethoden für einen jeden Teil des zu bestreitenden Dcltbedarfes festsetzen. Die Arbeit sollte einen Be- standteil des religiösen Kultus der Menschheit bilden und die ver- ollcten Religionen ersetzen.„Eine jede Arbeit, die die Schaffung irgend welcher nationalökonomischen Werte bedeutet, ist heilig, und deshalb kann der internationale Sozialismus zur Religion oller Menschheit des zwanzigsten Jahrhunderts werden." Weiter formu- liert er seine Gedanken:„Durch den Arbeitsdom soll der Grundstein zur internationalen Politik der Arbciterinternationale nach dem Kriege gelegt werde». Wie der Friedenspalost im Haag der Versöhramg der mannigfaltigen Interessen des kapitalistischen Staates, welche den Krieg hervorgerufen haben, dienen soll, so soll der Arbeitsdom die Achtung vor der Arbeit als der Grundlage des ewigen Friedens der Menschheit bringen. Dos einzige, was in der Zukunft so. wie heute dos Vermögen, geehrt werden soll, wird die Hand- und Kopfarbeit sein. Die allgemeine Arbeitspflicht ist die erste Folge dieser Revolution. Sie ist die eiste Bedingung der Weiterentwicklung der menschlichen Kultur. Der Arbeitsdom soll der Mittelpunkt dieser neuen Kultur und Zioilssation, der neuen sozialistischen Kirche, der Religion der Arbeit sein. Im Arbeitsdom möchte ich nicht bloß eine Bcrsommliingsstätte der Vertreter der Demokraten aller Nationen und Staaten, sondern insbefonders den Mittelpunkt der Friedenstätigkeft der Menschheit sehen. Gleichzeitig aber wäre er mich dos Zentrum der wissenschaftlichen Forschung, welche die Beseitigung nationaler und internationaler Mißverstand- »isse, die Vermehrung des Wohlstandes und die Vergrößerung des menschlichen Glückes bezweckt, der Ort der Mobilisierung aller intellektuellen Arbeiter in den Diensten der Menschheit. Ein an den Arbeitsdom angegliedertes Institut würde die besten wissensch-ast- Ii che» Forscher der Welt, die von der Internalionol« unterstützt würden, für Lebensdauer verpfllchteii. die Entwicklung der natur- wissenschaftlichen und technischen Hilfsmittel der Bermenschlichung des Menschen durch ihre Forschung zu beschleunigen." Alle Er- rungenschasen der Technik, olle ErsrNdiingeii der um den Arbeits- dom gefchartcn Techniker sollte» zur verbeffeenng der LebenshaUung der ärmsten Schichten verwendet werden. Der Arbeiter sollte außer dem Erträgnis seiner eigenen Arbeit noch einen gerechten Anteil an dem jetzt mir dem Kapitalismus zugutckonmiendeii Erträgnisse der von den Nawr- kräftru scllsst geleistete» Arbeit cibaltcii.„Die Armut muß durch die Arbeil von Taissciidev»an Maschinen, welche sich nur zum Wohle urtd Heile der Menschheit bewegen sollen, verschwinden. Die Natur, die durch die Technik ihre Schrecken zum größten Teil« ver- loren hat, muß zur Ernährerin der gesamten Menschheit werden. Niemandem darf das Recht zustehen, die Natur und den Menschen zu seinem eigenen Vorteile auszubeuten." TjiLucr UUd zp.ifil- eine neue Ar/, dir Ahfahrlzeil der Züge auf den Bahnhöfen bekanntzugeben, f.* handelt sich hier um sogeuaivite IVcndctafeln, die wie die Bl älter eines Bucties angeordnet und mit Stunden- und Minnlcuy.iffcrn beschriftet sind. Sie loerdeu non ein cm Ferngeber elektrisch umgewendet. Längere Abhandlungen widmete Fleischner in diesem Buche iwch der„Philosophie der Arbei t", der„S e l b st b e- stimmungderArbei t", den„Zielen der wissenschafttichen Arbeitsleistung". In diesen sowie den anderen Essays tritt stark seine sozialistische Weltanschauung hervor.„Freudlos i st eine jede Arbeit", sagt er,„die der Mensch mit Widerwillen 'leistet." Die gesainte Technik ist eine Abwehr des Menschen gegen die Pflicht, freudlos zu arbeiten. Die freie, freudige med voll durch- geistigte Arbeit ist auf dem Wege des technischen Fortschritis zu suchen. Aber eine solche Arbeit ist nur in einer gesellschaftlichen Organisation möglich, die es keinem der Arbeitenden gestattet, die technischen Mittel zu egoistischen Zwecken zu mißbrauchen. Für eine selche gesellschaftliche Organssation kämpft die sozialistische Arbeiter- beweguug. Ms sozialistischer verhecrlicher der Arbeit und der Technik zeigt sich Fieischner auch in seinem anderen Werke „Die technische Kultu r". Er wollte in den Ingenieuren selbstbewußte Mitarbeiter an der technischen Kultur gewinnen und gründete deshalb auch einen Kbrb sogiotdem akratischer Techniker. Die Technik hielt er für fähig, die Herrschet einer echten Demo- trot« zu begründen. ,/5s naht die Zeit der echten Demokratie, und diese wird dos Werk der Technik sein", sagt er zum Schlüsse dieses. Werkes. Außerdem gab er noch einige Schriften Über dos Ver- hältnis der Technik zur Arbeiterschaft heraus:„Die So,ssalisierrmg in der Praxis",„Die Entwicklung zur Arbeit",„Der Arbeiter und die industrielle Produktion". Er war ein Dichter der technischen Kultur, der sicherlich mich in Deutschland Leser finden wird, wenn sein« Werke einmal in deutscher liebe rsetzung vorliegen. Rudolf Illony, Prag. Frauen als Erfinderinnen In den alljährlich erscheinenden Statistiken über die Patente der verschiedenen Länder wird fast immer die Zahl der von Frauen gemachte» Erfindungen als bemerkenswert hervorgehoben. Ader es hat immer Fwuen gegeben, die sich mit Erfindungen beschäftigten. Als eine der ältesten Erfilideriimen nennt man Frau Barbara Uttmann, eine geborene Rürnbergerin, die zu Ansang 1561 das Spigenklöppeln erfunden haben soll. Ihr wurde m Amiaberg im Jahre 1886 ein Denkmal gesetzt. Dieses Denkmal hat sie als B e- gründerin der c rz g e b i rg i sch e n S pi tz e n i n d u st r i e mit Recht erhalten. Der Ruhm als Erfinderin gebührt ihr nicht, weil dos Spitzenklöppeln längst r» den Niederlanden bekannt war. Im Jahre 1784»hielt die aus Wen stammende Mar« Theresia von Paris ein Patent aus eine Schreibma- schine sür Blinde. Die Erfinderin war seit ihrem dritten Lebensjahre erblindet. Die Maschine prägte'die Buchstaben er- habe» in das Papier, so daß man sie durch Befühlen lesen konnte. In Amerika erhielt die erste Frau im Jahre 1869 ein Potent, und zwar aus ein neues Berfahren zum Weben von Seide. Sechs Jahre später erteilte man einer anderen Amerikanerin ei» Patent. 1833 meldeten bereits drei Frauen Erfindungen zur Patentierung in Amerika an. Heute betätigen sich die Amerikanerinnen meist auf dem Gebiete der haüswirtschoststchcn Erfindungen: aber man findet auch alle möglichen technischen Dinge bis zur Panzerplatte und zum Unte�eeboot unter den Anmeldungen der Frauen. In England wurden um 1910 jährlich gegen 1500 Patente auf Ersindungen von Frauen erteilt. In Frankreich erfand eine Frau Beucist 1823 das S-förmige Rohr, das wir heute allgemein bei allen Ausgüssen, Spülbecken und Klosetts verwenden, damit 8er üble Geruch ans den Röhren nicht aufsteigen kann, weil er von dem in dem geknimmten Rohr.zurückbleibenden Wasser nicht durch- gelassen wird. Dieses Rohr ist ein« der bedeutsamsten sanitären Erfindungen all» Zeiten. Eine Berliner Baudcigistin K a r o l i n e (Eichler baute 1835 eine durch die gesunde Schiltt» und durch Schnurzüge bewegliche künstliche Hand. Eine andere Berlinerin, Frau Marie Trenn, erfaiw 1847 einen Kontrollopparat für Droschke». Noch heute ist an allen unseren Taxametern— wenn auch klein und verkümmert— der wesentliche Teil der Tennschea Ersiudung vorhanden: die Fahne, die uns anzeigt, ob ein Taxameter eingeschaltet ist od» nicht. G. F. Immermann und die Dampf kraft Der 1796 zu Magdeburg geborene Dichter Karl Lebrecht Im m ermann, einer der bekanntesten der nachklassijchen Periode der deutschen Literatur, hat sich mehrfach mit technischen Problemen innerhalb seiner Schöpfungen besaßt, insbesondere mft der Dvmpf- knrft, die— wie kaum ein anderes teehnisches Problem— zu jener Zeit im Vordergniud der öfscnttichen Interessen stand, da ja die Dampseijenbohn— ein Kind der Dampskrast— gerade ihren Siegeslaus angetreten hotte. Während der Dichter im Jahre 1822 noch skeptisch der„neuen, kommenden Zeit" gegenüberstand, wird » tangsam von aller Romantik, aus der-er selbst hervorgegangen, besmt, und diese Befreiung kommt am klarsten in seinem komi- sehen Epos„Dulifäntchen" im Jahre 1830 zum Ausdruck,.stier »findet» Dcnnpsdierssibaien. Er schreibt von dem Helden des Epos: Aus richtigem Erwägen, welch llnhal ein Weib oft stiftet, so aus Fleisch und Bein gebaut nwrti, wieviel Aerg» das Gesinde zeugt, das Mensch sst, gleich der Herrschaft, hott' er einen Dampsboamten sich gemachi und eine Dampsfrau, die ihm förmlich angetraut war. Dampsbeomt», Darups gern« hl in toten ganz dieselben Dienste, wie zwei Menschen simpeln Schlages. Soweit die Verse wörtLch. Dann spielt noch eine groß« Stahl- mauer eine Rolle in dem Epos. Doch sie stürzt ein, als das winzige Duftsäntchen den einen Stift herauszieht, der den ganzen kam- plizierten Mechanismus hält, und auch die Dompftnenjchen sinken leblos in sich zusammen, als die Fee Libella den Hahn an ihren kleinen Fingern aufbrelft und den Dampf, der ihnen das Leben verlieh, entweichen läßt. G. F. Dem bekannten Erfinder und Forsch» Dr. lechn., Dr. Zng. E. h. Alexander Meißner ist eine neue ehrenvolle Auszeichnung zuteil geworden. Er hat den von der Karl-Zeiß-Stistung begrün- deten Ernst-Abbe-Gedächtnispreis und die Ernst- Abbe- Medaille»halten. Damit sst Ä-eie Auszeichnung zum erstenmal für dos Anwendungsgebiet der Mathetnaiik und Physik vergaben worden. Die Verl ei Hungen bewei sen»neut, welche Bedeutung dem bahnbrechenden Arbeiten Professor Meissners von der Wissenschaft beigemessen wird. Aus den zahlreichen Anerkennungen sei auch seine Wahl zum Vizepräsidenten des Institute Medal of Honor des Institute of Radio Engmeers, Rew Park, erwähnt. Dieses Institut sst die größte wissenschastliche Vereinigung der Ver- einigten Staaten aus radiotcchnischem Gebiete. Professor Meißner ist bekmrnillich der Erfinder der R ü ck k o p p e l u n g, auf der die gesamte Röhrensender- und Empsängerentwicklung basiert. Ohne diese Erfindung wäre die heutige Rundsunkiechnik nicht denkbar. Daneben hat Meißner als Vorstand des Forschungslabovatorftims der Telefunkengesellschast noch zahlreiche andere Arbeiten van grund- leg«>der Bedeutung geschaffen. Bücher der Technik ?. Beul ig. Holzarbeit in der Volksschule. Ober- süsse 7. und 8. Schulsahr. Hobelbankorbeii. 119 Seiten. Kart. 4,20 Mark. Verlag von Quelle u. Meyer. Leipzig. Das Bändchen, das mimnehr als dritter Teil der„Werkstatt in der Volksschule" erschienen ist, enthält eine gute Zusammemassuiig und Darstellung der Arbeilen im 7. und 8. Schutjahr. Die Be° arbeiinug der Oberfläche, die Verbindung der Hölzer, eingehende Besprechung de« Materials sowie der Werkzeuge: in diesem Rahmen bietet das Büchlein eine klare, reich ill»stn»ie Ante! hing für Lehrer nnd Schüler des Werkunterrichts. K. Frenkel. Zur Methode de« Werkunterrichts. 42 Seiten. Geheftet 2 M. Verlag von Quelle u. Meyer. Leipzig. Auf Grund jahrzdhnterianger Ersahnmgen gibt hier der Leiter des Berliner Werkseminars einen Einblick in die Methodik des Werkunterrichts. Vergesstigung der Handarbeit, Stärkung der Denkt mit, Freud« an der Gestaltung, Geschmacksbildung, Arbeitswillen zu wecken: sind Ziele des recht erfaßten und erteilten Werkunterrichts. Dos Büchlein ist degnißensweri, weit es michelftn will, die Technik in den Dienst der Iugenderzietzung.zu stelle». Im Verlag E. S. Mittler«. Sohn. Berlin, sind vier klein« „Bücher von der R e i ch»d a h n" erschieaeti, die iu allgemein- verständlicher Form einen hochinteressanten Einblick in die Arbeit der ReichsboHck geben. Das erste Heft„Absah reu" schildert in sachlichen, aber humorvollen und unterhaltsamen Ausjührungen den Betrieb auf dem Bahnhof unmittelbar vor der Abfahrt, die v«r- schieden«» Wünsche d» Reisenden, die Arbeit der Beamte». Aber auch in die meist der» Auge der Passagiere verborgene Tätigkeit aus dem„Alsstellbahnhos" leuchtet das Büchlein hinein. Hätten die Reisenden cüte Ahnung davon, welch« Arbeit sie durch die Hinter- lassung ihrer„ReiseaNdenkeb"(Papi» und Unrat aller Art) den Zvagenreinigern verursachen, so würde vielleicht manches Abteil ein erfreulicheres Bild bieten. Das zweite Heft„Die Reife der Kiste L. K. 221" erzählt in Farm von kleinen Geschichten van Transport- und Nahgüterzug, vom Berschie>beboh»hos oder„Um- sieigebahnhof" im Reiseverkehr der Güter. Heft drei,„Signal a u s H o l l", vermittelt dein Leser«ine ausgezeichnete Einsicht in die Sprache der Signale, die von so ungeheurer Bedeutung.ssür den Zugverkehr und die Sicherheit der Reisenden ist. Das letzte der bislzer erfchienepen Büchlein,„Anschluß verpaßt", berichtet nach einer humorvollen Einführung in vorbildiicher, leicht verstünd- licher Weise über die Entstehung des Fahrplans. Die geschmackvoll ausgestatteten, reich illustrierten Bündchen kosten je 50 Pf. ~ dfvafJlü�oJfwel Kurze Sportschau. Beruf«- und bürgcnuiher Sport zu Oitern. 3ii Berlin ladet an beiden Feiertagen Mariendorf mit seinen Trabrennen zu Gaste. Die Prüfunzspreise für Hengste und Stute» stehen im Mittelpuntt des Interesses. Die Freunde der B e r u f s r a d r e n n e n kommen an beiden Feiertagen auf ihre Rechnung. Am Sonntag sind auf der O l y m- p i a b a h n Möller, Toricelli, Bauer, Lewanow r>nd Ehmer ver- sannnelt, während am zweiten Feiertag die Eröffimng der Rütt- Arena unter Beteiligung der bekanntesten Ströhen- ui»d Sechs- tagefahrer vor sich geht. Auf der Landstrahe interessieren für die Berliner besonders die Bundesfahrt„Berlin-Leipzig" u�d„Der erste Schritt" in Spandau am Sonntag. Selbst die Berufsboxer wollen Ostern nicht müßig s«n: der Ständige Boxring in den Spichernsälen hat skir den Oster- sonntag ein zugkräftiges Programm zusanunengcsteUt. Der Schwer- getbichtskamps Karl Carter- Egon Sties itud die Leichtgewichts- ausschetduiig 5)ei»nsch- Kntse beanspntchen besondeve Ausmerk- samkeit. Im Sportpalast findet am Sonnabeird, Sonntag und Montag ein großes Internationales Eishockeizturnier unter Beteiligung von Göta-Stoekholm, Troppauer Eis- lausverein, Berliner SchtUtschuH-Elub und einer Berliner Auswahlmannschaft statt. An jedem Abend kommen zwei Spiele zum Austrag, mn Sonntag werden ferner die Weltmeister Gillis G r a f st r ö m und Sonja ch c n i e ihre Meisterkür zzm Besten geben. Anfangszeiten alle Tage um 20 Uhr. Wer will an den Pactzscc? Auch die Naturfreunde laden ein. Am schönen Paeßsee, an der Bahnstation Groß-Besten— Königs- wusierhansen, habe» die Freien Angler ihre» Eigenbesi� vergrößert. Etwa Itl Morgen sind in diesem Jahre neu erschlossen worden. Wir haben bereits im vorigen Jahr darauf hingewiesen, daß sich Jnter- essente» recht bald in der Geschäftsstelle des A r b« i t e r- A n g l e r- Hundes, Berlin NW., Birkenftr. 49, in den Sprechstunden Dienstags und Freitags van l? bis 19 Uhr melden sollten. Die neue Kolonie liegt am Hinterpoeßsee! Fahrgelegenheit bis Groß- Besten vom Görlißer Bahnhof, dann Weg nach Klcin-Besten zur Kolonie des Arbeiter-Anglerbuiches, Seeblilk I, Parzelle 23ö, wo der Vorsitzende, Genosse Rudert, jeden Sonntag anwesend ist, inn Interessenten zu beraten und das Getändc zu zeigen. In Klein- Besten fragt man den Gastwirt Streichhahn nach der Kolonie. « Die erste Wochenendfahrt in diesem Jahre, die der Tou- rislenverein„Die Naturfreunde"(Rciseburcau) veranstaltet, führt nach Frankfurt an der. Ode.r zum Besuch der Stadt, mir lhren alten urrd neuen Baulichkeiten. Nach der Eisenbahnfahrt bis Frankfurt, a. d. Oder wird das Rundsahrtyuto die Teiluehnier durch die Stadt nach dem Stadion der Ostmark bringen und weiter zu den Siedlungen der Frankfurter Arbeiterschoit. Dann folgt ein Rundgang durch das Ratlmus und daran anschließend ein Rund- gang durch die Siedlung der Reichsbahn und danach Besichtigung der chindenburgschulc, die besonders lohnend ist. Die Führungen hat wieder Stadtbaumeister Gesing in Frankfurt übernoimnen. Teilnehmerkarten zum Preise von 7 M. sind ab 3. April zu hoben und zwar in der Geschäftsstelle des Vereins, N. 24, Io- hannisstr, 14—13, Montag bis Freitag von 13 bis 29 Uhr, Walter, Reukölln, Siegsriedstr. 53, Mcckelbcrg, Berlin-Treptow, Grüßstr. 50, Sinn, N. 20, Steitiner Str. 30, Schmidt, W. 50, Rankeftr. 30, Thomas, N. 65, Litxcmburgcr Str. 1. Teilnahme am Mittagessen zum Preise von zirka 1 M. eiiordert vorherige Anmeldung. Freie Turnerschost Groß-Berlin. Ve,i»t Reinickendors-weft. Die Fruhjahrs-Peranstaltung mitß aus technischen Gründen vom 30. März auf Freitag, 19. April,»erlegt werden. •ARBEiTEH TUS&SALL Internationaler Oster-Fu�ball. Aus zum internationalen Fußballkamps soll die Losung am O st e r s o n n t a g sein. Dem..Freien Ballspielvercin Weißensee" ist es gelungen, den tschechischen Kreismeistcr ,.V o r w ä r t s"- G r o t t a u zu verpflichten. Ist doch diese Tschechennmimschaft eine der spielstärkstcn des tschechischen Arbeitersports. Nach dem ein- drucksoollen Erfolg Weißensees über den technisch guten Kreismeister Luckenwalde 2. Abk. ist guter Sport zu erwarte». Das Treffen sollte über de», Durchschnitt der sonntäglichen Spiele stehen. Das Spiel findet auf dem Sportplatz in der Greifswalder Straße statt. Ansang 15?- Uhr. Eintritt 75 Pf. Jugendliche und Erwerbslose 30 Ps. Aus dem„Exer" Schönhauser Zlllee erwartet ebenfalls am 1. Feiertag Saxonia Gäste aus Stettin. Die Freie Tunierschasl Bredow schickt ihre erste Mannschaft, um die Verbindungen mit den Bertincr Mannschaften wieder anzuknüpfen. Beginn 16 Uhr.— Lichtenberg I spielt am 2. Feiertag in Lichtenberg, Liickstraße, gegen Sokol-Charlotteickurg.— Das am Karfreitag ausgeiragene Ge- sellschastsspiel zwischen Lichtenberg I und Nowawcs 94 endete mit dem hohen Sieg der Lichtenberger von II: 2. Konnte sich Nowawcs bis zur Pause noch einigermaßen halten(3: 2), so sielen sie in der zweiten Spielhälste dem technisch besseren Spiel Lichteichergs zum Opfer. Die zweiten Mannschaften trennten sich 3: 0 für Lichtenberg. « Achtung! Alle Refultole werden am 2. Feiertag, 20 Uhr, unter Dönhoff 292(Manz) angegeben. Jeder Verein ist verpflichtet, Bericht zu erstatten. Die Hodccykämpfc gegen Leipzig. An beiden Ostcrfeicrtagen weilt die ch o ck e h- M a n n s ch a f t des Arbeitcrsportbundes„Amateure 0 4"- Leipzig in Berlin und trägt zwei Spiele gegen den Alhletik-Sporiklub und den Sportbczirk „Ostring" der Freien Turncrschait Groß-Berlin aus. Die Gästeclf steht in der Tabellciiliste an erster Stelle und ist zurzeit das beste, was Leipzig den spielstarken Berlinern entgegenstellen kann. Die Spiele gegen Leipziger Mannschaften waren stets mitreißend und interessant»nd bildetet? immer den Höhepunkt der Arbeiter-Hockcy- spiele. Auch diesmal dürfte» die Zuschauer voll ans ihre Kosten komme». 3t SC I spielt gegen die Leipziger a>» 1. Feiertag um 16 Uhr auf den, Nornwnnenplag uich„Ostring" am darauffolgenden Tage um 15 Uhr im Lichtenberger Stadion: vorher zweite Mannschastc». Eintritt aus allen Plätzen frei. Handballergebnissc vom Freitag. Die Freie Turncrschaft Groß-Bcrl!n, Bezirk Neukölln, hatte aus dem Herzbergplatz mehrere Spiele angesetzt, zu denen sich eine große Anzahl Züsch«, ucr cingcfunde» hatte. Leider zogen einige Mannschaften es vor, nicht anzutreten: so ließ die Jngendnmnnschast Bohnsdorf auf sich ivarten, während die Bohnsdorfcr Männer- nianirfchoft von Wilmersdorf versetzt wurde. Die Fraucmnannschaft gewann bei einem flotte» und lebhaften Spiel gegen FTGB.-Süden mit 4:0(1:0). In Fangsichcrheit und Technik war Neuköll» überlegen. Die Torhüterin Südens leistete bewundernswerte Arbeit. Etwas mwerständlich ist die hohe Niederlage, die sich die erste Männermannschaft von der Freien Turnerschait Wilmersdorf holte. 8:2(4:0) lautete hier das Resultat, an dem der Neuköllner Sturm viel schuld halte, denn er zeigte kein Schußvermögen und brachte viel unplacierte Schüsse an. Neuköllns Hiniernmnnschast leistete viel Widerstand, konnte aber nichts verhindern. Die Freie Turner- schaft Biesenthal mußte den Sieg FTGB.-Norden 1 überlassen. Freie Turnerschast Groß-Berlin, Bezirk Südosl-Trepkow. 2. Feiertag, vormittags VilO Uhr, müssen sämtliche Spartier des Bezirks. Männer und Jugend, auf dem Platz in Bmiinschuienweg zum Training erscheinen. Das Wandern war des Turners Es»vor einmal! Und das ist noch gar nicht lange her. Als die Tunier noch in geschlossener Front so ziemlich das ganze Gebiet der Leibesübungen beherrschten und die Sportler der verschiedensten Fakultäten nickst für voll ansahen, wo es jetzt unigekehrt ist. Damals gehörten die Turnfahrten und Turnmärsche zum ständigen Pro- graMm. In den Jugendabteilungen wurden all« 14 Tag«, in den Männerableilunge» alle vier Wochen abwechselnd kleine»nd größere Wanderungen unternommen. In den 90er Jahren begann dann der Ansturm der Spiel- und Sportbewegung, der nach und»ach das alte Turnprogramm unterhöhlte. Insbesondere die Jugend fand an d«» individuellen Wettkämpsen lebhaites Interesse, die ihnen gegenüber der k v l le k t i v e.n Turnerdisziptin mehr zusagte. Dann kamen die ersten'Ansänge der Nacktkulturbewegung, die zwar zuerst «le unsittlich verschrien wurde, sich aber in, Lause der Zeit in der össentlichen Meinung durchgesetzt hat. Diese neuen Strömungen der Körperkultur und des Sports haben auch da» wände rprogramm umgestaltet. Dauermärsche und Wanderungen in größeren Abteilnngen gibt es nur selten.. An Stelle dessen bilden sich kleine Gruppen, die per Bahn weit hinaus o» die idyllischen Platze der märkischen Gewässer fahren, um dann bei Sonnenbad und Spiel im Bade-»nd Adams- kostüm alle Freuden der Sornmerzest zu genießen.'Aber auch im Winterhalbjahr sind die großen Märsche aus der Mode gekommen. Die Spiclbewegung und der Wintersport haben die Erbschaft an- getreten. Es ist eigentlich schade, daß die Turner das Wandern oerlernt haben. Denn damit haben sie auch den Marschgesang ver- lervt. Die schön?» Wanderlieder imd vielfach in A-rgeffenhoit ge- raten, der Umsatz an Liederbüchern ist gering. Damit ist auch ein Stück Freude verloren gegangen, denn Gesang erfreut des Menschen Herz! Das Wandern ist immer reich an Erlebnissen und zeigt uns die Natur zu jeder Jahreszeit in einem anderen Gewandt. Der Städter seufzt in der Wache im Häusermeer mit seinen Fabriken und Automobilen, Sonntags geht's per Bahn hinaus zu einem Ruheplatz, möglichst in die Näh« einer Erfrischiingshalle. Da Hot P. Seume wohl recht geHaft:„Es ginge maiiches besser, wenn man mehr ginge." Auch die Sportler aller Gattungen würden nach einem tüchtigen Wandermarsch merken, daß es sich hierbei um«inen vorzügliche» Ergänzungssport handelt. Es wird sich zeigen, daß ein tüchtiger Tagesmarsch selbst gut trainierte Sportler ermüdet, Der Schnelläufer aus kurze oder Mitteistrecke, der Fuß- und Hand- ballspicler üben nur intenswcs Kur.zrcnnen mit momentaner großer Zlnstrengung. Zßandern erscheint im Gegensatz hierzu zunächst nur als leichtes Spiel. Aber abends, vielleicht auch erst in den nächsten Tagen, kommt„das dick« Ende nach", und man incrkt, daß dieser„Zlusdnuerjport" knorke ist. Daß Wandern ein zünftiger Sport und nicht zu verachten ist, zeigen uns auch die Wondcrer- typen. Kann man es jemanden ansehen, ob er Fußballer, Hand- baller oder Lickstathlet ist? Wohl kaum! Aber den Wanderer er- kennt nmn sofort an seiner frischen, gesunden Gesichtsfarbe, die so gar nicht nach einen, Großstädter aussieht. Selbst im Winter bleiben die vorteilhaften Einwirkungen von Lust, Licht und Sonne erhalten. Was ein fröhlicher Wanderer„erleben" kann, hat uns Kurt Grottewltz in seinem Buch:„Sonntage eines großstädtischen Ar- beiters in der Natur" geschildert. Sein Wanderer Tanzinaiin ist Sonntags nicht in die„Goldene Traube" gegangen, was die anderen nicht verstehen konnten.„Mitten im ärgsten Winter spazieren gehen, bei Frost und Schnee? Sie sind wohl nicht ganz— gesnnd, Herr Taiijnmni,?" Aber Tanzmann war nun mal so, er war erst gesund, wenn ihm draußen in Wald und Feld der Wjnd um die Ohren pfiff. Cr geht quietschvergüngt iiber Oedland und jagt ungewollt einen Hasen auf, der selbst aus diesem öden Boden noch «ine bescheiden« Lagerstatt für sein bescheidenes Gemüt ausfindig gemocht haste. Plötzlich fährt er zusammen: dicht vor seinen Füßen ist ein Bolk Rebhühner mit jöhcni, knallartigem Geschrei ousge- flogen.„Da schlag aber einer drein. Hätte ich einen Schießprügel gehabt, so wären sie längst weg. So ober warten sie, bis man he.'-,» ist, und machen dann: puft! �as ist Mangel an Respekt vor dem einfachen Sonntagsivanderer!"— Vor dem Kriege war so ziemlich olles auf Masse und militärisches Tempo eingestellt. Darauf hat in der Nachkriegszeit eine Reaktion eingesetzt, die den Individualismus und das persönliche Können zur Blüte brächte. Gut so! Aber der Arbeitersport handelt recht, wenn er das Volks- tümlich« und Genossenschaftliche jetzt schärfer propagiert, denn es darf nicht im Individualismus untergehen. In diesem Sinne soll nicht nur den gymnastischen Gemcinschaftsübuiigen, sondern auch dem G e in e i n s ch as t s w a n d e r n das Wort geredet werden. Wandern soll wieder zur Freude, zum Miterleben in der schönen Natur werde». Schnürt euer Räuzel!.Wandcrlrciiad Fritze. Ein Beispiel ffir Berlin. Arbeitersport in Anhalt. Im kleinen Löndckzen Anhalt besteht eine vorbildliche Arbeiter- sportbewegung. Von kommunistischer Wühlarbeit ist dort nichts zu finden, einig und geschloiscn stehen die Zlrbeitersportvereine hinter den Beschlüssen ihrer Verbände. Weh' dem. der es wagen würde, den Spaltpilz in die Vereine tragen zu wollen. In Anhast ist Einheit und Geschlossenheit der gesamten Zlrbciterbewegung vorbilZ- lich. Dah-r sind auch aus allen Gebieten sehr gute Ersolg? w ver- zeichnen. Auf der L a n d c s k o n f e r e n z, die dieser Tage in Dessau statt- fand, waren von 47 Delegierten 39 ZRitglied der Sozialdemokratischen Partei, und nur 3 Delegierte gehörten zur KPD. Den, Landeskartell sind rund 200 vereine mit 15 000 Mitgliedern lohne die Kinder- Mitglieder) angeschlossen. Ueberall ist ein inniges Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratischen Partei, den Gewerkschaften und der Konsumgenossenschaft festzustellen. Gute Erfolge konnte der Landes- kartelloorstand bei Verhandtungen mit den Regierungsstellen buchen: so bei der Beschaffung von Sportplätzen, bei der Erteilung von Kon- Zessionen, den Arbeitersamaritern konnte die Anerkennung als gemeinnützige Woblsohrtseinrichtnng durch de» Staat verfchaftt werden. Für die Abnutzung von Geraten in den Schulturnhallen wurde» Gebühren nicht mehr erhoben. Reichsbanner- Schugs portabteilunge n konnten in die Ortskar- t e l l c a u f g e n o m m e n werden, sobald sie irgendeinem Ver- bände angehören, der der ZK. angeschlossen ist. Auch die Beihilien- frage ist"für den Sport gut geregelt. Die von der Regierung zur Verfügung gestellten 30 000'Mark werden wie folgt verteilt: Unfall- und Hastpflichtversicherung für Jugend und Leiter 12000 M., Unter- stütz» ug an Arbeitersportkartelle 19 000 M., Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen und andere bürgerliche Verbände 19 000 M. Früher wurde» gezahll 8000 M für Lehrzwccke, 8000 M. für eigene Anlagen und 3000 M. für Geräte, letztere sind jetzt in Wegfall ge- komme». Die Unterstützung von früher 19 000?N. ist aus 17 670 M. gekürzt worden.'Nach den Bestimmungen der Regierung sind hier- von 10 670 M. zu verteilen, und zwar erhalten: Zlrbeiter-Turn- und Sportbund(Bezirk)..-.. 7500 M. 3lrke>ter-?llhlet«»-Bund........... 1100„ Arbeilcr-Rndfahrer-Bund.......... 1100„ Arbeiterjugend.............. 300„ TV.„Die Naturjreundc".......... 300„ Für das Landesknrtcll verbleibe»....... 370„ wovon 250 Mk. die Arbeitersamariter erhalten. Diese Mittel sollen nur für Lehrzweck« Verwendung finden, jedoch können in ganz dringenden Fällen bis 25 Proz. von den Be- trägen für Zlnlagezwecke verwendet werden. Die restlichen 7l)00 M. sind für die Verwendung eigener Vereinsanlagc» der Arbeitersport- vereine freigestellt. Bei der Zuteilung der Mittel ist die Größe und 'öedentiliig der Verein« im jugcndpflegerischen Sinn maßgebend. Das sind sehr achtbare Erfolge, die die anhaltischen Arbeiter» sportler dank ihrer einigen geschlossenen Bewegung sich errungen haben. Wie fest sie zu den Beschlüssen ihrer Organisationen stehen, tonnt« man daran ersehe», daß das Referat über die„Situation in der Arbcitersporlbewcguug", das B u ck oon der Zentralkommissioil Berlin hielt, ohne Debatte entgegengenommen wurde und eine E n t- schlicßung gegen ein« Stimme Annahme fand, die die Kamp'- maßnahineii des'Bundesooii'taiides und der Zentrolkommission bitlior, beiden Körperschaften das Vertrauen aussprach und erwartet, daß d'» ausgeschlossenen Vereine wieder in den Bund ausgenommen werden, wenn sie die Satzungen und Beschlüsse anerkenne». Bei den Wahlen wurde der alte Vorstand einstimmig wieder- gewählt. Dem bisherigen Vorsitzenden, Landlagsabgeordnetki, I e u t h e, wurde die Vertretung des Arbeitersports den Bchördeil gegenüber, und Gehre, Dessau, die allgemeine organisatorisch« Arbeit übertragen..V B. Sonnabend, 30. März. Berlin. 16.(¥J Kurt Lubinski; Oslcrn am Hofe der Kaiserin Zatidiiu von Abessinien. I6.;«l„Jockele. das Häschen", ein Osterhasenspiel v»i fatiana Petsclinikolf. J7.M Aus dem Bach-Saal. Oreelkonzert. J. S. Bach: Fanlasie und Knie in S-molI. Voispiel und Choral. Variatianon über„O Gott, dn frommer Ootl"..loh. Brabms; Vorspiel und Choral. W. Drwenski: Sonate in (Walter Hiwcnski). AnschiieBend MiltcilniiEen des A.-bcitsaniles Berlin-Mitte. 18.10 Dr. J. E. Poritzky: Die deutschen Wicdercrseecket des Idealismns. 18.33 Hcllmut Eritreh; Der Student m der üroCstad.t. 19,00 Osurald Riedel, M.d.E.: Oestliches Grcnr.land. 19.30 Dr. Richard H. Stein: Die Rätsel der Klanswclt.(Mit Beispielen a:a Flüsel.) 20.00 Orcheslerkonzcrt. Dirigcnl; Brnpo Seidlcr-Winkler. 21.00 Szenen ans„Faust". Mit».; Lothar Müthel u. a.. Berliner FimkJ Orchester. Dhrigcnt: Bruno Seidler-Winkler. Berliner Funk-Chor. ' Königswusterhausen. 16.00 Aus dem Zentaliiistitut für Erziehung und Unterricht. 16.30 Machnmtagskonzcrt von Mamburg. 17.30 A. Rausch; Wenn die Bevölkerung mit den Behörden zu Inn hat. 18,00 Walter Maschfcc: Das Buch und die arbeitende Jugend. 18,30 Spanisch für Anfänger. 18.55—19.45 Oslerfeicr. 1. Aus den Marienliedern von Hermann Zilcher.(Ge. sangen von Kätc Wegner-Peiser.) 2. Fanst; Oslerspaziergang(Intendant Willy Orunwald und Dr. Heinrich Michaelis). 3. Schubert: B-Dur-Sin- irmie.(Gespielt vom Kammerorchester der Gcmeinntilzigcn Vereinigung zur Pflege deutscher Kunst.) 20.00 Die Stunde des Landes. Sonntag, 31. März. Berlin. 8.55 Stjntlenglockenspicl der Potsdamer üarnisonkirchc. 9.00 Morgenfeier. 11.50 Konzert des Dcutcclien Tonkünstler-Orchestcrs, 14.30 Hans Wolfgang Behm: Osterfeste der Natur. 15.30 Märchen. Erzählt von Adele Procslcr. 16..30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Gebrüder Steiner. 18.30 General Kuhlwem:„Vom Tierfreund zum Ticrschützer**. 19.30 Staatsoper Am Platz der Republik;„Carmen", Oper in vier Akten von Georges Bizct. Königs tv usterhansen. 13.45-7-14. 15 Bildfunkversuchc./ Montag, 1. April. Berlin. 8.55 Stundenglockenspiel der Potsdamer Garmsonkirchc. 9.00 Morgenfeier., 11.30 Blasorchester-Konzert. Leitung: Musikdirektor Carl Woitschach. 14.30 Tür den Landwirt 16.00 lehertragung von der Trabrennbahn Maiicndorf. Am Mikrophon: CheU redaktcur G«og Lüdecke. Anschließend: Teemusik Hotel Kaiserhof. Kapelle G