Morgenausgabe 7lr.l51_ � t AltT ��ang «iche-wch 85 5f, au>a«tfl4 MO St w, voraus zahlbar, Postbezug<32 M. einschließlich SO Pfg. Postzeitung»- und 72 Pfg. Postbestellgebühre«. Ausland»- abmmement ü.— M. pro Monat. De?„Sonofetf* erscheint»ochentRg. kich zweimal. Sonntag» and Montag» einmal, die Lbendousaadev st» Berti» und im Handel mit dem Titel.Der Abend", ISustriert« Beilogen.Bat! und Zeit" und.Kinderfreuno". Ferner „Unterhaltung und Wissen",.Frauen- skimme"..Technik"..Blick in die Bücherwelt" und. Jugend-Lorwärt»" **#■ Nerttner Volksblatt Sonntag 31. März 1929 Groß-Äerlln 15 pf. Auswärts 20 Pf. Die einspaltige Nonporeillezeile SO Pfennig. Reklamezeile S.— Reich». mark.„Kleine Anzeigen�' da» fettge» druckte Wort 2ft Psennig(zulässig zwei fettaedruckre Worte), jede» weitere Wort 18 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig» jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeil« S0 Pfennig. Fomilienanzeigen str Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschäft Linden« ftrahe 2. wochentögl. von 8'/, bis 17 Uhr. Jentealovsan der Sozialdemokratischen Vaetei Neutschlands Redaktion und Berlag: Berlin CW 68, Lindenstraße Z Ferasprech«: Döahost NS— SS7. relegramm-Ldr.: Eoztaldeillokral verli» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. VostscheÄoruo: Berlin Z7VZK.— Banllomo: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamte» Wallstr. KS. Diskonto- Gesellschaft, Depositenlass« Lindensir. S Mit uns zieht die neue Zeit. Zugendlied und Zugendiat. Von Ertcd Ollenhauer. Ende Äugest 1920, km Volkshaus zu Weimar drängen sich Hunderte junger Menschen. Gespannte, freudige Erwar- tung liegt auf allen Gesichtern, die Begrüßungsfeier des ersten Arbeiterjugendtages in der jungen, deutschen Republik soll beginnen. Das Programm nennt Begrüßungsansprachen, Musikvorträge, Rezitationen, alles wohlgeordnet im Stil alter Jugendfeicrn. Mit«inemmal aber ist alles anders. Auf der Bühne stehen die Hamburger Jungen und Mädchen und singen in mitreißender Begeisterung das Lied der neuen Jugend:„Wann wir schreiten Seit' an Seit'". Eine Stunde später schwingt sich dasselbe Lied über den Zug der Jugend zum Rationaltheater, am nächsten Tag singen es zwölfhundert, und wenige Wochen später hallt es wider in Nord und Süd, in Ost und West, und immer liegt in seinem Rhythmus ein stolzes, siegesbewußtes Klingen:„Mit uns zieht die neue Zeit." Arbeiterjugend jubelt in diesem Lied der neugewonnenen Freiheit zu. Endlich, nach Jahren der Unterdrückung, der Ausbeutung des namenloses Leides eines vierjährigen Weltenbrandes ist Land gesichtet, hat die Arbeiterschaft den Grund gelegt zu einer neuen Ordnung in Staat und Wirt- schaft. Ein großes Werk ist getan, Jahrzehnte schweren Kampfes der erwachsenen Generation der Arbeiterklasse haben ihre Krönung gefunden durch die Erfüllung alter Ideale, und spontan, noch in der Freude über das Erreichte, fordert die junge Generation das nächste Ziel, das letzte Ziel: Den neuen Menschen, der die neue Form erfüllt mit blut- warmem Leben, den sozialistischen Menschen, der das Lcbensideal vieler Millionen hinüberführt aus dem Reich der Theorie und der Propaganda in die Wirklichkeit unseres Alltags. So wurde der Weimarer Iugendtag im Be- wußtsein der Jugend ein Beginn, Beginn der neuen Epoche sozialen Befreiungskampfes..In derselben Stadt, in der«in Jahr zuvor der erste Reichspräsident der.Republik, der Sozialdemokrat Friedrich E b e r t, die Verfassung der Republik verkündete, gelobte die Jugend der Arbeiterklasse, die hohen Ideale sozialistischen Wollens in diesem neuen, jungen Staat zur Wahrheit werden zu lassen. Das Lied aber, das in jenen Tagen zum erstenmal die Herzen höher schlagen ließ, das Weimarlied der Arbeiterjugend, wurde zum Trutz- und Kampflied aller, die sich diesem Wollen verbunden sühlten. Wir schreiben 1929. War Weimar nun doch nur eine schöne Episode? Waren die Weimarer Tage nur das Symbol jugendlicher Ueberfchwenglichkeit? Auf den ersten Blick will es scheinen, als sei von Weimar und seinen Idealen nicht viel mehr übriggeblieben als die helle Erinnerung. Jahre- lang nach Weimar haben wir an der Seite der Arbeiterschaft gestanden im Kampf um die nackte Existenz der Republik. Und jetzt noch, nachdem die Staatsform gesichert erscheint, profitieren in hohem Maß jene, gegen deren Widerstand das neue Reich geschaffen wurde. Der Weg von der politi- schen Demokratie zur sozialen Gerechtigkeit liegt immer noch vor uns, immer noch leben Millionen ar- beitender Menschen in Not und Entbehrung, während eine kleine Schicht Reichtum über Reichtum häuft. Auch die Jugend, die in Weimar hoffnungsvoll einen wirksamen Schutz vor Ausbeutung erwartete, harrt noch immer ihres Rechtes. Und die Jugend selbst? Lebt in ihr noch jener heiße Wille zur Neugestaltung, der vor neun Jahren sichtbar wurde und die Welt aufhorchen ließ? Sind die Männer und Frauen von 1929 das, was sie als Jungen und Mädchen 1920 ver- sprachen? Viele wandern längst wieder auf der breiten Bahn des Gleichgültigen und Bequemen, andere sind abgeirrt vom Wege nach rechts und links und tauschten ihre Ideale gegen Zerrbilder und leere Worte. Haben jene„Alten" nicht recht behalten, die da meinten, daß auch diese Jugend„ver- nünftig" werde, wenn sie erst einmal im harten Lebenskampf die Festigkeit ihrer Ideale und Gesinnung erproben müsse. Wer wollte den Wandel leugnen, den die junge Gene- ration des Sozialismus in einem knappen Jahrzehnt erlebt hat? Wir Jungen haben uns am wenigsten der sonnenden Gewalt der Ereignisse dieses Jahrzehnts entziehen können. MN'ch-- nwirte anders, als wir es dl den Tsge» der Revolution erhofften. Der Weg vom Ideal zur Wirklichkeit wurde steiniger und schwerer als wir es damals vermuteten. aber dennoch, das Ideal lebt, jener Glaube an die neue Zeit ist ungebrochen und die Zeichen mehren sich, daß er siegen wird. Wir denken dabei nicht daran, daß manche lebensreformerische Idee der Jugendbewegung heute Allge- meingut geworden ist, daß der flache Absatz und das Re- formkleid beinahe zum guten Ton gehören, wir buchen es auch nicht als Gewinn, daß heute das Weimarlied der Arbeiter- jugend ringsum gesungen wird von der Bismarckjugend bis zum Kommunistischen Iugendbund. Das sind Dinge, die den Nachahmern oft wichtiger erscheinen als sie uns selbst sind. Wir freuen uns aber dessen, daß der tragend« Gedanke unserer Weimarer Tagung, der Ruf nach dem sozialistischen Menschen, nach dem Menschen, der sein öffentliches Handeln ebenso wie seine persönliche Lebensführung ausrichtet nach sozialistischen Grundsätzen der Selbstdisziplin und des Ver- antwortungsbewußtseins, der unbedingten Einordnung in das höhere Ganze, zum Gemeingut der gesamten sozialistischen Bewegung geworden ist. Unbestritten steht heute die Erkenntnis vor uns allen, daß der Sieg des Sozialismus gleichermaßen eine Frage der politischen Macht wie der Er« z i e h u n g ist. Vom Weimarer Iugendtag zu den K i n d c r, republiken der Kinderfreunde und den großen Kultur« tagungen der Gesamtarbeiterbewegung führt eine Linie. Neben die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe tritt als gleichwertiger Faktor die Selbsterziehung der Arbeiterschaft zur sozialistischen Lebensgestaltung. Die junge Generation drängt aber auch zur gestaltenden! Mitarbeit in der Politik. Hier ist der Anschluß frei- lich schwerer, weil die großen Kriegsoerluste den Ueberganz vielerorts zerrissen und weil hier die Spannungen zwischen den beiden Generationen besonders fühlbar werden. Für die alte Generation ist die Gegenwartsarbeit gewissermaßen Sicherung des Erreichten, Abschluß eines Lebenswerkes, für die Jugend ist sie Beginn. Jede der beiden Generationen sieht so die Aufgabe der Gegenwart aus einer anderen Perspektive. Die politische Aufgabe der jungen Generation steigt auch im Sozialismus erst herauf. Die neuen Fronten beginnen sich unter der Oberfläche bereits zu formieren. Sie heißen nicht mehr— wie fo oft im letzten Jahrzehnt unter dem Druck der Verhältnisse— Republik gegen Reaktion, sie Zugend im Wirtschastsleben. Bessere Aussichten! Von �Vallvr Maschke. Für Arbeiterkinder versteht es sich von selbst, daß sie nach Beendigung der Volksschulzcit, also mit dem vierzehnten Lebensjahre, einen Beruf ergreifen. Richtiger gesagt, daß sie Erwcrbsarbeit annehmen, denn nicht alle Jugendlichen und ihr« Eltern sind in der Lage, die lange Lehrzeit bei niedrigem Verdienst durchzuhalten, wes- halb viele Jugendliche von vornherein sogenaniüe„ungelernte" Arbeit verrichten, um dadurch etwas mehr zum elterlichen Einkommen bei- zutragen. Daß das nicht nur in Ausnahmefällen geschieht, sehen wir aus Zefkstellungen der Berliner Berufsschulen. Am 15. November 1925 waren von den 51 186 männlichen Schülern 15 257— 24,9 Proz. ungelernte Arbeiter: unter den Mädchen wurden bei 37 769 Schülerinnen sogar 13 204— 35 Proz. ungelernte Arbeiterinnen gezählt. An diesen Zahlen sieht man, wie dringend in vielen Fällen auf das Mitverdicnen des Jugendlichen im Arbeiter- Haushalt gewartet wird, sieht man aber auch, daß die„Wirtschaft", d. h. also die vielen privaten Unternehmungen in Handel, Handwerk, Industrie usw. die jugendlichen Arbeitskräste gern verwenden. Man hört oft die Ansicht, daß, je weiter die Rationalisierung der Betriebe fortschreitet, je mehr die erwachsenen Arbeiter durch jugendliche Arbeitskräfte verdrängt werden würden. Nun sind hier zunächst ein- mal natürliche Grenzen gesetzt, denn die Schar der Jugend- lichen ist ja nicht unerschöpflich. Für die nächsten Jahre wird schon allein durch die Wirkung des Geburten auisalles im Kriege der befürchteten Verdrängung erwachsener Arbeiter durch Jugendliche ein natürlicher Riegel vorgeschoben sein. Wie schon häusig betont, stnkt in deu Jahren 1929 bis 1932 die Zahl der zur Schulentlassung kommenden Jugendlichen von 1226 000 aus 627 000 im Jahr, um vorübergehend wieder auf etwa 114 Millionen zu steigen und dann für längere Zeit bei etwa 1 Million im Jahre stehen zu bleiben. Aus einigen Industriezweigen erfährt man nun aber, daß die Rationoli- sierüng gerade das Gegenteil von dem bewirkt, was vorher angeführt wurde, nämlich, daß die Jugendlichen keinen Eingang mehr in die Betriebe finden. Wenn ein Betrieb den Arbeitsprozeß bi? zum äußersten durchorganisiert hat, dann kann er nur noch vollwertige, gleichleistungssähige Arbeitskräfte gebrauchen: darum eben werden heute bereits in nerschiedenen Unternehmungen überhaupt keine Jugendlichen unter 18 Jahren, ja unter 20 Jahren mehr beschäftigt. Wir müssen uns klar darüber sein, daß, je mehr unsere Forderungen nach verstärktem Jugendschutz und Ausbau des beruflichen Schulwesens erfüllt werden, um so stärker die Tendenz, jugendliche Arbeitskräfte abzulehnen, sich zeigen wird. Das Zurücktreten des für Löhne benötigten flüssigen Kapitalteils gegenüber dem in Anlagen und Maschinen investierten Kapitals läßt dieses Bestreben privatwirtschastlich verständlich er. scheinen. Zunächst macht jedoch die im ollgemeinen geringe Ent- lohnung der Jugendlichen ihre Beschäftigung innner noch rentabel. Wie weit hier m dar nächste» Jahre» durch«s geringe« Angebot jugendlicher Arbeitskräfte sich Veränderungen ergeben werden, bleibt abzumatten.— Einstweilen sind alle Wirtschaftszweige sehr bemüht, durch stärkere Einstellung von Lehrlingen vorbeugende Maßregeln gegen die kommende Knappheit an Jugend- lichen zu treffen. Es sind besonders die Kleinbetriebe im Handwert sowohl wie im Handel, die gar nicht genug„beruflichen Nachwuchs" ausbilden können. Die von ihnen erstrebten Ausnahmen für die Kleinbetriebe im Arbeitsschutzgesetz, besonders bei dem Abschnitt der Jugendschutzvorschriften, zeigen, daß die Jugendlichem in erster Linie als billige und willige Arbeitskräfte geweitet werde», Sache der Arbeitereltern ist es. bei Abschluß von Lehrverträgen in der kommenden Zeit angesichts der für sie günstigen Lage auf dem Lehrstellenmarkt recht kritisch die Lehrbedingungen zu überprüfen. Wird aber nicht die benifliche Ausbildung Jugendlicher iui Zukunft noch mehr als bisher den Kleinbetrieben obliegen müssen, wenn die rationalisierten Großbetriebe sich für Jugendliche sperren? Dazu ist zu sagen, daß jeder Großbetrieb in der Lage ist, in! besonderen Lehrwerkstätten Jugendliche zu beschästigen und auszubilden, auch wenn der eigentliche produktive Betrieb selbst nur auf die Arbeitsleistung Erwachsener zugeschnitten ist. Eine ganz« Reihe großer Unternehmungen haben diese Einrichtungen schon ge- troffen, nicht aus volkswittschastlicher Einsicht, sondern im Interesse des eigenen Betttebes, weil die in Kleinbetrieben ausgebildeten Arbeiter den Ansprüchen der Großbetriebe ost nicht genügen. Bei öffentlichen oder gemischtwirtschaftlichen Unternehmungen fehlen solche Lehrwerkstätten noch fast vollständig: die Reichsbahn macht hierin eine löbliche Ausnahme. Es muß eine Aufgabe s o z i a l i st i« scher Kommunalpolitik sein, dafür zu sorgen, daß das Versäumte schnellstens nachgeholt wird. In de» Pttvatbetrieben werden die Betriebsräte auf solche Entwicklung hin- wirken müssen. Das kommende Berufsausbildungsgesetz wird wahr- scheinlich auch die Möglichkeit geben, die Schaffung von beruflichen Ausbildungsstättcn für die Jugend zu fördern, denn zweifellos wird in dem Zusammenwirken von Bettteb, Lehrwerkstatt und der Berufs« schule die zukünftige Berufsausbildung zu geschehen haben. Es ist interessant, zu sehen, wie sich aus der Frage der Berufs- ausbildung Jugendlicher Notwendigkeiten ergeben, die auf eine organisatorische Durchgliederung des Wirischaftslebens hinzielen. Jugendschutz ist als unumgänglich anerkannt, Rationalisierung der Betriebe ist ein unaufhaltsamer Vorgang. Ein eventuelles Aussaugen aller Jugendlichen durch das Kleingewerbe wird durch Ausbau des gesetzlichen Jugendschutzes, tariflich« Regelung des Lehrliugswesens (besonders der Entlohnung) und durch genaue Nachprüfung der Klein- betriebe auf ihre Eignung als Ausbildungsstätten Hemmungen er- fahren. Da die Gesellschaft ihren Nachwuchs aber nicht sich selbst überlassen kann, muß sie notwendigerweise Eingriffe in das private Verfügungsrecht der Produktionsmittelbesitzer vor- nehmen, um der Jugend Beschäsiigungs- und Ausbildungsmöglich- leiten zu geben. Es liegt der gewerkschaftlichen Organisation in de« Hauptsache ob. diese Maßnahmen vorznbereiten and an ihrer Durch« führung mitzuwirken. Besserung auf dem Arbeitsmarkt. Vom 1.— 15. März Abnahme um 120000 Llnierfiuhie. Nach de« bei; Eintritt milderer Witterung die Auf. nah»« der Anhenarbeite« weniMenS in gewisse« Um- fang ermöglicht hat.»«igt die Zahl der Hnnptnnter, stütznngsempfSnger in der Arbeitslosenversiche, rnng und in her Sonderfiirforge bei bernfd» üblicher Arbeitslosigkeit am IS. März d. I, ,«« ersten Male wieder einen merkliche» Rückgang. Tie betrug an diese« Tage insgesamt 2 324*45 gegen 2 4*0 760 am 28. Februar d. I. Da« bedeutet eine Ab- nähme bon 136 215 Persoven»der von 5,5 Protent. Davon entfalle« 57 028 ans die berufsübliche Sonder- fürsorge und 70 187 ans die Arbeitglosenver. s i ch e r« n g. Die Krisenuntexstühung weift da» gegea znm gleichen Stichtag eine Steigerung v»« 161 493 auf 177 343 Hauptunterftüvungsempfäuger auf. Die Zunahme ist verhSltniSmiiftig bei Männern und Frauen«ngefShr gleich. '-i- Der H ö ch st st a n d der Unterstützten wie der Arbeitßlosig- feit überhairpt ist Ende Februar erreicht worden. Damals betrug die Zahl der Hau�tunterstützungaempfänger in Ar- beitelosenversicherung, Sonderfürsorg« und Krisenfürsorge (die Zahl der durch die Wohlfahrtspflege unterftützten Nr beitslofen ist nicht bekannt), insgesamt 2622000, während nach den Eintragungen bei den Arbeitsnachweisen 3 223 000 Arbeitsuchende zur Verfügung standen. Wie sehr der außerordentlich harte und lange Vinter die Arbestslosigkeit gesteigert Hot. geht u. a. daraus hervor, daß im Februar 1927 nur 22,4 Proz. der Arbeitsuchenden auf die Saisonaußenberufe entfielen, 1928 im Februar 29,6 Proz.. dagegen 1929 im Februar 58.1 Proz. Wenn in der ersten Märzhälfte in der Sonderfürsorg« und in der Arbeitslosenversicherung die Zahl der Hauptunter- stützungsempfänger um 136 215 abgenommen, während sie in der Krisenfürsorge—■ durch Aussteuerung in der Arbeits- losenversicherung um 15 850 zugenommen hat, also ins- gesamt ein« Abnahme von rund 120000 stattfand, so dürfte sich diese Besserung auf dem Arbeitsmarkt in der zweiten Märzhälfte noch afzentuiert haben. Sie wird sich durch Auf- nahm« der F« l d a r b« t t« n im April noch in einem erheb- lich rascheren Tempo vollziehen. Obwohl— abgesehen von der Abstoßung an die Krisenfürsorge— die Abnahme� in der Arbeitslosenfürsorge absolut größer ist als in der Sonder- fürsorge, läßt sich nicht erkennen, ob und wie weit neben der saison mäßigen Besserung auch eine k o n j u n k» t u r e l k« eingetreten ist. Linksruck in Dänemark. Vorgeschichte der Regierungskrise./ Militärausgaben als Wahlparole. Sopenhagev. 30. März.(Eigenbericht.) D« Ausgang der dSnisch«« Kommunalwahl»» hat «ezeigt. daß das aus hex gemäßigten tonserootipen Bauarnlinken hervorgegangene und auf die Zusammenarl�jt mit der Rechten an- gewiesene Kabinett Vtadsen-Mygdal nicht mehr der posi- tischen Stimmung im Land« entsprach. Man durste deshalb annehmen, daß die Regierung mindestens nach Ablauf der jetzigen Wahlperiode gezwungen sein«ürd«. einem sozialdemokra- tisch eingestellt«,, Kabinett Platz zu machen. Aber schneller. al» es selbst die größten Optimisten unter den führrnden Sozial- demokraten anzunehmen wagten, hat die Bauernregierung i h r Ende gefunden. Je? Kitt, der sie und Konservativ« zusanwen- hielt, war seit jeher nickst von der Pesten Sorte. Wesentliche Uli- stimmigkeiten in Zoll- und Steuersragen litten wiederhalt gezeigt. daß die Koalition der beiden konservativen Parteien aus recht schwachen Füßen stand. In,merhin) die Angst por einer sozialdemokratischen Regierung führte schließlich immer wieder zur Vertagung der drohenden Krise. Wenn jetzt entgegen allen Erwartungen im Verlauf der Debatte über die Ftnanzvorlagen der Bruch invermeidlich wurde, so ist da«— wie sich nachträglich hernusstelit— vor allein auf taktische Fehler de. Rechten zurückzuführen. Di« Konservativen hatten noch langem Hin und Her ihre ursprünglich auf mehr als 30 Millionen Kronen abzielenden Forderungen für militärische Zwecke auf 4S bis 40 Millionen ermäßigt, während sich die Regierung bereit erklärte, den Etat von ungefähr 40 Millionen auf 42,4 Millionen zu erhöhen. Dos genügt« den Konservativen jedoch nicht. Sie.chemon- strierten" nach dem ergednUlvsen Aerlauf ihrer Berhandlungen mit dem Wehrminister gegen die Regierung, indem sie sich bei der Be- Handlung de? Finanzgesetzes d-r Stimme enthielten. Hierhei gingen sie von der sonderbaren Auffassung aus. daß die Finanz- vorlag« auf jeden Fall mit den Stimmen der Sozial- demokrati« angenommen werde. Man hofft« auf dies« hillig« Art von der Regierung in der Wehrsroge abrücken zu können. ohne den Bestand de» Kabinett« gefährden zu brauchen. Diese Hoffnungen gründeten sich gleichzestig auf di« Vermutung, daß d'° Sozialdemokratie sich unier gewissen Bedingungen auf ein Wehr- kompromiß mit der Bouenilinken einlassen wurde. In Wirk- iichkeit dachte sie gor nicht daran, die ihr zum Sturz der Regierung geboten« Gelegenheit zu verpassen. Der Augenblick wurde genützt und zum Schlag« ou»gebolt. Am 21. März verlor die b ü r g« r- lich« Minderheit, cegieruvg endlich ihr« parlamentarisch« Be- rechtigung. Di« Bauernlinke hat die Flinte jedoch nach nicht ins Korn geworfen. Di« für d-n 24. April ausgefchrickenen Wab'ev w«rd-n unter ihrer Führung vor sich gehen, mährend nach Parka mentarifchem Brauch eigentlich die Sozialdemokratie al> Oppositionspartei und Urheberin de» Kabinettsturzes berufen gr wefen mär«. d«n Appell an das Volk zu richten. Werden di« Hoffnungen der Bauernlinken in Ersüllung gehen? Wöhrend der Revwahlen und später auch im Parlament wird der Kamps vor allem um die Höh« de» Mililärbudgei» gehen.' Angesicht» der Stimmung im Land« ist aber kaum anzunehmen, daß da?'Dalk sich zu höheren Militärkostcn bekennen wird. Di« Dänen sind im allgemeinen sehr friedlielxnd. Der Kaste" g« i st des Militärs, wiederholte Ausschreitungen der Ossi. zier« gegen Arbeiter- und Bouernsöhn«, die in Dänemark wie üb-r- all zu den Lebensbedürfnissen der Soldateska gehören, der Kaserne"- hofton imd fckstiehlich di« Schrecken de» Weltkrieges hoben in den letzten Jahren die Abneigung großer Teil« der dömfchen Be- pölkerung gegen den Militarismus wesentlich gesteigert. Für militä- rische Expansionsgelüst« ist in Dänemark kein günstiger Bodcu. Aus dieser Stimmung heraus ist bei den bevorstehenden Walzlei,«in- Stärkung der Sozialdemokratie bestimmt zu«rwoneu. Allerdings dürft« sie«ine abfalute Mehrheit kaum er- reichen, Die Sozialisten dürsten danach hos Ruder gbenoehmev und auf dem Weg« der Verhandlungen mit der Bouernlinken versuchen, da« umstritten« Wehrproblem zu lösen. Di« Möglichkeit zu einer Verständigung ist bei einigem guten Wille» der beiden Parteien gegeben. lauten Sozialt««»» gegen die ganz« gestrige Welt des Kapitalismus. Das Ringen um das letzte große Ziel, um die Erfüllung des letzten Sinnes sozialistischen Stredens, daß ollein der arbeitende Mensch Träger des Staates, der Wirtschaft und der Kultur sein soll, empfindet die junge Generation als ihre Lebensaufgabe. Was die Besten der Jugend unseres Volkes im Mai vorigen Jahres in das Lager des Sozialismus getrieben hat, das waren nicht iq erster Linie die Kampfparolen des Tages, das war diese hohe sittliche Idee, das war der Wille, nun endlich Schluß zu machen mit einer Ordnung, die Millionen arheits- los und obdachlos dahinleben läßt, die keine Mittel und Wege findet, um soziale Gerechtigkeit zu üben. Mit uns zieht di« neue Zeit. Noch immer gilt das stolze Wort. Welche Bewegung außer dem Sozialismus gibt dem denkenden jungen Menschen Weg und Ziel aus der Eng« seines Alltags! Keine der bürgerlichen Parteien, von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen, ihre Jugend- organisationen führen ein Schattendasein. Die letzte Ent- scheihung wird freilich davon abhängen, ob der Sozialismus die sittliche Kraft zu entfalten vermag, die den Menschen an ihn fesselt mit allen Fasern seine? Lebens. Wir Jungen haben die Zuversicht, daß es gelingt, denn gerade in den Jüngsten, die jetzt unsere Reihen füllen, lebt— in anderer Form— wieder der Feuergeist, der uns auch in Weimar emporriß. Sie erlebten ihr Weimar in Dortmund, als dort im August vorigen Jahres in der riesigen Westfalen- Halle auf der roten Erde zwanzigtausend junge Arbester und Arbhiterinnen sich zum Sozialismus bekannten. Und zu jenem siegesbewußten Weimarwort: Mit uns' zieht die neue Zeit, fügte sie das stolze Gelöbnis aus Karl Brögers Sprechchor „Rote Erde": Ja, so wird es einmal sein: Die Fabrik zu uns'ren Füßen muß uns als Gebieter grüßen, und wir schreiten froh hinein. Brandler entlarvt alles. Zweifrontentaktik mit der Einheitsfront. Die kommunistische Rechtsovposition gibt unter der Führung Brandler» für die sächsischen Landtagswahlen die Pyrole'..E i n h e i t s jft o n t t a k t i k" aus. Zur„Einheit,- front" gehört die„Entlarvung" wie das Amen zum Batsr- unser. Brandler macht in Einheitsfront gleich nach zwei Seiten. er vollführt das Manöver der Zweifrontentaktik mit der Ein- heitsfront. Zunächst entlarvt er die Zentralkommv- nisten. Er offeriert in der„Arbsiterpolitik" der kom- munistischen Zentrale: „Die KPD. soll«vtscheiden, ob sie uns, der KPD.-Oppositwn. Ranm gibt in der Partei für den von uns als richtig erkannten Wtz zur Derwirklichupg her Prinzipien de» Kvmnwnismu« zu wirken. Wir sind bereit, eine gemeinsame W a h l k a m p s, Plg/tform auf der Grundloge unseres Kampf- Programms mit ihr auszuarbeiten." Falls die Zentralkommunisten den Brandler-Kurs nicht schlucken, folgt die Entlarvung auf dem Fuße:„Wenn die KPD. es ablehnt, werden wir getrennt auf- marschieren." Gleichzeitig sollen w i r entlarvt werden nach der Methode 1923. Die KPD. müsse erklären, so fordert die ..Arbeiterpolitik", daß sie unter bestimmten Voraussetzungen bereit ist, eine sozialdemokratische Regie- rung parlamentarisch zu unterstützen. Wie es gemeint ist, erzählt B r a n d l e r sofort hinterher: „Wir haben aus den Niederlogen von 1923 gelernt, wir wissen, daß mit der SPD., den lipken, wie den rcchten, keine Ar- beiterpolitit im Rahmen der bürgerlichen Ordnung m ö g- lich ist." Also Unterstützung einer sozialdemokratischen Regierung, mn sie zu„entlarven". Entlarvung ist die Seele der Politik! Bei aller Bauernschläue, die den guten ollen Hlnrich Brandler auszeichnet, hat er sich mit dieser Zweifrontenent- larpung doch etwas übernommen. Zum Entlarven gehören immer drei«: einer, der entlarvt, einer der entlarvt wird, und der dritte, der's glaubt. Der Dritte aber, der's glauben soll, der Arbeiter, der für Brandler der Trottel ist. mit dem man alle» machen kann— der glaubt's dem guten Hikirich schon lange nicht mehr. Tschechischer Kommunistenjammer. Zunehmende Spaltung und Abwanderung. Prag. 30. März. In dem schweren Konflikt zwischen der kommunistischen Partei- ieitung und der Leitung des kommunistischen Gewerkschasteverban- de, sucht die kommunistisch« Gewertschasteintemotionale zu vermit- fein, um einer vollständigen Spaltung der komniunisii- ichen Partei in der Ischechoslowakci vorzubeugen. Die Gewerk- ichafisinternotionale Hai ein« Abordnung von sieben Mitgliedern in Marsch gesetzt, davon Losowskv als Borsitzenher, ein Vertreter an? d«x Tschechoslowakei, einer aus Polen, einer ans Bulgarien, ans Deutschland H e ck e r t und Merkel und ein Vertreter gv» Frankreich. In dem Konflikt ist es der Abordnung der Gewerkschaft»- international« gelungen, vorläufig für einen Waffenstillstand zwischen den beiden streitenden Parteien Stimmung zu machen. Tschechisch« Blätter berichten, daß di« Abgeordneten und He- natoxen der kommunistischen Partei im Fall« eines Ausschluss.«» au» ihr beschlossen hätten,«in« neu« kommunistisch, Parin oder wenigsten» einen Klub zu grünhen. 2S Abgeordnete und Senatoren feien gegen di» Parteileitung und nur 1» dafür. Di«„Svoboda" („Freiheit") veröffentlicht«in« Erklärung der Oppositionellen, in der festgestellt wird, daß di« Abwanderung»u» der Partei ständig zun«hm«. Der«Inst mächtigen und starken Partei drohe vollständiger Zerfall und politischer Bankrott. Diese 20 Ab- geordneten und Senatoren sprechen dem Politbureau ibl Mißtrauen aus und stellen«ine Reihe Forderungen, darunter die Einstellimg aller Ausschließungen wegen abweichender Anstchten. Ein Eberl- Denkmal. Die badische Gemeinde ft r n m h g ch j i die Errichtung eines Ebert-Denkmals. Krumbach ist i Geburtsort des Batgrs des ersten deutschen Reichspräsidenten, j Hilfsverein— für wen? Wie private WohttStigkeitsvereine aussehen. Hamburg, 30. März.(Eigenbericht.) Por d«m Hamburger Schöffengericht waren zwei Frau«» angeklagt. 386 bzw. 600 M. gisammelter Gelder d««„B« r- bände» deutscher Kri«gsv«t«ran»n" unterschlagen zu hoben. Beid« Angeklagt« wurden freigesprochen. Der Berhand deutscher Kriegsveteranen ist 1894 gegründet, mit dem Sitz in München und fuhrt den Untertitel ,�)ilf»oer«in für Kriegsinvaliden, hiffsdedürftige Beiergnen und deren Hinierbliebe- nen". Sein Zweck ist. Kapitalien zu sammeln und darou? Unter- stützungen zu gewähren. Als Ehrenmitglieder sind u. a. der R« i ch s° Präsident, LeopoldvpnBoyern. General vonMacken- s e n und der tot« Für st Bismarck zu nennen. Auf der Mit- gliederliste findet man verschieden« Generäle, Grasen und Fürsten, wie Hapag, die Hamburger Hochbahn und ander« Unternehmungen, die regelmäßige Beiträge zahlen. Der Verband zog einen pompösen Werbeopparat aus, Aon dem Nutzen der umfangreichen Orgonffation bekommen freilich die Kriegsveterane» ypn 1864. 1866 und 1870/71 wenig zu spüren. Sie erhalten alljährlich zu Weihnachten etwa 30 M. Dagegen erholten die beteiligten Werber osseln? y b i» 2 S Proz. der vereinnahmten Beträge. Auch die Ber- waltungen beziehen höh, Entschädigungen, Lnsgesamt geht runh ein Drittel der gesammelten Gelder für P r o v i s i v n en ab,«l,« sie an die Zentral« kommen, die sich wahrscheinlich ehonfolls noch schadlos hält. „Pioniere in Ingolstadt." Theater am SchiffSaverdomm. Fräulein Rarie-Luis« Jleißer, ein««tüzuckend«. jung« Blondine und besondere Kennerin auf dem Gebiet der Erotik der alten kaiserlichen Armee. Hot ihr« Wissenschaft zur Herstellung einer Reih« von sehr instruktiven Soldatenbildern benutzt. Diese leben«- getreuen Photographien, pon einein ebenso r-olistischen erklärenden Text begleitet, wurden im Theater q m Schiffbouerdamm gezeigt. Das so entstandene Theaterstück wurde begeistert beklatscht und ebenso leidenschastlich gusgepiiffen. Fräulein Fleißes kannte sich für Beifall und Hnpöbesiinq gleichmäßig Kpduickeu. So war ein Theatererfolg zu verzeichnen, dessen Iliffachen noch zu ergründen sind M. H. Zum Anschluß Waldecks an Preußen. Minister Grzesinski begrüßt die Waldecker. Am Montag, dem 1. April, wird her preußisch« Minister des Innern Grzesinski di« Bevölkerung des bisherigen greistaotes Waldeck mit einer Ansprach« in Arolsen begrüßen. Minister Grzesinski veröffentlicht in der„Waldeckffchen Landeszeitung" einen Artikel, in d«m es heißt: „Der 1. April 1929 ist für den Freistaat Waldeck und seine Bevölkerung ein bodeulungsooller Tag. An diesem Tag« gcht gemäß der freien Enffchlleßung der berufenen Vertretung der waldeckische» Bevölkerung der Freistaat Waldeck sein« Eigenstaatlichkeit aus, um fortan aufzugehen in dem größeren Siaotsvcrbond de» benchbarte» Preußen. Der Verzicht auf di« Rechte eine» selbstäudigev Landes zeugt für di« Einsicht her Führer, die in den vergangenen Jahren in Verhandlungen und Beratungen da» Ihre dazu beigetragen haben. die Bevölkerung Waldeifs von der Notwendigkeit diese» Schrittes zu Überzeugen. Es ist ja nicht so,?l» c>h nun Woldeck in Preußen verschwindet und mit seiner Eigenstaatlichkeit auch di« in Wolbeck besiebenden Wert« und Eigentümlichkeiten onigibt. In, Gegenteil, im großen Stoote Preußen sin*» M 0 g Ii ch f, i t« n und Kräsie vorhanden. die nun auch WÄdeck und feiner Bevölkerung zugute kommen«erde». um do» emwick«ln und fordern zu helfen, wo» heut« infolge d«r man- gigndev Mittel noch in Wolbeck hrachliegen muß. Für di« Bevölkerung Waldecks wird di« Zugehörigkeit zum preußischen St»ot»oerbaiG in ihrem bisherig,,, Led-N kein« Veränderung bringen, erst oll- mählich wird st« spüren, daß da» größer» Land für da» bisherige Wqldeck gonz ander» auch sorgen kann, ol» da» bisherig« aus sich allein gestellt« stein« Land. Daruber hinaus ober fft da» Am gehen Wolbecks in Preußen bedeutsam sther di« Gr«nz«n Waldeck» und Preußen» hinaus. Da» Unterordnen und Einordnen in«in« Ganze» zum Wohl« des Ganzen bedeutet für beide Teile für Preußen und für Waldeck— ei» Verzichten, das in Deutschland als Vorbild hervorgehoben zu werden oevdient." tandlagsabgeordnelvr Laenortz. der sür da» Zentrum den Wahl- kreis Aal„-Aach«>, feit 1921 im Landtag vertrat, ist am Aorsreitag gestorben. Für ihn tritt der Syndikus de, Nit.telstsndhguse, in Düren, Dr. Stahlhofen, in die Zentnnnsfraktlon pe» Preußische« Landtags än., 3u Osten, war»um erstenmal der voo profeffar Karow- erfundene drahtlose„Kernleger" w Betrieb, vaut umfassenden Sende- dienste-»erlief die Bescherung zufriedenstellend. Liiwinoff-Protokoll ratifizieri. Polen unierzeichnei auch im Auftroge Rumäniens. alesta«. 30. MSr,. Der hlefige polnisch« SeschöstÄrSger Zelejlnskt deponierte heut« bel der Kowjetregierung dl« polnisch« sowi« in. Auftrage der rumänischen Regierung die rumSnische Rotisikationo- u rkunde de, eil«inoss-Vrototoll». da» den Kellogg. Pakt auedrücklich aus Ruhland und sein« Rochbaru zur Anwendung bringt, pa, Protokoll über die Deponierung wurde vom Auhenkom- miftar t i t w i n o s s und von Z e l c z i n s k i unterzeichnet. Nie französische Kammer geht in Ferien. Auf zwei Monat«!- Inzwischen Gemeindewohlen. Pari». SO. März(Sigendericht.) Do» franzSsische Parlament ist am TonnaberS» auf za»ei Monate in Ferien gegangen. Di« lange Paus« wurde gomährt. um den Dorlamentariern genügend Gelegenheit zur Teil- nahm« an den Kommunalmahlen zu geben. Ihr Grgetini« diirit« für den weiteren Verlauf de? inneren Politik von Ve> deutung fein. Vor der Vertagung wurde der nom Henat an die Kamm« zuriukverwiefene N a ch t ra g»« to t mit<7? gegen U0 Stimmen angenommen. Außerdem wurde für die bevor st ehende Hundertsahrfeier Algeriens ein Kredit von nicht memger al» Zv Millionen Franken bewilligt. Äürgerblock gegen Lton Blum. pari». 30. März(Sigendericht.) Im Wahlrkeis Varbonne, wo der Sozialist L�on Blum für eine Nachwahl zrir Kämmer kandidiert, haben die Radikalen sofort erklßrt. doh die Korchidatur Blum» ein unfreundlicher Akt gegen ihre Partei soi und daher bi» auf» Messer bekämpft werden müsse. Jetzt haben die vereinigten Reokttonoparteien befchlpfsen, geschlossen für den radikalen Gegenkandidaten Blums einzutreten. Die Wahlau-stchton Blum, sinken damit fähr beträchtlich, zumal bei der vorigen Wahl der Sozialist nur mit geringer Mehrheit über den Zladikolon zu siegen vermocht«. Oer Rückzug der Rebellen. Mordplaa gegen Calles. Mexiko- Stadt, 30. März. fEigenkericht.) D>« militärischen Aktionen der Regierungstruppen gehen plan- mähig weiter. Vorläufig permilden dl« Rebell«» immer noch einen Aufammenstoh mit der Kundesarmee. Sie ziehe» sich nach wi« vor nordwärts zurück. Die Eroberung de« Rehellenhaupt- quertler, Ylmennen ist zu erwarten. PWftlich der Grenzstadt Ragale» im Staate Sonor« tauchten plätzlich Kundestruppen auf und eroberten die vorgeschobene iZtrllung der Aufständischen bei Mesquite. Die Rehellen wurden über die USA.- Grenz« getrieben und von den Beamten der amerikanischen Eimvonderungsbehörden entwaffnet und interniert. Roch Mitteilungen des Konsul, in El Paso(Texas) hatten die Nebellenführer die Absicht, Calles durch gedungene Mörder inmitten der Regierungstruppen töten zu lassen. Näher» Einzelheit»« darüber fehlen nach. parteiiag der ZLP. Oer sozialistische Bortrupp der englischen Arbeiterbewegung covdaa. 30. März.(Eigenbericht-) In C a r l i» l« wurd« am Sonnabend der Iahr«»kon- greh der Unabhängigen Labaur Party(YLP.) rräffn«». Der Präsident des Kongresses, Maxtyn, führte In seiner Be- grühungso»sprach« ou». daß die Entfernung, die sie von, fozialifti- sche» Staat lrenn«, nicht s» sehr pon der Partei al» von der Em schluhkraft, dem Mut und dem Glauben d«r großen Mass« abhänge. D'« JLP. fei«ine sozialistisch« Partei mit»inew lozialisiilch,,, �iele. Si« soll« die Wählerschaft hi-s misten lassen. Di« Mitolieder t*x Ponej mühten offen und ehrlich verkünden, dqh sie s Ü e o« n SozialiKmu» kämpften. Per.Gaulais'.«M d«", hqxüchtigten diütchfetsidlichsn und faschistischen Parsümfadnkqiüen Cotn gehörendes Klchzs. hat sein Srschoinin eingsstellt und w'rd nüt dem..Figaro ver- !chftwlz«n, E» bestand 64 Lahr» sang. Für die aupgebrannte„Europa" hat sich ein« überraschende Ber- wendnng gefunden: Sie soll als Gondel eines Doppel- zeppellns in Betrieb genommen werden. Tli. L. Warschau, 29. März. Die polnische Presse Hot e» sich angewöhnt,«mmol ums andere die Vertreter deutscher Zeitungen in Polen megim ihre? Berichterstattung anzugreifen, und zwar in einer Weise, die sich auf die freie Avsübung der Bericht erstathmg nur ungünstig auswirken muß. Es mag dahingestellt bleiben, ob einzelne Meldvn- gen aus Polen, die in der deutschen Presse erscheinen, immer ein objektives Bild der Verhältnisse abgeben: der„Vorwärts", dessen Unporeingenmrmenheit Polen gegenüber in der Regel auch von hervorragender polnischer Seite anerkannt wird, booucht zu den genepatisierenden Angriffen auf die deutsche Presse, die in polnischen Zeitungen immer wieder erscheinen und denen sich einmal selbst der Außenminister Zaleski angeschlossen Hot, nicht auf sich beziehen. In- dessen sei es erlaubt, auf den letzten Angriff des Krakauer „Kurie r", eines der Regierung nahestehenden Organs, nicht lärnjer einzugehen, als es in der eigenen Sache üblich ist. Der„Kurier* beonstairdet die letzte Warschauer Meldung des„Vorwärts" Über die gegenwärtige polnische Regierungskrise und vermutet dahinter nichts Geringeres, als eine solidorische Aktion der polnischen hnd deutschen Sozialdemokratie, j» sogar der 2. Internationale, zu dem Zweck, die polnische öffentliche Meinung zu beeinflussen, und zwar, wie aus dem Kommentar des Krakauer„Kurier" hervorgeht, selbswerständlich in einem für Pvlen ungünstigen Sinne. Zu derartigen Zwecken Hab« die polnische Linck» Pen„Vorwärts" bereits wiederholt benutzt. Die Behauptung, daß eine Veröffentlichung im„Vorwärts* ge- eignet sei in die polnische Innenpolitik einzugreifen, mag überaus schmeichelhaft sein, in diesem Fall« reiht.sich aber die Konstruktion des Krakauer Blattes in die geradezu lächerlichen Derdäch- tigungen der polnischen Presse unter der Adresse der deutschen Korrespondenten ein, deren Meldungen nach ihrer?lnsicht nie etwas andere» bezweckten, als Polen zu schaden. Im vorliegenden Falle wurde die Meldung über eine Intervention des amerikanischen Finanzkontrollcurs Dewey beim polnischen Staats- Präsidenten vom„Kurier* beanstaichet. Es fällt auf, daß di« ein- beutjge Wendung, in der diese Moldung ausdrücklich als Gerücht bezeichnet wurde. In der sonst wortgetreuen und vorzüglichen Heber- setzung des„Kurier,* fehlt. Nicht nur di« Seen bei Berlin waren zu Oster« noch gefroren. <*s hat sich auch noch et» Schneemann überraschend gut dprch den Winter gerettet, dem offenbar die Krühlingsfonne nur wenig anhaben kann. Der fremde Berichterstatter in Polen ist unter den bestehenden Verhältnissen, deren Unklarheit sich durch die plötzlich« Schlie- stung der parlamentarischen Session vor der Erledigung einer ganzen Reihe wichtigster politischer Fragen noch vergrößert Hot, aus Gerüchte angewiesen, die wiederzugeben seine j o u r n a l i- stisch« Pflicht ist, ohne Rücksicht auf deren für Polen angc- nehme»der unangenehm« Tendenz. Es ist die Privotansicht des Berichterstotters, daß die betreffende Meldung, die auf«inen bevor- stehenden Kurswechsel m Polen, auf die Möglichkeit einer langsamen Rückkehr zum Parlamentarismus und der Demo- k r a t i« hinwies, dem polnischen Ansehen im Auslände eher nutzen als schaden konnte. Tkeue Drohungen gegen Genossen Dr. Liebermann Warschau, 30. März. Der sazialdem»krat«sck>«„R o b o t n i k* oerzeichnet heute wiederum Drohungen, die gegen den Ankläger des Finanz- Ministers Czechowicz, den Sozialdemokraten Lieber mann, erhoben worden sind. Solch« Drohungen sollen sogar in einer ofsi- z i e l l« n Sitzung der Fraktion des Regierungsblocks ausgesprochen worden sein. Das sozialistische Blatt erklärt, daß die Sozialisten ent- schloffen seien, in seder Lage Gleiches mit Gleichem zu vor- gelten. Zudenfeindliche Ausschreitungen. Warschau. 30. März. Wie erst jetzt bekannt wird, kam es am 27. d. M. im Dorfe Biqlaczow.in der Woiwodschaft Kselce zu judenfeindlichen Ausschreitungen. Die dortige jüdische Jugend veranstaltete den all- jährlichen P u r i m u m z u g mit einer Puppe der biblischen Person Haman. Eine Gruppe polnischer Jugendlicher entriß ihnen die Pupp«, nagelte einen Querbalken daraus, so daß sse die Form eines Kreuzes annahm, und mallen auf die linke Seite der Figur ein« rote Wunde. Dann schlugen sie in siebzehn jüdische» Häusern die Scheiben ein. Amtlich wird versichert, daß im Gegensatz zu um- lausenden Nachrichten Juden bei diesen Ausschreitungen nicht v e r- prügelt worden sind. Das neue franzöfische Varteihaus. Ein Zeichen des Aufstiegs und der Opferfreudigkett. Pari», End« Mörz. Seit einigen Tagen leuchtet abends in der Rue-Viktor-Mnssä im Montmatre-Viertel zu Poris eine helle Lichtreklame:„L e Popu- la i r« Da» ist da» neue Haus der f r a n z ä I i j ch c n So- zialistijchen Partei und des Verlags und der Redaktion der Pariser Sozialistenzeitung. Die Redaktion des„Populaire" ist bereits in ihre neuen schönen Räume im Erdgeschoß des Hauses eingezogen. Die Partei wird bald folgen können. Im Juni, um die Zeit des französischen Parteitages, der in diesem Jahr zu N a n c y abgehalten wird, findet die f c t e r l i ch e Einweihung des ganzen Ge- bäudes statt. Als nach dem Kongreß von Tours, der zu Weihnachten 1920 stattfand, 120 000 Mitglieder der Partei zu den Kommunisten über- gingen und nur 30 000 bei der sozialistischen Fahne blieben, da konnte die kommunistische Mehrheit auch hie von Jaures 1908 gegründet« alte Arbeiterzeitung„H u m a n> t ä* zu sich hinüber- zuziehen. Di« sozialistische Partei fand in einem Hause in der Ru« Feydeau einen kärglichen Unterschlupf.„Le Populaire*, der zwei- mal im Mannt erschien, wurde ihr Organ. Aber bald wandten sich die Massen wieder von den komumnissischen Heilskündern ab. Bald sah man immer mehr ein, wie die bolschewistische Propaganda die französische Arbeiterbewegung zugrunde richtete. Und so tonnte vor zwei Iahren der„Populaire" wieder Tageszeitung werden, nachdem es die sozialistische Partei wieder aus 10 0000 An- Hänger gebracht hatte, während die k o m m ,» n i st i s ch e Partei sogt nur nach 2 ö 000 M i t g l i ed c r zählt. Erst mietete die Redaktion des„Populaire" zwei kleine Räumchen im?. Stock der Linkszeitung„peiwre*. Dann zog sie nach einiger Zeit in das Pyrteihaus in der R?u! Feydeau ein. Nun endlich hoben Zeitimg und Partei ihr« i g» n e s Hau? in Pari?! Äl» de?„Populaire* im September vorigen Jahres in immer weiterem Ausstieg war. da wurde ihm der Kauf eine» eigenen Hausee in d«r Ru« Bietar-Massä angeboten. Am 23. Oktober kaust« er da? Haus für 700 000 Franken. Aber woher sollte er das Geld aus- bringen können? 200 000 Franken waren sofort fällig. Diese nahm man aus der Rcseroekosse des„Populaire", die dadurch mit einem Schlage leer wurde. Dann eröffnete man eine Sammlung unter den Parteimitgliedern. Am 9. Dezember veröffentlichte außerdem der„Populaire" einen Appell an seine Abonnenten, durch di« er sie bittet, schon im voraus den Abonnementsbetrag für drei, sechs oder zwölf Monate einzusenden. Bereits am 12. Dezember waren 7671 Franken für längere Abonnements eingelaufen, ain 13. Dezem der 7508 Franken und allein am 18. Dezember bereits 55 572 Franken 80 Proz. der Abonnenten fügten außerdem den Abonnementspreie für«inen weiteren Monat als freiwillige Spende bei. 50 Prpz. vor ihnen schickten sogar noch größere Spenden! Am 1. Dezember 1918 hatte der„Populaire* 20 175 Abonnenten, wozu man noch tausend« täglich im Straßenhandel zum Verkauf kommende Exemplare rechnen muß, während er am 1. Dezember 1927 nur 16 986 Abonnement» hatte. Gleichzeitig wnrde eine Spendeliste eröffnet. In allen 3S0t Ort»» grnppen der 107 000 Mitglieder zählenden Partei wurde bei jeder Zusommenkunst für das Parteihaus gesammelt. Die» obendrün in einem schlechten Moment. Denn erst für die Kammerwahlen im Mai vorigen Jahres hatte die Partei sehr an die Opferfreudigkeit oll hrer Mitglieder appellieren müssen. Trotzdem kann der„Popvkire* soeben sein« 132. Spcndeneingangslist« veröffentlichen! 670170 Franken sind bisher an Spenden eingegangen! Zum 50. Geburtstcq der Partei, die 1879 auf dem?lrbeit«rko»grcß von Marseille gegründe wurde, hat die französische sozialistische Partei wieder ein eigene» großes Organ, dessen Zukunft gesichert ist. Jetzt konil jeder sranza- fische Genosse in Pari« an dem neuen Hau» in der Rue Yictor-Mässö mit d«m stolzen Bewußtsein vorbeigehen: An. diesem Werk habe ich durch meinen kleinen Spenden beitrog und durch die Werbung NN» Abonnenten für mein Parteiblatt selbst mitgearbeitet. Kurt Lonz polen und die deutsche presse. Halilose Angriffe auf den„Vorwärts"-Korrespondeuien. liitwlionalß WWW AUSSTELLUNG>>HEIMAUFBAU«-°--N--u-l-IU-,,--UNp?-EC'!M-SS5'GES f IM ERDGESCHOSS MEINES HAUSES. Bisher mehr a I s 9000 B�su et n— h— �sEan JEDERMANN der Ausstellung Am Karfreitag verstarb unser lieber hoobvorehrter Chef, Herr Malermeister Emil Bendisch Mitinhaber der Firma Gebr. Bendisch Berlin W 30, Schwäbische Sir. 7. Der Verstorbene, der uns stets ein Vorbild treuer Pflichterfüllunjj war. wird uns unvergessen bleiben. Die Beerdigung findet am 3. April, nachmittags 3*/, Uhr, auf dem Dreifaltigkeitskirchhof, ßergmannstr. 30-41, statt. Die Poliere und Gehilfen der Firma Gebr. Bendisdi. ßeDtsdier Meiallarbeiter-Ilerliaoi] Verwaltungsslelle Berlin Am 25. SSorj ncrflatb»lichlich durch Hrrifchlag unser Inngjährigrs Mit- glicd, der Wcrkzougmachrr Otto Max Ehre seinem Andenken! Die Siiiascherima studrt am Mill- woch. dem 3. April. 19 Uhr, im Stcmalotium Gerichlilraße(tatt. Um rege Belelligung wird gebeten. vi» Oelnoerwalkung. PlöbUch und unerwarle! verschied am Manlag, dem 25. Marz, abends 7'/, Uhr, Im Kreise seiner Äallegen in der Werkzeugmacheroerfammlüng unser Belriebsratsvarsizender Otto Max Chre seinem Andenken. nie Belegschuft der Firma Schmidtchen& Co. Einäscherung am Mittwoch. 3. April, 19 Uhr. im Kremaiarinm Senchtllrahe. Am Mittwoch, dem 27 März, nach- mittag»>>', Uhr. enttchiief sansl nach langem schweren Leiden im Atter va» 67 Jahren mein lieber Man», unser guter Vater, Schwieger- und Kraß- valer. drr pensianierl« Krankenkassrn- beamle I�udolk Beutel Dies zeigen tiefdctriibt an Johanna Oeuicl. geb. Sülm nebst Kindern. Berlin O 112 Dastestr.>4, Die Einäscherung findet am Mitt- wach, dem 3. April, nachm. 2(14) Uhr. im Kremalarmm Baumschulenweg, Kieshalzstrahe, statt. für 9"* pRlHA-"* ***** mm Luckenwaide ilitf�; II. Klasse 2.80, Sonnt m, Rücstf. 2S0 u. 3,80 M. Stadt v herri. Waldgürtel umg, Laub-u.Nadclwatd. Ausllug z.H. Golm, 178 m. Günstig. Zugverbind. m.Betlin. lohnend«« wocheneodiioi. Auskunft im Verkehrshureau Karl Grischkst. Breite Str. 30. Fernrul 800. Am Donnerstag flotb»ach langem, schwerem, mit unendlicher Geduld er- tragcnem Leiden meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter uns I Sd>wiegermutter Emma Hübner. Die trauernden Hinterbliebenen. Einäscherung Dannerstag. 4. April,! nachm. 3(15) Uhr tn Baumschuleirwea. sffiS"' Betten SS� « Kinderbetten, Polster. SchUlzimnier. Cluise- — longuesan Private. Ratcnzahig.Ratj� 267 trsi■ o#hli»nbotf**** ; Eisannumenanrm suhl rrnor.) V' � ab Krüuau, Bahnsdars bi» Kitchplab über 90 Parzellen ort der Schöneielber Ehaussee. Berk d. Restparzellen gm t M an. 33«. käufer Sonntags anwesend. C A. Winkler Zehle-darf Mitte Tettawer Str. 8 Dr. üeaiBdike Wcißcnburger Straße 76 übernommen. Sprechstunde von 8—10 u. 4—7 Uhr. Telephon;».Vincta" 2775. Dr. R. IHenberg. Abttur. vberiekunda. 3?ocniitfog-> schule. Adeubkurse. Direktor Dauztgers Parbcreituugsanstali, Alte Zakabstr. 124. G i rs chinerstraße 1. mt sdiiA eie�oDt ist dafür bekannt. Sie erhalten bei mir den gediegenen Mal? Anzug PaBefol oder für nnd ps. 138.- aus prima Stoffen, guten Zutaten U.Verarbeitung. Trotzdem Teilzahlung bis 6 Monate! MatscUderei J. IftirZbCfg nur Orunlenstfr. 160. 1. verband der Baffbinbcr und Copieroeratbeiler Ortsverwaltung Berlin. Todesanzeige. klen Mitgliedern zur Nachricht, daß ütt« Kollege Hermann Piebatzek jttflorbtn ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Diene- tag, dem 2. April, nachmittag» 2V» Uhr. ans dem Kemeindetriedbas in der Bumdatbistraße in Reinickendars statt. Rege Beteiligung erwartet vi« Oeisoermnltung. Am Mittwach. dem 27. März, ver- schied nach kurzem Krankeulager meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Panllne Sandmann im 79. Lebensjahre Dies zeigt tieidetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Paul Sandmann, BIn.-Briß, Rndawer Str. 8. Einäscherung: Mittwach. 3. April, Norm 3>,,Uhrj!trem.Baumsch>tlenweg. Für die tt Ostreichen Warle und die herzliche Teilnahme wwie vielen Spenden bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, Sohnes, Bruder«, Sdiwager« und Onkels, des Heizers im AEG.-Werk Berlin Fögsr Sdiellbadi iagrn wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. vle Hintrrblf ebenen. Bln.-Kharlvt!enburg. den 30 März. diseb siebenjähriger Tätigkeit hü! den inneren Abteilungen der Krankenhäuser Moabit und Friedrichshain, im Kinderkrankenhaus Reinickendorfer Strhße und aaletzl auf der Kinderabteilang des Krankenbatues Fricdriduhain habe ich mich als Facbarzt f. Säoglings- 11. XigdarkraRlilieiten in der WelnmeUterstraHe 9, 2 Portal, niedergelassen.— Sprechst.: Wochentags 8—9, 4— 5 Uhr, auBer Donnerstag nachmittag.— Telephon; Norden S.O. Dr. Ernsl Bernhard Ich habe meine Praxis von Karl- str. 36 nach SdMerg, Kaisef-Wiltielin-Plati 2 Tel.: G. 1 Stephan 760, verlegt Dr. med. Ernst Gottheit Augenarrt. V # 4? I.Rate I.Juni 1929 Spezialangebot Schlafzimmer 180 cm, Eiche kompl. mit Patentboden und Steiligen Indiafaser- Auflagen, 2 Polsterstühle la Qualität nur RM. 950.- 24 Monate Kredit -f- t0/ö pro Monat auf den Restkaufpreis Hob. SeeHiscii Rigaer Straße 71-73/ Rosenthaler Straße 9/ Landsberger Straße 56 begründet 1876 Spielplan unserer ktullurabteilung. In her Wache vom 2. bi» 7.»pril: I Othello, b« Mahr van Beliebig. 2. Techuucher Film. 3 Humares'.e. Z» der Woche vom 8. bis 44. April: I. Zwischen Slagerrak und Imaira. 2. Eisbrecher. Rrosfin". 8. Tkchniicher Film. 4. Humareste. Zn der Woche vom 45. bis 21. April: I. Nuri, der Eleiant. 2. Maar- und Oedlandttilsiaierung. (Durch ZräSfilm gezeigt.) 3. Humoreske. Zu der Woche oom 22. bis 28. April: I. Der Nmg ber Bajadere. 2. Berusskrankheiten und Gesundheit». schuß der Metallardetter. 3. HumoreStc Ansragrn wegen Uederlasiung und Besuch der Abteilung sind telephonisch oder schritt- ich an die Kutturabteilung(Bureau: Linienstraße 83 85. Zimmer 201 zu richten. Sie OttBoeimoUnnfl. Bekanntmachung. Die Versteigerung der tn den Monaten Zuii, August und September 1928 versetzten und nicht eingeidsten Piänder findet am Dannerstag, dem 18. April 4929. vor- aitttag» 9 Uhr, für Wäsche-, Kleider- piänder usw.. und am Freitag, dem >9 April 1929. varmittagK 9 Uhr, sür Gold- und Wertsachen tm Rathause Berun-Rettkäün gegen sosortige Bar- zahlung statt. An den genannten Tagen bleibt da» Leihaml geöffnet Berlin. Neutalln. den 19. Mär, 4929. Städtische» Leihamt Sertiu-TkeuISlla. tfr. 151* 46. Iahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag. 31. März 1929 Bevor wir Weltstadt wurden Berliner Cafe aus der Zeit Menzels. Ostern hat der Mensch ein Recht, im Amen dem neuen Sprießen v?n Baum und Blüte seine Huldigung darzubringen. Sei es nur im Garten des s o s f c e h a u s e s. nm die lackierten Stühle für dos Weiß der Schneeglöckchen und Anemonen auskommen müssen! Aber das Tempo der Weltstadt rasiert unerbittlich die paar grünange- bauchten Vorgärten fort, selbst das varodies des Potsdamer Plastes. dos Cafe, das ein paar Generationen vergnügungssüchtiger Berliner beglückte, zieht sich aus dem Getümmel des Verkehr» heraus. Für das verschwinden der Grünslächen mit Mokkadnst entschädigt nur schwach die Acbermacht der Rachtetablissements! Berliner Rochtleben...es war immer schon heftig bewegt und niemals mehr in leidenschostllcher Wallung, als zur Zeil des Arühlings. wo der Asphalt noch yon dem Rebel dampft, der Sonnenstrahlen an- kündigt. Als Zeuge für diese cebenssreude mag uns heule der märkische Wanderer Theodor Aonlone dienen, der zeitweise auch seine Schritte durch die noch schüchterne Großstadt lenkte. Eine seiner Studien, die den Bummel im nächllichen Berlin der 80er und ävec Zahre schildert und seit- ihre«, Erscheinen in einer längst per. gessenen Zeitichrist unbeachtet geblieben ist. mag hier wegen der Originalität in der Milieuschilderung namentlich der»ganz alten Zeit" fröhliche Auserstehung finden. In diesem zweiten Teil hat der Dichter einen Gefährten aus der jugendlichen poetenschaor geschildert, die seine Autobiographie„Bon 20 bis 30" vorführt. Der hier genannte„covdolso" dürste mit Arist E s s e l h a ch identisch sein, dessen Areundschost Aontane wiederholt erwähnt. Fontane hat das Wort: isso. „... Kurz vor zwei Eintreffen bei Bauer. Alles noch voll und belekt, sogar I>eiter, so weit die Gäste mitsprechen. Aber anders das andere. Die Gaslichter zeigen bereits«inen Ton, als wäre Gaze darüber gebreitet, und die Bilder an den Wänden erscheinen wie Schemen und beginnen der Luft derer, aus die sie herobblicken, einen sonderbaren Anstrich zu geben... Die Gaskronen ver- schleien, sich immer mehr, und selbst der Tapfersten bemächtigt sich ein Gefühl von der Zeitgemäßheit eines geordneten Rückzuges: und siehe da, che der Hahn kräht, wird er totsächlich angetreten. Aber es ist erst drei. Wohin? Gott sei Dank, eine leicht zu beantwortendc Frage. K a i s c r h o s! Und unsere Freunde brechen auf, eine ziemliche Strecke(„wir heften uns an eure Sohlen, das furchtbare Geschlecht der Nacht") verfolgt von den Erinnyen der Friedrich- st r a ß e. Aber über die Schuldlosen haben sie keine Macht, und, nach glücklicher Erreichung der Mohren st raße. wird alsbald auch der Koiserhof gewonnen. Er macht den Eindruck wie jipnänd. der später aussteht und deshalb auch später müde wird: es fehlt ihm noch ganz das hippokratisch« Gesicht, der verzerrte Zug der Heiter- keit, und nur die Genuß- und Berpflegungssroge beginnt unseren Neueingetretenen einige Schwierigkeiten zu bereiten. Man kann mit Kaffee nicht bis ins Unendliche vorgehen. Also Sodawasser mit Kognak. Ein Summen und Surren in der Luft, auch eine Wolke von Tobak, und nicht? bestimmt vernehmbar als das Klappen der Blllardbölle und mitunter der feinere Ton umsollender Kegel. In den leer gewordenen Ecken wird das Gas ausgeschraubt, alles deutet auf Schluß, aber immer langsamer rückt der Zeiger vor. Dem Glücklichen schlägt keine Stund«, leider- dem Wartenden auch nicht. Endlich Dämmerung. Gott sei Donk. Und mit ihr zugleich ziehen graue Gestalten herauf und beginnen Walser zu sprengen und die Stühle, die vier Beine noch oben, aus die Tisch« zu packen. Auch Besen und Schippe werden sichtbar. Sogar ein Eimer. Jeßt ist es Zeit, um 5J4 ist der Bahnhof erreicht, und ehe noch dreimal zehn Minuten verstrichen sind,- rasselt der Frühzug über Kanal und Diadukt dahin... 184-0. Bor 40 Jahren lag es anders, weniger bequem: aber für den Eingewechten gab es auch damals schon Plätze, wo man die Nacht- stunden in aller Gemütlichkeit hinplaudern konnte, dabei„weniger der Not, als dem eigenen Triebe gehorchend". Die Pollerabendprobe am Alexanderplatz hatte sich bis l Uhr hingezogen und ließ im Herzen zweier Dichterfreunde den Gedanken aufkeimen,„baß es noch zu früh zum Nachhaufegehen sei".„Wir haben heute den längsten Tag. also die kürzeste Nacht. In zwei Stunden ist Sonnenausgang: den dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Ost kommt man nicht dazu. Wir wollen in den Tiergarten." „Ein bißchen weit." „Nun wir können ja Station machen." „Wo?" „Bei F i o c a t i." Widersprechen war nie mein« Sache. So steuerten wir denn auf den Mühlendamm zu(damals noch mühlendammriger als heute), wo Giuseppe Fiocati, Hort an der schluchtartig hier ein- Cafe Josiy an der„Stechbahn" schräg gegenüber dem Schloß. mündenden Fischerbrücke, seine Konditorei hotte. Di« Klänge der Singuhr begleiteten uns durch die Strqlauer Straße hin über den M o l k e n in a r 1 1 fort. Als wir an das Fischerbrückcn- Deiile herangerückt waren, bog Londolfo, Mit scharf link?, in einen dunklen Torbogen ein und überstieg, während ich solgle, ein nach der Wosserseite hin ge- legencs Stück Zaun, hinter dem ein Hof lag. Eigentlich nur ein Loch, vollgestopft mit sa»urchtbarein Gerümpel, wie man's nur bei einem italienischen Konditor alten Stils und dritten Ranges norsindcn konnte. Zwischen Topsscherben, Kartosseln und teils zerbrochenen, teils durchgesessenen Stühlen hin(ich sehe noch einen Kinderstuhl mit einem Loch in der Mitte) gelangten wir bis an die Hinterwond des Hauses, wo Londolfo, der hier wundervoll Bescheid wußte, gegen einen nur angelegten Fensterloden energisch.zu klopfen begann. Diesen Loden ohne weiteres aufzuschlagen und hineinzusehen, halle selbst Londolfo nicht den Mut. Als er das Konditorei Gumpert, Königstr. 22, um 1865. Klopfen drennol wiederholt hotte, hörten wir:„Was gibt's?" „Onvrer, Fiocati"(öffnet, Fiocati).„Chi?"(wer).„Londolfo." „Ah, il benvevuto"(willkommen). Wir hörten nun, daß der Schläfer drinnen rasch aufstand, und während er seine Toilette mochte, der primitivsten eine, wie sich bald zeigen sollt«, kletterten wir über dos Zaunftück wieder zurück und nahmen Ausstellung in Front des Lodens, der einmal elegant gewesen sein mußte, wie die nicht mit Oelforbe, sondern mit einem weißen Lack gestrichenen Fensterkreuze sammt Wessingstäben und Gillerwerk deutlich ocr- rieten, lind nicht lange mehr, sa gab es drinnen einen Puff, ein« Gasflamme wurde akigezündct und gleich danach härten wir, wie mit starker Hand eine mächtige Eisenstange zurückgeschlagen wurde. Dann öffnete sich die Tür, und Fiocati stand vor uns. Hamlets Ausruf, als er seinen Voter aus der Terrasse erscheinen sah, gibt ungefähr dos Grauen wieder, mit dein ich auf den Nachtkanditar blickte. Nur die weiße Mütze konnte für standesgemäß gelten: olles andere mochte der Situation, ober sicherlich nicht der Acsthetik ent- sprechen, am wenigsten den Ansprüchen der Sauberkeit und Dezenz. Er trug rote Plüsch-Poriser samt hcchisarbener Hose, für deren Verbleib an sittlich und gesellschaftlich vorgeschriebener Stelle nur sein Embonpoint einigermaßen Bürgschaft leistete. Dos volle krause Haar war schon, aber doch auch ängstlich, und ich wäre für Rückzug gewesen, wenn nicht dos gutmütige große Gesicht mfi den klugen und lachenden schwarzen Augen über alles hinweggeholfen hätle. „Nun, Amigo, was können wir noch hoben?" „Eioccolata?" „Vene." Und während Fiocati jetzt ging, um aus seiner Küche das Nötige herbeizuholen, setzten wir uns an einen Lesetisch in Nähe der Gasslamme, wo die Tagesliteratur, an schmutzige Holzstncke be- festigt, ausgestapelt lag:„Der Freimütige",„Der Lolkslreund", „Der Komet",„Kühnes Europa" und vor allein der„Berliner Figaro". Dos war iinjcr Houptbloll. Darin waren wir selber zu finden, mit Versen, in denen jeder jede Woche wenigstens einmol starb. Meistens für's lBaterland. Denn es war die Herwegh-Zeit... Fiocati kam wieder, ini.Kostüm unverändert, im übrigen ober niit ollem ausgerüstet, was er zur Herstellung der„Eioccolata" nötig hatte: Napf, um Spiritus hineinzugießen, und ein Dreifuß mit Nand, in welch letztere» ein hohes kegeljöriniges Bleichgcfäß hineinpaßt«. In diesem stand ein Quirl. Nun„Eioccolata" samt Wasser hinein, den Spiritus angesteckt, und eine Minute später begann auch schon jenes virtuos geräuschvolle Quirlen, dessen nur«in italienischer Konditor sähig ist. Endlich war alles fertig und dos Blechgesäß samt Quirl erschien au naturel in niiserer Mille, will sagen, gänzlich unkeraubt jener Ornamentik von Spritzflecken und brauneii Rinnen, die das rasende Quirlen mit sich gebracht hatte. Dazu die bekannten Eorionder-Biskuitchen, ober nicht in der herkömmlichen Dreizahl, sondern übereinander getürmt, pyramidal. Und»u» setzte sich Fiocati zu uns, machte den Wirt und war ganz Politik und Literatur. ... Eine Stunde brachten wir jo hin, und 2 Uhr war vorüber, fertizeL Oderdett UedeMsleen Steppdecken _ C«4:„ D„ L r ai 4 A A i n. graurot Inlett, mit grauen"jT redern.......... ä»35 Sommer- Daunen Bett-Decke leicht— praktisch •chtt0rKi9Ch-rot,l|l«,gold, ch i a l�k i r ch t u r in aufs Neu« ft'in„Ueb' immer T,rcii und Redlichkeit" anstimmte, hörten wir. wie drinnen wieder eivgebalzt und die Eifenftonge vor- gelegt wurde. Der Wächter pfiff, und um St. Nicolai herum, lag schon ein TagkZschimmcr. „Wohin nun?" „Nun.un'ws'igerlich in den Ticrga-rten. Um S Uhr ist Friihkonjert inr Hofjäger." „Das ist no«t> lange." „Tut nichts� mir machen den Umweg über Charl'otten- b u r g." Und nun ging es an den Zelten hin, unter ständigem Zitieren aus Herweich, der eben damals in die Mode gekommen war.„Ich möchte h�ng«!l>en wie das Abendrot usw.," welche sen- timentnle Seite der Hchwegh-Poesie mir besonders zusagte, während lkandolfo die politische verzog und beständig„Flüche gegen Rom" herbeischleppte. Noch einen Fluch schlepp, ich Heibei; Fluch über Stich, o Pctri Sohn, Fluch über lt�eine Clerisei, Fluch über Dianen Sündentron usw. Weithin rollten diese tvonner über die Spree hin. aber es war immer nur Landolfos Stimme, die meine fehlte... Und nun fiel das reflektierte Frühlicht auf die Charlottenburger Schlaßkuppel, und wieder emr Stunde später, so sastev wir wirklich im„5? o f j ä g e r", gleich bcgwuig auf Musik und Morgenkaffee. Das war Anno 42. Anno 45 waren wir das letzten«! bei F'ocati, weniger spät als gewöhnlich, kaum Mitteo.nacht. Landolfo gerierte sich so sonderbar, sprach viel, aber zcrt'treut wie jemand, der mit seinen Gedanken ganz wo anders ist. Ä'.nn folgte der übliche Spaziergang, diesmal nicht draußen vor den Taren, sondern, iimcrholb der Stadt. Viele Male gitigen wir die De'rotheenstraße, darin ich damals wohnte, zwischen dem Tiergarten und dem K a- st a n i e n w ä l d ch e n auf und ab. Endlich Abschied.. Schlechte Wetteraussichten. Unbeständig und kühl an den Ostertagen. Nach den schönen und warmen Frühlingstagen, die bis zur Mitte der vergangenen Woche andauerten, ist Nord- und Mitteleuropa in ein ausgesprochenes Schlechtwetterg e.biet geraten. Die Wettervoraussagen für die Osterseiertage lauten darum wenig erfreulich. Für den ersten Feiertag wird kühles und unbe- ständiges Wetter init vereinzelten Regen- und Graupelschauern, also richtiggehendes Aprilwetter, vorausgesagt. Z�e Temperaturen werden sehr niedrig sein: als Tagesmaximum wird mit etwa(5 Grad Wärme gerechnet Am 2. Feiertag wird das Wetter ähnlich sein. Die ganze Wetterlage wird durch tiefen Druck im Osten und hohen Druck im W e st e n charakterisiert. Die Folge ist ein ausgedehnter, breiter nördlicher Luftstrom, der heute schon das ganze nördliche Europa und die Ostseegelände beherrscht. Dieser .Luststrom führt aus den Polargegenden kalte Luftmassen heran, die überall von wesentlichem Einfluß auf die -Temperaturen sind. Farmer Langkopp ein Michael Kohthaas? Kommunisteniympothien für Kapitalisten. V Der Prvzeß gegen den Farmer Langkopp, der im Reichs- entschädigungsamt eine Höllenmaschine zur Explosion bringen wollte, beginnt mach den Osterfeiertagen. Eine geschickt« Verteidigung sucht durch systematische Propaganda von vornherein dem Angeklagten die Sympathie der Ocffentlichkeit zu sichern. Namentlich bei der iftmnmunistenpresse ist ihr das gelungen, die in Langkopp einen zweiten Michael Kohll)aas sieht, einen verzweifelten Kämpfer ums Recht, den mir die boshafte Ungerechtigkeit der Behörden zur Ver- zweistung getrieben Hobe. Ein Mann, der mit Höllenmaschinen gegen Behörden arbeitet,— wie sollt« der den Kommunisten nicht hachsympathisch sein?! Romah einer Revoluiion. Von GecltAri MerrwAnn Mosfat Friederike kam wieder an das Fenster zum Jnnenhof. Das Licht gegenüber brannte noch immer. Die Vierecke der Scheiben waren heute von unregelmäßig gezackten Linien um- rahmt. Girlanden waren herumgezogen und Tannengrün— selbst da oben im dritten Stock! und um ihre eigenen Fenster; und, sie sah es deutlich im Schneelicht, um alle Säulen und Erker rings— alles des Dessauer.Herzogspaars wegen, das morgen zu Besuch kommen sollte. Und den ganzen Re- naissanceflügel entlang lagen noch Tannenzwcige auf dem Boden, mannshoch, die noch Verwendung finden sollten. Frie- derike fühlte einen bittern Geschmack im Mund. Die guten Bernburger würden das Paar bejubeln, natürlich, und der da oben- entwarf jetzt wahrscheinlich den Festplan, würde sich devot verneigen--- pfui Teufel! Sollte sie nicht doch nach Dänemark fahren? Der Demütigung entfliehen? Ihr Plick fiel auf den Wandteppich, der die heimliche Tür verdeckte— die Tür zum ochwibbogen und von da in den Renrnssanceflügel, die Tür, durch die Trosegk einst zu ihr zu .kommen pflegte... Nein. Sie wollte doch sehen, wie er sich morgen benahm. Unten im Hof, an dem gelagerten Tannenreisig, machte sich jemand zu schaffen. Also selbst nachts wurde gearbeitet. Oder gestohlen. Ihr sollte es gleich sein. Sic ging wieder ins Erkerzimmer. Die Bäume des Schloßbsrgs wanden sich kahl im Winterwind. Aber das Schloß, der Renaissanceflügel besondere, war auch hier, an der Außenseite, grün geschmückt. Auch hier lag noch Vorrat. Und auch hier schien noch jemand zu arbeiten... merkwürdig! Friederike wurde aufmerksam, blieb stehen. Nur unklar sah sie unbeholfene Bewegungen schwarz im hellblauen Schnee. Jetzt hatte die Gestalt einen Span entzündet. Der Schein fiel auf ein blasses, mummelndes Greisengesicht, mit zerfranstem Bart, einen Augenblick lang, dann verlosch er wieder. Zuckte nach einer Weile größer wieder auf. Europa- Oer plan eines unierseeischen Kernsf Der Preußischen Akademie der Wissenschaften legte Professor Dr. K. W. Wagner, der frühere Präsident des Telegraphen- technischen Reichsamts und jetzige Leiter des neuen Hcinrich-Herz- Instituts für Schwingungssorschung, den Plan vor, Europa mit Nord- und Südamerika durch unterseeische Fernfprcchkabel zu ver- binden. Während das erste Telegraphenknbel durch den Ozean bereits vor etwa 70 Jahren verlegt wurde, ist die Tiefsee bisher als ein unüberwindliches Hindernis für ein Fern- sprechkabel angesehen worden. In der Tat sind die ersten Fern- sprechverbindungcn über den Ozean hinweg aus dem Funkwegc hergestellt worden. Dessenungeachtet kann jedoch das Problem des transozeanischen Fernsprechkabels keineswegs als überholt gelten; denn die Funkverbindung ist viel anfälliger gegen Störungen und daher weniger betriebssicher als eine Kabclverbindung; außerdem kann sie von jedermann belauscht werden. Daß es überhaupt möglich geworden ist, regelmäßige Funkoerbindungen auf große Eni- fernungen herzustellen, verdanken wir der Einführung der Elektronenröhre. Die Elektronenröhre hat auch die Fernsprech- tcchnik grundlegend umgestaltet. Seitdem wir die Clektronenrohr- oerstärker haben, kann zu Lande jede praktisch vorkommende Eni- sernung durch den Fernsprecher überbrückt werden. Mit einer neuen Selbst aus ihren sentimentalen Darstellungen aber erfährt man folgendes: Langkopp, der im Krieg seine ostosrikanische Farm an die Engländer verloren hat, kehrte 4919 nach Deutschland zurück und erhielt damals sofort eine Vorentschädigung von 40000 Mark, die im Jahr« 1919 noch immerhin emen Wert von etwa 20000 Gold mark repräsentierten. Im Jahre 1920 trat Lang- kopp mit weiteren Entschädigungsansprüchen hervor und erhielt weitere Summen, die auch damals noch einen nach Tauseraden zählenden Goldbetrag ausmachten. Bon dem Geld konnte sich Lang- kopp einen Gutshof in Mecklenburg kaufen. Doch gelang es ihm nicht, sich auf diesem Gut zu halten, er verkaufte es wieder, fing von dem Geld Geschäfte an, die fehlschlugen und ihn um den letzten Pfennig brachten Nun erst begann Langkopp seinen Kampf um die Restentschädigung von 7800 Mark, die ihm noch zusteht. Seine Lage war inzwischen verzweifelt geworden, er hatte Schulden gehäuft, und als er das Geld nickst in der erwarteten Zeit erhielt, griff er zu dem verzweifelten Mittel der Höllenmaschine. Gewiß hat Langkapp durch den Krieg Hab und Gut verloren. Wahrscheinlich auch, daß seine Farm das Mehrfache des Betrages wert war, den er erhalten hat. Zugegeben auch, daß Burcaukratis- mns die Auszahlung der letzten Summe ungebührlich verzögerte. Aber schließlich stand Langkopp als Kolomaldeutfcher rechtlich un- gleich besser da als die Millionen Inlandsdeutschen, die in der Inflation Hab und Gut verloren und überhaupt keine» Pfennig Entschädigung erholten haben; man müßte denn die einer'Armsnunterstlltzung verzweifelt ähnliche Rentnerhilf« dafür ansehen. Langkopp hat im Gegensatz zu diesen Inlandsopsern ein« Entschädigung vom Staate bekommen, die immerhin ein erhebliches Goldknpital darstellte. Daß er es verwirtschaftet hat. ist nicht Schuld des Staates. Wir können uns nicht der kommunistischen Ansicht anschließen, daß ein bankerotter Kapitalist moralisch im Recht ist, wenn er zur Höllenmaschine greift, weil er sich zu vornehm dünkt, zu Ha rn m e r und Spaten zu greifen, wie es die Millianen anderen tun musseP, wenn sie leben wollen. Beim Sturz den hals durchschnitten. Gestern abend ereignete sich in der A l b i o n st r a ß e in Schöneberg ein schwerer Verkehrs- Unfall mit tödlichem Ausgang. Beim Einbiegen in die Straße Nr. 4 fuhr der� ZZjöhrige Radfahrer Hans Ost ach aus der Ringstraße 48 in Friedenau mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden P r i v o t a u t o zusammen. Ostach wurde dabei von den zersplitternden Scheiben so schwer am Hals ver- Einen Augenblick lang blieb Friederike das Herz stehen. Das Tanizenreisig begann zu spähen, zu flammen... brannte! Die Gestalt verschwand. Die Herzogin lief, so schnell es gehen wollte, zu den Jnnenhofzimmern. um ihre Kammer- frau zu wecken, Lärm zu schlagen. Ihr fiel ein, zunächst ans erste Fenster zu treten; vielletcht patroullierte der alte Schloß- wächter im Hof... da brannte auch hier das Reisig, schon an drei Stellen, schon in breiteren Fronten, begann die Gir- landen hinaufzuklettern... ihre Hand tastete nach der Klingel, Das Tannenreisig begann zu sprühen, zu flammen... brannte! droben das Licht-- die Hand blieb in der Luft stehen, zitternd...' Die Flammen kletterten. Wenn die 5)olzerker im ersten Stock erreicht wurden, war alles zu spät— für— ihn. Auf diese Sekunden kam alles an. Auf diese Sekunden in ihrer Hand, zwischen Klingel und Leib. Ihr Herz wartete ohne Schlag. Ihre Augen glitten die Front auf und nieder. Es würde noch Zeit fein, gewiß, eine Minute noch Zeit sein. In ihrem Kopf rosten die Bilder. Nur eine Minute sich ausmalen, wie er aufblicken würde von seinem Festplan— in die Luft schnuppern mit der breit bäuerischen Nase— aufspringen— hin- und herrennen, jagend, taumelnd dann-- nur die Angst sollte ihn packen, ihn, die Angst... Ihre Hand schwebte noch immer, aber ihr Hcr� schlug jetzt ruhig, ihr Atem war tief. Sie genoß; genoß mit Hirn, Augen, Lungen, Leib: Er— der— in ihrer Hand... Das ganze Reisig auf dem Wege brannte, alle eng parallelen Girlanden die Mauer hinauf, ein Kamm aus Flammen.-., die Balken des Erkers begannen zu kohlen... Vom Schloßtor her schrie eine Stimme:„Feuer! Hilfe! Feuer! Hi— Hi— Hi~-i~i lfäää!!" Friederike drückte gelassen auf die Klingel. Das helle Zimmer oben wurde aufgerissen. Trajegk beugte sich hinaus, sah hinunter, fuhr jäh zurück, sein Schatten jagte ins Innere des Zimmers. Die.Holzerter hatten Feuer gefangen; kleine Flämmchen tanzten eine Weile, klebten bald hier, bald dort an den Balken, sprangen Mieder ob— Wind gab ihnen Breite— sie reichten sich schmale Finger, lang- hagere Arme, rasten im Kreis um die Erker, knisterten jäh auf, als ob sie mit den Zungen schnalzten— Friederike trat geblendet zurück: zwei riesig glühende Arme ballten Quylm- fauste über dem Dach.. Die Kammerfrau stürzte halb angekleidet herein, schlug Amerika. l'echkabew zwischen den Koniinenien. Kabelkonstruktion ist nunmehr eine Grundlage für die elektrische Vc- Messung von langen Fernsprechkabeln durch di« Tiefsee geschossen. Eingehende Berechnungen, die auf dieser Basis ausgeführt wurden, lehren, daß die Verbindung des europäischen Festlandes mit dem amerikanischen nunmehr technisch möglich geworden i st, und zwar mit einer Sprochgüt«, die der der besten Landkabcl gleichwertig ist. Für die vom wi/tschastlichen Standpunkt wichtigste Verbindung von Europa nach Nordamerika würde der günstivs! e Kabelwcg England— Island— Labrador über das nördliche Pol-:- gebiet führen. Dieser Kabelweg muß aber praktisch ausscheiden, weil eine Kabelinstandsetzung in dm arktischen Gebiet nur während weniger Sommerwochen ausführbar wäre; eine am Ende des Sommers auftretende Kabelstörung würde den Betrieb auf zehn Monate oder noch länger lahmlegen. Der nächst günstige Weg führt von Lissabon über die westlichste Azoreninsel Florcs nach St. Johns auf Neufundland; von da zweckmäßig über ein kürzeres Seekabel nach Canso aus Neuschoitland, wo der Anschluß an die Landlinicn des nordomerikanischen Festlandes erreicht wird. Da dos neue Fern- sprechkabel schätzungsweise nur ungefähr das Doppelte eines neu- zeitlichen Telegraphenkabels kosten wird, sichert ihm der Tele- graphenbetrieb allein schon eine sehr gutx Rentabilität. Die Möglich- keit des Fernsprechens kann hiernach, wirtschaftlich gesehen, als eine kostenlose Zugabe betrachtet werden. letzt, daß sein Tod aus dem Transport ins nächste Krankenhaus infolge Verblutens eintrat. Die Schuldfrage konnte noch nicht geklärt werden. � Oer Pfarrer weiß alles. Vag Neueste in der Iannowitzer Mordoffäre. Hirschberg, 30. März. Aus den weiteren Vernehmungen der Mitglieder der Fam!' S t o l b e r g hat sich ergeben, daß die Angabe Christian Stotbe- daß er sich kurz nach der Tat einem Familienmitgliede anvertraut habe, nicht zutrifft. Er hat sich angeblich dem langjährigen Seelsorger der Familie, dem Superintendenten Quast in Zannowitz. ossenbart. Dieser Geistliche ist aber durch sein Amtsgeheimnis zum Schweigen verpflichtet. Am Karfreitag wurden besonders eingehend die drei Brüder des Verhosteten. Theodor, Konrad und Johann Karl, durch den Kriminalbeamten vernommen. Die sorgfältige Nachprüfung ihrer Alibis hat ergeben, daß alle drei in der Mordnacht nicht in Jann--- witz gewesen sind. „Herr Lörsch aus Düsseldorf." Ladenkassenraub eines angeblichen Geschästskätfers. Der Herr, dem das folgende Gaunerstücklein gelang, ließ sich Mühe und Zeit nicht verdrießen, um zu seinem Ziel zu gelangen. In der Flensburgcr Straße betreibt eine Frau c i Äonsuürengejchäsr, in dem. zu ihrer llmerjtüyuua eine Vertäu'-' tätig ist. Die' Inhaberin lvolstc das Geschäft letzt verkaufen und hatte das bekanntgcmacht. Unter anderen meldete sich als Bewerber ein Mann, der sich„Hans Lörsch" nannte und aus Düsseldorf stammen wollte. Er wurde ml: der Jnhabe-..! schnell einig, knüpfte aber an den Kauf die Bedingung, daß er einige Tage mitoerkaufen und so Einblick in den Betrieb pnd Umsatz gewinnen könne. Der Dame schien die Fordenmq durchaus verständlich und der angebliche Lörsch betätigte sich auch seit Anfang der Karwoche im Laden. Am Donnerstag war die Verkäuferin zur gewohnten Zeit fortgegangen, die Inhaberin»yd „Lörsch" waren gegen 9 Uhr abends noch mit Aufräumen beschäi im. Dann begab sich der Mann nach der Küche, um sich am Ausguß die Hände zu waschen. Plötzlich hörte die Dame den Mann laut rufen: „Es brennt! es brennt!" Sie eilte nach der Küche, und sah ans dem Kohlenkasten die hellen Flammen herausschlagen. Rasch eix sich die Fäuste vor den Mund, rannte aufschreiend hinaus: die Feuerrufe, die Hilfeschreie mehrten sich, wurden la-g- gezogener; eine Glocke gellte aus, eine Sirene vom Turm der Marienkirche, andere vom Fluß... Friederike sah, hörte das kaum. Ihre Gedanken zähltem die Treppen, die Trosegk jetzt hinunterlief, ihre Augen starrte i auf Tür und Fenster. Jedes Fenster war grellrot umrahmt, im ersten Stock platzten Scheiben, flirrten auf's Pflaster— im zweiten jetzt-- im zweiten Stock konnte er sein, nc'n. zwischen zweitem und erstem. Die Flammen stachen durch die Fensterrahmen spitz nach drinnen, wurden breit hinter der Mauer. Unten noch ein schwarzes Oualmloch in der Feuerwand: das große Tor. Die Treppe mochte noch. ci sein— er war gewiß schon auf der Treppe zum Portal, dm aus Stein war... Jetzt... jetzt... Krachend, donnernd sausten die Balken des großen Erkers herunter, legten sich hoch, wirr, flammend vor das Portal... das Holz der Tür begann zu kohlen, zu sprühen.. Ein paar Leute, die ratlos auf dem Hof standen, schrien auf: das Qualmloch schloß sich, die Tür brannte.-- Die Herzogin hastete ins Erkerzimmer. Au der Außenseite des Renaissanceflügels führte eine kleine Tür ins Freie. Wenn er die erreichte— sie sah hinaus--- Die Außenseite des Renaissonceflügels mar eitel Feue''. Sie stieß den lange behaltenen Atem entspannt he'�' Er war ummauert von Feuer. Es gab nur noch eine« ri i für ihn... vielleicht.. Drunten in der Stadt sah sie Fackeln aus den Straßen. die schnell über die Brücke flogen: die Feuerwehr. Der f' im- mende Pechtopf aus dem Turm der Marienkirche hing in der Richtung zum Schloß: es sah lächerlich aus, das Schloß strahlte wie eine rote Sonne weith'n. man sab die einzelnen Bäume auf der anderen Seite des Flusses. Sie stand und starrte. Es gab nur noch einen Weg.r hatte ihn seit Iahren nicht gefunden. Den Weg durch den Schwibbogen, durch di« geheime Tür, den Weg zu ihr. Aber sie war wie genagelt ans Parkett des Erkerzimmers, das am weitesten weg lag von dieser Tür Wie etwas Neben- sächliches, Zufälliges sah sie, daß der Wind die Flammen von ihren Gemächern fortjagte, daß sür sie kerne Gefahr war vorerst. Alle Glocken gellten jetzt. Ins Knattern des Feuers brodelte dumpfer Lärm aus dem Schloßhof. Sie ging lang- sam ins. erste Jnnenhvfzimmer. Die Feuerwehr war da, senkte schon das Saugrohr in den Brunnen. (Forlsetzung folgt.) sch!c>sskii frqrtff fif tincn(Fimcr Wosskr mrt» goß bos Fnior au«. Dicspn Augenblick benutzte bcr angebliche Käufer, um die Geschäfts- iichoberi» in der Küche einzuschließen. Als aui ihre Hilferufe andere Leute herbeikamen ergab sich, daß„Lorsch" mit dem gesamten ? Ii halt der Kasse, cima 1000 Mark, spurlos verschwunden mar. Er hat sich auch nicht wieder sehen lassen. Offenbar war es van vornherein seine Absicht, durch sein Kauf- angebot und seine Tätigkeit im Geschäft alles kennenzulernen und mit dem Erlös des Ostergeichäfles durchzubrennen. Vogeldiebe im Zoo. llnschulviges Opfer: ein„gelynchter" Gieinmarder. Die reichen Vogelbeftände des Berliner Zoo scheinen es der Jugend angetan zu haben, wie ein Bäserbudenstreich beweist, der dic'er Tage seine Sühne fand. Aus den Beständen des grogen Vogelhauses im Zoo waren seit kurzem mehrere wertvolle Vögel verschwunden, ohne dag man sich den Verlust erklären konnte. Von den kleinen Raub- tieren fehlte auch ein schöner Steinmarder Durch einen eigenartigen Zufall ist man jetzt den Dieben auf die Spur gekommen. Bei dem Vogelwärter erschien ein junges Mädchen mit einem Vogelbauer, in dem ein„Mätzchen" sah, und bat, den Vogel doch zu bestimmen. Der Wärter erkannte sofort, dah es einer seiner gestohlenen Pfleglinge war, ein hübscher Zwergpapagei Das junge Mädchen war unschuldig, sie mar die Angestellte eines Vogelhändlers, der diesen und andere Vögel gutgläubig von zwei Jungens gekauft hatte, die ihm erzählten, dah es Geschenke seien, mit denen sie nicht- anfangen könnten. Auch der Händler ahnte nicht, dah die Vögel, auher dem Papagei drei Agapornis, aus dem Zoo ge stöhlen waren. Nach der Be- fchreibung. die der Händler von den Jungen» gab, ermittelten die Kriminalbeamten der Dienststelle R 8 die beiden als zwei Lehr- l i n g e im Alier von lä und 16 Jahren. Die Schlingel waren in der Mittagspause überdie Mauer desZoo geklettert, hatten im Vogelhaus das Schloß an den Käfigen abgerissen und d i e V ö g e l herausgelang r. Auf dem Wege über die Mauer waren sie dann wieder entwischt. Weniger glimpflich ging der Diebstahl des S t e i n ni a r d e r s ab. Ihn hatten die Jungens in einen Sack gesteckt. Als sie ihn auf der Strahe herausnehmen wollten, biß der Marder sie derbe in die Finger. Ergrimmt über den Widerstand hatten sie das Tier totgeschlagen und an einem Laternen- pfähl„zur Strafe" aufgehängt. Am nächsten Tage war der Marder nicht mehr da, ein Kenner des schönen Pelzes hatte ihn mitgenommen. Tragödien im Greiscnalier. In seiner Wohnung im Hause Slraßburger Straße 11 wurde gestern gegen 18 Uhr der 7l)jährige Adolf R« i n i ck e in der Schlafstube seiner Wohnung durch Gas vergiftet leblos aufge- funden. Die Feuerwehr nahm Wiederbelebungsversuch« vor, die jedoch ohne Erfolg waren.— Fast zur gleichen Zeit wurde in der Mecklenburgischen Straße �8 ein Selbstmord entdeckt. Aus der Wohnung der 71jährigen Witwe Auguste Gau drang starker Gasgeruch, so dah schließlich Hausbewohner oufmerklain wurden und Polizei und Feuerwehr alarmierten. Di« Be- amten verschafften sich gewaltsam Einlaß und fanden die Greisin in der völlig mit Gas erfüllten Küche be- wußtlos auf. Auch in diesem Falle blieben die Wiederbelebungs- versuche der Feuerwehr ohne Ersolg. Dos die beiden Alten in den Tod getrieben hat, ist unbekannt. Reue weltliche Schule in Berlin-Mitte. Durch Verfügung des Ministers für Kunst und Wissenschaft vom IS. März 1929 wird am 1. April die 29. weltliche Schule, Verlin SO. 16, K ö p e n i ck e r Str. 125(Feuerwehr- gebäud«) weltlich. Die Schule hat die Klassen 1 bis 8 und nimmt Knaben und Mädchen auf. Eltern, die die Ausnahme in die neue Schule wünschen, können sich noch jetzt melden bei Horsch, Cnaesufer 25, Liljeberg, Sebastianstr. 17, Kachel, Bethanienufer 2, Neumann, Gröbenufer 9, ab?. April 1929 auch im Amtszimmer der 29. Schule. läglich, auch sonntags, von ll> bis 11 Uhr. Schulbeginn am 9. April, 8 Uhr, für die Schulanfänger um 10 Uhr. Die Be- grüßlings- und Eröffnungsfeier für die Eltm-nschast der neuen Schule und die Freie schulgemeinde Berlin-Mitte findet am 9. April, 19 Vi Uhr, statt.— Gastkarten können nur in geringer Anzahl ab- gegeben werden und sind schriftlich abzufordern von der Geschäfts- stelle der Freien Schulgemeindc Berlin-Mitte. Berlin SO. 56, Grobcnuser 9. Die Tresorräuber i« Südamerika? Die Tvesorräuber aus der Kleiststraße sollen nun in Süd- amerika sein. Die Kriminalpolizei hat natürlich alle«puren, die irgendwie in Betracht kommen konnten, oerfolgt, onch solche nach dem Ausland« hin, im ganzen sind es über 5 0 0. Für die Spur, die nach Südamerika fübre, sollen z m e i P o l c n. ein Russe und ein Deutscher in Betracht kommen. Dieser Deutsche soll ein angeblicher Schöinann sein. Etwas Bestimmtes war natürlich bisher nicht zu ermitteln. Der Verdacht, diesen sensatianelle» Raub begangen zu haben, lastet nach wie vor ans den drei Gebrüdern Saß. gegen die die Kriminalpolizei im Laufe der Zeit noch weiteres Material gefunden hat. 7« Güterzüge Müll mehr als sonst. Der diesjährige langanhaltende, strenge Winter hat sich auch ans die städtische Miillbeseitigung außerordentlich ungünstig aus- gewirkl. Mit dem zunehmenden Kohlcnverbranch in den Haus- haltnngen iiiid Betrieben ist auch die Müllmenge beträchtlich über das für die Winterzeit sonst normale Maß» hinaus gestiegen. Während man im Diirchschniil auf den Kops der Bevölkcning pro Tag rund 1 Liter Müll rechnet, ergaben sich in der Kälteperiode l'1- Liter je Tag und Kopf der Bevölkerung. Es mußten täglich rund 50 Eisenbahnwagen zu 15 000 Kilogramm mehr verladen werden, also jeden Tag ein Güterzug mehr. Im ganze» sind rund 70 Güterzüge mit Müll über das.sonst übliche Maß befrachtet worden. Radfahrerwoche der Verkchrswacht. Die Verkehrswachl Berlin-Brandenburg e. B. bat in ihrer Vorstandssitzung, der auch Vertreter des Polizei- Präsidiums und des Kommandos der Schutzpolizei beiwohnten, beschlossen, in Berlin zur Stärkung der Verkehrssicher- heit eine Radsahrerwoche zu veranstalten und die endgültigen Richtlinien dafür festgelegt. Die Veranstaltung wird in der Zeit vom 6, bis 12. Mai durchgeführt werden und ähnlich wie seiner- zeii bei der Futzgängerwoch« werden in Zusammenarbeit mit der Polizei in geeigneter Weise Berkehrsbelehrungen erteilt und zur Beachtung d« Berkehrsvorschriften aufggsordert wechen. Die Enischädigungen an Kleingärtner. Grundsätze und Richtlinien. Die Kleingärtner sind wiederholt an den Magistrat mit An- Irägen wegen Bewilligung von Räuinuiigsentschädigmigcn heran- getreten. Dies gab der Deputation stir das Siedlungs- und Woh- nungswefen Beranlasiung, Grundsätze für die Festsetzung von Rälimungscnlschädiguiigeii auszustellen. Der Magistrat hat diese Richtlinien genehmigt mit der Einschränkung, daß gegebenenfalls Räuimingsetrtschädigungen nur an solche Kleingärtner zu zohlen sind, die städtisches Gelände in Pocht hatte». Diese Richtlinien begründen keinen Rechtsanspruch für die Kleingärtner und dienen lediglich als Unterlage in solchen Fällen, in denen die gesetzliche Entschädigungspslicht besteht Bei der Fest- setzung von Beihilfen für Räumungen von städtischen" Kleingarten- geländen sollen folgende Richtlinien gelten: l. Ist ein Gelände auf Grund vertragsmäßiger Kündigung mit Ablauf des Vertrages zu räumen, so kommen Räumungsbeihilfen im allgemeinen nicht in Frage. 2. Bei Räumungen, die vor Ablauf eines bestehenden Pacht- Vertrages im Einverständnis mit den Kleingärtnern erfolgen, find folgende Fälle zu unterscheiden: a) Geschieht die Räumung in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März des folgenden Jahres mit Uebersiedlung auf vorhandenes Evfatzland, so sind für Umpflanzung der Obstbäume und Beeren- sträucher sowie Erdbeerkulturen und Weinreben Beihilfen nicht zu zahlen. Ist ein Ersatzland nicht vorhanden, so ist der Wert einer Jahres ernte aus dem durchschnittlichen kleingärtnerischen Ertragswcrt von 1,5 Pf. für 1 Qnodratineter als Multiplikandus und einem aus Stand und Güte der Kulturen zu bestimmenden Multiplikator als Räiimuiigsbeihilfe zu errechnen. I>) Geschieht die Räumung in der Zeit vom 1. April bis 36. September, so darf die festzusetzende Räumungsbcihilfc den kapita- lifierten kleingärtnerifchcn Ertragswert von 1,5 Pf. nicht übersteigen. Der Herstellungspreis einer Laube ist für die Festsetzung einer Räumungsbeihilfe zu den Abbruch- und Wiederaufbau- kosten nicht maßgebend, da der Kleingarten die Ergänzung einer Wohnung fein soll und deshalb nur eine ganz einfache Laube notwendig ist, deren Höchstwert auf 300 90!. anzunehmen ist. Die Beihilfe wird aus der zu ermittelnden Grundfläche der Laube mal 1 bis 4 90!., die nach dem Zustand der Laube zu ermitteln ist, errechnet. Die für die Berechnung festzustellende Laubcngrundfläch« darf nur bis zur höchstzuläfsigen Größe von 36 Quadratmeter ver? wendet werden. Diese Räumungsbeihilfe wird in allen unter 2. auf- geführten Fällen gewährt. Für Ställe usw. sowie lüe Verpflanzung von Ziersträuchern, Rosen, Blumenstauden usw. werden Beihilfen bei einer Räumung nicht gewährt. „Zentralstelle für R o d f a h r c r w c g c" hat die Mitgliedschaft in der Verkehrswacht Berlin-Brandenburg erworben. Die neuen Warnkreuze. ■IMS Mefftyletiiger Weg über gfflif ofcoi SAronSao Die neue Eisenbahnbau- und Betriebsardnung sieht an den Wegeübergängen in Schienenhöhe an Stell« der Warntafeln neue Warnkreuz« vor, die die gleiche Bedeutung haben. 9Vo die Warnkreuze aufgestellt sind, müssen Fuhrwerke, Kraftsahrzeuge und Tiere angehalten werden, we>m die Schranken geschlossen sind, oder die Läutevorrichlung der Schranken ertönt, oder ein Zug sich nähert. Bei mehrgleisigen Strecken darf der Ucbcrgang erst benutzt werden, wenn Gewißheit besteht, daß auch auf den anderen Gleisen kein Zug kommt. Die neuen Warnkreuze haben in stumpfem Winkel liegende Balken in weißer Farbe,.der«n Enden rot gehalten Jind. Sie werden in drei Ausführungen aufgestellt: ein einfaches kreuz mit zwei langen und zwei kurzen Enden, von denen nur die langen rote Endsclder haben, bezeichnet Wegeübergängc m i t Schranken; ein einfaches Kreuz mit v i e r g l e! ch l ä n g e n, roten Enden bezeichnet einen eingleisigen Wcgeübergang ohne Schranken: ein doppeltes Kreuz mit acht raten Enden bezeichnet«inen mehrgleisigen Uebergang ohne schranken. Mit diesen Warnkreuzen werden die alten Darnlafeln nach und noch ersetzt werden. Gorgenkinder. In der Abteilung für entlassene Gesangenc erscheint der Arbeiter K„ zeigt seinen. Entlassungsschein vor, will Obdach, Brot und Kleidung. Er erhält ein Zimmer, dessen erste Monat-- miete das Wohlfahrtsamt bestreitet, Anzug und Mantel und als erste Beihilfe 26 Mark. Er wird in- Register der Slrbeitsuchenden, Abteilung„dringend bedürftig" eingetragen. Dieser ONann ist dankbar. bescheiden, und man hat den Eindruck, daß er die ihm später zugewiesene Arbeit ehrlich ausführen und so den Weg i» geordnete Verhältnisse zurückfinden. wird. Viele, viele andere aber gibt es, die spelulieren bloß aus die erste Hilfeleistung, von der Arbeit wollen sie nichts wissen. Sie fallen schnell wieder in ihre alten Fehler zurück, zählen im Lause der Zeil zu den ftändigeii Gästen der Abteilung. Dirnen, Zuhälter, arme Teufel, die kein Obdach haben, Be- tninkene, die feste randaliere» und solche, die i»an schon lange steckbrieslich versalgt, das sind ständige Käste der Polizeiwache. Di« Polizei weih in den meisten Fällen die Harmlosen von den Sorge»- tindern z» unterscheiden Personalien werden geprüft, es- wird ge- siebt; die einen läßt man laufen, die anderen wandern wieder einmal hinter feste Mauern. Eiy Angetruntener wird eingchiesert, das Blut rinnt von seine» Händen. Selbstmordversuch? Nein. Er halte gewettet, daß er die Gaslaternen eines Straßenzuges allein„auslöschen" wurde. Bei der dritten Laterne griff er eta'as ungestüm in die Glasscheibe und verletzte sich. Strasmandal: Grober Iliifiig.'Andere Fälle: Eine Frau, die am Entbinden ist, bittet lim Aiisnahme, zwei Männer stützen einen dritten, der vor großem Blutverlust geschwächt ist, ein junges Mädchen hat sich ins Wasser gestürzt, man bringt sie hierher. Allen wird nach besten Kräften Hilfe geleistet Letzte Station der Sorgenkinder, denn: Wo Lebe» ist, da ist auch nach Hoffnung. Hier ist keine mehr. Am Eingang der Halle hängt ein Glockenzug über einem Schild mit der Zlufschrift„Zum Leichendiener". Dient er den Toten? Was könnte er für sie in diesem Leben noch tun? Nein, er ist für die Lebenden, für die Angehörigen jener stummen Gäste da, die hier ihr Ruheplätzchen ge- sunden haben. Der Leichenwärter hat, im jahrelangen Umgang mit den Toten selbst etwas 9Pescnloses angenommen. Pergamentartig ist seine Gesichtshaut, leise und bedächtig, als wolle er keinen wecken, sein Schritt. Und er führt den Besucher die Reihe seiner Schützlinge entlang. Auf einer Bahre liegt eine junge Frau, ihr Gesicht ist seltsam zerrissen: Selbstmord durch Salzsäure. Er weist auf andere Ruheplätze. Gasvergiftung, Sturz aus dem Fenster. dort ein kleiner Junge, der vom Auto überfahren wurde. Nicht immer melden sich Angehörige, oft ja, oft nein. Es sind wohl oft welche da, die von ihren Toten nichts mehr wissen wollen. Dann kommen die stummen Gäste in die Anatomie. Sie schlafen alle ruhig, friedlich sind ihre Gesichter. Ganz selten, daß eines nach im Todeskampf verzerrt erscheint. Um die Schule der Zukunft. In der Kreisvertreterversammluna vom Bezirk Treptow ieseriertc zunächst Genosse Stadtrat Mermuth über„Schul- Verhältnisse in B e r l i n". Er gab ein anschauliches Bild über die verschiedenen Schularten in Graß-Bcrlin. Die Weimarer Verfassung sieht die gleiche Grundschule für alle vor. Die Stafselung des Schulgeldes ermöglicht es heute auch den Arbeiter- ellern, ihre Kinder höhere Schulen besuchen zu lassen, wenn sie begabt sind. Das Bildungsprivileg der Besitzenden ist also wirklich verschwunden. Genosse Mermuth sprach abschließend über den Geist in der Schule seit 1918 und stellte auch dort Fortschritte scst. Es ist in ganz Groß-Berlin der Wille zu einer Persönlich- keitserzichiing vorhanden. Wir werden aber erst dann die Schule haben, die wir wünschen, wenn wir uns die Vvlksvcrtreiung aswäl?It haben, der die Jnieressen der arbeitenden Bevölkerung am Herzen liegen. Es ist nicht so, daß sich die Schule ihr Leben bildet, im Gegenteil: das Leben bildet sich seine Schule. 2)as Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Zum Statutenentwurf für den Bezirk Berlin waren zwei Anträge der Abteilung Treptow bei dem 15. Kreis eingelaufen. Beide beschäftigen sich mit dem Abschnitt 4. Der erste Antrag will bei§ 10 Zeile 6 hinzugesetzt haben„darunter mindestens eine Genossin", und der Tlnsang des zweiten Abschnittes des§ 10 soll folgende Aenderung erfahren:„Die organisatorischen und politischen Maßnahmen werden vom engeren Vorstand, den Sekretären und der politischen Sekretärin in Gemein- jchast mit den Vorsitzenden der Kreise und den drei vom Bezirks- Parteitag zu wählenden Frauen getroffen." Die Anträge wurden von der Genossin Grete Bock begründet, sie betonte, daß es sich dabei nickst um sonderoorrechte handele, sondern um gerechte Verteilung, die doch für eine rege Mitarbeit bei der Agitation für die Kommunalwahlen nur erstrebenswert sei. Bei der Ab- stimmung ergab sich eine starke Mehrheit für die beiden Anträge, mit denen sich der Bezirkspartcitag nun Ende April weiter be- schäftigen wird. Ein Antrag der Abteilung'Adlershof, der die A r b e i t s l o s e n f ü r s o r g e behandelt, wurde an die Bezirks- fraktion Überwiesen. Die juristische Sprechstunde sollt am Dienstag, dem 2. April, aus. Seedienst Ostpreußen erst ab 20. April. Die Eröffnung des See- dienstes Swinemünd«— Villau, die ursprünglich auf den gestrigen «onnabcnd, den 36. März, festgesetzt worden war, muß wegen der immer noch herrschenden ungünstigen Cisverhättnisse in der Ostsee verschoben werden. Der Verkehr wird nunmehr e r st am 2 0. April wieder ausgenommen werden. Im Bezirtskonjert de« DASv. am Z. Lslerseintag, dem l. April, vormittags 1 1'!■: Uhr. wird die Gelangsgemeiiischaft Roseberv d'Argiito im Titania-Palasi, Berlin-Steglib, Sibiohs» 5, da- Lied der„Roten Falken" in ncncr Bettoining von Prof. Roscdcry d'Argiito zu Gebar bringe, i. Osterkoiizerte im Zoo. An beiden L sterfeiertagcn werden im Kaiser- so.il de« Zoologische» Gartens von 4 Uhr nachmittags ab Konzerle ver- anstaltct. Bei glinstiger Witicrnng beginnen die Konzerie im Freien. Einen heiteren Abend veranstaltet der Rcichsausschug für sozialistische Bildungsarbcit für die Teilnehmer an seinen Reisen und an den Kursen der„Freien Sozialistischen Hochschule" am Sonnabend, dem 20. April, 20 Uhr, im große» Saal des Lehrervercinshausc« am Aicranderplah. Das Programm bringt u. a. Lieber zur Laute von Käthe Pirsche! und beitcrc Vvrträgc von Erwin Eckersberg. Anschließend Tanz. Alle Freunde unserer Arbei! sind Iierziichst eingeladen. Karten zum Preise von 75 Ps. sind an den folgenden Slellen zu baden: Bureau des Bezirks- vildiinasansschnsses, Lindcnstraßc:!. 2. Hos link», 2 Treppen: Arbeiterjugend Groß-Bcriin, Lindenstraße 3, 2. Hof link», 2 Treppen: Buchhandlung I. H. W. Dietz Aachs., Lindcnstraßc 2; Bank der Arbeiter, Angestellten und De- amten, Wollstraße 05; Deiitschei.soolzarbeiterverband, Am Köllnischest Part 2: Verband der graphischen Hilfsarbeiter. Ritterstraße Ecke Luisen- uscr: Zigarrengcschäst Horsch, Engcluscr 24/25:?lsA-Ortskartell, Engel- njer 24/25: Gewerkschaftsbaus: Verlag des BildungSvcrdandc« der deutschen Buchdrucker, Treibundstraße 8: Zentralverband der Angestellten, Belle- Allianrc Straße 7; Perlagsgesellschast des ATGB., Abteilung Sortiment, Jnselstraße fi.v Führungen durch die ätleiien Winkel Berlin«. Wegen des zu Ostern zu erwartenden großen FremdenbcsucheS veranstaltet da-Z Bezirksamt Schöneberg auch am I. Osterseiertagc eine Führung unter Leitung de« Schriststeller« Georg'Bamberger. Treffpunkt: 10'/, Uhr aus dem Spittelmarll, Ausgang Untergrundbahn. Teilnahme 50 Ps. SZcrantwartlich>ür Dolitil: Dr. Curt Seqer:©itifdioft: ffi. fllinoclhöfu; Goixrksqaftsbcwegung: I. Steinet; Feuilleton: De. Zoh» Schik»w»kt: Lokale« oud Sonllioes: Fr:» Staiftädt: Anjeiaea: Th StoSe. tömllich in Berlin. Betlag: Borwaris-Betlag S. m d H.. Betlin. Druck: Borwarls-Buchdruckerti und Betlaotnustalt Paul Eiiigee u Do. Berlin SW SS. LindnilltoSe 3 Hierzu 4 Beilagen,»Unkthaltung und willen" und.Ftauenftimnee". EMVER ©RIENT 00 -fStH sgsN edf bev- -3 ZIGARETTE ') lilSOts«', I-icktspiSls U5W. \ Sonntag, l. 31.3. Siasts-öper Unter d. Linden A-V. 3 19 Uhr QerRossnkavalier Montag A-V.84 ( Dt« Madbi des S�iirJtsals StaalsüöF | Am PI.d.Republ. A.V.II m'sü. Ca f man Montag R.-S 1�7 Freisdiütz Sonntag d. 31 Styi. Oper BümarcKstr Turnus III 19 Uhr Parsifel Montag 20 Uhr DieEnmSbrunj« au? d»m ScraH Staatl.Miafl$pb. am Omdarm omirki A-V. 77 30 U�r K3?i u. Anna Montag R S. 20 2) Uhr Karl u. Anna Slaatl.Scliiller-TlieatEP.Cliapitb. ZOl'hr: Pietro irelino. [üotgjnZflll.: Kalkutta, 4. Mai H Dir 8 5 Barbarossa 9256 | Heute I e t z t e r Ta� I| Pap lipa. das lugendi. asli- langlear- Wonder. und die udngen Attreklionen! i | Ä"h morgen! GROCK ond da« grofc April'Programm Nerat« un«f morsien le 2 VorsleUuaaen 330 und 8 Uhr— 330 ermäßigte Pr. Komisstie Lvsp 8% j V/oUen S(e»IthOdHern ■wirklich amütieren, Iso besuchen Sie Berlins neueste j�evue-Posse l'son Befldien |2ll LkSZSe»!! l acien Ntias Ende lo 15 Bild. Vicky Werkmeister Gustav Bertram 1 Else Rcvol/ Grete Weiser ] Max Tobicn I Bob Schoengart s Hanns j Dekncr/ Hans Bergmann Sommerpreise t 1 d.an An beiden Feiertagen nachmittags?': Uhr ganze Vorstellung zu kleinen Preisen Vowrtauf onunterbrodi. geöffnet CASINO-THEATER»"� Lotnnnger bcraUe 37» Heute und morgen: Der noue Schlager! ..Eine ungeiieate Frau" und ein erstklassiger bunter Teil. yj-Liiizowstr Ucbrr�SO Mal« in Berlin er gr. Operettenerfolg Die u�s@käßte Eva Musik von Marlin Knopf mit Lilly Flohr I Kiepert, Colani, Neubeck, Winkelmann. 1 Preise ab 1.— Mk. | raglldi 8, Uhr 1 8 Uhr» Zentr. 2810» Bauthün I | Latztar Tag Otto Rauttar| Heute 2 Vorstellungen | Ostermontag Premiere I 2 Vorstellungen DODüE TWINS | Bernard&Rl(}i,l}aruOnuki| und weiter.' internationale iVarietg-Berfihmtheitenl tonnKtC- Momaö— Dlenslnö Je 2 Varstelinneen. 3 u. 8 Ohr Pas etflte Cirsusprograram Uzmam, K��en Ciilf Actos, Xrlt"' Nacbm.«.Osterh&scbens Einkehr" und„Hai. Nächte" Nachmittags Kinder halbe Preise! Ponyrellcn/ Ostereiervcrteilung Saisonscfalu.� nnwidernafl. 7. April ÜNIVEBSÜM lartioMinigi 133- Iii Am Lcbnioer PlaU Brabinl 2400-02 Wocbentajs 7,•" 1. ond 2, Fsiartaj 6. 7. 9'» ...... UFA PÄLSSf R 58BArb0<9771 Wochentags 7«, 9"- 1. und 2. Feisrtse 5«ä, 71 ö, 91=» GL0B1A- PALAST d. Gedachlnisk. Biim. 9035. 8555 1. und 2. Feiertag 51». 71», 91» «tHiiiiiMiiiiiHiainsi (URFORSTENDAHM KarfürsteDcUinjm26 Bismarck 6179 Wochentags 7�, 9U 1. und 2 Feiertag 51». 71». 91» IIIUIlllillUllllllllllfllllllllMIIII lllllMlllillin.MKMIHIIIiiallUK 5. Woche UMTILLOl sm Nollendorfpl. 4 lützow 3453 keil. 8376 1. und 2. Feiertag 31». 61». 71». 91» iimiiiiiiiimiitiM KaninErljcMspiele a. Potsdamer Platz Nollendorf 2095-96 Wocbentags 5, 7, ä >. und 2. Feiert>4 5, 7. 9 Minii niifi iiiHtim TüflMSTRASSB Ecke SLrom.traBa Hansa 4883 Wocbentajs 7, S I. und 2. Feiertag 6, r, 9>» INftlltllltllllllllllNIIlttlntlHIl \ ALEIMDEBPL. Kupiergraben 4936 Alexanderstr. 46-48 Wochentags 7, 9 1. und 2. Feiartaf 5. 7. 9 fitl"lll7t>fe,f tfitii KÖNIGSTABT Schonh. Allee 10-11 Norden 8067 Wochentags 7, 9 1. und 2. Feiertag 5. I 9 iioiiiiiHiiiiMiiiiinnMimuiui WEINBEGGSWEG Weinbergsw. 16-18 Norden 1865 Wecbnntags 7, 9 1. und 2. Feiertag 6. r. 9 ••tiiiiiniiiiifiniummimimm NUMIWGW Eck« BSUow.tr. KSnig.Udt 5564 Wochentags 7, 9 1, und 2. Feiertat b. 7. 9 WEISSENSEE Am Aotonplats Weißense« 319 Wochentags 7, 9 1. und 2. Feiertag 5, 7. 9 ÄJeiOnmaiitfj-BaM vom Roxy-Thcater New York u. Palladium London mit Ladd und Olive und Keith Lcsicr Nonni Tslran�a Die S'irnaa der Rot tbeldaiiD Douglas Falrbanks Die eiserne IWasHe 5 Woche BratifanufnSs Floraia Vidor, Lewis Stone DerPatrtot thtfe: frnstLübltSib Marion Davis Ein Mädel Gilt Tenoi ISO 181 Ein Film au« dem afrikanischen Busch leijemli haiten lutrltt Lita a.Frtikarlennnsnltig Brlitilie Helm A.(fed ft'oel Geld! Geld) Geldl Inf da' BShe«: Weintraubs Syncopators fiuiiav FrShlifi) z.etti atnann Asphalt lue HnHlni cur Erfcli Pommer Prrdaklion dar Dfs BQhnenschau lllllililieiiii'iiti|iiiiHiiuiiiiiiiii flnstav FrOMKH ueöy antano Asphalt loa Hiy-Hfo dar Erta Pommar Prodalition BUhnenschau Dam Uedtke Die Mos- onnzessio BUhnenschau Anno nay Vonit NadUivell PlccadUly) BQhnenschau Jeden N*6. mittag in dem Ufatbotcr Kammcrllditaplcle amPotsdamcrPlatz Vuhectjp: Z e. i Uhr, leoubd.. f.u.2.Fcierlrg 3 Uhr ----------------- n«Owe. ad gelangt ebenfafl. der GroBfllm GELDI 6ELOI GELDI Einlas lederzeit Efitrtttsprels auf all an Plätitra Zur Vortühruni Reederei Bauer Telephon; FriedricEishagen 132 AbSchiIHngsbrückc(Sch1es.Bhf.) 2 Uhr nachm. An allen 3 Oster- feiertagen und Sonnt.?g.s mildem geschlossen eo Salondampfer „Berollna" nach dem muggeisee- Müggeibergen Fahrpreis i Hin. und BOcklahrt MK. 1.50. Kinder die HIHte Mnsik s Parkellanzdtele Vereinen, Schulen und Gesellschaften stehen Dampfer und Motorboo'e jeder Größe zu Ausflögen für die kommende Saison zu kulanten Bedingungen zur Vetffigung Theater a. KottbusserTor Kottbusaer Str. 5. Tel Mp|. 16077 Tdgllch 8 Uhr, such Sonntag nachm. 3 Uhr(ermäßigte Preise) EBite-Sänser u. 9.„Die Schfinhcitskönigin1 verbunden mit Modonsehau. Allgem. Preishorahsotznng auf allen Plätzen Renaissance- Theater Hardunbergstr. 6. Tal.: Steinpi. 901 u 2993/94 »".Uhr. Taglich»>.Uht Max Pallanboro „Das große ABC" von Marcel Pagnoi Reg•Söst. Härtung. laPrnmisrniiiuUg Uta', and unrucn 4 Ubr KPaWUlBtl 0. JugMd OeKeniiiches BezirKswettDociien am Donnerstag, dem 4. April im nachmittags o Uhr. in der Philharmonie. Berlin SIV. 11. Bernhiirger strade 22-23 30 Hausfrauen aus unserem Versorgungsgebict werden um den Sieg ringen. Den ersten sechs Siegerinnen füllt die ehrenvolle Aufgehe zu. die Gesamtheil der Berliner Hauslrauen bei dem am 5. Juni 1929 anlAülich der»Deutschen Ausstellung Gas und Wasser Berlin 1929' staftfindenden Reichswettkodion zu vertreten. Preisraten der Eusshanerl Eintritt freil Jede Hausfrau wird erwartet I Berliner stMische easweme M. Bes. Berlin C.9, Haue Frfedrichslraßa 109 Fernsprecher; E 7, Kopf ergraben 001 9 Voilubtihne r�ater amSülowpialz 6 Uhr KfEiizalinaliniE Theater am ZthMhaaeniamm 8 Uhr Pioniere in Ingolstadt Töalla-TöGaier 8 Lhr Oeirausch StaatLSdiill8r-T!i. Heute 8 Uhr Pietro Aretlno Morgen 8 Uhr Kalkctta, 4. Mal S'u TURat�r am SUiiUnauRrdanim. Norden 1141 u. 281 Pioniere In ingoistadt (Soldaten u Dienstmädchen) v.Marieluise FleiRer Pesic: Jakob Geiß. Bühnenbilder. Kaspar Neher fhülfa-flieater >resdener Str. 72-7. 8 Uhr „Oelraosch" 0.1. Norden 12 310 Z U. Ende nach lOVa Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert die hoßiodle 1 1 8ismck.24U;75l6 U-, Ende geg. 10 utann Rommel Ou wteüer? Komödie von S. Maugham. Regie Gustal Gründge ns Kamraerspieie J. I. Korden 12 310 ?' r U., Er.de geg. 10 M HrsavliL ?chauspiel v Leonhard Frank Regie; Hans)eppe. See Hebe Auqustin voo Bernauer u. Weiisch Alfred Braun Mady Christians Trade Ueslie Stegfr. Arno Paul Morg-a.v« Paul Westertneier Gustav Matrncr £usUgc lüUwe Fritzi Massary Oscar KarlwefO IJsetit Elleot W. Jauüiubn H. JnnUcrmnDn Vf. Seliaeffers Marquita Slsters Frlseo Ad beiden Osfer» f eiert ag-en naebmitt. 3 Uhr nng�körzte Verstellung Klein« Preis« Beauly Lirls| Comedianboys A'iRstattungen: Prof. Ernst Stern. Musik. Leittmgr: Ernst Haube Rudolf Perak. Itfeo auf Elektrola■ IWWWSWALMl Restaorationsbeirleh Berliner riewerksdiaftshans Berlin SO. 16. Engelnter 24-25 _ ORHonom: Willy SBidilti_ An den Feiertagen: Verstärktes Crchesfcr Auserlesenes Ostcrmenü Reichhaltige Speisenkarte Preiswert und gut! Angenehmer Familienaafenthalt. Ausschank von Schulfheiß-Patzenhofer Markenbieren, Lessiag-Tiieate? T ä g I ich 8 Uhr 3 x Kochzen. (ilsiOGs tesr I aglich 8V< Uhr■ Curt Cioetz, Valerie v. Martens Fcxd. v. Alien in „TrioÄ Lustsp. v. Leo Lenj. Regie: Frlcdraann- Fredcridi. ajrilerfoeaiEr" Dirckt-Heinz Herald Charlonenstraöc 00 A. 7. Dönhoff 170 Anf. 8 U., Ende 10 U. Halden von dernard Shaw NACH DEM ROMAN VON EDGAR WALLACE REGIE: FRIEDRICH ZELNIK Ein Lya• Mara- Film Efzet SWSASZWMD BInmenspenden Montag, den 1. April 1029 (Z. Ostcrfetcrtag) naC-ni.?. Uör jeder Sri liefert pteisirct Caul dollctz purm Roben Meyer MartannenstraSe J ffde 9!ounnn(trQnc Aml Morißpl 10303 A«S TÄGLICH 5145 Sonntag S15 7IS 9!5 ORCHESTER: SCHMIDT- BOELCKE JctefifUL ReSchshallen-Theater UM.(T| g. 9. Held. Fvip.riag«n Nadim.|TJ Slefßner Sänßer mii dem wandervailRo Oiter- Programm! Nachm. halbe Preise. Dönhotf- Brettl; Dasgr- Rc"e'-inrogr. Kanreri-- Tacj. tiierSfner||2K-'I?10 Meukölln."WV Uhiutr.74'7S 1 Hotel FycpI&Io� Berlin Eigentümer; Curt Elschner Hl H am Anhalter Bahnhof Größtes Hotel des Kontinents COOZitnmer/SCO Betten/Zimmer 8.- an/Silzflüche f.ca. 2001) Pen. 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Aber diese Einord- nung fällt uns nicht schwer, denn wir wissen, daß eine gemeinsame Arbeit frohe Stunde oder eine gemeinsam« Wanderung auch jedem einzelnen viel mehr geben als es ein Einzslerlebnis vermag. Unsere Gemeinschaft umfaßt Jungen und Mäd- ch e n. Manche Leute rümpfen die Nase, wenn sie das hören. Sie denken dabei an die Jungen und Mädchen, die sich nur dann suchen, wenn sie miteinander tändeln wollen, und sie meinen, es müsse überall so sein, wo Jungen und Mädchen zusammenkommen, Be- sanders manche Mütter wollen aus diesem Grunde mcht zugeben, daß ihre Tochter zur Sozialistischen Arbeiterjugend geht. Das ist töricht. Wir stehen mit den Mädchen zusammen am Werkplatz, wir haben jeden Tag den gleichen Weg zur Arbeitsstätte, wir haben dieselben Nöte und dieselben Sorgen, warum sollen wir uns dann nicht auch zusammenfinden, wenn wir daran mitarbeiten wollen, diese Nöte aus der Welt zu schaffen, und warum sollen wir uns nicht treffen, wenn wir Stunden der Freude verleben wollen? In der Sozialistischen Arbeiterjugend sind die Mädchen nicht die P ü p p ch e n, die nur zur Unterhaltung der Jungen da sind, sondern sie sind ihre Kameroden, die genau so in der Bewegung stehen und mitarbeiten wie die Jungen. Und well die Jungen in dem anderen Geschlecht in erster Linie den Gesinnungsgenosien, den Kameraden sehen, darum kommen die Arbeiterjungen auch nicht in Versuchung, sich zu verlieren in Tändeleien oder gar in.Verhältnisse", in denen das Mädchen meist der leidtragend« Teil ist. Die Achtung voremonder ist das Fundament der Kameradschaft und Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen in unserer Bewegung. Gewiß, manche Jungen und Mädchen, die sich in der Bewegung kennen gelernt haben, heiroten sich später, weil sie einander« zugetan sind, weil ihre Liebe so stark ist, daß sie glauben, den zukünftigen Lebensweg mit allen feinen Hindernissen und Schwierigkeiten ge- memsam gehen zu können. Darüber freuen wir uns, denn solche Ehen sind nicht gegründet auf eine blinde Leidenschast, sie beruhen auf omer gemeinsamen Weltanschauung, auf der Erinnerung an gemeinsam oerlebte Jugendjahre in unserer Bewegung. Ein solcher Lebensbund wird nicht nur die beiden Menschen glücklicher machen, er ist auch ein Gewinn für den Sozialismus. Was uns in der Sozialistischen Arbeiterjugend noch so stark verbindet, das ist das Bewußtsein der gemeinsamen Herkunft und der gemeinsamen Zielsetzung. Uns ist der Name Arbeiter- jugend keineLa st, sondern eine Auszeichnung denn wir fühlen uns zugehörig der großen Bewegung der Arbeiterschaft. Habt ihr schon eimnal die Roten Falken gesehen, die jüngeren Gruppen der Sozialistischen Arbeiterjugend, wenn sie bei Kund» gedungen aufmarschieren in ihren blauen Kitteln? Da» sind nicht mehr die armen, bedrückten Lehrlinge und Lehrmädchen, die scheu und verschüchtert durch die Straßen schleichen, das sind Jungen und Mädchen, die sich in ihrer Kleidung und in ihrer Haltung stolz als Anhänger der sozialistischen Arbeiterjugendbewegung bekennen. Sie singen es nicht nur, sie fühlen es auch: Wir sind di« jung« Garde des Proletariats. Diese junge Garde wird nicht künstlich zusammengehallen durch militärischen Drill, sondern sie gewinnt ihre Stärke durch das Wollen jedes einzelnen, der sozialistischen Sache das Beste zu geben. Ueberall, wo es einen Dienst für die Arbeiterbewegung zu erfüllen gilt, sei e« im Wahlkg/npf, beim Flugblattverdresten oder bei De- monstrationen und Aufmärschen, immer sind die Noten Falken an der Spitze, bereit zu jedem Dienst, den die Bewegung ers sichert. Wr in der Sozialistischen Arbeiterjugend wollen nicht nur vom Sozialismus reden, wir wollen ihn leben. Wir vertrödeln unser« freie Zeit deshalb nicht, wir betäuben uns nicht mit Rauschgiften, sondern wir leben natürlich und gesund, stählen Körper und Geist, damit wir der Arbeiterbewegung gesund«, kampfesfreudlge und begeistert« Mitstreiter geben können. Wir wolle« ein anderes Recht? Alle Vorbereitungen sind getroffen. Fritz soll etwas über die Gestaltung unserer Organisation erzählen. Werner Jugendschutz- forderungen und Hans die Bildungsarbeit besprechen.„Aha, wo bleiben da eure Mädel?" Sie kommen auch zum Wort. Ueber das Mädel in der Arbeiterjugend und über das Wandern m sprechen, haben sich zwei jung« Genossinnen bereit erklärt. Und das ist zum Schluß, damit die zwei Retter des schwächeren Geschlechts dopvell aufgewogen werden, ergreift noch ein Bursche über den Sport oas Wort. Fünf Minuten lernt man erst dann schätzen, wenn nicht über sie hinausgegangen werden darf. Es war beim Ersten nicht schlecht gemeint, uns das„Warum" des Verbandes der Sozialistischen Arbesterjugend auseinanderzusetzen, aber es gehörte keineswegs zu seiner Aufgabe.— Wie fein der junge Redner, der über Jugendschug sprechen soll, einlestet und von seiner Kenntnis geschichtlicher Dinge Gebrauch macht. Er weist darauf hin, früher sei es als Recht ange- sehen worden, Kinder in der Fabrik arbesten zu lassen. Klar und kurz sagt er:„Wr wollen ein anderes Recht und haben dafür ge< kämpft und werden stiegen." Di« Ferienforderungen rückt dieser Jugendgenosse als einige der wichtigsten der Jugendbestrebun- gen in den Vordergrund. Den Bürgersöhnen und-töchtern schließen sich die Schultore erst mit dem 16. oder 18. Lebensjahr. Was ihnen berests Wirklichkeit ist, muß Proletarierjungen und-mädeln noch erkämpft werden. Zur Bildungsarbeit sagt Hans ganz richtig, die Organi- sation könne nur anregen, danach greifen müsie jeder selbst, um sich das zu erwerben, mst dem er kämpfen kann für. unsere Ziele. Die Arbeiterschaft braucht eine Bildung des Herzens, damit jeder aus Leidenschaft und Mitgefühl dann ebenfalls für unsere Ziele eintritt, wenn es ihm mal gut geht und die ihn nicht selbst würgt.— Unsere Mädel haben das Wort. Das gute Vorbild erzieht. So sagen auch sie nur das notwendigste. Die Mädel wollen in der Arbestersugend praktisch mitarbesten. Es muh mit dem Nächstliegenden angefangen werden, und deshalb sind Erörterungen grundsätzlicher Art meist überflüssig. Erna holt sie gern nach, so daß auch in der Richtung nichts übrig bleibt. Jetzt wird über das Wandern gesprochen. Eine junge Ge- nossin holt weit aus. Die Schäden des Krieges und der Inflation hat sie erkannt. Wir müssen wandern, um gesund zu bleiben und um uestren Blick zu weiten in der Natur, statt in qualmigen Räumen und seichten Vergnügungen zu leben.— Ueber den Sport spricht unser Spielwart. Er schildert den Bürgersport als die Sucht nach Rekord und Arbeitersport als Erziehung, nicht nur zur körperlichen Tüchtigkeit, sondern auch zum Gedanken der internationalen Soli- darität. Während aus der einen Seite ein wahnwitziger Kampf um nationalistische Ehrbegriffe stattsindet, zeigten sich die Männer der Arbeit als solche, die im Erfolg ihr« Körperkultur messen. Unser- Junaens und Mädels wissen was sie wollen. Das macht uns stark im Glauben an unsere Ziele und an unseren Sieg. W>j 's Baden. Wenn mr sich auegezahn had im Widder« biß! an, gehd mr nein. Wenn, Weddr stermisch is. sinn de Wellen noch e mal so gros wie dr Westphal Max. Eener baßt egal of, daß geener ze viel Wasser dringt. Wenn mr sich e Schttckl neingewerscht had un nver de Welln weggehubbt is, un's gommt eene große,— schwupptifch!— nimmt se een mit naus. Unnerwegs schwinnnd mr uner de Käbbe un iwer de Veens von annern weg. Draußn gnäbbld mr de Oogen of un mergt erscht, daß mr bei een Mädl ofn Dukl sitzt. De Nordseeweeln sinn gemeene und heemtigsch. Sossch, die sich sonst nich ersehn genn, die gonnn mobsfidel Arm In Been aus'm Wasser geschwomm. Nachard schpucke se sich gegnseitsch's See- wosser an. So isses Bodn... Ein Sachse. Durchs Lippische Land. „Wir fahren morgen mit den Berlinern zum Hermann!" mit dieser Losung stürzten zwei unserer Roten Falken in unser« Villa „Patent-Wigwam". Natürlich schlosien wir anderen uns an. Abends große Vorbesprechung im Berliner Zelt. Ergebnis: Alles in Butterl Auch unsere belegten Stullen kriegen wir auf die Fahrt mit. Am Morgen. Um S Uhr wird es in unserem Zelt lebendig. Der Regen tropst aus dos Zeltdach, es hat schon die ganze Nacht hindurch geregnet. Wir schicken 1i6 Uhr einen besonders Wage- mutigen hinaus in den Sturm, zum Berliner Zelt.„Es wird nichts!" Wir nahmen uns nun vor, heute mindestens bis zum Frühstück nicht wieder aus dem Zelt zu gucken Halb stieben merkten wir, daß es nicht mehr regnet. Während wir noch über unsere Tageseinteilung debattieren, rüttelt«s an unserem Zelt.„Wenn ihr noch mitwollt, beeilt euch, wir gehen jetzt zur Bahn," meldet uns ein Berliner Hermannsdenkmalfahrer. Heraushüpfen aus dem Schlafsack und Anziehen war eins. In fünf Minuten waren wir berests hinterher und erwischten unser« Kolonne schon bei Dater Toßborg, dem Küchenmeister im Zelt- lag« Quell«. Wir empfingen jeder unser« fünf Stullen, und nun ging es im Ill-Kilometer-Stundentempo zum Bahnhof Brack- wed«. Wir hatten noch reichlich Zeit. Der Zug traf erst ein, als wir nach dem Bahnsteig gingen. Lippe- Detmold, die wunderschön« Stadt, weniger romantisch veranlagte Menschen sagen eine typische Kleinstadt, war unser erstes Ziel. Mit Eilzugsgeschwindigkeit ging es nach dem Hermannsdenkmal, das bisher keiner von uns kannte. Unterweg» deckten sich einige Freunde noch mit einer solchen Meng« Ansichtskarten ein. daß man denken konnte, sie wollten aller Welt einen schönen Fahrtgmß übermitteln. Aus dem Denkmal selbst.„Hermann" hatte uns für unser« Anstrengungen schlecht gelohnt. Er ließ sich erstens nicht auf dem Kopf„herumtanzen", wir mußten ihn zu seinen Füßen bewundern, und mst der erwarteten Aussicht war es auch nichts. Trotz ihrer guten„Falken"-Augen konnten unser« Jungen? noch nicht einmal einen Schimmer vom Zestlager entdecken. Die Berlebeckcr Quellen und die Exsternsteine waren unsere weiteren Ziele. Jetzt ging es aber nur noch im Bummelzugtempo weiter. Bei den Berlebecker Quellen konnten wir feststellen, daß da» Wasser«ich oatz war. V Zurück ging's noch Detmold. Hier haben wir uns das Schloß angesehen, die dortige Parterdruckerei im Vorbeigehen mit be- trachtet und uns sonst etwas in der Stadt umgeschaut. Am Spät- nachmittag ging es mst dem Zügle wieder zeltlagerwärts. Wir trafen gerade zur rechten Zeit ein, um mit an den weißen Bohnen teilhaben zu können. Nachts schliefen wir aus unserem Strohlager wie im weichsten Federbett. Oer Schrei nach Vitaminen. Der Lagerarzt kam zum Präsidenten der Kinderrepublit Seekamp und sagte:„Die Kinder müssen mehr Gemüse habenl" „Wieso," fragte Genosse Löwenstein,„ist das Essen nicht gut?" „0 ja, gut ist es schon, aber es könnten mehr Vitamine drin sein." Wo nehmen wir also die Vitamine her? Ganz einfach werden die Mädel sagen: ihr müßt mehr Gemüse kaufen! Ungekochtes Gemüse ist sehr vitaminreich und deshalb sehr gesund. Das stimmt schon, aber das hätten wir auch alleine gewußt. Was für uns das Schlimmst« war: Wir hatten kein Geld! Für ein Pfund Tomaten wollten die Großhändler 50 Pfennig haben, für Bananen verlangten sie 10 Pfennig das Stück, Kohl sollte IS bis 30 Pfennig das Pfund tosten, mit einem Wort: Dies Gemüse war un» zu teuer. Für da» Verpflegungsgeld, das die Kinder bezahtt hatten, konnten wir es nicht kaufen. Vitamine aber mußten sein, die Gesundhest der Kinder erforderte es. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Der Lagerprästdont besprach die Sache mst dem Lagerobmann. „Vitamine?" fragte er,„Bstamine? Ist das was zum Essen?" Dann schlug er sich vor den Kops und sagte:„Aber das Ist doch ganz einfach! Hunderte von Gartenpächtern gibt«s in Kiel, und wenn die wissen, daß wir in Not sind, dann helfen sie uns schon. Das ist bei uns selbstverständlich!" Und er ging hin und schrieb einen Aufruf an die Siedler und Gartenpächter.„Unsere Kinder sollen aus gesundhest- lichen Gründen viel Gemüse essen," schrieb er,„ober wir können es nicht heranschaffen. Die Preis«, die die Händler von uns verlangen, sind zu hoch. Wollt ihr uns nicht helfen?" Am nächsten Tage stand der Aufnif in der Zeitung. Und der Vorstand der GartenpSchttr hatte die Sammelstelle dazugeschrieben, wo seine Mitglieder dos Gemüse abliefern konnten. Von den Sammelstellen sollte es im Auto nach Seekamp gefahren werden. Würde viel zusammenkommen? Einige schüttelten vielsagend die Köpfe und meinten: wenn es später wäre, dann ja, aber jetzt ist es noch zu früh. Jetzt haben die Gartenpöchter selber nichts. Wenn ihr ein Auto bestellt, das genügt. Also wurde zunächst ein Auto bestellt. Abends, als die Bewohner der Kinderrepublik längst in süßem Schlummer lagen, hört« man plötzlich einige Autos hupen. Wer hat sich denn da verspätet, dachte die Hauptwache, bringt der Konsum etwa noch Lebensmittel? Eh« sie sich noch recht besonn, hielten zwei große Lieferautos mit Anhängern vor unserem Lager. Und was brachten sie? Gemüse, Erbsen, Bohnen, Wurzeln, Kartoffeln und was weiß ich noch alles. Und ganze Berge Rhabarber! So be- geistert haben wir sellen unsere Autos entladen. Am nächsten Morgen lag dos Gemüse wohlgeordnet in unserer großen Scheune. Und die Kinderrepublik machte ein« Prozession durch die Scheune, mit Musik und Gesang und was dazu gehört, um sich die Gemüseberg« anzusehen. Und als gefragt wurde, wer jetzt freiwillig Erbsen und Bohnen pahlen wollte, da war nicht einer unter uns, der sich geweigert hätte. Alle Dörfer und Gemein- schaften haben tüchtig geholfen. Später stand es in der Zeltlagerzeitung, was die Gartenpächter uns alles geschickt hatten: lZ Zentner Bohnen waren es. 1ö Zentner Erbsen, 5 Zentner Wurzeln, 18 Zentner Frühkartoffeln, dazu große Mengen Suppentraut, Stachelbeeren und Johannisbeeren, und min- destens 10 Kubikmeter Rhabarber. Einige Kieler Genossen, so wurde erzählt, hatten ihr letzte« Gemüse aus dem Garten geholt. Und «in olles Mütterchen, dos selber keinen Garten hatte und doch so gern helfen wollte, hatte sich im Laden für teures Geld Gemüse gekauft und es dann glücklich zur Sammelstelle getragen. Ihr könnt euch denken, wie stolz wir auf unser« Genossen waren. Wir haben uns in der Zeitung für ihr« Hilfsbereitschaft bedankt. Uns selber aber hat die Gemüsesammkung gelehrt, daß mich der Arme dem Armen helfen kann. Viele wemge machen ein Diel! Die vorstehenden Beiträge sind entnommen de» Schriften„Volk von morgen". Bericht vom 4. Reichsjugendtag der Sozialifttschen Arbesterjugend, August 1925, in Hamburg,„Rote Jugend auf Roter Erde", Bericht vom 1. Reichszeltlager der SAI. in Quell« bei Biel-«- feld und dem 5. Reichsjugendtag, August 1928, in Dortmund.„Die Rote Kinderrepublit", Bilder und Niederschriften aus dem Kinder- fveundelager Seekamp bei Kiel, Sommer 1927,„Sozialistische Ar- beiterjugend, Ziele und Aufgaben", von Erich Ollenhauer. Sämtlich t« vertag, Berlin SW.61. Des Osterhasen süße Industrie. Oeuischland, der zweitstärkste Gchokoladeneffer.— Der Profit regiert auch hier. Alt imd Jung roiri) sich heute gern— wo mon's dazu hat— dem süßen Regiment des Osterhasen unterwerfen. Da ist vielleicht, be- sonders wenn, wie es scheint, der Osterhase bei schlechtem Wetter kommt, ein Spaziergang durch die„süße Industrie" nicht unwill- kommen, in der übrigens die Arbeit und das Geldverdienenmüssen sauer ist wie in jeder anderen Industrie. Deutschland gehört zu dea hauptsächlichsten Verzehrern von Schokolade. Für 1327 wurde pro Kopf der Bevölkerung folgender Schoko- ladenoerbrauch errechnet: Vereinigte Staaten 3,47 Kilo, Deutschland 3,33 Kilo, England 2,84 Kilo, Belgien 2,78 Kilo, Frankreich 2,50 Kilo, Kanada 2,43 Kilo, Spanien 1,17 Kilo, Italien 0,35 Kilo usw. Die Schweiz hatte mit 5,06 Kilo eigentlich die höchste Aiffer, aber sie ist durch den Fremdenverkehr zu erklären. Interessant dos Anwachsen des Verbrauchs und der Erzeugung, die sich bei der Verarbeitung des Rohkakaos verfolgen läßt. Zm jährllchen Durchschnitt wurde Rohtakao verbraucht und verarbeitet: 1841/1845... 411 Tonnen oder 0,01 Kg. pro Kopf 1871/1875... 1 341„• 0,05 1836/1300... 15 286„ 0,28 1313..... 51 533„ 0,77 1328..... 77 276„ 1,23 Die Tabelle gibt ein eindrucksvolles Bild, wie sich die Kakaobohne als Roh. und Nährstoff Eingang verschaffte. Durch die E r h ö h u n g des Schololadenzolls wurde die Einführ ausländischer Pro- dukte sehr erschwert. Der Einfuhrzoll betrug in der Vorkriegszeit 15 M. und jetzt 35 M. für 100 Kilo. Di« gesteigerte Produktion dürfte deshalb hauptsächlich im Jnlande abgesetzt werden. Was viele nicht wissen: der Kakaogehalt der Schoko- lade wurde erhöht. Zu Friedenszeiten betrug das Mindeswer- hältnis von Kakao zu Zucker 30: 70, heute ist es 40: 60. Der Kakaoanteil steigt bei Luxussorten bis zu 60 bzw. 70 Proz. Die Oeisiungsfähigkcit der Süßwarenindustrie ist zu groß. In der Vorkriegszeit gab es in Deutschland etwa 18 0 Schoko- l a d e n f a b r i k« n, die die Kakaobohne bis zum Fertigerzeugnis verarbeiten. In der Inflation stieg die Zahl der Schokoladenfabriken um mehr als das Doppelte. Nach der Stabilisierung ist der Zu- sammenbruch vieler Betriebe erfolgt. Die Produktions- und Betriebsstatistik von 1325 verzeichnet 876 Schokoladenfabriken, wovon der überwiegende Teil Kleinbetriebe sind. Im Gegensatz zur Vorkriegszeit arbeitet der größte Teil der Betriebe nicht von der Kakaobohne bis zum Fertig- fabrikat! meist wird ein Halbfabrikat bezogen und weiter verarbeitet. 19ZS wurden in der ganzen Kakao-, Schokoladen-, Zuckerwaren- und Konfitürenindustrie gezählt: insgesamt Beschäftigte Ps-rd-Käfte 1514 Betriebe mit je 1— 5 Personen... 3 557 1183 981.„„ 6—50..... 16 482 13 353 270„,„ 51 und mehr Personen 54 736 75 165 433 davon in Berlin.... 11565 10377 333..„ Rheinland.... 16 425 11302 310„„„ Sachsen.... 11221 13795 Die meisten Betriebe sind, wie man sieht, Kleinbetriebe. Diese dürsten hauptsächlich auf die Zuckerwaren- und Konfitürenindustrie entfallen. Unsere Tabelle zeigt aber auch eine erhebliche Anzahl Großbetriebe, die der Schokoladenindustrie zuzurechnen sind. Der größte Teil der beschäftigten Personen und der installierten Maschinenkraft entfällt auf diese Industrie. Die Riesenbetriebe—„Schnaps-ZNeyer" macht einen Marzipan-Konzern. Unter der Vielzahl der Fabrikationsbetriebe ragen einige Groß- betriebe hervor. Die bedeutungsvollsten Unternehmungen in der Schokoladenindustrie sind die Finnen Sarotti, Berlin, Stall- werck. Köln, Hildebrandt, Berlin, Hartwig u. Vogel, Dresden� Leonhard M o n h e i m, Aachen(Trumpf), M a u x i o n, Saalfeld, R i q u e t, Leipzig und Falsche, Leipzig. Die Arbeiter- zahl dürfte bei Sarotti, Stollwerck und Hartwig u. Vogel etwa gleich sein. Sie beträgt ungefähr in jedem dieser Werke 2500 bis 3000. Die Beschäftigung schwankt je nach der Saison. Die Maschinisicrung der Produktion hat es mit sich gebracht, daß hauptsächlich Frauen in diesen Betrieben beschäftigt werden. Bei Sarotti sind von 100 Beschäftigten wohl 15 Männer und 85 Frauen. Bei dieser Gelegenheit mag noch eine sich anbahnende Kon- zentration der Marzipanherstellung erwähnt werden. Die im Volksmunde unter dem Namen„Schnaps-Meyer" bekannte Firma Hermann Meyer u. Co. A.- G., Berlin, hat sich in der Nachkriegszeit eine Tochtergesellschaft: Meyers Back- massenfabrik G. m. b. H. angegliedert. Diese betreibt die Fabrikation von Marzipan und Backmasse. In letzter Zeit werden nun Verhandlungen geführt mit den Firmen Lemke u. Co.. Urbanstraße und Dr. Paul u. C o., Prenzlauer Straße, zur An- gliederung an Meyers Backmasscnfobrik. Führen diese Verstand- langen zu einem Resultat, dann dürfte hier der erste Großbetrieb in der Marzipanherstellung erstehen.— Natürlich gibt es auch Konventionen und Kartelle in der Schokoladenindustrie. Weil mehr erzeugt werden kann als abzusetzen ist und um die Konkurrenz zu verringern, sind kartellartige Organisationen ge- gründet worden. So besteht die„Interessengemeinschaft deutscher Kakao- und Schokoladensabrikanten"(Indeka), der ungefähr 100 Firmen angehören. Die„Indeka" ist eine Preiskonven- t i o n. Weiter besteht der„Verband deutscher Schokoladenfabriken", dem die Regelung der Fragen wirtschafts- und sozial- politischer Natur überlassen ist. Die größten Firmen sind in einer Marke nkonvcntion vereinigt, zu der die typischen „Marken" Sarotti, Stollwerck, Hildebrandt, Hartwig u. Vogel, Riquet, Fclsche, Mauxion, Nestle gehören. Preiskanvenlioncn sind in der Schokoladenindustrie aber sehr schwer durchzuführen. Die Konkurrenz der billigen Fabrikate ist zu groß. Deshalb erwägen die„Morkenfobriken" eine sogenannte„zweite" Marke herauszubringen. Nicht zu vergessen ist herbei, daß die Großeinkaufs- gesellschaft deutscher Konsumvereine ihre Schokolo- denfabrik stark ausgebaut hat. Die Warenhäuser gehen dazu über, sich eigene Fabriken anzugliedern. So ist die Schokoladenfabrik EJO üsl-s ein Laster, src Kwiet""' Pflaster Karnatzki in Wernigerode im Besitz von Karstadt. Der Einheit?- Preiskonzern Woolworth hat die Firma Hollex A.-G. in Bad Homburg aufgekauft. Rationale Grenzen spielen keine Rolle. Wegen des hohen Einfuhrzolles für Schokoladenerzeugnisse haben die ausländischen Konzerne in Deutischland selbst Fabriken er- richtet oder oorharcbene erworben. Die groß« Sarotti A.-G. ist kürzlich an den schweizerischen Nesttö-Konzern übergegangen. (Wir schrieben darüber in dem Artikel„Internationale Schokoloden- industrie in Nr. 75 des„Vorwärts".) In den allerletzten Tagen, am 27. März, hat die NestlöandAnglo SwißKondensed Milk Co., die weltbekannte Peter, Cailler, Kohler Chckkolats Suisse, sich angeschlossen. Der Nestl�-Konzern erstreckt seine Geschäfte über die ganze Erde: in Nordamerika, Süd- ameriko, Australien, Ostasien, Neuseeland, in allen Ländern Europas, neuerdings in Afrika— überoll sind eigene Unternehmungen und Tochtergesellschaften des Nestlä-Konzerns. Im Vorjahr« hat der tschechische Schicht-Kouzert»* Aichig in der deutschen Schokoladenindustrie Fuß gefaßt, indem ec die Schokoladenfabrik LR et(starbt, Wandsbeck, Hauswaldt» Magdeburg, G a e d k e A.-G., Magdeburg, aufgekauft hat. Auch! bei der Goldina in Bremen hat der Schicht-Konzern Einfluß gewonnen. Ferner haben fast alle großen ausländischen Firmen Fabrik, filialen in Deutschland: Wir nennen Suchardt G. m. b. H� Lörrach i. B., Filiale der Schweizer Suchardt-Fabrik, Deutsche A.-G. für Nestlö-Erzeugnisse, direkte Tochtergesellschaft des Nestle-Konzerns, B e n st o r p G. m. b. H., Cleve, Filiole der holländischen Benstorp-Fabrik, C. I. van Hauten u. Zon, Filiale der holländischen van-Houten-Fabrit, und die Deutschs K w a t t a A.-G. in Köln-Ehrenfeld, die von holländischem Kapital errichtet wurde. Der amerikanische W o o l wo r t h- Konzern hat die Holex A.-G., Bad Hornburg, aufgekauft. Des ferneren sind die Chocolats-Tobler- Werke in Deutschland vertreten und die bereits genannte Peter, Cailler, Kohler A.-G. Wenn unsere Kleinen die Schokoladeneier und-figuren heuch aus ihrem Versteck hervorholen, so ahnen sie nichts von dem groß, kapitalistischen Charakter des Osterhasen von heute. Vielleicht er- zählen ihnen es die Eltern später einmal. Erzählen sollen sie dann aber auch, daß es schon einen sozialistischen Osterhasen gibt, an dem kein Kapitalist was abbeißt, nämlich in den Fabriken unserer Konsumgenossenschaften. P. U. Gefahrliche Boykottpropaganda. Oos nationale Mäntelchen. Aus kaufmännischen Kreisen wird uns geschrieben: Der deutsche Konsument wird in der letzten Zeit innner häufiger durch Bild und Schrift aufgefordert, nur deutsche Erzeug- nisse zu kaufen. So wenig man nun solche Aufforderung als absoluten Unfug zu bezeichnen braucht, so bedenklich erscheinen sie doch angesichts der immer feineren weltwirtschaftlichen Verflechtung und des Aufeinander-Angewiesenseins der nationalen Wirtschaften. Auffallend ist, daß aber vielfach unter ausländischer Kontrolle stehende Industriezweige bei dieser— negativen— Boykottbewegung führend sind. Das gilt für die von Holland weitgehend abhängiGe Dresdener Propagandazentrale für kosmetische Artikel. Das gilt für den Verband deutscher Schokoladen- fabrikanten, der die deutsche Schokoladenindustrie vertritt, die zu einem Teil vom Schweizer Nestle-Konzern, zum anderen von der schwedischen Kanold-Gruppe und weiter vom tschechischen Schicht- Konzern beherrscht wird. Von der nach dem Uebergang der Opel- Werke an General Motors tragikomisch gewordenen Propaganda ist heute nichts weiteres zu sagen. Abgesehen davon, daß diese Propaganda vielfach staatliche Mittel und offizielle moralische Unterstützung fordert, löst.diese Boykottbewegung gegen ausländische Waren notwendig Gegen- bewegungen in anderen Ländern aus. Dadurch werden der deutschen Wirtschaft Aussuhrgebiete verschlossen, was durchaus nicht im wirtschaftlichen Interesse Deutschlaichs siegt. Erfreulicherweise haben die zuständigen deutschen Stellen eine Unterstützung dieser für die deutsche Verbraucherschaft gefähr- sichen und kostspieligen Bewegung bisher regelmäßig abgelehnt aus der Erwägung, daß Handelspolitik für die gesamte Bolkswirt- schaft und nicht im Interesse einzelner Gruppen getrieben werden müsse. Letzten Endes zielen diese„nationalen" Boykotiibewegungen dahin, daß die betreffenden Wirtschaftsgruppen unauffällig k a r t e l l- und monopolartige Stellu ngen auf dem Inlands- markt erlangen wollen. Hier liegt die gefährlich« Unaufrichtizkeit, die bekämpft werden muß. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Schweiz bereits größere Mitel aufwendet, um eine wirksame Propaganda gegen den deutschen Boykott von Schweizer Moktereiprodukten durchzuführen. In anderen Ländern sind die Vorbereitungen zur Abwehrpropoganda im Gange. Großbritannien steht mitten in der Abwehr. Es wäre Zeit, daß die Oeifentlichteit diese Gefahren erkcmtt. P in eer' Jedoch achte dabei immer auf den Pafcvtscstutz„Schiimnif Seit 80 labten käuflich in Apotheken ä 4J Pf. Gutachten Ober Elimmbal Rheuma, Kntclcidcn eratis durch kl an» Kwlet's rUTIUUiei. Pflaster-rabrik, Berlin SV PS, Akiaadrioenstrafie Na. Oie Hausse der Meiallpreise. Auch Blei und Zink sind teurer geworden. Als im Herbst des Jahres 1326 das internationale Kupferkartell sich unter der Bezeichnung„Kupfer-Export-Vereinigung" etablierte, verkündete es durch einen offiziellen Bericht, daß es die Absicht habe, die Verhältnisse in der Kupserwirtschast mit Hilfe einer Stabilisierung der Preise zu bessern. Wie diese Besserung in Wirklichkeit aussieht, zeigt der Kupserprcisskandal seit Ende Dezember. Es kosteten 100 Kilo am 22 Febr. 4.März 18.März 22.März 25.März Eleklrolylkupfer... 171,— 185,25 199,25 219,— 223.50 Blei....... 47,50 47,50 60,— 57,75 59,— Zink....... 52.75 52,75 60,- 57,— 56,— Zinn...... 454,— 454,— 455,— 460,— 451,— Das Kartell hat es im Berlaufe feiner 214jährigen Tätigkeit verstanden, durch große Aufkäufe einen Zustanid der Verknappung zu schaffen, der heute so groß ist, daß tatsächlich die Verbraucher nicht genügend Ware bekommen, und daß stch daher die Preise in so rasendem Tempo nach oben entwickeln können. Den Preis von Aluminium hat jetzt das Kupfer sogar weit überboten. Dieses leichte Metall kostet 130 bis 194 M. je 100 Kilo, während Elektrolytkupfer nicht unter 228 M. zu haben ist. Das lebhafte Kupfergeschäft hält aber an. Die amerikanische Industrie, die im Dezember nur ungefähr 76 000 Tonnen aufnahm, konnte im Januar rund 91 000 und im Februar 90 000 Tonnen abnehmen. Auch Blei und Zink sind jetzt teurer geworden. Für Blei ist eine Kartellierung, die von den Engländern angestrebt war, im Augenblick nicht notwendig, weil die Preise teils unter dem Einfluß der Kupferpreiswelle und teils infolge des größeren Bedarfs von Handel und Industrie ziemlich stark anziehen konnten. Bei Zink kann man die ersten Auswirkungen der Produttionseinschränkung, die während der Monate Iamiar und Februar durchgeführt wurden, verspüren. Auch die Zinkleuto wollen ähnlich wie die Kupserkönigc mehr an ihrer Produktion verdienen, und da der. Absatz sich ver- schlcchtert hat, verringern sie ihre Erzeugung. Nur Zinn hat sich nicht verteuert. Die Vorräte sind so groß, daß Preissteigerungen trotz lebhafter Bemühungen der Spekulanten nicht' durchgeführt werden können. Außerdem war der Absatz im Februar schlechter als im Januar. Arbeitsmarkt weiter erleichtert. In der Woche zum 23. März 13 000 llnkerfluhte weniger. Die günstige Entwicklung der Arbeitsmarkiloge im Bereichs des Landesarbeitsamtes Brandenburg hat in der Woche zum 23. März angehalten. Di« Zahl der Arbeitkloseniinter- stützungsempfänger hat stch um wettere 23 000 vermindert. Dieser Rückgang ist gleich dem der Vorwoche auf die vermehrten Arbeits- gelegenheiten m den Außen berufen zurückzuführen. Die Land- und Forstwirtschaften sowie das Baugewerbe mit seinen ihm verwandten Nebenberufen hatten starke Anforderungen an Arbeitskräften gestellt. Auch die erweiterten Beschäftigungsver- Hältnisse für ungelernte Arbeiter, die Inangriffnahme von Notstands- arbeiten sowie das Aufleben im Berkehrsgewerb«, in welchem bei der Schiffahrt die Verladetätigkeit begann, haben wesentlich zur Entlastung beigetragen. In der Berichtswoche fiel die Zahl der Arbeitsuchenden um 24 873 auf 354 443, d. h. um 6,56 Proz., gegenüber einer Ab- nähme von 19 041 gleich 4,78 Proz. in der Vorwoche. Innerhalb des Landesarbeitsamtes Brandenburg verteilen sich die Arbeit- suchenden auf Berlin mit 223 622, auf die Provinz Branden- bürg mit 116931 und auf die Grenzmark Posen-Westpreußen mit 13890 Personen. Die Zahl der Hauptunter stützungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 169 626, in der Krisenunterstützung 22 189, in der Sonderfürsorge 85 770, zu- sammcn 277 585 Personen. Bon den Hauptunterstützungsempsängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen auf Berlin 144 132, aus die Provinz Brandenburg 51 701, auf die Grenzmark Posen- Weslpreuhen 3733. Für die Krisenfürsorge betrugen die gleichen Zahlen für Berlin 18 578, Brandenburg 3489, Grenzmark 122. In der Sondersürsorge entfielen auf Berlin 24 400, aus Brandenburg 52 686, auf die Grenzmark 8684 Ilnterstützungs- empfänger. Schnett wachsender Güterverkehr. Die letzte Veröffentlichung der Reichsbahn über die Entwicklung der Wagengestel�ung bringt eine angenehme Heber« raschung. In der Woche zum 16. März hat sich die arbeits- tägliche Wageugestellung um 7700 auf 147 700 Wagen erhöht. llebersicht feil. Zanuar 1929 in 1000 Stück: Doche 30. 12.- 5. 1. 29. WSch-ntlich 1929 1928 Durchschnittlich pro Arbeilslaz 1929 1928 6. 13. 20. 27. 3. 10. 17. 24. 3, 10. 1-— 12, 1. 29. 1— 19. 1.23. 1.— 26. 1 29. 1.— 2.2.29. 2.— 9. 2. 29. 2—16. 2. 29. 2.-23. 2. 29. 2— 2.3.29. 3— 9.3.29. 3— 16. 3 29. 628,9 773,7 775,7 801,3 782,6 770,4 703,4 787,5 824,7 840,3 886,0 746,1 827,7 836,6 846,7 850,3 853,1 859,7 855,5 897,8 905,8 897,0 125,8 129,0 129,3 133,6 130,4 128,4 117,2 131,3 137,5 140,0 147,7 128,6 138,0 139,4 141,1 141,7 142,2 14.3,3 142,6 149,6 151,0 149,5 Die beigefügte Tabelle zeigt die Entwicklung seit Jahres« beginn. Von der zweiten Januar- bis zur letzten Februarwoche ist deutlich der gewaltige Einbruch im Güterverkehr zu erkennen— trotz der teilweisen Ueberleiwng des Binnenschiftahrts- aus den Eisenbahnverkehr—, den die abnormen Kälteverhältnisse zur Folge hatten. Seit Ende Februar ober, wo die strengste Kälte gebrochen war, hat die Wagengestellung sehr schnell zugenommen. Wenn in den Ziftern von Mitte März sicher auch noch manches von früher nachgeholt wird, so ist der Stand der Wagengestellung doch schon fast so groß wie zur gleichen Zeit des Vorjahres. Zur Beurteilung der Konjunktur ist diese Entwicklung nicht ganz unwichtig. Man wird allerdings abwarten müssen, was die nächsten Wochen bringen._ Wachsende Gewinne bei Siock-Spiralbohrer. Auf 2 228 000 M. hat Stock-Spiralbohrer 1928 sein«— aus- gewiesenen— Betriebsüberschüsse erhöht; noch 1688 000 M. im Jahre 1927 und nur 1 209 000 M. 1926. Der ausgewiesene Nein- gewinn ist gestiegen in den drei Iahren von 62 000 auf 450 000 und dann auf 618 000 M. Die Dividende aus das Kapital von 7 ,56 Millionen ist gestiegen von 0 aus 5 Proz. und dann auf 7 Proz. Eine glänzende Entwicklung! Das stark gewachsene Geschält, die Amerikanisierung, sie haben im Mehrschichtensystem sich gelohnt— für die Aktionäre! Ssickstosfanlagen auch in Waldenburg. Im W.ildenburger Kohlenrevier soll die Stickstosfherstellung im großen ausgenommen werden. Das dabei anzuwendende Produktionsverfahren beruht auf der Verarbeitung von Kokersigas. Träger des' Unternehmens sind die Gruben des Fürsten von P l e ß. Die neue Gesellschaft fuhrt den Namen Stick st offwerke A.-G. Waldenburg in Schlesien. Sie ist mit einem Kapital von 8 Millionen Mark ausgerüstet und soll zunächst 15 000 Tonnen Stickstoff produzieren. Später ist eine Verdoppelung der Produktion vorgesehen. Für vier Milliarden Dollar Edelsteine in USA. Nach einer Veröfsentlichung der amerikanischen Continental Versicherungsgesell- schalt hat das amerikanische Volk Edelsteine im Gesamtwert von vier Milliarden Dollar oder 16 Milliarden Mark. Mit dem Wert dieser Edelsteine allein könnte bei sofortiger Bezahlung der größte Teil der deutschen Reparationen beglichen werden. MlFrertag-STOFFE '-afc# f /x&afen. Qcrt ton xüa JüjUig4tB\ s- Molkenmarkl Ms 14 Am Freitag gab es wieder einige nüjtlichc Ratschläge für das Wochenende. Redakteur Walter Trojan führte die chörer aus einer flotten Fahrt in den Osten und in den Norden Berlins. Köpenick, die alte cheinals selbständig« Stadt, ist als Ausgangspunkt für Ausflüge ja den Berliner Wanderlustigen gewist nicht unbekannt. Der Bortragende versuchte jedoch, auch auf die Stadt Köpenick selber die Aufmerksamkeit zu lenken. Dann aber führte er in weniger besuchte Gegenden, nach Velten und Kremmen, die herrliche Wandermöglichkeiten bieten. Aber auch an Velten selber sollte man nicht vorübergehen. Diese Töpferstadt im Norden Berlins war früher wegen ihrer Kacheln bekannt und wird es heut« immer mehr wegen ihrer keramischen Erzeugnisse. In einem kleinen Museum kann man die Entwicklung der Keramik bis zur Gegenwart, bis zu den hochwertigen modernen Veltener Erzeugnissen betrachten.— Geschmackvoll und unterhaltend war die Nachmittagsmusik der Kapelle Gebrüder Steiner. Dagegen wirkte die Ueberlragung der Matthäus-Passion von Bach aus Leipzig technisch verunglückt. Man hätte wissen müssen, dost in dieser Jahreszeit um 18 Uhr ein störungsfreier Fernempfang schwer mög- lich ist. Die herrllche Bach-Musik kam besonders im Anfang grauenvoll verzerrt an. Tes. Durchsonnte Freude breitet sich am Sonnabend über den Berliner chörer aus, denn endlich erfährt er, daß auch in Abessinien Ostern gefeiert wird. Nicht auszudenken, wohin sein Seelenheil entflohen wäre, wenn er diese frohe Osterbotschajt nicht empfangen bätte. Um das Glück vollzumachen, wird er auch noch zum Zeugen, daß dem Verfasser von Kinderspielen selbst in der frohen Osterzeit aber auch gar nichts mehr einfällt. Nach den Bustpsalmen der vergangenen Woche bietet das Orgelkonzert, dos aus dem Bach- saal am Nachmittag übertragen wird, kaum eine Abwechslung. Das Abendkonzert, auch durchaus seriös gehalten, bringt wenigstens leichter verdauliche Orchesterkost. Sehr schön svielt Seidler-Winkler Liszts sinfonische Dichtung„Von der Wiege bis zum Grabe"". Eigentlich braucht kein Wort darüber verloren zu werden, daß am Schluß des Programms die obligaten Faustszenen serviert werden. Es ändert sich eben nichts in dem eisernen Feier- ragsrepertoire der Berliner Funkstunde, chier ist noch auf einen Vortrag hinzuweisen„Der Student in der Großstadt", den .fj Fritsch vom Studentenwerk Berlin hält. Er betont den ernsten Arbeitswillen der Studenten, die Energie, mit der er gegen widrige finanzielle Verhältnisse ankämpfen muß. Die Oeffentlichkeit macht sich vom deutschen Studenten ein falsches Bild, wenn sie ihn nur nach den farbentrageirden Herren beurteilt. F. S. INelterberlcht der öffealllchen welkerdieusiftelle Berlin und Lmgegend INachdr. veib.). Meiil bewölkt, ohne weientliche Regenfälle, kllbl, mäßige meUliche bis nordwestliche Winde.— Jfir Deulschland: Im Westen und Süden teilZ heiter, teils wolkig und ziemlich warm, im mittleren Deutich- Iiind wolkig und kühl, im Osten Nachlsröste und vereinzelt Regen- oder «chncesälle. Frisiersalon bei Tieh, Frankfurter Allee. Das Kaufhaus Tietz hat feiner Filiale Frankfurter Allee einen Damen- und Kinder-Frifiersalon angegliedert, der am Öfter- sonnabend eröffnet wurde. Der Frifierraum für Kindrr, aus natur- forbenem Marmor mit weißem Holz, gleicht einer freundlichen, hellen, recht einladenden Spielstube. Da fitzen die kleinen Kunden in Miniaturoutos, auf Kutscksslrdchen und anderem Getier, angetan mit einem buntbed'.uckten Frisiermantel, dessen Musterung ebenfalls wieder allerlei lustige Figuren aus der Kind:rw.-st zeigt, währe.td die Sckere des Figaro ritsch ratsch die Haare kürzt. Die fallende tkockenpracht wind durch eine am Fufjboden angebrachte Saugoor- richtung weggefegt. Neben der Kinder.Frisierstube befindet sich der Frisier-, Maniküre- und Pediküre-Raum für Frauen, der, bei nro- dernster Einrichtung und kundigem Bedienungspersonal, allen Wün- schen der Kundschaft gerecht zu werden trachtet Jede Koje hat ihren eigenen Heißlustapparat zum Haartrocknen, daneben die oben- ernüihnte Saugvorrichtung zur Entfernung der Schnitthaare, neu- artige verstellbare Stühle, Fußpslege-Gelegenheit, Maniküre usw. Außerdem ist noch ein eigener Haarschneide-Raum vorgesehen. Bei starkem Andrang werden Nummernkarton ausgegeben und bequeme Sofas bieten den Wartenden ein angenehmes Ruheplätzchen. Warum schäumt»st die Seif«»icht? Eine?c»bochtung, die viele Haus. krcuim beim Wäschewaschen machen und deren Ursache sie sich nicht recht er. klären können, ist öas Nichtschäumen guter Seife. Die Ursache liegt im hoben Kallgeholt des Leitungswassers. Jedes Leitungswasser ist hart, d. h. es cnt. hält Kalk. Sin ssiramm Kalk im Waschkessel macht 12 Gramm Seis« unwirksam. Hartes Wasser ist also zum Waschen ungeeignet. Wie macht man nun das Wasser weich? flu Großmutters Zeiten stellte man Regentonnen auf, die das himmlische Rast silr den Waschtag sammelten, weil Regcnwasser das wirtschast- lichst« Wasser zum Waschen ist. Heute, im Häusermecr der Großstadt, kann nicht jede Hausfrau eine Regcntonne oufstcllcn. Deshalb erzeugt sie das Regcnwasser selbst durch einigc Handooll Henko. Henkels Walch, und Bltichsoda, die sie vor der Bereitung der Persillauge in den mit kaltem Wasser gestillten Waschkessel schüttet. Mit Henko wcichgemachtes Wasser hat die Weichheit des Regenwassers und macht das Waschen wirtschaftlich und angenehm. Man merkt's am guten Schaum beim Waschen. Wieder ein« Svißcnlcistung der Firma Tcpuich-Burlch, Berlin E. 2, Soau- datier Str. 32. Alle Angctolc und Berkaufsoeranftaltungen dieses großer Spezialhauses zeigen, in welch verblüffender Weife die Firma T»Ppick>.Bursch die Wünsche des kaufenden Publilums kennt und ihrem Bcrlangen zuvorkommt. Grüßen, 6 Qualitäten, S Preise." Unter diesem Motto findet der Interessent eine übersichtliche Aufstellung begehrenswerter und aualiwtiv hochwertiger Sevv'.che. die unter Porantrilt des Pre'ses ihm ohne weitere Mühe eine leichte -Bahl ermöglichen. Die Zeit zmiichen Ostern und Pfingsten ist für den Haus. halt die wichtigste der Reuanschaffung und Erneuerung..Die neuzeitliche Fenstcrdekvration",«ine Gardinenausstellung im 1. und 2. Stock, bringt neue und schöne Modelle. Besichtigung zwanglos. Dir Firma Teppich-Burfch, Berlin, »ur Spandauer Str. 32, bittet. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks, Sonntag, 31. März: 8.55: Stundenglockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche. 9; Morgenfeier. 11.30: Konzeit. 14.30: Osterfeste der Natur. 15.30; Märchen, 16.30: Unterhaltungsmusik. 18.30: Vom Tierfreund zum Ticrschlitzer. 19.30: Uebertragung Staatsoper Platz der Republik;,.Carmen'4, Oper von Bizet. Montag, I. April: 8 55: Stundenglockcnspiel der Potsdamer Garnisohkirche. 9: Morgenfeier. 11.30: Blasorchester-Konzert. 14.30: Für den Landwirt. 16: Uebertragung Trabrennbahn Mariendorf. Anschließend: Teerausik. 19; Eine Reise durch unbekanntes Afrika. 19.30: Feierstunden des Großstädters. 20: Heitere Vorträge von Josef Plaut. 20 45: Volkstümliches Orchester-Konzert. Danach: Tanzmusik. Dienstag, 2. April: 11: Vormittags-Konzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 15.30; Die Zahl im Alltag. 16.30: Heitere Rezitationen- 17: Unterhaltungsmusik: 18.10: Stunde mit Büchern. 18.35: Lebenskunst. 19: Musik in der Schule. 19.30:„Land unterm Kreuz". 20: Rezitationen. 20.30: Orchester-Konzert. Mittwoch, 3. April: 15.30: Der Einzelhaushalt als Wirtschaftsfaktor. 16: Die Bedeutung des Fallschirms in der Luftfahrt. 16.30: Jugendbühne. 18.10: Vom Komödianten zum Schauspieler. 18.30: Moderne Krebsbehandlung unif Krebsverhütung. 19: Internationale Kriegsschulderörterungen. 19.30: Was wir Danziger vom Deutschen Reich und vom deutschen Volk erwarten. 20.30; Abendunterhaltung. 21.30: Musik der Gegenwart. Danach: Tanzmusik. Deutscblandsender: 20.30: Sendespiele:„Die Lore" von Otto Erich Hartlcben. 21.10; Sonate h-moll von Chopin. Anschließend: Unterhaltungsmusik. Donnerstag, 4. April: 12.30: Die Viertelstunde fflr den Landwirt. 15-30: Wanderbühne und Volks- theatcr. 16: Kuinsttrieb und Kunstvertrieb. 16.30; Zucker liest aus seinem Roman„Berlin, Datum des Poststempels". 17; Konzert. 18.30: Drehstrom und Gleichstrom. 19: Sozialpolitische Umschau. 19.30: Der Beruf des Volks- schullchrcrs. 20: Scnndespiele:„Der lachende Ehemann", Operette von Eysler. Danach; Tanzmusik. Freitag, S. April: 13.05:~ Nur für Stettin; Sondermitteilungen för den Landwirt. 16.30: Die Sehnsucht nach dem Ideal. 16: Propheten von einst— Propheten für heute. Politische Funktienärlnnen! Mittwoch, den 3. April 1929, 19V, Uhr, im Hochzeitssaal der Sophienkäle, Berlin C 54, Sophienstraße 17—18 Frauen- Konferenz Tagesordnung; 1.„Alkohol emd Ratudigifie in Gesetz- gebang und Poliiik''. Ref.: Dr. Hildegard Wegscheider, M.d:L. 2. Neuwahl des Frauenausschusses,— 4. Verschiedenes. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mandates sowie des Mitgliedsbuches TOrkontrolle 1. Krcis-Miilc. Das Fraacnsckretarlat. 16.30: Unterhaltungsmusik. 18.10: Italienischer Vortrag 18.35: Wie erkennt der Arzt eine Krankheit? 19: Fruhlingsbcobachtungen in Parkanlagen und märkischen Fließtälern. 19.30: Sind Museen zeitgemäß? 20: Abendunterhaltung. 21: Europäische Staatsmänner der Gegenwart. Anschließend: Musik für Rundfunkorchester. Sonnabend, 6. April: 15.30: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16: Der Sternhimmel im Monat April 16.30: Heitere Anekdoten. 17: Unnterhalturgsmusik. 18.10; Die Bedeutung der Urbarmachung von Oed- und Moorland. 18.35: Stimmen über dem Ozean. 19; Grenzmark und Hinterland. 19.30: Werktätige Jugend und Beruf. 20; Stiftungsfest des Funkvereins„Hochantenne". Danach; Tanzmusik. 20: Stunde des Landes. Deutscblandsender: 21: Solisten-Konzert. Königswusterhauser. Sonntag, 31. März: Ab 8.55; Uebertragung aus Berlin. Montag, I. April: Ab 8.55: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 2. April: 16: Erziehungsberatung. 16.30: Neuere Hausmusik für Klavier. 1«: Uebtr- tragnng aus Leipzig. 18: Explosionen und Explosivstoffe. 18.30: Französisch für Fortgeschrittene. 1�.55: Wie kommen Entdeckungen und Erfindungen zustande? 19.20: Kommunale Fürsorge in Wien. Ab 20: Uebertragung aus Berlin. 22.45: Bildfunkversuchc. Mittwoch, 3. April: 16; Vom Güteraustausch mit anderen Völkern. 16.30: Die Entwicklung der Variationsform. 17; Uebertragung aus Hamburg. 18: Die fischverarbeitende Industrie. 18.30; Spanisch für Anfänger. 18.55: Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter. 19.20: Die Kunst, Musik zu hören. 20: Uebertragung aus Berlin. 20.30: Deutscblandsender: Sendespiele„Die Lore" von Hartleben. 21.10; Konzert. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 4. April: 16; Musik im Kindergarten. 16.30; Dichterstunde. 17; Uebertragung aus Berlin. 18: Baltische Dichterinnen. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55; Neuzeitliche Qewächshausanlagen. 19 20: Der reisende Kaufmann Ab 20; Uebertragung aus Berlin. Freitag, 5. April: 16: Die Wirkung der Musik auf das nicht normale Kind. 16.30: Wie entsteht Schokolade? 17; Uebertragung aus Leipzig. 18: Die deutsche Agrarkrise und das Absatzproblem.' 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55; Werk- meisterlehrgang für Facharbeiter. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzto, Ab 20i Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 6. April: 16; Aus dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. 16.30: Ferienkultur der Beamten. 17; Uebertragung aus Hamburg. 18: Zwiegespräch mit Werkleutetn. 18.30: Französisch för Anfänger. 18.55: Von Italien und Franko reich. 20: Deutscblandsender: Stunde des Landes. 21; Solisten-Kcnzcrt. AnJ schließend: Uebertragung aus Berlin. Csiez>fx>eec.______ BeachtenewertI Deutsche« Tepoichhau« tkmil Lefevre seit lSSZ nur Oranien ftrahe l!S. Keinerlei Begehungen»ut hhnlich klingenden ffirma. Man achte aui Bornamen E»il.__' Bettscder» ab Fabrik, graue Rupft federn Pfund io Pfennig an. Bettfedern. Dampfreinigun«. Reu: Bettsedern- Wäsche. Bett>edernfabrik Tchwan, Brun. nensiraß- löl Fabrikgebäude. Webfehler. Teppiche. Kleine Webfehler 2XZ lg,— Mark. «leine Webfehler ZXZ 24.— Mark. «leine Webfehler IlhXZVH 38,- Mark «leine Webfehler 3X4«»,— Mark. I». Lualitot 2 X 3 38,— Mark. Ij. Qualität 2!4X3lb Sä.- Mark. Ia. Qualität 3X4 85,— Mark. «örner. Berlin, Potsdamerstraße 2Kb. Hausnummer beachten. Bett-noerkaiisl Wegen Geldmangel spottbilligl Reue 15.—! Prachtvolle 22L0! N.— I Bauernbetten 2g.— I«eine Lom. Hardware! Leihhaus Brunnenstraße 47. Epittelmarkt. Sebs-hl-rteppich«. Bebfehlerteppich 2X3 18. SO Mari W-bs-hlert-ppich 2 X 3 89�- Mark, Webfehlerteppich 2'.h X 3lh 34.— Mark. Webfchlcrteppich 3X4 SS,— Mark Aberbach. 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Unvorhergclehencs.......... Außerordentliche Ausgaben....... Reichsnachrichtenstell«(Zuschuß)..... Kaufmännische Schulen........ Handelshochschule, Differenz zwischen Ein- nahmen und Ausgaben, gedeckt von der Kammer....... Berlin, den 38. März 1929. Die Industrie, und K-ndelelammee zu F r a n» v. Mendelssohn. 6 139 930 RM, 550 500 6 139 930 RM, BerN». Das ücftof der Stunde ist der Eintritt in den Erd' und Fener- Bestattundsvereln GroD-BerUn ,21 W 35, Steglitzer Straße 66 Fernsprecher: Nollendorf 4168/69 � schnell-' >k* Ä. Radio-, sorecti- und nwto-apwrtta M. a Yolkstedinik G.m.b.H. frUhar Sherlock Oes. m. b. H. Berlin Ii.. Hadiesdier Markt 2-3. Tel.; Nord 4731-93 Jubiläums-Preise! Schlafzimmer, Birke, gail» elegante Ausführung, 200 breit. komplett 395,—. Schlafzimmer, echt Eich«, 160 breit, komplett 865. Speisezimmer, echt Eich«. Büfett 200 drett, mit runder Vitrine, komplett 545,—. Herrenzimmer, Bibliothek, 160 breit, 3tllrig, komplett 385,—. 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Von ollen politischen Parteien in Deutschland darf sich ollein die Sozialdemokratie rühmen, das; sie von jeher für die Heranziehung der Jugend zur Mitbestimmung der politi- schen Führung des Landes eingetreten ist.„Allgemeines, gleiches und direktes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe aller über 2t) Jahre alten Weichs- angehärigcn ohne Unterschied des Geschlechts"— forderte das Erfurter Programm: die gleiche Forderung war auch schon in den vorhergegangenen Programmen enthalten. Diese Forderung gehört zu denen, die noch der Revolution von 1918 unter dem Druck der Sozialdemokratie durch die neue Reichsverfassung erfüllt worden sind. Die Gewährung des Jugcndwahlrechts durch die Reichsverfassung und die von den Volksbeauftragten vorgenommene Beseitigung der 17 und 18 des Rcichsvereinsgesetzes, die der Jugend jeg- liche politische Betätigung untersagten, haben der Jugend den Weg zur Anteilnahme an der politischen Selbstbestim- mung des Volkes geöffnet. Die bürgerlichen Parteien, die nach der Revolution keinen oder nur schwachen Widerstand gegen das Jugend- Wahlrecht leisteten— war es doch schlecht möglich, der Iu- gend nach den von ihr geforderten ungeheuerlichen Kriegs- opfern dies Mitbestimmungsrecht zu verweigern—, möchten in ihrer Mehrheit heute schon zu ihrer früheren Haltung zu- rückkehren und das Wahlalter wieder herauf- fetzen. Eins Zeitlang wurde in einem Teil der bürger- lichen Presse für diese Absicht eine recht lebhafte Propaganda getrieben. Diese Stimmungsmache ist vorläufig verstummt, — der Wahlrechtsraub an der Jugend ist gegen die Sozialdemokratie nicht durchzusetzen. Aber haben denn nun die Wahlen seit der Revolution nicht bewiesen, daß die Jugend noch so unreif für die Politik ist, daß sie von dem Wahlrecht gar nicht den rechten Ge- brauch macht? Hat denn die Jugend ihr Wahlrecht über- Haupt ausgeübt und damit bewiesen, daß sie Wert darauf legt? Und soweit die Jugend das Wahlrecht ausübte, war die Folge nicht lediglich eine Stärkung der Extreme äußerst rechts und äußerst links? Der Jugend einen besonders hohen Grad politischer Un- reife zuzumessen ist sachlich völlig ungerechtfertigt. Und so- weit der Vorwurf der Unreife überhaupt erhoben werden Muß, fällt er auf die Erwachsenen selbst zurück. Welche poli- tisch« Schulung enäbrt denn- die Masse der Jugend in Deutschland? Welches Vorbild aeben denn die �Erwachsenen? Wer hat die in Deutschland bestehen- den über 30 Parteien gegründet? Ein politisch reiferes Volk hätte auch eine politisch reifere Jugend. Gewiß, die Zwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen haben, wie nach den bisherigen Wahlen auf allerdings recht schmaler Berechnungsgrundlage festgestellt worden ist, die Verhältnis- mäßig geringste Wahlbeteiligung aufzuweisen. Sie wählen schlechter als die 60- bis 65jährigen Wähler. Es scheint bei manchen jungen Menschen noch eine gewisse Scheu vor dem ersten Gang zur Wahlurne zu bestehen. Uebersehen darf inan allerdings auch nicht, daß weite Kreise der bürgerlichen Jugendbewegung Stimmenthaltung geübt haben, weil sie sich zu keiner der so verlästerten Parteien bekennen mochten. Von deutschnationaler Seite wurde nach der letzten Wahl betrübt festgestellt, daß„die Wahlenthaltung der Jugend darauf zu- rückzuführen ist, daß man in nationalen Kreisen die Kritik am System von Weimar so gestaltet hat, daß jede Partei der Jugend verekelt wurde." Man hat sich also ins eigene Fleisch geschnitten. Aber abgesehen von solchen Einzelheiten, muß man feststellen, daß man bei uns zu Lande gewiß nie oersäumt, den„gewöhnlichen" Geburtstag zu feiern, daß man aber dem politischen, dem 20. Geburtstag des jungen Staatsbürgers keine besondere Beachtung schenkt. Und doch kommt ihm neben dem Tag der Jugendweihe die größte Bedeutung im Dasein des zu bewußtem Leben heran- gereisten jungen Menschen zu; denn jetzt wird er in Reih' und Glied mit den zu politischer Mitverantwortung berufenen Staatsbürgern gestellt. Es ist zu wünschen, daß, je mehr sich in unserem Volke eine höhere Würdinung des durch die Re- volution errungenen politischen Selbstbestimmungsrechts durchsetzt, desto mehr auch der politische Geburtstag Beachtung findet als der Geburtstag, an dem das politisch mündige Bolk als Gratulant erscheint und das Geschenk des politischen Mitbestimmungsrechts und der Mitverantwortung überbringt. Daß der Jugend ein gewisser Radikalismus im Blute liegt, ist eine altbekannte Tatsache. Er kann und wird unter politisch ruhigeren Verhältnissen, als wir sie in der Nachkriegszeit hatten, von einer durchaus gesunden Wirkung im politischen Leben sein. Wir dürfen uns da den Blick durch den Verlauf der Dinge in der Nachkriegszeit mit ihren ganz besonders gelagerten Verhältnissen, die den Extremismus außerordentlich begünstigten, nicht trüben lassen. Man wird zwar von der Jugend nie die abgeklärte Haltung erfahrener Politiker erwarten können, aber deshalb noch nicht auf ihre politische Mitarbeit verzichten dürfen. Schon allein deswegen nicht, weil die proktischc Mitarbeit immer die beste Schule für die Jugend sein wird. Im jetzigen Reichstag sind 72 Abgeordnete, deren Man- date aus der van den Zwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen aufgebrachten Stimmenzohl gebildet find. Wenn die nächste Wahl turnusmäßig 1932 stattfinden sollte, dann wird die Zahl der Wahlberechtigten dieser Altersgruppe so angewachsen sein, daß eiitVicrtelbiscinDrittelallerMan- date durch ihre Stimmen hervorgebracht werden. Daraus ergibt sich wohl mit oller Klarheit, welche Rolle die Jung- Wählerschaft spielt. Die Erkenntnis dieser Entwicklung, die sich seit der Reichstagswahl vom Mai 1928 rasch verbreitet, wird dazu führen, daß der politischen Agitation unter der Jugend weit mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als bisher. Unsere Partei muß da auf dem Posten sein, zumal ihr bei dieser Agitation der beste Erfolg sicher ist. Nach der letzten Rcichstagswahl haben die bürgerlichen Parteien lange Be- trachtungen angestellt über den Abmarsch der Jugend aus ihren Reihen. Die Deutschnationalen haben sogar offen zuge- geben, daß die Jugend„mit den alten Parolen, deren ideeller Charakter in der heutigen Zeit offensichtlich in den Hinter- grund getreten ist. nichts mehr anzufangen weiß." Anderer- seits konnte man z. B. in der„Frankfurter Zeitung" einen Aufsatz:„SPD.— die Partei der Jugend?" lesen, der also begann:„Auch Sie haben sozialdemokratisch gewählt?"— frage ich einen jüngeren geistigen Knaben, der in der Gene- rotion einen guten Namen hat. Ich hatte es nickst einmal sicher gewußt, nahm es nur an, weil es überall dasselbe ist. „Ja, man mußte die Linke stärken." Es steht fest, daß bei der letzten Rcichstagswahl der Sozialdemokratischen Partei ein crbeblicher Teil" der Jung- wählerstimmen zugeflossen sind. Es ist in die Hand der Partei gegeben, diese Jungwähler, deren Entscheidung in erster Linie aus Gesinnung und weniger aus be- stimmten materiellen Interessen fällt, zu Kalten und neue hin- zuzugcwinnen. Unser Ziel muß sein, daß der Weg der Jugend zur Politik zugleich auch der Weg der Jugend zur S o z i a l- demokrate, zum Sozialismus ist! Konflikte im Elternhaus. Wir und unsere Kinder. Von Clara Bobm-Schucb. Es ist Ostern. Die Schulentlassungen sind vorüber. Die«leisten der Mädel und Jungen, die eben noch Kinder rvircn, gehen nun in irgendeiner Weise ins Erwerbsleben. Di« Beschajsung der Lehr- stelle, die leider immer schwieriger wird, war noch zum großen Teil Sorge der Eltern, aber zu einem Teil doch schon Selbstverpflich- tung des jungen Menschen. In den kommenden Iahren soll diese Selbstverpflichtung wachsen zur Selb st Verantwortung. Bis aus dem Jungen, dein Mädel die selbständige Persönlichkeit geworden ist, die den Lebenskampf bestehen kann. Lebcnsentscheidend sind diese paar Jugendjahre von vierzehn bis zwanzig zwischen dem Berlasjen der Volksschule und der staats- bürgerlichen Wiurdigkeit. In ihrem unendlichen Reichtum des Hoffens, des Möllens, der Cntwirklungsmöglichkeitcn ist es wohl die schönste Zeit des Lebens. Aber auch die schwerste für alle, die diese Jahre nicht himmelblau durchtränmen oder leichtsinnig durchtanzen, sondern mit sich und der Ilmwelt um ihre eigene Lebensgestaitnng ringen. Wäre nicht die frohe Elastizität, die Freude am Dasein und der trotzig« Kampfwille in der Jugend, dann mären die Ver- wirrungen und Problem« dieser Jahr? weder zu lösen noch zu ertragen. Und doch muß jede neue Generation wieder hindurch, muß alles selber erleben: Eltern unh Lehrer können ihnen bestenfalls ein wenig behilflich sein als taktvolle Kameraden: abnehmen können sie ihnen nichts. Durch den Krieg haben auch die menschlichen Beziehungen innerhalb der Familie eine Umwertung erfahren. In dem furcht- baren Erlebnis der Jungen mußte der alte Autoritätsbegriff unter- gehen. Auflehnung gegen alles Bestehende mußte in ihnen wachsen. Erst die Zeit konnte und kann ihnen die Klarheit bringen, daß der mühselige Weg der friedlichen Verständigung mit allen Völkern, des Aufbaues in Staat und Wirtschaft der einzig mögliche ist. Das Tempo der Arbeit macht ihnen diese ruhige Besinnung nicht leichter. Gleichzeitig wacht es aber die Kinder in der unausgesetzten An- spannung der Nerven anders und früher selbständig, als vor dem Krieg. Das olles sollen wir bedenken, wenn sich Konflikte im Elternhaus, wenn sich vor allem politische Meinungsoerschiede»- hciten ergeben. Da erleben sozialistische Eltern, die in vorbildlicher Treue in ihrer Partei an dem Wohle ihrer Klassengenoisen schafslen, daß ihre Kinder K o m m u n i st e n werden oder daß sie zu den Völkischen gehen. Sie können es nicht begreifen, denn sie haben den Jungen, das Mädel in ihrem, im sozialistischen Geiste erzogen. Es gibt Auseinandersetzungen, Vorwürfe, Hohn der Jungen, Zorn der Alten,«in Gegeneinanderprallcn der Meinungen, bis eine Verständigung nicht mehr möglich ist. Und um die Trn- gödie zu vollenden, ist oftmals die Mutter zwischen Vater und Kin- dern hin- und Hergezerrt in ihren Gefühlen, bis auch die Ehe zer- bricht. Muß das sein? Sollten die menschlichen Beziehungen zwischen Elrern und Kindern wirklich nicht stark genug sein, um auch andere politische Meinungen zu ertragen und zu überragen? Nur, wo blinder Fanaiisiru?, politische Borniertheit herrschen, wird Ver- ständigung zur Unmöglichkeit. Und das ist das große Unrecht der Kommunistischen sowohl wie der Völkischen Partei, daß sie junge Menschen sanatisieren, anstatt ihre politische Reife zu för- dern. Aber je fanatischer die Jungen sind, um so mehr kann nur Ruh« und Selbstbeherrschung der Eltern sie zur Besinnung bringen. Ich kenn« einen Fall, wo von drei erwachsenen Söhnen einer nicht die politische Gesinnung seiner Eltern teilt. Es sind sehr einfache Menschen, ober ihre inner« Kuliur, ihre gegenseitige Achtung ist so groß, daß ein Meinungsaustausch ohne ein verletzendes Wort möglich ist. Mit Gewalt ist nichts zu erreichen, am wenigsten in der Erziehung und Entwicklung junger Menschen. Wir können die Keime zu gesundem Empfinden, zn einem stgrken Wollen in unseren Kindern wecken und pflegen: zu ganzen Menschen machen kann sie nur das eigene Erlebnis, die eigene Erfahrung. Zu dieser Erkenntnis müssen vor allem wir Eltern kommen. Die Seele unsere Äirchcr haben, das heißt ihre Liebe, ihr Ver- trauen, ihr« Freundschaft, ist höchstes Glück. Aber einen Rechts- nnspruch auf diese inneren Werte gibt es nicht. Menschen sind kein Besitz, über den man vcrsügen darf, auch unsere Kinder nicht. Darum müssen wir sie ihr« eigenen Wege finden und gehen lassen, auch wen» es nicht unsere Wege sind. Gewiß bringt die Entwicklung der Kinder oft schmerzvollste Enttäuschungen für die Eltern. Was sie geliebt, behütet, oft unter vielen Cnibehrungcn innerlich und äußerlich gepflegt haben, löst sich von ihnen, sucht ein eigenes Lebensziel, ohne auf die Wünsche der Eltern Rücksicht zu nehmen. Das schmerzt, gewiß, aber muß daraus Bitterkeit, Trennung, Feindseligkeit erwachsen? Haben wir einstens nach den Plänen und Wünschen der Eltern gefragt? Gefragt vielleicht: ge- handelt nur so weit, als es das Wachsen unserer Persönlichkeit nicht behinderte. Und doch liebten wir unsere Eltern, waren ihnen tief- innerst zugetan, wie keinem anderen Menschen auf der Welt. Und dann tarn wohl der Tag, an dem wir einen Rat holten, den wir solange nicht gebraucht. Und die Eltern gaben ihn uns aus der Erfahrung ihres harten, arbeitsreichen Lebens; gaben ihn uns vor- behaltlos, weil sie uns liebten, weil sie keine Bitterkeit in sich hatten aufkommen lassen, auch wo wir ihnen wehegctan. Wieviel Seelen- stärke ojt dazu gehört haben mag, begreisen wir ja erst, wenn wir selber in die gleiche Lage kommen, wenn wir alles, was unsere Eltern mit uns erlebt haben, nun wieder— wenn auch in anderen Formen— an unseren Kindern erleben. Und so wird es immer sein. Das ist das ewige Werden, Vergehen und Auferstehen in uns, bis wir zur Reife der Erkenntnis, zur Ruhe in uns selber kommen. Und eigentlich wissen wir dann erst, w i e schön dasLebenist, wieviel Freude trotz aller Enttäuschungen die Entwicklung unserer Kinder zu eigenen Persönlichkeiten für uns gebracht hat. Es kommt nur darauf an, daß wir gegenseitig— Eltern und Kinder— in Krisenzeiten uns bewähren. Daß wir bei allen Meinungsverschiedenheiten die Grenzen der gegenseitigen Achtung nicht verlassen. Jede Generation wächst mit ihrer Zeit, bildet sich aus ihrem Erleben ihre Meinimg zum Staat, zur Wirt- schaft, zur Religion. Es ist ganz natürlich, daß Weltanschauungen und politische Ueberzeugungen der Kinder andere sein können, als die der Eltern waren. Entscheidend für den Wert des Menschen ist nur, daß seine Ueberzeugung echt und ehrlich, daß sie der beste Teil seines Wesens ist. Dann wird er auch die ehrliche Uebcr- zeugung Andersdenkender achten und verstehen. lÄ&�ggclew ■Cin�igarHg in ihref reinhei+l Riftstei zum Iniemailonalen Frauentf Arn gMeilÄlaS,«ten HO. Alta'lB» lO*/« VKbi*. In 4 großen Kundgebungen sprechen Ober„Mehr Recht und Schutz für Mutter und Kindl Kampf gegen Krieg und Kriegsgefahr**. Ausländische Referentinnen: Fanny Blatny, Tschechoslowakei/ Gertrud Düby, Schweiz/ Dorota Kluczinska, Polen, Berliner Referentinnen; Klara Bohm-Schuch, M.d.R./ Marie Kunert, M.d.R./ Hedwig Wachenheim, M.d.L/ Mathilde Wurm, M.d.R. Pharus-Säle, Müllerstraße 142. Prachtsäle am Märchenbrunnen(Friedrichshain), Kliems Festsäle, Hasenheide 13/14, Splchernsäie, Spichernstraße 3. Z Hormone in der poliiik. Die Gewerbesteuer der freien Äerufe. Au» Sreiseu der bildcudeu Süustlcr Deutschland» wird im» geschrieben: ijnrmone— früher sprach man von Imponderabilien. Die Wisseaschast hatte bei chemische« Prozessen und im lebenden Organis- mus Wirkungen beobachtet, deren Ursachen nicht auffindbar waren, daher weder gemessen noch gewogen werden konnten und die doch nach allen Gesetzen der Logik vorhanden sein nmßten. Mit den oerfeinerten Methoden moderner Forschung ist man ihnen im mensch- liehen Organismus auf die Spur gekommen. Unscheinbare Drüsen, deren Existenzberechtigung man früher nicht begriff, sondern feinste Säfte ab, die chormon«, die, durch den Blutkreislauf an die lebenswichtigen Organe gebrocht eben die Wirkungen hervorrufen, deren Ursachen bisher ein unfaßbares Rätsel waren. Daß die materialistische Weltanschauung zunächst nur die großen Massen und chre wirtschaftliche und politische Bedeutung ins Auge faßtp, war natürlich die neuen Erkenntnisse brachten außerordentliche Er- folge und für die Vertreter der proletarischen Massen log kein« zwingende Veranlassung vor, sich um die kleineren Berufs- gl Uppen sonderlich zu kümmern. Instinktiv aber haben vom Beginn der Bewegung an gerade die hervorragendsten Führer ein lebhaftes Interesse an wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeit genommen und Beziehungen ,zu den Trägern dieser Arbeit gepflegt. Nicht mit den selbstzufriedenen Kärrnern, die im ausgefahrenen Gleise brav ihr Pensum erledigten und ebenso brav dem herrschenden System dienten, wohl aber erkannten sie die Verwandtschaft mit den Suchern und Pioniere» in Kunst und Wissenschaft. Di« Gegenseitigkeit kam von selbst. Die jungen strebenden Kräfte der letzten Jahrzehnte des IL. Jahrhunderts wuiden von den großen. durch die Sozialdemokratie verkörperten Gedanken gepackt und trugen durch ihre Werke nicht wenig zu deren Berbreitung bei. Jetzt sieht vieles anders aus. Der moderne demokratisch« Par- lamentorismus beruht auf dem Gegenspiel der großen Massen. Die Ziffer sst bei allen Wahlen und Abstimmungen ausschlaggebend. Das ist gut und richtig, und das kleine Häuflein derer, die sich selbst zu den„Wenigen* rechnen, denen nach Schiller allein Per- stand gegeben ist. kann man ruhig dem harmlosen Vergnügen dieser Selbsteinschätzung überlassen. Die großen Gedanken müssen große Massen gewinnen, sonst taugen sie nichts. Wie die Massen zu gewinnen und festzuhalten sind, das ist die Frage. Zweifellos liegt in der Notwendigkeit, bei jeder politischen Maß- nähme die dafür erforderlichen Stimmen zu berechnen, die Gefahr in« allzu ausschließlich Kalkulatorische zu geraten. Politik ist be- kanntlich kein bloßes Rechenexempel, sondern zum guten Teil wenigstens eine K u n% Und in jeder Kunst kommt es auf das Unwägbare an. Was treibt die Massen zu dieser oder jener Fahne? So wichtig Reallohn und Steuerziffern, Warenpreise imd Zölle und alle die Dinge sind, die sich statistisch nach Kopfzahl usw. berechnen lassen, das, was Marx als ideologischen Ueberbau bezeichnet hat, sst auch eine Realität. Der absolut leere Magen kennt nichts außer dem physischen Hunger, beim schlecht und recht gesättigten Menschen meldet sich bald der Hunger des Verstandes nach geistiger Kost und der Hunger der Sinne nach Kunst. Solchen Hunger zu befriedigen ist Aufgabe der freien Berufe. Die aber produzieren nicht nach den Gesetzen der Warenerzeugung, sondern haben ihre ganz eigenen Existenz- und Produktionsbedingnn- gen. Der Realpolitiker kann sich schwer dazu ensschließen, diese eigenartigen Verhältnisse zu prüfen. Ein«' besondere Fürsorge kann al« Dank auch im günstigsten Fall keine in» Gewicht fallende un- mittelbare Wahlstimmenoerschiebung zeitigen. Dazu sind die Existenzbedingungen der geistig Schaffenden komplizierter und viel schworer auf eine Formel zu bringen, als die von Lohnarbeitern und Unternehmern, von Handwerkern und Landwirten, von Be- amten und Angestellten, bei denen dies« Aufgabe auch schon nicht leicht ist. Wer di« Funktion der freien Berufe will, muß sich vor störenden Eingriffen hüten. Die Leiden, die aus falschem politischen System, aus fortgesetztem Raubbau, zuletzt aus dem großen verlorenen Krieg entstanden find, haben den ganzen Bolkskörper geschwächt, alle Teile kranken. Der gewerbliche Mittel- stand seufzt unter der Gewerbesteuer. Abnehmen kann ihm augenblicklich niemand die Last, aber der Gewerbetreibende ärgert sich, wenn«r andere Berufe ohne diese Last sieht. Der vom Finanz- amt. vom Hausbesitzer, vom Kreditgeber bedrückte klein« Laden- inhaber sieht im gleichen Hause einen Arzt oder Rechtsanwalt, einen berühmten Bühnenkünstler oder Malprofessor ein äußerlich besseres Leben führen, dazu frei von der Last der Gewerbe- steuer. Die Verallgemeinerung liegt nahe und führt doch so leicht zu Mißgriffen. Mit dem Champagner trinkenden Maurer wurde ein- mal da» Bürgertum gegen die Arbeiterschaft aufgehetzt. Aus einer Einbeziehung der freien Berufe in die Gewerbesteuer kann eine fühlbare Erleichterung für die anderen Träger dieser Steuer nicht herauskommen. Di« gefühlsmäßige Genugtuung über den neuen Ge- nassen im Unglück kann nicht ausreichen al» Gegenwert für eine intensive Verärgerung der freien Berufe. Das ganze Kapitel der freien Beruf« hier aufzurollen ist unmöglich. Sie selbst haben es nicht oerstanden, sich ein klares einheitliches wirtschaftliches Programm zu geben. Viele ihrer Angehörigen sind politisch rückständig und haben nichts getan, um sich bei den Arbeiter- Parteien Freundschaft zu erwerben, aber ebenso wenig finden sie Rückhalt bei den kapitalsstischen Kreisen. Die Anregung, di« freienBerufeindieGewerbesteuereinzubeziehen, stammteimReichswirtschaftsratausArbeitgeber- kreisen. Schon dieser Umstand sollt« di« sozialdemokratische Partei stutzig machen. Der Kapitalist keimt als Berusszweck nur den Erwerb, der Amerikaner schätzt den Künstler auch nur nach den ver- dienten Dollars. S 0 möchte der Arbeiter weder den Arzt noch den Rechtsanwalt haben. Ganz befände« wird die Knpr essung ins Ge- «erb« von den künstlerischen Berufen als seelische Kränkung empfun den. Da gibt es auch noch Nebenwirkungen. In Künstlerkreisen ist es jetzt schon schwer, bittere Gefühle gegen die beamteten Berufs- genossen zu zügeln. Zu all den Dorteilen, die das Amt gibt, soll nun noch komme», daß der angestellte Künstler keine Gewerbesteuer.zahlr, wohl aber der arme'Teufel von Maler oder Bildhauer oder Schrift- steller und Komponist, der von gelegnttichem Verdienst und zwischendurch vom Pump lebt, der keine Buchführung kennt und keinerlei Kalkulation treiben kann. Die Abstempelung zu „Schriststellereibetrieben* und ,F)elmalerei'mstituten* sst kein Ergebnis natürlicher Entwicklung. Sie macht chre Befürworter unpopulär in den Schichten, aus denen die Quellen unseres geistigen Lebens ent- springen. Dieses Fluidum darf nicht durch unsachgemäße BeHand- lung denaturiert werden. Es liegt im Interesse der Arbeiterschaft, recht sorgfällig zu prüfen, welche Folgen der Beschluß des Preußischen Landtag, zeitige» muß. Di« Prüfung wird ergeben, daß der Schaden größer ist als der Gewinn. Wichtige Jugendadressen: Verband der 3oriali»tj sehen Arbeiterjugend Dentsdiland.s. Vcrbandirieitnng, Redaktion der-Arbeiter-Jugend" und des„Führers"', AHbeiterjugend- Verlag und Einkaufs- zentrale, Berlin SW 61, Belle- Alli a n cc Pia tx 8 Fl. Sekretariat der Sozialistischea Jugend. Internationale, Berlin SW 61. Belle-AJliance-Platz 8 U. Jugendsekretariat des Allgemeinen Deutschen Gewcrksefaafts- bundes, Berlin S(4, Inselstr. 6. Zentralkommission für Arbeitersport nnd Körperpflege, Berlin W 57, Bulowstr. 29 III. Reichsarbe.itsgemeinsdhaft der Kinderfrennde, Berlin SW 68, Lindenstr. 5. ReidhsausschiiB der Jongsozia listen. Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Friedricb-Ebert-Helm des Verbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutsehlands, Tännich bei Remda in Thüringen. Jngendsekrefariat der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Be.rlin, Berlin SW 68, Lindenstr. 3. FreJge-wcrkscfaaftlidie Jugendzentrale, Berlin SO 16. Engel- ufer 24. Arbeitsgemeinsdiafl der Kinderfrennde Groß-Berlin, Berlin SW 68. Lindenstr. 3. »teil« e»«, I». Anis Sefcltnlttrf. tot» ob da» ae|irf»(eft«tariot 2. Hof. 1 Treppe» rechte, an richten. K3-'"Jr».«p«r.»H Adr. im tobt Lindenpart. Oonet«-al, gehlendarf RUt-,«eäinet Str.«. Shaiebflffliettcnocriamn. lonfl. Sefchästebericht. SbuboU de« Cotöanbc*. Berich-cd- nee. Zutritt .. W Wri««ttlttBBlnBfl un atflen va�rianng de, Sejcsiastuurasoeiic». X..«wU Sichtenderg. MUtwoch, 8. April, WV, Uhr. Areisporstan�schui-ü. Die Sibung findet nu-nahm-weif« in, Rathaue, WSUendorfstrabc, Sitzung-. faal, ftatt. 1«. to-i»«-itz-elc«.»Icnabt, 1.«pal, 5tni�»»tti»»äriip»»» u»» Udt iK»©eno«, ccljtK'-tftnj «. Abt. Sic Sczirbkvhrer«Mcn beftimmt di« /tont 1 April adrrchnr». Morgen, Montag. 1. April. O. Adt. Stealitz. 1» Uhr«eieliper Abend de» t. nnd 2. B-a-rt» bei Schell- daaf«, Adarnftr. lb. eintritt fneL Tie Sc nagen anderer Bezirte find einpebden. Dienstag. 2. April. ».»dt. Schier breg. 20 Uh- der«Wich,»«gnsstr. l. Nuicktionürfttzuna. Mittwoch. Z. April. St. Abt. edexbtteshnw. 30 Xttt bei Sedmamt. Stimesateg& ffnnftbnät. ktzung. Si. Abt. 20 Udr Sonderndend her i langen«npffca im Iugendbei«-Hoflsen. Brahe 4. Daselbst edenfall- Borstandesttznng der«bicilnnqsleitung. «2.«w- swrbr bci_«el«. Bi-ntar-kstr. 8S, fimlHonarsttitin�. Straft« 20—31. Übt lznnktionStiitznng bei Sehtnann, ZtaifetiVilhedm. d. Abt. In der letzten Mitgliederoersapnnlung im Rationalbvf ist ein Regenschirm stehengeblieben. Abauholen bei Richert. Steinpietzstr. Vi*- 53. Abt. Die Bejiit-fiihtcr können die restlichen Büchenirei-diinde«un stafstcter. Genossen Be». abholen. 5 rauenveranstalwngen. A. Abt. Donneroiag, 4. April, 20 Übt. bei Atoll. Utrechter Str. 21, Heinrich. Seine.Abrnb. Bortragendcr Genosse Heinz Barihel. bt. Der szoauenabend findet erst am». April statt. RiXherr Mitteilung erfolgt noch. 74. Abt. 3<■ Mendorf. Donnerstag. 4 April. IStz Uhr, bei Schnorr«. Bot». damer Str. 5,.Gesundheitowesen". Referent Prof. Di. Ilbaie». 13«. Abt. Reinichendorf-Vst. Donnerstag, 4 April, 20 Uhr, Di-kutieoabend in der Baeacke. XZ7. Abt. Reivichendorf-Seft. Dienstag. 2. April. aemStliche, Beisammensein »Nd Kaffeetrinken aller Genossinnen um XS'Ö Uhr im Volkshan-, Scharn- -rebcrstr. U4. Suchen mitbringen! Giistr willkommen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 5. Srei» Wedding. Mittwoch, 3. April, 19 Uhr, Schönstedtstr I, Z. Stock, Sitzung der Fachgruppe„Iuqendwoblfahrr'. Tagesordnung: 1. Aktenumtausch, 2. Besprechung wichtiger Akten und ihre Bearbeitung: 5. Verschiedenes. Donnerstag, 4. April, 20 Uhr, Schönstedtstr, 1, 5. Stock, Sitzung aller Delegier. ten zur Generaloerfoimnlung am Roniag, 8. April. Die Manbatsinhaber müssen unbedingt erscheinen. Kelfersitznng de, 11. Kreise» im Cchöneberger Rathaus, Ienrmet 14S, am 4. April. 20 Uhr. Referat über die Frankfurter Tagung. Zungsozialisten. Grnppe Lichieuberg: Am Dienstag fällt der Gruppenabend aus. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Gruppe Sollesch«« Irr: Mittwoch, Z. April, Ssterfahrt in die Gosenrr Berge sstr all«. Treffpunkt 9 Uhr Keim Wassertorstoatze. 20 Pf. Fahrgeld mit. bringen. llrei» Steglitz. Dienstag, 2. April, ron 17—1» Uhr. Treffen im Keim Albrechtstr. 47. Grnppe ss Hatto tteaburg. Nike»: Dienstag, 2. April, 1« Uhr. aus dem Spiel- platz Westend. Tressen Kim Ostereiorsuchen. Bei schlechtem Wetter zur gleichen Zeit im Jugendheim Rostnenstt. 4. Geburtstage. Jubiläen usw. Gin aller Parteigenoff», Hermann Wächter in Bahnedors. beging a« 35. Wir» seinen 70. Geburtstag. Bit wunschf» be« allzeit rührigen und rüsti. gen Genossen einen angenehme» geixueabeitd. 0. Abt. Am 2. April feiert unser 2. Sassteree Gustav Naiser mit seiner Gattin da» Fest der SUderhochzcii. Wir gratnlleren herzlichst. 90. Abt. SeuUHn. Unsere llcbe Srnosstn und Funktionärin Amalie Herrmann seiett am 1. April ihren 7».«ebnrtatag. Wir gratnlleren ihr beglichst nnd wstnschen ihr«inen sorgenfmien L-ienaadond. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 9. Abt. Unser langjähriger Parteigenosse starl Roth ist am 29. März ocrflvrben. Ehre seinem AndenkonI Tie BceririgutW findet in Reinickendotf- West, Humboldtftr. 71, am.Dienstag, 2. April, 16 Uhr, statt. Wir erwarten rege Beteiligung. 27. Abt. Den Parteimitgliedern zur Kenntnis, daß unsere langjSht:ge treu« Mitkämpferin Frau Lue sc Friedrich, flochhannftr. 12, noch schwerem .tzrankenlager netstoräen ist. Ihre Treue zur sozialistischen Idee soll UN» ein Bordtld sein. Die Sinäscherung findet am Mittwoch. 2. April. 16'-, Uhr, im Arematoruim Boumslbulrnweg, Siefholzsttaße, statt. Um rege Beteiligung, be- sonders der Frauen, bittet der Alsteilungsoorstand. IIU Abt. Bohnsdorf. Am Donnerstag verstarb unser« langjahtige Senosstn Srnrna Sflbner sthrc ibr-m Andenken! 115. Abt. Lichtenberg. Mitttnoch. 27. März, vocstarben unser alter d» wälirtcr Genosse Rudolf Pentes. Dossestr. 14, im Alter von 67 Jahren. Dein Andeute» wird stets von im« in Ehren geholten! Einäscherung Mitt- woch, 4. April, 14 Uhr, Nrrmatvrium Bauinschulcnweg. Voriräge/VeremeundVersammlungen. M --chzlV- Wedding, Radfahrerabteilung: Montag, I. April, Tour durch die nördlichen Pororte, llleiduna: Zivil. Start 12>� Uhr bn Bond.ke. Schulstratz« 72.- Dienstag, T. April. Mitte: 20 Uhr. 3. Sameradsäiaft.«-«» sammlung bei Schilling. Aungcstr. 30. WarineabtcUung: 20 ühr Einfuhrung der neuen Mitglieder in die Stamm, Mann scha st. Dintersportabtettung:.10 20 Uhr e-chinimmcn im Wellenbad Lunapark.— Mittwoch, 2. Aprrl. Mitte. 4. Aam-rads-batt: 20 Uhr Versammlung bei Brandis. Sttalauer Ott. 10. BrenUauer Berg: Saalschutz in Miihlenticck. Nähere» der den llameradschafts- tstheern. Bohnsdorf und Grünan: Ä Uhr bei Heimann,«-U-rSdorser Straffe. Rortrag, Verfassunzsseier. Quaeticrlommission.— jtreuzbeeq: Drenstog. ne �:, err- r_........... rtr\ 4«A....*>.. Ä 4 31*1 O e t KA Tie i t f« Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". Geschäftsstellet Berlin S. 14, Sebasti-nftr. S7M, Sof 2 Tr. des Kam. Redakteur Scholz:.Die Rechtsoerbände". Zug 6 bei Adam, Lstdbener Straße Ä). Bortrag Stent. Küter: �Zukunft saufgabea des Reichsbanners. Frcirelcgiose Gemeinde. Sonntag 11 Uhr. Pappelallee. 13, Bortrag d'» Herrn Dr. A. Rolenberg:..Die geistige Umwälzung in der Trrrckcr. Harmo» ttium:..Pügerchar" lDagner). Gäste willkvimnen._ Deroiniguag der Frenndc von Religion und Volierfrieden. Eenpssc Pfarren Bleier spricht am kommenden sbstermontag um 10 Uhr im Rahmen einer religiösen Foiersmnd« in der Winitatistirche«lharlottrnchurg, llarl-August» Platz, übe? das Thema„Ostern und Auferstehung"._....., Zntoerssenoerband der durch Automobil- und andere Berkohrsnnfale Ge- schädigten. V. Gesäzättsslelle: Berlin RZZ. 40. Rathenow«! Str. 4«am alten striminalgericht). Sprechstunden und kastenlose Ausiunftserterlung tagl:ch vgn 17—19 Uhr.„....... «eich-bur.d der«riegsbeschädigten. vrtsaruvp« 2- Nsahrt. Dicn-toa. 2. April, 20 Uhr, Bandelstr.»>. Bezirlsverlammlung. Llchibildervorttag:-S>nr Rheinreise".— Ottsgruppe Oberivre«: Versammlung am Dienstag, 2. April. im..Einsiedler". Johannisthal. Sterndanme.., Der Gemilcht- llhor„Polyhumma". Tegel. Mttgl.d. DAS»., n�et sich hiermit an olle Freunde des Bolksgosangcs mit der Bitte um Unterstützung. Stimmbegabte Frauen � und Minner jeden Alter« ttnden in den Uehuna. stunden de, Ehorz an jedem Dienstag von 20 drs 22 Uhr in der Echulaula Tegsl. Treskomstr. 29—31. freund Nche Aufnahme. Freier»ottocknr Tegel. Sanges-reudige Genosse«, die die A«ett«tSnger. bewegung fördern wollen, werden gern aufgenommen im Freien Vo.ischo Tegel. Mitgl. d. DAS»., der bestrebt ist. die Kunst de« Volkssesanges«l»>n A�deiterkecisen weiter zu entwickeln. Uebungsst.rnde n jeden Freltag von 20—22 Uhr. Schulaula Tteslowstraffc. * Freie Jossalssissch« Hochschule. De« nächst« Bmtttag d« Fteie, Sozialistischen och schul« findet am Sonnabend, de« L. April, 19D ußt, im großen Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, leipziger �,tr. 3, statt. Genosse Pros. Paul Hcrmbcrz- Jena.spricht üb«r da« Thnnat „GegenwartSauf gaben der deutschen Wirtschaft. Karten zum Preise von Zl> Pf. sind an folgenden Stell« ö» baden: Bureau de» Bezirktzbildungsansschusses, Lindenstr. 2, 2. Hei Itnfs,. Trrvi,, Pen; Arbaiterjugan»(Gntch-Batlut. i'indenür. 2. S, Hof links. 2 Treppen � Btichhandlnnz J H. W. T'etz �echt.?'ns!ett>tr. 2:»anr vm»rdettrr. Angestellten und Beamten, Wallstr. bös Tentscher Hoftorbeiter-Betbaud, Am Köllnischqn Park 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter. Ritterttratz« Ecke Luisenufert Aigarrengcschäst Horlch. Engelufer 24122. Gewerkschalts- haus; Verlag des Bildunzsvcrbandetz der deutschen Buchdrucker. Dreibund- straffe 5; Acntralverbond der Angestellten. Belle-Wlianee-Str. ij Bcrlogs- gesellschaft des ADGB., Abt. Sortiment, Jnsclstr. Sa. Cnglssch und Franchsisch. Anfang April beginnen neue Kurs« für An- fättax und Fortgeschritten« bei Genossin Hetz,� W SO, Spichernstr. 16, Gartenhaus 3 Tr. rechts iUntergrundbahnhof Nürnberger Platz). 3tn»d- Hungen— auch schriftlich— bis zum 8. April täglich von 17 biS 20 uvr. Im Rahmen der Bücherstunde im Berliner Rundfunk sdricht am kom- wenden Dienstag 1? 10 Nhr Genosse Max Barth«! über bat Thema .�sndustric-Romane". Es gelangen zur Besprechung Roman« mm Lemonnier, Gladkow, Karl Schröder, Secberg und Upton Sinclair. l.mi!ciir-ksdrrsüvkrke Ü.-K.. Lerilv Uevtemsäe fftlsrisrlss�n mit Reparoturwerksteitte In Berlin; Or. Frankfurter Str. LZ Oranlenstr. 127. Stenndecke"f 8 W Oauiendecke, ä- lg80 wIKplf UCtl(llw gebL Q 99 schneeweißen Gänsedaunen. w w Geachllsssne 0 90, gerupfte 0-80, O'SO Weiß, gerupft od. geschiissen 380, l'ttO DaiUBB......... ä*80 Kissen, gefüllt... 4' 10. 3-70, 2-4.3 portofrei von M M-- Untarbett, gefüllt.. 9-80. 8-70, S-SS t.r.42 xrest. 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Sonne und das Gewicht der ständig verkehrenden Postautos, Lastautos und Privatwagen haben die Schneedecke der Straßen rasch zermahlen und mit dieser Zerkleinerung der harten Oberfläche den Prozeß des Tauens beschleunigt. So ergibt sich, daß die große Mehrheit der Fahrstraßen in allen Richtungen schon seit einigen Wochen bis auf kleine Reste schneefrei und ohne Schlamm- bildung abgetrocknet sind. Der allmähliche Schmelzprozeß ohne Regengüsse bewirkte ein langsames Abfliehen der Wassermengen. wodurch auch die oft auftretenden Spülschäden an den Straßen vor- mieden �sind. Von Norden bis in den Süden des Gebirges liegen die großen Verkehrsstraßen offen da. Di« Höhenstraßen im Gebiet von Baden-Baden und am Bühlertal, die Murgtalstraßen mit ihren Vcr- zweigungen, die bekannten großen Fahrstraßen im Kniebisgebiet, die Verkehrsadern des Mittelschworzwaldes längs der Schwarzwaldbahn und von Triberg südwärts di« Haupttrausversale nach Furt- wangen— R e u st a d t und nach Waldkirch, im Feld» berggebiet die großen Rauten Titisee— St. Blasien— Oberrheintal, von Freiburg nordöstlich ms Gebiet von St. Märgetl, südwärts hinüber ins Wissental in Richtung Basel bieten überall freie Bahnen. Einzig allein die Feldbergstroße bildet derzeit noch eine Ausnahme. Sie hat infolge ihrer Nordlage noch von der Waldgrenze ab etwa bei 1050 Meter eine Schneedecke von 40 bis 50 Zentimeter, doch ist hier der Poftautooerkehr auch schon bis zur alten Jägermatte aufgenommen und auch der West- zugang vom Wiesental her hat nur in den obersten Logen noch Schnee. Aber auch dieser macht höchstens bei Ausweichestellen noch einige Vorsicht nötig. Das günstige Gesamtbild der Straßen im Mantelstoffe feinst ct Gcydimadcsrichtong— nur b9l Koch& Seeland Qcziraadtcnstzafe 20-3J.. Schwarzwald wird durch diese eine Ausnahme nicht verändert, st» daß für den Ostcrverkehr, wenn nicht Wetterstürze anders bestimmen, ein schneefreies Gebirgsstraßennetz zur Verfügung steht. Baden- weller. im südlichen badischen Schwarzwald, die südlichst gelegene Frühjahrsstation Deutschlands, eröffnet mit dem 1. April seine dies- jährige Saison. Badenweiler gehört in die Klasse der subalpinen Kurorte. Das Klima ist eines der mildesten Deutschland« und eignet sich daher gut für Frichjohrskinren für Herz, und Nerventranke, für Rheumatiker und leichte Erkrankungen der Atmungswege. Die Heilung von Katarrhen der oberen Luft- weg«, wie sie bei der Grippe so häufig sind, wird in Badenweller günstigst beeinflußt. Der Ort ist gegen rauhe Winde von ollen vstfrißNldungssiisscliiia Groß-Beriin Am Sonnabend, dem 6. April, ZSfh Uhr, im Theater am Netiendorfplatz: Naphteoraicllasd Die Nacht vor dem Bell Drama von Alfred Wolfenstein (Erstauffflhrung für Berlin) ■Hitiviritende sind: Rosa Valetti. Prigga Braut Dora Ger&on, Hilde Schewier, Ernst Busch, Emst Qinsberg, Ferdinand Hart Paul Otto, Armin Schweizer, Hermann Speelmans.— Regie: Traugott Müller Die Karle koatel 1,70 M, Die PlÄfrc werden verlost Karten im Bureau des Bezirksausschusses fflrsozialistlsche Bildungsarbeit SW.68, UndenstraBe 3, L Hof II, Zimmer 8, von 10 bis SÜnr Seiten geschützt und hat schon frühzeitig warme, sonnige Tage. Neben seinen unvergleichlichen Parkanlagen besitzt Badenweiler eine ganze Reihe von schönen Spaziergängen und Ausflugspunkten, die zum Teil so gelegen sind, daß st? auch von Kranken, denen ein Steigen schwer möglich ist, benützt werden können. Das Thermal- wasser des Kurortes wird außer den Bädern auch zu Trink- und Inhalotionszwecken» verwendet. Ueberall im Orte freifließende Thermakbrmmen ermöglichen Trinkkuren in bequemster Weife. Aad Salzuflen am Teutoburger Walde. Das im Lande der Lippischen Rose gelegene rorilensäurchalngc Thermalsolbad und Inhalatorium Bad Solz- ufleu hat m den letzten Jahren einen außerordentlichen Aufschwung genommen: Hai doch die Kurgästezahl im Jahre 1028 ins- gesamt 27 811 betragen und damit die Höchstziffer seit Bestehen des Bades erklommen. Bad Salzuflen kann sich besonders auf Grund der erfolgten Erbohrung von zwei kohlensäurereichen Thermalsolquellen und sonstiger Einrichtungen, den übrigen Thermalbädern würdig an-die Seite stellen. Für die Güte sein« Bäder, Trinkbrunnen und weiterer zahlreicher Kurmittel spricht in beredter Weise die große Schar treuer An» Hänger und die stets wachsende Zahl neuer Verehrer., Bad Salz- uflen ist Station der Sirecke Herford— Detmold(HermannsdenkmoH-- Altenbeken. Wenn man die Hauptstrecke Berlin— Hannover— Köln in Herford verläßt, erreicht man in knapp zehn Minuten Bahnfahrt dieses von wundervollen Laub» und Nadelwäldern umgebene herrliche Fleckchen Erde. Die Bahnfahrt dauert von Berlin und Hamburg 0, von Köln 4�, von Düsseldorf und Bremen 4, von Hanno»er. Dort- mund, Essen, Bochum, Braunschweig, Elberfeld, Barmen 2 bzw. 3 Stunden. Bei Herz-, Rheuma-, Nerven-, Luftwege- und Frauen- erkrankungen, sowie bei Gicht und Skrofulöse wurden überraschend gute Erfolge gezeitigt._ Nach bm Rordseebade Borkum berichten die Dampfer täglich fahrplanmäßig, Durch die lange Frostperi mäßig, cmige Zeit sogar eingestellt, >eriode war der Dampserverkehr nnreael Di« Borarbeiten am Nordbad, bo* neu eingerichtet wird, schreiten rüstig fori,'Im neuen Nordbad kann unabhängig von Ebbe und Flut täglich von 8 bts 13 Uhr gebadet werden, Bor dem breiten FamiNenstronb ist prächtiger Wellenschlag. Umgeben ist da« Rordbad von mächtigen Dünen, in denen sich die Gäste den ganzen Tag sonnen können.— Der reichillustrierte Prostett ist soeben erschienen und wird auf Wunsch kostenlos von der Badeverwaltnng Borkum zn- geschickt Bad Lattdeck in Schlesien wird zur Durchführung von Frühjahrs- i» r e n, dank seiner geschützten Lage, von Jahr zu Jahr mehr in An- spruch genommen. Die Radium-Schwefclknrrn und Moorbäder haben die, her in den horinäckigsien Fällen von Gicht, Rheumatismus, Ischias, Frauen- und Rervenltiden und Rekonvaleszenz � den gewünschten Erfolg gebracht Drn« zögere niemand� sich baldmöglichst einer Ftühjahrskut in dem ältesten der schlesischen Bader zu uMerztchen. Bad Laugenaa! Eingebettet zwischen den Ausläufeu des Glatzer Echnee- berge« und dem Habelschwerdter Gebirge, durchil offen von' der Glotzer Reiße, liegt Bad Langenau, Der Ort ist klein, etwas landlich anmntend und nach Art der alten deutschen Siedlungen langgestreckt, im Gegensatz zur slawischen Bauweise, die Ortschaft um einen Marktplatz(Ring) anlegt, Der Weg in die Bäder der Grasschast Glatz führt immer über Stadt und Festung gleiche» Namens. Die Bahn fährt durch ein Tunnel und kommt erst wteder am Bahnhof Bad Langenau ans Tageslicht Gesund werden, wieder Erstarien für den schweren Daseiitskamps heißt die Losung und dazu verhelfen die wundertätigen Quellen, von denen die Renateuquelle zu den stärksten in ganz Schlesien zählt, dazu verhllst das unverylerchlichr Moor, daß die segcnspendende Natur, gena» wie die Quellen, de» Menschen geschenkt hat Sola und Moorbad Lüneburg. Infolge de« günstige» Wetters ist bereit- eine große Anzahl von Gasten, Kranken und Erholwigsbedürstiaeu zur Benutzung der hcillräftigcn Sol-, Moor- und medizinischen Bäder ein getroffen. Die Surmittel Lüneburgs haben gute Erfolge auszuweisen bei Rheumatismus, Gischt Ischias, Skrofulöse. Rachitis und Frmienteideti, Die geschützte ruhige Lage des Bades fördert in jeder Weise den Sur. gebrauch. Der Prospekt des Bades liegt in allen Reise- und Berkthrs- bureans Nordwest- und Mitteldeutschlands aus. Magen-Rezept.„Mit Ihren Magentropsen bin ich sehr zufrieden und kann ohne dieselben schon gar nicht«ttehr sein, da sie auf den Magen ganz ausgezeichnet wirken. Pankow, Fr. N. W," So schreiben viele bei beschwerlicher Verdauung. Appetidnangel, Druck und schwerem Gefühl im Magen und ähnlichen Magenleiden. Jitetckel» M«S eil tropfen" Flasche Mk. 1.10, gr. Fl. Mk, 2.7S, in Apotheken und Drogerien, echt aber nur mit„Marke Medico". 4» Minuten von Frnnlcturt«.M. 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Vi« Boröffentlichung der fnrnmuniftifdjon Richtlinien über das Achommenrnirken der Moskaiijünger mit den..rennwtinnären" iln- organisierten bei Streiks und Aussperrungen sowie der Anweisung Mr Aufstellung und Einreichung besonderer Oppositions- l i st e n bei den Betoicbsrätewablen erbrachte den schlüssigen Br weis für die oon der KPD nunmehr planmäßig jur Ausführung kommende S p o l t u n g der Gewerkschaften. Damit hat das jahrelang betriebene Verstcckspiel der KPD. um die Erobcnmg der Gewerkschoiten sein Ende gefunden. slür die Rassiniertheit, mit der die Kommunistisch« Partei den Anschein zu erwecken sucht, als sei die Masse der Gewerlschastsmit- gtieder durch die Abwehrmoßnahmen der Gewerkschaftsführer im Innersten verletzt und olle gegensätzlichen Maßnahmen der..Dppo- siiion" mir eine Folgewirkung der sich ousböumenden Ginporung der Gewerkschaftsmitglieder, bietet der Proteftnimmel un> die Amtsenthebung des früheren Obmannes der Perliner Rohrleger das beste Schulbeispiel. Freudestrahlend nerkihidetc die„Rote Fahne" am 26. März, daß sich die oppositionellen Funktionäre des Metallorbeiterverbondes unter Leitung von Riederkiränzer(dem kaltgestellten Pranchenleiter der Rohrleger) zusammengefunden haben, um ein Abwehrkomitee gegen A u s f ch l ü j f e uird Funktionsembebungen einzusetzen. Wer die verlogene Praxis d-r KPD. nicht kennt, kommt vielleicht zu der Annahme, daß totsächlich eine aus der Mitgliedschoit gekommene Protestbewegung in dieser Maßnahme ihren Ausdruck findet. In Wirklichkeit hoben wir es wieder nur mit einem von der KPD. schon vorher ausge- klügelten Borgehen zu tun, und zwar mit nichts anderem als der dadurch eingeleiteten Gründung der kommunistischen Parteigcwerkfchoften. Wir sind in der Loge, diese Feststellung wieder einmal mit dem Inhalt eines Rundschreibens des Zentralkomitees der KPD. an die Bezirksleitungen zu beweisen. Eö Handell sich um dos Rundschreiben R r. 1 3 v a m 19. M S r z mit der bezeichnen- den Ueberfchrift:„Anweisungen des Sekretariats." In diesem Rundschreiben werden Richtlinien über die Z u s a m- inenfassung der Ausgcschlasscnen bekanntgegeben, die zur Durchführung des ZK.'Beschlusses vom 14. März gemeinschaftlich mit Ulbricht als Vertreter beim Ekki aufgestellt wurden. Die Richtlinien sollen nur eine vorläufige Regelung sein, denn die Zusommensassung der Ausgeschlossenen„ist eine Teilfrage des Ge- samtproblems der Organisierung— Zusammenfassung, Registrierung usw.— der revolutionären Geweekschastsopposition", die in der nächsten Zeit gründlich ausgerollt und gelöst werden xizMe. Zunächst, soll enze Rcaistricrung der Ausgeschlosienen er- fntjicn, tnrb.zwor„ö r t T i rf) bei ber Opposition in ben oinzelnen (tzcwdrrschastsorganisotionen, bezirksweise nach Industrie- gruppen. Um die gcwerkschasllichcn Jntcrcsien der Ausgcitliloslciieii zu nxzhren und die M a s s e n m o b i l i s i c r u n g der Gewcrk- schaftsmitgliedcr und der gesamten Arbeiterfchast gegen die Aus- schlüsie zu fördern und den Kampf um die Wiederousnahmc zu ivr- stärken, erfolgt bei allen Ausgeschlossenen eine Scilrogserhebung in Form oon Marken zu 39 Pf.. 1 M. und 1,30 M.(in der Regel sollen m ö g l i ch st die früheren Beiträge erhoben werden)." Roch einem chinweis auf die chcrousgobe von Ausweis- k o r I c n zum Einkleben der Beitragsmarken heißt es dann weiter: „Zur Verwaltung und Verwendung der Ausgeschlossenen beitrüge werden in jedem Bezirk Revisionskommissionen in Form von Komitees aus 3 Mann gebildet, vo» denen drei Mitglieder den Ausgeschlolsenen, zwei Mitglieder der innerhalb der Gewerk- schasten befindlichen Opposition angehören sollen." Auf Beschluß dieser bezirklichen„Revrsionskowmissionen" dürfen die dieserart gesammelten„Kampfsonds" sogar verwendet werden, ober„die Kommunisten innerhalb ber Revisionskommission haben die Sicherstellung des Geldes unter Parteiiontrolle zu gewähr- leisten". Dieses Rundschreiben ist die logische Fortsetzung der Anweisung ,ziir Bildung besonderer Kampfleitungen, hinter der von vornherein der Wille stand, die dadurch unvermeidliche Spaltung der Gewerk- schasten zur Gründung kommimistischer Parteigewerkschasten zu benutzen. Zu bedauern sind nur die umer der Leitung von Nieder kirchner.zusammengetretenen oppositionellen Funktionär«, die sich einbilden, durch ihr eingesetztes Abwehrkonntee sür oigenc Ideole zu kämpfen, ivährend sie in Wrklichkeit als Marionetten des unsichtbar im Hintergründe bleibenden Zenirolkamitees der KPD. tanzen. Daß sie es trotzdem der KPD. nicht recht zu machen vermögen, bescheinigt ihnen die am Schluß des Rundschreibens enthaltene Be- urteilung ihrer Tätigkeit bei den Retriebsrätewahlen: „Bei einer kritischen llebersicht über die bisherigen Ergebnisse der Borbercitung der Betriebsrötemohlcn zeigt sich der besondere MaNgel, daß es nur in wenigen Fällen gelungen ist, zur Durchführung der Betriebsratewahl und Prapoganda der oppo- sitionellcn List« in den ersten, van der Oppasition einberufenen Be- legschaftsversanunlungen Wahlausschüsse— die gleichzeitig ein wichtiges Einheitssrontorgan dar- stellen— z u bilden. Diese Tatsache zeigt, daß in nicht ge- nügendem Maße dos Derständms dafür vorhanden ist, daß die Taktik der Partei bei der Durchführung der Betricbsrätewohlen in erster Linie eine breite, tiefgehende Massenmobilisatioa zum Ziele hat. Wir verpflichten oll« Bezirksleitungen, soweit es noch möglich ist, diesen Mangel zu beheben und dgsür zu sorgen, daß für die durchzuführende Propaganda für die oppositionellen Listen in den einzelnen Betrieben die notwendigen Or- gane geschafft werden." Dieser Schlußsatz zeigt aber auch die Grenzen des kam- mit n t st i s ch« n Können s. K ein 5)inweis auf die Möglich- reiten, reale Borteile für die Arbeiierfchafr zu erkämpfen, sondern immer nur den schon beinahe blöd anmutendon Befehl zur Schaffung neuer Propaganda argane. Nach solchen Anweisungen Handelude Funktionäre werden nie den Mitgliedern praktische Bor- teile verschaffen können, denn— gewollt oder ungewollt— sie sind mit ihrem Tun nur den Unternehmern dien st dar. Ernst Schulze. Verbandstag der Bankangestellten. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bonkongestellten hielt am Freitag und Sannodend Im Berliner Gewerkschastshaus seinen 9. Ordentlichen Verbondstag ab. Noch den Begrüßungsonsprachen erläuterte Genosse'Marx die wichtigsten Punkte des gedruckt vor- gelegten Geschäftsberichtes. Nach einer allgemeinen Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten 18 Monaten unterzog er besonders die sozialreaktionoren ,.Resariii"-Porjch>ägc des Hansa- blindes und Hilgenbergs einer kritischen Betrachtung. Die Angriffe der deutschen Unternehmer können nur durch eine starke srefgewerk- schosllichc Organisation pariert werden. Diese Erkenntnis bricht sich auch bei den deutschen Bankangestellten mehr und mehr Bahn. In der Bcrichlspcriodc gemaiin die Organisation 1618 neue Rlitglieder, so daß sie am Jahresschluß 1928 insgesamt 11 963 Miiglieder zählte. Im Anschluß hieran gab Genosse E m o» t s einen aus- fiihdichen Rechenschoftsbericht über die Tarifpolitik des Zentralvorstandcs. An den Torifbeweguiigcn des Jahres 1927 wies er noch, wie /!s der Organisation nicht bloß infolge des Widerstandes der Bankunternchincr, sondern vor allem wegen der Sonderpolitik des Deutschen Bankbeamten- Vereins nicht möglich war, die berechtigten Forderungen der Bankangestellten durchzusetzen. Auf die Uneinigkeit und die arga- nisatorischc Zersplitterung der Bankangestellte» ist auch jetzt wieder das Berlxaltcn der Bankunternehmer zurückzuführen, die die Forde- rung nach einer allgemeinen Gehaltserhöhung um 49 Mark pra Monoi für undiskutabel erklärt haben. Genosse Emants wandte sich ganz entschieden gegen die von den Koininunistcn und den Unternehmern erstrebte Beseitigung des Schlichtungswesens. In der Diskussion zu den beiden Referaten wurde sowohl die allgemeine Tätigkeit des Zentralverbandes als auch im besonderen seine Tarispolitit einmütig g e b i l di g t. Eine im Sinne des Referats Emonts abgefaßte Entschließung sowie eine andere Ent. schließung, die gegen die Sonderbestimmungen für dos Bankgewerbe im Arbeits schutzgesetzentwurf protestiert, wurden ein- stimmig angenommen. Der zweite Verhondstingstag wurde eingeleitet durch ein Referat von Prof. H er m b e rg-I«na über„Die deutsche Wirtschaft". Pros. Hermberg setzt« sich besonders mit. der Forderung der deutschen Unternehmer nach erhöhter Aapitalbildung auseinander, die praktisch aus nichts anderes hinauslaufe, als auf die Drosselung der Lebenshaltung der werktätigen Bevölkerung. Abgesehen davon, daß der Kapitalbildung infolge der Stagnation der Be- Völkerungsbewegung der Nachkriegszeit und der ungeheuren Pro- duktionserweiterung der letzten Jahr« heute nicht mehr die. Bedeutung wie in der Dorkriegszeit beizumessen fei, bestehen genügend Möglich ketten, Kapital aus dem Ausland zu bekommen, ohne Schaden für die deutsche Volkswirtschaft. Die Arbeiter- und Angestelltenschait müst« es ablehnen, daß aus Kosten ihrer Lebenshaltung im eigenen Land« mehr Kapital gebildet wird als bisher. Nach der Erledigung zahlreicher Anträge und der Annahme verschiedener Entschließungen schritt der Verbondstag zur Wahl der Berbandskärperschoften. Die bisherigen Geschästssührer, Genossen Marx und Emonts, wurden gegen zwei Stimmen wieder- gewählt. Aus einer Berliner Teppichfabrik. Klein, aber scharf! In der Köpenicker Straße 128 betreibt Herr Fritz Kühnlein eine aus zwei Dampf- und vier Handstühlen bestehende Teppich- sabrik mit vier Webern und zwei Weberinnen. Geht es ans Lohn- zahlen, dann geht der Fabrikant erst mit ein paar Teppichen hausieren. Hat er Glück dabei, dann macht er' seinen Arbeitern Abschlagszahlungen auf ihren Lahn. Auch mit der Abführung der Versicherungsbeiträge kloppt es nicht in der kleinen Teppichfobrik. Als eine Weberin verlangte, daß ihr der verdiente Lohn aus- gezahlt werden soll, inachte Herr Kühillein durch Anschlag in seinem Betriebe bekannt, daß er sich öerortiges ganz energisch verbiete und Zuwiderhandlung mit fristloser Entlassung beant- warte. Die Lohnzahlung könne n u r Z u g um Zug. je nach dem Geldeingang erfolgen. Die Verteilung der Geldeingänge nehmc er nach seinem Ermessen vor unter Berücksichtigung. der sozialen Verhältnisse des einzelnen Beschäftigten. Dieser Utas neronlaßte die Arbeiterschaft, bei Herrn Kühn- lein vorstellig zu werden, in seinem Betriebe ordnungs- und gesetzmäßige Z u st ä n d e herbeizuführen. Herr Kühnlein machte sein« Drohung wahr. Ein neuer Anschlag verkündete: Der Betrieb wird wegen Arbeitsverweigerung des Per- so n als mit sofortiger Wirkung stillgelegt. Sämtliche Arbeits- kräfte samt Meister werden entlassen. Seine Weigerung, sür Ordming zu sorgen, die Löhne regel- mäßig zu zahlen, legt dieser Unternehmer als Arbeitsver- Weigerung aus! Neugierige sind gewarnt, falls der stillgelegte Betrieb wieder in Bewegung gesetzt wird. Keine Einigung in Thüringen. Sie Metallarbeiter lehnen den LohnschiedStpruch ab. / Der Schiedsspruch für die Thüringer Metallindustrie hat sür die Lohnorbeiter eine. Erhöhung des Ecklohnes von 77 auf 81 Pf. gebracht. Die Wünsche der Arbeiter aus Beseitigung von drei Lohngruppen sind vollständig unberücksichtigt geblieben. Der Ecklohn in der L o h n g r u p p e 6 soll jetzt 7 3 P f. s ü r L o h n- focharbeiter betragen. In keiner andmii Industrie werden derartig niedrige Löhne gezahlt, als wie dos in der Thüringer Metallindustrie der Fall ist. Der Prozentsatz des Frouenlohnes von dem des Manneslohnes ist zu niedrig. In der übrigen Metoll- Industrie Thüringens sin>d die Wünsche der Arbeiter in freier Ber- einbarung mit den Arbeitgebern berücksichtigt worden. Durch den Schiedsspruch werden 83 Proz. der Beschäftigten oon jeder Lohnerhöhung ausgeschlossen. Die Verantwortung für die aus der Ablehnung des Schieds. spruches entstehenden Folgen tragen die Industriellen und der Schlichter. Der Schlichter hat sich durch die übertriebenen Klagen der Unternehmer veranlaßt gesehen, einen Lohn- schiedsspruch zu fällen, der einzig und allein de» Wünschen der Arbeitgeber Rechnung trägt. Fünfzehn Monate fallen 83 Proz. der Thüringer Metollorbeiter ohne jede Lohnerhöhung arbeiten. Wer will es da nicht oerstehen, daß der Schiedsspruch ci n st i m m i g abgelehnt worden ist? Kein mitteldeutscher Straßenbahnerstreik. Der kürzlich vom Schlichtungsausschuß gefällte S ch i e d s- spruch sieht für die Straßenbahner in Magdeburg, Brounschweig, Kassel, Merseburg, Stoßsurt, Jena und Dessau eine Lohnerhöhung von 3 Ps. und für Plauen und Gera eine Erhöhung von 4 Ps. vor. Der Spruch wurde van den Straßenbahnern mit B i e r s ü n s t e l- mehrheit abgelehnt. Damit waren die satzungsmäßigen Vor- aussetzuiigen für Arbeitsniederlegung erfüllt. Die zuständigen Ge- werkschasten haben mit den Funktionären der Betriebe beschlossen, den Streik durchzuführen. Der Arbeitgeberverband hat den Schiedsspruch an- genommen ünd Antrag auf Devbindlichkeitserklörung gestellt. Wie dos Wolssbureau meldet, ist die Gefahr des Streiks der mittel-- deutschen Straßenbahner durch Berhondlungen im Reichsorbeits- Ministerium beigelegt worden. Nähere Angaben über die Grundlage der Einigung fehlen. 25 Jahre im Dienst des Landproletariois. Der Borsitzende des Deutschen Landarbrnerverbaiides, Reichs- togsobgeordnetei Georg Schmidt, kann am 1. April auf 23 Jahre Arbeit in der freien Gewerk fchastsbe- w e g U N g zurückblicken. Schmidt begann seine Gewerksehastslauf bog» in der Gärtnerbewegung Süddeutschlands. Der da. mals sich neutral nennende Allgemeine Deu-lsche Gärtnerverei» schloß sich dank der Arbeil Schmidts Ende 1993 der freien Gewerk- schostsbeweginig an. 1904 wurde Schmidt in die süddeutsche Bei- moltiingsstelle des Allgemeinen Deutschen Gärtneroereiiis noch Frankfurt a. M. berufen, 1998 wurde er Geschäftsführer der Haupt- leitung. Seit der Gründung des Deutschen Land-irbeiterverbaiides im Jahre 1999 ist Schmidt erster Vorsitzender des Derbandes. Georg Schmidt erfreut sich bei den deutschen Landarbeitern großer Beliebtheit und Achtung. Wir wünschen ihm zu feinem Jubiläum, daß er nach recht lange im Ringen um den Aufstieg des Londproletariats wie bisher an der Front kämpfen kann. Zur Ordnung gerufen. Vorbeugen ist besser. Seit Iahren werden die Angestellten der Brondenburgischen Prnninzialbank und Girozentrale, einer Körperschaft öffentlichen Rechts, gezwungen, Ueberstunden in sehr erheblichem Maße zu leisten. E r k r a n k u n g e>« durch Arbeitsüberlastung der'An- gestellten sind in dem letzten Jahre wiederholt vorgekommen. Dies veranlaßt einzelne Abteilungsleiter nicht zur besonderen Rücksicht- näbmc, sondern zur besonderen Rücksichtslosigkeit gegen Angestellte. Bei Ililaubswünschen der Angestellten wird diesen im ungehörigen Tan ihre Krankheit vorgeworfen! Die Direktion hat einen Abteilungsleiter veranlaßt, sich zu entschuldigen: hafsenllich wird dieser Herr auch in Zukunft ohne besondere Beschwerden sich den Angestellten gegenüber so be- nehmen, wie es offenbor auch von der Direktion gewünscht wird. Zu begrüße» wäre, wenn die Direktion von sich aus dem Ueberstundenunwesen ein Ende bereiten würde, damit nicht den Aussichtsbehördei, Beranlassung zur Besichligung dieses Betriebes gegeben wird. Reichskonferenz der Reifenden und Vertreter. Unter Leitung des Vcrbandsoorsitzenden Urban fand dieser Tage eine Reichskanferenz der Reifenden und Bertreter im Zentral- verband der Angestellten statt. Den Bericht der Reichssochgruppenleitung erstattete R o g o n. Die Einrichtungen des Verbandes bewähren sich vor allen Dingen bei den zahllosen Prozessen, die Reisende und Vertreter mit den Unternehmern führen. Die Bedeiitiing des Reifenden in der Wirtschaft behandelte Beil, der zeigte, daß die Reisenden und Vertreter wohl eine Macht merden, wenn sie ihre Bedeutung richtig einschätzen und i» der großen Berufsarganijatiaii, dem Zentrolverband der Angestellteii, füx gesicherte Aiistellungsoerhältmsse eintreten. Die geleistete Arbeit wurhe nan allen Teilnehmern anerkannt. B u r g e m e i st e r(eiste die gesetzlichen Bestimmungen des Handelsgesetzbuches über Reisende und Agenten klar, behandelte die Fordeningen, die vom Zentral- verband der Angestellten an die Gesetzgebung gestellt werden und zeigte an durchgeführten Prozessen, wie notwendig die angestrebten Gejetzesänderungen sind, um den Reisenden und Vertretern ihre Rechte sür ihre geleisteten Dienste zu sichern. AfA- Funktionäre der Metallindustrie. Wie bereits mitgeteilt, wird am Mittwoch, dem 3. April 1929, ein Schiedsgericht über die Frage der Gehaltserhöhung einen. Schiedsspruch sollen. Am gleichen Tage ist in den Germaniasälen, Chausseestraße 119, um 19,39 Uhr, eine A s A. F u n k t i o n ä r- Versammlung. Wir erwarten bestimmt das Erscheinen aller Funktionäre. AsA-ZNetallkarlell. Butob. DWV. ZdA. Günther. Iaeger. Gottfurcht, Lange. Für die Kölner Metallindustrie ist ein Schiedsspruch ge- fällt worden, der an Jämmerlichkeit und Unzulänglich- k e i t einen Rekord darstellt. Er sieht 3 Ps. Lohnerhöhung auf die Mindest löhne vor. Danach würden etwa 3 Proz. der Kölner Metallarbeiter 1 oder V6 Ps. Lohnerhöhung bekommen, die übrigen 93 Proz. aber leer ausgehen. Auch in der Arbeits- zeitfroge bringt der Schiedsfpruch keinen Fortschritt. Die Neu-. regelling soll bis zum 39. November 1939, also ein Jahr und sieben Monate gelten, und dann erst mit einer Frist van zwei Monaten gekündigt werden können. Aufgehobene Sperren. Wie uns der Zeittralverhand der Hotel-, Restaurant- und Eofä-Angestellten mitteilt, sind die Differenzen mit dem Restaurant.�Zum Ponkgrofen", Pankow. Schloßstr. 3, bei- gelegt. Ebenso die Differenzen mit dem Restaurant Scholz, Frank- furter Alle« 397. Die Sperren sind damit aufgehoben Iuaendaruppe ves ZentralverbondeS der Angestellten Am Dienstag,? April, tinlx-n fnlgrnSe Beranstaltungen statt: R/>eN- »«st; IugepSbeiin Ledrter Str. IS— 1». Heimbesprechuna.— Uebunac- «den» itt Sprech, und Bewegun« scherz fallt wegen ttt Skteifeiien aus ist das beste Waffer zum Waschen! so frinfen mir auf hos Wahl unseres hachnerchrten Freundes!" endete ber Festredner. Die kleine Äesellschofl erhad sich, lächelte und trank dem Gefeierten zu. Der Gefeierte mar ein de- lamiter Politiker und Redner, dessen sechzigster Geburtstag nicht un- bemerkt oarübergegongen wor. Nun sah er an der schönen Tafel, lächelte zurück, trank und klopfte an sein Glas. „Liehe Freunde!" begann er mit seiner schallenden Stimme, „ich bin sehr gerührt, aber an dem ganzen Unglück scheinen Haupte sachlich zwei Dinge schuld zu sein: erstens ein« schwarze Flöte und zweitens ein cherr Musikairt. Und ohne das Erlebnis mit der Flöte jähe ich vielleicht gar nicht hier." ...Erzählen!" riefen viele Stimmen. Der gelinde Lärm verstummte, der Sechzigjährige warf sich in seine innner noch mächtige Brust und begann zu erzählen. „Fch bin," so sagte er,„ein Arbeiterkind, und das ist mei». Stolz. Herrschasten. Mit meinen Freunden wuchs ich in einer verrußten Porstadt auf, in der es mehr Fabriken als Bäume gab. Wir Kinder hielten auf gute Freundschaft, aus eine Freundschaft für dos Leben und für den Tod. Wir erlebten unsere wilden Streiche, ober unsere Wildheit wurde eimnol um die Osterzeit durch eine Flöte gebändigt. Durch eine kleine, sehmorze Flöte. Unser Freund Heinrich hotte von seinem Vater eine Flöte bekommen, und nnt dieser Flöte machten mir die stillen Straßen um sicher. Es gab auch stille Straßen bei uns, Straßen für die Beamten, Fabrikbesitzer und so weiter. Nun, wir machten schöne Musik. Posaunenengel waren wir nicht, Herrschaften, ober die Posaunen- enget haben sicherlich auch nicht schöner musiziert als wir. Unsere Flöte mar sehr schön, sie- wor aus schwarzem Holz und haste ein elsenbeinernes Mundstück. Fa, sie wor unser Stolz, und wir musi- zierten mit Vorliebe vor einem Hags, in dem ein Musiklehrer mahnte. Der Musiklehrer machte den Kindern der Beamten und Direk- toren Musik vor, und mir spielten dem Lehrer unsere Melodien. Wir fanden das herrlich. Er sand das nicht herrlich. Viele Mal riß er wütend das Fenster auf, drohte mit weihen, kleinen Händchen und verfluchte uns. Wir lachten, wir bliesen immer fröhlicher und immer frecher. Und er fluchte immer wilder und drohte immer heftiger. Wir waren Kinder, ober wir waren die Mehrzahl, wir waren eine grausame Mehrzahl und standen vor dem Haus und bliesen. Fa. wir bliesen schließlich mehr aus Grausamkeit und Pflicht als aus Vergnügen..." Die Gäste lachten. Der Redner unterbrach seinen Bericht, aus dem Musikzimmer kam ein junger Mann mit einem Saxophon und dudelte fröhlich vor sich hin. Das Gelächter wurde immer stärker, der Saxophonblöser konnte es nicht deuten, er starrte den Gastgeber verwundert an. „Komme» Sie, Heckert," rief der bekannte Politiker.„Bitte, geben Sie mal dos edle Instrmneiit her." Hestert brachte sein Saxophon, der berühmte Redner hing es um seinen Hals und dudelte mst klammen Fingern eine kleine Melodie. Das Gelächter wurde immer stärker und füllte den ganzen Raum aus. „Sehen Sie, Herrschaften." bändigte der Redner den Lärm. „Sehen Sie, so standen wir Jungens vcr dem Haus in der stillen Straße und spielten unsere Lieder. Ich konnte schön Flöte blasen. viel schöner als Saxophon spiele». Aber vielleicht habe ich damals schlecht gespielt, vielleicht ist eine Flöte auch schöner als diese lgrische Wimmerröhre... Aber passen Sie auf, wie unser Spiel mit der Flöte endete. Es endete so!" Von dem Saxophan nahm er dos Mundstüst ab und blies mit disten Basten in das unbelebte Rohr. Kein Laut wor zu hören. „Es endete so, Herrschosten," iuhr er fort,„als wir einmal misten im schönsten Blasen waren, stürzte der Herr Musikant aus seinem Hause und sprang wie ein schwarzer Panther auf uns zu. Sprang auf den Flötenspieler zu und riß ihm die Flöte aus dem Mund. Zwei Zähne gingen mit. Bitte sehr, da waren sie," sagte er. fletschte das Gebiß und.zeigte zwei goldene Zähne.„Und dann standen mir mit unserem Haß da. Die schöne Flöte! Das betörende Spiel! Und als wir uns wieder gefunden hatten und vor dem Hause standen, da wurde in der ersten Etage ein Fenster aufgerissen, der Musikant steckte feinen erhitzten, triumphierenden Schädel heraus, lochte und warf die Flöte auf die Straße. Heinrich fing sie aus.' Aber die Flöte war tot. Sie hatte kein Mundstück mehr." Einige Leute kicherten. „Die Flöte hotte kein Mundstück mehr, Herrschaften," begann der Redner von neuem.„Und wir haben uns an dem Menschen furchtbar gerächt. Wir zogen, eine wüste Roste, jeden Abend vor sein Haus und brüllten, ohne vom Sprechchor eine Ahnung zu habe», im Sprechchorstil:„Mundstück raus, Mundstück raus, oder bist ein Lump!" Jeden Abend zehnmal, zmanzigmol. immer nur dasselbe:„Mundstück raus, Mundstück raus, oder bist ein Lump." Zuerst verfluchte uns der Mann, dann blieb fein Zimmer stumm wie eine Gruft." „Und hat der Lump dos Mundstück wieder herausgegeben, Meister?" fragte der leideirfchoftliche Musikant Heckert. Er harte dos Saxophon wieder umgehongen und dos Mundstück eingesetzt. „Haben Sie das Mundstück wiederbekommen?" heute noch dankbar dafür. Ueber sein Grab hinaus bin ich ihm heute nast donkbor dafiir. Ueber sein Grab hinaus bin ich ihm dankbar dafür, Herrschaften." „Das verstehe ich nicht, Bernhard, soviel ich mich entsinnen kann, haben wir immer in den vielen Iahren mit Wut von dem Mann gesprochen, der uns dos Mundstück stahl... Ich wor damals auch mit dabei, Domen und Herren," erklärte der Zw-ischenrufer. „Die Flöte wor nämlich weine Flöte..." Er verbeugte sich leicht. „Wie I>aben wir damals geflötet, hohaha!" „Mein Freund, der Musiklehrer, wor ein pädagogisches Genie, das Hobe ich erst heule vollkommen begriffen," erwiderte der Politiker würdevoll uitd sprach gleichzeitig für olle Anwesenden.„Er war ein pädagogisches Genie... Was hätten mir schließlich mit dem Mund- stück anfangen können? Wir hätten noch so lange geflötet, bis wir uns selbst gelangweilt hätten! So. ober hatten wir unseren Haß, unsere verstummte Flöte, ja. aber der Haß wollte musizieren, später kam die Liebe, die wollte auch musizieren, die Sehnsucht kam. die Arbeit, der Hunger, dos Herz, die Seele. Und alles suchte sein Instrument! Es gab und es gibt eine Zeit, wo jeder Atemzug des Menschen Musik sein kann, und wenn ich's genau überlege, sind ja unsere früheren Jahre selbst wie große Musiken... Wir hoben viele Melodien in uns, leidvolle und lustvolle. Lieder mit Tränen und Lieder mit Gelächter, siehst du, Heinrich, und da müssen wir uns selbst, stimmen wie ein Instrument und unsere Zusammenklänge mit der Well prüfen. Mit Flätentönen, mein Lieber, mit Flötentönen ist da nichts zu machen!" „Bravo. Bravo!" sagte eine satte, zufriedene Stimme. „Und ich bin dem Herrn Musikanten dankbar, daß er uns das Mundstück nahm.... Ich habe nämlich viele Menschen in meinem Leben getroffen, die nur aus einem einzige» Gedanke» herumspielen komtten, wie wir damals auf der kleinen, schwarzen Flöte... Und diese Leute bliesen immer nur dasselbe Lied, mein Lieber, und sie wurden nicht mehr gehört, trotzdem sie spielten und bliesen. So ein kleines Mundstück ist viel, aber nicht das wichtigste auf der Welt.." Nun ließ Herr Heckert sein Saxophon quaken, als wolle cr prüfen, ob er noch gehört wurde. Er wurde gehört. Die Gäste und auch der große Politiker lachten. Und dann kam großer Beifall für diese maralische Erzählung, aber der Gefeierte strich den Beifall mit weitausholender Armbewegung beiseite, warf sich wieder in die Brust, holte alle Instrumente seiner Beredsamkeit heran und musi- zierte darauf nach eine kleine Viertelstunde sehr virtuos vor feinen ergebenen Gästen. ____/ „Das sage ich dir, Rosine, wenn der Junge heute wie!« ein schlechtes Schulzeugnis heimbringt, dann gnade ihm Gott!" „Reg« dich doch nicht auf. Robert. Erstens wird er Lesmal sicher besser abgeschnitten haben, er war ja so fleißig. Unk.zwei- tcns.. „Was gesagt ist, ist gesogt... Ein Mann, ein-War... Nur eine schlechte. Note, die ich heute in seinem Zeugnis sehe dann schlage ich ihn halbtot... Dann kann sich der hossnuigsvalle Sprößling was blasen van der akademischen Laufhohn... ich bin imstande und gebe ihn zu einem Schuster oder Schlosser in die Lehre, wenn er nicht vorzieht, Schornsteinfeger oder Konaliäumer zu werden." „Pfui, Robert, welche Ausdrucksweise!" „Der Bengcl soll einmal sehen, wie der.Hose läuft, wem... Ueberhaupt diese heutige Jugend!... Nichts wie Fußboll lopsen, Gitarre zupfen, Rundfunk basteln und Zigaretten rauchm am verschwiegenen Ort. Do war es zu meiner Zeit ganz ändert. Wie haben wir geochst und gebüffelt, und wenn dos Jahr um wa'. dann konnten wir Zeugnisse vorweisen. Zeugnisse, sog' ich dir, Rosnc.., oder wie wäre sonst unsereiner Iustizrot geworden, he?" * „Mami, sieh mal, was ich da aus dem Speicher gefumvn habe in einem alten Koffer aus Papas Schulzeit." „Was soll denn dos verstaubte Bündel Papiere? Trage es wieder an feinen Ort Raschen." „Nicht doch, Mami: es sind wichtige Dokumente, die um gerode heute gute Dienste leisten werden, wenn Fritz mit dem Zeugnis beimkommt. Es sind nämlich Papas Zeugnisse." „Ach, wie der Zufall ost spielt. Ich sage es ja immer: wo die Not am größten... Sind denn, die Zeugnisse gut?" „Miserabel, Mami! Eins schlechter als dos andere, im Be* trogen wie im Fortgong. Und Rckwrotsstrofen sind vermerkt wegen verbotener Wirtshausbesuchc und Pieisenrouchen.. „Um Gotteswillen, dos ist ja glänzend!" .Fla. Mami, ich kann gar nicht verstehon, wie Papa mit solchen Zeugnissen ein so gewiegter Rechtsanwalt werden konnte." „Nicht so laut, Röschen, damit uns Papa nicht hört. Ich hob« nämlich einen Plan. Wenn Fritz letzt heimkommt, gebe ich ihm dos betreffende Iohreszeugnis feines Herrn Papa, daimt er es ihm vorzeigt, als wäre es sein eigenes. Oder noch heiser: Geh� du Fritz entgegen und händige ihm das Zeugnis aus, damit die«ache nicht auffällt. Das weitere besorge ich dann schon. Ach Gott, wird Papa Augen machen!". * „Daß der Bengel heute gar nicht heimkommt! Es ist schon elf Uhr, und ich möchte zum Frühschoppen. Zu meiner Zeit sind wir schon Punkt Ist Uhr zu Haufe gewesen und haben freudestrahlend unsere Zeugnisse vorgewiesen, Zeugnisse, sog' ich dir, Rosine, wo sich die Einser nur so drängten. Hast du wielleicht einen Zweifel?" „Nicht im geringsten..." „Das möchte ich dir auch geraten haben. Im übriger, oerbiete ich mir in Zukunft jeden höhnischen Zug in deinen Mienen. Bvmbenclemcntl Ich will doch sehen, wer hier Herr im Hause ist." �„Set doch nicht so heftig, Papa! Ich habe doch gar nichts ge- sogt. Horch, die Klingel! Das wird Fritz sein!" „Höchste Zeit? Elf Uhr siebzehn." .„Ich hole da» Zeugnis, Robert." „Ja, aber sperre mir den Jungen gTeifsj itf das Badeziminkr, damit er mir nicht auswischt, wenn ich ihm hernach mit der Hunde- leine das nöttge besorge. Ich kann mir ja schon denken, wie das Zeugnis wieder ausgefallen ist, weil cr es nicht selbst abliefert. Himmelhogeldonnerwetter!... Du kannst jetzt mos erleben, Bürsch- chen, wenn du mir die Frühschoppenlaune verdirbst... Ah, da bist du ja schon, Rosine. Hast dulden Bengel eingesperrt?" „Ja, hier ist dos Zeugnis, Papa. Es ist leider nicht bcson« ders gut." .Zfab« ich es nicht gleich gesagt? Gib her! Was sehe ich'? Fleiß: mongelhoft. Fortgang: schleck, t. Und da wimmelt es von Dreiern und Vierern, lauter„Mittelmäßig" und„Ungenügend". Was? Eine Rektorotsstrafe wegen Kneipen auch noch? Und vcr- setzt ist der Bengel auch nicht? Run ist sein Schicksal besiegelt. Wie Hab« ich gesagt? Schlosser oder Schuster, Schon, fteiirfcger oder Konalräumer... Das ist dein Sprößling. Rosine: Fritz, das Muttersöhnchen. Dos hat er natürlich von dir!" „Gewiß Hot er das von mir: dos Zeugnis nämlich.. „Ich verbitte mir jeden Hohn von dir..." „Mit diesem Zeugnis, Papa, bist du Iustizrat geworden.. „Was soll das heißen?" „Wenn es auf das Schulzeugnis ankommt, dann wird Fritz mit feinem Regierungspräsident, Hochschuldirektor oder Staats- minister..." .Tlch verstehe dich nicht, Rosine... Du sprichst in Rätseln.." „Ja, ich bin auf meinen Fritz, das Muttersöhnchen, stolz. Sein Zeugnis ist um mehrere Grad- bester als das deine. Papa. Er hat überoll gute und genügende Noten. Sein Fleiß ist groß, sein Betrogen lobenswert. Er hat auch keine Rekioratsstrafcn und ist verfetzt. Lies doch selbst..." „Ja. das stimmt. Aber wie kommt der Bengel zu zwei Zeug- nisten? Da muh dach eins gefälscht sein!" „Beide Zeugnisse sind echt. Rur ist da? bessere von Fritz und das ganz miserable dein eigenes aus dem gleichen Schuljahr. Ich habe es vom Speicher geholt, um dir den Unterschied zu zeigen..." .„Himmelhogelelemeitt! Da soll doch gleich ein heiliges Donner- metter... Wo ist mein Hut? Mein Stock? Mein Ueberziehcr? Das sag' ich dir. Rasine, wenn nur ein Wort von diesen Zeugnissen unter die Leute kommt!... Und überhaupt— ich verbitte mir jede Miene des Hohnes in deinen Zügen!... Ich will doch sehen, «er hier der Herr im Haus- ist.. Ich befehle dir: Hol' mir den Jungen! Er soll mit zum Frühschoppen!... F. Schrönghammer-Heimdal. Aus der Geschichte der Gabeln. Es ist nicht festzustellen, zu welcher Zeit die Gabeln in Gebrauch gekommen sind: die älteste Nac�icht darüber stt durch den Kreuzzugprediger Peter oort� Amiens aus uns gekommen, der mit Entrüstung erzählt, daß die Schwester des Kaisers Romonus, Gemahlin des Dogen von Venedig. Peter Orseolo(f 991),. anstatt mit den Fingern zu essen, klein« Gabeln und vergoldete Lössel gebrauchte,„welcher unsinnige Luxus den Zorn des Himmels auf ihr und ihres Mannes Haupt zog, da- her Heide 1005 an der Pest starben". Dennoch scheint sich dieser „unsinnige Luxu?" in Frankreich bald verbreitet zu haben, beim bereits im 10. und 11. Jahrhundert findet man auf Bildern, die Speisetiiche darstellen. Gabeln abgebildet. In England waren die Gabeln im 10. Jahrhundert noch ganz unbekannt. Der Engländer Eorqat, der zu Ende dieses Iahrhitirderts Italien bereiste, konnte sich nicht genug wundern„über den absonderlichen und seltsamen Gebrauch, mit Gabeln zu essen". In Spanien waren zu Ende des 18. Jahrhunderts die Gabeln. Lösssl und Trinkgläser in vielen Wirtshäusern noch eine Seltenheit. In Ehina kennt man die Gabel auch hatte noch nicht. �tran Jieilhul: Sein Osler Spaziergang Die ganze Straße halte ihre Freude an Iea», einem jungen Mann, der heut«, am Ostersonntag, zum erstenmal in seinem Leben einen Ausflug mit seinem lieben Mädchen zu unternehmen gedachte. Alle Lodenbemohner hatten Muße, ihn zu beobachten, wie er aus dem Hause trat. Mit zwei kurzen ängstlichen Blicken nach links und rechts schätzte er die Zahl seiner Beobachter auf beiden Seiten gegen- einander ob, um dann mit tapfer erheuchelter Würde noch links zu schwenken. Alle Gassenjungen und Ladenburschen hatten.Zeit. ihm mit Geheul und Hurra zu folgen. Sie unterbrachen die Fuß- ballspielerei auf dem asphaltierten Fahrweg, bildeten eine Kolonne und schrien: Jean geht aus! Jean geht zur Liebsten. 5)urra, hurra für Jean! Di« Sache lag so: Er war als ein Waisenkind mit einem Mal« dagewesen. Nie- maud wußte, von wo er gekommen wor. Er hatte sich den Unterhaltungen und Spielen seiner gleichaltrigen Schulgenosten einmal anschließen wollen, sie hotten ihn ober mit Spott nach Hause geschickt. Jean mit den krimmnen Beine», hatten sie ihn gerufen. Und: Jean, der mit dem Lustloch im Rock.— Daraus war er ge- gangen und wor ni« wieder zum Spielen gekommen. Ließ er sich aber auf der Straße sehen, schrien die Jungen: Jean, der Prinz! Und die Alten, di« vor den Läden saßen, die Hände über dem Bauche, lachten: Der Bengel geht noch an seinem Stolz zugrunde. Er war vor kurzer Zeit in die Lehr« gesteckt worden, und fein Prinzipal zahlte ihm sein— sozusagen— erstes Gehalt. Jean war vor Freude außer sich gewesen. Er hatte es den Leuten, die ihn beherbergten, mit strahlenden Augen gezeigt. Sie zählten die Summe nach, was keine bedeutende Arbeit wor. Dann— um sich selber die Mühe und Kosten zu lohnen— nahmen sie ihren Teil in An- spritch. Und Jean behielt einen Rest van vier Mark fünfzig. Von diesen vier Mark und fünfzig schien es ihm leicht, ssinen Luxus zu bestreiten. Er wütche ein Buch und Süßigkeiten kaufen und am Sonntag ins Frei« fahren. Ab« da war der Fall eingetreten, daß ihn ein Mädchen gefragt hotte: wann si« sich denn wieder treffen wollten zum anderen Mole? Und Jean bemerkte am Sonnabend, der dieser Aufforderung folgte, daß seine Stiefel zerrisien waren. Er ging am Abend durch die belebteste Straße des Stadtteils und blieb vor den hellstrahlenden Schaufenstern stehen. In ein großes Schuhgeschäft kehrte er ein. „Was möchten Sie denn haben?" frbgte die blonde Verkäuferin. .Ein Paar Stiesel," sogt« Jean. „Welch« Große?" Jean wurde rot und sagte:„Dos weiß ich nicht." Die Berkauferin fordert« chn auf, die Stiefel auszuziehen. Aber Jean hatte das schon bedacht. Er wollt« seine Stiefel nicht cm« Ziehen ich die Stiesel«cht«p«tnmal sehen?" svogte er. Die Verkäuferin stieg aus eine Leiter und brachte drei weihe Kartons herunter. „Wieviel koste» sie?" „Zehn Mark— und teurer." „Danke," sagte Jean.„Verzeihen Sie." Er ging hinaus. Vor dem Fenster stand er wieder lange still. Aus der Tiese des Spiegels sah ihn sein Bild an. Er durchmusterte noch einmal die ausgestellten Paare. Er ging wieder hinein. „Es sind aber Stiefel ausgestellt für drei und eine halbe Mark," sagte er zu der blonden Verkäuferin. Da lachte sie und sagte:„Ja, aber sie sind von Holz." „Nun?" fragte er...„Aber sie sehen aus wi« Led«." „Aber sie klappern." „Dorf ich sie nicht sehen?" Es bleibt mir noch einq Mark, rechnete er aus, für eilten Blumenstrauß, Fahrgeld und Getränk im Freien. Jean kaufte ein Paar Holzstiefel.— So war er also anzusehen, als die Fußbollspieler hinter ihm riefen: Jean gehl zur Lielfften.— Er trug einen kleinen grauen Hut, eine schwarze Jacke, eine hellgestreifte Hase, dos Paar Holz- stiesel, und in der Hand ein Bukett roter Blumen. Die Stiefel klapperten wie Hufe von Rossen. Jean steckte die Nofe in den roten Strauß. Er gab es bald auf. behittsom mit den Sohlen aufzutreten. Es klapperte doch Und es strengte dt« Waden- Muskeln entsetzlich an. Er ging und es schallte. Als sich die Fußballspieler hinter ihm endlich verloren, wurde es darum doch noch nicht gut. Auf der Promenade sahen ihm die Leute mit unverhohlener Freude in die Augen, einige lochten schmetternd, besonders die jungen Mädchen taten sich keinen Zwang an. Di« Leute, die in den Kaffeehäusern saßen, sahen ihn durch die Scheibe, sie steckten die Köpf« zusammen, richteten die Augen sämtlich auf einen Punkt— und dieser Punkt war Jean und sein Blumenstrauß. Als er seines lieben Mädchens ansichtig wurde, da wor sein Herz vor Schmerz und Schmach fast gebrochen. Er warf die'Blumen aus die Straße, blieb stehen, wendet« sich und weinte. Aber sie hatte ihn schon gesehen, kam schnell auf ihn zugeeilt und hob die Blumen aus. Dann faßte sie seine Hand. Iran sab sie an. Sie hielt den Strauß mit der Linken gegen die Brust gepreßt.Kommst du nicht mit, Jean?" jagte sie. „Doch," sagte Jean. Alz sie ginget,, fragt« er: „Nette Stiefel Hab' ich angezogen— was?" „Die klappern," sagte sie. Und beide lachten.