Morgenausgabe Nr. 156 A 79 46. Jahrgang Bachentlich 85331. monatlich 8,60 m. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 R. einichließlich 60 Bfg. Boftzeitungs- und 72 Bfg Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6.- M. pro Monat. Der„ Borwärts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend". Illuftrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen ftimme". Technit"," Blid in die Bücherwelt" unb Jugend- Borwärts Vorwärts Berliner Bolksblatt Donnerstag 4. Apríl 1929 Groß Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einipalttge Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflame elie 5.- Reichs mart. Aleine Anzeigen' bas ettge brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwet fettgedruare Borte), jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Bfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. 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Diese Mitteilung kam vollkommen überraschend. Geipels Demiffionsrede. Wien, 3. April. 3m Ministerrat, welcher die Demission der Gesamt regierung beschloß, führte Bundeskanzler Scipel zur Be gründung seines Beschlusses aus: Die inneren Spannungen, welche der Ausdrud ftarfer lebendiger Kräfte im Bolke sind, haben ein hohes Maß erreicht. Gelegentliche Explosionen haben feinen allzu großen Schaden angerichtet, im Gegenteil hat sich des Antlig des Staates mejentlich verändert. Die polifische Lethargie ist überwunden. Die Einschüchterung und Gleichgültigkeit bei einem großen Teil der Bevölkerung besteht nicht mehr. Die Erkenntnis, daß tein einseitiger Radikalismus Aussicht auf Erfolg bat, ist endlich allgemein geworden. Damit lenkt nach zehn Jahren des Bestandes der Republik unser politisches Leben von den Bahnen ber Revolution auf den Weg normaler Entwicklung ein. Die Gefahr, daß die bestehenden Spannungen in inneren Krisen die Demokratie ernstlich bedrohen tönnten, sehe ich nicht. Wohl aber besteht die Gefahr, daß infolge der Spannungen einige für das Wirtschafts- und politische Leben wichtige Fragen, wie Wohnbauförderung, Mietrechtsreform, Justizreform einschlich lich der Polizeikompetenzfragen das Verhältnis zwischen uns und den Ländern keine befriedigende sung finden, welche sachlich mög lich wäre. Würden solche Streitpunkte beseitigt, fönnten sich Regierung und Gesetzgebung verhältnismäßig ungestört mit den Sorgen des Wirtschaftslebens beschäftigen. Dies könnte um so eher geschehen, als die österreichische Außenpolitik auf gutem Wege ist, da die Notwendigkeit ehrlicher Realpolitif, welche einseitige Bindungen nach irgendwelcher Seite vermeidet, gemeinsame Auffassung aller Parteien ist. Die Berhandlungen zur Vorbereitung der Inve= ftitionsanleihe sind mit fo gutem Erfolg foweit geführt, als es in diefem Zeitpunkt sein kann. Durch intensive Wirtschaftspolitif im Innern würde auch in der Handelszollpolitik wieder mehr Stetigkeit tommen, welche in jüngster Zeit infolge der inneren Schwierigkeiten etwas gestört wurde. Drama in der Grenzwachstube. Russischer Handelsvertreter erschießt polnische Polizisten. Warschau, 3. April. Die Sozialpolitit ift in Desterreich soweit fortgeschritten, daß fie teine Erbitterung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehr zu erzeugen brauchte, wenn nur gründliche Abkehr von Rechthaberei und terroristischen Methoden erfolgte, wofür volle Sicherheit allerdings auch durch die Gesetzgebung wird geboten werden müssen. Die angeführten Spannungen werden zu erheblichen Teilen, wenn auch mit Unrecht, der gegenwärtigen Regierung zu Laft gelegt. Durch beharrliche Agitation wurde viel aß angehäuft, melcher, fomeit er die Person betrifft, zu ertragen wäre, obwohl er ohne jeglichen Schein eines inneren Grundes auf meinen Stand und auf die Kirche ausgedehnt wird. Aber es soll weder den einen ein Ausweg, auf dem sie zu rein fachlicher Arbeit für das öffentliche Wohl zurückkehren können, verschlossen, noch den anderen eine Ausrede gelassen werden, wenn sie es nicht tun. Deswegen halte ich es für richtig, den polifischen Parteien die Möglichkeit zu geben, in anderer Weise, als es unter meiner Führung geschehen könnte, die Zukunft sicherzustellen. Zu diesem Behuf habe ich mich entschlossen, die Demission zu geben. Auf Antrag des Bizetanglers Hartleb beschloß der Ministerrat, da die vom Bundeskanzler angeführten Gründe für die Demission in gleicher Weise alle Mitglieder der Bundesregierung betreffen, den Rücktritt der Gesamtregierung. Der Wohnungsunterausschuß vertagte die Berahung der Wohnungsfrage mit Rücksicht auf die Regierungsdemission auf unbestimmte Zeit. Nachrufe. Wien, 3. April.( Eigenbericht.) Die Arbeiter 3eitung" fagt in ihrem Nachruf auf die Regierung Seipel, daß Dr. Seipel den Gegensatz zwischen der sozialistischen Arbeiterschaft und den bürgerlichen Barteien auf das äußerste verschärft, sein 3iel der Schwächung der Sozialdemokratie aber nicht erreicht habe. Seipel stehe am Ende feines Kirchenlateins und nun gelte es, zu sehen, welche Konsequenzen die bürgerlichen Parteien ziehen werden. Was Deutschöfterreich brauche, sei nicht bloß ein Personenwechsel, sondern ein Wechsel der politischen Methode! Die Bilanz Seipels. Mieterschutz und Kirchenaustritt. Dr. Ignaz Seipel hat nun fünf Jahre lang die Staats geschäfte der Republik Deutschösterreichs geleitet. Er war es, der 1922 in Genf den Sanierungspakt abschloß, durch den die Inflation beendet und die Währung stabilisiert wurde. Ein gewaltiger Beamtenabbau und eine furchtbare Drosselung der Staatsausgaben wurden von der Völkerbundskontrolle unter der Leitung des Holländers Zimmermann befohlen; dazu kam eine dauernde schwere Arbeitslosigkeit, die jahraus, jahrein gegen 300 000 Arbeiter erwerbslos machte. Die Unterstügung ist gering, und es gibt viele Tausende, die nicht mehr empfangsberechtigt sind. In Zeiten wirtschaftlicher Krise steigt die Erwerbslosigkeit noch darüber hinaus, in Wien wird sie durch die gewaltige Wohnbautätigkeit und die sonsti= gen Berbesserungswerte der Rathaus- Marristen" dauernd unter dem Staatsdurchschnitt gehalten. alten großen Wirtschaftsgebietes geschaffen hat, und dessen In dem verkümmerten Staat, den die Zerreißung des Ausfuhrindustrie durch die Zollmauern schwer gehindert ist, kann der allergrößte Teil der städtischen und auch der länd lichen Bevölkerung sein färgliches Leben nur dadurch fristen, daß die Wohnungsmiete äußerst niedrig iſt. Diesen Mieterschuh, der im Weltkrieg verordnet worden ist, wollen die bürgerlichen Parteien abbauen. Sie behaupten, daß jeder Anreiz zum privaten Wohnungsbau fehle, wenn nicht die Aussicht winkt, damit ein Geschäft zu machen. In der Tat hat sich gezeigt, daß nur die Städte Neuwohnungen gebaut haben, wien bereits über 30 000. Nachdem ein früherer Bersuch der bürgerlichen Koalitionsregierung, den Mieterschuß abzubauen, an der Obstruktion der Sozialdemofraten im Parlament gescheitert war, errang der Bürgerblock bei der Neuwahl 1927 nochmals die Mehrheit, allerdings unter der Parole: Mieterichuz gesichert, wählt Einheitsliste!" Trozdem hat die Regierung abermals den Abbau des Mieterschutzes beantragt. Wiederum traten die Sozialdemokraten in den schärfsten Kampf, und da bei ihrer Stärke und bei ihrer Zweidrittelmehrheit in der Bundeshauptstadt ein glattes Hinweggehen über sie nicht möglich ist, wurde schließlich ein Vertrag zwischen den Sozialdemo fraten und den Regierungsparteien geschlossen. Er bestimmte, daß in einem Unterausschuß des Mietenausschusses sachlich und ohne Obstruktion verhandelt werde, um zu einer Einis gung zu fommen sollte dies nicht möglich sein, so sei das Volf zu befragen entweder durch Neuwahl oder durch Volks abstimmung. Der führende christlich- soziale Abg. Kunj chat fagte heute abend in einer Bersammlungsrede u. a.: Es mar für Dr. Scipel unerträglich, daß ihm die Schuld gegeben wurde, an der Zuspizung der inneren Gegensätze und namentlich auch an der Kirchengung zu kommen austrittsbewegung. Jetzt ist die Klärung geschaffen, die die Sozialdemokraten gefordert haben. Die Person Dr. Seipels ift meg. das System der bürgerlichen Koalition bleibt. Aber darüber darf man sich nicht täuschen: Seipel kommt nicht mehr! Da nun die Beratungen im Unterausschuß ergebnislos geblieben sind, wäre der Zeitpunkt für die Volksbefragung gekommen. Die Führer der Regierungsparteien wünschen jedoch die Boltsbefragung nicht; einmal müffen sie sich ein gestehen, durch ihr Verhalten die eigene Wahlparole von 1927 Lügen gestraft zu haben, dann aber mögen die start geftiegene Arbeitslosigkeit, die mutwilligen Aus perrungen und sehr wohl auch die zunehmenden Ausschreitungen ber faschistischen Heim wehren die Bürgerblodführer mit Angst vor der Antwort des Volkes und nicht nur der sozialdemokratischen Ardes Volkes erfüllen! Jedenfalls lehnt Seipel die Volks der ruffisch- polnischen Grenze ein Mitglied der russischen Handels brädent Bartel in seinem eigenen und im Namen des befragung ab, und da er, mit einem offenen VertragsHeute früh erschien im Polizeikommissariat Baranowitschi an mission, 3wan panasewitsch, und verlangte Schuh, weil er fich bedroht fühle und ein Attentat auf ihn geplant sei. Während der Polizist Kucharkowskimit der Wojwodschaftsbehörde telephonierte, 30g der Ruffe einen Browning und streckte den Polizisten mit drei Schüffen tot nieder. Den entgegenkommenden zweiten Polizisten Zelazkowski verwundete er so schwer, daß dieser bald darauf starb. Danach richtete Apanajewitsch die Waffe gegen feinen Kopf und verwundete sich. Seine Frau sah der ganzen Szene regungslos zu. Beide lehnen jede Erklärung ab. Sie wollen erft vor einem höheren Gerichtsbeamten und in Anwesenheit eines Delegierten der Sowjetgefandtschaft in Warschau aussagen. Apanasewitsch hatte seine Familie in Polen befucht und sollte heute über Baranowitschi nach Moskau abreifen. Er drahtete aber nach Moskau, daß er sich bedroht fühle und Polizeischuk verlangen werde. Ueber die Motive der Tat hat man teine Anhaltspunkte. Es ist möglich, daß Apanajewitsch dadurch erregt wurde, daß man ihm nicht sofort den verlangten Schuh gab, sondern sich mit den Behörden in Berbindung fehte, was längere Zeit dauerte. Ent. Regierungswechsel in Polen. Demission genehmigt und geheimaehalten. Warschau, 3. April.( Eigenbericht.) Von unterrichteter Seite verlautet, das Minister. Kabinetts den Staatspräsidenten um lassung ersucht habe. Sie ist wie weiter mitgeteilt wird bewilligt worden, soll aber erst mit der Er - bewilligt worden, soll aber erst mit der Er nennung der neuen Regierung bekanntgegeben werden. Staatspräsident Moscisti hat, wie es heißt, in den Verhandlungen einen selbständigen Standpunkt eingenommen und sich mehreren Kandidaten, die von der biktatorischen Oberstengruppe für den Posten des Ministerpräsidenten aufgestellt wurden, entschieden widerfest. Mehr als die Hälfte der bisherigen Minister dürften der neuen Regierung nicht angehören. Es fällt auf, daß Pilsudski sich bei der Regierungsumbildung völlig im Hintergrund hält. Reichsaußenminiffer Dr. Stresemann trifft heute abend aus Heidelberg wieder in Berlin ein und nimmt seine Amtsgeschäfte mieder auf. bruch belastet, nicht gut weiter regieren fonnte, ist er zurüdgetreten. Wenn die übrigen Minister sich dem Rücktritt angeschlossen haben, so war das ein Att begreiflicher und geradezu selbstverständlicher Solidarität, die aber für die Zufunft nicht bindet. Es ist bekannt, daß das Verhältnis unter den Regierungsparteien weit entfernt von Intimität, oder selbst von aufrichtiger Freundschaft ist. Die Groß deutschen als antifleritale Partei verlieren durch ihr dauerndes Zusammengehen mit den Christlichsozialen den letzten Rest von Anhang. Die Bauernbun bler, mit ihren unflaren Bestrebungen sowieso unsichere Kartos nisten, stehen in dauerndem Gegensatz zu jenen Christlich sozialen. die städtische Interessen doch nicht ganz hintans fegen fönnen. Soeben hat die Regierung durch sanitätspolizeiliche" Maßnahmen gegen die Vieh- und Fleischeinfuhr aus Polen eine gemaltige Droffelung dieser für die Städte lebensnotwendigen Einfuhr im Interesse der Agrarier vorge namment, mas übrigens auch ihre Wahlaussichten nicht perbeffern würde. Das scharfe Regime Dr. Seipels, dessen Bort nach der Wiener Julischlacht teine Milde!" so bezeichnend war, hat nicht nur die Gegensäße der Parteien verschärft, sondern auch die Kirchenaustrittsbewegung erheblich ge fördert. Benn unter der Regierung eines fatholischen Prä laten und Kirchenrechtsprofessors in fünf Jahren rund 200 000 Menschen aus der katholischen Kirche austraten, so ist das für die Kirche außerordentlich peinlich, zumal die Bewegung mit unverminderter Stärte weitergeht. Es fann mohl sein, daß Bedenten gegen ein Regieren laut geworden sind, das folche Folgen hat. Bedenken im eigenen Lager, vielleicht auch im Palais des Kardinalfürsterzbischofs von Wien und warum schließlich nicht auch im Batikan? Solche Erscheinungen haben in einer fatholischen Partei ganz besonderes Gewicht, und es ist außerdem anzunehmen, daß unter den Christlichsozialen auch die Gegnerschaft gegen die Heimwehrprotettion und die ganze Schärfe der Seipelschen Regierungsführung stärker geworden ist. Wenn nun wahrscheinlich die Bürgerblodregie rung noch einmal erneuert wird, aber unter der Leitung eines gemäßigteren Führers, so ist zunächst die Bahn frei für neue Verhandlungen über den Mieterschuh, denen sich die Sozialdemokraten nicht entziehen merden. Ob jedoch diese beherrschende Frage in dem jezigen Nationalrat überhaupt zu lösen ist, wird die Zukunft lehren. Anklage gegen Orlow fertiggestellt. Baldige Hauptverhandlung. Die Staatsanwaltschaft des Landgerichts II in Berlin hat die Anklage gegen die in der ruffischen Dokumentenfälscher. affäre beschuldigten Orlow und Roßmann fertiggestellt. Die Hauptverhandlung soll bald stattfinden. wird auf die Boruntersuchung verzichtet werden. Möglicherweise Opposition gegen Hugenberg. Der Kampf bei den Hamburger Deutschnationalen. Hamburg, 3. April.( Eigenbericht.) Den vom Ehrenrat der Deutschnationalen Boltspartei in Hamburg vollzogenen Ausschluß des Senatspräsidenten. v. Dassel hat ber deutsch nationale Berein Hamburg Eilbed damit beantwortet, daß er v. Daffel einstimmig zum Vorfigenben wählte. Dieser deutschnationale Berein betreibt eine scharfe Opposition gegen das Hugenberg- Regime. Kaum war ihm das Wort entfahren... Herr Dr. Quaak, deutschnationaler Reichstagsabgeordneter und Anhänger des Hugenbergfurjes, hetzt den Spuren des Meifters folgend gegen die deutsche Währung. In einem Aufsatz in der Hugenbergschen München- Augsburger Abendzeitung" entfährt ihm das folgende Wort: Dieselben Kreise, die die Inflation vorhergesehen, ge fördert und ausgebeutet haben, fie warten auf eine er neute Währungszerrüttung!" Dieselben Kreise" das waren die Leute um Stinnes und Sugenberg. Es ist noch nicht vergessen, daß es die sogenannten nationalen" Streise waren, die aus der Währungszerrüttung eine Baffe gegen, Reparationszahlungen machen wollten. Am 7. Sep: tember 1922 segte Hugo Stinnes dem Unterhändler Bemelmans im Beisein ausländischer Sachverständiger den ,, Segen der Inflation für Deutschland" auseinander. Hugo Stinnes ist tot, aber Herr Hugenberg ist übriggeblieben. Er redet aufs neue von deutscher Inflation und Herr Quaaß, das Unglüdstind, warnt mit Hugenberg bei Hugenberg por- Hugen berg! Zurück zur Sozialdemokratie! Die Erfenninis bei den Kommunisten wächst. In einem längeren Schreiben an den Borfizenden der Neutölner Parteiorganisation, den Landtagsabg. Genossen Harnisch. beantragt der fommunistische Organisationsleiter und Barteisekretär Bezirksverordneter Richard Borgsdorf in Neukölln seine Aufnahme in die Sozialdemotratische Partei. Deutschnationale Außenpolitif. Unverantwortliches Spiel mit dem Feuer. Die deutschnationale Breffe Berlins beschränkt sich zumeist darauf, gegen die auswärtige Politif Deutschlands zu heßen, ohne zu sagen, was denn an ihre Stelle gefeßt werden foll. Sie fühlt sich zu sehr beobachtet, als daß fie fich trauen würde, mit pofitiven Zielfezungen nach ihrem Herzen auf. zumarten. Die deutschnationale Presse im Reiche ist viel aufrichtiger, und so verlohnt es sich mohl, auch einmal einen Blid in ihre Spalten zu werfen. " Wir nehmen die Bommersche Tagespost" und die ,, Ham burger Nachrichten" vom gleichen Tage, dem gestrigen Mitte moch. In dem Stettiner Blatt finden wir einen Leitauffaz, in dem unter der Ueberschrift, können wir noch warten" eine dunkle Sorte von ,, aftiper" Politit im Osten gepredigt wird. Da liest man nun Säge wie bie folgenden: Frankreich wird Bofen nicht im Stich laffen und tann es auch bei seiner Einstellung, troß Stresemanns Freundschaft nicht. Es wird sich nur mit uns einigen, menn wir unser Recht auf die geraubten Provinzen aufgeben und wenn mir zugeben, daß fie voll. tommen entdeutscht werden. Das sind aber unmögliche Forderungen, die wir nie und nimmer erfüllen werden. Sie gehen gegen unsere Ehre und unsere mirt schaftlichen Interessen. Bir brauchen unseren Gebensraum im Often, den man uns genommen hat und mir brauchen die Berbindung zu der abgetrennten Provinz Ostpreußen. Bir fönnen uns nicht gedulden. Wir müssen sofort Taten fordern, die dem Often feine wirtschaft und seine Kultur reften. Im Osten liegt die Zukunft des deutschen Boltes. PP Belcher Art die Taten" sind, die sofort gefordert werden, verrät der Artikelschreiber nicht. Der Bersuch, eine Grenzrevision im Sinne des Artikels 19 des Bölterbunds. statuts herbeizuführen, hat, wie der Berfasser sicherlich doch auch meiß, nicht die gerinste Aussicht auf Erfolg. Wäre bie Regierung so töricht, ihn zu unternehmen- mie mürde dann die deutschnationale Bresse über ihren leicht vorauszusehenden Mißerfolg höhnen und zetern. Welche fofortige Taten" aber meint der Verfasser sonst? Will er sich nicht vielleicht etwas deutlicher ausdrüden? Er tut es nicht. Die Hamburger Nachrichten" tun es. Sie veröffentlichen eine Auslaffung Arnaldo Mussolinis, des Diftatorbruders, um sie mit dem folgenden Kommentar zu versehen: Italien tann seine Ziele nur verwirklichen auf Kosten anderer Bölter. Sind diese nicht geneigt, Italien freiwillig vom eigenen Befiz und von der eigenen Macht abzugeben, so ist eine Auseinandersetzung mit den Waffen unausbleiblich. Der Krieg st ein Naturereignis, als solches furchtbar und schrecklich, aber oft wie diese un abwendbar. Dieser gemütvollen Darlegung folgt unmittelbar ein Seufzer: Bir Deutsche könnten aus der Nachkriegspolitik Italiens lernen was wir natürlich nicht tun werden." Dem tönnen wir nur zustimmen. Natürlich wer den wir von Italien nicht lernen, weil wir aus dem Weltfrieg genug gelernt haben! Natürlich werben wir von Statien nicht lernen, denn die Millionen sozialdemokratisch gesinnter und gewerkschaftlich organisierter Arbeiter werden niemals dulden, daß ein faschistisches Regiment hochkommt und DeutschIland in einen neuen Krieg führt. Nüglich und notwendig aber ist die Erkenntnis, daß es in Deutschland auch heute noch Narren und Verbrecher gibt, die es so treiben, wie es die Alideutschen vor dem Weltkrieg getrieben haben. Der dänische Wahlkampf. Das sozialdemokratische Programm. Kopenhagen, 3. April.( Eigenbericht.) in einem Menschenalter aufgebaute Sozialgesetzgebung ist zum erstenmal durch die herabsetzung der Invaliden- und Arbeitslosenunterstügung, der Altersrente ufm. durch löchert morden. Ferner ist ein Strafgesetz angenommen morden, das gegen die Gewerkschaften gerichtet ist und Gefängnisstrafen für die Anwendung der den Arbeitern zur Berfügung stehenden Mittel im Lohnkampf festsetzt. Hinzu kommt die brennende Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Eine Lösung dieser Frage ist nur möglich, wenn der Staat helfend einspringt. Der Staat muß Beistand leisten zur Modernisierung und Konzentrierung der Produktion, ebenso muß auf die Eroberung fremder, noch unerschlossener Martte hingearbeitet merden. Der Wahlkampf ist in vollem Gang. Die Sozialisten haben ihn in voller Stegeszuversicht begonnen. Ueber die Frage ,,, morum es sich bei der Wahl handelt, äußerte fich der Führer der dänischen Sozialdemokratie und frühere Ministerpräsident Stauning gegenüber dem Korrespondenten des Soz. Preffedienst" wie folgt:„ Die Konservativen haben die Zufammenarbeit mit der agrarischen Linten beendet, weil man fich sammenarbeit mit der agrarischen Linken beendet, weil man fich über die geplante bedeutende Erhöhung der Ausgabe für mili. tärische Swede nicht einigen fonnte. Die Sozialdemokratische Partei vertritt den Standpunkt, daß Dänemart außerstande ist, eine der Zeit und den Berhältnissen angemessene Wehrmacht zu schaffen Das Ministerium Madsen- Mygdal hat sich infolge seines ein und aufrechtzuerhalten. Daher ist die Wehrmacht nach ihrer Ansicht so einzurichten, daß fie lediglich die Neutralitäts- und Bewachungsso einzurichten, daß fie lediglich die Neutralitäts- und Bemadungs. feitigen Charatters jeder Maßnahme zur Förderung des ins aufgaben erfüllen tann, wie sie dem Lande nach den interländischen Wirtschaftslebens widerfest und den verzweifelten, Stand. nationalen Gesezen obliegen. Daß diefer Standpunkt auch in anderen Ländern geteilt wird, sehe ich als einen Vorteil an. Auf jeden Fall befinden wir uns mit unserer Auffaffung in Webereinstimmung mit dem Geist des Bölkerbundes. Bei den Wahlen werden außer dem Mehrproblem aber auch soziale und wirtschaftliche Fragen eine Rolle spielen. Die Wähler werden schließlich zu der gegenwärtigen Regierung und ihrer Bolitik Stellung zu nehmen haben. Das gestürzte Kabinett hat auf der Basis einer ganz geringen Mehrheit im Folfething eine reaf= tionäre und äußerst arbeiterfeindliche Politik getrieben. Die Ausbau der Volksschule. Bertreterversammlung des Preußischen Lehrervereins. Dortmund, 3. April.( Eigenbericht.) Am Mittwoch wurde in Dortmund die 9. Vertreter persammlung des Preußischen Lehrervereins er öffnet. Die Bedeutung der Tagung liegt in der Erörterung des Themas Ausbau der Boltsschule". puntt eingenommen, daß die Arbeitslosigkeit ben Arbeits. John herabbrüden müsse, Lohnherabfegungen sowie die Berlängerung der Arbeitszeit die rettenden Hilfsmittel feien. Diese arbeiter. feindliche und das Birtschaftsleben schädigende Bolitit ift por der Sozialdemokratie ftets befämpft worden. Sie bilbet einen ber Kernpunkte der Auseinandersetzungen. Die Sozialdemokratie wird für eine wirtlich demokratische Politit somie für dent wirtschaftlichen Wiederaufbau eintreten. Das Wohlergehen der Arbeiterklasse ist das wesentlichste Ziel unserer Politik." zen mit der Richtung seiner Bolitif einverstanden ist. Häufiger Biderspruch aus der Bersammlung heraus bemies aber auch, daß der entschiedene Wille zum Fortschritt, der in der Lehrerschaft lebt, vom Minifter mehr Taten wünscht. In einem großzügig angelegten Referat des Geschäftsführers des Preußischen Lehrervereins wurden die gegenwärtigen Aufgaben des Vereins aufgezeigt und die Stellungnahme zu den brennenden schulpolitischen Gegenwartsfragen dargelegt. Auch hier fam wiederholt bei allem Berständnis für die Bemühungen bes Unterrichtsministers der Gegensatz zum Ausdruck, der zwischen Lehrerschaft und dem Kultusministerium vorhanden ist. Die Tagung findet am Donnerstag ihren Fortgang mit einens grundfäßlichen Referat über den Ausbau der Volksschule. Im Rahmen der Begrüßungsansprache sprach Minister Beder über die preußische Schulpolitif und die Reyder ordnung der Lehrerbildung. Die Bolksschullehrer mür den jetzt auf pädagogischen Akademien mit Hochschulcharatter por mung nach Geschlechtern habe den lebhaften Widerspruch der Lehrerschaft und aller am Fortschritt der Schulpolitik interessierten Kreise hervorgerufen. Zur Begründung führt er an, daß er sich nicht mehr hinter die Bolitik der Kommunistischen Partei stellen könne. Jene Politik mürde nicht getragen von dem Willen der Mitgliedschaft, sondern diftiert von einigen schmiegsamen Strebern, die die Befehle der Sentrale bedingungslos ausführen und jede Korruption deden. Damit könne er nichts mehr gemein haben. Der starte Rüd- gebildet. Die Konfeffionalisierung der Akademien und ihre Tren gang der kommunistischen Partei ohne die Massen ausschlüsse sei der Klarste Bemeis für die flache politische Plattform, Don ber die Maffen immerhin abrüden. Die Erfahrungen be währter Führer würden in den Wind geschlagen; zu, bestimmen hätten nur die Schachfiguren Mostaus. Jeber ehrlich benfende Arbeiter sollte sich von dieser Bolitit foslösen und der einzigen Bartei anschließen, die für die Arheiterschaft in Betracht fommt: der Sozialdemokratie! Arheiterschaft in Betracht fommt: der Sozialdemokratie! 4 So hat die tommunistische Berlogenheit mieher einen ange Jehenen Funktionär aus der versumpften Bartei hinausgetrieben. Gewissermaßen, um die äußere Rechtfertigung für diesen Schritt der Reinigung zu geben, muß das fommunistische Mittagsblatt ben Don uns schon gekennzeichneten Schwindel über einen Geheimvertrag zwischen der SPD. und dem Ulstein- Konzern" wiederholen und ihn noch vertiefen durch die Behauptung, der Borwärts" Derliere dauernd an Lesern und deshalb müßten sich die sozialdemo fratischen Führer in die bürgerliche Preffe flüchten. Der 3wed Bresse dieses Geredes ist sehr durchsichtig, aber gerade deshalb wird auch der Schwindel um so leichter erkannt. Tatsächlich befindet sich der „ Borwärts" in einem stetigen Aufstieg, der nicht einmal durch die riesige Arbeitslosigkeit unterbrochen ist. Im Gegensatz zu der kommunistischen Parolefabrikation beruht die Stärke der Sozial demokratie und ihrer Presse in der ruhigen und fachlichen Arbeit, die schrittmeise, aber unaufhaltsam aufwärts führt! In der ehemaligen Bierstadt Milwaukee, der deutschesten Stadt non USA, hat sich bei einer Boltsabstimmung eine Mehrheit gegen das Alkoholverbot ergeben, an bem fie jedoch nichts ändern fann, Früher habe eine dünne Schicht auf der Univerfi. tät gebildeter Menschen das Niveau der Boltsbildung bestimmt. Heute seien die Ansprüche der Maffe zu gebührenber Gelmg gelangt, und es sei notwendig, durch gründliche Vorbildung der Bolfsschullehrer dem dringenden Bedürfnis der breiten Bolts maffen gerecht zu werden. Diesem Ziel habe sich die Lehrerbildungs reform untergeorbnet. Sie habe ihre Gelege aus dem Bedürfnis der Bolksschule zu entnehmen. Ueber die Form der Behrerbildung bitte er nicht zu streiten. Der Lehrer dürfe nicht nur 8ach gelehrter sein, sondern er müsse als Erzieher der Jugend fomaht, mie als Führer der Erwachsenen, meit über feine eigentlichen Berufsaufgaben hinausgehend, Pflichten erfüllen. 2017 slehrer und Bolfsbildung gehörten zusammen. Alle Bolts. schularbeit sei nur dann beständig, wenn sie voltsnahe bleibe, auf das Bolt und seine Bedürfnisse Rücksicht nehme. Wer wolle behaupten, daß die Universitäten diese Aufgabe erfüllen? Sie fpe zialisierten sich auf reine Berufsarbeit und vernachlässigten die allgemeine menschliche Bildung. Der Lehrer wäre verloren, wenn er statt zum Menschenbildner zum reinen Fachlehrer erzogen würde. Wir hätten genug gelitten unter der Verwissenschaftlichung der Kultur. Wir wollten zurüd zu einer richtig verstandenen Humanität. Bon ihr müsse der Lehrer der Zukunft erfüllt sein, wenn er die Not des Arbeiters, menn er die Seele des Großstadt und dds Industrietindes, wenn er die Sorge des Landes in lebendigem Herzen tragen solle. Diese Boltsbildung sei die geistige Untermauerung des neuen Staates, und fo merde der Bolfserzieher der Baumeister auch unserer staatlichen Zukunft der deutschen Republik, werden. Starter Beifall zeigte dem Redner, daß die Lehrerschaft im gan Die gefährdete Sittlichkeit. Die Schnüffler blamieren sich- und Deutschland. Neustadt( D.-S.), 3. April Bor einigen Tagen maren ber jozialdemokratische Barteisekretär Bajchte und einige 3eitungshändler zum hiesigen Polizei. infpeftor geladen worden, weil eine Eingabe von dem Jugendamt und dem Magistrat Stellungnahme gegen die„ Gefährdung ber Jugend in fittlicher Beziehung" durch Aushänge forderte! Diese Eingabe stammte pon dem Lehrerfollegium und dem Elternbeirat des Ratholischen Gymnasiums, die sich so als Sittligteits ihnüffler herausstellten. Es handelte sich hauptsächlich um den Wahren Jacob", der am Rolfsgarten an der bortigen Blatattafel zum Aushang gelangt, ferner um Bolt und Zeit fomie die Juftrierte Reichsbannerzeitung". Unserem Genossen wurde anheim geftellt", Bilder, die die Jugend sittlich gefährden fönnten, in 3u funft nicht zum Aushang zu bringen, um den Wünschen der katholischen Gymnasiallehrer Rechnung zu tragen! Hierzu er flärte der Bertreter unserer Bariei, daß die betreffenden Zeitungen bisher an feinem Orte beanstandet jeien, demnach liege auch in Neustadt keine Veranlassung vor, einigen Sittlichkeitsaposteln und Moralpredigern Rechnung zu tragen. Gerade die Jugend vom Katholischen Gymnasium in Neustadt hätte den Beweis erbracht, daß fie politisch gefährdet sei. Beim Berlassen des Gymnasiums spazierten seine Schüler mit den Abzeichen des Stahlhelm stolz in Neustadt herum und risen alle Aushänge am Bolfsgarien herunter. Erst auf eine Beschwerde beim Leiter ber Schule sei eine Besserung zu verzeichnen. Für das Lehrerfollegium und den Elternbeirat bestände zunächst die Verpflichtung, die Jugend moralisch zu bilden und im republitanischen Sinne zu erziehen. Verhandlungen über den Etat. Beitgehende Beränderungen. Die bereits vor Ostern zwischen den Finanzjachverstän digen des Zentrums, der Bayerischen Volkss partet, der Deutschen Boltspartei und den Sp= zialdemokraten geführten Berhandlungen über die Er. ledigung des Etats des Reiches und der Dedungsvorlagen find am Dienstag und Mittwoch fortgesetzt worden. Die Demokraten sind an diesen Berhandlungen bisher nicht beteiligt gewesen, weil ihre Finanzfachverständigen verhin dert waren. Im Berlauf der Besprechungen wurde die Frage erörtert, ob und in welchem Umfang Ersparniffe im Reichsetat möglich sind und wie der etwa noch verbleibende Fehlbetrag gedeckt werden soll. Die Berhandlungen sind bisher noch nicht abgeschlossen, so daß die in der Presse erschienenen zahlenmäßigen Mitteilungen als verfrüht anzusehen sind. Auch steht bis jetzt noch nicht fest, welche neuen Steuern in Betracht tommen. Es ist jedoch sehr wahrschein lich, daß der Etat ohne Erhöhung der Biersteuer durch namhafte Ersparnisse balanciert werden kann. Die Reichsregierung wird sich nach Abschluß der Verhandlungen entscheiden, ob die Vorschläge für sie annehmbar sind. Gleichzeitig wird die Frage erörtert werden, ob die Parteien gewillt sind, nunmehr eine feste Regierungstoalition unter Bindung der Fraktionen herzustellen. Die Frattionen werden voraussichtlich vor der Beratung des Haushaltsausschusses, die am 10. April beginnen soll, zusammentreten und sich entscheiden, ob sie die weitgehenden Beränderungen an dem Programm der Reichsregierung billigen oder nicht. Litwinow fährt wieder nach Genf. Zur neuen Abrüftungstagung. Riga, 3. April.( Eigenbericht.) An den kommenden Abrüftungsverhandlungen in Genf wird auch der ruffische Bolfskommiffar Citwinow teilnehmen. Er wird in Begleitung von Boris Stein am 8. April Moskau verlassen. 88 88 88 FINANZ AMT DO DO MIEDER MIT DER JUDEN REPUBLIK Dort steht dein Feind! Druff aufs Finanzamt!" Holstein. MIT O NIEDE JUDE REPUB „ Eine Schande für den Staat, daß so ruhige Männer auf die Anflagebank tommen!" Neuer radikaler Vorstoß der JLP. Nicht der Parteiführer, sondern die Fraktion soll die Minister ernennen. Condon, 3. April( Eigenbericht.) Der Parteitag der Unabhängigen Arbeiterpartei erörterte furz vor dem Abschluß seiner Berhandlungen noch die angesichts der bevorstehenden Neuwahlen überaus affuelle Frage der Minister wahlen für eine zufünftige Arbeiter. regierung. Dem Parteitag lag eine von einer Anzahl schottischer Ortsgruppen eingebrachte Entschließung vor, die sich unter Hinwels auf die Möglichkeit einer baldigen Arbeiterregierung gegen die fra. auf die Möglichkeit einer baldigen Arbeiterregierung gegen die tra ditionelle Wahl der Kabinettsminister durch den Ministerpräsidenten wandte und die Forderung aufstellte, daß der zukünftige sozialistische Ministerpräsident und die Minifter feines Kabinetts durch die jozialistische parlamentsfrattion felbst gewählt werden follen. Außer dieser Resolution lagen noch verschiedene teilWie das Organ der Troglisten in Berlin erfährt, foll Raweise weitergehende Entschließungen vor, die jedoch sämtlich tomiti, der frühere Präsident der ukrainischen Sowjetrepublit nom Barteltag noch vor dem Einfriff in die Debatte verworfen und spätere Sowjetbotschafter in Paris mie Trogfi ins Ausland berbannt werden, ebenso der 3arenmôrber Bjeloborodom. Ferner teilt das Blatt mit, daß Radet und andere in Tobolit in Sibirien wieder verhaftet und weiteren Repressalien ausgesetzt worden sind. Rakowski wird ausgewiesen. Der nächste auf der Liste. Amerifa und Sowjetrußland. Ein russischer Entschädigungsanspruch vom Oberften Schiedsgericht in Washington abgelehnt. New Hort, 3. April. Bie Associated Breß aus Washington meldet, hat das Oberfte Schiedsgericht das Gesuch der russischen Handelsflotte auf Gemährung einer Entschädigung von 1,5 millionen Dollar für die von der amerikanischen Schiffsbehörde auf Grund des Gesezes vom Jahre 1917 für Kriegszwede requirierten Schiffe abgelehnt. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß amerikanischen Bürgern von Sowjetgerichten tein Rechtsschutz gewährt werde und infolgedessen die Bürger der Sowjetunion auch feine Forderungen por amerikanischen Gerichten geltend machen fönnten. Das Gericht müsse die Tatsache berücksichtigen, daß die amerikanische Regierung der Sowjetunion die Anerkennung verweigert habe. Die Kownver Verhaftungen. Wegen Verkehr mit Emigranten. Kowno, 3. April. Die Polizeibehörde brachte in Erfahrung, daß gestern ein Emissär der politischen Emigranten, deren Führer Pleschfaltis ist, nach Somno gefommen war. Er hafte Briefe für eine Anzahl fozialdemokratischer Persönlichkeiten bel fich; ferner brachte er ein großes Batet mit Jummern der Emigranten- Zeitung-Byrmin. Die Beauftragten der Polizei überraschten den Emiffär bei einem befannten Sozialdemokraten. Infolge dieses Borfalles wur den mehrere Berhaffungen vorgenommen. Unter den Berhafteten sind die sozialdemokratischen Führer Sairies und Bellinis, die nach ihrer Bernehmung als bald entlaffen werden sollen. Berfolgung der Rebellen. Luftbomben auf die Flüchtigen. Merito Cifn. 3. April.( Eigenbericht.) Die Bundestruppen haben jehl, nach einer smeitägigen blufigen Schlacht, Jiminez feft in ihrer Hand. Die Straßen des brennenden Ortes find mit Toten und Berwundeten belät. Die demoralisierten Aufständischen befinden fich in voller Flucht nach Norden. Die Flucht in Eisenbahnzügen iff wegen der zerstörten Bahnbrüden unmöglich. Die Flüchtigen Rebellen werden von Flugzeugen verfolgt und bombardiert Ariegsminifter Calles bezeichnete den Sieg als wichtigsten Erfolg der Regierung in dem gegenwärtigen Stampf. Er hofft, daß die Flucht der Aufftändischen durch Abschneiden der einzigen Rüdzugs ffraßen nach Parral und Chihuahua aufgehalten wird. Die deutsche Handelskammer in der Schweiz wählte auf ihrer diesjährigen Generalversammlung ben deutschen Gesandten in Bern, Genoffen Dr. Abolf Müller, einstimmig zu ihrem Ehren präsidenten. Die ehrenpolle Wahl erfolgte für die unermüd fiche und erfolgreiche Förderung der deutsch- schweizerischen Birt fchaftsbeziehungen durch Müller. Die Ausstellung Bulgariens Blutftcom" im Sturm", Kur fürstendanum, ist der Regierung des weißen Schredens unangenehm, und fie mird wahrscheinlich im Reichsaußenministerium bagegen protestieren. wurden. In der Debatte mandte sich der Abg. Shin well auch gegen die ursprünglich von den schottischen Ortsgruppen eingebrachte Re folution. Er bezeichnete die gegenwärtige britische Methode, die dem zum Ministerpräsidenten bestimmten Sozialisten völlige Freiheit bei der Auswahl seines Kabinetts gäbe, als unbe= friedigend, hielt jedoch die Wahl non Ministern durch Ab ftimmung im Schoße der Fraktion für noch unmöglicher. Der Mann, der zum Ministerpräsidenten bestimmt sei, befize als Führer der parlamentarischen Frattion das Bertrauen der Partei, menn er auch naturgemäß nicht das Bertrauen sämtlicher einzelnen Mitglieder haben werde. Shinmell sprach abschließend die Hoff nung aus, daß der Unabhängige Parteitag zunächst das bisher un bestrittene Recht des britischen Ministerpräsidenten, fein Rabinett felbft zu wählen, nicht befränten merde, ehe die britische Heute Sachverständigenbesprechung. Parifer Stimmungsmache. Baris, 3. April.( Eigenbericht.) Die für Donnerstag angefeßte Sigung der Sachverständi gentonferenz ist wegen der Trauerfeierlichkeiten für den amerikanischen Botschafter Herrid auf den Nachmittag vershoben worden. Inzwischen wird von einem Teil der Pariser Bresse die tommende Sigung bereits für entscheidend erklärt. Außerdem hat ein neuer Feldzug gegen die deutsche Delegation eingefaßt, da sie angeblich die Gedulb der Alliierten durch ihre Berschleppungstaktit auf eine ungebührliche Probe ftelle. Die allierten Delegierten hätten, so heißt es, ohnehin nicht mit einer derartig langen Konferenzdauer gerechnet, und nachdem nun alle Einzelheiten der technischen Regelung der Reparationen bis ins eineine ausgearbeitet seien, müfie die Konferenz nach achiwöchiger Dauer nunmehr zu endgültigen Ergebniffen gelangen. Der Ercelsior" wirft Dr. Schacht vor, daß er die Konfe rensarbeiten verschleppen molle bis in die Beriode ber englischen Wahlen hinein. Er fege nämlich auf einen Sieg Macdonalds und hoffe gleichzeitig, Frankreich gefügiger zu finden, wenn der Berfall tag für die Zahlmg der 400 Millionen Dollar für die Handelsschuld an Amerifa näher gerüdt sei. Die Ungebulb der Bariser Bresse wird von den allierten Delegierten nicht geteilt. Hantau beschoffen. Ranking Truppen rüden vor. Beting, 3. April. Chinesische Kanonenboote bombardierten in der Nacht zum Mittwoch die Stadt Hantau. Die Beichleßung dauerte efma eine halbe Stunde, fügte der Stadt jedoch feinen erheb. ligen Schaden zu Nauting- 3ruppen befehten am Dienstag nach heftigem Nahkampf eine Borstadt Hautaus Der Kommandeur der Hanfau- Truppen ist in einem Flugzeug aus der Stadt geflohen. Man nimmt an, daß er in die SchantungBroving gegangen ist. Der Bürgermeister von Hantan hat eine Bürgerwehr gebildet, um die Stadt vor plünderungen zu bemahren. Die politische Cage in& anfon bleibt weiter untlar. Dienstag verfuchten tommunistische(?) Banden, die Staatsbant zu stürmen und die Wache zu entwaffnen. Diese leiftete jedoch widerstand und erschoß über 26 Kommunisten. Kanton bleibt neutral. Paris, 3. April. Nach einer Meldung der Agentur Indopacifique" aus Hong. tong hat die Regierung von Stanton sich in dem Streit zwischen Ranking und Wuhan( Hankau) für neutral ertlärt. Eine entsozialistische Bewegung im Laufe einer mehrjährigen Ausübung der Regierungsmacht Gelegenheit gehabt habe, die demokratische Maschine experimentell fennen zu lernen. Der Parteivorsitzende Marton wandte sich gegen Shinmell, der den Bersuch gemacht habe, eine überaus vernünftige Resolution lächerlich zu machen. Gegenwärtig stünden die Dinge in Großbritannien so, daß der König im gegebenen Falle den Führer der Opposition beauftrage, ein Kabinett zu bilden. Das laufe darauf hinaus, daß in Wirklichkeit der König das Arbeiterkabinett wähle. Dies sei für eine revolutionäre Bewegung als einigermaßen lächerlich zu bezeichnen. Marton gab zu, daß die ILP felneswegs eine Verfassungskrife herbeizuführen wünsche, fondern lediglich nach den besten Mitteln und Begen zur Berwirt. lichung des Sozialismus fuche. In Beantwortung einer Zwischenfrage hinwells erflärte Marton, daß Ramsay Macdonald anläßlich der Regierungs. bildung im Jahre 1924 die Frattion nicht befragt habe. Er, Marton wünsche eine verantwortliche Befragung der Fraktion und die vernünftige Kontrolle eines zufünftigen spa 3ialistischen Ministerpräsidenten. Es sei abſolut nötig, daß die Macht legten Endes nicht in den anden eines Mannes, sondern der Bewegung selbst liege. Die von den fchottischen Ortsgrupen eingebrachte Resolution wurde hierauf an= genommen. Es ist unzweifelhaft, daß sich der Barteitag der Unabhängigen auch mit dieser für tontinentale Begriffe feineswegs weitgehenden Resolution in Gegensas zu der Mehrheit der Baria. mentsmitglieder gestellt hat. sprechende Broklamation wurde dem Hauptquartier von Ranting, Der Nationalversammlung, fämtlichen militärischen und zivilen Dr. ganisationen, somie der Bresse übermittelt. Die gleiche Agentur meldet aus Peting, daß General Ischiangtaischet 4000 Mann zu Tschangtfuntschang a bo tommandiert habe. Die Haltung Fengjubfiangs bleibe meifelhaft. Sein Vormarsch auf Liman( im weftlichen Teil der Proving Anmhei) werde allgemein als Drohung gegen Ranting angesehen. Tschiangtaischef meldet einen Gieg. Schanghai, 3. April. Wie das Hauptquartier Ischiangfaischets in Riufiang bekannt gibt, haben die Nationalisten gestern nach der Schlacht bei mangtfchau 5000 Hantau- Soldaten gefangen genommen, 4000 Gemehre und 21 Kanonen erbeutet. Französische Heerestieferanten. Für Goldaten genügt minderwertiges Fleisch. Paris, 3. April.( Eigenbericht.) Weber bie Art, in der bisher gelegentlich französische Truppen Derpflegt wurden, gibt ein vom Intransigeant veröffent lichter Briefwechsel zwischen einer Gefrierfleischfirma und ihrer Filiale interessanten Aufschluß. Die Filiale gibt darin bie mei fung, möglichst minderwertiges Fleisch oder Fleisch, bessen Zustand zu Bedenten Anlaß gäbe, an die Truppen ab= zuje zen. Einmal ergeht die Anordnung, minderwertiges Fleisch an die Intendantur eines Regiments abzugeben, deren Kontrole fehr oberflächlich sei. Rotgelbe Wechselbälge. Geffern Bolschewift, heute Faschist. Sofia, 3. April.( Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit den Sobranjedebatten über den Etat des Innenministeriums sprach der Bauernparteiler und ehemalige Minister Omartschewski den begründeten Verdacht aus, datz der seit drei Jahren vergeblich gesuchte und dieser Tage verhaftete Mladen Stojanom, der die fürzlich aufgedeckte kommunistische Berschwörergruppe organisiert habe, ein Polizeispiel sei. Der sozialistische ,, Narod" fagt dazu, es sei heute nicht mehr verwunderlich, daß viele der gestern noch fanatischen Kommunisten nach dem Umsturze in das Lager der Reaktion hinübergewechselt feien und im Dienste der. Bolizei ständen, die sie als willkommene Agenten und Spigel in die Reihen der Bollchemisten entiende. Diese Elemente stellten die gefährlichsten Anbeter gewalt. tätiger und blutiger Aftionen bar. ,, Vorwärts"- Ausgabestellen und Inseraten- Annahme berg 1536 Sauptégpedition: Berlin Lindenstraße 3, Zaden. 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Qualität Arbitel 49 bes Einführungsgeleges zur Reichsversicherungsordnung hat jeder ta. Qualität Unternehmer eines Betriebes ober von Tätigkeiten, die der Unfallversicherung la Qualität burch bas erwähnte Gefeß neu unterstellt worben find, binnen einer vom Rörner, Berlin, Potsdamerftraße 26b Reichsversicherungsamt zu beftimmenden Frist das Unternehmen bei dem Ber Sausnummer beachten. ficherungsamt, in dessen Bezirk es seinen Gis hat, anzumelden. Dabei sind Gegenstand und Art des Unternehmens sowie bie Bahl ber durchschnittlich in ihm beschäftigten Bersicherungspflichtigen anzugeben. Die Frist für bie Anmelbung ist auf die Zeit bis zum feftgelegt worden. 15. April 1929 einschließlich Binoleum. 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Langkopp hat während und nach der Tat— das muß man ihm zugestehen— die Nerven zusammenbehalten und hat auch bei allen Vernehmungen ein und dieselbe Darstellung seiner Handlungsweise gegeben. Er zeigt eine klare und ossene Verteidigung und behauptet, daß alles, was er getan, nur den Zweck ersüllen sollte, die Beamten zu zwingen, ihn anzuhören. Er hatte die Befürchtung, daß ihn die Beamten die Tür weisen würden, und um das zu verhindern, darum ollein will er den Koffer voll Schwarzpulver mitgenommen haben. Auch bei den wiederholten Kreuzfragen des Staatsanwalts und des Vorsitzenden gibt Langkopp die gleiche Darstellung, die er auch in den Voruntersuchungen gegeben hat. Den Vorfall selbst, das stundenlange Gefongenhalten des Geheimrats Bach, erklärt er folgendermaßen: Nach der ersten Viertelstunde feiner Unterhaltung mit Geheimrot Vach habe er eingesehen, daß er auf gewohntem Wege«zu seinem Recht" nicht kommen würde. Darauf habe er den Entschluß gefaßt, so wie er es mehrmals in Briefen geschildert habe, Schluß zu machen. Er wollte aber vorher noch einmal die Summe vor sich liegen sehen, die er angeblich zu bekommen hatte. Er bestreitet ausdrücklich, daß er die 10000 Mark Dargeld, die Ge- heimrat Bach von der Kasse hatte holen lassen, auch nur angefaßt Hab«. In dem Geld wollte er nur noch einmal sein Hab und Gut vor Augen haben, dann sollte ein völkischer Redakteur kommen: in desien Beisein wollt« er noch einmal feine Leidens- gefchichte erzählen und dann Schluß machen. Er behauptet, daß die Höllenmaschine, so wie er sie zurecht gemacht habe, nie hätte explo- dieren können. Er will gewußt haben, daß man Schwarzpulver nur mit Zündschnur und Sprengkapsel zur Explosion bringen könne. Er bestreitet auch, daß er. als er die Höllenmaschine wegwarf, vorher die Schnur zum Revolver abgezogen hätte. Er behauptet weiter, daß, als er mit dem Revolver in der Hand dem Geheimrat Bach nachlief, er nicht auf ihn schießen wollte. Er erzählt aus seiner afrikanischen Zeit, daß er ein so guter Schütze gewesen sei, daß er vom Pferde fliehend« Zebras mit der Parabellmnpiswle abschoß. Er hätte ihn. wenn er wollte, totsicher getroffen. Als er von den Beamten über- wältigt wurde, hat er drei Schüsse abgegeben. Er behauptet, er wollte sich das Leben nehmen, wolU« versuchen, den Kops hochzu- richten, um sich in den Kopf zu schießen, und als das nicht gelang. versuchte er sich ins Herz zu schießen. Für all« Vorhaltungen des Dorsitzenden, warum er auch ein anderes Sprengpulver einkaufen wollte, weiß Langkopp»ine Erklärung. Angeblich hat er auch das Schwarzpulver von Laos nur gekauft, um Stubben ausroden zu können. Er will auch Loof nie etwas davon gesagt haben, daß er auf dem Reichsentschädigungsamt mit einer Höllenmaschine er? scheinen werde.'--......... Recht durch Schießpulver. Auf dem Gerichtstisch steht in einer Leiirwandhüll« der söge- nannte S p r e n g k o f s e r. Es ist das ein flacher viereckiger Blech- tasten, der in den Tropen zur Aufbewahrung von Akten diente und den Langkopp mit heimgebracht hatte. Langkopp gab nun zu der Vorgeschichte der Tot an:«Noch einmal wollte ich den letzten Versuch machen, das zu erhalten, was ich nach meinem deutschen Rechtsempfinden zu beanspruchen hatte. Vorher hatte ich noch einen bitterernsten Brief an den Reichstagsousfchuß geschickt. Ich bekam darauf keine Antwort, obwohl ich geschrieben hotte, daß, rvenn ich bis Ostern keine Nachricht erhalte, etwas geschehen müsse, denn ich könnte es nicht ertragen, immer nur Brocken zu bekommen und von Haus und Hof vertrieben zu werden. Ich hatte das Gefühl, daß vollkommene Willkür herrschte. Dem einen gab man alles, dem anderen Brocken. Run hatte ich damals mir Brennholz schaffen wollen und wollte zu diesem Zwecke Stubben ausroden. Dazu hatte ich Schießpulver beforat. Ich bekam aber nicht die Erlaubnis zum Ausroden. Nun wollte ich noch einmal zum Reichsentschädigungsamt gehen und fordern, daß mir endlich mein Geld gegeben werde. Das Puloer nahm ich nur mit, damit ich nicht hinausgeworfen werden würde." Vors.: Was hatten Sie denn da für Vorstellungen, als Sie das Pulver mitnahmen? Angekl.: Wenn ich wieder angeschnauzt würde, sollte dieser Koffer verhindern, daß ich hinausgeschmissen werde. Ich wollte endlich mein Recht, damit ich mit dem Gelde nach Afrika gehen und etwas anfangen könnte. Vors.: Vorher hatten Sie doch die Absicht gehabt, stch«inen anderen Sprengstoff zu beschaffen? Angekl.: Ich hatte davon gelesen und wollte es ausprobieren. weil man auch in Afrika mit derartigen Sprengmitteln den Boden auflockert. Es sollten das nur Versuche sein. Ich erfuhr dann aber, daß diese Kapseln einen Sprengstoff enthielten, für den«in Schein notwendig sei. Das erschien mir nicht der Mühe wert. Da habe ich mir durch Loof das Schwarzpulver besorgen lassen, das kann jeder im freien Handel kaufen. Bevor ich nach Berlin reiste, habe ich mir gesagt:„Nun gut, man stellt solch einen Koffer zusammen. Es muß einmal eine Aenderung kommen. Das Reichsentfchädigungs- amt muß sagen, was es will: Entweder oder, du bekommst dein Recht oder gehst vor die Klinge. Ich ertrug das nicht länger und war auch erbittert, daß ich auf meinen ersten Brief vom Reichstagsaus- fchuß keine Antwort bekam. Ich bin so veranlagt, daß, wenn ich etwas ernst schreibe, ich es auch durchführe.— Vors.: Mit dem Koffer fuhren Sie nun von Lauenstein nach Hameln zu Loof, haben Sie Ihm etwas davon gesagt?— A n ge k l.: So etwas sagt man doch nicht. Wir sind zusammen nach Berlin gefahren und in der Pension Stöcker in der Königgrätzer Straße abgestieoen. Den Koffer hatte ich im Schrank eingeschlossen.— Vors.: War der Koffer schon vorbereitet?— Angekl.: Ja, das Puloer und die Schnüre waren drin. Es waren IS Paket« Pulver. Den Revolver mit der präparierten Patrone und einen zweiten Revolver, beide ge« laden, hatte ich auf dem Weg« in der Rocktasche.— Auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb er das alles vorbereite! hatte, wenn es doch nicht ernstlich gemeint war. erwiderte der Angeklagte, daß er doch hätte zeigen müssen, wenn er danach gefragt würde, daß in dem Koffer auch etwas drin fei.— Vors.: Wozu war es denn nötig, die Patrone einzukerben?— Au g e{ 1: Damit die Schnüre festsitzen. Beim Oesfnen des Koffers mußte man doch sehen, daß die Schnüre angebracht waren. Da ich wußte, daß der Präsident im Reichstag war, fragte ich nach einem verantwortlichen Herren und wurde zu Geheimrat Bach geführt. Ich ging in das Zimmer hinein. Als er mich nach einer Anmeldung fragte, präfentierte ich ihm die Rechnung, die ein Endergebnis von 112 000 Mark enthielt und sagte, daß ich heute mein Recht bekommen wollte. Da wurde er etwas unangenehm. Ich bat, doch in Ruhe und Ordnung zu verhandeln, da es gar keinen Zweck hätte, mir mein Recht zu schmälern. Cr ließ sich die Akten kommen und prüfte meine Ansprüche nach. Aber es kamen immerzu Leute ins Zimemr und mir wurde nach einer Viertelstunde klar: Hier stimmr etwas nicht. Die Illusion der 100000 Mark. Vors.: Trugen Sie sich mit der Absicht, Ihrem Leben ein Ende zu machen?— Angekl.: Jawohl, ich wollte die 100000 Mark vor mir liegen sehen und mir noch einmal Haus und Hof vorstellen. Angerührt hätte ich nichts davon. Ich hatte das Geld auch nie ge- nommen. Aber mein Recht wollte ich haben und dann sterben. Alletfnngs wartete ich noch auf einen Herrn Holtz vom„Fridericus", damit ein Zeuge bei meinem Selbstmord dabei wäre, sonst hätte das Reichsentschädigungsamt geschrieben, was es wollte, der Wahr- heit hätte es doch nie die Ehre gegeben.— Vor}.: Aber Geld und Recht waren doch in diesem Falle bei Ihnen identisch.— A n g e k ü: Es hätte mir genügt, meine ganze Existenz noch einmal auf den Tisch aufgebaut zu sehen, dann wäre Schluß gewesen. Geheimrat Bach fragte mich einmal nach dem Koffer. Ich dedentete ihm, daß da etwas ganz Gefährliches drin fei. Als ich den Koffer auf seinen Wunsch öffnete, sagte Geheimrat Bach:„Um Gotteswillen, lassen Sie das mal!" Inzwischen waren 10 000 Mark ans der Kasse ge- kommen und ein Scheck über 90 000 Mark war ausgestellt worden. Eine ausgestellte Quittung über 100 000 Mark habe ich auch noch pro forma unterschrieben. Ich nannte dann Logfz Namen, damit er zur Bant gehen und de» Scheck einlösen könnte. Am Morgen hatte ich noch gedacht, daß ich Geld bekommen würde und daß wir dann abreisen könnten, deshalb hatte ich Loof gesagt, er solle sich bereithalten, aber inzwischen war ja alles ganz ander» gekommen. Nachdem ich die Quittung unterschrieben hatte, gab mir der Geheimrat ein Flugblatt, und während ich es las, rannte er aus dem Zimmer. Ich rannt« durch die andere Tür auf den Korridor, sah, daß Bach ausrutschte, hinfiel und um Hilfe schrie. Den Koffer hatte ich fortgeworfcn. Ich stand bei Bach mit der Pistole in der Hand und bat ihn, in da? Zimmer zurückzugehen, da nichts passieren würde. Ich kann mit Pistolen umgehen, ich war immer ein Meister im Schießen, wenn ich jenem etwas hätte tun wollen, wäre es vorbei gewesen. Ich wollte nur mit mir Schluß machen. Mir lag nichts daran, einen Menschen über den Hausen zu schießen, nur weil ich mich geärgert hatte. Bach ging dann vor mir her, die Situation war für uns beide sehr unangenehm. Mehrere Leute kamen hinter uns her und obgleich ich rief, daß nie- mand mich anrühren dürfte, warfen sie mich von rückwärts nieder. Zch lag auf dem Boden und wußte: Jetzt ist alles aus. Ich versuchte nach meinem herzen zu schießen, aber alle Schüsse gingen vorbei, weil ich die Arme nicht frei hatte. Vors.: Haben Sie die Pistole im Kofser angezogen.— Angekl.: Nein, ich weiß auch nicht, wie das geschehen sein kann. Oer Angeklagte Loof verbreitete sich dann sehr ausführlich über die Stimmung, in der sich Langkopp in den letzten Iahren befunden hatte. Von jedem Gange zum Reichsentschädigungsamt kam Langkopp jedesmal er- bittsrter.zurück und gab die erschütterndsten Schilderungen von der dort herrschenden Ungerechtigkeit. So sagte er kurz vor der Tat: „Die Beamten auf dem Reichsentschädigungsamt bereichern sich auf unsere Kosten in ganz unerhörter Weise." Loof gab dann weiter zu. daß er möglicherweis« die Pistole in dem Koffer 63) Rohulm emet Revolulion. Vom CerUarl HeertHAMH I�losfAt Die Herzogin stand noch immer hochaufgerichtet. Trosegk war tot. Sie begriff es. Aber nur so, als ob dieser ganze Brand da in ihr gewesen wäre, als hätte ihr Haß ihn ent- zündet, als wäre Trosegk, gejagt von diesem Haß, in ihrem Innern hin- und hergetaumelt, verzweifelt, bis er hinab- stürzte in die schwelenden Tiefen ihrer zertrümmerten Leiden- schast.. Aber in ihr war keine Befriedigung, kein Stolz. Auch keine Reue. Haß, Liebe. Ehrgeiz: alles war gestorben, ver- brannt, zerstürzt mit Trosegk. Alles war aus. Alles war leer �.. Als die letzten Waflerstrahlen abließen vom Feuer, sank sie wieder in sich zusammen, wurde wieder klein wie zuvor. Sie begriff, daß dies das Ende war, das Ende eines heißen Lebens. Daß sie nun eine alte Frau war, sonst nichts. Vom Schloßberg her kam Gesang. Zwei zittrige Greisen- stimmen. Nur ihr scharfes Ohr. abgewandt von Feuer und Waffe, hörte es. verstand die Worte, die wüten wollten und nur wimmerten: «Drewnddreißlg Jahre.., nieder mit den Hunden..." Sie verstand alles, instinktlvhaft, aus der Gleichheit des Erlebens heraus. Sie schwieg, lächelte mitleidig. Da war auch eine Rache befriedigt, da waren auch zwei verhunzte Leben erfüllt. Da blieb auch das Nichts. Ein neuer zum Lieben findet sich � vielleicht. Ein neuer zum Hassen— nie. Sie wandte sich um, zu Kügelgen. Sie hatte ihn nie leiden mögen heute war er der einzige Gefährte.„Ich reife morgen nach Dänemark, Kügelgen. Wollen Sie mit?" Der alte Höfling verneigte sich.„Wenn Durchlaucht be- fehlen... aber ich bin wohl zu alt dazu..." „Bleiben Sie lieber hier, Kügelgen. Sie sind noch nicht alt genug dazu... Adleu!" Sie hörte die Greisenstimmen verklingen, wandte sich um und ging langsam. Kügelgen schien es. als ob es eigent- lich ihr Stock war, der ging, und der sie mit sich zog. 23. Tönende Schelle. „Nee, nee, mich niche!" Gustav Kniephacke hob abweh- rend beide Hände gegen Alexander, der ihn in den Wagen zu drängen suchte.„Mich han se jo bestimmt nich jesähn. Ziejelärn oo niche. Där hat nach de Saale zu anjesteckt. Awwer Calm war in'n Howe. Dän han se bemerkt, das is sicher." Er zuckte zusammen: ein heftiger Windstoß warf die Flammen des brennenden Schlosses so hoch an den Himmel, daß sie über den Berg bis in die einsame Gasse zu fassen schienen, in der die schwitzenden Gäule mit dem Wagen hielten.„Man rasch, eh daß die Leite nach Hause komm'n." Mit Gerdas Hilfe schob er Calm auf das Trittbrett. Calm widerstrebte: er sah aus flackernd verzückten Augen in die Röte des Himmels, seine Fäuste öffneten und schlössen sich auf gereckten Armen, als wollten sie hineingreifen, sich baden in der flammenden Flut. Kniephacke trat zu Ziegler, der idiotisch grinsend die Pferde streichelte.„Was Ziejelärn be- trifft, so wär ich sa'n, daß e bei mich jewan is. Mich floowen se schonn. Wenn bloß dich nischt passiert. Junge! Man zu, man zu. daß de rechtzeitig nach Ceethen timmest.. Er drängte den schluckenden Alexander von sich weg in den Wagen neben Calm. Gerda sprang rasch auf den Kutsch- bock.„Sie wollen doch in Leipzig zu'n Musikdirekter Wagner, Freilein Dellendahl? Nähmen Se Calm man mit hin. Wie Wagner das Dresdner Theater anjesteckt han sollte, hat en Calm jeholfen, hat en jerettet. Se wiss'n jo woll. Wagner wird's Calmen verjelten un ihn oo helfen. Er hat's en ver- sprachen dunnemals." Seine breite Hand schlug das eine Pferd derb auf den Schenkel, daß es losjagte.„Atchee, Frei- lein! Atchee, mein Junge! Mach's jut..." Der Wagen glitt lautlos die schneeweiche Straße hinauf. Alexander wandte sich um und sah im rötlichen Licht seinen Pater schwarz und hager über die Brücke gehen, mit lang- samcn Schritten und schlenkernden Händen. Ziegler tapste ihm nach. In der Mitte des Weges blieb Kniephacke stehen. warf die Arme verschränkt über das Geländer und den Kopf darauf, feine Schultern zitterten, Ziegler stand ratlos dabei. „Vater!" rief Alexander— da bog der Wagen um«ine Ecke, eine schwarze Wand schob sich über das Bild der Brücke mit dem schluchzenden Mann. Gerda trieb die Pferd« zu schnellstem Lauf: Alexander mußte mit all seinen Kräften Calm festhalten, der umge- wandt im Wagen stand und noch immer mit den Händen nach dem roten Schein griff, indes sein Mund stöhnend jauchzte:„Nu brennts— nu brennts— nu haww ich je- Halen mein Versprechen..." Als Fuhrwerke ihnen begegneten mit Dörflern besetzt, die das Feuer gesehen hatten und helfen oder zuschauen wollten, ließ Gerda den Wagen langsamer fahren, um keinen Ver- dacht zu erregen. Ihr Haar wehte in einem lauen Wind, der nach schneller Drehung von Westen kam. Ueber das weiße Land schritt grau der Tag und löschte mit priesterlich lang» samen Händen die Sternenkerzen aus. Hinter ihnen winkt« die schwarze Stadt noch immer mit dem roten Wimpel, den ihr der Greis im Wagen als letzten Gruß in die Hand ge- drückt hatte. Calm begann zu frösteln und kauerte sich stumm in die Kissen. Er ahnte, daß er sie nicht wiedersehen würde, diese schwarze, enge, gehaßte, geliebte Stadt. Sie sank lang- sam in den Schnee, ihre Turmspitzen schwankten noch eine Weile auf und ab wie Bosen, dann sanken auch sie, und end» lich wurde auch der rote Wimpel schwer und schwarz von der Nässe des Taumorgens und schwand im Nebel. In Cöthen, vor dem Seminargebäude, das trostlos und traumlos mit trüben Fenstern in den grauen Tag hinein- schlief, hielt Gerda und schrieb rasch etwas auf einen Zettel. „Hampels Adresse", sagte sie leise zu Alexander.„Schreiben Sie mir dorthin." Sie hatte schno die Leine wieder in der Hand. Er trat an den Kutschbock:„Fräulein Gerda.. Sie beugte sich jäh herab, faßte mit der heißen Hand in seinen Nacken und zog seinen Kopf zu sich. Sie küßte ihn schnell ins nasse Haar. Dann raste der Wagen weiter, die Räder wären fast über ihn hinweggegangen, der fisberrot im schmel- zenden Schnee der Straße stand und ihr nachsah. Aber sie wandte sich nicht um. Als sie hinter Gerlebogk die anhaltische Grenze über« fuhren, war es Tag geworden. Eine dunstige, blasse Sonne machte die weiße Straße grau und klebrig. Gerda breitete Decken über den schlafenden Calm, d?ssen Mund unaufhörlich unverständliche Worte murmelte. Mit verschwitzten, über- anstrengten Pferden, im bis zu den Kissen kotbespritzten Wagen, hielten sie gegen 1 Uhr morgens vor dem grauen, langweiligen Hause, in welchem Wagner während seines Leipziger Aufenthaltes wohnte. Gerda weckte den Alten, nahm ihn unter den Arm und führte ihn die Trevpen hinauf. „Melden Sie Gerda Dellendahl," sagte sie dem Mädchen, das «inen lichtlosen Korridor öffnete, nach einem befremdeten Blick auf Calm die Tür wieder schloß und die beiden erst nach einer ganzen Weile ins Empfangszimmer führte. Das war die„Gute Stube" einer Mietwohnung, fahle Zimmer- palmen standen staubig herum, an den Fenstern aufgehängte Glasbilder machten das graue Licht noch trüber. Nach einiger Zeit trat Wagner ein. Er schien eben vom Frühstück zu kommen, sein etwas überheblich nach unten ge- zogener Mund haute noch am letzten Bissen. Sichtlich un- angenehm berührt musterte er den wirrhaarigen Alten in seinem geflickten, schmuddligen Anzug, mit seiner krankhaft zuckenden Stirn. Dann aber trat er mit seinen kurzen, eitlen Schritten auf Gerda zu. Wagner liebte hübsche Frauen. „Fräulein Dellendahl, nicht wahr? Sie hatten mir ge- schrieben?"(Fortsetzung folgt.) 58000 Berlin als Weltstadt Anregung und Kritik Die Glock' hal 8 geschlagen." Berlin- Weltstadt.... die Häuser werben um 8 Uhr geschlossen. Für die bevorstehende Berliner Saison"( oder spricht man es englisch:„ Season" aus?) ist diese solide Abriegelung der Häuslichkeit vor ungebetenen Gästen unzweifelhaft von größter Bedeutung: der Fremde, der Bekannte in Berlin hat, ist der Pflicht des Besuches enthoben und kann sich noch vor dem späten Anbruch die Weltstadtsaison ist ein Kind des Sommers! der Dunkelheit -w in den mit Recht so beliebten Berliner Strudel"' neinstürzen. Also all die Bergnügungsstätten, wo der echte Berliner Weltstadtgeist auf Champagnerflaschen gezogen heimisch ist, dürfen dem frühen Schluß der Häufer ein Loblied fingen. Auch die Hausschlüssel industrie wird sich höherer Dividende erfreuen, da eine mehrtöpfige Familie, wenn jedes Mitglied, wie zu erwarten, einen besonderen Zweig des Season- Bergnügungsbaumes erflettert, naturgemäß biverse Schlüffet gebraucht. So ist für alle Beteiligten bestens gesorgt: Gastfreundschaft in jenem edlen Sinne, daß man ohne bfütterungsabfichten sich abends aufsucht oder abholt, hat noch nie in Berlin Eristenzberechtigung gehabt; man will entweder allein genießen, oder im Genuß sich von einer Schar gleichgesinnter Seelen bewundern lassen. Der Season" und ihren Vätern ermächst da noch eine Erziehungsaufgabe, die hoffentlich mit dem nötigen Nach brud in Angriff genommen wird. Mit der Freigabe der Haustür ift sie nicht allein zu lösen. Eine Menschenfalle. In der Dresdener Straße vor den Häusern 27 bis 30 steht. schon seit mehreren Monaten auf dem Fahrdamm ein Bau zaun der Untergrundbahn. Er schneidet mit dem Bürger steig der Sebastianstraße gegenüber dem Eingang zur Markthalle ab. Die vielen Käufer, die aus der Halle kommend zur SebastianStraße wollen, fönnen froh sein, wenn sie mit heilen Gliedmaßen über den Fahrdamm gelangen. Während früher der Wagenverkehr non der Prinzenstraße durch die Lucauer und. Sebastianstraße zur Dresdener Straße umgeleitet wurde, iſt feit längerer Zeit der Ber: lehr durch die Dresdener Straße freigegeben worden. Da der Ueberblick durch den Bauzaun behindert wird, find Unglücksfälle hier an der Tagesordnung. So wurde in der letzten Woche ein sechs= jähriger Junge aus der Waldemarstraße angefahren, zu Boden ge= jchyleudert und so schwer verletzt, daß er verstarb. Standinhaber, Geschäftsleute und Anwohner haben wiederholt über den Zustand Beschwerde geführt. Es ist zu hossen, daß jetzt, nachdem ein Todes. fall eingetreten ist, die Behörden eingreifen und dem unhaltbaren Zustande ein Ende machen. Die Reklame- Schrvälzerin! der Die Stadtreifende" ist eine Errungenschaft der Neuzeit vem Wagen herab oder vom fliegenden Stand seine Bare mit unaufhörlich sprudelndem Wortschwall anpreisende Händler ist da gegen bisher wohl das ausschließliche Gebiet des Mannes geblieben. Eine Zwischenstufe zwischen Stadtreifende und Straßenausrufer ist die eflamered nerin", die fich namentlich in jenen großen Geschäften zeigt, die den Eintritt nicht unbedingt an die Befriedigung eines Kaufgelüftes fnüpfen. In die verhältnismäßige Ruhe, die m ben weiten Räumen herrscht, tommt plöglich ein lebhaftes Geräusch man hört ein Kreuzfeuer von Anpreisungen und Ausmalungen " durch die Schnüre abgezogen habe, als der Tumult auf dem Sorridor entstand und er allein im Zimmer zurüdgeblieben war. Echnüren gezogen haben, denn er habe etwas wie einen Knall im offer gehört. Bei der polizeilichen Bernehmung in Hameln habe er das nicht angegeben, weil er da in unglaublicher Weise behandelt worden sei. Später habe er es Rechtsanwalt Gollnid mitgeteilt, und dieser habe ihm geraten, damit erst in der Hauptvet handlung hervorzutreten. Die Hamelner Polizei habe ihm die unglaublichsten Dinge vorgehalten, u. a. daß er mit Langtopp Mädchenhandel ge= trieben habe. Auf eine Frage der Verteidigung gab Loof noch an, haß man ihm im Berliner Polizeipräsidium gefagt habe, Hameln Da müffe er wohl, was ihm erst nachher flar geworden sei, an den fei ein großes Klatschnest. Darauf wurde als Sachverständiger Medizinalrat Dr. Dyrenfurth über die Persönlichkeit und den Geisteszustand bes Angeflagten Langkopp vernommen. Der Sachverständige führte folgendes aus: Langtopp hatte schon von früh an einen eigen finnigen Kopf. Seine Stiefmutter hat ihn nie sehr liebevoll behandelt. Später hatte er viel mit feinen Chefs Zusammenstöße, meil er immer feine eigene Idee durchfeßen wollte. Insbesondere hat sich bei ihm der Gedante festgesetzt: Du bist etwas, du haft ge= zeigt, daß du etwas fannst. Im Burentrieg fam er zum erstenmal auf den Gedanken, daß das Großfapital alle fleinen Eristenzen pergewaltige. Es schneide ihnen allen sozusagen den Lebensfaden Langtopp weist gewiffe feelische Eigentümlichkeiten auf, die man als minderwertig bezeichnen fann. Dazu gehört ein gehobenes Selbstgefühl und die Neigung, gewiffe Mächte zu überschähen. Bet solchen Menschen mit überwertigen Ideen fallen alle anderen Erwägungen, die ausgeglichene Menschen anstellen, vollkommen unter den Tisch. Eine franthafte Störung der Geistestätigkeit ist nicht festzustellen, sondern nur eine gewisse Labilitätsverstimmung. Durch die lleberwertigkeit wurden jene Affekte genährt, die zu der Tat führen. Im übrigen sterkt bei Langkopp unter der harten Schafe eine weiche Natur voll Empfindlichkeit; er forgt sehr für seine Faxilie. Auf keinen Fall ist er etwa ein Heroftratos, der ein Berbrechen begeht, um seinen Namen der Nachwelt zu überliefern. Nach diesem Gutachten wurde die Sigung beendet und auf heute früh 10 Uhr vertagt. Das Finanzamt Oberspree wird am 8. April von Aleganderstr. 46-48 nad Baumschulentweg, Rintartstr. 13, verlegt. Wir verweisen auf das nferat in der heutigen Ausgabe. Rowio? idealer Zukunftszustände: ein neues Präparat wird mit voller Lungenkraft von der sonst zarten, Berkäuferin angepriesen, womöglich auch in seiner Anwendung vorgeführt, wenn es fich z. B. um Partettfußboden- Reinigungsmittel" handelt. Das Sonderbarste ist, daß diese Anpreisung meist nicht von dem Geschäft selbst ausgeht, sondern von der Spezialfirma, die den Vertrieb hat. Und da fann der Mund so voll als möglich genommen werden der Siz der Firma ist irgendwo am anderen Ende Deutschlands und sie hört dort nicht die Entrüstungsrufe des Publikums, das den lockenden Borten erlegen, und nachher mit der Wirkung nicht ganz zufrieden gewesen ist. Eines fann aber der seines Weges ruhig Gehende verlangen, daß das Deutsch der Reflamerednerin einwandfrei ge halten ist mit Schwägereien, die dem Berliner Dialekt ein leber wiegen gestatten, wird der Ware fein gutes 3eugnis ausgestellt. Wie der früher nicht gerade glänzende Ruf der Berliner Verkäuferin sich durch Schulung zum viel beneideten Ruhm ,, unerreicht dazustehen" gewandelt hat, so dürfte auch der Reklamerednerin ein Lehrgang zu empfehlen fein. Es gibt Lehren der„ Sprechtechnik“, die zu fennen gerade dieser neue Beruf nötig hätte. Es sollte alles vermieden werden, um die Rellamerednerin nicht zur Reflameschwägerin werden zu laffen. Unsere Ferienfonderzüge. Bor furzer Zeit erschien die Bekanntmachung der Reichsbahn über die für 1929 vorgesehenen Feriensonderzüge. Tausende von Erwerbstätigen müssen wieder mit bitteren Gefühlen sehen, daß eine Benugung der billigeren Fahrgelegenheit für fie nicht in Frage tommt. Die lobenswerte Einrichtung der Ferienzüge ver fehlt leider ihren Zweck für viele Erholungsbedürftige! Weiß die Reichsbahndirektion nicht, daß die Urlauszeit im Berufsleben bereits mitte mai beginnt? Warum läßt die Reichsbahn nicht wenig. stens ab 1. Juni Ferienzüge verkehren? Die Züge werden sicher voll ausgenugt, und die Reichsbahn wird ja sicher soviel Erfahrung gesammelt haben, um zu wissen, noch welchen Gegenden des Reichs die Züge zu leiten wären. Es ist doch eine ausgesprochene Härte, einem Urlausreifenden im Juni 33% Proz. mehr abzufordern für die Fahrt als dem Reisenden, der das Glück hat, die gleiche Reise im Juli vornehmen zu können. Die langsamste Straßenbahn. Im Brennpunkt des Großstadtverkehrs mit feinem sich un entwegt steigernden Rhythmus führt die Linie 7 der Straßenbahn ein still- verträumtes Dasein. Langsam und bedächtig geht sie ihren Weg oder, besser gesagt: fie holpert die Gleise entlang. Bon cinem normalen Fahrtempo tann man hier wirklich nicht sprechen, denn ihre Fahrt ist ein einziges Anbremsen zur nächstgelegenen Haltestelle, und Haltestellen gibt es auf ihrem Wege genug. Wenn sie sich dann nach einer gründlichen Ruhepause wieder in Trab setzt, geht es ihr wie einem alten Tattergreis, dessen Mangel an Ges lentschmiere es nicht so leicht ermöglicht, sich wieder in Schwung zu sehen. Dies Berkehrsmittel bildet also beinahe ein Verkehrs. hindernis, da ja sämtliche auf demselben Schienenstrang verfehrenden Linien sich diesem Schnecentempo anpassen müssen, wodurch, besonders in den belebten Straßen, der Verkehr oft empfind lich gehemmt wird. Die Anfrage eines Fahrgastes nach dem Grund dieses Sekundärbahnbetriebes beantwortete der Schaffner mit den treuberzigen Worten: Wenn wir schneller fahren, dann tamen wir ja zu früh an, und der ganze Fahrplan müßte umgestoßen werden." Das wäre allerdings fürchterlich! Man denke, die Fahrzeit ver ringerte sich auf diese Weise pro Wagen um mehrere Minuten, und die so gewonnene Zeitersparnis machte es am Ende notwendig, die Wagenziffer zu erhöhen. Einfach nicht auszudenken! Ungefährliches Leuchtgas. Wissenschaftliche Versuche bei den Städtischen Gaswerken. Bei den Berliner Städtischen Gaswerten sind, wie jetzt erst bekannt wird, seit Jahresfrist interessante chemische Bersuche im Gange, die den Zweck verfolgen, das Leuchtgas nach Möglichkeit zu entgiften und auf diese Weise die zahlreichen Unfälle unmöglich zu machen, die durch unvorsichtigkeit usw. fich ereignen. Die Schwierigkeit dieser Versuche, die in dem Gaswert Beißensee vorgenommen werden, liegen vor allem darin, daß der Brennwert und die Qualität des Gases durch die zur Entgiftung hinzugefügten. Chemitalien nicht geringer oder die chemische Beschaffenheit in nicht zu hohem Maße verändert wird. Wie wir hören, werden die Entgiftungsversuche nach zwei ver schiedenen Verfahren ausprobiert, über die technischen und chemischen Einzelheiten wird aber noch strenges Stillschweigen gewahrt, weil die Entgiftungsmethoden, sofern sie sich in der Praris bemähren sollten, patentiert werden follen. Eines dieser Verfahren wird von den Städtischen Gasmerten selbst ausprobiert, mährend man bei der anderen Methode dem betreffenden Erfinder freie hand läßt und nur die Laboratorien und Anlagen des Gaswerts für die Erperimente zur Verfügung gestellt hat. Ein erfolgreicher Spaziergang. Herr Lorsch cus Düsseldorf" verhaftet. Wir berichteten vor einigen Tagen über den Diebstahl in einem Konfitürengeschäft in der Flensburger Straße. Von einem angeblichen Reflektanten wurden der Inhaberin aus der Ladenkasse 1000 Mart gestohlen, während sie in der Küche war, um einen von dem Dieb angelegten fleinen Brand zu löschen. Kriminalpolizei vorgeführt. Wie zu erwarten ftand, war der Stana Lörsch" fingiert. Es ist in Wirklichkeit ein 33 Jahre alter aus Elberfeld gebürtiger Kaufmann mit dem bezeichnenden Namen Dalles, der Anfang März nach Berlin tam und zuletzt in der Kleinbeerenstraße wohnte. Von den erbeuteten 1000 Mart hatte er nur noch 360 Mark bei sich, den Rest hatte er in den Feiertagen ver. praßt und außerdem seiner Braut, die völlig ahnungslos war, ein goldenes Armband als Osterei verehrt. Dalles, der den Diebstahl zugeben mußte, wurde dem Unterfuchungsrichter vorgeführt. Ein unerfreulicher Gemeindevorsteher. Er stahl und setzte das Rathaus in Brand. Im Dezember 1928 murden im Rathaus zu Westeregeln ( Provinz Sachsen) verschiedene Diebstähle von amtlichen Geldern verübt, bei denen zum Teil große Summen entwendet wurden. Trotzdem der zur Untersuchung der Straftat entsandte Landesfriminalpolizeibeamte nach der ganzen Sachlage überzeugt war, daß der Täter nur unter den Angestellten selbst zu suchen sei, da die Ausführung der Taten genaue Kenntnis aller Berhältnisse und der Einrichtung des Geldschranfes voraussetzten, mar es nicht möglich, schlüssige Beweise für die Täterschaft einer bestimmten Person zu finden. Als nun vor wenigen Tagen im Rathaus zu Westeregeln am gleichen Tage drei Brände in verschiedenen Stockwerten des Gebäudes ausbrachen, wurde die Vermutung wach, es föruite zwischen diesen Bränden und den früheren Diebstählen ein Sufammenhang bestehen. Die zur Aufklärung auch der Brandurache entfandten Bandeskriminalpolizeibeamten haben im Berlauf ihrer Ermittlungen nun soviel Material zusammengetragen, daß van Gericht Halberstadt auf Antrag der dortigen Staatsanwaltschaft gegen den sowohl der Diebstähle als auch der Brandstiftungen dringend verdächtigen Amts- und Gemeindevorsteher Körige aftbefehl erlaffen ist. Dieser Haftbefehl ist am 1. April poll ft red& worden. Rörige hat bei seinen polizeilichen Bernehmungen zugegeben, daß er anerfenne, daß schmer belastendes Material gegen ihn vorliege. Troßdem bestritt er die Täterschaft, lehnte aber nähere Erklärungen ab. Körige wurde in Haft behalten. Baugenossenschaft Freie Scholle". Die Generalversammlung der befannten Siedlungs. und Baugenossenschaft Freie Scholle, die fürzlich in Tegel stattfand, zeigte eine erfreuliche Entwicklung der Genossenschaft. Zurzeit sind in der Genossenschaft etwa 400 heimstätten bewohnt. 100 Wohnungen im Stockwerkbau und im„ Lilientalhof" werden in Kürze bezogen. Die Beschaffung weiterer 75 Wohnungen wird noch in diesem Frühjahr durch Reihenhausstil mit Garten in Angriff genommen. Der Treuhänder für die Bauausführungen ist die ,, Geha g". Die Kommunisten hatten schon seit Monaten eine wüste. Agitation gegen unsere Genossen in der Verwaltung der Genossenschaft entfaltet. Ihr bisheriger Bertreter im Aufsichtsrat, der meist in den Sigungen der Berwaltung fehlte, erhob gegen einzelne Beschlüsse der Verwaltung Proteft, um feine revolutionäre Tätigfeit zu beweisen. Er zeigte jedoch ein solches Maß von Unkenntnis der Dinge, daß er den stürmischen Protest der Verwaltungsmitglieder Die Kommunisten stellten bei der in der Versammlung erntete. Aufsichtsratswahl den Bezirksverordneten Thomas auf. der auch die Unterstützung der reaktionären Spießbürger hatte. Unsere Genossen Kurz und Martin rechneten unter stürmischen Burufen rücksichtslos mit dieser Einheitsfront ab. Bon vier neu zu wählenden Kandidaten wurden drei gewählt, die auf frei. gewertschaftlich; genossenschaftlichem Boden stehen. Der vierte Bertreter, ein bürgerlicher Genossenschaftler murde wieder gewählt. Die Kommunisten gingen leer aus. Dieser Erfolg wird die Genossenschaft zu weiterer Aufbauarbeit am Dienste der Allge meinheit ermunfern. GWO Das Kind als Lebensretter. Die Mutter mar lebensüberbrüssig, vielleicht aus nichtiger Ur fache Mietsstreitigkeiten- nervös geworden. Sie beschloß, ihrem Leben ein Ende zu machen und das einzige Rind mitzu nehmen. Als der Ehemann am Abend nach Hause zurüdtehrte, fand er einen Abschiedsbrief seiner Frau vor, fie felbst mit 7 der Heinen Gertrud war verschwunden. Gestern, am Karfreitag, wurde die Bedauernswerte nach einem Lichtbilde ertannt und zu ihrer und des Kindes Sicherheit in Schubhaft genommen, bis der Ehemann beide abholte. Es hat sich herausgestellt, daß die Frau nur durch die Bitten des fleinen Mädchens dazu bewogen wurde, ihren unseligen Entschluß immer wieder aufzugeben. Magiftrat nimmt Wertznwachsftener an. Die neue Bertzumachssteuerprdnung nebst den Maßgaben des preußischen Innenministers ist in der gestrigen Sigung des Ma gistrats unverändert angenommen worden. Es steht nunmehr nur noch die Zustimmung der Stadtverord. netenpersammlung aus, die in der nächsten Woche erfolgen dürfte. Die Steuerordnung gilt dann rüdwirkend vom 1. April ab, so daß alle von dieser Zeit ab erfolgenden Käufe bereits den neuen Steuergesetzen unterliegen. Severing spricht im Reichsbanner. Der Ortsverein Reukölln- Brig bes Reichs. banners Schwarz Rot Gold veranstaltet am Sonnabend, dem 13. April, in der Neuen Welt" jeine Gründungsfeier. Reichsinnenminifter Carl Severing hat die Festansprache über nommen. Für die Demokratische Partei wird Landtagsabgeordneter Otto Huschte und für das Zentrum Reichstagsabgeordneter Dr. Krone sprechen. Der Sprechchor der Proletarischen Feierstunden wird die Sprechchordichtung von Franz Rothenfelder Fahnen der Republit" unter Leitung von Albert Florath und Mitwirkung von Heinrich Bitte aufführen. Uugeklärte Selbstmorde. Die Dame, die den Mann unter dem Namen„ Lorsch" fennen gelernt hatte, war über den Diebstahl so niedergebrochen, daß fie die Feiertage über zu Hause blieb. Erst dem gütlichen Zureden ihres Bruders gelang es gestern, sie zu einem Spaziergang durch die Stadt zu bewegen. Der Entschluß gereichte ihr zum Borteil In der Friedrichstraße fah fie plöglich vor sich einen jüngeren Mann, dessen Menßeres ihr merkwürdig bekannt vorfam. Sie überholte ihn, fchaute ihn von der Seite an und erkannte sofort den biebishen Käufer". Mit Hilfe ihres Bruders, den sie rasch verständigte, wurde der Ertappte einem Schu pobeamten übergeben und der| entdeckt wurde, war 5. bereits tot. In der Wohnung ihres Arbeitgebers im Hause Pariser Straße 20 perübte gestern gegen 19 Uhr die achtzehnjährige Hausangestellte Luise Huschta Selbstmord durch Erschießen. Das Mädchen hatte sich im Badezimmer eingeriegelt und brachte sich einen Schuß in die rechte Schläfe bet, der ihren sofortigen Tod herbeiführte. Das Motiv zur Tat ist noch ungeklärt. Aus gleichfalls noch ungeflärter Ursache erhängte sich gestern nachmittag der 25jährige Arbeiter Erich Hohmann in der Wohnung seiner Eltern in der Mulad straße 8. Als die Tat ? Selbstverständlich in trias TELEFUNKEN- RHREN TELE FUN KEN Heute Internationale Kundgebung Zahnärzte und Ersatzkaffen. Der neue Konflikt. Wir hatten vor einigen Tagen über eine Zahnärzteversammlung berichtet. Aus den Aeußerungen, die dort gefallen sind, wird der Leser ersehen haben, daß leider ein großer Teil der Zahnärzte noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt hat. Es tann deshalb auch nicht munder nehinen, daß es am 1. April zu einem vertraglofen 3ustand zwischen dem Berband der taufmännischen Berufstrantentassen( Erfaßtaffen) und dem Reichsver band der Zahnärzte gekommen ist. Defterliche Jugendweihe. Es war tein schlechter Gedanke des Bezirks Charlottenburg, feine Jugendweihe auf den Ostersonntag zu legen, auf dieses Fest, das man längst als das feiert, was es schon Jahrtausende vor Beginn des Christentums war, als Frühlingsfest. Wenn die Erde auf ersteht aus dem Winterschlaf und in einen neuen Jahresabschnitt eintritt, fo läßt sich gut damit die Weihe der Jugend verbinden, die ja auch beginnt, nunmehr ihr Frühlings- und Jugenddajein bewußt zu leben. In diesem Sinne sprach Genoffe Crispien zu der feftlich gefleideten Schar im Lichtspielhaus Piccadilly in der Bismarchstraße. Er ermahnte sie, sich den Himmel hier unten auf der Erde selbst zu schaffen, reine, gute Menschen zu werden und ist in sich abgeschlossen. In Eintritt frei. 10 Uhr, pünktlich, im Die Berufstrantentaffen hatten bis dahin eine unbeschränkte Zulassung aller Zahnärzte, die dem Reichsverband beitraten, geduldet. Das wäre zu ertragen gemejen, menn nicht nach dem Kriege eine maßlose Propaganda für das Studium der Zahnheilkunde ein Arbeiterbildungsschule Sonntag, den 7. April, gesezt hätte, das in furzer Zeit zu einem ungeheuren Ueber Rathaus, Eingang Königstraße, Kommunalpolitische Vortragsreihe, Gesundangebot der Zahnärzte führte. Die Folge davon war, daßheitspflege der Stadt Berlin, Stadtarzt Dr. Käte Frankenthal. leder Vortrag die Ersatztassen übermäßig belastet wurden, mas um so ersichtlicher Par elm tgliedsbuch legi imiert. war, als die Ortsfranfenfassen, die schon lange auf dem Gebiet der Bahnbehandlung eine Blanwirtschaft eingeführt hatten, ihre Aus der Gemeinschaft für die großen Ziele der Menschheit zu kämpfen. gaben für Zahnbehandlung bei gleicher Leistung in erträglichen Ein reiches fünstlerisches Programm, in allen Zeilen gut gewählt, Grenzen hielten. Die Erfagtassen verlangten deshalb, daß ein 3u umrahmte die Feier. Der Bolfschor Harmonie unter seinem Chorfaffungsausschuß geschaffen werden solle, um das Angebot an Zahn meister Mag Schaarschmidt brachte heitere Lieder und Kampflieder ärzten mit der Nachfrage in Eintlang zu bringen und daß ferner in wundervoller Klangschönheit zu Gehör; ein meisterhaftes Spiel zwanzig Prozent der Zahnärzte- man dachte dabei an die, die durch des Cello- Trios Armin Liebermann, Friz Hoppe, Karl Lenzewiti ihre Bielgeschäftigteit die Kaffen bemußt schädigten abgebaut und Liedervorträge des Opernfängers Werner Roefe waren Dar. würden. Den anderen Streitpunkt bildeten die Füllungen. Es wurde durch Untersuchungen festgestellt, daß die Verwendung von bietungen, die jeder Kritik standhalten. Die Jutta- Klamt- Schule ver. Kupferamalgam für den Patienten schädlich ist. Die Zahnärzte anstaltete mit den Solotänzern Balter 3fizom, Helmuth Gauer, 3pa nahmen aber, entgegen den Bertragsbestimmungen( fiehe Nr. 146 Langentels und Gertrud Rauh die Aufführung eines Bewegungs. der Königsberger Allgemeinen Zeitung") troß einer Erhöhung der hors, bet der Jugendgenoffen der SAJ. mitwirften. Immer mehr Honorare für Gilberamalgamfüllungen ban ben Batlemen bus geigt es fich), bab ber Bemelen gedhor mil feiner befchwingtem me von Patienten zu daß Bewegungschor symbol. zahlungen. Unter diesen Umständen sahen fich die Erfazlaffen ge haften Bildersprache wie geschaffen dazu ist, die Feste der Arbeiter zwungen, zum 1. April den vertraglofen Zustand eintreten zu laffen. fchaft zu beleben. Und weil dem so ist und in Zukunft eine große Die Folge, davon ist, daß, wenn dem Landesverband von jezt ab ernste Kunst aus ihm herausreifen wird, müßte die Sozialistische die monatlichen Einnahmen von den Ersagkassen fehlen werden, bald Arbeiterjugend versuchen, die Bestrebungen nach Vereinheitlichung eine Ebbe in seiner Kasse sein wird und daß die Zahnärzte, die blindfings seinen Anordnungen folgen, in furzer Zeit vor dem Nichts von den verschiedenen Enden her in sich aufzunehmen und zu orga stehen werden. Denn inzwischen haben für Berlin der Berliner nifieren, denn vorläufig fehlt es zum Einstudieren größerer Chöre Raffenzahnärzteverband unter Führung des Genossen Dr. Alerander noch an den passenden Sälen und anderen Mitteln. Druder und für das Reich der Reichsverband der Deutschen Krankenkassenzahnärzte mit den Ersazkassen für ihre Mitglieder Einzelverträge abgeschloffen. Diese Organisationen sind dazu um so mehr befähigt, als sie auch schon lange die Bersorgung der Berliner Dristrantenfassen zur allgemeinen Zufriedenheit durchführten. Um nun einen Uebertritt feiner Mitglieder zu den anderen Zahnärzte verbänden zu verhindern, bedroht der Landesverband diese mit hohen Geldstrafen. Man spricht von dreis und mehr tausend Mark ein Vorgehen, das mit der Koalitionsfreiheit im Sinne der Reichs. verfassung nicht zu vereinbaren ist. Für die nich beteiligten Dristrantenfaffen ist es aber interessant zu erfahren, daß auch die Erfaßtassen, die bis dahin eine unbe fchränkte Bulaffung sowohl der Zahnärzte wie auch der Aerzte als Berbemittel benußten, durch die Berhältniffe gezwungen werden, eine Rationalisierung der ärztlichen Versorgung ihrer Mitglieder ins Auge zu faffen, die von den Ortstrantentassen schon lange durchge dri führt wurden. So schrieb in Nr. 1 der Grlagtasse" nom Januar 1929 Direttor Tarnomifi, Borsigender des BAB, über Berhandlungen mit den Aerzten: Mit größter Entschiedenheit lehnte der Aerzteverband eine von der Kassenseite vorgeschlagene Neuregelung der Zulaffung von Vertragsärzten ab, die den 3med haben sollte, den Kaffen gemeinsam mit den Aerztevereinen einen Einfluß auf die Liste der Vertragsärzte einzuräumen. Der Ablehnungsgrund war die Beschränkung der freien Arztwahl. Die Rassen bestritten ent hieden, daß diese Begründung ftichhaltig fel, fanden sich aber angefichts der Tatsache, daß fie zwanzig Jahre lang auf ihr Mitbestimmungsrecht verzichtet hatten, mit der Ablehnung ab. Als nun der Krieg unvermeidlich erschien, vermittelte eine Gruppe von Aerzten, der ein vertragloser Zustand höchst unerwünscht war. Es fam wieder zu einer Berhandlung mit erfolglofem Ausgang.( Von uns gesperrt. D. Red.) Wir finden hier dasselbe, was wir beim Rampf zwischen Krantentaffen und Aerzten um die Ambulatorien erlebten: die Macht der Idee, gestügt auf die wirtschaftlichen Verhältnisse, trägt den Sieg davon, d. h. der Verband des Genoffen Dr. Alerander Druder und der Reichsverband der Deutschen Krantentafsenzahnärzte werden die Pfeiler fein für einen Neuaufbau der zahnärztlichen Bersorgung bei den Erfazlaffen Führungen im Botanischen Garten Dahlem im Sommer 1929. Eingang Königin- Luife- Straße. I. Führungsreihen. Jede Reihe monatlich einmal von April bis September nach Wahl Montags oder Dienstags, 5% bis 7 1hr( im September von 4½ bis 6 Uhr). 1. Reihe, 15. April, 13. mai, 10. Juni, 12. Auguft, 9. September, Professor Dr. Graebner. 2. Reihe, 16. April, 14. Mai, 11. Juni, 13. August, 10. September, Professor Dr. Burret. II. Einzelführungen. 1. Rafieen und andere Sukkulenten. Donnerstag, 30. Mai und Donnerstag 6. Juni, 5 bis 6% Uhr. Dr. Berdermann. 2. Orchideen Donnerstag, 18. April, 5 bis 6% Uhr. Dr. Mansfeld. 3. Gewächshäuser( tropische und subtropische Begetation). Donnerstag, 25. April, Donnerstag, 16. Mai und Donners. Funkwinkel. der Sozialistischen Arbeiterjugend 19½ Uhr im gr. Saal der ,, Neuen Welt", Hasenheide Fahneneinmarsch- Film- Sprechchor Es sprechen ausländische Genossen tag, 29. Auguft, 5 bis 6% Uhr. Professor Dr. Mildbraed. Eintrittsfarten für eine Führungsreihe find zum Preise von 2 M., für die Einzelführungen zum Preise von 50 Bf.( einschließlich Eintrittsgeld in den Garten) erhältlich bei den Pförtnern des Gartens. Für die Einzelführungen fönnen Karten nur in beschränkter Zahl aus. gegeben werden evil. Wiederholung der Führungen. Kinder unter 14 Jahren werden nicht zugelassen. ALTH Ein schwarzer Amofläufer. 3wei Zote, drei Berletzte. Ein mit Repetiergewehr und Revolver bewaffneter, an Ber. folgungswahn leidender farbiger Arbeiter stürmte durch die Straßen Nemarts( New Jersey), wobei er auf die Paffanten Schüsse abgab. 3wei Männer wurden von ihm getötet und ein britter schwer verwundet. Ferner wurden zwei Polizets beamte, die ihn feftzunehmen versuchten, leicht verlegt. Als der Amotläufer fich schließlich in die Enge getrieben fah, brachte er fich einen tödlichen Kopffuß bei. 71 km im Gegelflug. IW Nehring, der Inhaber der Welthöchstleistung im StreckenfegelZum ersten Male hat am Dienstag der Darmstädter Flieger flug, auf einer bisher nicht anerkannten Flugftrede einen großen Segelflug ausgeführt und damit den Beweis erbracht, daß die Bergstraße eine durchaus geeignete Segelflugftrede bietet. Nehring flog in gerader Linie 71 kilometer und erreichte damit fast feine bisherige Bethöchfileiſtung. Die Bebeutung des Fluges liegt barin, daß auf einer bisher nicht beflogenen Strede diese Leistung vollbracht wurde. In diesem Fluge legte Nehring, wenn man die Schleifen mit einrechnet, fast 130 Kilometer zurüd. Berlängerung der Aboaglinie 30. Ab Sonnabend, den 6. d. M., wird die Omnibuslinie 30 Neukölln, Bahnhof Kaiser- FriedrichStraße Bahnhof Prenzlauer Allee" durch die Prenzlauer Promenade( bis Ede Wisbyer Straße) verlängert. Liga für Menschenrechte veranstalten vom 20. bis 29. April in Für die deutsch- polnische Annäherung. Die deutsche und volnische Königsberg, Schneidemühl, Lodz, Barschau, Kattomiz, Beuthen, Breslau und Berlin Kundgebungen zur deutsch- polnischen Frage, in der von polnischer Seite der sozialistische Sejm- Abgeordnete Adam Pragier und der frühere Minister Stanislaus Thugutti, von deutscher Seite der Staatsminister a. D. Hermann Fleißner und Der Generalmajor a. D. Dr. h. c. von Schoenaich über dos Thema Droht Krieg zwischen Deutschland und Bolen?" sprechen werden. Bei diesen Kundgebungen handelt es fich um den ersten Berju ch auch von pazifistischer Seite, die Massen der Bevölkerung über die deutsch- polnische Frage aufzuklären. Internationales Efperanto- Museum. Unter der Bezeichnung Internationales Esperanto- Museum" ist, wie der EsperantoDienst" meldet, der großen National Bibliothet in Wien eine Esperanto Bücherei als selbständige Abteilung angegliedert worden. Betrügerischer Rechtsanwalt. Vor dem erweiterten Schöffen gericht of( Bayern) wurde der Rechtsanwalt Frizz Boiseri aus Rehaus, der in seiner Eigenschaft als Kontursver walter Unterschlagungen in Höhe von 16 000 bis 18 000 Mart sich zu schulden tommen ließ, wegen vier Bergehen der Unterschlagung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. die belgischen Flieger Bandervelde und er den, die fich auf Mikalüdter Kongoflug. In der Nähe von Barcelona ftürzien einem großen Etappenflug nach Belgisch- Kongo befanden, infolge eines Motorschadens ab. Beide Flieger wurden schwerverletzt. Der Apparat ging in Trümmer. Beim Bogen getötet. In Barcelona ift der italienische Boger Berazzio an den Folgen eines Bogtampfes mit dem Spanier Franzisco Ros gestorben. Der Italiener hatte die zehn Kampf. runden nur durchhalten tönnen, weil ihm sein Manager schwere Stärkungsmittel verabreichte. Aus einem der beften Bücher Karl Mays, aus dem Schaz im Silberfee", hat Dr. Günther Bibo ein Hörspiel für die Jugend zurechtgemacht. Er beschränkt sich auf das erste Stapitel, das auf einem Mississippidampfer spielt, sehr kunstvoll die Konflikte anlegt und verheißungsvolle Ausblicke auf eine an Spannungen teiche Zukunft eröffnet. Die Dramatisierung ist nicht besonders glück. lich. Bibo arbeitet mit zuviel rein optischen Eindrücken. Immerhin ist der Stoff nicht totzuschlagen. Am wertvollsten die Einleitung. die der Dichter Karl Buckmeyer hält. Er will die literarische Ehre Karl Mays retten. Mit großer Liebe spricht er von der blühenden, übereichen Phantasie Mays, meift auf Kapitel hin, die dichterisch groß gefehen sind. Der Finanzienator der freien Stadt Danzig, Dr. Kamniger, diskutiert die Frage Was wir Danziger vom Deutschen Reich und vom deutschen Bolt erwarten". Da hier ein Mitglied der regierenden Körperschaft( pricht, handelt es sich um einen repräsentativen offiziellen Vortrag, der auch auf eine Reihe anderer deutscher Sender übertragen wird. In gedrängter Kürze, mit ruhiger -Sachlichkeit Sachlichkeit frizziert Kamniger die wirtschaftliche und fulturelle Lage Danzigs, die alles andere eher als rofig ist. Er wirbt, wie auch die augenblidlich in Berlin gezeigte Danzig- Ausstellung, um Intereffe für die freie Stadt, über die in Deutschland noch immer bie mert. würdigsten Ansichten herrschen. Heinz Ludwig beginnt eine Vortragsreihe Bom Komödianten zum Schauspieler" mit einer Charakteristit der Neuberin und des großen Schröder. Biographisches Berantwortlich für Politit: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: 6. Klingelhötez: wird von fulturhistorischen Erwägungen eingerahmt, und dadurch gewinnt der Vortrag über einen beschränkten Interessenfreis hinaus allgemeinere Bedeutung. Ueber die Musik der Gegenwart" am Abend wird hier noch zu sprechen sein. Die in Nr. 143 des Bormärts zitierten Ausführungen der Bandtrantentasse Nr. 22, Jahrg. 1924, daß nämlich Dr. West er feine Braris an, einen Dentisten vertauft habe, merden von ihm in einer Sufchrift an uns als eine Berleumdung bezeichnet. Er schreibt: Soweit ich mich erinnere, ist die Berleumdung, die unzählige Male im persönlichen Kampf gegen mich erhoben worden ist, mir in der Landfrantentaffe entgangen." 3um Beweis legt er die Erflärung eines Herrn Dr. Hoegerath aus Omerath bei, der bereit zu beeiden, daß er die Praxis ohne jede Entschädigung von Herrn Dr. Wester übernommen habe. KÖNIGGadiel STR.22-26 CHOTAL E F. S. Welterbericht der öffentlichen Wetterdienfiffelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.). Unbeständig und am Tage noch einzelne Schauer, nachts. Frost, auch am Tage sehr fübi, nordwestliche Minde. Für Deutschland: Racis in Mittel- und Chibentichland steDenweise ziemlich strenger Frost, tagsüber Temperaturen eimas über Null. Noch vielfach Schauer. Gemertschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. S. Difchez: Sofales and Sonstiges: Fris Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag Gm b S., Berlin Drud: Borwärts.Buchdrudetet und Berlaasontalt Baul Ginger □ Co.. Berlin SB 68. Lindenstraße& Sieran 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen. Cadiel Leopold Hochmoderner Das Haus für grosse Weiten Vornehmes Mantel Kleid sus gemusterten Stoffen englischen Charakters, ganz auf hochfeinem Fut ter, mit origineller Ledergarnitur des Kragens und Aermel und Lederbesatx der zuknöpfbaren Taschen, im Rücken eine lange durchgehende Quetschfalte, Gürtel. 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Wellsch Alfred Braun Lustige Deutsches Theater volks bunne Lessing- Theater 81% Theater des Westens D. 1 Norden 12 310 SU, Ende nach 101 Zum. 50, Male Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Theater am Bülowplatz 8 Ubr Krenzahnahme Theater am Schiffbauerdamm 8. Uhr. Witwe Die Komödie Pioniere in Fritzi Mady Christians Massary Trude Lieske Stegtr. Arno Paul Morgan Paul Westermeler Gustav Matzner Marianne Winkelstern Iwan Orlik Buddelbums Lella Firler Hans Sommer Sonntags 3 Uhr nachm. angekürzte Vorstellung Kleine Preise Oskar Karlweis Uschi lieot W. Jankuhn H. Junkermann W. Schaeffers Marquita Sisters Frisco Beauty Girls Comedianbays! Ausstattungen: Prof. Ernst Stern. Musik. Leitung: Ernst Hauke Rudolt Perak. Nen anf Elektrola SCALA Winter 8 Uhr B 5. 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B. die Automobilverwendung zunimmt und das Motorschiff den Dampfer verdrängt, in demselben Maße mird der Delpreis zu einem für die Wirtschaft immer wichtigeren Fattor. Wachsende Delproduktion- schwankende Preise. In der Welt stieg die Delproduktion von 1913 bis 1927 auf mehr als das Dreifache( von 53 auf 174 Mill. Tonnen), boch ist in Deutschland der Verbrauch vorläufig noch ver hältnismäßig gering. Er betrug 1927 nur fnapp 1,2 mill. Tonnen, wovon mehr als 90 Broz. aus dem Ausland eingeführt wurden. Ist aber der deutsche Verbrauch gegenwärtig noch gering, so geht doch die Berbrauchssteigerung in schnellem Tempo vorwärts. 1924 belief sich der Verbrauch Deutschlands an Erdöl auf insgesamt noch nicht 300 000 Tonnen; 1926 aber schon auf etwa 890 000 Tonnen. Die Preisentwidlung hat vielfach starte Schwankungen gezeigt. 1913 betrug in New York der Preis für ein Faß( Barrel) Roh- Petroleum 7,3 Cents, 1925 waren es im Durchschnitt 10,9 und 1927: 9,2 Cents( 1 Cent= 4,2 Pf.). Schon bei diesen Preisen haben die großen Betroleum- Produzenten und Raffineure, wie die Geschäftsabschlüsse zeigen, mit sehr gutem Gewinn gearbeitet. In der letzten Zeit mehren sich die Anzeichen, daß die großen Petroleumtrusts daran gehen, ganz systematisch die Weltmarttpreise für Erdöl und Erdölprodukte z12 stabilisieren, d. h. in ähnlicher Form wie das internationale Rupferkartell die Kupferpreise stabilisiert hat. Stabilisieren von Breisen ist nämlich ein beschönigender Ausdruck für Einrichtungen, die den Preisfall verhindern, den Preissteigerungen aber feine Schranken fett. Delfonferenzen. Die Gründung einer Exportorganisation. Im Sommer vorigen Jahres fand in Schottland eine Konferenz der drei maßgebenden Betroleum- Magnaten statt: B. C. Teagle, Präsident der amerikanischen Standard Dil Company of New Jer sen; Deterding. Generaldirektor des englisch- holländischen Shell: Konzerns ,, und I. Cadman, Präsident der englischen Anglo Ber: fian Oil Company. Im Vordergrund dieser Besprechung stand die Frage, ob schon jetzt eine Einschränkung der internatio nalen Betroleumproduktion möglich sei, d. h. eine Ver minderung der Konkurrenz zwischen den großen Konzernen und eine grundsäßliche Verschiebung des Verhältnisses zwischen Angegebiet nom Staat mehr verpachtet würde. Auf den Hinweis, daß dies eine allgemeine Betroleumteuerung beschleunigen würde, foll er nach Pressemeldungen ausdrücklich erklärt haben, daß er sich vollkommen im flaren sei, daß sich diese seine Entscheidung wahrscheinlich auch auf die Preisentwicklung auswirken werde. Die Rechnung ffimmt noch nicht ganz. Der Beschluß der Petroleumgesellschaften, die gesamte Tages probuftion tünftighin auf etwa 2 Millionen Barrels herabzudrüden, braucht nun allerdings noch nicht unbedingt ein Erfolg im Interesse des Delkapitals zu sein. Erstens ist die Einigung zwischen den größten amerikanischen Gruppen einerseits und der englischen Gruppe andererseits offenbar nur provisorisch, wenn es auch ziemlich sicher ist, daß sich die Wünsche Deterdings nach einer allgemeinen Delpreiserhöhung bald erfüllen werden. Denn wenn erst einmal die Produktion eingeschränkt ist, während der Bedarf weiterhin steigen muß, dann wird natürlich der Preis sehr schnell diese Ber. Donnerstag. 4. April 1929 schiebung zwischen Angebot und Nachfrage zum Ausdruck bringen. Und wie beim Kupfer wird es dann heißen, daß die stürmische Nachfrage der Verbraucher" die Produzenten zu solchen Preiserhöhungen z minge.(!) Ein zweiter und wichtigerer Bunft ist das vorläufige Abseits stehen Sowjetrußlands in dieser Frage. Wenn auch Sowjetrußland hinsichtlich der Petroleumversorgung einiger wichtiger Märfte, insbesondere Englands und Deutschlands sich der gemeinsamen Front der amerikanischen und, englischen Produzenten bereits angeschlossen hat, so ist doch won Rußland mehrmals sehr energisch erklärt worden, daß das russische Naphtasyndikat auf keinen Fall daran denke, in absehbarer Zeit" seine Produktion oder seinen Export einzuschränken; ganz offenbar beabsichtigt Sowjetrußland vielmehr, seine gegenwärtig noch nicht sehr hohe Quote an der Welterdölproduktion( etwa 5 Proz.) noch erheblich zu steigern, ehe man sich vielleicht auch russischerseits der amerikanisch- englischen Front anschließt. Immerhin ist hier vorläufig in der internationalen Front eine erhebliche Lücke. Für die europäischen Delverbraucher ist freilich der Trost, daß hier das sich bildende internationale Monopol durchbrochen werden könnte, taum vorhanden, da es ja bekannt ist, daß auch die Russen es nicht verschmäht haben, sich an der Monopolisierung des deutschen und des englischen Marktes zu beteiligen. Ueberflüssige Sorgen. Starte Reichsbank Ende März.- Banken verdienen am Reich. -h. In den letzten Monaten und Wochen war in Deutschland viel| Gold abgeben, als auch ihre Devisenbestände nicht unerheblich lichten Geschret wegen der Steuererhöhungen, der Teuerung des Geldes, und selbst das törichte Gerede von einer drohenden Infla tion hat unter Hugenbergs trauriger Führung wieder Gläubige im Lande gefunden. Freilich war die Gleichzeitigkeit der Reparationsverhandlungen in Paris, der Steuerverhandlungen in Berlin etmas viel für die zahlreichen Steuerscheuen in Deutschland, und die mit der fatastrophalen Kälte verbundene Teurung auf verschiedenen Gebieten hat auch das Bolt beunruhigt. Da inzwischen aber die Eier durch den verstärkten Import und durch den Beginn der neuen Legezeit der Hühner wieder statt 30 mur 13 Bf. fosten, daß die Kartoffeln von ihren hohen Preisen wieder heruntergeklettert und Kohlen auch zu normalen Preisen wieder zu haben sind, ist eine Beruhigung eingetreten, nachdem die Beunruhigung ohnehin zwar verständlich, aber überflüssig war. müssen. Aber selbst diese Verluste der Reichsbant miegen bis heute nicht zu schmer, was die gute Deckung der in Deutschland um laufenden Noten beweist. Ein Grund zur Verteuerung der Kredite in Deutschland durch die Erhöhung des Zinssatzes bei der Reichsbant besteht vorläufig immer noch nicht. Uebrigens hat auch noch nach Ostern der Zinssatz teine allzu große Höhe erreicht. Das am Ultimo entscheidende tägliche Geld hat 8 bis 8% Pro3. 3insen geloftet, also feineswegs sehr viel. Jedenfalls haben die privaten Banken, die der Reichstasse über den 1. April mit Geldern ausbelfen mußten, eine große Stange Geld am Reich verdient und man drückt sich sehr zurückhaltend aus, wenn man fagt, daß die privaten Banken gegenüber dem Reich mit ihren 3insforderungen alles meniger als bescheiden gewesen sind. bot und Nachfrage zugunsten der Produzenten und zu Laften der freilich nichts zu tun. Das Geld wurde in Deutſchland teuer und 1161 Millionen Reingewinn! Berbraucher. Das stärkste Interesse an einer solchen Produktionseinschränkung zeigt das amerikanische Deltapital, was sich schon daraus erflärt, daß allein auf die Bereinigten Staaten fast zwei Drittel der Erdölproduktion der Erde entfallen. Fast gleichzeitig mit der November- Besprechung erfolgte in den Bereinigten Staaten die Gründung einer umfassenden Egportorganisation, der„ American Petroleum Export Association", einer Exportorganisation, an deren Gründung die 16 wichtigsten Delgesellschaften der Bereinigten Staaten beteiligt waren. Durch diese Gründung ist bereits die Konkurrenz der wich tigften amerikanischen Produzenten auf ausländischen Märkten ausgeschaltet. Am 4. Dezember v. 3. fand in Chifago die Jahresversammlung des amerikanischen Betroleuminstituts statt. Hier erklärte der Prä fident einer großen Delgesellschaft, der Tidewater Oil Company, in Der Eröffnungsansprache, es sei notwendig, die Delproduktion der Welt planmäßig zu regeren. Die entscheidende konferenz vor zehn Tagen. Nunmehr hat Ende März eine weitere Konferenz stattgefunden, der die größte internationale Bedeutung zukommt, wenn sie auch der Form nach eine vorwiegend amerikanische Angelegenheit war. 50 Bertreter der größten amerikanischen Deltonzerne sind sich auf dieser Konferenz darüber einig geworden, daß die amerikanische Delproduktion einge schränkt werden soll, d. h. in den Bereinigten Staaten und benjenigen auswärtigen Delgebieten, die von amerikanischem Kapital beherrscht werden. Es handelt sich um vier wichtige Gebiete: das Rüstengebiet des Stillen Ozeans in den Bereinigten Staaten, das südliche Gebiet der Bereinigten Staaten an der Küste des Golfs von Merito, ferner die Delfelder Meritos sowie die Erdölgebiete in den nördlichen Tei'en Südameritas, insbesondere Benezuelas. Diese Delgebiete lieferten 1927 zusammen rund 145 Mill. Tonnen Rohöl, d. h. fast fünf Sechstet der gesamten Belt: produktion. Schon diese Tatsache bezeugt ble starte internationale Bedeutung des Einschränkungsbeschlusses. Diese Bedeutung wird aber noch dadurch erhöht, daß der englische Shell Konzern selbst durch einige Untergesellschaften in den Bereinigten Staaten Delproduzent ist, so daß also auch die Shell- Gruppe hinsichtlich ihrer amerikanischen Produktion an den Einschränkungsbeschluß ge. bunden ist. Außerdem war jedoch Henry Deterbing bei den Sizungen und der Beschlußfassung anwesend; er hat ausdrücklich dem Beschluß zugestimmt und mitgeteilt, daß auch der Shell Konzern überall in der Welt, wo er Del produziere( Bereinigte Staaten, Südamerika, Niederländisch- Indien usw.), an der Durch führung des Beschlusses in internationalem Rahmen mitarbeiten wolle. Offenbar hat er darüber hinaus gewünscht, daß die Del preise möglichst sofort in die Höhe gesetzt werden, was jedoch von den Amerikanern abgelehnt wurde. Das amerikanische Betroleuminstitut hat sodann diesem Beschluß der Produzenten feinerseits zugestimmt. USA- Präsident Hoover mit von der Partie. Eine besondere Rolle in dieser vom amerikanischen Kapital ge führten Erdölpolitik spielt der gegenwärtige Präsident Hoover, ber ja auch auf anderen Gebieten( 3ollfragen, militärische Rüstungen usw.) fich als ein energischer Wortführer der amerita nischen Großindustrie und des amerikanischen Imperialismus erwiesen hat. Er war früher Mitglied des Federal Oil Conservation Board( Bundesamt für Erdölsicherung) und ist auch heute ein überzeugter Anhänger der Einschränkung der Erdölgewinnung. Um die Bolitik der größeren Produzenten zu unterſtüßen und das Auf tommen neuer Konkurrenten zu erschweren, hat er bereits angefündigt, daß in Zukunft tein neues Petroleum Immerhin aber sah die Geldlage in Deutschland in den letzten Wochen doch recht bedrohlich aus. Mit Inflation hatte, das knapp, weil die Häufung der Zahlungen in den Wochen zum 1. April in allen Jahren immer am stärksten ist, weil in diesem Jahre durch die famose„ Sparpolitif" der früheren bürgerlichen. Kabinette das Reich eine gute Milliarde Mart für die ersten April die Banten selbst nicht wußten, wie sich der Geldmarkt unter diesem tage für seine Kaffen neu zu beschaffen halte und well im übrigen Druck verhalten werde. Dazu tam, daß seit Monaten bereits in der ganzen Welt eine starte Geldteuerung eingetreten ist, daß man in London, in Rom, in Madrid und in Amsterdam den Diskontsatz erhöht hat, und daß von den massenhaften ausländischen Geldern bei den deutschen Banten doch recht große Be träge wieder ins Ausland zurückgeflossen sind, was die Geldtlemine in Deutschland verschärfen mußten. So hat man allerseits dem 31. März, den sogenannten Frühjahrsultimo, der in diesem Jahre noch zusammeniel mit dem Geldbedarf für die freilich gründlich perregneten Osterretsen, mit großen Gorgen entgegengesehen. Es hat sich aber jest gezeigt, daß diese Sorgen über flüssig waren. Freilich hat dazu beigetragen, daß die Wirtschaftslage in Deutschland nicht sehr erfreulich ist und die Nachfrage nach neuen Wirtschaftskrediten deshalb gering. Daß die Landwirtschaft noch nicht richtig arbeiten fann, das Bauwesen nur sehr langsam in Schwung tommt, hat die Kreditfrage außerdem niedrig gehalten. Schwung kommt, hat die Krebitirage außerdem niedrig gehalten. Jedenfalls ist die Inanspruchnahme der Reichsbant, bei der sich jede trisenhafte Zuspigung auf dem Geldmartt deutlich zeigen muß, feineswegs groß. sondern fast geringer als normal gewesen. Nach dem Aus meis der Reichsbant vom 28. März wurden an neuen Krediten gegenüber der Bormoche insgesamt nur 771,4 millionen verlangt gegen die Bormoche am 28. März 1929 am 26. Februar 1929 am 31. Dezember 1923 am 31. März 1928. Mehr Wechsel Mehr Lombarddarlehn Zusammen 679,9 . 417,6 744,9 724,4 ( in Millionen Matti 91,4 258,8 138,5 53,5 771,3 676,4 883,4 777,9 General Motors macht seine Reforobilanz. General Motors, der durch den Dpellauf in Deutschland noch betanuter gewordene amerikanische Autotongern, hat jetzt für 1928 Bilanz gemacht. Die Bilanz weist den phantastischen Reingewinn bekannter gewordene amerikanische Autofonzern, hat jetzt für 1928 für das eine Jahr 1928 von 267,47 millionen Dollar oder rund 1161 Millionen Mart aus. Gegenüber 1927 ist noch eine Steigerung des Reingewinns um 17,6 Broz. eingetreten. Seit 1925 haben sich die Reingewinne bei General Motors von 116 auf 186, dann auf 235 und endlich auf 267 Millionen Dollar erhöht. Im ver gangenen Rekordjahr haben die Verkaufsgesellschaften von General Motors nicht weniger als 1 842 000 Personen- und Lastmagen abgefeßt, das sind noch faft 288 000 mehr als im Jahre 1927. Außer halb der Bereinigten Staaten sind die Autoverkäufe gegenüber dem Borjahr von 194 000 auf über 282 000 Wagen geftiegen und der Bert der Auslandsverkäufe hat sich um 172 auf 252 Millionen Dollar erhöht. Zusammenschluß der Genossenschaften. Künstliche pessimistische Mache der rheinischen Obstruktion. Die rheinischen Bauernvereine, geführt von Freiherrn von Loĕ, gefallen sich schon seit langem darin, noch rüdichrittlicher als der Landbund zu sein. In der in Köln erscheinenden Bestdeutschen Tageszeitung" wurde vor einigen Tagen auch mitgeteilt, daß der Zusammenschluß der landwirtschaftlichen Genossenschaften deshalb gefährdet sei, weil zwischen der Preußischen Zentralgenossenschaftstasse und der Rentenbanffrebitanstalt die finanziellen Berhandlungen noch zu teinem Ergebnis geführt hätten. Mit dieser Mitteilung murde natürlich nur schlechte Luft gemacht, um die Barauslegungen der Berständigung zu verschlechtern. Wie mir erfahren, haben die Verhandlungen zwischen Ren tenbankfrebitanstalt und Breußenfasse zu einem befriedigen= " Raiffeisen bzw. Landbundgenossenschaften geschlossenen Verträge sind infolgedeffen entgegen den geheimen Wünschen der Westdeutschen Tageszeitung" feineswegs gefährdet, so daß der in den nächsten Tagen zusammentretende Große Ausschuß eine flare Situation vorfinden wird. Die Wechselbestände der Reichsbanf erhöhten sich um 622,9 auf 2293,8 millionen, dazu tamen noch Reichschaden Ergebnis geführt. Die zwischen der Preußentaffe und den mechsel im Betrage von 57 Millionen. Berlangt wurden außerdem 91,4 Millionen neue Bombarddarlehen, so daß sich deren Bestand auf 135,1 Millionen erhöhte. Bergleicht man diese In anspruchnahme der Reichsbant mit den wichtigsten früheren Terminen, so zeigt sich, daß gegenüber Ende Februar d. 3. die Inanspruchnahme für Ende März nur um 95 Millionen Mark höher war und gegenüber Ende Dezember v. 3. jogar noch um 112 Millionen zurückblieb. Gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Borjahres mit der damals noch sehr starten Konjunktur und dem früher in Gang gekommenen Landbau- und Baumarkt besteht auch noch eine Differenz von 6 Millionen zugunsten dieses Jahres Die fremden Gelder auf Girokonto nahmen nur um 50,2 auf 478,1 Millionen Mark ab. Der Notenumlauf der Reichsbant stieg im Zusammenhang mit diesen Veränderungen um 789 auf 4822 Millionen Mart. Der Umlauf an Rentenbanffcheinen vermehrte fich um 38,5 auf 503,6 Millionen Mart. Auch der Gesamtumlauf an Bapiergeld ist dem nach in durchaus natürlichen und normalen Grenzen ge: blieben. Das zeigt sich auch bei den Deckungsverhältnissen. Die Goldbestände betragen 2682,7 Millionen Mart, die deckungsfähigen Devisen haben um 31 auf 36 Millionen abgenommen. Die Dedung der Noten durch Gold allein ist aber mit 55,6 Broz. noch immer refordmäßig günstig und die durch Gold und dedungsfähige Devisen zusammen mit 56,4 Broz. noch außergewöhnlich start. Freilich hat die Reichsbank durch die allgemeine Teuerung des Geldes in der Welt, durch den Abzug von ausländischen Geldern aus Deutschland, die beide die Nachfrage nach amerikanischen Dollars und englischen Pfunden start erhöhen mußten, sowohl etwas Friftgemäße Ueberweisung an den Reparationsagenten. Die am 1. bzw. 2. April fällig gewordene erste Halbjahrsrate der Industriebelastung für das 5. Reparationsjahr in Höhe von 150 Millionen ist frist und ordnungsgemäß von der Bank für deutsche Industrieobligationen an den Generalagenten für Reparationszahlungen überwiesen worden. Konfurje nehmen zu. Nach Mitteilung des Statistischen Reichs930 neue Konturse und 352 eröffnete Bergleichsverfahren amtes wurden im März 1929 durch den Reichsanzeiger" bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für Februar stellen sich auf 775 Stonturfe bzm. 335 Bergleichsverfahren. Die Saugpumpe des internationalen Cinoleumfrufts. Der BerBerwaltungsrat des internationalen Linoleumtrusts hat befchloffen, für das leßte Geschäftsjahr wieder eine Dividende von 15 Broz auszuzahlen. Der Trust, der unter deutscher Führung fast sämtliche Linoleumwerke des europäischen Kontinents vereinigt, hat in furzer Zeit sein Machtbereich durch Aufkauf der Aktienmehrheit des bedeutenden holländischen Außenseiters, der und durch Erwerb einer starten Beteiligung bei einem der stärksten N V. Nederlandsche Linoleumfabrit Krommenir franzöfifchen Unternehmungen erweitern können. Da der Trust mit den englischen Fabrikanten ein Preisabkommen getroffen hat, befißt er in Europa ein lückenloses Monopol, das, wie die Dividende zeigt, für die Unternehmer auch Früchte trägt. Berlin und seine Arbeiter. Jama Die Reichsbahn droht. Die Märtyrer des Schienenftrangs. Die große Tariffommission stimmt dem Schiedsspruch zu. Die große Tariftommiffion der Berliner Ortsverwaltung des Gemeinde und Staatsarbeiterber baudes nahm gestern Stellung zu dem Schiedsspruch. Das Wartungssignal ber Eisenbahner ist von den| Angst einjagen wollen. Sind übrigens schon einmal bei einer Bohr der am 28. März für die städtischen Arbeiter von der Scharfmachern der Rechtspreffe zu einer Aufputschung der Bevölfe bemegung der Eisenbahner fämtliche Forderungen der Arbeiter tariflichen Schiedsstelle gefällt wurde. Nach eingehender rung gegen die Eisenbahnarbeiter benutzt worden. Der Hinweis der restlos erfüllt worden? Was fallen alfo Berechnungen mit irgend Debatte hat die große Tariffommission, wie uns mitge Organisationen auf die Streitgefahr wird als rote Heze bei der welchen Zahlen, die erstens nicht stimmen und zweitens leider! teilt wird, dem Schiedsspruch zugestimmt. Es wurde Eisenbahn" hingestellt. Die Lohnpolitik der Gewerkschaften, so heißt taum voll Wirklichkeit werden? jedoch beschlossen, eine allgemeine Funktionäres in den Rechtsblättern, bereite den Kommunisten den Weg. Die Ionferenz einzuberufen, der das Ergebnis der Ver. Bewilligung der Lohnforderungen bedeute eine Steigerung ber Tarife, bie im Güterverkehr bis auf 15 Braz. gehe. Dabei sei handlungen unterbreitet werden wird. den Führern der Eisenbahner doch die Tatsache befannt, daß die Reichsbahn tatsächlich am Ende ihrer Leistungsfähigkeit stehe. Die Gewerkschaften bedrohten durch ihr Borgehen die deutsche Wirtschaft. Ein Eisenbahnerstreif müsse daher den Zusammenbruch der Politif der jetzigen Regierungsfoalition herbeiführen. Bie erinnerlich, beträgt die Lohnerhöhung auf Grund des Schiedsspruches von der ersten Lohnwoche des April ab 3 Bf. und ab 1. Oftober weitere 4 Bf., insgesamt also 7 Bf. die Stunde. Der Magistrat hat bis jetzt noch nicht zu dem Schiedsspruch Stellung genommen. Die große Tariffommission war fich mohl bewußt des Abstandes, der zwischen den Forderungen der städtischen Arbeiter und dem Schiedsipruch tlafft. Wenn sie sich entschloffen hat, dem Schiedsspruch zuzustimmen, jo tat fie das mit Rücksicht auf die allgemeine wirtschaftliche und die besondere finanzielle Lage der Stadt Berlin. Sie hat ihre Zustimmung auch deshalb gegeben, meil das Risiko und die Opfer eines Kampfes ihr zu hoch erschienen im Hinblick auf die Berbefferung, die durch diesen Kampf erreicht werden fönnte. = Wir erwarten, daß auch der Magistrat im Bewußtsein seiner Berantwortung diesem Schiedsspruch, der die städti schen Arbeiter feineswegs voll befriedigt, seine 3 u ft im mung geben wird. Diese Verständigung wird natürlich auf der Seite der„ Opposition" das übliche Geschrei auslösen. Die ,, Opposition", die wieder einmal gezwungen wurde, einzuschwenken, macht es sich sehr bequem. Sie ist grundsäglich dagegen", wie auch die Beschlüsse der Mehrheit lauten mögen. Es ist gelungen, den ersten Schiedsspruch beiseite zu schieben und einen zweiten zu erzielen, der gegenüber dem ersten wesentlich besser ausfiel. Grund genug für die„ Oppo fition", nunmehr aus der Reihe zu tanzen und diesen Erfolg herunterzureißen. Die Metallindustriellen provozieren. Der Schlichtungsausschuß beugt sich vor ihnen. Gestern wurde vor dem Schlichtungsausschuß über die Gehaltsforderungen der Angestellten der Berliner Metallindustrie verhandelt. Die Angestellten hatten bekanntlich eine Erhöhung der Gehälter um 12% Prozent gefordert, was von den Unternehmern in den direffen Berhandlungen rundweg abgelehnt worden war. Bei den gestrigen Verhandlungen redeten die Metallindustriellen eine nicht mißzuverstehende Sprache. Sie gaben uuummunden zu, daß die Gehälter der Angestellten ver. besserungsbedürftig seien. Es komme ihnen nicht darauf an, die Argumente der Angestelltenvertreter die diese zur Begründung der Gehaltsforderung ins Feld führten, zu widerlegen. Sie feien feff entschloffen, jede Erhöhung der Selbfitoften, zu denen auch die Gehälter gehören, abzulehnen. Die Metal industrie könne und wolle feine Gehaltserhöhung gewähren. Diefer eifenffirnige Widerstand der Unternehmer blieb nicht ohne Den Leuten, die drauf und dran find, im Lohnkonflikt bei der Reichsbahn die Atmosphäre zu vergiften, muß rechtzeitig das Hand wert gelegt werden. Wie steht's mit ihren Behauptungen? Die Gewerfschaften follen in ihrer Lohnpofitit Schrittmacher für die Kom munisten sein? Ach nein! Zu allen Zeiten ist sinnloser Radikalismus, der aus Berzweiflungsstimmung entsteht, nur dadurch hervorgerufen morden, daß bringend notwendige Reformen nicht rechtzeitig vorgenommen worden sind. Ist eine Verbesserung in der Entlohnung der Eisenbahner nicht bitter notwendig? Der Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft, Herr Dorpmüller, bat bei der var furzem erfolgten Aussprache mit den Organisationen die Notlage der Eisenbahner nicht bestritten, sondern ausdrüdlich anerkannt. Tausende von tüchtigen und erfahrenen Arbeitern bei der Reichsbahn haben nur ein Nettoeinkommen von 22- wörtlich zweiundzwanzig! Mart die Woche. Solche Hungerlöhne find Begbereiter für die Rommunisten, nicht aber die Gemerfschaften, die diese Hungerlöhne bekämpfen. Die Reichsbahn steht am Ende ihrer Leistungsfähigkeit? Die Reichsbahnhauptverwaltung sagt es. Damit ist aber noch lange nicht bewiesen, daß sie wirklich gar nichts geben tann. Erfordern nicht die berüchtigten Leistungszulagen", die vom Personal selbst abgelehnten Korruptionszulagen, im Jahr etwa 45 millionen? Sie sind doch kein Bappenstiel, sondern bereits mehr als die Hälfte von den 81 millionen, die nach der Behauptung der Reichsbahn hauptverwaltung durch die Lohnforderung um 6 Pf. als Mehr belastung heraustommen. Tatsächlich kommen noch lange feine 81 Millionen heraus. Es ist deshalb eine Dreiftigkeit ohne gleichen, wenn die Scharfmacher im Handumdrehen der Bevölkerung von einer Steige rung der Tarife im Güterverkehr bis auf 15 Broz. erzählen und Die Firma follte endlich daraus die Lehre ziehen, daß politische Gesinnung etine Treibhauspflanze ist, die man tünstlich erzeugen tann. Durch Methoden, mie fie bis jetzt gehandhabt murden, erzieht man nicht Idealisten, sondern höchstens Schmaroßer und Heuchler. Die Arbeiterschaft hat durch die Stimmabgabe bemiesen, daß fie den richtigen Weg erkannt hat. Wenn im vergangenen Jahr noch neben acht Mitgliedern der freien Gewerkschaften drei Gelbe im Arbeiterrat faßen, fo ist das Berhältnis iegt: 9 Freigemertfchaftliche unh 2 Gelbe Diefer Erfolg ist nicht gulegt dadurch herbeigeführt, weil die kommunistischen. Arbeiter vernünftig genug waren, die Barolen ihrer Partei abzulehnen, so daß eine gewerffchaftliche Einheitslifte möglich war. Einfluß auf den Schlichtungsausschuk, der nach längeren Beratungen Schiedsspruch in der Zigarettenindustrie einen Schiedspruch fäufe, wonach das jebige Gehalts abtommen ohne jede Henderung bis zum 30. September verIangert merden soll! Zu diesem Schiedsspruch nahm geffern abend eine fiart befuchte Funktionärtonferenz des 22- Metallfartells Stellung, die nad längerer Debatte gegen wenige Stimmen eine Enf. ihließung annahm, in der das 2f21- Metallfartell beauftragt wird, in türzester Frist nochmals eine Af- Funktionärversammlung einzuberufen, die dann endgültig über die Ablehnung oder Annahme des Schiedsspruches entscheiden soll. Erfolg bei Borsig. Afa- Bund im Vormarsch. Gestern wurde bei der Firma Borsig in Tegel die Wahl bes Angestelltenrates vorgenommen. Zur Wahl standen außer der freigewerkschaftlichen Af- Lifte noch eine gemeinsame Liste des Gd.( Hirsch Dunder) und des Gebag( Christlichnational) und eine Liste des Vereins leitender Angestellten( Firmenlifte). Für eine sogenannte„ Oppofitionsliste" lag bei den Angestellten fein Bedürfnis nor Bon 1158 wahlberechtigten Angestellten haben fich 905 an der Wahl beteiligt. Es erhielt die freigemertschaftliche AfADie Liste 626 Stimmen gegenüber 545 Stimmen im Vorjahre. Koalitionsliste der Christen und Hirsch Dunder 151 Stimmen gegen. über 174 Stimmen, die Liste der leitenden Angestellten 122 Stimmen gegenüber 104 Stimmen im Vorjahre. 6 Stimmen waren.un gültig. Die freien Gewerkschaften erhalten demnach im Angestellten rat 8 Size, die Christen und Hirsche zusammen 2 Size und die Beitenden" einen Sig. Jm Betriebsrat sind die freien Gemert schaften mit 4 Mandaten, die Hirsche und Christen zusammen mit einem Mandat und die„ Beitenden" überhaupt nicht vertreten. Die Wahl zeigt, daß auch bei Borsig von Jahr zu Jahr die freigemertschaftliche Angestelltenbewegung an Boden gewinnt. Einheit der Freigewerkschafter. Niederlage der Gelben. Als Andenten einjähriger fommunistischer Lattit im Betrieb besteht in der Affumulatorenfabrik in Oberschönemeide feit etlichen Jahren eine Gruppe des„ Deutschen Arbeiterbundes". Das Firmenschild haben diese Leute schon öfter gewechselt, nach dem Vorbild gewisser Pflanzen und Tiere, die, um nicht erkannt zu werden, die Farbe oder den Geruch wechseln. " Man kann der Wertsleitung nachfühlen, daß es ihr peinlich ist, wenn für die Förderung dieser sogenannten Baterländischen Be wegung" Geld und Mühe aufgewendet wird und sich dann eines Tages herausstellt, daß alles umsonst war. Es hat nichts genützt, daß man in den letzten Jahren eine große Zahl von Leuten im Werf eingestellt hat, die norber peinlichst auf nationale Befinnung" geprüft worden waren. Jetzt, wo sie sich erkenntlich" zeigen sollen, stimmen sie einfach rot! Bom den freien Gewerkschaften, die im Berliner 3igarettenfartell zurfammengeschloffen sind, war der 2ohn tarif für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarettenfabriken zum 31. März gefündigt und außer der Erhöhung der Löhne ein anderer Aufbau des Vertrages gefordert morden. Da in den direkten Berhandlungen mit den Bertretern der Berliner Ortsgruppe des Reichsarbeitgeberverbandes der Zigarettenindustrie feine Berständi gung erzielt werden konnte, wurde von den Unternehmern der Schlichtungsausschuß angerufen. Dieser hat nunmehr einen Schiedsspruch gefällt, durch den die Löhne für die verschiedensten Arbeiterfategorien um 6 bis 15 Bro& erhöht werden sollen. Außerdem murde der technische Aufbau des Lohntarifes zum größten Teil zugunsten der Arbeiter geändert. Das Lohnabkommen soll ab 1. April bis 31. März 1930 laufen. Die Eisenbahnarbeiter stehen nicht auf dem Standpunti des Alles oder Nichts!": fie haben aber auch nicht Luft, fich lediglich mit leeren Rebensarten abspeisen zu lassen. Und ist es vielleicht ein Ber brechen, wenn sie in ihrer Lohnbewegung nicht das Ende der Pariser Verhandlungen abmarten wollen? Wenn es nach den Scharfmachern der Rechtspreffe ginge, dann dürfte überhaupt fein Arbeiter mehr in Deutschland zurzeit irgendeine Lohnforderung stellen. Hat man auch schon einmal an die Unternehmer die Forderung gerichtet, bis zum Abschluß der Reparationsverhandlungen teine Gewinne mehr: zu machen oder wenigstens die Preise nicht zu erhöhen? Daß ein Streit bei der Eisenbahn nicht einen Frühlingshauch für die deutsche Wirtschaft bedeutet, wissen auch die Eisenbahner. Auc für sie ist ein Streit fein Bergnügen. Ein Eisenbahnerstreif bedroht die Wirtschaft. Richtig. Nicht aber die Bohnforderung der Eisenbahner. Die Reichsbahn fann es billiger haben. Ein an ständiger Bergleich fostet eine Bagatelle gegenüber ben Schäden, die die Reichsbahnhauptverwaltung mit ihrer Eisentopfpolitit heraufbeschwört. Es ist Eisenkopfpolitif, was sie treibt. Sie tuż zwar der Deffentlichkeit gegenüber fo, als ob fie feinen Pfennig mehr in der Tasche hätte und ihr die Eisenbahner trobem eine Mart herauspressen mollen. Allein diese Märtyrerpose steht der Reichsbahngesellschaft schlecht zu Gesicht. Martyrer sind die Leute, die mit Hungerlöhnen von 22. nach Hause geschidt werben. Das Lasttier ist der Eisenbahner. Er soll stille halten, bis vielleicht in Paris irgendein Wunder geschieht. Und wenn das Wunder nicht fommt? Soll er stille halten, bis er tot ist? Für eine anständige Respektierung der Eisenbahnerforderung ist ein Wunder nötig, sondern nur etwas guter Bille. Da scheint es aber bedenklich zu hapern, denn anscheinend will die Hauptverwaltung den starten mann spielen. Schon weiß die Scharfmacherpreise zu erzählen, daß ein Streit für die Eisenbahner eine stumpfe Waffe darstelle, da die Reichsbahn diesmal ganz anders zur Abwehr gerüstet sei und ihre Personalhilfe aus Beamten und Arbeitswilligen im Ernstfall ,, wesentlich andere Ergebnisse haben würde als bei dem Eisenbahnerstreit vor einigen hren". Diese offene Drohung sieht nicht nach Berständigungswillen aus. Die Eisenbahner haben nicht gedroht, sie haben gewarnt. dem Grunde, weil die wichtigste tariftragende Gruppe, von drei Gemertschaftsneulingen abgelen, die Buchdruder, über haupt nicht berüdlichtigt worden sind. Die freigemertschaftlichen Arbeiter haben eine Liste aufgestellt, die Bertreter affer Gruppen, auch der weiblichen, aufweist. Bel der heute beginnenden Betriebsratswahl muß diese Liste non allen Anhängern der Amsterdamer Gewertschaftsinternationale propagiert und gewählt werden. Darum heißt die Losung: apa Jede Stimme für die einzige freigemertschaftliche Cifte, das ift Cifte Karl Schulze Am Ostersonntag, dem 31. März 1929, riß ein Schlaganfall ben Genoffen Karl Schulze im Alter von 51 Jahren aus den Reihen der Lebenden. In dem Verstorbenen verliert der Deutsche Berkehrsa bund einen rührigen Mitarbeiter, den das Vertrauen feiner engeren Berufskollegen, Binnenschiffer und Wasserbauperjonal, auf dem: Bundestage im Jahre 1928 in Leipzig in den Vorstand des Berbandes entsandt hat. Auch die Sozialdemokratische Par tei hat mit dem Heimgang non Karl Schulze den Verlust eines treuen und stets opferbereiten Genossen zu beklagen. Ehre seinem Andenken! Jm Cohntouflift der Kölner Metallarbeiter tagte am Mittmod die Tariffommission sämtlicher an der Lohnbewegung beteiligten Organisationen. Nach längerer Aussprache wurde beschlossen, den Arbeitgeberverband nochmals zu fragen, ob er zu meiteren Berreit sei. Der Arbeitgeberverband hat sich dazu bereit erflärt. Die neuen Verhandlungen finden am Donnerstag statt. Mit diesem Schiedsspruch beschäftigten sich gestern abend die Funktionäre sämtlicher Larisorganisationen in einer gemeinsamen handlungen auch über das Ergebnis des Schiedsspruchs hinaus be Bersammlung. Da der Schiedsspruch in einigen Buntten nicht befriedigt, wurde nach teilmeise lebhaften Auseinandersetzungen mit fnapper Mehrheit beschlossen, den Bollversammlungen der einzelnen Gruppen, die heute, Donnerstag, stattfinden, den Schiedsspruch zur Annahme zu empfehlen. Die Erklärungsfrist für den Schiedsfpruch ist auf den 5. April festgefeßt worden. Ein Cohnkonflikt ist bei den schweizerischen Theatern ausge brochen. Die Theaterdirektoren haben den zwischen ihnen und dem Schauspielerverband im Jahren 1922 abgeschlossenen Tarifvertrag Schiedsgefündigt. Zu einem Schlichtungsverfuch des in dem Bertrag festgelegten Vertragsausschusses erschienen die Direttoren nicht. Es nerfautet, daß fie ohne erheblichen Gagen abbau den Tarif nicht erneuern wollen. Für Einheit gegen„ Einheit"! Wie in den verschiedensten Großbetrieben ist es auch in Deutsch Lands größtem Zeitungs- und Buchdruckbetrieb zu einer planmäßigen Offensive der Kommunisten zur getrennten Betriebsrats: mahl gefommen. Bisher gab es in diesem Unternehmen nur eine, freigemertschaftliche Ziste, durch die auch Kommunisten zur praftischen Mitarbeit herangezogen waren. Im Laufe des fegten Jahres fegte ein Reffeltreiben der fommunistischen Opposition gegen alte bewährte Funktionäre ein; die Angriffe gipfelten in einer müsten Beschimpfung des Betriebsratsvorsitzenden Gustan Frante, den man einen Berfeugner und Lügner übelster Sorte" in der Roten Fahne" betitelte. Irozdem eine Funktionärversammlung dem Kollegen Franke weiterhin das Vertrauen fchenfte und weitesi. gehende Mitarbeit versprach, beschäftigte sich die Rote Fahne" mit ben inneren Angelegenheiten des Betriebes und legte die BeschimpDer Betriebsversammlung, die von den fungen fort kommunisten zu einem wüsten Tummelplag gemacht werden sollte, lag folgende Entschließung vor, die auch angenommen wurde: ..Die Belegschaft der Firma Ulffein verlangt von den Kandi. daten zur Betriebsratswahl, daß fie fich unbedingt zu den Grundfäßen der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale bekennen. 3m Jntereffe einer einigen freien Gewerkschaftsbewegung lehnen die Funktionäre und die Belegschaft alle Weisungen und Bindungen einer politischen Partei ab."( 3. März 1929.) Achtung, SPD.- Betriebsfunktionäre! Ab 1. April finb bie alten Funktionäransmeife ungültig. Die Ratten für 1929 tönnen umgehend in Bureau Binbenfte,& abgeholt werben. Für größere Betriebe empfiehlt es fich, hie alten Sarten burd ben Frationsvorstand a fammeln und eine zene Aufstellung mit genauer Angabe ber Abreffe fomic bez auftändigen Parteiabteilung im Burean abzugeben. Wir weisen gleizeitig barauf hin, daß die Raimarlen bei der AbteilungsDas Betriebsjettetariat. offerera au entnehmen find. eps. Fraktion bes ftabtifden Rich- und Schlatthofes! Am Freitag 5. April, 16 Uhr, im Lofal von Otte, Pigger Ste 85, wichtige frat tionsverfammlung. Partei und Gewertschaftsbuch ist mitzubringen. Der Fraktionsvorstand. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin 414 Seute, Donnerstag. 19% Uhr, tagen bie Gruppen: Gefurbbrunnen: Frankfurter Austausch unserer Oftererlebnisse. Berbandsbudkontrolle, Jugendheim ote Schule, Entenburger Gt. 2 Heimbefprechung. Allee: Städt. Jugendheim Litauer Str. 18. Seimbesprechung. Berbandsbuchtontrolle. Reu- Lichtenberg: Jugendheim Sarffstraße( Sportplas), an der Landsberger Plak: Jugendheim bes Oftens, Leffingstraße. Bunter Abend. Große Frankfurter Str. 16. Quergeb. pf., Rimmer 2 Heimbesprechung. Berhandsbuch und seimausweiskontrolle. Tempelhof: Gruppenheim, Pneum Südosten: Germaniaftraße 4-6. Seimbesprechung. Verbandsbuchkontrolle. Gruppenhe'm Reidenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). April April Humor und Frohsinn. Moabit: Städt. Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Sem besprechung. Bericht von der Osterfahrt. Ohne Feimausweis und Verbands Webbing: Städt. Jugendheim Orthstr. 10. Seimbesprechung buch kein Zutritt. und Fahrtenklatsch. Bringt Seimausweise und Berbandsbücher mit. Röpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Beimbefprechung und Liederabend. Rugendaruvve des Pentralverkandes der Anoeftellten Seute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Ereptom: heit" gab, ist so zusammengefeßt, daß ein freigemeriaftusforage über den tommenden Gaujugendtag. Geneberg: Jugendbein Jugendheim Bilbenbruchftr. 53. Gruppenbesprechung. Anschließend figer Arbeiter folche Bertretung abweisen muß schon aus Sauptstr. 15( biltingenzimmer). Gruppenbesprechung. Anfließend Distuffion. Diese Entschließung murde van den„ oppositionellen" Arbeitern abgelehnt und war für sie das Signal, eine Sonderliste zur Betriebsratswahl aufzustellen. Diese Lifte, der man den Namen„ Ein. Schöneberg: vonnersiag 4. April 1929 Unterhaltung unö �Vissen Seilage des Vorwärts �IUjUS iUtl? SrstähJung von Otto Slake Ein Gtudent namens Arne kehrte gegen Mitternacht nach Berlin zurück. Cr ging eilends zum Potsdamer Bahnhof, um den letzten Vorortzug zu erreichen. Aber lassen wir ihn selbst erzählen: Es schlug dreiviertel Eins, als ich in Nikolassee ausstieg, und Eins, als ich in di« Straße einbog, die zum See hinunter sührt. In den Villen war kein Licht mehr. In der Straße, die, ungepflostert, eher ein Weg war, brannte eine einzige Laterne. Sie erhellt« von unten die Krone einer Kastanie, die Blätter waren glasgrün. Der Baum stand im Vorgarten der Villa, in der ich damals Unterschlupf gefunden hatte. Als ich die Tür öffnen wollt«, ließ sich der Schlüssel nicht um- drehen, die Tür war nicht verschlossen. Ich trat ein, drückte die Tür zu, bückt« mich etwas, um das Schloß zu finden, und fuhr zurück. Neben mir. auf dem Kies, lag ein Mensch. Ich faßte mich und leuchtete ihm mit einem Streichholz ins Gesicht. Der Wind löschte die Flamme aus, aber sie hotte mir genügt, um den alten cherrn zu erkennen, der das Erdgeschoß allein bewohnt«. Was tun? Die Psörtnerin wohnt« hinten im Gärtnerhaus mit ihrer Tochter. Sie konnte mir nicht viel Helsen, sie tonnte nur ausgeregt reden— ich beugte mich abermals über den Rentner und überzeugte mich, daß der Körper warm war. Ich ergriff ihn unter den Armen und wollte ihn aufstellen. Er war wie ein Sack, der wieder zur Erde glitt. In der Meinung, einen Ohnmächtigen zu halten, legte ich einen Arm unter die Beine, den anderen unter den Rücken und zog die Gestalt, die klein, mager und nicht schwer war, die zehn Schritte bis zur Haustür und die drei Stufen hinauf, legte sie nieder, um aufzuschließen, schloß auf und stand ratlos vor der Wohnung des Alten. Ich ging zum Tor zurück, tastete nach den Schlüsieln, fand sie und konnte die Wohnung öffnen. Ich fand auch das Licht, drückte eine Tür auf, es war gleich die zum Schlafzimmer, trug ihn aufs Lager, wobei ich mit Grauen zu bemerken glaubte, daß die Hände kälter geworden waren, schloß Haustür und Wohnungstür und nahm dann den Mann auf dem Bett in Augenschein. Eine widerliche Flüssigkest lief ihm aus dem Mund, Ich drückte ein Handtuch daraus, prüfte die schlaffe Hand, spritzte Wasser in das Gesicht und kam allmählich zur Ueberzeugung, daß ich einen Tot«, vor mir hatte. Wederum. was tun? Ich schaute mich um. ob eine Klinge! da war. und sah die Flaschen w der Ecke, dar Mann war ein Trinker gewesen. Dann blieb mein Blick an einem Kastenschrank bangen, dessen eisern« Tür offen stand. Auf dem Tisch, der mit Papieren bedeckt war. lag die Feder, als fei sie noch eben gebraucht worden— wahrhaftig, sie war noch naß. Nun fiel mir ein. daß der Tote in der verkrampften Hand Briefe hielt. Ich sah, daß die Marken nicht gestempelt waren: der alte Herr hatte die Briefe in den Kasten tragen wollen und sich nicht die Mühe gegeben, den Geldschrank zu schließen. Ein« Kassette M Schrank stand ihrerseits offen, mit aufgerichtetem Deckel. Als ich naher trat, sah üh fremde Banknoten, ein Bündel Scheine, locker aufeinander geschichtet. Ich blätterte sie mit der Hand auf. noch erst über die Summe staunend, di« da lag, sin Lerwögsn damals, es war kurz noch der Inflation. Ich warf«neu Blick auf den Mann auf dem Bett, ging hin. faßte ihn an: das Fleisch war nach kälte? geworden, die Farbe gelb, der Ausdruck so fern, daß ich nicht mehr zweifeln konnte: dieser da war tot. Ich wurde nüchtern, was hatte ich hier zu suchen— nichts. Am besten, ich ging behutsam fort, sagte niemand etwas, um nicht in Lästiges oerwickelt zu werden. Ich brauchte nur die Tür �zuzuziehen und hinauf in mein Zimmer zu gehen. Im Begriff, das Licht auszudrehen, �überlegte ich. daß ich es bester brennen ließ, es sah natürlicher aus. die Polizei würde sich die Dorgänge reimen, wie ich es getan hatte. Schon hatte ich die Klinke in der Hand, da kam die Versuchung. Niemand kennt sich, bevor di« Versuchung kommt. Ein Griff in die Kassette, und«in Student, der in dieser Zeit der Entblößung zweimal nicht wußte, wie er seine Zahlungen leisten sollte, war des Kampfes, des Nebenerwerbs und der Notstandstüche ledig. Meine Hand hob sich, griff zu und blieb mit den Banknoten starr in der Schweb«: die Tür hatte sich geöffnet, und im Nacht- gswand, über das ein Mantel geworfen war, die Hand auss Herz gepreßt, stand ein Mädchen, dos mir zugleich bekannt und un- bekannt war. Ich hatte sie im Vorortzug gesehen, auf der Fahrt nach der Stadt, und versucht, ein paar Worte mit ihr zu tauschen, obwohl st« nicht schön war. Sie hatte freundlich, aber wie mir schien schwermütig abgelehnt, in ein Gespräch gezogen zu werden. Nun stand ich als Dieb vor ihr, ich sah an ihrem Ausdruck, daß sie begriffen hatte. Aber was sie nicht begriff, war der Tod dort, ihr« Zlugendeckel flatterten wie die Flügel eines verwirrten Tieres, das zum Flug ansetzt. �lr ist tot." sagte ich.„er lag auf dem Gartenpfad, Ich trug ihn herein und... tat dies"— wobei ich auf di« Scheine zeigt« und si« in die Kaffette zurücklegte.„©«• aber sind Sie?" fragte ich.„Wohnen Sie hier? Es kann nicht fest langem sein, der alte Herr haust« allein." „Seit zwei Tagen, es ist mein Dater." Sie sagte es so merkwürdig unerregt, daß ich si« ausmerksamer ansah. Si« bückte zu dem Toten hinüber, scheu, mit einem Wider- willen, wie mich dünkt«, und sich« ohne Lieb«. Das war um so seltsamer, als ich sie auf ein zwar verschlostenes, aber sanftes Herz taxierte. Eben das hatte mich gestern in der Bahn ergriffen, wohl gerade weil ich mir mit einem gewisten Schuldgefühl bewußt war. jotist b« Frauen mehr auf Naturell und Reizung Wert zu legen. Zum drittenmal: was tun? Ich war überzeugt, daß sie mir keine Schwierigkeiten mochte, wenn ich mich einfach entfernte und über mein Bergehen nicht sprach. Wie war solche geheime Der- abredung möglich? Geheime Sympathie? Eher ein unmittelbarer Eindruck ihres Wesens, dem das Böse, wenn ich meine Tat so nennen wollt«, verständlich war. Wer das Böse»erstand, verstand das Leiden, und wer das Leiden verstand, litt selbst— sie mußt« wohl gelitten haben, viel, lange, und war doch jung. Für mich war die Sache hier erledigt, soweit ich mir einen Zu- soll hatte zunutze machen wollen: es war nicht gelungen, auch gut. ich trat, wieder in meinen Kreis zurück, ich bin von Natur stoisch. Aber da war nun das Gefühl, daß ich diesem Fräulein helfen konnte, »och sah ich nicht klar. Uich glaube» wir sollten miteinander spreche«,' sogt« ich. Sie blickt« hilflos im Zimmer umher, ich verstand, der Tote war im Weg. Ich öffnet« die Tür zum Nebenzimmer, es war«in« Bibliothek Mit einer türkischen Eck«. „Gehen wir hinein," flüsterte ich, halb war es Rücksicht auf den. der schweigend da lag, halb Berechnung, daß man die Leute im Haufe nicht aufmerksam machen durfte. Niemand kannte sich, seit einer halben Stund« handelte ich mit dem Instinkt eines Ein- brechers oder eines, der eine schwierige Lage meistert. Wie hätte ich sonst auf der Schwelle des Nebenzimmers sehen können, daß auch hier die schweren Vorhäng« zugezogen waren, kein Licht nach außen drang? „Warten Sie aus mich," sagte si«. Ich gehorcht«, sah noch, daß sie am Bett kniete, und schloß die Tür hinter mir. Di« Zeit verging, ich begann in Ungeduld di« Titel auf dem Rücken der Bücher zu lesen. Es waren Kunstzeitschristen, Werk« über Architektur und Reiseführer. Ich erinnert« mich, der Alte war Baumeister, es stand auf dem Schild an der Tür. Ich bekam heftiges Der- langen nach einer Zigarette, fand es unangebracht zu rauchen, zuckte dt« Achsel, fand, möglich sei, was man tat, und rauchte. Nach einer Wil« trat sie durch ein« ander« Tür ein, an- gezogen, di« Haare aufgesteckt, sehr bloß und beinahe schön, von dieser unscheinbaren Schönheit, di« mir nicht ganz sahbar war. Sie richtete die Augen auf mich und lehnte sich an die Tür zum Zimmer des Toten, als vertrete si« mir den Zugang. Es gefiel mir. weil es zeigt«, daß sie nicht willenlos war. daß Recht und Unrecht sich in ihr schieden. Ich ging auf sie zu und sagte: „Ich bin kein schlechter Mensch, vergessen Sie das, was Sie gesehen haben, oder stellen Sie es zurück, bis ich Ihr Vertrauen gewonnen habe." „Ich vergesse es," antwortete sie ruhig,„ich weiß nicht, vb Ich nicht ahne Sie morgen früh, beim Eintritt ins Zimmer, dasselbe getan hätte." „Sie, die Tochter, der alles zufallen wird? Aber wie, ich bin gewiß, von meiner Wrtin gehört zu haben, daß der alte Herr Junggeselle war?" „Ich bin seine natürliche Tochter. Nichts wird mir gehören, er hat mir erst heute gesagt, jene erbt alles, das Haus, die Möbel und das Geld." „Wer ist jene?" „Iii«... die Kokotte." „Und doch wohnten Sie bei Ihrem Bater. Man sollt« denken, «s beweiss, daß er Sie anerkamü hat. Verzeihen Sie. daß ich das sage."(Forts, folgt.) Sin Volk, das erfrier! Im Osten Sibiriens hausen die Jakuten, ein halbwildes Volk, das durch die mörderisch« Gegend, in der es lebt, dem Unter- gange geweiht ist. Vor hundert Zehren zählte' di« Bevölkerung noch au 800 000 Menschen, heute sind es nur noch ungefähr 100 000. und die Zeit scheint nicht mehr fern zu sein, da die ungeheure Kalle und die fünhterlichen Schneestürme dort alles menschliche Leben hin- gemordet haben werden. Gegen die Källe, die besonders in der sich bis an das Eismeer erstreckenden Wjerchojansker Gegend oft bis zu 80 Grad Eelfvis erreicht, weiß sich der Jakute zwar durch Pelz- kleidung und warme Hüllen zu schützen: aber wenn er seine Hütte einmal oerläßt und unterwegs von der Purga überfallen wird, ist er binnen kürzester Zell zu Eis erstarrt. Di« Purga ist«in vom Nordpol kommender Schneewirbelsturm, der Menschen und Tiere tötet und die Hütten tief unter Schnee begräbt, so tief und so dicht, daß die Bewohner sich oft nicht mehr auszugraben vermögen und entweder verhungern oder erfrieren müssen. Um möglichst gegen Kalle, Sturm und Schnee geschützt zu sein, baut der Jakute sein Haus tief in die Erde hinein, so daß«n ver- schneites Iakutendorf eigentlich nur den Anblick einer Anzahl Schornsteine bietet, aber dieser an sich wirksame Schutz setzt ihn der- Gefahr aus, samt seinem Haus lebendig begraben zu werden. Wenn dann im Frühjahr die Jakuten aus ihren Hütten kriechen und ihre Nachbarn begrüßen, ist es oft ein trauriges Wiedersehen, oft sind ganze Familien der Kälte oder dem Schnee zum Opfer gefallen. Die zahlreichen Raubtiere liesern den Jakuten, die gute Jäger sind, reichlich Felle, so daß si« sich über und über mtt Fellen be- kleiden können. Wäsche ist dem Jakuten ein unbekannter Begrifft dafür trägt er zarte Cichhornfelle, darüber einen Wolfspelz und darüber wiederum die„Docha",«inen weiten mantelartigen Ueber» wurf aus Hirschfell, der auch in der Innenseite pelzgefüttert ist. Ebenso sind Schuhe und Mütze aus Fellen. Diese mit schwerein Schrill daherkommenden Menschen sind den Bären nicht unähnlich. Das Holz für die Heizung liefert di«„Taiga", der Urwald, der sich unendlich weit hinzieht und unendliche Mengen von Holz birgt, so daß die wenigen Einwohner dieser riesigen Landstraßen— die „Hauptstadt" Iakutsk hat sechseinhalbtausend Einwohner, die Dörfer sind winzig— Brenn» und Baumaterial im Ueberfluh haben. Den» die Häuser oder richtiger Hütten sind hier alle aus Holz, nur in Iakutsk, der Hauptstadt, gibt es«in steinernes Haus. Die Taiga liefert den Bewohnern aber auch weniger Angenehmes: die Raub- tiere. Wölfe ziehen in der kalten Jahreszeit(sie dauert hier sieben' bis acht Monate bei wechselnder Strenge) rudelweis« nach den menschlichen Siedlungen, und wiederHoll ist es vorgekommen, daß ein ganzes Dorf den hungrigen Tieren zum. Opfer fiel. SBahlen anstatt Städtenamen Der Ausschuß für wirtschaftliche Verwaltung beim„Seichs- kuratorium für Wirtschaftlichkeit" hat soeben nach jahrelanger wissen- schaftlicher Arbeit«in Werk fertiggestellt, dys für die Entwicklung Deutschlands und zugleich der anderen Länder von größter Trog- welle ist. denn Deutschland ging allen anderen Ländern in der DunH sührung des Bestrebens voran, eine einhellliche und allgemeine Ortsnumerierung zur Ergänzung der deutschen Ortsnamen durchzu- führen. Natürlich werden die Ortsnamen der Städte und Dörfer dadurch nicht ausgelöscht, sondern die Zahlen, die für sie nunmehr gewählt sind, sollen in erster Reihe zur Vereinheitlichung des Verkehrs und zur Erleichterung der Arbell auf den verschiedensten Gebieten der öffentlichen und privatwirtschasllichen Arbell führen und aus diesem Grunde haben sich auch Vertreter der Reichsbahn, der Reichspost, der Großbanken und anderer amtlichen Stellen an der Herstellung dieses Werkes beteiligt, das zum erstenmal ein ganzes Reich erfaßt. 00000 deutsche Städte haben nunmehr ihre nach einheitlichen Grundsätzen gewählte Bezeichnung erfahren, di« in systematischer Form ganze Bezirke oon Städten ersaßt. Während di« Namen der einzelnen Ortschaften keine Möglichkell gewähren, aus ihnen gemeinsame wirtschaftlich« oder politische Grenzen zu er- kennen, stnd die Zahlen für die einzelnen Plötze so gewähll worden. daß sich daraus mit Lxichtigkell auf den ersten Blick der Zusammen- hang bestimmter Ortsgruppen ergibt. Ein kurzer Hinweis auf das System der Zahlenbezeichmrng für die Städte wird sofort klar werden lassen, worin der große Fortschritt besteht. Für die Zwecke der Ortsnumerierung wurde zunächst das Gebist des Deutschen Reiches in neun Hauptbezirke geleilt, die gewissermaßen einzelne große Wirtschoftsprovinzen darstellen, da die Gruppierung der Städte nach wirtschaftsgeographischen Gesichts- punkten erfolgte. Deutschland zerfällt nunmehr in folgende neun Wirtschoftsprovinzen, von denen jede einzelne eine besondere Nummer hat, die zugleich die Ortsnumnier des wirtschaftlich bedeutendsten Ortes des Houptbezllks ist: Berlin mll der Ortsnummer 1, Ham- bürg S. Köln 3, Frankfurt a. M. 4, Stuttgart 5, München 6. Leip- zig 7, Breslau 8, Königsberg 0. Jeder Hauptbezirk gliedert sich wieder in neun Unterbezirks mll zweistelligen Bezirksnummern. Di« erst« Zahl jedes Unterbezirkes und jedes Ortes, der in der de- treffenden Hauptprovinz liegt, sst immer die Zahl der Hauptprovinz. so daß man sofort erkemren kann, in welchem großen Wirts chosts- bezirk ein Ort gelegen ist. So sst zum Beispiel Königsberg di« Haupt- stodt der 0. Wirtschastsprovinz und führt die Zahl 0. Zu den Unter- bezirken gehört zum Beispiel Tilsll, dos die Zahl 01 hat. Das b«. deutet, daß Tilsll Unterbezirk Nr. 1 des Hauptbezirks 0 sst. Elbiitz hat die Bezirksuummer 9«, liegt also im Hauptbezirk 0 Unterbezirk 6. Preußisch-Holland zeigt mll serner Zahl 983. daß es zum Hauptbezirk 9 und zum Unterbezirk 8— also Elbing— gehört Aehnliches gilt für andere Provinzen. Liegmtz hat die Zah' 83, gehört also zum Bezirk Breslau mit 8 und ist dor« driller Unterbezirk. Bremen hat die Zahl 21. gehört zum Bezirk Hamburg 2. ebenso wie Kiel mll der Zahl 23, Hannover Mll der Zahl 27. Die Wirtschastsprovinz Nr. 1 sst Berlin. Magdeburg, das die Zahl 17 hat. ist schon durch diese Kennzeichnung zur Wirsschaftsprovinz Berlin zugehörig und ist hier der 7.. Unter- bezirk, öhnlicherweise wie Kollbus mit der Zahl 19. Der Fresstaat Sachsen hat die Zahl 7, die für die Stadt Leipzig gilt. Dresden hat die Zahl 73, ist also der 3. Unterbezirk in dieser Hauptprovinz, und Chemnitz sst der 7. Unterbezirk, da Chemnitz die Zahl 77 hat. Plauen hat die Zahl 79 usw. Für den 6. Bezirk ist München die Hauptstadt mtt der Zahl 8. Würzburg hat die Zahl 81 als erst« Unteibezirk, Bamberg 82 als zweiter, Nürnberg 84 als vierter, Augsburg 68 als achter. Stullgart sst hie Hauptstadt des 5. Wirsschastsbezrrks mit der Zahl S. Aus der Zahl 32, über die Mannheim verfügt, geht. hervor, daß diese Stadt zweit« Unterbezirk ist. und aus der Zahl 534. hinter der sich die Stadt Pforzheim verbirgt, erkennt man. daß diese Stadt zum Hauptbezirk Stullgart und zum Unterbezirk Karlsruhe mll der Zahl 53 gehört. Der Bezirk 4 ist Frankfurt a. M. Koblenz hat die Zahl 44 und Bann 442, also gehören alle diese Städte innerlich zusammen Das gleiche gill für den Bezirk 3 Köln, und man weiß mmmehr, wohin man Münster mtt der Zahl 31 zu versetzen hat. ebenso wie Dortmund mit der Zahl 34. Düsseldorf mll der Zahl 36. Barmen mll der Zahl 38, Elberfeld mll der Zahl 37. Sie gehören alle zum Hauptbezirk Köln, wie überhaupt sämtliche Städte. zahlen, die mtt einer 3 beginnen. N-rnmehr ist es klar, weiche Bedeutung diese wichtige Neuerung für das deutsche Wirtschaftsleben hat. Man kann dre Städte in der Karthothek nunmehr einfach nach Zahlen ordnen, und der Ge- schäftsreisende. der einen bestimmten Bezirk zu versorgen hat, er- bält den Auftrog, die Städte Nr. 31 bis 319 zu versehen. Cr nimmt dann das Verzeichnis heraus und braucht sich nicht mehr um Land- karten zu kümmern Auch für den Postbetrieh wird in Zukunfr die Numerierung d« Städte von groß» Bedeutung sein, besonders wenn es sich um Namen Handell, die vielfach vorkommen, wie z. B. Neustadt und ähnliche. Man wird nunmehr vor die Namen einfach die Numm» setzen, so daß ein Irrtum ausgeschlossen sst. Auch im Telegrammverkehr wird diese neue Methode voraussichtlich in Zukunft sehr fruchtbar werden, denn sie wird eine bedeutsame Er- Mäßigung der Ausgaben«möglichen. Das große Werk, da- mehr als 1290 Sesten umfaßt, sst sin Verlag Paul Rüth, Leipzig, erschie- neu und bringt sämtlich« Orte und ihre Zahlen. Uebrigens ist darauf Hinzumeifen, daß auch die Länder bereits Zahlen haben. denn das.Irsstillll International de Bibliographie" im Brüssel hat auch die Numerierung der Staaten und Provinzen vorgesehen und dadurch die Grundzüge für den Aufbau der Ortsnumeriemng innerhalb der Länder aufgestellt. So hat z. B. England die Staaten- numm« 42. Deutschland 43, Oesterreich 438, Tschechoslowakei 437, Frankreich 44. Italien 45. Spanien 48, Portugal 489, Rußland 47. Schweiz 494. Japan 52, Aegypten 82, die Vereinigten Staaten 73 usml Die Staaten nummern werden«ngek'ammert, so daß eine Adresse(43) 8.642 in kürzester Form die Stadt Neustadt in der Näh« von Nürnberg in Boyern in Deutschland bedeutet. 3m IbUergeebooi sum Hordpol Di« Mitteilung des bekannten Polarreisenden Sir Hubert Wilkins. daß et beabsichtig«, im Iull dieses Jahres im Unterseeboot bis zum Nordpol vorzudringen, erregt großes Aufsehen. Wilkins sst der Ansicht, daß die Fahrt mll dem Unterseeboot sicherer sei als mll dem Flugzeug, daß man außerdem die Gewösser des Polar- Meeres genau erforschen könne. Eine ameritanssche Gesellschaft für Unterseeboote hat ihm auch bereits ein Fahrzeug zur Verfügung ge- stellt. Sachverständige glauben ab«, daß Wilkins besser noch die neuesten Verbesserungen d« U-Boot« abwarten sollt«, die 1930 voll- endet sein werden Seine Fahrt werde dadurch sicherer vonstallen gehen. Ein Unterseeboot, das in einer Ties« von 150 Fuß fährt. dürft« nach der bishuigen Kenntnis des Palarmeeres durch keine Cismassen gehindert werden: durch die Verwendung von Spreng- stoffen ist es ab« möglich, große Löcher in den Eismassen hervor» zurufen, durch die man an die Oberfläche emportauche« kann. Parteinachrichten Cinfendungen für diefe Rubrik find Berlin G 68, Sindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Treppen rechts, zu richten. Zu der am Sonntag, dem 7. April, angesetzten Flugblattverbreitung ersuchen wir alle Parteimitglieder um rege Beteiligung. Wo in den Abteilungen nichts anderes vereinbart ist, ist der Treffpunkt in den Abteilungslokalen. Der Bezirksvorstand. 1. Areis Mitte. Arbeitsgemeinschaft des 1. Rreifes bagt wieder am Freitag 5. April, 19½ Uhr, in der Johannisfte, 14-15. 3. Kreis Wedding. Freitag, 5. April, 19 Uhr, bet Bende, Rolonieftr. 147, Sigung des erweiterten Rreisvorstandes. 5. Kreis Friedrichshain. Bildungsausschuß. Fortfegung des Rommunal. Eurfusses am Freitag, 5. April, in der Schule Betersburger Straße, Zimmer 6. Beginn pünktlich 19% Uhr. Leitung: Genoffe Stadtrat Günther. Die Abteilungsteilnehmer werden bringend gebeten, vollzählig zu erscheinen. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, 5. April, 19% Uhr, bei Krüger, Grimmft. 1 Gigung des erweiterten Kreisvorstandes. 7. Areis Charlottenburg. Eonnabend, 6. April, 17% Uhr, Ausgabe ber Bücherkreiswerte an die Abteilungsvertreter. Die Genoffinnen unb Genoffen werden gebeten, bie Filmveranstaltung der Kinderfreunde und der Sozialistischen Arbeiterjugend am Sonntag, 7. April, im Wohlfahrtsfaal ber Baugenossenschaft, Rönigin- Elisabeth- Str. 6, zu besuchen. Vorführung für Rinber am 16 Uhr. Für Erwachsene 19% Uhr. Da der Ueberschuß für die Ferienfahrten bestimmt ist, bitten wir um zahlreiches Erscheinen. 9. Kreis Wilmersdorf. Sente, Donnerstag, 4. April, 20 Uhr, im Bittoriagarten, Wilhelmsane 114-115, Areisvertreterversammlung. Tagesordnung n. a. Stellungnahme zum Bezirksparteitag. 13. Streis Tempelhof. Die heutige, Donnerstag, 4. April, turnusmäßige Gigung des Bildungsausschusses findet 19% Uhr bei Niendorf, Chauffeeftraße 19, ftatt 10. Kreis Köpenid. Kommunaler Kursus. Freitag, 5. April, pünktlich 19,05 Uhr, im Bezirksverordnetenfigungsfaal bes Rathauses in Röpenid, Schloßftr. 4. Thema: Tarifwefen. Referent: Dr. Bollbrecht, Direktor beim Tarifvertragsamt. Heute, Donnerstag, 4. April: 78. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei König. Feurigstraße Ede Georgstraße, Funktionärsigung. 102. Abt. Baumschulenweg. 19 Uhr bei Haß, Baumschulenstr. 71, außer orbentlich wichtige Funktionärfizung. Die Sigung muß infolge Beschlußfaffung über die Maifeier bereits am heutigen Tage ftattfinden. 119. Abt. Lichtenberg. 19% Uhr bei Bark, Möllendorfstraße. Funktionärkigung. Morgen, Freitag, 5. April: a. Abt. 19% Uhr im Gaal 3 bes Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25, mich tige Funktionärsigung. 4. Abt. 19% Uhr bei Branbis, Stralauer Str. 10, Funktionärftgung mit ben Kreisbelegierten. 5. Abt. 20 Uhr bei Lehmann, Bartelstr. 7, Funktionärsigung. 6. Abt. 20 Uhr bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11, Funktionärligung. 26. Abt. 19% Uhr Borstandsfigung. Um 20% Uhr Funktionärßigung mit den Rreisvertretern im Lotal Reche, Mezer Str. 26. 82. Abt. 20 Uhr bei Rromphardt, Baul- Singer- Str. 49, Funktionärligung. Gewerkschaftsbuch und legte Borwärtsquittung ist mitzubringen. Die Gruppenführer müssen die genaue Mitgliederzahl der Gruppe angeben. Ebenfalls die genaue Anzahl der gebrauchten Flugblätter für jede Gruppe. 38. Abt. 19% Uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88, Funktionärsihung. Bichtige Mitteilungen für die Rahlabende. 55. Abt. Charlottenburg. 20 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, Funt tionärsigung. Schöneberg. 77. Abt. 20 Uhr bei Jürgens, Barbarossaftr. Ba, Funktionär fizung. 79. Abt. 20 Uhr bei Grunow, Geßlerstr. 13, Funktionär ligung. 81. Abt. Friebenau. 20 Uhr bei Rlabe, Handjernstr. 60-61, Funktionärsigung und Ausgabe des Mitteilungsblattes. 85. Abt. Tempelhof. 20 Uhr bei Pommerening, Berliner Str. 100, erweiterte Porftandsfihung. Reukölln. 89. Abt. 20 Uhr bei Grommed, Ganberstr. 10, Funktionärügung. 97. Abt. 19 Uhr bei Rohr, Siegfriedstr. 28-29, Funktionärsizung. 29 Abt. Briz- Budow. Alle Bezirksführer holen um 20 Uhr Material Dom Abteilungsleiter Günther, Chauffeestr. 48, ab. 118. Abt. 2ichtenberg. 19% Uhr bei Lenz, Magdalenenstraße, Funktionär fizung. Wichtige Tagesordnung. 120. bt. Friebrichsfelbe. 20 Uhr bei Schwara, Capriolallee, Funktionärsikung. Besondere Einladung erfolgt nicht. 128. und 130. Abt. Wantow. 19% Uhr in Klemms Bierhallen, Berliner Straße 118, Funktionärsizung. Achtung! Borstandssigung bereits eine halbe Stunde früher im gleichen Lokal. Sonnabend, 6. April: 1. M, 19% he bei Spiegel, Aderfiz. 1. Funktionärfügung. Frauenveranstaltungen. 186, Steinidendorf- D. Die Besichtigung des Blanetariums finbet erit am 12. April flatt. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Kreisleiter Ronferens. Freitag, 5. April, pünktlich 19% Uhr, im Bertragssaal bes Barteivorstanbes, Lindenstr. 3, II. Sol, 2 Trp. Tagesordnung: 1. Generalversammlung am& April, 2. Berichiebenes. Um vollzähliges und püaltliches Erscheinen wird gebeten. 11. Areis Schöneberg. Seute, Donnerstag, 4. April, 20 Uhr, im Rathaus Schöneberg, Selfersizung. Vortrag: Die Frankfurter Tagung". Referentin: Dr. Clara Henriquies. 14. Kreis Neukölln. Am Sonnabend, 6. April, pilnktlich 19 Uhr, Gigung bes erweiterten Borstandes mit ben Delegierten zur Generalversammlung im Rathaus, Berliner Straße, Zimmer 137. Jungjozialisten. Grappe Süben. Freitag, 5. April, 20 Uhr, im Jugendheim Dordtr. 11, Humoristischer Abend. Gruppe Wedding- Gesundbrunnen. Wir beteiligen uns gefchloffen an ber Internationalen Rundgebung der SAJ. 19% Uhr im großen Saal der Neuen Welt, Hafenheide, heute, Donnerstag, 4. April. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Selferkursus Nordost, Prenzlauer Berg und Lichtenberg. Achtung! Der Selferlursus fällt heute, Donnerstag, wegen der Rundgebung der SA3. aus. Gruppe Treptow, Am 6. und 7. April veranstaltet die Gruppe Treptow im Jugendheim Elsenstr. 3 eine Ausstellung von Kinderarbeiten und wir laben alle Kinderfreunde nnd Parteigen offen hiermit herzlich ein. Selferkursus Südosten. Heute, Donnerstag, fällt der Rurfus in der Ganghoferstraße wegen der Internationalen Rundgebung" aus. Kreis Kreuzberg. Achtung! Unfere Kreishelferfißung findet am Montag, 8. April, 19% Uhr, im Jugendheim Brißer Straße ftatt. Geburtstage, Jubiläen usw. 80. Abt. Schöneberg. Unserem alten trenen bewährten Genoffen Ferdinand Otto, Rubensstr. 42, die herzlichsten Glückwünsche zum 75. Geburtstage. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 37. Abt. Unfer Genosse Rutt Müller, Heibenfeldfte. 21, ift verstorben. Seine unermüdliche Tätigkeit auf allen Gebieten der Arbeiterbewegung beftimmt uns, feiner stets in Ehren zu gedenken. Einäscherung am Freitag, 5. April, 2015 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 47. Abt. Unfer Genoffe Hermann Lochow, Mustauer Str. 37, ift am 1. April verstorben. Ehre seinem Anbenten. Beerdigung am Donnerstag, 4. April, 14 Uhr, auf dem Thomasfriedhof in Neukölln, Hermannstraße. 51. Abt. Charlottenburg. Unfer Genoffe Hugo Müller, Haefelerftr. 13, f Derstorben. Ehre seinem Andenken, Trauerfeier am Donnerstag, 4. April, 15 Uhr, Kleine Rapelle, Eildmeftfriedhof in Stahnsdorf. Abfahrt von Char. lottenburg 14,20 Uhr. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für diefe Rubri? mar an bas Jugendfefretariat Berfin G 68, Linbenftraße 3 Boranzeige! Montag, 8. April, Borfigenbentonferenz im Gigungsfaal bes Bezirksamts Kreuzberg, Dordftr. 11. Jede Abteilung muß vertreten fein! Die Cammellisten für Wien müssen abgeholt werben. Die Revisoren müssen heute aweds Gaalfontrolle pünktlich 18% Uhr in der Neuen Belt" anwesend sein. Heute, Donnerstag, 19% Uhr, Treffpunkte zur Internationalen Kundgebung in der neuen Welt", Hasenheide. Schön Rosenthaler Vorftabt: 19 Uhr Rofenthaler Blak, Normaluhr. hauser Borstadt: 18% Uhr U- Bahnhof Nordring. Schöneberg IV R.F.: 18% Uhe Raiser- Wilhelm- Blah. Steglig: 18 Uhr Rathausplag, pünktlich. Röpenid: 18% Uhr Lindenstraße Ede Bahnhofstraße. Lichterfelbe: 18 Uhr Händelplag. Werbebezirk Lichtenberg: 18% Uhr Rote Ede"( Gürtelstraße Ede Frant furter Allee). SSG. Webbing: 18 Uhr Bringenallee Ede Babftraße. Vorträge, Bereine und Versammlungen. 冬 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianstr. 37/38, Sef 2 St. Conne Freitag, 5. April. Kreuzberg. 20 Uhr Berfammlung. Sug, 1 bei Seehal, Willibald- Aleris- Str. 5. 8ug 6 bei Mendler, Dieffenbach ftraße 54. Spandan. 20 Uhr Mitgliederversammlung in den Bittoriafälen Grunemaloftraße. Bortrag des Rameraden Abter über: Frankreich und Deutschland". Lichtenberg. Rameradschaft Guftav Tempel. 20 Uhr Vollversamm Yung bei Eichler, Magnerstraße Ede Agpodienstraße. Die Kameradschafts funktionäre baben reftios au erscheinen. Wichtige Tagesordnung. abenb, 6. April. Friedrichshagen. II. Bug. 20 Uhr im Brauftübl, Geeftr. 22, Bortrag mit Lichtbildern. Stellungnahme zur Verfassungsfeier und zur Autoo fahrt. Anschließend gemütliches Beisammenfein mit Angehörigen. Kreuzberg Bug 8. Unfer Ramerab Hermann Loche ist plöglich verstorben. Beerdigung Donnerstag, 14 Uhr, Thomastirchhof Neukölln, Sermannstraße. Rege Beteili gung erbeten, Friebrichshain. Einäfcherung des Rameraben Rurt Müller am Freitag, 5. April, 20% Uhr im Arematorium Gerichtstraße. Treffpunkt mit Fahnen in Bannerkleidung 20 Uhr im gofal Gericht. Ede Abolfftraße. Tut. abend in der Memeler Straße fällt aus. Tiergarten Westen L. Rame rabschaftsversammlung am Freitag, 5. April, 20 Uhr, bei Rlofe, Ligom- Ufer Ede Dörnbergstraße. Kamerab Ehlert spricht über: Demokratic oder Dil tatur"! Reichsbund ber Ariegsbeschäbigten, Ariegsteilnehmer und Ariegerbinter liebenen, Ortsgruppe SB. 16. Mitgliederversammlung am Freitag, 5. April, 20 Uhr, im Restaurant Ságrheim, Noftis, Ede Urndtstraße Bund heimattrener Ostpreußen E. B. Bezirksgruppe Charlottenburg. Gonne tag, 7. April, im Charlottenburger Rathaus, Berliner Gt. 72-73, Werbeabend für den oftpreußischen Seimatsgedanken. Beginn 19 Uhr. Redner: Schriftsteller Dr. Fris Glowronnet. Landsleute und Freunde ber Proving Oftpreußen millkommen. Beute Gruppe Often, Freie Arbeiter- Elperanto- Bereinigung Berlin, findet tein Rurfus und Gruppenversammlung ftatt, sondern wir beteiligen uns an der Jnternationalen Annbgebung" ber SAJ. in der Neuen Welt" Safenheide. Aurafchriftverein Charlottenburg e. B.( Einheitsturzschrift). Dienstag und Freitag, 19-21 Uhr, Anfänger, Fortgeschrittenen-, Rebefchrift- Lehrgänge, Siemens- Oberreal- Schule, Schloßfte. 27. Auskunft: Otto Adam, Charlotten burg 5, Gophie- Charlotte- Str. 78. Telephon: Bestend 1550. Bund Berlin für Einheitsturzschrift. Uebung in allen Gefchwindigkeiten jeden Freitag von 20-22 Uhr im Franzöfifchen Gymnafium. Reichstagsufer 6. am Reichstagsgebäude, und jeden Dienstag von 20-22 Uhr im Schulhause Utrechter Str. 30-31( am Bedding). Auskunft: Fris Blauschinn, Berlin Zehlendorf, Waldemarstr. 8. Deutsche Liga für Menschenrechte E. B. Klubabend. Montag, 8. April 20 Uhr, ehemaliges Herrenhaus, Leipziger Str. 3( Gaal 141). Oberftudien direktor Dr. Siegfried Kawerau spricht über: Der Rampf um das Geschichts buch Ein wichtiger Beitrag zur Erziehungsfrage. English Conversational Club founded 1878." Meetings every Friday 8 p.m. Café Josty, Potsdamer Platz. Lecturer: Mr. Hoog on: Passions and Temperaments". Guests. Ladies& Gentlemen, are welcome. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todes- Anzelgen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Rohrleger Wilhelm Barbknecht geb. 2. Juni 1874. am 30. März ge ftorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 4. April, 16 Uhr, von ber Zeichenhalle des Bartholomäus- Rirchhofes in Weißenfee, Falkenberger Chauffee, aus statt. Am 1. April starb unser Rollege, der Arbeiter Wilhelm Wloch geb. 7. Januar 1873. Die Einäscherung findet am Sonnabend, bem 6. April, nachmittags 12 Uhr. im Krematorium Berlin Gerichtstraße, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet. Die Ortsverwaltung. Seute nachmittag 1 Uhr ging unjer lieber Bater Franz König Aur Ewigkeit ein. Sein geben war Dienst an Bolt und Baterland. Franz König. Maffow Marie Rehlaff, geb. Rönig Craft Rönig Mag Rönig Frieda König Georg Rönig, Groß- Radill Charlotte König. Gollnow, ben 2. April 1929. Die Beerdigung findet am 5. April, 17 Uhr, vom Trauerhause, Bleichstr 1, aus ftatt. Das Finanzamt Oberipree wird an den Tagen vom 8. bis 10. April von Alexanderftraße 46/48 nach Baumichulenweg, Rintart ftraße 13( Ede Bobelfd winghstraße), berlegt. Die Finanzlaffe ist am& April geschloffen und vom 9. April ab in den neuen Räumen ge öffnet. Für die übrigen Dienststellen wird. eine Stelle zur Entgegennahme dringender Anträge am 8. April Aleganberite 46-48, am 9 und 10. April Rintartstr. 13 ge öffnet fein. Der Präsident des Pandesfinanzamts Berlin. Kinder- Hut aus Exotenstofi, mit Stickerei 499 Bum Schulanfang! Kinder- Hut einfarbig a.zweifarbig, 90 Strohm. 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