Morgenausgabe Nr. 158 A SO 46. Jahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 8,60 Itt. tm voraus zahlbar. Postbezug<82 M. «inschließlich VO Pfg.Postzeiwngs« und 72Pfg Postbestellgebühren. Ausland»» abonnemenl 6,— M. pro Monat. Der„Coraarts* erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlu» und tm Handel mit dem Titel.Der Abend-, Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit- und.Ainderfreund". Ferner �Unterhaltung und Wissen-..Frauen» stimme-..Technik-.Bliil in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" Berliner volksvlatt Zreiiag 5. April 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf, e f uf p altige Nonpareillezetle ~" eile 5- Reichs» mark,„kleine Anzeigen' das ettge» Die Wm 80 Pfennig. Reklame eile J art.„ftlei druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettaedrucne Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile SO Pfennig. Familtenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschäft Linden» ftraste 3, wochentögl. von S'/a bis 17 Uhr. Jentvalorgan der Sozialdemokratischen HSavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrotze 3 (yemltiredjft: Tönbofl 292—297 lelegramm.Adr: Sozraldnnokra» Cetil* Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Poftscheckkomo: Cerlln Z7SSS— CanNonto: Bank det atbettet,«ngefiellien nnb Ceamten ffioUfn. 65. Dlikonlo-Gelellschait. Deposilenkalie Lindenstt 5 Deutsch« Gegenfragen in Paris. Kein ziffernmäßiges Angebot Dr. Schachts. Paris. 4. April.(Eigenbericht.) Die Tachverständigenkonferenz hat am Donnerstag ihre Arbeiten wieder aufgenommen. Zunächst wurden die Memoranden eingehend durchgesprochen, die die alliierten Delegationen und der Vorsitzende Qwen Houng gemeinsam in der letzten Vollsitzung vor Lstern' übergeben hatten. Diese Memo- randen stellen keineswegs ein Ultimatum dar, wie es die Pariser Presse glauben machen wollte. Sie sind lediglich als ein Vorschlag einer Diskus- sionsbasis für die ziffernmäßige Festsetzung der deutschen Schuld anzusehen. Von der deutschen De- legation sind dazu eine Reihe von Fragen gestellt worden. Angesichts der Bedeutung dieser Gegen- fragen wurde beschlossen, sie schriftlich abzufasse» und schriftlich zu beantworten. Gleichzeitig sollen die mündlichen Verhandlungen weitergehen. Am Freitag vormittag findet eine Besprechung zwischen Dr. Schacht und den Führern der vier alliierten Delegationen statt. Dieser Besprechung sollen später eine Reihe von Einzelaussprachen folgen. Entgegen den Darstellungen der Pariser Presse hat Dr. Schacht bisher darauf verzichtet, irgendein festes, ziffernmäßig bestimmtes Angebot im Namen Deutschlands zu machen. Die Diskussion über die Festsetzung der deutschen Schuld, die die Pariser Presse als einen heftigen Kuhhandel, als einen wahren Zank um Millionen und Milliarden darzustellen beliebt, läuft in Wirklichkeit in ganz anderen Bahnen ab. Die gute Verhandlungsatmosphäre ist bisher nicht einen Augenblick getrübt worden und die Konferenz hat am Tonnerstag nochmals ausdrücklich festgestellt, daß die Angriffe der Pariser Presse gegen Dr. Schacht jeder sachlichen Begründung ent» b e h r e n. Eine neue Vollsitzung ist vorläufig nicht vor- gesehen. Der Vorsitzende Lwen Zoung wird die Einladungen dazu vielmehr erst ergehen lassen, wenn in den nächsten Besprechungen ein Ergebnis erzielt sein sollte. Die Lugend marschiert! Znternaiionale Kundgebung in der„Neuen Welt". � Internationale Kundgebung der Arbeiterjugend in der„Neuen Welt' Neukölln, das bedeutet ein riesiger Saal, überfüllt mit jungem Leben, sprudelnd, lärmend und selbst die vereistesten Gemüter er- wärmend, erlösend, befeuernd. Ein ungeahntes Geschwirre. Stimmen summen durcheinander, vereinigen sich zu einem grandiosen Chor. Der Saal ist lange vor Beginn der Veranstaltung überfüllt. Immer wieder strömen neue Massen in den Saal, der plötzlich zu Nein ge- worden ist. Man drängt sich in den Gängen, füllt die Emporen, keine Nadel kann zur Erde fallen. Ueberall strahlen junge Gesichter. zeugen für die Unverwelkbarkeit, für die ewige Jugend des sozialistifchen Geistes. Innerhalb ernster Diskussionen und wichtiger Organifations- arbeit soll dieser Abend der Oesfenllichkeit kund ivn, wie geschlossen das junge internationale Proletariat hinter dem Gedanken der Welt- Verbrüderung des Sozialismus steht. Kurz nach �8 Uhr ziehen die Fanfarenbläser und Trommler aus die Bühne, schmetterten ihren Gruß der freudig aufhorchenden Menge entgegen. Schon vorher standen.draußen in den Vorräumen Slandartenträger mit roten Fahnen, die letzt unter freudigem Bei- sallsjubel in den Saal schreiten. Sie gruppieren sich aus der Bühne imd füllen, da die Bühne nicht für alle Platz Hot, auch die Gänge. Deutschlands proletarisch« Jugend marschiert! Genosse Ludwig Diederich entbietet den Gruß. In kurzer, gedrängter Rede«niwirft er ein Bild von der augenblicklichen politi- schen und wirtschasllichen Lage. Dies« internationale Kundgebung zeigt den starken ungebrochenen Willen des jugendlichen Proletariats zur Jnternationalität. Die Internationale ist unsere Welt, die rote Fahne die, der wir folgen wollen. Sie bedeutet das stärkste und lebendigste Symbol für alle jungen Menschen. Wir leben in einer Zeit sozialer und wirtschaftlicher Spannung. Ueberall wird der Forlschritt gehemmt. Die junge Arbeiterschaft muß sich zur sozialistischen Idee bekennen. Organisierter Kamps heißt die Parole. Kampf um wirtschastliche und politische Macht Aber daneben be» tont auch die proletarisch« Jugend den Willen des Proletariats zu einer neuen Kultur. Sie erstrebt Neugestollling der Gesell- schaft auf der Basis einer sozialistischen Weltanschauung. Daraüf spricht Genosse Koos Vorrink- Holland über Jugend und Internationale. Die arbeitende Jugend muß die Probleme der Zeit kennenlernen. In erster Linie steht das wirtschaftliche Problem. Es gilt gegen die Wirtschaftsdiktatur Front.zu machen. Das zweite Problem liegt im Politischen, im Kampf zwischen Demokratie und Diktatur. Aufgab« der Jugend ist es, jede Diktatur zu verhindern. Der freie demokratische Staat ist dos Ideal und die Jugend der Träger dieser Idee. Und zum Letzten gilt es, den Frieden zu sichern. Der Anfang ist im Völker- bund gegeben. Er sollt« das Machtinstrument gegenüber der An- maßung der einzelnen Länder sein, und um diese Idee zu verwirk- lichen, muß die Jugend beitragen. Immer mehr fühlt man das Anwachsen einer starken internationalen Gesinnung und die Tagung.en der Arbeiterjugend legen für die Erstarrung des mter- nationalen Gedankens Zeugnis ab. Richard Lind ström aus Schweden führte das onge- schlagene Thema in seinem Referat„Jugend und Frieden' weiter aus. Alle Regierungen haben bei Kriegsende versprochen, den Frieden zu schassen, aber das Versprechen ist nicht verwirklicht worden. Nur die Macht der internationalen Sozialisten kann den definitiven Frieden sichern. Ueberall wird die bürgerliche Jugend systematisch für den Krieg vorbereitet, deshalb muß die proletarisch« Jugend das Gegengewicht geben und für den Frieden eintreten. Darauf zeigte ein Film Bilder aus dem Leben der Arbeiter- jugend und die Zeltstadt bei der Amsterdamer Tagung. Am Schluß sprach Felix Könitz- Wien. Diese Kundgebung, groß und begeisternd, lieferte den Beweis, daß die proletarische Jugend keineswegs gewillt ist, sich durch irgendwelche schönNingenden Phrasen, gleichgültig, ob sie aus einem extrem rechten oder linken Loger kommen, beeinflussen zu lassen. 35 000 jung« Proletarier werden auf der neuen Internationalen Tagung in Wien für den Sozialismus zeugen. Äpanafewitfch. Gpll.-Agent und Induftriespion?— Eine Warschauer OarsteUuna. Warschau. 4. April.(Eigenbericht.) „Expreß Po rannt," meldet aus Barano» witscht folgende Einzelheiten über das Ergebnis der Ermittlungen im Fall A p a n a s e w i t s ch. Apanase- witsch bekleidete in Verlin den geheimen Posten eines Agenten der GPU. und überwachte die Mitglieder und Angestellten der Handelsdelegation. Ans diesem Posten entlarvte er sich vor einiger Zeit durch eine Un- geschicklichkeit und wurde nach Moskau abberufen. Aus den vielen Plänen verschiedener Fabrikanla- gen und technischen Zeitungen, die bei ihm beschlag- nahmt wurden, schließen die polnischen Untersuchungs- beamten, daß Slpanasewitsch in Deutschland I n d u- striespionage betrieb. Slpanasewitsch erklärte dem Untersuchungsrichter, daß seine Tat ein politisches Attentat sei und er bedauere nur. das? die Lpicr nur zwei untergeordnete Beamten sind. Er habe schon seit einem Jahre ein Attentat aus einen hervor- ragenden Polen geplant. Im Kokainrausch? Aus Warschau meldet Ostexpreß, daß bei Alanosowilsch gräßere Mengen Kokain gefunden wurden und vermutet wird, daß er im Kokainrausch geschossen habe. Die Warschauer Miltagablälter behaupten a. a„ Atanasowitsch sei nicht Mitglied der Sowjelhondelsvertrelung in Berlin, sondern im Dienst der politischen Botizei(©Up.) tätig gewesen. Einige Blätter äußern auch die Bermulung. daß der Attentäter g e i st e s g e st ö r t sei.____ Polenkrise dauert an. Warschau, 4 April.(Eigenbericht.) Die Reglerungskrise ist am Vonnerstag»roh sieberhaster Konserenzen nicht beigelegt worden. Der Kamps innerhalb des Re- gierungsblocks geht weiter. Die Gruppe der Obersten fordert das Recht aus vesehung des Ministerpräsidentenpostens. sowie der wich. tigslen portcsei'illes. Dem widersetzen sich diejeni"-» im Regierungsblock. die mit dem Parlament zusammenarbeiten wollen. „Immer hereinspaziert..!" Folgen falscher Llnternehmerparolen. Von Arthur Satemus. Der erbitterte Kampf der deutschen Unternehmer gegen die Erhöhung der Löhne und gegen die staatliche Sozial- Politik hat sich in diesen Wochen wieder einmal schroff zu- gespitzt. Eine schlagwortartige Formel dient den Arbeit- geben, als Kampfruf: Kapitalbildung tut not. Die deutsche Wirtschaft bedarf, so sagt man, erheblicher Mittel zur Aufrechterhalrung und Steigerung ihrer Produktion, für Anlagen, Betriebsunterhaltung und Absatzfinanzierung. Der deutsche Kapitalmarkt kann diese Mittel nicht liefern. Der Zustrom ausländischen Kapitals aber ist unerwünscht. Daher soll mehr Kapital im eigenen Lande„gebildet werden". Sehr schön! Nur fällt dabei von vornherein auf, daß die Unternehmer das Kapital nicht da nehmen, wo auch der letzte Arbeiter und Verbraucher dazu beitragen möchte, wenn er es nur könnte. Das Sparkapital der Kleinen. das ja letztlich der Wirtschaft auch zufließt, interessiert unsere Herren Arbeitgeber nicht. Denn sonst könnten sie ja die Er- höhung der Löhne, die ja gleichermaßen einer Stei- gerung des Verbrauches wie der Spartätigkeit zugute käme, nicht so kategorisch zurückweisen. Die Unternehmer wollen vielmehr ausschließlich diejenige Form der Kapital- bildung, die ihnen die unumschränkte Herrschaft über die auf- gesammelten Mittel und damit die Macht läßt, über die Art ihrer Anlage souverän zu verfügen. Warum den— immer nach Arbeitgebermeinung— unnötigen Umweg über Spar- lassen und Wohnungsbau, wozu überhaupt den Ver- braucher als Träger der Sparkraft? Der Arbeiter wird ja so nur zur Entfaltung höchst luxuriöser Bedürfnisse angereizt. Was braucht zum Beispiel der Arbeiter, der schmutzig aus der Fabrik noch Haufe kommt, Wohnungen mit Bad in einer Zeit, in der die armen Generaldirektoren und Aufsichtsräte sich mit einigen lumpigen hunderttausend Mark Einkommen durchhungern müssen? Diese Frage wird allen Ernstes auf- gewoften, und sie erhält ihre schneidendste Schärfe dort. wo die Unternehmer mit der Biedermannsmiene des spar- samen Kaufmannes gegen die sozialpolitische„Ver- schwendung" auftreten. Denn dies heißt nichts anderes als: laßt getrost Schwache. Kranke. Hilfsbedürftige zugrunde gehen; erst kommt die„Wirtschaft", erst kommen Industrie- bürgen und-paläste, erst das„Betriebs" kapital und der Profit! Nicht Kapitalbildung überhaupt, sondern Eigen- kapitalbildung der Unternehmungen ist der Inhalt der Unter- nehmerwünsche. Hohe Preise bei billiger, weil durchrationa- lisierter Erzeugung, niedrige Löhne bei hoher, weil wissen- scbaftlich durckorganisierter Arbeitsleistung sollen den in den Händen der Unternehmer befindlichen Kapitalfonds so stark als nur möglich anreichern. Was aus diesem Kapitalfonds wird, ist Nebensache. Der Unternebmer hat das Recbt— und keiner soll ihn dabei stören—, ihn in unsinniger Weise zu vergeuden. Soll man an das vermoderte Lebenswerk eines Hugo Stinnes«imior erinnern, dessen fünften Todes- tag man dieser Tage fast überall mit ach so beredtem Schwei- gen beging, derweil sein Sohn wegen Anleiheschiebungen auf der Anklagebank sitzt? Oder soll man daran erinnern, wie selbst von der geaenwärtig so knapven Kapitaldecke Mil- lionen und aber Millionen Mark in Anlagen gepumpt wer- den. die niemals volkswirtschaftlichen Ertrag bringen können. weil schon zu viel gleichartiger Fabriken und Werte bestehen? Wer zählt die Summen, die so in über- flüssigen Kokereianlagen, in Röhrenwerken, in der Zemeqt- industrie und in anderen dauernd unterbeschäftigten Ge- merbezweigen, nicht zuletzt in einem gänilich unproduktiven Zwischenhandel festgelegt und festgehalten werden? Unter dem Schutz einer Verbandspreispolitik und unsinnig boher Zölle gedeiht ja hier der Profit auch dann, wenn die Leistungsfähigkeit solcher Unternehmungen nur zur Hälfte, wenn nicht noch weniger ausgenutzt wird. Der Unternehmer verlangt eben selbst das Recht auf Vergeudung der Mittel. die dem verbrauchenden Volk durch Unterentlohnung oder Preisttberhöhung vorentbalten werden. Ist«s nicht einfach Unfug, für ein solches Idol der Wirtschaftsführung den Massen das Recht auf den Ertrag der Arbe't. ihrer Arbeit, zu beschneiden? Der Unfug wird aber zum Wahnwitz, wenn als Folge solcher Politik— die ja mit der nationalen Phrase geführt wird!— die Uebereiqnung deutscher Produk- tlons statten ans Ausland eine künstliche Förde- rung erfährt. Tatsachen sprechen Hier deutlicher als noch so schöne Theorien der Herren Arbeitgebersyndizi. Nur allzu wenig wurde der in dieser Hinsicht außer- ordentlich lehrreiche Fall beachtet, der si-h kürzlich in Südwestdeutschland ereignete. Die Opel- Werke, das best- organisierte deutsche Automobilwerk, wurden vom mächtig- sten amerikanischen Autotrust als euroväischer Stützpunkt auserkehen und angekauft Daraus, daß die Leitung der Opel-W?rke das für sie»nd vielleicht auch für ihre Arbeiter- schaft vorteilhafte Geschäft einging, ist ihr sicherlich kein Vor- wurs zu machen. In Deutschland steht überschüssiges Kapital ja leichter für unproduktive Zwecke der Schwerindustrie und der Großagrarier als für ein wirklich hochwertiges, von fremder Konkurrenz bedrohtes Verarbeitungswerk zur Ver- fügung, wie an �and der erwähnten Beispiele bereits an- gedeutet werden konnte. Aber wodurch sahen sich die Ame- rikaner oeranlaßt, zunächst 125 Millionen Mark in den für ihre Begriffe zwerghaft kleinen Rüsfelsheimer Betrieb hineinzustecken? Sicherlich doch nicht deshalb, weil ihr die Profitmöglichkeiten zu gering sind. Heute weiß man. daß die Opel-Werke mindestens längere Zeit hindurch an ihrem kleinen Wagen, der zu den billigsten Deutschlands gehört, rund die Hälfte der aufgewandten Kosten verdient haben. Die Gewinnspanne mag manchmal ge- ringer gewesen sein, die Umstellung ist aber auch noch nicht vollendet, sondern soll jetzt erst noch forciert werden. Was ergibt sich als Folgerung? Die Amerikaner, die bisher nach Deutschland große A n- leihen legten, beginnen es vorteilhafter zu finden, ganze Werke anzukaufen und ihrem eigenen Säckel die ge- waltigen Profitspannen zuzuführen, die die deutschen Unter- nehmer aus Gründen der„K a p i t a l b i l d u n g" ein- heimsen zu müssen glauben. Warum sollten sie sich auch mit einem bescheidenen Zinsgewinn aus Anleihen zufrieden geben, während ihnen 20, 30 und mehr Prozent in der Pro- duktion winken und sie obendrein dank der famosen deutschen Verbandspreispolitik einen riesigen, durch Ueberteüerung ausgehungerten Markt für billige Waren vorfinden? Der Wunsch nach einer übersteigerten Profitquote, der sich hinter dem Schlagwort von der Kapitalbildung verbirgt, half dem deutschen Unternehmen nicht über die Sibwierigkeit�n hin- weg, die aus der Konkurrenz mit dem stärkeren Ausland zwangsläufig entstehen mußten. Sie wirkte vielmehr als ein Plakat, das nach bewährten Mustern Inschriften trägt wie diese:„Ausländer, kauft deutsche Fabriken" oder: „Immer hereinspaziert, meine Herrschaften, hier wird schauderhaft gewonnen!" Doch es ist grausamer Ernst. Die künstlich erhöhte Profitguote bei künstlich verengtem Markt macht die deut- schen Unternehmungen direkt zum Freiwild für jeden kapitalkräftigen Aufkäufer, der von vernünftigem Produ- zieren und Verkaufen etwas versteht. Steigerung der Profit- quote und weitere Verengung des Marktes aber wären die Folge einer Wirtschaftspolitik, die noch mehr als bisher dem Idol der Kapitalbildung auf Kosten des Verbrauches nachjagt. Daß in Deutschland trotz aller Klagen hoch verdient wird, das weiß natürlich das Ausland. In den fortgesetzten Spekulationskäufen deutscher Aktien kann man das seit Jahren erkennen. Sonst wäre es ja einfach unverständlich, daß die Aktienkurse gut fundierter deutscher Unternehmungen dauernd über dem Stande sind, der durch die Dividende und allgemeinen Zinssätze bedingt ist. Die Dividenden selbst haben längst aufgehört, Gradmesser des Ertrages zu sein. Das sind eben unvermeidliche Folgen einer Politik, wie sie jetzt von den Arbeitgebern höchst offiziell vertreten wird. Geht aber ein deutsches Werk wegen feiner hohen Gewinn- chancen in ausländisches Hände über, dann drücken die Ur- Heber dieser Politik aus ihre nationalen Tränensäcke, daß sich ihr Patriotenkummer in wilden Bächen über das staunende Publikum ergießt. Man wird es uns hoffentlich nicht ver- denken, wenn wir für dieses widerliche Spiel kein Verständnis aufbringen können. Wir haben ausländische Anleihen, deren Bewirtschaftung dem deutschen Volke überlassen blieb, immer als erwünscht angesehen, wenn sie nicht übermäßig teuer waren und produktiven Zwecken dienten. Die wirklich zweck- mäßige Verwendung aber war, das wußten auch die ameri- konischen Geldgeber, durch die Organe der öffentlichen Wirt- fchaft verbürgt. Da hat man, um die„kalte Sozialisierung" zu hekämpsen, die Zufuhr von Auslandskapital unterbunden und eine Art Einfuhrsperre gegen festverzinsliches Auslands- kapital aufgerichtet. Der Erfolg ist jetzt da. Wenn der Hunger großer Volksmassen nicht einmal der Erhaltung der Produktionsmittel im eigenen Herrschafts- bereich, fondern ihrer planmäßigen Auslieferung an mäch- tigere unkontrollierte Auslandsgruppen dient, dann haben wir nicht nur als Arbeitnehmer, sondern auch als Staats- bürger die Pflicht, uns dem mit aller Kraft entgegenzu- stemmen. Daher ist aktive Lohnpolitik dringend nötig!_ „Die von der Krankheit leben.. Beschimpfung von Arbeiterpatienten auf dem Ehirurgenkongreß. In Berlin tagt gegenwärtig die Deutsche Gesellschaft' für Chirurgie, die sich mit ärztlichen Vorträgen aus dem speziellen Heil- gebiet beschäftigt. Bei der Gelegenheit hat— nach dem Bericht der „Telegraphen-Union"— auch Professor H a b e r e r- Düsseldorf gesprochen und zwar behauptete er, daß sich das„K r a n k e n m a t e r i a l" der Düsseldorfer Klinik bezüglich der Art der Krankheit, der Verträglichkeit von örtlicher Betäubung usw. wesentlich von dem unterscheidet, das er während feiner Tätigkeit in Tirol und Steiermark kennenlernte. Besonders aufgefallen ist ihm aber an seinem Düsseldorfer„Makerial" die ungeheure Zahl der kranken, die als Träger einer Sozlalverfiche- rung nicht den willen und Wunsch zeigen, ganz gesund zu werden oder die. wie der Vorsitzende bemerkt,„von ihrer krankheil leben". Der geistreiche Vorsitzende, der die Arbeiterpatienten als solche beschimpft, die„von ihrer Krankheit leben", ist Herr E. Payr- Leipzig. Man muß sich den Namen merken, aber auch den eines Klinikers, der sein„Ärankenmaterial" nach solchen unterscheidet, die „nicht den Willen und Wunsch zeigen, ganz gesund zu werden", nur weil die Kosten für ihre Behandlung aus der Sozialversicherung getragen werden müssen. Im Volksbewußtsein sind Leute, die„von der Krankheit leben" ganz andere Leute, als die Arbeiterpatienten. Und sie leben auch meistens besser als diese. Es gibt sogar Chirurgen, die erhebliche Einnahmen aus ihrer Arbeit haben. Wird es einem von ihnen, der sich Phantasiehonorare für eine Operation an Nicht- sozialoersicherten zahlen läßt, einfallen, diese Privatpatienten in gleich hämischer Art zu verdächtigen, wie die Mitglieder von Krankenkassen? Der Vortrag Haberers und die Aeußerung des Vorsitzenden werfen wieder einmal ein Schlaglicht aus das mangelnde psycholo- gische Verständnis gewisser Aerztekreise für das„Material", das ihnen aus Arbeiterkreisen unter die Hände kommt!. Brandler-Mimaium an die KPD. Kapitulation bis 5. April— sonst eigene Listen in Sachsen. Eisenbahnkatastrophe in Südostafrika. In B e i r a(Portug.- Mozambique) entgleiste ein Güterzug beim Rangieren und z e r- trümmerte drei Hütten von Eingeborenen. 18 Einge- borine wurden getötet oder schwer verletzt, Die Rechtskommunisten um Lrandler haben an das Zentralkomitee der KPD. ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihre Bedingungen für eine gemeinsame Führung des Wahl- kampfes in Sachsen aufstellen. Die Hauptbedingungen sind: Eine Erklärung, daß die KPD. bereit ist. eine sozialdemokra- tische Minderheitsregierung zu unterstützen. Aufstellung eines Programms, von dessen Anerkennung und Durchführung die parlamentarische und auß.-rparlamentarisch« Unter- stützung einer Minderheitsregierung durch die Kommunistische Partei abhängig zu machen sei. Vorschlag der Listenverbindung an die Sozialdemokratische Partei. Mit Hilfe dieses Programms unid der„Einheitsfronttaktik" soll eine kommende linkssozialdemokratische Regierung als„bürgerliche" Regierung entlarvt werden. Der Brief der Drandlensten erklärt darüber hinaus der kom- munistischen Zentrale mit dürren Worten, daß die Annahme dieser Vorschläge eine radikale Aenderung des bisherigen Kurses der kommunistischen Zentrale und die Mcverausnahme der Opposition in die Kommunistische Partei zur Voraussetzung habe. Die Brandleristen verlangen von der kommunistischen Zen- trale ultimativ Antwort bis Freitag, den 5. April, widrigen- falls sie eigene Kandidaten bei der sächsischen Landtagswahl aufstellen würden. Die Kommunistenspaliung in Böhmen. Nur Sekretäre hinter dem Politbüro. kladno. 4. April. Die kommunistisch-oppositionelle„Swoboda"(Freiheit) be- richtet über das Ergebnis der Plenaroersammluiig des Kladncer Kreises am 2. April: Bei der Abstimmung trug die Opposition mit 179 gegen 122 Stimmen den Sieg davon. Das Blatt behauptet, daß die Haltung der oppositionellen Abgeordneten und Senatoren die Zustimmung der größeren Orte und Zentren der kommunistischen Bewegung gesunden hat. Während hinter dem Politbureau nur einige Sekretäre ständen, vereinige die Opposition alle bedeutenden Männer der Partei in Kladno und die Bürgermeister zahlreicher Gemeinden. Die Ar- beiterschast bekunde an dem Streit des Politlxureaus mit der Opposition nur eine verhältnismäßig geringe Teilnahme. Das Blatt folgert, daß in der Kommunistischen Partei eine vollkommene Spaltung beginne, für die fast alle Vorbereitungen ge- troffen seien. Mitglieder- und Leserschwund. Prag, 4 April.(Eigenbericht.) Eine Plenarsitzung der kommunistischen Funktionäre Groß-Prags hat eine Entschließung angenommen, in der der Ausschluß der Abgeordneten oder Senatoren Iilek, Touzil, Skalak, Houser, Eibulka und Sture oerlangt wird. In Kladno nahmen die kommunist schen Funktionäre eine. Entschließung an, in der dem Politbureau mit 179 gegen 122 Stimmen das Mißtrauen ausgesprochen wird. Wie das oppositionell-kommunistisch« Brünner Blatt berichtet, sinkt die Mitgliederzahl der Kommunistischen Partei von Tag zu Tag. Aus dem Papier habe die Partei zwar noch 79 009 Mitglieder, es seien aber nur 25 000 zahlende Mitglieder vorhanden. Die Auflage d«s Prager Parteiorgans sei auf 2Z00 gesunken. Trohki. T r o tz k i hat der Reichsrcgierung und der preußischen Staats- regierung durch seinen Rechtsvertreter.Dr. R o s e n s e l d mitteilen lassen, daß er bereit sei. zur Widerlegung der falschen Zeitungs- »achrichten, nach denen er nicht hossnungslos krank sein soll, sich von einer ärztlichen Prüfungskommission unter- suchen zu lassen. Außerdem erklärte sich Trotzki bereit, Deutschland nach der Beendigung seines Kuraufenthaltes wieder zu verlassen. Die Beratungen über den Zto'chsetat. Jraktionssihungen am Oienstag. Die Finanzsachverständigen der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Bayerischen Volkspartei setzten am Donnerstag die Beratungen über den R e i ch s e t o t s und die Deckungsvorlagen fort. Vereinbarungen find nicht getroffen worden. Die Verhandlungen werden am Freitag fortgesetzt. Die Mitglieder der in der Regierung vertretenen Fraktionen sind für Dienstag, den 9. April, telegraphisch zu F r a k t i o n s- f i tz u n g e n nach Berlin berufen worden. Achtung den Reichsfarben! Em Erlaß der Reichsregierung. Entsprechend einer vom letzten Reichstag gefaßten Entschließung hat die Reichsregierung folgenden Erlaß herausgegeben: „Die Reichsregierung erachte es als ein« nationale Pflicht und staatspolitische Notwendigkeit, daß bei Veranstaltungen, an denen Vertreter der Reichsregierung oder der ihr nach. geordneten Behörden teilnehmen, dem Gedanken der Reichs- einhöit und der Reichstreue durch eine würdige Hervor- Hebung der verfassungsmäßigen Reichssorben Schwarzrotgold deutlich Ausdruck verliehen wird. Sie ord- net daher an, daß Vertreter von Rsichsbehörden an Veranstal- tungen, bei denen Flaggenschmuck verwendet wird, nur dann teil- nehmen dürfen, wenn die Reichsfarben an hervorragen- der Stelle gezeigt werden und ihnen überhaupt ein a n g e° messener und würdiger Anteil an dem Flaggekischmuck eingeräumt wird. Vor der Entscheidung über die Teilnahme der Behörden- Vertreter ist festzustellen, ob und inwieweit den Erfordernissen dieses Erlasses genügt ist. Nötigenfalls ist auf eine entsprechende Aus- schmückung in den Reichsfarbcn hinzuwirken. Diese Feststellungen und die etwa erforderliche Einwirkung aus die Veranstalter liegen — gegebenenfalls nach Fühlungnahme mit der am Orte befindlichen Landesbehördc— dem Leiter der in Abschnitt 2 des Erlasses über Hohestsanordnungen vom 20. März 1929 genannter Behörde ob. Die hiernach zuständige Stelle hat das Ergebnis ihrer Fest- ftellungen den übrigen Reichsbehörden, Reichsstellcn und Reichs- anstalten mitzuteilen." Nach Waldeck Lippe. Neue Anschlußverhanvlungen zwischen Schaumburg-Lippe unv Preußen. Bückeburg. 4. April. Der Schaumburg-Lippische Landtag beschloß in seiner heutigen Sitzung, in der zu der Frage des Anschlusses Schaumburg-Lippes an Preußen Stellung genommen wurde, die Landesregierung zu e r- mächtigen, neueVerhandlungen mit Preußen aufzunehmen, nötigenfalls unter Vermittlung des Reichsministers des Innern Die Verhandlungen sollen unter grundsätzlicher An- erkennung des Standpunktes geführt werden, den Preußen der Landesregierung gegenüber in einem Schreiben vom 4. März d. I. eingenommen hat und in dem zum Ausdruck gebracht wird, daß ein Land, welches in Preußen ausgehen will. Preußen soviel Staatsbesitz einbringen müsse, wie der Kopsanteil des preußischen Staatsbürgers im preußischen Staatsbesitz, vervielfacht mit der Einwohnerzahl des anschlüßsuchenden Landes, ergebe. Krach im Hugenöerg-Lager. Oeutschnationaies Durcheinander in Hamburg. Hamburg, 4. April.(Eigenbericht.) In den Kreisen der Hamburger Deutschnationalen ist jetzt ein neuer Konflikt zu verzeichnen. Der deutschnationale Rechtsanwalt und Biirgerschastsabgeordnete Ja c o b se n hat kürzlich in einem Beleidkhungsprozeß gegen Luden- dorff als Anwalt diesen als einen„großen Schädling des deutschen Volkes" bezeichnet. Rechtsanwalt Iacobfen, ein wütender Judenfresser und sehr völkisch orientierter Mann, war während des Kapp-Putsches zum Zivilkommissar von Hamburg aus- gerufen worden und hat mit dem Kreis um Ludendorss stets eng« Beziehungen unterha'ten. Um so größeres Aussehen erregte natur- gemäß sein Urteil über Ludendorss. Der auch den Deutschnatio- nalen sehr nahe stehende Tannenbergbund hat nun gegen Iacobfen als prominentes Mitglied der Hamburger Deutschnationalen Volkspartei eine scharfe Erklärung losgelassen und Iacobsens Aeußerung als Beleidigung„unseres großen Deutschen" bezeichnet. Durch den Vorsitzenden der Hamburger Deutschnationalen Dr. L i e- n a u erfährt der Tannenbergbund jetzt eine förmliche Unterstützung. In der Monatsschrift der Hamburger Deutschnationalen veröffentlicht Dr. Lienau eine Erklärung, in der es heißt, es sei wegen Erkrankung Iacobsens leider noch mcht möglich gewesen, über die tatsächliche Form der Aeußerung eine authentisch« Mitteilung zu erhalten. Er nehme bestimmt an, daß der veröffentlichte Wortlaut einer Aeuße- rung über ülidendorff nicht richtig sei. Sollte die Aeußerung aber eine ähnliche Auslegung auch nur dem Sinne nach Zulagen, so erkläre er mit aller Bestimmtheit, daß der Landesverband Hamburg oon einer solchen Aeußerung mit aller Entschiedenheit abrücken w-'de. Die Erklärung Lienaus zeigt, daß die Gegensätze lrei den Hamburger Deutschnationalen sich immer weiter zuspitzen. Hugenbergs Schützling Lienau ist auf dem besten Wege/ den Ham- burger Landesverband auseinanderzureißen. zür den Ausbau der Volksschule. Die Beschlüsse der Lehrertagung. Dortmund. 4. April.(Eigenbericht.) Im Mittelpunkt der Tagung des Preußischen Lehrer- Vereins stand am Donnerstag ein Dortrag des Lehrers Thor» m a n n- Halle über den Ausbau der Bolksschul«. Der gegenwärtige Ausbau und die innere Gestaltung unseres Volkslchulwefens, so führte Thormann aus, entspreche nicht der Forderung nach einem organischen Aus- und Ausbau des gesamten Bildungswesens der Republik. Die geistige, pädagogische, gesell- schastliche und wirtschaftliche Entwicklung unserer Zeit stelle an die Arbeit und an die Gestaltung der Volksschule Ansprüche, die diese in ihrer heutigen Form nicht erfüllen könne. Di« Rot der Volksschule sind« ihren Ausdruck in dem Fehlen eines bestimmenden Bildungscharakters, in der weltanschaulichen Zersplitterung in der öffentlichen Geringschätzung. Ein wirklich modern/r Volkcschulaus- bau müsse vor allem eine Befriedigung des Bildungs- bedürfnisses der breiten Volksmoffen bringen. Es gelte, den Weg zu einem in Geist und Gestalt einheitlichen Bildungs- wefen zu ebnen. Aus der Tagung heraus wurde die Forderung laut, die V o l k s- schul« bis zum Ende des zehnten Schuljahres grad- linig fortzusetzer». Die Volksschule müsse auch die Aufgaben der Mittelschule bis zu einem gewisser» Grade mit übernehmen können. Zu erstreben sei eine Bereinigung wenig gegliederter Land- schulen zu eigenen Systemen. Die Aufbauschule sei in erster Linie berufen, zwischen Volksschule und höherer Schule die Verbindung herzustellen. Das Berufs- und Fachschulwesen sei mit der Volks- schule in engster Verbindung zu halten. In einer umfangreichen Entschließung wurde die D i s s e- renzicrung in der Bewertung der von den einzelnen Lehrergruppen der verschiedenen Schularten geleisteten Arbeit. wie sie in der Besoldung zum Ausdruck kommt, abgelehnt. Ge» fordert wurde«ine N o v e l l e z u m Besoldungsgesetz Die großen Unterschiede zwischen dem Gehalt der Volksschulklassenlehrer und dem der Schulleiter solle durch Gleichstellung der preußischen Volksschullehrer mit den besser besoldeten Lehrern der übrigen deutschen Länder ausgeglichen werden. In der I u n g l« h r e r s r o g e wurde aus der Tagung die Nichtbewilligung neuer Mitte! für die Iunglohrerschast durch den Hauptausschuß des Landtages kritisiert. Gefordert wurde die Ein- stellung der noch nicht bcichästigten Schulamtsbew-rber in den Schuldienst und vor allem Erhöhung der Monatsoergülung für Hilfslehrer oon l6ö auf 180 M. Die Forderung nach einer kollegialen Verfassung der Leitung und Verwaltung des Schulwesens—«ine alte Forderung des Preußischen Lehrer- Verbandes— wurde von zahlreichen Rednern unlcr stürmischem Beifall abermals erhoben. In verschiedenen Enischließungen wurde Abtrennung der Klüsterdienst« vom Schuldienste und Schulamt und Uebernahme der persönlichen Schullasten aus den Staat gefordert. Im Anschluß an die Tagung findet in Dortmund eine Zu- sammenkunst der sozialdeni akratischen Dele, gierten der Vertreterversammlung statt. Die kommunistische Mdaktion... ... der Max Hölz soeben seinen persönlichen Desuch angekündigt hat. Die Wiener Regierungskrise. Bundeskanzlerwahl erst am Dienstag. Wien. 4. April.(Eigenbericht.) Die Wahl des neuen Bundeskanzlers durch den Nationalrat wird am kommenden Dienstag vorgenommen. Als aussichtsreichste Kandidaten werden der Nalionalralspräsident Gürtler und der ehemalige Handelsminister Heini genannt, beide» gemäfzigiere Christlichsoziale. Geipel zieht sich ganz zurück. Wir m Berlin sind genügend an langandauernde Regierung»- krisen gewöhnt, um nicht schon am Tage nach dem Rücktritt der Bundesregierung in Wien ihre Neubildung zu erwarten. Zunächst haben die Christlichsozialen einen Ausschuß zur Verhandlung mit den anderen Parteien eingesetzt. Der Bundeskanzler und die Bundesminister werden nicht vom Bundespräsidenten ernannt, sondern vom Nationalrat gewählt, wobei jedoch— zum Unterschied von der Wahl der Landesregierung in den Landtagen— nicht Proporz angewendet wird, sondern die Mehrheit entscheidet. Eine Mehrheit im Nationalrat haben weder die Christlichsozialen. noch die Sozialdemokraten, wohl ober die Christlichsozialen mit den Großdeutschen und Bauernbündlern. Aus Wien wird gemeldet: Bundeskanzler Dr. Seipel hat alle Reden und Vorträge, die er in der nächsten Zeit holten sollt«, abgesagt. Sozialistische Beurteilung. Wien, 4. April. Der sozialistische Führer Dr. Otto Bauer erklärte in seiner Festrede bei einer sozialistischen Erinnerungsseier: Der Rücktritt des Herrn Seipel ist für uns allerdings kein« Ueberraschung. Wir haben schon seit einiger Zeit die Meinung gehabt, daß dies« Regierung am End« ihres Kirchenlateins ist. Ich weiß nicht, welche Wirkung die Demission haben wird, aber wenn selbst die Regierung dieser immerhin größten und stärksten Per» sönlichkeit, über die die bürgerlichen Parteien in Oesterreich verfügen, zu Ende ist, kann man daraus lernen, daß es sehr kurz- sichtig ist, zu glauben, daß irgendeine Konjunktur ewig währt Ich weiß vorläufig nicht, ob die Herren zunächst nur Personen aus» wechseln oder ob sie die politischen Methoden ändern wollen. was dringend notwendig wäre. Das werden wir in einigen Tagen sehen. Di« Starrheit und Stahilität des reaktionären Regimes ist aber garn nicht so groß, das beweist der heutige Tag. „Eine wahre Schlächterei." Sagt sogar der amtliche mexikanische Siegesbericht. Zsiexiko-Cily, 4. April.(Eigenbericht.) Den bei I i m« n e z geschlagenen, nordwärt» abziehenden Auf» st ä n d i s ch e n wurde bei Larreforma eine neue Vernich» tende Niederlage beigebracht. Die gesamte Infanterie der Rebellen wurde von den Regierungstruppen eingeholt, umzingelt und nach außerordentlich schweren Verlusten auf beiden Seiten g e- fangen genommen. Der amtliche Bericht spricht von 500 Toten und 500 Verwundeten auf feiten der Rebellen. Er hebt die Tapferkeit der Aufständischen hervor und betont ab- schließend, die Kämpfe seien ein« wahre Schlächterei gewesen. Der Rebellgeneral E s c o b a r und seine Anhänger sind g e» flüchtet. Die Regierung hat den Kriegsminister Calles, den General A l m a z a n, der die Operation geleitet hatte und die Bundes. armee zu ihrem großen Waffenerfolg beglückwünscht. Durch den Sieg, so erklärt die Regierung, sei der hauptteil der auf- st ä n d i s ch e n Militärkräfte vernichtet. Internierte Bundestruppen freigelassen. Washington, 4. April. Präsident h o o v er hat angeordnet, daß die im vergangenen Wonal In El Paso internierten Z00 Wann mexikanische Bundes- truppen sosorl srelgetassen werden. Sie werden als militärischer Schuh für den mexikanischen Generalkonsul l n E l P as o Verwendung finden._ Indiens Auflehnung gegen England. Sine Kundgebung GhandiS. London, 4. April.(Eigenbericht.) Der indische Frekheitskämpser Mahatma Gandhi oer- öffentlicht in seiner Zeitschrist„Iung-Indien" einen hochbedeut- samen Artikel, in welchem er da» Wiederaufleben der„Ron- Kooperationsbewegung', also der passiven Resistenz gegen Großbritannien prophezeit.' In bezug aus die jüngsten wahllosen Verhaftungen kommunistischer oder de» Koinmunisnms verdächtiger Personen schreibt Gandhi, die Regierung sei anscheinend von einer Panik gepackt. Indien kenne die Symptom«, und es mache sich auf eine neue Periode des Terrorismus gefaßt. Die Regierung wolle anscheinend der indischen Bevölkerung beweisen, daß sie in der Lage sei. alle Gesetze aufzuheben und ihre Krallen zu zeigen, die gewöhnlich versteckt sind. Gandhi sagt, daß sich wiederum Tausende in die Gefängnisie werfen lasten müßten, um dieser Herr- schaft der Rechtlosigkeit ein Ende zu bereiten. Die Arbeiten der indischen Lerfastungskommission, der söge- nannten Simon» Kommission, wurden am Donnerstag in einer gemeinsamen Sitzung der dem britischen Parlament angehörigen Mitglieder und de» indischen Komitees in Neu-Delhi abgeschlosten. In einer ausführlichen Rede betonte der Vorsitzende, daß kein Land der Welt so schwierige und miteinander im Widerspruch stehende Verfastungsprobleme aufgebe wie Indien. Simon deutete hierauf an, daß das Ergebnis der Kommission eine Verfassung für- Indien sein werd«, die automatisch«ine Erweiterung der Selbstverwaltung im Sinne der fortschreitende» Selbstbestim- mung ermöglichen werde. Die Verhaftungen in Kowno. Zwei Sozialdemokraten freigelassen. Konmo, 4. April. Don den festgenommene» Sozialdemokraten stich K a i r y» und B j e l i n i s nach ihrer Vernehmung wieder freigelasten worden. Der halbamtliche.Lietuvos Aidas' beschuldigt die Sozialdemokraten staatsverräterischer Umtriebe. Das Verhalten der Sozialdemokraten hätte den Anschein erweckt, als ob sie die jetzige Regierung unterstützen wollten. Die Regierung Hab« das auch ge- würdigt und nichts gegen die Sozialdemokraten unternommen, sie sogar in Beamtenstellen belasten. Di« letzten Ereigniste hätten aber den Beweis erbracht, daß dies« Austastung irrig gewesen sei. Die Sozialdemokraten hätten die Mild« der Regierung dazu ausgenutzt. mit den Landesverrätern Hand in Hand zu arbeiten. Sie hätten ein« Zeitschrift verbreitet(gemeint ist das angeblich bei den Haussuchungen vorgefundene Emigrantenblatt„P i r m y n�. in der aufgefordert werde, die faschistische Herrschaft mit Waffengewalt zu beseitigen, was noch in diesem Jahr geschehen sollte. Weiter verdächtigt.Lietuvos Aidas' die Sozial- demokraten, daß sie von dem im Sommer 1927 erfolgten Putsch in Tauroggen Kenntnis gehabt, vielleicht sogar an der Aus- arbeitung de» Putschplanes teilgenommen hätten. Trauerfeier für Botschafter Kern'ck. Eine Erinnerung an die Augusttage 1914. Paris. 4. April.(Eigenbericht.) In der Pariser amerikanischen Botschaft fand am Donnerstag vormittag die T r a u« r f« i e r für den verstorbenen amerikanischen Botschasler Myrron T. Herrick statt. Der Feier wohnten die Mitglieder der Regierung, das diploma- tische Korps, sowie die Generalität bei. General P e r s h i n g, der spanische Botschafter und Ministerpräsident P o i n c a r ä hielten die Trauerreden. Poincare schilderte im Verlauf seiner Rede die hol- tung des Botschafters bei Kriegsausbruch. Der deutsche Bot- schafler o. S ch o e n Hab« seinen amerikanischen Kollegen gebeten, die deutschen Interesten wahrzunehmen und zugleich auf der d e u t s ch e n Botschaft die amerikanisch« Flagge zu histen.(!) Dem ersten Verlangen habe sich Herrick nicht gut entziehen können, ober das zweite habe er abgelehnt. Herrick habe die Franzosen stets gut gekannt und daher genau gewußt, daß Frankreich am Kriege vollkommen unschuldig gewesen sei. Im Anschluß daran wurde die Leiche nach Brest überführt, von wo aus sie an Bord eines französischen Kreuzers nach Amerika gebracht wird._ Der Fachot-Attenläker nicht geisteskrank? Der Prozeß oegen den Attentäter auf den Oberstaatsanwast im Colmarer autono- mistenprozeß Fachst. Georges Benoit. war aufgeschoben worden, da man aus einigen Krankheitsfällen in seiner Familie aus erbliche Belastung geschlossen hatte. Eine eingehende Unter- suchung soll jedoch ergeben haben, daß Benoit als für seine Tat voll verantwortlich anzusehen ist. Der Prozeß gegcn ihn wird in wenigen Wochen stnttsindeo.____..._______ �____ Oer Gesinnungsdruck des Landbundes. Wie Bauern erpreßt werden. Die veffentsichkest ist schon wiederhast darauf hingewiesen worden, daß der Landbund in seinem Bemühen. Andersdenkende seiner Idee gefügig zu machen, absolut nicht zaghast ist. Ein neuer Beweis dafür ist ein Schreiben, das die Molkereigenostenschaft in N e u k l o st e r in Mecklenburg einem Mitglied zugestellt hat. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Nach einstimmigem Beschluß der Generaloersammlung vom 23. April 1928, siehe Tagesordnung Absatz 3, sollen diejenigen Mitglieder der Molkereigenossenschaft Neukloster. welche nicht dem Landbund beigetreten sind, ausge- schlössen werden. Da Sie unserer wiederholten Austorderung nicht nachge- kommen sind, möchten wir nicht versäumen. Sie nochmals aus- zusordern. dem Beschluste Folge zu leisten, andernfalls wir Sie bitten mühten, mit dem 31. März 1929 Ihre Milch- lieferung an die Molkereigenossenschaft Neu- kloster einzustellen. Der Vorstand. Uthhoff. Buckentin.' Der Empfänger des Schreibens hat die Wahl, Mitglied des Landbundes zu werden und die Vorteile der Geschäftsverbindung mit der Molkereigenostenschaft Neukloster zu genießen oder aber dem Landbund fernzubleiben und aus diese Dorteile zu verzichten. Da. wo der Landbund die Möglichtest zum Gesinnungsdruck hat. nutzt er sie in rücksichtsloser Weis« aus. Vornehme pleiten. Konkurs Sabkoff. Köln, 4. April. Im Konkursverfahren gegen die Schwester Wilhelms von Doorn, Frau Viktoria Subkoff, fand im Amtsgericht Köln die erste Gläubigerversammlung statt. Der Vertreter der Bückeburger Hof- kammer erklärte, daß er dafür sorgen würde, daß die Prinzessin aus dem Palais Schaumburg exmistiert, und daß sie aus ihrer luxuriösen Lebenshaltung herausgebracht würde. Oer Gerichtsvollzieher beim Herzog. Alkenburg. 4. April. Die Gläubiger des Altenburger Herzogs haben Zwangsvollstreckungstitel erwirkt und sind gegen den herzog mit Pfän- düngen vorgegangen. In diese Situation ist der herzog durch eigenes Verschulden geraten, denn er hätte schon vor mehr als Jahresfrist die Verpflichtung gehabt, sich mit seinen Gläubigern 1 auseinanderzusetzen. Er hat jedoch in der Hoffnung, daß das Land Thüringen ihn sanieren werde, sich vollkommen überschuldet. Der welsenschaß. Der Oberpräsident der Provinz Hannover, N o s k e, erklärte am Donnerstag anläßlich der Eröffnung des Provinziallandtages, daß der beabsichtigte Verkauf des Welfenfchatzes nach Amerika in der gesamten Kunstwell und vor allem in der Provinz Hannover lebhafteste Beunruhigung her- vorgerufen hat. Die Bemühungen für die Erhaltung des Schatzes seien»och im Gange......._ Das Hilfswerk für Ostpreußen. Reichstagsabgiordneter Rönneburg zum Staatskommissar ernannt. Das preußische Staatsministerium hat im Benehmen mst der Reichsregierung den Landrat des Kreises Franzburg, den demokra» tischen Reichstagsabgeordneten Rönneburg, zum Staats» k o m m i s s a r für die Durchführung der Hilfsaktion für Ost- preußen ernannt. Als Mitarbeiter sind Oberregierungsrat Tiet- mann vom preußischen Landwirtschastsministerium und der Referent der preußischen Zentralgenossenschaftskaste, Dr. La uff er, bestellt worden. Gtaaisgen'chishof/ Länderparlamenie. Eine Erklärung der württembergifchen Regierung. Swtkgack, 4. April.(Eigenbericht.)' Die württembergische Regierung läßt in bezug aus die Wahl- rechtsentscheidung des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich amtlich mitteilen, daß sie noch nicht in den Besitz der Begründung des Urteils gelangt sei. Auf Grund früherer Eni- scheidungen des Staatsgerichtshofes geht sie aber davon aus, daß er es auch diesmal als eine Sache der dazu berufenen württem» bergischen Landesstellen ansehe, die Folgerungen aus der festgestell- ten Ungüstigkeit einer Wahlvorschrift zu ziehen. Auf Grund der landesgesetzlichon Bestimmungen sei der württembergische Staatsgerichtshof hierfür zuständig. Im Hinblick auf die Erklärungen der Parteien, von denen die Anfechtungsklage ausging, werde lediglich eine Neuverteilung der Sitze auf Grund des Wahlergebnisses vom Vorjahr« in Frag« kommen. Im übrigen bestehe bis dahin der Landtag in seiner gegenwärtigen Zu- sammensetzung zu Recht. Er könne auch bis zur Entscheidung des württembergischen Staatsgerichtshofes gültige Beschlüsse fasten und Gesetze verabschieden. Auch wenn der Staatsgerichtshof, was aber nicht angenommen wird, zur Ungültigkestserklärung kommen würde, so hätte diese Entscheidung keinerlei RückWirkungskraft, auch nicht in bezug aus die vom Landtag salbst gestellten Mitglied«: des Staatsgerichtshofes. Eröffnung des haupkverfahren« im Aast Slinnes. In der Strafsache wegen Anleihebetruges ist das hauptverfahren gegen ugo Stinnes, Nolhmann, v. Waldow, Bela Groß, Leo irsch und Schneid gemäß den Anträgen der Staatsanwaltschaft vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte eröffnet worden. Ein Lufkgeschäsl. Zur Onentfahrt des„Graf Zeppelin' hasten auch sehr viele Wiener Postsachen mit dem hohen Extraporto an i die Werft geschickt, um ste mit dem Spezialstempel und von irgendwoher zurückzubekommen. Mehrere Tage nachdem das Luftschiff Wien in tiefster Nacht und nur schwach beleuchtet überflogen hatte, erhiellen die Wiener ihre Lustpoftsachen mit dem gewöhnlichen Post- stempel Friedrichshofen und auf dem ordinären Bahnpostwegl Der dänische Noch-MInislerpräsidenk Wadsxn-Mndal sagte in einer Wahloersammlung, die Sozialdemokratie sei die Hauptgegnerin der Bauernpartei und müsse daher mit ollen Mitteln bekämpft werden. Damit ist das Gerücht, daß Madfen-Mydol eine Zusammenarbeit der Bauernpartei mit der Sozialdemokrtle erstrebe, als falsch erwiesen. Die VersorgungsanwSrier. Wie denkt man darüber in der Reichswehr? Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Bezirksparteitag Berlin Hot eine Entschfiehung angenommen. die sich gegen das Versorgungsanwärtersystem richtet. In dieser Entschließung wird gesagt, daß die unbegrenzt« Heber- nahm« von Versorgung sanwärtern in den öffentlichen Dienst eine Gefahr für einen sozial und technisch gut vorgebildeten Beamten- körper bedeute. Außerdem verlangt di« Entschließung eine Ausbildung der Wehrmacht- und Polizeiangehörigen für die freien Be- rufe und nach der Entlastung aus dem staatlichen Wehr- und Ordnungsdienst Ueberführung in das freie Erwerbsleben Ich sehe m der Entschließung vor allen Dingen deshalb eine Gefahr, weil sie sozialistische Grundauffassungen preisgibt. Mein« Kameraden, die Unteroffizier« und Mannschaften der Reichswehr, und in bestimmtem Ausmaße auch noch die Polizei- beomten müssen in der Regel nach 12 Dienstjahren aus dem Staats- dieneroerchältnis als Soldat oder Polizeibeainter ausscheiden. Da jeder Arbeitnehmer ganz natürlich nach einer höchstmöglichen Sicherung seiner arbeitsrechtlichen Verhältnisse strebt, hat das Deutsche Reich diesem berechtigten Bestreben seiner im Wehr- und Ordnungsdienst tätigen Staatsdiener durch Erlaß ent- sprechender Gesetze Rechnung getragen. Dies« Gesetz«(die An- stellungsgrundsätze) bestimmen, daß die Beamten- und Angestellten- stellen des öffentlichen Dienstes zu begrenzten Teilen(nicht un- begrenzten, wie die Entschließung sagt) mit dafür geeigneten Wehr- macht- und Polizeiangehörigen besetzt werden sollen. Der Boll- ständigkeit halber sei erwähnt, daß ein gleiches Anrecht auch für die nnt Beamtenschein ausgestatteten Schwerbeschädigten geschaffen ist. Der Staat also will das berechtigte Bestreben nach bestmöglicher - Existenzsicherung erfüllen. Es mag zugegeben sein, daß dieser Wille des Staates nicht Liebe zu den Bersorgungsanwärtern bedeutet, sondern eiriem berechtigten Staatsegoismus entspringt, dem Egois- mus, der da sagt, daß ohne ein« arbeitsrechtliche Sicherung die Qualität des Ersatzes für den staatlichen Wehr- und Ord- nungsdienst beträchtlich sinke und in Zeiten wirtschaftlicher Hoch- konjunktur wahrscheinlich ausbleiben wird. Di« Motiv« des Staates, die den Willen zu der begehrten Existenzsicherung entstehen ließen, mögen also dahingestellt sein. Wie aber kann ein Sozialist verlangen, daß dies« staatlich gewollte orbeitsrechtliche Sicherung ins Gegenteil umgebogen wird? Nichts anderes aber bedeutet die Entschließung, wenn sie oerlangt, daß die Soldaten und Polizeibeamten mehr für das freie Erwerbs- leben vorgebildet und nach dem Ausscheiden dahin übergeführt werüen sollen. Man verlangt also, daß sie wieder dort ansangen sollen, wo sie vor 12 und mehr Jahren aufgehört haben. Man antworte mir nicht, baß auch mancher Zlrbsiter und Angestellter nach mehr als 12. IS und 2l)jc!hriger Tätigkeit völlig existenzlos werde. So be- dauerlich diese Tatsache ist, sie beweist doch nur, daß das arbeits- rechtliche Verhältnis weiter Arbeitnehmerschichten in oft unerrräg- licher Werse ungesichert ist. Für einen Sozialisten sollten dies« Miß- stände aber nicht Anlaß sein, bestehende Sicherungen einiger Staats- dienergruppen zu schmälern oder gar zu beseitigen. Im übrigen scheint es den Parteigenossen, di« solche Ent- schkießungen vinbrlngen und gucheißen, wenig bekannt zu sein, daß sowohl beim Heere wie bei der Polizei die zioilberufliche Ausbildung betrieben wird und daß aus dem Heere und der Polizei mancher mit Gesellen- und Meisterprüfung in seinem früher schon erlernten Berus ausscheidet. Wo solche Grundlagen bestehen irnb da« Begehren noch Welterenteicftong de? Grundlagen vorhanden ist, ist seldswerständiich nichts dagegen einzuwenden. Es sind ober nur wenig«, di« auf den Heeres- und Polizeifachschujen für Gewerb« und Technik ousgebilde» werden können: denn es ist einleuchtend, daß der fung« Mann der vor seinem Diensteintritt im handwerklichen Berus tätig war— und dos ist Voraussetzung für die später« Teitnahme an den handwerklichen Kursen— in nicht allzu vielen Fällen Neigung zum Uebertritt in den Heeresdienst verspürt Die übrigen Soldaten, also die, die noch keinen Berus erlernt haben oder ungelernt« Arbeiter usw. waren, sollte man nach l2jShnger Staat sdienerzeit im Alter von 32 Iahren nicht in das frei« Erwerbsleben zurückstoßen. Dabei sei mir die Bemerkung gestattet, daß diejenigen von ihnen, di« noch dem Ausscheiden diesen Uebertritt versuchen, sehr häufig von unseren in der freien Wirt- schast tätigen Parteifreunden als beruss fremd und.reaktionäre Eindringlinge' angesehen und entsprechend behandelt werden. Wie falsch di« Denkweise ist. als ob es sich bei den Soldaten und Polizeibeamten durchweg um Reaktionäre handelt, hat«in Reichs- wohrtamerad in einem Leitoufsatz des„Vorwärts' vom S. März dargetan. Vor allen Dingen aber wirb beachtet werden müssen, daß es staotspolitisch sehr gefährlich ist, die Reichswehrangehörigen nach der Entlassung out den Uebertritt in die freie Wirtschaft zu ver- weisen. Gefährlich deshalb, weil dann bei diesen Staatsdienern im Wehr- und Ordnungsdienst das Gefühl der Abhängigkeit von bieser Wirtschast entstehen muß und damit die Gefahr einer Prä- torianergarde für die freie Wirtschaft. Ich brauche mich wohl nicht genauer auszudrücken. Was schließlich die Eignung der Versorgungsanwärter für den öffentlichen Dienst betrifft, fo dar? ich darauf hinweisen, daß in den Heeres- und Polizeisachschulen für Berroaltung und Wirtschaft ein ausgedehnter und speziell aus diese spätere zivil« Dienstleistung zugeschnittener Unterricht erteilt wird. Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß den Unterricht in den sogenannten staats- bürgerkundiichen Fächern auf diesen Schulen nicht jeder Heeres- fachschul, und Polizeischullehrer in republikanisch positivem Sinne erteilt: aber das soll ja auch bei zivilen Verwaltungen vorkommen, wie in diescin Blatte mehrfach nachgewiesen wurde. Also sorgen wir für entsprechend« Veränderung! Wer um die Reichswehr kämpfen will, muß die von den Soldaten gewollte und vom Staate beabsichtigt« Existenzsicherung für die Zeit nach dem Ausscheiden besahen, und so darf man wohl hassen, daß der Parteitag in Magdeburg die Berliner Ent- schließung ablehnen wird. Rtlsfisches Lockspitzeltum. Beim Zaren wie beim Sowjet. Jedes absolutistische Regime bedient sich des Lockspitzeltums. Auch die bokschewistisch« Diktatur scheint ohne diese Polizeimcthode immer noch nicht auskommen zu können. B u r Z e f f, der seinerzeit den zaristischen Lockspitzel Aseff entlarvt hat, setzt nun seine Ent- larvungstätigkest auch hinsichtlich der sowjetrussischen Lock- spitze! fort. In der von ihm herausgegebenen Zeitschrift„Die gemeinsam« Sache' bringt er u. a. folgende Einzelheiten. Oer.monarchistische" Lockspchel. Innerhalb der monarchistischen Emigrantenorganisationen spielte lange Zeil der Hauptmann P e t r o f s eine gewiss« Roll«. Er ar- bettete in der Konterspionage des Großfürsten Kyrill und erfreute sich des größten Vertrauens. Petrvff trat sofort nach dem bolsche- wistischea Umsturz der Roten Armee bei. Währeick» de» Bürg«- kieges fiel er in di« Gefangenschaft der Weißen und bekleidete hie? später hohe Aemter, u. a. war er auch Kommandant des Eisen- bahnzuge» des Generals Majewski und auch der beste Freund von Majewskis Adjutanten, der gleichfalls bolschewistischer Agent war. In der Türkei befand er sich in der Oppostlion gegen General Wrangel: in W i e n und in Berlin trieb er Spionage- arbeit zugunsten der Bolschewiken, um schließlich in Paris den monarchistischen Organisationen beizutreten. Die französisch« Polizei stellte aber seine Beziehungen zu den Bolschewisten dokumentarisch sest und wies ihn aus Frankreich aus. Einige Zeit hielt er sich in Belgien auf, um dann völlig vom Horizont zu verschwinden. Wer weiß, ob man nicht bald doch noch von ihm etwas hört! Ein tschetisttscher Loctsp.tzel. In diesem Falle handelt es sich um einen jungen Menschen, deu Reffen des bekannten zaristischen Blutgenerals und ehemaligen Stadthauplmann von Valta, Dumbadje. Der jung« Mensch schildert selbst seine Tätigkeit in der Tscheka und seine spätere Bekehrung. Achtzehnjährig trat er in die Rote Armee ein und kämpfte gegen die Weißen. Im Auftrage der Parteikomitees von Tissts wurde er Mitglied des Tscheka. In dieser Eigenschaft arbeitete er zwei Jahre. Als junger Idealist glaubte er tatsächlich, daß die Worte des Frage- bogens, den er auszusüllen bekam:„Die Tscheka ist der Tempel der Revolution,' der Wahrheit entsprächen. Sein« Tätigkeit in der Tscheka Hot ihn aber eines Besseren belehrt, er lernte die komrministi- scheu Führer kennen und mußte sich überzeugen, daß ringsherum� Betrug, Spionage und Provokation herrsche, daß die Arbeiterbewe- gung unbarmherzig niedergehalten werde, daß völlig unschuldige Menschen ins Gefängnis gesperrt, mißhandelt und erschossen werden. „Ueberoll,' sagt er.„sah ich Blut und Tränen. Ich sah, unter welchen Bedingungen die Partei- und Gewerkschaftskongresse zu- standekommen..., daß dos Politbureau Demokratie und Freiheit in den Schmutz tritt. So öffneten sich mir allmählich die Augen. Au» einem orthodoxen Verteidiger der Bolschewiken wurde ich Sympathisierender mit der Opposition.' Im April 1928 wurde Dumbadse nach Konstantinopel geschickt. Hier konnte er feststellen, m welch hohem Maße die Auslands- Vertretung zur Spionage und zu anderen Zwecken mißbraucht wird. So führte z. B. der diplomatische Actachc Minski die bolschewistische Lockspiyel-Spionagetätigkeit in der Türkei, insbesondere unter den Emigranten. Ein anderer hoher Angestellter führte die Arbeit unter der kaukasischen und«in weiterer unter der armenischen Emigration. Dumbadse erhielt bestimmtee Aufgaben. Er war gezwungen, sie aus- zuführen, da er wußte, daß es unter den Emigranten noch andere Lockspitzel gibt, die seinen Vorgesetzten über seine Tätigkeit Mit- teilungen machen konnten. Auch die Angestellten der Handel-vertre- tung hatte er zu bespitzeln. Am 15, Juni 1928 kam er nach Paris. Hier erhielt er den Auftrag, unter den Emigranten Leute zu ge- Winnen. Seinen Verkehr unter der Emigration benutzte er aber, um sich ein richtiges Bild über die revolutionär-demokratische Em!- gration zu machen. Die Folge davon war, daß er. wie er nun behauptet, endgültig sowohl mit den Bolschewiken als auch mit der GPU. gebrochen habe. Hoffentlich wirklich endgültig. Man kann nämlich nie wissen? �Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Srrantworllich llr Politik: i?t. ttatt Wirts»«»:®. tUi,i,clhötrr: Dewertsciiafisdcwegung: I. Striorr: gruivelon: it, K. Dilcher: Lolale» •tnb SonTtiors: grift Katsläftt: XnMiarn: Zb AI«»«, siimiii» in Perlin Pkilag: Porwörts-Pcrlog S m d b, Berlin Bruck: Borwäri».Bu»dr»ckcret und Berlnas-nkioll Paul Tinoer n ff« Berlin£ffi 6R 8in(i-iifiraft«& Hierzu 2 Beilagen..Unierhaltung und Wissen-«ud.Stadtbeilage-. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise tör Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Frisches Fleisch Kaibskamm u. Brust____ piund 0.72 Kalbsnierenbraten...... P und 0.80 Kaibskeu'e t®01"• s«»«»». t»'»* p � �.90 Rinäerkamm u. Brust.. piund 0.80 Gulasch p.d. 9.85 Querrippe p:«. 0.78 Schmorfleisch u- m. Knod,« ,.90 Schmorfleisch ohne Knodicn P,uno 1.25 Sch«einebauch«n o«»-«« ,.,9 Schweinekamm u- t.15 Schweineschinken...... p.uno 1.2s Liesen p.und 0.75 Gehacktes pi«. 0.78 KaRCer, Speer u. Kamm Piund 1.2s Se bstauspeiassener Talo p;d. 0.55 Fitso.e Kcnoerzungen- un" i.kd Kpths�c�nitze PJundK.in t-riwa Catr erfle ach Suppenheiscn p.und 0.70 Rinderkamm u. Brust p.und 0.76 S Obst u. Gemüse Ifal. Felgen-tuno 25pl Rote Rüben wund 8 vi. Mandarinen Ptuna 35pl Amerikaner 3 v,«. 95pl Graue Renellen 40pi. Zitronen ou�ena 53 vi. Apjelsinen n Dufyer c 00, OU, 1.10 Apfelsinen_A. 1 ,A hfilobiui. 70, 1 M 1.30 Wech- u. Wirsingkohl 12pi. Rotkohl NolL, Pluna 15�1* Möhren?ewaspc,uTd 15pi- Zwiebeln)5pi. Karlo|jeln""Viu"' 30p.: Blumenkohl K°p' 40 Kalir. A'prel oneiu«!«»!. � /3__ •'ono 4APt. c*. 44 ricLhriiit.|"V 50 10 75 Messina-Apie.slnen niste S Saatkartoffeln 10 niste 60 u. tCO Stfick■ 50 Pfund y K? PI» von ff*9 an Konfitüre � l temer Pflaumen 0.08 Aprikosen 1.10 Johannisbeeren, Orangen 1.15 Erdbeeren 1.30 Kirschen 1.35 Ananas 1.45 Konserven Dos«: Gemüse-Erbsen 50pi Jg. Erbsen miueiiein 78 pl icIb 1.25.ehr lein IAO Qemisdiles Gemüse 80 PI. 92 Pc"ein IAO Karollen.o„,«,»», seschnlnen 4oPt. k|eill l.tU Kohlrabi>. D.45pt 72pt Rosenkohl 1.05 Fehower Rübdien 70 pl 1.20 hinge kleine 'i* Dose Kolonial waren Vlklorlaerbs.* a. 28 vu Grüne Erbsen Pfd. SOpl Gelbe Erbsen 43. 32pl Gelbe Erbsen � 34 pl Linsen Ptn. 68. 58, 35 pl Weifte Bohn. n m. 55 vi. fafelrels Pid.34, 28, 21 pi haferslocken via. 25 vi Weizengrieß 27, 22 vi Eier- jj*;- via.«.'m, 40p,. Eler-j� p'4 � 42 pi 'Makkaronl 45, 1™« 40?, Iii 5 rtl dt 50 vt 20 SlOdk tOSnici 95 pi 2.25 Hühner-Boulllon-Wür|ei „O.ympU' Suppenpulver nach böhmisch. Art: Schotts mll Kalb-, Uclsdi, Jbgcr, MUhner. 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Pfd. 68 pl voiiieti..piu.98pl Holländer naibiett..... Pia 63 �L vonttn..Pia. 1 05 Sleinbusdier naiwe«... p,«. 63 PL vomeit Pia 1.10 Sieppenkäse haibte«.............piuno 7äPL Ii Siler Art hilblell. ohne Rinde........ Piund 85'L Filsiter voiiieti................... Piuna 1.20 Schweizer dün, dreMvrfe'fr« Plrt 90 PI,'""piona"vo*'''�9 Margarine pta. 52, 5Öpl Griebensdima z 85 PL Kokos!elli-pid.-Tai. 62pl Falelbuller piuno 1.78 Schweineschmalz 75pl Dan. Butler Piuna 1.92 Konfitüren Creme-Schokolade Ap.�ntn-� him�o�m. 45pL Vollmilch Schokolade"•8gaTa.He"«n.Ämm 75 pl Speise-Schoko. ade 6 Ta ein- üo Gramm 85 Pf. OrilH-Ronhr»nL'T1" n*7� 1/4 n �jo.a �nDonSpü|lung..... plund ü.75 ptd. 0.20 Dessert-Brezeln............... ptund 1.20 Nr. 458- 46. Iahrgang Freitag. 5. April �929 £.es' neue Alexanderplaim. An einer Stelle wenigstens be- ginm die Stodtverwoltung, eine groß- zügige Neuorganisation Berlins vor- zubereiten: am Alexanderplatz, dessen ästhetisches und verkehrstech- nisches Chaos zum Himmel schreit. Die Berkehrs-A.-G., Berwaltungs- organ der Stadt, hat die Mehrzahl der ihn umgebenden Grundstücke angekauft, und Stadtbaurat Martin Wag- n e r hat diese Gelegenheit klug er- griffen,«in Musterbeispiel für Platz- gestaltung in ganz neuzeitlichem Sinne aufzustellen. Ohne Rücksicht auf seine heutige Unforni wird der Alexander- platz zu einem vollkommenen Kreise gestaltet. Der Verkehr wird in der idealsten Weise ringsherum ge- leitet. In dem Rasenkreis, der die unbetretbare Mitte einnimmt, kreuzen sich die elektrischen Bahnen. Um die Rundung betonter herauszubekommen, ist beabsichtigt, Landsberger und Neue Königstraße zu überbauen, selbstverständlich mit einheit- lich durchgeführten Fasiaden und Firsthöhen. Diese großartige Idee— ergänzt z. B. noch durch zwei den Ausgang der Königstraße flankierende Hochhäuser als Eingangstor zu dem Rvndplatz—, geeignet, den Alexanderplatz zu einem städte- baulichen Anziehungspunkt erster Ordnung zu gestalten, sollte nun aber nicht einfach oktroyiert, sondern zur Diskussion der Architekt« nschaft gestellt werden. Dieses Verfahren wich zugunsten des neuen Stadtbaurates erheblich ab von den diktatori- schen(und noch dazu unkünstlerischen und unzweckmäßigen) Ge- pflogenheiten der Vergangenheit, die auf solche Weise unwider- bringlith« Gelegenheiten dilettantisch verpfuscht hat. Die Verkehrs- A.-G. erließ einen auf sechs Architekten weife beschränkten Weit- b e w e r b zur Bebauung des Alexanderplatzes— weife beschränkt, weil die Konkurrenten aus allen Lagern, extremer So wird er in SEukunfi aussehen. Stick von der XOnigstraße. und nachgiebiger Art, berufen wurden. Es such: Schaudt, Müller-Erkelenz(Köln), Mebes, Behrens, Ge- brüder Luckhardt und Mies van der Rohe. Das Resultat, m großen Ansichtszeichnungen und noch ein- drucksvolleren Modellen aufgestellt, wird hoffentlich bald der Allge- meinheit zugänglich gemocht werden, damit man sich überzeugen kann, daß die Jury mit ihrer Preiszuteilung tatsächlich das beste Projekt getroffen hat: das der Brüder Luckhardt. Höchst erfreulich ist schon das eine: fünf von den Konkurrenten haben den Wagnerfchen Gedanken des Kreisplatzes einschließlich Straßenbahnüberbauung usw. als beste Lösung be- stätigt. Sieht man von fremden Differenzierungen ab, die im großen weniger erheblich sind als bei genauerem Eingehen auf ästhetische und praktische Eignung, so wirken alle diese Pläne merk- würdig gleichartig: ein zwingender Beweis für die unumstößliche Grundwahrheit, die alle Schwierigkeiten dieses stärksten Verkehrs- knotens beseitigt. Nur Mies van der Rohe hat diese primäre Gestaltung verschmäht und ein weiter ausgreifendes Projekt mit gewaltigen kubischen Baublöcken aufgestellt, das bei aller Größe im Architek- tonischen die unselige. ZerrisienheU in der Platzerscheinung dort be» stehen läßt. Auch Peter Behrens mußte als Preisträger aus- scheiden, weil er als Einziger die Dertikalität als Gliederungefaktor der Platzwände angewandt hat. Es ist merkwürdig, wie«in« un- unterbrochene Reihung von 30 Met« hohen Nertikolstreifen, vollends um einen Rundplatz aufgerichtet, uns heute schon ganz un- ■ erträglich dünkt. Das war einmal 1900 beim Wertheim-Bau möglich, heut« geht uns solche kriegerische Geste gegen alles Gefühl. Bleiben die übrigen vi«, die sämtlich ihre Bauten in Hort- zontaler Schichtung und gleichbleibender Höhe um die Kreisform herumführen. Es versteht sich, daß am Alexander. platz äußerste Platzausnutzung notwendig ist, ausgeführt in viel- geschossigen Geschäfts- und Bureaubauten mit möglichster Helligkeit der Räume, von diesem einzig möglichen Standpunkt aus sind die Entwürfe der Luckhardts die vollkommensten. Sie geben die geschlossene Einheit der Rundbebauung in neun Stock- werken bei durchgehender Geschoß- und Hausgleichheit und einem glänzenden Wechsel von Glas- und Betonstreifen auf eine so ein- fach-elegante und das Wichtige betonende Weise, daß sie auf den ersten und letzten Blick überzeugen. Das Tietzsche Warenhaus ist (man sagt: bereits mit Zustimmung der Eigentümer) dem Fussaden- system eingegliedert. Es wäre tatsächlich ein hochwichtiges und vec- dienstliches Zugeständnis an Forderungen des Allgemeinwohls. Die flankierenden Hochhäuser am BahnhofAlexander- platz«halten eine schlanke und dominierende Schmalform: und das Problem der beiden großen nach Osten führenden Straßenhälse ist in zweifacher Weise gelöst: einmal mit der durchlaufenden Uober- bauung, die eine imposante Geschlosienheit der Rundsorm erzeugt, und mit getrennter Blockform, wobei das keilförmige Grundstück zwischen Landsberger und Neue Königstrahe eine besonders schnittige Hochform mit abgerundeter Ecke erhält, vielleicht ist diese Lösung aus mancherlei Gründen sogar vorzuziehen. Das wäre die platonische Forderung, die aus dem Alexander- platz den gewaltig st en und prächtigsten Platz nicht nur Berlins, sondern vielleicht der ganzen Welt machen würde. Sie durchzuführen, d. h. sämtliche Grundstücke nun auch nach Luckhardt- schen Plänen zu bebauen, könnte am kleinlichen Sinn der Grund- stückserwerber scheitern. Wenn es unmöglich wäre, diese Grund- stücke nur mit der Bedingung solcher Gestaltung zu verkaufen: wie wäre es, wenn die Verkehrs-A-G., will heißen die Stadt V e r l i n, den Bau in eigener Regie ausführte und dann erst»«kaufte oder vermietete? Das Geschäft wäre sehr groß, ab« nicht im mindesten aussichtslos; das Peld wäre wohl auf- zutreiben. Man hat anscheinend noch nicht daran gedacht: aber die Wette wäre zu halten, daß uns« Stadtkämmerer dabei einen groß- artigen Schnitt machen könnte, wenn kluge Berat« aus der Wirt- schaft hinzugezogen würden. Dr. Paul F. Schmidt. 3)er ganze Platz in»einer neuen QeslaU. fyäkfiudrdßL- Rohulh einet Revolulio*. Pom GecUarl MecrmAtttt WosUt Gerda wies auf Calm.„Mein Großvater, Herr Calm aus Bernburg/ stellte sie vor. „Sehr angenehm,* sagte Wagner leer; Gerda berührte der stark sächsisch« Akzent seiner Sprache unangenehm. Er schien den Namen kaum gehört zu haben.„Richtig, Sie sind ja aus Bernburg. Jchibm übrigens auch mal da gewesen, vor langer Zeit.* „Sie kennen auch meinen Großvater,* unterbrach ihn Gerda. So so... ja. kann sein... wissen Sie, man lernt so viele "L ute kennen— es ist— warten Sie— es ist an zwanzig Jahre her, daß ich dort war. Wie war der Name doch gleich?" „Calm, Abraham Calm. Mein Großvater war damals Lohgerber. Sie haben Bernburg in seinem Wagen verlassen." Wagner schlug sich an die Stirn.„Zlh ja, natürlich— mit Semperl Ja, das waren so Iugendeseleienl" Er trat auf Calm zu, der teilnahmslos in seinem Stuhle döste.„Grüß Gott, Herr Calm! Ja, wie geht's denn noch?" „Och danke janz jut, mummelte der Alte. „Sie müssen meinen Großvater entschuldigen. Er ist übermüdet von der Reise." Wagner schwieg etwas hilflos, Gerda musterte ihn enttäuscht: sein Samtbarett war im fahlen Morgenlicht ohne Farbe, die leise Theatralik seines Anzuges wirkte an dem unproportionierten Körper übertrieben und sinnlos. „Sie wollen also Wagner-Sängerin werden," wandte er sich lächelnd an Gerda. „Ja. Aber ich bin heute zunächst— zunächst meines Großvaters wegen zu Ihnen gekommen." „Ah so— entschuldigen Sie bitte. Womit kann ich Ihnen dienen?" Gerda störte die Plattheit seiner Ausdrücke, obgleich sie selbst nicht wußte, was er sonst hätte sagen sollen. „Mein Großvater hat Bernburg verlassen müssen und muß sich einige Zeit in Leipzig aufhalten." „O, das wird keine Schwierigkeiten haben. Es gibt hier in jeder Straße vorzügliche Hotels." Gerda gab sich«inen mühsamen Ruck.„Nein.— ver- stehen Sie doch bitte— er kann nicht offiziell hier wohnen. Er ist— er ist da in— in Konflikte geraten.— In ähnliche wie damals Sie," sagte sie endlich tapfer. „Ich? Damals? Ah so, ja..." Der Egozentriker Wagner war sofort wieder mit sich beschäftigt.„Ja, das war eine üble Geschichte! An der Brandstelle wurde mein Paß gefun- den, und der Kapellmeister Reißiger hatte der Polizei mein Signalement gegeben. Was hat mich diese Sache gekostet! Denken Sie nur: Noch jetzt, nachdem ich den König von Bayern und andere gekrönte Häupter längst zu meinen De- wundersrn und Freunden zählen kann— noch jetzt bringt es der König von Sachsen nicht fertig, mir die Hand zu geben! Sehr schmerzlich war das neulich, wahrhaftig sehr schmerzlich..." Gerda sah erstaunt in sein wirtlich gramgefurchtes Ge- ficht. War dieser Mann der Komponist des Rtenzi, der Re- volutlonär von 1848? Er bemerkte ihr Erstaunen und deutete es falsch.„Aber richtig! Ihr Großvater befindet sich in ähnlicher Lage? Gibt's denn in Bernburg auch einen Salomon Reißiger? „Mein Großvater," sagte Gerda langsam und deutlich, „hat das Bernburger Schloß in Brand gesteckt." „Oh. oh!" Wagner führte die beringte Hand zur Sttrn. „Sie meinen: man beschuldigt ihn besten? Und als Gerda den Kopf schüttelte:„Also Fahrlässigkeit? Das ist allerdings übel, aber angesichts seines Alters wird man doch nicht—" „Nein. Herr Wagner. Er hat es absichtlich angesteckt. Er hat sich gerächt." Wagner sah ängstlich im Zimmer umher, als könne sie jemand hören.„Leiser, leiser, um Gottes willen!" flüsterte er. „Und da wollte ick) Sie nun fragen, ob Sie nicht Ihr Versprechen, das Sie meinem Großvater damals gaben, ein- lösen und ihn. weil er doch vielleicht verfolgt wird, bei sich aufnehmen—" „Oh. oh!" Wagner hob abwehrend beide Hände in die Luft.„Aber wie kann ich denn das! Aber wie komme ich denn dazu!" Er ging aufgeregt im Zimmer auf und ab. „Ohne Ihrem Großvater zunahe treten zu wollen: aber es ist hoch ein Unterschied, ob man einer Brandstiftung fälschlich be- zichtigt wird— oder ob man wirklich einen Brand stiftet! Das läßt sich doch gar nicht vergleichen!" Er sah den Alten an, der ihm in dumpfem Erstaunen mit den trüben Blicken folgte.„Ich glaube gern, daß Ihr Herr Großvater Motive für sein Tun gehabt hat, vielleicht gewiß durchaus berechtigte Motive. Ich will ihm ja auch mein menschliches Mitgefühl nicht versagen. Das liegt mir natürlich ganz fern. Aber welcher Gefahr setzen Sie mich aus, mich zum Mitwisser einer Brandstiftung zu machen!— Gehört das Schloß Bernburg nicht dem Herzog von Anhalt? Ja? Sehen Sie, und der Kronprinz Friedrich ist mein besonderer Gönner und Freund... oh, mein Fräulein, mein Fräulein!" „Es dreht sick ja nicht eigentlich um die Brandstiftung," sagte Gerda in einfachem Ton.„Es dreht sich um mehr—* um die Gesinnung, die Sie beide verbindet." „Gesinnung? Welche Gesinnung? Ich verstehe gar nicht... Sie sind vollkommen im Irrtum, mein Fräulein! Man bleibt doch nicht stehen, man entwickelt sich doch, die Zeiten ändern sich doch!" Gerda war aufgestanden.„Und mit ihnen die Gesinnung� nicht wahr?" fragte sie mit bitterem Hohn. Wagner sah sie aus großen, ratlosen Augen an.„Wie sagten Sie? Ah so. ja.. ich oerstehe Sie ja... aber das können Sie noch nicht einsehen. Das werden Sie noch ein- sehen, später, wenn Sie gereifter sind." „Ich glaube kaum, Herr Wagner. Aber ich will nicht mit Ihnen streiten." Ihre Äugen waren feucht, ihr Mund zuckte trotzig und weh.„Aber eines möchte ich Ihnen noch sagen. Daß ich mir Sie— daß ich mir Richard Wagner anders vor- gestellt habe. Ganz anders." Sie wischte etwas von ihrer Stirn, mit schwerer Bewegung.„Nun, es ist eben aus." Wagners Gesicht veränderte sich plötzlich: es wurde ernst, fast traurig, sein Kopf sqnk auf die Brust.„Bleiben Sie noch einen Augenblick, Fräulein Dellendahl," bat er leise. Er fiel auf ein Sofa und zog sie neben sich.„Ich habe Ihnen nun eine große Enttäuschung bereitet. Oh, ich kenne solche Ent- täuschungen. Ich hatte sie auch, als Ich jung war: Meyerbeer und andere... Die Jugend stellt alle Anforderungen, die wir an unsere Kunst stellen, auch an unser Menschentum. Im Vertrauen, daß sich das deckt, kommt sie dann zu uns. Und dann zeigen wir uns klein, wir zeigen uns schofel, wie jetzt ich." Er krampfte die Hände auf dem Knie überein- ander und starrte darauf.„Ich kann nicht erwarten, daß Sie das verzeihen. Nur um Verständnis will ich bitten. Sehen Sie: damals, damals— da brannte nur die Idee in mir. Die Idee, die immer rein ist und aus sich selber brennt. Aber wenn dann die Idee Form wird und heraustritt ins Leben — in der Wirklichkeit brennt nichts aus sich selbst. Da muß man immer wieder schüren und Brennstoff heranschleppen. Da ist man nur noch Feuermacher, und vorher war man Feuer. Das können Sie nicht oerstehen, das ist sehr unklar, ich weiß. Aber sehen Sie: Ich habe mir meine Erfolge sehr schwer er- kämpft. Ich mußte äußere Erfolge haben, ich brauchte sie, ich wollte Herr sein über meine Ideen, freier, von keiner Misere, keinem Zweifel an sich selbst belasteter Herr. Und was bin ich geworden? Sie sehen es: der Sklave meiner Erfolge. Eine musikalische Welt und ein Stückchen Lump." Gerda sah ihn an: es war kein Mitleid in ihren Augen, aber ein starkes Empfinden für die Schönheit, für die Bedeu- tung, die sein Kopf plötzlich gewonnen hatte.„Wenn Sie das aber doch selbst einsehen... sagte sie. (Fortsetzung folgt.) Das Abenteuer mit Langkopp. Außer-100000 Mark in bar wollte er nichts. Hauptqcuge der Nochmittagsverhandlung im Prozeß gegen den Sprengstoff-Farmer Langkopp war Geheimrat Bach, der im «cscnllichen eine ganz andere Darstellung von dem„Besuch" Lang- kopps mit der„Höllenmaschine" gab. Mehrmals— so betonte Bach— hat Langkopp auf seinen Kosier hingewiesen, den er immer so hielt, daß Gcheimrat Bach den Finger an der Abzugsjchmir sehen tonnte. Der Angeklagte hat bei seiner Vernehmung nichts davon gesagt, daß er sogar mehrmals, als Geheimrat Bach in die Nähe der Tür kam, aus seinen Kosser wies und davor warnte, das Zimmer zu verlosten. Sehr eingehend äußerte sich der Zeuge über die von Langkopp abgegebenen Schüsse. Langkopp hat innner wieder be- hauptet, er wollte sich, als die Beamten ihn festhielten, in den Kopf oder ins Herz schießen. Mit einem Sachverständigen demonstrierte der Zeuge Ucberwältigung und Fcstnahine Langkopps. Bach hatte Lnngkopp von hinten fest umklammert und mit Hilse einiger Be- amten zu Boden gedrückt. Als er über Langkopp gebückt, diesem die Arme auf den Boden drückte, drehte Langkopp seinen Revolver so, daß er auf Bach zielen konnte und schoß auch. Traf aber nicht, der Schuß ging dicht neben Bach in die Wand. Durch die Aussage Bachs ist die Aussage Langtopps über die Tat und sein« Beweg- grüstde erschüttert. Es scheint doch so zu sein, daß Langkopp, als er überwältigt wurde, sich durch Schüsse befreien wollt«. Auch die gerichtlichen Sachverständigen babcn die Aussage Langkopps, daß er die Höllenmaschine so zubereitet habe, daß sie nie hätte zur Ex- plosion kommen können, erschüttert. Nach einigen b«langlos«n Zeugenaussagen wurden die Schi«ß- sachverständigen vernommen. Dr. Ritter, Oberregierungs- rat bei der Chemisch-Technifchen Reichsanstalt,, erklärte, daß Schwarzpulver kein Spreng st off im Sinn« des Reichs- gesetze- sei, da es vorzugsweis« zun. Schießen benutzt werde. Es ist auch im Handel ohne Erlaubnisschein erhältlich. Die Zündfähigkeit wäre bei Langkopps Anordnung ziemlich gering gewesen. In der Versuchsanstalt kam das Pulver bei vier Versuchen nur einmal zur Explosion. Durch die doppelten Papi«rtül«n, in denen das Schwarzpuloer im Koffer lag, sei«ine Zündung fast völlig ausge- ' schlössen gewesen, aber mit Sicherheit könnte das natürlich nicht konstatiert werden. Wenn eine Explosion eingetreten wäre, wäre das Leben von Menschen nicht gefährdet worden. Zwar hätten die dichten Schwaden mit den heißen Gasen schwere Ver- brenmrngen der im Zimmer befindlichen Personen herbeiführen können. Durch den Luitdruck wäre auch ein großer Sachschaden ver- ursacht worden, Fenster und Türen wären kerausgerigen worden. Der zweite Sichvrrständige, Feuerwerksoverleutnant Nürnberger, erklärte, daß die Anordnung Langkopps ungeschickt und unverständ- lich wäre. Den präparierten Koffer könne man weder als Mine, noch als Maschine ansprechen. Die Löcher seien so ungeschickt gebohrt, daß die Schnüre aus joden Fall reißen mußten. Langkopp demo- strierte dann vor dem Gericht und den Sachverständigen, wie er den Kosser gepackt hatte. Er behauptete, daß er Pulver und Kugeln entfernt habe und die Patrone mit Klebstoff zugeklebt habe. In der Mündung der Pistole wäre ein Papierpsropfen gewesen. Die vier Siunden der Angst. Sodann wurde unter großer Spannung Geh. Iustizrat Bach, jetzt Direktor des Reichsentfchadigungsamtes a. D. als Zeuge auf- gerufen und vernommen, der eine ausführliche uno anschaulich« Schilderung seiner vierstündigen Erlebnisse mil Lan�kopp i t, s ei n« m Dienstzimmer a m 2. MS r zw. g. gab. Langkopp zum«rsten Male lW gesehen, diesen Vorgang aber erst nachträglich aus den Akten festgestellt. habe erst Beim Verlassen de» Haupt- �.aeboudes habe ihm der Bureauvorsreher mitgeteilt, daß ihn ein Herr unbedingt sprechen wolle. Dieser sei dann aus ihn zugetreten, und er habe ihn gefragt:„Was wünschen Sie?" Der Herr fuhr ihn sosort an:„Wollen Sie. mich etwa hier abfertigen?" Er habe ihn darauf ins Bureau geführt und ihn in seiner Entschädigungssache angehört. Von dem Inhalt de« Gesprächs habe er keine Erinnerung mehr. Cr sei nie Sachbearbeiter des Falles Langkopp gewesen. Als Langkopp am 2. März bei ihm eintrat, hob« er ihn auch nicht wiedererkannt. Er«rinner« sich dunkel, daß bei der Besprechung damals die Rehe davon war, daß der Herr davon sprach, wenn er .Engländer geworden wäre, würde er weit besser materiell stehen. Es iei aber möglich, daß er hierbei zwei Vorgänge verwechsele, denn derartige Aeußerungen habe man im Amt oft von Geschädigten gehört. Geh. Rat Bach äußerte sich sodann über die Borfälle am 2. März. Etwa um lt) Uhr klopfte es an seine Tür, und auf sein „Herein" trat ein Mann ein, der ihm unbekannt war. und der in der Hand einen Koffer in Segeltuch und unter dem Arm «ine Ledermappe hotte. Ich sagte daraus:„So geht es nicht, daß jemand ohne Anmeldung hereinkomint." Der Mann, Langkvpp, .... schob mir einen Sprechzettel hin und sagte, er müsse mich allein sprechen. Er fügte dann gleich hinzu, daß er seinen Schaden in Höhe von 194 099 Mark ganz ausgezahlt erhalten müsse, er ging« nicht eher aus dem Zimmer hinaus, als bis er Bargeld bekommen habe. Auf meinen Einwand, daß ich doch die Akten erst haben müßte, erwiderte er, dessen bedürfe es nicht, er habe feine Aufstellung da und oerlange 199prozentige Entschädigung. Was die Großindustrie bekommen habe, verlange er auch. Ich ver- handelte mit ihm hin und her, aber es war unmöglich, mit ihm ins Reine zu kommen. Er erklärte schließlich, daß er mit dem Leben abgeschlossen habe. Im Kofier sei Sprengstoff, wenn er on den beiden Strippen zöge, die er um die Finger gewickelt hatte, ginge das ganze in die Luft.„Wollen Sie vielleicht einmal sehen, was drin ist?" fragte er.„Ich glaube es Ihnen auch so," erwiderte ich. worauf er antwortete:„Ach. es ist Ihnen wohl zu gefährlich?" Langkopp war nicht zu überzeugen, er verlangte immer wieder sofortige bare Entschädigung und sagte auch, es habe keine» Zweck. Polizei oder Beamte zu benachrichtigen, sonst passiere etwas. Mittlerweile hatte ich die Akten kommen lasten, und festgestellt, daß er nur 43 099 Mark Entschädigung angemeldet hatte. Er sagte aber, „das ist egal, ich verlange 194 999 Mark." Zum Schein ging ich auf sein Verlangen ein, und wir einigten uns auf 199 999 Mark. Er wollte nicht glauben, daß nicht soviel Bargeld da sei, obwohl der Kastenrendant hereinkam und bestätigte, daß nur etwa 12 999 Mark tn der Kasse seien. Ich bot ihm 19 999 Mark bar an und einen Reichsbankscheck über 39 999 Mark. Auf sein Verlangen rief ich seinen Bekannten Loof, der in einem Lokal in der Näh« warten sollte, und von dem er versicherte, daß er von der Spreng- fache»ichis wisse, an. er möchte kommen. Ich dachte, es wäre ganz gut, wenn noch einer dabei wäre. Loof wollt« nun versuchen, den Scheck bei einer Großbank in Zahlung zu geben. Während der Verhandlungen kamen mehrfach Beamte hinein.� Langkopp ließ mich aber nicht aus dem Auge und hatte die Finger immer an den Schnüren. Sobald ich nur zum Telephon griff, oder eine Bewegung machte, oder beim Ausstehen die Hand an die Türklinke legte, rief er warnend:„Herr Geheimrat, Herr Geheimrat, gehen Sie um Gotteswillen nicht aus dem Zimmer." Ich hätte ihn ja überwältigen können, aber da er von Sprengstoff gesprochen hatte, wobei Ich an Dynamit denken mutzte, war zu befürchten, daß die Kntostrvjjls« dabei eintreten könnt«. Nach einer halben oder einer vollen Stunde rief Laos an, daß der Scheck nicht eingelöst würde, well er aus den 3. vordatiert war. Ich hatte das nicht gewußt, der Gnrnd war aber, daß wir keine Deckung be! der Reichsbant hatten. Nach etrtlfler Zeit kam Laos zurück, und nun habe ich mit der Kaste hin«d tzertelephoniert. Langkopp oerlangt« durchau» bare» Geld. Schließlich meldete der Rendant, daß die Reichsbank doch 39 999 Mark auszahlen würde. Dazwischen äußerten sich die Herren sehr abfällig über die Regierung, und ich merkte aus ihren Aeußerungen. daß sie stark völkisch ein- gestellt waren. Ich wunderte mich daher auch nicht, als Long- kopp Laos oujfordcrte, holtz, den Redakteur des„Fridericus". anzurusen. daß er Ins Amt kommen sollte. Langkopp sagte mir dann, Holtz würde in einer Viertelstunde da sein. Uebrigens hatte Langkopp jedesmal, wenn ich eine ihm verdächtig erscheinende Bewegung machte« mit der rechten Hand in die Manteltasche gegrissen und ge- rujen:„Herr Geheimral, Herr Geheimrat." Daher dachte ich, da hat er auch noch etwas drin. Ich jagte mir nun, daß in einer Viertel- stunde, wenn Holtz da sei. der Eilat kommen müßte. Plötzlich siel mir ein Aufruf ins Auge, in dem die Minister und die Staats- sskretäre und Behörden auf das heftigste angegriffen wurden. Ich gab diesen Langkopp zum Lesen. Seine Aufmerksamkeit wurde da- durch völlig in Anspruch genommen, so daß er sich, der mich bisher nie aus den Augen gelassen hatte, darin vertiefte Den Augenblick benutzt« ich, eilte zum Zimmer hinaus und schlug die Tür hinter mir zu. Ich lief durch das Dienstzimmer des Oberregierungsrats Ehr- Hardt, dem ich zurief:„Vorsicht, Erpresser!" Dann stürzte ich weiter in den Korridor, um zur Kasse zu eilen und dort zu warnen. Lang- kopp mar aus meinem Zimmer direkt auf den Korridor gestürzt und lief mit erhobener Pistole hinter mir her. Ich rief um Hilf«. Beim Umbiegen glitt ich neben der Treppe aus.' In dem Moment hatte Langkopp mich eingeholt und hielt mir die Pistole mit den Worten entgegen:„Zurück, zurück, jetzt i st Schluß." Ich stand auf und ging mit ihm mit, er immer mit der Pistole in der Hand. Von den Beamten, die aus meine Hilfe- rufe in die Türen getreten waren, griff niemand ein. AI» wir an der Treppe waren, kam Präsident K a r p i n s k y diese heraus und fragte soiort, was los sei. Langkopp wandte sich nach ihm. und da war der Moment gekommen, den ich die ganzen vier Stunde» ersehnt hatte. Ich sprang Langkopp an und umklammerte ihn. Mein Chef hals mir, ihn herunterzudrücken Da sing er an zu knallen, Ich hieii seinen Unterarm umfaßt, und jetzt hasten uns die andere» Beamten, Langkopp zu überwältigen. Bei dem einen Schuß, als Langkopp am Boden log, habe ich positiv gesehen, daß er die Hand drehie und dann schoß. Der Schuß ging an mir vorbei. Vors.: Was haben Sie daraus geschlossen? Zeuge Bach: Das er auf mich schießen wollte. Bor's.: Konnte er nich: sich selbst erschießen wollen? Zeug« Bach: Es fällr mir schwer, das zu glruben. Nach seinem Verhalten mußte ich annehmen, daß er es auf mich abgesehen hatte. Vors.: Ist Ihnen über die Beteiligung von Loof etwas auf- gefallen? Z e u g e: In meinem Zimmer glaubte ich zwischen beiden ein A u g e n b l i n z e l n bemerkt zu haben. Ich habe aber später den Eindruck gehabt, daß Loof über den Koffer nicht eingeweiht war. Der Schieß sachver st ä» dige Ingenieur Schmuderer verlangte von dem Zeugen Bach eine Darstellung, in welcher Haltung der am Boden liegende Langkopp die Schüsse abgegeben habe. Der Sachverständige legte sich daraus unter großer Heiterkeit im Gc- richtssaal lang aus den Rücken hin aus den Fußboden und Geheim- rat Bach beugte sich über ihn und zeigte, wie er den Arm Langkopps festgehalten hatte und wie dieser durch ein« Drehung seiner Hand dann einen Schuß über seinen Oberkörper hinweg nach der Rich- tung abgefeuert hatte, in der der Zeuge stand. Angekl. Loof: Nachdem die Schüsse gefallen waren, und ich hinzugekommen war, fragt« ich Geheimrat Bach, was vorgegangen fei und dieser sagte mir, er habe die Hand Langkopps so herumgedreht, daß dieser sich bei einem weiteren Schuß selbst in den Ba"ch hätte schießen müssen. Oberregierungsrat Ehrhardt sagte darauf:„Das wäre besser gewesen, denn er bekommt ja die Todesstrafe." Zeuge Bach: Ich habe weder etwa- von Bauchschuß gesagt, noch etwas von Todesstraie gehört. Ich hatte die Hand Langkopps so gedrcht, daß er sich, wenn er weitergeseuert hätte, in die eigene Hare schießen mußte Damit schloß die Sitzung, und die Verhandlung wird Freitag früh Q'A Uhr fortgesetzt'werden. Eine Montessori-Ausstettlmg. Das„Phänomen im Kinde". Di« Deutsche Rlonlesiorl-Gesellschast zeigt bei wert- heim in der Leipziger Strohe eine Ausstellung, die alle Ersahrungen de» Moniessori-Erziehungssystems an Lei- spielen in vollendeter Form wicderjpiegelt. In der Montcssori- Pädagogik wird ein Problem der Menschheits- gestaltung der Lösung«ntgegengeführt, das in seinem Wesen sozial. in seiner Wirkung von Nutzen für den Kulturaufbau sein kann. Das Erziehungssystem, das Rousseau und Pestalozzi in einer Zeit, die für den Gemeinschaftsgedanken noch nicht reif war, vorausahnten, fand di« italienische Kinderärztin Dr. Maria Montessori positiv aus ihrer Berufsarbeit heraus. Der Spieltrieb des Kindes wurde übergeleitet zur Selbstbestimmung und Selbständigkeit im Tun und Denken, so daß sich daraus freiwilliger Ordnung»- und Gemeinschaftssinn ent- wickelte. Spielend erlernen Kinder im Alter von 4 bis 5 Iahren Schreiben, Rechnen und Lesen. Es geschieht ohne jede äußere Ein- Wirkung, dem Kind werden nur di« mechanisch« Handgriff« bei der Zusammenstellung der Neinen Spiele gezeigt und nun darf es sich frei mit der Situation auseinandersetzen. Das„Entfaltung»- Material", das auf der Ausstellung schon in Spielen für Drei- jährige beginnt und hinausgreift bis zu den ersten SchulNassen(tn Holland wird die Montessori-Schule bis zum zwölften Schuljahr durchgeführt), besteht meist nur aus grundeinfachen Formen und Materialien. Bausteinen. Stäben, kürzeren und längeren, auf denen in zweifarbiger Einteilung Felder von 1 bis 10 angeordnet sind, in Farbtafeln, Tast- und Bewegungsspielen, die die Sicherheit der Hand und das Erkennen des Auges schärfen sollen. Perlen werden onein« andergelegt mit dem Zahlensinn verbunden. Geometrische Figuren werden abgetastet, nachgezeichnet, mit Farben ausgctuscht und daraus entstehen kleine künstlerische Zeichnungen, die di« Ausstellung auch in Fülle zeigt. An anderen Spielen wird die Kinderhand sür die hemmungslose Schreibbewegung frei gemocht. E» lernt Worte .malen", deren Sinn e» wie.Blume",.Wage" u. a. wohl kennt, ohne die Buchstoben vorläufig lesen zu können. Bald sühlt da» Kind jedoch auf Sankpapierbuchstoben deren Formen nach, spricht sie nach, verbindet Silben und lernt so lesen. Aehnlich wird e» in die Geheimnisse der Grammatik«ingeführt, spielend, selbst suchend. Besonders hingewiesen sei noch aus die Abteilungen: das Kind in der Familie, eine Spielecke im Wohnzimmer der Eltern, die Aus. stattung eines Kindergartens und«ine Grundfchulklasse mit all de» Lehrgegenständen, die die Sinn« des Kinde» aufschließen sollen. Au» dem Bortrag der Leiterin der Montessori-Gesellschast in Deutsch- land, Frau G r n n w a l d, sei hervorgehoben, daß in Berlin etwa zwanzig private Kinderheim« bestehen, drei städtisch« Montessori» Kinderheime und drei Grundschulen. Borherrscheich findet da» System in germanischen Ländern Eingang, besonder» in Holland und England, letzteres Land besitzt schon über S09 Montessori- Schulen. In Deutschland wurde Bewegung durch den Krieg ge» hemmt, ist jedoch zurzeit sehr im Ansteigen.', Oer April-Winter. Noch kälter— weitere Schneefälle in Sicht? Die Temperaturen lagen gestern tagsüber recht niedrig. Morgens um 6 Uhr herrschten 4 Grad kälte, nachdem da» Thermometer in der vorangegangenen Rachl einen Tiesstand von minu» 7 bis ö Grad kälte angezeigt hatte. Die Temperaturen in den Außenbezirken waren stellenweife noch erheblich niedriger und in geringer höhe über der Schneedecke wurden sogar 12 Grad kälte gemessen. Im Lause des gestrigen Tages stieg die Quecksilbersäule unter der Einwirkung der Sonne allmählich: wiederholt setzte heftiges Schneetreiben ein. Die höchste Tageslemperatur betrug etwas über l Grad Wärme. Mil Eintritt der Dunkelheit gingen die Temperaturen wieder stark zurück und um 10 Uhr obead» herrschten bereit» wieder mehrere Grad kälte. Im Reich betrugen die Temperaturen im allgemeinen 3 dl» 5 Grad unter Rull. In der Gegend des Niederrheins wurde beispielsweise minu» 1 Grad festgestellt. Dieser plötzliche neuer. liche Kälterückfall hat sein« Ursache in einer Strömung, dl« über dem europäischen Nordmeer lagert und sich sehr weit nach Süden ausgedehnt hat. Es besteht weiterhin Neigung zu neuen Nieder- schlagen, die in Anbetracht der Temperaturen neue Schneefälle mit sich bringen dürften.— Am kältesten war es in der vergangenen Nacht in. der Umgebung von D a n z i g und Pommern, wo Temperaturen von 8 bis 19 Grad Kälte herrschten. Derartig« Kältegrade, wie sie augenblicklich in ganz Europa herrschen, sind in dieser vorgeschrittenen Jahreszeit schon seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen. Es ist kaum anzunehmen, daß die starken Nachtfröste Schaden an den Kulturen anrichten werden, die in ihrer Entwicklung mfolge des langen uich strengen Winters ohnehin sehr zurückgeblieben sind. Sogar in dem klimatisch be- günstigteren Westen Deutschlands stand vor dem Kälterückfall di« Vegetation erst kurz vor ihrer Entfaltung. Die gesamte Wetterlage ist äußerst unsicher, und nach den vorliegenden Anzeichen hat es den Anschein, als ob für die nächsten Tage mit einer wesentlichen Aendeiung des augenblicklichen Witterungscharakters noch gar nicht zu rechnen ist. Studienbeihilfen an ehemalige Abiiurienien. Die Stadt Berlin hat tn Erkenntnis der großen Schwierig- teiten, mit denen ein erheblicher Teil unserer Stu&erenben zu kämpfen hat, mtt der Gewährung von Studienbeihilfen eine Neu- emrichtung geschassen, die dankbare Anerkennung finden wird. Die Beihilfe wird ehemaligen Abiturienten zur wissen- östlichen Ausbildung an einer Universität. Hoch- . u l» oder Akademie gewährt, wenn ihre ungünstige wirt- chaftliche Lage ein« Unteritützung durch die Stadt rechtfertigt und ie chrer ganzen Persönlichkeit nach für geeignet erscheinen. Vor- zugsweise werdep Abiturienten der städtischen höheren Lehranstalten (erilcksichiigl, und zwar in der Regel solche, deren Ausbildung tn Berlin»rjolgl. soweit»cht durch die Art der Aunbildung ein anderer Ort bedingt Ist. vonmssetning für die Gewährung, dt« im oll- gemeinen nur für deutsche Reichsaiiyehörig« in Frage kommt, sind die«Nachweise der Bedürftigkeit und der Befähigung sowie Bei- bringung einer Bescheinigung über die Immatrikulation auf einer der genannten Hochschulen. Dem ersten Antrag« eines Bewerbers soll weiterhin eine Abschrift des Reisezeugnisses beigefügt sein. Die Höhe der Beihilfe, die bei dem unveränderten Vorliegen der Voraussetzungen grundsätzlich bis zum. Abschluß der Ausbildung wetter bewilligt wird, beträgt in der Regel 699 M. jährlich. Die Bewilliaung erfolgt, soweit es die im Hausholt zur Verfügung gestellten Mittel ermöglichen, bis zum 1. Mai für das Sommer- Halbjahr, bis zum 1. November für das Wiuterhalbjahr. Die An- träge sind spätestens bis zum 19. April bzw. 10. Oktober dem Magistrat, Deputation sür das Schulwesen, Berlin, Stadthaus, Stralauer Straße, einzureichen. Hauptverfahren gegen Hugo Stinnes. Wegen Betruges vor Sencht. Nach den Anträgen der Slaalsarnvallschaft Ist da» havptversahren wegen Aaleihebelrugs zum Schade» be, Reiche» gegeu Hugo Sliaoe» und fünf Vcteiligke. Nothmann. von waldow. Bela Groß, Leo Hirsch und Schneid, eröffnet worden. Die Anklageerhebung beweist, daß es um den jungen Stinne» recht faul bestellt ist. Die Vorwürfe, daß die zuständigen Behörden säumig gehandelt hätten, sind unberechtigt. Die Sachlage war so kompliziert, daß man unmöglich in kurzer Zeit sich schlüssig werden konnte, ob Anklage erhoben werden müsse oder nicht. Zudem mußte den Angeschuldigten noch den gesetzlichen Bestimmungen eine E r- k l ä r n n g s f r! st zu den gegen sie erhobenen Anklagen gewährt werden. Da sich einer der Angeschuldigten in Frankreich aufhält, mußte man diese Frist verlängern. Aller Boraussetzung nach wird der Prozeß A n s a n g M a i vor dem Großen Schöffengericht Berlin- Mitte stattflnden. Die Sommerzeit wird in Frankreich in der Nacht vom 2a zum 21. April wieder eingeführt werden. giMes di« wundervoll« goldklare Haarwaacliscife für jedes Haar, auch als Shampoon jfüt- SO&fenni&~ StBitfa iMerdrewmü Die Genossinnen nnd Genossen IreOen sidi um 9 vnr i. fl. BezirUsloHalen Das Stückchen Papier. Dorschristen, die gemilderi werden müssen. Vor dem Schnellrichter in der Berliner GHodtnocjtci erscheint, vorgeführt aus der Polizeihaft, eine Frau und nimmt auf der Anklagebant Platz. Ihr Alter ist schwer zu schätzen, denn man sieht es der ärmlich gekleideten Frau an, daß sie stets viel und schwer gearbeitet hat. Sie gibt ihr Alter mit'4S Iahren an. Die üblichen Personalfragen beginnen. Die Angeklagte weiß nicht, ob ihre Eltern noch leben. Vorbestraft ist sie nicht, und sie will auch heute nicht bestraft werden, erklärte sie. Aber mit dieser Erklärung ist es nicht abgetan, denn die Frau hat ein„V e r- brechen" begangen, und das muß gesühnt werden: Die Frau lebt ohne gültigenPaß in Deutschland! Ursprünglich wohnt« sie im Posenschen, damals, vor tSI9. also noch in Deutschland. Durch den Krieg wurde sie plötzlich Polin Wie das eigentlich kam, kann die Frau heute noch nicht begreifen, wie sie auch an dieser Aenderung der Nationalität bestimmt gänzlich unbeteiligt war. Jedenfalls hatte sie plötzlich«in neues„Vaterland", in dem sie und ihr Mann aber nichts zu esien hatten. Die Folge war, daß ihr Mann nach einiger Zeil wieder nach Deutsctsiand zurückging. Sie wollte nachkommen. Der Mann ging nach Leipzig. Aber auch in seinem früheren„Vaterland" hatte er keine Existenz finden können und lebte daher in Leipzig in Baracken aus Kosten der Stadtverwaltung. Da machte sich die Frau auf. zu ihrem Mann zu gehen. Dielleicht glaubte sie, daß man es zu zweien eher schaffen würde, wieder hochzukommen. Der deutsche Konsul gab ihr einen gültigen Paß für Deutschland, der jedoch nur, wie all« diese Aus- weise, kurz befristet war. Als der Paß' abgelaufen war, wurde er ihr in Leipzig nicht verlängert. Sie aber wurde als„lästige Ausländerin" ausgewiesen. Nicht aus Deutschland, sondern aus dem Freistaat Sachsen. Ihr Mann durfte weiter in den dortigen Baracken aus Kosten der Stadt wohnen bleiben. Nach Polen, ihrem neuen„Vaterland", konnte sie aber nicht zurück, dazu reichte ihr Fahrgeld nicht. Also ging sie nach Berlin, wo ihr Ujähnger Junge inzwischen eine Lehrstell« gefunden hatte. Aber sie hatte keinen gültigen Paß. Für den Normalmenschen ist �es schwer zu begreifen, daß ein totes Stück Papier mit einem Amtssiegel solche fürchterliche Macht ausübt, daß allem Besitz oder Nichtbcsig dieses Stückchen Papiers«inen Menschen ins Gefängnis oder in die Freiheit führen kann. Die Frau hat gegen die Paßvorfchriften verstoßen. Der Staatsanwalt würde, wie er erklärt, sich mit einer Geldstrafe begnügen, aber da die Frau mittellos ist, beantragt er drei Tage Haft. Das Gericht erkennt antragsgemäß. Auf die Frage, ob sie die Strafe annimmt, erklärt die Frau„Ja", wenn sie dann wenigstens in Berlin bei ihrem Jungen bleiben darf. Diese Zusicherung kann ihr der Nichter nicht geben, denn da» ist nicht mehr sein Ressort. Di« Frau nimmt die Straf« an und wird abgeführt... Wilson sagte:„Völker sollen nicht wie Schachfiguren hin und her geschoben werden!" Soll da» aber mit einzelnen Menschen geschehen? Gras und MeischergeseNe. Eine Gegenüberstellung im Zannowitzer Mordfall. Da» RLlsel von Zannowlh ist noch immer nicht gelöst. Die Berliner Sriminalbeamlen fehlen die Vernehmungen fori, aber auch sie vermögen nicht, da» Geheimnis zu ergründen. Am Mittwoch wurde der Fleischergesell« D ft t.n e r vernommen und Christian Friedrich Graf Etolberg gegenübergestellt. Der Fleischergesell« soll im Januar gegen ein versprechen, 50 Mark zu erhalten, zu einer Gewalttat gegen den jetzt getöteten Eberhard Gras Etolberg verleitet worden sein. Er bekundete aber ausdrücklich. daß Christian Stolberg n t ch t die Person sei, die ihn gedungen habe. Bittner gab zu. die SO Mark damals auch angenommen zu haben. Gegen ihn ist deshalb ein besondere» Verfahren aus§ 139 StGB, eingeleitet worden, da er von dem Vorhaben der Begehung eine» verbrechen» Kenntnis hatte und kein« Anzeig« erstattete. vle Berliner Mordkommission hat ihr« Vernehmungen fortgesetzt, schweigt aber über da, Ergebnis, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden._ 15 neue posifiellen in Berlin. Auch auf dem Stettiner und Anhalter Dahnhof. Nachdem dt« Oberposkdirektion Bertin erst kürzlich auch im Bahnhas Zoo ein« Tag«nid Nacht geösfnete Annahmestelle «ingerichtet hat. plant st« dies« begrüßenswerte Einrichtung auch aus weiter« Bahnhöfe auszudehnen. Und zwar sollen der S t e t t i n e r Bahnhof und der Anhalter Bahnhof Postannahmestelen erhalten, die. sobald die Raumfrage geklärt ist. dem Verkehr über- geben werden können. Da der Bahnhos Friedrichstraße bereits seit über einem Jahr eine Annahmestelle besitzt und sich unmittelbar am Schlesischen Bahnhof ein Postamt befindet, wären dann alle größeren Fernbahnhöfe Berlins mit Postanstalten versehen. Zu den m den Außenbezirken bereit» bestehenden 15 Privat- Postämtern, den sog. Poststellen, werden— wie der.Deutsche Ber- kehrsdienst" erfährt— bis Enbe Mai 15 waitere Poststellen, eben- fall» in den Außenbezirken, geschaffen, so daß dann di« Zahl der Privatpostanstalten vorerst 30 beträgt. Dann will die Reichspost erst eine Pause von einem halben Jahr eintreten lassen, um sest- stellen zu können, ab diese Prioatpostämter. di« für Deutschland «ine Neuerung darstellen, sich in der Praxi» bewähren. Die Privat- Poststellen verkaufen Wertzeichen jeglicher Art. befassen sich mit der Telegramm- und Briefannahme, vermitteln Ferngespräche und neh- men in besonderen Fällen auch Paket« an. Die Oberpoftdirektion weist darauf hin, daß weitere B e w e r. b u n g e n um Genehmigung einer Poststell« völlig zwecklos sind. Ein'ge Bewerber, denen auf eigenen Wunich eine Poststell« zuge- billigt wurde und die sich anscheinend davon eine Hebung des eigenen Geschäfts versprochen hatten, scheinen von den Auswir- kungen der Poststelle enttäuscht zu sein. Entgegen den Erwartungen sei das eigene Geschäft durch Uebernahme der Poststell« nicht ge- fördert sondern geradezu gestört worden: es hätten sich zwei Kreise von Kunden gebildet,«nmal die Posttuichen und die Geschäfts- künden. Diese Geschäftsinhaber erklären nun, daß sie mit der von der Post zugebilligten Vergütungnicht auskommen. Diese Vergütung, bei deren Festsetzung kein Maßstab vorhanden war, da es sich um eine Neueinrichtung handelte, soll auch erst nach Ablauf einiger Monate grundlegend festgelegt werden. Ein großer AntiqnitStendiebstahl. Ein Museumsdiebstahl von seltenem Ausmaße wird der Berliner Krimina Polizei aus W o l u w e{(Belgien) mitgeteilt. Dort wurde von unbekannten Dieben, die aber tüchtige Such- und Kunstkenner gewesen sein müssen, eine Unzahl Antiquitäten entwendet. Es Handell sich um mehrere Bronzeplatten, zum Teil vergoldet und mit Emaille geschmückt, die der französischen Kunst des 13. Jahrhunderts entstammen, ferner um Würseibscher aus Gold mit getriebenen figürlichen Darstellungen(skythische Kunst), Armbänder, Ohr- und Fingerringe, Anhänger. Fibeln aus Gold, Silber und Bronze, zum Teil mit Edelsteinen oerziert, aus der merowingischai Kunstepoche, Schmuck- und Ziergegenstände der -ei Msren', Blafenleiöen «cwi« Stein- und Zuekerbnduns, nur HnraudurezereeUung- und Ausscheidung Stern Gnsel Tee(eim»!) Aeixtllek«rnsfoblen. Zs heb«« U den Apotbekte. Ee�ei*. ----— PeMtk Venrtshlltciiwf Hdlnltiel. B*d dcmpdnJEn». BezirksbiidungsausschuB BroB-Beriin Am Sonnabend, dem 6. Aprfl, 231* Uhr, Im Theater am Nollendorfplatz: N« � h t ▼ o r• t e 1 1 u a i Die eiacht vor dem Bell Drama von Alfred Wolfensfein (Erstaufffihrung(öt Berlin) Mitwirkende sind: Rosa.Vale'ti. Frigga Braut, Dorp Gerson, Hüde Schewier. Ernst Busch, Ernst Ginsberg, Ferdinand Hart Paul Otto, Armin Schweizer, Hermann Speelmans.— Regie: Traugott MQller Die Karte kostet 1,70 M. Die Platze«erden vcrloat Karten im Bureau des BezirV sausschusses für sozialistische Bildungs- arbeit SW. 68, LindenstraBe 3, 2. Hof II, Zimmer 8, von 10 bis 5 Uhr keltischen und wisigotischen Kunst, eine goldene Maske, die aus den Benin-Funden stammt, außerdem eine groß« Anzahl von Tier- und Götterfiguren der preco ombifchen Kunst, die durchweg aus Goldsiligran gefertigt sind. Ter Wert der gestohlenen Kunstwerke läßt sich nicht angeben, da es sich um einzigartige Stücke handelt. Gegen den �auschgisthandel! Ein Appell unserer Funktionarinnen. In einer politischen Funktionärinnenkonferenz unsere? Berliner Parteigenossinnen berichtete am Mittwoch in den Soohiensälen die Landtagsabgeordnete Genossin Wegscheidel über die Be> mühungen der Sozialdemokratie, den Ausschank alkoholi- scher Getränke einzuschränken. Opium, Morphium und Kokain werden, so führte sie aus, in Deutschland nur gegen ärztliche Atteste oerabsolgt. Alkohol, der. in großen Mengen genossen, genau so schädlich sei wie die vorher angeführten Rauschgifte, könne man in Berlin an jeder Ecke taufen. An Hand von erschütternden Bei- spielen zeigte die Referentin auf, wie ungeheuer groß der Schaden ist, der alljährlich durch Trunksucht hervorgerufen wird. Der Trinker ruiniert nicht nur seinen Körper, er vergiftet seine Nachkommen, er zerstört das Fainilienglück und wird oft sogar in der Trunkenheit zum Verbrecher. Die Sozialdemokratie hat die Pflicht, durch energische Ausklärungsarbeit dasür zu sorgen, daß der Alkohal- ausschank an Jugend li che überhaupt unterbleibt und die Erteilung von Schankkonzessionen eingeschränkt wird. Das Grmeindebestimmungsrecht muß Gesetz werden. Das Volk selbst muß darüber verfügen tonnen, ob weitere Konzessionen erteill wer- den sollen. Die Bewohner eines Stadtbezirks oder einer Siedlung müssen das Recht haben, den Altohalausschank in ihrem Bezirk ein- zuschränken oder sogar zu verbieten. Das Braukapital ist in einiger Am Mittwoch abend gab es in der Stund« der Lebenden m v» dern« englische Musik. Bestimmt paßt die spät« Zeit nicht. Aber diese Unternehmung, die sonst recht langweilig ausfällt, ge- winnt hier plötzlich durch die Fülle ihrer Melodie an Interesse. W e i ß m a n n, der, diesmal wenig zu sagen weiß, faßt sich kurz, und darauf spielt man eine Komposition von Arnold Dar, betitelt „In Memoriam Keen". Es ist ein Streichquartett für Harfe und Englisch Horn. Ein« sehr kultivierte Musik, die aber immer wieder entfernt an die verträumte Sentimentalität der Maritana-Ouvertüre erinnert. Dagegen bringt William Walten in seiner Ouvertüre „Portsmouth Point" richtig spielerischen Reiz. Eine prachtvoll un- pathetische Komposition, mit grotesk gesteigerter Ironie und mit vir- tuoser Technik gearbeitet. Ein ernsthafter Komponist kann auch aus- gelassen lachen. Dos Donnerstagprogramm setzte sich seriös mit Kunst auseinander. So etwas macht sich ganz hübsch. Leider hat man bewußt eine Duplizität der Fälle. Wenn ein Herr am Mittwoch einen Zyklus beginnt„Vom Komödianten zum Schauspieler" und am Donnerstag ein anderer über ein Thema„Wanderbühne und Valks- theater" spricht, so fragt man sich verzweifelt: Warum ist eigentlich in Berlin die hoch dezahlte Stelle eines Intendanten eingerichtet worden? Aber eins muß beachtet werden: Vorträge, die nur in mehr oder minder geistreicher Form historische Tatsachen in Literaten- deutsch übersetzen, Tatsachen, die man in jedem einschlägigen Ge- schichtswerk nächlesen kann, sollten eigentlich in dem Repertoire des Vortragsprogramms eine weniger bedeutsame Rolle spielen. Auch der Leipziger Dr. Arno Schirokauer enttäuscht in dem Vortrag „Kunst i.'n d O e f s e n t l i ch ke i t". Zuviel wehmütige Tränen für den Künstler und zu wenig Analyse der augenblicklichen Si- tuation. Wols Zucker liest ein Kapitel aus seinem Roman„Berlin, Datum des Poststempels". Eine gute Reportage. Aber ob sich diese gut beobachteten Einzelheiten zu einem künstlerischen Ganzen runden, ob in dem Werk eine Idee zum Ausdruck kommt, kann nach dieser Probe nicht entschieden werden. Schließlich ein gute» Solisten. ton.zcr» und. um einen Ausgleich zu schaffen, sendet Berlin in den Abendstunden die Eysler-Operette„Der lachend« Ehemann", lächer- lich und dumm, wie alle Sendungen dieser Kategorie. Z. S. ront bereit zum Kampf gegen die Alkoholgegner. Es hat auch leid genug, eine starke Propaganda zu entsatten. Gegen das Brau- kapltai müssen gemeinsam mit den Alkoholgegnern die Frauen dafür sorgen, daß die Schäden, die durch den Alkohol herbeigeführt werden, im Volke bekannt werden. Die Ausführungen der Reserentin wurden dankbar ausge- nommen. In der Diskussion trat die Genossin Frühbrodt dafür ein, daß vor allem die K inder und Jugendlichen von dem Alkoholgenuß gehütet werden. Vor depi Rcserat hatten unsere Genossinnen als Mitglieder für den Frauenausschuß dir Genossinnen S ch u ch. Scheibenhuber und Kresse und als Ber- treterinnen die Genossinnen Wenzels, Wachenheim und Boormann gewählt.___ AutobusunglückamBrandenburgerTor Fünf Personen verletzt. Gestern abend gegen 23 Uhr ereignete sich am Brandenburger Tor ein schwerer Aulobusuusall, Ein Wagen der Linie 19 prallte mit großer hesligkelt gegen den äußeren Bseiler des Branden- bnrger Tores. Der Autobus wurde schwer beschädigt und muhte au» dem verkehr gezogen werden. 5üns Fahrgäste erlitten zum Teil erhebliche Berlehungen. Haymann bleibt Meister. Das gestern abend im Sportpalast beim Kampf um die deutsch« Schwergewichtsmeisterschoft von H a y m a n n. dem Titel- verteidige?, und Rudi Wagener, dem Herausforderer, gezeigt wurde, war die Komödie von einem Boxkampf. Rundeiilang hüpften die Kämpfer untätig im Ring umher, eine Aufforderung zum Kampf folgte der anderen— ein Meisterschastskamps fand keine kämpfenden Meister. Resultat: Gellendes Pseiskonzerl und Haymaun als Punkt- siege? und damit Meister für die kommende Zell. Um 11,15 Uhr begann man endlich mit dem Meisterschaftskampf der Leichtgewichtler. In den Rahmenkämpfen siegte KarlSchulz« über Otto Ziemdorf. Helmut Hartkopp gegen Heeser. Der Exweltergewichtsmeister Hermann Herse mußte sich dem neu aus- gekommenen Hamburger Walter Cunow beugen. Wieder der falsche Kriminalbeamte. Den Ausweis hak er immer vergessen. Erst vor einigen Tagen berichteten wir über das Austreten eine» Schwindler» und Diebes, der sich für«inen Kriminalbeamten ausgab und bei der Frau eines Gärtncreibesitzers in Pankow- Schönholz 260 M. bares Geld„beschlagnahmte". Ans Mitteilungen, die bei der Berliner Kriminalpolizei ein- gegangen sind, hat der Gauner neuerdings die Berlin— Stettiner Streck« mit ihren Städten aufgesucht. So erschien er in Eberswalde, Biesenthal und Angermünde und machte überall erhebliche Beute. In allen Fällen spiegelte er den Leuten var, daß er noch Diebesgut suchen müsse und„be- schlagnahmte" Bargeld. Wurden die Leute mißtrauisch und fragten nach einem Ausweis, so erwiderte der falsche Beamte in grobem Tone, daß er, der den ganzen Tag unterwegs sei, nicht immer daran denken könne. Zufällig habe er seinen Ausweis vergessen. Einer 9t> Jahr« allen Dame schwindelte er vor, ihr Sohn habe in Stettin einen schweren Raubüberfall verübt. Die zu Tode erschrocken« Greisin zeigte ihm all« Behältnisse, sträubte sich aber dagegen, daß der vermeintlich« Beamte 400 M. bares Geld an sich nehmen wollte. Der Gauner legte es nun in die Kommode zurück, erklärt« aber, daß er dies« dann versiegeln müsse und verlangte zu diesem Zweck«in« Kerze. Als di« alt« Dom« sie herbeiholte, benutzte er- die Gelegen- hell, um da» Geld zu stehlen. Uebereinstimmend wird der Spitzbube beschrieben als etwa 30 Jahre all, 1,68 bis 1,70 Meter groß und schmächtig. All« Bestohlenen geben auch an, daß seine Kleidung abgetragen und ziemlich unsauber war. Nach der guten Beute, di« der Dieb in der Provinz gemacht hat. wird er vermutlich jetzt noch Berlin zurückkehren, um hier das Geld zu verjubeln. Mitteilungen, die geeignet sind, ihm dos Handwerk zu legen, nimmt die Dienststell« O2 im Polizeipräsidium entgegen. vogelschuh als Allgemeingut unseres Volkes. Die Berliner Kommission für Naturdentinalpslege veranstaltet am Donnerstag, dem 11. April 1929. um 20 Uhr, im Märkischen Museum in Berlin S. 14, Wallstr. 52/54. den letzten Lichtbilder- Vortrag des Winterhalbjahres. Dr. Wegner spricht über„Bogel- schütz als Allgemeingut unsere» Volkes". Eintritt 25 Pf. Er- werbslos« und sonstige Unterstützungsempfänger erhallen gegen Vorlegung eines amtlichen Ausweises freien Ein- tritt. Ein Todesopfer in Lietenwerda. Au» Liebenwerda wird uns gemeldet: Das Explosion»- unglück auf der Grube Hansa in Tröbitz hat ein Tode»- v p f e r gefordert Im Krankenhaus erlag der Arbeller Grosse seinen schweren Verletzungen. Der durch die Explosion angerichtete Sachschaden ist bedeutend. Der Betrieb liegt still. eines Kaffees hängt von seinem Extraktgehalt ab. An Extraktgehalt steht der eoffeinfreie, für jeden unschädliche Kaffee Hag mit den besten Bohnenkaffeesorten auf gleicher Höhe. An Milde des Geschmackes, die keineswegs mindere Ergiebigkeit bedeutet, übertrifft Kaffes Hag jeden anderen Bohnenkaffee. weil auch das unverdauliche Kaffeewachs entfernt Ist. überzeugen Sie sich selbst! Das große Paket Kaffee Hag kostet RM 1.90, das kleine 05 Pff Ihr Kaufmann führt ihn. � Tkeaiet, Lidiispiale usw. j frrL__________ �_____ Sw_Ju von Bernauer u. Wellsch Alfred Braun Mady Christians Trade Lteske Sleptr. Arbo Paul Horg-an Paul Wcstermeier Gustav Matzncr £usäge lüitwe Trade Hesterberg Oskar Kartwals Uschi Iiisott V{. Jankuhn H. Junksrmann W. Schaaffsrs Frtsoo Bsauty Girls| Comedianboys Ausstattungen: Prof. Ernst Stern. Musik. Leitung: Ernst Hauke Rudolf Perak. STeu auf Eick trolal Freitag, den 5 4 Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. f8 !»>/- Uhr fiiio Staats-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 72 20 Uhr Jphigente aulTaurls Staat). Sebiiler-' Freitag, den 5. 4. Stadl Oper BUmarcKsn. rurnus IV 19 Uhr Gcodarm.gnitki R.-S 28 Sesdil. lontallDa, 20 Uhr Minna viarnheliD kater.Cbaritb. 20 Uhr Kalku'ta,4. Hai 8 Uhr b 5 Barbarossa 9356 CROCK nnd da* grobe April- Programm Sonnabends n. Sonntags le 2 Torstellongen 3*ijnd8i Jhr— 33° ermäßigte Pr. Am Hüstrloer Pj,,, Aler.«Otg-ta Täq'ich 5, 8", Sonntag 2, 5, Bis INTERNAT. VARIETE 1 Karlen 8 Tage Im roraiu 1 5 Uhr TSgUch Nor noch 3 Taöef Das BiDDlcflrcgsprograimn dar Saison) BAren/ Affen/ Pferde ✓ Stiere Clifl Aeros, d.Är S isonsch�uB unw dtrrufl. 7. Spril. Renaissance- Theater HirdenDtirgitr 6 Tel. 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Mai Siaalsspar am Plan aar nepahiik > Unr Iphigenie auf Tauris SV» Theal'ram SdiinhauerdamiD. Norden 1141 u. 281. Ploniera in ingoistadl (Soldaten u Dienst mädchen) v.Marieldise FleiBer Regie: Jakob QeiB. Bühnenbilder Kaspar Neher OeDtubei Tbeater D.I. Norden 12 310 8 U, Ende nach lOVi Weiber voo Windser von Shakespeare Regie: Heins Hilpert Die Komödie J I Bismclt. 2414/7516 8V» U, Ende geg. 10 wann Kommst Du wieder? Komödie von S. Maugham. Regie Gustaf Qründgens KamtnerspieU J. 1. Norden 12 310 S'ö Ende geg. 10 Zum it. Male. Die Ursache Schauspiel v Leonhard Frank Regie: HansUeppe. 8/c Uhr Guido Tbielscber Weekend im Paradies Wi'nrer > Garten* 8 Udi» Ztnir. 2819• Bandien erlangt DODGE TWINS Die berdhrnlen Rernc-Zwillinge BERN ARD& RICH TatusensaUon HARU ONUKI Japanische Opern-Dlva und weitere internationale Varietö-BerQhmtbeiteD Sonnabrnnd und Sonnt«« i« S Vorstellungen .V und 8 Uhr. t* kleine Preise. ReichshallenaThealer us. QQ nr. Soantii iiaa.|T] Dar Slelflncr sanier Du vandarvalla April-Programm I Nachm. halbe Preise. Dönhoff- Brettl: 10 Nummernl Konien/ 7*8». Lessing-Tbeater Tigi ich 8 Uhr 3 x Hochzell. äenlog] laeatet OirekLheinrHerald CharloitenstraOe 9» A 7. Dönhoff 170 Anl.DU, Ende 10 U. Halden von Bernard Shaw rhatla-Tbeater dresdener str. 72-<. 8 Uhr „Oelransch" Otseh. KUastler-Th. 8V« Uhr Pottasch und Perlmutter aisoetentiu Paul Grits, Karl Ettltnger. Trianon-Th, 8V» Uhr Der Herzog und die SOnderln Baraowjkj-EühüED Theater ia der »antagritiar StraBe Tid'ich Vit jhi Riva I en Komödienhaus Täglich n Uhr Dil Drei-GrosdißB- Opn i hoacei am ifollendorfplau Täglich SV« ohi Revolte Im ErzlelmnoshaRs R ose-Thsatei ir�mtfenvlLIU 8V« Uhr Drtl iitiJAidrtihi Planetarium —— am Zoo■— ir.ai. ludiiimtflain.»,»> Noll. 1578 IhViÜhr Sternhimmsl des FrBhjshrs I8V, Uhr Sterehlldsr und Wslthsu 20V. Uhr Wunder d« tödlichen Himmels T8gl.auBer Montags u. Mittw. Erwacht. l MkN Kinder SO Pf. Mi tw.; Erwachsene 50 PI.. 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Gestern fand in Frankfurt am Main eine Bezirkskonfcrenz des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes statt, aus der auch Ge- nasse Fritz Naphtali, der Leiter unserer Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik, über Fragen der Lohnpolitik sprach. Die Fragen der Lohnpolitik standen selten so sehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses wie heute. Die grundsätzliche und interessante Art, wie Naphtali sich seiner Ausgabe entledigte, rechtfertigt die Wiedergabe der leitenden Gedanken des umfassenden Referats. Das Sennzeichen einer gesunden volkswirlschaftlichen Entwicklung sind steigende Verbrauchsmöglichkeiten der breiten Masten der Bevölkerung, d. h. steigende Reallöhne der Arbeiterschaft. Diesen fast überall anerkannten Satz stellte Naphtali seinen lleberlegungen voran. Die Stabilisierung der Löhne sei eine volkswirtschaftliche Gefahr. Während die Stabil!- sierung des Preisniveaus, soweit eine Senkung der Preise aus Grund fortgeschrittener Technik nicht erreichbar ist, ein er- strebenswerte» Ziel sein kann, würde eine Stabilisierung der Löhne Stillstand oder Rückschritt der Volkswirtschaft bedeuten. Der normal» Verlaus der wirtschaftlichen Entwicklung kann nur in einer ständigen Aufwärtsbewegung der Reallöhne erblickt werden. Nicht diese Grundtendenz, sondern nur dos Maß und der ge- eignet« Zeitpunkt für Lohnerhöhungen sind st r i t t i g. Möglichkeilen der Lohnerhöhung. Lohnerhöhungen können sich nach Naphtali erstens vollziehen als Anteil der Arbeiterschaft an der steigenden Produk- t i o i t ä t der Arbeit auf Grund technischer und organisatorischer Fortschritte. In diesem Falle pflegen gleichzeitig die Löhne und die Kapitalbildung zu steigen. Lohnerhöhungen können weiter erfolgen auf Kosten des Luxusverbrauchs anderer Schichten der Bevölkerung. In diesem Falle findet eine Verschiebung der Nachfrage zugunsten der Lebensmittel und der industriellen Massenverbrauchs- artikel statt. Die Einheitskoften sinken bei der Mehrproduktion von Mastenverbrauchsartikeln stark, so daß eine Erhöhung der Produk- tioität der Arbeit eintritt, die in der Folge auch erweiterte Kapitalbildung ermöglicht. Lohnerhöhungen können endlich sich vollziehen auf K o st e n des Tempos der Kapitalbildung. Die daraus folgende Ver- schiebung zwischen Kapitalabfindung und Derbrauch kann nützlich sein, wenn ohne diese Verschiebung der Produktionsapparat schneller wächst als die Absatzmöglichkeiten, und dadurch A b- s a tz k r i s e n hervorgerufen werden! sie kann s ch ä d li ch sein, wenn sie eine Knappheit an Kapital und dementsprechend eine Verteuerung des Leihkapitals hervorruft, welche die Zjeproduktion und Moderni- sierung des �siroduktionsapparates verhindert und damit die Be- schästigungsmöglichketten der Arbeiterschaft verringert. Es gibt praktisch keine exakten Grenzen. Die Grenzen, in denen in einem gegebenen Augenblick die Lohnerhöhungen im Rohmen einer Volkswirtschaft möglich und die Gesamtwirtschaft fördernd sind, sind nicht cxakr bestimmbar. Der Lohn ist ein dynamischer Faktor in der Volkswirtschaft. Sein« Erhöhung kann nicht nur den An teil, der Ärbeiterschosi an einer vollzogenen Steigerung der Produktivität sichern, sondern sie kann auch den Antrieb zu einer Steigerung der volkswirtschaftlichen Gesamtproduktivitäl geben. Dieser An- trieb kann sich in dem Anreiz zur Einführung arbeitsparender Technik und Betriebsorganisatio», wie auch in dem Zlvang zum Ausscheiden rückständiger Betriebe und der Konzentration der Produktion bei den sortgeschrittensten Betrieben auswirken. Die Lohnhöhe bestimmt aus der einen Seite die Verbrauchs- richtung und die Produktions r i ch t u n g innerhalb der Volkswirtschaft. Auf der anderen Seite ist sie ein Bestandteil der Pro- duktionskosten, besten Ueberhöhung die Absatzmöglichkeiten von Industrieprodukten, besonders auf den Märkten, in denen sie ausländischer Konkurrenz unterworfen sind, gefährden kann. Bei der Ermittlung der Grenzen für eine Lohnerhöhung in einem gegebenen Augenblick ist stets zu berücksichiigen, inwieweit der Er- höhung der Produktionskosten auf dem Lohnkonto eine Verminderung der Produkttonskosten durch Massen- Produktion höheren Grades gegenüberstehen kann. Erwetterter Export von Mastenfabrikaten hckt meist erweiterten inneren Verbrauch der Mastenfabrikote und damit verbilligte Produktton zur Voraussetzung. Offene oder verhandlunqskämpse bestimmen henke allein den„richkigea Lohn". Die Durchleuchtung der wirtschaftlichen Tatsachen und Zu- sammenhänge ist in der Gegenwort viel zu wenig entwickett, um durch wissenschaftliche Feststellungen das mögliche Maß der Lohnerhöhungen in der Gesamtwirtschaft oder in einzelnen Zweigen der Wirtschast exakt festzustellen. Weder die Zahl der Arbeits- losen, noch die Höhe des Zinssatzes, noch andere Einzelerscheinungen können als zuverlässige Maßstäbe für das Finden des in einem ge- gcbenen Augenblick höchstmöglichen Lohnes dienen. Die Aufgabe der Gewerkschaften ist es deshalb, in Lohnverhandlungen und Lohnkämpfen unter möglichst weitgehender Berücksichtigung aller erfaßbaren Tatsachen der Gesamtwirtschaft und des besonderen Ge- werbes die jeweilig auf Grund der W i r t s ch a f t s v e r h ä lt- nisse und gewerkschaftlichen Machtverhältnisse erreichbaren Lohnerhöhungen anzustreben. Die Fragen, ob in einem gegebenen Augenblick Lohnerhöhungen zweckmäßig zu fordern sind, in welchem Ausmaße, ob langfristige oder kurzfristige Bindungen vorzuziehen sind, welche Ristken ein Kampf für die Arbeiterschaft mit sich bringt, das sind Fragen, die in jedem Einzelfalle noch der Lage des Gewerbes, der Konjunktur der Gesamtwirtschaft und der gegebenen Machtverhältnisse zu be- urteilen sind. Unabhängig von diesem Urteil nn einzelnen bleibt die Erkenntnis, daß eine gesunde volkswirtschaftliche Entwicklung ihren Ausdruck in einer dauernden Tendenz zur Er- höhung der Reallöhne finden muß. Dem Dortroge Naphtali» folgte eine lebhafte Diskusston, in der auch mit Nachdruck betont wurde, daß Wochcnlöhne von 24 bis 26 Mark eine Gefahr für die gesamte Arbeiterschaft darstellen. Kohlenmagnaten demonstrieren. Zum dividendenlosen Abschluß bei Harpener Bergbau. Die Harpener Bergbau A.>G., das stärkste rein« Zechen- unternehmen an der Ruhr, hatte sich schon im vergangenen Jahre unter der neuen Silverbergschen Führung mit ihrer Dividenden- senkung von 8 aus 6 Proz. ein« besondere Ueberroschung geleistet. Diese Maßnohme traf seinerzeit die Oessentlichkeit um so uner- warteter, als dos Letriebsjahr l!»27 dem deutschen Bergbau eine Hochkonjunktur beschert hatte, wie sie in dieser Stärke so bald nicht wiederkehren dürste. Wir hatten damals bei der Lilanzkritik eine Reihe Fragen an die Verwaltung gerichtet urck» um Aufklärung ersucht, wie die Gesellschaft zu dem geheimnisvollen Ergebnis gelangt sei, daß trotz erhöhter Kohlenförderung und gestiegener Koks- Produktion, sowie beochllicher Rationalisierungserfolge, der Rohertrag um mehr als sechs Millionen auf 25,5 Millionen Mark sinken koimte. Aus der Generalversammlung hat der Bor- sitzend« des Aufsichtsrates, Dr. SUoerberg, zwar versucht, die Bilanz- Politik seiner Gesellschaft zu begründen, einer Beantwortung dieser heiklen Fragen ist er jedoch ausgewichen. Wenn dieser Zechentonzern jetzt für das Geschäftsjahr ll>28 einet, Abschluß vorlegt, in dem der ausgewiesene Reingewinn von SIS 000 M. nur ein Achtel de» vorjährigen Gewinne» ausmacht und die Dividendenzahlung«ingestellt wird, so ist es klar, daß Harpen als stärkster Zechenbesitzer mit besten Gruben hiermit nur ein» politische Demonstration macht. Ein« nähere Begründung für ihr« Beschlüste zu geben, hält die Verwaltung für unnötig. Man stößt zunächst auf die merkwürdige Tatsache, daß die Kohlenförderung noch nicht um 16 Proz. von 8,0? aus 7.28 Millionen Tonnen zurückgegangen, die Kokserzeugung sogar von 1,69 auf 1,61 Millionen Tonnen gestiegen ist, während die Einnahmen aus den Bergbau, und Veredelungsbetrieben von 25L aus 2l,6 Millionen Mark, also um fast 20 Proz. niedriger aus- gewiesen werdenc Noch rätselhafter werden diese Zahlen, wenn man sie mit dem Abschluß von 1926 oergleicht. Die Kohlenföderung betrug domal» 7,9 Millionen Tonnen, also rund 7,5 Proz. mehr als 1928, die Kokserzeugung lag dagegen um 22 Proz. unter' der Leistung des letzten Jahres und trotzdem betrug der für die Bergbau- betrieb« ausgewiesene Rohertrag 21,8 Millionen, also fast 50 Proz. mehr al» der Rohertrag für das letzt« Betriebsjahrl Daß We deutschen Zechen im vergangenen Jahre durch die ständig« Heraussetzung der Syndikatsumlage erhebliche Mehr- belastungen für den Konkurrenzkampf im bestrittenen Gebiet in Kauf nehmen mußten, ist bekannt. Di« Echöhung der Umlagen klärt aber diese klaffenden Widersprüche in der Gewinnrechnung bei Harpen keineswegs auf. Die Verwaltung verweis» in ihrem Bericht aus die Lohnerhöhung durch den Schiedsspruch vom 14. April 1928, die eine Mehrbelastung je Tonne von 50 Pf. zur Folg« gehabt habe. Dem steht gegenüber, daß der Ruhrbergbau nach der Lohnerhöhung die Kohlenpreise um eine Mark je Tonne heraussetzen und von dieser Heraufsetzung im unbestrittenen Gebiet auch entsprechenden Nutzen ziehen konnte. Ferner erhöhte sich bei Harpen der Schichtförderanteil der bergmännischen Belegschaft weiterhin um 82 Kilogramm gegenüber einer Leistungssteigerung von 20 Kilogramm im Jahr« 1927. Damit stieg die Jahresleistung je Mann undSchlcht im Durchschnitt auf 1299 Kilogramm gegenüber 945 Kilogramm im Jahr« 1912, das ist erheblich mehr al» der Durchschnitt im Ruhrgebiet. Di« Belegschaft hat sich auch im letzten Jahr infolge der weiter durchgeführten Rationalisierung aus 22 469 Mann oermindcrt und beträgt rund 5000 Mann weniger al» im Jahr« 1926. Bielleicht gibt die Verwaltung auf der Generalversammlung nähere Auskunft darüber, wie stch ihr« Werksausbaupolitit mit dem im Geschäftsbericht und der Bilanz so stark betonten Pessimismus verträgt. Hat doch Harpen nach den enormen Aus- gaben im Jahre 1927 nicht weniger als 32 Millionen im letzten Jahr neu in die Anlagen gesteckt, von denen«in großer Teil aus laufenden Betriebseinnahmen bezahlt und nur der kleinere Teil durch Kredit« gedeckt wurde. Die Harpener Bergbau A.-G. bemüht sich also vergeblich, auf die Oessentlichkeit Eindruck zu machen und eine Krise im Ruhrbergbau oorzu- täuschen� der noch den Worten der Berwalwng weiteren Be- lasttingen nicht mehr gewachsen sei. Guier Baumarkt �929. Starkes Zusammendrängen der Bautätigkeit. Der lang« und schwere Winter hat den Beginn der diesjährigen Bausaison wett ins Frühjahr hinausgeschoben. Di« Bautätigkeit wird in diesem Jahre volle zwei Monate später ein- setzen al» im Jahre 1928. Charakteristisch ist dafür die vom Institut für Konjunkturforschung Im letzten Wochenbericht festgestellte Tat- fache, daß Ende Februar dieses Jahres nur 27 Proz. der Bau- arbeiter vom Baugewerksbund als beschäftigt gezählt wurden gegenüber 67 Proz., also fast dem Aweieinhalbfachen, End« Februar vorigen Jahres. Die Bausaison selbst wird aber mit Sicherheit mindestens ebenso stark wie 1928, möglicherweise aber noch stärker aussallen. In das Jahr 1929 wurden nämlich allein in Preußen 96 000 noch tertig- zustellende Wohnungen übernommen, gegenüber einem llebernahm«' bestand von 90 000 Wohnungen für dos vergangene Jahr 19Z8. Die Bauerlaubnisse in 85 Groß- und Mittelstädten liegen von Oktober 1928 bis Januar 1929 umeinDrittel über den ont- sprechenden Zahlen des Vorjahres. Daraus ist zu schließen, daß die Zahl der 1929 fertigzuftellendeu Wohnungen sicher Himer dem Er- gcdnis von 1928 nicht zurückbleiben wird. Allerdings wird stch die Bauzeit in diesem Jahr« sehr zusammendrängen. Für die gewerbliche Bautätigkeit, d. h. die Errichtting von Industriebauten, glaubt das Ltonjuntturinstitut bei fortschreitendem Rückgang der Konjunktur auch mit einem Rückgang der Bauaufträge rechnen zu müssen. Big jetzt sei ein solcher Rückgangnochnicht scstzustellen. Nachdem 1928 die Bauvorhaben von Handel und Industrie sich über den Stand von 1927 bewegt hatten, sind auch im Januar und Februar 1929 die gewerblichen Bauvorhaben noch aus beträchtlicher Höhe geblieben. Beim, öffentlichen Tiefbau befürchtet das Institut wegen der schwierigen öffentlichen Finanzlage einen Rückgang. Beim öfsenttichen Hochbau waren solche Rückgänge bisher»och nicht festzustellen. Für die Finanzierung der Bausaison des Jahres 1929 hat das Institut für Konjunkturforschung einige Bedenken. Der Rückgang der Wirtschastskonsunktur müßte an sich, da dem Kapital- markt für Bauzwecke mehr zur Verfügung bleibt, für die Finanzie- rung des Boumarktes günstig sein. Das Institut hält es aber für zweifelhaft, ob die Sparkassen noch in demselben Tempo wie bisher den langfristigen Kapitalmarkt besonders für Wohnungsbauten finanzieren werden, nachdem die Umstellung der Anlage von Spartossengeldern bereits bis zu 40 Proz. der Einlagen aus lang- fristige und festverzinsliche Forderungen erfolgt sei. Auf der anderen Seite werden größeren Beträge von den Ver- stcherungsunternehmungen erwartet und auch das Aufkommen aus der Hauszinssteuer mit rund 800 Millionen Mark dürste den Baumarkt mehr befruchten als sonst, da im vergangenen Jahr die Vorgriffe aus die Hauszinssteuer geringer gewesen seien. Offen sei die Frage, inwieweit öffentliche Anleihen im In- und Ausland für den Wohnungsbau ausgenommen werden können. Infolgedessen sei es wenig wahrscheinlich, daß die dem Baumarkt zur Verfügung stehenden Kapitalien im Jahre 1929 größer sein werden als im Vorjahre. �aiionalifierung bei öffentlichen Banken Zusammenarbeit von Sparkassen und Provinzbanken. Dos Zusammemvirken Öffentlicher Danken, dos wir schon immer verlangt haben, hat einen neuen Fortschritt gemacht. Zwischen der Deutschen Girozentrale, dem Spitzeninskftut der Kommunal- b.a n k e n, und der Deutschen Landesbankenzentrale A.-G., dem Spitzemnstitut der P r o v i n z b a n k e n, ist ein Abkommen ge- troffen worden. Nach diesem Abkommen verzichtet die Deutsche Landesbankenzentval« auf den'Berkehr mit Sparkassen und Kam- munen und überläßt diesen Berkehr der Deutschen Girozentrale. Auf der anderen Seit« verzichtet die Deutsche Girozentral« gegen- über der Landesbankenzentrale auf die mit der Bodenbeleihung und den landwirtschaftlichen Meliorotionskrediten verbundenen Geschäft«. Im Geldgeschäft, d. h. im Ausgleich der flüssigen Mittel, wollen die beiden Gruppen zusammenarbeiten und sich nicht gegen- seitig die Kreditbedingungen verschlechtern. Zum Ausdruck kommt dieses Abkommen durch den gegenseitigen Austausch von Vorstands- und Ausstchtsratsmitgliedern. Di« Deutsche Girozentrale übernimmt außerdem aus den Beständen der Preußischen Zentralgenossenschastskasse ein Fünftel des Aktien- kapitals der Deutschen Landesbankenzentrale A.-G. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die schvn lange geführten Der- hcmdlungen zwischen der Preußischen Zentralgenossen- schaftskass« und der Deutschen Girozentrale über eine ähnliche Zusammenarbeit bzw. Abgrenzung der Geschäfte dem Abschluß ent- gegengehen, nachdem die Deutsche Girozentrale schon früher sich mit einem kleineren Detrag am Kapital der Preußenkasse beteiligt hat. Au» der Provinz Hannover wirb gemeldet, daß die H a n- noversch« Landesbank mit der dortigen Girozentrale Hon- nover zusammengeschlvsien wird, und Oberpräsident Noske hat im Hannoverschen Provinziallandtag die Vorlegung eines entsprechen- den Dertragsenttvurfes angekündigt. Diese sich immer stärker ausbauende Zusammenarbeit und Zu- sammenschließung öffentlicher Bankgruppen ist im Volkswirtschaft- lichen Interesse sehr zu begrüßen. Sie bedeutet nicht nur im Ergebnis eine Rationalisierung und Berbilligung des Derrrurltungs- apparates, sondern möglicherweise auch ein« Berbilligung der Kre- ditbedingungen im öffentlichen Bankwesen. Das bedeutet zugleich auch eine Stärkung der öffentlichen gegenüber den Privat- danken. Jedenfalls ist die Ausschaltung der Konkurrenz zwischen öfsenttichen Banken unter sich unter solchen Umständen zweck- mäßiger als die fälschlicherweise früher oft versuchte Konkurrenz- ausschaltung zwischen öffentlichen und privaten Banken. Man wird aus volkswirtschaftlichen Gründen auf den Gegensatz zwischen öffentlichen und privaten Banken nicht verzichten dürfen, wenn das gesamt« Kreditwesen eines Landes nicht unbeweg- lich und zugleich monopolistisch werden soll. Zuckerkonserenz beim Völkerbund. Die vom Wirffchaftskomitee de» Völkerbundes zusammenberusenen Sachverständigen der Zucker- Industrie aus 17 Ländern haben unter dem Borsig des deutschen Staalssekretärs Dr. Trendelenburg in Gens begonnen. «z»/ 96 'gibt büitenwaissQ, wirklich reine Wäsche Die Reichsbahn hat Gelb! Kür alles mögliche— nur nicht für Lohnzulagen. Die Hauptverwaltung der Reichseisenbahn hat anscheinend weit weniger die Vetriebsinteressen und die Interessen ihres Personals im Auge, als die Interessen der Unternehmer in der Privatindustrie. Die Unternehmeroerbönde wollen nicht, daß sie den Eisenbahnern in der Lohnfrage wie in der Arbeitszeitfrage entgegenkommt. Das Unternehmertum betrachtet jedes Zugeständnis an die Eisenbahner als einen unfreundlichen Akt. Die chaupwerroaltung aber will es lieber zehnmal mit ihrem Personal verderben, als auch nur in einem Punkte mit den Unternehmern. Das ist der Schlüssel für ihr Per- halten gegen ihr Personal. ..Nur' 2 4 Millionen sollen die Leistungszulagen pro Jahr kosten und nicht 4S. wie in der Arbeiterpress« behauptet worden ist. Mit diesem..nur' macht sich die Reichsbahnhaupt- oerwaltung zum Ankläger gegen sich selb st. Nehmen wir einmal an, die Hauptverwaltung hätte recht und die Korruptions- zulagen kosteten nur 24 Millionen— nun, mit diesen 2 4 Millionen wäre die Reichsbahn, wenigstens für den Augenblick, wahrscheinlich aus dem Lohnkonflikt heraus- gekommen. Aber ste will ja kein« 80 Millionen und keine 24 Millionen. st« will überhaupt nlchi» geben. und das ist«s, was die Eisenbahner schon bei den Besprechungen mit den Vertretern der Hauptverwaltung und mit dem General- direktor so erbost und erbittert hat. Die Eisenbahner können viel verlange� st« können wenig verlangen, das ist für die Leitung der Reichsbahngesellschaft ganz egal: sie will gar nichts geben. 2 4 Millionen deckten ungefähr «ine Lohnoerbesserung von 2H Pfennigen. Sechs Pfennige werden gefordert. Konnte die Reichsbahnhauptverwaltung wirtlich kein Gegenangebot von drei Pfennigen machen? Kann sie diese drei Pfennige wirNich nicht tragen? Sie könnte sie mit den Kosten der Korruptionsgelder spielend tragen: denn zur Kor- ruptionszulage im engeren Sinn, die rund 30 Millionen betragen dürste, kommen noch die zum Fenster hinausgeworfenen Gelder für Personalbetriebshilse, B a h n sch u tz und ähnliches. Die Ausgaben für Verstärkung des Bahnschutzes und der Bahnpolizei mögen 19lS und 1920, als noch allerhand Spitzbuben und Dieb« sich auf den Bahnhöfen herumtrieben, am Platze gewesen sein. Heute haben diese Auslagen keinen Sinn, wenn man mit ihnen nicht in versteckter Form Streikbrechergarden und ähnliche schöne Dinge auf die Beine stellen und ausrüsten will. Und auch dann ist das hierfür aufgewendete Geld zum Fenster hinaus- geworfen. Was will denn die Reichsbahn mit ihrer Personalhilfe aus Beamten und Arbeitswilligen im Aalle eines Streiks? Zwei Streiti, nämlich der im Saargebiet, wo sich leider ein Dell der Beamten wenig rühmlich benommen hat, und vor allem der Streik in Dresden haben dock» bereits zur Genüge gezeigt. daß die Reichsbahn mit ihrer Personalhilfe praktisch gar nichts schaffen kann. Personalhilfe, Teno und derartige Dinge mögen vielleicht bei einem Gas- und Wasserwerk eingesetzt werden können, bei der Eisenbahn versagen sie. Sie können die Verstopfung der Güterbahnhöfe nicht verhindern, ste dirigieren nur die Maschmen und Wagen in den Dreck und fahren die Menschen tot. Mit Streik- brechergarden schreckt man also die Eisenbahner wirklich nicht. Die Elsenbohnarbeiter wissen, was st« zu tun haben. wenn man ihre Warnungen in den Wind schlägt. Sie haben bis jetzt nur gewarnt und stehen sozusagen Gew«hr bei Fuß. Sie haben keine Veranlasiung, Hals über Kopf loszuschlagen und sozusagen einen Streik vom Zaun zu brechen. Im Gegenteil: sie können warten: denn jeder Tag verbessert ihre Situation. Der Güterverkehr steigert sich gerade im Laufe des Monats April: er muß in diesem Jahr infolge des langen und scharfen Winters besonders kräftig anwachsen. Di« Zeit arbeitet also für die Eisen- bahner. Sie haben also keinen Grund, die Dinge zu überstürzen. Man Hot die Begründung der Lohnforderung bei de? Reichsbahnhauptverwaltung nicht einmal beachtet. Diese Mißachtung Hot die Eisenbahner gereizt und ver- b i t t e r t. Die Reichsbahnhauptverwaltung spielt den Hoch- mutigen. S i e will nicht zum Schlichter gehen. Warum sollen ge- rade die Eisenbahner um Schlichtung betteln? Wenn das öffentliche Interesse ein Eingreifen erheischt, dann wird sich wohl das Reichsarbeitsmini st srium von selbst rühren. Die Eisenbahner sind, wenn die Reichsbahn es nicht anders haben will, zum Kamps bereit. An der Reichsbahnhauptverwaltung, die allein die Verantwortung für die Zuspitzung der Situation trägt, liegt es, die ihr durch die Taktik der Eisenbahner noch verbliebene Galgen- f r i st zu nutzen. Vielleicht lernt sie in der Zwischenzeit das Rech- n e n. Vielleicht kommt sie doch dahinter, daß die Kosten eines anständigen Vergleichs ein« Kleinigkeit darstellen gegenüber dem Schaden, den ste und mit ihr die Wirtschaft und Allgemeinheit bei einem Streit erleiden. Wünsche der Zechenbarone. Sie kündigen auch das Mehrarbeitsabkommen. Essen, 4. April. Zw Anschluß an die bereit, gemeldeke Kündigung der Lohn- ordnung und des Mantellarifs hat der Zecheuoerband nun- mehr auch das Mehrarbeitsabtommen zum Z0. Zunl gekündigt, um damit einen gleichzeitigen Ablauf oller bestehenden Tarife und eine möglichst große Zeitspanne für die verHand- klingen zu erreichen. Was bezwecken die Zechenherren? Die TU. verkündet ihre Wünsche: „Im wesentlichen wird eine Aufrechterhalwng des heutigen tatsächlichen Zustondes erstrebt. Hierzu würde auch die Vesei» t i g u n g der aus den ersten Nachkriegsjahren stammenden Arbeits- Zeitbestimmungen des Monteitarises(Sieben-Stunden- Schicht unter Tage und Acht-Stunden-Schicht über Tag«) ge- hören, an deren Stelle die jetzigen gejetzlichen Bestimmungen zu treten hätten.' Damit ober nicht genug! Die Herren fordern Erleichterung der Ueberschichten. indem sie den Z 9 der Arbeitszeitnotver- ordnung für den Bergbau in Anspruch nehmen, die tariflich« Be- schränkung der Mehrarbeit beseitigt wissen wollen. Ungewiß sei nur noch, ob st« nicht auch die Einführung der englischen Arbeitszeit(SZ4 Stunden unter Tage) mit Rücksicht auf die englische Konturrenz fordern wollen. Für den Fall, daß eine langfristige, durch Lohnänderungen und Arbeitszeitverschiebungen nicht gestört« Entwicklung für die Zukunft gewährleistet werde, würde sie möglicherweise von dieser Forderung absehen. „Nicht ausgeschlosien ist es scrner, daß man eine Durchbrechung des schematischen Lohnaufbaues zur Erörterung stellen will. Ein« AufbesserungderLöhnerm gegenwärtigen Augenblick dürft« der Zechenverband vor allem unter Hinweis auf die gefährdete Ren- tabilität der Zechen ablehnen.' Die Bergarbeiter werden nicht versäumen, den Zechenherren die gehörige Antwort auf diese Unverschämtheit zu geben. Neuer Reichstarlf für das Baugewerbe. Von beiden Parteien angenommen. Der Entwurf eines neuen Reichsmanteltarifes für das Bau- gewerbe ist nunmehr von beiden Parteien angenommen worden. Der Zentralverband der Zimmerer hatte die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Entwurfes einem außer- ordentlichen Verbandstag übertragen, der am 29. März in Magdeburg tagte und mit 139 gegen S6 Stimmen dem E n t- w u r f zustimmte. Im Baugewerksbund lag die Entscheidung bei den B e- zirkskonserenzen, die für das gesamte Reichsgebiet am 24. März stattfanden. Die Bezirkskonferenzen des Baugewerks- bundes haben sich gleichfalls für die Annahme des Vertrags- entwurfes ausgesprochen. Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe hat jetzt ebenfalls dem Entwurf zugestimmt. Der Tarifvertrag, der nicht mehr„Reichstarifvertrag für das Baugewerbe', sonöeni..Reichs- tarifvertrag für Hoch-, Beton- und Tiesbau- arbeiten" heißt, läuft bis zum 31. März 1931. b« Grippe, Influenza u. a. ErbSItungSdranIlhelten haben sich Togal. Tabletten hervorragenb bewährt. Im Knfangsitadinm genominen, verschwinden die ltraniiheitser. schcinungen sofort. Lt. not. Bestätigung sind innerhalb 6 Monaten mehr als 1 500 Gutachten allein aus Hrztclireiien eingeganz., darunter o. namhaften prafessoren u. aus ersten Kliniken u. Krankenanst. llberrasch. Erfolge! 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Aufbauarbeit bei den Kommunalbeamten. Der Geschäftsbericht der' Berliner Ortsgruppe der Reichs- gewerkschaft Deutscher Kommunalbeamter für das Jahr 1928 zeigt, daß es auch dieser freigewerkschofllichen Gemeinde- beamtenorganisation im Vorjahre gelungen ist, ganz ansehnlich« Er- folge zu erzielen. Wenn auch die Besoldungsordnung der Berliner städtischen Beamten endgüllig im Dezember 1927 festgesetzt worden war und an ihrem die Beamtenschaft nicht befriedigenden Aufbau nichts mehr zu ändern ging, so oersuchte die Organisationsleitung dennoch durch Verhandlungen mit den zuständigen Körperschaften die Härten zu beseitigen, die durch die Neugestaltung der Besoldungsordnung entstanden waren. Alle Wünsche ihrer Mitglieder konnte die Organi- sation allerdings nicht erfüllen. Es gelang ihr ober immerhin, einigen Gruppen der Kommunalbeamten einen besieren Platz in der Besoldungsordnung zu erobern, ferner verschieden« Derbesserungen der Ausführungsbestimmungen zur Besoldungsordnung, wodurch für eine Anzahl van Beamten das Besoldungsdienstalter gerechter fest- gelegt wurde. Schließlich sei noch erwähnt die Umgestaltung des Lehrbetriebes des Berliner Verwaltungsseminars und die Derbesse- rung der Prüfungsbestimmungen an diesem Seminar usw. Alle diese Erfolge haben sich auch in finanzieller Hinsicht für die betreffenden Beamten ausgewirkt. Diese erfolgreiche und mühe- volle Tätigkell der Ortsgruppenleitung fand auch ihr« Anerkennung in der jüngsten Iahresdelegiertenversammlung, die dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilte und mit geringen Abweichungen, die sich durch die Umorganisation der Ortsgruppe ergaben, den allen Vorstand wiederwählte. Die starke Mitgliederzunahme fand auch ihren Ausdruck im Kassenbericht, wonach die Kassenoer. hältnisse durchaus gesunde sind. Der Ortsgruppenoorsitzende, Genosse Mehlig, begründete die Dorlage für den künftigen Ausbau der Orts- gruppe, die mll einigen Aenderungen die Zustimmung der Der- sammlung fand. Annahme fand ein Antrag, der die Berücksichtigung der RDK.- Mitglieder bei der Kandidatenoufstellung zu den kommenden Stadt- verordneten- und Bezirtsverordnetenwohlen von den beiden prole- tarischen Parteien fordert. In einer Entschließung wurde die Zu- sammenfassung aller freigewerkschastlichen Kommunalbeamtenver- bände in einer Einheitsorganisotion auf der Grundlage der einen Beamtengewerkschaft, in Anlehnung an bereits gefaßte Derbands- tagsbeschlüsse als dringliche Aufgabe herausgestellt. Eine weitere Entschließung lehnt mit aller Entschiedenheit die Berfchmelzung von ADB. und DBB. zu einer Einheits-Spitzenorgonisation ab, solange nicht der DBB. die Voraussetzungen für wirkliche Gewerkschasts- arbeit liefert. Aus dem Kabelwerk Oberspree. Die Opposition zählt die Häupter ihrer Lieben. Vor einigen Tagen veronstallete die„Opposition'«w« Betriebsversammlung aller im KWO. Beschäftigten. Als besondere Zugnummer hatte man sich den ehemaligen Arbeiterratsvorsitzenden des KWO., den Stadtverordneten und Stadtrat Gehlmann, ver- schrieben. Aber auch das zog nicht mehr. Bon S200 Beschäftigten waren 170 bis 180 Personen erschienen, wovon noch ein Teil B e- triebsfremde waren. Das Referat Gehl manns war die übliche kommunistische Wald- und Wiesenrede. Bevor in die Distusiion eingetreten werden konnte, beschränkt« der Vorsitzende selbstherrlich die Redezeit auf zehn Mi- nuten, worauf unser« Genossen erklärten, unter diesen Umständen auf das Wart zu verzichten. Der Spitzenkandidat der KPD. erklärte dann u. a. wörtlich, daß die SPD.-Kollegen im Betriebsrat beileibe keine schlechten Kerle seien, oder die Kollegen nicht sachgemäß ver- treten würden, auch könne man an dem Verhalten der Reformisten keine Kritik üben. Dann wurde die Kandidatenliste verlesen, die aber nur 22 Mann l enthält statt der notwendigen 38. Diese Bescheidenheit wurde damit Tarlflosigkett im Frifeurgewerbe. Der Mantellarif wie auch das Lohnabkommen im Berliner Friseurgewerbe sind mll dem 31. März d. I. abgelaufen. Die Ber° Handlungen über den Neuabschluß der Tarifverträge sind an gering- fügigen Verbesserungen in der Urlaubsfrage und der A r- beitszeitfrage gescheitert. Es besteht also jetzt kein Vertrags- Verhältnis mehr. Die Arbeitszeit darf deshalb die gesetzliche Arbeitszeit von 48 Stunden wöchentlich nicht mehr über- steigen. Streik in der GdA- Druckerei. In der Buchdruckerei R. Boll. G. m. b. H., Berlin, Schiffbauerdamm 19, streikt seit Dienstag nachmittag dos gesamte Hilfspersonal. Die Streikenden geben als Grund an. daß der Beitrauensmann der Hilfsarbeiter, Martin Müller, zu heute gekündigt wurde. Müller wurde als Saalorbeiter eingestellt und sollte jetzt inderRototion arbeiten, trotz der Vereinbarung zwischen Geschästsleitung llnd Betriebsrat, daß das Personal nicht von der einen in die andere Abteilung geschickt wird. Unter Be- rufung auf diese Vereinbarung lehnte Müller es ob, sich ver- setzen zu lassen. Der Obermeister Leuchter hielt sich darauf- hin für verpflichtet, M. zu kündigen. Dem Obermeister wird überdies zum Vorwurf gemacht, daß er es darauf anlege, ihm nicht genehme Funktionäre auf jede Art zu schikanieren und zu provozieren. Verhandlungen des Betriebsrats mit der Geschästsleitung über die Beilegung des Konflikts scheiterten an dem Verhallen der Firma. Der Gewerkschaftsbund der Ange st eilten, als dessen Druckerei die genannte Firma gilt, soll an den Borgängen nicht ganz unbeteiligt sein. Gestern nachmittag ist dem gesamten Personal ge- kündigt worden, so daß am Montag der letzte Mann den Betrieb verlassen muß. Die Streikenden fordern Ihre Kollegen auf, keine Streikbrecherabeit zu leisten, auch nicht bei der Firma H e m p e l, Zimmerstr. 7/8, die Arbeiten der bestreikten Firma übernommen haben soll. Keln Streik der Leipziger Metallarbeiter. Leipzig. 4. April.(Eigenbericht.) In Leipzig fand in den letzten Togen die Urabstimmung der Metallarbeiter über die am vergangenen Donnerstag in Berlin getroffenen Lohnvereinbarungen statt. Es stimmten iür Annahme 5731— 30,6 Proz., für Ablehnung 12890 = 67.38 Proz.: ungültig 488 Stimmen. Danach hat zwar die große Mehrhell das Derhandhmgsergebnis abgelehnt. Es gilt jedoch als angenommen, well die in dem Statut bei Streik vorgeschriebene D r ei vi ert«l> M e h r heit nicht erreicht wurde._ Ende des Wiener Metallkonfltkts. Erfolg des Bürgermeisters Seih. Wien, 4. April.(Eigenbericht.) Der Konflikt in der Wimer Metallindustrie ist durch die Ler- mittlung des Bürgermeisters Seitz beigelegt worden. Im Verlauf der am Donnerstag von dem Bürgermeister geführten Der- Handlungen lehnten die Unternehmer die Forderung noch Be- zahlung der Feiertage ab, erklärten sich jedoch berell, die Lohn- Verrechnung so zu regeln, daß die Arbeiter für den Ausfall der Feiertage entschädigt werden. Schließlich kam man überein. darüber noch weiter zu verhandeln. Die Kompfhond- langen werden inzwischen eingestellt. D»e Arbeit soll am Montag wieder aufgenommen werden. Mitglieder der Gesellenausschüsse! Die nächste Zusammenkunft der freigewerkschaftlich organisierten Mitglieder der Gcsellenausschüsse der Innungen und der Handwerkskammer ist am Montag, dem 8. April 1929, um 19>S Uhr, im Saal 1 des Gewerkschastshauses, Engelufer 24/25. Tagesordnung: 1. Die neue Handwerksnooelle. Referent: Kollege Schlimme vom ADGV. 2. Lehrlingsfragen. Ortsausschuß Berlin des ADGB. ver Angestellkenrat der Auer-Gesellschaft setzt sich nach der Reu- wähl aus sieben Mitgliedern des AfÄ-Bunde» und einem Mitglied der Liste der vereinigten Gegenparteien(DAV.,©321.. BWA.) zusammen. Bei den Arbeitern erübrigte sich ein« Wahl, i da nur eine List« eingereicht wurde. Die griechische Regierung hat der Kammer setzt nach dem Streik in Eleusis. der zu blutigen Zusammenstößen zwischen Ausständigen und Arbeitswilligen geführt hat und erst diese? Tage durch Vermittlung det maßgebenden Stellen beigelegt worden ist, das vom Ministerpräsidenten Venizelos vorbereitete Gesetz gegen die„kommunistische' Agitation vorgelegt, das in Wirklichkell eine Art Anti-Gcwerkschastsgesetz darstellt. Der Ausstand in den Bergwerken von Lauriuni dauert noch an, obwohl auch hier Einigungsoerhapdlungen im Gange sind. GewerMaffs-Iuaenb Gross-Berlin I Heute, ffreitog, 13\i Uhr, tagen die Gruppen: Rardring: Zugendheim. Schule Scnnenburger Str. 20. Heimbesprechung. Aretlspielabcnd. Ohne Aerbandsbuch und Heimausweis kein Zutritt.— Hermannplatz: Zug'Nd- eim Sanderftr. 1l Sck« Habrechtstrane. Hcimbesprechung. Zutritt nur mit Ber- .andsbuch und Heimausweis.— Sharlatteoburg: Jugendheim Spreestr. ZO. Hcimbefprechung. Zontrolle der Verbandsbilcher und Hcimansweile.— Zeppelin. Platz: Zugendheim des Bezirksamts Wedding, Turincr Ecke Eeeftratze(Eingang Turiner Straße). Hcimbesprcchung und Brctlspielabend. Derbandsbudi- kontrolle.— Süden, Südwesten: Jugendheim Bassertorstr. S. Volkstanz- Übungsabend. Luaendanippe des �enirolvertanpes der BnaesieNien � Heute, AreUag, finden folgende Veranstaltungen statt: Pankaw.Rieder. sthönhausen: Zugendheini Eörschstr. 14< großes Zimmer). Heim. tesprechung.— Oberspree: Jugendheim Saufen« Str. 2. Srupptnbeivrechung. — Südwest: Jugendheim Belle-Allianee-Str. 7— 10. Heimabend, anschließend Vortrag einiger Rezitationen. llbergtb« man nur dem Na-dwei, des Deutschen Mustkeroerdandes. Berlin. Kem. mandantenstt 63.04. Dönhoff 3271-78, »eichästszetl 9-5, Sonntags 10—1 Uhr. Ruf Wunsch; Vertreterbesuch. 5rettag S. April 4929 Unterhaltung unö �Nissen Beilage des Vorwärts �VOS lUH? Srmählung von OUo Stake „Wer sind Sie?" fragte sie. Ich nannte meinen Namen und Beruf Es fehlten mir«in paar Monate am Examen, es waren die schwersten. Statt sich auf die Arbeit zu werfen, mußte man dem neuen Geld nachjagen wie vorher den Dollars. Noch drei Monat«, dann ging ich mit dem Diplom außer Landes, draußen hatte man mir schon etwas in Aussicht gestellt. Ich wurde beredter, als ich gewollt hatte, sie sollte oerstehen. Das Geld, die Handvoll, die ich mir hatte nehmen wollen, hätte mir gegeben, was fehlt«. Alles fehlte, Anzüge, der Koffer noch, um zu reifen. Sie sagte etwas Unerwartetes:„Nehmen Sie. was Sie brauchen. Sie berauben niemand als jene, die nur durch Erschleichung Erbe geworden ist. Nehmen Sie, ich werde nichts sagen." Ich lächelte, das unerwartete Abenteuer war nach meinem Sinn. .»Ich werde nicht nehmen," sagte ich,„das ist abgeschlossen. Aber nun erzählen Sie. was es mst dieser Frau auf sich hat, warum nicht Sie die Erbin sein sollen." „Es ist eine lange Geschichte," erwiderte sie und begann dann mit wohlklingender Stimme und in wohlgeformten Sätzen folgendes zu erzählen: „Ich heiße Anno Schmied, es ist der Name, den meine Mutter vor zwanzig Iahren trug, als sie meinen Vater kennen lernte. Sie war Verkäuferin, er Bauführer. Sie wurde Mutter, er führte sie zu einem Freund, der Praktikant auf der Klinik war, und sie»er- suchten, mein Leben zu unterbrechen. Ich weiß nicht, ob es aus Sie Eindruck machen würde, wenn Sie erführen, daß man einen Mord an Ihnen begehen wollte, bevor Sie auf der Welt waren, mich erfüllt es mit Grauen. Ich kam zur West und wurde einer Bäuerin übergeben. Mein Vater brauchte ein Jahr, um sich zu dem zu entschließen, was ein Verdienst gewesen, wenn er es gleich getan hätte, er wollte meine Mutter heiraten. Aber in diesem Jahr hatte sie andere kennen gelernt und ihn betrogen. Er erfuhr es, als er im Begriff war, mich zu sich zu nehmen. Er trennte sich von meiner Mutter, sie verscholl in einer Hasenstadt, ich blieb auf dem Land. Nie hörte ich etwas von ihr bis zum sechzehnten Jahr, damals stellte er die Zahlungen ein, und die Ziehmutter erzählte mir meine Herkunft. Ich ergriff den Beruf meiner Mutter. Immerhin verdankte ich dem Vater, daß ich etwas gelernt hatte, und war chm insgeheim gut, ich stellte mir«inen einsamen Mann vor, der vielleicht nur deshalb verbittert war, well meine Mutter sich an ihm vergangen hatte. Ich schrieb ihm einmal, er antwortete nicht. Als ich vor vier Tagen aus dem Geschäft entlasten wurde, überall wurden die Angestellten entlosten, und nirgends Unterkunst fand und in Not geriet und die mir HUf« anboten, die immer da sind, wo eine Frau schutzlos llt, schrieb ich ihm wieder, ohne Ant» wort zu erhalten. Gestern nahm ich meinen Mut zusammen, schellte an seiner Tür und stand jener gegenüber. Sie war im Begrift zu gehen, ihr Auto hielt vor dem Tor, sie war in Pelzwerk gehüllt, der Mund war zu rot, das Feuer in den Augen zu frech. .„Zu wem wollen Sie?" fragte sie. Ein Gefühl sagte mir, daß ich sie traf, wenn ich antwortet«: zu meinem Bater. Ich sagt« es, sie starrte mich an, dann wandt« sie sich heftig nach ihm um. der hinter ihrer üppige» Gestalt stand. Das Herz trampst« sich mir zusammen, als ich ihn sah, grau, verfallen, obwohl er kaum mehr als fünfzig Jahre all fein konnte. „Der Herr Baumeister hat jetzt keine Zeit," sagt« sie, und als hätte er ihren Gebayken erraten, tutete der Chauffeur draußen. „So werde ich wiederkommen, bis mein Vater mir ein Gespräch gewährt," sagte ich Ihre Augen verzehrten mich, nie habe ich soviel Häßliches in einem Blick gesehen, obwohl ich vier Jahre lang nur gemeinen Augen begegnet bin. «Fahr« allein," sagte mein Dater zu ihr. „So bleib« ich auch da."— Sei es. daß ihm dieser deutliche Wunsch, ihn nicht mst mir allein zu lassen, mißfiel, sei es aus einem anderen Grund, er bestand aus seinem Willen-, er führt« mich in diesen Raum und kam allein zurück, das Auto fuhr fort. Aber wie entsetzlich, er redete mich mit Sie an und behandelte mich wie eine lästige Bittstellerin. Ich sagte ihm. daß ich kein Zunmer mehr hatte, daß meine Sachen auf dem Bahnhof standen, er bot mir Geld an. Ich fand die Bewegung, mit der er in den Rock griff und die Brieftasche zog, so unerträglich, daß ich ihm zu Füßen fallen wollte. Da brach er in Verwünschungen meiner Mutter aus. Er haßte sie, weil er sein Leben haßte. An wem die Schuld, daß er in den Klauen dieser Kokotte war— er gebrauchte einen rohen Ausdruck—, wenn nicht an meiner Mutter? Ich fühlte, daß, wo Haß ist, nur Verhärtung ist, und ich sagte es chm. Er schwieg, dann fragte er. was ich wollte. „Bei dir bleiben, deine Magd fein, nur«in Dach über dem Kopf haben; und dein Herz zurückgewinnen," wagte ich hinzuzu- fügen. Er wandte sich unwillig ab. Das Telephon läutete, er kam zurück, zog wieder ist« Brieftasche und sagte, er müsse fort, ich solle morgen kommen, die Nacht in ein Hotel gehen. Ich konnte nicht wiederkommen. Heut: war es noch kein Bettel, morgen war es Bettel, ich konnte nicht betteln. Er zog die Uhr, warf unbeherrscht den Hut auf den Tisch, be- fahl:.Lamm", sührte mich in das Dienstbotenzimmer neben der Küche und sagte:„Hier bleibe bis morgen." Dann schloß er alle anderen Türen ab und verließ mich. Am nächsten Morgen war er weicher, und wir schlosien einen Bertrag wie zwischen Haushälterin und Herr: die Stundenfrau hatte aufgesagt, ich übernahm ihre Arbeit. Alles ging gut bis zum Mittag. als jene kam. Ich hörte sie in dem Zimmer, in dem er jetzt liegt, heftig streiten, dann telephoniette er, dann kam sie in dl« Küche, und hinter ihk stand er wieder, mit einer fliegenden Röte im Gesicht. Ohne sich um ihn zu kümmern, sagte sie: „Machen Sie sich keine Hofsnungen. mein Kind, am Nachmittag ordnen wir das alles." Ich verstand sie nicht, aber dann fuhr ein Auto vor, dem ein Herr entstieg, der eine Mappe trug und als Notar angeredet wurde. Sie schlosien sich«in, ich hört« ein Gemurmel wie von«wem Diktat, der Notar ging, sie kam wieder in die Küche und war nun freund- lich. Sie sagte: „Sie können vorläufig hier bleiben, bis man etwa? für Sie gefunden hat." Ich erfuhr, daß er das längst versprochene Testament gemocht und ihr alles verschrieben hatte. Ich los ihr den Triumph aus den Augen. Als Frau las ich ihn in den Augen der Frau, der Mann war ihr hörig. Auf ihre Art war sie ein« schöne Person, und sie war jung. „Ich habe ihn nicht mehr gesehen," schloß sie,„er saß abends in der Stadt, und vorhin, als Sie sagten, daß er tot sei, erstarrt« ich, well sich kein Gefühl für ihn in mir regen wollte." Dos war also die Geschichte eines Mädchens, dos vielleicht nur fünf, sechs Tage zu spät an die Tür feines Vaters geklopft hatte. Ihre wohlklingende Stimme hotte ich schon erwähnt, es ist nicht gleichgültig, wie eine Stimm« ist. Ihr Gesicht war nicht schön, aber die Stimme und der Tonfall waren es, und das hatte keine g«. ringere Wirkung auf mich, als wenn sie so schön wie das arme Mädchen im Film gewesen wäre. Was tun? fragte ich mich, zum wievielten Mal«, aber ich war schon entschlossen, zu handeln. Ich stand auf, hieß sie mich beglesten, nahm Im Zimmer des Toten die Kasiette aus dem Schrank und sagte nach der Rückkehr ins Dibliothekzimmer zu dem Mädchen: „Zählen Sie." .Wozu?" fragte sie.„Es ist wkder das Gesetz."(Schluß folgt.) S. meifels: MAIIieilseliei Ae Im zehnten Buche von Dichtung und Wahrheit äußert sich Goethe über die Julössigkest der Namenscherze. Er drückt sich sehr gelinde aus und meint, es sei„nicht fein", sich mit dem lliamen eines Menschen einen Spaß zu erlauben,.denn der Eigenname eines Menschen ist nicht etwa wie ein Mantel, der bloß um ihn her hängt, und an dem man allenfalls zupfen und zerren kann, sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja, wie die Haut selbst ihm über und über angewachsen, an der man nicht schaben und schinden darf, ohne ihn selbst zu verletzen".— Diese Auslassung Goethes ist eigenilich ein Wort der Abwehr in eigener Sache, denn sie bezieht sich auf den bekannten, etwas billigen und wenig geistreichen Scherz, den Herder einmal in Straßburg mst dem Namen Goethe sich erlaubte. Goethes Bemerkung richtet sich also nur gegen Namenscherze, die eine kleine Bosheit oder Stichelei enthasten. Dagegen dürste er Namenscherze harmloser Art kaum als unziemlich empfunden haben. Herder aber scheint überhaupt eine gewisse Vorstebe fift Namenscherze gehabt zu haben. Am 28. August 1783 sendet er Goethe einen Geburtstags- olückwunsch in Distichen: da nun Winkelmann Johann Joachim, er selbst Johann Gottsried und Goethe Johann Wolfgang hieß, so bringt er gleich alle drei Johanne in die Ordnungszahl und dichtet: Johann den Ersten erschlugen die Mörder(Wintelmann war am 8. Juni 1768 unweit von Trieft ermordet worden), so will nun Johann der Zweite(Herder) seinem Bruder Johann dem Dritten (Goethe)„küssend den holdesten Gruß" entbieten. * Bei Namen von Bedeutung, die auch wörtlich etwas bedeuten, drängt sich zuweilen das scherzhafte Wortspiel nahezu von selbes auf. So hat einmal Berthold Auerbach mst dem Namen Keller ein recht sinniges Wortspiel angewendet. Auerbach war der Freund und spätere Duzbruder Gottsried Kellers, und er hat bei jeder Ge- legenhest dem jüngeren und stärkeren Kollegen neidlos sein Lob ge- sungen. Am 22. Februar 1860 geht Auerbach Keller um einen Beitrag für den von ihm herausgegebenen Lolkskalender an; er möchte eine Schilderung der Schweizer Knabenmanöoer haben. Keller schickt ihm den gewünschten Beitrag, Auerbach ist davon entzückt und begeistert. Fortan will er jedes Jahr eine Erzählung von Keller im Voltskalender Hadem Als jedoch seine dringenden Mahnungen um neu« Kokendergeschichten eine Zeitlang erfolglos bleiben, schreibt«r an Keller:.£) wie länge muß man Durst leiden, bis aus dem so weiten Keller der frisch« Trunk kommt. Ich wart« geduldig, aber endlich klopf« ich doch aus den Tisch! Wirtshaus! Einschenken! Der Zug geht bald ab. Geschieht Ihnen ganz recht, daß man solche Witze auf Ihren Namen macht. Warum lassen Sie so lange warten. Die trockene Zunge wird leicht bitter."— Keller dürfte von diesem Witz auf seinen Namen nicht sonderlich erbaut gewesen sein, was ihn in- dessen nicht abhiell, gelegentlich selbst einmal durch Verbindung seines eigenen Namens mst dem Auerbachs einen recht sinnigen Witz zu machen. Berthold Auerbach tat sich nämlich etwas darauf zugute, daß er einer der ersten war, die in Gottfried Keller den Meister erkannten, und daß er feinen Teil dazu beitrug, das Vcr- ständnis der Deutschen für die unvergleichliche Erzählungskunst Kellers zu wecken. Im Hinblick nun auf diese„Förderung", die ihm durch Berthold Auerbach wurde, hat sich Keller einmal, freilich ein wenig spöttelnd-scherzend. als„Auerbachs Keller" bezeichnet. Hier«st also durch Verknüpfung zweier Namen ein treffliches Witz- wort entstanden. Auf den Namen Auerbach allein läßt sich, trotz seines bedeutsamen Grundwortes(„bach") kein rechter Witz machen. Ekm sehr sinnvolles, wenngleich naheliegendes Wortspiel hat ein- mal Karl Marx mit dem Namen Fauerbach gemacht. Wer den Entwicklungsgang von Karl Mar kennt, weiß, daß die Philosophie des Einsiedlers von Brucksberg, wie Ludwig Feuerbach genannt wurde, das philosophische Denken Marx' entscheidend beeinflußt hat. Zu Ansang der vierziger Iohre hat ja überhaupt die gesamte radikale Jugend eine Schwenkung von Hegel zu Feuerbach voll» zogen.„Die Begeisterung war ollgemein: wir waren alle momentan Feuerbachianer", schreibt Friedrich Engels. Im Jahre 1842 ver- öffentlich!« Karl Marx in dem von Arnold Rüge herausgegebenen Buche„Anekdota" einen anonymen Artikel, betttelt:„Luther als Schiedsrichter zwischen Strauß und Feuerbach". Darin heißt es zum Schluß:„Es gibt für Euch(Ihr spekulativen Theologen und Philosophen) keinen anderen Weg zur Wahrheit und Freihest als durch den Feuer- Bach. Der Feuerbach ist das Purgatorium der Gegenwart."— Hier ist also Karl Marx eine schöne Deutung des Namens Feuerbach dadurch gelungen, daß er diesen Namen in des Wortes eigentlicher Bedeutung nimmt. Die Walfifchmdullrie Der Aufschwung der Walfischindustrie und die Verarbeitung der Riesentiere auf hoher See lassen die Gefahr für die Ausrottung des Walfisches immer drohender erscheinen. An dieser blühenden In» dustrie, die große Gewinne abwirst, ist haupisächlich Norwegen be» teiligt. Drei Städte in Ostnorwegen, Sandefjord, Toen-berg und Laroig, sind fest Jahrhunderten die Heimstätten der norwegischen Walfischsänger und leben fast nur von diesem Erwerbszweig. Von -hier aus haben die Walfischjäger ihre Fahrten nach immer ferneren Meeren ausgedehnt und beuten jetzt haupisächlich die antarktischen Meere aus. Nachdem die Walfischjagd an den norwegischen Küsten wegen der fast völligen Ausrottung der Tiere oerboten war, gingen sie nach Island und Spitzbergen, nach Spanien und Afrika, nach Neufundland. Japan und Australien, bis zur Südfe« und zum Süd« Polarkreis. Früher wurden an den am nächsten gelegenen Küsten der Walfischgebiete Fabriken eingerichtet. Die kleinen Walfischboote machten Jagd auf die Tiere und brachten sie an die Küste, wo dann die Riesenleiber zu Tran und Dünger oerarbeitet wurden. Der Wal ist deshalb«in so gesuchtes Tier, well alles an ihm verwertbar ist. Der Tran kann leicht zu Glyzerin verarbeitet werden und dient daher für die Seisenfabritation, auch für die Margarinebereitung. Aus den Knochen und dem Fleisch wird ein vorzüglicher Dünger her- gestellt: im Innern findet sich das wertvolle Ambra, und aus dem Kopf wird„Walrat" gewonnen, das für Schmiermittel Verwendung findet. In früheren Zeiten wurde nur der Speck verwertet, der abgeschnitten und in großen Kesseln zu Tran gekocht wurde. Dann aber gingen die Fabriten zur Ausnutzung des ganzen Walfisches über. Aber da man die Beute immer erst an Land bringen mußte, so war das Jagdgebiet beschränkt, und so gingen die norwegischen Walfisch- gesellschaften allmählich zu modernen Methoden über, indem sie große schwimmende Fabriken bauten, Fahrzeuge von 18000 bi» 22 000 Tonnen, aus denen die Walfische auf hoher See oerarbeitet werden. Diese„Mutterschisse" der Walfischsänger sind heute Einrich» tungen, die zur Massenverntchtung dieser Säugetiere des Meeres führen. Erst kürzlich ist solch eine„schwimmende Fabrik" für die Antarktis mit einem Aufwand von 5% Millionen Mark gebaut worden: sie hat eine Bemannung von 200 Mann. Wenn der Wal- fisch getötet ist, dann wird der Leib durch komprimierte Luft aufge- blasen, um ihn am Sinken zu verhindern: er wird zu dem Mutter- schiff gezogen und von diesem sozusagen„verschlungen", indem er sofort durch eine große Oeffnung unter Deck gelangt und hier ver- arbeitet wird. Roch vor wenigen Iahren brauchte man, um einem kleinen Walfisch, der einen Ertrag von etwa 1000 Hektoltter Tran gewährte, den Speck auszuziehen, drei bis vier Tag«. In den neuesten Fabriken kann man IS große Blauwale, die einen Ertrag von etwa 2200 Hektoliter Tran liefern, an einem einzigen Tage ver- arbeilen. Der moderne Walfischfang ist ein wahres Kinderspiel gegenüber der kühnen und gefährlichen Arbeit in früheren Jahrhunderten- Die Industrie konnte erst in großem Maßstab betrieben werden, nachdem Soend Foyn, den man den„Vater der norwegischen Walfischfängerei" »ennt, die Granat �Harpune erfunden hate, die von einem Geschütz abgeschossen wird und im Innern des Tisees explodiert. Die bisher. benutzten Handharpunen hatten dem schnellen und gefährlichen Fin- wol nicht recht beikommen können. Die 5000 bis 6000 Mann, die jedes Jahr die norwegischen Häfen verlassen und bis zum März und April in fernen Meeren der Walfifchjagd nachgehen, sind ausgewählte Seeleute, die sich durch besondere Ausdauer und Geschicklichkeit au»- zeichnen. Sie sind die am besten bezahlten Seeleute der Well: die Kapitän« und die Harpunierer verdienen mehr als die meisten übrigen Menschen in Norwegen. Dos Ergebnis der Jagd hängt natürlich hauptsächlich von der Geschicklichkeit der Harpunierer ab. In den drei„Walfisch-Städten" Norwegens am Oslofjord ist die ganze Bevölkerung von etwa 25 000 Seelen von dieser Industrie abhängig. Wer nicht an der Ausrüstung der Flotte arbeitet oder auf den Walfischschiffen sein Brot verdient, der ist wenigstens an den Erträgnissen der Walfischgesellschaften beteiligt. Wie gut deren Gc» schäfte gehen, beweisen die riesigen Dividenden. So verteille die Toensbcrg-Walftschgesellschost in den letzten sechs Iahren zwischen 40 und 90 Proz. Dividende. Die Zahl der Gesellschaften in Nor» wegen belauft sich auf etwa 20, die mit einem Gefamtkapital von 60 Millionen Kronen arbeiten. 1918 hatte Norwegen nur acht Ge- sellschaften, die einen Gesamtertrag von etwa 200 000 Hektoliter Tran erzielten. Jetzt umfaßt die Walfischflotte 75 Schiff« und 23 schwim- mende Fabriken, die etwa IIb Millionen Hektoliter Tran produzieren. Diese Zahlen werden sich noch steigern, da verschiedene große Wal- fischfabriken in Norwegen, England und anderwärts im Bau sind. Diese neuen„schwimmenden Fabriken" sind mst den besten Maschinen und Apparaten ausgestattet, und sie werden so rasch mit dem Wal- fisch fertig werden, daß wir für sein Weiterbestehen fürchten müssen. Vier Theater ln Rom ausgegraben. Daß Rom in seinem Boden auf Schritt und Tritt noch die kostbarben Denkmäler des Altertums birgt, beweisen immer wieder neue Funde, die zufällig bei Aus- fchachtungsarbeiten gemacht werden. Die neuesten Schätze, die ans Licht gebrocht wurden, sind vier allrömische Theater, auf die man bei der Entfernung zwei alter zerfallener Häuserblocks an der ver- kchrsreichen Straße gegenüber dem Teatro Argentina stieß. Die alten Häuser sollten zur Verbreiterung der alten Straß« abgebrochen werden. Als man in eine Tiefe von etwa 15 bis 20 Fuß unter die Oberfläche gekommen war, erschienen die festen Mauern einiger alter römischer Gebäude, und die Archäologen erkannten bald, daß man lsier an dem Ort war, auf dem im alten Rom vier Theater standen, das des P o in p e j u s und drei kleiner«, von denen eins das Theater des Herkules war. Das Theater des Pompejus liegt jetzt frei in der Form einer Rotunda mit dem Podium, den zu ihm herausführenden Stufen und einer Säulenhalle von 16 Pfeilern: zu jeder Seite dieses Fundaments sind noch die Mauern von zwei anderen Tempeln oder Theatern, die auf die etruskischc Zeit hinweisen. Man hat nach diesen Entdeckungen die Absicht, die Ausschachtungen auszufüllen, aufgegeben: die Ruinen sind mit einem Zaun umgeben, und sollen nach der Beendigung der Ausgrabungen der öffentlichen Besichtigung zugänglich gemacht werden. Entdeckung eine, jüdischen Stammes ln China. Vor ungefähr 1300 Iahren haben jüdische Soldaten in den chinesischen Kriegen eine große Rolle gespielt. Ueber ihr Schicksal bzw. das ihrer Noch- kommen wußte man indes nichts, bis man jüngst durch«in altes hebräische» Buch, das im Eingeborenenviertel von Hankau vo» einem Bauern angeboten wurde, wieder on diese Tatsache erinnert wurde. Angestellt« Nachforschungen ergaben nun, daß in der nächste» Umgebung Hankaus in einer abgelegenen Siedlung einige hundert Inden wohnen, die sich noch nicht akklimatisiert haben, sondern de» alle» Sitten ihrer Bäter treu geblieben sind. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verltn Fwsendunqen kür diese?i»dr»»»«» d«« Zogendkekreteeltt k'erkln SW M. finden(Trofc J Sie Sammelliste» fSt Sie» künnen heut« abgeholt«reden. vorsidende-.stxufeeen� ZKontog. 9. April, 13% Uhr, pilnktiich. im Sitzung» saal des Vezirtsamt»«reuzberg, Torckstr. U. Bericht de» Bezirksvorsitzendcn üdith Baumann. Bericht von der Reichsausschuhsitzung B. Lüsche, Ohne Mit. glicdsbuch und Ausweis kein ftuiritt, Iugcndtag in Luckenwald« am U, und lt. April,»«ranstaltet vom Unter» bezirk IUterbog-Luckenwaid«. Wer teilnehme» will, melde fich umgehend im Ectreloriat. Fahrgeld tz W. Prioatauartiere. Abteilungsmilgliederverjammluagen heule. Zreitag. lg� Uhr: R-ient Haler varstadt: Schul« Slisabethkirchstr. l».— g«»tr»«: Hei« Landsberger Str. M.— Hanl«: Helm B-chumer Str. tzd.— RaabU l! Schule Waidenler Str. t».— Moabit II: Heim Lehrter Str. 18—19.— Weste» I: Heim Biiiowstr. 88, ftümntc t.— staltplatz II: Schule Sonnenburger Str. 20, Limmer Z.— HamannplaN: Heim Scherenbergftr. 7.— Avdrraoplatz: Heim Brammnstr. 1.— Keledrichahaiai Heim Diestelmeperstr. b— 8.— Baltenplatz: Heim Tilsit«� Str. 4—»— W-rschaaer viertel: Heim Litauer Str. 18.— — Sh«rl»ttenb»rg: Heim Rosinen. - Westend: Heim Rosinen. Albrechtstr. 1t».— Marie». ................ i Sahlwitzftr. 15.— Bau«. lckMlenwca: Keim Srnststr. l«.—«lederschinewelde: Schul» Berliner Sir.»1. — Ren-Lichtenberg: Heim Hausfstrahe.— Borsigwalde! Scheil» Tvnradstrvße. « RSllnischer Paek: Di« Mitglieberversammlung findet erst am Sonnabend, 8. April, im Heim Landsberger Etr. 50, staii.— Arkoaaplatz- Schule Elisa- bekhkirchstrohe l!>. Uebungoabend.— Arnowalder Platz: Heim Rastrnburger Ecke Wehlouer Strohe. Einsllhrungsabenb— Kelmholtzplatzi Seim Danziger Sirahe 52, 0. 2. Einstihrungsobend.— Kohenschönhansea: Heim Freienwaldcr Sirag« 5. Bortrag!.Ardeiterdichter'.—«ordoft- Seim Danziger Str.«2, C Z, r. Elnsllbrungsabend.»Rund um die Iugendoereine'.— SSrthe» Platz: Schule llastanienalle« 82. Ostersahrt.— Warschaar,«ieetrl R.-F.: Heim Litauer Str. 18. Ostersahrt.— Sstde»: Hei« Porckstr. v. sfirnNlanstimeis»»». lu»g.— Britz II: Heim Chausseestr. 48. Tagesvoiitisch« Fragen.— Treptow: Heim Elsenstr. S. Ostersahrt.— Lichtenberg.»!»-»: Heim Sunlerstr. 44. Ostersahrt. Austiong.— Reinickendars.Oft: Heim Lindauer Sirah«. Werbedezirt Reulolln: Hei» Lanner Straße. Bildungstursu»!«Srund» lagen der Politik' VI. Teil. Serbebezirk Wedding: Serdeseie« in der Turnhalle der weltlichen Schule Llliticher Str. 4, unter dem Motto! Rote Reoue..Wir und Sie'. Eintritt 40 Ps. Alle Mitwirkenden müssen pünktlich 19Vi Uhr zur Stelle sein. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Di« Abteilung Arnowalder Platz veran» staltet am Connodend in der Aula der weltlichen Schule. Danziger Str. 28, l»ih Uhr, eine Werbeseier. Die Abteilungen werden gebeten, fich hieran zu beteiligen. Eintritt 30 Pf. Werbe bezirk Lichtenberg: Wochenendkursus Sonnabend und Sonntag in der Jugendherberge NLbrrsdorf. Thema:»Unsere Stellung zum Staat'. Redner: «erd Boihur. Treffpunkt 17 Uhr. Nachzügler 20 Uhr Bahnhos Stralau» Rummelsbur»._ Vorirage,VereineundVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Roi Gold". GeschültsKell»: Berlin S 14. Sedastianstr. 87/88, Hot tz Tr Freitag, 5. April. Lichtenberg. Lomeradschaft Traveplatz. 20 Uhr wichtige Sitzung bei Eeple, Scharnweberstraß» Ecke Kronprinzen. straße. Reinickendorf-West. 20 Uhr Lameradschaftssstzung im Bereinslokal. Bor. trag Kamerad Dr. Körting:..Rationalisierung und Sozialpolitik. Vorstand eine Stunde früher.— Sonnabend, I- April. Baumschulenweg. 20 Uhr Mit- gliederversammlung bei Boegmonn. Portrag Kamerad Relior Furcht:»Der Weg zum Deutschen Einheitsstaat.— Sonntag, 7. April. Tiergarte». Den Kameraben wird die Beteiligung an dem gemeinsam vom Polizei-Beamten. verkand und Reichsbanner Charlattenburg veranstalteten Konzert mtz Tanz a« S-n-riag. de« 7.«prfT. w Nergsrsenhos mvW*n. 9t1mn Sezesiuoki. Eintritt inkl. Tan, 1 M. Beginn 17 Uhr.«harlotteuturg. nv Kameraden beteiligen fich an dem Konzert und*»,a«.d«amu» i« Tiergartenhos. IS'h Uhr. Redner Minister Drzcsin-ckl. Eintritt>nkl Tonz 1«. Lichtenberg. Der gesamte Zadsahrerzug steht pünktlich lv Uhr mit Bode- buk dem Sportplatz ssriedrichsselde. Appell- Bundeskieidung- Rad mit Wimpel. — Schölllich«. Freitag, 5. April, bei Wiedeinann, 20 Uhr, Monatsversammluu I» . eoaaiag. leukölln. «porio-ag n-ieo-»aj»ieive. o--" Lichtende-!� und Treptow, ab 12 Uhr die Ortsvercin« Mitte und FriedrichshaiN.— Aar Sonntag, 14. April, findet ab S Uhr ein humoristisch«» Prelsschirßen a is Wildscheiben in natürlicher Größe Natt. Die Beteiligung an diesem Preis. schießen ist nur den angeschlossenen Ortsvereinen oorbehalten.—«open m (Ortsvekein). Uebungsschießen von 10 Uhr ob im Eporiiokal Wilhelmshos, am Bahnhos Hirschgarten... �__ Freie Arbriter-Espeeaato�Berinignag Berlin. Gruppe Featram. Gruppen. Versammlung 20 Uhr im.Kastanienwäldchen', Kastanienalle» 58. Republikanisch« Redneroereinignao. Montag, 20 Uhr, Boriragsadend mit Diskussion im.Alten Askanier". Anhalifir. 11. Es spricht Herr ibram, über. .Frei» Berufe und Gewerbesteuer'. Käste willkommen.....-. Schlefisch«r gemischte, Ehor Eharlottendurg. Uedungsabend« leden Dienstag 70% Uhr, Tegeler Weg 97, bei Lenz.__ MAß fich Cltt Sen tt««obefMgrn»mntftnt Viele Herren lieben es niä.� fich mit Kleibungsangeleaenheiten beschäftigen. T-as ist ein nehler.«o-'X e» braucht nicht immer ein Fehler zu sein: nämlich dann nlcht. wenn man um auf feinen Echneiber unbedingt verlassen kann. Ein Herrenschneider grokge a?kck.68?«. '5eeIa6i!o.T.l.».?l5«. fellkvcjtzlllige..n»»ck ZZ?k. 'Kodlinulilel...?k»»ck Zvit. 56iellii!6i........ PiMd 35pi. •Sdiellfisdi...... Dt-nck 25pt Seeladis.......... 40«. Ro,bars......... Wind 35«. Slülii.J2,38.45pt Palna-Reis...... pimd 28«. Kalif. Birnen....piond 75pt Grüne Erbsen..«nnd 30« Kalif. Ringäpfel Pfand 95pt Geschalte Erbsen«d.32« Kalif. Aprikosen Pkd.95« Weizengriess. Pfand 22« Gebrannt.QerslePkd.23« Harlwelzengrlesspi4.26« Eierschnillnudelnpfd.40« Haferflocken...««d 25« Eierfadennudeln«d.42« L|nsen............«„434« Eiermakkaronl«n.d45« Makkaron.idvti« 65« Sak.a.07......... Spagheltlnnok.uiAxt,,, Bruchreis. �.....Knndl9pt i.pknndP»»-75« �ousevveu Do— Jg. Erbsen-h« Mn.. 1.50 junge Erbsen........ 1,25 jg. Erbsen mittaifein.. 78pt junge Erbsen........ 72«. Gem. Erbsen........ 50« Erbsen letn,inUKnrottan 1,25 Erbsen mlttelfala, all KtroOea 95« Gem. Gemüse ukr w« 1,65 Gem. Gemüse«moiwel,25 Sellerie In Schelban... 1,05 Apfelmus........'...... 75« � Dom Birnen»/,PraA»..____ 1.20 Pflaumen mitatda.... 73p(. Pflaumen olmaStaln... 90p(. Mirabellen............ 1.05 Preisseibeeren....... 1,25 Reineclauden........ 1,25 Ananas in a«d«ida».... 1,05 Erdbeeren............ 1,45 Konsummischung hergect aus eetrockn. grün. Brosen, friscn go�rflrfolUjn�-n Karo IL, Morcheln iL SpargelÖ/Pl Elmer oa. 2 Pfand KONFITÜRE Elmer oa. 2 Pfund Pflaumen............. 98pi Erdbeeren............. 1,30 Aprikosen............. 1,10 Kirschen................ 1.35 Johannisbeeren...... 1,15 Himbeeren............ 1,35 Oransen................ 1,15 Ananas................ 1.40 Frisches SSeisch �lIIüIiTIIW od— Lall»«»...... Pfand 72pl KalbsrQckGB«k», st-il-ig,......«nnd 82« KalllSk6Dl6DuaPiiiihnr4ut«i.|tMit,nd 9flpi. Kalöshaien.....................«and 88«. Pa. ScbveioebBodi-k».«-,1»,«. pid. 1,12 Pi SchwelflESdiMeo ol-Blatt«a 1.25 Pa. Kassier miid..............«»nd 1.25 Pa. Eisbein mit Spllzbeio».�«d. 64« Pa. Liesen.................... pt—d 75«. Pa. Rladerkamm sl Qaenippe ptud 80« Pa. Feblripae..................«nnd 08?». Pa. ücbabelielsch.....'.........«nnd 1,25 Pa. Hackepeter ,«irar>t.........«»ndl. 25 Pa. ScömorOeiscb K-i«,«.Knooh, ptd. 1,25 Pa. Ronlade..................... pm»d 1.58 Pa. Tälll»oogel— n..........«nnd 54«. Pa. Riader- od. Sdvelneleber..«nnd 1,28 Pa. Rfickeolett bratfertig......... Pfd. 98« Gefvkevfleisch Pl JällDOrflelSdl Keol� ohne Km, Ptd 1,12 Pll. AllllerilUlÜvß frisch....... Pfund 38pf. Pst. OnlaSCÖ ohne Knochea.... Pfund 88pt Pst. RiOdBr&ßrZBO frisch....... Pfand 64pi Pst. SappenCaiscIi...... Pfand ton 7öpi»n Pst. Eotßr krisch............»«...Pkttttd 28pt. Po. HanunelvorderQelscIi Pfd. �on 94pt� Pa. ktstSerbstltvst oxnocK, krisch, Ptd. 48pl Pst. Schveioekspie mit Fettbacke.............. Pfand 68 Pf. Russische gefrorene Gänse Pfund Wolgahühner iosi puten i"! Enten i05 gefroren................ 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Mel!wurslpfd.l,10 Teewursl......... Pfand 1,80 Jagdwurst.......«nnd 1,20 Schinkenspeck Piund 1 ,95? Knoblauchwurst«d. 1,25 Feller Spedc....«and 1,20 Flelsdiwurst....«nnd 1,30 Corned beef....Pfnnd 1,00 �Sse und Seite Allg.Ronialour20's.m.25« Bayr. Schweizer«d. 1,40 Allg.SlangenkaseH?4S« Margarine.....«and 52« Edamer»»».....««d 65« Rinderfelf i-«d.-p.k� 52« Hollander so»�.Pfand 70« Kokosfell i-wA-PnkM 62« Camembertwm Akt�M, 24« ßratenschmälz Pfand 80« Emmenthaler sckiuni 75« Griebenschmalz«d. 84?,. TilsilerKase wrwt. rhu 1,25 Molkereibuller Pfand 1,74 H ui j EI" TalelbuUer...... 1,78 D8n. Talelbulfer n± 1.92 Blmer 2 Pfd. B«d. 10 P(d. Vierfrucht Marmelade 88« 2" 4'° Bienenhonig......................... ou. 50, 95 Kdffee frisch gebrannt«nnd am. 2 'F�dZtz ZumBtrB-ZBv». ckD iL lL/tz Cb R I Mischung P»k.*0**, 7«# 40 v« Imei»»est om 2b. Mär, 1929 ver» stardenen Sohn Edzae folgte nacki kurzem, mir viel Geduld ertragenem Leiden unsere Hede Mutter, Schwester. Schwieget- und Großmutter die Witwe Hulda Schellbach geb. ScbSwe am 2. April 19�9 im 8L Lebensjahre. In tie er Trauer Fnmilla Alexander Sdiellbudt, Familie Walter Sdkellb.di, Frau W w. Llndncr, geb. Schöwe. Berlin-Eharlollendura. Die Beiießung erlolgt am Sonn. abend, dem R April 1929, nachmittag« 3 Übe, von der Halle de» St. Elisabeth. Friedhole». Brrlüi.Pankow, Wollant» Nraße OS. au». Seatg getragen« Herrengarderob«. teil» auf Seide, verkaufe spottbillig. Iackeltanzüge, Gehrockanzüge, Smoking. anzllae, Frackanzüge, Paletots, Ulster, Beinkleider sowie erstkiasstge neue Gar. deroden. Ersatz für Maß. Spezialität Bauchanzllge. verleih von Gesellschaft». anzügen. Pfandleihe Weingarten, Prinzenstraße 83. Leihhau» Moritzptatz 08». Berkaul von Kavalier.Garderooe. teils auf Seide. Jackett.. Frack». Smolinganzüge, Gabor» dinemäntel, Bauchanzllge, lür lebe Figur passend Etztra-Angedote lür neu» Gar. derob«. Pelzlacken 10.—. Pelzmäntel 90.—, Svortpelze Si,—. Gehpelz« 100,—. 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Schlawe, Wein. meisterstraße vier. !iZ Schulkindern 2 ö P r o z., das sind 7200 Kinder, dringend v-e r- schickungsbedürftig sind. Dringend heißt in diesem Falle, daß Erholungsfürsorge unumgänglich notwendig ist. Damit ist nun aber nicht gesagt, daß den anderen Kindern keine Erholung noUm. In den Volksschulen gibt es dort nur etwa 33 Proz. gut ernährt« Kinder, in den Hilfsschulen sogar nur IS Proz. In einzelnen Klassen waren bis zu SO Proz. schlecht er- nährte Kinder festzustellen. Wenn man die Wohnungs- und Lebensverhältnisse im Alt- Verl in er Osten mit in Berück- sichtigung zieht, ch) wird ersichtlich, daß bej durchgreifender Fürsorge mehr denn SO Proz. der Kinder wenigstens einmal im Jahre»er- schickt werden müßten. Auch dazu haben die Untersuchungen der Schulärzte ergeben, daß in einzelnen Klassen sogar für SO Proz. der Kinder geschlossene Kurverschickung als dringend empfehlenswert verzeichnet werden mußte. In keinem Verhältnis dazu steht nun, was in der Erholungs- fürsorge wirklich geleistet wurde. Man muß zwar anerkennen, daß von den Bezirksverwaltungen her immer wieder zu ausgiebiger Bereitstellung von Mitteln gedrängt worden ist.» Wenn das nicht in dem Maße geschah, wie es der Bedürftigkeitsgrad erforderlich macht«, so darf da wohl nicht nur die allgemeine Finanziwt der Stadtverwaltung allein als Entschuldigung ins- Treffen geführt werden. In dem schon erwähnten Bezirl wurden in, Jahre 1028 7 Proz. der Kinder in Heim« und Landpflegestellen verschickt, dazu kommen 7,3 Proz. der Gesamtkinderzahl, die während der Serien zu Ver. wandten aufs Land fuhren. Im Jahre 1926 waren es noch IlV und 7,1 Proz Der Rückgang ist darauf zurückzuführen, daß neben der Verringerung der Mittel vor allem die Verschickung in Land- pflegestellen stark zurückging. Die Heimverschickung, die immer schon die. besten Erfolge aufzuweisen hatte, ist sich gleich geblieben. Gegen die Verschickung zu den Besitzern in Ostpreußen, Pommern usw. sind mehrfach gerade von den Eltern starke Be- schwerden erhoben worden. Die Kinder wurden oft zu Arbeits- leistungen herangezogen, die das Maß des Zuträglichen überstiegen. Es besteht vom sozialen Gesichtspunkt aus betrachtet auch kaum eine Notwendigkeit, diese Form der Erholungssürsorge weiterhin aufrechtzuerhalten. Die geschlossene Erholungssürsorge in den Heimen dagegen hat sowohl vom gesundheitlichen wie auch vom pädagogischen Standpunkt aus mit Recht stärkste Kommunistische Maulhelden. T6. Bezirk— Köpenick. Die letzte Bezirksverordnetensitzung artete auch diesmal zu einem kommunistischen Spektakel stück und Assentheater aus. Ihr« Anfragen betr. Maßnahmen der Arbeits- und Erwerbs- losenfürsorg« und Aushebung des Demonstrotionsverbots des Polizei- Präsidenten waren wie sonst allgemein in Groß-Berlin nur zu dem Zweck gestellt worden, um in nicht mehr zu übertressender Art An- würfe gegen unsere Partei und gegen verantwortliche Genossen zu unternehmen. Zwei geschlagene Stunden lang übten si« sich im Unratschleudern und elenden Verleumdungen, als deren Extrakt ihnen Genosse Toltsdors noch erfolgreicher Kennzeichnuno zu Gemüte führt, daß unsere Partei auf alle sonstwie gearteten demagogischen und agitatorischen Anträge und Anfragen der Kommunisten in der Folge nicht mehr reagieren würde.— Ein« Anfrage unserer Fraktion betr. Verwendung von alten Formularen der Friedrich-Schule in Fried- richshagen, die noch di e Bezeichnung König-Friedrich- Schule trugen, wurde von dem k o m n, u n i st i s ch e n Schul- dezernenten Goß dahin beantwortet, daß dies wohl zuträfe, aber sonst alles in Butter sei, trotzdem Genossin Ke'l in ihrer Begründung auf die allgemein herrschende monarchistische und rektio- näre Tendenz in den höheren Schulen treffend hingewiesen hatte. Bei dieser Gelegenheit.glaubte der deutschnationale Stadtverordnete Dr. Steiniger seine gewohnte Kapuzinerpredigt gegen die deutsche Wirtschaftsführung und die Berliner insbesondere an den Man» bringen zu müssen, worauf ihm vom Bürgermeister Genossen Kohl treffend bescheinigt wurde, daß solche Ausführungen vom Vorredner schon im Stadtparlament gemacht, aber von authentischer Seite widerlegt worden seien. Ein weiterer Antrag unserer Fraktion betr den Pendelverkehr auf der Spindlersielder Bahn und die damit zusammenhängenden unhaltbaren Verkehrs- anschlüss« zur Stadtbahn sand einstimmige Annahme.— In prak- tischer Arbeit gelangten dann— ohne Debatte— die Vorlagen des Bezirksamts zur Verabschiedung: Ausbau derLindenstraße in Köpenick zwischen Pyramidena nur künstig eventuell erforderlich werdende Ausgaben in der Kranken-, Lungen-, Jugend- und Rentnerfürsorge erspart werden. Ferner sei aber noch an ein anderes Gebiet erinnert. Wir durften vor einigen Iahren feststellen, daß u. a. das Jugendamt Friedrtchshoin mit bestem Erfolge vierzehntäglg« Iugendwanderungen durchgeführt hat. In den wichtigsten Entwicklungsjahren vom 12. bis zum IS. Lebensjahre wurden hier Kindern Erlebnisse vermittelt, die für das fernere Leben nachhaltig bleiben mußten. Ein großer Teil konnte der freien Jugendbewegung zugeführt werden. Die hier erfaßten Mädel und Jungen blieben unbedingt vor den Fährnissen späterer Jahre verschont. Auch dieses Gebiet bedarf deshalb größter Beachtung. Reform der Kürforgeerziehung. Ein Vortrag des Direktors des Lindenhofes. Auf Einladung des Bezirksjugendamts Lichtenberg sprach im Cäcilien-Lyzeum der Direktor de» Lindenhofs. Regierungsrat Krebs, über die Reform der Fürsorgeerziehung. Einleitend wies der Dezernent des Lichtenberger Jugendamts, Stadtrat Thurm, darauf hin, daß das Bezirksamt mit dieser Veranstaltung all den Kreisen dienen wolle, die sich mit der Psychologie der Jugend und mit jugendpflegerischen Fragen beschäftigen. Direktor Krebs legte dar, daß bedauerlicherweise di« Jung- Männerabteilungen der Gesängnisse einen großen Prozentsatz ehe- maliger Fürsorgezöglinge enthalten. Die Fürsorgeerziehung gilt gemeinhin als ein Akt der Bestrafung, zumal sie ja auch durch richter- lichen Beschluß verhängt wird. Die davon betroffenen jungen Menschen erkennen nicht, daß die Einweisung In eine Anstalt ihr Bestes bezwecken soll. Sie fasten sie vielmehr als Strafe für ein bestimmtes Vergehen auf. Nach der Entlastung aus der Fürsorge- erziehung nehmen sich nur wenige Lehrmeister dieser Jugendlichen an. Ist.ihnen, aber der Weg zur ordentlichen Arbeit verschlossen, so werden.sie leicht rückfällig.. Die Jugendämter sind bemüht, die Fürsorgeerziehung, in geschlossener Anstalt möglichst lange hinauszuschieben. Durch vor- beugende Maßnahmen der Schutzaufsicht ist es schon oft geglückt. Jugendliche vor Straffälligkeit zu bewahren. Ist aber die Fürsorge- erziehung notwendig, dann soll es Aufgabe eines verantwortungs- bewußten Leiters der Anstalt sein, in jedem Einzelfall die sozialenZusammenhängezuerforschen und die darin begründeten Hemmungen zu beseitigen. Er soll seinen Zöglingen oerstehender Freund, nicht strafende Autorität sein. Am Anfang der Erziehung muß die bedingungslose Anerkennung der Persön- lichkeit stehen. Ziel der Fürsorgeerziehung ist nicht der gute Zögling, sondern der gute freie Mensch. Aufgabe der Reform der Fürsorgeerziehung ist es, sie allmählich organisch in den Rahmen der allgemeinen öffentlichen Jugendhilfe einzufügen. Müggelpark in Friedrichshagen, die von der zentralen Kunst- deputation dem Bezirk überwiesen ist. wurde von den Kommunisten bekämpft, trotzdem der Dezernent, ihr Genosse Goß. dieselbe warm empfahl. Gegen ihre Stimmen erfolgte natürlich Annahm«, da die Versammlung einer derartiges rückständiges Vanausentum nicht be- greifen konnte. Zum Schluß erfolgte noch Beschluß über Ankauf resp. Erwerb verschiedener Gelände und Parzellen im Wohngebiete Köpenick zwecks Arrondierung städtischen Grundbesitzes. Kampf um die Freiwillige Feuerwehr. TS. Bezirk- Pankow. Die am 27. März stattgesundene B«zirksversl1 Mark veranschlagt. Genosse Grüneberg bemängelte, daß das neue Rathaus zwar ein Bild des zweiten Reichsprösidemen Hinden- bürg, nicht aber da« des ersten Reichspräsidenten Ebert ausweisen werde. Die in der Aussprache ausgeworfenen Fragen fanden durch die Genosten Stadtverordneten Drömert und Stadtrat Matern entsprechende Beantwortung und Aufklärung. In der nach der Aussprache erfolgenden Neuwahl des Vorstandes wur- den gewählt: Schneider(erster Vorsitzender), Bär- Dahlem (zweiter Vorsitzender), Aske und Fleischbauer. Wannsee (Schriftführer), K i r ch h o f f und Frau Müsch(Kassierer). D r a- wert, Dahlem(Preßkommission), Frau Aske(Frauenvertreterin), Zietzmann, Flörecke, Wirth, Frau Schneider und Vohsen(Beisitzer). Eine Ausstellung, die keine ist. Das Deutsche Ausstellungs- und Messeamt nimmt jetzt gleichfalls in ablehnendem Sinne zu der sogenannten „Allgemeinen Hygiene-Meste und Ausstellung", die demnächst im Berliner Sportpalast stattfinden soll, Stellung. Es wird darauf hingewiesen, daß die maßgeblichen Wirt» schaftsoerbände� wie die Deutsch« Gesellschaft für Mechanik und Optik, der Zentralverband der deutschen elektrotechnstck�n Indu» strie, der Reichsverband der Chinirgiemechanik, wie auch die Ber» kiner amtlichen Stellen, Hauptgesundheitsamt ust».. und der All- gemeine Deutsch« Bäderverband sich an der Veranstaltung nicht beteiligen und sie zum Tell scharf ablehnen. Da für die Ber- anstaltung mit einem Prospekt geworben werde, in dem von einer Beteiligung der Stadt Berlin und des Rettungsamts gesprochen und im Ehren- und Arbeitsausschuß städtisch« Beamte ausgeführt würden, werde festgestellt, daß kein« städtisch« Dienststelle sich an dieser Messe beteilige und daß die Streichung der?!amen der städti- schen Beamten einschließlich de» Oberbürgermeisters ver- anlaßt worden sei. Verlängerung der Ausstellung„Bulgariens Blulstrom". Die Ausstellung„Bulgariens B l u t st r o m" ist wegen des starken Besuches um 19 Tage, d. h. bis zum 19. April, verlängert wanden. Ausstellungsort: Sturmsäle, Kurfürstendamm 53; Ausstellungszeit von 12 bis 19 Uhr. Sonntags von 11 bis 14 Uhr. parieinachn'chien für Groß-Verlin Einsendungen für biefe Stubrit(l»b stet« an da» B«,>rt»seteet«ria, Berlin TW SZ, 2ir.blb»ng-au»sSub. deute, tzreitag, S. April, 1» Uhr, hole» die Abteilung sobleute Sintrittstarten und Plakat« zur Maifeier von KrUger, Grlmmstr. l, ab. 7. steri» Sharlottenburg. Betriebssraktion der Arbeiter. AnaeflelUen und Beamten beim Bezirksamt Charlottenbura. deute Freitag. S. April. I» Übe, im Lokal R iiheig, Siblofiftt. 43, wichtige Berlammluag. Bor» rag:.Die S-k-ulpoliiit ber Stadt Berlin'. Sieterrnt: Stabtschuleat Rgbadl. Säfte willkommen. 20. tkrei» Reini kommisponl. Trefspunkt l» Uhr bei Llltschert.«ilberadorser St«. 10. •0. Abt. ReuIiMn. 1!>zh Uhr im Lpkal Zimmermann, Treptower Str. Ub Fnnttianllrstinng. 18*. Abt. reget. t»ih Uhr bei Fischer, Lchlieperstr. 90, Funklionärlitzung. Morgen, Sonnabend, 6. AprN, Flugblattverbreitung von den nachstehend angegebenen Lokalen ans: tz. Abt. ltz Uhr bei vhngemach,»ommanbantenftr. SO. ll. Abt. Sonnabend u» IL Uhr, Sannlag ad 0 Uhr bei Richert, Steinmetz. straß« 36». 0. Abt. Sanniag ab 0 Uhr bei Hlldner, Wilsnacker Str.>4. 13. Abt. Sonnabend u. Sonntag in der Spedition. Wilhelmshav«»« Str. 4L. >3. Abt. ISis Uhr bei Odiglo. Straisundcr Str. U. 17.«dt. Ab 16 Uhr bei Dose, Zlorbhofe» 6. 22. Abt. Ab IS Uhr und Sonntag S Uhr von den Zahio Send lokalen«n«.' 23. Abt. Ad IS Uhr von den zahiadendiokaien au». Die Bezirksfithrer hole« dieselben von Lewandowski, Sccstr. 104, ad. 25. Abt. 20 Uhr Funkiioniirsitmnq im Lokal„Zum Purischen Paf, Sturifchf Straße 12 Ecke Trakchner Straße. Die alten Funktionärausweise sind mit- zubringen.» 30. Abt. Ab 17 Uhr bei Pohst. Suchen«? Str. 103, Ecke Stargarber Straße. 31. Abt. 20 Uhr bei Goldschmidt. Stolpische Str. 36, Funktionäriitzung. Di« Flngblätter können von dort ad 17 Uhr abaeholt werden. 32. Abt. IS Uhr Flngblätter von den pahlabendlokalen bestimmt obholen. Die Berlkreitung muß Sonntag restlos erfolgen. Die Gruppen- bzw. Bezirk»- fiihrer werden gebeten, ieden O'enosscn zur Verbreitung mit heranzuziehen. 34. Abt. Sonnabend, 17 Uhr. und Sonntag ab 0 Uhr frith von den Lokalen „Comeniusfäle'. Memeler Str. 67, für die zahlodende Fischer»nd Gläser, und Lolal Eodiner Str. 10 für die zahlabende Seifert und Reichenbach. M. Abt. Ab 19 Uhr bei Busch. TiliUer Str. 27, und Wittschuß, Petersburger Straße 3.— Um IgZL Uhr wichtin« Funktionäriitzung bei Busch, Tilsiter Straße 27. Partei- und Gcwerkschofiskknch ist mitzubringen. 37. Abt. 17 Uhr für den 4., 3., 6. Bezirk bei Raichke. Matternstr. 14, stlr ben 1., 2., 3. Bezirk bei Middeldorf. Edelinastr. 1. Ecke Petersburger Straße. 33. Abt. 17Z4 Uhr von ben bekannten Lokalen aus. 41. Abt. Die Funktionäre tr-ll°en sich Sonnabend bei Lipkert, Martendsrser Straß« 6, zur Cntgcaenn 1 me de» Material». Sonntag früb ob 0 Uhr in den Sohlobendlokolcn ber einzelnen Gruppen Flugbtattverlsreitung. 43. Abt. Ab 16 Uhr von Krcvv. Planufer 7316. abholen. 44. Abt. Ab IS Uhr bei Schibold, Admiralftr. 5. 47. Abt. Ad 17 Uhr stehen die Flugblätter zur Beifügung bei Siebentopf, Muskauer Str. 33.— Um I!U4 Uhr treffen sich sämtliche Bezirkslührer zu einer kurzen, sehr wichtigen Besprechung llei Siedentvps, Muskauer Str. 35. 40 Abt. Bon 16 bis 20 Uhr bci Keller. Fllrllenstr. I. Eharlotteabnrq. 34. Abt. 20 Uhr bei Easper, Guerickestr. 1, Funktionärsitzung. — 57. Abt. Sonnabend von 17 bis 19 Uhr und Sanntoa von 9 bis 10 Uhr 1. Grupve bei Arndt, Kontstr. 31: 2. Gruppe bei Thunack, Wielandstr. 4. 70. Abt. Echäneberg. Bon den bekannten Zahlabendlvkaten aus ab 1« Uhr. Die Bezirksfllhrer holen die Flugblätter ab 17 Uhr von Groß. Sedan- straße 17. ad. 34. Abt. Lankwitz. 16 Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-St». 20—81, holen hie Bezirksfllhrer die Flugblätter ab und sorgen für restlos« Verbreitung. 30. Abt.. Reukölln. Z» b i 1- e s» I» e um 20 Uhr in Kit««» Fest- säleu, Goicnheide 13. Gesang, Rezitationen. Musik. F.-stred«! Adalph Sosswau». M. b 3. Männerchor Fichie-Georgini, sASA.I. Sozial istiich« Arbeiterjugend Reuköll» I. Räch der Feter gemütlich«, Beisammeusei» und Tau». Einlaß 1» Uhr.«ufaug A Uhr. End« srllh 3 Uhr. 05.«4. Reukölla. Bon 17* bis IL* Uhr de!«eil. Prinz-SandferiHSte. 33. Besprechung sämtlicher Borstandsmitglieder, Bezirksfllhrer und«ossterer. Flugblätter und Fi'nktionärtorten bestimmt abholen! 101. Abt. Treptow. Alle Mitglieder werden zum Besuch der Kinderfreunde. Ausstellung im Jugendheim, Elienstr. 3, aufgefordert. Besichtigungszeit Sonnabend von 1» bis 21* Uhr und Sonntag von lö bis 21* Uhr. 160. Abt. Zobauulsttzal. Ad 10«hr bei Gobi». Rooulk. 1.._ 117. Abt. Lichtcuberg. Sonnabend 17 Ubr und Sonutag frllt 0 Vit ftr Rummelsdurg u» Lokal Sievert. Kantstraße, Ecke Schillerstratz»— fstr Reu-Lichtenberg im Lokal Klos«, Rupprecht-, Eck» Eilelstraß«. 110. Abt. Lichteubers. Bon den bekannten Lokalen aus. 124. Abt. Mahtsdoe?. 19 Uhr bei Anders, Bahnhosßr. 37, wichtig» Fuuktivnltr» sttzung. Anschließend Flugblattausgabe an den bekannten Stellen. 121. Abt. Riederfchäahauic». Pünktlich 20 Uhr bei Klindt, Friedensplatz, wrch- tige Funktionärsitzung. 140. Abt. Borsigwalde. 19* Ubr bei Woitichach. Ernststr. 1. Borstand», unk Funktionärsitzung. Gleichzeitig werden die am Sonutag Our Berb reuung kommenden Flugblätter dort ausgegeben. Arouenveranstaltungen. 3. Kret» Webbtng. Alle Genossinnen beteiligen sich an bor Flugblattver» breitung am Sonittag, 7. April, von den bekannten Stellen aus. Kein» Genalfln darf fehlen. � 13. Kret, Zewpelhos. Martendors, Mariensclde, Lichtenrade. Leute, Freitag, 6. April, 20 Uhr. bei Niendorf. Waricndors, Ehauslecstr. 19, Funktionär- Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrl. 17. fttat» Lichtenberg. Am Sonnabend, 6. April, 1» Uhr, erweitert« V»v> standositzung mit Delegierten im Rathaus Lichtenberg, Zimmer 36. Zungsozialisten. Gruppe Webdiug-Gesuudbruaneu. Heute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim vrthstr. 10, Borttag:»Politisch« Programme'. Referent: Franz Lepinsit. Bringt die gesammelten Adresien mit tWcrocaktion). Geburlstage. Jubiläen usw. 0. Krei» Wilmersdorf. Unserem Beisitzer jtn Kreiovorstaud. Genossen Felix Brrisk« nutz seiae» Gattin, Mitglieder der 67. Abteilung, zu ihrer Silbe r- hochzeit die herzlichsten Eluckwünsch«. 1»». Abt.«öpeuick. Unser Genosse William Weythiu, Rabensteiner Str. 2, begeht am heutigen Tag- in voller- geistiger und körperlicher Frisch« seiuen SO. Geburtstag. Unser alter Kämpfer ist noch als Funltiauär tätig. Wir gratuliere» ihm herzlichst. Möge es ihm»ergöaut sein, nach recht lange i» uuierer Mitte zu weilen. 133. Abt. Buchholz. Unserem Genossen Hugo vtuller und sein« Gatti» zur SUberhachprit die herzlichsten Glückwünsche. I Sterbetafel der Groß-Berliner Partei« Organisation� 00. Abt. Halens««. Unser Parteiveteran, Genvsse Ott» Klein, Rinzchahn. strotze 9. ist im 72. Lebenssahr plötzlich verstorben. Wir verlieren in ihm ein treues Mitglied und werden ihm stete ein ehrende» Andenken bewahren. Ein. Sscherung äm Sonnabend, 9. März, 16* Uhr, im Kremalorium Wilmersdorf. Wetterbericht der Zsieulllchen Wetterdienststelle verlin»nd Umgegend sRachdr. vmb.) Eintisibung bei langsam ansteigenden Temperaturen, später verbrettete Regen- und Schneesälle, westliche Winde.— Zür ventschlimd: Im Osten noch kalt mit Neigung zu Lchneesällen, in West, und Mittel» d eulschland Milderung mit velbreitcten Schneesällen, westliche Winde. andere]?1ock:en Ein Vorschlag zur Zubtrtiiung / Cbcrbackener Spinat: 200 g Quäker Rapidflocken werden mit 300 g durchgedrehtem Spinatbrei, 1 Eßlöffel Sardellenpaste und 1 Teelöffel geriebener Zwiebel ▼errührt. Man gibt die Masse in eine ge- bunerte Form, bestreut mit 1 Teelöffel Reibkäse, bcflockt mit 20 g Butter und backt 13. bis 20 Miauten bei mäßiget Hitze. erßldrt die Hausfrau nach dem ersten Versuch mit dieser schnellkochenden, köstlichen Speise En Versuch genügt! Nor 3 bis 3 Minuten Kochzeit brauchen die wohlschmeckenden Quäker Rapidflocken. Eine so enorme Zeitersparnis spricht für sich selbst. Das hochwertigste Getreide— berstend von einer Fülle wichtiger Nährstoffe, Vitamine, Proteine und Kohlehydrate— in saubere Kartons verpackt, staubfrei, ohne Spelzen, ohne bitteren Geschmack. Suppen, Gemüse und Pürees gewinnen an Wohlgeschmack und Nährwert, ohne daß die schlanke Linie beeinträchtigt wird. Verlangen Sie bei Ihrem Kolontalwarenhändler die 1- Pfund- oder Vj-Pfiind-Packung. Sie bekommen auf Wunsch eine Gratisprobe, und jeder Packung liegt ein Gutschein für schwerversilbertes Besteck bei. AnssehatiJtw t EinstnJnf Quäker Nlhrmittel-Gesellschafr m. b. H. 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