BERLIN Sonnabend 6. April 1929 10 Pf. Nr. 161 B80 46. Lahrgang. AnieigenereicDü«inspaltize Nviirartilltjtile SV Pf.. Reklam«ieik s M. Ermäßigungen nach Tarif. Pofifcheckkont«: Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 37S36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 ErfcheinttSglich aoierGvnntag«. Zugleich Abendauegabe de«.Vorwärt«'. Belugspreit beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,60«K. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWSS.Lindcnstr. 3 „Vrfutaffa Lockspitzel im Reichsbanner. Der Gtahlhelmspitzel im Ortsverein Tiergarten gefaßt. Der Stahlhelm verbreiiele dieser Tage, wie wir miiletllen. In der„ftreug-Zeilung" und anderen Recht sblällern die Behauptung. der Führer des Ortsvereins Tiergarten im Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold. Sarl Ebert, der zweite Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, habe in einer Versammlung seiner Gruppe offen erklärt, es wäre ihm„keine Kugel zu schade, um den Ober- bonzcn des Stahlhelms in Potsdam zu erledigen". Diese Behauptung konnte alsbald als eine Lüge gebrandmarkl werden. Jehl ist es aber gelungen, den S p i h e l zu enstarven, der sich im Austrage des Stahlhelms in jenen Ortsverein des Reichsbanners eingeschlichen hatte. Der Mann heiht Sarl winke und stammt aus Grabow in Mecklenburg. Er ist Stahlhelmmitglied und hat sich gleichwohl im Reichsbanner aufnehmen lassen. Von ihm stammt jene Falschmeldung, die den Zweck verfolgte, neue Stahlhelmüberfälle auf das Reichsbanner hervorzurufen. Durch die Veröffentlichung feines Berichtes hat er selbst dazu beigetragen, daß seiner Lockspihelei bald und entschlossen das Handwerk gelegt wurde. Hakentreuzler überfallen Reichsbanner. „Schießt doch los! Knallt die Hunde nieder!" Der Ortsveretn Spandau des Reichsbanners hielt am Freitag in den dortigen Viktoriasäien ein« Aersammlung ab, in der der Kamerad A b t e r- Berlin über das Thema „Deutschland und Frankreich" sprach. Kurz nach Be- endigung des Referats wurde der Versamnilungsleitung mitgeteilt, daß sich im Saale zwei fremde Männer aufhielten. Der Vorsitzende forderte sie aus, sich zu legitimieren. Einer von den Burschen rief in herausforderndein Tone:„Wir sind National- s o z i a l i st e n!" Der Vorsitzende wies die Provokateure aus dem Saal und die dreisten Burschen konnten �ich entfernen, ohne von den mustergültig Disziplin bewahrenden Reichsbannerleuten bc> helligt zu werden. Wenige Augenblicke später emstand in dem Torweg zum Lokal ein Tumult. Eine Horde Nationalsozialisten, zum Teil in Schwarzhemden, be- wassnet mit Revolvern, Messern und Latten, versucht« das Versammlungslokal zu stürmen. Als die Reichsbanner- tameraden sich anschickten, gegen die Rowdys vorzugehen, erlosch das elektrische Licht im Torweg. Die Finsternis benutzten die Hitler-Strolche, um mit ihren Messern und Latten aus die Reichs- bannermitglieder einzuschlagen und dann zu flüchten. Einig« der Strolche riefen:„Schießt doch los! Knallt die Hunde n i e d e r I' Sie hätten sicher geschossen, wenn sie in der Dunkelheit und in dem Tumult nicht gefürchtet hätten, Ihre eigenen Leute zu treffen. Zwei Nationalsozialisten konnten festgehalten und dem herbeigerufenen Uebcrfallkommando übergeben werden. Einer von ihnen war der mit seinem Kumpan in der Versammlung einge- drungene Provokateur. Sie wurden zunächst der Spandauer Haupt- wache eingeliefert und später der Abteilung I A des Berliner Polizeipräsidiums zugeführt. Ein Reichsbannerkamerad Hirsch wurde durch einen Messer st ich hinter dem Ohr verwundet. Oer neue Reparaiionsplan. Angaben der pariser Blätter. Paris 6. April.(Eigenbericht.) Kaum haben die Sachverständigen am Freitag die Diskussion über die Zahlen ausgenommen, und schon weiß die Pariser Presse genau den künftigen Reparationsplon mitzuteilen. Danach soll zu- nächst abermals ein Provisorium von fünf Jahren eintreten. Im ersten Jahr sollen 1,7 Milliarden gezahlt werden, nach zwei Jahren IL Milliarden und dann nach fünf Jahren die Nor- malrat« von 2,1 Milliarden. Nach Ablauf von 37 Jahren wären dann die eigentlichen Reparationsforderungcn getilgt und es bliebe dann noch der Ersatz der interalliierten Schulden übrig! Von diesem Zeitpunkt an hätte Deutschland jährlich 1.7 Mil- liorden zu zahlen. Was den Charakter dieser durchaus willkür- l i ch e n Zahlenangabe noch deutlicher kennzeichnet, ist die Tatsache daß die Pariser Presse zugibt, die Sachverständigen hätten am Freitag weder feste Vorschläge gemacht noch hätte sich Reichsbankpräsident Dr. Schacht zu festen Angeboten verleiten lasten. Lohnbewegung der Eisenbahner. Reue Siellungnahme der Eisenbahn-Gewerkschasten.. Die Eisenbahnerverbände haben sich In einer gemein- schastllchen Sitzung am 6. April 1929 mit dem gegenwärtigen Stand der Lohnbewegung und mil der Stellungnahme der Spihenorganisationen zu derselben beschäftigt. Die verbände billigen es, daß die Spitzenorganisalionen sich an die Reichsregierung und an die Reichsbahn wenden wollen zweck» Einleitung neuer Verhandlungen. Die Verbände sehen dabei voraus, daß ihren berechtigten und erfüllbaren Forderungen baldigst Rechnung getrogen wird. Sie behalten sich entsprechend der weiteren Entwicklung der Dinge ihre endgültige Stellungnahme vor. Von den Funktionären und Mitgliedern wird strasseste Disziplin und unbedingte Besotgnng der vesrhirisse der Vrganiiationsleitungen ohne weiteres erwartet. Einheitsoerband der Eisenbahner Deutschlands. Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner E.V. Allgemeiner Eisenbahnerverband E. v. Dunkel über Apanasewilsch. Dementis und neue Berichte. Marschau, 6. April.(Eigenbericht.) Die amtliche polnische Telegraphenagentur erklärt, daß Apanose- witsch bis zu seiner Tal keineswegs verh astet gewesen sei. In der ersten offiziellen Darstellung war allerdings gesogt, daß Apanasewitfch verhaftet wurde, w e i l er ohne Aufenthaltserlaubnis sich in Polen auszuhallen versuchte. Ferner erklärt das neue Dementi, daß Apanasewilsch keinerlei politische Doku- m e n> e mitgcsührl habe, weswegen die Gerüchte, Apanasewilsch habe in Rotwehr gehandelt, um die Dokumente den polnischen Polizisten vorzuenthalten, unrichtig seien. Indessen wird auch dieses polnische Dementi durch eine Darstellung des Baranowitscher kor- respondenien des„Expreß poranny" widerlegt, wonach unter den Dokumenten, dl« Apanasewilsch in seinem Koffer hatte, u. a. ein Schreiben der deutschen Kommunisten gesunden worden sei, in dem mitgeteilt sei, daß Irohki in dem Augenblick beseitigt werden würde, in dem er Deutschland betrete. Die Untersuchung hat ergeben, daß die angebliche Frau Apanase- witschs mit ihm nicht verheiratet ist. Sie heißt wiener, war in der kommunistischen Bewegung Rußlands tätig und zuletzt Sekretärin bei Apanasewitfch in der Berliner russischen Handelsdelegation. Sie ist der Mittäterschaft beschuldigt iznd von der polnischen Polizei verhafte t worden. Sie soll nämlich Apanasewitfch den Revolver zugereicht haben, mit dem er dann geschossen hat. Apanasewilsch droht die Todesstrafe. Der rnssische Konsul, der sich nach Baranowitschi begeben hat, konnte Apanasewitfch b i»- h e r noch nicht sprechen. Der Abgeordnete im Zuchthaus. Marschau, K. April.(Eigenbericht.) Der kommunistische Sejmabgeordncte B a c z y n s k i, vom Parlament den Gerichten ausgeliefert, ist in Sosnowih zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Zlls besonders belastend wurde hervorgehoben, daß er von der Sowjetregierung den Orden des Roten Sterns erhalten habe. Keine Verschiebung des Schulbeginns. Rechtzeitige Heizung in den Berliner Schulen. In einem Teil der Presse wird berichtet, daß das Städtische Heiz- und Maschincnamt die Anträge der Schulverwaltung auf recht- zeitige Beheizung der Schulen für die geregelt« Durchführung des Schulunterrichts abgelehnt habe. Diese Mitteilung trifft nicht zu. Weder die Schulverwaltung noch das Städtisch« Heiz- und Maschinenamt haben eine derartige Anordnung getroffen. Vielmehr ist es den Schulen vollkommen freigestellt, mit der Beheizung so rechtzeitig zu beginnen, wie es die örtliche Lage der Schule erfordert. Auch die Tatsache, daß die Hülste der Schulheizer zum l. April bereits ihre Sommerstellungen angetreten hat, hindert nicht an der Durchführung der Heizung, da immer ein Heizer die Beheizung von zwei Schulen übernimmt. Ein rechtzeitiger Schulbeginn und eine geordnete Durchführung des Schumi unter- r i ch t s sind demnach auf alle Fälle sichergestellt. Die Lleberschwemmungen in Tasmanien Bisher 2Z Tote gemeldet. Die von uns bereil» berichteten lleberschwemmungen im nörd- lichen Teil von Tasmanien sind nach Meldungen au» h o b a r l in der Geschichte des Landes bisher kaum zu verzeichnen gewesen. verschio�rne wichtige Brücken. über Hauptverbindungswege und Eisenbahnanlagen sind weggerissen worden. Die telcgraphischen und telephonischen Verbindungen sind ü b e r a l l z e r st ö r t. Die Haupt- Walmbiien auf dem iKriegspfad Jtus Aman in Trauxjor (lauten wird gemeldet, daß 500 �Beduinen com Stamme der'JCoweilnl, die in etwa'WO Teile»« beim Dscltebel 56a tl; kampierten, von Wahn Wien nledergeinelaei. worden sind, Welle« wird berichtet, daß sici, 1000 IFaliaWlen in der tlähe des hsdiehe' hrus r er s Ummeln, an scheinend in der Ai sieht, in'Cransiordanien einzufallen. Ermahnte Sachverständige. Urfeil im langkopp-prozeß nichi vor Monfag. In btr heutigen Verhandlung des Langkopp-Prozesse» wurden die Zeugenaussagen fortgesetzt. Auf einen Teil der Zeugen wurde verzichtet, im übrigen sollen nach Möglichkeit die Zeugenaussagen heute abgeschlossen werden. Am Montag früh werden dann der Staatsanwalt und die Verteidigung zu Wort kommen und am gleichen Tage soll das Urteil gesollt wttden. Zu Beginn der heutigen Verhandlung verlangte der Erst« Staatsanwalt Köhler, daß da« Gericht für ausreichenden Schutz der Sachverständi- gen und Zeugen sorge. Gestern habe eine Anzahl Tribünen- besucher Oberregierungsrat Lazarus auf das schwerste beleidigt. Staatsanwalt Köhler verliest dann den Bericht, den der„Vor- w ü r t s" in seiner heutigen Morgenausgab« unter der Ueberschrist „Feine Ausländer" gebrocht hat und erklärt, daß er sich unseren Standpunkt, man dürfe nicht Leute al» Sachverständige oer- nehmen, die am Tage vorher jedes Maß von Objektivität vermissen ließen, zu eigen mache. Das Gericht beschränkte sich darauf, die beiden Sachverständigen zu fragen, Major a. D. Schapritzel und Herr Trapp gaben ousweichende Antworten, so daß sich der Vorsitzende mit der Ermahnung begnügte, von Sachverständigen müsie man oerlangen, daß sie währendder Dauer eines Prozesses nicht in Versammlungen auftreten. Der deutschnatio- nale Reichstagsabgeordnete Pfarrer Wolf gab in seiner Zeugen- aussage zu verstehen, daß> weniger das Reichsentschädigungsamt al» die schlechte Finanzlage des Reiches schuld daran seien, daß die Auslandsdeutschen so ungünstig abgefunden wurden. Pfarrer Wolf hob noch hervor, daß gerade Oberregierung-rat Dr. Lazarus und auch die Beamten des Reichsentschädigungsamtes volles Ver- st ä n d n i s für die geschädigten Auslandsdeutschen gezeigt hätten. Daß nicht all« Fälle so rasch erledigt werden tonnten und können, liegt daran, daß der Angestellten- und Beamtenstab im Reichsent- schädigungsamt nicht ausreicht. Oer Pfarrer sagt aus. Als erster Zeuge wurde darauf der deutschnationale Reichstags- abgeordnete und katholische Pfarrer Wolf ausgerusen. Bevor es zu dessen Vernehmung kam, machte Erster Staatsanwalt Köhler die Sachverständigen darauf aufmerksam, daß sie berechtigt seien, Ihrer- seits auch Fragen zu stellen. Sachverständiger Reichskommissar a. D. G l a« s e: Hätte ich das gewußt, dann würde ich gestern ganz markante Fragen an den Abgeordneten Iadasch gestellt haben. Es hat sich«in furchtbarer Kontrast zwischen den Aussagen der Zeugen Iadasch und Präsident Karpinsky herausgestellt. Vors.: Es ist nicht üblich, daß die Sachverständigen auf das Recht der Fragen- stellung besonder» hingewiesen werden, ich habe vorausgesetzt, daß ihnen das bekannt war. Sachv. Glaeje: Dann kann ich wohl nachher bestimmte Fragen an Herrn Langkopp stellen? Bors.: Das steht Ihnen frei. Es begann dann die Vernehmung des Pfarrers Wolf. Vors.: Herr Zeuge, Sie sollen uns Auskunft geben, wie die Stimmung nach Ihren Wahrnehmungen in den Kreisen der Geschädigten war? Zeuge: Da ist es mir wohl so gegangen wie allen Kollegen im Reichetagsausschuß. Wir sind mit Zuschriften überschüttet worden, die die Rot behandelten und über die Maß- nahmen des Reichsentschädigungsamtes klagten. Ich glaube aber, daß die Klagen mehr auf Unkenntnis beruhten, woil die Geschädigten der Behörde die Schuld beimessen, wenn sie nicht zu ihrem Rechte kommen. Ich selbst habe mit dem Reichsentschädigungsamt stets nur gute Erfahrungen gemacht. Wenn ich krasse Fälle, in denen ein Familienvater drohte, sich aus Rot das Leben zu nehmen, erfuhr, habe ich mich sofort mit dem Reichsentschädigungsamt in ver- bindung gesetzt und habe stet» gute Erfolge gehabt. indem derartige Fälle bevorzugt und beschleunigt wurden. Ich muß auch objektiv sagen gegenüber Regierungsrat Dr. Lazarus, daß gerade dieser für derartig« schwierig« Fälle volles Verständnis hatte und in einer ganzen Anzahl von Fällen sofort eingegriffen hat. Es steht fest, daß die Verhältnisse beim Reichsentschädigungsamt, allerdings nicht in Berlin, sondern bei der Zweigstelle in Oppeln, zeitweise im argen liegen. Es wurde dort in formeller und materieller Hinsicht manches vergriffen und in den Versammlungen in Oberschlesien sind viele Beschwerden zur Sprache gekommen. Diese Mißstände sind aber sofort abgestellt worden, nachdem sie zur Kenntnis des Herrn Präsidenten gekommen waren. Es sind Beamtenversetzungen vor- genommen worden und Herren an dl« Stelle der Beamten gekom- men, die die besondere Psychologie Oberschlesien» besser kannten. Dt« Geschädigten haben e» dann aber sehr verübelt, daß die Zweigstell« von Oppeln noch Breslau verlegt wurde, weil jeder den Wunsch hat. möglichst direkt mit der Behörde zu verkehren. Vors.: Ist Ihnen die Kurve der Leidenschaften aufgefallen. Die Verteidigung bc- hauptet, daß dies Attentat zu einer Zeit der Hochspannung sich ereignete. Zeuge: Das kann ich bestätigen. Ich führe die Er- regung darauf zurück, daß die Geschädigten zuerst Summen bekamen, die alsbald entwertet waren. Ich selbst habe in meiner Schutz- entschädigung dasselbe erlebt, bin dann aber ohne Antrag später nachentschädigt worden. Vors.: Zu dem in Frage kommenden Zeitpunkt war die Inflation doch schon vorbei? Zeuge: Dos Schlußentschädigungsgesetz war in Vorbereitung und in dieser Zeit erreichte die Rot den Höhepunkt. Es gab viele Geschädigte, die drei bis-vier Jahre gewartet hatten. Dadurch wurde die Erbitterung auf das Höchste gesteigert. Er st er Staatsanwalt: Lag die Er- bitterung mehr an der Handhabung der Gesetze oder daran, daß die Gesetze schlecht waren oder daran, daß kein Geld da war? Zeuge: Ich muß sagen, daß subsektio die klageo berechligl waren. objektiv ober nicht. Ich glaube, daß die Beamten des Reichsentschädigungsamtes alles getan haben, um den Geschädigten gerecht zu werden. ' Aus den Statistiken, die dem Reichstag regelmäßig vorgelegt wurden. ! ist mir bekannt, daß eine enorme Arbeit geleistet worden war. Diese Arbeit wurde aber lahmgelegt, als infolge der finanziellen Rot des Reiches ein großer Teil der Beamtenschaft abgebaut werden mußie. Dadurch wurden die Entschädigungssachen verzögert und das löste wiederum große Erbitterung aus. Nicht die Beamten, sondern das Gesetz ist schuld an der Erbitterung. Es gab niemand im Am- schuh des Reichstages, der nicht von der Unzulänglichkeit des Gesetzes überzeugt war. Das lag aber daran, daß der Reichssinanzministcr immer erklärte, es sei kein Geld vorhanden. Vors.: War es nie! l etwa so, daß die Leute nur ihr leeres Portemonnaie sahen und e- bittert wärest, ohne zu fragen, wer die Schuld habe? Zeuge: Das ist gang richtig. Der Zorn und Unwille der Leute richtete sich gegen das Reichsentschädigungsamt und die Zweigstellen. E r st e Staatsanwalt: Ist denn in den Versammlungen von den leitenden Persönlichkeiten nicht aus diese Umstände hingewiesen worden? Zeuge: Das ist eine heikle Sache. Ich habe in allen Versaitvn lungen den Leuten gesagt, was schuld an der Katastrophe sei. ist aber auch von anderen Leuten anders operiert worden. Da hieß es, die Schuld liege am Reichsentschädigungsamt und den Beamten. Er st er Staatsanwalt: Wollen Sie damit sogen, daß die G-: schädigten nicht genügend aufgeklärt sind. Zeuge: Vielleicht ja. Roch kurzer Befragung einiger Sachverständigen v e r z i ch- lelen sowohl Staalsanwallschaft wie Verteidigung aus die Sachverständigengutachten. Das Gericht zieht sich zur Bcratvrz zurück und verkündet kurz vor t Uhr den Beschluß, von der Anhöruni der Sachverständigen abzusehen und am Rlonlog früh lediglich na■) einen Zeugen, Amlsrat Klessel, der über den Charakter der Tr- geklagten aussagen soll, zu hören. Danach werden dann Staat- anwaltschast und Verteidigung zu Worte kommen. Vei Langtopps Gesinnungsfreunden. Der Selb st Hilfebund der Auslandsgeschödigtey rief seine Mitglieder zu einer Versammlung in die Residenzieltsäl-:. Da sprachen eine ganz« Reihe von I u r i st e n, die je nach Rednergabe und Temperament dem Märtyrer Langkapp tiesstgehenbe ffiorc widmeten— ein dramatisch angehauchtes Glicht wurde rezitiert, und vozr weinenden Schössen, Vorsitzenden und Zuhörern war l; Rede. Andere wieder oersuchten durch schwungvolle Musterplä- doyers zu glänzen. Abgeordnete der äußersten beiden Pol« fanden sich hier in völliger Uebereinstimmung der Gefühle. Kamps, Kamps und nochmals Kampf! Es wurden scharfe Reden gegen da» Reichs entschädigungsamt und sein« Verwaltungsbeamten geführt— t york M et häufig, daß an gemitten Tagen in der IVoehe die Säriefkätlen su klein sind, um alle Swel aufau nehmen.lCas nfchi mehr hineingehl, legi man unbesorgt auf die trde. ItaiflrUch rrird über diese Zusilnde heftig Xlmge geführt und die Anbringung größerer SSriefkätlen verlangt. Umlauf Ware«, daß weiße Geschworenengerichte in Süd» afrika in Fällen, in denen das Vorurteil gegen Farbige inS Gewicht fiel, ungerechte Urteils» spräche gefällt hätten. Zehn Jahre Deutscher Arbeiterverband. Der dem Internationalen Gewertschastsbund als Landesorga- nifation angeschlossene„Arbeiterverband sür Südwestafrika" kann jetzt auf ein zehnjähriges Bestehen und damit aus ein« kampfreiche, entbehrungsreiche Borgeschichte zurückblicken. Als für Siidwestafrika der Vertrag von Korab im Jahre l91S örtlich den Weltkrieg beendet«, wurden die der Reserve und Landwehr angehörigen Mannschasten entlassen, denen die schwere Aufgabe oblag, unter den gänzlich veränderten wirtschaftlichen Der- hältmssen Arbeit zu suchen. Am schwersten empfanden die Notlage alle diejenigen, die früher auf den Diamantfeldern oder in Lüderitz- bucht tätig gewesen waren, denn die die Stadt Lüderitzbucht lebte sozusagen von den Diamantfeldern. Den Arbeitswilligen wurde» .Hungerlöhne angeboten: für Unverheiratet« 2 M.. für Verheiratete 4 M. bei freier Station. Der in Lüderitzbucht bestehende Gewerbeverein, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber umsaht«, wurde im Januar 1919 aufgelöst und der„Arbeiterverband für Südwest- afrika' In, Leben gerufen.. Der jung« Verband hatte sein Bestehen gegen zwei Feinde zu verteidigen: einerseits geegen die kapitalistische Minenkammer und andererseits gegen dieenglifchenSieger.die den Verband bolschewistischer Umtriebe beschuldigten und auflösten. Die Bücher des Verbandes wurden beschlagnahmt, der Vorstand in das Jnter- merungslager Aus, wo sich die aktiven Schutztruppler befanden, ver- schickt und später ausgewiesen. Diese Maßregelungen konnten ober die Arbeiter nicht einschüchtern. Der Verband wurde Insgeheim weitergeführt, nahm an Mitgliederzahl zu und konnte bereit» Orts- gruppen, namentlich auf den Diamantfeldern gründen. Andauernde Verstocktheit der Minenkammer gegenüber der Not der Arbeiter, deren Löhn« in Papier ausgezahlt wurden, während sie ihr« Ein- kaufe in Hartgeld zu machen hatten, führten dann zum Streit, in dem die Streikenden nach Lüderitzbucht zogen, wo sie sich die Sympathie der Bürgerschaft durch ihre Parole erwarben: „Wir führen keinen Kamps gegen die Behörde, auch nicht gegen einzelne Personen, sondern wir tmnpsen um Besierung unserer Lage.' Nun ging es rasch vorwärts.?ieue Orstgruppen wurden g«. gründet in Tfumeb, Swakopmund, Usakos, Keetmanshoop. Mit der Südafrikanischen Gewertschastszentrale. dem SATUC., wurde die Verbindung aufgenommen., Der Verband verfügt über ein eigenes Organ, das ..Dollsblatt', das als Wochenbeilag« Sonnabend« der„Windhuker Allgemeinen Zeitung' beigelegt wird. Ist diese Lösung auch nicht al» ein« ideale zu bezeichnen, so spricht doch fester Kampfwille aus dem Blatt, da» erklärt:„Zu einem Staatswesen wollen wir unser Südwest ausbauen helfen, das auch in sozialer und w i r t- s ch a f t l i ch e r Beziehung den anderen Kultur st aaien nicht �nachsteht.' H. W. Künstlerische Nachlese. In Berlin geschieht so vieles auf dem Gebiete der Kunst, daß man nicht überall mit dem Stift des rasenden Reporters nachkommt. Es wäre aber schade, wenn Dinge verschwiegen würden, nur weil sie nicht erste Auslese sind: es gibt überall soviel Gutes oder min- bestens Interessantes zu sehen, das, auch mit Problematik belastet, Freude, Anregung. Widerspruch hervorrufen kann. Widerspruch er- weckt vielleicht die anregendste Freude: eigenes Urteil.) Die großen Kleinigkeiten, die beiläufigen Wichtigkeiten sollen Revue passieren. Der Verein Berliner Künstler(im Künstlerhaus Belleouestraße) zeigt eine stattliche Reihe von Bildnissen: teils gute und teils mittelmäßige. Am interessantesten der Saal mit Selbstportroits (Fritsch. Max Kaus, Wollhoim, Dix, Kollwitz, Corinth). Man hat den Wunsch, die prächtige Gelegenheit wäre etwas gründlicher de- nutzt worden, den wirklich hohen Pegelstand unserer Bildnismalerei zu demonstrieren. Max Ernst bei Flechtheim: ein einfallsreicher und im Tech- irischen höchst geistreicher Fanatiker des Aberwitzes. Die Franzosen, bei denen dieser burleske Sohn Kölns seit manchen Jahren lebt, schätzen ihn ungemein: jetzt kaufen ihn auch die Deutschen, und es ist merkwürdig: nicht bloß die Snobs. Man wird noch Zeit haben, die Rätsel, die seine Bilder und seine heftigen Stilwanderungen aus- geben, resolut in Dada-Scherz«, koloristische Einfälle, literarischen Bluff und ein bißchen echte Malerei auseinander zu wirren. F e l i x m ü l l e r(Konrad Felix Müller in Kltzsche bei Dresden) bei Gurlitt, hat sich in seinem Fortschreiten von lärmender Aus- drucksgeste zur Lebensechtheit auf einer Stufe eingefunden, die fatal nach Richard Müllers Küche schmeckt. Daß er doch ein echter Künst- ler ist. merkt man an den groß gedachten Holzschnitten. Max Band bei Casper: Einer, der sich aus unfruchtbarer Ab- ftroktion in die tonige Malerei gerettet hat, Einfluß von Pari»: ein noch in den Ansängen steckender Versuch, Menschlein zu schll- dern: twffnungsvoll. Hildo K r o p in der Galerie Möller: sehr merkwürdiger Fall eines holländischen Bildhauers, der das reine Plastische sucht. Keine malerischen Hemmungen(wer erwartet aus Hollands andere als Maleroersuche?) und nur leise Reste von literarischen:«in ernster und strenger Plastiker, mit den herrlichen Uebertroibungen plastischen Ausdrucksvermögens, die heute beinahe unvermeidlich sind als Gegen- Wirkung gegen Akademismus ebenso wie gegen die Uebermacht der Flächen iunst. Holländische Graphik in der Modernen Galerie Wert- heim: das ist der Gegenpol, das ist der Leerlauf der internationalen Graphik, von hier trägt man nichts heim als den Uebevdruß an technischer Virtuosität und Anpassungsfähigkeit. Als Aprilscherz wurde leider von fast allen die witzige Ein- ladung der Galerie Nierendorf betrachtet: Drahtfiguren des Ameri- koners E a l d e r zu besichtigen. Sie sind wirNich vorhanden und es lohnt, sie zu besuchen: wenn sie tatsächlich auch nur aus leib- haftigem Draht geflochten sind. Umrißgeftalten voll Witz, Ulk, Ironie und tieferer Bedeutung. Scherlich mußte eine solche Aufforderung, Kunst nicht als ein allzu ernsthaftes Beginnen zu betrachten,, aus dem erfrischenden Jungensübermut der USA. herkommen.„Heiter ist die Kunst': bitte sehr, warum nicht, das hat ein sehr ernsthafter deutscher'Pärnaßhewoyne'r uns versichert. Mr. Calder schöpft den vollen Eindruck des Lebens in biegsame Geflechte, Silhouetten voll witziger Bizarrerie und verblüffend wahrer Ironie: ein Buster Keaton mit dem biegsamen Draht. Auf daß der völkerkundliche Ernst nicht fehle, zeigt Nierendorf in den anderen Sälen noch Holzfiguren, Masken und Götterfratzen aus Bali. Die grotesken Tempelgötzen eines provinziellen Buddhismus passen gut zu den Drahtgespenstern ein«« sich selbst verulkenden Kultus des Jazz._ Dr. Paul F. Schmidt. „Duett der Liebe." Verwickelte Psychologie in der Tribüne. Da» Spiel der Lili Hatvany„Duell der Liebe' empfängt sein dramatisches Leben von einer schwer übersehbaren Der- wirrung der Gefühle, die die Verfasserin bei ihren beiden Haupt- figuren anrichtet. Er, Leben«- und Liebeskünstler von Beruf, läuft schon fünf Jahre durch alle Welt hinter Lydia her und erhascht von ihr niemals auch nur ein freundliches Wort. Denn sie, männer- umworben und ebenfalls erfahren in der Kunst des Liebens, will ihm nicht wohl. Was sie eigentlich gegen den netten eleganten Mann hat, oerrät die Verfasserin nicht. Wie das so im Leben geht, ver- einbaren die beiden, ein Duell der Liebe ouszufechten. Sie wollen sozusagen einen Flirt aus Tod und Leben beginnen: Sieger soll sein, wer den anderen am schmerzlichsten trifft. Mit einer Inbrunst, die einer wichtigeren Aufgabe würdig wäre, stürzen sie sich in ihren Kampf und oersetzen sich tödliche Schläge, indem einer den anderen eifersüchtig macht. Die große Liebe ist zwischen ihnen schon im ersten Akt erwacht. Daß sie den Kampf nicht abbrechen, hat nur einen Grund: der zweite und der dritte Akt wären sonst nicht zustande ge- kommen. Im zweiten Akt gerät Lydia ihrem Kampfpartner gegenüber in«inen erheblichen Nachteil, indem sie von ihm ein Kind be- kommt. Im dritten Akt droht die Sache ein« tragische Wendung zu nehmen, aber zu aller Befriedigung trifft Er ein. Das Duell endet mit einer ganz simplen Heirat. Der Regisieur Eugen Roberts versteht es, trotz des ver- worrenen Hin und Her zwischen Haß und Liebe, das Interesse des Publikums wachzuhalten. Di« Ausführung leidet aber erstens an der Dualität des Stückes und zweitens an der Ungleichheit der Haupt- figuren. Ludwig Andersen spielt sehr gehalten, sehr vornehm und überzeugend den Lebenskünstter. LeopoldineKonstantin dagegen läßt nur manchmal hysterischer Leidenschaftlichkeit die weib- liche Anmut untergehen, die den endlosen Liebeskampf einigermaßen glaubhaft gemacht hätte. In den Nebenrollen fallen Egon von Jordan und Hella Kürty auf.' Ernst Degncr. „Oer Held aller Mädcheniräume." Kammer-Lichtspiele. Der Held aller Mädchenträume— da» ist angeblich immer noch Harry Liedtke.. Diesmal kommt er als Pariser Lebemann, alter Adel, ober total verarmt. Trotzdem ist er natürlich Stammgast der Tanzbar»(aus Pump) und ,cha» entzückt all« Frauen'. Das Milieu ist da» abgeklappert« aller Pariser Schwänk« von«hemal», die Welt der Nichtstuer, die auf«rotische Abenteuer ausgehen. Aber eines Tages trifft der Viseont eine Frau, die ihn mit wirtlicher Lieb« erfüllt,«ine Modistin, die ihn schon lang« anschwärmt und ihm jetzt als Gräfin in geborgten Kleidern(haste Worte!) ein Stelldichein gibt. Er bekehrt sich zur Arbeit. Aber der Standes- genösse, der sie ihm verschafft, benutzt seine Abwesenheit,— aus Rache für einen Streich von ehemals— die Braut zu verführen. Der Anschlag mißlingt und nach«inigen Zwischenfällen findet sich das Paar wieder. Das gegebene Milieu läßt dem Regisseur Robert Land wenig Gelegenheit zu neuen filmischen Entdeckungen. Schmiß hat das Final«, in dem der ganz« Tanzschwarm mit der Kapelle den Viscont In seine Bude begleitet. Neben dem schönen Harry macht sich als sein Konkurrent M. V i b« rt kontrastierend geltend. Betty B i r d gibt mit Liebreiz und Schelmerei die Modistin. Ms Tänzerin brilliert JanneHelbling. Ende eines Vonlevard-Blaites. Ein« Zeitung, die lange Zeit eng mit dem Pariser Leben verknüpft war, und auf«ine große Vergangenheit zurückblicken tonnte, der„Gaulois', ist eingegangen: sein Hahn kräht nicht mehr im Konzert der Pariser Blätter. Der„Gaulois' hat ein Alter von 71 Jahren erreicht, wenn man seine Vorgeschichte mitzähtt, denn er erblickte das Licht der Welt nicht als Tageszeitung, sondern al»«ine Halbmonatsschrift, die sich allerdings schon„kritische, satirische und anekdotische Zeitung' nannte. Bald verwandelte sich die amüsant« Veröffentlichung in ein Wochenblatt und wurde rasch zur„Skandal- chronik' von Paris, deren Mitarbeiter ihre Hauptnachrichten in dem berühmten Cafö Tortoni, dem damaligen Herzen der Pariser Gesellschaft, sammelten. Am 5. Juli 1868 erschien der„Gaulois' zum ersten Male täglich, nun als wichtige Zeitung, aber doch immer noch. mit besonderer Betonung der Gesellschostsrubrik. Heroorragende Mitarbeiter, wie der jüngere Alexander Dumas und Barbey d'Aurevilly, sicherten dem Blatt«inen hohen literarischen Rang. Seinen größten Aufichwung aber nahm es erst, als es um 1880 in die richtigen Hände kam, nämlich unter die Leitung von Archur Meyer, dessen Name ebenso innig mit dem„Gaulois' verbunden ist wie mit der Geschichte der französischen Zeitung. Meyer war ein kleiner Börsenmakler, der im Casö Tortoni und Casö Anglais Bc- kanntschaften mit Journalisten schloß und sich allmählich zum Zeitungsbesitzer großen Stils entwickelte. Er machte den Gaulois' zum Organ der Monarchisten, pflegte aber weiter vor allem den Gesellschaftsklatsch und wußte die besten Federn sür sein Blatt zu gewinnen. Maupassant, Octave Feuillet, Maxime du Camp, Octave Mirbeau, Jean Richepin und viele andere später berühmt ge- wordene Autoren wurden seine Mitarbeiter. Im Feuilleton des „Gaulois' begann sogar„Pot-Bouille' von Zola zu erscheinen, mußte allerdings infolge der entrüsteten Proteste der zartncrvigen Leser bald abgebrochen werden. Meyer, der mit seinem scharfen Profil und den flatternden Bartkoteletten ein« der bekanntesten Pariser Persönlichkeiten um die Jahrhundertwende war, wußte seinem Blatt immer neue Sensationen zu sichern. Aber noch seinem Tode ging der..Gaulois' zurück und ist jetzt eines ziemlich iin-� seligen Endes entschlafen. Eine Krau zwischen zwei Oichiern. Neues über den Liebesroman Herweghs. Aus Moskau schreibt man uns: Durch die Veröffentlichung bisher unbekannter Briese aus dem Nachlaß des russischen revolutionären Dichters Alexander Herzen wird ein fesselndes Kapitel aus dem Leben Georg Herweghs der Oeffentlichkei� erschlossen. Herzen, der sich wegen seiner revolutionären Gesinnung. �.,/ bei den russischen Behörden unbeliebt gemacht hotte, begab sich mit semer jungen Frau Natalie ins Ausland und lernte im Sommer 1847 in Zürich Herwegh kennen. Die von revolutionärem Pathos durchglühten Gedichte des deutschen Dichters, der in der Züricher Gesellschaft eine große Rolle spielte, mochten aus Herzen wie aus dessen Frau einen starken Eindruck. Herwegh. ein schöner Mann mit weichen� wallendem Haar, flammendem Blick, ausdrucksvollen Gesichtszügen und seiner Adlernase, erfreut« sich eines großen Er- folges bei Frauen. Der Frau Herzens erschien er als Ideal der männlichen Schönheit und zugleich als Kämpfer für die Freiheit. Als Parteigenosse durste Herwegh jeden Tag das Hau» Herzens be- stichen, der in seinem neuen Freunde einen idealistischen Anbeter seiner Frau sah. Als Herzen die Wahrheit über die Tiefe der Ge- fühl« seiner Frau erfuhr, kannte feine Verzweiflung kein« Grenzen. In derselben Stadt, die Zeuge der Liebelei Richard Wagners zu Mathilde Wefendonk war, in der elektrisch geladenen Luft des historischen Jahre» 1848 spielte sich jetzt«in Liebesromon ob, der eine furchtbare Ehe- und Freundschaftstragödi« zur Folg« hott». Herzen beschwor seine Frau, ihr« Gefühle zu bekämpfen. Ek wollte'nach Amerika entfliehen, gab aber den Bitten seiner Frau nach und mietete ein Haus in Nizza. Natalie Herzen wußte ihren Mann zu bestimmen, seinem Nebenbuhler eine Wohnung im eigenen Hause anzubieten. Herwegh, der mit einer reichen Fabrikbesitzers- tochter, Emma Siegmund, oerheiratet war, nahm die Einladung an. In Nizza stellte Herzen sein« Frau vor die endgültig« Wahl— er oder Herwegh, den er zu erschießen drohte. Nach einer furcht- baren Szene siel die halb ohnmächtig« Natalie ihrem Mann um den Hals und sagte ihm schluchzend:„Fürchte dich nicht! Das sind gut« Tränen. Ich werde mich nie von dir trennen.' Auf Herzens Wunsch verließen dann Herwegh und seine Frau sein Hau». Aus Genua, wohin Herwegh sich begeben lzatte, schrieb er Frau Natalie einen Brief, in dem er sein« Liebe beteuerte und mit Selbstmord drohte. Er schrieb, daß er seine eigenen Kinder ermorden wolle, wenn die Geliebte ihm nicht folge. Herzen kam inzwischen aus den sonderbaren Gedanken, seinen Nebenbuhler vor ein„i n t e r» nationales demokratisches Schiedsgericht' stellen zu wollen. Er beschuldigte ihn, auf seine Kosten gelebt und sich von ihm Geld in größeren Beträgen geliehen zu haben. Herwegh schickte Herzen darauf eine Forderung zum Duell, die der russische Dichter„als Gegner der veralteten Sitte de» Zweikompfes' aus prinzipiellen Gründen nicht annehmen wollte. Herzens Freunde suchten Herwegh in seiner Wohnung in Genua auf. wobei es im Laufe einer heftigen Auseinandersetzung sogar zu Tätlichkeiten kam. Bald darauf starb Frau Natalie in Nizza— Herzen verfolgt« Herwegh sein Leben lang mit glühendem Haß und suchte„Gerech- tigkeit bei der internationalen Demokratie', indem er seinen Gegner als«in„Ungeheuer der Unmoral' bezeichnete. Dr. P. Ein japanischer Tempel für Paris. Anläßlich der Gründung«ine» französisch-japanischen Institute» zum Studium des Buddhismus beschloh-man, in Paris einen jopa- nifchen Buddha-Tempel aufzustellen. Man hat aus Japan einen der ältesten Tempel Stein für Stein abgebrochen und befördert ihn nach Paris, wo er im Universitätsviertel wieder aufgebaut werden soll. Man plant, vor diesem Tempel«inen Chrysonthemengarten onzu- kegen, in dem ein« japanisch« Teestube errichtet werden soll. Im»ünsNeeheu», Vellevueltr. 3. wird vom. 6. bi« U. ein« Ausstellung von frimiDfisiben gaibltlchen de» 18. Jahrhundert« au« dem Acsitz der Sammlung Juliu« Model slattfindcn. Sleichzeltia«erde» KupseHtichr alter Mclsier de» IS. bi» 17. Jahrhundert» au» der Kolleltion». Pafsavan! «onlard ausgestellt. * Heinrich v HemmelmarkalsArbeiigeber 16 Hosbeamte klagten um Pension. �«inrich von �ohenzoll«™, ehemaliger Prinz von Preußen und Bruder des letzten deutschen Kaisers, Nutznießer einer Großadmirals- Pension, Besitzer vier großer Güter und Fürstenabgesundener, will «zu arm" geworden sein, um seinen ehemaligen Hofbeamten eine e.uigermaßen auskömmliche Pension zu zahlen. Jeder seiner srühsren Beamten hat erst den Prozeßweg beschreiten müssen, um zu sc nem Recht zu kommen. Nicht weniger als sechzehn Pro- z � s s c führte bereits der ehemalig« Prinz. Kürzlich wurde die Klag« des siebzigjährigen Leib- k u t s ch e r s des Prinzen vor dem Arbeitsgericht in Kiel oerhandelt. Dem Lcibkutscher ist im Dienstvertrag wie auch mündlich zugesichert worden, er solle bei Eintritt der Invalidität eine Pension wie ein Hofbeamter erhalten. Am 1. Juli Z9M wurde dem Kutscher gekündigt. Es wurde ei» Protokoll aufgesetzt. Darin heißt es: 's wird dem ehemaligen Leibkutscher gegen jeweilige Vorlage eines H bensattestes ein« monatliche Pension von 109,50 M. in Gnaden gewährt. Damit sind alle Ansprüche abgefunden." Die Pension entsprach einem Goldmark wert von 1 l, 1 0 M. bei Abfassung des Protokolls. Diese unveränderte Papicrmarkpension wurde ausgezahlt bis zum 31. Dezember 1 Z3. Der Prinz zahlte also dem fünfundsechzigjährigen Kutscher bü einem Papiermarkstand von einer Billion für eine Goldmark 1 0,50 M.(Papier) Pension. Damit der alte Leibkutscher nicht»er- h ngerte, war er gezwungen, eine Stellung als Nachtwächter u f dem prinzlichen Gute anzunehmen. Bis zum t. Oktober 1028 zahlt« der Prinz keinen Pfennig Pension an den ehemaligen Leibkutscher. Auf Anfrage wurde ihm immer v ieder gesagt, er solle abwarten, augenblicklich liegen die Pro- z sse. Am 31. Oktober 1928 wurde der Kutscher endgültig aus dem prinzlichen Dienst entlassen und bekam nun eine monatliche Pension von 100,50 M. Der Leibkutscher beanspruchte aber«in« Pension in Höhe von 151,75 M und vor ollem die Nachzahlung der Pension für d'e Zeit vom 1. Januar 1924 bis zum 31. Oktober 1928. Das Arbeitsgericht in Kiel hatte ihm eine monatliche Pension r> o n 1 2 0 M. zugesprochen und außerdem auf«ine Nachzahlung von etwa 1 2 0 0 M. für die Zeit vom 1. Januar 1924 bis zum ?l. Oktober 1928 erkannt. In diesem Urteil ist sehr stark die „schlechte" Vermögenslage des Prinzen berücksichtigt worden. Auf Nachzahlung des Pensionsbetrages für die fünf Jahre ist nicht in voller Höhe erkannt worden, well der ehemalige Leibkutscher ja als Wächter gearbeitet und verdient hat. Gegen dieses Urteil hat der Prinz Berufung«inlegen l'fsen. Er will rnißerslande sein, die 20 M. mehr im Monat für den s'bziajiihrigen Kutscher zu zahlen. Die Berufung des ehemaligen L'ibkulschers stützt sich auf die Nachzahlung der Pension in voller Höhe und auf die Erhöhung der Pension. Das Landesarbeitsgericht hat sich nicht zu einem l'�teil entschließen können. Es machte folgenden Vergleichs- Vorschlag: Der Prinz zahlt dem Kläger für die Zeit vom 1 Januar 1924 bis zum 31. Oktober 1928 noch einen Betrag von ? 00 M. nach. Die vom Arbeitsgericht festgesetzte Pension in Höhe > m 120 M. im Monat bleibt bestehen. Damit sind die Forderungen d.s Klägers erledigt. Beide Parteien sollen sich bis zum 28. März Über Zlnnahm« oder Ablehnung des Vergleichsoorschlages entscheiden. Lehnt eine der Partelen ab, so soll über die Vermögens- läge des Prinzen Beweis erhoben werden. Die pleite des„Zndustrieverbandes". Oos„Bureau" ohne Vorsteher und Miete. Die«.K a m p f s r o n t". das Organ der Sonderorganisation «Deutscher I n d u st r i e v e r b a n d" hatte die Eröffnung eines Wirtschastsbezirks Graß-Thüringen mit dem Sitz in E r s u r t, Schlachthosstraß« 12, verkündet, mit einem BezirkslLiter Artur Bartels. Dieser mietete nun ab 1. Januar 1929 ein Bureau- zimmer, blieb die Miete jedoch schuldig. Die Vernüetbrin wandte sich deshalb brieflich an die Reichszentral« dieses Verbandes in Berlin, Jüdenstraße 24. Herr Paul Weyer antwortete, die Reichszentrale habe Herrn Bartels niemals beauftreagt, in Erfurt ein Bureau zu mieten. Habe er dies im Namen des Verbandes getan, dann habe er damit rechts- widrig bzw. betrügerisch gehandelt. Derartiges kann vorkommen. In diesem Falle aber hat das Organ des Verbandes am 4 Februar die Eröjfuung des Wirtschastsbezirks, samt Bureau- adresse und Sprechstunden bekannt gemacht, so daß sie auch Hbrrn Weyer in der Reichszentrale bekannt sein mußte. Das ganze Inventar dieses Bureaus, in das laut Bekannt- machung die Mitglieder der Ortsgruppe Erfurt ihr« Perba ndsbeiträge bringen sollten, bestand au« einer langen Barriere mit Tisch, auf dem 12 bis 15 Paket« der„Kampffront" ruhen. Der Herr Bezirksleiter kam alle 14 Tage oder drei Wochen einmal nach seinem Bureau, besah sich die Zeitungspatete und verschwand wieder, bis er dann ganz ausblieb. Niemand weiß wo er steckt, und außer der ihrer Miete nachtrauernden Wirtin frägt auch niemand danach. Diese Episode ist für die„Ausdehnung" der Weyer-Organisation bezeichnend. Achtstundentag in der Zementindustrie. Sine Verordnung des Ileichsarbeitsministers. Ein Fortschritt in der Sicherung des sanitären Achtstundentages ist durch eine soeben erschienene Verordnung des Reichsarbeitsministers über die Arbeitszeit der Zement- Industrie herbeigeführt worden. Der Vorläufige Reichswirt- schaftsrat hatte in einem ausführlichen Gutachten nach eingehenden Betriebsbesichtigungen zu dem Arbeiterschutz in der Kerainischen In- dustrie Stellung genommen. Als schutzbedürftig waren darin ge- mäß � 7 Abs. 2 der Verordnung über die Arbeitszeit vom 14. April 1927 unter anderen auch bestimmte Arbeitergruppen in der Zement- industrie bezeichnet worden. Der Reichsarbeitsminister hat nun- mehr diesem Gutachten Folge gegeben. Nach der Verordnung werden einzelne Arbeitergruppen der Zementindustrie, soweit sie gefährdet sind, dem§ 7 Abs 1 der Arbeitszeitnotverordnung unter- stellt, d. h. es darf die achtstündige Arbeitszeit bei ihrer Beschäfti- gung nur in besonderen Ausnahmefällen überschritten werden. Soweit also in den ununterbrochenen Betrieben Kangschrecken im Aquarium. Das Berliner Aquarium hat in dem Warm räum des Jnsektariums drei sogenannte dürre Fangschrecken au-ge- stellt, die in ihrer Gestalt täuschend wie vertrocknete Blättchen und Stengelchen aussehen; sie führen ihren wissenchoftlichen Namen, der auf deutsch„das verarmte oder bedürftige Gespenst" heißt, mit Recht. Sie gehören wie die nahe verwandten, in einem Eckbe- hälter hausenden Gottesanbeterinnen zu den Fangheu- schrecken und lauern bewegungslos auf kleinere Kerbtiere, die sie mit ihren zu Fangwerkzeugen umgestalteten Vorderbeinen blitzschnell ergreifen: ihre Heimat sind die Küstengebiete des Mittelmeeres. Ein Gegenstück zu diesen Tiersresiern bilden die jetzt in großer An- zahl vorhandenen pflanzenfressenden Stabheuschreckenarten sowie das bekannte W a n d e l n d e B l a t t. All diese Formen sind aber nicht mit den scharenweise auftretenden, Unheil stiftenden Wanderheuschrecken zu verwechseln. der Zementindustrie für diese Arbeiter noch das Iwestchichten-' system in Uebung ist, wird es durch das Dreischichte»» s y st e m ersetzt werden müssen. Falls hierdurch der Fortbestand einzelner Betriebe ernstlich gefährdet wird, kann die allgemein vorgesehene Frist für das Jnkrasttrcten hinausgeschoben werden. Die Wahlen ,n den Hauptbetriebsräten in den Reichs. und Preußischen Staatsministerien haben, wie schon jetzt feststeht, wiederum mit einem vollen Erfolg der s r« i g e w e r k s ch a i t- l i ch e n Liste geendet. Es wurden insgesamt 55 593 guluge«tim- men abgegeben. Davon entfielen auf die freigewerkschaftliche Ein- heitslist« 37 913 Stimmen. Abgesehen vom Reichswehrministerium, wo sie 20 Prozent der Stimmen bekamen, haben die Christen sau gar kein« Stimmen erholten. Die Hauptbetriebsräte werden sich im Laufe des Monats April konstituieren. Sie haben eine fzülle von Aufgaben zu bewältigen. Hoffentlich finden sie bei ihrer Arbeit in den Ministerien wieder das nötige soziale Verständnis. Die Transporlarbeiter'Znternationale hat anläßlich ihre» zehn- jährigen Bestehens am 29. und 30. April eine große Gedenk- f e i e r in Aussicht genommen. Transportarbeiter aus allen Welt- teilen werden nach Amsterdam kommen und an den Feierlichkeiten teilnehmen._ „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Wetter für Perltn: Wechselnd bewölkt, ohne erhebliche Nieder- schlage, Tagestemperaturen etwas höher als bisher, nordwestliche Winde.— Für Deutschland: An der Ostseetüste Schauer, sonst wolkiges bis heiteres Wetter, in Norddeutschland etwas ansteigende Tagestemperawren. Theater der Woche. Vom 7. bis Ii. April. Volksbühne. Xbratet»m BSlo»platz: Trofaner. Theatei am Sch>ssblc?da««: Pioniere in Zngolfiatt.. Ibali« Zbarter: Orlransch. Staatsthealer. Staat,«»«, unter»«»«inden: 7. Mona Lisa. tz. Barbier von Sevilla. Z. Zenufa. 10. Othello. U. Madame Butterfln. 12., 14. Andre Chrnier. 13. Dalkitre. 15. Ter ferne«lang.._„ Staat«»-, a« Platz der Rcpnblit: 7., 13. Carmen, t. Der ffre:s»i-«. »., 14. Der fliegend- Solländer. W. Fidelio. 11. Iphigenie. 12. Höckmanns Erzählungen. 13. Die gled-rmaus.__. Städtisch« Oper: 7., 12. La Serva Patron«.». Der Wlldfchüg.?. Lohrn- grin. 10. Eugen Onegin. 11. Die Hochzeit des isigaro. 1Z. Orpheus und Surndike. 14. ffidelio. IS. Geschlossene Vorstellung.....-___ Schanlpielhau» am Sendarmenmarlt: 7. b-.s 14. Karl und Anna. Zchiller°?h«otrr: 7., 10.. U.«alkutta, 4 Mai.*., 12. Pietra Aretin«. 9., 13., 15. Ocdipus. 14, Der Londoner verlorene Lohn. Theater mit festem Spielplan: D«ntsch«s Theater: Di- lusliacn Weiber von Bindsor.—«ammrrspiel«: Die Ursach«— Di» lt-mödie: Sonn kommsi Du wieder?— Zbcoter>- dcr »öniggräzer Strah«: Rivalen.— Grohe« Schaulpi-lb-n«: Der Aieb- Augusten. - Matropol- Theater: Di» uislige Witwe.- Theaier de,®«st«n<>: 7 «owische vp«r: Don»ettchei: ,u Beuchen.- Deutsches l»unstler-�h:ater. Liebe.—»«rli-ee Th-ai-r: Helden.- Renaiffaner.Tbeater: Das grohc ABC.- Roie-Tb-oter: Drei alte Schachteln.— Zh«->er in der lUostirst'ahc: N.tichen Gebert.— Tchlohparl-Theatcr Steglitz: ssrllhlmgsmadol.— Plaza, garten, Seal«: Internationales Darieio.■*- Steerhsballen-Theater: s.etllner Sänger.— Theai«: am tiottbuffc, Tor: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. xhanter a» N»il»»l>»r

atz: Revolte im Srziehunashau». 23'? Uhr Nacks» noeliellung: Di- Nacht vor dem Beil.—«omidienhau,: Bis 11. D:c-irel. grofchcnoper. Ab 12. Cbarlens Tante. Nachmittagsvorstellungen. Vollibühne. Theater-m BLlowplatz: 7., 14. Das Mädel aus der Dorslodt. Thalia. Thea t«r: 7., 14. Oelraulch.— Schauspielhau» am S«ndarm«nma:Ii: 14 Dr. ltlaus.— Theater iu der licniggrätzer Straße: 7. Zievo.tc>™5r ziehungshaus.—«oipödienh-u«: 7. Di« Drcigroschcnoper.—«rohe, S-t-n- Ipielhan«: 7.. 14. Der liebe Augustin.— pomisch« Oper: 7.. 14 Don Bett che» zu Beuchen.- Deutsches«S-stlrr.Theate-: 7., 14. Der vrxer-«tfttonv Tbeater: 7, 13., 14 Echnirp? und ltnirps.— Re-alssourr-Theater: 7., 14. Krankheit der Jugend.- Rofe-Theater: 14.. 14', 7 Uhr: Sänfel und Eretel: l?Zä Uhr: Drei alte Schachteln.- Theater 1» dr««loftrrlirahe: 7. 10. 13., 16 Uhr: Dornröschen, lt..>5 Uhr: Dornräsel-cn: 1. Uhr: BU»:e der Dan. dora.- Schlotzpart-Theat«, Steglitz: Der Iurdaron.- Plaza: Interuoi onales Larietd- Wintergaet-n. Seala: 7., 13.. 14. I�r�tepnol's DametO.- Reichahalleu. Theater: 7.. 14. Stettiner Sänger.— Theater am Kottbusser aar. 7., 14. Elite-Canger. Erstausführungen der Woche. Do»»er,tag. Komödienbaus: Elmrlcns Dante.-- Tsreiiag. Staatsoper Unter den Linden: Andre Cbenier.-.Kammer. spiel«: Iuftt.— Theaier in der Stadt: Prozeg Bunlerbari.— «»»»tag. Theater am Dtllowplatz: Josef Uhr vormittag-). Berantwörtlich flir di» Redaktion': Frao,«lieh,. Berlin: Anzeigen: Th.»locke. Berlin,»erlag: Borwäms Bcrlag Berlins neueste große| Revue-Posse „Von Bettchen zu Bettchen!" La dien ohne Ende in 15 Klldem I tionntag S'i Uhr Voils.ändi». Vor�tlluni 711 Weinen Pre sen Virvsrkam onnmerDr. aedtln. Knatrlner PimlM Ahx. aota-aa TJq'ich 5, 815. Sonntag 2, 5, 8" INTERNAT. VARIETE | Karlen>s Tage n> rorant{ Renaissance- Theater ti-edead-exste 6 Tel. Steinm. 901 u. 2563 84 S'/4 Uhr lieber 100 Meli#'/< Uh' Max Pallenborg ..Das große ABC von Marcel Pacno Reg 6osi. Hanang. laPremlerenbeslip. Stg. nachm. 4Uhr: tzpantztioll 0. Jurenfl Theater a.KotibusserTor nottnauai SU. 6. fei. lapi. 18077 AUabendlidi S Uhr ■ach Sonniags nachm. 3 Uhr Jubiläums-Programm unier der Devise jÄ] Elite- Sänger Voittsollbne fnitif aaBiliviilsti 8 Uhr Trojaner idealer am sciltnineniaan 8 Unr Pioniere In Ingolstadt Thalia- Theater 8 ehr Oeiransch Staat). Sdiiller-Ik- 8 Uhr Oedipiis Jie homOdie 1 1 Bismck. 2414/7516 S'U U.. Ende geg. 10 Wann kommsi du wieder? Komödie von S. Maugham Regie Gustat Oründgens Hammerspieie j. I..Norden 12)10 l'hU, Ende geg. U Tum ZS. Male DieDrsacbe Schauspiel v Leonhard Frank Regie: Han«-eppe. Mllldtt meai« l>. I. Norden>2 310 I U. Ende nach lu>.« Die lästigen Weiber m Wiidsor von Shakespeare Regie Heinz Hilpert r Gr. Schauspielhaus 8 Künstlerisch ERIK CH Metrgioltbeiln 6 e i. c( t n n c t ARELL Dee liebe Augustin ron Barnauar u. Wellseb Alfred Braun Mady Christians Trade Lieske Sieirlr. Arno Paal Morgan Paal Westermeler (jastar Hatsner Maritnns Winkalatarn Iwan Orllk| Buddeibumi Lalli Flrtar|Hsw« Sommer Sonnti nachi sr 3 Uhr imgekärzto Vorsiellimg Kleine Preise Trade Hesterberg Oskar Karlwals Usehl Bllsott W. Jankuhn N. Junkarmana W. Gehaaffars _ Frlsco_ Beairty Blrla| Coreedianboy» Aasstatt an gen: Prof. Ernst Stern. Masik. Leitung: Ernst Haahe Badoll Pcmk- Xen aaf Elel« trnf n WDWWWMWW S'TTfiKai ram Sdiltlhauerdamm. Norden 1141 u.281 Pioniere in Ingolstadt (Soldaten u üiens mädchen) vMarielulseFIciOer Regie: Jakob QeiB. Bühnenbilder X a, p a r Nebe r rnäTia-lfteater iresdeoer dir. 72-7. 8 Uhr „Oelraascir .ustspleldaur 81/4 Uhr Guido Thleiseher WiekeBd i» Paradies imm I* OlrektHelm Hera.c 2aarla..eiitira•« w A. 7. Oflnhoff 170 Anf. 8 U, Ende 10 U. Helden von Bernard Shaw inanon-Th. r:* Uhr onntags 4 u S' e U Oer Herzog und die sanderin DUch. kOnstlar-Ta. «■'4 um Pottascft und Perimuaar aisaetekuv Paal Gr Hz, Karl Ehlia�er. ose-Thea tei ir.fmilirt« 51.131 d'.it Uhr l7li>iIiZlj>3ÄeIl' 12 Uhr: wie tesseie ich meinen Mann 1! 8',. TtMter des Westens Sonnlag« 3Vi unb 8' 4 Uhr Oer größte Erfolg verlin« Friederike Musik von Lahae Erika v. Thetlmann Karl Ziegler, Stoatsoper Wien AmSedi. Koro. SeepermottTi, Her. flassc ununlerbr. 8MMM.SMB.71Sa Kleines Imm räglicn kP/4 Jh. Curl Goetz Valerie v. Mortem Ferd,». Alles in „Trio" Lustsp v. Leo Lenz. Regie: FricdmaaB- Frederich. earnawslij-Sohnki! Theater m der Oniggrdtzer Stra&e T"Tuch S1'* Jtif Riva 1 en Komödienhaus Täglich* Uhr Die üre;-!im465- Owt i neaier am .tollBndorfplat] Tätlich SVs ühi Bevolte Im ErzleUunashags Lessing-Theater Täglich 8 Uhr 3 x Hochzeit Planelarinm — am Zoo <»•«•. luaiaini cr mi- NoII,.I578 I6V4 Uhr Sterakliant du FrOhJahr» IS1;« Uhr ttarnblldai und Waltbsu 20''4 Uhr Wunder du tödlichen«in, male Tägl.auSer Montags u Mittw. Erwachs 1 MR.. Kinder 50 Pt Mitiw.; Erwachsene »Pf.. Kinder 25 PL Sonntag, den 7. April »»Mm. s Dur 3 um• Zentr. 2819» Baaffioo oriaolit� DOOGE TWINS Die berflhmfen Reroe« Zwillinge C BERN ARD&RICH| TanisntsaUai HARU ONUK1 JapanlMkc Opern-Div« und weitere internationale Variete'Berflbmtbeitecj BonnaSond und Sonntag 1« 3 Voratollungon 3" und 8 ÜHr. 3® kleine Preife. »"•�CASINO-THEATER" � LotrtrvB�cr birai»c 37, Oer neue schlagen „Eine unoelieDte frau" und ein erstklassiger bunter Teil. FOr unsere Leser Gutschein Iflr 1-4 Pers. Fautcuil hur 1 15 M-, Seist 1.65 M. Sonatige Preist Parke. t u. Rang OAD Mk Relchshailen-Thealer lks.[5 Ikr. Sanawa kaHua.|T| llöi SteUtner sanger Bas trmrtervoüo April- frogramm I Nachm. halbe Preise. Dönhoff- Brettl; 10 Nummern! loBiin x tibi. (Beilage Sonnabend, 6. April 1929 SmAbpnd SfroJairtCn?*(�tScHzW� dn drei Tagen um die halbe Well! Sin Steiseberichl von zu können, lebte? Tauchte der Traum deshalb immer wieder auf, weil die unbewußte Sehnsucht in den Herzen wohnte, den Blick weiter spannen zu können, um so mit(Seift und Sinn das unend- liche All totaler zu erfassen? Fühlte man die Enge des Gesichts- kreises, der unserem, nur einen engen Raum umfassenden perspek- tinischem Schauen gezogen war? Ewige Sehnsucht— lang« nur ein Raumbild, und nun der Erfüllung nahe! Selbst als ich schon die Einlaidung des Reichsverkehrsministers zur Orientfahrt des Zeppelin-Luftschiffes in den Händen hatte, wollte es mir noch unglaubhaft erscheinen, daß ich zu den Wenigen ge- hören dürfe, die teilhaben an der Durchquerung der Lüfte, die drei Erdteile berühren sollte. Geflogen war man ja schon— hatten doch die ostsächsischen Genossen sich des Flugzeugs bedient, um von oben herab im Jahre 1324 sozialistische Propaganda zu treiben. Damals das Flugzeug im Dienste des sozialistischen Gedankens. Und heute? Man wußte, daß eine Fahrt im Luftschiff ein ganz anderes Erlebnis bedeuten würde. Im Gegensatz zum Flugzeug, das sich nur dank der Motorenkraft und nur für verhältnismäßig kurze Zeit in der Luft halten kann, wird das Luftschiff durch das in der Hülle bewahrte Gas getragen, durch die Motorenkraft regiert, unter- stützt durch mechanische Handhabung der Höhen- und Seitensteuer. Es kann 10 003 bis 12 000 Kilometer ohne Zwischenlandung zurück- legen, Raum und Zeit überwindend. Abfahrt. Kannte man den Zeppelin bisher nur aus seinem weichen, fast grazilen Dohinschweben in der Luft, so mutzten im Augenblick, als sich gegen Mitternacht die riesige Hall« in Friedrichshafen uns öffnete, die ungeheure Größe, die gigantischen Ausmaße des Schiffes «ufs stärkste beeindrucken: Kaum kann die Riesenhalle den Körper aufnehmen— an einer Stell« beträgt der Abstand zwischen Hollen- decke und Schiffswand kaum 60 Zentimeter! Noch einigem Warten in der durch Deckenbeleuchtung gespenstisch mit gelb-grünem Licht erhellten Halle dürfen wir dos Schiff besteigen, die Passagiergondel betreten. Ein freundlicher, geschmackvoll ausgestatteter Raum nimmt uns auf. Nichts möchte man sich entgehen losten— also sofort an das breite Fenster. Befehle ertönen, die Hilfe von Hunder- ten bringt den Koloß in Bewegung. Allmählich werden die Sand- sacke entfernt, jetzt halten nur noch hunderte Hände an den längs des Schiffes entlanglaufenden Holzstangen den gigantischen Körper. das Schiff wird ausgewogen— es ist etwas.zu schwer, etwas Wasser wird abgelassen(ein Hebekdnick entfernt 3S0 Kilo): Hunderte fasten die Halteseile an beiden Seiten, unterstützt durch eine auf Schienen laufende, an dickem Seil befestigte Rolle, und rasch sind wir draußen auf dem Felde. Aber noch stellen die helfenden Menschen die Verbindung mit der Erde her. Jetzt ist der Moment höchster Spannung da: die letzten Seile fallen zu Boden, das Schiff schwebt frei in der Luft! Herz und Atem l'ehen für einen Moment still— ich schließe die Augen und gebe mich dem Gefühl sanften Dahinschwebens hin. Erst allmählich weicht die ungeheure Spannung, um Raum zu geben einem unbeschreib- lichen G ücksgefühl: Der Wunschtraum ist erfüllt, ich schwebe im Erdenraum, all« Grenzen sind entrückt, menschliches Genie schuf die technischen Boraussetzungen zur Erfüllung. Soll es in Zukunft nicht stark genug sein, um nicht nur natürliche Hinderniste zu über- winden, sondern auch die künstlich errichteten Schranken nationalistischen Unverstands zu beseitigen? Noch spukt dieser Ungeist auch in unser Unternehmen hinein: England erlaubt nicht, daß man ägyptisches Festland überfliegt, nur die nordafrikanische Küste mit ibren Leuchtfeuern sehen wir von fern blinken: Frankreich ge- stattet uns als Tor zur Ausfahrt nur ein bestimmtes Gebiet, öhn- liche„Berboten'-Schildern halten uns bei vielen schönen Punkten des Mittelmeeres in der vorgeschriebenen Respektsentfernung. Niemals konnte der Widersinn nationalistischer und militärischer Denkweise kläglicher erscheinen als in diesem stolzen Flug durch die Welten! Aber nein— vom„Flug" darf ich ja nicht reden, es fliegen nur die Flugzeuge, das Luftschiff fährt! Die Luftsch'sf- teilte legen Wert auf diese Unterscheidung— und mit Recht. Ich kenne kein anderes Verkehrsmittel, in dem man so ruhig und sanft befördert wird, als im Luftschiff. Selbst in den Momenten — und sie setzten gleich in der ersten Nacht vor Lyon in Frankreich ein— in denen das Schiff mit heftigstem Sturm zu kämpfen hatte, waren keine starken Stöße fühlbar. lleber?rankre ck und Iia�en. Dennoch war Dr. Eckener gewiß froh, als ihm dos nahende Morgengrauen die ersehnte Sicht brachte. Morgens fünf Uhr schon war man wieder aus der Schlafkabine heraus an das Fenster der Passagiergondel getreten, damit der Blick so viel als möglich auch von Frankreich erhasche! Das Land, mit dem Deutschland manch' blub'gen Wasfengang gehabt, besten Sinn den Dölkern stets v«r. borgen blieb, und dessen Gefilde, sorglich gepflegten Aecker— meist in kleiner Parzellierung, Kleinbauern gehörend— freundlich zu uns herauf grüßen. Hier vi« ersten blühenden Obst- bäume, die noch dem langen ermüdenden Winter unendlich erfrischen. Jetzt endlich arbeitet sich auch d'e Sonne durch, um uns das bunt« Bild von Marseille mit seinem materisthen Hafen im vollen Glanz erstrahlen zu losten Menschen eilen aus die Straße, auf die Dächer, französisch« Menschen winken dem beut- fchen Luftschiff begeistert zu. Warum uns alle ein« so unen-llche Fl«ud« erfaßt?- In mir wird es unbeschreiblich herter, well ich Zeuge sein darf, wie nah sich Menschen— trotz entgegenstehenden Willens von Regierungen und Mächten der Finsternis— kommen können durch die gemeinsam« Bewunderung der gigantischen Leistungen menschlichen Geistes. Und diese Heiterkeit verließ uns nicht mehr auf der ganzen Reife, leuchtet noch heut« in den Alltag h-'nein. Selbst die Sonne ließ sich erweichen, leuchtete uns hinaus über die Fluten des Mittelländischen Meeres. Die beiden kommenden Tage waren eine so reiche Fülle eigenartigster Ein- drücke, daß ich noch jetzt ganz davon benommen bin. Was war das schönste? Frage, die nicht beantwortet werden kann. Eine stete Steigerung. Bon Rom beginnend, mft seinen deutlich ficht- baren Zeugen herrlicher antiker Baukunst, dem gewaltigen Kolosse- s um, dem Forum Romanum, der Cngelsburg und dem Kapital, wo � Tausends von Menschen die Straßen belebten, im Tücherschwenken wetteifernd mit der eindrucksvollen Begrüßung durch große Scharen aufsteigender Flieger: und in einem Telegramm Dr. Eckeners hul- digten Mannschaft und Passagiere dem Genius der ewigen Stadt und grüßten das italienische Dolk.(Man merke: Weder dem Duce, noch dem König ward gehuldigt!) Nach einem langen Weg über die Pontinstchen Sümpfe hin- weg, noch rasch vor Sonnenuntergang über den Golf von Pozzuola auf Neapel zu mit dem gewaltig rauchenden Besuv über der Stadt. Nachtschatten breiten sich bereits über das liebliche Capri, die glückliche Insel, die Wärme und Licht und Gesundung spendet. In dunkler Nacht schwebt man über den Stiefel der Apenninen- Halbinsel(Italien) ins Ionische Meer: erst frühmorgens erscheint die wikd-schöne griechisch« Insel Kreta, sagenumwoben und einst viel umstritten von Hellenen, Römern und Türken. Hohe, schnee- bedeckte Gipfel grüßen herüber, in den Tälern gvasen Ziegen und andere Tiere— hier wie überall auf dem ganzen Weg— in wildem Jagen vor dem sich mit donnerndem Getöse nahenden, nie gesehe- nen Riesen-Raubvogel, davon! Bon der Insel Cypern, an der nach der Sage die Liebesgöttin Aphrodite dem Schaum des Meeres entstiegen, müssen wir uns auf Wunsch der englischen Besitzer fern- halten, ihr gilt unser letzter Gruß, ehe der Kurs auf Palästina ge- nommen wird. Wir schweben über Palästina. Der eigenartigste Abschnitt unseres Erlebnisses sollte an uns herankommen. Das aste Europa grüßt das noch ältere Asien! Wie ein Traum erscheint noch heute das Auftauchen der ersten polästinänzischen Häfen, Haifa, dann Jaffa mft der neu. erstandenen, von mutigen Siedlerpionieren errichteten, modernsten orientalischen Stadt Tel A w i w. Unbeschreiblich die Begeisterung der Bevölkerung, großer„W!llkommen".Gruß winkt vom Boden des Sportplatzes herauf, bunte Lichter und Girlanden leuchten, ja, das ganze Land tönt von Freude. Man ahnt nur die Größe beider- fettigen Erlebnisses... Kann Eckener nicht die Seile herunter» werfen, landen lassen? Unten stehen doch die jüdischen Turner zur Arbeit bereit— die Menschen von oben und die von unten möchten so gern zueinanderkommen: sicher ist es auch Eckeners stiller Wunsch. Aber hier erlebte man die Größe und Zuverlässig- keit des Führers. Er opfert auch dem brennendsten Wunsch des Augenblicks nicht die Sicherheit der Menschen und des Schiffes. Schon ftst es düster, und im Nu'auch dke dunkle Nacht des Orients um uns. Jerusalem ist bereits in ttefstes Dunkel gehüllt, nur die Lichter blinken, die Flammen schlagen aus den zu unserer Be- grüßung errichteten Scheiterhaufen empor. Noch schallt der Jubel der Menschen in unser Ohr— und schon sind wir in raschem Gleiten in die Nacht hinaus ge'angt: der Mond, den wir vorher in rotglühendem Licht haben aufsteigen sehen, ist verblaßt und ge- Jan ffieek. Im Verlag„Der Bücherkreis" ist soeben ein neuer Roman von Karl Schröder erschienen: Die Geschichte Jan Beeks Das Thema des Buches ist die deutsche Revolution, ist d!« Ge- schichte eines simplen Arbeiters, der aus dem Krieg« kommt, nichts als arbeiten will, keine Arbeit findet und in den blutigen Strudel der politischen Kämpfe hineingerissen wird. Dieser junge Tischler Jan Beek wird, wie viele seiner Genossen, vom Schicksal auserwählt, sich selbst aufzugeben, seine Familie zu verlassen, sein« Freunde zu ver- achten, die Welt nicht mehr zu verstehen und tragisch zu scheitern. Zum erstenmal steht im Mittelpunkt eines politischen Romans ein Arbeiter, ein Zweihänder, der sich mit schmerzlicher Leidenschaft nach Gerechtigkeit oerzehrt, wenn auch diese Gerechtigkeit gläubiges Unrecht wird. Zum erstenmal werden die Bruderkämpfe der beut- schen Arbeiter so geschildert, wie sie geschildert werden müssen: mit tiefer Einsicht in die Struktur der Gesellschaft, in die Relativität der Dinge und mit jener liebevollen Klarheit, die nur die Verbunden- h«it und Alemnäh« mit jener Zeit geben kann. Jan Beeks: das bist du, das bin ich, das ist seder, der in den letzten zehn Jahren nicht nur Thesen entwarf, nicht nur Leitartikel schrieb oder Gedichte machte. Der in einem hinreißenden Stil geschriebene Roman zerstört mit grimmiger Lust das saudumme Gelcbwötz der Kafleehousliteraten, die immer noch versichern, die deutsche Revolution sei überhaupt keine Revolution gewesen, sondern nichts als Hilflosigkeit oder schneller Verrat hemmungsloser Kleinbürger. Jan Beek: wir verfolgen mit Herzklopfen seinen Weg. Wir erleben die Erstürmung Lichtenbergs, wir marschieren im Trauerzug der Zweihunderttausend durch Berlin, wir sitzen mit in den ver- räucherten Hinterstuben der Kneipen, wir erleben die Revolutton im Menschen selbst, seine Entwurzelung, sein« seelisch« Umschichtung, seine Spaltung, seine Liebe und seinen Haß Wir sehen die Städte mit neuen Augen, wir sehen das Land mit neuen Augen. Die Erplollon alter Ge'etze. die Lavaguelle neuer Formgestaltung: das alles sehen wir. Wir kind ruhelos wie Jan. gehetzt wie Jan, wir sind aläub-q wie Jan und fahren als politischer Flüchtling mit ihm nach dem Osten, nach Sowjetrußland. Karl Schröder schildert ni-t-t nur einen Menschen und seinen Weg. er schildert mit großer Gewalt auch die Zeit, durch die jener Weg wie«in« leuchtende Spur geht. Schröder ist gerecht das heißt: er kennt die Zeit, diele tausendfach»errissene Zeit, die ihre Splitter auch in urssere Herzen iaat. Ein Menlch und seine Zeit wird ge- s�i'dert. Kratt und Schwäne Hingabe und löaß: dos alles schallt z'-sammen in dem phantastischeit Roman wie ein donnerndes Echo. Das Echo baben wir alle erlebt und wir zucken doch zusammen, wenn es Schröder noch einmal zusammenballt und übet seinem, über unserm Freund zusammenkrachen läßt. Jan kennt am Ende die Revolution und ihre grausamen Gesetze nicht mehr. Er hat die Ende unter den Füßen verloren. Er kommt aus Moskau zurück, ist immer noch berauscht und will die schlafende Welt mit einem Donner aufwecken. Er sprengt einen Eisenbahnzug in die Luft und wacht dabei selbst die groß« Himmelfahrt mit. Max B»rthel. spenftisch liegt sein matter Schein über dem leblos düsteren Toten Meer, das?96 Meter unter dem Rieeresspiegel liegt, dessen Wasser so stark salzhaltig ist, daß kein Schiff, kein kleiner Kahn daraus fahren kann. Tot liegt dies Meer in einsamer, verlassener Landschaft. Das Luftschiff senkt sich, geht bis 1SK Meter unter den Meeresspiegel hinab, es ist, als stiegen die Gespenster der Gegend zu uns in die Gondel, doch in wenigen Minuten sind die Gespenster gebannt: schon haben wir uns wieder 1200, 1500 Meter über den Meeresspiegel erhoben. Das östlichste Ziel der Reise ist erreicht, schon denkt man mit leiser Wehmut daran, daß die Heimreise beginnt. Bald leuchten auch die Lichter von Port Said aus: Das gelobt« Land Aegyp- ten, dos wir nur aus der Fern« sehen, aber nicht überfliegen dürfen! Im Sturm zurück. Im Morgengrauen des dritten Reisetages erscheinen die ersten griechischen Inseln wieder vor uns— Europa ist wieder erreicht! Athen, die historienreiche Stadt des alten Hellas liegt verschlafen zu unseren Füßen, unser Kurs geht auf Konstantinopel. Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ew'ger Bund zu flechten...---- Eckeneis feine Witterung erspäht trotz des Fehlens der Wetter- Meldungen vor uns liegenden schweren Nordwestwind. Wieder zeigt sich der ruhige, nicht ruhmsüchtige Führer. Er geht, etwaige Enttäuschungen nicht achtend, kurz entschlossen den Hindernissen aus dem Wege, das Schiff kehrt um: und wieder erscheint die griechische Hauptstadt Athen, diesmal in Sonne getaucht und von jubelnden Menschen belebt. Dicht über der Akropolis fahren wir dahin, so daß man di« auch noch in ihren Trümmern ergreifende Kunst der Antike bewundern kann. Wie richtig Eckener gehandelt, zeigte bet Sturm, der uns bis zur Ankunft nicht mehr verlassen sollte. Aber doch wurden wir reichlich entschädigt für das ausgefallene Konstantinopel mtt der Dardanellen-Straße und dem Schwarzen Meer. Brld taucht Albanien auf mit seinen schwarzen, drohenden Bergen, die höchsten Gipfel mit Schnee bedeckt: mit ihrer ganzen Kraft leuchtet die tiefblaue Adria tröstend und erheiternd zu uns herauf, die dalmatinische Küste offenbart erst von oben gesehen ihre ganze märchenhafte Schönhett. Obwohl nur selten die Sonne durchbricht, verliert das Land nichts von seiner heiteren Lieblichkeit. Doch welch' ein Kontrast, wenn nun in der Dämmerung die Luftschiffleitung sich entschließt, kurz hinter Spalato die b o s n i- schen Berge zu durchqueren, um über Preßburg nach Wien und heimwärts zu fahren! Wohl kann man im Zwielicht noch der Spur der Eisenbahn folgen, trotzdem dicht daneben hohe . Bergesgipfel emporragen, es leuchtet noch der weihe Schnee in den Bergfalten. Doch nun kommt schwärzeste, düsterste Nacht, mir Fetzen von Schnee erhellen zuweilen einen raschen Einb'ick in wildestes Bergland, hohe Gipfel ragen dicht aneinander, dazwischen schlängelt sich das Schiff durch— wie kann es gelingen, trotz dichten Nebels und entgegentosenden Sturmes den Ausweg zu wittern? Während wir die Augen durch das Fensterglas bohren, um nickts zu verlieren vom Anblick dieser abenteuerlichen Landschaft, die s o vielleicht niemals eines Menschen Auge erspähte, ringt man in der Führergondel mtt den losgelassenen Elementen. Man hä t für Momente den Atem an: Wie wird's gelingen?— E s ist gelungen! Der vielleicht interessanteste Abschnitt der Rcise ist gut zurückgelegt. Heimkehr. Die Wiener Freunde, ihnen voran unser Genosse Bürgermeister Seitz. sind enttäuscht, daß das Schiff, kaum sichtbar, in grauer Nacht nur sacht vorüberhuscht: auf deutschem Boden winken uns die Er- wachfenen, rufen uns laute Kinderstimmen den Willkomm-Gruß zu. Friedrichshafen erscheint, ein kurzes Kreuzen über dem Bodensee, schon fallen di« Seile, in wenigen Minuten ist das Schiff in die Halle gebracht. Man möchte nicht aussteigen! Ist der schöne Traum schon zu Ende? Nein, er ist nicht zu Ende! Dies starke Erlebnis wird immer in uns lebendig bleiben. Und andere werden AeHnliches nach un: erleben dürfen. Es ist, als könne sich der Blick derer, denen so einmal vergönnt war, in solch' ungeheuren Wetten zu schauen, denen gegenüber unser kleiner Lebensaueschnitt als so wenig belangvoll erscheint, als könne deren Blick nicht mehr verengen, als könnten sie nie mehr kleinlich wenden. Und wer den Widerhall hörte, den die vom„Graf Zeppelin" hinausgetragene Botschaft empfing, wem die ungeheure Freude entgegenschallte, die die Völker aller Nationen dem deutschen Boten der Völkerverbrüderung entgegen- riefen— der kann niemals mehr verzweifeln an dem schönen großen Ziel unserer Bewegung Die trennenden Wälle niederzureißen. die Völker einander näher zu bringen und zu versöhnen. Freilich dürfen wir uns dabei nur auf unsere eigene Kraft verlassen, nicht auf die der Herrschenden. Für diese ist es charakte- ristisch, daß sie wohl bereit sind, Millionen bereitzustellen sür Flug- zeuge: Flugzeuge, die die Instrumente des kommenden Krieges zu sein bestimmt sind. Wenig Sympathie hingegen haben sie für das Luftsch'sf, das im Kriege völlig unbrauchbar ist. Könnten sich doch die Flugzeugführer, die um ein leichtes einige tausend Meter höber als die Luftschiffe fliegen können, keine schönere Zielscheibe den'en, als das breit dahinfchrende Luftschiff, das mit der Entwicklung der Flugtechnik endgültig aus dem Arsenal brauchbarer Kriegsmittel ausgeschieden ist. Das Luftschiff hat ein« völlig andere Mission: Nicht den Tod hinabzuschleudern in die Sied'ungen der Menschen, sondern ihnen Grüße bringen der schaffenden Völker, sie einander nähern: nicht nur in den Lüften nein, auch auf Erden können die Wälle überwunden werden. Ein Schweben durch die Lüfte zeigt, wie die Well so klein, wie di« Erdteile einander nähergerückt sind. � Laßt uns endlich daraus die Folgerungen ziehen! Und zum Schluß nur«in Wunsch: Möchte e; vielen unserer Genossen vergönnt sein, ein« ähnliche Luftreise erleben zu dürfen. Sie können sich dem Luftschiff in Ruhe anvertrauen, werden sich nicht als Helden vorkommen und in dem Gefühl der Sicherheit der Fahrt— insbesondere wenn Eckener und seine derzeitigen Helfer die Führer sind— Eindrück« ganz neuer Art erleben, die nichts im Leben ihnen mehr verlöschen kann. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. Bh Tfomsn. von UerHujoCron-Bai Zeic/vTimger-L wn Acloff lefinert (42. Fortsetzung.) Dann wollte er die Verfolger verwirren. Vielleicht war es das best«, sie weit von ihrem Hause fortzulocken? Er hatte das Gefühl, daß es glücken mußte. Wenn nur seine Hand nicht geschwollen wäre! Der ganze Arm wurde dick, und er hatte Schmerzen in der Armhöhle. Das beachtete man jedoch nicht, er hatte sich so oft in die Finger geschnitten. Er durste nur an eines denken: an die Reise gen Norden. Wenn er nicht unaufhörlich über den Hunden war, fielen sie sofort tn Schritt. Das ging nicht an. Er mußte vom Schlitten springen, neben sie laufen und sie alle prügeln, ober er selber wurde bald müde, und seine Hund« erschlafften wieder. Als er in die Nähe des Fjords kam, sah er dos Tis vor sich: aber es waren einzeln« Schollen, die ihm zeigten, daß er noch weiter hinaus mußte. Er beschloß aber doch, auf die andere Seite, die Nordseite, hinüber- zugehen, ehe er sein Lager aufschlug und schlief. Es war immerhin sicherer, das Land, in dem die Verfolger sich aufhielten, hinter sich zu wissen. Aber es sah aus, als sollt« es lange dauern. Die Schnelligkeit wurde immer geringer, und er hatte keine Kraft mehr, die Hunde anzutreiben. Plötzlich trat indessen eine Veränderung ein, die Hunde witterten irgend etwas. Sie hoben die Nasen und zerrten an ihren Strängen. Schneller ging es, und Zwar in der rechten Richtung. Mola glaubte, sie hätten Renntier« gewittert, und begann sich auf den Fang zu freuen, aber sofort wurde seine Fangfreude wieder niedergeschlagen. Seine Büchs« war ja unbrauchbar. Die Hunde liefen immer schneller, Mola mußte sich auf den Schlitten festhalten, und bald kam die Erklärung. Drei Schneehäuser tauchten auf. Erst jetzt hielten die Hunde an, und viele Menschen strömten heraus, um ihn zu empfangen. » Lls sie zum Schlitten kamen und sahen, wer es war, wurden sie etwas oerlegen. Mala war gefangen, das wußten sie alle. Aber � manche hatten gesagt, er solle gehenkt werden, andere, er hätte Freundschaft mit den weißen Männern geschlossen und lebte mit ihnen zusammen. Sie wußten nur, daß seine Stellung groß war. Er suhr mit ihren Hunden und jagt« mit ihren Waffen und saß mit dem Sergeanten am Tische. Man wußte jedenfalls nicht sicher, ob Mala ein geschlagener Mann oder ob er einer war, den man zu fürchten hatte, wenn seine Sache abgerechnet wurde. Malas Plan war sofort gesaßt. Er sprang vom Schlitten. „Man kommt her. denn die Polizei ist auf der Reise. Ich bin auf dem Wege nach Norden und fahre voraus, um Schneehäuser zu bauen, so daß sie gleich abends einziehen können, wenn ihr« Tagesreise beendet ist. Gebt mir Hundefutter und laßt mich ein wenig bei euch schlafen. Ich muß schnell weiter und kann nicht lange hierbleiben." Sie gingen in das Haus eines der Männer, der letzten Sommer bei den Walfängern gewesen war und Mala blind gehorchte. „Ein paar von meinen Hunden sind müde, man wünscht sie hier zu lassen. Leih mir drei von den deinen dafür, bis ich wieder- komme. Zum Dank will ich dir bei meiner Heimkehr Tabak geben." „Meine Hunde sind die deinen, nimm, was du wünschest," sagte der Mann, und damit war die Sache erledigt. Es wurde Fleisch gekocht, und Mala aß viel. „Man wünscht, daß die Hunde gut gefüttert werden, aber doch nicht stark. Wenn sie zu viel bekommen, können sie morgen nicht weit lausen, und ich will landeinwärts, um Renntiere zu sagen." Sie plauderten ein wenig, und Mala merkt«, daß sie nichts von der Ankunft des Inspektors gehört hatten: sie kannten nur den Sergeanten, die Konftabler und Mala aus der Zeit, da er die vor- nehme Stellung im Hause der Polizei eingenommen hatte. Gerissen war er. Niemand sollte ihn fangen, und er begann, seine Büchse zu putzen. Er saß still da und wischte sie innen und außen ob, und sie unterhielten sich über seine Waffen, bis er sie veranlaßt«, ihm ihre Büchsen zu zeigen. Eine war dabei, die zu seinen Patronen paßte. „Nun," dachte Mala,„die will ich rauben. Wenn sie auch älter ist, so ist es doch eine Büchse. Ich muß die Waste haben, dann komme ich durch." „Wo gedenkt ihr hinzuziehen?" fragt« Mala.„Und wo kommt ihr her?" „Oh, im Norden sind wir bei Tajarnak gewesen und haben Fuchsfang getrieben, jetzt wollen wir nach dem Haus der Polizei, um mit unseren Fellen zu handeln. Wir sind von dem heftigen Un- weiter überrascht worden, aber morgen reisen wir und können bald dort sein." „Tut das nicht," sagte Mala,.chenn der Sergeant ist auf dem Wege hierher. Er wünscht Hundesutter und wird sich sehr freuen, bei euch schlafen zu können. Ich verließ ihn und zwei von den anderen in dem heftigen Schneesturm, sie zogen heim, um besseres Wetter abzuwarten, und in wenigen Tagen werden sie hier sein. .Sie brauchen Hilfe, um über den Fjord zu kommen, und sie werden euch gut dafür bezahlen. Wartet deshalb hier auf sie." Seine Wort« waren klug und verständig. Di« drei Familien beschlossen zu warten. „Meine Hand ist krank," sagte Mala,„seht, wie dick sie ist. Rote Streifen den Arm hinauf." Ein erfahrener alter Mann sah sie an. „Bleib liegen mit der Hand. Geh nicht in die Kälte hinaus. sondern lieg gan� still, ich habe Leute gesehen, deren Arme unbrauch- bar wurden, weil die Seele den Leib durch«ine Wunde verlassen hatte, dt« sie sich in den Finger geschnitten hotten. Warte lieber hier, bis die Seele ihre Wohnung in der Hand aussucht, sonst rächt es sich, und du kannst daran sterben." Aber Mola wollte nicht warten. „Es ist keine Gefahr: aber es ist dumm, daß meine schlechte Hand die Büchse nicht recht hantieren kann. Leih mir deine," sagte er zu dem, der die chm passende Büchse hall«.„Mit deiner Büchs« kann ich leichter schießen. Sie ist weniger schwer als meine. Du kannst dafür diese behalten, bis ich wiederkomme." Man sah verwundert auf.- Eine merkwürdige Idee. Aber Mala war kein Mann, dem man nein sagen mochte. Der Mann lieferte seine Büchse aus und bekam die Malas dafür. Bald legten sie sich schlafen, aber Mala fand fast keinen Schlaf. Seine Hand schmerzt«, sein Arm brannte und er war besorgt, daß diese Menschen seine Route angeben und den Verfolgern den Weg zeigen würden. Ach, wenn er doch ein wenig schlafen und dann fortkommen konnte! Ein- oder zweimal schlief er ein, fuhr aber bald erschrocken auf. und ehe es hell wurde, ehe noch jemand ans Aufstehen dacht«, war er schon angekleidet, ging hinaus, schirrte die Hunde an und fuhr fort, ehe jemand gemerkt hatte, daß er reisefertig war. In dem Haus, in dem er geschlafen hatte, hatte er mir gesagt, daß er nach seinen Hunden sehen wollte. „Mala ist abgereist. Ein merkwürdiger Mann ist er. Ja, aber laßt uns hier warten, bis die weihen Männer kommen. Mola kennt ihre Gedanken und weih, was sie wünschen." » Mala fuhr quer über den Fjord und weiter nordwärts. Er hatte einen Plan gefaßt, der leichter ausführbar war, und der die Verfolger narren sollte. Die Küste entlang zog er. Es war eine lange Togesreste. Er kam weiter, als die Verfolger kommen konnten. Am Abend aber vermocht« er nicht, ein Schnechaus zu bauen. Die Hand konnte er nicht heben. Er war kaum imstande, feine Felle vom Schlitten zu nehmen, die Hunde ein weig zu füttern und sich zum Schlafen in die Schlafdecke zu rollen. Das Fieber hämmerte in ihm, der Arm schmerzt« und er stand auf und sah sich die Hand an. Sie war blau geworden, sie sah aus, als wäre sie tot, und resolut nahm er sein Messer und schnitt drei große Schnitte hinein, an den Stellen, wo es aussah, daß das Ucbel am dichtesten unter der Haut säße und am leichtesten herauskommen würde. Als er das erstemal geschnitten hatte, muhte er sich vor Schmerz hin- setzen. Er vermochte nicht, einen langsamen Schnitt mit dem Messer zu ziehen, sondern hieb hinein. Es war ein schriller Schmerz, aber das Blut, das herauskam, war mit weißer Materie gemischt. Dann wickelte er sich ein Renntierfell um den Arm und band ein paar Riemen darum, so gut es sich mit der linken Hand machen ließ. Hierauf legte er sich nieder und fiel in einen schweren, trattmlosen Fieberschlaf. Wie lange er geschlafen hatte, wußte er nicht, aber plötzlich fuhr er hoch. „Weiter, weiter," schoß es ihm durch den Kopf.„Die Ver- folger sind hinter mir her. Ach, ich muß fort, meine Knaben sehnen sich nach mir, meine Frauen leiden Not. Bald kommt Mala." Er mußte Feuer unter dem Kochapparat anzünden. Es war gut, daß er den jetzt hatte. Der Arm hing merkwürdig tot herab, schmerzte aber kaum so wie gestern. Er konnte ihn fast gar nicht gebrauchen, erhielt aber doch warmes Wasser und schmierte den Schlitten. Es war eine furchtbar« Arbeit, denn der Kopf war ihm schwer. Er fühlt«, daß er trank war. Er spürte keinen Hunger, nur Durst. Und er trank das Wasser, das übrig blieb und zog dann weiter. Mit der linken Hand führte er die Geißel und fuhr und fuhr. Nach zwei langen, langen Tagereisen erreiche er Tajarnak. einen großen Wohnplatz, und hier traf er Illubalit, der vor ihm geflohen und, wie er wußte, mit der Polizei ausgewesen war, um ihn zu holen. Aber keine Feindschaft war In seinem Herzen. Mala war «in gejagtes Tier. Krank war er und bang«. Aber er wagt« seine Furcht nicht zu zeigen. Er war auf dem Wege heimwärts, heim zu seiner Familie, und er wollte quer über die Landzunge und den gewöhnlichen Weg die Küste entlang fahren. Das erzählt« er mehre?« Mal«. Es war seine Absich, daß man seine Route kennen sollte. „Bleib einig« Tage." sagte man.„Dann bekommst du Be» gleilung, die dir bei deinem tränten Arm helfen kann." „Mein Arm ist nicht krank, ich hob« mich nur etwas geschnitten. Ich bin schwach, weil ich zu viel von der Kost des weihen Mannes gegessen habe, und sehne mich nach Fleisch. Gebt mir Hundefutter mit auf den Weg und laßt mich einige Hunde hier tauschen. Ein paar von meinen sind müde. Ihr sollt sie später besser bezohtt haben. Ich liefer« vier ab und will vier dafür haben. Ist das nicht Bezahlung genug, dann könnt ihr von meinem Eigentum nehmen. das ich im Sommer, als ich von hier fortging, zurückließ." Er bekam vier neue Hunde und ging hinein und aß. und bald darauf begaben sie sich zur Ruhe. Aber hier ging es ebenso wie auf dem letzten Wohnplatz. Ehe es Morgen wurde, stand er auf, ob- gleich er nur ganz wenig geschlafen hatte. Als er vor das Haus trat, waren aber doch schon einig« Menschen aufgestanden, junge Leute, die keine bestimmte Schlafzeit innehielten, und sie traren zu seinem Schlitten.(Forts, folg».) Sonnabend, 6. April Berti*. 16.00 Der Steraenhiminel Im Monat April(Prof. Dr. Adolf Maiense). 16.30 Heitere Anekdoten. Erilhlt von S. Arno. 17.00 Unterhaltungsmusik, ausgeführt von Hansheinrich Dransmann mit seine« Titaria-Orchester. 18.10 Dr. Fritz Seidler:„Die Bedeutung der Urbarmachung von Oed- und Moorland". 18.35 Norbert Meyer:„Stimmen über dem Ozean". 19.00 Oswald Riedel, M, d. L.:„Oestiiches Qrenzland". 19.30 Reichsiugendsckretär Albert VoB: Werktätige Jugend and Beruf. 20.00 Stiftungsfest der funkvereins„Hochantenne". Hdrszenen von M. F. Mendelssohn. Anschlieflend bis 0.30 Tanzmusik(Fred-Bird-Tanz-Orchester). Königswusterhausen. 16.00 Aas dem Zentralinstitut für Erzie'*.-.,- und Unterricht. 16.30 Fericnkultur der Beamten(Th. Kotzar). 17.00 Ueberlragung des Ncchmittagskonierts Hamburg. 18.00 Zwiegespräch mit Werkleuten(Leitung; Min.-Rat Woldt). 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Der Kunstcharakter von Italien und Frankreich(Prof. Dr. Landsberger). 20.00 Stund« des Landes. 21.00 Solisten-Konzert. AnschlieBend bis 0.30 Tanzmusik. Sonntag, 7. April Berlin. 08.55 Stundengiockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche. Morgenfeier. 11.30 Großes Schauspielhaus: Chorkonzert der Konzertvereinigung der Berliner MannerchBre„Orpheus",„Wilhelmsruh" und„Harmonie". Dirigent; Karl Thfllecke. 13.15 E. Nebermann: Schachfunk. M.30 Für den Landwirt. 15.30 Märchen. Erzählt von Ilse Fischer-Ramin. 16.00 Prof. Georg Schumann: Zur Wiedererweckung der Matthäus-Passion. 16.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle LBwenthal von..Caf< Valerland". 18.30 Theodor Kappstein: Die Brüder Humboldt. 19.00 Dr. W. Lohmeyer: Vom Kientopp zum LichtspielpslasL 19.30 Artur Holitscher: Besuch bei Mahatma Gandhi and bei Rabindranath Tagore. 20.00 Abendnnterhaltung. Mitw.: Rosa Bertens, Walter Mehring u. a. 21.00 Volkslied«---- 21.30 Berliner Reportagen. Gelesen von Fred Hildenbrandt. Anschließend: Zeit. Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Dalos Bdla). Königswusterhausen. I3.d5— M.IS Bildfunkversuche. 18.00 Artur tfey«; Blindfahrt in Kanada. 18.45 Alfred Beierle: Wunderbare Mensche«. 19.10 Prof. Dr. Werner Jäger: Körper und Geist im alten Hellas. 21.30 Aus dem Konzeitsaal der Staatlichen Hochschule für Musik. Erstes Musikfest der Mandolinen- und Gltarrenspicler. Festkonzert. Anschließend: Presse. Anschließend bis 0.30; Tanzmusik. Rätsel- Ecke des„Abend". wimiiiuiimiiiwuminiummniimminMiiHiiiKiiiiuniiiimniimi Kreuzworträtsel. W a g e r e ch t: i. Geographische Bezeichnung: 5. rang: 8. türkischer Gruß: 12. Glanzüberzug: 15. französisch: Wald: 16. Vergleichswort: 18. Schweizer Kurort: 20. geographischer Begriff: 21. afrikanische Insel: 25. spanische Gaststätte: 26. persönliches Fürwort: 27. chinesischer Vorname: 28. Insel im Aegäischen Meer.— Senkrecht: 1. Russischer Fluß: 3. Tiertadaver: 4. Mädchenname: 6. arabisches Bindewort: 7. französischer Arttkel: 9. abgekürzter Mädchenname: 10. osteuropäische Reitertruppe: 11. amerikanischer Wasserfall: 13. Genußmittel: 14. hell, rein: 15. männlicher Vorname: 17. abgekürzter Parteinome: 18. behördliche Bezeichnung: 19. selten: 22. lateinisch: zu: 23. russisches Kirchdorf: 24. exotische Waffe." Silbenrätsel. Aus den Silben b« buk du e er eig g« i mann m« na ne neu nls nung pi rant re ri« richt scho stau st«l tan ter ter ter tim tu un un un weit sind zehn Wort« zu bilden, die folgend« Bedeutung haben: 1 Belehrung: 2. Geschehnis; 3. Afrikaner; 4 Strafpredigt; 5. Gaststätt«: 6. Tierschau: 7. Artist: 8. Waldrevier; 9. Stadt in Senegal: 10. das Jenseits der Alten.— Di« Anfangs, und Endbuibstaben ergeben, von oben noch unten ge- lesen, ein bekanntes Sprichwort. Versrätsel. Es machten Mann und Frau im Leben da» Ganze gern« sich zurecht. Zwei Zeichen fort— es wird gegeben als Nachtisch— und schmeckt gar nicht schlecht.* Magisches Quadrat. Di« Buchstaben sind so einzuordnen, daß man wagerecht und senkrecht die gleichen Worte von folgender Bedeutung erhält: 1. Farbenbezeichnung: 2. geographische Bezeichnung: 3. deutsche Stadt; 4. Fremdwort für Wirklichkeit." (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel: Wagerecht: 1. Helgoland: 7. Reh: 8. Idol: 9. Tz«: 10. Udet: 11. As: 13. Widder: 16. Eduard: 18. Krim: 19. Hus: 20. Lqna: 21. das: 22. Brasilien.— Senkrecht: 2. Eremit: 3. Lee: 4. Lid: 5. Ader: 6. Not. 9. Tower: 10 Usedom: 11. Ade: 12. Hades: 14. Rum: 15. Brause; 17. Erna; 18. Kur: 19. Hui. Rösselsprung: Verschieden sind der Menschen Wünsche, Und allen recht tun ist sehr schwer. G'rad, was den einen stellt zufrieden, Darüber schimpft der and're sehr. Gitterrätsel. Wagerecht: 1. Kalabrien:> 2. Kissingen; 3. Buecherei.— Senkrecht: 1. Tacitus; 2. Hausach: 3. Brenner; 4. Demeter. Silbenrätsel: 1. Desodorisieren: 2. Ignorant: 3. tkrika; 4. Technologie; 5. Antimon: 6. Testament: 7. Snous; 8. Seelenkult: 9. Turin; 10. Aargau: 11. eausonn«: 12. Lohengrin: 13. Eimer.— Die Tat ist alles, nichts der Ruhm. Natur und Kunst: Rabe, Raabe. In höheren Region«»: Turm. Sturm. Nr. 161 46. Jahrgang Sonnabend 6. April 1929 Zeppelin oder SfablluttschUt? Dos rasende Tempo der wirtschaftlichen und technischen Eni- wicklung unserer Zeit weckt entsprechende Bedürfnisse. Das alte Sprichwort„Zeit ist Geld" ist für den modernen Geschäftsmann zur unumstrittenen Wahrheit geworden. Mit dem Schwinden der wirtschaftlichen Unabhängigkest und der zunehmenden Verbunden- heit der Nationen mit der Weltwirtschaft erwächst die Notwendig- keit der schnellen Ueberwindung der Grenzen und der Wunsch, in wenigen Stunden von Kontinent zu Kontinent gelangen zu können. Die Fahrten des „Graf Zeppelin" haben be- wiesen, daß dieses Ziel er- reichbar ist. Bis zur Durchführung eines regelmäßigen und gesicherten Luftschiff-Ueberseever- kehrs ist freilich noch ein weiter Weg. Und Dr. Eckener wird noch manche Konstruktions- Lnderung vornehmen müssen, bevor sein Schiff mit Erfolg den Gewallen der Elemente trotzen kann. Darüber ist sich Eckener auch völlig klar. Er hat sich bei einem Begrüßungs- bankell nach der Ameritafahrt in Friedrichshafen darüber ge- äußert. Ein besonderes Inter- esse beanspruchen sein« Aus- führungen, die sich auf die Festigkeit der Zeppe- lin- Konstruktion be- ziehen. Cr schilderte die Schmie- rigkeiten der Fahrt und sagte: „Man Halle manchmal das Gefühl, daß das Luftschiff d u r ch z u- brechen drohte, denn wir hatten einen geradezu unerhörten Sturm. Gewiß hat das Luftschiff standgehalten, dank der Kon- ftruktion meines Freundes Dr. Dürr. Aber das ist auch nur möglich gewesen, weil wir die Beanspruchung aus das Mindestmaß heruntergedrückt hatten." Mit anderen Worten: Wäre die voll« Kraft der Motoren eingesetzt worden, hätte der Sturm die Konstruktion zerbrochen. Ueber die Verwend- barkeit des„Gvaf Zeppelin" für den regelmäßigen Luftverkehr äußerte er sich, daß das jetzige Luftschiff für einen ständigen Trans- ozeanverkehr nicht in Frage kommen könne:„Das Schiff hat sich gut bewährt, aber wir müssen st ä r t e r e Schiffe bauen, damit die Transozeanfahrt nicht nur durch Ausweichen vor Unwettern mög- lich ist." Es wird im ganzen deutschen Volke niemanden geben, der nicht die bedeutenden Leistungen des Grafen Zeppelin und semer Mitarbeiter freudig anerkennen wollte. Dieser Umstand darf aber nicht blind machen gegenüber den tatsächlichen Mängeln der Zeppe- lm-Konstruktion, die im wesentlichen in der nicht genügen- den Starrheit bestehen. Es wäre gewiß töricht und ungerecht, eine Erfindung zu kritisieren, weil sie nicht im ersten Anhieb zum vollkommenen Erfolge führte. Aber die Wahrheit gebietet die Feststellung, daß die Zeppelin-Konstruktion beim besten Mllen nicht mehr als im Versuchs st adium befindlich an- gesehen werden kann. In rund zwei Jahrzehnten sind nicht weniger als 127 Zeppelin-Luftschiffe gebaut worden. Davon existieren heute noch zwei: die„Los Angeles" und der„Graf Zeppelin". Der über- wiegende Teil ist— soweit die Kriegsjahre in Frage kommen— nicht etwa durch feindliche Einwirkung, sondern durch die Elemente zerstört worden: im Vortriegsjahr 1S13 fielen ihnen allein 3 Schiffe zum Opfer. Ungezählte Millionen von Steuer- Mitteln find von diesen Experimenten verbraucht worden. Angesicht« dieser und der weiteren Tatsach« des Vorhandenseins anderer Lustschiffkonstruktionen erhebt sich die berechfigte Frage, o b die verantwortlichen Stellen der alten Macht- Haber mit der notwendigen Objektivität die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme geprüft haben, bevor sie sich zur Förderung der Zeppelin-Konstruktion entschieden. Mir scheint das nicht der Fall zu sein. Man müßte landläufig gewordene fjofgeschichten und besondere Passionen des ehemaligen Kaisers aufrollen, um zu begreisen, wie aus dem ehe- mals„verrückten" Grasen Zeppelin so plötzlich ein Mann geworden ist, der mit allen Gaben technischen Geistes ausgestattet und durch die erlangte„Hosfähigkeit"- stärkste Förderung seiner Pläne erfahren durste. Daß der Zweifel an der Objektivität der allen Machthaber be- rechtigt ist, beweist die DeHandlung des Ungerschen Stahllustschiffes, einer in Deutschland, England uird den Vereinigten Staaten von Amerika patentierten Erfindung, die zeitlich ungefähr mit der des Grafen Zeppelin zusammenfiel und deren wesentlichste Vorzüge in der a b s o l u t e n K n i ck f« st i g k e i t und der Schwimmfähigkeit des ausschließlich aus luftgefüllten Stohlröhren bestehenden Schifssgerüstes bestehen. Das Kriegs- Ministerium interessierte sich sofort für die Sache, indem es im Jahre 191? dem Erfinder, Ingenieur Unger in Hannover(der Erfinder verlegte auf Betreiben des Magistrats zu Hannover seinen Wohnsitz von Kamen i. W. nach Hannooer, wo ihm auih da» not- wendige Gelände zur Verfügung gestellt wurde), einen Vertrag an- bot. nach dem Unger 1 Million Mark für den Bau seines Schisfes geboten wurde, unter der Bedingung, daß er mit feiner Erfindung nicht ins Ausland gehe. Dem Wunsche Ungers, auf Deponierung eines Teilbetrages bei einer von der Regierung zu wählenden Bank— einem aus Kreditgründen begreiflichen Wunsche— wurde aber nicht entsprochen. Unger lehnte deshalb die Unterzeichnung dieses Vertrages ad. Noch während des Krieges drohte der groß« Generalstab dem Erfinder mit Zuchthaus, wenn er sich etwa unterstehen sollte, mit seiner Sache ins neutrale Ausland zu gehen, da die Erfindung„für Heereszwecke von Bedautung" sei. Dem Hinweis Ungers. daß seine Erfindung sa dem Reiche zur Ver- fügung stehe, begegnete man mit dem Einwand, daß man nicht i Monate auf Fertigstellung seines Schiffes warten könne, da der Krieg dann längst zu Ende fei. Bekanntlich war aber dann noch soviel Zeit, um etwa 199 Zeppeline zu bauen. Unger hätte damals nur einer Hall« bedurft; dos gesamte Stahlmaterial und 1 Million Mark stellte ihm ein bekannter Industrieller zur Verfügung. Ich habe Abschriften der Schreiben von Firmen, die die gesamte elek- trische Ausrüstung, die Motoren u. a. völlig kostenlos bereitstellen wollten. Wie sehr sich auch Wilhelm II. interessierte, beweist eine Rondnot« auf einem ministeriellen Aktenstück:„Dies Luft- schiff darf nicht nach England." Man war also von der Güte der Ungerschen Konstruktion überzeugt, was auch eine Reihe der hervorragendsten militärischen Sachverständigen, wie Generalleutnant v. Nieder, Hauptmann George, Hauptmann Hildebrandt, Kapitän zur See a. D. P e r s i u s, General o. Hönisch, Hauptmann Z s ch a u s ch usw., bestättgt haben. Aus wissenschaftlichen Kreisen liegen eine Menge.Gutachten der hervorragendsten Kapazitäten vor. wie Diplom-Ingenieur Uhle- mann(Dresden), Oberingenieur Müller(Stuttgart), den Professoren Leist(Berlin), Pröll und Kohlrausch(Hannover) und Eberhardt, dem Inhaber des Lehrstuhles für Luftschiffahrt und Flugtechnik an der Technischen Hochschule in Darmstadt, der während des Krieges Abnahmekommissar der Heeresverwaltung war. Eberhardt nennt die Ungersche Kreuzträgerkonstrultion„eine ideale Starrluftschiff- konstruktion" und das Schiff selbst„das Luftschiff der Zukunft". „Dies Lustschiff darf nicht nach England." Dieser Meinung des ehemaligen Kaisers waren auch die Sachverständige» des Kriegs- Ministeriums. Das Urteil dieser Milllärs interessiert uns heute nicht mehr. Sie haben auch alles getan, damit das Luftschiff „nicht nach England" kam. Sie interessierten sich für Unger und — bauten auf Kommando des Obersten Kriegsherrn Zeppeline. Die Interessen dieses Herrn wogen schwerer Äs das Interesse des Reiches, das im schwersten Existenzkämpfe stand. Die Republik darf diesen Kurs nicht fortsetzen. Sie hat nach Maßgabe der finanziellen' Möglichkeiten g u t z n- machen, was versäumt wurde. Nicht aus militärischen, sondern aus kullurellen und wirtfchaftbichen Gründen. Herr Unger, der sein ganzes nicht unerhebliches Vermögen seinen Erfindungen geopfert hat, bat den Reichstag, ihm einige tausend Mark zur Abgeltung der deutschen und englischen Patentprämien zur Versügung zu stellen. Der darüber beschließende Reichstagsausjchuß ersuchte den Herrn Reichsverkehrsminifter einstimmig, das zu tun, nachdem der zu- gezogene Regierungsvertreter gehört war und das auch nicht für unmöglich hielt, obwohl— wie er meinte— die Ungersche Kon- struktion„nicht viel Besseres darstellen könne" als die Zeppelinsche. Der Herr M i n i st e r ist allerdings anderer Mei nung. Der ihm durch Etatgesetz„zur Förderung wissenschaftlicher und allgemeinwirtschaftlicher Zwecke auf dem Gebiete des Luftfahrt- wefens" zur Verfügung gestellte recht erhebliche Betrag von 19� Millionen Mark erlaubt nicht die Entn»hme eines Betrages in Almosenhöhe! Mag das Ausland sich der Patente und der Arbeit deutscher Wissenschaft bemächti- g e n I Der Minister ist persönlich überzeugt, daß das Pro- blem durch Zeppelin völlig gelöst ist. Erhebliche Teile des deui- sehen Volkes erlauben sich, a n- derer Meinung zu sein, als der Herr Minister. Das deutsche Volk muß verlangen, daß ein- wandfrei untersucht und fest- gestellt wird, ob die bisher bei uns allein herrschende Zeppe- linkonstruktton nicht durch eine bessere ersetzt werden kann. Das setzt voraus, daß der Minister sich bescheidenerweise wenigstens eines wirklichen Lustschisssachoerständigen be- dient, der unbeeinflußt von der allgemeinen Zeppelin- und Alu- miniumschwärmerei den Weg geht, der im Interesse der deutschen Wirt- schaft und Technik und ihrer Weltgeltung ge, gangen werden muß. 3. Schaffner, Ul. ilJfL Das wesentlichste Kennzeichen des Ungerschen Stahlluftschisfes besteht darin, daß die Gaszellen in einzelne Kreisabschnitte, in Sek- toren, zerlegt sind. Unser Bild zeigt das nur teilweise mit Spant- ringen versehene Modell eines Ungerschen Stahlluftjchifses, dessen Hauptteil aus einer Kreuzträgerkonstruktion besteht, der den kreis- runden Querschnitt des Schiffes in vier Teile zerlegt. Dies« Kon- struktton ist von Spantringen umgeben. In diesem Aufbau können die kleinen Gaszellen bequem untergebracht werden. Dieser starre Schiffskörper hat an jeder Stelle die notwendige Festigkeit, die auch erhalten bleibt, wenn Gaszellen sich unbeabsichtigterweise entteeren sollten. Das Leerwerden von Gaszellen hat ja auch nach dem Urteil von Dr. Eckener die Festigkeit des amerikanischen „Shonandvah" vermindert und seine Zerstörung herbeigeführt. Bei dem Stahlluftschiff, kann der Wind während der Fahrt durch das ganze Schiff hindurchstreichen und zur Kühlung der Gaszellen bei- tragen. Dadurch aber wird-das Abblasen des kostbaren Gases ver- mieden. Die mit Lust gefüllten Stahlrohr« des Schiffes würden die Konstruktion unbedingt schwimmfähig halten, wenn das Schiff durch irgendeinen Zufall auf das Meer heruntergehen müßte. Der Zeppelin wäre in einem solchen Falle rettungslos verloren. Wahr- schsinlich würde Ingenieur Unger die Fahrgast- und Mannschasts- räume, wie dies bei den neuen großen englischen Luftschiffen ge- schehen ist, bei einer Neukonstruktion auch in das Innere des Schiffes legen. Dieses wirklich starre Schiff könnte auch gegen starken Sturm mit voller Motorenstärte angehen. Man rechnet» daß das Stahl- luftschiff mit 12 Motoren zu je 499?L in 59 Stunden den Ozean zwischen Europa und Amerika in absolut sicherem Fluge überqueren könnte. Im Interesse des Luftverkehrs wäre es daher dringend zu wünschen, daß diese Konstruktion nicht vernachlässigt wird. Be- kannllich ist auch bei den großen englischen Riesenluftschifsen neben Duraluminium auch Stahlrohr in diesem Maße zur Anwendung gekommen, wenn auch die grundsätzliche Zeppelinkonstruktton nicht verlassen wurde. Die Red. Der Automat als Diener. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist bekannllich das Dorado der Frauen, sie haben dort alles, was ein Frauenherz be- gehrt: ein kleines, aber schmuckes Heim,«in Auto, einen fügsamen Ehemann: eines nur fehlt— das Dienstmädchen. Höchstens die oberen Zehntausend können es sich leisten, der Mittelstand aber muß schon zusehen, ohne„Stütze der Hausfrau" fertig zu werden. Diese Aufgabe nun löst die amerikanisch« Hausfrau mit Glanz, seit der Ingenieur der Westinghouse Electric-Company ihr die„Te- leoox",— den„Automaten als Diener" beschert hat. Mittels einer höchst sinnreichen Einrichtung wird, M>ald ein Klingelzeichen er- tönt,„Televox" durch ein Relais eingeschaltet und bestätigt durch ein« bestimmte Anordnung von Summertönen die richtige Verbin- düng. Die Frau des Hauses ist z. B. auswärts, zum S-Uhr-T«e oder„Shopping", und sie macht sich Sorge, ob zu Hause auch alles in Ordnung sei. Sie ruft also von unterwegs ihr« Nummer an. Televox meldet sich; daraus läßt sie z. B. drei Pfiffe ertönen, was soviel heißt wie:„verbinde mich mit dem elektrischen Ofen". Der Automat antwortet: tut, tut, tut: die Verbindung ist hergestellt. Ein anderes Signal fordert: setz den Ofen in Gang,— ein kurzes automatisches Geräusch zeigt den Stromanschluß an. Nach vier Pfiffen wird mtt der Heizung verbunden, durch vierfaches Tuten meldet sich die Gewünschte Durch telephonischen Befehl, ohne Bermsttlung einer Person. kann auch der Gasherd entzündet, eine Tür geöffnet oder geschlossen, Licht gemacht werden u. ä. Schon das klingt wie ein Märchen, und doch ist es längst nicht alles, was Televox oermag. Konnte nämlich bis vor kurzem der Automat lediglich hören und Befehle richtig aus- führen, so hat er in der letzten Zeit noch erstaunlich viel neues hinzu- gelernt. Televox hat sprechen gelernt. Ruft semand eine bestimmte Nummer an, etwa City 199, so antwortet nach einem Augenblick «ine Männerstimme:„Hier ist Televox, City 199." Die Antwort wird noch einmal wiederhott. Gibt der Anrufer dann nicht das ver- einbarte Pfeifzeichen, so unterbricht der Automat, da anscheinend falsche Berbintmng besteht. Auch abgesehen von seiner Verwendung im Haushalt, ist die Bedeutung von Televox in der Technik heute schon eine sehr groß«. Der Lettungsingenieur eines Elektrizitätswerkes oder einer Straßen- bahn kann mit ihrer Hilfe über das gewöhnliche Telephon ied« unbekannte Unterstation jederzeit anrufen, Auskunft über die Tätigkeit aller Maschinen einer Station einziehen, Maschinen anlausen oder halten lassen und vieles mehr. Wieder Äso ist«in großer Schritt vorwärts getan auf dem Wege: Ersetzung der Menschenkraft durch die Maschlnel_ Dr. L. H. Die Sage als Heilgeräl. Im Jahre 1718 wurde zu Ouerfurt Jakob Chrisfian S ch ä s- f e r geboren, der später durch sein« Versuche zur Herstellung von Papier aus Stroh, Holz, Moos, KarwsfelschÄen und vielen anderen pflanzlichen Stoffen bekannt wurde und als Erfinder des Holz- papiers berühmt ist. Schäfser wurde in Regensburg evangelijcher Geistlicher, war Doktor der Gottesgelahrtheit und der Weltweisheit, Mitglied vieler Akademien der Naturforscher und Wissenschaften sowie, korrespondierendes Mitglied der Pariser Akademie, also«in immerhin bedeutender Gelehrter. Schäfser erfand mit 59 Iahren eine originelle Sägemaschine. Er hatte wohl selbst ein Bedürfnis, sich zwischen seinen gelehrten Arbeiten Bewegung zu verschaffen. So ließ er sich von dem Regensburger Tischler S i m m« r l i n g eine Maschine bauen, probiert« sie aus und schrieb«in Buch dar- über, da» 1759 erschien. Die Beschr«ibung der Sägemaschin« ist kurz folgende: In einem großen geschweiften und verzierten Ge- stell, das auf vier breiten Füßen steht, hängt an einem Pendel eine Rahmensäge. Logt man auf zwei Konsolen, d,« an den beiden vorderen senkrechten Gestellstangen angebracht sind, ein Stück Holz, dann kann man im. Wohn- oder Arbeitszimmer„zur Leibesbewe- gung für Gelehrte und Kränklich«" Brennholz sägen. Diese» Gerät nutzt die schwingend« Bewegung aus. Es ist nach ganz modernen Grundsätzen gebaut. Wie wäre es, wenn unsere Sanatorien, die geldkräftige Leute beherbergen, sich dieses prakttsche Gerät beschaff- ton? Schließlich ist das Sägen von Brennholz nicht nur eine Nebenbeschäftigung für abgedankte Potentaten..,, Uhor/l�o/riLel In Berlin wird wieder gearbeitet. Die Vorständekonferenz der Arbeitersportler. Cs ist im dieser Stelle schon mehrmals auf den wohltuenden Kegensotz zwischen der kommunistischen Partei„crbeit" des früheren und der wirklichen Aufbautätigkeit des neuen Kartells hingewiesen worden. Diese Tatsache traf auch in vollstem Umfange auf die gestrige Vereinsvorsigendenkonferenz des Ar, b e i t e r s p o r t k a r t e l l s zu, die sich vorwiegend mit den Forde- rungen der Arbeitersportvereine an den Behörden beschäftigte. Die Vorsitzenden der Vereine waren fast vollzählig erschienen, als B a r t h e l m a n n die Versammlung eröffnete mit dem Hin- weis, daß diese Tagung in erster Linie dazu diene, den Vereinen die Wege zu weisen, die zur Erlangung von Mitteln offen stehen. Zunächst erstattete Oehlschläger einen kurzen Situationsbericht, der mit der erfreulichen Feststellung schloß, daß 101 Vereine mit 20 100 Mitgliedern(darunter 10 200 Jugendlichen) den Bestand des Kartells bilden. Ein weiterer Zuzug von etwa 4000 Mitgliedern ist durch den bevorstehenden Anschlich der Arbeiter- ongler und-kegler zu erwarten, so daß sich wohl in kurzer Frist die Mitgliederzahl auf 24 000 heben wird. Organisch damit wächst auch die innere Kraft des Kartells. So wird in kürzester Zeit Berlin eine Arbeitersportschule bekommen, die Verhandlungen mit den Behörden stehen vor dem Abschluß. Ausführlich ging Oehlschläger sodann auf die B e i h i l f e n a n t r ä g e der Dereinc an die Stadt Berlin und an den Oberpräsidenten von Brandenburg ein. Die Stadt gewährt den Dereinen bereits feit 1024 Beihilfen, eine Tatsache, die der Kommunist Sellheim seinerzeit dem Kartell verschwiegen hatte. In den diesjährigen Etat sind 80 000 M. an Beihilfen eingesetzt, von denen 42 500 M. dem Arbeitersport und den bürgerlichen Vereinen je zur Hälfte zur Verfügung stehen. Die Anträge auf Beihilfe sind bis zum 15. April durch das Sportkartell einzusenden, das sie dann gesammelt weiterleitet. In der Diskussion über diesen Tagesordnungspunkt lenkten besonders die Vertreter der Außenbezirke und der kleineren Dereine die Aufmerksamkeit der Versammlung auf d'e Förderung und Unter. stützung dieser häufig nicht günstig stehenden Organisationsteile. Einem Redner, der an die Bevorzugung der bürgerlichen Sportler im Etat glaubte, konnte an Hand der einzelnen Etatsposttionen erwidert werden, daß diese Annahme unrichtig ist. Im Gegen- teil, die bürgerliche Presse entrüstet sich neuerdings über die angeb- liche Unterdrückung der Bürgerlichen zugunsten des Arbeitersports. Die Anträge an das Oberpräsidium wegen Bereitstellung von Mitteln zur Jugendpflege, sind bis zum 20. April durch das Kartell einzureichen. Bei diesen Anträgen ist besonders zu beachten, daß nur für den Ausbau von Sportanlagen, Beschaffung von Geräten usw. Mittel bewilligt werden, nicht jedoch für Iugendfahrten ufw Inbezug auf die Unfallversicherung konnte der Kartell- vorstand den Vereinsvertretern die erfreuliche Mitteilung machen, daß es möglich fein werde, die Prämien für die Versicherung vom Kartell aus zu verauslagen, wodurch den Dereinen zunächst eine große finanzielle Belastung abgenommen ist. Erklärlicherweise fand diese Bereitwilligkeit lebhaftes Echo bei den Vorsitzenden. In der Unfalloersicherung ist jetzt eine Staffelung der Beiträge nach der Eefahrenklnsie eingetreten. Die Sportverein« haben pro Jugendlicher und Jahr 38 Pf. Prämie zu zahlen. Gegenüber den Angriffen der kommunistischen Presse gegen den sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Z ö r g i e b e I verlas der Vorsitzende eine Zuschrift, worin Zörgiebel erklärt, daß die Behaup- tungen, seine Töchter seien Mitglied bürgerlicher Vereine, unwahr sind. Mit Recht wies Barthelmann zum Schluß der Tagung daraus- hin, daß die Frage der Beihilfengewährung, die im Mittelpunkt der Diskussion stand, eine politische Frage ist. Es wird die Auf- gäbe der Arbeitersportler bei den kommenden Kommunalwahlen im Herbst sein, dafür zu sorgen, daß der Einfluß der Arbeitersportbe- wegung, im Parlament vertreten durch die Sozialdemo- tratie, gesteigert werde. ib. 200 auf der Schwimmbahn! Das Fest der FTGB. 3m Stadtbad Kreuzberg, Baerwaldstraße 64, veranstaltet mor« gen der Schwimmbezirk Kreuzberg der Freien Turnerschaft ein H a ll e n sch w i m m f est, das spannende Wettkämpse verspricht. An den siebzehn Vorführungen des Programms sind beteiligt: Freie Schwimmer Falkensee, Freie Schwimmer Spandau, Freie Sportvereinigung Schönebcrg-Friedenau, Freie Schwimmer Char» lottenburg. Freie Schwimmer Groß-Berlm, Gruppe Siemensstadt und Neukölln, Arbeiterschwimmverein Hellas, Luckenwalder Turner- schaft und der Schwimmbezirk Kreuzberg FTGB. Die Volkstllmlichkeit des Schwimmens zeigt die Ausbildung der Nichtschwimmer ohne Gerät. Retwngsvorführungen und Frauen- reizen. Bei den Wettkämpfen werden interessante Kämpfe erwartet. Die Erösfnungsbruststafette, 10x2 Bahnen, wird ein scharfer Kampf zwischen Freie Schwimmer Groß-Berlin, Hellas, Charlottenburg, Falkensee. Beim Iugendfreistilschwimmen, 200 Meter machen Reglie-Spandau und Trippensee-Kreuzberg sich den Erfolg streitig. Schauspringen und Wasserballspiele, wobei Hellas gegen Spandau antritt, werden spannende Kampfesmomente als Abschluß des Pro- gramms bringen. Halleneröffnung 14 Uhr, Beginn 15 Uhr. Un- tostenbeitrag 50 Pf. Wieder auf dem Sportplatz. Li» Hechtsprung. Die Rütt'Arena sagt ab. Infolge des unbeständigen kalten Wetters hat sich Walter Rütt gezwungen gesehen, auch die am 7. April geplanten Radrennen. an denen u. a. Gebr. Wolke, Nebe-Seiferth, Kroll-Micthe. Lorenz- Frach, Ehmer-Kolle teilnehmen sollten, abzusagen. Für engste Zusammenarbeit. Der in der Arbeitersportbewegung wohlbekannte sozialdemo- kratische Landtagsabgeordnete P. Franken- Zeitz referierte dieser Tage in einer von der Sozialdemokrutischen Partei veranstalteten Versammlung in Plauen über„Arbeitersport und Sozialdemo- tratie" Er begrüßte den Entschluß, aus dem Parteitag in Magd«- bürg über das Thema ArbeUersport zu verhandeln und forderte von der Tagung die Entschließung, daß Patteigenossen nicht Angehörige bürgerlicher Spottorganisationen söin dürfen. Ueber die Zusammen- arbeit zwischen den beiden großen Gliedern der Arbeiterbewegung sühne er aus:„Engste Zusammenarbeit zwischen Partei und Arbeitersport ist notwendig. Die Ar- beitersportler begrüßen dankbar jede Mitarbeit. Unsere Mitarbeit ist aber auch notwendig, well die Kommunisten, nachdem ihre Zer- splitterungsarbeit in den Gewerkschaften und bei den Freidenkern abgewehtt worden ist, ihre Tätigkeit in die Arbeiterspottbewegung verlegt haben. Wir haben dafür zu sorgen, daß beim Arbeiter- spott neben der Körperpflege auch geistige Aufgaben erledigt werden." Tennis-Kol auch in Köpenick. Auch in Köpenick hat sich mm« mehr eine Tennisabteilung gebildet. Die erst« Versammlung findet Montag. 8. April, 10� Uhr, im Vereinszimmer des Ratskellers Köpenick statt. Interessenten, auch Anfänger, sind eingeladen. An» Meldungen an den Obmann Robert Dinse, Köpenick, Thürnagel- straß« 22. Filmabend In Eharlollenburg. Das Arbeitettportkottell Char- lottenburg veranstaltet Dienstag. 16. April, 20 Uhr, im Wohlfahrts- saal des„Spar- und Bauverein", Charlottenburg, Königin-Elisabeth- Straße, einen Filmabend. Zur Vottührung gelangt:„In freien Stunden durch sonniges Land" und„Von Leipzig bis Nürnberg". Der Eintrittspreis beträgt 50 Pf. Karten sind bei den angeschlossenen Vereinen, sowie an der Abendkasse erhältlich. FTEB., Efiktn. Achtung. Technüer! Sonntag, s Uhr, Treffen in der Turnl><>Ile?ocnr:ch.?.oll«r. Straße 18 sKönigstor). Anschließend Eistung._,„,.., FTGB.. Sportbeziri.vstrinq«. Dienstag.». April, Versammlung bei Wegner, Frankfurter Alle« 206. Beginn 20 Uhr. Auch Hock-nspieler müssen er. �"«artell für Arbeitersport»nd«Srperpflege e. Bezirk Tieegart«». M-n. tag.». April. 20 Uhr, bei Liebsch. Wilhelmshaven-r Str. 46,«artell fistung. Hierzu lind auch die im Bezirk ansässigen Berein« de» Arbeiter-Anglerbundes eingeladen. Aus der Autoindustrie. Die„Adlerioerke" haben im Automobilbau alle Kraft am Punkt„Quält. tSt au günstigem Preis" eingesetzt und sie haben selbst bei den ermäßigten Preisen ohne jeden Aufschlag alle modernen und wichtigen Spezialeinr.ch. tungen, die sonst bei„billigen" Wagen gesondert berechnet werden, eingebaut. Beim„Adler Standard L" 10f4ij und 12 50 FS und„Adler Standard 8' 15/70 FS, ist besonders die so überaus reiche Verwendung des Llektron-Metalls hervorzuheben, ferner an Einzelheiten: Original-, Lockheed"-Oeldruck-Vierrad- bremse, 7 mal. bzw S mal gelagerte Kurbelwelle, gesonderten Betriebsstoff-, Ocl. und Luftfilter. Original Bendir-Antrieb. weit auslangende sehr we:»e Federung, flatterfreie Lenkung, erschütterungs-frele Kupplungsordnung, starke Batterie-. Licht- und Zündanlage. Stoß-Etangen, Gtoß-Dämpfer. Licht, und Signaltastcr am Steuerrad, indirekt beleuchtetes Armaturenbrett, Elektro- S�eibenwifcher. Elektro.FahrtrichtungsanZeiger. alles im Listenpreis ein- begriffen. Besonders hervorzuheben sind noch die geschmackvollen und kom- sortablen Original-. Amb;.Budd".Ganzstahl.Karosserien. Die außerordentlich günstige Schwerpunktlage der Typen„Adler Standard" gestattet sicherstes Fabren auch in der sckärfst'N Kurve. Die Beschleunigung des hochelastischen Motors in der Ebene von 4 auf 40 Stunden-Kilometer in 8.1 Sekunden ohne zu schalten, ist eine bedeutende Leistung: das Steigvermögen im direkten (bang übertriftt selbst jenes stärkerer Wagen erheblich. Außer diesen..Adler Standard".Tvpen haben die Adlerwerke deu neuen„Adler Favorit" heraus. gebracht, der allgemeine Beachtung als preiswerter Wagen verdient, Es ist ein Wagen für den rücksichtslosen Gebrauch. Die rat-'onelle Fabrikatwn ev. möglichts es. die ingenieufe Konstrnkfou erfolgreich herauszubringen?os Ergebnis ist ein 8,35 FS.�weiliter-Dagen. der, zu einem b'sher uni*kannt niedrigen Preis den. höchsten Gegenwert der Zahlung darstellt und n,cht nur dem Äuge gefällt, sondern Kratt und Schönheit, großen Kom'ort und edles Material vereint. Der Wagen ist vielleicht auch d'-e wirkungsvollste und über- zeuqendste Antwort der deutschen Automobil-Industrie auf die Wettkampfmaß- nahmen des Auslandes für preiswerte Fahrzeuge. * Einen neu�iMGen Aulo-Beeiaussladen haben die Brüder St in der der In i- vidiialismus als gestaltende Kraft versagt muß anerkennen, boh der Arbeitersport zu seinem Teil kulturelle Aufbauarbeit leistet. Hier wird' kollektives Handeln in den Bordergrund gestellt, der Gedanke der Gemeinschaft in den Massen vertittt Das kommt im Uebungsbetrieb, wie in der Festkullur der Arbeiter- sportlcr Immer stärker zum Ausdruck. Die Genossen, die in dis'er Arbeit sieben und sich mühen, allen Schwiettgkeiten dieler Usber- gangs-eit Herr zu werden, sind für die sozialistische Bewenung kein« Außenseiter, sondern zislbewiißte Gestalter neuer sozialistischer Lebensformen, die auf die Unterstützung durch die Sazialdematrti, tie Anspruch hoben. Daß unsere Partei bereit ist. auf einem Par- teitag positiv zum Arbeitersport Stellung zu nebmen, wird für unsere Svottlcr ein Ansporn se'n, mit größerer Energie am kul» turcllen Ausstieg der Arbeiterklasse zu wirken. Sozialdemokratie und Arbeitersport— je enoer sich beide ztj. sammenfinden, um so größer die Erfolge dieser verbundenen Machte.