BERLIN Dienstag S.April 1929 10 Pf. flr.ies B 82 46. Jahrgang. Erfcheisttizlich auterS»nntaz«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezuzsrreis beide Ausgaben 85 Pf. xroWoche, 3.60M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; BerlinSWss.Lindenstr.» fr\�lHOa�6 Anzeige ii»reis: Die einspaltige Nonpareillezeil« so Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff Z92 bis SS? Probleme Ost-Oeutfchlands. Minister Grzestnski in Oberfchlefien. heuke vormittag um 11 Uhr erfolgte in Oppeln die Tinführung des neuen Oberpräsidenten der Provinz Ober- schlesien Dr. Lukafchek durch eine Ansprache des Preußischen Alinisters des Innern, G r z e f i n s t i. vor den Be- amten des Ober- und Regierungspräfidiuins. Die Rede befaßte sich mit zahlreichen Fragen von grundfählicher Bedeutung sowie mit dem Problem Oberschlesien im besonderen. Unter anderem hob der Minister die Bedeutung der Min- derheitensragen hervor. Ich kann und will im Rahmen meiner Aussühruirgen heute hinweisen auf«in Problein, das in der Provinz Oberschlesien«ine besonder« Rolle gespielt Hot und das in Oberschlcsien vorbildlich gelöst und für das übrige Preußen vorbildlich geworden ist. Ich meine die Minderheitenbehandlung und die Frage der Minderheiksschulen. Oberpräsidenl Proste Hab« das Genfer Abt om inen in voller ilcbereinstimmung mit der Preußischen Staatsregierung nicht nur dem Buchstaben nach erfüllt, sondern in jeder Weise sein« Arbeit daraus gerichtet, die polnisch« Minderheit in Deutsch-Oberschlesien vor jeder auch nur scheinbaren Unterdrückung zu bewahren. Wir liinnsn nur wünschen, daß auch auf der anderen Seite der Grenze die Minderheiten ebenso behandelt werden. Es sei erreicht, daß die polnische Minderheit in Oberschlcsien sich als polnischer Voltsteil sich i m preußischen Ober schlesien wohl- fühlt und trotz sprachlicher und kultureller Verschiedenheit sich immer mehr und wieder als Bestandteil des preußischen und dcut- schen Staates fühlt. Das haben auch gerade die Wahlen im Mai des vergangenen Jahres bewieseii. so fuhr der Minister, indem er den neuen Obcrpräsidenten Dr. L u- k a s ch e k begrüßte, fort, trotzdem schon ein« Menge getan ist, noch genügend zu tun übrig. Denn gerade in dieser Provinz hat sich die Grenzziehung als Folge des Vertrages von Versailles besonders schmerzhaft ausgewirkt. Mitten durch ein ausblühendes, einheitliches Wirtschaftsgebiet zieht sich heute die Aiislandsgreiize, die Ausammengehöriges auseinandcrreißt, natürliche Verbindungen zerschneidet und vom Hinterlande loslöst. Das Absatzgebiet des früheren Schlesien ist heute Teil eines fremden Staates geworden, durch Zollschranken von dem Produktionsgcbiet abge- trennt. Nicht nur die Industrie Oberschlesiens, sondern auch seine Landwirtschast»st dadurch schwer betrofsen. Es gilt nun für Ober- schlesiens Wirtschaft und Landwirtschaft neue Absatzgebiete zu schassen. Bi«l ist schon sin Laufe der letzten Jahre für den Wiederauf« bau Oberschlesiens von der preußischen Staotsregienmg in Verbindung mit der Reichsregicrung unter der selbstverständlichen Mitwirkung der Provinz- und der Kammunalverbände getan worden. Aber alle Hilfsmaßnahmen siiidon ihre Grenzen in der durch die allgemeine Notlage des Staates bedingten Beschränkung der Mittel. Ich habe auch hier in Oberschlesien schon wie an anderen Stellen immer wieder betont, daß Oberschlesiens Not nur behoben werden kann, wenn man systematisch die Folgen des Krieges im gesamten Osten planmäßig bekämpft. Denn der gesamte deutsche Osten ist ja durch die wlrkschaflliche und kulturelle Zusammenhänge zerreißende neue Grenzziehung bclrosscn. Man konnte mit Fug und Recht den deutschen Osten vor dem Krieg a'.s ein.zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet ansehen, dessen Produktion im Osten sein« natürlichen Absatzgebiete hatte. Die Folgen des Krieges haben all das zerstört, haben natürliche Derbindungs- straßen unterbrochen, haben nicht nur kulturelle und politische Zu- sammenhönge zerrissen, sondern mich durch die wirtschaftlichen Um- wälzungen in Deutschland den innerdeutschen Wirt- s ch a f t s m a r k t für den Osten zum Teil versperrt und nur schwer zugänglich gemacht. Erschwerend kommt hinzu, daß schon in Bor- kriegzzciten'der deutsche Osten kulturell und wirtschaftlich zu kämpfen hatte, nicht zuletzt deshalb, weil im Borkriegsdeutschland manches vernachlässigt wurde, was bei den vorhandenen Msteln wohl hätte geleistet werden können. Sie wissen, daß die preußische Staatsregierung seit Iahren be- müht ist, den Osten und dabei natürlich auch besonders Oberschlcsien zu betreuen. Für all dos, was direkt aus die Folgen des ver- lorenen Krieges zurückzuführen ist, muß nach Lage der Dinge zu- nächst einmal das Reich, das ist die Gesamtheit Deutsch« l a n d s, einspringen. Denn für die unmittelbaren Kriegssolgen darf natürlich nichl allein der so schwer betrojsene Osten leiden, Ki er hoiht es. telbstverjländltch: Alle für eine«! Aber über diese Maßnahmen des Reiches hinaus wird Preußen sich mit allen verfügbaren Mitteln dafür einsetzen, daß dem Osten beim Wieder- aufbau seiner Wirtschast geHolsen wird. Und wenn sich im steigen- den Maße die Politik und Wirtschaft die Erkenntnis durchgesetzt hat, daß im Interesse Deutschlands der Osten nichl verloren gehen darf, so ist das nicht zuletzt dem Wirken der preußischen Staatsregierung und der preußisckzen Verwaltungsbehörden zu danken. Hand in Hand mit den Maßnahmen des Reiches als Ersatz für die Schäden mit den Maßnahmen, die Preußen aus eigenem darüber hinaus trifft, muß aber gehen die Selbsthilfe der Wirtschaft und der Kam m u n e n, ohne die jede Unterstützung fruchtlos sein wird. Ich weiß, daß hier in Oberschlesien in allen Schichten der Bevölkerung der Wille zum Aufbau der Heimatprovinz stark und deutlich zum Ausdruck gekommen ist. Trotz schwerster Not- jähre sind überall Ansätze zu neuem Blühen, zu neuem Aufschwung vorhanden. Gewiß sind das nur Anzeichen, die erst zur Hoffnung auf kommende bessere Zeiten berechtigen. Aber wo der Wille>st zu produktiver Arbeit, wo die Bereitwilligkeit vorhanden ist, auch unter schweren Opfern sich umzustellen, da wird sich auch ein Weg sinden lasten.? Brandkatastrophe in Schanghai. 300 Toie.— Cin ganzer Stadtteil niedergebrannt. In dem gegenüber Schanghai hinter de« Dockanlagen der japanischen Schiffahrtsgesellschaft Rippo« Uusien Kaisha liegenden Stadtteil P o o t u n g wurden durch eine ungeheure Fenersbrunst sämtliche Häuser und Hütten im llmkreis einer englischen Quadratmeile bollkommen zerstört. Etwa 300 Menschenopfer sollen zu beklagen sein. Viele Personen kamen dabei ums Leben, als sie unter der Asche nach ihren An- gehörigen und Habseligkeiten suchten. Der Feuerwehr, die durch Militär unterstützt wurde, gelang es, ein Ueber- greiseu des Feuers auf die Tockanlagen selbst zu ver- hindern. Tropenhitze in Aew �ork. In Berlin neuer Temperatursturz zu erwarten. Ter Lsten der Vereinigten Staaten von Amerika ist von einer Hitzewelle überrascht worden, die zu der für den April anormalen Temperatur von 38 Grad Eelsius führte. New Zork hat seit gestern ein Wetter, dos alle Frühjahrs- rekorde hinter sich läßt. Coney Island ist überfüllt. Bis in die Letztes Argument. „ilnd dann heißt mein Mandant Langkopp. Schon der Aame deutet auf langfchädlige Edelrasse, es war also eine echtdeutfche, eine vSitifch« Tat.. späte Nacht hinein suchen Tausende in den großen Anlagen und Parks Erfrischung. * Ganz im Gegensatz zu Amerika, wo zurzeit hochsommerliche Temperaturen herrschen, ist sür den europäischen Kontinent wieder mit st a r k e r Abkühlung zu rechnen, lieber Westeuropa lagert ein weitverbreitetes mächtiges Hochdruckgebiet, das sich von den Azoren bis nach Island erstreckt. Auf der Ostseite dieses Hochs wehen hestiqe nördliche Winde, die kalte Luftmassen mit sich führen. Der Lust- ström hat bereits heute früh die ganze Nordseeküste erreicht. Die Folge sind ergiebige Regenfälle und Sinken der Temperaturen. Auch »n Berlin hat in der vergangenen Nacht schon eine starke Nebel- trübung eingesetzt. Das Regengebiet rückt aus Norddeutschland lang- sam nach Süden vor. Wie der Amtliche Wetterdienst mit- teilt, ist daher heute abend bzw. in der kommenden Nacht bei sinkenden Temperaturen mit Regen zu rechnen. Für die nächsten Tage wird gleichfalls unfreundliches und regnerisches Wetter vorausgesagt. Bemerkenswert ist, daß in der letzten Nacht P o m m e r n und O st preußen noch Z Grad Kälte hatten. In Berlin wur- den heute mittag 9 Grad Wärme gemessen. Todessprung eines Vierzehnjährigen. Aus noch unbekannten Gründen stürzte sich heule mittag der 14jährige Max£. aus dem im 5. Stockwerk gelegenen Flur- senster des Seitenflügels F i n o w sl r a h e 29 auf den Hof hinab. Der Zunge wurde in hoffnungslosem Zustande ins Lichten- berger Hubertus-Krankenhaus gebracht. Ein revoltierender General. Er droht dem Kriegsminister mit einem prätorianeraufstand. Paris, 0. April.(Eigenbericht.) Ter französische General Aogues hat eine« drohenden Brief an den klriegsminister P a i n s e v e gerichtet, worin er ihm mit einem Prätorianer- a u f st a n d droht. „Tie Armee, schreibt der General, ist in der liammer mit Beleidigungen überschüttet worden. Man kann und darf aber nicht auf der Ehre der Armee herumtreten, ohne W i d e r st a n d hervorzurufen. Schon jetzt geht die Parole herum, daß die Armee sich selb st helfen müsse. Sollen wir es denn wirklich den Lehrern und Postbeamten nachahmen, deren Gewerkschaften zwar voll- kommen gesetzlos sind, trotzdem aber stillschweigend ge- duldet werden. Tie Armee murrt, schreibt der Ge- neral weiter und schließt in drohend prophetischen Tönen: Tie Armee ist entschlossen, sich selbst zu vertei- d i g e n, weil die lächerlich schwachen Gesetze nicht ge- nügenden Schutz bieten.(Zümmern Sie sich um die Armee, Herr Minister, die Armee ist unzufried'en, sonst geraten Republik und Nation in die schwerste Gefahr." Eigene Listen der �tpO.-Oppofiiion. Kommunistischer Wahlkampf mit Zellen in Sachsen. Eine Konstrknz d«r kommunistischen Rechtsopposition in Sachsen hat beschlossen, für die sächsischen Landtagswahlen eigene Listen auszustellen, nachdem die kommunfstisch* Zentrale das Ultimatum der Vrandleristen scharf abgelehnt hat. Cs werden also zwei komniunistische Parteien gegen- einander kämpfe». Das Interessanteste daran ist, daß der Wahl- lamps der Nechtsopposition in die Reisten der anderen Parteien hin- eingetragen werden soll. Di« Konferenz der Brandleristen hat de- schlössen, in allen Truppen und Zellen der Kommn- nistijchen Partei dafür einzutreten, daß sich die kommunisti- schen Parteimitglieder für die Opposition erklären. Das ist wieder eine neue Phase der Zellenbildungs- und Spaltungstaktik der Kommunisten.- ZBahlkompf einer gegnerischen Partei im Orga- itisakionskörper der Partei. Es ist ein Akt der cmsgl« ichenden Gerechtigkeit, daß dies Experiment am Körper der Konimimistilchen Partei selbst vollzage» wird!" Glanz und Elend in den Banken. Angestellte p.'cisentiei-en die Gegenrechnung. Aus der Generalversmivnlung der Darwstödter und Noiionalbonk� die bei den Gewinnabschlüssen der Großbanken in den letzten Iahren stets an der Spitz« stand, nahm der Vertreter der frei- gewerkschaftlich organisierten BankangestcllZen Genosse Marx zu eingehenderen Ausführungen dos Wort. Er zerpflückte zunächst die in allen Bankberichten wiederkehrenden Klagen über die untragbaren Steuer- und Soziallasten und wies auf die mindestens im gleichen Maß gesteigerten Abgerben im Auslände und das noch stärker« An- wachsen des staatlichen Budgets in England und Amerika hin. In welchem Umscoige die Darmstädter und Natianalbank auf- geblüht sei, beweist, daß der Umsatz von 1926 bis 1g2K von klg auf 220 Milliarden gestiegen sei, sich also so st verdoppelt hob«. Demgegenüber sei die Zahl der Angestellten gleich ge- blieben, woraus die«norme Mehrarbeit, die die Angestellten zu. leiste» hätten, ersichtlich würde. Die in der letzten Bilanz ausgewiesenen offenen Reserven haben diechühedesAklien- kapital? erreicht, und auch die stillen, nicht ausgewiesenen Re- srroen durften annähernd den gleiche» Umfang genommen haben. Marx schlägt vor, daß der Generaldirektor der Danat-Bandk, I a- tob Goldschmidt, vor seinem Arbeitszimmer das Transparent anbringen lasse:„Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still." Wenn ferner die Danat-Bank in ihrem Geschäftsbericht betone, daß mehr als 8 0 Pro z. der Unkosten auf persönliche Aus- gaben entfallen, so würde eine Umlag« dieser Zahlen auf das arbeitende Personal MGI Mark Jahresgehalt oder 300 Mark im Monai ergeben. Dem steht aber die Tatsache gegenüber, daß das durchfchniltsiche Gehalt lm Akonat sich zwischen 2K0 und 270 Mark bewegt, ein Zeichen, in weichem Maß das Unkostenkoniadurch die leitenden Stellen belastet wird. Marx faßte sein« Ausführungen dahin zusammen, daß die Danat-Bank von dem Ge- winnvortrag auf das neue Geschäftsjahr in Höhe von drei Millionen ein« Million für Gratifikationen der Angestellten ab- zweige. In seiner Entgegnung betont? Generaldirektor Gold- schmidt, daß Herr Marx Unerreichlmre? fordere, um Gefährliches zu erreichen. Im übrige» erging sich Herr Goldschmidt in längeren und breiteren Ausführungen über die moralische Berantwortungs- sreudigkeit der führenden Unternehmer und betonte, daß der Wieder- aufbau der Wirtschast mir durch engste Zufrminienarbeit von Kapital und Arbeit durchgeführt werden könne. Diese Ausführungen sind uns nicht neu. Goldschmidt«ergißt bei diesen schönen Worten aber immer, in welchem Maße die werktätige Masse nur zu einem U n- kostenfaktor im Betriebe herabgeldrückt und daß im moder- nen Wirtschaftsleben dos Mitartieiterverhältnis zwischen Angestellten und Unternehmern so gut wie aufgehoben ist. Die wirtschaftlichen Röte und Kämpfe sehen sich vom Sessel des Generaldirektors und dutzendfachen Aufsichtsrots eben erheblich anders an als vom Stand- pnnkt der werktätigen Masten. Rettungsaktion für Feme-Schulz. Verhandlungen im Rechtsausschuß.- Das korrigierte Urteil. Gurmanfki. Gegenüber Behauptungen der russischen kommunistischen Presse und ihrer Berliner Filiale wird ossiziös erklart, daß der ehemalige kaiserlich russisch« Staatsrat von Gurmanfki mit den Fälschungen seine« KoUegen Orloff nicht in Verbindung gestanden habe. Die Verhaftung von Kurmanski sei wegen Landesverrats erfolgt: er ist stboch freigelassen werden, da ein Grund zu seiner weiteren Festhaltung nicht destehe. Gurmonski habe mit dein deutschen Au»- wärligen Amt niemals irgendwelche Beziehungen gehabt. 3nr Maifeiermache der KpO Sine Antwort an Pieck. Herr P i e ck hat für die KPD. ein Schreiben an die Berliner Betmebsrät« gerichtet mit der Aufforderung, Maikomitees zu wähle»„zwecks Organisierung der Maidemonstration". Die Mit- glieder dieser Malkomitees sollen am Freitag, dem k2. April, im Reichskasino, Neue Königstrahe 20, zusammenkommen und hier ein .zentrales Maifeterkomitee" wählen. Der Betriebsrat der Si«mens-Sch»ckert°Werte. Klein- kobetwerk. hat«mf dieses dreist« Ansinnen folgende treffend« Ant- »ert gegeben: „Ihre Einladung z» der Versammlung am 12. April, des- gleichen Ihre Aufforderung. Mai-Komitees zwecks Organi- fierung einer besonderen Maidemonstration zu wählen, lehnen die Betnebsräte der Siemens-Schuckert-Werke A.-G., Kleinbauwerk, einstimmig ab. Durch die Art und Weise, wie die KPD- bei der vorjährigen Maidemonstration kleine Kinder benutzte, die zum Gaudium des Bürgertums wie Papageien stundenlang schreien mußten: „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!" usw. hat die KPD. die Berechtigung, sich als Hüter des Rechts auf die Straße aufzuspielen, verloren. Obwohl wir noch viele ähnlich«, die Arbeitcrschast schädigende Handlungen, die von den Führern dar KPD. ihren fanatischen Anhängern befohlen wurden, hier aufzählen könnten, verzichten wir daraus, da diese Auswüchse Ihnen, Herr Pieck, ja wohl bekannt sein dürften— und vielleicht sind Sie sogar stolz auf diese Erfolge. Mir Empörung und einen» Gefühl des Ekels und der Besthä- iming über solch« Verrohung, die durch die KPD. in die Arbeiter- ichaft hineingebracht wurde, haben alle anständigen Arbeiter dtefae sinnlose Treibe» über sich ergehen lasten müssen. Da mir au« alter Erfahrung wissen, wie wenig e r n st es die PKD. mit einer wirklichen Maifeier nimmi— wird da» in den Siemei'.sbetrkeben, in denen die KPD. die Führung hat i (Elmowerk und Kabelwerk) prozentual die Ardeitsruhs am 1. Mai| Bor dem Rechtsausschuß des Preußischen Landtags begann heute vormittag die Verhandlung über das Gnadengesuch des Femeleutnants Schulz. Ein zu Beginn gestellter Ber- tagungsontrag des kommunistischen Abgeordneten Obuch wurde ab- gelehnt, da für die einzelnen Abgeordneten genügend Zeit zur Bor- bereitung auf die Sache gewesen sei. Dann will der Borsitzende dem Berichterstatter Dr. Kriege! Gewerbesteuer de» Arzte» zu einer Krantensteuer hinaus, denn um ihren Betrag müßte der Arzt fein Honorar erhöhen. Prof. Dr. Siedler, Leiter de» Bundes Deutscher Architekten, führte aus, daß der Honorar-Architekt kein Gewerb« ausübe, wie es der bauausführende Unternehmer betreibe. An Stelle der in, Gewerbe üblichen Mosssnleifwng trete für den Architekten die Individualleistung. Luch die Forderungen der Architekten seien durch eine Gebührenordnung festgelegt. Standesorganisationen wachten darüber, daß die ideellen Seiten des Berufs der moeer iellvn Art ber Benifsausübung- vorausgestellt würden, liebermäßige Steuerbelastung heiße die Kunst unterdrücken und gefährden. Ein solches Odium hat bisher jeder Staat gescheut. Der heutige Woh- mmzsbau ausreichender und einwandfreier Wohnungen wäre ohne die helfende Hand des Prioatarchiiekten nicht möglich. Di« Be- lcistung mit einer neuen Steuer würde wiederum da» frei« Schaffen und die Privatinitiative verhindern, zugunsten bureaukratischer Er- ledigung. In der am Schluß der großen Dersannnlung einstimmlg ge- faßten Entschließung wird ausgeführt, daß die kern Gewerbe treibenden freien geistigen Berufe gegen den Versuch, sie mit einer ihnen wesensfremden Gewerbesteuer zu belasten,«indringlichen Einspruch erheben. Unter der berufstätigen Bevölkerung haben st« am meisten unter Krieg und Inflation gelitten. Ohne jSde staatliche Unterstützung stehen sie im schwersten Lebenskampf. Nicht nur ihnen, sondern vor allem dem deutschen Volt« droht die Ge- fahr, daß die freien geistigen Berufe infolg« wirtschaftlicher Ber- elenduvg ihren kulturellen und idealen Aufgaben nicht gerecht wer« den können. E» muß deshalb verhängnisvoll wirken, wenn man die freien geistigen Beruf« zur Gewerbe- und Berus»steu«r heran- zieht und die Tätigkeit der betroffenen Berufskreise zum Schaden der Allgemeinheit lähmen, wenn nicht völlig zerstören will. am wenigsten durchgeführt—, können wir Ihrer Aufford«- mng nicht folgen und werden mir alle Arbeitnehmer auf- fordern, sämtliche KPD.-Parolen abzulehnen!" Die Ltnglücksruine vor dem Einsturz. Riemand kümmert sich um Landsverger Allee �6. Die Ruine in der Landsberger Allee 115, die feit dem großen Explosionsunglück schon über ein Jahr unverändert dasteht, scheint den Streit zwischen Eigentümer Und Feuersozietöt wegen der Bau- i iälligteit dadurch entscheiden zu wollen, daß sie einstürzt. Lm Sonnabend haben sich plötzlich große Mauerstücke gelöst, Träger wurden mitgerissen und ein Grundpfeiler beschädigt. Ein großer Teil der Barderfront droht nachzustürzen, so daß die Baupolizei Irfortige Absteifungen anordnete. Es scheint höchste Zelt, daß sich die streitenden Parteien über die Riederlegung dar Unglücksruin» einigen. Oer Gatienmsrd in Charlvtienburg. GaStragödie m der RheinSberger Strohe. Die schwere Llulkal In der Küstriner Straße 10 in Eharlollenburg konnte biihoe nicht weiter geklärt werde«, da der Täter, der«jährige Kaufmann Sernhord H a f f m a n n. als Polizeigefangener im 5 leslskrankenhaus noch immer »ernehmunzsunfjhiß daniederliegt. Sein Zustand ist schmerer. als es zunächst den Anschein hatte. Zazwische» siud in den briefliche» H i uterla j s« u- ! ch o f t« n von der Kriminalpolizei Beweisnrittel vorgefunden war- den, die keinen Zweifel mehr daran lasten, daß e« sich um ein« seit längerer Zeit geplant« Tat handelt. Go wurde u. a. ein Brrnf mit dem Datum de» 1. April an eine Frau Hoffmann, die sich zu dieser Zeit in der Ebarite befand, oclunden. in dem Hoskmann droht, daß „bald etwas passieren müsse, da er dies Leben nicht mehr ertragen könna", Dieser Brief ist aber nicht zur Absendung g« langt. Die Konferenz in der Gackgasse. Wenn die Gläubiger sich nicht einigen können. Poris, 9. April.(Eigenbericht.) Die Pariser Presse gibt sich heute nicht mehr die Mühe zu ver- heimlichen, daß die«achverständigenkonfcrenz durch die übersteigerten Forderungen der Alliierten in eine Sackgasse ge» raten ist. Allerdings sei die Lage nicht so dramatisch, erklärt der „Petit Parisien", wie sie in der deutschen Presse geschildert werde. Es sei ganz natürlich, daß die Gläubiger ihre Forderungen ver- teidigten. Der„Matin" seinerseits glaubt schon voraussagen zu können, daß heute eine Einigung auf den von Owen Doung ausgearbeiteten Kompromißvorschlog möglich sein werde. Pertinax im „Echo de Paris"' gibt eine genaue Aufstellung der alliierten Forde- rungen: Frankreich verlangt 8 Milliarden, Belgien 2,2 Milliarden und England ZP Milliarden. Die Italiener oerlangen kl) Prozent von der Gesamtsumme der alliierten Zusotzforderungen über die 'Abdeckung der Schulden an Amerika und England hinaus. Oer Weltfunkvertrag. Oer Reichstag soll ihn ratifizieren. Der fgeichspostminister Hot dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes üb«r den Weltfunkoertrag nach Zu« stimmung des Peichsrats zur Beschlußfassung vorgelegt. Der Welt- funkvertrog ist das Ergebnis der Weltfunkkonfsrenz in Washington, die im Oktober und November 1927 getagt hat. Er soll den 1912 in London abgeschlossenen internationalen Funktelegraphen- vertrag ersetzen. Der Pertrag gliedert sich in drei Teile: den cigent- lichen Pertrag, die allgemeine Vollzugsordnung und die Zusatz- vollzugsordnung. Im Vertrag ist«Ine Bestimmung neu eingeführt, die die Regie- rungen verpflichtet, zu unterdrücken: das unbefugte Aussenden und Aufnehmen von Funtnachrichten privater Natur, die Berbrei- wng des Inhalts aufgefangener Funknachrichten oder selbst der Tai- loche, daß solch« Nachrichten vorhanden sind, die unbefugte Ver- össentlichung oder Verwertung aufgefangener Funtnachrichten und ichließlich das Aussenden oder Verbreiten falscher oder betrügerischer Notzeichen und Notanrufe. Vorlaufige Einigung in der Huiinduflrie Guben, 9. April. Zn Frankfurt a.d.D. wurde gester» unker dem Vorsitz des Negierungspräsidenlen Bartels Einigungsverhandlungen zur Vermeidung der Aussperrung in der hukindustrie vor» genommen. Noch zehnstündiger Verhandlung kam in später Abendstunde eine vorläufig« Einigung zwischen den beiden Parteien zustande, die aber noch der Zustimmung des Arbeitgeberverband«» und der Gewerkschaften bedarf. Die Parteien vereinbarten, sich bis nächsten vkonlog mitlag gegenseitig über die endgültige Annohme oder Ablehnung zu unterrichten. Der Acbeikgeberverbond wird mtt Rücksicht hierauf das Ende der Kündigungsfrist auf nächsten Dienstag hinau sfchleben. Oer Bürgerkrieg in Mexiko. Bundestrnppen rücken veiter vor. vlexiko, 9. April. Nach einer amtlichen Meldung ist General Calles um Mitter- nacht in Guadalajara eingetroffen. Cr begibt sich von dort nach Mazatlan, wo er fein chouptquartier aufschlagen wird. An der Westtüsta dringt die Bundesarmee des Generals Cor- deno» gegen die Rebellen weiter vor. Auch der Vormarsch der Bundestruppen gegen die Stadt Chihuahua daiiert an, ohne daß es zu Kämpfen gekommen wäre. Qefitmle SSücher. Ilm wert-all« Büch«, die nur tn wenigen ich« gar nur sme« einzigen Exemplar vorhanden sind, vor Baschäingung durch häufigen Gebrauch und Transport zu bewohren, hat me Berkner Staatsbibliochet einen neuartigen Filmapparat m Betrieb g«n«nm«n. miäert dessen dl« eiruelnen Seiten dar Bücher am einem Mlmftretfen pbotoaraphiert w«rd«n kSnnen. Mit chilfe eines Hainen Projeknonsapparate» kann die gawünscht« Geile vergrößert wiedergegeben werden. Unser Bikd zeigt oben Photo- graphien einer Seite. Umen: durch ProjeUionsapparal wird die Seite vergrößert wiedergegeben. Botschast de Von Walther Ja, im Wald, ein wenig ostwärts meiner cheimat, der riesig metallen aufgetürmten Stadt der Millionen, liegt noch eine Handvoll Schnee zwischen deu zerfrorenen und herbstlich verwelkten Gräsern: eine Handvoll schmutzigen Schnee's— armseliger Rest dieses ver- gangenen Winters. Aber wir wollen froh sein, daß er nun sort ist imd wieder Raum gibt der Auferstehung des Frühlings, denn er war grausam in seiner Härte, die uns ins Fleisch biß und sich in die Wohnung der Armen und Aermsten einnistete. Bier lang« Monate waren wir wie eingemauert in«inen scharfen unbarm- herzigen Wind, wir muhten den Mund gut zumachen, damit wir fest blieben auf dieser Erde. Tag für Tag packte uns eine eisige Faust in den Nacken, daß wir un», nicht feig, nicht müde, nur waffenlos, kaum wehren konnten. Nur die eine Hoffnung blieb: Glauben. Glauben an die ewige Geletzmäßigkeit der Natur. Wenn wir uns fast krank froren in den kalten und wenig geheizten Zimmern unserer Armut, blieb uns nur jene wunberbore Erkenntnis des Rhythmus der Jahreszeiten, und wenn wir dann für einen Augenblick die Augen schloßen, eilten schon hell« Fanfaren des Frühlings aus den südlichen Ländern über die Berge. Jetzt fft uns schon ein wenig behaglicher und fröhlicher zumute. Die Leute machen wieder ein freundliches Gesicht und sind vielleicht gut zueinander. Eine Handvoll Schnee ostwärts im Walde, in den Ein sentimentaler Hochstapler. »Sagliofiro" im Capitol. Dieser schöne, hochgewachsene Mann, der moralisch« Hemmungen zu seinem festen sealischen Besitz zählt, hat mit Cagliostro nur den Namen gemein. Sein« Gattin Lvrenza, in Wirklichkeit noch ge- schmeidiger und für die Intrige und den Betrug noch geeigneter als der Eheherr, wird hier zu einem moralischen Hollywoodgirl mit dem beliebten blöden Madonnenlächeln. Es fft nichts weiter als ein« Spekulation mit dem bekannten Namen lüagliostro, ein« jener schlimmen Uebert ragungen genialen Abenteurertums in die Sphäre kleinbürgerlicher Matal, ein Appell an alte Traditionen, für die der posierte.Held ein von Weihrauch umnebeltes Götterbild darstellt. Was die Heroen Klaren und I u t t t e als Manuskript fabrizieren, ist Geschichtssälschung. Ein Cagliostro wird nicht jahrelang um ein höchst unbedeutendes Girl herumwinfeln. Pervers war dieser Mann nie. Energie ist in Gartenloubensentimartalität verwandelt. Der Regisseur Richard Oswald stellt stilechte Rokoko- zimmcr, Interieurs von berückender Intimität, aber in diesen Räumen bewegen sich Menschen, die besser in ein Bureau New Porks hineingehören. Außerdem wird die Halsbandgeschichte der Marie- Antoinette weit ausgesponnen, doch im Grunde erhält das iönig- liche Gesindel recht. Man dichtet Geschichte um und kokettiert un- entwegt mit den unausrottbaren Instinkten der kleinbürgerliche» Masse. Ein glänzender Stoff ist wieder einmal mit Rücksicht auf die Geschäftekonjunktur verschvnd�t worden.„Cagliostro" könnte eine Satire auf die Dummheit der herrschenden Gesellschaftsklasse sein, die von einem klugen Outsider düpiert wird, könnt« ober auch als das Drama eines Menschen, der seine Kräfte überspannt, aufgezogen werden. In der hier vorliegenden Form ist der Stoff entschieden abzulehnen, trotz guter Regie, trotz spannender Führung der Handlung. Tin das bürgerliche Idyll suchender Cagliostro bleibt ein« komische Figur. Hans S t ü w e verwechselt Cagliostro mit dem Ferdinand aus „Kabale und Liebe". Alfred Abel, der statt des Kardmols Rohan einen gleichnamigen Prinzen mimt, ist ohne ausgeprägtes Gesicht. Die Frauen beschränken sich auf hergebrachte Typen. Nur Cduard von Daele, der Ludwig XVl., weiß diesen Schwach- köpf mit wenigen Bewegungen charakteristisch zu skizzieren. F. S. Kfd und Klangfilm. Die Ufo meldet: Die seit Monaten zwischen der Ufa und der Klangsilm G. m. b. H. im Flusse befindlichen Verhandlungen hoben zur Unterzeichnung eines Vertrages geführt. Di« Ufa wird auf ihrem GeJäude in Neubabelsberg vier große, modern« Tonfilm-Atelier« errichten, deren Aufnahme-Apparaturen die Klangfilm G. m. b. H. liefert. Ferner wird Klangfilm die Ufa- Theater mit Klangfilm-Wiedergobe-Apparaturen unverzüglich aus- rüsten. Der zwischen Ufa und Klangsilm abgeschlossene Vertrag sieht ein««nge Zusammenarbeit auf tcm wissenschaftlichem Gebiete unter tatkräftiger Mitarbeit der Firmen AEG. und Siemens vor. Di« Ufa wird mit ihrer Tonfilm-Produktion bereits in acht Tagen beginnen. Hierfür steht ihr dos gegenwärtige Klangfilm- Atelier zur Verfügung. Eines der Atelier» in Neubabelsberg wird in etwa drei Wochen eingerichtet sein. Mit dem Bau der vier Tonfilm-Ateliers, die zu den größten europäffchen Anlagen ihrer Art zählen werden, wird dieser Tag« begonnen. Die Inbetrieb- nähme soll bereits Anfang Juli erfolgen. Di« Ufa wird ihr schon seit Monaten vorbereitetes Tonfilm« Programm demnächst veröffentlichen. Städtisches„Museum der Gegenwart". Im neuen Haushaltsplan der Stadt Berlin erscheint ein Posten von 4ÖO0OO Mark für Künstankäuf«. Es ist mehr, als irgendein deutsches Museum, die Staatlichen Museen in Berlin eingeschlossen, zu Ankäufen.zur Verfügung hat. Wie bisher Kunstwerke nach Auswahl des Zufalls oder nach persönlichen Beziehungen für dies im« Geld anzuschaffen, sollte doch endlich ausgeschlossen sein. Wie aber die Stadt für ein« solch« Summ« etwa» Neue« und Wichtiges ms dem Gebiete der Kunstsammlung schaffen könnt«, das zeigt Dr. Walter Riezler, der Geschäftsführer des Werkbundes, in einem beachtenswerten Aufsatz, den er soeben in der Zeltschrift„Die Form" veröffentlicht. Er schlägt vor.«in„Museum der G»g«n«art" zu schaffen, kein» reine Kunst- oder Kllnstgerverbesammlung modern« Art. wie«z sie besonders gut in München gibt, in der von Professor Dr. Günther von Pechmann Mleiteten„Neuen Sammlung", sondern «in Museum, das die Dokumente der Gestaltwerdung unserer Zeit sammelt und zugänglich macht. Dieses„Museum der Gegenwart' müßt« alle» enthalten, was auf dem weiten Gebiet« der neuen Formen grundsätzliche Bedeutung besitzt. Man müßt« sich In Ihm unterrichten können, an der Hand von Modellen und guten Photo- graphie», über alles Wichtig«, das an neuer Baukunst im In- und Auslande entsteht. Man müßt« dort in sorgfältigst ausgowählten s Frühlings. 5. Ofchilewski. Gräben, die längs der Eisenbahn laufen—- was ist das noch alles? Ueber Nacht frißt auch ihn die Erde ein, und Wurzeln nähren sich von seinem Wasser. Wir können wieder vergessen, was un» noch vor wenigen Wochen den Mund schloß, die Augen blendete, viel« von uns zittern, frieren und um das schreckliche End« bangen ließ. Hallo! Jetzt in die Sonn«! Ja, nun kann man wieder hinausgehen in den-Wald, auf die Aecker. Wenn man früh aussteht, Sonntags, kann man schon sehen, wie der Morgen über die aufgebrochenen Fluren dampft. O, die Luft ist rein und holt den Staub des Alltags aus den Lungen und ein frischer Wind nimmt uns auf und füllt uns mit dem aromatischen Duft seiner blühenden Strenge. So grüßen wir den Himmel wieder, der uns geschenkt bleibt für olle Tage. So grüßen wie wieder die erwachende Natur, die wir lieben in ihrer Reinheit und Vollendung. Vor ihrer Größe neigen wir uns in Dankbarkeit wie sonst vor niemandem. Ihr bringen wir unsere Opfer dar und erneuern uns in ihrem Blute. Nur im Ewigwandelboren liegt der Fortschritt der Millionen. Aus den Gräbern des Vergangenen steigt schon die Fat» diorgan» der Zukunft. Heller Gesang treibt uns. Mutig reißen wir den Pflug durch die Erde und werfen die Saat unseres fröhlichen sozialistischen Glaubens in alle Herzen der Menschen. Stücken die gewerbliche Produktion unserer Zeit, handwerklicher und industrieller Art, studieren köimen, und auch das ganze weite und wunderbare neue Reich der technischen Formen, überhaupt alles, was aus Formungen au» der neuen sozialen und wirtschaftlichen Struktur der Gegenwart herauswächst, müßte dort in Abbildungen oder sonstwie anschaulich gemacht werden. Natürlich war« das kein Museum, dessen Bestände die Jahre hindurch unverändert zur Schau gestellt werden: es müßte in wechselnden Ausstellungen von etwa zweimonatiger Dauer immer wieder Neues zeigen, immer wieder neue Querschnitt« durch die Zeit legen, und blieb« aus diese Wesse ununterbrochen in Fluß, wie es sich für ein Institut gebührt, das der Gegenwart geweiht ist. Man mühte dort Räume zur Verfügung haben für Vorträg« und Vorführungen oller Art und könnte sehr wohl auch die neue Dichtkunst und Musik(sowie den modernen Tanz. Anm. d. Red.) mit dabei berücksichtigen. Es müht« eine Stätte sein, zu der sich alle diejenigen, denen die'Neugestaltung der Welt am Herzen liegt, also vor ollem die Jugend, aber auch olle älteren wahrhaft lebendigen Menschen immer wieder hingezogen fühlen, weil sie sich dort besser als irgendwo ander» über das Werdende klar werden können. Für dieses Museum, wie es sich Riezler denkt, müßte ein Vau errichtet werden, der selber reinste und kühnste Verwirklichung der neuen Gesinnung ist. Di« Sammlungen usw. müßten die Verwirk- lichung der neuen Gcstaltungsideen natürlich nicht nur aus Deutsch- land, sondern aus den verschiedensten Ländern zeigen. Man darf glauben, daß«in derartiges Museum an Geldmitteln gar nicht soviel erfordert, wie die Stadt in ein paar Iahren für ihr« überflüssigen Ankäufe von Bildern und Plastiken ausgibt. Etwa 300000 Mar! als Iohrosetat wären ganz genug— für 100 000 Mark könnten dann ruhig weiter Kunstwerke angekauft werden, wenn nur mit der bisherigen Mißwirtschaft endlich ein End« gemacht wird. Student und presse. Der Rektor der Berliner Universität, Geheimrat Wilhelm His, macht folgenden Erlaß bekannt:„Ich habe Anlaß, darauf hinzu- weisen, daß geschlossene Umzüge von Studierenden innerhalb der Universität gegen die akademische Sitte und Ordnung verstoben und deshalb disziplinartscher Ordnung unterliegen. Bei einem kürzlich vorgekommenen Ereignis innerhalb der Universität sind sofort über- triebet« und unwahre Schiiderungen in die Presse gelangt, die von studentsscher Seite ausgingen. Auch das ist eine grobe Un- geHörigkeit. Di« Beschwerdestelle für Studierend« ist nicht die Presse, sondern der Rektor." Abgesehen davon, daß das rettoriol« Verbot, sich mit Beschwerden an die Presse zu wenden, nicht mehr zeitgemäß ist, dürste es in der Praxis dadurch hinfällig werden, daß der Rektor keine Handhabe besitzt, die Studierenden an der Ausübung ihres staatsbürgerlichen Rechts zu verhindern. Er wird in keinem Fall erfahren, wer der„Schuldige" war. Operation mit einem Taschenmesser. Der Internist und Direktor der Ersten Internen Universität»- klinik in Budapest, Prof. Rudolf Balint, erlitt am Sonnabend nach- mittag in seiner Wohnung infolge Kehltopfödcm einen Erstickungs- orssall. Der bei ihm weilende Privatdozent und Holsjpezialsst Dr. Pollatschek operiert« den Erstickenden in großer Geistesgegenwart mit seinem Taschenmesser. Dr. Pollatschek führte mit dem Taschen- messer einen Kehlkopffchnitt in der Quere durch und legte dann ein« Notkanüle«in. Nachdem derartig die Möglichkeit des Atmens ge- sichert war. wurde der Krank« in ein Sanatorium übergeführt, wo die Operation in fachgemäßer Weife vollendet wurde. Der Krank« erlangte das Bewußtsein bald wieder: sein Befinden Hai sich in- zwischen soweit gebessert, daß er bereits im Lehnswhl sitzen kann. Sind Regenschirme Luxus? Nicht jedem macht es Spaß, einen Regenschirm zu tragen, und wenn man trotzdem sich mit einem solchen Werkzeug bei schlechtem Wetter ausrüstes, so zwingt uns dazu die Notwendigkeit. Die ungarisch« Regierung aber ist anderer Anficht: sonst hätte sie nicht aus den ungewöhnlichen Einfall kommen können, Regenschirm« unter den Gegenständen aufzuführen, die der Luxussteuer unterworfen sind. Besonders erstaunt darüber sind natürlich die Regenschirm- fabrilanten: sie weisen darauf hin, daß schon jetzt di« Benutzung de» Regenschirms in Ungarn sehr zurückgegangen sei und daß fast nur die«inheimischen Hersteller betroffen werden, vor zwölf Jahren wurden noch 870000 Regenschirme au» dem Ausland ein- geführt; dies« Zahl ist auf'13000 gefallen, sa daß jetzt 95 Proz. aller Regent chirm« im Land« selbst angefertigt»erden. vi«»tu« irmsiaMilfllitag zeigt in Urea neu erochieteu Slärnnt*. '.'dtzowstr. Sl.»om 15. Hjml dtS sunt 7. Si«i ein» Vutftellu»» H« Gemilden de» vieler« Abwarb Bicbermann, New gort. velesk»«er» gibt am 17.,S0Ubr im Schwechtenfaal ihren letzten Abend. Eine anlite Jltcrmatoemt» Im Meere aufgefunden. Bei der Ir.'rl Rhodas wurde eine gut«ihallcne antile Mmmoronm« im Aleer um gesunden. Freie Bahn zum Gpittelmarkt! Verlängerung der Lindenstraße, Ourchbruch zur Beuthstraße. Der seit vielen Zahren gehegte Plan, die Linden. st ratze über die Sommandantenftratze hinweg in einem Durchbrach bis zur Veuthstratz« zu verlängern und so einen bequemen weg vom Bellq.VllIance.platz zum Spittel- markt zu schassen, solljehtzurAusführungkommen. schon im Jahre 1910 wurde der neu« Fluchtlinienplan fest- gestellt, und längst ist dos zum Durchbruch erforderliche Grundfbxk der Kommondantenstratze im Besitz der Stadt. Der Krieg verhindert« die Ausführung, aber sie läßt sich jetzt nicht länger hinausschieben, Weil die Verkehrssteigerung von der Leipziger Straß« zum Spittel- markt dringend eine Entlastung fordert. Auch der Lau einer Untergrundbahn durch die Leipziger Straße kann auf der Strecke zwischen Dönhoffplotz und Spittelmarkt nicht in An- griff genommen werde», bevor die Linden st raßenoerlän- g e r u n g da ist, die dann zur Verkehrsumleitung dienen wird. Der Magistrot will für den Durchbruch die früher auf 24 Meter ? astgefetzte Straßcnbreite in 32 Meter abändern, well 24 Meter bei den heutigen VerkehrsanfprUchen nicht mehr genügen. Mit den Arbeiten zur Ausführung des Planes, der noch den Stadtverordneten zur endgültigen Genehmigung vorliegt, soll im Oktober dieses Jahres begonnen werden. Der neue Verkehrsweg schafft eine bessere Verbindung von Berlin-Ost nach Verlin-Südwest. Er wird auch dem neuen Verkehrs- weg zugute kommen, der von der Linden- und Hollmannstraße mit einem Straßendurchbruch zur Alten Iokobftraße und Gitfchiner Straße geführt werden soll und mit der Zossener� Straße und ihren Fortsetzungen zur Entlastung der Belle-Alliance-Brücke dienen wird Die durch die Lindenstraßenverlängerung jetzt nach entstehenden Koste» find ans 678 000 Mark veranschlagt. Auch hier fällt wieder in unserer Zeit, in der Zeit drückendsten Geldmangels, dem Stadtsäckel zur Last, was infolge des Krieges liegen blieb, aber nun endlich ausgeführt werden mutz. Geldmangel nötigt den Magistrat, das Schlußstück der Liirdenstraßenverlängening doch noch hinauszuschieben, nämlich die Beseitigung der störenden Eckgrundstück« an der Beuthstraße, der Leipziger Straß« und der Seydelstraße. Diese unentbehrliche Ergänzung, die nicht billig sein wird, soll einer günstigeren Zeit vorbehalten bleiben. Uebrigens wird mit der Durchlegung der Lindenstraße nach dem Spitteinwirkt nur ein uralter Verkehrsweg wiederhergestellt. Von der heutigen Gertroudtenbrücke führt« noch im 17. Jahrhundert durch das damals dort stehende Ger- traudteutor(im 13. Jahrhundert Teltower Tor genannt) geradeaus und vorüber beim Gertraudtenspital, das bis Anfang der siebziger Jahr« des IS. Jahrhunderts au der Stelle der erst danach ange- legten heutigen Beuchstraße stand, fast g eradlinig der Weg nach Tempelhof, die heutig« Linden st raße. Durch die unter dem„Großen Kurfürsten' geschaffenen neuen Befestigungswerk- mit ihren Wällen und Gräben wurde dieser Weg unterbrochen und der Verkehr zu Umwegen genötigt. Teppichfabrikant Kühnlein. Zahlt iLohn nur, wenn er Geld hat. In Nummer 131 des„Vorwärts" hatten wir die eigenartigen Verhältnisse in der Teppichsabrik von Fritz Kühnlein besprochen und mitgeteilt, daß er die Werkineister samt Arbeitern und Arbeiterinnen entlassen hat, weil sie nicht damit«inverstanden waren, daß— wie Herr Kühnlein angeordnet hatte— die Lohnzahlung je nach dem Geldcingang erfolgen sollte. Mit anderen Worten, die Arbeiter sollten ihren verdienten Lohn erst dann erhalten, wenn der Fabrikant Geld in der Kasse hotte, was oft nicht der Fall war. Jetzt standen sich die Enslassenen und der Fabrikant vor dem Arbeitsgericht gegenüber. Sie forderten ihren verdienten Lohn, den sie bei der Entlassung nicht bekommen hatten, well eben kein Geld da war. Herr Kühnlein oersuchte auch vor dem Arbeitsgericht seinen eigcnqnisgen Modus: Lohnzahlung je noch dem Geldeingaug, zu verteidigen,»uißte sich aber belehren lassen, daß er den Lohn «m �lilligkeitstoge zu zahlen hat und der Arbeiter sich nicht darum zu künimern braucht, ob und wann der Unter- nehyrer das nötige Geld hat. Ohne viele Umstände wurde der Be- klagte also zur Zahlung der oerdienten Löhne verurteilt. Außerdem verlangten die Kläger, weil sie s r i st l o S entlassen find, Bezahlung der vierzehntägigen Kündigungszeit. Der Beklagte Behauptete, er sei zur fristlosen Entlassung berechtigt gewesen, weil die Kläger die Arbeit verweigert hätten.. Es stellte sich ober heraus, daß von einer Arbeitsverweigerung keine Rede fein kann, denn die Kläger hatten sich ja nur geweigert, zu der Be- dingung: Lohnzahlung je nach dem Geldeingang, zu arbeiten. Sie waren also berc6>ligt, die Arbeit fristlos aufzugeben und Bezahlung der Kündigungszeit z» verlangen, weil sie den ver- dienten Lohn am Fälligkeitstage nicht erhalten konnten. Auch in diesen Fällen wurde der Beklagte zur Zahlung verurteilt. Der Werkmeister, der auf eine sechs wöchentliche Kündigung zum Quartalsenten Anspruch Hot, forderte eine Eni- schädigung von 900 Mark. Nachdem Herr Kühnlein gejammert hatte, eine Zahlung in solcher Höhe sei gleichbedeutend mit dem Ruin seines Geschäfts, iaud sich der Werkmeister zu einem Vergleich bereit, wonach er 430 Mark in Ratenzahlungen erhalten soll. Eine Episode ans dem Streit um den oerdienten Lohn entbehrt nicht eines humoristischen Beigeschmacks. Eine resolute Arbeiterin hatte es verstanden, sich, in den Besitz von zwei zur Ablieferung fertiger Teppich« zu setzen und sie als Pfand f ü r i h r e Lohn- fordern ng sicherzustelle». Die Arbeiterin glaubt« zu einer solche» Psandnahine berechtigt zu sein, obgleich ein derartiger Akt der Selbst- Hilfe gesetzlich unzulässig ist. Herr Kühnlein sprach von einer gewaltsamen Aneignung der Teppiche durch die Arbeiterin und drohte mit dem Staatsanwalt. Schließlich wurde auch dieser Fall durch einen Vergleich erledigt: Die Arbeiterin behält den einen Teppich zum Ausgleich ihrer Lohnforderung und liefert den anderen an den Beklagten ab. Diese Klägerin kommt viellcicht am besten weg, denn sie hat ja einen Wertgegenstand zugesprochen bekommen, den sie in der Hand hat. Die übrigen Kläger und Klägerinnen haben zwar ein Urteil, aber noch lang« kein Geld. Zwei neue Attersheime. Der Magistrat beabsichtigt, zur Unterbringung hilfsbedürftiger alter Personen in verschiedenen Gegenden unserer Stadt Altersheime zu errichten. Mti diesen Maßnahmen soll einmal durch Freimachung von Wohnungen solcher Hilfsbedürftiger, die aus wirtschaftlichen Gründen zur Zahlung der Wohnungsnneten außerstande sind oder sich ohne Hili« nicht mehr selbst versorgen können, die Wohnungsnot bekämpft werden. Zum anderen würden die Krankenhäuser und Hospitäler dadurch entlastet, so daß indirekt eine teilweise Beseitigung der Bettennot erreicht wird. Nachdem der Magistrat vor kurzem die Einrichtung eines Alters- heims in B e r l i n- B u ch h o l z beschlossen hat, wurde kürzlich die Einrichtung von zwei weiteren Altersheimen in den Bezirken Lichtenberg und T e m p e l h o f genehmigt. ' Für den Osten soll in B> e s d o r f- S ü d an der Kopenicker Straße auf einem unmittelbar am Wald« belegenen Grundstück ein solches Heim errichtet werden. Das Gebäude wird zwei Stock- werke umfassen und ein- und zweibcttige Zimmer zur Unterbringung von etwa 83 Personen enthalten. In jedem Zimmer ist Kochgelegenheit vorgesehen, außerdem wird eine Gemein- schaftsküche eingerichtet. Die Gesamtkosten für das Altersheim stellen sich auf rund 307 000 M., so daß für jedes Bett rund 3900 M. aufzuwenden sind. Das Altersheim in Marien darf will man auf dem städtischen Grundstück zwischen Strelitz-, Markgrafen- und Schwerin- straße. einem von dem Verkehr wenig berührten Stadtteil, erbauen. Neben dem Erdgeschoß sind drei Obergeschosse mit Zimmern für ein und zwei Personen vorgesehen. Sämtliche Zimmer erhalten Kochgelegenheit: außerdem ist ein« zentrale Küche vorgesehen. III Personen können Aufnahme finden. Für den Bau und die Einrichtung entstehan Kosten in Höhe von 620 000 M., somit würde ein Bett mit rund 5600 M. zu berechnen sein. Die Weitoeroerfolgung der Altersheimprojekte erscheint dem- nach, abgesehen von den bereits angeführten Gründen, auch vom finanziellen Standpunkt dringend geboten, da für die Einrichtung für die Einrichtung eines Hospitalbettes etwa 10 000 M. für die Einrichtung eines Hospitalbettet etwa 14 000 M. aufgewendet werden müssen. Erster Schultag. Schon um die achte Morgenstunde wimmelt es in den Straßen von kleinen Leuten mit dem Tornister als Zeichen künftiger Schul- weishsit aus dem Rücken. Es gibt an diesem ersten Tag immer noch«inen Wirrwarr. Umschulung, Einschulung. Bei den einen heißt es um acht Uhr Schulbeginn, bei den anderen um 9 Uhr, dann wird aber noch umgewechselt, und so sind die meisten um«ine Stunde zu früh dagewesen. Das Neue, wenn auch meist mit etwas ängstlichen Darstellungen verknüpft, lockt sie und dann vor allem die zahlreiche Kollegettschoil ihrer Altersgenossen. An Mntters oder Vaters Hand marschieren. sie also tapfer ihren ersten Schulgang. Die unvermeidliche Schul- tüte, möglichst in Riesenformat,(Wann wird dies« Unsitte endlich aufhören? Da macht sich schon bei den Jüngsten der Unterschied des Besitzes unangenehmst bemerkbar.) Am Schulhof versammeln sich lang« vor Beginn Eltern und Kinder. Da beschnuppert man sich erst mal gegenseitig so.ganz aus der Ferne. Ein paar ganz Couragierte fangen sogar schon ein kleines Gespräch miteinander an. Aber die kann man zählen. Die meisten klammern sich so ängstlich an Mutters Hand, und ihre Augen sagen unentwegt: Verlaß mich nicht! Und einem der kleinen Jungen laufen die hellen Tränen über die Bäckchen Mutter tröstet und tröstet, aber der Strom will nicht versiegen. Und die Frau wird von den Umstehenden teil- nahmsvoll interviewt.„Ach," meint sie, da hat ihn so'n Großer er- zählt: Du, in der Schul«, da gibt's aber Haue!" Alio er ist«nt- schieden kein Anhänger des Lützowschen Erziehungssystems. Auch hier erweisen sich als würdige Vertreterinnen des stärkeren „schwachen Geschlechts" dl« Madels als die beherzteren. Wenn auch die«ine oder andere nach Mutters Aussage die Nacht so gut wie gar nicht geschlafen hat, so tun sie dach so, als ob ihnen der Schritt ins Leben nicht allzuviel Kopfzerbrechen machte. Nun versammeln sie sich in der Aula, und der Rektor hält eine tleine Begrüßungsansprache. Er wirbt um das Vertrauen der Eltern und um die Gunst seiner kleinen Schützling«. Und dann erzählt er ihnen, daß aller Ansang gar nicht so schwer sei, wie sie alle fürchten. Da wird nicht gleich von Ansang an feste drei Stunden lang die Bank gedrückt, sondern es geht ganz langsam, sachte ansteigend. Erst eine Stunde, später zwei und dann die normale dreistündige Schulzeit. Und auch die Unterrichtsweif« hat ja durch die neu« Schulreform viel gewonnen. Kein Drill, kein unnötig großes An- fangspeniuin und vor allem Selbstbetätigung der Kinder zur Schürfung der Sinne und des besseren Erfassens. Die Schiefertafel existiert längst nicht mehr, es wird gleich mit Bleistift ins Heft gemalt. Das hart« starre arabisch« l, das gar so böse und unnachgiebig dreinsieht, ist ebenfalls in Acht und Bann getan, es wird gleich mit der den Kindern viel leichter faßlichen Lateinschrift begonnen. Und dann das Formen all der Gegenständ«. die der kindlichen Gedankenwelt schon klar sind, das Kneten der Buchstaben, das Hölzchenlegen der Ziffern usw. Di« Eltern sollen kommen und selbst sehen, wie ihre Kinder in der ersten Schulzeit unterrichtet werden. Oomela aus der Hast entlassen. Harry Domela, der am Sonnabend wegen angeblichen Krcditbetruges in Hast genommen worden war, wurde auf Antrag seines Verteidigers wieder auf freien Fuß gesetzt. Wir haben schon am Sonntag auf die sonderbaren Gründe hingewiesen, die zur Festnahme Domelas führten. Bcrantwortlich kiir die Reix-dlirni: Ar««, lUBtt, Berlin: Sl«zeigen: zj. Sl-Se. Berlin. Verlag: Vorwörls Verlag S. m. d. H., Berlin. Druck: Borwortz Buckv druckcrci und Bcrlagaaustalt Paul Singer& Ca., Berlin SZS IZ. Lindenstraß- 3. Kierzn l Beilage. I Theater, Lichtspiele usw. stain 8 L'hr 8 5 Barbarossa 9256 CROCK trnd du gro(e April-Programm PLAZA L A m flmta Ahl. 8068- n r.gi.Su.S15: intern.Varietß Karten 8 Tage in» voraus J voiKibUhne Fluatet inRBIofiliti 8 Uhr Trojaner ThMltr im SAtnunertanm 8 Uhr Pioniere in Ingolstadt Thalia- Thealer 8 Uhr Oelransch Staatl.SdiillK-Ili. 8 Uhr Oedlpus Sliatufw inPlats airlmkllk 8 Uhr Berfiiegioiie Thealer am Ihanerdanun. Norden 114) u. 281. Pionier« in Ingolstadt (Soldaten u Dlensi- tnädchen) v.Marieluise Fleifter Regle: Jakob GeiS. Bühnenbilder Kaspar Keher. Kaooerspide 0.1. Norden 12 310 8>/-U„ Ende geg. 10 LeirteAuffübnineeii Die Ursache Schauspiel v Leonhard Frank Regle: Hans Deppe. Freilag, den 12. April f'.i Uhr: Zum 1. Mai: Jusifc von Ossip vzmo». D.I. Norden 12310 8 U., Ende nach lO'ii Die lattign Viibtr m ViMlur von Shakespeare Regie: Heina HHpert Die Komödie J 1 Bismck. 2414/7516 g' l U-, Ende geg. 10 Zum tt. Male wann Kommst Komödie von S. Maugham. Regie: Gustaf GrOndgens Birrnnkr-Mim Tbuttr in 4»' KSniggrltinr StnBe Täglich 8','« Uhr Rivalen Kemddlanhau« Täglich 8 Uhr Die Diei-Gmdin- Oper fheatar am Nollandorfplab Täglich Vh Uh" Revolte Im Bniehoagshaes Cr. Scbauspielhaiis 8 1 Melropoltlieater 8 K tt n a 1 1 e r 1 a e h• Leitnnff: ERIK CHARE 2)cc Äefie Augusüft BerllDer IDiater Ol rek LHel na Heral d Charlatteutraüc 9t) A.7. Dönhoff 170 AnLSU, Ende 10 U. Helden von Bernard Shaw Lesslnp-Theater Täglich 8 Uhr 8 x HoeAzen. tob Bamanar«. Wtlitek Alfred Braun Mady Christians Trade Ufr,!»» »Irgfr. Arn» Paal Morgan Panl Wrst»rm«l»r CnstaT Hatzner Marianna Wlakalitarn Iwan Orlik 1 Buddelbum, l»lla Firif sNauZanimar j Sonntap, 3 Uhr tntgekürrte VersteUnog Kleine Preise Trade Hesterberg Osker Karlweis Uschi Clleott W. Jankuhn H. Junkannann W. Sehaaffers Besnty 6irl>| CewedioDey Ausetattungen: Prof. JCrnst Stern. Musik. Leitung: Ernst Hauke Rudolf Perafc. Ifeu auf Elektmlal »u Tfttattr des Vnttis h ins| Oer größte Erfolg Berlins__ Friederike Mugl von Oehar «rtla v. Thellmann Karl Ziegler, Staatsaper Wien »rnkedl. Dato, aewinatn. Her, ftadr nmmirrSr. «tet«#L93lB.7J8Ö nialtrTheater fresdener Str. 72-2. S Uhr HOeirausciiu Winrer ★ Garren* 8 Dkl• Ztatr. 2818» Baadieo ulaaki DODGE TWINS Die berflhmlea Retme-ZvUUagc BERN ARD$ RICH Tauunutioa HARU ONUKI Japan Ucile Opem-Dlva und weitere internationale Varietö- Berühmtheiten Dtach. KOasUar-Tk. 8-/4 Uhr Pottaseh und Porlmottor aisoetektiu Paul Grktz, Karl Ettlinger. Mleinej Tbuter Täglich 8Vs Uhr: Curt Goetx, Valerie r. Marten, Ferd, ▼. Allen in „Trio" Lostsp. T. Leo Lenz. Regie: Friedmann- Frederldi. Lustsplelbaos 8V» Uhr Guido TDielseber In Paradies Komische Oper» i | Berlins neaeate große| Revue-Posse „Von Bettchen zu Bettchen!u I UDIH okm Ende Ii I, Bfldini| Vomirkiol inntirkrodiM. R o ss-Thea tei jr.Prnktirtnfi.llI 8-T Uhr DnialteldwUtla Trianon-Th. 8V» Uhr Oer Herzog und die sandarln Planelarünn >" am Zoo i■ '« I»-. Induntkiitr Noll. 1578 Ib-» Uhr Stamhlmmal das Frah],hrs 18V» Uhr Starnblldtr und Weltbau 20'»Uhr Wunder de, •Qdlichen Hlminela Tägl.auBerMontags u. Mittw. Erwachs i Mk» Kinder äu Fi Mitiw.; Erwachsene 30 PL, Kinder 2S Pf. Renaissance- Theater HardeiUwriptr& Tel.: tteinpl. 901 o. 2181/14 SV» Uhr. utxtt 7 innkrugn»-<- Uhr Max Pallonberg „Das große ABC von Marcel Pagnol Reg:«asi. HartMO. Ii PrtmiimbMtti. CASWO-THEATER � � Lothringer Straße 37. Oer neue schlagen „Eine ungeliettte Frau und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für)—»Pers1 Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 Mk Theater a.KottbusserTor Koltbusser Str. 8. W. MpJ. 1 8077 AUahcndlidi 8 Uhr •ad> Sonntag« nadlm. 3 Uhr Jublläums-Progranun unter der Devise fio Jahre] Kllte-sansttr Berliner Illh-Trlo Naukölln. W üüuutt.TiTii. Reichshallcn>Theatar Abt.[T1«kr. Saflittti«»am.|T] DJ» Ztewner Sfinger » Ms vndtrvsiis April-Programm! Nachm. halbe Preise. Dönhoff- Brottl: 10 Nummern! K e n i 8 r I/ Tai x. Mittwoch, den 10. April aadua. 3 Ohr Hlier-Palinli gibt bis aal weiteres Aazllgc, v isier, Palclots zu Fabrikpreisen ab. Bitte, überzeugen Sie sich. Kaiser-Villtelni-MH. 1 1r. MH»» Zu noch nie Baua dagewesenen Preisen; bringen wit Stores, fiardlnen j Bettdecken KOnstlgr-Gardinen in besten Qualitäten von...... 2.25 a Halbstorcs in allen Webe- aiten von......... 1,75., Bettdecken von........ 2-5.. Dekorati msstolfe von... 3,—„| Einzelverkauf von 9—7 Uhr SpezIal-ßanliDen-VerkstlitteG S. Krüger NeokOlln. Bcrg-Straßefi? 2. Stock am Kingbahnhof Kein Lodern!■■MV 43e1fa$e Dienstag, 9. April 1929 SivKx'iA StuUciuignßa dtk tifWasA Julius Hart unö die Friedrichshagener Tum 70. Geburtstag eines ewig Zungen 1. ,£iferafurrc5olufion0 und revolutionärer Sozialismus. Mit dem 1. Oklober 18W tief das fluchwürdige Sozialflten- gssetz ab, das zwölf Jahre auf dem politflchen und kulturellen Leben der deutschen Arberterschait gelastet hotte. Allerdings hatte die deutsche Sozialdemokratie durch ihre wiedererstorkte öffentliche und durch ihre überall verbreitete geheime Organisation die Wirtungen des Ausnahmegesetzes wesentlich abgeschwächt. Wer mit dem literarischen Berlin des Jahres 1890 auch nur oberflächliche Beziehungen unterhielt, den überrascht« die große Zahl von Sozialisten in den Redaktionen der linksgerichteten Blätter Berlins. Mer auch in den Kreisen der Mitarbeiter der„Täglichen Rundschau", die Dr. Friedrich Lange im literarischen Teil dieses Wattes um sich geschart hatte, bekannten sich einige hervor- ragende Kritiker offen zum Sozialismus. Voran die Gebrüder Heinrich und Julius Hart, die in ihrem Kampf um den Sozialismus oft durch ihre scharfen, freimütig-sozialistischen Ur- teile verblüiilcii. Wer allerdings die Lebens- und Leidensgeschichte beider Männer kannte, den überraschten nicht ihre starken Sym- xathien mit dem Sozialismus. Heinrich und Julius Harr waren schon in ganz jungen Jahren zur Sozialdemokratie gestoßen. Heinrich war mit Johann Most in Berlin bekannt geworden und hatte an der„Berliner Freien Presse" mitgearbeitet. Ms sich Julius Hart 1878 in Berlin vorübergehend aufhielt, wurde er Most vorgestellt. Aus dieser De- gcgnung hat sich noch bei Julius ein sehr starker Eindruck von der eigenartigen Persönlichkeit Most? crchalten. Im Jahre 1879 ging Julius Hart nach Bremen und wurde dort Theatcrkritiker an einem bürgerlichen Watt? Als die unterdrückte Sozialdemokratie dann ein sogenanntes„neutrales" Blatt herausbrachte und der Redakteur Reißer inhaftiert wurde, leistete Julius Hart der Partei wichtige redaktionelle Dienste. In dem Jahre 188Z traten Heinrich und Julius Hart ihren großen Waf'engang mit den Wortführern des damaligen bürgcr- lichen literarischen Deutschlands an. Sie bereilctcn die„Literatur- Revolution" in Deutschland vor, die 1890 mit dem Siege der natura- listflchen Bewegung vorläufig abschloß. Es war ein leideirschafl- licher und an Wunden reicher Kampi, der die beiden Gebrüder Hart oft in die verzweifeltste wirtschaftliche Bedrängnis stürzte. In diesen Berliner Hungerjahren waren Heinrich und Julius Hart die typischen Vertreter der Berliner Boheme. Sie lernten gründ- lich das Berliner Hinterhaus mit seinem sozialen Elend und Jammer kennen. Ihre sozialen Gedanken und Gefühle vertieften sich. Sie schlössen viele Freundfchasten mit Berliner Arbeitern. Juini» Hart erinnert sich noch mit starker innerer Bewegung uisteres opfer- bereiten Konstantin Janischewskis, für dessen Wahl in den Reichstag er offen Anhänger warb. Bell)« Brüder lebten von der Hand in den Mund, aber das Wenige, was ihnen ihre literarische Kampffmeyer, Julius Hart und Bölsche igclöhnerei einbrachte, teilten sie noch mit journalistischen Aben- rerern, die sich um sie drängten. Di« Sonne der Freundschaft >seres Julius Hart strahlte immer aus Gerechte und Ungerechte, ch viele parasitische Charaktere mißbrauchten sein« grundgütige -sinnung. Ihre heftigen Slurmangr!f!e auf die Götter und Götzen der it hatten beiden Brüdern die Augen für die unheilvollen lite- tischen Auswirkungen des Kapitalismus geöffnet. Sie trugen c anlikapitalistifche Kampfgesinnung in einen ständig wachsenden eis van jungen Schriftstellern und Studenten hinein. Zu ihnen sollte sich anfänglich auch H u g e n b e r g. von besten sozial- nianen Eingebungen und Gedichten mir immer Karl Hcnckell ht lebhaft zu erzählen wußte. Unzweifelhaft bedeutete' die Bc- antschaft mit Heinrich und Julius Hart für viele unserer modernen ärmer und Drängcr eine neue, richtunggebende Wendung in cm Leben. Eine innige Freundschaft verbanden Karl Henckell, runo Wille. W U h e l m V ö l s ch e. Otto Erich Hart- den mit de» Gebrüdern Hart. Uebrigens schwoll die Jünger- ar der Harts auch in den Berliner Arbciterkreiscn ständig an. Die„B e r l i n e r. V o l k s t r i b ü-n e", das oppositionelle � Blatt E iÖetünfj; Sozial dem okrcuie. rnchm uMr hex Lestung des weit- sichtigen, feingeblldetcn Max Schippe! enge Fühlung mit den jungen aufstrebenden realistischen und naturalistischen Literaten. Ge- dichte von Heinrich und Julius Hart, von Richard Dehmel, von Bruno Wille, Auszüge aus den ersten dramatischen Schöpfungen von Arno Holz und Johannes Schlaf erfchinen i» der„Berliner Volkstribüne", Die jungen Literaten griffen zu dieser Zeitung, unö Julius Hart(Karikatur von Bölsche) mancher der sozialistischen Gedanken, die von einem radikalen Marxis- mus durchglüht waren, sprangen str die Köpfe und Herzen von Jungdeutfchland über. 2. Die Müggelseerepublik im„Opposiiions"feuer. Im Jahre 1890 tat sich in Friedrichshagen die junge Literaten- Republik auf. Ihren Mittelpunkt bildeten die Gebrüder Hart, Wilhelm Bölsche und Bruno Wille. Wenn man. sich in dieser Lileraten-Republik am Müggelsee mit dem ewig bewegliche»» Julius Hart aussprach, dann erkannt« man sofort die tiefe Klufr, die sich zwischen ihm und der sozialen und kulturellen Weltanschauung des Bürgertums auftat. Die bürgerliche Literatur war für Julius Hart nur ein Erzeugnis des Luxus und Ucberflusscs, eine Spielerei ohne Leidenschaft und Größe des Gefühls. Im Proletariat sah Julius Hart eine neue Klasse mit einem neuen geistigen Ideal, mit einer neuen Wellanschanung, mit dem festen Glauben an eine höhere und bessere Entivicklung der Mensch- heil. Er erhoffte auch von dem Proletariat die Kraft, eine neue Kunst der Größe, des Ernstes und der Wahrheit aus sich zu erzeugen. Und dieser Gedanke begleitete ihn auch, als er Mitfchöpfcr der Freien Volksbühne in Berlin wurde. In den Iahren 1890— 93 gebot der junge deutsche Naturalismus übei» zahlreiche Anhänger in der Berliner Arbeiterschaft. Viele führende Köpfe des Berliner Proletariats— ich nenne hier nur Wilhelm Werner, Karl Wildbergcr. Max und Richard Lagiirski— unterhielten einen regen geistigen Verkehr mit den Friedrichshagener Verfechtern des Naturalismus. Die „Freie Bühne", das Kampsblatt der jungen naturalistischen Richtung, ging unter diesen Arbeitern von Hand zu Hand. Die oppositionelle» kritischen Gedanken der Berliner Arbeiter anderer- seils fluteten nach Frirdrichshagcn hinüber. Die soldatische Disziplin, ein Erfordernis der sozialistengesetzlichen Kämpf«, fand in den Kreise» der Friedrichshagener Boheme kein rechtes Verständnis. Sie sym- pathisiert« mit den Bestrebungen der Berliner„Opposition", die Organisation der Partei freiheitlicher zu gestalten. Sic nah!» wohl auch dos Ziel der Opposition beifällig auf, eine große sozialistische Massenbewegung ins Leben zu rufen, die sich möglichst von der izarlameniarischen Leitung, von der sozial- demokratischen Reichstagssrakrioii befreit« und ihren eigenen Weg ging. Die Massenbewegung des ersten Mai wurde ihr Ideal. Der revolutionäre Elltwicklungsgedanke des Marxismus: die baldige Aersprengung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse durch die sich machtvoll ausreckenden Produktivkräfte in einer großen sozialen Revolution nahm wohl auch einige Köpfe der jungen Friedrichshagener Schriststeller gefangen. Im allgemeinen aber blieben sie den theoretischen und iaktisckxn Kämpfen der Berliner „Opposition" fern. Zu einer allgemeinen theoretische» Klärung üb»? die sozialistischen Probleme ließ sich das schnell lebende Friedrichshagen keine Zeit. Hintereinander traten in Friedrichs- Hägen eigenartige Köpfe hervor, die das Feuer des Sozialismus bald nach dieser, bald nach jener Richtung trieben. Da tauchte z. B. John Henry Mockay mit seiner reinen und schönen Be- geisterung für Mar Stirner auf und stellte dem demokratischen Sozialismus den individualistischen Anarchismus gegenüber, da erschien Dr. Benedikt Friedländer mit seinen überhitzten Kampsesreden gegen die„Staatsknechtschaft" der Marxisten, mit seinen überschwänglichen Dithyramben auf das System von Eu gen D ü h r! n g. Die„Berliner Opposition" zersetzte sich theoretisch und taktisch sehr schnell. Gegen einen radikalen Sozialdemokratismus er- hoben sich bald ein unabhängig-sozialistischer Syndikalismus, ein anarchistischer Kollektivismus und ei», anarchistischer Kommunismus. Als einziges größeres Prodult dieser gärenden Zeit ist die „Philosophie der Befreiung durch das reine Mittel" zurückgeblieben— eine rein anarchistische Kampfschrist Dr. Bruno W i l l« s. Diese Schrift mit ihrer Ausschaltung oller Herrschaftsmittel, aller physischen, pädagogische» und religiösen Autorität blieb in grauer Theorie stecken, sie entband gar keine Attionskrast. Sic beeinflußte auch nur schwach die Schriftsteller- kolonie Friedrichshagens. Die Gebrüder Hart standen mit beiden Füßen in. den sozialen und politische» Bewegungen der Gegenwart und hörten auf die drängende» Forderungen der Zeit. Wie fern obte Iflä dieser Z#st Wistes Ziel: der jreie Pernujlmenlöh. Ei» sichtbares Denkmal des regen politischen Verkehrs der Der- liner Arbeiterführer mit den jungen Friedrichshagener Schriftstellern ist ans diesen Tagen noch erhalten: Die proletarische Mar- s e i l l a i s c H e i n r i ch H a r t s, die zur Maifeier 1892 im Berliner „Sozialist" veröffentlicht ist. Der„Sozialist" wurde auch init Hilfe Otto Erich Hartlebens aus der Taufe gehoben. Dieser sprach in einer verschwiegenen Versammlung(„corpore") in der Wrangcl- straße in Berlin für den Plan der„unabhängigen" Genossen, den „Sozialist" als Parteiorgan und nicht als Privawnternehnien her- auszubringen. Das spottlustige Friedrichshagen nannte darsb den „Verschwörer" Hartleben den„Corpora-Erich". 3. Walpurgisnachtftier und Marsfest. In jüngster Zeit vernahmen wir aus einer Publikation Przybyfzewfkis, daß dos„Elend in Friedrichähagen"— das der Schriftstellerkolonie—„direkt sprichwörtlich" gewesen sein soll. Das kann man wirklich nicht von„Friedrichshagen" sagen. Die Fried- richshagener„Boheme" lebte wahrlich nicht im Ueberfluß, aber zu essen und zu trinken— und mitunter recht reichlich— hatte sie doch. Wie viele frohe Stunden verlebte sie in der Brauerei Friedrichs- Hagen und im Gespensterhaus Ahornallec! In» allgemeinen versiigt« sie über einen köstlichen Humor, der über manche Stunde körperlicher und seelischer Verstimmung hinweghalf. In solchen Stunden erklangen dann erlösend die prächtigen Verse des alten Bohemeliedes: „Ich geh« meinen Schlendrian und trinke meinen Wein, und wenn ich nicht bezahlen kann, so ist die Sorge mein." Mit innerer Ueber- zeugung wurden namentlich die Schlußworte des Liedes gesungen: Und sollt ich auch dereinst mal in der Hölle wimmern, So hat sich doch kein Mensch, kein Mensch darum zu kümmern. Die Zeichen- und Malkunst des trefflichen Wilhelm Bölsche er. heiterten die Feststunden der Friedrichshagener Kolonie. Schade, jammerschade, daß der schöne Reichtum an Tischkarten, Postkarten und Karikaturen meist verloren gegangen ist, auf denen Bölsche die„lächerlichen Menschen" Friedrichshagens abkonserseite. Es war damals wirklich nicht langweilig in Friedrichshagen. Don Zeit zu Zeit tauchte hier irgendeine„Berühmtheit" auf: John Henry Mackoy, Frank Wedekiird, Max Halbe, Gustav Landauer, Ola Hansson, Laura Marholm, A. Strindberg, und sofort war ein plau- sibler Grund für ein festliches Symposion(Trinkgelage) gegeben. Da sprachen dann wohl unsere lieben Gebrüder Hart, die Stroh- hülsen der Weinflaschen aus den bedeutenden Dichterhäuptern, stundenlang in Versen. Die Walpurgisnachifeste der Friedrichshagener zur Maifeier ver- liefen in ausgelassener Lustiakcit. Sie verbannten jedes offiziell: ....... � H �- i~r"#. t-VßPvmmr* 4\ U > j. .-*) T%/-•""/ i••■ -1 1- Das Gespensterhaus(Karikatur von Bölsche) Festgcprängci«In jeder trugZein Scherflein zu den Festen bei, und oll« bedienten sich selbst. Kein bcdiensteter Geist schaltete hier— weil alle dienstbare Geister waren. Das Fest auf den„Inseln der Seligen" auf dem seuerraten Planeten Marz durchglühte eine wahrhast dionysische Stimmung. Zu diesem Fest hatten Bölsche. die Gebrüder Hart und.Fritz Loescher eingeladen. Und aus der Marsfeier ertönte stürmisch der Ruf noch einer neuen Festkultur, noch einer neuen Welt: Was sich neu ans Licht will drängen, Laßt in Bildern und Gestalten Glänzend dem Auge sich entfallen: Rene Kunst und neue Welt Leuchte über unsere Feier, Und von eurem Geist erhellt. So manches von neuer Kunst und neuer Welt hat sich seitdem vor unseren Augen„entfaltet". Das fröhliche Friedrichshagen der jungsozialistischen Dichter und Kampfer ist aber im Zeitenschoße ver- funken. In Dichtung und Sage lebt es noch fort. Bor allem aber in den alten Akten des Berliner Polizeipräsidiums. Liul Kimplunch'cr.• nw QL�r rYnr/mn-J. Copyright Safari-Verlag G.m.b.H., Berlin W35. von ctfjerHüdson-'Bou Zelc/iMurzgzen. won Acloff LeAnert (Schluß.) „Schon," sagte der Sergeant,„dann müssen wir uns anderswie beHelsen. Kommt mit allem, was ihr hobt, in die Baracke. Dann sticken wir und schaffen Geschirr für zwei Gespann«. Oder habt ihr vielleicht Mala fortgeholfen?' Er wußte gut, daß das nicht der Fall war. Aber sie würden durch«inen solchen Verdacht eingeschüchtert werden und ihm desto eifriger helfen. Das geschah denn auch. Sie machten sich schnell daran, Stränge und Riemen zu flicken. Das schlimmste waren die Peitschen, die Mala auch zerschnitten hatte. Es gab kein Material zu neuen. Aber man behals sich, so gut man konnte, und nach vier- undzwanzigstündiger ununterbrochener Arbeit waren sie reisefertig. Das Wetter war jetzt auch besser. Es war nicht mehr unmög- lich, fortzukommen. Der Inspektor und Make. Arola und Joe. Vier Mann mit- Schlitten und leichter Ausrüstung. » Ueber das Schraubeis am Strande ging es. Hier klappte der erste Schlitten zusammen. Bums, sielen die Kufen ab, und st« stan- de» gänzlich hilflos da. Der Inspektor war vorausgekommen, kehrte sich aber zufällig um und sah, daß die Hunde hielten. „Worauf, zum Teufel, wartet ihr? Macht schnell, ihr Faulpelz«!' Sie antworteten nicht, gaben nur Aeichen, standen da und sahen d-n Schlitten an. Der andere Schlitten kam angefahren, auch der knickte zusammen, als er die Unebenheiten erreichte. Wieder vergingen vierundzwanzig Stunden mit Flüchen und hastiger.Arbeit. Alles wunde untersucht und dann ging es nordwärts. „Schnell, schnell!" Der Inspektor war ungeduldig. Er sah, daß der schön« Sieg ihm entglitten war. Sollte er als Besiegter heim- kommen? Sollte er sich den Gefangenen unter den Häirden entschlüpfen lassen? Hier oben konnte er schelten und wüten. Aber in Ottawa würden sse mit den Tatsachen rechnen. Der persönlich« Streit ging niemand an, daher weiter! Mala muhte eingeholt, er mußte zurückgebracht werden, tot oder lebendig. Die erste Nacht schliefen sie nur wenig, bald zogen sie weiter und erreichten Wager River, den offenen Fjord. Die Schnelligkeit war nur mäßig, die Hunde zogen schlecht. Das scharfe Tempo, daß sie anfangs angeschlagen hatten, war zuviel für sie gewesen. Gegen Abend waren sie nicht weiterzubringen. Alle konnten sehen, daß es das einzig Richtige war, ihnen Ruhe zu gönnen.' Eine Schneehütte wurde gebaut, und man zog ein. Es gab nicht viel Unterhaltung zwischen den weißen Männern. Make war bereit seine Pflicht zu tun, aber sein Herz war bei Mala. Er haßte jetzt seinen Vorgesetzten. » Am nächsten Tage erreichten sie den Wohnplatz auf der Süd sehe de« Fjords. Die Eskimos kamen aus den Schneehäusern heraus. Da waren also die Polizeileute, auf die sie warteten und denen Mala half, indem er ihnen Schneehäuser im voraus baute. Die Eskimos wurden gleich ausgefragt, und sie erzählten, was sie wußten. Die Verfolger konnten einen Ausruf des Erstaunens nicht unter drücken. Mala war also ein schlauer Fuchs. Ja, ja, aber wir find auch nicht auf den Kopf gefallen. So weit bist du also gekommen. Das wissen wir, und da geht es wohl auch weiter nach Tajarnak? „Er will heim zu seinen Frauen," sagte Make.„Wir müssen hinterher und ihn dort sangen. Es ist ein weiter Weg, aber wir kommen wohl hin.' „Ja, und dann können wir gleich die Ermordeten ausgraben." sagte der Inspektor, der sich des Sieges einigermaßen sicher fühlte. Das war wieder Wasser auf seine Mühl«, wenn er heimkam und berichten konnte, daß der Gefangene geflohen, aber dank seiner Um- sie�t wieder ergriffen war. Einig« Tage verstrichen mit eiliger Fahrt. Es ging jedoch nicht so schnell wie gewünscht und sicher kaum so schnell, wie Mala oer- mutlich gefahren war. Denn ihr« Hund« waren schlaff, und das Geschirr war schlecht. Sie hatten es bei den Eskimos, die sie trafen, nicht erneuern können, denn die konnten nichts entbehren und fuhren selbst mit elenden Strängen. « Erst nach mehreren Tagen erreichten sie den Wohnplatz bei Tajarnak. „Habt ihr Mala gesehen? Ist er hier vorbeigekommen?" Das war das erste, was sie fragten, und Antworten und Fragen flogen hin und her. Alle wollten erzählen. „Ja, gewiß haben wir Mala gesehen." Ach. so hing es zusammen. Er war aus der Flucht. Das hätten sie nur wissen sollen. Dann hätten sie ihn übermannt und gebunden der Polizei zugeführt. Er sei auch nicht gefährlich, denn er habe einen kranken Arm. Er könne die recht« Hand nicht bewegen oder gebrauchen. Mala würden sie schon fangen, und dann solgte die beste Nachricht, die sie selbst mißtrauisch gemacht hatte. Mala hatte gesagt, er ginge nordwärts, die Küste enUang, zu seiner Familie. Aber die Renntierjäger, die angefahren kamen, hatten ihn im Lande getroffen. Außerdem war er unangenehm gewesen, hatte nicht anhalten wollen. Das war merkwürdig gewesen. aber man glaubte, daß das von den Schmerzen in seinem Arm und von seinem Heimweh gekommen wäre. Sie wollten die drei Männer mitnehmen, daß sie ihnen den Weg zeigten, und alles wurde bereit gemacht, um am nächsten Mor- gen zu reisen. Als sie aber aufwachten, war das Wetter umgeschlagen. Es war milder geworden. Draußen war Tauwetter, und niemand konnte fahren. Sie mußten also warten. Der Inspektor raste. Aber er verstand doch, daß es auch sein gutes für sie hätte, denn es gab Hundefutter genug am Platze, und ihre Hund« konnten ruhen und fressen, fs daß sie wieder zu Krästen kamen. Es verging jedoch nicht nur«in Tag. es vergingen vier, und erst am fünften Morgen konnten sie sich wieder aufmachen, und da waren all« Spuren verwischt. E» war nicht mehr viel Schnee vor- haichen, aber es fror wieder, wenn die Kälte auch nur gering war. Sie hatten auf dem Wohnplatz ein Zelt geliehen, das schnell auf- geschlagen und abgerissen werden konnte, was vorteilhafter war als das Bauen von Schneehäusern. Das mußt« die Reise beschleunigen. Ja, Mala wollten sie schon sangen, setzt, da sie so viele waren, und sie peitschten die Hund« gewaltsam uich kamen bald zu der Stelle, p» bit btei Motu ih» getrajjen hatte». hatte» bis jetzt tüdht geschlafen, waren aber jetzt auch erschöpft. Die Hunde spürten die Peitschenhiebe nicht, und die Männer waren ganz verwirrt vor Müdigkeit. Sie schlugen das Zelt auf und schliefen bald ein. Es war ein schwerer, langer Schlaf. Der Inspektor träumte, er sei aus Menschen- jagd und komme heim mit einem Mann in Fesseln und Maulkorb. Bis hierher wußte man Bescheid, aber jedesmal, wenn man jetzt an ein neues Tal gelangte, wurde es notwendig, sich zu beraten. welchen Weg er eingeschlagen hätte. Man machte Abstecher aus einem Tal ins andere, fand aber tagelang keine Spur von ihm. Die Flüsse begannen ollmählich zu fließen. Die Sonn« bramite auf die Reisenden herab. Eines Tages entdeckten sie auf einem schneelosen Fleck purpurroten Steinbrech, die erste Blume des Jahres. Den Schneesperling hatten sie schon mehrmals gehört. Sie mußten auch an die Rückkehr denken. Drei von den Schlitten hatten Wal- beschuhung. Die tonnten noch gebraucht werden. Di« anderen wur- den zurückgelassen.„Weiter," sagt« der Inspektor.„Wir schlafen am Tage, wenn der Schnee weich ist. und fahren nachts." Endlich sahen sie etwas Verdächtiges vor sich. War es Mala, der dort stand? Sie nahmen die Büchsen hervor, um bereit zu sein. Es konnte ja sein, daß er sich verieidigte. Als sie aber näher kamen, sahen sie, daß es nur der zurückgelassene Schlitten war. Das, was hochragt«, war das Gepäck, das«r nicht hatte mitnehmen können. Hier sah der Inspektor seine eigenen Sachen wieder, die Mala ge- stählen hatte. Proviant stand hier in Kisten, auch sein Schlafsack war dabei, Werkzeug und Kochapparat. „Also jetzt ist eine Fußreise daraus geworden. Ja, ja," sagten sie,„recht weit kann er nicht gekommen sein." Weiter! Ihm noch! Es war klar, daß Mala nicht weiter auf den Schlittenwezcn bleiben würde. Denn man zu Fuß ging, war«s dumm, durch den hohen Schnee zu waten. Ueber den Berg mußte er gehen. Sie suchten nach vielen Seiten und fanden endlich ein kleines Schneehaus. Die Menschenjagd nahm ihren Fortgang. ?!och ein Schneehaus, das kleiner als das vorige war, und hier lagen die Knochen und Felle von zwei Hunden. „Ach so. Er ist sehr herunter. Laßt uns weiter fahren." Aber es war schwer. Auf den Seen stand das Wasser hoch unter dem Schnee. Die Schlitten sanken ein, daß die Hunde sie nicht mehr zu ziehen vermochten. Das Fußzeug der Männer wurde von dem Schnee aufgetaut. Sie zogen mit an dem Schlitten, aber die Sonne brannte, und lange ging es auf diese Weis« nicht. Jeden Hügel erklomm einer mit einem Feldstecher und spähte aus.„Ja, da vorn ist etwas." Das feuerte sie all« an. Sie schlepp- ten und mühten sich ab und kamen schließlich hin. Ach, es war nur ein Stein, der wie«in Mensch aussah. Wie- der vorwärts. Ein Schneehaus. Hier hatte er ein Fell fortgeworfen und einen Hund geschlachtet. Nur das Fell lag da, das Fleisch hatte er wohl mitgenommen. „Ja, ja. Mala, bald haben wir dich." Wieder fort! Endlich kamen sie zu einem ganz kleinen Schneehaus. Es war klar, daß ein kraftloser Mann es gebaut hatte. Ein richtiges Haus war es nicht. Nur eine Schutzhütte, in der er krumm gelegen hatte, und dort lagen abgenagte Hundeknochen, noch ein Hund war geschlachtet worden. Das Fell lag da. Es war Sergeant Makes großer grauer Bas. „Ich glaube nicht." sagte Make,„daß er noch mehr Hunde hat, denn es war ein prächtiges Tier, das wohl bis zum letzten ausgc- halten hatte. Jetzt mutz er alles selber tragen und hat nichts zu essen, wenn er nicht etwas jagt." „Ja, dann ist» er nicht weit fort, laßt uns ihm nachsetzen." Aber sie konnten nicht mehr. Sie prügelten die Hunde und schlugen sie mit den Peitschenschäften über die Köpfe, sie riefen und brüllten. Aber es war nicht möglich, weiter zu kommen. Es war Vormittag, und der Schnee war weich. .Laßt uns das Zelt aufschlagen und abkochen," sagte der In- spektor.„Morgen haben wir unfern Mann, wahrscheinlich sst er schon tot!" Während sie schliefen, hatte den ganzen Tag die Sonne aus das Land gebrannt. Kein Lüftchen hatte chre Macht gedämpft, und der Schnee war verschwunden, abwärts zu Wasser, auswärts zu Dampf. Di- Vögel kamen über ihren Häuptern gezogen und freuten sich des kommenden Sommers. Die Blumen steckten die Köpfe her- vor, wo der Schnee den Winter über das Land bedeckt hatte. Die arktische Pslanze macht ihre Blüte im Herbst fertig. Sie hält sie nur eingerollt unter einer Decke, und im selben Augenblick, wenn die Sonne da ist und das Tauwetter sie erreicht hat, birst sie. und die Blum« lacht die Sonn« an. Ein einziger solcher Tag. und der Winter ist überstanden. Joe erwachte zuerst. Cr steckte seinen Kopf hinaus, um sich umzusehen, und wußte, daß die Reise zu Ende war. Er ries Make. „Ser�ant." sagte er.„wir können nicht weiter kommen. Wo gestern Schnee war, ist heut« Land." Make kroch aus dem Zelt. Ein großer See lag vor ihnen, und das war der Weg, den sie wandern sollten. Er ging einige Schritte und spürte zu seiner Freude, daß er einsank: der Boden unter ihm war aufgetaut. Unter diesen Berhältnissen war schwerer mit Schlitten vorwärtszukommen, als allein zu gehen. Da kam der Inspektor heraus. „Inspektor," sagte Make,„wir kommen nicht weiter." „Zum Donnerwetter, wir müssen weiter!" sagte der Inspektor. Aber seine Augen sagten ihm, daß es unmöglich war. Der Sommer verbarg sich nicht mehr. Alles war Tundra und Wasser. „Wenn wir nicht mit Schlitten fahren können, müssen wir gehen," sagte der Inspektor.„Ich will Malas Leiche mitnehmen." Aber jetzt stieß er auf verzweifelten Widerstand. Er war sich übrigens selbst klar darüber, daß er etwas Unhaltbares sagte. Aber er wollt« den andern die Schuld in die Schuh« schieben. „Wir können nicht gehen, weil wir zurück müssen," sagten Joe und Arola.„Wir müssen heim über Land, und wir müssen uns beeilen, denn wenn wir hier abgeschnitten werden, tonunt das Schiff im Sommer und sieht uns nicht. Dann kommen wir nicht vor dem nächsten Winter heim." Die Jagd auf Mala war beendet. Vor ihnen lag«in mühseliger Rüähug auf der Flucht vor dem Sommer. WAS DER TAG BRINGT. Zwei Luftschiffe. Es ist recht interessaiil, die Grötzenverhälliiisse des soeben von der Balkan- und Orientscchrt zurückgekehrten Zeppelins mit denen des ersten Zeppelin-Lustschisfes zu vergleichen, das Anfang Juli 1300 seine erste Fahrt antrat. Die erste Zahlenreihe der nachstehenden Zusammenstellung bezieht sich auf das damalige Luftschiff, die zweite Reihe auf T. Z. 127. Es betrug der Gasinhalt..... 11 300 Kubikmeter 105 000 Kubikmeter die Länge. der Durchmesser.... größte Stundengeschwindigkeit die Maschinenkrast... 128 Meter 12 Meter 28 Kilometer 30 Pferdestärken 236 Meter 30 Meter 110 Kilometer 2 650 Pferdestärken Vom Sträfling zum Schriftsteller. Das Staatsgesängnis des nordamerikanischen Bundesstaates Ohio beherbergte bis vor kurzem einen Strafgefangenen, der unter dem Decknamen Jahn L. Murpho zu literarischem Ruf ge- langte. Er wurde vor fünf Iahren zur Verbüßung einer zehn- jährigen Strafe, zu der er wegen Diebstahls im Rückfall verurteilt worden war, ins Gefängnis eingeliefert und ist jetzt vom Gouverneur von Ohio begnadigt worden. Im zweiten Jahr feiner Haft hatte er sein schriftstellerisches Tälent entdeckt und mit dem Schreiben von Erzählungen begonnen, die zumeist im Welt- kriege spielten, aber erst in den letzten 18 Monaten vermochte er Dlenstax, 9. April. Berlin. 16.00 Telix Sekerret: Probleme der Verfilmung. 16.30 Unterbaltangsmusik der Kapelle OebrOder Steiner. 18.10 Prof. Dr. Ludwig Lewin: Der erfolgreiche Mensch. 18.30 Stunde mit Büchern; Arbeiterdichtung. Am Mikrophon: Dr. Manired Georg. 19.00 Prof. Dr. A. Vierkandt: Oeseilschaftsfragen der Gegenwart 20.00 StaaUoper Unter den Linden:„Jennfa". Oper von Leos Janacek. Musikalische Leitung: Generalmusikdirektor Erich Kleiber. la Szene gesetzt von Karl Holr. Königswusterhausea._____ 16.00 Martha friedlüitüer; Haupfstufea der Sprach an twlckitflh üa Kleinkindes- alter, 16,30 Dr. Ludwig Laadshotf: AHe Musik. 18.00 Min.-Eat Prof. Dr. Metzner: Das Berechiigaugsvesta i» Seiner atigetneineTi Bedeutung ond schulpolifischen CntwicWütig. 18.30 EranzSsisch für fortgeschrittene. !9.55 Stud.-Eat Georg Thiel: Wie kommen Entdeckaugen und Erfindungen zustande? 19.15 Dr. fritz Croner: Ausbau In dar Angesteilten Versicherung. 19-35 Archivrat Dr. Keyser: Danztgs deutsche Geschichte. 30.00 Bunte Stund«. Mifw.t Dolly Lorenz. Sopran; Willi Weis, Tenor: Kart Zander, Eezitallon: Luciano, Mandharraoaika-Virfuo»«. 21.00 Konzert des Kuban-Koaaien-Chors. Dirigent; L. Iwanoff. 21.30 L. vaa Beethoven: Quintett Es-Dur. op. 16. Kammtmusik-Veremigimg Berliner Philharmonütr. sich die Gunst der Leser zu gewinnnen. Seitdem hob sich der Ab- satz seiner Bücher ständig, so daß er eine Einnahme an Tantiemen von 20 000 Dollar einkassieren kann. Er ist heute der beliebteste Mitarbeiter einer der verbreitetsten amerikanischen Monatsschristsn. Panik durch einen führerlosen Zug. Ein führerloser Zug, der 24 Kilometer durchfuhr und vier Bahn- Höfe passierte, verursachte kürzlich bei London«ine Panik. Der Zug. ein« Lokomotive und vier Güterwagen, hielt auf einem Nebengleis und war für kurze Zeit von dem Lokomotivführer und Heizer ver- lassen worden. Während der Abwesenheit des Fahrpersonals setzte sich die Lokomotive in Bewegung, lies von dem Nebengleis auf das Hauptgleis und setzte diesen Weg mit ständig erhöhter Geschwindig- teit fort. Der Blockwärter, der mit Entsetzen wahrnahm, daß sein« Haltesignale unberücksichtigt blieben, tonnte nur die an der Streck« liegenden Stationen telephomsch warnen. Die Strecke wurde frei- gemacht, während der Zug in rasender Schnelligkeit die Bahnhöfe durchfuhr. Glücklicherweise ging aber bald der Dampf aus. so daß die Lokomotive schließlich auf freier Strecke zum Stehen kam. Der Elefant im Zigarrenladen. Bei der Umladung einer dem Zirkus Hagenbeck-Althofs an- gegliederten Elefantentruppe in Köln trennte sich ein junger Elefant plötzlich von seinen Gefährten und rannte in das große Schaufenster eines Zigarrenladens hinein, wo er bis zur Ladenchete vordrong und verwundert stehen blieb. Der Ladeninhaber vergaß, ihn nach feinen Wünschen zu fragen und lief hisserufend auf die Straße. De» Zirkusangestellten gelang es ohne weiteres, den Ausreißer in sein« gewohnte Umgebung zurückzuführen. Wer hat das Portemonnaie erfunden? Der Erfinder des Portemonnaies ist nicht, wie mancher viel- leicht annimmt, ein Franzose, sondern ein deutscher Buchbinder- geselle namens Karl Heue. Er wandert« im Jahre 1842 aus seiner Heimasstadt Dresden nach New Uork aus, wo er zunächst in einer großen Fabrik Necessaires, Arbsitstafchen und ähnliches herstellen mußte. Dabei kam ihm der Gedanke, daß die riestgeu Geldtaschen, die man damals allgemem im Gebrauch hatte, eigent- lich sehr unpraktisch seien und man einen Ersatz dafür schaffen müsse. Heue schaffte ihn und hatte die GenugtminiL daß sein Portemonnaie in kurzer Zeit ein sehr begehrter Modeartikel wurde. Karl Furstenberg wurde jüngst über die Lomtät der einzelnen deutsche« Großbanken befragt, woraus er seufzend erwiderte:.Di« best« Bank sst leider eingegangen. Es war die Mitteldeussch« Ereditbank. Wenn ma» der Bank die Mittel und den Kredit entzog, blieb immer noch die Deutsche Bank übrig." Woldemaras, dar Diktator von Litauen, schnarchte einmal«acht» in M»— Senfer Hotel so sehr, daß sich m der Früh« sei» Zimmernachbar, ein südamerikanischer Diplomat, nach dem Namen des unruhigen Schläfers erkundigte. Als er diesen erfuhr, sagte er:.Selssamer Mensch, tagsüber lärmt er mit dem Mund, nachts mit der Rase." U�rfurtoloJjZLel Freikörperkultur in derFTGB. Der Beweis für die Nofwendigkeit. Die jüngsten Zweig« der FTGB. auf dem Gebiet der Leibes- Übungen, die Freikörprrkultursparte und der B e- wegungschor veranstalteten am Sonnabend einen Film, und Vortragsabend im Städtischen Lichtspielhaus Neukölln. Be- reits vor Beginn mußte der Raum wegen Uebersüllung poli- zeilich geschlossen werden, so daß Hunderte wieder umkehren mußten. Di« Veranstaltung nahm einen großartigen Verlaus. Landtags- abgeordnete Genossin Dr. H. W e g s ch e i d e r referierte über �Sozialismus, Arbeitersport und Freikörper- k u l t u r�. In überzeugenden Worten verstand es die Rednerin ausgezeichnet, den Anwesenden die innige Verbindung der Arbeiter- spart- und Äullurbewegung mit ollen übrigen Bestrebungen der organisierten Arbeiterschaft vor Augen zu führen. Mit Recht wies sie darauf hin. daß die gesamte bürgerliche Sportbewegung immer wieder die alt« Soldatenherrlichkeit als das einzig richtige Er- ziehungsmittel preist. Kann diese.neutral«' Tätigkeit der Arbeiter« schaft unterstützt werden? Wie sich der Arbeitnehmer zu sreigewerk- schoftlichen Organisationen zusammenschließt, wie sich die Arbeiter- schaft zur größten aller Parteien: der Sozialdemokratischen Partei bekennt, so ist es für jeden Sportler selbstverständlich, daß er sich nur der zentralen Organisation: dem Arbeiter-Turn- und Sportbund anschließt! Bei der Besprechung der verschiedenen Zweige der Leibesübungen erklärte die Referentin: Warum das alles? Um unseren Körper— das höchste Gut das der Mensch besitzt— gesund und widerstandsfähig zu erhalten! Gerade der Schaffend« braucht sich seines Körpers nicht zu schämen. Die Un- ebenheit seiner Gliedmaßen ist hervorgerusen durch die berufliche Tätigkeit! Well eben die Berussarbeit den menschlichen Organismus im Laufe der Jahre angreift, muß der Arbeitende jede Gelegenheit ausnutzen, seinem Körper Licht, Luft und Sonne zuzuführen. Wo könnte das bester geschehen, als in der Organisation, die sich rück- haltlos für dies« Bestrebungen einsetzt! Die Borführungen des Bewegungschors der FTGB. fanden ebenfalls lebhafte Anerkennung.„Schwebendes Dreieck" von Martin Gleisner zeigte m guter Wiedergabe zunächst zwei Gruppen, die unabhängig von einander sich im Raum bewegen. Sie teilen sich schließlich in drei Gruppen, die nach annähernden und wieder abstoßenden Beziehungen sich endlich zur großen Einheit zu- sammensinden. Die heitere Gruppenburleske von Albrecht Knust „Götzendienst" veranschaulichte in humoristischer Weise die MädcheNzimperlichteit und die Männerderbheit. Bedenkt man, daß die Beteiligten nur in ihrer knappen Freizeit den Laientanz pflegen, so ist das Gezeigt« in jeder Beziehung anzuerkennen. Den Schluß des Abends bildete die Wiedergabe des herrlichen Films Frohe Menschen in Luft und Sonne". Di« flotte Szenenfolge zeigt Bilder aus dem Gebiet der Freikörperkultur- bewegung in ungezwungener Freiheit und wahrer Reinheit. Biel« Neuaufnahmen waren der Erfolg dieser ersten Beron- staltung. Weitere Ansragen werden in der FTGB.-Geschäftsstelle, Berlin, Lichtcnberger Straße 3, Freitags 1? bis 19 Uhr, erledigt. Schluß in der Serie. Ludccnwaldes Mannschaftssieg. Zum letzten Kampf in der Serie standen sich die Arbeiter- Ringermannschaften von Luckenwalde und„Einigkeit"- Berlin gegenüber. Vor gut besuchtem Hause wickelten sich inter- cstant« Kämpfe ob, besonders im Federgewicht und Leichtgewicht landen sich Paarungen zusammen, die den Ringkampssport technijch sehr gut beherrschten. Der bekannte Luckenwalder Bantamgewichter Schäfer mußte wegen Uebergewicht erstmalig nn Federgewicht ringen und stand Sternberg- Einigkeit gegenüber. Nach wechselvollem und flottem Kampf siel Schäfer in der ersten Rund« noch 4,35 Minuten und in der zweiten Rund« noch 6.13 Minuten. Diese beiden Siege waren aber auch die einzigen, die„Einigkeit" buchen konnte: denn die er- fahren«» Luckenwalder stellten je zwei Sieg« von Mehnert, Noack und Detzel gegenüber. Beide Gänge im Leichtmittelgewicht— O. Budig-L. gegen Dietze-E. und im Schwermittelgewicht R. Budig-L. gegen Pörschke-E.— endeten unentschieden. Im Schwergewicht kam Luckenwalde kampflos zum Sieg, da Nowodny-E. nicht antreten konnte. Alles in ollem ein gelungener Kampfabend, der den Lucken- walder Abbeiterathleten sicher viele Anhänger des Ringkampfsportes zusichren wird. Ausscheidungsk&mpfe im Gewichtheben. Heute abend werden in der Turnhalle Rummels- burger Straß« in Friedrichsfelde(Endstation Linie 69) von der Sportlichen Bereinigung Lichtenberg-Friedrichs- f« l d e t> 4 sämtlich« H e b« r zur Feststellung der Mannschaft um die Mitteldeutsche Meisterschaft des LAAD, antreten. Da die BereinI- gung über ziemlich gleichwertige Heber»erfügt,»ird es zu harten Kämpfen kommen. Beginn 20 Uhr. Boxen und Rinken. Schweden-Berlin Ringkampf-Europameister. Di« beiden Berliner Amateurboxklubs„Heros" und .Maccabi" hatten am Montag eine schwedische Mannschaft verpflichtet, und zwar„Oernen"(Stochholm), den stärksten Verein Sibwedens. Durchweg gab es packende Entscheidungen. Im Fliegen- gewicht siegte Ball(Moccabi) durch schönen Endspurt gegen den Schweden Ljung. Dos Bantamgewichtstressen konnte Friedländer iMaceabi) nach Punkten gegen Lindquist gewinnen, der in der dritten Runde durch schwere Körpertretfer sehr mitgenommen schien. Der Schwede Gustaisson holte sich dann einen Punktsieg über Buchholz(Heros), der gegen die graßartige Technik seines Gegners nichts ausrichten konnte. Malz(Moccabi) errang einen euünmcksvvllen K.°o.-Sieg über Nordohl in der dritten Runde, nach- dem der Schwedt bereits in der zweiten Runde zweimal am Boden war. I« Weltergewicht gewann Volkmar(Hcro?) durch bessere Technik nach Punkten gegen Kurt Ander sson, einem starken An- griffsboxer. Römer(Heros) zwang im Mittelgewicht den Schweden Zchorp in der dritten Runde wegen einer Lugenverletzung zur Auf. gab«. In, Schwergewicht gab es eine viel umstrittene Entscheidung. Als Gegner trafen hier Gustav Andersson und der norddeutsche Meister Lücke(Hannover) zusammen. Lücke vurb« in der zweiten 9ta£s schwer zu Bode» geschickt, nz der dritte» Rund, gsrist der Schwede aber selbst durch einen Kinntreffer in Gcsahr. Das schien die Richter beeinflußt zu haben, den Punktsieg an Lücke zu geben, obwohl Andersson in den ersten Runden weit in Vorteil war. Nach viertägiger Dauer fanden in der Westfalenhalle zur Dort- mund die Europameisterschaften der Amateur- r i n g e r, an denen die Besten von vierzehn Nationen bc- teiligt waren, einen für Deutschland sehr erfreulichen Ab- s ch l u ß. Von unseren sechs Bewerbern konnten zwei mit dem stolzen und hart«rkämpften Titel„Europameister" ausgezeich- net wenden, nämlich der Dortmunder Eduard Sperling, der als ein,ziger unter allen Bewerbern seine Meisterschast mit Erfolg ver- teidigt«, und der Ludwigshasener Georg G eh r i ng, außerdem fiel ein ehrenvoller zweiter Platz an den Mannheimer Rupp. Die Rangfolge in den einzelnen Gewichtsklassen lautet: Die Ranmelac in den einzelnen o>erl>i cht-klasscn lautet: Bantamgewicht: I. Martinsen-ziorwegen: 2. Niclsen.Danemarl: 3. Nic-Tlchechci.— Feder- gewicht: 1. Hern strdm»Schweden: 2. Torgenscn-Dancmark: 3. Fleischmann- Tschechoslawakei.— Leichtgewicht: t. Sverling. Deutschland: 2. Bcrgström. Schweden: Z. Tozü-Ztalicn.— Mittelgewicht: 1. Tunnoglw-Ungarn: 2. flol. kinen.Finnland: Z. Iohansson-Echweden.— Halbschwergewicht: 1. Pellinen. Finnland: 2. Rupp» Deutschland: 3. Eiiderquift-Echwedcn.— Schwere.ewlcht! 1. Sehring. Deutschland: 2. Svensson-Gchweden: 3. Urban»Tschech«slowakei. -ARBEITEH WSSEALL Lichtenberg I hoch geschlagen. Einen recht verheißungsvollen Anfang nahm das Spiel Brandenburg gegen Lichtenberg! für die Lichienbenger. Obgleich sie nur mit 10 Mann und dabei noch mit Ersatz, an- traten, vermochten sie bereits nach 5 Minuten itts erste Tor zu buchen. Auch dann konnte Brandenburg nur unter größter An- strengung das Resultat bis zur Pause auf 3: 2 für sich stellen. Die zweite Spielhälfte brachte dann den Zusammenbruch der Lichtenberg er. Mußten sie doch zeitweise mit neun Mann gegen eine körperlich bedeutend überlegene Mannschaft kämpfen. Trotzdem erscheint die 7: 2-Niederlage sehr hoch.— Neukölln konnte gegen Germania-Pankow nur ein Unentschieden(2:2) heraus- holen. Knapp aber verdient gewann Oberspree gegen Karow mit 3: 2. Lichtenberg II schlug die sie besuchenden Schöneberger hoch mit 7: 0. Wacker-Britz schickte die Schweissterne mit 2: 1 geschlagen auf die Heimreise. Die Weißenseer konnten ihre führeiche Stellung weiterhin behaupten. Auch Hoppegcrrten wurde reichlich hoch mit 6:1 ge- schlagen. Weißensee 2 gegen Spandau 13:2. Ergebnisse der Meisterschaftsspiele. Mitteldeuifcher Verbandsmeister wurde noch einem technisch überlegen durchgeführten Spiel VfL.-Leipzig-Süd- o st. Die Breslauer ,.Sturm"-Mannschaft wurde mit 3: 1 geschlagen. Im Spiel um die n o r d w e st d e u t s ch e Meisterschaft, dos Lorbeer- Hamburg und Fichte-Bielefeld als Gegner sah, siegten die Hamburger knapp mit 3: 2. Wohl lagen die Bielefelder bis 13 Minuten vor Schluß mit 2:1 in Führung, dann machte sich aber«ine lieber- legenheit Hamburgs bemerkbar, die auch zum Sieg« führte. Für eine Ueberrafchung sorgten die Ludwigshafener im Spiel um die süddeutsche Meisterschaft gegen Weiden. Schon galten die Weidener als süddeutscher Meister, da kam die groß« Enttäuschung: mit 3: 0 mußten sie die Waffen strecken. ■Arbeiter-Mockex. Der Sportverein Moabit l konnte am Sonntag Tennis-Rvt I mit 8: 0 Toren niederkämpfen. Be! der Tennismannfchaft klappte nichts. Nicht einmal das Antreten. Moabit konnte sich dement- sprechend entwickeln und war sehr überlegen. Das Spiel der Zweiten endigte 3:0 für die jungen emporstrebenden Moabiter. Es war eine Freude, sie kämpfen zu sehen. Im Osten mußte sich der Ath- letik-Sport-Club 11:2 von Ostring l(Freie Turnerschaft Groß- Berlin) schlagen lassen und den verdient Besseren den Sieg über- lassen. Die zweiten Mannschaften trennten sich 4:3 für Ostving. Freie Turnecschaft Groß-Berlin, Bezirk Nordring I konnte gegen die zweite Mannschaft des Bezirks nur ein. knapps 4: 3 herausholen. Schiebt nicht auf der Turnhalle! Das- S t a d t a m t für Leibesübungen hat an das bundestreue Arbeitersportkartell zu Händen seines Vorsitzenden O e h l s ch l ä g er folgendes Schreiben mit der Bitte um Weiter- leitung an die Vereine gesandt: Wir werden darauf hingewiesen, daß bei der Abhaltung von turnerischen und sportliche» Veranstaltungen der Vereine in städti- schen Turnhallen häufig Startpistolen mit Platzpatronen Verwendung finden. Hierbei hat sich als Mißstand gezeigt, daß die versagenden Patronen von den Startern achtlos fort- geworfen oder auf Fenstersimse usw. gelegt werden. Auf diese Weise kommen die Patronen in die Hände der Schüler, die mit ihnen Unheil anrichten können.' Auch werden sie mit Papierresten usw. in die Oese» der Turnhallen geworfen, so daß Explosionen eintreten. Wir sehen uns deshalb genötigt, die Verwendung von Startpistolen mit Platzpatronen in den städtischen Turnhallen zu untersagen. Gegen die Verwendung von Knallkorkstari pistolen bestehen keine Bedenken.— Den Leiter von Vereins- Veranstaltungen wollen Sic vor der Benutzung der Turnhalle zu Veranstaltungen hiervon Mitteilung machen. gez. v. Drigalski. Wir nehmen an, daß die Vereine die Anordnung des Stadt- amtes befolgen werden, damit sie sich und dem Kartell Ungelegen- heitcn ersparen. 10 Jahre Freie Turnerschaft Grofj-Berlin. Am 14. April sind 10 Jahre verflossen, seitdem eine kleine Johl von Genossinnen und Genossen zur Gründung des Vereins zu- fammentraten. Der Gründungsbezirt Süden will diesen Gedenktag am Sonntag, 21. April, durch«in großes Werbeturnen in der Turnhalle Prinzenstrahe 70 feiern und ladet dazu alle Freunde des Vereins ein. Unter Musikbegleitung des Musikkorps der FTGB. werden olle Abteilungen des Bezirks Freiübungen, Spiele. Gymnastik, Geräteübungen, Wettläuf« usw..zeigen. Beginn pünktlich 13 Uhr, Einlaß 14 Uhr. Eintritt 30 Pf. Im Anschluß ist im Gewerkschaftshous ein Festabend, zu dem ebenfalls Gäste willkommen sind. Eintritt 73 Pf. Beginn 19 Uhr. Ein« neue Turnableilong in Britz. Der Bezirk N«Mölln der freien Turnerschaft Groß-Berlin wird für die im Ortsteil Britz wohnenden Vereinsangehörigcn in der 47./48. Ge- meindefchule Britz, Chausseestraße 13?(am Teich) eine neue Ab- teilung eröffnen. Für alle Freunde der Leibesübungen, besonders die Parteigenosien, findet morgen, Mittwoch, in Beckers Gefell- fchaftshaus. Britz, Chausseestraße 97, eine Wcvbeveranstaitung statt. Die 99. Abteitung der SPD. hat entgegenkommenderweise"diesen Abend den Arbeiterfportlern zur Verfügung gestellt- Der Kreis- leiter Alfred Scholz referiert über:„4 8 Stunden Berufs- arbeit— 2 Stunden Leibesübungen". Anschließend werden Neuköllner Turnerinnen und Turner Vorführungen für Anfänger und Fortgeschrittene zeigen.. Der 1. Uebungsabend bc- ginnt am 11. April in genannter Holle um 20 Uhr. Parteifreunde und Gewerkschaftler— auch Frauen— sind willkommene Gäste. vom ATGv.-Schwimmfesi. Zu dem Bericht im gestern tragen wir heute die Ergebnisie der Weit- Resultate „Abend" von bewerbe nach: Z»g«»dl«ae»ft»sett« Z mal 4 Bahnen: 1. Hellas 3:12,4: 2. Hellas 3:19.— F«a,«»»rnstschMimme» 4 Bahnen: 1. Frohn-Reukvlln 1:17,4; 2. Rosmetjl.flrcuj» ber« 1:21.— Mä»ner.Brilstschwi«n>«n Klasse B 4 Bahnen: I. ssrani.Hclla, 1:3,4: S. LSHnert-NcukW» 1:3,6.— Kombiniert» Bniststasette,»in Mädchen, »in Knabe, eine melblichc Jugendliche, ein männlicher Jugendlicher, eine ffrgu. ein Mann« je 2 Bahnen: 4:12,2.— Männer. Lagenstasett» Klasse n 4 mal 2 Bahn«»: l. Spandau 1:33,4: 2. Hellas 1:50,8.— Zngend Kreistll- schnnmmen 10 Bahnen: 1. Trippensee-Kreuzberg 2:44,6; 2. Pariser, Neukölln 2:47,3.— Frauen. Rückenschwimmen 4 Bahnen: 1. Froh». Neukölln 1:14,?: 2. Schickalle-Kreuzberq 1:21.— Ingenb-Brnsischwiinmen 5 Bahnen, 14 bis 16 Jahre: 1- Krauß-Rcukölln 1:34,8: 2. Morkqruf. Neukölln 1:37. 15—18 Jahre: 1. Rasch- Hellas 1:29; 2. Tschakert. Neukölln 1:29,8.— Wasserballlplele: Jugend Shartottendurg U gegen Kreuzberg 11:2 für Charlotten bürg. Männer Hella» gegen Spanbau 13:6 für Spandau.— Grölsnunas-Bruststasett» 10 mal 2 Bahnen: biswngiert wegen regelwidrigen Schwimmens! 11 Zreie Schwimmer S roh. Berlin e. B. Haupiausschubllkung Donnersiag Rpril, 20 Uhr, Kewertschaftshaus, Konferenzzimmer. Mitgliedsbücher zur Kontrolle mitbringen. Freie Kanu-Uoio»„Kröß-Berlin", Abteilung Spandau. Eißung heute, Dienstag. 19>,h Uhr, bei Reimer, Charlottenburg, Wikmer-dorfer Ecke Kanal. straß«. chaslc willkommen. Mitglieder werden aufgenommen. ATGB. Sportleiter-Lehrstunde Donnerstag, 11- April- 1914 Uhr, Halle „Oth-ina", Lichtenberg, Parka»» l Bahnhof ßronkfikrter Allee).— Bezirk Lichtenberg. Zum Werbcturnen am 14. April in der Turnhall« Säireiberhaucr Straß« findet für olle Bczirksangehörige die Keneralprohe am 12. April in der gleichen Turnhalle stoit. Die ffrauenabteilung(über 25 Jahre) hält ihre Uedungsswnden jetzt regelmäßig Mittwochs ab 20 Uhr in der Halle Markt. flraße ob. 1. Abend: Mittwoch. 10. April. Vorwärts in der ganzen Vdt! Die Ausbreitung der SAS1. Die kürzlich in Wien abgehaltenen Tagungen der Sozia» listischen Arbeiter-Sportinternationale gewährten einen lehrreichen Einblick in den Betrieb dieser großen Organisation. Nicht weniger als 1700 000 Männer und Frauen sind Mtglieder der der Sozmlistischm Arbeiter-Sportinternationale angeschlossenen 18 Landesverbände. Am stärksten ist die Bewegung in Deutsch- l a n d, Oesterreich und in der Tschechoslowakei, wo sie nach Hundert- taufenden zählt. Einige andere Länder, wie z. B. die Schweiz, nehmen ein« so rasche Entwicklung, daß sie im Begriff sind, die besten Gebiete des Arbeitersports einzuhalten. Das trifft vor allem auch für einige nordische Staaten zu, an deren Spitze Finn- l a n d steht.* Dieses kleine Land mit 2',-- Millionen Einwohnern stellt in der SASI. 32000 Mitglieder. Andere nordische Staaten, wie Dänemark und Holland, sind im Begriff, eine selbständige Arbeiter- Sportbewegung aufzubauen, was mit Hilfe von Partei und Ge- werkfchoften jetzt eifrig betrieben wird. Dagegen gelang es bisher nicht, in Schweden vorwärts zu kommen, wo die Arbeiter noch immer zu vielen Tausenden Mitglieder der bürgerlichen Spott- verbände sind. In dem benachbarten Norwegen gibt es allerdings eine selbständige Arbeller-Spottbewegung. die etwa 23 000 Mit- glieder zählt, aber sie ist der Sozialistischen Arbeiter-Sportinter- nationale nicht angeschlossen, jondern gehört zur kormmmistischen Sportinternationole mit dem Sitz in Moskau. Sehr ungleich war die Enlwicklung auch in den westlichen Länder Europas. Während in Belgien die Arbeiter-Sport- bewegung einen ansehnlichen Ausschwung genommen hat, blieb sie in Frankreich weit zurück. Wohl beginnt jetzt im industrie- reichen Norden Frankreichs die Bewegung festere Wurzeln zu schlagen, aber sie hat organisatorisch noch lange nicht die zentra- Ustische Grundlage erreicht, die in den Ländern Mitteleuropas als selbstverständlich angesehen wird. Ebenso ist es noch in Eng- lau», wo dank den Bemühungen einiger Gewerkschaftsführer selbständige lokale Arbeiter-Spottverelne gebildet Sozialistische Arbeiter-Sportinternationale hat in kv im Osten Europas große Erfolg« aufzuweisen, wu das kleine Lettland Erstaunliches leistet. Aber rn. Europas gibt es bereits bemerkenswerte Ansäge eine: Die Zähren mdere .rhalb Arbeiter- Sportbewegung, wie in Palästina, Argentinien und Nordamerika. So konnten die Vettriter der Arbeiter-Spottoerbände auf den Wiener Tagungen von erfreulichen Fortschritten fast wuf der ganzen Welt berichten. Allerdings wird diese Entwicklung durch zwei feindliche Einwirkungen zu stören gesucht. Auf der einen Seite wirken nationaler Chauvinismus und reaktionärer Faschismus der Ausbreitung der felbständig-n Arbeiter-Sportbewegung entgegen. Auf der anveren Seite ist, wi« in der ganzen Arbeiterbewegung, so auch hier, der Mißtrauen ' säende und zerfetzende Kommunismus am Werke, um Schaden zu stiften. Es ist daher eine der besonderen Aufgaben, sich noch beiden Seiten hin reinlich abzugrenzen. Im Jahre 1931 wird in Men dos 2. Olympia des Arbeitersports stattfinden. Ein erheb- licher Teil der Wiener Beratungen galt den Borbereitungen dieser Veranstaltung, die ohne Zweifel die größte werden wird, die jemals stattgefunden hat. E» ist mit einem Besuch vieler Jehntausender zu rechnen. Dieses Olympia wird nicht nur ein sportliches Ereignis ersten Ranges werden, sondern auch«ine große politische Bedeu- tung besitzen. Welcher Geist m der Arbeiter-Spottinternationate lebt, täm anläßlich der Wiener Tagungen ftr dem symbolischen Akt der Kranz- niederlegmrg vor dem Denkmal der österreichischen Arbeiterführer zum Ausdruck. Als die Führer der Arbeiter-Spottinternationole vor dem Denkmai der Republik erschienen, um den Vorkämpfern des österreichischen Proletariats zu huldigen, grüßten sie damit in brüderlicher Solidarität die kämpfend« Arbeiterklasse des öfter- reichischen Landes, die diesen Gruß durch begeisterte Mitwirkurig am 2. OlymM 1351 erwidern wird, Dr. Julius Deutsch-Wieii. Eine Welthygieneschau. Die Internationale Hygieneausstetlung Dresden-1930. Eine von privaten Industrie- und Handelskreisen ausgehende, demnächst im Sportpalast zu eröffnende Allgemeine Deutsche Hygienemesse und Ausstellung gibt Anlaß, heute bereits einmal auf die im nächsten Jahre in Dresden stattfindende Internationale .Vygicneausstellung hinzuweisen.?jn einer Vorbesprechung zu jener Berliner Messe hatte es nämlich der Vertreter der Interessenten für gut befunden, die Haltung der Stadt Berlin zu bewitzeln, weil sie in Rücksicht auf die große Dresdener Ausstellung in diesem Jahre ihre Ausstellungshallen nicht zur Verfügung stellen wollte. * Anläßlich der Eröffnung des Neubaues des Deutschen H y g i e n c m u s c u in s soll im Jahre l93t1 in Dresden, der Stadt der unvergessenen ersten Internationalen Hygieneausstellung von ISIl, eine zweite Internationale Hygiencausstel- l u n g stattfinden, die insbesondere das Gebiet der persönlichen Hygiene' und der Leibesübungen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft und nach den neuzeitlichsten Gesichtspunkten umfassen wird. In einer ersten Sitzung des Wissenfchastlichen Ausschusses für die Internationale Hygieneausstellung Dresden 1930 wurde in großen Linien das Programm für die wissenschaftlichen Abtsilim- gen entwickelt. Grundsätzlich ist zu sagen, daß die wissenschastlichc Ausstellung sich in zwei Hauptteile gliedern toird, nämlich in die Gruppen, die im Deutschen Hygienemuseum selbst unter- gebracht sind, und jene, die in den Ausstellungshallen Platz finden sollen. Die Unterbringung gewisser Gruppen in den Ausstellungshallen hat sich insofern als zweckmäßig erwiesen, als auf den betreffenden Gebieten eine weitgehende Beteiligung der Industrie zu erwarten ist, so daß die wissenschaftliche Abteilung jeweils den Mittelpunkt für die angegliedert« Jndustrieabteilung bildet. Ein geschichtlicher und völkerkundlicher Ueber- bj i ck wird mit der„Allgemeinen Körperpflege" verbunden sein. So ist beispielsweise geplant, ein römisches Bad nach klas- si schein Beispiel zu rekonstruieren. Im' Ausammenhang mit dieser Gruppe wird die besondere Belastung der Frau durch H a u s h a l t u n d Beruf gezeigt, wobei die einzelnen Frauen- verbände reichlich Gelegenheit haben dürsten, ihre praktische Tätigkeit auf diesem Gebiete zu zeigen. Im sachlichen und räum- lichen Aujainnrenhang ist hier auch die Gruppe„Das K i n d" untergebracht, in der die besondere Gesundheitspflege des Kindes in jedem Lebensalter bis zum schiilpstichtigen Alter dargetan wird. Mit der Schassnng der Gruppe»Leibesübungen" soll keineswegs das einseitige Streben nach sportlichen Höchstleistungen gefördert werden. Vielmehr wird man sehen, in welcher Weise durch richtig abgestufte Leibesübungen ein« völlige Durchbildung der Muskulatur und harmoyischc Entwicklung des Körpers erreicht werden kann. Im Rahmen dieser Gruppe wird im wesentlichen Maße künstlerisches Material, welches Leibesübungen darstellt, zur Ausstellung gelangen und zur Verschönerung der Gruppe dienen. Wie wechselweise Beruf und Mensch aufeinander einwirken und in welchem Verhältnis Mensch und Arbeit zueinander stehen, soll im einzelnen die Gruppe„Arbeits- und Gewerbehygicnc" zeigen. Die Gruppe„Seelenleben und s e c l i j ch e Hygiene" behandelt ein Gebiet, das ganz besonderes Interesse haben dürste nird bisher in dieser Form noch nie gezeigt wurde. Es werden beispielsweise Graphologie, Charakterologie, die Kretzjchinerichen Typen und andere Probleme berücksichtigt. Nicht ganz leicht wird es sein, in dieser Gruppe psychiatrische Grenz- gebiete in passender Weise zu behandeln. Die Gnippe„Lebensmittel"(Nahrungsmittel) führt u. a. den weniger bemittelten Bevölkerungsschichten vor Augen, daß eine luxuriöse Lebensweise dem Körper keineswegs zu- t r ä g l i ch. daß im Gegenteil die richtige Ausnützung der einfachen Lebensmittel insbesondere von Kartofscln, Obst und Ge- »l ü se viel gesünder ist als übermäßiger Fleischgenuß. Hier, aber auch in der Gruppe„Kleidung" dürfte sich wieder Gelegenheit bieten, den besonderen Interessentenkreis der Frau zu berücksichtigen. Die erweiterte Kleidung ist die Wohnung. Die Gruppe „Wohnung" wird in erster Linie vom Gesichtspunkt der per- sönlichen Hygiene dargestellt, während die rein technischen Fragen zurücktreten. Möglicherweise wird hier eine Muster- l ii ch e, vielleicht mich eine Diätküche eingerichtet. Im Zu- sammenhang mit Kleidung und Wohnung steht„Schädlingsbc- känipsung und Desinfektion". Hier wird gezeigt, in welcher Weise uns von verschiedenen Schädlingen, sei es durch diese selbst, sei es durch deren" Vermittlung als Träger von Krankheiten, Gefahren drohen und wie man diese Gefahren zweckmäßig meidet und be- kämpft. Die Sonderabieilung„Das Krankenhaus" wird zum ersten Male aus einer iiiteniationaleu Ausstellung ein Gebiet ver- anschaulichen, das in den letzten Jahrzehnten eine außerordentliche Entwicklung genommen hat und dessen Probleme zu einem gewissen Abschluß gelangt sind, so daß eine zusammenhängende Darstellung geboten sein dürfte.. Diese Sondcrschan wird auch zu einer historisch- SHe gröfllc 3>rehbank der TTelf Wohl die größte Walzendrehbank der Welt, die von der Maschinenfabrik Waldrich in Siegen gebaut wurde, hat eine Spitzenhöhe von 900 Millimeter und eine Spitzenweitc von 10 000 Millimeter(10 m). Der Antrieb der Bank erfolgt durch einen Motor von 100 OL, der direkt gekuppelt ist. Aus der Maschine werden vorzugsweise schwere Walzen sowie Kurbel- wellen ausgeschrubbt und sertiggedrehl. Das Gewicht der Maschin« beträgt 100 000 Kilogramm, dos sind 10 Waggon- ladungen zu je 200 Zentnern. etnvgraphlfchen A�deÄunq hie das Derwaltungswevn, Spztliche und pslegerifche Versorgung. Krank? nhausbau und-einrichtung, den technischen Betrieb und das Schrifttum veranschaulichen. Auf Grund des baulichen Zujomn.'enhang« dieser Sonderausstellung mit der für die Beteiligung dcs? Aushmdcs vorgesehenen..5) alle der Nationen" werden die ausländischen Staaten in Zlnlchnung an „Das Krankenhaus" dieses Gebiet innerhalb ihrer eigenen Abteilun- gen berücksichtigen können. Für die Darstellung der verschiedenen Räumlichkeiten eines Krankenhaixfes ist daran gedacht worden, die einschlägige Industrie zu Kolli ltivausstellungen heranzuziehen. Außerdem darf man hofsen, daß hier auch der Fachnormen- ausschuß dos zeigen wird, was �is zum Jahre 1930 an Normen auf dein Gebiet- des Krankenham. wefens geschossen worden ist. Bedenkt man. daß die hier auhzeführtcn Gruppen nur einen Ausschnitt aus dem Gesamtplan der Jnternaiionolen Lzygieneaus- stellung, Dresden 1930, bilden, daß beispfelsweise noch die Ausstellun-. gen der Körperschaften wie Ncich, Länder, Provinzen, Städte. Landeskrcise usw.. wie Versichcrungs.träger. Vereine und Verbände, serner die bereits sichergeßellte Beteiligung des Auslandes nicht berücksichtigt wurde, so kann man sich eine kleine Vorstellung machen von den gemaltigen Ausmaßen und der Bedeutung, die diese Ausstelluna für die Förderung der Gesundhcits- pflege des einzelnen wie der Gesamtheit haben dürste. Todesursachen in Berlin im Jahre-1923. Aus Berlins Bevvlkerungsooizgängen von 1928 wurden im „Vorwärts" schon einige Hauptzahlev mitgeteilt. Aus einzelne Ge- biete, im besonderen auf die Sterblichkeitsstatistik, möge hier noch näher eingegangen werden. Die Zahl der St erbe fälle(ohne Totgeburten) war an sich etwas größer als im Vorjahr: 49 567 in 1928, gegenüber 48 770 in 1927. Aber an der inzwischen gestiegenen Bevölkerungszahl gemessen hielt sie sich auf gleicher Höhe: in beiden Jahren starben 11,7 auf je 1000 der durchschnittlichen Be- völkerungszahl. Die Auszählung der Todesursachen ergibt eine weitere Zunahme von Krebs auf diesmal 6 8? 6 Fälle, gegenüber 6443, 6195, 5935, 5752, 2671, 5326, 4463 in den Iahren von 1927 zurück bis 1921. Die Mehrung der Krcbssterbcfälle mag zum Teil aus genauerer Diagnose zu erklären sein. Zum anderen Teil will man sie daraus erklären, daß die für Krebs besonders in Frage kommenden Allersklasjen jetzt an der Bevölkerung basonders stark beteiligt seien. Ein sicherer Nachweis, hierfür schlt noch. Krebs ist seit einigen Jahren in Berlin die häusigste Todesursache geworden. An zweiter Stelle stehen Herzkrankheiten mit 6181 Sterbefällen in 1928(5656 in 1927). Dann solgea Gehirn» schlag mit 5410(5140), Gefößkrankheiten mit 4ü66(4518). Tuberkulose sardcrtc 4367(4570) Opfer. Auch higr wird zur Erklärung des seit Iahren beobachteten Rückganges die'Veränderung im Allersaufbau der Bevölkerung herangezogen. Zu nennen wären weiter noch Lungenentzündung mit 2459(2419) Sterbefällen, sonstige Erkrankungen der Atmungsorgane mit 1088(1061). Die übrigen Todesursachen bleiben unter je 1000-Fällen, diesmal auch Allers- schwäche mit 993(im Vorjahr 1097). Eine Ausnahme mochten nur noch Unfälle einschließlich gewaltsanier Tod ohne nähere Angabe mit 1942 Fällen(im Vorjahr 1699) und Selbstmorde mit diesmal 1473 Fällen(im Vorjahr 1687), so daß hier eine kleine Minderung fest- zustellen ist). Daß in Berlin die Säuglingssterblichkeit längst jür die Gesamlstcrblichkcit nicht mehr stark ins Gewicht fällt. ist bekannt. Trotz einer kleinen Mehrung der Lebendgeburten aus 43 209(Vorjahr: 42 873) zeigte die Säuglingssterblichkeit mit 3370 Sterbefällen(Vorjahr: 3651) eine weitere Minderung. Die Säuglingssterbezifser war 7,7(Vorjahr:. 7,8) auf je 100 Lebend- geborene des Jahres._ Von Krokodilen aufgefressen. Aus Panama wird gemeldet, daß fünf amerikanische Sol- daicn durch Krokodile ausg« fressen wurden, als das Boot, mit dem sie auf einem See eine Fahrt unternahmen, um- kippte. Drei weitere Soldaten konnten sich auf einen über- hängenben Baum retten, wo sie bis zu ihrer Befteiinug 11 Stunden verbringen mußten. für die Zeit vom 9. bü II. April KINO-T�FEB. PROGRAMM für die Zelt vom 9. bis 11. April OIOiQ Potsdamer Strafe 38 Verlängert! FrSaleui Elte m Elisabeth Rergnw Das gute Beiprogramm Rheinsfratjc 14 k£"Ä) Die Shiade der Enbchetdmag mit Norm« Tatmagde Abwege mit Brigitte Helm Odeon, Polsdamer Str. 7$ Ihr doBlder PmU TO- Ullan Harrey Der PMlranb i» der Traf eLudiladat 5 Akte mit Bare Barion Turmstratjc 12 Verlintferl! FrSaleln EUe m. ElUabeth Berfoer Das gnte Belprodn Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnetl Die Zlrlmiprinxeuin m. H, Uedlke H r Her der Radle (Abemeuer in 5 Akten) Welt-Kino Alt-Moabit« FrSaleln EIm mit ElUabeih Bergaer Anrgevlhlles Beipro gr am xn g Schönabara■ Alhambra DeeT�V5V Schöneberg, Hauptstr. 30 Abachledroralzer (Chopins letzte Liebe) Groftat Beiprogramm Hfibaeatchaa jugemUMic taten Ztem Titania(u{, Äeberg) HauptsfraBe 49 FrSaleln EUe m. ElUabelh Bergner Aaigezeidtaelcs Beiprogramm Schlütcr-Thcatcr Schlöterstr. 17 W. 7 v. 9.15 S. ab 4 U Raab der Sabiaerinaen mit M. Paadler Lockendes Gift m. Paul Richter a staalit« a Titania-Palast Steglitz, SchioBstr. 5, Ecke Gutsmutlisstr. Beginn; W.6.30,9, Feiertgs. 4,6.30, 9Uhr Gro�rladitdimellerllng Auf der Bühne: Reiahard and Sohn Herbert and Schaller W Uchterfolde-Waat b Wochentags 63», 9 Uhr Stg, 5, 7, 9. 3 Uhr Jug.-V Hmdenburgdamm 58a Tagebadh eine» Janggeiellen mit Schänzel Kampf nnu Mallerhorn BühnenKhan Film-Palast Kammersäle T eltower Str. I-4 Beginn 6 U. Da* Grabmal etaer groben Liehe Eva Im Paradies g»Ocsaw Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 9 Stg. ab 4.30 L. Die Siebxehnj&hrigen m. Grefe Moaheim u A«t. Schlettow Paf and Patacfaoa Im Zirka* Hi-Li Südosten Filmeck v..»ouh. Skalitzer StraBe, am Göilitzer Bahnhof Rln-Tin-Tin nnler Goldgrlbem Affentheater Luisen-Theater Relchenberger StraBe 34 Wochentags ab 6 Uhr. Sonntags ab 4 Uhr Mein Herz Ut eine Jazzband mit Lya Mar« Die gnie Bühnen. chan Osten Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 645. 8.45 Uhr. Stg. 3,45, 5, 7, 9 Uhr Oer Zarewibch mit Iw. Pelrowifidi. 2 Lustspiele Internat, Vaiiel8*«hau Vorwärtsleser Vorzugspreise > Weuuatln B Primus-Palast Hcrmannplatz Unier talschem Namen mit Monte Blne Auf der Bühne: Die 3 Flegans, die lasttgen Ikarier Gtdo Glaldlnl Der bek. Kunstpfeifer v. Rundtunk j Warlandore Nf m T z Marlendorfer lia-L.1 Lichtspiele Chausseestraße 305 Der Mann, der lacht m 1 1 Conr.Veldi Die TenfeUIAnzcria Bahnen, chau JElysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Der.Mann mit dem Laobfrotcfa Bühne: Glaacr's Royal Midgct ßühneikschaa Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Gefangene de* Meere. Tagebnch einer Kokotten mit Ida WOrt Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Liebe Im Sdmee mit Maria Paadler und Georg Alezander Dazu das aosgewlhlic Belprogr, and die ansgezeidmete VarieM- scfaaa* sowie das ausgezeichnete Tonfilm programm Wochtgs. ab 6, Sonntags ab 3 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Llebfranmildi mit Henny Porten Opfer der Lieb« mit Bernhard Göizke Gro�c Bahnenuhan Norden Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Getangene de. Meere* Pat und Palachon ab Detekttre Alhambra Müllcrstraße, Ecke Seestraße Asphalt mit Gostar Fröhlich Beiprogramm Bühnen» cfaau* Forhma-Lichtspiele Müllcrstraße 12 c Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Weif Produktion «Alhambra" Bad straße 58 Das grüßte Opfer mit Iwan MosJuWn Beiprogramm Bühnenschau Humboldt-Theater Badstraße 19 Pfiicfat and Liebe mit Ramon Novarro D. Todesfahrt des Kanada-Expreß Bühnenschau Concordia-Palast Andreasstraße 64 Tagebadi eines Jai mit Schänzel Unter falsdkem Na Bühnenschau iggesellcn Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Prortitniton(russ. Sittenfilml Die vierte von redib m. O. Oswalda Bahnen, chan Friedrichsfeld« Beginn tägllcii 5. 7. BAS Uhr Kino Busdi Mt-Fricdrichsfclde 3 Kameraden(Ein Pliegerheldcnsp.) Verbrochene Ehe mit Eiga Brink Bühnenschau W medef*chöneweide D Elysium(fh��i) Hasselwerderstraße 17 Gefangene des Meere» Prunkrevue: Witzblatt 1929 Beip Mctro-Palast Chausseestraße 30 Die Mittern achistaxe m. Harry Picl Das Tagebuch eines Junggesellen Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Frlulein Else m. Elisabeth Bergner Vagabundenliebchen mit Reg. Denny Pharus-Lichtspielc Müllerstraße 142 2 Großfilme Lache» Clown, lache I mit Lon Chaney Eine Verkäuferin von Klasse «Rialf o" Film u. Buhne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Die Tochter des Scfacicfa mit Daniels Lockende Früchte Bühnenschau Ballschmiedcr- Lichtsp Bad straße 16 Moral und Sünde mit P, Samson-Körner Der Henker von Prag PAhmrMrKfm Kri stall'Pala st Prlnzenullee 1—5 A*pbaU mit Betty Armann Guj'av Fröhlich Groficc Beiprogramm VarielEKhaa and Maricnbad-Palast Badstraße 35— 36 Die Müternachbiaze mit Harry Fiel D. Todertahrt de* Kanada-ExpreS Pank« EZ3 P alast-Theatcr Breite Straße 21 a Bcg. 6�0. 9 Uhr Mödel, sei lieb mit Colleen Moore Ehre deine Mutter Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Nochigetialten Auf der Bühne: DninoKa,toer pers. (Herzkrank) Film-Palast Blankenburger Straße 4 Die Sich zehn)Jlhri gen mit G. Mosheim Der J�Lgcr von Fall tf'Seir.ckcndorf-Ost W Bürgcrgartcn-Lichtsp, Hauptstraße 51 Das brennende Herz mit M- Christians Die blinden Passagi mit Pat und Polachc erc on