Morgenausgabe Nr. i66 AÖ4 46. Zahrgang «Sch-«Mch«Pf,«ovatNch»�0«. im voraus zahlbar. Postbezug<22 9t. einschließlich SV Pfg.Poftzeitullgs- und 72 Pfg. Postbeftellgedührev. Ausland»- abonnement S.— TL pro Monat. Der.vorwärts» erscheint»ochentäg. kch zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Adendausgaben für Berlin »nd im Handel mit dem Ditel.Der Abend» Illustrierte Beilagen.Volk «nd Zeit» und.Kinderfreund». Ferner .Unterhaltung und Wissen»..Frauenstimme»..Technik»..Blick in die Lücherwelt» und.Iugend-Vorwärts» f f Berliner volksvlatt Mittwoch 10. April 1929 Groß'Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pfennig. Reklame�eile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen� das lettgedruckte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedrucne Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort IL Pfennig« jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IL Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linoen- straße 3, wochentögl. von SVa bis 17 Uhr. Jentealovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redoktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Ferntpiecher: Dondost 292—297 Teiegramm-Ldr.: Eozialdemokra» Verls» Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Vostscheckkonto: verlin S7 KSS.— vanklomo: Vank der Srdeiter,«ngeftellte» »nd veantten wallftr.«. Ditkonlo-Selellschast. Deposiientasie Ltndenftr. L Regierungskrise— abgesagt! Frage an die Sozialdemokratie wegen des Panzerschiffes.— Die Fraktion bleibt bei der Ablehnung. Die MitgNeder der sozialdemokratischen Fraktion waren gestern nach dem Reichstag gekommen, um zu den Etatsvor- schlagen der Finanzsachverständigen Stellung zu nehmen. Die Stimmung war für diese Vorschläge günstig, die Fraktion ist ihnen schließlich auch beigetreten. Sie war aber sehr über- rascht, sich plötzlich vor die Frage gestellt zu sehen, wie sie über die zweite Rate des Panzerschiffs abzustim- men gedenke. Ihre Antwort koi�ite nicht zweifelhaft sein: sie wird bei ihrer bisherigen Haltung verharren. Konnte jemand eine andere Antwort erwarten? Wie war diese absonderliche Situation entstanden? Schon Montag nachmittag hatten sich die bürgerlichen Partei- führer bei den Sozialdemokraten nach der Stellung ihrer Fraktion zur zweiten Panzerschiffsrate erkundigt: die Aus- kunft, daß mit der Ablehnung zu rechnen sei, erregte Bedenken. Am Dienstag vormittag richtete dann der Vo» sitzende des Zentrums. �>er Abg. K a a s, an den Reichskanzler einen Brief, in dem der Erwartung Ausdruck gegeben wurde. daß diejenigen Sozialdemokraten, die der zweiten Rate nicht zustimmen wollten, der Abstimmung fernbleiben würden. Das würde seiner Partei als„äußerste Konzession" erscheinen, die sie der Sozialdemokratie machen könne. Kaas fügte aller» dings hinzu, daß sein Brief nur seine persönlichen Auffassun- gen wiedergebe und nicht im Auftrag der Zentrumspartei ge- schrieben sei. Dieser Brief des Abg. Kaas rief in der fozialdemokra- tischen Fraktion starke Erregung hervor. War die Fraktion schon an sich entschlossen, an ihrer bisherigen Stellung fest- zuhalten, so wurde der Brief des Herrn Kaas als ein Ultimatum betrachtet, dem man sich erst recht nicht unter- werfen könne. Auch ohne diesen Brief stand die Entscheidung der Fraktion von vornherein fest, durch ihn aber wurde die Stellung der Minderheit, die für Enthaltung plädierte — da der Kampf um daS Panzerschiff du�ch zweimaligen Reichstagsbeschluß schon entschieden sei— noch wesentlich schwächer. Auch die Erwägung, daß ein Ablehnungsbeschluß zu einer Regierungskrise führen könnte, blieb weit davon entfernt, ausschlaggebend zu sein. Man war der Meinung, daß die Verantwortung für eine etwaige Krise keinesfalls die sozialdemokratische Fraktion treffen würde, vielmehr diejenigen, die ihr eine Preisgabe ihrer bisherigen Haltung zumuteten. Nach Entgegennahme der Referate von Hertz und B r e i t s ch e i d und kurzer Ausspracht beschloß die sozialdemokrakischtz JraMon mit 93 gegen 29 Stimmen bei zwei Enlhalkungen an ihrer bisherigen Stellung zur panzerkreuzerfrage festzuhalten. Abends um 6 Uhr begaben sich die Führer der in der Regierung vertretenen Parteien und die Vorsitzenden der Zentrumsfraktion in die Reichskanzlei. Die Sozialdemokraten gaben Kenntnis von dem Beschluß ihrer Fraktion, woraus sich die bürgerlichen Parteiführer zu einer Besprechung unter sich zurückzogen. Dann wurden die Verhandlungen der Ge- samtkonferenz wieder aufgenommen. Das Ergebnis steht noch nicht ganz fest. Heute um 11 Uhr wird das Kabinett zusammentreten, dann um M Uhr sollen die Parteiführer weiterberaten. Zu einer R e- gierungstrise wird es voraussichtlich nicht kommen. Man wird im Gegenteil den Bersuch machen, den Etat, so wie die Sachverständigen ihn gestaltet haben, fertigzustellen, wobei vorausgesetzt wird, daß keine der beteiligten Fraktionen Anträge auf neue Ausgaben stellen wird. Einstweilen freilich ist der Haushaltsausschuß, der heute seine erste Sitzung nach Ostern abhalten sollte, vertagt. Auch den Eintritt des Zentrums in die Re»' g i e r u n g hält man nicht für unmöglich, nur soll bis auf weiteres eine koalitionsmäßige Bindung vermieden werden. Ob-dieses Bild nicht noch im Laufe des heutigen Tages eine Veränderung erfährt, läßt sich natürlich nicht voraus- sageii. Schlecht gedient ist jedoch der Sache durch die Fabrika- tion wilder Gerüchte und die Meldungen von einem bevor- stehenden Rücktritt der Regierung, wie sie schon gestern abend eilfertig verbreitet wurden. Es besteht kein Grund, eine aus- weglose Krise zu� inszenieren, weil die sozialdemokratische Fraktion bei einer Haltung verharrt, die man doch nicht erst seit gestern kennt, und weil sie einen Beschluß gefaßt hat,'wie ihn niemand anders von ihr erwarten konnte. So nimmt denn auch eine offiziöse Meldung, die von WTB. herausgegeben wird, zur Sachlage kühl und ruhig Stellung. Darin wird gesagt, daß die Verhandlungen heute weitergeführt werden. Es sei allseitig das Bestreben vor- handen. die durch die eingehenden Verhandlungen der Finanz- sachverständigen der Fraktionen gewonnenen Ergebnisse für die kommenden Etatsberatungen nutzbar zu machen. Es werde angenommen, daß heute der Weg der Einigung gefunden werden wird. Vor dem Reichstag steht gebieterisch die Aufgabe, den Reichshaushalt für 1929 in Ordnung zu bringen. Der Ver» lauf des gestrigen Tages läßt hoffen, daß man sich unter Ver- meidung oermeidbarer Umwege und überflüssiger Aufregun- gen an die Arbeit machen wird. Lustfahrtkreise gegen Kürzungen am Verkehrsetat. Die Streichungen im Verkehrsetat haben bei der Deutschen Lufthansa wie beim Zeppelin bau Erregung und Be- stürzung hervorgerufen. Die Lufthansa hat einen Ausschuß ein» gesetzt, der mit den zuständigen Instanzen verhandeln soll: Dr. Eckener hat die Hoffnung ausgesprochen, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen sein möge. Aoch keine Einigung der Gläubiger. pariser Presse gegen Owen ftoung und Morean. Paris, S. April.(Eigenbericht.) Die Sachverständigenkonferenz trägt weiter- hin ausschließlich Pen Charakter einer Beratung der Gläubiger über die Aufstellung einer Eipheits- summe, ohne daß bisher in Dieser Hinsicht wesentliche Resultate erzielt worden wären. Jede Delegation scheint zu erwarten, daß die andere mit den notwendigen Opfern beginnt. Angesichts dieser neuen Schwierigkeiten hat die Pariser Presse sogar ihre ewigen Angriffe gegen die deutsche Delegation eingestellt. Am Dienstag bildeten der amerikanische Delegierte Owen Young und der französische Delegierte M o r e a u daS Ziel ihrer Aus- fälle. Owen Young, der sich ohnehin in seiner SchiedS- richterrolle kaum sehr wohl fühlen dürfte, kann sich in den Blättern täglich davon überzeugen, daß die ganze Aufgabe der Konferenz erheblich einfacher wäre, wenn die Amerikaner einige Abstriche an de« ihnen von de« Alliierten geschuldete« Summen vornehme«, statt ihrersxits die andern zu Opfern zu ermahnen. Dem Präsidenten der Bank von Frankreich wird vorgeworfen. daß er die französische Wiedegutmachungsfordernng be- reits fetzt von 60 auf 40 Milliarden ermäßigt habe, statt diesen Trumpf für einen besiere« Augenblick aufzusparen. „y m alone"-Vesahung freigesprochen. Aber auch das Küstenschiff war„ins Recht"!? New Orleans. 9. April. 3m Prozeß gegen Kapitän Randall vom kanadischen Schoner„3' m Alane- und dle sieben Mann starke Besatzung diese» Schisfes. die angeklagt waren, eine Verschwörong gegen das prohibitlon-geseh angezettelt zu haben, wurde heute das Urleil gefällt. Kapitän Randall und seine sieben Mitangekwgten wurden aus Antrag de» Staatsanwalts freigesprochen. Bei seiner Beantragung der Freisprechung betonte der Staatsanwalt, es sei selbstverständlich). Es wird vermutet, daß das 3 u st i z m i n i st e. r i u m in lvashlnglon den Bundesbehördea empfohlen halte, die Anklage zurückzuziehen._ Frau Ataaasowilfch ans der Haft entlasten. Di« Unter- suchungsbehörden haben Frau Atanasowitsch aus der Host ent- lassen. Sic wind in den nächsten Tagen über die russische Grenze gebracht werden. Warum Labour fiegen wird. Oie Aussichten der Arbeiterpartei im lammenden Wahl« kämpf.— Arbeiterpartei und Auswärtige Politik. Von J. Rarnsay Macdonald. Die britische Regierung hat sowohl in ihrer Innen» wie in ihrer Außenpolitik versagt, und beides wird bei den kommenden Wahlen die ausschlaggebende Rolle spielen. Die Fehler in der Innenpolitik zeigen sich in dem Anwachsen der Arbeitslosenzahl und vor allem in dem Ruin einiger Bergbaugebiete und in der schwachen Hal- tung, die die Regierung dem ganzen Problem gegenüber ein- genommen hat. Obwohl schon 1925 daraus hingewiesen wurde, daß die Bergbauindustrie vor einer ernsthaften Krise stehe, verharrte die Regierung in abwartender Haltung. Als sie 1926 durch eine öffentliche Diskussion zum Handeln ge- zwungen wurde, gab sie dem Handel Subfidien, die so systemlos und ohne jede Voraussicht organisiert wurden, daß sie die Lage eher verschlechterten als verbesserten. Als dann der Meinungskampf wieder begann, war die Haltung der Regierung eine Hauptursache des darauffolgenden General- streiks. In den letzten zwei Iahren fand die Zerrüttung der Industrie die Regierung in einer ebenso bedenklichen Ver- fassung. so daß die Regierung heute zwischen dem Appell an die öffentliche Mildtätigkeit und einer verantwortlichen Staatsaktion hin- und herschwankt, um die Rot zu lindern. Das Land sieht diesem Treiben mit einer an Wider- willen grenzenden Ungeduld zu. Ebenso unzufrieden ist unser Volk mit der auswärtigen Volitik der Regierung. Zur Zeit von L o c a r n o gingen die Wogen der Hoffnung sehr hoch. Die britische Regierung hatte eine außerordentlich gute europäische Position erworben und brauchte sie nur auszunützen. Mehr als Locarno war mög- lich. Die allgemeine Sicherheit war möglich. Die- tatsächliche Abrüstung war möglich. Aber Gelegen- yeit um Gelegenheit verstrich ungenützt, die Vision verschwand. Wir wurden zum System der Bündnisse zurückge- führt, dem Softem, das die europäischen Nationen an ent- gegengesetzte Seiten des Tisches setzt. Die Lösung des Ab- rüstungsproblems wurd� in die Hände von Admirälen und Generälen gelegt. Kalter Kritizismus gegenüber jeder Ab- kehr vom Vertrauen auf die Gewalt, das war unser einziges Zugeständnis an den Frieden. Die einigende Begeisterung. von Genf war dahin und Staatsmänner verlangten Beifall. wenn sie sich bemühten. Schwierigkeiten und Vorurteile zu beseitigen, die sie selbst eben geschaffen batten. Der eng- lisch- französische Vertrag über die See- und Landkräfte brachte unseren Kelch.der Enttäuschung zum Ueberfließen, und die Art, in der der Vertrag behandelt wurde, zeigte uns die Gefahren, von denen wir bedroht waren. Jeder Schachzug, der beim Verhandeln und bei der Veröffentlichung des Vertrages gemacht wurde, die Geheim- niskrämerei und Verdrehungen waren falsch. Es war die übel st e Pfuschermanier der alten Diplo- m a t i e. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, daß sich der Vertrag irgendwie gegen die Vereinigten Staaten richtet. Eine ausreichende Erklärung für ihn sind schon unsere weniger wichtigen Beziehungen zu Frankreich. Die über- mäßige Konzentration auf den einen Punkt— Frankreich zu gefallen— führte zu einer vollkommenen Vernachlässigung unserer eigenen Interessen und einem völligen Außeracht- lassen des Eindrucks, den der Vertrag auf Amerika machen mußte. Sei dem, wie ihm wolle, der Regierung, die für diesen Vertrag verantwortlich ist, können wir unsere natio- nalen Interessen und unsere national« Sicherheit nicht an- vertrauen. Die Unzufriedenheit des Landes spiegelt sich setzt im De- nehmen der Tories im Unterhaus wieder. Bis jetzt zeigten die Tories uns gegenüber einen überlauten Fuchsjagdgeist. Sie zollten den(mit wenigen Ausnahmen) sehr üblen Reden, die auf der Ministerbank gehalten wurden, lustig Beifall und bildeten eine«nggeschlosiene Gruppe, die gegenüber dem ge- meinsamen Feind zusammenarbeitete, sich vielleicht in ihren Klubs und Raucbräumen gehen ließ, aber in der Parlaments- arena die Interessen der Partei aufs strenaste wahrnahm. In der ersten Stunde nach Beginn dieser Session bemerkte man aber«inen Wechsel. Die Mannschaft ist ausein- andergefallen und die Einneit'cher baben zu tun, sie zusammenzuhalten. Eine der schärfsten Attacken gegen die Regierungspolitik kam von kon'ervatwen Bänken Angriiie, die von uns ausgingen, begegneten teilnahmsloser Ruhe. Die Tories machen den Eindruck einer zerschlaaenen Partei. Um sie zusammenzuschweißen, wurden alle möglichen Konferenzen und Beratungen abgehalten, und es wird sogar behauptet, daß die Parteiführer verlangt hätten, jedes Torymitglied, das sich an der parlamentarischen Debatte beteilige, solle den Text seiner Rede zuerst dem Fraktionsführer zur Billigung unterbreiten. Man hat mir gesagt, daß die kürzlich in Glasgow gehallene Rede des Premierministers ein gelang- weilles. und ungerührtes Publikum gefunden hat, und daß die Wahlaussichten des Ministers dadurch nicht gewachsen sind; der einzige Minister, der etwas aktiver ist, ist Sir William Joynson Hick«, der offenbar glaubt, seine Partei k durch lärmende Ausbrüche seines explosiven Temperaments' wieder zusammenfassen zu können. Der Wahlkamzzf wird von zwei Lagern aus geführt wer- den— dem der Liberalen und unserem eigenen. Das so oft angekündigte Wiederaufleben der Liberalen hat jedoch keine Fortschritte gemacht. Vor wenigen Monaten hatte die liberale Partei hektische Flecken auf ihren Wangen, die(Be- sundheit vortäuschten, aber es ist nicht daran zu zweifeln, daß im Augenblick die Ausfichten der Partei so schlecht sind als sie nur sein können. Bevor wir die Diskussion über das Kommunalverwaltungsgefetz begannen, das uns seit Novem- der beschäftigte, kündigte d'e liberale Presse an, daß die Partei in der Debatte eine führende Rolle spielen und den anderen zeigen würde, was eine Opposition ist. Das ganze Gefecht hatten w i r jedoch allein zu bestreiten, die Bänke der Libe- ralen waren praktisch leer, und bei den Abstimmungen war die liberale Partei andauernd getellt. Die Meinungsverschiedenheiten in der liberalen Partei sind aufs neue ausgebrochen. Gerüde in dem entscheidenden Punkt, von dem sehr viel für den Wahlerfolg der Liberalen abhängt, sind die Liberalen indreiLager gespalten: Das eine will die Toryregierung unterstützen, das andere will Lloyd George folgen und oersuchen, selbständig vorzu gehen, das dritte will seine Stimmen der Arbeiterpartei geben. Das Land lehnt es ab, sich von der liberalen Propa ganda beeinflusien zu lasten. Es gibt einige Gebiete, z. B den Südwesten, wo der Liberalismus noch nicht an». Boden verloren hat(die Kandidaten zehren dort von dem Erbe des verstorbenen Lord Oxford), aber es sind eben nur sehr wenige und vereinzelte Wahlbezirke. Der Liberalismus ist in den Industriegebieten entwurzelt. Seine opti- mistischsten Freunde, die sich ein klares Urteil bewahrt haben, geben der liberalen Partei nicht mehr als achtzig Sitze nach der Wahl.' DerKampfderArbeiterpartei ist von Erfolg begleitet. Die Nachwahlen in diesem Jahr sind zu unse- ren Gunsten ausgefallen und die Gemeindewahlen haben für uns alle Erwartungen übertroffen. Das Land erwartet, daß wir gut abschneiden, und es ist mit diesem Resultat ganz zu- frieden. Lord Rothermere macht kein Hehl daraus, daß wir seiner Ansicht nach gegenwärtig die Mehrheit haben. Und auch Mr. G a r w i n gibt murrend und widerwillig zu. daß Lord Rothermere vielleicht recht hat und daß wir in der Tat die einzige Partei mit der Mehrheitschance sind. Die Ruhe des Landes gegenüber dieser Aussicht ist eine außerordent- liche Anerkennung des Erfolges der letzten Arbeiterregierung. Eine Arbeiterregierung wird eine Regierung sein, die sich � nach den Beschlüssen der Partei und den politischen Grund- säßen richtet, die in dem kürzlich veröffentlichten Manifest unter dem Titel„Labour und die Nation" entHallen sind. Drei Dinge werden von uns erwartet: erstens,«ine wistenschaftliche Behandlung des Arbeitslosenpro- b l e m s, dann eine gesunde Finanzpolitik und die Anwendung der modernsten Theorien über die Beziehungen zwischen Finanzpolitik und Industrie, und schließlich«ine auswärtige Politik, die die gesamte europäische Situation berücksichtigt und von der Unterordnung unter die französischen Interesten entlastet wird— eine Politik, die bei Verständnis unserer verwandten Interesten und Notwendig» leiten mit dem Gegensatz zu den Bereinigten Staaten ein Ende macht. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu sehen, daß die kommenden Wahlen, wie immer ihr endgültiges Resultat sein mag, das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien im Unterhaus von Grund auf zugunsten der Ar- beiterpartei verändernmüfsen. Gute Zeiten für Freibeuter. Raiffeiseu-Gkaudal und Laudbundpleiien. Baldwins Wahlprogramm. Loaboa, g. April.(Eigenbericht.) Ministerprösident B a l d w i n wut» am Mittwoch dem Kabinett ein konservatives Aktionsprogramm unterbreiten, das den Kern für dos letzte konservative Budget und das Wahlprogramm der Regierung bilden wird.) In dem Programm wird von der Möglichkeit ausgegangen, daß die Regierung mit einer.zwar sehr verminderten, aber immerhin arbeitsfähigen absoluten Mehrheit von mindesten» ZV Ab- geordneten nach den Neuwahlen ins Parlament zurückkehrt. In seinem Mittelpunkt stehen«ine Reihe von Maßnahmen, die daraus obzielen. der Wirkung der Lloyd Georgeschen Dorschlage zur Be- ieitigung der Arbeitslosigkeit unter den Wählern zu begegnen. Die wichtigsten Punkte beziehen sich direkt oder indirekt auf Maßnahmen zur- Dennindorung der Arbeitslosigkeit. Sie besagen nach Insar- mationen in politischen Kreisen: L Znduskrieschutz. d. h. weilerer Ausbau der Schutzzoll. Politik, 2. Arbeit für arbeitslose Aruaen. die im Lloyd Georgeschen Entwurf völlig unberücksichtigt geblieben find. Z. Straßenbau, wenn auch i« einem gegenüber den liberalen Plänen stark verminderte« Umfange. 4. großzügige Au». wonderongspolllik nach Uebersee. 5. energische Arbeit an der veseitigaag der Elendsquarliere, der sogenannten „Shims". Dieser Plan soll teilweise am IS. April im Budget be- kanntgegeben werden. In semer Gesamtheit dürfte er in der Baldwin-Red« am 18. April dargestellt werden. Außerdem soll Baldwin beabsichtigen, Churchill durch Reoille Chamber- l a i n im Schatzamt zu ersetzen und den gegenwärtigen Schatzkanzler Winston Churchill dafür zu einer Art„M i n i st- r für Ar- beitsbeschasfung" zu machen und ihn ün Rahmen der parla- mentarischen Möglichkeiten hierbei mit diktatorischen Boll- machten auszustotten, wie sie die verschiedenen Ressortminister während der Kricgszeit in Großbritannien besessen haben. Geipels Nachfolger. Wahrscheinlich ein Gemäßigter. Wien, 0. April.(Eigenbericht.) Der Nationalrat nahm in einer kurzen Sitzung von der Demission der Regierung Kenntnis und oertag:e sich dann. Der chauptausschuß, der nach der Verfassung die Wahl der Regierung vorzubereiten und Porschläge zu unterbreiten hat, wählte den Abg. Finte zum Berichterstatter und vertagte sich dann, da eine Der- ständigung der Portoien über hie Zusammensetzung der Regierung noch nicht vorliegt. Es steht vorläufig nur soviel sest, daß die gemäßigte Richtung der Christlichsozialen den Bundeskanzler stellen wird. Inzwischen Hetzen die cheimwehrführer ununterbrocheir gegen die Sozialdemokratie. In V i l l a ch(Kärnten) erklärt« z. B. der cheimwehrführar P s r i e m« r. man müsse das rote Wien mit den Waffen in der Faust erobern. Es müsse ein Kampf bis aufs Messer mit den Sozialdemokraten geführt werden. Die genossenschaftliche Raiff eisen. Bewegung hat mit der kürz. lich erfolgten Liquidation der Deutschen Raiffeisen-Bant«in un- rühmliches Ende gefunden. Schon 1625 wäre die Raiffeisen-Bank zusammengebrochen und hätte damit Zehntausend« von bäuerlichen Existenzen in den Strudel des Konkurses mit hineingerissen, wenn ihr nicht die P r e u ß e n k a s s«, die Zentralbank der landwirt- schaftlichen Genossenschaften, chilfsstellung geleistet hätte. Nach der kürzlich erfolgten Verhaftung des früheren Zaren- offiziers Uralszesf, des Hauptschuldigen an den Verlusten der Raifsessen-Bank, wird die Ocffentlichkeit bald einen Monstre- Prozeß erleben, der auch die größten Standole der Nachkriegszeit weit hinter sich läßt. Der jetzt dingfest gemachte Uralszesf muß in der Tat ein wahres Betnigergenie gewesen sein. Hat er doch der Deutschen Raiffeisen- Bank im Lauf« von knapp zwei Iahren mehr als zwanzig Millionen abgeluchst. Unter der Vorspiegelung, daß er im Besitze hochwertiger Waren. lager und wertvoller Schmucksachen sei. gelang es ihm, von der Raiffeisen-Bank zunächst einige Millionen Kredit zu er- halten, ohne daß die von ihm angegebenen Sicherheiten von der Bankleiwng geprüft wurden. So unglaublich es klingt, ist es doch Tatsache, daß die Raiffeisen- Bant auch dann noch Uralszeff mit weiteren Kreditmillionen stopft«, als er die ersten großen Kredite bei eingetretener Fälligkeit nicht zurückzahlen konnte und der größte Teil der Sicherheiten sich bei genauerer Prüfung als teilweise oder gänzlich wertlos«nt. puppten. Da Uralszeff sich nicht nur auf Kreditschwindel im großen oerstand, sondern auch noch andere„wirtschaftlich« Fähigkeiten" besaß, gelang es ihm. in der gleichen Zeit die Raiffeisen-Bank zu Geschäften zu bewegen, die eine genossenschastliche Bank nie und nimmer hätte anrühren dürfen. Der Erfolg dieser Geschäfte, bei denen sich Herr Uralszeff die unglaublichsten Manipulationen leistete, bestand in weiteren Verlusten von etwa 30 Millionen Mark, so daß der Gesamtverlust der Bank aus dieser„ersprießlichen" Zusammenarbeit mit dem Zaristenofsizier sich auf rund fünfzig M i l l i o n en belief. Kein Work der Kritik kann für die Handlungsweise der führen. den Männer in der Raiffeisen-Bant schars genug sein. Abgesehen davon, daß sie in einer Zeit, wo der kredithungrige Bauer, der doch der eigentliche Träger der Raiffeisen-Organisation war, für seine Kreditwüiffche taube Ohren fand. Millionen und aber Millionen einem wirtschaftlichen Abenteurer zur Verfügung stellten. ließen diese verantwortlichen Direktoren auch noch die elementarsten Sicherhettsmaßregeln außer Acht. Es ist dringend zu wünschen, daß bei dem bevorstehenden Prozeß die wahren Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden und insbesondere muß die Frage untersucht werden, lvwiewell der damalige Leiter der Raifseiseu-Dank. der frühere deulschnattonale Abgeordnete Zustizrat Dietrich aus Preuzlau zum Schadenersatz herangezogen werden kau». Luch die übrigen Mitglieder des Korttrollapparates werden hoffentlich, soweit sie ein Verschulden trifft, regreßpflichtig gemacht werden.,_, Dieser Skandal im landwirtschaftlichen Kreditwesen stellt aber nicht den einzigen seiner Art dar. Noch ist der ün letzten Jahre in Hirschberg erfolgte Zusammenbruch der Wirtschostsgenossen- schaft des Hirschbcrger Landbundes in Erinnerung. Wie uns jetzt aus Hirschberg mitgeteilt wird, hat die genossenschasUich« Zentralkosse des Reichslandbundes e. G. m. b. H. insgesamt Verlust« erlitten, die weil über b Millionen hinaus- gehen. Auch die Berwallung dieser ZentraUasse. die überwiegend unter dem Einfluß des Großgrundbesitzes steht, hat diese schweren Der- lust« in erster Linie ihrer leichtfertigen Kreditgewährung zu verdanken. Außer dem Hirschberger Zusammenbruch in der Resthz- landbundorganisation mußten im letzten Jahr auch die Nieder» lausttzer Landbundgenossenschoft in Kottbus und die landwirt» schastliche Kreisgenossenschaft des Kreises Zauch-Belzig ihren Konkurs anmelden. Die Gesamtoerluste der Zentralkasse allein bei dem Konturs dieser drei Unterorganisationen über- steigen 1 Million Mark. Welch«in Schluderbetrleb bei den Landbundgenossenschasten überhaupt herrschte, zeigen u. a. auch die Vorgänge bei der Warenzentrale des Reichslandbundes in Berlin. Hier trat nach dem Tode des bekannten deutschnotionalen Abgeordneten Dr. Roesicke der Abgeordnete Walter Stubbendorsf seine Herrschaft im Aussichlsrat an. Unter Stubbendorffs Leitung wurde in Erwartung eines 2(X>>M i l- l io n e n k r e d i t o s aus Amerika, der aber niemals zum Abschluß kam. der G e s ch ä f t s u m f a n g der Wa r e n z- n t ra l e innerhalb weniger Monate fast verzehnfacht. Natürlich war diese gewaltsame Ausdehnung von schweren Fehlschlagen begleitet,- die allein dieser warenzentrale de» Reichslaadbundes bi, Ende 1025 7 Millionen Mark verlast brachten. Zur Deckung dieser enormen Verluste wurden höchst bedenk» liche Bilanzfrisuren unternommen. Es ist kein Zufall, daß die gleichen Landbundkreise, mit deren Geschäftspraktiken sich hoffentlich noch der Strofrichter besasien wird, das flache Land mit einer wüsten Heye gegen die Preußen- regierung und die jetzige Staatssorm durchziehen. Es ist ihr eigenes bös«» Gewissen, daß sie zu der Ausputschung der Bauern, zur Steuersobotog« und zur Hetze der offenen Hebellion treibt! Karlsruhe und Carlsruhe. Oder die Tüchtigkeit kommunistischer Nertchterfiattung. Die kcmmmnfftische Press« veranstaltet«inen Protestfeld- zug gegen den Bulgarenzar Boris, der gestern dem Reichspräsidenten«inen offiziellen Besuch gemacht hat. Dieser Feldzug legt mehr Wert auf Gesinnungslüchtigkeit als auf Richtigkeit der Tatsachen. Am 4. April veröffentlichte die„Rote Fahne" den fol- genden„Eigenen Drahtbericht" aus Karlsruhe in Baden: Karl»rnhe. 3. April-(Eigener Drahtbericht.) Aus zuverlässiger Quell« erfahren wir, daß sich zurzeit der blutige Henker der vulgo. rischen Arbeiter und Bauern, König Boris von Bulgarien, mit Genehmigung der badischen Koalitionsregierung in Sarlsrnh« befindet. Der Arbeiterschaft hat sich«in« ungeheure Erre- g u n g bemächtigt. Au» den Betrieben werden D e l e- gationen zur Regierung gesandt, die die Entfernung de» Arbeitermörders Bari» in Solidarität mit den blutenden Ar» beitern und Bauern Bulgariens verlangen. Sofort trat die Münzenberagarde in Aktion. Das fol- gende Protesttelegromm an den Oberbürgermeister der badi» jchen Landeshauptstadt Karlsruhe wurde abgeschickt: „Dr. Finder, Oberbürgermeister, Karlsruh«. Namens Schriftsteller, Künstler. Akademiker und namhafter Vertreter der organisierten Arbetlerichast erheben allerschärflten Protest gegen Empfänge des faschistischen Intrigante« Zar Boris von Bulgarien, Schuldiger für unzählige Opfer in Mazedonien und Bulgarien. Festlichkeiten mit diesem Führer bardarischen Terrors sind Deutschland als Kulturstoat unwürdig. Dr. Man, red Georg, Rudolf Leonhardt. Ignoz Wrobel, Siegfried Iacoby." Sehr rasch jedoch trat Schweigen in der kommunistischen Presse ein, dafür las man am 6. April ün„Lötal-Anzeiger": „König Boris von Bulgarien ist heut« morgen inkognito zu mehrtägigem Aufettthalt in Berlin eingetroffen. Er verweili« zuvor etwa zwei Wochen nl» Gast in Earlsruhe in Oberfchlesien. bei seiner mit Herzog Albrecht Eugen von Württemberg vermählten jüngsten Schwester Nadeschda." Es bleibt nur noch die Frage zu klären, w o der findige Berichterstatter der„Roten'Fahne" in Karlsruhe(Baden) die „ungeheure Erregung der Arbeiterschaft" und die zur badischen Regierung gesandten„Betriebs- delegierten" gesehen hat. Man sticht hier an. einem einwandfreien Beispiel, was es mit der„ungeheuren Erregung der Arbeiterschaft" und den famosen kommunistischen„Bemebsdelegatiorlen" auf sich hat, mit denen die KPD.-Presse Eindruck zu schinden sucht. Die erfinden die Leute von der„Roten Fahne" höchst eigen- händig am Schreibtisch. Mai-Manifest der Gewerkschasten Abrüstung.— Arbeiterschuh.- Achtstundengeseh. Amsterdam. 0. April.(Eigenbericht.) Der Imernaiionale Gewerkschastsbund weist in seinem Mai- manifest an die Arbeiter aller Länder darauf hin, daß seit 1880 d'e Arbetterschaft ununterbrochen für Völkerfrieden, Abrüstung, inte»- nationale» Schiedsgerichtsverfahren, Ardciterfchutz und gesetzliche Festlegung des Achtstundentages eingetreten ist. Trotz dem Kellog,,- Abkommen werden die R ü st u n g e n f o r t g e s c tz t. Es ist Pflicht der Arbeirerschait, sich allen Versuchen, militaristischen Geist und militärische Mittel zu stärke�, entgegenzustellen. Die Arbeiterschaft barf keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß sie sich einer neuen Menschenschlächierei mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln widersetzen wird. Da» Arbeiterschutzprogramm der Washingtoner Konferen,; von ZOZO ist n o ch n i ch t durchgeführt. Den Regierungen und Unternehmern.muß daher gezeigt werden, daß die Arbeiterschaft sich nicht bei Seite drücken lassen und nicht gestatten wird, daß die Reaktion dt« Einlösung der«ingegangenen Verpflichtungen oerhindert. Aus diesen Gründen fordert der International« Gewerkschaft»- bund die Arbeiter aller Länder zumachtvollenKundgebun» genaml. Ma i»auf: für Abrüstung und Schiedsgerichtsverfahren, Durchführung eines ausreichenden Arbeiterschutzes und gesetzliche Festlegung de» Achtstundentages. Abrüstungsattion der SA). Gens. 0. April.(Eigenbericht.) Am kommenden Montag wird der Vorsitzende der Abrüstung»- tommission Loudon-Holland in Gens eine Abordming des Exekutiv- komitces der sozialistischen International« empfangen. Die Delega- tion, unter Führung von de Brouckirc. Belgien, wird un den Resolutionen der Brüsseler Sozialistenlonferenz und des Exekutiv- komitees die Notwendigkeit der schleunigen Erfüllung des im§ 8 des Völkerbundspaktee gegebenen Adrustungsversprechens betonen. In der Eröffnungssitzung der Abrüstungskommission am 1». April wird London dann über das sozial! st tsche Abrüstungs- verlangen Berich, erstatten. Inzwischen schwillt die Zahl der im Völkerbundssekretariat ein. laufenden sozialiftischen Abrüstungskundgebungen derart an, daß das Schreibmaschinenbureau Mühe hat, die traditionellen Empfangsbestätigungen zu erledigen. Landbundattacke. ,€>0 stürm ich das Mnänzamt,— rennt flch einer dabei den Schädel ein, so sind's die Bauern!� Hochspannung in Polen. Mosciski wird energisch.— pilsudski im Lazarett. Die Ochsen von Beidenfleih. Bauerurevolte vor Geruht.— Laugkopp telegraphiert! Ztzehoe. S. April. Bor dem Schöffengericht begann der Prozeß wegen der g e- waltfamen Verhinderung einer Pfändung, die bekanntlich wegen ihrer sehr dramatischen Begleitumstände großes Aufsehen erregt hatte. Mit Rücksicht aus die Vorgänge der letzten Monate in der Provinz und auf die starke Erregung in bäuerlichen Kreisen hat man die nach der Wöhrdener Bluttat nach Itzehoe ver. legte Abteilung der Landespolizei noch in Itzehoe gelassen, die auch Ruhe und Ordnung beim kommenden Prozeß sichern soll. Die Verhandlung leitet Landgerichtsdirektor Block. Altona, wLH> rend die Anklage durch die Staatsanwaltsräte Dr. Junker und Kemper vertreten wird. Angeklagt sind insgesamt 57 Personen. Hofbesitzer aus der Umgebung von Itzehoe. Di« Anklage lautetauf Aufruhr. Beamtennötigung, Pfandbruch, Pfandentziehung und Aufforderung zu diesen Vergehen. Da der Raum des Itzehoe? Amtsgerichtes nicht ausreicht, muß die Verhandlung im Ständefaal des Rathauses stattfinden. Im Hinblick auf die große Anzahl der Abgeklagten und Zeugen ist mit einer Prozeßdauer von mindestens sünf Tagen zu rechnen. Der Anklage zugrunde liegt die Tatsache, daß, als am 19. November in Beidenfleth bei dem Landwirt Kühl und einem weiteren Landwirt wegen rückständiger Steuern zwei Ochsen gepfändet werden sollten, zahlreiche Bauern aus Beidenfleth und Umgebung, insgesamt etwa 200 Per» sonen, die Beamten an der Ausübung des Auftrage» dadurch hin- derten, daß sie durch brennend« Strohbünd« da» Lieh scheu machten und die entlaufenen Ochsen fortzutreiben ver» juchten. Es kam dabei zu Bedrohungen der Beamten, so daß ein« große Abteilung Landespolizei herbeigerufen wurde, die die Fort» schaffung des Viehs sicherte. Dabei kam es nochmals in Itzehoe zu neuen Ausschreitungen und schließlich auch auf dem Hamburger Schlachtviehhof, wo das Vieh versteigert werden sollt«. Di« Angeklagten werden von dem deutschnationalen Recht»- anwalt Lütgebrunn« verteidigt, der sich eben erst im Lang- kop-Prozeß durch seinen Appell an da»„deutsche Gericht'" und sein Verlangen, ein„deutsche» Urteil* zu fällen, ebenso be» merkbar gemacht hat, wie durch fein« Verteidigung des Ebert- Verleumders in Magdeburg. Der eben in Berlin mit„beutscher* Mild« behandelte Langkopp nutzt« die ihm gegebene Be- währaingsfrist dazu aus. gemeinsam mit dem freigesprochenen L o o f an die Angeklagten in Itzehoe das folgend« für die Lag« kennzeichnende Telegramm zu schicken: „Mit unserem Herzen find wir bei den 00 treudeutschen Bauern. Haut auf den Tisch, und wenn die Welt platzt! Treu Heil! Langkopp und L o o f.* Als Rädelsführer sind jetzt angeklagt der Gutsbesitzer Koch und der Hofbesitzer Kühl, bei dem die Pfändung vor- genommen werden sollt«. Velde erklären, daß sie in großer Er- regung geraten seien, weil ihr Wunsch, chr« Steuern niederge- ichlagen zu sehen, vom Finanzamt unberücksichtigt geblieben fei. Koch gibt zu. die Bauern telephonisch zusammenberufen und ihnen empfohlen zu haben, Mistforken mitzubringen. Durch «in Feuerhorn habe er weiter etwa 150 Bauern alarmiert, die den Beamten das gepfändete Vieh wieder abnahmen. Kühl gibt zu, mit Koch den Plan zu dem Vorgehen vorher oerabredet zu haben. Ein Landbundführer Hamkens habe in einer Versammlung gesagt, er würde, wenn bei ihm wegen unbezahlter Steuern ge- pfändet würde,„sich zur Wehr setzen?» Der Borsitzende spricht mit den Angeklagten reilweis« in ihrer Heimatjpvache, dem holsteinischen Platt. Dagegen erhebt der Berteidiger Einspruch und verlangt, biß ein Dolmetscher herangezogen würde. Die Verhandlung wird Mittwoch fortgesetzt. Armer Schulz! .Klapproth und ZSüfching werden Dich ansiedeln.* An da» Referat de« volksparteilichen Abgeordnete» Krieg« aber den Fall des Femeleutnant« Schulz schloß sich am Dienstag. nachmittag der Vortrag des Ministerialrat« Dr. Herrmann, der den Standpunkt de? preußischen IustiMinisteriums darlegte. Um es mit einem Wort zu sagen: Das Ergebnis war vernichtend für die beruflichen und ehrenamtlichen Schulz-Verteidiger. Das Referat zeichnete sich dadurch aus, daß Ministerialrat Herrmann weniger seine Ansicht als die protokollarisch festgelegten Aussagen der Zeugen in unzähligen Auszügen sprechen ließ. Und— siehe da— es ergab sich, daß der nationale Heros Schulz nach Strich und Faden Polizei, Staatsanwaltschaft. Unter- suchungsrichter und Gericht in jedem Punkte angelogen hat. Schulz hat behauptet, den ermordeten Wilms nie gekannt, vor feiner Ermordung nie von ihm gehört zu haben. Süßende von Zeugen haben bekandel. daß Schulz den Mlm» persöulich in die Schwarze Reichswehr eingefkelll Hai. daß Scholz ferner, al» die ersten UnrogclmäßigkeUeo des Mlm» bekannt wor- den. ihn verhört, daß er bann den Oberleutnant Stanllen mit der Aafertlgnng eines Protokoll» beanftragl. daß er persönlich die Rersehnag des lvilms von Döbsrlh noch Spandau, von Spandan nach Rathenow angeordnet hat. Gegen Schulz' stehen hier sogar die Zeugnisse der schwarzen Reichswchrofsiziere Schiller. Stantien» v. Senden, Budzinski usw. Erst, wenn Schulz in einem Punkt gänzlich überführt war, hat er nachträglich den bekannten Vorgang als „möglich* zugestanden, nachdem er vorher die Möglichkeit glatt bestritten hatte. Di« Verteidigung de» Schulz hat vor der veffentlichkeit mit erfundenen und aus der Luft gegriffenen Behauptungen operiert. Es war der Höhepunkt der Ausführungen des Ministerialrat« Herrmann, als dieser sogt«: Man hat ganze Bibliotheken über den Fall Schulz geruckt- Man hat zahlreiche Bände über seinen Fall geschrieben. Man hat Versammlungen aller Art. Volksversammlungen und exklu- sivste Sitzungen über den Fall Schulz veranstaltet. Aber die beiden Verteidiger de, Scholz. Rechtsanwalt Lütge- brunne and Prof. Dr. Grimm, haben e, nicht für notwendig gehalten, vor der Abfassung ihrer Schrtstsäß« und Druck- schristen die 2t Lände Akten über den Fall Schulz flch auch nur anzusehen, obwohl sie als Verteidiger da» Recht dazu gehabt hätten. l Zwischenruf des deutschnationalen Abgeordneten Dr. Deer- berg:„Das ist dos Unglück von Schulz gewesen!) Das sogenannte Rechtsgutachten von Prof. Grimm ist ohne Aktenkenntnis niedergeschrieben.(Zwischenruf Dr. Deer- berg«„Armer Schulz!*) Weiter verlas Ministerialrat Herrmann mehr al»«in Dutzend Zeugenaussagen, durch die das Bestehen Sinei Gruppe zur besonderen Verfügung des Schulz(ZBV.) überein» stimmend bewiesen wird. Zu dieser Gruppe gehörten Klapp» roth. Fahlbusch und Büsching. gelegentlich-Umhofer. Ein Zeuge bekmchet, daß dieses Kommando ZBL. allgemein da« „SKordkommando* hieß. Ander« Zeugen sagen aus. daß da« Verhältui» de» Schutz zu Klapproth. Fahlbusch und Büsching«in W a r s ch a». S. April. Pilsndsti. der nach seiner neue» Erkrankung von» Belvedere in ei» QfsizierSlazarett übergesiedelt ist, hatte abermals mehrere tkonfereaze» mit Bartel. Es bestätigt sich, daß Präsident Moseiski seine Unter. schrift unter zwei Grnennungsdekrete für neue Minister verweigert hat. wie er überhaupt immer stärker in be« Vordergrund tritt. Wen» sich Pilsudski an die Spitze des neuen Ministeriums stelle» sollte. kSnnte das nur formelle Bedeutung habe«, well sei« Gesund» heitsznstand und seine überarbeitete.» Rer» neu ihm nur erlaube», die große« Richtlinie« der Politik festzulege«, während ihre Durchführung seiner Umgebung überlasse» würbe. Wieder einmal RegienmgSumbildung. warscha». S. April. Der Artikel Marschall pilsudski« hat die innerpallSsche Lage bedeutend verschärft. Es glll ast sicher, daß der von Minister- präfldenl Dr. Vortel und von Skaalsprästdent Mosciskl befürwortet« Sur» einer Zusammenarbeit Reglernng-Sesm mm nicht mehr wird eingeschlagen werde» können. Am 3Z. Tage der Re- gierung»krise ist die ttabinelisbildung noch nicht vorwärts gekommen. viel beachtet wurde, daß amtlich die Absicht einer Konferenz Vllsudski-Slaatspräjiden» Varlel nachdrücklich bestritten wurde. Da« regierting» freundlich,' platt„Surs er poranny* macht Stimmung für ein Kabinett unter Leitung Switalski». de» jetzigen Unter- richtsminister». Er All al» Exponent der parlamenlsselndliche» und halbfaschistischeu„Obersten- Gruppe". Gerüchte wollen wissen. daß sich der Staatspräsident gegen eine Regierung ganz anderes gewesen sei» als zu der übrigen SR. Leutnant S ch ö l« r bekundet,'daß die anständigen Teile der Schwarzen Reichswehr vergeblich oersucht hätten. Schulz und seinen Anhang von der Schwarzen Reichswehr zu trennen. Klapproth« ständige Redensart war— nach fünf übereinstimmenden Aussagen: Zwei Schüsse in den Hinterkopf, dann muckt ein Kerl nicht mehr. Soldat«, ine etwas ausgefresien hatten, wurde angedroht: »Ra. Klapproth und Büsching werde» schon kommen und dich an- siedeln." Damit war Erschießen gemeint. Ministertalrat Herrmann stellt« fest, daß die Anstiftung durch Schulz tatsächlich erwiesen ist. Er macht« auch darauf aufmerksam, daß durch die Aussage des Fahlbusch, der»ach Deutschland unterwegs ist, virtlacht eine ganz neue Situation entstehen könne. Oer Wohnungsbau. Schwerste bedenken gegen Kleiastwohnungen. Im Reichstag sausschuß für das Wohnungswesen stellt-«in Regiekungsvertreter aus eine Anfrage eines Kommunisten hin rich- tig, daß die Nachrichten über Abstriche an den Wohnung»- b a u m i t t e l n im kommenden Etat falsch seien. Der Ausschuß beriet dann über die Richtlinien für den Woh- nungsbau. Dabei wurde ein Antrag LipinskI(Soz.) o n g e- nommen, der die schweren Bedenken gegen Kleinst» wohnungen zum Ausdruck bringt. Entsprechend diesem Antrag lauten die Richtlinien nun zu diesem Punk««.Fileinstwohnungen sind nur zuzulassen für vorübergehende Benutzung (Unterbringung von Exmittierten), wtnn Spielplatz und Tagesunter- kunst für die Kinder gesichert ist, für Alters- und Ledigenheime. Für Familien mit Kindern muß die Wohnfläch« mindesten» 18 Quadratmeter betragen, für kinderreich« Familien muß die Wohnfläche größer fein." Gumanfki ausgewiesen. Der Polizeipräsident teilt mit: Der in der Fälschersach« Ortoff festgenommene russische Emigrant Alerander Gumanski ist nach Bekanntgabe de« Au«- weisuugsbefehl» entlassen woben. Switalski ausgesprochen habe. Da» gleiche platt empfiehlt al» Minister für soziale Fürsorge Oberst Kolloacay bzw. den Kabinetechef pilsudski», Oberst p r y st o r.„Snrjer porauny" be- hauplet. daß Dr. Switalski bereits den Auftrag«halte» habe, eine Regierung zu bilden. Die Tragödie Polens. Warschau. S. April. Die Oppositionspresse nmnnt angesichts der Zensurverhältnisse zu dem Artikel Pilsudskis nur sehr vorsichtig Stellung. Der sozialdemokratische.Mob otnik" nennt den Gedanken des Staats streich«— ebenso-wie den Artikel Pilsudskis die TFNSuiktic Polens. Polen könne sich keine Experimente leisten, weder vom wirtschaftliche» nach vom internationalen Standpunkt. Zu entscheiden habe der Staatspräsident, der gegenüber dem Land und der Geschichte die gesamte Verantwortung trage, Di« polnisch« Sozialistische Partei werde jedeirfalls keinen Drohungen weichen. Die„Gazeta Warszawska" veröffentlicht eine Entschließung de» Obersten Rates des Nationaldemokratischen Partei, in der festgestellt wird, daß der. wie schon der Titel besage, von emem Kranken oerfaßte Artikel mit Rücksicht auf seinen Inhalt und seine Form keine Antwort erfordere. Der Oberste Rat gibt jedoch der Ueberzeugung Ausdruck, daß schon die Deröffent- l i ch u n g einer derartigen Auslassung den Interessen und dem Ansehen des Staates Abbruch getan habe. Während ssch die gemäßigten Regierungsblätter eines Kommen- tars enthalten, scheinen die radikalen und Boulevardblätter über Ton und Inhalt sehr erfreut. So schreibt„Glos Prawdq". daß Pilsudski angesichts der Scharen der sich breitmachenden Schädlinge zur Züchtigung habe schreiten müssen. Hugenbergs Reichsreform. Absage an de« Lutherbund. Der Pcrrteivorstanid der Deutschnationalsn Doltspartei Hot am Dienstag das Programm Hugenbergs über eine.Iieichsrefovm" angehört und hat ihm selbstverständlich zugestimmt. Hugenberg verwirft das Programm des Lutherfchsn Er- Neuerungsbundes. Er will die Reichsverfassung ungefähr der Bis- marckfchsn Verfassung angleichen. Die Hauptpunkte sind: Aufhebung de» Artikels 51 der Verfassung, Personalunion der Rsichsregierung und der preußischen Regierung, Uobertragung sämtlicher Iustiz- und Kultusangelezeicheiten. wie der gesamten inneren Verwaltung an die Länder, während der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Mi- nisterien m das Reich gelegt werden soll. Gleichzeitig soll die Reichs- und Staatstäligkeit auf dem Gebiet der Wirtschaft weit- gehend abgebaut werden, demzufolge sollen zusammengelegt werden, Reichswirtschoftsministerinm, Reichsarbeitsministerium, Reichsoerkehrsmmisterium und Reichspostministerium. Dieser sogenannte Reformplan ist ein« Mischung au« monar- chistifchen Tende�en, Bismarcks chen Verfassungsgedanken und Dog- men des Manchesterliberalismus. petroleummagna» Sinclair muß in» Gefängnis. Da» oberste Gericht in Washington hat den Petroleummaonaten Sinclair zu drei Monaten Gefängnis wegen„Beleidigung de» Senates" verurteilt. Sinclair hatte sich bekanntlich immer wieoer geweigert, vor dem Senat zu erscheinen, um über den Petroleumskandal von Teapot Tome auszusagen. Lei Kabul uolgelondel sind fünf Fokkerflugzeuge unter t ü r- t i j che r und russischer Flaaae, Mitglieder der türkischen Militär- Mission in Afghanistan und russische Konsularbeamte an Bokd. Die Flieger und die Passagiere,, die unverletzt sind, wurden vor- läufig von Nadir Khan festgenommen. Dle Pilgerfahrt noch Mekka verboten hat die Irakregierung zur Antwort auf den letzten Einfall der Wahabiten, in deren Gebiet Mekka liegt. Ungeheure» Aussehen, denn seit Jahrhunderten do- erst« solche verbot eines Moslemstnates. Appell an die Vernunft. Die Gpihenorganisationen an Regierung und Reichsbahn. Vie gewerkschaftlichen Spihenorganlsationen haben«an- mehr an die Reichsregierung und die Reichsbahngesellfchaft eine Eingabe gerichtet, in der neue Verhandlungen zur Bei- legung de» Lohnkonslikles bei der Reichsbahn gefordert werden. In der Eingabe wirb u. a. auf die wirtschaftlich« Lag« der Eisenbahnarbeiter hingewiesen, deren Bezüge im Vergleich zu anderen Arbeitergruppen ungünstig seien. Besonders wird die hohe Spanne zwischen den Eisenbohnarbeiterlöhnen und den vergleich- baren Gehältern der Eisenbahnbeomten für gleiche oder nahezu gleiche Leistungen angeführt. Die Spitzenorganisationen der Gewert- schaften erklären in der Eingabe, den Arbeitsfrieden im Eisenbahnbetriebe nicht ohne zwingende Not gefährden zu lassen. Aon der Reichsregierung und der Hauptverwaltung der Reichsbahn wird deshalb verlangt, den Weg der Verständigung zu� be- schreiten und damit Arbeitsniederlegungen, die in die ernsteste Nähe gerückt sind, zu vermeiden. Die Spitzenorganisationen erklären sich bereit, bei neuen Verhandlungen mitzuwirken, unr«ine Verständigung zu erreichen. Mit diesem Schritt haben die Spitzenorganisationen der Gewerkschaften nicht allein gegenüber den Eisenbahnern ihre Pflicht erfüllt, sondern auch gegenüber der Oeffentlichkeit und der Gesamtwirtschaft, die ein Interesse ersten Ranges daran hat, daß der Arbeitsfrieden auf der Reichsbahn nicht gefährdet wird. Man darf wohl erwarten, daß der Schrstt der Spitzen- Organisationen von den zuständigen Stellen entsprechend ge- würdigt wird. Die Eisenbahner haben in der Vergangenheit so viele Beweise ihres guten Willens und ihrer Geduld gegeben, daß niemand annehmen kann, sie würden leichtfertig in einen Kampf hineingehxn. Wenn es aber heute unter den Eisen- bahnern so stark gärt, daß man täglich den Ausbruch von Kämpfen befürchten muß, so liegt das eben daran, daß die Eisenbahner in der Vergangenheit von der Hauptverwaltung der Reichsbahn sowohl m der Frage der Arbeitszeit wie der Löhne äußerst stiefmütterlich behandelt wurden und in der Gegenwart auch den geringsten Verfüch eines Entgegen- tommens vermissen. Die dadurch aufgespeicherte Erbstterung muß sich über kurz oder lang entladen, wenn auch der Ber- such der Spitzenorganlsatfonen ohne Erfolg bleiben sollte. ,Oie Rache derVerkehrs-A.G/ Deter schädigt Arbeiter und verleumdet andere. Unter der lleberfchrlsl»Die Rache der verkehr» A.-G." brachte die»Rote Fahne" einen ihrer üblichen Schmutz- artikel. Genosse vrolat, Direktor der verkehr» Zü-G-, gibt no» hierzu noch folgende Darstellung: »In der Werkstatt Seestraße der Nordsüdbahn sind für die- Montag« einer' Anzahl neuer Wagen Arbeiter-, Schlosser usw. mit dem Vermerk:»Bis zur Fertigstellung der , Montage", Sommer 1928, eingestellt worden. Diese Montage- ' arbeiten waren mittlerweile fertiggestellt, so daß für einen größeren Teil der damit Beschäftigten keine Arbeit niehr da war Etwa drei Tage vor der Betriebsratswahl, am 13. März, teilte mir der Betriebsleiter Kleiber das erstemal mit, daß die Leute überflüssig seien. Um keine unnötige Ausregung hervorzurufen, habe ich die Angelegenheit bis nach der Wahl zurückgestellt. Am Dienstag nach der Wahl habe ich mit dem Betriebsleiter Kleiber entschieden, daß 39 Arbeiter, Schlosser usw. vom Donnerstagfrüh ab ihren Urlaub nehmen und ich während der.Urlaubszeit dafür sorg«, daß die Arbeiter nach Ablauf der Urlaubszeit w anderen Betrieben der BVG. ontergebracht werden. Um 12 Uhr desselben Tage» habe ich mit dem Betriebsleiter von Treptow— Omnibushauptwerkstatt— über die Unterbringung der 39 Mann in Treptow verhandelt und auch ein« Möglichkeit ge- funden, daß nach Ablauf der Urlaubszeit die Leute ohne jeden Lohnousfall in Treptow ihre Arbeit beginnen tonnten. Das Betriebsratsmitglied H e y e r von der Untergrundbahn, -ejn mit Herrn Deter befreundeter Arbeiter, hat telephonifch bei mir angefragt, und auf meine Auskunft, daß die Leute flach Ablauf de? Ferien in anderen Werkstätten untergebracht werden, sich da- für bedankt und die Sache damit als erledigt betrachtet. Trotzdem sst Herr Deter am Spätnachmittag mit Herrn Heyer gekommen, um mit mir über diese Angelegenheit nochmals zu sprechen. Ich unterrichtete Herrn Deter von meinen Maßnahmen, er verlangt« aber, daß die zu versetzenden Leute während der sieben Tage ihrer Kündigungszeit noch im Betriebe Seestraße bleiben und dann erst in Urlaub gehen sollen. Das habe ich ab- gelehnt, da schon seit längerer Zeit«ine Beschäftigung für die Leute nicht mehr vorhanden war. Trotz meiner ablehnenden Stellung, die ich Herrn Deter gegen- über lehr bestimmt zum Ausdruck brachte, soll Herr Deter in der Versammlung am selben Abend seine Kollegen a n f g e f o r» dert haben, am anderen Tage in den Betrieb zu gehe« und diesen nicht zu verlaftea. trotzdem allen bekannt war, daß mit dem anderen Morgen die Ferien begannen. f Die Arbeiter sind der Aufforderung des Herrn Deter nach- gekommen und haben trotz mehrmaliger Aufforde- ru n g. da» Grundstück zu verlassen, sich dessen geweigert, und, wie mir setzt nachträglich bekanntgeworden ist, sich ihren anderen Ar- beitskollegen gegenüber, die dort in dem- Betrieb beschäftigt sind, sehr wenig anständig betragen. Mit diesem Verhalten soll sich auch noch das Gericht beschäftigen. Der Betriebsleiter hatte 16 Arbeitern von den 39 zu Mittwoch resp. Donnerstag die Anweisung für die Ferien gegeben, während er die übrigen 23 zwei Tage später in die Ferien schicken wollte. Au» dieser Tatsache heraus habe ich die Notwendigkeit hergeleitet, die 16 Arbeiter, die trotz mehrmaliger Aufforderung, den Betrieb zu verlassen, im Betrieb blieben, unter Innehaltung der Kündi- gungsfrist(Ferien) zu entlassen, während ich für die übrigen 23 Arbeiter im Betrieb der Omnibusgcscllschaft für weitere Be- schäftigung gesorgt habe, die sie auch heute noch alle dort haben." » Hier erstrahlt im vollen Glanz die Tätigkeit eines»revolutio- nären" Betriebsrat», der mir eine Aufgabe von der KPD. zu- geteill bekommen hat: Klamauk zu machen, gleichgültig wie auch die Folgen für die Arbeiter sein mögen. Mit der Heldentat, 16 Arbester außer Lohn und Brot gebracht zu haben, hat Herr Deter seine einjährige Aintsperiode würdig begonnen. Wir wer- den zusehen, wie dieser Arbeiterschädling wester Unfug anstellt. Di« Arbeiter der Verkehrs A.-G. werden aber gut tun, sich vor. zusehen._ Reuer Lohntarif für Gememdearbeiier. Don den Funktionären angenommen. Die Funktionär« der Berliner Kämmerei, und Werk». a r b e i t« r beschäftigten sich gestern abend in einer stark besuchten Versammlung in den Sophiensälen mit dem Schiedsspruch, der am 28. März von der tariflichen Schiedsstelle für die Berliner Känrmereiarbeiter gefällt worden ist. Der Schiedsspruch sieht be- kanntlich eine Erhöhung der Stundenlöhne der im Zeit- lohn beschäftigten Arbeiter in der Spitze von der ersten Lohnwoche im April ab um 3 Pf. und von der ersten Lohnwoche im Oktober bis zum 31. März 1939 um weitere 4 Pf. vor. Die Stundenlöhne der übrigen Zeitlohnarbeiter und aller Arbeiterinnen sollen im gleichen prozentualen Verhältnis erhöht werden. In den Verhandlungen über die Umgruppierung verschiedener Kategorien der Kämmereiarbeiter oftn 5. April wurde zugestanden, daß die bei der S ta d t e n t w ä s s e ru n g beschäftigten Kanal- und Wertsarbeiter außer der Lohnzulage von 3 plus 4 Pf. einen Zuschlag von 9 Pf. pro Stunde erhalten sollen. Weiter wurde in diesen Verhandlungen zugesagt, daß der bisherige außer- tarifliche Zuschlag für die Houskastenrevisoren in seiner vollen Höhe im Tarifvertrag verankert wird, die Heizer in die Gruppe 4(Handwerkergruppe) eingereiht und die Parkorbeiter, soweit sie nicht nur Reinigungsarbeiten aus- führen, im zweiten Befchäftigungsjahr in die G r u p p« 2 ein- gruppiert werden. Die groß« Tarifkommission hatte dem Schiedsspruch mit großer Mehrheit zugestimmt. Genosse Schaum, der zunächst einen ein- gehenden Bericht über den bisherigen Verlauf der Lohnbewegung gab, empfahl den Funkttonären gleichfalls die Annahme dieses Schiedsspruches. Die Redner der sogenannten»Opposition" verlangten die Wahl einer»zentralen Kampflestung" sowie die Neuwahl der großen Tarifkommission, fanden aber bei der Dersammlung kein Echo. Die »reformistischen" Funktionäre blieben den revolutionären Wort- spielern die Antwort nicht schuldig. Mit erdrückender Mehr- heit wurde zum Schluß der Dersammlung eine von der Ortsver- waltung vorgelegte Entschließung angenommen, die im wesent- liehen wie folgt lautet: Die Dersammelten sind der Meinung, daß der Schiedsspruch... den berechtigten Ansprüchen der städtischen Arbeiter nicht genügt und eine Befriedigung der Belegschaften nicht herbeiführt. Dennoch wollen sich die Funktionäre nicht der Einsicht ver- schließen, daß die Ablehnung des Schiedsspruches«inen schweren wirtschaftlichen Kampf zur Folge haben müßte, unter dem auch die Gcsamtbevölkerung der Stodigemeinde Berlin stark zu, leiden hätte. Daher beschließen die Funktionäre trotz Bedenken, diesen Schiedsspruch anzunehmen.— Durch die Annahm« dieser Tntschlie- ßung war ein Dierteldutzend.oppositioneller" Entschließungen und Anträge abgelehnt. Der Magistrat entscheidet sich heute, Mittwoch, über den Schiedsspruch. Gehattsschieösfpruch für öle Metallindustrie. Entscheidung am Freitag. Die ghrnktionäre der Werkmeister der Berliner Metallindustrie nahmen am Montag in einer stark besuchten Dersammlung im „Nordischen Hof" zu dem Schiedsspruch des Schlichtungsaus- schusses vom 3. April Stellung, der bekanntlich das Gehalts- abkommen für die Berliner Metallangeflellten bis zum 30. Sep- tember d. I. verlängert. Genosse I a e g e r vom Werkmeister- verband gab zunächst einen eingehenden Bericht von den Derhand- lungen vor dem Schlichwngsausschuß"und empfahl den Funktionären aus taktischen und tarifpolitischen Gründen die Annahme des Schiedsspruches. In der Diskussion wurde jedoch von dem größten Teil der Redner die Auffassung de» Genossen Iaeger nicht geteilt, sondern die Ansicht vertreten, daß es für die Werkmeister der Berliner Metallindustrie untragbar sei, diesem Schiedsspruch zuzustimmen. Di« Abstimmung ergab mst übergroßer Mehrhest die Ablehnung de» Schiedsspruches. Auf Grund dieses Beschlusses der Werkmeisterfunktionäre wird nunmehr in den Betrieben des Berbandes Berliner Metall- industrieller unter den Werkmeistern ein« Abstimmung vor- genommen, um festzustellen, wie die gesamten Werkmeister über den Schiedsspruch urteilen. Das Ergebnis dieser Abstimmung muß bi» zum Freitag, dem 12. April, der Berliner Geschäftsstelle des Werkmeisteroerbandes übermittelt sein. Die Funktionär» des AfA-Metallkartell» werden in ihre? Versammlung am Freitag in den»Germaniasölen' nochmals eingehend zu der Situation Stellung nehmen und im Einvernehmen mit den Leitungen der kartellierten Lngestelltenorganisationen die Beschlüsse fassen, die zur Wahrung der Interessen der gesamten Angestelltenschast in der Berliner Metallindustrie notwendig sind. Schiedsspruch für das Berliner Baugewerbe. Unzulänglicher Schiedsspruch abgelehnt.- Nachdem der R e i ch» to r i f o e rt ra g von den Parteien des Baugewerbes angenommen worden ist, hatten sofort in den Be- zirken die Lohnverhandlungen zu beginnen. Di« für das Tarifgebiet. Berlin gepflogenen Vechandlungen der Parteien am 3. April waren ergebnislos geblieben. Während die Arbeitgeber des Hochbaugewerbes sich darauf beschränkten, jede Lohnerhöhung a b- z u l eh n« n, forderten die Unternehmer des Tiefbaugewerbes sogar eine Minderung der Löhne um 8 bis 19 Pf. pro Stunde. Am Sonntag tagte das Tarifamt unter dem Vorsitz des Amts- gerichtsrats Dr. Riese. Nach fünfstündiger Verhandlung wurde ein Spruch gefällt, der für Maurer, Hilfs- und Tiefbauarbeiter eine Lohnerhöhung um 4 Pf. pro Stunde auf ein Jahr vorsieht. Gestern abend nahm die stark besucht« Versammlung-der Ob- leut« der Maurer- und Hilfsarbeiter im Verbandshous Großbeeren- straße zu dem Ergebnis Stellung. Nach einem ausführlichen Referat des Genossen Drügemüller, der Namens des Vorstandes die Ablehnung des Verhandiungsergebmsses empfahl, befchlossen die Obleute nach kurzer sachlicher Debatte, in der der Spruch scharf kriti- siert wurde. Uebergang zur Tagesordnung. Durch einen solchen Spruch kann der erstrebte Frieden im Baugewerbe nicht erreicht werden. Das zweite Tarifamt wird am Freitag, dem 12. April, nunmehr zur Lohnfrag« Stellung nehmen. Erfolge bei den Betrlevsrätewahlen. Köln, 9. April.(Eigenbericht.) In den Brauerei- und Flesscherei-Großbetrieben Kölns errangen die Vorschläge der freien Gewerkschaften zu den Betriebsräte- wählen ohne Gegenlisten den Sieg. In der Mühleninduftri« sind mst einer einzigen Ausnahme alle Betriebsraismitglieder Angehörige der freien Gewerkschaften. In den Bäckerei-Großbetrieben gehören zwei Drittel der Betriebsräte den freien Gewerkschaften an. In der Schokoladen- und Zuckerindustri« sind vier Fünftel der Betriebsräte Mitglieder der freien Gewerkschaften. In dem großen Schokoladen- betrieb der Firma Stollwerck wählten von 2999 Beschäftigten 1136 die freie und 191 die christliche Liste. Die Chrssten verloren ein Betriebsratsmandat, während die freien Gewerkschaften ein Mandat gewannen. Da die K o w m u n i st e n im Verbände der Nahrungs- mittel, und Getränkearbeiter keinen Anhang hoben, proklamierten sie— Stimmenthaltung. Di« Trauben hingen wieder einmal zu hoch. -IS Prozent Dividende und Lohnkürzungen. Die Baustoffwucherer als Lohndrücker. Inder rheinisch. westfälische» Ziegelindustrie ist es ftellsmoeif« bereit» zur Arbeitsniederlegung ge- kommen, da die Ursternehmer Lohnkürzungen fordern. Geht es den Ziegelfabrikanten wirklich| o schlecht, daß fle zu Lohnkürzungen schreiten müssen? Die Schermbecker Ton» und Falzziegelwerke hoben für da» Geschäftsjahr 1928 «ine Dividend« v�o n 13 Proz. bei rsichtichon Abschreibungen aufzuweisen. Verschiedene andere Ziegelwerk« in Rheinlond-West- falen haben ebenfalls kein« schlechten Abschlüsse für das vergangene Jahr zu verzeichnen. Der Abruf an Bausteinen im neuen Baujahr gestaltet sich lebhaft. Als höchster Fo chorbeste rf tundenl ohn werden in den Ziegeleien im Rheinland 84 Pfennige und in West- falen 82 Pfennige gezahlt. Die Höchststundenlöhne der un- gelernten Arboiler betragen«n Rheinland 73, in Westfalen 79 Pfennig. Auffüllend»st, daß keineswegs all« Unternehmer mst der Lohn- kürzungsparol« der Arbeitgeberoerbände einverstanden sind, denn einig« hoben sich berest erklärt, bis zum Reuabschluß des Lohn- tarifs wenigstens die alten Löhn« westerzuzahlea. Textilarbetterkampf in Nordamerika. eondon. S. April.(Eigenbericht.) In den nordamerikanifchen Staaten Nord- und Süd- K a r o l i n o liegt die Textilindustrie so gut wie still. Lohndisfe- renzen haben die Arbeiter peranlaßt, ihre Tätigkeit einzustellen. An dem Kampf sind insgesamt 399 999 Textilarbeiter aktiv beteiligt. ScrtaB» btt SRoIft ffwtteg, IS.«vrit»H Uhr, tat SeaxtTfiJwtteSmis. Snothrfn 24—25, 6aal 4, SRifsIirtttonfammlun«.„Zweck unö«ufoabfn der Arveitgeberverbälil»«." SRffmnl Kollege Adolf Jaegfchmann..Unsere Stillung. nolnn« zum Lohn, und Reichs Umfoertrog.* Referent Kolleg« Otto Schiemonn. Diokuffwn. ftrele Gewerkfckasts«Iuaend Groß-Berlin Heute. Mittwoch,>»>4 Uhr. tagen ble«ruppen: Baumschulenweg.- Druppenheim Jugendheim Triistftr. W. 2. Reihellvortrag:„Führer ber Arbeiterbewegung— Ferdinand Lassalle."— gentrum: Gruppenheim Zugendheim Zeh de Nicker Str. 24—25. I. Reihenvortrag:»Wir und die gelben Siwerlschaften."— Weißensee: Eruppenheim Weihense«, Parlstr. SS. Schach- lehrabend mit praltischen Demonstrationen.— Süden. Südwesten: Gruppen. heim Stiidt. Jugendheim Porckstr. 11. Vortrag:»Di« Bedeutung und der Aus. bau der Berufsschule."— Rculölln: Gruppe nheim Jugendheim Bergstr. 29(Hof). Ausspracheabend: JSaa unterscheidet uns von anderen Jugendorganisationen 1" fäk)uaendanwpe ves?rntralvrrbant>rs ver Anoesieilten «f/f Leute. Mittwoch, finden solgend« Beronstaltungen statt: Sesuod- � brunneu: Jugendheim SchSnstedtftr. 1< Ledigenheim). Heitidesprechung. — Osten I Jugendheim Schul« Litauer Str. l»..'Aus der Tätigkeit eines Arbciterdichters." Referent Dr. Konrat Ctehr.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr.«1.„Jugend— Lebensreform— Sozialismus." Refercnt Walter Striegniß.— Rrukollu- Jugendheim Bähmifch« Str. 1—4. Brettspiel- abend. sSpiel« mitbringen!)— Südost: Jugendheim Wrangelstr. l28. Volks. tanzibend.— Spandau: Jugendheim Lindenuser l. Ausspracheabend:„Jugend und Mob«."— Potsdam! Jugendherberge Rowawes. Priestcrstrahe. Sing, und Spielabend. f Verantwortlich Mr B-IUli: Dr. Sur»»euer: Wirtschaft:».«Iinaelhöler-, SemerlschafiSbeweguna: z. Steiuer: Feuilleton:». H. Dilcher: Lokale» and Sonstiges: Frist Karftädt: Inzeigen lh Stocke, sämtlich IN Berlin. Verlag: Vorwärts-Beriag GmbH Berlin Druck Vorwärts-BuMdruckerel und Verlaasaiiftal« Bau! Singer u So Berlin SW SS LindcuNrast» st vier,» 2«lila»«» und.Unterhaltung und Wiste»" Das Sine steht fest: Am billigsten und bequemsten werden fade Suppen.schwache Fleischbrühe. Soßen, Salate und Gemüse im Geschmack gekräftigt und verfeinert durch Zusatz weniger Tropfen a_ m* m m MAG Gr Würze Itr.il 66- 46. Jahrgang<�OrtPörf0 Mittwoch. UV. April 1929 5 Lahre Kampf um den Rundfunk. Oer Arbeiter als Hörer und Sprecher. Der Vorsitzende der preußischen Londtogsfraktion, Gen. Heil- mann, faßte die Bedeutung des Rundfunks und des 'Arbeiter- Rodio-Bundes in zwei Sätze zusammen. Der Kampf um den Rundfunk i st ein Teil des proleta» rifchen Klassenkampfes. Der Arbeiter-Radio-Bund muß diesen Kamps im Bunde mit der gesamten Arbeiterschaft führen. „Fünf Jahre hat die Organisation diese Ziele verfolgt. Sie sind nicht etwa gegen den Rundfunk gerichtet, sondern um die Verbesserung des Kulturmittels bemüht, dessen Beeinflussungsmöglichkeit durch Einführung von Bildfunk und Fernsehen ins Grenzen- lose gesteigert wird.'' Gewiß kann der Arbeiter-Radio-Bund nicht den Anspruch er- heben, dem Alter nach mit anderen Arbeiterorganisationen ver- glichen zu werden. Wesentlich bleibt vielmehr, daß er als e r st e r die Bedeutung des Radios erkannte und unverzüglich dazu überging, es der sozialistischen Bewegung zugänglich zu machen. Bor fünf Iahren war nur ein kleiner Kreis von dieser Bedeutung überzeugt. Heute gibt es m Deutschland fast drei Millionen angemeldete Rundfunkteilnehmer. Ihre ständ p wachsende Zahl und die oft einseitig politische Tendenz der Sendedarbietungen führte dazu, daß stch Partei und Gewerk- schaft entschlossen, die Tätigkeit des Bundes zu unterstützen. Die Reichsbildungskonferenz des Kieler Parteitages beschloß seine An- erkennung dadurch, daß sie ihn als die Organisation bestimmte, die für Arbeiterhörer in Betracht zu kommen habe. Die sozialdemo- kratische Reichsrundfunkkonferenz verlangte seine Förderung. Ohne Zweifel konnten solche weittragenden offiziellen Beschlüsse erst ge- faßt werden, nachdem die Erfolge des Bundes erkannt wurden, die gleich nach seiner Gründung in den Vordergrund traten. Es aelang der damals noch schwachen Organisation, die Monopoli- sierung der Rundfunkindustri« zu durchbrechen und die Genehmi- gung zum Bau von Röhrengeräten aufzuheben, so daß jeder Bastler in der Lage war. Apparate zu bauen, ohne eine besonders schwierige Prüfung bestehen zu müssen. Nach diesem ersten Erfolg schien die Entwicklung der Bewegung gesichert. Die Tatsach«, daß die Ar- b-iterschast damals durch das Mikrophon überhaupt nicht zu Worte lam und die offensichtlich gegen sie gerichtete Tendenz, trieb selbst indifferente Kreise in den Bund, die der Bund wieder politischen und gewerkschaftlichen Organisationen zuführt«. Nach der Beeinslusiung der Programme, die erst viel später in den Rundfunkausschüsien zusammen von Vertretern des Bundes. der Partei und Gewerkschaft vorgenommen wurde, kamen zwei Aufgaben in Betracht, deren Lösung besonders wichtig erschien. Der Arbeiter, der nicht in der Lage war, teure Apparate zu kaufen, mußte die Möglichkeit haben, sie s e l b st herstellen zu können. Die Ausstellungen der Ortsgruppen beweisen, in welch hohem Maße diese Aufgabe gelöst werden konnte. Weitere technische Ausbildung gestattet den Bau von Großlautsprecheranlagen, die als gutes Pro- pagandamittel zur Verfügung stehen und von anderen Organi- sationen benutzt werden. Die zweite Aufgabe bestand darin, die Arbeiterschaft zu veranlasien, sich dem Rundfunk gegenüber fördernd »nd wohlwollend zu verhalten, ohne doch der Gefahr zu erliegen, ihm zuviel Vertrauen entgegenzubringen. Auch hier können � Fortschritte festgestellt werden. Die interesianten Versuche, die Prof. W o l d t auf der Deutschen Welle vornimmt, zeigen, daß der Arbeiter nicht n�r kritisiert, sondern den Wunsch hat, selbst durch das Mikrophon zu sprechen. Sein Wille, auch im Rundfunk mitzuarbeiten, ist erwacht. Die kommend« Aufgabe wird e» sein, diese wunderbaren Kräfte der Aroeiterschaft wach zu halten. Sie würden sofort er- lahmen, wenn nicht die Programmbeeinflussung und die weitere technische Ausbildung Fortschritte zeigen würde. Der von Staats- fekretär Vaake geleitete Bundesvorstand ist sich seiner Verpflich- lung vollkommen bewußt. Er wird in seiner Arbeit nicht von der Angstpolitik der Zensur ausübenden Rundfunkbehörde und erst recht nicht durch eine kommunistische Lautsprecherfraktion, deren ständig wechselndes Programm allerdings durch eigene Rückkoppler zur Bedeutungslosigkeit verurteilt bleibt, beeinflußt. Das Bundes- organ der„A r b e i t e r f u n k", Partei und Gewerkschaft werden auch in Zukunft mit dem Arbeiter-Radio-Bund um die Er- oberung des Rundfunks ringen, der nach den Worten des Gen. C r i s p i e n die Umwälzung des geistigen Ueberbaus der Gesell- schast beschleunigen und die kulturelle Reife des Proletariats zur Erfüllung feiner revolutionären Mission fördern wird. Auch der zweite Wilddieb verhastet. Wir berichteten gestern über die Wilddiebverfolgung im Grunewald, bei der einer der beiden Verbrecher auf der Flucht gestellt und verhaftet wurde. Jetzt gelang es, auch den zweiten Wilddieb zu ermitteln und festzunehmen. Es ist der 46 Jahre alte Karl Brenz aus Charlottenburg. Die beiden Wilderer waren mit Rädern in den Grunewald gefahren und hatten ihre Maschinen bei einem Weichensteller der Eisenbahn in Verwahrung gegeben. Ein seltsames Haus. Ein ausgesprochener Sonderling im Häusermeer der Millionenstadt steht wenige Schritte von der M ü l l er st ra ß e, in nächster Nähe der Straßenbahnerstadt. Die groteske Form des hochstrebenden Daches, die schmale Front, die von zwei großen Fenstern fast vollständig eingenommen wird, sind von originellem Charakter, der durch die angrenzende moderne Riesenfront der Straßen- bahncrstadt noch besonders betont wird. Haus und Grundstück sind städtisches Eigentum. Ehemals ein landwirtschaftlicher Besitz(noch heute sind an der Rückfront des Hauses niedrige Ställe zu sehen), wird das Haus jetzt von einem Fuhrwerkshalter bewohnt. Auf einer Holzstiege steigt man zur kellerartigen Küche hinunter. In der Diele girren ein paar Turteltauben, schwarzgefleckte Katzen drängen sich um den Milchnapf und auf dem Hofe bellt der Kettenhund— ländliche Idylle, deren baldiges Ende bevorsteht. 9ack Xondon: (Beredüigie Uebersetzung von Erwin Magnus). Und er heulte wie ein einsamer grauer Waldwols, bis sich die Jungfrau schaudernd ihre hübschen Finger in die Ohren steckte. Eine Minute später wirbelte sie in seinen Armen über den Tanzboden, wo bald darauf mit den drei andern Mädchen und ihren Partnern ein ausgelassener Vir- ginia Reel im Gange war. Männer und Frauen tanzten in Mokassins, und es dauerte nicht lange, so ging es hoch her. Burning Daylight war der Mittelpunkt, seine Scherze und rauhen Späße rissen sie aus der Schlaffheit, in der er sie an- getroffen hatte. Der Raum hatte durch sein Kommen gleich- sam eine andere Atmosphäre erhalten. Er schien ihn ganz mit seiner Lebensfreude zu füllen. Wer von der Straße hereinkam, spürte es sofort, und als Antwort auf alle Fragen deuteten die Barkeeper nur nach hinten und erklärten:„Bur- ning Daylight ist losgelassen." Und die Leute blieben, und das Geschäft blühte. Das Spiel kam in Gang, bald waren alle Tische besetzt, und das Klirren der Ietons und das ein- tänige Surren der Roulettekugel übertönte gebieterisch den heiseren Lärm von Männerstimmen, Flüchen und schwer- fälligem Lachen. Wenige kannten Elam Harnish unter einem anderen Namen als Burning Daylight— den Namen, den man ihm in der ersten Zeit des Landes gegeben hatte, weil er seine Kameraden mit den Worten„Das Tageslicht brennt"(Bur- ning Daylight— Brennendes Tageslicht) aus den Betten zu jagen pflegte. Von den Pionieren in jener fernen arktischen Wildnis, wo alle Männer Pioniere waren, wurde er zu den ältesten gezählt. Männer wie Al Mayo und Jack MacQue- stion waren zwar vor ihm dagewesen: aber sie waren aus dem Osten von der Hudsonbai über die Rocky Mountains gekommen. Er hingegen hatte den Weg über den Chilkoot- und den Chilkat-Paß erschlossen. Im Frühjahr 1883, vor zwölf Jahren, war er als achtzehnjähriger Bursche mit fünf Kameraden über den Chilkoot gekommen. Im Herbst war er mit einem zurückgekehrt. Bier waren den Entbehrung-n in der rauhen, unwirtlichen Wüste erlegen. Und zwölf Jahre lang hatte Elam Harnish Gold gegraben in dem Polarlande. Und keiner hatte so hartnäckig und ausdauernd gegraben. Er war mit dem Lande aufgewachsen, kannte kein anderes Land. Zivilisation war ihm der Traum eines früheren Lebens. Lager wie Forty Mike und Circle City waren Welt- städte für ihn. Und nicht allein, daß er mit dem Lande auf- gewachsen war, er hatte das Land mit geschaffen. Er hatte Geographie und Geschichte dieses Landes gemacht, und die nach ihn� kamen, schrieben über seine Fahrten und steckten die Wege ab, die sein Fuß getreten. Helden neigen selten zu Heldenverehrung, aber unter den Bewohnern dieses jungen Landes galt er trotz seiner Jugend als einer der ältesten Helden. In der Zeit war er den meisten voraus. An Taten hatte er sie übertroffen. Und es war bekannt, daß er eine Ausdauer besaß, die selbst den Abgehärtetsten von ihnen umbringen tonnte. Dazu kannte man ihn als einen mutigen Mann, einen ehrlichen Mann, als einen Mann ohne Furcht und Tadel. In allen Ländern, wo das Leben ein Glücksspiel ist, das leichtsinnig beiseitegeworfen wird, verfallen die Leute, um sich zu zerstreuen und zu vergnügen, fast automatssch dem Spiel. Am Dukon verspielte man das Leben für Gold, und wer das Gold aus der Erde gewann, verspielte es wieder an einen anderen. Und Elam Harnish machte keine Ausnahme. Er war in erster Linie Mann, und der Instinkt, der ihn das Spiel des Lebens zu spielen trieb, war stark. Die Umgebung hatte die Form seines Spiels bestimmt. Er war auf einer Farm in Iowa geboren, jedoch mit seinem Vater nach dem östlichen Oregon ausgewandert, und hier, in der Bergwerts- gegcnd, hatte Elam seine Kindheit verlebt. Harte Knüffe einstecken und hohe Einsätze wagen, das war das einzige. was er gelernt hatte. Mut und Ausdauer galt es in dem Spiel, aber der große Gott Zufall teilte die Karten aus. Ehr- liche Arbeit für einen sicheren, aber mageren Verdienst zählte nicht. Man spielte hoch. Man wagte alles für alles, und etwas weniger als alles galt als Berluft. Auf diese Weise verlor Elam Harnish am Pukon zwölf Jahre. Am Moosehide Creek hatte er allerdings im letzten Sommer für zwanzig- tausend Dollar Gold gefunden, und im Boden steckten noch für weitere zwanzigtausend. Aber, wie er selbst sagte, hatte er damit kaum leinen Einsatz, ein Dutzend Jahre seines Lebens, herausbekommen, und vierzigtausend waren nicht viel— die gingen drauf für einen Trunk und einen Tanz im Tivoli, einen Winter in Eirclc Eity und Proviant für das nächste Jahr. Als der Abschuß des Damschauflers bekannt wurde, meldete sich der Eisenbahnbeamte und machte von dem Unterstellen der Räder Mitteilung. Am Montag abend erschien nun Brens, um die Räder abzuholen und wurde gleich von einem Landposten in Empfang genommen. Auch er bestreitet, an der Wilddieberei teilgenommen zu haben. Brens betätigt sich aber neben der Wilddieberei schon seit längerer Zeit in Eisenbahngüterdieb st ählen und der Beraubung von Motor- und Segelbooten, die auf der Havel liegen. Er hat das Gefängnis erst kürzlich verlassen. Drei Brüder in einer Kleinwohnung. Die Folgen eines schlimmen Familienzwistes. Ein ungewöhnlich häßliches Familienbild entrollte eine Ver- Handlung vor dem Schösfengericht Mitte, die gegen einen gewissen Gustav T. wegen gefährlicher Körperverletzung stattfand. Der Hauptgrund des Familienzwistes lag in der Wohnungsnot, unter der drei Brüder mit ihrer Familie zu leiden haben. In einer Wohnung mit zwei Zimmern und Küche wohnten nach dem Tode des Baters zwei oerheiratet« Brüder mit ihren Ehefrauen und außerdem noch der jüngste unverheiratete Bruder. Bald stritt man sich um die Gasrechnung, bald hatten die Frauen untereinander Streit. Die Feindseligkeit verstärkte sich noch, als man auf dem Boden einige alte Bilder vorfand und die Brüder darauf aufmerksam ge- macht wurden, daß es Kupferstiche seien. Sie glaubten nun, daß sie große Kunstwerke geerbt hätten. Schließlich wandten sich die Brüder gegeneinander an das Wohnungsamt. Am 28. September kam eine Zustellung zu einem Verhandlungstermin, und darüber kam es zwischen Gustav T. und seinem unoerheirateten Bruder- zu einer heftigen Auseinandersetzung. Gustav fiel über den jüngeren Bruder mit einem Messer her und versetzte ihm einen Stich in den Bauch. Auf die Hilferufe eilte der dritte Bruder herbei, der von dem xasenden�Gustav einen Stich unter das Auge und «inen zweiten Stich in den Rücken erhielt. Als der Ver- letzte nach dem Messerstecher mit einem Stuhl warf, rannte dieser in seine Stube und holte aus dem Tischkasten einen Revolver. Die beiden anderen Brüder flüchteten in ein Zimmer, dessen Tür sie hinter sich abschlössen. Gustav feuerte durch die Tür mehrere Schüsse. Das von den Nachbarn herbeigeholte Ueberfallkommando konnte den Rasenden erst mit vieler Mühe überwältigen. An den Folgen des Bauchstiches hat der«ine Bruder sieben Wochen im Krankenhaus gelegen. Vor Gericht ergingen sich die Familienangehörigen gegenseitig in den w ü st e st e n Beschimpfungen, so daß Landgerichts- direktor Steinhaus ihnen mehrfach vorhielt, daß sie sich vor- einander schämen sollten. Mit Rücksicht daraus, daß auch die anderen Brüder nicht ohne Schuld sind, erkannte das Schöffengericht gegen den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung und Be- drohung mit Totschlag nur auf fünf Monate Gefängnis. Eine Be- währungssrist wurde abgelehnt. Ein Wetischreiben in Einheiiskurzschrist. 41 OOO Arbeiten. Vom Deutschen Sten ographenbuNÄ, der die Einheitskur z� schrift vertritt, ist am 10. März d. I. in ganz Deutschland ein Fernwettschreiben abgehalten worden. Nach dem nütz- mehr festgestellten Ergebnis hat die Veranstaltung einen glänzenden Verlouif genommen. Der Wettbewerb bestand in einem Richtig- schreiben und Schnellschreiben. Di« Teilnehmer am Richtigschreiben hatten unter Aussicht einen Text von 600 Silben in korrekte steno- graphische Verkehrsschrist im Zeitraum von 30 Minuten zu über- tragen. Beim Schnellschreiben betrugen die Spitzenleistungen 340 Silben in der Minute. Es beteiligten sich rund 30 000 Personen, die 17 000 Arbeiten im Richtigschreiben und 24 000 Arbeiten im Schnellschreiben, also zusammen 41 000 Arbeiten ablieferten. Die riesige Beteiligung und die erzielten vorzüglichen Leistungen erbrachten erneut den Beweis für die außerordentliche Verbreitung und die unübertreffliche praktische Brauchbarkeit der Ei icheits kurzschrist. Unter den Dukonleuten galt noch das alte Wort: Schwer gewonnen— leicht vertan. Als der Reel zu Ende war, lud Elam Harnish wieder alle Anwesenden ein, mit ihm zu trinken. Getränke waren teuer. Dreißig Mann nahmen seine Einladung an und waren zwischen jedem Tanz Elams Gäste. Es war seine Nacht, kein anderer durste einen Cent bezahlen. Nicht, daß Elam Harnish ein Säufer gewesen wäre— aus Whisky machte er sich nicht viel. Er war zu kraftvoll und robust, zu gesund an Körper und Seele, um zum Sklaven des Alkohols zu werden. Viele Monate schwerer Arbeit verbrachte er auf Schlittenreisen und Boots- fahrten, ohne ein stärkeres Getränk als Kaffee zu trinken. ja einmal hatte er sogar ein ganzes Jahr auf diesen ver- zichtet. Aber er war gesellig, und weil die Geselligkeit am Dukon nur in den Wirtschaften zu finden war, mußte er sie dort suchen. In den Lagern der Minenarbeiter im Westen, wo er als Knabe gelebt hatte, war es immer so gewesen. Für ihn war es die Geselligkeit, die sich für einen Mann ziemte. Er kannte keine andere. Er war eine auffallende Erscheinung, obgleich seine Klei- dung nicht von der der anderen Männer im Tivoli abwich. An den Füßen trug er Mokassins aus weichgegerbter Elen- haut mit Perlenstickerei in Jndianermustern. Seine Hosen zeigten nichts Außergewöhnliches, und sein Rock war aus einer wollenen Decke gemacht. Wollgefütterte Lederhand- schuhe mit langen Stulpen hingen nach Pukon-Mode an einem Lederriemen, der ihm um Nacken und Schulter lief. Auf seinem Kopfe faß eine Pelzmütze, deren Ohrenklappen jetzt hochgeschlagen waren, während die Bänder herunter- baumelten. Sein mageres, längliches Gesicht, unter den Backenknochen leicht eingefallen, glich fast dem eines India- ners. Die sonnenverbrannte Haut und die scharfen schwar- zen Augen oerstärkten diesen Eindruck, obwohl gerade der Bronzeton und die Augen selbst bezeichnend für einen Weißen waren. Er sah älter als dreißig aus, wirkte aber jetzt, als er glattrasiert und faltenlos dastand, fast wie ein Knabe. Wenn man trotzdem den Eindruck hatte, daß er älter war, so hatte man zwar keinen greifbaren Anhalt dafür, aber man wußte, was der Mann durchgemacht und erlebt hatte, und worin er anderen Männern jo überlegen war— das war es. Er hatte sein Leben unverhüllt und unter ständigem Hochdruck gelebt, und etwas von alledem glühte in seinen Augen, zitterte in seiner Stimme und erschien, sobald er sprach, auf seinen Lippen. (Fortsetzung folgt.) Z l Wieder ein Prinz unter Anklage. Die Geschäfte Max Hohenlohes. München. S. April. vor dem erweiterten Schöffengericht München-Land begann am Dienslagvormtttag der Prozeß gegen den Max Hugo Prinz zu Hohenlohe-öehringen. Der angeklagte Prinz ist beschuldigt eines einfachen Bankrotts und vierfachen Betruges. Hohenlohe bezog bis zum Tode seines Oirtels, Christian Fürst zu Hohenlohe-Oehringen, zusammen mit seiner Gattin, einer geborenen Gräfin Fober-Castell, und seinen drei Kindern etwa 34 000 M. Der Prinz war aber seit dem Jahre 1922 fortwähreich in Zahlungsschwierigkeiten. Bis zu seinem Tode deckte der Onkel sämtliche Schulden. Bon da ab war e» Mar Hugo nicht möglich, seinen Verpflichtungen nachzukommen, weshalb zahllose Pfändungen erfolgten. Die Anklage wirft dem Prinzen Hohenlohe vor, dah er das Gut Buchenwinkel im Isartal von dem Bankdirektor Schulze-Sandow für 200 000 M. erworben habe unter der Angabe, dah er eine schlesische Mit- lionenerbschaft und ein Legat habe, das ihm eine Einkunft von jährlich 39 000 M. zusichere. Er verschwieg aber hierbei, daß dieses Legat dann oerfallen fei, wenn es laut Testament ver- äußert oder verpfändet würde. Ein Forstmeister wurde in ähnlicher Weise um 28 000 M. geschädigt, ein Baumeister um 3000 M. Der bisherige Prozeßoerlauf läßt ersehen, daß. der Prinz in geschäftlichen Dingen eine geradezu phantastische Leicht- f e r t i g k e i t an den Tag legt«. Er stellte Blankowechsel in be- liebiger Menge au» und unterschrieb Reverse und Dokumente, ohne sich auch nur im geringsten um Ihren Inhalt zu kümmern. Sein luxuriöses Leben war ihm so selbstverständlich, daß er auch heut« noch nicht zugeben will, einen seine Kräfte übersteigenden Aufwand getrieben zu haben. Er gab dem Richter wiederholt aus Borhult offen zu, daß bei ihm eine böse Schlamperei geherrscht habe. Zurzeit schwebt gegen ihn auch ein Entmündigungsverfahren. Oer Maharadscha von Oomelanien. Sine abgewiesene Klage. Das Landgericht I hatte sich mit einem interessanten Rechtsstreit zu beschäftigen, in dessen Mittelpunkt Harry Domria. der kurz vorher wieder au» der hast entlassen war. stand. Es handelte sich um den von ihm beantragten Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen die Ufa, Parusamet und den �llustriertenFilmkurier*, wodurch die weitere Benutzung des Filmtitels„Der Maharadscha von Domelanien untersagt werden solle. In Begründung dieses Antrags wurde gel- tend gemacht, daß In dem Titel des Films ein glatter D i e b st a h l an dem Namen Domelas verübt werde. Die Ufa mache sich die Berühmtheit des Namens jür die Rektom« ihres Films nutzbar, ohne daß sie vorher die Erlaubnis Domelas dazu eingeholt habe. Domela sei seinerzeit selbst als Scheuspieler in dem Film„Der salsche Prinz" aufgetreten, und er habe beabsichtigt, mit einer anderen Filmgesellschaft einen Film„Der Prinz von Dome- l a n i e n" herauszubringen, so daß noch ein Schadenersatzprozeß zu erwarten fei, weil die Verwirklichung diess Planes jetzt durchkreuzt wäre... Die Antragsgegner führten aus, es handele sich bei dem Filmtitel durchaus nicht um einen Mißbrauch des Namens, sondern nur um ein« Abwandlung, um ein ganz bestimmtes Schicksal zy, kennzeichnen, was nicht strafbar fei. Eberrsowenig, wie seinerzeit der av« Puttkamer dagegen»orgegangen sei, daß man im Scherz von„Puttkomerun" gesprochen habe, könne Domela etwas dagegen einwenden, wenn man ein Phontafieland„Dome- lanien" nenn«. Die Zivilkammer kam schließlich nach längerer Beratung zu einer Abweisung des Antrags und legte Domela die Kosten des Ver- fahren» als Äntragfteller auf._ llm ein paieni. Eine Klage der Reichsmarineleitung. Bor dem Schöffengericht Charlottenburg Halle sich Regierungs- baumeifter und Ingenieur H o f f m a n n aus Württemberg wegen übler Nachrede gegenüber leitenden Beamten des Reichs- wehrmini st eriums zu verantworten. Der Angeklagte, der vom Genossen Kurt Rosenfeld verteidigt wird, hatte im Jahre 1924 eine Erfindung an elektrischen Lenzpumpen, die unter Wasser arbeiten können, der Marine- leitung angeboten. Seine Erfindung ist aber, wie er behauptet, durch Intrigen einiger Beamten der Morineleitung, besonders des Geheim- rats G r a u e r t, von der Konstruktionsabteilung anderen in die Hände gespielt worden. Nach der Mittagspause gab Hoffmann eine Erklärung ab, Grauert habe es durch sein Borgchen ermöglicht, daß die Konkurrenzfirmen seine Erfindungen ausnutzen tonnten. Die Gründe, aus denen Grauert hierbei gehandelt habe, sehe er in einem Mangel an sozialem Verständnis, in einer Bevorzugung der Großindustrie gegenüber dem kapitallchwochen Erfinder und in einer gewissen Abneigung einem Außenseiter gegenüber, der eine Erfindung gemacht hätte, die zum besonderen Aufgabentreis der Abteilung Grauerts gehört habe. Der Bertreter der Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin Ver- togung und Ladung des Konteradmirals a. D. Donner. Der Ber- teidiger schloß sich diesem Antrage an und beantragte außerdem Aussetzung des vorliegenden Strafversahrens' bis zur rechts- kräftigen Entscheidung über den schwebenden Zioilrechtspro- zeß und über ein beim Reichspatentamt anhängiges Beschwerde- verfahren. Das Gericht beschloß dementsprechend. Oer Lokaliermin in Zannowih. Liegt doch nur Fahrlässigkeit vor? Gestern fand in Ionnowitz ein Lokaltermin statt, an dem außer den Berliner Kriminalbeamten Oberstaatsanwalt Dr. Engel. Untersuchungsrichter S p a e t h e sowie Vizepräsident Wille von der Liegnitzer Regierung wie auch der verhaftete Christian teilnahmen. Irgendwelche neue Momente, die den Ber- dacht bestärken, daß ein Mord vorliegt, haben sich nicht ergeben. Am Nachmittag begab sich die Mordkommisston wieder nach H i r s ch b e r g zurück. Ueber das Ergebnis des Lokaltermins wird am Mittwoch ein amtlicher Bericht herausgegeben werden. Bei dem Lokaltermin hat Christian Friedrich versucht, vor der Untersuchungskommtssion die Situation zu rekonstruiercn, wie sie war, al» Graf Eberharb von dem tödlichen Schuß getroffen wurde. Die Sachverständigen sollen die Angaben de» Grafen Ehristion Friedrich als d u r ch aus glaubhast und zum mindesten nicht widerlegbar bezeichnet haben. Es ist demnach nicht unwahrschetn- lich. daß die Anklag« nur wegen sahrlässiger Tötung erhoben wer- den wird. Am ersten Gchultag. Vier Kinder Überfohren. Gleich am erste» S ch u l t o g e hak unter den kleinsten der Schulkinder der mörderische Verkehr mehrer« Opfer ge- fordert. In der Brandenburg st raße geriet der sechsjährige Heinz Schön beim Ueberschretten des Fahrdammes unter eine Auto- d r o s ch t e. Außer schweren Hautabschürfungen hat das Kind den Verlust von drei Fingern der rechten Hand zu beklagen. Auf der Rettungsstelle in der Gttschiner Straße wurde dem Kleinen die erste Hilfe geleistet. Vor dem Hause Teltower Str. 47/48 wlirde die sechsjährige Irmgard Jung au» der Teltower Str. 48 von einem Auto über- fahren und erheblich verletzt. Das Kind fand im nächsten Kranken- haus Aufnahme. Ziemlich glimpflich lief ein Unfall ab, der sich um 19 Uhr vor dem Haus« Lanosberger Alle« 137 ereignete. Der sechs- jährige Wolfgang Rack aus der Landsberger Allee 49 lief denn Ueberqueren der Straße in einen Straßenbahnwagen hinein. Der Junge geriet glücklicherweis« In die Fangvorrich- t u n g, fv daß er nur leichte Verletzungen davontrug. Räch An- legung von Notverbänden im Krankenhaus Friedrichshain tonnt« er in die Wohnung seiner Eltern gebracht werden. Schließlich wurde noch in der B ü l o w st r a ß e der zwölfsährige Schüler Alfred Zierte au, der Winterfeldtstraße von einem Straßenbahnwagen der Linie 64 überfayren und schwer verletzt. Das Kind wurde in dos Elifabeth-Kranten- Haus in der Llltzowstraße übergeführt. Die Mütter unferer Schulkinder gerade aus den Arbeiter- kreisen, die ihre Kleinen nicht selbst In den«rsten Wochen zur Schule begleiten können, seien gebeten, die Kinder immer wieder auf die Gefahren des Großstadtverkehrs hinzuweisen und zu größter Achtsamkeit zu mahnen. Darüber hinaus Holsen wir, daß unsere bewährten Verkehrspolizisten in der Zeit nach Ostern auf die sechsjährigen Schulkinder ein besondere» wachsame« Auge werfen. Tragödlen der Lugend. Die Kette der Iugendselbstmord« reißt nicht ab. Erst gestern abend mußten wir von dem Selbstmord eines Vierzehnjährigen berichten, der sich au» dem im ö. Stockwerk gelegenen Flursenster auf den Hof hinabstürzte. Der jugendliche Selbstmörder, ein 14jähriger Max Lemke, der den T o d e s s p r u n g in die Tiefe wegen eines Familienzwistes unternahm, wurde mll schweren Verletzungen in das Lichtenberger Hubertus-Krankenhaus über- geführt, wo er im Laufe des gestrigen Nachmittags gestorben ist. Schon wieder aber wird der Selbstmordversuch eines Jugendlichen bekannt. In der Wohnung seiner Eltern in der Wein- meifterftraße oersuchte sich gestern abend der 1 S j ä h r i g e Für die Faehlngir Tersandslelle, Berlin SV II ScbSneberger Str. 16a. Tel. LQuow 8260-61 Schüler Sally W. durch Einatmen von Leuchtgas zu vergiften. Die Tat wurde durch die heimkehrenden Eltern rechtzeitig entdeckt, so« daß die Wiederbelebungsversuch« der alarmierten Feuerwehr von Erfolg waren. Auf Anordnung des hinzugezogenen Arztes mußte der Junge sedoch In da» Hedwig». Krankenhaus übergeführt wcren. Das Motiv zur Tat ist Nichtversetzung... Gs geht vorwärts! Die weltliche Schule in Brih. Dank der unermüdlichen Arbeit unserer Genossen auf dem Ge- biet« fortschrittlicher Schulpolitik geht es auch in Britz mit der weltlichen Schule rüstig vorwärtsl Wohl ist ein feste» Ge- bäud« noch nicht vorhanden, doch werden in allernächster Zeit Baracken in der Parchnner Alle« ausgestellt, die acht Klassen, und zwar zwei„Achte, zwei„Siebente", je eine„Sechste",„Fünfte", „Bierte" und„Dritte" aufweisen. Eine wettere Varacke Ist als Lehrer- und Lehrmittelzimmer gedacht. Zu Ostern sind crsreullcher- weise recht viel« Anmeldungen zu der weltlichen Schule ln Britz vorgenommen worden, so daß.die beiden Anfangsklassen geteilt werden muhten. Nach der Aufstellung der Baracken holten insgesamt 280 Kinder dort ihren Einzual« Beim gestrigen«rsten Schultag unserer Jüngsten in der Halle der Groß-Siedlung ging es recht lebhast zu. Schließlich sollte ja auch nur die eigentliche Aufnahme vollzogen werden. Mit sicherer, manchmal auch mit etwas zaghafter Stimme vermeldeten die kleinen Schulroben beim Namensaufruf ihre Anwesenheit. Hin und wieder bedurste es einer kleinen Aufmunterung durch die anwesende Mutter,«he der neugebackene ABC-Schütze seinen Mund auftat, um dann aber munter sein„Hier" abzugeben. Ein echter Berliner aber schrie, als er seinen Namen hörte, sroh und frei:„Icke"... Versteht sich, daß alle« herzlich lachte! Nach der Aufnahme blieben Schüler und Lehrer kurze Zell allein zusammen, um sich näher bekannt zu machen. Rasch wurde Freundschaft geschlossen. / unfcwtfiKßuß� Janaczecks Oper„I e n u fa" wurde aus der Staatsoper, Unter den Linden, übertragen, technisch sehr unzulänglich, so daß der musikalische Eindruck von dem Werk und den Sängern schwach blieb. Eine gute Einführung wurde der Oper mit auf den Weg gegeben. Der Vortragende skizzierte das Gebiet der modernen Opernnmsik, dem das Werk entstammt, und bereitete die Aufmerksamkeit der Hörer für das Wesentliche der nachfolgenden Musik vor— leider nur durch das Wort, nicht durch de» Ton Gerade für dieses nicht leicht verständliche Werk wären klangliche Hinweis« wertvoll gewesen. ttebrigens hatte der— inhaltlich klare und leichtverständliche— Vortrag einen Fehler, dem leider noch sehr viele, vielleicht die meisten Rundfunkvorträge aufweisen: er war stilistisch nicht volkstüm- l i ch genug. Solche einführenden Vorträge sind doch in der Haupt- fache nicht für Leute mit höherer Bildung oder für besonders Auf- nahmebereite bestimmt, sondern für den einfachen Mann. Die ganze große Rundfunkgemeinde besteht im wesentlichen aus solchen ein- fachen Leuten: das wird immer wieder vergessen! Höchstens b e i der Zensurierung des Stoffes denkt man daran. Aber ein guter Rechner wird es verstehen, ein Gebiet, das er selber be- herrscht, auch ooraussetzungslos, einfach im Satzbau, ohne Fach. ookabeln zu behandeln. T e s. FaN Saß und Polizei. Zörgiebel will genaueste Untersuchung. Der Polizelpräsldeni von Verliu teNk mit: M« bereit» gester» mllgeteUi wurde, sind die Ermittlungsakte» über an- gebliche Mißhandlungen eines der Brüder Saß durch Kriminalbeamte der Staatsnnwaltfchask zngeteitel worden. Diesen Allen liegen natürlich eingehende Ermittlungen des Polizei« Präsidenten zugrunde, und zwar Ermittlungen, die mit ollem Räch» druck und der größten Genauigkeit durchgeführt worden sind. Da dem Polizeipräsidenten aber selbstverständlich an einer restlosen Aufklärung der erhobenen Vorwürfe gelegen ist, ersuchte et die Staatsanwallschast, die Untersuchung einzuleiten. Der General- staateanwall hat auf diese Bitte de» Polizeipräsidenten hin um- gehend eine Untersuchung ohne Mitwirkung von Polizei- beamten eingeleitet._ Oie Markthallen im Kestgewand. Oer Beginn der Werbewoche. Markthallenwerbewoche! Da stehen sie in Reih und Glied die prächtigen, rotwangigen„Amerikaner", jedes einzelne Stück fein aus Glanz poliert und nebenan schneeige Berge von Blumenkohl, dann wieder saftiggrüner Spinatl Et, und da gucken ja schon die ersten Spargelstangen hervor und neue grüne Gurken. Und die Schweinsköpf« tragen ein Röslein im Schnäuzchen und einige von ihnen haben sogar— ganz kokett—- dort, wo der leckere Schinken beginnt, ein Sträußchen angesteckt. Das winkt und lockt und ruft: Nimm mich mit! Das Wasser läuft einem beim Anblick all der apetillich an- mutenden Herrlichkeiten nur so im Munde zusammen. Jeder Stand ist mit Lampions, bunten Fähnlein und Tannenreissg geschmückt, und launige Sprüchlein zeugen vom goldigen Berliner Humor, der sich, durch alle Fährnisse der schweren Zeiten hindurch, gottlob nicht unterkriegen läßt. Da heißt es:„Wurst, Wurst und wieder Wurst!" oder:„Mensch, warum In» Kaufhaus loofen, kannfte hier nich scheener koofen?" Amanullah-Wurst heißt die zur Werbewoch« neu- geprägte Wurstsorte, dann gibt es eine Z. 3 usw. Ueberall wird noch die letzt« Hand angelegt, da eine Girlande, dort ein Bturnen- topf Hinfcrapiert, und dl« kleinen Stepke» belagern eifrig die Stände wegen der heißbegehrten bunten Fähnlein und der schmucken Werbeheftlein. Wohlgefällig ruht der Hausfrau Auge aus all der eßbaren Pracht. Dom 8. bis 18. April dauert die Werbewoche, in deren Der- lauf am Mittwoch«In Rundfuntvortrag, sowie die Vor- führung de» Markthallenwerbefilms die Propaganda der Stand- besitzer noch unterstützen sollen. Der Werbeseldzug kann al» ein Siegesfeldzug der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft be- trachtet werden, und der Erfolg, die Kauflust und da» Publikums- interesse zu heben, wird nicht ausbleiben. An der Besichtigungs- fahrt durch die Markthallen Alexanderplatz. Ackerftroße, Wedding Eisenbahnstraße, von denen die letzte ganz besonders festtich wirkt-, nahmen Vertreter des Oberpräsidiums von Brandenburg, des Land- wirtschaftsministeriums, der Fleischerverbände usw. teil. �-Bahnen werden weiier gebaui. ' Ourchbroch zur Lindenstraße. Der Houshaltsousschuß der Stadtverordneten» Versammlung erledigte in feiner Sitzung vom 9. April eine R�jhe von wichtigen Vorlagen, über die die Stadwerordnetenver- sammlung voraussichtlich bereits am 11. April endgültig Beschluß fassen wird. Die Vorlage über den weiteren Ausbau de» Schnell- bahnnetzes wurde einstimmig angenommen. Danach wird die Berfammlung ersucht, die Verlängerung de» bestehenden Schnell- bahnnetzes mit Baukosten in Höh»»von rund 80 Mit- l i o n e n Mark, von denen ein Teil durch Zuschüsse des Staates und des Reiches in Höhe von etwa IS Millionen Mark, der andere Teil in Höhe von 65 Millionen Mark aus einer aufzunehmenden Anleihe der Berliner Lerkehrs-A.-G. zu decken ist. zu genehmigen. Es soll gebaut werden: Di« Verlängerung der Nord- südbahn im Norden von Bahnhof Seestraße bis Scharnweber- straße(2,05 Kilometer), im Süden von Tempelhof-Südring bis zum Teltowkanal(1,7 Kilometer), der Stamm st reck« der Hochbahn im Norden vom Bahnhof an der Mühlenstrah« bis Breite Straße(Pankow)>1,75 Kilometer!, der Bahn G esundbrunne n— Neukölln im Süden von Thomasstraße bi» zum Südring (Hermannstraße)>0,8 Kilometers, insgesamt rund 6.3 Kilometer. Für zwei neue Citylinien, und zwar die Linie Alexanderplatz— Leipziger Straße— Potsdamer Platz— Potsdamer Straße— Meistpark(5,4 Kilometer) und die Linie Hallesches Tor— Potsdamer Platz— Lehrter Bahnhof— Kriminalgericht(5 Kilometer) sollen die Konzessionserteilung durch die Aufsichtsbehörden betrieben und die nötigen Verhandlungen mit der Reichsbahn über die Ge- stallung des Bahnhofes Potsdamer Platz geführt werden. Der Bertrag zwischen der Stadt Berlin und dem Deutschen Reich wegen Ueberlajsung des Britzer Geländes wsft- lich der Buckower Chaussee für Zwecke der Deutschen Ber- luchsanstalt für Luftfahrt wird angenommen in der vom Grundstücksausschuß der Stadtverordnetenversammlung beschlosseneil Form, wonach der Bahnhof der Untergrundbahn noch Britz in die Nähe de» Flugplatze» zu verlegen Ist, wenn die Untergrundbahn dort- hin gebaut wird. Der Abänderung des Fluchtlinienplane, für die Verlange- rung der Linden st raße von der Kommandantenstraß« bis zur Beiiihstratze und der Ausführung des StraßendurchbruchS'zum 1. Oktober 1929 wird zugestimmt. Eine Ga»kagödie spielte sich im Hause Rheinsberger Straße 43 ab. Dort wurde die 76jährig« Witwe Fröhlich und ihre 33jährig« Hausangestellte Marie L e i b n e r durch Gas ver- giftet leblos ausgesunden. Die Wiederbelebungsversuche der Feuer- wehr waren nur bei der jüngeren Frau von Erfolg. Zuerst wurde vermutet, daß die Greisin die Gashähne aufgedreht hatte, um Selbstmord zu verüben und daß durch die ausströmenden Gase die in der Küche schlafende Hausangestellt« betäubt worden sei. Durch die von der Kriminalpolizei aufgenommenen Ermittlungen hat sich inzwischen aber ein ganz anderer Tatbestand ergeben. Zeugen, die ermittelt werden tonnten, haben nämlich ausgesagt, daß Marie L e i b n e r des öfteren Selbstmordgedanken geäußert hat. die auf Liebeskummer zurückzuführen waren. Die Vermutung der Kriminalpolizei, daß das Mädchen sich durch Gas vergiften wollte und nicht an ihre betagte Wirtin dachte, scheint sich somit mehr und mehr zu bestätigen. D&menStoffe meaeste Mode- ideale für Kostüme m. MSntel- not boi Koch& Seeland Qettrdudtenstrdße SO-AU Den Alien zur Ehre! Die Neuköllner Parteigenossen der 89. Abteilung veranstalteten zur Ehrung ihrer Mitglieder, die über 25 Jahre der Partei ange- hören, in Kliems Festsülen. Hasenheid«,«in« schlichte, würdevolle Feier. Sie wurde durch Gesangsvorträge einiger Mitglieder des Männerchors„F i ch t e- G e o r g i n i a*«ingeleitet. Ein Prolog und die Rezitationen von Gedichten Friedrich Mendels durch Theo M a r e t fanden großen Beifall. An Stelle des leider verhinderten Genossen Adolf Hofsmann übernahm Genosse A l t m a n n die Fest- rede. In herzlichen Worten dankte er den„Alten" für ihre ver- dienstoolle Arbeit, die sie vor ollem in den schweren Iahren unter dem SozialistengeseK geleistet haben. Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Im Namen der Jubilar? dankte der Aeltcste unter ihnen für die erwiesene Ehrung. Ein poetischer Glückwunsch der Sozialistischen Arbeiterjugend„Die Jungen an die Alten" wurde von dem Iugendgenossen Reetz sehr gut gesprochen. Das weitere Programm bestand aus musikalischen Darbietungen, turnerischen Aufführungen und Tänzen der Freien Turnerschaft, Bezirk Neukölln. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Uebungsstunde am Donnerstag, dem 11. April, im Gcsangssaal der Sophienschule, Weinmeisterftr. 16/17. Kinder um 7 Uhr, Erwachsene um 8 Uhr abends. Einseudungla für dies« Ztubrik sind Berti» SS 68, Lindexitrage Z, G parieinachn'chien für Groß-Verlin stet,»» bat«e�rt»sekret»ri»t !. Hof, 2 Treppe« recht», z» richte». 5. Rrri, FricdrlZshai«. Sonntag, 14. April, 11 Uhr,«eranstaltet die Sozia- listische Arbeitrrjuaend de, Rreises im Ecrmania-Palast, granlsurter Allee 314, eine Iuaendleierstnade. Orchester, Prolog, Rezitation lind Sprcchchor. Eintritt 50 Ps. Eröffnung 10% Uhr. Pilnttlgh erscheinen. heule, ZUiilwoch, 10. April. 4. Abt. 10% Uhr bei Slommel, Neu« ssriedrichstr. 1. Mitgliederversanrm- long. Dortrag:„Neuwahlen in Europa." Referent Mar Pottlitzer. 8. Abt. 20 Uhr zahlobende. Der rahlabend Lützorvklause ist verlegt nach Bwmes'iof 0, Ecke Lützowstrahe, bei Neumann. Vortrag:„Die TStigteit der Arbeiter-vohlfahrt." Refercntin Eertrud Eisseldcr. Meyer, Littzow- straße 7. Seiler, Steinmegslr. 29. Rickct, Steinmetzsir. 36». Vortrag: „Eigenbetricbe der Arbeiterschaft." Referent Hein, Many. Leufchncr, Eltzholzstr. Z. Vortrag:„Die politisch« Lage." R-serent Michael Hirschberg. ».«t. OK W tituM.«Rtategn«r.», DRtgniftmntaamhma. Vörie»,..««• tzfWckll�e—< istch«»»«»,,»fe».' Reserrilt Bernd» ed«drin«. Wahl der Kreiidetegierte». 1>. Abt. flohlabend der Beiirt«», tt,»I» D,»»«r«t»� 11. April, um 1»% Uhr bei Surino. Jülich»« et«. I. Vortrag:„Die politische Lag«." Referent Gustav Weihe. 32.«bt. Achtung. P«girk»fahr»rl Die Harten slir hl« Veranstaltung der SSI. müssen am ffteiwg. 12. April, in der fleit von 13% di» 19% Uhr beim Genossen Riesling, Am Vftbahnhof IS, restlos abgerechnet werden Rarten, hie an diesem Tag« nicht abgerechnet werben, gelten als vcrtaufl. fsllr die Veranstaltung am Tl. April müssen Akontozahlungen geleistet werden. 34. Abt. 19% Uhr flahlabenb« in den Lokalen Memeler Str. 87, Remeler Strahe 33, Eobiner Str. 10 und Romintener Str. 7. 42.«bt. Achtung! f it die bei«Uhr.«liKerstr. 38. tagenden«ezirl, findet der goblabend erst am Donnerstag, 11. April, 2» Uhr, statt. 53. Abt. Sharlottenbnrg. z. Gruppe: flahlabenb bei Ioskowlak, Holtzendorfs. straße 18. Politische Aussprache. 71. AH."""........ flebkendors. Pünktlich 30 Uhr bei Schnelter, Potsdamer Str. 25. ltzunktionärützung. 78. Abt. Dahlem. 20 Uhr im Lokal Schilling, Dahlem-Dorf, Mitglieder« er» lammlvng und flahlabenb. 87. Abt. Marienseld». 20 Uhr flohlobend bei Schuster, Rirchstr. 68. 91. Abt. ZtenkSlla. flahlabente um 19% Uhr in folgenden Lokalen: 20., 21., 39. Bezirk bei Röster. Rarlsgortenstr. 4. Referent Genosse Dr. ssreund, 40. Bezirk bei Lüddek«. Rarlsgortenstr. 12. Referent Genosse August Bartels. 50, Bezirk im fflugdafcn, Mahlow« Str. 10. Referent Genosse Waldhcim, 38,. 41.. 49, Bezirk bei M«usclcr. sslughof-nstr. 48. 37., 42. Bezirk bei Stahmann, islughokenltr. A. Referent Genosse Hermann Stege. mann. 4«. Bezirk bei Balewfki, Baldinstr. 57. Referent Genosse Otto Gallonsla. 108. Abt. Rudow. 30 Uhr flahlabevd bei Rrüger, Bendastr. 71. 131.«bt.«ezirk«lanlenfelde: 20 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal von Müller, Schildow« Str. 3. 134.«»«. Bnch. 19 Uhr bei G Opfert Borstandssstzung mit den ssunkkionSren. 140» Abt. Wittenau. 20 Uhr im Lokal Richard Schulz, am Rorbbohnhok in Witt/Hau, Mtgliederverfammkung. Bortraq:„Der stattisch« Haushalt." Referent Etadtnerordnetenvorsteher Johannes Haß. Morgea. Donnerskag. 11. April. 128.ftZ8. AH. Pank»». Dt» Genossen beteilig»« stch a« dar Werbefei« der SAI.-Pankow 20 Uhr im L«»«um Görschstratze. Unkostenbeitrag 30 Pf. 139. Abt. Tegel, Sch»l,i»d»»s,»»».Heiligensee, Siedln«« Vahnhos Seiligens«. Mitgliederversammlung um SO Uhr bei Hühner!. Bortrag: Angelegen- heilen de, 20. Bezirk». Referent Genosse WollschlLger. Bezirk»au»schutz für Arbeitewuohlfahrt. 8. drei» Web bin«. Dann«! stedtstr. L 5.'- glieber, dl« Abteilung»____________________...__________________ die Vertreter der befreundeten Organisationen werben gebeten, unbedingt an der Sitzung teilzunehmen Tagesordnung: 1. Berichte über di« letzte Rreis- ausschutzsstzung. 2. Berichte der ssachausschüss«. 8. Bericht über die zusammen. arbeit mit den befreundete« Organisationen. 4. Verschiedene». 4. Rrei» Prenzlauer Bei,. Am Donnerstag. 11. April, 19 Uhr, findet im Bezirksamt Prenzlauer Berg, vanziger Str. 34, Hof, rechter Ausgang, z Tr., ftteme* 814, rtne Sitzung statt. DZmtNche Helte»»rilss»« erscheine«. Akte» werden«lwgetouscht Aumoelf, gnd 1» Empfang 9» nehmen. Di« Leiterinnen werden gebeten, di« Adressen der Helfer i« der Sitzung anzugeben. Jungsozialistea. G»»p»e Bemmschnlenweg: Wir beteiligen un» heut«, Mittwoch, geschlossen an der Mitgliederversammlung der Partei. An Stelle unseres ausfallenden Heimabend» findet morgen. Donnerstag, lt. April, im Lokal Etneubel, Baum- schulen stroße 7, ein Bortrog der Genossin Dora ssabion statt. Thema: „flolonialpolitik." Arbeitsgemeinschaf» der kinderfreunde. Rrei? Neulöll«. Leute, Mittwoch, 17— 18 Uhr, Sprechstunde Baracke Gang» ".— Morgen, Donnerstag, 16%— 19 Uhr, Sprechchorprobe im Raiser. riedrich-Realgymnasium. Sterbetafel der Groß- Aerliner Partei- Organisation 188. Abt. RSpenick. Unser alter bewährter Rampfgenosse sserdinand R ü h I, Gartenstr. 17, Ist im 78. Lebensiahre verstorben. Ehre seinem An. denken! Einäscherung am Mittwoch, 10. April, 18 Uhr, im Rrematorium Baum» fchulenweg.__ Voriräge, Vereine und Versammtungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". E-fchätt, stelle: Berlin 6 14. Sebastianstr. 37/38, H«k» Tr. Mittwoch, 10. April. Ripenick, Rameradfchaft: 20 Uhr erweitert» Borstandssttzung und Beitragsabrechnung bei Iablonlki, Kaiser» Wilhelm.Etroß«.— Donnerstag, tt. April. Webbi»g: 20 Uhr sämtlich« spart. lich int«rissterten Kameraden in der Turnhalle Lütticher Str. 4. Neuausstellung ber Hanbballmonnschaften. Neulölln-Britz, Iungbanner: Jeden Donnerstag Schutziportabend, Turnhalle Wolter. Rotheuvu. Schule, Boddinstraß«, von 20 bi» 22 Uhr.— nreitag, 12. April. Rnrineabteilung: Freitag Turnen und Baaken Bootshaus Tegel um 20 Uhr. R««i» Korden: 20 Uhr Versammlung aller tech- »ischen Funktionäre im Saal Löwen-Bähmlsch, Hochstr. 2„ Uhr' Giiido Tbiclsctier WseRenn im Paradies TUealet, Lidtispi Mlttw, a. 10. 4. Siaats-Qaer Unter d. Linden A.-V. 93 19% Uhr Staals-Oper Am Pl.d.RepubL R�S.89 20 Uhr Mitlw.. d. 10 4. siam oper BUm«rcKt:r Turnus I 19% Uhr Ensen StaatlSdiaBspb. u taHimiairki A.-V. 84 20 Uhr Karin. Anna Staali.Setiiller"Tbeater,Charltb. 20 Uhr Kalkutta, 4. Hai S Uhp B 5 Barbarossa 9256 CROCK and da* graste April. Programm Am K«»«'1"®»- Bi,,, AI». 1086-8« Tägl.5u.81!i: Intem.Varietö Karlen s Tage Im Toraas Renaissance-Theater Hardenberestr 6 Tel. Slcnoi. 901 u. 2583/84 a Ii Uhr letzte 8 Aunohnntzga sVtUhi Max Pallonboro »Das große ABC* von Marcel Pngno Ree 6nst. Hanang. Ii PumUreatHtm. Theater a. KottbusserTor Hottbussei Str. 6. lel. Mpl. 16077 Allabendlich S Uhr and* Sonniafft nachm. J Uhr Jubiläums-Programm unter der Devise 10 Jahre Elite* Sänger Gr.ScbauspielbBos 8| Metropoltbeaier I K tt n s t I a r I a e h• Laltnagi ERIK CHARELL Dec ließe Auqusim An»»« LÜUuxe Erntl Alfred Braun Mady Christians Trade Lleske Sleglr. Arn« Faul Morgan Paul Weatermelar Ciustav Mataaer Winkelstern, Ortik. flrle- Sotnmer, Girl«, Boy». Musik. Ldt«. Er»»t K»ikg Könning naehm. 3 Uhr tuRek. Vor*t Uiir Kleine Preiea. Trude Hesterbers Oskar Karlwala Caeht Eitras W. J aukabn H. J ankermaaa Prise«, Kan-Sisten, BestttyGIrls.OomedUnbeys Musik. Leitung: Rudolf Winter * Qarfen* 8 lltzi» III». S818• Baien irlastn DODGE TW1NS Die berühmten ReTne- Zwillinge BERNARD giRICH TiuibsiiUm HARU ONUKI Japanlache Opern-Div« und weitere internationale Variete-Berflbmthelten 8% uhr CASiNQ-THEATGR•'/4 � Lotar-n er Sfralie 67. Der neue schiegeri Eine ungeneDte frau und ein erstklasiiger buoter Teil. Für unsere Leser Outschein für 1—4 Pen Fauteuil nur 1 18 Sessel 1.65 M. SonstigePreise Parkett u. Rang OÄ) Mk voiKSDUbne (antii inBinniiti 8 Uhr Trojaner Ibtiiti an samfesnertaiao 8 Uni Pioniere in Ingolstadt Thalia-Theater 8 Uhr Oelranscb Staat!. Sdiillcr-Th. 8 Uhr Kalkotta, 4. Mai Staatsopar am Plau der Repablik 8 Uhr Ftdelio 8". 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Marlens Perd. r. Allan In „Trio" Lustsp v. Leo Lenz. Regie; Friedmas Frederlds. 8'/. Tiutar dti B/ttini h U litt?| Oer größte Erfolg 3 erlitt? Lneüerike Muftt»on Cestat Snfa » THellmann ffarl Ziegler, Stnaisoper Wien Argsteh', Der«. ve«p«rma»i.»«, Raste ummterbr. «teiiwl.uzin.Tiz« rhal!«-Ihealer >resdencr Str. 72-1. 8 Uhr „Oelranscb" zur Miete WSC.Ansbachcrstr.) So spricht diese kluge Hausfrau aus Z0 jähriger Erfahrung, und mit ihr sind Nlillionen anderer der gleichen Überzeugung. Schon nach wenigen Strichen gibt Sunlicht Seife prächtigen Schaum, sie macht die Arbeit leicht-, der Schmutz ist schnell gelöst und keine Zarbe, kein Zädchen leidet Schaden. Sunlicht Seife gibt immer eine wunderschöne, blütenweihe Wäsche mit deA» herzhaft frischen Geruch, der dieser besten aller Seifen eigen ist. Handstück 1 5Psg. Gr.Würfel ZSPfg. Doppelstück 40 Pfg. Rgg gvtz werivolll Di« Sunlirijt Ees Wannbeim, lenbel den Verbrauchern der Sunlicht Crzevgniss» kostenlos gediegen« Lehrbücher über„Haushalt. 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Immer wieder beobachten wir es an un* seren Kindertagen, wie aktiv die Kinder an der Wahl der für sie be» stimmten Kleidung teilnehmen. Aber auch die Mütter kommen zu ihrem Recht. Nicht nur infolge der Freude darüber, wie nett ihre Kinder aussehen, sondern auch durch die Freude an unseren überraschend niedrigen Preisen die es ihnen ermöglichen, ihre Kinder so nett zu kleiden. Fragen Sie Mütter um Rat, wo Sie die Kleidung für Ihre Kinder besorgen sollen, und Sie werden hören: % <$ % afl auf Aktien Bflanz per 31. Dezember 1925 Aktiva Kasse, fremde Oeldsorten und fällige Zins- und Dividendenscheine.... Guthaben bei Noten- und Abrechnungs- Clearing-)Banken Wechsel unverzinsliche Schecks, Wechsel und Schatzanweisungen........ Nostroguthaben bei Banken und Bank- firmen mit Fälligkeit bis zu 3 Monaten Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere....... Vorscnüsse auf verfrachtete oder ein- gelagerte Waren.......... Eigene Wertpapiere........ Konsbrtialbe eiligungen........ Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Banafirmen....... Debi oren in laufender Rechnung.... Bankgetäude.._.... Summa der Aktiva Passiva Aktienkapital.... Reserven........ Kreditoren....... Akzepte...... Pensions- Fonds für Beamte Sonst ge Passiva..... Gewinn-Saldo..... Summa der Passiva . RM. 23 089 203 69 301 309 556 862 890 270 096 881 133 681 357 266 380 991 25 000 00" 25 000 000 24 000 000 889 247 904 25 000 000 2 312 660 448 65 RM. Pf. 60 000 000— 55 000 000!— 2 08 t 620 310 46 80 465 647 86 4 000 000— 13 864 14)|13 1 7l0 34t!20 2 312 660 448165 Gewinn- and Verlust-Konfo pro 1925 S o 1 Verwaltungskosten. Steuern...... Gewinn-Saldo... Haben Provisionen............ Wechsel und Zinsen einschlieBIich des Gewinnes auf Kupons und Sorten... Effekten- und Konsortial-Gewinne... Gewinn-Vortrag von 1927...,-■. RM. j f. 56 184 724 ,97 10 037 441-8 16 710 349:20 82 932 515' 5 RM.|Pf. 41 023 73g;41 31 313 222 6 5 000 001— 2 590 55| 08 82 932 515 45 ab Grünau, Bohnsdorf bis Kirchplatz über SO Parzellen an der Echönefelder Chaussee. Berk d. Restvarzellen gm 1 M an Ber» käufer Sonntags anwelend. C. A. Winkler Zehl« dort Mitto Teltower Str. 8 �ehlendor��� ■Wo speist man1 4nt n.btlllfi? Nur GroB-B«r:in Alexander-.!«'!. 36-v steinfeBetönDBernfsgenofleD! ' cohnabkommen-Urabstimmuug AoBerordeiitljl'S Hitgliedemfuiuiling des gahldezirks Baclm am Oamutslao. »cm 11. April, abend, 7 Uhr. im i-PalaB"- Dcannen-Dalaft. Brunnenirr 184, des Zahlbeztrks SchSnederg Stegilh u. Amgegend am Sonntag, den, 14. April. 10 Uhr. bei Schellhose. Sieglitz, Ahornstrahe, des Zahlbezirt» Potsdam av dem 14. Sprii, 10 Uhr, im Polt»2 liotsdam am Sonntag, han». des gahldezirt« Michendorf»»»«mg. am Sonntag, dem 14.«prit, nachmittags 3 Uhr, im voilohaua Michendorf. Mitgliedsbuch legitimiert- ohne Mit» glirdsbuch kann nicht abgestimmt«erden. Die Gauleituag »aege. Inserate im Vorwärts bringen Erfolg! „Donnerwetter, der Tanz der sieben Schleier ist großartig! Wo hat die mit einmal den Schwung her?* „Ganz einfach! Ich schenkte ihr eine Schachtel „Lebewohl""!" •) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzteti empfohlene Hühneraugen■ Lehewohl und Lebewohl- Baüenscheiben, Blechdose g Pflaster 75 Pfg., Lebewohl- Pubbnd gegen emptindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel(2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlange« Sie ausdrücklich das echte Lebewohl In Blechdosen und weisen andere, angeblich.ebenso gute" Mittel zurück. 7tr. 166• 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 10. April 1929 Reichsbank und Kreditwirtschast. Internationale Geldteuerung kostet Reichsbankgold.— Hugenbergs charakterlose Währungshehe. Der Wochenbericht der Reichsbank zum 6. April läßt die Aus- Wirkungen der innerdeutschen Geldllemme zum 1. April und der gleichzeitigen internationalen Geldteuerung, die sich gegenseitig ver- schärsen muhten, jetzt klar erkennen. Die innerdeutsche Situation, die in der Bewegung der Kreditgewährungskonten zum Ausdruck kommt, ist günstiger, als nach dem Ansturm aus die Reichsbank vom 1. bis 3. April, wo sich das Quartalsende erst voll auswirkte, zu erwarten war. Die An- forderungen der Wirtschaft blieben so gering, die eigene Kraft der Banken so groh, daß die Wechfelbestände der Reichsbank sich immerhin um 147.4 auf 2148, 4 Millionen und die Lombarddarlehen um 38,5 auf 96,5 Millionen verringern konnten. Die unoer- zinslichen Gelder auf Girokonto st i e g e n gleichzeitig— was ebenfalls eine Lockerung der Geldklemme anzeigt— um 190,4 auf 668,5 Millionen. Daß von den Banken viel Reichsschatzwechsel der Reichsbank auch noch am 6. April übergeben waren— Erhöhung des Bestandes um 86.8 aus 143.8 Millionen—, läßt nicht ohne weiteres auf die Fortdauer einer scharfen Geldklemme schließen. Sonst hätten die Zinssätze für Tagesgeld und auch der Privat- diskont gegen den 6. April nicht scharf zurückgehen können. Der Papiergeldumlauf ermäßigte sich ziemlich stark: um 375,3 auf 4446,7 Millionen bei den Roten, um 38,2 auf 465,5 Millionen bei den Rentenbonkscheinen. Di« Deckung der Noten— sie ist noch immer überstark— durch Gold und Devisen stieg von 56,4 aus 58,8 Proz., die durch Gold allein von 55,6 auf 58 Proz., und zwar trotz der großen Goldverkäufe der Reichsbank, die das zweite interesiante. und für die internationale Lage charakteristische Moment des letzten Reichsbantberichts sind. Bonden Goldverkäufen der Reichsbank haben wir schon mehrfach gesprochen. Die Reichsbant hat seit dem 15. Februar einmal einen Posten von rund 46 und einen Posten von rund 103 Millionen, zusammen rund 150 Millionen ver- kauft. Der letzte Goldoerkauf ging nach Paris an die Bank von Frankreich: eigentlich ist er für New Jork bestimmt: da aber die Bank von Frankreich in New Park große Goldbestände unter- hält, spart die Reichsbonk eine große Frachtkostendifferenz, wenn sie die Bank von Frankreich aus ihren New-Porker Beständen für Deutschland zahlen läßt. Die Berliner Asphalt- und die Hetzpress« stempelt diese Goldverkäuf« zu einer Sensation. Sehr zu Unrecht. Dies« Goldverkäuf« sind nämlich ein einfaches Stück der inter- nationalen Kreditpolitik, und es ist«ine der unverantwortlichen Hugenbergschen Brunnenvergiftungen, wenn er sie mit der Stabilität der Währung in Zusammenhang bringt. Es ist nämlich so. daß die schon oft hier besprochene internationale Geldteuerung ausländische, auf Dollar oder Pfund Sterling lautende Kredite aus Deutschland wieder nach New Park oder London zurückjaugt und daß die damit«intretend« stark« Nachfrage nach Dollar- bzw. Pfund- „devisen' den Kurs des Dollars und des Pfundes bis zu einem Punkt erhöhen kann, wo es billiger ist, die Frachtkosten für Goldoerschiffung zu zahlen, als beispielsweise noch mehr Mark für die Beschaffung der oerlangten Dollars anzulegen. Deshalb und nur deshalb wird Gold verschickt. Aber auch die Goldverschickung könnte unterbleiben, wenn die deutsche Reichsbank ihre deutsche Kreditgewährung verteuern wollte durch Erhöhung des Diskontsatzes. Ein« solche Beunruhigung der Wirtschaft lohnt sich aber nicht, wenn man hoffen kann, daß die internationale Geldteuerung sich nicht weiter und auf die Dauer verschärft. Gerade das ist aber zü erwarten, nachdem ja auch die Geldknappheft innerhalb Deutschlands nur eine ganz vorüber- gehende ist. Die Goldverschickung statt der Kreditoerteuerung empfiehlt sich heute aber gerade deshalb, weri die Deckung der beut- schen Währung durch Gold so stark und die Nachfrage nach Wirtschaftskrediten in Deutschland jetzt so verhältnismäßig gering ist. Es ist also allein Hugenbergs Gewissenlosig- k e i t, die die Goldverkäufe und den zürzeft etwas höheren Dollar- kurs zu einem großen Ereignis aufputscht. Jahre hindurch stand der Dollar innerhalb der Goldverschiffungspunkte schiecht und die Mark gut, einfach deshalb, weil international die Konjunktur schlechter und die Spekulation kleiner war und weil masienhaft Dollarkredite noch Deutschland strömten. Zu Anfang dieses Jahres war die Bank von England in ähnlicher Lage wie jetzt die deutsche Reichs- dank. Sie Hot Wochen lang Hunderte von Goldmillionen nach New Pork und besonders auch an die deutsche Reichsbank verkauft, statt der gegen englische Pfund Sterling verlangten Dollars oder Reichsmark. Mehr als 8 Pfennig stand das englische Pfund Sterling unter der Parftät gegen Dollar und Mark: die Bant von England oerschickte Gold, weil sie innerenglische Kredite noch nicht verteuern wollte. Am 7. Februar erhöhte sie dann aber den Bankdiskont von auf 5� Proz. Sofort hörten die Goldsendungen auf, weil der steigende Pfund-Sterling-fturs wieder Dollar- und Reichsmarkkäufe empfahl. ' Kein Wort hat der Demagogenherzog Hugenberg damals über die„schwankende Dollarwährung' oder die Er- schütterung der englischen Währung zu sagen gewagt, einfach natürlich, weil ihn die ganze Welt ausgelacht hätte Heute aber spielt er in niederträchtiger Weis« auf den begreiflicherweise vorhandenen Angsttnsttnkten im deutschen Volk, nur um mit seiner hetzerischen Reparationspolitik wieder einmal seine widerwärtige Parteisuppe zu kochen, und zwar unter Ausnutzung der Unauf- geklärtheit seiner in Dummheit erzogenen Leser undAnhänger. Bergmann scheffelt Gewinne. Rekordumsah von-1912 weit überschritten. Die Elektroindustrie gehört in Deutschland zu den Industrie- zweigen, die, von einer kleinen Einbuchtung im Jahre 1926 abge- sehen, sich in den letzten fünf Jahren in einem ununterbroche- nen Aufstieg befunden haben. Wenn aber die drei führenden Elektrokonzevn« Siemens, AEG. und Bergmann, deren Entwicklung der gesamten deutschen Elektroindustrie ihren Stempel aufdrückt, nach der Hochkonjunktur von 1927 im letzten Betriebsjahr ihre Umsätze und Gewinne noch durchweg steigern konnten, so will dos für die Lage dieser drei Berliner Großkonzerne allerhand besagen. Die Bergmann- Elektrizitätswerke A.-G. in Reinickendorf.. Rosenthai, die jetzt Geschäftsbericht und Bilanz für 1928 veröffent- licht, steht zwar mit ihrer Kapftalkraft von 44 Millionen weit hinter den beiden Elektroriesen Siemens und der AEG. zurück, gehört aber mit seiner fast 13 000 Mann starken Belegschaft mtt zu den größten Berliner Betrieben. Daß Bergmann in seiner Umsatz- und Ge- winnentwicklung mit seinen großen Konkurrenten in der Brunnen- straße und in Siemensstadt durchaus Schritt halten konnte, zeigt die folgende Tabelle: 1924 1925 1926 1927 1928 in Millionen Mark Geschäftsgewinn«,, 6,9 7,7 7.4 11,1 11.7 Reingewinn.... 2,2 2,6 3.1 4.4 4,4 Dividende in Proz... 5 6 8 9 9 Umsah...... 53 81 75 100 115 Seinen Umsatz konnte Bergmann also seit 1924 wett mehr als verdoppeln, wobei besonders bemerkenswert ist, daß der lOO-ZNillionen-Umsah im Rekordjahr 1927 in dem letzten Betriebsjahr noch um weitere 15 Proz. gesteigert werden konnte. Da die Belegschaft sich gegenüber dieser bedeuten- den Steigerung des Umsatzes seft 1924 auch nicht annähernd in dem gleichen Berhältnis verstärkt hat. kommt in diesen Zahlen die enorme Leistungssteigerung je Mann und Schicht in den Bergmonn-Betrieben zum Ausdruck. Auch die Geschästsge- Winne, die sich seit 1920 gleichfalls fast verdoppelten, haben an- nähernd die gleiche Entwicklung genommen wie der Umsatz. Der Reingewinn, der für 1928 in gleicher Höhe wie im Vorjahre ausgewiesen wird, ist einmal durch heraufgeschraubte Abschreibungen und sodann durch hohe Sonderrück st ellungen vorweg um etwa zwei Millionen gekürzt worden. Merkwürdigerweise geht die Verwaltung in ihrem Geschäftsbericht über die sogenannte„Rück- stellung für schwebende Verpflichtungen', der sie allein 1,8 Millionen zugeführt hat. mit Stillschweigen hinweg. Wie diese Reservepolittk zeigt, hat die Bergmann-Direktion offenbar starkes Interesse daran, ihren Belegschaften und der Qeffentlichkeft einen gegenüber 1927 nicht erhöhten Reingewinn vorzuweisen. Dementsprechend bleibt die Dividende auch unverändert und es werden wieder 9 Proz. an die Aktionäre gezahlt. In ihrem Jahresbericht führt die Verwaltung aus, daß der Auftragsbestand sich im Laufe des Betriebsjahres wesentlich erhöht hatte und Ende Dezember wieder der Ziffer von Anfang 1928 gleichkam. Das heißt alfo, daß bei Bergmann auch jetzt von einer rückläufigen Konjunktur noch nicht die Rede sein kann. Dies kommt auch m den weiteren Ausführungen des Derwaftungsberichts zum Ausdruck: denn bei der Besprechung der wichtigsten Betriebsabteilungen, der Zentralabtei- lung, dem Turbinenbau, dem Transformatoren- und Apparatebau und besonders auch der Industtteabteilung, welche die einzelnen In- dustrien mit Anlagen, Apparaten und Motoren beliefert, weist die Direktion fast durchweg auf die erhöhte Betriebstätigkeit dieser Abteilungen hin und sieht auch die weitere Entwicklung durch. aus optimifttsch an. Wie die Bilanz zeigt, hat Bergmann für neue Maschinen im letzten Jahre wieder rund 1 Million ausgegeben und fast eine weitere Million in Gebäuden und Grundstücken investiert, ohne daß er dafür Kredite aufnehmen brauchte. Die gesamten Kosten für diese Investitionen in Höhe von fast 2 Millionen wurden aus laufenden Gewinnen„über Betrieb' bezahtt. Trotz dieser Kosten kann Bergmann aber über Geldmangel nicht klagen. So stiegen die gesamten Forderungen von 44 auf 47 Millio- nen, während sich die Schulden in weit geringerem Maße von 27 auf 29 Millionen Mark erhöhten. Di« Direktion von Bergmann hätte also alle Ursache, mit dem Abschluß des letzten Jahres durchaus zufrieden zu sein. Trotz- dem aber hat sie ihre herausforl.lernde Sprache gegen Lohn- und Gehaltsbewegungen beibehalten. Sie wird aber damit weder ihren Belegschaften imponieren noch in der Oeffenttichkett Eindruck machen können, denn Betriebe, die fett fünf Jahren eine ungetrübte Blütezeit erlebt haben, können auch ihren Belegschaften, denen sie ihre reichen Profite in erster Linie verdanken, Löhne zahlen, die nicht nur zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse ausreichen. Wie eine Aussperrung wirkt. Schlechte Bilanz der Duisburg-Ruhrorter Hafenverwaltung Der Jahresbericht der Duisburg-Ruhrorter Hafenverwaltung für 1928 spricht von einem geradezu katastrophalen Rückgang des Hafenverkehrs gegenüber 1927. Der Gesamt- oerkehr in den Häfen beträgt 20 525 144 Tonnen. 1927 wurden 24 694 525 Tonnen umgeschlagen. Das entspricht einem Verlust von über 4 Millionen Tonnen oder 16,8 Proz. Am stärksten ist daran die Kohle beteiligt, auf die mit 14,04 gegen 17,25 Millionen allein über 3 Millionen Tonnen Verkehrsverlust entfallen. Damft bleibt die Kohle 1928 sogar mit über 400 000 Tonnen gegenüber 1924, dem ersten Jahre nach der Inflation, zurück. Ebenso wie die Kohl« weist auch der Erzumschlag einen Verlust auf. 1927 betrug die An- und Abfuhr in Erz 3,46 Millionen und 1928 nur 2,58 Millionen Tonnen, somit ein Verlust von 0,88 Millionen. Bei Eisen und Eisenwaren wurden 1927 1,3 Millionen, 1928 aber nur 1,08 Millionen Tonnen umgeschlagen, mfthin«in Verlust von über 200 000 Tonnen. Bei der Getreide- anfuhr ergibt sich mit 291 044 Tonnen ein Verlust von fast 109 000 Tonnen gegen 1927 Nur die Holzanfuhr oerzeichnet mit 259 385 Tonnen ein« kleine Steigerung Die Ursachen für den Rückgang liegen in der von den Rhein- schifsahrtsunternehmern im Mai vorgenommenen Aussperrung der Schiffspersonals und einer natürlichen Abwanderung von Getreide und Erz. Di« Aussperrung bracht« die deutsche Rheinschisfahrt für sechs Wochen im Mai und Juni zum Stillstand. Der dadurch ent- standene Verlust im Gesamtumschlag beträgt über 3 Millionen Tonnen. Bei der Kohle sind es allein 2,25 Millionen Tonnen. Die Abwanderung im Getreide ist auf ganz natürliche Vorgänge zurückzuführen. Der 1914 erbaut« Rhein-Herne-Kanol hat einen Teil des Getreideoerkehrs an sich gezogen Ebenso bleibt ein Teil des früher nach Duisburg von Rotterdam kommenden Getreides in Wesel, wo in den letzten Jahren der Getreideumschlag von Duis- burger Firmen eingerichtet worden ist. Auch der Kraftwogenverkehr hat den Getreidetransport ausgefangen. Dann hat Bremen seine Getreideumschlagsvorrichtungen verbessert und dadurch seine« Um- schlag erhöht. Weiter ist die Gesamteinfuhr von Getreide im Reich zurückgegangen. Auch ist eine Verschiebung der Eisenbahntarife zu Ungunsten der Duisburg-Ruhrorter Häfen eingetreten. Dabei hat die Hafenverwaltung den naiven Glauben,«in« Hebung des Getteideumschlages durch Subventionen an die Getreide- spediteure herbeiführen zu können. Wir wollen nicht verkennen, daß die Duisburg-Ruhrorter Häfen zurzeit eine Krise durchzumachen haben und sich gegen die Kon- kurrenz wehren müsien. Der Kamps, die Kohlenmischanlage in den Häfen zu bekommen, hat das bewiesen. Dieser Kampf hat bisher einen schönen Batzen Geld gekostet und wird nach der Fertigstellung wahrscheinlich noch mehr kosten. Das alles aber bedingt immer noch nicht, daß versucht wird, die erforderliche Rationalisie- rung nur auf Kosten der Belegschaft durchzuführen. Es kann und muß von der Verwaltung erwartet werden, daß sie zukünfttg die Belegschaft genau so behandelt wie die angeblich not- leidenden Unternehmer. Städte als Konfummttglteder. Der Magistrat der Stadt Harburg-Wilhelmsburg hat in Ausführung eines Beschlusses des Bürgervorsteherkollegiums den Beitrftt der Stadt zu dem Konsum-, Bau- und Sparoerein „Produktion', Hamburg, vollzogen. In einer Neinen Anfrage eines preußischen Landtagsabgeordneten wurde behauptet, daß dies«in«„wirtschaftspolitische Verletzung der Neu- tralftät bedeute, die Staat und Kommune den Wirtschaftszweigen gegenüber einnehmen sollten. Das preußische Staatsministerlum sollte den Beitritt von Kommunen zu Konsumvereinen ein für alle- mal verbieten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, weist der preußische Minister des Innern in seiner Antwort. darauf hin, daß der Beitritt der Stadt Harburg-Wilhelmsburg zum Konsumverein„Produktion' eine Angelegenheil der städtischen,- Selbstverwaltung sei. Eine Einwirkungsmöglichkeit des Staates sei nicht gegeben. Ob die ewige hetze gegen die TNilgliedschast von Kommunen in Konsumvereinen nun aufhört? Reue Gewinnabschlüsse bei Vraunkohlen-Petschek. Wie die bis- herigen Abjchlüsse der zur Petschek-Gruppe gehörenden mittel- deutschen und ostelbischen Braunkohlenunternehmungen weist auch der Jahresabschluß der Phönix A.-G. für Braunkohlen- Verwertung erhöhte Gewinne aus. Bei einer von 1,49 auf 1,61 erhöhten Rohkohlenförderung und von 0,5 auf 0,6 gestiegenen Brikettproduktion sind die Betriebsgewinne von 2,4 auf 2,6 Mil- lionen Mark gewachsen. Die bei den übrigen Petschek-Unter- nehmungen stark heraufgesetzten Abschreibungen sind auch bei der Phönix A.-G. um s a st 15 Proz. auf rund 840 000 Mark erhöht. Trotzdem liegt der R e i n g e w i n n mit rund 588 000 M. noch über dem Ergebnis des Vorjahres, während die Dividende mit 6 Proz. unverändert bleibt. Wie nicht anders zu erwarten war, beteuert die Verwaltung im Geschäftsbericht, daß die Preiserhöhung für Briketts die gestiegenen Lohn- und Materialpreise nur teilweise decken konnten. Unterlagen für diese etwas kühne Behauptung gibt Herr Petschek aber nicht. Auch die im mitteldeutschen Revier ge- legenen Brounkohlenwerke des Petschek-Konzerns haben bedeutend erhöhte Gewinne aufzuweisen. So ist der Betriebsüberschuß bei den.Braunkohlenwerken Leonard, die sich fast ganz in den Händen von Petschek befinden, um 15 Proz. auf 2,3 Millionen Mark gestiegen. Dagegen sind die Steuern und Abgaben bemerkens- werterweis« von 0,47 auf 0,46 Millionen Mark zurückgegangen. Aus dem Reingewinn, der trotz bedeutend heraufgesetzter Abschreibungen von fast einer Million von 0,56 auf 0,65 Millionen Mark gewochsen ist, wird die höhere Dividende von 8 und 7 Proz. im letzten Jahr verteilt. Dreißig Millionen neue Pfandbrief« für Wohnungsbau. Die Preußisch» Landespfandbriefanstalt ist für den Neu. wohnungsbaik in den preußischen Provinzen heute das wichtigste Finanzinstitut. Sie hat 25 Millionen 8prozentige Goldpsandbriese vom Jahre 1928 für Wohnungsbauzwecke voll ausverkauft. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteill, werden jetzt neu« 30 Millionen 8prozenttge Goldpfandbriese zum Kurs von äugen- blicklich 98 Proz. ausgegeben und zum Kauf angeboten. JMH&f to&M,! Dr. Thompsons Seifenpulver mal Einwekhen, Ozonfl «um Kochern ZOnIL senkt die Preise bis um450RM Transportwesen und Wohlstand eines Landes sind aufs engste mitelnon« der verknöpft. Die deutsche Wirtschaft braucht Autos! Leistungfähige, sparsame, preiswerfe Autos! In Rösselsheim ist eine Armee deutscher Arbeiter am Werk, solche Autos zu bauen. Menschen, Maschinen, Methoden, alle dienen sie dem einen Ziel! Fortschritt als System Fabrikation und Forschung arbeiten HandinHand.PlönmäßigschreitefdieAr- beit fort, planmäßig steigert sich die Lei- stungsfähigkeitderFobrik, zwangsläufig hebt sich der Standard der Produktion, Führend in der Qualität Die OpeTwerke sind heute die bedeutendste und besteingerichtete Auto< mobilfabrik des Kontinents. Maschinen und Methoden bürgen für höchste Quai lität. Sinnreiche Instrumente garantierert eine geradezu unvorstellbare Maß- Genauigkeit bis zu einem zehntausend- sfel Millimeter. Die jüngsten Errungene schaffen der Wissenschaft stehen im Dienste der MaterigL-FQrsQhvng.und Material-Prüfung, Maßgebend im Ffcls Die Opelwerke haben niemals die FOfü lung mit den Bedürfnissen des Marktes verloren. Stets lag die Initiative auf ihrer Seite, wenn es galt, bessere und billigere Wagen zu bauen; wenn es galt, durch mutige Preissenkung neuen Käuferschichten die Anschaffung eines Automobils zu ermoglichegj Heute mehr denn fö sind Opelpreise und Opelqualitöt die Rieht Maße auf dem deutschen Markt. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß« daß heute keine andere Fabrik def Welt in der Lage ist, dem deutscheif Käufer bei gleichen Preisen auch nur annähernd den Gegenwert zu bie- fen, den OPEL ihm zu bieten vorwog. 10-Alt 4« BH ZOBERDICJ) Mittwoch 10. April 1929 Unterhaltung unö AVissen Beilage des Vorwärts Stichard Muldschiner: Itfl0 Ich bin in fremd«r Stadt, lese im Kaffeehaus Irgendmelche Zeitungen, die auf dem Marmortisch gelegen haben, alle Ding« um mich herum bleiben fern, uneindrin�lich, kalt wi« die Wintersonne draußen, die die Berg« weih und schattenblau macht, ich begreife, was Einsamkeit ist, da» Nichtszutunhaben mit einer zufälligen Um- weit, die schemenhaft bleibt, unbefeelt wie dieser Marmortisch im Kasfechous, wie diese anderen Zeitungsleser, diese kortenspielendcn Gerichtsbeamten und Bankkassierer, diese hübschen oder unhflbschcn Damen, die wichtige Gespräche miteinander führen oder in Mode- journalen blättern und Kreuzworträtsel lösen, wozu sie sich den Blei- stift von der Kellnerin auslcihen. Menschen kommen uirt) gehen. man hört das leichle Klirren von Billardbällen, auf der Straße draußen ist die Stunde des stärksten Verkehrs, und ich sitze in einem lebhaften Kaffeshaus und Zeitungen aus ollen Gegenden des Lande» wollen zu mir sprechen— und doch, die» hier ist tiefste verlorenste Einsamkeit und kein Hall eines vertrauten Lebens dringt bi» zu mir. Ich-laste die Zeltung sinken, sie sagt mir nichts, ich beginn» mich wieder Im Saal umzuschauen: da tritt ein älterer Herr mit Brille und Hängeschnauzbart ein, gibt Hut und Mantel der Kellnenn, bestellt, setzt sich an einen kleinen Fenstertisch, der gerade frei ge- worden ist, greift nach einer Zeitung, läßt sie wieder sinken, putzt bedächtig die Brille, mustert die anderen Gäste unauffällig— kurz, einer, dem man anzusehen glaubt, daß er sich behaglich suhlt Ein Mann, denke ich, der sich nach erfolgreichen Geschäften oder Amis- jähren zur Ruhe gesetzt hat und nun, wi« jeden Nachmittag, seinen Braunen trinkt, von der Kellnerin, seiner Kellnerin, aufmerksam bedient. Er hat den Kopf mit der großen Matz« bedächtig über die Kaffee- taste geneigt, und da, ganz plötzlich, erkenn« ich ihn. Und meine Einsamkeit wird gering und unbedeutend neben der Einsamkeit,'n der dieser leben muß. Denn da» ist Anton Burghauser, mit dem ich einmal zusammen in die Schul« gegangen bin. der langweilige Anton, der Musiker lverden wollte und Postbeamter wurde und sich mit 35 Jahren pensionieren ließ, weil er ein bißchen Geld geerbt hatte. Er lebte meist in einer großen deutschen Stadt, gönnte sich nur da» .Kaffeehau, oder ein dilliges Konzert. Und dann gab er Klavier- stunden, weil es doch auch ein paar Mark einbrachte. Al» ich das letzt« mal von ihm hörte, ersuhr ich, daß«in Geschick ihn ereilt hatte, von dem ich ihn. den bürgerlich engen und frömmelnden Mann, weltenweit entfernt geglaubt hätte. An seinen Klavierschülern, Knaben der unteren Gymnasialklasten, hatte er sich oergangen. Au« Freud« an der Musik wollte er seinen Unterricht für ganz billiges Geld geben, hatte er den Ellern gesagt, di« einen Klavierlehrer suchten. Aber dann kam das Ende— drei Jahre Gefängnis. Nun saß er hier im Kaffeehaus, auch er in der fremden Stadt: zu Hause, wo jeder van ihm wußte, konnte er wohl nicht mehr leben. Die Großstadt, die seinen Sturz au» der Dürgerlichkeit in da» Elend gesehen hatte, war ihm wohl zu sehr mit diesem Sturz verquickt! nun lebte er hier, aus dem halben Weg von der Stadt seiner ehe- matigen Wahl zur Heimatstadt, ausgestoßen von beiden, ein Ein- jamer. gewiß so methodisch, wi« er im Gefängnis gelebt hatte, wo er sich musterhaft führte, so daß man ihn mit Schreibarbeit beschäftigt«. Sollt« ich zu ihm hingehen und ihn begrüßen? Warum nicht einem Unglücklichen vielleicht eine Freud« machen? Er war gewiß sehr einsam, hier auf der Schwelle zu zwei Heimaten. von denen er kein« mehr betreten konnte. Wo er immer in der' Angst leben muß!«, daß einer, der ihn sah. stutzte und den Kopf wegwandte. Sollte auch ich den Kopf wegwenden uist» tun, als wüßte ich nicht. wer da drüben saß und seinen Kaffee trank? War dies Gesicht eines alternden Mannes nicht bloß, weil es so lang« die Sonne nicht gesehen hatte? Lagen nicht Schatten auf der gefurchten Stirn? Gingen di« schwermüttgen Augen nicht unstet hin und her? War das nicht ein Gezeichneter? Ich stand nicht auf. ihn zu begrüßen, ich hiell meine Zeitung höher vors Gesicht und warf nur verstohlene Blicke zu ihm hinüber. Er trank seinen Kaffee mit sichtlichem Behagen, er hatte seinen Frieden mit der Welt gemacht, er genoß die Freiheit, die ihm Kaffee- Haus, Zeitungen, di« beflissene Aufmerksamkeit einer Kellnerin wieder erschlossen hatten. War er dort drei Jahre lang in der Ein- samkeit gewesen, so war er hier ein Mensch. Mensch wie ein anderer, solang« man nicht wußte, wer er war. Hatte er mich auch erkannt? War in seinen Augen, die vorhin das Lokal überschauten, nicht eine gedankenschnelle Frage aufgeblitzt? Ein Erschrecken? Sollte ich eine Panik In diese Einsamkeit hinein- jagen? Ich tonnte ja so tun, als wüßte ich von nicht». Oder, wenn er selber von seinem Elend sprach, tonnte ich sagen, daß ich die Ding« vom ärztlichen Standpunkt au» ansähe, daß ich ihn nicht bürgerlich werten wollte... aber dann würde ich seine Langeweile wieder und wieder ertragen müsten, wenn ich ihn irgendwo traf. Und so sehr ich erschüttert seine Einfamkell fühlte, ich konnte ihm doch nicht die Hand geben. Und Ich zahlte und ging, mit einem feigen, kleinen Umweg um seinen Tisch, anscheinend unbefangen und ahnungslos mein«» Weg», um mein« Einsamkeit weiter zu tragen und ihm die sein« nicht zu nehmen. WkolM Jlranyofi: Man wird sich noch an den sonderbaren Fall von tS2ti er- inn«rn. al- Dr. Hmick,«in Privatgelehrter von Namen, wegen um- fangretcher Diebstähle von Dokumenten und Handschriften in den verschied« n«n staatlichen Archiven verhaftet und verurteilt wurde. E» stellte sich hierbei herau», daß Dr. Hauck ein leidenschaftticher Sammler von diesem Zeug war. und ein unwiderstehlicher Zwang ihn dazu verleitet hatte,«in Verbrecher zu werden. Dreißig Jahr« lang hatt« er di«» gesetzwidrige Handwerk betrieben. Und doch, w«r hätte ihm seine Sympathie versagen können! Wer begriff es nicht, daß«s sich hier um«ine Leidenschast handelte, die eigentlich dazu da ist, unseren Kulturhunger zu stillen! Ein anderer Fall, der de» Rittmeisters a. v. v. Reihe, der au« dem öffentlichen Münzkabinett in Weimar Münzstücke entwendete, und zahlreiche andere Fälle der Kriminalgeschicht« zeugen dafür, welch« Roll« die Sammelleidenschaft in dem menschlichen Leben spielt. Gibt e» überhaupt Menschen, die nicht sammeln? Bewußt od«r unbewußt, systematisch oder wahllos, konsequent oder nur au» einem gewisten Anlaß? Und gibt«» einen Gegenstand, der unter Umständen nicht da» Objekt einer Sammelwut werden könnte? Wo ist aber die Grenz« zwischen dem Normalen und Sonder- baren? Niemand wird eine Jnsektensammlung für sonderbar halten. Jedoch, wenn man härt. daß der Londoner Rothschild sich gerade aus Flöhe kapriziert« und Expeditionen ausrüstete, um irgendein seltenes Exemplar in seinen Besitz zu bekommen, oder daß der Geograph und Naturforscher Moritz Wagner mir kleinste Mstelköfer sammelte, und daß Lord Welsingham 280 000 Exemplare von Kl-i»schm«tterling«n befaß, dann findet man diese Art von Sammlungen sonderbar. Hier stehen wir«in«r weitgetriebenen Spezialisierung gegenüber und diese überspitzte Etnsettlgtett ist ein erster Schritt dazu, den Typ de» SammlerfonderUng» zu schaffen. Interessant sind solch« Obi«tte. di« trotz ihrer Wertlosigkeit g«- sammelt werden. Man darf dabei nicht vergesien, daß an sich wert- lose Gegenstönd«, dadurch, daß sie zu einer Sammlung von gewisser Vollständigkeit vereint werden. Wert erlangen können. Da lebte z. B. in Köln ein Baron Saudheim, der Sand, Erdarten und Fluß- wasier sammelte. Ein ganze« Zimmer hatt« er mit Regalen gefüllt, auf denen Nil- und Donau wo sier fein säuberlich in Flaschen stand, dann Sand au» der Sahara und schwarz« Erde vom Ganges-Ufer. Und er freut« sich«i« ein Kind, wenn er von einem Freu,»« ein neue» Fläschchen mtt Ho.hang.ho-Wasser erhielt, oder«in Neine» Kästchen mit Erde au» Spitzbergen.— Ein österreichischer Ritter v. E. in Dien sammelt« Todesanzeigen und tapezierte schließlich sein Zimmer damit— Ein oller Rentier au» Pari, hinterließ seiner Vaterstadt 80 000 Straßenbahn- und Omnibuskarten. di« er alle selbst abgefahren hatte.— Thcaterschwärmer sammeln Theaterkarten, um stch immer an ihr« Theatererlebntss« erinnern zu können. Wein- freunde bewahren di« mit dem Datum versehenen Korten der Flaschen auf, die si« selbst ausgetrunken haben. Und lange vor dem .Kriege hörte man von«inem französischen Major, der ein« Knopf. fammllmg hatte. Mtt peinlicher Sorgsall sortiert« er täglich seinen Schatz und bald hall« er alle'MilttärknSpfe. die e, gab, in seiner Sammlung. Nur ein einziger siamesischer Milttärknopf fehlt- ihm. Jahrelang bemühte- er sich, um sich das fehlende Exemplar zu de- schaffen. Endlich gelang es einigen Freunden, es auszutreiben. Feierlich überreichten sie«»«hm und— seitdem verlor er alle Freude an seiner Sammlung. Ansicktskarten sind an sich wertlos, doch 80 000 Stück, wi« sie der Buchhändler Weigert zusammenbrachte, repräsentieren«inen schöne» Wert.—- Ein Lord B. hatte stch eine Sammlung von Hundehalsböndenr emgetegt- Allerdings galt fein« Schwärmerei nicht nur den Halsböndern, von denen er ein paar Tausend besaß. sondern auch den Hunden, die sein ausgedehnte» Landgut bevölkerten. Man könnte ohne weiteres auch di« Sammlung des Maler» Amerling, der weiblichen Kopfputz aus ollen Ländern und Zeiten sammelte, als Kuriosität bezeichnen, wenn sie nebenbei nicht noch ein ethnographisches Interesse hätte. Dasselbe gilt auch für Baron Block, der Schuhwerk von historischen Persönlichkeiten sammelte. Di« Sammlung befindet sich jetzt in Dresden, und wer Lust hat, kann di» Samtpantöffelchen von sächsischen Prinzessinnen, die Galoschen Wie« londs und die Krönungsschuhe Napoleons nebeneinander sehen.— Eine bekannte Berliner Dame sammelt nur die Krawatten von Dich- tern. Man sieht einen großen bauchigen Schlips von Goethe,»ine futuristisch« Krawatte von Hans Heinz Eoers und andere mehr. Bekannt ist das sogenannt« Unglücksmuseum des setzigen König» von Spanten, Alfons, der schon oft Attentaten ausgesetzt gewesen Ist Er hat sich«Inen Raum angelegt, in dem all« Werkzeuge und Gegen- stände aufbewahrt sind, dl« den König verletzt oder ihm Unglück gebracht haben. So ist z. D. Alfons einmal al» Infant ausgeglitten und hingefallen, wobei er stch eine Knieverletzung zuzog. Da hat man die Parkcttdiele, di« dos Unglück verschuldete, au» dem Boden entfernt Sie steht jetzt im Museum neben zahlreichen Dolchen, Re- volvern, Kugeln und anderen Mardinstrumenten. Es soll noch hierbei die Sammlung eines Pariser Arztes«r» wähnt werden, dt« aus sehr eigenartigen Büchern besteht. Ihre Einbände sind aus menschlichem Pergament, d. h. au» der gegerbten Haut von Hingerichteten, hergestellt— Aber das gehört schon in die Schreckenskammcr«Ines Panoptikums und hat mit einer Sammlung nichts mehr zu tun.______ 3)ie Srde- ein Glücksstufall Der Mensch hat lange seine Erde für den Mittelpunkt der gesamten Schöpfung und sich selbst für ihre Krone gehalten. Solange«r glaubt«, daß sich Sonn«. Mond und all« Stern« um die Erde drehten, konnte er sich diesem stolzen Gefühl ruhig hingeben. Aber al» er dann durch di« Lehre des Kopermku» au« dem Mittel- punkt de» Wettalls geschleudert und aus einen von der Sonne ab- hängigen Planeten verbannt wurde, als sich mit den Fortschritten der Astronomie seine Kenntnis de» Weltalls zu immer ungeheueren Dimensionen ausdehnte, da überkam ihn da, Gefühl der unend- lichen Nichtigkeit. Aber di« modernst« Wissenschast gibt chm doch etwa» von seiner früheren Erhabenheit wieder. Wenn sie ihm auch nicht oerhehlen tonn, daß er und seine Erde im Weltenraum einen lächerlich winzigen Platz einnimmt, so bestätigt st« ihm doch, daß er innerhalb des Kosmos eine seltene, ja vielleicht einzigartige Aus- nahmeerscheinung ist. Di« Entstehung unserer Erde stellt nach den Forschungen der großen englischen Astronomen Eddington und Jena» einen Zufall allerersten Range» dar, ist ein„Spiel der Natur", wie es sonst kaum noch vorkommt. Wir blicken heute mit unseren Riesenfernrohren über die paar Tausend Sterne, die man mit bloßem Auge sehen kann, in unfaßlich wette Welten. Hat man mit den 100zölligen Fernrohren 30 000 Millionen Sterne entdeckt, so werden wir mit dem 200zölllg«n wohl bald eine halbe Billion Himmels» körper zählen können. Aber Im wesentlichen beschränkt stch die astronomische Kenntnis auf das Sternensystem, dem unser« Sonne angehört und dessen Mittelpunkt innerhalb der Eternwolken der Milchstraße jetzt sestgestellt worden ist, während es noch Myriaden von ähnlichen Sternsystemen in den Spiralnebeln gibt, deren nächster 830 000 Lichtjahre von uns«nlsernt ist. So unendlich das Weltall erscheint, so ist es aber nach allen Berechnungen doch endlich Welche Stellung nimmt nun der Mensch darin ein? Wieviel de- wohnte Welten gibt e«? Eddington in seinem neuen Werk über di«„Natur der physikalischen Welt" behandelt zunächst die Frag« der Bewohnbarkeit der anderen Planeten und kommt zu dem Ergebnis, daß nur Mars und Venu» bewohnt sein könnten. Die venu» Ist aber stet» von Nebeln und Dämpfen umgeben, und auf ihr kann sich kein dem unseren ähnliches Leben entfallen. Der Mars bietet vielleicht eher Möglich keilen, ober nach der Ansicht des Astronomen dürste sich das Leben auf die Fische beschränken, so daß also der Lachs die Krone der Schöpfung wäre. So sind schon in dem System unserer Sonne wenig Aussichten für Wesen, die uns gleichen. Wie verhält es sich aber bei den anderen Millionen und aber Millionen Sonnen, di« ja auch Planeten haben könnten? Zunächst einmal gibt es sehr viele Doppelsterne, di« aus zwei Sonnen bestehen, die sich umein- ander drehen. Diese Doppelsterne haben keine Planeten, denn ein- mal würden die Gesetze der Schwere zu kompliziert sein und dann ist da» Bedürfnis dieser Doppelstern«, sich zu vermehren, befriedigt Die große Zahl der Doppelstern« ist durch«Ine Teilung entstanden, nach der die Entstehung von Planeten unmöglich ist Jenas hat nach einem genauen Studium der Kräfte in Gasmassen, die sich um- einander drehen, di« Theorie aufgestellt, daß das normale Ergebnis einer solchen Drehung stet» die Teilung in zwei Körper, niemal» die Erzeugung einer Familie von Planeten ist.„Dos Planeten- system unserer Sonne," sagt Eddington,„ist keineswegs der typisch« Vorgang bei der Entwicklung eines Stern»:», ist spgar nicht einmal«ine Form der allgemeinen Entwicklung, sondern es ist ein Zufall, ein Spiel der Natur." Nur unter ganz bestimmten Vor- aussetzungen kann ein Stern»in solches Planetensystem hervor- bringen. Da» ist dann der Fall, wenn in einem bestimmten Augen- blick seiner Kondensserung er in die Nachbarschaft eines ähnlichen Körper» gerät Durch die Anziehungskraft werden dann ungeheure Massenmaterien au» ihm herausgeschleudert, die sich zu Planeten zusammenziehen. Ein solcher Vorgang kann sich nach Eddington nur überaus selten ereignen. Denn im Weltall gibt es ungeheure frei« Räume. Di« Dichtigkeit der Verteilung der Sterne entspricht nach seinen Berechnungen der von 20 Tennisbällen, dl« sich im Innern einer Kugel im Umfang unserer Erde befinden. Die Mög-- lichkeiten der Annäherung der Himmelskörper sind also unendlich gering, und e» gibt wahrscheinlich nicht einen Stern unter 100 Millionen, der in dem entscheidenden Augenblick seiner Entwicklung ein« solche notwendige Begegnung gehobt hat. Die Planetensysteme sind daher zweifellos äußerst seltene Ausnahmerscheinungen. Der Planet, da» Leben, der Mensch— das sind innerhalb des Weltalls zufällige Erscheinungen, hervorgebracht durch den ungeheuren Reich- tum der Natur, di« Hunderttausende von Eiern und Samen vcr- schwendet, um«in Geschöpf entstehen zu lassen, und ebenso Millionen Sterne aussät, um aus einem Leben zu erwecken. Die Möglich- keiten für da» Vorhandensein oleler„Erden" im Weltall sind un- endlich gering: noch geringer di« Möglichkeit ihrer Bewohnbarkeit, noch geringer di« Wahrscheinlichkeit, daß sie bewohnt sind, und kaum eine ander« Erde dürfte stch In demselben Grad der Entwicklung wie die unserige befinden. Welcher Vogel fliegt am fchnetlflen? Das Sprichwort„Schnell wie ein Vogel" gilt ja heute nicht mehr, seitdem der Mensch im Flugzeug ein« größer« Geschwindigkeit entfaltet als der schnellst« Bewohner der Lust. Aber das Wunder de, Vogelfluges, dos die Menschen schon so lange beschäfttgt, hat dazu geführt, daß man sich phantastische Vorstellungen von der „Pfeilgeschwindigleit" der Vögel machte. Genaue Messungen, wie sie Prof. Thienemann auf der Bogelwarte Rossitten bei Zugvögeln durchgeführt hatte, zeigen, daß der Vogelzug gewöhnlich kein« sehr großen Geschwindigkeiten aufweist. Der Star, der etwa 74 Kilometer in der Stunde zurücklegt, gehört zweifellos zu den aller- schnellsten Vögeln, wie er ja auch«in besonderer Meister der Flug- kunst ist. Natürlich kommt es auch aus die Art de, Fluge» an, und der Vogel, der vor einem Angreifer flieht, wild in der Todesnot seine äußersten Kräfte entfalten und sich sehr viel schneller fort- bewegen, als wenn er gemächlich seine Nahrung sucht oder lange Strecken aus seinem Zuge zurücklegt. Ein englischer Ornithologe. der sich weniger aus genaue Messungen wie der deutsche Gelehrt« als auf langjährige Beob- achtungen fliegender Vögel stützt, vertritt die Anficht, daß der schnellste Flieger in unseren Breiten der Mauersegler ist. Thtenemann glaubt, daß die Schwalben, diese berühmten Flug- künstler, sich nicht durch besondere Schnelligkeit auszeichnen, aber die Mauerschwalbe scheint doch den Echnelligkeitsrekord unter den ge- fieberten Luftbewohnern zu halten.„Wo ich einen Wettslug zwischen Mauerseglern und anderen Bögeln beobachtet habe." schreibt der Gelehrte,„da schlug er auch den schnellsten Segler, und eine noch geschwindere Art der Mauerschwalbe findet stch im Nordosten Asien». Diese zierlichen Bogel haben direkt eine Freude am schnellsten Flug und tummeln sich in ihren Spielen bunt durcheinander, wobei der eine Immer den anderen zu überfliegen sucht. Anders Ist es bei den Staren, die nach ihnen wohl die schnellsten Vögel sind. Sie machen nicht den Eindruck mißerordentlicher Geschwindigkeit, wie die Mauersegler, sondern wirken hauptsächlich durch di« erstaunliche Ordnung und Genauigkeit, mtt der sie ihre Manöver durchführen, wobei e» scheint, wie wenn jede Schwinge sich im Gleichtakt beweg«. Der einzelne Star jedoch, der mit seinen ziemlich kurzen Schwingen dohinsaust, scheint weniger Freud« an der Geschwindigkeit zu empfinden, als eilig seinen Geschäften nachzugehen. Mauersegler und Store teilen ein« Vorliebe für Löcher und Fugen in den Ge- bäuden in den Nistplätzen und da beide recht kriegerische Vögel sind. so gibt e» zwischen ihnen ewigen Streit in der Brutzeit. Bei diesen Kämpfen und gegenseitigen Verfolgungen hält sich ihre Schnelligkeit so ziemlich die Woge, ober der Mauersegler ist doch öfters ge- schwlndee ats der plumper« Star. Der gewöhnlichen Schwalb« ist sogar dl« B a ch st« l z e, di« Im Flug ziemlich ungeschickt erscheint, an Geschwindigkeit überlegen. denn sie ist ein sehr mutiger kleiner Bursche, der beim Angriff alle Kräfte anspannt Das gleche ist bei der Kräh« der Fall, die nicht schneller fliegt als«in gewähnlicher Eisenbohnzug fährt, aber bel der Verfolgung de» Feindes erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen kam Der Sperling, wenn er von einem Sperber verfolgt wird, weiß mit Aufbietung aller Kräfte diesem schnellen Räuber zu entgehen, und so können vpgel, die unter gewöhnlichen Umständen gor nicht sehr schnell fliegen, in Augenblicken der Gefahr ein« außer- ordentlich« Geschwindigkeit entfalten." SozialistifcheArbetterjugendGr..Verlla Ol M Slnfenbim«« fir Mef« Jtdbrfl Striin SÄ 68, tl«b«n(lraft 3 »Qfft» Die Vammtllisie» stk Sie« ftni abgclltalen: die »bgtstben werbt n. Iugtndtag In Lu4 Uhr, IN der Aula der Schule Danglger Str. 2Z zur Drob«. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Bezirlsvorstandsssgung heut« pünktlich 13lh Uhr im Lortragokaal de» B�B.. Kindenstr. Z, 2. Hof, 2 Tr. Heute. Mkkwoch. tS� Ahr. ElifabethtirchAr. 19. Sinführungsabend.--»einnb. I«' Christian iastr.«. �Sub und Miidel.»«ebdlng- Heim Turiner Ecke Seeftraße Einfllhrungsabend.— Andreasplag! Kenn Lrommy. straße l. Lichtbilder:.Zi heinieise/— Peter« buege,«>eckl: Heim Tilfiter Strasse«. Lichtbilder:.Wilhelm Busch.»- Reichenberger«iertel! He.m Britzer Str. so. Lichtbilder:.Fahrten.»—«harlottenbneg.Snrd: Keun Olber». strass«. Mitglieternersammluna.— Spandau: Heim Liudenufer 1..Aufgaben und Fiel« der TAI.»- Lankwitz: Schule Schulstrasse..Erziehungsfragen der SAZ.»— Tempelhof: Lpzeum Germaniastr.<—8..Jugend, her gu UN»!— Falbenberg: Gemeinschaftsbaus, Gutshof..»SSchstscher Humor.'- Lichtenberg. Witte: Leim S-barnmaberstr. 2». Einfllhrungsabend.- Ren-Lichtenheeg: Be. t-iligung am Fahlabend der Partei.— Fallpla» I: Funktionärsttzung im Hetm Danziger Str. 82, Baracke 8. «SS. NeuISIIn: Heim«FR.(nicht Bergstrasse) Witgliederversam-nlung und Bortrag: �st«unst ei» Formprvblem?» «erbebe, Irl RenNlln: Ueben für.Weh de», der lügt» pünktlich 1» Uhr im «FR. Alle Teilnehmer müssen erscheinen. _____. gönnt«, Jt VxtC findet in der Arf, de» Bezirtsänrts, Dangiger Str. 8t, nos 18— 20 und 20— W Uhr ein Ween» Abend statt.(SÄufit, Rezitationen, Ausführungen nfw.) Eintritt» garten sind bei den Funltioniiren der Abteilung gn haben. Sämtliche mstrumente find an diese» Abend mitzubrmgen. Wellerbericht der Sffenwchen Wetterdienststelle verlln nnd Umgehend. Uebergang zu unbeständigem Wetter mit einzelnen Regenschauern. Äfibt«; mäßige weilliche bi4 nordwestkiche Winde.— Jät Deutschland: Am West» und in Mitteldeutschland veiönderiich mit Schauern, kühler, im Osten trüde mit Regen oder Schnee, milder. «ollen Ersatz für da, i'tzt sehlend« srisch» Suppen grtn bietet die altbewährt» Maggi-Wür�. 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