BERLIN Mittwoch 10. April 1929 10 Pf. Nr. 167 B 83 46. Jahrgang. erfcheiut tSglich aaßorGonnt-s«. Zugleich Abendaukgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 8, MM. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWes,Lindenstr.8 „Ibwaffa AnzetgenpretstDie einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag V. m. b.H., Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 237 Das �eichskabinett berät.. Parteiführerbesprechungen schließen sich an. Zentrums augenscheinlich nicht zutreffend unter» richtet ist. Das Ziel meiner Partei bei den Kämpfen und Aus- einairderfetzungen der letzten Monate war, angesichts der außer- gewöhnlich gespannten außen, und innenpolitischen Lage dem Lande eine innerlich fe st gefügte, auf lange Sicht ge» dacht« Regierung zu geben. Diese Voraussetzung ver- möchten meine Parteifreunde naturgemäß als gegeben betrachten, wenn die sozialdemokratische Reichstagssrattion bei der Abstimmung über die weitere Panzertreuzerrate«Ine parlamentarische Haltung einnimmt, die mit u n s e r e r Auffassung einer koalitions- mäßig gebundenen Regierung und unserer pflichtmäßigen Sorge um das Ansehen des parlamentarischen Systems vereinbar ist. Meine Partei glaubt, der Erwartung Ausdruck geben zu dürfen, daß Sie, Herr Reichskanzler, und Ihre sozial- demokratischen Ministerkollegen für die Vor- lag« stimmen. Als letzte, unveräußerliche, sachlich veräntwortbare, Konzessionslinie betrachtet meine Partei, daß die- jenigen sozialdemokratischen Fraktionsmitglieder, welche nicht glauben zustimmen zu können, sich d e.r Stimme e n t h a l-t e n oder der Abstimmung fernbleiben. Ich bitte Sie, Herr Reichskanzler, von dieser meiner Mit- teilung gütigst Kenntnis zu nehmen. Sie ist lediglich in der Ab- ficht erfolgt, rech'zeitig dafür Sorge zu tragen, daß die sozialdemo- kratische Reichstagsfraktion nicht in Verkennung der Haltung meiner Partei eine Entscheidung trifft, die zu schweren Ver- Wicklungen führen muß.' Nachdem der Wortlaut dieses Schreibens vorliegt, wird man verstehen, warum es bei der sozialdemokratischen Fraktion als«in „Ultimatum' aufgefaßt wurde, dem sich zu unterwerfen sie keinerlei Anlaß sah. Nachdrücklich hat man erklärt, es handle sich nur um die Meinung des Herrn Kaas, nicht um die des Zentrums, auch nicht um ein Ultimatum, sondern um einen freundschaftlichen Rot. Es scheint uns allerdings besser, daß solche Briefe nicht geschrieben und solche„Ratschläge' nicht erteilt werden. * Zu der treuen Situation, �die durch den Kaas-Vries hervo» gerufen wurde, schreibt die„Germania": Am Nachmittag wird es sich in den Fraktionssitzungen ent- scheiden, ob die Frakti.onen bereit sind, auf einer solchen Grundlage mit der Regierung zusammenzuarbeiten und ob ins- besondere das Zentrum in der Lage sein wird, unter diesen oder jenen Kautelen in das Kabinett einzutreten. Ein solcher Schritt des Zentrums wäre selbstverständlich nur dann möglich und verständlich, wenn es nach der sachlichen Seite gelingen könnte, die Bindungen zu erzielen, ohne die ein Zu- sammenarbeitcn der Regierungsparteien als unmöglich erscheint. Solche Bindungen müßten zunächst die Frage des Etats be» treffen und agitatorische Anträge, die über das Pro- gramm der Sachverständigen hinausgehen, unmöglich machen. Ferner müßte jedoch eine Bindung auch für sonstige politisch br- deutsame Anträge derart geschaffen werden, daß sie n u r i m E i n- vernehmen mit allen Regierungsparteien eingebracht werde» können. Ob es möglich ist, diesen Weg zu beschreiten, wird sich bei den heutigen Besprechungen ergeben. Ein Ergebnis der Besprechungen der Parteiführer, die heute vormittag begonnen haben, liegt bisher nicht vor. Autobusabsturz in Esten. Vier Personen schwer, vier leicht verletzt. DaS RelchStablttett trat heute morgen um 3/itl Uhr in der Reichskanzlei zu einer Besprechung der politische» Lage zusammen. Die Sitzung dauerte nicht viel länger als eine Stunde. I« Anschluß daran folgte ebenfalls in der Reichs- kanzlel die Besprechung der Parteiführer. Eine Mitteilung über das Ergebnis der Besprechun- gen ist bis Mittag noch nicht ausgegeben worden. Beruhigung. Nach dem gestrigen Beschluß der sozialdemokratischen Reichs- tagsfrattion ist zunächst eine gewisi« Beruhigung«ingetreten. Aus Zentrumskreisen wird versichert, daß dort die Absicht, der Sozial- demokratie ein Ultimatum zu stellen, keineswegs vorhanden gewesen wäre. Man sei eben der Meinung gewesen, die Sozialdemokraten würden, nachdem der Bau des Panzerschiffes nun einmal beschlosien sei, ohne sich etwas zu vergeben, für sein« weiter« Ausführung stimmen können. Die Boraussicht, daß es über diese Angelegenheit zu keiner Krise kommen wird, dürfte sich b« st ä t i g e n. Was, so müssen sich die bürgerlichen Parteien heute fragen, ist wichtiger: das Be- stehen einer stabilen Regierung oder die Schaffung einer hundert- prozentigen Sicherheit für den ungestörten Weiterbau eines Panzer- schiffes? Es wird befürchtet, die Deutschnotionalen könnten Bozheits- Politik treiben und, obwohl sie doch eigentlich die einzigen wirklichen Anhänger d«Z Panzerschiffes sind, gegen die zweite Rate stimmen. Ein« solche Haltung der Deutschnationalen hätte nur dann einen Sinn, wenn die Möglichkeit bestände, durch sie eine Regierungskrise herbeizuführen. Sie verliert aber jeden Sinn in dem Augenblick, in dem die bürgerlichen Mittelparteien erklären, lie dächten gar nicht daran, von dem Schicksal der zweiten Baurate das Schicksal der ganzen Regierung und womöglich der ganzen Deutschen Republik abhängig zu machen. Daß sich die sozialdemokratischen Kabinettsmltg'ieder in einer besonderen Lag« befinden, wird von der sozialdemokratischen Reichstagssraktion anerkannt. Die Regierung muß dafür eintreten, daß die Beschlüsse des Reichstags und ihre eigenen Beschlüsse aus- geführt werden. Daraus zieht aber die Fraktion keineswegs den Schluß, daß! sie verpflichtet wäre, für die Durchführung eines Beschlusies zu stimmen, der gegen ihren entschiedenen Widerstand von einer bürgerlichen Mehrheit gefaßt worden ist. Als logischer Ausgangspunkt einer Krise kann die Entscheidung der sozialdemokratischen Fraktion nur dem erscheinen, der den Weiterbau des vielumkämpsten Panzerschiffes für wichtiger hält als alles übrige, zum Beispiel als die Herstellung eines geordneten Reichshaushalts oder den Bestand einer stabilen Regierung in einer Zeit schwerster außenpolitischer Entscheidungen. Im Volk« draußen würde eine Politik, die darauf ausging«, um eines Panzer» schiffes willen das ganze außen- und innen- politische Porzellan zu zerschlagen, kein Derständ- ni» finden! Wir glauben daher auch nicht, daß die bürgerlichen Mittelparteien ein« solch« Politik zu treiben beabsichtigen. Oer Brief des Prämien Kaas. In seinem mehrfach erwähnten Schreiben an den Reichskanzler nimmt Prälat Kaas, der Führer des Zentrums, zunächst Bezug auf «ine Meinungsäußerung des„Vorwärts' vom Dienstag früh, in der es in bezug auf die Parteibesprechungen hieß: Wahrscheinlich wird bei diesen Besprechungen auch wieder der Panzerkreuzer A eine Rolle spielen. Die Deutschnotionalen wenigstens hoffen, daß die bürgerlichen Mit elparteien an dieser Frage und an der bekannten Stellung der Sozial- demokratie zu ihr schließlich wieder alles scheitern lassen würden. Indes ist kaum anzunehmen, daß bei der Mitte Nci- gung besteht, gerade an dieser Angelegenheit eine neue Krise zu«rössnen, die logischerweise zu Auflösung und Neu- wählen führen muß. Diese Aeuherung gibt dem Zentrumsführer Veranlasiung zu den schriftlichen Darlegungen, die jetzt von der„Germania' im Wort- laut veröfseMlicht werden: „Aus dieser Bemerkung glaube ich entnehmen zu können, daß . man in Kreisen Ihrer Partei bezüglich d«r Haltung de« Essen. 10. April. Gegen Millernachl ereignete sich in F r i l l e n d o r s ein schwerer kraslwagenunsall. Ein von Schonnebeck nach Esten fahren- der Omnibus fuhr infolge Versagens der Steuerung in � der Zeppelinstraße gegen das Geländer einer Eisenbahnbrücke und stürzte neun Meter aus den Eisenbahndamm der Strecke Essen— Hoppenberg hinab, von den Insassen wurden a ch t Personen verletzt, davon vier schwer. Die verletzten wurden in da» Elisabeth-Krantenhaus übergeführt. Größere» Unheil wurde dann durch die Geistesgegenwart des wagensührers S ch o e h r aus Essen verhütet, der«roh seiner schweren Verletzung sich aus den Trümmern des Wagens herausarbeitele und zur nächsten Eisenbahnblockstelle lies und die Strecke für den ausfahrt- bereiten Zug sperren ließ. Ein zweites schweres Autobusunglück. Heinsberg, 10. April. Am Dienstagabend fuhr in Unterbruch ein vollbesetzter Autobus, der nach den Glanz st offwert«» Oberbruch unterwegs war, auch noch unbekannter Ursache gegen«inen Baum. Etwa 20 Personen wurden zum Teil schwer ver» letzt. Die Schwerverletzten haben im Krankenhaus Aufnahme gesunden. Das Vorderteil des Fahrzeugs ist völlig zertrümmert worden. Auio fährt in eine Arbeitergruppe. Zwei Schwerverlehie. In der vergangenen Nacht ereignete sich in der ver- iaer Straße zu Hohenschönhausen ein schweres Slraßenunglück. bei dem zwei Arbeiter erhebliche Verletzungen erlitten. An der Ecke Berliner- und Orankestraße war gestern nacht eine größere Kolonne Straßenarbeiter mtt dem Aus- wechseln der Weichen beschäftigt. Kurz nach Vit Uhr nähert« sich der Arbeitsstelle in flotter Fahrt eine Autodroschke. Aus bis- her noch ungeklärter Ursache geriet der Wagen plötzlich ins Schleudern und fuhr in die Arbeitergruppe Ht. ein Zwei Arbeiter. Adolf Klemm aus der Georgenkirchstraße 12 und Alfred Gielau aus der Iuliusftraße S7 erlitten schwere Kopf- Verletzungen. Ein dritter Arbeiter kam glücklicherweise mit geringfügigen Verletzungen davon. Klemm und Gielau wurden durch die zu Hilf« gerufen« Feuerwehr ins Krankenhaus am Fried« richshain übergeführt. Die Schuldfrage konnte nicht einwandfrei geklärt werden, da durch die Kriminalpolizei noch zahlreiche Zeugenvernehmungen not- wendig sind. Ein Eisenbahnschaffner toigefahren. Auf den Rangiergleisen des Bahnhofes Schönhauser Allee ereignete sich in der letzten Nacht ein schwerer Unfall. Gegen 2 Uhr wurde dort der Schaffner Friedrich Krüger beim Signalgeben an seinen Zugführer aus dem Nachbargleis von einer heranrollenden Rangierabteilung, die er überhört hatte, über- fahren und schwer verletzt. Der verunglückte Beamte wurde in da» Reinickendorfer Krankenliaus gebracht, wo er kurze Zeit nach de? sofort vorgenommenen Operation gestorben ist. Oer Hund in der Fahrbahn. Folgenschweres Unglück eines Berliner Autos. Schlawe(Pommern), 10. April. Vor Alt-Warschow fuhr am Dienstag abend ein aus Berlin kommender Personenwagen bei dem Versuch, einem Wolfshund auszuweichen, mit voller Wucht gegen einen Baum, wodurch der Wagen an der linken Seite vollkommen zertrümmert und in den Straßengraben geschleudert wurde. Die drei Insassen, der Ingenieur Fließ aus Berlin, feine Frau und fein Kind, wurden schwer verletzt in das Stolpe? Krankenhaus eingeliefert, wo Flieh kurz darauf seinen Verletzungen erlag.- Am Dienstag abend überfuhr in Effen-Frillendorf der Autobus der Essener Straßenbahn das Straßengeländer und stürzte eine acht Meter hohe Böschung hinab. Neun Personen wurden verletzt, darunter vier schwer. Erdbeben in Oberitalien? s luklgark. 10. April. Am Mitlwochmorgen verzeichneten die Znstrumente der Erd« bebenwarte Hohenheim ein starkes Nahbeben. Der Herd liegt in einer Entfernung von rund 600 Kilometern und ist vermutlkch in vberitalien zu suchen. Die Auszeichnung begann mit einem scharsen Einsatz um 6 Uhr 44 Minuten 26 Sekunden und endete nach etwa 10 Minuten. Lleberhebliche Rundfunkzensur. Wer ist der Zensor? Wir haben kürzlich mitgeteilt, daß die Berliner Rundfunkzensur m einem Bortrag von Dr. Werner chegemann ein« scharfe, aber berechtigte Kritik an dem vor fünfzig Jahren vom Berliner Polizeipräsidium fabrizierten Mietkosernenbebauungsplan g e- st r i ch e n hat. Man hat bisher nicht feststellen können, wer der Zensor war und aus welchen Motiven die Streichung erfolgt ist. Nun hat diese Angelegenheit noch ein N o ch f p i« l. Der Vortrag Hegemanns gehörte zu einer Reihe, die von der Gartenstadtgesellschaft in Bollens- darf organisiert war. Diese Gesellschaft erhielt von der Funkdienst G. m. b. fj. einen Brief, in dem es heißt: „Obgleich Sie sich mit den durch die Funkstunde A.-G. vor- ?enommenen Streichungen ausdrücklich einverstanden erklärt oben, hat der Dortragende Herr Dr. hegemann sich an diese Ver- einbarungen nicht gehalten und die auf Seite 7 im Manuskript gestrichenen Zeilen 8 bis 11 trotz vorheriger Verwarnung gesprochen. Außerdem leistete er sich am Schluß des Vor- trags folgende Bemerkung:„Leider wurden mir von der Funk- stunde die interessantesten Stellen meines Vortrags gestrichen, so daß ich vorzeitig schließen muß.* Di« Funkstunde A-G.„ersucht uns, Ihnen diesen Sachverhalt bekanntzugeben. Die Funkstunde sieht mit Recht in dem Vechalten des Dortragenden eine Ungehörigkeit. Die Funkstunde ist nach diesem Vorkommnis nicht in der Lage, weitere Vorträge durch den Vortragenden Dr hegemann «usführen zu lassen. Der zweite Vortrag kann im übrigen auch nur dann stattfinden, wenn Sie sich gegen eine K o n v e n t i o- nal strafe von ZOlli) Mark oerpflichten, ausreichende Sicher- heit dafür zu leisten, daß der Vortragende in keiner Beziehung von dem genehmigten Manuskript abweicht und sich jeder Bemer kung enthält: anderenfalls müßte das Manuskript des zweiten Vortrags durch den Ansager der Funkstunde A.-G. zum Vortrag kommen.* Weil Herr hegemann sich eine unsinnige Zensur nicht schwei. gend hat gefallen laffen, erhält er Redeverbot im Rundfunk. Diese Methode erinnert lebhaft an die Praxis der Militärzensur Im Kriege! Vor allem eins: die Oeffentlichkeit hat ein Recht darauf, zu wissen, wer sie bevormundet. Von den VerantworUichen» die sich bisher geäußert haben, will keiner mit diesem Zensurstück etwas zu tun hoben. Also: wer war der Zensor, und welches waren seine Motive? Rundfunkentsührer wieder verhastet. Er arbeitete mit falschen papieren. Dr. Karl F r a n k, der gegenwärtig im Gefängnis in der Lehrter Straße vier Monate Gefängnis wegen Nötigung und Ent- führung des Redakteurs Schwarz verbüßt, hat im Gefängnis einen neuen Haftbefehl zugestellt bekckmmen, da er vor dem Rund- funtattentat im Viehhof unterfalschemNamengearbeiret hat. Dr. Frank, der als Fleischträger„soziale Studien machen* wollt«, hatte eine Steuererklärung und eine Kart« der Ortstrankcn- kass« mit dem Namen„Karl Suckow* als Personalausweis benutzt. Da er Ausländer ist, nahm die Staatsanwaltschaft Fluchtverdacht an und erließ Haftbefehl. Sein Verteidiger bat sofort um einen Haftprüfungstermin. Oauerreden für Schulz. Unfug im Landtage. Der Rechtsausschuh des Preußischen Landtags beschloß heute früh gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, die eine Rodezeit von zweieinhalb Stunden für ausreichend hielten, u n- begrenzte Redezeit für die Sache Schulz. Die Folge war, daß die gesamte Vormittagssitzung durch eine Dauerrede des deutschnationalen Abgeordneten Dr. D e e r b e r g für Schulz aus- gefüllt war. Deerberg operierte nach dem einfachen Schema, alle Aussagen des Schulz und seiner Entlastungszeugen für glaubwürdig, dagegen alle Belastungszeugen für unglaubwürdig zu erklären. Dies ging sogar so weit, daß Deerberg den Belastungszeugen ihre Mit- täterschaft an Femetaten zum Vorwurf machte. Cr nannte zum Beispiel den Leutnant Schüler, der ungünstig für Schulz ausgesagt hat. einen„Mörder* und„Meineidigen*. Durch einen Zwischenruf stellte der Abg. Kuttner fest, daß die„Nationale Gefangenenhilfe* der Vaterländischen Verbände sich für Schüler genau so einsetzt wie für Schulz, was große Heiterkeit erregte. Nach einer Mittagspause soll die Debatte fortgesetzt werden. Oer Streit der Gläubiger. Auf dem Rücken Oeuischlands. Paris, 10. April.(Eigenbericht.) Obwohl die alliierten Sachverständigen In der vergangenen Nacht bis zum Morgengrauen über ihre Berechnungen saßen, konnten sie noch keine Einigung über die notwendigen Konzessionen finden. Die Pariser Presse kann sich heut« nicht genug tun mit Klagen über Schwierigkeiten und Peinlichkeiten dieser Debatte.„Es ist sicher nicht leicht,* schreibt der„Matin*,„den Nachbar zu Kon- Zessionen zu veranlassen, zumal wenn dieser Nachbar anstatt nach- zugeben immer neue Forderungen vorbringt.* Noch der Richtung der Presseangriff« zu urtellen, scheinen die Schwierigkeiten jetzt Haupt- sächlich bei der italienischen, aber auch bei der englischen Delegation zu liegen. Wie das„Echo de Paris* mitteilt, hat der Gesamtbetrag der alliierten Forderungen anfänglich nicht weniger als ZL Milliarden Im Zahre ausgemacht. Der„Petit Parisien* weiß aber schon zu berichten, daß jetzt eine Ermäßigung auf 1,KS Milliarden für den Anfang durch- geführt sei, doch würde später die Annuität auf 2,7 Milliarden ansteigen. Der„Aoenir* teilt mit, daß Owen Uoung«inen neuen Kompromißvorschlag ausgearbeitet habe, der sehr wesentlich vom Dawes-Plan abweiche. Der Vorschlag seh« «in neues Provisorium mit stark ermäßigten Anfangszahlen für die Dauer von nicht weniger als IS Jahren vor. Im übrigen gibt die Pariser Presse der Hoffnung Ausdruck, daß die Alliierten sich vielleicht doch noch bis Donnerstag abend über ihre gegenseitigen Zugeständnisse einigen können, so daß dann die deutsche Delegation wieder zu den Verhandlungen hinzugezogen werden kann. Die weltliche Schul« in Britz. Anmeldungen und auch Ilmmeldungen zur welllichen Schul« in Britz können s e d e n Tag in der Schulhalle der Groß-Siedluirg, Lowise-Reuter-Ring, von 13 bi, Ii Uhr vorgenommen werden. Was ist Landesverrat? Das Streikrecht im Kriege./ Oer Fall Oldenburg-Ianufchau. Der Strafrechtsausschuß des Reichstags setzte die Be- ratung der Bestimmungen über den Landesverrat sort, und zwar beim Z 94, der die l a n d e s o e r ä t e r t s ch e Fälschung be- handelt. Danach soll mit Zuchthaus bestraft wenden, wer durch Fälschung Schriften, Zeichnungen oder andere Gegenstände, die im Falle der Echtheit Staatsgeheimnisse sein würden, in der Absicht herstellt, sie an eine ausländische Regierung gelangen zu lassen oder derartige Fälschungen an eine ausländische Regierung gelangen läßt oder öffentlich bekannt macht oder sie sich zu diesem Zwecke beschafft. Abg. Dr. Lern(Soz.) macht auf die Gefährlichkeit dieser Fas- sung namenllich für die Presie aufmerksam, soweit man bloße Nachrichten treffen wolle. Am besten streiche man die ganz« Bestimmung. Abg. yergt(Dnat.) verteidigt seinen Antrag, mit Gesängnis auch den zu bestrafen,„der wissentlich falsche Nuchrich- t e n, die im Falle der Echtheit Staatsgeheimnisse sein würden, an eine ausländische Regienung oder an jemand, der für eine auelän- dische Regierung tätig ist, gelangen läßt oder die öffentlich bekannt macht*. Reichssusttzminister koch- Weser wendet sich gegen die Strei- chung des§ 94. All« Beteiligten seien wohl überzeugt, daß gerade durch die landesverräterischen Fälschungen der letzten Jahr« dem Reiche bedeutender Schaden zugefügt worden sei. Di« von der sozialdemokratischen Fraktion beantragte Einfügung des Wortes„wissentlich* scheine ihm nicht nur ungefährlich, sondern sogar erwünscht. In dieser Fassung werde die Lücke des geltenden Rechts sachgemäß qusgefüllt, nämlich der Fall, daß der Täter die Unechtheit des von ihm weitergegebenen Schriftstückes kennt. Rechne er nur mit der Möglichkeit der Fälschung, so bleibe es bei der Bestrafung wegen oersuchten Landesverrats. Dem Antrage des Abg. hergt, die Fälschung von R a ch r i ch- ten an dieser Stelle wieder einzufügen, könne er nicht zustim- men. Es entspreche allgemeiner Uebung des Journalismus, daß er alle Nachrichten, die er über schwebende po'itische Fragen erhalten könne, veröffentliche, hier sei zu berücksichtigen, daß Pressenach- richten dieser Richtung häufig als Versuchsballon erkannt und ent- sprechend bewertet würden, während Dokumente, die sich als authentisch gäben, eine ganz ander« Bedeutung hätten. Eine strafrechtliche Einengung der Technik der Presie scheine ihm hier nicht möglich. Der Erfolg war« hier wohl nur eine Flut von Strafverfolgungen ohne rechtem Erfolg und eine Aufbauschung von Tagesnachrichten, die keimer als sichere Tatsachen annehme und die morgen jeder ver- gesien habe, zu großen Staatsaktionen. Abg. Dr. Bell(Z.) kritisiert die Formulierung des Antrags hergt. Abg. Dr. Ehlermann(Dem.) macht darauf aufmerksam, daß man bei Nachrichten Falsches und Wahres schwer unterscheiden könne. Wo fange z. B. bei U e b e r t r e i b u n g e n die falsche Nachpicht an? Nach weiterer Aussprache wird unter Ablehnung weiterer An- träge ß 94 mit der Aonderung genehmigt, daß nur bestrast wird, wer„wissentlich* diese Fälschungen an eine ausländische Rs- gierung gelangen läßt. E» folgt§ 95(Herbeiführung einer Kriegsgesahr. wassenhilfe, Begünstigung des Feindes). Abg. Dr. Levi(Soz.) bekämpft insbesondere den Absatz 3, der mit Zuchthaus bestrafen will, wer wissentlich während eines Krieges gegen das Recht oder bei einer unmittelbar drohenden Kriegsgefahr der feindlichen Macht Vorschub leistet oder der Kriegsmacht des Reiches oder seinen Bundesgenossen«inen Nachteil zufügt. Unter eine solche Bestimmung würde z. B. in Frankreich seinerzeit I a u r e s gefallen sein. 4 Eine solche Bestimmung beraube die Arbeiter ihrer Rechte aus Verbesserung ihrer Lage gegenüber der Rücksichtslosigkeit der Kriegsgewinnler. Rsichsiustizminister Koch-Weser stimmte dem Abg. Levi zu, wenn er meinte, daß Z 95 m seiner jetzigen Fassung sehr weit gehe und theoretische Fälle enthalte, die zweifellos nicht strafwürdig seien. Di« ganze Frage lasse sich nur in der im Einführungsgesetz vorgesehenen Weise befriedigend lösen, daß das Legalttätsprinzip hier durchbrochen und die Strafverfolgung von mner Ermächtigung des Reichsjustizministers abhängig gemacht werde. Abg, hergt(dmat.) tritt für die Fasiung des neuen Entwurfs ein mit dem Hinweis auf frühere Anträge, die rücksichtslose Ar- beitseinstellungen auch im Kriege völlig frei ließen. Es gäbe so viele Fälle solcher Schädigungen und landesverräterischsn Begünstigungen, daß man eine Strafbestimmung nicht entbehren könne. Vorsitzender Dr. kahl macht darauf aufmerksam, daß Arbeit-- einstellungen während des Krieges, möge der Zweck nur eine Lohnaufbesserung sein, stets die Kraft der Wirtschaft und die Herstellung des Kriegsmaterials schwächte n. Abg. Landsberg(Soz.) erklärt, daß es bei diesen Streiks sich doch unr freiwillige Arbeit gehandelt habe, und daß trolzdem streikend« Arbeiter wegen Landesverrats verurteilt worden seien. Auf der anderen löeste sei z. B. Herr v. Oldenburg-Zanuschau unbehelligt geblieben, der damals wegen der„Schikanen der Regierung" einen Teil feines Gutes nicht bestellt habe. Ebenso hätten viel« Landwirte an zahlungsfähige Leute hnten- herum verkauft und damit auch die Widerstandsfähigkeit der Gesamt- Heft geschädigt. Abg. Schumann(Komm.) behauptet, die Debatte zeige, daß man eben im kapitalistischen Staat nur die Bourgeoisie schütze. Reichsminister Koch-Weser erklärte, dem Abg. Landsberg müsse er darin recht geben, daß zwischen der Ausforderung zur Arbeit»- Verweigerung und der Aufforderung zur Verweigerung der Zeich- nung von Kriegsanleihe oder zur Verweigerung der Bestellung des Ackers kein Unterschied zu erblicken sei. In allen drei Fällen handele es sich um nach bürger'ichem Recht erlaubte Handlungen, die nur aus ganz besonderen Notverhältnissen durch die Gesetzgebung zu ein«r Verpslichtung gemacht werden köna'.en. Abg. hergt(Dnat.) versichert, daß die Tat des Herrn 0 l d e n- burg-Januschau nur aus die Verkehrtheft der Maßnahmen der Behörden hinweisen wollte. Er habesichda- durch ein Verdienst erworben.(Wid«rtprvch links.) Abg. Dr. Ehlermann(Dem.) bemerkt, daß der Landwirt, der sein Land nicht bestelle, und der Arbeiter, der nicht arbeiten wolle, im Kriege auf gleicher strafwürdiger Stufe stehen, wenn man nicht Klassenjustiz wolle. In der Abstimmung werden die Anträge im wesenrlichen mit 15 gegen 11 Stimmen abgelehnt, der§ 95 aber in der neuen Form genehmigt. Sin kräftiger 3ioy, ttlae Starr ist der dickste Junge von Xondon.£r ist erst 17 Jahre all und nlegt 206 Pfund und ist 1,9/1 m groß.£r trügt(Kragen weite 117, und seine Schuhe müssen für ihn besonders angefertigt werden. Oie Wahl in den Leuna-Werken. Der„Opposition* Im Bunde mit den„klasienbewußten* Unor- nisierten ist es bei den Betriebsrätewahlen in d«n, Leuna-Werken gelungen, mit 92S6 Stimmen die Mehrheit an sich zu reißen. Di« Liste der freien Gewerkschaften erhielt 5914 Stimmen, die Stahlhelmliste 1736 Stimmen und die der Christlichen 591 Stimmen. Die KPD.-Presse prahlt natürlich mit diesem Sieg, der gegen die„Reformisten*, gegen die Gewerkschaften von den Unorganisierten unter Führung der kommunistischen Parteimitglieder in den Gewerkschaften erreicht wurde. Im vorigen Jahre war noch eine einheitlich« freie Gewerkschaftsliste aufgestellt worden. Jetzt läßt die„Opposition* die Maske fallen, die Gewerkschaftsspalter demaskieren sich. Oer gemüisstumpse Prinz. Die Folge dauernder Sefchäst gungSiosigkeit. Im vetrugsprozeß gegen Max Hugo Prinz hohen- lohc-Oehringen bezeichneten die ärztlichen Sachverständigen, Obermedizinalral Dr. Au müller und Professor Dr. B o st r e m von der Müacheaer Psychiatrischen Klinik, den Prinzen von Hohenlohe al»«inen oberslächlichen, gemülsslumpsen. indolenten Menschen, der infolge der Mängel seines Empsladungslebens leicht beeinflußbar sei und von Geschäften nichts verstanden habe. Di« dauernde Beschästigungslosigkeit habe zu einer gewissen Verkümmerung seiner Geisteseigenschasten geführt. Der Sachverständige Dr. R o h r b a ch von der Nervenheilanstalt Wilhelmshöhe bei Kastel, der den Prinzen anläßlich dessen Entmündigungsverfahrens untersucht hat, hält ihn nicht für g e« schäfts fähig und ist der Ansicht, daß er daher schon wegen seiner Verschwendungssucht längst hätte entmündigt werden müsien. In der Zeugenvernehmung wird der Justitiar und der Kammerpräsident der hohenlohenschen FamilienverwaUung ver- nommen. Sie geben an, daß der Prinz keinen Anspruch mehr auf die Erbschaft gehabt habe. Der Kammerpräsident von Kleefeld be- kündet, daß der Prinz der Liebling des verstorbenen Fürsten Christion gewesen sei. der ihm daher immer wieder die Schulden bezahlt habe. In der Familie seien viele Fälle vorgekmnmen, in denen Mitglieder groß« Schulden von 40 bis 50 Millionen Mark gemacht hätten. Es sei nur an den Zusammenbruch des Fürstenkonzerns im Jahr« 1912 erinnert, bei dem auch Fürst Christian beteiligt war. und bei dem 100 Millionen verloren gingen. Es fiel ein Schuß... Eine Epaziergängerin erheblich verleht. Der Unfug Jugendlicher, mit Teschingpistolen«uf offe- ner Straße zu Hantiereer, hat am Dien-tagabertd wieder Unheil an- gerichtet. Gegen 2m Uhr machte die 48 Jahre alte Frau Gertrud Sieb vom Arkoiraplatz mit ihrem Ehemann noch einen Spaziergang. Plötz'ich hörten sie in der Nähe einen Schuß fallen und Frau Lieb empfand einen Schmerz am Bein. Auf der Reltungs- stelle wurde festgestellt, daß die Frau am Oberschenkel ge- troffen war. Da ein Knochen angeschlagen war, s» wurde die Verletzt« nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht. Di« fahrlässigen Schützen konnten noch nicht ermittelt werden. Ohne Zweifel handelt es sich wieder um Jungens, die auf offener Straße mit ihren Waffen herumgefuchtelt habe». Die zweite Fälschung. Das Pech der„Roten Fahne* mit dem Bulgarenzar. ®ür erhalten von Herrn Dr� Manfred Georg, verant- tödlichen Redakteur des„Tempo*, die folgende Berichtigung: „Unter Bezugnahme auf 8 ll des Pressegesetzes bitte ich, Ihre Notiz„Ausgerutscht* wie folgt zu berichtigen: 1. Es ist nicht richtig, dah ich Chefredakteur des „Tempo* bin. 2. Es ist unwahr, dah ich irgendein Telegramm an den Kö> nig von Bulgarien resp. in Sachen des Königs von Bul- g a r i e n unterzeichnet habe.* Zu 1: Herr Manfred Georg ist also verantwortlicher Redakteur. nicht Chefredakteur des„Tempo*, des„skrupellosen Poll- z z i o r g a n s von Berlin*, wie die„Rote Fahne* sich aus. drückt. Zu 2: In der„Roten Fahne* vom 4. April war m Fettdruck die folgende Mitteilung zu lesen: „Folgende P�otesttelegramme gegen die Anwesenheit des bul- garischen Blutkönigs in Karlsruhe wurden abgesandt: Dr. Finder, Oberbürgermeister in Karlsruhe. Namens Schriftsteller, Künstler, Akademiker und namhafter Vertreter der organisierten Arbeiterschaft erheben allerfcharfsten Protest gegen Empfange des faschistischen Intriganten, Zar Boris von Bulgarien, Schuldiger für unzählige Opfer in Mazedonien und Bulgarien. Festlichkeiten niit diesem Führer barbarischen Terrors in Deutschland als Kulturstaat unwürdig. Dr. Manfred Georg. Rudolf Leonhardt. Zgnaz wrobel, Siegsried Iacoby.* Da Herr Manfred Georg uns ein« Berichtigung auf Grund des Pressegesetzes schickt, muß also die„Rote Fahne* seine Unter- schrift unter dieses ProtefUelegramm dreist gefälscht haben. Oder.st überhaupt das ganze Telegramm mit allen Unterschriften ebenso erfunden wie der von der„Roten Fahne* erdichtete Aufenthalt des Bulgarenzaren in Karlsruhe(Baden)? Also: Herr Manfred Georg hat bei dem kommunistischen Antifaschistenkongreh mitgemacht. Die Münzenberg-Leute fälschten auf Grund dieser Intimität sofort seinen Namen unter ein Telegramm. Jetzt ist die Zeitung, an der er verantwortlicher Re- datkeur ist. in den Augen der Kommunisten ein„skrupelloses Poli- zeiorgan*. Die Konzern-Berge. Hvgeaberg und Münzenberg:„Die da unten prügeln sich, wir hier obm machen derweil das Geschäft!" Elendswohnungen aus dem Lande. Wohnungsbauförderung. ReichSfinanzbuSgleich, Verwaltungsreform. Bei der Vorstandssitzung des Deutschen Landkreis» tages in Stuttgart, an der u. a. auch der württembergifche Staatspräsident Dr. Bolz und ein« große Anzahl von Vertretern der württembergischen Staotsregierung.teilnahmen, stank» im Mittelpunkt der Erörterung die Frage der Wohnungsbauförderung. Ein anerkannter süddeutscher Fachmann. Präsident Dr. Aichele von der Würstembergischen Wohnungskreditanstalt. gab in einem längeren Referat einen allgemeinen Ueberblick über da» VerHand- lungsthema. wobei er auch interessante Mitteilungen über die Ge- staltung des Reulkredites in Württemberg und über die Einrichtung der Wohnungskreditanstalt als einer öffenUich-rechttichen Hypo- thekenbant machte. Nach einer für das gesamt« ländliche Gebiet Deutschlands jüngst durchgeführten Wohmingsdedarfsenquete besteht auch für das platte Land noch ein sehr erheblicher Be« darf an neuen Wohnungen. Al» Ursache für diesen De- darf ist nicht allein eine fortbestehende Wohnungsnot, sondern viel- leicht noch vordringlicher ein weit verbreitetes Wohimngselend zu verzeichnen. Fast überall sind zahlreich« Elendswohnungen gerade in rein ländlichen Gebieten vorhandy», deren schleuniger Ersatz in dringendem, ollgemein bevölkerungspolitischem Interesie liegt. Der Präsident des Deutschen Landtreistages, Dr. von Stempel. berichtete über die brennenden Fragen der kommunalen Der- sassungs- und Derwaltungsreform in Reich und Ländern. Er be- rührte dabei eingehend die Lage der Landkreise bei dem großen Umgemeindungsgesetz im Westen des preußischen Staates. Anschließend wuvde die Lage der Finanzen der Gemeinden und Gemeindeverbände behandelt, wobei u. a. zum Steuervereinheit- lichungs- und Fmonzausgleich-gesetz besonders Stellung genommen wurde. Für die Gemeinden wird gefordert, daß die Reichsbetriebe ihrer Zuschußpflicht an die Arbeiterwohngemeinden au? dem Gesetz über die gegenseitigen Besteueningsrechte in vollem Umfang« noch- kommen._ Neuer äanal Amsterdam— Oberrheia. Der Gemeinderat der Stadt Amsterdam hat mit 21 gegen 20 Etlnnnen die vom Wasierbauministerium vorgeschlagen« Anlegung eine» Kanals durch das Geldersche Hügelland befch'osien. Der Bau de» neuen Kanals, durch den«ine bessere Verbindung Amsterdam mit dem Oberrhein erreicht wird, dürfte zehn Jahr« beanspruche»..... Ist eine Augendiagnose möglich? Bekanntlich gibt es Heilkundige, die behaupten, daß man in der Regenbogenhaut das Auges jegliche Krankheit des Körpers fest- stellen kann. Einer der führenden Augendiagnostiker, der Lehrer in Bischofs- werda, Johannes Thiel, hat im Jahre 1923 ein großes drej- bändiges Lehr- und Handbuch der Augendiagnose verfaßt, wofür er den Doktortitel der medizinischen Akademie in Washington erhalten hat. Es scheint also mit der Augendiagnose ernst zu sein. Liest man in dem Thielschen Buch jedoch einig« Beispiele, so bekommt man Zweifel hierüber. Einen Fall aus der Thielschen Praxis wollen wir hier hervorheben: Einer 49jährigen Bauersfrau liest Thiel aus der Regenbogenhaut folgendes ab: Verfettung des Herzens, Basedow- mit Nieren- und Nebennierenleiden. Blutüber- druck im Auge Schwindel und Ohnmächten, kalten Kopsschweiß, harte Brustknoten in beiden Brüsten, Krebsverdacht, Gebärmutter- blutungen, geschwollene Knie mit rheumatischen Schmerzen, Hexen- schuh, Leberdruck durch Leberoerfettung, Augen- und Nasenkatarrhe, Ohrvereiterung, Migräne und Krämpfe der Luftweg«, Asthma und Milzdruck. Das ist etwas zu viel auf einmal und kann nur Skepsis für die Augendiagnose hervorrufen. Und dennoch hat dies« Methode ihre Berechtigung. Auch ein Laie kann aus dem Auge des anderen krankhafte Zustände oder seelische Erlebnisse erkennen. Damit ist aber noch nicht gesagt, daß man aus diesem Wege, wie Thiel es ge- tan hat, bestimmte Krankheiten feststellen kann. Der Königsberger Augenarzt Prof. A. B i r ch- H i r s ch f e l d hat neuerdings in der Gelchrten-Geselljchost zu Königsberg«inen Vortrag über„Die wahre und die falsche Augendiagnoje" geHallen, in dem er, allerdings unter starker Einschränkung, die Möglichkeit einer Augendiagnose bei gewissen Erkrankungen bejaht. Hauptsäch- lich kommen hierfür folgende Krankheiten in Betracht: Erkrankungen des Blutes, der Gefäßwandungen(Arteriosklerose), Herzklappen- fehler, Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten, Masern. Malaria, Typhus, Dyphtherie, Zuckerkrankheiten, Erkrankungen der Nieren, de» Gehirns u. o...Alle die genannten Erkrankungen,* sagt hierzu Prof. Birch-Hirschfeld,„können am Auge nachweisbare Erschei- nungen hervorrufen und dadurch sich verraten, aber sie müssen es nicht tun. Sie tun es nur dann, wenn das Gnindleiden durch Vermittlung der Blutbahn, Lymphbahn oder Nervenbahn direkt auf das Aug« übergreift oder Lahnen schädigt, die für den normalen Schvorgang oder die normale Beweglichkeit des Augapfels nötig sind. Es liegt auf der Hand, daß dies nur in einem Bruchteil aller Fälle geschieht. Es ist also keine Rede davon, daß wir aus dem Aug« jede Erkrankung des Körpers nach ihrem Sitz und ihrer Art zu erkennen vermögen.* Aber auch bei der Möglichkeit emer Augendiagnose bedarf es der Benutzung komplizierter Apparate, decen Beherrschung eine gründliche Schulung erfordert. Versucht man aber etwa mit einer Lupe aus dem Auge eine Krankheit fest- zustellen, so kommt man kaum zu positiven Resultaten. dl. Ree. Sterberl George Wells. Der berühmte englische Schriftsteller Wells, Verfasser vieler wertvoller Zukunftsromane und geschichtlicher Studien, ist in Berlin eingetroffen, wo er demnächst im Rahmen der internationalen Vereinigung für kulturelle Zusammenar beit einen Vortrug halten wird. fi. G. Wells steht im 63. Lebensjahr und ist durch seine einfache und gerade Art in seinem Leben und in seinen Werken in England sehr populär. „Ein kleiner Vorschuß auf die Seligkeit" U T.-Kurfürstendamm. Dieter Vorschuß wird— was bei der„hohen kulturellen Auf- gäbe*, di« sich die deutsche Filmindustrie zu stellen beliebt, gar nicht ander» zu erwarten ist— in der Bar ausgezahlt. Doch nicht nur das Rachlleben, auch der weibliche Filmnachwuchs wird ausgiebig gezeigt, läßt inan ihn doch, nur mit Badehose und Büstenhalter bewaffnet, durch den Film flirten, und firmiert dann dieses Getue als Schauspielkunst. Und all diese Entkleidungsszenen, Verwechs- lungen und wirklich nicht interessierenden Liebeleien muß man er- tragen, damit die Berkäuferin eines Parst'.meriegeschäfts sich mit dem reichen Konkurrenten ihres Chefs oerlobt. Dina G r o y o,«in« Künstlerin mit wirklicher Filmbegabung. ist die kleine Verkäuferin. Sie macht sich recht nett, namentlich in der für sie stilisierten Tracht des Eatonboys. Der talentierte Jmr« R a d a y ist ihr Partner. Er hilft sich gut aus der Klemme, denn nur den Betrunkenen zu spielen und runde Augen zu machen, wenn man schöne Mädchenbeine sieht, ist schließlich keine Ausgabe, die der Mühe lohnt. Di« angenehme Sofie P a g a y muß andauernd der keifende Hausdrache sein, und Paul H ö r b i g e r muß sich stets auf Abwegen ertappen lasten. Der Regisseur Iaap Speyer versteht sehr viel vom Film. Seine Routine und sein Wissen um die Technik werden für ihn wirtsame Mittel, Anspruchslose zu begeistern. Das verhindert aber ja nicht, zu konstatieren, daß der mittlere deutsche Spielfilm rettungslos auf dem toten Punkt angelangt ist. e. K. Kommunistischer Theaierskandal. Am Dienstag abend wurde im Kölner Schauspiel- Haus zum ersten Male das reaktionäre Tendenzstück„DI« Laterne* von Walter Ilg« aufgeführt. Das Stück bringt einig« Szenen aus der Revolution in verzerrter Form und läßt am Schluß in der Gcftall Napoleons einen Diktator auftreten. Schon nach Schluß des ersten Aktes kam es zu Skandalszenen. Von der Galerie erscholl Johlen und Pfeifen, das vom Parkett mit Beifallsklatschen aufgenommen wurde. Auch in dem nächsten Akt setzten sich die Störungen fort. Di« herbeigerufenen Polizeimonn- schasten tonnten keine Ruhe schaffen. Don der Galerie wurden kommunistische Zeitungen und Flugblätter geworfen. Abermal» begann«in Kamps zwischen Beifalls- und Mitzsvllensäußerungen. Das Stück konnte nicht zu Ende geführt werden. Der Skandal ist in Szene gesetzt worden nach Bordereitungen durch das Kölner kommunistisch« Organ. Er wurde angeblich als Protest gegen da» Verbot des bekannten Stückes„Giftgas über Berlin* inszeniert._ Interessante Funde in Italien. An der Küste des Adriaiischen Meeres, in der Nähe der Stadt Fans, wo der altrömische Fluß Metaurus seine Mündung hat, sind kürzlich zahlreich« menschliche Knochen ausgegraben worden, wahrscheinlich Skelettreste karthagischer Krieger, die an dieser Stelle vor mehr als 2100 Jahren den Schlachtfeldtod im Kampf gegen die Römer erlitten haben. Jedes einzelne Skelett war sorgfältig in einem besonderen Grabhügel beigesetzt. Das Haupt des Toten lag nach Osten, und zu seinen Füßen stand eine Urne, die wahrschein- lich dos Elixier enthalten hat, uin die Seele auf ihrer letzten Reife zu stärken. Die italienischen Altertumsforscher glauben in der Fundstelle den genauen Platz des Schlachtfeldes von Metaurus zu erkennen, auf dem im Jahre 207 v. Chr. Hannibals Bruder Hasdrubal von den Römern unter Scipio vernichtend geschlagen wurde. Die Römer haben damals das abgeschnittene Haupt des getöteten Hasdrubal dem Hannibal ins Lager geworfen und dadurch dem gcfürchteten karthagischen Feldhcrrn die Erkenntnis vermittelt, daß Karthagos Herrschaft über Italien ihren endgültigen Abschluß gefunden hatte und Hannibal zur Rückkehr nach Karthago gezwungen war.— Die italienische Regierung mißt den Ausgrabungen große Bedeutung bei und hat sofort einen Stab von Gelehrten nach Fano entsandt, um die wissenschaftliche Ausbeute des Fundes vorzunehmen. Stradivari-Schwindel. Die Untersuchung über die zu Beginn dieses Jahres auf- getauchten Stradioariusse von Pergamo, die in der Musikwest großes Aufsehen erregten, hat zur Aufdeckung eines Riesenschwinj?els geführt. Nicht nur die Handschriften über das Leben Stradivaris, sondern auch seine Biographie haben sich als raffinierte Fälschungen herausgestellt. Ms Auftraggeber wurden zwei Trödler von Pergamo oerhaftet. Sie ließen über 300 falsche Strodivori- dokumente anfertigen, die ste einem Geigenbauer in Mailand für 23 000 Lire verkauften. Birgt die Erde noch unbekannte Schätze? Man hat in Kleinasien jetzt in Tiefen von 70 bis 90 Metern beim Bohre» von Bergwerksstollen sonderbare Gebilde gefunden, die der Form nach verkohlten Blumen gleichen, in Wirklichkeit aber aus einer nicht bekannten Metallmischung bestehen. Bier dieser Ge- bilde sind freigelegt worden. Die beste Vorstellung von diesen sonderbaren Gebilden erhält man, wenn man sich einen vertrockneten Strauch von etwa 1 Meter denkt, der gänzlich aus Metall besteht. Zurzeit wird wissenschaftlich nachgeprüft, um welche Metallmischung es sich hierbei handelt bzw. ob man es mit einem ganz neuen und bisher unbekannten Metall zu tun hat. Seine Schwere liegt er- heblich über der des reinen Eisens. Auch ist nicht geklärt, wie und woher diese sonderbaren Gebilde in den Boden gekommen sind. Ein Bankgebäude an Stelle des Stadttheaters. Stralsund hat das alte Stadttheater auf dem Alten Markt, das seit 1910 nicht mehr benutzt wird und langsam verfällt, an die Pro- omzialbank von Pommern verkauft, die das Gebäude niederreißen and ein neues Bankgebäud« errichten wird, das nach den Bor- schristen der Stadt sich vollständig dem architektonischen Charakter der historischen Bauten des Alten Marktes anpassen muh. Das bisherige Bankgebäude, das dem Theater gegenüber neben dem Rathaus liegt, geht in den Besitz der Stadt über, die es mit städtt- schen Bureaus belegen wird._ Aufnahmebedingungen der Sowjethochschulen. Das Bildungskommissariat hat soeben die Regeln bestätigt, nach welchen die Ausnahme neuer Studenten in die Hochschulen im Lehrjahr 1929/30 erfolgen soll. Von der Aufnahme ausgefchlosien sind alle Personen, die ihre Einnahmen nicht durch„Werktätigkeät* beziehen und di« des Wohlrechts verlustig Erklärten. Aus der Gruppe derjenigen, welche die vorgeschriebenen Prüfungen bestehen, genießen bei der Aufnahme ein Borzugsrecht die Kinder von Ar- bcitern und ärmeren Bauern, ferner die Kinder von Gelehrten, Lehrern und in den Fabriken tätigen Fachleuten, serner die von Künsttern, Angehörigen der Roten Armee und der Politischen Po- lizei. Bei den einzelnen Lehranstalten werden dann wieder die Kinder der an ihnen tätigen Professoren besonders bevorzugt. Der Bienenstock im Denkmal. Einen eigenartigen und wohl einzig dastehenden Bienenstock entdeckte man in der Stadt Richmond im Staate Birginia, als man das auf dem Hauptplatz stehende Rester- standbild des Generals Le« einer gründlichen Reinigung unterwerfen wollte. Als der Erzgießer zur Feststellung schadhafter Stellen die Statue beklopfte, bemerkte er, daß der Rumpf des Pferdes einen dumpfen Ton ergab, als ob sich im Innern irgendein schmiegsamer Körper befinde. Bei genauerer Untersuchung fand man zum größte» Erstaunen, daß Hals, Brust und Rumpf des erzenen Tieres mit mehreren hundert Kilogramm Honig angefüllt waren. F eißige Bienen waren durch Maul und Nüstern eingedrungen und hatten ledenfolls sein Inneres für eine geeignete Stätte zum Aufbewahren ihrer kunst- vollen Waben gehalten. Es war nicht möglich, den ganzen Honig aus dem Innern de» Denkmal» herauszuschaffen. Slfldliich« Oper. Die drei klbschiedsoolslellungen vrun» Walter« finde» statt: am 10., lg'/, Uhr. mit„Enaen OnZgin', am>3., 20 Uhr, mit.Oipheu« und Eurydite" und am U., 19 Uhr, mit„Fidelio*. Kadals Srohmann. der Berliner Maler und Zeichner, hat ewen Lehr- aujtrag an der Staatlichen Sunstichute erhalte«. Aufstieg durch Kampf. Sechzig Lahre Textilarbeiierbewegung. Am Ig. April 1869 wuUde In K r I mmi t s cha u, wo 1903 der denkwürdige Kampf der Textilarbeiter ausgefochten wurde, unter der Führung von Julius M o t te l« r der erste Schritt zur modernen. sreigewertschaftlichen Textilarbeiterbewegung getan. Schon im Dezember 1863 war im Volksverein zu Krimmitfchau von Motteler die Schaffung einer allgemeinen deutschen„Gewerks- genossenschaft* für Weber, Wirker. Tuchmacher und verwandte Branchen gefordert worden. Mottelers Fordening fand begeisterte Zustimmung, und rasch wurden die Vorarbeiten zur Einberufung eines Konzresses für das ganze Reich in Angriff genommen. Am 10. April erschien ein Ausruf der„Internationalen Manu« fattur-, Fabrik- undHandarbeitergenossenschaft" an alle Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter, Weber, Tuch-, Buckskin- und Zeugmacher, Wirter lind Posamentierer, Spinnerei«, Färberei- und Appreturarbeiter sowie Fachverwandte jeglicher Stel- lung und beiderlei Geschlechts zur Beschickung des Kongresses. Der Kongreß fand Pfingsten 1869 in L e i p z ig statt. Rund 4000 organisierte Männer und Frauen ließen sich durch ihre Erwählten auf dem Gründungskongreß vertreten. August Bebel eröffnete den Kongreß im Namen des Leip- ziger Lokalkomitees, Motteler war Vorfitzender des Kongresses. Er wurde auch zum 1. Vorsitzenden der aus der Taufe gehobenen zentralen„Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter- Gelvertsgenossenschoft* gewählt. Der Sitz der Gewerksgenossenschaft war Krimmitfchau. Sie gewährte u. a. Reife- und Wander- Unterstützung, ferner Arbeitslosen- und Streikunterstützung. Der Deutsch-Französisch« Krieg schwächte die Bewegung: die Mitgliederzohl sank von rund 8000 auf 5000, und die Unterstützung mußt« eingestellt werden. Dazu kamen die Verfolgungen durch die Polizei und die Schwächung durch die politische Zersplitte- rung der Arbeiter in Lassalleaner, Hirsch-Dunckerianer und Sozial- demokraten der Eisenacher Richtung. Erst noch Ueberwindung großer Schwierigkeiten war es möglich, die dritte Generalversammlung 1872 in Weimar abzuhalten, wo das Polizeiregiment nicht so streng war. In Meerane, in Hof, in Pößneck und Apolda war die Abhaltung der Generalversammlung unmöglich. Um die Kasse vor Beschlag nähme zu schützen, war der Zentralvorstand gezwungen, seinen Sitz nach Eßlingen in Württemberg und nach anderen Orten zu ver- legen. Am 10. Dezember 1878 fiel die Gewerksgenossenschaft dem Sozialistengesetz zum Opfer. Allein die Erkenntnis der Zu- sammengehörigkeit der Textilarbeiter hatte in der Arbeiterschaft be- reits tief Wurzel geschlagen: st« ließ sich nicht ausrotten. Mottelers Werk, der nach Zürich gegangen war, wo er als„roter Post- meister" für die Verbreitung des„Sozialdemokrat" in Deutschland sorgte, wurde von anderen Kräften fortgesetzt. Es entstand in Gera die deutsche Manufakturarbeiter-Bewegung, die sich nach dem Geraer Gründungskongreß 1884 bald über das ganze Reich ausbreitete. Auf dem Gründungskongreß des Deutschen Manu- fakiur-Arbeiter- und-Arbeiterinnen-Vereins wurde auch das erste zentrale Textilarbeiterfachorgan ins Leben gerufen: die„Deutsche Manufakturarbeiter-Zeitung". 1887 wurde auch der Manufaktur- arbeiter-Verein von der Polizei auf Grund des Sozialistengesetzes a u f g« l ö st. Eine Anzahl lokaler Fachverbände der Spinner und Weber fiel ebenfalls dem Sozialistengesetz zum Opfer. Allein, kaum war die Auslösung vollzogen, da waren auch schon die Vorbereitungs- arbeiten im Gange, die zur Gründung des Deutschen Textil- arbeiter-Verbandes führten. Zunächst wurde„D e r Textilarbeiter" ins Leben gerufen, dessen erste Nummer am 4. Oktober 1889, also ein Jahr vor dem Fall des Sozialistengesetzes, erschien. Vom 6. bis 9. April 1890, ebenfalls noch unter der Aera des Schandgesetzes, fand in Apolda ein Delegiertentag der Textil- arbeitet statt, auf dem der erste Textilarbeiter- und«arbeiterinnen- kongreh nach Pößneck einberufen wurde. Auf ihm wurde der heutixe Textilarbeiter-Derband gegründet. Das Sozialistengesetz war gefallen, aber noch herrschte die Polizeiwillkür. Delegierte, die am 1. Textilarbeiterkongreß teilnehmen wollten, wurden oerhaftet: gesammelte Gelder wurden be- schlagnahmt. Allein, kein Polizeiknüppel konnte die Bewegung, die von jetzt an unaufhaltsam vorwärtsging, unterdrücken. Die Heilsarmee jubiliert. Hundertster Geburtstag ihres Gründers William Vooth. Vor jetzt hundert Iahren wurde William Booth geboren, der in England die Heilsarmee gründete und bis in sein hohes Alter hinein sie als ihr„General" leitete. Seinen hun- dertsten Geburtstag feiert in diesen Tagen die jetzt über alle Erd- teile verbreitete Heilsarmee in der lauten Art, die sie bei den meisten ihrer Veranstaltungen liebt. Ob der alte Booth selber, wenn er heute noch am Leben wäre, alles das glaubte, was an seinem hun- dertsten Geburtstag über die sozialen Leistungen und Er- folge der Heilsarmee erzählt wird? Sie sind, bei Lichts besehen, lange nicht so bedeutend, wie die sich aller Mittel der Reklame bedienende Werbearbeit der Heilsarmee sie hinstellt. Im Vergleich zu dem Lärm, den sie macht, und zu dem Kraftalifwand, den sie vertut, können wir das Geleistete nicht überragend finden. Bewunderung verdient aber die Heilsarmee wegen der Unerschütter- lichkeit, mit der sie— allen Verspottungen und Anfeindungen trotzend— ihre Arbeit getrieben hat, bis sie sich durchsetzte und „Existenzrecht" erlangte. In diesem Punkt kann sie allen, die für «ine Sache werben und kämpfen, als Vorbild dienen. Anerkannt muß auch werden, daß wohl die Mehrzahl ihrer Anhänger aus Ueberzeugung zu ihr hält. Freilich kann man nicht wissen, wie weit die bloße Freude am„Betrieb" mitwirkt, das Heer der Heils- soldat«n zusammenzuhalten. Di« Heilsarmee oersteht es, dem natür- tichen Bedürfnis des Menschen nach„Betätigung" entgegenzukommen. Sie zieht ihre Leute zur Mitarbeit heran, sie wendet sich an ihren Ehrgeiz, sie belohnt Eifer durch Verleihung von Titel und Rang. Auch locken und fesseln ihre geräuschvollen Andachtsübungen viel wirksamer als die schönsten Predigten oder die gcdankenrcihsten Vorträge. Bei der Heilsarmee wird immer dafür gesorgt, daß— auf berlinisch gesagt—„was l o s i st". Vielleicht größtenteils das erklärt ihre Werbekraft. Störung im Ringbahnverkehr. Folge: Sine umständliche„Reiseroute*. Der elektrische Ringbahnverkehr wurde heute früh von einer empfindlichen, ziemlich einstündigen Störung betroffen. Infolge Kurzschlusses bei der Einfahrt blieb ein Ringbahnzug auf dem Bahnhof Stralau-Rummelsburg liegen. Die Strecke mußt« stromlos gemacht und der defekte Zug durch eine Dampf- lokomotipe später abgeschleppt werden Der Verkehr, der in Rich- tung Gesundbrunnen zunächst völlig lahmgelegt war, konnte einige Zeit später durch Dampfzüge, die über die Gütergleise geleitet wurden, wieder aufgenommen werden. Den Reisenden, die als Ziel Stralau-Rummelsburg hatten, er- lebten dabei eine kuriose Sache. Da der Zug auf dem Bahnhof von den Gütergleisen aus nicht verlassen werden durfte, mußten die Fahrgäste bis zur Station Frankfurter Allee fahren, dort umsteigen und mit dem nächsten aus Richtung Gesundbrunnen kommenden. Zug nach Stralau-Rummelsburg zurückfahren. Ein« zwar etwas um- ständliche und zeitraubende Fahrweise, aber man sieht, daß die Reichsbahn sich wenigstens Mühe gegeben hat, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Die Störung, die um 7.24 Uhr ein- setzte, war um 8.16 Uhr behoben. Streitende Schiffsoffiziere. Stockholm, 10. April. In der schwedischen Handelsmarine steht ein Arbeitskonflikt bevor, dem große Bedeutung beigemessen wird. Am Dienstag nach- mittag wurden die Verhandlungen zwischen dem schwedischen Reederverein und der Vereinigung der schwedischen S ch i f f s o f f i- ziere abgebrochen, da in der Frage der Steuermann- g e h ä lt« r keine Einigung erzielt werden konnte. Wie„Allehanda" erfährt, werden die schwedischen Schiffsofsiziere heute Mittwoch in den Ausstand treten. Neue Elefanienjagd in Reutlingen. Sie wollten durchaus wieder alles zertrampeln. Die Elefanten des Zirkus Krone haben offenbar eine besonder« Neigung, sich in der Stadt Reutlingen umzusehen. Als nach der Schlußvorstellung die Elefanten auf die Eisenbahn verladen werden sollten, zeigten sie bei dem Marsch auf den Bahnhos große Unlust zum Weitergehen. Eines der Tiere brach aus und trottete in die Einfahrt des Konsumvereins-Gebäudes, drückte dort einen Zaun ein und kam so m den inneren Hof. Der Wärter fing das Tier jodoch wieder ein, ehe es weitere Totenlust entwickeln konnte. Als die anderen Elefanten ihren Kameraden verschwinden sahen, liefen drei mit großem Gebrüll auf das freie Feld hinter einer Fabrik. Es dauerte nicht weniger als drei Viertelstunden, bis sie schließ'ich wieder eingefangen und in ihren Stall zurückgebracht werden konnten. Um die Tiere sicher auf den Bahnhof zu bringen, kettete man sie an schwere Lastwogen. Außerdem begleitete sie ein starkes Polizeiaufgebot, da sich viel Volt zu dem neuen Schauspiel eingefunden hatte. Außer den zertrampelten Feldern entstand kein weiterer Schaden. Auf dem Bahnhof stiegen sie dann freiwillig, wenn auch vielleicht innerlich vergrätzt, in ihre Eisenbahnwagen ein. Schlichtung im sächsischen Kohlenbergbau. Aus Dresden wird berichtet: In den nun beendeten Verhandlungen über den neuen Rahmen- tarif für die Arbeiter im sächsischen Steinkohlenbergbau konnte keine Einigung erzielt werden. Der Bergbauliche Verein hat nunmehr den Landesschlichter zur Regelung der strittigen Punkte angerufen. Schlichtungsverhandlungen sind bereits zum 15. April in Dresden anberaumt. Zn der Schwarzwälder Ahrem adustrie haben die vom Landes, schlichter eingeleiteten Verhandlungen sein Ergebnis ge- bracht. Es ist ein Schiedsspruch notwendig geworden, der aber nicht vor Mitte des Monats gefällt werden dürft«. Wetter für Berlin: Wechselnde, meist stärkere Bewölkung, kühl, nordöstliche Winde, nur unbedeutende Niederschläge. land: Wolkig und besonders im Süden und Sü schlage, überall kühl. Für Deutsch- ten noch Nieder« > Mittwoch, 10. ApriL Berlin. 16.00 Oberbürgermeister Dr. Kinne, Frankfnrt a. d. 0.: Die deotscke Waldlauf- meistcrschaft. 16.30 Die Kinderzeitung. 17.00 Unterhaltungsmusik der Kapelle Eugen Sonntag. 18 30 Prof. Dr. med. Paul Lazarus: Moderne Krebsbchandlnng und Krebsrer- hütung. 19.00 Der Liebhaberphotograph(Prof. Dr. Erich Stenger). 19.30 Ed. Heilfron: RcchUfragcn des Tages. 20.00 Wovon man spricht(Redner und Thema werden durch Randfunk bekannt- ■gegeben). 20.30 Orchcsterkonrcrt. Dirigent: Eogftnc Bigot von der Compagnie Erancaise de Radiophonie. Paris. I. Berlioz: Römischer Karneval.— 2, Viengtemps: Zweiter und dritter Satz aus dem Konzert Nr. 1 für Violine und Orchester (Serge Tcnenbaum von der Compagnie Erancaise de Radiophonie. Paris), — 3. Dukas: Der Zauberlehrling(Berliner Funkorchcstcr). 21.30 Der Krieg in der Literatur. Vortrag und Leseproben: Dr. Maxim Zinse. Anschließend: Prcsseumschan. Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hottmann). Königswusterhausen. 16.00 Stud.-Dir. Dr. Grabcrt und Stud.-Rat Dr. Hartig: Zur praktischen Durchführung der Richtlinien an höheren Schulen. 16.30 Theophil Demctriescu und Stephan Lux: Die Entwicklung der Variationsform. 17.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00 Hans Hirschstein: Das Steigen der Kupfcrprelse, Ursachen und Wirkungen. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Ing. H. Bornemann: Werkracisterlchrgang für Facharbeiter: Elektrotechnik. 19.20 Franz Rothstein: Zum Gedächtnis General Booth. Verantwortlich für die Redaktion: Frau, Klüh«, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Bud). druckcrei und Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstrafie 5. Hierzu 1 Beilage. l � f r*'■"S i\ � �1�7 Thealer, Lidtispiele usw. j Gr.Sckaaspielliaus 8| Melropoltheater K ü n■ t I« r I s e Ii e Leitung: ERIK CH ARE iiers 1 kkJ £usUg.e iüUioe Alfred ftraun Mady Christians Trade I-Ieske Sief Ir. Arn» Pant Morcan Paul Weetermeler GntCar Matenrr WinkelMera, Orl k. Firle- ßemiuer, fllrl», Boys. Hssik. Leltr Ernst Hsoks Sonntar naelim. 3 Uhr-u-nf:tk Vor,t" Kleine Preise. Ken auf Trude Hesterberg Oskar Karlwels Uschi Elleog W. Jankahn B. Jankermann W» Sehaeflers PriECO, Ksri-Sisters, Beaaty Girls, Comedianboys Musik. Leitung: Radoll Perak Elektrola SCAtA » Uhr B 5 Barbaroesa 9256 CROCK «ad da» troftc April- Prodramm »Vt Theater des Westens h litte| plAZa k AM AI«. Mai Tigl.Su.B": lntem.Variete Karin» Tade>» Toran» Oer größte Erfolg Berlins Friederike Mufit von Lehor Erika o. The'lmann Karl Ziegler, Staaiivver WIer «mfie». S»n>. Seepenttoiu, Her, «äffe nnunierbr. iSlfinol.»31n.7l80 kOse-Theatei 'jr.friiikftrlirSl.1j: m Uhr UniilliMKktilg Mitiw.,. 10 4 Slaafs-Opcr Unter d. Linden A.-V. M IQ'/a Uhr Staals-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S.89 20 Uhr Mittw. d. 10 4 StMi. Oper Bi marcK»T Turnus 1 Uhr Engen Oneoin Staatl.Sdiaiispti. in IkiSini u rki A.-V. 84 20 Uhr Karin. Anna Stull. Sebiüer-Tlieater.Cliarltti. .0 Uhr Kalku la, 4. Mai VoiKsbttltne kneslir inSiievtiitt < Uhr Trojaner runter am SihimiauerdanRi » Uni Pioniere in Ingolstadt Tiuüla• Theater 8 Uhr Oelraosch �taallSdiiller-ni. 8 Uhr Kaiknlta. 4. Mai Stasiupcr am Platz ist BepakUK 8 Uhr Hdelio S'/i Theat ran SdütthaaerdBiniB Norden 1141 u. 281 Pioniere in Ingolstadt (Soldaten u mens; mädchen) v.MarieluireFleiBer Regie; Jakob Gei8. Bühnenbilder Kaspar Neher fleolidw IDealir 0.1. Norden 12 310 S U. Ende nach luv» Oie Instip Velber m WiBdstr von Shakesi Regle: leinz P« Hil are Upen Jie Komödie J 1 ßismek. 24I4/7JI6 «Vi U.. Ende geg. 10 wann Kommst Du wieder? Komödie von S. Maugham. Regie Coataf Oründgens Karamerspiele 1.1. Norden 12 110 Wi U„ Erde geg. IC -etzieAufführun en Die Ursache Schauspiel v Leonhard Frank Regie: Hans eppe. Freitag, den 12 April 7'a Uhr: Zum 1 Male Jusik von Osslp Dymow. Sinuwskj-hbBeii Thaatar>» dar Klaif jrltxar StraSa T"ach 8>/«" Riva t en Kemödianhaus Täglich Uhr Bit Sni-Cmtlin- Bsr i naaie. am lalisndsrfpla.: Täglich 8'/» h Revolte Im EriieKnaoshaiis Kleine: Tüeaiei ragiich sv» Jh. Cur! Goetz, Valerie v. Martern Ferd. ▼. Alien in „Trio" Lustsp v. Leo Lenz. Regie: Fricdnaan- Fredcrtdt, Lessing-Theater F ä•»« c h « Uhr 3 x Hochzeit Seriioet Tieem DirektHeinz Herald Charlotiensrrade v> A. 7. Dönhoff 17n ln(.8 U, Ende 17 L. Helden von ernard Shaw Otach.(OasUar.Tli. i'U Jh. Pottosch und Penmutter OtSDOtOMIU Paul Gr AU, Karl Ettllnger. .ustspielnaor SV* Uhr Goido Thielscher Weekend im Paradies rtialta-rtieater • j'dcier tr. 72- 8 Uhr „Oelraosch" frianon-Th, 8'/« Uhr Oer Herzog und die Sünderin Planetarium am Zoo -. rtlttl! W.'fl Noll 1578 IbV-Uhr Starnhimme da» Frühjahrs IS1/« Uhr Sternbild« und Weltbau 20". Uhr Wunder des südlichen Himmels Tägl. außer Montags u Mittw. Erwachs i Mk. Kinder 50 Pf Mittw.: Erwachsene SO Pf.. Kinder 25 Pf. Winter * Garten* 8 Bin• Zsntr. 28111* Baamen erlaout DODGE TWINS Die berühmten Revue- Zwillinge BERNARD SPRICH Taustosatlaa HARU ONUKI lapaoladie Opern-Dtra und weiter' Internationale Varielä-BerOhnitheites Renaissance- Theater Hardenbarretr» fei.»leine:. 901 a. 2583/84 sv« Uhr Utxtt a AantUinnigen sv, uw tvlox Pollonbero „Das große ABC*' von Marcel Paenol Ree Bin, mrttwi. la Prtmltniitniiio. sv« ui»r CASWO-THEAHiR i.o r n er 8lraUc 37a Oer neue schlagen „Eine ungelleßte frau" ond ein erstklassiger bunter Teil. 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Koppeasir. 21 Zum I.Hai empfehlen wir Papierfa Ernenn. Stocklaternen mit Aufdruck: E» lebe der Wdllclcrtad nnd onbednidtt Stoffahnen In a len Grfißen, Nelken, Annb nden Berliner Falmenfalirik Flacher A Co,>- üerlm SW. 19 WallatraBe 84 AACnnderS Wirksam smadie Dcaunucr» Kleinen Anzeiget in der aesamt. Aoflaee KSHSawl des Vor* am un4 uoudem DllllgJ 9 föeilage Mitfwodi, 10. April 1929 SpzMM Jfj tilgst£2a Wgl ImwaWi • Sterben wir aus? Unberechtigter Gebartenrückgangsalarm Der Geburtenrückgang ist eine allgemeine internationale Erscheinung, trifft also Deutschland nicht allein. Deutschland, Frank- reich und England sind die Staaten mit der geringsten Fruchtbarkeit. Dann folgen die Schweiz, Oesterreich, die baltischen Staaten, Schweden und Dänemark. Höhere Geburtenziffern haben Holland, die Tschechoslowakei und Ungarn aufzuweisen. Auch die südromani- schen Länder haben— trotz Rückganges der Geburten— im Vergleich zu den vorgenannten Staaten eine relativ hohe Fruchtbarkeits- Ziffer. Ein« Ausnahme von der internationalen Verbreitung des Geburtenrückganges bilden die Balkan- und die ostslawischen Völker. Bulgariens Fruchtbarkeitsziffer ist doppelt so hoch wie die Deutschlands. Fast dos gleiche gilt für Polen und für Sowjetruß- lanh. Moskau hat beispielsweise ein« Geburtenziffer von 3l> von Taufend gegen 10 von Tausend in Berlin. Im fernen Osten ist trotz der ständigen Bürgerkrieg« die Geburtenkraft Chinas unver- mindert groß. Was Deutschland anbelangt, so gibt die vor kurzem erschienen« Denkschrift des Reichsgesundheitsamtes einen aus- schlußreichen Einblick in die Entwicklung der letzten Jahre. Danach ist im Jahre 1927 die stark« Einschränkung des Beoölkerungswachs- tums in besonders hohem Maße hervorgetreten. Der auf je 1000 der Bevölkerung treffend« Geburtenüberschuß ist auf 6,1 ge- sunken, während diese Ziffer im Jahre 1926 noch 7,9, 192Z 8,8 und im letzten Vorkriegsjahr fast das Doppelte der jetzigen Ziffer, nämlich 12,1 betrug. Für das gesamte Volt bedeuten diese Ziffern ein Beoölkerungswachstum um 831 900 im Jahre 1913 und 103 000 im Berichtsjahr 1927. Dieser Rückgang des Bevölkerungs- Wachstums beruht auf dem steilen Abfall der Geburten- Ziffer. Bemerkenswert ist dabei, daß der Zugang an neuen Ehen sich in den Iahren 192S und 1926 auf dem Stand des Jahres 1913 mit 7,7 Eheschließungen auf 1000 der Bevölkerung gehalten und im Jahre 1927 sogar auf 8,5 erhöht hat. Die Geburtenhäufigkeit, die in der Zeit von 1910 bis 1913 von Jahr zu Jahr durchschnittlich um noch nicht 2 Prozent und in der Zeit von 1920 bis 1925 jährlich um etwas über 1 Prozent abge- nommen hat. verringerte sich in den Iahren 1926/27 jährlich um rund 6 Prozent. Gegenüber 1913 ist die Geburtenhäufigkeit im Jahre 1927 damst fast um ein Drittel und die Zahl der Lebend- geborenen überhaupt von 1838 750 auf 1161719 gesunken. Die Denkschrift gibt ferner ein« interessante Statistik über die internationale Lage wieder. Auf 1000 der mittleren Bevölkerung entfielen im Jahre 1927 Lebendgeburten: Deutschland... 18,1 Frankreich... 18,2 England u. Wales 16,7 Italien.... 26,1 Niederlande. Bulgarien. Rußland.. Ukraine.. 23,1 37,0 11,9 10,1 - Weiter ist auch charakteristisch, daß an der Geburtenabnahme in Deutschland die ehelichen Geburtesi st ä r k e r als die u n- ehelichen beteiligt gewesen sind. Die Zunahme der Quote an unehelichen Geburten erklärt sich zum Teil durch die hohe Zahl der im gebärendeu Alter stehenden unoerheirateten weiblichen Personen. Durch die Volkszählung von 1925 wurden in den Altersgruppe» von 20 bis 31 Iahren über 1,1 Millionen unverheiratete weibliche Personen gezähU. Die Geburtenhäufigkeit in Deutschland war bisher in den kleinen Gemeinden merklich höher als in den größeren Städten, doch wurde dieser Unterschied in den letzten Iahren dadurch geringer, daß die Geburtenhäufigkeit gerade in den kleineren Gemeinden stärker als in den größeren abnahm. Auf 1000 der Bevölkerung trafen Lebendgcborene: 1926 1927 Berlin.................. 10,6 9,9 Gemeinden mit 100 000 und mehr Eimv. ohne Berlin 15,3 11,5 », 50 000 bis 100 COO Einwohnern.. 17,2 15,1 . 30 000, 50 000... 16,9 15,8 . 15 000, 30 000,.. 17,3 16,1 unter 15 COO,*.. 21,5 20,2 Als Reichsstelle mit besonders niedrigen-Geburtenziffern kamen außer Berlin mit 10,6 Lebendgeborenen und den Hansastaaten Hamburg, Bremen und Lübeck mit 13,7, 16,7 und 15,6 Lebend- geborenen im Jahre 1927 besonders noch der Freistaat Sachsen mit 15,6, Brandenburg mit 16,5 sowie Braunschweig und Schaumburg- Lippe mit je 16,6 Lebendgeborenen auf 1000 Einwohner in Betracht. Ein weiteres wichtiges Moment ist, daß sich der Geburten- Überschuß stündig verringert, obgleich die Sterblichkeit ebenso ständig abnimmt Kleine Ausnahmen infolge Gripp« und Witterungsschwankungen spielen da keine Rolle. Besonders die Säuglingssterblichkeit hat weiter abgenommen dank der Säuglings- fürsorge und der durch sie verbreiteten Kenntnis zweckmäßiger Säuglingspflege. Soweit die Angaben der Dcnkschrist. Es ist kein Wunder, daß die Erscheinung des scheinbar unauf- haltsamen Geburtenrückganges einen Teil der Oeffentlichkcit und der Wissenschaft in Alarmstimmung versetzt hat. Es gibt Propheten, die— unter der Voraussetzung, daß die Entwicklung in dieser Art unaufhaltsam fortschreitet— das Aussterben des deutschen Volkes voraussagen. Unter.diesem Aspekt ist beispielsweise auch Burgdörfers, Der Geburtenrückgang und seine Bekämpfung" geschrieben,«ine Arbeit, die in der letzten Zeit erschienen ist. Burgdörfers Arbeit trägt init viel Fleiß wertvolles statistisches Material zusammen. Aber sie sieht die Dinge weniger vom soziologischen, als voin nationol-imperialiftischen Standpunkt an. A l a r m st I m m u n g durchzieht das ganze Buch. Und es mutet etwas tragikomisch an, wenn der Verfasser den Hilferuf ausstößt: „Möge auch unserem Volke— ehe es zu spät ist— der Mann erstehen, der nicht nur die ernste Lage erkennt, sondern auch den Mut hat, mit der ganzen Kraft und Autorität einer überragenden FllhrerpersönlichkeU unser Volk und seine Vertreter vor die entscheidende Frage zu stellen: Leben oder Tod?" Dr. Burgdörfer, der bewiesen hat, daß er ein ernstzu- nehmender Wisslnschaftler ist, und der in der vorliegenden Arbeit die sozialen und wirtschaftlichen Ursachen des Geburtenrückganges durchaus richtig auseinandersetzt, verfällt hier in seiner Schrift in jenen Grundfehler der Nationalisten, der sich in der Politik schon so oft verhängnisvoll ausgewirkt hat. aus nationaler Besessenheit Un- mögliches zu wollen und so über Tatsachen zu stolpern, die er selbst Vorwärts zur Volkskosmetih! Krüppel und Entstellte im Berufsleben Der Staat gibt den Krüppeln auf Grund des Krüppelfürsorge-' gesetzes vom 6. Mai 1920 Heilung, Erziehung und Bcrufsaus- bildung. Leider aber fehlt dem Gesetz noch eine sehr wichtige Be- stlmmung: die Pflicht zur unverzüglichen Einstellung der aus den Krllppelheimen entlassenen Gesellen. Was nützt es dem Gebrechlichen, wenn er in das riesengroße Heer der Arbeitslosen tritt! Er steht dann auf genau der gleichen Ebene wie der Entstellte, der Häßliche. Indem die Gesellschaft den Krüppel und den Ent- stellten als minderwertigen Fremdkörper betrachtet, ruft die soziale Gemeinschaft im G»br«chlichen und Häßlichen gewisse Minder- Wertigkeitsgefühle hervor. Nicht nur, daß der Betreffende an sich und seinen Leistungen zu zweifeln beginnt, er wird durch die geflissentliche Aechtung von feiten der Gesellscliaft zu ihrem Feinde, wobei sich nach meinen Beobachtungen die Eigenheiten der Krüppel- sccle bei leicht Entstellten und wenig sichtbaren Verkrüppelten viel krasser zeigen als beim Schweroerkrüppelten. Diese Tatsache ist wiederum ganz natürlich. Der Schwerbeschä- digte ist sich klar über sein« mangelhafte Fähigkeit zu körperlichen Leistungen. Der Beinlose kann nicht Zeitungsbote, der Armlose nicht Holzfäller sein. Doch der nur Leichtbeschädigte und vor allen Dingen der nur Entstellte fühlen sich im Vollbesitz nicht nur ihrer geistigen, sondern auch ihrer körperlichen Kräfte. Müssen sich in diesem Falle nicht alle Zurücksetzungen viel gc- fährlicher auswirken? Daher kommt es, daß sich bei leicht Geschädigten und Entstellten die typischen Eigenheiten der Krüppelpsyche viel markanter ausprägen, als bei Schwerbeschädigten. Die Folgen der wirtschaftlichen Zurückstellung, des Mitleids oder gar Abfcheus verstärken und verschärfen diese Minderwertigkeitsgefühle aufs gual- vollste. Wohl können Selbsterziehung und die Pflege ange- borener geistiger Vorzüge das Unschöne des Aeußeren ver- gessen lassen. Doch wird damit noch immer kein unauffälliger Mensch geschaffen. Was nützt es einem psychologisch gebildeten Menschen, der die Zusammenhänge zwischen körperlicher Auffällig- keit und seelischem BesangenHeitsgesüHl genau kennt, wenn er trotz- dem wieder in Befangenheit gerät, weil ihm seine allzu große Nase störend vcrs Bewußtsein tritt. Ist ein solcher Mensch, den ich in meinem Bekanntenkreise er- lebte, in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen, so sind die seelischen Bedrängungen aus der Entstellung nur persönliche Angelegenheit. Ganz anders aber, wenn nun ein derart Entstellter, Unschöner Stellung suchen muß.•-• Der schwer verkrüppelte Mensch erregt allenthalten erschütterndes Mitleid, das zu helfender Tat drängt. Anders liegen die Verhältnisse bei nur entstellten, nur h ä ß- l i ch e n Stellungsuchcnden. Genau wie bei jedem anderen Mcn- schen erregt auch bei dem Arbeitgeber der Häßliche Widerwillen, Antipathie. Ablehnung. So wird der doppelt bedauernswürdig« Unglückliche— unglücklich wegen seiner Häßlichkeit, unglücklich wegen seiner Arbeitslosig- keit— von Tür zu Tür gejagt, verbittert und verdüstert sich. Dann ist kein weiter Weg mehr zur Verzweiflungstat oder zum Verbrechen. Es ist ja auch ein übles Schicksal, wenn, wie es vorkommt, ein junger Mensch, zu jeder Arbeit willig und geistig tüchtig, auch körperlich trotz Verkrüppelung des rechten Armes nicht ungeschickt, volle zehn Monate arbeitslos ist. � Es ist schlimmer als eine Fahrt ins Inferno für den jungen Mann, wenn er Tag für Tag von Fabrik zu Fabrik, von Geschäft zu Geschäft hetzt. Man sieht den verkrüppelten Arm— ach, Sie sind verkrüppelt?— Nein— für Sie ist geeignete Tätigkeit nicht vorhanden— ohne daß man gefragt hätte, wofür er sich denn eigentlich eigne. Denn der ganze Mensch steckt doch nicht im verkürzten Arme. Augenblick- lich habe ich deni geistig regen jungen Mann eine für ihn durchaus ungeeignete untergeordnete Aushilfsstellung besorgt. Eine feste, seinen Fähigkeiten entsprechende gehobene Stellung ihm zu ver- schaffen, wollte mir bisher noch nicht gelingen. Wer mag, wer kann ihm helfen? So wie diesem jungen Mann geht es Tausenden und aber Tausenden, die irgendwie an sichtbarer Stelle ein böses Mal, eine auffällige Narbe, ein frühes Altern zur Schau tragen. Brachliegende Arbeitskraft ist ein Verlust an Volksvermögen. Wenn man das Schlagwort geprägt hat:„Häßlichkeit ist Krankheit," so lann ich diesen Satz nur voll unterschreiben. Hier ist ein Schlagwort entstanden, das nichts übertreibt. In dieser Schroffheit wagte ich zwar bisher meine Erkenntnisse nicht aus« zusprechen. Als Kiüppelpädagoge und Nichtarzt stand ich der allge- meinen Krankenfürsorge zu fern. Wohl konnte ich aufmerksam machen aus die Wechselwirkungen von Seele und Körper beim Krüppel. Betrachtet man aber für den im Beruf tätigen Menschen Arbeitsminderung durch körperliche Ursachen als Krankheit, so ist die Häßlichkeit sogar ein« schwere Krankheit. Denn gerade sie ist es. die dem Ensstellten alle Arbeitsmöglichkeit nimmt. Wird ein Häßlicher wirklich einmal aus Mitleid eingestellt, so wird ihm ge- wöhnlich jedes Versehen doppelt übel vermerkt: Schielende, Rot- haarig«, Bucklige können und taugen nun einmal nichts. Darum ist die von Dr. Moses und Dr. Gumpert zur Entstellungsbekämpsung vorgesehene Forderung an die Kranken- kassen, soziale Kosmetik zu betreiben, eine Forderung der Gerech- tigkeit. In A m e r i k a werden für kosmetische Mittel und Kuren im Jahre mehr als anderthalb Milliarden Mark aus- gegeben Das ist keine Betätigung von Lu�us, das ist Steige» rung der Arbeitstrast. der Arbeitsmöglichkeit für jeden, der Kosmetik betreibt. Ihm sind keine Türen bei der Arbeitsuche verschlossen, er wird nicht als Mensch geringerer Qualität angesehen und bewertet. Genau wie die allgemeine Krüppelfürsorge ist kosmetische Für- sorge produktive Sozialfürsorge. Einst— und das ist noch gar nicht lange her— war die Orthopädie eine Medizin für die Reichen. Besitzenden. Heute ist sie eine Volksmedizin. Heute noch ist Entstellungsbekämpfung, Slbönheitspflege, mit dem Begriff des Luxus verbunden, ist eine Angelegenheit nur wfrt- fchaftlich Bevorzugter Jetzt wuß die Schönheitspflege denen ge- bracht werden, die ihrer wirtschaftlichen Existenz wegen sie bitter Notwendig brauchen!-.tn'.tf. Verbunden werden müßte die körperliche„Normierung" mit einer Entstelltensürsorge, die es sich zur Aufgabe macht, den Haß- lichen. Gekennzeichneten auf besonderem Wege zur Beschaffung von Arbeit behilflich zu sein. In diesen Fürsorgestellen müßten sich dann Krüppel und Entstellte begegnen. Beide müßten von Gesetzeswegen bei der Arbeitsvermittlung geschützt werden, vielleicht wäre auch ein« Zwangseinstellung zu erwögen. Dann würden zahllose Menschen endlich im Berufsleben festen Fuß fassen, sie würden sich nicht nur ihres menschlichen Wertes bewußt werden, sie könnten durch Leistungen zeigen, was sie von ihrem Fach und Beruf verstehen. Sie könnten dann auch bew-sten, daß man trotz Gebrechlichkeit und Entstellung ein im eMen Sinne freier Mensch sein kann gemäß des Satzes von Pnnl de Lagarde: „Frei ist niemals der, der treiben tonn was er will, frei ist der, der werden kann, was er soll." Ilan? Würz, Erziehungsdirektor im Oskar-He'.sne-Hcim. soeben noch richtig erkannt hat. Eine P a n i k m a ch e r« i, wie sie Vurgdörser betreibt, ist das verkehrteste Mittel für die Bekämpfung des Geburtenrückganges. Es bleibt merkwürdig, daß bei allen Erwägungen, die von bürgerlicher Seite über die Ursachen und die Bekämpfung des Ge- burtenrückganges angestellt werden, der G c s' ch t s p u n k t der M« n s ch« n ö k o n o m i e fast niemals in Ansatz gebracht wird, obgleich hier der Angelpunkt des ganzen Problems liegt. Man weiß es und will es doch nicht sehen, daß der Geburtenrückgang nur die durch die soziale und wirtschaftliche Notlage hervorgerufene natürliche Reaktion gegen eine Massenproduklion von Menschen ist, die den Wert des menschlichrli Lebens bis zur Unerträglichkeit herabdrückt. Man übersieht geslisientlich, daß der Geburtenrückgang nichts anderes als eine natürliche Ra- tionalisierungserscheinung ist, deren höherer Zweck die Wiederherstellung des menschlichen Individualwcrtes ist. Statistik und Volkswirtschaft sehen in der Gllterproduktion die Rationalisierung als den größten Fortschritt des 20 Jahrhunderts an. Für die Menjchenproduktion wollen sie aber diesen Grundsatz nicht gelten lassen. Sie befürworten die Ueberschwcmmung mit Menschenleben, sie befürworten die Hcrabdrückung des Menschenwertes in einer Weife, wie sie das mit bezug auf die Güterproduktion sicherlich als Wahnsinn� ablehnen würden. Sie. stützen sich aus religions- philosophische und staalspolitischc Gesichtspunkte, und vergessen dabei die Größe, die der Rechnung erst ihren Sinn gibt: den Menschen. Das deutsche Volk wird nicht aussterben. Der heutige Geburten- rückgang ist nur die autoniatisch eintretende Gegen- Wirkung gegen dke unökonomischc. die Ausnahmefähigkeit des sozialen und wirtschaftlichen Volksorganismus überschreitende Menschenproduktion. Sobald diese Angleichung durchgeführt ist, wird «ine Stabilisierung und ruhige Entwicklung des Gcburtenstandes eintreten.>_ Meckicus. Die Mvieneabteilung des Völkerbundes. Um die geistig« Zusammenarbeit der Nationen zu fördern, unter- hält der Völkerbund in Genf eine Reihe von Abteilungen, die sich mit ökonomischen, rechtlichen, gesundheitlichen und kulturpoli- tischen Fragen befassen. Die älteste und umfangreichste der technischen Abteilungen des Völkerbundes ist die H y g i e n e a b t e i l u n g. Sie enthält zurzeit 16 Spezialkommisfionen, wie die Malaria-, die Krebs-, die Tuberkulose- und die radiologische Kommission, die besonders dringliche Fragen untersuchen. Der Hygienabteilung liegt es u. a. ob, bestimmte experimentelle Untersuchungen zusammenzufassen und damit der Organisation der wissenichaftlich-cxperimentellen Forschungsarbeit zu dienen. Sie hat ferner die Aufgabe, eine gemeinsame internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um bestimmte epidemisch auftretende Krankheiten zu bekämpfen. Hier hat die Hygicncabteilung des Völkerbundes bereits Wertvolles geleistet, insbesondere bei der Be- kämpfung der Typhusepidcm'en im Osten Europas und bei der Bs- kämpfung der Eholeraepidemien. Die Hygicneabteilüng bearbeitet in Gemeinschaft mit den Gesundheitsämtern der verschiedenen Staaten gesundheitsrechtliche Fragen, z. B. das Problem der Quarantäne und die Desinfcktionsbeftimmungen. Sie veranlaßt ferner Studien über besonders wichtige Einzelfragen. So wird, augenblicklich auf breitester Grundlage die Frage der Strahlenbehandlung bei bös- artigen Geschwülsten behandelt und die daraus sich ergebenden Heilungsmöplichkeiten studiert. Auch der verschiedenartigen Vor- teilung des Krebses in den einzelnen Ländern sowie der Erforschung des Berufskrebses werden eingehende Studien gewidmet. Eine besonders wichtige Aufgabe fällt der Tuberkulose- kom Mission zu, die die Verbreitung der Tuberkulose und ihre Behandlungsmöglichkeiten untersucht, wobei speziell der Verbreitung dieser Volksseuchx in> äquatorialen Afrika besondere Beachtung ge- schenkt wird. Auch in dieser Kommission wirken wie in den übrigen hervorragende Forscher an erster Stelle mit. Durch diese vielseitigen Arbeiten wurde innerhalb weniger Jahre bereits wertvolles wissenschaftliches Materiol zusammengetragen und in einer Reihe bemerkenswerter Abhandlungen veröffentlicht. Der Wert dieser Arbeiten ist vor allem darin zu sehen, daß innerhalb sehr kurzer Zeit die gegenseitigen Erfahrungen miteinander In Zu- sammenhang gebracht und ausgeglichen werden, daß durch die enge Fühlungnahme der Sachverständigen der verschiedenen Länder»ine wahrhaft internationale Zusanimenarbeit ermöglicht wird, und do� Gelegenheit geboten wird, in die Arbeitsmethoden und Erfahnm-- der anderen Länder tieferen Einblick zu gewinnen, als das' irgendwo auf der Erde möglich ist. Erste Tage an der Front. �)ie g'ühsnde Mittagssonne verschwindet hinter einem Wolken- schleier. Schwarze Wollen ballen sich gewitterdrohend. Wir stehen in Reih und Gl ed vor dem Unterstand, aus dem ein junger Leut- nant tritt, der mit erfahrener Miene den Trupp überschaut. Wir sind müde, in Schweiß gebadet, das Gewehr steht lässig am rechten Fuß. Mit Interesse bleiben des Leutnants Augen auf uns haften, die wir zum ersten Male hier stehen:„Ersatz?"„Jawohl!" Er fragt nach Name und Beruf und hat uns bald in Trupps von fünf und sechs Mann zwischen den anderen Kameraden eingeteilt, die unter Aufsicht von Unteroffizieren oder Gefreiten arbeiten. Das Schanzen beginnt Die Trupps holen sich Arbeitsgeräte aus einem nahen Pioniergerätedepot und verlaufen sich im Graben- netz. Wir mußten acht geben, den richtigen Weg zu gehen. Jeder Graben hatte seinen Namen und seine Tücken. Mein Weg führte durch einen dieser mannshohen Gräben noch der ersten Linie. Wir müssen uns an die Wand drücken, wenn Infanteristen vorbeigehen, die Essen holen. Jeder uns begegnende Soldat ist ein Hindernis. Da kommen viele mit aufgehuckten Lasten. Wenn Verwundete oder Tote in eine Zeltbahn gepackt von zwei Mann getragen vor- überkommen, fragt man nicht, wo ist es geschehen, man fragt nach der Verwundung. Die Antwort ist fast immer die gleiche:„Kopf- schuß!" Meine Freunde und ich, die wir unsere neue Uniform an den Lehmwänden beschmutzen, werden angelächelt, man nickt uns freund- lich zu:„Gelle.. Ersatz?" Wir sind furchtsam, heben bei der Arbeit den Spaten nicht zu hoch und achten auf jeden Schuß, der von den Feinden herüberrollt. Vorsichtig und leise füllen wir mit dem Spaten die Erde in die Sandsäcke und sprechen noch leiser miteinander. Der Unteroffizier, unser Truppführer, lacht. Ein junger Ladenser sagt:„Gelle, könnt hall laut red«, braucht ml flüschter«,'s ijch hall Tag, da kann nix passiere!" Das erste zutrauliche Gespräch«ntwickell sich. Man hän- seit uns, bis der Unteroffizier meint:„Nun arbeitet ein Vissel und macht die Neuen nicht ängstlich. Ist alles nicht so schlimm." Wir arbeiteten fleißig. Die„Neuen" füllten die Sondsäcke, die „Allen" schichteten sie auf die Wände des gestochenen Grabens, um ihn zu erhöhen. Wenn die hin- und herflutenden Infanteristen sich bei den aufgeschütteten Eodmassen stauten, unterbrachen wir die Arbeit und schaufellen die Haufen beiseite, um Platz zu schaffen. Besonders wenn eine Kompagnie im Gänssmarsch daher kam, gab es Stockun- gen und wir bekamen nicht gerade tosende Worte zu hören. Als es dämmerig wurde, führte uns der Unteroffizier an einen Platz, von dem man die englischen Stellungen sehen tonnte. �Etwa zwanzig Meter, an manchen Plätzen nur zwölf Meter von unserer Lim« entfernt, zog sich der feindliche Graben hin. Reseroelinien führten durch einen von unserer Artillerie abgemähten Wald, nur ab und zu ragte eine Tanne hervor, die unseren Artille- risten Anhaltspunkte für ihre Ziele gab. Rechts am Kanal schaut« weit in der Ferne eine Kirchturmspitze über die Ebene, auch einige Schornsteine von Fabriken, die später abgeschossen wurden. Diese Baulichkeiten waren die Restbestände der ehemallgen Stadt P pern. Die Nacht war bald da und nichts mehr zu sehen als dl« heim- tückischen Gräben der Engländer mit den kleinen, winzigen Sand- ketten, die von schwarzen Punkten unterbrochen waren: den Schieß- scharten der Feinde. Wir nahmen unser Arbeitsgerät über die Schuller und mar- schierten nach dem Unterstand zurück. Der Weg währte fast ein« Stunde. Für uns war der Dienst beendet, die Alten sollten m der Nacht noch Draht ziehen, eine gefährliche Arbeit, die viele Opfer erforderte. Am Unterstand angelangt, aßen wir unser Brot, sprachen einige Worte und gingen in die Höhle. Dort legten wir uns auf die Pritschen. Der Raum war allzu klein für uns fünfzig Pioniere, und wenn n«ue Trupps aus den Gräben kamen, war kein Platz da. Sie leg- ten sich in den schmalen Gang. Ich konnte nicht schlafen. Das von den Engländern herkam- wende Geräusch des Kl«ingewehr- und Maschinengewehrfeuers, die vielen Schüsse der Artillerie und das Krepieren der Granaten be- unruhigten mich. Unaufhörlich peitschten Schüsse an die Sandsack- wände des Unterstands oder klatschten als Querschläger in den Beton der Kanalwände, der nur zehn Meter vom Unterstand entfernt lag. Unruhe herrschte im Unterstand. Etliche Schläfer schnarchten, andere kamen noch immer von den Gräben oder gingen hin. Es wurde allerlei geschwätzt. Auch bedächtige Gedanken wurden aus- getauscht. Man sprach von dem Wagemut vieler Kameraden und bewunderte ihn. Ich hört«, daß der vergangene Tag seit Monaten der erste war, an dem man ungehindert arbeiten konnte. Man lobte die erst« Linie, die die Engländer wegen der Nähe ihrer eigenen Linien nicht beschossen, als Arbeitsstätte. Der Mond schien hell durch die drei Luken der Seitenwand. Ich schlief nicht, obgleich das Feuer sich in der späten Nachtstunde etwas milderte. Das Lachen der Unteroffiziere im Nebenraum störte mich, und auch das Auf- und Abgehen des Leutnants, der in einem abgetrennten Raum ein Kabinett hatte. Von der zwölften bis zur frühen Morgenstunde kamen die Unteroffiziere in den Unterstand und riefen die Kameraden einzeln oder in Trupps heraus. Mit Flüchen und Verwünschungen wach- ten die Schläfer auf, dehnten und streckten sich und folgten ihnen zum Drahtziehen vor der ersten Linie. Die anderen schliefen weiter, sich werfend, und selbst im Schlaf kratzten sie sich an Armen, Beinen und am ganzen Körper und viele fluchten. Die Läuse saßen ihnen bis an den Hals. Ohne ein« Stunde geschlafen zu haben, ging ich mit meinem Trupp beim Morgengrauen an die Arbell zurück in den Graben. Es wurde fleißig gearbeitet und als die Sonn« den Mittag ver- kündete, wurde ich bestimmt, das Essen zu holen mtt einem anderen Kameraden. Die Goulaschkanon« kam bis an den Annäherungsweg und tellte in einer halb zerschossenen Waldlichtung den Proviant aus. Die Engländer wußten schon den Platz und bombardierten ihn zur Mittagszeit mit schwerem Kallber. Deshalb beeilten sich die Essen- holer. um wieder fort zu kommen. In der Nähe war ein Fried- Hof. Den wuyuen die Granaten auf und warfen die Toten umher. Da es sehr heiß war, entwickelte sich ein furchtbarer Geruch von den verwesenden Leichenteilen. In jeder Hand zw« Kochgeschirre, einen Sandsack unter dem Arm, über der Schüller wi« eine Schärpe das Brotbeutelband, an dem die Feldflaschen hingen lies ich hinter meinen Kameraden durch das verwirrende Grabennetz. B'ele Gräben kreuzten sich, wir begegneten arbeitenden Trupps, deren Essenholer sich uns anschlössen. So ging es im Gänsemarsch hin zum Ausgang des zerschossenen Ge- Hölzes, wo hinter drei alten Kastanien die Feldküche wartete. Schnell- stens wurde ausgeteilt, der Brotvorrat in die Sandsäcke gestopft, und dann liefen wir, was uns die Beine trugen, zurück. Die Grä- ben blieben die sichersten Horte gegen das Artilleriefeuer, das die Engländer um diese Zeit auf alle Teile des Netzes legten. Als wir an einen Kraben kamen, den man seiner Gestalt wegen den Kofferweg nannte, schlugen di« Granaten dicht an die Graben- wände. Sprungweise liefen wir. Es wurde eine wilde Jagd. Die Kochgeschirre stießen an die Grabenwände, die Feldflaschen bäume- ten, gingen verloren, man rannte zurück. Infanteristen kamen uns entgegen, es gab«in Wirrwarr, aus dem jeder zuerst heraus wollt«. Flüche, Verwünschungen und zerrissene Uniformen. Alles verlicß fluchtartig den Koflerweg. Die Schanzzeug« lagen oerlassen da, die Gewehre im Sande. Außer Atem, gejagt, w:« die Hasen hüpfend, kamen wir endlich bei unseren Kameroden an. Bei der Kanonad« aßen wir Mittagbrot. Der Inhalt der Kochgeschirre war kalt und mit Erde vermengt, aber der Reis schmeckte dennoch, weil wir hungrig waren. So bestand ich meine erste Feuerprobe. Zwei Stunden Ruhe waren mittags angesetzt, wir verbrachten sie plaudernd. Und dann begann wiäder die Arbeit. Am anderen Tage löst« uns der zweit« Zug ab. Im Lager. Korteville, ein Dorf und eine kleine Etappe zwischen Ten- brielen und Ppern, lag, wenn man aus dem Annäherungsweg kam, vor Augen. Ein Feldweg führt dorthin und durch das Dorf. Er- leichtert atmet« man auf, hier war schon die Feuerzon« beendigt, hier sah man wieder di« schön« Well mit trunkenen Augen. Frei- lich, wenn es in den Graben ging, war die schönst« Landschaft nicht rosig. Die wallenden Felder, die blühend« Zichori«, und der vor zwei Tagen, al» man in den Groben ging, so schmutzig aussehende Bach, schienen uns lieblich. Ein paar Enten flogen über dos Feld, die Kameraden schössen nach den ziehenden Vögeln, ohne sie zu treffen. In den Menschen war Fröhlichkeit, lachend wurde geneckt. und mancher, der im Graben furchtsam, gab kecke Antworten. Von der Marienkapelle sah man unser Lager. Der Weg lief an einem Geschützstand vorbei, dann kam die Lanbstraß« und wir schwenkten m das Tor der Barackenkaserne ein. Es wurde abgelegt. Ein jeder setzte sein Gewehr und sämtliche Ausrüstungsgegenstände an seinen zugewiesenen Platz und zog sich aus. Das heißt, es wurden nur die schweren Stiefel mit den Schnürschuhen vertauscht. Dann wurde Mittagbrot aus der Küche geholt, von dem ober wenig gegessen wurde. Der Speisezettel war ein ewiges Einerlei. Vier Wochen Reis, vier Wochen Erbsen, vier Wochen Bohnen mit Maden, die unser Hauptmann bei einer Be- schwerde als Fettfasern bezeichnete, und vier Wochen Dörrgemllse. Nach dem Mittagbrot putzten wir unsere Waffen Dann war auch schon der Abend gekommen und brachte um sechs Uhr die Parole- ausgäbe. Der Feldwebel gab Befehle bekannt und teilte unsere Arbeit für den nächsten Tag ein. Den Abend verbrachten wir mit Briefschreiben an unsere Lie- ben Um zehn Uhr war Zapfenstreich und das Lager ging zur Ruhe. In die Baracken, in denen wir Mannschaften züsammenge- pfercht waren wie im Unterstand, ließ der Feldwebel Bettstellen hineinzimmern, ein« Arbeit, die wir im eigenen Interesse gern ver- richteten. Wir bauten uns Tische, nagellen Dachpappe an die Wsnte und putzten das Dach aus. wenn es durchregnete. Ueberhaupt. ob es hieß, Schutt fahren, streuen oder reinigen, alles machten wir rull Liebe, denn die Arbetten geschahen zum eigenen Behagen. An den zwei Ruhetogen hinter der Front war der Arbeitsdienll eine Zerstreuung. Er half über quälende Gedanken hinweg, die sich besonders bei mir einstellten. Ein besonderer Umstand verdroß uns Landsturmleute. Man wollte uns zu guten Soldaten erziehen Der Feldwebel sagte die kurz« Ausbildung in der-Garnison habe nicht genügt, uns zu Sol« baten zu machen. Während die jüngeren Kameraden beim Abend- essen saßen, exerzierten wir feldmarschmäßig hinter dem Hose auf dem Ackerland, und jene sahen zu und neckten uns. Der Feld- webel kommandierte uns je'bst, übte Gewehrgriff« und Paradegr sie, Reglements, die wir nie in der Garnfon erlernt. War die Stunde um, sagte jedesmal der Feldwebel, daß wir noch lange keine Soldaten wären und er noch fleißiger mit uns exerzieren müsse! Wir waren also nicht nur Vaterlandsverteidiger, sondern regelrechte Rekruten wie in der Kaserne, die man drillte und quälte mit unnützen Dingen, die wir nie im Graben zur Ver- teidigung brauchten Man nahm uns wirklich den Mut, das Vater- land zu verteidigen. In unserem Lager wurden mit der Zeit viele Verbesserungen angelegt. Der Hof wurde vergrößert und mit feinem Kies bestreut, so daß er einen guten Exerzierplatz abgab. Die Feldküche erhiell große Räume zum Ausbewahren von Fleisch und anderen Nahrunas- Mitteln. Die Gespanne der Kompagnie kamen unter einen Wagen- schuppen, und für die Pferde wurden wahre Palastställe erbaut. Es sah alles schmuck und sauber aus, als wenn der Krieg lange Jahre dauern sollte. An der Kirche wurde ein Maschinenhaus errichtet. Es ver- sorgte das ganze Dorf und unser« Baracken mit elektrischem Licht. Aber die Hauptsache war eine Bade- und Lausebratanftalt an der Dorfgrenge. Im Dorf Tenbrielen wurden Baracken für die Infanterie ge- baut. Vor den Barocken ließ der Kommandeur gute Wege mik Parkanlagen ausführen, Blumen in bunter Füll« pflanzen und ähnliche Dinge. Hinter der Kirche entstand ein schönes Kino für die Offizier« mit einem Rondell davor. Doch alle diese Wohltaten kosteten Arbeit, und die Arbeit der Soldaten, die tn Ruhe logen. Die Soldaten errichteten Villen für die Offiziere und ihre Burschen, Offiziersbäder und Musikpavillons. Und dieses alles sah der Engländer von seinen Beobachtungsflugzeugen aus und freute sich der rührigen Menschen.(Forts, folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". Schupo-Zullrätsel. Was sagt der Schupo? Es sind fünf wagerechte Wort« zu bilden: sie bedeuten: 1. Wort für„vertraut": 2. Fuhrwerk; 3. wichtige Person beim Fußballspiel: 4. Sträflingsschisf: S. Heilige.— Sind die Worte richtig erraten, so ergeben die beiden schräg punktierten Linien(je von oben nach unten gelesen) die Worte des Schupobeamten.* Oomino-Aufgabe. A., B. und C. nehmen je 9 Steine auf. Ein Stein mit 7 Augen bleibt oerdeckt im Rest. C. hat auf seinen Steinen 37 Augen. Es wird nicht gekauft. A. hat: ö-S, S-3, S-S, 6-1, 6-0, 3-1, 2-1, 2-9, 0-9. A. setzt Doppel-Sechs aus und gewinnt, indem «r die Portie m der fünften Runde mit Blank-Sechs sperrt. B. und C. müssen in der dritten Runde passen. Di« drei von C. an- gesetzten Steine haben 17 Augen. B. behält 6 Steine mit 46 Augen übrig.— Welcher Stein liegt im Rest? Welche Stein« behält C. übrig. Wi« ist der Gang der Partie?* Bersrätsel. was ist das? Was ich meine. hat zwei Beine, ein Buchstab« wird vorgesteckt— gleich Ist es ein Jnfektl* Geographisches Silbenrätsel. Aus den Silben a a a aq bes bra oruz dor en sri ga gu han in ka la lo me na ni no ran ru fa fein sie ti ty u ver yal zen sind 9 Wort« zu bilden, die folgende Bedeutung besitzen: 1. Afrikanisches Land: 2. Stadt tn Tirol: 3. Erd- teil: 4. Stadt iy Japan: S Staat in Südamerika: 6. Inselgruppe der Süds«?: 7. Kanadisches Land: 8. Italienisches Gebirge: 9. deutsche Provinz.— Die Anfangsbuchstaben dieser 9 Worte eroeben, von oben noch unten gelesen, den Namen emes vielgenannten Fürsten.* Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Ländlicher Beruf 4. Ruhestätte 7. Oper von Wagner 8. TeU eines Mustk- stückes 9. Männl. Vorname 19 Sinnesorgan 12 Stadt i d. Schweiz 14. Schutzmaßnahm. geg Hungersnot 15. Behältnis 16. Stadt in Elsaß- Lochringen Senkrecht: 1. Eile 2. Oper von Wagner 3. Ehemalig deutsch Kolonie 4. Kaufm. Begriff 6 Pferdesportgerät 6. Altdeutscher Vorname 19. Biblische Gestalt ll. Bekannter Jazz- geiger 12. Pflanzengattung 13. Behältnis. dp. Silbenrätsel. Aus den Silben bau der bürg de dei dels di e eng fund ga ge ghet her land land ma neu neu ni nist on or pu ra ra ri ri ru sei stra sum ta ter to ti u um va ver sind 13 Worte zu bilden, deren Anfangs, und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein bekanntes Sprichwort ergeben.— Die Worte bedeuten: l. Insel im Atlantischen Ozean: 2. Kirchen- musiker: 3. berühmt« Burg: 4 Jndenstadt: 5. Rutztter: 6. Küsten- infel des Atlant Ozeans: 7. Geigenbauer: 8. naturwissenschaftliche Anlage: 9. Weltall: 19. neues Gebäude: 11. Abordnung: 12.«urop. Staat: 13. Unterkunftsstatt.* (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel: Waqerecht: 2. Bai; 8. Adel; 8. Salem: 12. La»: 15. Bois: 16. als: 18. Arola; 29. Kap: 21. Ma- dagaskar: 28. Trokadero: 26. er: 27. Li: 28. Naxos.— Senkrecht: 1. Ob: 3. Aas: 4. Ida: 6. el: 7. le: 9. Mia: 19. Kosaken: 11. Nia- gara: 13. Kakao: 14. klar: 18. Bodo; 17. SP.: 18. Amt: 19. rar; 22. ad: 23. Selo; 24. Kris. Silbenrätsel: 1. Unterricht: 2. Ereignis: 3. Beduine: 4. Epistel: 8. Restaurant: 6. Menagerie: 7. Untermann: 8. Tannen- schonung: 9 Timbukiu: 19. Unterwelt(Uebermut tut selten gut!) V e r» r ä t s e l: Paradies, Rabies. Magisches Quadrat: I. Azur: 2. Zone: 3. Unna; 4. Real. Segelsport nur im FSV.! Den Seglern Ipielt der Winter in diesem Jahr« besonders hart mit. Nicht nur. daß die an und sür sich schon kurze Segelzeit durch das außerordentlich starke Eis noch besonders eingeschränkt wurde, kommt noch hinzu, daß die Ueberholungsarbeiten an den Booten eine stark« Verzögerung erleiden, da die meisten Segelboote im Freien stehen und oft nur notdürftig zugedeckt sind. Aber trotz- dem wird jede freie Minute ausgenutzt, um den Booten ein spiegel- blankes Kleid zu geben. Eile tut not; denn der 21. April ist bald heran, und an diesem Tage ist das Ansegeln des Freien Segler-verbandes! Es ist die Frühjahrsmusterung aller Boote, die den Stander des FSV. tragen. Auf der Dahme, auf dem Zeuthener See, auf dein Müggelsee, ferner auf der Ober, und Unter- Havel wird der Kreis Berlin seine Boote zusammenrufen. Der Aufstieg des Freien Segler-Verbandes geht unaufhaltsam vorwärts. Es war gut, daß der Seglertag in diesem Jahre be- schloß, treu zur Z e n t r a l k o m m i s s i o n für Arbeiter- spart und Körperpfleg« zu stehen: dadurch war die B-sis geschaffen, aus der ein Aufstieg nach einheitlichen Richtlinien möglich war. Fest geschlosten steht der FSV. nach diesen schweren Tagen da, wo die Kämpfe auch innerhalb seiner Reihen um die Frage„altes oder neues Kartell� hoch gingen. S«in besonderes Argument wird er in diesem Jahre auf eine ganz intensive Werbe- tätigkeit richten. Es sind noch viele wilde Segler, die in die Reihen der Arbeitersegler gehören, viele, die bürgerlichen Seglerorgani- sationen angehören. Lediglich aus„alter Anhänglichkeit* bleiben .diese Arbeitersegler in den bürgerlichen Vereinen— vielleicht aber auch, well sie einige Vorteile durch„Protektorate* haben. Ihnen sagen die freien Segler: Her zu uns, lhr gehört in den Freien Segler- verband! Werdet Idealisten, rechnet nicht auf finanzielle Unterstützung Be» güterter, sondern kämpft mit uns, um die Ausübung des Segel» sports auch der arbeitenden Bevölkerung mit geringen Mitteln möglich zu machen. Um wieviel schöner ist es, ein freier Segler zu sein, ein Gleicher unter Gleichen, als einem Verein anzugehören, wo d«r Standesunterschied vorherrschend ist, die Etikette bis zum Tüpfelchen auf dem i gewahrt werden muß, ja sogar schon äußerlich an dem Anzug der Besatzung eines Bootes zu erkennen fein muß, wer Kapitän ist und wer nur zur„Mannschaft* gehört. Der FSV. kennt leine Klassenunterschiede innerhalb seiner Reihen, kennt kein Hackenzusammenklappen beim Gruß und dergleichen Mätzchen, er mustert nur frei« Segler im freien Verband! Es ist nicht abzuleugnen, daß für manchen. der bereit« dem Segelsport huldigt, der Beitritt zu einem Verein des FSB. mit zu hohen Kosten oerknüpft ist. Aber es wäre eine verkehrte Politik, diesen Seglern den Weg zum FSV. zu ver- sperren. Sie werden als Clnzelmitglteder aufgenommen und durch den FSV. unterstützt. Die Erfahrung hat gelehrt, daß sich aus Einzelmitgliedern, die räumlich dicht mit ihren Booten zu- fr>rmnenfiegen, Vereine gebildet haben, die eine geradezu erstaun» liche Werbetätigkeit entwickelt haben. Heute ist der Freie Segler» Verband mit seinen 2000 MilgNedera und über 1500 Vooken eine achtunggebietende Organisation, die in allen wassersportlichen Fragen ein Wort mitzureden hat. Sein Kampf richtet sich Haupt- sächlich gegen die hohen Belastungen des Wassersports durch aller- lei Abgäben. Seine Vertreter gehören zu den rührigsten in der „Wasserwacht*, einer im Aufbau befindlichen Organisation, die durch Belehrung auf dem Wasser einen möglichst reibungslosen Verkehr gewährleisten will und der sowohl die Sport- wie auch die Berufs- schiffahrt angeschlossen sind. Die vom FSV. herausgegebenen Aus- wcishcfte gelten der Behörde gegenüber als Legitimation und be- rechtigen zur Benutzung der Schleusen zu ermäßigtem Preis. In diesem Jahre hat der FSV. ein umfassendes Programm aufgestellt. Neben den üblichen Regatten, die ihren Höhepunkt in der Vcrbandsregatta haben, die in diesem Jahre auf der Havel stattfindet, wird wieder ein S e e t r e f f e n veranstaltet, an dem sich die seegehenden Boot« beteiligen und das voraussichtlich in Swinemünde stattfinder. Werbend für den Arbeitersegelsport werden die Boote wirken, die zu Pfingsten nach Branden- bürg fahren, wo aus Anlaß der lOOll-Iahr-Fcier der Stadt Vrantenburg eine Iubiläumswettfahrt auf dem Breitlingsee statt- findet. Ebenso werden die Boote, die im Sommer ihre Wamder- fahrten unternehmen, den Gedanken des Arbeitersegelsports in bis- her unbearbeitete Gebiete tragen, um den Boden für die Idee des FSV. aufnahmefähig zu machen. Von besonderer Bedeutung ist die werbende Kraft der Zeitschrist„Der Freie Segler". die in vorzüglicher Aufmachung monatlich erscheint und bereits eine Auflage von 3000 Stück erreicht hat, was ein Zeichen ist, daß auch viele Segler diese Zeitschrift lesen, die dem Freien Segler-Verband Die Boote kommen ans dem Winterlager im Wasser. nicht angehören. Bei einem Umfang von durchschnittlich 24 bis 28 Seiten Quartformat kostet sie— auf Kunstdruckpapier, reich illustriert— 50 Pf. im Straßenhondel. Für Mitglieder ist der Bezug obligatorisch. Die Jugendabteilung des FSV. zeigt«in dauerndes Wachsen. Di« Erkenntnis dringt immer mehr durch, daß der Segel- spart Ertüchtigung des Körpers und des Geistes bringt und daß die Seligkeit nicht in der Rekordhascherei liegt. Dem FSB. ist ferner eine Motorbootgruppe angeschlossen. Gemeinsam« Fahrten. Begleitung bei Segelregatten, Besetzung der Kontroll- bojen ist ihr Tätigkeitsfeld. Ske führen auch noch Ablegung der Führerprüfung die Flagge des FSV. Technische Vorträge über das Wesen des Mowrs geben den Vorträgen im Winter ein« besondere Note. Interessenten, die sich dem Arbeitersegelsort widmen oder sich dem Freien Segler-Verband anschließen wollen, erhalten jede ge- wünschte Auskunft durch die Geschäftsstelle: Karl Pähl, Neu- kölln, Fuldastraße 14/15. Bei den Athleten. Anuchcidungskämpfe im Gewichtheben. Die„Sportliche Vereinigung Lichtenberg- Friedrichsfeld« 0 4*, die als bundestreuer Athletikverein dem Arbeiter-Achletenbund' angefchiosien ist, stellt« gestern abend in ihrer hübschen Trainingshalle in der Runnnelsdurger Straß« aus der prächtig durchtrainierten Hebermannschaft wieder die Besten fest, die zur Mitteldeutschen Meisterschaft des AABD. antreten. Seit einigen Iahren stellt die„Sportliche Vereinigung* den deutschen Meister, der auch in.diesem Jahre zu verteidigen ist. Wenn gestern auch keine Rekorde sielen, so wunden sie doch annähernd erreicht. Jung« zukunftsreich« Athleten konnten sich er- folgreich behaupten, die kampfstarken Hebermannen gefielen sehr, es wurde sehr hart gestritten. Etwas enttäuschte der Meister im beidarmigen Stoßen, da er sich eine etwas zu lange Ruhepause gegönnt hatte. Daß aber die best« deutsche Hebermannschaft über ein gutes Können und ebenso gute Kräfte verfügt, bewiesen die erzielten Resultat« im Stemmen, Reißen und Drücken. In der starken Mannschaft(Gewichtheben im Einzelgang) erreichte die höchste Punktzahl der prächtige Schulz mit 31.S Punkten, der seit einigen Iahren mit zu den besten Hebern zählt. Krüger liegt mit 30,3 Punkten nur sehr knapp vor Peettner(30,2 Punkte). Als ein sehr zukunftsreicher Heber gefiel der junge Jordan (29,3 Punkte). Dem noch sehr jungen S p i t t st ö ß e r gelang es, mit 283 Punkten ein« recht bettächtliche Leistung zu erzielen. Der einig« Zeit pausierende Meister Kehr befindet sich bereits wie- der im Aufstieg, mit 28,3 Punkten zählt er mtt zur Spitz«. Wal- l usch eck folgt mit 26,3 und ErHardt brachte es auf 25,9 Punkte. A p i tz kam auf 25,6 und der jung« ehrgeizige N« t 0 l a i auf 21,4 Punkt«. Gesamtpunktzahl der Mannschaft 205,6 Punkte. Die Bwidesregsit» in Berlin. Auftokt zum Nürnberger Bandesfest des AT SB. Da«s di« Wasftrverhältnisf« in Nürnberg gnmöglich machen, beim Bundesfest des Arbeiterturn- und Sportbundes auch die Re- gatta abzuhalten, hat sich der Bundesvorstand enischlosien, di« Re- gatta am 2 9. und 30. Juni in Berlin auf der bekannten Longen-See-Rennstrecke, vor den Tribünen des Berliner Regatta- Vereins, stattfinden zu lasten. 17 Rennen(11 Ruber- und 6 Kanu- rennen) in Gig- sowie Rennbooten unter Beteiligung fast aller auswärtigen Ruder- und Kanu ver ein« wevden hier im friedlichen Wettkampf ausgetragen werden. Mtt dem Training ist bereits be- gönnen. Unter den Hauptrennen seien genannt: ein Riemenvierer-, Anfängervierer-, Leichter Vierer-, zwei Achterrennen, sowie das im ersten Kreis« immer im harten Kampf gefahrene Doppelvierer- Reimen. Ein Kanovlerer mit Steuermann wird auf kanutechnischem Gebiet zeigen, daß der Mannschastssport auch bei den Paddlern festen Fuß gefaßt hat._ wasterfportliche Plauderei. Der Republikanische Motor-Pacht- Club von Deutschland veranstaltet in der neuen Saison fürjtine Mitglieder und Freund« einen Vortragsabend. Donnerstag, 11. April, 20H Uhr, spricht im Gelben Saal des„Rheingold*, Potsdamer Sttoße 3, der Pachtkonstrukteur Adols Harms über„Wassersport- liche Plaudereien*. Gäste sind herzlichst eingeladen. Eintritt frei. MundUocUUi/ Ein HondballspieUWerbetag. Der Bezirk Süden der FTGB. veranstaltet am Sonntag aus dem Sportplatz am Urban einen W« r b e t a g für das Handballspiel. Außer den eigenen Mannschaften nehmen daran folgend« auswärtige Mannschaften teil: 1. Frauen-Stettin, 1. Schüler-Stetfin, 2. Männer-Eberswalde, 1. Männer-Weißwaster, außerdem Berliner Mannschaften als Gegner. Di« Spiele finden von 10 bis 12 und von 14 bis 17.50 Uhr statt. Anfchließeiid gemüt- liches Beifammenfein im Neuköllner Vereinshaus, Hermannstr. 11. — Da interessant« Wettkämpfe zu erwarten sind, ist der Besuch der Veranstaltung sehr lohnend. Es treten an: 14 Uhr: FTGB. Süden — Stetttn(Frauen): 14.50 Uhr: FTGB. Süden— Ebersrvalde (2. Männer): 16 Uhr: FTGB. Süden— Stettin(Schüler): 16.50 Uhr: FTGB. Süden— Weißwaster(1. Männer). Der Weg in die ZK. Die Arbeiterangler vor dem Anschlaf). Der Weg zur Zentralkommission für Arbeitersport und Körper- pflege ist frei! Ungeteilter Beisall im Bereich des Freien Angler-Bundes Deutschlands. Endlich! Soeben erhält die Vundesleitung den Entscheid der Zentral- kommission: Der Vorstand des AABD. soll in der nächsten Sitzung der Zentralkommission seine Aufnahme begründen, dem Eintritt selbst stehen nach langen Untersuchungen über den Sportclsarakter der Angelei keine Bedenken mehr gegenüber!— Die Arbeiterangler werden also«ingereiht in die große Gemeinschaft der Arbeiter- sportler unter Wahrung ihrer Selbständigkeit. Die Arbeiterangler sind keine Außenseiter mehr. Die bürgerlichen Bünde haben kein Recht mehr, die Autorität der Arbeiter-Angler-Organisation anzu- zweifeln. Aber auch für di« Arbeiterangler in den bürgerlichen Bünden ist es an der Zeit, darüber nachzudenken, wohin sie tatsäch- lich gehören. Sie müssen jetzt Farbe bekennen, sie müssen erklären, ob sie es mit ihrem Gewissen als Anhänger der allgemeinen Ar- bciterbewegung vereinbaren können, noch länger in den bürgerlichen Dereinen zu bleiben. Sie müssen erinnert werden an die Stellung- nähme des ADGB. zum Arbeitersport. Ein« Veränderung des Bundeslebens kommt kaum in Frage Die Arbeiterangler sind großgeworden in dem Bestreben, alles Trennende zurückzustellen und dem Einenden den Vorrang zu geben. Die Mitgliedschaft in der Zentralkommission ist seit langem von allen Gauen Deutschlands auf das dringendste gefordert worden. Alle Gaue, mit Ausnahm« der in Mecklenburg, sind in den Arbeitersport- und Kulturkartellen Mitglied. Inzwischen ist auch in Berlin die Entscheidung gefallen. Die Arbeiterangler haben bisher auf ihren Tagungen Sportkameradschaft walten lassen. Bleiben sie bei dieser Uebung, dann werden sie sich auch in der neuen Gemeinschaft herzlich wohl fühlen. Langeweile dürften die Funktionäre auch nicht haben: der Angelsport ist so vielseitig, daß er tagtäglich neue Gedankengänge zur Diskussion stellt. Sport- turniere, Gewässerpachwng und Bewirtschastung,' Gelände pach tungen und der Ausbau von Wochenmd-Kolonien, Gerätefragen, Gewästerbunde, Beurteilung der Sports vom gesundheitlichen Standpunkt aus: das alles wird weiterdiskutiert werden. Und das Ergebnis der Aussprachen wird nicht nur für den Angelsport fruchtbringend sein. Polizei--Wien schlagt Polizei-Berlin. Di« Fußballmannschaft de,Pollz«isportvereinsWi«n beschloß am Dienstag ihre Wettspielreise durch Deutschland mtt einem Kampf gegen ihr« Berliner Berufsgenosten. Der auf dem Platz des Berliner Polizeisportvereins ausgetragene Kampf sah in der ersten Halbzelt zweit gleichwerttge Gegner auf dem Kampfs eld«, nach dem Wechsel der Seiten erlangten jedoch dl« Wiener ein klares Uebergewicht: sie siegten mit 4:1(1: 1) Toren. Der Sportpalast In neuen blanden. Richard Mueck, der Vorsitzende der Trabrenngesellschaft Ruh' leben und der Boxsportbehörd« Deutschlands, hat den Sport- polast auf längere Zeit gepachtet. Cr übernimmt den Sport- palast am 15. August, wird ihn ganz renovieren lassen und im Herbst wieder seiner Bestimmung übergeben. Durch dies« Wendung behäll Berlin die einzige Wintersportstätte großen Stils, di« zur Verfügung steht. Eissest im Sportpalast. Der Brandenburgifche Eisfportverband, dem all« eissporttreibenden Vereine. Berlins ongefchlosten sind, ver- anstoltet noch vor Schluß der Saifon im Sportpalast morgen Don- n« r s t a g 20 Uhr ein großes Kostümfest auf dem Eis« und auf dem Parkett zum Besten des Jugendpflege- und Sportfonds. Es ist ein großes künstlerisch-humoristisches Programm vorgesehen, zu dem sich die prominentesten Mitglieder des Brandenburgischen Eis- sportoerbandes zur Verfügung gestellt haben. Die Weltmeister und Olympiasieger Gillis Graf ström und Sonja Henle werden ebenfalls an dem Fest teilnehmen. Zum erstenmal kommt auch ein Hockeywettkampf zwischen einer Damen, und einer Herrenmannschaft zum Austrag. Die Eisarena selbst bleibt noch bis Sonntagabend in Betrieb. Barten für«rbrttrrfport sab Börprrpsleg«,»cjirt SchSntbrrg.grIebeoau. Delrgiertrnlibuna bei Blabe, �rieierwu, eceine müssen vertreten sein, da das Dannerswa, 11. April.' 20 Ulir. Kandjcrnstr. so—ei. Alle anpefchlossenen Programm für das Werbesest am 27. April sestsescdt wird. «rbeiter.SS.üMnbimd, Ortag nippe»rrlia. Alle geitsckiriften gehen nur noch an den ZZorsihenden Stephan Brumierski, Berlin SW. Ig. Nvmmandantrn- strahe 77.— Abt. Schöneberg: Anschrift Otto Siewert. Schöneberg, Ataxien» strahe 22.— Abt. Lichtenberg: Anschrift Wilhelm Maschtk, Lichtenberg, gried- richstr. 18. Freie Faltbootsahree Berlin. Jeden Donnerstag Zusannneniunft im Zeichen- saal des Sophien-Lozeums, Weinmeifterstr. 18—17, um 20 Uhr. Am 11. April Vortrag über..Wasserwegerecht". Sonntag, 14. April, Bereinsanpaddeln Hangelslierg— Erkner falte Spree). Abfahrt 7.28 Bhf. Stralau-Nummelsburg l Dahnsteig E). Gäste willkommen. ASS., Hockey. Sitzung heute, Mittwoch. 28 Uhr, bei Wegner. Fvontfurter Allee 236. Olympia und Hütt. Die Notlage der Flieger. Neben Ehmer, dem Debütanten, S a w a l l und S n 0 e k hat die Direkfion der O l y m p i a> R a d r e n n b a hn für die am tommenoen Sonntag in drei Läufen auszutragenden Dauerrennen als besondere Attraktion den jungen italienischen Steher M a n e r a engagiert, der in Paris sich In die Extraklasie durch- gekämpft hat und erstmalig in Deutschland, hinter seinem schritt- machenden Vater am Ablckus erscheint. Weiter wird der Belgier B e n 0 i t hinter Besson W Kampf aufnehmen. Der Belgier ist in guter Erinnerung, da er im vorigen Jahre bei seinem Debüt die Rolle eines Hechles im Karpfenteich spielte und als einziger das Rennen kampfreich zu gestalten wußte. * Zu der zum ersten Male in Deutschland stattfindenden Meisterschaft der Berliner Geschäfts- Dreirad- f 0 h r e r, die am kommenden Sonntag, vormittags 11 Uhr, auf dem Gelände der Rütt-Arena auf einer zwölfmal zu durch- fahrenden Rundstrecke von rund 800 Metern vor sich gehen soll, sind bereits eine größere Anzahl Meldungen eingegangen, ein Zeichen, daß der neue Wettbewerb allgemeinem Interesse begegnet. So wird u. a. die Berliner Paketfahrt-Gesellschaft nicht weniger als 25 Dreiradfahrer mit ihren Maschinen ins Treffen schicken. Das neuartig« Rennen, das auf der gleichen Strecke vor sich geht wie vor zwei Jahren die Meisterschaft der Zeitungssahrer, ist mit Ehrenpreisen reich dotiert. Außerdem erhält jeder Teilnehmer, der preislos ausgeht, eine Erinnerungsplakette. Meldungen zu dem Rennen, dos bei jeder Witterung stattfindet, sind unverzüglich an die Rütt-Arena, Berlin SW. 29, Siboldstr. 7/8. zu richten. Das Stiefkind im deutschen Berufsradsport ist seit langer Zeit der Flieger. Er ist von dem großen Bruder Steher seit langem oerdrängt worden und fristet nur noch ein recht bescheidenes Dasein. In zahlreichen Besprechungen wurde zwar wiederholt versucht, die Leiter der Radrennbahnen zu einer Mehrausschreibung von Fliegerrennen zu bewegen. An Zusagen hat es auch nicht ge- fehlt, leider blieb es aber bei leeren Versprechungen. Auch die Straßcnfahrcr befinden sich fetzt in einer sehr üblen Lage, denn ihnen bleibt vorläufig nichts weiter übrig, als ihren Verdienst auf der Bahn zu suchen und Mannschaftsrennen zu bestreiten. In einer demnächst stattfindenden gemeinsamen Besprechung mit den Bahnbesitzern und dem Sportausschußvorsitzcnden des 2DR. werden die Rennfahrer ihre Notlage darlegen und die Bahnleiter ersuchen, auch den Fliegern und Straßensahrern einigermaßen ausreichende Verdienstmöglichketten zu verschaffen. Di« Anregungen dürften um so mehr auf fruchtbaren Boden sollen, als die Direktoren der Bohnen Berlin-Olympia, Rütt-Arena, Dresden, Chemnitz, Elberfeld, Breslau. Nürnberg, Hamborn, Forst ufw ihren Wohnsitz in Berlin haben und bei der �Zusammenkunft wohl sämtlich vertreten sei» werden. Im übrigen plant der Bund am 28. April nach der Stadionbahn in Wannsec einen Renntag für Flieger und Straßen- fahrer auszuschreiben. An diesem Tag« sind auf der Olympiababn und der Mtt-Arena keine Rennen vorgesehen. Kingerferiigkeii. Selbst der Kriminalbeamte bemerkte nichts. Ein d r e i st e r D i e b st a h l, der durch seine Ausführung vesondere Beachtung verdient, wurde gestern gegen IX Uhr in der Bant sür Handel und Grundbesitz in der Kalser- wilhelm- Strohe verübt. Es ist das der dritte Fall in kurzer Zeit bei verschiedenen Banken. Allem Anscheine nach sind die Dieb«, die sehr geschickt arbeiteten, in russischen oder polnischen Kreisen zu suchen. So wurde z. B. erst kürzlich ein Berliner Kaufmann in einer Bankfiliale in der Nähe des halleschen Tores von einem Unbekannten, der nur gebrochen deutsch sprach, angeredet und nach dem Dollarkurs gefragt. Während er Auskunft gab und sich in ein kurzes Gespräch einließ, achtete er nicht auf sein auf dem Zahllisch siegendes Geld. Als der Fremde sich entfernt hatte, war auch dos Geld verschwunden. Ohne Zweifel hatte er den Kaufmann abgelenkt, und sein Helfershelfer hatte unbemerkt das Geld an sich genommen. Noch dreister muß der Dieb gestern in der Kaiser-Wilhelm-Straße zu Werke gegangen sein. Der 64 Jahre alte Kaufmann Werner aus Ioachimsthal Sanitäre Anlasen SW 68, Lindenstraße 2 Telephon: Dönhoff 957Z Taco ü «« Kraftfahrzeug-Werkstätten O. m. b. H, Spezial- reparaturen sämtlicher In- und ausländischer Systeme-— Bereifung— Auto Zubehör. Charlottenburg SchloßstraBe 69(E.nfahrt). Tel. Wilhelm 9223/24 Frisier-Salon für Damen und Herren Gute Bedienung Solide Preise Stadtbad Krenzberg. Baerwaldstr. 64-65 r GROSSDESTILLITION Prinzessinnenstrasse 17 invaliden- Ecke Acderstrasse Riner- Ecke Brandenburgstr. Bäckerei/ Konditorei/ Cafe Paul Köhler Gonlarilstr. 3/4, bei der Zentra'-Markthalle » » * pvapnpapwwwwwwwnwwwwwm Oäinptwäscherei Alexander Micltel Inh. Carl Kopp— tiegrundet I90t[6� üüernlmmi Haus-, Lata- und Hoteiwäscba bei guter Ausführung und soliden Preisen Berlin so., marlannenstr. 31/32- Moritzpl. 551 " Asphalt-Fabrik F. Schiesing Nachf. Akt.-Ges. 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