BERLIN Soiwabend 13. April 1929 10 Pf. Nr. 173 B S6 46. Lahrgang. Erscheint täglich anßerSonntag«. ?uglelch Abendauegabe de«.Dorwärt«'. Bezugsrrei« beide Ausgaben SsPf. pro Woche. pro Monat. Redaktion und Erpedition; DerlinSWes,!indcnstr.Z F SnteigenrreiCDie einspaltige Nonpareille»«!« so Pf.. Reklameieile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-V erlag G. m.b.H., Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bit 297 38 Milliarden Gesamtschuld. Oer alliierte Vorschlag wird heute überreicht. I Parks. 13. April.(Eigenbericht.) Das Alliierten- Mc in orandnm, das heute in der Vollsttzung der Sachverständigenkonferenz übergeben »verde« soll, setzt die deutsche Reparationsschuld in ihrer Gesamtheit nach übereinstimmender Information der Pariser Presse auf 37 bis 38 Milliarden fest. Davon entfallen auf die Deckung der interalliierten Schulden 20 Milliarden und 12 bis 13 Milliarde» auf die Zusatzforderung für Wiederaufbaukoften usw. Frankreichs Anteil für die Wiederaufbaukoften soll sich auf 7 Milliarde« belaufen. Die Anfangsannuität soll, wiederum nach überein- stimmender Darstellung der Pariser Presse, sich künftig auf 1,8 Milliarden belaufen. Sie soll nach zehn fahren aus 2,4 Milliarden steigen und nach 37 Jahren wieder auf 1.7 Milliarden fallen. Sämtliche Pariser Blätter glauben voraussagen zu können, daß Reichsbankpräsident Dr. Schacht in der heutigen Vollsitzung das Alliierten-Memorandum lediglich entgegennehmen werde, ohne sich dazu zu äußern. Er werde einige Tage Bedenkzeit verlangen, um es zu prüfen. Vielleicht wird er auch, bevor er se�ne Antwort dazu erteilt, noch einmal«ach Berlin reisen, um mit den zuständigen deut» scheu Stelleu zu verhandeln. Owen Uoung findet die Forderung zu hoch? New Jork. 13. April. Zu amerikanischen Pressemeldungen wird unter- strichen, daß die amerikanischen Sachverständigen den von Paris genannten Ziffern durchaus nicht zustimmten. Der.jkew Jork herald" meldet, die Pariser Ziffern hätten i n keiner Weise die Zustimmung Owen Poungs ge- s u n d e n und stimmtet! durchaus nicht mit der amerikanischen Anschauung überein. Das deute an, daß die höhe der Forderungen ftarküberdenPunkt hinausgehe, wo sie die Amerikaner, ebenso auch die Japaner, sehen möchten. Owen Poung werde daher »nöglicherweise gezwungen sein, niedrigere Ziffern in die Debatte zu werfen. Man müsse mit weiteren mühseligen Verhandlungen rechnen, wenn man bedenke, daß acht Tage notwendig gewesen seien, om die Alliierten zur Herabsetzung ihrer Forderungen um 300 Millionen Mark zu veranlassen. Obwohl die„Ilew Port Times" in einem Leitartikel klarzumachen versucht, welche vor- »eile eine Unterzeichnung der Vorschläge für Deutschland mit sich bringen würde, ist es doch ausfällig, daß sich auch die„llew Pork Times" mit äußerster Mäßigung ausspricht. Die Minister ernannt. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichspräsident hat am heutigen Sonnabend aus Vorschlag des Reichskanzlers den Reichsminister Koch- Weser auf seinen Anirag aus dem Amt des Rcichsminiflers der Justiz entlassen und den Reichsminister a. D. Guörard, M. d. TL. zum Reichsminister der Justiz ernannt. Ferner hat der Reichspräsident aus Vorschlag des Reichskanzlers den preußischen Minislerpräsidenten a. D. Dr. Stegerwald zum Reichsverkehrsminifler und den Reichskanzler o. D. Dr. Birth zum Reichsminister für die besetzten Gebiete ernannt._ Heuie iriti Barkel zurück. Generalsregierung wird ernannt. Warschau, 13. April. halbamtlichen Rachrichten zufolge wird MlnisterpcSsidenl Dr. vortel am Sonnabend ossiziellzurücktrctcn. Gleichzeitig wird der bisherige llnlerrichtsminister Dr. S wltalski mit der Bildung der neuen Regierung betraut werden, wie bekannt, ist Dr. Switalski seil jeher der Vertrauensmann der sogenannten Obersteugruppe._ „Landesverrat" mitSchießtabellen. Oer Prozeß Goldmann-Oieh. Das Schöffengericht Beilin-Mitte begann heute vormittag mit der Verhandlung gegen den Ballistiker Dr.(B o l d m a n n und den Studienassessor und Industriellen Dietz, die beide angeklagt sind, den Versuch unternommen zu haben,„militärische Ge- he im nisse an«ine auswärtige Macht weiterzugeben". Das Er- weiterte Schöfsengericht tagt unter Vorsitz von Direktor Steinroh, die Anklage oertritt Staatsanwaltschaftsrat Kirchner. Als Sach- verständige sind geladen von Eberhard von den Krupp-Werken und Oberst Becker vom Reichswehrministerium. Dr. Goldmann wird von Rechsanwalt Dr. R o s e n f e l d und Dietz von Iustizrat Werthauer und Rechtsanwalt Hertel- Bremen verteidigt. Beide Angeklagte äußern sich zunächst über ihr Dorleben. Dr. Goldmann war Mathematiklehrer und während seiner Militärzeit abkommandiert, die theoretischen Grundlagen sür die Echießversuche der deutschen Artillerie zusammenzustellen. Dietz war gleichfalls Lehrer, ist aber dann von diesem Beruf zur Industrie hinübergewechselt, weil er in seinem Lehrerberuf sich nicht so rechtspolitisch betätigen konnte, wie er es wünschte. Sein Schwiegervater hat ihm dann ein Schraubenwerk gekaust, das er heute noch leitet. Während Dr. G o l d m a n n den Eindruck eines Oberlehrers macht, der fanatisch einem Gedanken nachhängt und Jahrzehnte»er- bringt, um eine Schießtabelle zusammenzustellen, die nach Meinung der militärischen Sachverständigen keinen großen Wert hat, ist Dietz ein flinker Geschäftsmann, der jede Chance ausnutzen will, um Geld zusammenzuraffen. Zu der Beschuldigung äußert sich als erster Dr. Gold mann. Er will während seiner Militärzeit und auch später festgestellt haben, daß man die für jedes Geschütz notwendige Pulvermenge theoretisch errechnen und dadurch praktische Versuche ersparen könne. An Hand von Schießtabellen der deutschen und ausländischen Geschütze hat Dr. Gold- 3>er 1 leubau der Reichskanzlei. Hohe Krane recken sich nebender Reichskanzlei empor, wo der Erweiterungsbau aus der Erde wächst. mann eine Tabelle zusammengestellt, die ermöglichen soll,, die Pulver. mengen sür die Geschütze genau festzustellen. Er hat auch ein L e h r- buch über Ballistik geschrieben, das aber vom Reichswehr- Ministerium abgelehnt wurde. In seiner Heimatstadt Haspe war Dr. Goldmann als Mathematiker sehr bekannt und wurde während und nach dem Kriege immer wieder mit Fragen bestürmt, wie das Langrohrgeschütz, das Paris beschossen hat, ausgesehen habe. Dr. Goldmann, der nie mit diesem Geschütz zu tun hatte, konnte sich auf Grund seiner wissenschastlichen Vorbildung davon aber eine Borstellung machen und rühmte sich vor Freunden und Bekannten, daß er die Pulverberechnung für dieses Geschütz gemncht hätte. Im Jahre 1922 hat er im Speisewagen eines I)-Zuges Dietz getroffen, dem er sofort auch von seinen Pulverprüfungsversuchen«rzäblte. Dr. Goldmann, der sich dadurch enttäuscht sah, daß die deutschen Militärstellen sein Buch abgelehnt hatten, wollte nunmehr als Ballistiker ins Ausland gehen. In dem Speisewagen erzählte er davon Dietz, der ihn dann eine Woche später aussuchte und mit ihm einen Vertrag abschloß. Dsetz wollte ihm helfen, ins Ausland zu gehen. Es wurde ein Vertrag ausgesetzt, in dem merkwürdigerweis« auch der Satz enthalten ist. daß Dietz an der Verwendung der Pulver- tabellen finanziell beteiligt wäre. Daraus entnimmt die Anklage, daß zwischen beiden nicht nur der Plan bestanden hat, Goldmann eine Stellung im Ausland als Ballistiker zu besorgen, sondern auch die Pulvertabellen zu verkaufen. Bis zu dieser Ver- tragsübercinkunst wurde zunächst Dr. Goldmann gehört. Dietz bestätigte die Darstellung des Speisewagengesprächs und äußert« sich dann über seine politische Gesinnung. Er gehört damals zur politischen Rechten und hatte ' mit Iustizrat Elaß Verbindung ausgenommen. Sein Plan war angeblich, der deutschen Wehrmacht nach allen Kräften zu Helsen, e? wollt« Dr. Goldmann ermöglichen, im Auslande seine Kenntnisse als Ballistiker zu vervollkommnen, um sie später wieder einmal der deutschen Armee zur Verfügung zu stellen. Dietz hat, nachdem er mit Dr. Goldmann den Vertrag abgeschlossen hatte, einige sehr, merkwürdige Briefe an den amerika- nischen Botschafter geschrieben. In diesen bietet er dem Amerikaner die Kenntnisse. Dr. Goldmanns und die Puloertabellen an. Um die Sache recht schmackhaft zu- machen, berichtet er an den amerikanischen Botschafter, daß Dr. Goldmann auch die Pulverberech- nungen für das Langrohrgeschütz, das Paris beschoß, zusammen- gestellt hätte. Auf Einwurf der Verteidiger und des Vorsitzenden erklärt Dr. Goldmann noch, daß er auch heute noch nicht glaube, sich des Verrats militärischer Geheimnisse schuldig zu machen, wenn er als Ballistiker Ins Ausländ ging«. Er verweist darauf, daß schon vor dem Kriege höhere Generalstabsoffiziere aus der deutschen Armee in auswärtige Heere übergetreten wären. Di« politischen Zusammen- hänge dieses Prozesses werden wahrscheinlich erst in der Nachinittags- Verhandlung zur Sprache kommen; besonders soll sich dann Dies; dazu äußern, wie er dem Kreis um Justizrat Elah die Freundschaft aufkündete. LEA. und ueeyt. Steine Wiederaufnahme einstweilen in Aussicht. Washington. 13. April. In' Kreisen, die dem vundessenakor v o r a h nahestehen. wnrde henke erklärt, daß eine Anerkennung der Sowjet- oalou durch die Vereinigten Staaten in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sei. da die inner politischen Probleme die Aus- merksamkcit Amerikas voll in Anspruch nähmen. Zm Staatsdepartement wurde dies auf Anfrage insoweit bestätigt, daß in der Frage einer Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland keine neue Entwicklung eingetreten sei. Ans eine Frage über die Wiederaufnahme diplomatischer ve- Ziehungen zum Vatikan wurde darauf hingewiesen, daß diese Frage nicht akut sei, da der bestehende Vertrag mit dem Luirinal noch nicht außer Kraft getreten sei. Der letzte amerikanische ver- tretet beim Vatikan wurde im Zahre 1S70 nach Aushebung de» Kirchenstaates zurückgezogen. Hugenberg und Hindenburg. Oder Hussein uud der König. In der.Deutschen Zeitung", dem alldeutschen Blatt, das chugenberg am treuesten ergeben»st, liest man: Ein« jener dunklen Quellen, dt« mehr als man glaubt das oerantwortungelose System von heute beeinslussen. verbreitet eine absonderliche Meldung, chugenberg habe etwa eine Woch« �or Ostern«ine Aussprache bei chindenburg gehabt, habe ihm sein« Ansicht über die Lage aueeinandergesetzt und ihn zu politischen Schritten gegen den Schlendrian des Rcgierungsdurch. einanders bewegen wollen. Er habe aber mit seinen Bestrebungen bei chindenburg keinen Erfolg gehabt. Insbesondere deshalb nicht, weil der Brief chugenberg» an Amerika einen so schlechten Eindruck auf Hindenburg gemacht habe. Und nun kommt ein Märchenerzähler, kleidet das Ganze In eine Fabel«in, in das Märchen von Hussein und dem König, und wieder. holt unter diesem deckenden Mantel dieselben Gerüchte. Die„Deutsche Zeitung" hat— sicherlich blast aus Versehen— vergessen, den Namen d«r Zeitschrift anzugeben, in der jenes artige Märchen erzählt wurde. Es war die d e u t s ch n a t i o n a l«„Po- l i t i s ch« Wochenschrift", die sich schon einmal durch jenen Artikel Lambachs über die Hoffnungslosigkeit des deutschen Monarchismus unbeliebt gemocht hatte. Erst wenn man diese Quelle kennt, wird man den Reiz des Satze», mit d«m das Märchen schließt, voll genießen können: Hussein aber, nach einigen weiteren vergeblichen Versuchen, wenigstens einen Teil seiner Pläne noch zu oerwirklichen, zog sich in seine Provinz zurück, die unter dem wenig fruchtbaren Regime zusehend» oersiel, und wurde dort später pen» s i o n i e r t. Hoffen wir e», lieber Leserl Sechs Opfer der Arbeit. Dom heransausenden Schnellzug überfahren. Wie aus Paris gemeldet wird, hat sich in der NSHe von M o d a n e(Arrondissement Chambery-Savoyenj ein schreckliches Eisenbahnunglück ereignet. Sechs Arbeiter zogen einen Eisenbahnwaggon, als plötzlich von einer Weiche her der Schnellzug Paris— Mailand her» ansauste. Die unglücklichen Arbeiter hatten keine Zeit mehr» zur Seite zu springen. Durch den Zusammenstoß wurde« fie mehrere Meter weit geschleudert und bliebe« bewegungslos auf dem Bode» liegen, vier waren auf der Stelle tot, während die beiden anderen schwere Verletzungen erlitten haben. SO 000 Mark Lohngelder geraubt. Keine Spur von den Tätern. Als gestern um 20 Uhr auf der Zeche„K o n r o r d l a" lOberhause« t. W.) die Nachtschicht ausgelohnt werden sollte, drangen einige Unbekannte in die AuSzahlungs- Halle ei», warfen dem diensttuenden Beamten Pfeffer in die Augen und ergriffen mit der Masse die Flucht. Der Vorfall spielte sich mit einer derartigen Geschwindigkeit ab, daß dt« Pelden Kontrollbeamten keine Zeit zum Eingreifen fanden. DaS sofort alarmierte Ueber» fa'llkom mundo vermochte trotz eifrigen SuchenS keine Spur der Räuber zu entdecken. Die halbe Belegschaft der Schächte IV und V konnte deshalb gestern abend ihren Lohn nicht erhalten. Die geraubte Summe dürfte insgesamt 30000 Mark betragen. Kahlbusch von rechts beeinflußt? Schulz ziiteri vor Kahlbufchs Aussage.- Wie Fememörder zu Verteidigern kommen. Wachsamkeit tut not! Sonnabend, der unsattreichste Tag. Oie Zahl der Verkehrsunfälle steigt wieder. Nachdem seit Oktober v.?. die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr dauernd gesallen war lvklober 2834, November 2385, Dezember 2077, Januar 1678 und Aebruar 1371), ist sie infolge de, zunehmenden Siraßenverkehr» und der Vermehrung der Verkehrsmittel wieder gestlegen und zwar von l 3 7 l im Monat Februar auf 18 7 0 im Monat März. Bon den 1870 Verkehrsunfällen entfallen nach einer Statistik des Polizeipräsidium» auf die 30350(29 574) Personenkraftwagen 7B(45), die 14 948(14 682) Lost, und Geschästskraftwagen einschließ» lich Elektrokarren 98(89), die Last» und Geschäftskraftwagen mit Anhängern 9(14). die Zugmaschinen 4(2). dir Zugmaschinen mit Anhängern S(S). die SIDS(9135) Kraftdroschken 303(320). die 883 (685) Kraftomnibusse 103(121), die 30 554(29 058) Krafträder und Kleinkraftröder 104(30) die 3683(3673) Triebwagen und Anhänger der Straßenbahn 177(142). die mit 42 222 Pferden bespannten Wagen 197(187), die mit anderen Tieren bespannten Wagen 0(1), die Handwagen 31(29). die Treträder 277(63). die Fußgänger 364 (237) und auf Häuser, Bäume. Laternen, Gitter, Zäun«. Bord» schwellen usw. 84(60) Unfälle. An diesen Unfällen woren als Wegeben uj) er 3704(2735) Fuhrwerke, Personen oder Gegen» stände beteiligt. Wenn man die Unfälle auf die einzelnen Tage oerteilt, so entfallen auf die Sonntage 155(93), di« Montage 263(215). die Dienstage 255(214), dl« Mittwache 263(190), die Donnerstage 248(213), di« Freitage 319(219) und die Sonnabend« 367(227). Die größte Zahl der Unfälle entfiel also diesmal wieder auf die Sonnabende.— Nach ver Tageszeit zusammengestellt, ereigneten sich die meisten Unfälle nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr(177), di« wenigstens zwischen 4 und 5 Uhr früh(14). Bei den Unfällen wurden insgesamt 7(3) männliche und 5(4) weibliche Personen getötet und 508(304) männ'�- und 214(136) weibliche Personen verletzt. Gegen Theaterzentur! In der Berliner Stadtverordnetenversamm» lung hat di« sozialdemokratische Fraktion folgeickien Antrag«ingebracht: „Der Magistrat wird ersucht der Wiedereinführung der Theaierzenjur oder einer Mahnahme, die einer ver- kappten Zensur ähnlich sieht, durch Voistelllgwerden bei den de» treffenden oberbehördlichen Stellen im Snteresi« der Freiheit der Kunst entgegenzutreten." Dieser Antrag stiitzt sich auf vle Bedenken, die man gegen das Verbot der Aufführung des Lampischen Schauspiels„Giftgas über Berlin" haben mußte. Aus der Rechtspresie entnehmen wir, daß der Feme-Oberleut» nant Schulz an seinen Berliner Verteidiger da» Ersuchen gerichtet hat. daß der bei feiner Rückkehr au» Amerika verhostcte Fahlbusch weder von verkrekern der Polizei, noch von solchen de» Wehrkreiskommandos vernommen werde. Man kann au« dieser seltsamen Meldung entnehmen, wie groß die Angst der FemehävpNInge ist. daß Fahlbusch etwa die Wahrheit aussagen könne, und wie sehr sie bemüht sind, auch diese Sache in bewährter Weise zu„dir!- gieren". Ist es doch in den früheren Femeprozessen schon drei- oder viermal vorgekommen, daß Mitangeklagte hes Schulz, die ihn in der B o r u n t e r s u ch u n g auf das allerdeutlichst« belastet und die dlrekle Anstiftung ihres Handelns durch Schulz bekundet hatten, in der Hauptverhandlung plötzlich umfielen und sich an nichts mehr«rinnern wollten. Auch die Verteidigerwahl spielte bei dieser Regie eine große Rolle. Nach Meldungen toll Fahlbusch als Verteidiger den scharf rechtsgerichteten Rechtsanwalt Graf o. d. Goltz bereits erhalten haben. von wem? fragen wir. Es scheint hier wieder zuzugehen wie im Fall« P a n n i e r, wo im Auftrage mysteriöser, dt» heute noch nicht ermittelter Personen der rechtsgerichtete Rechts« a n w a l t Sack bei den einzelnen Angeklagten in der Zelle des Untersuchungsgefängnisses erschien und ihnen seine Verteidigung an- bot. Ein Angeklagter, der bereits den linksgerichteten Rechtsanwalt Themal auf Anraten eines anderen Unter- suchungshäftlings hatte nehmen wollen, ließ sich durch da» Angebot de» Herrn Sack und namentlich auch durch die Versicherung, daß alles gratis für ihn sein würde, wieder umstimmen. So vereinigte damals der rechtsradikale Rechtsanwalt Sack zunächst die Verteibi- gung s ä m t l i'ch e r Angeklagten in der Sache Pannier in seiner Hand. Bei einigen legt« er sie dann wegen.Znterelsenkollision" nieder, um diese Angeklagten an o o n i h m(Sack) ausgewählte Substituten zu verteilen. Die Hauptverhandlung im Falle Pannier endete damit, daß dl« vier angeklagten Muschkoten unv Unteroffiziere wegen Morde» verurteilt wurden, der Leutnant Venn wegen A n- stlftung. dagegen wurden die höheren Vorgesetzten, die Ba> tallloniführer v. Senden und G u t t n e ch t mit Glanz von der An- klag« der Anstiftung freigesprochen. Der Freigesprochene ist der gleich« Suttnechi. der sich setzt flüchtig in Afrika aufhält und der nunmehr von Schulz der Hauptanstiftung im Falle Wilms bezichtigt wird! Trotz der verdächtigen Umstände'bei der Uebernahme der Der- teidigung hat diese vor dem Landtagsuntersuchungsausschuß natür- lich beweisen können, daß in der Hauplverhandlung„alles in Orb- nung gewesen" ist und daß die beteiligten Rechtsanwälte ihren Mandanten richtig verteidigt, daß sie nicht zum Nachteil ihrer Man, danten etwa das Jnteresie der Vorgesetzten wahrgenommen haben. Gewiß, da» behauptet auch niemand. Es wird auch niemand behaupten, daß Rechtsanwalt o. d. Goltz die Verteidigung des F a h l b u s ch im Interesse des Oberleutnants Schulz übernommen Hab« oder führe. Aber die Mitwelt wird später einmal ein Recht darauf haben, genauesten» zu erfahren, wie dl« Aussagen de» Fahl- dusch etwa vor der verleidigungsübernahme des Grafen v. d. Goltz ausgesehen haben und wie sie vielleicht nachher aussehen werden. Dies wird unter allen Umständen rein objektiv festzustellen sein. Da nach den Meldungen der Rechtspresse die Versuche zur veeinflussung des Fahlbusch osfensichilich schon im Gange sind, so fordern wir die Regierung auf. alle erdenklichen Vorsicht»- maßregeln dagegen zu treffen, namentlich auch gegen di« Möglich- keit, daß im Untersuchungsgefängnis von ungetreuen Beamten auf Fahlbusch ähnlich eingewirkt wird, wie dies seinerzeit im Falle v. P o s« r durch den Oberpsorrer Penschke geschah, der Im Auftrag von Schulz den Versuch machte, den Mitangeklagten v. Poser zur Zurücknahme seinerden Schulz belasten- den Aussagen zu bewegen. Fahlbusch weiß, wenn nicht alles, zum mindesten sehr viel. Sicherlich kennt er genau die Zentrale, die den Befehl zu den meisten Fememorden erteilt hat. Vielleicht hat er sogar in diesem oder jenem Falle von Schulz dlrekken TNordauftrag erhallen. Fahlbusch» Wilsen steht außer Zweifel. Ob er aber aussagt oder ob er wie der treue Kettenhund des Schulz, Feldwebel Klapproth, sich in Schweigen hüllt, das wird von der Umsicht und G e, s ch i ck l i ch k e i t der Untersuchungsführung abhängen. Berufskrankheiten der Bergleute. Sozialdemotraiische Beschwerden im Landtage. In der heutigen Im Preußischen Landtag fortgesetzten Debatte über den Berg- und Hüttenetat sprach al, erster Redner Abg. Otter-Bochum(Soz.): Das seinerzeit von den Zechenherren gegebene Versprechen, daß auch die Bergarbeiter an den Erfolgen der Ratio- nallsierung beteiligt werden sollen, ist nicht erfüllt worden Wenn die Vertreter des Bergkapitals hier reden, könnte man meinen, sie seien am Ende ihres Latein». Mir hat der Abg. Krämer (D. Dp.) vorgeworfen, daß ich al» Angestellter de» Bergarbeiter- verbände» einseitig die Interessen der Bergarbeiter vertrete. Schließ- lich ist es unsere programmatische Ausgab«, gegen jede Unterdrückung und Ausbeutung zu kämpfen. Herr Krämer ist aber Berg rat und in feinem Auftreten nicht ob» j e t t i v. wenn er hier als Staatsbeamter«insettig die Interessen de» Bergkapital» vertritt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Ueber die Lohnfragen zu sprechen, ist nach der ausgiebigen Debatte jetzt überflüssig. Jedenfalls liegt die Entscheidung nicht beim Land- tag, sondern bei den Tarisparteien. Das Zurückgehen der U n f a l l z i f f e r erkennen wir an Trotz- dem ist die Zahl der Unfälle noch erschreckend hoch. Bosonder« traurig sieht es in dieser Hinsicht in Oberschlesien aus. wo die Zahl der Unfälle über doppelt so hoch als im Ruhrgebiet Ist. Ganz allgemein sind 33 Proz. aller Feierschichten ein« Folge erlittener Unfälle.(Hört, hörtl bei den Soz.) Die Folg« ist ein« außerordentlich hohe Be- lastung der Knappschaststasien, die einen ganz erheblichen Prozent- satz dafür auswerfen müsien. Besonders häusig sind di« Unfälle noch auf den B r a u n k o h l e n g r u b r n Die erst kürzlich eingetretene Kohlenstaubexplosion auf der Grube Emma be! Streckau gibt mir Veranlassung, auch für den gesamten Braunkohlenbergbau die E i n- führung der Crubentontrolle zu fordern.(Sehr gut! bei den Soz.) Di« eingeholten Gutachten der Wisienschoft über die künfkige Verhinderung von Unfällen im vergbau sind vom Standpunkt des Praktiker» zum Teil sehr anfechtbar. Jedenfalls sind ernste Nachprüfungen notwendig. Di« Einführung de» Gestelnsstaubverkahren» hat zwar Expla- sionen oerhindert, aber die Gesundheit der Bergarbeiter schwer geschädigt. Durch da» Einatmen de» Gesteinstaubes hat die sogenannte Gesteinstaubinngenkrankhetl unter den vergarbeiker� erheblich zugenommen. Di« an dieser Krankheit Leidenden sind bei der Ruhrknappschasi von 587 im Jahre 1925 aus 1112 im Jahr« 1928 gestiegen. Das gibt Veranlassung, dies« gefährliche Krankheit als entschädigungspflichtige Berufskrankheit zu bezeichnen und zu fordern, daß sie von den Behörden al» eine solch« anerkannt wird. (Sehr wahr! bei den Soz.) Ganz ähnlich liegt e» mit dem durch die Hitze hervorgerufenen Augenzittern. Auch diese Krank- h-itsziffer ist bedenklich gestiegen und muß als Benifi-kron-kheit an- erkannt werden. Wenn damit di« Knappschaftetassen belastet werden. so wird durch di« Anerkennung al» Berusskrankheit dl« Berufs» genosienfchaft herangezogen werden müsien. Der Redner kritisiert dann an einer Reihe von krasicn Bei- spielen die Behandlung von gemeldeten Betriebs- störungen und Unfällen durch die Bergrevierämter. Die Er- ledigung dieser Angelegenheiten ist bei den einzelnen Behörden in einer Art und Weise erfolgt, die nicht im Jnterest« d« Berg- «rbeiter und der Grubensicherheit liegt, sondern im Inte: est« de» Bergkapitals. Er fordert den Minister aus. hier energisch durchzu- greifen und schließt mit dem Wunsche, daß bei mehr Initiative des Ministeriums nach dieser Richtung hin hoffentlich künftig nicht mehr notwendig sein wird, alle diese Dinge zur Sprach« zu bringen, um di« damit verschwendete Zeit anderen dringenden Ausgaben zuzuwenden.(Bejfall bei den Soz.) Handelsminister Dr. Schreiber betont, daß der letzte Wunsch de? Abg. Otter auch der seinige sei. Wenn ihm aber ein Teil der vorgebrachten Beschwerben vorher betonntgewesen wäre, hätte er sofort darauf eingehen können. So- weit ihm die Ding« bekannt sind, müsse er die Kritik als berechtigt anerkennen, und in einem Falle sei so verfahren worden, wie es der Abg Otter gewünscht hat. Der Mimster setzt sich sodann mit den Ausführungen der ein- zelnen Redner vom letzten Tage auseinander. Er zieht«ine Parallele zwischen den Produktionsbedingungen und-kosten de» englischen und deutschen KohlenbergSaue», die in allen Teilen zu- Ungunsten des deutschen Bergbaues ausfallen müsse. Diese Totsach« müsse man bei den Lohnforderungen gebührend m Rücksicht stellen. Abg. Martin(Dnat.): Die Zcchenbesitzer haben ernste Sorgen: die Zelt der guten Dimdenden ist dahin. Darunter leiden zu allererst di, Bergarbeiter. Der Redner setzt sich für die Erhaltung des Siegerländer Erzbergbaues ein und wendet sich gegen die Zechen- stilleglingen. Abg. Schlag(Komm.) führi die Unfälle im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau aus das Antreiber- und Prämiensystem zurück. Die Debatte wird sortgesetzt. Lohnverhandlungen im Vuhrbergbau. Lochum. 13. April.(Eigenbericht) heute fanden in Essen zwischen den Vertretern der Gewerkschaften und de, Zechenverbande» diierfienparteiverhand- lnngen statt über den Nenabschluß eine» Lohntarifcs für den Nuhrdergban. Lei Eintritt in die Verhandlungen erhoben die Ar- belleroertreler folgende Forderungen: l. Eine Mark Lohnerhöhung pro Schicht für alle Ar- beitergrnppen." 2. Aufrücken in die Klaff« der voll haner mit dem 2 0. Lebensjahr und verhältnismäßig frühere» Aufrücken der jüngeren Arbeitergrnppen bis herab zu den Jugendlichen. Den Forderungen wurde unter Hinweis auf die nach den ve- rechnungen der Gewerkschaften günstige Lage de» Ruhrbergbaucs eine besondere Legründung gegeben. Die Zechenbesiher erklärten Ihrerseik», daß sie beantragen möchten, die Lohnverhandlungen auszusetzen und sie glelchzettig mit den Verhandlungen über den vom Zechenverband gekündigten Mantellarlsverkrag und da, Mehrarbelksab- kommen stattfinden zu lassen. Da, würde also bedeuten, daß vor dem 30. Juni sowohl in der Lohn- al» auch In der Arbellszellsrage keine Vereinbarungen zustande kommen könnten. Die A r b e l« e r Vertreter lehnten da» für die Gewerkschaften al» unmöglich nb. Die Vertreter de, Zechenverbande, erhoben dann folgende Forderung: Wiederherstellung der vorkrieg»arbeN,zeit für Untertage, also 8�stündlge Arbeitszeit, vei Ablehnung ihre» Anlrages, die Lohnverhandlungen hinauszuschieben, würden sie Ihrerseits einen Lohnabbau um 5 pro;, beankragen. fall» keine Ar» keil»zeilverlängerung einttelen würde. m Da keine Einigung zwischen den beiden Parteien möglich war. wurden die Verhandlungen vertagt aus Montag, den 22. April. Falls auch dann die partewcrhandlungeu scheitern sollten, soll anschließend in die Schllchlungsverhondlungen ringe- treten werden. Wilhelm Leibl z Ausstellung in I» Leibis Vaterstadt Köln entstand der Gedanke, eine Aus. stellung seines Lebenswerkes zu veranstalten i mit Beihilfe de» Talerie Mathießen und der Akademie in Berlin kam sie zustande, wurde im März in Köln gezeigt und ist von heule ob in der Akademie der Künste zu sehen. Außer Gemälden und Studien, die da» heute zugängliche Material bringen, sind die wenigen Ra- dierungen Leibis und einige seiner Zeichnungen in se einem Raum persammelt. Es ist kein sehr umsangreiches Werk, und insbesondere mag man sich darüber wundern, das Leihl. der ein so eminenter Zeichner in seinen Gemälden ist, so außerordentlich wenig gezeichnet haben soll. Allein das hat seine Richtigkeit. Seine Abneigung gegen den Zeichenstift teilt er mit seinem großen französischen Part- ner Eourbet! und nur zu einem Bild« gibt es eine größere Anzahl gezeichneter Studien: zu den„Wildschützen- von 1586, dir er selber in verzweifelter Selbstkritik zerschnitten hat. Daruber und über manch« andere persönliche Details unterrichten in dem auegezeichneten Katalog die wissenschaftlichen Ausführungen de» Bremer Museums- direktors E. W a l d m a n n,, Leidl war so ausschließlich Moler, daß er zu den meisten seiner Bilder gar keiner Vorstudien bedurfte und sie an einem beliebigen Flcck bei den Augen pder einer fjutfpitze alla prima aus der weißen Leinwand zu malen begann, da» ganz« Bild von diesem Punkt aus Stück für Stück vollendend. Nicht im Sturm beseflener Leidenschast, son- dern mit äußerster Bedächtigkeit: ein sehr langsamer und solider Arbeiter, der zu jenem Wildschützenbild und zu den berühmten „Drei Frauen in der Kirche- jeweils vier Jahre gebraucht hat. Dies ist natürlich auch der Grund, warum sein Deuvre so klein geblieben ist, daß e», locker gehängt, noch nicht einmal die Hälfte der Akademieräume einnimmt. Und trotz alledem wäre im Interesse seines Andenkens eine strengere Auslese noch wünschenswert gewesen. Es sind Ding« dabei, die seinem Ruhm nichts hinzuzufügen haben: und dies gilt nicht nur für den Saal mit seinen Jugendarbeiten und Akademiestudien, die lediglich ein kunstwissenschaftliches Interesse besitzen. Dennoch ist das Verdienst dieser Ausstellung sehr groß; und e» wird nicht geschmälert durch d'« Erkenntnis, der man sich nicht verschließen kann: daß auch das Malwert dieses Einsamen und zu seinen Lebzeiten vom Bürgertum, von den Kritikern und den offi- ziellen Malgrößen gänzlich Verfemten einer durch und durch hürger- lich gesinnten Vergangenheit angehört. Es ist schwer begreiflich, daß Leibi nach einer kurzen Zeit de» Anerkanntseins � das übrigen» durchaus von Paris und nicht von Deutschland ausging als Gegner der offiziellen Schönmalerei in den großen Bann getan und um Gedächtnis. der Akademie. so gut wie einmütig vom deutschen Publikum abgelehnt worden ist. ja, daß es his zu einer völligen Vergessenheit des großen Meisters kam. Denn seine Kunst ist zeitlos: es ist die vollkommene Malerei � an sich, gänzlich außerhalb aller Tendenz,«ine Kunst, die für jeden Menschen zugänglich sein müßte, der Augen hat, unbefangen zu sehen. Aber dies ist e» wohl: daß zu seiner Zeit niemand eine solche Unbesangenheit besaß, daß man vom Maler Interessante Histörchen verlangte und seine absolut« Naturwahrheit nicht wollte, weil sie nur «in ganz enges Stück Wirklichkeit mit höchster Intensität und So- lidität der Technik gab. Genügt un» heut« diese beinahe gegenstandslos« Vollkommenheit einer reinen Malerei? Es gehört zu der Tragik des heutigen Kunst- Problems, daß man dies« Frag« nicht widerstandslos bejahen kann. Nicht aus den kleinen Darstellungsbezirk kommt es an, nicht darauf, daß un» Bauern und Bildnisse, wie sie Leibi ausschließlich gemalt hat, kaum mehr etwa» angehe«. Di« Tragik reicht tiefer hinab, zu de: Frag«, oh wir«ine so ganz luxuriöse Kunst der feinsten vberflächengestaltung, de» absolutesten„Malen» an sich- gebrauchen können. Denn dies ist da» Problem Leibis, daß er nicht gestaltet, sondern nur gemalt hat: daß er ein Maler von höchstem Rang war, aber nicht ein Künstler, wie wir ihn uns wünschen müssen: ein Deuter des Lebens und Führer zu neuen Zielen. Da« waren zu seiner Zeit etwa Münch und pan Gogh. Er steht zwischen den Epochen, zeitlos in seiner Unbedinglheit: er gehört wirklich zu den Holbetn, van Eyck, Vermeer, van Delft und Velasquez— in unser« «est gehört er nicht. Er ist«in Maler sür die Künstler und seltenen Feinschmecker:«r mag auch heut« noch in der heroischen Solidität und Kraft seiner Technik als vollendeter Arbeiter Im Weinberg der Kunst gellen und. für den künstlerischen Nachwuchs darum Vorbild sein. Aber nie befreit sich sein Werk vom Modell. Was aber das Aussehen seiner Bilder betrisft, so muß man mit Erschrecken auf den Verfall ihrer Oberfläche hinweisen und eine» Appell an die Besitzer richten(es sind ja meistens deutsche Museen), ihren kostbaren Besitz bester gegen die Einflüsse der Zeit zu schützen. Der Zustand wichtigster Werke nähert sich schon bald der Katastrophe: ein gräulicher Firniß zerstört die Pracht der„Dorfpolitiker-, die „Tafelrunde- st«ht am Rande de« Ruins, und fast bei allen Bildern, vor allem auch bei den Fragm«nten der„Wildschützen-, ertrinkt die Farbe in einer uferlosen Schwärze. Die Asphaltvigmente sener Zeit scheinen auch bei Leibi nicht eben haltbar gewesen zu sein. Wenn ein« so prachtvolle Ausstellung einen praktischen Sinn haben soll. so wäre es in erster Linie der, zur Wiederherstellung der Originale aufzurufen. vr. Lau! F. Schmidt. Geheimn's von GrotlandUard. ZnsormatwnSlieferung an rvisische Agenten? eondon. 18. April. Ueber den neuen„S c o t k a n d> N a r h. S k a n d a l-, wie er von„Daily Mail- genannt wird, berichtet das Blatt. Di» An- schuldigungen beziehen sich auf die Tätigkeit der K p m° m u nisten, die in ständiger Fühlung mit den russischen Bolschc- wisten stehen. Die Pylizeichess sind angewiesen worden, all« geg«n bestimmte Gehelmpolizisten erhobenen Behauptungen zu prüsen- Kärzllche Zwischenfälle, die zur Kenntnis der Behörden gebracht wurden, führten zu der Annahme, daß geheime Znfonnolionen die Volschewisien durch eine ausländische Agentur tu Englaad erreicht haben. Seit einiger Zeit wurden Beobachtungen angestellt, um dt« Q u« l l« dieser Nachrichten zu entdecken. Es wird angenommen, daß die Be- Hörden jetzt den Kanal kennen, durch den die Informationen ge- gangen sind. Gestern ist«in in kommunistischen Kreisen bekannter Mann von der Geheimpolizei verhört worden. Di« Insor« mation, die zu der Untersuchung geführt hat, kam zuerst zur Kennt- nie des Kriegsamtes. Besonder« Beamte werden in Polizeikrast- wagen nach den Wohnungen der Detektive entsandt, gegen die die Anschuldigungen erHoden worden sind. Die Beamten haben nach eingehender Untersuchung eine Anzahl von Dokumenten zurückgebracht. „Daily Herald- berichtet: Die neu« Sensation zieht Beamte von Scotland Part» in International« Verwicklungen hinein. Es v«. Telephonsturm bei Hugenberg. .Herr Hugenberg, wir lesen in Ihrer presse, daß eine neue Inflation kommt. Könnten Sie uns nicht den genaueren Zeitpunkt mitteilen zwecks günstiger Dispositionen an der Dorfe?- lautet, daß auswärtig« Interessen berührend« Fragen mit der amt- lichen Untersuchung zusammerchängen. Aufsehen«rregend« Eni- hüllungen übtr die angebliche Verbindung von Scotlaad-Jard-Veamten mit Emissäre« au». wärliger Mächt« Verden vielleicht«ruf die«rschöpsende Untersuchung der Beschuldi, gungen gegen drei Beamte von Scotland Dard folgen, die aus. wärtige Agenten mit geheimen Informationen»«rsehen haben sollen. Diese Informationen wurden, wie verlautet, durch in einem benachbarten Land« befindlich« Kanäle geliefert, und Nach- sorschungen sind von der Polizei bei einer auswärtigen Gesandtschaft in London angestellt worden. „Daily C h r o n i c l«- meldet, es werde angedeutet, daß ge- wisse hochwichtige Mittellungen an Agenten einer kontinentalen Macht w>e verlautet Rußland. gelangt seien. Es heiße, daß auch e i n Z i o i l l st in die Angelegen- Heil oerwickelt sei und geHelme Mittellungen erhalten haben soll. Die Bauern spielen Langkopp. Sie machen Sprengfloff'Attrnlate. kiel, 18. April.(Eigenbericht.) Am Freitag wurde im Verlauf des zurzeit in Itzehoe statt- stndenden Ausruhrprozesse» der Gemeindevorsteher von B e i d e n t l e r h vernommen. Er erklärte«inleitend, daß er v o n den Angeklagten bearbeitet worden sei, um günstig für sie auszusagen. Am Abend nach der Versammlung in Itzehoe fei vor seiner Wohnung«in kleines Spreng st ofjottentat verübt worden. Alle Fensterscheiben seine» Hauses feien zer- trümmert worden: die Fahnenstange wurde beschädigt. Der Ge- meindevorsteher nimmt an. daß das Attentat nichts andere, als «in« Schreckmaßregel darstellen sollte. Koch und Kühl HStt«n früher ihre Steuern immer pünktlich bezahlt. Später Hab« die Gemeindevertretung einstimmig ihre Stundungsgesuche al» und«, gründet abgelehnt und beschlosien. gegen bcld« zur Pfändung zu schreiten.— Die Beweisaufnahme wird heut« geschiosien«erden. Bayern braucht Geld. Seit Mittwoch sind der bayerische Mi- Nisterpräsident Dr. Held und der bayerische Finanzminister Sch metzle in Berlin und Hutten Besprechungen nnt dem Reich». tanzler und dem Reichsfinanzminister. Die Besprechungen gelten, wie oerlautet, der Deckung de» Fehlbetrags im bayerischen Haushalt. Märchenkomödie. »Jafif in den Kammersälen. .Spielt in einer Provinzstadt zur Zeit, al« es noch keine Wasserleitung gab.' Großmütterchen sitzt im Lehnstuhl. Ihr zu Füßen die Enkelin. Draußen heult der Wintersturm. Da, ist das erste Bild der Tragi- komödi« van Ossip Dymow. Familiengemälde. sein in Del- druck ausgeführt. Und diese idyllische Stimmung weht durch das ganze Stück. Großmütterchen erzählt von.Lusik-, dem reinen Toren, d«r seine Lieb« und oll sxiv Hab und Gut an»in unwürdige» Mädchen verschenkt. Als er nichts mehr hat, gibt er auch sein weite», welches Herz dahin und muß nun klagen, bis es ihm eine gute Seele wiedergibt. In den nächsten Bildern läßt der Autor die rührselige Geschichte Gestoll werden. Wir sehen, wie Iusik um da» hin und her gestoßene Küchenmädchen wirbt, das aber den Sohn der Gnädigen inbrünstig liebt. Als der sie verschmäht, er« hört sie Iustk. und er schenkt ihr in seinem Glück den Hauptgewinn der Lotterie, der ihm eben zugefallen ist. Damit aber wird sie eine gute Parti«. Sie heiratet ihren Liebsten, und Iusik läßt sich von seinen Freunden willenlos nehmen, was er noch besitzt. Das Kindermärchen hal manche zarte und portische Stelle. Aber wir wissen nicht, was wir mit fünf Bildern idyllischer Romantik heutzutage beginnen sollen. Die Regie Heinz Hilpert» fühlt« sich offenbar selbst sticht wohl. Sie hat daher Stimmung um jeden Preis«rkrampft. Eine traurige Bühnenmusik von P a n t s ch o Wladigerosf stempelt das Märchen zu einem Melodrama, die Dekoration«« sind mit gespenstisch ausleuchtenden Farben gemall. Stimmung. Frieda Richard versucht in die wehleidig« Ge» schichte al» Hühnerfrau Humor zu bringen. Sie gackert und kräht mit mißtänendrr Stimme roi« ihreHühner, was das Publikum immer w>d«r zur Begeisterung hinreißt und musikalisch« Ohren schwer oer- letzt. Iustk gibt«in für Berlin neues Gesicht, Michael T s ch e ch o s f, der ganz der Träumer ist, wie ihn sich der Dichter vorgestellt haben mag. Eine zarte, abseitige, lyrische Leistung. Wahrscheinlich hat er sich für die Aufführung diese» Stückes«ingesetzt, das ihm viel Freude macht, aber nicht uns. Eine große Reihe guter Kräfte kommt leider nicht zur'Gettung, wie Dagny Servas, Karl Götz. Paul Hörblger und Willy Prager. Emst vegner. Oer Leuinani Ihrer Majestät. »Deba Atrium- und„primus-palast-. Elsersucht bei Kaiser». Ganz schlimm, daß diese Kaisers noch Russen sind. Nachdem die beiden Firck» mit Iwan Petrowllsch den „Orion»- inszeniert haben, gibt e» scheinbar sür sie nur noch Rüsten. Daß diese Russen durch die senttmentale Brille gesehen»erden, ist selbstverständlich. Man vergißt in den deutschen Fllmgelellfchaften, daß Rußland kein Kaiserreich mehr ist und daß wir in Deutschland von der verschwundenen Herrlichkeit ebenfalls nichts wissen wollen. Außerdem bringen dies« Filme unentwegt dieselben verwjck» lungen, e» ist ein herzige» Schema, von dem auch nicht einen Zoll breit abgewichen wich. Hier liebt der Leutnant Ihrer Masestät die Majestät, und die männliche Maiestät wechselt sich mit einer Hof» dame ab, bi, am Schluß wieder alle, in den richtigen Ehebetten versammelt ist. Wa» soll man mit fo'ch einem Stoff anfangen? Kttsch in Reinkultur, Zeichen für den Tiesstand der deutschen Film- Produktion. Zeichen dafür, daß sie nicht die Bedürfniste der Gegen- wart kennt, daß sie in einem kleinbürgerlichen Wolkenkuckuckshe m residiert. Die Regle der beiden Fleck» ist bekannt Große dekorative Säle mit sehr viel Stuck. Davor ein paar Schauspieler, die eine liehgewochene Schablone nicht einmal vollwertig ausfüllen. P« t r o w I t s ch ist«in guter Mannequin für Gardekosacken-Uni- formen, llnb selbst der hochbegabte Ferdinand Hordt be- schränkt sich dtesmat auf einen würdigen kaiserlichen Spitzbart. L I l t a n C ll i» wird ganz auf das TrSnenfellge und neck'sch Lieblich« von Courths-Mahler-Romanen stilisiert.' F. S. „Charleys Tanie" im Komödienhaus. Wenn T u r t Pols, dieser fröhlich« Junge, nicht wäre, wie sollten wir uns noch an dsm alten Stubentenut? amüsieren? Aber dieser lebendige und tustige, einfallsreiche, aus sich selbst improvi- sierenb« und mit Pointen durch und durch gespickte Komödiant macht„Eharleys Tante- zu einer jungen, scharmanten, alles auf den Kopf stellenden exotischen Witwe. Früher war die!« Brost- lianerin eine„olle Tunte- von riesigem Umfang, heute ist sie ein Tantchen von Grazie und Eleganz.- Curt Boi» verwanholt.sich, und feiner Stimme macht es keinerlei Schwierigkeit,»m Diskant � zu säuseln. Bois ist ein akrobatischer Schauspieler, der über Tisch« und Bänke federt und i« Weiblichkeit und in Ptämtfichkeit. und in Lausbüberei und in Versäilagenheit hineinschlüpft, als wenn alle heitersten Naturen zu seinem universellen Humoristeimaturell gehörten. Natürlich spielt er olles, was sonst noch«'s der Bühne ist, in Grund und Boden: auch den echten Nigger, der sür d>« Dorstellung engagiert wurde, und auch die Iazzgenies. die mit- wirken müssen. Alt diese Mitspieler in dem Match des Ulk» sind übrigens etwas schwach, sehr zufällig dem komischen Champion entgegengestellt und darum nicht geeignet,„Eharleys Tante- würdig zu assistieren. Die brasilianische Witwe würde schon längst drei Meter tief im Baden liegen, wenn Curt Bois sie nicht zu neuem Leben verzaubert hätte. dl.?!. Oer Theaterausschuß des preuß. Landtages. Diese Institution soll Feststellungen treffen, ob die Berliner staatlichen Theater einzeln im Hauehalt etatisiert werden sollen. Er hielt am Freitag vormittag im kleinen Sitzungssaal de« Kultus- Ministeriums eine Sitzung ab, zu der die einzelnen Fraktionen je einen Vertreter entsandt hatten. In der Auesprache wurde hervor. gehoben, daß der Einzeletatisierung Schwierigkeiten entgegenstehen. da eine Reihe von Fond» gemeinsam sind. Nur für einen Teil der Ausgaben und für die Einnahmen würde sich die Einzeletatisierung empfehlen. Die Neuregelung sollte dem Ziele dienen, eine spar- samere Wirtschast zu ermög'ichen. Generalmtrndant Tietjen wie» darauf hin, daß vielleicht durch Serienabonnements eine Erhöhung der Einnahmen zu erzielen fei. Zu einer Entscheidung kam der Ausschuß nicht. Di« Möglichkeit der Herabsetzung de» Zuschuß- bedorss wird erst entfchieden werden können, wenn von den zu- ständigen Stellen genaue» Zahlenmatovial beigebracht wird. Ais- dann wirb der Ausschuß zu einer neuen Sitzung zusammentreten. Gftetitei" wieder abgesetzt. Die auf morgen angesetzte Premier« von Givrbano»„Andre Chenier- in der Lindenoper muß wegen Erkrankung des Träger» der Titelrolle verschoben werden. Der Tag der Aufführung steht noch nicht fest. . Kortner a's Jfcgissetir. Fritz Kortner wurde von den Barnowsky-Bühnen für einen größeren Teil der nächsten Ssiielzeit erneut verpflichtet. Kortner wird sich neben feiner fchaufpielerifchen Tätigkeit auch Regieauf. gaben widmen. �_ vi» Kt»aN>»e isnOHIKsttef eröffne»«rn 80. im LiAIösf de» ebemalipen Outiiiflewnbe-MuifiiiB». Prw, tlidirblflr. 7. zwei Slusil-lluneen:»Der St« 61* und.Neu« rypoaravbie««««'«'den die neue"en Ltuvlmodelle werden, diw-ben die Arbeiten moderner dentiiber und aiisljndtiiher Thpoaiaphcn. vvr allem neuertlq pesleillel« werdedrucklachen alle» Art. Einen Kau« gestaltet Prot. L. Roboly-Nagy. tdarkenzeri t» ff tafen Sff-aulp»Idam» Der ReichSverband der a«. mischten Evore Deuilchland». der unter fti>dni»a»an ElaaistetrelSr Dr. Abeaq stedt, vei anstallet anlästlich leiner Iadreetaquna am Cenn(««nde» ildaivereine, Herr K-mmerlinger lleo Schlidendorf,(ornle dal Sinsonie-Orchester der Schutzpolizei Berlin mitwirken. Gewerkschafisheim für Seeleute. Eine Schöpfung des Verkehrsbundes. In Cuxhaven, dem großen deutschen Fischerhafen.� hat der Deutsche Verkehrsbund eine Seemannsheim st ätte erössnel. Mit dieser Heimstätte wird endlich einmal ein An- sang gemacht, den Seemann an Land vor den„haisischen" der Hasenkneipen zu schuhen und ihm während der Dauer seines Ausenthalls im Hafen menschenwürdige llnlerkunst, edlere Genüsse und Bildungsmöglichkeiten zu sichern. Der Verdienst des Seemanns ist in furchtbar harter>2lrbeit er- worden. Er ist zu teuer erkauft, um in Kaschemmen vertan zu werden. Vor ollem die h o ch s« e f i s ch e r, die in Cuxhaven an Land gehen, haben einen Beruf, der geradezu unmenschliche An- strengungen und ständige Kämpfe mft Gefahr und Tod erfordert und vielleicht noch härter ist als der des Bergmanns. Der Berg- mann hat wenigstens Ruhe, wenn er die Grube hinter sich hat. Der Seemann dagegen ist wochenlang in eine Atmosphäre voll von Arbeit und bar jeder Erholungsmöglichkeit gebannt, und auch an Land hat er meist nur ein paar Tage, oft sogar nur einige Stunden zum Ausruhen, bevor er wieder in See geht. Kein Wunder, wenn er nach langer Reise im Hafen sich für all die Mühen und Todes- ängste schadlos zu halten versucht. Mit frommen Bibelsprüchen oder mit Bettelsuppen der sogenannten christlichen Seemanns- Missionen ist dem Matrosen, Steuermann oder Kapitän nicht gedient. Er braucht ein heim und eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der er sich als freier Mensch wohlfühlen kann. Der Seemann an Land braucht Fühlung mit dem freien Geist der Gewerkschaftsbewegung und inneren Ansporn, sich wirtschaftlich und geistig emporzuarbeiten. Au diesem Zweck ist von dem Deutschen SSerkehrsbund die Seemannsheimstätte— die erst« in ihrer Art— geschaffen worden. Die Heimstätte, eine architektonische Zierde und ein Wirtschaft- licher Gewinn für den großen Fischereihasen an der Nordsee, ist eine Art modernes Arbeiterhotel, eingerichtet auf die de- sonderen Bedürfnisse der Seeleute. Die Heimstätte hat z. B- eine große wundervolle Badeanlage mit Brause- und Wannen- bädern und ein vollständig eingerichtetes Ambulatorium, wo der Seemann, wenn nötig, sich sofort in ärztlich« Behandlung begeben kann.— Eine höchst wichtige Einrichtung, wenn man sich vergegenwärtigt, was eine Krankheit an Bord bedeutet, wenn wochenlang keine ärztlich« Hilfe erreichbar ist. Di« Heimstätte hat ein Lesezimmer, ein Schreibzimmer, sie hat geschmackvolle Gast- räume, geziert mit den Bildern bekannter Gewerkschaftsführer, unter anderem mit dem Bild Karl Legiens. Sie hat rund 130 Betten, wozu noch 40 Betten einer Jugendherberge kommen, die in der Heimstätte ebenfalls«ingerichtet ist In unmittelbarer Derbindung mit der Heimstätte steht ein großes Hotel, das den Namen„Atlantik� führt und vor allem' Sommergäste aus der Ar- bciterschaft aufnehmen soll, soweit sie an der See Erholung sucht. Das Atlantik-Hotel oerfügt ebenfalls über mehr als 100 Betten. Die Errichtung der Heimstätte ist gewerkschaftliche Kulturarbeit im besten Sinne des Wortes. Welche Bedeutung man ihr bei- mißt, zeigte die überaus starke Beteiligung von Gewerkschafts- und Behördenvertretern hei der Eröffnung der Heimstätte.„Eine wundervolle segensreiche Einrichtung"— dos war der Leit- gcdanke, der durch alle beim Eröffnungsakt gehaltenen Ansprachen ging. Döring, der 2. Vorsitzende des Dertehrsbundes, gab mit seiner Schilderung der Schwierigkeiten, die der Errichtung der Heimstätte im Weg standen, die beste Würdigung des Werks. Es ist etwas Vorbildliches geschaffen wprden. ein M u st e r für Seemannsheimstätten, wie sie in allen Hafenplötzen der Welt errichtet werden müssen. Di« deutschen Gewerkschaften haben hier ein Stück praktischen Arbeiterjchutzes geschaffen, dessen internationale Ausgestaltung gerade in diesem Jahr für die Seeleute im Rohmen der Internationalen Arbeitskonferenz angestrebt wird. Schon vor dreißig Jahren haben die Seeleute versucht, eine Heimstätte zu schaffen. Die Berwirklichung scheitert«, weil keine Mittel da waren. Erst mit dem Zusammenschluß der Trans- portarbeiter, Hafenarbeiter und Seeleute, mit dem imponierenden Aufstieg des Deutschen Verkehrsbundes war es möglich, zu verwirk- lichen, was jahrzehntelang nur ein schöner Traum war. Oeuische Lndustriewerke Spandau. Vernünftige Betriebsratswahl. Bei einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent der Arbeitenschaft wurden für die freigewerkschaftliche Liste 2360 Stimmen abgegeben. Von den 13 Mandaten entfallen 12 auf Freigewenklschafter, während das übrigbleibende Mandat den Gelben mit 364 Stimmen zufiel. Die Angestellten waren mit drei Listen vertreten. Die Liste des AfA-Bundes bekam 317 Stimmen gleich o ch t Mandaten. Der GdA. mit 162 Stimmen und der DHV. mit 149 Stimmen errangen je drei Mandate. Generalprobe im Lessingtheaier. Unbezahlte Nachtarbeit der Musiker. Für das Stück„Bourgeois bleibt Bourgeois" hatte die Direktion des Lessing-Theaters eine Anzahl Musiker ob 18. Fe- bruar für 14 Tage engagiert. Schon vor dem 18. Februar wurden Proben abgehalten und den Musikern mit 2 M. je Stunde bezahlt. Am 18. Februar, wo das vertragsmäßige Arbeitsverhältnis begann, wurden von 3 Uhr nachmittags ab mit Unterbrechungen Proben abgehalten. Dann folgte die Generalprob«, die in einem Zuge von 12 Uhr nachts bis 6 Uhr morgens dauerte. Das Spiel klappte noch nicht, die Erstaufführung wurde um einen Tag oerschoben und am 19. Februar nochmals eine General- probe von 12 Uhr nachts bis 6 Uhr morgens abgehallen. Da das Stück keinen Anklang beim Publikum fand, erlebte es nur sechs Aufführungen. Dies« hatten, nebenbei bemerkt, nicht so viel Zeit in Anspruch genommen wie die Vor- und Generalproben. Nach dem Tarifvertrag des Deutschen Musiker- verbände?, der für das vorliegend« Arbeitsverhältnis maßgebend ist, haben die Musiker für k�is vereinbarte Gehalt sowohl bei den Proben wie bei den Aufführungen mitzuwirken. In der Regel werden ja die Proben für die Abendvorstellung a m Vormittag abgehalten. An Nachtproben scheint man beim Abschluß des Tarifvertrages nicht gedacht zu haben, denn es ist nicht ausdrücklich gesagt, daß sie besonders zu bezahlen sind. Der Tarif steht ein« besondere Bezahlung aber für Sonder- leistung e n vor, die nach der Vorstellung verlangt werden. Di« Musiker glaubten, für ihre Nachtarbeit«ine besondere Bezahlung beanspruchen zu können, aber die Direktion meinte, daß sie weder durch den Tarif noch durch den Arbeitsvertrag.zur Bezahlung der Nachtproben verpflichtet fei. So kam es zu einer Klage beim Arbeitsgericht. 19 Musiker traten als Kläger auf. Sie forderten je 32Mark für 16Stund«n Probe. Nach einer langen Verhandlung wies das Arbeitsgericht die Klage ab mit der Begründung: In dem zwischen den Parteien vereinbarten Arbeitsvertrage sei von einer Sonderbezahlung der Prober. keine Rede. Auch auf den Tarif könnten sich die Kläger nicht stützen. Er enthalte keine Lücke, die ausgefüllt werden müsse, sondern sage ganz klar, daß das fest« Gehalt die Vergütung für sämtlich« Dienstleistungen sei, soweit nicht für Sonderleistungen besorchere Vergütungen vereinbart seien. Solche Vereinbarungen seien in vorliegendem Falle nicht getroffen. Der Anspruch der Kläger sei deshalb unbegründet. Wenn auch das formale Recht die Forderung der Musiker nicht begründet, so hätte ihnen die Direktion des Lessing-Theaters doch aus Billigkeitsgründen eine angemessene Vergütung für die Nachtarbeit gewähren sollen, ohne es zur Klage kommen zu lassen. Man kann doch nicht verlangen, daß das Theatcrperfonal sein« Kräfte bis zum äußersten anspannen soll für das Zustande- kommen einer Aufführung, die das Theaterunternehmen doch auch nicht aus reinem Kunstinteresse, sondern vielmehr, um ein gutes Geschäft zu machen, veranstaltet. Wetter für Berlin: Nachts etwas Regen wahrscheinlich, morgen am Tage langsam abnehmende Bewölkung bei ansteigenden Tempe- raturen, südöstliche Winde.— Für Deutschland: Im äußersten Westen zahlreiche, im übrigen Westen und in Mitteldeutschland ver- einzelt Regensälle, im Osten, namentlich an der Ostseeküste, trocken. «Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Thealer der Woche. Vom 14. bis 22. April. Volksbühne. Thcaur am LLl-wplatz! Trojaner. It. 11V> Ubr. Josef. Thratcr am Tchiffbanerdamm: Pionicro in Ingolstadt. Ttoli- Thooter: Oelraufch. Staatstheater. Staat»» p«r Unter den Linden: It., l».. 22. Andr« Chenier. 15. Der ferne «lang. 16. Zioscnkavalier. 17. Sirgfried. 19. Boheme. 20. Tristan und Isolde. 21. Aida. StaaUoper am Platz der Rermblil: 14. Der fliegende Holländer, lö. Carmen. 16. Don Giovanni. 17., 21. Iphigenie auf Tauris. 18. Hoffmanno Erzählungen. 19. Fledermaus. 20. Ealome. 22. Iidclio. Städtisch« Oper. Charlottendurg-' lt. iZidclill, 15. Geschlossene Porstellung. 16. Tosca. 17. Wildschütz. 18. sta scrva patrono. 19. Falftaff. 20. Margarete. 21. Meistersinger. 22..zaubcrslütc. Schanspiclhau» am Sendarmenmarlt: 14. Karl und Anna. 16. Dr.«iaus. 16. Clavigo. 17., 19.. 21., 22. Der Londoner verlorene Sohn. 18., 20. Weh dem. der lügt.— Ziachmitlagsvorstellungen: 14. Dr.«laus. 24. Die Ecschw.ftcr. Der zerbrochene«rüg. Schillcr-Theater: 14. Der Londoner verlorene Cohn. 15., 17., 19. Oedlpus Rer. 16. Die Weber. 18., 20., 21. ftalfutla. 22. April und 4. Mai. Gespenster. Theater mit festem Spielplan: Deutsche» Theater! Die lustigen' Weider von Windsor.— Ab 20. Paulus unter den Juden.—«ommerspiele: Iusi!— Die«omödie: Wann kommst du wieder?— Theater am Siollendors- platz: Zievolt« im Cr�ichungohaus.— Theater in der«öniggeätzcr TtroJ)«: Rivalen.—«omödienhau»: Chorlens To nie.— Großes Echauspielhauc: ler liebe Augustin.— Metropel-Theotee: Die lustige Witwe.— Theater des Westen,: ssriederikc.—«»misch« Oper: Po» Beltchcn zu Betichen.— Deutsches «iinstlertheater: Bis 17. Potlasch»nd Perlmutter als Detektive. 18. Geschlossen. Ab 19. Prosit Gips».— Luftspielh»«»: Wectcnd im Paradies.— Lclsing-Theater: Dreimal Hochzeit.— Triano»-Theater: Der Hergog und die Sünderin.— Residen», Theater: Die sziirstcrchriftel.— Ieatral-Thcaicr: Wenn der weiße sfliedcr wieder blüht.— Die Tribüne: Duell der Liebe.— Bertioer Theater: Helden.—«leine» Theater: 14. Trio. Ab 15. Gastspiel Hern Lambertier.— Renaissancc-Theater: Das große ABC.— Walhallo-Theater: Dos Mädel vom Wedding.— Ros�-Thcater: Drei alte SchaäNeln.— Cafino» Tdeater: Cine ungeliebte sZran.— Schloßpark-Theater Steglitz: Bi» 15. Frühlingsmädel. Ab 16. Wnssrnschmied.— Ploza, Winteegartea, Skala: Inter- nationales Parier.— Reichshallen-Theater: Elettiner Sänger.— Theater am «ottdusscr Tor: klite-Sänger. Nachmittagsvorstellungen.- s Bolksbühoe. Theater am Bülowplatz: 14., 21. Da» Mädel aus der Bor. stadr.— Theater am Schsisfboucrdamm: 14.. 2l. Helden.— Thalia-Theater: 14.. 21 Oeiraulch. �«ömcdienhaus: 21. Leine» aus Irland.— Große» Schauipielhans:>4., 2l. Der liebe Auquftin.— M«tr»pol-Tbeoter: 14., 21. Die lustige Witwe.— Theater bei Welte»»: 14., 21..Tritderilc. r- Triaaon- Theatee: 14., 21. Der Herzog»nd die Sünderin.— Rrside»,-Theater: 14., 20., 21 Schnirps und«nirps.— Zrutral-Zheater: 14., 21. Wenn der weiße INkbrr wieder blüht.— Role-Thcatcr: 2l. 14' i. Uhr. Häusel und Gretel. 171, Uhr. Drei alte Schachteln.— Schloßpar«-Tbeat«i Steglitz: 14. Der Iurbaron.— Plaza: Internationale» Pariet». Wintergarten. Skala: 14... 20.,■ 21. Inter- »at onales Par'cte.— Reichlhalrn-Theatcr: 14.. 21. Stettiner Sänger.— Theater am«ottbusser Tor: 14., 21. Elitc-Sänger. Erstaufführungen der Woche. Montag,«leine» Theater:„Herr Lamberthier".— Zrritag. Deutsches«iinstlertheater:„Prosit Eipsn". Perontwortlich fiA die Redaktion: Franz«lüh», Berlin: Anzeigen: Th. Gloche. Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Bcrlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindcnstraße 6. Hierin 1 Beilage. (> ( ( liieatsi', l-idikpiele usw. Sonnab... 13 4 Staals-Oper Unter d. Linden A.-V. 96 18'» Uhr re Sonnab.. d. 13 4. Stadl. Oper BiiniarcKS r. Turnus I 20 Uhr OrpheusD. Eurydike Staats-Oper Arn Pl.a.Republ. R.-S.82 19, Uhr Die Ms»! Staatl. Sdiaospb. in Gn4im in flu A.-V. 87 20 Uhr Karin Anna Staatl. SehtUer-Theater.tM. 20 Uhr Oedipus H Iii»« c5 Barbarossa 9256 CROCK and das gro&e April-Programm Sonnabends d. Sonntags fe 2 Vorstellunaen 3 80 und 8 i hf— S30 ei mäßigte Pr. plAza m Am fimta Aldi. 8066- 88 B Täq'ich S, Bis. Sonntag 2,8,8" J INTERNAT. VARIETE B Karten S Tag« Im Torao» METROPOL-THEATt R[s]| GR.SCHRUSPIELHAUS[8| KdnstlerUche Leltuns: Erik Charcll £ustiQ.e IVUwe Trade Hesterberg Oskar Karlweis Jankuhn,* Elteot. Junkermann, Schaeffers. Ausstattung; Prof. Ernst Stern Mos. Leitp.: Rudolt Perak | See£ie&eAug.ustUt Alfred Braun Mady Cbrlstiana, Lieske, Arno. Morjran, Weatermeler, Matr.ner I Mas. Leite.: Ernst Hauke Sonntag Nachmittag Q||||p unpek. Vorst Kleina Proiso« Hill VotKsbtltine rneittramSilliivgiii! 8 Uhr Trojaner Theaitr am UdlNdauenlUinm S Um Pioniere in Ingolstadt TDalia-Thealer 8 Uhr Oeiransch Staatl. Sdiiller-Ili. 8 Uhr Oedipiis 8'u jheat r am Sthtnbauerdamm. Norden 1141 u. 281 Pioniere in ingotstadt (Soldaten u Dienstmädchen) v.Marieluife FleiBer Regie: Jakob Geis. Bühnenbilder Kaspar Neher MM Ibeater 0.1. Norden 12310 i U. Ende nach W1� Die lestigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regier Heinz Hilpert . ose- Theater ' jr.frinüort« S.U! 8*/i Uhr llniilttUiditiii1 Kamraerspiele J. I. Norden 12 310 S'/i U., Ende geg. 10 Jusik von Ossip Dymow. Regie: HeinzHilpert Bühnenbilder: Erich E. Stern. Bühnenmusik; Putsdio Waidlueroil. Jle Komödie 1 1 Bismck. 24M/75I(i 8'/« U.. Ende geg. 10 Wann kommst Du wieder? Komödie von S. Maugham. Regie Gustaf Gründgen- 8<« Thsaier des Westens Sonmags 3lli und 8>, Uhr Oer größte Erfolg Berlins Friederike Musik von Oahar Erika p. Theilmann Karl Ziegler, Staotsoper Wien Amstedt. Sora, SewcrnuMn, llcr, «äffe umutttrbr. eidnpi.93itt.7ise IMia-Tlteater iresdener dir. 72-75 8 Uhr „Oeiransch" »•stuhr CASINO-THEATER s'klJh' Loitinn-er SlraBe 37. 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Conrad MOller Utgsig• SctUcudiU Winjer * Garren� t DU» Zenir, 1818• Bamnim erlaDDl DODGE TWINS Die berühmten Revue-Zwillinge BERNARD& RICH Tanssnisatloa HARU ONUKI JapanUdse Opera-Dtra und weitere internationale Variete Berfibintheitei] Sannabend und Sonntag Je 2 Vorstellungen# J" und 8 Uhr..1'° kleine Preise. Renaissance- Theater Hardenaerqslr. 6 Tel.: Stemgl. 901 n. 7583/84 SV» Uhr. Leute 3 Tage I«V. Uhr Max F'allenboro „Das große ABC* von Marcel Paenoi Reg: 81131. Bttnuna. In Prem leren Bcsup. Theater a.KottbusserTor KatUussei Str. 6. lei. hpi. 16877 Allah endlich 8 Uhr auch Sonnia�t nachm. 3 Uhr Jubiläums-Programm unter der Devise 10 Jaure Ellte�sa— ger m. sT) du. Soiuiug NaOun.|T| du Sleittner sanier Zum Schluß; „Ein« mDBiienc Wohmuig n vermleiean Nachm. halbe Preise. etttestelhingei Zert. 11763 Dönhoff- Brettl; 10 Nummern! KsoRrtsTni. Heute: Walhalla Theaser Weinbergsweg 19/20 nnd folgende Tage 8 Uhr 15 Da» Zilie- Volksstödr Das MBdel vom Wedding von Frani Cornelius Musik v Fr. Holländer, Gilbert u.a. in dtrBanpinille Frtu Bedunann a. 6. 1. Bild: Aus Spiel.eidenscli.z Verbrecher 2 Bi d: Bei ene im Hlnterheus 3. Bild: Die Dutten von GroB-Berlln 4. Bild: Wenn die Veilchen er oder WOhen Zwützu Auf Bild: Kadarelie nlage Gastspiel Hildegard Ortowsld. MbB Ipfler atseiiDn tiadBiii Vorverk. abll U.vm a.d.Theatcrk. 8818 dsrVorsiellg. Tau Im Valtzalla- Tanxpalasl bis 3 Uhr. Jtl&t. Bettfedern doppelt rcelnljt gra e 60 Pf#, 9< Pf*» Rupf 1.50» weltt 3.50, 4—, Halbdau« «en, 2,75, weiß, voll- daunls. 3»» Daunen 4.-, 7-, weiß 9.- bi« 10.-. Oberbetten, lVo»schläfrig, von 12—, Kissen von i50 aufwärts.— Muster gratis Böhm. Bettfedernspezialbaus Soduel& Stadler. Berlin C 25 Landsberger Str. 43-47. Nähe-lexande pl. Filiale; O 34, Kochhannstr. 24. a Viehhot Fahr eld w rd vergütet r Peter Freuchen:~ Der Eskimo Ein Roman von der Hudson Ba; Ganzleinen Mk. SLU Keine Inhaltsangabe kann den ganzen Reicntum dieses Buches ausschöpfen, dem man nu» die festen Südsee- Geschichten jacr Londons zur Seite stellen Kann Kein Buch hat in den letzten jähren die Schande unsere»„Zivili sationsmethoden- so angepranpe»' wie das Buch von Mala dem Eskimo Oer, Vorw*rt}- Satarl-ueriag Benin Zu beziehen durch «MZIIIIIW!.».!». MIM. Berlin SW. M, Llndeneir. A föeilogc Sonnabend, 1 3. April 1929 SprAbpnd Das moderne Palästina Reisebilder von Rudolf de Haas Während ich von der offenen Reede den Klippen des fernen Felsennestes zufahre, gedenke ich der Tücken dieses Meeres, dos ganze Flotten verschlang und Tausende von Menschenleben an den Rissen drüben zerschellte. Kaum einer hat das Bild der zahllosen Katastrophen an dieser Küste so lebendig beschrieben wie der Nor- manne S a e w u l s, der— selber durch den Zufall einer plötzlichen Eingebung rechtzeitig an Land gekommen— am 13. Oktober 1102 von dreißig großen Schissen, die mit ihm gekommen, dreiundzwanzig im Sturm mit Mann und Maus vor Jaffa untergehen sah. Mit heillosem Respekt blickte ich in den auf meine eigene Lam dung folgenden Tagen vom sicheren Port aufs Meer. Donnernd umbrüllt die Brandung selbst bei mäßig bewegter See die Klippen vor der Stadt: es gehört wenig Phantasie dazu, sich Jaffa im Sturm und Schisse hier in Not vorzustellen. *** .Lassa" soll ,chie Schöne' bedeuten. Ich habe mir bisher ver- gebens den Kopf zerbrochen, wie die Stadt zu diesem Namen kam. Seit heute weiß ich es und erkenne an, daß sie mit Recht so genannt wird. Es ist bald erklärt. Die Zeiten sind vorüber, daß fünfzigtausend russisch« Pilger alljährlich um die Osterzeit in Jaffa an Land stiegen und zu Fuß von hier aus nach Jerusalem wallfahrteten. Die heutigen Macht- Haber im Kreml haben andere Dinge im Kopf als die Grabeskirche der heiligen Stadt. Alles zerfällt, was„Mütterchen Rußland' einst im gelobten Lande geschassen, auch der„Russenbau" außerhalb der Mauern Jaffas:«s lausen keine Gelder mehr ein für den Unter» I>alt. Was aber geblieben ist bis auf diesen Tag, mitten im Zerfall der Kirchen und Klöster des Zarismus, das ist der einzigartige Blick vom Turm dieser Russenkirche Jaffas, eines der wahrhasten Wunder dieser Fluren Palästinas. Mit Hangen und Bangen habe ich die durchgerostete und dem Zusammenbruch nahe Treppe hoch oben auf der Turmterrasse der Kirchs erstiegen, soweit sie ersteigbar ist. Zu meinen Füßen umwogt mich, wohin das Auge schweift, ein grünes Wipfelmeer, jahraus jahrein voll Saft und Frische in unoerwelklichem Zauber, wo alles fönst auf dieser glühenden Erde verbrennt und verdorrt. Es sind Zuckerrohrernte bei deutschen Ansiedlern. die Apfelsinen- oder, w!« man sie hierzulande nennt, die Orangen- gärten Jaffas, heut« noch in der allen Krocht und Schönheit, wie sie«inst die Pharaonen vom Nil entzückten und die Könige vom Euphrat und vom Tigris. Bis fern zum Horizont, wo das morde- rische Meer, das fressende Ungeheuer, am Fuß der Felsen Jaffas eingenickt ist, wo im goldenen Sonnenschein schneewdße Zinnen glänzen, reicht der Wald, von schlanken Dattelpalmen überragt. Nur ganz vereinzell reckt eine Gruppe anderer Bäum« sehnend die ent- laubten Aeste dem Licht entgegen: es sind Aprikosen, Pfirsiche und Feigenstämme, die in diesem Wundergarten verstreut Unterschlupf gesunden hoben. *** Di« Orangentultur Jaffas, so all wie die Weltgeschichte, klärt uns hier oben vom Russenbau herab über einen Haupterwerbszweig der Bewohner dieser großen Ebene am Meere auf. Sie macht uns aber zugleich auf«in Bevölkerungselement aufmerksam, das ganz besonderes Interesse in Anspruch nimmt. Dies sind unser« eigenen deutschen Landsleut«, meist württembergischen Stammes, die vor rund sechzig Jahren in zwei Kolonien am Weichbild Jaffas und in der dritten Kolonie, in S a r o n a, sich weit draußen nach Norden noch über Tel Aviv hinaus als Weingärtner und Orangen- Pflanzer niederließen. Heute sind die beiden erstgenannten, einst draußen vor den Toren Jaffas gelegenen Kolonien längst von den Polqpenarmen der wachsenden Stadt Jaffa aufgesogen und mit der modernen Großstadt Tel Aviv zugleich zu einem einzigen Häuser- meer verschmolzen, und nur Sarona allein hat sich bisher noch der brandenden Flut als selbständiges deutsches Dorf zu entziehen ver- mochb Aber noch nach sechzig Iahren haben diese zähen, arbeit- samen, aus. den kleinsten Anfängen großgcwordenen Ärbeiter und Bauern die ganze Regsamkeit, Spannkrast und Entschlossenheit ihres deutschen Volksstammes und besitzen ein Ansehen, das die Leistungen von drei Generationen ihnen eingebracht haben. Meine Blicke bleiben jodoch hier oben auf dem Turm der Rusien nicht allein an den Orangenhainen haften. Sie fliegen ostwärts Fern am Fuß des Gebirges von Judäa. wo die große Ebene Saron ihren naturaemäßen Abschluß findet, erkennt ein scharfes Aug« ohne Glas rote Ziegeldächer auf grüner Flur. Dort lacht im Schmuck seiner Weizenfeld« da- deutsch« Dorf Wilh«lma. Bor mehr d«nn fünfundzwanzig Jahren ließen sich mitten unter der arabischen Bevölkerung die Deutschen, für die dos Land in Jaffa und Sarona nicht mehr reichte, nieder. In schwerer, einsamer Pionierarbett schufen sie aus dem Nichts eine blühende Oase heimischer Kultur. Es war nur der schlechteste Boden: zu defien Berkauf sich die Araber »erstanden halten: auch rieselle dort nicht, wie in Sarona. das Wasser in üppiger Fülle und geringer Tiefe, so daß der Orangen- bau die naturgemäße Erwerbsquelle werden konnte; aber der eiserne Fleiß und unbeugsame Energie führten auch dort die Deutschen zum Ziel, und sie brauchen den Vergleich mit den Leuten, aus deren Mitte sie auswanderten, nicht zu scheuen. Schnellwachsende Euka- lypten entwässerten den Boden, boten Schutz gegen das tückische Fieber und gaben dem Dorf mit der Fülle des an die Weiden er- innernden Grüns in kürzester Zeit einen anheimelnden Charakter. Jaffa. Ein Stück Schwabenland grüßt den erstaunten Wanderer, und die schwäbische Mundart hat sich in der dritten Generation noch unver- fälscht erhalten. » �» In der Neuhebräerstadt Tel Aviv bin ich viele Wochen hindurch fast täglich gewesen. Es ist ein nach jeder Richtung hin auf moderner Grundloge errichtetes Gemeinwesen, das völlige Selbstverwaltung besitzt. Die Einwohnerzahl beträgt vierzig tausend. Für den Neuling ist natürlich die Erfahrung, ein« völlig he» bräische Stadt anzutreffen, in der außer einigen auch in englischer Sprache gegebenen Straßen- und Hotelbezeichnungen nichts, ober auch rein gar nichts Europäisches in irgendwelchen Schriftcharat- teren sich vorfindet, geradezu verblüffend. Ein fiebenswürdiger Arzt, Mitgsied des Stadtrates von Tel Aviv, hatte die Güte, mich umher- zuführen und auf allerlei interessante Emz«lheit«n aüsmerksam zu machen, wie z. B. die Große Synagoge, das Neue Opernhaus, das im Bau begriffen ist, Spitäler, Kliniken. Waisenhäuser und der- gleichen. Hier hatte ein reichgewordener Schlosier aus Chicago«inen Wolkenkratzer erbaut, drüben das Siebenfamilienhaus war von Juden aus Kasan errichtet, jenen Prunkbau führte ein Perser auf, diesen ein Ankömmling aus Bagdad; kurz alle Himmelsgegenden hatten sich hier auf den einst so verlassenen Dünen Tel Av!os ein Stelldichein gegeben, um neues Leben auf dem uralten Boden Israels pilzartig aus dem Erdreich zu zaubern. „Um die Begeisterung der Jugend für ihre Sache kennen zu lernen, müssen Sie die freiwilligen Uebungen der Tnimpeldor-Wehr kennenlernen!' sagte mir ein anderer,„ich werde Sie einführen! Trumpeldor war der erste Jude, der unter dem Zarenregiment Offizier in der Arme« wurde. Es ist ein um unsere Sache hoch- verdienter Mann, der an der syrischen Grenze von Arabern erschlagen wurde und für unsere Jugend ein Nationolheld geworden ist!" *** Iaffa-Tel Aviv ist durch ein« regelrechte Eisenbahn mit der Landeshauptstadt Jerusalem verbunden. Sie existiert« bereits lange vor dem Kriege. Der ungeheuer gesteigert« Automobilverkehr hatte Ende des Jahres 1928 den Eisenbahnpersoneiwerkehr geradezu erdrossell. Die Krastwagengesellschaften, die sich gegenseitig schon die ungeheuerlichste Konkurrenz machten, unterboten die Bahnpreise bereits erklecklich. Die Eiscnbohnverwaltung setzte für die rund 87 Kilometer betra- gende Streck? Jaffa— Jerusalem mit dem 1. Januar 1929 den Preis für die dritte Klasse auf acht Piaster gleich ein« Mark sechzig Pfennig herunter. Auf der wundervollen Autostraße Jaffa— Jerusalem be- trägt die Entfernung nur etwa 55 Kilometer und. der Preis für den besten Autoplatz fünf Mark: in den Autoomnibussen ist er entsprechend geringer. Natürlich ist die Zeitersparnis mit dem Auto «in ganz außerordentlich in Betracht kommender Fakwr. Für mich Kamele bei Jaffa. kam selbstverständlich für die Fahrt nach Jerusalem im vorigen Jahre aus Gründen der Billigkeit und des Zeitgewinns nur das Auto in Frage. *** Die Orcmgenhoin« Jaffas sind am Horizont verschwunden, auch Mikw« Israel, die landwirtschaftliche Hochschule der Juden. Well hinten im Süden bleibt RischonleZion.die füdischc Wein- kellerei, einer der Riesenkeller der Welt. Das Auto stürmt an Sarafand vorüber. Hier lagen im Weltkrieg die deutschen Flieger. Die britischen haben heute ihren Plag eingenommen. Zieulich folgte ich einer Einladung zum Pferde- Dreschen bei deutschen Ansiedlern. z«n«n. Türken und Deuffch« und Engländer geschlagen? Unmöglich, ganz und gar unmöglich! Hier rast ein tollgewordener Chauffeur mit uns gerade hinaus in das peträische Arabien, in die brennenden Felsen des Sinai, in die Wüste des Todes! Immer weiter jagt das Auto. Serpenline auf Serpenline folgt, Kessel auf Kessel, aber die toten, starren Wände links und rechts bleiben immer die gleichen. Kein Baum, kein Strauch, kein Gras- Halm. Doch, ja, dort! Da ist etwas! Was ist es? Sand? Nein mehr! Eine Art sandfarbenes Kraut, das sich an die brennenden Felsen klammert, irgend etwas, das tot sein muß und doch scheinbar noch lebt oder doch wenigstens im Tode noch die Gebärde des Lebens festgehalten hat. Höher und höher stürmt der Wagen. Der Chauffeur weist Plötz- lich nach links. Was flimmert dort drüben nur in diesem Dunst- kreis, in dieser Unermehlichkeit? Ist es der grausilbern« Himmeh? Ist es die grausilberne Wüste, voll Sand und voll Staub? Es ist nicht Himmel, es ist nicht Erde, es ist das flimmernde Meer am Horizont, das Mittelmeer dort unten In der Tiefe am Gestade IaffasI Die weißen Pünktchen dort sind die Häuser der Orangen- stadt und die Paläste von Tel Aviv! Das weiße Minarett dar» ist Ramleh! „Sehen Sie drüben di« zwei Pünktchen?" schreit der Chauffeur durch das Rattern des Motors und weist auf zwei Steinchei,, die mitten auf der Linie liegen, die der Horizont durchschneidet, gerode vor uns in der Fahrtrichtung.„Das sind die ersten Häuser von Jerusalem, hoch oben auf der Höhe! Di« Stadt selbst ist N'�'t sichtbar!" -*** Die Gegend ist belebter geworden. Vereinzelte yelbäum« haben den Anfang gemacht. Olivenhain« folgten. Neuanpflanzungen lüdi- scher Kolonisten. Missionsbautcn auf ragender Höhe. Arabisch- Siedlungen. Wir passieren Abu G h o s ch. Dort irgendwo in den Bergen siegt Emmaus, die Schöpfung des Pater Müller, der aus der Steinwüste ein Paradies hervorgezaubert hat Die Höhe hinab jagt der Wagen auf nicht endenwollenden Ser- pentinen und gewinnt gleich darauf die nächste Bergwand. Wieder steigen wir in Schlangenwindungen... Der nächste Dreh muh den unvermeidlichen Zusammenstoß bringen, trotz aller Alarmsignale.— Nichts geschieht. Plötzlich sind wir in einer prosaischen Straße. Z Es ist eine nüchterne Vorstadt, die wir durchrasen. Zu sehen ist nichts. Immer noch nicht. Seit zehn Minuten fahre ich entgeistert durch Jerusalem. rennen dorthin. Es war ein ganz friedlicher Wettbewerb zwischen Briten, Juden und Deutschen. Einer der Orangebauern aus Sarona. der Sohn des dortigen deutschen Gemeindevorstehers, holte sich einen der ersten Preise. Der Blick der Zuschauer fiel auf das Gebirge von Judäa, das den Horizont abschnitt. Im Vordergründe lachte im Schatten seiner Fruchtbäume Ludd, das alle Lydda, der Knoten- punkt der Eisenbahnstrecken Jaffa— Haifa— Jerusalem— Aegypten. Dort hatte noch vor wenigen Iahren bei hellem Tag« um die Mittagszeit ein arabischer Wegelagerer hinter einer Kaktushecke dem greisen Dater eines meiner Freunde den Gewehrlauf unmlltelbor auf die Brust gehalten und seine ganze Barschaft geraubt. Auf derartige unliebsam« Vorfälle muß man auch heute noch gefaßt sein. Die Schluchten des Gebirges von Judäa bieten zu jeder Zeit allerlei lichtscheuem Gesindel ein sicheres Asyl. Dann und wann fängt di« Polizei eine Bande ab, ab«r das sind Ausnahmen, die Araber hängen wie Pech und Schwefel' zusammen und verraten so leicht nicht «inen ihres Blutes... Das Gebirg« von Judäa. Längst hat die flimmernd« Mauer scharf bestimmte Umrisse angenommen und ihr« Formen dem Auge enthüllt. Gespannt spähe ich nach vorn. Wo öffnet sich nur der Engpaß, durch den unser Wagen die Höhe erklettern muß? Die Ebene ist öder geworden. Dann und wann kommt uns «in Trupp Kamele entgegen. Sie muten mich seltsam auf der moder- nen Autostraße an. Schon mögen wir dreißig bis fünfunddreißig Kilometer zurückgelegt haben. Che ich noch recht dahintergekommen bin, sind wir bereits in das Gebirg« eingebogen. Ich habe gar nicht darauf geachtet, wie wir hineingelangten. All« mein« Gedanken sind abgelenkt. Was ist geschehen? Das, was meine Augen hier schauen, habe ich nie erwartet. Mein Gott, dies« Berge links und rechts sind ja geradezu mit Steinen gepflastert! Dieser Weg führt ja schnurstracks in die Hölle. Jenseits dieser Felsblöcke können doch unmöglich noch Menschen wohnen, di« sich von Früchten der Erde nähren! Dort soll Ieru- salem liegen, eine Stadt sterblicher Menschen? Um dieses Erd- reich hier haben sich Aegypter und Babylonier, Assyrer und Perser, Römer und Juden, Byzanllner und Araber, Kreuzfahrer und Sara- (3. Fortsetzung.) So arbeitete ich denn kniend gebückt und ließ mir den Regen in den Nacken laufen. Schritt um Schritt vorwärts rutschend, ge- langte ich weiter in da» Erdreich hinein. Und als die Engländer um Mitternacht einen heftigen Feuerüberfall machten, arbeitete ich noch heftiger, obwohl meine Knie arg schmerzten und die Arm« schon den Dienst versagen wollten. Meine Hönde wurden blutig« Tatzen, aufgerissen von den scharfen Kieseln. Wenn die Kugeln von ollen Setten zu arg an mir oorbeipfisfen. legte ich mich lang in die Grabenrtnne und ruhte. Dann dampfte ich vor Hitze und ein« Dunst- säuie stieg von meinen nassen Kleidern auf. Die Dornenhecke riß ich mit den Händen niober. hieb hartnäckig Wurzeln aus der Erde und roch bald, daß hier Tote begraben waren. Die Erde stank fürchterlich nach den verwesenden Leichen. Ich dacht« wiader an da» Wort, daß es ein köstlich Ding um die Geduld seil Als der Morgen graut», kam der Leutnant zu uns. Wir wur- den gelobt und machten bald den Durchstich. Es war auch Zeit, daß wir fertig wurden. Die Tommys erkannten bei anbrechendem Tageslicht unseren neuen Graben und segneten die nächtlich« Arbeit, indem sie Kugelminen daraus setzten. Einig« Tag« später zerstörten st« vollends das Werk. Im Artilleriebeobachter. Eines Mittags schafften wir an einer Drahtseilbahn, die eine Idee unseres Leutnants war. Ingenieur im Zivilderuf. Sie zog sich durch einen neuerbauten Graben und sollte unserem Betontrupp das Material heranbringen. Wir waren vier Kameraden, arbeiteten ohne Unterlaß und schoben mit Sorgfalt und Krästeaufwand die eisernen Träger, die die Bahn halten sollten, auf die Grabenränder. Die Arbeit ging flott vorwärts. Am Spätnachmittag waren wir so erhitzt, daß wir uns verschnaufen mußten. Als wir wieder an die Arbeit gehen wollten, Hagelten plötzlich Granaten auf den Graben nieder. Der ge« fürchtete„Segen" war da. Die Aufschlagzünder schlugen in und um den Graben nieder. Eine Schulterwehr legte sich und verschüttete die Eisenträger. Das andere rissen die Granaten in Stücke. Wir mußten fliehen. Doch wohin? Die Granaten krepierten drei Meter von uns entfemt. Drei Meter im Umkreis war alles von den Ge- schaffen gesperrt. Wenn wir vorwärts rannten, waren wir»er- loren. Es war ein regelrechter Feuelübersoll. Da fiel mein B ick auf den Artilleneixobachter. Ich rief den Kameraden zu, dorthin zu flüchten. Im nächsten Moment stürzte denn auch schon da. wo wir gestanden, der Graben»in. Atemlos �reichten wir den Beobachtungsturm. Zwei Artilleristen luden uns -?in, hereinzukommen. „Is halt nix los draußen, wenn die Lumpoziuss« schießen!" lacht« der ein« von den zw« Bayern, die auf ein«r Kiste am Tele- phontisch saßen. Bom Turm herunter rief»in« Sttmme:„Du Haxel, verslixt. dt» Hund« schießen toll, was meinst, wir brennen deana was extra auf?"„Hab' scho's Rohr am Mäu," antwortet« der Delegraphtst. Und vom Turm kam das Kommando:„Dritte Batteri« fünf Gruppen Straff»»«? noch der Eilbereitschoftl— Erste Batterie in Abständen von fünfzehn Minuten mit einem Geschütz Schrapnell Aufschlag<«00 Meter in arbeitend« Kolonne vom Graben A bei Zweigwegl" Ich äußere den Wunsch, in den Turm gehen zu dürfen, wa» mir bereitwilligst gewährt wird. Ich steig« die dre, hohen Stufen hinauf und steh« auf einer kleinen, kaum meterhohen Plattform Da sitzt ein Dizcseldwebel auf einem dreißig Zentimeter hohen Sitz, der drehbar ist, und schaut durch ein langes Scherenfernrohr. Der Bi,ze- feldwebel ist ein guter Mann, er sogt mir alle«, was ich wiffen möchte und läßt mich auf mein« Bitte ans Fernrohr. Hei, wie im englischen Grabennetz die deutschen Granaten kre- Pieren! Ich empfinde ein« groß« Genugtuung und freue mich. Warum beschossen uns die Tommys so stark, setzt wird ihnen heim- gezahlt. Zwanzig Meter hoch fliegen drüben die Holzstücke. Fetzen Erde, manches fällt in unseren Linien nieder. Unsere Infanterie IM ersten Graben wird wieder mal denken, unsere Artillerie schießt zu kurz. Neugierig frag« ich den Vize, ob man für jeden«ngltschen Graben eine Bezeichnung hat. Da beginnt er die Geheimniff« der gegnerischen Stellungen auszuplaudern. „Hier," sagt er.„wo Du den Hügel schaust, das Ist d>« Bastion. Da haben die Engländer ein Sägewerk eingebaut und starke Beton- unterstände für ihre Reserven. Er ist ein sicherer Schutz für alle Gefahren. Und weiter, hinter dem Hügel, steht eine Haubitzbatterie. dieselbe, die euch soeben beschoß. Hier... diese zweite Linie. Ist der englische Graben,«ine Wies« zieht sich dahinter hin. In dieser Wiese ist das Reservegrabennetz. Und schaust du scharf durch das Glas, siehst du ein« Lichtung in dem abgeschoffenen Wald." Der Feldwebel nimmt mir das Glas aus der Hand und st«llt es. Dann halte Ich es wieder vor die Augen. Da sehe Ich deutlich vor mir die Lichtung. Bor niedrigen, schlech- ten Holzhütten sind Gestalten beschäftigt. Verwundet« au» dem Granotfeuer zu bergen. Einen Soldaten tragen sie hinweg und verschwinden im Wald«. Da ist«in« von Granaten zerklopft« Straß«. Auf dieser tragen sie die Verwundeten fort, gn der Fern« ist«n großes Zelt, wohl ein Derbandsroum Eine Kreuzflagg, flattert im Winde, ein grüngrau angestrichener Motorwagen steht daneben. Ein Verwundeter wird eingeladen, der Wagen fährt schnell ab. Der Feldwebel führt das Rohr nach link» herum. Da schlängelt sich«in feiner Dunstschleier wie ein« Schlange über den Erdboden. Es ist der Nebel de« Kanals der sich im Abend- schein b-i« zu den zerschosienen Schornsteinen«Imger Fabriken in der Stadt Ppern hinzieht, tzch erschau« wieder ypernl Die Kirch«, die ich vor Monaten sah. ist zerschosien— und wo sind die Rest« d«, langen Hauses, das noch damals auf dem Marktplatz stand...? Auch diese sind in Schutt und Asche gegangen. Der Vize schraubt wieder am Fernrohr. Nun seh« ich, wenn auch nicht deutlich erkennbar, an einem Berghang riesige Geschütze stehen. Sic hoben sehr langt Rohr». E» sind Schisfsgeschütze. Di« sind unser, ärgsten Feinde. Eine große Bahn fuhrt zu den Ungeheuern und bringt ihnen Munition. Zum dritten Mal» stellt der Vize" das Rohr. Verschwommen im Nebel seh« ich klein« geldzelte, einen Wagen- park, Truppen. „Popperinge!" sagt der Feldwebel kurz. Ich dreh» das Scherenfernrohr nach hinten. Vor mir liegen die Höhenzüge und Hügel der eigenen Stellung. Da heraus gähnen die Löcher unserer leichten Geschütze. Wenn die schießen, blitzen Feuergartttn in die Dunkelheit, und In der Eben«, in der schweren Nebelschicht de« Flandernabends sehen die hohen schlanken Weiden gespenstisch au». Hinter ihnen lauert auch Tod und Verderben, denn sie verdecken die schweren Geschütz«, die die Stadt Ppern In Trümm«r schassen. Aber rechts an den Flanken unserer Grüben liegen die blutgetränkten Höhen 59 und 60. Die Gräben, die sich in ihnen hinziehen, ftMken noch Leichen und Aa». Hier fanden d'e erbittertsten Kämpf« statt, hier zeigten deutsche Soldaten, daß sie mutig sind. Inzwischen ist e» dunkel geworden. Wir gehen zum Sommel- platz zurück. Und nachts werden wir abgelöst. Wieder haben wir ein paar Tag« Ruhe in unserem Lager. „Kaffee duck diefr.' Als einzige» Hau, des ehemaligen Dorfe» Kortevill« stand noch die Kate eines belgischen Tagelöhner». Eine Stirnwand war von einer Granat« der Engländer zerschossen, doch der Bauer hatte mtt Holzschalung sich zu helfen gewußt und da« Gebäude rcpa- riert. Er war der einzige, der hartnäckig auf seiner Scholle blieb. Und mit ihm»ine Tochter und die alte detagte Mutter. Da des Häusler» Acker von Granaten zerpflllgt war. handelt« er mit Süßig- leiten und Bedarfsartikeln. Alle Heereskörper, die zu unserem Frontabschnitt mußten, zogen hier durch. Hier hielten die Gespanne der langen Prooiantkolonnen. Hier stillten die So'baten ihren Durst, wenn sie tt, Stellung rückten oder von dort kamen. Das Wirtshaus und Verkaufslokal war beliebt bei ollen. Der arme Bauer, der so sehr an seiner Scholle hing, daß er diese wicht verlaffen wollte, war nicht nur meiner, sondern jeder Achtung wert. Wir haben denn auch alle lieber bei ihm als in unseren Kantinen ge- taust. Nur der Kasse« oder Mokka, wie wir ihn nannten, war nichts wert. Er schmeckt« nach Petroleum. Das Häuschen wurde„Kaffee duck dich" genannt, weil die Ge- gertd noch im Feuerbereich lag und so niedrig war, daß der kleinst« Soldat sich bücken mußte, um hindurch zu gelangen. Der Bauer, der bucklig war, bsdient« neben dem sauberen adretten Mädchen, die vielleicht gar nicht Mari« hieß. Vergeblich habe ich versucht, ,zu erforschen, weshalb der Deutsche jede Belgier' n oder Französin „Marie" nannte. Aber ich darf behaupten, daß er sich dabei nicht» Böse» dacht». Den Mittelpunkt von allem Schönen, welche» man sah und empsinden durfte, war Marie. Mari« mit ihrem Estaminet in dem einstöckigen Eckhäuechen an der Kreuzung der Straße. Ein schon bejahrte», doch schönes Mädchen, da» die deutsche Sprache nur rode- brecht«. Groß ragt« sie mit ihrer hageren Figur hinter der Theke hervor. Wenn sie sich mtt den fein gepflegten Händen über das reiche Blondhaar strich, wenn ihre Augen funkelten und sie mit rauher Stimme sprach, war sie ärgerlich und ihr gewöhnlicher Gleich- mut verslogen. Aber ihr« Sttmme und die Waffe ihrer Schlag- ferttgkeit war ihr bestes Rüstzeug, machte sie zu einer berühmten Person. Di« von den Gästen geführten Hänseleien und Anzüglich- keilen ertrug sie mit Geduld und ging lachend über manche Un- arten hinweg. Daher machte auch der Vater gute Geschäfte. War ein Landwehrmann allzu anzüglich und versuchte sich an sie heran- zumachen, wehrt« sie ihn ab mit den Worten:„Da gehste bei kaputt, Jung!" Sie schenkte tn dem Trubel, dem Stimmengewirr, dem Todoksquaim, durch den man nicht mehr hindurchblicken konnte, das Bier mit ruhiger Hand, wußte, wer von den Gästen seine Zeche bezahlte oder gern die paar Centimes prellte, und verkaufte dabei noch. Des Abends war das Lokal immer überfüllt. Je dicker der Rauch der vielen Pfeifen und Zigaretten, je mehr„Musik" mit Harmonika. Tamburin und Teufelsgeige, desto ausgelassener und wilder wurde die Gesellschaft. Vier alte Landstürmer, mit phan- tastischen Kostümen angetan wie Frauenhemden, Unterröcken Leibchen und anderen Frauenkloidern, Zipfelmützen a«: dem Kopf, spielten unentwegt auf einem kleinen Podium und sangen dazu Heimotlieder. Am beliebtesten aber war das echt belgische Walzer- lied, ober von den Soldaten in recht mißlichen Texten gesungen: „Wir sind vom flämschen Blut, di, Deutschen sind uns gut. Ich werbe über diese» einst schöne, doch tief herabgefunkene Lied Nicht berichten, denn:„Es war nicht mehr schön. Hier, im Angesicht de» Todes war diese Art erlaubt. Gor mancher, der heute noch das Lied fang, lag morgen in der Grube. Darum war, menschlich genommen, alle Ausartung des Frontkämp- fers zu verstehen. Im Grunde war alles auch nur verdeckte Der- zweiflung... Galgenhumor! Um zehn Uhr verließen die gemeinen Soldaten da» Estaminet, dann kamen die Unteroffiziere. Und„Marie" mußte oft starken Anfechtungen trotzen. Aber ihr:„Da gehste bei kaputt. Jung!" half immer. Sonntag. Wir stehen in der Kirche. Kops an Kopf. Alle Truppengattun- gen sind vertreten. In der Ecke wo sonst die Toter liegen, Ist der Platz für den Korpstommandeur und seinen Stab. Sie sitzen auf hohen Lehnftühlen und glänzen in ihren ordengeschmückten Uni- formen. Ein breiter Gang in der Mitte, sonst jode Nische gefüllt mit stehenden Soldaten. Da ich lange Zeit nicht in der Kirche war. betrachte ich sie neu- gierig. Meine Augen befriedigen sich an dem hohen schönen Bau, der«n Ebenmaß seiner Proportionen aufweist. Aber oben in den schönen gottfchen Bogen des Daches ha, eine Granate einge- schlagen, da schaut der blaue, lachende Himmel herein. Rings um das Loch ist die Decke schadhaft.geworden, Feuchttgkeit frißt über den weißen Kalk hin. Und über dem schönen geschnitzten Altar sind die Ziegel schadhaft geworden, da fluten auch Pünktchen des HimmeUlicht» hindurch Zwei Schwalbennester liegen auf einer vorspringenden Säule. Wir hören das Gezwitscher der Jungen. Di« Wände trogen die Spuren von angelehnten Betstühlen, und ole'i Heiligenbilder in bäuerlichem Kolorit, tn hübschem gottfchen Rahmen nehmen sich beinah lustig aus. Sie erzählen die Leiden Ehristi. Link» vom Altar steh, das große Kreuz. Dem Heiland fehlt das link« Bein und einer Hand sind die Finger abgeschlagen. Alle» ist vergänglich... fFortfetzung tolgk.i Rätsel-Ecke des„Abend". ««mmmmmlmnmmnnimmlmiimimmmuMinnmmim Kreuzworträtsel. [1 12 � 15 1» 17 Zahlenrä sel. 1234145677 Bekannter deutscher Staatsmann. 24336114 Stufenweise Erderhöhung. 3 6 2 2 4 Nagetier. 4 114 7 Stadt in Westfalen. 14 7 14 Landwirtschaftliches Gerät. 4 3 7 1 2 Männlicher Dornum«. 5 4 4 3 6 7 4 Stadt in Sachsen. 6 7 7 6 Weiblicher Vorname. 7 6 7 2 4 1 Stadt in Frankreich. 7 6 2 2 4 3 Schlangenart. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) kr. Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Schupo-Füllrätsel. Wagerecht: 1. bekannter Heidedichter; 6. Menschenraff«: 11. Schreibheft! 12. englisch nein: 14. Vorname bekannter Film- schauspielerin: 15. vertraulich« Anrede: 16. Gewässer; 18. Hamburger Ausruf: 19. Artikel: 20. Wort für kostbar: 22. geographischer Begrffs: 23. DIchtungssorm: 25. Teil des Weinstocks: 28. kleiner Junge: 29. aeoaraphifch« Bezeichnung: 32. Erdformation: 33. Tonart; 34. Zank: 36. deutsche Stadt: 38. Papierbehälter: 39. südeuropäisches Meer.— Senkrecht: 1. Hülsenfrucht; 2. Vokal: 3 gebräuchliche Abkürzung de» Fremdwortes für„Ausgabe": 4. Verneinung: 5 Mühlen<>dukt: 6. Oper von Verdi: 7. französisch« Straß»; 8. Prä Position: ......! 9. Vokal: 10. FlschereigeiSt; 11». Wild; 13. König von heben: 15. gute Herzensreguna; 17. Doppelvokal: 21. Lotterie- gekürzter Mädchennahme; 34. Form von„haben": 35. Fahrzeug Verwaud'ungtfaufgabe. In den Wörtern Fuchs. Onkel. Rinde, Wort, Eeder. Ader, Aller. Inge. Reger, Rädel, Fuge, Brille sind die Anfangsbuchstaben durch neue zu ersetzen. Die neugesun«nen Buchstaben nennen anein- andergereiht«inen Festtag der Arbeiterschaft. KI. Silbenrätsel. Au» den Silben a» bat bie chsl da de de del di»« «l es es gie in im in ki li ma mo nen nc pri ra ra rauh ren reif rho»a»i sl« ßen»u te ten to trei tur turn u,y vogt weg sind 17 Wörter zu bilden dtien Anfangsbuchstaben und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen,»in Zitat von Schiller ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Prophet: 2. Schneidegercit für Gras. 3. EinHall tun: 4. Deutich«» Grenzgebirge: 5. Flußweg: 6. Männlicher Vorname: 7 Nordiscyer Bewohner: 8. Platinmetall- 9. Stadt in Deutschland: 10. BIbl. Person-, 11. Druckgenehmigung: 12. Maler und Graphiker: 13 Sportart: 14. Aussprach«: 15. Mus«: 16. Naturerfch-inungi 17. Planet.—kr.— lui.'inn« 'amnarä1 „Ihren Namen!" sagt der Schupo! Domino Aufgab«: Im Rest lagen Fünf-Zwei. C be- hielt: 5-0. 3-2, 3-0 2-2. 1-1, 1-0(=20). De, Gong der Partie war: A 6-6. B. 6-5. C. 5-3: II: A. 3-6, B.'6-4. C. 4-1: III.: A. Ick,. D.m technischen Verfahren vielfach Schwierigkeiten. Das neue Versahren der elektrischen Wasserreinigung räumt damit auf. Wie ja die meisten elektrischen Arbeitsverfahren in der genauen Regelbartest und der nur geringen Wartung, die sie erfordern, den bisherigen überlegen sind, so liefert auch da» e-lettrische Verfahren der Wasserreinigung je nach Regelung völlig gereinigte» Master, da» destilliertem Wasser gleichwertig Ist, aber auch solch«», das noch einen bestimmten Salzgehall enthält. Die Etekirootmose. Die Apparatur de» von der Slemens-Elektroosmose-Gesellschost entwickelten Verfahren» zur elektrischen Wosterreinigung besteht au, zehn zusammengebauten Trögen, von denen jeder durch zwei porös« Wände in drei Teile geteilt ist. Den Außenräumen eine» jeden Trogs, die mit Wasser gefüllt sind, wird der elektrische Strom zugeleitet, in den Mittelräumen befindet sich das zu reinigende Wasser Unter dem Einfluß des elektrischen Stromes wandern die Lestand« teil» der Salz« an die Zuführungen des Stromes, an die Elektroden. Die porösen Wände behindern diesen Vorgang nicht, wohl aber ver« sperren sie den Flüssigkeiten in den vußenräumen den Weg zum Mittelraum. Die Scheidewände trennen also einen Raum ab, in dem das Wasser zwar den reinigenden Wirtungen de» elektrischen Stromes voll ausgesetzt ist. der aber nicht mehr von den Außen- räumen her verunreinigt werden kann, gleichgültig, welche chemischen Reaktionen, sich auch hier abspielen. Ebenso, wie die Salzbestand- teile, wandern auch unter dem Einfluß der bestehenden elektrischen Spannung die schwebend im Walser vorhandenen Teilchen auf die Elektroden zu und treten dabei teils durch die porösen Scheidewände b'ndurch in die Außenräume über, teils werden sie auf den Scheide- r änden niedergeschlagen. Diesen Boroang der Wanderung von Fliissigkeiten und in ihnen schwebender Teilchen durch poröse Wände im elektrischen Felde bezeichnet man in der Physik als E l e k t r o o». m o j e. Daher hat das Verfahren auch feinen Namen. Der Vorsang der deldrfschen Wasicrrelnitjami. Es gelingt nun, den auf diesen Erscheinungen beruhenden Bor» gang der elektrooemotischen Wosterreinigung stetig und ohne Beaus- sichtigung und Regelung folgendermaßen durchzuführen: Da» zu reinigende Wasser fließt dem Mittelraum de» ersten Trog» zu, von bier durch»Ine Heberanordnung In den Mittelraum de» zweiten und so wr'�r durch das ganze System blndurch. Die Apparatur ist elektrisch so geschaltet, daß auf diesem Wege die einwirkend« elektrische Svonnung in Stufen ansteigt So wirkt im letzten Troq die volle Sj.f-ifftcfpnrtntmg e'n. Dem Waster wird aus seinem Wege durch die Apparatur der Salzgehalt allmählich entzogen. In den letzten SMen entfernen die bier einwirkenden bohen Spannungen selbst die letzten Reste de» Salzgehaltes und die schwebend vorhandenen Verunreinigungen. Durch b:«! Regelung der Durchslußaeschwindigkelt hat man e» In der Hand. ob man den Solzgehalt völlig oder nur teilweise entkernen will. Um «ine Anreicherung der au» den Mittel'äumen abbeförderten Solz« ben�ndteile und der von ihnen durch Reagieren mst dem Master g-�ldeten Produkt« in den Außenräumen zu vermeiden,««den diese fortlaufend durch eine SplllvarrichtunV gespüll. Enklrmany der Masnrsiumsalze. Die Geschwindigkeit, mit der die einzelnen Salze dem«affer «ntzooen werden. Ist verschieden. S« Ist also möglich, bestimmte Salze im höheren Betrage zu entkernen al« di« anderen. Dieser Umstand gibt eine weitere eigentümliche Modifikation de» produzierten Waster» an die Hand, wie man sie bisher nur schwierig und unvollständig durchführen konnte. S» ist bekannt, daß die Oualitat der viere beispielsweise weitgehend durch da« zur BerfÜgiing stehende Master bedingt ist. Hat man ein Wasser, das arm an Magnepumsalzen ist. i Skizze zum Tunnel ist die unterirdische Kanalverbindung zwischen Calais und Dover, an der kürzesten Strecke des Aermelkanals, nur eine klein« Leistung. Tatsächlich aber handelt es sich hier um ein Bauwerk, wie es in diesem Ausmaß die Menschheit noch nicht erlebte. Die Maß« stöbe der Wirklichteit sind eben anders als die der dichterischen Phantasie. Der Gedanke, einen Tunnel zwischen dem englischen Inselreich und dem europäischen Festland zu schassen, Ist schon mehr als 100 Jahre alt. Aus dein Jahre 1804 gibt es ein Phantast«. volle» Bild, dos den Angriff einer Festlandsarmee auf England darstellt. England betrachtete die seine Küsten umgebenden Meere als die beste Schutzwehr gegen irgendwelche Angriffe. Heute aber. wo Flugzeuge und Luftschiffe die Technik des Krieges von Grund auf verändert haben, Ist der Meergott nicht mehr der Schutzpatron Englands. Aber zahlreiche wirtschaftliche Erwägungen sprechen für di« Schaffung de» Kanaltunnels. Diese veränderte Sachlage ließ » 1804:„Vebcrfall auf England". wie in Pilsen, so lassen sich hvpfenreiche Biere brauen, während sich da» anderwärts schon durch die Natur des Wassers verbietet. Gerode Magnesiumsolze lasten sich auf elektroosmotischem Wege bevorzugt entfernen, so daß die örtliche Bedingtheit der Pilsener Biere durch das neue Berfohren der«lettroosmotischen Wasserreinigung bedroht zu sein scheint. Wirtschaftlichkeit de» Verfahrens. Die Apparatur zur elektrischen Wosterreinigung kann mit Gleich- ström von 110 bl» 220 Boll Spannüng betrieben werden. Die Wirtschaftlichkeit de» Verfahrens ist im Gegensatz zum Destillations- »erfahren nur nn geringen«rode abhängig von der Größe der Apparatur. Klein« Ausführungen liefern stündlich etwa S Liter gereinigten Wassers und machen dadurch Apotheken» Drogerien. Ladestatlonen für Akkumulatoren und andere Kleinverbraucher unab- hängig vom Fremddezug destillierten Waster«. Andererseits arbeiten bereits Ausführungen, die bis zu 2S0 Liter reinen Wasser» stündlich liefern. Elektrische Wasterreinigungsanlagen verlangen im Vergleich zu Destillationeanlagen nur geringen Raum. Der Stromverbrauch beträgt für 100 Liter reinen W a s s e r» se nach dem Salzgehalt des Rohwassers e t w a 1, S b t s 4 Kilowattstunden. Unter normalen Verhältnissen ist da» Kanaltunnel. Aerm eltanal in England einmarschieren zu lassen. Der Vorsitzende de» französischen Kanaltunnelkomitees, der frühere Arbeitsminister L» Trocquer, erklärte, daß dem Bau eines Tunnels unter dem Kanal technische Schwierigkeiten nicht im Wege ständen. Der Tunnel würde eine Länge von ungefähr 350 Kilometeni erhalten und etwa drei Milliarden Franken, das sind rund 8S0 Millionen Schilling, kosten. Le Trocquer rechnet damit, daß sich dieses Kapital mit L bis S Proz. verzinsen könnte, wenn man die gegenwärtige Zahl der Englandreisenden zugrunde legte. L« Trocquer macht« seine Ausführungen auf Grund der Vor- arbeiten, die Albert Sartiaux in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geleistet hat. Es Ist wenig bekannt, daß man damals In der Nähe von Calais bereits umfangreiche Bohrarbeiten vor- genommen hat, die über die Natur des Gesteins Ausschluß gaben, durch da» der Tunnel geführt werden müßte. Der Tunnelplan, der damals ausgearbeitet wurde, dürfte heute auch noch im allgemeinen brauchbar sein. Unser Bild zeigt die Tunnellini», die damal« zwischen Dooer und Calais festgelegt wurde. E» gibt weiter einen Querschnitt durch den Untergrund, in dem der Tunnel eingebettet wenden soll. Er käme danach in einer Schicht von grauer Kreide zu liegen, di« selbst von Mergel eingehüllt ist und aus einer grünen Sandsteinschicht ruht. Dies« Kreildeschichten sind verhältnismäßig wasserundurchlässig. Sic setzen auch den Bohrarbeiten kein«, zu großen Widerstand entgegen. Di« Hauptschwierigkeit ist nur in der Länge de» Tunnels zu suchen. Hier würde der Kanaltunnel alle bisherigen Bauten weitaus übertreffen. Selbst der Simplon- Tunnel hat bekanntlich nur»ine Länge von 20 Kilometern. Der Vau des Tunnels wird in der Weise vor sich gehen, daß man zu- nächst einen verhältnismäßig kleinen Stollen vorwärts treibt. Dann werden rechts und links die beiden Hcmptstollen in Angriff ge- nommen, durch die später die elektrischen Züge zwischen England und Frankreich verkehren. Der Neine Mittelstollen dient dazu, di« au» den Hauptstollen herausgebrochenen Felsmassen obzubesördern. Außerdem hatte man damals Entwässerungsschächte vorgesehen, au» denen Grundwasser und Sickerwaster entfernt werden könnten. Sartiaux rechnete mit einer Bauzeit von 7 bis 8 Jahren. Technik und Wirtschaft sind für diesen Plan. Dt« Politiker haben da» letzt» Wort zu sprechen. Berfahren dem Destillationsverfahren mit Kohle oder Gasheizung in den meisten Fällen wirtschaftlich überlegen. Zudem bietet das elek- irische Verfahren die Möglichkeit, den von.den Elektrizitätswerken oft billig abgegebenen Nachtstrom zu verwenden, weil das Arbeiten der Apparatur keinerlei Beaufsichtigung erfordert. I. Br. Uucker der Technik. Deutsche» Museum. Abhandlungen und Berichte, Verlag BDI., 1929, 1. Jahrgang, Heft 2. S.Zenn«ck: Heinrich Hertz. Ein lebendig und packend geschriebene» Büchlein, das den trogisch endend«, Werdegang von Heinrich Hertz erzählt. Ausgezeichnet ist auch der zweite Teil, eine kurze Einführung in das Lebenswerk des großen Forschers. Besonders zu begrüßen ist es, daß sich hier ein Wissenschaftler einer klaren, einfachen Sprach» dedient, die sedennann verstehen kann.__ „Zeppelin oder Slahllustschiss?" Zu dem in der»»rigen „Technik" erschienenen Artikel bittet uns der verfaster, Reichstags« abgeordneter Genosse Schaffner, mitzuteilen, daß sich seine Kritik nicht auf den jetzigen Berkeyrsminister Dr. Schätz cl, sondern auf seinen Vorgänger Herrn v. Guärard bezieht. Daniels wieder geschlagen. Hein Müller besiegt ihn in Köln.— Dr. Bach im«Ständigen Ring". In der von annähernd 1t) 000 Menschen besetzten„Rheinlandhalle" in Köln herrscht« grotzer Jubel, als Hein Müller zum Punktsieger über den Engländer Gipsy Daniels erklärt worden war. Der ehemalige Amateur-Europameister und jctzige Nachfolger Schmelingz als deutscher Meister im Halbschwer. gewicht fügte seiner ununterbrochenen Erfolgserie«inen Triumph hinzu, der hoch eingeschätzt werden mutz. Müller vermied, wenn möglich, jeden Nahkampf mit seinem um rund 10 Pfund schwereren Gegner, kämpfte von der ersten bis zur letzten Runde sehr beherzt, wußte all« schweren Schläge seines Widersachers zu meiden und war eigentlich nie in Gefahr. Daniels arbeitete mehrfach unrein, mußte aus diesem Grunde in der dritten Runde eine Verwarnung hinnehmen und scheiterte schlietzlich an der Wendigkeit des Kölners, der einen Generalongrisf des Engländers im legten Drittel des Kampfes mit Bravour abwies. In Erinnerung ist noch der vor fünf errungene Sieg Dieners über den englischen„Zigeuner". Carscn blclbi Europameister. Im Beisein von 7000 Zuschauern fand in Kopenhagen der Boxkampf um die Europa- Meisterschaft im Federgewicht zwischen dem Titel- Verteidiger Knud-L a r s e n- Dänemark und dem belgischen Meister S c i l l i e statt. Aus dem sehr bewegt verlaufenen Kamps ging Larsen als Punktsleger hervor. Der Däne halt 5 von den 15 Runden für sich, Scillie nur 3, während die übrigen ausgeglichen waren. Die: 38. Veranstaltimg. Der gestrige Kampfabend des Ständigen Boxringes in den Spichern-Sälen war wieder einmal«ine blitzsauber« An- gelegenheit. Alle fünf Kämpfe fanden den Beifall des gutgefüllten Hauses. Eine angenehme Enttäuschung bereitete der Schwerge- wichtler Dr. Bach- Heidelberg, der es zu einem überlegenen Punkt- sieg über Hans S ch e m a n n- Dortmund brachte. Trotz seiner körperlichen Borteils wurde Schemann von seinem Gegner in den 8 Runden glatt ausgepunktet. Der Neger Jim Williams- Amerika(72,5 Kilo) kämpfte gegen Karl D r ä b y n g- Saarbrücken (72 Kilo). Bereits nach der 1. Runde, in der sin famosss Tsmpo lag, zeigte sich die Ueberlegenheit des Negerboxers. In der I. Rund« war dann Dräbyng so stark mitgenommen, daß er den Kampf auf» geben mutzte. In einem Qualifikationskampf im Weltergewicht brachte Willi M a tz u n g- Berlin(65,7 Kilo) den Leipziger Max Putzen- Hardt(62 Kilo) schon in der 1. Runde durch einen genau ge- setzten rechten Körperhaken über die Zeit zu Boden. Iupp Eicha- Hamm(56,5 Kilo) schlug Erich T h r i e n e- Hannover(56 Kilo) nach Punkten. Di« ersten Runden waren ziemlich ausgeglichen, zum Schluß war aber Eicha klar der Bessere. Schließlich trennten sich noch Willi Simon- Berlin(82,5 Kilo) und Otto Holzel- Hamm(76,6 Kilo).unentschieden: Holzel hatte zwar kleinere Bor- teile, die zu einem Punktsieg aber nicht reichten. « Mit einem vollständig nationalen Programm wartet am F r«!- tag, 1l>. April, der Ständig« Boxring auf. Die Paarungen werden sicher weitgehendes Interesse finden, denn es kämpfen Erwin Zinndorf gegen Adam Lenz II, Dictor Prawft gegen Reinhard Franz, Harry Such gegen Walter Taumel, Hans Schönrath gegen Hermann Jaspers und Willi Bolz gegen Willi Bolze. Die Radrennen am Sonntag. Weltmeister Tawall fährt morgen sein erstes diesjähriges Rennen auf der Olympiabahn und die Bahn hat durch die Absage der Osterrennen im Reich auch gleich ihr erstes Rennen mit dem Lokolmatador. Der Meister hat feinen Trainingsturz vollkommen überwunden und befindet sich hinter seinem treuen Schrittmacher Po schl ier in Hochform. Die drei kürzeren Rennen über 26 Kilometer. 36 Kilomeier iri'd 40 Kilometer liegen ja Sawall weniger, ober fertig werden müßte er mit seinen Gegnern, von denen der gefährlichste der Holländer Snoek mit Kaser-Lütti ist, der gerade in kurzen Rennen seinen Mann steht. Snoek ist mehr als Berufsfahrer, auch in aussichtslosen Positionen kämpst und wühlt er. In Dres- den mußte er Ostern hinter einem Ersatzmotor fahren: vie'.e Fahrer warfen dann die Flinte ins Korn, aber Snoek kämpfte weiter und sollte vielleicht dadurch am Sonntag ein oder zwei Rennen ge> rn nnen können. B e n o i t steht ihm an Kampseseifer nicht nach, die Besucher der Olympiobohn kennen ihn vom vorigen Jahre sehr genau, und wenn ihn damals sein Schrittmacher Besson nicht zu hoch durch die Kurven geführt hätte, wäre er schon bei seinem ersten Berliner Start Sieger geblieben. Beide kennen nun die Bahn schon gut und werden alles kmran setzen, um vorn zu enden. Bor zwei Iahren begann ein siebzehnjähriger Italiener hinter seinem Vater seine Stehertaufbahn. Es war der kleine M a n e r o. Dater und Sohn als„Firma" gab es im Stehersport ganz selten, die bekanntesten vor dem Kriege waren Goar jun. und sen. Aus diesem Grunde entbehrt ein Familienstart nie seines Reizes, vor allem aber, wenn es sich um einen solchen Könner handelt. D!« Rennen beginnen um 15 Uhr. « In Paris ist die Meisterschaft der Geschäftsdrei- räder überaus populär, und der Fahrer einer Fleischerei, der zweimal hintereinander Dreirodmeister wurde, ist tn der Seine- Metropole eine markante Persönlichkeit geworden, lieber das Kräfteverhältnis der rund 56 Dreirodfahrer, die zu der Meister- fchaft auf der R 2 t t- A r« n a gemeldet sind läßt sich naturgemäß nichts sagen, da sich unter den Meisterschaftsanwärtern durchweg unbekannte Leute befind«», aber es ist leicht möglich, daß hier eben- so wie in Paris ein neues Talent ans Tageslicht tritt. Dies« neu- ortig« Meisterschaft stellt erhebliche Anforderungen an die Kraft und Geschicklichkeit der Teilnehmer, und es wird sicherlich«in« Menge Situationen geben, die die Zufchou«? ihr« Teilnahme an diesem eigenartigen Rennen nicht bereuen lasten werden. Der Wettbewerb wird in zwei Klasien ausgefahren, und zwar für Räder mit Warenkosten vor oder hinter dem Fahrer sowie für Räder mit Warenunterlage in Gestatt eines Drahtgitters. Unter den Teil- nehmern befinden sich über 26 Angehör'ge der Berliner Paketfahrt- Gesellschaft. Es sind eine Anzahl Preise gestiftet worden. An der Spitze der Preisstister steht die Rütt-Arena selbst. Jeder Teil- nchmer, der das Rennen unplaziert beendet, erhält«ine Erinnerungsplakette. Meldungen werden auch noch am Sonnwgoormfttag bis 16.36 Uhr angenommen. Der Start erfolgt pünktlich um 11 Uhr. Die Rennstrecke führt über 16 Kilometer, d. h. 12 Runden. Der Wettbewerb findet bei jeder Witterung statt. » Am morgigen Sonntag treten die Bereins-Mannschaften der Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer-Union auf der Span- Hauer 56-Kilometer-Rundstrcckz Schwanskrug— Pausin— Paaren— Grünefeld— Börnicke— Weinberge— Brieselang— Pausin— Schwanekrug— Spandau in Wettbewerb, um zum zweiten Male um den Erich-Aberger-Wanderpreis zu streiten, den der BRC. Alberto-Diamant zu verteidigen Hot. Das Melideergebnis ist mit 19 Mannschaften nicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Start der ersten Mannschaft erfolgt in Spandau aus deck Schönwalder Ehaustee, wo sich auch das Ziel befindet, um 7 Uhr. Kehraus im Eishockey. Pokalspiele im Sportpalast. Der letzte Tag der Eishockeysaifon wird Berlins best« Eis- k)0ckeyspi«l«r im Kampf unier sich sehen. Es.geht um die Eni- scheidung der Pokalspiel«. Um den Senioren-Kurhauepokat haben sich der deutsche Meister Berliner Schlittschuhklub und der Berliner Meister„Brandenburg" sür die Schlußrund« qualifiziert Die Brandenburger haben sich in diesem Jahre zu einer sehr spielstarken Mannschaft entwickelt, die keinen Kampf, auch Argen international« Klast«, zu scheu«n braucht. So werden die „rmen Adler" auch gegen das internationale T«am des Berliner Schlittschuhklub, ein«hrgeizige«. abwechslungsreiches Spiel liefern. Bei den Junioren(um den Schaper-Potal) stehen der Sport- klub Charlottenburg und der Berliner Schlittfchuhklub im Endkampf, der zweifellos sich ebenfalls recht bewegt gestalten wird. Die Kunstläufer komnien ebenfalls noch mal zu Wort. Reben unseren besten deutschen Läufern werden Wellmeister Gillis Graf- 'ftröm und voraussichtlich auch Sonja Henie den letzten Abend zu verschönern helfen. Die Kämpf« beginnen am Sonntag um 26 llhr. Rochnials Aostümfest auf dem Eis. Das so erfolgreich vcr- laufene Kostümfest auf d«m Eis und auf dem Parkett des Branden- burgischen Eislausverbandes wird auf allgemeines Verlangen noch- »als heut«, Sonnabend, 26 Uhr, im Sportpalast wiederholt. El» Vorkrag für Kanusahrer. Der Kanu bezirk hrr ffrwen Turnerschaft Groß- Berlin veran stallet Montag, 15. und KL April, 19 Uhr, zwei Dortragsabende. um alle Paddler unb solche, die es werden wollen, mit den Bestimmungen der Wasterpolizeiverordnun- g«n und der Telbnik des Paddeln, vertraut zu machen. Sie finden statt im Jugendheim, Dorckstraße 11. Anschrift des Kanubezirks: Erwin Gallas, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 9. Ein großer Empfang. In London und Southompton werden umfangreiche Lorkehrungen getroffen, um einen Zeitgenosten mll großen ver- dienst«» um die Menschheit zu empfangen. Die Ankunft des White Star Dampfers„Olympic" in Southompton hat sich durch schwere Stürme verzögert, dürste jedoch noch im Laufe des heutigen Abends erfolgen. Eine Anzahl Torpedobootszerstörer sind dem Dampfer entgegengesahren und See- und Landflugzeuge werden über ihm bei seinem Eintresfen im Hafen kreuzen. Die im Hasen vor Anker liegenden Schisse werd«n durch Sirenengeheul grüßen. Auf den Quais versammeln sich zahlreiche offiziell« Persönlich- keilen, darunter der Bürgermeister von Southompton. Im Lauf« des Abends findet zu Ehren des Angekommenen ein Esten stall, an dem u. o. der Transportminister tellnehmen wird. Reden werden durch Funkspruch verbreitet. Am Sonnabend wird der groß« Zeit- genoste seinen Einzug in London halten, der ganz besonders feierlich gestaltet werden wird. Und all dos Feierliche und Offizielle wird für-- Major Segrave, den Bezwinger des Stundenwelt- rekordes für Automobile veranstallet, wobei dahingestellt sein soll, ob dos Ungetüm mit 1666 D?)., das sich der englische Major bauen ließ, noch als Automobil im landläufigen Sinn« be- zeichnet werden kann. Segrave hat eine Rente von jährlich 26666 Mark erobert, wird noch ein« golden« Trophäe bekommen und wird die Ehre zu würdigen wisten, vom englischen Kronprinzen ange- prsstet zu werden! Oettentlidies Turnen Im Osfenl Die All-rsabteilungen der Freien Turnerfchaft Groß-Berlln, Be- zirk Osten, oeranftallen Montag, 15. April, 26 Uhr in der Turnhalle Rigaer Straße 8(am Dallenplatz) für männliche Mitglieder über 36 Jahre und weibliche Mitglieder über 25 Jahr« ein öffentliches Turnen, um allen Interessierten Einblick tn den heutigen modernen Uebungsbetrieb zu geben. Alle Vorführungen betonen die einfach«. für jeden mögliche Art und Weife, feinen Körper jung und elastisch zu erhalten Gäste sind gern gesehen! Sonnlags-Iverbelurnen in Lichtenberg! Alle Abteilungen des Bezirks Lichtenberg der Freien Turnerfchaft Groß-Berlin werden morgen, Sonntag, 14 Uhr, in der Halle Schreiberhauer Straße auf- marschieren! Alle Freunde— besonders Jungmädchen und Frauen, sind herzlich eingeladen! Wasterfportlerinnen I. kreis. Der Meldeschluß für den 48-Reiger» für Nürnberg ist auf den 26. April festgesetzt. Die Frauenletterinnen sind verpflichtet, alle Frauen und Mädchen, die für Nürnberg in Frage kommen, bis zum 26. April mit genauer Adresse an Unter- zeichnete zu melden. Die erste Reigenprobe findet am 24. April, 26 Uhr, in der Turnhalle Frankfurter Allee 36/37 statt. Die Reigen- schwimmerinnen sind verpflichtet, vollzählig zu erscheinen. Montag. 15. April, 26 Uhr, Gymnastikabend in der Turnhalle des Pestalozzi- Oberlyzeums, Lichtenberg, Albertstraße. Einüben der Bundesfest- Freiübungen. Aenne Wolter, Berlin-Lichtenberg, Goethestr. 12. Filmabend in Eharlokkenburg. Das Arbeitersportkartell Char- lottenburg veranstaltet Dienstag, 16. April, 26 Uhr, im Wohlfahrts- faal des„Spar- und Bauverein", Charlottenburg, Königin-Elifabech- Straße 6, einen Filmabend. Zur Vorführung gelangt:„In freien Stunden durch sonniges Land" und„Von Leipzig bis Nürnberg". Der Eintrittspreis beträgt 56 P. Korten sind bei den angeschlossenen Dereinen und bei Karl Lewin, Haeselerftr. 14a IV, Leo Wolffberg, Kirchhosstr. 7, r. Stfl. II r., Fritz Schulze, Kaiser-Friedrich-Straße 26, Qu. I. Willi Brennling, Am Bolkshaus« 1 II, sowie an der Abend- käst« erhättlich. Ein Zugendvorlrag findet am Donnerstag, 18. April, 26 Uhr, im Institut für Sexualwissenschaften, Beethovenstr. Z, Eck« In den Zelten über die sexuelle Frage in der Jugend statt. Die Jugend- genossinnen und-genossen aller Bezirke können sich beteiligen. Kosten» beitrag 26 Pf. Der Bezirksjugeirdausschuß. I.A.: Kurt Ja eck. Eine Zugendwerberevue. Am Mittwoch, 24. April, findet in Lichtenberg«ine Werbereoue für den DJB. statt. Aus dem reichhaltigen Programm sei erwähnt: Musik� Gesang. Lieder zur Laute, Ansprache des Stadtrats Schneider, Schattenspiele:„Spiel- mannsschuld" und„Fabriken" der SAJ.. Sprech- und Bewegung«» chor der FGI. Eintritt 36 Pf. Veranstalter sind die Arbeitsgemein- fchaft der sozialistischen Jugendorganisationen, das Reichsbanner, SAJ., Kinderfreunde, Iungsozialisien und die Freie Gewerkschasts- jugend. Alle Organisationen müssen sofort das Werbematerial sowie die Eintrittskarten von Heinz Wagner, Lichtenberg, Augustostr. 3, abholen. Die Relchsbanner-Marine-Abkeilung l>at vom 1. April ab neue Ausbildungskurfe«ingerichtet. Diese finden für Jugendliche von 14 bis 17 Iahren Dienstags und Freitags jeder Woche ab 19 Uhr. für Jugendlich« von 17 bis 21 Iahren ab 26 Uhr im Reichsbanner- Wassersportheim, Berlin-Tegel, Uferstraße 1, statt und sind für die Teilnehmer kostenlos� Bedingung ist Gesundheit und pünktliches Erscheinen sowie Unbeschollenheit. Ausbildung wird erteilt im Rudern, Segeln und Schwimmen sowie in den für die Seefahrt erforderlichen technischen Signal- und Rettungsdiensten. Anmeldung erfolgt bei Herrn Wilhelm Banfelow, Berlin-Tegel, Berliner Stt. 88 (Telephon Tegel 188). gs®«., evatibtftitl.vstri-g". Tat Hallcntraining ist beendet. SiunmeHr jeden Dienstag und Donnerstag Training IM Lichtcnbcrger Stadion. Auch bei schlechtem Wetter mllssen olle Zeichtathlelen erscheinen zwecks Vorbereitung siir den W-rbeslraßenlauf Scheniendorf— Eichwold«. tlartel sür Arbeitersport und Kijrperpsleg«. 2».«crwaltnngsbezirl. Mou. tag, l.V April. 20 Uhr, im„Volkshaus', Reinickendorf-West, Echarnwcbc» ftrah« HZ, floctcEfifcung. Freie Arbeitcr-Eckachvercinigung® roh Berlin. Nächst« Abrechnung Mou» tag. Ii. April, A Uhr. bei Krepp, Planuser 75—76. Es müssen oollftändig« Mitgliederlisten mit dem Stande vom üt. Mär» 1920 abgeliefert werden. Nudervcrcin Collegia. Veranstaltungen im April: 2». April Anrudern mit großer Umfahrt pünktlich 9 Uhr. Abends gemütliches Beisammensein mit Tan».—.70. April. 20 Uhr. Fllhoung durch das Institut für Scrualwisscnschaft. Beethovenstr. 3. Teilnahm« 50 Pf.— Für die Jugend am 18. April, 20 Uhr. edendort Lichtbildervortrag über:„Die serüelle Fraß« in der Jugend".— Jeden Montao und Freiiag von ISto— ISii Uhr sportärztliche Untersuchung im Ambulatorium Oranienstr. K, bei Dr. Bergmann.— Uebungsbetrieb im Bovt-hause deginnt Dienstag, I«. April, für alle Anfänger. «rbritersportkartcll Lichtenberg. Donnerstag, 1». April, im Lokal vo» Licverr, flaut- Ecke Echillcrstraße, flartellsttzung. Sonvsdenck, 13. April. Berlin. 16.00 Landierichtsrat Dr. C. M. von Holten: Die Zusammenarbeit mit der Ge» iangenenlGrsorce. 16.30 Julius Hart Uum 70. Ceburtstas; am 9. April). Dr. Leonhard BlaB, Rcd» tatlonen. 17.00 Teemnsik Hotel Bristol(Kapelle lila Livsctiakolf). 18.10 Dr. Kurt Zielenrigrr: Die englischen und französischen Wirtschaftsführer. 18.35 Prof. Dr. A. Timpe: Aus den Kinderlahrcn der Mathematik. 19.00 H. H. Stuckenschmidt, Prag: Musik im Caidhaus. 19,30 Sludienrat Monzel; Der Beruf des Lehrers an höheren Schulen. 20.00 Abendunterhaltung. Mitw.: Till! Feiner, Otto Fassei. 20.30 Roda Roda erzählt Schränke und Geschichten. 21.00 Konzert. Nach den Abendmeldungcn bis OJO: Tanzmusik(Kapelle Gerhard Holtmann). Königswutterbansen, 16.00 Fritz Weslermann: Konschrlftdiktate. 16 J0 Dr. A. Richardt: Aus der BeanUenrechtsprechnng de» ietgtejl Jahres. 17.00 Kaehmittagskonzert von Hamborg. 18 00 Min.-Dir. Orieaer: Irrwege der Sozialversicherung? 18.30 Französisch für Anliirger. 1855 Prof. Dr. Landsberger; Der Kunstcharaktez von Deutschland nnd England. 30.00„Der Junggeselle", Schvank in einem Akt von Rudolf Presber. Regle: Max Bing. Sonntag, 11. April. Berlin. S.S5 S finden glecVen spiel der Potsdamer Garnisonkirche. Morgenfeier. Glocken» geläute des Berliner Doms. 11.30 Vormittagskonzert des Potsdamer Tonktinstler-Orchesters. 13.15 C. Nebermann: Schachfunk. M.30 Für den Landwirt. 15.30 Märchen.(Erzählt von Martha Ferber.)■ 16.00 Reinhold Stahl: Zum 75. Geburtstag des Bildhauers Max Kruse. 16.30 Unterhaltungsmusik der Kapelle Gebrüder Steiner. 19.30 Reinhold Michaelis; Reiseein drücke ans dem Momelland 20.00 Musik von Gluck. Bach Händel, Hajdn. Mozart, Beethoven, Weber, Schubert, Brahms.(Dir. G. Sebastian.) Ansehließend: Zeit Wetter, Nachrichten. Sport. AnsehlieBend bis 0.50 Tanzmusik.(Fred Bint-Taai-Oreh«»ter.1 t8n!f»srnsterk«ns«n. J3.Vr— ld.18 Büdfunkversucbe. is.eo—u.oo Gedanken zur Zell. 18.00 Redakteor Naphtali: Individualisierte WlrtsehaftsdemekTafle. 18.30 Dr. Leon Zcltlin.(Dasselbe Thema wie 18.80.) 19350 Aas dem Roman„Oberlin", von Friedrich Lienhard.(Gelesen ven Ilse Fischei-Ramin) 19.30 Geh.-Rat Prof. Dr. Waetzold: Der Wellcaschatz. 20X0 Ueber tragung von Köln.