BERLIN Montag 15. April 1929 10 Pf. Nr. 175 B 82 46. Jahrgang. Erscheint tS« li ch atfger(Sonntag<. Auzleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SSPf. pro Woche, 3.60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition! Berlin SWS8,Lindenstr.3 Anietgenorei«: Die einspaltige Noupareilltieile so Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Derlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37536. Zernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 X Gparaktion vor dem Ausschuß. Hilferding legt den gekürzten Haushalt vor. Im HauShaltsausschuft des Reichstags wurde heute mit der Beratung des durch die Finanzsach- verständigen der Regierungsparteien gekürzten Reichsetat begonnen. Diese Beratung wnrde durch eine Erklärung des ReichSfinanzminlsterS ein- geleitet. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding: Wie Ihnen bekannt, haben die Regierungsparteien an dem vom Kabinett unterbreiteten Etat eine' Reihe von Abänderungs- vorschlagen gemacht, um das Ziel zu erreichen, in diesem Rot- jähr, in dem zugleich die Frage der Erleichterung der Reparations- lasten zur Entscheidung gestellt ist, die Balancierung des Haushalts zu finden unter größtmöglicher Schonung der Steuerkraft. In«in- gehenden Verhandlungen ist eine Senkung der Ausgaben um rund 1S0 Millionen Mark erreicht worden. Dies gestattet, die Erhöhung der Bier- und Erb- fchastssteuer fallen zu lassen und die Schaffung neuer Einnahmen auf die Erhöhung der Einnahmen aus dem Branntweinmonopol um 90 Millionen Mark und die Erhebung von 40 Millionen aus der Nachtragszahlung der Vermögenssteuer zu beschränken. Ich habe der Reichsregierung empfohlen, auf den Boden dieser Vorschläge zu trete» und sich die Anträge der Parteien zu eigen zu machen. Ich will dabei kein Hehl daraus machen, daß ich persönlich die ursprünglichen Etatsvorschläge unter dem Gesichts- punkt einer Finanzpolitik auf weit« Sicht auch heute noch für richtig halt«. Di« Gründe habe ich in- meiner Etatsrode angeführt. Ich habe den Etat aufgestellt, ohne ein Ergebnis der Pariser Verhandlungen in Rechnung zu stellen, mit dem festen Eni- schluß, bei einer Erleichterung unserer Reparationszahlungen zu einer systematischen Senkung der Gesamtsteuerlasten zu gelangen. Denn ich sehe noch wie vor zwei Hauptprobleme unserer Finanzpolitik: einmal zu einer Erleichterung unserer Kassenlage zu kommen, dann aber insbesondre durch Senkung der Einkommensteuer und der Zuckersteuer ein« Minderung des Steuerdrucks her- beizuführen. Meine Borlage stand unter dem obersten Leitgsdanken, daß der Etat balanzieren muß und kein Defizit aufweisen darf. Dieser oberste Gesichtspunkt bleibt aber auch bei Durchführung der neuen Anträge gewahrt, deren Wesen ja in dem Ersatz von Steuer- erhöhungen durch Drosselung aller nicht lebenswichtigen Ausgaben besteht. Deshalb habe ich dem Kabinett die Annahme dieser An- träge empfohlen. Ich habe das insbesondere deshalb getan, weil mir neben der Notwendigkeit der beschleunigten LZerabschiedung des Etats ange- stchts der Möglichkeit, daß wir in naher. Zukunft oor außenpolitischen Entscheidungen von allergrößter Tragweite stehen können, die Bildung einer festen Regierungs- Mehrheit über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg von über- ragender Bedeutung zu sein schien. Das Kabinett ist mir im Hin- blick aus die gesomtpolitische Lage einstimmig beigetreten. Die Reichsregierung wird mit ollen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, bestrebt sein, auf die Durchführung des Etats in seiner jetzigen Gestaltung hinzuwirken. Ich habe Sie jetzt nur noch zu bitten, daß der Etat sobald wie möglich verabschiedet wird. Abg. Torgler(Komm.) nennt die Erklärung des Reichsfinanz- Ministers insofern nicht ausreichend, weil sie nicht Auskunft über die Art der Streichung gebe. Abg. Schmidt-Stettin(Dnot.) erklärt im Namen seiner Freunde, daß auch seine Partei, trotz ihrer Oppositionsstellung an der schnellen Fertigstellung des Etats weiterarbeiten werde, weil jeder Tag Ver- zögerung dem Reiche Geld koste. Abg. Dr. Herh(Soz.): Jede Partei habe in einer Koalition dos Bestreben, ihren Einfluß und Erfolg möglichst groß darzustellen. Keinesfalls könne die Volkspartei die Biersteuer z. B. als ihren Erfolg buchen. Die meisten Streichungen seien, wie Redner des näheren nachweist...echte' Ersparnisse Die Senkung der Lohnsteuer sei früher von den Kommunisten selbst als nichts Erstrebenswertes hingestellt. Die Kenntnis der öffentlichen Betriebe, die in einer Reso- lution gefordert werde, soll« eben dazu dienen, möglichst« Klarheit zu erlangen und möglicbst Wirtschaftlichkeit durchzusetzen. Abg. Dr. Cremer(DVp.) weist darauf hin, daß Boraus- schätzungen der Steuern in Zeiten solcher Konjunkturschwankungen wie gegenwärtig, einen unsicheren Bode» abgäben Abg. Dr. Reinhold(Dem) erklärt, daß seine Freunde dem Kompromisse gern zustimmen, weil er ihren bei den Etatberatungen geäußerten Grundsätzen entspricht, daß nämlich unsere Wirtschaft neue Steuern oder Steuererhöhungen nicht mehr tragen könne, sondern daß nur der Weg der Ersparnisse am Etat möglich sei, um zu gesunden Berhältnissen zu kommen. Löon Blums großer Sieg. Schon im ersten Wahlgang gewählt. Paris, 13. April. lEigenberieht.) Leo» Blum, der Führer der Sozialistischen Partei Frankreichs ist am Tonntag bei der Nachwahl in Rar- bonae schon im ersten Wahlgang zum Abgeordneten gewählt worden. Damit ist ein Unrecht wieder gutgemacht worden, das ein launischer Zufall des Einmannwahlrechtes und die kommunistisch« Bosheitspolitit bei den letzten Kammerwahlen verursacht hatten. Mißische Konkurrenz. .Diese sozialistischen Zrauentagungen! Das haben sie nur unseren altbewährten Kaffeekränzchen abgeguckt!" Damit ist der paradoxe Zustand beendet, bei dem der unbestrittene Führer einer großen Partei, die in der französischen Kammer mit über 100 Abgeordneten oertreten ist, selbst im Parlament nicht anwesend sein konnte. Von den 14 000 Wahlberechtigten des Kreises sind 11800 zur Urne gegangen. Nur KS Stimmen waren ungüllig, so daß also die absolute Mehrheit 5878 betrug. Blum erhielt SS8S Stimmen, also acht über die absolute Mehrheil. Immerhin ist sie die höchste Ziffer, die in Narbonnc, einem seit über 20 Jahren sozialistisch wählenden Wahltreis bisher ver- zeichnet worden ist. Der bisherige Inhaber des Mandates, der verstorbene sozialistische Abgeordnete Pelissier, hatte es nur aus S702 Stimmen gebrocht. Der radikale Gegenkandidat Blums, Rechtsanwalt G o u r- gon, der die Unterstützung der mächtigen„Depeche de Toulouse' lileralcnlärm In der voiksbülinc. Der Raabmord in Ldbars. Berichte 3. und 4. Seite und der beiden in dieser Gegend allmächtigen Brüder S a r r a u t hotte, ist mit über 800 Stimmen geschlagen worden. Er tonnt« nur S021 Stimmen einheimsen. Er hat zwar gegen die Wahl Blums Protest eingelegt, weil er behauptet, daß in der Berech- nung der absoluten Majorität ein Irrtum unterlaufen sei, und daß daher eine Stichwahl stattfinden müsse. Es ist aber nicht wahr- scheinlich, daß diesem Protest stattgegeben wird. Der t o m m u- n i st i s ch e Gegenkandidat Blums erreichte ganz«(5 00 Stimmen. Ueber den Wert des Wahlsieges Blums äußert das nationa- listische„Echo de Pari s":„Der Sieg Blums ist ein flagranter Beweis, daß die Position der Sozialistischen�Pcrriei sich in ganz Frankreich Die Anhänger der Partei wählen tatsächlich sür die sozialistische Idee. Man hat bisher den südfranzösischen Sozialismus als einen Sozialismus eigener, nicht ernst zu nehmender Art, verschrien. Die Wähler von Narbonne beweisen uns aber, daß sie Disziplin zu halten und für das Parteiideal zu stimmen wissen. Durch den Sieg Blums wird der Sozialismus gerade in Südfrankreich immer gefährlicher, denn seine oflensioe Kraft muß sich wesentlich verstärken.' Nach Schluß der Wahlen kam es in Narbonne zu einem Zwischenfall im Theater Alcazar, in dem die großen Wahlversamm- lungen stattfinden. Plötzlich brach aus unbekannter Ursache ein schwerer Brand aus. Trotz aller Anstrengungen der Feuerwehr gelang es nicht den Brand zu löschen. Das Gebäude brannte bis auf die Grundfesten ab. Die GAZ.-Akiion in Genf. 7500 Kundgebungen zur Abrüstungsfrage. Gens, 15. April. Rund 7500 Kundgebungen zur Abrüstungsfrage sind in Verfolg der Aktion des Exekutivkomitees der Sozialistischen Internationale bis heute bei der Abrüftungsabteilung des Völkerbundssekretariats eingetroffen. In allen diesen Kundgebungen, die aus 21 Ländern kommen, wird unter Berufung auf die Beschlüsse der beiden letzten Völkerbundsversammlungen der beschleunigte Ab- schluß der Arbeiten des Abrüstungsausschusses und die baldige Ein- berusüng der Abrüstungskonferenz selbst verlangt. Rund 4000 Kund- gedungen stammen allein aus Holland, wo sich außer den sozia- listischen Ortsgruppen auch Kirchen gm einderäte der Aktion angeschlossen haben,- über 1900 stammen aus Schweden, etwa 540 aus der Tschechoslowakei, 230 aus Frankreich und 160 aus Rumänien. In den übrigen Ländern, so auch in England(125 Kundgebungen), in Deutschland(80), in Spanien(70), in Belgien und in Ungarn (je 30), haben sich dagegen nur die Parteivorständc, Fraktionen und Bezirksvorstände mit dem Abrüstungs- appell an den Völkerbund gewandt. Außerdem sind Abrüftungskund- gebungen eingegangen von China, Dänemark, Donzig, Finnland, Griechenland, Lettland, Oesterreich, Palästina, Polen. Portugal und der Schweiz. Die Abordnung des Exekutivkomilees. in der die Arbeiterschaft der Siegerländer durch R e n a u d e l- Frankreich und de Brouckere.- Belgien vertreten ist, die Arbeiter- schaft der neutralen Länder durch den Holländer A l b a r d a und die der besiegten Länder durch den Reichstagsabgeordneten Wels, ist bereits am Sonntag in Genf eingetroffen. Zur Bekräftigung dieser Kundgebungen wird sie am Montag nachmittag vor dem Präsidenten des Vorbereitungsausschusses L o u d o n durch de Brouckere, der wiederholt die belgische Regierung im Vorbereitungsausschuß vertreten hat, eine gemeinsame Erklärung abgeben. Im Anschluß an die Unterredung mit London wird die Abordnung die Pressevertreter von ihrer Aktion unterrichten. Eröffnung der Konferenz. Gens. 15. April. Die heute vormittag 11 Uhr eröffnet« sechste Tagung des Vor- bereitenden Abrüstungsausschusses sieht fast genau dieselben Dele- gierten wieder, die schon oor einem Jahr an den Abrüstungsverhand- lungen teUgenommen haben. Nur eh« der großen Spitzen der Ab- rüstungsgegner fehlt, nämlich P a u l B o n c o u r. Er ist durch M a s s i g l i ersetzt, einen Beamten, der lange nicht die rethorischen Fähigkeiten Paul Boncours besitzt. Die Tschechoslowakei ist neu ver- treten durch Vi erlinger. Außenminister Benesch ist nicht nach Genf gekommen. In seiner Eröffnungsansprache ließ Präsident L o u d o n bereits vorausahnen, wie der Verlauf der Tagung fein wird. Er leitete seine Ausführungen mit den Worten ein, die öffentliche Meinung solle sich keinen Illusionen hin- geben und die Verhandlungen mit den interessierten Mächten seit September hätten kein Ergebnis gebracht/ das die Bor- »ahme einer zweiten Lesung mit dem schließlichen Enderfolg jetzt schon möglich erscheinen lasse. Wenn die öffentliche Meinung schließ- lich mit Recht ungeduldig werde, müsse man sich doch sagen, daß die Abrüstungsarbeiten nur Schritt für Schritt weiter- kommen könnten. Da die Kommission es abgelehnt habe, den ersten radikalen russischen Abrüstungsentwurf zu behandeln, müsse sie sich diesmal mit dem zweiten russischen Entwurf und den deutschen Vorschlägen über die Offenlegung der Rüstungen be- fassen. Loudon schloß, er hoffe, daß man in dieser Tagung intensive, aber auch schnellere Arbeit leisten werde. Eine Erkärung GibsonS. Das taktische Vorspiel für die See abrüstungsverhand- lüiigen, die man in Genf erwartet, ist bereits durch eine Erklärung des amerikanischen Delegierten Gibscn an die amerikanischen Presse- Vertreter eingeleitet. Gibson erklärte, daß die Meldungen, die bis jetzt über Fühlungnahme und Pläne für die Seeabrüstung ver- breitet seien, alles erstklassige Sensationen seien. Er erwarte von Genf hauptsächlich, daß man in der vorbereitenden Abrüstungstommission selbst vor allem diese Fragen gründlich be- handele, wie es ja auch ihre Aufgabe\f\. Er habe jedenfalls nicht die Absicht, sich schon in acht Tagen wieder nach Amerika ein- zuschiffen, sondern er erwarte bestimmt, daß er erst einmal die Ge- legenheit benutzen könne, sich eingehend über alle st rittigen Fragen auszusprechen, vor allem selbstverständlich inner- halb der Kommissionsberatungen. Glückwünsche an Hugo Heimann. Der Reichskanzler hat c�n den sozialdemokratischen Reichs- .agsabgeordneten Hugo cheimann in Berlin zur Vollendung des 70. Lebensjahres nachstehendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Es ist mir eine große Freude, Ihnen zu dem bedeutungsvollen Lebensabschnitt, den Sie heute vollenden, zugleich im Namen der Reichsregierung herzliche Glückwünsche zu übersenden. Im Gedenken an die Verdienste, die Sie sich insbesondere auf dem, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, so wichtigen Posten des Vorsitzenden des Reichshaushaltsausschusse» erworben haben, spreche ich d-e Hoff- nung aus, daß Ihnen noch viele Jahre fruchtbringender politischer Tätigkeit beschieden sein mögen." In der heutigen Sitzung des Reichshaushaltsausschusses gedachte der stellvertretende Vorsitzende Klöckner in herzlichen Worten des abwesenden Vorsitzenden Hugo H e i m ä n n, der heute seinen siebzig st en Geburtstag feiert und sich in seiner bescheidenen Art allen Glückwünschen durch seine Abwesenheit entzogen hat. Der Ausschuß' übersandte ihm folgendes Telegramm: „Die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Reichstages sende» ihrem hochverehrten Herrn Vorsitzenden aufrichtige Glückwünsche zum siebzigsten Geburtstage. Sie gedenken in Dankbarkeit Ihrer hin- gebenden Arbeit und Ihrer vorbildlichen objektiven Leitung der Ver- Handlungen im Haushaltsausschuß und wünschen, daß Sie Ihre ver- dienstvolle Tätigkeit noch recht viele Jahre zum Wohle des deutschen Volkes ausüben können. Im Auftrage Dr. Klöckner." Bereits am Sonnabend haben die Genossen C r i s p i e n und Stelling im Namen des Parteioorstandes und die Ge- nosien Dr. B r e i t f ch e i d und Dr. Hertz im Namen des Vor- ftandes der Reichstagsfraktion dem Genossen Hermann persönlich ihre herzlichsten Glückwünsche und ihren Dank für seine Arbeit im Interesse der Partei und der Fraktion ausgesprochen. Die Reichstagsfraktion überreichte dem Jubilar eine silberne Zigarettenschale mit der Widmung:„Ihrem lieben Hugo Heimann zum 70. Geburtstag in Sankbarer Verehrung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion." Cbertstein und Hindenburgplaketie. Siedlungen nach den Reichspräsidenten. Görlitz. IS. April. Die hiesige Schutzpolizei Hat ihre beiden Siedlungen in der Reichert- und in der Schwerinstraße nach den beiden deutschen Reichspräsidenten E b e r t und Hindenburg benannt. Heute morgen wurde zu Ehren der Reichspräsidenten in der Reichertstraße im Vorgarten der Siedlung ein Friedrich-Ebert-Gedenk- stein und in der Schwerinstraße eine Hindenburg-Plakette feierlich eingeweiht. Zu der Feier waren u. a. als Vertreter der preußischen Staatsregierung Polizeidezernent, Oberregierungsrat von Spießen-Liegnitz, ferner Vertreter des Landratsamts und der Kommunal- und Polizeibehörden erschienen. Oberregierungsrat von Spießen hielt die Weiherede und überbrachte die Grüße des preußischen Staatsministeriums und der Regierung in Liegnitz und betonte besonders das Pflichtbewußtsein der beiden ersten deutschen Reichspräsidenten. Militärfaschisten-�egierung ernannt. Sieben Stabsoffiziere als Minister in Warfchan! Warschau, 15. April.(Eigenbericht.) Am Sonntag ist unter der Führung des bisherigen Kultuz- Ministers S w i t a l s k i endlich eine neue Regierung zustande ge. kommen. Das neue Kabinett stellt nach seiner ganzen Zusammensetzung keinerlei Ansprüche auf eine Unterstützung durch dos Parlament, dessen Ohnmächtig! e.it damit, für alle Zukunft besiegelt sein dürfte. Nicht weniger als zwei Generale und fünf Obersten, mit einer ausgesprochen militärisch-faschtsti- schen Einstellung, sind zu Ministern ernannt worden. Als Außenminister fungiert Zalesti weiter, Kriegsminister bleibt P i l s u d s k i. Das Innenministerium hat der General S k l a t- k o w s k i übernommen. T)ie neue Gcotland-�ard-Affäre. Britische Kommunisten verwickelt. London. IS. April.(Eigenbericht.) ain Zusammenhang mit dem neuesten Polizeiskandal sind jetzt zwei Beamte der politischen Polizei ihres Postens enthoben Nach denIrrungen unb Wirrangen. Severins über die Ausgaben der Negierung. Klel. 15. April. Veichsinnenminister Severing traf gestern vormittag im Aukomobil von Flensburg, wo er der v o l t s h o ch. schule harrisleeseld einen Besuch abgeslatlel Halle, in kiel ein. Bei der Ankunft an der Sladlgrenze bereitete ihm das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold einen herzlichen Empfang. Der Minister begab sich sodann im Zuge des Reichsbanners in das Gewerkschaftshaus, wo er in einer B e z i r k s k o n f ere n z der Sozicldemokrati- schen Partei einen Bortrog über das Thema„Staat und Wirtschaft" hielt. Der Minister führte aus: Die Provinz Schleswig-Holstein ist mehr als jeder andere Be- zirk in den letzten Wochen der Tummelplatz außerordentlicher poli- tischer Leidenschaften gewesen. Politische Gruppen haben sich ein- gebildet, mit Verfügungen an den Regierungspräsidenten und die Landräte sowie andere beamtete Personen so etwas wie eine Art Nebenregierung etablieren zu können. Eine sogenannt« Nothilf« hat sich organisiert und erlaubt, den preußischen'Amtspersonen Vor- schriften über ihre Amtstätigkeit zu machen. Man könnte geneigt sein, diese Verfügungen als einen verfrühten oder verspäteten Aprilscherz aufzufassen. Man kann sich jedoch leider nicht dazu entschließen, wenn man die blutigen Vorgänge in Betracht zieht, Vorgänge, die nur ihre Erklärung in einem gesteigerten Machtbe- wußtsein der Extremen von rechts und links finden. Aber wer die Freiheit der Weimarer Verfassung in Anspruch nimmt, sollte sich hüten, allzu ergiebigen Mißbrauch mit dieser Freiheit zu treiben. Sonst könnte eine Einengung der Freiheit der Verfassung, herbeigeführt auf verwalwngsrecht- lichem Wege, eintreten und von dieser Einigung würden insbe- sondere die Parteien betroffen werden die sich nicht dazu verstehen können, haushälterischen Gebrauch mit der Freiheit der Verfassung zu machen. Man muß auch den anderen Konzessionen machen, sonst ist diese Freiheit keine Freiheit mehr. Ich bin nach Schleswig- Holstein gekommen, um mich an Ort und Stelle darüber zu infor- mieren, ob besondere gesetzgeberische Maßnahmen notwendig sind, um solche Vorgänge,' wie sie in der letzten Zeit sich ereignet haben, ein für allemal unmöglich zu machen. Zch bin kein winister der Reaktion. Aber ich möchte ein Minister für Freiheit und Ordnung sein. Denn die Freiheit, die sich nicht mit den Grundsätzen staatsbürgerlicher Ordnung in Einklang bringen läßt, ist keine Freiheit, sie ist ein Mißbrauch der Freiheit. Wenn Nationalsozialisten und Kommu- nisten geglaubt haben, daß sie die Provinz Schleswig-Holstein als ihre Domäne in den letzten Monaten betrachten können, dann hat der Empfang in Altona und heute morgen in Kiel gezeigt, daß das ein Irrtum war. Wir sind da und wir werden, wenn es dar- auf ankommt, den Extremen von rechts und links zeigen, daß Schleswig-Holstein ein ungeeigneter Boden für nationolsoziastische wie kommunistische Experimente ist. Der Minister ging dann auf die Vorgänge bei der Bildung der neuen Regierung ein und sagte: Hätte ich vor einer Woche vor Ihnen reHeo mÜilen. dann wäre ich vielleicht mit stolzen Hoffnungen vor Sie getreten mit der Erklärung, daß der Reichstag den rechten Weg zur Ver- abschiedung des Etats gefunden habe. Aber ich bin nicht für Sonn- tag, den 7. April, sondern für Sonntag, den 14. April, verpflichtet worden. Zwischen dem 7. und 14. April liegen Tage der Irrun- gen und Wirrungen. Am Montag schien alles in Ordnung zu sein. Da erschien plötzlich wieder als fliegender Holländer, als Geisterschiff, der Panzerkreuzer A. Mir ist die Geschichte dieses Panzerkreuzers jetzt allmählich zu einem Uebel geworden. Aber wir müssen den Dingen, wie sie sich darstellen, ins Auge sehen, und ich glaube, wir können froh sein, daß er nicht aufs neue die Tätigkeit der Regierung und des Reichstags gerammt hat. Ich halte nach wie vor den Bau des Panzerkreuzers fü» unzweckmäßig und im Hinblick auf die finanzielle Lage des Reichs für überflüssig. Nicht nur für überflüssig, sondern für schädlich. Ich werde nicht aushören, dieser meiner Meinung Ausdruck zu verleihen. Die Frage ist aber, ob der Panzerkreuzer A oder eine Rate für ihn wichtiger ist als alles andere, was sonst noch in der Politik vor sich geht. Wenn aber unser Kampf gegen die überflüssigen und unzweckmäßigen Rüstungen die Regierungskoa- lition zum Scheitern gebracht hätte, so wäre das ein großes U n- glück für das deutsche Volk, ein Unglück für die deutsche Wirtschaft geworden. Darum sind Nationalsozialisten und Kommunisten in der letzten Zeit größenwahnsinnig geworden, weil sie darauf spekulieren, daß im Reich eigentlich nur ein« provisorische Regierung vorhanden sei und im Reichstag nur eine kümmerliche Koalition, und daß es nur einer schneidigen Husarenattacke bedürfe, um mit Aussicht auf Erfolg Regierung und Reichstag zu über- rennen. Das ganze Gerede über Diktatur hatte letzten Endes seinen Grund darin, daß jeder fühlte, daß eine Regierung mit fester parlamentarischer Basis nicht vorhanden sei. Kritische Tage stehen uns noch bevor. Wenn die Arbeiten der Reparation-- sachverständigen sür uns einen ungünstigen Verlauf nehmen, wird das für manchen ein willkommener Anlaß sein, jetzt den entschie- denen Kampf gegen den äußeren Feind mit gleichzeitiger Reinigung im Innern zu fordern. Ich hoffe, daß diese Regierung trotz alle- dem die Legislaturperiode aushalten wird. Der Minister wandte sich hierauf dem Verhältnis des Reichs zur Wirtschaft zu und machte längere Ausführungen über den Konflikt in der Ruhrindustrie und über die Gründe, die die Reichsregierung und ihn veranlaßt hätten, das Schiedsrichter- amt zu übernehmen. Durch ihr Eingreifen habe die Reichsregie- rung keineswegs dem Schlichtungswesen einen Stoß gegeben, denn die Gewerkschaften waren selbst schon vor seinem Eingreifen damit einverstanden, daß durch private Vereinbarungen der Arbeitsfried« wiederhergestellt würde. Sein Schiedsspruch selbst stelle das wirt- schaftlich Ertragbare und das sozial Erwünschte fest. Der Minister schloß: Die Befürchtungen, daß die Arbeitslosigkeit in Deutschland eine Dauererscheinung bleiben würde, erwiesen sich schon heute als grundlos. Aber rosig werde die Lage unseres Wirtschaftsmarktes noch lange nicht sein. Wir haben ein Interesse daran, von den Beratungen der Sachverständigen in Paris einen Urtellsspruch zu erwarten, der nicht allein die Gesamtleistung herabsetzt, sondern der uns auch in den Stand setzt, unsere Reparationsoerpflichtungen der einzelnen Jahre ganz bedeutend zu kürzen. Verbilligung der Produktion und Erhöhung der Kaufkraft der Massen sind unsere Ziele. Wenn uns eine Erleichterung um 500 Millionen jährlich gewährt wird, dann sehe ich darin schon einen begrüßen s- werten Schritt auf diesem Wege. 3>rof. Cesar Chambrun. Auf Einladung der Deutsch-französischen Gesellschaft spricht am 15. April Prof. Cesar Chambrun, das radikalsozialistische Mitglied der französischen Kammer, über das Thema„Das Parlament von heute und seine Aufgaben." worden. Sie werden, wie verlautet, beschuldigt, angebliche Staats- geheimnisse nach Rußland durchsickern lassen zu haben. Britische Kommuni st en sollen dabei eine gewiss« Rolle ge- spielt haben. Man spricht davon, daß inzwischen bei zahlreichen eng- tischen Kommunisten Haussuchungen vorgenommen wurden und der Führer der britischen Kommunisten im Polizeipräsidium einem längeren Verhör unterzogen worden ist. Die Frag«, ob ein Hochverratsprozeß eingeleitet werden wird, soll vorläufig noch nicht geklärt sein._ Mexiko-putsch vor dem Ende. Keine Gnade für die Anführer! Mexiko-EIky, 15. April.(Eigenbericht.) Das Ende der Militärreoolte steht unmittelbar be- vor. Inzwischen ist auch der Rebellengeneral M a n z o aus ameri- konisches Gebiet geflüchtet. Er wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Von Amerika aus hat Manzo der Regierung die Unterwerfung von 6000 Anhängern der rebellierenden Generale angeboten, salls für das Leben des zurzeit noch im So- norastaat operierenden Generals Rabattes und seiner Offiziere bestimmte Garantien geleistet werden. Die Regierung hat dieses Ansinnen abgelehnt und bedingungslose Unterwerfung ge- fordert. Sie erklärt gleichzeitig, daß für die Taten der Rebellen die Urheber der Rebellion verantwortlich sind, während den ver- führten Mannschaften gegenüber mit größter Milde oerfahren würde. Der am Sonntag von den rebellierenden Truppen auf Laco unternommene Angriff wurde von den Regierungstruppen abge- schlagen. Die Rebellen hatten 22 Tote und 37 Gefangene. Sie befinden sich in voller Auflösung auf der Flucht nach dem Norden. Hakenkreuz-Naufbolde. Sie sprengen Versammlungen in Bayern. Rothenburg ob der Tauber. 15. April. Während einer hier abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Sozialdemokratischen Partei, ander auch Nationalsozialisten teilnahmen, kam es zu schweren Auseinandersetzungen. Die Gegner bewarfen sich mit Biergläsern und prügellen sich mit Stuhlbeinen. Im Verlauf« weniger Minuten gab es eine Anzahl mehr oder weniger schwer Verletzt«. Schutzmannschast und Gendarmerie räumten den Saal und nahmen einig« Verhaftungen vor. Gemeindewahlen in Oberösterreich. Sozialdemokratische Erfolge. Wien, 15. April.(Eigenbericht.) Die am Sonnlag in O b e r ö st e r r e I ch mit Ausnahme der Hauptstadt erfolgten Gemeindewahlen brachten der Sozialdemokratie nach den bisher vorliegenden Ergebnissen insgesamt einen Gewinn von 140 Mandaten. 3n 34 Z n d u st r i e- gemeinden wurden 134 neue Sitze erobert, wä'-rend in zehn Landgemeinden 54 Mandolf verloren gingen. Frauentag in Wien.. Eine politische Rede Otto Bauers. Wien. 15. April.(Eigenbericht.) Am Sonnlag fand in Wien wie im übrigen Oesterreich der Frauentag statt. 3n Wien war der riesige Platz zwischen Rathau». Parlament und Vurgtheater von Menschen d i ch l b e s e h«. Erst sprach Adelheid Popp,- dann nahm, lebhaft begrüßt. Marie Zuchacz- Verlin da» Wort. Ihr folgte Dr. Otto Bauer, der u. a. sagte: „wir haben gesehen, wie die mächtige Regierung S e i p e l an der Macht der Arbeiterklasse scheitern muhte. Diese Regierung dachte heraussordernd, mit dem Sozialismu» nicht rechnen zu brauchen und über die Bedürfnisse der Arbeiterklasse hinweggehen zu können, wir verlangen eine Regierung nicht nur mit einem neuen Romen, sondern eine Regierung mit einem neuen Kur» und einem n e u e n G e i st, die als ihre erste Pflicht die Einführung der Alters- und iZaoalidenversicherung ansieht." Q'ebesdrama im Irrenhaus. Die Wirtschastsführerin erschießt einen Arzt. In der Irrenanstalt Zrsee bei kausbenren(Schwaben) hat sich ein blutiges Liebesdrama abgespielt. Die ZZjährige ledige Wirtschaftssührerin Maria S ch e g g schoß den Zbjährigen ledigen Arzt Dr. Wilhelm Kutter durch einen Schuh ins herz nieder. Der Arzt war vertretungsweise seit Jahren in der Anstalt tätig, und die beiden kannten sich schon seit längerer Zeit. Obwohl ein Verhältnis nicht bestand, scheint sich die Schegg in den Kops geseht zu haben, den Arzt heiraten zu wollen. Am Sonntag nachmittag hatte sie eine mehrstündige Unterredung mit ihm. vald daraus ereignete sich die Tat. herbeigeeilte Anstaltsbeamte ergriffen die Täterin und nahmen ihr die Waffe ab. Durch Vollzeibeamte wurde sie sodann ins Gefängnis nach Kausbeuren gebracht. Der Arzt stammt aus Memmingen. Vier Toie durch einen Irren. Er mordete seine Familie. In dem kleinen Städtchen M a i d st o n e(England) ist eine vierköpfige Familie einem Wahnsinasanfall des Vaters zum Opfer gefallen. Ein Zunge, der am Morgen seinen Freund zur Schule abholen wollte, erhielt aus mehrfaches Klopfen kein« Antwort und benachrichtigte die Polizei. Diese öffnete mit Gewalt das Haus und fand die Eltern und zwei Kinder in ihrem vlute liegend tot vor. Es ist anzunehmen, daß der Vater plöhlich den Verstand verlor und dann seine Frau, seine Kinder und schließlich sich selbst um- gebrscht hat. Zwei Arbeiter verbrüht. Ein schwerer llnfall am Kaiserdamm./ In der Messehalle II am kaiserdamm in wihleben, in der zurzeit die Aufbauarbeiten für die demnächst stattfindende Ausstellung„Gas und Wasser" voll im Gange sind, ereignete sich ain Sonnlagabend ein schwerer Unfall. Dort waren der övjährige Schlossermeister Schäfer und sein Z�jähriger Geselle Ehrenbürger mit Montagearbeiten an einem Gasbackofen beschäftigt. Aus noch ungeklärter Ursache platzte ein Dampfrohr, und beide Handwerker wurden durch die teraussträmenden Dampfmassen am Kopf schwer verbrüht. Die Verunglückten wurden durch die zu Hilfe gerufene Feuerwehr ins Hildegard- Krankenhaus übergeführt. Ein anderer schwerer Arbeitsunfall trug sich heute früh auf einem Neubau in der RiemeifterstraHe in Zehlen- darf zu. Beim Zementtrogen stürzte der 60jährige Arbeiter Wilhelm Freibier die Kellertreppe hinunter, wo er mit schweren Kopfverletzungen bewußtlos liegen blieb. F. fand Aufnahme im Zehlendorfer Hindenburg-Krankenhaus. Der Raubmord bei Lübars. Er erschlug den Wandergenossen wegen seiner Ausweispapiere. Das Schwurgericht lll, unter Vorsitz von Landgericht». Direktor Dr. Friedmann, hat sich heute mit einem Mordsall zu beschästigen, der seinerzeit wegen des geheimnisvollen Dunkels, in das die Tat selbst, der Täter und die Person de» Opfer» gehüllt waren, großes Aussehen erregte. In der Nacht vom 22. zum 23. Oktober 1S28 wurde bei der Landstraße zwischen Blankenburg und Lübars die Leiche eines Mannes entdeckt, bei der man keine Ausweis- papiere fand. Offenbar lag ein Mord bor, denn das Opfer hatte einen Riemen um den Hals geschnürt, und die Kehle war bis auf den Halswirbel durchschnitten. Erst nach einiger Zeit wurde der Täter in der Person des Kuhmelkers Aloysius Becker, der bei einem Landwirt in der Nähe Homburgs in Arbeit war, ermittelt. Becker hatte sich heute wegen dieses Kapitalverbrechens vor den Geschworenen zu verantworten. Er ist ein blonder, harmlos aus- sehender junger Mann von etwa 2ö Jahren. Der Ermordet« ist als der Maler Paul Michalzik inzwischen ermittelt worden. Der Angeklagte hatte ursprünglich ossen eingestanden, die Tat mit Ueber- legung ausgeführt zu haben, in der heutigen Verhandlung aber suchte er dieses Geständnis dahin einzuschränken, daß er nicht die Absicht gehabt habe, seinen Wandergenossen zu töten. Der Ange- klagte war als K u h m« l k e r bei einem Landwirt in der Neumark in Arbeit gewesen und hatte sich einen Vorschuß geben lassen. Zur Sicherheit hatte sein Arbeitgeber die Papier« einbehalten. Becker wollte die Schulden aber nicht abbezahlen und lief davon. Unter- wegs lernte er auf der Straße Michalzik kennen, mit dem er weiter- wanderte. Beide stahlen bei günstiger Gelegenheit ein Rad, auf dem sie abwechselnd fuhren. Becker erfuhr, daß sein Wandergenosse mit falschen Papieren reise, die auf den Namen„Alexander" lauteten. Er sagt« sich, daß er selbst ohne Papiere nirgend Arbeit finden würde und beschloß deshalb, seinem Reisegefährten die Papiere wegzunehmen. Aus den Vorhalt des Vorsitzenden, daß Michalzik, der stärker war, sich die Papier« doch nicht freiwillig weg- nehmen ließe, erwiderte der Angeklagt«, daß er ihn nur habe be wuhtlos machen wollen. Kurz vor Lübars lenkt« Becker seinen Gefährten zur Ausführung seines Planes an eine einsam« Stelle Neben ihm hergehend, warf er ihm plötzlich einen Riemen um den Hals, den er zuzog. Beide fielen bei dem Ringkampf zu Boden. Becker schlug den Kops seines Opfers mehrfach auf die Steine, bis er glaubt«, daß Michalzik bewußtlos fei. Dann zog er ihm die Jacke aus, in der die Papiere waren. Als er das Rad beiseite bringen wollte, sah er, daß M. sich wieder aufgerichtet hatte. Er drückte nun den Kopf des Opfers zu Boden und versetzte ihm, wie er jetzt sagt, eine Anzahl Stiche in den Hals. In Wirklichkeit schnitt er ihm d i e K« h l e d u r ch. In ruhigem Tone gestand der Angc� klagte weiter ein:„Mein Wandergefährte röchelte noch, als ich mich. auf das Rad schwang und davonfuhr." Ueber Verlin ist der Ange- klagte dann nach Hamburg gefahren und hat dort Arbeit gefunden, bis er verhaftet wurde. Neben dem Landwirt, seinem ersten Arbeit- geber, waren als Zeugen nur zwei Schwestern und zwei Brüder des Angeklagten geladen worden. Die Schwestern wollten keine Aussage machen. Die beiden Brüder, die einen guten Eindruck machten, konnten sich die Tat des Angeklagten nicht erklären. Der Vater ist ein ordentlicher Mann, die Mutter war allerdings etwas leichtsinnig. Der Staatsanwalt nahm an, daß der Angeklagte bei der Aus- führung Ueberlegung gehabt Hobe. Als er dann ober mit seinem Opfer kämpft«, packte ihn die Erregung. Es lasse sich daher nicht fest-' stellen, ob er noch die volle Ueberlegung gehabt habe, als er den tödlichen Halsschnitt seinem Opfer beibrachte. Nach dem Gutachten von Geheinirot Dr. Stroßmann ist der Angeklagte«in Mensch, dem moralische Vorstellungen fehlen und der leicht in Erregung gerät. Der Staatsanwalt nahm daher im Gegensatz zur Anklage an Stelle von Mord nur schweren Raub mit Todeserfolg an und be- antragte 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Wohlfahrtspflege eine Ausgabe der Stadt. Gegen Herrschgelüste der freien Wohlfahrispflege. Die Zauberin in Männerkleidung. Ein Lleberfall am Alücherplah. In der Verkleidung eines jungen Burschen versuchte gestern nacht die 23 Jahre alte Gerda R e m n i k aus der köpenicker Straße einen handtaschcnraub. Die Remnik war früher bei einer Frau Frieda S. aus der Fürbringerstraße in Stellung. Frau S. betreibt am Blücherplatz eine Erfrischungshalle. Weil sie etwas ängstlich ist, läßt sie sich regelmäßig von ihrer Hausangestellten abholen. Bis vor 8 Tagen hatte das noch die Remnik besorgt, war aber inzwischen entlassen worden. Als Frau S. gestern mit chrem neuen Mädchen heimkehrte, und die Haustür aufschließen wollte, stand die R. wartend in einer Nische. Plötzlich sprang sie aus ihrem Ber- steck hervor, warf den beiden Frauen Pfeffer ins Gesicht und entriß Frau S. die Tasche mit 250 Mark. Auf die Hilferufe der Frauen, die von dem Pfeffer nur wenig in die Augen bekommen hatten, nahmen Passanten und Schupobeamte die Verfolgung des vermeintlichen jungen Burschen auf, holten ihn. ein und brachten ihn zur Wache. Hier sah man mit Erstaunen, daß es ein Mädchen war. Gerda R. hatte sich ein Paar Mannshosen angezogen und die Verkleidung mit einem Sweater vervollständigt. Darüber trug sie einen blauen Mantel und ein« Mütze. Sie hoffte, was ihr ja auch gelang, daß Frau S. sie in der Maskierung nicht er- kennen würde. Das Geld wurde noch bei ihr gefunden und der Bestohlenen zurückgegeben. Stolbergs Hafibefchwerde abgelehnt. Aus hlrschberg wird gemeldet: Die vom verleidiger des Grafen Ehristian Friedrich Slolberg eingelegte Haft- beschwerde ist von der veschlußkammer de» hirschberger Land- gericht» abgelehnt worden. Ehristian Friedrich bleibt also weiter in Haft. Mchtlicher Oachstuhlbrand. Menschen in Lebensgefahr.— Schwerer Sachschaden. Durch ein nächtliche» Großfeuer wurde in der vergangenen Nacht der Dachstuhl de» vorder» und hinterhause» holzmarkt st rahe 59 im Osten Berlins zerstört. Die Flammen griffen auf die im 4. Stockwerk gelegenen Wohnungen über und mehrere Blieter, die in höchster Gefahr schwebten, konnten sich nur noch im letzten Augenblick in Sicherheit bringen. Das Feuer wurde wenige Minuten vor 142 Uhr bemerkt, als bereits der größte Teil des Vovderhausdachstuhles lichterloh brannte. Als die Feuerwehr zunächst mit drei' Zügen anrückt«, blidete der Dachstuhl des Vorderhauses, sowie des angrenzenden Hinterhaus- flügels ein gewaltiges Feuer meer. Ein Funkenregen stob nach allen Seiten auseinander und bracht« auch die Dächer der um- liegenden Häufer in Gefahr. An mehreren Stellen wütete das Feuer mit solcher Gewalt, daß die Decken zu den Wohnungen in der vierten Etage durchbrannten und teilweise brennend zu- s a m m e n st ü r z t e n. Die aus mehreren Köpfen bestehende Familie war im Schlaf vom Feuer überrascht worden: obgleich ein Teil des Mobiliars schon brannte, gelang es allen, die Treppe zu erreichen und ins Freie zu eilen. Die Löschaktion gestaltet« sich wegen der großen Hitze und des Qualms sehr schwierig. Acht Schlauchleitungen mußten in Tätig. keit gesetzt werden und erst um 4 Uhr früH war die Gewalt des Feuers gebrochen. Die Aufräumungsarbeiten dauerten nocb stunden- lang. Als Entstehungsursache wind fahrlässige Brandstiftung vermutet. Die Kviminalpolizei hat sosort ein« Untersuchung eingeleitet. In der kommunalpolillschen Vortragsreihe er Arbeiterbildungsschnle und des kommunalen Sekretariat» sprach am Sonnlag die Stadtverordnete Genossin T o d e n- Hägen über Allgemeine wohlsahrtspslege der Stadl Berlin. An dem organisatorischen Aufbau der öffentlichen Wohlfahrts- pflege, den die Zeit nach dem Kriege uns brachte, fällt die Hinein- Ziehung der freien Wohlfahrtspflege auf. Damals zwangen Mangel und Not dazu, daß die össentliche Wohlfahrtspflege mit der freien zusammen arbeitete. Zur Verteilung der aus dem Ausland kommenden Spenden entstand der Zentralaus) chuß für Ausland shilfs, dem Vertreker von Behörden und von Vereinen an- gehören mußten. Auch bei der Ausschüttung von Reichsmitteln für die Wohlfahrtspflege(z. B. für die Kleinrentnerfürsorge usw.) wurde verlangt, daß die kommunalen Behörden besondere Ausschüsse schufen, zu denen Vertreter der Bereine hinzugezogen werden mußten. Bei der später folgenden gesetzmäßigen Einordnung der freien Wohlfahrtspflege in die öffentliche wurde Wahrung der Selbständig- keit vorausgesetzt und gegenseitig« Förderung erwartet, aber sehr oft kam es zu Kämpfen um die Führung. In Berlin sehen wir z. B. die Bersuche, durch den Verein Wohlfahrtsspeisung die städtisch« Volksspeisung„überflüssig" zu machep. Aehnliches erlebt man bei jeder neuen Ausgab«, die der öffentlichen Wohlfahrtspflege zufällt. Für die in den letzten Jahren ausgebaut� Strafentlassenen- fürsorge besteht bei der Zentrale eine Arbeitsgemeinschaft der öfsent- . ÜMi 3)ie Ruine als Sliltse. Dieser Mauerrest, von einem Gebäude übriggeblieben,»er- unziert seit Jahr und Tag die Ecke Neu« Roß- und Wallstraße. Weil sie das danebenliegende Haus stützen soll, wird dies« Mauer jedoch nicht abgerissen. lichen und der freien Wohlfahrtspflege. Dem alten Verein zur Besserung der entlassenen Strafgefangenen, der übrigens diese Arbeit jetzt nach fortgeschrittenen Grundsätzen treibt, gibt die Stadt den größten Teil der nötigen Geldmittel. Schon seit Jahren haben die Sozialdemokraten verlangt, ihn ganz zu verstadtlichen. Das Bestreben der freien Wohlfahrtspflege, sich an die Spitze zu stellen, tritt stark bei der vor mehreren Jahren geschaffenen sozialen Gerichts- hilf« hervor. Sie will erwachsenen Straffälligen dienen und durch Erforschung ihrer Persönlichkeit dem Gericht ermöglichen, diese bei der Urteilsfindung gebührend zu berücksichtigen. Die frei« Wohl- fahrtspflege wollle, um hier die Führung ap sich bringen zu können. die zunächst an die Jugendämter angeschlossen« soziale Gerichtshilse aus der städtischen Arbeit herausgenommen sehen. Ei« schlug Ueber- tragung an einen besonderen Ausschuh vor, in dem die städtische Verwaltung nichts bedeutet hätte. Die Sozialdemokraten haben an dem Gedanken festgehallen und ihn durchgesetzt, daß die soziale Gerichtshilfe eine Aufgabe der Stadt bleiben muß. Einem besonderen Ausschuß, der danach bei der Wohlfahrtsdepu- tation geschaffen wurde, ist dies« Arbeit übertragen. Gut fährt die freie Wohlfahrtspflege bei der Verteilung der dem Justizminister zur Verfügung stehenden Mittel für GefaHgenenfürsorg« und Gerichts- hisse. Sie sollten billigerweise der Stadt überwiesen werden, der Minister gibt sie aber dem Reichsspitzenverband der Wohlfahrts- oereine(dem die Arbeiterwohlfahrt nicht angehört). Di« Vortragende erörterte dann die verwaltungstech- nifche Reform des Berliner Wohlfahrtswesens. In den zur Einheitsgemeinde zusammengefaßten Einzelbezirkcn muß Einheitlichkeit erreicht werden. Als zweckmäßig gilt Bearbeitung des Wohlfahrtswesens durch fachlich geschulte Beamte, dach fehlt es auch nicht an Widerspruch gegen dieses System Irrig/ ist aber die Annahme, daß dabei die Wohlfahrtskommissionen abgebaut werden sollen. Sie sollen nach wie vor sich an der Prüfung von Unterstützungsfällen beteiligen und auch das Bewilligungsrecht haben. Von den Leistungen der städtischen Wohlfahrts- pflege reden die Zahlen des Stadthaushalts. Die Ausgaben der Wohlfahrtsverwaltung betragen für 1927 143 Millionen, für 1928 186 Millionen, für 1929 204 Millionen(im Boranschlag). Das be- deutet sehr erhebliche Steigerungen. Deutschnationale tadeln das schon als„übertriebene" Fürsorge, die Kommunisten aber schelten, es sei viel zu wenig. Ja, man mächt« noch sehr viel mehr tun! Aber niemand weiß, woher die dann mehr erforderlichen Millionen kommen sollen. In 1928 wurden allein für Unterstützungen 46 Millionen Mark ausgegeben. Daran waren beteiligt 176 000 lausend unterstützte Hauptunterstützungsempsänger und 73 000 Zu- satzunterstützungsempfänger. Zur Unterstützungshöhe stellt« die Bor- tragende fest, daß die Richtsätze nicht Höchstsätze sein sollen, sondern über sie noch hinausgegangen werden kann. Den Sozialrentnern ist die Erhöhung ihrer Rente(die ncan ihnen an- rechnet) durch Erhöhung der Richtsätze abgegolten. Zu den Unter- stützungen kommen ergänzende Leistungen, vor allem die Winter- i beihilfe. Neu ist die Siedlungssürsorge, die Gewährung von Bei- � Hilfen(1000 bis 2000 Mark) an Schwerbeschädigte, Sie sich ansiedeln ) wollen. Daß die Notstandsarbeiten jetzt als Arbeitssürsorge gelten, sindet nicht den Beifall der Kommunisten. Zweck dieser Maßnahm« ist, die seit langem arbeitslosen Arbeiter wieder in die Arbeitslosen- Versicherung zu bringen. Härten abzuwehren werden die Beiräte sich bemühen, in denen Vertreter der Gewerkschaften sitzen. Dar- Obdach ist reformiert worden. Di« Durchführung hat bisher 4,5 Mil lionen gekostet.» Die Behauptung der Kommunisten, beim Haushalt der Wohlfahrtspflege habe man diesmal 17 Millionen gestrichen, ist— das hob Genossin Todenhagen hervor— falsch. Gewiß, die Ausgabenbemessung hat sich in den Grenzen des Möglichen holten ! müssen, aber das unbedingt Nötige ist, wie in den Vor- , jähren, getan worden. Die sozialdemokratischen Stadtver- ordneten haben manchen Kampf um die Wohlfahrtspflege zu führen gehabt. Sie haben diesem Gebiet-kommunaler Arbeit stets ihre besonder« Sorge zugewendet.(Lebhafter Beifall.) Groß-Bertiner Partemachrichten. 2. unb z. Abteilung. Der für beut» angesetzte ffrauenabend fällt aus und liildet erst am Montag, dem 22. April, statt. Näh«« Mitteilung«vsalgt noch. Erregte Premiere. Die Giudio-Aufführung„Loses" in der Volksbühne. Als der Vorhang über der Zeittragödie.Loses" gefallen war :>nd begeisterter Beifall die Darsteller immer wieder vor die Rampe rief, erschien mit allen Zeichen der Empörung und Aufregung die Verfasserin Eleonore Kaltowska und legte in flammenden Worten Verwahrung gegen die Form der Aufführung ein. Man habe gegen ihren Willen Szenen gestrichen, die überaus wichtig feien. Darauf erhob sich im Zuschauerraum ein ungeheurer Lärm mit Rede und Widerrede. Ein eigenartiger Vorgang, daß ein Dichter am Schluß einer erfolgreichen Vorstellung gegen sie Protest einlogt. Auf die inneren Gründe des Vorfalls wird noch ein- gegangen werden. Die Mittagsveranstaltung der Volksbühne fand unter dem Protektorat der„Liga für Menschenrechte" statt. „Josef" ist die Dramatisierung des Falles Iakubowski, des russischen Landarbeiters, der im Jahre!926 in Mecklenburg-Strelitz unschuldig hingerichtet worden ist. Wie Eleonore Kalkowska angibt, stellt das Stück einen Versuch dichterischer Reportage dar. Sie rollt also die traurigen Vorgänge, die zur Verurteilung des armen Russen geführt haben, mit allen Einzelheiten auf. Man muß schon sogen, mit zuviel Einzelheiten. Sie greift sehr weit zurück: das Drama beginnt, als der kleine Ewald Rogens, dessen Tod Iaku- bowski den Kopf kostete, noch gar nicht auf der Welt ist. Josef, der ehemalige russische Kriegsgefangene, glaubt in dem nstpreußischcn Dorf eine neue Heimat gefunden zu haben. Er glaubt es, obwohl er von seinen deutschen Arbeitskameraden wie der letzt« Auswurf der Menschen behandelt wird. Für sie ist er das dreckig« polnische Schwein, das nicht in ihre Reihen gehört. Er aber bringt eine rührende Anhänglichkeit für jeden auf, der ihm einmal ein gutes Wort gegeben hat. Er glaubt an Deutschland und an Deutschlands höhere Zhiltur. Dieser reine Kinderglaube wird ihm zum Ber- hängnis. In der felsenfesten Ueberzeugung seiner Unschuld führt er die Verteidigung nicht mit der Hartnäckigkeit und Ueberzeugungs- kraft, die bei der Leichtfertigkeit der mecklenburgischen Justiz nötig gewesen wäre Das Drama endet mit dem Gang des armen Delinquenten zum Richtplatz. Das Stück der Kalkowska ist eine Tat, weil die Gleichgültigen aufgerüttelt werden, weil dieser schändliche Fall von neuem gegen die grausamen Methoden der Justizmaschinerie aufbegehrt, weil das Verbrechen der Todesstrafe wieder angeprangert wird.„Josef" rt eine Reportage, aber eine schlechte. Unwesenlliche Umstände des wirklichen Tatbestandes sind mit behaglicher Breite, wesentliche nur gestreift angeführt. Ob das Stück eine dichterische Repor- t'ge darstellt, ist zweifelhaft. Bei der Kalkowska ist Josef ein n jerirdifch guter Mensch ohne Fehler, soine Gegenspieler sind alle i'ineine Schufte. Das ist eine zu primitii'e Ausfassung dichterischer Gestaltung, die um jeden Preis der Tendenz zum Siege verhelfen r ill. Wenn das Drama einen Sturm der Begeisterung in der Lluffllhrung der Volksbühne erfahren hat, so hat das Verdienst daran Ernst Karchow, der Darsteller des Josef. Cr hauch der papiernen Rolle echtes Leben ein und umgibt sie mit einer Inner- lichkeit, die erschüttert. Cr ist ein großes vertrauendes Kind, die ergreifende Verkörperung der Bescheidenheit und der Güte. Auch die übrigen Darsteller sind mit ganzer Seele bei der Sache: Dorn Gerson, Fränze Roloff, Grete Bäck, Sigmund Nunberg, Ein st Ginsberg, Adolf Manz. Di« Regie des A l f r e d T r o st l e r hat die 21 langatmigen Bilder der Zeittragödie so belebt, daß Im Zuschauerraum innere Anteilnahme erweckt wird, die sich in Zurufen äußert. Der einzige Vorwurf, den man dem Registeur der Studio- Aufführung machen könnte, besteht darin, daß er nicht mehr ge- strafst, d. h. nicht mehr gestrichen hat. Um so unverständlicher, daß die Autorin vor die Rampe tritt und im Namen aller unterdrückten Dichter gegen die Vergewaltigung ihres Stücks Einspruch erhebt. Di« Szenen, um deren Verlust sie trauerte, sind nach ihrer Meinung das Wertvollste am ganzen Drama. Auf vielfache Auf- forderungen aus dem Zuschauerkreis konnte sie sich nicht dazu ver- stehen, den Inhalt der weggelassenen Szenen anzugeben. Man erklärte sich schließlich dazu bereit, sie anschließend zu spielen, worauf sich wiederum Widerspruch regte. Aus dem Zusammen- hang heraus könne man diese Bilder kaum verstehen. Die Kol- kowska nahm aber nicht Gelegenheit, zu erklären, daß es sich um die Schlußszenen handelte. Der Kroch, bei dem der Vorhang auf- und niederging, bei dem Piscator erschien und die aufgeregte Autorin endlich niit der Zusage beruhigte, die Szenen würden nun doch gespielt, war für manche Zuschauer ein erwünschter Anlaß, gegen die Leitung der Volksbühne zu zanken, die für«ine Studio- Aufführung ja nur eine sehr bedingte Verantwortung trägt. Als bei dem wirren Hin und Her jemand den Vorschlag machte, die würdige Veranstaltung nicht durch einen unwürdigen Krach zu diskreditieren und lieber in einer Wiederholungsaufsührung das Stück ungekürzt zu geben, siegte endlich die Vernunft. Es gibt zu denken, daß eine Dichterin für eine große Sache zu kämpfen vorgibt und in hysterischen Schreien ihr Werk für wichtiger hält als das, worum es ihr angeblich geht. Ernst Degner. Die Volksbühne teilt mit: Die Sonntagsaufführung des „Joseph" von Eleonore Kalkowska im Theater am Bülowplatz war kein« Veranstaltung der Volksbühne. Sie ging vielmehr aus von der Schauspielerschaft des Theaters am Bülowplatz, die sich zu einer Studiogemeinschoft zusammengeschlosien hatte und das Stück unter dem Protektorat der Liga für Menschenrechte zur Ausführung brachte. Don der Volksbühne wurde den Schauspielern lediglich das Haus zur Verfügung gestellt. Weder die Leitung der Volks- bühne E. B., noch die Direktion des Theaters hat auf die Art der Inszenierung den geringsten Einfluß ausgeübt. Zum Rücktritt Dr. Hagemanns. Probleme der Berliner Kunkstunde. Die Berliner Funkslundc keilk ossiziell mit. daß ihr Intendant Dr. Carl Hagemann au» rein persönlichen Gründen zurückgetreten ist. handelt es sich nur um persönliche Gründe? Ein Eindruck bleibt haften: Oskar Wildes Einakter„Salome" In der Inszenierung HagemaMis. Selten ist so nüanciert, klug und farbig im Berliner Rundfunk gesprochen worden, selten kam der Schauspieler Alfred Braun, der in letzter Stunde den„Herodes" übernommen hatte, einem große» Künstler so nahe. Alle beliebten Mätzchen waren verschwunden. D»« Aufführung blieb eine Leistung, die außerordentlich hohes künstlerisches Niveau zeigte. Hagemann hat gute Bücher über den Schauspieler und den Regisseur geschrieben, er ist selbst in Hamburg und in Wiesbaden als Regisseur hervorgetreten, der den Durchschnitt überragte, und er hat mit den wenigen Inszenierungen, die er im Berliner Rundfunk herausbracht«, sich auch als Rundfunkregisseur von großem Können erwiesen, jedenfalls als ein Regisseur, wie ihn Berlin bis dahin nicht gehabt hat. Warum trat er aber so selten in diese Eigenschaft vor die Oeffentlichkeit? Man erzählt sich allerlei. Man sagt u. a., das Hagemann in der Berliner Funkstunde Verträge vorfand, gegen die er nicht ankämpfen konnte ünd die sein« Tätigkeit darauf beschränkten, nur Sänger und Schauspieler auf ihre Eignung sür den Rundfunk hin zu prüfen. Man sagt es, und vielleicht ist es sogar wahr. Es ist verwunderlich, daß auch während der Aera Hagemann Alfred Braun vom Lustspiel bis zum großen Drama fast ausschließlich allein inszenierte und daß vor allein der Intendant nicht ein einziges Mal Gelegenheit hatte, in einem Hörspiel sein Talent zu beweisen. Aus den wenigen Inszenierungen Hagemanns ist eins zu ersehen, der Intendant war ein viel größerer Künstler als Alfred Braun, der Liebling der Berliner. Tatsächlich müssen hier wohl Verträge vor- gelegen haben, die den Herren Braun und Bronsgeest besondere Vorrechte einräumten. Es wird von zwölfjährigen Verträgen gesprochen, die kühne Männer in einer Zeit, als man den Rundfunk noch mild belächelte, in kluger Voraussicht der Zukunft abgeschlossen haben. Bis zum September 1927 ging es im Berliner Rundfunk recht und schlecht auch ohne einen Intendanten. 2lus Angriffe der Presse hin wurde dann die neue Stelle eingerichtet. Was nützen aber die schönste Stellung, der prächtigste Titel und die herrlichsten Reden, wenn dahinter keine Macht steht, und diese Machtbefugnis scheint dem Berliner Rundfunkintendanten gefehlt zu haben. In der Besetzung der Schauspiele und der Opern trat kein Wandel ein, die alten Favoriten und Dete�inen des Rundfunks unterhielten unentwegt weiter das Publikum. Wie gesagt, der In- tendant war in mehr als einer Beziehung wohl nichts weiter als eine dekorative Figur, über die aber alle Vorwürfe, die eigentlich andere Herren treffen mußten, ausgeschüttet wurden. Allerdings st der Intendant in einer Beziehung immerhin ausschlaggebend ge- wesen: nämlich in der Gestaltung des Programms. Sei» einem halben Jahr steht der Berliner Sender im Zeichen des sogenannten Kurzprogramms, das wohl bisher wenig zur Freude der Hörer- schaft beigetragen hat. Wo sind beispielsweise die schönen Konzerte geblieben? Hier darf eines allerdings nicht verkannt werden: man steht im Anfang, man tastet noch. Vielleicht hätte Hagemann im Laus« der Zeil eine einigermaßen befriedigende Lösung gefunden. Deutlich muß hier einmal gesagt werden, daß die sogenannten Abendunter. Haltungen, also die Erfindungen Hagemann», von wenigen Aus- nahmen abgesehen, völlig unzureichend sind. Entweder versinken sie in Kitsch und Albernheiten, oder sie dienen Literatenjünglingen als geeignete Tribüne, um sich ausquatschen zu können. Damit sind selbswerständlich nicht Döblin»der andere«rnstzunehmende Künstler gemeint. Wie weit übrigens hierbei Hagemann verantwortlich war, oder wie weit andere Leute mit ihren Fingerchen den Brei zu- sammenrührten, ist bei dem tiefen Geheimnis, das den Betrieb der Funtstunde umgibt, nicht festzustellen. In einer Pressebesprechung vor einiger Zeit in der Berliner Funkstund« erklärte Dr. Hagemann, daß er den ernsten Willen habe, das kulturelle Niveau des Rundfunks zu heben. Man weiß nun aber tatsächlich nicht, worin diese kulturelle Hebung be- standen hat. Di«„Dialoge der Weltliteratur" sind dos einzige positive Er- gebnis und selbst diese Dialoge bedeuten ein Danaergeschenk, denn wie viele Hörer interessieren sich dafür, und wie viele dieser Dialog« sind überhaupt noch für die Gegenwart von irgendwelchem Wert? Eine ander« Neuerung unter Hagemann sind die Unierhaltungen zwischen Kritiker und Künstler, die wirklich Ergebnisse zeitigen könnten, wenn sich die beiden Partner nicht zu gern in Großauf- nahmen sehen möchten. Es geht nicht an, daß Brillantfeuerwerke von Geist losgelassen werden und daß darüber die Tatsachen in Vergessenheit geroten. Ein energischer Intendant könnte selbst einen so gewaltigen Mann wie Alfred Kerr in seine Schranken zurück- weisen. Die Persönlichkeit Hagemonns ist im Rundfunk eben proble- matisch geblieben. Vielleicht hat sie nicht die Energie gehabt, sich durchzusetzen, vielleicht gehörte sie zu jenen Naturen, die viel wollen und wenig erreichen. Dagegen spricht ober eigentlich der Erfolg Hagemanns als Bühnenmann. Wahrscheinlich bleibt es, daß den Intendanten bestehende Verträge an der Entfaltung seiner Per- sönlichkeit behindert haben, und es zeigt von Charakter, daß«in Mann, der Verdienste sein eigen nennt, und der einen Namen zu verlieren hat, in dem Augenblick von seinem Posten zurücktritt, in dem er erkennt, daß er nichts weiter ist, als eine dekorative Figur. Wer wird der neue Mann werden? Hoffentlich einer, der Mittel und Wege findet. Uebelstände bei der Funkstund« zu be- seitigen, und den Berliner Rundfunk tatsächlich zu einem Organ des Volkes zu machen. Man darf niemals vergessen, daß das größte Kontingent der Hörer sich aus der werktätigen Bevölkerung zusammensetzt. Der neue Mann darf sich nicht beirren lasten in dem Glauben: der Rundfunk gehört dem Volk. Aus diesem Gesichtspunkt ollein ist das Programm zu gestalten. Hage- mann hat es nicht gekonnt. Als anständiger Mensch ist er freiwillig gegangen. Zeder neue Znlendanl, der sich nicht nach den Vcdürs- nisten de» Volkes richtet, ist entschieden abzulehnen. Mag er, wenn es ihm Spaß macht, ein Theater am Kurfürstendamm aufmachen. Aber er gehört nicht in den Rundfunk. Es ist Zeit, daß eine klare Entscheidung fällt. Eeiix Schenket. Kyfer gegen Eichberg. Der neue Eichberg-Filin„Großstadtschmetterling" wird mit folgender Bezeichnung verbreitet:„Frei nach einer Fümnovelle von Hans Kyser. Drehbuch von Artur Lanx". Hans Kyser hat gegen die Verbindung seines Namens mit diesem Film, die seinen literari- schen Ruf schädigt und Publikum wie Presse irreführt, durch den Schutzoerband deutscher Schriftsteller gerichtliche Schritte gegen die Eichberg-Film G. m. b. H.«ingeleitet. Viund Walters Abschied. „Orpheus" und„Fidelio". Nach der großen Leonoren-Ouoertüre brach ein Sturm des Jubels, der hingerissenen Dankbarkeit aus, minutenlang tobt«, raste es in dem verdunkelten Haus, vor dem der also Gefeierte sich immer wieder, gleichsam hilflos, vom Pult aus verneigt«: es war ein Elementarereignis, überwältigend, unbeschreiblich— ich bekenn«, nie dergleichen erlebt zu haben. Man erinnert sich, wt« früher und sonstwo Theaterabschiede gemacht wurden: die Bühne ein Blumen- garten, und draußen auf der Straße, die Pferde, die geduldig dar- auf warteten, ausgespannt zu werden. Nichts davon an diesem Abend, kein Strohfeuer, kein Kulissenrummel: sozusagen nur ein sachiicher Akt und menschlicher Vorgang. Zum Schluß immer wieder Hervorrufe ohne Ende, Parkett und Ränge rühren sich nicht von der Stelle. Endlich spricht Bruno Walter. In die an- dächtige Stille, die eintritt, spricht er mit leiser, beherrschter Stimme Worte tiefster Ergriffenheit, kurze Wort« des Abschieds, des Dankes, des Rückblicks.„Diese Atmosphäre begeisterten Kunstgebens und begeisterten Kunstnehmens wird mir..." Begeisterung des Gebens und Empfangens—: er hat damit das Geheimnis der Wirkung aus» gesprochen, die in einzigartiger Weise von seinem Künstlertum aus- geht und im Haufe der Städtischen Oper, wie oft in diesen vier Iahren, beglückendes Erlebnis geworden ist. Bruno Walter fühlt in sich die Berufenheit— und das ist seine Stärk«— die höchsten Werte der Musik zu verwalten und die unvergänglichen Werke der großen Meister in reinster Form lebendig zu vermitteln. Noch einmal hat er an zwei Abenden davon Zeugnis abgelegt. Glucks „Orpheus und Eurydike", Beethovens„Fidelio",— die Gipselleistungen, zu denen er alle Beteiligten, Solisten, Chor, Orchester, emporgesührt hat, sind hier oft gewürdigt worden: die Gehobenheit der Swnde bewirkte diesmal eine feierlich« Konzentration der Stimmung, eine höchste Steigerung der Kräfte, die sich, noch einmal, nicht beschreiben läßt. Wann wird in Berkin dergleichen wieder zu erleben sein? E- Oer Prinz von Byzanz. Neues Theater am Zoo. Große Romanciers können schlechte Dramatiker sein. Ein Beweis dafür Iosephin Peladan, dessen Schauspiel„Der Prinz von Byzanz" in einer Matinee des Neuen Theaters am Zoo, anläßlich des siebzigsten Geburtstages des 1918 verstorbenen Dichters, eine verspätete Berliner Uraufführung erlebte. Immer behandelt Peladan das mystische Thema aus Wagners „Tristan und Isolde": Verschmelzen der Liebenden zu einem Wesen, Einswerden miteinander und mit der Natur mit Gott, ein Thema, das die Mystiker alter Zeiten in den Mittelpunkt ihrer Werke stellten. Hier, im„Prinzen von Byzanz", vollzieht sich das Geschehen vor einer historischen Kulisse. Es spielt in Italien des ausgehenden sech- zehnten Jahrhunderts. Vielleicht aus Furcht zu abstrakt zu werden, häuft Peladan um das Grundthema alle Requisiten des großen Kostümdramas. Intrigen werden gesponnen wie in einem ausrechten Kulissenieißer. Aber leider überwuchert das Drum und Dran. Es fehlt die klare Linie. Der Zuschauer weiß am Schluß nicht, worum es sich handelt. Dazu eine Sprache, die stellenweise bombastisch überladen erscheint, dann wissenschaftlich abstrakt klingt und daneben Worte verinnerlichter Lyrik findet. Aufgabe der Regie: die. Vorgänge klären, die Idee heraus- arbeiten öder das Drama als Historie inszenieren. Die E s» t h e- rische Bühne, eine der vielen Neugründungen dieses Jahres, spielt schlimmste Provinz. Hier ist keine Spur von Gestaltung. Die Schauspieler machen entweder Konversation oder donnern Schillersche Jamben. Die Esorethische Bühne erklärt, sie erstrebe eine vergeistigte und verinnerlichte Theatertunst. Programmerklärung und Wirklich- keit decken sich nicht. Die Gründung erscheint überflüssig. F. S. Provinzopern von vorgestern. „Das Nachtlager in„Granada." Ein„V o l k s o p e r n v e r e i n", der in seinem Prospekt die hohe Kunst als Gegengift gegen den heute wuchernden Schmutz und Schund verheißt, hatte sich am Sonntag nachmittag im Theater in der Lützowstraße etabliert. Einige Dutzend Zuschauer füllten— so weit ihnen das möglich war— den Zuschauerraum und genossen Kreutzers Oper„Das Nachtlager von Granada". Nein, war das schaurig schön! Daß es solche Theaterkulissen, solche Darsteller noch gibt, konnte man überhaupt nicht vermuten. Wie wär's, wenn die Herrschaften auf der Bühne einmal.in den Osten Berlins, in das Rose-Theater etwa, gingen und sich anschauten, wie man sich— auch bei nicht übermäßig hochgeschraubten Ansprüchen des Publikums— auf der Bühne zu bewegen hat? Ein paar erträgliche Stimmchen wurden teils mit Kreutzer, teils mit dem Orchester nicht einig. Was soll der Unfug? Sollten hier engagementslose Musiker sich zu einer Gemeinschaft zusammengeton haben, so möchte man ihnen raten, sich erst einmal noch einem tüchtigen musikalstcken Regisseur umzusehen und dann mit besser durchgearbeiteten Opern -musiklos« Provinzorte auszusuchen. Die Veranstaltung Äs eine kulturell wertvolle Darbietung anzupreisen und sie mit dem Namen „Volksopernoerein"— was ist das eigentlich für ein Verein''— dekorativ aufzumachen, war, gelinde gesagt, ein« Unverschämtheit. lz. Schauspielerjubiläum Max Pohls. Die staatlichen Schauspiel« feierten das 50jährige Bühnen- jubiläum Dr. Max Pohls durch eine Festoorstellung von Shakespeares„Londoner verlorene Sohn" im Schiller-Theater Der Jubilar spielte den Vater. Der Künstler bewegt sich in völlig un- getrübter Frische auf der Bühne, indes geht ein Strom jugendlichen Feuers von ihm aus, ein Ttrom. der mitreißl und m den Bann zieht. In der großen Pause umbrausten den Jubilar inmitten seiner Kollegen Beifallsstürme. Otto Laubinger überreichte ihm einen von den Mitgliedern der Staatstheater gewidmeten Kranz, begrüßte ihn dann im Namen der Kollegen. Nach lebhaften Ovationen ergriff Dr. Pohl selbst das Wort. Er dankte bewegt, für die aufrichtige Verehrung seiner Kollegen. 45 Jahre lang ist Pohl Schauspieler in Berlin, das ihm, wie er sagt, zur zweiten Heimat wurde.-45 Jahre lang genießt er die höchst« Verehrung der Theater- besucher. Als Pohl humorvoll auf sein„sagenhaftes" Alter hin- wies, wurde lebhaft widersprochen. Er dankte dann noch einmal, rief zum Schluß dem Publikum ein kräftiges„Auf Wiedersehen" zu. Wir können in diesen Ruf nur miteinstimmen. Möge uns mit der großen Gestaltungskunst Max Pohls noch recht, recht oft ein Wieder- sehen beschieden sein!,_— y. Kongresse Die Tbakelveare-Gesellsckmst bält>K>e dlekfäbrlge Tagung um 22. bis-3 April in Weimar ab.— Di« deutilbe Donte-Geiellickatt wird Ende«eptember in Weimar tagen.— Die Zchopenbaner-Geselllchast bereitet ihr« diesjährige Tagung sür den Mai in Fraaksurt a. M. vor. &eita$e Montage 1 5. April 1929 SprMlmd st Ol Herbert Hoover Der neue Mann int Weifren Hause „Herbert Hoover ist ein Sproß aus Siedlerqeschlecht," so be» ginnt Will Irwin seine Biographie des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika.*) Hoover stammt, wie man bei uns sagen würde, aus„kleiner Familie". Er war eines F a r- m e r s Sohn und wurde einfach erzogen. Di« Frömmigkeit des amerikanischen Puritanismus— seine frühverlorenen Eltern waren Quäker— kennzeichnete das Elternhaus, in dem der Knabe zum Jüngling ward. Der junge Herbert Hoover hatte Glück. Cr kam auf die Uni« vcrsität Stanford und lebte von kargen Mitteln, die er zum Teil selbst oerdiente, dem Studium und dem Sport, wie viele Tausende anderer amerikanischer Studenten es auch tun. Sil« er Stanford verließ, befaß er noch weniger als gar kein Geld. Seine Neigung rief ihn zum Ingenieurberuf; doch war er«insichtig genug, zu wissen, daß Broterwerb und Lebenkönnen vor Studium und Wissenschaft geht. Für Z0 Dollar monatlich arbeitete er, sei es im Bureau, fei es draußen im Praktischen. In seiner Freizeit oervoll- kommnete er das theoretische Wissen. 1897, 23 Jahre alt, begab er sich auf groß« Fahrt hinüber nach Australien, China und Rußland. 1914 war Hoover bereits ein hochangesehener Mann, ein Self- mademan mit dem ganzen Selbstbewußtsein und der ganzen Selbst- sicherheit dieser amerikanischen Menschen, die von unten kommen. An den Türen bescheidener Bureauräume in San Franziska, New Dork, London, Melbourne, Schanghai und St. Petersburg zeigte ein einfaches Firmenschild„Herbert C. Hoover", wer hier zu Hause war. Der In der Welt unbekannt«, nur im engeren Kreise angesehene Mann wurde weltberühmt durch den Krieg. San Franziska bereitete für 1915 die Panama-Pacific-Ausstellung vor. Man wählte Hoover zum Bermittler bei den europäischen Regierungen. So war er denn auf einer Reise von Hauptstadt zu Hauptstadt, als die Tragödie des Weltkrieges begann. Er begab sich nach London, der Hauptstation für die Kabel der ganzen Welt. Den kaum An- gekommenen erwartet« eine Aufgabe. 299 999 amerikanisch« Vergnügungsreisend« hatte der Krieg in seinen Netzen gefangen. In dem Wirrwarr, der entstand, schaffte Hoover Orb- nung. Er sorgte dafür, daß seine Landsleute in die Heimat zurück- kehren konnten. Was Hoover noch bevorstand, war schwieriger und bedeutsamer. Durch die Besetzung war Belgien, eines der am dichtesten be- völkerten Länder Europas, das in normalen Zeiten achtzig Prozent seiner Lebensmittel importiert« und in seinen Speichern nie mehr Lebensmittel als für einen Monat lagerte, in eine bedrängte Lage geraten. Hoover und mit ihm andere Amerikaner, alle keine Ge- fühlsmenfchen schlechtweg, aber Leute, die wußten, daß auch die Erfüllung einer sittlichen Aufgabe eine gute und ertragbringende Kapitalsanlage fft, erkannten, daß hier eingegriffen werdei, müsse. Alz Leiter des Hilfswerkes für Belgien übernahm Hoover eine schlimm« Slufgabe. Er mußte zwischen der englischen Admiralität, den französischen Militärs und der deutschen Besatzungsarmee ver- mittein, mußte daneben die Neutralen, namentlich Holland, heran- ziehen, mußt« Kapital und immer wieder Kapital beschaffen. Zivi- listen und menschlich denkende Militärs in allen Lagern sahen die Bedeutung des SLerkes ein. Hoover mit seiner unerschütterlichen Ruhe, seinen rein sachlich vorgetragenen Zahlen und seinem über- legenen Schweigen, wenn der Unterhandlungspartner laut und aus- geregr wurde, siegte, bezwang Lloyd George, bezwang selbst die Franzosen, bezwang die deutschen Militärs. Dann kam der verschärfte U-Bootkrieg und mit ihm die Kriegserklärung der USA. an Deutschland. Hoover ging nach Washington. Drei große Forderungen stellten die Bundes- genossen in London, Paris und Rom: Truppen, Munition und Lebensmittel. Der Demokrat Woodrow Wilson berief den Republi- kaner Herbert Hoover zum Administrator des amerikanischen Lebens- mittelversorgungsamtes. Anderthalb Jahre lang organisierte Hoover die Lebensmittelversorgung fast der gesamten Welt. Die Zentralmächte waren zusammengebrochen. Deuffchland war *) Herbert Hoover. Biographische Erinnerungen von Will Irwin(Verlag von Reimar Hobbin g, Berlin). ausgehungert, im früheren Oefterreich-Ungarn lagen die Dinge voll- kommen im argen, Polen und die Provinzen des alten Rußland, die Deutschland bis dahin besetzt hatte, standen vor der Katastrophe In ganz Südosteuropa herrschten Hunger und Unordnung. Hoover wurde nach Paris geschickt, um Europa vor dem Hunger und damit vor dem Chaos zu retten. Irwin schreibt: „5n den Monaten die dem Waffenstillstand folgten, nahm Hoover die schwierigste und gefährlichste Aufgabe seines ganzen Lebens in Angriff. Er kämpfte jetzt mit dem Rücken gegen die Wand Wenn ich mir die flüchtigen Augenblicke, in denen ich Hoover damals bei der Arbeit fah, ins Gedächtnis zurückrufe, so kommt er mir vor wie ein Schachmeister, der zwanzig Spiel« aus einmal und die meisten mit verbundenen Augen spielt." Hoover verlangte die Aushebung der Blockade. Aber die Slllüerten bestanden darauf, daß die Blockade aufrechterhallen bleibe, um«in Druckmittel für die Friedensverhandlungen in der Hand zu behalten. Die Intranfigenz der Generale und ihrer Anhänger stellte sich, wenn Hoover bei den Politikern etwas errungen zu haben glaubte, immer wieder der Vernunft entgegen. Es waren wirt- schastliche Momente, die endlich siegten. Im März durchbrach er die Blockade und drang nach Deutschland vor. Irwins Satz ist bezeichnend: „Dadurch wurden vor allen Dingen die Frauen und Kinder in deutschen Städten vor Hunger gerettet, aber als natür- lich« Folge davon hatten wir ein neues Absatzgebiet für unseren Uobersluß gefunden." Es ist bezeichnend für das Ansehen, das Hoover genoß, daß ihn die Demokraten nach seiner Rückkehr in die Staaten als Präs!- denffchaftskandidoten oufftellen wollten, obgleich er Republikaner war und ist. Am 4. März 1921 berief ihn der Präsident Harding zum Handelsminister, und wieder organisierte Hoover. Irwin schreibt: „Kürzlich hat der Zeichner Darling„Ansichten von Washing- ton" herausgegeben. Im Vordergrund jedes dieser Bilder steht dieselbe immer wiederkehrende Figur: Hoover, der Leiter des amerikanischen Innenhandels; Hoover. die treibende Kraft unseres Außenhandels: Hoover, der Förderer von Funken- und Flug- verkehr; Hoover, der Schutzherr der Schiffahrt; Hoover, der Be- kämpfer der Arbeitslosigkeit; Hoover überall..." Wieder war Hoovers Name in aller Munde, als er 1922 auf G o r k i s Notschrei hin das Hilfswerk für Rußland zusammen mit Nansen organisiert«. Vier Jahre später, als die Mississippi- Überschwemmung Unzählige obdachlos gemacht hatte, rief Coolidge Hoover an die Spitze der Hilfskommission. Heute ist Hoover Präsident der Vereinigten Staaten von Nord- amerita. Er fühlt und denkt als Amerikaner. Mag er vom Sozia- lismus noch so weit entfernt sein, das«in« wird man anerkennen müsten, daß er eine praktische Sozialhllf« größten Ausmaßes mit dem Kalkül des modernen Kapitalismus überall da auf einen Nevver zu bringen wußte, wo es not tat. Deuffchland wird nicht vergessen, daß er es war, der nach dem viereinhalbjährigen Völker- morden die Hungerblockade durchbrach und den Weg zu den völker- verbindenden, völkerernährendcn Meeren erzwang. Henning Duderstadt. Damals wie heute Der Große frißt den Kleinen auf..• Bon Cunows ausgezeichneter Wirtschaftsgeschichte(Slll- gemein« Wirtschaftsgeschichte von Heinrich Cunow, Pro- fessor an der Universität Berlin, Derlag I. H. SB. Di etz Nachf. G. m. b. H., Berlin) ist soeben der dritte Band er- schienen. Wir entnehmen dem Band einen Abschnitt, der die Entstehung der Großbetriebe im mittelalterlichen England schildert. Er zeigt anschaulich, daß damals schon, lange vor Beginn der eigentlichen Maschinenivdustrie, die Entpersönlichung des Menschen als Arbeitnehmer begann, wie über- Haupt die Arbeitskämpfe des Mittelalters mit den modernen Arbeitskämpfen viel mehr Aehnlichkeit hatten, als es die bis- her übliche Geschichtsschreibung, die die Masse Mensch mit- unter notgedrungen als Objett, nie aber als Subjekt der Geschichte betrachtete, ahnen läßt. Die manufakturmäßige Produktion hat zuerst in der Woll- warenfabrikatton eingesetzt, damals der wichtigste Fabrikationszweig Englands. Der Borgang vollzog sich in ähnlicher Weise wie in den rheinischen Gebieten. Die Exporteure von englischem Tuch begnüg- ten sich, als sich ihre Ausfuhr mehr und mehr vergrößerte und schließlich aus ihr und der Tuchmacher Drängen im Jahre 1463 die Einfuhr wollener Tuche in England verboten wurde, nicht mehr damit, die von ihnen gewünschte Exportware den Tuchmachern zu bestellen und abzukaufen; sie kauften nun selbst die Wolle em, ließen diese zubereiten und verspinnen und aus dem Garn dann von den Tuchmachern noch ihren Angaben die zur Ausfuhr be- stimmten Tuchstoff« anfertigen. Dabei blieben sie aber nicht stehen; sie richteten bald eigenp Wollschlägereien, Spinnereien, Webereien, SBalkereien usw. ein, die nun ausschließlich für ihren Bedarf ar- beiten mußten. Einer der ersten dieser kaufmännischen Großunternehmer war John Winchcombe, der in Newbury(Berkshire) zu Ansang des 16. Jahrhunderts in einem eigenen großen Haufe mehrere hundert Wollarbeiter und Weber beschäftigt haben soll. In der Oxforder Bodley-Bibliochek befindet sich in der Sammlung von F. D o u c e ein 1639 in elfter Auflage effchienenes Schriftchen, be- tttelt„pleassnt History ok John Winchcornb, in his younger years called Jack of Newbury"(„Lustige Geschichte von John Winchcomb. in seinen jüngeren Iahren Jakob von Newbury ge- nannt"), in der das Winchcombsche Unternehmen folgendermaßen besungen wird(nach der deuffchen Ucbersetzung in W. I. A s h l e y s „Englischer Wirffchaftsgeschickste", II. Band, S. 279): „In einem großen, langen Saal Zweihundert Webstühl an der Zahl! Dran wirkten all in einer Reih Zweihundert Männer— daß Gott verzeih! Bei jedem Mann ein Knabe saß, Der wand die Spul mit vielem Spaß. Im näiUten Saale, dicht dabei, Einhundert Frauen, frank und frei, « Krempelnd mit Fleiß in Heller Lust, Sangen ein Lied aus voller Brust. In einem anderen Raum alsdann Zweihundert Mägde traf man an. In kurzem Rock von rotem Tuch: Ein milchweiß Kopftuch jede trug. Nie ließ der Mägdlein Eifer nach Sie spannen dort den ganzen Tag. Beim Spinnen ihre Stimm erklang So süß, wie Nachttgallensang. In einem andern Saale war In dürftiger Tracht'ne Kinderschar: Die Wolle zupfend jedes faß Und feine von der proben las: Einhundertfünfzig, Gott erbarm, Kinder von Leuten schlicht und arm, Die von der Arbeit brachten heim Nachts nur ein einzig Hellerlein: Doch Trank und Sveife für den Tag Bewahrte sie vor Ungemach. Und wenn sodann man weiter geht. Man fünfzig wackre Mmm erspäht: Tuchscherer waren's allesamt, Uebten mtt Kunst und Fleiß chr Amt. Und nebenan da plagten sich Wohl achtzig Rauher männiglich Ein Färberhaus gab es sodann, Drin schafften volle vierzig SNonn; Di« Wolkemühl zu guter Letzt Mtt zwanzig Leuten war besetzt." Das Geschäft rentierte sich. John Winchcomb wurde ein reicher Mann, der in seinem Testament— er starb 1519— der Stadt Newbury eine beträchtliche Geldsumme zum Bau einer Pfarrkirche vermochte und seinem Sohn, der wegen seines Vaters Verdienste (vielleicht als Belohnung für die Ausbeutung kleiner Kinder und alter Frauen?) 1549 geadell wurde, ein großes Vermögen hinterließ. Ein anderer Großunternehmer war ein gewisser William S t u m p oder Swmpe, der, wie I. Lcland in seiner von T. Hearne herausgcbenen Reisebefchreibung(„Itinerary", 2. Band, S. 53), be- richtet, in den Iahren 1549 bis 1545 in der von ihm angekauften und erweiterten Abtei zu Malmesbury eine große Tuchmanufaktur betrieb und dort an 2999 Textilarbeiter— wahrscheinlich eine übertriebene Zahl— für sich arbeiten ließ. Winchcomb und Stump sind die beiden größten der„Manu- focturers" des 16. Jahrhunderts. Neben ihnen tauchten bald eine Anzahl kleinerer, meist aus reichgewordenen Tuchmachern hervor- gegangener Unternehmer auf. Spinner und Weber, SBalker und Färber sahen sich in die Enge getrieben und wandten sich weh- klagend an das Parlament, das 1555 eine Verordnung erließ, in der es heißt: „Die Weber dieses Königreiches haben sich beklagt, daß die reichen und wohlhabenden Tucher sie in mannigfacher Weise unterdrücken: 1. Ettiche. indem sie in ihren Behausungen ver- schiedene Webstühle aufftellen und in Betrieb setzen und Gesellen und ungeübte Leute annehmen und halten, zum Nachteil einer großen Anzahl von Handwerkern, die das Webergewerbe erlernt haben, und zum Schaden ihrer Familie und ihres Hausstandes: 2. ettiche Tucher aber kaufen eine große Anzahl Webstühle auf, bringen sie in ihre Hand und leihen' sie alsdann zu so unver- nllnftig hohen Zinsen aus, daß die armen Handwerker nicht im- stände sind, sich.zu erhalten, um wieviel weniger ihre Frauen, ihre Familie und ihre Kinder; 3. und etliche Tucher endlich ge- währen für das SBeben und das Verarbeiten der Wolle zu Tuch weit weniger Lohn und Verdienst, als sie früher taten." Deshalb wurde in der betreffenden„W e b e r- A k t e" an- geordnet: „1. Kein Tucher, der außerhalb einer Stadt wohnt, d. h- außsrhalb einer korporierten Stadt oder eines Markffleckens, soll in seinem Haus oder Besitze mehr als einen Webstuhl auf einmal haben; auch soll er in keiner Weise aus dem Vermieten von Web- stühlen oder von Räumen, in denen solche aufgestellt sind, Nutzen ziehen. 2. Kein Wollweber aus dem Lande soll mehr als zwei Webstühle halten oder mehr als zwei zu seinem Vorteil ausnützen 3. Kein Weber soll eine SBalkmllhle besitzen oder das Gewerbe eines Walkers oder Färbers betteiben. 4. Kein SBalker soll in seinem Haus oder Besitze einen Webstuhl haben. 5. Niemand. der nicht schon ein derartiges Gewerbe betreibt, soll außerhalb korporierter Städte und Marktplätze oder solcher Ort«, wo in den letzten zehn Jahren allgemein Tuchmocherei betrieben wurde, irgendwelche Art breiter wollener Tuch« herstellen oder weben oder herstellen und weben lasten. 6. Ländliche Weber sollen nicht mehr als zwei Lehrlinge hallen. 7. Niemand soll in Zukunft die Webekunst oder das Webergewerbe betteiben. der nicht eine siebenjährige Lehr.zett durchgemacht hat." Die Verordnung sollte mit Ausnahme von Northumberland und Westmoreland sowie der Grafschaften Bork und Cumberland für ganz England gelten, hatte aber sehr geringe Wirkung auf die Zustände im Texttlgewerbe. Schon im ersten Regierungs- fahr der Königin Elisabeth, 1558/59, und darauf nochmals 1575 wurde die Geltung der Weberakte wesentlich eingeschränkt und unter Jakobs I. Regierung 1624 völlig aufgehoben. Die Entwicklung ging rücksichtslos über sie hinweg. (4. Fortsetzung.) Eine Musikkapelle hat unter der Kanzel Aufstellung genom« men, es fehlt nur der Pfarrer. Wir warten und sind schon müde vom Stehen. Endlich erscheint er. Es ist derselbe, der unseren toten Kameraden immer die Grabrede hält. Nach allen Seiten grüßend. besteigt er pustend die Kanzel. Der Gottesdienst beginnt. Brausend aus tausend Männerkehlen, tönt der Choral in die hohen Wölbungen hinauf, begleitet vom Orchester. Sehnsuchtsvoll verhallt er in den lichten Morgen. Dann beginnt der Pfarrer zu predigen.«Wir wollen heute das Kapitel: Lucas 10, Vers 25— 37, hören, welches also heißt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und aus all deinen Kräften und aus deinem Gemüt«: und dein«n Nächsten sollst du lieben wie dich selbst." „Kameraden, wir haben Krieg, die Welt brennt vom lodernden Brande, diesem Brande, der uns aus unseren Familien herausge- rissen hat. aus unserer Arbeit, aus unseren Gewohnheiten und nicht zuletzt aus unserem Stumpfsinn. So mancher Kamerad, der jetzt treue Wacht im Schützengraben hält, hat vor dem Krieg niemals an seinen Gott gedacht, seine Kinder nicht zum Gottvertrauen erzogen! Doch der Krieg hat uns gelehrt, zu Gott zu beten. Viele unter euch werden sagen: Ja, warum hat denn Gott den Krieg üb«r uns gebracht und läßt uns schon im zweiten Kriegs- jähr schmachten...? O, ihr, die ihr oerblendet seid, merkt ihr gar nicht, daß Gott uns sine Prüfung auferlegt hat, damit das Schicksal uns, die ganze Menschheit, ihm zuwendet in festem Glau- bon. Um Gott lieben und dienen zu lernen, jederzeit hat er den Krieg in das Land kommen lassen, um ihn lieben zu lernen und uns schuldig zu finden und zu büßen für unsere Wollust, der wir vor dem Kriege frönten. Wenn unsere Brüder sterben vor dem Feinde für Kaiser und Vaterland und die Familie daheim, dann sterben sie in der Pflichterfüllung für alles Irdische, Kameraden. Sie sterben si�: Gott und in Gott! Dem Allmächtigen hat es gefallen, ihren irdischen Leib zu sich zu nehmen, weil er sie liebt und sie mit Gnade umgeben will. Darum weinet und klaget nicht, wenn ihr einen Kameraden in das Grab senket. Gott hat ihn von irdischen Leiden erlöst!... Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.— Kameraden, welches große Wort hat Jesu da gesprochen! Liebet euren Nächsten, segnet, die euch fluchen. Seht, Jesus Christus hat bildlich gesprochen. Wir sollen unseren Nächsten lieben, unseren Bruder, den Mitkämp- ser, der mit uns unter dem Gewehr steht! Doch unsere Feinde? werdet ihr fragen. Ja, Kameraden, sind sie denn unsere Brüder, sie, die unseren Kaiser, unser Vaterland und Frauen und Kinder, Väter und Mütter in toller Wut berauben wollen? Die über unsere gesegneten Heimatfluren herfallen wollen wie die gottlosen Wtliden in Afrika? Nein, sie sind nicht unsere Brüder, weil sie unser Land rücklings überfallen haben! Das will auch der Herrgott nicht, er, der alle Bosheit durchschaut! Dank seiner Gnade und Liebe haben wir die zahllosen Feind« siegreich aus unserer Heimat verjagt. Seiner all- mächtigen Gnade hat es gefallen, uns beizustehen. Und deshalb wollen wir mit all unserer Liebe ihn lieben, mehr als uns selbst! Lasset uns beten!" Nach dem Vaterunser erbrauste der Raum und es dehnt« sich in die Weite das Niederländische Dankgebet. Dort, wa stumm die Orgel stand, ertönte ein fein abgestimmter Männergesang: Schuberts„Du bist die Ruh'" erklang leise. Dann sangen die Männer„Sonntag ist's" und„Horch, die alten Eichen rauschen.!" Don ollen Seiten wurde Bravo gerufen. Ein jeder fühlte ein Stückchen Heimat in diesem Gesang und trug es mit hinaus aus der Kirche. Das war das echtt Deutschtum, um das wir ausgezogen waren zu kämpfen. In diesen stillen Weisen lag uns«r Vaterland oerborgen. Darin lag unser Empfinden, unsere Seele. Hooge. An einem Montagmorgen wurden wir durch ungewöhnliches Arttlleriefeuer aus dem Schlafe geweckt. Einige Kameraden standen von ihren Schlafstätten auf und eilten aus die Straße, um zu sehen, von woher das starke Feuer kam. Ich maß der Kanonade keine Bedeutung bei, derartiges war ich gewöhnt von manchen Stunden in unserer Stellung. Vielleicht war es ein Feuerüberfall, den es so oft gab. Daher legte ich mich auf die andere Seite und oersuchte, weiter zu schlafen. Es graute erst der Morgen und es waren noch etliche Stunden bis zum Wecken. Die Kameraden aber kamen zurück und sagten, daß irgend- wo rechts von unserer Stellung ein Angriff sei. In der Tat, die Kanonade wurde immer stärker. Unsere Baracke hob sich vom Luftdruck und senkte sich, wenn mal eine Sekunde die Kanonode nachließ. Die Wände drängten nach innen, als wären sie aus Gummi. Schlafen tonnte keiner mehr. Wir steckten ein paar Kerzen in Brand urä> Neideten uns an. Bald kam auch ein Unter- offiziek, notdürftig nur bekleidet, herein und rief:„Die Engländer greifen auf Hooge an. um die Front zu durchbrechen. Fertigmachen zum Abmarsch!" In Eile suchten wir unser Gepäck zusammen. Es ging nicht ohne Schwierigkeiten. Solange wir in Stellung zogen, brauchten wir nicht feldmarschmäßig zu gehen: daher lagen die Tornister seit vielen Monaten in dem engen Raum aufeinandergestapelt. Beim flackernden Kerzenschein wollte jeder seinen Tornister haben. Es kam alles durcheinander. Zank und Strett entstand, dem einen fehlten die Riemen am Tornister, dem anderen dieses und einem dritten jenes. Schließlich fand doch jeder seine Sachen und be» eilte sich, fertig zu werden. Punkt sieben standen wir aus dem Hof und empfingen hundert- fünfzig Patronen und für drei Tag« Berpflegung in Büchsenfleisch. Dann marschierten wir ab. Der Feldwebel rief uns nach: fallet die Ohren steif, Jungens!" Die Kanonade war heftiger geworden. Jetzt, wo wir auf der Straße und auf freiem Felde waren, hörten wir das Getös« der schweren einschlagenden Granaten. Weit, weit in der dunklen Ferne lag der Kampfplatz. Und war doch dem Ohr so nah! Mr erblickten in der Wette die schwarze Puloerwand, die den Himmel trotz des sonnigen Tages verdunkelle. Und wir wurden stumm vor dem übermäßigen Schlachtenlärm. Wenn man in ein Gefecht zieht, weiß man nicht, ob man wiederkehrt. Die Gedanken kreisen blitzschnell im Kopfe herum. man denkt an die Lieben daheim, an die Tage und frohen Stunden, die man einst verbrachte und nicht genug würdigt«. Und man murmelt:„Behllt' euch Gott, es wär' so schön gewesen.... Viel- leicht, vielleicht nicht, das Leben ist ein Würfelspiel im Kriege." Eine gewisse künstlich« Gleichgüttigkeit macht man sich: man wendet sich dem Nachbar zu, der auch den Kopf hängen läßt und sagt: „He, Kamerad, das Leben ist nur Sorge, Kummer und Schinderei, laß kommen was da will, einmal kann man nur sterben— weiter nichts!" Und diese Hoffnung, die keine ist, weil sie künstlich gemacht ist, gibt denn den Galgenhumor und ein Lied wird angestimmt. Zaghaft klingen die Töne aus dem Munde, werden dann freier und es steigt ein Lied in den wunderschönen Herbstmorgen, rauh und kräftig. So sang denn auch bald der ganze Zug: Des Morgens früh um fünfe, Schmeißt uns der Spieß schon raus. Dann ziehen wir mit Spaten Nach Korteville heraus. Granaten und Schrapnelle, Die platzen über uns weg, Es dauert gar nicht lange,, So liegen wir im Dreck! Korteville, Korteville, wie bist du doch so schön, Korteville, Korteville, so etwas hat man noch nicht geseh'n! Dann will einer aus der Kolonne auch einmal sein Recht haben, er singt gern traurige Lieder. Und so hört denn bald jeder Vor- übergehende das mit Gefühl gesungene Lied: Bruder, ach Bruder, ich muß dich verlasien, Bruder, ach Bruder, ich muß dich verlassen, Hole, ach hole mir einen Feldscher her, Daß meine Wunden verbunden werd'n... Es erschallte noch manches Lied, bald lustig, bald traurig, bis zum Bahnhof von Werwick. In die engen kleinen Wagen einer Klsinbahn wurden wir verladen und dann fuhren wir noch Hooge. In bummliger Fahrt brachte uns der Zug durch Ortschaften, die wir nie gesehen. Am späten Nachmittag stiegen wir auf freiem Felde aus der Bahn. Wir fanden etliche ander« Pionierzüge der Fünfzehner, also unseres Bataillons, und freuten uns, nicht allein in den Dreck zu kommen. Eine schöne breite Landstraße, die sich durch die Stetlung zog und infolgedessen unterbrochen war vom Grabennetz, empfing uns. An einer Kreuzung, wo ein Feldweg in die Straße mündete, zogen si'ch die Häuser des Dorfes Hoog« hin. Ein Schild baumelle an einem zerschossenen Baum, und in deutscher Sprache stand geschrieben: „Napoleonstraße". Die Häuser, teils zerschossen, standen leer. Die hier einquartierten Soldaten waren in den Graben gezogen. Wir marschierten näher an das G«töse, das vor unseren Augen brandete, und wurden in die Wolke des schwarzen schweren Pulver- dampfes gehüllt. Wir sangen nicht mehr, wir waren ernst ge- worden. Aus der Straße machten wir halt und stellten die Ge- wehre zusammed. Ein wenig ermüdet, setzten wir uns auf unsere Tornsster und warteten auf unseren Zugführer, der mit einem Ponyfuhrwert kommen sollte. Es wurde auf der freien Straße sehr gefährlich, da die Engländer sie mit ihren schweren, weit- tragenden Schiffsgeschützen bestrichen, die riesige Gruben und Höhlen rissen. Die starken Alleebäume knickten wie Streichhölzer um und blieben wie getötete Riesen auf der Straße liegen. Kein Mensch war zu sehen nur wir, eine zweihundert Mann starke Kompagnie, zusammengestellt aus vielen Abteilungen des Pionierbataillons. Schrapnells platzten über unseren Köpfen, aber wir matteten. Zuweilen hötteu wir in setundenstillen Momenten Maschinengewehrfeuer und wußten, daß der Engländer angttff. Denn die Erfahrung hatte uns gelehrt, den metallischen Schlag und den Klang jeder Waffe bei uns oder dem Engländer zu unter- scheiden. Dann war unser Leutnant da. Unser Zug Pioniere, ohne die anderen, die sich auch bald teil- ten, war zur Verstärkung der fünften Kompagnie gedacht, die h er in ständiger Stellung lag. Diese Stellung, die seit der Nacht der Kampfplatz wahnsinnigen Ringens war, galt bisher als die ruhigste von allen Teilen. Nun wollten die Engländer mit fttsch herangezogenen Kräften auf einer Frontbrett« von zwei Kilometern durchbrechen. Im Abenddunkel, wenn man daheim gemütlich sich ruhte und noch zögette, das Licht anzuzünden, zogen wir im Gänsemarsch in die Stellung. Mann hinter Mann, manchmal sich tief bückend, auf den Knien rutschend, kriechend, einander stoßend, in einer Dunkel- heit, die nur etteuchtet wurde von dem Aufblitzen der krepierenden Granaten. Rechts von der Straße lag der schmale Annöherungsweg. der sich dreiviertel Stunden durch einen schönen alten Buchenwald da- hinzog. In dem jetzt schon halb zertrümmetten Wald lag ein zer- schossene» Schloß des Königs von Belgien, das er für eine Hofdame bauen ließ. Der Weg durch den zerschossenen Graben wurde bei dem starken Artillettefeuer und den vielen Hindernissen beschwer- l-icher. Mr kamen kaum vorwätts. Oft lagen Unterstände mitten im Graben. Eine Granate hatte die geflüchteten Verwundeien unter den Betonmassen begraben. Im Aufblitzen eines spttngenden Zünders sah ich drei Soldaten an der Deckung sitzen. Der Luft- druck einer Granate hatte sie getötet. Um die zehnte Abendstunde bombardierten die Engländer die Gräben am heftigsten. Wir gin- gen schttttweise vorwärts. Di« Gräben wimmelten von Menschen. Die Toten mehtten sich. Einstürzende Schulterwehren wurden vielen zum Grab. Da krochen wir trotz des Feuers auf dem Grabenrande weiter. Endlich standen wir in der ersten Linie und harrten des Befehls zum Schanzen. Dann in der tiefen Nacht, ohne in der Dunkelhett selbst den Feind zu erkennen, arbetteten wir mit Picke und Spaten, zwei Meter einer vom anderen entfernt. (Fortsetzung folgt.) W4S DER TAU BRINGT. Mit der Kamera im Urwald. Das Hochplateau um den in Zentralafrika gelegenen, von dem Kongostaat und Ostafrika begrenzten K i w u s e e ist die Heimat der Gorillas, die dort, zu großen Familien vereint, leben. Der englisch« Forschungsreisende B u r b r i d g e. der das Gebiet mit der Kamera bereiste, um Filmaufnahmen von den Bewohnern des Urwaldes zu machen, hatte seine liebe Not, um die Eingeborenen zu bewegen, ihn aus seiner Filmexpedition zu begleiten. Nach der Versicherung der Neger sind die Gottllas blutrünstig« Bestten, die jedem Lebewesen, das sich i�nen in feindlicher Absich nähett, das Herz aus der Brust reißen und es giettg verschlingen. Die Eingeborenen fabeln sogar von einem Gorillatönig in der Person eines seltsamen Fabelwesens, das, halb Affe, halb Mensch, dereinst als gewaltiger Ktteger hohen Ruhm erlangte. Der englische Forscher ließ, sich durch solche gruse- ligen Märchen nich einschüchtern. Nachdem es ihm endlich geglückt war, zwei Eingeborene aufzutreiben, die minder ängstlich als ihre Genossen waren, wagte er sich in die von den Assen bewohnten Wälder. Die Gorillas, die familienweise im Urwald leben. ziehen sich beim Nahen von Menschen in die Gipfel der Bäume zurück und benützen das dichte Zweigwerk als„Fenster", durch die sie, selbst ungesehen, die Zugänge beobachten. Burbridge gelang es, an einem dieser Beobachtungsposten heranzukommen. Sofott erschien an dem „Fenster" ein halbes Dutzend junger Affen, die mit sichtlicher Span- nung heruntersahen. Dank dieser Neugierde konnte er in aller Ruhe einen Film von dem hübschen Bilde drehen. Aber das Abenteuer drohte eine kritische Wendung zu nehmen, denn plötzlich sah er sich einem alten Affen gegenüber, der, zähnefletschend und die Brust mit den geballten Fäusten schlagend, auf Burbridge losging. Wi« d«r Reisende berichtet, brüllte das wütende Tier dabei wie ein Löwe, nur war das unheimliche Gebrüll auf einen tieferen Ton gestimmt. Diese Mitteilung ist um so bemerkenswetter, weil sie die angezweifel- ten Bettchte des französischen Reisenden Du C h a i l l u vollinhaltlich bestätigt. Dieser hat als erster um 1SS0 diese Menschenaffen am französischen Kongo studiert und erwähnt ausdrücklich das furcht- bor« Gebrüll der Gorillas, eine Behauptung, di« viele in das Vereich der Fabel verweisen wollten. Trotz seinem-gefährlichen Aussehen und der drohenden Haltung griff übrigens der alte Gorilla Burbridge nicht an, sondern begnügte sich, in der Abwehrstellung zu verharren, was beweist, daß auch diese gefürchteten Menschenaffen besser als ihr Ruf sind. Amtsstil... Wenn ein Oberbayer nach Hamburg kommt und den Hafen- dialekt nicht versteht, so ist das begreiflich. Man lollte jedoch meinen, daß für all« einigermaßen gebildet« Menschen im Hochdeutschen ein« Verständigungsbasis vorhanden ist, di««in absolutes.Zaniwer- stahn" ausschließt. Weit gefchlt. In einer Entscheidung des Reichsfinanzhofes findet sich der folgende Gedankenbandwurm«l» trefflicher Beweis dafür: Es besteht Einverständnis dafür, daß, w«nn ein Senat eine Sache nach § 4f>, Absatz A. O., an den Großen Senat verwiesen hat. zur Teil- nahm« an der Entscheidung außer dem genannten Senat die Sepate ein Mitglied für den Großen Senat zu entsenden haben, die der abweichende Senat in der Begründung des Derweisungsbeschlusses als diejenigen bezeichnet hat, von deren angeführten Entscheidungen er abweichen zu wollen erklärt. Außerdem kann jeder andere Senat nunMiinMMiiimsolmumimiuinmimimaim»»» ein Mitglied entsenden, der behauptet, daß die beabsichtigte Abweichung auch eine solche von einer seiner veröffentlichten Enffchei- düngen ist." Wer den fulminanten Satz beim erstmaligen Durchlesen vec- steht, hat sich den Nobelpreis oerdient. Im altösterreichischen Parlament, das alle neun Völker des Staaten umschloß, spielt« der Sprachen- kämpf«in« immer größere Roll«, da sich in ihm der Kamps der Nationen um den Staat äußerte. Nachdem der Minffterpräsident Graf Baden!, ein Pole, 1897 jen« Verordnung erlassen hatte, di« für die Sudetenländer auch das Tschechisch« zur Amtssprache machte, ttaten die Deutschnationalen in di« Obstruktion. Sie wurde durch unausgesetzte namentliche Abstimmungen bewirkt, da der Namensaufruf dreiviertel Stund« dauert«, bei jeder sonst belang- losen Formalität herbeigeführt werden tonnte und so die Tages- ordnung vollständig blockiert wurde. Die Nichideutschen, besonders di« Tschechen, hatten schon früher die„Angelobung" beim Beginn eines neuen Parlaments in chrer Sprache geleistet— nun antworteten sie auch bei den vielen Namensaufrufen so. Da geschah es eines Tages, daß der Alldeutsche Georg Schönerer, als sein Name erklang, mit— oh yes antwortete. Damit wollte er das „ano"(ja) oder„ne*(nein) der Tschechen lächerlich machen. Zu- erst allgemein« Verblüffung. Dann forderte der amtierende Präsi- dent, selbst ein Tscheche, Schönerer auf. gemäß Artikel 19 der Ver- sassung in einer der landesüblichen Sprachen abzustimmen. Doch der stiernackige und starrköpfige Herrgott von Zwettl" blieb hart- näckig und wurzelfest bei seiner englischen Aeußerung. Und da auch der Präsident nicht nachgab, entstand zunächst«in gewaltiger Krach und man kam an diesem Tag nicht einmal mit dieser Abstimmung zu Ende. ribe. Kampf gegen den Schleier. Aus Tiflis wird berichtet, daß das Verbot des Dchleiertragens bei der dortigen weiblichen Bevölkerung auf heftigsten Widerstand stößt. Ueber 900 Frauen rotteten sich zusammen und versuchten, bei dem Gouverneur vorstellig zu werden. Ein sgrößeres Polizei- aufgebot war notwendig, die erregten Frauen zurückzudrängen. War es nun die sprichwörtlich geworden« Galanterie des Mannes dem schwächeren Geschlecht gegenüber, was die Polizei zögern ließ, genug, die empörten Frauen zeigten soviel Bravour. daß sie die Hüter der Ordnung in die Flucht schlugen. Einigen gelang es sogar, in den Palast einzudringen. Es entwickelt« sich hier eine Schlägerei zwischen den Frauen und den Wachhabenden. Zerzaust, zerbeutt muhtcn schließlich di« tapferen Kämpferinnen zurückweichen, viele von ihnen so meldet der Bericht— verloren in dem Kampf ihren Schleier, wobei es sich zeigt«, daß die Megären alle Ursach« gehabt hatten, um dieses wichtige Requisit, das ihre Häßlichkeit verhüllte, zu kämpfen... Sächsisches, Atlmsichslsches. Ein leicht Angetrunkener muß auf dem Weg« nech seiner Be- Häufung am Napoleonstein vorüber. Dabei hält er folgenden Mono- log:„Eiste, mei liewer Nabolichon, jetz geht mrsch grade wie dir Anno dazumal. Mr Hantin uns all« beode zu viel zugemut, uq das haut een dann ganz elend zusamm." I Woosled Radpremieren. Dreiräder bei Rütt Ehmer als Steher! sahart Eröffnung in Plötzensee. Ein guter Anfang Manera zweiter Sieger. Balter Rütt ist immer wieder bemüht, auf seiner Arena Wettbewerbe zum Austrag bringen zu lassen, die einer gewissen Originalität nicht entbehren. Vor längerer Zeit trommelte er Straßenhändler Berlins zusammen, um die ,, Meisterschaft" im Anpreisen der Waren zu verteilen. Am gestrigen Sonntag gab es nun Die Olympia bahn eröffnete gestern die Berliner Radeinen Wettbewerb um die Meisterschaft der Geschäftsrennsaison. Der Besuch war außerordentlich stark Auf dem Prodreiräder, die in Frankreich überaus populär sein soll. Also denkt Rütt, daß das, was in Frankreich geht, auch bei uns nicht unmöglich sein dürfte. Lud die Burschen und Männer, die tags über ihren Dreifanten" bearbeiten, zu sich ein und ließ jede Kategorie mit und ohne Lieferkasten je einmal zehn Runden 28 Warum nicht auch einmal Dreiräder? á 800 Meter auf dem Gelände absolvieren. Die hügelige Rennstrecke" war mit Zuschauern dicht besetzt, so daß es an gutem Berliner Humor wirklich nicht fehlte. Versteht sich, daß so mancher Biz die Haltung der einzelnen Fahrer auf ihren„ Rennmaschinen" gloffierte. Dabei mühten sich alle Fahrer redlich, die Siegespalme dieser hehren Meisterschaft an sich zu bringen. Auf der Zielseite ging es besonders hoch her. Hier mußte eine kleine Steigung genommen werden, zu deren Bewältigung die Akteure tüchtig zu treten hatten. Und wehe fie traten nicht zu:„ Los doch", schrieen die„ Tribünenbesucher", ,, mit deiner Figur mußte doch Bäume ausreißen." Der arme Flieger" war geflatscht. Ein anderer bekam wieder den Zuruf: Mensch siege oder du friegst morjen die Papiere." Endlich sollte sich alles vollendet haben, als es in der Zielkurve einen harmlosen Sturz gab. Eines der Hinterräder geriet so in Berzerrung, daß es, wie der Berliner so schön sagt, fabelhaft ,, eierte". Doch das machte nichts. Rauf aufs Rad und weiter geht es in prächtig Schaufelnder Fahrt dem Ziele zu! Später die Preisverteilung im Innenraum. Altmeister Rütt verleiht Plaketten, Ehrenkarten, Vasen und Kognat. Als die Sieger die Palme" bekommen sollten, stellte es sich heraus, daß Blumen nicht da waren. Walter" hatte wirklich ganz und gar vergessen, daß die Blumenleute ab 1. April schon um 10 Uhr ihren Laden zumachen! Handball " Weißwasser gegen Süden 3: 3. gramm standen neben einigen Fliegerrennen drei Dauer= rennen über 20, 30 und 40 Kilometer, die mit Sawall, Snoet, Manera, Benoit und den Steherdebütanten Ehmer besetzt waren. Nachdem Sawall im„ Eröffnungspreis" über 20 Kilometer als erster die Rolle vor Ehmer, Manera, Benoit und Snoet hatte, hielt er den ersten Plaz sicher bis zum Ziel. Ehmer wußte recht gut seinen zweiten Platz zu halten, bis ein Reifenschaden ihn zwang, nach hinten zu gehen und seine Position an Manera abzutreten. Den Preis von Friedenau", der über 30 Kilometer ging, sicherte sich Ehmer in recht bravouröjer Weise. Ehmer, Snoet, Benoit, Sawall und Manera besetzten in dieser Reihenfolge die Rolle. Sawall und Benoit gingen im Verlauf des Rennens an Snoek vorbei. Ein weiterer Angriff Sawalls auf Snoef war erfolglos, vielmehr mußte er noch kurz vor Schluß des Rennens seinen dritten Platz an Manera abgeben, dessen Fahrweise im übrigen verdiente Anerfennung fand. Den Preis von Steglitz" über 40 Kilometer gewann dann wieder Sawall, der vor Beginn des Rennens gegen den günstigen Rollenabstand Ehmers Ehmer fuhr die beiden ersten Ehmer fuhr die beiden ersten Läufe hinter der 40-3entimeter- Rolle mit dem Erfolg, daß nun Ehmer ebenfalls hinter der 50-3entimeter- Rolle starten mußte. Er hielt sich aber auch hier tapfer und lag im Gesamtklasse: ment an dritter Stelle nur um 40 Meter hinter Sawall. Den zweiten Platz hielt Manera nur 20 Meter hinter dem Sieger. Resultate: Eröffnungspreis, 20 Kilometer: 1. Sawall 17: 30,8; 2. Manera 80 Meter; 3. Snoet 200 Meter; 4. Benoit 300 Meter; 5. Ehmer 840 Meter zurück. Preis von Friedenau, 30 Kilometer: 1. Ehmer 26: 44,2; 2. Snoef 60 meter; 3. Manera 130 Meter; 4. Sawall 140 Meter; 5. Benoit 200 Meter zurüd. Preis von Steglit, 40 Kilometer: 1. Sawall 36:43; 2. Manera 20 Meter; 3. Ehmer 40 Meter; 4. Snoek 600 Meter; 5. Benoit 810 Meter zurück. AmateurHauptfahren: 1. Fliegel; 2. Golz; 3. Gröning. Vorgabe fahren: 1. Johow( 75 Meter); 2. Block( 120 Meter); 3. Klee baum( 110 Meter). Aberger- Herausforderungspreis R. Sch. Auf der Spandauer Rennstrecke brachte die Ortsgruppe Berlin der DRU. ein Mannschaftsrennen um den Aberger Wander= preis zur Durchführung, das wegen besonderer Umstände von 50 auf 56 Rilometer ausgedehnt werden mußte, 20 Mannschaften wurden vom Starter mit 3- Minuten- Abständen entlassen. Der Preis fiel auch diesmal an Alberto Diamant mit der Mannschaft Tadewald, W. Wolke, Saeger, Brezke, Ulbricht, Rittler in 1:30:40 vor Semper mit 1: 31: 13,3, Opel mit 1: 31: 36,4, AlbertoDiamant II mit 1:33:22, Endspurt mit 1:34:30 und Fedia mit 1:34:37. = 13: 1 siegte der Schlittschuhklub denn auch überlegen. Den JuniorenBotal gewann der Sportklub Charlottenburg, der. den Schlittschuhflub nach einem unerwartet schönen Kampf mit 3: 1 schlagen fonnte. Der Bezirk Süden der Freien Turnerschaft Groß- Berlin ver Drei Spiele um die Meisterschaft. anstaltete gestern aus Anlaß seines zehnjährigen Bestehens einen Werbespieltag, der in agitatorischer und technischer Hinsicht einen vollen Erfolg brachte. Als erste betraten die Frauenmannschaften Süden und StettinFrei das Spielfeld. Südens Sturm zeigte gute Zusammenarbeit, Die verlegte aber das Spiel etwas sehr auf die rechte Hälfte. Mittelstürmerin verdarb manchen Borstoß, indem sie vor der Ab* feitslinie stehen blieb und dadurch oft Abseits hervorrief. Die Stettiner waten etwas schwerfällig in der Auffassung und blieben auch nicht genügend am Gegner. Die Schülermannschaften der Vereine lieferten ein eifriges Spiel. Die Stettiner Mannschaft, die an Körperlänge überragte, befand sich fast dauernd in Südens Hälfte. Dafür zeigten die fleinen Berliner gute technische Ausbildung, fie fonnten durch gutes Abspielen mehrmals Durchbrüche erzielen. Selle Kinderfreude begleitete jedes errungene Tor. Mit 5: 3( 2: 1) war Süden Sieger. Bei den Männermannschaften Weißwasser gegen Süden hatte Weißwasser Anwurf und es entwickelte fich sofort ein flottes Spiel. Der Ball ging in langen Würfen von einem Tor zum anderen und verschaffte den Torhütern reichlich Gelegenheit ihre Kunst zu beweisen. Schon in der 5. Minute gab der Mittelstürmer den Ball zum Halbrechten vor und dieser sandte zum ersten Tor ein. Wenige Minuten vor der Pause vollführte Weißwaffer einen Durchbruch und führte den Ausgleich herbei. Süden ging nach dem Anwurf fofort vor und konnte das zweite Tor buchen. Auch die zweite Halbzeit ging ebenfalls flott und lebhaft vonstatten. In der 45. Minute gab nach einem guten Vorspiel der Mittelstürmer den Ball zum Halblinken vor und dieser schoß das dritte Tor. Doch das Blatt sollte sich noch wenden. Weißwasser buchte noch das zweite Tor. Nach einem furzen Geplänfel vor dem Südentor fonnte Weißwasser noch das dritte Tor einsenden und so das Resultat unentschieden gestalten. Das Resultat entspricht dem Spielverlauf; beide Mannschaften waren sich ebenbürtig, nur hatte Süden in der ersten Halbzeit etwas mehr Glück. Die Resultate der anderen Spiele find: Wedding 2 gegen Süden 2 6: 2( 4: 1); Süden 3 gegen Berlin 12 15: 1; Süden 2( Frauen) gegen Sportverein Moabit 2: 1( 1: 1). Schluß im Eishockey. Schlittschuhklub gewinnt den Davos- Pokal. Mit der gestrigen Abendveranstaltung im Sportpalast hat die Eishodeyfaifon ihren endgültigen Abschluß gefunden. 3wei Eishodenspiele fanden den Beifall des leider nur schwach be sezten Hauses. Eingeleitet wurde der Abend mit sauber gezeichneten Spezialfiguren des schwedischen Weltmeisters Grafström; bein Bor führen seiner Meistertür hatte Grafftrom Bech, er tam mehrmals zu Fall, was vermutlich auf die schlechte Beschaffenheit des Eises gurückzuführen war. Im ersten Eishockeyspiel ging es um den Botal des Kurhauses Davos zwischen dem Berliner Schlittschuhklub und Brandenburg. Die Brandenburger, die zeitweise ganz gutes Rombinationsspiel zeigten, wurden von den BSC.ern glatt überrannt. Ihre Angriffe hatten felten gefährlichen Charakter, die Berteidigung des Schlittschluhtlubs paßte höllisch auf. Nach dem ersten Bechfel wurde das Spiel ausgesprochen einseitig und eintönig. Mit Tennis schlägt Hertha 2: 1( 2: 0). In einem qualitativ sehr hochstehendem Fußballspiel gelang es # gestern den„ Veilchen" den Meister Hertha BSC., viel sicherer als das Resultat besagt, zu schlagen. Durch das unsichere Wetter wurde nicht die Zuschauerzahl des ersten Entscheidungsspieles er. reicht; immerhin waren es noch 30 000, die diesem Kampf zujahen. Tennis war wie umgewandelt. Ihr alter Mittelläufer Lug war der Held des Tages. Immer wieder stoppte er die gefährlichen Herthaangriffe und gab seinem Sturm, in dem Herberger einen blendenden Tag hatte, die schönsten Vorlagen. Hertha hingegen pielte reichlich nervös und litt etwas unter dem Fehlen Grenzels als Mittelstürmer. Gleich nach Beginn rollt Angriff auf Angriff gegen das Hertha tor und die präzisen Torschüsse tommen nur so hervorgeschossen. Nur Gehlhaars sicheres Arbeiten läßt es zu, daß erst in der 13. Minute Tennis zum Führungstor tommt. Nach einer fabelhaft genauen Vorlage von Schröder erzielt der Halblinke Strohwig mit unhaltbarem Schuß 1: 0, und nicht viel später muß sich der Hertha torwächter durch ein schönes Kopfballtor Handschuhmachers ein Die zweite Spielhälfte ist noch zweites Mal geschlagen bekennen. aufregender als die erste. Spannende Tormomente auf beiden Seiten jagen sich. Hertha hat viel Glück in der Abwehr. Auch das Tennistor tommt jetzt öfter in Gefahr. Das Spiel wird reichlich hart und ein fanatisches Publikum sorgt für die begleitende Musik. Tennis verschuldet in der Mitte der zweiten Halbzeit einen Elfmeter und Sobeck erreicht ein 2: 1. Damit ist die Spannung etwas gesunken und mit dem Schlußpfiff des Schiedsrichters Martelock hat eins der besten Fußballspiele in Berlin sein Ende gefunden. Zur Ermittlung des Berliner Meisters ist nun noch ein drittes Entscheidungsspiel notwendig. Tennis scheint in eser Form taum zu schlagen zu sein. Arbeiter- Hockey. Auf dem gut angelegten Hockenplatz an der Laskerstraße herrschte gestern Hochbetrieb. Oftring 2 schlug Tennis- Rot 2 knapp mit 3: 2. In den Mannschaften liegen Ansäge zu guten Spielern, notwendig ist der Ausbau der Spieltaktik, die sehr wohl imstande ist, die mangelhafte Stockficherheit auszugleichen. Ostring- Frauen blieben wiederum über Tennis- Rot- Frauen siegreich mit 4: 0. Bei größerer Stocksicherheit der jungen Tennis- Rot- Mannschaft dürften zukünftige Treffen anders ausfallen. Oftring 1 und Tennis- Rot 1 trennten sich nach sehr wechselvollem Spiel unentschieden 1: 1( 1: 1). Troz Ersatz auf beiden Seiten wurde das Spiel offengehalten und zeigte recht reizvolle Momente. Bei besserem Flügelspiel hätte Tennis- Rot das Spiel für sich entscheiden können, da Ostring es an Schußfreudigkeit fehlen ließ. Der Verteidigung von Ostring wäre dringend zu empfehlen, das Anschneiden der Bälle wesentlich einzuschränken, da es in den Reihen der Arbeitersportler nicht üblich ift, die Gegenspieler aufs höchste zu gefährden.- ASC. 2 schlug nach schönem Spiel Moabit 2 sehr knapp mit 0: 1. Moabit 1 wurde anschließend unverdient hoch von ASC. 1 mit 7: 0 geschlagen. Beide Mannschaften führten ein rasches und offenes Spiel vor. Die gute Läuferreihe von ASC. gab den Ausschlag. Sie verstand es meisterhaft die Gegenangriffe zu brechen und den eigenen Angriff aufzubauen. Scott- Haymann perfekt. Ko. Die Verhandlungen für einen Kampf zwischen dem deutschen Schwergewichtsmeister Ludwig Haymann und dem englischen Titelhalter Phil Scott am 2. Mai in der Alberthalle zu London sind nunmehr zum Abschluß gekommen. Die einzige Schwierigkeit, die noch zu überwinden war, bildete die Ringrichterfrage, da Haymann einen neutralen Unparteiischen verlangte. Der Münchener hat sich jedoch jetzt mit dem vom britischen Verband zu bezeichnenden Ringrichter einverstanden erklärt. Rennen zu Karlshorst. Schüler- Jagbrennen: 1. Hans Thoma( Hauser); 2. Fogtrott; 3. Astrid. Toto: 13:10. Blag: 13, 22: 10. Ferner liefen: Filmstar( 4), Karwendel. Ostermond- Sürbenrennen: 1. Anton( Bismart); 2. Gawan; 3. Hadrian. Toto: 17:10. Blag: 12, 12: 10. Ferner liefen: Staroste( 4), Tende. Wellgunde- Jagbrennen: 1. Borgia( W. Schniger); 2. Greif; 3. Merkur II. Toto: 27:10. Blaz: 14, 12: 10. Ferner lief: Girant. 8. v. Trestow- Jagbrennen: 1. Lusitania( Sauser); 2. Marchesa; 3. Taunus. Toto; 58:10. Blag: 23, 17:10. Ferner liefen: Sea Lord( 4), Mannestreue ( ausgebr.). Residenz Hürden rennen: 1. Latt( Scharff); 2. Stolzer Rämpfer; 3. Poliklet. Toto: 39:10. Blag: 16, 15, 19:10. Ferner liefen: Prince of Thule( 4), Lord Val, Amedce de Savoie, Rivalin. Phyllis Jagbrennen: 1. Malus( S. Schola); 2. Lebensmut; 3. Husdent. Toto: 28:10. Blag: 12, 12, 15:10. Ferner liefen: Rache( 4), Schlehblüte, Salca( gef.), Isländer. Preis von Friedrichsfelde: 1. Mon petit( v. Borde); 2. Doktor Mabuse; 3. Rotbart. Toto: 59:10. Piag: 28, 32, 28:10. Ferner Tiefen: Banditt( 4), Neuland, Sarrald, Macao, Welf, Mosellaner. Bundestreue Vereine teilen mit: Freie Faltbootfahrer Berlin. Donnerstag, 18. April, Vereinszusammentunft, Reichensaal Sophien- Enzeum, Weinmeisterftr. 16-17. Freitag, 19. April, Funktionärsigung bei Hausmann, Nostizstr. 61. Fahrtenplan für Sonne tag, 21. April, Baruth- Hemmerfließ, Führer Stolp, Treffpunkt 7 Uhr Anhalter Bahnhof. Rückfahrkarte lösen. 2. Biesenthal- Finowfließ. Abfahrt 7.25 Uhr Stettiner Bahnhof, Führer F. Böttcher. 3. Botsdam- Werder über Bubliß, Treffpunkt 8½ Uhr Bahnhof Potsdam, Führer Jungöluth. 4. Heiligen fee- Nauen, Treffpunkt 8 Uhr Fährhaus Seiligensee, Führer Trommer. 5. Ertner Möllensee, Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Erkner, Führer Boß. elwas. Touristenverein" Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Mittwoch, 17. April, 20 Uhr, Aula Weinmeisterstr. 16-17, Lustiger Vortragsabend. Franz Hosemann bringt Grotesten und Parodien in Wort und Bild. Eintritt frei. Gäste willkommen, Abt. Friedenau: Dienstag, 16. April, 20 Uhr, Offenbacher Str. 5a:„ Am Mittelmeer"( Genosse Hofmann). Abt. Rorben: Dienstag, 16. April, 20 Uhr, Sonnenburger Str. 20. Jeder bringi Abt. Bebbing: Dienstag, 16. April, 20 Uhr, Turiner Ede Seestraße: Broletarische Dichtung". Jugendgruppe: Dienstag, 16. April, 20 Uhr, GeeStraße 84: Fahrtenerlebnisse. Abt. Bantow: Dienstag, 16. April, 20 Uhr, Danziger Str. 62, Barade 2: Fahrtenerlebnisse in Wort und Bild." Schönstedtstr. 1: Affenmensch und Menschenaffe". Referent Dr. Mar Schütte. Gesundbrunnen, Jugendgruppe: Dienstag, 16. April, 20 Uhr, Ledigenheim Abt. Tiergarten: Donnerstag, 18. April, 20 Uhr, Lehrter Str. 18-19, Dis Euffionsabend: Der proletarische Wanderer". Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 18. April, 20 Uhr, Gunterstr. 44: Bolksliederabend. Abt. Südwest: Donners Naturwissenschaftliche tag, 18. April, 20 Uhr, Nordstr. 11: Heiterer Abend. Abt.: Donnerstag, 18. April, 20 Uhr, Johannisstr. 15: Das Wesen der Elek. trizität". Abt. Friedrichshain: Donnerstag, 18. April, 20 Uhr, Brommy straße 1, Kurt Grottemiz( Bulan). Görichstr. 14: Bortrag. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 18. April, 20 Uhr, Abt. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, 18. Bezirk. Kartellversammlung Mittwoch, 17. April, 20 Uhr, bei Müller, Lindenallee 4. Freie Sportvereinigung Schweiffterne", e. B.( Verein für Fußball-, Sand ball und Kanusport). Dienstag, 16. April, 20% Uhr, Mitgliederversammlung in der Jdeal- Klause, Neukölln, Mareschstr. 14. Bootstaufe beim S.V.Stößensee. Bier neue Segelboote zu gleicher Zeit taufen, zu können, war dem Geglerverein, Stößensee", der dem Freien Segler- Verband angeschlossen ist, gestern vergönnt. Vier Mitglieder hatten an Stelle ihrer alten Boote neue angeschafft, schöne, blanke Mahagoniboote, die den Eignern nicht nur bei der letzten Herrichtung manche betriebsame Stunde verursacht haben mögen. Aber schließlich standen sie gestern doch fir und fertig getatelt, mit all den Stahlfeilen und Hanfleinen, glänzend ladiert und mit Jungfern fränzen am Bug in Reih und Glied auf dem herrlich gelegenen Bereinsgrundstück. Stadtrat Genoffe Horlig, der alte Freund des Vereins, hielt die Taufrede. Wenn sich auch die Täuflinge selbst ähnlich passiv verhielten, wie die lebendigen Täuflinge in der Kirche, so fonnte der Festredner doch den glücklichen Befizern und den zahlreich erschienenen Gästen um so mehr von der Weihe der Stunde, die eine Weihestunde für den freien Segelsport war, erzählen.„ Frohsinn", Cerberus"," Mephisto" und" Trabant", diese Namen der Boote brachte er in Beziehung zu einander und zum Sport, und in humoristischen Wendungen sprach Genosse Horlig vom fünften neuen Boot, dem Rumtreiber", als von dem Kinde des Vereins, bas, eigentlich noch nicht einmal geboren, schon mangelnden Familien sinn beweise. Es sei noch auf Stapel, laffe aber im Hinblick auf feine Erzeuger doch schließlich noch gutes erwarten. Es war Wasser in tonzentrierter Form, womit der Taufpate die Stirn der Täuflinge beneßte, dann rollte eines nach dem anderen seinem natürlichen Element zu. Der Bereinsvorsitzende Tinius sandte ihnen im Chor mit den Mitgliedern ein dreifaches Gode- Wind- ahoi! nach; Chor mit den Mitgliedern ein dreifaches Gode- Wind- ahoi! nach; versprachen, machten die„ Käpten" die Boote in ihren Boren fest. Mit Gode- Wind- ahol ins Wasser. Einschließlich zweier weiterer Boote, die bereits im Herbst vorigen Jahres vom Stapel liefen, hat der Seglerverein Stößensee feine Flotte um sieben moderne 20- Quadratmeter- Klassenjollen vermehrt. Reichsvertrag im Holzgewerbe. Ueber Arbeitszeit, Urlaub, Kündigungsfrist. Die Verhandlungen über die Erneuerung des Mantelvertrages für Facharbeiter über 22 Jahre betragen. Die Behrlinge für das deutsche Holzgewerbe wurden Anfang Januar aufge- erhalten in jedem Jahre fünf Tage Ferien unter Fortzahlung des nommen und nahmen nicht weniger als 23 Tage in Anspruch. In Kostgeldes. Dieser Schiedsspruch ist ein Bestandteil des Mantelden Tagen vom 9. bis 12. April fanden die letzten Berhandlungen vertrages. in Stuttgart statt, die zu einem Abschluß führten Vorher Das Vertragswert ist nun im Entwurf fertig. Die Entschei waren die Parteien über eine Reihe von Punkten zu einer Verdung über Annahme oder Ablehnung liegt bei den beiderseitigen ständigung gelangt. Bei den verbleibenden Fragen waren Organisationen. Im Falle der Annahme werden sofort die Lohnaber die Gegenfäße fo groß, daß fie in diretten Berhand- verhandlungen aufgenommen werden können. Zuvor find lungen nicht überbrüdt werden konnten. Man einigte sich deshalb allerdings noch einige Aufgaben durch die bezirklichen Bertragsdarauf, einen Unparteiischen zur Hilfeleistung heranzuziehen. parteien zu lösen, wie die Klasseneinteilung der Städte und die Deffen Aufgabe, sollte es aber nicht sein, Schiedssprüche zu fällen, Fefiftellung des Ortsklassenschlüssels. In zentralen Berhandlungen vielmehr sollte er Vorschläge für eine Verständigung machen, wird nur der Tariflohn für die Spizenstädte eines zu denen dann die Parteien in völliger Freiheit Stellung nehmen jeden Bezirks festgesetzt. Bis zum völligen Abschluß der Bewegung dürften wohl noch einige Wochen vergehen. fonnten. Als Unparteiischer wurde Prof. Dr. Brahn, der Schlichter für Westfalen, gewonnen, der, wie beiderseits anerkannt wurde, mit großem Geschickt die schwierige Aufgabe löste, die ihm gestellt war. Die wichtigsten Alenderungen gegenüber dem seitherigen Bertragsrecht betreffen die folgenden Punkte: Für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses tritt das feitherige Gewohnheitsrecht außer Kraft. Wenn nicht binnen drei Monaten nach Abschluß des Vertrages eine anderweitige Vereinbarung mit der Betriebsvertretung getroffen ist, gilt eine Ründigungsfrist von sechs Tagen. Die Arbeitszeit beträgt wie seither 48 Stunden. Dagegen ist die seitherige Vertragsbestimmung beseitigt, die es dem Unternehmer ermöglichte ,,, im Benehmen mit der Betriebsvertretung" die Arbeitszeit bis 51 Stunden zu verlängern. Ueber die Notwendigkeit Don Ueberstunden entscheidet nunmehr der Unternehmer in Gemeinschaft mit der Betriebsvertretung. Länger als eine Woche hindurch dürfen Ueberstunden nur mit Zustimmung der örtlichen Organisationsleitungen geleistet werden. Der Zuschlag für Ueberstunden beträgt 25 Proz. Die Höhe der Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit unterliegt der bezirtlichen Regelung. Ergebnisse der Betriebsrätewahlen. Schlappe in der AEG. Auch bei Borsig ist das Ergebnis der Betriebsratswahl ein ausgezeichnetes. Für den Arbeiterrat waren zwei Listen aufgestellt: eine freigewertschaftliche, die 1789 Stimmen und 13 Mandate erhielt und eine Hirsch- Dunckersche, die sich mit 477 Stimmen und 3 Mandaten begnügen mußte. Die tommunistische Opposition" glänzte durch Abwesenheit. Bei den Angestellten erhielt der Af A. Bund 626 Stimmen und 4 Mandate, der DHV. 151 Stimmen und 1 Mandat, die leitenden Angestellten fielen mit 122 Stimmen aus. Bei der AEG. ist das Ergebnis ein für die freien Gewerkschaften ungünstiges. Am schlechtesten ist es in der Brunnenstraße, den Arbeiterrat erhielt die Opposition 4023 Stimmen und 15 Man wo allerdings schon immer die Opposition" sehr start war. Für date( bisher 10), die freigewertschaftliche Liste 1815 und 7 Mandate( 13). Umgekehrt ist das Berhältnis bei den Angestell. ten, wo ja im allgemeinen der AfA- Bund bei den BetriebsratsIm Kabelwert Oberspree erhielten im Arbeiterrat: Freie Gewerkschaften 1774 und 8 Mandate, Oppofition 2427 und 11( bisher 8) Mandate. Im Angestelltenrat: Af- Bund 724 und 9 Mandate, GdA. 138 Stimmen und 1 Mandat, DHB. 94 Stimmen und 1 Mandat. Der Betriebsrat seht sich zus jammen aus 12 Vertretern der Richtung Amsterdam( 7 Arbeiter, 5 Angestellte) und 9 der ,, revolutionären Unorganisierten". Ein besonders schwieriges Problem betraf den Vertragswahlen sehr gut abgeschnitten hat: AfA- Bund 1034 Stimmen und lohn. Die historische Entwicklung des Tarifvertragsrechts im 9 Mandate, DHB. 446 Stimmen und 3 Mandate. Holzgewerbe hatte es mit sich gebracht, daß der Vertrag neben dem ,, Durchschnittslohn", auf den jeder Arbeiter mit durch schnittlicher Leistungsfähigteit Anspruch hat, auch einen um 10 Proz niedrigeren Mindestlohn" vor. fah. Dadurch war auch dieser Mindestlohn ein auf Grund der Tarifvertragsverordnung unabdingbarer Vertragslohn geworden. Das hat zu manchen Unzuträglichkeiten geführt. Nunmehr gibt es nur einen Vertragslohn, der dem seitherigen Durch schnittslohn entspricht. Mit minderleistungsfähigeren Arbeitern kann ein Lohn vereinbart werden, der bis zu 10 Proz. unter dem Vertragslohn liegt. Im Streitfall vermittelt die Be triebsvertretung oder je ein Vertreter der Organisationen eventuell unter Hinzuziehung eines Unparteiischen. Das Ferienrecht hat eine Verbesserung erfahren. Wie seither, hat jeder Arbeiter, der am 1. April vier Monate im Betrieb beschäftigt war, Anspruch auf vier Tage Ferien. Dieser Anspruch steigt im zweiten Jahre auf fünf Tage, im dritten Jahre auf sieben( bisher sechs) Tage und im vierten Jahre auf acht ( bisher sieben) Tage. Einige Klauseln sichern dem Arbeiter auch den Ferienanspruch bei Unterbrechung des Arbeitsverhält nisses. Für Arbeiter unter 18 Jahren beträgt der Ferienanspruch durchgängig fünf Tage. Gegen die Regelung der Kostgeldentschädigung und der Ferien für Lehrlinge durch den Tarifvertrag wehrten sich die Unter nehmer aus prinzipiellen Erwägungen auf das entschiedenste. Sie lehnten auch die Vermittlungsvorschläge des Unparteiischen ab. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die Entscheidung einer tarif lichen Schlichtungsstelle zu überweisen. Diese trat sofort zusammen und fällte unter dem Vorsiz von Prof. Brahn einen Schiedsspruch. nach welchem die Kostgeldfäße für Lehrlinge in den vier Lehrjahren 8, 15, 20 und 30 Proz. des Tariflohnes Theater, Lichtspiele usw. Montag, 1.15. 4. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 98 20 Uhr Salome Montag, d. 15.4. Städt. Oper Bismarckstr. 19% Uhr Geschlossene Vorstellung Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. R.-S. 92 19% Uhr am Gendarmenmark R.-S. 35 20 Uhr Carmen Dr. Klaus Staatl. Schiller- Theater, Charith. 20 Uhr Oedipus 814 Uhr CASINO- THEATER 8% Uhr Lothriner Straße 37. Der neue Schlager! Die Lohnbewegung in der Metallindustrie. Einigung in der bayerischen Provinz. In der bayerischen Provinzmetallindustrie ist bei den Lohnverhandlungen nunmehr eine Einigung erzielt worden. Sie bringt eine Spizenlohnerhöhung um 4 Pf. auf 80 Pf. und eine Verbesserung der Atfordlöhne, soweit sie nicht 7½ Broz. über der neuen Lohnbasis stehen. Die Laufzeit der neuep Lohntafel geht bis zum 31. März 1930. Die bereits getroffenen. Rampfmaßnahmen des Deutschen Metallarbeiterverbandes werden rüdgängig gemacht. Die Metallarbeiterverbände des Dillgebiets haben in einem Schreiben an den Arbeitgeberverband der Siegerländer Gruben und Hütten das bestehende Lohnablommen zum 31. Mai 1929 ge. kündigt. Zehnmonatiger finnischer Hafenarbeiterftreif. Nach Meldungen aus Helsingfors haben sich die Parteien in dem Hafenarbeiterstreit auf einen vom Handelsminister eingebrachten Schiedsvorschlag geeinigt, der eine Erhöhung der Arbeitslöhne um 12,5 bis 25 Proz. vorfieht. Dagegen haben die Arbeiter auf ihre Forderung auf Abschluß von Tarifverträgen verzichtet. Der Hafenarbeiterstreit brach am 2. Juni vorigen Jahres aus und hat somit fast zehn Monate gedauert. Der finnische Hafenarbeiterstreit hatte u. a. dazu geführt, daß sowohl in Dänemart als auch in Norwegen und Schweden von den Arbeiterorganisationen eine Blodade der finnischen Schiffe erklärt wurde. Bon größerem Ausmaß war diese Blodade besonders in den dänischen Häfen. Die Blockade dauerte sechs Wochen und wurde aufgehoben, nachdem das ständige Schiedsgericht fie als ungeseglich erklärt hatte. Australien bei der Holzarbeiter 3nternationale. ( IGB.) Die Föderation der Möbelarbeiterverbände im australi schen Staatenbund hat sich ab 1. Januar der Internationalen Union der Holzarbeiter angeschlossen. Die Mitgliederzahl der Föde faßt, beträgt rund 9000. ration, die einen sehr hohen Prozentsaz der Berufsangehörigen erImmer mehr australische Gewerkschaften erkennen den Wert internationaler Zusammenarbeit! FUNK RUND. AM ABEND Montag, 15. April. Berlin. 16.00 Ingenieur Joachim Boehmer: Technische Wochenplauderel. In der AEG Aderstraße wurden insgesamt 2557 Stimmen abgegeben. Die freigewerkschaftliche Liste erhielt 1046 und die der„ Opposition" 1424 Stimmen. Es erhalten demnach die freien 16.30 Novellen. Von Marfred Hausmann.( Gelesen vom Autor.) Gewerkschaften im Arbeiterrat 6 Size und die Vertreter der„ revoflutionären Unorganisierten" 8 Size. Im vorigen Jahre, wo nur eine freigewerkschaftliche und eine Liste der Weyerleute aufgestellt worden war, setzte sich der Arbeiterrat aus 7 Amsterdamer, 2 Kommunisten und 5 Weŋerleuten zusammen. Diesmal sind die Kommunisten und Beyerleute Arm in Arm gegangen. mit Hilfe der Unorganisierten und einer beispiellosen Agitation ist es dieser Koalition gelungen, den Reformisten" einen Sitz im Arbeiterrat abzuziehen. Aber auch hier besteht im Betriebsrat mit 8 zu 7 eine freigewertschaftliche Mehrheit. Wir werden auf die Ergebnisse der Betriebsrätewahlen noch Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Tanzmusik.( Kapelle Dajos Béla.) zurückkommen, wenn abschließende Zahlen vorliegen. Bisher haben die Kommunisten in etwa 5 von 100 Betrieben eigene Listen aufgestellt, und zwar dort, wo sie bisher schon start vertreten waren und auch der Prozentsatz der Unorga= nifierten ein hoher ist. Es ist den Kommunisten in einigen dieser Betriebe gelungen, mehr oder weniger große Erfolge zu er zielen. Darüber macht die kommunistische Presse ein großes Geschrei. Von den 97 Prozent der Betriebe, wo die KPD. von vornherein entweder einen Kampf gar nicht magte oder eine empfindliche Niederlage erlitt, spricht sie nicht. 17.00 Violinvorträge.( Eva Hauptmann- Bernstein, Violine und Georg Szell, Flügel.) Anschließend: Hotel Esplanade,( Kapelle Barnabas von Géczy.) 18.10 Bühnensprache Hochsprache.( Deutscher Sprachverein.) 19.00 Deutschlands Handelsbeziehungen: Geh. Reg.- Rat Hagemann. 19.30 Ministerialrat Mühlig- Hofmann:„ Entwicklung und Lage der deutschen Flugzeugindustrie." 20.00 Ernst Toller. 1. Bemerkungen zum Nachkriegsdrama. 2. Vorlesung aus eigenen Dichtungen. 20.30 Von Wien. Internationaler Programmaustausch. Dirigent: Franz Schalk. 1. Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7, E- Dur, 2. Richard Wagner: Ouverture zu der Oper ,, Rienzi".( Die Wiener Philharmoniker und das Wiener Sinfonie- Orchester.) Winter SCALA Garten 8 Uhi Zentr. 2819 Rauchen erlaubt DODGE TWINS Die berühmten Revue- Zwillinge BERNARD& RICH die Tanzsensation HARU ONUKI Japanische Opern- Diva und weitere internationale Varieté- Berühmtheiten 81 Theater des Westens Sonniags 312 und 84 Uhr Der größte Erfolg Berlins Friederike Mufil von Lehar Erita v. Thellmann Karl Ziegler, Staatsoper Wien Arnstedt, Doro, Reg, Kaffe ununterbr. Steinpl.931 u. 7180 Eine ungeliebte Frau espermann, Rer. und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1-4 Pers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise Parkeit u. Rang 0.80 Mk Komische Oper 8/4 Revue- Posse Von Bettchen zu Bettchen!" Lachen ohne Ende in 15 Bildern Ververkani ununterbrochen. Dtsch. Künstler- Th. 8 Uhr Pottasch und Perimutter als Detektiv Paul Grätz, Karl Ettlinger. Trianon- Th. Täglich 84 Uhr Der Herzog und die Sünderin Rundfunk hörei nalbe Preise Barnowsky- Buhnen Theater in der Berliner Theater niggrätzer Straße Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 9t A. 7. Dönhoff 170 Täglich: Anf. 8 U., Ende 10 U. Helden von Bernard Shaw Tiglich 8 Uhr Rivalen Komödienhaus Täglich 8 Uhr Charleys Tante mit Curt Bois. Theater am Lessing- Theater Hollendorfplatz Täglich 8 Uhr Täglich 8 Uhi Revolte im 3x Hochzeit. Erziehungshaus 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 GROCK und das große April- Programm PLAZA Alex. 8066-68 Am Küstriner Plats Tägl.5 u. 815: Intern.Varieté Karten 8 Tage im voraus Reichshallen- Theater Abs. Uhr. Sonntag Nadm.[ 3] Ubr Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Trojaner Theater am Schiffbauerdamm 8. Uhr Pioniere in Ingolstadt Thalia- Theater > Uhr Oelrausch Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Oedipus Staatsoper am Platz der Republik 71 Uhr Carmen Deutsches Theater Königswusterhausen. 16.00 Französisch( kulturkundlich- literarische Stunde). 16.30 Dr. Richard H. Stein: Neuere Hausmusik für Klavier. 18.00 Dr. Arnold Hahn: Wie steigere ich die Leistungsfähigkeit meines Geistes? 18.55 Oberlandwirtschaftsrat Schmidt: Die Verbesserungen des Absatzes von Eiern und Geflügel. 19.20 Min.- Rat Horstmann: Werkmeisterlehrgang für Facharbeiter: Mechanik. Berantwortlich für die Redaktion: Franz Klühs, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Vorwärts Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Vorwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Planetarium I am Zoo D. 1. Norden 12 310 Verläng. oachimstha erstraß Noll. 1578. 8 U. Ende nach 1012 Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert Kammerspiele D. 1. Norden 12 310 16 bis 19 Uhr Diapositiv- Ausstellung 19 bis 12 Uhr Der Abendhimmel 20% Uhr Das Weltal im Lichtbild Kleines Theater 81% U., Ende geg. 10 Täglich 8% Uhr Jusik von Ossip Dymow. 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