Morgenausgabe Nr. 176 A 89 46. Jahrgang Böchentlich 85 Bt. menetid 3.60 3. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 2. einschließlich 60 Bfg. Poftzeitungs- und 72 Bfg Boftbestellgebühren. Auslands abonnement 6.-M. pro Monat. * Der Bormårts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illuftrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauenftimme". Technit". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Volksblatt Dienstag 16. Apríl 1929 Groß Berlin 10 M. Auswärts 15 Pf. Die eta paltige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflame elie 5.- Reichs mart. Aleine Anzeigen das ettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig zwet fettgebruare Borte), jedes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jebes weitere Mort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwet Borte Arbeitsmartt Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden ftraße 3. wochentagl. von 81%, bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SM 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donboft 292-297 Eelegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts: Berlag G. m. b. H. Arbeitsruhe am 1. Mai! Arbeiter, Angestellte und Beamte Berlins! Bor 40 Jahren hat der internationale Rongreß in Paris be schlossen, den 1. Mai als Weltfeiertag der Arbeit zu begehen. Seitdem Qt in allen Ländern der Welt das Proletariat an diesem Tage für seine Ziele und Ideen demonstriert. Schon immer ist die Arbeiterschaft aller Länder eingetreten für Völkerverständigung und Weltfrieden! Vier Jahre Krieg, von 1914 bis 1918, haben bewiesen, daß längst noch nicht alle friedensfreundlichen Kräfte in den Bölfern so zufammengefaßt find, baß fie dieses Morden verhindern tonnten. Trog Kellogg Pẞaft werben in den tapitalistischen Ländern die Rüftungen fortgesetzt. Ueber 10 Jahre sind seit jener gewaltigen Schlächterei ins Band gegangen. Eine junge Generation wächst heran, die das Entsetzen und den Schreden jenes organisierten Massenmordes noch nicht erlebt hat. Die Arbeiter merden diese junge Generation aufzuklären und sie vor nationalistischen und völferverheßenden Einflüssen zu bemahren wissen. Das beste Mittel zur mirtlichen und endgültigen Sicherung der Völker vor Kriegsgefahr, sind noch immer gefchloffene, einige und starte Organisationen! Se fefter bie Maffen zielbewußt, und diszipliniert in den gemertschaftlichen und politischen Organisationen des Proletariats zuSammenhalten, um fo unerschütterlicher wird der Damm fein, ber ben Blutströmen des Strieges entgegengesetzt wird. Je weiter die Maffen von dem Gebanten der Organisation entfernt find, und indifferent fich auflösen in der Ideenwelt des Kapitalismus, um so leichter werden die Einflüsse profitgieriger Unternehmer sich ausmirten, um so näher ist die Kriegsgefahr. Am 1. Mai erhebt die Arbeiterschaft Berlins thre Stimme, gegen die Hinauszögerung der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens! Für den Achtstundentag! Besonders die deutsche Arbeitnehmerschaft steht im Kampf um den Arbeitsschuß. Der Entwurf zum Arbeitsschußgefeß ist völlig unzureichend. Die Arbeitnehmer tönnen sich mit Leinem Arbeitsschuhgefeß einverstanden erklären, der nicht den Achtstundentag rest. Los vermirtlicht. Arbeiter. Angestellte, Beamte! Am 1. Mai tritt die Berliner Arbeitnehmerschaft in den Bersammlungen ihrer Berbände erneut ein für den Bölkerfrieden! Für Abrüftung und internationales Schiedsgerichts verfahren! Für die Durchführung eines ausreichenden Arbeitsschutzes! Für die gesetzliche Festlegung des Achiffundentages! Um biefen Forderungen Nachdrud zu verleihen, rufen euch die unterzeichneten Spizenverbände auf zur Arbeitsruhe am 1. Mai! In allen Betrieben der Industrie und des Handels wird die Arbeit Döllig eingestellt. Für die lebenswichtigen und Berkehrsbetriebe treffen die beteiligten Drganisationen Vereinbarungen, um eine Beteiligung der Arbeitnehmer dieser Betriebe in möglichst großer Zahl an den gewertschaftlichen Bersammlungen zu ermöglichen. Jeder Arbeiter, Angestellte und Beamte Einheitliche und feste Organisationen fichern der folgt am Beltfeiertag der Arbeit Arbeitnehmerschaft auch innen- und sozialpolitische Erfolge dem Rufe seines Verbandes! Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Ortsausschuß Berlin. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund, Bezirksausschuß Berlin. Die Völker fordern Abrüstung. Internationale und Völkerbundkonferenz. Genf, 15. April.( Eigenbericht.). Am Montagnachmittag sprach die Delegation der Sozialistischen Arbeiterinternationale bei dem Vorsitzen. den der Abrüstungskommission des Völkerbundes vor. Der belgische Sozialist de Brouckère gab dabei folgende Erklärung ab: ,, Wir sind im Namen der Sozialistischen Arbeiterinternationale hierher gekommen, um die Taufende und aber Taufende Betitionen, die alle fordern, daß die Abrüstungstommission ihre Arbeiten be schleunigt und das feierlichst allen Böltern gegebene Abrüftungsversprechen einhält, Ihrer Aufmerksamkeit zu empfehlen. Die Absender dieser Tausende Appelle an den Bölferbund vertennen gewiß ebenfomenig, wie ich selbst, der in der Abrüftungstommiffion mitgearbeitet hat, die Schwierigkeiten, die die Ausarbeitung eines internationalen Abrüftungsabkommens bietet, Aber es märe uns leichter, Rücksicht auf diese Schwierigkeiten zu nehmen, wenn wir uns nicht größte Sorge darüber machen müßten, ob das Ziel, die Abrüstung, überhaupt erreicht wird. Gewiß find die Bemühungen der Kommission nicht vergebens gewesen. Die zahlreichen Studien haben mindestens gezeigt, daß die Abrüffung technisch möglich iff, und es tonkrete und genaue Methoden gibt, um sie durchzuführen. Was die öffentliche Meinung beunruhigt, ist das Stoden der Arbeiten gerade zur Ausarbeitung solcher Methoden. Barum zieht man nicht die Konsequenzen und überwindet die politischen Ursachen, die die notwendige Einigung verhindern? In der legten Bölkerbundsversammlung haben Sie selbst, Herr Präsident, starke Worte gefunden und an die Bölfer appelliert, die Abrüstungsarbeiten aus der gefährlichen Situation, in die fie geraten find, herauszuführen. Es ist richtig, ohne den Willen -O Boftichedtonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Ban? der Arbeiter. Angestellten und Beamten Wallstr. 65 Diskonto- Gesellschaft. Depofitentafie Lindenfte 8 Panne in Paris. Die Borschläge der Gläubiger abgelehnt. In den Pariser Berhandlungen über die endgültige Regelung der deutschen Reparationsschuld ist gestern eine fritische Zuspigung erfolgt, die jedoch nicht zum Abbruch geführt hat. Offiziös wird darüber gemeldet: 12% Uhr dauerte, wurde über den Charakter und die Bedeutung In der Bollihung der Reparationskonferenz, die von 11 bis des am Sonnabend von den Delegationen der vier hauptreparationsberechtigten Länder der Konferenz übergebenen Memorandums disfufiert. Dabei hat die Konferenz festgestellt, daß es sich wederum ein Ultimatum noch um eine Diskuffionsgrundlage handelt, sondern nur um einen interessanten Beitrag zum Konferenzthema. Es ist zu erwarten, daß noch weiteres Material zur Lösung des Problems der Konferenz übermittelt wird. In der Sigung hat die deutsche Delegation darüber keinen Zweifel gelaffen, daß die in dem Memorandum der vier Hauptgläubigerdelegationen aufgeführten Zahlen als solche für sie nicht annehmbar sind. Es sind im Laufe der Sigung eine Reihe von Fragen gestellt worden, auf die im Laufe des Nachmittags eine schriftliche Antwort ausgearbeitet werden soll, die als Unterlage für die weitere Diskussion in der nächsten auf morgen vormittag angefehten Bollfihung dienen foll. Bon dem Plan einer Beröffentlichung des Memorandums ist vorläufig Abstand genommen worden. Diefe offiziöse Mitteilung wird durch folgende Meldung unseres Bariser Berichterstatters ergänzt: In der Montagssigung der Sachverständigentonferenz hat ber Reichsbantpräsident Dr. Schacht, wenn auch in der höflich sten, aber doch bestimmtesten Form erklärt, daß die von den Hauptgläubigern für die Kapitalschuld wie auch für die Annuitäten genannten Summen für Deutschland unannehmbar seien. Wenn die Bariser Bresse aus der Höflichkeit Dr Schachts eine Anerkennung für das angeblich von den Alliierten in ihren Forderungen gezeigte Entgegenkommen herauslesen zu fönnen glaubt, dann hat sie das mit sich selbst abzumachen. Schon in seinen Gegenfragen, die die Alliierten am Montag abend noch schriftlich beantworten wollen, hat Dr. Schacht teinen Zweifel darüber gelassen, daß die Forderungen der Gegen seite das deutsche Leistungsvermögen bei weitem übersteigen. Er hat vor allem angefragt, ob in den Annuitäten, die bekanntlich bis 2,4 Milliarden ansteigen, auch die Kosten für den Zinsendienst der Dawes- Anleihe, die jährlich etwa 800 Millionen aus. machen, die Kosten für die verschiedenen Kontrollorgane und die Beiträge für die kleinen, auf der Konferenz nicht vertretenen Alliierten mit enthalten seien. Alle diese Rebenkosten" würden, falls sie besonders berechnet würden, die künftigen Annuitäten noch höher stellen, als es jetzt die normalen Annuitäten des Dawes- Plans sind. Auf der Seite der Alliierten scheint man nach dem emmütigen Protest der deutschen Deffentlichkeit die Lage in ihrem vollen Ernste erfaßt zu haben. Die Konferenz hat ihnen am Montag eine goldene Brüde für den Rückzug gebaut durch die ausdrückliche Feststellung, daß das Memorandum lediglich als der unverbindliche Vorschlag einer Gruppe von Sachverstän digen anzusehen sei, der feineswegs den Charakter einer Minimalder Rölker wird es teine Abrüftung geben. Unser Petitionsfeldzug forderung trage. Gleichzeitig wurde betont, daß das Schrififtüd nur soll Ihnen aber gerade diesen Abrüftungswillen der Bölker zeigen. Eine internationale öffentliche Willensäußerung ist für die Genfer Institution so nötig, wie eine nationale Willensäußerung für die Regierungen moderner Staaten. Ohne sie tann nichts Großes, Dauerndes und Tiefes geschaffen werden. Durch fie, indem man auf sie hört, wird die Versammlung der Regierungen in Genf im realsten und besten Sinne des Wortes ein Bund der Bölter werden. Und wir sind davon überzeugt, die Völker in ihrer großen Mehrheit wollen, daß man fest entschlossen der Abrüstung entgegenschreitet. Der Frieden tann in einer Welt, die vom Lärm der Waffen tlirrt, niemals gesichert sein. Der Frieden aber muß fünftighin allen anderen Interessen vorangehen Die Maffe will den Frieden. Sie wird nicht aufhören, diefem ihren Willen Ausdruck zu verleihen, bis man ihn erfüllt hat." In seiner Antwort an Broudère betonte Loudon, daß er die Unterstügung der Arbeiterorganisationen der Welt hoch schäße und forderte die Abordnung auf, fortzufahren, die Regierungen anzuspornen. Der erste Tag der Konferenz stand vollständig im Zeichen dieser sozialistischen Abrüstungsaktion. Es war das erstemal, daß eine Völkerbundskommission die Petitionen privater Organisationen offiziell zur Kenntnis genommen und ihre Wichtigkeit und ihren Wert anerkannt hat. Das Sekretariat wurde ersucht, einen detaillierten Bericht über sämtliche Petitionen vor zulegen. Lord Cushendun- England hatte dahin ge wirkt, daß die Vertreter der Internationale nicht offiziell im Sekretariat empfangen wurden, sondern von Loudon in seinem Hotel. ( Weitere Meldungen auf der dritten Seite.) eine Fortsetzung jenes vor Ostern überreichten Memorandums darstelle, dessen Forderungen so übersteigert waren, daß die Alliierten selbst sich freiwillig eine Woche lang um ihre Herabfegung bemühten. was also der Montag an praktisch greifbaren Resultaten gebracht hat, ist die Kennzeichnung einer weitgehenden Distussionsbereitschaft bei allen Delegationen. Da mit ist die Konferenz um die Klippe eines sofortigen Abbruchs vor. läufig herumgekommen. Der Faden wird also einstweilen weiter gesponnen, obwohl vorBerständigung ersichtlich ist. Es egiftiert auch noch das Romläufig auch noch nicht einmal die Grundlage zu einer promißmemorandum des amerikanischen Vorsitzenden Owen Young, das die alliierten Gesamtforderungen weiter von 13 auf 8 Milliarden herabseßen will. Aber gerade die alliierten Gläubiger haben sich noch nicht entschließen fönnen, es zur Diskussion zu zulaffen. Die Ablehnung der Gläubigervorschläge durch die deutschen Sachverständigen schafft eine Lage, an der durch Gefühlsausbrüche und gereizte Polemiken der Gegenseite nichts geändert werden kann. Es steht jetzt fest, daß auf der Grundlage dieser Vorschläge eine Einigung der Wirtschaftssachverständigen nicht zu erzielen ist. Käme aber eine Einigung der Sachverständigen nicht zustande, so würde damit die Vorausseßung fallen für die geplanten Berhandlungen der Regierungen, aus denen dann erst der wirkliche neue Bertrag hervorgehen sollte. Daß die Pariser Verhandlungen nicht abgebrochen wurden, ist zu begrüßen, daß sie schließlich doch zu einem Ergebnis führen, muß man im Intereffe aller Beteiligten hoffen. Auch die Gläubiger müssen einen Zustand des Definitivums und der Sicherheit dem Provisorium und der fortdauernden Unsicherheit bei weitem vorziehen. Kommt die Regelung zustande, so ist davon eine Besserung des stab zu erwarten, im umgefehrten Fall bleibt der Horizont Wirtschaftslebens in europäischem und im Weltmaßder europäischen Wirtschaft und der europäischen Politik in Grau gehüllt. Französisches Vekenninis zur Semokraiie. Ein Vortrag des Deputierten proseffor Eesar Chabrun. Trotz der Lonturrenz des leider zur gleichen Stunde angesetzten Dortroges de» Engländers ch.(3 Wells im Reichstag hatten sich gestern abend mehrere hundert Zuhörer tn den Sälen von Flatoro und Priemer eingefunden, wo aus Einladung der deutsch-französtschen Gesellschaft der parlamentarisch« Führer der republikanisch-sozia- listischen Fraktion. Professor Eesar Chabrun, einen Dortrag über„Diefranzösische Republik und die politischen Parteien in Frankreichs hielt. Der Redner, der vom ge- schäftsführenden Borsitzenden der rührigen deutsch-französtschen Ge- sellschaft, lvr. Otto Grautoff, eingeführt wurde, legte zu De- ginn seines in französischer Sprache gehaltenen Vortrages ein beredtes Dekennlni» zur parlamentarischen Demokratie ab und führte dabei aus:.Leute ist in Frankreich ebenso wie in Deutschland das Parlament das Ziel heftigster Angriffe. Aber man täusche sich darüber nicht: Im gegenwärtigen Stadium unserer Zivil:- sation ist der Parlamentarismus d i e Staatsform. die am besten den Notwendigkeiten der Demokratie entspricht. Die parlamenta- rischen Einrichtungen bedeuten eine Garantie für die Freiheit, die die Grundlage der Demokratie darstellt, und die Demokratie ist die sicherste Grundlage des Friedens."(Lebhafter Beifall.) Sodann gab der Redner in kurzen Zügen einen geschicht- lichen Ueberbllck über die Entwicklung Frankreichs, das ur- sprünglich au, den verschiedenartigsten Stämmen de- stand und während mehr als zehn Jahrhunderte in zwei Gebiet« grundverschiedener Kultur, nördlich und südlich der Loire, geteilt war. Auf dem Wege über die j u r i st i s ch e Einheit, die namentlich im 13. Jahrhundert unter dem König Ludwig IX. große Fortschritte machte, wurde jene politische Einhest herbeigeführt, die durch die groß« französische Revolution zusammengekittet wurde. Die Formel der französischen Republik laut«„einig und unteilbar", und diese Formel verkörpere sich heute in dem Grundsatz der Laien- gesetzgebung. Laizität sei keineswegs gleichbedeutend mit Anti- religiosität. aber mit A n t i k l e r i k a l i s m u». In der, Jahr- Hunderten vor der französischen Revolution sei die Glaubens- einheit, nämlich die von den Königen angeordnete katholisch« Staatskirche, das Mittel gewesen, durch das die politische Einheit Frankreichs gesichert wurde. In der Republik, die seden Glauben schütze, aber keinen Glauben aufzwingen will, mußte an Stelle der Glaubenseinheit der Grundsatz der religiösen Reu- t r a k i t ä t des Staates, also der Trennung von Kirch« und Staat, treten: das ist die Laiengesetzgebung. Chabrun führte weiter aus, daß die Republik in Frankreich auf sehr festen Grundlagen beruhe. Er ermahnt« aber die Anhänger der jungen deutschen Republik, sich nicht über die Schwierig- keiten und Widerstände zu wundern, denen sie begegneten, denn auch die Verteidiger der alten französischen Republik hätten noch immer mit ähnli chen Schwierigkeiten und Widerständen zu kämpfen. Sodann gab der Bortragend« einen allgemeinen U e b e r b l i ck über die einzelnen Parteien innerhalb und außerhalb des Parlaments. Die Stärk« der Kommunisten sei sehr schwer zu beurteilen, well es sich bei ihnen nur um«in« oerschwindende Minderheit von überzeugten Polschewisten und zum größten Teil nur um unzufriedene Elemente handle, die an gewalt- tätigen Parslen Gefallen finden. Die sozialistisch« Partei habe einen mächtigen Anhang nicht nur in der Arbeiterschaft. sondern gewinne mehr und mehr an Boden auch unter der landwirtschaftlichen Bevölkerung. zumal wenn man die rein« Doktrin in den Hintergrund treten lasse und sich der praktischen Politik anpasse. Die palitilche Schulung des französischen Volkes sei zwar nicht immer sehr fortgeschritten, aber um so besser sei sein politischer Instinkt. Die eigene re p ubli ta nisch- so zi ali st i s che Partei bezeichnete Chabrun als den Sozialisten sehr nahestehend, aber nicht marxistisch. Diese große radi kalsozialtstische Partei ver- körpere das französisch« Kleinbürgertum mit freigeistigen Ideen, dos tiefinnerlich republikanisch denke und auch an die Lösung der so-. zialen Probleme herangehe, aber in diesem Punkte sehr uneinheitlich sei. Weiter rechts finde nian die Partei der„gemüßigten Republi- kaner", deren republikanische Gesinnung im Kontakt mit großtapi- talistischen Kräften immer mehr verblaßt sei.„Republikanisch" nennen sich übrigens sozusagen all« Parteien, so daß die rechtest« Fraktion im Senat sich„Republikanische Linke" nenne.(Heiterkeit.) Die sogenannte„Republikanische Fäderation", die die größte Fraktion auf der rechten Selle der Kammer bilde, nenne sich zwar auch re- publikanisch, aber man müsse zugeben, daß sie diese Bezeichnung nicht verdiene. Weiter ging der Redner aus die im Entstehen begriffene„De- mokratische Dolkspartci" ein, die in religiösen Frage» ganz recht» und in sozialen Fragen äußerst links stehe und mit diesem Progrmnm bereits erheblich« Erjolge erzielt hätte. End- lich schilderte er die Konflikt«, die jetzt zum Bruch zwischen der mon- archistischen Partei, der„Action Franqoise", und dem Vatikan ge- führt haben. Der Redner schloß mit einer Beteuerung der friedlichen Gefühle- der großen Masse des französischen Volke». unterstrich aber psfen die Tatsache, daß es stark« Kräfte gebe, die, vielleicht nicht bewußt, aber durch die Macht der Tatsachen eine Politik treiben, die dem Frieden entgegengesetzt sei. Er warnt« vor der übermächtigen Entwicklung der großen kapito- listischen Konzerne, die die Autorität de» Staates allmählich untergraben. Es fei die Pflicht der Völker, diese Gefahr zu erkennen und diese Mächt« zu überwachen. Rur eine starke demokratische Staalsoutoriläl in den großen tändern wie Deutschland und Frank- reich könne den Frieden sichern! Der Dortrag, dem unter anderem der französisch« Botschafter de Magerte, die Staatssekretäre Dr. Brecht und Dr. Weismann sowie zahlreich« Reichstagsabgeordnete aus ollen großen Parteien beiwohnten, erntete lcbhasten, anhaltenden Beifall. Wegweiser des Weltfriedens. S>.&. Wells im Reichstag. Im Rahmen der Internationalen Ausspracheabende hielt gestern abend im Reichstag der englisch« Schriftsteller H. G. Wells einen Vortrag über„Wegweiser des Weltfriedens". .Laben wir einen Fortschritt aus dem Wege zum Frieden zu verzeichnen." fragte Wells,„und ist er so schnÄ, wie es sein sollte? Die herrschende Ueberzeugung. daß einige freundliche Erklärungen, einige freundlich« Konferenzen,«in Pakt oder ein gemeinsames Essen genügen, um die Grundlage eines dauernden Weltfriedens zu schaffen, ist eine reine Illusion." Di« größte Schwierigkeit auf dem Weg zum wahren Frieden steht Well» in der souveränen Unabhängigkeit der Staaten.„Wir werden wellerhin die Explosivstofse sammeln unter der selbstverständlichen Doraussetzung. daß wir nie und nimmer die Absicht haben, sie zur Explosion zu bringen. B>s sie schließlich «ine» Tages explodieren und die Arbeit am Frieden unterbunden wecden muß. um wieder von Ansang an ausgenomm«» zu werden." Al» Beispiel für sein« skeptische Auffassung gegenüber den Friadensbestrebungen, die ossiziell unternommen werden, führte Wells den Äellog.Pakt an. Wells weist demgegenüber aus di« Der- einigten Staaten von Nordamerika hin. die di« Krieg« untereinander nur dadurch ausgeschaltet haben, daß sie sich zu einem Bundesstaat zusammenschlössen.„An jenem Tag«, an dem ein Mann mit einer Tonne von Waren von Cardisf nach Wladiwostok oder von Moskau nach San Franziska so reisen kann, wie jetzt von San Franziska nach New Pork, ohne Paß. ohne Zollrevision, ohne ein einziges Schlachtschiss, einen einzigen Soldaten oder«in einziges Kriegsflug-' zeug zu erblicken, wird das Hauptgerüst des Weltfriedens vor- Hunden sein." Wells unterscheidet bei den pazifistischen Strömungen zwischen der internationalen, an der er lein gutes Haar läßt, und der kosmopolitischen Schul«, als deren überzeugter Anhänger er sich bekennt. Diese etwas gekünstelte Unterscheidung niacht Wells, um sein Ideal schärfer herauszuarbeiten, das in der Beseitigung der Zollgrenzen seine Voraussetzung hat. Die Dereinigten Staaten von Europa wären«in„Meilenstein auf dem Wege zum Bundes- staat der Welt". Man müsse einen neuen Kulturkampf führen, das heißt einen Kampf für eine neue Kultur der Menschheit. Ueber die Mittel, seine Ideal« zu verwirkUchen, Ist Wells sehr pessimistisch. Er glaubt nicht, daß die Demokratie dazu imstande wäre, und so wenig er sich auch für den Fajchisinus oder den Bolschewismus begeistern kann, so bewundert er doch deren mili- täriiche Disziplin bei der Verfolgung ihrer Ziele. Eine andere Frage freilich ist die. wo der Kampf für die neu« Kultur bei einem solchen System bleiben würde. Wells steht auch sehr pessimistisch, was den Frieden anbelangt. Er sieht überall kommend« Kriege, und wenn man sich nicht»ach in letzter Minute ganz energisch oufrosfe, dann würde uns der Feld- webel wieder in den Kasernenhof zurücktreiben. Reichstagsprästdent Löb«. der in herzlichen Worten den Redner des Abends begrüßte, dankte ihm nach seinem Vortrage und meinte, daß die besondere Art des englischen Schriftstellers, die Dinge zu sehen, uns Gelegenheit geben könne, unsere eigenen Anschauungen nachzuprüfen. Da» war sehr HSjlich gesagt. Es ist eben nicht so, wie es die deukschnational« Presse aus durchsichtigen parteipolitischen Gründen darstellt, daß „ein festes Nein" für Deutschland so etwas wie eine„Be- freiung" bedeute. Verneinung der Revision bedeutet zunächst praktisch nichts anderes als— bis auf weiteres— Bejahung des Dawss-Planes. Die deutsche Dele- gation in Paris weiß das natürlich ganz genau, und darum varj man glauben, daß sie das Risiko eines Scheiterns der Konferenz nicht leichtfertig auf sich nehmen wird. Käme sie zu einem endgültigen Rein, so wäre damit gesagt, daß sie das vorläufige unveränderte Fortbestehen des Dawes-Planes immer noch für besser hält als die ihr vorgeschlagene End- regelung. Zu einem endgültigen Rein würde also für die Deutschen schon ein gewisser Mut der Verzweiflung gehören. Es liegt auch im Interesse der Gegenseite, sie nicht so weit zu treiben. Das Fortbestehen der Dawes-Regelung würde ja auch bedeuten, daß«in Plan weiter ausgeführt werden soll, dessen Revisionsbedürstigkeit von der Gegenseite prin» zipiell anerkannt worden ist. Käme es bei seiner Ausführung zu Störungen, so liehe sich gar nicht überjehen, welches Chaos wirtschaftlicher Konsequenzen und nationallstischer Verhetzung sich daraus ergeben würde. Wie die Dinge sich in Paris entwickelt haben, ist die Rettung der Konferenz vielleicht nur noch von einer Seit« zu erwarten, die an den Ziffern des neuen Zahlungsplans weniger unmittelbar interessiert ist als die Hauptgläubiger und der Schuldner. Kein Wunder also, daß sich von Berlin wie von Paris alle Blicke auf Amerika richten. In diesem Zusammenhang mißt man einer Besprechung, die der frühere Staatssekretär Kellogg mit dem amerikanischen Delegierten Owen Voung gehabt haben soll. Bedeutung bei. Nach dem„Intransigeant" soll sich Kellogg für eine Er- Mäßigung dar direkten amerikanischen Ansprüche an Deutsch- land einsetzen wollen. Nun stellen aber diese Ansprüche einen verhältnismäßig so geringen Teil des Planes dar, daß durch ihre Ermäßigung das Gesamtbild kaum wesentlich verschoben werden kann. Ein Erfolg kann nur erzielt tverden. wenn es der am«- rikanischen Delegation gelingt, die Konferenz zu ihrer eigent- lichen Aufgabe zurückzuführen. Diese Aufgabe besteht nicht darin, zwischen den Wünschen der Gläubiger, möglichst viel zu bekommen, und denen des Schuldners, möglichst wenig zu zahlen, einen Ausgleich zu schaffen, sondern sie besteht darin, die Leistungsfähigkeit des Schuldners unparteiisch festzustellen. Dies« Feststellung soll dann die Grundlage für die entscheidenden Verhandlungen bilden. An dieser unparteiischen Feststellung sind alle inter- essiert. Denn den Gläubigern ist nicht mit unerfüllbaren Hoffnungen, sondern nur mit sicheren Zahlungen gedient, in Deutschland aber darf sich niemand der Illusion hingeben, daß es irgendwelchen Berhandlungskünsten gelingen konnte, «ine Befreiung von Lasten herbeizuführen, die im Rahmen der deutschen Leistungsfähigkeit zur Not noch zu tragen sind. Die Berantwortung ist auf allen Seiten unendlich groß: gegen jede Lösung, die gefunden wird, werden sich in allen beteiligten Ländern Kritiker und fanatische Ankläger erheben. Die Sachverständigen werden sich aber auch darüber klar sein müssen, daß ihre Berantwortung nicht minder groß ist, wenn die Konferenz scheitert. Die französische Darstellung. Paris. IS. April. Havas berichtet. Dr. Schacht habe zum Inhalt de» am Sonn- abend überreichten Memorandums der Delegationen der vier repa- rationsberechtigten Länder eine Anzahl Fragen gestellt, namenllich ob in den darin ziffernmäßig ausgeführten Abschätzungen alle Lasten einbegriffen seien, die Deutschland zufallen würden(Zinsen- und Tilgungsdienst für di« Dawes-Anleihe, die mit Priorität ausgestalte- ten Beträge für die Ausgaben für die Besatzungstruppen usio.). Die Reparationskonferenz Hab« beschlossen, die von dem ersten deutschen Delegierten ausgesorderten zusätzlichen Angaben In Form von re- kapitulierenden Aufstellungen zu erteilen, die die Sekretariate der interessierten Delegationen heute nachmittag vorbereiten. Falls diese Arbeit heute abgeschlossen iverde, werde am Dienstag vormittag eine neue Bollsitzung staUfinden. Wenn man sich aus die Nachrichten bc- ziehe, die mon heute vormittag gesammelt habe, scheine es, daß d i e Besprechung in einer befriedigenden Atmosphäre und auf der Grundlage des vor den Osterferien angenommenen Verfahrens fortgesetzt worden sei. Amerika erklärt: Washington. IS. April. Im Staatsdepartement wurde heut« erklärt, eine Aendcrung der bekannten Politik der Vereinigten Staaten m der Reparations- frage sei nicht beabsichtigt. Insbesondere werde nach wie vor daran festgehalten, daß Reparationen und Kriegsschulden zwei getrennte Fragen seien. Wie weiter hierzu verlautet, wird«ine Herabsetzung der amerikanischen Besatzungskosten al» un- durchführbar bezeichnet. Grundlose Entrüstung über Gevering. WTB. teilt mit: .Ln der Wiedergabe einer Red«, die der Reichsminister Seoerlng am gestrigen Sonntag auf eiiKr sozialdemokratischen Bezirlsver- sammlung gehalten hat, findet sich ein Satz, der zu Mißverständnissen Anlaß gegeben hat. Der Reichsminister hat ausgesührt. daß bei Fortführung der inneren Ersparnisse in Höh« von 500 Millionen Mark eine Entlastung des Haushalts eintrete, welch« die Kauftrafi erhöhen und die Bolkswirtschojt stärken würde. Don den Repa- rationsleistungen hat er in diesem Zusammenhang überhaupt nicht gesprochen." Die deutschnationole Presse, di« schon«in furchtbares Cnt- rüstungsgejchrei erhoben halle, wird sich also wieder beruhigen müssen. Krise im Zwergland gelöst. Große Koalition in Reustrelitz. Amtlich wird mitgeteilt: Dl» Bemühungen de» nach Reusirelch entsandten Reichsbeaustraglen vr. haerßschel haben zu dem Er- gebai» geführt, daß sich die Sozialdemokratische Partei, di« Demo- kratische Partei, die Deutsche Volkspartei, der Deutsch« Vauernbuud. dle volksrechtsparlel und die Partei für Handwerk und Gewerb« 50 einer Koalition zusammengefunden haben, die mit Ausnahme der veulschnaliauolen. der Völkischen und der kam- mooistea sämtliche Parteien de» Landtag» umfaßt. Pie sozialdemokratische Fraktion wird den Stoolsminister steilen, die übrigen unter der Führung der volksportei und der Demokraten zusammengeschlossenen Parteien«erden dem Aliaistee zwei parlomeutarischc Ministerialdirektoren beiorduev. Die Angst vor der eigenen Courage. Die ganz geheime vegradierung von Pieck. Di«„Rote Fahne" hat die Mitteilung, daß der Reichstag», und Landtagsabgeordnete Wilhelm Pieck seines Postens als Be- zirksoorfitzender der KPD. in B«rlin-Brandenburg enthoben sei, wütend bestritten. Sie rodet von„Borwärts"-Schwinl«l und ver- sichert, daß es nicht die mindesten politischen Difse- renzen zwischen Pieck und der übrigen Führung der Partei gebe". Dazu schreibt der linkskommumstische„B o l t s w i l l e": „Nicht dl« mindesten politischen" Differenzen? Mit Derlaiid. ihr Herren von der.Fiat«, Fahne", da» ist ein gar zu grob aufgelegter Schwindel. Ihr scheint den Berliner Parteitag schon oergesien zu haben. Wenn ihrs dem„Vorwärts" und uns nicht sagen wolltet, dam, sagt es doch den Mit- gliedern der KPD.: Wegen welcher Kraukheit ist Wilhelm Pieck zurzeit beurlaubt? Irgendeiner im Karl-Liebinechl-Haus war so liebenswürdig, uns auf unser« telezchonisch« Anfrage zu verroten, daß Mlhel« Pieck krank und beurlaubt sei. Usber seine Vertratung ist man sich offenbar nicht einig. Wenn die SPD. sie bestimmt hat. sagt sie«» vielleicht �auch ihren Mitgliedern." Wilhelm Pieck ist so trank, daß er für die.Fiote Hilfe" umher. reist und al» Hausknecht kommunistische Oppositionelle aus der „überparteilichen" Organisation hinauswirst— während er trog dieser Hauzknechtstreuc in Verlin selber herausgeworfen wird. Im übrigen fein Nachfolger: es ist Thälmanns Freund P s e r f f e r. Warum ober so entrüstet? Bisher hat man doch alle Hinaus- würfe mit Triumphatormienc verkündet? (Strasantrage im Nauernprozeß. Sech« bis dreizehn Monate Gefängni«. Itzehoe. 15. April. Im Beidensielher Prozeß stellte der Kloalsanwalt folgend« Slrasanlräge: Gegen de» Angeklagten Kock wegen Rädel»- sührerschasl«in Jahr einen Atonal, gegen den Angeklagten Hansen zehn Alonol« Gcsängoi». weiter gegen den An- geklagten Kühl ebenfalls w«gen Rädelsführers chaft aeua Wo. nal«. gegen di« Angeklagten Holler. weschke und Schade acht Monat«, gegen den Angeklagten Kelting sechs Mona!« dr«i Wochen, gegen den Angeklagten. Frauen fech» Woche» G e s ä ll g v i s. gegen den Angeklagte» Hans Siewer sieben Monate Gesäogul». gegen den Angeklagte» Mehlert sechs Monat« zwei Woche», gegen sämtliche übrigen Angeklagte» je sechs Moaate Gefängni». Der Staatsanwalt fügte hinzu, daß eine Umwandlnngder Strafen in Geldstrafen nicht in Frage kommen würde. Der Zwischenfall oon Eisteben. Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt: In oinigen Zeitungen ist über«inen Zwischenfall in Eisleb sn berichtet worden, bei dem Oberbürgermeister Slauß in einem Streit mit Eislebener Bürgern sich angeblich aus besonder» gute Beziehungen zu Ministern und insbesondere zum Reichskanzler Müller berufen haben soll. Für den Fall, daß solche Aeußerungen wirklich gefallen sind, wird aus Anfrage von zustän- diger Selle hierzu mitgeteilt, daß Reichskanzler M ü l l e r sich n i ch t entsinnt. Oberbürgermeister Älauh j« gesehen oder auch nur von ihm gehört zu Hadem Bezishungen zwischen Reich». tanzler Müller und Oberbürgermeister Klauß. auf die sich der letztere etwa Hab« berufen können, seien überhaupt nicht vorhanden, Skandal am Vülowplatz %| HK ' M • h-:- �■ K;' Vie Autöse: �Protest! Protest! Statt Zatubowsti hat man mein Stück guillotiniert!� Das englische Wahlbudget. Von Churchill eingebracht. London. lS. April.(Eigenbericht.) Di« Vorlegung des fünften, wegen der Nähe der Wahlen mit besonderer Spannung erwarteten Budget» der konservativen Re- gierung vollzog sich unter der gewohnten Spannung und Erregung. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge bereitete dem Schatz- konzler auf dem Wege zum Parlament Ovationen. Da» Unterhaus selbst war so besetzt wie nur an ganz großen Togen. Ein Teil der Abgeordneten mutzte aus den Seitengalerien Platz nehmen, da die Abgeordnetenbänk» nur etwa zwei Dritteln der Volksvertreter Unterkunft gewähren. Schatzkanzler Winston Ehurchtll eröffnete seine groß« Budget rede optimistisch. Ein Gesamtüberblick über die Finanzen ergebe ein weitaus besseres Bild, als man erwarten konnte. Wäh- rend der Lebensdauer des gegenwärtigen Parlament» seien die Guthaben der kleinen Sparer bei der Postsparkasse u m 3400 Millionen gestiegen. Di« Löhn« befänden sich im allgemeinen auf gleicher Höh« wie 1924. Die Lebenskosten seien nach dem Index um 18 Punkte gegenüber 1924 gesunken. Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen in diesen fünf Jahren fei der Rückgang de» Alkoholtonsums. In innerem Zusammen- hang hiermit stehe die Steigerung de» Tee- und Zucker- konsums. Zur allgemeinen Wirtschaftslage sagte Churchill. bah die Handelsbilanz entschieden verbessert sei. Die ausländischen Kapitalanlagen Grotzbritanniens seien von 1720 Millionen Mark (1924) auf 2980 Millionen gestiegen. Auf dem heimischen Markt sei eine Steigerung der Kapitalanlagen um 2 Milliarden festzustellen. 1928 seien 500 Millionen mehr Briefe ausgegeben worden als 1924: die Anzahl der Motorfahrzeug« habe sich inn 700000 echöht. Bei den Staatsfinanzen seien die größten Ersparnisse im Vereich der bewaffneten Macht vorgenommen worden. Die Rüstungsausgaben seien feit 1924 um 380 MfRonen Mark vermindert worden. Die Ersparnisi« seien möglich ge- wesen nicht nur ohne die Schlagsertigkeit der Armee zu verringern. sondern trotz neuer Ausgaben für die Mechanisierung der Ann«. Für den v«mntent»rp«r fei eine Gefamterhöhnng der Aus- gaben auf 810 Millionen Mark festzustellen, im wesentlichen auf Ausdehnung des Staatsdienstes im Gefolge der Erweiterung und des Ausbaue« der Altersversicherung und andere sozialpolitisch« Matznahmen zurückzuführen. Der Schatzkanzler gab dann ein« Uebersicht über die Berminde- rung des inneren Budgets, die sich daran knüpfenden technischen Fragen und die Staatseinkünste im laufenden Jahr. Die Verwinde- rung der Einkünfte aus Zöllen und Umsatzsteuern sei hauptsächlich auf die Verminderung des Biergenusses zurückzuführen. die allein rund 145 Millionen Mark Steuerverlust bedeute. Die Erbschaftssteuer habe die Rekordziffer von 1600 Mll- lionen Mark erzielt. Gesamteinnahmen aus Steuern 874 Millionen Pfund. Churchill betonte, datz lediglich eine Steuer ein Fiasko gewesen sei, nämlich die Rennsteuer, die der Regierung mehr Unannehmlichkeiten bereitet als sie Nutzen gestiftet Hab«. Die wichtigsten Aenderungen im Budget sind: Dermind«- rung de« Teezoll» um zirka 32 Pf. pro Pfund: Ersetzung der Wettsteuern durch Lizenzen für Buchmacher und eine Abgabe von 40 Pfund(800 Mark) für sedes im Besitz eine» Buchmachers befindliche Telephon. Viprozentig« Abgabe auf sämtliche Einnahmen der Totalisatoren: ErhShung der Lizenzgebühren für Brauer. Destillateure und Tabak- jabritanten, Gesamteinahmc von rund 480 000 Pfund Sterling. Verminderung der Abgabe für Wirtshäuser um 2 5 P r o z.. Herabsetzung der Hasenzölle für die Herings fifcherei, Erhöhimg der staatlichen Subsidien für Wegebau um rund 10 Proz., Abschaffung der Fahrtartenabgabe: die hierdurch frei- werdenden Summen müsien für den Ausbau der Eisendahnen oerwendet werden. Die Im Oktober In Kraft tretende Abgaben- Verminderung der landwirtschaftlichen Besitzer soll mit sofortiger Wirkung In Kraft treten. Alles in allem kann schon jetzt gesagt werben, datz irgendwelche weitgehenden Wirkungen zugunsten der Konservativen Partei, wie sie von diesem Budget erhofft worden sind, nicht eintreten dürfte«. Die Etatsarbeit beginnt. Arbeitsreicher Tag im Haushaltsausschuß.— Oer Geichs- rat stimmt den Streichungen zu. Der Haushaltsausschutz des Reichstags, der am Montag mit der Beratung des Haushalts für 1929 begann, hat bereits am ersten Tage ein großes Stück Arbeit geleistet. In der allgemeinen Aussprache wurde das Kompromiß der Regierungs- Parteien nur �urch zwei matte Reden der Kommunisten und der Deutschnationalen angegriffen. Es war den Regierungsparteien in- folgedessen sehr leicht, gegenüber zum erheblichen Teil sehr über- triebener Kritik, die mit falschen Zahlen operierte, das Kompromih- werk zu verteidigen. Von politischer Bedeutung ist die Erklärung, die der Gcneralreserent zum Etat im Reichsrot. Ministerialdirektor Dr. Brecht, abgab. Brecht erklärte, daß der R e t ch s r a t zu dem Ersparmsprogromm zwar im einzelnen noch keine Stellung ge- nommen habe, den Ausgab« st reichungen aber sicher- lich grundsätzlich und vorbehaltlich der Einzel, Helten zustimme. Wenn dem Reichsrat so hohe Streichungen nicht gelungen seien, so liege das an der staatsrechtlichen Position des Reichsrats, dem die Reichsregierung nicht verantivortlich sei. Bon den 179 Millionen Abstrichen sei für 100 Millionen die Bedeutung einigermaßen zu übersehen: etwa 25 Millionen seien reale Erspar- nisse. 60 Millionen Verschiebung der Ausgabe. 10 Millionen Der- schiebung der Buchung 5 Millionen Abschiebung der Ausgabe auf ander«. Bei den übrigen 79 Millionen könne man noch nicht wissen, ob es sich um real« Ersparnisse oder um Verschiebung der Ausgaben handele. In der Einzelberatung werden die Etats des Reich». Präsidenten, des Reichstags, der Reichskanzlei, de» Rechnungshofes und de» Reichssparkommisiars erledigt. Angenommen«erden die von den Regierungsparteien beantragten Streichungen. Dasür stimmten zum großen Teil auch die Kommunisten. Am Etat des Reichspräsidenten werden dadurch ge- spart 8750 M.. beim Etat des Reichstags 596 000 M., beim Etat der Reichskanzlei 321 500 M., beim Etat des Rechmmgshofes 24 600 M. Die Kroni gegen Hugeuberg. Oer devtfchnationalc Relchstagsabgeordnete Noch gegen den Hugenbergwrs. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete und frühere Der- kehrsmlnister Koch hat auf einer Vertretertagung der christlichen Gewerkschaftea in Elberfeld sehr heftig gegen Hugenberg polemisiert. Er sprach:„Jetzt glaubten die Gegner jeder Sozial- Politik den Zeitpunkt für gekommen, um ihr den Garaus zu machen." Nach seiner Red« wurde«ine Entschließung angenommen, die den von Hugenberg vertretenen Vorschlag grundsätzlich ablehnt, als Ersatz für die bestehenden sozialen Einrichtungen Zwangssporkassen einzuführen. Koch verstärkt also hie- Front Lambach-Hülsen gegen Hugenberg._ Wahlsieg in Obewsterreich. I Linz, 19. April.(Eigenbericht.) Die Gemeindewahlen in Oberösterreich habe« der Sozialdemo. kralle eine» uoch grö'tzeren Erfolg gebracht, als man anfänglich erwartete. von etwa 329 008 abgegebene« Stimme« enffielen über 58 000 auf die Sozialdemokraten, das sind 16 000 Slimmeu und 192 Mandate mehr als bei der vorigen Wahl. Bisher stellte die Sozialdemokratie ia Oberösterreich. dem zum größten Teil a g r a r l. scheu Land«. 12 Bürgermeister, fortan 18. Auch in kleineren Bauerndörferu. wo die Sozialdemokratie 1924 kaum Kandidaten aufstellen konnte, wurden viele Stimme» für sie abgegeben. Heimwehrüberfall auf Arbeiierlolonie. Graz, 19. April.(Eigenbericht.) Zn Knitkeffeld(Steiermark) kam es durch die Provokation der heimwehr zu schweren Zusammenstößen, heim- wehrleute zogen durch eine Arbeltertoloaie und griffe« mehrere Arbeiter an. E» kam zu Tällichteitea. io deren verlaus süns Heimwehrleute und ein Arbeiter verletzt wurden. Ein heim- wehrmann wurde von der Gendarmerie o« r h a f l e l, weil er a n s dir Arbeiter geschossen hatte. Tlodf fein Geipel-Nachfolger gefunden! Di« Regierungskrise in Wien dauert an. da unter den christlich- sozialen selbst und den anderen Bürgerpartelen schwere Differenzen über die Persönlichkeit des Kanzler-Kanbidaten zu überwinden sind. Ein« Reichskonferenz der Sozialdemokratie und der Freien Gewerffchosten wird über die Krise und besonders die Mietenfrage beraten. Kremdenpogrom in China. Verlegenheiten der Naalingregierung. Schanghai. 15, April. Roch einem. Telegramm au» Tfchangtö im Nordwesten der Provinz Huna» wurde sechs Tage lang auf die Fremde n g e s ch o ss e n. Ein Inspektor der englischen..Asiat!« Petroleum Company" wurde von chinesischen Soldaten gesangen, erhielt«inen Lanzenstich in den Oberscheirkel und blieb 18 Stunden nackt. ahn« Nahrung und Getränte, an-inen Pfahl gebunden. Er konnte sich später befreien und die Misston erreichen. Das Geschäftshaus der Petroleumgesellschaft wurde geplündert und zer- stört, desgleichen die katholisch« Mission. Seither sind die Soldaten abgezogen und die Fremden außer Gefahr. Kinokrach in Paris. Vie Iateraatiooale als Weberlled. Pari». 15. April.(QRgenbericht.) In«mein Pariser Kino läuft zurzeit ein Film..vi« Weber' nach dem Drama von Gerhart Hauptmann. Al» beim Anblick der streikenden Weber plötzlich einige Zuschauer die„Jnternatio- nale' anstimmten, entstand«ine Schlägerei, so daß Palizel geholt wurde. Ein Rechtsanwal: und ein Ingenieur wurden lchweroerletzt weggetragen. Die SAZ.-Aktion in Genf. Pressekonferenz der Internationale. Genf, 15. April.(Eigenbericht.) Die von dem Vertreter der Internationale einberufene Presie- konserenz zeigte, daß auch die Presie mehr Drrständni» und mehr Interesse für die sozialistische Abrüstungsarbeit hat. als— die englifch« konservative Regierung. Es fehlt« kaum ein einziger der in Genf anwesenden Zeitungskorrespondenten und in lebhafter vi»- tussion wurde de Brouckere zu immer neum Erläuterungen de» sozialistischen Vorgehens genötigt. Er betont«, daß der Schritt der Internationale erst der Anfang ist: durch Veranstaltung inter- nationaler Sozialisten t r« s f« n. durch Anweisung der Parla- mente und auf jede ander« Weise werde die Ärbeiterinternotionake ihren Kamps fortsetzen. Es sei ein Kampf für den Völkerbund, der in ein« gefährliche Krise geroten würde, wenn er das Abrüstung»- Problem nicht bewältige. Der Toryverireter gegen Schlachiflngverbot. Seuf. 15. April. Nach der bereits mitgeteilten Eröffnungsrede unterbreitet« Präsi- dent Land on-Holland Vorschläge über die Gestallung der Tages- ordnung. Zur Ermöglichung von Vorbesprechungen über dies« Vor- schlag« wurde die nächst« Sitzung auf Dienstag vormittag on- gesetzt. London warnte vor einer wettere» Verzöge- rung der Aussprach« über die Tagesordnung. Am Schluß verlas Loudon einen Brief de» Amerikaner» Clifford h a r m o n. des Präsidenten de» Internationalen Fliegerver- b o n d« s, der in der alten und neuen Well über 32 Sektionen hat. Unter Hinweis auf die furchtbaren Schrecken eine» künftige» Luftkriege» wiederholt Harmon in dem Brief sein« betonnte Forderung, die An- Wendung derartiger barbarischer Kriegsmittel durch einen inter- nationalen Pakt zu»erbieten. Die große Mehrzahl der Flieger, die Vermittler zwischen den Völkern und nicht deren S ch l S ch e t« r sein wollen, unterstütz« diese Fovdemng. Gegen die Verlesung dieses Briefes erhob Lord Cufhendun- England Einspruch, in- dem er den Präsidenten fragte, auf Grund welcher Best im- mungen er diesen Brief verlesen habe. London rechtsertigt« sein Vorgehen mit dem Hinweis auf das ungemein große Inter- esse de» von ihm verlesenen Vorschlages. Der Präsident bezeichnet« es als zweckmäßig, den ch i n e s i s ch e n Abänderungsantrag und die deutsch« Denkschrift im Rahmen der vorgeschlagenen Tagesordnung und im Zusammenhang mit den ent- sprechenden einzelnen Punkten von Fall zu Fall zu behandeln. Neunte Preußische Postzeiwoche in Berlin. Die Berwaltungs akademie Berlin erössncte am 15. April d. I. in der Berliner Un>- versitöt die neunte Preußische Polizeiwoch«. die m Verbindung mit dem Ministerium des Innern und der Freien Pee« einigung für Polizei- und Kriminalwissenschaft veranstaltet wird. Nach der Eröffnung ergriff Minister Grzesinski das Wort zu dem ersten Dortrage der Polizeiwache über:„Die Richtung der neuen Aerwaltungsresorin'.__ ttngeklarier Tod zweier Frauen. In einem Abteil zwoiter Sloss» wurde gestern abend auf dem Wannseebahnhof ein junge« Mädchen leblos auf- gesurtden. Der hinzugerufene Bahnorzt konnte nur noch den Tod infolge Vergiftung feststellen. Die Tot« wurde als die 2Zjährig« Ella Hetnicke aus der Beerenstraße 51 in Zeblendors-Weft feftgestelll. Ob dos Mädchen Gift genommen hat oder einem Ver- brechen zum Opfer gefallen ist. konnte noch nicht festgestellt werden. Ein anderer mysteriöser Fall ereignete sich gestern abend aus der Rettungsstelle 14 in der S r o n e n st r a ß e. Dort wurde von einem unbekannt gebliebenen Zsutodroschkenchauffeur eine etwa lOfährig« Frau eingeliefert, die unter den Händen des Arztes starb. Di« Todesursache konnte noch nicht festgestellt werden: die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und zur Obduktion in« Schauhaus geschärft. Lei der Toten wurde ein größerer Schlüssel vorgestinden, an dem ein Holzschild befestigt war. Der Chauffeur konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Lobndruck der Reichsbahnverwaltung. Die Reichsregierung gibt ihm nach. Der Einfluß der Arbeitgeberverbände in der Hauptverwaltung| Ministerialrat& eube vom Reichsverfehrsminifterium, der Reichsbahn- Gesellschaft ist ziemlich start. Er macht sich in den als grundsäglicher Gegner jeder Lohnerhöhung. verschiedensten wirtschaftlichen Angelegenheiten geltend, lohnpolitisch in dem Sinne, die Löhne niedriger zu halten als in der Privatindustrie. Diese Unternehmerparole sucht die Leitung der Reichsbahn- Gesellschaft auch in den Reichsbetrieben zur Geltung zu bringen. Mit welchem Erfolg, zeigt folgende an uns aus den Kreisen der Reichsarbeiter zugehende Darstellung: Am Montag, dem 8. April, vormittags 11 Uhr, war im Reichsfinanzministerium eine Besprechung von Organi sationsvertretern mit dem Reichsfinanzminister und den Ministerialräten ever und Schilling. Der Minister sprach den Wunsch aus, die Organisationen möchten, wenn irgend möglich, die allgemeinen 2ohnverhandlungen bis zum Abschluß der Bariser Reparationsverhandlungen vertagen. Es wurde zwar feine bindende Zusage gemacht, ob nach diesen Verhandlungen eine allgemeine Lohnerhöhung eintreten würde, immerhin wurde sie mit 75 Proz. Wahrscheinlichkeit in Erwägung gezogen. Daneben aber war der Finanzminifter geneigt, um den Organisationen die Zurüd stellung der allgemeinen Lohnerhöhung zu erleichtern, menigstens Härteausgleiche zu beseitigen, evtl. auch sonst einige fleine Zugeständnisse zu machen, die im einzelnen nicht formuliert murden. Damit war die Besprechung beendet. Am gleichen Tage nachmittags 3 Uhr war eine Sigung im Refforttarifausschuß, an der auch der Reichsbahndirettor Angelfort teilnahm. Bei dieser Besprechung warf der Bertreter des Reichsfinanzministeriums, Dr. Schilling, die Frage auf, ob eine Verminderung des Lohnunterschiedes zwischen dem Cohngebiet I und II für tragbar gehalten werde und was diese Berringerung die Reichsbahndirettion etwa tosten würde. Minifterialrat Schilling gab dabei, der Meinung Ausdruck, daß es nicht wünschenswert sei, wenn durch die schlechten Löhne in Ostpreußen die weitere Abwanderung der leistungsfähigen Arbeiter in andere Gebiete Deutschlands auch fernerhin noch in so startem Maße erfolge. Auch der Vertreter des Reichspost ministeriums, Ministerialrat Knöner, sprach sich für eine Verminderung des Lohnunterschiedes zwischen dem Lohngebiet I und II aus. Ebenso Wir Kommunisten... guis Was, revolutionäre Kampfleitungen" bedeuten. Der Streit in Hennigsdorf ist beendet, bie Aussperrung ist aufgehoben. Der Abbau der Attordpreise ist abgewehrt. Das Ziel des hartnädigen Kampfes ist damit erreicht worden. Darüber ist man in der KPD. wütend. Man dente: ein Rampf, in den fich die KPD. mit einer revolutionären Rampfleitung" hineingeflemmt hat die Mehrheit der Arbeiter ist leider noch nicht organisiert, ist durch die Gewerkschaft beendet worden, ohne daß die Arbeiter eine Niederlage erlitten! Die Rote Fahne verkündet, daß der Kampf von der., revolutionären Gewertschaftsopposition" weitergeführt wird: Bir Rommunisten erflären wiederholt, daß die Arbeiterschaft ihre Rämpfe für ein größeres Stüd Brot jetzt nicht nur gegen die Kapitalisten, sondern auch gegen die Gemert. alisbureau tratie burchfechten muß. Wir kommu. n Tatsächlich ist die Arbeit wieder aufgenommen worden. Tatsächlich hat auch nicht ein Arbeiter die Wiederaufnahme der Arbeit abgelehnt. Bir Kommunisten" tönnen wohl, wenn es gegen die eigenen Klassengenossen geht, den Mund recht voll nehmen. Benn aber die Fabritsdirektion auftritt, dann sind wir Kommu nissen" darauf bedacht, bei der Wiederaufnahme der Arbeit nicht zu spät zu tommen. Siebzehnhundert Arbeiter sollen nach dem Bolschemiſtenblatt gegen sechs für die Wiederaufnahme der Arbeit sein. Wie tommt es aber, daß einige hundert Arbeiter bereits am Montag wieder bei der Instandsetzung des Wertes tätig waren? Rühmend hebt die ,, Rote Fahne" hervor, daß die zwei Bertreter des Metallarbeiterverbandes von einer aufgeftachelten Masse Unorganisierter tätlich bedroht wurden und schließlich von der Bolizei geschützt werden mußten. Sie weift dabei auf den Kampf der Textilarbeiter in Crimmitschau hin, vor 25 Jahren, wo wohl auch Polizei auftrat, aber nicht um die Gewerkschaftsvertreter zu schützen, sondern die Streitbrecher. Das Bolschewiftenblatt hat natürlich kein Empfinden dafür, mie beschämend es für die revolutionäre Rampfleitung ist, daß die Polizei die Gemertschaftsvertreter schützen muß gegen Gewalt tätigteiten Unorganisierter. Sie weiß nicht, daß der Crimmitschauer Streit erfolglos abgebrochen wurde, ohne daß die Streifen ben befragt wurden, einfach auf Beschluß der Lohnkommission. Wir Kommunisten" sind sehr wohl imstande, Unorganisierte gegen Gewerkschafter aufzuheben. Damit ist dem ,, revolutionären Elan" aber auch die Bufte ausgegangen. Kommunistische Maifeier Mache. Der 1. Mai die erste Kraftprobe." Die KPD. hat bereits nach Moskau gemeldet, daß sie am 1. Mai ihre erste Kraftprobe auf der neuen fommunistischen Gewerkschaftslinie ablegen werde. Die„ Jsweftija" vom 10. April verbreitet diese Meldung und das Berliner Mostau- Blatt gibt den Bericht der Berliner PD.- Zentrale auf dem Umwege über die„ Jsmestija" wieder, mit der Ueberschrift:„ Der 1. Mai die erste Kraftprobe". Die KPD. ließ vor turzem im„ Reichstafino" ihr zentrales Maifomitee wählen. Herr Kasper habe den ungeheuren Ernst der Stunde hervorgehoben und mit leidenschaftlichem Eifer aufgefordert, für eine in der deutschen Arbeiterschaft bisher nie erlebte Massenmobilisation zu werfen. Das aus 60 Kommunisten zusammengesetzte 5 Minuten Kochzeit MAGGI'SUPPEN Eier- Nudeln 2 Teller 15 Minuten Kochzeit Der Vertreter Preußens war ebenfalls der Meinung, daß eine Lohnaufbesserung zurzeit meder gewährt, noch in Aus ficht gestellt werden solle, wollte aber die Frage der Berringerung ber Spanne zwischen Lohngebiet I und II noch in seinem Hause zum Bortrag bringen. Nun meldete sich Reichsbahndirektor Angel. tort und teilte mit, daß diese Geschichte die Reichsbahn 10 Millionen Mart tosten würde, und wünscht dringend, von jeder Maßnahme in dieser Beziehung Abstand zu nehmen. Damit aber nicht genug! Am 9. April, einen Tag nach der Reffortbesprechung, richtete die Reichsbahndirettion ein Schreiben an den Reichsfinanzminister, in dem noch einmal mit allem Nachdrud betont wird, unter feinen Umständen an den gelten. den Lohnfähen im Lohngebiet I etwas zu ändern. Offpreußen habe eine Cohnerhöhung am wenigften notwendig. Am Schlusse dieses Schreibens wird wörtlich gesagt: „ Ich bitte daher dringend, auch den Gewerkschaffen der Reichs arbeitet während der Bertagung der Endlösung der Lohnfrage feinerlei Zusagen über deren Gestaltung zu machen." Schließlich ging dann im Anschluß an dieses Schreiben dem Finanzminister das Protokoll Finanzminister das Protokoll über die erwähnte Reffort. über die erwähnte Reffort Tarifausschußfizung mit folgender schriftlicher Bemerkung zu: Mit Rücksicht auf das Schreiben des stellvertretenden Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft vom 9. April 1929 wird in der Berhandlung mit den Organisationen am Freitag, dem 12. d. M., ohne besondere Ermächtigung die Frage des Lohngebiets I oder einiger Orte in demselben( Rönigsberg) vom Berhandlungsleiter nicht angeschnitten werden. Falls von gewerkschaft licher Seite die Sprache hierauf gelenkt werden sollte, was nicht anzunehmen ist, wird die Angelegenheit als zurzeit nicht erörte rungsfähig zurückgestellt werden." Nun braucht man sich nicht mehr zu wundern, warum die Lohnverhandlungen für die Reichsarbeiter am Freitag, dem 12. April, scheitern mußten. Dorpmüler und die Ministerialbureaukratie haben gestegt. Die Frage ist nur, wie lange die Reichsarbeiter und die Eisenbahner sich dieses Spiel gefallen laffen. Maikomitee ließ sich von der tommunistischen Bersammlung im Reichstafino Bollmacht erteilen, alle Borbereitungen zu dieser Mobilisierung zu treffen. In einer Betriebsarbeiterversammlung des Industriegebäudes Manbadhufer murde eine Entschließung vorgelegt, monadh fein Prolet zu den Saalversammlungen der SPD. geht". Hier wird versucht, die von den Berliner Gemertfchaften beschlossenen Maifeier Bersammlungen als Bersammlungen der SPD. umzu lügen. schreiben, in welcher Form fie die Maifeier begehen. Deshalb ist Die Gemert haften laffen sich von der RPD. nicht vor. es auch lächerlich, wenn das Mostau- Blatt an anderer Stelle von einer Fälschung des Maiaufrufs des JGB. durch den„ Borwärts" spricht. Die Berliner Gewerkschaften handeln durchaus im Sinne des JG B., wenn sie nach allen bisherigen Erfahrungen es ablehnen, mit den Radaufommunisten auf die Straße zu gehen, auch ohne das Berbot. Es ist die Schuld der RD, die in ihrer Heze gegen die Amsterdamer Gewertschaften auch am 1. Mai nicht einhielt, sondern die Maifeierumzüge erst recht dazu mißbrauchte, daß es soweit ge tommen ist. Es ist die Schuld der RBD., baß der Berliner Bolizei, präsident die Straßenumzüge verbieten mußte. Dieses Berbot richtet fich nicht gegen die Maifeier, nicht gegen die Gewerkschaften, es richtet sich gegen die Knüppeldemonstrationen der Faschisten und der Kommunisten. Die Gewertschaften wollen nicht, daß ihre Maitundgebungen mißbraucht werden, um die putschistischen Beltrepolutions" Attionen der KPD. zu erproben. Rein vernünftiger Gewerkschaftsgenosse wird sich durch die tommunistische mache davon abhalten laffen, der Barole einer Bewertschaft zu folgen. Mag die KPD. ihre Maifeier auf ihre Weise für sich machen. Die Gewerkschaften werden fie dabei nicht stören. Neuer Gehaltstarif in der Zigarettenindustrie. Der Gehaltsschiedsspruch verbindlich erklärt. Bemühungen des 302. gelungen, eine tarifliche Regelung der AnNach jahrelangem Zustande völliger Tariflosigkeit ist es ben gestelltengehälter in der Zigarettenindustrie Groß- Berlins herbeizuführen. Der Schiedsspruch vom 6. März 1929 ist vom Schlichter für den Bezirk Brandenburg für verbindlich ertlärt worden. Dadurch gelten die im Schiedsspruch vorgesehenen Gehaltssäge als Mindest gehälter ab 1. April 1929, so daß der bisherige Zustand einer willkürlichen Regelung der Bemessung der Gehälter als beseitigt angesehen werden fann. Der gewerkschaftliche Erfolg dieser mit 3ähigkeit und Ausdauer um ihr Recht tämpfenden Angestelltengruppe ist um so höher einzuschäzen, als die Unternehmer diesen Tarif aufs schärfste betämpften, immer wieder auf die Notlage der Industrie verwiesen und den Schiedsspruch ablehnten. Daß von einer Notlage feine Rede sein fann, daß es sich im Gegenteil um ein recht einträgliches und lutratives Geschäft handelt, bemeift der rapide vor sich gehende Verschmelzungsprozeß der Industrie. Erst in legter Beit wieder sind mehrere Großbetriebe, wie Batshary, Massary. Problem u. a. vom Reemtsma- Konzern übernommen worden. Bei Massary find jetzt schon entgegen allen Versprechungen einschneidende personelle Veränderungen und Umstellungen eingeleitet worden. Bei der langjährig bestehenden Firma Problem machte 25 Minuten Kochzeit MAGGIS SUPPEN Tomaten 2 Teffer MAGGI SUPPEN Erbs mit Speck 2 Teller man ble Sache einfacher. Hier t mar ber Betrieb( Häufer, Dow schinen und Fuhrpart) übernommen morben, während fämtliche Arbeiter und Angestellte entlassen wurden. Die angeblich noch freien Firmen Abdullah, Garbaty, Halpaus, Kyriazi Frères ufm. ftehen ebenfalls bereits unter dem Einfluß des Ronzerns, ſo daß in allernächster Zeit mit weiteren einschneidenden Umstellungen und Veränderungen zu rechnen ist. Die Hintergründe der Konzentration in der deutschen Zigarettenindustrie werden in einer allgemeinen Bersammlung der Angestellten der Berliner Zigarettenindustrie am 18. April, um 20 Uhr, im Balais des 3entrums, Rosenthaler Straße 36, beleuchtet werden. Lohnkonflikt in Sachsen. Die Staatsarbeiter rufen den Schlichtungsausschuß an. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hatte den Lohntarifvertrag für die sächsischen Staatsarbeiter( Berwaltungs. arbeiter) für den 31. März gefündigt. Die Forderungen bezmedien die Angleichung der Löhne der Staatsarbeiter an die Löhne der fächsischen Gemeindearbeiter Ein gang felbſt verständliches Berlangen, da bie fächfifchen Staatsarbeiter unter ben gleichen wirtschaftlichen Berhältniffen arbeiten. Bei den Berhandlungen am 11. April ließ die sächsische Staatsregierung erflären, daß sie zu ihrem Bedauern nicht in der Lage wäre, ein pofitives Angebot zu machen, und nur vorschlagen tönne, die bisherigen Löhne auf unbestimmte Beit bis zum Abschluß einer neuen Bereinbarung weiterlaufen zu lassen. Es müßte erst das Ergebnis der Lohnbewegung für die Reichsarbeiter, für die Reichsbahn und die Reichspoft abgewartet werden. Auch die Verhandlungen der Sachverständigen in Baris tämen mit in Frage. Mit Rüdsicht auf die durch den Finanzaus gleich bedingte Abhängigkeit Sachfens vom Reiche dürfe die Regierung neben Beachtung lohnpolitischer Momente den Borrang finanzpolitischer Gesichtspunkte nicht außer acht laffen. Das Reich neige oft zur finanziellen Benachteiligung solcher Länder, die die Ber befferung der wirtschaftlichen Lage der Arbeitnehmer durch Lohnerhöhungen usw. erstreben und dabei das Reich in die Zwangslage verfegen, mit Lohnerhöhungen für seine Arbeitnehmer nachzufolgen. Aber auch Gründe lohnpolitischer Art bestimmten die Regierung, von sich aus zurzeit ein positives Angebot nicht zu machen. Deshalb sei es nach ihrer Ansicht richtiger, die Lohnverhandlungen zu vertagen, bis die Situation geflärt sei. Die Lohntariffommission der sächsischen Staatsarbeiter fonnte sich diesen Argumenten nicht anschließen. Die sächsische Staatss regierung sei in der Lage, die Löhne der Staatsarbeiter zu regeln, ohne abzuwarten, was im Reiche geschähe. Für die sächsischen Staatsarbeiter fei es ein recht magerer Troft, wenn ihnen gefagt werde, die Löhne der Reichsarbeiter und der Reichspostarbeiter feien noch niedriger. Die Lohntariffommission sah deshalb die Berhandlungen als gefheitert an und befchloß die Bermittlung des Shlichtungsausfuffes angu rufen. Die fädischen Staatsarbeiter werben in den nächsten Tagen in einer allgemeinen Landesfonferenz weitere Maßnahmen beschließen. Die Organisation und die Staatsarbeiter sind nicht gemillt, sich noch auf längere Zeit vertrösten zu laffen. Angesichts ihrer recht tnappen Löhne müssen sie baldigen Abschluß der Bewegung verlangen. Manteltarif für den Saarbergbau. Zwischen den beiden Bergarbeiterverbänden sowie den beiden Metallarbeiterverbänden und der Bergwertsdirektion ist ein neuer Manteltarif für den Bergbau des Saargebiets abgeschloffen worden, der eine Reihe von Verbesserungen aufweist, die u. a. die Urlaubsvergütungen bei Entlassungen, den Rohlenbezug und die Bezahlung bei Berlegung von Facharbeiten an berufsfremde Arbeitsstätten be treffen. Der neue Zarif tritt am 1. Mai in Kraft. Ende des Transportarbeiterstreifs in Finnland. Helsingfors, 15, April Der zehn Monate anhaltende Transportarbeiterffreit ist been det, da die verschiedenen Organisationen des Finnischen Transport arbeiterverbandes den Bergleichsvorschlag des Sozial minifteriums angenommen haben. Danady werben im all gemeinen die Löhne der Arbeiter um 15 bis 25 Broz erhöht, nur für die Arbeiter in den drei häfen Biipuri, Qulu und Kemi ist der Aufschlag auf 12,5 Broz festgelegt worden. Ein Arbeitsvertrag wird nicht abgeschlossen, und die früheren Arbeiter werden ungeachtet der Teilnahme am Streit fo bald wie möglich und nach Bedarf wieder eingestellt. Die Lohnverhandlungen der Betriebsarbeiter in Heffen- Naffau und im rhein- mainischen Tarifgebiet Frankfurt sind ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber lehnen jede Lohnerhöhung ab. Nunmehr tritt das Schlichtungsverfahren in Kraft. Berbeausschuß bez GBD.- Schuhmacher. Beute, Dienstag, 17 Uhr, im Lotal Blamert, Beberftz. 24a, wichtige Sufammenfunft aller SPD.- Schuhmacher. Reiner darf fehlen. Freie Gewerkschafts- Jugend Groß- Berlin Seute, Dienstag, 19% Uhr, tagen die Gruppen: Gumboldt: Jugend heim Graun Ede Lorgingstraße. Lichtbilbervortrag:„ Der große Ein Blid in das Arbeitsgericht. Bauernkrieg". Franfurter Allee: Städt, Jugendheim Litauer Str. 18. Eine Berhandlung vor dem Arbeitsgericht. Landsberger Play: Jugendheim Diestelmenerstr. 5. Borfrag: ihrer ber deutschen Arbeiterbewegung" Lid tenberg: Jugendheim Toffeftr. 22. Bor trag: Wie lese ich die Tageszeitung?" Epanbau: Städt. Jugendheim Lindenufer 1. Lefeabend. Treptow: Gruppenheim, Echule Wildenbruch ftraße 53-54( Sortzimmer). Buntes Allerlei. Ren- Sichtenberg: Jugendheim Ounterstr. 43. Literarischer Abend. Wir lefen aus Sad London: Die eiserne Ferfe". Juaendaruppe des Zentralverbandes der Anaeftellten Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Rorbweft: alter des Jugendlichen". Referentin: Martha Gulserengel Jugendheim Lehrter Str, 1819. Portrag: Krisen im Entmidlungs Uebungs abend des Sprech und Bewegungschors um 20 Uhr in der Turnhalle ber Goule Ereptom: Besuch bes WerbeBaruther Str. 20. Sallenschuhe mitbringen. bezirks. Berantwortlich für Politik; Dr. Curt Genez: Birtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. S. Dilchez: Lotales and Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: th. Glede. fämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet Berlag: Borwärts- Berlag Gm b S., Berlin. und Berlagsanstalt Paul Singer v Co. Berlin SW 68 Lindenstraße& Hierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". So verschieden ist die Kochzeit bei MAGGIS Suppen- Würfeln Beachten Sie deshalb genau die Kochanweisung, die übrigens ganz einfach ist. 3lr. 176» 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag- 16. April 1929 Die Affäre des Staatsrats Orloff Anklage wegen Ltrkundenfälschung, versuchten und vollendeten Betruges. In der Dokumentenfälscheroffäre des russischen Siaaksrats Wladimir Orlofs hat die Staats- anmallschast II die Anklage am Montag fertiggestellt: sie wird nach Unterzeichnung durch den Ersten Staatsanwalt Köhler noch in dieser Woche den drei in dieser Sache Ange- schuldigten zugestellt werden. �laatsrat Wladimir Orloff. der als einer der hoch st en Richter des alten Rußland den Titel „Exzellenz" führt, und Peter Pawlonowfki werden angeklagt wegen versuchten Betruges gegenüber dem amerikanischen Journalisten Knickerbocker und des vollendete» Betruges in acht Fällen, die jedoch als einheitliche fortgesetzte Handlung betrachtet werden, in dem Falle der sogenannten Drilesser Dokumente. Als dritter wird angeklagt Alexander Roßmonn, der Sohn des früheren, von den Bolfchswisten erschossenen Polizeipräsidenten von Riga, wegen Diebstahls, verübt durch Entwendung von zwei Drilesser Dokumenten und wegen Beihilfe bei dem verkauf der uncchteu Drilesier Berichte. die als echte ausgegeben worden waren, an den Inhaber eines Nachrichtenbureaus, den früheren russischen, jetzt preußischen Staats- anpehörigen Siewert. Nachträglich hat sich die Staetsanwaltjchast entschlossen, auch gegen Orlofs und Pawlonowski Anklage wegen Ur- lundensälschung zu erheben. Staatsrat Orloff steht in dem Verdacht, Leiter einer Fälscher zentrale zu sein, aus deren Werk- stätte eine Reihe politischer Dokumente herausgebracht worden sind, die zu dchlomatischen Berwicklungen geführt haben. Aus diesem Grunde dürfte auch wegen der allgemeinen Beunruhigung das Ber- fahren beschleunigt worden sein, so daß ohne Eröffnung einer Ber- Untersuchung die Anklage erhoben worden ist. In die Anklage ist die Fälschung des Sinowjew-Briefes, der seinerzeit.zum Sturz des Kabinetts Macdonald in London geführt hatte, nicht hineinge.zogen worden. Orloff bestreitet, mit dieser Fälschung etwas zu tun zu haben. Die Tendenz oller gefälschten Dokumente geht dahin, zu beweisen, daß einflußreiche Politiker, namentlich in England, Frankreich und Amerika, in Verbindung und im Dienst« der Sowjetrepublik stehen und von dieser mit ungeheuren Geld- summen bezahlt worden sind. So tauchte vor längerer Zeit ein Dokument aus, durch das bewiesen werden sollte, daß der bekannte amerikanische Senator Borah von der Sowjetrupublik den Betrag von 100 000 Dollar erhalten habe. Orloff bot eines Tages dem amerikanischen Journalisten Knickerbocker Dokumente an, die die Echtheit des Borah-Dokuments beweisen sollten. Wie erinnerlich, ließ Knickerbocker die S ch r i f t st ü ck e heimlich in einem Nebenzimmer durch Kriminalbeamte photoraphieren, so daß die Fälschung festgestellt werden konnte. Es erfolzte darauf die Verhaftung Orloffs und der beiden anderen Angeklagten. Mit den acht Drilesser Berichten, die dem Schriftsteller Siewert verkauft wurden und die ebenfalls gefälscht sein sollen, hat es folgende Bewandnis: Drilesser ist der Chef der GPU.. der geheimen politischen Polizei in Moskau, die aus der Tscheka hervorgegangen ist und die ein Gegenstück zu der früheren zaristischen Ochrana bildet. Durch diese Fälschungen sollte die Tätigkeit der nissischen Geheimpolizei stark kompromittiert werden. Staatsrat Orloff bestreitet jede betrügerische Ab- ficht und behauptet, daß alles, was er getan habe, von seinem starken haß gegen den Bolschewismus getragen worden sei. Cr bezichtigt vor allen Dingen den Mitangeklagten Peter Pawlonowski, der in Wirklichkeit Suwarakoff heißen soll, ein „Agent provocateur* der Sowjetrepublik zu sein. Nach seiner Darstellung Hab« Pawlonowski sein« Geständnisse nur abgelegt, um die gegen ihn gerichteten Bezichtigungen glaubhaft erscheinen zu lassen. Rechtsanwalt Dr. Walter Joffe, der persönlich Nachforschungen in Paris angestellt hat, hat umfangreiche Beweisanträge gestellt, die sich auf Vorgänge stützen, die sich dort abgespielt haben. Es soll im vorigen Jahre in Paris in einem ähnlichen Dotumentenfälschungspro.zeß festgestellt worden sein, daß die Fälschungen von den Bolschewisten selb st verübt worden seien, um andere Leute dadurch in ein falsches Licht zu stellen und sie der Fälschungen zu bezichtigen. Es wird auch ein umfangreicher Beweis von der Verteidigung Orloffs beantragt, die sich auf den Leumund Orloffs bezieht. Der Ange- klagte Pawlonowski wird von Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs ver- teidigt und bestreitet die ihm von den beiden Mitangeklaaten zuge- schricbene Doppelrolle ganz entschieden. Das Bild der Bardame. „Falsche Titel sind nichts Ungewöhnliches.' Die Bardame Irma S. war einige Zeit stellungslos und verbrachte ihre Tage in den Cafe» in der Gegend der Kaiser-Wilhelm- Gedächlniskirche. Dort lernte sie Künstler kennen, denen sie sich als „Frau G r S f i n". als r a u D o k l o r* oder auch als Referentin im W o h l f a h r t s m i n i st e r i u m vorstellte. - Sie erzählte den jungen Leuten von einer augenblicklichen Not- läge und borgte sich Geld. Mit einem der Maler befreundete sie sich und zog in seine Wohnung: nach kurzer Zeit aber fuhr sie nach Hause in ein« Kleinstadt und nahm ein Bild mit, auf dem sie der Freund porträtiert hatte. Die Stammgäste der Cafes waren sehr böse, als Irma so plötzlich verschwand, da sie ihnen allen Geld schuldete. Einig« Wochen später wurde sie von einem der Gäste wieder in Berlin gesehen. Ihr früherer Freund ließ sie von der Polizei fe st nehmen, weil er behauptete, Irma hätte ihm ein Oelgemälde gestohlen. Gestern hatte sie sich wegen Betruges und D i e b st a h l s vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu ver- antworten. Das Oelgemälde stellte sich vor Gericht als eine kleine flüchtige Bleistiftskizze heraus. Weder der Freund, noch die beiden Maler, die sich geschädigt fühlten, erschienen als Zeugen. Das ver- anlaßt« die Angeklagt«, zu behaupten, daß die beiden Künstler wohl längst ihre Anzeige bereut hätten. Denn falsche Angaben von Titel und Beruf wären in deren Kreisen nichts Außergewöhnliches, und das Bild hätte ihr der Freund selbst geschenkt. Der Verteidiger beantragte, die Angeklagte, die seit sechs Wochen in Untersuchungshaft saß, zu entlassen, da sie wieder eine Stellung in einer Bar bekäme und für zwei Kinder zu sorgen hätte. Das Gericht folgte dem Antrag und vertagte die Sitzung, da' ohn die betrogenen Künstler nicht verhandelt werden konnte. LichienHerg will eine Aufbauschule. Für Karlshorst eine neue Volksschule. Der im Verwaltungsbezirk Lichtenberg schon seit längerer Zell gehegte Plan, auch hier den Kindern der zweiten Volksschul- klaffen durch Schaffung einer A u f b a u s ch u l e die Möglichkeit des Ueberganges in eine vollwertige höhere Lehr- anstatt zu bieten, soll jetzt verwirklicht werden. Eine Umfrage hat ergeben, daß in Lichtenberg von den zweiten Volksschulklasscn des Schuljahres 1929 etwa 32 Knaben und 27 Mädchen für eine im April 1930 zu eröffnende Aufbauschule in Betracht kämen so daß die Schule zu diesem Zeitpunkt ihre Arbeit mit je einer untersten Klasse(Untertertia) für Knaben und für Mädchen beginnen könnte. Die geplante Aufbauschule mit dem Ziel einer Oberrealschule wird die Klassen von Untertertia bis Oberprima haben, also sechs Jahrgänge umfassen. Einstweilen sollen die zunächst zu eröffnenden Klassen anderen höheren Lehranstalten angegliedert werden und dort verfüg- bare Räume benutzen. Bis zur Vollendung des Ausbaues der neuen Schule wird auch ein neues Schulhaus fertig werden. Der Beschluß des Bezirksamtes wird jetzt den Bezirksocrordneten zur Zustimmung vorgelegt. Die Schulen in Karlshorst sind so überfüllt, daß schleunigst eine neue Volksschule errichtet werden soll. Der Magistrat hat deshalb beschlossen, zwei Grundstücke in der Größe von 81362 Quadratmeter zu erwerben, die zwischen der Hönower Straße und dem Römerring westlich der Wohnungsneubauten an der Cäsarstrahe liegen. Sie wenden der Stadt mit insgesamt 519 193,50 Mark angeboten. Das Ltrteil im Lübars-prozeß. Zwölf Jahre Zuchthaus für den Melker Becker. Das Schwurgericht III verurteilte den 25zöhrigen Kuhmelker Aloysius Becker, der aus der Landstraße bei Lübars seinen Wandergenossen, den Maler Paul Michalzik, getötet hatte, um sich in den Besitz von dessen Ausweispapieren zu bringen, wegen schweren Raubes mit Todesausgang in Tateinheit mit Tot- schlag zu IZJahrenZuchlhaus und 10 Jahren Ehrverlust unter Anreckjnung von 5 Monaten Untersuchungshaft. Grzesinskis Verwaltungsreform. Die Eröffnung der Neunten preußischen Polizeiwache. Im Auditorium Maximum der Universität wurde heute vormittag die von der Verwaltungsakademie Berlin veranstaltete Neunte Preußische Polizeiwache vom Präsidenten des Oberverwal- tungsgerichts, Staatsminister Dr. D r e w s eröffnet, der vor allem den preußischen Minister G r z e s i n s k, begrüßte. Dann nahm der Minister das Wort. Er sprach über die Richtung der V e r w a l- tungsresorm, wobei er seine Pläne, die auf Herstellung einer einheitlichen Kreisordnung, einheitlichen Städteordnung und einheit- lichen Landgemeindeordnung im Staate Preußen entwickelte. Cr gab der Hoffnung Ausdruck, daß ein entsprechender Gesetzentwurf noch in diesem Jahre dem Landtag zugehen könne. Die Selbst- Verwaltung soll unter allen Umständen beibehalten werden. Das Recht des Staates auf Staatsaufsicht dürfe dabei allerdings nicht bestritten werden. Es werde sich aber auf Beobachtung der Gesetzmäßigkeit in der Selbstverwaltung beschränken. Besonders hob der Minister den Wert der zwischengemeindlichcn Arbeitsgemeinschaft hervor, die unbedingt gefördert werden müsse. Worauf es ankomme. sei, eine reibungslose Verwaltungsarbeit in Preußen zu gewähr- leisten. Den nächsten Vortrag hielt Ministerialdirektor Dr. K la u s e n e r über den„Geist in der modernen Polizei*. Er führte etwa aus: Die Leute, die die zusammengetrommelten Machtmittel der ersten Revolutionszeit in das Gefüge des Staates und in die Gesetzmäßigkeil übergeführt haben, haben eine bedeutende Tat getan. Die Polizei ist geboren worden, als der Schutz, als das Fundament des Staates. Darum muß die Treue zum Staat auch heute das wichtigste im Geiste der Polizei sein und bleiben. Es muß sozialer Geist in der gesamten Polizei herrschen. Daraus erklärt sich auch in letzter Zeit die Aufhebung der zahlreichen Polizeivorschriften und Verbote der Vergangenheit. Ver- trauen zwischen Bevölkerung und Polizei ist das erstrebenswerte Ziel! Martha Demmning zum Gedächtnis! Gerade heute, am Frauen- tag der Berliner Sozialdemokratie, jährt sich der Tod einer der Besten unter den Genossinnen zum fünften Male: Am 16. April 1924 starb Martha Demmning. Als Stadtverordnete und Stadt- rätin im Bezirk Friedrichshain, als Obmännin der Kinderschutzkom- Mission war sie tätig, eine immer schafsende, immer gütige Frau, die ihre ganze Kraft den Kindern der Armen gab. Allzufrüh, noch nicht fünfzigjährig, ging sie von uns. vom Deutschen Republikanischen Psadfinderbund. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst auf Grund eines Runderlasses des Ministers für Volkswohlfahrt mitteilt, ist laut Schreiben des Reichsminifters des Innern der Deutsche Republikanische Pfadfinderbund in den R« i ch s a u s s ch u ß der Deut- scheu Iugendverbände in Berlin ausgenommen worden. Sack Xondon: (Bereditigie Uebersetzung oon Errvin Magnus). „Hm," sagte Kama und zählte seine Aufträge an den F'ngern her.„Briefe bei Ramlins abholen. Schlitten aufladen. Proviant bis Selkirk— du meinst viel Hundefutter, halten in Selkirk?" „Biel Hundefutter. Kama." „Hm. Schlitten um neun Uhr herbringen. Schneeschuhe bringen Kein Zelt bringen. Vielleicht das kleine Zelt bringen?" „Nein, kein Zelt," antwortete Daylight entschieden. „Hm, sehr kalt." „Wir reisen mit leichtem Gepäck— savvy? Wir bringen viele' Briefe hin, viele zurück. Du bist ein starker Mann. Sehr kalt, lange Reise— schön!" „Ja, schön." beschied Kama sich.„Sehr kalt, schert sich den Teufel drum. Fertig um neun Uhr." Er wandte sich auf den Hacken der Mokassins um und schritt hinaus, unerschütterlich, gleich einer Sphinx, ohne zu grüßen, ohne nach rechts oder links zu schauen. Die Jung- srau zog Daylight m eine Ecke. „Hör'. Daylight," sagte sie leise,„du bist fertig. „Bis auf den letzten Cent. „Ich Hab' achttausend in Macs Geldschrank— be- gann sie..„....... Aber Daylight unterbrach sie. Die Schurzenbander waren drohend nahe, und er schlug aus wie ein Füllen, das den Sattel spürt.,.,. „Macht nichts,' sagte er,„so wie ich jetzt bln. bln ich auf die Welt gekommen, und so bm ich seither die meiste Zeit gewesen. Komm, laß uns tanzen.". � �,... „Aber hör' doch," fuhr sie fort,„mein Geld arbeitet nicht. Ich möchte es dir leihen— um Proviant zu kaufen, fugte sie schnell hinzu, als sie die Alarmzeichen auf seinem Gesicht bemerkte. „Mich braucht niemand zu verproviantieren, war die Antwort.„Ich sorge selbst für mich, und mache ich dann mal einen Treffer, dann bin ich sicher, daß mir auch alles gehört. Nein, ich danke dir Mädel. Es ist sehr nett von dir. Ich ver- schaffe mir meinen Proviant, indem ich die Post hin und zurück fahre." „Daylight," murmelte sie vorwurfsvoll. Aber in einer plötzlichen Aufwallung zog er sie in den Tanzsaal, und während er sie im Walzer herumschwang, grübelt« sie über die Hartnäckigkeit des Mannes, der sie in seinen Armen hielt und all ihrer List widerstand. Um sechs Uhr stand er, von Whisky brennend, aber immer noch seiner mächtig, am Schanktisch und drückte jedem die Hand herunter. Das ging so vor sich, daß zwei Männer sich einander gegenüberstellten, während ihr rechter Ellbogen auf dem Schanktisch. ruhte. Dann griffen sie sich bei der rech- ten Hand, und jeder versuchte, die des anderen hsrunterzu- pressen. Einer nach dem anderen kam an die Reihe, aber keiner konnte ihn bezwingen, und'elbst Olaf Henderson und der Franzosen-Louis konnten nicht gegen ihn aufkommen. Da sie behaupteten, daß es ein Trick, ein eingeübter Griff war, forderte er sie zu einer anderen Probe heraus. „Seht her. Leute!" rief er.„Ich will zweierlei tun: erstens meinen Beutel wiegen, und Zweitens lim alles wetten, daß ich zwei Mehlsäcke mehr heben werde als der Stärkste oon euch." „Bei Gott— angenommen!" übertönte die Stimme des Franzosen-Louis das Getöse. „Halt!" rief Olaf Henderson.„Ich bin wohl ebensogut wie du. Louis. Ich übernehme die Hälfte der Wette." Als Elam Harnish' Beutel auf die Wagschale gelegt wurde, zeigte es sich, daß sein Gewicht vierhundert Dollar entsprach, und Louis und Olaf hielten jeder die Hälfte gegen ihn. Fünfzig-Pfund-Säcke wurden aus MacDonalds Bor- ratsraum geholt. Zuerst erprobten ein paar andere Männer ihre Kräfte daran. Sie stellten sich auf zwei Stühle, und die Mehlsäcke wurden unter sie auf den Fußboden gelegt und zusammengebunden. Viele von ihnen konnten auf diese Weise vier- oder fünfhundert Pfund heben, und mancher brachte es sogar auf sechshundert. Dann machten sich die beiden Hünen dazu, indem sie mit siebenhundert begannen. Der Franzosen- Louis legte nun noch einen Sack dazu und hob siebenhundert- undfünfzig Pfund vom Boden. Olaf wiederholte die Leistung, aber bei achthundert versagten beide. Immer wieder ver- suchten sie es, der Schweiß stand ihnen aus der Stirn, ihre Glieder knackten. Beide konnten das Gewicht lüften, aber heben konnten sie es nicht. „Bei Gott, Daylight, diesmal hast du dich verrechnet! sagte der Franzosen-Louis, indem er sich aufrichtete und von den Stühlen sprang„Das kann-nur ein Mann aus Eisen. Hundert Pfund mehr— Freundchen, keine zehn Pfund mehr." Die Säcke wurden auseinandergebunden und noch zwei dazugcstellt, aber da erhob Kearns Einwand. „Nur einen Sack mehr." „Zwei!" schrie einer.„Zwei gilt die Wette." „Sie haben die letzten nicht gehoben." protestierte Kearns. „Sie haben nur siebenhundertundfünfzig gehoben." Aber Daylight machte der Verwirrung ein großartiges Ende. „Wozu das Gerede? Was ist ein Sack mehr? Kann ich nicht drei Säcke mehr heben, dann sicher auch keine zwei. Nehmt beide." Er stellte sich auf die Stühle, hockte nieder und beugte sich vor. bis feine Hände den Strick gefaßt hatten. Dann änderte er seine Fußstellunq ein wenig, spannte prüfend d'e Muskeln und versuchte, die Stellung zu finden, die seinem Körper die beste Hebekraft verlieh. Der Franzosen-Louis betrachtete ihn zweifelnd.„, „Los, Daylight, los! Den Deubel noch mal! schrie er. Daylights Muskeln strafften sich zum zweitenmal, und dies- mal im Ernst, mit aller Energie, über die sein prachtvoller Körper verfügte, und ganz unmerklich, ohne Ruck, ohne An» strengung, hob er die umfangreiche Last von neunhundert Pfund vom Boden und schwang sie wie ein Pendel zwischen seinen Schenkeln hin und her.. Olaf Henderson schöpfte tief und hörbar Atem Die Jung- srau, die sich undewußt mit gestrafft hatte, bis ihr die Mus- kein schmerzten, erschlaffte, während der Franzosen-Louis ehr- erbietig murmelte: „M'sieur Daylight. Salut! Ich bin ein großer Säug- ling. Du bist ein großer Mann!" Daylight ließ die Last fallen, sprang vom Stuhl und stürzte an den Schanktisch. „Abwiegen!" schrie er und warf seinen Beutel dem Wäger zu, der vierhundert Dollar aus den Deuteln Hender- fons und Louis' in den seinen tat. „Alle Mann her!" rief Daylight.„Sagt, was ihr haben wollt! Der Gewinner bezahlt." (Fortsetzung folgt.) Heute Internationaler Frauentag! Unsere Kulturarbeit. Jugendfelerstunde im Osten. Unsere rübrige sozialistische Jugend erfaßt den Sinn der Werbearbeit für die Partei stärker als oft die Erwachsenen. Ihre Veranstaltungen wollen nicht als fünftlerische Darbietungen gelobt sein, fie wollen im Parteikampf an Herz und Gemüt der Abseitsstehenden appellieren, mit großer Bucht, mit viel Ueberzeugung, wie es der Jugend gebührt. In diesem Sinne war die Jugendfeierstunde des Werbebegirts Often im Germania Balast in der Frankfurter Allee aufgezogen: ein Programm, das mit Begeisterung und Schwung auf die starkbesuchte Versammlung wirkte. Die vor züglichen Rezitationen der Jugendgenossen waren durch gute Mufit des Orchesters der Freien Schwimmer" umrahmt, das Sprechchorwert Großstadt" von Bruno Schönlant, ausführt von den Gruppen der SAJ. des Ostens, verfehlte seine oft rprobte Wirkung auch diesmal nicht. Ebenso war der Film Helden" in seiner erschütternden Wahrheitstreue eine erneute Mahnung an die Solidarität aller ehrlichen Friedensfreunde. Wie der Jugendgenoffe Dieterich in seiner Ansprache ausführte, rufe die SAI. auf, gemeinsam zu kämpfen für die großen und schönen Ziele des Sozialismus. Die Jugend möchte zeigen, wie ihr schöpfe rischer Wille sich entzünde; im zähen langwierigen Kampf Schulter an Schulter mit Partei und Gewerkschaften muß die Jugend als 3utunftsträger herangebildet werden. Berlins rührige Arbeiterfänger. Der Berliner Bolts Chor( Dirigent Dr. E. Zander), Berlins größter gemischter Arbeiterchor, hat mit dem Volksbühnenfonzert am Karfreitag und der Aufführung von Fausts Verdammung von Berlioz, die in der ,, Neuen Welt" für mehrere Bezirksbildungsämter stattfand, die reiche Winterarbeit seines 25. Jubiläumsjahres abgeschlossen. Er nimmt jetzt wieder neue singende und zuhörende Mitglieder auf. Frauen und Männer der organisierten Arbeiterschaft Groß- Berlins, die dem Chor beitreten wollen, mögen sich in den Chorproben, die jeden Freitag von 8 bis 10 Uhr in der Aula, Koppen ftraße 76, beim Schlesischen Bahnhof, stattfinden, zum Eintritt melden. Notenfenntnisse sind dazu nicht erforderlich, da der Chor gene unentgeltliche Elementar- und Fortbildungskurse veranstaltet. Neu eintretende Mitglieder( Monatsbeitrag 1,10 m. einschließlich Sängerzeitungen) fönnen fogleich an den Üebungen teilnehmen, in denen für die Berliner Festspiele deutsche und ausländische Volks lieder zur Einstudierung gelangen. Nur für den Eintritt in die A cappella- Bereinigung des Chores, die in der Regel Montags übt, find Borkenntnisse erforderlich. Auch an der Sänger reise nach Paris, die für den Frühherbst 1930 in Aussicht genommen ist und eine Woche dauert, tönnen alle neuen Mitglieder, attive wie paffive( diese zahlen nur den halben Beitrag) teilnehmen. Auch der Kinderchor des Bolts- Chors, der jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr in der Aula Andreasstr. 16 unter Leitung Don Walter Hänel übt, nimmt jederzeit Knaben und Mädchen von 6 bis 14 Jahren auf. Obwohl der Kinderchor erst wenige Jahre besteht, hat er doch schon in mehreren Konzerten mie auf einigen Ronzertreifen vollgültige Proben seines Könnens gegeben. Der 19% Uhr: 4 öffentliche Frauenkundgebungen Pharus- Säle, Müllerstraße 142, Prachtsäle am Märchenbrunnen( Friedrichshain), Kliems Festsäle, Hasenheide 13-14, Spichernsäle, W. 50, Spichernstraße 3.- Film: Der Weg einer Proletai ferin". Ansprachen in- und ausländischer Genossinnen. Chorgesänge.- Eintritt frei! erst in diesem Jahre gegründete Jugendchor des Bolts- Chors umfaßt Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter von 14 bis 18 Jahren; er steht unter Leitung von Karl Weißenberger und übt in der Andreasstr. 16 jeden Donnerstag von 8 bis 10 Uhr; wegen feines erst mehrmonatigen Bestehens ist er noch klein und fann fräftigen Zuwachs aus der Berliner Arbeiterjugend besonders gut gebrauchen. Die Beiträge in diesen beiden Chören betragen nur menige Pfennige. Jugendherbergen.- Jugendausstellung! Die gestrige Werbeveranstaltung der Neuköllner Orts gruppe des Reichsverbandes für deutsche Jugendherbergen im Mercedes- Palast zum weiteren Ausbau vom Fontane haus in Klein- töris war ein voller Erfolg! Das Schülerorchester der 6. Oberrealschule Wedding( Dirigent Lehrer Pa a s) und der Nendzasche Chor( Dirigent Lyzeallehrer Nendza) boten Brächtiges. Gruppe Neufölin, glänzte durch besonders gut gelungene VorDie Freie Turnerschaft Groß Berlin, führungen. Drollig waren die Bewegungsspiele der Kleinsten. Aber auch in der Zweckoymnastik( Jugendliche), Tanzgymnaftit( Jung mädchen) und den Bewegungsübungen der Frauen war Schwung. Ein Bravo der Gruppe( Männer und Junomädchen) im Barrenturnen! Boll Charm waren auch die Tanzporführungen der Gymnaftifgruppe der Handelslehranstalt in der Ravenéstraße ( Leiterin Fräulein Wendt). Nachdem der Borsitzende der Ortsgruppe Neukölln, Stadtrat Genosse Schneider, in einer furzen Begrüßungsansprache auf Wesen und Ziel der Herbergsbewegung hingewiesen hatte, wurde fölln" und„ O du mein Heimatland" geschlossen. Viele Freunde die Feier mit zwei gut gelungenen Filmen Wintersport in Neuwaren neu gewonnen. Arbeit. Die Bereine des Ortsausschusses für Jugendpflege in NeuEine Stunde später, um 15 Uhr, sah man die Jugend an der fölln haben in den Gesamträumen des Jugendheims, Bergstraße 29, eine Ausstellung arrangiert. Stadtrat Genoffe Schneider gab dann einen lleberblick über die Ausstellung, die zeigen soll, was unsere Jugend leistet. Im Raum 2 haben die freien Gewerkschaften, der Zentralverband der Angestellten, Freie Schwimmer, Soziq listische Arbeiterjugend, Kinderfreunde, Freidenferjugend und Freie Turnerschaft ausgestellt. Alle werben sie um die Seelen der Arbeiterfinder. Die Kinderfreunde haben im Hof ein Belt aufgefchlagen. Der Republikanische Pfadfinderbund unterhält ein Riesenzelt. Unent wegte" benußen es schon seit zwei Tagen als Nachtlager. Beim Berufsamt Süd fällt die Zeichnung eines 14jährigen Schülers auf. Dargestellt ist ein Junge, der feinen Beruf findet, und dem beim Grübeln, welchen Beruf er wohl erlernen soll, aus jedem Härchen ein anderer Beruf herausspringt. Auch die Arbeiten aus den Tages heimen der erwerbslosen Jugendlichen zeigen Geschick und Geschmad. Der Reichsverband der Kleingärtner ist mit einem hübschen Modell eines Schreber- Spielplatzes vertreten. Froh und zukunftsfreudig verlassen die Aelteren die Ausstellung mit dem Gefühl: diese Jugend ist trotz der Not der heutigen Zeit tüchtig. Wer sehen will, was sie fann, der muß selbst hingehen! Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, den 21. April, täglich geöffnet von 17 bis 21 Uhr, am 21. April von 10 bis 17 Uhr. hochzuhalten. Zwei lintstommunistische Distussionsredner be richteten interessante Einzelheiten Einzelheiten über den sowjetrussischen Gesinnungsterror gegenüber eigenen Genossen und griffen die stalintreue KPD. heftig an. Die Bombe des Obergespans. Ein interessantes Auslieferungsbegehren. Das Wiener Landesgericht hat durch die österreichische Bundesregierung bei dem fidhechoslowakischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten die Auslieferung des früheren ungarischen Obergespans Julius von Szemfö wegen Verbrechen gegen das Sprengstoffgefeh beantragt. Szemfö befindet sich seit etwa einem Monat in preßburg( Bratislava) in Hast. Im Februar 1922 wurde im Hause des Großindustriellen August Lederer in Wien eine Bombe zur Explosion gebracht, wobei ein sehr großer Sachschaden angerichtet wurde. Fünf Tage später wurde in der Toreinfahrt des Hauses Czerningasse 11, das dein Wiener Pferdegroßhändler Leopold Glaser gehört, eine Bombe, die nicht explodierte, die in ihrer Ronftruttion aber mit der im Hause zwischen den Familien Szemfö, Lederer und Glaser erbitterte Lederer übereinstimmte, gefunden. Die Untersuchung ergab, daß Feindschaft bestand. Der Sohn des Großindustriellen Ledererhatte 1921 Anzeige gegen Szemsö megen Falschspiels erstattet. Szemfö wurde deshalb gerichtlich bestraft und aus Desterreich ausgewiesen. Szemfö war schon seit längerer Zeit als verdächtiger Spieler verrufen. Szemfö attackierte in seiner But in einer Nachttneipe in Budapest einen anderen Sohn Lederers, es tam zum Duell. Aehnliche Zusammenstöße wiederholten sich. Nun wurde festgestellt, daß der Sekretär Szemfös, ein Graf Victor Ba vaur, von einer Bediensteten des Hauses Glaser als derjenige Mann erfannt wurde, der die Bombe im Hausflur niedergelegt und mit einer brennenden Zigarette in Brand gestedt hat. Daraus schließt die Wiener Behörde, daß Szemfö bei den Attentaten seine Hand im Spiele hatte. Ein Obergespan entspricht etwa einem preußischen Regierungspräsidenten. Er hat darüber hinaus aber auch richterliche Befugnisse. Englische Schüler als Gäste Berlins! Seit einigen Tagen befinden sich 48 Schüler englischer höherer Lehranstalten mit 5 ihrer Lehrer als Gäste der zusammen mit einer Klasse des Raiser- Friedrich- Gymnafiums unterStadt Berlin im Landschulheim Birtenwerber, wo sie aufammen mit einer Klasse des Kaiser- Friedrich- Gymnasiums untergebracht sind. Es handelt sich um einen Gegenbesuch für den von einer Berliner Schulklasse im letzten Jahre England abgestatte ten Besuch. Die jungen Engländer wurden von Berliner Lehrern in Hamburg, wo sie Gäste des Senats waren, abgeholt. Sie werden in der Reichshauptstadt verschiedene größere Berte, sowie die wichtigsten öffentlichen Gebäude besichtigen. Ein Besuch des Berliner Rathauses und ein Empfang durch Oberbürgermeister Böß ist ebenfalls vorgesehen. Stadtschulrat Rydahl hat die jungen Gäfte bep reits in der letzten Woche in dem schön gelegenen Landschulheim begrüßt. Ein zweitägiger Besuch der Stadt Dresden ist ebenfalls in Aussicht genommen. Es braucht nicht gesagt zu werden, wie Bom Eigenheim zum Großwohnhaus.it aber noch nicht gelungen, feiner habhaft zu werden. Spert freudig wir jeden Schüleraustausch dieser Art begrüßen. = seit einer ganzen Reihe von Jahren ausschließlich von Be. Nach der Gehag und der Gagfah hatte nun auch die Sied trügereien aller Art. fungs 2. G. Heimat des Gewertschaftsbundes der Angestellten( Gd2.) den Wunsch, einem größeren Kreis von Geladenen das zu zeigen, was sie in vier Arbeitsjahren geschaffen. In über 30 deutschen Städten hat sie schon gebaut, in weiteren 15 wird sie in diesem Jahr bauen. Wenn man hört, daß sie, wie übrigens auch die Gagfah, alle ihre zweiten Hypotheken von der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte bekommen hat, so wird man sich nicht wundern, daß sie eine so ausgedehnte Tätigkeit entfalten fonnte. In Berlin nun sind zwei Projekte größten Ausmaßes in Arbeit. In Siemens stadt werden in gemeinsamer Finanzierung mit dem Siemensfonzern 1050 Wohnungen und am Südwest forso in mehreren Blocks mit städtebaulicher Gestaltung fogar 1300 Wohnungen erstellt. Während es aber hier erst mit dem Bau losgehen soll, stehen in anderen Bezirken bereits Häuser. In Neu Lichtenberg, in der Miquel- und Fürst- HohenloheStraße, find in vier Blods 600 2-2%-Bimmerwohnungen errichtet worden. Jede Wohnung hat Bad. Als durchschnittlicher Preis wurde 13 M. je Quadratmeter Bohnfläche genannt. Die 2- Zimmer- Woh nungen haben 54, die 2½- 3immer- Wohnungen 65 Quadratmeter Wohnfläche. Das ergäbe also einen Jahresmietpreis von 702 Mr. für die Zweizimmerwohnung und einen solchen von 845 M. für die 2½- Bimmerwohnung. Schade, daß der außerordentlich üppig ausgestattete Bilderbericht der Gesellschaft feine Wohnungsaufrisse zeigt. Auch im Bezirt Prenzlauer Berg tonnten annähernd 400 2-2½- 3immerwohnungen errichtet werden, und zwar, da zum Teil bereits 1925/26 erbaut, noch zu einem Preis von 9,50 Mt. je Quadratmeter. Hier hat ein großer Block Zentralheizung. Der Innenhof dieses Blodes weist eine besonders erfreuliche Ausgestaltung auf. Der erhöhte Mittelteil des Hofes birgt Spielpläge und Sand Listen für die Kleinsten, die auf diese Weise endlich der Straße entrüdt sind und von den Müttern jederzeit beobachtet werben fönnen. " = Noch im Jahr 1927 tonnte die Heimat- 2.- G. in einem Werbeprospett darauf hinweisen, daß sie ja eigentlich das Schwergewicht ihrer Tätigkeit auf die Erstellung von Eigenheimen lege, um die Vermittlung eines gefunden Eigentumsbegriffes zu unterſtüßen". Und wie zur Entschuldigung bemerkte sie, daß sie zur Milderung der fast überall vorhandenen Wohnungsnot von der Erstellung von Miethäusern nicht ganz abfehen tönne". Heute erbaut sie in Berlin und im Reich fast ausschließlich Groß Miethäuser und sie scheint sich dabei sehr gut zu stehen. Des zum Beweis das groß räumige und sehr elegant ausgestattete Berwaltungsbaus in Zehlendorf inmitten einer Billenkolonie, von der Heimat A.-G. angelegt, die wohl den gefunden Eigentumsbegriff demonstrieren soll. Während man aber an den Miethäusern den ernsten Versuch fachlicher Gestaltung feststellen fann, fällt einem hier die spielerische Behandlung einer romantifierenden Bauform( Typ: Deutschtum bei Einzelvillen) auf. Daneben aber, unvermittelt und ein wenig unorganisch schlichte ruhige und angenehme Reihenhäuser. Das Gesamtwert eine Leistung, die neben dem groß und fühn und valtsbewußt in die Zukunft projizierten Gehagwert mit Astung zu nennen ist. Der falsche Kriminalbeamte erkannt. Wiederholt ist in Berlin und in anderen Städten über das Auftreten eines falschen Kriminalbeamten berichtet morden, er den Leuten ocvirelte. daß er mit Haussuchungen und Beschlaralymen beauftragt sei. Dieser Betrüger der allein in Berlin in sechs Fällen rund 700 Mar? erbeutet hat, ist nach ben übereinstimmenden Beschreibungen der Bestohlenen jegt er. fannt als ein 32 Jahre alter Schornsteinfeger Emil Hilpert. Es Asylrecht für Troßfi! Mit dem politisch und menschlich unverständlichen Beschluß der Reichsregierung, Trogli die Einreise nach Deutschland zu verweigern, beschäftigte sich am Montag eine Rundgebung der Liga für Menschenrechte. Die Redner Paul Levi, Levi, Otto Nuschke, E. J. Gumbel und Ostar Cohn begründeten die zum Schluß von der Kundgebung angenommene Resolution, die das politische Asylrecht für eines der vornehmsten Kulturgüter freier Staaten erklärt und von der Reichsregierung die Aufhebung ihres unverständlichen Beschlusses verlangt. Die Tatsache, daß Trozki den Standpunkt der Menschlichkeit und freiheitlichen Gesinnung, der ihm die Einreise ermöglichen will, nicht anerkenne, dürfe für die Bertreter dieses Standpunttes niemals entscheidend sein. Wenn Sowjetrußland, das sich als Hort der Freiheit der Arbeiter be zeichne, die Grundsäge aller menschlichen Freiheit mit Füßen trete, so sei es Sache der Vertreter der freiheitlichen Parteien in der deutschen Regierung und im deutschen Parlament, diese Grundsäße Funkwinkel. Beteranenehrung und Fahnenweihe. In der Aula des Schiller Realgymnasiums beging die 56. Abteilung die Weihe ihrer neuen Fahnen und die Ehrung der 17 Genossen, die länger als 25 Jahre der Partei angehören. Ein reicher Fahnenschmud grüßte. Die Feier wurde von Gefangen des Männerchors Harmonie" eingeleitet. Die Weiherede hielt Genosse Arthur Crispien. Die rote Fahne wurde zum Symbol für den Protest des Proletariats gegen die Unterdrückung. Unter der roten Fahne haben die Sozialisten ihren opferschweren Rampf für die Verwirklichung der Menschenrechte geführt. Und wir dürfen den Mut nicht sinten lassen, sondern müssen die errungenen Bollwerke verteidigen. Die neue Fahne soll in uns Vertrauen zur eigenen Kraft weden. Wir geloben ihr Treue, sie darf nicht sinten! Gesang, Musikvorträge und Rezitationen schloffen die stimmungsvolle Handlung der Fahnenweihe. Die eindrucksvolle Rede an die Parteijubilare hielt Genosse Stadtrat Wilt. Die Aula, in der die Feier stattfand, war einst Sigungssaal der Charlottenburger Stadtverordneten; damals gab es zwei sozialdemokratische Abgeordnete. Wieviel anders stehen wir heute da! Wir wären aber nicht schon so weit, wenn es nicht Genossen gegeben hätte, die der Partei so die Treue gehalten haben, wie die 17 Jubilare, die am Sonntag die filberne Parteinadel bekamen; nur die Uneinigkeit in der Arbeiterschaft gestattet es nicht, daß am 1. Mai die neugeweihte Fahne im Freien wehen darf. Mit einem Dant an die Jubilare und einem Appell an die Jugend zur Einigkeit innerhalb der Arbeiterschaft schloß Genosse Wilk seine Rede für unsere Mitkämpfer. Künstlerische Darbietungen brachten den Jubilaren noch den Dank der Abteilung zum Ausdruck. 523 Todesopfer der Pocken. Das Wüten der Epidemie in Bombay. Am Sonntagabend dirigierte Georg Sebastian das Funk orchester. Es war wohl das erstemal, daß er vor dem Mikrophon stand, aber er bewährte sich als Funtdirigent. Er wußte dem Drchester Farbigkeit zu geben; oft, bisweilen sogar zu oft Gehörtes erhielt unter seinem Stab neue flangliche Farbtönungen. Bon Gluck bis Johann Strauß: das ist ein sehr weiter Weg, der nicht ganz so einfach ist, wie es nach diesen Meilensteinen dem harmlojen hörer scheinen fonnte. Aber für den Sonntagabend war diese AusWie aus Bombay gemeldet wird, hat die Podenepidemie wahl, die mühelos den Ohren einging, mindestens nicht ungünstig. dort 523 Todesopfer gefordert. Seit Beginn des Monats foll fich Daß man übrigens am Sonntagabend eine volle halbe Stunde mit die Cage bedeutend gebessert haben. Während noch im März Berbenachricht en füllt, ist eine der unerfreulichsten Erscheiwöchentlich 70 Todesfälle vorgelommen feien, hätten Stellen sollten sich endlich einmal näher für diese nungen des Berliner Funf programms. Die verantwortlichen fie fich feit Anfang April auf 47 in der Woche vermindert. in ihren wirtschaftlichen Bindungen übrigens ziemlich dunklen Retlameveranftaltungen interessieren und der Deffentlichkeit von dem Ergebnis dieser Beschäftigung Kunde geben. Am Montagabend gab es wieder außerordentlich erfreuliche Musik. Im Internationalen Programmaustausch ließ sich Wien hören. Unter Franz Schalts Dirigentenstab musizierten die Wiener Philharmoniker und das Wiener Sinfonieorchester. Bruckners wuchtige Es- Dur- Sinfonie mit ihren Wagner Antlängen leitete zu aber doch so reich an Wohlflang ist, daß sie für viele einen musiOrchesterstücken aus Tannhäuser über: nicht eben leichte Musit, die talischen Genuß bietet. Leider war die Uebertragung sehr unzu länglich Pianiffimostellen verschwanden vollkommen. Ernst Toller legte feine Auffaffung zu der Nachkriegsdramatik dar die in der Erkenntnis gipfelte, die wohl alle Einsichtigen teilen werden: Bir leben in einer Zeit des undramatischen Schaffens. Die weniger formgebundene epische Form des Romans hat sich nach dem Kriege entwickelt; das Drama mit seiner formalen Begrenzung scheint fast an einem toten Bunft zu stehen. Dann las Toller aus seinen Werken. Die Dichtungen aus dem Schwalbenbuch zeigten, daß ihre Inrischen Schönheiten echt sind und sich über den Augenblidserfolg des Tages erhalten haben, 203. -OVO Reichliche Zufuhren in Fischen aller Art. Der Fischmarkt ist in dieser Woche sehr reichlich beschickt. Die Preise sind bedeutend herabgesetzt. Vom Dienstag dieser Woche ab tommen zum Verkauf: frische Schollen pro Pfund von 30 Pf. an, frischer Kabliau im ganzen von 30 Pfennig an, im Anschnitt teurer, lebende Karpfen pro Pfund von 1,10 Mart an, lebende Plötzen pro Pfund von 60 Pfennig an. Die Verkaufsstellen sind durch Blakate kenntlich gemacht. Westend, von 6 bis 7 Uhr Spandau, Freilichtbühne in der Zitadelle, Schupo- Plahkonzerte. 16. April von 4 bis 5 Uhr Krankenhaus Kapelle II 17. April von 4 bis 5 Uhr Charité, 6 bis 7 Uhr Bantom, Bürgerpart, Rapelle 1. 2m 18. April von 4 bis 5 Uhr Stubenrauch- Krankenhaus, von 6 bis 7 Uhr Tempelhof. Alter Part. Bei offenen Füßen Krampfadergeschwüren, schwer heilenden Wunden, schmerzhaften Ent zündungen usw., unerträglichem Jucken sollten Sie die milde wohl tuende Orlinda- Salbe anwenden. Dose Mt 1.75 u 3.-, in Drogerien u. Apothek. erhältlich, sonst bei Otto Reichel, Berlin SO, Eisenbahnstr. 4. 731 Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik stad Berlin G 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an bas Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. 2. Areis Webbing. Achtung, Elternbeiräte! Mittwoch, 17. April, 20 Uhr, bet Sorgaz, Uferstr. 12 Ede Martin- Opis- Straße, Bersammlung, Bortrag: Stand und Ziel der weltlichen Schulbewegung". Referent: Rektor Walter Ried. 8. Kreis Wilmersdorf. Sämtliche Genoffinnen und Genossen beteiligen sich heute Dienstag, 16. April, 20 Uhr, in ben Spidernfälen, Spichernfte. 3, an der Internationalen Frauenkundgebung. Banner und Fahnen find mit. zubringen. Donnerstag, 18. April, 20 Uhr, Eigung der Zeitungsobleute bei Schramm, Hohenzollerndamm 2. 14. Kreis Neukölln. Arbeiterbildungsschule. Seute Dienstag, 16. April, 20 Uhr, Rurfus:„ Die Geschichte bes Gozialismus und der Margismus in der Ge genwart, in der Mädchen- Mittelschule, Donauftr. 127. 16. Kreis Ripenid. Beute Dienstag, 16. April, 19% Uhr, bel Eisner, Raifer. Wilhelm- Str. 3, Gihung des Bildungsausschusses. Die Mitglieder bes engeren Kreisvorstandes werden gebeten, an dieser Gigung teilzunehmen. Heute, Dienstag, 16. April: 19. Abt. Eintrittstarten zum Unterhaltungsabend am 20. April fnb noch beim Genossen Remnis, Pringenallee 81, zu haben. 23. Abt. 19% Uhr erſte Bufammenfunft der jungen Barteimitglieder bei Zillmer, Geefit. 17. Bortrag:" Jugend und Partet. Referent: Bruns 38. Abt. Die Bezirksführer haben fofort bie Ratten aur Jugendfeierfunbe beim Genoffen Otto Döring absurechnen. Lösche. Morgen, Millwoch, 17. April: 1., 5., 6., 7. bt. Die Genoffen beteiligen fich um 19% be an ber Ben fammlung der Freien Schulgemeinde, Gartenstr. 6. 8. Abt. 20 Uhr bei Ridert, Steinmenftr. 36a, außerordent Nähe funtiende fihung. Tagesordnung: Maifeier. 21. Ed, 19% Uhr in der Geschäftsstelle Utrechter Str. 21 Borstandsfizung. 35. Abt. 20 Uhr bei Otto, Rigaer Str. 85, funktionärsihung. 38. Abt. 19 Uhr nehmen fämtliche Funktionäre die Ausweise für eine Gonber veranstaltung und die Funktionärtarten für 1929 bei Bartusch. Frieben ftraße 88, entgegen. 49. bt. Schwerbärige. 19% Uhr im Ingenbheim Binbentz, 4, 9. Lit. gliederversammlung. Vortrag:„ Reichsregierung and rbeiterschaft Refe rent: Max Senbemann. Vorwärtslefer nnd Sympathisierende find befonders eingeladen. 74. Abt. Rehlendorf. 19% Uhr im Raiserhof, Botsdamer Straße, Mitglieder perfammlung. Bortrag:„ Die politische Lage im Reich und in der Stadt Berlin" Referent: Georg Wendt, M. d. R. 82. st. Steglis. 20 Uhr im folal Schelhaafe, Ahornftr. 15a, Mitglieber perfammlung. Vortrag:„ Die Grundlagen unferer Rommunalpolitik in ber Weltstadt Berlin". Referent: Stadtverordneter Richard Krille.. Reut n. 93. Abt. 19% Uhr bei Schilling, Rirdhofstraße Ede Wipperftraße, Mitgliederversammlung Vortrag: Die innenpolitische Lage". Referent: Siegfried Aufhäuser, M. d. R. Distuffion. Wahl ber Delegierten aum Bezirksparteitag. Abteilungsangelegenheiten. Verschiedenes. 83. bt., 83., 84., 85. Bezirk. 19% Uhr Rahlahend bei Rönig, Böhmische Str. 43-44. Vortrag des Genofen Adolph Hoffmann, M. d. 2. 99. Abt. Brig Badom, 19% Uhr Mitgliederversammlung im Bufcheeng, Stu dower Str. 49. Vortrag: Reichsetat und Roalition". Referent: Dr. Rurt Löwenstein, M. d. M. 137. bt. Reiniderdorf- Weft. 19% Uhr im Boltshaus, Gharnweberfte. 114, Mitgliederversammlung. Vortrag: Die politische Lage". Referent: Georg Maderholz, M. b. 2. Frauenveranstaltungen. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Die Funktionärinnen treffen ich bereits u 18 Uhr in den Brachtfälen am Märchenbrunnen. Kulturpolitik und Reparation. Der Kulturetat im Landtag. Kultusminister Dr. Beder: Im Preußischen Landtag begann am Montag die zweite Lesung| fordert wird. Wir fordern, daß die preußische Kulturpolitit von des Haushalts des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Bolts- diesem Geiste der Verfassung durchsetzt wird.( Lebhafter Beifall bildung. Nach den Berichterstattern Abgg. Dr. Steffens( D. Bp.) bei den Soz.) und König- Potsdam( Soz.), der empfiehlt, auf das Kapitel Volts. schule nicht näher einzugeben, da ein Gesezentwurf über die Schullaftenverteilung der Verabschiedung harrt, und Abg. Dr. Graue ( Dem.) erhält in der Aussprache als erster Redner das Wort Abg. König- Botsdam( Soz.): Im Etat find für fulturpolitische Ausgaben insgesamt 730 Millionen Mart vorgesehen. Darüber hinaus find im Hauptausschuß noch zahlreiche Wünsche ausgesprochen worden: Da ist die Not der Junglehrer, der notwendige Ausbau und Neubau von Shulen und kliniken, und die Erhöhung der Erziehungsbeihilfen. Es ist zwar gelungen gerade diese von 20 000 auf 100 000 m. zu erhöhen, aber alles in allem mären rund 800 Millionen für Rulturausgaben notwendig, wenn alle Wünsche erfüllt werden fönnten. Aber die Ausgaben finden ihre Grenze an Deutschlands Finanzlage, die wiederum entscheidend abhängig ist von der Lösung der Reparationsfrage. Hier zeigt sich, daß die Rufturpolitit eines Landes nicht von der Gesamtpolitit losgelöst werden lann. Sollte es in Paris gelingen, die deutschen Leistungen herabzudrücken, so wird es möglich sein, auch für Stulturaufgaben mehr Mittel auszuwerfen, als dies bisher geschehen ist.( Sehr wahr! bei den Soz.) Wir sehen also, daß die Entwicklung, die vor uns liegt, ganz zwangsläufig bestimmt wird durch den verlorengegangenen Krieg. Erst der nachfolgenden Generation wird es möglich sein, alle aufgeworfenen Fragen zu lösen. Diese Generation auf die Lösung dieser Fragen vorzubereiten, ist eine der großen Aufgaben der jetzigen Kulturpolifit. 3wei Dinge von entscheidender Bedeutung beherrschen die Tages politit: Reparationsfragen und Abrüstungsproblem! Ungeheuere Mittel werden in der Gegenwart noch verschwendet für die Vorbereitung zum Kriege. Nur durch die neue Generation fönnen wir zur Ueberwindung des Militarismus tommen.( Sehr wahr! bei den Goz.) Auf diesem Wege müßten eigentlich Universitäten und höhere Schulen voranschreiten. Leider ist das nicht der Fall. Mehr Berständnis für diese Ziele finden wir schon bei der Lehrerschaft der Boltsschulen. In der Hauptsache sind aber die unteren Schichten die Träger dieser neuen Gedanken. Schichten die Träger dieser neuen Gedanken. Es muß deshalb der Weg freigemacht werden für die Bewegungen, die von unten aufsteigen. Im Bordergrund des allgemeinen Interesses stehen heute drei Probleme: die Sorge um die sittliche Gefährdung der Jugend, das Berechtigungswesen, das Verhältnis zu Reich und Kommunen. Ohne Verständnis für die reife Jugend von 20 bis 30 Jahren ist die heutige Jugend von 10 bis 20 Jahren, die ich besonders zu betreuen habe, nicht erfaßbar. Und dennoch steht sie im Gegensaz zu dieser noch im Banne und in der Bucht der älteren Generation. Daraus ergeben sich die Schwierigkeiten. Pädagogit[ oll nicht Einpauten sein, fie foll aber auch nicht Führung durch die Jugend sein, sondern Führung der Jugend. Die Schule belastet die Jugend Beineswegs zu start; aber die Jugend soll sie nicht als Spielerei, sondern als ehrliche Arbeit erleben. Zweifellos werden in diesem Zusammenhang die Schülerfelbstmorde als Symptom fittlichen Berfalls weit überschäßt. Das zeigt die statistische Konstanz der Schülerselbstmorde bis in die Vorkriegszeit hinein. Die Höchftzahlen der Schülerfelbstmorde mit 84 und 72 liegen in den Borkriegszahlen, 1927 haben sich 58 und 1928 46 Schülerfelbstmorde ereignet. Die Selbstmordziffer der Jugendlichen, die nicht mehr die Schule besuchen, ist unvergleichbar höher als die der Schüler. 1926 wurden neben 63 Schülerselbstmorden 800 bis 900 Selbstmorde von Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren festgestellt. Der gegenteilige Eindruck für die Deffentlichkeit ist eine Folge der größeren Publizität. Die Presse soll sich dafür hüten, burch sensationelle Aufmachung fünftliche Reize zu schaffen. Ich Schulen in fittlicher Beziehung. warne vor einer Ueberschätzung der Einwirtungsmöglichkeit der Die eigentlichen Gefahrenquellen liegen außerhalb der Schule, in der Hauptsache in den schlechten Wohnungsverhältnissen. Bezüglich des Berechtigungswesens haben nicht Schule und Staat, sondern das Leben als Ganzes sehr fomplizierte Aufgaben geftellt. Das Berechtigungsproblem fann nicht durch Ministerial verordnungen, sondern nur durch langsame Erholung der wirtschaftlichen Kraft des Volkes und durch Selbstbesinnung und Zusammenarbeit der großen berufsständischen Berbände mit einer starten Reichsregierung gelöst werden. Es muß deshalb Reichsregierung gelöst werden. Bom Schulfbandpunkt sind zwei Gesichtspunkte maßgebend. Höhere Schulen tönnen nur eine Benfur vertragen, die historisch und pädagogisch bei der Oberfekundareife liegt. Es gibt mur die beiden Möglichkeiten: Obersetundareife oder Abitur. Die zwangsläufige Entwicklung der bisberigen Richtung bedeutet schwere finanzielle Baften für die Kom munen. Immerhin ist im höheren Schulwesen eine gewisse Beruhigung eingetreten. Leider ist es nicht gelungen, den Staatszuschuß zu erhöhen und damit den Gemeinden einen Teil der hohen Aufwendungen für das höhere Schulwejen abzunehmen. Daß aus der Tiefe des Bottes die Kräfte tommen, die berufen find, die Geschicke eines Boltes entscheidend zu gestalten und zu be FEEEFFEEFFEEFFEEFCLIFFEIIIIIIIIIIIII einfluffen, hat sich am verstorbenen Reichspräsidenten Ebert gezeigt. Wir wollen hoffen, daß es möglich sein wird, in Zukunft größere Beträge für die Erziehung und Heranbildung solcher Begabungen auszuwerfen. 19. Reets Bantow. Donnerstag, 18. April, 19 Uhr, in Sinbers Gesellschaftshaus, Breite Straße, Film und Bortragsabend, Film: Was wir schufen". Bortrag des Genoffen Fris Wolff: Bichtige Rommunalpolitische Aufgaben. 8. Abt. Die Genoffinnen und Genoffen treffen fich heute zum Internatio nalen Frauentag um 19 Uhr auf dem Winterfelbtplab 55. Abt, Charlottenburg. Treffpunkt zur gemeinsamen Abfahrt nach den Soichernfälen um 18% Uhr( U- Bahn Wilhelmplak). 78. Abt. Schöneberg. Der Franenabend wird wegen bes Internationalen Frauentages auf Dienstag, 23. April, verschoben. Nähere Mitteilung et folgt nod). 85. bt. Tempelhof. Donnerstag, 18. April, 19% Uhr, bei Bommerening, Berliner Str. 100. Borttag: Die Reform bes Cherechtes. Referent: Landgerid tsrat Ruben. 82. st. Rentaln. Donnerstag, 18. April, Befichtigung der Konsumgenoten aft in Lichtenberg. Treffpunkt 9 Uhr Railer- Friedrich. Ede Eritraße 102. Wot. Benmionlenweg. Treffpunkt der Genoffinnen aire Frauenverfamm Jung in Riems feftfalen in der Hafenheibe heute um 18 Uhr, Baum fchulen. Ede Riefholzstraße, aur Fahrt mit der Linie 95. 114. bt. Sitenberg. Sum Internationalen Frauentag treffen fich bie Ge. noffinnen inn 18% am Wismarplay, Haltestelle der Straßenbahn. 136. Abt. Reinidendorf- Oft. Donnerstag, 18. April, 20 Une, Frauenabend in ber Parade Linbauer Straße. Bortrag:„ Gefährdete Jugend und fchwer erziehbare Rinder". Referentin: Dr. Magnus. Treffpunkt sur gemeinfamen Fahrt nach den Pharusfälen, Müllerstr. 142, 18% Uhr, Seebab. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 8. Kreis Webbing. Rreisarbeitsgemeinschaft am Donnerstag, 18. april, 19 Uhr, Lebigenheim, Schönstedtftr. 1, V. Stod. Tagesordnung: 1. Referat bes Genoffen Poßberg über Perufsberatung Berufsumleitung. 2. Bericht über bie Frankfurter Tagung. Referent: Genoffe Raafch. 3. Berschiedenes. Alle und Jugendkommissionen werben gebeten, unbedingt zu erscheinen. Jungfozialisten. Selfer der Arbeiterwohlfahrt, fowie Borsteher und Mitglieder der Wohlfahrts Gruppe Reinidendorf. Seute, Dienstag, 20 Uhr, in ber Schule Bittenau, Rofenthaler Straße, Bufammenkunft aller Mitglieder. Besprechung des Mai. programms u, a. Gruppe Litenberg. Bente Dienstag, 15. April, 19% hr, tm 20lal Wegener, Frankfurter Allee 236, Werbeabenb. Bortrag: Jugend, hinein in die politische Front!" Referent: Arthur Richter. Mufit, Rezitationes, Eintritt frei. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Ortegruppe Mowawes. Donnerstag, 18. April, 17% Uhr, Werbefeier in ber Schulaula Scharnhorfte. 4. Filme: Peter Stoll", Razen vor Gericht", Ueberfee" und Die roten falten". Cintritt für Erwadyfene 50 Bf., fir Jugendliche 25 Pf., für Rinder 10 Pf. Geburtstage, Jubiläen usw. 25. bt. Nuferem Bezirksführer, Genoffen Bilhelm Finte, Straße 38, bie berglichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. enftetner 36. Abt. Unferem Genossen Hermann Sofmann und seiner Gattin bie herzlichsten Glüdwünsche ane Silberhochzeit. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienstelle Berfin und Umgegend. ( Nachdr. verb.). Abfühlung bei frischen öftlichen bis nordöstlichen Winden, foo fig bis beiter, feine Niederschläge und Nachtfrostgefahr. Für Deutch land: Jm Südwesten und Westen vielfach regnerisch, sonst wollig bis heiter, etwas windig und fühler, im Dsten Nachtfroit. Wir wollen aber feinen Zweifel darüber auffommen laffen, daß wir in dem immer mehr zunehmenden Berechtigungsunwesen eine der Schranken sehen, die in steigendem Maße den Aufstieg der Kräfte von unten erfchweren.( Sehr wahr! b. d. Soz.) In diesem Jahre sind zehn Jahre vergangen seit Bestehen der Deutschen Republit. Ich habe bereits im Ausschuß den Minister um Vorbereitungen gebeten. Denn auf teinem Gebiete herrschen wohl größere Unflarheiten in weiten Kreisen der Lehrerschaft, als über die Vorgänge der letzten zehn bis fünfzehn Jahre. Der Minister sollte deshalb seine Aufgabe darin sehen, durch einen von ihm zusammengestellten Führer die großen Leistungen der Republit gegen die Angriffe der reaktionären Kreise herauszu stellen. Es ist eine der Großtaten deutscher Geschichte, daß das deutsche Bolf, ganz auf sich selbst gestellt, fich aus eigener kraft eine Berfassung gab.( Großer Lärm rechts.) Ein solcher Führer muß hervorheben, daß das deutsche Volt aus eigener Kraft und Führung die Inflation, den französischen Einmarsch und den Separatismus überwand. Auf alle biefe Dinge geht der heutige Geschichtsunterricht fast überhaupt nicht oder gar nicht ein. Deshalb muß der Minister eine ganz eindeutige und flare Linie in der Führung einhalten.( Gehr wahr! bei den Soz-) Es tommt noch immer vor, daß bei den Berfassungs feiern in den Schulen von einzelnen Lehrern die Reichs farben Schwarz- Rot- Gold mißachtet werden. 3weifellos hat der Minister viel zu wenig Energie aufgewandt, um solche Umtriebe zu verhindern und solche Lehrer rücksichtslos von der Schule zu entfernen. Er muß dafür sorgen, daß der Geist der Verfaffung in die Wirklichkeit umgesetzt wird, daß der Jugend zum Bewußtsein gebracht wird, daß nicht Krieg, sondern mir die Bölker verständigung uns vorwärts bringt und nicht gegenseitige Verhegung, daß das Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit geReichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit Sonnabend, den 20. April 1929, 20 Uhr, im großen Saal des Lehrervereinshauses am Alexanderplatz Heiterer Abend für die Teilnehmer an unseren Reisen, an den Kursen der Freien Sozialistischen Hochschule" und der Berliner Arbeiterbildungsschule. Karten zum Preise von 75 Pf sind zu hab n: Bezirksbildungsausschus, Lindenstr. 3, 2. Hof links II Arbeiterjugend Groß- Berlin, Lindenstr. 3, 2. Hof links II. Buchhandlung J H. W. Dietz Nachf., Lindenstr. 2 Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Walls r. 65 Deutscher Holzarbeiterverband, Am Köllnischen Park 2 Verband der graph schen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenufer Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25 Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5- Zentralverband der Angestellten, Belle- AllianceStraße 7 Verlagsgesellschaft des ADGB.. Abt. Sortiment, Inselstr 6 a Vorwärts- Spedition, Neckarstr. Arbeiterwohlfahrtsschule, Lindenstr. 3. Was die Wissenschaft anlangt, so bemühe ich mich, Forschung und Lehre der Humboldtschen Idee entsprechend untrennbar zu laffen. Mein Ministerium hat deshalb besondere Schwierigkeiten zu überwinden, meil es eine fubtile Materie zu bearbeiten hat und darum leicht Mißverständnissen in der Deffentlichkeit ausgesetzt ist. So ist meine fürzliche Dortmunder Rede im Stil der Emser Depesche Derbreitet worden und hat deshalb besonders in fonfessionellen Kreisen Aufsehen erregt. Ich hoffe, daß inzwischen eine gewisse Beruhigung eingetreten ist, und ich erkläre, daß ich von meiner Rede nichts zurückzunehmen habe.( Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Meyer- Magdeburg( Dnat.): Gegen die weltlichen Schulen ist besonders wegen der geschlechtlichen Aufklärung stärkstes Bedenken zu äußern. Die Gemeinschaftsschule ist wegen des Fehlens einer einheitlichen Geistestultur nicht zu schaffen. Die Revolution hat alle sittlichen Normen erschüttert. Der Staat darf nicht mit der Staatsform verwechselt werden. Abg. Dr. Causcher( 3.): Unter dem Vorwand, die Einheit zu vertreten, darf die Schule nicht die Freiheit religiöser Erziehung zertreten. Die sportliche Betätigung folle man nicht übertreiben. Nicht das Stadion, sondern die ringende Seele ist der wichtigste Kampfplatz für den Menschen. Ein Reichsschulgeset ist dringend notwendig. Solange es nicht eriſtiert, darf man der weltlichen Schule auf verwaltungstechnischem Wege teine gesetzliche Grundlage geben, wenn auch das Zentrum ihr gegenüber den Standpunkt wohlwollender Toleranz beibehalten wird. Abg. Dr. Ausländer( Komm.): Wäre das Kontorbat so harmlos, wie man es hinstellt, so ist unbegreiflich, warum es bis jetzt geheimgehalten wird. Nicht nur für Schulfragen, sondern für die Gesamtkultur ist das Konkordat gefährlich. Abg. Schwarzhaupt( D. Bp.) beantragt die Wiederherstellung der gestrichenen Etatsposition, die Zuschüsse an leistungsschwache Schulverbände vorsieht. Er kritisiert die Erhöhung der Zuschüsse für Privatschulen und setzt sich für die Erhaltung der Simultanschulen ein, die der Minister in seiner Dentschrift zum Reichsschulgejeb preisgegeben habe. Der Redner wendet sich weiter gegen die weltlichen Schulen. Abg. Hoff( Dem.) fann in das Bedauern des Abg. Lauscher über das Scheitern des Reichsschulgefeßentwurfes nicht einstimmen. Probleme, wie das der Gewissensfreiheit, feien nicht in Paragraphen zu fassen. Zur weltlichen Erziehung ihrer Kinder hätten Eltern das verfaffungsmäßige Recht. Deshalb müsse das Ministerium hierfür Sammeltlassen errichten. Der Redner wendet sich ebenfalls gegen das Berechtigungswesen. Hierauf vert a gt sich das Haus auf Dienstag, den 16. April, 11 Uhr: Fortsetzung der Debatte über den Kultusetat, Abstimmung über den Bergetat, Wiederholung der Abstimmung über die Gewerbesteuer, gegen die der Staatsrat Einspruch erhoben hat. Gesunde Babys nur bei sachgemäßer Ernährung Alle Flaschenkinder zeigen bemerkenswerten Fortschritt, wenn man Ihnen Libby's Milch gibt; selbst die empfindlichsten Kinder vertragen sie gut. Die leichte Verdaulichkeit beruht auf der streng wissenschaftlichen Herstellung der Milch. Sie ist stets von gleich guter Qualität und nach modernster wissenschaftlicher Methode sterilisiert, so daß der ganze Doseninhalt absolut rein und keimfrei ist. Gebt Euren Babys Libby's Milch und sie werden gesund und zufrieden sein. Libby's Evaporierte Milch Deutsche Libby Gesellschaft m- b- H., Hamburg 1 Nur echt in dieser Aufmachung! Libby's Sterilisterte Ereporierte Milch Mnstergeiviilne aus Gchallplaiten- und Gprechapparate-. Wie hier schon berichtet wurde, erhöht die Polyphon A.-®., die insbesondere die Deutsche Grammophon-Gesellschaft kontrolliert, ihre Dividende für 1928 von 14 auf 29 Proz. und die L i n d st r ö m A.-G.(Schallplattenmarken Beka, Parlophon, Odeon usw.) von IS auf 29 Proz. Diese beiden deutschen Firmen, deren Aktienkurse mit 422 bzw. 889 Proz. ebenfalls eine Rekordhöhe erreicht haben, bilden in diesem Industriezweig mit ihren Gewinnabschlüssen keine Ausnahme, sondern bestätigen für den hochprofitablen Charakter dieser alle Rassen und Zonen erfassenden Kultur. » n d u st r i e nur die Regel. Die gröbke Schallplatlenfirma der Welt. die amerikanische Victor Talking Machine Co., erzielle im Geschäftsbericht 1928 bei einem Kapitalwert von noch nicht 59 Millionen Dollar einen Reingewinn von 7,32 Millionen Dollar (39,7 Mill. Mark), das find etwa IS Proz. des Aktienkapitals. Die wichtigste Untergesellschaft dieser amerikanischen Firma ist die englische Grammophone Company, die im letzten Geschäfts- fahr nicht weniger als SS Proz.(!) an ihre Aktionär« aus- schütten konnte. Gegenwärtig liegt der Aktienkurs dieser englischen Gesellschaft auf etwa 13S9 Proz., d. h., der Ankauf einer 1999-M.- Aktie kostet 13S99 M. Dieser amerikanisch-englische Konzern besitzt weitere Fabrikationsunternehmungen in Kanada, Brasilien, Chile usw., insbesondere ober auch in Deutschland, wo die E l e k t r o l a G. m. b. H., deren Fabrikbetrieb sich in Rowawes befindet, auch von ihm betrieben wird. Auch der tiudström-Soazern ist nur scheiubar eine deutsche Gesellschaft. In Wirklichkeit liegt die Mehrheit des Aktienkapital« fest in englischen Händen, nämlich bei der Columbia Grammophone Company. Diese Gesellschaft brachte es sogar fertig, für das Ge- schäftsjahr 1927/28 einen Reingewinn zu erzielen, der fast genau so groß war wie das Aktienkapital, nämlich 491 999 Pfund Sterling, d. h. rund 19 Mill. M. Hier betrug die Dividendenausschüttung für einen Zeitraun« von IS Monaten 69 Prozent gegenüber 4 9 Prozent für die 12 vorhergehenden Monate. Lindström und die englische Columbia-Gesellschaft oerfügen gemeinsam über eine ganze Reihe weiterer Untergesellschaften, so in Südamerika und Japan. Ferner erwarben sie vor wenigen Monaten die Aktienmehr- heit einer französischen Firma, nämlich die Path�-Phono- graphen- Gesellschaft. Schon diese Beispiele zeigen die starke internationale Verflechtung in diesem Industriezweig. Selbst der Poiyphon-Konzern hak erhebliche Inkernaklonale Bindungen, obwohl er nicht von einer Auslandsgesellschast kon- trolliert wird. Er steht aber in einem engen Vertrogsverhältnis (Patentaustausch, Interessenabgrenzung usw.) mit der englischen Brunswick- Gesellschaft sowie dem amerikanischen Trust Brunswick-Balke-Collender Company in Chikago, der zweitgrößten amerikanischen Firma für Schallplatten und Sprechapparate. Ferner, ging im vergangenen Herbst das gesamte Aktienkapital der be- kannten V o x- Schallplattcn- und Sprechmaschinen-Jndustrie in die Hände der englischen Duophone and Umbreakoble Record Company. Diese Firma steht übrigens ebenfalls in Verbindung mit der schon erwähnten Brunswick-Gesellschaft. Die„deutsche" Homocord- Gesellschaft wird von der British Homophone Company kontrolliert. Eine weitere englische Firma, die Vocalion Grammophon« Company, erwarb vor einigen Monaten einige kleinere Sprechmaschinensabriken in Deutschland und gründete alsdann die O r ch e st r o l a Vocalion A.-G. Der englische Konzern Edison Bell gründete im September vergangenen Jahres mit zwei deutschen Firmen(Ferdinand Schuchardt A.-G. und Triumphon G. m. b. H.) eine neue Schallplattensabrik in Deutschland. Die Liste solcher internationaler Zusammenhänge ließe sich noch erheblich vermehren. Es gibt kaum eine andere Industrie, wo die Vertrustung in einem solchen Umfang sich über alle nattonalen Grenzen erstreckt wie in der Sprechmaschinen- und Schallplatten- industrie. Die Beteiligung elektrotechnischer Konzerne. Wenn jedoch von den Kapitawerflechtungen dieser Industrie die Rede ist, so muß noch eine sehr interessante Verbindung besonders unterstrichen werden, das ist die verschiedentlich sehr enge Zu- sammenarbeit mit einigen elektrotechnischen Großfirmen. Eine solche Zusammenarbeit, die technisch be- gründet ist, findet sich z. B. beim deutschen Polyphon-Konzern, der sich bereits seit längerer Zeit in einem Dertragsoerhältnis mit der AEG. befindet, während sich der befreundete amerikanische Bruns- wick-Collender-Konzern in einem entsprechenden Vertrogsverhältnis mit der größten amerikanischen Elektrofirma(General Electric Company) steht. Bekannt ist auch, daß vor einigen Monaten die Polyphon-A.-G. gemeinsam mit der AEG. und mit Siemens die K l a n g f i l m- Gesellschaft(Herstellung von Apparaten für Sprechfilme) ge- gründet hat. Eine noch engere Verbindung ist die erwähnte Victor Talking Gesellschaft mit der größten Rodiofirma der Vereinigten Staaten, der Radio Corp. of America, eingegangen: beide Gesellschaften werden dieser Tage zu einer umsassenden Radio- und Schallplattenfirma oerschmolzen. Auch hier spielt die Her- stellung von Sprechfilmcn und Sprechfilmapparaten eine Rolle. Ueberhaupt ist es bezeichnend für die Aktivität und die Kapitalkrast der Sprechmafchinen- und Schallplatetnsirmen, daß sie an der Eni- Wicklung der jungen Sprechfilmindustrie einen viel stärkeren Anteil genommen haben als die eigentlichen Filmgesellschaften. Und Preise werden dikkiert. Die gewalttgen Gewinne der Schallplattengesellschaften beruhen großenteils darin, daß ein eigentlicher Preiskampf seit Iahren nicht mehr besteht. Sowohl für die Platten von 2S ZeMimeter wie für die von 39 ZeMimeter gibt es bestimmte Mindestsätze(3,S9 und S M.), die in der Regel nur durch minder- wertige Platten unterboten werden. Diese Ausschaltung eines Preiskampfes bedeutet, namentlich bei den sogenannten Schlager- platten, ganz außergewöhnliche Gewinne. Daß es ähnlich auch bei der Herstellung von Sprechaparalen liegt, kann man daraus ersehen, daß einzelne Sprechmaschinenfirmen, die ihre Erzeugnisse unter Ausschaltung des Zwischen- und Kleinhandels und unter Beschrän- kung auf einen einzigen Sprechmaschinentyp direkt an die Der- braucher oertreiben, zu Preisen liefern können, die die Hälfte oder den dritten Teil der Preise betragen, die von den großen kombinier- ten Schallplatten- und Sprechmaschinenfirmen oerlangt werden. Trotzdem und trotz der vielfach guten Qualität dieser billigen Sprech- Maschinen arbeiten auch diese Spezialfirmen durchweg mit erheblichem Gewinn. Uebrigens kommt auch in der deutschen Außenhandels- e n t w i ck l u n g die günstig« Lage dieser Industrie zum Ausdruck. So stieg z. B. die Zahl der ausgeführten Sprechapparate von 191 999 im Jahre 1926 auf 285 999 im Jahre 1927 und 372 999 im Jahre 1928. Die Ausfuhr von Schallplotten hob sich in diesen drei Jahren von 4,3 und 7,1 auf 19,5 Millionen Stück. Andererseits ist von 1927 bis 1928 die Einfuhr sowohl von Sprechmaschinen wie auch von Schallplatten erheblich(in beiden Fällen um ein Drittel) zurückgegangen. Da die Arbeiterschaft den größten Teil der Käufer von Sprechmaschinen und Schallplatten stellt, so kann jeder Grammophon- freund mit Genugtuung von sich sagen, daß auch er dazu bei- getragen hat, den Aktionären und Direktoren der Sprechmaschinen- und Schallpla'tenfirmen den Säckel zu füllen. Diesen so glänzend verdienenden Industrien müß'en die Verbr»uchermassen als Staatsbürger ein viel stärkeres Interesse entgegenbringen als bisher, denn daß viel billiger verkauft werden könnte, als es geschieht, steht außer Zweifel.— h. Bescheidener geworden oder Ausflüchte? Eine Erklärung des RWE. Die ganze deutsche Presse, soweit sie nicht schwerindustriell be- herrscht ist. hat sich mit Recht über die Sondergründung der West- deutschen Elektrizitäts-A.-G. durch das RHeinisch-Westfälische Elektrizitätswerk erregt, weil diese Sondergründung die erfolgreich« Regelung der gesamtdeutschen Großkrastwirtschaft gefährden mußte, die von der A.-G. für deutsche Elektrizitätswirtschast, das heißt vom Reich, von Preußen und von Bayern, eingeleitet war. Wahrscheinlich unter dem Druck der Dereinigten Elektrizitätswerke Westfalen, dessen inkonsequente Haltung das RWE. zu seinem Schritt erst be- fähigt hatte, hat das RWE. sich jetzt zu einer beschwichtigen- den Erklärung ausgerosst. Mit treudeutschem Zlugenausschlag wird gesagt, daß man es ja eigentlich schon immer nur gut gemeint habe. In der ErNärung steht der Satz, daß schon bei der Gründung der Westdeutschen Elek- trizitätswirtschaft A.-G. betont wurde, ,choß zu ihren Aufgaben die Förderung des Zusammenschlusses mit der A.-G. für deutsche Elek- trizitätswirtschaft" gehört. Einen ähnlichen Sinn kann man in der Tot aus einem Satz des damaligen Kommuniques entnehmen. Vor diesem Satz stand aber in dem Kommunique der folgende andere Satz:„Der Zweck der Gesellschaft(d. h. der Westdeutschen. D. R.) ist, die Zusammenarbeit zwischen den Energiewirtschostsgebieten der gesamten Unternehmungen durch Lösung gemeinsamer Ausgaden zu fördern". Und dann folgt nur unter„außerdem" die Bemerkung, daß man sich auch an der A.-G. für deutsche Elektrizitätswirtschaft beteiligen wolle. Daraushin wurde die Zweckmäßigkeit der Sondergründung noch durch einen Hinweis aus die Größe und De- deutung der in der Westdeutschen A.-G. zusammengeschlossenen Unternehmungen unterstrichen. Damals hat man es also keineswegs so gut gewußt wie heut«, daß der Zusammenschluß mit der Reich-Preußen-Bayern-Gesellschaft «in Hauptziel der Gündung ist. Es ist uns willkommen, wenn das RWE. inzwischen etwas gelernt hat. Mißtrauen wird aber weiterhin gerechtfertigt fein. Im übrigen ist bekannt geworden, daß über den Anschluß der Westdeutschen an die Reich-Preußen-Bayern-Gesellschaft seil einigen Wochen oerhandelt wird. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, daß der frühere Beteiligungsschlüssel am Aktienkapital der A.-G. für deutsch« Elektrizitätswirtschaft, der auch dem RWE. die gleiche Beteiligung sichern sollt« wie Reich, Preußen und Bayern, setzt geändert wird. Ueber dies« Aenderung wird man hoffentlich bald etwas erfahren. Eine unangenehme Folge des Vorgehens des RWE. steht aber bereits fest Nötig wäre gewesen, daß die Mitgliedschaft in der A.-G. jür deutsche Elektrizitätswirtschaft sich auf die wichtigen Groß- gruppen beschränkt hätte, weil sonst der Gedanke der Zusammen- fassung seinen Sinn verliert. Heute wird man aber, besonders durch das Vorgehen des RWE., schon mit nicht viel weniger als einem Dutzend Beteiligten rechnen müssen. Pas ist ein höchst unerfreuliches Ergebnis, das durch keine Beschwichtigung des RWE. wieder gut zu machen ist. 2 Millionen Berliner auf Sternöampfer. Die jedem Berliner wohlbekannte Spree-Havel-Dampfschifsahrt- Gesellschaft„S t e r n" veröffentlicht jetzt ihren Geschäftsbericht für 1928. Man liest den Bericht bei der gegenwärtigen Witterung nur mit einer gewissen Wehmut, denn im vergangenen Jahr konnten die„Stern"-Dampfer bereits Anfang Februar mit ihren Winter- fahrten beginnen, und der Sonntagsoerkehr fetzt« in allen drei De- trieben bereits am 18. März ein. Während wir zurzeit vergeblich nach dem ersten grünen Blättchen Ausschau halten, konnten die Berliner im letzten Jahr schon Ende April aus den Sterndampfern zur Baumblüte fahren. Insgesamt stieg die Zahl der beförderten Personen im letzten Jahr von 1,7 auf 2,9 Millionen und die Einnahmen aus dem fahrplanmäßigen Personenverkehr stiegen von 9,95 aus 1,99 Mll- lionen. Nach Abzug sämtlicher Unkosten, Löhne und Sozialabgaben, oerbleibt ein Reingewinn von rund 61 999 Mark, von dem ein Teil zur Deckung des Verlustes von 1927 und der Rest zu einer Dividende von 5 Proz. auf das Kapital von 599 999 Mark oerwandt wird. Da die Gesellschaft im letzten Jahr durch Massen- veruMreuungen ihrer Beamten einen Schaden von annähernd 199 999 Mark erlitten hat, so dürfte dieser Schaden wohl in den sehr hohen Unkostensätzen mit enthalten sein. Ein hungriges Mtliardenuniernehmen. Oer britische Ehemietrust braucht neues Kapital. Die großen Kapitalzufuhren, die der britische Chemietrust die Imperial Chemical Ltd., im letzten Jahr durch seine Kapitalerhähungen erhielt, haben den Hunger dieses Kopitalriefen noch nicht stillen können. So beantragt die Verwaltung jetzt nach dem Abschluß des zweiten Geschäftsjahres eine weitereHerauf- j e tz u n g des Kapitals um 499 Millionen auf 1,9 Milliarden Mark. Der Geschäftsbericht für 1928 läßt allerdings erkennen wofür diese riesigen Summen gebraucht wurden. So sind durch den Umbau und die Reuangliederung von Werten im letzten Jahre allein rund 299 Millionen aufgewendet worden. Der Gewinn des Unter- nehme» s ist zwar im letzten Jahr von 99 auf 108 Millionen ge- stiegerr, jedoch lchenit die Citt'wicklung in wichtigen Betrieben nicht so verlaufen zu sein, wie es sich die Berwallung gedacht hat. So erwckhnt der Geschäftsbericht, daß das Farbemmternehmen des Trusts im Lauf« des letzten Jahres um ganz bedeutende Preis- ermäßigungen durch die Konkurrenz des Auslands gezwungen war, und die Entwicklung der Sttckstofswerke, für die sich besonders der Trust gewaltige Lord Melchett«insetzte, wird mit einigen nichtssagenden Worten abgetan. Also auch den Engländern scheint die Herstellung von synthetischem Stickstoff gewisse Enttäuschungen bereitet zu haben._ Arbeiislofigkeit und Konjunktur. Gute Meldungen auch von den Gewerkschaften. Der Monat März hat nach den Berichten der Landesarbeit?, ämter die erste starke Besserung auf dem Arbeitsmarkte gebracht. Wie wir hören, zeigt auch die Entwicklung bei den freien Gewert- schaften eine große Zunahme der Beschäftigung. Zum 31. März ist gegenüber dem Vormonat die Zahl der Vollerwerbs- losen in den Verbänden des ADGB annähernd um 25 Proz. zurückgegangen. Die sogenannte Soisongruppe mit ihrer riesigen Arbeitslosigkeit von 68 Proz. Ende Februar zeigt dabei einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um über 39 Proz. Interessant ist, daß auch die Konjunkturgruppe einen Rückgang der Vollarbeitslojen um etwa 7 Proz. erkennen läßt. Den Rückgang bei der Konjunkturgruppe wird man allerdings nicht voll als Zeichen einer konjunkturellen Besserung betrachten dürfen, da auch in den nicht von der Saison beherrschten Industrien die Kälte in diesem abnormen Wnrter Einschränkungen zur Folge hatte. Besonders bei den Metallarbeitern, Fabrik und Bekleidungsarbeitern liegt eine Besserung vor. Danach kann man von einer Ueberwindung der wirtschaftlichen Depression bis Ende März noch nicht sprechen. Auf der anderen Seite ist klar, daß die noch vorhanden« Depression durch einen ungünsttgen Ausgang der Pariser Verhandlungen sicher weiter verschärft wird. Dazu kommt noch die leider wieder näher gerückte Gefahr einer Kreditverteuerung durch die Reichsbank. Das Reich zahlt die Kassenkredite zurück. Es scheint Leute zu geben, denen das Unruhestiften Vergnügen macht. Jedenfalls ist ein« Erklärung offenbar der betreffenden Reichsstellen notwendig geworden, daß das Reich— was nicht be- zweifelt zb werden brauchte— seinen am 16. April fälligen, für Kassenzwccke aufgenommenen Bankenkredit von 159 Millionen Mark prompt zurückzahlen wird. Auch wir wollen das mitteilen, weil berufsmäßige Unker auch in der Arbeiterschast ihr Unwesen treiben. Ein subveniionslüsternes Kraftwerk. Äei 8% Oivlvende.— Oer Abschluß des Eleklrizitätswcrks Schlesien. Die Elektrizitätswerk Schlesien A.-G. in Breslau, die dem Berliner Gesfürel-Konzern nahesteht, zahlt für 1928 wieder die Vorjahrsdividende in Höhe von 8 Proz. Der Betriebsgewinn hat sich von 9,1 auf rund 9,3 Millionen erhöht, während der Reingewinn mit 2,7 Millionen dem des letzten Jahres entspricht. Der Stromabsatz ist im letzten Be- triebsjahr von 224 auf 241 Millionen KUowattstunden gestiegen was einer Mehrabgabe von etwa 7.4 Proz. entspricht. Die Mehr- lieferung verteitt sich ungefähr zur Hälfte auf die Groß- und Klein» abnehmer. Die Gesellschaft, die zwar nach ihrem Verwaltungsbericht ein--- noch größeren Aufschwung für 1928 erwartet hatte, arbeitet also durchaus rentabel. Das hat sie aber nicht gehindert, im vergangenen Herbst bei der Gewährung der Staats- subvention an den Waldenburger Bergbau gleichfalls den Aer- such zu machen, aus dem Säckel der Steuerzahler eine fette Subvention herauszuholen. Die Gesellschaft begründete ihre Subventionswünsche mit der Verlustwirtschaft der gleichfalls im Walden- burger Gebiet gelegenen Wenzeslaus- Grube, deren Ankauf sich für die Gesellschaft als eine verfehlte Spekulation er- wiesen hatte. Obwohl also das Unternehmen an sich mit recht hohen Gewinnen arbeitet, scheute sich die Verwaltung nicht, sich an dem Staatssäckel für ihre verfehlte Spekulation schadlos zu halten. Das hätte ein öffentliches Kraftwerk dm sollen! Aufstieg ostdeutscher Konsumvereine. 22 Prozent Mehrumsah 1928. Auch der Verband oft deutscher Konsumvereine E. L. kann für 1928 nur von weiterem Ausstieg berichten. Die Mitgliederzahl betrug im Berichtsjahre 329 449, d. i. eine Steigerung um 1,4 Proz. In 774 Derteilungsstellen(im Vor- jähre 739) wurden 95 622 939 M., gegen 78 376 126 M. des Vor- jcchres umgesetzt: das ist eine Steigerung um 17 245 913 M. oder um 22 Proz.(19,49 Proz.). Der Warenwert der eigenen Pro- duktivbetrieben stieg von 23 919 895 M. auf 28 979 971 M.: hiervon entfallen aus Bäckereiprodukte 17 664 272 M.(15 835 875 M.) und. auf die Fleischereien 8 581 343 M.<5 991 776 M.). Be- s ch ä s t i g t wurden insgesamt 4541 kaufmännische Angestellte(3667) uird 708 gewerbliche Arbeiter und Arbeiterinnen(586). Wir wiederholen: auch diese gute Entwicklung der ostdeutschen Konsumgenossenschasten beruht auf dem Vertrauen, welches die Mitglieder ihrem eigenen Unternehmen entgegenbringen und auf dem Willen, durch eigene Kraft zur Demokratie auch in der Wirtschaft zu gelangen. OieReichsforfchungsgefellschafiefstaiieiBertcht Bor gut 1�4 Iahren ist die Reichsforschungsgesell- scha st für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen ins Leben gerufen worden. Der Reichstag stellte der neuen Gesellschaft einen einmaligen Betrag von 19 Millionen Mark zur Verfügung, um Versuche und Untersuchungen zur Der- besserung und Verbilligung des Bau- und Wohnungswesens vor- zunehmen oder finanziell zu unterstützen. Jetzt veranstaltet die Reichsforschungsgesellschaft eine„Technische Tagung" in Berlin, auf der sie über ihr« Arbeit Bericht erstatten will. Die Tagung begann am Montag mit einer Vollversammlung bei Kroll, in der Professor Dr. Julius Hirsch über die Rationalisierung im allgemeinen und Profeflor Dr. Walter G r o p i u s über den Ge- danken der Rationalisierung in der Bauwirtschaft sprachen. Der Dienstag und MUtwoch werden eine Reihe von Gruppentaaungen bringen. Die 7. Großstadlfillale der Arbeikerbonk. Wie wir vom All- gemeinen Deutschen Geiverkschaltsbund. in München hören, wird die bisherige dortige Zahlstelle der Bank der Arbeiter, Angestellte» und Beamten A.-G. am 15. Mcu in eine selbständige Bankfiliale um- gewandelt. Oienskag 46. April 4 929 Unterhaltung unö �Wissen Beilage des Vorwärts gnhn3>.3£errick: MS Vit pilMS Die Jazz spielte, spielte, spielte. Unaufhörlich und unentrinnbar hämmerte sich ihr Rhythmus in das Bewußtsein, fuhr in die ge- schmeidigen sportgestählten Glieder der jungen Tänzer, schmeichelte sich sehnsuchtsvoll in entzückend kleine Mödchenohren, leuchtete erwartungsfroh aus den großen Augen schöner Frauen, dröhnt«, gellte, jauchzte, kreischte, jubelte und erfüllte auch den letzten Winkel mit Lärm, Unruhe, Tanz und Musik.... mit Negermusik. Die weiße Kugel rollte, rollte, rollte. Das Klingen der Gold- münzen, rascheln der Notenpäckchen, Rufen der Croupiers, Murmeln der Spieler dämpfte die Klänge der Jazz aus dem großen Saale zu betörend anreizender Begleitung.. Eine schöne bleiche Frau stand auf der Terrasse und sah auf das Meer. Weit hinter ihr lag Tanz, Mufik, Glück und Spiel. Unauf- hörlich gleichmäßig kamen die Wellen von weither, schäumten auf, prallten auf und zersprangen in tausend schillernde Wassertropfen. Aber immer wieder kamen neue Wogen, tanzend, spielend kamen sie von weither gezogen, um zu sterben. Zu sterben. Auch sie wird bald sterten. Irgendwo verscharrt werden und niemand würde um sie weinen. Niemand, nicht Mann, noch Kind. Nichts wird sich ändern, nur ein« rleine Unbedeutende Welle wird an der Felswand zerschellen. An der härtesten uner- bittlichen Felswand... dem Leben. Da horchte sie auf. Tief von unten, aus dem dunklen schlafenden Garten kam eine leise zer- quälte Stimme. Sang ein altes Negerlied. Sie kannte es gut, ihre alte Amme hatte es gesungen, und auch ihren Jungen hatte sie es einmal vorgesummt. Wie entsetzlich lange das schon her war. Die Stimme sang und sie summte leise, fast unhörbar mit. „Wo ist mein« Pupp«? Meine schöne weihe Pupp«, Wo ist sie?... Ein böser Knabe hat sie mir zerschlagen... Kann ich noch weiter leben?" Wo ist meine Mutter? Meine liebe, gut« Mutter, Wo ist sie?... Der böse Herr hat sie in die Fremde verkauft... Kann ich noch weiter loben?.., Wo ist mein Mann? Mein schöner starker Mann, Wo ist er?... Eine böse Frau hat ihn mir genommen... Kann ich noch weiter leben?... Wo ist mein Kind? Mein liebes, liebes Kind?... Wo ist es?... Ein böser Gott hat es mir geraubt... Ich kann nicht mehr weiter leben!" Die Stimme brach ab. War das nicht ihr Lied, das Lied ihres qualvollen Lebens? Ein böser Gott hatte ihr alles genommen. Alles, auch das Kind, ihr Kind. Sie hatte es nie wieder gesehen, fest sie das Haus des gehaßten Mannes verlasien. Bor zwanzig Jahren. Dann hatte sie das Leben gepackt und mit ihr gespielt, wie der Sturm mit den Wellen, hatte sie gestreichelt und geschlagen, und zuletzt zerschlagen, sterbend an den Strand geworfen, ein Wrack. Und sie hatte noch solche Sehnsucht, solchen Durst... aber es war wohl zu spät... Zu spät. Es war nie zu spät. Sie war noch schön, das wußte sie, ihre Wongen glühten, wer erkannt«, daß es l»s Fieber war? Einmal mußte sie noch das Loben fühlen, das Leben... Liebe, Lust, Glück... Und sie ging, die müde bleich« Frau, um in letzter Stunde noch das Glück zu finden. Im Tanzfaal. Noch nnmer gellte Jazzmusik und die Paare flogen an ihr vorbei. Marionetten... Puppen... Harlekins, dachte die schöne Frau. Die Musik war so laut, so entsetzlich laut, wo doch alles stille sein sollte. Und so ging sie. Im Spielsalon rollte die Kugel, rollte das Geld, rollte das Glück. Di« Gesichter der Spieler zogen an ihr vorbei. Der fette Genießer, die kokette Dirne, der dekadente Lüstling, die Morphi- nistin, der fanatische Systemfpieler, der kühl« Croupier, der kleine Bürger und sein ängstliches Weibchen, der weiß«, geiernasige, stet» gewinnende Alte und... der blond«, stets verlierende junge Mensch. Er setzte aus Schwarz und verlor, setzte auf Rot und verlor. setzte Zahl auf Zahl und verlor. Sie trat hinter ihn, er sah auf und lacht« sie an.„Jetzt kommt das Glückl" Und riß das Geld aus seiner Tasche, sie sah, es war fem letztes Geld und setzte auf Rot.„Rot ist die Liebe, Madamel"» Sie wollt« ihn warnen. Und er sah ihr« bittenden Augen und legte zögernd die Hände auf das Banknotenpäckchen, um es zu nehmen. „Rien ne va plusl", schrie der Croupier. „Rien ne va plus", dacht« die schön« Frau. Und die Kugel rollte, rollte, rollte und Rot verlor... Der Mann stand auf, leichenbloß und ging mit schwankenden Schritten, ohne ihr einen Blick zu gönnen. Ging durch die hellen Säle, durch dunkle Gärten. Menschen grüßten ihn und er sah sie nicht. Sah nicht, wo er war, und sah nicht, wohin er ging. Sah nicht, daß die Frau ihm folgte. Und ging wie im Traume und er- wacht«, hart am Abgrund. Tief unten rauschte das Meer und lockte. Doch neben ihm bat ein« weiche Stimme, bat ein roter Mund: „Äomml" Und sie nahm sein« kalte zitternde Hand und führt« ihn durch die dunklen, schwermütigen Gärten zu ihrem Hause. Er ging, ohne zu wissen, wohin er ging, ohne zu fragen,»er- trauensvoll wie das Kind an der Mutierhand, ging mit ihr, well sie es wollte, küßte sie, weil sie es wollte, und blieb bei ihr, die lange Nacht. Wenn es nur kein Erwachen gäbe, keinen Morgen, wenn olles, alles immer so blieb«, dacht« die Frau und ihre suchenden Hände wollten den schlafenden Mann leise, ganz leise streicheln... Der Mann war fort, grell grinste der Morgen durch die Scheiben, sah das leere Bett, sah zerbrochene Schmuckkästchen und ge- sprengte Kastentüren und sah eine bleiche alle Frau weinen. Auch der Morgen verging und der Tag. Im Kasino spielte die Jazz. Spielle, dröhnte, gellte, jauchzte, kreischt«, jubelle und weinte. wie das Leben. Und die Marionetten tanzten. Puppe und Harlekin ruckweis«, wie es der Rhythmus wollte. Am Strand stand eine alle Frau und sah hinaus auf das Meer. • Im Spielfalon rollte die Kugel und rollte das Gold. Da saßen die Spieler mit heißen Wangen und glühenden Augen, spielten. Und «in. junger, blonder Mensch gewann. Er setzte auf Schwarz und gewann und setzte auf Rot und gewann, setzte Zahl aus Zahl und gewann. Eben warf er ein« große Summ« auf den Tisch und rief, das kokett« Dirnchen neben sich umarmend:„Rot ist die Liebe!" „Schenk mir das Geld!", bat das March«, und gönnerhaft nickte er. Doch die kleine Hand kam zu spät. „Rien ne va plus", rief der Croupier. „Rien ne va plus", dachte die Frau und ging den Wellen ent- gegen. Und der Wind säng und das Meer und die schmalen bleichen Lippen der sterbenden Frau: „Wo ist mein Kind? Mein liebes, liebes Kind, Wo ist es? Ein böser Gott hat es mir geraubt... Ich kann nicht mehr wester leben!..." Unaufhörlich und unerbittlich hämmerten die Wogen auf die steinerne Felswand mk Rhythmus von Gottes ewiger Jazzmusik. Armin Itegner: 3)er doppelte Vorhang Es ging etwas vor In der Stadt. Durch die Hafengasien von Pachlevi, die seit zwei Tagen von Regen trieften, lies ein Lastträger mit einem Schild an der Stange. Die Gestalten eines dicken Mannes und eines jungen Stutzers waren roh auf ein« Pappkarte gemalt. „Aschege Bitschare"(der unglückliche Liebhaber) stand in arabischen Buchstaben darunter, die langgezogen aus dem Papier wie rote Bänder flatterten. Schuhslicker und Berkäuser im Basar blickten sich neugierig danach um. Es wurde Theater gespiell! Niemand, der dieses Land nicht kennt, kann eriyessen', was dies bedeutet. Theater in Persien! Selbst in der Hauptstadt Teheran hatte ich kein Theater gefunden, außer einer Lichtspielbühne oder den alten orientalischen Schattenspielen. Pachlevi aber, die Hafenstadt am Kaspischen Meer, steht bereits unter russischem Einfluß. Man merkt es an der nördlicheren Bauart der Häuser, an dem russischen Einschlag in der Bevölkerung, der ganzen Art des Geschäftslebens. Di« kleine Stadt war in Aufregung: denn nicht nur das Theater selbst war«in Ereignis, man wollte ein Schau- spiel über die moderne Liebe geben— es war ein revolutionäres Stück! Als ich am Abenh. das Theater betrat, war der Zuschauerraum schon bis auf den letzten Platz gefüllt. Die überaus einfache, all- modische Bühne befand sich im armenischen Klubhaus, in einem nüchternen kahlen Versammlungsraum: denn ein persisches Bühnen- haus gibt es natürlich nicht. Auf Rohrstühlen und Holzbänken hockten, noch naß vom Regen, die persischen Männer, den schwarzen Fes aus dem Kopf, vom weißhaarigen Greis bis zu halbwüchsigen Knaben, alle damit beschäftigt, sich die Zeit mit dem Kauen von Sonnenblumenkernen zu vertreiben. Von dem Knabbern der vielen Zähne klang es im Saal wie in einem Cichhörnchenkäfig. Der ganze Boden war mit ausgespuckten Schalen bedeckt. Einen Augenblick war ich im Zweifel, nach welcher Seite ich mein Gesicht wenden sollte: denn dieses seltsame persische Theater Halle— zwei Borhänge, an jedem Ende des Saales einen. Hinter dem vorderen befindet sich die Bühne, hinter dem anderen, der im Rücken der Zuschauer das Ende des Saales absperrt, sitzen sür sich allein— hie Frauen. Wenn der Zuschauerraum zu Beginn sich ver- dunkett, hebt sich zuerst der Vorhang über der Bühne und dann erst der Vorhang vor dem Harem der Frauen. Frauen im Theater und noch dazu bei der Aufführung eines Liebesstückes, das war ein unerhört neuer Borgang für Persien. Man muß die ganze klösterliche Abgeschlossenheit der persischen Frau kennen, die jahrhundertelang ihr Leben hinter vielfachen Mauern oerbrachte, um zu verstehen, welche aufwühlende Neuerung darin lag. daß sich in dem Theater von Pachlevi ein Harem befand. Denn der doppelle Borhang, hinter dem bei der Vorstellung die Frauen sitzen, ist hier im Theater der„Harem". Einige ältere Männer unter den Zuschauern zeigten sich auch über die Anwesenheit der Frauen aus das äußerste erregt, und das Ganze drohte schon zu einem persischen Theaterskandal zu werden, als das Zeichen zum Beginn der Aufführung erscholl. Die Szenerie denkbar einfach. Rechts und links zwei Tapeten- wände, die Oeffnungen mit weißen Bettlaken statt der Türen ver- schlössen. Im Hintergrunde ein Orangenfpalier: der Garten. Ein junges Mädchen beim Spaziergang, wobei sie auffallend eckige Be- wegungen nach den hängenden Früchten macht— denn dieses Mäd- chen ist ein junger Mann, der in weiblicher Verkleidung eine Frauen- rolle spiest. Alle Frauen waren in Persien auf der Bühne noch wie im Altertum durch Männer dargestellt. Zwar gibt es auch weibliche Schauspieler, aber dann dürfen sich auch nur Frauen unter den Zuschauern befinden, und in diesem Falle werden die Männerollen durch Frauen gegeben. Selbstverständlich sind alle diese Schau- spieler Dilettanten, ein« Berussbühne gibt es in Persien nicht. Der junge Mann, vielmehr das Mädchen am Spalier, erwartet ihren Liebhaber. Em iunger Perser erscheint, der in Europa studiert hat und zum Zeichen seiner Aufgeklärtheit statt der Mütze aus dem Kopf, einen Hut in der Hand trägt. Damit sind wir mitten im Umstur� der Sstten des Landes, daß in seiner AUersschwermut trotz aller Neuerungen doch noch weit von seiner Dollendung steht. Denn beides, weder eine solche Begegnung mit einer Frau, noch der euro« . päische Hut in der Hand, sind bis heute in Persien möglich. Das östliche Nonnentum, zu dem die völlige Absperrung die Frau ver. urteille, brachte es notwendigerweise mll sich, daß auch die Ehen stets geschlossen werden, ohne daß Mann und Frau sich vorher kennen. Die Eheschließung erfolgt nur durch Mittelspersonen, durch Verwandte oder weibliche Bermilllerinnen, und die Vermählten haben niemals die Möglichkeit, durch vorherige Bekanntschast zu prüfen, ob st» sich auch wirklich dazu eignen, u» miteinander ein Leben in engster Gemeinschaft zu verbringen. Das höchste mensch- liche Glück, die Liebe, wurde so zur grausamen Sklaverei. Reiche Perser suchten sich dadurch zu helfen, daß sie von der Erlaubnis der Vielehe Gebrauch machten, den ihnen nicht zusagenden Gattinnen Geld gaben, um sich von ihnen zu befreien, und solange eine neue heirateten, bis sie endlich eine Frau fanden, die ihren Wünschen entsprach. Ein kostspieliger Umweg! Die übrigen, nicht zuletzt die armen Frauen, ergaben sich in ihr Schicksal. Gegen den finsteren Zwang dieser altertümlichen Sitte wandte sich die kindliche Komödie, die vor mir auf den Brettern vor sich ging, bei aller Unbeholsenheit ein Frciheitslied gegen die größte Sklaverei, die das menschliche Leben überhaupt aus der Erde kennt, gegen die Sklaverei der Liebe. Zarif,«in Perfermädchen und Charis, ein persischer Student, lieben sich heimlich. Beide sind zur Heirat entschlossen, aber Halst- Beck, der Vater Zarifs, will seine Tochter mit einem alten Perser vermählen. Di« Liebenden beschließen dies zu verhindern und ziehen Hadidje, die Dienerin, von einem sechzehnjährigen Burschen in weib- lichen Spitzen Unterhosen und langen schwarzen Strümpfen launen- hast dargestellt, ins Vertrauen. Man entwirft einen Plan. Dafch- Hassan, ein« persische Lolksfigur, witzig und saul, die lebhaft an die Helden der Schattenspiel« erinnert, soll für Geld alles in Szene setzen, um den alten LiebHober zu verjagen. Das Stück zeigt, wie Dasch-Hassan durch Intrigen, Verleumdung und schlaue Einfälle trotz vielfacher Verwirrungen diese Aufgabe löst, bis der betrogene Liebhaber unter dem Spott der andern den Platz räumt, und Zarif und der Student. Dafch-Hassan und die Dienerin zu Paaren werden, die sich hinter dem Rücken des nichtsahnenden Halil-Beck nun nicht mehr nach den starren Gesetzen des Islam, sondern nach der Wahl des eigenen Herzeps miteinander verbinden. Das ganze ist dichterisch eine Belanglosigkeit, halb ein« Shake- spearesche Rüpelkomödi«, halb ein französisches Lustspiel in der Technik des achtzehnten Jahrhunderts, unterbrochen durch zahlreiche Gesangseinlagen, Duette und mll näselnder Stimme gesungene Ghafelen. Dazu zirpte die Mandoline wie eine riesige Grill«, quakte die Handtrommel wie ein Frosch und wimmerten die seltsamen persischen Seiteninstrumente, die in chren Formen an merkwürdige exotische Frücht««rinnern. Dennoch: ein revolutionäres Stück. Ein« sittliche Tat für dieses zurückgebliebenste Land Asiens. Em Zeichen, daß nun auch hier wie in der Türkei ein« Wandlung der sittlichen Anschauungen sich anbahnt. Während des Spiels blickte ich mich heimlich im Halb- dunkel des Saales um und sah im Hintergrund unter den hoch- geschlagenen Schleiern die Gesichter der Frauen wie blasse Dreiecke leuchten. Ihr« schwarzen Augen starrten well geöffnet in den Glanz der Bühne und sprühten Funken wie schwarze Feuerstein«. Ein tiefes schweres Atemholen ging durch den Raum und all«, Männer wie Frauen, schienen von der gleichen heißen Spannung erfüllt, von dem ewigen Hunger nach Glück, der das menschliche Herz in allen Ländern der Erde in gleicher Weis« durchzieht. Als der Vorhang über der Bühne sich senkt«, schloß sich auch wieder d» Vorhang über dem Harem der Frauen. Dann erst flammte das Licht über dem Saal« auf. Nun aber riefen die Männer nach dem Autor; die Vorstellung war eine Uraufführung. und der Verfasser, ein schon weißhaariger persischer Schullehrer aus Pachlevi, hatte selber mll greifenhafter Täppifchkell die Rolle des unglücklichen Liebhabers gespielt. Unter tobendem Beifall begann der bejahrt« Verfechter der neuen Idee des Landes, die ein« Hand auf die Stirn gelegt, die ander« auf dem Rücken, im Kreise einen persischen Volkstanz zu tanzen. Aber nun nahmen die Frauen nicht mehr daran teil. Männer und Knaben, allein gelassen, schlugen mit den Händen klatschend den Takt. Die Handtrommel dröhnt«, die Mandoline zittert«. Das wilde selige Stampfen der Füße aber durchzog auch mein Herz und ich hörte den Jubel der Menge noch hinter mir, als ich schon unten auf der verlassenen Straße stand. Es war spät. Die kleine Stadt lag im tiefen Schlummer. Der Regen hatte aufgehört: aus den finsteren Basargassen klang das laute Zähneknacken eines Hundes, der einen Knochen zerbiß, und während ich an den Hafen hinunterging, dachte ich noch einmal an das traurige Schicksal der Frauen dieses Landes. Wann end- lich würde auch für sie die Stunde der Erlösung kommen? Der ganze Himmel war klar geworden und vom anderen Ufer blitzten die hellen Lichter des Dampfers, der mich morgen nach Baku bringen sollte. Nur«ine einzelne Wolke stand über dem ruhigen Meer am Himmel, seltsam geformt wie ein richtiger Vogel. Nun öffnete sie sich und aus ihren schwarzen, am Rand« von Silber glänzenden Federn glllt der Mond wie ein goldenes Ei. Aus der tKüche eines SBOologifchen Gartens Was täglich in der Küche eines zoologischen Gartens für die fremdländischen Gäste in den Käsigen zubereitet werden muß, zeichnet sich weniger durch das Raffinement des Rezeptes als durch die Menge und die Verfchiedenarttgkeit der Speisen aus. Die Ansprüche der Tiere sind recht unterschiedlich. So frißt z. B. der Grislybär nur rohes Fleisch, während braune und Eisbären neben Gerstenschrot und gekochtem Mais gekochtes Fleisch bevor« zugen. Wasch- und Nasenbären sind ausgemachte Vegetarier, die sich von Reis, Aepfeln und Karotten nähren. Dos Fleisch, da» die anderen Bären verzehren, ist meist Pferdefleisch. Frisches Pferdefleisch be- kommen die Löwen und Tiger, und zwar im ollgemeinen täglich 14 Pfund, die weiblichen etwas weniger. Leoparden und Wölfe be- gnügen sich mit 4 bis 5 Pfund, die Schakale ein Pfund. Wiesel, Iltis und wilde Katzenarten begnügen sich mit einem balben Pfund. Von den Raubvögeln bekommt der Kondor zwei Pfund, Geier und Adler erhallen ein bis eineinhalb Pfund srisches Pferdefleisch. Die Elefanten oertllgen im Tag leicht zwei Zentner Heu, außerdem noch SO Pfund Rüben und fast soviel abgebrühten Gerstenschrot. Viel an- spruchsvoller sind die Affen, sie verlangen ein ganzes Menu. Nicht in allen, aber in den meisten zoologischen Gärten bekommen sie am Morgen ihren Milchkaffee mll Weißbrot und als Diner Milch, Reis in Form eine» mll Milch gekochten Reisauflaufs, Sonnenblumen- kerne, gekochte Kartoffeln, roh« Karotten und als Nachtisch einen Apfel oder der Jahreszeit entsprechendes Obst. Affenkinder begnügen sich mit einer Banao« und einigen Feigen. Am Nachmittag trinkt die vornehmere Affenfamilie Tee mll Brot. Wenn so ein Aeffchen sein Brot in seine Teeschale taucht, ist das ein lustiger Anblick. Für den Ameisenbären muß mittags und abends Milchgries gekocht werden, Papageien bekommen Reisauflauf, Bananen, auch Eier- bisquit». Einmal in der Woche ist Fasttag, an dem dl« Tier« niibt» oder nur wenig zu fressen bekommen. SI Sozialiſtiſche Arbeiterjugend Gr. Berlin SEJ Einsendungen für diese Rubrit nur an bas Jugendsekretariat Berlin G 68, Lindenstraße 3 Beteiligt euch an den heute stattfindenben vier großen öffentlichen Frauenkundgebungen um 19 Uhr in den Pharusfälen, Müllerstr. 142, Bracht fäle am Märchenbrunnen, Am Friedrichshain, Rliems Festfäle, Safenheide 13-14, Spidern- Säle, Spichernftr. 3. Chorgefänge, Film, Ansprachen. Es fprechen ausländische und deutsche Genoffinnen. Eintritt frei. Heute, Dienstag, 16. April, 19% Uhr: Röllnischer Bart: Seim Landsberger Str. 50. Vortrag: Rechte und Pflichten eines Lehrlings". Rosenthaler Borstadt: Schule Elisabethtitchstr. 19. Vortrag: Berliner Humor". Brunnenplag: Beteiligung am Internationalen Frauentag Wedding- Nord: Beteiligung am Internationalen Frauentag. Webbing R.- F.: Schule Lütticher Str. 4. Vortrag: Warum Rote Falten?" Hohenschönhausen: Schule Tingelstädter Straße. Bortrag: Die Strafrechts reform usw." Sasenheide: Heim Waffertorstr. 9. Einführungsabend. Licht. bilder: Hinein in die SAJ.!" Rottbusser Zor: Generalprobe, Schule Reicherberger Str. 130. Süden: Heim Nordstr. 11. Einführungsabend. Schöneberg I: Heim Hauptstr. 15. Vortrag: Wandern". Schöneberg III: Heim Hauptstr. 15. Vortrag: Neuigkeiten aus dem Reiche der Technit". Westend: Seim Rosinenftr. 4. Bortrag: Berliner Humor". Lichterfelbe: Der Vortrag fällt aus. Dafür Probe, pünktlich 20 Uhr, im Heim Stegliz, Albrechtftraße 47. Steglig: Heim Albrechtstr. 47. Probe. Zehlendorf: Nordschule, Potsdamer Str. 5-7( Beichen faal 1). Mitgliederversammlung. Bortrag: Tages. politische Fragen". Briz 1: Heim Rathaus, Chausseestr. 48. Arbeiterwohlfahrt. Neukölln II: Seim Bergstr. 29. Bortrag: Moderne Arbeiterdichter". Neukölln III: Heim Flughafenstr. 68. Einführungsabend. Reukölln IV: Heim Schierkestr. 44. Vortrag: Meine Bude". Neukölln V: Heim Böh. mische Str. 1-4. Bortrag: Amerikanischer Imperialismus“. Neukölln VI: Werbefeler im Seim Ranner Straße, Reufola VII: Schule Ratferries rich- Str. 206. Bortrag:„ Warum miß der Jugendliche oganisiert sein? Renfölln VIII: Schule Rütliftraße. Bortrag: Weshalb bin ich in der SAZ?" Riederschöneweide: Schule Berliner Str. 31. Seimabend. Reinidendorf. Oft: Heim Lindauer Straße, Barade 1, Vortrag: Was ist und was will die SAJ.?" Wieberschönhausen: Schule Blantenburger Str. 16. Bortrag: Ofter fahrt". Barlow 1: Seim Riffingenstr. 48, Rimmer 3. Einführungsabend. Pantom II: Seim Gärschfte. 14. Einführungsabend. Neufälla I: Heim Sander Ede Sobrechtstraße. Bortrag: Rote Fallen". Werbebezir! Lichtenberg( Aelterengruppe): Beteiligung an der Jungfosia. listischen Beranstaltung bei Wegener, Frankfurter Allee 256. Berbebezirk Prenzlauer Berg: Der Werbebegirt beteiligt sich gefchloffen an der Frauentundgebung in den Brachtfälen am Märchenbrunnen. Treffpunkt 19 Uhr vor dem Gaal. Werbebezirk Wedding: Alle Teilnehmer der Baldurfahrt" müffen fich morgen, Mittwoch, in der Abteilung Bedding, Heim Turiner Straße, melden und bezahlen. GGG. Neukölln: Morgen, Mittwoch, im R. F. R. 19 Uhr, Bortrag: Das Wehrproblem". 18 Uhr leben des Sprechchors für die Werbeveranstaltung ebendort. Rommt alle zum Ueben. I bez Rameraben in fight. Mitte. Turnabend 20 the Turnballe Gartenfte. 107, Friedrichshain, Rameradschaft Andreas. 20 Uhr Bersammlung in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36. Bortrag des Rameraden Furtwängler: Reise einbrüde in 3ndien. Gäste willkommen. Rameradschaft Warschau. 19% Uhe Bersammlung bei Baul Schendtfe, Simon- Dach- Str. 59. Rameradschaft Memel. 20 Uhr Sigung des 2. 8uges bei Engel, Memeler Str. 13. Reutöln- Brig. 2. Rametabfchaft. 20 Uhr Werbeveranstaltung in den Baffagefeftfälen, Bergftraße 151. Mitwirkende: Tambourkorps, Ramerab Rüter als Referent, Film Dorführung. Donnerstag, 18. April, Brenzlauer Berg. Rameradschaft Robert Blum. 20 Uhr bei Klug, Danziger Str. 71. Rameradschaft Wörther Blag. 20 Uhr im Sportreftaurant Opalsti, Kantianstraße. Rameradschaft Nordkap. 20 Uhr bet Cachetti, Gchievelbeiner Str. 10. Friedrichshain. Rameradschaft Petersburg. 19 Uhr Antreten in der Turnhalle Diestelmenerstr. 8 in Bun bestleibung. Pflicht. Wilmersdorf- Rord. 20 Uhr Rateradschaftsabend bei Schrammt, Hohenzollerndamm 2. Aurafchriftverein Stolze- Schren zu Berlin e. B. Dienstags und Freitags von 19-21 Uhr, zehn Fortbildungs- und Dittatabteilungen für deutsche Stenographie, Rönigstädtisches Gymnasium, Elisabethstr. 57-58( nahe Alegan berplag), und Bismard- Enzeum, Steglis, Gachfenwaldstr. 21. Donnerstags von 19-21 Uhr englische und französische Dittate im Rönigstädtischen Gymnasium. Stiftungstest Sonnabend, 20. April, 20 Uhr, Ressource", Oranienburger Str. 18. Nähere Auskunft durch die Geschäftsstelle, C. 25, Aleganderstr. 9. Fernruf: 2 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Ruparaben 3623. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". 99 Gefäftsstelle: Berlin G 14, Gebaftianfte. 37/38, Sof 2 It. Dienstag, 16. April. Friedrichshain, Ramerabschaft Stralau. 19% Uhr Bersammlung bei Bertalla, Hohenloheftr. 3. Referent Kamerad Jonas. Riederschönhausen. Kameradschaftsversammlung um 20 Uhr bei Rojnt, Friedensplat Mittwoch, 17. April. Sanitäter. Areis Süben, Bollversammlung pünktlich 20 Uhr bei Wilke, Neukölln, Reuterstr. 47 Ede Lenaustraße. Bortrag: Dr. S. Abraham über„ Geguelle Tagesfragen". Erscheinen Jüdische Sozialdemokratische Arbeiterorganisation Boale Zion. Sonnabend, 20. April, 20 Uhr, in der Aula der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16-17, öffentliche Ausfprache über das Thema:„ Sozialismus als Schicksal der jüdischen Jugend". Longfellow English Debating Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärzt haus, Bülowstraße 104, Guttmannsaal: MiB Elizabeth Wright: London to New Zealand: Impressions." German- English- Society. Café Jagenburg, Berlin W, Nollendorfplatz, 9, p. m., Social- Evening- Musical. Programme arranged by Prof. Wendlandt. Theater, Lichtspiele usw. B METROPOL- THEATER B GR.SCHAUSPIELHAUS& 8 Künstlerische Leitung: Erik Charell Lustige Witwe Trade Hesterberg Oskar Karlweis Jankuhn, Elleot. Junkermann, Schaeffers. Ausstattung: Prof. Ernst Sterm Mus. Leitg.: Rudolf Perak Dienstag, d. 16.4 Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 99 19 Uhr Dienstag, d. 16.4. Städt. Oper Bismarcksir. furnus li 20 Uhr Rosen- Tosca kavalier Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. R.- S.93 1912 Uhr Don am Geudarm nmark: A.-V. 89 20 Uhr. Giovanni Clavico Staatl. Schiller- Theater, Charith. 20 Uhr Die Weber SCALA 8 Uhr B5 Barbarossa 9256 GROCK und das große April- Programm PLAZA Am Küstriner Plats Alex. 8066-68 Tägl. 5 u. 845: Intern.Varieté Heute neues Programm! Karien 8 Tage im voraus Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Trojaner Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Pioniere in Ingolstadt Dec liebe Augustin Thalla- Theater Alfred Braun Mady Christians, Lieske, Arno, Morgan, Westermeler, Matzner Mus. Leitg.: Ernst Hauke Sonntag Nachmittag 3 Uhr ungek. Vorst. Kleine Preise Heute: Walhalla- Theater Weinbergsweg 19/20 und folgende Tage 8 Uhr 15 Das Zille- Volksstück 8 Uhr Oelrausch Staatl. Schiller- Th. 8. Uhr Die Weber Staatsoper am Platz der Republik 71 Uh Don Giovanni Das Mädel vom Wedding 8 Theater am von Franz Cornelius Musik v. Fr. Holländer, Gilbertu.a. In der Hauptrolle Fritz Beckmann a. G. 1. Bild: Aus Spiel eidensch.z Verbrecher 2 Bi d: Bei uns im Hinterhaus 3. Bild: Die Nutten von Groß- Berlin 4. Bild: Wenn die Veilchen wieder blühen Zwischen 3. u 4 Bild: Kabarette nlage Gastspiel Hildegard Orlowski. Muß jeder gesehen haben! Voi verk. ab 11 U. vm. a.d.Theaterk. Nach der Vorstellg. Tanz im WalhallaTanzpalast bis 3 Uhr. Winter Garten Schiffbauerdamm. Norden 1141 u. 281. Pioniere In Ingolstadt Aus seinem arbeitsreichen Leben wurde am 13. April unser allseits verehrter Mitarbeiter und Kollege, der Hilfsarbeiter Alfred Albrecht im Alter von 48 Jahren nach kurzem Krankenlager durch den Tod abberufen. Obwohl der Verstorbene nur 5 Jahre in unserem Betriebe tätig war, erwarb er sich infolge seiner ausgezeichneten Charaktereigenschaften in kurzer Zeit allgemeine Achtung und Wertschätzung Gestützt auf das Vertrauen seiner Berufskollegen, vertrat er die Interessen derselben jahrelang als Vertrauensmann und Betriebsrat, wo er infolge seiner Gewissenhaftigkeit und reichen Erfahrung bis zu seiner Erkrankung mustergültig im Interesse der Belegschaft wie auch des Gesamtbetriebes wirkte Durch seine stets bewiesene Gradheit, Offenherzigkeit und Hilfsbereitschaft wird er in unserem Gedächtnis als Vorbild rechter Kollegialität weiterleben. Berlin, den 15. April 1929. Geschäftsleitung und Personal der Vorwärts- Buchdruckerei. Trauerfeier: Mittwoch, den 17. April, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg Berliner Theater Direkt.Heinz Herald Charlottenstraße 90 ( Soldaten u Dienst- A. 7. Dönhoff 178 mädchen) Kerder, Lenja, Lorre. Reub, Hoermann, Stüssel u. a. Deutsches Theater Täglich: Anf. 8 U., Ende 10 U. Helden von Bernard Shaw D. 1. Norden 12 310 Lessing- Theater 3U. Ende nach 10% Letzte Aufführungen Die lustigen Weiber von Windsor von Shakespeare Regie: Heinz Hilpert 3 Uhi Zentr. 2819 Rauchen erlaubt Kammerspiele ... wenn es Weltmeister des Varietés gäbe dann würden die Künstler des Wintergartens diesen TItel verdienen. Vossisdie Zig. 5. 4. 29. Theater a. KottbusserTor Kottbusser Str. 6. Tel. Mpl. 16077 Allabendlich 8 Uhr auch Sonntags nachm. 3 Uhr Jubiläums- Programm unter der Devise 10 Jahre Elite Sänger Arbeiter, Angestellte u. Beamte sollen sich nach den Beschlüssen desGewerkschaftskongresses, der Genossenschaftstage, des Allgemeinen freien Angestelltenbundes und des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes nur versichern bei dem eigenen Unternehmen, der Volksfürsorge Gewerkschaftlich- Genossenschafil. Versicherungs- Aktiengesellschaft Auskunft erteilen bezw. Material versenden kostenlos die Rechnungsstelle Berlin, Ritterstraße 126, oder der Vorstand der Volksfürsorge in Hamburg 5, An der Alster 58/59. Berthold Bodeutsch, Mariendorf, Ringstr. 86, 2 A. III: Rechnungstel e 28; Rudolf Meißner, Cöpenick, Kurfürstenallee 13, ptr.: Rs. 66; Orto Schmidt, Lichtenberg, Hubertusstr. 1a, v. 1: Rst 70; Theodor Schmattek, ReinickendorfOst, Justusstr. 10, ptr: Rst. 80; Otto Metting. Be nau bei Berlin, Lohmühlenstraße 5 Rst. 84. D. 1. Norden 12310 814 U., Ende geg. 10 Jusik von Ossip Dymow. Regie: HeinzHilpert Bühnenbilder: Erich E. Stern. Bühnenmusik: Pantsdo Waldigero 1. Täglich 8 Uhr 3x Hochzeit. Trianon- Th. Täglich 8 Uhr. Der Herzog und die Sünderin Rundfunk höre halbe Preise Dtsch. Künstler- Th. 84 Uhr Pottasch und Perimutter als Detektiv Paul Grätz. Karl Ettlinger. Die Komödie Thalia- Theater 11 Bismck. 2414/7516 84 U., Ende geg. 10 Dresdener Str. 72-7. 8 Uhr 19 Wann kommst Delrausch Du wieder? Komödie von S. Maugham. Regie Gustaf Gründgens Barnowsky- Bahnen Theater in der Königgrätzer Straße Tiglich 8% Chi Lustspielhaus 814 Uhr 66 Guido Thielscher Weekend im Paradies Rivalen eines Theater Komödienhaus Täglich 814 Uhr Täglich 84 Uhr kurzes Gastspiel Wi. Gaidarow, Charleys Tante Olga Gzowskaja mit Curt Bois. Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uh Revolte Im Erziehungshaus vom Moskauer Künstler- Theater in Herr Lambertler. 81 Theater des Westens Gonntags 312 und 84 Uhr Der größte Philharmonie Grfolg Berlins 8 Uhr Abschiedskonzert Friederike Beethoven Abend des Philharm. Orch. Dirig. Prof. J. Prower 6. Sinf.( Pastorale) Serenade für Flöte, Viol., Bratsche Männer! Neue Kraft! 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