BERLIN Donnerstag 18. April 1929 «rsSeinttSglichaoger Sonntag«. f*, �»ä» M A n J« I g e n o r e i« s©te elnftattige 91etiwmTI«|etIt Zugleich Abendaukgabe de«.Voririrts'. Beiug«prcis\,"J. /// fX 1 A t 80 Pf.. SeHatWiStl« ö M. TrmiSlgungen nach Tarif. beide Zlll«zaben8SPf.prvWecht.S.mM. reo Monat., fff fjmrt I S Xfl/J MJ& yTÄA ee IßölTl/flCyf'flA Postscheckkonto: V»nvSrt«-B«lag«. m.b.H.. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68. Lindenstr. 3 I � � � yy M Wir TW Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis SS? Ilr.-lS-l »90 46. Jahrgang. 10 Pf. Gnowdens Husarenritt. Nachspiel im Unterhaus.- Die Arbeiterpartei ist nicht einverstanden. Die Wohnkolonie in Viehwagen. Eine Musterleistung des Ordnungsblocks. London, 18. April.(Eigeirbericht.) SnowÄens Ausführungen zur Frage der interalliierten Schulden vom Dienstag hatten am Mittwoch in später Abendstunde im Unter» haus noch ein dramatisches Nachspiel, das genauerer Darstellung dedarf. Bon der Regierungsseit« wurde Snowdens Feststellung zum Anlaß eines Verlangens nach Zurücknahme und Entschul- digung genommen. Unter gespanntester Aufmerksamkeit erhob sich hieraus Snowden und erklärte, daß er keinerlei Entschuldigungen zu machen noch ein einziges Wort zurückzunehmen gedenke. Die Arbeiterpartei trete für eine gegenseitige Streichung der Schulden ein, das sei ja auch die Politik, die in den Schlußworten der Balsournote proklamiert werde. Die Arbeiterpartei wende sich lediglich gegen denjenigen Teil der Balsournote, der eine Be> lastung Großbritanniens zugunsten seiner alliierten Schuld» N e r das Wort rede. Er, Snowden, fühle sich genügend als Eng» länder, um sich dagegen aufzulehnen, daß seine eigene Nation zu. gunsten anderer Länder weißblute, die viel blühender wären als sein eigenes Land. Gegen sein« Gegner polemisierend betonte Snoroden hieraus,..es sei-absurd,. 5 Millionen Mar? Schaden. Eine der größleo vergnügungselablissemenls von Amsterdam. der Sristallpalast, ist von einer Feuersbrunst heimgefncht worden. Das Gebüude wurde fast vollständig zerstört. Der Schaden beläufl sich auf S vl i l l i o n e n Mark. Nach den bisherigen Feststellungen find Menschen nicht zu Schaden gekommen. Ein Wohlfahrisvorsteher niedergestochen. Äluttat eines Iähzorr igen. heute vormittag wurde der Slfährige wohlfahrlevorsteher Erich Oflermann in seiner Wohnung Wilmersdorfer Str. 15 von dem Arbeiter Wilhelm Rabe durch mehrere Messer- st i ch e schwer verletzt. Rabe, der Unterstützungsempfänger ist, war mit Ostermana in Slreil'geralen. der schließlich in handgreiflich. leiten ausartete, plötzlich zog Rabe ein Messer hervor und stach auf den wohlsahrlsvorsteher ein. Der Schwerverletzte fand im Westendkrankenhaus Aufnahme. Der Täter wurde ver. haftet und Ins Posizeipräsidlum gebraut. er als Arbeiier. soziale Kulissen. bleibt. Mit 1333 Mark und über 1333 Mark umfassen sie hier mit SB Prozent fast sämtliche Schauspieler in dieser Einkommensgruppe. Nun hat aber die Hälfte aller gemeinnützigen Theater nur Saisonoertrag. das heißt, daß die Gage an die Schauspieler nur durch 6 bis 8 Monate gezahlt wird. Ueber- dies stehen die mit Saisonvertrag verpflichteten auch noch wesent- lich tiefer in der Gagenskala. Weitaus ungünstiger noch liegen die Verhältnisse an den P r i- vattheatern. Hier ist 233 Mark der Satz, den die relative Mehrzahl der Schauspieler bezieht und zwar 27,6 Prozent der Schauspieler. Zugleich fallen die höheren Bezüge bis zu 1 Prozent herunter. An den Wanderbühnen übersteigt kein Monatsein- kommen 533 Mark. Bis zu 233 Mark beziehen hier über 53 Prozent der Wanderbühncnmitglieder. Selbst wenn man Wanderbühnen mit mittleren und kleinen Theatern gleichsetzt, bleibt eine weitaus größere Verteuerung der Lebenshaltung für Wanderbühnenmit- glieder bestehen, neben der intensiveren Tätigkeit und der physisch größeren Belastung. Der Mangel an wirtschaftlichen Sicherungen und auch an künst- lerisch gesicherten Existenzen im deutschen Theaterleben drängt zu Reformen. Als zunächst dringend erforderlich scheint eine Fest- setzung der Mindestgagen, eine Festsetzung, die sich na- türlich noch bestimmten Theatergruppen vollziehen muß, die aber eine Bezahlung, wie sie heute noch üblich, von unten her unterbindet. 118 Theater zahlen Mindestgagen in einer Höhe von 53 bis 153 Mark! Die Kündigung der Mindestgagen an den Berliner Theatern, die als einzige Theater bisher eine vertragliL: Festlegung der Mindcsigage hatten, gab den Anlaß zu dieser Unter- suchung, die ein so katastrophales Resultat zeitigte und die dring- liche Notwendigkeit erwies, an ollen Theatern eine derartige' vertragliche Festlegung zu erreichen. Was die Höchstgagen anlangt, so scheinen die 52 Theater, die Höchstgagegen von 1333 und über 1333 Mark zahlen, als eine gan.; respektable Zahl. Wenn man aber die 6,4 Prozent der Schauspieler damit in Beziehung setzt, die Gagen von 1333 und über 1333 Mar' habeu so büßt diese scheinbar günstige Zahl sehr von ihrer Güte ein. Dagegen zahlen 60 Theater Höchsigagen von 233 bis 633 Mark. Es kann also nicht die Red« davon sein, daß nach oben keire Grenzen gezogen sind. Die Grenzen sind in der finanziellen L'ge der Theater und im künstlerischen Niveau der Theater gelegen. Und dies« Grenzen sind leider noch eng gezogen. Bei diesen trüben und schweren Anstellungs- und Arbeitsbedin- gungen der Schauspieler können sich auch die einfachsten Organi- sationen, die an den Theaterunternehmungen bis jetzt cntstandcn sind, in einer einflußreichen Tätigkeit im Interesse ihrer Mitglirdcr noch immer nicht behaupten. Es existieren wohl Ordnungsausschüsse an allen Bühnen, die sich aber zum größten Teil noch dar- auf beschränken oder beschränken müssen Strafen für Zuspätkommen zu diktieren. Ein Betriebsrat besteht an der Hälfte aller Bühnen noch nicht!->»> Aehnlich liegt es mit der Altersversorgung der Schau-' spieler. Der Münchener Bersi�erungsanssalt, der Altersoerlw' gungsanstalt der gemeinnützigen Bühnen, sind nur 48 Theater l'-i- getreten. Die übrigen überlassen es der privaten Initiative der Bühnenmitglicder, sich eine Altersversorgung zu sichern und da eine solch« Initiative von Menschen mit so geringem Einkommen nicht zu erwarten ist. so wird das Elend alter Schauspieler noch immer eine traurige soziale Erscheinung bleiben. Es wird heute von allen Seiten daran gearbeitet, allen Staate bürgern, die für die Gesellschaft Arbeit leisten, die Existenzgrund- lagen zu sichern und zu heben. Soll nwn dabei bie Schauspieler, einen so wichtigen Faktor in der Kulturarbeit eines Volkes, über- sehen? Soll man nur ihre Leistungen hinnehmen, ohne sich ver- pflichtet zu fühlen, den Existenzkampf, der dahinter liegt, zu er- leichtern? Will sich die Oeffentstchkeit nicht durch Beachtung und Schutz der Menschen, die ihr Entspannung und plastische Konzen- tration eigener Lebensfragen bieten, das Theater verdienen, das sie braucht und will? Dr. Elebeth Weichmann. „Despoienlaunen." Wer war es? Heinrich George! Man schreibt uns:„Sie berichteten heut« morgen im„Bor- w ä r t s" unter der Ueberschrift„Despotenlaunen" über das unerhörte Betragen eines bekannten Schauspielers gegenüber einem Schasjner der Aboag. Der Herr— es handelt sichumHeinrichGeorge— hat schon einmal durch ein« Auseinandersetzung mit seinem früheren Chauffeur unliebsam von sich reden gemacht. Es hatte sich ein Ring- kämpf mit Faustschlägen und Fußtritten abgespielt, und vor dem Ar« beitsgericht zahlte George, der übrigens mit seinem richtigen Namen Georg Schulz heißt, 233 M. an den Kläger Ob ein Mann, den niemand kennt, oder ein Max Hoelz»der ein Heinrich George seine körperlichen Kräfte mißbraucht, um einen anderen zu mißhandeln, ist völlig gleichgültig- Die Tat Ist in gleicher Weise ein«!« i g e Rüpelei. Der Mann kann von Glück sagen, daß der Richter ihn nicht hsnter Schloß und Riegel steckte, wie es einem Arbeiter bei einem Roheitsakt höchstwahrscheinlich geschehen wäre." Wir haben dem nicht ein Wort hinzuzufügen. Die Toie aus der Kronenstraße. Sie starb an Herzschlag. Die unbekannte Frau, die am Montag abend um 11 Uhr von einem Droschkenchausseur in die Rettungsstelle in der Kronen. straße eingeliefert wurde und dort batd verstarb, ist jetzt fest. gestellt als eine 55 Jahre alte Witwe Clsbeth H o r t m a n n aus der Prinz-Heinrich-Straße zu Pankow. Di« Sektion, die gestern im Dchauhause vorgenommen wurde, ergab al» Todesursache Herz. l ä h m u n g als Folge eines chronischen Herzleiden» An den Tod eines Kaufmannes Josef N. aus der O r o n i e n- straße knüpften sich, wie wir mitteilten, Gerüchte von einer Der- g i f t u n g. Der Kaufmann war zu einer Operation am 13. April in ein Krankenhaus gebracht worden und starb dort am 13. Auch hier hat die Sektion keinen Anhaltspunkt für«"in Verbreche i gegeben. R. ist an Blutvergiftung und Harnstauung gestorben. « Französische Aufregung. Zornesausbrüche über das deutsche Memorandum. Paris, 18. April.(Eigenbericht.) Das deutsche Memorandum hat in der gesamten Pariser Presse einen unbeschreiblich hestigen Entrü st ungs stürm hervorgerufen. Zn den Ausdrücken eines maßlos unbeherrschten Zornes wimmelt es nur von Worten wie„lächerlich, kläglich, schamlos. nndiskutabel." Die' Deutschen machten sich einfach lustig, schreibt das.�Journal", und der„Mohn" erklärt, daß dieses Angebot nicht mehr ernst ge- nommen werden könnte. Sämtliche Blätter bringen ausführliche Berechnungen, in denen sie zu bewerfen suchen, daß das deutsche Angebot zur Deckung der interalliierten Schulden und vielleicht auch noch zum Zinsendienst für die Dawcs-AnleiHe ausreiche. Es bleibe dann aber kein Heller mehr übrig für die Wiederausbaukosten, Besatzungsiosten, die„Belgien gestohlene Marksumme" und für die Forderungen der kleinen Alliierten. Dabei vergißt die Pariser Press« vollkommen, daß sie selbst noch kurz vor Ostern eine Annuität von 1,6S Milliarden als durch- aus möglich und genügend erklärt hat. Kleiner Irrtum. Huaenbera:„Sind das die gesammelten llnterschristea sü das StahliieiM'Voltsdegehren?" „Ttet, Herr 6fjep, det sind die teut.gen Austritte aus der Oeutschnationa en Vol'Spartei!" Pertinax behauptet im„Echo de Pari daß die fran. zösische Delegation nach diesem Angebot die Konferenz als p r a k- tisch gescheitert ansehe. Man werde allerdings diesen Abbruch in diplomatischem Euphemismus als„Suspendierung" zu frisieren suchen. Die Engländer und Amerikaner, meldet Pertinax weiter, wollten noch eine letzt« Rettungsaktion unternehmen, aber sie sei «angesichts des schlechten Willens Deutschlands von vornherein schon zum Mißerfolg verurteilt. . Jüt Frankreich gebe e» nur ein», die Rheinlandbesehung bei- zubehalten und zu verhindern, daß Deutschland nun den Dawes- Plan sabotiere. Auch die übrigen Blätter glauben, daß sich ein Mißerfolg der Kon- serenz nur sehr schwer werde umgehen lassen. Der.,M a t i n" allerdings weiß noch die interesiante Mit- teilung zu bringen, daß der amerikanische Vorsitzende der Kons«. renz, Owen Poung, am Mittwoch ein ausführliches Telegramm des Weißen Hauses erhalten habe, dos sich mit der Möglichkeit einer Herabsetzung der amerikanischen Forde- rungen beschäftigt. Owen Poung erhalte darin Blankovollmacht, und so sei. meint der„Matin", die Tür« zu neuen Verhandlungen doch wieder geöffnet. poincare wird reden. llntersiühungsaktion für die französischen Sachverständigen. Paris, 18. April.(Eigenbericht.) Der MlntsterPrSsident Poincar«, der am Mittwoch einige Tage Ferien genommen hat, wirb am Tonntag in Straßburg im Akademische« Berein und am Montag im Geueralrat des Departements Meuse zwei v e- d e u t s a« e Reden halten. Namentlich die Generalrats- rede werde eine genaue Uebersicht über alle schwebend«« innen- und außenpolitischen Probleme bringen. Poincar« werde vor allem von der Steuerpolitik sprechen und werde dabei eine Ermäßigung der Steuern im»euen Budget um nicht weniger als 1 Milliarde ankündigen. Selbst- verständlich werde er die-Cachverständigeakoufe- renz nicht ganz mit StMschweigen übergehe» können. Er werde uur Andeutungen bringen, aber er werde«och einmal die französischen Forderungen für seine Wiederaufbaukoste« aufstellen. Das V-Zug-Ltnglück bei Brüssel. Derhastung des Lokomotivführers. hava, berichtet aus Brüssel, daß der Untersuchungsrichter den Lokomotivführer des V-Zuges Paris— Brüssel verhasten ließ. Diese Verhaftung wird damit begründet, daß der Lokomotivführer die Haltesignale überfahre» habe. „Schicksal und Planetenlauf." Bon Hans Bauer. Astrologie, um es exakt zu sagen, ist die Lehr« vom Einfluß der Gestirnstellung auf den Ablauf von Zeitereignissen und auf das Schicksal der Menschen— und serner ist Astrologie, um es weniger exakt zu sagen, ein in sehr weiten Kreisen grassierender Unfug, dem einmal gehörig aus den Leib zu rücken dringendes Erfordernis ist. Nach der Revolution wurden wir, was in Anbetracht der voraus- gegangenen ungeheuren seelischen Spannung psychologisch l«ichl er- klärbar war, von der okkulten Welle heimgesucht. Kein Kaffee- 'kränzchen, das nicht seine Seancen«inberief und geheimnisvoller Klopsgeräuschen und mediumistischer Offenbarungen harrte. Dieser Spuk ist verflogen. Aber ein anderer Spuk hat ihn abgelöst: eben der astrologische. Da wird mit dicken und furchtbar geblähten Worten herum- geworfen. Es ist von kosmischen Schwingungsrhythinen, von astralen Bewußtseinssphären, von spirituellen Planetenausstrahlungen die Rede: aber alles ist pure Konsusston, und versucht man der Sache auf den Grund zu gehen, dann verstecken sich die Astrologen hinter das„Esoterische", hinter den„Strom astrologischen Weistums", in den„der Erkennende" eingebettet sei. Und wer ist ein Erkennender? Wer an Astrologie glaubtl Der schönste Zirkelschluß ist fertig. Da ist von Kultur, von Ethik, von Religion die Rede____ Vor allem aber von Philosophie. Natürlich: Es braucht einer bloß einmal geistig ins Hintertrefsen gekommen zu sein und nicht weiter zu können: schon redet er sich auf die Philosophie hinaus. Aber die Dinge liegen anders und die wirklichen und echten Philosophen, Kant und Schopenhauer zum Beispiel, waren keineswegs Ausdünster ver- wachsenen und tausenddeutigen Wortedampfes, sondern ungemein klare Köpfe und sehr exakte Denker, deren System nicht aus un- kontrollierbaren Eingebungen und fragwürdigen Intuitionen,' son- dern auf kristallklarer Logik und Dernunst beruhen: auf Dingen also, die, bei aller Lückenhaftigkeit unseres Erkenntnisvermögens. immer noch unvergleichbat besiere und gewissenhaftere Erkenntnis- vermittler sind als die spirituellen Erkenntnisqirellen des astrologischen Aberglaubens. Kernlehre der Astrologie ist die Schicksalsverbundenheit de» Menschen mit dem Stand der Gestirne, vornehmlich mit dem der Planeten. Hier muß, um nicht ungerecht zu sein, in der Ablehnung der Astrologie eine gewiss« Einschränkung gemacht werden. Wie es eine Tatsach« ist, daß das Wetter unsere Gemütestimmung zu be- einflussen oermag, so ist es nicht völlig ausgeschlossen, daß von den (naturwissenschaftlich nochgewiesenen) Strahlungen der Gestirne physikalische Wirkungen ausgehen____ Aber diese Wirkungen können, sofern sie überhaupt vorhanden sind, nur völlig untergeordneter An sein, und auf keinen Fall darf sich jemand vermessen, konkrete Bc- hauptungen über Art und Umfang dieser hypothetischen Wirkungen aufzustellen. Es liegt mir, außer anderer astrologischer Literatur, ein Heftchen Nr. 11 aus einer Schriftenreihe„Schicksal und Planeten- laus" vor. Es betitelt sich„Die Wassermann-Menschen" und verheißt allen zwischen dem 21. Januar und 19. Februar Geborenen, ihnen ihr persönliches Schicksal bis zum Jahre 1935 oorherzusagen. Wie sehen solche Prophezeiungen aus? Wie die vorgedruckte Schicksals- deutung der Iahrmarktszigeuner. Es ist alles denkbar unverbind- lich und nichtssagend.„In den Monaten März und April des Jahres 1929 sind manche Borteil« in Aussicht gestellt." Was fängt man mit „manchen Vorteilen" an, die noch dazu nur„in Aussicht gestellt" sind! Im Mai sind„berufliche Hemmungen angezeigt, ebenso kann die Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen werden". Ja. wann könnt« sie denn das einmal nicht? Im August„können sich in Geld- fachen Ungelegenheiten bemerkbar machen____* Diese delphische Orakeiei zieht sich durch 32 Seiten hin und es läßt sich nur eines sagen: Das alles ist absoluter Humbugl Selbst wenn die oben erwähnten Strahlungswirkungen be- wiesene Tatsachen wären, wäre noch immer nicht im geringsten er- sindlich, warum, wie dies alles die Astrologie behauptet, gerade die ganz bestimmte bei der Berechnung des Horoskops ollein berück- sichtigte Auswahl von Gestirnen schicksalbestimmend sein soll, worum gerade der Gestirnstand der Geburtsstunde entscheidende und nach- wirkende Folgen haben soll, warum dieser Gestirnstand aus- gerechnet auf Dinge des Liebeslebens und jener ausgerechnet auf solche des Berufs gestaltend wirken soll. Verworrenheit und Vernunstvergewaltigung, wohin man blickt. Aber Zehntaufende versenken sich in diesen Hokuspokus und emp- finden sich statt als Persönlichkeit, in deren Kiassenlage ihr Schicksal besiegelt liegt, als Widder-, Stier-, Skorpion-, Steinbock- oder sonst einen Sternbiidinenfchen, der ab kommenden Sonnabend 29 Uhr nur mäßiges Glück in der Liebe haben wird und in der zweiten Hälfte des April keine größeren Geschäfte abschließen sollte,- wenn er sich der Pleite nicht aussetzen mag. Vor den Sternen braucht uns nicht zu bangen, und gefährlich werden kann nur der Unstern solcher Narretei. Das Abitur der Schauspielschüler» Bei der riesenhaften Berufsnot der Jünger Thaliens müßte man eigentlich jedem Kandidaten von Anfang an zurufen: Hände weg! Aber der Nachwuchs drängt— taub und stumm für olle Warnungen— mit seiner jugendlichen Begeisterung unentwegt vor- wärts. Zweimal im Jahr«, im Frühjahr und im Herbst, finden vor einer Prüfungskommission, bestehend aus Mitgliedern der Bühnen- genossenschast und des Bühnenvereins, Examina der„Schulentlasse. nen", diesmal im„Lustfpielhaus", statt. Diel Geduld und ein geneig. tes Ohr müssen die besitzen, die da über„Sein oder Nichtsein" der Prüflinge zu entscheiden haben. Mit Vorliebe werden ja nach wie vor die alten Klassiker oerzapft. Da ringen diverse Gretchen verzweifelt die Hände und schluchzen, je nach Talent und Organ mehr oder weniger glaubhast, ins Tränentüchlein, Hero beweint den Geliebten, und Judith schwelgt in Rachegelüsten. Wenn man die neunzigprozentige Nervosität, oer- teilt auf Organ, Vortrag und Bewegung, berücksichtigt, dann waren bei«inigen in den verbleibenden zehn Prozent gewiss« Talent- ansähe vorhanden. Der berühmte„göttliche Funke" leuästet« aller- dings an diesem Tage nicht. Dann hüpfte ein kesser, kleiner Puck mit allzu viel Chutzbe über die Bühne, dann kam eine» ganz Vor- sichtige, die sich ihr Talent vor Besuch der Schauspielschule b«> scheinigen lassen wollte. Sie hat gut täran getan und wird es jev( hoffentlich-sein- lassen. Begabung verriet eine Shakespearesche Muntere, die im Dacapo von Hartlebens„Abgerissenem Knopf" forsch und bühnengewandt berlinerte. Die Männlichkeit war weit spärlicher vertreten: man hörte einen leidlich guten Faust und Mortimer, einen zutiefft aufge- wühlten, nicht unbegabten Melchior(„Frühlingserwachen"), dessen höchstgesteigerter Leidenschaft das unerbittlich harte„Danke schön" der hartgesottenen, Zensoren den Lebenssaden jählings abschnitt. Ungemein komisch und gänzlich frei von jeder künstlerisäzen Intuition wirkte ein etwas wohlbeleibter junger Mann, der mit der Selbst- sicherheit und allen sonstigen Allüren des Theatervereins-Stars die Bühne betrat. Er erzählte zuerst— ohne besonder« Beachtung und Betonung des Versmaßes— rasch und undeutlich Pierrots Liebesgeschichte, und als man ihn unterbrach, meint« er treuherzig: „Aber der Effekt kommt ja erst zum Schluß!"„Vielleicht«in Ko- miker," meinte man unten, und er wurde gebeten, komisch zu sein. Hierauf kam er klassisch. Das war aber bitter. Von den 26 Kandidaten, die sich aus Absolventen der Reichert- schen Hochschule und verschiedener. Prioat-Schauspielschulen zu- sammensetzten. hoben die meisten das Examen bestanden. cl. Gespräch mii einem Hui. Ich geh« an einem Hutgeschäft vorbei. Aus dem Schaufenster winken die in Terrassen ausgestellten Kopsbedeckungen. Einige sind mit verlockenden Ansteckzetteln versehen, man hat sie charakterisiert wie die edlen Gewächse auf einer vornehmen Weinkarte.„Hock- modern" lockt der eine,„Sehr kleidsam" flüstert der andere,„Schnit- tig" näselt der dritte. Plötzlich aber schnauzt mich einer an: „Streng modern"! Ich pralle zurück. Warum ist dieser Hut streng?„Modern" hätte für einen Hut doch auch genügt. Aus welcher Ursach« nimmt diese Kopfbedeckung aus schmiegsamem Haarsilz �etwas Rauhes, etwas Unteroffiziersmäßiges gegen mich an? Gewiß, die Mode i ist sine Tyrannin. Sind aber chre Erzeugnisse deswegen Geßler. hüte? Ich fange an, mich mit dem Hut zu unterhalten.«Zweifeln Sie, mein Herr?" schnarrt er„Düte schön: Lassen Sie durch einen Geometer die-Kurve meiner Krempe nachprüfen! Legen Sie einen Mikrometermaßstab an die Breite meines Bandes! Es stimmt alles haargenau, bis auf ein Ixtel Bruchteil eines Millimeters. Betrach, ten Sie die Spitzen der Bandschleife: sie laufen In einen Winkel von<3 Grad aus, wie es der groß« Modediktator Prunelle in Paris vorschreibt. Greifen Sie an der amtlichen Farbenskala das Hecht- grau meines Filzes ab, Sie werden den vorgeschriebenen Farbton erkennen. In nichts bin ich abgewichen, streng und eisern habe ich die Gesetze der Mode innegehalten, will sagen der neuesten Mode, denn die vorjährige ist selbstverständlich passe." Ich wandle weiter in stummer Bewunderung. Und male mir aus, wie eines Tages ein hochaufgeschossener Jüngling in tipptoppem Sakko den Laden betritt, den Hut ersteht und den Laden w'eder verläßt, die Brust geschwellt in dem Bewußtsein, daß ein streng moderner Hut sein edles Haupt ziert. Frauen werden sich nach ihm umschauen und bewundernd flüstern, nach einer von ihnen wird er sich wieder umschauen, sie werden stehen bleiben, zusammen in ein Cafä gehen, eine Stund« plaudern und sich an einer Straßenecke verabschieden. Und nach dem Auseinandergehen wird die Dame vor sich hinseufzen: „So ein geleckter Affe!" �onotban. Mascotichen. (lfa-Theaier Kurfürstendamm. Die Requisiten dieses Films sind verstaubt und durch allzu häufigen Gebrauch schadhaft geworden., Aber der Regisseur Felix Bosch stellt sie wirklich geistreich zusammen und gibt damit dem Ganzen einen neuen Anstrich. Es geschieht so selten, daß man in einem deuffchen Lustspiel ausgelassen lachen kann Dieses Wunder bekommen nur die Amerikaner fertig. Hier jedoch lacht man auch bei einem deuffchen Film. Uralte Witze wechseln mit gut erfundenen und noch besser ausgeführten neuen Lustspielsituationen ab. Mascottchen ist ein kleines Ladenmädchen, das sich allmählich zum Reouestar entwickelt und auf ihrem Triumphwagen gleich- zeitig alle lieben Freunde und Bekannten mitnimmt. Der Stoff stammt ursprünglich von Oionkowski und war dos Libretto zu einer beliebten Operette. Hier im Film ist nichts Bühnenmäßiges beibehalten worden. Die Regie übersetzt all« Witz« ins Filmische, sogar die belieble Rührungsträne fehlt. Der Erfolg des Films liegt neben der Regie an den Dar- stellern. Käthe von Nagy, Kowal-Samborski, Max Gülstorfs und Kurt Vespermann, die sichtlich Freude über ihre eigen« Ausgelassen- heit empfinden. Der Regisseur Michael Rasumny bleibt dagegen als Schauspieler ohne Ausdruck. Es handelt sich hier um keine Spitzenleistung der Produktion. Dazu enthält er viel zu viele konventionell« Momente, ober'es ist ein unterhaltender und sehr amüsanter Durchfchnittsfilm.— t. „Geschminkte Zugend." Titan ia-palast. Dieses Filmmanuskript möchte den Experimenten des Zeit- lheaters Konkurrenz machen. Doch ist das Drehbuch nicht so ge- schrieben, daß es seine Eignung für 1929 erweist. In jeder Szene steht nämlich der Filmreißer vor dem Problem. Dieses ist überhaupt bedenklich leichtfertig erörtert. Eltern und Lehrer find keine Erzieher, Dienstboten haben kein Verantwortungsgefühl und die Jugend geht ihre eigenen Wege mit heimlichen nächtlichen Sektgelagen. Auto- fahrten usw. Bei einem Liebesraushandel geht dann ein Revolver los und prompt endet ein Schuft durch die Kugel. Der Filinschluß bringt hernach die unvermeidliche Gerichtsverhandlung mit Frei- spruch. Als ob man durch ihn die seelische Belastung, die eine solche Tat im Gefolge hat, aus dem Weg« räumen könnte! Der ganze Film wirkt gequält. Es ist keine Entwicklung und kein Helfenwollen vorhanden, sondern nur ein abgeschmacktes Jnter- esse für die Jugend der reichen Gesellschaftskreise. Rein filmisch betrachtet arbeitet der Regisseur Carl B o e s«. sehr gegen seine sonstige Gewohnheil, oft unkünstlerisch. Zum Beispiel wird es auf die Dauer lächerlich, wenn Sophie Pagay als Wirtin nur Türen öffnen oder schließen muß. Tony van Eyck, die ihre exste Filmroll« spielt«, meistert sie schauspielerisch gut. Ruth A l b u und Georgia Lind spielen leidlich und W o l f g a n g Zilzer, glänzend geeignet für«ine„höhere Schülerrolle", bringt nicht nur den Idealismus, sondern auch die ganze Ungelenklgkelt der Jugend zum Ausdruck._ e. d. Bruno Walters Pläne. Professor Bruno Walter hat sich gestern abenh nach London begeben, um. wie alljährlich, die Leitung der Toventgarden-Opern- aufführungen zu übernehme». Professor Walter hat die Mitwirkung an den geplanten Berliner Festspielen abgelehnt und wird auch an den diesjährigen Salzburger Festspielen nicht teilnehmen. Dagegen folgt er für den Spätherbst einer Einladung nach Kalifornien. Regierung und Reichsarbeiter. Der Haushaltsausschuß vertagt die Lohnfrage. Ministerialdirektor Graf Schwerin von Trosigk gab 'gestern im Haushaitsausschuß des Reichstags über die Verhandlungen mit den Reichsarbeitern folgende Erklärung ab: „3n Ausführung des Beschlusses des Reichstags hat eine neue Verhandlung mit den Organisationen der Reichsarbeiter stattgefunden, in der wir uns bereit erklärt haben, über vordringliche Punkte vor- weg zu verhandeln, um gewisse Härten auszuräumen. Im übrigen wurden die Organisationen gebeten, die eigentlichen Lohnfragen noch lzinauszuschieben, bis sich insbesondere die endgültige Gestal.ung des Etats und der Pariser Verhandlungen übersehen lasse. Die Organi- sationen sind auf diesen Vorschlag nicht eingegangen und haben die Verhandlung als gescheitert erklärt." » Diese Erklärung stimmt nicht ganz überein mit dem Bericht der Organisationen, den wir in unserer letzten Sonnabendnummer ver- rffen.licht haben. Die Reichsregierung wird zweifellos den Willen haben, entsprechend dem Beschluß des Reichstags über die Löhne ker Reichsarbeiter zu verhandeln. Wo ein Wille ist, da muß sich auch ein Weg finden lassen. » Durch eine Zufallsabstimmung war am Mittwoch im Haushalts- ousschuß des Reichstags die Frage der Reichsarbeiter- löhn« auf die Tagesordnung der Donnerstagsitzung gesetzt worden. Zu Beginn der Sitzung beantragte der Abg. Leicht(Bayr. Vp.) die Absetzung dieses /Tagesordnungspunktes, weil eine Erörterung dieser Frage die Zuständigkeit des Haushaltsausschusses überschreite. Diesen Antrag bezeichnete der Abg. Torgler(Komm.) als den Versuch, die Besprechung der Erhöhung der Reichsarbeiterlöhne auf unabsehbare Zeit zu verschieben. Abgi Dr. Hertz(Soz.) erklärte, es sei be- denklich, die Beratungen des Ernährungsetats durch die Einschiebung der Frag« der ReichsarbeiteNöhne zu unterbrechen. Seine Freunde könnten der Anregung des Abg. Leicht nur unter der Voraussetzung zustimmen, daß die Besprechung der Erhöhung der Reichsarbeiter- löhne nicht auf unabsehbar« Zeit verschoben wird, sondern in kürzester Frist zur Verhandlung komme. Di« Gelegenheit dazu biete sich, wenn der Etat des Reichsfinanzministeriums, zu dessen Zuständigkeit auch die Besoldung der Reichsarbeiter gehöre, zur Verhandlung komme. Da das in der ersten Hälfte der nächsten Woche der Fall sei, hätten seine Freunde gegen eine kurzfristige Ver- tagung der an und für sich sehr dringlichen Angelegenhest keine entscheidenden Bedenken. Von einer Verschiebung der Besprechung bis nach der Erledigung der Reparationsfrage, wie der Abg. Torgler rsmeint habe, könne natürlich nicht die Rede sein. Di« sozialdemo- k ratische Fraktion beharre nach wie vor auf dem Standpunkt, den st: durch ihre vom Plenum des Reichstags angenommene Ent- I hließung zum Ausdruck gebracht Hobe, daß die Verhandlungen zwischen den Organisationen der Reichsorbeiter und der Reichs- tegierung zu einem befriedigenden Ergebnis geführt werden müßten. Oer Ausschuß beschloß sodann, die Besprechung der Reichs- arbciterlöhne bis zur Beratung des Etats des Finanzministeriums in der nächsten Woche zurückzustellen.' Die Eisenbahner sollen warten! Ertiärung der Reichsbahn. Das Wolff-Vureau meldet:„Die Reichsbahn hat auf Grund des bei ihr von den Spthengewerkschoften eingegangenen Schreibens eine Verbindung mit den Reichsressorts zwecks einer nochmaligen Besprechung der Lage aufgenommen. Da die Reubildung der Reichsregierung erst jetzt erfolgt ist, hat eine Besprechung bisher noch nicht stattgefunden, voraussichtlich wird eine solche in den nächsten Tagen erfolgen. Bekanntlich haben die Spihcngewerkschasten sich dafür eingesetzt, daß bis zum Abschluß der Pariser Verhandlungen der Lohnstreit ausgeschoben werden soll im Znlereste der wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Ferner hatten sich die Splhengewerkschafleu dafür eingesetzt, während dieser Zeit Streiks nach Möglichkeit zu verhindern. Es muß im Interesse der stetigen Weiterentwicklung der Wirtschaft gefordert werden, daß der Lohnstreit bei der Eisenbahn erst nach Abschluß der Pariser Ver- Handlungen auegetragen wird." • Uns will scheinen, daß die Haupkerwaltung der Reichsbahn etwas sehr weitgehende Schlüsse zieht aus dem Schreiben der Spitzengewerkschaften. Auch die Formulierung,„daß der Lohn- streit bei der Ersenbahn erst nach Abschluß der Pariser Ver. Handlungen ausgetragen wird", mutet eigenartig an und dürfte nicht geeignet sein, die erregten Gemüter zu beruhigen. Was heißt:„erst nach Abschluß? Soll das heißen, daß die Ver- Handlungen erst aufgenommen werden sollen, nachdem die Repa- rationsfrage auch im juristischen Sinne abgeschlossen ist? Oder soll das heißen, sobald zwischen den Sachverständigen eine Einigung er- folgt ist? Der Unterschied in der Auslegung kann sich praktisch für die Eisenbahner in einem halben Jahr Verzögerung auswirken. 3)er Weiße Stoßadler in tßerliu. In Berlin traf der Oberhäuptling der Osaga-Zndianer, Big Chief White Horse Eagle(„Weißer Roßadler"), auf seiner Europareise ein. Der alte Herr ist 107 Jahre alt. Er war schon einmal zu Bismarcks Zeiten in Berlin, Jetzt gedenkt er in Berlin Vor- lefungen über indianische Sstten und Gebräuche zu halten. Be- geisterte Berliner Schuljungen begrüßen zutraulich die alte Rot- haut, die mst ihrer weißen Squaw in Berlin spazieren geht. Worauf es aber besonders ankommt, ist die klipp und klar? Erklärung der Reichsbahn, daß ste bereit ist, falls die Pariser Ver- Handlungen eine Erleichterung der Belastung der Reichsbahn- gesellschaft bringen, im entsprechenden Umfange die Löhne der Eisenbahner aufzubessern. Diese Er. klörung fehlt in der Wolff-Meldung. Mst Redensorten von„Bs- sprechungen über die Lage", die in Aussicht genommen sind. werden sich die Eisenbahner nicht abfinden. Mit solchen Redens- arten sind sie nun schon lang« genug hingehallen worden. „Revolutionäre" Drückeberger. Was tut Oeter? Der Vertrag zwischen der Verkehrs-A.-G. und den freien Ge- werkschaften, der u. a. die Arbeitszeit täglich um eine halbe Stunde verkürzt, die Löhne um 3 bzw. S Pf. die Stunde zum Ausg eich erhöht, S0 und 100 Proz. Zuschlag für die Arbest an Wochenfeier- tagen festsetzt, den Krankenlohn erhöht, den Urlaub verlängert, dieser Vertrag ist nach der„Roten Fahne" ein„S ch a n d v« r t r a g". Schön. Woraus man wohl ohne weiteres schließen darf, daß nun- mehr Deter in Aktion treten wird. Der Führer der„revolutionären Unorganisierten" der Verkehrs- A.-G. hat bisher mit lauter Kritik, aber sonst durchaus sehr zurück- haltend, die Taten der anderen begleitet. Er hat, um es gerade heraus zu sagen, noch keinen Finger krumm gemacht für das Per- sonal, dessen Mehrheit ihn und seine Genossen bei der Betriebsrats- wähl mit ihrem Vertrauen beehrt hat. Er und feine Partei haben es wiederholt ausgesprochen, daß für sie Tarifverträge nur ein Fetzen Papier sind. Der Vertrag zwischen Gewerkschaften und Verkehrs- A.-G. ist ein Schandoertrag? Wir erwarten, daß der„reoolutio- näre" Betriebsrat nunmehr unverzüglich die Belegschaften zum Kampf aufruft. Her mit den Kampsleitungen! Ronan die Unorganisierten, die doch angeblich tausendmal besser sind als die Organisierten. Das Joch der Gewerkschaften haben Deter und Konsorten von ihrem steifen Nacken abgestreift. Es bleibt ihnen also nur mehr übrig, die Hemdsärmel hochzustreifen, kräftig in die Hände zu spucken, die Pike zur Hand zu nehmen, so ungewohnt dies In- strument Herrn Deter auch geworden sein mag, und sich an die Spitz« der„revolutionären Massen" zu stellen, die diesen„Schand- vertrag" natürlich weit von sich weisen werden. Oder ist auch Deter ein Verräter? Schiedsspruch für die Kartonnagenindustrie. Zwischen dem Verband der Buchbinder und Papier- oerarbeiter Deutschlands und dem Zentraloerband der Kartonnagen- fabritanten wurden am 7. und 8. April in Erfurt Lohnverhand- lungen geführt,. die ergebnislos blieben, well die Unternehmer jede Lohnerhöhung ablehnten. Das von den Tarifparteien angerufene Reichsarbeitsministerium hatte nun einen Schlichtungsausschuß eingefetzt, der in einer Sitzung am 16. April einen Schiedsspruch fällt«, wonach der Spitzenlohn wie in den übrigen Zweigen der Papierverarbeitung um 5 Pfennig pro Stunde erhöht wird. Der Lohn steigt damit von 06 Pf. auf 1,01 M. in Klasse l. Alle übrigen Lohnsätze errechnen sich nach dem Lohnschema des Reichstarifes. Für Berlin wurde der Lohn auf 1,14 M. festgesetzt. Das Lohnabkommen fall vom 26. A-p.ril bis zum 3. Jull 1930 Gültigkeit haben. Weller für Berlin und Umgebung: Zeitweise wolkig und meist trocken, weiter ansteigende Temperaturen, Aufhören der Nachtfröste, mäßiger Südwestwind. Für Deutschland: Im Süden weiterhin beständig, im Norden wechselnd wolkig. Allgemein ansteigende Temperaturen. Birantwortlich wr dl« Redaktion: Fra», tllvh«. Berlin: Lnzetgen: Ti. Stack«. Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag G. m. b L>„ Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& To.. Berlin SW K8. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. --■'«j---, �,------ Tltealet. LicUlsptele usw. j .■------------- IJj'. Theater a. KottbusserTor nottbusser Str. 6. Tel. Mp|. 16077 Allabendlich 8 Uhr aach Sonntags na(hm. 3 Uhr Jubiläams-Programm unter der Ocvise * A A ASb A A A 10 Janrei Elite- Sänger tyj len 8 um» Zentr. 2819» Baumen erlanbil Ein Triumph internal. Varfetökunst.l Relchshallen-Theater is. OO Uhr. Sonaiag«lamm.[T| um SfeUlner Sänger Zum Schluß: „Eine mOtllene Wohnana xo vermieicn"' Nachm. na. De Preise. Dil eth estelliinge'i Zent. 11263 uönhott- Brettl: >k 10 Nummern: Konurt/Tin. CASINO-THEATEß Lo. r n e« diraue j7. Der neue schlagen „Eine ungeliettte frau' und ein ersiklassiger bunter Teil. FOr unsere LeserQutschein fürl— IPers. Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.55 M. Sonatise Preise Parke.: u. RangO.80 Mk Renaissance- Theater Hvdena.-rKtr 6 lei. Sie na. 901 u. 2583/84 5 Vi Uhr- IMIM»Vi Uhi Eugen Klöpfer In „Das große ABC" von Marcei paenoi Res B«si. Hannno. la PrcimsrenDestzc. Oer größte Sriolg Berlins Lriederike Muli: von Celjat Saite unumerbr. sieinDl.931 a.nst MM iiieatei räglich 8V« üh' bor sensationelle / Lusisploierfo'o 3 Akte von Leo Lenz ilamowsky- Elten Theater n der Oniggrtftxer Straße T»t»EN SVi.jh Rlval en i/. Uhi Der Herzog und dio'Sflnderln Rundtunkhdrei .talb« Preis- dtritoti Tiieaier OirektHeinzMerald ünarlottenstrade v A. 7. Dönhoff 170 Täglich: \nf. 8 U„ Ende 10 U. Heiden von rternard Shaw Lessing-Thealer Tägl ich 8 Uhr 3 x Hochzeit. Stadtbad- Friseur Rimmel© rB's l Sper: Dauerwellen— Haarfärben | 20 Bedienung, f. Damen u. Herren An der SchillingsbrOcke 2 Telephon Alexander 8915 I RaBtaurantiCFiM Felix Zeuge HliastraBe 59 am Sportplalz Verkehrslokal des Rcich:b«nncrs Arbeiiersportler/ Gewer ksdiafll er and Genossen der 27. Abteilang. WALFISCH— KOpenldier Slr�Edte Enüclnler Siphon», Utar SO Pf., tra» Hau«! Eigene Kühlanlage I Ppenitker Ratskeller GroBer Mittags- und Abendtisch ctauitheiB-Patzenbofer' Pils. 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Und die Unzuträglichkeiten steigern sich, wenn es sich— wie in beiden Fällen denkbar— um einen staatlich konzejsio- nierten Betrieb ohne Konkurrenz, wenn es sich insbesondere um die kleine Kundschaft der Kinder handelt, die ihr zugewogen Teil hin- nehmen müssen, ohne Rücksicht daraus, ob es nun mulsch oder ranzig schmeckt. Als ein so schlecht geleiteter Laden will uns heute die Schule der Vergangenheit erscheinen. Der Unternehmer Staat hat ein für allemal die Richtlinien erlösten, das Verkauf-personal der Lehrkräfte ist lediglich mit der Funktion des Abwägens und Zu- teilens betraut, die Ware stammt vorwiegend aus der fernsten Ver- gangenheit, und die Kundschaft kommt als mitbestimmender Faktor überhaupt nicht in Frag«. Auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens hat sich der Prozeß der Warenverteilung auf lebenswichtigen Gebieten längst in Neuzeit- lichem Sinne umgestellt. Die Verbraucher haben sich zu Kon- sumgenossenschaften zusammengeschossen: die Masse ist selber Unternehmer geworden, und alle technischen Kräfte sind nur ihre eigenen ausführenden Organe. Gibt es nun auf dem Gebiete des Bildungswesens auch so etwas wie eine Konsumgenosten- schoft, ein« Umstellung des gesamten Schulwesens auf demokratischer Grundlage? Was den Personalapparat betrifft,>a. Nach der Staatsumwäl- zung haben Staat, Schulleiter und Lehrer nach einigen Mei- nungskämpfen bald eine Form gesunden, die wenigstens für die Volksschule den Autoritätsgedanken ausschaltet und eine demokratische Derfastung gewährleistet. Auf der Grundlog« der Gleichberechtigung wählen die Lehrkörper aus ihrer Mitte den Leiter, der als erster unter Gleichen die Geschäfte führt.'Der Verpflichtung, die eigentlichen Verbraucher, die Kinder, in die Verhandlungen einzubeziehen, ist man aber nur sehr zaghaft und sehr widerstrebend nachgekommen, und die unveränderten Klagen der Kinder über niadigez Mehl und ranzige Butter sind so verbreitet wie berechtigt. Soviel ist klar: Soll das Kind als Bezieher geistiger Waren und Werte bei der Neugestaltung nicht zu kurz kommen, so piust es irgendwie in das Problem der Selbstverwaltung einbezogen werden Nicht als gleichberechtigter Faktor, darüber herrscht Einig- keit. Denn Leberwurst und Honig nimmt man gern und ohne Widerstreben zu sich, während man für die Bruchrechnung und die Verhältniswörter mit dem Genitiv ein mehr oder weniger sanftes Zureden nötig hat: das ist in der alten wie in der neuen Schule das gleiche. Kinder hoben das Gesetz von der allgemeinen Schul- Pflicht nicht erlassen(wenn sie es als Erwachsene auch gutheißen). Alle Versuche, die darauf abzielen, den Unterrichtsstoff schmack- hafter zu gestalten, die Schulangst zu vermindern, die Lernfreüde zu erhöhen, rühren nicht an den Kern der Sache, die hier zur Der- Handlung steht: die Mitbeteiligung des Schülers an den Ver- waltungsaufgahen der Schul«. Stoffliche Problem« ließen sich in den bestehenden Schulen lösen: organisatorische Fragen bedursten der Ausprobierung auf besonderen Versuchsfeldern, und so drängte man allerorten stürmisch nach der Einrichtung von Arbeits-, Lebensgemeinschafts- oder Versuchsschulen, die die Tragfähigkeit des neuen Gedankens erst erweisen sollten. Schwieriger als in der höheren Schule, die trotz ihres gereif- teren Schülcrmaterials von der Selbstverwaltung kaum Gebrauch macht, ist die Verwirklichung des Problems in der Volksschule. Di« Aufgabe muß aber, soll sie Aussicht auf Bewältigung haben, schon auf der Unterstuf« bei den Lernanfängern angefaßt werden. Sie ist so vielseitig, daß sich für jede Altersstufe neue schwierig« Betätigungsmöglichteiten bieten. Die Pflichten beginnen mit der Sorge für einÄr sauberen Unter- richtsraum, ein« reine Tafelfläche, für pünktliches Kommen und ge- stttetes Verhalten. Schon bei Vergebung dieser Aemter empfiehlt sich möglichst früh die Durchführung eines ordnungsmäßigen Wahlverfahrens. Und dann heißt es durchhalten, auch wenn die Aufsicht als zu strenge und unbequem empfunden wird: Bei Neuwahlen fällt die Entscheidung der Klasse oftmals auf rq�ht unbotmäßige Schüler, für welche das Amt dann eine ganz besondere Nötigung zur Selbstzucht bedeutet, also in stärkerem Maße er. zieherisch wirkt als Tadel oder Strafe des Lehrers. Die Schüleraussicht, als Klassen-, Hos-' und Korridoraussicht fungierend, wird nicht verhindern können, daß sich Streitig- leiten ergeben, die mit der Entscheidung des Aufsichtführenden nicht zu beseitigen sind. Die Klasse wendet sich beschwerdeführend über die Aussicht hinweg an den Lehrer und ruft seine Entschesdung an. Der aber verzichtet auf die ihm von Staats wegen verliehen« Autorität und ruft die Entscheidung der ganzen Klasse an. Und bei diesen Gerichtsverhandlungen macht man dann fein« Erfahrungen. Da sind die Lernanfänger, bei denen der wildes!« Bergeltungstrieb herrscht: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Erst durch jahrelange systematische Pflege dieser Gerichtsbarkeit kann im Kind« ein Gefühl für das sittliche Moment im Strafvoll- zuge geweckt werden. Das ist«in« Aufgabe, die ungeheuer schwer und bis zum 14. Lebensjahre nur in den Anfängen zu lösen ist Immer wieder dringt der Dergeltungstrieb durch, wenngleich die Verhandlungsformen etwas manierlicher merden. Gerichtsbarkeit der Klasse, Schüleraufsicht und Mitbestimmung in Klassenangelegenheiten sind nur Vorbereitungen sür eine weiter« Funktion der Selbstverwaltung Das ist die S ch ü l e r v e r f a m m- l u n g, die monatlich einmal und außerdem nach Bedarf zusammen- tritt Anfangs-ine Dollversammlung der ganzen' Schule, geleitet von einem Schüler, ist sie auf Grund langjähriger Erfahrungen zu einer De l e g I e rt e n k ö r p e r s ch a f t, die die Klassen 5 bis 1 mit je sechs Vertretern beschicken, umgestaltet worden. Die Lehr- kraft, die das allgemeine Vertrauen genießt, hat die Leitung. Die Schülerversammlung ist die oberste Instanz in Anfsichts-. Beschwerde- und Gerichtsfragen. sorgt für Aufstellung und Durchführung der Schulordnung und bereitet besondere Anträge an die Lehrer. konserenz vor.- Man kann nicht erwarten, daß Kinder im Stadium des Spiel- und Flegelalters mühelos in die schweren Aufgaben der Selbst- Verantwortung hineinwachsen, wenn nicht mit Vorbild und gutem Willen der gaNz«. Lehrkörper sowie der Kreis der Elternschaft dahintersteht. Hier sind Ausgaben zu lösen, die unmittelbar in die Zur Verdeutlichung des Schülergerichtsverfahrens lasten wir auf Grund stenographischer Protokolle, die uns Genosse Dantz zur Verfügung st«llt. Proben aus derartigen Verhandlungen folgen. Die erste stammt au's dem ersten, die zweite aus dem fünften Schuljahr. Das Protokoll aus dem ersten Schuljahr zeigt, daß die Kinder noch ganz vom Rache- und Bergeltungstrieb beseelt sind. Bei der Verhandlung im fünften Schuljahr kommt das Besterungs- prinzip bereits zum Durchbruch. Lehrerin: Herbert, komm mal her, erzähl mal. was du ge- macht hast. Herbert:(weigert sich.) Lehrerin: Wenn Herbert trotzig ist, dann soll Heini es erzählen. Heini: Mal eben meinen Schuh anziehen.— Setzt euch ordentlich.hin. Du stehst noch, Ludwig, setz dich!— Herbert ist auf den Flur gelaufen und hat die Deerns nah gespritzt. Und heute ist er wieder auf dem Flur rumgelaufen und hat den lüttjen Walter 'n Groschen weggenomrnen. Und da hat er gesagt: Da kauf ich mir jetzt Bonschen für. Und da hat er den Groschen Johann gegeben. und Johann hat ihn mir gegeben, und ich Hab ihn Walter wiedergegeben.', Zuruf: Er hat noch mos ausgelassen: Herbert hat das Licht immer aus- und angemacht. Walter: Und er hat gefragt: Wer seine 10 Pfennig ist das? Lehrerin: Und dabei wußte er es ganz genau. Was sollen wir nun mit ihm machen? Ludwig: Wir müssen ihn bein Baden das ganz heiße Wasser übern Rücken laufen lassen. Helmut: N«, denn kriegt er ja Blasen, das ist Tierquälerei. Kurt: Wir müssen ihn oben auf den Schrank setzen und so'n Dach darüber machen, daß wir seine Fratze nicht sehen können, und dann'n kleines Loch rein, damit er von der Tafel abschreiben kann. Heini: Ne, in den Schrank reinsetzen. Zuruf«: Denn kriegt er keine Luft!— Doch, durch den Schlüsselloch! Fritz: Ein Netz nehmen, ihn darein legen und außen Fenster hängen. Do kann er sich ja nicht wehwn, da friert er' bloß. Dickerlein: Wir wollen ihn In Klosett einschließen. Zuruf: Ne, das geht nicht, da kann er nicht so lange allein sitzen. Andere Zurufe: An den Ohren aufhängen! Fest- schnallen! Äns Pult stecken! Hanna: Er soll in der Pause oben bleiben und immer schreiben. Negerlein: Ne kalte Dusche im Baderaum. Zuruf: Ne kalte Dusche, das dauert zu lang«, bis wir wieder Pflichten des werdenden Staatsbürgers hineingreifen, an welchen freudig mitzuarbeiten dringendes Gebot der Gegenwart ist: Los vom P o l i z« i st a a t, los von allen Gängelbändern kleinlicher Vorschriften, herrischer Verbot«. Und hin zu frei gewolltem, sitt- lichem, selbstverantwortlichem Tun, hinein in die neue Voltsgemein- schaft! Lrei ist der VurschA Aus den Kreisen der sozialistischen Studentenschaft wird uns geschrieben: In bezug auf den Artikel„Frei ist der Bursch?!" kann ich nicht umhin, eine Erwiderung zu schicken. Ich nehme an, daß dieser Artikel von einem Studenten geschrieben worden ist, der es niemals nötig hatte, sich selbst das Geld zum Studium und zum Leben zu verdienen. Eine geradezu ungeheure Verantwortungslosigkeit spricht aus dem ganzen. Man muß doch bedenken, daß der„Vorwärts" in ganz Deutschland g«- lesen wird und sich viele sagen werden, wenn das Berliner Studentenleben ein solches Eldorado ist, werde ich auch schleunigst dahingehen. Und hier harrt Ihrer dann die große Enttäuschung. Wohl haben wir an der Berliner Universität eine große Meng« Werkstudenten, die ganz auf sich gestellt sind. Aber von denen zu sagen:„Ich möchte wissen, wer eine schönere Studentenzeit ver- lebt als wir Berliner Studenten", ist der reine Hohn. Es heißt hier arbeiten und nochmals arbeit«n, um nur das Nötigste für Wohnung und Essen zu verdienen. An Kleideranschosfungen ist dabei meist gar liicht zu denken. Und wie steht es mit dem Studium selbst dabei? Es ist doch unmöglich mit derselben Kraft zu studieren, wenn, man schon vier oder sechs Stunden gearbeitet hat und trotzdem immer noch die wirtschaftlichen Sorgen drohend hinter einem stehen. Und es gibt mehr als einen Studenten, der das Studium an den Nagel gehängt hat, weil es einfach nicht mehr durchzu- führen war. trotz oller„vorzüglichen Einrichtungen". Denn es gibt ja auch längst nicht immer Arbeit für alle, die arbeiten wollen. Ist man auch bereit jede Arbeit anzunehmen, so kann man doch oft wochenlang suchen. Und dann das Wohnungsamt! Die Zimmerchen für 20 bis 25 M. kann man mit der Lupe suchen und gleichfalls den Zuschuß der Wohlfahrtseinrichtungen. Der' Durchschnitts- preis für ein Zimmer betrögt 30 bis 40 M. Das„gute und reichliche Essen" in der Mensa ist so, daß wir sozialistischen Studenten gemeinsam mit den kommunistischen Studenten ein Protestschreiben eingereicht hoben. Aber ganz ge- wiß nicht, weil das Essen zu gut ist. Richtig ist, das Tausende von Studenten täglich dort speisen. Aber was bleibt ihnen denn anderes übrig? Für Mittagessen 80 Pf oder I M. auszugeben ist unmög- lich. Ich rate dem Kommilitonen, der den Artikel geschrieben hat, doch täglich in der Mensa zu essen. Ich glaube nicht, daß er dann noch so begeistert sein wird. Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß die Mindestsumme mit der ein Student in Berlin auskommen kann, monatlich 110 M. be- trägt. Aber ohne Kleidung. Biicherunfchaffungen und Kollcggeldcr Und sich diese 110 M. erst einmal zu verdienen, und zwar neben- bei, ist ungeheuer schwer. Dabei handelt es sich doch hierbei Baden haben. Und dann badet er das nächstemal einfach nicht wieder mck. Usw. usw. II. N. N. wird infolge seines unverträglichen Wesens auf Klafscm befchluß einige Tage � vom Spielhof ferngehalten und muß die Pausen abgesondert von seinen Spielkameraden zubringen. Nun steht die Aufhebung dieses Beschlusses zur Debatte. Lehrerin: Hat N. sich nun gebessert oder nicht? Alex: In der Papparbeit hat er H.s Namen auf der Mappe durchgestrichen und seinen draufgeschrieben, weil er selbst keine Lust hat,«ine zu machen. Und hat zu mir gesagt: Kriegst um 1 welche! Zuruf: Heute hat er es wieder gesagt. Hermann: Er läßt einen nie mitspielen. Heinz: Gestern haben wir gespielt, da haben wir uns ganz gut vertragen. K a l l i' Er hat sich ganz gut betragen. Alfred: Ich will einen Vorschlag machen: Wir lassen ihn ein paar Tag« draußen aus dem Spielhof. Wenn er sich gut beträgt, kann er bleiben. Wenn er sich flegelhaft, beträgt, muß er wieder rauf.* Alex: Nein, er soll sitzen bleiben, bis er sagt, er will sicl> ovden stich betragen. Dann probieren wir es zwei Tage. Wenn er dann wieder frech wird und klotzig, dann muß er immerzu sitzen bleiben, dann gibt es kein Wort mehr.. Ernst: Man kann auch einen Versuch machen mit ihm und mit Willen Streit machen, ob er dann wieder sagt: Halt dein Maul oder so. Lehrerin: Wir haben im ganzen drei Vorschläge gehört: 1. Wir wollen es für kurze Zeit versuche». 2. Ihr wollt mit Willen Streit anfangen, ihn ärgern und reizen. 3. Er soll gleich sitzen bleiben. Was meint ihr dazu? Kolli: Das mit dem Aergern ist nicht richtig. Wenn er dann trotzig und zornig wird, hat er keine Schuld. Zuruf: Nein, das ist nicht schön, das ist richtig feige? Lehrerin: Wer will das? (Es meldet sich niemand.) Wer ist dafür, daß er gleich probeweise auf den Spielhof soll? (17 Stimmen.) Wer ist dafür, daß er oben sitzen bleibt? (7 Stimmen.) Ludwig, nun erzähle N. N., was los ist, damjt er Bescheid weiß. Ludwig: Wir wollen dir also bis Dienstag noch Frist geben. Wenn du dich gut betragen hast, kannst du auf dem Hof bleiben. Wenn du dich nicht gut betragen hast, bleibst du auf der Bank sitzen. immer um begabte und wirklich intelligente Menschen, die studieren um des Studiums willen. Vieles, sehr vieles muh hier noch anders werden. Und es ist längst nicht alles an der Berliner Universität eine Kleinigkeit. Sarienbauhochfchule oder nicht? Der Bund Deutscher Gartenarchitekten wendet sich gegen den Plan des preußischen Landwcrtschaftsministers, eine Gartenbau- Hochschule zu errichten. In einem diesbezüglichen Schreiben an den Landwirtschaftsminister heißt es: Der Wunsch nach einer Gartcnbauhochschule geht im wesentlichen nur von den maßgebenden Behörden aus! Anders gesprochen lautet die Forderung der Behörde:„Den Aufstieg in eine höhere Gehalts- klass« versperren wir euch, wenn ihr nicht ein von oem Abiturienten- eramen abhängig gemachtes Hochschulstudium aus euch nehmt." Be- stände diese mit Nachteilen verbundene Forderung der Behörden nicht, so würde niemand an die Errichtung einer Hochschule denken. Wer die gähnende Leere in den Vortragssälen der Land- wirtschaftlichen Hochschule, in denen Gartenbau- Professoren dozieren, gesehen hat, wer die Statistiken unserer. staatlichen Gärtncrlehran st alten' studiert, aus denen hervor- geht, daß ihr Hauptkontingent an Hörern Gartenbeamten- a s p i r a n t e n sind, wird erkennen müssen, daß der Gärtner in: Wirtschaftsleben schon die höheren Gärtnerlehranstalten für über- flüssig betrachtet, und daß das Gros des Berufes der praktischen Ausbildung verbunden mit dem theoretische» Unterricht an den Fortbildungs-, mittleren Fachschulen(in bezug Gartenkunst auch Kunstschulen) fast ausnahmslos den Vorzug gibt. Der Gärtnerberuf ist ein praktischer Beruf, d. h., er muß im Gegensatz zu anderen Berufen hauptsächlich seine Ausbildung auf dem praktischen Gebiete, weniger auf dem theoretischen suchen. Eine unnötig verlängerte und dadurch teuere theoretische Ausbildung bringt nur Elend und Schaden. Der deutsche Gartenbau hat im Ver- gleich zum Auslande stets das Höchste geleistet.— er ist einer der wenigen Beruf«, in dem wirklich freie Bahn dem Tüchtigen gelassen wurde, und diese soll durch eine Hochschule nicht versperrt werden... Für die wissenschaftlichen Forschungen im Garten- bau besitzen wir bereits feit langem die B i o l o z i s ch e R« i ch s- anstatt. Machen Sie diese zunächst erst einmal leistungsfähig durch Ueberweifung ausreichender Mittel! Weder kennt man die Aschen- bestandteile der gärtnerischen Kulturpflanzen, noch ihr Dünger- bedürfnis in den einzelnen Wachstumsperioden. Immune Pflanzen müssen wir aus dem Auslande beziehen, da sie mangels Mittel nicht lystematisch in Deutschland gezüchtet werden können. Nicht eine einzige krebsfeste Kcrnobstsorte besitzen wir! Ueber die Befruchtung einzelner Obstarten untereinander ist so gut wie nichts bekannt! Be- zahlen sie die Lehrkräfte auf unseren Gärt nerlehron st alten so, daß man dort im Gegensatz zu hech« die tüchtigsten Facbleule, wenn auch nur vorübergehend, hören kann. Dann werden die Bänke nicht nur von Beamtenaspiranten gefüllt sein, und der Vorsitzende des Schülerausschusses der Gärtnerlehr- und Forschungsanstalt, Berlin- Dahlem, braucht nicht mehr in einer öffentlichen Sitzung unseres Bundes von einer chinessschen Mauer zu sprechen, welche die Gärtner- lehranstall von der übrigen Fachwelt trennt. (7. Fortsetzung.) Am Stadttheoter ist ein freier Platz. Dort halten HönMer Weihnachtsbäume feil. Eine Dame erhandelt eine Doppeltanne. Ein armseliger Junge trägt ihr den Baum nach Hause. Ob meine Eltern schon einen Baum haben? Plötzlich entdecke ich mich in einem Warenhaus. In der Spiel- marenabteilung finde ich mich wieder. Da ist es warm, behaglich, sehr schön. Kinderland— Traumlond— Weihnachten— I Verkäuferinnen betrachten mich mit Mißvergnügen. Ich habe durchaus kein gutes Aussehen. Die Mütze vertnüllt, die Uniform voller Blut- und Lehmflecken, die Stiefel kaputt, Gesicht und Hände zerschunden. Aber ich freue mich dennoch, hier in dieser schillernden Pracht zu sein. Und ich entschließ« mich, für mein Schwesterchen«in kleines Medaillon zu kaufen. Unruhe packt mich, ich muß in der Kaserne vorsprechen wegen Urlaub. Es ist elf Uhr, gerade rückt die Kompagnie, der wir jetzt ange- hören, durch dos Tor«in der Kompagnieführer an der Spitze. Wir stellen ihn. Der Leutnant guckt uns erstaunt an. „Weihnachtsurlaub? Gibt's nicht!" „Wir sind heut« morgen von der Front gekommen!" „Wir bleiben nur 14 Tage hier!" „Und dann geht's wieder an die Front!" „Wie lang« wart ihr denn draußen?" „Ein Jahr!" „Elf Monate!" „Neun Monate!" „Na dann-- Aber nur sieben Tage. Mehr gibt's nicht! Kommt nachmittags auf die Schreibstube." Urlaub! Wir freuen uns wie die Kinder. Nun sind wir Weih- nachten zu Hause. Aber beim Militär ist man erst gewiß, daß man auf Urlaub fährt, wenn man den Schein in der Tasche und die Kaserne im Rücken hat. So ging es auch uns. Am Nachmittag warf uns der Feldwebel aus der Schreibstube. „Frechheit, von der Front zu kommen und gleich Urlaub haben wollen! Es sind noch mehr Leute da, die fahren wollen!" Wir bleiben hartnäckig. Als wir zum drittenmal vor den Feld- webel traten, nachdem wir vorher den Leutnant auf ihn gehetzt hotten, war es gewiß, daß wir fuhren Am anderen Tage Umkleiden in der Batoillonckommer. Schnell noch ein schönes Bad in der Stadt genommen, die neue Kleidung--- ein behagliches Gefühl war es. wie ich es nimmer �wieder im Leben haben werde. Jetzt in dem neuen Schuhwerk merkten wir erst, was trockene, warme Füße heißen. Morgen früh fuhr unser Zug nach Berlin. Ein Zug lief noch am Abend nach Frankfurt. Wenn man den noch erreicht«! Die Nacht konnte man vor Aufregung doch nicht schlafen. Eben brachte der Schreiber die Urlaubsscheine. In der Straßenbahn knöpfe ich erst die Hosen richtig fest. Endlich stehen wir auf dem Bahnhof. Der Schaffner will uns nicht durch die Sperr« lassen. „Euer Zug geht erst morgen." Wir bitten, wir betteln. Oben rattert der Zug ein. Da läßt er uns durch. „Abfahrt!" Langsam entflieht der Zug den Lichtern der Stadt und rast in die Nacht hinaus. Er trägt uns nach Hause... nach Hause... Und draußen rieselt feiner Schnee hernieder. Es ist Weihnachten...! Berlin. Sieben Tage Urlaub sind eine kurze Zeit. Also stieg ich miß- mutig in den Eilzug und fuhr in der Frühe des Silvestermorgen nach Slraßburg zurück. Di« anderen Berliner, ineine Front- kameraden, fuhren mit mir. Der liebste war mir unter ihnen Da- lentin, der sich an mich gewöhnt hatte. Er lobte mir sein«-neue „Braut", die er in den sieben Tagen kennen lernt«. Wir besprachen die Aussichten, ob sie imstande wäre, ihm viele Feldpostpakete zu senden. Für mich war die Fahrt ein« Qual, denn ich hatte das Sol- datenleben satt, besonders da ich wußte, was uns nun bevorstand. Ein schlechtes Jahr lag hinter uns, ein schlechtere? sollte noch kommen- Ein Viertel vor 12 Uhr, ehe das Jahr 1316 begann, langten wir in der Kaserne an. Am 17. Januar wurde uns mitgeteilt, daß wir nach dem Minen- werfeifchulplatz in Markendorf zur Ausbildung kommen sollten. Am 18. Januar morgen» um 7 Uhr verließen wir, feldmarschmäßig ausgerüstet, die Kaserne. Wir sollten sie nie wieder sehen! Die Ausbildung in Markendorf dauerte drei Wochen. Dann wurden wir nach Berlin oerlegt. An einem Sonnabendmittag kamen wir auf dem Anhalter Bahnhof an. Ein endloser Zug, ein ganzes Bataillon, marschierten wir durch die Straßen. Es wurden viel« Umwege gemacht, damit >ie Berliner auch mal fröhliches Militär sahen. Wer Berliner war, lang fröhlich, was da» Zeug halten wollte. Alle freuten sich, in ihrer Heimatstadt zu sein. Und ich, der das Singen draußen ver- lernt hatte, sang fleißig mit. Warum sollte ich auch in meiner Vaterstadt nicht singen? Sie hat mich geboren und ins Feld geschickt, ich hoffte damals, später wieder in. ihr einzuziehen, wenn ich nicht auf dem Felde der sogenannten Ehre blieb. So risien wir die mutlosen Kameroden mtt unserem Gesänge sart. Die Berliner strahlten über die forsch« Trupp«, und im Westen die besseren Herrschaften freuten sich, doch mal freundliche Frönt» tämpfer zu sehen. Später haben sie gewiß an ihren Stammtischen wieder von unserem unverbrauchten tüchtigen Heer« erzählt. Je mehr wir dem Osten zu kamen, desto mehr teilten sich ein- zelne Kompagnien ab. Zuletzt marschierten wir ganz allein� nach der Koppenktraße im Berliner Osten, zu dem großen Lokal von Keller« Festsälen Da ich im Osten Berlins aufgewachsen bin, hüpft« mir da» Herz vor Freude, in der Nähe meiner elterlichen Wohnung in Quartier zu sein.. In dem großen, einst schönen Saal, wo ich bis zum Kriege auf Festlichkeiten manche Nacht durchgetanzt hatte, standen gezimmerte Betten, wo jeder einen Platz angewiesen erhielt. Dann durften wir bis nachts um zwölf Uhr aus dieser unserer Kaserne gehen. Valentin und unser kleiner Schnoddriger wohnten in Moabit, sie fuhren also dort hin und blieben gleich bis Montag früh im Elternhause. Ich war vorsichtiger und kam am selben Abend abends zwölf Uhr tn das Quartier. Andern Tags fragt« ich nach der Paroleausgab« den Vize, der die Geschäfte de» Feldwebels führt«, ob er mir gestatte, in meinem Ellernhause zu schlafen: es fei nur eine Viertelstunde ent- fernt. Er sah mich höhnisch an und sagte, so etwas dulde er nicht. Mich packte die Wut:„Herr Feldwebel, die Betten hier sind oerlaustl" „Das geht mich gar nicht« an: Sie haben hier zu schlafen! Sie sind Soldat, verstanden!" „Jawohl, Herr Feldwebel!" Aber ich pfiff auf den Feldwebel und noch mehr auf das So- datentum, wenn man so behandell wurde. Vom Sonntageurlaub kehrt« ich erst am Montag früh in die Kaserne zurück, gerade als der Dize die Betten revidiert«. Valentin und der schnodderig« klein« Dick« kamen mir schon auf der Trepp« entgegen, da sie nicht den Mut hatten, tn den Saal zu treten. Inzwischen hatte der Vize bemerkt, daß wir nicht in unseren Betten lagen. Wir stießen am Saaleingang zusammen. „Wo kommen Sie her?" herrschte er uns an. „Wir haben hier geschlafen, Herr Feldwebel," log ich „Was, hier geschlafen, und jetzt um fünf Uhr morgens turnen Sie schon herum?" „Die Betten sind verlaust. Wir konnten nicht schlafen. Da sind wir aufgestanden und haben einen Morgenspaziergang gemacht!" Der Vize sah uns ein« Weile an, da aber Valentin und der kleine Dicke ernste Mienen machten, begnügte er sich damit, zu sagen:„Für dieses Mal will ich es glauben. Wegtreten!" Als der Vize gegangen war, lachten meine beiden Getreuen aus vollem Hals«, hüpften, die Hände in den Hosentaschen, im Saale auf und ab und riefen:„Das hast du fein macht, das hast du fein gemacht! Wir hätten von dem Lumpen drei Tage Dicken gekriegt!" Di» anderen Kameraden wurden wach und schimpften über unsere Störung. Aber Valentin lacht« so wundervoll sein schönes «befreiendes Lachen, das ich immer so gern« von ihm hörte, daß es durch den großen Saal hallte. Die Kameraden erhoben sich all- mählich Sie schimpften und kratzten sich. Wir aber lachten. Dakentln rief:„Kratzt nicht zuviel, Kameraden, euch juckt nur die Haut. Diese himmlischen Betten, es muß doch«in« Wonne sein, darin zu schlafen!" Ein allgemeines Murren war die Antwort. Elliche sprachen von dem oerlausten Berlin, da wäre es in der zugigen Scheune in Markendorf doch schöner gewesen. Andere schimpften über dos teure Pflaster und darüber, daß man ohne Marken nichts kaufen könne als ein paar Aepfel. Eine große Zahl beschwerte sich über das schlechte Bier. Allgemein hieß es, man wäre froh, das Quartier und Berlin bald wieder oerlassen zu können. Man ließ seine schlechte Laune an uns dreien aus, die wir zu Hause geschlafen hatten. Valentin antwortete mit witziger Gegenrede. Der kleine Dicke gab seinen Senf dazu und stachelte die Wütenden noch mehr an. Etliche Hitzköpfe kamen auf uns zu und drohten handgreiflich zu werden. Die jugendlichen Soldaten hätten ja von uns eine tüchtig« Abfuhr erhallen, aber ich duldete nicht länger, daß der Dicke und Valentin, denen die Sache großen Spaß machte, die Kameraden noch mehr reizten. Ich lenkte«in. Der Unteroffizier vom Dienst,«in untersetzter, ruhiger Mann, trat ein. ging zu Valentin und sagte: „Ihr wart doch diese Nacht gar nicht hier!" Valentin wollte nicht antworten. Da sagt« der Dicke schnell: „Gewiß waren wir hier. Herr Unteroffizier: aber Herr Unter- offizier..." Der unterbrach den Dicken:„Vor mir braucht chr keine Angst zu haben, aber seht euch bloß vor dem Vize vor. Der ist mächtig hinter euch her. Will doch noch was werden, daß ihr's wißt." Ob wir es wußten! Auf dem Hof« stand die Feldküche. Jeder Holle seinen Morgen- kaffee, und um neun Uhr begann der Dienst. Das heißt, di« Kompagnie marschierte nach dem Verschiebebahnhof Rummelsburg hinaus, wo auf dem Bahnhofsgelände ein großer dreieckiger Platz war. Es war Anfang Februar, der Frühling zog früh in Berlin«in. Di« Tag« waren wann, man tonnte denken, ick März zu sein. So machte das Infanterieexerzieren doch mehr Freude als die Schule in Markendorf. Des Nachmittags nach vier Uhr rückten wir vom Exerzierplatz ab, um nach dreiviertelstündigem Marsche wieder in das Quartier zu gelangen. Dann hatten wir freie Zeit bis zwölf Uhr nachts-� Aber für uns Berliner war immer die große Frage: Schlafen wir diese Nacht in der verlausten Bude? Jeder scheute sich davor, denn«in jeder hatte schon genug Läuse im Feld« gehabt und kannte die Plage. Die Berliner Unteroffiziere der Kompagnie schliefen bei ihren Familien, nur wir durften es nicht. Noch einigen Tagen kam Valentin auf einen Trick:„Wenn man den Spaten hinlegt, ein Handtuch darüber und di« Wolldecke, sieht es aus, als wenn ein Mensch schläft. Da» machen wir heute abend und bleiben über Nacht wieder zu Hause." Wir verabredeten, es so zu tun, und gingen, als der Dienst beendet war, nach Hause Ich fuhr zu meiner Braut, der ich die Sache erzählte. Sie riet mir, lieber in der Kaserne zu übernachten, ehe ich Unannehmlichkeiten hätte. Ich versprach es ihr dann, fuhr aber doch in mein Elternhaus, wo meine Mutter für mich immer abends das Bett deckte.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. imiiiitniiimninMunniniimiiiimiimiMimnirmirmnuitmniimranmmnnuinirainriiMiinBBnmnniiiiuiiniiiiimiii�iimmHiiiiiiiimimimiiiiiiiiiiiitiiiiiiuirmiiiiuiimiiiiRiuiiina Eine Viertelmillion für Sven Hedin. Aus den Ueberfchüsfen der monatlich stattfindenden. Staats- lotteri« hat der schwedische Staat Sven Hedin eine weitere Viertel- Million Kronen für seine Expedition in Zentralasien zur Verfügung gestellt. Hierdurch ist der große Forscher in die Lage versetzt, die Expeditton um wettere zwei Jahre auszudehnen. Der Attenprozeß von Jenessee hat ein« Art Lorspiel in Altösterreich gehabt. 1837 war in Wien der Ehristlichsoziale Hermann Bjelohlawek— trotz seines tschechischen Namens(Weißköpfchen) ein echter Wiener— nach hartem und vergeblichem Kampf der Sozialdemokraten zum Abgeord- neten gewähk worden. Er wurde schnell berühmt, als er die Dar- winfche Abstammungslehre als südischen Schwindel bezeichnete, Leo Tolstoi einen alten Teppen nannte und dem Hinweis auf ein Buch mit der Abwehr begegnete:„Scho' wieder so a Buch, dös hob i' scho' g'fresi'n: schreibt eh' nur aa Iud vom andern ab." Seine Ab- lehnung der Abstammungslehre veranlaßt« nun das sozialistische Witzblatt„Glühlichter", ihn stets nur als— Affen abzubilden. Der andere aber geht und klagt. Die Wiener Geschworenen, damals lauter christlichsoziale Bürger, sprachen den verantwortlichen Emil Kralik schuldig und er mußte sechs Wochen absitzen.- Sehr bald aber zeigten die„Glühlickter" wieder das Aeffchen— und es klagte nicht mehr. Später ist Bjelohlawek sogar noch ein ganz guter Derwaller des niederösterreichischen Sanitätswcsens geworden. Cr ist schon lange tot und Kralik noch länger. ribe. Ein Tramp hinterläßt 8 Millionen. In Florida in einer einsamen Villa starb vor einigen Tagen der vor längeren Jahren als„König der Tramps" bekannte A. W. W i l f o r t. Auf einer seiner zahlreichen Wa»rderungen fand er eine Oelquelle. Da» Land erwarb er für einige Dollar und ver- kaufte es nach Jahresfrist für 1 Million Dollar. Sein gesamtes Vermögen hat er wohltätigen Stiftungen hinterlassen. Donnerstag, 18. April. Berlin. 16.00 Emil Pircban:„Die Kunst des BQhncnkostflms". 16.30 Qedichte von Prlti Dlettrich.(Gelesen vom Autor) 17.00 Medrltala. Alte deutsche Msdrlule.(Helles Msdilgal-Vereliugung, Stuttgart. Klaviervertrage.(Dr James Simon. Emgel.) 18.10 Dr. Haas Bollmann: Sportschau des Monats. 18.35 Dr.-lng. Gellborn:..Technische Ergebnisse der Eeichttagnng über Wohnungsbau- Wirtscheft". 19.00 Der Uebhaber-Pholograph. Prof. O. Monte. ÄI.OO„Die Aftlltanerin". GroBe Oper von Eugtne Serihe. Mnsik von Glacomo Meyerbeer. Ltg.: Lornolls Broasgeeet. Dirigent: Selmar Meyrovrlts. KSalgSTustorh aasen 16.00 Ds, Karl Würzburger und Dr. Bruno Klopfer: Die Phantasie des Kleinkindes. 16.30 Walter Hirschberg, London Kerdyk: Richard Debmel. Lieder-Zyklus. 18.00 Dr. Theodor HeuE: Aoslandsdeulschtum. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.35 Prof. Dr. Schvalbo: Mittel tur Erhöhung der Dauerhaftigkeit und der Standfestigkeit des Holzes. 19.20 Lindner; Deutsches FVaazerlebea in Mittelamerika. Marke Woldemaras. o Ein litauischer Armeebefehl, der kürzlich erlassen wurde, verbietet den litauischen Offizieren, Damen künftighin die Hand zu küssen. Ein einfacher Händedruck genüg« vollkommen, denn die Sitte des Handkusses sei ein polnischer Kavaliersbrauch, den auszuüben bei der polnischen Einstellung Litauen gegenüber zum allerwenigsten litauischen Offizieren gezieme. Der Amtsschimmel wiehert. Der Amtsschimmel lebt nicht nur bei uns, sondern auch in Frankreich noch recht kräftig, wie nachfolgender Lorgang beweist: „Der Präsident der französischen Republik verfügt aus Bericht des Handelsministers, nach Anhörung des Arbtitsministers und des Ministers für Pensionen, nach Aeußerung des Amtes für Kriegs- verletzte in Eracht des Artikels 18 des Gesetzes vom?6. April 1324 und der Aussührpng-bestimmungen vom 6 August 1327, in Eracht des Artikels 3 des Gesetzes vom 18. Oktober 1319, in Eracht des Dekrets vom 27. August 1921 usw., modifiziert durch di« Dekrete vom 9. März 1926, 30. März 1927, 16. Oktober 1927 und 7. März 1928, in Eracht des Kabinettsbeschlusses vom 13. Januar 1-928 usw...." Man glaubt nun, daß eine Haupt- und Staatsaktion folge, aber es folgt nur das Dekret über die Einstellung einer Stenrsthpistin, deren Gehalt und Pensionsansprüche der Genehmi- gung dreier Minister und des Präsidenien bedurften.» „Heil Dir im Siegerkranz." Daß.�)eil dir im Siegerkranz" sowohl musikalisch wie auch dichterisch nicht viel wert ist, werden selbst unsere eingefleischtesten Monarchisten zugeben müssen. Wieviel es aber wert ist, da» wurde erst vor kurzem, und nicht einmal in Deutschland festgestellt. In i dem polnisch-oberschlesischen Städtchen Loslau ertönte eines schönen Nachts di« ehemalige deutsche Nationalhymne. Wutentbrannt ob der unvermuteten Ruhestörung, stürzte dl« Polizei au» dem Wachgebäude und nahm den edlen Sänger, einen sinnlos Betrunkenen, fest. Nun hatte er sich vor Gericht wegen groben Unlugs zu verantworten. Der Richter beantragte 39 Zloty Geltstraf«.- Als der Angeklagte das hörte, rief er:„Herr Richter, Ich bin ein armer Mann, und außerdem, das Lied ist ja gar keine� 30 Zloty wert." Dem konnte sich das Gericht nicht verschließen und setzte den Wert von„Heil dir im Siegerkranz" auf 10 Zloty(knapp 5 Mark), fest, die der Anaeklagtc auch bezahlte. Wir haben bisher nicht gehört, daß die Deutsch- nationalen gegen. diese niedrig« Taxe Einspruch erhoben haben. Sichtbar gemachte Blutgefäße. Vor kurzem gelang es zwei amerikanischen Forschern,«in Der- fahren zu finden, um auf Röntgenphotographien nicht nur die Knochen, sondern die Blutgefäße bequem und gefahrlos sichtbar zu machen Sie machten in das Rückenmark Injektionen von jodiertem Rapsöl, da» mtt vorbehandellem Olivenöl vermischt war. Das Blu: in den Gefäßen wirst dann einen deullichen Schatten aijf die Platte. Dies« Erfindung ist besonders für di« Diagnose von Gehirnkrank. heilen von Wichtigkeit.« P. A. „Warum heiraten Sie nicht?" fragt» semand Peter Altenberg. „Ich muß darüber nochdenken," memt« Peter Attenberg. Nach zehn Iahren fragte derselbe Freund wieder Peter Altenberg: „Noch immer nicht verheiratet?" Denken Sie noch immer nach?" „Ja," antwortete Altenberg,„das Heiraten ist«ine so ernste Sache, daß man sein ganzes Leben darüber nachdenken sollte, ob man es tun soll." Arbeiter Wieder stehen einige interessante Spiel« aus dem sonntäglichen Fußballprogramm. In Weißensee, Stadion„Fauler See", findet wohl das wichtigste Tressen statt. Der„Freie Sportverein Weißen- see", der bisher ungeschlagen die Spitze in der Abteilung ist hält, trifft hier aus den vorjährigen Abteilungsmeister Germania- Pankow. Beide Percine haben«s sich in den Kops gesetzt, den Kreismeistertitel in diesem Jahr in Berlin zu behalten. Wer wird es nun�fein? Ebenfalls ein wichtiges Spiel absolvieren die Neu- köllner Hegen Oberspree in der Wuhlheid«. Im Volkspart Marien- darf, Chaufseestroße, stehen sich der Bezirk Tempelhos-Mariendors der FTGB. und Sokol-Charlottenburg gegenüber. Weiter« Spiele: Luckenwalde III gegen Luckenwalde I. Nowawes gegen Hertha 11. Luckenwalde V gegen Rathenow. Woltersdorf gegen Hoppegarten. Schöneberg gegen Kaputh. Kehlen- darf gegen Wackcr-Britz. Ketzin gegen Treuenbrietzen. Sokol-Mitte gegen Vorwärts. 2. Mannschaften: Nowawes gegen Werder 77. Karow gegen Oderberg. Lichtenberg II gegen Lichtenberg J. Weißens« gegen Germania.— Jugend: PerleberZ gegen Kladow. Lichten- berg II gegen Kaputh. Brandenburg gegen Saxonia.. Weißens« gegen Eiche-Köpenick. Rathenow gegen Neukölln. Beginn der Spiele: 1. Mannschaften 16 Uhr. 2. Mannschaften 141t Uhr. Jugend 1014 Uhr. Wer wird Bundes~Fuijba1!meister? Der ungewöhnlich lang« und harte Winter hat auch die zur Ermittlung des Fußballmeisters im Arbeiter-Turn- und Sportbund vorgesehenen Spieltermine über den Hausen geworfen. Mit einzigartiger Disziplin wurde ein neuer Termin- plan gutgeheißen, im Gegensatz zum Deutschen Fußbolldund, wo die Frage der Meisterschast«ine innere Unruhe nach der anderen mib sich bringt. Die Kreismeisterschaften sind bis auf die des Kreises Rheinland-Westfalen entschieden. In den von den Kreisen gebildeten vier Verbänden hat der Mitteldeutsche bereit» seinen Verbandsmeister festgestellt. Die Lag« in den Verbänden ist gegen- wärtig so: Mitteldeutscher Verband. Meister: V. s. L. Leipzig- Südost, mehrmaliger Bundesmeister. Cr gewann um die sächsische Kreismeisterschaft gegen seinen stärksten Widersacher, den Dresdner Sportverein— gleichfalls mehrmaliger Bundesmeister— 4:3. Im Verbandsmeisterschaftsspicl gegen den thüringischen Meister Ilmenau siegte V. f. L. Leipzig-Südost: 0. Am gleichen Tage schlug der schlesische Vertreter„Smrm".Breslau den Meister des Kreises An- halt, Prov. Sachsen, Brounschweig: Magdeburger Ballspielklub Z: 1. Der Sieg kam etwas überraschend. Im Schlußspiel beider Sieger -Fußball. unterlag Breslau nach tapferer Gegenwehr S: 1. Technik siegte über Eiser. Im Süddeutschen Verband wird entgegen dem Mittel- deutschen, der Meister durch Rundenspiel« ermittelt Dabei blieb es nicht ohne eine gehörige Ueberraschung, die in der Niederlage des nordbayerischen Meisters, Weiden, im letzten Spiel gegen den Kreis- meister von Baden-Psalz, Ludwigshafen, lag. Dadurch ist Weiden am Schluß der Runde mit Württembergs Vertreter, Böckingen, punktgleich geworden. Das Entscheidungsspiel beider Mannschaften wird Sonnabend, 20. April, in Stuttgart, stattsinden. Stark ab- gefallen in den Verbandsspielen sind München-Dachau(Südbayern) und Mörfelden(Hcssen-Nassau). Nach einem schlechten Start im- panierte Ludwigshasen durch den Sieg über Weiden. Frankfurt- Westend, der vorjährige Verbandsmeister und Endspielgegner um die Bundesmeisterschost, verlor im entscheidenden Spiel um tzie dies- jährige Kreismeisterschast gegen Mörsechen, das nicht in der Lage war, den Verbandsmeistertitel für den Kreis Hesten-Nossau erfolg- reich zu verteidigen. Der Ostdeutsche Verband steht oo, dem Schlußspiel. Es wird bestritten werden pon dem Lausitzer Meister Döbern und von dem Vertreter des Kreises Berlin-Brandenburg� Luckenwache. Tag und Ort sind der 28. April in Berlin. Ueberraschend verlor der pommersche Meister Stettin-Nemitz gegen Luckenwalde 5: 1. Döbern siegte über„Vorwärts'-Königsberg 3: 1. Döbern ist der Nach- folger des mehrmaligen Kreismeisters Forst-Sülden. Allgemein werden dem Lausitzer Meister die besseren Siegesaussichten für den 28. April zugesprochen. Unklarer liegen die Ding« im N o r d w e st- deutschen Berbond, hervorgerufen durch das Fehlen des rheinisch-westfälischen Meisters. Die Ursache dieser Verzögerung liegt in der von verschiedenen Funktionären im Auftrage der KPD. durch- geführten Parteiarbeit in der rheinisch-westfälischen Arbeiter-Fuß- ballbewegung. Abhils« ist geschossen worden. Am 21. April spielen Um die Kreismeisterschaft: Köln Nord— Homberg Hochheide und Castrop Rauxel— Obeisprockhövel. Die Sieger treffen sich am 28. April zum Endspiel. Inzwischen ist schon«ine Vorentscheidung um die Verbandsmeisterschast gefallen.„Lorbcer'-Hamburg hat .,Fichte"-Bieleseld-3: 2 geschlagen. Das ausschlaggebende Tor siel in der letzten Minute. Bis kurz vor schluh führt« Bielefeld noch mit 2: 1.„Eintrvcht"-Kassel wartet aus den rheimschwestsälischen Meister, um mit ihm die zweite Vorentscheidung auszumachen. Der Sieger wird mit„ßorb«er".Hamburg das Schlußspiel um die Der- bandsmeisterschast austragen. Di« vier Verbandsmeister sind die Anwärter aus den Bundes- Meistertitel. Ein endgültiger Termin für das Endspiel um die Bundesmeisterschaft ist noch nicht festgelegt. Es wird sehr fraglich sein, ob ein Tag im Mai für dieses Spiel in Betracht kommt, sehr wahrscheinlich wird es Juni werden. Riitt macht Ermtl Die Crdftnung am Sonnlag. Bei der Eröffnungsveranstaltung der Rütt- Arena am kam- wenden Sonntag ist der Debüt der neuen westdeutschen Mannschaft Hürtgen-Goebel bemerkenswert, die in dieser Zusammen- setzung von vielen Fachleuten für stärker gehalten wird als die bisherige, für unzertrennlich geltende Kölner Paarung Rausch- Hürtgen. Hürtgen, der Kölner Sechstagesieger, der auch mit Rausch als der moralisch« Sieger der letzten Frankfurter„six dtys' gilt, müßte, gepaart mit dem starken Dortmunder, der mit Richli dos Leipziger und mit Dinale das Dortmunder Sechstagerennen gewann, in einem Omnium selbst gegen die größten Spezialistenpaare der Welt allererste Siegeschancen haben. 'Starkes Interesse findet auch dos Verufsfahrerdebut von L e h- m a n n- W i s s e l, die als Amateure keine Gegner hatten. Ueber die Stärke der beiden braucht man nach ihren bisherigen Leistungen keine Worte mehr zu verlieren! auch ihre Chancen stehen nicht schlecht, zumal Lehmann ein ausgezeichneter Sprinter ist und Wissel sich ebenfalls stark verbcsiert hat. Ihre Stäxke gegenüber Hürtgen- Goeb«l liegt darin, daß sie glänzend miteinander eingefahren sind, eben so wie das auf der Rütt-Arena stets dominierende Paar K r o l l- M i e t h e. die dritte Mannschaft des vmniums. Der Wettbewerb besteht aus dr«i Läufen, einem Fliegerrennen, bei dem sich die Partner jeder Mannschast gegenseitig unterstützen dürfen, einem Zeitfahren über 300 Meter, bei dem die Partner jeder Mann- schaft zusammen starten und. sich gegenseitig führen, sowie einem Verfolgungsrennen mit Ablösung nach Sechstageart. Neben dem neuartigen amerikanischen Hauptfahren, bei dem fünf schnelle Sprinter, und zwar Kantorowicz, Riedel, Balte, Evert und Urban als Schrittmacher fungieren, sowie d-!"! ersten„Verfolgungsrennen um die Armbinde der Rütt-Arena" und einem Amateurrennen über eine deutsche Meile findet noch der Große Eröfsnungspreis statt, ein 3 0-Kilom«t er- Mannschafts- rennen mit fünf Doppelwertungen, an dem 12 Paare teilnehmen, darunter neben Kroll-Miethe, Hürtgen-Goebel und"Lehmann-Wiisel auch die bekannten'Gebrüder Rudolf und Bruno Wolle. Die Rennen beginnen um 13 Uhr. Vorschau auf den Spichcrnrin�. Im Kampsabend im„Ständigen Ring" am Freitag in den Spichernsälen eröffnen Fritz Kühn und Adam Lenz II über s«ch» Runden, mit 6 Unzen. Lenz Hot noch in keinem Berliner Ring ge». bort, aber sein Rekord läßt ihn zur guten Mittelklasse rechnen, wie- wohl wir Fritz Kühn die beste« Chance einräumen Samson- Körner? Schützling Reinhard Fwnz trifft sich mit dem Kölner Mitielgew chtler Viktor Prawit, der nach seiner durch Pönisch er- littenen Niederlage viel Arbeit gemacht hat, um seine Form zu ver- bessern. Er k�at jedenfalls mehr Ringerfahrung als Franz, besten Punch ihm nichtsdsstoweniger gesährlich werden kann. Geht aber der Kampf über die Runden, erwarten wir Prawit als Sieger. Im Schwergewicht sind Harry Such und Walter Tauwel gegen- einandergestsllt. Es ist eine ausgeglichen« Paarung, da sowohl Such wi« Tauwel eine stark wechselnde Form zeigen. Beide sind Stim- mungsdoxer, von denen man nie weiß: wie sie kämpfen werden. Die Gefahr eines k. o. ist auf der einen wie auf der anderen Seite gleich groß. Kommt es nicht dazu, hat wohl Such«n kleines Plus vor Tauwel voraus. Der Besieger Suchz, Hans Schönrath, hat mit seinem alten Rivalen Hermann Jasper? ebenfall» über 6 Runden mit 6 Unzen zu starten. Jaspers hat am 7. April im Bonner Ring sein« gesch'ostene Form durch einen haushohen Punktsieg gegen Röderstein bewiesen, findet aber in Dchönrath einen ungleich härtere» Gegner, gegen den er mehr aus sich herausgehen wird müsten als gegen Röderstein. Der Kampf ist vollkommen offen. Willi Bolz empfiehlt sich durch seinen Punktsieg über Arlt in vanzig. vempsey gegen Schmeling? In New-Porker Boxkreijen ver- lautet daß Jack Dempsey. der sich gegenwärtig wieder in seinem aktiven Trainig befindet, demnächst wieder im Ring erscheinen will. AI, sein wahrscheinlichster Segner gill Max Schmeling. Reine Einzelleishmgen, sondern Massensport im Arbeiter-Alhlclcnbund. Die Mannschaftsserienkämpf« der Arbeiterathleten haben im ganzen Reiche eine starke Beteiligung aufzuweisen. Augen- blicklich kämpfen die Bezirk« um die Kreismeisters chailcn. Bon 1300 Bundesvereinen standen einschließlich der Nachmeidungen 337 Vereine im Mqnyschaftswettbewerb. Die Veranstaltungen sind fast immer gut besucht. Jin Gewichtheben, Klasse A, lartrpfWf A)? Mannschaftim mit 1449 Teilnehmern, in Klasse L 319 Mannschaften gleich 2233 Teilnehmer. Ringen, Klasse A: 337 Mannschaften gleich 2333 Teilnehmer, Klasse B: 384 Mannschaften gleich 2688 Teilnehmer, Klasse C: 217 Mannschaften gleich 1514 Teilnehmer, Klasse D: 107 Mannschasten gleich 749 Teilnehmer. In der noch verhältnismäßig jungen Voxersparte wurden 127 Mannschaften mit 1016 Teilnehmern gemustert. Auch die Sparte der Leichtathleten beginnt sich durch die Mannschaftskämpfe immer mehr zu entwickeln. Mit 158 Mannschasten zu 632 Teilnehmer haben die Mannschastskämpse 1929 ihr« Vorläufer um etwa 95 Proz. überholt. Somit beläuft sich die Gesamtbeteiligung auf 1836 Mannschasten mit 12 640 Teilnehmern, die durch die Mannschastskämpse im ganzen Reichsgebiet erfaßt wurden. In keinem Schwerathletenverband werden in den Mann- schaftstämpfen solche starke Beteiligungszifsern auch nur annähernd nachgewiesen werden können. Im bürgerlichen Lager oerlegt man sich mit Vorliebe auf den Einzelkampf. Die individuelle Leistung ist dort höchstes Ideal. Di« Arbeiterathleten betreiben zwar auch Einzelwettkämpfs, wi« dies bei jedem Kampfsport geschieht, sie er- blicken aber Im Mannschaftssport das grundlegende Element. Die zissernmäß'ge Beteiligung wird aber weit höher, wenn das heutige System der Mannschastskämpse geändert wird. Das hx�ttge System bedingt, daß jeder Teilnehmer für die vorge- schrieben«» Gewichtsklassen sein bestimmtes Körpergewicht mitbrin- gen muß. Verschiedene Verein« wären wohl in der Lage, die eine oder die andere Gewichtsklasse doppelt besetzen.zu können, andere Gewichtstlasten hingegen überhaupt nicht. Das hat zur Folge, daß diese Vereine an den Mannschaitskämpsen nicht teilnehmen dürfen, und das sind im ganzen Bundesgebiet 563 Dundesvereine. Ein neues Mannschaftssystem ist von der technischen Leitung in Vorbereitung. Der letzte Verein wird durch das neue System in die Loge versetzt werden, seine Mitgliedschaft an der Serie teilnehmen zu lasten, so daß mit dem Beginn der nächsten Serie weit größere Massen durch die Mannschastskämpse ersaßt werden. Arbeitersport in R.einickendorf»We.'t. Der Bezirk Reinickendgrs-West der Freien Turnerschaft Reinicken-West tritt morgen, Freitag, in„Müllers Festsälen", Reinickendorf-West, Scharnweberstraße 14, mit einer Werbeveran- staltung an die Oeffentlichkeit.. Sportliche Vorführungen der Ab- teUungen werden.d«m Arbeitersport neue Freunde zutberben. Bei der Werbeveranstaltuktg wird der zurzeit größte Arbeitersportfilm „Die neue Großmacht" vorgeführt. Nach Beendigung des- Pro- gramms, das von Gesangs- und Kdnzertdarbiettingen umrahmt wird, findet für die Jugend und die„ältere Jugend" ein Tänz- che» statt. Saaleinlaß 19 VI Uhr�, Beginn 20 Uhr. Eintrittskarten zir 60 Pf..sind bei den„VorVärts"-Zeitungsfrouen und an der Abendkost« erhältlich._ Ein Spieinachrn'tiag in Schöneberg. Di« bundestreuen Arbeitersportler in Schoneberg veranstalten Sonntag, 21. April, auf dem Dominicusplatz einen Spielnachmittag. Es spielen ab 13 Uhr Frauen- und Männermannschaften. Um 13 Uhr treffen sich Luckenwalde I und Schöneberg I zum fälligen Serieichandballfpiel. Di« Fußballer treten gegen Caputh um 16 Uhr an. Beide Spiele werden die Zuschauer fesseln Die Schöne- berger würden sich freuen, wenn sie auch einmal von der Arbeiter- schaft Schönebergs besucht werden. Es lohnt sich, bei schönem Wetter den Weg nach dem Sportplatz zu machen. Die Spiele finden auf dem letzte»©pielfeS», südlicher Teil, statt. Eintritt frei. Einigung in Körperkulhirkreisen. In einet Reichskonferenz der Gruppen für proleta- rische Freikörperkultur in Leipzig am 7. April wurde die längst erstrebte organisatorische Einigung vollzogen. Die Sparte Freier Menschen und der Kreis für Körperkultur und Erziehung schlössen sich zusammen zur Sporte für proletarische Lebensreform und Freikörperkultur im Mrband Bolksgejundheit. Es wurde einstimmig ein Programm angenommen, in dem klar zum Ausdruck kommt, daß eine sinnvolle Lebensgestaltung zur prole- tarischen Kultur gehört und somit ein wesentliches Stück der proletarischen Bewegung ist. Es gilt im Proletariat die Erkenntnis zu erwecken, daß auch die körperlichen Nöte des werktätigen Volkes in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage begründet sind und nur mit dem wachsenden politischen Einfluß des Proletariats behoben werden können. Andererseits wird versucht, durch Körperbildung und Körperpslege— soweit dies in den gegenwärtigen Berhältnisten möglich ist— Gesundhest, Körperachtung und Selbstbewußtsein zu fördern. Organ der neuen Sparte ist die Monatsschrift„Volks- gesundheit", die durch grundsätzliche Artikel, Berichte und künstlerische Illustrationen immer ein umfassendes Bild über den Stand der Bewegung gibt. Mit der kulturellen Leitung der Sparte wurde der bisherige Spartenleiter d«r Freien Menschen, Hermann Schmidt- Leipzig, betraut. Alle organisatorischen und geschäftlichen Ange-, legenheiten erledigt die Geschäftsstelle des Verbandes Volksgesund- heit, Dresden-A., Marienstr. 13. Die Wassersportler beim 2. Bundesfest. Auch den Freunden des Wassersports bietet das 2. Bundes- f e st des Arbeiter-Turn- und Sportbundes vom 18. bis 21. Juli 1929 in Nürnberg gute Gelegenheit, auf ihre Kosten zu kommen. Neben den in unmittelbarer Nähe des herrlichen Stadions gelegenen Dutzendteichen, den Tummelplätzen der Wasserfahrer, ist die Stadionschwimmanlage der Ort, wo die Arbeiter-Wasser- sportler ihr vielseitiges Können z«ig«n werden. Das Schwimmbad hat eine Größe von 100 x 23 Meter. Auf seinen Längsseiten sind terrassenförmig Tribünen errichtet, die Tausenden von Zuschauern bequeme und gute Sichtmöglichkeiten geben. Ein Planschbecken be- findet sich im Anschluß an das Schwimmbad, ebenso eine Tummel- wiese im Ausmaße von 130 x 400 Meter. Aus-der Schwimmwett- kampfbahn ist der Kampf um die B u n d e s s e st m e i st e r s ch a f t ImWasserball vorgesehen. Gleichwertige Mannschasten werden für anregende Spiele sorgen. Mannschasten und Einzelwett- kämpfe in den verschiedensten Schwimmarten vervollständig«» das reichhaltige Wassersportprogramm'der Festtage. Hinzu kommen noch di« Springer, für die ausreichende Gelegenheit vorhanden ist, ihr« Kunst im Einzel- und Gruppenspringen zu zeigen. Die Sprung- anlage verfügt über Sprungbretter in Höhe von 1 und 3 Meter und Sprungplattformen von 3 und 10 Meter Höhe. Nach den eingegangenen Vormcldungen zum 2. Bundessest werden die Wassersportler recht zahlreich in Nürnberg vertreten sein und für ihre Sportarten werben. Schrittmacher junggeburih gestorben. In die Reihen der guten deutschen Motorschrittmacher ist durch den Tod des Rheinländers ChristianJunggeburth eine Lücke gerissen worden. Der Führer des Kölner Dauerfahrers Paul Krewer hatte kurz vor Ostern auf der Fahrt nach Frankfurt a. M. in Bonn mit seinem Auto einen Zusammenstoß mit der Straßenbahn, erlitt dabei neben einem Bruch des Rasenbeins einen FußknöchelbrWh„ �xr so verhängnisvoll««xden sollte.. Eine Blutvergiftung trat-chi�z». In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch starb der Schrittmacher im Aster von 42 Jahren Iunggeburth übte seit 1908 den Beruf als Schrittmacher aus, versah u. a. Führerdienste bei Walthour, Linart, Stellbrink, Krupkat und zuletzt bei Kiewer, an dessen Aufstieg er zweifellos den größten Anteil hat. Krewer wird feine nächsten Rennen wahrscheinlich hinter Barthel fahren. Volkstanztreis Veißensee. Wir veranstalten morgen, Freitag, in der Stadthalle Weißensee, Pistoriusstraße Ecke Woelckpromenadc, nahe Antonplatz, ein V o l k s t a n z s e st Einlaß 19.'-? Uhr, Beginn 20 Uhr. Karten zum Preis« von 0,30 M. sind am Saalcingang zu haben. Gäste herzlich willkommen. Ausschreibung für das am Sonntag, 12. Mai, 13 Uhr, statt findende Ä n s p o r t e l n des 4. Bezirks, Nordgruppe, in Zehlen- darf, Sportplatz Spandauer Str. Läng« der"Bahn 350 Meter. Mehrkämpfe: Männer. Aierkampf: 200-Meter-Louf, Weit sprung, Kugelstoßen, Speerwerfen. Jugend 11/12 und 13 15. Dreikampf: 100-Meter-Laus, Weitsprung. Kugelstoßen. Frauen. Dreikampf: 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen. Alte Herren. Dreikamps: 100-Meter-Lauf, Schleuderballwerfen, Wci'sprung aus dem Stand.— Einzelkämpfe. Männer: Hochsprung, 3000-Meter-Lauf, 4X100-Meter-Stafette. Olympische Stafette. Jugend: 1500-Meter-Lauf, 4xl00-Meter-Stafette. Frauen: 4X100- Meter-Stafette.— Spiclmannschaften: 11 mal% Runde. Meldeschluß 4. M a i. Die Meldungen sind namentlich zu senden an Willi Vraatz, Berlin-Zehlendors, Forststr. 5. Startgeld wird nicht erhoben. Stoppuhren und Bandmaße sind mitzubringen. An schließend gemütliches Beisammensein. Xoutinmvttein»Die Ratlirfreunde", Zentrale Wien. Abt. ckharlattenberg: greitaa, Ig. April, 20 Uhr, Sprcestr. SO: Eichendorf-Abend.— Abt. güfioU; ärcitag, 19. April, 2» Uhr, Briber Ctr. 27: Lichtbildervortraz.— Abt. Trcp- taw! grcitap, 19. April, 20 Uhr, Elsenstr. 3: Litrraturgeschichie. Iugendaruppc Oft«»! Freitaa, 19. April. 20 Uhr, Echarnweberslr. 29:„gogale erzirhungs. iragen".— Phatogrmriufchast! Montag. 22. April, 20 Uhr. ffirohe Franlsurter Straß« 16, großer Sockl:„Rroktische Pbotomontage".— Abt. Br'ti: Montaa. 22. April, 20 Uhr, Chausserstr. 48: LiSnbildervortraq.— Malluastgemeinschaft: Montag, 22. April. 20 Uhr, Wasiertorstr. 9:. Landschaftsmoicrei in Od", »rei« Kanu. Union Groh-Rerlin. Abt. Erkner: Roo'chaus in Erkner. Dvottwecft Lindcniann. Anschrift: Erorg Dcnrnli), GO. 36, K>efhol,slr. 16. gißunfl greltag. 19. April, 20 Uhr, im Rrfto-ront„Zur Eiche". ReukiMn, Eaale- Ecke Aaiser»FrIedr:ch»Etroße.— Abt. Tegel: Rootshmis in Tegcl, direkt am Tegeler See.'Anschrift: Walter Schlokat, Rrenzlaner Allee 202. An- paddeln Conntag, 21. April. Gtart 8'4 Uhr Rootehans. svahrt noch Popen. berge.— Abt. Spandau: Rootkhaus in Epandan, Rootswerf- stle'scher, Vctke. ftraße. Anschrift: Richard Beck. Berlin 91. 20, Badsir. 12. Anpaddeln Sonn. tag. 21. April. Treffpunkt mit der Abteilung Tegel in der Bucht links uon Buller gegen Uhr. Arbeiter. Bad. und Kraftfahrer Bnnd„ÄdlitfcrUät", Ortsgruppe Ober» schöneme'de. ssrcitag, 19. April, 20 Uhr, Eeneralversammlung,„Cportklausc", Wilhelminrnhofftr. 64.«baste herzlich nillkontmen. Kanute,!rk der TZtSB. Bezirksvcrsammlung Dienstag, 23. April, szalken. fteinstroßo. an der Oberbaumbrilcke.„3um i?all':' stein"- Epa:tär,!Iichcr Bor. trog Dr. Franzmeier. Gaste willkomnn-n. ssoltbvo'fahrer erscheinen auch.— 5w»:t«r Bortraqsabend Montag. 22. April. 19 Uhr. im Bezirksamt Borck- straß« II.— Echwimmbezirk Krcuzberq: ssreltag. 19. Avril. 19 Uhr, im Bezirks» amt Kreuzberg, Bortrag der GrnoiTm Liemsen.»ie Zungloziasisten laden dazu besonder» unsere Jugendlichen ein.— LandbaNeiter- und Mannschaft». whrersttivng am Freitag, 1». April, ISlh Uhr, in der Geschäftsstelle, Lichten. beiger Str. Z. Anpaddelu der Naturfreunde. Sonntag. 21. April, paddelt die ff-ltbsot. roanderer-Adtetlung des Touristenvereins„Die Naturfreunde" an. Berbund-n Ist da» Anpaddeln mit der Taufe zehn neuer Boote. Abfahrt nach Kremmen Sann'og 6.83 Uhr Stettiner Borortbahnhpf. Dir ftahrt geht v»n Kremmen nach Oranienburg. gufammenkunft der ssaltbootfahrer leben 1. und 8 ssre'fag In der Geschäfts. stelle des Touristennercins..Die Naturfreunde", Johannisstr. 15. Auskunft in allen Angelea-nbeiten bei W Gamra'h, CchSnebcrg, Meiningcr G'r. 2. Arbeitcr.Waller.Nettnngedienst. Donnerstag. 2. Mai. 20 HTit,.bei Stauf, NcukMn, Ganghoferstraße. Rettungsobleutekonferenz. Bortrag über Pulmoto-. Einteilung der Nettungswach-n. In nächster Zeit soll ein Kursus llber Wieder- delcbun, mit praktischen Uebunaen stattsinden. Di« Ziettungsableute müsse- dl» spätestens 2. Mai di« Teilnehmerbahl melde». M Okfcliäffc-Jbtjefsw (Bezirk Horden- Cfien. b 4/) Klischees Qalvanoplastlsche Werkstätten K..G.Baum&Co. SV. SS. Alle JaKobs. rafte 144 Telephon: iJönhoff 890— 891 «roheümwtong�jjfjfgiiji sellenhaus Julius Hennig! Bln.N, WcISenburcer Str. 78. Fern p. Humboldt Sl 21 Charlottenbars. 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