BERLIN Zreittag 26. April 1929 10 pk. Nr. �SS E 92 46. Lahrgang. Erichet«ttägltchaaterS»nat«H«. Sugltich Abendau-gab« de«.Dorwtrts'. Dczuqsrreis brid« 2ll«,aben«üPs.»rvWvch«. S.«<>M. vn> Monat. Vicdakrwn und Emditinr, Berlm SW 68, ündcuür. 3 iMtfutosfa Uuiaiseueret«: DK einspaltige Non?areille,ekl« 80 Pf.. Reklameieil« 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poüscheckkontv: Vorwärts-Derlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 37üZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Anklage gegen Jörns. Oer Verteidiger rechnet mit dem klagenden Neichsanwalt ab. Die Llmbildung im Westen. Preußens größte kommunalpolitische Vorlage. Der fünfte Verhandlungstag im Prozeß gegen das„Tagebuch' begann heute früh mit dem Schlußvortrag des Nebenklägers Reichsanwalts Zorns. Er beklagte sich zunächst darüber, daß er, der hier gewissermaßen als Angeklagter stehe mit dem Beweismaterial erst in der Hauptoerhandlung überfallartig bekanntgemacht worden sei. Hätte er soviel Aeit und Muße gehabt wie der Der- teidiger, die Akten zu studieren, so wäre se>ne Widerlegung noch vollkommener gewesen. Zorns geht dann die einzelnen Beweis- punkte durch, was schon der Staatsanwalt genügend besorgt hatte. Er behauptet, daß die Unwahrheit dieser Bcweispunkte erwiesen sei. Der damalige preußische Justizminister Dr. R o s e n s e l d habe am 18. Dezember 1918 durch einen Erlaß zur äußer st en Vorsicht mit der Verhängung der Untersuchungshaft gs- mahnt und die Partei des Verteidigers, damals die KPD., jetzt— die USPD.(!) betreibt im Rechtsausschuß des Reichstages die Ein- schränkung der Untersuchungshaft auf ein Minimum. Soll etwa eine Ausnahme gegen Offiziere, Soldaten oder Rechtsgerichtete ge- macht werden? Die»Kameradschast" der Mörder. Zorns rechtfertigt dann noch einmal das kameradschaftliche Zu- sammenhalten der Pabst-Ofsiziere und ruft mit erhobener Stimm« aus, es werde allen Bemühungen der Partei des Verteidiger» gottlob nicht gelingen, diese Kameradschaft aus dem Heer herauszubringen!' Der Gerichtsherr hatte besonders die Ehre seiner Offiziere und Soldaten zu schützen und darum prüfte er besonders genau, ob ein Haftbefehl gegen einen Offizier zu erlassen sei. Als klar wurde, daß Vogel die Leiche der Rosa Luxemburg beseitigt hat. war doch damit nicht gesagt, daß er das getan habe, um die Spuren des Mordes zu beseitigen. Bei der Strafbemessung wünscht Jörns berücksichtigt zu sehen, daß man auf die Aussagen eines Runge hin ihn des schwersten Amtsverbrechens beschuldige, sogar in der Fälschung des Scheins, auf den hm Vogel fliehen konnte. Man will eben einen Beamten des vielgehaßten und vislgeschmähten Reichsgerichts beseitigen, der sich nach einer gewissen Seite hin durch die Führung von Landesverratsprozesien unbeliebt gemacht hat. Wegen einer pflichtgemäßen Frage, die ich in einem Landesverrats- Prozeß gestellt habe und die dem Angeklagten unangenehm gewesen ist, der Herr Verteidiger hat auch damals die Ehre gehabt, zu verteidigen, hat man diesen schwerbe'eidigenden Artikel geschrieben und sich erst nachher das Beweismaterial zusammengesucht. Es ist höchste Zeit, daß man solchen frivolen Ehrabschneide- reien endlich das Handwerk legt: denn sonst besteht die Gefahr, daß sich Staatsanwälte und Untersuchungsrichter nicht mehr finden. Ich bitte zu erwägen, ob nicht doch eine Freiheitsstrafe zu ver- hängen ist. Nach einer kurzen Pause begann Verteidiger Nechisanwalt Or. Paul Levi, der übrigens dem Gericht eine Zusammenstellung der Deweis- ergebnisse überreicht hat. mit seinem Schluhvortrag. Dr. Leo! beginnt temperamentvoll, und schon nach wenigen Sätzen wird es im ganzen Gerichtssaal klar, daß jetzt erst der wirkliche Ankläger In diesem Prozeß zu Worte kommt. Jörns blättert während der ganzen Rede des Verteidigers nervös in seinen Akten und hat auch bei den vielen Vorwürfen, die ihm über leine Nntersiichungsführung gemacht werden, das überlegene Läckeln verlernt. De, Verteidiger beginnt mit der Feststellung, daß er die Frei- sprechung des Angeklagten beantragen wird. In dem Artikel des.Tagebuch' ist nur eine große Behauptung aufgestellt, die. wenn sie nicht erweislich wäre, die Ehre des Reichs- anwalts herabsetzen könnte, nämlich die Vehavpt"ng. daß der Kriegsgerichlsrot die Mörder von Karl Llebknecht und Rosa Luxemburg habe laufen lassen. Es kommt daraus an. diesen Vorwurf i m K e r n zu beweisen. Dann verschwir�t die Notwentigkeit e-ner Prüfung der einzelnen Argu- mente Am Eingang des Artites ist davon gesprochen worden. daß dem Herren Reichsanw-'ll nur geringe juristische Qualitäten eigen sind. Dieser Satz wäre eine formale Be- ledigung. wenn dies« Behauptung nicht eng verknüpft wäre mit der konkreten Behauptung, daß er das und das nicht getan habe. W,rd bewiesen, und das hoffe ich. daß tatsächlich die Untersuchung Im Liebknecht-Luxemburg-Prozeß eine mangelhafte war. dann (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Im Preußischen Landtag begann heute die Beratung der größten kommunalpolitischeu Bor- läge, die Preußen bisher kennt, der Gesehentwiirfe über die kommunale Neugliederung im rheinisch-westfälischeu Jndustriege» biet. Die Beratung wurde durch eine Rede des Innenministers eingeleitet. Innenminister Grzesinski: Diese Neugliederungsvorlage ist die größte überhaupt, mit der sich je der preußische Gesetzgeber zu befasien hatte. Sie umfaßt ein Gebiet von 860 000 Hektar mit rund 6,3 Millionen Einwohnern, also 16 Proz. der Einwohnerzahl und annähernd 3 Proz. des gs- samten preußischen Staatsgebietes. Für den Fall der Annahme der Gesetze würde sich die Zahl der in diesem Gebiet vorhandenen 23 Landkreise um 11, die Zahl der 29 Stadtkreise um 6. die Zahl der kreisangehörigen Städte um 12, die Zahl der Aemter um 26, die Zahl der Land- gemeinden um 49 vermindern. Das bedeutet eine wirksame Rationalisierung, Vereinfachung und Verbilligung der öffentlichen Verwaltung, also ein Stück prak- tischer Verwaltungsreform. In diesem Gebiet, das die Lebens- bedingungen der Menschen und der Wirtschaft durch stärkste In- dustrialisierung beeinflußt hat, ist die Entwicklung durch störende Grenzen der Verwaltungsbezirke erheblich beeinträchtigt worden. Die Vorlage will nun den Erfordernissen angepaßte Grenzen schassen und damit auch die Voraussetzungen, daß für die in diesem Gebiet besonders schwer arbeitenden Menschen besser als bisher gesorgt Der Führer der dänischen Sozialdemokratie, Th. Stauning, wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Neubildung der Regierung betraut werden, nachdem die Wahlen zugunsten der Sozialdemokratie ausgefallen sind. werden kann. Ich denke dabei an eine Lockerung der Sied-i l u n g s f o r m und billige Verkehrsmittel. 26,73 Proz. der deut- schen Bevölkerung wohnen in Großstädten, und von 791 000 Haus- hallungen ohne eigene Wohnung entfallen 481 000, das sind drei Fünftel, auf Großstädte. Besonders in dem Umgemeindungsgebiet Rheinland-Weftfalen. liegen die Dinge besonders schlimm. Hier müssen Verkehrsmittel und Verkehrswege geschaffen werden, die schnell und billig die erholungsbedürftigen, erholungs» hungrigen Menschen an die Arbeits-, Wohn- und Erholungsstätten bringen. Das können nur große und leistungsfähige, auf Gemein- samkeitsarbeit eingestellte Kommunalgebilde durchführen. Mit der Vorlage ist auch ein Lastenausgleich verbunden, der eine gteichmäßige Versorgung unter gleichmäßiger und erträglicher Steuerbelastung von großen, starken und leistungsfähigen Trägern der Selbstverwaltung vorsieht. Diese Neugliederung ist etwas ganz anderes als die bisherige Aenderung einzelner Gemeindegrenzen. Im Industriegebiet haben sich die Verhältnisse im Läufe der letzten Jahrzehnte grundlegend geändert. Es kommt darauf an, etwas Dauerhaftes zu schaffen. Es ist menschlich verständlich, daß der einzelne Mensch an dem Her- gebrachten hängt. Deshalb wird es nicht möglich sein, ein solches großes Gesetzgebungswerk in vollem Einvernehmen mit allen Be- teiligten durchzuführen. Aber der Mut zu der Einsicht muß aus- gebracht werden, daß das Interesse der Allgemeinheit dem sub- jektiven Willen des einzelnen voransteht. Vielleicht wäre es gar nicht so'falsch, wenn Sie die Regierungsvorlage gleich heute in allen drei Lesungen en bloc annehmen würden.(Große Heiterkeit.) Mit der Neuobgrenzung der Land- und Stadtkreise wird die Frage von Stadt und Land, von städtischer und ländlicher Verfassung ausgeworfen. Für mich ist die Parität zwischen Stadt und Land eine kommunalpolitische Selbst- Verständlichkeit. Aber neue Grenzen für die Landkreise, die Bestand versprechen sollen, können nicht ohne Auseinandersetzung mit dem Erweiterungsbedürfnis der Großstädte gefunden werden. Es kommt nicht nur auf die Gegenwart an, sondern die Abgrenzung der gegenseitigen Interessensphären muß auch Raum für die Zukunft lassen. Hier besteht die Möglichkeit, durch Vereint- gung mehrerer Kreise und Restkreise neue starke Verbände zu schassen. Aber auch der Schaffung großstädtischer Vereinigung sind natürliche Grenzen gezogen. Zwischen Großstadt und Landkreisen stehen die Mittele städte, die in der Vorlage im Vordergrund des Interesses stehen. Bei der Auflösung von Landkreisen mußte daher die Schaffung lebensfähiger Mittelstädte gefördert werden. Die Mittelstadt ist an und für sich eine ausgezeichnete Form der Be- tätigung kommunaler Selbstverwaltung im Steinschen Sinne. Der Minister weist zum Schluß darauf hin, daß das neu zu gliedernde Gebiet ein ganz besonderes ist. Alles Dogmatische und Doktrinäre müsse beiseite gelassen werden. Das ganze Gebiet blicke jetzt auf den Landtag, der die letzte Hand an das große Werk legt. Im Interesse aller Beteiligten bitte er, nach gründlicher Durch- arbeitung um eine möglichst schnelle Verabschiedung der Vorlage. (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Aächiliches Motorrädunglück. Ein Toter, ein Gchwerverlehter. In Spandau ereignete sich in der vergangenen Nacht ein schweres Verkehrsunglück, bei dem ein Motorradfahrer getötet wurde und sein Begleiter lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Der 28 jährige Landwirt Helmuth S t o l p befand sich gegen 24 Uhr mit seinem Motorrad aus dem Heimwege nach Dall« g o w. Beim Einbiegen in die Hamburgr« Chaussee fuhr St. in der falschen Fahrtrichtung und prallte in rasender Fahrt mit einem Autobus der Linie 31, die den Verkehr zwischen Spandau und Staaken vermittelt, zusammen. Das Motorrad wurde völlig zertrümmert und Stolp sowie sein Begleiter, der im Beiwagen saß, wurden in hohem Bogen auf das Pflaster geschleudert. Stolp wurde aus der Stelle getötet: sein Mitfahrer erlitt einen Schädelbruch und schwer« innere Verletzungen. Die Feuer- wehr schaffte ihn bewußtlos ins Städtische Krankenhaus Spandau. Der Todesbetrieb in der Schönleinstraße. Oer Prozeß Wege« des Vrandunglücks in der Ztadiofobrik. Nebenkläger als Angeklagter. (Fortsetzung von der I.Seite.) ist diese Behauptung der geringen juristischen Qualitäten nur eine Feststellung zum Charakter, nur eine Beurteilung, die nicht zur Bestrafung führen kann. Der Verteidiger dankt dann dem Staats- anmalt für seine leidenschaft-tose Art des Plädoyers, und er will nichts gegen die Qualitäten des Staatsanwalts sagen. Nur soviel muß festgestellt werden: Cs handelt sich hier um einen Stre.t, m dem einer der höchsten Beamten der Justiz sich zu verantworten hat. In diesem Verfahren durfte kein Beamter, der im eigentlichen Sinne Untergebener des Nebenklägers ist, die Anklage führen. Von der AnklagebehörÄe hätte ein Mann für diesen Prozeh ent- sandt werden müssen, der die schwere Autorität seines Amtes auch durchführt bis an die Frage der Straffälligkeit über einen der höchsten Richter. Nur aus diesem Konflikt, daß ein jüngerer Kollege des Nebenklägers die Anklage vertritt, ist zu er» klären, daß der eigentliche Schluß fehlt, der Antrag auf Frei« sprechung. Dr. Levi weist dann ausdrücklich darauf hin, daß er daraus ge- drängt habe, diesen Prozeß noch vor dem Mai zu erledigen. Die zehnjährige Verjährungsfrist läuft im Mai ab. Und er will durch diesen Prozeß der Staatsanwaltschaft die Frage vorlegen, ob nicht noch vor Eintritt der Verjährung alles getan wird, um den Fall Zorns noch einmal genau durchzuprüfen. Der Verteidiger wendet sich dann den einzelnen Punkten seiner Beweisführung zu. So stellt er unter Beweis, daß, nachdem in der Nacht vom IS. zum 16. Januar in einem Zeitabstand von einer halben Stunde Zwei Morde ge» schehen konnten, der untersuchungführende Richter den Verdacht haben mußte, daß es sich hier um eine gemeinsame Aktion handelt. Als am 16. Zanuar der Kriegsgerichtsrat Kurtzig mit der Aufklärung des einen Mordfalles betraut war, hat er sofort Pflugk-fjartung und Vogel festsetzen lassen. Am 17, Zanuar übernimmt Herr Jörns die Untersuchung und läßt sofort, ohne Vernehmung, weil er angeblich keine Zeil hatte. Vogel laufen! Was lpürde mit dem einfachsten Kriminalbeamten geschehen, der es seiner vorgesetzten Behörde zu melden roage, er habe einen Verdächtigten wieder freigelassen, weil er keine Zeit zu Vernehmungen hatte. Am 18. Zanuar erschien im„vorwärts" eine Notiz, daß der volksbeauftragle Hugo h a a s e zu der verhandlungssührung des Sriegsgerichtsrats K u r h i g das volle vertrauen halte. Am gleichen Tage ging Herr Zorns zu General hoffmann und beredete diesen, ihm auch die Artest von kurtzig zu übertragen. Das geschah denn auch, und prompt ist der von kurtzig festgesetzte ipslugk-hartung einen Tag später wieder frei. In diese letzten Saltomortale der Untersuchungsfllhrung kann man nicht hineinleuchten. So viel steht aber doch fest, daß gerade auf diese ungeheuerliche Tat eine mit strenger Gründlichkeit und mit aller Schärf« durchgeführte Untersuchung folgen mußte. Herr Jörns hat zunächst einmal allen Berichten der Offiziere geglaubt, daß Liebknecht auf der Flucht erschossen wurde, den Soldaten vom Publikum entrissen und ins Wasier geworfen wurde. Dies« Ausfassung durfte cherr Kriegsgerichtsrat' Jörns aber schon zwei Tage später nicht mehr haben, denn es erschien bereits am 18. Januar in der„Freiheit" ein Bericht, nach dem nicht Zivil-, sondern Militärperfonen Frau Luxemburg ins Wasser warfen, und daß beide Ermordeten schon am Edenhotel durch Gewehrkolben niedergeschlagen wurden. Herr Jörns hat sich darauf hinausreden wollen, daß die Linkspresse die Quelle aller Der- l o g e n h e it sei.(Hierbei nickt Herr Jörns sehr deutlich unter Entrüstungskundgebungen des Publikums.) Auch durch ein Schreiben des Dolksbeauftragten Haase mußte Jörns sehr bald wissen, daß auch Offiziere als Beteiligte am Mordoerbrechen in Frage kämen. Was hat nun Jörns überhaupt getan? Er hat unterlassen, sasort die Hotelgäste im Eden zu vernehmen und den Bekundungen d-s Hotelpersonals nachzugehen. Er hat w e I t e r unterlasien, das Werkzeug des Mordes, die Autos, sicherzustellen. Dafür zog Jörns in das Edenhotel, in dem er ständig umlauert war von Spionen, die jederzeit den Beschuldigten Spitzeldienste leisteten. Ja, noch mehr, obwohl Pflugk-Hartung bereits einmal oerhaftet war und obwobl er im Mordauto gesellen hatte und auf jeden Fall verdächtig war, ließ Jörns alle seine Schreiben durch das Stabsbureau gehen, in bellen Vorzimmer eben dieser beschuldiote Pflugk-Hartung saß! Der Verteidiger spricht bei Schluß der Redaktion weiter. M't Ltisioiion spielt man nicht! Rückkehr der Vesinnuna in Paris.— Die Arbeit am Schlußgutachten. Paris, 26. April.(Eigenbericht.) In der heutigen Sitzung des Redaktionskomitees der Sachver- ständigen wird bereits ein Entwurf zum Schlußgutachten in Länge von etwa 100 Schreibmaschincnseiten vorliegen. Da die deutsche Delegation an den redaktionellen Arbeiten nicht teil- genommen hat, erwartet man, daß Reichsbankpräsident Dr. Schacht heute bei der ersten Lesung des Gutachtens Abänderungsanträge stellen wird. Diese An'räge würden hinsichtlich der ersten Kapitel rein stilistischer Natur sein. Für das letzte Kapitel aber, das von den Ziffern handelt, werde Schacht einen Sonderbericht vor» legen. Im übrigen betont die Pariser Presie, das erste Kapitel des Sachverständigen-Gu'achtens enthalte eine Neuschätzung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands. Sauerwein im„Matin" glaubt berichten zu können, daß die deutsche Delegation die beiden letzten Tage dazu benutzt habe, in neuen Berechnungen eine„K o m p r o m i ß f o r m e l" zu finden. Die„Chicago Tribüne" geht sogar bis zu der Behauptung, daß Schacht am Donnerstag abend dem Vorsitzenden der Sachver» ftändigenkonferenz mitge eilt habe, er wäre bereit, sein erstes An- gebot wenigstens für die ersten zehn Annuitäten um rund 100 Mil- lionen Mark, zu erhöhen. Bemerkenswert ist, daß die wilde Ausregung der Pariser Presse einer ziemlich kleinlauten Windstille Platz gemacht hat. Nur wenige Blätter suchen das Gesicht zu wahren. Dafür melden sich schon einige gewichtige Stimmen, die die gestrige Aufregung verurteilen. Der sozialistische„Populaire" betonte, daß es ein Verbrechen sei, die sachlichen Entscheidungen des Transfer-Komitees durch politische Pressepropaganda beeinflussen zu wollen. Di« radikale „Volonte" betont, es wäre ebenso irrsinnig, annehmen zu wellen, daß Deutschland seine Wirtschaft mutwillig ruiniere, um den Dawes-Plan zu sabotieren, wie wenn man glauben wollte, au» Furcht vor dem Regen ins Wasser fallen zu mllsien Deutschland habe un er der Inflation viel zu stark gelitten, als daß es eine zweite derartige Elendsperiode herbeiwünschen könnte. Jeden» falls würde eine Politik der Sabotage nicht ohne schwer« soziale Un» ruhen geführt werden können. Die Geldkrise in Deutschland sei eine Folge der internationalen Kreditverknappung, unter der New Aork und London ebensogut wie Berlin gelitten hätten. Am 18. Dezember 1928 durcheilte Berlin die Schreckenskunde, daß in der S ch ö o l e i n st r a ß e 5 ein ganzes Fabrikgebäude ln Flammen stehe, und daß sich ln dem brennenden haus Arbeiter und Arbeiterinnen befinden, hilflos dem Flammentod preisgegeben. Die aus allen Bezirken verlins herbeieilende Feuerwehr holte aus den rauchenden Trümmern die Unglücklichen heraus, die mit den j ch r e ck- lichsten Brandverletzungen in die Krankenhäuser gebracht werden mußten. 29 Schwerverletzte und 5 Todesopfer hatte dieser Fabrikbrand gekostet. Noch am gleichen Tage, als die Feuerwehr noch am Brandherd beschäftigt war, stellte sich heraus. daß die eigentliche Schuld an diesem Unglück ein Unternehmer hatte. der in der Schönleinslrahe eine Art Arbeitshölle unterhielt. Der Inhaber der Firma Dr. Baeker, T r o h k i, unterhielt in diesem Haus eine Fabrik zur Herstellung von Radioarlikeln. und beschäftigte, um möglichst wenig Löhne zu zahlen, 14.bisl7jährlgeBIädcheo in seinem Betriebe. Herr Trohki wurde, nachdem festgestellt war. daß es an jeglichen Sicherheilsvorrichtungen in seinem Betriebe fehlte, unter Anklage gestellt. Als die Staatsanwaltschaft das Material gegen Herrn Trohki zusammengetragen hatte, erließ sie ln Anbetracht der schwere» vorwürfe einen Hastbefehl. Seil dem 20. März 1929 sitzt Herr Trotzkl in llntersuchungshast und wurde heule vormittag dem Amtsgericht Tempelhof vorgeführt. Verhandlungsbeginn. Die Verhandlung gegen Trotzki findet im Großen Schwurgerichts- saol statt, den Vorsitz des Gerichts führt Landgerichtsrat Krüger, die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat D o m n i ck. Herr Trotzki ist nervenkrank. Er hat während des Krieges eine Granat- splitteroerletzung am Kopf davongetragen und kann sich vor Gericht nur mühsam aufrecht erhalten. Er ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Er ist wegen Beleidigung und fortgesetzten Be- t r u g e s mit neun Monaten Gefängnis, wegen eines weiteren Betruges mit 1000 Mark Geldstrafe und wegen Versäumnis der Unterhaltspflicht zu drei Wochen Haft verurteilt. Außerdem Hai das Finanzamt ihn mehrfach wegen Umsatz st euerhcnter- Ziehung bestrafen lassen. Vor einigen Monaten hat er dann noch wegen Hinterziehung von Krank cnkassenbeiträgen eine Gefängnisstraf« von sechs Wochen bekommen. Die Anklage unterstellt dem Angeklagten, durch seine Fahrlösiigkeit den Brand eines Gebäudes und dadurch den Tod von fünf Menschen und die Körperverletzungen von 29 Personen verursacht zu haben. Es wird hervorgehoben, daß einmal sein Betrieb nicht richtig angemeldet war, daß er die Verarbeitung von Zelluloid den Aufsichtsbehörden verschwiegen habe, des weiteren, daß in dem Betriebe kein Not- a u s g a n g vorhanden war, ja, daß ein z w e i t e r Z u g a n g zur Treppe auch am Tage des Brandes fest verschlossen war. Alle Betriebsangehörigen konnten nur durch das Kontor über die Haupttreppe den Betrieb verlassen. Her, Trotzki hat an vier Präge- stöcken auf Zelluloidtafeln Zahlen aufdrucken lassen und zur Erhitzung der Prägestempel offene Bunsenbrenner verwandt. In zwei Meter Entfernung von diesen offenen Gasslammen lagen vier Säcke im Gewicht von 60 bis 70 Pfund mit leicht brennbaren Zelluloid- abfallen. Trotzki hat sich wenig um seinen Betrieb gekümmert, war meist abwesend und überließ es feinen beidenSöhnen.für Ord- nung zu sorgen. Der eine Sohn war 20 Jahre, der andere 18 Jahr« alt, der letzte ist schwerer Epileptiker. Au» Sparsamkeilsgründen hak Trohki fast durchweg Schul- entlassene beschäftigt, in einigen Fällen Mädchen von 14 Zahren. Er hat die Verwendung von Zelluloid verschwiegen, well ihm die dann von der Polizei verlangten Sicherhcitseinrichtungen zuviel Geld gekostet hätten. Außer der unverantwortlichen Anhäufung von leicht brennbaren Stoffen wird ihm noch das Fehlen jeglichen Löschapparates vor- geworfen. In der Vormittagsvcrhandlung äußert sich der Angeklagte über sein Vorleben. Er war vor dem Kriege Verlagsbuchhändler, und nach dem Kriege hat er die verschiedensten Firmengründungen vorgenommen. Die Zeugen sind erst zu Nachmittag geladen, und zwar sollen vernommen werden: seine beiden Söhne. 39 Ar- beiter und Arbeiterinnen aus dem Fabrikhause Schönlein- straße 5, vier Kriminalbeamte, die nach dem Brande die Feststellun- gen getroffen haben, und ein Sachverständiger, Prof. Dr. Brün- ning. Gewerberat C a s p a r y und der Arzt Pros. S ch ü t t. Oer Angeklagte ist 1882 in Schiffus, Kreis Gerdauen, Ostpreußen, geboren hat in Leipzig die Buchhandlung erlernt. Im Jahre 1904 eröffnete er dort eine Verlagsbuchhandlung. Durch den Krieg will er alles ver. loren haben. An der Ostfront wurde er 1915 durch einen Kopfschuß verwundet und erhielt 6 Pfvz. Rente, wofür er in der Inflation abgefunden wurde.„Seit jensr Zeit nwche Ich nichts mehr richtig, alles verkehrt. Ich habe dann verschiedene Firmen ausgemacht und schließlich wieder Erde 1924 meine alte Firma Dr Baeker u. Co., die schon in Le'pzig bestanden hatte, wieder aus- genommen." Auf die Frage des Vorsitzenden nach Dr. Baeker verweigerte der Angeklagte die Auskunft. Er habe Dr. Baeker versprochen, von ihm nichts zu sagen, damit er nicht auch eine Klage bekomme. Vors.: Es besieh» der Verdacht, daß Dr. Baeker gar nicht existiert. Der Angeklagte bestritt das und geriet in immer größere Aufregung. Das Gericht beschloß daraus. daß Obermedizinalrat Dr. Bürger zu der Verhandlung zugezogen werden solle. Sodann wurde die Vernehmung des Angeklagten fort- gesetzt. Er gab an. daß er Ende 1924 mit der Fabrikation von. Radiospulen in der Neuenburger Straße 17 angefangen habe. Die Verarbeitung von Zelluloid habe er nicht angezeigt, weil er es nicht für nöt'g gehalten habe. Damals habe er auch nur mil seinen beiden Söhnen gearbeitet. Im Jahre 1925 habe das G e- werbeaufsichtsamt Halleschcs Tor die Räume für d'e Verarbeitung vo» Zelluloid auf eine Anzeige hin für unzulässig gehalten, weil über dem Fabrikraum eine Wohnung war Da er aber damals nur wenig Material rerarbeitete und aus Geldmangel auch keine Vorräte hielt, habe man es hingehen lasten, solange keine Vergrößerung des Betriebes stattfinde. Am 1. Oktober 1925 sei die Fabrik nach der Gitschiner Straße 42 verlegt worden. Nach einigen Wochen besichtigte ein Vertreter des Gewerbeamtcs Kottbuster Tor die- Räume und verlangte verschiedene Aenderungcn für die Ausgänge. Der Gcwerbebeamte habe sich den Betrieb, in dem schon genau so. wie später in der Schönleinstraße, Zelluloid ver- arbeitet wurde, angesehen und nichts zu bemängeln gehabt. Um Weihnachten 1926 wurden 35 bis 40 Arbeitskräfte beschäftigt, die teilweife in zwei Schöten arbeiteten. Im nächste» Frübiahr habe er ausziehen müssen. Der Vo'sitzende hielt ihm vör, daß der Hauswirt weaen Nichtzahluno der Miete Räumung-klage angestrengt hatte. Der Angeklagte gab das zu, der Betrieb wurde dann nach der Schönleinstraße 5 verlegt. Fünf Millionen! Ende ISTS 4,S Millionen Mitglieder im AOGV. Der neuesten Auegabe der„Gewerkschafts-Zeitung", dem Organ des ADGB., entnehmen wir die folgenden recht erfreulichen Angaben. Nach der vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund ge- führten laufenden Mitgliederftaliftik hatten die ihm angeschlossenen 35 Zenlralverbände am Schluste des Zahres 1928 insgesamt 4 869 782 Mitglieder. Gegen das Vorvierleljahr ist eine Zunahme von 108 426— 2,3 proz. zu verzeichnen. Dieser Zuwachs ist um so bemerken'werter, als nach den bisher gemachten Erfahrungen der vierte Abschnitt des Zahres sür die gewerkschastliche Entwicklung nicht besonders günstig ist. Seit dem Ende des Zahres 1927. also im Laufe des Zahres 1928, hat der ADGB. rund 450 000 Mitglieder gewonnen. Das bedeutet eine Erhöhung des Milgliederstandes um 10 Proz. Den ersten Platz in dieser Auswärtsbewegung nimmt d e r M e t a l l- arbeiterverband ein, der seine Mitgliederzaht von 815 838 Ende 1927 auf 944310 am Schlüsse de» Jahres 1928 steigerte. Hat der Mitgliederzuwachs in den vier Monaten dieses Jahres sich im Durchschnitt des vorjährigen Grades bewegt, dann Ist die Zahl von fünf Millionen freiaewerkschaftlich organisierter Ar- beiter jetzt schon um nahezu 10 000 überschritten! Negierungssammer in Thüringen. Die bürgerlichen Parteien können nicht einig werden. Weimar, 26. April.(Eigenbericht.) Auf Antrag des Vorsitzenden der Wirtschrftspartei ist die Regierungsbildung von der heutigen Tagesordnung des Landtages abgesetzt worden, weil sich die bürgerlichen Parteien noch nicht zu einer Regierung zusammengefunden haben. Da gleichzeitig- die'„Deutsche Volkspartei" darauf dringt, gewisse Aenderungen des Wahlgesetzes unverzüglich erledigt zu. sehen, so ist noch nicht sicher, ob bis Donnerstag nä kfter Woche llbeihaupt eine neue Regierung gebildet werden wird: am Donners- tag steht ein A u f i ö f u n g s a n t r a g zur Abstimmung. Das Cxplosionsunglück in Dürnberg. 40 Todesopfer.— Die Ursache noch unbekannt. Das furchtbar« Explosionsunglück in der D l e i st i f t f a b r i k von Staedtler hat neue Todesopfer gefoidelt. Von den in das städtische Krankenhaus«ingelieferten zwölf Personen sind in der vergangenen Nacht noch zwei peisonen gestorben, die Arbeiterin Paula Rödel und der Mechaniker Ludwig Reifing. Damit hat sich die Zahl der Toten aus zehn erhöht. Neun von ihnen sind Mädchen oder verheiratete Frauen. Die E n t st e h u n g s u r s a ch e des Explosionsunglückes hat sich noch nicht einwandfrei feststellen lassen, obgleich mehrere Sachverständige sofort nach der Löschung des Brandes an Ort und Stelle zu Rate gezogen wurden. Die Spritzmaschine, von der das Unglück ausging, ist völlig zerstört und die noch lebenden Augenzeugen, die in der Nähe gearbeitet haben, sind zur- zeit noch oernehmungsunsähig. Oer müde Einbrecher. Kriecht unters Vett und fch-äfi ein. In und unter einem fremden Bett ein Schläfchen zu machen, ist schon manchem Gauner schlecht bekommen, so erst jetzt wioder einem Wohnungselnbrecher in Zehlendorf. Der Biedere hatte in den Abendstunden eine Villa in der Flora st raße beobachtet und sich im günstigen Moment einge- schlichen. Weil aber die Bewohner noch hin- und hergingen, be- tätigte er sich zunächst nicht, sondern legte sich im Schlafzimmer unter ein Bett, um den Berlaus der Dinge abzuwarten. Er hotte seine Wartekräste überschätzt. Die Bewohner gingen immer noch hin und her, und unser Einbrecher schlief schließlich unter den Betten ein und schnarchte gemütlich. Gegen WA Uhr wollte nun auch der Hausherr, ein Arzt, zur Ruhe gehen. Während er beim Auskleiden war, hörte er plötzlich ein Sägen Grunzen und Schnarchen und forschte natürlich nach, woher die Töne kamen. Ein Blick unter das Bett enthüllte ihm das Geheimnis. Der un- sanft Geweckte wurde hervorgezogen und der Polizei übergeben. Er entpuppte sich als ein 24 Jahre alter Josef Kaiser, der erst vor kurzem aus Breslau hierhergekommen ist. In seiner Heimat- stadt ist er wegen Einbruches schon bekannt. Eisenbahnunglück in Paris. Infolge falscher welchmstellung fuhr am vonnerrlagnachmlllag auf dem pariser Bahnhos St. Lazare ein Fernzug aus einen hallenden Zug auf. Zm ganzen wurden 57 Personen verletzt, doch scheint es sich erfreulicherweise nur um leichtere Verletzungen zu handeln. Eisengitier nützt nichts. , Erfolgreiche E.nbrecher in der Zr.edr.chstraße. In der vergangenen Nacht wurde das im Hause Friedrich- straße 205 gelegene Goldwarengeschäst von Sedlatzet von Schau- senjtereiiibrechern heimgesucht. Trotzdem die Schaufenjleischeib« durch ein Gitter geschützt war, hatten die Täter die Scheibe zertrümmert. Durch das entstandene Loch, das kaum einen Zenti- meter Durchmcsier zeigte, tonnten die Diebe mit ihrem Diebsgerät. wahrscheinlich Leimrute oder Drahtschlinge, in das Schaujenster langen und die wertvoll st en Stücke hcrausholen. Ueber die Höhe des Schadens läßt sich zurzeit nuch nicht» sagen, dach dürste es sich um Berufseinbrecher handeln, da sie die billi- geren Stücke in dem Schaufenster zurückgelassen hatten. Auf der in den Morgenstunden stark belebten Friedrichslraße hat die Tat großes Aufsehen erregt. Hände weg! Oer Sturm gegen die ArbeitSloienversicherung. Der Angrist der Kulturreaktion auf die Arbeitslosen- Versicherung ist in vollem Gange. Ihren Abbau hat Graf W e st a r p gestern im Reichstag mit dürren Worten gefordert. Da- gegen hat sich die Sozialdemokratisch« Reichstagssraktion mit ihrem gestrigen Beschluß schützend vor dies« Einrichtung gestellt. Das gibt nun wieder der Unternehmerpresse, voran die„Deutsche All- gemeine Zeitung", Anlaß, gegen die sozialdemokratische Reichstags- fraktion die hestigsten Angriff« zu richten. Dabei treibt die„D.A.Z." die Rabulistik so weit, zu behaupten, daß der Fraktionsbeschluß gegen das Abkommen über den Etat verstoße, das die ursprünglich beabsichtigten Steuererhöhungen vermeiden wolle. Das, meinnie. wirke„geradezu als Verletzung der Arbeitsgrundlagen der jetzigen Koalition." Die„DAZ.* wird mit solchen verdrehten Konstruktionen auf die Sozialdemokratische Reichstagsfrakt'vn nicht den allergeringsten Eindruck machen. Die Fraktion Hot ihren Beschluß nach reislicher Erwägung gefaßt und wird bei ihm bleiben. Die alberne Unter- stellung der„DAZ.", sie habe sich dabei von Furcht vor den Kam- munisten leiten lassen, erledigt sich durch die Feststellung, daß gegen den Beschluß in der Fraktion keine einzige Stimme ab- gegeben worden ist. Maßgebend für ihn war einzig und allein die Erkenntnis, daß alles getan werden muß, was zu seinem Schutze notwendig ist. Dazu gehört sowohl die zestweitige Beitrags- e r h ö h u n g, die ja auch für die Arbeitnehmer ein großes Opfer darstellt, wie auch die Beseitigung von Mißbräuchen, die sich wirk- lich als vorhanden herausstellen sollten. Daß solch« Mißbräuche nur eine verhältnismäßig geringe Rolle spielen und daß ihre Abstellung keine wesentlichen Ersparnisse bringt. weih man offenbar auch Im Unternehmerlager. Darum gibt man sich auch in der„DAZ" damit nicht zufrieden, sondern oerlangt eine wei estgehende Drosselung der Ausgaben, die natürlich nur durch ein« ollgemeine Verschlechterung der L e i st u n g e n erzielt werden kann. Dazu wird aber die Sozial« demokratische Partei ihre Hand nicht bieten. Sie wird nicht dulden, daß die Arbeitslosen durch eine sozialreaktionäre„Reform" ihrer Rechte beraubt und unter die Hungergrenze hinuntergestoßen werden. Im Kampf zwischen Unternehmern und Arbeitern ist heute die Arbeitslosenversicherung die eigentliche Schlüssel st eilung, der Angriff auf sie ist ein Angrisf aus den gesamten Lebensstandard der deutschen Arbeiterklasse. Die Sozialdemokratische Reichstags- fraktion ist entschlossen, diesen Angrist abzuwehren. Der JvAZ." aber bleibt es unbenommen, nach einer anderen Koalitions- grundloge zu suchen, von der aus der Sioß gegen die Arbeitslosenversicherung geführt werden kann. Freiwillige mögen sich bei ihr meldenl Die Ausführungen Willibald Seemanns sind am Sonnabend beendet. Wir lassen den Beridri eines V agabunden folgen, der bereits mit 12 Jahren auf die Landstraße verschlagen murde und 17 Jahre lang das unstete Leben eines fahrenden Gesellen führte. Nicht immer gerade mar dieser Weg. Er führte ihn mit Zigeunern und Stromern zusammen, und die Berührung mit den Feldgendarmen mar nidit immer eine freundliche. Der Branntwein spielte eine oerhäng- nisoolle Rolle in seinem Leben. Was uns aber mit ftichard 9*erbandi und seiner Niedersdirift JCandslreicher Mut dem Xeben einet'Caugenlchit, der doch noch trat mir de oersöhnt, ist seine große Naturliebe, seine unbe- zminglidie Wanderlust und sein Humor. In bunten, losen Bildern läßt er nodi einmal das W ander- burschentum der siebziger und achtziger Jahre des oergangenen Jahrhunderts an uns oorüber ziehen, er gibt uns daneben einen tiefen Einblick in das Leben und die Psyche jener Entgleisten, die den Weg von der Landstraße in das geordnete Leben nicht zurückfinden; nicht ohne innere Unruhe verfolgt man, mie auch er sich der Psyche dieser Entgleisten immer mehr nähert und ist befriedigt, wenn er schließlich — mit 29 Jahren— im Hafen der Ehe und einer roohlbeslallten Bürgerlichkeit landet. Wir parodieren Grittparzer. Zur Aufführung des Werbebezirks Reuköfln der GAZ. Groener macht sich unbeliebt. vieemai auf der Rechten. Der Relchswehrminister Groener hat den Ofsiziersverein des ehemaligen thüringischen Infanterieregiments Nr. 72 für politisch erklärt, weil dieser in seinem Bereinsblättchen die H a h b o t s ch a s t des Stahlhelms nebst anderen Hetzereien abgedruckt hat Folge davon ist, daß die Reichswehroffiziere, die diesem Verein bisher an- gehör»«», aus ihm ausscheiden müssen. Dieser Vorgang veranlaßt die„Deutsche Zeitung" zu erklären, Groener scheine mit G r z e s t n s k i in Wettbewerb treten zu wollen. Oer Verkehr am 1. Mai. Am Donnerctagabend beschlossen zwet schlechtbesuchte Beleg- schaslrveisammlungen de» Personal» der Berliner Verkehrsaktien- gesellfchast. am 1. Mal die Arbeit ruhen zu lassen. Die vircttion der v erkehr». A.-G. hat Inzwischen angeordnet. daß der Vertehrsdlenst ausrecht erhallen wird. An- gestellten und Arbeitern der Werkstätten wird aus Antrag Urlaub gewährt. Da? Personal, das zum Fah dienst nicht unbedingt benSligt wi d. ist dienstfrei. Die vertehrk.A.-G. weist mit Recht daraus hin, daß Ihre Anordnungen sich In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der freien Gewerkschasten besinden. Sechzig Opfer des Wirbelsturms. Die neue Katastrophe in Nordomer ka New Bork, 26. April. Von dem W t r b e l st u r m. der gester« über de» füd- ließen Teil des Staates Georgia hinweggegangen ist, ist auch Südkarolina erfaßt worden. Nach den bis heute früh vorliegende« Meldungen stud über 6 0 Per- sonen getötet worden. Der angerichtet- Schade« ist erheblich._ weller für Berlin: Kühl und veränderlich, ohne erhebliche Niederschläge, ftür Deutschland: Nirgends wesentliche Aenderung des herrschenden Wetter». Folgende Tatsachen sind vorauszuschicken: Grillparzers pathe- tisches verstaubtes Lustspiel„Weh dem, der lügt!" fiel uns in die Hände. Der wehklagende Bischof, der verweichlichte Resse, be- sonders aber wohl Kattwald und seine Germanen regten die Lust zu einer Parodie in uns an. So beschlossen wir, zwei krasse Spießertypen gegenüberzustellen: die abstinenten Greise, die die Jugend verabscheuen, unter Führung des ehemaligen Bischofs, und den Skawerein„Pik-As" mit Bier, Weib und Gegröhle unter Füh- rung.des Zkneipenbesitzers Kattwald Hieraus bauten wir unsere Handlung auf, die wir in den Hauptzügen Grillparzer entlehnten. Der Nesse des Guttemplerpräsidenten wird von der Gegenpartei systematisch verdorben, im letzten Augenblick jedoch vom mutigen Küchenjungen des Ordens gerettet. In allgemeiner Verbrüderung zwiscben Guttempler und Skatverein löste sich unser Spiel auf. Wir wollten nichts weiter, als ein« Veranstaltung heraus- bringen, die von echtem jugendlichen Uebermut getragen wurde— das ist uns nach unserer Meinung auch gelungen. Was. für ein langer Weg ist es von den ersten Vorbereitungen bis zur Aufführung! Was für Probleme und Bedenken müssen überwältigt werden, ehe es zur ersten Probe kommt Da sind Szenen im Text, die abgeändert werden müssen, well sie nicht wirkungsvoll genug sind oder weil sie zu hohe Anforderungen an das Spielvermögen unserer„Schauspieler" stellen.— da muß erheblich gestrichen, dort eine Figur stärker herausgearbeitet werden. Die Jagd nach den Typen, die verkörpert werden sollen.. be- ginnt. Mögliche und unmögliche Darsteller werden durchprobiert. bis die endgültige Besetzung gefunden ist. Einige sagen schließlich wieder ab. Ersatz wird beschafft— und endlich kann es losgehen Mit ungeheurer Begeisterung ist alles auf den ersten Proben bei der Sache. Belonders groß ist der Eifer in den Einzelszenen, In denen rasch Fortschritte gemacht werden. Weniger konzentriert wird in den Massenszenen gearbeitet, die für uns ebenso wichtig sind wie die Einzekszenen. Es sind meistens Jungen und Mädel, die noch nicht Theater gespielt hoben und deshalb auf den ersten Proben außerordentlich zurückhaltend sind. Aber langsam wird auch hier das Spiel freier. Der Krampf löst sich, seder geht mehr aus sich heraus. Man bekommt einen lieberblick über die Szenen und hofft das Beste. Das erste Strohfeuer der Begeisterung ist vorüber. Das ewig« Broben. Wiederholen und nochmals Wiederholen wird langweilig.- Da acht man lieber zu interessanteren Gruppenoeranstaltungen oder auf Fahrt.... Auch dieser tote Punkt wird überwunden, denn der Auf- führungstermin rückt immer näher. Etwas von der Derantwor- tung des Regisseurs geht auf alle Beteiligten über. Zum Photo- grcphieren für die Freizeitausstellung werden sogar die nötigen Requisiten nicht vergessen, so daß die geplanten Aufnahmen wirk- lich steigen können. Sprachlich und spielerisch ist nicht mehr viel auszusetzen, das Hauptaugenmerk richtet sich jetzt bei den Proben auf Tempo, Stichworte, Einsatz, noch einmal— so geht es hinter- einander. Jeder ist bei der Sache, wenn auch nicht mehr mit der ersten Begeisterung: jeder weiß, um was es geht. Generalprobe! Die letzte Prüfung vor der Ausführung. Der Saal, in dem wir am nächsten Tag spielen, ist für die vorhergehenden Tage besetzt. Unsere Generalprobe kann nicht einmal an Ort und Stelle stattfinden, wir sind auf irgendeine primitive Schulaula ange- wiesen. Dabei sind noch so viele schwierig« Punkte vorhanden. Vor- hänge, Beleuchtung, szenischer Umbmi sollen nach Möglichkeit auch klappen. Regeln können wir alle dies« Schwierigkeiten nur im Saal selbst, also erst lurz vor der Aufsührung, wo schon noch genug zu tun ist. Es ist zum Verzweiseln. Der einzige Trost in der ganzen Verwirrung ist der, daß wir schon süns Minuten nach acht beginnen können.(Angesetzt war die Probe aus halb acht.) Darstellerisch ist am wenigsten zu klagen, die Hauptdarsteller können größtenteils schon ihre Rollen, auch etwas Aehnliches wie „Tempo" kann man bemerken. Es wird schon schief gehen! » Am Nachmittag werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Ein Chaos von Kreppapier, Gutlemplerbärten, Zylindern, Milch- flaschen, Stühlen, Reisnägeln und untätig Umhersigenden empfängt den Eintretenden. Wir können zurzeit nicht weiter, da zum Aufbau der notwendigen Brücke und für das Gartenlokal Tische fehlen. Di« ersten Boote» kommen unverrichteter Sache zurück. Die Suche nach den Tischen geht weiter. Nach einer Stund« sind endlich welche da. Wir können wieder arbeiten. Während schon die ersten Besucher den Saal bevölkern, wird aus der Bühne noch ge- hämmert. Aber schließlich lichtet sich das Chaos, wir sind fertig. Die Leute am Schaltbrett und am Vorhang kriegen notdürftig Be- scheid, dann fangen wir an. Grillparzers klassische Jamben verfehlen ihre einschläfernd« Wir- kung nicht. Paukenschlagartig wirbeln unsere„Revolutionär«" da- zwischen Sie sind groß in Form. Das Publikum, das von diesem Regietrick nichts ahnt, spielt mit. Will die Ruhestörer hinauswerfen. Wir hinter der Bühne sind begeistert und haben bloß Angst, daß die Mutigen im Publikum wirtlich hinausgeworfen werden. Aber nichts geschieht Der Krach geht weiter, der Grillparzer-Akt nähert sich seinem Ende. Ein paar aufklärende Worte lassen das Publikum sein« kleine Blamage erkennen und besrest auflachen. Wir spielen unsere Parodie, dauernd von Beifallsstürmen unter» brachen. Guttempler, Skatoerein und Einzelszenen ziehen vorüber. Musik, Beleuchter und Vorhangmann tun ihr Bestes. Di« Spannung des Außergewöhnlichen, das Verstehen des Publikums reißt alle mit. Jeder gibt sein Letztes her, keiner steht hinter dem anderen zurück. ganz gleich, ob feine Rolle groß oder klein ist. Der Kollektivgeist hat gesiegt. Ueber einen erfolgreichen Ver- such senkt sich der Vorhang. Günther Stipp. Verwickelte Oetektivkomödie. Lessing-Theater:„Die Frau ves andern�. In Walter H a ck e. t t s Detektivtomödie„Die Frau des andern" geht es sehr spannend zu. Wenn sich der Vorhang hebt, rennt jemand aufgeregt über die Bühne, schließt hastig eine Tür, rennt wieder zurück und komplimentiert gleich darauf ein Pärchen in das Hotelzimmer. Mary und Anton müssen hier wegen Autopanne übernachten. Es ist schrecklich unheimlich in dem Hotel. Die beiden fühlen sich schon nicht wohl, weil Marys Mann von dem Selten- sprung etwa» erfahren könnte, da ruft einer aus dem Nebenzimmer um Hilfe. Alle Türen sind p'ötzlich verschlossen. Man hört einen Schrei und e inen dumpfen Fall. Draußen knattert«in Auto. Anton sieht, wie zwei Männer in seinem Auto davonfahren. Dann erscheint das Stubenmädchen als ob nichts geschehen sei. Anton sagt ihr auf den Kopf zu, daß sie etwas mst dem Mord zu wn habe, der offenbar nebenan verübt sei. Die Polizei kommt. Das Mädchen beschwört Anton himmelhoch, sie zu retten. Ein Brillantschmuck sei gestohlen, sie sei aber an der Sache ganz unbeteiligt. Man kommt überein, die Rollen zu vertauschen. Mary wird Stubenmädchen, und dieses spiest Antons Frau. Der aufdringlich«, aber sehr freund- liche Detektiv steht nun vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Er soll eine Geschichte ausklären, die vom Autor— der Spannung halber— gar nicht zu Ende gedacht ist. Kurz und gut. die Sache löst sich zu allgemeinem Wohlgefallen aus. Der Autor hat eine so heillos« Verwirrung angerichtet, daß man schließlich mit jedem End« zufrieden ist. Wer hellseherisch veranlagt war, Närte hinterher die Dummen, zu denen ich auch gehöre, über die Zusammenhänge aus. Erika v. Thellmann Käthe H a a ck und Ullrich B e t t a c spielen unter der Regie von Robert W i e n e so flott, daß der Zu- schauer gar nicht erst zum Nachdenken kommt. Großer Beifall. Oxr. „Oer Krieg im Ounkel." Gloria-palast. Selbstverständlich wieder zaristisch« Russen. Die Konjunktur verlangt es, daß sich Greta Garbo noch ihrem Erfolg als Anna Karenina unentwegt russisch benimmt. Sie spielt also eine Spionin des russischen Armeekorps das in Warschau stationiert Ist. In dieser Eigenschaft fährt sie nach Wien und macht den Kurier in sich veriiebt, der die neuen Aufmarschpläne der österreichischen Armee nach Berlin trancporttert. Aber bei dieser Uebung verliebt sie sich selbst. In einer Szene, die hart dos Lächerliche streift, verwandelt sich programmäßig die Liebe in Haß und der Haß bestiehlt den armen Kurier, der daraufhin degradiert und in einer Festung be- treut wird. Dann glückliches Ende, da der richtige Spion durch die reumütige Greta Garbo unter Scheinwerferbeleuchtung ge- stellt wird. Das Ganz« ist eine LiebesoffSre mit kolportagehasten Momen- ten. Der Film, nach ein«m Roman Ludwig Wolfs» gearbeitet, könnte mehr sein, könnte in die Betriebsamkeit de» Spionagewefenz der Vorkriegszeit hineinleuchten. Doch dos geben die Amerikaner nur nebenbei, fragen auch nicht noch Glaubwürdigkeit, die Liebes- geschichte bleibt als Hauptsache bestehen. A's liebende, anschmle- gende Frau ist Greta Garbo wundervoll. Sie kennt noch kein Schema, sie bewahrt trotz aller Weichheit und Hingabe«ine gewisse nordische Verschlossenheit, die sie daran hindert. lemals süßlich oder girlhaft zu werden. Aber man glaubt ihr nicht die Spionin. man glaubt ihr nicht, daß sie Situationen kühl errechnet. Fred N i b l o s Regie stört nicht, tritt aber auch nirgends mit originellen Ideen hervor. Konrad Nagel sieht au» wi««in zerbrechlicher Willy Fritzsch. spiest zurückhallend und erweist sich als Gestalter. Uebrigens, wir haben genug von dem zaristsichen Russsntum, der Film kann auch Ge�enwartssragen zur Diskussion stellen.?. S. Volksbühne und Kroll. Die vom preußischen Kultusminister im Hauptausschuß des Landtags abgegebenen Erklärungen über das schiedsgerichttiche Ver- fahren, in dem vor mehreren Monaten die künftig« Höh« der von der Volksbühne zu zahlenden Preise für ihre Plätze in der Republik- oper festgesetzt wurde, haben den kommunistsschen Blättern Berlins Anlaß zu allerlei hämischen Bemerkungen gegeben. Sie knüpsen an die Kosten dieses Schiedsverfahrens an und möchten den Eindruck erwecken, als ob hier Gelder der Volksbühne leichtfertig verschleudert bzw. m ungebührlicher Höhe von Schiedsrichtern eingesteckt worden wären. Auf unsere Anfrage äußert sich dazu das General- fekretarlat der Volksbühne wie folgt: 1. Es handelle sich bei dem Verfahren nicht um eine Klage der Volksbühne gegen den Fiskus; vielmehr strengte der Fiskus die Klage gegen die Volksbühne an, weil diese sich, gestützt auf die Bs- stimmungen des Vertrages von 1Q23, weigerte, die von der Staats- Verwaltung geforderte Vergütung von 3 Mark je Opernplatz zu zahlen. Z. Das schiedsrichterliche Verfahren endete mit einem Erfolg der Volksbühne; wenn das Schiedsgericht sich auch für eine gewiss« Erhöhung der bis dahin geltenden Platzpreise aussprach, so blieb der neu« Preis doch um l Mark je Platz hinter den Forderungen der Staatsverwaltung zurück. Der Erfolg der Volksbühne geht auch daraus hervor; daß die Kosten des Verfahrens der Volkcbühn« nur zu einem Fünftel, dem Fiskus zu vier Fünfteln auferlegt wurden.« 3. Diese Kosten wurden nicht willkürlich festgesetzt. Sie muhten auf Grund der auch für Schiedsgerichte geltenden Zioilprozeßord- nung nach dem Werte des Objekts bemessen werden. 4. Die als Vertreter der Volksbühne am Schiedsgericht mit- wirkenden Persönlichkeiten— Landtogsabgeordneter Ernst Heilmann und Reichstagsabgeordneter Georg Bernhard— erklärten der Volks- bühne von vornherein, daß sie ihr« Honorare nicht für sich allein behalten wollten. Sosort nach Abschluß des Verfahrens überwies denn auch jeder von ihnen 400» Mark, d. h. etwa die Hälfte des ihm zufallenden Betrages, an die Kasse der Volksbühne. Auf diese Weise brauchte die Volksbühne für das Verfahren, mit dem sie eine Be- lastung ihrer Mitglieder in Höhe von rund 1 Million Mark ab- wehrte, insgesamt nur wenig über 2000 Mark aufzuwenden. 5. Die Volksbühne ist Heilmann und Bernhard für ihre Geld- spenden zu lebhaftem Dank verpflichtet, vor allem aber auch für ihre geschickte und kluge Mitwirkung im Schiedsgericht, die nicht nur die Teilnahme an mehreren langdauernden Sitzungen, sondern auch um- fangreiche Aktenstndien erforderte. Sie nimmt insbesondere dankbar von den Erklärung«» Heilmanns im Landtag Kenntnis, daß er gegen jede auch noch so geringe Erhöhung der von der Volksbühne zu zahlenden Plotzpreife und gegen jede Beteiligung d«r Volksbühne an den Kosten des Dsrfahren» gestimmt hat. Schließung sämtlicher französischer Theater? Die nach Nizza einberufene französische Theatertagung nähin einstimmig den B�- schluh an, alle fianzösischen Theater zu schließen, um von der Re- gierung die Aufhebung der von Staat und Gemeinden auserlegte« Steuern zu erreichen Diese Maßnahm«, die die Theaterdire'toren auf jeden Fall durchführen wollen, würde im kommenden Monat erfolgen und über 100 000 Personen brotlos machen «in Ehrevlold tür Stau Siealiied Ock« winde rorn Bei liner Magistrat al« lautende stuwenduna dewidiat. Er wiid den gleichen Betia? wie der Pleusjische Staat in Höhe von jahrlich 2400 M. zur Verfügung stellen. Die kommunistische Kampagne. Wie sie zum-1* Mai beirieben werden sott. Wollten die Kommunisten mit ihrer Anhänger- und Nachläufer- schaft im Verein mit den„klassenbewußten Unorganisierten" eine eigene Maifeier veranstalten, wir würden die letzten sein. die sie dabei störten. Den Gewerkschaften könnte dies unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr erwünscht lein, so sehr sie es allgemein bedauern müssen, daß die KPD. die Gewerk- schaftcmitglieder in zwei Lager zu spalten sucht. Die Sozial- demokratische Partei, die ihre besonderen Veranstaltungen zur Maifeier trifft und mit der KPD dabei nicht in Berührung kommt, die den Gewerkschaften die Vormittageveranstaltungen über- läßt und sie darin in keiner Weise behindert, sie vielmehr durch ihre Presse unterstützt, kommt bei dieler Betrachtung nicht in Frage. Die KPD. dagegen will sich„als Führerin der Mai- kampagne" ausspielen, insbesondere die Maiseier der Gewerk- schaften zur Demonstration gegen die Gewerkschaften mißbrauchen. In ihrem„Parteiarbeiter" gibt sie die„Losungen" dazu aus. Eingeleitet wird die Kampagne mit der kindischen Be» hauplung, „die resormlstische Lureaukrali« kann in diesem Zahr« weniger als jemals eine INassendemonstralion für die alten ZU ai parolen des Kampfes gegen den Krieg und den Achtstundentag gebrauchen". Aus dieser Behauptung wird die Schlußfolgerung gezogen: „Daraus ergibt sich für die KPD. die Pflicht, schärfer und klarer als bisher selbständig als Organisatorin der Maifeiern aufzutreten und die Spitze der Demonstrationen gegen den Dreibund von Trustkapital, imperialistischen Staat und sozial- demokratisch« Bureaukrati« zu richten." Diesen Popanz von„Dreibund" muß die KPD. sich zurecht machen, um für ihr Treiben gegen die Gewerkschaften einen Bor- w a n d zu haben. Dem zitierten Satz folgt der weitere: „Zn diesem Zahre werden sich kommunistische Arbeiter nur an solchen Demonstrationen beteiligen, in denen für revolutionäre Losungen demonstriert wird, wo unsere Redner unsere Losungen propagieren." Wäre diese Erklärung aufrichtig und nicht so„taktisch" ver- logen, wie alles, was von dieser die Lüge als Kampfmittel be- nützenden Partei kommt, dann brauchten wir kein Wort darüber zu verlieren. Gewerkschaften wie Partei würder» die Kommunisten mir ihren Rednern und deren Losungen ganz hübsch unter sich lassen. Allein diese Erklärung stimmt nicht, obwohl sie durch folgendes Eingeständnis bestärkt zu werden scheint: „Die früher angewandte Taktik, zu versuchen, die van den Gewerkschaften organisierten einheitlichen Massen- demonstrationen durch unser« Beteiligung in revolutionäre Demon- krationen umzuwandeln, kommt in diesem Jahre schon des» halb nicht m Frage, weil Gewerkschaften und SPD. erstens... keine Demonstrationen machen werden.. wo«in Polizeiverbot besteht, und zweitens, well es für uns unmöglich ist. sei es auch mit eigenen Transparenten und Fahnen, in einem Zug« zu mar- schieren, der der Demonstration für Wirtschaftsfrieden und Koali- tionspolitik dient." Wie sauer doch die Trauben sind! Auch di« weitere Ankündi- gung scheint nicht im Widerspruch zu der Erklärung zu stehen, daß der politische Charakter der kommunistischen Maifeierdemonstrationen sich nicht nur grundsätzlich von dem der resormistischen Demonstrationen unterscheiden müsse, sondern die kommunistischen Parolen müßten offen und klar gegen den Resormismu» gerichtet sein. Die Vorbereitung des 1. Mai soll mit der Dorberei- tung der Wirtschastskämpfe verbunden werden. Die Spalter wollen„gegen den Spaltungskurs" der Gewerkschaften demon- strieren,„gegen die drohende Verwandlung der Gewerkschaften in Streikbrecherorganisationen... gegen Wirtschaftsdemokratie". Sie wollen jeder Tendenz entgegentreten, dt« D-Mai-venw«. stration als eine„rem gewerkschaftliche" aufzuziehen Die Dilta- toren über das Proletariat wollen„die Diktatur des Proletariats" propagieren. Der Faden der„Einheitsfront" soll weiter ge- spönnen werden, und— mit dieser Wendung wird die Erklärung. die KPD. werde m diesem Jahre unter sich seiern, preis» gegeben. „Wp die enlscheidenden Gewerkschaften oder da» Orlskarlell unter unserem Einfluß stehen", will man an die Massenorganisationen herantreten und sie zur Bil- dung eines Maifeierkomitees unter der„Führung" der KPD. ver» anlassen. Den.Reformisten", di« etwa als Vertreter von Massen- organisationen an Verhandlungen darüber teilnehmen, wird anze- kündigt, daß ihnen nicht die geringsten Konzessionen gemach: werden. „Die Demonstrationen finden statt unter unseren Losun» gen, unsere Redner werden sprechen, der RFB. wird in Bundestleidung mitmarschieren, schwarzrotgoldene Fahnen und wirt- schaftsdemokratisch« Parolen werden wir in unseren Maidemonstra- tionen nicht dulden." Rur in Ausnahmefällen, wo„linke" SPD.-Leut« an der Spitze stehen, will man an die SPD.-Organisationen heran- treten, um„diese Leute" zu zwingen, zu den Losungen der KPD. Stellung zu nehmen, um einen Gegensatz zwischen den „linken" Arbeitern und den„scheinradikalen Führern" zu entfachen. „Wir werden dort, wo die Reformisten eigepe Demonstrationen für ihre reformistischen Losungen veranstalten... die Gewerk- schaftsmitglieder offen auffordern, diesen Demon- strationen(ihrer Gewerkschasten!) fernzubleiben und sich an der kommunistischen Demonstration zu beteiligen" Die Bildung der Einheitsfront von unten setze auch in der Frage der Maidemonstra- tion den verschärften Kamps gegen den„Reformismus" voraus. Die KPD. wird mit ihrem verschärften Kampf« gegen die Ge- werkschoften den Gewerkschaften schon gestatten müssen, ihr dabei gehörig zu begegnen. Scrantwortlich Nlr die Ziedaktion: Fea»» NlStz», Berlin: Anzeigen! Ah. Slotf«. Berlin Verlag: Vorwärts Verlag S. m b H.. Berlin Druck: Vorwärts Bück- druckcrei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SB 68. Linden strafe 3 Kierzu 1 Beilage. XUealec. Liclilsptele usw. Freitag.. 26. 4 Staats-Oper Unier d. Linden A.-V. 109 20 Unr Madame Bnltcrfly Staats-Oper Am Pl.o.Repubi. R.-S. 101 20 Uhr jpmgenie autlauris Matl. Schiller- Freitag, d. 26- ♦. Stadl Oper Bi.inarcKsT. Turnus HI 19'., Uhr Malom Staat!. Sdiaosph. am bend armen mark. A.-V. 98 20 Uhi Der Londoner verlorene iohn heater.Charitb. 20 Uhr Kalkutta, 4. Hai scai-a 8 Ulir 0 5 Barbarossa 9256 Nur noch wenige Teige! CROCK and das gro�e April- Programm Sonnabends n. Sonniads le 2 Vorslellnneen 3'° und» Lhr— 3*. eimäBigte Pr. vi.Aza Am K«»"*»®' Alse. 8066-88 Täq'ich 5, Bis Sonntag 2. 5, 8>5 INTERNAT. VARIETE Vorverkauf s eis für die laufende Woche inkl Sonntag I Win ler * uarren* 8 unr» zenir. 2010» Rnoaien enaotii Oodg« Twin», Barnard» Rieh. Haru Onuki und waltara Intar- natlonala V a r I a t«- BarUhmt- svi uhr CASINfl-THEATER»''vw to. t n ei Sirnt e»7. Nur noch bis 30. April: „Eine ungelieDte frau" am i. fr.ai zum ersten male: «B- von Kaeua«-. Gutschein iür 1—4 Personen Fauteuil nur 1 15 M., Sessel 1.65 M Sonstiee Preise Parke t u. Rang 0�0 Mk Re'chshallen»Theater Uis.[Tj um sennui kadim.[T] um Sieitiner Sänger „Eine momierte Wahnano zu vcrrcleien" Nachm. na de Preise. önhorr- Edretti; Wime/ Konzen x Tanz. Ab 1 Mai 1929: ä Adol'„Becker-Konzerf. METROPOL-THEATKR|*J| Gr. SCHAUSPIELHAUS[ä] Künstlerische Leitung: Erik Chsrell Castige Witwe Truda Hesterberg Oskar Karlwels Tuknhs, Elleot, JankemsoB, Schaeffcrs, Neu Her Hebe jvgustin Alfred Er:un fledy Christians. LlMka, Arne, Morgan, Westermeler. BUtsoer. '€»la. I i voüisotume f.ieitir loSOlOfiiiti d Uhr Trojaner lkssiir sm SdilllBauerdamm « Uhr Pioniere in Ingolstadt Thalia-Tbeater * Uhr Oelrausch Staat!. Sdiiller-Hi. 8 Uhr Kalkutta, 4. Mai Staslzopsrmn Platz dar Bepabllk » Uhr Iphigenie auf Tauz-is sv, Theafram Sdiiffhauerdainm. Norden 1141 u. 281 Pioniere in ingoistnm (Soldaten u Dienstmädchen) Renler. Lenla, lorre. Pen». Hoermano. SiBssel s.a. llZM» NM D. I. Norden 12 JIO 8 Uhr, Ende nach 10 Paulus unter den Juden Dramat Legend von Franiwerfe Regie: Kail-Heinz Martin. Die Komödie 1 1 Bismck. 2414/7516 8'/, U.. Ende geg. 10 Wann Kommst Ou wieder? Komödie von S. Maugham. Regie Qustaf Oründgens Theatern. KottbusserTor kotttnnei Str. 8. I«. Mgl. 16077 All&bcndlida 8 Uhr auch Sonntags nachm. 9 Uhr Jnbiiaums-Programm unter der Devise 10 Janrc Ellte-sanoer Kammersplele AI. Norden 12 310 8'/, U„ Ende geg. 10 Jusik von Ossip Dymow. Regie: HeinzHilpert malla-lheaier dresdener str. 72-« 8 Uhr „OelrausclT Barnowsky-Bütinen Ihuter in Hat RSnigfrätinr StraBa T ignch 8'/, Jhi Rival en Komtfdlennaua räglich b'/, Uhr CöarleysTanle mit Curt Bois. i heata« am lollendorfplau Täglich 8'U dl' Revolle Im Erzielmnosbaus Renaissance- Theater Hirdnkerpstr 6 Itl. Sttmpi. 901, 2583/84 SV, Uhr Tlllia SV, Uhr Eugen Klöpfer In AB€M Pagnor Reg: Sazt.Rananp. la Premlaransaztzs. „Das große von Marcel Rai Lustsplelbsus SV, Uhr Guido Thie'-ülter Weekend Im Paradies TheaL a. Westens 8V, Uhr KU« DsrzdL Kammer anger Zleglar Friederike Musik von lakar Sonnug 31/- Uhr Friederike. Steinplatz 931 u 7180 Btrliner loem OirektHeinz Herald Charlotienstraile 9t A. 7. Dönhoff 17" T/t Uhr. V/t Uhr. Zum 1 Mate Die füif Frankfurter von La l Rössler Regie: Ensen»okert R osa-rhaatei Sr.fmPirtirSl.iJ? tV, Uhr Drii illtSdudittlii Kleine] fneaier BlzSonni.i6SitilnzaB Montag 8 Uhr Prem'ere Naß ou« flroiken n-A 4e» Umeü-niito von Frank Green. 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Iii nc Hermannstr. 10 r-nim- m ümtsi Monais- � Rekten ANTEL CroßefrankruHerStcli» \J 5traa»b«rgfrPlati Schlafzimmer Küchen preis w er t. pHUHi StiJUauiJfattt Am Ibufasä 6 ef di oft oder Kunst? Zum Niedergang de» Schauspiels D!e Serienaussührung beherrscht dos Feld. Sie bedeutet gute Knssenrapporte, bedeutet Freisein von Sorgen um Dekorationen, Stars und Ensemblebildung, von dem Spielplan gar nicht zu reden. Es gibt keine Berliner Bühne, die sich dem Zauber der Serie entzöge. Die.,Verbrechcr"-Serie im Deutschen Theater, die den gesamten Spielplan einfach totschlug, ist das klassische Beispiel für dies« Saison. Selbst in der Provinz beginnt die Serie den festen und wohldurchdachten Spielplan zu verdrängen. Daß die Serienwirtschaft die dramatische Kunst auf das schwerste gefährdet, ist wohl kaum jemals bestritten worden. Daß ste die Schauspielkunst hemmt, beginnt man langsam ein- zusehen. Daß sie aber auch eine Ursache— und vielleicht eine der wichtigsten— der allgemeinen Theaterkrise ist, will man auch heute noch nicht wahr haben, obwohl es mit der Hand zu greisen ist, doh sie die feste Bindung zwischen Theater und Publikum zerreißt, daß sie zwangsweise ein kunstliebendes Stamm- Publikum, das sich seine Bühne suchte, weil es in ihr einen Kuliur- führer und Kulturträger verehrte, desien dauernder Beeinflussung man sich gern hingab und von dem man diese dauernde Beeinflussung erwartete, mit Ruten aus dem Theater peitscht. Mit Kassenropporten und sinanztechntschen Berechnungen mag man Augenblickserfolge von Saison zu Saison erzielen, auf die Dauer richtet ein Leiter, der sich von keinen anderen Erwägungen als diesen leiten läßt, damit die Bühne als solche zugrunde, weil er Publikum. Schauspieler und Dramatiker entwöhnt, die Bühne noch als Kunstinstitution zu empfinden. Mit programmatischen Borankündigun- gen vor Beginn der Saison, die später nicht eingelöst werden, macht man auf die Dauer ein kunstliebendes Publikum nicht satt und auf die Dauer ist das Publikum nicht hinters Licht zu führen. Wo sich heute Ansätze zu einer Programmbildung zeigen, sind sie mehr auf den Zufall als auf einen systematischen Ausbauwillen zurückzuführen. Man wechselt die Stücke, weil sie es zu keinem Serienersolg bringen oder weil vertragsmäßig der Premierentermin der nächsten Neueinstudierung festgelegt wurde. Den erschreckenden Abstieg der Schauspielbühn« zeigt ein Der- gleich früherer Repertoires mit dem heutigen. Das Deutsche Theater brachte heraus: 1914 15 1928/29 I. Zopf und Schwert. I. Verbrecher. 2.— 4 Wallenstein 2. Lustige Weiber. 5. Ein Wjntermärchen. 3. Paulus unter den Juden. 6. Rappelkopf. 7. Genoveva 8. Schluck und Iau. 9. Maria Magdalena. f Der Jahrmarkt in Plundersweilern. '\ Die Geschwister. Zehn« Neueinstudierungen gegen drei! Außerdem wurden damals aus dem alten Spielplan über- Nammen:„Ein Sommernachtstraum'.„Was ihr wollt',„Sauf- mann von Benedig',„Romeo. und Julia',„Hamlet',„Othello', „König Lear',„Faust',„Emilia Galotti',„Prinz von Homburg', „Jedermann' und„Erdgeist'. Das Verhältnis verändert sich also katastrophal zuungunsten der abgelaufenen Spielzeit. Selbst mit den vier Inszenierungen von„Romeo und Julia',„Helden',„Dreimal Hochzeit' und des„Lebenden Leichnam' im Berliner Theater wird nicht annähernd die frühere Zahl der Aufführungen erreicht. Das Deutsch« Theater ist keine Ausnahme. Meinhard und Bernauer veranstalteten früher im Theater in der Königgrätzer Straße Strindberg- und Wedekind-Zyklen. die sich über mehrere Spielzeiten erstreckten, während Barnowski neben vielen künstlerisch hochwertigen Inszenierungen Ibsens Gesellschaftsdramen in seinem Lessing-Theater zu einem Zyklus zusammenschloß. Man arbeitete damals eben systematisch, disponierte über eine Spielzeit hinaus. Man tonnte es, da man über'«in festes Ensemble verfügte, das heute den meisten Berliner Bühnen voll- kommen fehlt. Das Serienspiel hat die alten Ensembles ausgelöst, man lebt von der Hand in den Mund. Selbst Theater mit einem relativ festen Ensemble, wie die Volksbühne und die Staatlichen Theater, sind dem Wechsel der Stars unterworfen. Die Serie hat das Repertoire verdrängt und sicherlich standen dabei finanzielle Gründe im Vordergrund. Aber im Hintergrund lauerte dabei jenes Chaos, das der Krieg auch in geistiger Hinsicht, und hier nachhaltiger als auf anderen Gebieten, zurück- gelassen hat. Man war des gesprochenen Wortes, man war der Problematik überdrüssig und überlieh sich einer naiven Schaulust, die den Geist nicht belastete. Das ist heute bereits besser geworden. Die nachhaltige Wirkung der Rusienfilme, die Wirkung problema» tischer Stücke wie„Gneisenau',„Verbrecher",„Revolte im Er- zielningshaus' und„Paulus unter den Juden' beweist es. Das Publikum hungert nach geistiger Kost, es hungeil nach geistiger Führung und geistiger Orientierung. Leider haben wir geistige Führer, wie wir sie vor dem Kriege hatten, heute nicht mehr: Führer, die den Mut hatten, eine Ver- anlwortung auf sich zu nehmen und das Wagnis eines Kampfe» nicht zu scheuen. Man tastet vorsichtig im Dunkeln, man experimentiert in der Hoffnung, das große Los zu ziehen. Ist es nicht so, daß sich die Direktoren selbst über ihren Instinkt wundern wenn sie ein Stück herausbringen, das erfolgreich ein- schlägt? Man horcht in die Provinz hinüber und überläßt ihr das Risiko, junge Dramatiker zu erproben. Man experimentiert mit der klassischen Dichtung und beweist meistens nur das eine, daß man nicht mehr fähig ist. den ewigen Atem der Dichtung der Jetztzeit nahezubringen. Das Moment der Unsicherheit hat eine bedeutende Rolle bei der Auflösung der Reportoire und Ensembles geipielt, ober wäre es jetzt, da sich nach einer Uebergangszeit wieder ein« geistige Struktur zu bilden beginn', nicht notwendig, systematisch auszubauen? Wäre es nicht an der Zeit, mit jenem System zu brechen, das das Werk eines Dramatikers endgültig aä acta legt, wenn eine geist- und sinn- lose Serienaussührung es zu Tode gehetzt hat? Es liegt nicht immer am Schaulpiel und an settzer Problemstellung, es liegt ebensowenig am Publikum, wenn es nach kaum einer Saison für immer verschwindet. Und welcher Schauspieler, sosern er sich noch ein Fllnkchen ernster Liebe ZUM Werk, dessen Mittler er sein soll in diese Zeit des Starunwesens herübergerettet hat. würde es nicht' freudig begrüßen, wenn die Tage des ernsten Repertoires wiederkehrten, eines Repertoires, das ihm erst die volle Entfaltung seiner Talente ermöglicht? Warum diese Angst vor Wiederholun- gen. die in Oper und Konzert Selbstverständlichkeiten sind? Angst vor Stargagen. Angst vor den Kosten der Dekorationen. Angst Mnftlerifche Werte im Volke Eine Nusgabe für Staat und Commune In jedem Menschen steckt ein künstlerisches Empfinden nach irgendeiner Richtung hin. Die im Proletariat schlummernden künstlerischen Kräfte läßt die kapitalistische Wirtschaftsordnung nicht zur Entfaltung kommen. Nur sehr wenige, die neben der künstle- rischen Begabung auch noch die Gabe einer krästigen Natur und eisernen Willenskrast besitzen, vermögen unter ungeheuren Entbeh- rungen ihren künstlerischen Neigungen zu leben. Verschiedentlich ist versucht worden, wenigstens einigen Pro- letariern Möglichkeiten der Betätigung ihres künstlerischen Strebens zu bieten. Hans B a l u s ch e k, der Künstler und Freund des Proletariats, hat nach dem Kriege sein Atelier den künstlerisch be- gabten und kunsttä.igen Arbeitern zur Verfügung gestellt und ihnen wichtige Anleitungen zur Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten ge- gelten. Seine Räume erwiesen sich bald als viel zu eng, und es ist klar, daß ein einzelner dieser Art Aufgabe auf die Dauer nicht ge- wachsen ist. Auf Anregung Baluscheks haben nun die Volksbildungsämter einiger Bezirke Berlins praktische Kunstkurse für Laien eingerichtet. Im Bezirk Treptow begann im April v. I. der Kunstmaler Albert Hennig mit einem Mal- und Zeichenkursus. Die Teil- nehmer waren Handwerker oder kaufmännische Ange- st e l l t e. Sie kamen in jeder Woche an einem Werktagabend in einem gut belichteten Raum zusammen und begannen sogleich nach kurzen theoretischen Unterweisungen über die Behandlung des Materials mit der praktischen Arbeit. Sonntags wurden entweder Ausflüge ins Freie unternommen oder Führungen durch die staat- lichen Sammlungen veranstaltet. Es liegen nunmehr— relativ betrachtet— nicht unbedeutende handgreifliche Ergebnisse dieser Ar- beiten des Laienkursus vor. Wir bringen' ein Beispiel, das in der Reproduktion naturgemäß nicht zur vollen Geltung kommen kann. Aber diese durchaus künstlerische Produktion der Laienturse allein ist nicht entscheidend für die Beurteilung ihres volksbildneri- schen Wertes. Wichtiger noch ist die Tatsache, daß alle die hier in der täglichen Tretmühle der Erwerbsarbcit stehenden jüngeren und älteren Arbeiter und Arbeiterinnen eine dem Außenstehenden kaum wahrnehmbare innere Befriedigung durch diese Tätigkeit empfinden. Die innere Freudigkeit dieser Menschen darüber, daß ihnen die Hilfsmittel in die Hand gegeben sind, um ihrem künstlerischen Emp- finden Ausdruck verleihen zu können, ist unbeschreiblich. Die bisherigen Ergebnisse der Kunstkurse für Laien offenbaren ihren kllnstlerisch-pädagogischen Wert und ihr« kulturelle Bedeu- tung. Dabei kann die Frage, ob nicht insbesondere die aus diesen freien Mal- und Zeichenstunden hervorgegangenen Talente eine besondere Förderung er- fahren sollten, zunächst unerörtert bleiben. Jedenfalls erscheint es als eine Aufgabe der öffentlichen Organe, der Kommunen und des S t a a t e s. das in der breiten Masse der Arbeiterschaft schlum- mernde Streben nach künstleri- scher Gestaltung durch Einrichtung von Laienkursen zu fördern. Staat und Kommunen sollten es als ihr« Pflicht betrachten, die kunftfeind» lichen Tendenzen der kopitalisti» schen Produktion wenigstens etwas zu mildern.. Hier bietet sich auch ein dankbares Feld für pädago- gisch begabte, mit der Not kämpfende Künstler. Max Peters� vor zu vielen Neueinstudierungen? Der finanzielle Zusammenbruch der Revue, der Zusammenbruch der P i s c a t o r- B ü h n e hat bewiesen, daß es mit Prunk und technischen Wundern allein nicht gemacht ist. Diese äpßeren Dinge treten in den Hintergrund, sobald man den geistigen Werten des Schauspiels wieder den Platz anweist, der ihnen gebührt. Es stimmt auch nicht, daß nur der Star das Publikum in die Theater lockt. Die größten Erfolge der letzten Zeit,„Artisten', „Verbrecher',„Revolte im Erziehungshaus' und die„Dreigroschen- oper' haben auch ohne Stars ausverkaufte Häuser gezeigt. Anderer- seits kann ein Theater, das sich überhaupt den Luxus von Star- engagcments leistet, diese Prominenten in Rollen wieder auftreten lassen, tie sie in früheren Spielzeiten spielten. Beispiel das Staalstheater, das heute dem Begriff des Repertoiretheaiers noch am nächsten kommt. Es ist nicht einzusehen, warum ein Siar nicht in Rollen wieder herausgesetzt werden soll, die er in früheren Saisons spielte. Neben dem Wallenstein, den er neustudiert hatte, gab Bassermann in der Spielzeit 14/15 im Deutschen Theater den Shylock, Hamlet. Othello. Lear und Mephisto! Im Gegenteil, das wechselnde Austreten kann beim Publikum nur die Liebe zum betreffenden Theater und zum einzelnen Darsteller erhöhen. Allerdings,»Voraussetzung einer ernsten Erneuerung der Schau- spielkunst sind Thea erdirektoren, die selbst von dem Willen zur Kunst durchdrungen sind und die nicht den Hauptwert darauf legen, als sinanzlechnische Organisationsgenies zu gelten, sind Theaterdirck- toren, die nicht ängstlich nach amerikanischem Borbild ins Publikum hineinhorchcn, sondern es zwingen, ihnen zu folgen. x. Zweierlei Mast vetrachtungen über ein Nlltagsproblem Man ist leicht geneigt, die Ereignisse in dem sich um uns ab- spielenden Leben ungerecht zu unter- wie zu überschätzen, indem man sie nur nach der äußeten Größe der Situation und mitspielenden Umstände beurteilt, die die so beliebte„Sensation' ausmachen. Es ist wahr, daß die meisten von uns lieber zu dem Großen hinauf- schauen, statt auch dem Kleinen und anscheinend Geringen, das lautlos und sensalionclos neben uns seinen harten Kampf ums Dasein führt, die ihm zukommend« Beachtung zu schenken. Dies entspringt einem natürlichen Hang, der uns allen Menschen eigen ist: die Luftschlösser unserer Träume sind immer goldener und üppiger als die Realität der ärmlichen Stuben, in denen wir in Wirklichkeit hausen Trotzdem sollen wir aber das Leben des Kleinen, Unschönen. Unsensationellen nicht unterschätzen. Es stellt jedes Menschendasein den-gegenwärtigen Höhepunkt seiner selbst dar Und der wirkliche Lsl>ens«rnst, die Tragik des Schicksal», sind bei Groß und Klein die gleichen. Viel- leicht wirkt sich die Tragik im kleinen, beengten aus sich allein kon- zentrierten Leben, dem es an Fluchtpunkten, Ausgleichen, an weit- männischer Freiheit fehlt, sogar verhängnisvoller aus als im großen und großzügigen Wir gehen an den äußerlich kleinen Ereignissen vorüber und achten ihrer nicht.. obwohl vielleicht unser eigenes Lebcnsschicksal nur von einer fortgefetzten Reihö solcher kleinen und kleinsten Dramen bestimmt wird, die uns unmerklich eines Tages aus dem Weg vor unseren Augen geworfen haben. Das Groß« blendet uns, das Ge» ringfügige geht im Unbekannten hinter unserem Rücken seinen Schicksalspfad. Es ist so, wie ein an sich weniger unheilvolles Zu- sammenprallen von zwei Autos auf der Straße einen Auflauf von Gaffern und Neugierigen verursacht, die wenige Minuten später nicht daraus achten, wie etwa ein radelnder Botenjunge, in dem allgemeinen Durcheinander von einem Gefährt angefahren, zu Fall kommt und dabei einige Mark verliert. Derlei passiert taglich auf den Straßen: ist keine Sensation mehr. Wer denkt aber daran, daß der Botenjunge durch seine Arbeit sein« Mutter oder Geschwister zu oersorgen hatte, und nun wegen des verlorenen Geldes, dessen Ver- lust ein Begüteterer gar nicht merken würde, von dem erzürnten Arbeitgeber entlassen wird? Wer weiß, welcher Zukunft er nach diesem„dummen Neinen Unfall' in seiner Not entgegengeht? Jedes Ding ist mit dem Maß zu messen, das ihm zukommt. Man kann den Zollstock der Beurteilung nicht beliebig Irgendwie außen anlegen, wie man jeden Körper nach seiner räumlichen Größe abmessen kann. Es sind die Menschen und die Ereignisse an den Stellen zu messen, die sie im wesentlichen ausmachen, die für ihren Charakter, ihr« Fähigkeiten, ihr« psychologische Struktur ausschlag» gebend sind. Das primitivste Beispiel bietet uns hierfür die äußerst ungewisse Beurteilung des Menschen durch sein Schulzeugnis. Nur allzu oft werden die Lehrer von ihrer Eitelkeit dazu hingerissen, den Wert der ihnen unterstellten Schüler nach ihren programmäßigen Leistun- gen zu bestimmen: wer in der Schulstunde nicht vorwärtskomme, werde später noch einmal im Zuchthaus enden. Haben wir nicht alle einmal diesen Blödsinn anhören müssen? lind gerade zeigt die Erfahrung, daß die Kinder, deren Natur sich der fchetnatischen Ein- trichterei, wie instinktiv um eine gewisse gesunde innere Freiheit und Selbstentwicklung ringend, widersetzt«, im freiheitlichen Lebens- kämpf, wo es. auf den ganzen Menschen ankommt, ihren Mann in vielen Fällen besser als die Musterschüler bestehen. Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall— sagt ein Volkswort und dürfte, auf unser Thema übertragen, unge- fähr spviel bedeuten, daß man auch an sich selbst und seine ersehnten Gliick*güter das richtige Miß anlegen sollt«. Herr zu sein, bestimmen, befehlen.zu körnren. mag srbön sein: es kommt nur damuf an. daß es auf einem Gebiet geschieht, welches einem angemessen und dem man selbst angemessen ist. Es eignet sich nicht alles für alle: man muß seine We-t« und Fähigkeiten zu erkennen und sich zu bes+eiNm suchen. Die Kluyrcdner, Ouerulanten und Graßsprecher in Politik, Wirtschast bis hinunter zu den kleinsten Alltagsproblemen, an Stammtifthen, in Vereinssitzungen bis zum ReH-s-tag hinauf, die ihre Nase übe-all hineinstecken und alles besser wissen wollen,' kennt jeder zur Genüge Es kommt dabei nichts Gutes heraus. Der Schuster soll bei seinen Leisten bleiben und nicht plötzlich Kuchen backen wollen. Es muß sich jeder prüfen, wessen Fachs und welcher Berufung er, sich selbst wie dem Ganzen gegenüber, ist, und in diesem Berufe die Höhe erklimmen, damit er die höchste Skala im Maße des allgemeinen inneren Wertes als Mensch erreicht. ' Denn für die Wertmessung des Menschen als solchen gibt f nur einen einzigen Maßstab! Tatar Holland. (14. Fortsetzung.) Es ist einer von den Unseren. Er hat einen Nervenschock er- litten und windet sich schreiend auf dem Erdboden. Papa und Valentin tragen ihn in den Sanitätsunterstand. Dann ziehen wir«inen von unseren Jungen hervor. Seine Brust ist zerfetzt. Tot. Die übrigen kriechen mit geistesabwesenden Gesichtern heraus. Es ist Abend. Das Geschützfeuer hat sich wieder bis zum Wahn- sinn gesteigert. Ueber unsere Köpfe fliegen die deutschen Geschosie als feurig« Meteore hinweg. Unsere Flank« steht unter wütendstem Feuer. Ueberall Schreie Sterbender. Es regnet und stürmt. Ich suche ein Loch. Aber es ist nicht leicht, eins zu finden All« sind besetzt. Zwei, drei Mann sitzen sie gebückt darin. Endlich krieche ich.n«in Loch, in dem zwei Jugend- liche von unserer Kompagnie hocken. Nur zögernd machen sie Platz. Sie wollen nicht In der hintersten Ecke sitzen, wo ein Stollen ins Gestein geht. Ich schlängle mich dorthin und sitze mit dem Kopf unterm Stollen. Zwischen mir und den Kameraden klemme ich meine Kerze ins Gestein. Da wir drei sehr eng zusammensitzen, wird mein Körper warm, was mir wohltut. Da ich endlich Hunger habe, esse ich Brot und Leberwurst aus meiner Zwcipsundkonserven- büchfe, die ich irgendwo gefunden habe. Der eine Kamerad ist vorgestern neunzehn Jahr« alt geworden. Er erzählt:„Oftern ist der Krieg zu Ende, schreibt meine Mutter aus Frankfurt a. d. O. Dort hat sie es gehört. Und wenn ich dann nach Hause komme, muh mir yicine Mutter Koteletts braten. Die esse ich so gerne. Mein Vater ißt sie auch sehr gern." Der anders antwortet: „Essen ist nicht das wichtigste, Mensch. Was meine Mutter kocht, esse ich alles. Hauptsache ist doch, daß bald Frieden ist. Mein Papa schrieb mir auch, dah wir bald nach Haus« kommen. Wenn Berdun gefallen ist, wird Frieden. Bestimmt. Und dann erzähle ich meinem Papa die Geschichte vom toten Mann!" „Was ist das für eine Geschichte?" fragt« der sunge Bursche, der so gerne Koteletts iht. „Das weiht du nicht?" „Woher soll ich die Geschichte wisien?" „Ein Unteroffizier hat sie mir erzählt" „Welcher?" „Der heute verwundet wurde." „Erzähle." „Als die Deutschen 70/71 überall waren, kamen sie auch hierher. Da haben sie um diesen Berg gekämpft. Und als sie den Berg erobert hatten, lag ein Mann hier oben tot auf der Spitze. „Franzose oder Deutscher?" „Weiß nicht." „Ist ja alles Quatsch, Mensch. E i n Toter— pel" Zwei Stückchen Brot habe ich gegessen, dazu eine halbe Büchse Leberwurst. Ich bin satt und stecke mein Pfeifchen an. Gerode als ich es über die Lichtflamme holte, gibt es einen Krach. Bum macht es.------------- Als ich erwache, scheint der Mond wundervoll und beleuchtet die Landschaft fast tageshell. Mlf inir doch, Kamerad, hilf mir. Meine Bein« sind mir abgeschossen. Mein« Bein«, m«ine Beme... Hk, pffff.." D?» Kleine, Zarte blickt sich um. rennt weiter, zaudert, kehrt zurück und zieht mich aus dem Loch. „Kannst lausen?" ..Meine Beine sind mir abgeschossen, mein« Beine, mein« Beine!" Er lacht. „Sind doch noch dran, die Beine. Da!" und der Klein« lacht. „Meine Beine sind abgeschossen, meine Beine, hk... Krrr... ratsch— dum! 'Los! Lauf' Mann Gottes!" X) spriyge an und breche vor Schmerzen zusammen. „Meine Bein«, nieine Beine... Ich Hab« keine Bein« mehr. Wrrr..." „Knie hin. los! Verdammt!" D�r kleine Zarte geht selbst in die Kniee nieder, ich leg ihm die Arme um den Hals, und so schleppt er mich langen Menschen müh- sam weiter, der kleine, zarte, junge Kamerad. Ein Stückchen Wegs, und er macht schnaufend halt. Eine dicke Buchenwurz«! ragt ein halbes Meter aus der Erde. Da liegt ein toter Franzose lang hingestreckt mit einem Beinverband von unten bis oben. Neben chm sitzt ein zweiter, die Spielkarten noch in der Hand, ohne Kops Auf d«r anderen Seite der Wurzel wieder zwei Franzosen, vollständig heil, wie es scheint, das Kartenspiel in der Hand. D«r Mond leuchtet auf ihre lächelnden Mienen. Der kleine Zarte läßt mich zwischen den Toten niedergleiten. Ich stoß« mit einem Fuß an den Mann ohne Kopf, und er rollt den Hang hinunter. „Glstt sei Dank, wieder einer weniger. Keiner getraut sich an sie heran' Und mein junger Helfer erzählt mir. dah man hier vor Tagen, als man diese Stellung stürmte, zweitausend Gefangen« machte. Sie standen auf diesem Derghang und- warteten auf«ine Feuerpause, um in die Gefangenschaft zu wandern. Sie waren so froh! Da hieb eine einundzwanziger Granate von den Unseligen, die zu kurz gegangen war, hinein und richtete ein Blutbad an. Der Junge, Zarte schleppte mich weiter. Endlich kamen wir an den Sanitätsunierstand Zwei kräftige Sanitäter setzten mich auf einen Schemel. Der kleine Zarte rannte davon, was ihn die Beine trugen. „Na?" Ein Mann mit Verbandszeug pflanzte sich vor mir auf und verband meinen Kopf. „Meine Bein« sind ab. zum Donnerwetter!" Der Sanitäter hielt mst dem Kopfverband inne und sah mich erstaunt an. „Meine Beine sind ab, hören Sie nicht?!" Die Sanitäter, die mich in Empfang genommen hatten, lachten laut auf. „So verbinden Sie mich doch, mein« Beine sind ab!" Wieder lachten die beiden. Der Mann, der mich verband, ver« bat sich das und redete etwas von verwirrt sein. „Bitte, bitte, verbinden Sie, es tut so weh da unten!" „Die Stiefel sind bester als ein Verband, mein Lieber." Zwei Paar Hände packten mich und rrugen mich in den Ver- wundetenunterstand. Da log ich zwischen der Türöffnung und konnte die Schmerzen kaum ertragen. Zehn Meter vom Unterstand platzten die schweren Granaten. Di« Eisensplitter schwirrten bis in den Unterstand. Die Schreie der Verwundeten, die schon seit drei Tagen auf den Abtransport warteten, gellten. Viele waren schon tot. Immer neue Verwundete wurden herangeschleppt. Der Mann mit dem Verbandzeug—«s war der Oberstabsarzt— oerband sie. So lag ich die halbe Nacht. Das konvulsivische Zucken meines Nachbarn, jener Unteroffizier, der sich am Tage bei der Nerschüttung den Nervenschock geholt hatte und jetzt in seinen Fieberphantasien nach seiner Frau rief, tat meinen Beinen weh und peinigte mich bis zum Wahnlinn. Würde ich aus dem Morden hier gereuet oder würde ich auf dem Abtransport von Granaten zerrissen werd«n wie die Ver- mundeten im Steinbruch? In metner Verzweiflung schrie ich den Namen meiner Braut in das Donnern der Nacht hinein, und es war mir, als stehe sie vor mir und winke mit der Hand, ich solle kommen. Gegen Morgen hörte ich Stimmengewirr und Rufe:„Hier, hierher, hier!" Etwa hundert Samariter kamen. „Warum seid ihr gestern Nacht fortgeblieben? Ich habe b«- fohlen, dah die Kolonne jede Nacht herauskommen soll!" „Von zweihundert Mann ist keiner zurückgekommen, Herr Ober- stabsarzt, und die Verwundeten sind alle peräul" „Wieviel waren es?" „Zwei Kompagnien, Herr Oberstabsarzt." „Alle kaputt?" „Die Sanitäter und d'« Verwundeten, alle!"- „Von wo konimt ihr?" „Wir sind in Montmedy gesammelt worden." „So. Na, also mal herhören. Leute' Je vier Mann nehmen einen Verwundeten auf die Bare Der Fünft« geht zur Reserve mit. Wird einer verwundet von euch, bleibt er liegen. Am Schluh des Transports gehen zwanzig Mann mit Tragbahren ohne Ver- mundete. Die werden eure verwundeten Kameraden auflesen Ist's recht?" „Zu Befehl, Herr Oberstabsarzt!" Ich war der erste, der auf di« Tragbahre gelegt wurd«. Man schnallte mich fest, die Tragbahre ruckte aus die Schultern, und los ging es mit der schweren Last, bergab und bergan, mit Geduld und großer Liebe. Bahre auf Bahre kam hinter uns. Anderthalb Stunden trugen uns di« Sanitäter unentwegt durch das Feuer. Dann fetzten si« ab und machten eine Pause. Ich lieh mich von zwei Sanitätern auf einem Knüppel weitertragen und verbih die Schmerzen, die meine herunterhängenden Beine verursachten, um die Sanitäter nicht wieder mit der Tragbahre zu quälen. Das Feuer lieh allmählich nach, nur noch schwerstes Kaliber schlug in der Nähe ein. Nach einer weiteren Stunde kamen wir in ein Wäldchen. Da trugen si« mich in einen Unterstand tief unter der Erde. Hilfsbereite Hände und«in Arzt waren sogleich zur Stelle. Ich gab den Sanitätern, die alle ruhige, sachliche ältere Leute waren, nieinc Zigaretten, meinen Tabak und mein ganzes Geld. Sie gaben mir die Hand und verabschiedeten sich von mir. (Schluh folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Der Erfinder des Kinos. Der erst« kin«matographische Aufnahnreapparat wurde von dem im Jahre 18öS in Bristol(England) geborenen Photogrophen William Green erfunden und im Juni des Jahres 1889 für die ganze Welt patentiert. Edison brachte bekanntlich sein Kinostokop(das übrigens nach einem Gutachten des New-Dorker Gerichtes aus dem Jahre 1894 eine Verletzung des Grecnschen Patents darstellt) erst im Jahre 1892 heraus. Green, der im Jahre 1898 seinen ersten größeren Film in natürlichen Farben konstruierte, starb— nachdem «r seine sämtlich«» Patente für 2000 Pfund Sterling verkauft hatte— als armer, von Nahrungssorgen geplagter Mann. Ein Herzschlag machte seinem arbeitsreichen Leben auf dem ersten großen Kongreß der englischen Filmfabrikanten in dem Augenblick ein Ende. äls der Vorsitzende ihm das Wort«rteilt«. Erfinderschicksal. Vom Littboy zum Maler. In London wurde kürzlich«ine Ausstellung von Miniatur- gemälden des Malers Finn«y«röffner, der vor 35 Jahren als Junge in San Franziska Fahrstuhlführer war. Er ist heute«in Meister auf dem zurzeit wenig gepflegten Gebiet der Miniatur- malerei.„Mein Zeichentalent," erklärte er den Londoner Bericht- erstattern,„entdeckt« ich, als ich in das Bureau eines Architekten eingetreten war. Aber zur Kunst bin ich erst auf einem weit«n Umweg gekommen. 18 Monate fuhr ich als Matrose auf See, war dann in zwei Hotels in San Franziska Liftboy: ein« Zeitlang habe ich auch als Knecht a»f einer kalifornischen Farm gearbeitet Nach England zurückgekehrt, war ich in«inem Ledergeschäst beschäftigt. Ich benützte meine Freizeit, um in der Kunstschule zu studieren. Ich wählte zum Spezialgebiet die Miniaturmalerei, in der ich mich nach meiner Rückkehr nach New Bork als Gehilfe in«inem photo- graphischen Atelier weiter ausbildete. Das Schicksal kam mir dabei , Freitag, 26. April. Berlin. 16.00 Privntdozent Dr. Hübner:.Zum 100. Qeburlslaie Theodor BlllroUn". 16.30„Das Oastmahl des Domitian" von Hans Kyser. Bruchstücke, telesen vom Verfasser. 17 00 Lieder von Hans Heimann(Hilde Weyer, Sopran; FliUel: Der Komponist). AnschllcBend Teemusik Hotel Bristol. Kapell» lila Livscbakoll. AnschlieDend; Mitteilunzen des Arbeitsamtes Berlin Milte. 18.10 Dri E. Evcrllni:„Moderne Meßgeräte für den Nebelfing". 18.35 Dr. J. E. Porltiky:.Das Qelühl der Heimat". 19 00 Ministerialrat Reinshagen;. Die iberische Welt". 19.30 Oeorg Eugen Kitzlet:..Wanderungen durch die Baamblßte". I0D0 Dr. frlu Klein: Seipei, Benesch. Manie. ZOJO: Sendespiele:.„Mein Leopold" von Adolph L'Arronge. Regle: Allred Braun. KOnlgswaiterbansen. 16.00 Dr. Adolf Behne; Kind und lebendige Gegenwart. 16 30 Dr. Robert Wert er Schulte: Psychologische Arbeitsgemeinschaft. 18.00 Dr. Fritz Moses: Was kostet ein Prozeß? 18.30 Englisch für Anfänger. 18315 Prof. Dr. Hans Mersmann: Einführung In Sonate und Sinfonie. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Tierirrte. 22.45— 23.15 Biidfnnkvetsnche. zu Hilfe, indem ich Gelegenheit erhielt, die wundervolle Sammlung von Miniaturen des verstorbenen Pierpont Morgan zu kopieren, was für die Ausbildung meiner Technik von hohem Wert wurde." Samen, die ohne Wasser keimen. Die Keimung der Samen wird fast immer durch die Bewäste- rung des Bodens bedingt. Eine Ausnahme hat Malisch an der in Japan heimischen Pflanze Crinum asiaticum beobachtet. deren Samen ohne Wasterzufuhr sogar auf Glasplatten oder Hölzer- nen Tischplatten keimen. Auch sonst verhalten sich diese Samen anders als die der meisten anderen Pflanzen, da sie im hellen Lichte schnxller keimen als in der Dunkelheit. Da die Samen stark wasterhäl ig sind und ihren Wastergehatt nur langsam verdunsten, kann das Gewächs selbst auf dem trockensten Gestein und ohne Regenwasserzufuhr normal auskeimen. Eine Minute Sturm— SO 000 Dollar Schaden. In C h i k a g o hat ein plötzlich austretender Orkan, der nur eine Minute währte, die Südseite einer ganzen Straße beschädigt. Der Sturm, der sich nur auf diese eine Seit« oer 8ö. Straße be- schränkte und die Nordseite vollständig unberührt ließ, glich«in wenig dem sprichwörtlichen„Sturm im Wasserglas«", aber er deckte trotzdem die Dächer einiger Häuser ab, entwurzelte die Bäume, schleuderte die Ziegel aus die Straße und warf Kraftwagen um. Der Bereich, den er verheerte, umfaßte kaum 30 Meter, aber der Schaden belief sich doch im ganzen aus wenigstens 50 000 Dollar. Diamantentunde im Todestal. Es gibt auf der Erde mehrere„Todestäler", die ihren unheim- lichen Namen mit vollem Recht führen, so zum Beispiel eine Gegend im Inneren Javas, deren Boden reine Kohlensäure entströmt, die sich in engen Taleinschnitten manchmal so dicht ansamn�elt, dah jeder, der in die Nähe einer solchen Stelle gelangt, fast augenblicklich er- stickt:«in anderes im Südosten Kaliforniens liegendes Todeetal wird so genannt, weil es auf keiner Stelle der Erde so heiß und trocken ist wie dort. Nun findet sich auch im Inneren von Neu-Guinea eine Gegend, die von d«n Eingeborenen als„Todestal" bezeichnet wird, und zwar dechalb, weil dein vulkanischen Boden.durch weite Spalten stellenweise tödliche Kohlenoxydgase entströmen. An«tner solchen Gesahrstelle entdeckten nun kürzlich zwei aus einer For- schunpsreise begriffene Europäer«in neues Diamantenlager. Eine Gejellfchast von holländischen Ingenieuren will sich nach Neu.G"inca begeben, um nach den Diamantenlagern zu sucben. Um sich geaen die aueströmenden Gase zu schützen, wird die Expedition mit Gas- masken ausgerüstet werden. Sächsisches, Allzusächs'sches. Ich habb mir änne Hiazinde gegooft, was'ch forchtbar reizvoll find«. Mr weeßes doch nu nich genau, blieht die mal rot. weih oder blau. Daachdäächlich dutse bißchen wacksen. Se nimmt sich Zeit(se is aus Sachsen). Un wie'ch auch gugg« um se rum. de Farwe bleibt Midärtum. Nu«emal wärd d« Gnosbe gnalln. se dut mr schon noch dän Gefalln un zeicht mir ihre Gläpgchen frei— doch dann Is ähmd dr Reiz vorbei. L«n« Voigt. Sozialdemokratie am Werk Aus dem Jahresbericht des Bezirksvorstandes Berlin Der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei hat seinen Tätigkeitsbericht für das Kalenderjahr lö28 zum erstenmal, reich mit Bildern versehen, erscheinen lassen; er wird den Delegierten des Bezirksparteitages am kommenden Sonntag im ehe- maligen Herrenhaus vorliegen. Als bemerkenswertestes Ereignis fiel in die Berichtszeit die Reichs ta gswahl im Mai. In einer groß angelegten Wahl- agitation, die mit allen Mitteln moderner Werbetätigkeit arbeitete, wurden alle Kräfte der Partei beschäftigt. Allein an Flugblättern und Werbeschriften wurden über 2 Millionen verteilt, 60 000 große Blokate kamen zur Ausgabe, und zum ersten Male wurden in den Hauseingöngen Zettel angeklebt, aus denen das zuständige Wahl- lokal verzeichnet war. Der Erfolg der in glänzender Disziplin und mit aufopfernder Arbeitsfreudiakeit durchgeführten Wahlagitation bl-eb denn auch mcht aus: 816 l96 Stimmen, das sind 32,9 Proz. aller abgegebenen Stimmen, entfielen auf die Liste der Sozial- demokratie. das bedeutet einen' Gewinn von 118 915 Stimmen. Ee ist selbstverständlich, daß der Erfolg der Reichstagswohlen auch organisatorisch umgemünzt werden mußte. In einer Werbe- woche wurden 3393 neue M tglieder gewonnen, unter denen sich 834 Frauen befanden Auch bei dieser Werbearbeit, die nicht nur in großen Versammlungen, sondern in der Hauptsache bei der Haus- og'tation von Mund zu Mund aeleistet wurde, hat sich wieder die große werbende Kraft der sonalist'fchen Gedankengänae aezeigt Mit den Neuauigenommenen zählte am 31. Dezember 1928 die Pa-tei in Berlin 64 054 Mitglieder, das beißt, sie hatte sich aegenüber dem Borjabr um 10181»annebrt. Mit besonder-m Rachdruck muß bei der Nennung d'eler Mitgliederzahlen darauf b'ngewiesen werden, daß„Papie'-soldaten'' in ber So-ialdemokratischen Va'-tei nicht erillisren. Die Hebung, den MitaliederMtand nach der Anzahl der verknusten Marken, wobei für jedes Mitglied 11 Monatsbesträge anaesetzt werden, zu errechnen, hat sich noch immer als richtiger er- wiesen als die Rnennung phantastischer Zahlen, io wie man es bei * aegnerischsn Organisationen oft erlebt. Die Sozialdemokratische Partei kann es sich leisten, frei und offen für jedermann die Mit- gliederlisten auszulegen. Das gleiche gilt für die Kassengebarung der Partei. Mit einem Bestand von insgesamt 197 161 M. ging es in dos Ge- schästsjabr 1928. An Mitaliederber trägen aus den Abteilungen kamen 363 222,48 M. zur Ablieferung, sreiwillioe Zuwendungen kür den Wahlfonds gingen in Höhe von rund 38 000 M. ein. Aus diesen Houpteinnohmen bestritt der Bezirksverband seinen Etat. Auf 100 sozia'demokratische Wähler in Berlin entfallen rund 8 Barteimitalieder. Wenn auch dieser Prozentsatz durchaus noch mcht befriedigend ist, so kann er sich gegenüber den Zahlen der Gegner durchaus sebsn lasten. Im Laufe des Berichtsjahres rief die Sozialdemokratische Par- tei ihre Anhänger zu einer Anzahl großer Veranstaltungen und Demonstrationen, die durchweg glänzend besucht waren. Am dritten Todestag Fried- rich Eberls fand«ine vom Reichsbanner veranstaltete Kund- gebunq aus dem Gendarmenmarkt statt, an der sich auch die Partei- aenosten zahlreich beteiligten. Die 80. Wiederkehr der Berliner Märzrevolution von 1848 gab der Partei Gelegenheit zu einer Demonstration im Lustgarten, wo Reichstagsabgeordneier Graß- mann unter demselben Schloßbatkon. von dem seinerzeit Friedrich Wilhelm IV. die Märzgefallenen grüßen mußte, die Gedächtnisrede hielt. Die Maifeiern hatten deswegen eine besondere Bedeutung, weil sie mitken in den Reichstaaswohlkampf sielen und selbstver- ständpch zu einer ausaiebigen Wablvrovaganda benutzt wurden. Am Bornsittag demonstrierten die Mitalieder der freien Gewerk- schasten im Treptower Park, der Nachmittag und Abend verenrgten die Feiernden in Gärten und Sälen. In übler Erinnerung sind die Rüpeleien der Kommunisten,, die diese Feier der Arbesterklaste durch gemeine organisierte Beschimpfungen der sozialdemokratischen Ar- beiter entweihtey. Nach der Uebersicht über Parteiveranstaltungen, an denen die Masse der Mitgliedschaft und die Wähler betei'igt waren, wendet sich der Bericht der eigentlichen Parteiarbeit zu. In der Tätigkeit der Stadtverordnetensraksion treten zwei Gebiete besonders hervor: das Verkehrswesen und die Wohnungsnot. Beim Ausbau des großstädtischen Verkehrs, der in verwaltungstechnischer Hinsicht leinen Höhepunkt in der Vereinheitlichung von Hochbahn-, Straßenbahn- und Omni- busbetrieb brachte, wie auch im Kampf gegen die Wohnungsnot hat die Sozialdemokratie Leistungen aufzuweisen, die auch von den verbisiensten Gegnern der Partei nicht hinwegdiskutiert werden können. Daß sich die Berliner Verkehrsbetriebe nunmehr vollkom- men in den Händen der Stadtgemeinde befinden, ist ein großes Aksivum in der Politik der Stadtverordnetenfraktion. " Der Bau von Kleinwohnungen erfuhr durch die Stiidtoerordnetenfraktion jode erfolgversprechende Förderung. Leider verhindert der stets größer werdende Zuzug Wohnungsubender von außerhalb Immer noch ein« energische Bekämpfung der Wohnungs- not. Die Verhältnisse liegen so, daß jährlich mehr Wohnungsbe- rechsigte nack> Berlin ziehen als neue Wohnungen gebaut werden. Der am meisten beachtete Antrag der sozia'demokratischen Rathaus fraktion forderte einen über das ständige Bauprogramm hinausgehenden zusätzlichen Wohnungsbau von jährlich 7500 Kleinwohnungen. Keine Partei hat diesen Antrag abzulehnen für klug gehalten. Einschließlich eines von der Sozialdemokratie bereits früher angeregten Projekts, das den einmaligen Bau von 2080 Kleinwohnungen vorsah, ist also durch die Initiative der So- zialdemokratie ein wirklich Erfolg versprechender Ansang in der Bekämpfung der großen Wohnungsnot gemacht worden. In der Fürsorge für hilssbedürskige aller Arten haben sich die Vertreter der Part»i in den zentra'en wie in den bezrrklichen Verwaltungskörpers chasl--n mit Erfolg bemüht. Neben bedeutenden Barunterstützungen wurden Zuwendungen an Nah- rungsmitteln, Kleidungsstücken, besondere Winterbeihilsen, Lieferung von Kohlen mit unserer Hilfe beschlossen.„Die Not in Berlin ist so groß, daß noch mehr getan werden müßte.'" bemerkt der Bericht des kommunalen Sekretariats:„wenn aber nicht mehr erreicht wer- den konnte, so ist das nicht zuletzt auf das unqualistzierbare V e r- halten der Kommuni st en zurückzuführen, das die sozial- demokratische Stadtverordnetensraktion zwang, mit den bürgerlichen! Parteien der Mitte eine Mehrheit zu bilden." Nur ein Erzeugnis der kommunistischen Antragssabrik soll der Nachwelt erhalten bln- den: Die Kommunisten brachten bei der Elatsbrratung den Antrag ein, wonach der Magistrat ersucht wird, die Unterstützungssätze für alle Unterstützungsempfänger festzusetzen nach dem Ansangsgehalt der städtischen Besoldungsgruppe VII I?. Das ist die Geh-lisoruppe, in der sich unter.anderem die Amtsobergehilfen und die Maschi- nisten der städtisrben Verwaltung mit einem monatlichen Anfangs- aehalt von 195 M. befinden. Als man die Kommunisten daraus hinwies, daß die Auswirkung dieses einen Antrags eine unge- deckte Ausgabe von jährlich 136 Millionen bringen würde, erklärten sie see'enruhig:„Das wollen wir garnicht wissen, das ist nicht unsere Sache!" Damit war die kommunistische Kommunalpolitik in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet. Auf den großen Gebieten der Jugendfürsorge, des Gesundheiks- wesens und der Schule ist viel praktische Arbeit geleistet worden. Trotz aller Schwierigkeiten ist die kommunalpolitische Arbeit der Sozialdemokratischen Partei ein gutes Stück vorwärts gekommen. Sozialdemokratische Erfolge stehen bei den Kommunalwahlen Ende dieses Jahres zur Debatte, und es wind sich zeigen, daß die Berliner Bevölkerung diese Erfolge zu würdigen weiß. 3n der Betriebsagitalion hat sich die Werbeschrift„Der Kämpfer" nach wie vor als ein gutes Agitationsmittei erwiesen. Für die größeren Betriebe und Be- triebskonzerne sind von dem zuständigen Sekretariat des Bezirks- Verbandes besondere Betriebszeitungen herausgebracht worden, die den Bedürfnissen der betreffenden Fabriken mehr angepaßt sind. So erscheint die„Siemens-Wacht", der„AEG.-Sendcr", die„Rote „Osramfackel" und der„Loewe-Weckcr". Durch die Mitarbeit der in den betreffenden Betrieben beschäftigten Parteimitglieder wurde das Interesse der Belegschaft an den Zeitungen und damit an der Partei sehr gesteigert. Der Ausbau der Fraktionen in den Betrieben. Ge- werkschaften und Bezirksämtern hat weitere Fortschritte gemacht. Die Werksfrakttonen haben sich selbstverständlich zur Ausführung der Parteiarbeit restlos zur Verfügung gestellt und glänzende Erfolge erzielt. So konnte bei den Betriebsrätewahlen, bei der Reichstags- wohl und bei der Werbewoche die Agitoston für die Partei dort betrieben werden, wo sie am wirksamsten ist. nämlich am Arbeits- platz des Werktätigen. In der Beamtenbewegung find die Erfolge hesorebers darauf zurückzuführen, daß die parteigenössischen Beamten die Differenzen auf gewerkschaftlichem Gebiete auf ein er- trägliches Maß gebracht haben. Trotzdem darf offen zugegeben werden, daß erst verhältnismäßig wenig Beamte den Anschluß an die Partei gefunden haben. Die Hunderttausende, die berests Wäh- ler für uns sind, scheuen noch immer den letzten Schritt in die Or- ganifation. Was das Bildungswesen der Partei anbetrifft, so darf gesagt werden, daß die Bildungsarbeit immer mehr ein von der politischen Arbeit untrennbarer Bestandteil der Organisationsarbeit wird. Es hat sich gezeigt, daß Kurse und Vortragsreihen in einzelnen Kreisen nicht peuügen, daß es vielmehr notwendig ist, eine Zentralschule zu schaffen, in der die sortgeschrittenen Hörer sich die notwendigen Kenntnisse aneignen können. In dieser Richsting entwickelt sich jetzt auch die Tät'gksit der Ber'iner Arbelterbildungeschule. In einem siebentägigen Ferienkursus in Oberkietzmühle bei Frsienwalde a. d. O. wurde vor etwa 30 Hörern, unter denen sich sechs Frauen befanden, die Theorie und die Praxis des Kassenkampfes bshandell. Der Kursus hat allen Beteiligten viel gegeben, er hat allerdings auch gezeigt, daß für solche Kurse die materiellen Vorbedingungen nur bei wenigen Teil- nehmern gegeben sind. Der Bericht über das B ldungswesen be- tont, daß die Schulungsarbeit nicht ein Ding an sich ist. das fernab von der allgemeinen Tätigkeit der Partei und ihrer Nebenorgani- sationen getrieben wird.>' Das Bildungssekretariat hat sich den Ausbau des F i l m v e r- l e i h w e f e n s sehr angelegen sein lassen. 20 Filme standen zur Verfügung, sie wurden für 98 Veranstaltungen vermittelt, denen sich noch sechs Lichtbildabende anschlössen. Im staatlichen Schiller- Theater wurden in der Organisation des Sekretariats vier Theater- stücke aufgesührt; für 22 Vorstellungen der Städtischen Oper ver- msttelte man Karten zu ermäßigten Preisen. Die sozialistische Arbeiterjugend, die ein Bestandteil der Partei ist, hat sich im Berichtsjahre gut ent- wickelt. Unter den 3195 Mitgliedern waren 1097 weiblichen Ge- schlechts. In einer großen Zahl von Veranstaltungen, die entweder der Unterhaltung und der Geselligkeit oder ernsten Vorträgen tien- ten, aus Wanderungen und auf Außenspielen, daneben in Mitglie- der- und Funktionärversammlungen hat sich das Organisation leben der zukünftigen Parteigenossen abgewickelt. Zu den gcwerkschajt- lichen Iugendgruppen sowie zu den bundestreuen jugendlichen Ar- beitersportlern steht die SAI. in freundschastichem Verhältnis. Daß die Frauenbewegung In der Partei ein« große Rolle spielt, beweist der Bericht des Frauensekretariats. Die Zahl der weiblichen M tglieder erhöhte sich im letzten Jahre um 23 Proz., und zwar von 10 870 auf 13 348. Der in jedem Jahre stattfindende internationale Frauentag stand im vergangenen Jahre im Zeichen der Wahlagitation. In drei riesigen Kundgebungen, denen Umzüge der Frauen vorausgingen, wurden nicht nur Mit- glieder für die Partei geworben, sondern auch Wählennne» für unsere Listen. In fast allen Frauenversammlungen wurden Filme vorgeführt, die zentralen Frauenfeierstunden fanden starken An- klang. Ein Werbeabend für die Zeitschrift„Frauenwelt" und selbst die„Ag-'tation auf dem Wasier", die alljähr ichc Dampferfahrt, hatten große agitatorische Erfolge. Das zehnjährige Bestehen des Frauenwahlrechts wurde durch eine imposante öffentliche Frauen- Versammlung in der„Neuen West" gewürdigt. In einer Kritik über die Entwicklung der„A r b e i t e r w o h l- fahrt" wird im Jahresbericht gesagt, daß die Mitarbeit an der Erfüllung alter und neuer Aufgaben lehrt, daß das Kapitel„Ver- waltunpsreform" auch für die Wohlfahrtspflege sehr wicht'g sei. Im Zusammenarbeiten mit den amtlichen Stellen ergeben sich oft genug Schwierigkeiten, meist in Form von Kcmpetenzstreitigkeiten, so daß die Wohifahrt-vflege schließlich dazu übergegangen ist, nach den Richtlinien des Reichsarbeitsministeriums Arbeitsgemeinschas- ten zu bilden. Einen besonders großen Raum nimmt in dem Be- richt die Tätigkeit der Arbeiterwohlfahrt auf dem Gebiete der so- zialen Gerichtshilfe in Anspruch. Der Ausbildung und der Fort- bildung der Arbeiterwohlfahrtshelfer dienten Kurse, Vortragsabende und Helferbesprechungen. Der Arbeit der Iungso?ialisten, der Vereinigung soziotdemo- kratischer Studierender, des KartellverbanÄes für Arbeitersport und Körperpflege, der Genossenschaftsbeweguna, der Presiekommisfion des „Vorwärts" sind besondere Kapitel im Jahresbericht gewidmet. Dfa in der Mieterbewegunq tätigen Parteigenossen wurden in einer Anzahl gut besuchter Zusammenkünfte über die laufenden Fragen des Mieterschutzes informiert.— In der Bekämpfung der„christlich- unpolitischen" Listen bei den E l t e r n b e i r a t s w a h l c n hat die Clternbeiratsbewegung namhafte Erfolge nicht erAden können: ge- klaat wird befanders über einen mangelhaften Nachrichtendieirst zwischen den einzelnen Elternbeiräten und der Zentrale. Dagegen war die Tätigkeit in den freien Schulgemelnden sehr lebhaft. Weltliche Schulen waren am 1. November 1928 49 vorhanden, außer- dem e'ne Fi'iale Sie hotten zusammen 628 Klasien, 10 527 Knaben und 9593 Mädchen wurden darin unterrichtet. Im Berichtsjahre sind 7 neue weltliche Schulen eingerichtet worden. Die Arbeitsae- meinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen kann von einem erfreulichen Arbeitserfolg berichten. Fast 1000 von den 16 000 Berliner Lehrern und Lehrerinnen sind Mitglieder der Sozialder-o- kratischen Partei. Der Bericht hebt besonders hervor, daß die Ge- winnung der Lehrpersonen für die Sozialdemokrat'e deshalb so bedeutungsvoll ist, weil jeder für uns gewonnene Lebrer die AWo- lichkeit schafft, zahlreiche Schüler einseitiger kapitalistischer Beein- slussung zu entziehen. Die Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde hat in 55 Gruppen 2704 Kinder erfaßt. Für die umfangreiche Arbeit stehen 245 chelfer zur Verfügung. Für die Helferschulung wurden Kurse eingerichtet. Berliner Verkehrsfragen. Die Mitglieder des 20. Kreises veranstalteten in Wittenau' ein« stark besuchte Versammlung, in der Stadtrat Genosse Reuter über „Verkehrssragen" sprach. Der Vortrag entkielt im wesent« lichen das gleich«, wo? wir am Dienstag früh ausführlich berichteten. Wichtig war. daß Hand in Hand mit dem Ausbau der Untergrund- bahnlinien die Ausschließung der Stadt nach den Gesichtspunkten weitsichtiger Stadtbebauung erfolgen müßte, wie es bereits bei der Umgestaltung des Alexanderplatzes und des Hermännplatzes in Neukölln geschieht. Auch die bisher vernachlässigten weiter draußen liegenden Vororte wie W i t t e n a u, T e ge l n. a. erhalten in Kürze neue Omnibuslinien und Straßenbahnen. So soll eine Ver- bindung zwischen Tegel und Iungsernheide ge- schassen werden, ebenso«ine solche zwischen Spandau und Tegel. In drei bis vier Iahren hoffe man durchgesetzt zu haben. daß selbst der entfernteste Punkt Groß-Berlins nicht ohne Verkehr mehr ist. Die Ausführungen des Genossen Reuter fanden den ein- stimmigen Beifall der Versammlung. Frülijabis-Mäntel Gcsdimackvolle Neuheiten Modemer blaugraucr Cheviot Dunkelblauer Gabardine in mit leichtem Karo, zweireihige A�7 guter imprägnierter Qualität, OQ Ulsterform 1/»*" Schlüpfer mit Ringsgurt-.. O S Hellmodefarbiger Gabardine Blaugrauer und modefarbiger imprägniert, Ulsterform mit /IQ Gabardine, clcg. Abfütterung, Q"7 Gurt- Sdilüpferform mit Ringsgurt S/•" RcinwollcncrCheviot, blaugrau Modefarbiger u. blaugraucr mit modernem Karo, Ulster- Cheviot, füllige zweireihige"l � form/ Ulsterform~~~ �- XW LI»"" Durch eigene Herstellung höchste Qualität bei größter Preiswürdigkeit Hnnewevor � Das Haus das Jeden anzieht? BERLIN C KÖLLNISCHER FISCHMARKT Ufior/änc/c/ruel 20 Jahre ASB. Rückblick auf die Arbcifersamariier- Bewegung. Der Arbeiter-Samariterbund hat sich in den 2» Jahren seines Bestehens zu einer starken Organisation entwickelt, die aus vielen Gebieten segensreich wirkt. Aus dem Gründungskongreh 1903 in Magdeburg waren sechs Kolonnen vertreten, die 700 Mitglieder»m- saßten. Bei Kriegsausbruch 1914 zählte der ASB. 108 Kolonnen mit 5500 Mitgliedern. Nach Kriegsend« waren nur noch 10 Ka> lannen mit 979 Mitgliedern da. Sie bildeten die Grundloge sür ein neues erfolgreiches Aufblühen des Bundes. 4 5 000 aktive Mitglieder in 1250 Kolonne» verkörpern sehr den Arbeiler-Samariter-Bund. Passive Mitglieder werden nicht geführt. In Chemnitz am Sitz der Bundesleitung befindet sich ein eigenes Bundeshaus uird in cherchen a. i>. Sieg verfügt der ASB. über ein Erholungsheim. Ende März fand in Chemnitz ein fünftägiger Lehrgang für die Kreistech niker statt, der internationalen Charakter halte. Auster den 20 Technikern nahmen noch Techniker aus Danzig. Aussig, Wien und eine technische Leiterin aus Prag teil. Neben den eigentliche» Samariteraufgaben, technischer und geschäftlicher Natur, beschäftigt« man sich mit der törperbildenden Gymnastik, der Sportmassage, der Gewerbehygiene, Unfallverhütung und Sozial- Versicherung. Den Abschluß bildete eine Wanderung in die Chemnitzer Umgebung mit praktischen Versuchen. Die Teilnehmer äußerten höchste Befriedigung über das Gelehrte. Insbesondere waren die ausländischen Teilnehmer erfreut, Unterlagen für ihre praktische Arbeit in ihren Ländern gewonnen zu hoben. Bedauert wurde,- daß die finanzielle Lag« es nicht gestattet, mehr Lehrgänge ui»d von längerer Dauer abzuhalten.'Anschließend an den Lehrgang tagten die Teilnehmer unter Anwesenheit je eines Vertreters der Arbeitet- Athleten- und de» Arbeiter-Radfahrerbundes„Solidarität" und nahmen zu den technischen Fragen im Arbeiter-Samarilerburrd Stellung, so daß dem Bundestag die endgültige Beschlußfassung über die technischen Fragen leicht gemacht sein dürfte. Der Arbeiter-Samarjterbund sollte im Interesse des Volks- wohles mehr als bisher die Anerkennung durch Behörden finden. Vortrag- und kümabend für Freikorperkullur. Wegen Ueberfüllung wurde am 6. April die Beranstaltung der Frcikörperkultursparte der F. T. G. B. polizeilich ge- schlössen. Um den vielen Anfragen gerecht zu werden, wiederholt die F.T.G.B. diesen Abend am 2 7. April im Städtischen Lichtspiel- Haus, Neukölln, Bergftr 147. Eintrittskarten find zu haben in der F.T.G.B.-Geschä�tsftelle, NO. 18, Lichtenberger Straße 3. im Reform- Haus am Schlcfischen Bahnhof, Madaistraße 11; in de» Resorm- häusern„Zur Gesundheit". NW 87, Turnistrahe 74; R 54, Nene Schönhauser Straße 9; Steglitz, Schadenrute 1; Pankow, Grunow- straße21i Köpemck, Bahnhosstraße l; Spandau, Charlottenstraße 29, Ecke Lindenuser, und in der Iugendbücherstube Adolf Günther, Charlottenburg, Leibnizstrahe, Ecke Bismarck st raste: Reformhaue Bolksgefiindheit, Neukölln, Flughafenstraße 18, sowie bei den Funktionären der Sparte. Ai-deiter-kirädaH in Lichtenberg. Am Sonntag findet auf dem Platz in der Kynaststraße in Li�tcnberg das Spiel F. T. G. B.- Lichtenberg I gegen G e r m a n i a- P a n k o w statt. Lichtenberg I wird alles ver- suchen, um die„Niederlage im Schnee" des vergangene» Winters wieder gutzumachen. Es geht hier nicht um Punkte, aber beide Bereine werden zeigen, daß es ihnen ein« schöne Aufgab« ist. sür die Interessen de- Arbeitersuhballsports in den Reihen des Arbeiter. Turn- und Sportbundes zu wirken und zu werben. Die Sportfreunde spllten den bürgerlichen und den jetzt direkt unter dem Sowjetstern ausgetragenen Sport meiden und die Vereine des Arbsiter-Turn- und Sportbundes besuchen. Lichtenberg I trainiert jeden Dienstag ab l8hi und Sonnabeds ob 18 Uhr in der Kynast- straße; jeden Freitag, 20 Uhr, findet die Sitzung im Lokal von Sivcrt, Lichtenberg. Kant- Ecke Schillerstraße, statt. Neue Mit- gliedcr sind herzlich willkommen. Neues auf der Hütt-Arena. Ausrufer-Weltbcwerb— die eiligen Leute 1 Zum viertenmal will Rütt seinen originellen Ausrufer- Wettbewerb am 5. Mai, nachmittags 3)4 Uhr, veranstalten. Wie früher werden alle auf öfsentlichcn Straßen oder Plätzen stehenden»der wandernden Verkäufer von Zeitungen, Obst. Gemüse, Fischen, Schokolade. Blmnenerde. Lumpenhändler, Hausierer ein- geladen, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Berliner Humor und Schnoddrigkeit sollen die Besucher erheitern Am gleichen Tage fiichet außerdem«ine interesiant« Nach- richten-Uebermittlung zur Rütt-Areya statt. Von einem noch festzusetzenden Punkt In Groß-Berlin aus, genau 4 Kilometer von der Bahn entfernt, sollen aus allen möglichen Forlbewegungs- arten schriftliche Meldungen zur Rütt-Arena gelangen. Es soll so sestgestellt werden, wie lange der Ueberbringer einer Nachricht braucht, um diese aus kürzestem Wege unter Berücksichtigung oller Polizeioorschrifte» zur Rütt-Arena zu bringen. 1. Abteilung: Boten nur mit Hilfe ihrer Beine: 1. ein gehender Bote; 2. ein Wetlgeher; 3. ein Läufer: 4.«ine Stafette. 2. Abteilung: Boten mit Hilfe von vierbeinigen Ge- fährten: 1. Reiter: 2. Pserdedroschke: 3. Ziegendocksuhrwork und eventuell weitere originelle Gespanne. 3. Abteilung: Boten mit technischen Hilfsmitteln ohne Motor: 1. Stelzen: 2. Rhönrad: 3. Rollschuh: 4. Transport-Drei- rad: 5. Radfahrer: 6. Radrennsahrer.' 4. Abteilung: Boten mit motorisch betriebenen Fuhr- werken: 1. Molarrad: 2. Kraftwagen. 5. Abteilung: Bolen mit behördlichem Befärderungs» mittel: 1. Brief: 2. Rohrpost: 3. Eilbrief: 4. Telegramm: 5. Dienst- mann: 0. Straßenbahn: 7. Autobus: 8. Untergrundbahn. Bei letzteren dreien Umsteige» gestattet. Jeder Ankömmling wird am Ankunftsort, dem Innenraum der Rütt-Arena mit einem Tusch empfangen und die von ihm über- brachte Nachricht registriert. FIGv. In Reinickendorf- Oft! Am Montag, 29. April, 20 Uhr. findet im Lokal„Treffpunkt", Residenzstraße Ecke Schönholzer Weg, die Gründung einer Turn- und Sportabieilung im Sinne des Ar- beiter-Turn- und Sportdundes statt. Die älteren Genossinnen und Genosien sind besonders eingeladen, da der Referent des Abends auch das Turnen der„älteren Jugend" behandeln wird Darum wird jung und alt recht zahireich erwartet. Anfahri der Rlotorbootabteilung de» Deutschen Aulo-CIubs. Di« Motorbootabteilung des DAC., die sich eines ständigen Zu. wachses an Mitgliedern und Booten erfreuen kann, hält ihre dies- jährig« Anfahrt am 28. April nach Rauchfangswerder ab. Die Wagenqbteilung beteiligt sich. Treffen der Wagen 11 Uhr Berliner Schloß, Nordfeit«. Gäste sind eingeladen, sich an der Anfahrt zu beteiligen. Nähere Mitteilungen bei der Reichsgefchäftsstell« des DAC..' Neue Winterfcldtflr. 20(Barbarossa 8937). �jnöJooJJU Spie e am 28. April. Im 1. Bezirk stehen sich in den Serienspielen Erkner und F.T.G.B-Osten 1. Männer in Erkner gegenüber. Osten nimmt die Punkte mit nach Hause, die 2. Männer werden aber die Punkte Füistenwalde 1 überlassen müssen, die um 15 Uhr in Hohenschön- Hausen, Sommerstraße, spiele». Eiche-Köpenick spielt um 16 Uhr in Köpenick. Marienstraße, gegen Wildau. Wer hier die Punkte er- ringen wird, ist noch ungewiß. Kaulsdorf hat um 10 Uhr in Kauls- dots. Köpenicker Chaussee, F.T.G.B.-Oberspree als Gegner und wird wohl auch der Sieger.sein. Im 2. Bezirk spielen nur Betten 1. Männer gegen-F.T.G.B.- Norden 1 und die 2. Männer gegen Moabit I in Betten. Den Sieg holen sich nur die 1 Männer. Im 3. Bezirk empfängt F.T.G.B.- Wedding in Reinickendors, Scharnweberstraße, die 3. Männer von Rathenow I um 15 Uhr und die 1. Männer um 10 Uhr Branden- bürg 1. Abtlg Auch hier sollte die I. Männermannschaft Sieger sein. Bornstedt spielt gegen Nowawes in Bornstedt und Brandenburg 2. Abttg. gegen Potsdam in Brandenburg. Im 4. Bezirk spielt Schönebcrg gegen F.T.G.B.-Friedenau um 11 Ubr in Schöneberg, Dominikuxplatz, und wird Friedenau ohne Punkte nach Hause schicken. Das Treisen Luckenwald« gegen F. T.G.B.-Neukölln wird als Werbespiel in Trebbin ausgetragen. An Gesellschaftsspielen finden statt: Auf dem Exer- zierplatz, Schönhauser Allee spielen F.T.K.B.-Nordring Männer gegen Klausdorf um 14 Uhr die Frauen gegen F.T.G.B.-Pankow um 15 Uhr. F.T.G.B.-Nordost-Frauen gegen Berlin 12 um 15% Uhr, die gleichen Männer um lOVb Uhr und F.T.G.B.-Norden- Frauen gegen Tegel um 10 Uhr. Ferner Drewitz gegen Tegel in Drewitz, Hennigsdorf 1. Männer und Frauen gegen F.T.G.B.- Wedding 2. Männer und Frauen in Hennigsdorf, Friedrichsthal gegen F.T.G.B.-Norden 3 in Friedrichsthal. Ein volkslanzfesl. Die Neuköllner Volkstanzschor, die der Ar- beitogemeinschaft proletarischer Volkstanzkreise angeschlossen ist, ver- anslaltet heut«, Freitag abend 20 Uhr, im„Orpheum", Hafen- Heide 32/38, ein Volkstanzsest. Jeder ist willkommen, das Programm ist lo reichhaltig, daß auch Zuschauer voll auf ihre Kosten kommen: «. o. rezitiert Puggi Muck. Der Eintritt l»eträgt 1 M. Aicier ltörpkrtullurttki» t>r«iizb«rg. Gonulofl, 28. April. SelSndifahrt noch äRokin. Trcffpuntl für Mitglicdrr unter 30 bahren 6Vi Uhr. über 30 Jahr» 8-% Uhr«Lrlitzrr«ahnhos. Mo Uag. R. AprU. Badrnabend. Bärwalbstr-v«. Donnerstag. 2. Mai, lS?» Uhr. Vortrag:.Christus unh Buddha", Jugendheim Wafferlorftr. 9. «rbeiree-Sladlahrer- und Araltsahreebund.Solidarität", ivan 0. Bezirk 1« 2. 21. Freitag, 26. April. 20 Uhr. wcwertschaslshau». Generalversammlung. Zutritt nur gegen Porze:gung des Mitgliedsbuchrs mit persönlich unterschrie« dencin Revers. Tonrcn sür Svantig. t. Abt.: 6 Uhr Fahrländcrse«. lZ Uhr Sokrow Start:«llsowstr.».- 2. Abt.:« Uhr Slwdower Alpen. IZ Uhr Wanntee, Reichsadler. Slaet: Diesfcndachstr. 36.— S. Adt: 8 und 12 Uhr Briese. Lolat am See. Start: Slolpische Str. 36l Stg. 5, 7, 9 U. Stg. 3 U. J.• V Hindenburgdamm S8a Der Zigeunerprimas Abschieds walz er (Chopins let/te Liebe) Dfihnenscban Film-Palast Kammersäle TeitoA-er Str. l-e Beginn v U. Ein kleiner Vorschah aal die Seligkeit Oer Zigeunerprimas *■ Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 9 Öl, Stg. ab tJO l. Das Liebesleben d. schönen Helena mit Maria Corda Mein Herz Ist eine Jazzhand mit Lya Mara SOdosten Filmeck B,glnn w unJ Skaütxer Straße, am Qürlitzer Bahnhof Gescfaminkle Jugend mUToni ▼. Eyck u. Wollgang ZiUer Gute Dfibnensdhau Urania-Theater Wrangelstr. 11, Kdpenicker Brücke Wach. 645, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7,» Lütr Die grobe Abenteuerin mit Ul Damila Hallo aieyjeaael mit Min 3 Biihnen-Attraktlonen Primus-Palast Uerntannplaa Die Mltteniaddsiaa« mit Harry Niel und Betty Blrd Auf der Bühne: Gastspiel W. Bendow, C Elzer, HUde Ancn in dem tollen Sp ei: Die Theater, chnlc Marlhwddrf W S4t, I{ Marlcndorter ria-Lzl Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Die eiserne Maske mit O. Fairbanks Bühnenschan Jugendliche haben Zutritt W Hordo»7«n~jy� „Elysium* Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Die eiserne Maske m. O. Fairbanks Bühne Herzkrank mit B&bnenschaa a WnlOeninn" Schloßpark FUm»Bahne Berliner Azlee 205— 210 Der Held aller MSdchentrinme mit Lledtkc Rivalen In Alaska Luna-Filmpalast Gr- Frankfurter Str. 121 Der Held aller Madchchtrlnae Gusfl Beer-Herae: Lieble Berliner Oroge Bühnenschan Concordia-Palast Andreasstraße 64 Die eiserne Maske mit D. Fairbonln Beiprogramm Bühnenschan Ostan Germania-Palast Frankluiter Allee 314 Wochtgs. ab 6, Sonntags ab 3 Uhr Die eiserne Maske mit Douglas Fairbanks Das gute Beiprogramm und die ansgewSbUe BOhnenscbsa Jugendliche haben Zutritt Fortuna-Tageskino Müllersiraße 12c Beg. 10 U» torm. Die Orenxbaudtfen Ul Eddie Polo schuldig? Athleten mit Asta Nielsen Metro-Palast Chausseestraßc 30 Der rote Kreis mit Lya Mara Ein kleiner Vorschub aal die Seligkeit Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg. Lückstraße 70 Frlalein Else m. Elisabeth Bergner D-eiprogrsmm Bühnenschan Kino Busch tTZX" Alt-Friedrichsfelde 3 Wlngsl Der croße Fliegerfilm mit Klang- und QcrSnsdirnekten Lastiges Beiprogramm Bühnenschan U NladnrschSngwnlcIn> Elysium(Film�Pslasl) Hasselwerderstraße 17 Verlin lert: FrSnlcln Else m. Elisabeth Bergner Pal und Palachoa als Müller Bühne; Lachen Ist Trumpf Gute Norden Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Die eiserne Maske mit Douglas Fairbaaks Jnwelcnmardcr Ifikmeaschan Alhambra Müllersiraße, Ecke Sceslraße Die ungekrönte Königin(Lady , Hamilton) mit C. Gritfltb Bühnenschan Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich ab 5 Uhr Stg. 3 U. Juecndv. Der Zigeunerprimas m. E. Polo Aal der Keeperbahn nachts Pharus-Lichtspiclc Müllerstraße 142 Stragenbekannlschallea Eisbrecher Kr assin iReiig. Mobiles Rialto" Film u. Bühne Rcinickendortet Str 14(am Wedding) Wo die Alpenrosen blühn Die Verschwörer mit Vllma Banky > GRSunabrunnRn »Alhambra" Badstraßc 58 Der Held al'er MSdchcntrSnme mit H. Liedlke Beiprogramm »ühnrnschan Ballschmiedcr- Udifsp. Badstraße 16 Nachiwcll mit Anna May-Wong Wem gehüri meine FranT mit Kamp Bühnenschan Humboldt-Theater Badstraße 19 2 gr. Schlagers Vcrlcfaler des Todes m. H, Piel Indizienbeweis Bühnenschan Kristall-Palast Prinzenallee I— h Der rote Kreis mit Lj« Maro Beiprogramm Gro�e Ballett-Revue Maricnbad-Palast Badstraße 35— 36 Sturm über Asien Beiprogramm Bühnenschan Palast-Theater Breite Straße 21 a FrSnlcln Else m. Elisabeth BcrgncP und A. Steinrflck t Grobes Beiprogramm_ Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Die Mltlcmachtstaxc m. H. Plel Bü nc: Tcubcrs Marionetten-Theater Bühnenschau W WleriTtcHchwHAWgwJ Film-Palast Blanket�urger Straße 4 Asphalt mit Gnslar Frübllch Der Herzenspbolograph mit H. Liedlke g rcinicKewdörf-Ost U Bürgcrgarten-Lichtsp, Hauptstraße 51 Aul der Reenerbabn nachts um: I mit E. Polo Was eine Fran im Frühling trgnmt Bühne: Anna Mttiler-Unke.persj