Morgenausgabe Ar. 196 A 99 46.Iahrgang «ichwwch SZPs. SMn. im voraus zahlbar. Posldezug i32 VL »inschlletlich e0Pig.Pl>stzeiwns»- unb 72 95fa- Postdest-llzedühnn. Ausland«» otomumeiu 6.— M. ftt Monat. Prr.Sonoirls*«Ich-Int wochentig» l'ch zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaden für Berlm »nd im Handel mit dem Titel ,D'e Abend". Jllustnen« Beilagen.Boll und Zeit" und�Kindeofreund". Ferner .Unterhaltung und Willen"..Frauen. stimme"..Technik"..DU» in die Bücherwelt" und.Jugend-Dorwärts" Berliner Volksblatt Sonnabend 27. April 7929 Groß-Verlin 1V Vf. Auswärts i5 pf. Die ttnlpattlfle Nonpareillezeg« w> Pfennig. Reklame-eil» 8.— Riich»» mort„Kleine Än», eigen' das eUge, druckte Wart 25 Pfennig lzulässtg �wel fettgednlcrre Worlei. jedes weitere Wart 12 Pfennig. SteUenzefuche das enie Wort IS Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben »Zhlen für zmei Worte. N�veitsmarft �eile 6v Pfennig. Familienanzeigen für klbonnenten Zeile 4V Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschäft Linde't» stratze 3. wochentagl. von ü'/, bi» 17 Uhe. Zentvalovsa« de« GoziaSdemsSvaMwen Vaetei Detttfchtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstroge 3 Fernspiecher: Tönboll ZS-2— 2S? Telegramm-Sdi.: Sozialdemokrat Berit» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Vostsckeckkonto: Berlin 87 886.— Bankkonto: Bank der Lrbettcr, flngeftelJttn vnd Beamten Wallflr. SS. TtSkoritv-Geielllchafl. Derosttenkas!« Lindenlrr I Kampf der Sozialreaktion! Wissells pwgrammrede/ Die sozialen Rechte müssen geschützt werden! Mag man über Koalitionspolitik denken wie man will— «inen Mann wie Rudolf Wiffell in fo kritischen Zeiten an der Spitze des Reichsarbeitsministeriums zu sehen, ist er- freulich. Von rechts her tobt der Sturm gegen die Sozial- persicherung und Sozialpolitik. Panikmacher, die die Ungunst der Wirtschaftslage, den schlechten Stand der Reichsfinanzen, hie von Paris her drohende Reparationskrise zu ihren dunt- len Zwecken ausnützen wollen, versuchen eine Stimmung zu erzeugen, die Angst und Unsicherheit auch in die Reihen der Gegner hineinträgt und ihre Stellung sturmreif macht. In dem Verteidigungskämpf. den es zu führen gilt, ist keiner so zum Führer berufen, wie der Peichsarbeitsminister— wenn c.r d e r Mann dazu ist. Wissell hat. mit seiner, gestrigen großen Reichstagsrede denen, die es noch nicht wußten, gezeigt. daß er es ist. Der gegenwärtige Reichsarbeitsminister hat«s schmerer als sein Vorgänger Dr. Brauns, der nach ihm das Wort nahm, um ihm fein Vertrauen auszusprechen und seine Aus- führungen in manchen Punkten wirksam zu ergän,zen. Denn Dr. Brauns Hatto in der letzten Zeit seiner Amtstätigkeit den Vorteil einer günstigeren Konjunktur und einer besseren Finanz- läge für sich, und durch die Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung waren die soziylreaktionären Energien dieser Partei bis zu einem gewissen Grad in Schach gehalten. Jetzt regiert bei der Rechtsopposition Herr Hugenberg. der sich offen zur Vernichtung der Sozialversicherung bekennt imd damit gleichgerichtete Strömungen bei den Arbeitgebern' in anderen Lagern auslöst, während er freilich auch im eige- neu mit nicht unerheblichen Gegenströmungen zu kämoreu hat. So ist es dort gewiß verstanden worden, wenn Wiffell auf diese Vorgänge in der Deutschnationalen Partei andeutungs- weise hinwies. Wer unserem Snstenr der Sozialpolitik über die gegenwärtigen schweren Zeiten hinwegbilft, der treibt damit Politik auf lange Sicht. Er erwirbt sich auch den Dank und die Sympathie jener Arbeitnehmer- schichten, die heute noch auf der anderen Seite stehen. Herr Brauns hat in seiner sonst so klugen und geschickten Rede gegen den Beschluß der sozialdemokratischen Reicbstags- fraktion gewisse Bedenken erboben. die nach unserer Ueber- z«ugung unbegründet sind. Er sieht in ihm so etwas wie eine vorschnelle Festlegung und meint, man sott? doch erst das Ergebnis der angestellten Untersuchung über das Funktionieren der Arbeitslosenversicberung abwarten. Diese Untersucbun z kann aber doch nur feststellen, was im einzelnen an Miß- brauchen vorhanden ist— daß diese Mißbrauche bei weitem nicht ausreichen, um d-m anormalen Zuschußbedarf diese-. Jahre? zu erklären, weiß doch Herr Brauns ebenso gut wie wir. Er selbst hat ausgesprochen, daß dieser Bedarf nicht aus der Arbeitslosenversicherung entstanden ist, sondern aus der katastrophalen Lage des Arbeitsmorttes infolge des über- langen Frost winters. So darf man nach der Red.> des Herrn Dr. Brauns die Hoffnung Keqen, daß die Sozial- demokratie bei ihrer Arbeit zur Festigung der Ar- beitslosenversicherung die Hilfe des Zentrums finden wird. Leider kann man von der D o l t s p a r t e i nach der Rede des Herrn Moldenhauer nicht das gleiche behauv- ten. Herr Moldenhouer lehnt eine Beitragserhöhung ab: für eine Deckung des Fehlbedarfs aus allgemeinen Mitteln ist seine Partei erst recht nicht zu haben, so daß als letzte Konse- quenz nur der Abbau der L e i st u n g e n übrig bliebe. Herr Moldenhauer war zu vorsichtig, diese Konsequenz offen auszusprechen. Will seine Partei sie nicht ziehen, so wird sie sich zu einer Aenderung ihrer Haltung entschließen müssen. Eine temperamentvolle und gewandte Unterstützung fand der Arbeitsminister bei dem Sprecher der sozialdemokratischen Reicbstagsfraktion A u f h ä u s e r, der die sozusagen«wissen- schaftlichen" Argumente der Sozialreaktion von Grund auf zerstörte. Den kommunistischen Redner R a e d el konnte man nur bedauern, da er nach anbefohlenen Richt- linien im ganzen Reichstag rechts von seiner eigenen Partei nur eine reaktionäre Masse sehen darf. Also sind auch Wissell und Aufhäuier nichts anderes als. Knechte der Trust- bourgeoisie",-und der jedem sichtbare Klassenkampf, der zwischen den Vertretern der Arbeiter und jener der Unter- nehme.r aussefochten wird, ist nur„ein Spiel mit verteilten Rollen''. Hauptsache ist nicbt der Kampf um die Sozialpolitik. sondern der Kampf gegen die Sozialdemokratie. Armer Tropf. der das sagt, arme Tröpfe, die ihm glauben! Es läge nahe, den Kommunisten Raedel an den Stand der Arbeitslosenfürsorge in Rußland zu erinnern. Wir Möchten jedoch in diesem Augenblick dieses Thema nicht oer- tiefen, weil sonst die Unternehmer auf den Gedanken kommen könnten, eine Reform nach russischem Muster vorzu- schlagen. Dafür würden sich aber die deutschen Arbeiter be.- danken! »«» Der Reichstag nahm am Freitag den Gesetzentwurf auf Er- Weiterung dcr Anleiheermächtigung in der dritten Lesung an. In der darauf sarigesetzten Beratung des Etats des Reichs- arbeitsministeriulns spricht zunächst Reichsarbeitsminister Wissest: Sozialpolitik ist nicht Beiwerk/ sondern ein wesentlicher Teil der Probuktionspolitik. Manche Gebiete der Sozialpolitik bedüricu dringend des Ausbaus. Richt sparen statt Versicherung. sondern durch Versicherung und wenn möglich, auch daneben! (Sehr richtig! links.) Gegen die„wirtschastsfriedlichen" G nippen hat sich jüngst auch die deutschnationale Arbeitertagung ausgesprochen und sie als bedeutungslos und von kläglichem Führergezänk erfüllt bezeichnet. Sie aher Oiach rechts) verlangen, dah das Ministerium diese gelben Werkoereine fördere. Das bekannte Urteil des Rcichsarbeilsgerichts enthält allerdings eine gewisse Anerkennung der gelbe,» Vereine! ccher schon durch ihre Beschränkung auf den eigenen Wertumfang scheiden sie aus dem Bereich der inodcrnen Organisation ans.'(Zu- stimmung links und im Zentrum.) Ich kann die Aufiaffung des Reichsarbeitsgerichts nicht teilen, dah dcr vom Reichsbund der vaterländischen Arbeiter- und Werkoereine gewährte moralische und materielle Rückhalt ausreichen könnte, um ihre Selbständigkeit gegenüber dem Unternehmer zu wahren, sie also tarifiöhig seien. Die„Wirkschaslsfr'.edlichen" sind lediglich eine Fortsetzung der gelben Tvertbünde aus der Vorkriegszeit (Zustimmung), deren Abhängigkeit vom Unternehmertum auch in dem Abkommen vom lä. November 1918 anerkannt worden ist. Ich habe nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, daß sich in ihrem Wesen auch nur das geringste geändert hat. Die Ableugnung im Statut kann nicht so maßgebend sein, wie die G c s a m t t e n d e n z. (Lebb. Zustimmung links und im Zentrum.) Am 16. Oktober d. I. hatte ich eine Besprechurig mit den Spitzenvevbändcn der Arbeiter und der llnternehmer über das Schlichtungswesen;' die Arbeiter wünschten keinerlei Aenderung, die Unternehmer da- gegen Beseitigung der generellen Möglichkeit der Berbindlichkeits- errlöriiiig, mosür sie Vorschläge in Aussicht stellten. Bevor diese noch eingegangen waren, erfolgte die große Aussperrung im Nordwesten, obwohl ein verbindlich erklärter Schiedsspruch vor- log. Das Reichsarbeitsgaricht hat diesen Schiedsspruch für falsch erklärt: es soll dem geltenden Gesetz widersprechen, wenn nur mit der Stimme des Vorsitzenden oder des Schlichters ein Spruch zu- standekomml, obwohl diese Hebung die ganzen Jahre hindurch getrieben worden'ist. Aitherdem sollte der Schiedsspruch i» den geltenden Mantelvertrag eingreiien. Inzneischen sind ausgeorbeiteie Wünschiv der Unternehmer eingegangen, vor aklein noch Beschrän- kung der Verbindlichkeitscrklärung auf lebenswichtige oder im all- Wendung in Genf. Amerika gibt in der Krage der Reservenzahlung nach. Gens, 26. April.(Eigenbericht.) Dcr Vertreter Amerikas in der Borbcreiteiiden Abrüstungs- toinmission, Gibson, gab am Freitag anläßlich dcr Beratung dcr personellen Stärken dcr Landarmeen eine Er- klärung ab, die als das Ercignisdcs Tages betrachtet wurde. Dcr Amerikancr verzichtete auf den bisherigen omerika- Nischen Standpunkt, daß die ausgebildeten Reserven den Esiektivstärken zuzuzähteli seien, er verzichtete, nachdem er noch ei»- mal einwandfrei festgestellt hatte, daß die Reserven eingerechnet wer- den müßten.„Wir haben immer den Slandpunkt eingenommen", so fuhr er fort,.chah ausgebildete Reserven in die Frieden-.'- rllstilngen eingerechnet werden müßten, da sie eine militärische Kraft darstellen, die schon in Friedenszeitcn existiert. Unserer Meinung noch ist eine Nation, die eine große ausgebildete Reserre besitzt, in der Lage, jederzeit einen Offen siokrieg zu beginnen. Eine solche Nation befindet sich darum in weit- o u s günstigerer Position, als eine Nation, die KriegsvcrlomT erst«inersrzieren und ausrüsten muß: unausgebildste Zivilisten können ahne monatelange Ausbildung nicht zu einer fechtenden Gruppe gemacht werden." Trotzdem verzichtete der Amerikaner dar- auf, Europa für seineo Slondpunkl zu gewinnen. Cr sagte:„Aber wir suhlen uns nicht in dcr Lage, der Entscheidung, die die Länder treffen werden, für die die Landrüstungen das größte militärische Interesie haben, entgegenzutreten." Die amerikanische Erklärung, unter lautloser Stille angehört, veranlaßte Bernslorss, der sich vorher zum Wort gemeldet hatte, seine Stellungnahme aus Sonnabend zu verschieben. Der Franzoso M a s s i g l i begrüßte dagegen die amerikanische Kapitulation,' ohne sich«ine Wendung des Amerikaners van der Notwendigkeil allseitiger Konzessionen anzueignen. Er erklärte im Gegenteil: „Die ccbensinteresfen Frankreichs verhinderten die französische Regierung in der(frage der ausgebildeten Reserven Konzessionen zu machen." Der Japaner schloß sich den Ausführungen des Fran- zosen an. Die Bedeutung dieser Borgänge zeigte der Franzose mit den Worten:„Die Situation hat s ich völlig geändert." Da anzunehmen ist, daß England den Franzosen ebenfalls freie Hand lassen wird, würde eine von dieser erdrückenden Mehr- hell beschlossen« Londobrüstung allen Staaten, außer den Besiegten, denen in den Friedensverträgen die Ausbildung von Reserven ver- boten ist, freistellen, s.a viel Reserven wie sie wollen, auszubilden und außerhalb des Rahmens ihrer Heere in militärischen Organisationen zusammenzuhalten. Wahr- scheinlich wird Amerika nunmehr auch auf seinen früheren Stand- punkt, der Einbeziehung des lagernden Materials, verzichten, so daß für diese ausgebildeten Reserven das nötige Kriegsmaterial beschafft und gelagert werden tonnte, ahne daß ein Abrustungs- abkommen die Staaten daran hindert. Die Ausschaltung der aus- gebildeten Reserven aus der Abrüstung zieht auch die Genehmi- gung privater Truppen, die der faschistischen Miliz, der Freikorps Polens, der freiwilligen Luftabwehr Englands usw. mit sich. Die militärpolitische Lage Deiiychlauds würde bei einem Ab- übluß der Abrüstungsarbeiten in diesem Sinne in all ihrer bin« Haltbarkeit auf Jahre hinaus stabilisiert werde». Bernstorsf hat am Freitag nachmittag mit dem Reichskabinctt Fühlung genommen. Es dürste außer Frage stehe», daß Deutsch- land diese Kursschwankungen, die aus der Vorbereitung der Ab« rüstungcn eine Verdi nderung der A b r ü st n n g machen, nicht mitmachen wird. � Vor der Erklärung des amerikanischen Vertreters era ledig!« die Vorbereitende Abriistiingstommission noch die P a r a- graphcn über die Luftfahrt. Wie bei der Vorstellung eines Zauberkünstlers verschwairden unter einen, ausgezeichnete» 'aktischen Zusammenspiel Frankreichs und seiner Verbündeten die verschiedenste» Aendenrngsvorschläge, sei es in einem Redaktions- ausschuß, oder im Protokoll, oder in der Materiolsamnilung für die Konferenz, bis kein heikler Punkt mehr vorhanden war. Vo» diesem Schicksal wurde auch die italienische Abwehr gegen Frank- reichs Borsatz. die Luftstreitkräfte von Tunis und Marokko ofs Koloniolstrcitkrasic nicht einzubczlehen, betroffen. Befremden in England. Londou, 26. April.(Eigenbericht.) Die Erklärungen Gibfons in Genf, wonach die Re« gierung der Vereinigten Staaten in Zükiinst damit einverstanden ist. wenn die geschulten Reserve» nicht in die Berechmmgen der militärischen Stärken eines Landes einbezogen»Verden, h>?t in den Kreisen der britischen Arbeiterpartei erhebliches Be- fremden hervorgerufen. Man erinnert daran, daß Groß- britannien und Amerika ursprünglich gemeinsam gegen die diesbezüglichen Wünsche Frankreichs»»orgegangcn wäre»», daß jedoch zunächst Großbritannien und nun Amerka diesen Standpunkt aus Entgegenkommen gegenüber Frankreich habe fallen lassen. Der„Daily Herald" stellt fest, dl« Alliierten seien sich wieder eininal einig, diesmal z u g u» st« n der militärischen Dienstpflicht und sie täten das überdies im Namen der Sicher- heil. Dcr Kellogg-Pakt sei vergessen und die Ab- rüstuiig zu einer Farce geworden. In Deutschland würden sich im Gefolge einer solchen Politik neue Bitterkeit, Enttäuschung nrtd neue Befürchtungen einstellen, die für die Zukunft eine furch tdarc Perspektive eröffneten. gemeinen Interesse liegend« Betriebe und auf Errichtung einer ent- sch erdenden R e rch, fch i ed»st e ll e. Dü» Aicheiter habe« bisher dies« Wünsche abgelehnt und die Wiederherstellung des drsherigen«echtes gegenüber dem Ufteil des Reichsarbeitsgerichts verlangt. Es ist noch nicht abzusehen, mie dieses Urteil sich praktisch auswirken wird, kommen wir aber in eine Zeit ernster und schwerer wirtschaftlicher Kämpfe, dann wird sich zeigen, daß diese Regelung kaum erträglich fein wird. Danach würde#mch die in den M 72 und Lü des Be» triebsrütegesetzes vorgesehene endgültige Festsenung der Arbeits« ordnung nicht zuftandelomme« können, wenn sich Schwierigkeiten ergeben. Dem Reichstag wird demnächst ein« ei.ngeh«nde Denkschrift über Sinn und Bedeutung des Schlichtungswesens. feine geschichtliche Entwicklung in Deutschland und im Ausland und über die Asnderungsbestrebungen und ihre etwaigen Folgen vor- gelegt werden. Erst danach wird eine abschließende Stellungnahme zu den Äendcrungswünschen möglich sein. Di« schwierige Lage des Arbeitsmarkte« ist auf das Abgleiten der Konjunktur zurückzuführen, das zum Glück lang- jam und allmählich erfolgt ist. und auf diesen Winter, wie Deutsch- land hundert Jahre lang-einen solchen nicht gehabt Hot. Im Januar überschritt die Zahl der Arbeitslosen bereits 2 Millionen, und der langandauernde Frost führte dazu, daß Anfang März bereits' 2.4 Millionen unterstützte Arbeitslose vorhanden waren, davon 1.3 Millionen solche, deren Arbeit durch die Kälte stillgelegt war. Do» gilt nicht nur für'Außenarbeit, sondern auch für die Binnen- schisfahrt, die Braunkohlenwerke, den Güterverkehr aus den Eisen- bahnen, was wiederum Stockung der Drcnnstoffzufuhr und dadurch weitere Betriebsemschränkungcn nach sich zog. Die finanziellen Folgen dieser ungeheuren Arbeitslosigkeit sind bekannt. Es muß dafür gesorgt werden, die Rcichsanstalt für die Zukunft solchen Aasorderuage« gegenüber leistungsfähiger zu machen. Man hat schwere MißbrSuch« in der Arbeitslosenversicherung be- hauptet: die Reichsregierung ist selbstverständlich an der Beseitigung wirklicher Mißbrauch« mit aller Entschiedenheit beteiligt. Die Reichsanstalt hat eine besondere Kommission aus Vertretern der Arbeiter, der Unternehmer und der ösfentlichen Körperschaften zur Untersuchung eingesetzt. In erster Linie muß natürlich oersucht werden, Arbeits« gelegen!) ei t zu schaffen. Die Reform der Arbeitsvermittlung wird nach dieser Richtung wirken, besonders auch in den länd- kichen Gebieten. Notstandsarbeiten werden nicht zu umgehen fein, sie gehören zur wertschasfenden Arbeitslosensürsorge. Wir hoben daraus hmgewirkt, daß öffentliche Auftröge besonder» in der Zeil schwankender oder rückgängiger Konjunktur vergeben werderc. Seit 1. April haben sich auch die Länderregierungen dem angeschlossen, die Gameinden und Gcmeindeocrbände sollen gleichialls dazu gebracht werden. Dos Wohmings- und Siedlungswesen habe Ich m Anbetracht der Redezeit unbesprochen gelassen, stehe aber jederzeit dafür zur Verfügung.(Lebh. Beifall link» und bei den Soz.) Abg. Dr. Braun«(Ztr.): Wir bringen dem neuen Arbeits, minister aukrichtiges Vertrauen entgegen und lehnen die Schlacht« nufe der Wirtschaft gegen die Sozialpolitik entschieden ah. Wer sich selbst gegen Not schützen kann, gehört allerdings nicht in die Sozial- iiMfichenin«. Ihre Verwaltung muß verbilligt werden, ab«? nicht durch Zusammenlegung mit den Finanzämtern. Die Saisonarbeiter« sürsarge wird durch Scheinarbeitzoenräge sÜr Baucrnsöhns un- berechiigt ausgenutzt. Die Zlnlersuchunaskommlsiion wird hoksenllich nicht erst kostspielige Reisen dvech ganz Deutschland mochev- E-freulich ist die Erhöhung der Kleinrentnerunterstützunq�pn 2S auf 35 Willionen. Das Emsländ braucht dringend Älfe; manche Kreis» haben weder teste Strotzen noch, Bahnverbuchung. Dar) ist die höchste Tuberkulosenziffer, die Menschen schlafen in Kammern ohne Lichr und Lust. Der Wahnungsbau muß bedeutend verstärkt werden.(Beifall.) Abg. Aufhäuser(Soz.): Der Sozialaufwand beträgt 4 Milliarden, die Lshnfumme ZS bis 34 Milliarden, der Sozialaufwand also nicht ein Fünftel, wie Abg. Fiaslacher(Dnot.) behauptet hat. Dabei ist das nur die ver« sicherte Lohnsumme, die wirtlich» ist beträchtlich hoher, zumal doch der Versicherungslohn bei der Jnvalidenvcrficherung mit 42 M. wöchentlich aufhört. Wenn den Dcutschnationolen 2l) Proz. Sozial. aufwand als obere Grenze erscheinen, so könnten sie gleich die Sozialversicherung um 10 Proz. erhöhen.(Sehr gut! link?.) Der Lohnanteil an den Produktionskosten wird immer geringer. Ist doch z. B. bei den Bereinigten Stahlwerken der ilmsptz pro Kopf de? Arbeiter und Angestellten im zweiten Vierteljahr 1328 von ISOIW) auf 190 000 W. gestiegen, der Lohnanteil entsprechend ge« fallen. Die Arbeiter und Angestellten sind mindestens so sehr wie die Unternehmer als Träger der Wirtschaft anzusehen.(Sehr izchtig! bei den Soz.) Wenn Abg. Haslach« die zu geringe und zu langfame Kapitalbildung beklagt, so beweisen schon die Aktiengesell« tchosten das Gegenteil, oußctdem aber bildet sich in den Sparkassen, Genossenschaften, in der Sozialoersicherung, durch die Hauszinssteuer viel neues, wenn auch nicht gerade privatkapitalistisches Kapital, im vergangenen Jahr 4 Milliarden. Gesteigerte Produktion kann nur abgesetzt werden bei gesteigerter Verbrauch» möglich« k« i t der Massen, die durch Lohnerhöhungen und Sozialversicherung gusrechterhallen und gestärkt wird. Die Lohn- und Rentenempsän- ger verbrauchen nicht zu viel, sondern zu wenig, das beweist der Inlandsmarkt. Die Konjunkturverschlechterung Hot zuerst die Textil», Schuh-, Leder- und Bekleidungsindustrie betroffen. Die Arbeitslosennersicherung führt auch den letzten Pfennig Unterstützung wieder dem Jnlandskonzern zu,.denn sie wird sogleich in Berbrauchsgegenstände umgesetzt. Bei der verlangten„Gelbst« sina n zierung* wäre es damit vorbei. Wenn man von Gelbstv eront Wartung im Zusammenhang mit dem B«r, langen nach Abbau des Reichszuschiisse« spricht und die Selbst- fjnanzicrunz der Arbeitslosenversicherung verlangt, so ist das der klare Beweis sozialreaktionärer Gesinnung. Den ArbeilsinvaNden. ihren Familien und hinierbllebenev kann man nicht durch„Srlbsiveranlworlung", sondern nur durch Aufrechkerhaltung der Solidarität In der Sozialversicherung und ihren weitete« Ausbau helfen. Die große Äassennot des Reiches ist doch mindestens ebenso sehr aus die Finanzpolitik der Bürgerblockregierung wie auf die Arbeits- loseuversicherung zurückzuführen.(Sehr wahr! links.) Der ein- mistige Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion zeigte daß wir mit allen Miitein einen Abbau oder gar die Beseitigung d« Arbeits. kofenoersicherung verhindern werden. Uebrigens Hot die Erwerbs- kosenfürsorge 1926 einen Reichszuschuh von 620 Millionen Mark oekördert! Zu den Mißständen, die beseitigt werden müssen, gehört vor allem der Schwindel mit den Bauernsöhnen, die man austauscht. Um sie alle unlerstützunasberechngt zu machen. Am die Arbeitslosenversicherung leistungsfähig zu erhalten und den Reich die Wiederholung so aewalliger Zuschüsse)u ersparen, wird eine Beitragserhöhung nicht zu umgehen sern,«nd die > Arbeiter werden volle, Verständnis dafür ausbringen, an, Solidarität für die Arbeitslosen auch ein halbes Prozent mehr eine gewisse Zeit long zv zahlen, um so mehr, als dadurch ein Abbou der Versicherung verhindert wird. i' Wir begrüßen es, daß der Ministsr die Menschenökono- m»e in den Bardergrund seines Programms stellt. Wip find fsir di, Selbstverwaltung der Tarifvertrag»parteien. können aber den Staat nicht von der Ausgabe entbinden, regulierend auf die Preise und durch das Schlichtungswesen auch aus die Löhne einzuwirken.> Der Kampf um die Todesstrafe. Zentrumsabgeorduete für Beibehaliung. Der Strafgesetzausschuß de» Reichstags fetzt« gestern die Bs« ratung über die Todesstrafe fort. Der vom Abgeord« neten Kahl eingereichte Antrag beseitigt die Todesstrafe, droht dem Morde lebenslanges Zuchthaus an, will aber einen neuen Pars« graphen«infügen, der im Fall« der Begnadigung«ine» Mörders Sicherungsverwahrung in Anwendung kommen lassen will. Ehlermann(Dem.) beantragte, bei Mord lebenslanges Zucht- Haus anzudrohen, während ein sozialdemokratischer An- trag nicht unter 10 Jahren oder lebenslange» Zuchthaus vorschlägt. In der Debatte trat Abg. Ehlermann gegen die Aufrecht- erhallung der Todesstrafe ein. Gewiß müsse der Mörder aus der menschlichen Gesellschaft au-geschlossen werden, aber die Todesstrafe sei dazu nicht notwendig. Der Zeitpunkt ihrer Ahschaf- sung sei setzt gekommen. Jetzt werden die Begnadigungen in den einzelnen Ländern ganz perschieden gehondhabt und m den einzelnen Ländern je nach dem Ergebnis der Landtagswahlen und der Regierungsbildung. Dieses Durcheinander dürfe nicht auf« rechterhallen werden. Reichsjustizminister v. Guerard hob hervor, der frühere Minister Koch habe am 10. Juli die Landesregierungen gebeten, mit Rücksicht darauf, daß nach der Zusammensetzung des Reichstags eins sichere Mehrheit für die Aufrechterhaltung der Todcsstrate nicht vorhanden sei, während des Schwebezustandes bis zur endgültigen Entscheidung im Reichstag die Hinrichtung nicht mehr zu vollziehen. Wenn er(der Minister) auch die Aussassung über die Mehrheits- verhällnisse des Reichstags zur Todesstrafe dahin gestellt sein lasse. so sei doch In keinem deutschen Land« mehr seit jenem Schreiben ein Todesurteil vollstreckt worden. Eine weitere Einwirkung auf die Lander, um eine Einheit zu gewährleisten, sei für ihn nicht möglich. Weiter als es in dem Schreiben geschehen.sei, könne er in das Be- gnadigungsrecht der Länder nicht eingreifen. hergt(Dnat.) brachte allerschärsste Bedenken gegenüber diesem Schreiben des Justizministers Koch zum Ausdruck. Dem Schreiben liege zwar die Erklärung der damaligen Regierung zugrunde. er habe ober für dieses Rundschreiben kein Verständnis. Dr. Rosenseld(Soz.) appellierte an den neuen Justizminister. als Reichs minister auch fernerhin für eine einheitlich« Beachtung des Schreibens des Ministers Koch Sorge zu tragen. Es sei bedauerlich, daß Herr p. GuSrard nur Erklärungen in bezug auf die Dergangenheir abgegeben habe, daß er aber nicht hinzu- fügte, er werde auch für die Zukunft alles tun, um Vollstreckungen der Todesstrafe in den einzelnen Ländern zu verhindern. Kuörard habe um so mehr die Pflicht, so zu verfahren, als e r d e r Regierung angehört habe, deren Erklärungen zu de in damaligen Schreiben des Mini st»rs Koch ge« führt habe. Diese Regierungserklärung fei übrigens auch für die heutige Regierung maßgebend. Herr von Gutrard wurde nun etwas deutlicher, er erklärte, daß er im Kabinett sogar für de» Beschluß gestimmt habe, auf Grund dessen der damalige Minister Koch da» Schreiben an die Linder gerichtet habe. Er Hab« aar kein« Veranlassung, sich in Zukunft anders zu verhallen, als in dem Schreiben des Ministers Koch zum Ausdruck gekommen sei. Ehlermann(Dem.) begrüßte diese neuen Erklärungen de, Ministers, da auch er aus den ersten Ausführungen herausgehört habe, daß der Minister nicht ganz hinter dem Schreiben des Minister» Koch stehe. wunderlich Völksp.) erklärte' es für untogretflich. daß in einer Zst. in der Msnschenleben so gering im Wert« stehen, die Millionen im Wellkrieg ihr Leben verloren haben, im Kapp, Putsch Deutsche gegen Deutsche geschossen hatten, man sich in DeUtschiuud darüber ausreae. daß im Jahre 1Ö24 Schwerstverbrecher hingerichtex wurden. Es sei bedauerlich, daß die hsutige Zell mir Mlläeid mit dem Mörder Hab«. Er Halle nach wie vor die Aufrechlerhaltuog der Todesstrafe für erforderlich. ZK omni(Soz.) wendet sich gegen die Ausführungen der An- Hänger der Todesstraje. Wie könne man diese ernste Frage>n witzelnder Weise und mit ironischen Bemerkungen abtun. Es handle sich um ein« ernste W�ltanschauungsf rag«. Wenn von einer Sühne gesprochen werde, so müsse doch beachiet werden, daß hie Strafe des Mörders und die Sühne nur in den Stunden und Tagen unmittelbar vor der Vollstreckung der Todesstrafe bestehe. Solange Menschen urtsillcn, gäbe es keine Garantie. Irrtümer aus- zuschließen. Gewiß könne man. wenn Unschuldige oerurteill würden. auch bei Gesängnisstrasen nicht eine völlige Wiedergutmachung eintreten lasse». Aber nach der Vollstreckung der Todesstrafe ist eine Wiedergutmachung völlig ausgeschlossen, viele Anhängkic der Todesslcase seien gerade durch eine hinrichlung, der sie beiwohnen mußten. Gegner der Todesstrafe geworden. Der Kamps um die Todesstra!« dauere schön ungefähr 200 Jahre, paß man sie be« kämpfe, sei also keine schwächliche Zeiterscheinung. In dem leiden- schairlichen Kampf gegen die Todesstrafe spiegele sich die moderne Rechtsaussasiung wider. In dieser Frage scheiden sich die Geister. Di« Sozialdemokraten gehören zu leidenschoitüchen Gegnern der Todesstrafe. Es würde für die sozialdemokratische Fraktion u n e r- träglich sein, einem Gesetz zuzustimmen, das noch die Todes st rase enthält. llörlssen(Wirtschp.) und wegmana(Z.) erklärten sich für die Todesstrafe. Alexander lKomm.) äußerte Bedenken gegen den Antrag Kahl. Auch wenn die Todesstrafe im Strafgesetzbuch abgeschafft werde, gelle sie noch Im Sprengstoffgcsetz und im Ausnahmezustand. Dr. Rosenseld erwiderte, auch für die Ausnahmeverordrning auf Grund des Art. 48 der Reichsoersafiuna müht« die Todesstrafe abge- schafft werden. Würde man aber diese Bestimmung in das StraflKsttz einstigen, in das sie an sich gehöre, so würde man, da es sich um«in« verfassungsändernde Bestimmung handle, das ganze Gesetz davon ab- hängig machen, daß es die zu einer Berfassungsänverüng crförder- liche Mehrheit finde. Daß die Todesstrafe im Sprengstofsgesetz und auch im Sklavenraubgesetz durch dos Einführungsgesetz gestrichen werdcn müsse, sei wohl ganz selbstverständlich. Ministerialdirektor Schäfer erklärte für die Reichsregierimg. daß sowohl im Sprengstoffgesetz wie auch im Sklavenraubgesetz die Todesstrafe beseitigt werden soll«. Der Ausschuh vertagte dl« Abstimmung über die Todesstrafe aus Montag. « A b a. D r. S t r a t h m a n n bittet uns. zu dem Bericht über dis Verhandlungen betreffend die Todesstrafe in Nr. 134 folgend« Be, richtigung aufzunehmen: Unter den drei Fällen, für die der Antrag Cmminger die Todes« straf« beibehallen wissen wolll«, war als letzter der Mord an Ver« wandten aussteigender Linie genannt. Dem gegenüber fragte Slrath- mann, ob. wenn z. B. ein dem Trunk» ergebener Vater Tag für£«? Frau»nd Kinder in der gemeinsten Weise mißhandle und schließlich der Sehn ihn erschlag«, die» unter allen Umständen so viel verwerf. liche? sei als«in gemeiner Raubmord oder als ein bestialischer Lpst- moch. daß. es gerMifertigt sei, dort die Todesstrafe anzuweudey, hier aber nicht! c.. Di« Tarifverträge und die Berbindllchtell sind für un» wertvoll. und wir werden daran nicht rütteln lassen. Ebenso wie die polllisch« Autonomie ist auch die Tarisautonomie nicht vom Staat loszulösen. sondern hat mit ihm in Wechselmirkunz zu stehen. Wir begrüßen es, daß der Minister dem Kabinett die Rati- fizierung des Washingtoner Abkommens vor- geschlagen hat. Wenn der deutschnationale Redner hierbei Zurück- Haltung gefordert- hat. so empfehlen wir den Deutschnativnalen Zunickhallung besonders auch auf anderen Gebieten der auswärtigen Politik.(Heiterkeit.) Gegenüber den Angriffen auf die Soziawerstcherung und auf das Schlichtungswesen kann der Minister bei entschieden ablehnen- der Haltung auf meine Fraktion rechnen. Mit derselben Energie. wie die Reaktion, sind wir entschlossen, die Arbeitskraft gegen Raub« bau zu schützen, denn die Arbeitskrast ist da» wertvollste Material für den wirtschaftlichen Ausbau Deutschland». Sozial- volitik und Arbeiterschutz sind unabmeisliche Menschenrechte!(Leb- hafter anhaltender Beifall bei den Soz.) Abg. Raedel(Komm): Der Minister steht mit der Soziakreat- tton in einem Lager, denn da, Schlichtungswesen Höst die Löhn« auf ihrem viel zu niedrigen Niveau. Abg. Dr. ZKoldenhauer(D. Dp): Wir wünschen verständige Sozialpolitik, aber innerhalb der Leistungsfähigkeit der geschwächten deutschen Wirtschast. Da» scheint man im Arbeitsministerium nicht immer richtig zu beachten. Wir begrüßen die unabhängigen Ge. wertschaften als«inen wichtigen Bestandteil der Wirtschaft, sind ober dagegen, daß unler dem Schlagwort„Zvlrkschafts- demokrakie" eine einseliige Herrschaft der Gewerkschaften über die ZVIrtschofk aufgerichkek wird. Wir hallen fest an der Sozialversicherung, individuelle» Sparen mag in Amerika möglich sein, hei uns ungleich sckiperer. Im Schlichtungswesen muß die freie Vereinbarung der Parteien ge- fördert rverden und der Staat sich möglichst zurückhallen. Um 7 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf heut«, Sonnabend. 1 Uhr._, Saargänger und Schichauwerst. Beschlüsse im Haushaltsaueschuss. Der Ausschuß für den Reichshaushalt beschäftigte sich in seiner Freitagsitzung zunächst mit einem Ersuchen des Reichsministers für die besetzten Gebiete, zur Linderung der Not der sogenannten Saargänger für de» Monat April«wen Betrag bi» zur Höh« von 600 000 Mark verausgabe» zu dürfen Tos Ersuchen war nötig geworden, weil pach den Bestimmungen des Notgesetzes nur «in« Summe von ZOO 000 Mark für die Zeit vom 1. April bis '90. Ium zur Verfügung gestanden hätte, dicf.'r Betrag ober in b-Iner Weise ausreichend gewesen wäre. Der Ausschuß genehmigt« die evilttueye Verausgabung de» höheren Betrages._„ Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung die Berätung eines zurückgestellten Titel? au« dem Etat des Reichswirtschafts, Ministeriums: Kosten, die dem Reich au» der Ausführung de» Gesetzes über eiiren Ausschuß zur U n t«rs uchungderErzeugungs« und Abfatzbedingungen dor deutschen Wirtschaft entstehen. Der derzeitige Vorsitzende' dieses Enqueteausichuss«,. der demokratssch« Abgeordnet« Dr. Dernburg. gab als Regicrungs« kommissar in einem interessanten Dortrag«in» genauer« Darstellung über den bisherigen Gang und den derzeitigen Stand der Beratungen des Engueteausschusses. Auf Vorschlag de» Dorsstzenden wird der , Vortrag den Mllgliedern de» Ausschusses gedruckt zugehen. Di« Position selbst wurde nach den Vorschlägen der Koalllionsparteie» in Höh« von 1,3 Millionen genehmigt. Schließlich wurde die schon wiederHoll behandelt« Frag« der Sanierung der Schichauwerst beraten. Auf Grund eines früheren Beschlusses des Ausschusses hatte die Reichsregierung dem Reichstag einen Gesetzentwurf unterbreiter. In diesem wird die Re» gierung ermächtigt, die Sanierung und Fortführung der Schichou« werke in Elbing und Danzig auf dem Wege der Gründung einer Akliengesellschaft zu betreiben, die dazu nötigen Verträge abzv« schließen und zu diesem Zwecke«inen einmaligen Barbetrag von 14 Millionen Mark und, falls erforderlich,«inen laufenden Zuschuß aufzuwenden. Der einmalige und der lausende Zuschuß sind im Reichshaushalt anzufordern. Der laufende Zuschuß darf für dos erst« Geschästsjahr bis zu 2,34 Millionen Reichsmark betragen. Di« sozialdemokratisch« Fraktion ließ durch den Genossen Stücklen erklären, daß«in« Subvention m der bisherige» Weif« bei dem gegenwärtigen Stand de» Unternehmens wirt- schaftlich nicht zu rechtfertigen wäre. Nur im Interesse der 3000 qualifizierten Arbeiter, die bei einer Schließung dauernd brotlos werden würden, ist die Sozialdemokratie bereit, bei einer Umstellung der Werst helfend einzuspringen unter de? Voraussetzung. daß von dem neuen Attienkopital. das geschaffen wird, auch nicht ein Pfennig zur Bezahlung früherer Schulden verwendet wird. Der Reichswirtschastsmlnifter Curtw» gab eine nach dieser Richtung hin vollkommen eindeutig« Erklärung ob. Auch die Deutschnationalen und die übrigen Koalitionsparieien mit Ans« nahine der Bayerischen Dokkspartei gaben zustimmend« Erklärungen ab. Zu einer Abstimmung kam es jedoch wiederum nicht, vielmehr wurde diese auf einen demokratischen Antrag hin wegen der ab» lehnenden Haltung der Bayerischen Volks parte! bis zum Sonn. abend verschoben. Gefängnis für die �Landvölkter". Die gewaltsame Gefangenenbcfreiung. Reumünster. 26. April. Die Unruhen, die sich am 6. März vor dem Gericht»- gesängnis ln Hvhenwestcdt(Kreis Rendsburg) abspiellen uich dl« Befreiung e i n e s B e r h a f t, t« n zum Ziele hatten. beschättißkc» h«ute das hiesige Erweiterte Schöffengericht. Vor dtei� Wochen sind bereits neun Teilnehmer an den Unruhen zu Gefängnisstrafen von einem bis sechs Monaten verurteilt worden. Diesmal hatten sich zehn Angeklagt«, meist Bauern aus der N» r t o r f« r und Eisendorfer Gegend, wegen versuchter G«. fangenenhefreiung und Nötigung zu verantworten. Das Gericht er» kannte auf Gesängnisstrasen von«in bis vier Monaten; «in Angeklagter wurde' freigesprochen. Unter den verurteilten de» findet sich auch der„Oandoolkführer� B a m k. Tetenbüll, de? vier Monat« Gefängnis erhielt. Vahle« i« Waldeck. Der preußische Innenminister hat durch •iiven Runderiaß angeordnet, daß die Zusatzwahlen zum preußischen Landtag und zum Kowmunallansttag un ehemaligen Freistaat Waldeckam g. Juni dieses Jahres statt- finden sollen. Di« Kreistag»wählen finden am 2. Juni statt. Spionenriecherei hüben und drüben. Das Tliveau der Telegraphen-llnion. Uebe? den jüngsten Zoppelinflug hat die rechts- radikale„Action Fraii�aiss" geschrieben, es sei ein Skanoal, daß die französische Äegierung diese devtsch« Spio nage dulde. Der Zeppelin sei in niedriger Höhe über den Schneider-Werken von L e Crouzot geflogen, ipo die fran- zösischen Geschütze hergestellt würden.'Das" könne nur aus Spionageabsicht geschehen sein Hirnverbrannt? Gewiß, darüber wird es unter vernünftigen Menschen in Heiden Ländern nur eine Met- nung geben. Aber gilt dieses Urteil nicht für nachstehend« Meldung, die die mit Hugenberg liierte Telegraphen- Union gestern abend verbreitete: Französischer Spionageflug über Süddentschland? Ulm a. d. vonau, ZK. April.(Tel.-Union.) In dex Nähe von Ehingen an der Donau mutzte ein Flug- zeug, das sich verirrt zu haben schien, notlanden. Da? Flugzeug war mit vier Franzosen besetzt, von denen dqr eine in gebrochenem Deutsch die rasch herbeigeeilten Dorfbewohner nach dem Namen des Orts und nach der Richtung nach Fried« r i ch s h a s e n fragt«. Dam stieg dos Flugzeug wieder auf. aper nicht in Richtung auf Friedrichsyafen, sondern auf den Truppen- Übungsplatz M ü i, f i n g e n, aus welcher Richtung es auch ge, kommen war. Man verwutel, daß es sich um einen Flug zu Spio- uagezwrcken handelt. Mit solchen„Vermutungen" haben die Nationalisten beider Länder vor 1914 die Spionenriecherei ge- züchtet und die europäische Atmosphäre dauernd v s r- giftet. Soll nun zehn Jahre nach dem Krieg dieser gefähr- liche journalistische Unfug von neuem einsetzen? Bundeskanzler Streeruwih. 915 ist mit Wirkung vom l. MN 1929 ab auf a) die Ortsieile Rahnedarf. Wilhelme- Hägen, kiessenwintel, Bvhnsdort und Schmöckwig tetiilchl. tlaialinenhol) wi DerwaUungsdezirk Adpenick. d) dle Orisleilr Lichtenrade und Marlen- leide im Berwaliunasdezirt Teillpelhoi. c) die Ortsteile Heiligeniee. tegelvei. !»vnrad«höhe und Iverslelde ll» Ber- wallungsde.strt Reinickendorf ausgedehnt worden. fLergl Amtsdlait der Stadl Verlin. Rr 17 vom 27. AartI 1929) Der ckrloß einer entlprechende» Polizei- Verordnung steht deoor. Nach fi d de» Orfsgesetzei stnd Vit chrund- stücke zwecks Inanspruchnahnie der siüdli- schen Millldeieitigiiiig duich den vtgen- Himer oder dessen BevvIImi.chtiglen m»« Benennung des Grundstockes nach Straße uud Hausnummer und Angabe der für «rfvrd.-rUch gehauenen Anzahl der Müll- atl&if und der ipochrntlichen Gefäßent- rerrungen— für Sommer und Winter— im der Stadt anzumelden. Sämtliche Hauseigentümer von Grund- stücken in den vorgenannten Ortsteilsn werden ersuche, ihre Grundstücke dis ipäiefte»« zum i Mai 1929 bei dem Stadlr-inigungs- und Fuhramt, Abteilung I fMülldeieUi- ßung), Berlin C 2, Paftstt. U, anzumelden Bei densenigen Hauseigenlilmer». die bisher ihr Müll durch die Mürtifch« Miilt- admhr S.m b. H. haben abfahre» lasse», werden mir, da« Einverständnis' der Eigen- Himer oorausgeieiN, dir nttt dieser Gefell. schau vereindarle Anzahl der EnUeenrngen ii vernehmen. In diesem Falle wird von einer besonderen Anmeldung abgesehen. Berlin, den 2d AvrU 1929. Deputaiton für da, StadtreiNigunr-e. und Fuhrwesen. Wemelüeorlskrsiikeijkssse für den Verisallunetdreleh XI der hiddi Berlin dchänedetf-rrieilendu. Di» Vertreter der Ardeitgeter und der Berftcherlen werden gedeirn. davon Senni- vis zu nehmen, daß die au? Dleiisiag, oen 30. Avrit Ui2Z, angeseilte ordentliche Ausschuß-Sitzung verlegt ist aus Montag, den«. Mai d. Z., und zwar abends 7 Uhr. im Brztrtsvrr» ordneien-Sißun sfaal des Neuen Rvt- hauses iu SchSuederg, Rudols-Wiidr-Pia!;. Tagesordnung: t. Gefchä lsdericht tür 1928. 2 Nachbewilligungen zum daushallsanschlag 1928. !>. Bericht der kaflenprüser und Abnahme der Iahresrechiiung>92». 4 Bericht über Verhandlungen wegengassenverschmit ung und Stellungnahme hierzu, ö Sagiings- auderungen.». Taftenangelegrnhoilen Die Sitzung ist nicht öffentlich. Berlin-Schän-derg, den 33 Avril 1929 Der Bor and. A. S chutdl, Borstizender Lemnad.o.27.» Sisats-Oper Unter 4 Linden A�V. HO 20 Uhr Sonnab�d. 27.4. Stäflf. Oper Bismarcksir. Turnus III 19 Uhr Slaa!s-9per Arn Pl.a.Republ. R.-E. 198 20 Uh? ösr fliegende üGlläoder Staad. Sdiaospli. am Cendarmeiimarkt A.-V. 93 20 Uhr iorane Sahn i mir- I Dodga' r• Zcntr. 2t 18» liaihti enaaw Twin», Barnard S> Rieh, 1 Haru Onukl und waltara Intar- | natlonala Varia»*- BarUhmt- haitoru Sonnabend und Senntag Je 3 Vorstellungen I Z-° und 8 Uhr. 3® kleine Preise. Staat!. SeltillBr-Ihealer, Charit!!. 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai LucKenwaitJeKs� IL Klasse 2.80, Sonnt m flßckf. 2.so u. 3,80 M. Stadl v herrl. Waldgürtel umg, Laub-u-Nadeluald AustluerH.fjolm, 178 m Oünstig. Zugverbind m. Berlin. LabnendBS Utoohonendriai. Auskunft im Verkehrsbureau Karl Qrlschkat, Bieite Str. 30, Fernruf 800. Rennen zi Karlsnorst Sonnabend, iU7. April, nacirni. 3 Öhr Silberner Humpen. Papierhaus LJuergens letzt Nr. 43 Neue Könlgstr. DaARK Qaittniigs-.Btbstl- D.Beklamemarken gegen Kachahm ung gesetil. gesch. fertigt seit 4S Jahr als SpeaUlltSt. Conrad Himer Uipsig■ Scükeudiu 8 Chr B 5. Sur noch wenige Tage'. CROCK trad diu gro.ste April- Prodrom m Sonnabends». Sonnlads tc 2 VcmleUunsen 5® und• Uhr— Z« ermäßigte Pr. neruoei Tneaist DirektHeim Herald Charlauenstradc 9t A 7. Dönhoff 170 8 Uhr. Ende 10 Uhr Täglich Die fSnf Frenklorter von Carl Rössler Regie: engen linden. DUeh. Künttler-Th «>/, Uhr Prosit Gipsy Ope ettev.Qilbert Emmy Sturm Fritz Scholz Lesslng- Theater Täglich 8i 4 Uhr •Die Frau das Andern" LnslspieihaBS «1-4 Uhr Guido Thieischer Weekend Im Paradies Aiei. inea-u Täglich 5, 8>i. Sonntag 2, 5, 81$ INTERNAT. VARIETE Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl. Sonntag Kostproben sratSsl Ausschank vom FaB ErstlUesslger Oessert-Apfelweln, süB Liter 0.7S Hochwert.Dessert-.'ohannlsbeerwein.süQ. 0.9S ErstMass. Dessert-Stachelbeerwein, sQO, 1.03 Hocharomntbch. Dessert-Kirschwein, sQS. 1.23 HocharomaL Oessert-Erdbeerwtln, süB, 1.43 Echter Tarragona, süß....... 1.33 Echter Malaga, dunkel, süß.... 1.40 Echter Griechenweln, süß....., 1.40 Echt Tasano, süß, mach michfrfihlich. 1.90 Echter Insel-Samos, hell, süß..., 1.90 Echter Wermuth-Weln, süß... k. 1.93 Echter Douro-Portweln, süß...., 2.80 Echter Pepslnwdn für Kranke... 2.40 Echter Tsteiaquavit 35 �.....„ 2.93 Echter Utelnbrand-yembaw 31.., 3.20 Echter Detreldekorn ca. 40 0/o.... 3.60 Echter Weinbrand, ganz rein— Stem v 4.20 Hochwertige Edel-LikOre bis 38 9/,.. m 4.43 j Mtsmigl 1 ültr mthält 7m Btbf>!:«>» Vt F1«S1 Ausnahme- Angebot: Feinste Rot- und Weißweine... von FL 8.95 19000 FL 23. roter Burgunder...... 1225 11800 FL 25. weißer sOBer Bordeaux.. a 1.45 15090 FI. 25. Liobfraumilch......135 15999 Ft. 23. 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Pioniere tn Ingolstadt (Soldaten v Dlenst- mldchen) Kcrdcr. lonla. dorre. »«all. lioeinana. siduai u. a. Bautsdies mssioi D.I. Norden 12 310 5 Uhr, Ende nach 10 Paulos unter den Juden Dramat Legend• von FranrWerfel Regie: Xeri-Beinz Martin. i)ie hociödtc 1 1 Blsmck.24U.7jlb 81.7 U.. Ende geg. Id Wann kommst Du wiedsr? Komödie von S. Maugham. Regie Gustaf CirOndgens Eammerspiele -X I. Norden I2d10 S'/'t U«.£nde zez. K Jusik von Ossip Dymow. Regie: HelnzHilpert 'MW ?%3/. Ml>. im « �==7 Dte&fahxene HGüsftcukmnt dleXtaüge des cdttm Pfllmin. Sic mt daher: Laßt euch nifhtirgenxL ein. anacces Kbkos-Speisefettmit fast gleUhklingemlem Noam und, iatäuschand ähnlicher Packung in die Kand drücken. Achtet beiin Einkauf auf die Äufedui��ALM I N den Namenszug MSTBOPOL-TKEATElt[»j; Gr. SCriAUSPIELKAUS j Künstlerische Leitung: Erik Chsrell üasflge Wime Set liebe fiemtin Trud« Hesterberg Alfred Breun Mady Christians. Oskar Earlsrel« Janhir, Elleot. Jsnkenaaom, Ideska, Arno, Morgan, Weatermeier. Sfhaettara. j Zlo teuer. «aus ElascSro�a- Theater a.KottbusserTor kottDusaei Str. 6,(ei. Mpl 16S7I AlUhendUch» Ucr nud» Sonntags nadim. 3 Uhr Jubiläums-Programm unter der Devise « 10 Jahre| lEISte-sangeB' s'. m« CASINO-THSATER»'«vd. Lotnnnzer Straue 61, Nur noch bis 30. April; „Eine ungetieBte Frau" am i. Mai zum ersten male „rattdeer WOB» Gutschein für J— 4 Personen Fauteuil nur I IS M, sessel 1.6S M. Sonsrice Preise Parken u. RangnAO Mk Relchshallen«Theater las.(T] tut. sonama KaSia.(7] nai Slelflner§än$er .Jim) oßaiienc woanimo xa vermlklea"! Nachm. halbe Preise. Jönhott- Brett,: Variete/ Rensert � Taax. Ab 1. Mai 1929: AdoU-Bccker-Konzcrl. — I Renaissance-Theater Hanleiiderjatr.& Tel. Sleingi. 901 a. 7583 81 »i/« Uhr TSsslliO»Vi Uhi Eucen Klöpfor in Das große ABC** von Mercel r'agnoi Reg: Gatt, ilartgna. iß PfcmigrcahcBtyg. Trianon-Th. Täglich 8'< Uhr S)as süße Geheimnis Operette von Zorlig ckundtunkhörei nalbe Preise R ose-Theatet SiiraiktortirSt.i]? l'il Uhr CreiilteSdiaiiiteli Planetarium am Zoo■ Vniaj. Jvzainfl-.iltr Str.k Noll. 1578 ld' 4 Uhr Stemhinimel da« Frfihiahr» 18' 4 Uhr StornbIMer und Waltbau 20' i LH, Wunder de, ftUdticheii Himmels Tägl. außer Montags u Viitrir Erwachs. i Mk� Kinder 50 Pf. Mittw.: Eru'achsene 59 PL, Kinder a Pf Theater in der CäniggrXUsr StraBe T lench 8V« Uhi Riva! en �omödienhsus Täglich 8V4 Uhr Cluirlevs Tante mit Cur! ßofs. 1 rieacer am tollendortplat] Täglich 8V< Uhi Revolte Im ErzleHunostiaus rhalia-lheaier dresdener Mr. 72», 8 Uhr „Oelraosch" tflain» lieaier Bis SocnL aasfflicssen Montag 8 Uhr Wem er e KaS«««r flrofljen »i» dtn tpi:iUD:sdwi von Fiank Green. Musikaüsche Jllust Fr. Holländer. Segle: Fr.frtBflirBnB- rrederim. Tücat. o. Westeos 8-/4 Uhr Räte Dorsdi. Kamaiar.angei Zlgglef Friederike Musik von LgOar Sönntag d'.a Uhr Friederike. S'einpIatzOJl u 7180 Ar. 196* 46. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Gonnabend, 22. April 1929 Die Arbeitsholle fürLugendliche. Beweisaufnahme im Trotzki- Prozeß. Im Prozeß gegen den Unternehmer Trohki aus der Schönlein st raße wurde gestern nachmittag in die Beweisaufnahme eingetreten, vorher wurde die ver- nehmung des Ztugeklagteu beendet, heute sollen die am Leben gebliebenen, zum Teil furchtbar verstümmelteu Opfer des Schreckenstages vernommen werden. Bei seiner Vernehmung bestritt Trotzki, daß 4l) Kilogramm A e l l u l o i d a b f öl l e vorhanden gewesen sein könnten Er habe am Tage vorher noch gefragt, ob die Abfälle fort seien und habe die Kisten leer gesunden. Die Arbeiterinnen(— natürlich die Arbeiterinnen!—) müßten dann mehrere Säcke versteckt haben. Der Vorsitzende hielt ihm vor, daß der Abnehmer der Abfälle seit Mitte November nichts mehr erhalten hatte. Angekl.: Das kann nicht stimmen. Vors.: Die Art des Betriebes in der Schön- leinstraße haben Sie als Radiozubehör angemeldet, aber mit keinem Wort erwähnt, daß Zelluloid verarbeitet werde. Angekl.: Das ist von mir nicht verlangt worden. Vors.: Die Arbeite- rinnen konnten sich durch die zweite Tür nicht retten, weil sie ver- schlössen war. Angekl.: Das verstehe ich nicht, denn der Schlüsiel war immer da, nur wenn ich a b w e s en d war, war diese Tür verschlossen.(Der Angeklagte war aber zur Zeit des Unglücks ab- wesend.) Vors.: Welchen Zweck hatte das, wenn die Tür verschlossen war? Angekl.: Der Schlüssel war immer im Kontor. Vors.: Sollten die Arbeiterinnen erst ins Kontor laufen, wenn es brannte? Die Verordnungen über Zelluloidvcrarbeitung bestimmen, daß zwei offene Türen sein müssen. Außerdem müssen alle offenen flammen geschützt sein. Die Verordnung verbietet weiter jede Verwendung von Streichhölzern und sogar deren Mitführung. Angekl.: Ich habe das immer den Arbeiterinnen ver boten. Vors.: Da die Feueranzünder nicht funktionierten, hat aber Fräulein Stolle Streichhölzer ausgegeben. Augekl.: Ich bin doch nicht der liebe Gott und allwissend; Vors.: Wie oft waren Sie überhaupt im Betriebe? Angekl.: Ich war morgens der erste und abends der letzte. Vors.: Dann mühten Sie es doch gesehen haben. Es wird aber gesagt, daß Sie sich tage- lang nicht haben sehen lassen. Angekl.: Das ist unmöglich. Vors.: Sie haben es aber früher selbst zugegeben. Waren Lösch- Vorrichtungen vorhanden? Angekl.: Es standen vier Eimer mit Wasser da. Vors.: Die meisten Arbeiterinnen haben nichts davon gesehen. Außerdem soll an jeder Arbeitsstelle eine Lösch- Vorrichtung sein. Angekl.: Dann müßten ja 36 Eimer ausgestellt sein! Vors.: Ganz richtig, an 36 Arbeitsstellen. Vors.: Sie wußten doch, daß Zelluloid feuergefährlich ist? Jedem Kind ist bekannt, daß dafür besondere Vorschriften bestehen. Ihre Pflicht war es. sich selbst über die Vorschriften zu unterrichten. Genau so haben Sie sich über die Dorschrist hinweggesetzt, daß die Vorräte nur einen Tagesbedars umfassen dürfen und daß die Abfälle in Bleckkästen aufbewahrt werden müßten: Ihnen selbst soll passiert:sein, als Sie probeweise arbeiteten, daß-sich�die-Plättchkn tnfolg»-Erhitzorig e-n t- zündeten. Angekl.: Ich habe den Arbeiterinnen Weisung" ge- geben, wenn etwas brenne, es im Karton ausbrennen zu lassen, dann kannte nie etwas passieren. Vors.: Glauben Sie. daß 14jährige Arbeiterinnen, die vorher ■ nicht unterwiesen waren, an so gefährliche Stellen gehörten? ' Angekl.: Das konnte ein Kind machen, es war die leichteste Arbeit. Vors.: Aber es erforderte besondere Aufmerk- 's a m k« i t. ülngekl.: Wenn das Mädchen den Karton nicht weggeworfen hätte, wäre nichts passiert. Damit war die Vernehmung des Angeklagten geschlossen. Als erster Zeuge schilderte Prof. Schutt vom Ilrban-Krankenhaus den erschütternden Eindruck, den et bei der Einlieferung so vieler junger Mädchen und Männer mit den entsetzlich st«n Brandwunden und Entstellungen gewonnen hotte. Mehrere Eingelieferte starben unter Qualen, ver- schieden« hotten Arm-, Bein- und Wirbelbrüche, weil sie sich aus Angst zum Fenster hinausgestürzt hatten. Das lljährigc Mädchen Schöne mann» an deren Arbeitsstelle das Zelluloid in Brand geraten war, befindet sich jetzt noch im Krankenhaus. Es wurden dann die Hausbesitzer, bei denen Trotzki nachein- ander seine Fabrikräumc hatte, vernommen. Der Fabrikant Weber aus der Neuenbürg«? Str. 17 bekundete, daß er im Mai 1925 Einspruch erhoben habe, daß Trotzki die zu Bureauzwecken gemieteten Räum« zu einer höchst feuergefährlichen Fabrikation benutze, ohne die geringsten Sicherheiismohnahmen zu treffen. Er hat dann auch eine entsprechend« Eingabe an das Polizeirevier 113 gemacht. Trotzki ist dann aber bald daraus nach der Gitschiner Straße verzogen. Besonderes Interesse erregte die Vernehmung des Gewevberats Dr. Dräger, der bis Oktober 1928 beim Gewcrbeaufsichtsamt Kottbusser Tor. m dessen Bezirk die Gitschiner Straße liegt, tätig war. Etwa zwei Jahr« vor der Brandkatastrophc war eine Anzeige über Unregelmäßigkeiten in dem Trotzkischen Betriebe ein- gelausen. (Es war gesagt worden, daß mau dort einen Besen nicht zu kennen schein«, daß die hygienischen und sanitären Anlage« sich In unsauberstem Zustande befänden und daß die Sicherheilsvor- richtungen höchst mangelhaft seien. Von einer Verarbeitung van Zelluloid war auf dem Amt nichts bekannt, denn sonst würde er den Betrieb gemeinsam mit der Feuerwehr und der Baupolizei systematisch kontrolliert haben. Der Zeuge beauftragte den Gewerbeassessor Heinrich mit der Kontrolle. Dieser berichtete.ihm, der Inhaber habe sich höchst unhöflich gezeigt und erklärt, daß er jede behördliche Anordnung ablehne. Als die Firma dann dauernd auf die Weisungen des Ge- wsrbeomts kein« Antwort gab, hat der Zeuge durch polizeiliche Der- fügung«in« Strafandrohung veranlaßt. Trotzki erwiderte, daß er die Maßnahmen ablehne. Die Behörde möge dann selbst den Betrieb übernehmen, da er nichts verdiene. Nach einigen weiteren Zeugenvernehmungen weivde die Der- Handlung auf Sonnabend früh 9H Uhr vertagt. Sechs Todesopfer bei Hameln. Die Kohlenstaubexplofioo in der Brikettfabrik. Di« Kohlenstaubexplosion ln der Brikettfabrik der Braunkohlen- grübe Humboldt bei wallenseu. bei der lö persouen ver- letzt wurden, hat jetzt dos sechste Todesopfer gefordert. Anter den Toten befindet sich auch der aus BerNn stammende Ar- beiler Erich Zwing. Ueber den Hergang des Unglücks wird von dem B-e r g re v i e r S(LR I}.e eivv airaliche„Daijtellwg Lggchxn. in der ts u. a... heißt:.: Am Ilnglückstage gegen' 15 Uhr habe im Ofenhaus Kohls zu brennen begonnen. Bei den sofort unter Verwendung grüner, d. h. ungetrockneter Kohle und Wasser aufgenommenen Löscharbeiten sei aufgewirbelter, trockener Kohlenstaub durch die brennend« Kohle zur Explosion gebracht worden. Die berg- behördliche Untersuchung sei noch im Gonge. Oer neue Generalplan für das Messegelände. Der neue von Professor P ö l z i g und Stadtbaurat Wagner ausgearbeitet« Generalplan für das Messegelände hat die Zu- stimmung des Magistrats gefunden. Im Gegensatz zu den früheren Plänen sieht er vor, die B o u a u z st e l l u n g auf dem Gelände der Spielplätze zur Entwicklung zu bringen. Dies« Maßnahme ist dadurch erforderlich geworden, daß die Anmeldungen für die Bou- ausstellung einen Umfang erreicht haben, deren Folge sein würde, daß die auf dem Messegelände vorhandenen Waldbeständc hätten be- seitigt werden müssen. Der Magistrat hat sich aber einmütig auf den Standpunkt gestellt,- daß es nicht zu verantworten wäre, die wenigen Naturschönheiten, die das Ausstellungsgelände heute noch hat, durch AbHolzung der Baumbestände zu vernichten. Im Zusam- menhang mit diesen Plänen beschloß der Magistrat auch, die Wa- surenallee zu verlegen und mit den Arbeiten hierfür sofort beginnen zu lassen. Hier Deuischland!— Hier Siam! Bor einem regelmäßigen Fernsprechverkehr. Aus der Transradio-Großsunkstation Nauen wurden durch die Telefuuten-Gesellschast Knrzwellenfernsprechversuä>e mit Bangkok in Siam der Oeffentlichkeit vorgeführt. Die Der- suche hotten insofern einen Erfolg, als anfänglich eine gute gegenfeiiigc Verständigung erreicht wurde. Im weiteren Verlauf der Gegenfprechwerfuche trat jedoch eine Per- schlechterung der Verständigung ein. Die Störungen, die während des Verkehrs austraten, sind zurückzuführen aus atmosphärische Einflüsse, die bei Sonnenuntergang bzw.-aufgang auftreten. Ein regelmäßiger Fcrnsprcch- verkehr soll eingerichtet werden. „Auf eine Mittion kommt es nicht an!" Warnung vor einer Schwindlerin! Amerikanische ZNillionenerbschasten sind ein be- liebies Requisit der Schwindler, die leichtgläubigen Leuten Geld abzunehmen versuchen und domil auch in den meisten Fällen Erfolg haben. Mit demselben Trick hat jetzt wieder ein« falsche Kranken- s ch w e st e r einem Schneidermeister und seinen Bekannten 4 99 0 Mark abgelockt. In der Tracht der Schwestern vom Roten Kreuz erschien bei dem Ehepaar eine jüngere Frau, deren gewandte Umgangsformen bestachen. Sie erzählte, daß sie eine entfernte Verwandte des bei dem Untergang der„Titanic" umgekanwiencn amerikanischen Multimillionärs A st o r sei und jahrelang darum gekämpft habe, ihr« Erbansprüche durchzusetzen..Jetzt endlich sei ihr aus Amerika die Nachricht zugegangen, daß ihr Erbanteil in Höhe von 799 Milliokicn bereilliege. Der Prozeß hahc aber ihr Vermögen verschlungen, sie besitze nicht einmal soviel, um die Reise nach Amerika antreten zu können Wenn sich jemand find«, der ihr«in Darlehen gebe, wolle sie ihn gern dafür entschädigen, aus ein« Million komme es bei der Riesensummc nicht an. Der Schneider, dem bei diesen Zahlen blau vor Augen wurde, hatte selbst nicht soviel Geld, er borgte sich ober von überall her 4999 Mark. Die Abreise war schon festgesetzt. Zum Abschied wollten die Eheleute die„Schwester" noch einmal besuchen, erfuhren aber, daß sie bereits abgefahren sei. Jetzt kamen ihnen Bedenken, und sie eilten zur Kriminalpolizei. Aus der Befchreibüng erkannte- man, daß die vermsintlichc Erbin dle nm 27! Dezember 1900 in Mannheim geborene Bertha Kirschner war, die. schon öfter ähnliche Schwindeleien verübt Hot. Mitteilungen erbittet Kriminalkommissar B rc b e ck bei der Dienststelle V 4 im Polizeipräsidium. Polizeibereitschaft am 1. Mai. Auf Grund der kommunistischen Ankündigungen, entgegen dem allgemeinen, für alle Parteien getteirden Demonstra- tionsverbot des Berliner Polizeipräsidenten, am 1. Mai doch Um- züge zu veranstalten, wird die Berliner Polizei vom Mittwochvor- mittag 6 Uhr ab in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt werden. Verstärkungen von auswärts werden nicht herangezogen. Sack Xondon: (Bereehtigie Ueberselximg von Erwin Magnus). Er mußte einen Blick auf den Schlitten mit /den Post- säcken werfen, um sich zu vergewissern, daß diese zwei Monat«. und die zweitausend Meilen Wirklichkeit gewesen. Wie in einem Traum schüttelte er alle die Hände, die sich ihm ent- gegenstreckten. Ein unsägliches Entzücken erfüllte ihn. Das Leben war herrlich. Er liebte es. Ein Gefühl von Mensch- . lichkeit und Kameradschaftlichkeit durchströmte ihn heiß Sie olle gehörten zu ihm, waren von seiner Art. E» war über- wältigend, riesenhaft. Er spürte feinen Herzschlag, und er hätte jedem einzelnen die Hand drücken, ihn an sein« Brust ziehen können. Er schöpfte tief Atem und rief:„Der Gewinner bezahlt. und das bin ich, nicht wahr? Her mit euch, ihr Mameluts und Siwashss, und sagt, was ihr haben wollt! Hier ist eure Post aus Dyea, geradeswegs von Salt Water geholt, und es ist keine Hexerei dabei! Bindet die Säcke auf und macht euch drüber her!" Ein Dutzerch Händepaare machten sich an das Aufbinden der Säcke, als der junge Le-Barge-Indianer. der eben damit angefangen hatte, sich plötzlich mit einer kraftlosen Bewegung aufrichtete. In seinen Augen stand eine große Ueberraschung. Er blickte sich verwirrt um. denn alles um ihn her war ihm fremd. Ein Gefühl ungeahnter Begrenzung durchfuhr ihn. Er zitterte wie im Fieber, die Knie versagten ihm. und er sank langsam nieder, bis er plötzlich über den Schlitten stürzte und Finsternis seine Sinne umhüllte..... „Erschöpfung," sagte Daylight.„Bringt ihn h'naus. und legt ihn ins Bett. Ein braver Indianer." , Doyl'ght Hot recht," bestätigte Do« Wotson einen Augen- blick später.„Der Wann ist vollständig fertig/' Die Post war ausgeladen, das Gespann eingebracht, um zu fressen, und Dettles stimmte sein Schlochtlied von der Sassafraswurzel an, während sich alle an den langen Schank- tisch stellten: um zu trinken und ihre Gewinne einzuheimsen. Wenige Minuten später wirbelte Daylight mit der Jungfrau auf dem Tanzboden im Walzer herum. Er hatte die Parka mit Pelzmütze und Wolljacke vertauscht, die steifge- frorenen Mokassins abgestreift und tanzte auf Strümpfen. Am Nachmittag war er bis zu den Knien durchnäßt gewesen, aber er war weitergefahren, ohne sein Fußzeug zu wechseln, und nun waren seine wollenen Strümpfe bis zu den Knien mit einer Eiskruste bedeckt, die jetzt in der Wanne des Raumes aufzutauen und in kleine Stück« zu brechen begann. Beim Tanzen schlugen diese Eisstückchen gegeneinander, klirrten auf den Boden und machten ihn für die anderen Tänzer unsicher. Aber jeder sah es Vurning Daylight gerne noch. Er, einer der wenigen, die diesem fernen Lande seine Gesetze gegeben, die seine ethischen Führer gewesen und durch ihr Benehmen den Maßstab für Recht und Unrecht geschaffen, er stand selbst über dem Gesetz. Er war einer jener seltenen, begünstigten Sterblichen, die nichts Schlechtes tun können. Was er tat, muhte eben recht sein, weil er immer das Rechte tat. und zwar auf edlere und feinere Art als andere. Und daher war Daylight einer der ältesten Helden in diesem jungen Lande und doch zugleich einer der Jüngsten von allen, ein Ausnahmegeschöps. einer, der über den andern stand, einer, der in erster Linie Mann und dazu ein ganzer Mann war. Kein Wunder, daß die Jungfrau sich ihm in die Arme warf, daß sie einen Tanz nach dem andern mit ihm tanzte, und daß ihr das Herz schwer wurde, weil sie sich wohl bewußt war, daß er in ihr nichts anderes sah als einen guten Freund und eine ausgezeichnete Tänzerin. Das Bewußtsein, daß er nie eine andere Frau geliebt hatte, war ihr nur ein schwacher Trost. Sie war krank aus Liebe zu ihm, und er tanzte mit ihr, wie er mit jeder andern, ja mit einem Manne getanzt hätte, der ein guter Tänzer war und sich ein Taschentuch um den Arm gebunden hatte, zum Zeichen, daß er als Frau galt. Einmal tanzte Daylight an diesem Abend mit einem Kameraden. Zwischen Hinterwäldlern war es stets«in Zeichen von Ausdauer gewesen, einen andern so lange her« umzuwirbeln, bis er umfiel, und als Ben Davis, der Pharao- Bankhalter, ein buntes Taschentuch um den Arm. Daylight zu einem Virginia Reel aufforderte, ging der Spaß los. Der Tanz wurde abgebrochen, und oll« Anwesenden stellten sich an den Wänden auf, um zuzusehen. Immer herum wirbelten die beiden Männer, immer in derselben Richtung. Die Leute im großen Schankraum hörten davon und verließen die Spieltisch«.' Jeder wollt« sehen, und sie drängten sich am Ein- ?;ang des Tanzsaals zusammen. Die Musiker spielten wie be- essen, und die beiden Männer wirbelten herum. Davis kannte den Trick, und manchen starken Mann hatte er schon am Vukon damit geworfen. Aber schon nach wenigen Mi- nuten war es klar, daß er und nicht Daylight verlieren mußte. Eine Weile wirbelten sie noch herum, aber auf einmal blieb Daylight stehen, ließ seinen Partner los und trat zu- rück, indem er mit den Armen in der Luft herumfocht, um Halt zu finden. Davis lächelte schwindlig und benommen. taumelte seitwärts, drehte sich, um festen Fuß zu gewinnen. und stürzte vornüber zu Boden. Daylight aber ergriff, noch schwankend mit den Armen fechtend, das nächste Mädchen und stürzte sich mit ihr in einen Walzer. Wieder hatte er etwas Großes vollbracht. Von zweitausend Meilen über das Eis und einer Fahrt von siebzig Meilen täglich ermattet, hatte er einen frischen Mann zu Boden getanzt, und der Mann war Ben Davis. Daylight liebte die Höhen, und es gab in seinem G« sichtskreis auch nur wenige Höhen, so hatte er sich doch vor- genommen, die höchste zu erklimmen, die zu finden war. Die Welt draußen hatte nie seinen Namen gehört, ober in dem schweigenden Norden war er weit und breit bekannt, bei Weißen. Indianern und Eskimos, von der Beringsee bis zu den Pässen, von den Quellen der entlegensten Flüsse bi? zu den Tundren von Point Barrow. Der Wunsch zu herrschen :var stark m ihm, und es war ihm gleich, ob er mit den Elementen selbst, mit Männern oder mit dem Glück ein hohes Spiel spielt«. Das Leben und alles, was dazu gehörte, war ein einziges großes Spiel. Und er war Spieler vom Scheit«! bis zur Sohle. Risiko und Ehaneen waren für ihn Essen und Trinken. Zwar svielte er nicht ins Blaue hinein, denn er gebrauchte Witz, Geschicklichkeit und Stärke, aber hinter alledem stand das ewjge Glück, dieses Etwas, das sich zuzeiten gegen seine Anbeter wandte, die Alugen vernichtete und di« Toren segnete.— da-j Glück, das alle Menschen suchten und zu besiegen träumten. Mich er. Tief in seinen Lebensfunk- tianen sank das Leben selbst sein Sirenenlied von der eigenen Hoheit, immer hörte er ein Flüstern und Drängen, dos ihn überredete, er könne mehr als andere Menschen, er könne g«' Winnen, wo sie verloren, siegen, wo sie untergingen. Es war der gesund«, starke Sporn des Lebens, der nicht Schwäche und Verfall kennt, der sich am eigenen Wohlbefinden berauscht. sich an sich selber begeistert, an seinem eigenen mächtigen Optimismus entzückt.__ �(Fortsetzimg folgt.) Mord aus religiösem Wahn? Oer Tod der Telegraphenassistentin Friedrich. Wir berichteten kürzlich über das rätselhaste Der- schwinden der Telegraphenassistenün Friedrich aus E h e m n I tz. Die Aufklärung ist unheimlich. Unser Münchener Sonderberlchierstatier drahtet: Fräulein Friedrich hatte seit einigen Jahren ein Verhältnis mit dem Ingenieur Dünnebein in Hartenstein(Sachsen). Seit 1 Januar 192Ö waren die beiden vermißt. Am 23. Januar meldete sich der Ingenieur in völlig erschöpftem Zustande bei dem Bürgermeister eines kleinen Ortes im Bayerischen Wald. Er berichtete, daß er auf tagelangen Stiwanderungen versucht habe, feinem Leben durch Erfrieren ein Ende zu machen. Von seiner Begleiterin erwähnte«r damals nichts. Nach semer körperlichen Wiederherstellung mußte er vor einigen Wochen in eine Irren- anstatt eingeliefert werden. Dort erzählt« er von seinem tragischen Abenteuer mit der Friedrich Beide begaben sich— nach seiner Schilderung— am 11. Januar über München m den Bayerischen Wold. Hier suchten sie gemeinsam den Tod durch Er- frieren. Nach langer Wanderung hielten st« sich in halb- erschöpftem Zustande an einem höhlenartigen Felsvorsprung auf. Sie entkleideten sich vollkommen und verhüllten sich in den ruitgebrachten Sterbehemden. In dieser Loge verharrten sie einige Tage. Schließlich faßten sie den Entschluß, den Tod gemalt. sam herbeizuführen. Dünnebein gibt an. er habe die Friedrich auf ihre Bitte mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen, bis sie blutend zusammengesunken sei. Sich selbst wollte er die Pulsadern öffnen, was ihm jedoch mißlang. Jetzt erst habe er sich entschlossen, die immer noch lebende Friedrich ihrem Schicksal zu überlasten und das Weit« zu suchen. An der inzwischen aufgefundenen Leiche der Friedrich waren fedoch kein» Verletzungen festzustellen. Der Tod scheint durch Verhungern undErfrierest eingetreten zu sein. Die Leiche ist völlig gefroren. Daher konnte noch keine Obduktion vor- genommen werden. Dünnebein und seine Begleiterin scheinen aus religiösen Wahnideen heraus gehandelt zu haben. Dafür sprachen auch mehrere religiöse Abzeichen, die sie an den Bäumen und dem Gestrüpp des Tatortes aufgehängt hatten. Ein unheimlicher Giftmord. In B ü t o w bei Stettin gestand die 45jährig« Ehefrau Kölker, im Februar dieses Jahres ihren 60 Jahre alten Mann durch Rattengift und Lysol vergiftet zu haben. Di- Frau unterhielt ein Verhältnis mit dem 77iährigen Renten- cmpfänger N o w o s i n s k i, der, wie die Frau, im Armenhaus wlchnt. Der alt« Mann soll an dem Verbrechen beteiligt sein. Kaum glaubliches Sittlichkeitsverbrecheu. Ein gemeingefährlicher Sittlichkeitsver- brechet,«in SZ Jahre alter Schuhmacher Karl H. aus der Trift straße, wurde gestern festgenommen. H. fft schon jähre- lang in Anstalten gewesen, aber immer wieder als„geheilt* entlassen worden. Letzthin verging er sich an einem 6 Jahr« allen Mädchen. Gestern verschaffte sich der Mann Eingang in die Wohnung einer 83 Jahre alten Witwe in der Strahburger Straße. Er erklärt« der Greisin, daß er Krankenkossenarzt sei und zur Untersuchung komme, damit die Rente erhöht würde. Er packte plötzlich die Hilflose am Halse, würgte sie und versuchte, sie zu vergewaltigen! Auf die Hilferuf« der Frau flüchtet« er jedoch. Er wurde verfolgt und festgenommen. Vielleicht wäre es dos Beste, den offenbar krankhaft veranlagten Menschen in einer Irren- a n st a l t zu internieren. Die Frauen werben. Kundgebungen in Spandau und Köpenick. Der 8. Kreis, Spandau, verstand«», unter der Leitung der Genossin K n o t h« in den Gennaniafestfälen auch dieses Jahr«ine eindrucksvolle Kundgebung zum internationalen Frauentag zu ver» anftalten. Genossin Gertrud Düby-Bern, die schon vor zwei Iahren an derselben Stelle zu den Spandauer Genossinnen gesprochen hatte, wurde freudig begrüßt. Di« Genostin. setzt« sich warm für die Soli- darität der Geschlechter im Kampf um die Verwirklichung des So- zialismu» ein. Si« führte aus: Politische Mehrhell ist noch nicht da« Endziel. Die klassenlose Gesellschaft ist es. Wir leben in einer kapitalistischen Well und sind dadurch noch mit bürgerlichen Schlacken behaftet. Es ist die Aufgabe der Mütter, ihre Kinder fo zu erziehen, daß sie möglichst zu einer Ueberwindung der klein. bürgerlichen Einstellung gelangen. Je mehr Rechte den Frauen ein- geräumt werden, um so eher kann der Sozialismus verwirklicht werden. Gemeinsam mit unseren männlichen Genossen des iMer- nationalen Proletariats wollen wir ausharren im Kampf um das ersehnte Ziel. Unsere deutsche Genossin Wurm stellte rückblickend fest, daß seit 1910, als in Kopenhagen der Internationale Frauen- tag beschlossen worden ist, doch manches erreicht fft. In 19 euro- paifchen Staaten haben die Frauen jetzt Stimmrecht. Wenn der »frauentag von 1929 unter der Devise„Mehr Recht für Müller und Kind* steht, so fft dies aber nur zu berechtigt. Sozialversicherung bedeutet S o z i a l e t h i k. Jeder Erfolg, den wir auf diesem Gebiet verzeichnen können, kommt der arbeitenden Bevölkerung der anderen Länder, in denen noch der Frühkopitalismus blüht, zugute. Solch ein« Kundgebung soll der Jugend ein Ansporn sein, das fort- zusetzen, was wir begonnen haben. Unirahmt wurden die beiden Ansprachen durch tünsllerffche Dar- bietungen dex„Madrigalvereinigung de s Jungen Chors*, die sich ausgezeichnet weiterentwickell hat, und die man nur recht oft zu Gehör bringen soll. Auch Martha John bewährte sich wieder ois Rezitatorin sozialistischer Dichtung. * Der 16. Kreis, Köpenick, veranstallete gleichfalls eine«in- drucksvoll« Kundgebung zum Internationalen Frauentag. Die belgische Genossin Berthe M o s s o n ergriff das Wort als Der- trsterin eines Landes, in dem die Sozialdemokratie»och heute um die Erlangung des Fraucnstimmrechtes kämpft. Sie wies darauf hin, daß, wo eine starke Frauenbewegung vorhanden ist, auch bessere Arbeitsbedingungen und Schutzmaßnahmen für die Frauen erreicht merden. Die Frauen sollen sich dem Naturgesetz zwar unterwerfen, ihre unberechtigte Unterdrückung aber nicht länger dulden: Sie fallen ihre Verteidigung selbst in die Hand nehmen. Genossin Bohm-Schuch, M. d. R., zeigte, wie sehr die Forderung nach größerem Schutz für Muller und Kind ein internationales Problem ist. Die deutsche Republik hat sich auf diesem Gebiet zwar die forffchrittlichste Gesetzgebung geschaffen, aber trotzdem ist auch hier noch viel unerreicht. Wenn in Deutschland die Soziolver- sichcrung, die vielfach unberechtigt angegriffen wird, relativ hoch cirt- wickelt ist, so sind die Wohnungsoerhältnisse auch um fo viel trauriger. Wir Habeck jährlich 4 Milliarden Mark an Kriegslasten zu zahlen. Wer angesichts dieser Tatsache noch von einem kommenden Krieg sprechen kann, begeht ein Verbrechen. Wir müssen uus deswegen mit dem Bewußffein, daß wir für unsere Kinder kämpfen, für eine Verständigung einsetzen, eine Verständigung des internationalen Proletariats, wie sie durch die Zweite Internationale erstrebt wird. Neues Umformerwerk in der Stralauer Straste. � Die Stadt beabsichtigt, in der Stralauer Straß« mehrere Grün»- stück« zu erwerben, um dort ein neues Umformerwert der Bewag zu errichten, weil das in der Rathaus- Ecke Iüdenstraß« befindliche Werk infolge der Untergrvndbahnbauten für die Ellylinien vsrleot werden muß. Die Mieter müssen die Häuser Stralau« Straße 86/37 zu einem Teil bereits zum l. Mai räumen, da mit dem A b b r u ch in Kürze begonnen werden soll. Mit dem Haus Strolauer Di« Sendebühn« kündigte an„Mein Leopold*. Der seilige L'Arronge Hot damit sein Publikum unterhalten. Aber da« liegt schon einige Generationen zurück.— Georg Eugen Kitzler schilderte Wanderungen durch die Baumblüte in seinem Vertrag„2>ie Obstbaumblute beginnt!*. Erfreulich war, daß außer Werder wenigstens noch einige andere Obstgegenden der Mark den Freunden der BamnMüte empfohlen wurden. Tes. Straße 36/37 verschwindet ein Stück Alt»Berlin, denn dort wurde im Jahre 1780 die bekannte Weißbierbrauerei von Landre er- öffnet. Dort war die älleste Weihbierstube Berlins, sie hatte fett dem achtzehnten Jahrhundert in diesem Hans« ihre Räume inne. Die Ausgabe des religiöseu Sozialisten. Heber die Stellung der Sozialdemokratie zur Religion sprach Reichstagsabgeordneter Genosse S o l l m a n n in einet Versammlung, die der Bund religiöser Sozialisten in Reu- kölln v«anstastet«. D« starke Besuch der Versammlung bewies das Interesse, das sowohl von den Freunden wie von den Gegnern der Religion der Frage entgegengebracht wird. Genosse Svllmann erkannte an, daß man auch als Freidenker die großen kulturellen Werte, die in den Religionen enthalten sind, anerkennen müßt«. Besonders müßte man als Sozialdemokrat Duldsamkeit im weitesten Maße gegenüber religiös eingestellten Sozialisten üben, denn die Partei hat die Aufgabe, nicht Weltanschau- ungsrätfel philosophischer und religiöser Natur zu lösen, sondern die Veränderung und Höherentwicklung der Gesellschaft aus ökonomi- scher Grundlage gemäß dem Marxismus herbeizuführen. Darauf umriß Pfarrer Ewin Eckert- Mannheim m längeren Ausführungen das Wesen und die Aufgab« der„religiösen Sozialisten". Auf verschiedenen Kongressen sind die weit auseurandergehenden Wünsche uird Auffassungen, ebenso die Dorftellmlgsbitder vom Sozialismus einer Klärung zugeführt worden.'Die verpflichtenden Richtlinien lauten in ihren Hauptsätzen: Die religiösen Sozialisten kämpfen in bewußter Verantwortung vor Göll und den Menschen in und mit dem revolutionären Proletariat um die sozialistische Neuordnung. Jede Propaganda gegen den Komps der Arbeiterschaft um die Neu- gestaltung der Wirtschaft und Gesellschaft ist vom Bund der reli- giösen Sozialisten aus unmöglich.— Die anschließende Diskussion, in der Vertreter beider extremen Anschauungen, Freidenk« und Religiöse, zu Wort kamen, gestaltete sich zeitweise sehr stürmisch, wobei es sich zeigte, daß Duldsamkeit und Parteidiszi- plin nicht gerade auf leiten der religiösen Sozia- l i st e n zu spüren waren. Di« Angriffe Pfarrer B l e i e r s gegen die Freidenkerorganisation waren reichlich unangebracht und wirk- ten durch ihre persönliche Gereiztheit gegenüber den tieffchürfenden Ausführungen der Vorredner keineswegs werbend für die Ein- benifer.__ Waren sie beirunken? Prozeß gegen die Messerstecherinnen vorläufig abgesetzt. Vor dem Schöffengericht Neukölln sollte gestern vormittag die Bluttat ihre Sühne finden, bei der in der Nacht vom 3. zum 4. Fe- bruar der Arbeiter R e i ß m a n n von den zwei noch nicht 20 Jahre alten Arbeiterinnen Else R e u m a n n und Else E ck l o f f ohne ersichtlichen Gnmd auf der Straße niedergestochen worden ist. Die Verhandlung ist jedoch kurz vorher abgesetzt worden. Der Grund dafür ist darin zu suckien, daß die Verteidigung der beiden Täterinnen die Behauptung aufgestellt hat, daß sich die beiden Mädchen im Augenblick der Tat im Zustande der Trunken- heit befunden haben, so daß ihre freie Willensbestimmung ausgeschlossen gewesen sei. Weiter wird geltend gemacht, daß die beiden Täterinne» auch schon früher während Ihres Aufenthalles in dem Erziehungsheim Lindenhof nicht ganz normal ge- wesen seien. Um diesem Einwand in der Haupwcrhandlung be gegnen zu können, hat das Gericht von sich aus verfügt, daß die beiden Beschnldigten auf ihren Geisteszustand untersucht werden sollen. Die Verhandlung wird demgemäß in etwa vier Wochen von neuem angesetzt werden. Wieder Meuterei im Erziehungsheim. In der Erziehungsanstalt in Dresdcn-Lcuben hat«ine Gruppe von Zöglingen gemeutert. Zur Wiederherstellung der Ordnung muhte von der Anstaltsleitung polizeilich« Hilfe angefordert werden. Neun von den Zöglingen, darunter zwei Jugendliche, sind vorläuiig f e st g e n o m m e n worden. Abends warfen die Zöglinge sämtliche Gegenstände im Schlasraum durch. einander und steckten einen Strolssack und mehrere Bettkissen in Brand, wodurch die Dielen und eine Tür Feuer fingen. Aus alten Apotheke«. Die Gesellschaft für Geschichte der Pharmazäe hat ihre Hauptversammlung in Berlin vom 2. bis zum 5. Mai. Aus diesem Anlaß wird im Schloßmuseum eine Sonder» ausstellung veranstaltet, die uns in alle Apotheken hineinführt. Nickt nur Museen(Sibloßmuseum.. Märkisches Museum, Hohenzollernmuseum), sondern auch private Sammler haben Schaustücke hergegeben, die kultur- und tun st- geschichtlich beachtenswert sind. Gezeigt werden.Abbildungen aus dem Betrieb aller Apotheken, besonders der ehemaligen Schloß- opothekr in Berlin, Bildnisse berühmter Apotheker, deren wisseu» schaftkiche Arbeit für die Ehemi« neue Bahnen erschlossen hat. künstlerisch ausgeführte Gefäße für den Apothekenbetrieb, verzierte Gläser, Büchsen und Mörser(bis in das 13. Jahrhundert zurück- reichend), prächtige Erzeugnisse der Fayenceindustrie des Inlands (Berlin, Rheinsberg) und des Auslandes, all« Bücher, Lehrbriefe und andere Dokumente, mancherlei Gebrauchsgegenstände aus aller Zeit, z. B. ein hölzernes Mikroskop. Die Ausstellung wird nicht nur während der Tagung der Gesellschaft, sondern darüber hinaus einen ganzen Monat hindurch geöffnet bleiben. Für weitere Kreise wird sie vom 4. Mai ab zum Besuch freigegeben. Ein- tritt' in dos Schloßmuseum(zur üblichen Zeit) berechtigt zugleich zum Eintritt in die Sonderausstellung. ck4S0 Mark statt 440 Mar« Wie man in Potsdam?.u einer Wohnung kommt. Sehr unerfreuliche Gepflogenheiten einer Potsdamer Speditionsfirma, die sich mit wohnungsver- mietungeu befaßte, kamen jetzt in einer Verhandlung vor dem Potsdamer Schöffengericht zur Sprache. Wegen Betruges gegenüber der Ersatzkasse des Heercsunter- kunftsanckes und gegen einen Kaufmann waren die Spediteure Rudolf Wachenberger und Willi Z ü h l k e aus Potsdam an- geklagt. Di« beiden waren früher bei der Firma Heinrich Jordan in Potsdam angestellt gewesen, als die ihnen z�r Last gelegte strafbare Handlung geschah. Ein Ingenieur stellte seine Wohnung, Viktoriostraße 25 in Potsdam, der Firma Jordan zur Vermietung zur Verfügung. Der Ingenieur forderte«inen Abstand von 440 M., einen Tausch durften die Vermieter nicht oaruehmen, da der Ingenieur bereits«ine Dienstwohnung erholten hatte. Die Angeklagten offerierten diese Wohnung einer Witwe eines ver- storbenen Beamten. Don dem Schwiegersohn, der die VerHand- lungen leitete, forderten die beiden Spediteur« stall 440 M. Abstand 1 2 5 0 M. Man wurde handelseinig, der Ingenieur bekam 440 M., mußte aber den Angeklagten eine Quittung über 1 4 5 0 M. ausstellen. Den Erstaunten beruhigten die Vermieter damll, daß dem Heeresunterkunftsamt gegenüber Renovierungsgelder geltend gemacht werden müßten. Prompt wurde der Ersatzkasse die Ouit- tung über 1450 M. präsentiert, aber die Kasse zahlte pur den Höchstentschädigungssatz von 960 M., in Wirklichkeit brauchte sie ja nur 440 M. zu zahlen! Run mußte der Schwieger- söhn noch die Differenz den Angeklagten nachzahlen. Die beiden Angeklagten entschuldigten ihr« Manipulationen damit, daß sie von dem Inhaber der Firma Jordan zu solchen Geschichten stets angehalten worden sind. Von den Wohr.ungsgebern muhten immer Quittungen über höhere Abstandssummen ent- gegengenommen werden, die dann den Wohnungsnehmern aufgehalst wurden. Bei der Firma Jordan bestand ein sogenanntes fepa. riertes Bankkonto, da« aus solchen schwindelhafteu Differenzen hervorgegangen ist. Der Inhaber der Firma, H e r m s. habe den Angestellten 10 Proz. von solchen unlauteren Abschlüssen mit Mietern und Vermietern zugebilligt. Herms, als Zeuge danach befragt, ob derartige Gepflogenheiten in seinem Geschäft bestehen. verweigert» auf Grund der Strafprozeßordnung die Aussage. Mst dem zur Anklage stehenden Fall will er nichts zu tun gehalck haben. Die Angeklagten, die von ihm fristlos entlassen waren, behaupten aber, daß er, Herms, alles gewußt habe. Der Staatsanwalt beantragte je 300 M. Geldstraf«. Dos Urteil aber erging aufdreiWochenGesängnis und Strafaussetzung bei Auserlegung einer Buße von je 500 M. In scharfen Worten geißelte der Lorsitzende. LandgerichtÄirekior Dr'" Warmuth, die gemeingefährlichen Zustände bei dieser Firma. England»Indien-Klug geglückt. Das von Cranwell(England) nach Indien abgeflogene englffche Militärflugzeug ist Freitagmittag um 1.15 Uhr englffcher Sommerzeit in K a r a ch i gelandet. Die 4130 Mellen(6644 Kilo- meter) lange Strecke von Cranwell nach Karachi fft damit in 50 Stunden 38 Mimiten zurückgelegt worden. Keine Pestgefahr in Schönebeck. Zu der Angelegenheit des unter Pestverdacht im Schönebecker Hasen festgehaltenen Kahnes„Oberländer 10* wurden vom Polizeipräsidium Magdeburg Pressevertretern Mittellungen gemacht, aus denen hervorgeht, daß keinerlei Pestgefahr besteht. Es wurde nochmals darauf hingewiesen, daß alle durch die Seuchen- gesetzgebung vorgeschriebenen Maßnahmen rechtzeitig getroffen worden sind. Bei dem Aueladen des Kahns sind übrigens bisher keine Ratten gefunden worden. Echt„Rote Fahne". Die„Rote Fahne" hat es wieder einmal mit dem Borstand des Verbandes für Freidenkertum und Feuer- b e st a t t u n g E. V. Er soll die Einäscherung eines verdienten Kommunisten"de r w« i g c r t haben. Es besteht aber für de» Verband gar keine Verpflichtung, jemand zu bestallen, der seit 2 Jahren dem Verbände nicht mehr angehört hat. Die Bestattung gegen Be- Zahlung wurde abgelehnt, well NichtMitglieder überhaupt nicht vom Verbände bestattet werden dürfen. Di«„Rote Fahne" weiß dies natürlich! Immer wieder kommunistische Provokationen. Gestern abend ist es abermals in den verschiedenen Stadt- tellen zu Reibereien und Zusammenstöße» zwischen kommumstischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Im ganzen wurden 21 Personen wegen Nichtdefolgung polizeilicher An- ordnungen und wegen Widerstandes zwangsgestellt und der Abteilung la im Polizeipräsidium zugeführt. Billige Fischiage. Durch besondere Umstände ist es gelungen, einen großen Posten lebender Schlei« im Gewicht von% bis 1 Pfund schwer zum preiswerten Verkauf zu bringen. Vom Donnerstag, dem 25 April, ab kommen zum Verkauf: Lebende Schleie pro Pfund von 1,50 M. an, wodurch der bisherlac Preis um 50 Pf. herabgesetzt wird. Di« Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. n> i■■ ii.......... yißtjes die wundervolle goldklare Haarwaschseife für jedes Haar, auch als Shampoon GonnaSend 27. April �929 Unterhaltung unö ÄVissen Veilage des Vorwärts Zümond de ßoncourt: S)er Weg der 3)ime Im Serlag Roben v.(So., Stcsbcn, erscheint setzt Soneourts Roman„Die Dirne(kliso" in der Uebertroaung von Bern- bard Zolles.(In Ganzleinen, Preis 3,50 M.> Mit Genehmigung des Berlages geben wir nachstehenden Abschnitt daraus wieder. Jetzt war es Zeit. Elisa knüpfte sich einen weihen Schal um deli lhals, setzte einen schwarzen, mit roten Geranien garnierten Samthut auf und zwängte sich in die mit chasenfellen gefütterte Jacke, die allen Mädchen des Hauses zur Verfügung stand und ab- wechselnd von ihnen getragen wurde Ob es draußen regnete, schneite, stürnüe oder fror, ob sie ge- sund oder krank war: Elisa war verpflichtet, ihre Stund« abzu- laufen, und kein Wetter befreite sie von dieser Pflicht. Sie trat aus dem dunklen Hausflur, auf dessen seuchtglänzende Mauern die Treppenlampe einen rötlichen Schein warf, und ge- wann das Trottoir, dos das Feld ihrer Tätigkeit war. Das Trat- tolr zog sich an allen, notdürftig instandgesetzten Baracken hin. Hie und da sprang ein im letzten Jahrzehnt entstandenes Haus, das die neue Baufluchtlinie innezuhalten gezwungen war, ein Stück zurück, und dazwischen wuchsen Prellsteine auf, die die Einfahrt in einen Hot flankierten. Wenn es einmal längere Zeit regnete, trat das Wasser aus dem Rinnstein und überschwemmte die Strohe. Sie ging mit trippelnden Schritten auf dem Trolloir auf und ab, hob ihren Rock auf, drehte den Kopf nach links, nach rechts, loh sich um, sobald sie ein Paar Sohlen auf dem Pflaster kloppern hörte, und flüsterte, wenn es ein männliches Wesen war:„Du, Kleiner,' hock doch mal!" Sie ging und kam, raffte ihren Rock noch ein wenig höher und lieh bis zum Knie die provozierende Weiße ihrer gut mo- dcllierte Beine umspannenden Strümpfe sehen. Sie ging und kam, wiegte sich in den Hüften und ließ ihren gestärkten Unterrock rauschen, so daß es klang, als führe ein Reisig- bcsen über welkes Laub. Sie ging und kam, trat jedem Vorübergehenden in den Weg. mit einem leisen Wippen des Körpers, das an die lüsterne Bewe- gung einer Cancantänzerin erinnerte. Sie ging und kam. Sie ging durch die Finsternis, streifte an feuchten Mauern hin, ein Schatten überhuschte oder der Lichtstreif einer Gaslaterne traf sie, zeigte ihre Rundungen oder ihre Schlank- hell und die Anmut ihres Ganges. Elija ging das Trottoir hinauf und kehrte auf dem Trottoir zurück. Und dabei war fU zugleich schamvoll und heraussordernd, lühn und furchtsam, angriffslüstern und zur Verteidigung bereit. Fünfzig Schrille— fünfundzwanzig von der Haustüre anfwörls und jünfundzwanzig abwärts— umfaßle Elisas vorfchristsmäßiger Geschäftsgang, dessen Greifen das Haus Rr 1? und ein leerer Bauplatz bildeten. Auf diesem Gange kam sie an der Werkstatt eines Stuhlslechters vorüber, der, als Gefchäftsschild, zwei Stühle mit durchlöcherten Rohrsitzen über seine Türe aufgehängt Holle, dann bei einem Fse i i chabiollo e r käu f« r, dessen, eines, etwas zurück- liegendes Fenster tagsüber von einem Schmalzbäcker gemietet war, vor' einem Friseurladen, dann an dem schwarzen Haus, an dessen Fenstergllter der bei einer Schlägerei abgerissene Uniformkrogen rnes Linieiffoldaten wie eine kleine Fahne im Winde flatterte... und weim sie wellerging, sah sie den Eingang zu dem Weinschank. in dessen Hinterstube Sonntags getanzt wurde. Dann stand sie vor einem Handwagenschuppen, an dem sich ein« Darmsalle»- spinncrei anschloß, die mit blutrot gemalten Violinen auf sich auf- merksom machte. Und zuletzt kam ein Zaun, hinter dem die Ruine eines eingestürzten Hauses stand. Vor diesem Zaun wandte Elisa sich um und begann ihren Weg von neuem, mißmutig darüber, daß sie gezwungen war, dieselben Häuser, dieselben Auslogen, dieselben Mauern sechzigmal in einer Stunde zu sehen. Wenn sie es ermöglichen konnte, wählte Elisa für ihren Gang die Zeit, in der die Nacht den Tag in ihren mütterlichen Schoß aufnimmt. Sie liebt« diese- bleiche Licht, in dem die Konturen der Giebel verschwammen, das Blau des Himmels leise in ein dunstiges, silbernes Grau hinüberwechselte, und in einer unwirk- lichen Ferne die zitternden Strahlen des Wendsterns über das verdämmernde Tageslicht zu triumphieren begannen. Wie mit einem Zauberfchlage löschte die Finsternis die letzten Tagesjchallen aus. der Himmel färbt« sich schwarz, die Dinge, die eben noch imHs waren und nnverhüllt ihr häßliches Gesicht gezeigt hatten, schienen entrückt und wie verklärt durch das Dunkel, das ihre Blöße einhüllte. Bor den kleinen Hotels, die Zimmer für Tage und Stunden anboten, zündete«in schmieriger Hausknecht die runde, trübe brennende Laterne an. Die Straße wurde menschen- leer, und mir von Zeit zu Zeit stolperte ein Bcttunkcner, besten Durst noch nicht gelöscht war, in die nächste Schänke, die er mif seinen unsicheren Beinen erreichen konnte. Die Läden wurden ge- schlössen. Aber im Schaufenster des Friseurs brannte noch eine flockerndc Goslamp« und warf ihr Licht auf Pomadenbüchsen, auf Flaschen mit einer grün oder lila gcsärbten Flüssigkeit und auf zwei kleine Büsten. Die etne stellte»inen Regerlnabcn dar, mll roter Weste und himmolblauer Krawatte, der den Mund zu einem freundlichen Grinsen verzog und auf cinein gelockte» Kopf«in graues Hütchen trug. Die andere Büste war ein hübscher, junger Mann mit blonder, sorglälttg gescheitelter Frisur, einer weißen. von einer Nadel zusammengehaltenen Krawatte und einem auf- gedrehten Schnurrbäctchen. Dieser nette, junge Manu, dessen Bäck- che n rosig glänzten, hatte einen schwarzen Hut auf dem Kopfe und wirkte durchaus stutzerhaft. Da Dllege, die im Hellen stellen, in der sie umgebenden Finster» nis die Blicke auf sich ziehen, hemnite Elisa, so oft sie an den beiden Büsten vorllberkam, unwillkürlich de» Schritt und starrte, ermüdet »nd abgestumpft vom ewig gleichen Trost ihres Weges, die beiden Puppen mll leeren Augen an. Plötzlich fuhr sie, wie erwachend, auf. zog den Rock fester um die Schenkel, warf den Kopf zurück und letzt« ihren Marsch fort. Wer je öfter sie die ihr zugemessenen fünfzig Schritt« auf dem glitschigen Pflaster ging, desto mehr verlor ihr Gang seine heraus» fordernd« Straffheit und wurde müde und schleppend. Dann verlosch auch dos Licht im Friseurladen, und die Straße Vereinsaull« vollends. Rur Elisa ging weiter hin und her, hin und ber... und die einzige Begleitung, die sie icnd. war ihr Schallen. Wenn si« an dem Bauzaun, dem Ziel ihres Weges, angelangt war und vor einem der weihen Plakat«, mll denen man den Zaun über. klebt hatte, stehcnblteb. um Wem zu schöpfen, dann fiel thr Schallen» l'ild in seltsamer Derzerrlwg auf dos helle Papier. Eis erschauderte, wenn sie es sah. Denn es glich den Karikaturen allernder Vorstadt» dirnen, wie sie ihr. beim Durchblällern eines Witzblattes, zuweilen ein unerklärliches Frösteln über den Rücken gejagt hatten... * „Das kostet Strafe mein Kind!" Madame war während des Mittagessens um den Tafch ge- gangen und hall« Elisa, indem sie ihr mit der Hand in den Aus- schnitt der Bluse faßte, dabei überrascht, daß sie kein Korsell trug. In der nächsten Woche wurde Elisa von Madame, die in Toi- lcttensragen auf peinllchste Ordnung hielt, abermals in Strafe ge- nomm-n, und das gleiche wiederHolle sich die Woche darauf. Noch zwei Monaten hatte Elija genug. Sie rückte aus und trat in ein andere» Haus ein. Hier veranlaßt« sie ein heftiger Streit mit einer Kollegin, den„Loden" zu verlassen. Sie wechfelle abermals und trat wieder aus, weil das Haus, in das sie geraten war, von Feuch- tigkell troff und sie Gefahr lief, sich eine Krankheit zu holen, lieber- Haupt blieb sie in keinem Hause mehr lange, in dem sich der Ehef oder Madame erlaubte, sich in ihre Privatangelegenheiten einzu- mischen. Und aus einem berechtigten oder törichten Grunde, beim gerinfügigsten Anlaß, oft eines Nichts wegen, verließ sie, unter den seltsamsten Vvrwänden, plötzlich das Dach, unter dem sie seit Wochen lebte, und zog mit ihrem Koffer und ihrer Wanderlust zwei, drei Türen weiter. In wenigen Jahren machte Elisa so die Runde durch alle Straßen, die ein altes Buch die„heißen Siraßen" nannte. Don der Rue Bourbon-Dilleneuve bis zur Ru« de la Lüne. von der Rue des Filles-Dieu bis zur Rue Marie-Stuart war keine Straße, keine Gaste vor ihr sicher. In den obskursten und gefürch- teksten Schlupfwinkeln der Prostitution tauchte sie heute unter. um morgen in einem der besseren Etablissements, die von der so- üden Bourgeoisie frequentiert wurden, sich in den Armen eines fellen Spießers zu lancnoeilen. In dem ruhelosen Bedürfnis nach Abwechslung, in dem ewigen Ekel vor dem Ort, den sie bewohille, und vor den Männern, deren sie gar zu schnell überdrüssig wurde, in dieser&ier noch neuen Gesichtern, nach neuen Menschen, einer neuen Umgebu:rg, die Elisa von Hans zu Haus, von Obdach zu Obdach, von Spelunke zu Spc- lunke jagten, drückte sich das ungeschriebene Gesetz der Friedlosig- kell aus. dem jede Prostituierte unterworfen ist. Sie jagte nach Glück, das sie nicht fand, sie dürstet« nach Ruhe, die ihr nicht ver- gönnt war, und wenn sie glaubte, endlich eine Bleib« gefunden zu hoben, saßen ihr plötzlich die Furien im Nacken und trieben sie auf neu« Wanderschaft. ** Die Jahre vergingen, und unter der Einwirkung der körper- lichen und geistigen Schädigungen, ohne die das Leben einer Pro- stituicrten auf die Dauer nicht denkbar ist, war Elisa zum Typ der Durchschnittsdirne herabgesunken, mll all den Merkmalen der Minderwertigkeit, die die Wissenschaft nachzuweisen und zu er- tlären vermag. War es nicht selbstocrstäudlich, daß die beständige Ausfchwci» fung das Nervensystem eines Körpers, der dieser sexuellen lieber- becnspruchimg weder gewachsen war, noch auch Gefallen daran fand, allmählich aufs schwerste erschütterte? Daß eine Ernährung. die hauptsächlich aus gcbralenem Fleisch und scharf gewürzicn Speisen bestand, Schäden im ganzen Organismus hervorrief? Da- zu dclk Alkoholmißbrauch, ohne den, wie eine Dirne vor einer ilntersuchungskomnnfsion erklärte, das Metier überhaupt nicht denk- bor war: die in klösterlicher Abgeschlossenhell, hinter oerhängten Fenstern, verbrachten Tage, die Melanchclic der langen, ch:aucn Regenwochen, der jähe Uebergang von nachtgewordenen Tagen zur strahlenden Helle taggewordencr Nächte, von den leeren Stunden gähnender Langemveile zu den wilden Stunden des NachtbeF-iebes, die zwar Müdigkeit hervorriefen, doch keinen Schlaf duldeteill Die kleinlichen Schikanen eines Weiberregimentsl Die unablässige So-rge wachsender Schuldenlasten, die sie von Haus zu Haus verfolgte, die zitternde Angst vor dem Augenblick, in dem es heißen würdg:„Zu all!" Daun die grauenvollen Tage im Weibsrgefängnis von Saint- Lazare, die wahnsinnige Angst, nie wieder hinaiiszukoinmey, weil es der Polizei Vergnügen machen könne, gerade sie dort festzuZzalte», überhaupt das niederdrückende Gefühl völliger Rechtlosigkeit, dos Bewußtsein, sich nicht verteidigen zu können gegen die gewallsamsten Verdrehungen des Rechts, den willkürlichen Mißbrauch der Iustizi Die Erkenntnis, nicht mehr Herrin ihrer Willsnsfreihell zu sein. sondern eine auf der untersten Stuf« der Menschhell stelzende Kreatur, die allen Launen der Behörden, der- Kupplerinnen, sedes gelegentlichen Besuchers ausgeliefert war und die, bei aller Gläubig- keit, zu der sie jetzt gern ihre Zuflucht genommen hätte, nicht mehr daran glauben konnte, daß ein Gott sich je bis zu ihrer Tiefe er- niedrigen würde, die zerschmetternde Erkenntnis, ein mit Schimpf besudeltes, außerhalb der Gesellschaft umherirrendes Geschöpf zu sein: all das, im Verein mit den körperlichen Exzessen und dem Mangel an Schlaf und Luft, halte Elisa allmählich dahin gleiten lassen, wo es keine Rettung, kein Entrinnen mehr gab! Ihr Geist war sprunghaft, unaufmerksam, zerstreut, flüchtig und unfähig geworden, einen Gedanken festzuhalten, eine lagische Folgerung zu ziehen. Stets beherrschte ihn das Vedürsnis»och Betäubung durch Lärm und Geschwätz. In ihrer Phantasie, in der sich das Wellbild nur tn den ver- worrenften Linien zeigt«, erschien ihr, ähnlich wie in den östlichen Glaubenslehren die Gollheit des Bösen, der Polizeipräfekt als das Wesen, dem ihre unterwürfigste Anbetung gebührte. Und dazu kam die Furcht vor einer schicksalgewollten, dunklen Zukunft, deren Ge- Heimnisse allein die Kartenlegerin enthüllen tonnte.„Das Gericht und einen nahen Tod" hatte Elisa eine Wahrsagerin aus der Ru« Git-le-Coeur geweissagt, und diese Prophezeiung spukte oft In ihren nächtlichen Angstträumeiu Ein Verstand, der die Kraft besonnener Ueberlegung eingebüßt batte und, ohne Erkenntnis der Folgen» zu den gewagtesten Eni- schlüssen fähig war,<«n krlmthast überreiztes Gehirn, das beim geringsten Widerspruch jode Beherrschung verlor und in krampf- artigen Wutausbrüchen Blill sehen mußte: dos war dos psycho- logische Bild, das Elisas Zustand spiegelt«. Aber auch körperlich trat der Versall zutage. Elisa wurde fett und zeigte die blosse Gesichtsfarbe, die die Beglellerschcimmg physio- logischer, durch Ueberernährung und einen Mangel an Luft und Bewegung hervorgcnifencr Veränderungen ist. Das Fleisch wurde schwanunig. die Hrüslc entwickelten sich unförmig und die Blut-, gefSß« erweiterten sich Und die Lippen, die stets ein wcnig ge- öffnet waren, schienen zum Küssen zu welk zu sein. £eibeigeneSchampieler Di« soeben im russischen Staatsoerlog erschienenen Erinnerungen des bekannten russischen Theaterdirektors Medwedjew geben über die Kultur des zaristischen Rußlands aus der Zeit der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts reichen Aufschluß. Das russische, heute durch Stanislawski und Tairoff weltberühmt gewordene Theater oerdankt seinen Aufstieg nicht zuletzt... leibeigenen Schauspielern. Das Theater der russischen Provinz hat sich seinerzeit ausschließlich aus leibeigenen Schauspielern gebildet. In den siebziger Jahren waren die größten Schauspieler der russischen Provinzbühnen ehe- malige Sklaven, die an Privattheatern reicher Gutsbesitzer ihre Bühnentätigkeit angefangen hatten. Russische Aristokraten/ deren Güter oft größer als manches deutsche Fürstentum waren, zeigten nicht selten starkes Interesse für die Kunst der Melpomeue und. da sie ihre fürsllichen Schlösser, in denen sie ein Leben von heute sagen- Haft erscheinendem Glanz führte», nur selten verließen, richteten sie sich eigene Theater ein, aus deren Brettern nicht nur dramatische Stücke, sondern sogar Opern aufgeführt wurden. Einer der reichsten Mäzene dieser Art war Fürst Schechowskoy, dessen Theater auf seinem Gute bei Nishnij Nowgorod durch seine musterhaften Aufführungen in ganz Rußland berühmt war. Die Truppe bestand aus leibeigenen Sklaven— Frauen und Männern—, die unter der Lellung von erstklassigen Lehrern zu Schauspielern ausgebildet wurden. Der Spielplan des Privatthcaters des Fürsten umfaßte die ganze klassische Theaterllleratur nicht nur russische Stücke, sondern auch Werke deutscher Klassiker, wie„Emilia Galotti". „Die Räuber".„Elaoigo",„Fiesco",„Kabale und Liebe" sowie Shatespeare-Dramtn. wie„Othello" und„Hamlet". Di« Aufführungen zeichneten sich auch durch eine prunkvoll« Inszenierung und geschmockoolle, historisch treue Kostüme der Darsteller aus, deren Leistungen eine bemerkenswerte künstlerisch« Höbe hatten. Nicht weniger bekannt waren die Theater aus den Herrengütcrn des Grasen Kamenskt bei Orel und de» Fürsten Panschulidzess. an dessen Spitze der aus Deutschland engagierte Kapellmeister Johannis stand. Panschulidzess unterhielt auf seinem Gut eine erstklassige Oper. deren Mitglieder sich gleichfalls aus seinen Leibeigenen rekrutierten. Eine leibeigene Sängerin. Agafia Sustona. besaß ein, Altstimme von ganz sellener Schönheit und wäre bestimmt Itiller anderen Box- höllnisien eine Weltberuhmtheit geworden. Als sie einmal durch eine Kleinigkell ihren Herrn geärgert hatte, wurde sie zur Strafe uns ihrem Dienst bei der Bühne entlassen und zwangsweise mll einem Kutscher oerheiratet, mit dem si» übrigens in glucklicher Ehe ihr ganzes Leben verbracht«. Manch« Gutsbesitzer entließen ihre leibeigenen Schauspieler und Sanger und erlaubten ihnen, gegen Zahlung»ine, jährlichen so- genannten„Freihellsabstandes" an richtigen Theatern mitzuwirken, andere dagegen vertauften, wenn sie— was oft genug geschah-- in Getdschwierigkeiten waren, ihre Schauspieler an Bekonnte, deren finanzielle Loge es ihnen noch erlaubte, ein eigenes Theater zu unterhatten. Es dürfte bekannt sein, daß der russische Gutsbesitzer Graf Kuscheleff keinen geringeren als Richard Wagtzer zum Kapell- meist« feiner Leibeigenenofer engagieren wollt«. Er ließ Wagner im Jahre l&äli in Paris in fein Hotel kommen und führte mll ihm, wie Wagner in seiner Wtobiographie crzähll, Verhandlungen, die sich nur doshalb zerschlugen, weil der zukünftige Bayreuth« Meist« dem russischen Grafen als ein für feine Pläne ungeeigneter Mann erschien. Dennoch schickt« der russische Mäzen dein damals mll d« bittersten Not kämpfenden deutschen Musiker zehn Louisdoro als Entgett für den nicht zustandegekommenen Vertrag der aus dem größten deutschen dramatischen Komponisten den Kapellmeister einer Leibeigenen-Oper gemacht hätte. Dr. P. Verkehr sfeimill che �icre Der moderne Verlehr hat im Tierreich einige gefährlich« und erbitterte Gegner. Hier sind zunächst die kanadischen Biber zu nennen, jene arbeitsamen und anscheinend so harmlosen Tiere, die dem Bahnbau in Kanada in früherer Zeit so«hebliche Schwierig- leiten bereiteten» daß es zuweilen richtiger Feldzüge bedurfte, um die gefährlichen Nager zu zwingen, ihre Nester unter den Eisen- bahnbrückcn zu verlassen. Hatten sie doch, um einen charatteristischea Fall zu erwähnen» im Jahre 1884 einen Eisenbahndamm so kunst» voll untergraben, daß ein darüberfahrender Zug in«ine glücklicher- weise nicht sehr tiefe Schlucht abstürzte. Trotzdem hatte der durch oi« Biber herbeigeführt« Unfall schwere Verletzungen von Passagieren zur Folge. Ais nicht minder verkehrssetndlich erwiesen sich die ameritanischen Büffel, die es besonders«ruf die Telegraphen- stangen abgesehen hatten, Sie betrachteten diese lange Zeit als „Rückenkratzer", die die Menschen eigen« für sie ausgestellt hatten, und die die Büffel so eifrig zum Scheuern ihrer juckenden Buckel benutzten, daß die Stangen bald umstürzten. Noch kurioser bc- nehmen sich den Telcgraphenstangen gegenüber die Bären. Dos Geräusch der Drähte, die durch den Wind zum Erklingen gebrocht werden, täuscht ihnen nämlich das Summen eines Bienenschwarmes vor, eine Wohmelimung, die es ihnen als Pflicht erscheinen läßt, die Telegraphenstangcn zu fällen, um zu der erhofften süßen Speise zu gelangen. Em Naturfreund, der diese Beobachtung gemacht Hot, schreibt darüber:„Nichts ist drolliger, alo das Betrogen der enttäuschten und erstaunten Bären zu beobachten. Nachdem sie mit ohilf« der Schult« rn und Tatzen die Stange glücklich umgeworfen haben, gehen sie prüfend um sie herum, beschnüffeln sie. legen sich aus den Boden, nähern die Ohren dem Holz und scheinen sich ver- wundert den Kopf zu zerbrechen, was wohl aus den Bienen und dem Honig geworben sein möchte. Erwischt man sie bei solchen Untersuchungen, so ist es ein Kinderspiel, d!« verdutzt nachsinnenden Honigsucher zur Strecke zu dringen* Ein anderer Derkehrsfemd Ist der Zimmernmnnsspecht, her lang« Zell den Telegraphendieifft in Brasilien empfindlich störte. Das trocken« Holz, dos man fjtr Telegraphenstangen nimmt, schien ihm für die Ncstanlage besonders geeignet. Da ihm die Drähte bei der Anlage im Wege sind, reißt er sie mll seinem scharfen Schnabel, der cm Leistungsfähigkeit jede Drahtzange Übertrifft, ab, und im Verlauf einer knappen Stunde hat er sich in dem Pfahl eine geräumige und bequeme SÖahnung erbaut, die seinem Namen alle Ehre macht. x>ur$ die Ostseebäder. Wenn man das Bild der deutschen Ostseeküste vonMemelbis Flensburg an seinen Augen vorübergleiten läßt, dann ist man gefesselt von der prächtigen, abwechslungsreichen, landschaftlichen Schönheit, die sich vor uns aufrollt. Buchten, Halbinseln und Inseln geben der Linie der Ostseeküste mannigfaltigste Gliederung. Flacher, allmählich in die Meeresflächen verschwindender Sandstrand wechselt malerisch ab mit Steilküsten von recht imposanter Höhe. Ueberall treten mit den Dünen und ihrem kargen Pflanzenwuchs üppige, uralte Waldbeständ« in Wettbewerb— und gerade der Wald ist es, welcher der Ostfeeküste ihr charakteristisches Bild verleiht. Denn nicht nur an einzelnen Teilen der Ostfeeküste, nicht nur hier und da findet man der deutschen Wald, sondern überall begegnen wir den Jahrhunderte alten Beständen von Buchen und Eichen mit ihrer markigen Kraft und ihren phantastischen Bildern, und am Woldessaum brechen sich un- mittelbar die Wogen der Ostsee. Wald und Wasser findet sich selten in so massigen Ausdehnungen so harmonisch zusammen wie gerade an der deutschen Ostsee. An der deutschen Ostsee kommt der Freund des Waldes in gleicher Weise zu seinem Recht wie der Freund des Wassers Nicht nur für das Auge ist die harmonische Bereinigung von Wald und Wasser ein so kostbarer Schatz. An vielen Stellen, insbesondere den wellig ansteigenden Küsten der deutschen Ostsee, schafft der Baumbestand klimatisch so große Vorzüge, daß tnan auch ohne Vorhandensein der See diese Orte als klimatische Kurorte ansprechen würde. In Verbindung mit der See werden die Vorzüge des Klimas durch den Wald natürlich bedeutend gesteigert. Der Wald an der Meeresküste sorgt dafür, daß der vom Lande herstreichende Wind vom Strande zurückgehalten wird, so daß es an der Ostsee eigentlich nur der Seewind ist, der die Luftbewegung verursacht, ein Borteil, der nicht genug betont werden kann und der die Reinheit der Strandluft gewährleistet. Ein weiterer Dorteil der Waldungen an der deutschen Ostseeküste liegt darin, daß sie eine Dosierung des See- klimas zulassen. Es sei auch hier ganz besonders betont, daß für Kuren an der See das Klima genau so dosiert werden muß, wie in den Hellquellen-Äurorten die Art und Meng« der einzelnen Brunnen. Die Dosierung des Heilklimas an der See erfolgt nicht nur dadurch, daß man genau die Zeit festlegt, welche die Kurgäste am Strand« verbringen, sondern daß man auch sorgsam abwägt, in welcher Weise Sonn« und Luftbewegung auf den Körper einwirken. Und für diese Regulierung erweist sich der Wald am Strande besonders werwoll. Man braucht sich nur an einem stürmischen Tage zehn Meter weit von dem Strande in den Wald hineinzubegeben, um zu erkennen, was der Wald als Dämpfer der Luftbewegung zu leisten vermag— unmittelbar an der.Küste Sturm, zehn Meter von der Lüste abseits im Walde keine Luftbewegung mehr! Die für die deutsche Ostseeküste charakteristische Mannigfaltigkeit ihrer Gestaltung ist für den Charakter der einzelnen Seebäder zum Teil von ausschluggebender Bedeutung. Die flachen Ufer mit feinem Sandstrand, die hochragenden Stellufer mll lebhafter Luftbewegung, Buchten mit ckaum wahrnehmbarem Wellenschlag und offene See mll starker Bewegung von Luft und Wasser, die'sich zu recht ansehnlichen Brandungen steigern kann, sind nicht nur für das Auge abwechslungsreiche Bilder, sondern sie haben auch an der deutschen Ostsee Badeort« verschiedenster Art und ver- schiedenen Charakters geschaffen. Wir haben an der deutschen Ostsee milde veebäder, die mitunter kaum noch den Charakter eines See- bades verraten. Von diesen verschiedenen Buchten bis zu der. offenen freien Küste mll starkem Wellenschlag und kräftiger Luftbewegüng Zeigt die Ostsee in ununterbrochener Reihe Uebergänge, so daß der Arzt, der die einzelnen Ostseebähxr kennt, nach ihrer Lage sich einj »Skala herstellen kann vom schwächsten bis zum stärksten Seebad, das er dann dem Zustande der einzelnen Kranken entsprechend verordnen kann. Der„Führer durch die Ostsccbäder für 192 9" mll Karte der Ostseeküste ist soeben erschienen. Dieser 30. Jahrgang enthält wie alljährlich die neuesten Nachrichten über die Bäder, unter anderem ihre Besuchszohl, ihre Unterkunftsmöglichkeiten und ihren Reiseweg. Der Preis des Führers(272 Seiten) ist 1 M. Er ist durch den Verband. Deutscher Ostseebäder(E V.). Unter den Linden 53, sowie durch alle Vertretungen des Verbandes in fast ollen größeren Städten zum Preise von 1,30 W. zu beziehen. Nachnahme 1,60 M. Bad Orb. Wer krank ist am Herzen, der eilt nach Orb, um m des Frühlings «nd Sommers Sonnenglonze und Sommerwärme an den Sprudeln des Bades Orb seine Gesundhell wieder zu finden. In den abgelaufe- nen Iahren erstellte Erwärmungseinrichtungen haben die kohlensaure- reichen Solbäder eine köstliche Gabe dem Kranken geboten. Ehe- dem hat man in großen Mengen das Salz für ganz Süddeutschland gewonnen: über die Spessarthöhen hin, auf dem Verkehrspfade der Eselshöhe, wurde es auf Tragtieren zum Maine verfrachtet, von dessen Schiffen Frachten an Wein und südliche Lebensmittel heraufkamen. Und noch eine andere wichtige Straße zog nur wenige Kilometer süd- westlich des Orbtales vorbei, die ehemalige Hohe oder Birkenhainer Straße, auf welcher Karl der Große von seiner Burg bei Ingelheim am Rheine zur Burg an der Saale zog. Wenn du die Gegend durch- fährst, Freund, denke daran, daß du über geschichtlichen Boden fährst, über Verkehrsweg«, die schon vor Tausenden von Iahren dem Fremd- linge den Weg zeigten. Heute führen von Orb aus große Autoomni- busse den Freund der Berge in die gewaltigen Wälder des Spessarts hinein: himmelragende Eichen und Buchen stehst du, schöner sahen die Waldbestönde deine Augen nicht, als du sie siehst in den weiten Gründen des Spessarts. Sie erfreuen das Herz des Wanderers, der die tiefen Waldgründe durchgeht. Der Kranke aber wird festgehalten im Tale der Orb, wo ihm seine Quellen Heilung bringen sollen. An den Quellen werden Kranke, welche an Rheuma- tisiniis und Gicht, an Gebrechen der Verdauungsorgane, der Leber und Galle leiden, wieder gesund. Der Edelquell der Martimisquelle wird in jeder Frühe und in den Abendstunden in der Trinkhalle dem Kranken geboten. Nicht nur dem Kranken, der an den Quellen Heilung sucht und findet, sondern auch dem Freunde der Natur, der hier in reicher üppiger Flora nach des Jahres Anstrengungen und Aufregungen Erholung finden will, bietet sie sich in reichem Maße. Auf Lad Oppelsdori bei Zittau i Sa. wird wegen seiner guten Heil- erfolge biermit hmgewielen lsiehe Inserat in dieser Nummer). Die kräftigen Sckwefelcilen- und Moorbäder wirken bei Kitt. Rheuma, JschiaZ, Nerven«, Frauenkrankheiten ulw. selbst m veralteten Fällen. Viel Kenesende preisen die auSgezeitnete Wirkung der?äder. Die Preise für dieselben, für Wohnung und Verpflegung sind sehr niedrig zu bezeichnen. Zu Lad Salzuflen bat die Kurgästezahl trotz der bisher wenig einladenden FrübjabrSwitterung die Ziffer 2000 bereits überschritten. Für Mai und die wciiere Zeit lausen die Anfragen sehr zahlreich ein. Die protzen Kurkonzerte beginnen diesmal ichin am t. Mai. auck daS Kurthcater bietet bereits Aufführungen. Am 4. Mai findet die Einweihung des neuen Bade- hauscS statt._ Sport. Hennen zll Alariendorf am Ireitag. dem 26. April. 1. Rennen, t. Nörgler lZknöpnadel fr.), 2. Meisterschuß, 3. WilkeS. Toto: 22:10. Platz: 10, 11, 11: 10. Ferner listen: Nebelkappe, Guh de Dal, Nixcheu, Tahra Bey, Primadonna. 2. R e n» e n. 1. O'Bedelia(If. Kruitbof). 2. PrachtmädelS Tochter, 3. Hutschachtel Toto: 30: 10. Platz: 20. 19, 48: 10. Ferner liefen: Mimi, Oberamtmann, Range, Peter Brufsitoff, Lumque, Waldschnepfe. Ilscnburg (abgebr.), Occasion. 3. R e n n e n. 1. Meisterstück(F. Bahr), 2. Erst. Seehofer, 8. Turandot. Toto: 26:10. Platz: 15. 19, 25:10. Ferner liefen: Cillh Dillon, Kroschel, SiegeSadlcr, Alpenfeuer, Lux. Gondel. Lindowgold als 1. dijgualffiziert. Auf Lindowgold 80 Proz. Sieg und Platz zurück. 4. R e n n e n: 1. Flamingo(Ioutz fr.), 2. Niederländer, 3. Kapell- meister. Toto:46:10. Platz: 18, 26,20,20:10. Ferner liefen: Dawion Watts. Friedrich Rex. Meister B.. Rudi kagh.). Wasserfall, Eirano, Mary Kuh Prinz Adbell, Ida PaloS, Carl Alexander, Turiddu, Kerrigan fr.. Denk. münze, Copal, Graf Dorn, Kammersänger(tief ohne Wetten). 5. Rennen. 1. Modena(Ä. RückerO. 2. Mephisto, 3. Biedermann. Toto: 22:10. Platz: 11, 12, 14. 12:10.' Ferner Uesen: Selamlk, Kohlen- lönig. Theotrat. Fahreuheit, Lisusta, Lothario. Sadana. Nusha Boy, Zierde, Campwmla, Noble sie, Kartenspicler. Heini Duffy. 6. R e n n e n. 1. Königsadler(K. Lautenberger), 2. Fels, ö. Caro Bube. Toto: 162:10. Platz: 30. 28. 16:10. Ferner liefen: Franlet, Paula A., Erifa, Manrieo, Florian, Interpellant, Trotteur, Willy SI. 7. R e n n e n. 1. VeracampoS(Erotzmann), 2. Charmant, 3. Marone. Toio: 27:10. Platz: 16, 16, 53: 10. Ferner liefen: Äaohia, Falkenstein, Diamant, Titania, Olympia, Oberstleutnant, Alma Mater, Mimose, 8. R e n n e n. t. Abendstern(Iäutz jr.). 2. Letzte Liebe, 3. Lebemann. Toto: 25: lö. Platz: 10, 10, 10:10. Ferner liefen: Miliz, Nution, Fredegundis, Menter 1. 9. Renne n. t. Ladyship(Hm. Schleuicner), 2. Paffer, 3. Harfen- mädchen. Toto: 77: 10. Platz: 34, 31, 17, 32: 10. Ferner tiefen: Diana Magowan, Aldisa, Lombardei, MaxiSmus, Friedrichsd'or, Esparsette, Heide- blume, Flaggenlicd, Effi, Hellma, Bronze(lief ohne Weilen). Eixselldllngen für dies« RitbrU si»d Berti» SW SS, Liadeustrah« 3, Wetterbericht der öffeulNcheu Wetlerdievststelle Berlin und Umgegend. (Rachdr. verb.). Noch Eintrübung mit etwaZ Regen, am Tag« Uebergang zu ziemlich heiterem und milderem Detter als bisher.— jfir veutschland: Im Nordwesten Im Lause des TageS wieder Eintritt unbeständigen Deiters, sonst nach leichten Regenjällen ziemlich heiter und milder alS bisher. Partemachrichten für Groß-Nerlm tet» an das Bezirlsselretariai Hof, 2 Treppen recht», z» richte». 7. ttt«« Cbarlottenbnrg»ad Spoodan. Juristische Sprechstunde heute. Eonnabend, von 17—18 Uhr, im Jugendheim Rofinenstr. 4. Seiegenheit zum Airck>euau«tritt! 92, Abt. Nesiölla. Mitglied« rverfammluaz am Woutng, 29. April, pünltlick 19h Uhr, im Städtische» Saalbau, Bergs». 147. Licktbilderoomrag de« cheuaffen Kranz Zosef Furtwaagler über„Indien und der ermachende Orient." Interessierte Mitglieder anderer Sbteilu»ge» sind herzlichst ein- geladen. Peter-h-gen.Frederedors und Lmgegeub. Die Maifeier findet i»t Reslaurani Dippold am Bahnhos Fredersdorf. 19 Uhr, statt. Musik, Aufführungen der Zugend, Film:„Am Anfang war da« Wort", gestrede de« Genossen E. Eierte-Lodeburg. Anschließend Tanz. Eintritt 50 Pf. Zungsozialisten. Gruppe Neukölln: Sonntag, 28. April, Fahrt noch Strausberg. Treffpunkt 7 Uhr Ringbahnhof Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Linderfreunde. Srei» Ritte: Note Falken und Iungfallen treffen sich Sonntag 9 Uhr vor dem Rathaus, Königstratze, zur Besichtigung de« Rathauses und des Anti. kriegsmufeums.— Gruppe Gruft Taller: Heute, Eonnabend, 27. April, 20 Uhr. Glternverfammlung im Heim Zehdenicker Str. 24. Bericht über Winter» und Sommerarbeit, die Kinderrepubiii im Sommer am Rhein und Berfchiedene«. Kreis Lichtenberg: Sonntag, 28. April, um 12 Uhr, läuft in der Zugend- Kühne, Solteistratze,»er Rote.Falken.Film, ferner Dr. Dvlittlez Afrikareis-. Karten sind noch an der Kasse zu haben. Glnwitt Erwachsene 40 Pf., Kinder 20 Pf. Geburtstage, Jubiläen usw. 19. Abt. Uuseeem Genossen Reishold Schiudel Mld seiner Gattin, Pauls». 10, die herzlichsten Ewckmünsche zur Silberhochzeit.— Uuserem Se- nassen Aoton P r> l l, Holfteiner User 12, zum 90. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche.. 2ö. Abt. Uuserem laugjährige» Funktiauär Karl G»s«, Alleastetuer Stutze 7. zum SO. Geburtstage die herzlichste» Glückwünsche.. ��SozialistischeArbetterjugendGr.-Verlm 1 sHnsrndimgen für diese lstnbrrt nur an da« Hugendfcfreiarifli ( Berlin®3B68, Onbrnsiratze 5 Bewegungschor: Uebungsstunde für die Mädchen 19 Uhr pünktlich iu der Schule Danziger Str. 23. Alle Mädel müssen erscheinen! Di« Karte» für unseren Waijugendtag i» Briesela-g können nen den Ab. teilungen abgeholt werden. heule. Sonnabend: Zentrum: Funktionärsitzung 1744 Uhr beim Genosscn Gustav Kketk«, Kloster. siraße 4ö.— Zehlendorf: Treffpunkt zum Funktionärkursu» nz Nikolassee IS Uhr Bhf. Zehlendors.Mitte, 2041 Uhr Bhf. Nikolassee.— Köpeuuker Bier»!: Probe zur Iugendfeier.— Roleuthal» B-rstadt: Besichtigung de» Krema- toriumz. Treffpunkt 19 Uhr Nosentbaler Platz. Berbcbezirk Kreuzberg: Die Genossen, die am Eprechchor der Partei zur Maifeier teilnehmen, treffen sich pünktlich 19'� Uhr im Heim Wrangelsiraß' Werbebezirk Wedding: Das Baden im Stadtbad Wetding fällt aus. All- gemeiner Treffpunkt IL Uhr Bhf. Pullitzstratze zur Wochenendfahrt mit dem „Balduv". Nachzügler müssen tSVo Uhr spätestens in Spandau an der Siege- stelle des„Baldur" fein. Wcrbebezirk Prenzlauer Berg: Arbrilsgemeiuschakt der Aelterengruppe 194? Uhr im Heim Danziger Str. 62, Baracke 7.— Um 20 Uhr spricht in der c-SG. im Heim Tanziger Str. 92, Baracke 3. der Genosse Dr. Karsen über „Schulen in Rußland". Die interessierten Mikglleder werden gebeten, diesen Vortragsabend zu besuchen. LSG. Prenzlauer Berg: Heim Danziger S». 92, Baracke 3. 20 Uhr: „Russische Schulen." Referent Genosse Dr. Karlen. � Köpenick«» Biertel: Morgen. Sonntag. Schulaula Monteuffelstr. 7. W EÜ Zugendfeier anläßlich des 10jShri«n Bestehens der Gruppe. Lichtbilder, !D Film, Eprechchor, Rezitationen, Bolkstänze. Beginn 19': Uhr. Pro, i- H gramm 30 Pf.. M � LI Friedrichsseide: Morgen Fahrt nach Strausberg-...Treffpunkt sptztestens 6Vj Uhr Bhf. Lichtenberg-Friedrichsfelde. Kosten' 80 Pf.-— Neukölln n und t'i Morgen 7V> Uhr Treffpunkt zur Fahrt Bhf. Neukölln.— Neukölln VM: Morgen Treffpunkt zur Fahrt 7 Uhr Kaiser.Friedrich- Ecke Weichselftraße. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Heichsbanner �Schwarz-Hot-Gold". SesSSkts stell«! Berlin s 14. Eeb-sti-nl». 37/88, Hof 2 Tr. S«»uabenl>, 27. April. Neiuickeudorf.West: Besichtigung der Bor. wärts-Buchdruckerel. Treffen aller Kameroden 16% Uhr im Nestau. tont ,Ium Sportplatz", Scharnweber. Ecke Eichbornstraße. Acuenhage»-Hoppe. garten, Birlcnsteiu: 20 Uhr wichtige Mitgliederversammlung im Genossen, schastshaus Birkenstein.— Sonntag, 28. April. Charlottenburg, 4. Kamerad- schaff Stuttgart: Sportliches Wandern. 8 Uhr Bhf.� Ehariottcnburg. Sport, kleidung. Mariueabteilung: 1. Zug Stralau, 2. Zug Picheiswerder, Spielmanns- zug und technisches Personal Tegel um 8'i Uhr Arbeitsdienst.— Montag. 29. April. Mitte: 20 Uhr Zungbanner Jugendheim Tieckstraße. Kam. Dr. Kör tiug spricht über„Rationalisierung und Sozialisierung." Neukölln-Britz, Znng- bonner: 18 Uhr Echutzsportabend auf dem Sportplatz Kaiser-Fri-drich. Ecke Znnstraße.__ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 1.1 Uhr. Pappelolle« 19. Bortrog d-z Herrn E. Witthauer:„Schöpfungsmythen." Harmon-um: Au«.Freischütz" (Weber). Sitzendorf scnworzaim. Thür. Waid, 10 Min. tou Schwarzbunt. Freundlich« Lage, von nadelwaldreichen Bergen umgeben, Bahn- und Post. 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Beilage des Vorwärts Sonnabend 27. April I92i. Metallarbeiter und Schiedsspruch. Wahrscheinlich Annahme. Wie uns in später Abendstunde vom Deutschen Metaltarbeiterverband mitgeteilt wird, lag gestern abend das Abstimmungsergebnis über den Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie aus 174 Betrieben vor. Das Resultat von mehr als 10V Betrieben, darunter eine Reihe von wichtigen Großbetrieben, wo Schichtarbeit ge- macht wird, steht noch aus und wird erst heute vormittag beim Metallarbeiterverband eingehen. Nach den bisher vorliegenden Abstimmungsergeb- nissen ist mit der Annahme des Schiedsspruchs ,u rechnen. Es hat sich wohl eine Mehrheit für Ab- l e h n u n g des Schiedsspruches ausgesprochen, doch reicht diese Mehrheit bei weitem nicht aus zu einer qualifizierten Streikmehrheit. Wenn also die noch aus- stehenden Abstimmungsergebnisse nicht sehr wesentlich anders ausfallen als die bis gestern abend eingelaufenen Ergebnisse, dann ist mit einer Annahme des Schicds- spruchcs zu rechnen. Moskau befiehlt die Spaltung. Oer Anfang bei den Rohrlegern. Am Donnerstag fand eine Branchenoersammlung der Berliner Rohrleger des Deutschen Metallarbeiterverbandes statt. Der An- gestellt« der Russischen Handelsgesellschaft, Niederkirchner, irüher Branchenleiter der Rohrleger, der wegen seines hartnäckigen statutenwidrigen Verhaltens aus dem Deutschen Metallarbeiter- Verband ausgeschlossen werden mußte, war in der Versamm- lung anwesend Obwohl er von dem Vertreter der Ortsverwaltung aufgefordert wurde, die Versammlung zu verlassen, weigerte er sich, der Aufforderung Folge zu leisten. Bon den mehr als 7000 Mitgliedern der Branche der Rohr- leger waren etwa 1200 in der Versammlung anwesend, die voll- ständig unter dem Terror der unentwegten Anhänger Moskaus stand. Di« Versammlung ließ sich dazu verleiten, sich i n b e w u ß- tem Gegensatz zum Deutschen Metallarbeiter- Verband zu stellen, indem sie Niederkirchner, der gar nicht mehr Mitglied ist, zum Branchenleiter wählt«. Damit haben es die kommunistischen Drahtzieher dahin gebracht, wohin sie seit dem Befehl Losowskys steuern: einen offenen Konflikt Innerhalb des Melallarbeiter-verbandes zu provozieren. Ts ist selbstverständlich ausgeschlossen, daß der Deutsche Metall- arbeiter-Verband eine Branche anerkennen kamt, deren Leiter nicht Mitglied des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes ist. Das Vorgehen der kommunistischen Drahtzieher ist um so unver- nntwortlicher, als sich die Rohrleger in einer Lohnbewegung befinden, die in kurzer Zeit akut werden wird. Di« Unternehmer werden sich jetzt schon die Hände reiben. Di« erdrückende Mehrheit der Rohrleger hält sich allerdings schon seit langem von den Versammlungen fern, weil der dort herrschende Terror jede freie Meinungsäußerung unmöglich macht. Man kann deshalb auch hassen, daß diese erdrückende Mehr- heit der Rohrleger ihre Rechte im Deutschen Metallarbeiter-Ber- band und die Möglichkeit, mit Hilse dieser größten Organi- sation der Welt ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen zu sichern und zu verbesiern. nicht preisgeben wird, um den Moskowitern ihr ver- brecherisches Spiel mit den Interessen der Arbeiterschaft zu ermög- lichen. Schiedsspruch für die sächsische Metallindusirie. Unbefriedigendes Ergebnis. Dresden. 26. April.(Eigenbericht.) Nachdem die sächsischen Metallarbeiter das Derhandlungs- ergebms vom S. und 6. April mit starker Mehrheit abgelehnt hatten, rief das Reichsarbeitsministerium die Vertragsparteien der sächsischen Metallindustrie zu neuein Schlichtungsoersahren für Mitt- woch. den 24 April, nach Berlin. Trotz langandauernder, hartnäckiger Verhandlung war es nicht möglich, Berbcsserungen über das Verhandlungsergebnis vom S. und 6. April hinaus zu erreichen, so daß die Schlichterkammer in Funktion treten mußte. Auch hier gingen die Meinungen über die künftige Gestaltung des neuen Lohn- abkommen? weit auseinander. Roch längerer Beratung wurde ein Schiedsspruch gefällt, der im wesentlichen folgendes besagt: Der Einstellungslohn des Facharbeiters über 23 Jahre wird von 81 auf 66 Vf. erhöht und staffelt sich für die anderen Gruppen und Ortsklassen nach der bestehenden Prozenttabelle. Die gelernten, im Stundenlohn beschäftigten Facharbeiter über 23 Jahre erhalten folgende Ausgleichszulagen: bei Der- diensten bis 89 Pf. 5 Pf., über 89 bis 95 Pf. 4 Pf., über 95 bis 99 Pf. 3 Pf., über 99 bis 104 Pf. 2 Pf. Die Ausgleichszulagen für all« anderen Gruppen und Altersklassen von Stundenlöhnern staffeln sich prozentual. Für die Ortsklasse II und Bautzen werden die gestosfellen Zulagen in voller Höhe gewährt. Di« Grundlagen und Mechoden der Akkord berechnung bleiben unverändert. Der Durchschnittsoerdienst eines normal leistungsfähigen Arbeiters innerhalb einer Lohnperiode muß den Grundlohn, das ist 94 Pfennig plus 15 Proz. erreichen: ist dies nicht der Fall, sind die Akkorde entsprechend zu ändern. Als Ferienbez ach lung erhalten alle Arbeiter den Grund- lohn und plus 10 Proz. und dazu eine noch Spalt« I des Mantel- tarifoertrages gestaffelt« Zulage von 5 Pf. in der Spitze Der Schiedsspruch gilt ab 1. April 1929 und kann erstmalig zum 30. Juni 1930 mit einmonatiger Frist gekündigt werden. Die mittlere Tariskonmitssion hat nach«ingehender Prüfung des Schiedsspruchs beschlossen, die Entscheidung über diesen unbcfnedig- ten Schiedsspruch durch Urabstimmung herbeizuführen. Di« Erklärungifrist läuft am 30. April ab. Wer am 1. Mai feiert... Fordere von anderen leine ArbeiWeiflun-en. Zu den Mahnungen im �bend'. ik i n k ä u s, am 1 Mai zu ermeiden, und im.vorwärts', die Krankenkassen am > Mai nicht in Anspruch zu nehmen, sind noch eine ganze Reihe hnlicher Mahnungen hinzugekommen. Zum Beispiel die Ar. b e i t s ä m t e r am 1. Mai in Ruhe zu lassen und die Friseur- g e s ch ä s t e am 1 Mai zu meiden und es auch sonst nach Möglich- keit zu unterlassen, sei es von denen, die nicht durch Arbeitsruhe feiern können oder es nicht wollen, irgendwelche Dienslletstungen zu fordern. Wer den Sinn der Feier des 1. Mai erfaßt hat, wird diese ver- ständlichen Wünsche auch beachten. Die Tragikomödie Arthur Cook (Von unserem Londoner Korrespondenten.) Dondon, 25. April. Es gab ein« Zeit, da nannte sich der Generalsekretär der briti- schen Bergarbeiter-Föderation Arthur Cook einen.bescheidenen Diener Lenins'. Es gab ein« Zeit, da zog Arthur Cook durchs Land und bestärkte die Bergarbeiter in einem Widerstand, dessen tragischer Ausgang ihm nur allzu klar selbst vor Augen schweben mußte. Es gab eine Zeit, wo Arthur Cook eine Brofchüre ver- öffentlichte, in der mit verächtlicher Geste gegen das osfizielle Parteiprogramm Abschaffung dt r Monarchie m Großbritan- nien gesondert wurde. Es gab eine Zeit, in der M o s k o u in Cook Freie Sozialistische Hochschule Heute, Sonnabend, den 27. April, 19'/, Uhr, im großen Saal des ehemaligen Herfenhauses. Leipziger Str. 3 Vortrag des Gen. Peichtarsabgeordneten Otto Landsberg über: „Kamp? um modernes Strafrecht" Karten rum Preise von 50 Pfennig sind an folgenden Stellen zu haben: Bureau des Beziiksbildungsausschusses, Lindcn-tr 3. 2. Hof links. 2 Trep-eu; Arbeiterjugend Gioß Berlin, L ndenstr. 3, 2. Hof links. 2 Treppen; Buchhandlung j. H. W. Dictz N'achf., Lindenstr. 2: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 6S; Deutscher Ho'zarbeiter-Verband. Am Köllnischen Park 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter. Riiterstraße Ecke Luisenufer; rigarrengeschSft Horsch, Engelufer 25; AfA-Ortskartell Engelufer 14/25, Gewerkscnaftshaus; Verlag des Bildungsverbandes der deutschen Buch- drucer, Dreibundstr. 5; Zei.tralverband der Angestellten, Bellc-A'liance-Str.7. Veilagsgesellscaft des ADGB., Abteilung Sor iment, Inselstraße 6 a. die Haupthosfnung auf eine revolutionäre Bewegung in Groß- britannien sah. Es gab eine Zeit, wo einen die kontinentalen Freunde ungläubig lächelnd ansahen, wenn man prophezeite, daß Cook eines Tages noch lammfromm werden würde.. Bor wenigen Tagen war Cook auf einem Bankett. An dielem Essen nahm der Erbe des britischen Thrones, der Prinz of Wales, teil. In der Rednerliste figurierte Arthur Cook. Und der Zertrümsnerer der britischen Monarchie stand aus und sprach mit Hinblick'auf die Zlktton des Prinzen von Wales zugunsten der not- leidenden Bergarbeiter: „Dank dem Eingreifen des Prinzen zugunsten der Berg- arbeiter hat die Frage der Monarchie aufgehört, sür die Ar- beiterbewegung Großbritanniens ein Problem zu sein... Ich bin noch immer in Theorie em Republikaner, aber kein leidenschaftlicher mehr. Ich glaube, der Prinz of Wales ist heute der erste Fürsprecher sür soziale Reform in diesem unserem Lande.... Ich habe meine eigenen revolutionären Au/ffafsungen in dieser Hinsicht aufgegeben, weil der Prinz ausgehort hat, eine Königliche Hoheit ,im herkömmlichen Sinne zu sein.' Aber damit nicht genug. Cook berichtete in seiner Bankett- rode, wie er in Gesellschaft zweier Mitglieder der kommunistischen Partei Großbritanniens daheim durchs Radio die Weihnachts- bodschast des Prinzen von Wales zugunsten der hungernden Berg- arbeiter gehört hätte und sagte wörllich, znm Prinzen von Wales gewendet: „Ich war in Gesellschaft von zwei kommunistischen Freun- den, als angekündigt wurde, daß Sie zugunsten des Bergarbeiter- Hilfsfonds sprechen würden. Meine Freund« machten sich lustig. Aber sie lauschten dem, was Sie zu saaen hatten und als Sie geendet hatten, da hatten sie Tränen im Auge und griffen in ihre Tasten und gaben alles, was sie bei sich Hatten. Es mar ein wundervoller Appell, den Sie an jenem Abend an die Ration gerichtet Haben...' Cooks Hymnus an den Thronerben, weinende Konimunisten, die am Heiligen Abend in ihre Taschen greifen und sie für die notloidenden Bergarbeiter leeren, dann ein kräftiger Handschlag gewechselt zwischen dem Führer der„Revolutionäre' und dem Prinzen von Wales— keine Schullesebuchlegende der Vorkriegszeit, keine Anekdote aus dem monarchistischen Kasseekränz- chen in Potsdam ist so rührend wie dies. Dieser ganze Vorgang ist so naiv, so kitschig, daß jeder Versuch, anzuklagen und zu beschuldigen, in der Kehle und in der Schreibmaschine stecken bleibt. Das britische Bürgertum aber blickt stolz auf den Sieg, den wieder eintnnl die britische Mäßigung, der britische Sinn für „lair play" über den einstmals wildesten aller britischen Revo- lutionäre der Gegenwart davongetragen hat. Es ist eine seltsame Welt, in der wir leben, ihrer seltsamsten Bewohner einer ist Slrtbur Cook, der vor wenigen Jahren noch in der Stadtballc von Chelsea also gesprochen:„Beurteilt eure Führer nach ihren Taten und nach Ihrem Umgang. Wenn ihr sernals hören solltet, daß ich mich mit Mitgliedern des Königs- hatrses an einen Tisch setze, dann könnt ihr Arbeiter sagen, Cook ist zum Deserteur geworden.' Tariflosigkeit in der Verbandstoffbranche. Oie Unternehmer als wziale Rnckwä'-tser. Der Arbeltgeberverband der Berbondmittelhersteller Berlins hält den Zeitpunkt für gekommen, den Arbeitern und Arbelterinnen dieser Branche eine Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeilsdedingungen aufzuzwingen. Er Hot deshalb den mit dem Verkehrsbund abgeschlossenen Lohn- und Manteltarif gekündigt, wa, jedoch von der Arbeiterschaft mit der Gegenforderung quittiert wurd«, die Löhn« um 15 Proz. zu erhöhen, mehr Urlaub und. an Steile des bisher IVproz. Ueberswndenzuschlages, einen Zu- schlag von 25 Proz. zu gemä''ren. Da die Unternchmer jede Verhandlung glatt ablehnten, wurde der Schlichtungsausschuß angerufen, vor dem aber auch keine Einigung zustande kam. Der Vorsitzende des Schlichtungs- ausschussss machte den unverbindlichen Vorschlag, ähnlich wie bei den Angestellten dieser Branche, die Tarife bis Ende September d. Js. unverändert zu verlängern. Die Unternehmer waren dazu natürlich sofort bereit, verlangten aber eine Tarifverlängerung um ein Jahr. Der Vertreter des Ver- kehrsbundes lehnte diesen Vorschlag ab, zog auch seine Anträge an den Schlichtungsausschuß zurück, um sich nicht für die Großbetriebe dieser Branche zu binden, mit denen Haustarise abgeschlossen sind, die gleichfalls gekündigt sind. Da nunmehr für die Verbandmittelbranche kein Tarifvertrag mehr besteht, haben die Arbeiter und Arbesteriitnen beschlossen, überall dort, wo das Organisationsverhältnis gut ist, den Abschluß betrieblicher Vereinbarungen zu erzwingen. Das Ver- hallen der Unternehmer ist gerade deshalb besonders charakteristisch, als auch ein Teil der Firmen, die dem Arbeitgeberverband ange- hören, Lieferanten der Krankenkassen und Kranken- kassenverbönde sind. Schließlich können die Krankenkassen und Krankenkassenverbände oerlangen, daß sie von Firmen beliefert werden, die auch einigermaßen soziales Verständnis für ihre Arbeiter haben. Das Reichswehrministerium berichtigt. Bessere Verhandlungsmethoden sind notwendig. Vom Reichswehr Ministerium erhalten wir zwei be- richtigende Schreiben zu den Notizen, die am 7. April im„Vor- wärt?' unter der Ueberfchrift„Offizier und R e i n m a ch«- frau' und am 3. April unter der Ueberfchrift„Reichswehr kommandiert Achtstundentag" erschienen sind. In der ersterwähnten Notiz' war auf eine Dienstanweisung der Marineleitung hingewiesen worden, wonach bei Tauchübungen stets ein Offizier anwesend sein müsse, auch wenn ein im Tauchen ausgebildeter Offizier nicht vorhanden sei. Vom Neichswehrminister wird dazu bemerkt, daß der Ossizier für diesen Dienst keinerlei Ent- schädigung erhalte und die Abkommandierung zu diesem Dienst eine Beschneidung der Freizeit des Offiziers bedeute. Wir dachten nicht daran, den Offizieren etwa vorzuwerfen, eine Ertraentfchädigung zu bekommen. Wir haben nur daraus hin- weisen wollen, mit welcher Rigorosität gegen arme Reinmachefrauen vorgegangen wird. Zur zweiten Notiz bestreitet der Reichswehrminister, daß eine Verfügung vom Reichswehrministerium erlassen worden sei, die Arbeitszeit willkürlich von 54 auf 48 Stundey herabzusetzen. Man habe lediglich auf Anregung des Sparkommissars und nach Be- sprechung mit dem in Betracht kommenden Arbeiterorganisationen eine Prüfung angeordnet, ob aus dienstlichen oder wirtschaftlichen Gründen«ine Herabsetzung der Arbeitszeit möglich sei. In einer Reihe von Betrieben sei dann eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 48 Stunden eingetreten. Bisher habe die Arbeitszeit höchstens 51 Stunden betragen, so daß von einem Lohnausfall von sechs Stunden die Woche nickst die Rede sein könne. Der Reichswehr» minister weist im übrigen auf die Lohnverhandlungen hin, für die das Reichsfinanzministcrium federführend sei. Ohne auf die Einzelheiten des Schreibens des Reichswehr- Ministeriums Einzugehen, möchten wir daraus hinweisen, daß in Kiel die Arbeitszeit von 54 aus 48 Stunden herabgesetzt worden ist, obwohl dort wiederholt dagegen Vorstellungen gemacht worden sind. Die Verfügung des Reichswehrministers vom 12. Juli 1928, die ausdrücklich die Mitwirkung der gesetzlichen Arbcitervertretung bei einer Herabsetzung der Zlrbeitszeit oerlangt, ist leider nicht überall eingehallen worden. Nichts liegt uns ferner— wie das der Herr Reichswehrministsr anzunehmen scheint, als etwa einen Gegensatz konstruieren zu wollen zwischen Reichswehr und Arbeiterbewegung. Vielleicht würde unsere öffentliche Kritik, die nur im Interesse der Reick) sarbeiter geschehen ist, sich erübrigt haben, wenn der Reichswehrmiiiister, wie es sein Vorgänger getan hat, die Vertreter der organisierten Reichs- arbeiter empfangen und mit ihnen über die Regelung der Arbeits- und Lohnverhältniss« bei wichtigen Anlässen verhandeln würde. Man sollte eigentlich annehmen, daß diese Methode sich von selbst versteht. „Bon Sieg zu Gieg." Wie die kommunistischen Erfolge aussehen. Die Betriebsrätewahlen für die Metallindustrie km Bezirk der Dresdener Verwaltungsstelle des Deutschen Metall- arbeiterverbandes brachten den Kommunisten eine schmäh- l i ch c Pleite: In 244 Betrieben— 50 haben noch nicht bc- richtet— wurden 755 neue Betricbsratsmitglieder gewählt. Davon entfallen nur 18 in 4 Betrieben auf die kommunistisdi-oppositionellcn Listen, und unter diesen 18 befinden sich noch einige Syndikalisten und Unorganisierte. Das jetzt vorliegende endgültige Resultat der Betriebs» rätewahlen des rheinischen Braunkohlcnreviers lautet: Freie Gewerkschaften 123, Christen 77, Gelbe 3 und Un- organisierte' 1 Sitz im Betriebsrat. Die große Koalition der Kom- munisten und Unorganisierten ist auch mit dem stärksten Bergrößc- rungsglas nicht zu entdecken. Wie schreibt die kommunistische Presse? —„Bon Sieg zu Sieg!' Schieds'pruch im Vauqewerbe des Kreises Norden Durch Schiedsspruch des Haupttarifamtes ist die Lohnbewegung der Bauarbeiter für den Kreis Norden, der das Gebiet pon Groß- Hamburg und der Provinz Schleswig-Holstein umsaht, endgültig geregelt worden, und zwar erhöhen sich die Spitzenlöbne um 8� Pf. in der Stunde mit rückwirkender Kraft ab 11. April 1929. Da über die übrigen Bestimmungen des Reichslohntarifes bereits vorher eine Einigung erzielt worden war, gilt damt die Lohnbewegung der Bau- arbeter für beendet. Der Spruch des Haupttarisamtes ist sür beide Teile verbindlich. Achlunq. Buchdrucker' DI» 0ertraukn»feut« wcrdrn rrju�t, d'« Lehrlinge aus b o,. Son», tun, 28.«reif, 11 Tht, in her«olf-bühne, Zhextre am Bülowplag, stattfindende Aestoecanstaltnng onfrertjam»u i»ad>en. kanten nom im Larean« de, lheater» zu haben, kein UnlostendeUen». See Lehrlingeanijchnß. �reie �ewerkslba�S'�voend �ro�Berlin «eranneia«! Fonnfag, 28 dfnril, SeSchfiatin« der Sdrtnereianlaaen und tben'ild'ehiinfer" br, c-r-stkrafiwgrfs Klinz-nberg. Treffen 9% Uhr vor htm Kaupteingang des Erobiraftwerks. Vor neuen Zuckerdebatten? Die Zuckerindustrie rührt fich wieder. Das Ergebnis der Zuckerproduktionskompagne 1928/29 liegt soweit vor. daß eine annähernd richtige Beurteilung möglich ist. Die Rübenverarbeitung war um 7,84 Proz. höher als im Bor- jähr(114,9 Mill. Doppelzentner gegen 19(5,6 Mill. Doppelzentner). Die Zuckergewinnung stieg sogar um 19, 4S Proz., von 16,75 Mill. Doppelzentner aus 18,59 Mill Doppelzentner Rohzucker, da der Zuckergehalt der Rüben höher als im Borjahr war: Die Aus- beute betrug 15,93 Proz. gegen 15,53 Proz. Dieses Ergebnis ist an sich als durchaus g ü n st i g zu bezeichnen: die hohe Ausbeute kommt zunächst der Zuckerindustrie zugute, die infolgedessen höhere Rübenpreise wird zahlen können; die höheren Hektarerträge(aller- dings nach Landschaften verschieden) stärken die Kaufkraft der Land- Wirtschaft. Dieses günstige Bild wird ober getrübt, wenn man nach den Absatzmöglichkeiten fragt. Deutschlands Konsum war 1927/28 nahezu so groß wie die Produktion, nämlich 16,57 Mill. Doppelzentner Rohzucker Diese Zahl übertraf die der vorhergehen- den Periode mit 1,36 Mill. Doppelzentner um 9 Proz., ein Erfolg, der in erster Linie der Verbrauchssteuerherabsetzung vom August 1927 zu danken ist. Mit einer ähnlich starken Zunahme de» Konsum» darf man aber für das laufende Betriebsjahr leider nicht rechnen: di« Monate September— Januar 1928/29 weisen auch nur eine 3pro- zentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr auf. Die Bestände waren zwar zu Beginn des Bctriebsjahres etwas niedriger, aber vor Einführung der Zuckerzollnovelle vom 14. Dezember 1928 sind noch beträchtliche Mengen eingeführt worden. In den Monaten September— Januar zeigt der Außenhandel in Verbrauchszucker folgendes Bild: 1928 29 145 128 dz Rohrzucker: Einfuhr..... Ausfuhr......— Rübenzucker: Einfuhr...... 483552 ckr Ausfuhr...... 121 988 dz 1927/28 59 935 dz 51 872 dz 792 211 dz • Reben einer stark vermehrten Einfuhr, wovon 69 Proz. auf die Tschechoslowakei und 25 Proz. auf Dänemark ent- fallen, steht also eine erheblich verminderte Ausfuhr (davon 49 Proz. nach Frankreich). Dieser Rückgang Ist neben dem Abwarten der gesetzlichen Neuregelung einer irriümlichen Schätzung des Produktionsausfalles zuzuschreiben, derzusolge die„Ausfuhrvereinigung der deutschen Rübenzuckerfobriken" im November die Ausfuhrquote auf nur 3 Proz. der Produktion festsetzte, die im Februar jedoch auf 11 Proz. erhöht wurde Hiernach kann es nicht überraschen, daß der Bestand am 1. Februar 1929 mit 13,94 Mil- lionen Doppelzentner Rohzucker den voiN 1. Februar 1928 mit 11,21 Millionen Doppelzentner um 2,7 Millionen Doppelzentner übertrifft. Die unter dem Zwang der Verhältnisie notwendige Aus- fuhr wird ohne Verluste natürlich nicht abgehen, denn die D i f f e- r e n z zwischen Weltmarkts- und Inlandspreis betrögt zurzeit 8 Mark pro Zentner. Für jeden im Inland konsumierten Zentner Zucker dürfte dieser Ausfuhrverlust eine Belastung von ungefähr einer Mark ergeben. Infolge des großen Angebots bleibt der jetzige Marktpreis von etwa 19,59 Mark ziemlich weit unter dem Höchstpreis von 21 Mark des Gesetzes vom 14. Dezember 1928/ durch das jede Zuckereinfuhr unmöglich gemacht wurde. Daß infolge dieser Preis- gestaltung große Unzufriedenheit bei der rübenbauenden Landwirt- schaft herrscht, ist verständlich. Ganz und gar nicht verständlich aber sind die Abänderungsvorschläge, die von dieser Seite eingebracht worden sind Der Agrarslügel des Zentrums wünscht Heraufsetzung des 5)öchstpreises auf 23 Mark, die christlich-nationalen Bauern einen„besseren, den Produk- tionskosten entsprechenden Preis": die Deutschnationalen fordern, daß erst bei einem Zuckerpreis über 23 Mark der Holl auf nur 29 Mark, bei einem Preis über 25 Mark(I!) auf 15 Mark herabgesetzt werde— vermutlich würde der Zuckerpreis dann nie unter 25 Mark herabgehen! Nach den großen Zugeständnissen an die Zuckerindustrie im vergangenen Dezember stellen diese Anträge eine glatte Herausforderung dar, zum mindesten aber einen Miß- brauch der Gesetzgebung, wenn noch nicht drei Monate nach der gesetzlichen Regelung Abänderung verlangt wird, zu einer Zeit, wo sich der Einfluß des Gesetzes noch gar nicht aus- gewirkt hat und nicht auswirken tonnte, wo der Markt noch nicht einmal die Störungen, die gerade durch die gesetz- liehe Neuregelung in Form verstärkter Einfuhr eintraten, über- wunden hat Außerdem ist zu bemerken, daß der Verein der Deutschen Z u ck e r> n d u st r i e selbst stets nur einen Höchstpreis von 22 Ist. verlangt hat, daß nach seinem eigenen Vorschlag der Konsum nicht die L a st e n des absoluten Prohibitivzolles spüren sollte. Uebrigens würde sich die Zuckerindustrie bei ihrem ursprüng- lichen Vorschlage, den Inlandspreis nach dem Weltmarktpreis plus Zollausnutzung von 7,59 M. zu bilden, zurzeit nur ins eigene Fleisch schneiden. Und wenn man in Erkenntnis der konsumfördernden Wirkung der Steuerherabsetzung vom August 1927 eine wettere Herabsetzung fordert, so sollte man doch auch in der Polemik über den Höchstpreis nicht vergessen, daß jede Preiserhöhung in einem Rückgang des Konsums sich bemerkbor machen wird. was neue Verlustgefahren bei erhöhtem Ausfuhrzwang in sich birgt. Leider scheint es ja bei dem Stande der Reichsfinanzen aus- geschlossen, Schwedens Beispiel in vollständiger Aufhebung der Zuckersteuer auch nur schrittweise Folge leisten zu können. Immer- hin bezeichnete in seiner Etatsrede der Finanzminister den Ab- bau der Zucker st euer als nächstes finanzpolitisches Ziel. Ueber die Höhe des„angemessenen Preises" wird gestritten. So wird z. B. vom Verein der Deutschen Zuckerindustrie ein Rüben- preis von 1.99 M. pro Zentner für„unbedingt erforderlich" erklärt, während von Rllbenproduzenten andererseits ein Preis von 1,69 bis 1,79 M. bei Normalernte als angemessen bezeichnet wird. So kommt man natürlich zu ganz verschiedenen Resultaten, wozu noch die Unterschiede in den V e r a r b e i t ü n g s k o st e n kommen. Soll der angemessene Preis nach den Standardkosten der besten Betriebe, noch den Durchschnittskosten aller oder nach denen der schiechten Betriebe errechnet werden? Die spärlichen Zahlen, die darüber der Oeffentlichkeit bekannt sind, werden stets als nicht typisch. als für Verallgemeinerungen unverwendbar bezeichnet. Die Auf- klärung dieses Fragenkomplexes bildet für den Verein der Deutschen Zuckerindpstrie noch ein großes und wichtiges Arbeitsfeld. Nach den Angaben eines hervorragenden Sachkenners betrugen die Herstellungskosten für einen Zentner Verbranchszucker in der letzten Kampagne etwas u�eniger als 18 M. Da der„Verein der Deutschen Zuckerindustrie" den durchschnittlichen Rübenpreis für die gleiche Zeit mit 1,79 M. angibt, so ist der Höchstpreis von 21 M. als durchaus angemessen zu bezeichnen. Er soll ja schließlich nicht die verbraucherfeindliche Funktion vieler Kartellpreise erfüllen und die Existenz auch der schlechtesten, veralteten Betriebe gewährleisten. Auf jeden Fall muß man wünschen, daß sich der Reichstag vor eilfertigen neuen Entschlüssen in der Zuckerindustrie hüten möge.__ Zk. �eichsuniernehmungen weiteraufwarts Abschluß Her Vereinigte Industrie-Unternehmungen A-G. Die VereinigteIndu st rieunter nehmungen A.-G., die Viag, die als Verwaltungsgesellschaft(Holdingunternehmen) für die reichseigenen Unternehmen arbeitet, kann ihre Dividendensteige- rung der letzten Jahre auch für das am 31. März abgeschlossene Ge- schäftsjahr 1928/29 fortsetzen und die Dividende von 7 auf 8 Proz. erhöhen. Der R o h g e w i n n, der aus Provisionen und Dividenden be- steht, ist um eine halbe Million auf 15,1 Millionen Mark gestiegen, und der ausgewiesene Reingewinn sogar von 9,9 auf 12 Millionen Mark, da Sonderabschreibungen wie im letzten Jahre nicht erforder- lich waren. So werden außer der Dividendenerhöhung noch zwei Millionen der Reserve zugeführt. Das starke Anwachsen der Be t e i l i g u n g e n. des wichtigsten Bilanzpostens, um 13 auf 185,7 Millionen hängt mit der Verstärkung der Reichslnteresien bei der O st preußen werk A.-G., dein Großkraftwert Kofel und der Ver. Aluminium A.-G. zusammen. Auch die Beteiligung bei dem Rheinmetallkonzern in Düsseldorf, die auf Grund früherer Subventionen erfolgte, ist neu. Das Kapital der Viag wird, wie wir schon mitgeteilt haben, von 129 auf 169 Millionen erhöht, was mit der Aktienübernahme von der Reichselektrowerke A.-G. zusammenhängt. Der Geschäfts- bericht bringt nichts wesentlich Neues, da die Abschlüsse der einzelnen Reichsunternehmen bekannt sind. Nur die Abschlüsse der AEG.- Deutsche Werke, die unter Absatzschwierigkeiten leiden, sowie Boy- rische Lloyd Schiffahrts-A.-G. stehen noch aus. Der Stromabsatz im laufenden Jahre war gur und auch die Kalkstickstoffwerke entwickelten sich trotz der Kälte gunstig. Die Aluminiumwerke konnten von der Kupferhausse profitieren. Steigende Llmsähe im Konsum. Der Warenumschlag im März. Zu der W o ch e n u m s a tz st a t i st i k im März berichteten 62 Genossenschaften mit 1 578 992 Mitgliedern. Der Umsatz je Mitglied stieg in den vier Berichtswochen vom 4. bis 39. März gegenüber dem Februar im Zentralverbands- durchschnitt um 9,48 M. von 9,11 M. aus 9,58 M. Die Steigerung im März 1928 war mit 9,38 M. erheblich geringer. An dieser erfreulichen Steigerung waren olle Verbände beteiligt, nur der schlesische Verband hatte einen Rückgang um 9,14 M. auf- zuweisen. Am stärksten war die Umsatzsteigerung bei dem b a y e r i- s ch e n und o st deutschen VerHand um je 9,79 M. je Mitglied und beim sächsischen Verband mit 9,68 M. Gegenüber dem März 1928 stieg der Zentralverbands- durchschnitt um 1,48 M., während die Steigerung im März 1927 1,56 M. betrug. Auch der März, der noch ganz unter dem Ein- drucke des anormalen Winters stand, lieferte also ein sehr befriedigendes Ergebnis. Ueber dem Durchschnittsmehr- Umsätze standen der mitteldeutsche Verband mit 2,98 M., der oft- deutsche mit 2,92 M.. der thüringische mit 2,15 M.. der Nordwest- deutsche erreichte den Durchschnitt mit 1,43 M„ darunter standen der bayerische, der rheinisch-westsälische und der sächsische mit je 1,25 M., der schlesische mit 9,89 M.. der südwestdeutsche mit 1,12 M. und der württembergische mit 9,89 M. Banken in der Wirtschastsdepression. Oer Monatsausweis zum 3�. März. Die Z w i f ch e n b i l a n z e n der deutschen Banken zum 31. März, also zu einer Zeit, in der die Saisonbelebung in der Wirtschaft sich erst im Anfangsstadium befand, weisen noch keine belebenden Momente auf. Die fremden Gelder(Kreditoren) sind diesmal nur um 9,4 Prozent auf 18,8 Milliarden gestiegen, also fast stabil geblieben. Die im einzelnen bei den Berliner Großbanken eingetretene Steigerung der Kreditoren hängt mit der Fusion Mitteldeutsche— Commerz Privatbank zusammen, von denen die Ziffern der Mittel- deutschen im Februarausweis nicht enthalten waren. Der Zuwachs ist also unecht und die Bewegung der fremden Gelder bei den Großbanken befindet sich offenbar in Stagnation. Die F o r- derungen der Großbanken, also ihre Ausleihungen an die Kundschaft, stiegen gegenüber Ende Februar um 183 aus 5996 Mil- lionen Mark: doch auch hier sind die Zahlen durch die oben er- wähnte Fusion beeinflußt. Der Wechselrückgang von 2,46 auf 2,32 Milliarden bei sämtlichen Kreditbanken zeigt am deutlichsten den Einfluß der Mrtschastsdepresiion auf das Bankgeschäft im vergangenen Monat Znöustrietagung ln Breswu. Der Reichsoerband der Deutschen Industrie hielt Freitag in Breslau gemeinsam mit der Vereinigung d e u t- scher Arbeitgeberverbände eine Tagung ab, in der das MitgKed des Reichswirtschaftsrats Direktor Hans K r a e m e r über die Frage eines Handelsvertrages mit den osteuropäischen Ländern betonte, daß Opfer gebracht werden müßten, um die vor unseren Toren liegenden großen Märkte Rußlands, Polens, der Tscheche- stowakei, Oesterreichs und Ungarns der deutschen Ausfuhr zu er- schließen, allerdings unter der Voraussetzung gleichwertiger Gegen- Zugeständnisse. Hinsichtlich der deutsch-polnischen Verhandlungen erklärte der Redner, daß die Methoden mancher ausländischer Handelsvertragsverhandlungen dem Abschluß eines Vertrages wenig förderlich feien. Deutschland habe präzise, für Polen wertvolle, für die deutsche Industrie und Landwirtschaft schwerwiegende An- geböte gemacht, aber auf der Gegenseite nur in allgemeinen Wendungen gehallene oder nicht ernst zu nehmende Gegenzugeständnisse hervorgerufen. Wenn Polen den wirtschaftlichen Ausgleich mil Deutschland wünsche, so müsse es jetzt endlich mit der klaren Sprache bestimmter Angebote hervortreten. Was an Margarine verdient wird. 34 Millionen Reingewinn des Margarine-Trusts. Die Margarine-Union in Holland und England, die Muttergesellschaft der beiden früher feindlichen internationalen Mar garine-Konzerne Jürgens und von den Berg, kann mit den' Abschluß ihres ersten Geschästsjohrcs nach der bruderlichen Vereint gung sehr zufrieden sein. Das Kapital der beiden Gesellschcften, das bei der Gründung zum Jahresende 1927 76,7 Mill. holländische Gul- den betrug, wurde zur weiteren Aufsaugung von noch freien Mar garineunternehmungen im letzten Jahr aus 136 Mill. holländische Gulden, also auf rund 217 Mill. M., erhöht. Nach hohen Rückstel- lüngen wird für das erste Geschäftsjahr bereits eine Dividende vonl9Proz. aus einem'R eingewinnvonrund34Mill. Mark gezahlt. Nähere Mitteilungen über die Entwicklung der Gesellschaft werden auf der Generalversammlung des englischen Tochterunternehmens der Margarine-Union erwartet. Güterverkehr weiter kräftig aufwärts. In der Derichtswochc vom 7. zum 13. Aprll sind bei der Deutschen Reichsbahn- gesellschast an sechs Arbeitstagen(Angaben in 1999 Stück) 949.6 Güterwagen gestellt worden, während in der entsprechende!' Woche des Vorjahres an fünf Arbeitstagen 741,8 und in der vorhergehenden Woche d. Js. gleichfalls an fünf Arbeitstagen 765,9 Wagen zur Gestellung kamen. Für den Arbeitstag im Durchschnitt berechnet zeigt die Berichtswoche mit 156V Wagen arbeitstäglich ein« starke Erhöhung gegenüber der Vorwoche mit 154,9 und der entsprechenden Aprilwoche 1928 mit 148,4. Der kräftige Ausschwung des Reichsbahngüterverkehrs nach dem Ende der Kältewelle hat in den letzten vier Wochen zu einem weit stärkeren Güterumschlag geführt als in der entsprechenden Zeit des Frühjahrs 1928. Die starken Ausfälle durch den Frost dürfte die Reichsbahn daher in Kürze wieder aufgeholt haben. Farbenlrust im goldenen Dell. Die I. G. F a r b e n i n d u st r i e A.-G. in Frankfurt hat sich mit der Gründung der American I. G. Chemical Corporation eine neue und so leicht nicht ver- siegbare Geldquelle geschaffen. Die Gründung, die zusammen mit der Siandard Oil of New Jersey, der Weltölmacht, durchgeführt wurde, ist als Finanzgefellschaft sämtlicher Unternehmungen des Farbentrusts in Amerika gedacht. Wir kommen auf die Bedeutung dieser neuen Farbengründung noch zurück. 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