BERLIN Soiuiabend 2?.AprN 1929 10 Pf. Nr. 197 B 95 46. Jahrgang. erschetvt tSglich«ater Sonata««. Augltich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Abgaben SS Pf. pro Woche, SFvM. pro Monat. Redaktion und Emdition; Berlin SW6S. kindenür.» „MiWasfa l aieißenoret«: Die einsxaltiqe Nonpareille, eile SO Pf.. Reklameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. oßscheckkontv: Dorwärtä-Derlag G. m.b.H., Berlin Nr. S7S2S. Fernsprecher: Dönhoff 292 bit 29? Kreispruch im Zorns-pwzeß. Was bedeutet sie für den Michsanwalt? Heute nachmittag um 1 Uhr 5 Minuten verkündete Landgerichtsdirektor Dr. Marckard im überfüllte« Schwurgerichtssaal des Alten Kriminalgerichts Moabit das Urtell in dem Beleidigungsprozeh gegen das„Tage- buch". Gleich zu Beginn verkündete der Vorsitzende, daß der Augeklagte Bornstein aus Kosten der Staatskasse freigesprochen ist. Eine lebhafte, aber sofort unterdrückte Bewegung ging durch die Zuhörer, während der Nebenkläger. Reichsgerichtsrat Jörns, seine Erregung nur mühsam verbergen konnte. Die llrie'lsbegründung. In der Urteilsbegründung führt der Vorsitzende aus, daß in dem Artikel ein Werturteil über den Kriegsgerichtsrat Jörns gefällt worden ist, und damit ist der Tatbestand der f o r*m a l e n Beleidigung erfüllt. Ein Wahrheitsbeweis wäre aus diesem Grunde nicht zu führen. Die Tendenz des ganzen Artikels ist nachzuweisen, daß der Kriegsgerichtsrat Jörns nicht die juristische Befähigung Hab*, ein hohes Richteramt auszuführen. Der Wahrheitsbeweis, den der Angeklagte angetreten hat, ist nicht in jedem Fall geglückt. Das ist auch nicht entscheidend. In den wichtigsten Punkten muß fest« gestellt werden, daß tatsächlich die Behauptungen des Artikels er» wiesen sind. Runge ist zwar nicht in jedem Punkte glaubhaft, aber doch soweit es sich um das P r i v a t g e s p r ä ch mit Jörns handelt. Wenn ihm in diesem Falle geglaubt wird, dann ist auch erwiesen, daß Herr Zorn» ein unrichtiges Protokoll geführt hat. Dem Kriegsgerichtsrat muß vorgeworfen werden, ein» mal, daß er mit dem Divisionsstob eng zusammengearbeitet hat, daß er trotz Kenntnis der Zustände im Zellengefängnis keine Abänderung verlangte. Der Kriegsgerichtsrat hätte den Mut haben müssen, vom Gerichtsherren zu oerlangen, daß dies« Zustände geändert werden oder er hätte sein Amt zur Verfügung stellen müssen. Die Inhaftierung der Ossizier« war lediglich eine Umquartierung. Für die Unlersuchungssühruug in dieser Mord- fache Hölle es eines Mannes mi« stärkster Willenskraft bedurft. Das�war Zorns nicht. Ihm muß der Vorwurf gemacht werden, daß er durch sein« Unterfuchungssührung den AngeNagten vor- schub geleistet hat. Wenn das Gericht in diesen Punkken die Führung des Wahrheitsbeweises anerkennt, dann war der Angeklagte frei- zusprechen. Etwa eine Viertelstunde vor dem Sihungsbeginn war eln Auf- gebot Schutzpolizei in der Vorhalle de» Schwurgerichtssaales er- schienen, vermutlich hatte man geglaubt, Demonstrationen ver- hindern zu müssen oder Herrn Zorns schützen zu sollen. Aus ver- anlassung des aufsichtsührenden Richters wurde die Polizei jedoch| alsbald zurückgezogen._ Oer Todesweg des Tornado. 21 Todesopfer des WirbelsturmS in Georota. R e w g o r k. 27. April. Der Wirbelsturm, der die Staaten Georgia und Süd- Carolina heimgesucht. Halle doch eiki größeres Ausmaß als die ersten Meldungen vermuten ließen. Zeht zählt man 71 Tote lnach andern Meldungen sind es sogar 90 Tote), davon 65 im Staate sseorgla und 6 im Staate Süd-Carolina. Die Zahl der verletzten t! noch nicht genau ermitlelt. doch dürste sie sich aus mehrere hundert l Bausen, wahrscheinlich 500 bis 60 0. Der Sturm trat aus, als die Bevölkerung beim Abendessen war. Die meisten Toten zählt man in Metler im Staate Georgia, wo 25 Personen getötet und 50 verletzt wurden. Zn Statesboro wurden 12, In Cachram 5 Personen » getötet und 50 verletzt. Zn der zuletzt genannten Stadt ist der Sach- s Hoden am größten Die Stadt liegt fast vollständig in Trümmer, da die leichten Behausungen der vorherrschenden Regerbevölkerung d-'m Sturm nicht gewachsen waren. Auf dem Lande wurde an den Kulturen unermeßlicher Schaden angerichtet. Das Register der 2000 Verträge. Was seit zehn Jahren in Genf hinterleat wurde. Gens, 27. April. 2000 Verträge sind bis jetzt beim Völkerbundssekretariat zur Eintragung und Veröffentlichung auf Grund von Artikel 18 des Völkerbundspaktes hinterlegt worden. Die Vertragssammlung um- saßt 77 Bände Als 2000. Vertrag ist ein zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei im Jahre 1S23 abgeschlossenes Abkommen über. den Srenzoertehr eingetragen worden. 1 v. Guerard. Professor Kahl und der preußisch« Justiz- minister Schmidt erklärten sich als Segner der Todesstrafe, während Reichsiustizminisicr v. S u ä r a r d an ihr festhalten möchte. Scheidt JCM m i Gu&ird *3$ kann den Blick nicht von ihm wenden!" Oustmktion im Landtag. Die Gewerbesteuer zu Kall gebracht. In der heutigen Sitzung des Preußischen Land- tages sabotierte die Opposition wiederum die Verabschiedung der Gewerbe st«nervo r- läge in dritter Lesung durch Obstruktion. Der Antrag der Wirtschafispartei, die freien Berufe wieder ein- zubeziehen, wurde in namentlicher Abstimmung mit 206 gegen 105 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten die Regierungsparteien und Kommunisten, dafür Wirtschastspartei und Deutschnationale. Die Einbeziehung der freien Berufe wäre verfassungswidrig ge- wesen, nachdem der Staatsrat gegen dies« Bestimmung Einspruch erhoben und das Gesetz in dieser Fassung zur Verabschiedung die versassungsrechtiich notwendig« Zwerdrittelmajorität im Landtag nicht gefunden hotte., " Dies« Abstimmung war nur ein Versuchsballon der Opposition. Bei der namentlichen Abstimmung über den Haupt- ausschußantrag, auf das Reich bei der endgültigen Gestaltung der Rtichsrahmengewerbesteuer aus Einbeziehung der freien Berufe ein- zuwirken, gaben Rechtsparteien und Kommunisten keine Karten ab und führien so die Beschlußunfähigkeit des Hauses herbei. Durch diese Sabotage ist nun, nachdem durch wiederholte Mehr- heitsbeschlüsse der Landtag seinen zweifellosen Willen zur Verab- schiedung der Gewerbesteuer bekundet hatte. für die Gemeinden ein Rolstond geschaffen. Zurzeit existiert also tatsächlich keine Gewerbesteuer: sie ist aber bereits von den Gemeinden in den Etat eingestellt. Soll durch die beispiellose Verantwortungslosigkeit der Opposttions- Parteien nicht heilloser Wirrwarr in der Kommunalwirtschaft ent- stehen, so muß zur Beseitigung dieses Rotstandes die Vorlage durch den ständigen Ausschuß oerabschiedet werden. Fällt die Gewerbe- steuer, so werden die Städte u. a. auch die Grundvermögens» st e u e r erhöhen müssen, was wiederum eine unerträgliche E r- höhung der Mieten bedeutet. Hierauf verabschiedete das Haus In zweiter und dritter Be- ratung den Gesetzentwurf zur Aenderung des preußischen Aus- führungsgesetzes zum Finanzausgleich. Die Vorlage sieht u. o. auch eine Besserstellung der Provinzen Ostpreußen und Grenz- mark In ihrer Beteiligung am Finanzausgleich vor. Außerdem ist «in Antrag gestellt, den Einheitssatz der relativen Garantie der Städte von 22 auf 25 Pfennig zu erhöhen. Roch dem Berichterstatter Abg. Dr. W a e n t i g(Soz.) erklärte Abg. Szillat(Soz.), daß ihm die Beratung nach der Verabschiedung des E ats der allgemeinen Finanzverwaltung problematisch erscheine Endgültige Aenderungen zu schassen sei erst möglich nach Berab- schiedung des endgültigen Reichsfinanzausgleich». Was den Ein- heitssatz der relativen Garantie der Städte anlangt, so bieten die Eingaben der Städte kein einheitliches Bild. Die Veränderung des Einheitssatzes bzw. seine Erhöhung habe zweifellos Berechtigung angesichls der Finanzlage der Stadt Berlin und einiger anderer großer Gemeinden. Ein Teil seiner Fraktion sei deshalb für die Erhöhung des Einheitssatzes. Die Gesamtfrattion sei auch der Auffassung, daß die relative Garantie nicht den gerechten Anforderungen entspricht. Aber man müsse gleichzeitig bedenken, daß in der Denkschrift der Regierung der Beweis geführt wird, daß von einer Erhöhung des Einheitssatzes nur 55 Gemeinden einen Borteil, dagegen aber 282 finanziellen Aussall haben. Außerdem wären die Etats in den meisten Städten bereits abgeschlossen, so daß es nicht gexaten erscheine, jetzt noch Abänderungen eintreten zu lassen. Bei der Automobilsteuer sei beantragt, die Verteilung so zu ändern, daß die Provinzen 65 Proz., die Kreise 35 Proz. des Auf- kommens erhalten sollten, entgegen dem ursprünglichen Berteilungs- satz von 75 Proz. zu 25 Proz. Da die beantragte Aenderung aber den Etat der Provinzen zu sehr belasten würde, haben sich die Re- rungsparteien auf das Verhältnis von 70 Proz. zu 30 Proz. geeinigt. Einig war man sich auch darüber, t>en Provinzen Ostpreußen und Grenzmark eine besondere Zuwendung zu gewährleisten. Dem Antrag des Berichterstatters, gegenüber dem Beschluß des Hauptausschusies die alte Bestimmung, daß Berlin von der Kraftfahrzeug- steuer einenSonderbetrag von 2 Millionen Mark vorweg- bekommt, werde seine Fraktion zustimmen. Roch kurzer Aussprache wird die Vorlag« in zweiter und dritter Lesung verabschi-edet. Der Antrag? den Einheitssatz der rela- tioen Garantie von 22 aus� 25 Pf. zu erhöhen, wird abgelehnt. Für die Erhöhung haben ü. a. auch die in Berlin gewählten Mit- glieder der sozialdemokratischen Fraktion gestimmt. Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag, den 13. Mai.» Wein, Bier und Likör gratis. Nette Zustände auf einem Ozeanriesen. Rem park. 27. April. Der Passagierdampfer„Ceviathan* ist gestern in In New Fort eingetroffen. Da vor seinem Einlaufen in die omerika- nischen Territorialgewässer noch bedeutende Alkohol- mengenanBord waren, wurden diese über Bord geworfen. Der Wert belief sich aus 8 2 0 00 D o l l a r. In den letzten drei Tagen, als sich zeigte, daß es nicht möglich sein werde, den Alkoholvorrat normal zu verkaufen, wurden die Preise ganz bedeutend herabgesetzt und zuletzt gewisse alkoholische Getränke überhaupt kostenlos ausgeschenkt. Unter dies«» Umständen waren viele Passagier« betrunken. t Krach bei Hugenberg. <5inneverIallLambach-SchleunigeHeimreijeHugenbergS Der Parteistreit, der das Eefüge der Deutschnationalen Partei erschüttert, hat sich in den letzten Tagen zur offenen Krise zugespitzt. Die Polemik zwischen den verschiedenen Richtungen wird teils offen in Zeitungsaufsützen, teils in vertraulichen Denkschriften geführt. So hat Herr Schlange- Schöningen, der kürzlich abgesägte Vor- sitzende für Pommern, in der Presse den Hugenbergkurs scharf an- gegriffen, weil er zu einer Isolierung der Parte! führt. Di« Agrarier aber, die Schlange vertritt, wollen Fühlung mit den Mittelparteien und womöglich die Rückkehr in die Regierung. Roch ernster scheint in diesem Augenblick der Konflikt zwischen der sozialreaktionären Parteiführung und der christlichsozialen Rich- tung. Gegen dos Treiben der Hugen'oerg und Hartz, die die gesamte Sozialversicherung durch ein System des„Sparzwangs' ersetzen wollen, wendet sich der Verbandsgeschäftsführer des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverlmndes Lambach in einer Denk- schrift, die er an seine Fraktionskollegen im Reichstag verschickt. Daß sich diese Aktion gegen Hugenberg richtet, geht aus einem Begleitschreiben hervor, das in der„SIZossischen Zeitung' veröffentlicht wird. Es lautet: Berlin-Wilmersdorf, 15. April 192S. Sehr geehrter Herr Kollegel Nachdem der Herr Parteioorsitzende die im Ver- läge Scherl erschienene Schrift.Lrrwegs der deutschen Sozialpolitik' als Grundlage für die Ausarbeitung eines neuen sozialpolitischen Programms der Partei empfohlen hat, gestatte ich mir, Ihnen anbei ein« ausführliche Stellungnahme aus der Feder hervorragend sachverständiger Parteimitglieder ganz ergebenst zu überreichen. Ich darf wohl annehmen, daß Ihnen die Kenntnisnahm« der darin enthaltenen Argumente erwünscht sein wird. Mit kollegialem Gruß Ihr sehr ergebener gez.: Walter Lambach, M. d. R. Wie man sieht, hält sich diese Aktion durchaus �jn dem Rahmen einer sachlichen Polemik. Hugenbergs„Tag" ober antwortet prompt! mit persönlichen Angriffen und Denunziationen. Da schreibt näm-' lich der bekannte Major A. Stein an der Spitze seines neuesten Reichstagsstimmungsbildes das folgende: Einige auf Reichslifte gewählte Abgeordnete der Rechten geben an, sich vielleicht deshalb von der Partei trennen müssen, weil sie neuerdings sozialreaktionär fei. Sie suchen fieberhaft nach Wahlkreisen, in denen st« mit etlicher Aus- sicht aufgestellt werden könnten; aber sie haben nirgends«ine nennenswerte Gefolgschaft. Damit wird in dem Leibblatt Hugenbergs und von seinem Leibjournalisten die Spaltung der Deutschnationalen Partei offen angekündigt. Lambach ist aus der dcutschnationalen Reichsliste gewählt, ebenso H a r tw i g, der sich als Arbeitersekretär bezeichnet. Als dritte im Bunde käme höchstens— aber das ist unwahrscheinlich— die Frau Müller-Otfried in Betracht. Die meisten Reichslistenabgeordneten der Deutschnationalen sind Vertreter von Unternehmerinteressen wie Haßloch er, der vor- gestern zum Sozialetat gesprochen hat, Klönne, Quaatz usw. Dagegen dürfte Lambach unter den Abgeordneten der Kreise einen bescheidenen Anhang haben, zu dem besonders auch der Breslauer Arbeiterfekretär H ü l s e r zählt. Die angegriffenen Abgeordneten werden ganz genau wisien, was es zu bedeuten hat. wenn man den Stein auf sie los- läßt, der wegen seiner unanständigen Methoden der Polemik berüchtigt ist. Offenbar geht es jetzt in der Deutschnationalen Partei ums Ganze. Darum hat auch, wie weiter gemeldet wird, Herr Hugenberg seinen Frühiingsurlaub in Lugano plötzlich abgebrochen, um sich nach Berlin zurückzubegeben.„Hussein", wie ihn die deutsch- national«„Politische Wochenschau" boshaft genannt hat, kehrt in fein Reich zurück, um die aufständischen Stämme niederzuschlagen. Er kämpft um seinen Thron. Oer Großbahnhof Berlin. Sin ZtttsenprDjett.— Oer„Schandfleck" soll verschwinden Daß der„Schandfleck Verlins", der vollkommen ver- sumpfte und verkommene Platz vor dem Bahnhos Friedrich. slrahe, endlich verschwinden soll, weiß man bereits seit einiger Zell. 3etzt endlich bekommt die Oessentlichkeit näheres über da» zu erfahren, was werden soll. Es handelt sich, wenn die beabsichtigten Projekte zur Ausführung gelangen, um eines der großartigsten Verkehrsunternehmungen in Berlin. Nicht weniger als drei Schnellbahnen sollen mit dem Bahnhof Friedrich st raße verbunden werden, von denen zwei durch die Reichsbahn gebaut werden. Und zwar soll an jener Stelle unterirdisch ein Bahnhos der Reichsbahnltnle Anhalt» r— P o t» d a m e r— S t e t t i n e r Bahnhof und ein Bahnhof der Reichsbahn Lehrter Bahnhof— Görlitzer Bahnhof erstehen, so daß sich tm ganzen mit dem bereits vor- handenen Bahnhof der Nordsüdbahn und dem Bahnhof Fried rich st raße dort vier Bahnhöfe befinden werden. Die Reichvschnellbahnen sollen mit den Stadt«, Vorort- und Fern- bahnstetgen des Bahnhof» Friedrichstraß« Rolltreppenver- bindung erhalten. Di« gesamten Baukosten werden auf nicht weniger als 5 Millionen Mark veranschlagt. Man nimmt an. daß mit dem Bau noch in diesem Sommer begannen wird. Weiterhin soll die Straße Reichstagsufer in einer Breite von 23 Metern auegebaut werden. Ebenso soll die Friedrich- st r a ß e zwischen Weidendammer Brücke und dem Bahnhof Friedrich- straße auf ZL Meter verbreitert werden. Das zurzeit wüst liegende Gelände gegenüber dem Bahnhof Friedrichstraße, eben der berüchtigte„Schandfleck", soll nur ein« �tondbebquung, und zwar mit Häusern in acht Etagen Höhe, erhalten. Der In der Mitte frei- bleibend« Raum soll der Aufnahme eines Autoparks dienen. Es hat l�>r lange gedauert, bis man an die Regelung dieses, das Ansehen Berlin» schwer schädigenden Zustandes, herangegangen ist. Und wenn auch alles noch Projekt ist, wird es hoffentlich nicht noch ein- mal solange dauern, bis alles geregelt ist. Die Todesfron der Lugendlichen. Zeugenaussagen im Trohki-prozeß. Eisenbahnunglück mit glücklichem Ausgang. Braunschweig. 27. April. Auf der Eisenbahnstrecke B r a u n sch we i g— P l o ck h o r st— Celle haben gestern unbekannte Täter zwischen Watenbüt el und Gliesmarode eine etwa vier Meter lange Eisenbahn- schiene aus den linken Strang gelegt, so daß von dem um 21,26 Uhr in Watenbüttel absahrenden Personenzug der hinter dem Packwagen folgend« erste Personenwagen«nt- gleiste. Nach etwa 66 Metern sprang der Wagen wieder auf die Schienen zurück. Personen wurden nicht verletzt. Die Beweisaufnahme in dem Prozeß gegen den Fabrikaten Friedrich Wilhelm T r o h k i wegen des furchtbaren Brandunglücks in der Schänleinstraße wurde heute früh im Schwurgerichtrsaal fortgesetzt. Bei dem heutigen Zeugen- aufruf fiel der Aufmarsch der großen Zahl der im jugendlichen Atter stehenden Arbeilsburschen und Mädchen aus. Zuerst wurde der Vertreter Elsner vernommen, der während des letzten Jahres die Spulen verkauft hatte. Er erklärte, daß er sich für sein« Verkaufszwecke sehr oft und genau den Betrieb an- gesehen habe. Die Bunsenbrenner an den Gasschläuchen seien immer nur mit Gasanzündern in Brand gesetzt worden. Vors.: Diese wurden doch erst im Sommer angeschafft und haben nicht immer funktioniert. Zeuge: Dann müssen die Flammen immer schon gebrannt haben, wenn ich dort war Ich habe keine Streichhölzer gesehen. Kleine Abfallschnitzel können mal herum- gelegen haben. Vors.: Was heißt: können mal? Zeuge: Run, es fällt doch bei der Arbeit auch einmal ein Plättchen herunter, aber es kann keine Rede davon sein, daß eine Unmenge Abfall auf der Erde gelegen hat Vor f.: Haben Sie gesehen, daß sich Plättchen bei der Arbeit entzündet haben? Zeuge: Rein, nie. Vors.: Haben Sie Löschvorrichtungen gesehen? Zeuge: Ich glaube, daß einige Eimer mit Wasser da standen Herr Trotzki hat den Betrieb immer beaufsichtigt und oft geschimpst, man könne nicht eine Stunde weggehen, dann werde gleich Mist gemacht. Vors.: Was war darunter zu verstehen? Zeuge: Er konnte Unordentljchkeit nicht leiden Rechtsanwalt Dr. Siegfried Eisenstädt beantragte noch, eine Reihe Zeugen zu laden. Es seien das im Gegensatz zu den von der Staatsanwaltschaft geladenen jugendlichen Zeugen alles Atere An- gestellte, d'e bekunden sollen, daß stets Sauberkeit geherrscht und der Angeklagte seine Schuldigkeit getan habe Weiterhin wurde die 20jäh?ige Kontoristin Erna Sasse vernommen, die bekundete, daß in der letzten Zeit der Betrieb sich ausgedehnt hatte, so daß auch bis in die Nacht, auch zum Sonntag, gearbeitet wurde. Vors.: Wie wurden die Bunsenbrenner angezündet? Zeugin: weist mit Streichhölzern. Es wurden die Streichholzschachteln bei uns im Kontor angefordert. Abfälle lagen auf der Erde herum, am meisten am Tisch bei den Vrägepressen in der Nähe des Gaskochers. Vors.: Wie wurde der Gaskocher angezündet? Zeugin� Ich habe das nur einmal gesehen, und das geschah mit einem Streichholz. Vors.: Und da lagen große Mengen Abfall in der Nähe? Zeugin: Ja. Vors.: Was haben Sie vom Brand gemerkt? Zeugin: Wir wurden durch die wahnsinnigen Schreie der Arbeiterinnen aufgeschreckt. Alle» stürzte ins Kontor, und wir retteten uns. da schon überall Stichflammen nach der Treppe waren, ins Privatkontor. Von dort sprangen wir, nachdem die Feuerwehr gekommen war, durch das Fenster ins Sprungtuch. Vors.: Wie wurde das Azeton gehandhabt? Z e u g i n: Es wurde täglich etwa eine Literflasche geholt, das war eine gewöhnliche Glas- flasche, die immer auf einem Fenster stand. Staatsanwaltschaftsrat D o m i n i ck: Wie war es mit Feuerlöschgeräten? Zeugin: So etwa» existierte nicht, wir haben auch nie eine Unterweisung bekommen, was wir tun sollten, wenn Feuer ausbräche. Die nächste Zeugin, die 21jährige Kontoristin Else Stolle, war zuerst in der Expedition, dann im Bureau beschäftigt. Sie hatte die Arbeitskräfte einzustellen. Die meisten Arbeiterinnen waren noch nicht lange da, da erst in der letzten Zeit der Betrieb sich entwickelte. Es wurden meist jugendliche Kräfte als Laus- Mädchen angenommen, wenn diese keine Gänge hatten, wurden sie im Betrieb beschäftigt. Gewöhnlich wunden sie von einer älteren Arbeiterin angelernt. Vors.: War Anweisung gegeben worden, mit dem Zelluloid vorsichtig umzugehen?' Zeugin: Das wurde den Mädchen nicht direkt gesagt, sondern nur, was sie zu arbeiten hatten. Vors.: Haben Sie Anweisung erhalten?' Zeugin: Direkt nicht, aber man wußte doch, daß Zelluloid feuergefährlich war. Wenn die Anzünder nicht in Ordnung waren, wurden Streichhölzer benutzt. Vor dem Brande war der Anzünder am Gaskocher nicht in Ordnung." Vors.: Wußte Trotzki davon? Zeugin: Ich denke ja; er wußte doch, daß Streichhölzer ausgegeben wurden. Ich habe mich gewundert, daß soviel Streichhölzer verbraucht wurden. Die Ausgaben dafür konnte ich doch aus meiner Tagesausstellung ersehen. Einmal sah ich, daß ein Junge mit Papier anzündete und es brennend aus die Erde warf. Ich machte ihm Vorhaltungen. Vors.: Sie haben auch die 14jährige Schönemann angenommen. Zeugin: Ja, sechs Tage vor dem Brand«. Weiterhin bekundete die Zeugin, daß Trotzki, wenn er wegging, sein Privatkontor abschloß. Es konnte daher niemand zu der hinteren Treppe gelangen. Es sei nicht wahr, daß der Schlüssel stecken blieb. Am Tage während der Arbeit lagen viele Abfälle am-Boden, auch in der Nähe des Gaskochers. Es war zwar angeordnet, täglich auszufegen, aber in der letzten Zeit haben die Leute wegen der vielen Ueberstunden nicht immer ausgeräumt. Vors.: Wer sollte ausfegen? Zeugin: Die Laufmädchen. Manchmal habe ich gesagt, es ist zu schmutzig, heute muß noch ausgefegt werden. Vors.: Haben Sie Anweisung gegeben, daß täglich aufgeräumt werden sollte? Z e u g l n: Nein. Ich hatte ja nur die Aufsicht, wenn niemand da war und sollte mich darum küinmern, daß die Leute arbeiteten und wie sie arbeiteten. Ursachen der Gchülerselbstmorde. Schule oder Kamilie— wen trifft dle Schuld? Der Berliner Lehrervereia erörterte in einer stark besuchten Sitzung die Ursachen der Schülerselbstmord«. Oberschulrat Dr. H a r l k c vom Provinzialschulkollegium Berlin berichtete über die Ermittlungen, die diese Schul- ausflchtsbehörde bei Schülerselbstmorden stets vornimmt. Einleitend wandte Dr. Hartk« sich geg«n die SchnellseNigkeit, mit der in der Oessentlichkeit die Schuld an einem Schüler- s« l b st m o r d in der R«gel sogleich bei der Schule ge- sucht wird. Das sei wohl daraus zu erklär«», daß die Familie kein gutes Gewissen hat und man sich selber von einem Schuldgefühl entlasten will. Er bedauerte, daß Zeitungen über Selbstmorde oder Selbstmordversuche von Kindern in sensationeller Auf- m a ch u n g berichten. Nach dem Selbstmordversuch«ines dreizehnjährigen Mädchens habe«in« Zeitung die anfangs widerstrebende Mutter zu bewegen gewußt, daß sie das Bild des Kind«s zur Ver- öff«ntlichung hergab. Di« breite Berichterstattung der Presse habe manchmal die Wirkung, daß Eltern nach dem Selbstmord ihr«s Kindes di« psychologische Aufklärung zu fördern sich weigern. Nicht selten könne man aber auch das erleben, daß Eltern, um zugunsten ihr«s Kindes einen Druck auf die Schul« auszuüben, die Gefahr eines Selbstmordes ausmalen und mit den dann unausbleiblichen Presseerört«rungen drohen. Beachtenswert sei, daß zwar die Presse- Meldungen über Schülerselbstmorde zugenommen haben, aber d i e Zahl d«r vorkommenden Schülerselbstmorde ab» nimmt. Dem Vortragend«» gilt das als ein Zeichen, daß die Ge- sellschast ihr Gewissen sich regen fühlt und das Problem zur Lösung reif wird. Dr. Hartk« besprach dann sehr«ingehend di« Ergebnisse d� Untersuchungen von 85 Selb st morden o d« r Selbst- Mordversuchen, di« In Preußen in den letzten Jahren bei Schulkindern vorgekommen sind. Wir handeln wohl im Sinne des Vortragenden, wenn wir uns di« Wiedergabe von Einzelheiten ver- sagen. Unter den beteiligten Kindern waren dreimal soviel Knaben wi« Mädchen. Ganz unbedeutende Anlässe genügten schon, daß im Llffekt sofort zur Tat geschritten wurde. Furcht vor d«n Eltern, vor ihrem Tadel oder vor Strafe wurde öfters fest- gestellt. Ein Liebeserlebnis wurde als Ursache nur bei Mädchen, nie bei Knaben ermittelt. Mit Liebesproblemen offenbaren sich, sagte Dr. Hartk«, die Mädchen nicht den unoerheirateten Lehre- rinnen. Darum sollten verheiratete Frauen aus der Bevölkerung durch rntgebenden Beistand mitwirken, bis das Problem„vor- heiratete Lehrerin" gelöst ist. Bei Mädchen ist die kritische Zeit der Selbstmordneigung das 13. bis 16. Lebensjahr. Bei Knaben tritt sie erst später«in, besonders in den für Unterprima in Frage kommenden Jahren. Wenn bei Schülerselbstmorden die Schule « in« R oll« spielt, z. B. Bemängelung geringer Leistungen oder ungehörig«» Verhaltens, spricht in der R-egel die Scheu vor den Elt«rn mit und nicht selten ist sie dann der eigentlich« Grund des Selbstmordes. Dr. Hartke hält daher für be- denttich, bei notwendigen Rügen zu rasch die Eltern zu benach- richtigen. Im übrigen macht-er der Schule zur Pflicht, selber alle Mißgriffe zu vermeid«». Von den Elt«rn und ihrer Erziehnngskunst scheint er eine nicht sehr höh« Meinung zu haben. Bei vielen Eltern sei das Verständnis für törichte Streiche ihr«r Kinder geringer als bei den Lehrern. Pur zu vielen Eltern fehl« es auch an Verständnis für die B e- gabungsmängel ihrer Kinder. Ueberalterte Schüler, die auf der Schule nicht vorwärts kommen und schließlich zu einem un- gewünschten Berus gezwungen werden, schreiten leicht zum Selbstmord. Ein Neunzehnjähriger, der aus Obertertia abgehen mußte. klagte vor d«m Selbstmord in seinem Abschiedsbrief:„Was soll ich anfangen in solchem Alter ohne Einjährigenzeugnis!" Ehrgeiz der Eltern, die ihre unbegabten Kinder zur Erlangung solcder „Berechtigungen" nötigen wollten, trieb schon manchen Jungen in den Tod. Oberschulrat Hartke forderte, zunächst die Eltern zu erziehen, di« g«gen ihre Kinder nur zwei„Erziehung»- mittel' kennen, Nachhilfestrinden oder den Stock. Wie soll geholfen werden? Der Vortragende empfahl unter anderem eine enger« Verbindung zwischen Schule und Haus. Persönliche Besprechungen eines Dat«rs oder einer Mutter mit dem Lehrer ihres Kindes seien wertvoller als Vorträge in großen Elternoersammlungen. Der Lehrer selber soll« die Schule nicht zu wichtig machen. Die Schule sei ja nicht der einzige Weg ins Leben. Schon mancher, der in der Schul« ein Held war, hat im Leben versagt. In der Aussprache beteiligten sich Vertreter der Lehrerschaft, der Aerzteschast und der Presse. Für die Presse wurde gesagt, daß zurückhaltende Berichterstattung über Kinderselbitmord« leider nicht immer den Beifall der Leser findet. Di« Bevölkerung selber könne durch Ablehnung der Sensationc presse di« breit« Erörterung von Kiiiderselbstmorden bekämpfen. Woher stammt die Munition? Im Konsum-Berein beschlaanahmt. Chemnitz, 27. April.(Eigenbericht.) In den Räumen des völlig unter kommunistischen Einfluß stehenden Konsumoereins in Limbach wurde am Freitag eine Haussuchung vorgenommen, in deren Verlauf große Mengen Munition für Maschinengewehr« aufgefunden und beschlagnahmt wurden. Eisenbahners Tod. Zwischen die Puffer geraten. Auf dem Güterbahnhof Tempelhof ereignete sich In der vergangenen Nacht wieder einmal ein schwerer Unfall, bei dem der hilfrschassner Thomiack einen schrecklichen Tod fand. Der Beamte wollte die Gleise überschreiten und ging durch die Wagenlücke einer Rangierabteilung hindurch. In diesem Augenblick, setzte sich die eine Zughäsfte in Bewegung und Thonrack geriet zwischen die Puffer zweier Wagen. Er erlitt so schwere Brustquetschungen, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Auf dem K u r s ü r st e n d a m m an der Ecke Wilmersdorf«! Straße trug sich heute vormittag ein schwerer Verkehrsunsall mit tödlichen Folgen zu. Beim Ueberqueren der Straßen- kreuzung wurde ein etwa dreißigjähriger Mann, besten Personalien noch unbekannt sind, von einem Privotauto erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Der Verunglückte, der einen Schädelbruch und innere Verletzungen erlitten hatte, wurde sterbend zur nächsten Rettungsstelle gebracht. Die Schuld- frage bedarf noch der polizeilichen Klärung. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochei.schrift, und „Der kindersreund" liegen der heutigen Postauslage bei. Orchester i Musikrundschau/ Klemperer und Muck. Die bang« Frage, ob dieser Winter nie enden will, ist einstweilen in der Philharmonie und im Bachsaal positiv beantwortet; unsere Konzertorchester machen Sommer. Nur die Sinsoniekon» zerte der Staatsoper gehen weiter. Man sollte, so ist neulich hier angeregt worden, daran denken, die Konzerte der Lindenoper, in denen die Tradition der einst berühmten Opernhauskonzerte sich ein wenig lustlos fortsetzt, allmählich abzubauen. Die Gründe, die dafür sprechen, gelten in gleicher Weise nicht auch im Hinblick aus die Verhältnisse der Republikoper. Hier ist alles Zukunft und Ausbau, und hier fügen die Sinsoniekonzerte sich organisch in das Ganze der künstlerisch-gejellschaftlichen Einheit, die wir werden und wachse» fühlen. Nach längerer Pause ist nun wieder Klemperer am Werk und steht am Pult. Das Programm seines sechsten Abends zeigt in beispielhafter Konsequenz den Typ, den er hier ausgebildet hat— einen neuen Programmtyp in der Tat: Sinsoniekynzert ohne Sinfonie. Nichts spräche freilich dagegen, nun auch den Namen „Sinfoniekonzert" vom Programm verschwinden zu lassen. Immer wieder aber: das bedeutet nicht, daß die Sinfonie als Kunstform, als Konzertform diesem Dirigenten, diesem Publikum als„über- wunden" zu gelten habe. Aber es bedeutet negativ: Lockerung einer Konvention— und es bedeutet positiv: Anpassung an den musika- tischen Zeitgeist. Es hat seine Gründe, mutz ferne Gründe haben, wenn heute keine Sinfonien geschrieben werden. Jede Zeit bringt die Kunstformen hervor, deren sie bedarf, und sie bedarf offenbar jener nicht, die sie aushört hervorzubringen. Der Künstler, der diese Wahrheit fühlt und danach handelt, erfüllt auf seine Art die Zeit, in die er gestellt ist. Klemperer beginnt mit dem Vierten Brandenburgischen Konzert von Bach und endet mit dem Konzert sür Orchester op. 38 von Hinde- mith. Die Mitte des Programms hält Beethoven: mit dem�C-Dur- Klavierkonzert— Edwin Fischer gibt ihm die männliche Leiden- schaftlichkeit seiner starken Natur— und mit der großen, vom Streich« orchester lohne Kontrabässe) prachtvoll gespielten L-Dur-Fuge— ein merkwürdiges, einzigartiges Stück, dessen rücksichtslose„Modernität", stünde nicht schützend der Name Beethoven darüber, konservative Hörer in offene Opposition triebe. Aber Hindemith weckt, nicht zu- letzt wohl dank einer außerordentlichen Ausführung, lebendigsten Widerhall. Form und Inhalt seines Werks mögen zeitgebunden sein, doch eben, es gehört ohne Zweifel zum Bedeutendsten, was er—, und das heißt, was dieses Jahrzehnt bei uns an konzertieren- der Musik hervorgebracht hat. Beethoven— nur Beethoven gab es ein paar Tage vorher in der Philharmonie zu hören. Die Berliner Philharmoniker sind auf Reisen; an der Stätte ihres Wirkens präsentiert sich das Ham- burger Philharmonische O r ch e st e r. ein Instrumental- körper ersten Ranges— wie wir vom Hörensagen wußten und nun bestätigt sinden. Des Dirigenten Kart Muck Verdienst mag es wohl vor allem sein, in wenigen Iahren dieses Sinfonieorchester auf so imposante Höhe gebracht zu haben. Man kennt und schätzt in Berlin, und nicht nur hier, den großen Musiker und Orchesterführer, man kennt seine asketisch-sachliche. äußerst genaue, äußerst gründliche Art des Musizieiens: Fritz K r e i s l e r s Ton und Stil, im Violinkonzert, bildet dazu ergänzend den wirkungsvollsten Kontrast. Der Abend, der an Orchesterwerken die große Leonorenouvertüre und die Eroica bringt, macht den Gästen Ehre, den Hörern Freud«. >nd Chöre. ?on Klaus pringsheim. Kirchenchor und Kinderchor. Die preisenden Ankündigungen, die dem Auftreten des D a y- ton-Westminster-Chors vorausgingen, waren wohl ein wenig übertrieben. Bon der Stadt Dayion im nordamerikanrschen Staate Ohio, soviel auch in letzter Zeit von ihrer Bibelfrömmigkeit bekannt geworden, war in der Tat ja nicht zu erwarten, daß ihre geistlich-chorische Kultur mit jener des Vatikan, dieser Westminster- Chor also mit den sixtinischen Sängern zu konkurrieren vermöge. Aber als vokale Gemeinschaft von sehr hoher Gesamtqualität haben wir ihn nun kennengelernt, und ohne Zweifel hat daran der Diri- gent, John Finley W i l l i a m s o n, entscheidenden Anteil. Das Beste und Besondere dieses Chors ist der ebenmäßige, fast instrumen- tal anmutende Zusammenklang der Stimmen. Tiefe Musikalität, tiefere Ergriffenheit freilich bekommen wir nicht zu spüren; und auch das Programm hält sich wesentlich an der Oberfläche desien, was uns als Musik gilt. Bei Palestrina und Bach halten sie sich nicht lange auf; das Typischste, was sie zu bieten haben, sind Negcrweisen, mit den Mitteln etwa europäischer Salonmusik für religiöse Zwecke zurechtgemacht. Es ist eine primitive Art frommen Musizierens, Eine andere Welt: der Schwarzmeiersche Kinderchor gibt in der Höchschule—„auf vielfachen Wunsch"— sein zweites Konzert. Zu wohltätigem Zweck: der Reinertrag ist für den Verein „Schullandheim Uhlenhorst" bestimmt, der den Schulkindern vom Wedding am Rande der Märkischen Heide ein Erholungsheim schassen will. So erfreulich der Zweck, so erfreulich die Leistung, die ihm dient.'400 Kinder, mit frischer Stimme, reinem Ton und reiner Be- geisterung singen sie alte und neue Volkslieder, aus der Zeit des Locheiiyer-Liederbuches bis in unsere Tage; dem Chormeister Bern- hard K l a u k dankt herzlicher Beifall. Layion und Zobnstone. Man kennt sie von Columbia-Plattcn her, sie haben schon Publi- kum in Berlin und dursten dies Debüt in der Philharmonie wagen. Aber der Raum ist zu groß für ihre Intime Kunst, die Stimmen verhallen, die Gesten und Mienen verlieren sich. Kein Wunder, daß nach der ersten Nummer die Inhaber der unnumerierten Plätze. die nichts sehen und hören, die Sperre durchbrechen und aus dem Nebensaal, der ihnen zum Aufenthatt angewiesen ist. in Scharen nach vorne drängen. Es lohnt sich, näher zu kommen. Um „Chiquita",„Ramona",„Hallelujah" kennen zu lernen? Gewiß. was diese Neger singen, sind nur Chansons vom gangbaren Aller» weltstyp; Elemente der Negermusit sind darin ausgegangen, die meisten Kompositionen mögen englischer Herkunft sein, der Rhyth- mus ist internationalisiert, Ton und Stil sind heutiges Kabarett. Man ist unter Musikern solchen Darbietungen gegenüber ein wenig hochmütig In unserem Land, in dem nur das Anspruchsvolle gilt. Hier im Gegenteil ist eine Kunstgattung der höchsten Anspruchs- losigkeit— aber, wie diese zwei es machen, zugleich von hoher Kunstfertigkeit und gewinnender Menschlichkeit. Beide sind sie grund- musikalisch, musikerfüllt bis in die Fingerspitzen: das ist bei dem, der obendrein begleitend am Flügel sitzt, Layton. in aller Wort- lichkeit festzustellen. Den persönlichen Chgrme seines Spiels hat, wie er, sein Partner Iohnstone: im Singen, im Blick, im Ausdruck; sie haben— beide— die zarte Anmut, rührende Heiter- keit, bezaubernde Liebenswürdigkeit, die den Besten ihrer Rast« eigen ist. So was lernt sich nicht auf Hochschulen. Gegen die Wehrpflicht. Deutschlands Mahnung an die Militärstaaten. Genf, 27. Aprll.(Eigenbericht.) Am Sonnabend nahm Graf Bernstorff Stellung zu der reuen Situation in der Frag« der Landabrllstungen. Seine Erklä- cungen waren eine ernst« Warnung an die europäischen Mächte vor liner Ausnutzung der gegenwärtigen Machtoerteilung durch ein« imbeugsame national« Interessenpolitik aus Kosten der Ab» rüstung und Befriedung Europas. Er führte u. a. aus: „Der Vertreter der Vereinigten Staaten hat gestern an den Neist des Entgegenkommens appelliert und auf die Notwendigkeit hingewiesen, durch rechtzeitige Konzessionen die Arbeit der vor- bereitenden Wriistungskommission zu beschleunigen. Aber ein Ab- rüstungsabkommen kann deutscherseits nur in Betracht gezogen »erden, wenn es eine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen «ringt. Die Vereinigten Staaten werden zugeben, daß es kaum möglich ist, eine Herabsetzung bei den Seerüstungen durchzuführen, »ei den Rüstungen zu Lande aber alles beim alten zu be- lassen. In diesem Punkte kann Deutschland keine Zugeständnisse machen, da es selbst vollkommen abgerüstet ist. Für uns kommt«s darauf an, ob die anderen an den Landrüstungen interessierten Staaten bereit sind, in Ausführung der Verträge und des Lölkerbundspaktes ihrerseits«ine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen ins Auge zu fassen. Deutsche Konzessionen können er- wartet werden hinsichtlich der Methode für die Durchführung der Abrüstung. Eine solche Konzession haben wir in der Frage der lusgebildeten Reserven vorgeschlagen. Die deutsche Regierung ist bereit, einen Weg zur Einigung zu suchen. Es ist nach meiner Meinung ein« Methode möglich, bei der die ausgebildeten Reserven, insbesondere die älteren Jahrgänge, bei der Vergleichung der militärischen Stärke geringer ins Gewicht fallen als die unter den Fahnen stehenden Truppen. Aus eine ähnliche Methode hat der amerikanische Delegierte aus dem Gebiet der Secabrüstung hingewiesen bei der Vergleichung von älteren und neueren Schiffen Die von mir vorgeschlagene Methode läßt hinsichtlich des Maßes an Entgegenkommen alle Möglichkeiten offen, wenn man nur grundsätzlich dazu bereit ist. die Schwierigkeit auf dem Wege von Konzessionen zu lösen. Aber wir können uns im Gegensag zu Amerikas jetziger Haltung nicht einer These an- schließen, die auf die Einbeziehung der misgebildeten Reserven in ein« Entwaffnungskonvention von vornherein verzichtet. Wenn man sich darauf beschränken würde, nur die Truppen unter den Fahnen zu behandeln, so würde dies zu einer Schein- l ö s u n g führen; denn ein Staat, der«ine bestimmte Anzahl von Truppen unter den Fahnen, jedoch keine oder nur wenig aus- gebildete Reserven hat, würde mit derselben Ziffer in der Ab- rüstungskonvention in die Erscheinung treten wie ein anderer Staat. der die gleiche Zahl von Personen unter den Fahnen hat, jedoch außerdem einen vielleicht zwanzig, nal so hohen Stand an aus- gebildeten Reserven. Diese Benachteiligung würde um so mehr ins Gewicht fallen, als die auegebildeten Reserven es einem Staat er- möglichen, binnen kürzester Zeit große Mengen militärisch aus- gebildeter Personen zu mobilisieren und damit groß angelegte Angriffspläne zur Ausführung zu bringen. Die logischste Lösung der Frage der ausgebildeten Reserven wäre zweifellos die Abschaffung des Systems der allgemeinen wehrpfNchl. Trotzdem hat die deutsch« Regierung die Forderung nach Ab- schafsung der allgemeinen Wehrpflicht nicht erhoben. Hierin liegt eine weitere wesentliche Konzession von deutscher Seite. Ich kann in diesem Zusammenhang nicht unterlassen, auf die b e s o n» dere Lage für Deutschland und die auf Grund der Friedens- Verträge abgerüsteten Staaten hinzuweisen. Uns ist durch die Friedensbedingungen ein System auserlegt worden, das das Be- stehen von ausgebildeten Reserven unmöglich macht. Eine Ab- rüstungskonvention, die die ausgebildeten Reserven nicht umfassen würde, könnte vielleicht erträglich sein, wenn all« Signatarmächt« die freie Wohl hätten, ob sie ein Wehrsystem annehmen, das ausgebildete Reserven in sich schließt, oder ein solches, bei dem dies nicht der Fall ist. Do wir aber diese Freiheit der Wahl nicht mehr haben, sondern verpflichtet sind, auf ausgebildete Reserven zu ver- zichten, so kann ein« Abrüstungskonvention, die diesen Faktor»in. berücksichtigt läßt, niemals als gerecht angesehen weri�n. Es würde m. E. sehr zur Klärung der Situation bettragen, wenn die Delegierten möglichst bald sich darüber äußern würden, zu welchen Konzessionen sie ihrerseits geneigt sind. Von diesen Ae'.iße- rungen würde nicht nur die Zielsetzung der Arbeiten dieser Kom- Mission abhängig, sondern auch die Stellung, die die deutsche Regie- rung in Zukunft den Abrllftungsarbeiten des Völker. bundes gegenüber einnehmen muß." Bor Graf Bernstorff hatte der Vertreter Italiens mit einigen Vorbehalten dem französischen Standpunkt in der Reserven- frage zugestimmt._ Tonbild-Kilme. Während in Amerika bereits seit Jahr und Tag richttge Ton- filme gezeigt und bereits eigen« Theater dafür gebaut werden, sind wir bei uns immer noch in den vorbereitenden Stadien. Die Presse wird täglich mit Mitteilungen über neue Verfahren, Kombinationen, Konzerne bombardiert Aber Tonfilme gibt es kaum zu sehen. Es war ein Verdienst der„Deutschen Gesellschaft für Ton und Bild", in der„Kamera" eine Musterschau von Tonfilmen vorzuführen. Man hört« und sah: Chorgesang,«ine Ansprache Fritz von Unruhs, einen Geräuschfilm, Vorträge mit Bildbeigaben (entweder des Redners oder des Inhalts) über die verschiedensten Themata(von der Philosophie bis zum Trickfilm). Man merkt die inzwischen erzielten Fortschritt« in der Tonwiedergabe(die freilich immer noch nicht alle Nebengeräusche ausschaltet und nicht alles gleichmäßig herausbringt). Wir werden also in Zukunft Vorträge mit Filmillustrationen. Kulturfilme mit gesprochenem Text be- kommen; vor allem wird die Musikbegleitung des Filmes mechanisch geliefert werden. Aber von dem Ziel des vollendeten Tonfilmes, der Bild und Wort«ine« Kunstsilmes gleichzeitig vorführt, sind wir in Deutschland noch fern Wir werden durch diese Sache hindurch müssen, obwohl sie künstlerisch sicher einen Rückschlag und eine Bedrohung des wirklichen Kunstsilmes bedeutet. Rein technisch frei- lich ist dieser neueste Schritt aus dem Weg« zur Mechanisierung des Kunstwerkes unübersehbar._ ä. Tod beim Bankett. Bei einem Festesien zu Ehren der in Stock- Holm tagenden schwedisch-englischen Jndustriekonserenz wurde der englsich« Gesandte während seiner Rede vom Herzschlag getroffen und starb unmtttellxrr daraus. „Die fünf Frankfurter." Berliner Theater. Man verfügte vor zwanzig Jahren über Zeit genug, um einen Witz sorgfältig auszuspinnen. um eine Situation nicht gerade spannend, aber desto intensiver von allen Seiten zu beleuchten. Nein, Eile hat man nicht, und deshalb wirkt fetzt Karl R ö ß! e r s sanft profilierte Komödie mit all ihrer Betulichkeit um die Brüder Rotschild herum wie ein Sang ums der Fern- längst vergangener Zeiten". Trotzdem gehört sie zu den besten Komödien der deutschen Bühne, auch heute noch. Eine Handlung, die Rößl-r mit glücklicher Hand formte, eine Sprach«, die sich langsam zu witzigen Formu- lierungen, zu gut geschlissenen Pointen heraustastet, verlieren sobald ihre Reiz« nicht. Und der Stoff ist aktuell geb'ieben. Internatio- nalität des Kapitals, hier auf dem Familiensinn basierend, ist im Kriege und m der Inflation offen zu Tag- getreten. Das Lustspiel hat recht behalten. Aber eines ist uns heute unmöglich, wir können nicht mehr mit Rößlers Augen diese Bankiers betrachten, diese Welt- beherrscher, die nur als gute, liebe Verwandte mit ihren etwas schrulligen, paroenühaften Neigungen, sentimental gefärbt, gezeichnet werden. Wir wissen, daß durch humane Menschlichkeit keine Riesen- vermögen aufgehäuft werden, und auch die Rothschilds sind keine Unschuldelämmlein gewesen. Die Ausführung prophezeit einen verfrühten Sommer. Rosa B e r t e n s spiett nicht die alte Frau Gudula, sondern Lisas Mutter aus dem„Lebenden Leichnam". Von den Brüdern bleiben Burg und Mappard ohne Gesicht, während Vallentin, Ettlinger und Gülstorfs zu Ueberbetonuntzen neigen. Brausewetter Ist Anton Wohlfahrt aber nicht der charmante, geistreiche und etwas dekadente Herzog. Die Regie Eugen Roberts oermag nicht die Atmosphäre dieses alten, jüdischen Bürgerhauses zu verlebendigen. Man merkt zu wenig von irgendwelcher Regie.?. 8. „Die weißen Ptosen von Davensberg.,, Kammerl chtspiele. Wenn auch der Titel schon handfesten Kitsch ahnen läßt, so ist selbst ein unverbesserlicher Schwarzseher nicht aus eine derartige Beleidigung des guten Geschmacks gefaßt. Dem Regisseur Rudolf M e i n e r t ist es auch nicht-inen Augen- blick um eine gute Filmwirkung zu tun. er will weiter nichts, als der Erretter des Hintertreppenromans sein. Das Filmmanuskript ist ein Gebräu von Unmöglichkeiten, und der Regisieur läßt diesen Inhalt spielen und untei streicht ihn Die Schauspieler, mit Aus- nahm« von Willi Forst, der wirklich gut spielt«, waren allesamt in Verzweiflung geraten. Das Premierenpublikum war hell empört. Es lacht« und pflfs. Bemerkt sei, daß dieses Machwerk der Omnia-Film herstellen ließ, die Deutsch-russische Film-Alliance es oerleiht und ein Ufa-Theater ausgerechnet zu vo'ketümlichen Preisen es zur Aufführung bringt. Es wäre jetzt wirklich an d«r Zeit, das Publikum durch Schutzvereine vor einem solchen Film zu bewahren, e. b. „Meineid." primus-palast— Beba-Atrium. Ein guter Film. Der Text wird durch ein« geschickte Regie zu starken Wirkungen gesteigert. Kleine Kinder sind immer auf der Bühne verführerisch. Und eine unglücklich« Mutter, die, um ihr Kind zu retten, einen Meineid leistet, erhöht noch den Tränenkonsum. Der Fehler des Films liegt aber darin: man will gegen den Mein- eid Stellung nehmen— der Untertitel heißt sehr richtig:„Ein Paragraph, der Menschen tötet"—, man sucht sich jedoch zur Argumentation einen Fall aus, der außerhalb der Alltäglichkeit liegt. Man tut es um dem Film den Pubiikumssrfolg zu sichern, man schadet ober dabei dem ganzen Problem. Die Mutter schwört bewußt einen Meineid, der, wi« viele Mein- eid«, durchaus seine moralische Berechtigung hat. Man hätte da- gegen zeigen sollen, wie ein Mensch halb unbewußt eiyen Meineid schwört. Für die besser situierten und gebildeten Gesellschafts- schichten ist dieser Paragraph nicht so gefährlich wie gerade für die anderen, die dumpfer dahinleben und sich kaum Vorstellungen machen können von der Gefährlichkeit eines Eides. Der Gebildet« findet schließlich immer«ine Hintertür, der Unwissende nicht. Schade, daß man mit Rücksicht aus das Publikum das Thema falsch be- handelt hat. Immerhin ist der Film unter der Regie Georg I a c o b i s gut. Von den Darstellern steht an erster Stelle der Engländer Miles M a n d e r s, der, wie üblich, als virtuoser Gestalter dekadenter haltloser Menschen glänzt.'— r. „Die pantherkahe." Ufa-Theater Kurfürstendamm. Die literarisch« Abart der Pantherkatze tritt sporadisch in den Romanen und Dramen aller Länder ans und hat damit auch Heimatsrecht im Film(In Berlin hatte sie Sudermann zuletzt am Kurfürstendamm angesiedelt) Dolor«- d»l Rio ist. wenn irgend jemand, die geborene Pantherkatze; sie hat den geschmeidigen Körper, die weiche Pfote, die plötzlich scharf zukrallt, das Weiche und wieder das Wilde Grund genug, um jt« zum Mittelpunkt eines Filmes zu machen, der irgendwo in Südamerika unter Indianern und wüsten weißen Kerlen spielt, die dort eine Eisenbahn bauen und unbeliebt« Mitbürger ohne viel Federlesen ins Jenseits be- fördern. Aber kein Grund, uns ein« so unmögliche Handlung vor- zus«tz«n und dieser spanischen Schönheit eine solche Kitschrolle an- zudichtcn. Man freut sich ihres ausdrucksvollen Körpers, dieser herrlichen Augen und dieses angeborenen Spieltnebes, aber man kann sich des Lächelns und de« Mitleids ob Reier Handlung nicht erwehren. John W r o y tut fein mögliches, um uns diese Phantasie- landschast und diese Sammlung von Schurken und Engeln film- gerecht zu machen. Ein« sehr ulkige Groteske„2> I e L u s t k l st e" ging voraus. vte Mlbelw.Lelbl.Ausslellui'g vei anNaltet Montag, den SS April, einen billigen Aeluih«tag. Der SiiilrlllSPrei« beliigl anstatt 2 SR. nur 0,50 M. Die Ausstellung wird bereit» am 5. Mai gelchloffen. Drahtlos mit Jndien. Berlin- Siam.- Ein weiterer GSchritt zum Weltfernsprechnet. Der Telefunken- Gesellschaft ist es vor einigen Wochen geJungen, zum Besuche des fiamesischen Berkehrsminifters eine Jaa fernsprechlinie Berlin- Bangfot proviforisch herzustellen. Bangtot ist die Hauptstadt von Siam, dem oftafiulischen Königreich, das im Süden an die Bafallenstaaten von Britisch- Indien( Birma), im Offen an FranzösischCochinchina, das Nachbarland Chinas, grenzt. Im Auftrag der siamesischen Regierung wurde in Bangtot Ende des letzten Jahres eine Kurzwellen- Sende und Empfangsanlage von der Telefunken- Gesellschaft erbaut. Seit Januar 1929 ist diese Anlage in den regelmäßigen Telegraphieverkehr mit Berlin eingefeßt worden. Infolge der zweckmäßigen Anlage des Geräts war nur noch ein kleines Zusaßgerät nötig, um aus der sonst rein telegraphischen Anlage auch eine solche für FernGespräche zu machen. verweigerung im Sinne der einschlägigen gefeßlichen Kündigungsbestimmungen schuldig und können fristlos entlassen werden. Wir biffen, besonders darauf zu achten, daß im Falle einer freiwilligen Beurlaubung durch den Arbeitgeber, von der wir grundsählich nur abraten tönnen, keinesfalls der Lohn fortbezahlt wird." Die Argumentation der Scharfmacher ist bemerkenswert. Ohne Beurlaubung darf der Arbeiter am 1. Mai nicht feiern. Ein Wenn Anspruch auf Beurlaubung wird grundsäglich verneint. selbst die für den Fall der Arbeitseinstellung ohne Beurlaubung angedrohte fristlose Entlassung nicht hilft und eine ,, freiwillige Beurlaubung" erfolgt, von der abgeraten wird, soll wenigstens der Lohn nicht gezahlt werden! Nach allem können diese Anweisungen nur für Meinbetriebe in Frage tommen. Sie zeigen jedoch, daß die Schleifsteindreherei" noch immer betrieben wird. Das wird die Arbeitnehmerschaft am 1. Mai nicht vergessen! Theater der Woche. Bom 28. April bis 6. Mai. Bolfsbühne. Theater am Bülowplag: Bis 5. Trojaner, 6. Donaumont. Theater am Schiffbauerdamm: Pioniere in Ingolstadt. Thalia- Theater: Delrausch Staatstheater. Staatsoper Unter den Binben: 28. Cavalleria rusticana, Bajazzi. 29. Barbiez Don Bagdad. 30. Meistersinger. 1. Ealome. 2 Macht des Echicksals. 3. Sin. foniekonzert. 4. Boheme. 5. Boris Godunow. 6. Sheingold. Staatsoper am Blag der Republik: 28. Freischüz. 29. Hoffmanns Erzäh lungen. 30. Don Giovanni. 1. und 5. Fledermaus. 2. Iphigenie auf Tauris. Stäbtische Oper, Charlottenburg: 28 und 1. Falstaff. 29. Gefchloffen. 30. Madame Butterfly. 2. Rigoletto. 3. Meistersinger. 4. Tosca. 5. Troubador. 6. Don Carlos. 3. Heimliche Ehe. 4. Carmen. 6. Cardillac Saauspiel am Gendarmenmarkt: 28. und 1. Der Londoner verlorene Cohn, 29. Dr. Klaus. 30. Clavigo. 2. Minna von Barnhelm. 3. bis 6. Rönig Johann. Nachmittags: 28. Minna von Bacnhelm. Schiller- Theater: 28. und 1. Kaltutta, 4. Mai. 29. Gespenster. 30. und 2.- 6. Baungäfte. Theater mit feftem Spielplan: Andern. Theater Deut Deutsches Theater: Paulus unter den Juben. Rammerspiele: Bis 1. Jufil. Ab 2. Aufgang nur für Herrschaften. Die Komödie: Bis 2. Wann kommst du wieder? Ab 3. Der Mann, der seinen Ramen änderte. Theater am Rollendorfplay: Bis 30. Revolte im Erziehungshaus. Ab 1. Die Männer der Manon. Komödienhaus: Theater in der Königgräger Straße: Rivalen. Charlens Tante. Großes Schauspielhaus: Der liebe Augustin. bes Westens: Friederike. Metropol Theater: Die lustige Bitwe. sches Künstlertheater: Bis 2. Profit Gipsy. Lustspielhaus: Weekend im Leffing- Theater: Die Frau des Theater in bez Behrenstraße 53-54: Arm wie eine Kirchenmaus. Trianon- Theater: Das füße Geheimnis. Die Tribüne: Duell der Liebe. Berliner Theater: Die fünf Frankfurter. Kleines Theater: A5 29. Naß oder drocken. Renaissance Theater: Das große ABC. Rofe Theater: Torine und der Zufall. Casino. Schloß. Theater: Bis 30. Eine ungeliebte Frau. Ab 1. Mütter von heute. part- Theater Steglig: 28. Der Waffenschmied. Ab 29. Martha. Wintergarten, Stala: Internationales Bariete. Reichshallen Theater: Stettiner Sänger. Theater am Rottbusser Tor: Elite- Sänger. Paradies. Die Am Freitag fonnte man fich von dem hohen Stande der Ent. wicklung der Telefunkenanlage Nauen überzeugen, die derartige Versuche ohne Schwierigkeiten oder größere Umstellungen gestattet. Es handelt sich hierbei nur um Kurzwellensender. Berwendung längerer Wellen wird wohl bis auf einige Spezialfälle in nächster Zeit schon wesentlich eingeschränkt werden, da die kurzen Wellen modulationsfähiger und dann auch wirtschaftlicher sind. Kurzwellensender, zumal mehrstufige, tönnen leicht sowohl zu Telephonie als auch zu Mehrfach- und Bildsendungen umgebaut werden. Auch gestatten Kurzwellen von zirka 15 Meter am Tage und 26,5 Meter in der Nacht eine Ausnutung von 250 Worten in einer Minute gegenüber 100 Worten bei längeren Wellen. Der Empfang war durchaus verständlich und ist als brauchbar zu bezeichnen. Es ist hierbei zu berücksichtigen, daß wäh rend des Gesprächs bei uns Mittag, d. h. stärkste Wärmewirtung der Sonne, und in Bangkot der berühmte plößliche Nachtbeginn herrschte, was beides erhebliche Wirkungen auf die Atmosphäre und damit auch einige Störungen auslöste. Teilweise war die Eprache lauter und von wenigen Nebengeräuschen begleitet, als dies gewöhnlich beim Telephonapparat der Fall ist. Ein hier anwesender Herr aus Bangtof fonnte sich mit seinen Landsleuten auffallend besser verständigen, als dies uns Deutschen gelang, was wohl auf die fingende Sprache der Singalesen zurückzuführen ist. Zieht man die Bedeutung Bangtots als Handelsplay des reichen Siam in Betracht, so ist im Interesse der Wirtschaft beider Länder ein fester Ausbau der Funkfernsprechlinje zu wünschen. Wenn diese Linie auch zunächst nicht derart benußt wird, wie die nach Buenos Aires, bei der das Zustandekommen des Gesprächs ungefähr zwanzig Minuten dauert und eine Minute ,, nur" 120 Mart tostet, so gebietet doch ier schon die rein technische Leistung der fontinentalen Ueberwindig von 8700 Kilometern eine Weiterführung. Die Absicht der Telefunken- Gesellschaft geht dahin, auch diese Linie zu einer festen Berbindung zwischen beiden Ländern auszubauen. Die„ klassenbewußten" Unorganisierten. 613 mad Gegen Arbeitsruhe am 1. Mai. sind Frankfurt a. M., 27. April.( Eigenbericht.) Die Arbeiter der Höchster Farbwerke haben mit 4076 gegen 3733 Stimmen die Arbeitsruhe am 1. Mai abgelehnt. Die Abstimmung wurde vorgenommen, nachdem sich die Werfsleitung nur unter der Bedingung bereit erflärte, Arbeitsruhe am 1. Mai eintreten zu lassen, daß sie von zwei Dritteln der Arbeiterschaft gefordert würde. Scharfmacher gegen den 1. Mai. Ein Unternehmer- fas. Hamburg, 27. April.( Eigenbericht.) Der Arbeitgeberverband Hamburg- Altona hat seinen Mitgliedern folgende Direktive gegeben, die in ähnlicher Form wohl alle Arbeitgeberverbände ihren Mitgliedern überall dort gegeben haben, wo der 1. Mai noch fein gesetzlicher Feiertag ist. ,, Da der 1. Mai in diesem Jahre zum 40. Male als„ Weltfeiertag der Arbeit" wiederkehrt, muß damit gerechnet werden, daß in Preußen, wo der 1. Mai tein gesehlicher Feiertag ist, befonders starke Neigung zu gewaltsamer Unterbrechung des Betriebsfortganges besteht. Wir biffen deshalb, diese Borgänge besonders genau zu beobachten. Einen Anspruch auf Beurlaubung am 1. Mai haben die Arbeitnehmer grundfählich nicht. Sofern sie trotz ausdrücklicher Ablehnung durch den Arbeitgeber von der Arbeif fernbleiben, machen fie fich, was neuerdings auch durch das Reichsarbeitsgericht bestätigt wurde, einer beharrlichen ArbeitsTheater, Lichtspiele usw. Sonnab27.4 Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 110 20 Uhr Sonnab., d. 27.4. Städt. Oper Bismarcksi. Turnus III 19 Uhr Mona Lisa Lohengrin Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.a.Republ. R.-S. 198 20 Uhi am Gendarmenmarkt A.-V. 99 20 Uhr ler fliegende Cer Londoner verlorene Sobn lolländer aatl. Schiller- Theater, Charith. 20 Uhr Kalkutta, 4. Mai 4hr CASINO- THEATER 84 Uhr the in Sirabe 57. Nur noch bis 30. April: Die Löhne bei den schlesischen Privateisenbahnen haben stets erst nach großen Schwierigkeiten festgesetzt werden können Dieses Jahr gelang es dem Deutschen Berkehrsbund, in freier Vereinbarung eine Lohnerhöhung zu erreichen, die in den Ortstlassen I. II und III 5 Pf. und in den Drisklassen IV und V 4 Bf. beträgt. Das neue Mai 1929 und endigt am Lohnabkommen beginnt ab 1. 31. August 1930. Der Prozeß wegen des Stupffchina- Attentats vom 20. Juni hat in Belgrad begonnen. Der ehemalige Abgeordnete Ratschitsch ist angeklagt, die kroatischen Abgeordneten Paul Raditsch, Bazaritschef und Stefan Raditsch ermordet und andere Abgeordnete Trojanet. schwer verlegt zu haben. Wetter für Berlin. Wolkig, zeitweise etwas aufheiternd, ohne wesentliche Niederschläge. Temperatur wemg verändert, westliche Winde. Für Deutschland: Im Süden ziemlich heiter und warm im Norden noch etwas unbeständig, bei wenig geänderten Tem peraturen. Eine überragende Persönlichkeit". Auf den Hopfenfarmen in der englischen Grafschaft Kent werden bereits vorbereitende Arbeiten für die kommende Saison unternommen. Auf hohen Stelzen gehend, knüpfen Arbeiter die Schnüre, an denen sich die Hopfenpflanzen emporranten sollen. SCALA Winter 8 Uhr B 5. Barbarossa 9256 Nur noch wenige Tage! GROCK und das große April- Programm Sonnabends u. Sonntags je 2 Vorstellungen 380 und 8 hr 330 ermäßigte Pr. PLAZA Alex. 8086-88 Am Küstriner Plats Täglich 5, 815 Sonntag 2,5, 81: INTERNAT. VARIETE Vorverkauf stets für die laufende Woche inkl Sonntag Renaissance- Theater Eine ungeliebte Frau" Hardenbergstr Tel. 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Plaza: Internationales Bariete.- Wintergarten, etala: 28., 4., 5. Internationales Bariete. Reichshallen Theater: 28., 5. Stettiner Sänger. Theater am Rottbuffer Tor: 28., 5. Elite- Gänger. Erstaufführungen der Woche. Dienstag Montag. Theater in der Stadt: Bumpen." Schiller Theater: Baungäste." Donnerstag. Rammerspiele: Aufgang nur für Herrschaften." Freitag. Saufpielhaus: Rönig Johann. Theater in der Röniggräger Straße:„ Der Mann, der seinen Namen änderte." Der Abend ift die Spätausgabe des„ Borwärts". Das Blatt ist bei den Straßenhändlern, an den Zeitungsfiosten und in den Bahnhofsbuchhandlungen zum Preise von 10 Pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement des ,, Borwärts", deffen Lefern der Abend" ohne besondere Bergütung ins Haus geliefert wird. Borwärts" und Abend". von denen 12 Nummern wöchentlich erscheinen, toffen zu jammen nur 85 Pf. die Woche oder 3,60 m. den Monat. 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Pioniere in Kammerspiele ie omödie Ingolstadt Thalia- Theater Uh 1. Norden 12 10 undiunkhör albe Preise Otsch. Künstler- Tn. 814 hr 81% U., Ende ged.! 11 Bismck. 2414/7516 Prosit Gipsy Jusik von Ossip Dymow. Theat. d.Westens der ine: Tiealer Delrausch Regie: Heinz Hilpert 8 Uhr Käte Dorsd, Kammer änger Ziegler in Friederike Musik von Lehai Direkt.Heinz Hera Charlouenstraue A. 7. Dönhofi 17 hr. Ende 10 hr Täglich Sonntag 3% Uhr Die fünf Frankfurter Friederike. von Carl Rössler einplatz 931 u 71801 Regie. Eugen Robert. Staatl. Schiller- th. 8 Uhr Kalkutta. 4. Mai Lustspielhaus 814 Uhi Guido Thielscher Weekend im Paradies 81 U., Ende geg. 10 Wann komms Ou wieder? Komödie on S Maugham Regie pe ette v Gilbe Emmy Sturm Fritz Schulz Justaf Gründgen Lessing- Theater R ose- Theater Frankfurter St. 32 14 Uhr Drei alfeSchachteln raich Uh: Die Frau des Andern" Komödienhaus Täglich 81% Uhi nach dem Ame ikan scien von Frank Green. Musikalische Illust Fr. Holländer. Charleys Tante Regie: Fr.Friedman mit Curt Bois. ineate am tollendorfpla Täglich 8% Revolte im Erziehungshas n Frederich. Planciar w am Zoo Veväng Joachimstha reb Noll 157 16% Uhr Sternumme des Frühjahrs 184 Uhr Sterndes und Weltbau 2014 Uh Wunder 31 Thalia Theater südlichen Himmela deuer T. 8 Uhr Tägl. außer Montans u Mittw Erwachs 1 Mk., Kinder, 50 P Mittw Erwachene 50 Oelrausch P Kinder Taeater a. Kot busserf ottbusser Str.( a. pl. 1607 Allabendlich& Uar auch Sonnias na hm. 3 U Jubiläums- Program unter der Devis 10 Jare 2. Elite- Sänger föelloge Sonnabend, 27. April 1929 SprAbiMÄ nJstnLQrt/2a sf»l ibufiarC 3m Jtnblick der Jahrtausende dleisebilder am Palästina/ Ton de Maas D«r Königssitz der seß- Haft gewordenen Beduinen der Wüste ist das Lofungs- wort für drei Weltreligio- nen geworden. An der LAagemauer I e r u f a- I e m s, einem Stück der Westfront ihres heiligen Tempels, weinen heute die Juden um die unter- gegangene Herrlichkeit ihres Volkes: der Anblick hat für den unvoreingenommenen Menschen etwas Erschüt- terndes. Auf der Stätte des salomonischen und Herodianischen Heiligtums steht die Felsenmoschee des Islam,«ine der am meisten verehrten Kultstätten der Mohamme- dancr. Für sie ist Ieru- salem schlechthin El Suds, „das Heiligtum". Bekanntlich hatte Mohammed an- fänglich seinen Gläubigen die Weisung gegeben, beim Gebet das Antlitz nach Jerusalem zu wenden-, erst später, nach der Enttäuschung.'die ihm die Stellung. nähme der Juden bereitet«, ordnet« er die Richtung nach Mekka für das Gebet an. Und zu Juden und Mosleminen treten als Pilger noch Jerusalem die Christen, die hier die Todes- und Aus. «rstehungsstätte ihres Stifters verehren, •• Jerusalem muß man von Osten sehen, vom Oelberg« her. Von dort aus bietet sich das Bild der Stadt, wie man sie sich vorgestellt hat. Aus abgrundtiefen, nachtfinsteren, grausenerregenden Schluchten steigt hier die Felsenwüst« des Gebirges Inda zu einem Trutzwerk von rund siebenhundertneunzig Metern an der höchsten Stelle auf. Ein« Festungsmauer schließt ringsum auf der Höhe dieser natür- lichen Bastion die Stadt Jerusalem von allen Seiten«in. Welche andere Mauer auf Erden schließt neben so vielen verschiedenartigen Kultusstätten ein solches Meer von Todhaß, von Fanatismus und voiv Aberglauben«in! Nicht in Mekka, nicht in Rom, nicht in Moskau sindet sich Aehnliches. Diese Stätte ist einzig in der Welt. Naturgemäß fällt der Blick auf die Stelle der Stadt, die seit drei Jahrtausenden aller Augen auf sich gezogen hat, den Tempel- platz. Kein anderer Punkt steht so untrüglich fest wie dieser. Der Felsendom, das fälschlich„Omarmoschee" genannte mohammeda- pische Heiligtum, beherrscht heute diese welthistorische Terrasse. Den Mittelpunkt dieser islamitischen Moschee jedoch bildet der siebzehn Meter sieben Zentimeter lange und dreizehn Meter fünf Zenti- meter breit«„heilige Fels", nach dem der Dom feinen Namen hat, aller Wahrscheinlichkeit nach die Stätte, auf der einst der Brand- opferaltar des salomonischen Tempels stand. Der Ueberliefe- Brücke über den Jordan rung der Juden zufolge ist dies die Stätte, auf der Abraham einst seinen Sohn Isaak opsern wollte, der heilige Berg Morija, der Stein, den Jakob salbt«, das Fundäment, das die Bundeslade trug. Außer der Kaaba in Mekka gibt es aber auch kein« heiligere Stätte für den Islam als diese. Einer Sure des Koran zufolge wurde Mohammed selbst eines Nachts vom Erzengel Gabriel an dies« Stätte Jerusalems von Mekka hergeführt. «» « In'buntem Wechsel ziehen die Bilder der Geschichte dieser Wüstenstadt an mir vorüber. Schauer jagen durch die Glieder Den Mächten des Molochwahns schlachtet man die eigenen Erstgeborenen. Nicht nur der Kanoaniter tats, der � sie in Oefen verbrannte. Was anderes bedeutet die Erinnerung, daß Gott dem Abraham das Opfer des einzigen Sohnes erließ, als die auf- dämmernde Erkenntnis vom unseligen Wahn, dem die vergangenen Generationen gefrönt. Noch in der Königszeit wird der Rückfall in dieses Grauen vermeldet. Schaudernd blickt der Israelit späterer Zeiten in gewisse Gegenden tief unten in den Schluchten um dl« Stadt herum, wo des Molochs letzte Opfer bluteten. Welche Nach- dorn hatte dieses Dolk! Den Einwohnern einer Stadt des Ostjordan- lan-des, die sich freiwillig unterwerfen wollten, ließ der Ammoniter- könig sagen:„Dies ist der Bund, den ich mit euch machen will, daß Ich euch allen das rechte Auge aussteche!" Davids Feldhauptmann erobert ihre Hauptstadt, und der fromm« König legt seine Feinde unter eiserne Zacken und Sägen und verbrennt sie in Ziegelöfen. Ueberhaupt dieser König, mit dem wir uns so eingehend in der biblischen Geschichte be- schäftigen mußten! Er nimmt das Weib eines seiner tapfersten und besten Leute, gibt dem ahnungslosen Ehemann den Brief mit, der sein Todesurteil enthält, und befiehlt dem Feldobersten, ihn an der gefährdetsten Stelle im Strauß hinzustellen und dann Plötz- lich im Stich zu lassen, wenn der Kampf am gefährlichsten tobe. Aus diesem Ehebruch, den der Mord und gemeinst« Treubruch besiegelte, ward Solomon geboren, der Thronfolger. Auf dem ! Sterbebett gibt ihm der Psalmendichter David noch mit seinem letzten Atemzug einen Mordbefehl:„Denke.�waz mir Ioab, mein Fe l d h a u p t m a n n, angetan hat; laß seine grauen Haare nicht mit Frieden in die Grube fahren!" Und der weise Salomo beeilt sich nur zu sehr, die Order des alten Meuchelmörders auszuführen. Bald brausen die Wetter über die Königsstadt dahin. Salomos Kronprinz Reha- beam eröffnet den staunenden Untertanen:„Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich will euch mit Skorpionen züchtigen!" Das ist selbst für den Unter« tanenverstand der geduldigen Knechte Salomos zu stark. Ein Gegen- könig wird aufgestellt. Die Throne wanken. Aegypter, Araber und Philister plündern die Königsstodt. Neu« Wolken ballen sich über den Euphrat und Tigris. Judo muß sich entscheiden, ob es zu den Pharaonen halten will oder zu Ninioe und Babel. Wie man es macht, ist es verkehrt. Die Brandfackel Nebukadnezars Schlucht bei Mar Saba fliegt in den Tempel und den Palast Salomos, dem König Zedekia sticht der Babylonier die Augen aus, nachdem er seine Söhne vor ihm erwürgt hat. Die Juden kehren von den Wassern Babels heim und bauen ihren Tempel wieder auf, aber das Unglück folgt ihnen durch die Jahrhunderte. Die griechischen Könige Syriens würgen ihnen die Kehle zu: sie entweihen ihre Tempel und wollen sie zwingen, Schweinefleisch zu essen. Heldenhaft ist der Freiheit?- kämpf der Makkabäer. Schon ober dröhnt der eherne Schritt der Legionen Roms an der Schwelle Asiens. P o m p e j u s stürmt Jerusalem und richtet«in fürchterliches Blutbad am Der habsüchtige C r a s s u s plündert den Tempel. Der Jdumäer' H e r o d e s er- obert mit römischer Hilfe die Stadt und mordet nicht weniger als es Pompejus getan. Bald regieren römisch« Landpfleger Iudäa unmittelbar. Sie zichen die eisernen Schrauben an/ Unterdrückung folgt auf Unter- drückung, ein Gemetzel dem anderen. Ein Bluthoh steigt auf. Das gepeinigte Volk schreit auf in seiner Not. Lieber sofort sterben als unter dem eisernen Fuß der Römer langsam zu oerröcheln! Es fällt über die Besatzung der Burg Antonia her und metzelt sie bis auf den letzten Mann nieder. Der Funke flog ins Pulver- faß. Die Legionen des Titus ziehen vor die heilige Stadt und riegeln sie von aller Welt ab. Wer sich aus der Festung wagt, fällt in die Hand der Römer. Unerbittlich schlagen sie jeden ans Kreuz. Die Kreuze vor den Mauern sollen den Belagerten das Rückgrat brechen, aber sie entfesseln nur die Verzweiflung. Nur der.Hunger, nicht das Schwert, bezwingt Jerusalem. Di« Not steigt aufs äußerst«. Bis die Mutter ihr eigenes Kind schlachtet. Drinnen wüten die Unentwegten gegen jeden, der schwach wird. Keine Stadt außer Karthago hat solche Schrecken vor ihrem Ende erlebt. Endlich frißt das Feuer den Tempel des Herodes, wie es zuvor den des Salomo fraß. Nur einige der Riesentürme der Festung läßt Titu� stehen, ein Wahrzeichen für all« kommenden G�erationen, daß' der Römermacht selbst das stolzeste Bollwerk auf Erden nicht standzuhalten vermag. Auch diese Türme werden geschleift und der Pfrug über die Ruinen Jerusalems geführt, als nPh einmal unter Kaiser Hadrian«in letzter ver- zweifelter Ausstand der im Lande verbliebenen Juden ausbricht. Das ist dos Ende. Das End« des jüdischen Jerusalem. Nicht Jerusalems über- Haupt. Als christlich« Stadt blüht es unter Konstantin wieder auf. Im Jahre 614 erobern es kjse persischen Sassaniden unter Chosroes II. Kaum hat der Byzantiner Heroklius die Perser vertrieben, da nahen die Scharen des Kalifen Osmar, und der Halbmond des Islam geht über der heiligen Stadt der Christen auf. In einem der grauenk�iftesten Gemetzel der Weltgeschichte be- mächtigten sich die Kreuzfahrer Gottsrieds von Bouillon Jerusalems; Juden und Mohammedaner ohne Unterschied erwürgt das: christliche Schwert. Als alles tot ist, beginnt man zu beten und Gott zu danken. Keine hundert Jahre später macht Salodin dem Königreich Jerusalem ein Ende. Abwechselnd werden Aegypter und Türken die Herren. Der Weltkrieg liefert die Stadt den Engländern in die Hände. Die braven uneigennützigen Briten brachten bekanntlich alle Opfer nur für die Juden, denen sie das Erb« ihrer Väter wiederzustellen wollen——— Welch eine Stadt! Gibt es eine zweite auf Erden, die eine solche Flut wechselooller Gefühle erregt? Sicher nicht. Merkwürdig, unter all diesen Gefühlen fehlt nur das der Religion! Denn, um vom Judentum und vom Islam ganz zu schweigen, welch eine seltsame Rolle spielen die Christen in dieser Stadt! Ob Juden und Mohammedaner und Christen ein- ander so grimmig hassen wie die Christen sich selbst? Es ist fraglich. Dort drüben ragt aus dem Meer der Kuppeln, Türme und Zinnen die Grabeskirche, der Schauplatz von Szenen, bei deren Anblick zahllosen ernstgestimmten Menschen jeder Ge- dank« der Möglichkeit einer Gottesverehrung an dieser Stätte schwand. Man muß nach Jerusalem kommen, um von manchem frommen Wahn geheilt zu werden. Was für ein Bild hat dieser Raum Generationen hindurch für die mohammedanischen Wächter geboten, die hier die Ordnung aufrecht- erhalten mußten, damit sich die Christen nicht an dieser angeblichen Stätte der Kreuzigung und Auserstehung ihres Herrn und Meisters die Köpfe blutig schlugen. Denn an dieser Stätte ist alles möglich gewesen. Hier In Jerusalem das Bild des schlichten Mannes festzuhallen, dem aller äußere Gottesdienst«in Greuel war, der jede Form der Anbetung in das Herz hineinlegte, und der eines marteroollen Todes sterben mußte, weil er den Priestern seines Volkes ein gefährlicher Neuerer war, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Was für Augen würde er machen, wenn er sähe, was man mit seiner Lehre angestellt hat! «» « Ich fahre aus Jerusalem heraus nach Süden. Mein Ziel ist Bethlehem. Die Entfernung mag etwa acht Kilometer be- tragen. Rechts biegt die Straße nach Hebron ab, der alten. Abrahamsstadt. Schon liegt das Grab der Rahel hinter mir. Di« engen Kulissen des Landschoftsrahmens schieben sich zurück. Eine weite Perspektive eröffnet sich dem Auge. Die Bergrücken dachen sich nach Osten zu ab, alle Schluchten stürzen dort unten in geheimniÄoll« Tiefen. Nimmt auch drüben die von Menschen. bewohnte Erde ein Ende? Doch was wundere ich mich, weiß ich nicht aus alten Tagen, daß da unten die Wüste Iuda gähnt, daß irgendwo in jenen Tiefen die Einöde von Engedi sich birgt, in die David vor dem Zorn Souls geflohen war? Schon starrt dort im Osten«ine abschüssige Wand, die ein tiefes Geheimnis verhüllt. Es ist die G e b i r g s w a n d M o a b s, die im Widerschein der Sonne wie Porphyr glüht. Ein mattblauer Spiegel blinkt.tief aus dem Abgrund heraus. Weiter eist der Wagen. Noch an einer zweiten Stelle flimmert es im Schoß der Erde. Halt, nun weih ich, was ich vor mir habe. Aus dem Erd- inneren dort unten blitzt der Wasserspiegel auf, in dem der Jordan unweit Jericho seine Pilgerbahn beendet. Das Tot« Meer buchtet aus der Tiefe zu mir empor, der würdige Abschluß dieser erstorbenen roten Berge, dieser schaucrvollen Welteinöde der Wüste Iuda.- Doch siehe, vor mir halb links sind niedere Hügelkämme auf- getaucht, auf denen sich das Leben ein Heimatrecht erstritten hat. Häuser und Türme tauchen auf. Ich brauche nicht zu fragen, wie. die Ortschaft dort heißt. Bethlehem- Ephrata grüßt mich, schon eine Stadt dem Umfang nach, kein Dorf mehr zu nennen. Wie ganz anders ist es, als ich es mir vorgestellt hatte! Doch diesmal ist die Ueberraschung keine unangenehm«, ich hatte es mir viel armseliger gedacht. Malerisch breitet es sich über die Höhen aus. Ich fahre gern hinein. Jericho von Westen Ich bin in Bethlehem, der mutmaßlichen Geburtsstätte Jesu. Die Gassen sind genau so eng und winklig wie in jedem anderen morgenländischen Nest. Die Sonn« wagt sich erst gar nicht hinein: wie angenehm' empfinde ich das, seit ich länger im Morgen- lande bin! Man sagt mir, daß hier kaum Mohammedaner leben und fast gar keine Juden. Die christliche Bevölkerung soll 12 000 bis IS 000 betragen: die Lateiner überwiegen, dann kommen die Griechen, die Zahl der Armenier ist gering, ebenso unbeträchtlich die der Protestanten. Ganz von selbst gelange ich über einen freien Platz, an dem ein« Kaserne der Palästinapolizei meine Aufmerksamkeit erregt, zu einer hochgetürmten Zitadelle. Verwundert trete ich näher. Wer hat hier im Geburtsort Jesu diese gewaltige Bastion gebaut? Ein englischer Sergeant steht mein Erstaunen.„Gehen Sie nur geradewegs auf das winzige Türchen los, das Sie dort vor sich sehen!" sagt er freundlich.„Es ist der einzige Zugang zur Geburtskirche, einen Führer haben Sic gor nicht nötig!" Wie die Grabeskirche zu Jerusalem, so ist auch die Geburts- kirche zu Bethlehem gelegentlich der Tummelplatz der wüstesten Ausschreitungen gewesen, gerade auch in der Christnacht. Es war noch der gelindeste Mißbrauch, wenn sie zur Festzeit nur zur Schaubühne degradiert ivurd«. Fellachin Daheim und gereiiei l(Schluß.) �5ir saßen dicht gedrängt auf Bänken längs der Wand. Ein Sanitäter und ein junger Arzt erneuerten die Verbände !uit großer Sorgfalt. In der Mitte des kleinen Raumes standen die Tragbahren mit den Schweroerwundeten. Vor mir lag ein Mann mit einem Bauchschuß. Er fuchtelte mit den Armen, phantasierte von seinen Kindern und oerlangte zu trinken. Der Arzt gab ihm einen wassergetränkten Schwamm in den Mund. Der Verwundete sog ihn aus und spuckte ihn auf die Erde. „Er hat sechs Kinder/ sagte ein Mann mit einem Armschuß. Draußen häuften sich die Trogbahren an. Es regnete wieder. Granaten schwersten Kalibers krepierten in der Nähe. Gegen zehn Uhr meldeten sich zwei Männer beim Arzt. „Sie sollten um sieben Uhr hier sein/ empfing er sie vor- wurfsooll. „Um sieben Uhr sind wir mit Munition von Dauviller ab- gefahren. Unterwegs schlug eine Granate aufs Gleis. Der Teufel hole den Franzosen! Nicht mal hier kann man ruhig fahren/ schimpften die Männer. „Macht schnell!" mahnte der Arzt.„Es find heute wieder Schweroerwundete." Die Sanitätsmannschaften schafften die draußen Wartenden weg. Dann leerte sich der Raum und auch ich wurde auf eine Tragbahre gelegt. Draußen warfen sie mir zwei nasse Decken über, damit ich nicht sricr«, und trugen mich in den langgestreckten Wagen einer Feldbahn. Vier Bahren standen immer übereinander und das ganze wurde mit Dachpappe zugedeckt. Das Züglein stieß heftig, obwohl es sehr langsam fuhr. Die Kameraden, die in meinem Wagen lagen, stöhnten. Granaten krepierten an den Gleisen, aber es ging doch vorwärts. Nach etwa zwei Stunden hielt die Bahn und wir wurden in ein großes Zelt getragen, auf dem eine Rote-Kreuz-Flagge flatterte. Bald war das Zelt voll. Drei Aerzte mühten sich mit den Ver- bänden ab. Wir erhielten Kakao und ein Butterbrot. Das war eine Delikatesse für uns Soldaten. Nur die mit Bauchschüssen er- hielten nichts, obwohl sie sehr bettelten. Wir mochten etwa eine halbe Stunde gelegen haben, da brachten Sanitäter einen Soldaten von etwa dreißig Jahren herein. Sie hatten ihn aus der Straße aufgelesen. Er blutete am Rückgrat. Sein ganzer Hosenboden war mit Blut durchtränkt. Er war bei voller Besinnung. Die Aerzte untersuchten ihn und fragten, wie er zu seiner Ver> wundung gekommen sei. „Beim Stürmen," antwortete er. „Und da sind Sie bis hierher gelaufen?" Der Verwundete nickte. „Sie müssen doch tolle Schmerzen gehabt haben?" „Drei Stunden bin ich durch das Granatfeuer gekrochen. Ist die Wunde schlimm, Herr Stabsarzt?" „Nicht so schlimm, lieber Freund, nur innner hübsch ruhig aus dem Bauch liegen, damit das Bluten aufhört." Man bettete den Verwundeten auf eine Tragbahre und deckte ihn bis über den Kops zu. Cr hatte einen Halsschuh bekommen, der die Wirbelsäule entlanglief und am After herauskam. ,Laum glaublich, daß ein Mensch mit einem solchen Schuß drei Stunden läuft!" slüsterte der eine Arzt seinen beiden Kollegen zu. „Der Wille macht's. Da sind Leute mit einem Granatsplitter im Kniegelenk von dftr Front bis hierher gelaufen." Nach einer halben Stunde sah man nach dem Verwundeten. Er war tot. „Das wußte ich. als ich ihn sah," nickte der Arzt zu seinen Kollegen herüber und deckte die Leiche wieder zu. Am Nachmittag wurden wir wieder verladen. Der Zug fuhr lange Stunden mit uns. Auf einer unbekannten Station wurden wir ausgeladen. Der zweirädrige Anhänger eines Krankentransportwagens nahm mich auf. Neben mir lag auch einer mit einer Beinwunde. Das Auto fuhr sehr schnell und rüttelte stark. Da zwei Kameraden unten und wir oben lagen, stießen wir immer an die Decke. Mir schrien vor Schmerzen. Die Chaussee mußte arg zerschossen sein, denn»der Wagen wogte von einem Loch in das andere. Um ein Uhr nachts hielt das Auto. Mühsam schleppte man mich bis zum dritten Stock eines großen Hauses in einen großen Saal. Ein Sanitäter schnitt mir mit einem Messer behutsam die Stiesel auf und entkleidete mich. Eine Schwester wusch mir die Kalkkruste von Gesicht und Händen. Ein Verwunde- ter, der schon aus war, wusch mir die vollkommen vcrdreckten Füße. Sie wollten und wollten nicht sauberer werden. „Quälen Sie den Mann nicht weiter. Der Doktor wird schon sehen was dran ist!" sagte die Schwester und sie legten mich ins Bett. Meine Schmerzen waren groß, aber ich schlief doch ein. Wie lange hatte ich keinen richtigen Schlaf mehr gehabt! Als ich am anderen Morgen erwachte, war Ostersonntag. Ueber mir war ein Glasdach. Ich sah, daß es regnete und fühlte mich so wohl im Bett! An Ballentin, den Dicken, unseren Zugleutnant, den verwundeten Unteroffizier, an Papa, an alle dachte tch. Wenn ich meine Beine bewegte, suhlte ich heftige Schmerzen. So lag ich denn sehr still und steif da. Ich bekam wieder Butterbrot und Kakao zum Frühstück und schlief bald wieder ein. Kurz vor Mittag weckte mich«in fürchterlicher Schrei. Ich richtete mich aus. Da hielten vier Sanitäter einen Kameraden fest, der einen großen Granatsplitter im Hacken hatte. Der Arzt redete iym gut zu und versuchte mit einer seiner Zangen den Splitter aus dem Fleisch zu ziehen. Die Zange brach ab. Der Arzt nahm«ine große Zange. Das Brüllen ertönte markerschütternd durch das Haus. Vor Schmerz riß der Verwundete die Männer hin und her und es waren gewiß kraftvolle Gestallen. Wir alle waren bleich geworden. Dann war der Splitter entfernt, und der Verwundete lag er- schöpft auf dem Operationstisch. Der Arzt streichelte ihn, aber der Verwundete sagte: „Herr Doktor, hätte ich die Arme frei gehabt, hätte ich Ihnen einen Backpfeife gegeben!" „Ich auch, wenn ich an Ihrer Stelle gewesen wäre, und Sie der Arzt," antwortete lachend der Chirurg, und verband die Wunde. Das alles hörte und sah ich und lag nachts unruhig, denn tn meinem Kopfe spukten allerlei fürchterliche Gedanken, wie der, der Arzt könne mir bei der Behandlung die Beine brechen. Am zweiten Osterfeiertag früh legte man mich aus den Opera- tionstisch. Der Arzt sah meine Beine an und verfügte:„Röntgen!" Am Kopfe hatte ich etliche Granatsplitterchen. Die saßen unter der Haut. Er entfernte sie sehr behutsam, und ich wurde neu verbunden. Am dritten Tage war meine Röntgenplatte fertig. Es stellte sich heraus, daß mein rechter Fuß nicht nur verstaucht war, sondern daß der Knöchel unten einen spiralen Knochenbruch aufwies. Der Chirurg machte um das Bein einen Gipsoerband. Ich lag im Bett, ah wenig oder gar nicht, da ich wieder zum Durchfall neigte, und wurde v'r Aufregung tränker als vorher. Jeden Tag kamen n'-.lich Flieger nach Carignan, und warfen Bomben, die einige Nachbarlazarette zum Teil zerstörten, obwohl auf jedem Hause die Hohei'sslagge des Roten Kreuzes flatterte. Auch sonst gab es Aufregung genug. Jeden Tag kamen neue Vor undete, andere wurden nach Deutschland abtransportiert. Tag und Nacht, wie gerade die Transporte ankamen, wurde operiert. Man sagte mir, daß auch ich nach Deutschland käme. In mir war Freude. Aber die Tage vergingen und man trug mich morgens nicht hinaus. Da gab ich die Hoffnung auf. Eines Nachts brachten sie einen Landwehrmann herauf, dem die linke Hand am Handgelenk abgerisien war. Der Arzt nahm ihn sofort unter das Messer und schnitt den Armstumpf kunstgerecht ab. Der arme Mensch ließ alles ruhig mit sich geschehen, er fühlte offen- bar keinen Schmerz mehr. „Wie lange haben Sie auf dem Schlachtfeld gelegen, ehe Sie aufgefunden wurden?" „Sechs Tage." „Haben Sie Kinder?" „Sieben." „Sind Sie Landmann?" „Bauer." Nachdem der Armstumpf verbunden war, stellte sich der Arzt auf einen Stuhl und träufelte dem fast Leblosen drei Stunden lang lauwarmes Salzwasser auf die Brust. Das sollte das 2Jlut beleben. Dann kam er ins Bett. Nach zwei Tagen war er tot. So gab es viele, viele, die an allzustarkem Bluwerlust starben. Auch das Wundfieber spielte eine große und traurige Rolle. Nach acht Tagen kamen wir in den zweiten Stock. Der dritte mußte geräumt werden, da so viele Ruhrkranke von der Front kamen, daß man sie kaum unterbringen konnte. Mißmutig lag ich in meinem Bett. Jeden Tag fuhren Züge mll Verwundeten nach Deutschland. Nur ich kam nicht mit. Mich packte Verzweiflung. Sollte ich, wenn ich geheill war, wieder an die Verdunfront? Niemals wäre ich wieder in diese Hölle gegangen, niemals! Mochten die Herren, die den Schlüsiel zur Westfront enl- deckten, selbst in den Höllendreck gehen, sich hinter stinkenden Leichen verbergen, über faulendes Aas stolpern! Niemals ging ich zur TZerdunfront zurück! Lieber Festung oder eine Kugel in den Kopf! In meiner Verzweiflung packte mich eine Wut ohnegleichen. Wäre ein Hindenburg oder sonst einer jener Generale gekommen, ich hätte ihnen die Wahrheit über ihr grausiges Tun ins Gesicht geschleudert. Dann wurde ich resigniert» und zog mich in mich selbst zurück. Täglich hatte ich andere Bettnachbarn, alle kamen nach Deutschland, nur ich nicht. Und eines Vormittags sagte der Oberstabsarzt, als man ihm meine Platte zeigte:„Ist nicht so schlimm mit dem Bruch!"--- * Endlich kam ein Brief von meiner Braut. Sie schrieb, daß sie am 18. April des Abends unruhig gewesen sei, und es in der Woh- nung nicht ausgehalten habe. Da sei sie in den Straßen umher- gerannt, und habe gewußt, daß ich verwundet sei. Wer im Sommer werde ich in Berlin sein. Der Brief machte auf mich einen großen Eindruck. Ich glaubte ihm. Ich würde, ich mußte nach Deutschland kommen! Vierzehn Tage war ich im Lazarett, da brachte man mich eines Morgens auf den Hof, und von dort in den Zug. Es ging nach Deutschland! In dem vierter Klassewagen, in dem wir lagen, waren sechs Franzosen— und drei Deutsche. Mein Vordermann war ein Fran- zose, dem beide Beine abgefetzt waren. Dazu hatte er einen saust- großen Einschuß an der Wirbelsäule in der Nähe des After. Er stöhnte sehr, wenn der Wagen stieß und stammelle in seiner Heimat- spräche. Der Arzt fragte ihn, ob er eine Karte an seine Angehörigen schreiben wolle? Er nickte.. Man brachte die Karte, einer hielt sie ihm, und er schrieb mit äußerster Anstrengung. Ein alter freiwilliger Pfleger erzählte mir, der Franzose sei ein Bauer aus der Bretagne und habe sechs Kinder. Er werde das Lazarett kaum noch erreichen. Es sei ein Wunder, daß er nicht schon gestorben sei. Am anderen Tage waren wir in Mainz. Die Wagen, in denen Gefangene lagen, wurden nach Wiesbaden in das Gefangenenlazarett umgeleitet. Wir Zurückgebliebenen wurden in einem klapprigen Kremser in ein Lazarett transportiert und bald lag ich in einem seinen weißen Krankenbett. Eine Klosterschwester bemühte sich um mich, gab mir gutes Essen und fragte nach meinen Wünschen. Ich hatte keine Wünsche. Meine Freude war zu groß. Ich war wieder in Deutschland! Loansdeuck, 27. �pril. Berlin. 16.00 Prof. Dr. Alfred M.mes: Versicherung und Vorbengune. 16.30 Unterhaltungsmusik(Becoe's Terra-Sinfoniker). Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.30 Dr. Wolfgang Pohl: Das Arbeltsschutigese«. 19.00 Prof. Dr. Jumpern:»Das moderne Chile. 19.30 Prof. Dr. Emil Ulin. Halle a. d. S.: Kunstgenuß und Naturgenuß. 20.00 Abendunterhaltung. Mit».: Resi Langer. Senff-Qeorgi. 21.30 Berliner Reportagen, gelesen von Egon Jacobsobn. Nach den Abendmcldungen bis 0.30; Tanzmusik fKapeltc Efim Schachmeister). Königs wusterbansen. 16.00 Prof. Dr. von Pechmann: Kunstgewerbemuseum und Werkschatfen unserer Zeit. 16.30 Kurt Heinig, M. d. R,: Die Kaufkraft des Beamten in der Wirtschaft. 17.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00 Gustav Hennig: Meine Erlebnisse mit Arbeiterlesern. 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Dr. W. Hoffmann-Harnisch: Angewandte Dramaturgie. 19.20 Prof. Dr. C. Kaßner: Unsere Lufthülle. 20.00 Die Stunde des Landes. 21.30 Klaviertrios. 1. 1. Ph. Ramean: Kammerkongert. 2; A. Casella; Sizillana und Burleske. 3. P. Juon: Trio Miniaturen(Pozniak-Trio). Anschließend; Unterhaltungsmusik. Ferdy Kanflmann mit seinem Orchester. Sonntag, 28. ApriL Berlin. 8 55 Stundenglockenepiel der Potsdamer Oarnlsonkirche. Morgenleier. Olocken- geläiite des Berliner Doms. 11.30 Blasorchester-Konzert. Berliner Fnnfaren-Bläserkorps. 13.15 E. Netermann; Schachfunk. 15.30 Von Turin: Fnßball-Ländcrkampf Deutschland— Italien.(Am Mikrophon: Dr. Paul Laven, Frankfurt a. M.) Anschließend; Unterhaltungsmusik(Gebr. Steiner). 19.30 Dr. M. Hilzhcimer: Natnrschutzproblcme in der Großstadt. 20.60 Volkstümliches Orchesterkonzert. Dirigent; Bruno Seidler-Winkler. 21.00 Abendunterhaltung. Mitw.: Hermann Kasack, Fritta Brod. Anschließend: Zeit, Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik.(Kapelle Q. Hoffmann). Königswusterhauseo. 11.30 Uebertragung aus dem Großen Schausplelhaua: Chorkonzert des Reichsverbandes der gemischten Chöre Deutschlands(1000 Mitwirkende). Dirigent: Bruno Kittel. Solist: Kammersänger Leo Schützendorf. Das Sinfonie-Orchester der Berliner Schutzpolizei. I3.d5— M. 15 Blldfunkversucbe. 18.15 Wohnung und Heimställe.(Zwiegespräch zwischen Prof. Dr. Dr. Bredt und Dr. h. e. A. Damaschke.) 19.00 Oberst a. D. K. von Oertzen: Heerwesen der Gegenwart. 19.30 Dr. F. Brust: Große Affekte In der Musik. ffätsel'Ecke des„Abend". Gpiralen-KreuzwortrStjel. TT i T nö öT TT -4 i Z 3' *— r a! 6 i i i: -— I--— r 12 4- i i i i i i J_ I_ I_ I_ 1_ L • i ■ W a g e r e ch t: 2. Fluß In Jtali.-n: 3. staatliche Gemeinschaft: S. Sitzgelegenheit: 8. Körpcrorgan: 8. deutsches Gebirge: g. Dich- tungsform: 11. Grundmittel zur Arbeit: 12. Inneneinrichtung.— Senkrecht: 1. Fluß in Rußland: 2. berühmter Autor: 4. Körper. tei: S. Rattenart: 7. Gartengerät: 8. Opernfigur: 10. Erfrischungsgetränk; 11. Nudelart.• Äuchstabenrätsel. Aus den Buchstaben aaaacdd,e»ehilllilll mmmmnoorssssttttt tt u u w sind 14 Wörter von je drei Buchstaben zu bilden, deren Anfangsbuchstaben einen Ausspruch Liebknechts ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1, Wassersäugetier: 2. Fluß in Thüringen: 2. Sohn Noahs: 4. G-wässer: S. deutscher Badeort: 6. schlechte Lebenslage: 7. weiblicher Vorname: 8. Sport« gerät: 9. Handlung: 10. Charaktereigenschaft: 11. Stimmlag«: 12. Heldengedicht: 13. Kopfbedeckung: 14. Hauseingang. kr. Silbenrätsel. Aus den Silben a a as der berg ce de del den deut e« en es gi i kü le let U li H Ii« lich mann ne ne or pen prä ra ra ra ran re renn reu ri se si tät ten ten ti tier vo weiß sind 17 Wörter zu bilden, deren Anfangebuchstaben und die dritten Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Wahlspruch des internationalen Proletariats ergeben(ch— ein Buchstabe).— Die Wörter bedeuten: 1. Oberhaupt einer Republik: 2. Rachsucht: 3. Auszeichnung: 4. deutscher Maler; S. biblische Person:(3. Stadt in Italien: 7. frühere deutsche Stadt in Schleswig: 8. Seltenheit; 9. weiblicher Vorname: Ii), hoher Priester; 11. arktische Hirschart: 12. weiblicher Vorname; 13. verstorbener Gewerkschoslsführer: 14. indogermanischer Volks« stamm; 18. Gebirgsblume: 16, Fischfanagerät: 17. Vorort von Berlin. irr (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Halle; 6. Saale; 9. da; 11. Au: 12. Schwalbenschwanz: 18 Hai: 19 Ivo; 20. Et, 21. Fe.l: 23, an; 24. Sole; 28. Rast: 26. Lupe, 23 Bier.— Senkrecht: 2. 21..®.; 3. Luch; 4. Ida; 5. Kuh; 7. Arno: 8. ta; 10. Alt; 11. ach; 13. ha: 14. Wiesel: 15. Ehe! 16. Not: 17. Winter; 21 Fete: 22. Trab: 23. As: 27. Ur: 29 er. al<. <1 Rösselsprung: Der eine fragt:„Ist es recht?" ,Was kommt danach?" Und also unterscheidet sich Der andre fragt nur: Der Freie von dem Knecht. Silbenrätsel: 1. Arno, 2. Alinden. 3. Radieschen. 4. Edam, 8. Chronometer, 6. haarlem, 7. Taunus, 8. Elfe, 9. Aavarra. 10 Prozeß, 11. terch«, 12. Adam, 13. Tulpe. 14. Zelle, 18. Dreher, 16. Emma, 17. Rakete, 18. Rhone, 19 Eimer, 20. Cambrai, 21. Hütte. 22. Tiegel, 23. Else, 24. Meaux, 25 Anna. — Am rechten Platz der rechte Mann,/ Daraus vor allem kommt es an. D a n i e l S a n d e r s. Buchstabenrätsel: 1. Fee: 2. Eva; 3. Rar; 4. vom; 5. Zda; 6. Rot; 7. Aas: 8. Ail; 9. Don; 10. Lob; 11. Ahn; 12 Sam; 13. See; 14. Alt; 15. Lot; 16. Leo; 17. Elm.— Ferdinaitb Lassall«. Nr. 197 46. Jahrgang Sonnabend 27. April 1929 „Die grooie DrehbanK der Dieb." Ueherstchl über die Anlage der Onrlalsperre. Sicherheit im Betriebe erreicht und die Anlage von Reservedampf- werken vermieden. Die Jiigenieurbautunst feiert mit der Dollendung dieses Werkes einen ihrer größten Triumphe. Willy Modus. Keine Oehdialicrbrände mehr? Bei der Unterbrechung eines Stromkreises, der von großen Mengen elektrischer Energie— Hunderttausende von Pferdestärken— durchflössen wird, hört die Elektrizität nicht ougenblick- ltch zu fließen auf. Der Strom überbrückt vielmehr die Unter- brechungsstelle. Es entsteht ein Lichtbogen, den man bisher am besten dadurch löscht, daß man die Unterbrechungsstell« in Oel«in- bettete. Oel ist für den elektrischen Strom ein guter Isolator. Er bringt daher den Lichtbogen zum Verlöschen. Da aber Oel nicht nur isoliert, sondern gleichzeitig auch ein guter Brennstoff ist, so bemüht man sich seit vielen Jahren um die Schafsung eines ohne Oelbad arbeitenden Hochspannungsunterbrechers. Dieses Problem hat nun durch die Erfindung eines Dr. Slepian, der Forschungsingenieur bei der amerikanischen Westinghouse Comp, ist, zum ersten Male eine einwandfreie Lösung gefunden. Das Geheimnis beruht darauf, daß der elektrische Lichtbogen„entionisiert" wurde. Man hat also einen Teil der Elektrizität vernichtet. Dieses Ergebnis wird dadurch er- reicht, daß der Lichtbogen mit außerordentlicher Geschwindigkeit über eine Metallbahn getrieben wird. Der Lichtbogen hat eine außerordentliche Temperatur, etwa 3000 Grad Celsius. Trotz dieser ungeheuren Wärme kann man infolge der überaus schnellen Be- wegung des Lichtbogens einen Baummollfaden hineinhalten, ohne ihn auch nur anzusengen. Fünfjährige mühevolle Arbeit war zur praktischen Durchführung der neuen Ersinderidee erforderlich. Wird der Lichtbogen mit ge- wohnlicher Geschwindigkeit angetrieben, so schmilzt er das Metall, mit dem er in Berührung kommt und benutzt dessen Jonen zu seiner eigenen Erhaltung. Bei der ungeheuren Geschwindigkeit, um die es sich bei dem neuen ,�)e-Jon-Unterbrecher" handelt, liegen die Verhältnisse hingegen umgekehrt. Der Lichtbogen wird in eine Reihe kreisförmiger KupferplaUen hineingetrieben, die ihn in eine Reihe kleiner Bögen auflösen, ihre Jonen keineswegs an ihn abgeben, sondern ihn vielmehr umgekehrt die eigenen nehmen. Die überaus schnelle Bewegung des Lichtbogens wird durch ein Magnetfeld erzeugt, das den Bogen 30—40 nral um den Umfang der Kupserplatte herumtreibt. Dann sind Ihm seine Jonen vollständig entzogen, er erlischt sofort. Das neu« Konstruktionsprinzip ist bereits auf Unterbrecher und Schalter der verschiedensten Art an- gewandt worden. Es dürfte für viele bisher für unlösbar gehaltene Probleme die längst gesichtete Lösung liesern. Sicherheitsschalter, Schalter zum Anlassen und Stoppen von Motoren. Schwachstrom- Unterbrecher und ebenso auch Starkstromunterbrecher für 13 000 Voll sind bereits mit Erfolg gebaut worden. Der neue Unterbrecher zeichnet sich vor allem durch die Leichtigkeit aus, mit der wieder- holte Kurzschlußversuche aushält, ja, er braucht bei solchen Ver- suchen nicht einmal Wartung und Beaufsichtigung. So wurde ein solcher Apparat vor kurzem in schneller Folge nicht weniger als hundertmal kurz geschlossen und bei Strömen bei 3000—13 000 Volt. ohne daß irgendeine Beaufsichtigung notwendig wird, diese der- maßen aufgewirbelt, daß besondere Oesfnungen in der Lichtbogen- kammer erforderlich sind, um die nötige Abkühlung herbei- zuführen. Das neue Schaltprinzip dürfte sich besonders für den Bahn, und Straßenbahnbetrieb eignen, es dürfte auch dazu beitragen, den Be- trieb von Stromlieferungsanlagen sicherer und zuverlässiger zu ge- stalten als bisher. Vielleicht macht es auch die bei Hausanlagen un- entbehrlichen Schmelzsicherungen überslüssig. Bei etwa entstehender Ueberlastung braucht man nicht mehr die durchgebrannte Sicherung zu ersetzen, sondern betätigt einfach den Handgriff eines kleinen Schalters, um die elektrische Lichtlieferung bzw. den elekrtischen An- trieb sofort wieder herzustellen. Dr. A. G. Europas gröfjtc Talsperre. Der künstliche Riesensee im Tal der Our. Talsperren gehören zu den eindrucksvollsten Bauten der moder- nen Technik. Durch gewaltige Mauern werden beträchtliche Wasser- mengen eingefangen, oft zu mellenlangen künstlichen Seen aufge- staut und dann gezwungen, Turbinen zu treiben, fruchtbares Ackerland zu tränken, wertvolle Arbeit im Dienste des Menschen zu leisten. Bis vor kurzem gehört« der Ruhm, die größte Talsperre Europas gebaut zu haben, den Italienern. Sie hatten in der Ein- samkeit Sardiniens das Wasser des größten Flusses dieser Insel, des Tirfo. durch eine 41)4 Meter hohe Staumauer aufgespeichert und so einen künstlichen See mit einem Wasserinhalt von 444 Mil- lionen Zkubikmeter geschaffen. Die User dieses Sees haben eine Länge von 70 Kilometer. 22 Geoiertkilometer Land wurde von den Wassern bedeckt. So konnte der großen Trockenheit in der fast ein halbes Jahr währenden regenlosen Zeit entgegengewirkt werden, und 300 Quadratkilometer Land wur- den in einen fruchtbaren Garten um- gewandelt. Bevor aber der See das Land bewässert, treibt er Turbo- g c n e r a t o r e n, die die ganze Insel mit Strom versorgen können. Diese große Anlage, die das Bild der Land- fchaft völlig veränderte, wird jetzt durch eine andere, weitaus größere über- trofsen. Di« größte Talsperre Euro- pas wird an der deutsch-luxemburgi- schen Grenze vollendet werden. Eine Staumauer von 10k Meter Höhe und 8g Meter Stärk« wird das Wasser des deuffch-luxemburgischen Flusses Our in der Nähe der luxem- burgischen Stadt Lianden, Nordwest- lich von Trier, aufsangen und es zwm- gen«men künstlichen Stausee zu bilden, der oft eine Breit« von einem bis eineinhalb Kriometer haben und dessen Gesamtlänge 41 Kilometer messen wird. Ein« große Anzahl von Seitentälern von denen das Jrfental mit einer Länge von 8 Kilometern das bedeutendste ist, wird in eine künstliche Fjordlandschaft verwandelt werden. Aus einem Gebiet von 630 Quadratkilometern werben alle Zuflüsse in diesen künstlichen See ge- leitet, der insgefamt«ine Waffennenge von 800 Millionen Kubikmeter aufnehmen kann. Damit aber ist die Ourtalsperre fast doppelt so groß wie die T i r s o s p e r r« in Ear- dinien. Alle Straßen, die im Gebiet des Stausees Deutschland mit Luxemburg verbinden, werden vom Wasser bedeckt. Die Bewohner von fünf Dörfern mit zahlreichen Einzelgehöften mußten ihre Wohnungen räumen. Dort, wo einst der Bauer mit dem Pfluge seine Furchen zog, werden die Wasser des künstlichen Sees fluten. Reue Wohnstätten werden sich die Vertriebenen auf den Randhöhen des Ourtales errichten. Eine neue Straße, eine neue Eisenbahn- linie sowie Fährschiffe werden den Verkehr zwischen Deutschland und Luxemburg aufrechterhalten. Die Ingenieure durften es wagen, an die Schaffung eines so großen künstiichen Sees heranzugehen, da das Ourtal geologisch für die Anlage eines solchen Staubeckens jede Sicherheit zu bieten scheint. Rheinischer Tonschiefer, der kaum Struckrohrleilung und Waschinenhaus der Ourlalsperre. wasserdurchlässig ist, wird den Stausee aufnehmen. Reben dem er- wähnten großen Stausee wird oberhalb von Wanden noch ein kleinerer Stausee angelegt, dessen Wasser durch Pumpwerke in das große Staubecken gedrückt wird. Beim Endausbau des Werkes werden 820 000 Pferdestärken in Turbinen nutzbar ge- macht. Die Dynamos werden 600 000 Kilowatt erzeugen. Die Dreh- ftromgeneratoven werden mit 6000 Volt bei 230 Umdrehungen in der Minute arbeiten. Die gesamte Jahresleistung wird 300 Mil- lionen Kilowattstunden betragen. Das Wasser wird in einer 130 Meter langen Druckrohrleitung in das Maschinen- haus im Ourtal hinabstürzen. Dabei ist die Zlnlage so getroffen, daß der Spiegel des riesigen Sees sich höchstens um 10 Meter senken kann. Eine Absenkung des Sees um 10 Meter entspricht einer Wassormenge, die durch die natürlichen Zuflüsse nur in 8 Monaten wieder aufgebracht werden könnte. Das von den Turbinen ver- brauchte Wasser wird m einem Gegenstaubecken, dem schon erwähn- ten oberhalb von Vianden liegenden kleineren Stausee aufgenom- men und von hier durch Pumpen, die eine Gesamtleistung von 340 000 Pferdestärken aufweisen, zurückbefördert. Auf diese Weise wird nicht nur eine große Wirtschastlichkeit, sondern auch eine große hervorragend die dargestellte Werkzeugmaschine auch ist, so ist sie dennoch nicht das' größte Ungetüm ihrer Gattung. Ein« ähnliche Maschine, es Handelt sich um eine Walzendrehbank, wurde bereits vor 28 Jahren im Gewicht von S8 000 Kilogramm bei einer Spitzen- höhe von 930 Millimeter und einer Spitzenweite von 9300 Milli- meter geliefert. Diese Maschine blieb hinter der im„Abend" ge- schilderten angeblich größten Drehbank der Welt nur um 2000 Kilo» gramm im Gewicht zurück. Heute werden Drehbänke bis zu 400 000 Kilogramm Gewicht, 3 Meter Spitzenhöhe und 20 Meter Spitzen- weite hergestellt und im Großwerkzeugmaschinenbau als etwas Selbstverständliches empfunden, ja im Bau von Plan- und Karussell- drehbänken hat der deutsch« Werkzeugmaschinenbau noch größere Abmessungen erreicht. So wurden von der früheren Schieß-A.-G. Werkzeugmaschinen mit 14 Meter Durchmesser und einem Gewicht von 600 000 Kilogramm gebaut. Augenblicklich wird sogar an einer Maschine von 18 Meter Durchmesser gearbeitet. Diese interessanten Zahlen geben ein recht gutes Bild von der tatsächlichen Lefftungs- fähigkeit unseres Werkzeugmaschinenbaues. Unser Bild zeigt eine Drehbank von 2300 Millimeter Spitzen» höhe, 16 000 Millimeter Spitzenweite und 330 000 Kilogramm Ge- wicht. � Für den nicht technisch unterrichteten Leser sind die Aus- drücke„Spitzenhöhe" und„Spitzenweite" durch die beigefügte sehr vereinfachte Skizze erläutert. Zwischen den„Spitzen" wird das zu bearbestende Werkstück eingespannt. i Man schreibt uns: „Bei allen„Superlativen", allen höchsten Steigerungen, soll man vorsichtig sein. Wenn irgend jemand behauptet, daß gerade er die größte, dickst«, längste usw. Sache der Well hergestellt habe oder J&HotOdi Jaöerrobitjni Spitienhtf* besitze, so kann das ja sehr wirkungsvoll sein, aber es braucht des- halb noch lange nicht zu stimmen. So hat der„Abend" vom 9. April— allerdings nicht in der technischen Beilage— das Bild der «größten Drehbank der Welt" mit begleitendem Text gebracht. So Sport und Nationalbewußtsein Grundsätzliches zum Fußballänderspiel Deutschland- Italien Am kommenden Sonntag steigt das für die bürgerliche Sportwelt so bedeutsame Ereignis, das Fußballtreffen Deutsch land- Italien in Zurin. Kein Länderspiel hat vorher solch Aufsehen erregt, hat vorher die Gemüter so erregt wie diefes. Woher und weshalb all das? Man wird sich der unangenehmen Nachwehen des Ländertreffens Desterreich- Italien erinnern müssen, um an die Quellen der Aufregung heranzukommen. Uns Arbeitersportler interessiert die Angelegenheit insofern, als sie eine glänzende Gelegenheit bietet, die grundverschiedene Mentalität der bürgerlichen und der Arbeitersportbewegung aufzuzeigen. Als Desterreich vor drei Wochen auf der hohen Warte in Wien den schon zu halben Fußballgöttern avancierten Italienern eine gründliche Abfuhr von 3: 0 verabreichte, erhob sich in der gesamten italienischen Presse( nicht etwa der Sport presse) ein müſter Tumult gegen Oesterreich( ,, Wien, der Wasserfopf Europas", Stinkender Seuchenherd", Stadt der Dirnen und Homosexuellen" ,,, Nur mit den Waffen kann das gerächt werden" so lauteten einige Stilblüten aus dem Konzert). Alles dies wegen einer 0: 3- Niederlage im Fußballspiel. Was hat aber Sport mit Politik zu tun? Laßt den Sport frei von Politit", so pflegen uns bei jeder Gelegenheit die Herren aus dem bürger lichen Lager zuzurufen. Aber wer selbst im Glaskasten sitzt.. Und wie sie drin sitzen. Bei ihnen bedeutet ja schon eine Niederlage im Länderspiel eine nationale Schmach! Am meisten bei den Italienern, wo man ja schon einen Sportdiktator hat. Wenn diese Entwicklung das systematisch hezerische Verquiden von Nationalgefühl mit Sportehrejo meiter geht, wird die Zeit nicht mehr fern sein, wo neben gesuchten Grenzzwischenfällen und Gesandtenmord eine Niederlage im Fußballspiel Anlaß zum Krieg bedeutet. Es ist ganz schön, zu propagieren: Sport ist völker= verbindend", aber besser erscheint es uns doch, dies zu beweisen. Gewiß ist uns Arbeitersportlern auch die Leibesübung ein Mittel, ARBEITER FUSSBALL Stand der Serie I. Klasse. Erst wenige Spiele sind zum Austrag gekommen, zum Teil haben die Witterungsverhältnisse schuld, zum anderen Teil die Playschwierigkeiten. Troßdem lohnt es sich, einen lleberblick über den Etand ter Spiele zu machen. In Abteilung A steht Brandenburg( Havel) ungeschlagen an der Spize. Auch die bisher erzielte Torzahl steht einzig da. In drei Spielen ein Torverhältnis von 21: 2 zu erringen, ist bestimmt nicht leicht, zumal in allen drei Spielen die Gegner nicht zu den unserer Klasse die ihr gebührende soziale und politische Macht zu sichern, aber nicht im nationalen Eigenbewußtsein, sondern im Sinne einer internationalen Verbrüderung. Der Sport ist noch lange kein völkerverbindendes Mittel, wenn er nur erreicht, daß gelegentlich einmal ein Länderkampf auch friedlich ausgeht, oder wenn eine Olympiade steigt, wo das Besiegen des Gegners( nötigenfalls mit Fußtritten wie bei Uruguaŋ- Deutschland) das Wesentliche ist. 3u all dem mußte es ja kommen, da man in ganz abwegiger Art eine Verstaatlichung des Sports betreibt. Die ,, friedliche Annäherung der Völker" durch den Sportminister hat mit dem italienischen Beispiel den ersten großen Reinfall erlebt. Eine Einmischung von Behörden in den Sport darf über eine materielle und ideelle Unterstügung nicht hinausgehen. Ein besonderes Sportministerium mag löblichen Absichten entsprungen sein, in seiner Pragis wirkt es aber nur unglücklich bevormundend. Man wird noch intensiver jedes sportliche Ereignis zu einer Angelegenheit der Nation machen als bisher; die Anteilnahme und der Fanatismus besorgen das Uebrige. Italien fordert heute schon sportliche Siege zur höheren Ehre der Nation", Niederlagen sind Schmach, die gefühnt werden muß. Die Tugend, mit sportlichem Anstand verlieren zu können, hat dann ausgelebt. Wo bleibt aber da die ,, völkerverbindende Mission?" Unsere Arbeitersportler gehen nicht mit dem Ministerstab im Fußballtoffer über die Grenze; sie kommen nicht um einen Gegner niederzuringen, wohl aber gehen Genossen zu Genossen in internationaler Brudergemeinschaft als Sportleute. Neue Freundschaften zu knüpfen gilt mehr, als einen größenwahnsinnigen Personenfult zu betreiben. Am Sonntag steigt nun in Turin Deutschland- Italien". Die faschistische Presse gibt sich, genau wie vor Desterreich- Italien, den Anschein der Beherrschtheit, aber' Impero" fann sich nicht Derkneifen, den Deutschen zuzurufen: ,, Beweist, daß ihr den Namen Barbaren zu Unrecht fragt!" Das sagt genug! Nation und Sport gehören nicht zusammen, wohl aber Sport und Böllergemeinschaft! den Hockeyleiter Albert Compagnini, O 34, Weidenweg 67. Der Eintritt zu der Veranstaltung im Friedrichshain ist frei. Am Montag, 29. April, findet die erste Schiedsrichtersizung der Arbeiter- Tennis- und Hockeyvereinigung statt. Die Aussprache über die neuen Hockeyregeln machen die Anwesenheit aller Schieds. richter erforderlich. Die Sigung findet im Lokal Schönfließer, Ecke Dänenstraße, 20 Uhr, statt. Neuköllner Volkstanzfest. Im Orpheum gab der Neuköllner proletarische Bolkstanzkreis sein Tanzfest, das gleichzeitig als Abschlußfeier des Tanzlehrganges und als sehnlichst erhoffter Abschied aus dem beengenden Gemäuer der Tanzsäle gedacht ist. Bald geht's auf frohe Fahrt und draußen im Freien, auf der Wiese am Dorfanger ergibt sich erst die richtige Szenerie für all die hübschen Volkstänze, die in ihrer gesunden Natürlichkeit und Fröhlichkeit gleichsam verwachsen sind mit der großen, freien Natur. Gestern zeigten die jugendlichen Tänzer und Tänzerinnen den Alten wie getanzt werden kann und vor allem getanzt werden soll, ohne all die albernen Verrenkungen psychischen und physischen Empfindens. Zwischen den Tanzvorführungen erfreute Puggi Muck den dichtgefüllten Saal mit Ernstem und Heiterem. Als Auftakt sprach er mit schöner Empfindung Wendels Lied von der roten Maschine", dann kamen allerlei fröhliche Schnurren und Moritaten: Von St. Bürokratius am Kleinbahnhof, Hans Reimanns Parodie auf Flaischlens ,, Hab Sonne im Herzen", worin dieser dem chronisch- fröhlichen Dichterling mit starken Argumenten widerlegt, daß die liebe Sonne leider allzuoft ihr holdes Antlig verhüllt; dann folgte Salzers luftige Schnurre ,, Die Abreise" und Glasbrenners humoriger„ Eckensteher Nante". Ein fröhlicher, wohlgelungener Abend. C. K. Werfährt mit& Fahrten or Nation unde Ferienreisen ins Schwabenland. Von den verschiedenen Ferienfahrten und Reisen, die vom Reisebureau der Naturfreunde in diesem Jahr veranstaltet werden, verdient die Wanderung durch das Schwaben= ( and besondere Beachtung. Wenn es auch dem norddeutschen Wanderer wenig bekannt ist, so vermittelt es doch eine Fülle von Naturschönheiten, die den anderen deutschen Mittelgebirgen nicht nachstehen. Ostdeutsche Arbeiter- Fußballmeisterschaft metern 2änge und 40 Kilometern Breite, hat ihren Namen von den Sonntag, 5. Mai 1929, 16 Uhr, Endspiel: Freie Turnerschaft Döbern- Forst( Meister des 16 Kreises, Lausitz) gegen Luckenwalder Turnerschaft, 2. Abt.( Meister des 1. Kreises, Berlin- Brandenburg) auf dem Städtischen Sportplatz, Lichtenberg, Kynaststraße, am Bahnhof St: alau- Rummelsburg Vorher ab 14% Uhr: Jugendwerbespiel:„ Eiche"-Köpenick- Vorwärts"-Cladow Billigste Eintrittspreise! volleren Arbeit gegen Mattheus- Hamburg einen fleinen Vorteil herausholen, trotzdem wurde der Kampf unentschieden gegeben, ein Spielschwächsten gerechnet werden können. Auf den drei nachfolgen. Urteil, das der Leistung des Königsbergers nicht ganz entspricht. den Plägen befinden sich Luckenwalder Mannschaften. Lichtenberg 1, die Pioniere der bundestreuen Berliner Fußballer, sind erst an sechster Stelle zu finden. Allerdings hat Lichtenberg erst zwei Spiele absolviert. Die Abteilung B hat in Weißensee die führende Mannschaft. Selbst der Kreismeister, Luckenwalde II, mußte sich der besseren Technik und dem Eifer der Weißenseer beugen. An zweiter Stelle folgt Hertha 11, Luckenwalde, mit einem Verlustpunkt. Der fommende Sonntag wird hier die Entscheidung bringen. Germania- Pantow, der letztjährige Abteilungsmeister, ist an vierter Stelle zu finden. Oberspree fam erst turz vor Beginn der Serie zu den ,, Bundestreuen" und ist mit an führender Stelle. Dagegen befindet sich der Kreismeister ziemlich weit unten. Die Tabelle der I. Klaffe hat folgendes Aussehen: Brandenburg Luckenwalde V 3438222522 Luckenwalde III Luckenwalde I Eiche Lichtenberg I Tempelhof Rathenow 2 Gofol Ruhlsdorf Weißensee Hertha 11 Oberspree Germania Neukölln Luckenwalde II Woltersdorf Eisenspalterei Karow Nomames Hoppegarten Abteilung A. 6: 0 1 5: 3 4: 2 4: 2 3: 1 2: 2 2: 2 4 2: 8 2 0: 2 2 Abteilung B. 1 442432222341 3222111211111 1 0: 2 8: 0 7: 1 4: 0 4: 4 3: 3 2: 2 1 2: 2 1 2: 2 2 4 4. 2: 4 0: 8 0: 8 Die Tabelle der II. Klasse folgt im Laufe der nächsten Woche. Groß- Berliner Fußballvereine und Abteilungen. Die Spielresultate sind ab Sonntag, 28. April, unter Lichtenberg 0866"( Siewert, Lichtenberg, Schillerstraße 15, Ede Kantstraße) zu melden. Von jedem Spiel der ersten und 3weilen klaffe muß Bericht gegeben werden. Für das am Sonntag, 5. Mai, stattfindende Endspiel um die oftdeutsche Fußballmeisterschaft sind noch plakate von Siewert, Lichtenberg, Schillerfraße 15, Ede Kantstraße, abzuholen. Spielvereinigung 1. Kreis. 3. A.: Schünemann. Kämpfe im Ständigen Ring". = # Bei der 40. Beranstaltung des Ständigen Borring in den Spichernfälen bestritten die Mittelgewichtler Kunow Hamburg und Geeraerts Belgien den Hauptkampf. Es gab ein temperamentvolles, schnelles Treffen mit, außerordentlich viel spannenden Momenten. Kunow tonnte seinem Rekord einen neuen schönen Erfolg hinzufügen, indem er den Belgier einwandfrei nach Bunften schlug. Der Breslauer- Schwergewichtler Scholz errang einen flaren Punktsieg über den noch etwas unbeschliffenen Frankfurter Fauft. Deffen Landsman Hermannsson führte sich in feinem Qualifikationsfampfe gegen Allmeroth Raffel recht gut ein, denn er konnte die Begegnung unentschieden gestalten. Der Berliner Nitschke war seinem Landsmann Megung vollkommen überlegen, der Ringrichter brach- eigentlich viel zu spät δας ungleiche Treffen in der 6. Runde zugunsten von Nitschte ab. Helmuth Schulz Königsberg fonnte dant seiner wirtungs. = Auf dem Programm des nächsten Kampftages im Spichernring am Freitag, 3. Mai, stehen drei internationale Begegnungen; es treten Erich Thriene gegen Stefan Kreuts- Budapest, Hans Bischoff gegen Carl Carter- Amerika und Franz Boja gegen Sunny Jim Williams- Amerita an. In den beiden nationalen Paarungen des Abends treffen sich im Qualifikationskampf im Weltergewicht Friß Sühn und Paul Schmidthaber und Otto Lauer und Fri, Kracht. Arbeiter- Hockey. Spiele am Sonntag. T Gruppe A: Tennis Rot I- Nordring I, 16 bis 17,30 Uhr, Friedrichshain( ASC II); Nordring 11- ASC. I, 12,30 bis 14 Uhr, Schönhauser Allee( Moabit I); Moabit I- Oftring I, 15,30 bis 17 Uhr, Schönhauser Allee( Nordring II). Gruppe B: Tennis Rot II- Nordring Jugend, 13,30 bis 15 Uhr, Friedrichshain ( Bankow); Pantow- ASC. II 9 bis 10,30 Uhr, Andreas- HoferPlaz( Nordring I); Moabit II- Oftring II, 14 bis 15,30 Uhr, Schönhauser Allee( Nordring II). Frauen: Tennis- Rot- Ostring, 15 bis 16 Uhr, Friedrichshain( Nordring I). Der Hockeysport, der von den Ausübenden nicht nur technische, sondern auch taktische Fertigkeiten verlangt und dadurch einen besonders reizvollen Sport darstellt, hat in den Reihen des ArbeiterTurn und Sportbundes leider noch nicht viele Anhänger. Das junge Arbeitertennis hat ihn bereits überflügelt. Es war deshalb zu begrüßen, daß die Berliner Tennisspieler sich Hockey als Wintersport erforen hatten. Um dem Arbeiterhockey neue Freunde zu werben, veranstaltet Tennis- Rot Groß- Berlin in Gemeinschaft mit FTGB.- Nordring zum Abschluß seiner Hockeysaison auf dem Sportplaz im Friedrichshain Werbespiele. Am fommenden Sonntag um 13% Uhr spielt Tennis- Rot II gegen Nordring- Jugend, um 15 1hr Tennis- Rot- Frauen gegen Nordring- Frauen, um 16 Uhr Tennis- Rot I gegen Nordring I. Tennis- Rot, das erst seit einigen Monaten spielt, tritt also gegen alte und bekannt spielstarke Mannschaften an. Da Tennis- Rot in der kurzen Zeit zu einer guten Spielstärke aufgelaufen ist, wird die Veranstaltung ihre Werbewirkung nicht verfehlen. Hockeyintereffenten geben ihre Adresse an Die Schwäbische Alb, ein mächtiger Gebirgswall von 250 Kilomundartlichen Alben= Alpen, die Bergweiden find. Sie ist das Mittelstück des mächtigen Gebirgszuges, der sich einst von der Schweiz( Schweizer Jura) bis nach Bayerisch- Franken( Fränkischer Jura) erstreckte. Die gegen Nordwesten abfallenden wildzerrissenen Steilhänge und Felszinnen geben Landschaftsbilder von grandioser Schönheit. Alte Burgruinen und Volksburgen es seien nur einige genannt: Rosenstein, Reußenstein, Ted, Hohen Neuffen, Lichtenstein führen zurück ins graue Mittelalter. Daneben findet effante Flora. Die schwäbischen Naturfreunde haben es deshalb für man eine Reihe großer Tropfsteinhöhlen und eine reiche und interselbstverständlich gehalten, daß sie seit einer Reihe von Jahren das Hüttennet planmäßig auch auf dieses intereffante Gebiet ausgedehnt haben, daher werden die markantesten Punkte der Schwäbischen Alb unter Berücksichtigung der überaus günstig liegenden Naturfreundehäuser berührt. Die teilweise maffin gebauten Häuser find sehr zweckmäßig und behaglich eingerichtet und eignen sich vorzüglich als Stüßpunkte für Ferienwanderungen. Ermähmung verdient noch der Besuch der mittelalterlichen Städte Rothenburg v. d. Tauber und Nördlingen. Die Ferienwanderung geht in der Zeit vom 1. bis 16. Juni, alles Nähere ist aus dem illustrierten Reiseprospekt ersichtlich( Preis 25 Pf.), im Reisebureau des Touristenvereins„ Die Naturfreunde", N. 24, Johannisstr. 14/15, erhältlich, wo auch jede weitere Auskunft erteilt wird. ADAC.- Frühjahrsregatta. Für die am 9. Juni auf dem Templiner See bei Potsdam stattfindende ADAC. Frühjahrsregatta, verbunden mit Schnellbootpreis, liegt nunmehr die gedruckte Auschreibung vor. Sie iſt fostenlos von der Geschäftsstelle der Motorwald 8154, zu beziehen. bootabteilung, Berlin S. 61, Planufer 61, Fernsprecher: F 6 BärZu der Veranstaltung der Freiförperfulfurfparte der FTGB. heute abend 20 Uhr im städtischen Saalbau Neukölln, Bergstr. 147, find Karten noch an der Abendkasse zu haben. Bundestreue Vereine teilen mit: Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Charlottenburg. Gonntag, 28. April, feiert der Bezirt in Lenz' Festfälen, Berliner Str. 88, Ede Brauhofstraße, fein diesjähriges Frühlingsfest. Freunde und Gönner sind herzlich eingeladen. Eintrittspreis infl. Steuer 1 M. Anfang 19 Uhr. Freie Turnerschaft Wilmersdorf und Vereine bes neuen Kartells. Heute, Sonnabend, 20% Uhr, bei Kroiß, Gasteiner Ede Holsteinische Straße, wichtige Mitgliederversammlung. Mitgliedsbuch mitbringen. Bezirkslartell Friedrichshain. Montag, 6. mai, 19% Uhr, Rartelligung im Jugendheim Tilsiter Str. 4-5. Ausgabe unserer Werbeschrift. Außerdem Lichtbildervortrag:„ Nürnberg und Umgebung". Bereinsfunktionäre als Gäste angenehm. FTGB., Schwimmbezirk Kreuzberg. Montag, 29. April, 20 Uhr, Jugendheim Wassertorstr. 9. Bortrag: Unsere Bundesschule in Leipzig". Gäste herzlich willkommen. Bu seinem 46. Stiftungsfeft, verbunden mit einer Bannerweihe, Tabet der bundestreue Sportklub Alt- Wedding 83" am Sonntag, 28. April, 17 Uhr, nach. dem Moabiter Schüßenhaus seine Freunde ein. Gute sportliche Vorführungen werden das bunte Programm ausfüllen; nachdem Ball. Eintritt 1 Mart. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Lichtenberg. Montag, 30. April, bei Gievert, Kartelldelegiertenfizung. FTGB., Abt. Neukölln. Die Frauenabteilung trifft sich zur Tageswanderung Sonntag, 8 Uhr, am Ringbahnhof Neukölln. 4 Republikanische Motorradfahrer Neben den Automobilbesitzern und den Motorbooteis nern haben sich etzt auch die repu likfreuen Motorradfahrer zu einem Klub zusammengesch ossen, der sich wie die andern Vereine die Aufgabe gestellt hat, die schwarzrotgoldene Fahne der deutschen Republik überall zur Geltung zu bringen. Das Bild zeigt die Berliner. Ortsgruppe bei der ersten Ausfahrt.