BERLIN Montag 29. April 1929 lOPf, Nr. 199 B99 46. Lahrgang. ers»et»ttä«Itch-agerGonotag«. Zugloch Adtndau-gade de«.VorwSrtt'. Beluzsvrci« beide Auogabeu 8SPf.»ro Woche, Z.mM.?r» Monat. Redaktion und Trredition; Berlin SW6S,kiudtoür.» nVffutosfa >«keis«n»rei<: Di« einfoaltig« Nonpareweteil« so Pf.. Reklamt»eil« ü M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwürtä-Vcrlag G. m. d.H., Berlin Nr.»7dZS. Fernsorecher: Dönhoff 232 bi« 237 200 Tote am!♦ Mai? Verbrecherische plane der Kommunisten. Auf dem Bezirksparteitag der Sozialdemokratischen Partei Berlins, über den wir an anderer Stelle des Blattes berichten, machte der Vorsitzende. Abg. Franz K ü n st l e r. aufsehenerregende Mitteilungen über die Absichten der Kommuni st en am 1. Mai. Nach Künstlers Mitteilungen hat am Donnerstag der ver> gangeneu Woche die kommiftnstische Bezirksleitung im Karl-Liebknecht-Hause getagt, um die endgültigen Aufmarschpläne festzulegen. Dabei wurde von der Bezirksleitung mehrmals zum Ausdruck gebracht, daß man mit etwa 200 Toten am 1. Mai rechne. Die Abfichten der Kommunisten sind geradezu wahnsinnig. So will man zunächst lokale Demonstrationen machen, aus denen sich schließlich zwei Züge formieren sollen, von denen der eine nach dem Potsdamer Platz und der andere nach dem Alexanderplatz dirigiert wird! Jeder, der von Organisation auch nur die leiseste Ahnung hat. wird zugeben, daß Demonstrationen an diesen verkehrsreichen Plätze« Berlins unter allen Um» ständen zu schweren Komplikationen führen müsien, so daß die Polizei einfach gezwungen ist, einzuschreiten. Das ist natürlich die Absicht der gewissenlosen Organi- satoren aus der Kleinen Alexanderstraße. Vielleicht hofft man auch, daß bei Zusammenstößen am Alexanderplatz die Demonstranten in die Baugruben der Unter- grundbahn gehetzt werden könne«, so daß man auf diese Art zu zweihundert Toten käme, die man unbedingt für die kommunistische Parteiagitation braucht. Selbst den Teilnehmern an der Bezirksleitungssitzung scheint doch das Gewissen geschlagen zu haben; man erlaubte sich an die Hauptdraht» zieh er die bescheidene Anfrage, ob sie denn bei diesem Beginnen vorangehen würden. Wer die Helden aus dem Liebknecht-Hause kennt, weiß, was von ihrer Zusiche» rung zu halten ist, an der Spitze des Demonstrationszuges zu marschieren. Die Mitteilungen Künstlers riefen eine ungeheure Erregung unter de« Delegierten des sozialdemokratischen Bezirkstages hervor. Künstler betonte, er habe es für seine Pflicht gehalten, die verbrecherischen Pläne der kommunistischen Bezirksleitung aufzudecken, damit die Arbeiter in den Betrieben wissen, wozu sie am 1. Mai mißbraucht werden sollen. * Die Kommunisten haben die Stirn, die Richtigkeit der Mitteilun- gen Künstlers schon im voraus zu bestreiten, Sie wissen natürlich, daß die Angaben stimmen, aber sie leugnen logar ab. daß überhaupt eine Bezirksleitungssigung stattgefunden habe! Ihr verbrecherisches Spiel mit Menschenleben wird durch ihr dreistes Leugnen nur noch mehr gekennzeichnet, 0 Den Bericht über den sozialdemokratischen Bezirkspartei» t a g geben wir in der Beiloge. Nuhrschiedsspruch abgelehnt? Morgen Ttachverhand unaen in Berstn. Bochum, SS. April.(Eigenbericht.) Die Revierkonferenz des Verbandes der Bergbau- indnstriearbeiter Deutschlands in Bochum und eine Ge» neralversammlung der Gewerkschaft christlicher Berg- arbeiter haben den am vergangenen Montag gefällten Dortmunder Lohnschiedsspruch als ungenügend ab. gelehnt. Der Reichsarbeitsminister wurde gleichzeitig dringend ersucht, von einer Berbindlichkeitserklärung ab- zusehen. Die Haltung des Zrchenverbandes ist noch u n b e st i m m t. Am Dienstag find in Berlin Nachverhandlungen der Parteien. « Essen, 29. April. Der Zechenverband hat beschlossen, den am 22. April gefällten Schiedsspruch sür den Ruhrbergbao anzunehmen. Reichsanwalt Zorns beurlaubt. Erklärung des Reichsjustizministers. In der Montagsitzung des Ausschusses für den R e i ch s h a u s> halt wurde der Etat der Reichsjustizverwaltung behan- delt. Einleitend wies der Berichterstatter Atjg. hergt(Dnatl) darauf hin, daß der neue Reichsjustizminister von Guerard der 18. Justiz- minister der Republik sei. Damit habe das Reichsjustizministerium den Rekord unter allen Ministerien geschlagen. Gerade hier sei dieser fortwährende Wechsel zu beklagen, weil, wenn irgendwo, hier wenig oder besser noch gar kein Wechsel«intreten durfte. Bei dieser Sachlage frage er den Minister nicht nach seinem Programm, denn der Minister habe ja noch gar nicht die Möglichkeit gehabt, ein Oer Aufmsrschplan. »Mal herhö'-en? Llnser Aufmarsch am 4. Mai zerfällt»n drei Phasen: O e Führer treten an die Spitze des Zuges, B. Die Schupo tritt dem Zug entgegen. C. Oie Führer schwenken«n der Pfeilrichtung nach ven Seitenstraßen ab und überlassen den Rest . dem Instinkt der Oemonstranten! solches zu entwerfen. Er wolle sich auf einige Spezialfragen be° schränken, darunter vor allem auch auf die Frage, wie die Rück- Zahlung der Aufwertungshypotheken am 1. Januar 1932 sich gestalten solle und werde. Die letztere Frage wurde vom Staatssekretär Joel sofort dahin beantwortet, daß im Reichsjustizministerium ein entsprechender Ge- setzentwurs vorbereitet werde. In der allgemeinen Aussprache hiell Genosse Dr. Rosenseld im Einklang mit einer Aeußerung des Reichsjustizministers es für durch- aus notwendig, daß gegebenenfalls den Ausschüssen auch Rcgierungs- entwürfe ohne vovherige Prüfung durch den Reichsrat vorgelegt würden. Für die Arbeiten des Parlaments sei die technische Hilse der Referenten unumgänglich notwendig. Genosse Rosenseld fragte nach dem Stande verschiedener seit langem angekündigter Gesetz- gebungsarbeitcn und tadelte unier Anführung krasser Fälle den beim Reichsgericht herrschenden Formalismus und die Tatsache, daß die polltische Rechtsprechung des Reichsgerichts. die jetzt schon»on fast allen Parteien des Reichstages preisgegeben> sei, sich noch in keiner Weise geändert habe. In diesem Zusammen- hang besprach Genosse Dr. Rosenfeld auch den Fall Jörns und erklärte, daß ein Mann wie Zorns nach dem Ausgang und dem Urteil des Prozesses auch nicht einen Tag länger im Dienste der Republik verbleiben dürfe. Im Urteile seien alle gegen Jörns ge- richteten Anklagen als wahr unterstellt worden. Jörns aber Hab« erklärt, daß er auch heute noch auf dem gleichen Standpunkt stehe, den er damals als Untersuchungsrichter eingenommen habe. Zur letzteren Frage erklärte der Reichsjustizminister v. G u 6- r a r d sofort, daß ein rechtskräftiges Urteil im Falle Jörns noch nicht ergangen sei. Er könne daher auch noch nicht endgültig entscheiden. Er beschränke sich darauf, mitzuteilen, daß Zorn» einen Erholungsurlaub angetreten habe und vor der rechtskräftigen Er- ledigung der Angelegenheit nicht zurückkehren werde. Zorns ist platt! Er findet das Urteil haarsträubend. Herr Jörns, der durch den Freispruch seines Widersachers moralisch gestäubte Nebenkläger, hat einem Ausfrager der„Montags- post* sein« Meinung über den Prozeß mit folgenden Worten kund- getan: „Ueber das Urteil selbst war ich d i r e k t p l a t t. Ich hatte es nicht erwartet, und hatte eigentlich mit einer Verurteilung des„Tägebuch'-Redokteurs zu einer Geldstrafe von 3 bis 599 M. gerechnet. Die ganze Sache finde ich haarsträubend. Die Schärs« der Urteilsbegründung gegen mich ist mir einfach un» verständlich. Wenn ich gewußt hätte(!!), daß die Sache so käme, hätte ich vielleicht niemals Strafantrag gestellt." Nach altdeutschem Recht darf der Verurteilte drei Tage lang das Urtell schelten. Da Herr Jörns in diesem Fall der Unterlegen« und moralisch Verurteilte ist. so wollen wir ihm sein gutes Recht keines- wegs bestreiten. Immerhin— ob der berufsmäßige SlnNäger Jörns auch so glimpflich mit Angeklagten verfahren ist, die— berechtigter als er— ihr Urteil gescholten haben?! » Jedenfalls ist das eine klar: dieser Mann kann und dars nicht mehr als Organ des Rechts, obendrein am höchsten deutschen Gericht, fungieren! -» Ldichen quer über der Grenze. Beim Fluchtversuch aus Südslawien erschossen. Graz. 29. April. Gestern früh ereignete sich an der jugoslawischen Grenze, anderthalb Stunden von Leutschach(Bez. Leibnih) entfernt, ein aussehen- erregender Zwischenfall. Bon einer jugoslawischen Gendarmerie- eskorte wurden ein Professor und ein Hochschüler, beide jugoslawi- scher Rationalität. In dem Augenblick, als sie nach Oeslerreich flüchten wollten, erschossen. Hierüber erfuhr der österreichische Gendarmerieposten In Leul- schach folgendes: Zn einem Saffeehaus in A g r a m wurde das Ge- sprach mehrerer Gäste belauscht, aus welchem hervorging, daß sie Druckschriften umstürzlerischen Znhalts verbreiten wollten. Die Behörden verhafteten zwei Personen, den Professor und den Hoch- schüler. Sie wurden unter Bedeckung an die österreichische Grenze bei Leulschach gebracht, um dort zu ermitteln, wo diese Druckschristen. die von Oesterreich eingeschmuggelt werden sollten, versteckt sind. während der Suche nach den Druckschriften unternahmen gestern früh die beiden verhaftete« Zugoslawen einen F l'u ch l v e r s u ch nach Oeslerreich, wobei sie von den jugoslawischen Gendarmen in dem Augenblick erschössen wurden, al» sie die Grenze erreicht halle». so daß die Füße der beiden auf österreichischen Boden und d i e Oberkörper aus jugoslawischen Boden zu liegen kamen. Von jugoslawischer Seite wird über den Dorfall an der ösier» reichisch-jugoslawischen Grenze bei Leuischach mitgeteilt, daß es sich bei den zwei erschossenen jugoslawischen Staatsangohörigen um den vor acht Jahren der serbischen Skupschtina als Vertreter von Slo- wenisch-Brod angehörenden Kommuni st en Echimowitic! und um den kommunistischen Kurier D j a k o w i t s ch handelt. Oldenburg abgeblitzt. Die Amnestie findet Anwendung. Oer i. Strafsenat des Kammergerichts unter Vorsitz von ..ammcrgerichtsrat Prof. Dr. Klee hatte sich heute Vormittag als iileoifionsinstanz mit dem Beleidigungsprozetz zu befchästigen, den der Kammerherr v. Oldenburg-Januschau gegen den Schriftsteller Dr. Herbert Eulenbecg angestrengt hatte. Dx, Herbert Eulenberg hat bekanntlich in seinem Buch„Die Hohen- zollern" Herrn v. Oldenburg als einen..oftelbifchen Rüpel" be- zeichnet, und er war von dem Landgericht wegen dieses Ausdrucks zu 200 M. Geldstrafe oerurteilt worden, hatte jedoch gegen diese Strafe Revision eingelegt. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende in seinem Urteil, daß das Verfahren auf Grund der Amnestie eingestellt und die Kosten niedergeschlagen würden Eine Er- stattung der Auslagen findet nicht statt In der Begründung wurde betont, daß das Gericht die Frage, ob es sich um ein politisches Delikt handele, bejaht habe Der Beklagte Dr Herbert Eulenberg habe politische Ziel« verfolgen und den Leuten von heute«inen Spiegel vorhalten wollen, die noch der Ansicht seien, daß die Monarchie die bester« Staatsform fei. Zwei ToSe beim Autorennen. Auf einer Lanvstraße bei Stendal. Im verlaufe eines Autorennens für Autos und Motor- rSder bei Stendal ereignete sich ein schwerer Unfall, der zwei Todesopfer forderte. Der bekannte Herrenfahrer Baron v. W e n h e l- Mosau, der im Rennen mit seinem Mercedes-Benz die beste Zeit herausgeholl hatte, war schon über die Ziellinie hinaus, als plötzlich ein Radfahrer vor dem noch in ziemlicher Geschwindigkeit befindlichen Wagen austauchte. Baron v. wenhel versuchte noch auszuweichen, doch schlug der Wagen um und der Benzintank explodierte. Mit schweren Verletzungen wurde v. Wenhel aufgehoben und in ein Krankenhaus gebracht, während sein Mitfahrer aus der Stelle getötet wurde. Das zweite Todesopfer war ein unmittelbar dabeistehender Zuschauer, einige andere Personen wurden verletzt. * New park, 29. April. Bei Autounfällen sind hier am gestrigen Sonntag im ganzen elf Personen getötet und etwa zwanzig Personen verletzt worden. Bei Newhamptonnewy wurde ein Automobil von einem Eisenbahn- zug erfaßt und völlig zertrümmert. Hierbei wurden neun Personen. darunter sieben Kinder getötet. Bei einem gleichen Unfall in Indiana wurden neun Personen getötet. Bei verschiedenen Autounfällen in der Umgebung New �jorks sind neun Personen umgekommen. Siebzehn Menschen ertrunken. Schlffeunalück bei Manila. Wie aus Manila gemeldet wird, ist der zwischen de« Philippineninseln verkehrende Dampfer„V i k i n g" infolge einer Gasexplosion bis zur Wasierlinie verbrannt. Ein Teil der Besatzung wurde durch die Explosion über Bord geworfen. Atmosphärische Störungen verhinderten die Aussendung von LOL-Rufen, doch bemerkte der Dampfer„D a i l h" die Flammen, leistete die ganze Nacht über Hilfe und rettete elf Mann der Besatzung, während 17 Mann ums Leben kamen. Immer wieder Kommunistenradau. Sinnloie Schmierereien. Im Laufe des Sonntags ist es wiederum zwischen kommunisti- scheu Demonstranten und der Polizei zu Zusammenstößen gekommen. Es wurden Lö Personen zwangsgestellt und der Abteilung I» des Polizeipräsidiums zugeführt. Außerdem haben die Kommunisten auch zwei Denkmäler ver- unziert. Unbekannte Täter haben auf dem Sockel der Denkmäler früherer Kaiser Schmierereien angebracht. Haussastaden In der Innen- wie Außenstadt sind ähnlich bemalt worden. Tragödie eines Gatten. Mit dem Kind in den Tod. Eine Zukunft voller Sorgen, heraufbeschworen durch die schwere Krankheit seiner Frau, war e», die den Ztjährigen Schlosser August p. mit seinem achtjährigen Sohn Kurt in den Tod trieb. P> bewohnt in der Grunewaldstraße ein« aus Stube und Küche bestehende Wohnung. Bor längerer Zeit mußte Frau P., die an einer unheilbaren Krankheit litt, in das Auguste-Biktoria-Kranken- Haus übergeführt werden. Am Sonnabend begab sich P. noch ein- mal an da» Krankenbett semer Frau: es war fein letzter Besuch. In den Abendstunden des Sonntag schritt der Mann dann zur Aus- führung feines wahrscheinlich schon lang« gehegten Vorhabens. Er öffnete all« Gashähn« der kleinen Wohnung und nahm fein achtjährige, Kind mit in den Tod. Als die Tat 00» Hausbewohnern entdeckt wurde, war es bereits zu spät. Die alar- mierte Feuerwehr konnte trotz aller Bemühungen kein« Rettung mehr bringen. In seiner Wohnung Schliemann st raße 11 wuvd« gestern drr 79jährig« Buchdrucker Konrad Schröter durch Gas ver» giftet tot aufgefunden. Wie die polizeilichen Feststellungen ergeben haben, ist der Greis da, Opfer eines Unglücksfalles ge- worden. Was irieb sie in den Tod? Selbstmord zweier Zuqendlicher. Wieder haben zwei junge Menschen den Freitod ge- wählt, ein 17jähriger Schlosserlehrling und ei« ebenso alter Kaufmännischer Angestellter. Bei dem einen ist bis fetzt kein Grund ersichtlich, bei dem anderen lagen belanglose Kleinigkeiten vor. Der Schlost�rlehrllng Alfred G. verließ heute früh wie gewöhn- lich die Wohnung der Eltern und ging zu seiner Arbeilsstelle in der Utrechter Straße. Als der Meister kurz nach 7 Uhr in der Werkstätle erschien, bemerkte er st arten Gasgeruch. Er betrat einen kleinen Nebenraum, dort lag der Lehrling auf dem Boden Oer Arzt konnte nicht mehr Helsen. In der Wohnung seiner Eltern in der Hochkirchstraße ver- giftete sich heute ein Kausmannslehrling Hans P. eben- falls durch Gas. „Nationale" Gastierende Schauspieler verprügelt. Oppeln, 29 April. Die polnische Oper aus Kattowitz veranstaltete am späten Nachmittag des Sonntag im Oppelner Stadttheater ein Gastspiel. Die Aufführung begann um �5 Uhr nachmittaas. Gleich nach dem ersten Akt kam es im Theatersoal zu Zwischen- fällen. Das Polizeipräsidium Oppeln teilt zu den Vorgängen amtlich folgendes mit:„Anläßlich des Gastspiels der polnischen Sänger kam es am Sonntag schon nach Beendigung des ersten Aktes im Theater- faal des Stadttheaters zu unliebsamen Störungen. Eine Anzahl junger L«ute hatte Stinkbomben unter die Menge ge- worfen. Es erfolgte eine Revision durch die anwesenden Schutz- und Kriminalpolizeibeamten, und es wurde eine Anzahl junger Leute, die, ohne im Besitz einer Eintrittskarte zu sein, sich im Saale aufhielten, sistiert. In den späten Rachmittagsstuniden sammelte sich ein« große Menschenmenge auf dem Ring an, so daß von vornherein anzunehmen war, daß sie weitere Störungen vornehmen wollte. Das Eingreifen der Schutzpolizei verhinderte hier Reibereien. Eine Anzahl junger Leute trennte sich aber von den Versammelten und marschierte zum Bahnhof. Es waren durchweg Jugendliche im Alter von IS bis 20 Jahren. Die am Bahnhof«intreffenden Schauspieler, welche einzeln bzw. in kleinen Trupps gingen, wurden vor dem Bahnhofsgebäude bereits angegriffen und teilweise oerletzt. Bis die Polizei in genügender Anzahl zur Stelle war, nahmen die Prügeleien felbst im Tunnel und im Bahnhofsoorraum ihren Fortgang Di« Verletzungen sind leichter Art. Der auf dem Bahnsteig postierte Dahnschutz war zu sckwach, um die Streitenden auseinanderzubringen. Erst durch das Eingreifen der Schutzpolizei konnten die Rodaubrüder entfernt werden. Insgesamt sind etwa 10 bis 12 Personen sistiert worden, die unmittelbar nach der Feststellung ihrer Personalien auf freien Faß gesetzt wurden, aber Ihrer Bestrafung entgegensehen. Die Schauspieler wurden im Zuge noch von Schutz- und Dahnpolizei- beamten bis zur zweiten Station hinter Oppeln be- geleitet, da angenommen werden mußt«, daß sich noch Radau- brüder während der Fahrt zu ihnen gesellen würden. Obgleich in Ostoberschlesien deutsche Schauspieler auch aus dem Relche ungestört spielen können und das Stadt- theater in kattowitz zweimal in der Woche deutsche Vorstellungen bietet, haben in Oppeln„nationale" Leute das polnische Theater- gastspiel durch Radaumachen und Stinkbombenwürse zu stören ver- sucht und den deutschen Hamen dadurch auss neue geschändet. Es ist zu hoffen, daß es bald gelingt, die Urheber dieser neuesten deutschen„kulturtat" zu fasten und ihnen gerichtlich begreiflich zu Gistgas über Japan. Tausende von Häusern unbrauchbar geworden. L 0 n d 0«, LS. April. ZeUungSberichte« zufolge sind i« einer Borstadt vo« Tokio infolg« des AuSströmens vo« Giftgas aus einer Armeemunitionsfabrik Taufende von Häusern unbewohnbar geworden. Todesfälle werden nicht gemeldet, doch soll das Giftgas schwere Er» krankungen verursacht haben. Iftesetibfdtid in Rotterdam. Eine ganze Straßensei'e alter Häuser eingeäschert. In der vergangenen Nacht brach in einem Möbelmagazin in Rotterdam ein Riesenbrand aus, wie ihn Rotterdom seit Jahren nicht erlebt hat. Ein Pastant bemerkte das Feuer in den Geschäfts- räumen. Im letzten Augenblick konnte der Eigentümer sich mit seinen Kindern aus dem brennenden Gebäude retten. Einen Augenblick später war das vierstöckig« Haus ein Flammenmeer und das Feuer griff mit unerhörter Geschwindigkeit auf die Nachbarhäuser. alte Schulen und alte Häuser, die gleichfalls größtenteils als Lager dienten, über, so daß bald die ganze Straßenseite mit ungefähr zehn Häusern über eine Läng« von 70 Metern in Brand stand. Die Fensterscheiben der gegenüberliegenden Ge- schäfte sprangen, große Stücke glühenden Holzes flogen durch die Luft, Giebel stürzten ein. Diele Personen flüchteten über die Dächer aus den Häusern. Einig« wurden dabei bewußtlos. Ganz Rotterdam war auf den Deinen. Der Brand war bis Delft sichtbar. Die Feuerwehren waren machtlos und konnten sich nur auf den Schutz der weiter entfernten Häuser und auf die Abwehr der unmittelbaren Gefahr durch Einsturz beschränken. Gegen drei Uhr war der Brand einigermaßen bezwungen. Der Schaden ist noch nicht festzustellen._ SowLet-Kuliffenpoliti?. Stille, stille, kein Geräusch gemacht. Die Moskauer Blätter haben die gespannte innerparteilich? Lage bisher nur in Betrachtungen über die Rechtsoppofitions- gefahr für die Parteieinheit besprochen. Diese Angriffe nennen die Oppositionsführer nicht, sondern sagen nur, daß„einige der an- gesehen st en Mitglieder der Partei" die Ideologie der Rechts- opposition vertreten. Die offiziöse„Jswestija" schreibt, gewiste orga- nisatorische Formen der Rechtsopposition und„Anzeichen der Frattionsbildung" bedrohten die Einheit und die Disziplin der Partei. In außenpolitischer Hinsicht seien die Rech sopposttio- nellen zu einer„sozialdemokratischen Beurteilung der kapitalistischen Stabilisierung" geneigt, die sie überschätzten, wäh- rend sie die Linksschwenkung der Masten in Westeuropa unter- schätzten. In der Innenpolitik kapitulierten sie mehr oder weniger vor dem Kulaken'um und äußerten übertriebene Befürch- tungen wegen des Tempos der Industrialisierung in der Sowjet- union. Wöhrend die Partei die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft anstrebe, dränge die Rechtsopposition die Partei „zu den ersten Anfängen des Rep zurück". Den Klassen- kämpf suche die Rechtsopposttion zu vertuschen, mache immer wieder Vorschläge, den Kulaken entgegenzukommen und erhebe gegen die Parteilei ung Beschuldigungen, wie die, daß sie vor dem Trotzkismus kapituliere und„eine Politik kriegerisch- feudaler Ausbeutung der Bauernschaft" treibe. Die„Jswestija" schließt ihren Artikel mir der energischen Versicherung, daß die Partei rechtsoppositionclle Propaganda nicht dulden werde Im ganzen macht die Sprache der Sowjelpreste mit ihren vielen Kulturtaten. — Gesprengte Friedenskundgebung. machen, daß sie nicht nur das deutsche Ansehen im Auslaad, sondern auch die Interessen der deutschen Minderheit in Polen avk schwerste geschädigt haben. Gesprengte Zriedenskundgebung. Nationalsozialisten brüllen Redner nieder. Breslau, 29. April. D«r devtsch-polnischen Verständigungspolitik gall eine Mastenkundgebung, die gestern vorm'ttag unier der Devise „Droht der Krieg zwischen Deutschland und Polen?" im Viktoria- theater stattfand. Veranstalter dieser Versammlung waren die Deutsche und die Polnische Liga für Menschenrechte und die Deutsche Friedensgesellschaft. Der Veranstaltung wohnten auch zahlreiche Ver. treter der verschiedensten Behörden, u. a. Oberpräsident Lüde- mann, bei. Die Hauptredner, Profestor Adam Proper(Polen) und General« major Freiherr v. Schoenaich, konnten aber kaum zu Worte kommen, da die Versammlung durch brüllende Zurufe und Gesänge gestört wurde. Die Schutzpolizei muhte wiederholt eingreifen, um die Ruhe- störer aus dem Saal zu entfernen, wobei 25'Personen in Schutzhaft genommen wurden. In der vergangenen Nacht hatten bereits Gegner der Versammlung die Versammlungsankündigungen mit Zetteln überklebt, wonach diese Kundgebung ausfalle. Im An- schluß an die Versammlung zogen Anhänger der National- s 0 z i a l i st e n mit Fahnen auf die Liebighöhe, wo es zu einem Zusammenstoß mit Rotfrontkämpsern kam. Hier wurden drei weitere Verhaftungen vorgenommen. Schließlich gelang es einem großen Polizeiaufgebot, gegen 2 Uhr die Ruhe wieder herzustellen. Hitlerburschen als Messerhelden. Frankfurt a. M., 29 Mai. Im Anschluß an einen Umzug des Reichsbanners kam es in der vergangenen Nacht an der Obermainbrücke zu einem blutigen Zusammenstoß mit National sozial! st en. Dabei wurde ein Reichsbannermitglied durch einen Messerstich getötet. Außerdem wurden zwei weitere Reichs- bannerleute sowie ein angeblicher Kommunist schwer verletzt. Als die Polizei eintraf, hatten sich die Gruppen bereits aufgelöst, doch tonnten noch vier Nationalsozialisten festgenommen werden, die nicht unerhebliche Verletzungen an, Kizpf, Händen und Füßen davon- getragen hatten. Die sofort aufgenommenen polizeilichen Der- nehmungen, die die ganze Nacht und den heutigen Tag über an- dauerten, konnten die Schuldfrage noch nicht klären. verhüllten Andeutungen den Eindruck, daß angesichts der Derhand- lungen hinter den Kuliflen über den innerparteilichen Zwist eine Prestedistufsion als unerwünscht erscheint. Oer neue Jakubowski-prozeß. Haupiverhandlunst im Zuni. In dem neuen Iokubowsti-Prozeß ist jetzt den An- geklagten die Anklageschrift zugestellt worden. Die Hauptver- Handlung wird voraussichtlich im Juni stattfinden. Angeklagt sind: die Brüder August und Fritz Rogens wegen Mordes an dem kleinen Ewald Rogens, die Groß- mutier Rogens, die jetzige Frau Kahler, wegen Beihilfe, alle drei zugleich wegen Meineides in der Gerichtsverhandlung gegen den zum Tode verurteilten Jakubowsti, der Pferdeknecht B l ö k« r, ebenfalls wegen Meineides und Frau L ü b ck e geb. Kreutzfeld wegen Begünstigung. Allein die Staatsanwaltschaft hat beantragt. 128 Zeugen und vier Sachoer st ändige zu laden. Unter den Zeugen be- finden sich auch die Beamten, die für das Todesurteil an Iakubows'i verantwortlich sind' der Oberstaatsanwalt Müller in Neustrelitz und Londgerichtspräsident von Buchka. Geladen sind ferner eine Anzahl Berliner Kriminalbeamten, unter ihnen Kriminalrat Gennat. Zehn Lahre LTZ. Feier in Amsterdam. Amsterdam, 29. April.(Eigenberick-t.) Die hier am Sonntag stattgefundene Feierlichkeit anläßlich des 10jährigen Bestehens der Transportarbeiterinternatio- n a l e gestattete sich zu einer imposanten internationalen Kund- gebung. Aus fast allen angeschlossenen Ländern waren die Berufs« s e k r e t ä r e erschienen. Außerdem wohnten Vertreter der nioder- ländischen Eisenbahner-, Straßenbahner- und Transportarbeiterver- bände der Feierlichkeit bei. Oie Ookumenienfälscher. Die Beschuldigungen gegen Orloff und pawlonowsti. Bon der Justizprestestelle wird mitgeteilt: Am 20. April d. Is. ist gegen den ehemaligen Wirklichen Staatsrat in Rußland und jetzigen Journalisten W l a d i mir Orloff und den Schriftsteller Peter Pawlonowjki von der Staatsanwottschast II A n- klage vor dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg erhoben. Sie werden beschuldigt, gemeinschaftlich durch zwei seibständrge fort- gesetzte Handlungen den Redakteur Knickerbocker und den Jvurna- liste» Siewert betrogen und durch dieselben Handlungen zu- gleich Urkundenfälschungen begangen zu haben, um sich einen Vermögensvorteil zu beschaffen. Die gesäkschten Urkunden haben zum Gegenstand, im Falle Knickerbocker angebliche An- Weisungen der Leitung der politischen inneren Verwaltung der USSR.(GPU.) an Auslandsagenten, und im Falle Siewert an- gebliche Anweisungen des Leiters Trillister der Auslandsabteilung der GPU., die den wirtschaftlichen Nachrichtendienst betreffen. sowie mehrere postlagernde Privatbriefe über bolschewistische Der- Hältnisse. Orloff bestreitet, sich strafbar gemacht, insbesondere aus anderen als ideellen Beweggründen gehandelt zu haben. Pawlo- nawsti will unter dem bestimmenden Einfluß des Ihm geistig über- legenen Orloff gehandelt haben. Ermordung dreier amerikanischer Missionare. Der Prokuraior der amerikanischen Passionistenmission in Hankau teilt mit, daß drei amerikanische katholische Priester ermordet worden sind. » Regierung der Abrüstung. OaS dänische KoalitionSkabinett fertig. Kopenhagen, 29. April.(Eigenbericht.), Die Verhandlungen über die Bildung des Kabinetts Stauning sind beendet. Im Verlauf des heutigen Tages wird die Minister- liste der sozialistisch«b«mokratischen Regierung veröffentlicht. Der Partcioorstand der Sozialdemokratie beschloß am Sonntag auf Vorschlag des neuen Ministerpräsidenten Stauning, drei Ver- treter der Demokraten in die Regierung aufzunehmen. Das Kabinett wird danach folgende Zusammensetzung haben: acht Sozialdemokraten: Stauning, Ministerpräsident und Minister für Schiff- fahrt und Fischereiwefen: Bramnaes, Finanzminister: F r i i s- Skot«, Verkehrsminister: ch a u g e, Wirts chaftsminister: S t e i n ck e, Sozialminister; R a s m u s s e n. Verteidigungsminister: Borgbjerg, Untcrrichtsminister: Dahl, Kirchen- minister: B o r d i n g, Landwirtschaftsminister: und die Demokraten: Dr. Münch, Außenminister: Dahlgaarn, Innenminister: Z a a h l e, Iustizminister. Inzwischen haben sich die Parteien auf ein Arbeitsprogramm oerpflichtet, an dessen erster Stelle die Durchführung der Ab- rüstung steht. Außerdem ist vorgesehen: entschiedene Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit durch Förderung des Wirtschasts- wesens, Wiederherstellung der sozialen Gesetzgebung, Ratifizierung internationaler Konventionen und zwar vor allem der gesetzlichen Einführung des Achtstundentages, Verbot des Gaskrieges und der privaten Fabrikation von Waffen. Auf- Hebung des sogenannten Zuchthausgesetzes im kommenden Sommer, Demokratisierung des Steuersystems und allmähliche Auf- Hebung der Restaurantsteuer. Als Endziel ihrer Politik haben beide Parteien sich auf die Abschaffung der ersten Kammer und die Einführung des Einkammersystems verpflichtet. Fall Zorns Beim Reinigen viefer Figur tat ein hoher Reichsanwalt einen bösen FaU. Dr. Echacht bei der Neichsregierung. Vor der Generalra�Ssthung der Reichsbauk. Der Reichcbankpräsident Dr. Schacht hatte im Laufe des heutigen Vormittags Besprechungen mit einigen Mitgliedern des Reichsbankdirektoriums, die der Dorbereitüng der am Dienstag und Mittwoch stattfindenden Gencralratsfitzung ier Reichsbank dienten. Diese Generalratssitzungen finden bekannt- lich regelmäßig statt. Dr. Schacht wird im Verlaus des heutigen Tages dem sogenannten Reparationsausschuh des Reichskabinetts einen Bericht über die letzten Ereign.sie in Paris erstatten, um die Reichsregierung über die Lage der Sachverständigenberatungen zu unterrichten. Oer Archäologenkongreß. In der vorigen Woche, vom 21. bis 25. April, hat in Berlin ein Kongreß der Archäologen getagt zur Feier des hundert- jährigen Bestehens des Deutschen Archäologi- schen Instituts. Der Anlaß war würdig genug: er galt der ersten internationalen Gclehrtenorganisation, die 1829 unter dem Patronat von Goethe und Humboldt sür die archäologisch« Wissen- schaff begründet wurde: und die Feier war in einem großen und erhebenden Stile gehalten: Eröffnung im Reichstags-Sitzungssaal, Besuch des für diese Gelegenheit fertiggestellten Pergamon-Museums, festliches Abendessen, vom Deutschen Reich im Marmorsaal des Zoo gegeben, ein« Festvorstellung in der Städtischen Oper auf Einladung der Stadt Berlin, und«ine Festsitzung der„Gesellschaft für antike Kultur" rahmten die zahlreichen Sitzungen der i n t c r n a t i o- nalen Tagung für Ausgrabungen ein. Dazwischen gab es täglich Führunzen durch sämtliche Museen und Schlösser von Berlin und Potsdam. Die gelehrten Gäste hatten mit der Wahl auch die Oual. nicht nur zwischen den so unvergleichlich reichhastigen Bildungsstätten, die ihnen von wisienschastlichen Museumsbeamten erschlossen wurden, sondern auch zwischen der Uebersülle der Vor- träge. Denn an vier Stellen im Äunstgewerbesaal, im Völkerkundemuseum und in zwei Sälen des Herrenhauses tagten zu gleicher Zeit die vier Sektionen für Ausgrabungen, eingeteilt in die Bezirke Rom, Griechenland, Vorgeschichte Europas. Asien und Afrika. Diese Uederfüll« an wisienschastlichen Darbietungen verbietet von selbst ein Eingehen auf Einzelheiten der nahezu hundert Vorträge, die von Gelehrten der ganzen Welt gehasten würden und die Tätigkeit aller an Ausgrabungen und Restaurierungen(auf dem Boden der alten Äulturwelt von Spanien bis Perfien) beteiligten Nationen und Körperschaften während der letzten Jahre intensiv be- leuchteten. Es ist ein Gebiet, dos im Grunde doch wohl nur die Archäologen angeht. Was wir von ihren Spitzenleistungen zu er- warten haben, zeigte uns das Pergamon-Mufeum: ein Gemisch von echten Kunstwerken, zusammengegipstem Trümmerwerk und archäologischem Gelehrtenehrgeiz. Gegenüber diesem rein historisch orientierten Bemühen, das merkwürdig von unserem Gegenwartsbewußtsein und unserem Ringen um einen selbständigen Formausdruck(namentlich in der Bau- kunst) absticht, ragte die erste Tagung der Gesellschaft sür antike Kultur wirklich als ein..einsames Eiland aus dem Wogenschwall fachwissenschastlicher Vorträge" heraus, wie Professor W. Jaeger sagte, der Wortführer dieser Bestrebungen: den Geist der Antike in unserer Zeit wieder lebendig zu machen und zu er- halten. Ob das gelingen wird, und ob es überhaupt möglich ist, wird ganz von der künftigen Tätigkeit dieser Gejellschaff abhängen. Wer auf dem Gymnasium und teilweise auch auf der Universität er- lebt hat. welche Schwierigkeiten eine solch« Aufgabe auch sür das empfänglichste Lebensalter besitzt, und wie leicht man den Menschen von heute die ganze Antike verekeln kann mit dem besten Willen und selbst mit Begeisterung, wird abwartend beiseite stehen. Tat- sachc ist, daß alles, was aus dem Altertum lebensfähig bleibt, in unser Dasein weniger durch Gelehrte, als durch Dichter und Künstler hinübergerettet worden ist, von Goethe und Nietzsche bis zu Maillol, Derain und Schlemmer. Der Wert solcher Kongresse besteht in erster Linie darin, daß sich Fachgenosien aus der ganzen Welt begegnen, kennenlernen, Er- sahrungen austauschen und Pläne verabreden. Dafür ist dies« Hundertjahrfeier sicher in höchstem Ausmaße fruchtbringend ge° wefen. Darüber hinaus hat die deutsche Wisienschoft Unvergleich- liches profitiert als Gastgeberin der bedeutendsten Gelehrten: zer- risiene Bande internationaler Einheit sind neu geknüpft, wir stehen wieder im Mittelpunkt des Interesses, und Berlin hat seinen Ruhm als internationale Kongreßstadt mit einer glänzenden Geste aus- gefrischt. Or. Paul F. Schmidt. Tausend Worie Ltnsian. Rachworstellong im Tßeaker am Rollendorfplah. Im„Querschnitt durch Gott" treten aus: Adam und Eva, Maria und Josef, Luther mit Ursula und Käthe und schließlich ein heutiger Adam und eine heutige Eva. Der Autor Julius S t e r n h e I m, Produktionsleiter einer großen Filmgesellschaft, hat den Ehrgeiz zu zeigen, daß er sich auch in der hohen Literatur zu Hause fühlt. Das Stück ist eine Art Kompendium der Bibel und der Wellgeschichte, gesehen durch die Brille eines vorgestrigen Literaten, der in dem originellen Thema der unberührten Jungfern- schaff den Schlüssel aller Menschhcitsprobleme erblickt. In einer Stunde erleben wir die Zeit von der Erschaffung der Well bis zur Gegenwart..Julius Sternheim schreibt in dem verbogenen S!il der „jüngsten" Dichtung, den sie schon vor einem Jahrzehnt restlos über Bord geworfen hat. Seine durch gekrampften Intellekt gemilderte Lyrik brachte das geduldige Publikum bald in lustige Iuxstimmung. Lebhaften Beifall erzielle der Dichter, als er eine seiner Figuren sagen ließ„Die Welt hat andere Sorgen". Teils aus Dankbarkeit, daß die geschwollenen Tiraden bereits nach einer Swnde zu Ende waren, teils aus Ulk klatschte man zum Schluß wie besessen, und mit den bedauernswerten Darstellern erschien auch der Regisseur Martin M a g n e r vor der Rampe. Er sah mit derselben Hils- losigkeit in das aufgekratzte Parkett, die seine Inszenierung aus- gezeichnet hatte._ Dge- Bürgerlicher Massenchor. Großes Schau p'echaus. Unter dem Motto„Deutscher Sang" gab der Reichsverband der gemischten Ehöre Deutschlands aus Anlaß seiner Jahrestagung am gestrigen Sonntagvormittag ein Chorkonzert im Großen Schau-, spielhaus. Etwa zwanzig im Gau Berlin zusammengeschlossene Vereine waren vertreten: als stärkster der Bruno Kittelsche Chor, dessen Dirigent Bruno Kittel, die Gesamtleitung innehatte. Zur i Mitwirkung war das Sinfonieorchester der Schutzpolizei Berlin ge- > wonnnt und an Stell« des erkrankten Leo Schlltzendorf der Bassist Martin Abendroth von der Staaisoper. Zwischen dem Halleluja aus Händels„Messias" und dem Wach-Auf-Chor aus den„Meister- singern" kamen Chorstücke mit Orchester von Mozart und Arno Renisch und.A-capeiia-Gesänge zu Gehör. Zu dem Konzert, das>n durchaus eindrucksvoller Weise verlies, hatte eine stattliche Reihe von Ehrengästen, unter ihnen viele Gesandte deutscher Länder, ihr Er- scheinen zugesagt: wohl im Hinblick darauf wurde das Publikum gebeten, die Plätze schon eine Biertelstunde vor Beginn einzunchmen. Oer Vormarsch in Tirol. Sozialdemokratischer Stimmenzuwachs um ein Fünftel. Innsbruck, 29. April.(Eigenbericht.) Die am Sonntag in Tirol stattgefundenen Landtags, und Gemeindewahlen brachten für die Sozialdemokratie«inen großen Erfolg. Es wurden für sie bei den Landtagswahlen 39 990 Stimmen abgegeben: das sind 7699 Stimmen mehr als bei den letzten Wahlen. Anstatt bisher 8 wird die sozialdemokra- tische Fraktion jetzt 9 Mitglieder stark sein. Dt« Christlich- Sozialen verloren dagegen 2 Mandate und gingen von 2i auf 22 zurück. Die Großdeutschen haben sogar die Hälft« ihrer Stimmenzahl verloren. Sie erhielten bei den letzten Wahlen 17 999 und jetzt nur 9999 Stimmen. Bon vier Mandaten konnten sie nur 2 retten. Die Gemeindewohlen in Innsbruck ergaber» für die Sozial- dcmotratie 14 999 Stimmen. In das Gemeindeparlament ziehen nunmehr 13 anstatt bisher 17 Sozialdemokraten ein. Bomben auf dem Konsulat. Dem amerikanischen Staats- departement ist eine Mitteilung zugegangen, wonach drei Flugzeuge des mexikanischen Bundesheeres am 25. April bei einein Angriff auf die Rebellen die Stadt Obregon im Staate Sonora mit Bomben belegt haben. Dabei expodierte eine Bombe auf dem Dach des amerikanischen Konsulats. Ossizier ohrfeigt Ehesredakleur. In der Redaktion des national- gerichteten polnischen„Glos Lubelski" in Lublin erschienen zwei polnische Ossiziere, die sich durch einen Artikel dieses Blattes beleidigt sühlten. Einer der Ossiziere versetzte dem Chefredakteur eine Ohr- feige und verlieh dann mit seinem Kameraden die Redaktion. in Begleitung der Mitglieder v-...........................„v, Delegation in Warschau eingetroffen Der Hauptgegenstand der jetzigen Besprechungen sollen Beterinärfragcn und mit ihnen zu- sammenhängende Fragen des Fleisch- und Schweineexports nach Deutschland bilden. Münchener Theaier. EbbinabauS:.Schlagt m ch tot, aber ich muß lachen." Der nicht ganz glücklich gewählt« Titel des am Münchner Staatstheater uraufgeführten Stückes verrät wenig von dem großen Thema, mit dem sich ein junger, noch unausgeführter Schrift- steller auseinanderzusetzen sucht Es handelt sich um die Volkstum- liche Neugestaltung Tyll Eulenspiegels und zugleich um den Absall der Niederlande, eine Verquickung, wie sie de Coster in seinem be- rühmten herrlichen Roman aus patriotischen Gründen bewert- stelligte, und der sich Ebbinghaus in seinem Drama anschließt. Dem- ungeachtet spricht eine dramatisch neuschöpferisch« Ausgestaltung des Stoffes für Ebbinghaus und sein« dichterische Begabung. Den Stoff zu bewältigen, blieb ihm allerdings versagt. Die das Ganze beherrschende Figur Tyll Eulenspiegels wird dem Titel nicht gerecht, denn es hapert sichtlich an Humor. Die Vor- züge des Stückes liegen in der Ehrlichkeit des Erlebnisses. Im drama- tischen Aufbau und in der Art. wie sich Eulenspiegels Charakter«nt- wickelt. Triebhaft in den Tag lebend. Naturbursche und Schelm zu- gleich, reist Eulenspiegel schließlich zu dem Mann, der sein Volt zur befreienden Empörung ruft. Daß Tyll. wie angedeutet, zumal im ersten Teil des Schauspiels, über Banalitäten selbst mehr lacht als zum Lachen anregt, und daß nian über die Vertreter der sponi- schen Inquisition ein häusiges unabsichtliches Lächeln nicht unter- drücken kann, diese» und einige schwächere Szenen dürfen aber nicht die positive Talentprobe und den endlichen Erfolg des Schauspiels vergessen lassen. Die schwierige Inszenierung der volksreichen Bilder fand zum Teil ein« gute Lösung durch den Regisseur K. H. Böhm. In der Hauptroll« bewies Ernst Martens wieder einmal seine außer- gewöhnlich groß« Naturburschenbegabunz. die er voll ausströmen ließ. An und für sich dürften die für diese Rolle geeigneten Per- sönlichkeiten an der deutschen Bühne dünn gesät sein. Jedenfalls schuldet Ebbinghaus einen großen Teil seines Erfolges der glänzen- den Darstellung Ernst Martens! Alfred Mayer. I Deutschlands erstes biologisches Schulgebiet. Die Realschule zu Gerstungen a. d. Werra hat als erste höhere Lehranstaff Deutschlands laut RDV. ein Landschaftsgebiet im Werra- tal für Unterrichtszwecke erhalten. Es handelt sich um ein Gelände bei Gerstungen. das mehrere Altwässer, sogenannt«„Tümpel" um- faßt, in denen und an deren Usern urwüchsiges Tier- und Pflanzen« leben zu finedn ist. Aul verhältnismäßig kleinem Raum können die Schüler im naturwissenschaftlichen Unterricht hier die verschie- densten Lebenegemeinschaften kennen lernen. Süße und saure Wiesen, Sumpf, Teich, Auwald und Feld sind vorhanden. Oer neue Vühnen-Kartellvertrag. Die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Bühnen- Kartelloertrages sind im Gange, und zwar wird der neue Vertrag gegenüber den Bestimmungen des bisherigen kaum wesentliche Aenderungen bringen, da man die Verhandlungen in der Hauptsache deswegen führt, um ein« Rückkehr der Reibaro in den Bühnen- verein zu ermöglichen. Die bisherigen Bestimmungen über eine fest« Tantieme für den Autor werden fallen gelassen werden: stattdessen wird hierfür eine Höchst- und Mindestgrenze festgesetzt. Der bis- herige Kartellvertrag war verlängert bis zum 1. Juli dieses Jahres. Asche über dem Broadway. Nicht wenig erstaunt waren tn den letzten Tagen die Passanten des New-Forker Broadway, als sie in sehr niedriger Höhe ein Flugzeug die Straße kreuzen sahen, das plötzlich Asche auswarf. Sofort waren natürlich die Reporter, eine Sensation witternd, bei der Hand, und am nächsten Tag verkündeten die Schlagzeilen der Boulevardblätter:„Eines Sonderlings Testament ward erfüllt." Es stellte sich nämlich heraus, daß ein kleiner Inseratenagent namens Walter Kingsley in seinem Testament bestimmt hatte, daß sei? Körper nach seinem Tode eingeäschert und die Asche über dem Broadway zerstreut werden sollte. Er wollte wenigstens nach seinem Tode auf diese Weis« berühmt werden, was ihm auch für einen Tag vollständig gelungen ist. Eine Familie ohne Hönde und Füße. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie die Natur eine Ver- stümmelung durch Erblichkeit sorgfältig bewahrt, wird in der ame- nkanischen Zeitschrfft für Rassensorschung„Eugenical News" be- richtet. Es handelt sich um eine Familie, die in Brasilien lobt, und in der in zwei Generationen an fünf Mitgliedern das vollständige Fehlen von Händen und Füßen festgestellt wurde. Vier dieser Krüppel, drei Kinder und ihr Onkel, sind in photographischer Auf- nähme wiedergegeben. Der Vater der Kinder, der jetzt trn ist. hotte dieselbe erbliche Verstümmelung. Nach der neuesten Anschauung der Erblichkeitslehre werden die vercrbbaren Eigenschaften von einer Generation zur anderen durch winzige Zellenkörnchen, die sog. Ehromosonen. übertragen. Augenscheinlich fehlte den Chromo- somen dieser Familie irgend ein wichtiger Bestandteil, durch den die Bildung der Hände und Füße veranlaßt wird. Infolge dieses Mangels konnten sich bei den Unglücklichen Hände und Füße nicht entwickeln. Nach den Anschauungen, die die Eugenik vertritt, dürste solchen lebensunfähigen Personen die Fortpflanzung unter keinen Umständen gestattet werden. Die TNinulenopern Dariu» Mllhaudg. Der französische Kom- ponist Darius Milhaud hat vor dem Madrider Konservatorium an, die Schüler«ine Ansprache gehalten, in der er auch über seine näihsten Pläne Aufschluß gegeben hat. Er arbeitet zurzeit an einem Zyklus von 5kurzop«ri», deren jede genau 8 Minuten dauern wird. Der Zyklus, von dem der erste Teil bereits fertiggestellt ist, trägt oen Titel„L'Enlevement d'Europe". 9909 ZNorde jährlich In Amerika. Bei seiner ersten Rede, die Hoover als Präsident in New Dork gehalten hat, hob er die bedroh- liehe Zunahme der Verbrechen hervor. Nach seinen Angaben wer- den in den Vereinigten Staaten jährlich 9999 Personen ermordet: nur die Halste der Mörder wird verhaltet, und nur ein Sechstel der Verhafteten wird der Bestrafung zugeführt. Bei einem Vergleich mit Großbritannien ergibt sich, daß im Veihättnis zu der Bevölkerungsziffer in Amerika zwanzigmal soviel Menschen getötet, fünfzigmal soviel beraubt werden und die Zahl der Einbrüche dreimal so groß ist wie in Großbritannien. velkstühae. HanS Relmonn Ist sür die nächste Spielzeit je süns Monaie on die Volidbübne, Zdeeter am Bülowptad und sür da« staatliche Schaii'piettiau« verpflichtet. Ais AntritiSrolle spielt er in der VaitSbühnc in Büchners„DanlonS Tod" den Danton. hon» Reimann bäit am 6. Mai seinen zweiten diesjähriaen Vorlrags- abend iür dt« Volksbühne E. V. in dem er wieder.Sächsische« und Andere«" zu wedör bringen wird. Die Veranstaltung findet»m Bürger- jaat de« Rathause» statt. Sinlahlarlen L0 Pj. Das Land ohne Maientag. Aber die Idee lebt weiter! Locarno, 2Z. April.(Eigenbericht.) •oii der Arbeiterbewegung der Welt ist Italien das Reich oes ewigen Winters geworden. Während die faschistische Großmäuligkeit von Welteroberung saselt, schiebt die Welt Italien langsam beiseite. Das Interesse hat sich von ihm abgewendet, wie die Touristen sich abgewendet haben. Im Grunde glauben viele, wenn das italienische Volt den Faschismus geduldig erträgt, so verdient es wohl auch keine bessere Regierung. Was sich in Italien vollzogen hat, war etwas mehr als der Sieg einer Partei über die andere, oder eine Politik über die andere. Wir erlebten dort den Versuch einer durch Gewalt herbeigeführten und durch Gewalt fortwirkenden Umgestallung des sozialen Lebens: diese Umgestaltung vollzieht sich im Dienste gegebener Interessen und nach einer am grünen Tisch ausgeklügelten Schablone, als eine gewaltsame Formung lebendiger Menschen, als wären sie ein totes Metall. Mit allen Machtmitteln der modernen Technik versucht der Faschismus den modernen Geist niederzuhalten, Europa gleichsam mit Tanks und Giftgasen ins Mittelalter zurückzutreiben. So ist es im Grunde ein Kamps zwischen Idee und Macht, zwischen Geist und Materie, der sich in Italien abspielt, in der ge- meinen und widerwärtigen Form der faschistischen Herrschast. Ge> länge es mit den modernen Zerstörungsmitteln Idee und Geist zu zerstören, so würden die herrschenden Klassen aller Länder der West den Versuch nachmachen Die Angst vor dem Gefängnis, vor der Verschickung, vor körperlicher Mißhandlung, vor der Entziehung der Existenz- Möglichkeit, vor Repressalien gegen die Angehörigen, vor Vernich- tung des Besitzes ist in Italien allgegenwärtig: sie wird immer wie- der durch neue Episoden bestärkt. Die Frau jenes D e Modugno, der in Paris den italienischen Vizekonsul erschossen hat, ist im Zwangsdomizil vor den Augen ihrer Kinder entkleidet und dann von Milizsoldaten geschlagen worden. Am 24. Itlärz hat ein Milizseldal in varese den Arbeiter Drogini mit dem Ge- wehrkolben gelötet, weil er mit„Dein- gestimmt hatte. Ohne diese und ähnliche Möglichkeiten der schlimmsten Gewalt, würde sich der Faschismus nicht einen einzigen Tag halten. Di« Tagesberichte über sein Werk in ihrem öden Einerlei von Bluttaten und Unterschleifen, von Diebstöhlen, Plünderungen des Staatssäckels und der Gemeinden von Bestechung und Betrug, zeigen wo die Macht versagt. Sie kann anständige Menschen nicht an ihren Karren schirren und kann die eigenen Lumpen nicht zu anständigen Menschen machen. Das können auch Maschinengewehre und Flugzeuge nicht. In der Auswirkung dieser Tatsache liegt die Zukunft des Faschismus beschlossen. Der Faschismus geht an dem zugrunde, was an lebendigen Menschheitswerten in seinen Gegnern lebt und durch keine Lockung und Drohung in sein Lager zu bringen war. Rechtschaffenheit, Treue, Amtspflicht, Mut der eigenen Ueberzeugung, Würde, Selbstachtung und Achtung der andern— das fehlt dem Faschismus. Ihm ist der Staat eine Krippe, das Amt eine Mastgelegenheit, die Ueberzeugung ein Handelsartikel. Mussolini weiß das— er hat sich seine Mitarbeiter schließlich selbst gewählt. Er weiß auch, daß man die Psosten eines Baues nicht den Holzwürmern überlassen sollte. So hofft er darauf, daß ihm aus der neuen Generation anständige Menschen zuwachsen. Leider wissen die jungen Leute mehr von den Verbrechen, aus denen die faschistische Macht zu- sammengeschweißt wurde. Aber nichts wird dem Faschismus an ideellen Werten zu- wachsen. Dieser Zuwachs wendet sich den Unterdrückten zu. Das Regime ist wie«in konstitutionell kranker Organismus, der lebenswichtige Substanzen nicht assimilieren kann und dadurch ver- fällt. Was hat die Gewalt am Wahltag vermocht? Die Leute unter Androhung sofortiger Entlassung zur Wahl zu schleppen, Pakete von Wahlzetteln in die Urnen zu schieben, so daß mehr„Ja"- Stimmen herauskamen, als Stimm berechtigte da waren, die antifaschistischen Zettel von außen zu kennzeichnen, sie vielfach überhaupt nicht auszuhändigen, die Wähler von Milizleuten in die Kabine begleiten zu lassen, solche, die mit„Nein" stimmten, öffentlich zu mißhandeln. Trotz- dem hatten bis zum Nachmittag nur 30 Proz. der Wähler gestimmt. Das ist ein bescheidenes Fazit eines Großtages der Gewalt. Gewiß ist das italienische Proletariat materiell ge- schlagen. Aber die Ideen des Sozialismus, der Freiheit und der Demokratie leben trotz seiner Niederlage. Und wie der Faschis- mus alle materiellen Güter des Landes an sich saugt, so zieht die Opposition, so zieht das Proletariat, die ideellen Güter an sich. Der Faschismus wird an der Verworfenheit seiner Werkzeuge und Mittel zugrunde gehen. Nicht durch unser Verdienst. Aber die Ideal«, für die Hunderttausende von Proletariern in Italien gearbeitet, ge- kämpft und gelitten haben, diese Ideale, die schließlich leben, weil Menschen sie mit ihrem Blut und Hirn nähren, die sind so unlösbar an Alltagstugenden gebunden, daß«in Staat oerludert, der sie nicht hat. Der Faschismus ist dabei, das zu beweisen. Darum möge das europäische Proletariat aus seinem sich in Freiheit vollziehenden Kampfe auch einen Blick auf Italien werfen, wo man in Fesseln kämpft. Man vergesse der italienischen Arbeiter nicht, die 35 Jahr« hindurch mit der Internationale den 1. Mai gefeiert haben. Sie sind wert, daß man ihrer am 1. Mai gedenkt. Sie werden wiederkommen. Berlin will Exerzierplatz Eichkampf kaufen. Zur Abrundung des Messe- und Ausstellungsgelän- des plante der Magistrat schon seit längerer Zeit den Erwerb des angrenzenden Exerzierplatzes Eichkamp. Er hat jetzt mit dem Reichswehrfiskus ein Abkommen zustande gebracht, das dieses Kaufgeschäft an einen anderen Grundstückskauf bindet. Für den Exerzierplatz von 208(XX) Quadratmeter Fläche werden NZ000 M. gefordert. Gleichzeitig saS ab« die Stadt vom Reichs- wehrfiskus das ihm gehörende Haus- und Parkgrund stück Alt- Moabit 117/118 kaufen, das für Zweck« der Bezirksver- wallung Tiergarten gebraucht wird. Hier fordert der Fiskus für das Grundstück von 28 251 Quadratmeter Größe 2 2lX)(XX) M. Dazu kommt die Bedingung, daß vom Tempelhofer Feld der nördlich der Ringbahn liegende Streifen in Breite von 10 Meter und der zwischen Schwiebuser Straße und verlängerter Dreibundstraße liegende Ge- ländeteil von der Freiflächenbeschränkung ausgenommen werden müssen._ Wie's gemacht wird. Was haben die Gasarbeiter beschlossen? Als„Arbeiterkorrespondenz- brachte jüngst das Moskaublatt einen Bericht über die letzte Versammlung der Tasvertriebearbeiter. Mit Ausnahme der Zahl der 205 Versammlungsbesucher— von 1300 Arbeitern— ist der Bericht in seinem wesentlichen Teil voll- ständig falsch. Der von dem Oppositionsmann Weinert geleiteten Versamm- lung wurde von der„Opposition" eine Entschließung vorgelegt, die in ihrem ersten Satz zur Arbeitsruhe am 1. Mai ausfordert. Dieser Teil der Entschließung wurde«in st immig angenom- men. Der zweite Teil der Entschließung, der sich gegen das Demon- strationsverbot wendet und die.Kapitulation der Gewerkschaften" verurteill, fand dagegen keine Mehrheit. Trotzdem verdrehte der Versammlungsleiter das Abstimmungsergebnis und verweigert« die geforderte Auszählung der Abstimmenden. Daraufhin verlieh«in Drittel der Anwesenden, meist SP�?.- genossen, die Versammlung. Selbst wenn man oll« übrigen 132 Versammlungsteilnehmer der„Opposition" überlassen könnte. ständen diesen 132 Arbeitern immer noch über 1100 gegenüber Das hindert die„Opposition" natürlich nicht, einen Lügenbalken zu legen, d i e Gasarbeiter hätten gegen ihr« eigenen Gewerkschaften und gegen das Demonstrationsoerbot protestiert. -120 ovo streiken in Bombay! London, 29. April. Don den Baumwollspinnereien in Bombay sind nun- mehr dreiviertel völlig stillgelegt. Mit der Schließung auch der restlichen Betriebe wird in den nächsten Tagen gerechnet. Insgesamt werden von dem Streit entweder in den Baumwoll- spinnereien direkt oder in den davon mitbetroffenen verwandten Industriezweigen 120 000 Personen erfaßt. Dlektcr für Verlin und Umgegend: Wolkiges Wetter mit wenig veränderten Temperaturen, später Regen.— Für Deutschland: Im Westen regnerisch, auch im Osten langsame Verschlechterung, überall mild. Serantwortlich Mr die Redaktion: Feaa, ikliih«, Berlin: Anzeigen: Zh.«locke Berlin Berlag: Vorwärts Verlag s. m b H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckcrci und Lerlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW KS. LindenliraKc 3 Hierzu 1 Beilage. � Tltealer, Lichispiele usw. j scai-a 8 Uhr BS Barbarossa 9256 Nur noch bis Dienstag'. CROCK and das grotzc April- Programm PlfASA Am K«»Ir PI«,», ai«. iosk-u Täq'ich 5, B'5 Sonntag 2, S, Bis INTERNAT. VARIETE Vorverkauf s'ets für die laufende Woche inkl Sonntag I Renaissance- Theater HardenDentr 6 Im. Sleinoi. 901 u. 25S3fl4 »'/«Uhr TBnlUH SV« Uhr Eugon Klöpfer in „Das große ABC" von Marcel Paono Ren Bnsi. Hannnn. I» Prerolcreiiaastni. »v, Uhr CASIIilO-THEATER»'/-vi.. Lot r.n et älrafee j7,. Nur noch bis 30. April: „Eine ungeliebte freu" «ri i. mal zum arttan Mala: „MHMckem von■aeucke". Gutschein tür 1—4 Personen Fauteuil nur 1 15 M., Sessel 1.05 M. Sonstige Preise. Parke« u. Rang(kgo Mk vouudMwe liiutir inlllivgliti 8 Uhr Trojaner Theatar am Sdütmaiartanii 8 Uhr Pioniere in Ingolstadt Thalia-Theatar S Uhr Oelransch Stull Sdüller-Ib. 8 Uhr Gespenster siaauapar am Hau dar BapaklUt TV. Uhr ErzäUnogeo SV« Theater an Slhillhanerdamai. Norden 1141 u. 281 Pioniere tn Ingolstadt (Soldaten u Dienstmädchen) Rardar, Laa|a. um, BaaB, Hoarmana, SUssai a. a. llsM« MW D.I. Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 10 Paulus unter den Juden Uramat Legend von Fran z Werfel Regle: Karl-Ba u Marlin. D e Konrädie 1 1 Dismck. 2414/7516 SV« U.. Ende geg. 10 Leina latlOliningan] wann Kommst ou wieder? Komödie von S. Maugham Regie. Gustaf GrOndgens Kammersplele 7.1. Norden 12.110 8V« U., Ende geg. 10 Leina Aonilminoanl Jusik von Osslp Dymow. Regie: Heinzliilpen GENOSSENSCHAFT BERLIN U.UMGEGEND E.G. M.B.H. Die Konsum-Genosscnsdiafi Berlin und Dmdcdcnd hält am 1. Nai Ihre sämtlichen Abgabestellen geschlossen Die Mitglieder der Konsum-GenossenBchaft Berlin werden ersncht, ihren ..... WarenbedarC recbtfaEcsUltf■ in den konsumgenossenschaftlichen Warenabgabestellea zu decken Win Per * Garten* 8 Bkr• zaalr. SI1B» BiaOea atlaakl Letzte Tage! Oodg« Twin», Barnard dk Rieb, Haru Onukl blldan mit dan Ubrlgan Starnummarn unsaraa Programms alnan TriuDigh internal. Tartete-Knnst *** Beqiizma numerierte Sitzplätze von 1»— M» an. Theater a.KottbusserTor Sottbuuai Str. 6. I«. ttpl. 1 1077 AH ab eil dll d> 8 Uhr auch Sonntags naefam.§ Uhr Jabilänms-Programm unter der Oevise 10 Janre KllteVsanger Lessing-Theater Täglich 8V« Uhr ..Die Frau des Andern" Theal. d. Westens SV« Uhr Riit Dona. Kammerslnger ZltOld in Friederike Musik von Ltkat Rose-Theatei 6r.Frulrf.SL 132 ' V« Uhr Derine und der Zufa I Mim Iheaier Heute 8 Uhr Premiere NaB«oer drodtsii sadi ha Amibaiuta von Frank Green. Musikalische lllust Fr. Holländer. Regie: Fr.FnedBiaaB- frcderia. Serlioei M Di rektHeim Herald ChtrlotteDSlrade* A. 7. Dönhoff 170 8 Uhr. Ende 10 Uhr Täglich Die(llnf Frankfurter von Carl Rössler Regie: EoflBii BoDcrt. Lostspieihtas SV« Uhr Guido Thielscher Weekend Im Paradies Thalia-Theater Dresdener Str. 72-73. « Uhr „Oelransch" OUeh. KOnstlw-T«. SV« Uhr Prosit Qipsy Dpe etiev Gilbert Emmy Shxrm Frltx Scholz Trianon-Th. Täglich 8V< Uhr S)a*gäße Geheimnis Operette von Zorlig Rundtunk höre r »w« Preise Samowsky-laiineii Theater in der K9niggrittzer Straße Täglich SV« ühi Riva t an Komödienhaus Täslich 8V« Uhr Charleys Tante mit Curt Bols. Theater am loileDdorlpialz Täglich SV« whr Revolte in Eniedonoslians BBhren. Filier �Enatztalle Preiilitt» rrifl» lXohlaoiuCo. Pumpenfabrik KRUII■ 88. 1 lilnidinlirfff Str. 95 Mal- o. Zeichen- Bedarf L*]uergens Alczaadcrplafi Neue KSoi£0tr.43 Planet arl am — am Zoo VBliig. Hdiim Iha ir.frjä Noll. 1578. '6 b s 19 Uhr D iposi- tiv-Auiitallung 19 bis 1 Vi Uhr Dar Abandhimmtl 20V« Uhr Da« Wsltall Im Lichtbild_ PlelüDaogehete 1 I fiaden In Varvirtt J JbesteBeadltllllo] Fabrik und Lager Scheftlan kasentliater Str. 58 Spefee- von 275.— an Herren- von 275.— an Schlaf- Zimmer von 360.— an MITROPOL• THEATER yyj Or. SCHAUSPIELHAUS[*j Künstlerische Leitung: Erik C bare 11 Custige Witwe Trude Hesterberg Oskar Karlwel« Janknho, Elleot, Jonkermsoo, Schaeüers. Jer liebe tfugastm Alfred Erzun Hedy Christians. LIeske, Arno, Morgan, Westenaeier. Matzner. EKaecdroBo. ßlnraenspenilen lebet«.ri Uetert preiswe r Paul CiolletE oorm. Robert Meyer Marianneiutrsbe 3 Ecke Naunynitrate Am, Moritzpl 1031.3 'Veapetsi maa Tai n.bUiieT Nur GreB-Barlin A V* nee*• �rn' le Reichshallen-Theater ABS.[T| Ohr. Saaatag Nadira.|T] DU Sletflner sanier *tlo« mäbiitne wohaua» venaletea"! Nachm. halbe Preise. Oönhoff- Brett.' TarUft � Konzen/ Taax. Ab 1. Mai 1929: AdeU-Bedccr-Konzerl. Verkäufe Bcklfitfurgssiüclrf. 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Pauli, dieser Inbegriff von Licht und Vergnügen für i�in Fremden, besonders den Fremden, der sich von der Wosscrseit« nähert, wandelt sehr schnell sein Gesicht, wenn man von einer anderen Seite, nämlich von Hamburg als Wohn- und Ar- beiterstadt herkommt; dann bleibt von St. Pauli eine eng- bevölkerte, sonnenarme Häufung grauer und schwarzer Mi�ts- kasernen, in denen Proletariermassen ihr kümmerliches öeben außerhalb der Arbeit fristen. Hier drängen sich in den„Terrassen und Passagen", diesen Hamburger Hinterhausspezialitäten, die Ein- und Zweizimmerwohnungen, da gibt es Hinterhaus- anlagen mit 80 bis 101) Familien. Der Hamburger Spruch lautet: „Stuv und Kök. tweieenhalv Meter hoch, is vorn Arbeitsmann bit veer Kinner genog." Hier wohnen vornehmlich die Tausend« und aber Tausende von Arbeitern, die drüben auf der anderen Seite der Elb« auf den Werften ihre Arbeitsstätten finden. Den Hasenarbeiter bringen die Varkassen seiner Arbeitgeber oder die grünen Fähr» dampser auf den immer bewegten Wellen der Elbe zum Schiff, dessen Waren er löschen oder laden soll. Der lange Strom der Werftarbeiter dagegen drängt und stößt sich zweimal täglich durch den Schlauch de» Elbtunnels unter der Elb« von und zur Arbeit. Schon der Arbeitsweg scheidet den Hafen- vom Werstarbeiter. Dieser Auf- und Abstieg im Elb- tunnel hat etwas vom Bergwerk. Die Werstarbeiterfrau, die ihren Mann zur Arbeit begleitet, sieht ihn im„Förderschacht" des Tunnels verschwinden und erwartet ihn nachmittags wieder aus dein Dunkel der Unterwelt des Hafens. Da stehen dann die Frauen, Kinderwagen und Kinder am grünen Geestobhang, auf dem oben das rote Hafenkrontenhaus, jene große Reparaturwertstatt für die Arbeiter des Hafens und der Werften trohnt, stehen geduldig und stumm und sehen den vielen Straßenhändlern zu, die sich in Bereitschaft setzen, mit ihren wertlosen Hosenträgern oder Riemen, angeblich seidenen Halstüchern und Strümpfen einen ersten Angriff noch vor den Frauen aus die Lohnempfänger zu riskieren. Hat der Arbeiter diese gefährliche Klippe glücklich passiert, so folgen oben in der Stadt die zahllosen Arbeiterwirtschaften und Seemannskneipen, in denen die kurze Freud« am Besitz sich nur zu oft in Alkohol verwandelt. Da sitzen sie, die Knechte der Arbeit, müde und abgespannt und dem lärmenden Schlagwerk der Niethämmer und doch so gerne noch bereit.zum Genuß jener winzigen Freuden, die«ine armselige Arbeiterwirtschast zubieten vermag. jn» wie wenig Daselnssreudx ein solches Arbelkerlebea auch heule noch auskommt! Mit durchschnittlich 8Z Pf. Stundenlohn bringt der gelernte, 70 Pf. Stundenlohn der ungelernte Werstarbeiter etwa einen Tageslohn von 8,80 oder 5,60 Mark oder ein Wochencinkommen von rund . 40 Mark oder 36 Mark nach Hause, nein, er bringt diesen�Betrag gar nicht nach Hause, denn vorher gehen ja schon die Steuer-, Versicherungsabzüge und ähnliches ob. Rur der Rest bleibt mit etwa 30 bl« 35 INark die Woche! Hiervon soll die Arbeitskrast des Mannes, das einzige Kapital der Familie erholten, sollen Frau und Kinder beköstigt und außerdem noch Miete, Schule, Kleidung bestritten werden, und dies alles auf dem über Durchschnitt teuren Pflaster einer Hasengroßstadt. Gewiß, auch die Frau verdient mit, geht morgens um 4 Uhr los, um bis 8 Uhr in einem Geschäft, einem Kontorhaus oder einer Behörde als Scheuerfrau zu arbeiten, d i e Kinder tragen Zeitungen aus, ober mit den geringen Einnahinen steigen zugleich auch wieder die Ausgaben und die Sorge um das Auskommen bleibt ständig die gleich«, nimmt im Gegenteil noch zu, je älter und verbrauchter der Mann wird. Wenn nicht..., ja wenn nicht die Werftarbeitersrau aus ander« Weis« das Familieneinkommen erhöht. Jahrelang besuchte ich einen Be- kannten, einen gelernten Schlosier, der auf der Werst arbeitete. Küche und Wohnzimmer hatten einfaches aber gutes Mobiliar, die beiden Kinder und die Frau waren durchweg sauber, sogar nett ge- kleidet, ein Junge konnte in die Schlosserlehre kommen und es blieb mir immer ein Rätsel, wie die Frau mit den Hungergroschen des Mannes das alles bestreiten konnte, bis ich nach Jahr und Tag sie zufällig in der Nähe des Hauplbahnhofes vor einem Haus« zu einem ziemlich eindeutigen Zwecke aus- und abspazierend fand. Andere Arbeiterkategorien haben immerhin ein gewisses Lebensbild und Lebensziel vor sich, mit dem sie sich vielleicht in Ruhestunden zusammen mit ihrer Frau als mit einem Schloß im Monde beschästigen. Aber immerhin, man hat doch eine schöne Fata Morgana! Meistens ist es die Erlangung einer kleinbürger- lichen Existenz in der Form eines Gemüse-, eines Kohlen- und Feuerungsgcschästes oder, wie es bei Seeleuten oft der Fall ist, die Eröffnung einer Gostwirtschast, deren Einnahmen durch den Bekanntenkreis der früheren Arbeitskollegen gewissermaßen ga- rantiert sind. Der werstarbeiler aber kennt derartig« Zukunftsbilder nicht. Sein Lohnstandard schneidet ihm selbst die allerkümmerlichst« Hoffnung ab. Deshalb betrachtet der Arbeiter an der Wasierkant« Werftarbeit vielfach auch nur als D u r chg a n g s st e l l u n g. von der er so schnell als möglich wieder loszukommen sucht oder zu der er sich nur entschließt" wenn er sonst nirgends Arbeit bekommen kann. Kommt noch hinzu, daß durch den W e r f t t a r j f der Handwerker und gelernte Arbeiter einen niedrigeren Lohn erhält als nach seinem F a ch t a r i f. Was Wunder, daß auch hier der Teufel die Fliegen nur in der Not frißt. Man ist sonst schnell bereit, den gelernten Arbeiter als einen gehobenen Stand über der Masse der ungelernten herauszuheben durch die längere Dauer seines Arbeitsverhältnisies. Aus der werft findet deshalb gerade bei den gelernten Arbeltern ein starker Wechsel statt. So stellte z. B. eine Hamburger Großwerft in einem Jahre rund 32 000 Arbeiter ein. Lon diese« wurden im. gleichen Jahr« rund 2000 wieder entlasten und serner lösten rund 7000 freiwillig ihre Arbeit. So gering daher der Unterschied zwischen Gelernt und Un- gelernt für die soziale Stellung des Werftarbeiters ist, so m a n n i g- fach u n d v i« l f ä l t i g ist die Arbeit aus einer Werft. Weit reichhaltiger und differenzierter als der Hofstaat der Karolinger- Kaiser erscheint die Einteilung der G e w e r k e, die sich um das Zustandekommen eines modernen Seeschiffs bemühen. Abgesehen vom Maschinenbau, allein am Körper des Schiffes arbeiten 17 verschiedene Handwerke, 50 Gruppen von angelernten und 13 verschiedene Gruppen von ungelernten Arbeitern. Da arbeiten z. B. Schmiede, Dreher, Schlosser, Maurer, Sattler. Maler, Nieter, Tischler, Segelmacher, Takler, Zimmerleut« durcheinander, sogar befahrene Matrosen und Decksleute turnen auf und nieder. So verschieden dies« Handwerke sind, die gemeinsame Arbeit im Dröhnen und Hämmern, im ewigen Rauch und Nebel, im dunklen nur durch rötlich schimmernde Glühbirnen erleuchteten Schisfsbauch gleicht an und gleicht aus. Die rote Mennige- färbe spritzt und beschmiert alles Arbeitszeug gleicherweise. Zwischen den Helgen und Docks wird aus Handwerkern und Tagelöhnern, aus Lokomotivführern und Matrosen ein einheillicher Arbeiterkypus, der werfiarbciter! Daß dieser Typus bei der niedrigen Lohnlage mit die unterste Schicht des Hafenstadtproletariats darstellt, bedarf keines Wortes. Glückt es ihnen nicht, noch rechtzeitig, d. h. in den Iahren der besten Manneskrast, in anderen Betrieben unterzukommen, so bleibt er Werstarbeiter, das bedeutet hoffnungslose Armut ohne jede Ausstiegs Möglichkeit, zunehmende Arbeitslosigkeit, endlich mit beginnendem Aller, hier beginnt das Alter, allen hygienischen Bestrebungen der Gegenwart zum Trotz, mit spätestens 45 bis 50 Iahren— dauernd« Armenunterstützung Die Hamburger Orlskrankenhasse berichtet aus dem Jahre 1927. daß bei einer Zählung die über 50 Zahre allen nur ruud 9 Proz. der zahlenden wilglieder ausmachten, ober rund 28 proz. der arbeitsunfähigen kranken. Diese Tausende von schwerarbeitenden Menschen beugen sich daher ständig unter der Angst vor dem Alter. Der sogenannte„Segen der Arbeit", diese beliebte Weltanschouungsgrundlage für Pastoren und Studienräte, wird zum Spott für jeden Nietenwärmerjungen mit seinem rauchgeschwärzten, sorgen- zerfressenen, früh gealterten Gesicht. So trotten sie morgens um 6 Uhr aus den dunklen Hamburger Terrassen auf die nebelseuchten Straßen, überqueren die Ree per- bahn, in der die letzten Lichter des Vergnügens erlöschen und die Restbestände der Dirnen sich um betrunkene Seefahrer bemühen. tauchen wieder«in in die dunklen zum Hafen herunterführenden Querstraßen entgegen den vom Jenseits der Elbe her schrill lchreienden Sirenen. Ohne sichtbaren Hirten, ohne wachsam« Hunde werden diese Riesenhcrden menschlicher Arbeitstiere aus den zahl- losen Gassen, Winkeln, Löchern und Höfen zusammengetrieben und hinuntergestopft in den engen Schlund des Elbtunnels unter den Strom, um jenseits in dem Räderwerk der Schistsfabriken als verhältnismäßig billigster Betriebsstoff teils langsamer, teils schneller zerrieben zu werden. Hans Bieaskelckt. Hamburg. Auf Fischfang im Eismeer Tragödien von denen niemand spricht Die„Brandenburg" verläßt bei Honningsoaag die nor- wegischen Schären und dampft um die Halbinsel Nordkyn-Haloöya herum ins Nördlich« Eismeer. Wir halten Kurs nach der S k o l p e n- dank, einem ungeheuer großen Fischsangplatz, etwa 400 Meilen nördlich von Archangelsk. Die zehn Tage Fahrt von Cuxhaven bis hierher bedeutete für die Mannschaft Erholung. Abwechselnd vier Stunden Schlaf und vier Stunden„Wache" ist jür die Leute nicht mehr als ein. Kinder- spiel; denn erst j etzt beginnt die Arbeit. Sowie wir das erste Netz ins Schlepp gesetzt haben, ist es vorbei mit Ruhe und Schlaf. Alle vier Stunden wird das Netz hochgeholt. Der Fisch wird sofort geschlachtet, gewaschen, in Eis verpackt. War das„H o l" gut(wir hatten biszu achtzigZentner in einem Netz), so ist die Mannschaft noch nicht mit der Verarbeitung des ersten Fanges fertig, und schon kommt das nächste Netz über Bord. Es wird gesischt, geschlachtet, gewaschen, verpackt und wieder gefischt. Alle vier Stunden, Tag und Nacht— siebzehn Tage lang. Das Barometer fällt, ein Sturm kommt auf, das Schiff schlingert erbärmlich. Ein Brecher nach dem anderen jagt über Bord und über- gießt die arbeitende Mannschaft mit salzigen Fluten. Am vierten Tage steigt das Barometer; das Thermometer fällt, fällt. 20, 28, 33, 39 Grad unter Null! Die Rückenflossen der Katffisch« werden hart und spröde wie Glas. Die Hände der schlachtenden Mannschaft sehen furchtbar aus. Manchmal kennt man sich wirklich nicht aus, ob es Fischblut oder ihr eigenes Blut ist, das ihnen von den Händen rinnt. Schlaf? Man muß die zehn Minuten abpassen, die„frei" zwischen Fang und Fang liegen. Oft aber fallen auch d i e fort. Dann war der Fang— gut. Die Müdigkeit überfällt die Leute so sehr, daß man nicht selten sieht, wie sie im Stehen einschlafen. Jedes Wort wird zu- viel; man spricht nur das Notwendigste. Und auch das klingt dem Knurren eines Hundes. ähnlicher, dem man einen Knochen weg- genommen hat. An Esten denkt man kaum; man würgt etwas hin- unter; weil es eben sein muß. Aber man hat nur einen Gedanken: Schlaf! Die Bezahlung der Mannschaft? Dieses System ist das raffinierteste, was wohl je kapitalistische Gehirn« ausgeklügelt haben: Der Lohn an sich ist so gering, daß den Leuten kein Pfennig übrigbleiben würde. Aber— sie bekommen Prozente vom Fangerlös! Sie stehen dauernd unter dieser Hetzpeitsche; wollen sie etwas Nennenswertes verdienen, dann müssen sie das Letzte, das Allerletzte aus sich herausholen! Der Kapitän des Schiffes aber erhält— nur Prozente! Daß er also ganz besonders dafür sorgen wirb, daß die Mannschaft„ran muß", leuchtet wohl ein. Denn ist der Fang schlecht, so ist der Käptn umsonst gefahren. Aber er wird nicht umsonst fahren, und die Direktion im sicheren Heimathafen kann ruhig schlafen. Ein besonderes krastes Beispiel dafür, wie leichtsinnig die Fisch- dampferkompagnien das Leben ihrer Schiffsbesatzung aufs Spiel setzen, ist solgender Umstand, der den wenigsten Binnenländern be- kannt sein dürste: Die Fischdampfer besitzen heute noch keine Funkanlage; lediglich einen kleinen Lichtmorseapporat. Damit hat es aber seine ganz eigene Bewandtnis. Wir fischen im Nördlichen Eismeer, 400 Meilen von der Küste entfernt. Der Holzfrachtverkehr, der sonst von Archangelsk au» ziemlich rege ist, ruht gerade zu d e r Zeit, in der die Fisch- dampser auf Fang gehen, vollständig, weil dann die Küste auf 30 Meilen ins Meer hinaus vereist ist Ist also ein Fischdampfer in Seenot, dann ist es ein ganz seltener Zufall, wenn er aus«in anderes Schiff trifft. Der kleine Lichtmorseapparat an Bord reicht aber bei sichtigstem Wetter nur aus sechs Seemeilen!! Schon manche? Schiff ist mit Mann und Maus versoffen, dem leicht hätte geholfen werden können, wenn die Kompagnie nicht die Geldausgabe für eine Funkanlage gescheut hätte. Spiel mit Menschenleben? Wer kann verlieren?! Nur die Mannschaft. Auf meine Frage an den sehr vernünftigen Kapitän, ob die Kompagnie denn nicht auch an den Verlust ihres Schiffes denkt, bekam ich die resignierende Antwort:„Ach, die Schisse amorti- sieren sichja so schnell---" Ein Gespenst, das ständig über den im Eismeer fischenden Dampfern droht, ist die Gefahr des„N i e d e r e i s« n s". Geht die See hoch und fällt das Thermometer, dann gefriert jeder Tropfen Wasser sofort zu Eis. Steckt das Schiff also seine„Nase" in die See, dann kommt es jedesmal schwer und schwerer, dick mit Eis beschlagen wieder hoch. Am fünfzehnten Tage unserer Fangreise erging«s uns so. Die Mannschaft mußte olle halbe Stunde— achtundvierzig Stunden long— das Eis mit Picken und Beilen ab- schlagen. Ein paar Brecher mehr über Bord, einige Temperatur. grade tiefer— und das Meer wäre einfach über unserem Schiff zusammengeschlagen. So ging schon manches gute Schiff zugrunde, und kein Mensch mehr hat je etwas von ihm gesehen. Andere Dampfer funken„Z O S.*, und manches Menschenleben wird noch gerettet. Aber auf Fischdampfern? Warum denn? „Sie amortisieren sich ja so schnell---* Otto Gutreit. Ansturm des Krieges Zehn Jahre nach Kriegsend« setzt ein« neue Attacke des Krieges ein: die Kriegsromane marschieren auf. Mit den Werken R e n n s und Remarques begann es. Inzwischen ist eine Anzahl weiterer P-eblikationen erfolgt. In der vergangenen Woche allein erschienen: wartin Veradt:„Schipper an der Front."(Verlag S. Fischer.) A. w. Stet):„Die Pflasterkästen."..�Verlag Gustav Kiepenheuer.) Ralph h. wottram!„Der spanische Pachthos."(Jnsel-Verlag.) So falsch es nun ist, dies« Werte einfach als Romane zu be- zeichnen, so falsch ist es auch, von einer Kriegsromanmode oder einer Kricgsromankonjunktur zu sprechen. Di« Spanne seit dem Er- scheinen der ersten Kriegspublikationen ist zu kurz, als daß geschästs- tüchtige Literaten im Angesicht der Konjunktur für diesen Zweck be- rechnete Modewerke hätten aus den Markt schleudern können und für die Verlage ist jedes vorher erschienene Werk eher eine empfindliche Konkurrenz als eine Förderung des Geschästs. Welche Werte soll man nun empfehlen? Schwer zu sagen! Die Namen von Autoren wie Beradt und A. M. Frey bieten Gewähr dafür, daß einem nichts Gleichgültiges vorgesetzt wird. Aber auch bei den Werken unbekannterer Autoren erkennt man nach der ersten Probe, daß es sich um nichts Minderwertiges handelt Es ist eben so, da(v es sich gar nicht um Romane, sondern um Aufzeichnungen, nein, mehr als das, um Bekenntnisse und Niederschristen handelt, die aus einem inneren Zwang heraus zu Papier gebracht wurden. Hat der Krieg diese Autoren zu Dichtern gemacht? Ja und nein. Das gesteigert« Erleben hat ihnen die Kraft zu einer außer- ordentlichen Leistung oerliehen und hie, liegt so paradox es klingt, die Gefahr. Der Krieg beginnt Legend«, er beginnt Epos und Dichtung zu werden,«ine Heldendichtung, durch die zwar der Aufschrei der Not und des Grauen» gellt, die in ihrer Endwirkung aber doch zum mindesten ebenso faszinierend wie abschreckend wirkt. Es ist das Tragische in der menschlichen Natur, daß Unglück und Not sie als außergewöhnliches Geschehen magisch anzieht, mag sie sich dagegen auch wehren, mag sie verdammen. Es ist wohl heute kaum möglich, ein abschließendes Urteil über die Kriegsliteratur zu geben. Ihr Ausmarsch ist noch nicht beendet. Eine Klärung dürfte erst nach geraumer Zeit eintreten. Ob man bis dahin auch eine Dichtung verzeichnen kann, die wie Zola? „Debacle" das Geschehen einer ganzen Epoche von einer höhere-- Wart« zusammenfaßt? Der Autor dieser Niederschrift wanderte in den Jahren 1873 die 1892. also in jenen Jahren, in denen das Wanderburschentum noch in hohem Ansehen stand und landesüblich war. Sohn acht- barer Eltern, aber früh verwaist, entzog er sich im zwölften Lebens- jähr, der Obhut seiner Pfleger, um seither ständig— mit kurzen Unterbrechungen— bis zu seinem 29. Lebensjahre zu vagabundieren. Als Kind schon lernte er den Branntwein kennen, der ihm bald ein unentbehrliches Rciserequisit wird. Diese äußeren Umstände machen es erklärlich, daß der Autor in Bahnen gestoßen wurde, die un- geordnet waren und mit Gesetz und Moral nicht immer überein- stimmten. Das macht es erklärlich, daß in seinem Charakterbilde neben liebenswerten und liebenswürdigen Zügen auch solche auf- tauchen, die niedrig, gemein und nicht ohne Brutalität sind. Es wäre falsch, diese Züge aus der Niederschrift herausretuschieren zu wollen, um empfindliche Leser nicht zu beleidigen. Das Gebot der Ehrlichkeit verlangt es, das Landstreicher- und Vagabundentum un- verbrämt von jener dichterischen Phantasie, der das Abenteuerliche auch da, wo es abschreckend ist, in die Sphäre eines fernen Traum- landes hebt, in Erscheinung treten zu lasten. Amnerk. d. Red. Auf der Wanderschaft. Im vergangenen Jahrhundert war es, Anfang der siebziger Jahre, wenn da der Bursche ausgelernt, feine drei- oder vierjährige Lehrzeit beim Lehrmeister hinter sich hatte, dann klopfte sein Herz in heller Freude, denn nun hieß es in die Welt gehen und sich erst mal den Wind um die Nase wehen lasten. Was der Bursche in der Lehre gelernt, reichte bei weitem nicht zu, um ein zünftiger Geselle zu s-in. Auch war es chandwerksbrauch und Gewohnheit, daß der Ge- selle in den. verschiedensten Werkstätten des Landes erst arbeiten und sich weiter bilden mußte,»m als ein zünftiger Geselle, der dem chandwerk zur Ehre gereichte, zu gelten. Es kam auch keinem jungen Gesellen etwa ein, mit der Bahn zu fahren, denn man wollte«in Stück Welt sehen, man wollte Menschen, Städte und Dörfer kennen- lernen. Wenn die Landschaft im Fluge vorübersaust, dann hatte man mchts von der schönen Nawr. Dies mochten sich getrost die reichen Leute leisten. Es galt damals noch als ganz besondere Kunst und Ehre, ohne Geld die Welt zu bereisen. Dann war es aber auch möglich, daß der junge Geselle im nächsten Dorf oder Städtchen Arbeit fand, setzte doch jeder Handwerksmeister seine Ehre darein, die Arbeit mit der Hand und ohne Maschinen fertigzustellen. Da warteten denn in den Dörfern und kleinen Städten die Meister sehnsüchtig darauf, daß doch bald ein fremder Geselle zu- gereist käme, wenn sie dick in der Arbeit saßen und viel zu tun hatten. In der Herberge, die von jedem zugereisten Gesellen, der in das Städtchen einwanderte, zuerst aufgesucht wurde, stand im Fremdenzimmer auf einer großen, schwarzen Tafel mit Kreide an- geschrieben, wer von den Handwerksmeistern im Städtchen einen Gesellen benötigte. In der Mitte des Zimmers hingen die Wappen der verschiedenen Gewerkschaften, welche in der Herberge ihre Sitzungen abhielten. Viele unter Glas und Rohmen und mit seidenen Bändern, in den Farben der betreffenden Gewerkschaft geziert. Eine Bäcker- und Fleischerherberge gab es, eine Schmiede-, Scbloster- und Klempnerherberge, in denen immer nur die be- treffenden Fackgenostcn einkehrten. Hatte der Bursche zum Quartal seine Lehrzeit beendet, während der er bei seinem Lehrmeister Kost und Logis und vielfach auch Kle-dung erhielt, dann wurde freudig das Ranzel geschnürt, wobei natürlich der Meister dem neugebackenen Gesellen behilflich war und ihn gern darin unterwies, denn auch er war ja in seiner Jugend gewandert. Der Wanderstab durfte auch nicht fehlen und auch für die Reise- flasche sorgte der Meister. Dann ging es, begleitet von den herz- lichsten Segenswünschen der Frau Meisterin und des Meisters zum Städtchen hinaus, wobei noch andere Arbeitskemeraden dem Scheidenden ein Stück Weges das Geleit gaben. Ach, was war doch dos für eine Lust zu leben! Die Sonne leuchtete noch einmal so hell und grüßte den Wanderer mit ihren wärmsten Strahlen, der frisch und fröblich auf der Chaussee unter den schattigen in B'üte prangenden Bäumen, die die Straße auf beiden Seiten einsäumten, dahin wandert« und sein lustigstes Wanderlied in die laue Frühlingsluft schmetterte. Nun war man frei wie die Lerche, die sich hoch in die Lüfte schraubte und ihre jubelnden, bunten Lieder erklingen ließ. Von den Feldern grüßten die Schnitter, die das erste Heu mähten den Wanderer, stützten sich auf ihre Sensen und riefen hinüber:„Wohin die Reise?" Die Mäqde stützten die nackten Arme auf ihre Harken und grüßten und winkten mit den Tüchern:„Glück- liche Reise. Handwerksbnrsch'." Alles war eitel Glück und Freud«. Passierte man zur Frühstücks- oder Vesperzeit eine Stelle, an der Feldarbeiter Rast hielten, dann hieß es ganz gewiß:„Komm nur mit heran Handwcrksbursch«. kannst mitessen, wirst wohl Hunger haben. Da, geh her, setz dich zu Luise, die hat noch keinen." Und dann Hub das Erzählen an und die Mädchen kicherten und lachtet, Vß es eine Lust war., Erstes Erlebnis. Die Reise sollte von Neuenburg in Westpreußen, durch die Tucheler Heide und die Provinz Posen nach Schlesien gehen. Schon in Westpreußen kam ich durch viele polnische Dörfer, in denen nur verstreut deutsche Bauern zu finden waren. Einen deutschen Bauernhof erkannte man schon von weitem Er zeichnete sich durch Sauberkeit und korrekte Ordnung aus. Ja, selbst der M'stbaufen entbehrte nicht der gewohnten deutschen Sauber- 'eit. Stand im deutschen Bauernhof jedes Ackergerät an feinem Blatz. war der Hof sauber gekehrt, hingen unterm etwas vor- springenden Doch geschützt die Pferde- und Ochsengeschirre, so be- aegnete man auf einem Hofe, der einen polnischen Besitzer hatte. furchtbarer Unlauberkrit. Alles lag durcheinander, auf- und übereinander. Der Mist- Haufen dehnte sich bis in's Wohnhaus aus und in den Stuben liefen nicht nur Hühner und Gänse, sondern auch Ferkel und Schweine umher. w-aTÄÜL Im polnischen Gasthof, in den ich eines Tages einkehrte, um zu frühstücken, hatte ich ein kleines Erlebnis. Ein großer, langer Tisch und eine ebensolche Bank waren die einzigen Bestandteile des Gastzimmers. Hühner liefen auf Tisch und Bank umher, überall, wo sie gepickt hatten, ein Andenken zurücklasiend. Es gab nichts weiter als Brantwein von der gewöhnlichsten Sorte, einfaches Bier und Salzhering. Da ich Brot bei mir hatte, bestellte ich mir einen Hering und ließ mir meine Flasche mit Branntwein füllen. Die Wirtin warf mir den Hering auf den Tisch: über den sie mit ihrer schmutzigen Schürze herübergestrichen hatte. Sie schien das Bedürfnis zu haben, mit mir eine Unterhaltung anzuknüpfen. Da aber das Kind im Hinterzimmer schrie, hielt sie es doch für ratsam, auch das kleine Balg an der Unterhaltung teil- nehmen zu lassen, und ging, um das Kind zu holen. Als sie mit dem Kind auf dem Arm wieder im Gastzimmer erschien, meldete es denn auch gleich sein« Anwesenheit mit einem kräftigen„aa" an. Die Mutter hielt es einfach über den Fußboden, klatsch, eine Schaufel Asche drüber, und die Angelegenheit war erledigt. Ich packte mein Frühstück zusammen, verließ fluchtartig die gastliche Stätte und ließ mich hinter dem Städtchen im hohen Grase des Ehausieegrabens unter blühenden Bäumen, Inmitten blühender Blumen nieder. Da mundete das Frühstück denn doch besser. Ein polnischer Bauer nimmt mich mit. Ich stand in der Tucheler Heide an einer Kreuzchausiee, studierte den Wegweiser und dachte darüber nach, ob ich dos nächste Dorf noch heute erreiche. Keine menschliche Seele war weit und breit zu sehen. Da hörte ich einen Wagen die Ehausiee entlang kommen. Das Bäuerlein, ein Mann in den besten Iahren, trug eine preußische Soldatenmütze, deshalb durfte ich wohl annehmen, daß der gute Mann auch deutsch verstände. Ich fragte ihn, wie weit ungefähr das nächste Dorf entfernt sei? Erst wollte er nicht recht mit der Sprache heraus und antwortete auf polnisch, er verstände nicht deutsch. Als ich ihm aber auf den Kopf zusagte, daß er sehr wohl deutsch verstehe, da er in Preußen Soldat gewesen sei, bequemte er sich dazu, in gebrochenem Deutsch zu antworten, daß er bis zum nächsten Dorfe mindestens zwei Stunden fahren müsse. Da ich keine Lust hatte, die Nacht im Walde zuzubringen, bat ich ihn, mich mitzunehmen. „Gib fünfzig Pfennig," meinte er,„kannst mitfahren." Was waren in damaliger Zeit fünfzig Pfennige für einen armen reisenden Handwerksburschen! Sie bedeuteten für ihn ein kleines Vermögen, mit dem sich gut einen Tag leben ließ. Außerdem be- saß ich nur zwanzig Pfennige und sagte ihm das. Na, gib zwanzig Pfennige, kannst du mitfahren." Ich weigerte mich natürlich, indem ich ihm erklärlich machte, daß ich die paar Pfennige unbedingt zum Nachtquartier gebrauche. „Na, zahl einen Schnaps, kannst du mitfahren." Das versprach ich gerne und kletterte auf den Wagen. Wir unterhielten uns, so gut es eben ging. Der Weg führte durch lauter Wald. Als wir ungefähr den halben Weg zurückgelegt hatten, hielt der Bauer vor einem alleinstehenden Gasthaus, das- an der Straße gelegen war. Aha, dachte ich, jetzt sollst du dein Versprechen einlösen. Wir betraten beide das Gastzimmer. Ich bestellte ein Achtel Branntwein. Das. war ein kleines Fläschchen, das einen guten Schluck enthielt und fünf Pfennige kostete. Der Gastwirt, auch ein guter Pole, kannte seinen Stammgast bester und brachte unbestellt eine vierkantige Halbliterflasche. Der Pole sog einen ordentlichen Kuhschluck aus der Flasche, reichte sie mir, bestellte zwei Zigarren und gab mir eine davon. Wir leerten gemeinschaftlich die Flasche und kletterten wieder auf den Wagen, um unserem Ziele zuzugondeln. Als wir das Dorf erreicht hatten, wurde wieder vor dem Krug Halt gemacht. Ein guter Pole fährt an keinem Gasthaus vorbei, ohne ein Labsal zu sich genommen zu haben.„Bleib du bei Pferd, kannst du schlafen bei mir die Nacht." Das war mir natürlich nicht unangenehm, winkte mir doch die Aussicht, freies Quartier und Verpflegung zu bekommen. Ich strängte also das Pferd ab und blieb auf dem Wagen sitzen. Als ich aber eine halbe Stunde gewartet hatte und die elende Petroleumfunzet längst ihr jämmerliches Licht aus dem Gastzimmer aus die dunkle Straße warf, beschloß ich, mich nach meinem Reisegefährten umzusehen. Ich ging hinein. Da saßen aus einer Bank drei besoffen« Polen, in der Mitte mein Bauer, selig umschlungen. Als er mich erkannte, kam er mit ausgebreiteten Armen auf mich zu, in der einen Hand die Tabaksdose, in der anderen die Pulle.„Komm, Bruderherz, einen Schluck!" Ich hatte alle Mühe, ihn zur Heimfahrt zu bewegen. Er kaufte noch«in Schock Salzh«ringe und zwei große Siein- kruken mit Branntwein, und los ging es in die stockfinstere Nacht. Der Pol« war ein ausgebauter Bauer, dessen Lehmbaracke, ab- seits der Landstraße, eine halbe Stunde hinter dem Dorfe lag. Das Pferd fand glücklicherweise den W«g allein, denn der Bauer war ein- geschlafen und erwachte erst nach vielem Rütteln, als der Gaul vor der Hoftür stand.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Der Walfang— ein Massenmord. Der unvernünftige Raubbau, dessen sich die industriellen Groß- betriebe der Walsängerci in den Iagdgründen der antarktischen Ge- wässer schuldig machen, hat die Gefahr der gänzlichen Ausrottung der Wale zu«iner brennenden Frag« gemacht, an der nicht nur Zoologen und Tierschutz beteiligt sind. Bei der Bedeutung der Wal- industrie stehen hier wirtschaftliche Interessen aus d«m Spiel, deren Schutz die internationale Regelung einer Iagdschonzeit notwendig macht. Der Völkerbund hat denn auch einen Viermänneraueschuh eingesetzt, der über geeignete Schutzmaßnahmen beraten soll. Die wirtschaftliche Bedeutung des Wals ist von jeher bekannt. Schon im 10. Jahrhundert betrieben die Norweger eifrig den Fang der ertrag. reichen Riesentiere, und im Mittelalter waren besonders Portugiesen und Basken als Fänger berühmt, die später den zurückweichenden Tieren bis nach Island und Grönland folgten. Die Jagd, die jähr- hundertelang mit primitiven Mitteln ausgeübt wurde, galt ausfchließ- lich dem Grönlandwal, dem eigentlichen Walfisch, der als das größte aller lebenden Tiere bei einem Gewicht von 1 lKZV Kilo den reichsten Ertrag an Tran und dem im 17. und 18. Jahrhundert besonoers ge- schätzten Fischbein lieferte. Bei dem ungeheuren Reichtum an Grön- landwalcn und den leichten Gewinnmöglichkeiten beteiligten sich bald alle Nationen am Fang in dem verhältnismäßig kleinen und eng- begrenzten Iagdfeld, so daß der Walfisch bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts so gut wie ausgerottet war. Heute ist der Furchen- oder Bartenwal der antarktischen Gewässer das Iagdobjekt, dessen Schicksal sich angesichts der mit allen modernen technischen Mitteln des Seekriegs ausgerüsteten Großfangexpeditionen ungleich schneller erfüllen dürfte als das feines arktischen Genossen. Das ausgedehnt« Verbreitungsgebiet dieser Furchenwale macht den Einzelfang nicht mehr lohnend. Der Walfang wird deshalb heute von kapitalkräftigen Unternehmungen betrieben, da nur große Dampfer von zehn- bis fünfzehntausend Tonnen und einer Besatzung von 200 bis ZOO Köpfen, die eigene Trankochereien in Gestalt einer schwimmenden Fabrik an Bord führen, Aussicht haben, angemessene Gewinne zu erzielen. Montag, 29. April. B e r 1 1 16.00 Dr. M. Potliczek; Redaktion und Publikum. 16.30 Miizl Novelle von Felix Saiten. 17.00 Unlerhaltunesmusik. Kapelle E. Roisz. AnichlieBcnd; Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitie. 18.10 Dr. Trautvetter: Konrad Duden. 19.00 Qeorc Brost: Kollektivismus als Prinzip der Sozlalversicherane. 19.30 Dr. Schoeneich: Juxend und Ausiandsdeutschtum. 20.00 Heiteres Unzarn. Mitw.: Rente KQrschner. Victor Bchwanaekc. 20.30 Von Budapest: Internationaler Protrammaustansch. Konzert. Nach den Abendmelduncen bis 0.30 Tanzmusik.(Kapelle Dajos Bdia.) Kinicsvostarhaosen. 16.00 FranzSsisch Onlturkundilch literarische Stunde). 16.30 Dr. R. H. Stein; Neuere Hausmusik für Klavier. 18.00 Dr. A. Hahn; Wie steltere Ich die Lelstunzsidhickeit meines Seist es. 18.30 Enzlisch für Anfänzer. 18.53 Dr. Kannenberz: QleichmäBIge Versorzung des Viehs mit Falter. 4 19.20 Ob.-Reg.-Rat Dr. Seiter: Von Taylor bis zu Hoover, 20.30 Sehnbert und sein Werk. Eine Plauderei lür alle. Mltv.t Dr. E. Fortner. Q. Jckelius. Bariton; Erna Klein, Flügel: H. Rohde, Cello; Knaben des Staats, und Dom-Chors, Ltg,; Prof. H. Rüde). Während die Unkosten bei den früheren Einzelexpeditionen in den Küsteng«wässern minimal waren und schon das Erlegen eines einzigen Wals die Rentabilität des Unternehmens oerbürgte, müssen bei den heutigen kostspieligen Methoden der Großindustrie mindestens zwei- hundert Wale erbeutet werden, wenn die Betriebskosten gedeckt werden sollen. Seit Kriegsende sind Jahr für Jahr 15 090 Wale dieser Massenschlächterei zum Opfer gefallen. Der Wald der toten Vögel. Auf der einsamen Insel Isabel, nahe der südkalifornischcn Küste, nisten ungeheure Schwärme von Vögeln, Sturmvögeln, See- schwalben, Tropikvögeln, Möwen, Pelikane und Felsentauben und vor allem auch Fregattvögel. Bei der Erforschung der Insel ent- deckte der amerikanische Reisende Bönning einen Wald, der einen ganz seltsamen Anblick bot. Wohin man sah, lagen tote Fregatt- vögel auf dem Boden oder hingen Vogelleichen in den Bäumen. Selbst nahe bei den Nestern, die voller Vögel waren, hingen die toten Vögel und unzähliche Dogelgerippe. Es waren zweifellos nicht weniger tote als lebende Vögel in diesem unheimlichen Wald. Dazu kam, daß auch zahlreiche Vögel sterbend zwischen dem Gezweig hingen. An diesem Massensterben sind merkwürdigerweise die Fregattvögel selbst schuld, da dieser Wald zum größten Teil aus Büschen besteht, deren Gezweig so dicht ineinander verwachsen ist, daß es stellenweise wie verfilzt aussieht. Kommt nun ein Vogel zwischen ein solches Zweiggewirr, so verfängt er sich in dem ver- filzten Astwerk derart, daß er nicht mehr loskommen kann und sich immer fester verwickelt, je mehr er bestrebt ist, sich zu befreien Die Vögel sind wie von einem Netz umhüllt und müssen in dieser qualvollen Hilflosigkeit langsam verhungern. Dieses Sterben der Fregattvögel ist um so eigenariiger, als gerade der Fregattvogel unter allen Wasservögeln der beste Flieger ist. Zweibunderteinundzwanzigf acher Lebensretter. Im Krankenhaus Marienbad in Böhmen verstarb dieser Tage der Bergwerksdirektor Jngenieut Henker. Als er im Jahre 1902 auf dem Nelson?Schacht bei Brüx als Bergingenieur beschäjtigt war, drang er bei einem Explosionsunglück in den Schacht ein, und es gelang ihm, 17 Mann lebend zu bergen. Mit dem 18. Mann, den der Wagemutige hinausbefördern wollte, wurde er nahezu achtzig Stunden in der Grube eingeschlossen. Bei einem Lawinenunglück im Jahre 1926 im Salzburgerland rettete Henker 204 Personen. Fische als Lampenanzünder. Dem amerikanischen Naturforscher Brown ist es gelungen, die elektrische Krast des Zitterrochens zu messen, die er durch Schwanz- schlüge erzeugt. Ei« wird sichtbar, wenn man sie durch«ine Geiß- lersche Röhre oder in eine Glühlampe leitet. Es glückte Brown, die Drähte einer Glühlampe mit dem elektrischen Organ des Fisches zu verbinden. Sobald er nun den Fisch durch Kneifen in den Flossen- rand reizte, leuchtete di« Glühbirn« einen Augenblick hell auf. Zwickte er sehr stark, so daß der Fisch mit voller Kraft um sich schlug, so zerstäubt« der Kohlenbügel des Beleuchtungskörpers und machte diesen dadurch unbrauchbar. Die Satzbild unp%smode grassierte, als wir Schuljungen waren Da hatten nur einen Fron- zösischlehrer, der nervös war und oft fror, was er mimisch und sprachlich uns oerri«t Bei ihm lasen wir die Landesbesch�eibung „'En france" von Onäsyme Reklus. Aus diesem Namen einen Satz bilden, war nun die Aufgabe. Und so wurde sie gelöst:„Ohne s i e m R ö ck l ü— bereinander angezogen zu haben, geht der E. überhaupt nicht aus." UJVJrturioloJjZLel Fußball in aller Welt. Deutsdiiand— Italien— Die Pokale von Tempelhof und England— Rugby in Frankreidi. Das mit ungeheurem Werbeaufwand m Szene gesetzte Fußboll- tänderspiet Deutschland— Italien in Turin, bei dem die faschistischen Italiener furchtbare Rache für das verlorene Spiel gegen Oesterreich nehmen wollten, endete mit einem Siege der Deutschen mit 2: 1(1: 1). * Dreißigtausend Zuschauer sahen gestem auf dem Preußenplatz am Tempelhoser Feld das Fußballpokalendfpiel, Berlin und Norddeutschland waren die Gegner. Di« größere Aussicht zu gewinnen räumte man den in starker Aufstellung erschienenen Nord- leuten ein, doch es wurde eine klare Sache für die Berliner. Der Sieg von 4:1 ist sogar dem Spieloerlauf nach etwas niedrig. Die 5)amburg«r hatten außer in der ersten Viertelstunde nichts zu bestellen. Iwankowski(Minerva) bewährte sich als Sturmführer sehr gut. Er hatte das, was seither allen Berliner Mittelstürmern fehlte, er wußte sich in den schwierigsten Lagen in gute Schußposition zu bringen. Der Halbzeitstand von 2: 0 war seine Arbeit. Lehmann machte mit zwei eleganten Kopfbällen bis zum Schluß ein 0: 4, während den Norddeutschen nur ein Ehrentor gelang. Berlins bester Stürmer war wieder einmal Sobeck. Seit langen Jahren ist der Pokal wieder einmal in Berlin! * Der englische Fußballpokal wurde am Sonnabend im Wembleystadion vor etwa 100000 Zuschauern ausgetragen. Di« favorisierten Bolton Wanderers siegten mit 2: 0(0: 0), obwohl ihr« Gegner, Portsmouth, fast ständig mehr vom Spiel hatten. * Das Sonntag vor 15 000 Zuschauern im Stadion Eolombes ousgctragei« vierte Rugbyländerspiel Frankreich-Deutsch- »and endete mit einem sranzösischen 24: 0- Sieg. Die gestrigen Radrennen. „Notstandsrenncn* in Wannsec.— Man fährt wirklich bei Rütt! Um den beschäftigungslosen Fliegern und Straßensahrern Ver- dienstmöglichkeiten zu bieten, hatte der Bund Deutscher Radfahrer einen Renntag nach der Stadionbahn in Wannsee ausge- schrieben. Leider fand die Veranstaltung nicht den gewünschten Publikumserfolg, denn bei dem kühlen Wetter fanden nur etwa 2000 Personen den Weg nach Wannsee. Es wurde im ollgemeinen recht interesianter Sport geboten. Die beiden Mannfchoftssahren über je eine halb« Stunde wurden von Weyer-Feder und Schön-Kießlich gewonnen, in dem ebenfalls sehr stark um- strittenen Hauptfahren setzt« sich der Breslauer F r a ch gegenüber Seiserth und Einsiedel durch. Einzelergebniss«. Haupt- fahren, Endlauf der Ersten: 1. Frach: 2. Seiserth: 3. Einsiedel. Endlauf der Zweiten: 1. Kühl; 2. Wette: 3. Weyer. Endlaus der Dritten: 1. Corpus: 2. Bragard: 3. Feder,. Jagdsahren: 1. Beinert: 2. Steger: 3. Longard. Vorgabefahren: 1. Michaelis(Magdeburg): 2. Weyer: 3. Kuhn. 1. Mannfchastsfahren: 1. Weyer-Feder, 20,825 Kilometer: 2. Dorn-Maczinsky: 3. Nickel-Behrend: 4. Frach-Lorenz tje 5 P.): 5. Wette-Kllhl(2 P.). 2. Mannschaftsfahren: 1. Schön- Kießlich, 20,150 Kilometer(7 P.): 2. Lehmann-Wissel(0 P.): 3. Nebe-Seiferth(5 P.): 4. Earpus-Döltz(2 P.): 5. Steinbach-Ein« siedel(1 P.). Mit vier Wochen Verspätung konnte die Eröffnung der R ü t t> A r e n a in der Hasenheide vorgenommen werden, aller- dings nicht durch Rütt selbst, sondern durch die Ortsgruppe Berlin der DRU. Von den auswärtigen Fahrern schnitten die Breslauer sehr gut ab, dagegen enttäuschten die vier Magdeburger vollkommen. Im Mannschaftsrennen schieden sie bereits nach 10 Kilometer aus. Ergebnisse: Jugendfahren: 1. Burger: 2. Karbe: 3. Gaulke. Erösfnungsrennen: 1. Käber: 2. Knöfel(Breslau),% Lg.: 3. Risch: 4. Rasch. Punktefahren: 1. Matterne(24 P.): 2 Quindt(15 P.); 3 Kallupa(9 P.); 4. Wischnewski(8 P.). 50-Kilometer-Mannschafts- fahren: 1. Käber-Usiat 1:12:42(24 P.); 2. Frenzel-Knöfel, Breslau, (21 P.); 3. Kirchner-Siebel, Breslau,(18 P.); 4. Peschke-Zaiser (15 P.): 5. Matterne-Rasch(14 P.). Arbeiter-Samariter voran! Ein Rettungsauto für Oranienburg. Mit der ersten Hilfe bei Unglücksfällen auf der Landstraße ist es trotz allen Fortschritts immer noch mäßig bestellt. Oft fehlt es an schnellen Transportmitteln, um an die Unglllcksstelle zu gelangen, dann aber auch wieder an geeigneten Hilsswerkzeugen. Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Kolonne Oranien- bürg des Arbeiter-Samariter-Bundes in aller Stille etwas geschaffen, worauf alle Beteiligten mit Stolz blicken können: Ein geladenes Publikum und Behördenvertreter der Städte Berlin und Oranienburg bekamen gestern auf dem Gelände der Schul« in der Bernauer Straße in Oranienburg ein modernes Rettun gs» a u t o, ausgerüstet mit allen Hilfsmitteln, zu sehen, das dank der finanziellen Unterstützung des sozialdemokratischen Landrats des Kreises Niederbarnim, Schlemminger, und des Reichsausschusses fertiggestellt werden konnte. Nach einer kurzen Information durch Strelow-Sachsenhausen führten die Arbeitersamariter ein Rettungs- werk„Einst und jetzt' vor. Alarm ertönt, mit Handwagentragbahren geht es auf Schusters Rappen zur Unglücksstelle. Inzwischen ist kostbare Zeit verloren. Unter einem Auto liegen zwei Menschen eng eingekeilt. Werkzeug und Seile, um das Auto heben zu können, sind nicht vorhanden. Mit der Tragbahre allein ist nichts anzufangen. Ehe Hilfsmittel am Platze sind, haben die Verletzten vielleicht ihr Leben ausgehaucht. Anders jetzt! Nach dem Alarm geht es in schnellster Fahrt der Unglücksstelle zu Dort angekommen, werden Warnungstafeln für vorbeifahrende Wagen aufgestellt, während ein anderer Teil der Rettungsmanschaft den Wagen hebt, die Verletzten aus ihrer qualvollen Lage befreit, Notverbände fachgemäß anlegt und sie ins Krankenhaus überführt. Im Wagen selbst haben zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte Platz. Mitgeführt werden alle Werkzeuge, Verbandskasten, Gasmasken, Rettungsringe— die an den Brücken in der Mark oft fehlen—, Schneidebrenner, Sauerstosfopparate (Pulmotor) usw. All«, auch der Leiter des Berliner städtischen Rettungswesens, Sanitätsrat Dr. Frank, äußerten sich nach der Vor» führung äußerst lobenswert über das Werk einer uneigennützige« Arbeiterorganisation. R. Seh. Anfahren des Deutschen Wassersport' Verbandes. Das FrühÄngswetter hat lange warten lassen. Auf den mär- tischen Seen peitschte auch gestern wieder eine steife Brise das Wasser zu hohen Wellenbergen. Die Wassersportler haben aber die GeduLi zu warten, verloren. Gestern war auf allen Bootsplätzen reger Betrieb. Die Wettersesten und Abgehärteten ließen sich nicht mehr abhalten, die erste Fahrt zu wagen. Vor allem die Segler wollten den guten Wind nicht ungenützt lasten. So war gestern auf dem Müggel- und Langense« ein slotter Sportbetrieb im Gang«. Auch der.�Deutsche Wassersportverband' trug am Sonntag zum ersten Male in diesem Jahr« die Rcichssahne über das Wasser.— An den langen Winterabenden waren die Sportler recht eifrig gewesen, für den Deutschen Wassersportverbond zu werben, die Zahl der angeschlostenen Vereine stieg im Winter auf 23. Erst in der letzten Zeit schlosten sich noch die Vereine Kondor, Neue Mühl«, Wanderpaddler. Tegel und die Havelaktionsgruppe Potsdam dem Deutschen Wasjersportverband an. Sonntag früh trafen sich alle Vereine zur ersten Anfahrt aus der kleinen Müggel, über hundert Boote beteiligten sich. Die Reichsbannerwassersport- abteilung, die Sportvereine der Brennstosfgesellfchaft der Bewag und der Gaswerk« und die Faltboowerein« waren mit ihren Renn- booten, mit ihren Motor- und Paddelbooten zur Stelle. Der Ver- bandsvorsitzcnde Richard K ü t e r begrüßt« die Sportler. Ein ge- selliges Beisammensein hielt die Sportler einsge Stunden fröhlich beisammen, bis zur Rückfahrt gerüstet wurde. Die Vereine, die ihren Standplatz an den Havelgewästern haben, trafen sich zur ersten Anfahrt im Restaurant Saatwintel. 46 Jahre«Ali- Wedding". Jubiläum bei den bundestreuen Athleten. Als einer der ältesten Verein« der Arbeiterathletenbewegung feierte gestern im Moabiter Schützenhaus der Sportklub„Alt- Wedding 83' sein 40 Stiftungsfest. Zu der Feier hatte sich ein« überaus starke Gästeschar eingesunden, denn in den beinah« fünf Jahrzehnte seine- Bestehens haben es die„Alt-Weddinger' gut ver- standen, sich ein« große Schar von festen Freunden zu erobern. Nicht zu Kampfspielen rief gestern der Veranstalter, sondern zum fröhlichen Deisammensein, dessen Höhepunkt die Weihe des Vereinsbanners war. In knappen Worten würdigte Heinrich vom Dundesvorstand den Verein, den Sozialistengesetz und der Umsturz in Deutschland nichts anhaben tonnten. In einem Prolog fand eine junge Sportfreundin herzliche Worte für den tiefen Sinn des Arbeitersportgcdankens. Von den sportlichen Vorführungen seien die Handakrobaten, die saubere, gut kombinierte Arbeit zeigten. und der komische Exzentrikakt, der wirklich komisch war, erwähnt. Sportabend in Sdioncbcrg'Friedenau. In der Aula der 19. Volksschule in Berlin-Frtedenau oeran- stattete das Arbeitersportkartell Echöneberg-Friedmau einen Sport- abend, der sehr gute Loistungen aufwies und somit den Beweis ernsthaften, zielbewußten Schaffen, erbrachte. An erster Stelle ist die Schöneberger Freie Turn- und Sportvereinigung zu nennen, die im Flachturnen wirklich Deachtenswertes leistete. Ihre Rolle vorwärts mit Erdkippe, die Rolle zu Zwoien, die Hechtrolle und der Salto aus der Hand klappten vorzüglich und bewiesen em ausgezeich- netes sporiliche» Training. Auch die Mädchenriege zeigte allerhand gute Freiübungen. Sehr präzisiert tanzten die Roten Falken altmärkisch« Volkstänze, die immer und immer wieder ein Dakapo erheischten. Der Arbeiter-Samariterbunb. Abteilung Schöneberg, brachte ein gut gestelltes Bild� da» den sachgemäßen Transport eines verwundeten zeigte: ein netter Netner vialog zwischen zwei Sport- lerinnen und ein Sportfilm von der Leipziger Arbeiter-Turn- und Sportschule sprachen in beredten Worten von der gesundenden Wir- kung der Sport- und Körperpfleg«. Man ist bei derartigen«eran- staltungen stets einen Massenbesuch und ein starkes Aufgebot an Sportmannschaften gewöhnt: in Friedenau haben unsere Arbeiter- sportler noch sehr schwer zu schassen. Deshalb sollten sie aber a"-8 von der»rgamsierten Arbeiterschaft unterstützt«erd«v Hoppegarten beginnt. Drei»»»»(Btilrnft. 1.««lifntrffter s5ach««irr)! 8. fttüt; z. ewitnHi, Koto: 418:18. Pia»: 83, 14, 16:1». Jfmtft liefen: vri,»ift(4), Dnskar. Olnmp, Orlamvnde. Insel. Preis»»,,»uh>'':n. 1. tea(tüf-f);».«»ünenTOarfe; 8. Rsltland. Sot»; 24: 10. Via»: 14, 18: 18. gerner lief:«iniger. »runew«l».Au»«leich. 1. Tornschild(Caibik); 2. Sit«; S. Vrellstein. Tot»: 177: 10 Platz: 89, 48, 18: 10. Ferner liefen: Wien(4),««fsnsne, Kartschier, Malsch, Otavi. Torrane,?Srken8unt. �*??»"»«n««">- 1- Martg«f(«arga): 2. Surn«: 8.».minies. Dato: 18: 18. Platz: 14, 22:1». Ferner liefeN: Ctutlustn(4), Sterneek, Msnt Vore. Preis von«aubncht. 1. Fürst Smma schrabfch): 2. Lateran: Z. Parade. Eoto; 40:10. Platz: 15, 18, 21:10. Ferner liefen: Prllnas(4), Falcone, (Eafper, Perfianee, Winska, Eanate, Mschvsran. Preis»UM Jagdschlsß. 1. Perwechslun, lEto.chinser): 8. Katzich«: 8.»aanet. Toto: 40:10. Platz: 18, 13:10. Feener liefen: Strug.«orge(4). Preis»am Tenfelssee. 1.«W.: 1.»lanker Kan»(Tajdiki: 2.«adame,: 8. Holdeio. Toto: 27:18. Platz: 15. 27. 47:18. Ferner liefen: Dalie(4), SHenoole, Tantor, Othello, Sdu, Orchilla.— 2.«tzt.: 1. Verena sR. Fachmeiee): 2. Vasall- z. Lervilia. Toi«: 48:18. Platz: 28. 89, 88: 18. Ferner liefm: Funker(4), stanz ThI, Polydor, Alsterstern, Lantluft, Kulda, tSrzan »Sport' siehe auch folgende Seite. NichtWorte- sondernTatsachen! Wenn wir Ihnen sagen, daß unser MERCEDES-BENZ Typ Stuttgart 200(2,6 Liter 10/50 PS) der vollkommenste Wagen seiner Klasse ist, so entspricht dies den Tatsachen, denn es wird uns von allen Seiten bestätigt. Aber wir bitten Sie ausdrückheb, diesen Wagen selbst zu prüfen. Fabren Sie ihn, bringen Sie den sachverständigsten Ihrer Bekannten mit und ziehen Sie Vergleiche mit anderen Marken. Wir sind sicher, daß auch Sic zu dem Ergebnis kommen, daß gerade dieser Wagen für Sic der Richtige ist. Wenn Sie ihn kennen, wird Ihnen sein Preis erstaunlich niedrig erscheinen! RM. 7 880.-(ah Werft für den Innenlenker). Prüfen Sic auch seinen kleineren Bruder, unsern Typ Stuttgart 200(2 Liter 8/38 PS) der sich als wirtschaftlicher Gehrauchswagcn mit idealen F ahreigens chaftcn tausendfach bewährt hat und dessen Absatz sich dauernd steigert 5 880.-(ah Werk Kr den Innenlenker). Daimler-Benz A. Berlin-Charlottenburg, Salzufer 2-3 Verkaufsstellen; Budapester Straße 9, Femruf: Barbarossa 5777-5778, Unter den Linden 50-51, Femruf: Zentrura 1 1 208, Spittelmarkt 4-7, Fernruf: Merkur 570. Vertretungen: Berlin, Rudolf Caracciola& Co., Kurfürst endamm 66, Femruf: Bismarck 9627.— Boldt& Lieske, Berlin VV, Kurfiirsteudamm 153-156. Fernruf; Pfalzburg 180-181.— Wertheim, Automobil-Ges., Berlin W9, Friedridb-Ebert-Str. 14, Fernruf: Zentrum 5187 u. 8641/2.— A. Hirte, Industrie-Abteilung, Berlin SW 68, Markgrafenstr. 76, Femruf: Dönhoff 946.— Cottbus: Gustav Curt Sola, Schillerstr. 40.— Forst i. d. L.: W. Robisch, Moltkestr. 4.— Fürstenberg i. M.: Franz Ziethmann, Carlstr. 17.— Fürstenwalde a.d. Spree: Richard Fritzsche, EisenbahnstraRe 20-21.— Guben: Automobil-Centrale, Inb. Otto Hänelt, Neustadt 15-16.— Landsberga. d.W.: Richter& Isensee, Kraftfahrzeuge. Wall 44-45.— Potsdam: Märkische Fahrzeugwerke G.m.b.H., Neue Königstraße 72, an der Glienicker Brücke.— Rathenow: Fritz Rogge, Fabrikenstr. 13-14.— Schwiebus: Otto Berger. Automobil haus. Breite Straße 22. Vertriebsstellen: Cüstrin- Altstadt: C. A. Pritzel, Schul str, 53-58. Frankfurt a. d. O.: A. Gutmann, Roßstr. 1. Feiert den 1. Mai! Das Kartell für Arbeitersport und Körper- pflege erläßt durch seinen(Beschastsführer Robert De HI« s chlä ge r folgenden A u f r u f an die bundestreuen Arbeitersportler Berlins: Sportgenossen! Als im Jahre 1889 in Paris die Vertreter des internalionaler» Proletariats de» 1. Mai zum Weltfeiertag machten, gab es noch keine Arbeitersportbcwegung. Vierzig lange Jahre sind seitdem verflossen, eir»e stolze Arbeiter-Sportbewegung ist aufgeblüht. chat die Arbeiter-Sportbewegung ein Interesse an den Forderungen, die jedes Jahr, oerstärkt durch Arbeitsruhe, von der werktätigen Bevölkerung erhoben werden? Wenn es auch nur die eine Forderung, die Forderung des Achtstundentages, wäre, so müßten sich alle Arbeitersportler um diesen einen Wunsch scharen. Aber der Forderungen des 1. Mai sind viele. All« aber lausen auf das eine Ziel hinaus: Frei zu werden vom Joche des Kapitalismus! Zu schaffen den llassenlosen Staat. Welcher Arbeitersportler wollte wohl für diese Forderungen nicht eintrete»? Alle werden sich am 1. Mai um das Banner des Sozialismus scharen. Kein Arbeitersportler geht am 1. Mai in den Betrieb, jeder wird sich an den Versammlungen der Ge- werkschaften und der Sozialdemokratischen Par- t e i beteiligen. Wir Arbeitensportler wissen, daß Körperkultur und Arbeitersport im Interesse der arbeitenden Schichten sich nur inhalts- voll auswirken, wenn die Forderungen des 1. Mai erfüllt werden. Aus zur Maifeieri Hoch der Achtstundentag! Leipziger Boxenttäuschungen. Camera gibt schon nach zwei Minuten auf. Der auf Sensationen zugeschnittene Boxabend in Leipzig mit seinen fünf Schwergewichtspaorungen bereitete den etwa 19 009 Zu- schauern eine arge Enttäuschung. Ausgerechnet das Haupttreffen zwischen dem Italiener Primo Carnero und dem deutschen Exmeister Franz Diener nahm ein durchaus unbefriedigendes Ende. Beide standen sich kaum zwei Minuten gegenüber und schon hatte die Herrlichkeit ein Ende. Diener, um<1 Pfund leichter als sein Widersacher, griff den Koloß mit wohlberechneter Taktik in den unteren Körperpartien an mit dem Erfolg, daß Carnera einen Tief schlag reklamierte i'nd die Forijeßung des Kampfes oerweigerte. Da dieser angebliche Tiefschlag weder vom Ringrichter noch von den Punktrichtern gesehen worden war. der Italiener aber dennoch nicht weiterkämpfen wollte, erfolgt« sein« Disqualifikation. Auch die ärztlich« Untersuchung hat keinen Tieffchlog feststellen können. Man hat in- folgedessen Earneras Kampfbörsc ein behalten und den Italiener bei der Internationalen Borunion zur Bestrafung angezeigt. Auch der Kampf zwischen Meister Hein Müller und dem Engländer Eddie Riches konnte keineswegs befriedigen. Müller war haushoch überlegen, der Engländer ständig schwer an- geschlagen, so daß der Ringrichter den Kampf schon in der zahlten Runde zugunsten von Müller abbrach. Sehr schnell fand auch das Treffen zwischen dem Franzosen B o u q u i l l o n und Dr. Bach sein Eicke. Nach sieben Niederschlägen gab der Doktorborer in der zweiten Runde auf. In eine üble Schlägerei artete der Kampf zwischen Ernst R ö s e m a n n und dem Belgier Humbeck aus. Von der dritten Runde ab waren beide abwechselnd auf dem Boden, bis schließlich Humbeck in der fünften Runde ausgezählt wurde. Schön ra th- Krefeld und Karl W a l t e r- Berlin� trennten sich nach beiderseits guten Leistungen unentschieden. Deutschland-Irland am Dienstag. Zum ersten Male in der Geschichte des deutschen Boxsports werden sich morgen abend in> Sportpalast die Amateure der Landes- verbände von Deutschland und Irland im offiziellen Länder- kämpf gegenüberstchcn. Die Aussichlcn für beide Länder scheinen verteilt, vielleicht daß Deutschland ein kleines lieber- gewicht gelieuö machci? kann. Von den acht Kämpfen führen die ini Mittel-, Halbschwer- und Schwergewicht über sechs Runden zu zwei Minuten, die anderen entsprechend den internationalen Bestimmungen über zwei Runden zu drei und eine Runde zu vier Minuten. Langsamsahren oerboten! Ülmerika leistet sich schon immer das Extravagante. Eine Straße, die schnell velahren werden muß, ist sicher eine Seltenheit. Während ez auf der ganzen We.t bei nur einigermaßen rascher Fahrt Strafmandate donnert, muß sich aus dieser ulkige» Straße der Automobilist anstrengen, seinen Tocho- meter nicht unter tiä Kilometer ausschlagen zu lass>». Dieses Kurio- sum ist die Straße zwischen Detroit und Pontial. Langsames Fahren gibt Strafmandat. Sportlerjugend des 20. Kreises(Reinickendorss. Am Dienstag, W. April, löli Uhr. findet in der Aula Augnste-Viktoria-Allee eine Jugendwerbetundgebung der Jungsozialisten �der SPD. statt. Es'»rechen Alfred Henke, M. d. R..»ud Karl Seiaewosser über das Theina„Jugend und Politik". An alle sporttreibenden Jugcndgciiossen geht die Aussorderung, dies« Veranstaltung zu be- suchen. Jugend in die Partei! Die Spandauer Gruppe von Tennis-Rol ist gegründet. Sie spielt Moniagg und Donnerstags in den Zeilen von 1 bis 8 Uhr abends auf dein Platz an der Heerstraße neben Börnicker Hütte(Bahnen 58 und 75), Beoinn der Spiele Donnerstag. 2. Mai. 4 Uhr. Alle Anfänger können schon um 4 lihr kommen, Schläger mitbringen. Elntriitsgeld für neu Hinzukommende 3 M. Neuanmeldungen werden auf dem Sporiplatz enlgegengenommen. Obmann: Dr. Krieg, Spandau, Rfidelandstr. 58. Tsu-islenverei»«ntiirkeennl»-". Zentrale Wien. Abt. Friedenau: Sienstoz, 30. Aprlt. 20 Uhr, Offenbachcr Ttr. 3«:.Unsere Maucier".—«bt. Rorbe«:?>ens!o Mai".—«bt. Vanlow: Dienstag, 30. April, 20 Uhr. Eiirfckstr. lt: Aeimabrnd.— Abt. W-db'nq, Ipgenbgrnppe: Dienstag. 30. April. 10 Uhr, Ccefir. 34: Tan, abend.— Abt. Kesnnbbrunnen, Iuqendqrnppe: Dienstag. 30. April. 20 Uhr, Ledigenheim Echitnftedtftr. t:..Der Weltfcirrtag"—«bt. lZriedri�ebain: Donnerstag, 2. Mai, 20 Uhr, Vrommpftr. l: Delchaltliches.—«bt. Tüdn-est: Donnerstag, 2. Mai. 20 Uhr. Vorcffit. II: Vortrag.— Abt. Veen, Inner«erg: Donnerstag, 2. Mai,.20 Uhr. Dangigcr Str. 02: Vortrag.— Abt Tiergarten! Donnerstag, 2. Mai, 20 Uhr, Lehrter Str. lk— 19: Vortrag.—«bt. LiStenberg: Donnerstag, 2, Mai, 20 Uhr, Kunterstr. 4t: Seimabcnd.— Natnrwissrnlchastliche Abt.: Donnerstag, 2. Mai. 20 Uhr: Scimabsnd. IZTKV. Da» Mitteilni>g»bl»tt dcs Vereins kann ob heute abend in der Defchöftsstellc abgeholt werden.— Aegirk Lichtenberg: Ab Mai können alle Ab. i-ilungen jeden M'ttwoch von ls Uhr ab den Psah annaslftraße bcnntz'n. Die »urnabende der Abteilnngrn sind folgende: Ober« Halle, Holtet- st r a 3 e: Männer»nb Jugend Dienstag„nd Freitag von 20-22 Uhr: Schttlsr. abteilung Dienstag und Zreitag von IS— 20 Uhr: ilraucn Uber 23 ltahrc Mitt- wach« non 20—22 Uhr. Kalle Echreiberhaner Straße: Jung- niädchenabteilung Dienstag und Zre'lag von 20— 22 Uhr: Schltlerinnenabteilunq �ienstea und Jreiiag von 18—22 Uhr.— tzanubcgnk: All« Menosien beteiligen sich an der Ma'l-'er der Sparte am Langen See. Birkeulchlag. nah- Lramp-n- bur- Der' W«>b» d-s neuen Panuv'erer».— S-Swinembegirk Prepzberg: Am l. Mg! treffen sich alle Mitglieder, sowie sie nicht die Veranstaltungen ihrer cewrrlfo'iaftlichen Oreanilat'on besuchen, in d-r Versammlung des Deutschen Verkehrsbundc» im Dewerlschaftshaus. TennU-Stot Sroß-Verlin: Dienstag. 30)4 Uhr, Landsberger Allee 130. fsunk- tionärverfammlunq fttr olle Abteilungen.'— Tennis-Rot Zriedrichsbot«. Donnerstag, 20 Uhr. Abteiungsverfammlung, Landsberger Allee 130. Llnser Bezirksparteitag. Ausstieg der Organisation.— Reugestaliung der Satzungen. Im Hause des Preußischen Staatsrats tagte am Sanntag der Bezirksparteitag der Berliner sozialdemokratischen Parteiorganisation. 399 Delegierte aus den Abteilungen, die Berliner Reichs» und Larubtagsabgeortmeten, die Stadtverordneten und sine große Anzahl zuhörender Parteigenossen sllllt gegen einen Antrag des Kreises Tiergarten, den„2lbend" als Berliner Zeitung mit e'gener Redaktion auszubauen und meinte, der Parteivorstand werde bei diesem Antrag ebensowenig Entnegenkommen zeigen wie bei dem Verlangen nack, einem Berliner Organ überbaupt. Die bisber ein- geichiagenen Wege sckrenen ihm nach den bisheviaen Erfabrungcn nicht ersolgversvrechead. ein nochmaliger Beschluß sei»nnötia, weil die bisher gefaßten Besch'üsse immer»ach bestehe». Aimesichts der vielen aegneriichen Zeitunoen in Berlin müsse man die Berankwor- tung für die Zeituno-verhältnisse in der Berliner Partei jetzt dem Pari»ivorfta,kd überlassen. Günther- Neukölln trat für ein Berliner Morgenblatt ein. Die vom Partei oorstand errechneten Mittel für die Gründung der Zeiiung seien zu hoch angesetzt, dr'e technische» Erwägungen wollte der Redner aber den anderen überlassen. Noch eine ganz« Anzahl D-legiertcr belchästigte sich mit der ReiwngSf'rope. Dann wies im Nomen des Vorieioorltgiides Abg. Bgrtels die Bebaupwnq mit Entschiedenheit zurück, daß der Parieivorstond kei» Interesse an der Schgfinng einer Berliner Par- teizeitnng habe. Wels sei nie grundsätzlich dagegen aewesen. niel- mehr waren bei allen Borstandswitaliedern stets nur finanzielle Be- denken maßgebend. Es sei zu befürchten, daß bei den aegenwärtmen Berhä'tnissen zwei Z u s ch u ß b l ä l t e r zu Unterbalten sein wür- de», wöbreud jetzt das eigene Blatt, der„BorwäRs", sich sinanziell selbst erhält. Im weiteren Verlauf der D'stnlsion forderie Malhilde Wurm eine vermebri? Agitation zur Gewinnung der Frauen. Sekrrtär Lösche trat für einen?lntrao der Arbeiterjugend ein, d-'r die Zer- splitlenina der sozialistischen Jugendarbeit bedauert und verlangt, daß Neubildungen von Juoendgriioven unterble'ben. Dann wurde die Diskussion geschlossen. Die Anträge, die sich mit der Zeitungssrage beschäftigten, wurden zugunsten des folgenden von, Bezirksvorstand eingebrachten Antrages abgesetzt: „Der Bezirksparteitag bedouert, daß der Parteiov'-stand bei den bisherigen Berhandlungen wegen der Schaffung eines Ber- liner Lokalblattes keiti entpeaenkommendes Verständnis� gezeigt hat. Der Bezirksvarteitaa hast den„Vorwärts" jricht für ausreichend. um in ersorderiicher Weise für die Interessen der Portei augelichts der Entwickluna der»egnerischen Presse zu kämvsen. Der K->zirk?varteitag m-acht den Parteivorstand aus die Schaffung eines Lakaiblaties angesichts der bevorstehenden Kommunalwah'en nachdrücklich aufmerksam." Angenammen wurde ein Antrag, der den Entschluß der Reichs- regierung in Sachen des elzemaligen russischen Volkbeauitragten T r o tz k I bedauert. Van den Reichs- und Landtagsabgeordneten, die in Berlin ge° wählt sind, sollen je ein Abgeordneter durch den Bezirksvorstand den Kreisen zugeteilt werden. Ein weiterer angenommener Zlntrag besagt, daß die parteigenössischen Stadtverordneten- und Magistrats- Mitglieder i» den städtischen Gesellschaften dahin wirken sollen, daß bei den Gesellschaiten keine Direktorengehälter von 29 999 M. jährlich einschließl'ch Tantiemen ge-ah't werden: höhere Geh»lter sollen abgebaut werden. Parteimitglieder, d'« infolge ihrer Partetätig- keit in höhere Stell, inoen gekommen sind und ein Einkommen van 12 999 M. und mehr jährlich haben, sollen nach einem anderen Be- schluß des BeÄrksparteitags einen freiwilllaen Varteibeitrag ähnlich wie die Magistrats- und Bezirkramsmitalieder leisten. Der folgend« Antrag der Soziulistjschen Arbeiterjugend wurde einstimmig angenommen: „Der Bezirksparteitag der SPD. Groß-Berlin bedauert die in der lozialistsschen Jugendarbeit in immer stärkerem Maße um sich greifende Zerlvlitierung In der Erkenntnis, daß die Voraus- fetz, in» für den Erfolg bei der Gewinnung der Jnaend für die lozialistische Bewegung die Einheit'ichkeit und Geschlollenbeit der Iuaendoraanisation ist. fordert der BeÄrksvarte tag ullt Eenassinnen und Genossen aus. den vorhandenen Bestrebungen auf Neubildung von Iugen-dgrnvpei, in benachbarten Organisat'vnen entaegenzu- treten. Die Schaffung und Unterstützung von Junendqnivnen neben der Sozialist'schen Arbeiteringend, den Iugendanip»«', der Gewerkschaften und der Arbeii-rsportbeweaung kommt für die Parteiorganisation und ihre Mitglieder nicht in Frage." Bei den dann folgenden Wahlen wurden zu Vorsitzenden im Bezirksvorstand gewählt: Künstler. Litke und Sabath, Schriftführer wurden Umlauf und Schröder, Beisitzer Mathilde Wurm und Fritz W a l d h e i m. Eine Kandidatur Dr. Loh manns als 3. Beisitzer erfuhr Widerspruch und in be- sonderer Abstimmung Ablehnung. In den Parteiausschuß wurden Wurm und Theodor Fischer delegiert. Di« Presse- kommisfion setzt sich wie folgt zusammen: Adolph Hofs- mann, Otta Meier, Franz Janke, Paul Dratwa, Otto Büchner. Richard Barth, Franz Beidler, Wilhelm Bergemann, Dr. Alfred Korach, Richard Draemert, Karl Paulus, Leopold Hajek, Otto Wille, Fritz Waldheim, Willi Birnbaum. Walter Dornow, Oskar Witzke, Max Schwartz, Hans Hiege, Hans Garling.— Für die Beratung des neuen Organlsallonsstatuls lag«in von der Statutenberatungs-Kommission ausgearbeiteter Entwurf vor, der nach mehrstündiger Diskussion in unveränderter Form angenommen wurde. Zu den im Prozeß wegen des Unglücks in der Schönleinstraße aufgedeckten graucnhasien Arbeitsmethoden, die den jugendlichen Arbeiterinnen aufgezwungen wurden, nahm der Bezirksparteitag folgende Entschließung einstimmig an: Am 18 Dezember 1928 verunglückten durch eine Explosion in der Radiowerkstatt de« Fabrikanten Trotzki in der Schönlein- straße 33 Menschen auf die surchlbarste Weise. Die Verunglückten war«» fast all« jugendliche Arbeiter und Arbeite- rinnen von 14 bis 29 Iahren. Die Prozehoerhandlungen, die jetzt in Moabit stattfinden, enthüllen ein grauenhaftes Bild der Arbeitsbedingungen, unter denen diese Kinder und Jugendlichen arbeiten mußten. 12 bis 14 Stunden betrug die tägliche Arbeits- zeit. Durch Zeugenaussagen ist festgestellt, daß aber auch lv Stunden ohne Pause gearbeitet wurde. Di« bestehenden Schutzbestimmungcn wurden nicht beachtet. Indem der Vezirksparleitag den Opfern seine wärmste Sympathie ausspricht, richtet er an alle erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen, an alle gewerkschaftlich und politisch o r g a- n i s i e r t e n Genossen und Genossinnen und an alle Väter und Mütter die dringende Aussorderung, sich um die Arbeitsbedingungen alle« Jugendlichen zu kümmern und für die Durchführung der bestehenden Schuhbedingungeo Sorge zu tragen. Von der Gesetzgebung verlangt dei Bezirksparteitag den Ausbau der Arbeitsaufsicht, damit die Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen des Arbeitsschutzes in ausreichetiber Weise gesichert ist Der Bezirksparteitag hält es für dringend notwendig, alle Jugendlichen den gewerkschafllichen Jugendgruppen und der sozio- listijchen Arbeiterjugend zuzuführen und sie über ihr« Rechte als arbeilende Menschen sowie über die Arbeiterschutzgesetzgebung aus- zuklären. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden, in dem er die Delc- gierten aufforderte, mit aller Kraft und Entschlossenheit für die Partei weilerzuarbeiten, wurde die Tagung geschlossen. Das lockende Geheimfach. Ein seltsamer Raubüberfall in Schöneberg. Außerordentlich sonderbar mutet eln räuberischer 11 e b e r s a l l an. der in der flacht zu Sanntag In Schöne- beug verübt wurde. In der Waghäuselerstraße bewohnt ein 30 Jahre alter Kaufmann aus der Metallwarenbranche, ein begüterter Jung- geselle, im Erdgeschoß mehrere Zimmer, während die anderen Räume der Wohnung an ein Ehepaar abvermietet sind. Die beiden Wohnungsteile sind durch einen Korridor vollkommen von- einander getrennt. Der Kaufmann hat tagsüber zwar Personal im Hause, doch schlafen die Angestellten in ihren eigenen Woh- nungen. Wegen der niedrigen Lage der Wohnung sind die Fenster zur Straße vergittert. In der Nach! zum Sonntag wurde der Kaufmann gegen 2 Uhr jäh ausgeschreckt, dadurch, daß ihn jemand an der Schulter jaßte und rüttelte. Er sah nur undeutlich zwei Männer an seinein Bett stehen, von denen der eine in jeder Hand einen Revolver hielt. Er wurde energisch aufgefordert, sich ganz ruhig zu verhalten und sich mil dem Gesicht zur Wand zu kehren. Der Ton, in dem dieser Befehl gesprochen wurde, ließ keinen Zweifel daran, daß die beiden es e r n st meinten. Der Kausmnnn füllte sich. Widerstand schien ihm zwecklos. Die Einbrecher, die über gute Orts- tenntnis verfügt haben müssen, durchsuchten min in aller Ruhe zunächst den Nachttisch. Bon der Platte nahmen sie die goldene Uhr und Kette, aus dein Schubfach zwei goldene Krawattennadeln, zwei Vrillantringe, einen Trauring ohne Zeichen und«inen Siegel- ring. Hierauf durchsuchten sie die Schränk« und nahmen sogar die Bilder von den Wänden. Sie müssen gewußt haben, daß eine» der Bilder zur Verkleidung eines Wandtressors dient. Da sie die Schlüssel in Händen halle», so öffneten sie den Tresor ohne Mühe und fanden darin als gute Beute 1 5 9 9 M. Alles spielt« sich beim Schein einer elektrischen Taschenlampe ab, da die Verbrecher sich hüteten, die Beleuchtung einzusch-alten. Auf einem Stuhle neben dem Bett lagen die Kleider des Kaufmanns. Aus der Hosentasche stahlen die Einbrecher die Brieslasche mit etwa 159 M. urtd verschmähten auch nicht die 18 M. Kleingeld, die in der Westentasche steckten Sobald sie merklen, daß der Kaufmann«ine Bewegung machte, kehrte der Mann mil den Revolvern an das Bett- zurück und wiederHolle seine Drohung, daß er schießen werde. Ehe sich die Cchnbrechcr entfernten, fesselten sie mit einer mitgebrachten Hanffchnur dem Kaufmann Hörde und Füße, zogen den Türschlüssel innen heraus und schlössen von außen ab. Wie sicher sie sich sühlten, geht auch daraus hervor, daß sie die Korridortür laut ins Schloß warfen. Durch das Geräusch wurde die Pförtnersfrau, deren Wohnung unter der dcs Kaufmanns liegt, munter. Sie sah aus dem Fenster und bemerkte zwei Männer, die das Haus oerließen glaubte aber, daß späte Besucher heimgingen und ahnte nichts Böses. Dem Kauf- mann, der allmählich wieder zu sich kam. gelang es, eine kleine Schere zu fassen uud damit seine Fesselung zu durchschneiden. Das Zimmer konnte er nicht verlassen, er öffnete daher das Fenster und rief laut um Hilfe. Passanten, die auf ihn aufmerksam wurden, alarmierten Polizcibeamtc und das lleberfallkommando. das den Eingeschlossenen befreite. Die Verbrecher waren Inzwischen ver- schwnnden. Im ganzen haben sie ungefähr 3999 M. erbeutet. Der U ebersallen« kann die Täter nur oberflächlich be- schreiben, es waren Leute von etwa 25 bis 39 Jahren, die ein dialekt- freies Deutsch sprachen. Der ein« war über mitteigroß und trug braunen Mantel und braunen weichen Hut. Der Zweite, der die Revolver hatte, war bedeutend kleiner und trug dunklen Mantel. Kriminalkommissar Werneburg erbittet Mitteilüngen.