Morgenausgabe Nr. 200 A 101 46.Iahrgang DöchenMch 8SP� movatNch L.60M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitungs- und 72 Pfg Postbestellgebühren. Ausland»» abonnemem 6.— M. pro Monat. ©er„Sorrofirts* erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel„©er Abend-. Illustrierte Beilagen„Boll und Zeit- und„Kinderfreuno-. Ferner „Unterhaltung und Wissen-.„Frauen. stimme-.„Technik-„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts- Berliner Volksblatt Oiensiag za April 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. ©ie einspaltige Nonpareillezelle SO Pfennio. Reklame eile b.— Reichs« mark.„Ztteine Anzeigen� dos ettge» druckte Wort 2? Pfennig(zulässig zwei fettoedrucne Worte), jedes weitere Wort 12 Psennig. Stellengesuche das erst« Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familtenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annahm« im Hauptgeschäft Linden« Uraße S. wochentögl. von S'/, bis 17 Uhr. Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Davtei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 A«rnlprechrr: Töndosl 202—291 lilegramm-Adr.: Sozwldemokrat verlt» Vorwarts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 S2K- Bankkonto! Bank b«,«rbeiter.«ngeltell,« mch Beamten Wallsir. 65 Dlikonio-Gelelllchast. Depoliienkasse Lmdenstr S Fahlbusch gegen Schulz. Der Fememörder sagt gegen den Anstifter aus. Der im Ueiersuchungsgefängnis befindliche frühere Feldwebel Fahlbusch ist seit seiner Ankunft in Berlin sast täglich vom Untersuchungsrichter vernommen worden. Nachdem Fahlbusch sich sehr eingehend über die Verhältnisse bei den schwarzen Formationen geäußert hatte, ist er nunmehr über die einzelnen ihm zur Last ge- legten Femesälle verhört worden. Dabei ist es zu sehr schweren Belastungen des Oberleutnants Schulz gekommen, so daß dieser in nächster Zeit nach Berlin übergesührt werden wird, damit eine Gegenüberstellung mit Fahlbusch staltsinden kann. �Im Gegensatz zu den anderen Angeklagten aus den abgeschlossenen Feme- versahren, namentlich im Gegensatz zu Klapproth, behauptet Fahl- busch heute, daß er nur auf Befehl gehandelt habe, und daß er besonders in einem Fall von Schulz den direkten A u s t r a g gehabt Hab«, einen Verdächtigen mundtot zu machen. Es handelt sich um den Fall Brauer, der, wie erinnerlich, das Schwurgericht in L a n d s b e r g o. d. W. im Rahmen der damals ijurchgeführten Femeprozesse beschäftigt hat. Brauer war im Fort Tichernow bei Küstrin getötet und die Leiche dann beseitigt worden. Fahlbusch behauptet nun. daß er den Befehl dazu von Schulz in Berlin erhalten habe und nach Küstrin gefahren sei. In dieser An- gclegenheit ist auch der ehemalige Kraftfahrer K o w a l e w s k i ver- ivickeU gewesen, der das Auto gesteuert hat, in dem Brauer sich be- sunden hat. Kowalewski ist inzwischen vom Untersuchungsrichlcr gc- hört worden, da Fohlbusch behauptet, daß auch der Chausfeur eine größere Rolle bei diesem Unternehmen gespielt hat, als er zugegeben habe. Diese Angaben Fahlbuschs werden von Kowalewski allerdings energisch bestritten. Fahlbusch hat auch in einem z w e I t e n F a l l sein« Beteiligung an der B e s c i t i g u irg eines Kameraden zugegeben, aber auch hier erklärt, lediglich auf Beseht gehandelt zu haben. Weiter Hot Fahlbusch den nach Asrika geflüchteten 5)auptmann G u t k n e 6) t sehr stark belostet. Seine Angaben hierüber dürfte er in der Rcvisions- Verhandlung des Angeklagten Poser aus dem Fall Wilms, die am 8. Mai tn Berlin stattfindet, als Zeuge zu wiederholen haben. Die Angaben des Fahlbusch werden setzt von den Untersuchungs- behörden auf das genaueste nachgeprüft und fast alle Zeugen aus den bisherigen Femeoerfahrcn müssen erneut verhört werden. Falls näm- lich Fahlbusch bei seinen Bekundungen bleibt, ist die Staatsanwalt- schaft aus Grund dieses neuen Tatsachenmaterials genötigt, von sich aus das Wiederaufnahmeverfahren gegen Oberleutnant Schulz ein- zuleiten. Neue Verhandlung in Aerlin. Durch Beschluß vom 18 April d. I. hat die Strafkammer in L a n d s b e r g n. d. W. ihren, den Oberleutnant a. D. Schulz wegen Anstiftung zur Ermordung des Unteroffiziers Trauer außer Verfolgung setzenden Beschluß vom 17. November 1926 auf- gehoben da neue Tatsachen und Beweismittel beigebracht seien, die zurzeit jenes Beschlusses unbekannt gewesen und die geeignet seien, eine Verurteilung. des Schulz wegen Anstif- tnng zum Morde zu begründen: nämlich das qualifizierte Ge- ständnis des Fahlbusch, der den Schulz der Anstiftung bc- schuldige.' Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Untersuchungsrichter in Landsbcrg a. d. W. darauf durch Beschluß vom 22. April 1929 die Voruntersuchung gegen Fahlbusch wegen Mordes an Brauer, gegen Schulz wogen A n- stiftung zu diesem Morde eröffnet. Diese Strafsache ist durch übercinslimmenden Beschluß der Strafkammern des Landgerichts in Landsberg a. d. W. und des Landgerichts lll in Berlin gemäß§ 13 Absatz 2 Strafprozeßord- nung'mit den beim Landgericht III bereits anhängigen Strasver- fahren gegen Reim(Tötung � L e g n.e r s) und gegen Fuhr- mann und Genossen(Tötung Wilms) verbunden worden. Maigrüße aus Engtand. Erklärung Arthur Hendersons und Herbert Morriffons. London. 29. April(Eigenbericht.) Der Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiterinternationale Arthur chenderson übermittelte dem„Soz. Pressedienst" sol- zcnde Maibotschaft für die deutsche Arbeiterschaft: „Der Maitag 1929 wsM ein denkwürdiger Tag sein. In kurzer Zeit werden die Zmneen der Arbeiterbewegung in B e l- gicn und Großbritannien auf der politischen Kampsfront mit ihren Feinden zusammenstoßen. Unsere dänischen Freunde haben inzwischen bereits einen glänzenden Sieg im Kampf« um eines der großen Internationalen Ziele der Arbeiterbewegung er- rungen. �. Die britische Arbeiterpartei kämpft in ihrem Wahlknmpf im Zeichen zweier grundlegender Fragen: des Wohlergehens des Bolkes und des internationalen Friedens. Unser gegenwärtiger Ministerpräsident Stanley Baldwin ist bereits dabei, über sein« Verluste Bilanz aufzustellen. Niemand kann den Ausgang der Wahlen voraussehen: aber niemand zweifelt daraw daß die Ar. beiterpartei Millionen neuer Wähler gewinnen wird. Wir kämpfen Im Bewußtsein der Bedeutung unseres Kampfes für unsere Freunde in anderen Ländern. Es lebe die Sozialdemokratie!" Der Porsitzend« der britischen Arbeiterpartei Herbert Mor- rison sendet der deutschen sozialistischen Bewegung zum 1. Mai folgenden Gruß: „Im Nomen der britischen Arbeiterpartei sende ich den Mitgliedern der deutschen Sozialdemokratie meine wärmsten Maitagswünsche. Der organssatorische Ausbau und die Kampfes- entschlossenheit des deutschen Sozialiemus hat die britische Arbeiter. bewegung in vielerlei Hinsicht beeinflußt. Wir werden euch und die Sozialisten in allen anderen Ländern in unsere Gedanken mit ein- schließen, wenn wir hier in Großbritannien unsere Maifeiern be- gehen. Ich hoffe, daß die diesjährigen Maikundgebungen der sozio. listischen Arbeiterbewegung der Welt die Arbeiterschaft einander noch näher bringen, als dies bisher der Fall war. und den Gedanken des internationalen Friedens weiter fördern werden. Unsere eigenen Maifeiern werden in diesem Jahre infolge der Neuwahlen am 39- Mai besondere Bedeutung erhalten. Di« britische Arbeiterpartei erwartet von den Wahlen einen weiteren großen Schritt vorwärts; wir tun alles, was in unserer Macht liegt. um die Einsetzung einer Arbeiter regierung sicher- zustellen. Dos Bewußtsein, daß unsere Freunde in den anderen Ländern in diesem Kampfe mit uns sind, ersüllt uns mit großer Genugtuung." Kommunistendemonstration im llnterhaus. London, 29. Zlpril.(Eigenbericht.) Di« Ruhe des Unterhauses, das unter allgemeiner Teil- nohinslosigkeit seine letzten abschließenden Sitzungen abhält, wurde am Montag durch eine k o m m u n i st i s ch e Demonstration unterbrochen. Das Parlament hatte gerade die Vorberatungen des Staats- Haushalts beendet, als ein Galeriebesucher mit lauter Stimme in den Saal rief:„Nieder mit der Simon-Kom- Mission." Gleichzeitig warf er eine große Anzahl grün gefärbter Flugblätter über die Balustrade auf die Abgeordneten hinab. Un- mittelbar darauf erhob sich eine neben ihm sitzend« Frau und rief: „Nieder mit den Mördern!"„'Nieder mit den Männern und Frauerf, die die Bergarbeiter ausgehungert haben!" „Nieder mit der Regierung, die die indischen Arbeiter ermordert hat!" Der Versuch, die Frau aus dem Saale zu weisen, scheiterte zunächst daran, daß sich die Kommunistin an die Galeriebalustrode klammerte und Widerstand leistete. Schließlich mußte sie mitGewaltaus dem Unterhaus entfernt werden. Die Flugblätter zeigten die Unterschrist der Internatto- nalen Arbeiterhilse und enthielten die üblichen kommu- nistischen Schlagworte gegen den Imperialismus. Giärkerer Optimimus in Paris. Auf Grund von Gerüchten aus Verlin Paris, 29. April.(Eigenbericht.) Das mit der Abfassung des Berichts der Esch- verstänbigenkonferenz beauftragte..Berichtskomitee" prüfte am Montag die bisher fertiggestellten Entwürfe. In einem Teil der Oefsenllichkeit zeigt man sich der Konferenz gegenüber p l ö tz l i ch o p t i m i st i s ch e r. Das ist ausschließlich aus Berliner Meldungen zweifelhaften Ursprungs zurückzuführen, denen zufolge das Reichskabinett Dr. Schacht zugrößeremEnt- gegenkommen geraten haben soll. Vom Rechtauf die Straße. Wer hat es erobert— und wer schändet es? „Was selbst der kaiserliche Polizeipräsident v. I a g o w nicht gewagt hätte, das hat jetzt der Sozialdemokrat Zär- g i e b e l getan." Diese Deklamation, die man in den letzten Tagen so oft gehört hat, ist rhetorisch höchst wirksam, sachlich allerdings vollendeter Unsinn. Ein Recht, auf der Straße zu demonstrieren, hat es im kaiserlichen Deutschland nicht gegeben. Die Führer der Sozialdemokratie waren überzeugt. daß die Scharfmacher, die Feinde des Reichstagswahlrechts, nur auf eine Gelegenheit lauerten, der Arbelterschaft eineStraßenschlachtzu liefern.„Genossen, laßt euch nicht provozieren, die Reaktion will schießen!" lautete daher folgerichtig die Parole. Wer in Parteikreisen den Plan er-- örtert hätte, in Scharen und mit roten Fahnen auf die Straße zu ziehen, wäre als Verrückter abgetan oder als Lockspitzel hinausgeworfen worden. Das war der allgemeine Zustand noch in den ersten Iahren dieses Jahrhunderts. Dann erst.bahnte sich allmäh-- lich eine Aenderung an. Angeregt durch das Beispiel belgi- scher und österreichischer Wahlrechtskämpfe cmp- fahlen Eduard Bernstein und andere„Reformisten", auch in Preußen zur Taktik der Straßcndemon st ratio-- nen überzugehen. Der Vorschlag begegnete lange Zeit hin- durch entschiedenen Widerstand gerade auch bei„radikalen" Genossen. Die Meinungsverschiedenheit kam daher, daß Bern-- stein und Genossen an eine stufenweise Eroberung der poli- tischen Macht glaubten, die andern aber an einen einmaligen Akt der Machtübernahme. Für diesen aber fanden sie— init Recht— die Zeit nicht reif. Wer die internen Parteidebatten jener Zeit miterlebt hat, der weiß, welche Rolle in ihnen die A ch t u n g vor Menschenleben gespielt hat. Führer, wie namentlich Bebel, um nur einen zu nennen, waren von dem tiefsten Verantwortungsgefühl gegenüber den Massen, die sich ihrer Führung anvertraut hatten, erfüllt. Der Gedanke, irgend- einer„revolutionären Gnmnastik" zuliebe Menschenleben aufs Spiel zu setzen, wäre für sie unfaßbar gewesen. So entschloß man sich nur zögernd, im preußische» Wahlrechtskampfe dem belgischen und dem öfter- reichischen Beispiel zu folgen. Der Kampf ging gegen das schändlichste Geldsackwahlrecht der Welt, das selbst Bismarck als das elende st e aller Wahlsysteme bezeichnet hatte, für das gleiche Wahlrecht, für die Demokratie. Die Anhänger der Demonstrationstaktik kalkulierten, daß die preußische Regierung es nicht wagen werde, dem„elendesten aller Wahlsysteme" zuliebe Tote aufs Pflaster zu legen, und sie behielten mit dieser Kalkulation recht. Freilich vielleicht auch nur deshalb, weil die Partei bei ihren Straßendemon- strationen alles darauf anlegten, Zusammen» st äße mit der Polizei zu vermeiden. Wer einen verdächtigen Uebereifer entwickelte und Neigung zu Exzessen zeigte, wurde als„Achtgroschenjunge" betrachtet und ent- sprechend behandelt. Inzwischen war auch das neue Reichsvereinsgesetz«in» geführt worden, das Kundgebungen im Freien von der Er» laubnis der Behörden abhängig machte. Diese Erlaubnis wurde in ganz seltenen Fällen gewährt, das Mitführen roter Fahnen oder sonstiger„revolutionärer Abzeichen" aber nicht gestattet. Mit der Revolution von 1918 erst hat die Sozial» demokratie das„Recht auf die Straße' er- o b e r t. Seitdem erst haben die Städte Deutschlands am 1. Mai und anderen Tagen das Bild eines freien Volkslebens geboten, das jeder grundsätzliche Anhänger der Demokratie mit stolzer Freude genoß. Mit dieser Freiheit haben nun aber die Gegner der Demokratie von rechts und links in einer Weife Schindluder getrieben, daß sich der Polizeivräsident von Berlin ent- sprechend seinen gesetzlichen Befugnissen zu ihrer zeit- weiligen Einschränkung entschloß. Ueberfall folgte auf Ueberfall, eine Messerstecherei folgte der andern. Nationalsozialisten und Kommunisten spielten mit einander Krieg. Kommunisten überfielen Sozialdemokraten oder prügelten sich zur Abwechslung auch untereinander. Aus der Presse der kommunistischen Opposition, der rechten wie der linken, erscholl der Schrei der gequälten Kreatur. Es wurde ausführlich geschildert, wie„Stalinisten" mit Gummi- knüppeln. Schlagringen, Rohr stücken auf andersdenkende Kommunisten einschlugen. Von der offiziellen Kommunistenpresse wurden solcbe Meldungen keineswegs dementiert, sondern vielmehr in Form von„Siegesberichten" bestätigt. Es gab Verletzte, Tote— manches junge Menschenleben wurde zerstört für nichts und wieder nichts. Die Sozialdemokratie hat das Recht auf die Straße er- obert, die Kommunisten haben es durch schamlosen Miß- brauch gefährdet und seine zeitweilige Aufhebung erzwungen. Jetzt schreien sie über die Sozialdemokratie und den sozial- demokratischen Polizeipräsidenten. So haben sich die Dinge in Wirklichkeit entwickelt. Aber selbst wenn man sich auf einen andern Standpunkt stellt, bleibt die kommunistische Parole, trotz des Verbots auf die Straße ab gehen, ein verörecherisches Spiel mit Menschenleben. In einer verkehrsreichen Stabt wie Berlin können Massenkundgebungen auf Platzen und Straßen nur im Zusammenwirken der Veranstaltungsleiter ölit der Polizei gefahrlos gestaltet werden. Dieses Zu- sammenwirken haben kommunistische Veranstaltungsleiter in früheren Jahren nicht gescheut, es ist ja die selbstverständliche Voraussetzung für einen geordneten, Menschenleben nicht in Gefahr bringenden Verlauf der Demonstration. Dies« Voraussetzung fehlt am 1. Mai, sie ist in ihr Gegenteil verkehrt. Die Kommunisten wollen ihre De- monstration aufziehen im Kampf gegen die Polizei, als Vor- spiel zum Bürgerkrieg, und sie rechnen kaltblütig damit, daß öS auch Tote geben wird, die dann der Sozialdemokratie zur Last gelegt werden sollen. Die kommunistische Organisation ist schwach, so schwach, daß es— komisch zu sagen, aber buchstäblich wahr— in Berlin mehr Polizeibeamte gibt als or» ganisierte Kommunisten. Käme es nur auf die Mitglieder der Kommunistischen Partei an, so könnten je zwei von ihnen durch drei Beamte überwacht werden. Durch diese Schwäche der kommunistischen Organisation wird aber die Gefahr keineswegs verringert. Will die KPD. mehr als 13 000 bis 14 000 Mann auf die Deine bringen, was ja für das große Verlin«ine lächerlich geringe Zahl ist, dann muß sie versuchen, ihre Kadres mit Unorgani- s i e r t e n auszufüllen, für die sie ernsttich eine Ver- antwortung gar nicht übernehmen kann. Sie ist auf die Mitwirkung undisziplinierter Massen angewiesen und muß damit rechnen, daß sich auch die z w e i f e l h a f t e st c n Elemente in ihre Reihen drängen werden. So will die „West am Montag" aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß der Stahlhelm seine Vorberestungen in dieser Richtung schon getroffen hat und die kommunistischen De- monstrationszüge mit rechtsradikalen Lockspitzeln durchsetzen will. 2Uso auch wenn die kommunistische Organisation, ent- gegen ihren großmäuligen Ankündigungen den stillen Vor- satz gefaßt hätte, mit Menschenblut zu sparen, hätte sie die Entwicklung gar nicht mehr in der Hand. Wie wenig es aber die Kommunisten darauf anlegen, Konflikte zu ver- meiden, geht aus ihrer Parole hervor, die zum Aufmarsch auf dem PotsdamerPlatz auffordert. Dieser Platz liegt innerhalb der Bannmeile, die auch in normalen Zeiten für Demonstrationen gesperrt ist. Es gibt auch Komm»« isten, die die Dinge f o sehen, wie sie hier dargestellt sind; die Disziplin gebietet ihnen zu schweigen. Die offizielle Führung aber befindet sich in einem Rausch, dem«in bitteres Erwachen folgen wird. Sie glaubt, durch ein verlogenes Spiel und blutige Manöver die Masse der Arbeiter hinter sich bringen zu können— sie wird enttäuscht werden. Die Arbeiter wer- den dieses Sv'el durchschauen und sich für eine bolschewistische Ludendorff-Strategie nicht als Kanonenfutter hergeben. Dieser erste Mai, wie immer er auegehen mag, wird eine ernste Lehre sein und das Borspiel eines ersten Mai der proleta- rischen Einigkeit und Brüderlichkeit, eines ersten Mai, den zu schänden den Kommunisten nicht mehr gelingen wirdl Mossau kommandiert. Den geplanten kommunistischen Maidemonstrationen in Berlin widmet die„Prawda" längere Ausführungen: Die Blicks des ganzen werktätigsn Deutschland seien jetzt auf Berlin gerichtet. Ungeachtet aller Abmahnungen„sszialdemokra. tischer Autoritäten" organisier« sich die Arbeiterschaft zu einer macht- vollen Maikundgebung. Dabei betont die».Prawda". daß es sich um«inen..disziplinierten Aufmarsch" der Berliner Proletarier handle, und daß die Verantwortung für«in« etwaig« Aus- artung der Demonstration auf„andere" falls. Die Verantwortung für die traurigen Möglichkeiten am 1 Mai fällt auf M o s k a u, nach dessen Bgfehl die Berliner Kommunisten handeln. In Rußland selbst sind nicht nur Versammlungen und Umzüge im Freien, sondern auch Ver- sammlungen im geschlossenen Raum ohne Erlaubnis oder direkte Anordnung der Behörden undenkbar. Wer dort gegen dqn Willen der Machthaber«ins Kundgebung veranstalten will, tut gut. zuvor sein Testament zu machen. Moskauer Maiandachi. Stalin sei's panier! Moskau, 29. April. Di« Kommunistische Partei sagt in einem Aufruf zum 1. Mai. die Feier solle nicht nur wie immer als der Hauptsesttag des Prole- tariats und der Kommunistischen Partei begangen werden, sondern zugleich eine wuchtige Kundgebung gegen die Abweichungen von der„Generallinie" der Partei darstellen. Di« Kommumstisch« Partei, so heißt es in dem Ausruf, werde den„opportunistischen Tendenzen" einen vernichtenden Schlag versetzen und„die Rechtsopposition ebenso abwehren, wie«in« ander« Abart kleinbürgerlicher Ideologie, nämlich dem Trotzkismus". Maifeierverbot in Spanien. Sogar Arbeitsruhe untersagt. Madrid, 29. April.(Eigenbericht.) Die Regierung hat all« Maikundgebungen und-feiern auf den Straßen, in Kinos, Theatern und Sälen o e r b a t e n. Feiern in geschlossenen Zirkeln bedürfen der Genehmigung der Orte- polizei. Es ist verboten, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen. Die Polizeibehörden sind angewiesen, Uebartretungen dar Verordnungen nötigenfalls mit Waffengewalt zu verhindern und für ausreichenden Schutz der Arbeitswilligen zu sorgen. Der l. Mai io Paris. Das Iimsnmiiüsterium hat Umzüge auf offener Strotze verboten. Jets Kundgebung, jeder Sabotägaakt, ieda Arbeitebehinderung und jede Gewalttätigkeit fallen mit größter Strenge uuterbuiwan werden. Ausländer, di« an einer Kundgebung teilnehmen, werde» berhoftst inid sofort ausqewteiqN. Li« Polizei wird verstärkt durch di« Republikanische Garde. Außerdem werden die Truppen eines Teils der Garnison von Paris sowie weitere zur Verstärkung herangezogen« Truppenoerbänd« den gw�en Tag über tn den Kasernen zur Verfügung dar Polizei stehen. Auflösung eines Sladlparlamentss. Der Regierungspräsident von Niedsrscklesien Hot wage» der ergebnislosen Bürgermeisterwohl, die zu der Mondatsniederlegung von acht Stadtverordneten ge- fuhrt hatte, die Auslösung des StadtpgAsmeiUs von Beuthsn (Oder) und Ausschreibung von Neuwahlen angeraten. Der Mo- gsstrat hat seinerseits um die Auflösungsverfügung nachgesucht. Maidemonstration derLlnternchmer 3m Geiste Hugenbergs gegen Arbeiierfchuh. Die.Verekntgung der Deutschen LrbeitgeberverbSndc" lädt zum l. Mai zu einer Presse besprechung«in, um Vorschläge zur Schlichtungsverordnung, zur Arbeitslosenversicherung und zur Arbeits- Marktlage der älteren Angestellten der Oeffenllichkcst zu unterbreiten. Mit dieser Veranstaltung will di« Vereinigung offenkundig gegen de« ersten Mai demonstrieren. Denn sie mußte wissen. daß die von den Dingen besonders stark interessiert« sozial» demokratische Presse an diesem Tag« der Einladung nicht folgen wirb. Die Herren werden also mit der bürgerlichen Presse hübsch unter sich sein. Gleichzeitig mit der Einladung werden zwei Denkschriften ver- schickt, die eine zur Schlichtungsverordnung, die zweit« zur Arbeits- morktlage der älteren Angestellten. Ueber die Vorschläge zur Ar« beitslosenvcrsicherung wird eine dritte Denkschrift in Aussicht gestellt. Zur Arbeitsmarktlag« der älteren Angestellten operiert di« Ver- einigung mit einem umfangreichen Zahlenmaterial, über dessen Wert man sich ein Urteil nicht bilden kann, weil es in der Hauptsach« aus Erhebungen von Unternchmerorganisationen zurückgeht. Die Ver- einigung will natürlich beweisen, daß es mit der Arbeitslosigkeit der älteren Angestellten nicht so schlimm ist. Aber selbst aus den Zahlen der Vereinigung geht hervor, daß trotz der UeberoUerung als Kriegs- folge das prozentuale Verhältnis der Angestellten über 60 Jahre heute niedriger ist als vor dem Kriege. Wichtiger ist. was die Vereinigung zur«chlichtungs ver- o rd n u n g vorzuschlagen hat. Diese Vorschläge laufen, um es ganz kurz zusammenzufassen, auf«in« Beseitigung der st a o t- lichen Schlichtung hinaus. Die Schlichtungsaus- schuf fe sollen noch den Unternehmerwünschen ganz abgebaut werden. Staatlich« Schlichter sollen nur dann eingreifen dürfen, wenn sie von beiden Parteien, also sowohl den Unternehmern wie den Arbeitern oder Angestellten, gleichzeitig angerufen werden. Praktisch würde das bedeuten, daß die staallichen Schlichter nur eingreifen dürfen, wenn die Unternehmer selbst es für notwendig halten. Von sich aus dürfen die Schlichter nach dem Vorschlag der Ver- einigung nur eingreifen, wenn«in„staatliches Gesamt- in t e r e s s e" vorliegtl � Es kommt aber noch besser. Die Schlichter, die künftig— noch dem Vorschlag der Vereinigung— nur„mit Zustimmung der be- teiligten Gruppen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer" zu ernennen sind, dürfen Schiedssprüche, soweit solche zustande kommen, nicht mehr für verbindlich erklären Das darf nur unter be- stimmten, eng gezogenen Grenzen eilte„R e i che s ch i e d s st e ll e" tun. Schiedssprüche müssen mit Stimmenmehrheit gefaht werden. Die Partei Vertreter in der Schlichterkammer, die den Schiadsspruch fällen, müssen ihn unterschreibe»: der Bar- sitzend« muß bei Verkünbung des Schiedsspruches ausdrücklich hervor- heben, wer von den Parieivertretern für den Schiedsspruch ge- stimml hat, und außerdem muß der Schiedsspruch schriftlich be« gründet werden. Praktisch bedeutet das, daß in 99 von 100 Fällen sin Schieds- spruch überhaupt nicht zustande kommen wird. Käins aber doch ein Schiedsspruch zustand« und würde er nicht von beiden Parteien angenommen, so soll er nur für verbindlich erklärt werden„l. bei G e sa mt st reit ig k e ite n rn lebenswichtigen Betrieben. 2. bei Gesamt st reitlgkeiten, welche die deutsche Volkswirtschaft so stark treffen, daß die Lebensmöglich- keit der Gesamtbevölkerung gefährdet ist." Das heißt also praltisch, daß von dem einen Prozent der Schiedssprüche. das vielleicht doch noch zustande konunt, auch wieder nur ein Prozent für das Eingreifen der Rcichsschiedsstelle geeignet wäre! Man kann also sagen, daß, von Ausnahmesällen abge- sehen, dl« Verbindlichkeitserklärung beseitigt wäre. Die famose Reichsschiedsstelle, die wirklich nicht an Arbeitsüberlastung zu leiden haben würde, soll nach den Vorschlägen zusammengesetzt werden „aus einem beamteten, mit richterlicher Unabhängig- keit ausgestatteten Vorsitzenden, mehreren nicht stimmberechtigten Unparteiischen sowie Beisitzern der Arbeitgeber und Arbeit- nchmer in gleicher Zahl." Sämtliche Beschlüsse der Reichsschieds- stell« sollen mit einer Zwetdrittelinehrheit der Stimmen gefaßt werden. Praktisch also, da di« Unparteiischen nicht stimnibe- rechtigt sind, soll ein Schiedsspruch nur dann für verbindlich erklärt werden können, wenn auch die Unternehmer dieser Verbind- lichkeitserklärung zustimmen. Das heißt also: Die Schlichtungsinstonzen sollen nur in Funktion treten, wenn es di« Unternehmer wünsche». Schiedssprüche sollen nur gefällt werden, wenn die Vertreter öffentlich sich dazu bekennen. Verbindlich soll ein Schiedsspruch nur erNärt werden können, wenn die Unternehmervertreter in der Reichsschiedsstelle ihre Zustimmung geben und auch nur unter ganz bestimmten und eng umgrenzten Voraussetzungen. Die Unternehmer sagen in ihrer Begründung, daß nur ein sozialistischer oder faschistischer Staat in die Wirtschasts- fragen als Schiedsrichter eingreift. Die Bereinigung der Arbeit- geberverbände scheint also die Bürgerblockregierungen, die fünf Jahre long Deutschland auch mit dem Schlichtungswesen regiert haben, als sozialistische Regiösrungen einzuschätzen. Di« Parole der Vereinigung ist augenscheinlich: Es lebe der Kampf! Es lebe die Anarchie! Daniel Stücklen. Zu feinem 60. Geburtstag. Heute oollenÄet Genosse Daniel Stücklen sein 60. Lebensjahr. Er blickt an diajsm Tag« auf«in kämpf- und arbeitsreiches Leben zurück, das er seit seiner Jugend der sozialistischen Arbeiterbewegung gewidmet. Au» Nürnberg stammend, hat er schon bald nach Ueber- schreit irng de» zweiten Lebenqjahrzshnts als Redakteur eines Partei- Mattes in Budapest Gelegenheit gefunden, sich wall für den Kampf der Arbelterilflsse einzusetzen. Seit 1893 wirkte er als Rsdaktsur an deutschen Parteiblättern zunächst in Hof. dann in Ältendurg, später in Dortmund. Seit 1910 war er in Berlin für die Partei literarisch tätig. Stücklen gehört heut« zu den dienstältesten Reichstag»- abgeordneten der Partei. Seit 100? ist er als Abgeordneter gewählt und im besten Sinn« des Wortes tätig. Seine Arbeitsgebiete sind sehr vielseitig. Besondere Verdienste erwarb er sich in jahrelanger Kleinarbeit als Reichskommissar für Kriegs- und Zivilgefangene und für Flüchtlings. Sein Geburtstag gibt ollen seinen Freunden Aulatz, ihm lameradschaftUche Grüße und Wünsche zu widmen. Wir schließen uns ihnen gern an und hoffen, daß dem Sechzigjährigen noch viele Jahre frohen Schaffens blühen mögen! Oeuischnationaler Agitator verurteilt. TOlK) Mark Geldstrafe wegen Beleidigung der Republik. Kassel. 29. Aprll. Das Große Schöffengerfcht verurteilte den Fabritbesitzer Mar W i l d g r u b e aus Dresden wegen Vergehens gegen Z 8 Abs. 1 des Republikschutzgesetzes zu einer Geldstrafe von 1009 501. an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstmfe von einem Monat. Dr. Wildgrube hatte am 4. März vorigen Jahres anläßlich eines Begrützungsabends des Natlonalverdandes deutscher Offiziere in Kassel ein« Rede über die Bismarcksche und di« Weimarer Verfassung gehalten und dabei eine Reihe scharfer Redewendungen ge- braucht die der Staatsanwaltschaft Anlaß zur Anklageerhebung gaben. Dr. Wildgrub« betönt« bei der Verhandlung, datz ihm die Absicht einer Beschimpfung ferngelegen hob«, da die Lehrsrelheit in der Verfassung ja gewährleistet sei. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß Lehrfreiheit keine Schimpffrei- heit bedeute, und daß in diesem Falle das Maß der zulässigen Kritik überschritten sei. Kommunisten für Todesstrafe. In Gemeinschost mit Hugenberg Aus dem Reichstag wird uns geschrieben: In den nächsten Tagen fällt im Strafgesetzousschuß d!« Entscheidung über die T o d e s st r a f a. Seit den Maimahlen im vorigen Jahr stehen sich in diesem Ausschuh Gegner und Anhänger der Todesstrafe zu gleicher Zahl gegenüber. Wer in den Reihen derjenigen, die die Todesstrafe auirochterhalten wollen, ist infolge des energischen Ansturmes der Sozialdemokratischen Partei ein Schwanken unverkoniibar. Aus den Kreisen des Zentrums und der Bayerischen Polkspartei ist«in Antrag auf Einschränkung der Todesstrafe auf die Fäll« des Vatermords«. des Massenmordes und des Mordes im Rückfall gestellt worden. Noch weiter ging der Ab- S«ordnete Kahl, der sich bereiterklärte, für die Beseitigung der iodesstraf« zu stimmen und damit«ine Mehrheit für die Abschaffung dieser Strafe zu schaffen untor der einen Voraussetzung. daß im Falle der Begnadigung«ine» wegen Mordes zu lebenslangem Zuchthaue B«ruvt«iltsn«icherungsoerwahifirns eintritt. die dem Begnadtgten noch drei Jahr« der Freiheit erlaubt. Dieser Antrag Kahl verschlechtert gewiß die Lag««ine» Mörders» aber auch«r schützt den Täter vor der Todesstrafe, macht also allen Möglichkeiten eines Justizmordes ein für all« Male ein Ende. Des- halb müßten, so sollte man meinen, alle wirklichen Gegner der TodeSstraf«, alle die ernsthaft jeden Justizmord unmöglich machen wallen, s ü r den Antrag Kahl stimmen. Aber die Kommunisten scheinen anders handeln zu wollen. Ein scharfer Angriff her„Roten Fahne" gegen den Antrag Kahl läßt erkennen, datz d-e Kommunisten geneigt sind, mit den Anhänge rn der Todes- st rase gegen den Antrag Kahl zu stimmen und damit die Todesstrafe zu verewigen! Eine solche Haltung der Kam- münisten wäre«in Skandal ohnegleichen. Sollt«» sl« wirklich dies« Sielhing �einnehmen, so wären in Zukunft die- Kommünssten'.sür jeden Justizmord allein verantwortlich! Sozialdemokratischer Vezirkstag. Richtigstellung und Ergänzung In unserem Bericht über den Bezirksparteitag heißt e« unter anderem, der Parteitag hat einen Antrag angenommen, wo- nach je ein Abgeordneter des Reichstages und des Landtages den Kreisen zugeteilt wevden. Dieser Antrag wurde jedoch, wie uns berichtigend Mitgeteilt wird, dem Bezirksvorstand nur als Mate- rial überwiesen. Ferner wird gesagt, daß Parteimitglieder mit einem Einkommen über 12 000 M. jährlich einen freiwilligen Beitrag ähnlich w!« die Magistrats- und Bezirksomtsmitglieder leisten sollen. Das ist noch kein bindender Beschluß. Vielmehr wurde der Vezirksvorstand b e a u s l r a g t, den zuständigen Partxi- instanzm einen Vorschlag zu unterbreiten, der die Erhebung «ine»«rhöhten ständigen Beitrag«» von Mitgliedern mit größeren Einkommen vorsieht. Die Zeiiuitgskommijsion. Am Montag fand im Gewerkschaftshaus ein« Versammlung der Zcitungskoinmissionsmitglieder der Sozialdemokratischen Partei statt. Genosse Geyer referierte über das Thema:„Die Presse in Politik und Leben". Er zeigte die besonders Situation der jözial- demokratischen Presse gegenüber den gewaltig gesteigerten Anforde- ttingcn nach Oeffenllichkeit aus allen Gebieten des polltischen und allgemeinen Leben«, und di« besonder« Situation des„Vorwärts" in der politischen Zentrale Berlin. Ja der Au es» räche wurde erörtert, wie durch lebendig« Ausgestaltung des redaktionellen Teiles und die Arbeit der Zeitungs- kommlssionemitglieder die Werbung für den„Vorwärts" gefördert werden könnte. Zu Vorsitzenden der Zeitungskommission wurden die Genossen Rübe kohl und Hornung, zum Schriftführer Genosse W s i g s l gewählt. Wiens vorbildliche Organifaiion. 4L proz. aller Männer, 20 proz. aller Krauen Parteimitglieder. w i e». Zg. April.(Eigenbericht.) Dis Wiener Sozialdemokratie zählte, wie ans der am Sonnabend abgehaltenen Zahreskonserenz festgestellt wurde. Ende 1928 insgesamt 417 000 Mitglieder, darunter 149 000 Frauen, von den S90 000 männlichen erwachsenen Einwohnern Wiens find 268 000, also 45 Proz. tu der Sozialdcmokro. tischen Partei organisiert, von den erwachsenen Frauen gehören 20 Proz. der Kozlaldemokratic an. 3sd« fünfte erwachsene Frau in Wien ist damit Mitglied der sozialdemokratischen Partei. Antifaschistischer Bombenanschlag in Tunis. Auf di« italia- »ssch« Zeitung„Union«" in Tunis wurde, wie von dort berichtet wird, in der vergangenen Nacht ein Bombenanschlag verübt. Eine ostenbor von Antifaschisten vor dem Gebäude der Zeitung ausgestellte Höllenmaschine richtet« durch ihre Explosion groß« Zerstörungen, besonder» im Erdgeschoß, an. Menschen- leben sielen dem Attentat nicht zum Opfer. Die Täter konnten «och nicht ermittelt werden. Es bleibt Sei der„Begrenzung" „Herabsetzung" der Rüstungeu in Genf abgelehnt. Geus. 20. April.(Eigenberichts txar reattiauizt Surs der Abrüstungskon- fsrenz dauerte auch am Montag an. Andererseits gebt die Opposition mehr aus sich heraus. Der Kanadier sagt« u. a.:>vi« Annohm« und Durchführung der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und dann der W» lchaffung ausgebildeter Reserven würden die Rationen schneller als jeder ander« Weg Sur moralifchan und materiell«» Ab» r ü st u n g führen. Kanada drängt nur deswegen nicht auf ein« Ent- icheidung in der Kommission, weil wir der Meinung sind, daß der Kampf gegen die allgemein« Wehrpflicht«ine Angelegenheit der Haupttonfersnz Ist.* Graf B e r n st o r f f betonte, daß Deutschland dem chinesischen Antrag auf Abschaffung der Wehrpflicht zustimmen würde, weil für Deutschland die Ent. waffnungsbestimmungen der Friedensverträge das Muster der all. gemeinen Abrüstungsarbeit darstellten. Die Chinesen behielten sich ihre endgültige Stellungnahme vor, bis ihnen dos Bureau mit» geteilt hat, in welcher Weise ihr Vorschlag der Hauptkonserenz über» wiesen werden soll. In der darauffolgenden Beratung des allgemeinen Teiles des Abrüstungsentwurfcs wandt« sich die Mehrheit mit grammatikalischen und philologischen Argumenten gegfen einen Antrag Litwinows, überall statt von einer Begrenzung der Rüstungen von einer Herabsetzung der Rüstungen zu sprechen. Bernstorfs bemerkte in der Deboike. daß Deutschland aus keinen Fall einem Abrüsinngsabkommen zustimmen könne, das nur ein Abkommen zur gegenseitigen Unterstützung gegen jede Herabsetzung der Rüstungen sei.— Der Ausdruck„Begrenzung der Rüstungen*, der überall im Entwurf 1m Vordergrund steht, wurde trotz der Opposition aufrechterhalten. Genfer Abrüstung. Deutschland und Polen. Verständigungskundgebung in Berlin. Die Liga für Menschenrechte beendete ihre Kundgebungsreih« für die deutsch-polnische Verständigung am Montag mit einer über» iüllten Berliner Versammlung im Plenarsaal des Preußischen Staatsrates. Nationalistische Radaujungens wurden zuerst wegen der Dumm- hell ihrer Awischenruse ausgelacht, und als sie sich nicht beruhigten, hinaushefördert. Die Redner aus Polen. Abgeordneter Thugutt «Linke),' Abg. Adam Pro gier(Soz.), Mitglied des Zentral- lomitees der Polnischen Sozialistischen Partei, Reichstagsabgeordneier Falkenberg(Soz.) und General a. D. von Schoenaich suchten Antwort auf die Frage zu geben:„Droht Krieg zwischen Deutschland und Polen?* Alle Redner wiesen darauf hin, daß die Entfesselung eines Krieges auf europäischem Boden ein Derbrechen bedeute, da»in neuer Weltbrand mit neuer .Kulturvernichtung, neuem Elend daraus entstellen müsse. Die polnisch. deutsche Verständigung sei ebenso wichtig für den europäischen Frieden wie die deulsch.franzäsische. Von den sozialistischen Rednern wurde besonder« darauf hinge- wiesen, daß die Massen der Arbeitnehmer in der richtigen Erkenntnis, daß auf ihnen die Kriegslasten am schwersten ruhen, am ehesten den Kampf gegen jeden Krieg aufgenommen hätten. Von polnischer Seite wurden d>« P s r t f ch a s t l i ch e n und kulturellen Verdienst« hes früher entwickelten Deutschland um Polens soziales und kulturelles Leben anerkannt. Zugleich wurde der wirtschaftliche Unsinn des schon fünf Jahr« dauernden keutsch-polnisihen Handelskriege« deleuchtet. Dl« Kundgebung klang unter großew Beifall in dem Ruf:.M i e wieder Kriegt aus. Warschauer Erregung über Oppeln. Warschan. 29. April.(Eigenbericht.) In der Regierungssphäre herrscht über die Oppelner Borsäll« ungeheure Empörung. Man denkt sogar daran, die ge- plante polnische Kunstausstellung in Berlin auszugeben. Ttaiionalismus in Belgien. Ein deuffcher Zirkus vertriebe«. Brüssel. SS. April.(Eigtmbartcht.) In Ch a rlc r o i wollte der deutsch« Wanderzirkus Gleich ein mehrtägiges Gastspiel veranstalten. Bei der zweiten Vor- stellung oersammelten sich mehrer« tausend Personen in demonstrativer Haltung vor dem Zirkus. Die Polizei tonnt« die erregte Meng« nur mit großen Schwierigkeiten vor einem Angriff zurückhalten. Im Zirkus wurde schließlich die Marseillaise(also die französische, nicht die belgische Nationalhymne. Red.) ange- stimmt. Das Zirkusorchester folgte diesem Beispiel, wurde aber trotzdem niit Steinen beworfen. Die Vorstellung konnte nur vor einem halbleeren Zelt zu Ende geführt werden. Am anderen Morgen verließ der Zirkus fluchtartig die Stadt. Auch ein Gastspiel in N a m u r wurde abgesagt. Die Ursache der feindseligen Haltung der Bevölkerung wird in dem Gerücht erblickt, daß der Leiter des Zirkus ein früherer beut- scher Offizier sei und im Krieg«in Lager belgischer Deportierter unter sich gehabt Hab«. In Brüssel und Antwerpen hatte der Zirkus mit außerordentlichem Erfolg gastiert. „Auf der Kwchi erschossen." Oer Ooppelmord an der Güdslawiengrenze. .(ßras, 29. April.(Sigenberlcht.) Der sozialdemokratische„Arbciterwillc* erfahrt aui hem Grenzort Levtschach: Die beide» Kommunist«» wäre» von de» Gcndarure»»ach de« südslawische» Grenzort ge- kracht worden» wo tatsächlich etwa 909 Flugblätter unter e irrem Kartoffelhaufen gefunden prnrdea. Statt aber die Verhaftete«, die gefesfelt Ware»,»ach Marburg ,». rückzubrluge». führte» die beide« Gendarm«» sie in eine unwegsame Schlucht, durch die dar Grenzbach fließt. Etwa um Uhr abends wurden zweiSchüsse gehört. Es war um diese Zeit«och taghell. Dies und die Fesselung widerlege« ausreichend die sattsam bekannte Behauptung von einem„Fluchtkersnch". Die Gendarmen ließe» di- Leiche» ihrer Cpfer im Greuzbach liege« und begaben sich»ach Marburg zurück. Der abgesägte Heilsarmeegeneral Booth ist vom englischen König grnn Mitglied de» Ordens„Companion of Honour* ernannt worden. Der Orden ist auf 50 Mitglieder beschränkt und wird für Heroorragende Dienste von nationaler Bedeutimg verliehe»,----- 1 Mars:„Hier mein Schwert!� Oer Friede:„Und all die Schwerter dahinten?" Mars:„Das find nur Reserven, die werden nicht mitgerechnet!" Kinderausbeutung in der LanbwirWast. AppeN einer Sozialistin im Reichstag. Im Reichstag sprach am Montag in der fortgesetzten Beratung über die Sozialversicherung zuerst die Abg. Arendsee(Komm.): Ein einheitliches Fürsovgegssetz mit ausgiebiger Erhöbung der Richtsätze müßte geschaffen werden. Abg. petzold(Wirtschp.) hält eine längere Rede für die Immngs- und gegen die Ortskrantenkassen. Abg. Zieqler(Dem.) tritt den Angriffen des Vorrednerz tmf die hellmitteifelbstabgabe der Krankenkassen mubdrucklich entgegen.(Lebhafte Gegenruf« des Abg. Petzold.) Wenn Innungs- krankenkassen errichtet werden sollen, dann sind die Lisseranten Mittelständler. wenn aber die Ortskrankenkasien bei ihnen kaufen, sind sie Großindustrielle! Das ist die Methode der Wirtschafts- Partei. Abg. Trobmana-Rürnberg(Bayer. Bp.) befürwortet im Sinn verschiedener Antröge Maßnahmen zugunsten kinderreicher Familien nach dem Borbild anderer Kulturstaaten. Abo. Slöhr(Nat.-Soz.): Durch falsche Uebersstzung des Ler- sailler Vertrages sind die Sozialverstcherten des Saarasbietes um ihre dort verbürglen Richte gebracht worden. Einen Hinweis mif di« gesetzwidrig« Verordnungsprari» der Reichsregierung hoben wir auf Verlangen des Reichstagsvräsidenten aus sin«m Antrag streichen müllen. Mm,- tedef van Lnxlwbantsn dar«oMversicherung-, würden die Svarzwongbehörben vielleicht in Wellblech» oder Bretter» buden kaufen? Zablreich« Anträge werden dem SozlalpoKtsschen Ausschuß überwiesen, der Antrag Stöhr Mat-Soz.) aus Einsetzung eine» Untersuchungsausschusses für die Schuldfrage in der Saar- Sozial- Versicherung wird abgelehnt. T» folgt die Beratung über Arbeitsvertragswesen, Schlichtungswesen. Arbeltsschuß. Berichterstatter ist Abg. Grahmann(Soz.) Abg. Metz-Frankfurt(Soz.): Wenn es dem Vorredner ernst wäre mit der oft betonten sozialen Gesinnung seiner Partei, dann müßte er sich mit Ab- scheu abwenden von den Banditen, die in Frankfurt a. M. soeben wieder einen Arbeiter ermordet haben.(Stürmisches hört, Hort! bei den Soz.) Die Sozialreaktionäre bekämpfen jode noch so notwendig« Lohnerhöhung damit, daß dadurch die Kapital- b i l d u n g erschwert und bedroht werde, während sie gleichzeitig durch die Rationalisierung di« Ausbeutung der Arbeitskraft ge- wältig steigern. Die starke Zunahm« der Sparkasseneinlagen usw. zeigt aber gerade im letzten Jahr, daß die Kapitalbildung durch die Lohnerhöhungen nickt gehindert wird. Man sckätzt diese Kapital- bildung auf 7—8 Milliarden Mark.(Widerspruch rechts.) Wir meinen allerdings nicht da? Interesse am eigenen Vrofit, sondern die volkswirtschaftliche Kapitalbildung. Selbst- versiärtdlch können die Arbeitslosen dem Ruf zum Sparen nicht Folge leisten. wir verlangen vom Staat, daß er die Entwicklung der Löhne und Arbeitsverhältnisse genau kontrolliere und eingreise, wenn dies im Interesse der breiten Volksmassen notwendig ist. Der Staat hat nicht nur das Eigentum zu schützen, sondern er muß den wirtschaftlich Schwachen Kelsen, denn über dein Profit steht der Mensch und seine Gesundheit.(Lebhafte Zu- stimiming links.) Wir brauchen auch vcrmehrsen Arbeiters chutz. Die gewaltigen Zahlen der Unfallkrüppel und Unfalltoten urtd das Elend, das dahinter steht, beweisen die Notwendigkeit erhöhten Arbeiterschutzes Die glänzende Entwicklungderdeut« schen Gewerkschaftsbewegung in den letzten Jahren ver» spricht, daß auf d'esem Gebiet im Bedarfsfall kräftig nachgeholfen weiden kann. Wir hoffen, daß da« A r d« i t» s ch u tz g e s« tz in der Ausschußberatung eine befriedigende Geftalt ekhäli. Daneben werden wir uns bemühen, aus eigem Kraft durch Tarifverträge Fortschritte zu schaffen, denn wir wissen, was ans eiaener Kraft fldfchnffen und getrogen wird, hat den nachhaltiafien Erfolg. Auf den Gebieten des Arbeitsrechts, der ArbeätsvsrMuirg, der Arbeits- gerichtsbarkeit des Schlichtungswesens, des inten, atlonaken Arbeitsrechts sowie der gesamt«» Lohn- und Arbeitspolitik und des?lrbeiter- schütze- werden w i r n! ck t nachlassen, vorwärts zu drängen. Trotz aller Widerstände, d!« sich uns in den Weg stellen, werden ss« uns ltets In vorderster Reibe leben, wenn«« gilt, für die Interessen der Aermsten zu fechten.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Klara Weich-München(Soz): Die Kinderarbeit ist in der Londwirtschaft noch allgemein üblich. Dies« Kinder müssen weit über ihre Kraft hinaus arbeiten. sie weckten durch glüdenden Sonnenbrand und Unwetter weitab von jedem chaus, da« ihnen Schutz bieten könnte, gefährdet und die Folgen sind Krankheiten der Ernährung?« und der Verdauung»-' organ«, denen oft nickt genug Beachtung geschenkt wird, und die dann zu chron'schen Leiden werden Die Kinder müssen schwere Lasten heben, stundenlang in gebückter Stellung arbeiten, was ihr Wachstum gefährdet, Verkrümmungen und ander« Berunftaltunge» zur Folge hat. Durch Belchöftigung an landwirtschaftlichen Majchiyeu werden sie in hohem Maß« durch Unfälle ge- fährdet, sowie dadurch, daß man das V i e b, besonders die Zug- tiere, Kindern anvertraut. Die starke Verschmutzung insolae der Landarbeit kann bei den inangell>asten Möglichkelten zur Körperpflege, auf dem Laicke nicht ausreichend bekämpft werden. Nirgendwo ist das Wohnungselcnd größer als unter den Landarbeitern. Wie diese Zustände auf den Schulbesuch und auf den Unterricht wirken, das ist in den Berichten der Gewerbeaufsicht durch Aus- sagen von Lehren, in der erschütterndsten Weise dargestellt, sowohl au» Sachsen wie aus Ostpreußen. Dort betrage» die Schulverssium- nisse In einer Ortschaft auf 7 Jahre berechnet, ein ganze» Jahr,(chörj, hört! links), und der Genieiiidevarsteher läßt als Strafe iür Schulversäumnis die Kinder eine Stund« ohne Lohn auf dem Felds des Gutsbesitzers arbeiten, in dessen Interesse doch die Schulversäumnis entstanden ist.(Stürmisches Hört, hörtl links.,— Zurufe rechts: Was soll denn die Arbeit schaden?— Lebhaste Entrüstungsruse link».) Selbstverständlich kommen die ausgebeuteten Kinder in der Schule Nicht mit und werden so für ihr späteres Lsbon noch weiter ge- (chatigt.• Kein Wunder, wenn diese Jugendlichen, sobald sie selb- ständig sind,' vom Lande in dl« Stäb sc fliehen, wo sie menschenwürdigere Verhältnis!« zu finiden hoffen. Wir bitten um schleürrigste Vorlag« des geplanten neuen. Kinderickutzgeseße«. 1927 hat die bayerische Gewerbeaufsicht' in mehr als?Ö00 Fällen Verletzungen des Amderfchntzgeseges angetrdfsen. Wäre noch öfter kontrolliert worden, so hätte man gewiß noch mehr solche Fäll« gesunden. Wir sehen jetzt aus dem Prozeß wegen des furchtboren Brandunglücks in Berlin, Schöuleinflrahe. wie 14- und lbjährige Mädchen auf das furchtbarste geschädigt worden sind, weil in diesem Betrieb auch die elementarsten Schutz- bestimmungen außer acht gelassen worden sind und sich ir'emaiid gesunden hat, der dem säumige» Unternehmer da? Gewissen ge- schärst hätte.(Kört, hört! links.) Bennebrte Einstellung»an Frauen in die Gewerbeaufsicht würde gleichfalls dazu bestragen. dem, weibliche Aufsichtsbeamte würden nach mehr auf die Arbests- bedingungen der Kinder und Jugendlichen achten.(Lebhaste Zu- stimmirng links.) Wenn das deutsche Volk sich aus die Dauer behoupleu und durchsetzen will, müssen vor allem die breiten Schickten des arbeiten- den Volke? gesund und letftungefähig erhalten werden Wir Müssen der Jugend die Möglichkeit der Entwicklung zu freien, gesun- den und leistungsfähigen Menschen geben!(Anhaltender Letsoll bei den Soz.) Abg. Sckmist-Merseburg(Komm.): Das Internationale Ar- beitsamt in Genf hat bisher einen wirksamen internationalen Ar- beiterschutz nicht durchführen können: es dient nur zur Verwischung der Klassengegensätze. Abg. Vapke(Komm.) spricht über die Notloge der Land- arbeiterschait. Abg. Thesen(Komm.) vermißt die Beantwortung ewer Inter- willation seiner Partei über das Grubenunglück In Rheinhgulen. Das Schlichtungswesen ist für Deutschland dasselbe, wie die saschi- stlsche Magna charta für Italien und dos Wehrgesetz für Frankreich. Reichsafbeitsminister Wissel!: Die Interpellation ist soeben erst begründet worden. Wir wollen uns von der Beantwortung keineswegs drücken. Zuständig ist allerdings das preußische Innenmimsterium und dessen Borg- crufsschtsl,«Hörde. Der preußische Innenminister Hai im Landtag bei der Beantwortung einer Interpellation hierüber festgestellt, haß die Ursachen des Brandes ungeklärt lind. Berieselunasanlagen mcht vorhanden waren, aber auch nichts mehr genützt haben würden. da der Brand zu spät entdeckt wurde. Es ist eine Verkettung un- glücklicher Umstände. Die BerabeHörden werden alles tun, was zum Schütz des Lebens und der Gesundheit der Bergarbeiter notig ist. Eine Auseinandersetzung Über das Sch'ichtun gewesen inst den Kommunisten erscheint mir zwecklos. Rußland hat da» deutsche Schlichtungswesen zum Vorbild genommen. Nur mit der Einichrän- kung. daß, wenn eine Einigung nicht erfolgt, ein Schiedsgericht a,v- gerufen werden kann, das dann endgültig entscheidet. Damit schließt diese Beratung und zugleich ist da» iniernatio. nale Slbkommen über das Mindestalter der Schiffsjungen und jugeodllchen Kohlentrimmer in erster Lesung erledigt. Auch hier werden Anträge den AusschMen überwiesen. Ah» gekehni wird dst Uebrnveisung durch eins Mehrheit von den Kommunisten bis zum Zentrum und den Nationalsozialisten bei zwei Aisträgen der Rechten auf Zulassung von Rechtsanwgl- ten bei den Arbeltsgerichten: diese Anträge werden dann selbst auch abgelehnt. Bei der Festsetzung der Tagesordnung für heut«. Dienstag, verlangen die Kommumiten unter heftigen Angriffen auf die Sozi«. demokraten und den Berliner Polizeipräsidenten, daß an erster Stelle der kommunistische Antrag betreffend Aufhebung des Domo«- stationsverbotes für den 1. Mai beraten werde. Dieser Antrag wird abgelehnt. Schluß Uhr. chauty Dienstag, 14 Uhr. Weiterbcratung....._ WWWMIM-MM Maifeier! Zutritt jur Veranstaltung im Sportpalast. Potsdamer Sit 72. haben unter Vor zeigung der Mugliedsbilcher nur ra.ttglieder des Deutschen Metallarbeiter-Berbandes und des Verdandes der Kupierschmiede und der.n durch diese eingesührten Anqehiirigen. Mitglieder anderer ireter Eeweitichastcn. soweit sie in der Metallindustrie de» schiisligt sind, tonnen cbenkalls unter Vorzeigung des Mitgliedsbuches mit ihren Aw gehörigen an der Veranstaltung teilnehmen. Sinlass 10 Uhr._ Di« Orl»v«r»alta»g. Achtung! Betriebsräte. Achtung! Die Betriebsröle-geitschrist Nr 9 ilt er chienen und kann gegen Vorzeigung der Legilimaiionstarte des Bctriedsrats-O! mannes in unserem Bureau, Zimmer 5, titguch bis 4 Uhr, Freitags bii 7 Uhr, emgcgengenommen werden vi« Sr«»o«ru»ollu.g. Am 29. Aprch vorm. 7*', Uhr, ent- ich ie- sankt nach langem, schwerem Leiden im Sa. Lebenslahr mein lieber, guter Mann, unser lieber Vater. chwiegervater, Grohpater, Schwager und Ontel, der Silberpolierer tt/itdelm Im Namen der Hinterbliebenen Emma Jcsdikc, geb. Müller Berlin S 59, Boppstr. L Die Einäscherung findet Donners- tag. 2. Mai. nachm>>/, Uhr. tm Kremaiorium Baumschulenweg statt. Bon Beileidsbezeu ungen oder Kranzspenden bitten wir Abstand zu nehme». MMw Metaiiarbeiter-Verlia.'iil Verwaltung ssteile Herlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Sllberpolierer Wilhelm Jeschke g-b 3 Ottober 1SG1, am 20. April gestorben ist Die Einäscherung findet am Donnerstag. dem 2. Mai, is>/» Uhr. im Kremaiorium Vanmschulenweg. Kies- hotzstraße. statt. Rege Bcteitigung wird erwartet Nachruf Am 18. April starb unser Kollege, der Klempner Paul Woller geh 8 Mai 1876. Die Beerdigung hat bereits statt- gesunden. Ehre ihrem Andenken! VI« Ortsvermoltung. 8 nur• Zenir. 2819» Bandin erloubi Heilte zum letzten Male Dodge Twin», Bernard* Rieh, Haru Onukl und die übrigen Starnummern unseres Oberragenden April-Programms Morgen Mai-Festspiele mit Sabo- Werkmeister X heulet, Lichlspiele usw. II 'TSSSS�a 20 Uhr Zaungäste VoiHsbUüne flieater amEöloviilat! 8 Uhr Trojaner Theater am St&liibauerdaauB ' 8 Uhr Pioniere in Ingolstadt Tbails-Theater 8 Uhr Oelrausch Staat!. Sdiüier-ni. 8 Uhr Zaungäste Stoaisoper am Plan derHepnbllR 7i.j Jtv Don Giovanni S'i, Theai»r am Srhiffbaaerdamm. Morden IUI n. AI Pioniere in ingcistadt (Soldaten u Dienstmädchen) Herder, lunln, lorre. RruR, Uoermaoo, Slßsscl u. a. 8 Uhr B 5 Barbarossa 9256 Heute letzter Tag'. GROCK and das fjrofje April- Programm Um K«-*'1»«' Pj,,. Alex. 8066-63 Tägl.Su.O15: Intern.Varieta Morgen Premiere des grandiosen Mal-Programms Vorverkauf siets tllr die laufende Woche inkl Sonntag Samowsky- Bahnen Theatsr m der KOniggrätzsr StraBe Täglich SV» Uh' Riva I en Komödienhaus räsllch S1'« Uhr Ctiarleys Tante mit Curt Bols. Lessing-Tlieater Täglich 8",» Uhr „Dte Frau des Andern" Otsch. KQnstler-Th. W* Uhr Prosit Glpsy Opcettev Gilbert Emmy Sturm Fritr Schulz Deotsdiei Tlieater 0. t. Norden 12 310 8 Uhr, Ende nach 10 Paulus unter den Juden Dramat Legend vonFranz werfel Regie: Kart-Bsiu Kartla. Die Komödie I Li smck. 2414/7810 8V( U.. Erde geg. 10 istzie ianSDronosB! wann kommst Du wieder? Freitag, den 3. Mai 7V, Uhr DeoUdKUranl�OtraBO Der Vann, der sei. m len lad 3 Akte von Edgar Waitsce Bearb.v.Hans Roihe Kammersplele J. I. Norden 123)0 SV» U- Ende geg. 10 lauie Aonairaagn! Jusik von Ossip Oymqw. Regie: HelnzHilpert Donnerstag, 2. Mai ;Vs Unr Zum 1 Male Autgang nurtdr Herrschanen Kleine Komfidie vonSiegfried Geyer (ileipes Tlieattr Täglich SV« Uhr Nafi ootr drodten nadi dem AmerTbniscfaen von Frank Green, Musikalische lllust Fr. Holländer. Regie; Fr.FrlBdmaM PrederidL Planetarmm — am Zoo ftninj Judtimilulff itrel- Noll. 1878 I6V< Uhr Stemkimmol des FrOhlahrs 18'/. Uhr Sternbilder und Wnltbau 20V. Uhr Wunder den tödlichen Hininnln Tägl. außer Montags u. Mittw Erwachs. 1 Mk„ Kinder 50 PL Mittw.: Erwachsene 50 PL. Kinder 25 Pf. 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SCHAUSPIELHAUS 0 Künstlerische Leitung: Erik Cbarell firs/fffe Witwe Trude Hesterberg Oskar Kar] weis Janlrutm, Glleot, Junkerznanrtg ßchaefferg. Set Hebe tfegustm Alfred Br. un Nady Christians, Liest n, Arno, Morgan, Wextermeler. Uatznnr. Elccdra»! Lastspieihias 8'/. Uhr Guido Tbielstlier Weekend im Paradies Tlialla-flieaier Drastsnir Str. 72-73. 8 Uhr Oelrausch" ir: .ose-Theater I Gr. Trankt. SL 132 ".» Uhr Dorine iund der Zufa I Tbeaf. d. Westens 8V« Uhr R8tl Dona, Kammert>3flgei ZlOfllCI in Friederilie Musik von L(b* Rennen zu ttrausbero Dienstas, den 3 April nachuLttags 3 Ohr. Der angekündigte i Radio- Ai»iBar für Händter, Pr.vate und Bastler Konknrsvcrw aller Wnndcrlich. Seriinei M\i\ UlrekLHemz Herald Cnarloiiensiraile 9» A. 7. Dönhost 170 8 Uhr, Ende 10 Uhr Täglich Die fünf Frsokicrter von Carl Rössier Regie. EooenBobert Trianon-Th. laglich&'/« Uhr "Dax süße Geheimnis Operette von Zorlig Rundtunk höre r halbe Preise 7!r. 200» 46. Jahrgang Dienstag. 30. April �929 Kampf um modernes Girafrecht. Landsberg in der Zreien(Sozialistischen Hochschule. In der Freien Soziali st ischen Hochschule sprach Reichstagsabgeordneter Genosse Landsberg über das Thema «Kampf um modernes Strafrech t". Genosse Landsberg wies zunächst auf die historische Entstehung des Strafrechts hm: Das S t r a f r c ch t ist entstanden aus dem menschlichen Bedürfnis nach Rache. Schon die Der- drängung des Rachegedaniens durch den Gedanken der Ab- s ch r« ik u n g bedeutet einen Fortschritt. Heute beherrscht die Ab- schreckungstheorie trotz des Erweises ihrer Unbrauchbarkeit noch den gröhten Teil des Strafrechts. Auf den beiden Gedanken der Der- geltung und der Abschreckung baut sich auch nach dos Preußische Strafgesetzbuch von 1831 auf, das 187l zum Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches wurde. Der Gedanke der sozialen Wertung des Verbrechen» war der damaligen Zeit noch völlig fremd. Die Todesstrafe fehlt natürlich in diesem Strafrecht nicht. Diele Verbrechen mußten, gleichviel unter welchen Umständen begangen, mit Zuchthaus bc- straft werden. Und wie sah der Strafvollzug im Obrigkeits- staat aus? Eine Zuchthausstrafe von mehr als einem Jahre rief in der Regel bei dem Verurteilten schwere seelisch« und körperliche Schädigung hervor. Die Reichskriminalstatistik, die 1881 eingeführt wurde, bewies, daß bei gewissen Straftaten, auf die die Abschreckung in stärkstem Maß« in Anwendung kam, das Strafrecht sich als völlig untauglich erwies: Die Zahl der„Verbrecher" dieser Art, der D o r b e st r a f- tcn, für die sich die Straf« automatisch steigerte, stieg unaufhörlich. In derselben Zeit machte sich im Wirtschaftsleben merkwür- digerweise die Auffassung geltend, daß der Staat sich möglichst wenig in die Wirtschaft einzumischen habe, daß er z. B. keine Arbeiter- schutzbestimmungen erlassen dürfe. Gegen diese Auffassung bildete sich ein Bündnis zwischen Ar- beiterschast und moderner Wirtschastswissenschast. Dieses Bündnis hat heute den Sieg errungen. Auch das Strafrecht könnte sich diesem Einfluß nicht entziehen, und aus der sozialistischen Erkenntnis, daß für alle gesellschaftlichen Erscheinungen gesellschaftliche Ursachen existieren, entstand die moderne Strafrechtsschule. Im Obrigkeitsstaat errang die moderne Auffassung nur gering- fügige Erfolge. Jedes Vergehen und Derbrechen mußte bestraft werden. Seit 1924 besteht die von dem Sozialdemokraten Rad- b r u ch ausgearbeitete Vorschrift, daß Vergehen und Verbrechen der Verfolgung dann nicht unterliegen, wenn der angerichtete Schaden geringfügig ist, daß Geldstrofen an Stelle der crfahrungs- gemäß moralisch abstufenden Freiheitsstrofen treten können, wenn der Strafzweck auch durch diese erfüllt wird. Das Recht des Gnadenerlasses ist durch das System der vom Richter zu bewilli- genden Strafaussetzung sehr erweitert worden. Außerdem wurde von dem Recht des-Gnadenerlasses in der Republik viel weitgehender Gebrauch gemaäst als früher. Di« Republik erließ außerdem fünf weitgehende Amnestien. Der Strafvollzug wurde modernisiert nach dem Grund- satz, daß der Bestrafte zur Gesundung geführt werden soll. Die bisherigen Neuerungen behält der jetzt in Beratung stehende Straf- gesetzentwurf bei, er erweitert sie noch, wieviel an ihm a»ch noch nicht zufrisdenstellend aussehen möge. Der Richter muß jetzt den Täter, nicht die Tat beurteilen. Die Nebenstrafen des Verlustes der bürgerlichen Ehrenrechte, die Mindeststrafen fallen fast ganz weg. mildernde Umstände bei allen Strafen werden eingeführt. Die Strafmündigkeit, die die Re- publik bereits von 12 auf 14 Jahre heraufgesetzt hat, wird wahr- scheinlich noch weiter erhöht. Der Begriff der geminderten Zu- rechnungsfähigkeit, den das bisherige Strafrecht nicht konnte, wird als strafmildernder Umstand neu eingeführt. Bei geringfügigen Vergehen kann der Richter bei Feststellung der Strafwürdigkeit den Verzicht auf Bestrafung aussprechen. Dem Strasgesetzentwurf wird ein Strafoollzugsgesetz beiIefügt, das die Strafvollstreckung völlig auf den Gedanken der Besserung des Verurteilten einstellt. Der neue Strafgesetzentwurf ist in vielem unbefriedigend. Schlimm sind besonders die politischen Delikte geregelt. Ueberall herrscht die Tendenz zur Erhaltung oder gar Verschärfung der alten totrafbestimmnngen. Das liegt daran, daß noch viel zu viel alt« Beamte an den entscheidenden Stellen sitzen, weil sie als Fachleute unentbehrlich sind. Nicht allein aber die Reform der Gesetze ist notwendig, son- dern die Reform des Beamtenhceres, das die Strafbestimmungen durchführt. Von diesem Standpunkt aus ist die neue Bestimmung über die Sicherheitsverwahrung, die vom Richter über krankhaft« Gewohnheitsverbrecher verhängt werden kann, äußerst bedenklich. In den Händen von ungeeigneten Richtern kann diese Bestimmung zur größten Gefahr werden. Wir brauchen Richter, Staatsanwälte und Vollzugsbeamte, die soziales Verständnis haben, die nicht strafen und niedertreten wollen, und für das Vorhandensein solcher Beamten ist noch keine Garantie vorhanden. Zum Teil hat das englische Sprichwort recht:„Menschen, nicht Maß- nahmen" brauchen wir! In einem märkischen Zagdhaus. Die Qualen einer gelähmten Förstersfrau. Die entsetzlichen Leiden einer gelähmten Försters- g a t l i n kamen gestern vor der Potsdamer Straf- k a m m e r zur Sprache. Angeklagt ist der 53jährige Revier- sörster Hermann Freitag aus R e n h ü t t e bei velzig, früher im Jagdhaus Borne bei Belzig. Er war vom Amtsgericht Belzig wegen Widerftoirdes gegen die Staatsgewalt zu einem Monat Gefängnis verurteilt und hatte Berufung eingelegt. Eines Tages erstattet« die in Berlin lebende Tochter des Angeklagten bei den, Landrat in Belzig Anzeig«, daß ihr Voter ihre gelähmte Mutter feit Monaten in einem m e n s ch« n- unwürdigen Zustand im Forsthause Borne liegen lieh«. Zwei Fürsorgeschwestern wurden entsaudt und fanden eine im Keller liegende Wohnung total verschmutzt vor. Der Angeklagte war vorher wegen Verfehlungen fristlos von dem Iagdpächter e n t- lassen worden. Dos Zimmer, in dein die Gelähmte lag, bot einen grauenhaften Anblick. Die Fenster waren mit Lumpen ver- stopft, die Luft war entsetzlich. Auf einer vollständig durchnäßten und bereits verfaulten Matratze lag die kranke Gelähmte, ihr Körper war mit S ch m u tz k r u st e n bedeckt, das Lager bestand nach dem amtlichen Bericht der Schwestern aus schwarzen stinkenden Lumpen, die Leibwäsche hing dreckig und zerfetzt um den Körper. Die Kranke erzählte den Fürsorgeschwestern, daß Maden und Flöh« ihr furchtbar zugesetzt hätten. Das Kckeiswohlfahrtsamt und der zuständige Kreisarzt aus Belzig ordneten darauf die Ueber- führung der Kranken in das Krankenhaus Treuenbrietzen an. Da der Angeklagt« als äußerst gewalttätig bekannt ist, wurde zum Transport außer den beiden Schwestern dem Krankenwagen ein Oberlandjäger nntgegebcn. Als diese Personen im Jagdhaus er- schienen, versperrt« ihnen der Angeklagte den Eintritt. Beim Ausladen der Kranken schrie der Förster wie besessen:„Meine Frau kommt nicht fort, und wenn alles in Trümmer geht." Im Kranken- zimmer spielten sich wüst« Szenen ab, wobei der Angeklagte nach seinem Revolver griff und den Beamten vor die Brust stieß, so daß dieser taumelte. Auch zwei Söhne des Försters eilten auf den Ober- dach Xondon: (Berediügte Ueberseizimg von Erwin Magnus). „Ihr meint vielleicht, daß ich das Trinken nicht mehr gewohnt bin?" fragte Daylight.„Ich Hab' nicht ein Glas getrunken, nicht einen Tanz getanzt, nicht eine Seele gesehen in den zwei Monaten, was? Geht ihr nur zu Bett. Ich wecke euch schon um fünf." Und die ganze Nacht tanzte er auf Strümpfen, und als er um fünf Uhr an die Tür seiner neuen Kameraden donnerte, konnten sie ihn das Lied singen hören, dem er seinen Namen verdankte: „Das Himmelslicht brennt, ihr Glücksritter vom Stewart- River! Das Himmelslicht brennt! Burning Daylight! Bur- ning Daylight" Diesmal ging die Reife leichter. Der Weg war besser gebahnt, sie hatten keine Post zu fahren und mehr Zeit. Die Tagesreisen waren kürzer und der Arbeitstag auch. Auf seiner Postfahrt halte Daylight die Indianer zuschanden ge- fahren, aber seine jetzigen Kameraden wußten, daß sie sich nicht überanstrengen durften, weil es doch genug zu tun gab, wenn sie am Stewart angekommen waren, und reisten daher langsam. Während die Reise aber seine Kameraden er- müdete, erholte Daylight sich und ruhte sich aus. In Forty Mile blieben sie der Hunde wegen zwei Tage, und in Sirty Mile ließen sie Daylights Gespann beim Kaufmann zurück. Im Gegensatz zu ihrem Herrn waren die Lzunde durch die wahnsinnige Fahrt von Selkirk nach Circle City furchtbar mitgenommen und hatten auf der Rückreise keine frischen Kräfte sammeln können. So fuhren die vier Männer von Sixty Mile mit einem frischen Gespann vor Daylights Schlitten weiter. In der folgenden Nacht lagerten sie auf der Inselgruppe in der Mündung des Stewart. Daylight redete von Baugründen, und obgleich die anderen ihn auslachten, steckte er dennoch dies ganze Labyrinth hoher bewaldeter Inseln ab. �„Wenn nun der große Goldfund gerade hier am Stewart emacht wird," schloß er.„Vielleicht seid ihr mit dabei, ungens, vielleicht auch nicht. Aber ich will jedenfalls mit dabei sein. Ueberlegt es euch lieber und macht es wie ich." Aber sie wollten nicht hören. „Du bist gerade so verrückt wie Harper und Joe Ladue," sagte Joe Hines.„Die machen das immer so. Du kennst doch die große Ebene unten am Klondike, bei der Moose- hidequelle? Schön. Der Registrator vom Forty Mile hat mir erzählt, daß sie vor kaum einem Monat abgesteckt haben — die Harper-und-Ladueschen Grundstücke. Ha! Ha! Ha!" Elijah und Finn fielen in sein Lachen«in. Aber Daylight blieb ernst. „Da habt ihr's!" rief er.„Da ist eine Chance! Sie liegt in der Luft, sag' ich euch. Wozu sollten sie die große Ebene abstecken, wenn sie nicht selbst daran glaubten? Ich wollte, ich hätte es getan." Das Bedauern in seiner Stimme erregte wieder schal- lendes Gelächter. „Lacht nur, Iungens! Lacht nur! Ihr meint, die einzige Art, sein Glück zu machen, sei Gold zu graben. Aber das sag' ich euch, wenn der große Fund kommt, dann habt ihr ver- flucht wenig von eurer Buddelei. Ihr lacht, wenn man Quecksilber in die Büchsen tut, und meint, daß Gott in seiner Allmacht den Goldstaub nur erschaffen habe, um Verrückte und Chechaquos zu narren. Ihr nehmt nur den gröbsten Goldstaub mit. und die Hälfte laßt ihr im Schutt stecken, den ihr wegschmeißt. Aber den Hauptgewinn ziehen die Männer, die den Boden abstecken, die Handelskompanien organisieren und Banken günden—" Hier unterbrach ihn wieder schallendes Gelächter. Banken in Alaska! Der Gedanke war zum Schreien. ...Ja. und dann fehlt nur noch die Börse—" Wieder wanden sie sich vor Lachen. Joe Hines wälzte sich in seinem Schlafsack und hielt sich die Seiten. „Und hinterher werden die großen Minengauner kommen und die Landstrecken aufkaufen, wo ihr wie die Hühner im Sand gescharrt habt, und sie werden im Sommer mit hydraulischen Motoren arbeiten und im Winter mit Dampf auftauen—" Mit Dampf auftauen! Das war die Höhe. Daylight hatte schon manchen guten Einfall gehabt, aber heute über- traf er sich selbst. Auftauen mit Dampf— wo selbst das Auftauen mit Feuer noch ein unerprobtes Experiment,«in Luftgebilde war!..___ landjäger zu, dem nun nichts anderes übrig blieb, als fein« Hieb- Masse zu ziehen und die Pistole schnßsertig zu mache». Die Gelähmte sah alle? mit an und dankte mit Blicken ihren Befreiern, die dann endlich die Kranke nach einem Ringkampf zum Krankenwogen schaffen kannten. Vierzehn Tage später erlöste sie der Tod. Die Strafkammer stellte sich auf den Standpunkt, daß die für- forgerische Maßnahme notwendig geworden war, da in dem Kranken- zimmer menschenunwürdige Zustände geherrscht haben. Die Berufung wurde verworfen. Hochbahnunglück in New �ork. Etwa fünfzig Opfer. N e w Y o r k, 2S. April. In dem Stadtteil Bronx fuhr heute ein vollbesetzter Expreßzug der Untergrundba hn, aus schweren Stahlwaggons bestehend, in voller Fahrt auf einen vor ihm haltenden Hochbahnzug, der aus lcichtgebauten Holzwagen zusammengestellt war. Bei dem Zusammenstoß, der an einer Stelle erfolgte, wo die Untergrundschnellbahn die Gleise der Hochbahn benutzt, wurden drei Personen getötet und etwa vierzig verletzt. Unter den Insassen entstand eine ungeheure Panik, die noch dadurch gesteigert wurde, daß die überfüllten Wagen des Hochbahnzuges in Brand gerieten. Durch das Feuer wurden die R e t t u n g s- arbeiten stark behindert. Zahlreiche Frauen und Mädchen wurden verletzt bei den Versuchen, sich aus den nicht zerstörten Wagen herauszuarbeiten. Brand in der Wuhlheide. 20 Morgen in Flammen. von einem gefährlichen Waldbrand wurde gestern uachmiiiag die w u h l h e i de heimgesucht. Eine große Zahl von Löschzügen war mit der Bekämpfung des Feuers, das etwa 20 Morgen Heide- und Baumbestand erfaßt hatte, stundenlang beschäsligl. Der Brand, der in ganz kurzer Zeit so große Ausdehnung ge- Winnen konnte, ist vermutlich durch die Unachtsamkeit eines Spaziergängers, der einen glimmenden Zigarrenstummel achtlos bei- feite geworfen hat, entstanden. Kurz vor!42 Uhr nachmittags stieg aus dem Heidegelände am Friedhof in der Nähe der Rathenau- straße ein« Rauchwolke empor, die in wenigen Minuten zu g c- wattiger Größe anwuchs. Die Heide brannte, und der heftige Wind trieb die Flammen, die an Unterholz und trockenem Gras reiche Nahrung fanden, auf eine 12 Morgen große Kiefernschonung mit siebenjährigem Baumbestand zu. Als auf den Alarm zunächst zwei Züge der Feuerwehr anrückten, hatte der Brand bereits die ganzeSchonung erfaßt. Vier weitere Löschzüge mußten daraufhin herangezogen werden. Durch Wasser- geben aus fünf Schlauchleitungen und Aufwerfen von Gräben komttc der Brand abgelöscht werden. Der Schaden ist sehr erheblich. Der Waldbrand gibt erneut Veranlassung aus die Gefahren hin- zuweisen, die durch fahrlässige Unachtsamkeit verursacht werden können. Zum-I.Mai. Arbeiisruhe für alle. Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke halten am 1. Mai in ihren Bureaus nur einen R o t b e t r i e b aufrecht. Die Konsumenten werden deshalb gebeten, diese Werke nur in den d r i n g e n d st c n Fällen aufzusuchen, um jede Ueberlastung der Angestellten zu oermeiden. Uebcrhaupt soll jeder soviel Selbst- disziplin üben, um am 1. Mai wie an einem gesetzlichen Feiertag jedem öffentlichen Angestellten und Beamten möglichst die A r b e i t s- ru h e zu gestatten. „Lacht nur, ihr Schlauköpfe, lacht nur! Euch werden schon die Augen aufgehen. Ihr seid dumm wie neugeborene Katzen. Ich sage euch, wenn der Goldfund in Klondike kommt, dann sind Harper und Ladue Millionäre. Und wenn er am Stewart kommt, dann sollt ihr sehen, was Elam Harnish' Grundstücke wert sind. Dann steht ihr mit langen Gesichtern da..." Er seufzte resigniert.„Ja, und dann muß ich euch noch ein bißchen Proviant und Suppe abgeben." Daylight hatte Phantasie. Sein Horizont war begrenzt, aber was er sah, sah er groß. Seine Gedanken waren wohl- geordnet, seine Einbildungskraft praktisch, und er träumte nie ins Blaue hinein. Wenn er in seiner Phantasie eine große Stadt auf einer bewaldeten, schneebedeckten Ebene sah, so setzte er zuerst den Goldfund voraus, der diese Stadt ermöglichte, und dann richtete er sein Augenmerk auf die Mög- lichkeit, Anlegestellen für Dampfer, Sägewerke und Waren- Häuser, kurz alles, was für eine Minenstadt im hohen Norden erforderlich war, zu schaffen. Aber das war doch nur gleich- sam die Voraussetzung für noch größeres:«in Spielfeld für fein Temperament. Alle Möglichkeiten schwärmten durch die Straßen und Gebäude seiner Traumstodt. Sie war ein Spiel- tisch im großen. Die Grenzen waren der Himmel, das Land im Süden auf der einen und das Nordlicht auf der anderen Seite. Es mußte ein großes Spiel werden, größer als alle, die ein Mann am Zukon sich je hatte träumen lassen, und er. Burning Daylight, wollte schon dafür sorgen, daß er mit dabei war. Vorläufig hatte er jedoch nichts Greifbares, es war mrr Gefühlssache. Aber es kam schon noch. Wie er seine letzte Unze auf eine gute Pokerkarte setzte, so setzte er Leben und Kräfte auf diese Chance des großen Goldfundes am Upper- River. Und darum kämpften er und feine drei Kameraden sich mit Hunden und Schlitten über den gefrorenen Busen des Stewarts hinauf, und weiter und immer weiter durch die weiße Wüste, deren unendliche Stille noch nie von mensch- lichen Stimmen, von Axthieben oder dem fernen Knall einer Büchse durchbrochen war. Sie waren die einzigen, die sich durch diese unendliche gefrorene Stille bewegten, winzige Menschlein, die ihr Maß von Meilen täglich dahinkrochen. das Eis schmähen, um Trinkwasser zu erhalten, und naästs im Schnee ihr Lager aufschlugen, während ihre Wolfshunde als reifbedeckte haarige Klumpen dalagen und die acht Schneeschuhe aufrecht neben den Schlitten im Schnee steckten. (Fortsetzung folgt.) « Man erwariet die Wochenendler! Eine Erkundungsfahrt durch märkische Wandergebiete. Der Wochenendausschuß Groß-Verlin veranstaltete am vergangenen Sonntag unter Leitung seines Aorsitzenden, Chefredakteur Karl Vetter, eine gemeinschaftliche Ausfahrt mit Vertretern Berliner kommunaler Behörden, der Berliner Verkehrs-A.-G., der Reichsbahndirektion Berlin und der Berliner Presse in die Mark. Dia Fahrt ging in den modern ausgestatteten Ausflugsomnibussen der Verkehrs-A.-G. vonstatten und führte auf den wohlgepslegten Kreischausseen der 5kreise Osthavelland und Ruppin durch die märkischen Städte Neu-Ruppin, Rheinsberg, Fürsten- berg(dies bereits iu Mecklenburg) und Gransee. Ueberall murden die Teilnehmer von den Bürgermeistern, ihren Stadträten und Beigeordneten ungemein liebenswürdig und herzlich begrüßt. Ueberall wurde von diesen durchaus modern eingestellten städtischen Führern die freudige Bereitwilligkeit betont, Berliner Touristen, Wanderer, Heimatfreunde und Wochen- endler auszunehmen. Man versäumte auch nicht, den Berliner Gästen die besonderen Schönheiten von Stadt und Land zu zeigen. Neu-Ruppin verfügt über einen prachtvollen See, der in das köstliche Wandergebiet der Ruppiner Schweiz geleitet. Rheinsberg ist und bleibt mit Schloß und Park historisch b«° nchtenstpert, während der schöne Grienericksee und die herrlichen Wälder der Boberow, die ihn umgeben, einzigartige Wochenendziel« sind. Di« Stadt hat ein großartiges Seebad erbaut. F ü r st« n» berg wieder hat prächtige Seen. Von hier aus kommt man in köstlichen Wanderungen zu der Mecklenburger Seenplatte. Gr a n s c e endlich wird in zwei bis drei Wochen ein Obstblütenparadies sein und besitzt schöne Bergwälder. Hier in Gransse sahen wir drei statt- lich« Ziegeleien mit der weithin leuchtenden Schvist: Ziegelelen der Stadt Berlin. In diesen drei stadteigenen Betrieben hat Berlin das wertvolle Erbgut Übernommen, das ihm einst da» selb- ständige Neukölln als Folge weitschauender Kommunalpolitik mitgebracht hat. Mit ein paar Dutzend solcher städtischen Ziegeleien könnte Berlin die Mauersteinpreis« senken und kontrollieren und die Neubauten erheblich billiger gestalten. Es wäre mm sehr zu begrüßen, wenn die märtischen Hotel, und Ga st haus- besitze? einmal eine Kollettiverklärung abgeben würden, aus der die Berliner entnehmen können, daß man sich dort in der Provinz bemühen wende, der allgemein herabgesetzten Lebensführung unseres Volkes gerecht zu werden und die Zimmer, und Berpflegungspreise in erträglichen Grenzen zu halten. Eine besondere Freude kann man den Motorfahrern, Radlern und Autlern durch die Mitteilung machen, daß sich die Chausseen fast durchgängig in vorzüglicher Be- schaifenheit befinden. Auf den Fortsetzungen der großen Ausfall- stvaßen sollte man jodoch endlich zum Einzug der heute überflüssigen Sommerwog« und dafür zur Anlag« von Radfahrer, und Fußgänger st reifen kommen, das letzte auch besonders in Rücksicht auf die Landbewohner. Die Fahrt hinterließ den besten Eindruck und wird den Wochen- endausschuß zu neuen Bemühungen spornen— im Interefle der erholungsbedürftigen Weltstadtbevölkerung. Erfolg wird der Arbeit des Ausschusses aber nur beschieden sein, wenn mit ihm auch die großen Angestelltenorgonisationen unermüdlich und mit allem Noch- druck für früheren Sonnabendschluß arbeiten und wenn die Herren Chefs des Einzelhandels und der Warenhäuser sich nicht länger den Forderungen der Zeit verschließen. Die Sätze der Krankenhäuser. Der Magistrat hat herausgerechnet, wie weil in den städtischen Krankenhäusern, in den Heil- und Pslogeanstotten(früher«Ärren» Häuser' genannt) und in den Hospitälern die zurzeit gelten- den Kurkostensätze hinter den Selbsttosten der An st alten zurückbleiben. Er ermittelt«, daß bei Zu- grundelegung der von ihm errechneten Selbstkosten vom Januar 1928 die im Jahre 192S erhobenen Kurtostensätze in den Kranken- Häusern SS Prozent, in den Heil- und Pslegeanstalten SS Prozent, in den Hospitälern annähernd 80 Prozent der Selbstkosten deckten. Hiernach will der Magistrat in den städtischen Krankenhäusern kiinstig, wie vor dem Kriege, zwei Drittel der Selb st- kosten als Kurtostensätze fest setzen und erheben. Die Berbände der Kran kenk offen aber, mit denen auf dieser Grundlage verhandelt wurde, haben die Kurkostenechöhung ab° gelehnt mit der Begründung, daß die Kassen wegen der be- sonderen Aufwendungen der Grippezeit erhöhte Pflegesätze nicht zahlen können. Zu dieser Angelegenheit wird die S t a d t v e r- o rd n« t e n v« r samm l u ng nächstens Stellung zu nehmen lxrden, da der Magistrat ihre Zustimmung einholen muß. Geplant ist, den Kurtostensatz zu crfstihen in den Krankenhäusern von ö Mark ouf SBO Mark, in den Heil- und Pslegeanstalten von 5.20 Mark auf 6,10 Mark, in den Hospitälern von 3,50 Mark auf 4,40 Mark. Der übliche Kommunistenunfug. Gestern abend mußte wieder eine größer« Zahl tommu- nisti scher Demonstranten von der Polizei zwangsgestellt werden. Am Potsdamer Platz wurde ein etwa 200 Personen starker Zug aufgelöst. Dabei wurde ein Pollzeibeamter zu Boden geschlagen und am Kopf verletzt. Sechs der Rädelsführer wurden fest genommen. Auch vor dem Aorwärtegebäude»er» suchte ein kommunistischer Haufen einen„Demonstrationszug' zu bilden. Die Polizei trieb die Moskaujünger, hauptsächlich Halb- wüchsige, schnell und reibungslos auseinander. In Neukölln am Richardplatz demonstrierten tommunistische Hosenmätze des Iungspartatus. Beim Erscheinen der Polizei zerstob die jugendlich« Schar, sechs„Führer' tonnten noch festgenommen werden. Professor Einsteins Geburtstagsgeschenk« Zu dem Plan des Magistrat», den setzt fünfzigjährig gayorde- «en Professor Einstein durch ein Geburtstagsgeschenk der Stadt Bertin zu ehren, wird nun die Stadtveroihnetenversammlung sich äußern. Der Magistrat will ihm ein Grundstück schenken und hat nach Rücksprache mit Einstein und seiner Gattin sich für das in Caputh schön an der' Havel gelegene Grundstück Wald- st r a ß e 7 und 8 entschieden. Die Kosten des Grundstücks, das die Stadt erst noch kaufen muh, sowie die Grunderwerbssteuer und die Aufwendungen für gärtnerische Anlogen werden sich auf zusammen 20 000 M. belaufen. Der Magistrat ersucht die Stadtverordneten um Zustimmung und um Bewilligung der erforderlichen Mittel. Einstein will auf dem Grundstück ein Landhaus errichten. Die Baukosten wird er selber decken. Wieder Selbstmord einer Jugendliche«. Erst gestern mußten wir von dem Freitod zweier jugendlicher, knapp 17jährig«r Menschen berichten, schon wieder hat«in sech. zehnjähriges Mädchen, eine junge Arbeiterin, gestern Hand an sich gelegt. In der Wohnung ihrer Ellern in der S t r a l- fu nd er Straß« dreht» das lsbensmüd« Mädchen sämtlich« Sashähn« In der Küche auf. Als die Mutter heimkehrt», fand sie ihr Kind tot auf. S runde sind nicht bekannt. Reichswerbewoche für den Mastschuh. Im Hinblick auf bie vom deutschen Schuhmacherhandwerck in den Tagen vom 1. bis 8. Mai 1329 veranstaltet« Reichswerbewoch« für den Maßschuh und die gute Schulsteparatur fand in Gegep- wart von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden ein Presse- empfang statt, bei dem das deutsche vchuhmacherhandwerk seine Er- zeugnisse und Leistungen der Oeffentlichkeit erneut ins Gedächtnis einprägen wollte. Die wirtschaftliche Reck, so wird ausgeführt, zwinge das Schuhmacherhandwerk, von sich aus durch Gemein- schaftsreName in die Oeffentlichkeit zu treten, um für den Absatz seiner Erzeugnisse neuen Boden und Gewinn zu suchen. Ein guter Buiüiesgenosse in diesem Kamps um die Wiederbelebung des Maß- schuhgedankens ist die Notwendigkeit der hygienischen Fußpflege.__ tfeue Opfer des JMstungswahnsinns. Fünf Arbeiter zerrissen. In der unter militärischer Verwaltung stehenden Tschecho- slowakischen Akliensabrik zur Erzeugung von Explosiv- stoffen ln Semlln bei Pardubitz explodierte ein Kessel, in dem aus Glyzerin Nitroglyzerin hergestellt wurde. Lei der Ex plosion kamen fünf Arbeiter ums Leben. Das hölzerne Gebäude, in dem die Explosion erfolgt«, wurde völlig zerstört. Die Fensterscheiben der übrigen Abteilungen der Fabrik wurden zertrümmert. Durch die Glassplitter wuvden IS Personen leicht verletzt. IOn«tei'krsiin«te- Haifeier Der Mercedespalast hat seine Zusage in letzter Minute zurückgezogen. Unsere Maifeier muß daher ausfallen. Prieieel. Hauch. Unheimliche Ziffern. (Sonntagsunfälle im amerikanischen Autoverkehr. Bei Autounfällen sind in New Jork am Sonntag im ganzen tl Personen getötet und etwa 20 Personen verletzt worden. Bei Newhamptonnewy würbe«in Automobil von einem Eifenbahnzug erfaßt und völlig zertrümmert. Hierbei wur- den neun Personen, darunter sieben Kinder, getötet. Bei einem gleichen Unfall in Indiana würben neun Personen getötet. Bei verschiedenen Autounfällen in der Umgebung New- Dorks sind neun Personen umgekommen. Gin Lastauto verunglückt! 2 Arbeiter tot, 11 verletzt. Gestern stieß ein Lastkraftwagen, mit dem kl Arbeiter aus Z d i k o v nach p r a g zur Arbeit fuhren, bei Groß- ttnchel- bad gegen einen starken Baum und überschlug flch dann. Ein Arbeiter wurde aus der Stelle getötet, elf weiter« wurden verletzt, davon sieben schwer. Einer der Schwerverlehlen ist inzwischen im Krankeahaus seinen Verletzungen erlegen. Der neue Rundfunkintendant. Der Letter de» Frankfurter Rundfunks. Dr. F losch, wurde dem Vernehmen nach vom Aufsichtsrat de» Bertiner Rundfunks zum Berliner Rundfunkintendanten gewählt. Die amtlich« B e- st ä t t g u n g hat noch durch den Kultusminister zu er, folgen. Eine Gtebelwaüd stürzt ein!'- Zwei Schweriner Kriminalbeamte waren gestern auf dem Gute Kurzen. Trechow bei Bötzow(Freistaat Mecklenburg) mit der Auftlärung einer Brandstiftung auf dem Gut« beaus- tragt. Bei«ingehender Bostchttgung der Brandstelle stürzte Plötz- lich eine Siebelwand ein und begrub den Kriminalkommissar Schröder aus Schwerin unter sich. Der Kommissar wurde auf der Stelle getötet. Sport, Rennen zu Mariendorf am Montag, dem 2g. April. 1. R e n n« n- t. l«. Langes Passer sKnipnadel st.), 2. Flaggenlied, Z. Max'muS. Toto: 50:10. Platz: 18, 13; 10. Ferner liefen: Pirn«, Lombardei, Einsiedler, Heideblume, Ludzina, Rintz. S. Rennen 1. A. Bollei Ilstickurg(ft MlllS), 2. Sir Driston, S. Hutschachtel. Toto: 43: 10. Platz: 16, U: 10. Ferner Uesen: Occasion, Oberamlmann, Galeasse, Hello», PrachtmädclS Tochter, Baron Duffy(al« S. bis. 80 Proz. Pl. zur>. *gg0f% mm Am Sonntag ein volkstümliches Orchesterkonzert, das nur den Fehlet hat. zu kurz zu sein. Zu den seltener gehörten Kompositionen zählt Dooräks sinfonische Dichtung„Das goldene Spinnrad', die die ganze weiche Melodienfülls des tschechischen Komponisten offenbart. Bruno Seidler. Winkser ist ein guter Interpret, der sich vor zu viel Lyrik bewahrt und immer etwas Herbheit durchklingen läßt. Auf das Konzert folgt eine Ab endunterhaltung mit Kasack und Fritta Brod, Musik wird auch dazu gemacht. Alles erscheint sehr kultiviert, aber die Veranstaltung ist trotzdem nicht für den Sonntagabend gesignet, ebensowenig wie Borträae, die man sonst zwischen Konzert und Tanzmusik einschallet. Hebung des kulturellen Niveaus bei den Programmen ist zu begrüßen, aber diese Geste kann manchmal auch unangebracht sein. Die größte Zahl der Hörer verlangt am Sonn- tagabend Musik, kein« problematische und kein« tragisch bedrückende. Da» volkstümlich« Orchesterkonzert weist die Richtung. Mag man an anderen Tagen experimentieren. In dem Zyklus„Gedanken zur Zeit' diskutieren Prof. Breidt und Dr. Adolf Damaschke da? Problem„Wohnung und Heimstätte". Ein glücklicher Gedanke der„Deutschen Welle", aktuelle Themen von verschiedenen Gesichtspunkten au» behandeln zu lassen, da dadurch eine Gewähr für Objekttvität gegeben wird. Was Hugo Spitzer am Montag über Komödien und Tragödien des Alltags erzähll, trägt feuilletonistischen Charakter. Es ist eine Anssnanderrsihung mehr oder minder gut geformter Ereignisse. eine unterhaltend« Plauderei ohne größere Perspektive. Der Wiener Dichter Felix Sollen liest am Nachmittag feine Novelle „Mizzi". Ein guter Sprecher, der niemals zu dramatisch betonte Akzente letzt. Di« Novelle selbst ist eine psychologisch gut fundierte Arbeit, die sprachlich und in der Zeichnung der Menschen beste Wiener Külwr zeigt. Der Abend steht im Zeichen Ungarns. Zu- erst lesen Renä« Kirschner und Viktor Schwärmet« heitere Dichtung ungarischer Autaren, die gerade für diese Dinge eine besonders glückliche Hand haben. Darunter ist ein witziger, außerordenstlch geistreich pointierter Dialog von Franz Molnär. Es folgt dann hie Konzertübertrogung aus Budapest im Rahmen des Jnternatio- nalen Programmaustausches. Das Ilonzert mit Werken bekannter ungarischer Komponisten wie Bartol, Hubay und andere,, ist durch. aus auf Repräsentatton moderner ungarischer Musik eingestellt. Es umfaßt ein Programm, das für Berlin eine Reih« pon Neu, heiten bringt. Ausgezeichnet auch die künstlerische Wiedergabe.?. 5. ?. Rennen. 1. Tizian($?. Mill«), 2. Planet, 3. Morgentau. Toten 15: 10. Platz: 12,16:10. Ferner lielcn: Goudster jr.(ohne Welten), Sir Caid, Lindowkind. Coro Bube, Dcweyphtne. ».Rennen. 1. Orsoy(I. Mills). 2. Ludysbip(Hm. Schleusnerr). 3.(iillt, Dillou(W. Preusler). Toio: 18:10. Platz: 12. 1«. 17. 22: 10. Ferner lies: Erst. Seehofer(4). Kasimir, Diana Magowan, Alpspitze, Ea» leere, Irrwisch, Roheserin, Meisterstück, Pirus, Cilcnlo, Erich J., Lindowgold(als 3. dis. 80 Proz. Platz zurück). 5. Rennen. 1. PeracampoS IGrohmann), 2. Albrecht Dürer(Lauß jr.), Nerv(ÄnKviiadel jr.). Toto: 10:10. Platz: 12, 13,10. Ferner liefen: Marone(4.). Mimose. 6. Nennen: 1. Lebenskänstler(Eh. Mills). 2. Anrnlf(®. Kauvper), 3. Kammerlänger(I. Knupper). Toto: 43:10. Platz: 40, 28: 10. Ferner liefen: Lindenwirltn I(4.), Manrico. Augias. 7. Rennen 1. Mephisto iE. Perk), 2. Herzog LouiS(F. Brandt), 3. Heini Duffh(K. Hellwig). Toto: 31:10. Platz: 12. 12. 15,12:10. Ferner liefen: Harsenmädchen(4.), Bronze, Annie Goudster, Noblesse, Ein- ficht, O'Ept. L-erberg, Regenbogen. Langemann. Heidemann, Eharadc, Esst, Hellinu. 8. R e n n e n. 1. Leuchte(Grotzmann), 2. Wille»(B. Heckert). 3. Nipp- suche(H. Schröder). NuSdagu Boy(4). Toto S?: 10. Platz: 47. 20. 24, 94: 10. Ferner liefen: Notwehr, Biedermann, Rosemarie, Nanu. Long Albert, Ouo padis, Nebelkuppe, Primadonna, Theolrat, Charlie M., Sc- lamlik, Fahrenbeit. 9. R e n n e n 1. Florian(Hm. Schleusner), 2. Per aspera(Grog- mann), 3. Good Boy(I. Frömmmg), Dichtung(4). Toto: 63: 10. Platz: 26,40,63,45:10. Ferner liefen: Terraria, Ida Palo», Kapitain Halle, Armenier, Baron Gabler, Ahdnl. Silver. Ouilte B., Cbampwn Goad, Baron Silvester, Turandot, griedr, Rex, Niederländer, Möglich, Gras Dorn. parieinachrichten fürGroß-Berlin Einsendungen für diese Rudrlk sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3, trt« an da» Bezirhsekntariat .Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. t. Kreis Tiergarten. Achtung, Maifeier! Die beauftragte» Senoffen der Ab» teilungen werden ersucht, sich am 1. Mai um 10 Uhr zur Ausschmückung des Sartene im Echiltzenhaus mit den Abicilungsfahnen einzufinden. I.»reis Wedding. Heute, Dienstag, 30. April, 19 Uhr, Sitzung des rr. wetterten Üreisvorstandes bei Wend«, Kolpnieftr. 147. Die Eintritts- karten zur Maifeier müssen unbedingt bi» 1, Mai im Lokal abgerechnet sei». Rachdem erfolgt keine Zurücknahme und die Karten müssen bezahlt werden. 6. ttrei« tzriedrlchshaia. Heut«, Dienstag, 80. April, Id>4 Uhr, in den Comeniusfälen, Wemeier Etr. 67, Nr-is-orstalwssitzuug mit allen Ab. t-ilungol-itern.- Freitag, 8. Mai, 16H Uhr, Bezirksversammlung ml Raihaus, Stabtoerordnetenfltzungssaal. Einlatzkarten ab 1»Vl Uhr beim Genosse» fsischer, Eingang Spandauer Stratze. 7.»reis Charlottcnburg. Freie Schulgemcinde. Freitag, 8. Mo:, lSV, Uhr, findet In der Aula der»«Iii, che» Schul«, Peftalozzistr. 40(zwischen der Wilmersdorfer und Naiser-Friedrich-Ttratze) eine Elternorriammlung statt. Stadtperordneter, Eenosf« Dr. ttawerau, spricht über:„Das Valksfchul. wefen Trotz, Berlins�. Anschlietzenh freie Aussprache. Ii.«reis Trepts«. Heute, Dienstag. 3«. April, 20 Uhr. i« Lslal.gn««>». sicdler", iu Zohannisthal. Kommunaler Vortragsabend,«ortrag:.Zugend» wohlfahet-(mit Filmvorführung). Referent: Stadtrat Pete». Heuke. Dienstag. 30. April:' O. Abt. Di« vtztrtswhrer rechnen die Maikarten bestimmt a» 1. Mai«ii dem«eno Ifen Lemnitz ab. Bi» dahin nicht abgegeben-«arte» gelten al« Dfdftnft. 18. Abt. 18 tis» Uhr Abrechnung der Matfeierbillett» vom Saalbau Fried. richshain, bei Burg, Prenzlauer Alle« 189.'.. 81.««.«harlottendnrg. 20 Uhr bei Lehmann,«Snigsweg I, FunkttsnSrsttzung. Morgen, Mittwoch. 1. Mai: 41. AN. Die Bezirksführer empfangen am Abend der Maifeier im vrpheum die Einladungen»ur ffeucrwachenbestchtigung. Weitergab« an die Mitglreder der Gruppen schnellstens erbeten. � Iß. Abt. Baumlchnlenweg. Am l. Ma: bleib«» selbstverstZndlich die«Inder unserer Genossen dem Schulunterricht fern. Am t. Mai, morgen» 7 Uhr, treffen stch die Genossen zwecks Anbringung von Plakaten vor dem Lokal «orgmann. Billett, für die um lSttz Uhr beginnend- F-i-r im Alte» Si-rhäu-chen sind noch bei den Bezirksführern und Heu» ttafsierer. Genossen lß.«?�fi>nchh-l��/e�?�wns�tt�gt sich geschlossen« Ht Malfei« in Pankow, Lokal Bürgergarten, � 16.«dt. D-nnerat-g, 8. Mal, WA Uhr. bei Busch, Tilsit er Sß. V. Sunk- tioniirsitzung. Wichtige Tagesordnung. IS., 40,, 41. Abt. Sonntag, 8. Mat. 10 Uhr, Bestchtignna de*«adernfte» Per. line« Feuer wache an der Stockholmer Str.», TeettJe»»« MO Uhr. Süd- «ingang de» RsrdfÜdbohnbof,. Allion«.«trotz«»-»-«Zlee 10 Uh»»ov de» Feuerwach«. gadr»erb:udung: RordfSdbahn bi, Retnicken. dorfer Stratze, Umsteige» in bi« 23 oder 43 an der Eck« Fennstratz«, Fahrt bi» Prinzenallee Ecke Ehristianiastratze. Arauenveranstaltungea. 8.>rei» strenzberg. Donnerstag, 8. Mai, 19 Uhr, bei Wolf, Sraefestr. 8», Funktisnarinnensttiung..... 34. Abt. Zehlendorf. Donnerstag, s, Mai. 20 Uhr, bei Schnorre, Potsdamer Stratze s. Vorirag:„SPD. und Wohnungsbauprogramm". Referent: Archi- tekt Otto Most. SPD�Genosi«» Im Bezirl-omt ktreuzbera. Rächst« Sitzung der, Betriebsfraktion am Donneretag, 2. Mai, 20 Uhr, bei Ewald, SlaOtzer 120. Tagesordnung: 1..«irtscholtÄrife und»lass-nl-wpf". t: Grnosie Scid-m-nn. 2.«uefproch». 3. Ritteilnngen. 4. Ber-' i Stratze Referent._, WWWDW g lchi ebenes. Bollzählig«, Erscheinen erwarte» Der Fraktionavorftand. Zungsozialisten. Lichtenberg. Heute, Di-nstag, 20 Uhr, im Jugendheim»unt-rstr. 44, Thema: Erziehungsfragen". Referentin: Anna Sartoch. Reinickendorf. Heute, Dienstag, WA Uhr, in der Aula ber».«»Nvfchule. ««inickendars-Weft. Augnstc.Pittoria.Sllr- 37, Werbekundgebuug. Referenten: «lf-rd He nie, M. d.». und San« Scigewasscr. Thema:„Pugend und Politik-. Rezitationen, Film». a. Besonder, die vpoetleriugead und chewerlfchaft». jugend wird um ihr Srcheinen gebeten. Grnpp« Tempelhos-Moei-ndoes, Heute. Dienntog., 80 Uhr, Im stugendhe:« Lnzeum Tempelhos, Germgniastr. 4—0(Eingang von de, Götzstraßei, Pottrag: Praktische Pspchowgie". Referentin: Genossin Eifa Paulsen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Renkllln. Dienstag, 80. April, Filmabend für Rote Fallen. Treffpunkt 1714 Uhr Bstschingplatz, 15 Pfennig mitbringen.— Freitag, 3. Mai, Rotcr-Falken-Abend im Jugendheim.— Sonntag, 3. Mai. Gruppenfahrt nach Eichrnalde, Treffpunkt 7Vi Uhr Landsberger Platz. Fahrtloften 40 Pf. Ende her Fahrt 19>� Uhr.— Eltern schickt die«Inder zur Gruppe Freundschaft. Tempelhef. Mittwoch, 1. Ma:, Treffpunkt zur Waiseie: Mi Uhr in Tempel. Hof, Dvrfstratz, und U-Bohnhof Flughafen. 15 Uhr«aiserin-Augustq-Stratze zur Maifeier her Partei. Geburtstage. Zubiläen usw. 80. Abt. Mariendorf. Unser Bezirissühre, Ril-lau» Schwach und seine Ehefra», Rathansstr.>S, feiern heute, Dienstag, ihm silbern« Hochzeit. Es gratuliert hechUchft die Abteilungoleitung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 17. Abt. Unser Genosse Joseph Hornauer. Samoastr. 11. Ist verstorben. Ehre feinem Andenken. Einäscherung heute, Dienstag, 30. April, IVA Uhr, im«rematorium Eerichtstratze. 82. Abt. Steglitz. Unser alter Genosse Konrad Drenzien ist verstorben. Seil 1895 war Genosse Grenzien Mitglied der Partei. Ehre seinem Andenken, Einiischerung heute, Dienstag, 30, April. 11 Uhr, im«rematorium Wilmersdorf. 92. Abi. Renkiilln. Arn 20. April verstarb nach schwerer«rankheit S«> nossin Auguste Zimmermann, die Lebensgefährtin uneres alte« Parteipete- ranen August Zimmermann, Weferstr. 47. Ehr» ihrem Andenken. Einäscherung heute, Dleuswg. 80. April, 1? Uhr, im«rematorium Baumschulenweg. weuerbericht der östeukiichen weUerdilustslelle Berlin und Umgegend (Nachdr. verd.). Zunächst noch wollig und lehr mild, mätzige südwestiicha Sind«.— jflt Deutschland: gm Osten sehr mild, in Milteldeutschland Äblühlung mit EewUIern;>m Westen viellach Regen M L. amvm dxstAi �9 dotk*£0*�1.1. AÄX4 rwMt fßixk,-ftsßö f fXfirtcL&! Uea�ulcJrC Sä, »vm, C&x£otß'! D SozialifiischeArbetterjugendGr.'Verlin kinsendungen für tiefe Tlatrfl nur m M Zu»e>itsefrel«rf«t > Berlin 62363, ttntenflraii J Heute. Dienstag. 30. April. 19Vs Uhr: »Llnifchei Pari: Seim Woisenste, lß. Tazeepnlitische Runtschnu,—»nfen. thalee•Borftcbl: Schule Slisadethiiechsrr. 19. SBoetraa;„Vorgänge in der Re- »OWll»«"""" feine Bl äitiiwü eira : Pelm vein -a>UU CLUItlll., f. Ofiiigiy.»flUl*»13. �c.LU( üjordilr. 11. catirifdjet-Jltent. Siidwefti Keim Lindenstr. 4. gunitiongr» konfeeenz. Hchönedeig 1, Keim Haupiftr, IS. Vortrag: �i. Mai, Weltfeier» im'.— SchZneberg Uli Selm Kauptftr. IS- Torlraz:„fficlifeierfog ier Ar beilerfchaft',— Westend! Keim Rasinenstr, 4. Maifeier.— Lichteefelde «llbtechiftt. 14».«liiSftottentlid)« M Wefllig: Heim Albrechtür. 47, Vo .! Heu» WWMWMWU pllnttiich M Ü»?. Z W.. irtraa:„Entstehung UNS Bedeutung der Mai» sei kr".— gehlendorf: Rordfchule, liehen zur Maifeier.—- Britz I: Rathau«. Ehaufseeftr. 48. Tagespolt tische fragen.— Stent ötln s: Keim Sander. Erle Hobrechtstraße. Lichtbilder:„Studienreise durch die Länder der sozialistischen Iugendinternationale".— Reulölln III! Heim sslngbafenstr. 88.„Rote Fallen." Steutöllu lV; Heim Schiertcstr. 44. Lortrag:„Warum Eewertschasteu?"— MentiMn Vi Heim Biihmische Str. 1-4. Vortrag:„Sozialismu« in der Familie". — StenlüIIn VI: Heim Treptower Str. SS— 86. Segnerabend um 18>.� Uhr.— Steutöllu ni: Schule tlaifer. Friedrich. Str. 308. Vortrag!„Das Wehrprohlem". — Riede rfchöneweide! Schule Berliner Str. Sl. Funttionärversammlung.— Reiuiilendors.Oft: Keim Lindauer Straße. Ukbungsabend.— Paulo« si Seim Kifsingenstr. 48. Fimmer Z. Vortrag:„Sommunalpolitit", Paulo» 11: Leim Sörfchstr. 14. Vortrag:„Bedeutung des 1, Rai. Buchholz, Schule Berliner Kir. 1». vlaßbrenncr.Abend. «erbebezirt Reulölln, Sprechchorprobe im«. F. R. um A Ubr. Alle chruppen mstssen erscheine». Reulölln: FunstionLrsitzung in der Bora je Kanzhoserstraße um sö Uhr�' Vorimge, Vereine uudVersammsungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Sefchälts stelle: Berlin S. 14. Sedastranstr. Z7/ZS, Kol! Tr. Sauoorstand. Dos Eaubureau bleibt am Mittwoch, l. Mai. gk. schlössen.- Dienstag, Z». April. Schönewrg.Friedenau. Ramerob. schast Friedenau. Ul, Uhr Nameradschastsoersammlung bei David, Born» straße S.«renzderg. 18 Uhr und leben weiteren Dienstag Sportabend auf dem Spielpiar. llaßbochstraße.«öpealck. 18 Uhr öandballtralning in.Hirlä.. garten. Zlnschließenj, Schutzfportversammlung im Wtlhelwshof.— Rlttwoch, l. Mai. Lichtenberg, f» den Mailuer.Nachmiiiagsveeanftaltungrn haben pch sämtliche Äumeraden restlos in ihren zuständigen Fcstlokalen zum Saalschutz einzufinden. Bunbeslleidung. � Donnerstag, Z. Mai. Wittenau. 20 Uhr außer. ordentlich- Mitgliederversammlung. Erscheinen auch der passiven Rollegen ist Pslicht.'Säste willtonwien._ Bereinigung her Freunde von Religio» und Böflersriede». Pfarrer August spricht am''—.»"».•-=— WWW Mrft!n-WW>W>WWWWWWW musikalisch umrahmt. Eintritt 80 Pfennig. Bleier spricht am Ivinmenden Dienotog,' in der FurstineBismarch8SchuIe Eharlottenbur«, Snbelstr. April, l»3n Uhr. zu eine« Maifeier S. Die Feier wird Peter Freuchen: Der Bklmo Hin Roman von de, Hudson-Bai Ganileinen Mk. 820 stein« Inhaltsangabe kann den ganzen Reichtum dieses Buches ausschöpfen, dem man nur die nesten Südsee- Geschichten fack Londons rui Seite stellen kann stein Buch hat in den letzten fahren die Schande unserer„Zivili sationsmethoden" so angeprangert. wie das Buch von Mals, dem Eskimo Der.Vomrllrt»*. satarl-veriag Berlin Zu beziehen durch SMzMW J.B.W.0ietz nadi!,, Berlin 8W.OS. Lindenstr, 2. � Verkäufe Rote Sellen, für Händler, billig. Lguierdach. Reulölln, Leykcstraße 17._ Linol»»«. Ezillat, Roloniestraß« i Vebsehler-Teppiche. Kleine Wedsehler tzx«]«,- Mar». »Sbel.«-»erli»e, Rc Schlafzimmer, Ruhebette Riesenauswohl. Spottpe erleichteeung. Raftanienallee 81. n. Metallbetten. ttpreise. kiahlungs. Unsere billineu Preise setzen Siegln Erstaunen. � Birle» Schlafzimmer. mit S Marli An ent» nWgfeWzat. �. zückende Frisiertoilette. 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B«lU-AlL'ance«tr. 6/ Untar den Lindas 12/13 Vertreten«» allen be�etttnndeaPlätsea« Das Hungergespenst in Rußland. Preiswucher blüht.— Hilflosigkeit des Gtaatsmonopols. Der Vorsitzende der Vollskommisiare R y t o w hat am 12. April auf dem Rätetongreß in Moskau bei der Erstattung des Regierung?- berichtes auf„die ungeheuren wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Krrseirerscheinungen, die das laufend« Jahr auszeichnen" hingewiesen, und er hat wörtlich ausgeführt: c „Es ist möglich, daß hier Klagen ertönen werden über den Brotmangel, unter dem verschiedene Bevölkerungsschichten zu leiden haben. Ich kann diese Frage nur dahin beantworten, dah wir in diesem Jahr« nicht in der Lage sind, allen Verbrauchern Brot in unbeschränkter Menge zu verschaffen. Das ist so ge- kommen, nicht etwa, weil wir es nicht vermögen, dos Getreide aus den Dörfern hervorzulocken, sondern, weil im Lande wenig Getreide produziert wird.„Eton. Schisn", Moskau. 13. April 1929. Diese Feststellung steht in striktem Widerspruch zu der wieder» holten Versicherung der Sowjetregierung, dah die Ernte 1928 im Durchschnitt befriedigend ausgefallen sei und dah der Staat, trotz der geographisch ungünstigeren Verteilung der Ernte auch die G e- treideanschafsung in dem übsichen Umfange vornehmen und die Brotversorgung der Bevölkerung zu staatlichen Richt- preisen sichern werde, wie in den letzten Iahren. In der Tat sieht auch der staatliche Wirtschaftsplan für d. I. 1928/29 eine Getreideanschaffung vor, die sich auf der Höh« de» Vorjahres bewegt und die zur Versorgung der Bevölkerung au»- gereicht hätte. Stimmt es, dah im Lande nicht genug Getreide vorhanden sei, dann erscheint es unerklärlich, wieso denn die Regierung bei der Aufstellung des Getreideanschoffungsplanes diese schwerwiegende Tatsache ignorieren konnte. Trifft es aber zu, wie die Regierung und die Regierungspresse bisher versicherten, daß im Lande Getreidevorräte zur ausreichen- den Versorgung der Bevölkerung da sind, dann beweist die ungemein ernste Getreide- und Brotkrise, dah das staatliche Getreidemonopol bereits durchlöchert ist, daß die Regierung nicht imstande ist, das verfügbare Getreide im nötigen Umfange anzuschaffen, was Rykow eben in Abrede stellte. Jedenfalls läßt sich die schwere Verantwortung, die der Sowjetregierung für die kriti sche Zuspitzung der Brot- Versorgung zufällt, nicht in so leichtfertiger Weise abtun, wie es das Staatsoberhaupt Rykow in dem Regierungsbericht versuchte. Das erkannten auch die Delegierten des Rätekongresies, die in der Aussprache und den an Rykow gerichteten Anfragen die Klagen über ihre Brotsorgen recht energisch vorbrachten. Rykow wurde dann auch im Schlußwort deutlicher und ließ durchlüicken, in welch kritischer Lage sich viele Mil- lionen der Landbevölkerung, die auf Getreideankaus angewiesen sind, sich bereits befinden. Bezugnehmend auf die schriftlichen Anfragen, die„schärfer formuliert wurden, als die mündlichen", führte Rykow aus: „In den Zetteln, die auf die Brotfrage sich beziehen, wird immer wieder die Frage nach den Ursachen unserer Schwierig- leiten aufgeworfen. Es wird darauf hingewiesen, daß es auf dem Lande um die Brotoersorgung schlecht bestellt ist, daß in den Dörfern Brot n> an gel empfunden würd. In einzelnen Gegenden wird in diesem Jahre der Brotbedarf der Bevölkerung nicht im ganzen Umfange befriedigt werden können. Es muß often gesagt werden, daß wir nicht in der Loge sind, aus den staatlichen Anschaffmigen den . Brotbedars der Gesamtbevölkerung zu decken." Bis vor kurzem hat die Sowjetregierung und die KPR. die Beherrschung des Getreidemarktes durch den Staat(bis etwa 73 Proz. der Warenumsätze), die stabilen, äußerst niedrigen Richt- preise für Getreide als eine der größten Errungen schaf- t e n der Sowjetwirtschaft gepriesen. Die gegenwärtigen lata- ftrophalen Zustände aus den russischen Getreidemärkten und die phantastische spekulative Preis st eigerung beweisen, daß der staatliche Getreideapparat die Herrschaft auf dem Getreide- markt und den preissenkenden Einfluß eingebüßt hat. Aber gerade die Jahre hindurch aufrechterhaltenen niedrigen Getreidepreise, die keineswegs wirtschaftliche, sondern ausgesprochen politische Preise waren, haben das gegenwärtige Ernährungsdrama der russischen Bevölkerung verursacht. Als der Widerstand der Bauern gegen die beispiellose Preisschere(enorm niedrige Getreidepreise bei sehr hohen Industriepreisen) sich steigerte und die Bauern die Getreidevorräte zurückhielten, griff die Sowjctregierung Ende 1927 zu Repressalien, die bis zur Enteignung und Einsperrung von Bauern gingen. Wenn gerade diejenigen Bauern, die mehr oder weniger als Getreidelieferanten in Betracht kommen, auf die aggressiv« Politik der Sowjetregierung durch Einschränkung der Anbau- fläche reagierten, so war das als Warnungszeichen deutlich genug, aber immerhin gab der Ernteertrag des Jahres 1928 keinen Anlaß zur Besorgnis hinsichtlich der Deckung des inländischen Bedarfes. Die offizielle Moskauer Zeitschrift„Ekonomitscheskoe Dbosreme" beurteilte die Lage dahin, daß„das Erntejahr 19 28 als das vierte Jahr mit befriedigender Ernte anzusehen ist. Da aber in den Gouvernements, wo der Anbau der t e ch- nischen Kulturen(Flachs, Hanf usw.) vorherrscht, die Ge- treidecrnte ungünstig ausgefallen ist, verwies die erwähnte Zeit- fchrift darauf, daß dem Staate die Aufgabe erwachse, die Bauern- beoölkerung dieser Gegenden mit staatlichem Brot in höherem Maße zu versorgen als im Vorjahre. Die Möglichkeit dazu war vom Standpunkte dieser R e g i e ru n g s z e i t s ch r i f t durch den Ausgang der Ernte durchaus gegeben. selbe Zeitschrift die schweren Mißgriff« des staatlichen Getreideappa- rotes, die ganz eigenartige Mißstände in der Brotversorgung gezeigt haben. Bezeichnend ist zunächst die Feststellung, dah die staatlichen Getreideanschafsungen im Halbjahr Iuli-Dezember 1928 erheblich höher waren als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, S,7 Will. Tonnen gegen 4,9 Mill. Tonnen. Inzwischen hat die Sowjetregierung den Brotverkous in den Städten durch Einführung der Brotkarten eingeschränkt und diese Maßnahm« war als Schutzwehr gegen die Bauern gerichtet, die aus Brotmangel auf dem Lande ihren Brotbedarf in den Städten deckten. Auf dem freien Markt waren die Getreide-, Mehl- und Brotpreise stets höher als die staatlichen Richtpreise, einer übermäßigen Steigerung der freien Preise war ober in den letzten Iahren dadurch ein Riegel vorgeschoben, daß der staatliche Getreide, und Mehlhandel durch sein Angebot keine preissteigernde Verknappung entstehen ließ. In diesem Wirtschaftsjahr, also ab 1. Oktober 1928, trat aber infolge der knappen Belieferung durch den swatlichen Großhandel, der sein« Vorräte in den größeren Städten konzentrierte, das Gegenteil ein. Die Preissteigerung war p h a n t a st i s ch. Sie betrug im Februar 1929 gegenüber dem Vorjahr etwa 150 Proz. und erreichte teilweise 200 Proz. Der freie Marktpreis für Roggenmehl wurde um 2SS Proz. hochgewuchert. Der Unterschied zwischen dem st a a t l i ch e n Anschaffungspreis und dem freien Marktpreise pro Zentner Roggen betrug in Zentral» rußland am 1. Januar 1928 67 Kopeken, am 1. Januar 1929 elf Rubel. Man begreift nun angesichts dieses Preiswuchers auf dem freien Markt und der Preisunterschiede gegenüber dem staat- lichen Getreide, was es bedeutet, wenn Rykow auch die un- bemittelten Bauern auf die Brotversorgung durch den freien Markt, durch die Prioachändler, hinwies! Wie sollen denn die Bauern, die im Herbst, um die Steuern ent- richten zu können, dem Staate Getreide, Flachs und sonstige land- wirtschaftliche Erzeugnisse zu den niedrigen Richtpreisen verkauften, jetzt dem„Kulaken" und Prioathändler dreifach höhere Getreide- und Mehlpreise zahlen können? Dies« verhängnisvollen Preiszustände spiegeln deutlich die allgemeine Zerrüttung der russischen Getreidemärkte wider. Diese Zerrüttung, die das Land in einem befriedigenden Erntejahr an die Schwelle der Hungersnot gebracht hat, ist die Kon- sequenz einer durch und durch ungesunden wirtschnflspolilik der Diktatur. die in ihrem Machtkampf gegen die Kulaken in immer ernstere wirt- schaftliche Schwierigkeiten gerät. Trotz völligen Ausbleibens der so notwendigen Getreideausfuhr herrscht im ganzen Land« eine schwere Brotnot. Auch die städtische Bevölkerung macht eine bitter schwere, allgemeine Er- nährungskrise durch, die die Lebenshaltung der Arbeitermassen ernstlich bedroht. Aber während ein großer Teil der Stadtbewohner, die im Besitze der Brotkarte sind, durch Schlange st ehcn sich ein bestimmtes Quantum minder- wertigen Brotes verschaffen kann, sind viele Millionen Land- bewohner, deren Brotbedarf der Staat, wie Rykow betonte, u n- möglich decken kann, der Hungersnot ausgesetzt. I. G. Konsum-Äormarsch. Kräftige Entwicklung der GlZG. Nach dem machtvollen Ausschwung der Deutschen Koitsumoeren:« in der Hochkonjunktur von 1927 tonnt« man bei dem teifoeifen Stillstand und Rückgang der Konjunktur im letzten Jahr nicht mit einem gleich günstigen Ergebnis in der Konsumbewegung rechnen. Um so bemerkenswerter und erfreulicher ist die Entwicklung, welche die GEG., die Großeinkaufsgescllschaft deutscher Konsumverein«, Hamburg, im letzten Jahr genommen hat. Die wichtigsten Ziffern haben wir bereits Ansang des Jahres veröffentlicht, jsdoch enthält der jetzt bekanntgegebene Geschäfts- bericht noch wertvolle Ausführungen über die Entwicklung in den Einzelbetrieben. Der Jahresumsatz stieg bei der GEG. um f a st 20 Prozent im letzten Jahr auf 444,3 Millionen. Gegenüber einer Umsatzsteigerung von rund 25 Proz. in der Hochkonjunktur von 1927 bleibt die Leistung im letzten Jahr sehr bemerkenswert. Der Gesamtumsatz von fast 443 Millionen entspricht einem Tages- umsatz von rund anderthalb Millionen Mark. Besonders erfreulich ist die Steigerung der Eigenproduktion bei der GEG. Sie betrug im letzten Jahr 104,7 Millionen, also fast 66 Proz. mehr als im Jahre 1927. Da die Eigenproduktion 1926 erst einen Umsatz von 45,7 Millionen auswies, ist in den zwei Jahren eine Umsatzsteigerung von weit mehr als 100 Pro- z e n t zu verzeichnen. An der Eigenproduktion sind die Lebens- und Genuß- mittel mit 72,3 gegen 38,3, die Bedarfsartikel mit 26,3 gegen 22,2 und die Textilien mit 5,5 gegen 4,6 beteiligt. Den größten Anteil an der Eigenproduktion der Lebensmittel nimmt die Mühle in Magdeburg mit 20 Millionen Umsatz ein, die Fleischwarensabriken weisen 17,6 Millionen, die Teig- waren fabriken annähernd 5 Millionen, die Kakao- und S ch o t o l ad e f a b r i k e n mehr als 7 Millionen, die Kon- servenfabrik fast 5 Millionen und die zusammengefaßten Tabak betriebe rund 12 Millionen Umsatz aus. Am Schlüsse des Berichtsjahre» stand die GEG. im regel- mäßigen Geschäftsverkehr mit 1033 Konsumgenossen- schaften. Der Gesamtumsatz der Vereine hat mit 1,12 gegen 0,99 Milliarden Reichsmark im Vorjahr erstmalig die Mil- liardengrenze überschritten. Die Steigerung betrug 13,5 Prozent, während der Umsatz der Vereine bei der GEG. rund 444 Millionen betrug. Das entspricht einer Steigerung von fast 20 Prozent. Das bedeutet eine weit größere prozentuale Steigerung des Umsatzes bei der GEG. gegenüber der Umsatzerhöhung bei den Genossenschaften. Demzufolge ist der Bezug der Konsumvereine von der GEG. im Verhästnis zu ihrem Verkauft» erlös auf 30,5 gegen 37,7 Prozent im Vorjahr gestiegen. Von dem Reingewinn des letzten Jahres in Höhe von 4L Millionen Mark erhält das eingezahlte Stammkapital wieder 5 Prozent, wahrend 2 Millionen zur Stärkung dem Reservefonds und eine weitere Million dem Produktionsfonds zugeführt werden. Damit erhöht sich die G esa m t r es e r v e der GEG. auf m-chr als 17 Millionen. Die Anlagewerte sind im letzten Jahr ganz erheblich, von 18 auf 25,7 Millionen, gestiegen, obwohl die Abschreibungen auf Grundstücke und Gebäude, die im letzten Jahr wieder 3 Millionen betrugen, und für Maschinen und Inventar auf 5,6 gegen 4,7 Millionen erhöht wurden. Einen sehr starken Zuwachs werfen die Bankeinlagen auf. die gegenüber einem Höchststand von 77,1 Millionen im Jahre 1927 im Berichtsjahr einen Höchststand von 103,3 Millionen erreichten. In diesem Einlagyzuwachs kommt am deutlichsten die günstige Enb Wicklung in der Konsumbewegung und der gesteigerte Spar- kassenverkehr zum Ausdruck. Da in der Bilanz mehr als 77 Millionen als Wertpapier« und Bankguthaben ausgewiesen sind, so besteht für die Bankeinlagen die denkbar größt« Flüssigkeit. Der gesamte Personalbe st and ist von 6038 auf 7372 Per- sonen im letzten Jahre gesttegen, wovon 3829 weiblich« und 3543 männlich« Arbeitskräfte waren. In einer Zeit also, wo in der Wirtschast vielfach Abbaumaßnahmen getroffen wurden, konnte die GEG. ihren Personalbestand um rund 21 ProgeM erhöhen. Brandenburger Arbeitsmarki. Fortschreitende Entlastung in Berlin und Brandenburg. In der Berichtswoche vom 15. zum 20. April 1929 hat sich die Besserung im Bereich de» Landesarbeitsamt» Branden- bürg(Groß-Berlin, Brandenburg, Grenzmark) fortgesetzt. Die Verringerung der Hauptunterstützungsempfänger betrug in der abgelaufenen Woche 21 753 Personen. Dabei muß darauf hingewiesen werden, daß das Baugewerbe mit 28 551 Arbeitsuchenden noch immer«inen ziemlich hohen Stand aufweist. Hiervon entfallen allerdings auf Berlin nur 6005 Arbeitsuchende. Die Zahl der Arbeitsuchenden fiel in der Berichtswoche um 16 539 auf 274 894. das heißt um 5.68 Proz. gegenüber einer Abnahm« von 6,9 Proz. in der Vorwoche. Auf Groß-Berlin ent- fallen hiervon rund 203 300 Arbeitsuchenden, so daß Groß-Berlin jetzt er st um wenig« tausend Arbeitsuchende den Höchststand der Arbeitslosigkeit vom Winter 1928 unterschritten hat. Trotz der erfreulich schnellen Entlastung des Arbeftsniorktes bleibt also die Gesamtarbeitslosigkeit im all gemeinen noch sehr hoch, und es wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen, inwieweit der Kälterückschlag aufgeholt werden könnt«. von Tage de» Umschwunges aus dem Arbeitsmarki an konnten im Bereich des Lande sarbeitsaml» Brandenburg insgesamt 123 709 Arbeitsuchende in deu Produktiousprozeß eingereiht werden. Die» entspricht 31 Proz. der höchstzahl der Arbeitsuchenden Ansang März. Daß die Erleichterung des Arbcitsmarktes in den mittel- und west- deutschen Bezirken rascher vonstatten geht, zeigt die Entwicklung in Mitteldeutschland, dessen Landesarbeitsamt allein in der letzten Berichtswoche eine Entlastung von 10,2 Proz. meldet. Das Landesarbeitsamt Rheinland konnte von den 126000 unterstützten Saisonarbeitern Ende Februar bereits mehr als 100 000 Wiedel einstellen. Die Arbeitslosigkeit in den Richtsaisonberufen beträgt im Rheinland zurzeit noch 150 000.-:. Rekordumsah bei Dr. Paul Meyer. Das Berliner Elektro- unternehmen, die Dr. Paul Meyer A.- G., die vor etwa zwei Iahren von dem AEG.-Konzern geschluckt wurde, hat im legten Jahr den höchsten Umsatz seit dem Bestehen des Unternehmens erzielen können. Feste Zahlen werden allerdings im Geschäftsbericht nicht genannt. Der Betriebsgewinn, der auf über 2 Millionen angewachsen ist. wird diesmal zu etwa 5 0 Proz. höheren Abschreibungen von rund 355 000 M. herangezogen, trotzdem aber liegt der ausgewiesene Rein- gewinn mit rund 361 000 M.»och erheblich über den Borjahrs- crgebnissen. Bemerkensivert ist, daß trotz dieser Gcwinnsteigerung die Unkosten ganz erheblich gesenkt werden konnten. Die Dividende wird wie im letzten Jahr wieder mit 8 Proz. fest- gesetzt. Der augenblickliche Auftragsbestand wird von der Per- waltung als zufnedenstellend bezeichnet. Riquet- Schokolade erhöht seine Dividende aus 11 Pro,. Daß die zu einem Kartell zusammengeschlossenen Schokoladen-Großunter- nehmen, die überwiegend Markenware fabrizieren, durchweg mit hohen Gewinnen arbeiten, wird jetzt durch den Ab- schluß der Leipziger Riquet u. Co. A.-G. von neuem be- stätigt. Aus einem Reingewinn non 420 000 gegen 390 000 M. wird eine von 10 auf 11 Proz. heraufgesetzte Livi- den de gezahlt. Der sehr knapp gehaltene Geschäftsbericht weist aus die schwankenden Preise für Rohkakao hin und auf das Fort- bestehen der unersrenlichen Konkurrenzverhällnisse in der Schoko- ladenindustri«. Eine Erhöhung der Produktionskosten konnte durch Rationalisierungsmoßnahmen im Betriebe und durch günstige Ein- kaufsdispositionen vorgebeugt werden. Gemilderte Produktlonxdrosselunq des Zinksyndikats. Die Ent- Wicklung auf den internationalen Melallmärkten hat das Zink- s y n d i k a t sehr schnell zu einer Revision seiner bisherigen Droffelungspalitik gezwungen. Während bereits schon für April die lOprozentige Drosselung der Produktion auf eine Einschrän- kungsquote von 7 Proz. ermäßigt wurde, wird jetzt vom Syndital eine weitere Verringerung dieser Quote mif 5 Proz ob 1. Mai fest- gesetzt. Diese Maßnahmen sind auf die Preissteigerungen für Zink und die verringerten B e st ä n d e bei den Zinkhütten zurück- zuführen, die noch nicht die Hälfte der monatlichen Gesamtproduktion betrogen. weitere» leichtes Sinken des Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 24. April berechnete Großhandelsindexzisfer des Statistischen Reichsamts ist mit 136,3 gegenüber der Vorwoche (136,9) wiederum um 0.4 Proz. gesunken. Von den Haupt- gruppen ist die Indexziffer für A g r o r st o f f e um 1,2 Proz aus 126,8(128,3) zurückgegangen. Die Indexziffer für Kolonial- waren war mit 126,4 unverändert. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren hat um 0L Proz aus 132,2(132,6) nachgegeben, während diejenige für industrielle Fertigwaren mit 157,7(157,8) nahezu unverändert war. PETERS UNION FAHRRAD-REIFEN OFT NACHGEAHMT- NIE ERREICHT! Unterhaltung und �Nissen hälfet der Wenfchtverdung Sine neue Theorie Die Frage aller Fragen, die nach der Herkunft des Menschen. wirt> heute wieder eifrig erörtert, und erst kürzlich hat ein ame- rikanifcher Gelehrter behauptet, dah man die Wiege des Menschen- gefchlechts in Asien, und zwar in der Mongolei suchen müsse. Da- gegen sucht jetzt der österreichische Prähistoriker Pros. I. Bayer mit überraschenden und überzeugenden Gründen nachzuweisen, daß die Urheimat Afrika sei. In seinen bedeutsamen Ausführungen, die er in der Frankfurter Wochenfchrist„Die Umschau" veröfsent- licht, sind es Skelettreste und Werkzeuge, mit deren Hilf» wir den Menschen möglichst weit in die Vergangenheit zurückverfolgen können. Aus den bekannt gewordenen Funden ergibt sich, dah zu Beginn des Eiszeitalters drei älteste Kulturgruppen vorhanden waren, die man nach ihren Werkzeugen als Faustkeil-, Breitklingcn- und Schmalklingentultur bezeichnet. Dies« drei ältesten Rassen- kulturgruppen der Menschheit finden sich in einem weiten, vom Atlantischen Ozean bis tief' nach Asien, ja roahrscheinlich bis zum Stillen Ozean reichenden Bogen im Norden Eurosiens liebet die gleichzeitigen Verhältnisse im südlicheren Afrika wissen wir nichts Genaueres, und in Amerika fehlen solche uralten Spuren gänglich. Angesichts der verblüffenden Einheitlichkeit der Menschheit im Skelettbau muß sich das Rätsel der Menschwerdung in einem ver- I.ältnismäßig eng begrenzten Gebiet der Erde vollzogen haben. Die Urheimat der Menschheit kann also weder der Westen noch der Osten Eurafiens gewesen sein, sondern nur«in im Mittelpunkt ge- legenes Gebiet, von dem die drei Hauptgruppen, die wir im Eis- Zeitalter vorfinden, ausstrahlten. Auher Südasien käme dafür Afrika in Betrocht. Als Vorfahr« des Menschen kann nur eine Asfensorm angesehen werden, die nicht bereits ein höher entwickeltes Gebiß Hot als das des Menschen, denn sonst müßte der Mensch eine Rückentwicklung durchgemacht haben. Aus diesem Grunde ist der .ÜauptaNwärter für diese Ehre der im Beginn der lertiärzeit in Aegypten auftretende Propliopithecus, der in jeder Beziehung die > Primitivität besitzt, die man in diesem geologischen Stadium bei einem Ahnen des Menschen voraussetzen muß. Durch solche Ueberlcgungen wurde also Prof. Bayer auf Afrika bingewiefen, und es ergab sich die Sachlage, daß vielleicht im Alt- tertiär der Mensch auf afrikanischem Boden entstanden ist und daß Manchmal in dunklen Stunden rührt uns etwas an. daß wir nie ganz begreisen.., aber es ist ein>schimmer aus unserem Weg.... nur daß die Schatten später um so dunkler wieder über uns stürzen........ Der Mann verkrampfte die Hände in den Manteltaschen und sror. Der Mantelkragen war bis zu den Ohren hochgeschlagen.... so sah man wenigstens nicht, wie durchgestoßen er schon war.... ober wärmen tat er auch so nicht.... Das Mädchen an der Seite des Mannes lachte. Sie hatte frische, rote Wangen über dem dunklen Pelzkragen und streckte die Hände aus, als wollte sie nach Sternen greifen.... An dem kleinen See in den Anlagen blieben sie stehen. Tief- verschneit neigten sich Tannen---- Ä-nd sprang eisig auf und s-äubte schimmernde Kristalle----«ine fremde Sonne leuchtete. .Köstlich ist das", flüsterte das Mädchen,.chiefer leuchtende Schnee.... diese Märchenträume..., hören Sie..., irgendwo singt sogar ein- Vogel!"...' Der Mann starrte das Mädchen duzter an. Er spurte nichts als .Kälte.... und dah irgendwo ein möbliertes Zimmer war..., ungeheizt...» wozu auch! Es gab ja Kneipen genug..., da konnte man auch vergessen, wie einsam man war.... Aber da war der Vogelruf.... Ein Aufschluchzen?... Ein Aufjauchzen einem fernen Frühling entgegen.... Da war das Mädchen.... lauschend vorgebeugt, lächelnd--•• die fremde hohe Sonne fpann einen leuchtenden«streifen um ihre Stirn.... Ganz langsam lösten sich die Hände des Mannes aus der Manteltasche.... tasteten fragend.... Ganz scheu blühte um seinen Mund ein Lächeln.... „Es ist doch schön, nicht", sagt« das Mädchen,„und dahinter spürt man doch schon den Frühling.... vielleicht nur ganz innen...» aber von innen heraus wächst alles.... in uns selbst ist alles..." „Was ist in uns?" fragte der Mann und beugte sich vor. seine erwachenden Hände tumolten wie schlaftrunken.... Das Mädchen streifte die vrfchneiten Zweige der Sträuchcr am Wege.... ließ den Silberstaub durch die Hände gleiten.... ihre Augen leuchteten: „Alles ist in uns.... Gott ist in uns und Liebe.... „Liebe...!" flüsterten die starren Lippen des Mannes.... Etwas keimte In der großen Leere seines Herzens.... „Ja.... Liebe", klang des Mädchens Stimme auf,.Liebe zu allem Schönen, zu allem Hohen, das leuchtend über unserem Leben steht... und das wir im Alltag nie vergessen dürfen...!" Ein Schatten übevdunkilte das leise Aufleuchten seines Herzens, als der Mann das Mädchen unterbrach: '„Nicht Liebe zu allen Mühseligen, zu allen Schuldigen, zu allen Verworfenen...?'„« „O ja.... das ist die große Liebe des Mitleidens, des Helsen- woll'e'ns, des unendlichen Erbarmens.... o. manchmal möchte mein Herz überströmen davon.." Die gehobenen Hände des Mädchens waren Schalen, die sich ergießen wollten.... Des Mannes taumelnde Hände fanden endlich Halt an diesen Mädchen- fingern...» wollten zart sein, voll erwachenden Entzückens... und waren doch das Anklammern eines Ertrinkenden, brutales Zu- greifen.... Der Mann sah noch nicht das Erschrecken in den Augen des Mädchens.... seine Lippen stammelten: „&» liebst du auch mich?"... Der kleine Keim in seinem Herzen erblüht« zum Baum, breitete in die stumpfe Leere. seine segnenden Zweige, die Blüten trugen.... Sein Kind fein spielte darunter mit den bunten Bällen erloschener einige Millionen Jahr« später das ganze nördliche Eurasier von drei Rassengruppcn besetzt ist. Dazwischen ist so gut wie nichts bekannt. Wenn sich die Entwicklung zum Menschen so langsam vollzogen hat, dann muß sie in einer sehr friedlichen Umwelt vor sich gegangen sein, in der die Wesen keinerlei ernsteren Angriffen aus- gesetzt und daher nicht gezwungen waren, sich zu vervollkommnen. Eine solche friedliche Entwicklung aber konnte sich nur in einem ganz abgeschlossenen Bereich vollziehen. Nun hat die Paläogeographie nachgewiesen, daß Afrika in dem entscheidenden Stadium, also von der Alttertiärzeit bis zum Altdiluvium, von der übrigen alten Welt durch Wasser abgescknürt und eine dem heutigen Umfang gegen- über stark verkleinerte Insel war. Ist nun hier die Entwicklung vom Propliopithecus zum Menschen vor sich gegangen, so können auf den andern Kontinenten gar keine Spuren zum Vorschein kommen, weil tatsächlich keine vorhanden waren. Das Mittelglied zwischen Tier und Mensch wäre also in Afrika zu suchen. Die weitere Entwick- wng läßt sich mit dieser Annahme gut vereinen, denn die para- diosische Abgeschlossenheit der afrikanischen Urheimat, in der sich der Mensch ungestört entwickeln konnte, hört gegen Ende des Tertiärs auf, indem sich nun Afrika in breiter Front an Asien anschließt und auch mit Europa über Gibraltan und Sizllien verbunden ist. Der neuentstandene Mensch konnte also auf verschiedenen Wegen Afrika verlassen und die übrige alte Welt besetzen. Genau um diese Zeit, in der Afrika aus seiner Isolierung erlöst wurde, beginnen in Eurasien die vorgeschichtlichen Funde. Nach dieser Hypothese wäre also die Menschwerdung aus einem Zufall, einem Zusammentreffen besonders günstiger Umstände zu erklären. Die Zeit, in der es sich darum handelte, ob es zur Menschwerdung kommen sollte oder nicht, war der Zeitraum im Tertiär von der Eozänepoche bis zum Alt- pliozän. Das wesentliche Faktum für die Menlchwerdung war die Tat- fache, daß die Stammsonn damals die Ungestörtheit zur ruhigen Weiterentwicklung bis zum Stadium Mensch fand. Di« neue Theorie Bayers berührt sich übrigens in interessanter Weise mit der Dar- stellung der Bibel, die ja auch den ersten Menschen in eine fried- liche Umgebung verfetzt, in der selbst die Raubtiere sein« Freunde waren. Träume.... Mutteraugen lächelten wie Sterne zwischen dm Zweigen.... Di« große Somre strahlte nah und erlösend. Liebe..., Liebe.... Als seine Augen wieder zurückfanden zu dem Antlitz des Mäid- chens, sahen sie Angst drin, fast Abschm.... ihre Lippen zitterten: „... So nicht.... nein.... so nicht!" Ihre Hände flatterten in den seinen rpie gefangene Vögel.... Da wurde sein Griff»och härter... Nein, so hatte er es ja auch gar nicht gewollt.... Aber was war es nur.... Die Sonne wurde wieder sern, aber brenneird.... Etwas Feindseliges wuchs gewaltig in ihm, wuchs über ihn hinaus.... Das ganze Elend seines Lebens brach auf in ihm wie ein« reifgewordene Frucht.... Seine Hände hielten eisern das Mädchen, sein Gesicht kam immer näher dem ihren, das sich entsetzt zurückbeugte.... „Das also ist Eure Liebe!" ächzte er,„die so gewaltig erlöseich über die Welt strömt!!!... Vor einem aber der einen dreckigen Kragen um hat, da hört sie auf. Und näher darf man Euch auch nicht kommen, Ihr feinm Püppchen...» wenn einmal ein frierendes, eiirsames Herz vor Euch aufbricht, dann jammert Ihr nach der Mutter, die zu Haus im warme» Nest aus Euch wartet..., jawohl.... Meine Mutter hat nie gewartet..." Der Mann lachte gell:„Doch.... aus der Gosse hat sie ge- wartet.... an den Straßenecken.... und mein Vater war ein Säufer.... Immer lustig, Kinder.... wir oerkommm noch alle früh genug im Drecks... Jawoll'..., und ich bin doch ein anständiger Mensch geworden..., weil ich arbeiten konnte..., weil..." Gleich wird sie schreien.... dachte er..., dann kommen Menschen.... dort um die Ecke..., noch nicht.... nein..." Ein wahnsinniges Verlangen kam über ihn, diesen zitterndm Mädchcnmund zu küssen.... ehe er sich im Schrei verzerrte.... ersticken...» ersticken alles.... Da ließ er sie los. schlaff fielen seine Arme herunter.... Ekel würgt« ihm in der Kehle.... „Geh!" stammelte er rasch.„Geh!... Du wirst auch noch warten.... du!... Hungern nach einer kleinen,'winzigen Zärt- lichkeit.... Da nützen dir keine großen Worte mehr, da bist du ein- samer als wir...!" Das Mädchen taumelte verstört..... Um die Ecke bog langsam ein Schutzpolizist und blickte her- über.... Jäh wandte sich der Mann und ging wie fliehend.... Schluchzen brannte in ihm. brannte ihn ganz aus, daß es leerer in ihm war denn zuvor.... nur daß er schmerzhaft spürte, was vor- her dumpfe Bewußtlosigkeit gewesen war.... An der nächsten Straßenecke traf er einen Bettler..., eine armselig«, zitternde Hand streckte sich ihm entgegen, ein paar hungrige Augen flehten.... Ein letztesmal brannte es in dem Mann, ein Gleiches wachte in ihm auf, seine Hände verkrampften sich in den Manteltaschen.... „Bruder!" flüstert« er und im Weitergehen noch einmal sich umwendend:„Bruder!"... Der Bettler aber starrt« gierig auf die Manteltaschen, und als die Hände des Mannes sich nicht in gebender Gebärde wieder lösten... brach ein Schwall von Schilnpfworten aus ihm heraus.... schwangen wie Peitschenhiebe hinter dem Manne her.... Der ging mit gesenktem Kopf.... ausgestoßen selbst von den Elendesten....„Geld!" schrie es hinter ihm her...... Brot!"... Lehrt uns erst an eine äußere Gerechtigkeit glauben..., dann sprecht uns von Liebe...» flackert« ein letztes großes Erkennen in ihm.... 3)er 3>§lanmetmauberer Auf den Feldern und in den Gärten wirb jetzt wieder der Erde das heilig« Gut anvertraut, dessen Blühen und Reifen soviel für unser Leben und für unsere Freude bedeutet. War der Mensch früher vollständig aus das Walten des Schicksals angewiesen, das ihm bald eine schlechtere Frucht, bald reine Blumenfarben und dann wieder häßlichere bescherte, so hat er durch die Fortschritte der Ver- erbungswissenschaft und der Zllchtungsforschung es dahin gebracht. die Pflanzen zu veredeln, bessere Sorten zu erzielen und dadurch dem Ackerbauer und dem Gärtner wichtige Hilse zu leisten. Große Institute, wie z.B. das Kaiser-Wilhelm-Inftitut für Züchtungs- forfchung zu Müncheberg in der Mark, arbeiten an diesen sür unsere Volkswirischast so wichtigen Aufgaben. Ein genialer Bahn- brechet aus diesem Gebiet ist der Amerikaner Luther Bur- dank gewesen, der berühmte kalifornische Züchter, den man den „Pflanzenzauberer" oder den„Hexenmeister der Gartenbaukunst" genannt hat. Er hat Früchte verkleinert, wie z. B eine Pflaume, die als Strauch aus jedem Boden sortkommt. und hat sie ver- größcrl, wie die Beach-Psiaume, die sechsmal so groß ist wie eine gewöhnliche: er hat aus bitteren Früchten süße gemacht, aus schwarzen Brombeeren weiß«, hat ein« steinlose Pflaume,«ine dornenlose Feigendistel erzielt, hat Aprikose und Pflaume, Kartoffel und Tomate gekreuzt und so in 30 Iahren Ding« vollbracht, die der Natur nicht in 3000 Iahren gelangen. Das Vermächtnis dieses großen Menschenfreundes ist in dem von ihm gemeinsam mit Wil- bur Hall verfaßten Buch„Lebensernte" niedergelegt, das soeben in deutscher lleberfetzung bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stutt- gart erscheint. In tiessinnigen Worten spricht er sich hier über diese von ihm so großartig entwickelte Kunst der Pflanzenzüchtung aus. Cr ist stolz darauf, das Wort Bastard zu Ehren gebrak-t zu haben, indem er die Kreuzung oder Bastardierung von P"anzen syste- matifch durchführte.„Bastarde bringen die Welt vorwärts," schreibt er,„sie geben uns unsere Erfinder und Dichter, die großen Träumer und Führer, in der Pflanzenwelt sind sie die duftenden und an- mutigen Blumen, die saftigen und nahrreicben Früchte, die wohl- schmeckenden und fleischigen Gemüse." Die Bastardierung, die nicht im Garten der Natur willkürlich durch Insekten, Vögel und den Wind besorgt wird, sondern im Garten des Züchters bewußt durch feine Hand, ist der erste Schritt der Höherzüchtung von Pflanzen. Der zweite Schritt ist die Selektion, die Auswahl, die der Mensch selbst unter den verschiedenen Spielarten vornimmt. „Dieser zweite Schritt erfolgt in verschiedenen Entwicklungs- stadien der Pflanze," schreibt Burbank,„und hängt von dem Ziel ab, das ich zu erreichen suche. In keinem anderen Arbeitsgebiet gibt es ähnliches, wie diese vom Pflanzenzllchtcr angewandte Art Selektion. Züchter hochwertiger Tiere, von Pferden, Kühen, Schweinen und Schafen, kommen ihr am nächsten. Aber sie suchen eine oder zwei Eigenschaften, während ich nach vielen suchen muß — und solange ausharren muß. bis ich sie bekomme. Der Pferdezüchter wünscht Kraft oder Schnelligkeit: der Rindviehzüchter � will eine gute Milchkuh oder einen leicht Fleisch ansetzenden Schlag haben, und mehr kann er wohl überhaupt nicht erreichen. Aber ich will bei allen meinen Pflanzen gut« Form und Größe, kräftige und gleichmäßige Entwicklung der Blätter und Zweige, Ausdauer und Wetterfestigkeit. Dann fangen erst meine Sonderwünfche an: ich will ein« reich blichende Pflanz« oder eine mit wenigen großen Blüten, mein Bestreben kann auf Duft oder aus Farbe gerichiei sei», ich wünsche eine Frucht mit dünner Schale oder eine, die sich leicht kochen oder wegen ihrer Haltbarkeit gut'verschiffen läßt. Die Wünsche und Bedürfnisse, die ich bei meiner Arbeit habe, sind fast grenzenlos: aus einigen Pflanzen will ich durch sorgfältig« Zllch- wng nur«in einziges neues, bezeichnendes Merkmal herausholen, aus anderen ein Dutzend. Man sieht also, daß ich immer auss neue auswählen und wieder auswählen muß." In diesem Instinkt für die Auswahl steht Lucher Burbank seine besondere BGgabung:„Er war mir angeboren, und ich vervollkommnete ihn durch Erfahrung und habe seiner Stimme immer Gehör geschenkt. Ich habe beson- ders feine Nerven— dos erklärt zum Teil, weshalb ich imstande war, zwei dem Augenschein nach gleich« Früchte oder Bäume aus- einander zu halten und das der Qualität nach bessere Exemplar zu bestimmen. Musik kann ich manchmal nicht ohne Schmerz an- hören— ich mache hier nicht etwa einen Witz, sondern ich meine, daß manche Töne und Schwingungen in der Musik mir körperlich weh tun. Für Gerüche bim ich immer sehr empfindlich gewesen; selbst wenn sie so leicht waren, daß niemand außer mir sie be- merkte, entdeckte ich sie, angenehme und unangenehme. Mein Tast- gefühl ist fast ebenso fein wie das Helen Kellers. Wahrscheinlich steckt hinter dieser Fähigkeit zur Auswahl mehr als nur feine Nerven— vielleicht ist sie ein sechster Sinn, vielleicht ist sie rein intuitiv. Ich weiß, daß selbst langjährig« und' vertraute Mitarbeiter. die meine Methoden erlernten und mich beeder Arbeit beobachteten. mir nicht nachmachen konnten, was bei mir«ine bloße Routine war. bei der ich gar nickt überlegte. Einige dieser Mitarbeiter sind gute und erfolgreiche Pslanzenzüchter mit. eigenen Ideen geworden aber soweit ich beobachtet habe, haben sie die mir angeborene Ge- schicklichkeit, zwischen Pflanzen zu wählen, und zwar nicht nur eine aus einem Dutzend oder ein paar von hier und dorr, sondern in großem Maßstabe Tausend« von Pflanzen aus' Zehntausenden in einem Tage, nicht im entferntesten erreicht." 3)er Sprechende StahldratU Eine mehr als 20 Jahre alte Erfindung wird seit kurzem in der Tonfilmindustri« verwertet: das magnetische Stahlband. Man spricht gegen eine magnetische Scheibe, deren Schwingungen sich Ins vor- übergeführte Stahlband als Magnetisierung eingraben. Schon 1910 konnte man im Deutschen Museum zu München einen Draht aus diese Weise besprechen und hatte unmittelbar nachher das Vergnügen, seine«igen« Stimme wieder zu hören. Der Draht wird an einer oder an zwei magnetischen Membipnen vorübergesührt und versetzt diese in Schwingungen. Dies« Schwingungen teilen sich der Luft mit und werden von uns gehört. Gerade diese unmittelbare Berciffchaft, diese sofortige Wieder- gab« des Gehörten macht auch beim Film den Vorzug des Systems aus. Man muß nicht erst, wie bei den optischen Systemen, ent- wickeln und stundenlang warten, sondern das Gesprochene kann sofort reproduziert werden. Die Uebereinstimmung zwischen Bild und Wort wird durch' zwangsläufige Führung des Bandes— mit Zähnen— erreicht. Welches der verschiedenen heute bekannten Systeme sich aber schließlich beim Tonfilm durchsetzen wird, ist zurzeit noch völlig unNar. ginge Slramni: SitVHS fdldufS III HITS••• I Lohnbewegung der Bauarbeiter. Bei starker Organisation geht es auch ohne Streik. Wie schon mitgeteilt, ist im deutschen Baugewerbe«in neuer Reichstarifvertrag vereinbart worden. Ueber die Löhne der Bauarbeiter ist nach diesem Rahmenvertrag b e z i r t l t ch zu verhandeln. Dies geschah in allen Tarifbezirken in den ersten Wochen des April. Vorgesehen find als Schlichtungsinstanzen, falls die Parteien nicht einig werden, ein T a r i f a m t mit einem Un- parteiischen und. falls hier kein« Einigung erzielt wird, ein ver- stärktes Tarifamt mit drei Unparteiischen. Der Spruch des ver» stärkten Tarifamteg ist bindend, wenn er bei 11 Stimmberech- tigten mit mindestens 7 Stimmen Mehrheit gefällt wird. Bemerkt fei noch, daß an diesen Tarifoereinbarungen für die Arbeiter der Deutsche Baugewerksbund, der Zimmereroerband, der Christliche Bauarbeitervcrband und der Verband der Maschinisten und Heizer beteiligt sind. Die Verhandlungen vor den Bezirkstarifämttrn führten In einer Reihe von Fällen zu einer endgültigen Entscheidung Es wurden auf diese Weise Verträge abgeschlossen mit 6 Pf. Stundenzulage in der Spitze für die Tarisbezirte Sachsen-Anhalt, Freistaat Sachsen, Breslau und Görlitz, mit 7 Pf. in der Spitze für Thüringen, mit 9 Pf. sür Ostpreußen. Ueber«ine Lohnzulage mit S Pf. in der Spitze«inigte man sich in den Tarifbezirken Osterland. Frank- furt a. M., Kassel, Gießen, Marburg. Mittel», Ober- und Unter» baden. Vorderpfalz. Mecklenburg, Westmark, Siegerland und Rhein- land. Für das Tarifgebiet Unterweser-Ems wurde ei« Spitzenlohn- erhähung von 7 Pf. in zwei Raten vereinbart, für Westdeutsch- land(Dortmund) ebenfalls. In allen übrigen Bezirken war es zu einem gültigen Schieds- spruch nicht gekommen. Für diese Bezirk« wurde vom 22. bi» 24. April vor dem Haupttarifamt in Berlin oerhandelt, da» sich aus drei Unparteiischen und je oier Unternehmer- und vier Arbeiterbeisitzern zusammengesetzt. Aus den Verhandlungen vor diesem Haupttarifamt sei erwähnt, daß die Unternehmervertreter in fast allen Streitfragen Lohn- a b b a u oder mindestens Beibehaltung der alten Löhne ver- langten. Di« Arbeitervertreter hatten sehr gewichtig« Gründe für die Notwendigkeit weiterer Lohnerhöhungen für die baugewerblichen Arbeiter. Vor allem wurde auf die vielfach glänzenden Geschäftsabschlüsse der großen Bougesellschasten hingewiesen. Es wurde ferner erklärt und nachgewiesen, daß der reine Arbeitslohn an den Gesamtkosten des Bauobjekts gegenüber der Vorkriegszeit weit niedriger und eine Lohnerhöhung auf die Mieten von ganz geringfügigem Einfluß fei. Die Verteuerung des Bauens liege in der Hauptsache in der Verteuerung der Baustoffe und in den unverhältnismäßig großen Unternehmerproftten. Die volle drei Tag« währenden Verhandlungen erbrachten nach- stehende Resultate: Für Berlin wurde der Lohn in der Spitz« um 7 Pf. erhöht, desgleichen für das Tarifgebiet Norden(Ham- bürg). Für die Provinz Brandenburg und die Grenz- mark, für welche Bezirke die Unternehmer„nur' 8 Proz. Lohn- abbau verlangt hatten, wurde auf eine Zulage in der Spitze von 4 Pf., im Tiefbau von 3 Pf. erkannt. Für Pommern und Stettin beträgt die Spitzenzulage S Pf., für Oberschlesien 6 Pf. Für Niederschlesien und Görlitz- Breslau wurde der Ein- spruch der Unternehmer zurückgewiesen! es blieb für beide Bezirke bei der Lohnerhöhung in der Spitze um 6 Pf.; im Lohngebiet Grün- berg wurde vom Haupttarifamt der Spitzenlohn um S Pf. gehoben, für das Lohngebiet Glatz in zwei Etappen um 4 Pf. Für das Tarifgebiet Nordwestdeutschland(Hannover) kam zwischen den Parteien eine Einigung zustande, wodurch der Lohn in der Spitz« um 5 Pf., in den übrigen Lohnklassen um 4 Pf. erhöht wurde. Außerdem soll in der Stadt Hannover vom 1. Ok- tober an die Verkehrszulage um 1 Pf. erhöht werden. Für West- falen-Ost und Lipp« wurde der Spruch des Tarifamts, der tz Pf. in der Spitze vorsieht, bestätigt. Für den Freistaat Braunschwcig gab es S Pf. für Facharbeiter, 3 Pf. für Tiefbauarbeiter. Für das Nahcgebiet wurden die Facharbeiterlöhne um 4 Pf., die Tiefbau- arbeiterlöhne um 3 Pf. erhöht. Ein großer Streit wogte um die künftigen Löhne im Freistaat Bayern. Schließlich wurden sich die Parteien darüber einig, das Haupttarifamt nur über den Spitzenlohn eines Facharbeiters der ersten Lohnklasie ent- scheiden zu lassen. Das Hauptwrifamt setzte hierauf diese Lohn- zulag« aus 4 Pf. fest, vom 1. Oktober an sind weiter« 2 Pf. zu zahlen. Für dos Tarifgebiet Württemberg hatten die Unternehmer 3 Proz. Lohnabbau verlangt. Das Haupttarifamt erkannte auf 4 Pf. Lohnzulag« in der Spitze. Für den Main-Donau-Kanal be- trägt die Zulage in der Spitze 5 Pf. Gegen den für Ostpreußen gefällten Schiedsspruch hatten die Unternehmer Einspruch erhaben. Dem Tarisamt Königsberg wurde aufgegeben, die Unternehmer- einwände gegen die Gültigkeit des Schiedsspruches zu prüfen und falls oer zuerst gefällte Schiedsspruch als formal ungültig erkannt werden sollte, einen neuen Schiedsspruch herbojzusühren. Mit diesen Schiedssprüchen ist die Lohnbewegung der deutschen Bauarbeiter für dieses Jahr in der Hauptsache abgeschlossen. Die Lohnzulagen sür die sonstigen Lohnklassen und Sparten müssen, soweit noch nicht geschehen, in den Bezirken nach einen? Schlüssel festgesetzt werden. Alle Löhne müsien vom 11. April an ge- zahlt werden, sie gelten bis zum 31. März 1939. Bau- und Geldschrankfch'osser halten Disziplin. Keine Beteiligung an Etraßentundgebungen. In der letzten gutbesuchten Branchenversammlung der Berliner Bau- und Geldschrankschlosser berichtete der Branchenleiter Krüger zunächst über die unhaltbaren Zustände in der Arbeitsver- m i t t l u n g. Ein großer Teil der Untemehmer bezieht die Arbeits- kräfte nicht mehr vom Arbeitsnachweis,. so daß e» dringend not- wendig sei. daß die Ortsverwaltung des Metallarbciterverdandes mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln auf die Unternehmer einwirkt, die Bestimmungen des Arbeitsnachweisabkommens zu respektieren, Hinsichtlich der Kündigung des Lohn- und Manteltarif- o ertrage» empfahl die Branchenleitung, daß zu dieser Frage eine neue Branchenversammlung am 27. Mai Stellung nehmen soll. welchem Vorschlag die Versammlung auch zustimmte. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die Betriebe auch geeignete Vorschläge für die Neu- wähl der Branchenleitung machen, über die dann gleichfalls in dieser Branchenversammlung endgültig ent'chieden werden soll. Einer von der Branchenkommission vorgelegten Protestresolution gegen das Demonstrationsverbot wurde, wie es in dieser Branche nicht weiter verwunderlich ist. von der Versammlung angenommen. Die Abstimmung über einigt Zusatzanträg«, in denen die Beteiligung an den Straßendemonftrationen der KPD. gefordert wurde, lehnte der Branchenleiter aber mit dem Hin- weis auf die Veranstaltung der Organisation im Sportpalast ab. Interessant waren hie Ausführungen des Branchenleiters, die er über das Verhalten der Redaktion seiner Parteizeitung, der „Roten Fahne", machte. Dieses Blatt hatte vor kurzem eine Reihe von Schmähartikeln gegen die Angestellten und Verwaltungsmit- glieder des Metallarbeiterverbandes gebracht. In einem dieser Ar- tikel war die Behauptung aufgestellt worden, daß die Angestellten der Ortsverwaltung monatlich«inen Mietzuschuß von 40 M. be- kämen. Obwohl Krüger, der selbst Angestellter der Ortsverwaltung ist, der„Roten Jahne" zweimal eine Berichtigung ein- schickte, in der er feststellte, daß die Behauptung der„Roten Fahne" unrichtig ist, lehnte das Blatt den Abdruck dieser Berichtigung ab. Dieser Fall zeigt jedenfalls, wie wenig Wert die„Rote Fahne" darauf legt, verleumderische Behauptungen selbst gegen Mitglieder der Kommunistischen Partei zurückzunehmen. Aber es handelt sich ja auch hier um einen Branchenleiter, der im Gegensatz zu Nieder- kirchner di« Beschlüsse der Organisation respektiert und aus ihre strikte Durchführung hält. �evoluiionäre" Verkehrsarbeiier.- sversammlunqsbitder. Täglich berichtet die„Rote Fahne" von den Massenv«rsammlun. gen bei den Berliner Verkehrsarbeitern, in welchen angeblich Ur- abstimmung über Ablehnung des Mantel- und Lohntarifes sowie völlige Arbeitsruhe am 1. Mai gefordert wird. Wie sehen diese über- füllten Massenversammlungen in Wirklichkeit aus? Boekers Festsäle am 2 4. April d. I.: Die Sitzplätze sind leidlich belegt. Besuch: etwa 499 Personen.—* Der angebliche Fachmann der Straßenbahn vom Bahnhof 24, Krüger, berichtet über den Lohn- und Manteltarif. Da er an den Verhandlungen nicht teil- genommen hat, und nicht teilnehmen kann, weil er zu den aus- geschlossenen„Revolutionären" gehört, ist er auch nicht imstande, «inen Bericht zu geben, sondern faselt einiges Unverständliches aus der ihm überreichten Vorlage und stellt die Tatsachen aus den Kops. — In der Diskussion melden sich einig« revolutionäre Unorganisierte, die grundsätzlich alles ablehnen und den Kampf durch Annahm« von Resolutionen siegreich beenden wollen. Ein revolutionärer Un- organisierter vom Kabelwerk Oberspree redet zum 1. Mai. Vom Borstandstisch werden einige Entschließungen zur Verlesung gebrocht und selbstverständlich angenommen.— Die Weltreoolution ist dal Pharussäle am 2S. April d. I.: Dasselbe Bild, doch erscheint hier der Hauptrevolutwnär Deter. Der Besuch ist kläglich. Anwesend sind etwa 499„Revolutionäre". Bon hen Zugeständnissen und Verbesserungen wird überhaupt nicht gesprochen. Direktor Brolat, Ortmann, Knobel,' Flieger, olle kommen an die Reihe. End- erfolg:„Nieder mit den Gewerkschaften! Nieder mit der Direktion! Nieder mU der Sozialdemokratie! Massenaufmarsch am'1. Mai! Gegen Zörgiebel, für die Wellrevolution I" Vor der Abstimmung über die Resolution zum 1. Mai sieht man die uniformierten Straßenbahner die Flucht ergreisen. Es wird nur noch unter den Handwerkern abgestimmt, denen di« Ar- beitsruh« am 1. Mai sowieso schon zugesichert worden ist- 3n der Bockbrau«rei a m 2S. April d.J.: Dasselbe Bild. Der Versammlungsbesuch noch schlechter. Der Saal ist halb leer. Selbstverständlich sind nur revolutionäre Unorganisierte anwesend, die das Gras wachsen hören. Es wird in derselben Weise vorgegangen. Betriebsrotsoorsitzender Flieger wird zunächst auf- gefordert, das Wort zu kiehmen. Genosse Flieger lehnt ab. mll dem Hinweis: Es sei vollständig überflüssig, bei diesen revolutionären Beitrogsdrückebergern ein Wort zu verlieren.— Dieselben Resolutionen werden ohne Widerspruch angenommen. So sehen nun in Wirtlichkeit die„überfüllten Massenver- fammlungen" der Berliner Verkehrsarbeiter aus. Wo sind die oer- sprochenen Kampsleitungen? Wann geht's los? Gewerkschaft als Kuliuriräger. Festveranstaltung ver Buchdrucker. In die Volksbühne am Vülowplatz hatte der Verband der Deutschen Buchdrucker zu einer Festveranstaltung für seine Lehrlingsabteilung geladen. Der Iungbuchdrucker sollte hier verstehen lernen, daß«seine Arbeitsorganisation nicht nur eine Kamps-, sondern eine K u l t u r g e m e i n s ch a f t ist. Es gill, durch den gewerkschaftlichen Zusammenschluß sich einen starken Bau zu schaffen: die Kulturwarte der Arbeiterschaft. Die Gewerkschaften er- ringen dem Arbeiter bessere Löhn«, günstigere Arbeitszeit: ober sie zeigen ihm auch, wie er das Gewonnene richtig, zweckmäßig on- wendet. Davon gab diese Festveranstaltung den Iungbuchdruckern einen Begriff. Denn hier handelte es sich n i ch t um flüchtige Unterhaltung: hier wurde ein Kulturs« st der Arbeiterschaft gefeiert, der Arbeiterschaft, die dem jungen Menschen, der in ihre Reihen tritt, schon vor etwas Erreichtes stellen kann und ihm sagt: bi» hierher haben wir es gebracht, hilf du, daß es auf diesem Wege weiter geht., Otto Hehler vom ADGB. betont« das deutlich in seiner Fest- ansprach«, in der er dgrauf hinwies, daß gerade die Buchdrucker die ältesten Stützen des gewerkschaftlichen Gedankens seien. O e d ö n H o r v a t h s Volksstück„Die Bergbahn", allzeit hier be- sprachen, wurde unter Viktor Schwannekes Regie aufgeführt. Di« scharfe Scheidung der Interessen des Kopitals und der Interessen der Arbeiterschaft formen den dramatischen Konflikt. Das Drama wurde mit starkem Beifall ausgenommen. Der gemeinsame Schluß- gesang,„Wann wir schreiten Seit' an Seit'...", war ein würdiger Ausklang der Veranstaltung. „Einftimmig angenommen." Mit der Ueberschrift:„Tarifkampf der Friseure" brachte die«Rote Fahne" am Sonntag einen Bericht, wonach die Forderungen der„Opposition" stürmischen Beifall fanden.„Ein Antrag— heißt es zum Schluß— auf vollständige Arbeitsruhe am 1. Mai und Teilnahme an den Demonstrationen der revolutio- nären Arbeiterschaft wurde ein st immig angenommen." Richtig ist, daß zur möglichsten Arbeitsruhe.am 1. Mai und zum Besuch der Versammlung in de»„Germanifestsälen" ausgefordert wurde. Nach Schluß der Versammlutug hiell ein zur Drei- Männer-Oppofition gehörender„revolutionärer" Friseurgehilse eine Rede vor den hinausgehenden Versammlungsteilnehmern. Ein- stimmig„beschloß" er dann samt seinen Oppositionsmachern die Teilnahm« an den verbotenen Straßcndemonstrationen. Die Organisation der Friseurgehilfen ist leider noch so schwach und die Abhängigkeit im Arbeitsverhältn's ist noch so groß, daß überhaupt nur ein ganz geringer Teil der Friseurgehilfen am 1. Mai di« Arbeit ruhen lassen kann. Trotzdem in fettem Druck der e i n- stimmige Beschluß im Moskau-Blatt! »foeie Gewerkfchasts-Iuaend Groß-Rerlin I Stule, Dienstag, 19� Uhr, lagen die Gruppen: Spandau: Gruppen, heim, Eltidt. Jugendheim, Lindenuser 1. Vortrag:„Die Bedeutung des L Mai".— Tremtow: Gruppcnheim, Echule Wildenbruchftr. 53—54 cHort- heim, Etädt. Jugendheim, Lindenuser 1. Vortrag:„Die Bedeutung des 1. Mai".— SmsUs: Gruppcnheim, Echule Wildenbruchftr. 53—54 isort- Zimmer). Vortrag:.chapitatislische Unternehmungsformen".— Humboldt: Gruppenheim. Jugendheim, Graun. Gete Lortzingstrahe. Vortrag:.Gnmnastit und Körperkultur"— Landeberger Platz: Sruppcnheim, Jugendheim. Diestel- meneeftr. 5. Boetrag:„glthrer der deutschen Vrbelterbewegung— Feig Sbert". — Zeanlsurter Allee: Gruppenheim, Etädt. Jugendheim. Litauer Etr. 13. Vor- trag:„Hedanlen zum 1. Mai".— Reu-Lichtenberg: Gruppcnheim. Jugendheim. Sunteefte. 43. Unterhaltungsabend.— Lichtenberg: Jugendheim Dosseftr. 22. Ausspracheabend:.B«n den Ausgaden und gtelen der F. G. I." Zuaendaruppe ves?,ntroiverbanpe« der Anaeflellten Heut«, Dienstag, finden folgende Beranftaltungen ftatt:«oedweft: Jugendheim Lehrter Str. 18—18. Vortrag:„ftilr und wider die Zodez. strafe". Refeient: Wilhelm Lewinski.— Uebungsabend des Epreeh. und Be. wegungsmors um ZV Uhr in der Turkthalle der Echule Baruther Str. 20. Hollen- schuhe mitbringen. Verantwortlich ftlr Politik: Dr. Sur, kener: Wirtschaft: S«tlingelhöler! GeivertschaltZdeweauna: Z. Steiner: Feuilleton: it. H. Sildgee; Lokole» and•onflige»: isri»«arftädt: AnMtatn lb Stocke, sämtlich in Verlin Verloa: Vorwärte verlag S m d d. Berlin Druck: Bormärto-Buchdruckerei und Verlaooonftalt Paul Einger a Co Berlin E-ffi 63 Lindenftrafie 3 Hietjn 1 Beilage und.Unterhaltung und Wissen". LI«»ekll«k«n gut und erwachen neu geotllrkt nach folgendem Rezept: Eine Flasehe ßaldrament Reichel, 3 mal(«glich'/z Teelöffel zu nehmen. 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