BERLIN SienStag 30. April 1929 10 Pf. Nr. 201 BlOO 46. Jahrgang. SrsldetattSslich«»<«? S»a«t«s«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts�. Bezugsreei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. 3,KoM. pro Monat. Redaktion«ad Lrredition; Berlin SW es, Zindenstr. 3 Aazetgeverei«: Die etnsxaltige NonrareMezeil« so Pf.. SleNameieile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto! Donvärts-Verlaz G. m.b.H., Berlin Nr. 87536. Fernsorecher: Dönhoff 292 bis 297 Der Aufmarschplan bestätiat Trotz kommunistischer Ableugnung.— KpO. nur noch Zerrbild. Die Mitteilungen, die Genosse Künstler auf dem Groh-Berliner Bezirksparteitag über die verbrecherischen Pläne der kommunistischen Parteileitung gemacht hat, haben das vorausgesagte Echo gefunden. Es ist ohne maschinelle Hilse nicht mehr zu zählen, wie oft in einer Nummer die.Rote Fahne" von Lügen, Schwindel, Phantasten, Achtgroschenjungenmethoden usw. schimpft. Das von Mostauer Geldern ausgehaltene Blatt besitzt die Frechheit, den Genosten Künstler mit dem berüchtigten Polizeispitzel S t i e b e r der Aera Puttkamer auf eme Stuf« zu stellen! Damit die übrigen Vertreter der sozialdemokratischen Arbeiterschaft Berlins auch etwas ab- bekommen, werden sie.korrumpierte und ausgesiebte Delegierte". .Bonzen und Bönzchen" usw. beschimpft. Alles, was Künstler ent- hüllt hat, soll Lüge sein: eine Sitzung am Donnerstag habe.gerade diesmal nicht" stattgefunden, sondern erst am Sonntag habe die gesamte Bezirksleitung getagt.— Aber während die.Rote Fahne" schreit und tobt, verbreilea Kommunistenhände bereit» durch ganz Berlin de« Lewel» de» Gegenteils. Am Montag wurde in den Betrieben von den Kommunisten ein Flugblatt zur Berteilung gebracht, das die Angaben Künstlers über die Ausmarschpläne der Kommunisten genauestens bestätigt: Wir lasten Kopf und Schluß dieses Flugblatts nachstehend im Faksimile folgen, damit die.Rote Fahne" nicht erst wieder mit Ausrode der .Fälschung" kommt. Zttslte frei am 1. Mai! LaBt die Arbeit ruhenl Hcram luiManendemonitrationi Von den Bezirkstreffpunkten zu den Kundgebungen um 1 Uhr mittags am Alexanderplatzund Potsdamer Platz Dm MelkomH*« der Beniner Arbeiter»(tieft Da» Flugblatt ist gedruckt in der.P« u v a g", der Partei- druckerei der Kommunisten. Ueber seinen Ursprung können daher kein« Zweifel bestehen. Der InHall des Flugblatts deckt sich genau mit den Angaben, die Künstler über den kommu. nistischen Ausmarschplan am Sonntag gemacht hat. Wir fragen jeden Denkenden: wenn die Beschlüsse über den kommunistischen Aufmarsch erst am Sonntag gefaßt wurden, wie konnte dann bereit, am Montagfrüh fix und fertig ein gedrucktes Flugblatt mit dem gesamten Ausmarschplan in Berlin verbreitet werden?l Der Aufmarschplan ist also bereits in der vorigen Woche beschlossen worden, und er ist genau so. wie Künstler ihn dargestellt hat. Das Flugblatt bestätigt, daß die kommunistische Bezirksleitung den geradezu verbrecherischen Mahnsinn begeht, den Alcxanderplatz zum Treffpunkt einer von ihr ge- wünschten Massendemonstration zu machen, der sich im Augenblick im Zustand völligen Umbaues befindet und ein Gewirr von Baugruben der Untergrundbahn darstellt. Auf«inen solchen Platz Mcnschenmassen zu dirigieren und gar noch mit der Absicht, diese Menschenmassen zu Zusammen- stoßen mit der Polizei zu veranlassen, ist der Gipfelpunkt demagogischer Verantwortungslosigkeit. Jede beliebige Panik unter den Demonstranten, ja nur ein blinder Lärm, kann genügen, um Unzählige gegen die Baugruben zu drängen die auf solchen Ansturm nicht eingerichteten Zäun« brechen und Hekatomben von Opfern hinabstürzen zu losten. Dann kann die kommunistische Leitung mit Leichtigkeit die von Ihr gewünschten 200 Toten haben, ohne daß die Bolizeiseite auch nur einen Schuh gelöst zu haben braucht. Daß die Polizei nicht zu schießen beabsichtigt, beweist der Er- laß Zörgiebels, die Karabiner zuhause zu lassen. Für die.Rote Fahne" ist dieser vernünftige Erlaß nur ein weiterer Anlaß, ihre Anhänger zu verhetzen und aufzuputschen. Liebestragödie im Grunewald. Die Geliebte erschossen und im See versenkt. Eine in ihren Einzelheiten noch sehr dunkle Liebestragödie sucht die Kriminalpolizei auszuklären. Aus veranlastung der Ehefrau eine» Schauspielers in der Augustflraße wurde gestern von Beamten der Inspektion H. 4 der 26 Zahre alte Opern- länger und Pianist Kort Schwirz, der an» Leipzig stammt, festgenommen. Schwirz war am Nachmittag bei seinen Bekannten erschienen, man hatte über dieses und jenes gesprochen und den Leuten war sein aufgeregtes Wesen aufgefallen. Gleich nach seinem Fort- gonge entdeckten sie, daß�er einen dem Ehemann gehörenden Revolbet mitgenoinmen hatte. Die Fräu war ihm noch- gelaufen und veranlaßte seine Festnahm«. Schwirz. dtt zunächst zu setner eigenen Sicherhett festgenommen wurde, erzählte auf dem Polizeipräsidium, was ihn zum Diebstahl des Revolvers veranlaßt habe. Die Erzählung des Opernfängers. Vor etwa drei Wochen lernte er In einem Cafe in der Friedrich- straße ein junges Mädchen kennen. Es war eine 20 Jahre alte Hertha S. aus der Südendstraße zu S t e g l i tz. Beide verliebten sich ineinander. Das Mädchen sagte sich von ihren Angehörigen los und wohnte mit dem Freund« in Penstonaten. Das Paar geriet aber bald in Geldschwierigkeiten, doch war das nicht der einzige Grund, der sie den Entschluß fassen ließ, aus dem Leben zu scheiden. Bei beiden machte sich mehr und mehr ein allgemeiner Lebensüberdruß fühlbar. Als Schwirz eines Tages in gedrückter Stimmung seinen Entschluß, sich zu erschießen, äußerte, bat Hertha ihn, sie zuerst zu töten. Er sei ihre erste Liebe und ohne ihn wolle sie nicht mehr leben. Nachdem sie mehrere Tage darüber ge- sprachen hatten, trafen sie sich am Sonntag abend am Oranienburger Tor, an der Ecke der Frisdrichstroße. Zusammen fuhren sie zum Grunewald hinaus und lagerten sich am See. Schwirz weigerte sich zunächst, die Geliebte zu erschießen, gab ihren Bitten dann aber doch nach und tötete sie durch zwei Schüst«. Zwei Stunden harrte er neben der Leiche aus. immer im Kampfe mit sich selbst, der Braut zu folgen. Der Mut verließ ihn aber. Schließlich entkleidete et sich zum Teil und trug die Leiche de» Mädchens in da, Master, wo er sie versenkte. Dabei entfiel ihm auch der Revolver. Er legt« seine Kleider wieder an, ging zu Fuß bis zum Roseneck und fuhr von dort mit einem Auto in die Stadt. Die Tragödie soll sich um die Mitternachts» st u n d e abgespielt haben. Während der Morgen- und Vormittags» stunden irrte er in der Stadt umher und kam zu dem festen Entschlusi, nun doch auch in den Tod zu gehen. Um sich eine neue Waffe zu beschaffen, suchte er seine Bekannte in der Auguststraße auf. Wie weit die Angaben des Schwirz auf Wahrheit beruhen, wird die Untersuchung der Mordkommission Johannes Müller ergeben. Tatsächlich ist Hertha S. seit dem 9. April aus der elterlichen Woh- nung verschwunden und auch als vermißt bereits gemeldet. Man Halle trotz der Nachforschungen noch keine Spur von ihrge- f u n d e n. Im Laufe des Tages wird ein Lokaltermin gehalten werden, bei dem der Sänger die Stelle bezeichnen wird, an der er die erschossene Geliebte in das Wasser bracht«. Sie trompetet diesen Erlaß als kommunistischen„Sieg", als R ü ck- zug der Polizei aus. Gleichzeitig werden in Berichten über die gestrigen Probemanöver überall die kommunistischen Demon- stranten gelobt, die der Polizei Wider st and entgegensetzten. So wird von der Demonstration am Potsdamer Platz berichtet:»Die Schupo mußte fluchtartig da» Feld räumen," Vom Hallefchen Tor: „Die Schupo wich machtlos vor den trotzig aufmarschierenden Jung- kommunisten zurück." Von der Schönhauser Allee:„Der versuch, Arbeiter zu verhaften, scheiterte an der enlfchlostenen Haltung der Demonstranten.", Was solche erlogenen„Siegesberichte" bedeuten, liegt auf der Hand. Die Anhänger der KPD. sollen zu Angriffen aufdiePolizei crnmtigt werden. Es wird da genau noch dem Rezept einer gewissen nationalistischen Presse gearbeitet, die zum Kriege hetzt mit der Beteuerung, daß die Feinde wie Schafleder ausrissen, wenn sie nur einen deutschen Soldaten sähen. Genau so verfährt die„Rote Fabne" und peitscht damit zu Gewaltakten auf, für die sie allein die Verantwortung zu tragen hat. der Kommunistischen Partei ist aussichtslos. Er hat lediglich zum Ausschluß der besten klassenkämpser geführt, während Lumpen» Proletarier in die Partei ausgenommen wurden und darin ihr Un» wesen treiben... Die Kommunistische Partei ist nur noch da» Zerrbild der von Lenin. Luxemburg und Liebknecht begründete» Partei. Nach Feststellung dieser Tatsachen bleibt für einen ehr, l i ch e n Klassenkämpfer nur der Austritt aus dieser Partei, die der Konterrevolution den Weg ebnet." Zum Schluß heißt es dann:„Als alter Spartakuskömpfer habe ich für meine lleberzen- gung Zuchthaus. Gefängnis und Festung erduldet. Zum 1. Mai rufe ich ollen Nastenbewuhlen Arbeitern za: Laßt ab vom Bruder» kämpf. Stellt die Einheit der Arbeiterklasse her. Tretet ein in die Reihen der Sozialdemokratischen Partei." Abschied von den Thälmännern. Die KPO. nur noch ein Zerrbild. Düsseldorf, 30. April.(Eigenbericht.) Der Führer der koinmunistischen Stadtverord- netenfraktion in Düsseldorf, Redakteur der„Düsseldorfer Kommunistischen Zeit", O ch e l. ist aus der ZIPD. ausgetreten. In einem Schreiben teilt Ochel u. a. mit: „Hiermit erkläre ich meinen Zfustritt aus der Kommunistischen Partei Deutschlands. Di« Beschlüsse des 4. RGI.-Kongresses bede». ten in ihrer Konsequenz den Kampf der Koinmunistischen Partei mit Hilfe der Unorganisierten gegen die freien Gewerkschaften... Karl Marx rief der Arbeiterschaft zu:„Proletarier oller Länder vereinigt Such!" Die Taktik der Kommunistischen Partei führt zur Selb st zerfleischung der Arbeiterschaft und der bc- absichtigten Zerstörung der freirn Gewerkschaften, der Grundlage, auf der allein die Einheitsfront der Arbeiterschaft gebildet werden kann. Wer die E i n h c I t s f r o n t der Arbeiter bekämpft, handelt konterrevolutionär Die neue Linie der Thälmana und Ikeumonn ist noch verbrecherischer als der ultralinke Kur» von 1924/25, der durch den Ekki-Brief als unmarxistisch und unleni- nistisch verurteilt wurde... Der Kamps der Opposition innerhalb Mai-Märchen und-Bärchen. Die„Kanonen" der Maulrevolutionäre. Es ist schwer für die Beauftragten der Komintern, den beut- schen Arbeitern ihre Maiideale zu verekeln. Deshalb werden die schauerlichsten Dinge erfunden, um den Mut zu Heldentaten auf der Straße aufzustacheln. Dabei passieren die peinlichsten Hereinfälle. Läßt sich die„Rote Fahne" da ein« Räuberpistole erzählen:„Wie ein Lehrling sich am 1. Mai lS89 verhalten hat" und wie er„sich vor den Kanonen nicht fürchtete". Heldentat: In die Stadt Eilenburg ziehen von Torgau kommend ein Regiment Husaren nebst Artillerie und Infanterie ein, um die Maifeier zu bekriegen! Aber der wackere Stift„sorcht' sich nit". Er erklärte seinein Meister, daß er„1. Mai feiere"! Und der Lehrherr mußte es dulden... So hat sich die..Rote Fahne" gehörig hereinlegen lassen. Sonst weiß jedes politische Kind in Deutschland, daß die Mai- feier erst im August 1889 in Paris beschlossen und daß sie in Deutsch- land zum ersten Male 1690 begangen wurde. Aber was tut's: bei dem Schwindelsystem der politischen Lehrlinge in der kommu- nistischen Presse kommt es auf eine Ungereimtheit mehr nicht an. Wir hängen sie tiefer.... Auf der gleichen Seite, wo der Kanonenbär angebunden ist, wird auch der Genosse D i t t m a n n zum Kronzeugen der KPD. herangeholt. Aber auch das ist ein R e i n f a l l. Genosse D i t t- mann schreibt uns dazu: Die„Rote Fahne" tischt ihren Lesern ein Märchen über mich auf. Ich soll vor 20 Jahren in Solingen beim Kampf um das 3)er Stiesenbrand in Rotterdam Jn einem ITlübeltnagastin in XoUerdam brach ein SXiesenbrand aus, der sich mit unerhörter Qeschirlndigheil ausdehnte und 15 Müuspr vollkommen verstörte. 3)en Feuerwehren gelang es schließlich, nachdem sie die tlachi hindurch gelöscht hatten, das Feuer einsudämmen und die Zerstömng des ganzen FtMuserbloehs zu verhüten Unser Süld zeigt die f rümmersiSUe Trotzki erneut schwer belastet. Wie es zum Brandunglück in der Schönleinstraße kam. Unter andauerndem starten Andränge des Publikum» wurden heute früh im Schwurgerichtesaal die Verhandlungen de» Schössengerichls Tempelhos gegen den Aabritanlen Friedrich Wilhelm T r o h k i wegen seines fahrlästigen Verhallen», da» durch das Lrandunglück in der Schönleinstraße veranlaßt worden sein soll, fortgesetzt. Es sind noch eine ganze Reihe von Zeugen zu vernehmen. Sehr bestimmte Aussagen machte der 15 Jahre alte Heinz Beyer, der ein heller Berliner Junge ist und mit Stolz betont«, daß er jetzt„Kuhhirt in P om me r n� sei. Er hat die letzten sechs Wochen bis zum Brande in dem Trotztischen Zelluloid- betrieb gearbeitet. Als der Brand ausbrach, stand er an der Schneide- maschin« ganz in der Nähe der Druckpressen und schnitt die Streifen wobei viele Abfälle entstanden. Di« Abfäll« kamen abends immer in Säcke. Unter dem Tisch in der Nähe der Prägestöcke lagen an jenem Tag« drei gefüllte Säcke, daneben standen unter dem- selben Tisch zwei Holzkisten für die Papier- und Zelluloidabfäll«, die von dort dann in die Säcke kamen. Landgerichtsdiret- tor Krüger: Es wird behauptet, daß nicht soviel Säcke mit Abfall vorhanden waren. Zeuge: Der dritte Sack wurde doch am Sonntag gefüllt. Vors.: Wurde denn am Sonntag gearbeitet? Zeug«: 3a. wir haben immer Sonntags gearbeitet. (Bewegung.) Vors.: Wie schwer waren die Säcke? Zeuge: Neunzig Pfund. Ich habe sie nicht schaffen können. Vors.: Wie lang« habt ihr am Montag, am Tage vor dem Brande, gearbeitet? Zeuge: Es kann bis nach neun gewesen sein. Das weih ich bestimmt, denn um sechs Uhr haben wir erst eine halbe Stunde Mittag gemacht. Vors.: Wie bist du dorthin gekommen? Zeuge: Durch den Arbeitsnachweis. Vors.: Wurde gesagt, daß es ein gefährlicher Betrieb sei? Zeuge: Nein, aber Ich wußte, dah Zelluloid leicht brennt. Vors.: Wurde bei der Arbeit sehr unvorsichtig umgegangen? Zeuge: Nein. Es ist öfter etwas vorgekommen. Ich habe auch an den Prägestöcken gearbeitet, und da ist mir oft ein Plättchen in Brand geraten. Das ist allen passiert. Manche haben die Flamme ausgepustet, andere sie brennen lassen Vors.: Hast du gesehen, wie das Feuer«nt- stand? Zeug«: Ja, ich war dicht dabei. Die Schönemann hatte ein brennendes plättchen in der Hand und pustete. Sie verbrannte sich die Finger und ließ e» in den Karton fallen. Daraus schlug eine Flamme bis zur Decke hoch. Die Mädels schrien auf. warfen den brennenden Karton auf die Erde, und da faßten die Säcke mit Abfall gleich Feuer. Alle sind weggelaufen, und dann ging das elektrische Licht aus. Ich hatte mir meine Sachen aus der Garderobe geholt und lief herum, bis ich an«in Fenster kam. das ich einschlug. Ich kletterte hinaus und hielt mich fest, bis die Leute eine Leiter ansetzten Vors.: Wußtet ihr nicht, daß noch ein anderer Treppenausgang bestand? Zeuge: Da mußte man aber durch das Bureau von Herrn Trotzki, und d i e Tür war immer zugeschlossen, wenn er nicht da war. Staatsonwaltschaftsrat Domini ck: Wie wurde das Gas an den Pressen angezündet? Zeuge: Zuerst immer mit Streich- hölzern, da aber zuviel oerbraucht wurden, kauft« Herr Trotzki einige Feueranzünder. Sie gingen aber zuletzt nicht mehr. Staats- anwalt: Womit haben die Arbeiterinnen dann angezündet? Zeuge: Wieder mit Streichhölzern, manche nahmen auch ein Zelluloidstückchen oder einen Papierstreifen. Staatsanwalt- schaftsrat Dominick: Hat euch niemand gesagt, daß das gefährlich sei? Zeuge: Nein, niemand. Di« Streichhölzer bekamen wir sa im Bureau. preußische Wahlrecht„die Arbeiter ausgerufen haben, sich durch kein behördliches Verbot von öffentlichen Umzügen und Demonstra» tionen' abhalten zu lassen". Wer das damals getan hätte, wäre sofort verhaftet und sicher zu mehrjähriger Gefängnisstrase verurteilt worden. In Wahrheit handelte es sich um eine Wahl- rechtskundgebung. aus dem St.-Sebastian-Schützenplotz in Solingen, die polizeilich genehmigt war, an der 20 OVO Menschen teilnahmen und in der vier Abgeordnere sprachen. Ich selber sprach an diesem Tage in Langenberg an der Ruhr, war also gar nicht in Solingen Beim Rückmarsch von dieser Kundgebung kam es zu einer Straßendemonstralion, die ebenfalls von der Polizei nicht verboten war Es kam aber zu einem Zu- fammenstoß, weil die Polizei in den Zug eindrang, um eine klein« rote Fahne— die einzige, die im Zuge getragen wurde— herauszuholen. Dabei schlugen die Schutzleute mit dem Säbel aus die Demonstranten ein. Darauf berief die Solinger Parteiorganisation— nicht sicher, wie die„Roie Fahne" behauptet — aus den Abend des folgenden Tages eine Protestversammlung in den„Kaisersaal" ein, in der ich einer der beiden Redner war. Nur insofern bin ich an der Sache beteiligt gewesen. Was die „Rote Fahne" über ein angebliches Gespräch zwischen mir und dem Oberbürgermeister Dicke berichtet, ist g l a t t e r l o g e n. Ich habe überhaupt nicht mit ihm verhandelt. Die ganze Lügengeschichte in der„Roten Fahne" soll nur ihren Anhängern Mut machen, morgen gegen die Polizei vorzugehen. Die verhinderte Mairede. RunSsunkzensur gegen Sollmann. Auf Einladung der„Westdeutschen Rundfunk A.-G." sollte der Reichstagsabgeordnete Sollmann am l. Mm in Köln im Rund- funk reden über„Ein W« l t f e i e r t a g". Den Bestimmungen gemäß reichte Sollmann seine Niederschrift ein. Selbstverständlich entsprach der Inhalt seiner Rede den Gedanken, die jeden Sozialisten erfüllen und besonders am 1. Mai ausgesprochen werden müssen. Es war keine» parteipolitische Rede, aber ein Be- kenntnis zu der sozialistischen Geisteswelt. Zwei Mitglieder des politischen Ueberwachungsausschustes haben nun in letzter Stunde gegen den Sollmannschen Vortrag Einspruch erhoben. Die Red» wird nicht gehalten werden. Es ist klar, daß die Entscheidung der„Westdeutschen Rundfunk A.-G." nicht stillschweigend hingenommen werden kann. parlamenisbrand in Balkan. Die Eodranje in Sofia ausgebrannt. Sofia, 30. April. Am Dienstag morgen um 5 Ahr brach im großen Sitzung»- saal des bulgarischen Parlaments infolge Kurzschlusses ein Brand aus, der sich in dem mit Holz getäfellen Saal rasch ausbreitete. Der Saal ist fast völlig ausgebrannt. Da» Feuer wurde da- durch entdeckt, dah die Präsidentenglocke unaushörlich klingelte. Die Parlamentewache wurde dadurch alarmiert. Die Feuerwehr konnte gegen S Uhr morgens den vrand löschen. Der Saal samt den Logen und Tribünen Ist zerstört. Dir Silber de» Zaren Boris, der früheren Fürsten und der russischen Zaren. ferner der im Saal stehende Zarenthron ist verbrannt. Die Decke ist durch Feuer und Wasser zerstört und droht einzustürzen. Das ganze parlamentsgebäude ist ausgeräumt worden. Der noch unvollendete große Renbau konnte gerettet werden. Das Gebäude ist für längere Zeit unbenutzbar. Die Außenfront des Parlaments- gebäude» ist unversehrt geblieben. Menschenopfer sind nicht zu be- klagen. Auch die werlvollen Archive und die alte Parlament». bibliothek sind gerettet. Oer vierte Tote in Stendal. Die Opfer Ver ZWordroterei. Das Stendaler Automobil-Kilometer- rennen hat nun das vierte Todesopfer gefordert. Heute erlag der Tierzuchtinspektor G o e tz e aus Stendal seinen Verletzungen» bei den übrigen Verletzten besteht keine Lebensgefahr. 55 Opfer der Sprengstoffexploflon. Fahrlässiges Verhalten der Prag-pardubitzer Gesellschast. Prag, 30. April. Zu dem schweren Explosionsunglürk in der tschecho» slowakischen Sprengstoffabrik in Semtin bei Pardu- bitz wird noch berichtet» daß beim Mischen von Nitro- glyzerinmasse ein in einem Holzobjekt befindlicher Kessel in die Luft flog, wobei fünf Arbeiter getötet und dreißig verletzt wurden. Zwei der Verletzten sind inzwischen gestorben. Die Fabrik bot nach der Explosion ein Bild furchtbarer Zer- störung. Der mehrstöckige Bau ist vollkommen vernichtet Große Eisenteile und Balken wurden hunderte Meter fortgeschleudert. Brennende Holzteile sielen auf die übrigen Gebäude der Fabrik, die sofort in Flammen aufgingen. Auch der in geringer Entfernung befindliche Wald geriet in Brand. Erst nach vielen Stunden gelang es, das Feuer zu löschen. Jn ganz Pardubitz wurden sämt- liche Fensterscheiben zertrümmert, Dächer wurden beschädigt, zum Teil gänzlich abgerissen. An einem Hause in Semtin arbeiteten Maurer. Das Gerüst stürzte ein, wobei zwei der Arbeiter ver- letzt wurden. Die Leichen der bei der Katastrophe vermißten fünf Arbeiter wurden bereits geborgen. Die Fabrik gehört der Tschechischen Explosivstoff A.-G in Prag und befaßt sich mit der Herstellung aller sür die Industrie und die Armee notwendigen Sprengstoffe. Bemerkens- wert ist, daß in dem Geschäftsbericht auf die besonderen Sicher- heits maßnahmen hingewiesen wird, die die Fabritleitung getroffen habe. Sie hätten sich so gut bewährt, daß bisherige Unfälle ohne ernste Folgen verliefen. Es wird nunmehr bekannt, daß sich schon am Freitag eine schwere Explosion ereignet hat wobei vier Arbeiter schwer verletzt wurden. Amtlich wird mit- geteilt, das neue Unglück stände in keinem Zusammenhang mit der Explosion am Freitag. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht bekannt, festgestellt wurde bisher nur. daß ein verbrecherischer Anschlag ausgeschlossen sei. „Bisherige Unfälle", so steht in dem Bericht der Gesellschaft, „sind ohne ernste Folgen geblieben." Es haben schon vor der gestrigen Katastrophe Unfälle stattgesunden. Man hat aber in verbrecherischer Nachlässigkeit mit verschärsten Sicherheiismaßnahmen gewartet, bis ernste Folgen eintraten und 35 Arbeiter ums Leben oder zu Schaden kamen. Kahlbusch's Geständnis. Direkt von Schulz angestiftet. Zu dem Geständnis, das der Fememörder Fahlbusch über seine Taten und die Anstistung des Oberleutnants Schulz abgelegt hat, ist noch folgendes nachzutragen: Im Falle Wilms erklärt Fah busch zwar, den direkten Beseht zur Ermordung des Wilms von dem geflohenen Hauptmann Gutknecht erhalten zu haben. Es ist aber durchaus nicht gesagt, daß Schulz durch diese Aussage wesentlich entlastet wird. Schulz und Gutknecht arbeiteten damals bei der Divisiotz in der Kurfürstenstraße Zimmer an Zimmer nebeneinander. E» ist erwiesen, dah Schulz von der Ermordung de» Wilms gewußt und bei der Meldung des Leut- nants o. Poser über das plötzliche Verschwinden de» Wilms nur geantwortet hat: „Es ist gut, wir wisien Bescheid." Hiernach und nach weiteren Indizien erscheint ein Zusammenwirken von Gutknecht und Schulz nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich. Sie dürsten beide als Anstifter der Tat zu betrachten sein. Im übrigen würbe sich selbst eine Entlastung, die Schulz durch die Aussage des Fahlbusch im Falle Wilms erfährt nur als um so stärkere Belastung des Schutz im Falle Brauer auswir- ken. Denn sie würde zeigen, daß das„qualifizierte Geständnis" des Fah'bufch im Falle Brauer nicht aus Gehässigkeit gegen Schulz entstanden sein kann. Dieses Geständnis soll dadurch besonders interessant sein, daß Fahlbusch die Unterredung mit Schulz, die zur Ermordung de» Brauer geführt hat. mit allen Begleitum- ständen bi» ln die kleinste Einzelheit dargestellt hat. Danach hat Schulz den Fahlbusch auf jein Zimmer kommen lasten und ihm dori etwa folgendes eröffnet: Brauer müsse unter allen Umständen verschwinden, solange Brauer lebe, sei die gesamte Schwarze Reichswehr vor verrat nicht sicher. Er. Fahlbusch, solle da» selnige tun, um Brauer für immer den Mund zu stopfen. Die Schilderung des Vorfalles durch Fahibusch zeigt weiter, daß diese Methode des Vorgehens für Schulz nichts U n g e- wohnliches, daß Schulz vielmehr gewohnt war, der» artige Befehle zu erteilen. r Bleibt es warm? Oer Wetterdienst zweifelt daran. Mit dem sonnigen und warmen Frühlingswetter soll e» nach einer Mitteilung des Wetterdienstes leider allzuschnell wieder zu Ende gehen. E» liegen Anzeichen dafür vor. daß schon ab morgen eine weitverbreitete Abkühlung vor sich gehen wird. Heute mittag wurden annähernd 20Grad Wärme gemesten, das ist bisher die höchste Temperatur in diesem Jahr. Die Er- wärmung hat ihre Ursachen in der Zufuhr warmer Luftströme aus dem Süden, die ziemlich schnell nach Norden vorgeflosten sind. In der letzten Nacht ist besonders in Mitteldeutschland stark« Bewölkung eingetreten, die an mehreren Stellen kurze Frühlingsgewitter zu- Folge hatte. Die Bluiiai bei Lauban. Oer Ermordete ist ein Waidenburqer Ingenieur. L a n b a n» 30. April. Bei dem Toten, der, wie wir meldeten» im Graben an der Chaussee Lauban— Schreibersdorf aufgefunden wurde, handelt es sich um einen Ingenieur der Siemcns-Schuckert-Werke in Waldenburg namens F. Schütze. Es unterliegt keinem Zweifel» daß Schütze. der sich auf der Fahrt von Waldenburg nach Dresden befand, einem Raubmord zum Qpfer gefallen ist. Der Ermorderte fuhr am 27. April, gegen 15 Uhr. auf seinem erst kürzlich neu erworbenen Kleinmotorrad Marke DKW. angeblich nach Dresden. Vermutlich wollte er jedoch nach Reichen- b e r g, um seinen dort beschäftigten Stiefvater zu besuchen und hat einen Mitfahrer auf seinem Soziussitz mitgenommen. Von diesem scheint er dann, wie nach Lage der Schüste festgestellt wurde, von hinten erschossen worden zu sein. Die Schüste scheinen nicht sofort tödlich gewesen zu sein, da, nach den vorhandenen Spuren zu urteilen, sich noch ein Kampf zwischen dem Ermordeten und dem Täter abgespielt hat, worauf mehrere Hieb- und Schnittwunden schließen lassen. Der Ermordete war 28 Jahre alt. Lauban ist ein« Kreisstadt im Regierungsbezirk L I e g n i tz, Provinz Niederschlesien. 3m verband sür Freidenkertum und Feuerbestattung sind am 1. Mai sämtliche Geschäftsstellen sür jeden Verkehr ge» schlössen. Die Reparation spause. Mißerfolg schadigt»nicht am meisten Frankreich.* Paris, 30 April. Der Redaktionsausschuh der Sachverständigenkonserenz hat be- schlössen, daß die Abändeiungsoorschläge zum Entwurf des Berichts schriftlich in der nächsten Sitzung am Mittwoch vorgelegt werden. Bei Eröffnung der Tagung des Generalrats des Departements Ardennes in Mezieres hat der Borsitzend« des Seuatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten Senator Hubert in seiner Eröff- nungsrede sich auch mit der Reparationskonferenz beschäftigt. Er führte aus: Di« Alliierten haben bereits beträchtliche Abstriche an dem Betrag ihrer Guthaben vorgenommen. Es ist nicht möglich, dasi die Opfer stets nur von ihrer Seite gebracht werden. Frank- reich erwartet, unid hat das bekanntgegeben, die Deckung der interalliierten Schulden und einen bestimmten R e st b e- trag auf die eigentlichen Reparationen. Es wünscht sehr, daß man zum Ziele kommt: es will aber nichl, daß man um jeden Breis zum Ziele kommt. Uebrigens würde sin Mißerfolg nicht Frankreich am meisten schädigen. Das Reparations- Problem ist nicht nur ein technisches, sondern auch«in politisches: es nimmt die erste Stelle in dem allgemwnen Problem der deutsch- französischen Beziehungen ein. Insofern handelt es sich also wieder einmal um den ganzen Fragenkomplex der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, über den man sich oerständigen muß. Immer wieder muß betont werden, daß Locarno nicht Ber- sailles aufgehoben hat. Ebenso wie Frankreich im Falle eines Mißerfolges der Sachverständigenkonserenz an dem festen Boden des Londoner Zahlungsplanes festhalten würde, ebenso be- ruft es sich hinsichtlich der wirtlichen Wirtschaftelage und der Mög- lichkeiten Deutschlands auf die Feststellungen Parker Gilberts. Schillings und die Berliner Oper. Notwendige Feststellungen. Die Scherben in Oppeln. Folgen der national, stifchen Hetze. Oppeln, 29. April. In einer Pressekonferenz am Montag erklärte Oster- Präsident Dr. Lukaschek, daß er die Vorfälle im Anschluß an das polnische Theatergastspiel in Oppeln aufs lebhafteste bedauert. Dem polnischen Generalkonsul in Beuchen hat der Ober» Präsident ebenfalls sein Bedauern über die Vorgänge ausgesprochen. Kallowih, 30. April. Wie die deutschen Zeitungen in Ostosterschlesien melden, hat die deutsche Theatergemelnde in Kattowitz im Zu- sammenhang mit den Vorfällen, die sich gelegentlich der polnischen Iheateraufführung in Oppeln gestern ereigneten, beschlosien, zum Die kommunistische Parole. Im Zusammenhang mit der Berliner Opernkrise, die der Rück- tritt Bruno Walters ausgelöst hat— soweit es nicht diese längst latente Krise war, die ihm zum Rücktritt bewog—, ist auch, für viele wohl ein wenig überraschend, der Name des ehemaligen Jntendan- ten, Max v. Schillings erneut zur Diskussion gestellt worden. � Unsere Leser wissen darüber Bescheid. Man erinnert sich noch des i Aussehens, das vor mehr als drei Jahren durch fristlose Entlassung > des höchsten Beamten der Staatsoper erregt worden ist Heule auf das Für und Wider zurückzukommen, das die näheren Umstände des gewiß ungewöhnlichen Borgangs damals in der Oeffentlichkeit enffessellen, erübrigt sich um so mehr, als vor kurzem zwischen dem Kultusminister Dr. Becker und dem in Groll und Feindschaft ge- schicdenen Künstler eine versähnliche Aussprache stattgesunden hat. Alle etwaigen Mißverständnisie sind aus dem Weg geräumt: vor wenigen Tagen ist Schillings auf Einladung der Intendanz wieder an der Stätte seines einstigen Wirkens erschienen: als Gastdirigent seiner Oper„Mona Lisa'. i Der auffallend laute Jubel, mit dem ein gewisser Teil der Berliner Presse diese„Heimkehr" begrüßt, bildet für uns selststverständ- sich keinen sachlichen Grund, uns einer etwaigen Berufung des Kapellmeisters Schillings— nur davon ist noch die Rede— zu widersetzen. Ganz gewiß vermag die Musikstadt Berlin einem Musiker seiner Bedeutung und seines Ansehens Raum Und würdige Beschäftigung zu bieten. Welche bestimmten Absichten mit diesem einmaligen Gastspiel vielleicht verbunden waren darüber fehlt uns einstweilen jede amtliche Information. Aber Hugenbergs„Nacht- ausgab«", die nicht versäumt hat, dem Dirigenten«inen ihrer Mit- arbeitet ins Haus zu schicken, weiß von seinen Berliner Zukunfts- Plänen allerlei Interessantes auszuplaudern. Danach sei er, aus Grund eines mit dem Generalintendanten Tietjen genau verein- barten Programmes, für eine umfassende Tätigkeit in beiden Opern, der staatlichen und auch der städtischen, berufen. Wir sind erstaunt. Noch erstaunter freilich darüber, daß es, nach seinen eigenen Worten. „politische Pfade" gewesen, auf denen er sich einst von svner vorgesetzten Behörde getrennt habe,„politische Kämpfe", denen er damals zum Opfer gefallen. Politische Kämpfe, die das preußische Ministerium gegen den Operintendanten Schillings zu führen hatte — nein, davon haben wir nichts gewußt. Aber seit kurzem wissen wir, welche Art„Politik" es ist— nicht, der er als Intendant zum Opfer fiel, doch, der er sich seicher oerschrieben und, anders freilich als er es meint, all seine künstigen Chancen geopfert hat. Bi» zur Stunde haben wir gezögert, uns mit dieser unxrfreu- lichen Affäre zu befassen. Die„Vossische Zeitung" hat sie vor ein paar Tagen zur Sprache gebracht. Wir haben gewartet, ob vielleicht doch eine daraus erfolgend« össentlich« Ertlärung, durch die der Künstler sich von einer ihn schwer kompromittierenden Aktion nach- träglich lossagte, uns die peinliche Notwendigkeit ersparen werde, von ihm. dessen künstlerische Verdienst« wir nicht verkennen, öffent- sich abzurücken. Aster keine Erklärung, kein Wort der Berichtigung ist vernommen worden; länger können wir nicht schweigen. „Wir parteikommunisten liefern die Parolen, das Kanonen- futter liefern die revolut>onären Unorganisierten.* Zeichen ihre« Protestes die heutige Theatervor» stellung in Kattowitz abzusagen. Mitglieder des Vor- standes haben, der Mitteilung zusolg«, dem Direktor des Kattowitzer polnischen Theaters ihr Bedauern und vor ollem ihr Mitgefühl mit den Verletzten mündlich zum Ausdruck gebracht. Die Mißhandlung der polnischen Schauspieler in Oppeln hat, wie nicht anders zu erwarten war, bereits verschiedene Gewalt- tätigkeiten gegen das deutsche Theater in Katto- witz zur Folge gehabt. Obwohl der Vorstand der deutschen Theatergemeind« den Direktor des polnischen Theaters lein Bedauern über die Vorfälle zum Ausdruck gebracht hat, tonnte nicht verhindert werden, daß die Mitglieder des polnischen Theaters in Kattowitz zunächst den Kassierer der deutschen Thealergemeinde aufforderten, sofort die Kasse zu verlassen. Gleichzeitig wurden die Angestellten des im Theater befindlichen deutschen Theater- bureaus sowie der Vorstand der deutschen Theatergemeinde ge- zwungen,-das Stadttheater Innerhalb von fünf Minuten zu verlassen. Vor dem Stadttheater hatte sich bereits eine große Menschenmenge angesammelt, die«ine drohend« Haltung gegen die Deutschen einnahm. Nach diesen Vorgängen dürft« kaum damit zu rechnen sein, daß weitere deutsch« Theater- aussührungen stattfinden werden, da die polnische nationalistische Presse verlangt, die Weiterbenutzung des Kattowitzer Stadttheaters den Deutschen zu verbieten. Die deutschen Parteien haben zu den Vorfällen in Oppeln folgende Erklärung abgegeben:„Die Störung der polnischen Theateraussührung in Oppeln und die gegen die wehrlosen polnischen Schauspieler verübten Gewalttätig. leiten werden aus das schärfste oerurleilt." Mindecheiientagung in London. Ratsausschuß hinter verschlossenen Türen. London, 30. April. Das Dreiertomite« des Dölkerbundsrates, das für die Minderheitenfragen zuständig ist, trat am Montag in London zu- lammen. Die Veratungen werden sich voroussichttich auf acht Tage erstrecken und vertraulich geführt werden. Dem Komitee, das sich aus Sir Austen Chamberlain. Adatschi und Quinones de Leon zu- sammensetzt. liegen die gleichlautenden Memoranden der Minoritäts- staaten. dos Memorandum Dandurand, und Dr. Strese manns sowie endlich die Denkschriften Ungarns. Bulgariens. Lettlands. Estland», der Schweiz und verschiedener anderer Minoritätsorgani- sationen vor. Es lohnte wohl nicht, von einem Verein„D e u t| ch t u in i n der K u n st"—„zur Pflege deutscher Musik durch deutsch« Künst- ler"— viel Worte zu machen. Man kennt die Sorte, und man kennt die Ziele und Methoden dieser„deutschen" Obskurantenbünde, doch auch die Hoffnungslosigkeit ihres Wirkens. Das Dunkel, in dem der prächtige Verein sich betätigt— halb strahlt er's aus, halb hüllt's ihn ein— erleuchtet der sogenannte„Ehrenausschuß" der an der Spitze steht: ein« Kollektion höchst illustrer Namen, die den Charakter des Unternehmens in aller wünschbaren Deutlichkeit er- hellen. Pastor Mumm.„Hofpvediger" Vogel, die surdeutschen) Generäle Hutter und Fran>:ois die Herren Reventlow, Eoerling, Graes, Ramin, Freytagh-Loringhoven, Keudell, Locbell, um nur die Prominentesten zu nennen, sind daruitter. Und Max v. Schil- lings also befindet sich in dieser ebenso glänzenden wie nützlichen Gesellschaft(in der selbstverständlich auch der Münchener Akademie- Präsident v. Hausegger und der Münchener Generalmusikdirektor Knappertsbusch nicht fehlen). Was die Deremsstaruten schamhaft verschweigen, das enthülll ein zur Werbung von Mitgliedern be- stimmres Flugblatt, das dem gedruckten Formular der Beitrstts- erklärung als einladende Kehrseite angeheftet ist.„Verjudung und Bolschewisierung der deutschen Kunst" he-ßt das Gespenst, dem un- erbittticher Kamps angesagt wird.„Vorwärts* und„Volksbil- dungsminister",„Marxismus" und„Alljuda",„proletarischer Be- freiiungskamps"„Nacktkultur" und„schmutzige südische Gier noch dem blonden Weibe",„fröhlicher Schweinberg* und.neudeutscher Kultursumpf". Aufklärung und Gemeinheit. Zote und iozialer Fort- schritt... alles wird von den Verferttgern des Schmutzblattes durcheinandergeworfen, hetzerisch durchen, andergerührt, alles, was sich für sie und ihresgleichen zum Mid dieser von ihnen verabscheu. ten Gegenwart zusammentragen, zusammenlügen läßt, zum Bild des republikanischen Deutschland, wie sie, blind vor Haß, es sehen und wollen, daß andere es sehen und hassen lernen. Genug: es lohnt nicht. Wie Schillings in diese Umaebung geraten ist, wissen, wir nicht und es interessiert uns nicht. Mag er es mit Politik halten, wie es ihm beliebt: wir stehen gewiß nicht auf dem Standpunkt, nur der„Berufspolitiker" dürfe«ine politische Ueberzeugung bekunden, noch verlangen oder erwarten wir, daß jeder die unsere teill. Aber mit dem, was wir unter Politik verstehen, haben die Ludendorfsijchen Exzesse des Vereins Deutschtum in der Kunst" so wenig zu schaffen wie mit Musik Wer sich damit identifiziert, für den darf in unseren öffentlichen Kulwrinstituten kein Platz sein. Die Staats- aper muß rein bleiben von dem staatsfeindlichen Geist der Volks- Verhetzung und-Vergiftung, den ihr ehemaliger Intendant, feit er das nicht mehr ist. in seinem Namen propagieren läßt. Herr von Schillings irrt, er werde hier wieder„gebraucht". Es wird nun auch weiter ohne ihn gehen müssen. Wir zweifeln nicht, daß sich darüber alle für das Bettiner Opernleben verantwortlichen Stellen mühelos einigen werden. Hans poelzig. Zu seinem heutigen 60. Geburtstag. Man erstaunt nicht weiter, daß Poelzig schon sechzig Jahre alt geworden ist. Dieser ungemein tätige Mann hat sein Leben bis zum Rande mit lauter guten Dingen erfüllt. Aber darüber ist man frei- sich erstaunt, daß in diesen sechzig Iahren der formschöpserischste Architekt, den wir seit dem 18. Jahrhundert gehabt haben, so wenig wirklich gebaut hat. Man kann seine Werte beinahe an den Fingern abzählen: vor dem Kriege, im Osten Deutschlands, die chemische Fabrik in Lauban, den Umbau de, Rathauses in Löwenberg, die Dorfkirche in Malsch, den Wasserturm in Posen, ein Kaufhaus in Breslau: während des Krieges, als er Stadtbaurat in Dresden war, ein Gaswerk in dieser Stadt: nach dem Kriege einiges in Berlin, wie das Große Schauspielhaus, das Capitol-Kino, ein paar Wohn- Hausblöcke am Bülowplatz, in Frankfurt das Gebäude der I. G. Farben, das noch im Entstehen begriffen ist. Für ein Lebensalter von sechzig Iahren, ein« Schaffenszeit von mehr als dreißig Iahren, ist das kein überwältigendes Resultat. Denn man stell« sich nur vor, was In der gleichen Zeit im Deutschen Reich vom Staat und allerhand Behörden, von Industrien, Bauunternehmern und dergleichen, an Minderwertigkeiten in Auf- trag gegeben worden ist; und was wir derweilen von Poelzig selbst hätten erwarten können! Was blieb ihm übrig, als in der Zeit seiner höchstgesteigerten Schaffenslust Entwürfe und Modelle zu machen, vor denen man mit jenem Gefühl der Trauer steht, das uns Ruinen abnötigen. Denn seine Pläne, herrliche Denkmale einer aus dem Dollen schöpfenden Raumphantasie sind Ruinen; nie werden sie ausgeführt werden. Poelzig hat für Konstantinopel, für Salzburg, Dresden, Bingen und nickst zuletzt für Berlin architek- tonisch und stadtbaulich weitausgreifende Pläne entworfen, die das Antlitz dieser Städte und Landschaften grundsätzlich verändert haben würden. Und wo» bedeuten diese paar Ansätze, wenn man die Fähigkeit dieses einzigen Manne» bedenkt, nicht mir Einzelbauten, sondern gastze Städte und Länder von Grund auf zu gestalten und mit seinem Geist zu erfüllen! Aber ihm sehtte der tongeniale Bau» Herr. Das tragische Schicksal eines fchSpferlfchen Architekten ist heute, daß es keine Auftraggeber von gleichem Format für ihn gibt. Denn für die Baukunst ist ebenso notwendig wie das schaffende Genie der Bauherr, der dieses an die recht« Stelle zu setzen ver- stcht._ P- s- „Die Frau, nach der man flch sehni." Mozartsaal Was immer Max Bwd in seinem Roman, nach dem dieser Terrasilm von L. Bojda bearbeitet ist, vorgeschwebt haben mag: hier Im Film ist es die Liebe auf dm ersten Blick, die Faszination, die zum Schicksal wird. Der junge Leblanc. Erbe und Mitinhaber eine- großen Eisenwerk», rettet sich vor dem Dankrott durch eine reiche Heirat. Die Hochzeitsreis« wird angetretm. Im Gang des Schlaswagms sieht Leblane dt« Frau, die fein Derhängnis wird. Sie lockt und er ist ihr hörig. Er verläßt die Braut und folgt ihr und ihrem Geliebten. In schnellem Tempo rollt sich das Liebes- abenteuer ab. Wir wissen �nichts von dieser bezauberndm Frau und dem Dritten. Nur die Liebe der beiden Menschen, der ver- «itelte Fluchtversuch und da« bittere Ende: die Aufklänmg der Bor- geschtchte— sie ist Mitwisserin an dem Mord ihres Manne«, von dem ihr ungeliebter Begleiter sie befreit hat— die Verhaftung des Mörders und ihr Tod durch feine Hand, der Znsammenbruch und die Heimkehr Leblancs find der ganze Inhalt dieser Filmnooelle. Kurt Bernhardt beschränkt sich nicht auf da» Kammerspiel der Liebe. Cr gibt uns auch das Eisenwerk, die Familie, da» Leben im RIvierahotel, dm Klamauk einer Siloestemacht. Aber nur dos Spiel der drei Menschen fesselt uns. Uno Henning und Mar- len« Dietrich gestatten das einander verfallene Paar. Bei beiden ist die Intensität des Mienenspiels, das Einander-verhastet-Sein prachtvoll gesteigert. In dm Momentm des Ergriffen- und Hin- gegebenseins fasziniert die Dietrich auch die Zuschauer. Fritz Kort- n e r ist der Dritte, brutal, ein Mann der Tat. aber auch er im Banne der Frau. r. „Lumpen." Uraufführung im Theater in der Stadt. Diese Veranstaltung des Theaters in der Stadt geht vom „Notbund Deutscher Künstler" aus, der die dramatischen Werte darbender und verkannter Dichter durchzusetzen willens ist. Ein« schöne Aufgabe, die mit der fünfattigen Komödie„Lumpen" von Peter Strom leider nicht ganz gelungen ist. E» ergibt sich keine zwingende Notwendigkeit, das Stück dem Dunkel der Schreibtischlade zu entreißen. Der Verfasser hat offenbar kein reckstes Zutrauen zu seinen Mitmenschen. Seine Figuren sind durch die Bank Schufte: der Schlossermeistcr bricht bei einem Bankdirektor ein und vertreibt sich nebenher die Zeit mit' Straßenraub, sein Geselle verführt das Bankiertöchterchen, die Bankiersgattin hat ein Verhältnis mit ihrem Schwiegersohn und— Peter Strom läßt sich nicht lumpen— der Bankdirektor selbst fälscht seine Bücher. Bei den Spitzbübereien, die wir da erleben, geht es sehr gemütlich zu. Es ist«ine Lust,«in Lump zu sein. Das Stück schließt mit einer sozusagen sozialen Apotheose: der einzige Mensch, auf den sich der Llrm der Gerechtigkeit senkt, ist ein armes Hascherl von Hausmädchen, das lumpig« 20 Mark geklaut hat. Die ganz unbe- kannten Darsteller finden sich mit der undiskutablen Komödie sehr anständig ab. Einig« haben sogar«ine eigene Note: Walter Schramm-Duncker, Emllio Targher und Ellen Frank._ Dgr. Fritz Lienhard ist, S3 Jahre alt. in Eise noch gestorben. Er war ein geborener Elsässer und hat sich als Vertreter der sogmannten .�ielmatkunst" bekannt gemacht. Ende des vorigen Jahrhunderts redigierte er in Verlin das Feuilleton der„Deutschen Zeitung", später gab er eine eigene, von ihm allein geschriebene Zeitschrift „Wege nach Weimar", zuletzt die Zeitschrift„Der Türmer* heraus. Von seinen poetischen Werken sind der Roman„Oberlin*. der in der Revolutionszeit im Elsaß spielt, und das Schelmenspiel„Münch- Hausen* am bekanntesten geworden. Lienhard war Vo«sitzender der Schillerstiftung und Ehrenvorsitzender des Evangelischen Presse- verbände? für Thüringen. Ludwig Lordt vrrabschledet fiib mit drei Abenden im Schlller-Saal: 2. Mal: Korgensl-rn-Feier uum Erscheinen de? bundertslen Tausend der .Wolaenlieder'. dazu 10 Zchausdielerporträt«; 4. Mai: Heine, Maupassant, Wcdeklnd; ö. Mai: Da« große Deuische Jahrhundert. VI« vssoeallan Rerowklonirer Bildender S llnNler veutschloud» per- anstallet vom 3 bis 13 Mai eine Audiiellung im Europa-Hau», die da» Thema»Kapital und Arbett* behandeln wird. Ca» Lerlwer Gastspiel der Mailänder Stola findet vom 22. bi« 29. Ma statt unli bringt solgende Opern: Troubadour, Mastenball und ftalslaff sowie Manon Leseaut in der SlaalSover. Rlgoletto und Lue-a di vammeirnoor in der Stödli chen Oper. Die Lcala bringt tdie eigenen 5to time und De- lorationen, ein Orchester von 110 Mann, einen Cdor von 120 Personen, ein au» S0 Perjonen bestehende» Ballettperlonal usw. mit. Auslifung de» Slad'ldeater» In Koblenz Da die Finanzlage der Siadt Koblenz die Zahlung von Zuichilssc» für da« Stadttbeater nicht mehr juläßl, bat die Ttadtverordnelenverlammlung beschlassen, da« Stadttbeater mit«b- laus der Spielzeit 1929-30 auszulesen und dem ftädtlschen Orchester recht- l zeitig zu kündigen. Die abgelehnten Heilverfahren. Aus der Praxis der Angestelltenversicherung. Unsere kritische Besprechung des Berichts des Direktoriums der Reichsversichcrungsanstalt sür Angestellt« über das Geschästsjahr 1928 hat uns zahlreiche zustimmende Aeußerungen aus dem Leser- kreise gebracht. Bon besonderer Bedeutung dabei sind die Aeutze- Hingen über die Praxis des Direktoriums bei der Gewährung von Heilverfahren. Wir hatten bereits bei der Besprechung des Geschästsberichts darauf hingewiesen, daß oon den Anträgen aus ständige Heilversahren 26 606 Anträge, das sind 40,7 Proz., abgelehnt wurden. Obwohl nun auf Grund der öffentlichen Kritik das Direktorium der ReichsoerficherungsanftaU feit Anfang 1027«inen Ausschuh zur Prüfung abgelehnter Heiloersahrensanträge errichtet hat, an den sich alle Antragsteller wenden können, die der Meinung sind, daß ihr Antrag zu Unrecht abgelehnt wurde, ist dieser Beschwerdeausschuß doch nur in 1804 Fällen angerufen worden. Wir haben daraus den Schluß gezogen, daß die meisten Versicherten, deren An- träge abgelehnt wurden, gar nicht wissen, daß sie gegen den ablehnenden Descheid den Beschwerdeausschuß anrufen können. Wie richtig das ist, zeigen die Zuschriften aus dem Leserkreis. In einer dieser Zuschriften heißt es: „Daß so wenig abgewiesen« Antragsteller eine Berufung ein- legen, dürste aus folgendes zurückzuführen sein. Jeder Antrag- steller erhält, so wie es auch mir ergangen ist, vor Antragstellung ein Me r k b l a t t. In diesem wird ausdrücklich gesagt, daß ein« Berufung nicht besteht Das Hauptprinzip bei der Ange- stelltenverfichemng ist die Ablehnung, denn auch ich habe heute eine Ablehnung erhalten, obwohl zwei Aerzte der Meinung sind, daß ich unbedingt ein Heilverfahren gebrauche. Auf Grund Ihres hochinteresianten Artikels habe ich jedoch heute Einspruch er- hoben und erwarte, wie üblich, eine weiter« Absage von der Ange- stelltenoersicherung. Zur Erhaltung der Gesundheit der Der- sicherten wird leider sehr, sehr wenig ausgegeben, es wird lieber kapitalistischen Gesellschaften, Industrien u. a. m. das Geld zu Hypotheken usw. gegeben" Ob dieser Pessimismus gegenüber der Zusammensetzung des Beschwerdeausschusses begründet ist, wird die weiter« Praxis ergeben müssen. Tatsache ist jedenfalls, daß in dem vorerwähnten Merk- blatt der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte sür die Ein- leitnng eines Heilverfahrens folgender Satz im Druck stark hervor- gehoben wird:„Daraus ergibt sich, daß dem Antrag- st eller gegen die Ablehnung eines Heilverfahrens ein Rechts mittel(Berufung) nicht zu steht." Dieser Satz ist offensichtlich irreführend. Es gibt zwar kein Rechts mittel gegen den auf dem Verwaltungswege erfolgten ab- lehnenden Bescheid, wohl aber die Möglichkeit der Anrufung des Beschwerdeausschusies, der eine andere Entscheidung treffen kann. Soll dieser Beschwerdeausschuß kein« Farce fein und will das Dt» rektorium den Versicherten wirklich die Möglichkeit geben, gegen die Entscheidung der Verwaltung den Beschwerdeausschuß anrufen zu können, dann muß das Merkblatt entsprechend geändert werden. Die Versicherten müssen aus der Aenderung deutlich ersehen können, daß sie die Möglichkeit haben, den Beschwerdeausschuß anzurufen. Auch sollten die ablehnenden Bescheide«inen ausdrücklichen Hinweis auf die Möglichkeit der Anrufung des Beschwerdeausschusses ent- halten._ Großer Waldbrand bei Krampnitz. 200 Morgen in Flammen. Ein großer Brand wird aus K r a m p n i tz bei Berlin gemeldet. Dort standen nicht weniger als 200 Morgen Wald und Wiesen in Flammen. Die Feuerwehren des Kreises Ost Havelland sowie die Wehren aus Potsdam, Kladow und Gatow waren zur Stell«, konnten aber nicht verhindern, daß das Feuer noch größere Ausdehnung erlangte. Erst heute früh war es möglich, dem ent- fesselten Element Einhalt zu bieten Es mußten weite Gräben ausgeworfen werden, weil es an Wasser fehlte. Die Entstehungs- Ursache des Feuers ist noch nicht ermittelt, man vermutet aber, daß es durch Unvorsichtigkeit der Spaziergänger entstanden ist. Leider sind durch das Feuer auch Tiere ums Leben gekommen. Man fand in den abgebrannten Tellen des Waldes verkohlte Kadaver von Rehen und Hasen. Geschästsruhe am'l. Mal. Am 1. Mai 1020 sind alle Betriebe der Mitglieder sowie die Geschäftsstelle des Einheitsverbandes der Handel- und Gewerbe- treibenden und freien Berufe, Ortsgruppe Groß-Berlin, geschlossen. Eine ganze Familie verunglücki. Fünf Menschen tot! E l k t o n(Maryland), 30. April. Ein Automobil, in dem eine sechököpfige Familie einen Ausflug unternahm, wurde hier von einem Eisenbahnzug erfaßt und zertrümmert. Fünf der Insassen waren auf der Stelle tot, während das einzig überlebende Mitglied der Familie, ein Kind von 18 Monaten, schwer verletzt wurde. Wetter für Verlin: Wieder kühler urtd stark bewölkt, vorübergehend etwas Regen.— Für Deutschland: Südostwärts sortschvei- tende Abkühlung mit einzelnen Regenschauern. Kleines Theaier. Amerikanische Posse. Die Massestspiele des„Kleinen Theater" haben begonnen. Um den Strom der Amerikaner anzulocken, der allem Anschein nach schon vor repa«ativnsbedürftig«n Theaterkassen mit Dollardevisen tobt, hat man ein««cht amerikanische Posse arrangiert. Mit dem echt Amerikanisch ist es allerdings so, wie mit der echten Hühnerwurst aus der seligen Inflationszeit. Eine Mischung Pferd war auch bei dem Huhn. Wieviel denn? Di« Mischung war ein Huhn und ein Pferd, damit kein« Tiergattung beleidigt wurde. Die Mischung des Festspiels am Kleinen Theater ist, um im Bild zu bleiben: 00 Prozent Berliner Dichterroß und 1 Prozent Frank Green, Verfasser von„Naß oder Trocken" mit Hurrastimmung für Naß und Coupletmusik von Friedrich Holländer. Diese Pankees verdienen am Schnaps so viel Geld, daß sie damit die Wahlen ihrer trockensten Kongreßmitglieder und Prösi- dentschaftskandidaten finanzieren. Nach dem Stück zu urteilen, sind sie ein dolles Pack. Nicht nur in bezug auf den geheimen Suff, sondern auch in ihrem Verhältnis zu aller übrigen, sonst verbotenen Lirderei. Sogar der Polizeiinspektor, der die ganze Schnapsbude«in- kasteln soll, ist ein Anführer der Alkoholfabritanten, und er orga- visiert zusammen mit den schwankenden Matadoren des Trocken» systems den Schnapstrust, der ganz USA. alkoholisieren soll. Es geschieht mit Gesang, Ballett und Parodie. Der Schlager» komponist Holländer persifliert alle Gassenhauer. Di« Schauspieler werden als Marionetten aufgetakelt. Das Ganze ist eher eine Zirkusclownerie als eine Lorstellung. Außerdem ist der Witz weniger würzig al» das Bargetränk, dos Lucie Mannheim als ver- kleideter Schnapsspitzel, bald in Pluderhosen, bald in Spitzenhöschen serviert. Fräulein Mannheim ist die lustigste Stimmungssängerin. Ihr« Grazie und Georges sehr komisches Cowboyschwergewicht und die federnd«, kastratenhaft überschnappend« Korpulenz von Hermann-Schaufuß und die Schönheit des Fräulein S t e r l e r, die als spleengestochene Lady mit buntesten Frühlingstrieben herumwirtschaftet, all dieser derb dargeboten«, mit kari- kierender Katzenmusik intonierte Radau macht Laune und dürfte Kasse machen. Bor allem zu loben ist die meisterhafte Claque de» Theaters, die noch eine Viertelstunde nach Schluß mit breitesten Händen und ge» sundesten Lungen den Erfolg erarbeitet«. dl. H. Bttanlwortlich. Mr die Redaktion:?»«»> lUit», Berlin: Rnzeigen: TV»locke, Berlin Verlag: VorwSrt» Verlag®. nt b H.. Berlin. Druck: Borwart» Buch. druckerel und Berlagsanllalt Paul Singer& To.. Berlin SD SS. Lindenstraße 3. Hier»» 1 Beilog«. zum i.Man Artiphoii-Record-um 1. Mail - 25 V« Durchmassar Nach aliemeuestem Elektro-\ufnahmcverfahrcn hergestellt DoppaUaitig baspiait Reichsbanner-Orchester/ D. 3051. Wann wir schreiten Seit* an Seit* Marsch So) Oermaniae. Marsch....... Treu zur Fahne. Marsch...... Flagien-Marsch„Schwarz-Rot-Gold" Gau 3052. D. 3053. 3055. D. 3054. 3056. Berlin .. Willy Kuhn .. Willy Kuhn Richard Schmiel . Georg Porepp Freiheiti-Marsch............. Max Arensberg Vorwärts-Marsch. Oesterreich. Schutzbundmarsch. Jos. Biskup Großes Balalaika-Orchester D. 03352. Lied der Wolgaschiifer(Ehi ouchnem). 03353. Ukrainisches Volkslieder-Potpourri. D. 03451. Ukrainisches Potpourri. I.Teil. 03452 Ukrainisches Potpourri. 2. Teil. D. 03450. Am Flüßchen. 03454. Beim Kienspan. Verlangen Sie diese Aufnahmen bei Ihrem Scballplatten-Lleferanten. irtiphon-Record Herrmann Eisner, MusikschallplaUen-Fabrik, Berlin SW 19, Beuthstraße I Fernraf; Merkur 4158—59 Die Kom&die J I Bismck. 2» M/7516 8V» Us Ende geg. 10 Utile URUfugni wann kommsi Du wtadar? Freitag, den 3. Mai TVi Uhr: BnisatOmimmi Der ilan, der sein« Haioeo lederte 3 Akte von Edgar WalUce Bearb. v.Hans Rothe K&mmersplele J.|. Norden 12310 SV» U, Ende geg. 10 uuu unurHon i Jusik von Ossip Dymov. Regie: HeiniHllpert Donnercktag, 2. Mai JV» Unr Zum I Male Ausgang nurlUr Herrschaften Kleine Komödie vonSiegfried Qeyer lenovski-DlhBeii Kiaifgeitzer StraSe Täglich«V» Uh< Rival en Komödienhaus räaiich ä>y« Uht CharlefsTute mit Curt tfltlDB Ileatir lägt Ich 8V» Jhi Nai)«««ilrod»o »nt tat /tmerilMiduä von Fiank Green. Musikalische lllust Fr. Holunder. Regie: rr.rnt*UBB- kTHerta. Trianon-Th. täglich»V. Uh: •Das güfte Geheimnis Operette von Zorlig Rundfunk h6re r Preise MBTROPOL.THEAT»|li[]| Gr. SCriAUSPICLHAUS 0 Künstlerische Leitung: Erik Charell taslfte Witwe Trud« Htstcrbcre Oskar Karlweit Jan keim, BUeot, Jankermaim, Schaefiers. Der Hebe tfmstin Alfred Breun Mady Christians, Lleeke, Arno, Morgan. Weetemeler. Hatsner. M«u«auf Elcrcckrola. Winter * Garreru s nr• ztstt. ssia» Busin tnami Heilte zum letzten Male Deaga Twin«, Samard M Rieh, Man» Omtkl und dia Obrlgan Starnummam unaaraa Obar- ragandan AprU-Pragraiama Morgen Premiere unserer Mal-Festspiele mit SabO" Werkmeister SV. Ute CASINO-TBEATER' UEr Lotnnnter Stratte 37« Nur noch heute; „Eine ungelieDte Frau i.i r w«>n■acraaSe". Gutschein 10 r 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise Parkett u. Rang 0�0 Mk Relchshailcn-Theater m.[I] Okt. Sonntao Bsam. Q] nti Stetflncr sanier „lins mobilen» Wobaui si vermieten"! Nachm. halbe Preise. Uönhotf- Brettl: Variete/ Ksnzcn-- Tux. Ab 1. Mai 1929: Adolf-Dccker-Konzert. rw' O V Teppldie* Linoleum laleBoncM'Ieppidie ca. 200/300.. m. 24.- Primo BoaclC-Teppidie ca. 200/300 m.68.- Wollpiasdl-Teppidie ca. 200 300 v M 81.' an Toiirnay'Teiipidie.. ca 200/300 m. 132.- BODClt'Uufer mod. Streif, 67 br.v M. 4.20 an Tbdidedten. 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Kaaatler-Th. 8V. Uhr Prosit aipsg Ope ette» Gilbert Emmr Shrrm Fritz Seh alz Thaila-Theater Dresiener Str. TMS. X Uhr Oelraosch" Planetartnni - am Zoo mmmm Vtnia) iudimfttriv itnk Noll. 1578 16'/» Uhr Sternhlaael >ea Frflhiahra 18V. Uhr StamklUer und Wellbau 20V. Uh, Wunder de» tQdilehm Himmels Tigl.auBenMontags u. Mittw Erwachs I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf.. Kinder 25 Pf. THeaL d.Vn(ns 8V. Uhr Ulfe lanB. Kammerslnger Ilgglgs in Friederike Musik von Itlll Lessing-Theater r s g 1 1 c n 8V» Uhr „Olo Frau dos Sndeni" osu-Thuatai er. Frantf. 81 13! V« Uht Derinn and dnr Zufn i R StilleDaogebeti s fltiltn in lenrim 1 btsttBeadüiiog; Theater a. KottbHSsnrTor Wtbeaeer 8b.». tat. Dpi. 1 1077 AlUben dlldh S Uhr andh Sonninge nadia». 3 Uhr JabilBuos-Programm unter der Divise 10 Janre Eilt«- SAnger Renaissance- Theater Hirdenbanjstr b ie». Steivoi. 901 o. 2583/84 SV« Uhr Tafllim SV« Uh- Euoon KlÖpfer in MDas große ABC von Marcai Pagn» Reg»««. warne». H PreeHergugtug. 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Jahrestage der Kämpfe in Sachsen und Preußen Nach dem März 1848 ist der Mai 1849 der Barrikadenmonat der deutschen Revolution: oie am Anfang, so stand am Ende der Bewegung die Tat: nach einmal wurde, da für ein politisches A>sal heißes, rotes Blut floh, in diesen Tagen Heinrich Heines Spottwort zu nichte, daß der Deutsche die Freiheit nur wie seine Großmutter liebe� Der Boden Dresdens wurde, während die Känigsfamilie geflüchtet und«in« provisorische Regierung gebildet war. vom 5. Mai ab durch einen viertägigen erbitterten Kampf zwischen den alten Gewalten und dem Boll erschüttert. Ein Echo war, da es mit Zurückhaltung einer gegen die Dresdener Aufstäw dischen bestimmten Batteri« begann, der 7. Mai in Breslau mit Barrikadenbau und Blutvergießen. Am 9. Mai antwortete E l b e r- f e l d auf den Versuch, der aufsässigen Landwehr zu Leibe zu gehen, mit Vertreibung des Militärs und Verwandlung der Stadt in eine Fefwng. Am 19. Mai focht Düsseldorf aus d«n Barrikaden gegen die Pickelhauben: zugleich verbarrikadiert« sich Iserlohn, stürmt« Solingen das Gräfrather Zeughaus, trat Hagen ge- rüstet auf den Plan. Ueberall«rsetzten Sich«rheitsau-schüise die entwichenen oder verjagten Kreis- und Lvkalbehorden: das ganz« bergifch-märkische Industriegebiet schien in Hellem Ausruhr. Was sich in diesen Tagen, von der besonderen Bewegung in Baden und der Rheinpfalz ganz zu schweigen, in Sachsen und Rheinpreuhen zutrug, ging unter dem Namen: die Ausstände für die Reichsversasiung in die Geschichte«in, aber mit Nichten wurde jeder Schuß, der gegen die Soldateska fiel, für dos W«rk d«r Paulskirche abgefeuert. Die Reichsverfasiung war vielmehr nur das Sinnbild, unter dem dieser End- und Entscheidungskamps zwischen alter und neuer Zeit zum Austrag kam. Nackjdem Friedrich Wilhelm IV. die ihm von der Frankfurter Nationaloersammlung angeboten« Kaiserkrone höhnend in d«n Wind geschlagen hatte, dachte er die Stunde der Verwirrung zu nützen, Um die verhaßte R«volution ganz auf die Knie zu zwingen und dabei vielleicht doch ein« Vermehrung preußischer Macht in Deutschland herauszuholen. Die reaktionäre Kamarilla gewann so ganz ihren Einfluß auf den oft haltlos schwankenden König, daß sich Preußen jetzt offen zum Preisfechter der Gegenrevolution aufwarf. Als Schreckgespenst dicr.te ihm, schon wegen des allgemeinen Wahlrechts und des suspensiven Vetos, die Reichsverfassung. Während ochtundzwanzig deutsche Regieningen sich für ihre Annahm« er- klärten, steifte»ine Z i r k u l a rn bke Berlins den Mache- habern in Sachsen, Hannover und Bayern den Racken, indem si« darauf hinwies, daß„in manchen Ländern gefährliche Krisen her- vorgerufen werden könnten" und für diesen— erwünschten— Fall die rechtzeitige Hilfe Preußens verhieß. Da dann nach Berliner Muster die Kammern in Sachsen und Hannover aus- g e l ö st wurden, weil si« sich für die Reichsverfusfung ausgesprochen hatten, wurde in der Tat di«„gefährliche Krise" heraufbeschworen, und Preußen macht«, seinen freiwilligen Bütteldienst auszuüben, mobil. Des Königs Generaladjutant Leopold v. G e r l a ch, die Seele der sinsterften Gegenrevolution, verzeichnete am 2. Mai frohlockend in seinem Tagebuch: „Es kommt also nun endlich zum Krieg gegen die Paulskirche. d. h. gegen die Revolution, da» dursten wir vor einem Zohre nicht hoffen." Daß nunmehr Kovalleriepferde die Rest« freiheitlicher Er- ryngenschaften in die Gosse treten sollten, weckte Erbitterung weit- hin, und die Losung: Für die Reichsverfassungl zündete auch bei denen, die das Werk der Paulskirche mit seiner«rbkaiser- lichen Spitze als zu wenig demokratisch ablehnten: für so manchen war der Schlachtruf: Für die Reichsoersassung! unter dem er zur Flinte griff, nur«in« Umschreibung der kühneren Parole: Für dl« Republikl Das galt nicht zuletzt für die Klein- bürger, di« in diesem letzten Akt der deutschen Revolutions- bewegung noch einmal handelnd auf di« Bühne traten, und noch mehr für die Arbeiter, die überall in diesem schwarzrot- goldenen Mai ini vordersten Treffen standen: nicht umsonst brach die Erhebung an den zwei Punkten Deutschlands aus, an denen die moderne Industrie am entwickeltsten war, in Sachsen und im Rheinland. Ab«r auch die Bourgeoisie fehlte bei den Ereignissen nicht ganz. Im Rheinland begann es mit einem De- putiertenkongreh der rheinischen Gemeinderäte in Köln, der sich mit recht entschiedenen Worten für di« Reichsoersassung erklärte und das Frankfurter Parlament zur Niederschlagung der„wohlorgani- sierten Gegenrevolution" aufforderte, und an der Leitung des Dresdener Aufstandes nahmen neben d«m Rusien B a k u n i n her- vorragende Angehörige der bürgerlichen Bildungsschicht, wie der Komponist Richard Wagner, der Baumeister Gottsried Sem- per und der Kapellmeister August Röcke! hervorragend teil. Aber obwohl di« Erregung, deren Flamme im Mai hell auf- loderte, von den sogenannten„Märzvereinen" eifrig geschürt wurde, entbehrte die Erhebung völlig eine» vorbedachten und einheitlichen Plans. Unabhängig voneinander brachen die einzelnen Aufstände aus und wußten keine Verbindung miteinander aufzunehmen. Dazu lähmten sehr bald soziale Gegensätze di« Front der Rebellen. Der Dresdener Erhebung wurde die Luft abgeschnürt, da ihr di« Lcip- zig«r Handelsbourgcoisie die Unterstützung verweigerte, und wie das Besitzbürgertum des Rheinlandes empfand, zeigt der Schauder, mit dem der Elberfelder Arzt Dr. Pagenstecher, der doch ein überzeugter Konstitutioneller war, in seinen Lebenserinnerungen des Zuzugs großer„Scharen von Fabrikarbeitern und Lumpengesindel aus der Nachbarschaft" ge- denkt. Da dieser Bourgeoisie die Herrschast des preußischen Kom- mißstiefels imm«r noch ongenehiner war als die Bundesgenoffen- fchaft von„Fabrikarbeitern und Lumpengesindel", tat si- alles, di« Widerstandskraft der Erhebung von innen her auszuhöhlen. Ohne- hin war der Aufstand auf dem rechten Rheinufer solange aussichts- los. als sich nicht auch das link« Rheinufer«rhob, und ähnlich war Dresden nicht«n halten, wenn nicht Berlm. revolutionär auf-, flammend, die Absendung preußischer Bataillone vereitelte. Da aber Berlin, durch den Belagerungszustand im Zaum gehalten, so wenig eingriff wie das durch Festungen und Garnisonen gebändigte linke Rheinufer. wurde überall zahlenmäßige Ueberlegenheit der Dolkskämpser Herr. Gegen 3999 Aufständische mit lächerlichen Geschützen standen in Dresden schließlich 15 999 Mann, darunter zwei preußische Regi- menter, mit ausreichender Artillerin, und gegen die vier offenen Städte Elberfeld, Hagen, Iserlohn und Solingen bezogen 29 999 Preußen hinter der Ruhr eine regelrecht befestigt« Stellung. Hier kam es denn nur mehr in Iserlohn zu einem un- gleichen Kampf, der binnen zwei Stunden zugunsten der Soldateska entschieden war. Di« grausame Rache, die die Sieger nahmen, zeigte, was erst unserer Generation wieder zu Gemitt geführt wurde, daß es keine wildere Bestie gibt als die triumphierende Gegenrevolution. In Dresden schlachteten im Blutrausch die uniformierten Ordnungs- retter ab, was ihnen in den Weg lief:«ine Anzahl Reisender, die in einem Gasthos der Wilsdruffer Straße arglos beim Frühstück. saßen, wurde von eindringenden Preußen bis auf wenige er- schosien. erstochen, erschlagen: sogar ein Prinz von Schwarz- b u r g- R u d o l st a d t, der krank in ein«m Hotelzimmer lag, siel s Am 14. Juli 1889, am Tag der Jahrhundertfeier des Bastillen- sturmes, trat der erste Kongreß der Zweiten Sozialistischen Inter- nationale zusammen, der aus zwei Gründen von besonderer ge- schichtlicher Bedeutung für den internationalen Sozialismus ist. Dieser Kongreß gründete nach den langen Jahren ohne inter. nationale Organisation die Zweite Sozialistische International« und setzte den 1. Mai als den Tag fest, an dem die Proletarier aller Länder für den Achtstundentag und für die übrig«» Beschlüsse des internationalen Kongresses bemonstrimn sollten. Damit wurde der 1. Mai erhoben zu einem Tag des Kampfes und der Manifestation für die internationalen Ziel« des Sozia- lismus. Der Beschluß, an einem bestimmten Tage in ollen Ländern internationale Kundgebungen zu organisieren, kam auf einen Antrag der französischen Sozialisten zustande. Der 1. M a i wurde deshalb dazu ouserjehen, weil bereits ein« solche Kundgebung vom Amerikanischen Arbeiterbund auf seinem Kon- greß im Dezember 1888 in St. Louis beschlossen worden war. Der Beschluß von St. Louis hatte eine furchtbare Vorgeschichte. In der damals stark anarchistischen amerikanischen Arbeiterbewegung war eine Bewegung für den Achtstundentag entstanden. Die Ar- beiterunion hatte beschlossen, vom 1. Mai 1886 ab sollten di« Arbeiter nicht mehr länger als acht Stunden arbei- t e n. Den 1. Mai hatte man deshalb gewählt, weil er als „M o v i n g D a y" galt und den Charakter eines Uebersiedelungs- tages hatte. Die Forderung nach dem Achtstundentag wurde mit Streikandrohung propagiert, und in Chicago bildet« sich ein„Ver- band für di« Erringung des Achtstundentages". Am I. Mai streikten in Chicago 49 999 Arbeiter. Die Unter- nehmer stellten Streikbrecher ein. Da kam es am 3. Mai zwischen Streikenden und Streikbrechern einer Nähmaschinensabrik zu einem Zusammenstoß. Polizei griss ein und schoß auf die Strei- kenden, von denen sechs getötet wurden. Im Blute der Arbeiter sollte die Bewegung erstickt werden. Die ungeheure Erregung, die durch das brutale Vorgehen der Polizei ausgelöst wurde, gestaltet« am nächsten Tag dl« Protestversammlung aus dem Haymarket zu «iner gewaltigen Massenkundgebung, bei der Spieß, P a r s o n s und Fielden zu den Arbeitern sprachen. Die Kundgebung wor schon nuhe ihrem Ende, die Arbeiter begannen schon den Platz zu verlassen, als 15 9 P o l i z i st e n erschienen und die Versammlung aufforderten, sich aufzulösen. In diesem Augenblick warf ein Agent provocateur eine Bombe unter die Polizisten, die«inen von ihnen tötete. Darauf kam es zu einem Feuergefecht, bei defn 7 Polizisten getötet wurden. Die Arbeiter hatten 4 Tote und 59 Verwundete. Es folgte«ine elende Justizkomödie, die damit endete, daß Spieß, Fielden. Parsons, Schwab, Fischer. Engel und Lingg zum Tode und Neeb« zu 15 Jahren Zucht- Haus verurteilt wurden. Schwab und Fielden wurden zu lebens- länglichem Gefängnis begnadigt. Lingg ging am Vorabend der Hinrichtung in seiner Zelle in den Freitod. Am II. November 1887 wurden die übrigen vier zum Tode Verurteilten hingerichtet. Stolz und mutig gingen sie in den Tod. und August Spieß rief noch unmittelbar vor der Hinrichtung seinen Henkern zu:„Die Zeil wird kommen, wo unser Schweigen im Grabe beredter sein wird, als unsere Reden!" Unter dem Druck der bewaffneten Gewalt war die Bewegung für den Achtstundentag zusammengebrochen. Aber schon im Jahre 1888 beschloß der 1886 gegründete Amerikanische Arbeiterbund auf seinem Kongreß eine neue Achtstundentagsogitation für den 1. Mai 1 899. Auf dem Pariser Kongreß war die Maikundgebung nur ein- mal für den 1. Mai 1899 beschlossen worden. Erst aus dem Brüsseler Kongreß der Internationale im Jahre 1891 wurde der 1. Mai zum„gemeinsamen Festtag der Arbeiter aller Länder" bestimmt,„an dem die Arbeiter die Gemein- samkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen". Der Brüsseler Kongreß fordert über den Pariser Beschluß hinaus, daß der 1. Mai ein Ruhetag fein soll,„soweit die» durch die Zustände in den einzelnen Länder» nicht unmöglich gemacht wird". Die Arbeitsruh« wurde beschlossen,„um dem samt seinem Diener der entfesselten Mordlust der preußischen Grenadiere zum Opfer Die Ueberlebenden aber folterte, soweit sie nicht zu entkommen vermochten, die tückische Niedertracht der königlich sächsischen Reaktion im Zuchthaus zu Waldheim; noch heute wirkt die Schrift, in der August R ö ck e l von seinen elf Leidensjahren an dieser Stätte des Fluchs Kunde gab, als tief erschütterndes Zeugnis. In Rheinland tobte, wenn auch das Standrecht drei Zeughausstürmer von Prüm an die Wand stellt«, die Gegenrevolution nicht ganz so barbarisch, well di« verhaßtesten Vorkämpfer der Volkssache den Preußen durch die Lappen gingen, aber sie fühlte sich nach dem Sieg doch stark genug, das reoolutio- näre Blatt in ganz Deutschland, die von Karl Marx und Friedrich Engels herausgegebene..Neu« Rheinische Zeitung" in Köln zu unterdrücken. Die letzte rot gedruckte Nummer brachte das berühmte Abschtedswort aus der Feder Ferdinand F r e i l i g- raths: Nun ade, doch nicht für immer ade! Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder! Bald richt' ich mich rasselnd in die Höh, Bald kehr' ich reisiger wiederl . Damit hatte es freilich noch gute Wege. Zunächst war es an den Hohenzollern, den Beruf für ihre„deutsche Mission" zu erweisen, indem sie in Süddeutschland auf ihre Art„Ordnung > machten". Hermann Wendel. 1. Mai seinen bestimmten ökonomischen Charakter, der Forde- rung des Achtstundentages und der Bekundung des Klaffen» k a m p f« s, zu wahren". Eine weitere Verschärfung erfuhr der Maifeierbeschluß auf dem 3. Kongreß der Internationale 1893 in Zürich. Der Brüsseler Beschluß wurde erneuert und erhielt diesen Zusatz: Die Sozialdemokratie jedes Landes hat die Pflicht, di« Durch- führung der A.r beit sru h�e. am 1, Mai anzustreben und jeden Versuch- zu unterstützen, der an einzelnen Orten und von«in- :' zelnen Organisationen in diesem Richtung gemacht wird. Die Kundgebung de» 1. Mai für den Ach k stunden lag soll zugleich eine Kundgebung des festen willens der Arbeiter. klaffe sein, durch die soziale Umgestaltung die Klassen. unterschiede zu beseitigen und so den einzigen weg zu betreten, der zum Frieden innerhalb jedes Volke» wl« zum internationalen Frieden führt. Die ersten Maifeiern hatten besonders in Deutschland zu hefti- gen Kämpfen, Streiks und Aussperrungen gesührt. Am 1. Mai sühlte die herrschende Klasse stärker als sonst die gewattige Kraft des Proletariats und seine internationale Verbundenheit. Von einigem Interesse ist es da, zu erfahren, wie 1899 Wilhelm der Letzte sich zur Maifeier stellte. Der österreichische Außenminister Graf K a l n o k y machte seinem Ministerpräsidenten Graf T a a f s e darüber diese Mitteilung: Er höre, daß Kaiser Wilhelm anläßlich der Maidemonstration über die Streikbewegung geäußert habe, daß er bei der nächsten, Gut und Leben gefährdenden Arbeiterbewegung ganz eut. schieden dreinhauen lassen werde, und die e n t- sprechenden Befehle schon gegeben worden seien. Trotz dieses Willens zum„entschiedenen Dreinhauen" gegen die Arbeiterschaft sitzt Wilhelm heute in Doorn, well seine Sehnsucht nach persönlicher Sicherheit wohl doch stärker war als di« Lust zum „Dreinhauen". Das Proletariat aber hat seinen Wellfeiertag er- trotzt, als Tag des Proletariats aus eigenem Recht. k'elix Fechenbach, Eine Maifeier und ein Hofbachdrucker Das war damals, als es noch nicht selbstverständlich war, den 1. Mai als Weltarbeitsfeiertag gelten zu lassen. Das Sozialisten- gesetz war noch nicht lang« gefallen, und die Beschlüsse der Pariser Konferenz noch nicht lang« in Kraft. Damais beschlossen wir Lithographen«iner kaiserlich-königiichen Hosbuchdruckcrei— es war im Jahre 1894— den 1. Mai im Sinne dieser Konferenz zu feiern. Leichter gesagt als getan. Mit � einiger Skepsis betraten wir das Allerheiligste des kaiserlich-königlichen Hofbuchdruckers und machten uns auf einen harten Strauß und schlimmeres gefaßt. Wer beschreibt unser Erstaunen, als der kaiserlich-königliche Verleger plötzlich in sich hineingriente und sich am Hinterkopf kratzend erklärte: „So, frei wollt ihr haben? Schön, sollt ihr frei haben. Will euch sogar 199 Mark für die Maifeier stiften. Aber." er hob den Zeigefinger,„unter eilier Bedingung: Ihr müßt mir versprechen, alle Mann hoch, geschlossen eine Landpartie zu machen und nach- mittags einen Kaffeeklatsch abzuhalten. Und der Laden da unten, der bleibt offen. Da setzen wir«inen alten Buchhalter herein. Uro korma, versteht sich. Ihr wißt doch Bescheid?" Wir wußten Bescheid. So feierten wir. unseren 1. Mai, und es ist von da an so gebtteben. Selbst die 199 Mark für die Maifeier hat di« kaiserlich- königliche Hoflieferant nie vergessen.—vi. Tragikomödie des Elends. Ein Journalist wollte die Lage des Proletariats studieren. Begab sich in eine armselig« Wohnung und stellte seine Fragen. —„Und was verdienen Sie?"—„25 Mark die Woche, Herr!"— „25 Mark? Wie können Sie mit 25 Mark auskommen?!"—„Pfcht," stigte der Arbeiter,„sprechen Sie nicht so laut! Meiner Frau Hab« ich gesagt, ich krieg' bloß 24 Marti" ßlus dem„Wahren Jacob".) „Die Zeit wird kommen..." Zur Geschichte des 1. Mai (1. Fortsetzung) Nachdem ich ein warmes Abendessen aus einer sauren Milchsuppe mit Kartoffeln zu mir genommen hatte, wurde mir ein Strohlager im Zimmer hergerichtet Eine saure Milchsuppe am Morgen und ich konnte frisch gestärkt meine Wanderung fortsetzen.. Oer Unheimliche. Als den erwachenden Tag die ersten Strahlen der Morgensonne grüßten, schälte ich mich aus meiner Umhüllung: dem Rock, den ich mir über den Kopf gezogen hatte, bequemte mich, dem Chaussee- graben zu entsteigen, in dem ich die Nacht verbracht halt«, und schritt durch den taufrischen Wald, während die Sonne ihre goldenen Strahlen durch das Geäst der Bäume fallen ließ. Es war keine gerade Landstraße, die durch den Wald führte, sondern nur ein aus- getretener Pfad, der sich zwischen dicht stehenden uralten Bäumen hindurchschlängclte. Auf dem weichen, moosigen Boden des Waldes schritt sich leicht fürbaß. Ich irisierte ein Liedchen vor mich hin und freure mich über jeden Baum und jede Blume, als plötzlich ein wild und verwegen aussehender Kerl vor mir stand. Der leichte Waldboden dämpfte die Schritte, so daß ich den alten Burschen nicht eher gewahr wurde, bis er dicht vor mir stand. Unterm Arm trug er wie ein Paket zwei Krücken. Seine Füße steckten in alten großen Filzlatschen, die mit Stricken an die Füße gebunden waren. Der Kerl sah mit seinem struppigen Vollbart, seinen Glotzaugen und dem langen Haar, das ihm wirr unter dem alten großen Schlapphut hervorquoll, fürchterlich aus. Man konnte glauben, er wolle einen mit seinen Krücken tot- schlagen. Dazu ein vom vielen Branntweingenuß aufgedunsenes Gesicht. „Nun, Kunde, wohin?" Ich nannte ihm das Ziel meiner Reise und machte, daß ich davon kam. Der Unheimliche brummte etwa, in seinen Bart, nahm, mich von oben bis unten musternd, die Krücken unter den anderen Arm und zottelte in der Richtung, aus der ich kam, weiter. Nach einigen Tagen machte ich aber doch seine Bekanntschaft. An einem Spätnachmittag sah ich in einem Gasthof, in dem ich zu übernachten gedachte, als der Unheimliche eintrat und sich seine Flasche füllen ließ. Er musterte mich. „Na, wir kennen uns doch?" „Wir haben uns vor ein paar Tagen im Wald getrofsen." Der Unheimliche setzte sich zu mir— ich war damals noch ein blutjunges Kerlchen von kaum 17 Iahren— und auch der Gastwirt kam an unseren Tisch. Wir blieben unter uns. Keine Menschenseele ließ sich im Verlaus des Abends blicken. Der Unheimliche hatte seine Krücken in eine Ecke gestellt Er bediente sich ihrer nur, wenn er durch ein Dorf oder eine Stadt zog, um die Mildtätigkeit seiner Mit- menschen zu erregen. Als er die dritte Flasche Branntwein geleert hatte, wurde er redselig und erzählte seine Geschichte:.,Ia, ich war auch einmal solch ein hübscher, junger Kerl wie du," Hub er an.„ging in die Welt wie du. Hatte Schlosser gelernt, war solid, fleißig, geschickt und nicht auf den Kopf gefallen. Arbeitete In den ver- schiedensten Werkstätten, immer mit gutem Erfolg. Habe auch eigene Sachen konstruiert. Aber wie es einem auf der Walze geht, wurde verschieden« Mal« beim Fechten erwischt und eingelocht Auch wegen anderer Kleinigkeiten. Keilereien. Dumme Iungensstreiche. Nichts weiter. Na, wurde schließlich Werkmeister in einer Maschinenfabrik. Mein Prinzipal hatte Vertrauen zu mir. Hab's verdient." Der Un° heimliche nahm einen Zug aus seiner Flasche.„Arbeitete wie kein Zweiter, war der Erste in der Fabrik und der Letzte wieder draußen. Bis spät in die Nacht Hab ich in der Fabrik gesellen. Und wenn der Prinzipal kam und sich wunderte, über Zeichnungen und Entwürfen zu neuen Maschinen hat er mich gefunden, daß dich der---* Der Unheimliche starrte vor sich hin. „Gehörte zur Familie," fuhr er fort und schlug mit der Faust auf den Tisch,„aß mit ihnen an einem Tisch, ging mit dem Prinzipal und den Seinen im Garten spazieren. Alles besprach er mit mir, Gott- verdammt, war seine rechte Hand und ihm unentbehrlich! Und da— ich Habenichts, um die Hand seiner Tochter Hab ich angehalten, ver- stehst du? Hab's lieb gehabt, das Mädel, Gottverdammt!" Der Unheimliche umklammerte den Hals der Flasche und seine Hand zitterte. „Tja," sagte mein Prinzipal,„sollt mich freuen, werd's Mädel fragen!" Der Unheimliche nahm einen Schluck und noch einen, wischte mit dem Handrücken über die Lippen und Tränen kullerten auf seinen struppigen Bart. „Nach einigen Tagen," der Unheimliche räusperte sich,„sagte der Prinzipal zu mir: Schröder, sagt« er zu mir und schüttelt mir die Hand, ich Hab mit dem Kind gesprochen, sie ist glücklich. War auch meine glücklichste Stunde, sch... der Hund was drauf." Der Unheimliche heulte wie ein Kind. Ich verhielt mich ganz ruhig, um ihn nicht zu stören. Plötzlich griff er zur Flasche und leerte sie in einem Zuge.„Soll Ich viel erzäihlen!" brummte er und ver- stummte. Der Gastwirt stand auf und goß sich ein Glas Bier ein.„Soll ich viel erzählen." wiederholte der Unheimliche und stierte mich an. daß es mir durch Mark und Bein ging.„Na. schön, weil ich auch mal so iung war wie du. He. Wirt, eine Pulle! Hab sie geheiratet, die Margot. War damit Inhaber der Fabrik, da der Alte bald starb. Waren zwei glückliche Jahre. Und dann--- Hunde verfluchte!" Der Unheimliche sprang auf. trommelte mit den Fäusten auf die Tischplatte, brüllte und tobte. „Eine Anklage wegen Betrug hob ich erhalten und weshalb? Waren da aus Versehen für zwei Arbeiter die Beiträge nicht abge- führt worden. Lumpige paar Mark! Hätte der Bande gern zehnmal soviel gegeben! Aber nein— schreibt da der Staatsanwalt an meine Heimatbebörde und läßt sich mein« Akten schicken. Na und nun der Tag der Verhandlung, man tau, denke, ist ja weiter nichis, hast ja genug, weiß ja jeder, daß es nur ein Versehen war, ja und da. da. ja was glaubst du. der Vorsitzende verliest in öffentlicher Sitzung meine Vorstrafen, verdammich! Dachte, der Teufel hat mich und Hab nichts mehr gehört. Aber die da, die Angehörigen auf der Zeugenbank, die Freunde im Saal, wie sie da die Köpfe zusammenstecken und tuscheln miteinander, gottverdammich, die Schande, hinaus bin ich aus dem Gerichtssaal, hinaus aus der Stadt, hinaus auf die Landstroßel Werd' mich i/nd werd'... Könnt' ihr ja nicht mehr in die Augen sehen, der Margot und was die sind, die in der Stadt, die... Hin- aus auf die Landstraße und los, weiß selbst nicht wie, weiß selbst nicht warum, aber dann hat's mich und ich..." Der Unheimliche umfaßte die Flasche mit zitternden Händen. Glucksend rann der Branntwein durch die Gurgel, bis sie leer war. „Bestimmung. Hab's Weib, die Fabrik, das verfluchte Nest nicht wiedergesehen. Ha, egal! Nur im Wald, als ich dich traf... Weißt nicht, wie's dir noch geht!" Der Unheimliche sank vornüber Stumpfsinnig brütete er vor sich hin. Es war spät geworden. Der Wirt stand vom Tisch auf, holte zwei Schütten Stroh und bereitete uns das Lager zur Nacht. Der Unheimliche schnarchte, kaum daß er sich hingelegt und«ine volle Branntweinflasche unter den Kopf gestopft hatte. Ich lag noch lange wach und dachte über die Gottähnlichkeit des Menschen nach. Am See. Mit Eilschritten machte ich, daß ich aus dem Dorfe kam. Ich hatte Angst vor dem Unheimlichen. Eine Drossel pfiff auf dem Dache ihr Morgenlied, und überall regte es sich in den Bauern- Häusern zur neuen Tageearbeit. Unterwegs traf ich einen Schmied, der gerade aus einer Strohdieme gekrochen kam. Ich blieb auf der Landstraße stehen und erwartet« ihn. Es war ebenso ein junges Kerlchen wie ich, ein Dreikäsehoch, trug einen großen, schweren Ber- liner, der größer war wie er selber. Ach, war das ein fröhliches Wandern! Die Dorfbewohner wurden ordentlich böse auf uns, wenn wir an ihren Häusern vorbei gingen, ohne bei ihnen anzuklopfen. Kamen wir durch ein Dorf, so jubelten uns alte Frauen und junge Mädchen zu. Dann hieß es: „Nun geht nur nicht so stolz vorbei, kommt nur heran und erzählt uns was." Und von allen Seiten brachte man uns Geld und Lebensmittel. Brot, Speck und Wurst entgegen. Denn solch junge Kerlchen sah man doch zu gerne, deren Ranzel fast ebenso groß waren wie sie selber. Und dazu der klare, lachende Sonnenhimmel, die wogenden Felder zwischendurch. Die Lust geschwängert vom Duft goldgelber Lupinen und blühendem Klee— ach, das war eine Lust zu wandern. Es war am Spätnachmittag. Wir hatten die Tasche voll Geld und keine Lust mehr zu tippeln, obgleich es erst in der fünften Stunde war. Ueber eine Stunde lang schritten wir zwischen Häusern, und tn jedem Häuschen beschenkte man die beiden Burschen. die so jung schon in die weite Welt zogen. Wer konnte es uns da wohl verübeln, wenn wir uns danach sehnten, es uns in einem Wirtshaus bei kühlem Trunk gemütlich zu machen! Noch ein Diertelstündchen, und wir kamen an ein Restaurant, traten ein, blieben, wie sich da» zu damaliger Zeit gehörte, hübsch an der Tür stehen und fragten die Frau Wirtin, ob wir hier über- nachten könnten. Die Wirtin sah uns ganz verwundert an und wußte nicht, was sie sagen sollte. An einem Tasch saß ein Gast, ein alter Herr, beim Glase Bier. Der fing an zu lachen und sagte:„Schenken Sie mal den beiden ein Glas Bier ein." Dann wandte er sich an uns und meinte: „Ihr kommt wohl geradenwegs von Muttern? Solange die Sonne noch am Himmel steht, behält euch kein Mensch zur Nacht. Und merkt euch eins, in einem Restaurant gibt's kein Nachtquartier für euch, nur im Dorfwirtshaus. Trinkt euer Glas Tier, dann gehen wir zusammen ins nächste Dorf, ich zeige euch, wo ihr übernachten könnt." Der alle Herr stieß mit uns an, und als wir die Gläser geleert hatten, ging's weiter zu dritt ins nächste Dorf. Hier sprach mein Kollege in der Schmiede um Arbeit zu. Er mußte zu diesem Zweck sein Ränzel vor dem Eingang ablegen, den Stock dazu stellen, dann vor den Amboß treten und sprechen: „Besten Gruß vom letzten Meister und Gesellen." Dann prüfte der Meister seine Papiere, und wenn er keine Arbeit für ihn hatte, erhielt er ein Reisegeschenk. Der alte Herr rief dem Meister einen Gruß zu und sagte:„Gib dem Jungen ein gutes Geschenk, er kommt erst von Muttern." Er wies uns in einen Gasthof ganz unten am See, wo wir eine gute und freundliche Nachtherbcrge fanden. Ein Abend am See! Wenn die untergehende Sonne ihre golde- nen Strahlen über silberglänzende Fluten wirst, das Schilf rauscht und die Wasseroögel ihre Nester aufsuchen, die Frösche mit ihrem quak, quak das schönste Abendkonzert anstimmen und ein Schwalben- pärchen unter vorspringendem Dach sein Abendlied singt! Im gleichen Rhythmus schlagen die Wasser gegen das Land. Das ist Andacht, und ich freute mich, daß wir hier Quartier genommen hatten. Am anderen Morgen, es war ein Sonntag, holten wir uns im Dorfe Frühstück. Ueberall empsing man uns mit fröhlichen Ge- sichern. Ueberall wurden wir beschenkt. Als wir gerade an einem Restaurant vorbei gingen, wurde an das Fenster geklopft und uns zugewinkt. Wir gingen zurück und traten ein. Wer beschreibt unser Erstaunen, als wir in dem Wirt den alten Herrn von gestern abend erkannten! Er hatte gerade seinen Gästen von uns beiden Muttersöhnchen erzählt. Die wollten uns kennen lernen und riefen uns herein. Wir mußten unsere Ränzel ablegen und erhielten zu essen und zu trinken. Der Fleischermeister gab mir fünfzig Pfennig und sagte:„Geh zu meiner Frau und bestell ihr einen Gruß, sie soll dir dafür ein ordentliches Ende Wurst geben." Der Bäckermeister, der ebenfalls anwesend war, denn die Herren nahmen ihren Früh- schoppen ein, gab dem Schmied Geld, damit er Brötchen aus seinem Laden hole. Die Schlächterfrau lachte, als ich ihr die fünfzig Pfennig gab und den Gruß von ihrem Mann bestellte. „Was mein Mann kann, kann ich auch." Sie schnitt mir eine halbe Wurst ab und schob den Fünfziger wieder zurück. Die Gäste waren belustigt, als wir von unseren Einkäufen zurück kehrten, und hielten uns frei. Alles freut« sich, daß es uns so gut schmeckte. Als wir merkten, wir haben jetzt genug, da sagten wir:„Nun wollen wir aber steigen, sonst bleiben wir im nächsten Chausseegraben liegen," und setzten die Reis« fort, nachdem wir Zehrgeld und Glückwünsche von den Gästen empfangen hatten. Das Kammerkätzchen. Von Danzig führte mich die Reis« nach Behrend und Karthaus. Ungefähr eine Meile hinter Karthaus kam ich vor ein elend aus- sehendes Dorf,. welches nur einig« Häuser hatte. Ich studierte die Dorftafel. Donnerwetter, was war denn das für ein kurioser Name, wo bist du denn hier hingeraten? Ich buchstabierte: Klu— tu— wa— hu— te. Ist das ein verrückter Name, das riecht ja hier ganz nach Kamerun! Der Ort bestand aus einem Herrenhaus, das ziemlich versallen war. Eine Strecke davon entfernt lag ein Vorwerk, neben dem sich zwei Insthäuser befanden. Alles hatte ein vollständig verwahrlostes Aussehen. Ich schritt also aus das Herrenhaus zu und hielt Umschau nach der Küche. Da es Mittagszeit.war nud ich«in ziemlich starkes Knurren in meinem Magen verspürt«, wollt« ich die Gelegenheit nicht ungenützt vorübergehen lassen und mir aus der Gutsküche etwas zu essen holen. Komisch war es, daß ich nirgends ein menschliches Wesen er» blickte und auch keinen Hund bellen hörte. Ich schlich also einige Male um das Herrenhaus herum, konnte aber keinen Eingang zur Küche erspähen. Di« hintere Tür war zu, und so blieb mir, wenn ich zu meinem Ziel gelangen wollte, nichts weiter übrig, als die steinernen Stufen, die zur vorderen Haustür führten, zu ersteigen und dart Einlaß zu suchen. Ich drückte die Klinke herunter— die Tür war offen— und trat in einen Dorslur, dessen Boden mit Steinsliesen belegt war und an dessen Seiten sich die Türen be- fanden, die zu den Zimmern führten. An den Wänden hingen Garderobenstück«. Erst lauschte ich eine Weile. Nichts rührte sich. Nur in der Ferne irgendwo hörte ich eine weibliche Stimme, die ein Liedchen vor sich hinträllerte.(Fortsetzung folgt.) RätsehEcke des„Abend". iiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiifiiiiHiuiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiniHnii(nmiiiiiiuiuiiiiiiuiwaiiiuniuiiiiimmiitiiitn)unuiiiniiuiiniiiiiniiiiiiiMiiniiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuii!iii(iiiiiinn Silbenrätsel. Aus den Silben ad e funk ga garn gen go haar ju la lem len ler ne nie rei ril ru sen sp« te to türm un wel sind 12 Wörter zu bilden, deren erste und dritte Buchstabenreihe von oben nach unten gelesen«in Sprichwort ergibt,(j— i.) Die Wörter bedeuten: 1. Wild, 2. Tanz, 3. bekanntes Bauwerk in Berlin, 4. Führer der österreichischen Sozialdemokraten, 5. Stadt in Holland, 6. Schrift» zeichen, 7. europäischer Staat, 8. Lotterielos. 9. Affenart. 10. Edelstein, 11. Unkosten, 12. Oberg« waird. ak. Dienstag, 30. April. Berlin. 16.00 Th. Kappstein: Die Brüder Hauptmann. 16.30 Der Kreis des„Simpliilssimus". Dr. LantheHirich-Anthos. 17.00 Unlerhaltunesmusilc. Kapelle J. Michdlek. Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.10 Bücher zur Urgeschichte.(Am Mikrophon; Di. Kiekebusch.) 18.40 Prof. Dr. Pschorr: Die Oelahren der Vergasung. 19.10 Dr. B. Daun: Zum Gedächtnis Wilhelm Leibis. 19 JO Prof. Dr. C. Lehmann: Das photographisehe Aufnahmematerlal. 20.00 Sendeiplele;..Die sieben Schwaben". Volkaoper von Carl Millöcker. In der Funkbearbeitung von Rudolf Lothar. Ltg.: C. Bronsgeeat. Olrlg.: Max Roth. Anschließend; Presseumschao des Drahttosen Dienstes. Königswusterhausen. 16.00 Prof. Dr. Franck: Kind und Kunstwerk. 16.30 Dr. L. Landsholf: Unser Verhältnis zur alten Mnsik. 18.00 Minlsterlalbibllathekar Dr. Münster: Elternschaft und Berechtigung». wosen. 18.30 F.anzSsisch für Fortgeschrittene. 18.56 Stud.-Rut Georg Thiel: Wie kommen Entdeckungen und Erfindungen zustande? 19.20 Prlv.-Dozent Dr. H. Welnert: Der Ursprung des Menschengeschlechts. 22.46-23.16 Bildlunkversuche. Rösselsprung. kr. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. S p i ral« n- K r e u z wb rtr ä t se l: Wagerecht: 2. Po: 3. Ebe: S. Bank; 6. Magen; 8. Taunus; 9. Novelle: 11. Material: 12. Inventar.— Senkrecht: 1. Ob: 2. Poe: 4 Knie: 5. Bisam: 7. Spaten; 8. Tristan: 10 L monade; 11. Makkaroni. Buchstabenrätsel: 1. Wal: 2. 31m: 3. Sem; 4. See; 5. Em»: 6. Not: 7. 3da: 8. Ski; 9. Tat; 10. Mut: 11. Alt: 12. Etd; 13. Hut: 14. Tor.—„Wissen ist Macht!" Silbenrätsel: 1. vrSsident: 2. Ranküne: 3. Orden; 4. Liebermann; S. Esra; S Tivoli: 7. Apenrade; 8. Rarität: 9 Zrene: 10. Elias: 11. Renntier: 12. Alice: 13. tegien: 14. Leiten: IS. Edel- weiß: IC Reuse; 17. Lichtenberg.—„Proletarier aller Länder ver- einigt Euch!" zJhorfxjnddfiLel -ARBEITER. ruSSmLL Lichtenberg I in Fahrt. Die Lichtenberger, die ihren Anhängern in der letzten Zeit einige Sorgen und Enttäuschungen brachten, zeigten am Sonntag, baß mit ihnen zu rechnen ist. War es auch nur ein Gesellschasts- spiel, das sie mit G e r m a n i a- P a n k o w zusammenführte, so gaben die Pan-kower doch alles aus sich heraus, um die Niederlage nicht zu groß werden zu lassen. Bei Halbzeit lag Lichtenberg schon mit 3:0 in Führung. Der durchschiagkrästigere Sturm gab hier den Ausschlag. Wohl gab sich der Torwart die größte Mühe, den Torsegen aufzuhalten, aber die Zusammenarbeit mit der Verteidi- gung klappte gar nicht. Nach der Pause wurde das Bild anders. Germania wurde besser, Lichtenberg I ließ, im sicheren Sieges- bewußtsein, nach. Germania kommt zum EHrentresfer. Doch dann macht sich die bessere Technik Lichtenbergs wieder bemerkbar, aber nur ein Treffer ist die Ausbeute. Damit blieb Lichtenberg mit 4:1 sicherer Sieger.— Die Weißenseer zeigten, daß sie mit Recht als nächster Kreismeister zu gelten haben. Hertha 11, die Gegner vom Sonntag, wurden mit K: 1 geschlagen. Gespannt darf man auf den Ausgairg des am Sonnabend stattfindenden Treffens zwischen Lichtenberg uwd Weißensee sein.— Oberspree holt« sich mit 3: 1 von Eisenspalterei die Punkte.— Brandenburg (Havel) schlug Sokol-Eharlottenburg sicher mit 10: 0— Karow und Tempelhof teilten sich mit dem Resultat 2:2 die Punkte. Weitere Resultat«: Werder 77 gegen„Vorwärts" 6: 1. Spandau 25 gegen Potsdam 4: 0. Herzfelde 2 gegen Karow 2 2; 3. Saxonia 1 gegen Brandenburg 2 1:0. Lichtenberg I(2) gegen Germania 2 2:3. Herzfeld« 1 gegen Neukölln 2 2:0. Wacker gegen Butab 0: 1. » Recht reg« war die Tätigkeit der Handballer am letzten Sonn- tag. FTGB.-Norden 1 mußte in Velten die Punkte lasten. Mit 9:3 konnte Velten siegen. Hoch ist die Niederlage, die sich FTGB.- Neukölln von der Freien Sportvereinigung Schöneberg mit 15: 2 holte. Auch FTGB.-Norden 3 verlor hoch, Freie Turnerschaft Fried- richsthal(1. Männer) beendete das Spiel mit 12: 3(9: 2). Fried- richsthal(2. Männer) und Berlin 12 II trennten sich unentschieden 1: 1. Die Männer von Nordost mußten die Ueberlegenheit der Steglitzer mit 6:1(3:0) anerkennen, während bei den Frauen Nordost mit 3: 0(3: 0) siegen konnten. FTGB.-Norden 1(Frauen) hatte einen knappen Sieg über Sportverein Tegel von 1:0(1:0). Schöneberg(2. Männer) gegen Freie Turnerschaft Wilmersdorf II 3: 2. Schöneborg(Jugend) gegen FTGB.-Neukölln 0: 0. FTGB.- Süden(3. Männer) gegen FTGB.-Neukölln II 5:0(3: 0). Schnelle Abreise Schmelin�s. Bereits auf dem Wege nach*- Canada. Der deutsche Meisterboxer Max S ch m e l i n g hat ganz über- raschend am Montag die Reise nach Hamburg angetreten, von wo er nach wenigen Stunden Aufenthalt mit dem Hapagdampfer „Reliance" die Fahrt über den„Großen Teich" antritt. Sein Reise- ziel ist aher nicht etwa New Port, sondern zunächst Halifax, von wo aus Schmeling die Weiterreise nach der kanadischen Hauptstadt Montreal fortsetzen will. Der deutsche Anwärter auf die Welt- Meisterschaft hofft von dort aus die Verhandlungen mit seinem Manager und den Boxkampfunternehmern zu einem rascheren Ende führen zu können. Noch vor wenigen Tagen schwor Schmeling beim Barte des Propheten, er bleibe in Europa, wenn sein Manager Bülow nicht die angebotenen 25 000 Dollar annimmt. Nun schwimmt der kleine Schäker schon auf dem Ozean nach Dollarien. Es ist doch schön, wenn man Grundsätze hat! Die Havclvcreine fahren an. Am Sonntag hielt der Arbeiterruderverein Collegia gemeinsam mit dem Rudervercin Butab das diesjährige Zln- rudern auf der Havel ab. Nachdem es schon einen Sonntag vorher einige Mannschaften gewagt hatten, trotz Hagel und Schnee, Sturm und Kälte größere Fahrten zu machen, konnten nun endlich nach dem langen Winter alle Boote die erste Fahrt antreten. Frisch lackiert und aufs sorgfältigste hergerichtet, versammelte sich eine Flotte von über 30 Booten im Havelgemfind,- um von dort ge- moinsam eine Ilmfahrt um die Insel Lindwerder zu machen. Die Rückfahrt wurde gleich zu einem Kampf um die Spitze benutzt, wobei sich ergab, daß der Achter von Collegia nicht zu schlagen war. Die Fahrt in der frischen Frühlingsluft hatte den Appetit ganz mächtig angeregt: mit dem Bewußtsein, die erste Fahrt im Jahre in alter Kameradschaftlichkeit vollbracht zu haben, blieben die Teil- nehmer noch einige Stunden bei dem obligatorischen Rudertänzchen zusammen._ Schach-Krciskämpfe bei den Arbcifer-Schachspielern. Am Sonntag, 5. Mai, wenden im Lokal Ewald, Skolitzer Straße 126, die 1. und 2. Runde der K r« i s w e t t k ä m p f e im Deutschen Arbeiter-Schachbund ausgetragen. Sechs Vereine kämpfen um die Siegespalm«: der Meister des I. Bezirks Luckenwalde, Küstrin vom II., Brandenburg vom III., Stettin vom IV. und Kottbus vom V. Bezirk. Dazu die 1. Mann- schaft von Berlin. Die Berliner, die Sieger im letzten Bundes- turnier, werden alles aufbieten müssen, um in diesem Jahre den Platz zu behaupten: die Vereine aus Brandenburg, Stettin und Kottbus haben ihr« Spielstärke außerordentlich verbessert. Gespannt darf man auf das Abschneiden Küstrins sein, ist dieser Verein doch »echältnismäßig jung und muß zum ersten Male einen schweren Kampf bestehen. Es spielen vormittags von 10 Uhr bis na-bmit- tags 14 Uhr Luckenwalde— Brairdenburg, Küstrin— Bertin Stettin gegen Kottbus. Nachmittag» von 15 Uhr bis 19 Uhr Branden- bürg— Küstrin, Stettin— Luckenwalde, Kottbus— Berlin. Gespielt wird nach der Uhr. Die 3. Rund« wirb am 7. Juli und die 4. und 5. Runde am 1. September ausgetragen. Der Sieger au» diesen Kämpfen spielt dann im Gaukampf gegen den Meister eines an- deren Kreises, der von der Burdesspiellcitung zugeteilt wirb. Die vier Enidsieger tragen Ostern 1930 in Düsseldorf die Bundesmeister. schaft aus. Die Hoffnung aller Schachspieler m J. Kreise ist, daß der kom- mende Kreismeister alle Kämpfe ehrenvoll besteht und in Düffel- dorf wiederum Sieger wird. Gäste sind herzlichst willkommen. » Die Abteilung Neukölln veranstaltet heute, Dienstag, 20 Uhr, einen Werbe abend im Spiellokal Balewski, Neukölln, Boddinstraß« 57. Das vielseitige Programm sieht u. a. vor: Freie Partien mit den Angehörigen der Kampsmannschast der Abteilung, Blitzturnier, Humor im Schach,- Simultanspiel eines Meisttrspielers. All« Freunde' des Schachspiels, die einen genußreichen und inter- estanten Abend verleben wollen, sind herzlichst eingeladen. Der Eintritt ist frei, ebenso wie der Besuch zu nichts verpflichtet. In der Abteilung Lichtenberg, die jeden Dienstag ab 20 Uhr bei Schuler, Wllhlischstraße 36, spielt, häll der Kreisleiter Karl Franke heute einen Vortrag über die Wiener Partie und die Sizilianische Partie. Im Anschluß daran wird der diesjährige Vereinsmeister Arndt simultan spielen. Partei- und Sportgenossen, Reichsbanner- kameroden sind herzlich willkommen. 08Kteiit8d!e Arbeiter- Fußballmeisterschatt Sonntag, 5. Mal 1929, 10 Uhr, Endspleli Freie Turnendiafi DObern-Fonl(Meister des 16 Kreises, Lausitz) gegen LackcnwalderTarnemiiafi, 2. Abt.(Meister des I.Kreises, Berlin-Brandenburg) auf dem SKdtUcfaeii Sportplatz, Lichtenberg, Kynartstrage, am Bahnhof Stialau-Rummeishurg Vorher ab M'/tUhr: Jngcndwerbeaplel;„Eichc"-Köpenick—.VorwJrts'-Cladow Billigste EtntrlttspreUe I Berlin baut Sportplätze! Grofje städtische Sportanlagen fertiggestellt. Nach einem Beschluß der Stabiverordnetenversommlung sollen in diesem Jahre die zur Verfügung stehenden Mittel nur zur Vollendung und zum Ausbau bereits begonnener Spiel» und S p o r� p l ä tz e verwendet werben. Zu den Anlagen, die in diesem Jahre fertiggestellt werben, gehört in erster Linie der Dolkspark Rehberg«. Nach der bereits im vorigen Jahre erfolgten Freigab« der Wege sollen in den nächsten Wochen die Spielflächen mit den dazu gehörigen Um- kleidehäusern der allgemeinen Benutzung übergeben werben. Der Bezirk Wedding beabsichtigt, die Anlage am 22. Iun: m Gegenwart des Oberbürgermeisters durch ein« großzügig« Veranstaltung der Schulen und Verein« einzuweihen. Auch der Spielplatz an der Katzbach st raße geht seiner Dollendung entgegen. Die ersorber- lichen Mittel sind durch die Deputation für Leibesübungen bereit- gestellt worden, so daß die Einweihung voraussichtlich am Ver- fastungstage wirh. stattfinden können. Damit werden lange gehegte Wünsche der Bevölkerung des Bezirks Kreuzberg erfüllt. Der Hubertussportplatz in Wilmersdorf erhält zwei massiv« Sporthäuser, die gelegentlich der diesjährigen Berliner Turn- und Sportwoche der Oeffentlichkeit übergeben werden. Die vierte Groß- anlag« ist das Sadion in Lichtrrfelde, auf dem außer den bisherigen Ucbungsfeldern der Kampfplatz mit einer 400-Meter- Aschenbahn, einer überdachten Tribüne sowie mit modern ausge- bauten Umtleidehäufern fertiggestellt werden. Auch hier sind die erforderlichen Mttel restlos zur Verfügung gestellt worden. ArnAfabztr.elbt«iliing lx» ÄrSeiter-Rad- unb Rroftfobtct-iBttnbe«.Soli. botitüi". Di« ytnnfobtrt bflfilifltn sidi an btt Malleitr im Clou, Berlin, Mourrstr. 82. Um 6)4 Uhr müssen all« Teilnehmer zur Stell« sein. Dann««. tea, 2. Mai, 20 Uhr, Sitzung her Nennfohrrr-Abtessung Stollsdtrciberstr 29 bei Schullhetz. Des Rennens am fommetiben Sonntag wegen müssen alle Mit» alieber erscheinen. Rennsahrer und Heiser nimmt die Abteilung noch aus, mit Den bundestreuen Rennfahrern sympathisierende Radsportler sind als ssssc willkommen. T»n»iz-Rot ReukSll». Am I. Mai ist Epielvcrbot. Di« Trupp« 0 spielt Sonnabend, 4. Mai. Nächste Sitzung 7. Mai, Cafe Reinhardt. Oer„Sturmvogel" rutt! Die Fliegerei lürs Volk. Niemand, der die Entwicklung der L u f t f a h r t in den letzten Jahren mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird bezweifeln, daß dieser jüngst« Zweig der Technik berufen ist, auf die wirtschaftliche und kulturell« Zusammenarbeit der Völker immer größeren Einfluß zu gewinnen. Der ist aber n»r möglich, wenn das Flugwesen vom V«rtrau«n des ganzen Volkes getragen wird. Daß es der Führung nicht gelungen ist, dieses Vertrauen zu erringen, beweist di« jetzige Krise In der deutschen Luftfahrt. Beobachtung und Erfahrung lehren, daß die Betätigung in der deutschen Fliegerei— abgesehen von wenigen Ausnahnrni— noch immer bestimmten Kreisen vor- behalten ist. Dadurch ist verhindert worden, daß die vorhandene große Anteilnahme auch des einfachen Mannes an der Luftfahrt- entwicklung sich in praktischer Mitwirkung betätigen tonnte. Unter dem Namen „Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen<£. V., Verlin. hat sich eine Organisation gebildet, deren Aufgabe es sein wird— unabhängig von den bisherigen Bestrebungen— das Flugwesen enger als bisher mit dem Jnteressenkreis des ganzen Volkes zu ver» binden. In den Satzungen des„Sturmvogel" heißt es u. a.: „Aufgabe des Verbandes ist die Förderung der Luftfahrt mit dem Ziele, die Errungenschaften der Technik nicht länger den materiell bevorzugten Schichten allein zu überlassen, sondern das Flugzeug für Sport, Werbung und Verkehr den breiten Massen zu erobern. Der Verband vor- folgt seine Ziele ohne parteipolitische Bindung in enger Fühlung mit den übrigen Organisationen der Werktätigen, wie Gewerk- schasten, Berbändcn usw. Der Verband kämpft für ein« durch- greifende Demokratisierung des deutschen Flugwesens und für eine aktive Verwendung der deutschen Luftsahrt als Instrument der Dölkerversöhnung und der Solidarität der Werktätigen über die Landesgrenzen hinaus..." Zur Unterstützung einer erfolgreichen Massenwerbung gewährt der„Sturmvogel" jedem, der ihm 12 neue Mitglieder zusührt, einen Freiflug und darüber hinaus werloolle Preise wie Lustreisen, Motorräder. Nicht nur als große Masienbewegung kann der „Sturmvogel" seine Aufgaben erfüllen, die in ihrer Auswirkung weit über das sportlich« Gebiet hinausreichen.. Namhaste und erfahrene Flugzeugführer, Konstrukteure, Monteure und andere Fach- leute des Flugwesens gehören bereits zu den Mitarbeitern. Führende Bertreter behördlicher, wirtschaftlicher, politischer und an- derer Organisationen unterstützen den„Sturmvogel" als fördernde Mitglieder. Die Jugend wird in erster Linie berufen fein, aktiv an den fliegerisch-praktischcn Ausgaben mitzuwirken. Aber sie kann dies nur durch Mithilfe und Opferbereitschaft der älteren Gene- ration. Wir zweifeln nicht, daß auch in unseren Veteranen und Vorkämpfern noch genug jugendliche Begeisterungsfähigkeit für neu« Aufgaben einer werdenden Zeit lebendig ist. Helft uns, die deutsche Lustfahrt in diesem Sinne vorwärtstreiben, kretet ein In die Reihen des„Sturmvogel"! Näher« Auskunft, Werbematerial usw. bei der Geschäftsstelle, Berlin SW. 29, Zentralflughafcn, Fernruf F6, Baerwald 8681. Rn de««rein«ollepia,«. B. Ss Ist Pflickn eine» jedkN Mitgliedez, am 1. Mai die Derlammlungen der Gotoerllchaften zu beiulhe». güt den Vormittag diese« Tages besteht ssahrtenspem. Freitag, 3. Mai. 20 Uhr(nicht 2. Mai), Mitgliederoersammlung bei Thunack, THarloItenburg, Wielandstr. 4. Vortrag:.Was ist ein Konlordat?" FT«B. Freitag. 3. Mai. 19V4 Uhr, Sitzung der Sportleitee in der(Se- fchäftsstelle. Freitag, 10. Mai. 1»(4 Uhr, Nampfrichtersttzung betreff» Anturnen im Lichlendergcr Stadion, Eefchäftsstelle.— Bezirt Tempelhof: Alle Mitglieder treffen sich am 1. Mai 18 Uhr in Lichtenrade bei Rohnnan», Hilbertstratze. Turnzeug mitbringen. Freie Faltbaoifahrer Berlin. Miiitvach. 1. Mai, Maifeier am Birkenschlag fLanäen See) um 10 Uhr. Musik, Rezitationen. Gesang, Ansprache: Genosse Nünsiler, M. d. R. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Grüna». Aedeitee-Radlahree. und«eastsahrerbund„Solidarität". 2.«dt.: Sitzung ausnahmstoeife Donnerstag. 2. Mai. Am 1. Mai Beteiligung vormittags an den Veeanstaltungen der freien Gewrrkfchaffen. nachmiüags an den Partei- Veranstaltungen. Beachtet den Befchiutz der Grtverksdutftcn, Partei und die Warnung de» Polizeipräsidenten. Meidet die kvmmuiüftifchen Veranstaltungen. vorstehendes gilt für oll- Abteilungen Groß. Berlins. Und die Musik spielt... In der Turn- und Sportbewegung ist die Marschmusik jetzt wieder Trumps. Die Sportfeste sind zumeist mit Umzügen ver- bunden, flatternde Fahnen und Transparente werden von den in Sportkleidung marschierenden Sportlerinnen und Sportlern mitgeführt, und an der Spitze marschiert das Tronimler- und Pfeifer- korps: bei großen Festen auch ein Blasorchester. Wenn Musik ertönt, strömt alt und jung herbei und begleitet den Festzug, in den Straßen öffnen sich die Fenster. Wenn es vielfach mich nur Neu- gierde ist, so zeigt sich doch, daß di« Wusik ein vorzügliches Werbemlltel ist. In den Mustkpausen ist es aber auch nicht still, dann erschallt froher Gesang der Alte wieder jung und vor allem einem jeden Freude macht. Die Ansichten über die Marschmusik haben sich wieder einmal geändert. In der Vorkriegszeit waren Trommler- und Pfeiferkorps in Arbciterorganisottonen nicht beliebt, si« galten als „mtlitärffch«r Klimbim", den man den Kriegcrvereinen überließ. Wenigstens hatte man dies« Ansicht in der Großstadt. In den Dörfern und kleinen Städten wurde zumeist an der Tradition der Trommler und Pfeifer aus der alten Turnerzeit festgehalten. Aber nun ist auch di« Großstadt wieder begeistert. Zu jedem Sportfest gehört ein Werbefestzug, und zu jedem Festzug Musik, sonst fehlt etwas zum vollen Gelingen. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund hat einen besonderen Musikausschuh eingesetzt, dessen Vorsitzender Robert Oehlschläger-Berlin ist. In den Kreisen und Bezirken sind Obleute gewählt zur Leitung der Spielmannszügc, um Einheitlichkeit in den Spielbetrieb zu bringen. Der Bund gibt Notenmaterial für Blas- orchefler und Spielleute heraus, so daß bei größeren Festen di« Musikkorps gemeinsam auftreten können. Ende Februar fand ein« Tagung der vundesmusiker-Obleule In Nürnberg statt, auf der alle Kreis« vertreten waren mit Ausnahm« der beiden österreichischen Kreise, die keine Spiesteute bzw. Musikkorps haben. Diese wichtige Tagung beschäftigt« sich mit der Mitwirkung der Musik beim Bundesfest. Im Festzug soll vor jedem Kreis ein Spielmonnszug und dahinter ein Bläserkorps marschieren. Weiter ist geplant, innerhalb jedes Kreises, vor je 1000 Festteilnehmern, eine Musikabteilung marschieren zu lassen. Die Spielmannszüge vor den Bläserkapellen müssen wenigstens 50 Mann stark fein. Spielmannszüge ohne Bläiferkorps sollen ) 100 Mann stark sein und je 50 Mann sollen abwechselnd spielen. Auch Schalnieienkapellen sind zugelassen, sosern sie mindestens 20 Mann stark sind. Die Generalprobe zum Dundesfest soll gelcgent- lich des Reichs-Arbeitersporttages statffinden. In Nürnberg wird mit der Teilnahme von 6000 bis 8000 Spielleuten gerechnet. Die Festteilnchmer sowie die Nürnberger Bevölkerung werden also nicht nur etwas zu sehen, sondern auch viel zu hören bekonimenl Die Feslschrist Nr. 3 zum Nürnberger Bundesfest bringt Propaganda für die Musik. Aus dem geschnlackoollen Titelblatt bläst ein roter Hornist zum Sammeln für Nürnberg, zwei Artikel beschäftigen sich mit der.Knüppel"- und der Blasmusik. Der Grundstein zum heutigen Bundeskorps wurde im ersten Kreis (Berlin-Brandenburg) gelegt: im Jahre 1920 fand die erste Konserenz der Spielmamiszüge in Nelnickendorf statt. Die Hamburger waren die ersten, die als Massenkorps auf die Straße gingen, beim Leipziger Bundesfest 1922 traten sie mit 220 Mann an, der erste Krei» hatte ein Korps von 70 Mann zur Stelle. Bei den leicht- achletischen Bundesmeffterfchaften 1923 im Grunewaldstadion waren bereits 1000 Spielleute in Tätigkeit, bei der Internationalen Arbeiter-Olympiade 1925 hatte sich diese Zahl auf 2000 echöht. Der größte Erfolg zeigte sich 1926 bei der Einweihung der Bundes- schul«, bei der 4000 Spiellcule mitwirkten. In Nürnberg rechnet man mit ziemlich der doppelten Zahl! Auch die Blasmusik- k a p e l l e n entwickeln sich günstig, wenngleich hier größere finan- ziclle Schwierigkeiten zu überwinden sind. Am besten stehen der 4. und 5. Kreis da mit je 300 Musikern, aber auch in den anderen Kreisen sind gut« Ansätze vorhanden. Das Ziel ist im wechselnden Spiel beider Musikkörper— Spielleut« und Blasmusik— den großen Massenfesten ein eigenes Gepräge zu geben, ähnlich den Massenaussührungen des Arbeiter-Sängerbundes. Und nua ruft Nürnberg! Große Tage sollen es werden, Dokument« des Konnens der Nassen- bewußten Arbeiterschaft, ernste Arbeit, aber auch Freude und frohe Erinnerung an ein großes Kultunverk. Wenn Hunderttausende sich festgestimmt In Nürnbergs Straßen und im großen Stadion bewegen, will di« aus allen Gauen Deutschlands herbeigeströmte Musik der allgemeinen Freude klangvollen Ausdruck geben. Die Förderung der Spielleute und Bläser, ihr Ausbau zur großen Or- ganlsation mit Massenwirkung, ist für die propagandistische Aus- gestaltung der Arbeiterschaft bcdeutnungsvoll. Wer aktiv oder— fmanziell dabei mithelfen will, wird stets willkommen fein. ist. "V Wohnungselend ii Die Reichsseklion Gesundheitsweie» dsz Gemeinde, und «taatsarlieiterverbaildes hnt Erhebungen über die Wohnverhältnisse des Pslcgepersonals in den st ci a t l i ch e n und kommunalen Krankenanstalten des Reiches oernn- ftciltet. Das gesammelte Material zeigt zum Teil graste Verbesserungen gegen die Zustände der Vorkriegszeit. Dennoch herrschen in den »leisten Anstalten noch geradezu unglaubliche Zustände. Traurig ist es, dost ein Teil des Pflegepersonals derart abgestumpft ist, dast es Keller- und Bodenwohnungen als etwas Selbstverständliches hin- nimmt. Roch trauriger allerdings, dast nach Eintritt leidlicher Lohn- und Wohnverhältnisse, vereinzelt ein Rückgang in den Organisations- Verhältnissen eingetreten ist. Nur ein einheitlich gewerkschastlich organisiertes Pflegepersonal kann aus die Dauer menschenwürdige Lohn- und Wohnverhältnisse erreichen. Die Wohnungsnot in unserem Falle besteht nicht in einein, Mangel an Wohnräumen, vielmehr darin, dast die vorhandenen W o h n u n g e n den sozialen, ethischen und kulturellen Ansprüchen keineswegs gerecht werden. Das birgt zweierlei Gefahren in sich. Einmol für d«is Pflegepersonal und zweitens für die zu pflegenden Kranken. Nur ei» seelisch und körperlich gesundes und ausgeruhtes Pflegepersonal kann den Anforderungen des schweren Krankenhaus- Pflegedienstes gerecht werden. Es gehört heute durchaus nicht zu den Seltenheiten, dast noch acht, zehn ja sogar zwölf Personen in eincm R a u in« zujainmengepfercht leben müssen, wobei es sich häufig um Keller-, Boden- oder Durchgangsräume handelt, die den primitivsten hygienischen Anforderungen in keiner Weise genügen. In vielen Fällen ist sogar Personal von Jesektionsstationen in diesen Massen- quartieren untergebracht. Fast überall herrscht«in groster Mangel an Badeein- ri cht un gen. Sogar die Stadl Berlin gibt ihrem Personal nur gegen Bezahlung die Möglichkeit, sich von den bei der Aus- Übung seiner Arbeit erworbenen Ansteckungsstosfen zu säubern. Ilm nur ein paar Fälle herauszugreifen. In Düsseldorf wohnen acht, in der Universitätsklinik in Marburg wohnen l Krankenanstalten. sieben Personen in einer Dachkammer. Im Sommer ist es glühend Heist und im Winter derart kalt, dost es das Pflegepersonal vor- zieht, seine Freistunden außerhalb seines cheimes zu verbringen. Aus Wiesloch in Baden wird wörttich gemeldet:„Ueber Wohnungen werden keine Klagen erhoben, nur in der Waschküche schlafen die Mädchen zu zwölf Personen in eineni Raum." In Mühlhausen in Thüringen wohnen drei Pfleger in einem Raum, der drei Meter breit und knapp vier Meter lang ist. In Halle wohnt fast das gesamte Personal im Keller, etwa 1,20 Meter unter der Erdoberfläche. 80 Proz. der Personal- Wohnungen befinden sich im Keller oder auf dem Dach. Am krassesten werden die Zustände durch einen Bericht der Kieler Universitätskliniken an den Universitätskurator beleuchtet: „Die Wohnungen liegen zum Teil im Dach- und im Keller- geschah. Die im Dachgeschost liegenden Zimmer weisen wenig Mängel auf. Dagegen sind die Kellerwohnungen nicht einwandfrei. Die Wohnungen liegen im allgemeinen l,2tZ Meter tief. Die Feuchtigkeit und die Solpetcrblldung ist an sich bedeutend. In den Sommermonaten dringen Ameisen, Schnecken und sonstiges Un- geziefer in die Wohnungen«in. Rohrleitungen an Decken und Wänden sowie unter dem Fußboden hindurchführende Kanäle ver- breiten nicht selten üble Gerüche und gefährden Behagen und Ge- sundheit der Bewohner. Solche Verhältnisi« herrschen in Anstalten, die dazu geschaffen sind. Krank« gesund zu machen und Gefährdete zu schützen. Körperlich gesund kann das Personal nur in gesunden, ausreichenden Wohnungen sein. Zur seelischen Gesund- heit gehören neben den Schlafräumen auch Lese-, Schreib, und Spielräume. Wie weit entsernt ist ober heute noch dieses Ziel von der Wirklichkeit? Vielfach kommt es noch vor, daß Pflegepersonal zwischen den Kranken schlafen muß! Es gibt Verwaltungen, die bemüht sind, die vorgezeigten Mist- stünde zu beseitigen. Aber letzten Endes muß dieser Kamps gegen die bestehenden Zustände von dem Krankenpslegepersonal s e l b st geführt werden, und zwar mir Hilfe der Gewerkschaft. Vie Nachverhandlungen für den Nuhrbergbau. heute gehen im Rcichsarbeilsminislerium die Tlachverhandlungen für den Schiedsspruch im Ruhrbergbau vor sich. Die Vertreter der Arbeitgeber sind um 9 Uhr und die Vertreter der Arbeitnehmer gegen l0 Uhr im Reichsarbeitsministerium zusammengetreten. Die par. teien tagen vorläufig noch getrennt. Wann ein Ergebnis vorliegen wird, ist zurzeit noch nicht abzusehen. Aus den Riles-Werken. Die Arbeiterfchast gegen die KPO.-Methoden. Der Betriebsrat der Firma Deutsche Niles-Werke Berlin- Weißenfee ersucht uns um Aufnahme des folgenden Berichts über die Betriebsversammlung am 25. April. Die Belegschastsversammlung der Deutschen Niles-Werke, Weistenfee, hat, nachdem sie wie in den früheren Jahren die Feier des l. Mai e i n st i m m i g ohne Diskussion beschlossen, und in ausgiebiger Diskussion die Abstimmung über den Tarifvertag vor- bereitet hatte, Stellung zu den in der„Roten Fahne" Nr. 37 und 39 verösfeinlichten Mitteilungen genommen. Nachdem die einzelnen Behäuptiingcii sich Punkt für Punkt als unhaltbar er- wiesen, wurde folgende Erklärung unter voller Stimmbeteiligung mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Erklärung! Die stark besuchte Belegschaftsversammlung der Deutschen Niles- Werke A.-G., Weißensee, erklärt zu den in letzter Zeit in der„Roten Fahne" über die Mitglieder des Betriebsrates sowie über die Be- triebsoerhältnisie gemachten Mitteilungen folgendes: 1. Die dort veröffentlichten Dinge sind zum Teil freie Erfindung einer einzelnen Person, teils vollkommene Verdrehungen und Ueber- treibungen der Tatfachen. 2. Sie sind nicht geeignet, die Stellung der Opposition zu stärken, vielmehr dazu, die Schlagkraft der Arbeiterschaft zu schwächen. 3. Die Belegschaft sieht in diesen Beröfsentlichungen von Un- Wahrheiten einen Mißbrauch der Arbeiterpresse durch unverantwort- liche Elemente. 4. Sie bittet die„Rote Fahne" im Interesse der Opposition um Veröffentlichung dieser Entschließung. S. Sie spricht den angegriffenen Funktionären ihr volles Vertrauen aus und rückt mit aller Entschiedenheit von den Elementen ob. die solch« falschen Gerüchte in die Welt sehen. Bei der Betrlebsratswahl wurden die in der„Roten Fahne" verleumdeten vetriebsratsmitglieder einstimmig wiedergewählt. Verhinderter„Steg". Bei der Betriebsratswahl in der Heil- und Pflege- a n st a l t Buch am 24. April, hatten sich einige KPD.-Leute auf einer sogenannten„O p p o s i t i o n s l i st e" zusomniengefunden. Ein erbitterter Wahlkamps wurde geführt. Er endete mit einer katastrophalen Niederlage der Kommunisten. Auf die f r e i g e w e r k s ch a f t l i ch e L i st e der Angestellten entfielen 347 Stimmen, die Liste der KPD. konnte, trotz gehässigster Agitation, nur 1 8 S Stimmen auf sich vereinigen. Das Per- häftnls hat sich zugunsten der freigewertschaftsichen Liste gegenübe» dem Vorjahr wesentlich verbessert,!« 1928 die sreigewert» schaftliche Liste 260 und die kommunistische Liste 160 Stimmen be, kommen hatten. Die freigewerkschaftliche A r b e i t e r l i st e erhielt in diesem Jahre 27, die KPD.-Liste 22 Stimmen. Der Betriebsrat setzt sich aus sechs Freigewerkschaftlern und drei Kommunisten zusammen. Oer Oirekior ist enirüstei. Weil ihn ein Arbeiter verklagt. Daß jemand in Verkennung der Rechtslage eine aussichtslose Klage erhebt, kommt beim Arbeitsgericht alle Tage vor. Es ist aber kein alltäglicher Fall, daß ein Beklagter seine Vorladung vor Gericht mit solcher Entrüstung ausnimmt, wie Direktor T e s k e von der Firma Kühl- und Gefrierhaus Zentrum. Er möchte aus einer an sich bedeutungslosen Angelegenheit eine Haupt- und Staatsaktion machen. Der Kläger hatte die beiden Osterfeiertage in seiner Heimat zugebracht und war am dritten Feiertage mit der Eisenbahn gegen 8 Uhr morgens in Berlin eingetroffen. Aus diesem Grunde trat er, direkt vom Bahnhof kommend, erst eine Stunde nach Beginn der Arbeitszeit in den Betrieb, wurde aber sofort entlassen. Er klagte nun auf Bezahlung der Ferienzeit, aus die er Anspruch zu haben glaubt. Direktor T e s k e aber sagte, er gebe seinen Arbeitern zwar Ferien, aber im Winter, da der Kühlhausbetrieb im Sommer keinen Arbeiter entbehren könne. Einen Anspruch aus Ferien hätten seine Arbeiter überhaupt nicht, einen Tarif habe er nicht, die Gewerkschaft hob« i» seinem Betriebe nichts zu tun. Direktor T e s k e tat sehr e n t r ü st e t darüber, daß das Gericht die Klage überhaupt angenommen und ihn vorgeladen habe. Wie könne denn das Gericht den Angaben eines jungen Mannes ohne weiteres Glauben schenken? Er habe diese Angelegenheit der sozialdemokratischen und der kommunistischen Presse unterbreitet, um eine öffentliche Erörterung herbeizuführen. Er sei ein prominenter Fachmann aus dem Gebiet des Kühl- und Gefrier- wsfens, habe hierüber Artikel im„Berliner Tageblatt", im„Vor- wärts", in der„Welt am Abend" geschrieben. Er lasse sich in seinem Betriebe keine Vorschriften machen.— Einen Vergleichsvorschlag des Richters lehnte Teske ganz e n t- schieden ab. Da weder der Kläger noch der Beklagte einer Organisaflon angehören, für sie also kein Tarif besteht, ist der Ferienanspruch des Klägers allerdings zweifelhaft. Deshalb wird er sich— dem Rat des Richters folgend— überlegen, ob er nicht besser tut, die Klage zurückzuziehen. Es scheint, daß die Erfolge, die Herr Teske als Kühlhausfach- mann vielleicht erlangt haben mag, seine Selbstgefälligkeit maßlos gesteigert haben. Rur so läßt sich sein sekbstherr» liches Auftreten vor Gericht erklären. Landwirtschaft und Nerufsausbildungsgefetz. Uns wird geschrieben: Vor einiger Zeit hat das Reichsernährungsministerium die beteiligten landwirtschaftlichen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeroerbände sowie Vertreier der öffentlichen Berufsvertretungen geladen, um deren Stellungnahme' zum künftigen Berufsausbildungsgefetz zu er- künden. Die Vertreier der Landarbeiterverbänd«, sowohl der freien als auch der christlichen Gewerkfchaftsrichtung, haben bei dieser Gelegenheit betont, daß sie wie bisher den Entwurf eines allgemeinen Berufsausbildungsgesetzes für eine geeignete Grundlage halten, um auch die Landwirtschaft in den Geltungsbereich dieses Gesetzes e i nz u b ez i e h e n. Es ist dies schon darum möglich, weil das Gesetz nur ein großes Rahmengesetz ist, dessen Durchführung für die Landwirtschaft bei den Landwirt- schastskammcrn liegt. Soweit landwirtschaftliche Verhältnisie im Gesetz besonders noch zu berücksichtigen wären, dürfte dies bei den kommenden Beratungen unfchwer möglich sein. vuoguamm I UM■ WkM WD HU WZ g I �ttoGnann vom| WWW|Bm I Zeit vom 30. April bis 2. Mal I■ M VM MWM W mT«d» WS 1 30. April bis 2. Mal moQ Potsdamer Strafe 38 Kinder der Strafe m. Erika GlS�aer Moderne Mütter 7 Akte Rheinstrage 14 Älche) Verläng rt! Die eiserne Maske mit Douglas Falrbanks Jugendliche haben Zutritt Odeon, Pof»damer Sir. 7 5 Geld I Geld 1 1 Celdtll mit Brigitte Helm Das gute Beiprogramm Turmstrage 12 Möblierie Zimmer 6 lustige Akte Die neue Heimai mit Rudolph Schildkraut Alexanderstr. 39-40 (Patsage) Den ganzen Tag geöffnet! 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Villa Sazeaharg Bühnenschau Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochtgs. ab 6, Sonntags ab 3 Uhr Das große Doppelprogramm: Somnambul(Die Hellseherin) (dreimal polizeilich verboten) Stürme mit Liiton Gtsh Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Der Za rewitsch mit Iwaa Petrovich Sdbaffcii der Nachi Groge Bühnenschau Concordia-Palast Andreasstraße 64 Die eiserne Maske mit D. Fairbanks Beiprogramm Bühnenschau Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg. Lückstraße 70 Der lebende Leichnam(Das Ehe- geseiz) Reiter der Rache Bühnenschau ��Fri«£rlch5f«l