Morgenausgabe Jlr. 202 t A102 ��.Iahrgavg Wöch-alNch 855t, mcn-Ilich MAR. tm voraus zahlbar. Pvfwtjilg ÄjSiVL, «inschlt-bllch 60 V!g.P°ftz.W,»�. mk 72 5(8- Pl>std-st-llg?dühreu. Builar.bti abonneitKitt 6.— TO. pro TOonat. rer ,5oni>an»" rrtchrko wochrnti,. Ii 6) zweimal, Sonntags und TOpntog* einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Tbend". Illustriert» Beilagen.Bali und Zeit' und.Kindersreund'. Femer .Unterhaltung und Wissen',.grauen- stimm»'..Technil' ,D»»»u di, BücherweU" und.Iugend-Vorwärts' Nevliner volksvlatt Mittwoch 1. Mai 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Me«tfifpatttQ« NonpareiVezekl« 80 Pfennig. Reklame�eile 5.— Reichsmart.„Ztteine Anzeigen� da» lettge« drultte Wort 25 Pfennig tZuläfstg zWet fettgedrucne Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familtenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annähme im Hauptgeschäft Linden- itraße 3.«ochentägl. von 8Vs bi» 17 Uhc. Aentraßoegan der SozialdemokvaMwen Vavtei DeutsGtandS Redaktion und Verlag: Verlin SW 68. Lindenstratze 3 Fernsprecher: Töndvfl 292—291 Telegrcnnm.Ldr.l Sozialdrmokra« verlw Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postschecktomv! Berlin ZI 536— BonRonto; Bant der Stbetttt. Sn gestellt« und Beamten Wallstr. KS DiSlonto-Gelellschaft. Depofitentafle Lindenstr.> Vierzig Zahre 1. Mai. ISSY-IYZY. Von Larl �ants�. Vor vierzig Jahren� wurde die Maifeier geboren, auf dem internationalen So�ialiftenkongreß. der in Paris vom 14. bis 20. Juli 1889 tagte. Es waren die franzosifdje»! Ge» noffen. die jene internationale Kundgebung beantragtem Das Datum wurde jedoch nach dem Vorantritt einer amerikanischen Organisation beschlossen, des großen Gewerkschafrsbundes der Federalion of Labor, die schon im Dezembtr 1888 auf einem Kongreß in St. Louis eine Kund- gebung für den 1. Mai 1890 beschlossen hatte. Merkwürdiger- weise ist gerade diese Organisation bis heute der sozialistischen Arbeiterintcmationale ferngeblieben. Die Kundgebung des 1. Mai sollte vor allem der Forde- rnng des Achtstundentages gelten,«er damals noch cfn fernes Ideal darstellte. Heute ist das Ideal in Europa und Amerika bereits vielfach verwirklicht, wenn auch noch stark umstritten und bedroht. Immerhin, der große Fort- schritt, den wir seit dem ersten Begehen der Maifeier gemacht. ist unverkennbar. Neben der Agitation für internationalen Arbeiterschutz sollte die Maifeier vor allem der Agitation für die Ver- Hinderung von Kriegen, der Sicherung des Welt- srt.edens dtenem Auch in dieser Beziehung ist ein großer Fotlschritt erreicht /worden. Noch dem Weltkrieg- ist das Bedürfnis nach Beseitigung jeglicher Kriegsgefahr so all- gemein geworden, daß die siegreichen Regierungen sich ge- drängt �sahen, den Völkerbund zu begründen als Organisation, bestimmt, internationale Konflikte friedlich zu schlichten und kriegslüsterne Regierungen lahmzulegen. Das war eine Einrichtung, wie sie die Internationale stets verlangt hat. Allerdings entspricht die Gestaltung und das bisherige Funktionieren des Völkerbundes nur wenig unseren Idealen. Als Schöpfung der Sieger war er bestimmt, ihr Werkzeug zu sein und überall ohnmächtig zu bleiben, wo er ohne sie oder gar gegen sie zu wirken hätte. Doch haben demokratische und vor allem sozialdemokratische Einflüsse ihn jetzt schon etwas verändert und sie werden ihn noch mehr ändern, je mehr es dem Proletariat gelingt, in England, Deutschland, Frankreich besiiinmenden Einfluß auf seine Re- aicrungen zu gewinnen und, sobald in Rußland an Stelle der Diktatur die Demokratie tritt. Er wird dann immer mehr zu jenem wirksamen Mittel der Friedenssicherung werden, für das die Proletarier aller Länder feit vier Jahr- zehnten in der Maifeier demonstrieren. Ohne bestimmende politische Macht des Proletariats müßte freilich der Völkerbund ohnmächtig und unwirksam bleiben. Kein sozialer und politischer Fortschritt ist mehr möglich ohne wachsende Macht des Proletariats. Aber auch in dieser für unser ganzes Wirken grundlegenden Beziehung sind wir seit der Begründung der Maifeier ungeheuer weit gekommen. Wir wollen hier nur die zwei größten unter den kapitalistisch vorgeschrittenen Staaten Europas nennen, Deutschland und England. In Deutschland standen damals die Hohenzollern auf der Höhe ihrer Macht, die Sozialdemokratie lag als Organisation durch das Sozialisten- gesetz zerschmettert und völlig rechtlos zu Boden. Heute haben wir die Republik und in Preußen ist der Minister- Präsident, im Reich der Reichskanzler ein Sozialdemokrat. Und in England gab es vor vierzig Iahren noch keine Arbeiterpartei, nur ein paar kleine bedeutungslose so- zialistische Sekten. Heute haben wir dort eine gewaltige Arbeiterpartei, die eben jetzt vor einem Wohlkampf steht, der sie aller Voraussicht nach zur stärksten Partei im Staate erhebt, vielleicht sogar zur regierenden Partei macht. Allerdings bedeutet das noch nicht die Eroberung der vollen politischen Macht durch das Proletariat. Dazu gehört nicht bloß'eine sozialistische Regierung, sondern auch eine sozialistische Mehrheit im Parlament und hinter dem Par- lament eine sozialistische Mehrheit in der Bevölkerung, eine Mehrheit, vor allem gebildet aus organisierten, disziplinierten, unterrichteten und selbständig denkenden Prole- t a r i e r n. deren Wesen dem ganzen gesellschaftlichen Leben feloeo Stempel aufprägt. Noch sind wir nirgends so weit, am entferntesten davon im Lande der sogenannten proletarischen Diktatur. In Sowjetrußland ist� im Laufe des letzten Jahrzehnts das Proletariat systematisch korrumpiert, belogen und des- organisiert worden. Das russische Proletariat wird erst wieder emporsteigen, wenn es demokratische Bewegungsfreiheit gewonnen hat. Auch außerhalb Rußlands hat seit dem Wellkrieg in manchen Staaten eine f a s ch i st i s ch e Diktatur zu einer Verkümmerung der Kräfte des Proletariats geführt. Das ist vornehmlich im östlichen, agrarischen Europa geschehen. Doch entscheidend für die Geschicke der Menschheit sind di- westlichen, industriellen Gebiete Europas. Trotz aller moralischen und ökonomischen Schädigungen durch den Krieg ist dort das Proletariat gewaltig vorgeschritten im Vergleich zur Zeit vor dem Kriege, nicht nur an politischer Macht und an ökonomischer Bedeutung, sondern an organisatorischer Kraft, an freiwilliger Disziplin, an gesellschaftlicher Einsicht. Es hat immer hervorragende Geister im Proletariat gegeben, aber sie bildeten ehedem eine kleine Elite in einer ungeheuren Masse stumpfsinniger, unwissender, furchtsamer Sklaven. Heute bildet in den westlichen Gebieten Europas das Pro- letariat als Masse bereits den intellektuell und moralisch höchststehenden Teil der Nationen.. Sie stehen dort bereits an der Schwelle der politischen Macht. Und sie brauchen bloß in sie ein- zutreten, um alle die Fähigkeiten zu gewinnen, deren sie bedürfen, um an Stelle der bedrückenden und degradierenden kapitalistischen Monopole beglückende und erhebende gesellschaftliche Produktion zu setzen und sie von dort aus in aller Welt aufzurichten, nicht durch Waffengewalt, sondern durch Unwiderstehlichkeit der ökonomisch wirksameren und für die Gesellschaft vorteilhafteren Produktionsweise. Bald sind wir so weit, um mit Riesenschritten und unaufhaltsam dem Sozialismus entgegenzugehen. Die Zeit der Vorbereitung des Sozialismus geht ihrem Ende entgegen, wir stehen vor dem Anbruch des Zeitalters der Erfüllung. Und die Fortschritte in den vor-« geschrittensten Ländern werden sofort die in den rückständigen nach sich ziehen. Die internationale Solidarität wird dann ihre größten und schönsten Triumphe feiern. Mit dieser beglückenden Ueberzeugung dürfen wir in das vierzigste Jahr seit der Begründung der Maifeier eingehest. Sie Erlösung der Arbeit. Unser Werk- unser Stauben! Vov Ocka Olberg. Wenn wir von„Erlösung der Arbeit* sprechen, so brauchen wir nicht nur ein hochtönendes Wort. Wir drücken da- mit eine Sehnsucht aus, ein Programm, aber glcichgcitlg eine tief« geschichtliche Wahrheit. Der in allen Religionen lebendige Crlösungs- gedante ist hier gleichsam aus dem Mythos in die Wirklichkeit herab- gestiegen, hat sich seiner poetischen Hülle entkleidet, ohne Sünden- fall und Vertreibung aus dem Paradiese, ohne Opsertcd oder die herakleische Mühsal, aber doch immer im tatsächlichen Geschehen jene Kurve beschreibend, die im Mythos aller Völker als Abfall von ursprünglicher Reinheit durch Schuld und Not zur Erlösung sllhrt. Was dem Erlösungsgcdanken wesentlich ist, ein in ferner Vergangenheit liegender Zustand des Glückes, den man verliert, durch„Schuld* verliert, um sich dann durch Dulden und Tun zu läutern und eines höheren Glückes würdig zu machen, das ist die Geschichte der menschlichen Arbeit, ihr Gang durch die Jahrtausende — zur Erlösung. D«r primitive Mensch arbeitet nicht, wenigstens nicht freiwillig: er arbeitet so wenig, wie das in der Freiheit lebende Tier. Wohl müht er sich, wo Erhaltung und Schutz des Lebens dies nötig machen; er strengt sich auch im Spiele an bis zur Er- mattung, wie man das ja bei justgen Tieren steht, die spielen, bis sie ohne Uebergang vor Müdigkeit einschlasen. Auch der heutige Wilde will nicht arbeiten, und hier liegt des Haupthindernis für die sogenannte„wirtschaftliche Erschließung* der Tropen. Sich selbst überlassen hat er zur Arbeit weder Veranlassung nach— Zeit. Sein ganzer Tag geht drauf mit Nahrungsbcschassung und-aus- nähme und mit dem Ausruhen von dieser Anstrengung, In einem physiologischen innergesetzlichen Rhythmus von Anspannung und Echolung. Er hat keine unbesetzte Stund«, so wenig sie das Tier auf der Weide hat, aber er arbeitet nicht, erzeugt kein« Güter, fristet nur sein Dasein und das seiner Kinder. Die Scheidung von Arbeit und Muße ist der Sündensoll, der aus der Raturgebundenheit, vertreibt. Mit ihr be- ginnt die Kultur. Sobald der Mensch mehr erzeugt als Daseins- sristung, spaltet sich das Leben in Arbeit und Muße. Vielleicht Nicht das Leben des einzelnen, dem unter Ilmständen nichts als Arbeit oder Muße zufallen kann, aber das Leben der Gruppe. Wahrscheinlich hat sich dieser Sündensall nicht so glatl abgespielt, wie der. zu dem seinerzeit die Schlange �redete: wahrscheinlich haben Zwang und Gewalt dabei ein« Rolle gelabt, als Zwäng zur Arbeitsleistung oder als gewaltsam« Aneignung dessen, was dos Jndioidutem zur Nachkommenzucht beschasste. Immer muß es einen Zeitpun-kt in der Entwicklung der Menschheit gegeben haben, in dem die bisher in der Daseinsbeschafsung gelösten Elemente Aib'eit und Muße ausgefällt wurden. Seitdem gibt es Arbeit. gibt es Mehrwert, gibt es Kultur. Dem primitiven Menschen graut vor der Ar- b e I t, er sieht ihren Zweck nicht ein, sie gilt ihm als Endwürdi- gung und hat tatsächlich vom Standpunkt seiner Lebenshallung gesehen weder Zweck noch Würde. Was sich!n den Kolonien noch heute vollzieht, um Arbeitsleistung zu erzwingen, das hat stch i» dem Werdegang der Menschheit vollzogen: physischer Zwang zur Arbeit und wiriichaitlicher Zwang. Der wirtschaftliche vollzieht sich durch Entziehung der ursprünglich bestehenden Hözlichkeit, ohne. Arbeit das Leben zu fristen, wie dos Tier auf der Weide. Heute ist sogar die Erinnerung an diese Möglichkeit geschwunden: A r b c i t u n d Muße sind in gleichem Maße selbstverständlich. Wir können uns selbst nicht ohne sie denken: nicht nur die Kultur, sondern auch die bloße Daseinsfristung wäre ohne sie unmöglich lind diele Notwendigkeit engt unseren Blick so ein, daß mir den ungeheureit Abstand, die gähnende Kluft nicht gewahren zwischen dem in den Arbeitsmechanismus eingefügten Menschen von gestern und heute und dem in der Freiheit lebenden Tiere. Daß wir die gewallige Summe des Zwanges nicht zu ermessen vermögen, durch d!« ein frcihcitsbedürstiges, schweifendes, nach Neuem gieriges, spielerisches Wesen, wie der Mensch, cingefangen und eingesperrt werden konnte, zu einer Arbeit angehalten werden, die nichts in feinem Wesen befriedigt, die am Tage seines Tages Kräfte auszehrt und ihm nichts gibt als Daseinsfristung. Daß man die Einheit seiner Lebens- betätigung aufspalten konnte in'Arbeit und Muße und dem größeren Teil der'Menschheit die Arbeit zuweisen, um dem kleineren Teil die Muße zu lassen. Rur um diesen Preis hat sich die Kultur verq wirtlichen können und müssen Eine Rückkehr zitr Natur, zu irgendeinem„Urzustand* zu predigen, ist Sache kritik- loser Schwärmer. Aber jene ungel�eur« Zwangsarbeit, die den Menschen von stch selbst abgräbt, von der Scholle, von Luft und Sonne, die chn unfrei macht und unsroh, die hat er jahrtausende-- lang als einen Fluch empfunden und hat in allen Sprachen, unter allen Himmeln nach Erlösung von ihr geschrien. Leopold Jakob? hat diesen Schrei im Volkslied vernommen: Es tönet wie ein Murmeln � von tausendjähr'gcm Leid, wie die gepreßte Stimme, die leis um Hilfe schreit. Und nach des Elends Ende ein Sehnen, tief und bang, wie eine Prophezeiung hörst du aus diesem Sang. Und aus dem Sehnen ist ein« Verheißung geworden im Sozialismus. Aber das erst, als„die Zell erfüllet war*, als die herakleische Knechtschaft durchgelittcn, die Werke vollbracht waren, wie im Mychos. Was hat die Mensch- hell nicht geschafft und errungen, seit die Zwangsarbeit der Dielen eine Minderheit frei machte zum Forschen und Erfinden, um dann das vom Geiste Bewältigte auch körperlich zu bewältigen in tausend- gestaltiger Fron! Wir schürfen in den tiefsten Tiefen der Erde, wir tauchen in die Abgründe des Meeres, wir sind Herren der Luft. Unser Auge dringt in die Geheimnisse des Werdens und des Vergehens. Die Kräfte der Erde im Strom, im Wind, in Ebbe und Flut werden in unseren Dienst gezwungen. Unser Verstand lehrt verwerten und nützen, wo die Natur aus der Unerschöpflichkeit ihres zwecklosen Reichtums vergeudet. Und damit stehen wir an der Schwelle der Er- Gewissenloser kommunistischer Beirugsversuch. föfnixß, bmtü hat HemNes frfne Werte getan., bev FKuh tarnt von �er ÄrbcH. genommen merNsTt Nie fann nicht wieder eingehen in die Eiicheit„vor dem Sündenfall", als sich der Mensch noch nicht abhod von dem leSendigsn Teppich des NoturgssckiehßNS, ihm hingeaeben ahn« Arbeit und Muße, ohne Fluch unh Erlösung, pilan�-.nhaft. Aber der Mensch kann sich emporheben zu einer höheren Einheit, in der die heut«— nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Individuum— auf verschiadenen Polen sich enden Formen: Arbeit und Muhe, einander durcksdringen. der Sinn der einen die Freuhigleit der anderen, die Aufgabe für die Gesamtheit, die individuelle Entfolwng: in einer Einheit sozialen Dienstes und der Selbstbehauptung dos einzelnen, des Kraftouiwandes und der Lust, der Rotmendigkeit und der Freiheit. Das ist die uns leuch- tende Erlösung. Und sie ist für den Sozialisten gleichzeitig ein« Erlöfung durch Werke und durch den Glaub««. Gruß nach Stockholm! Zum 40. Geburtstag der schwedischen Sozialdemokratie. Unsere schwedisch« Bruderpartei feiert am heutigen J. Mai ihren vierzigsten Geburtstag. Im Frühjahr loLst trat in Stockholm eine Konferenz zusammen, auf der unter Führung Palms und B r a n t i n g s die Gründung der Partei beschlossen wurde. Sie stützte sich auf die gewerkschaft- lichen Fachoereine, deren Führung im Laufe der Jahre von den bürgerlichen Demokraten auf Sozialisten übergegangen war. Die Zeitung„Socialdemokraten" war schon drei Jahre Mairede im Rundfunk Heute abend 8,1V Uhr spricht im Berliner Rund- funk NeichsarbcitLminister Wissel! über das Thema: Oer erste Mai im Wandel der Zeilen zuvor durch die Initiative des damals 26jährigen Branting ins Leben getreten. Die Konferenz entschied sich für das Zusammengehen mit bürgerlichen Parteien, soweit diese be- reit waren, den Kampf gegen das damalige Geldsackwahl- recht zu führen und lehnte«inen Antrag auf grundsäßliche Bekämpfung der Religion ebenso ab wie ein Bekenntnis zu gewaltsamem Vorgehen. Rur„wenn die Blindheit und der Egoismus der Regierenden ein solches Vorgehen als Selbsthilfe der Verzweiflung hervorrufe, dann sei die Partei bereit, alles zu tun. um dem Volke möglichst wertvolle Früchte aus dem Kampfe zu erobern und zu be> wahren, damit dessen Opfer nichl vergebens gebracht werden". So sind der schwedischen Sozialdemokratie von der Zeit ihres Entstehens an die Züge starker realpolitischer Erwägung aufgeprägt. Wie sehr diese Vereinigung von zielklarer Energie und verantwortungsbewußter Besonnen- hest dem Wesen des schwedischen Volkes entsprach, zeigt das Wachstum der Partei aus einer kleinen Gruppe zur führen- den Partei Schwedens mit einer Viertelmillion Mitgliedern, 18 Tageszeitungen und 104 Sitzen im Parlament. Die Deutsche Sozialdemokratie vereinigt sich an diesem Tage mit ihrer schwedischen Bruderpartei in der: Huldigung für ihren verstorbenen Begründe? und Führer Hjalmar Branting, in stolzer Genugtuung über das Erreichte, in im- erschütterlicher Zuversicht in den gemeinsamen Steg! KpO.-Kn'egsschauplah. Knüppelpolitik. Di« Kommwtisten treiben Politik nach dem Geschmack des Üunipsnproletarmis. Der Knüppel und Ki« Faust regiere n die Stund«. Die kommunistisch« Opposition, die dies« politisch«« Methoden om eigenen Leibe etsährt, liefert abermal» ein Mbild von dieser Sorte Politik. Wir lesen im Leipziger Brandlsr- Organ die folgende Aufzädlung: .Am 7. Mörz wurde in Harkau bei Ehemnih Heinrich Brondler hinterrücks überfallen, wobei ihm der Klemmer an» dem Gesicht geschlagen wurde. Am S. Ulfirz wurde ln Zwickau-Marienkhal In einer Parlelmii- gliederversammluug die Stadlverordnet« himsel von einem RA?.- Rollkommando überfallen und au« der Versammlung herausgeworfen. Der Genosse hänel- Chemnitz. Betriebsrat, wurde nacht» 12 Uhr von einer Gruppe RolfrontkSmpfer auf offener Straße überfallen und zn Boden geschlagen. Am 15. April wurden in Leipzig opposiflonelle Genossen von halbwüchsigen Burschen der Roten Zungsroal überfallen und ge- schlagen. Am IS. April wurde in Chemnitz Genost« Max Bettermann «an IS Zentral-Kommunisieu überfallen und aufs schwerst« miß- handelt. Veilermann wurde blutüberströml bewußtlos auf- gefunden." Das Vraodlerfche Organ zählt ferner eine Reihe von ver- sammlungssprengungco aus. wobei halbwüchsisge. mit Dolchen b«- massuete Rolsrontkämpser und iu einem Falle gemeinsam mit Zu- h S l t e r u und Ratioualsoziallsteu ihre Heldenrollen gegen- über den oppositionellen Kommunisten spielten. Das ist ein getreue« Bild der kommunistischen Methoden, gezeichnet von den Komm«- nisten selbst! � Bürgerliche Regierung unmöglich. Thüringen vor der tandtagSanflösung. Weimar, 30. April. Di« Wirtschaftepartei. die vom Landiagspräsidmm ersticht worden war. die Unterhandlung für die Regierungsnenbildunz durchzuführen, hat am Dienstag nachmittag diesen Auftrag. ohne ihn trotz längerer Vorverhandlungen formell übernommen zu haben, an das LandlaZspräsidwm zurückgegeben. Da nach Lage der Dinge kaum ein« andere Partei mit derselben Ausgab« betraut werdsn dürfte, steht di« Ü a n d t a g s a u l l K l u n g für Ende dies« Wach« in Aussicht � Auf der Seite der Linke» ist starke Stimmung dafür vorhanden. Auch die bisherigen bürgerlichen Ra- gie.rungsparte!«n durften nach d«m bisherigen Fehlschlagen der Einigungsverhandlungen wpnnahr zixr Ueberzeirguna gekommen sein, daß lediglich durch eine Landtagsa'rfläsung die Krise i„ Thg. ringen beseitigt werden könne. Russischer hondelsvertreier aus Aegypten ausgewiesen. Durch Beschlagnahme von Dolumentsn haben lue ägyptischen Behörden stliqeitellt, daß die russische Agentur für den Expo» von Textilien. insbesonder« von Baumwolle, zu kommunistischen Propaganda- zwecken mißbrauchi worden ist. De« PorizeiprZstdenck tollt mit: Entgegen der von kammuaiftischcr Seite aufgeftelsten und durch Flugblätter verbreiteten Behauptung, daß das Verbot für Demonstrationen unter freiem Himmel und Umzüge auf« gehoben fei, wird nochmals mit allem Rachdruck darauf hingewiesen, daß eine Anfhevnng des Verbots nicht erfolgt ist und für de» 1. Mai auch nicht erfolgen wird. Di« gewisieulosen kommunistischen Drahtzieher haben gestern abend durch die„Wslt am Abend" und durch Flugblätter der „Roten Fahne" hie Nachricht verbreitet, daß das Demon- st ratio nsverbot aufgehoben sei. Mit dieser erlogenen Nachricht wollen sie ihre Anhänger, di« vor der Befolgung der irrsinnigen kommunistischen Parolen zurück- schrecken, auf di« Straße locken. Sie wollen ein« gesetzwidrige Demonstration nicht erzwingen, sondern zusammenfälschen. Sie wollen Demonstranten, die aus ihren Schwindel hineinfallen, unversehens und hinter- listig in Zusammenstöße hineinführen. Sie bleiben bis zuletzt den Methoden des Lockspitzel- tum? trni. Auch noch beleidigt fühlen sie sich! Ein« Lokallorrefpondenz verbreitet die folgende Nachricht: „Der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Pieck hat als Vorsitzender der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der KPD. Strafantrag gegen den Abgeordneten Künstler vom Bezirksvorstand der SPD. und gegen den verant- wortlichen Redakteur des„Botwätts", Präger. Arbeitslosigkeit geht stark zurück Abnahme 4. bis 4S. April 420000 Unterstützte. Der Rückgang der Arbelksloscnzlsfer hat sich, mie erwarlel, ln der ersten Aprllhälsle verstärkt. Die amtlichen Zahlen über den Stand der Arbeitslosigkeit vom 15. April bestätigen die vorläufige« Angaben der Landesa rbcilsämter. die berells ein welleres Absinke« der Arbellsloseazahlen gemeldet haben. Die Zahl der hauptunler- stützungeempsänger in der Arbeitslosenversicherung betrug am 15. April insgesamt 1 480 000. davon 1 107 000 männliche und 285000 weibliche Personen. Am 5t. Mörz wurden insgesamt 1 ZOO 000 Personen unterstützt. Zn der Zeil nom 51. März blz 15. April Ist demnach ein Rückgang der Zahl der unterstützten Arbeitslaien umrvnd420 000 oder 22 Proz. zu verzeichnen. Zlgch den vorläufigen Berichten an» den letzten Wochen Ist die Arbeitslosigkeit auch nach dem 15. April «eit--r zurückgegangen. Die Zahl der ftauvtvnterstühungkewpflnger ln der Krisen. sürsorg« ist in der verichlszeit(1. bis 15, April) von 102 000 aus 198 000. das ist um 5,1 Proz, gestlegen. « Blieb das Tempo des Rückganges in der zweiten Aprilhalft« dasselb«— was man wohl annehmen darf, dann haben mir «stellt wegen der Behauptung, daß i» eine? außerordentllchen Sitzung de? engeren Bezirksleitung der Kommunistischen Partei davon gesprochen worden sei, daß es am 1. Mai 200 Tote in Berlin geben werde. Die Kommunistische Partei will auf diesem Wege in Erfahrung zu bringen suchen, woher die aufsehenerregend« Meldung des„Borworts" stammt«, bzw. wie sie zu- stände gekommen ist." Di« Leute sind allerdings so vorsichtig gewesen, Strafantrag gegen einen Genossen zu stellen, der, wie sie sehr genau wissen, nicht für den„Vorwärts" verantwortlich ist. Außerdem dieser Strafantrag! Auf Befehl Moskaus. Dt« Leitung der deutschen Kommunistischen Partei, d'« am 1. Mai Zusammenstöße provozieren will, handelt auf Befehl Moskaus. Die Absicht ist, überall Zusammenstöße herbeizuführen. Do» .Züricher Volksrecht" veröffentlicht einen Bericht über die Sitzung der Züricher K om m u ni st e n zur Maifeier. Moskau hatte zu dieser Konferenz eigens einen Delegierten mit be- stimmten Weisungen entsandt. Er betonte, daß es absolut notwendig sei, im Verlauf der Maidemonstration einen Krach mit der Polizei zu provozieren. Deshalb sollen die in dem Maizug mitgefiihrtcn Transparente nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern auch gegen die unter sozialdemokratischer Führung stehende Polizei gerichtet sein. Auch in Berlin ist die kommunistische Aktion aus Befehl eines zu diesm Zweck« entsandten Ekkioertreter? eingeleitet worden. Der Berliner Turkestaner ist der bekannt« Kommunist« M a n u i l s k i. ! gegenwärtig nyr noch 154 Millionen 15auptunter. | stützungsempsänger, und es ist bestimmt damit zu rechnen, daß bis zum 1. Juni die offizielle Arbeltelosenzisfer unter«in« Million zurückgehen wird. Aufsiandsende in Mexiko. Eaileö meldet bedingungslose Waffenstreckung- - Mexiko. 29. April. Der Jöhrrt der Reglern ngskruppen, Genoral Calles. Hot dem präsidenlen Partes G!l mikgestllk. daß nach sslner Ansicht der Auf- stand ly Sonor,,(am S killen Ozean) als beendal angesehen «erden könne. Die Aufständischen setzen ihre Aluchl nach Xorde« fort. Zwsl aufständische Gruppen von se 1000 Mann haben gestern hnhtngnugslo» dte Waffen gestreckt. Drei Kanonen- boote der Regierung haben in ftvoymas Marlnetruppen gelandet. ynd die Iruppeniransportzüg« der Aussländlschrn beschossen, di« nach hcrmosiUo, der houplslodt von Sonora und der amerikanischen Grenze bestimmt waren. Räch einer anderen Meldung sollen dl« Rebellen auch chemosUIo bereits geräumt hoben. Wahl-Mai in England. Das Manifest der Arbeiterpartei. London, 30. April.(Eigenbericht.) Das Wahlmimisefl der Arbeikerparlei unter dem Titel„Der Appell der Arbeiterpartei au die Ration" lehnt sich eng an das im Vorjahr beschlossene Blrminghamer Programm der Parket au. CS beginnt mit einer scharfen Verurteilung der gegen- wärtlgea konservativen Regierung, dt« durch ihre Untätlgtelt mährend der letzten vier Zahre hie Schwierigkeiten und Gefahren vermehrt habe, ver Aufruf schildert die Hauptproblem«, bei denen die Regierung besonders versagt hat. Cr erinnert daran, wie die Regierung neun Monate lang tatenlos dem Sohleu- kämpf zugeseyen � � � � habe, wodurch schließlich jene Unrast erzeugt wurde, dle zum Gen er« lstrei k, führte, für den die Regierung die hMptverant- Wartung trage. Sie Regierung habe ihren politischen Freunden Steuerermäßiguagell gewährt, die Fonds der Kranken- Versicherung der �rbeiterschast geplündert, dle Erwerbslosen sähe vermindert und lausende Arbeitslose den Armevvätern zugeschoben. Sic habe die indirekte Be- stevervng ym rund 750 Millionen Mark erhöht und durch ihren Zndustrieschnh jene Gefahren heraufbeschworen, die sich in den hochschnhzollSodern eingestellt haben. „Wir glauben nicht," so fährt das Manifest fort,„daß sich die Wählerschaft ein zweites Mal durch verwerflich« Täufchun- gen irreführen lassen wird. Wir warnen die Wähler vor den Entstellungen der Idee des Sozialismus, der Ziele und Politik der Arbeiterpartei, wie sie bereits jetzt oerbreitet wepden. Die Labour Party ist nicht bolschewistisch noch kommunistisch. S'« ist gegen Gewalt, Revolution und Konfiskation als Wegs zu einer neuen Gesellschaftsordnung. Sie glaubt an geordneten Fortschritt durch demokratische Methodep." Das Manifest wendet sich dann gegen den Anspruch der Liberalen, die plötzlich das Problem der Arbeitslosigkeit in de» Vordergrund rücken, und erinnert daran, daß die unermüdlichen Kämpfe de? Arbeiterpartei für die Arbeitslosen diese Frage zum hauptsächlichsten Problem Groß-Britannlens gemacht haben. Die Pläne der Arbeiterpartei zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit waren längst bekannt, ehe die Liberale Partei in d« Hoffnung, ihr sinkendes Schiff wieder zu heben,«inen Teil hiervon übernommen hat. Zur Bekämpfung der Arbeiislosigteil wird gefordert: Wohnungsbau und Beseitigung der Elcndsguarti««: Landdrainag«; Elektrifizierung: Reorganisation der Eisenbahn und de» Transportwesens; Vau und Verbesserung von Straßen und Brücken: Aufforstung: Schulung und Unterstützung von Auswand e- rungslustigey nach überseeischen Gebieten des britischen Reichs. Als die wichtigst« Ausgab« der künftigen Regierung be- zeichnet das Manifest, dl« unter wirtschaftlicher Depression leidende Industrie wieder zur Blüte zu verhelfen und das wirtschaftliche Wohlergehen des gesamten Landes zu sichern. Eine Arbeilerregierung werde nicht nur vnmillelbar Arbeit für eine große Anzcchl Erwerbsloser schassen, sondern hierdurch auch andere Industrien günstig beeinjillfsro.. Der heimische Markt könne durch«ine Erhöhung der inneren Kauf- kraft entwickelt werden. Größer sei jedoch der potenziell«- Markt ln Üeberse«. besonders Indien und den Dominion» mit ihren riesigen unentwickelten Gebieten. Di« Arbeiterpartei fordert Beschasfnyg' von /Arbeit: his �zur.''AuffanSui�'.Ver Arbeitslosen-im Wirtschaftsleben wird die Arbeiterpartei alles tun,' üw�diie gegen- ttSriige'Rbtlag'� det Eru�bslöM' zu hskSmpfS,. Weitere Programmpunkts lautmlR ät i SN a k I ii e? tl ftsssd«* Bergbaues und der B o de nschStzez. Unterstellung van Grund und Soden unter öffentliche- KontroÜ«: Mindestlöhn« für Landarbeiter; gleiche Bildung»- Möglichkeit für all« durch Ermöglichung des Ausstieg« von der unteren Schulbildung bis zur Unipersitäl Einbringung des längst fälligen Fabrikgesetzes: Ratifizierung der Washlng- t o n« r K on v en t ion. Lchosfung eigener candesparlamevle für Schokklond, Wales und England zur Erledigung aller Provinzfragen. In bezug auf die Außenpolitik erklärt da« Wahlmaniftsk 21 n-n ahme des Bölkerbundspokres zur Erledigung aller Streitig- leiten quf dem Wege der Schiedsgerichtsbarkeit. Radikale Rüstungsminderung, schnell« Einberufung einer allge» meinen Abrüstungskonferenz. Wiederaufnahme der diplomatischen und Handelsbeziehungen mit Rußland. Die Arbeiterpa-iei. so stellt das Manifest schließlich fest, ist de? Aeberzeugung, daß st« als Mehrheil im Laufe der Parlamenksdauer. also lv fünf Zahren. die Mrlschaflslage zu befseru. das Wohlbefinden der Massen zu heben und eine gerechtere Ver- leilung der Früchte der Arbeit herbeizuführen vermöchte. Ein« ArbeUerregiervng sei die einzig mögliche Ablösung der kon- servalivea Regierung. Die Liberale Partei gebe selbst zu. daß sie nicht mehr sein könne als eine Mioderheil. Die Wähler, die das Land von der kaiastrophe einer Forldauer der konservaiiven Regierung retten wollen, mühten daher für die A r b c i t e r p a r 1« t stimmen. Die Arbeikerparlei wünsche ihren Beitrag zur Aufhebung der Armut und der llogerrchklgkelt. dieser Krankheit am soziale» Körper, zu leisten. Die beiden anderen Parteien Höllen dien bereits in der vergangenheik versucht. Der Zustand des Landes bawelse, daß beide Parteien gescheitert seien. Vayerischer Separaiismus. Oer Eisner-Mörder als blavweißer Separatist. Der Stahlhelm bemüht sich um da» Protektorat der weißblauen Königsmacher um Rupprecht. Er stStzt auf keine Gegenliebe, viel- mehr wird ihm sehr deutlich z» verstehe» gegeben, daß die Ziel« des boherischen Heimat- und Königsbundes von denen des Stahlhelm sehr osrschieden seien. Der Eisnermörder Graf Area hat m einer Rede in Siran- b'ng gegen den Stahlhelm gewandt erklärt: JSch erklär« auch, daß die immerwährende 25 e« tonung der Reichsfrendigke�t Bayerns durch so- f nannte bayerisch-vaterländisch« DerSäich« ein Unding ist. in« bayerische Politik der unbedingten Geichs- treue i st überhaupt kein« Politik. Bayern muß die Möglichkeit haben. z.B. mit OesterreichDündnisse zu schließen, auch gegen Preußen. Jede» Volk hat ein Recht auf Selbstbestimmung: Oesterreich, die Schweiz, Luxemburg. Irland. ZLarum nicht Bayern? Weshalb sollte sich Bayern nicht, wie Salzburg oder Tirol oder Steiermark, an O« st erreich anschließen? Oder weshalb sollte es sich nicht auch selbständig und ebenbürtig mit Oesterreich in einem Bündnis zusammenfinden? Damit wäre dann der Berliner Machtpolitik die Spitze abgebrochen.� Hier handelt es sich um den Plan einer österreich-bayerischen Monarchie unter den Wittelsbachern. Die Leute im bayerischen Heimat- und Königsbund find frei von deutschem Nationalgefühl, sie sind ausgesprochen« Separatisten, die Bayern vom Reich losreißen wollen, und ihr Chef Rupprecht ist ein ausgesprochener Separatistenchef. Dieser Graf Area ist Direktor der Deutschen Lufthansa in München, eines Unternehmens, da», wie kaum ein anderes, die Einheit des Reichs zur Voraussetzung hat und vom Reiche sub- oentioniert wird. Die Abrüstung vertagt. Vor dem englischen Wahlergebnis sind Beratungen zwecklos Gens. 30. April. Die maßgebenden Wordnungsführer der Abrüstungskommisston sind mit dem Präsidium dahin übereingekommen, die gegenwärtige Tagung der Kemmisston zwischen dem 8. und 1l. Mai zu unter- brechen. Die Tagung soll ausdrücklich förmlich nicht abgeschlossen, sondern lediglich auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werden. Man nimmt an. daß dt« Kommission sodann Ende Juli oder Ansang Zlugust wieder zusammentreten wird, um ausschließlich die See- abrüstung zu beraten. Man hält es vor den englischen P a r- lamentswahlen für unmöglich, die sachlichen Verhandlungen übe? die Fragen der Seeabrüstung in der Dollversammlung der Kommission aufzunehmen, wie die» von der amerikanischen Ab- Ordnung besonders gewünscht wird. Man erwartet, daß auf der Iulitagung sodann endgültig die Borarbeiten der Abrüstung»- kommission abgeschlossen und der Schlutzbencht an de» Böllerbundsrat erstattet wird. Der Rat könnte auf der Bollver- jammlung des Völkerbundes im September seinerseits den Mitglieds- üsaten den abschließenden Bericht über die Vorbereitungen für die Konferenz vorlegen, so daß die Pollversammlung des Völkerbundes sich bereits über die Einberufung der Abrüstungs- lonferenz schlüssig werden könnte. Litauische(Sozialdemokratie verböte«. Wegen angeblicher Beziehungen zu pletfchkaitis. Riga. 30. April, s Eigenbericht.) Der livnenmioifler haldleSozlaldemokrallsche Partei o Ufas lost. Das verbot wird mit angeblichen Beziehungen der li/auilchen Sozialisten zu dem Emigranten Pletf chtailt, in Mlaa begründen der mit Polen Hand in Hand gegen Litauen arbeite. Dieses verbot wirkt um so überraschender, da der Ministerpräsident Moldemora» erst vor wenigen Tagen in einer Prcssekooserenz dir Erklärung abgegeben hat. daß die Regierung ein solche» vorgehen gegen die Sozialdemokratie aicht plan«. Die Regierungspresie be- ginnt eine heftige Kampagne gegen die Professoren der Kownoer Universität, dl« durch ihre oppositionelle Haltung der Re- gierung schou lang« verhaßt sind. Es besteht der dringendste Verdacht, daß die Pletschkaiti»' Schriftstücke, die seinerzeit sofort nach ihrer Ablieferung im Vorstandsbureau der litauischen Sozialdemokratie von der Polizei beschlagnahmt wurden, von ihren Agenten hinge- bracht worden waren. Pletschkaitis selbst ist aus der litauisch sozialistischen Emigrantenorganisation in W i l n a längst aus- geschlossen worden, weil er im dringenden Verdacht stand, litauischerLockspitzel zu sein! Das Britische Reich gegen Gaskrieg. Konvention ratifiziert.— Vorbehalt: Gegenseitigkeit. Genf. 30. April.(Eigenbericht.) Der englische Vertreter Lord Tusheydun teilt« in der DienstagssiLung der DorbereiUnden Abrüstungs. konferenz mit. daß England. Irland, Südafrika, Australien und Neuseeland da» Saslriegsverbos vom Jahre 1t>2S ratifiziert hätten, und zwar unter Bordehalt der Gegenseitigkeit, und daß da? Verbot hinfällig wäre, wenn cm« kriegsühreiid« Macht Gas verwendÄ. Der Vertreter Kanada» teilte mit, haß das kanadisch« Parlament sich in der nächsten Zeh eben fall« mit der Rati. fizierung des Sastriegsprotokoll, beschäftigen werde. Eivreise verweigert! Treves darf nicht zur Maifeier nach Genf. Genf. 30. April.(Eigenbericht.) Dem itakienschen Dertreter im Exekutivkomitee der Sozialisti. fchot Internatioiale. Treoes. der in einer Maifeier der Genier Sozialdemokratie sprechen sollte, wurde von dem Bundesrat in Bern die Einreise verweigert. D,r Staatsrat des Kantons Genf hatte dl« Einreise bewilligt. Der Bundesrat in B»rn gab jedoch Wer den Kopi des Senser Staatsrates hinweg der Genfer Poliz-i den Befehl. Treves für den Fall sei?« Ankunft anzuhalten und üb« die Grenz« abzuschieben._____ Koch.Meser im haager Schiedsgericht. Dq, Kodmett hat b«, ichlosien. an Stell« des oerflarbenen Rsichsiusr zmmist-r» a. D. Dr. Höing» den Reichsjustizminister a. D. K o ch- W« f« r zum Mitglied des Ständia«« kchiedshaf,«m Haag zu ernenn«», Zeichnung von Dsto- ■■■■&, S&lZ'äiS Diese Welt soll unser sein! Ein Echimpfbold aus Amerika. Hugenbergs Kreund und Gesinnungsgenosse. die deutschen Revolutionsregierungen die These von der vor- sätzstchen Kriegsanstiftung durch Deutschland auf das schärfste zurückgewiesen haben. Herr Vurgeß meint, Deutschland hätte im Jahre 1918 warten müssen, bis er. Herr Burgsß, ibm zu Hilfe kam. Leider aber verschwand Herr Bürgest vollständig hinter den. zwei Millionen glänzend ausgerüsteter und verpflegter amerikanischer Soldaten, die mit Flugzeugen. Tanks und Riesengeschützen gegen die zerfetzte und verhungerte deutsch« Front vorgingen. Cr meint, die Deutschen hätten weiter sterben sollen, bis er, Herr Burgeß, kam, und weil sie es Unter der Ueberschrift„Peinliche Wahrheiten für das deutsche Volt" veröffentlicht der deutschnatlonale Pressedienst einen Antwortbnef des amerikanischen Professors John W. Bürgest an Hugenberg. Dieser sonderbare Bürger der amerikanischen Revublik entpuppt sich als ein pathologischer Schwärmer für das deutsche Kaiserreich, der es dem deutschen Boll auch heute noch nicht oerzeihen kann. daß es den herrlichen Wilhelm N. gestürzt und verbannt hat. Dafür überhäuft er das deutsche Volk mit irrsinnigen Be- schimpfungen zum Beispiel folgender Art: Man nimmt an, daß die Revolutionäre von 1918/1g n i ch t d i e wahren Wortführer de» deutschen Volke» waren, als sie gegen ihre«igen«, gesetzmäßige Regierung rebellierten: daß dies« Feiglinge in jenem Augenblick höchster Gefahr, al» Ehr«, Treue und Selbsterhaltungstrieb geboten hätten, daß sich alle, Männer. Frauen und Kinder, wie eine Granltmauer um ihren Kaiser ausgebaul. den drohenden Einfall in ihr Land zurückgeschlagen hätten oder in seiner Verteidigung gefallen wären, nicht nur Pflicht und Manneswürde, sondern auch Treueid und Diensteid vergaßen, den schmeichlerischen Ueberredungstünsten und Dersprechungen fremder Mächte und chren unverschämten und unberechtigten For- derungen nachgaben: daß dann dies« feigen Berräter mit den kaiserlichen Waffen in der Hand, militärisch organisiert und unterstützt, wie sie waren, durch die Armeen der Fe'nd«, das wirk- lache deittsch« Volk im Zlugenbllck zum Gehorsam zwangen: daß, so- bald da? echte Volk des Kaiserreiöxs Zell gehabt hätte, sich von der Ueberrafchung und Erschöpfung zu erholen, es die verräterisch« Tat als gemein», widerrechtliche Anmaßung verwerfen würde. Aber auch diese Annahme scheint dem tobsüchtigen Pro- fessor zu müde, da nun 10 Jahre ins Land gegangen seien Ludwig„gestattet" habe. In Amerika Borträg- zu hallen, in denen er'— entsetzlich!— der Verbannung des Kaisers zustimmte. Zum Schluß versicherte der Herr Professor: Allen Bürgern des Deutschen Reiches möchte ich deutlich zu ve» stehen geben, daß wir echten Amerikaner, die wir nicht an Deutsch- lands �.Schuld" am Ausbruch des Weltkriege, glaubten, und die wir die Teilnahm« der V-«inigten Staaten von Amerika am Krieg» zu verhindern suchten, uns im Stich gelassen fühlten durch die Art und den Zeitpunkt d-e Ausbruch» der Revolution, wir hatten uns in keiner weise mehr für berechtig«, irgend welche» Vertrauen auf die vestäudigtell des lehlge» Regierung� system» zu setze» od« aus die Loyalllä«' derseuige« Leute zum Vaterlavde. dl« dlefe» Regierung». syst«« geschafseu habe»»ud«« mei««r aufrecht erhalten. Di« llnterstellung de, Herrn Professors, daß sich Deutsch- land durch dig Revolution zur Alleinschnld Deutschland? am Kriegsausbruch bekannt habe, ist im hachstsn Grade leicht- fertig und von einem angeblichen„Gelehrten" besonders un- verantwortliche Jeder Schuljung« beinahe weiß, daß gerade nicht taten, ist er für immer auf sie böse. Damit wird sich das deutsche Volk abfinden. In jedem Lande kann es passieren, daß ein Professor verrückt wird. (Auch in Deutschland soll das schon vorgekommen sein.) Das ist aber nicht der eigentliche Skandal Der eigentliche Skandal bestebt darin, daß der offizielle Pressedienst einer sogenannten „nationalen" Partei die schmutzigen Beschimpfungen Deutschlands durch einen offenbar geisteskranken Aus- länder mit behaglicher Zustimmung weitergibt. Die deutsch- nationale Partei merkt nicht einmal, wie sie sich selber damit ins Gesicht speit, zumal sie als mitregierende Partei das Republikschutzgefetz angenommen und damit nicht nur„dieses Reqierungssystcm weller aufrechterhalten", sondern auch„der Verbannung des Kaisers zu» gestimmt" hat. Indem Herr Hugenberg diesen an ihn persönlich gerich- teten Brief an die Oeffentlichkeit gelangen ließ, hat er sich abermals als der Führer erwiesen, den wir der deutsch- nationalen Partei von Herzen gönnen. Er und sein Burgeß sind einander wert!_ Ein neuer Trick der pariser presse. Gegen Forisetzung der Verhandlungen durch die Regierungen Pari». 30. April.(Eigenbericht) Ein Teil der französischen Presse ist, nachdem all« Versuche. auf di« deutsch« Delegation einen Druck zur Annahm« der alliiertcn Vorschläge oder zu ernjeitigen Konzessionen zu veranlassen, fehl- geschlagen sind, auf einen neuen Ausweg verfallen: Zahlreich« Blätter wertden sich setzt gegen di« Wiederaufnahm« der Verhandlungen durch die Regierungen. Da« syznal gab vor einigen Tagen das.Echo de Parts", das d'« Haltung Deutschlands als ein Manöver bezetchnet«, um Zeit bis nach den englischen Wahlen zu geminnon. Am Dienstag äußert sich bereits der„T e in p t", dar bei keinem natm- nallf tischen Vorgehen zu fehlen pflegt, w ähnlichem Sinn«. Das Blatt schreibt, die SachverstSndigcnkonsersnz sei gerade dssweg.'N zufammenheruflln ward«:, weil man da» Reparationsproblem ret« von der finanziellen Seite anpacken und fein« polstsschen Charakters habe entkleiden wollen. Wenn t>t« Mklicrten auf hi«s«a Standpunkt verzichten würden, so müßt« diez zu einer Pernacb- lässigung ihrer- Interessen und zu einem Verzicht tpif ihr« Recht« führen. Di» Deutschen mit ihrer Zähigkeit und ihrem Mangel an Psychologie, den man gewohnt sei, wollten nur Zeit bis nach den englischen Wahlen gewinne». jpfTZB oQ& Df&iC nMwf Haxigefbcons Unser Prinzip: «iif fttiun fllif Wetferand Sowie: ßoftsiae Modgiig m Lack braun u, schwarz ßn guter Schub für wenig Geld Owtfl amerikuiEofionalBienng des Snzelhandsls bringen wir der Igroßberlinsr Bevölkerung• gute Schuhe billig! Mod. Damenschuhe 7*° 1Ö90 eh. Mod. Herrenschuhe Q�IQ�U�tÖ�eh. Ünsere2S Schaufemferu-Käsfen mgen unsere Prasrnnb (jmßkSchuhau&fellungsfroni Oeukchlands RdDomenschfie D SeW mifmode 0cM£.2l4b5. Unendlich nel Modelle �rossdoU Schuh~ cStifcal tSehrndh Münz-sfr35(�mndeimatz) imggesch.f finfie&ffflse Z" S80 ßf lÖnMivas[deSiiimA ■IrolfaTScfiuh . n Hellbeige vielen anderen Kumbinafitn. Höchster Luxus . 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Tag und Nacht sahen sie krummgebeugt an der Nähmaschine, um durch Heimarbeit ein paar Pfennige zu verdienen, damit wir n-icht Hunger und Entbehrung litten. Vaters Verdienst reichte ja nur knapp für das Allernotwendigste. Haben unsere Väter diese doppelte Arbeitslast unserer Müller erkannt? Sie selbst erkannten ihre Klassenlage, organisierten sich, er- kämpften bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Haben sie aber auch an die Befreiung der Arbeiterfrauen gedacht? Ihr Schattendasein wird als eine von Generation zu Generation vererbte Scckbstoerständlichkell hingenommen. Ist aber eine Be- freiung der Arbeiterklasse ohne eine Befreiung auch der Arbeiter- frau möglich? Niemals, das wissen wir, da» hat uns vor allem unser großer Vorkämpfer August Bebel gelehrt. Die Partei der Kämpfenden, die Sozialdemokratie, hat diese Notwendigkeit er- könnt und ihren Werberuf auch an die arbeitenden Frauen ergehen laffen. Leider haben die Frauen nur zu einem sehr kleinen Teil ihrem Ruf Folge geleistet. Bekennen wir auch ehrlich, daß der Mann der Frau in den seltensten Fällen den Weg zur großen Gemeinschaft der Schaffenden weist, zum größten Teil aus mangeln- dem Verständnis, vielleicht aber auch aus höchst unsozialistischen egoistischen Gedankengängen heraus. Di« Ziele der Soziaidemokrati« liegen in der Zukunft. Darum muffen wir uns auch heute fragen: Wie steht die heutige jüngere Frauengeneration zum Besreiungstampf der Arbeiterklaffe? Das letzte Jahrzehnt, dos im Zeitaller der Technik stand, war für das Frauengeschlecht der siegreiche Kampf um die Erringung einer gleichberechtigten Stellung in Staat und Gesell- schaft. Il�i Millionen Frauen stehen im Erwerbsleben, die Frau dringt ein in alle Berufe, gliedert sich ein in den Kreis der geistig Schaffenden, sie ist vor allem gleichberechtigte Staats- bürgerin und als solche auch politisch tätig. Im Zusammenhang damit hoben sich auch die Moralbcgrisfe gewandelt. Die Frau ist nicht mehr das ängstlich behütete Hauswesen, das nur gesenkten Hauptes dem Mann gcgenübertreten darf. So stehen wir Mädchen und Frauen heute in einerganzandelhelinsaue 114, oornnttqgs 16 Uhr. Versammlung aller Taubstummen Berlins: Klubhaus, Ohmstratze 2, vormittags 16 Uhr. » Jedem Versammkungsb-sucher wird bei Vorzeigung seines Mit- gliedsbuches eine Maimarke ausgehändigt, die als Kontrolle für die Teilnahme an einer Maiveranstaltung dient. Arbeiter, Angefiellte und Beamte! Folgt nur dem Rufe der GeVerkfchasten und beteiligt euch am /l.Mai an den obigen Veranstaltungen! Allgemeiner freier Angestelltenbunö, Ortskartell Verlin Allgemeiner Deutscher Gewerkschastsbvnd, Ortsansschuß Verlin Allgemeiner Deuischsr Veamtenbund, Ortsausschuß Berlin. imammmmn n m ji ju i � m i. i.,, ,_i i,»i i, i■. j...... j. ,,u,ii i.....!./> Meute, um 1. Dtai: Falineii heraus? Pariemachnchien für GroA-Bsrsm Einsendunzeil für dies- Rubrik find B c r l i u SW SZ. Lindcnitrabc Z. r/ stct» an da» Bezirk»s«kr«Ia:iut .W H»s, äli-cppen recht»,)u richten. 5.«reis �riedri!b?bo>n. Die Abteilungen rechnen bestimm! stell!« Rittmach, V$"11. die Maiscierbilleiiz mit Kim tKenostc» Paul Sey im öauibou i�riedrichahain ab.— ,�:s!tng. Z.$iai, I«'z ilde. Bezirksversammlung im Rgichau», Stadtverordnetenfistungssaal. Einlaß taricu ab lKsl Uhr beim Kenofie.i Fischer, Eingang Lvani.aiier Ziraße. «. Kreis Zireuzberg. Die zur heutigen Maifeier entnommenen Karten bitten mir noch cheute beim Genoffen Urban abzurechnen. Die Abteilungen werden gebeten, ihre Banner mitzubringen. Heuie, �NNlwech, l. Mai: ZZ. Abt. Die Bezirksfiihrer rechne i bestimmt heute die Iillett» mit dem Senaffen Ben im maalbau Fciedrichshoin ab. 7«. Abt. Dlhter.dors. Die Eenaffen treffen sich mit ibre» Familien um lü'j Uhr in der Siedlung am Fikchigl. Bieme.fierstraße Elte Schlirtsensiraße. vor dem Safsee Brumm, niid begeben sich auf f.tcm acmeibsamen. Spaner. aang durch den Grunewald zur Maifeier nach Dahlem. «t. Abt. Friedenau. Bilduugsireie jiingercr Parteigenossen! Der Abend fällt wegen der Maifsier qua. Nächster Abend Iii. Mai bei Jaginski, Stuben- rauchst raße ttde?aunttsnraiie. 101. Zlbt. Dreptow. karten zur Mafftier bei Vieler Alte» Eicrbäuachen. sind zum Preise van Üb Vi.,-inschliezl. Dane, nach bei allen Pezixksfiihrern und in der Speditian, chraehftr. M, zu haben. MSa. Abt. Freie Scholle. t.> Uhr Spiele der stindersreunde ans der Wiese am Steinberg. Ab iO Uhr im SrhiEcnlnti ttonzert. Streichtrio, Eelanq der Skrlinee Liedersrennde iMitglied dea DA SB.», Ansprache: Aicha.d Barth, Rezitationen. Morgen, Donnerstag. 2. Mai: ZZ. Abt. AI Uhr wicht'ge Funktionärsitzung bei Lo'tqe?, Bkymestr. 8. Zreitag, Z. Mai: Schöucberg. 77. Abt. W Uhr bei Jürgens. Barbaroffastr. Za, FunktionZrfitzung. — 79. Abt. so Ubr bei Sron. iäebanstr. 17, Funitioiiörfitzimg. Reniölln. kS. Abt. iOstt Ubr bei ibrommeck, iZanderitr. 10. Poi-stands- und Funltnin-rfihtiuz.-- 97.«bt. 1»'ü Uhr bei Rohr, Sicgsrtcdsirahc, Funl, iionäriihung Iii. Abt. Lichtenberg. Pünlitich Ib'i Uhr bei Schwarzer, Gabriel-Max Str 17, Vorstände., und Funk'lonärfitzung. 120. Abt. Fciedrich-felde. L0 Uhr bei Schwarz, Tapripiallee, Funktionärfihung. Besondere Einladnnq ersolat nicht. 139. Li». Frzel. 1?!-! Uhr bei Schade, Verlin»- i-lr. 17, Zunklianärfitzung. Arauenveranstaltungen. 1. Krei, MNte. Freitag. Z. Mai, pünttlick 20 Uhr, bei Spiegel, Ackrrstr. 7, Funktianärfihung. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. 5. ftrei« Friedri-b-bain. Donnossiag. 3. Mai. lli'i Uhr, im Lpial Eatiner Strasse 10, Funitionärinnensitsung. Alle Adtcllungen mvffen wegen wich. ligcr Tagesoednung vertreten sein. Arbeiterwohifahri. 3. Aref» Wcdding. Die Sprechstunden sinden vom Z. bis ZI. Mai Pank, firasse 11. Hof pt.. Montags und Donnerstag van tö— 17 Uhr Vertretung�. weise stau und werden vom Genossen Hartwig wahrgenommen. In dringenden Angelegcniz-sten Sprechstunden abends Jinetapsqss 7. Jungsozialisien. Marge», Donnerstag. 2. Mai. pünktlich IS>7 Uhr, Gruppenlonleverz im Iuaendbeim ttrenzberg, Vorilsir. 11. Zcde Gruppe entsendet I Vertreter. Die Mitglieder de» Arbeitsausschusses ivuttqpn u.n ihle Uhr wie oben zusammen. Rrbciisgemzivschofk der kinderfreunde. «fthtnito. Singaberd der Roten Fallenl Singabend aller der jen igen, die mit ins Zeltlager gehen. Es beteiligen sich die Kruppen Schöneberg, Wlnrers- dorf, Tewpelhof, Tiergarten, am Donnerstag, 2. Mai, 17' e Uhr, in der 13. Lollzschule, Zchäncberg. Kohenstausenstrasse. Für die Gesundheit! Faehinger Tersaatislelle. Berlin 5? II Scbonebergcr Str. 16». Tel. Lütrow 8260-61 kebding. Da die gemesnschasifiche Maifeier ausMt, findet unsere Mai. seier um 10 lsne im Ledigenhein! Vrunntllplgtz statt. Eltern werden gebeten, thrc Äinder dorthin zu schich-n. Musilinsiriiutenl» nnd Liederbücher mitbriiiggst. Selserlursu» Ztrenzberg-Tempelhos. Zusamuicnlunst Danperstag. 2. Mai. im Ivaeudheim Porcksteassc Arblitsihewq:„Der Heiser in unserer Bewegung'. Vorbereitung Zelttaget. Di« Vezirr» Mitie, Prenzlancr Berg. Zricdrtch� Hai»»nd Lichtenderg Haren sitr Aeltiqgerieilgshmer einen schorübnngsabenb am Montag. Ojai. im Jugendheim' Vrammnstr. 1. V Treppet, itsshhe Schlesischer Bghnstas»..Zeile I?>er-t9'ri Uhr. Zciilagericilnehincr und ürrisleikr.- Achtung!?u Pfingsten wird»in Probe.tcülager staiisindcn. Irdcr Lagcrteilnehmer muss dabei sein. Der Lager- gusschuß. Sgwvrellifte» sind am Ffxilag jn der Zentrah» Z» holen. Ncuiölln. Die Notiz ihr gesteigeit Bopwärts ist ungültig. Di« Gruppe öchönebe.-g trifft ffch um 10 Uhr am Badnhos Bülvwstraßc. Wir machen einen Spaziergang in'den tbrunewaid. 20 Pf. Fohrgeld mit. bringen. Geburtslage, Jubiläen usw. 7. Abt. Unserem Scnaffru Her~"it:n Stäb!!«, Scherst r, 12, zum Wiährigru Parteisubiläum die hsrzlichsteu Slüchwünsche. 30. Abt. Ur'lrrcw Gc'.offen Nael»rgus«, Zorndorser Str. 3, zu seinem 60. Geburtstags die herzlichsten Esücktrullsche. Sterbetafel der Groß- ÄlerZiner Partei- Organisation J 19. Abt. Am 29. April perstarb. unser» langjährige Senosst» Emma SlldI, Soidiner Str. 2L. Ehre ihrem Andef.len. lkinnscherupg am Frxitag. 3. Mgi, 12 Uhr. im chr«ma!°sium sSertchtslrgite. Voriräge/VeremeundVsrsammsungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". lüoschgltsftelle: Berlip S ll. Sibgstjgitstr. a-.ÜS, Hak 2 Fr. Saungrftand. Die für Moulaa. l>. Mai, angesesste Iugendführer- stesvrechung iäilt wegen ErleanTiing des Gau.Iugßndlciters au».— Donnerstag, 2. Mai. iSeissensee.}9 Uhr Borftandssttzititz. 20 Uhr Fitnlltouär. veriauunluug im Seebad Weissensee, Uforproutenadc. Wittenau. 20 Ahr ausser. m mmm Millöckeß» Volksopgr»jfi} F sieben Schwaben" firinat füc den Rundiunk doppelte Eignung mit: pie Handlung ist einfach, die Ajusik leicht uiiid gefällig. Troisdesn gelang es, das Werk beuicche luirl Miisixrbej spiel einer mihgiitckten»endeoper zu machen. Ks slromtss einp Fülle von Laiigeweile aus. Woran lag das? Erstens munde zuujel Dialekt gespröchen, der uieicu ttuoerstäudlich bleiben mußte. Absss e» wurde überhffupl zuviel gesptscheil. An ejnem musikalischen Sendospiei sollte das gesprochene Wort wirklich aus das allergeringste Maß beschränkt werden, da im allgelneiuen doch nur Belanglasigkelteu immer wiederholt werden. Was aber schlim- wer war: die Regie lieh diesnial aljc Rotwendigkeiten der«eilde, biihne außer acht. Es geht nicht, daß lnan hier das Wort so viel- lästig nuanciert wie auf der Bühne, wo die Handlung manches chalbperständliche noch verstand' ich»wcht.— chans P o« l z i g s fif). Geburtstag fand in Paul Westhcim einen würdigen Fcstpcdner. Man kann für PaelUgs Schaffen' tqum eine schöner? und gxmiß keine treffendere Bezeichnung fiitden als higsx, die Weslheiw prägt?: „Architektur der Äeniesnschast'. Poelzig cutwirst keine Aillc», sondern Fabriken, Hochburgen der Arbeit: Festbauten für die Waise: Häuser für dos Volk. Nicht der kujistnolle Ausbau eines anspruchs, vollen Einzelhauses interessiert ihn,'sondern die Gestaltuiig des modernen Stadtbtlde». iBiel zu selten hat der nun Sechzigiahrige die Werke seines Geistes in die Lat umsetzen töuncü.— Au der L c i b l- A u s st e l l u n g ig der Berliner Kunstakademie gab' De. Berthold Daun. Dezernen» für �jjnst im Po izeipräsidiuin Berlin, eine Einführung„Zum Gedächtnis Wilhelm Leibls". Er ver- suchte, Verständnis für die herbe Schönheit von Leibis Moleret zu wecken und so der strengen Kunst des Meisters neue Frcuudc zu werben. Tcs, prdentkche MitgNebcrvcrsannnIuttg. Erscheinen auch d«r passtvan Kameraden ist Pflicht. tSöstc willkommen.— Freitag,?. Mai. Ticrgartep. Kameradschalt Mnjfjnsflh. Ä Ahr«amcradschalisvtriemmIui'K b 1 Schmidt, Biclcfstr. 17. Portrag des Kameraden Landaut„Ncichsbanucr in Amerika". Prenzlauer Berg. AI Uhr erweiterte Porstandzststuitg bei Burg, Prenzlauer Allee. Kreuzberg. ,«»Ti Tit.U wii �« r�. r....„ r, � dtoa 1 3. Safftcrads�ai!, Gruppe Nudow. 20 Uhr Bersammluug bei Krüger, Venda> straße 71. Die Katncrodcn der 2. Kamerodschasi werden um reg.« Beteiligung aehtic.:.— Ritte. Freitag. 3. Mai, 20 Ubr, Kameradlchastsversammlung bei Braubis. Slra.'aucr Str. 10. � Kreutberg. Zug VI. Freitag, 3. Mai. Bersantm. l'ung um 20 Uhr bei Leuschncr, Dicffenbachstr. dt. Ferienheim. Kr nofl-uschast Rotursrounde. Ortsgruppe Berti». Deffeuilichc Aerbeveriammlung am Dienstag, 11. Mai, 10 Uhr. im Gewerisa>aftsl>aus, Saal i. Vortrag:„Zweck und Ziel der Ferienheim-Genosscuschaft Naturfreunde e. IS. m. b. H." Neferetrt! Theodor»ossur. 2. 3'orsitzcttder des Allgemeinen Deutschen Beamten-Bundes. Jeder, der über unsere Ziele unterrichtet sein möchte, ist uns willtommen. An dem Abend wird scdc Auskunst ific: Ferien. Heime«rtiUt. Lichtcndcrqer Verein für Ssubeitsknrzlchrsst. Uebunaen sedcn Donnerstag von 20---2Z Uhr in der Knaben. Mittelschule zu Lichtenberg, Markistr. 10—12. Nähere Ausiuuit erteilt Mar Weisheit. Lichtenherg, Uilhelmstr. SS. Berliner Verein lue llinheitslurzschrist S. V. Uebuugen jeden Mittwoch von»>;— als Uhr im Friedr'Ä-Wtlhelm-Kpmnastum, Kpchftr. lt. Bereinsheim: „KlstelsstsM",«sthüfiftt. 12. Nähere Apskunstt Geschäftsstelle Berlin.Halen. sc». Bornimer Sir. S, Uhlaffd.".293. Reichslurzschsistperci» Berlin Moabit. Doitncrstag, 20—22 Uhr, Anfänger.. Forlgeschrstiencl'.. Nedeschrts!-Le7ir-gituge. N»theiwwcp Kote. La. Auskunft bei H. s-gcrn. Berlin NB. 2i. Wicle'ftr: 21. Verband sozialdemokratischer Akademiter. sFriedenau, tzähnelstr. 3.) gu- sammenkunst uiorgen Donnerstag, 2. Mai, 20 Uhr, bei Bettermanu, Potsdamer Strasse 51. Bcrband Kherpchtsrelorm. Versammlunz Donneralag, 2. Mai, 20 Uhr, Restaurant„Zum allen Askanier". Anhaltstr. 11. Bortrag des Herrn Rechts. ----„ ri„ eT\— a»... i-J-fr— r.«. adiuv v Srtv» vrAivAM* cn?AA qCx>cn O" 9. p. m. langte lov-stnollsh Vedsting Llud.' Mittuoch. 20 Uhr. Zahnärztehaus, Bülow- straBe 104, Guttmannsaal: Mr. James Bulman Smith, M. A.:„Dreams". anwalts Dp. Mendelsohn:„Wird des Rechtsgusschuss den richtigen Weg gehen?" »ierma.stitg>i-!>- oclet». Law jagendurg. diolienttdriplalz, Ketiin 10. 1 Dehating Evenmg:)s 4'vorlck-peacg possible? ?__ ir.l. rs-l__ e; � n. na iV Ä�� WWWDWDWWWWWDMW �WWWMWIWWWWW_____ W.__ IkbciflH lühicr bei unbeiiäsibigcin Seite;-, im Norden und tiltii Nacht« I'dlt.'.iabch" MWW�MWW��MWW Lerantwerilich stir Politik! Dr. Kurt keuert Wirtichait: K. Kliugelhölee; /m �,..„ fy*..: n.» �. ö»«x 2»(«ll» a«*. �OfClICS Berlin. WWW>>WH>IWW>>>>WWW�>W>WWWW>WW>>>M«iM«rat uiib' B»rlaoso»i!alt Paul Singer u fo Berlin S-iB 88 gindenstrasse 8. Hierzu< Beilagen,„Uaterhaiwug und Bissen� und„Froucnstimin«''. 'P)v LU-tlUSU... i lUJ]UL ich-h.. vynjtA, ü1U.iiU,Ull. ci>. mtaatta-aij Scwerkschastsbewegitng: 3. Steiner: fffuilleton: 9. H. Doscher; Lo und Sonstiges' Fr ig Karftädt- Lnieiaeü: kh. Klocke' läuitiich in Berit Lerläa: Borwäria.Berlog K m d H.. Berlin Druck' Lorwhrls.Btichdru ____._____...______.. rr. co.„ r;„-Dt.17' ao.. Der heuki rn S�adim betr. Dame»., Herren- od sonders hinweisen ge liegt ei» Prosiekt der Firma«. Leiser Nachfi, l Kindertcbcht, bei, woraus wir unsere Leser de- das Haus der guten Qucdf Ä' AIS© Tag® Klstdesr-Tag hm Onkel Stiller Kind erhält ein L0ZKOWGS Geschenk! Spangenschuhe gras Kalbleder, mit sparter um ,-,/j Lochvenieroug, Louie-XV- Absatz. Spangensch zweifarbig. In ägu aller netteste» Aoäellen, a uteri- kau. oder E.-XV. 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Ho-nDOiin. SiOssäi It. a. Renaissance- Theater Hardeabergstr. k. Tel.: Stsiapl. 901 u. 2503/84 SVi Uhr. TagllSl SV. Uhr Euoen Klöpfer In „Das große ABC* von Marcel Pagnol Reg: GnsLHonaog. Ib PrciziisranbesBu. Otsch. KQnstior-Th. S'ii Uhr Prosit Glpsy Opcette v.Gilbcrt Emmy Sturm Fritz Schulz Kleines lüeaier Täglich 8'/» Uhr: ModulTSikep? aadi dem Amerikanivlicn von Frank Green. Musikalische lllust Fr. Holländer, Regie: Fr.FrlßdmailD- PredBritö. Osütsdies lüeatei 0.1. Norden 12 310 8 Uhr, Endenach 10 Paulus unter den Juden Dramat Legend von Franrwerfel Regle: Ran-Hsinr MarDe. Die Komödie I I SIsrnck. 2414/751» 8>'« U., Ende geg. 1» letzte ieüfllirnaBsn; Wann Kommst Du wietser? Freitag, den 3. Mai "Aj Uhr: DootsieearoatlBlinag De; Sana, der selten Harnea äuderta 3 Akte von Edgar Wallace Bearb. v.Hans Rothe Kammerspiele O.l. Norden 12 310 IL, Ende geg. 10 Zum letzten Male Jusik von Osslp Dymow. Regle: HeimMiIpert Donnerstag, 2 Mai Vb Uhr Zum 1. Maie Autgang nurtür Herrschafien Kleine Komödie vonSiegirieJ Geyer Berlioer Tliesier DirekLHcinzMeraM Cbarlotteostrade IC A. 7. Donhoff 170 8 Uhr, Ende 10 Uhr Täglich Die(Dof Frankfurter von Carl Rössler Regier tagen Bohert. ZO Mittwoch, den 1. Mai nachmiüags S1/? Uhr, Barsowsky-Ste Theater in der Xflniggrätzer Straße Täglich ß1'* Uhr Räva i en Komödlunhaus Täglich SV* ühi CbarleysTajitE tan Cwrt BoU. Trianon-Th. Täglich 8V« Uhr i)fuc süße Qehefmnis Operette von Zorl'g Rundiunkhörer ßlüe Preise Theater am Hoilendcrfplad Heute m Uhr Erstauiffihrrrag u. tägl. 81/* Uhr Dia manrerder Rlanon Operette in 3 Akten Walter W. Goetre Lü'slspieiliaus SV. Uhr Guiilo lliielsctier Weekend im Paradies iÖ?K5®bt'!��7£*C'7 U-rJ —an Tltalla-Thealet Dresoeacr Str. 72-73. 8 Uhr „Oelrausch" Lessiag-Tiieater Täglich 8V« Uhr „Die Frau des Andern' -7-. MetVovoi- Thsaies. 8 übt: nur noch Monat Mai 2. Mai Sie 150 X Lustige Wstwe mit Truöe Hesterberg Paul Heiöemann Uschi Elleot W. Zankuhn W. Schaeffers Musikalische Teilung: Rudolf perat Ausstattung: Prof. Ernst Eiern zt-gie- Geßk Ehavett Reu auf Elecirola Tvesi. o.vesleos 8v. Uhr Um Uonffi. Kammercänger ZiOBltr in Friederike Musik von Ith 01 TIieai.a3iRiiltli.ior Kottb.Str. 6 Tä-l.SUhr Eüte- sangar Das neun Ual- Progr. tiiw'»btli Kii)i«0»ittm' R ose-Thea toi 6r.fraiikf.Sl.132 tVi Uhr Dorlne und der Zufall Planetarium »— am Zoo— Vcäa, Jaatiiiiuthalar Iva!» Noll. 1578 Ifr1'» L'hr Stsrnbllrter du Frilhlabra 18', L'hr Wunder des •Odilohen Himmels 20'« Uhi Sternhimmel und Weltbeu Tägl. außer Montags u Mittw Erwachs- I Mk, Kipder 50 Pt Mittw.: Erwachsene' 50 Pt, Kinder 25 Pf. Preiswerte Angebote In elegsnter FRDHJAHRS- KLEIDUNG für Damen, Herren u. Kinder in großer Auswahl auf TEILZAHLUNG SBOBT-tCLEiDUMQ. KERSSN.AUTIZEL STRICKWAREN. WÄSCHE IS 8 Anzahlung Monatsraten defi DßUNNENSTßASSEl97 FßANKFUßTER ALLEE 350 KOTTBUSEß DAMM 103 WILMERSOOßFEß STRASSE 165 Nr. 202» 46. Jahrgang 3L Mittwoch, I.Mai �929 .Aus niedriger Häuser dumpsea Gemächern, Aus Handwerks- und Gcwerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Ströhen quetschender Enge. Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind sie alle ans Licht gebracht!" Es scheint, daß Goethe die Tragödie der großen Stadt schon vorausgeahnt hat, denn trefflicher läßt sich das Sehnen des Groß- stadtmenfchen kaum ausdrücken, als in diesen Zeilen. Die klein- bürgerliche Enge, die an der Wende des 18. Jahrhunderts der Dichter schon als unerhört und naturwidrig empsand, wie würde sie ihm 100 Jahre später aufgestoßen sein: wie ungleich schwerer wäre das Ringen dieses Schöngeistes um die Harmonie in den Sphären verlaufen. Aber es ist unnütze Sophisterei, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wie ein Klassiker sich unsere Welt vor- gestellt hätte: es ist viel wichtiger, daß sich die Menschen von heut« selbst über das Weltbild klar werden, in das sie vom Schicksal hineingestellt wurden. Die Nicht �aus der Straßen quetschender Enge" vollzieht sich alljährlich mit pünktlicher Regelmäßigkeit, denn es ist das Problem der großen Industriestädte überhaupt, einen Ersatz für die gesteinigte Natur zu bieten, wenn man nicht will, daß die Arbeitsmafchine Mensch vorzeitig verbraucht wird. Darum wird der großen historischen Maiforderung des Achtstundentages so starker Nochdruck verliehen, darum kämpfen die Werttätigen in Ge- werkschaften und in der Partei Schulter an Schulter, daß der Mai sie„frei" mach«. Freude an der Scholle. Nichts kann die Forderung der Tausende von Laubenpächtern in den Großstädten so unterstreichen, als dieses rein menschliche Der- langen: Gebt uns frei! Gebt uns Gelegenheit, auf unserem eigenen Stückchen Erde die Natur erkennen zu lernen, uns an ihr zu er- freuen, von ihr zu lernen, daß wir nicht nur Geschöpfe sind, die voll Sorge und Gram sich mit der Rätselfrag« des Daseins zer- quälen! Im modernen Städtewesen stoßen die Interessen der Laubenbesitzer mit den herrschenden des Bodenbesitzes aufeinander. Selbst ein sozialistisches Wollen kann in der Uebergangszeit nicht die begründeten Forderungen der Kleingartenpächter befriedigen: bei einer Entwicklung, wie sie Berlin nimmt, sind selbst.Dauer- gärten" oft nur Provisorien. Aber die Gntndgesetze„Raum und Licht" für jeden Großstadtbewohner werden eines Tages in die Wirklichkeit übergeführt werden, wenn die Voraus- setzung für sie geschaffen worden ist, die Sozialisierung des Bodens. Der Kleingärtner als Erzieher, wer möchte es ab- streiten, daß er es ist? Schon heute greift die starke Organisation der Kleingärtner bestimmend in die moderne Städteentwicklung ein, in Berlin vielleicht weniger, in anderen Städten um so stärker. Bis zuletzt kämpft der Kleingärtner um die Erhaltung seiner Scholle, oft sieht man ihn noch auf einem Stückchen Kleinland graben und pflanzen, wenn schon hinter den Baugerüsten des Nachborgnmd- stücks der fertige Neubau hervorschaut. Verzweiflungsvoll über- denkt er die Gefahr, daß die Reih« auch an ihn kommt. Aber von neuem ist er bereit, das Opfer nochmals zu bringen und weiter draußen auf jungen Freiflächen einen neuen Garten für Frau und Kinder anzulegen. Jeder für alle. Folge» wir dem Kleingärtner einige Stunden als Gast in sein Kärtchen, so sind wir erstaunt, bei welch klugem Lej/rineister wir eingekehrt sind. Da ist äußerlich betrachtet der Garten ein Teil- ausschnitt der Kolonie, die nach bestimmten Richtlinien jedem das Seine zuweist. Die Bestimmungen für die Gemeinschaft heben zum Beispiel hervor, daß die gemeinsamen Wege sauber, die Zäune und Hecken in ordnungsmäßigem Zustande gehalten werden müssen. Nach de» großen Schädigungen der Bäume durch Krankheiten und Ungeziefer im vergangenen Jahr kommt die gemeinsame Bekämp- fung durch Spritze» mit chemischen Präparaten in Frage. Kost- spielige Apparate werden gemeinsam gehalten, viele solcher Ar- bellen werden gemeinsam ausgeführt. Der stark« Frost des ver- gangenen Winters hat die Wasserleitungszuführungen beschädigt: auch sie werden auf gemeinsame Kosten repariert. Im verspäteten Frühjahr trat die Frage der Veredelung von Iungbäumen auch erst spät an die Besitzer heran: nun wandert ein Mann mit geschickter Hand von Garten zu Garten, um Edelreiser auf Wildstämme auf zupfropfen. Aufmerksam schaut der Gartenbesitzer zu, um diese Kunst dann selbst im Verborgenen zu üben. Gemeinsamer Samen- und Pflanzenbezug bürgt für einwandfreie'Ware. Die Fragen des Bogelschutzes und der Schädlingsbekämpfung wenden in Vorträgen geklärt. Gemeinsame Spielplätze für die Jugend sind in den Ko. lomen vorhanden. Ueberall blüht und wächst der Gemeinschofts- gedanke. Künstler am Werk. Die Kolonie will aber auch nach außen hin sichtbar für den Garten und Freiluftgcdanken werben. Darum wird viel Arbeit auf die Anlage von Blumenbeeten, Schmuckwegen und für die Aus- gestaltung der Lauben aufgewendet. Man nimmt nicht mehr die gewöhnliche schwarze Teerpappe zum Bedecken der Holzwände und des Daches, sondern an ihrer Stelle eine solche, die sich rn i t bunten Farben bestreichen läßt. Farbig und sreudig muß ein solches Häuschen aussehen, wenn es aus dem Grün der Bäume blickt. Wie erzieherisch, wie kulturfördernd ist diese Arbeit! Ja, viele Speziaitalente offenbaren sich hier in einer Laubenkolonie, Talente und Befähigungen, von denen der Ausübende sicher oft- mals selbst nichts gewußt hat. Jemand hat sich auf die Kultur ganz bestimmter Blumenarten geworfen, er ist S p e z i a l z ü ch t e r für Rosen oder Dahlien geworden: bei Ausstellungen holt er sich die ersten Preise. Die Kolonie ist stolz aus diese Meister in ihren Reihen. Am meisten Zuspruch haben die Fachleute für Obstbaukulrur. Ihre Gärten sind immer belagert von an- deren Kleingärtnern, die sich einen richtigen Baumschnitt zeigen lassen wollen, auch nach Angaben der geeigneten Sortenwahl, nach dem und jenem Tun bei tranken Obstbäumen und anderes fragen. Alles Wissen wird umsonst gegeben, man findet seinen besten Dank darin, daß man den anderen helfen kann. » Laubenkolonien sind immer bester Nährboden für unsere po- litische Propaganda gewesen. Wie flammen die schwarzrotgoldenen und roten Fahnen bei den Feiertagen des Proletariats auf, wie vor- bildlich ist die Solidarität der Genossen in einer Kolonie unterein- ander. Schwer nur kann sich der indisserenle Nachbar dieser freund- lichen Werbung entziehen: bald tritt auch er in den Kreis. Geniein- fam wird um den Besitz der Scholle gekämpft, gemeinsam werden Sorgen und Freuden getragen. Die Laubenkolonien sind eben nicht nur Erzieher, sie sind auch Befreier. Wenn die Organisation von den Uebergangscrscheinungen befreit sein wird, wo sie häufig den Kampf um ihre Rechte nicht mit, sondern gegen die Stadtinter- essen zu verteidigen hat, wird ihr später die wichtige Ausgabe zu- fallen, aus der Summe der gesammelten Erfahrungen, den cinderen mit Rat und Tat beizustehen, sei es in der Kenntnis des natürlichen Wohnens, von Organisation und Pflege des Gemeinsinns und anderen wichtigen öffentlichen Faktoren. Das Arbcllerproietariot in den Kleingärten hat ein gewichtiges Wort bei den Maisorderungcn der gesamten Arbeiterschaft für Arbeitszeit-, Wohn- und Kultur- fragen mitzusprechen. N. Ist der Winter— Frühling voröei? Di« vielfach angefeindete Statistik leistet zweifellos in einfachen Dingen gute Bergleichsmöglichkeiten: von den Berichtcu der das verschlossene Japan dem Weltverkehr angliedernden Männer— siebzig Jahre stnd's her!— erfahren wir, daß das damalige Jeddo bei 280 000 Häuschen ebensoviel Gärten zählte. Dort sind 100 Proz. der Bevölkerung mit der Natur vertraut— in unserer Stein! Sst« dürfte eine solche aktiv« Beschäftigung mit Erde, Pflanzen und Gestein kaum 1 Proz. umfasien. Dafür haben wir aber den �nq einer Wochenendbewegung, die uns gestattet, i in w e i t« r e n ai- kreis von Berlin die Latifuniüen zwischen Nauen und Trebbin oder Strausberg und Bernau zu durchstreifen und uns an 9ack JCondon: (Berechtigt» üeberseizung von Erwin Magnus). Von anderen Menschen sahen sie nicht das geringste, nur einmal kamen sie an einer rohgezimmerten Schute vorbei, die auf einer Sandbank lag. Der Eigentümer war nie zurück- gekehrt, sie zu holen, und sie fuhren verwundert weiter. Ein- mal stießen sie auf die Reste eines Jndianerdorfes, aber die Bewohner waren verschwunden, befanden sich zweifellos am oberen Lauf des Stewarts auf der Elchjagd. Zweihundert Meilen vom Dukon fanden sie die Barren, von denen Al. Mayo gesprochen hatte. Hier schlugen sie ihr Lager für längere Zeit auf, legten ihre Vorräte hoch, so daß die Hunde sie nicht erreichen konnten, und begannen mit der Arbeit, in- dem sie sich durch die Eisdecke hindurchgruben. Es war ein hartes, einfaches Leben. Sie arbeiteten beim Frühlicht, sobald sie gefrühstückt hatten, und wenn die Nacht hereinbrach, kochten sie ihr Esten, verrichteten ihre Lager- arbeit, rauchten und unterhielten sich eine Weile und wickelten sich dann in ihre Schlafsäcke und schliefen, während das Nord- licht über ihren Häuptern flammte und die Sterne in der starken Kälte funkelten und flimmerten. Ihre Kost war ein- förmig: aus Sauerteig bereitetes Brot, Speck. Bohnen und gelegentlich ein Teller Reis, mit einer Handvoll gedörrter Pflaumen zusammengekocht. Frisches Fleisch war nicht auf- zutreiben Es herrschte ein ungewöhnlicher Mangel an Wild. Ab und zu fanden sie die Fährte eine-Schneehasen oder Hermelins, aber im großen und ganzen schien das Land aus- gestorben Das war ihnen nichts Neues, denn sie hatten es schon oft erlebt, daß sie in einer Gegend, wo es das eine Jahr von Wild wimmelte, ein oder zwei Jahre später nicht ein Stück mehr antrafen. Sie fanden zwar Gold an den Barren, aber es war nicht der Mühe wert, Als Elijah sich einmal fünfzig Meilen vom Lager auf der Fuchsjagd befand, hatte er Kies vom Grund« eines großen Baches ausgewaschen und gute Farben gefunden. Sie schirrten die Hunde an und fuhren mit leichter Ausrüstung hin. Hier— und vielleicht zum erstenmal in der Geschichte des Furons— warfen sie mit Hilfe von Feuer einen Schacht aus. Es geschah auf Daylights Veranlassung. Nachdem sie Moos und Gras entfernt hatten, entzündeten sie«in Feuer aus trockenen Tannenzweigen. Nach sechs Stunden war der Boden acht Zoll tief aufgetaut. Sie trieben ihre Hacken hinein, schaufelten ein Loch und zündeten ein neues Feuer an. Angespornt von dem Erfolg ihres Experi- mentes arbeiteten sie von früh bis spät. Nach sechs Fuß ge- frorener Erde erreichten sie eine Kiesjchicht, die ebenfalls ge- froren war. Hier ging die Arbeit langsamer vonstatten. Aber sie lernten bald, ihr Feuer besser zu handhaben und fünf bis sechs Zoll auf einmal aufzutauen. Es gab Goldstaub in dem Kies, und nach weiteren zwei Fuß stießen sie wieder auf Erde. In siebzehn Fuß Tiefe kam wieder eine dünne Schicht Kies, der groben Goldstaub enthielt, und die Probepfannen er- gaben eine Ausbeute von je sechs bis acht Dollar. Leider war diese Schicht nur einen Zoll dick. Darunter war wieder Erde, vermischt mit alten Baumstämmen und versteinerten Knochen längst verschwundener Ungeheuer. Aber sie hatten Gold gefunden— richtiges Gold. Und was war natürlicher als anzunehmen, daß der große Fund auf der abschließenden Felsunterlage gemacht werden würde? Sie beschlossen, in zwei Schichten zu arbeiten, und waren Tag und Nacht an zwei Stellen tätig, während der Rauch ihrer Feuer zum Himmel stieg. Als zu dieser Zeit die Bohnen knapp wurden, fuhr Elijah nach dem Hauptlager zurück, um mehr Proviant zu holen. Elijah war selbst ein erprobter alter Schlittenführer. Es waren rund hundert Meilen, aber er oersprach, am dritten Tage zurückzukommen, indem er einen Tag für die Hinfahrt und zwei für den Rückweg mit dem beladenen Schlitten berechnete. Statt dessen kam er schon am Abend des zweiten Tages. Die anderen hatten sich gerade schlafen gelegt, als sie ihn kommen hörten. „Was ist los, zum Teufel?" fragt Henry Finn, als der leere Schlitten in den Lichtschein fuhr und er bemerkte, daß Elijahs langes ernstes Gesicht noch länger und ernster als gewöhnlich war. Joe Hines warf Holz auf das Feuer, und die drei in ihre Schlafsäcke gehüllten Männer krechen dicht an das Feuer heran. Elijahs' bärtiges Gesicht war bis zu den Augen- brauen mit einer Eisschicht bedeckt, so daß er der Karikatur eines Weihnachtsmannes glich. „Ihr wißt die große Tanne, direkt am Flusse, die die eine Ecke des Brettes mit unseren Vorräten trägt?" begann er. Das Unglück war schnell erzählt. Der scheinbar stark« Baum war von irgendeiner versteckten Krankheit angegriffen gewesen, hatte die Last der Vorräte und des Schnees nicht ertragen, hatte das so lange beröahrte Gleichgewicht verloren und war zu Boden gestürzt. Die Vorräte waren fort. Die Viel- fräße hatten alles, was sie nicht gefressen hatten, verdorben. „Sie haben allen Speck, Pflaumen. Zucker und Hunde- futter gefressen," berichtete Elijah.„Und dann haben die verdammten Biester Löcher in die Säcke gefressen und Mehl, Bohnen und Reis von Dan bis Beerfeba verstreut. Ich Hab' leere Mehlsäcke gefunden, die sie eine Viertelmeile verschleppt hatten." Ein Weile sprach keiner ein Wort. Es war eine Kata- strophe, mitten in einem arktischen Winter und einem vom Wilde verlassenen Lande den Proviant zu verlieren. Das Entsetzen lähmte sie nicht, aber sie mußten der Situation ins Auge sehen und einen Ausweg finden. Joe Hines fand zuerst die Sprache wieder. „Wir können Reis und Bohnen aus dem Schnee aus- waschen, wenn es auch nicht mehr als acht bis zehn Pfund geben wird." „Und einer muß mit einem Gespann bis nach Sixty Mite hinunter," sagte Daylight. „Ich fahre," sagte Finn. Sie grübelten eine Weile. „Aber wie sollen wir das andere Gespann und drei Mann ernähren, bis er zurückkommt?" fragte Hines. „Es gibt nur«ine Möglichkeit," meinte Elijah.„Du mußt das andere Gespann nehmen. Joe, und den Stewart hinauffahren, bis du die Indianer findest. Dann kommst du mit Fleisch zurück. Du mußt lange wieder da sein, ehe Henry von Sixti Mike zurück ist, und in eurer Abwesenheit brauchen wir nur Essen für Daylight und mich. Wir müssen uns eben mit kleinen Rationen begnügen." „Und morgen früh fahren wir alle zum Depot und waschen den Schnee aus, um zu sehen, was wir haben." Mit diesen Worten legte Daylight sich hin und wickelte sich in seinen Schlafsack.„Jetzt wollen wir schlafen, dümit wir morgen zeitig wegkommen," fügte er hinzu.„Zwei von euch können die Hunde mitnehmen. Elijah und ich werden einen Abstecher machen, um zu sehen, ob wir einen Elch erwischen." (Fortsetzung folgt) Wie es bei Trotzki zuging. Teurer Luxus auf Kosten der Beiriebssicherheit. den Frühlingsbildern zu freuen... Mlitkge find vorangegangen— jolgen wir ihren Spuren. Wenn Heine den deutschen Frühling als grünangestrichenen Winter bezeichnet, so konnte der heutige Frühlingsbarde getrost einige Stufen tiefer herabsteigen und oom grauen Winter ?! r. II singen und sagen. Das weiße Gewand von Nr. l ist ver- gangen— an kühlen Stellen lag freilich noch bis vor kurzem der „graulich" schimmernde Rest mächtiger Schneewächtcn— aber die grüne Färbung der Natur hat sich er st in den letzten Tagen: genau vier Wochen später als sonst, eingestellt. Die Saat hat unter der Schneedecke verhältnismäßig gut durch- wintert, bloß ihr Wachstum ist bescheiden, die Wiesen, immer noch schrumpelig anzuschauen, lassen endlich die Löwenzähne und Maß- liebchen emporsprießen, der Boden, vielfach erst jetzt sturzbereit, das Ganze wenig an die idealen Frühlinge in südlicheren Regionen erinnernd, wo die letzten Tage des April die Grde unter einen Blütenschauer setzen. Die Bäume ragen noch recht melancholisch zum sonnenlosen Himmel empor, und nur die Büsch« der Gärten, der Flieder und die Stachelbeeren namentlich, haben jenen grünen Hauch auszuweisen, der in gleicher Weise, wie der zarte Flaum jugendliche Wangen schmückt, dem Gartengebilde die Atmo- sphäre des neuen Werdens und Sprießens verleiht. Wer am Boden genauer zusieht, sieht auch schon die roten Spitzen der Päonien hervorkommen— Pfingstrosen, die diesmal in keiner Weise diesen deutschen Namen sich verdienen werden! Die ersten Narzissen blühen wohl als Vorläufer der späteren Bracht im»Freien, aber von den Tulpen sind bisher auch nur erste Berheihungen zu sehen. Im Gemüsebeet steckt der Rhabarber seine ersten roten Köpfe heraus, und der umsichtig« Gartenfreund stellt über jede Pflanze einen Eimer ohne Boden, in den er noch etwas locker«, nahrhafte Erde gibt, damit der Wachsprozeß de- schleunigt werde. Man hatte gehofft, daß nach dem kalten Winter, der jedem 'Berluste zugefügt hat, ein schnell eintretender Frühling Enffchädi- gung bieten würde. Aber die Wetterlage hat in den Frühlings- wachen wohl einige vereinzelte schöne, d. h warme Tage gebracht, ober der Gesaintcharakter der Witterung war kalt. Selbst dann, wenn die Sonne am Tage schien, sank dös Thermometer nachts auf minus 3, ja mimis 6 Grad in den offeneren Gebieten, so daß es vergebliche Mühe gewesen wäre, die bisher in den warmen Ge- wächshäusern herangezogenen und wenig oder gar nicht„abgehär- teten" Gemüsepflänzchen herauszubringen. Es ist da viel neuer Schaden angerichtet worden, da die wider Wunsch.zu lange in der Wärme zurückgehaltenen Pflänzchen unbrauchbar wurden und fort- geworfen lverden müßten. Sind doch selbst in ungeheizten Glas- Häusern junge Tomatenpflanzen von dem Nachtfrost dahingerafft worden! So wird die Belieferung des Marktes mit deutscher Ware noch lange auf sich warten lassen und der Preis für die im Miftbcetkasten und sonsMmter Glas gezogenen und sonst gegen die Nachtkälte geschützten Salate und Kohlrabi noch längere Zeit ein hoher bleiben. e- Gläubigen Gemüts erharrt der Landbewohner den Umschwung — mögen die Maientnge Festtage der Arbeit werden! Die Komödie eines Schwindlers. Oer„Mörder vom Grunewaldsee" ist entlarvt. Das Lügengewebe, mit dem Kurt S ch w i r z. der„Held" des Liebesdramas am Grunewaldsee. der übrigens niemals Opernsänger, sondern S i a t i st war. die Kriminalpolizei ia Atem hielt, ist zusammengebrochen. Die Geschichte von dem gemeinsamen Liebeslod hat sich als Schwindel heraus- gestellt. Schwirz hatte gegen Abend geäußert, daß er die volke Wahrheit sagen werde, wenn man ihn der Mutter der .Bertha gegenüberstelle. Da nichts unversucht bleiben durfte, um dos Berlchwinden des Mädchens zu klären, wurde die Mutter herbei- geholt. Jetzt erst bequemte sich Schwirz tatsächlich zur Wahrheit. Am vergangenen Sonnabend besorgt« er sich 15 Mark, übergab sie seiner Freundin und setzt« sie samt ihrem Gepäck, das er ja am Tag« zuvor von den Eltern geholt hatte, in den Züg. Sie fuhr durchaus lebendig zu ihrem Großvater nach Boden- h e i l i n g e n bei Langensalza. Um ganz sicher zu gehen, wurde die Ortsbehörd« von der Berliner Mordkommission noch spät abends telephonisch angerufen. Im Orte wußte man, daß der Groß- vatcr Besuch von einem Enkelkind aus Berlin hat. Das kann niemand anders sein als Hertha Siegismund. Ganz ohne Folgen wird die Affäre für Schwirz aber doch nicht bleiben, da er neben anderen Schwindeleien unbefugt Kol- lekten für das Große Schauspielhaus in die eigene Tasche veranstaltet hat.____ Keine gesperrten V-Bahnhöfe. Die Meldungen einiger Abendblätter, daß heute aus Anlaß der kommunistischen Maiaufmarschpläne die U-Bahnhöfe Potsdamer Platz und Alcxanderplatz gesperrt bleiben, entspricht nichtden Tatsachen. Die Hoch- und Untergrundbahn wird nach den Be- jchlüssen wie an jedem anderen' Tage verkehren und der Fahrplan der einzelnen Stationen bleibt wie an jedem anderen Tage aus- rechterhalten. Es besteht allerdings die Möglichkeit, daß die P o- tijci einzelne U-Bahnhöfe vorübergehend wegen Massen- andranges schließen läßt. Bestimmte Bahnhöfe stnd noch nicht ge- nannt und es kann sich im schlimmsten Fall nur um zeitig be- grenzte Schließungen handeln. 3m Prozeh Trohki wegen fahrlässiger Tötung wurden gestern In der Rachmillagsoerhandlung zunächst weiter Ar- bester und Arbeilerinnen aus dein Betrieb in der Schön- l e! n st r a h e vernommen. Dann kamen die Sachverständigen zu Wort. Bor diesen Vernehmungen kam es zu einem Zwischenfall: Der Vorsitzende, Landgcrichisdirektor Krüger, ersuchte die 21jährige Prokurfftin Kube, die jetzt noch für Trotzki einen Be- trieb derselben Art. der jetzt„Zukunft* firmiert, leitet, nochmals vorzutreten. Er richtete an die Zeugin die Frage: Ist es richtig, daß Sie von dem Angeklagten Trotzt! einen Pelz bekommen haben? Zeugin: Darüber oerweigere ich die Aussage. Vors.: Mir ist ein Schreiben zugegangen, daß Sie einen N u t r i a p e l z im Werte von 2 5 00 Mark bekommen haben. Sie haben keinen Grund, die Aussage zu verweigern. Die Zeugin schweigt und dreht sich nach dem Angeklagten um. Vors.(mit Schärfe): Sehen Sie sich nicht nach Herrn Trotzki um, sondern antworten Sie hier, stimmt das oder stimmt das nicht? Zeugin: Darüber sage ich nichts. Vors.: Dann werden wir Sie zwingen. Aus- sage zu machen. Zeugin: Ich habe einen Nutriapelz noch nie auf dem Leibe gehabt. Vors.: Was war es denn für ein Pehz? Die Zeugin Kube fiel daraus laut aufkreffchend zu Boden und wurde unter Schreikrämpsen aus dem Saal geführt. Der Angeklagte Trotzki begann dann auch zu weinen. Die Sitzung wurde auf einig« Zeit unierbrochen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung gab der Angeklagte Trotzki zu dem Zwischenfall die Erklärung ab, daß der Pelz seiner Prokuristin nur 325 Mark gekostet habe. Sie habe sich den Pelz selber gekausi, und er habe ihr nur den Betrag als Vorschuß ausgezahlt. Landgerichtsdirektor Krüger: Sie hatten sich doch auch im Frühjahr ein amerikanisches Auto gekauft. Trohki, der sich bisher immer mik seinen Geldverhältnissen für die Unlerlasiung der einfachsten Schuhmahnahmen entschuldigt hatte, muhte zögernd zugeben, dah sein Sohn sich ein Auko für 3000 Mark angeschaffl hatte. Der Behauptung des Angeklagten, daß das Auto bereits im Herbst wegen Geldmangels wieder verkauft worden sei, trat Staatsanwaltschaftsrat Dominick mit dem Hinweis entgegen, daß dies Auto nach Zeugenaussagen noch wenige Wochen vor dem Brand von rhin selbst und seinen Söhnen benutzt worden sei. Der An- geklagte vermochte darauf nichts zu erwidern. Vors.: Sie sollen auch wiederholt in Ihrem Prioatkontor nachts geschlafen haben. Angekl. Trotzki(sehr verlegen): Jawohl. Bors.: Auch in der Nacht vor dem Brand«? Angekl.: Ja. Staatsarnvalt Dominick: Wie kamen Sie dazu, eine 20jährigc Steno- t y p i st i n zur Prokuristin des Betriebes zu machen? Angekl.: Ich mußte doch jemand zur Vertretung haben, wenn Geld oder Einschreibebriefe kamen. Vors.: Dazu hätte eine P o st v o l l- macht genügt. Ein« Reihe von Zeugen bekundeten sodann aus Schüsse gegen die Polizei. Zwei Veamte von Kommunisten erheblich verletzt. Die mahlose Hetze der kommunistischen Presse hatte gestern abend in Reukölln einen neuen blutigen Zwischenfall zur Folge. Am Bahnhof Hermann st ratze hatte sich gegen 21 Uhr in wenigen Minuten ein kommunistischer Demonstrationszug von etwa 1000 Teilnehmern, unter denen sich viele Frauen und Jugend- liche befanden, gebildet. Lärmend und singend zog die Schar die Hermannstrahe entlang. An der B o d d i n st r a h e versuchte ein Polizeiausgebot den Zug aufzulösen. Mit Johlen wurden die Be- amicn empfangen. Plötzlich wurden aus der Meng« wie Zeugen aussagen, von mehreren Stellen zu gleicher Zeit Schüsse abgefeuert. Ein Polizeiwachimeister wurde von einerKugelin die rechte Hand getroffen. An anderer Stelle wurde ein Beamter um- ringt und zu Boden geschlagen; der Wehrlose erhielt von einem unbekannten Täter einen M e s s e r st i ch i n s G ä n i ck. In höchster Bedrängnis mußten die Polizeibeamtcn schließlich van ihrer Schußwaffe Gebrauch machen, um sich die Angreifer vom Leibe zu halten. Erst als mehrere Schreckschüsse abgeseue'r wurden und unmittelbar darauf Verstärkungen eintrafen, stoben die Dcmon- stranten auseinander. Die verletzten Beamten wurden zur nächsten Sanitätsstelle gebracht, wo ihnen Notverbände angelegt wurden. Es gelang leider nur zwei der Haupträdelssührer fest- zunehmen. Am Heinrichsplatz im Südosten Berlins hatten sich um 21.30 Uhr vor der Expedition eines Rechisblaties etwa 60 bis 80 Kommunisten angesammelt, die den Laden zu demolieren drohten Polizei schritt rechtzeitig ein und nahm sechs Personen fest. Befragen, daß sie ihre Krankenkassenpapiere und Invalideukarlen nicht zurückerhalten hätten. Als sie in das Kontor kamen, das vom Brande verschont geblieben war und die Aushändigung der Papiere verlangten, wurde ihnen gesagt, die Jnvalidenmarken müßten noch geklebt werden. Dann aber bekamen sie eine Bescheinigung, daß die Papiere beim Umzug„abhanden* gekommen seien. Trotzki ist bekanntlich inzwischen wegen Unterschlagung von Krankenkassen- beitrügen verurteilt worden. Es wurde dann noch eine Reihe von Arbeitern und Arbeiterinnen vernommen, die schwer verbrannt sind und teilweise im Gesicht vollständig entstellt wurden. Der 23jährige Arbeiter Rad er sagte sehr belastend für den An- geklagten Trotzki aus. So bekundet« er, daß er auch den An- geklagten selbst mindestens einig« Male in der Gitschiner Straße und auch anfangs in der Schönleinstraße im Betriebe mit der brennenden Zigarre gesehen habe. Der Sohn hat dauernd geraucht. R.-A. Dr. E i s e n st ä d t: Machte der Betrieb nicht einen s a u b e» r e n Eindruck? Zeuge: Ne, besonders sauber war es gerade nicht. Es folgten dann die Gutachten. Eerichtschemiker Prof. Dr. Brüning legte dar, daß seit Erfindung des Zelluloids zahlreiche schwere Unglücksfälle vorgekommen seien. Dazu ge- hörten auch die Filmbrände. Zelluloid entzünde sich bereits durch strahlende Wärm«. Es verbrenne sehr schnell, fast explosions- artig und entwickele einen starken Luftdruck und habe Gistgase im Gefolge. In dem Trotzkischen Betriebe sei die Vorarbeitung des Zelluloids in ganz bedauerlich laienhafter Weise erfolgt. Man habe höchst unsachgemäß und unachtsam gehandelt. Gewerberat Cospary führt« in seinem Gutachten aus: Die Hauptsache des Brandes liegt an der starken Aufstapelung der Zelluloidabfäll«, die vorschriftsmäßig nicht in Säcken, sondern in feuersicheren Behältern hätten aufbewahrt werden müsien. Auf den Betrieb von Trotzki sei er erst einige Tage vor dem Unglück aufmerksam gemacht worden. Eine Arbeiterin Emma Zw. war persönlich erschienen und hatte sich beschwert, daß die fügend- lichen Arbeiterinnen von Trohki zu übermäßig langen Ueberstundcn dauernd gezwungen würden. Außerdem beschwerte sie sich darüber. daß die jungen Mädchen dauernd unsittlichen Anträgen und Ausdrücken des Inhabers und seiner Söhne ausgesetzt seien. Daß an diesen Pressen junge Mädchen von 11 bis 15 Jahren beschäftigt wurden, widerspreche 8 120c der Gewerbeordnung, der o e r b i e t e t, daß Jugendliche an Gefahrenplätzen beschäftigt werden. Die Gewerbebeamten könnten nicht hinter jedem Betriebe als Schutz- engel stehen, und man müsse sich auf die Zuverlässigkeit der Betriebsleitung verlassen. In seinem Bezirk hätten zwei Beamte über 5000 Betriebe zu beaufsichtigen und könnten nicht überall sein. Der Sachverständige bemängelte weiter, daß ent- gegen den Borschristen nicht sämtliche Ausgänge offen waren. Darauf wurde die Sitzung geschlossen. Das Urteil ist heute abend zu erwarten. Berlin soll wieder btuien? Eine neue Schröpfung Berlins wird zur Deckung des Defizits der staatlichen Theater vorgeschlagen Gegen diesen Plan wendet sich in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung die sozialdemokratische Fraktion mit folgendem Zl n t r a g: .,3m Preußischen Landtag ist ein 3nil!aliv.Gesehenlwurs eingebracht worden, nach welchem die Stadt Berlin 30 Proz. des Defizits der staatlichen Theater zu tragen hätte. Dieser Antrag steht im Widerspruch zu dem Ergebnis der Verhandlungen, die anläßlich der Errichtung der städtischen Oper mit dein preohischen Staat gepflogen worden sind. Der Antrag ist auch noch aus anderen Gründen unannehmbar. Die Stadlverord- nelcnversammlung p r o t c st i c r l gegen die Annahme eines der- artigen Antrages und ersucht den Magistrat, diesen prolest bei den zuständigen Stellen mit vollem Rachdruck zu vertreten." Fördert man so das Wohnungswesen? Die S p o r k a s s e der Stadt Berlin paßt sich der Lage des Geldinarkies an. Weil sie den Zinssatz für erste Hlfpothekcn aus 0 Prozent erhöht hat, richtet in der Stadtverordneten- Versammlung die sozialdemokratische Fraktion an den Magistrat diese Anfrage: „Ist dem Magistrat bekannt, daß die Städtische Spar- lasse den Zinssatz für erst« Hypotheken auf 9 Pro- z e n t festgesetzt hat, und daß hierdurch die Mieten, ins- besondere die Mieten für Kleinwohnungen, stark verteuert werden? Ist der Magistrat— im Falle der Bejahung der ersten Frage— bereit, Maßnahmen zu treffen, die diesen be- N/e maßmäßig sugcsehniffene Terfigkleiäung für den guten Geschmack Herren-Frühjahrs-Mäntel mit Rund- oder Rücken-Curt.. 98— 75— 55— Herren-Frühjahrs-Raletots aus Marengo, Shetlond, Covercoat 95— 85— 65— Herren-Sacco-Anzüge 1- und 2-rcihig;c Machart... 82— 65— 45— Herren-Sport- u. Reise-Anzüge mit 2 Hosen 98— 85—— 68— Trenchcoats mit and ohne Futter 4 55— 48— 39— 39- 48- 35- 56- 29- Ssdefs£ 9uekhoff GarfraudtenstraPa ö- P. /in der Petri ktreh#, % douerlichen Zustand beseitigen, Ist dem Magistrat weiter bekannt, Saß die Städtische Sparkasse einer Berliner Bausirma ein Kontin- gent von VA Millionen Reichsmart zugesagt hat, die es ihr ermög- lichen würden, damit Geschäfte zu machen? Was gedenkt der Magi- strat, falls das zutrifft, zu tun, um diesen Mihbrauch össentlicher Gelder zu hindern?* 200 Kilomeier(Straßenbahn. 1 Milliarde Sachwerte aiS Eigentum der DertehrS-A>G Der Kreis W e d d! n g der Sozialdemokratischen Partei setzte vor kurzem seine kommunalpolitischen Vorträge, die den Partei- genossen ausreichendes Material für den kommenden Kommunal- wahlkampf vermitteln sollen, fort. Im Swinemünder Gesellschafts- Haus sprachen die Genossen Blaschzick und Brolat über die Aufgaben der Sozialdemokratie in den gemeinwirtschaftlichen Betrieben und der Verwaltung. Genosse Brolat, der als erster sprach, wies nach, daß auf Grund der Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung die Sozial- demokratie leider nur mit einer anderen Pattei gemeinsam arbeiten kann. Die zur Mehrheit notwendigen Stimmen muß sie also ent- weder von einer bürgerlichen oder der Kommunistischen Partei ent- lehnen. Mit den Kommunisten zu arbeiten, hat sich in den meisten Fällen als unmöglich herausgestellt. So blieb nur übrig, da gegen die Sozialdemokr'atie in Berlin nicht regiert werden kann, auf der bürgerlichen Seil« Unterstützung zu suchen. Ein Hauptgebiel der Berliner Kommunalpolitik, und zwar ein sehr erfolgreiches, ist die Verkehrs-Zl.-G. Berlin hat heute die größte Verkehrs(jeseU> schaft, die mit einem Kapital von 400 Millionen Mark gegründet worden ist und deren Sachwerte Ende dieses Jahres über eine Milliarde Mark betragen werden. Auf 700 Kilometer Straßenbahn— das ist ungefähr die Strecke Berlin—-München — auf 80 Kilometer U-Bahn und auf etwa 40 Autobuslinien wickelt sich der chaupwerkehr in Berlin ab. In Kürze wird der Verkehr in Verlin auch den Londons überflügeln. Durch den neuen Lohn- r a r i f ist es mögllch geworden, den Vcrkehrsarbeitern und Beamten eine kleine Lohnzulage zu geben und die Ar- beitszeit um eine halbe Stunde zu verkürzen. Die Personalpolitik in der Verkehrs-A.-G. ist zurzeit noch darum so schwer, weil der größte Teil des Personals politisch und gewerkschaftlich völlig in- disferent ist. Besonders werwoll für das Personal sind die Bcstim- mungen über die Ruhegehaltseinrichtungen. Noch immer besteht im Tarif der städtischen Arbeiter und dem der Verkehrsbetriebe ein großer Unterschied. Dies« Spanne muh möglichst bald beseitigt werden. Ich habe damals, so sührte Genosse Brolat aus, drei Jahre dafür angesetzt. Heute will ich mich verpflichten, ihn in zwei Iahren zu überbrücken. Die Versammlung unterstrich die Ausführungen des Referenten mit starkem Beifall. Genosse Blaschzick erläutert« einige Kapitel des Etats und zeigte, daß die Ziffern für Wohlfahrtsuntcrstlltzrmgen und Sozial- fürsorge im letzten Jahre erheblich höher sind als im Vorjahre. Diese Ziffern beweisen mehr als alles Geschrei der Kommumsten, wer praktisch fiir die Imeressen der arbeiienden Bevölkerung arbeitet. Die Sozialdemokratie kann auf ihre Arbeit im Stadtparlament wie in den Bezirken mit Genugtuung zurückblicken. Artisten und Krankenkasse. Durch ihr« abseitige, völlig exponierte Stellung wurden die Artisten niemals dem allgemeinen Arbeitnehmergebiet eingegliedert, so daß auch sämtlich« Sozialvergünstigungen, wie Krankenkasse. Invaliden- und Arbeitslosenversicherung, auf sie keine Anwendung sanden. Heute, wo das ungeheure Berufselend auch den leichtsinnigsten Bohemien denken lehrte, wsrd all den Leuten vom Brettl erst so richtig klar, in welch trostloser Loge sie sich im Falle der Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit befinden. Es wurden wohl durch die artistische Berufsorganisation, die Inter» nationale Artistenloge, bereits mehrfach Schritte unter» »ommen, um die Artisten als Arbeitnehmer in die Reih« der Ler- ficherungspflichtigen aufnehmen zu lassen: doch scheiterten die Bei- Handlungen an der ablehnenden Haltung des Reichsverstcherungs- nmtes. Es erklärte nämlich, daß im Artistenberuf die Stellung des Arbeitnehmers und Arbeitgebers ziemlich ungeklärt sei, so daß die ollgemeinen Sozialversicherungsbestimmungen hier keine An- Wendung finden könnten. Natürlich ist der Artist in manchem Falle, zum Beispiel als Truppenches, Arbeitgeber: aber auch in dieser Eigenschast ist er doch stets dem Lokalbesitzer gegenüber, der ihn und seine Trupp« für sein Unternehmen engagiert, genau so gut Arbeitnehmer, wie der einzelne Artist. Da in letzter Zeit durch eine teichsgerichtliche Entscheidung zugunsten eines artistischen Unternehmers ein Präzedenzfall dahin geschaffen wurde, daß man den betreffenden Artisten tatsächlich als Arbeitnehmer be- trachtete, so will die Berufsorganisation jetzt erneut mit Nachdruck versuchen, diese Frage zu klären. Wie uns der stellvertretende Prä. sident der Internationalen Artistenloge, Genosse Fossil, mitteilt, sind bereits für die allernächste Zeit Verhandlungen mit den zu- ständigen Stellen in Aussicht genommen. Im Interesse all der vielen artistischen Berufsangehörigen bsiebe zu wünschen, daß endlich ihre sozialen Rechte Gleichstellung mit allen anderen Berussschichten erfahren. Sie sind einer sozialen Fürsorge besonders bedürftig, da ja ihr Beruf einen besonders starken Verbrauch an Körper- und Nervenkraft beansprucht und das Aller des Artisten noch sehr begrenzt ist. W'e man in»Alt-Berlin� wohnt. Gewiß mag für den Liebhaber alter Stadtbilder das bekannte Viertel rund um die Fischerbrück« für den Beschauer recht inter» cssant sein. Do hat z. D. das Haus an der F i s ch e r b r ü ck e � das überaus stattliche Alter von 175 Iahren erreicht. Man kann sich ungefähr vorstellen, daß dies« Hausruine für den Abriß mehr als übersällig ist. Von außen hat der Putz an vielen Stellen längst das Zeitlich« gesegnet, im Treppenhaus ist das Gebälk so morsch und verfault, daß das Rcgenwasser durchläuft. Die Treppen selbst sind schadhast und das Wohnungsinnere zeigt alle Zeichen gänzlichen Verfalles. Da ist keine einzige Wand in Ord» nung, da schließt weder Türe noch Fenster, der Fußboden ist schräg und wenn sich einer aus den Stuhl setzt, muß er zuvor die richtige Balance ausrechnen, sonst schlägt er einen unfreiwilligen Salto nach rückwärts.'Die Zimmerösen heizen schlecht und sind unersättlich im Verbrauch von Brennmaterial, eine dumpf«, moderige Luft erfüllt die Räume, olles atmet Verwesung! Inmitten dieser absterbenden Wohn-Szen'erie leben ober Menschen, die für Wohnställe solcher Art eine recht angemessene Miete bezahlen müssen. Trotz endloser Lau. fereien Bitten und Gesuche konnten sie es nicht erreichen, daß auch nur die allernvtwendigsten Reparaturen ausgeführt werden. Die Zugvögel werden nicht alle. Das.Landstraßenfieber' hat sich Im Saufe der Zeit zu einer kleinen Seuche ausgebildet. Und wenn auch sämtlich« Epigonen de,.Landstraßenseniors* Droschkenkutscher Hartmann mit un- endlicher Mühsal gegenüber einem völlig negativen Erfolg ihr Fazit schlössen, es lockt immer wieder Neue hinaus. Am t Mai will ein Cechzigjähriger, der sich»ur mit dem Delbstfahrsr fortbewege« > kann, mft diesem beschwerlichen Fortbewegungsmittel zu der Tour � Berlin— Paris und zurück starten. Der Mann—«in«he- i maliger Artist— ist jetzt von Beruf Straßenhändler und will seine > Tätigkeit auf einer Großtour— diesmal durch Derkauf seiner Bilder— fortsetzen Täglich gedenkt er 30 bis 50 Kilometer zurück- zulegen. Bange machen gilt nicht, er ist voll der größten Hoffnungen und rechnet auf reichlichen Verdienst neben dem Ehrgeiz, mit dieser Leistung«ine Höchstprobe von Energie und Willenskrast.zu geben. Wir wollen ihm alles Gute wünschen, warnen aber vor allzugroßem Optimismus. „Deutsche Luftfahrt-Werbewoche." Der Deutsch« Luftfahrt-Verband e V. hat als Spitzenorgani- fation aller lustsporttreibenden Vereine des Reiches den Beschluß gefaßt, mit seinen Vereinen und Jungfliegergruppen in der Zeit vom 5. bis 12. Mai d. I. erstmalig eine„Deutsche Lustfahrt- Werbewoche* zu veranstalten. Im Rahmen dieser Wcrbewoche sollen lustsportliche Äeranstaltungen aller Art, wie Motorflüge, Gleit- und Segelflüge sowie Freiballonfahrten stat'sinden. Außerdem ssnd öffentkiche Vortragsabende mit geselligen Beranstallungen in Aus- ficht genommen. Erholungsheime der Arbeiterschaft! Die Ferienheimgenossenschaft„Die Natur- freunde* e. G. m. b. H., Sitz Jena, Marien str. 4, hat jetzt ihren Prospekt für die diesjährige Saison herausgebracht Die Ge- nossenschast besitzt zurzeit 7 Ferien- und 6 Wanberheime, 7 inmitten prächtiger Hochwälder Thüringens, 2 in idyllischer Heidegegend. 1 im märkischen Seengebiet, 1 in den Wäldern des Pogtländilchen. 1 im Osterzgebirge, 1 im Leinawalde bei Alien. bürg(Thür.). Die Heim«, die nur durch tatkräftige Unterstützung der deutschen freien Arbeiterbewegung geschaffen werden konnten. sollen Statten sein, in denen sich gleichgesinnte Men- s ch e n finden, um, losgelöst vom körper- und nervenoer- brauchenden Daseinskampfe, kürzere oder längere Zeit auszu- spannen und ihr« Freizeit in gesunder, reiner Luft in landschaft- lich reizvollen Gegenden verleben Die Preise sind auch für den wenig Bemittelten als erschwinglich zu bezeichnen. Prospekte stehen aus Anfordern gern kostenlos zur Verfügung. Anfragen wolle man Rückporto beilegen. Die nächste Ausgabe des„Vorwärts" er- scheint am Donnerstag abend. Der Sozialistische Kulturbund veranstaltet am kommenden Sonntag, den, 5. Mai, vorm. 9)4 Uhr, im Preußischen Landtag. iaaal 5, eine Konferenz der s o z i a l i st i s ch c B e' s> tz e r in den S chu n d, i t e r o t u r p r ü s st e ll e n, um zu der bisherigen Prüfungstätigkeil Stellung zu nehmen sow-e über posslivc Maßnahmen für das gute Buch und gegen die Schundliteintu.' zu be- raten. Zu dieser Konferenz sind auch die sozialistischen Vertreter in den Volksbildungs-, Jugend- und Wohlfahrtsämtern. Schul- behörden und anderen Stellen, soweit sie auf dem genannten Ge- biet tätig sind, eingeladen. Der Arbelier-Radio-Diind Deulschlands E.V. bittet uns mit- zuteilen: Die Kommunistische Partei ruft unter dem Namen Arbeiter-Radio-Bund Berlin E. V. zu einer Beteiligung an den Straßenkundgebungen auf. Der Arbeiter-Radio-Bund Deutschlands E. V. ist mit diesem Aufruf nicht einverstanden und ersucht die Mi glieder und Sympathisierende, den kommunistischen Splitter- Veranstaltungen fernzubleiben. Es handelt sich hier um eine der üblichen kommunistischen Mißb rauche. Rose-Thealer:„Dorine und der Zufall.* Man feiert« im Rose-Theater mit diesem fröhlichen musikalischen Spiel, das be» reits vor Jahren erfolgreich über die Bretter einer anderen Ber- liner Bühne ging, herzliches Wiedersehen. Dorine, ein keckes Pflänzchen, hat das Pech, daß ihr der Zufall gerade immer dann einen neuen Anbeter zuführt, wenn die Sache mir dem alten im schönsten Zuge ist. So flirtet sie sich im Laufe der Begebenheiten durch ein Freundesquintett hindurch, und sogar der alte Kammer» diener muß dran glauben. Schließlich kehrt sie aber reumütig zu Nr. 1 zurück, zu demjenigen, der dumm genug ist. zu allen. Ja und Amen zu sagen, diewefi er noch an„Treue" glaubt! Gespielt wurde recht munter und lebendig. Erna Kerjtens minue die statte Herzensbrecherin engros mit Temperament und graziösem Tanz» gebein. Willi Rose, Hans Rose, Karl Füllich, Edgar Kamsch und Erich Wilde waren humorige Hampelmänner der sprunghasten Schönen. Wenn es allerdings zum Singen kommt, wie dies oft nicht zu umgehen ist. dann wird die Sache tragisch. Vielleicht faßt man sich doch einmal das Herz, emen„singenden* Tenor und einen ebensolchen Bufso zu engagieren. Meister Gilberts flüssige, liebenswürdige Musik mit«in paar handkesten Schlagern erhöhte die Stimmung bis zum Siedepunkt. Rehmen Sie doch Wacholder! Es tut Ihnen doch so gut, Blut und Säste einmal gründlich aufzufrischen Sie werden sich bald wohler suhlen, wenn Sie eine Zeitlang Reichels Wacholder- Extrakt»Marke Medico" nehmen In Drogerien u. Apotheken er- hölllich, aber nur echt in Originalfüllungen mit Marke Medico. |a /.M-M // ir""i M or Bär � l. ;�£. »WN# «Ms Der Rolan€l von Berlin besohirint die im Märkischen Museum ruhenden historischen Schätze der Merk ßrendenbuiy. 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Reformen wären aber auch nach der anderen Seite hin erforderlich, und wenn Sie die Meldepflicht für alle offenen Stellen auch in der Landwirtschaft und in häuslichen Betrieben einführen, und die Unterlassung der Meldung mit Strafe bedrohen wollen, da werden Sie uns dazu bereit finden.(Sehr richtig bei den Soz.). Die Bedeutung der Arbeitslosenunterstützung für den inneren Markt hat Professor S e r i n g vor einigen Iahren sehr ausdrücklich unterstrichen, indem er ihre wohltätige Wirkung für die Land- wirrschast hervorhob, die die Preise ihrer Produkte nicht hätte halten können, wenn nicht die Arbeiter und Arbeitslosen wenigstens einen Teil der für ihre Ernährung notwendigen Nahrungsmittel hätten kaufen können. Nun wird behauptet, die Wirtschaft könne die Soziallasten nicht ertragen. wie war es denn, als die Lohnsileuer den Löwenanteil des Reichshaushalks aufbringen mußte? wer ist da in wetlkampf mit der Arbeiters-hast um das Steuerzahlen eingetreten? (Sehr gut! bei den Soz.) Man stellt den Begriff der Wirtschaft als unabänderlich hin, vor dein die ganze Welt auf den Knien liegen müßte. Sie ist aber auch mir Menschenwerk, und wenn sich herausstellt, daß dieses Werk nicht zum Segen der Menschen, iondern zu ihrem Fluch ist, muß es geändert werden. Nicht einmal die inten, ationalen Finanzgröhen fühlen sich unter diesem Jaystem vollkommen wohl: sie sehen ihre Position, die sie mit ollen Fisiessen aufgebaut haben, immer wieder von neuen Konstellationen bedroht. und selbst die größten internationalen Bindungen versuchen sich rückzuversichern durch neue internationale Bindungen. Dieses System, das als höchste Weisheit gepriesen wird, ist außerstande, Bedarf und Produktion auch nur einigermaßen mit- einander in Einklang zu bringen. Das heutige Wirtschaftssystem ist nicht aufgebaut aus der Be- sriedigung des Bedarfs. Nicht eine Streichholzschachtel wird um des Bedarfs willen her- gestellt, sondern um durch ihren Verkauf Gewinn zu erzielen. Diese Spekulation macht es unmöglich, den Bedarf reibungslos zu be- friedigen, und die natürlichen Folgen sind Konsunkwr und Krisen, wobei die Konjunkturen immer kü.rz.eL.,� die Kr.is.en aber immer schwerer tperden für die Millionen des arbeiten� den Volkes. Es ist unerhört grausam, von einer tndvstriellen Reservearmee zu reden..Eine militärische Reserve- armee wird bekleidet, ernährt und behaust, um die industrielle Reservearmee kümmert sich das Privatkapital gar nicht. Menfchen werden in Reserve geholten wie Kaffeesäcke, Baumwollballen und Stahlknüppel. Und nur weil man diese Arbeiter nicht einfach auf Speichern unterbringen kann, hat ma» sich notgedrungen bereit- erklärt, etwas zu tun, wobei man die Reservearmee auch noch aus eigenen Mitteln beitragen läßtl Jede technische Neuerung wird al» gewalsiger Triumph geseierl, und man betrachtet es schon al» naturgemäße Auswirkung, daß sie so und soviel Hände überflüssig macht. Di« Sorge für diese Arbeitslosen überläßt man dem Staat und beschimpft sie obendrein noch als Faulenzer,(hört, hört! bei den Soz.) Rationalisierung bedeutet Bernünftigmachung. Ist dem, in diesem Wirtschaftssystem überhaupt eine Spur von Bermmft? Wir sehen, wie bei einer guten Kaffee-Ernte Riesen- mengen Kaffee verbrannt werden, damit sie nicht aus �den Markt- preis drücken. Wir sehen, wie bei einer guten WeizenernVMaschi- >W gel. V lohnt, während auf der anderen Seite der Erdkugel hunderttausende und Millionen hungern! Die Wirtschaftsführer sagen, daß sie die rationalisierten Be- triebe nur mit höchstens 6» Pro,;, ausnutzen. Wenn die Wirtschaft solche Folgen ihrer Tätigkeit nicht abwenden kann, dann hat sie die sittlich« Voraussetzung ihrer Existenz nicht eriüllt, und dann ist sie reif, möglichst bald beseitigt zu werden. Gerade die Er- fahrungen des letzten® inters zeigen, daß man nur an den Symptomen herumdoktort, ohne den eigentlichen Ursachen der Mißstände zu Leibe zu gehen. Gerade diese Verhältnisse haben die Gewerkschaften darin bestärkt, ihre Forderung nicht ruhen zu lassen, die .Forderung nach maßgebendem Einfluß bei der Führung der Wirtschaft, mit dem Ziel, dieses System durch ein anderes und besseres zu ersehen. Da es aber unmöglich ist, ein einzelnes Land, zumal ein Wirtschaft- lich so ungünstig situiertes Land wie Deutschland zur sozialistischen Insel zu machen, arbeiten die organisierten Arbeiter und Angestell- ten überall in der Well, in allen Ländern mit vereinter Kraft dahin, dieses System zu ändern, mit dem Ziel, es zu be- seiiigen.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Auf die angeblichen Mißstände bei der Arbeitslosenversicherung einzugehen, wird noch Zeit sein, wenn die Ankläger ihre Beweise vorgelegt haben. Aber die Menschheit müßte verzweifeln, wenn sie dauernd unter diesen Zuständen leben müßte und wenn nicht die besten Kräfte eingesetzt würden, um diese Zustände zu beseitigen. (Stürmischer, anhaltender Beifall bei den Soz.) Abg. wönke(Dnat.): Die Arbeitslosen sehen die Dauern als Feinde an, weil sie ihnen Arbeit anbieten und sie dadurch im ruhi- gen Bezug der Unterstützung stören. Die Saisonarbeiter bekommen viel mehr Unterstützung, als die Landarbeiter im Winter Lohn. Stall dem Bauern für seine Arbeit zu danken, sperrt nian ihn ein, wenn er sich dagegen wehrt, daß das Finanzamt ihm die. letzte Kuh aus dem Stall holt, um die Erwerbslosenfüvsorge zu bestretten. Eine rentable Landunrtschaft ist die beste Erwerbslosenfürsorge. Abg. Lemmer(Dem,): Auch wenn alle Mißstände behoben sind, wird die Arbeitslosenoersichening in schwieriger Finanzlage bleiben. Bei besonderen Krisen müssen eben Reich und Gesamtheit helfen. Wir könnten einer größeren Einwanderung polnischer Landarbeiter nur zustimmen, wenn zuvor festgestellt ist, daß alle arbeitsfähigen und arbeitswilligen deuffchen Arbeiter in der Land- Wirtschaft untergebracht sind. Sehr hübsch ist es, wenn dieselben Leute, die radaupatriotische Kundgebungen gegen Polen veränsial- ten, immer mehr polnische Arbeiter in den menschenarmen deutschen Osten hereinziehen,(Beifall links.) Nach Erledigung der Anträge zu diesem Punkt, die sämtlich Ausschüssen überwiesen werden, folgt das Kapitel Wohnungswesen und Wohnungsbau. Abg. Lipins?!(Soz.): Das Reichsarbeitsministerium hat festgestellt, daß etwa(500000 gebrochen werden müssen. Das Ministerium hat berechnet, daß bis 1940 rund 4,2 Millionen Wohnungen gebaut werden müßten, das heißt jährlich 350 000. Im vergangenen Jahr sind 3�0,000 Wohnungtn gebaut worden, was einen Rcinzugong von 309 000 bedeutet. Die Feststellungen des Ministeriums werden von der Wirt- schafts Partei heftig angegriffen, besonders deshalb, weil sie aussprechen, daß... die Wohnungsnot zum großen Teil nicht nur die Folge von Krieg und Inflation, sondern ein Ueberbleibsel aus der Vor-' kriegszeit ist, wo die freie Wirtschaft vollkommen uabe- schränkt war. In einer Rundsunkdiskussion mit dem Bodenreformer Damaschke hat der Abg. Dr. B r e d t die Wirtschaftspartei als Wortführer der Hausbesitzer bezeichnet. Daraus erklärt sich ja ihre Gegnerschaft gegen jede Gemeinwirtschast und gegen den Mieter- schütz. Herr Bredt hat auch die Wertsteigerung von Grund und Boden auf die Tätigkeit der Hausbesitzer zurückgeführt, während sie doch bekanntermaßen durch die Industrialisierung und ohne jedes Zutun des Bodenbesitzers ersolgt,(Sehr richtig! links.) Wir hofsen, daß der Artikel 155 der Rcichsversossung, der jedem Deutschen eine gesunde Wohnung zusichert, recht bald verwirk- licht wird. Dazu ist aber notwendig, daß den Gemeinden der not- wendige Boden verschafft wird. Das Wohnungsheim- st ä t t e n g c s e tz will daher den Gemeinden das Enteignungsrecht geben, wie das in anderen Ländern längst besteht. Sachsen hat seit 1919 ein Gesetz, das den Gemeinden das Vorkaufsrecht bei Grundstückveräußerungen gibt. Wir bitten, das Heimstättengesetz recht bald dem Reichstag vorzulegen, ebenso das Bodenver- einigungs- oder Umlegungsgesetz, das den Städten die Beseitigung von Hemmnissen des Wohnungsbaues ermöglichen will. In einem deutschnaiionalen Blatt beschwert sich ein Mieler darüber, daß er für den Quadratmeter seiner Wohnung 39 M. Miete zahlen muß und außerdem noch weitere Beträge. Wenn die sreie Wirtschast die Mieter so bewuchert, dann beweist sie, daß sie die Wohnungsnot nicht beseitigen kann.(Sehr richtig! links.) In diesem Jahr sind die Hofsnungen aus die Finanzierung des Wohnungsbaues recht mager. Die Diskonterhöhung der Reichs- dank um 1 Proz. verteuert den Baukredit erheblich, und infolge der langen Arbeitslosigkeit haben sich die dauernden Unkosten im Bau- gewerbe gesteigert. Die Reichs an st alt für Angestelltenver- sicherung gibt Wohnungsbaudarlehen nur In„F e i n g o l d" und verlangt auch solche Bezahlung, sie setzt also starke Zweifel in die deutsche Währung.(Hört! hört!) Außerdem macht sie das Darlehen davon abhängig, daß die Stadt Berlin den Baugenosien- schaften Gagsa(deulschnational) und Heimat(Gewerkverein) Haus- zinssteuer- und Zusatzhypotheken gibt. Di« Reichs an st alt will also einen Druck ausüben, daß«teuergelder diesen Baugenosien- schaften zugewendet werden!(Hört! hört! links.) Wir wünschen, daß bei der Neuregelung der Hauszinssteuer«in soziales Miet- und Wohnrecht geschossen werde, das die rein formalen Bestimmungen des BGB. mit sozialem Geist durchtränkt. Es muß alles getan werden, um die Wohnungsnot zu beseitigen und den Mietern das Wohn- und Mietrccht zu erlzallen und im sozialen Sinne auszu- gestalten. Abg Domsch(Dnat.): Die ländlichen Siedlungen sind noch drei bis fünf Jahren schon so reparaturbedürftig, daß der Siedler seines Lebens nicht froh wird. Nur eine rentable Landwirtschaft kann gesunde Siedlungen hervorbringen. Abg Winnefeld(D. Bv.): Die Wohnungszwangswirtschaft muß weiter gelockert werden. Die letzte Erweiterung des Kündigung?-- rechtes hat nicht die schlimmen Wirkungen gehabt, die die Mieter- verbände prophezeit haben. Die Neubauwohnungen in Berlin tperden unter schamlosem Wucher vermietet. Wir sind ober gegen den sozialdemokratischen Antrag, auch di« Neubauwohnungen der Zwangswirtschaft zu unterstellen. Reichsarbeitsministcr wissell: Die Regierung ist eifrig bemüht. in Verbindung mit den beteiligten Länderregierunzen der not« leidenden Bevölkerung des Emslandes zu helfen und vor allem die Siedlungstätigkeit dort zu fördern. Das Hcimstattcuaesetz kann in zwei Monaten vorgelegt werden. Abg. Düll(Dem.): Wir sind gegen weitere Lockerung des Mieterschutzes. In Berlin wird»tioerhältnismähig teuer gebaut� aber der Staat baut auch nicht billiger. Abg. Iörnssen(Wp.) hält eine lange Red« gegen genossenlchaft- lichen Siedlungsbau, Mieterschutz und Wohnungszwangswirtschaft. Reichsarbeitsminister wissell wiederholt seine Erklöryngaus dem Ausschuß, daß die Regierung eine Aushebung der I Wohnungszwangswirlschast nicht in Aussicht nehmen könne. Abg. höllcin(Konmi.) beantragt Schluß der Sitzung, da der größte Teil seiner Fraktion anderweitige Berpflichwngen zu erfüllen habe.(Heiterkeit.) Präsident Löbe stellt die Unterstützungsfrage. Es erheben sich die notwendigen 30 Abgeordneten. Die Kommunisten bezweifeln die Beschlußfähigkeit des Hauses, Präsident Löbe stellt die Beschlußunfähigreit fest und schließt gegen 6 Uhr die Sitzung. Weiterberatung Donnerstag 2 Uhr. Saut-vlsiedkrsm Jetzt ist es Zell, Sommersprosien, Leberflecke, gelbe Flecke Im Gesicht und an den Händen zu beseitigen durch Bleichen mit ILlorolrrai», Tube 1 Ml. und Kloroseitd ä Stück 60 Pf. Unschädlich und seit Jahren bewährt. 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Unbilden der Witterung all« Angriff«, deneg fit u» -bin d'a Aarbtnwagen t* Stete G.£., Bochum, teilt uns mit: Meine lungenkranke Pflegetochter hat auf mein« Empfehlung hin Ihren Nymphosan- Sirup versucht, der Erfolg war bisher über Erwarten. Der Appetit nahm sofort zu, der Nachtschweiß hörte aus, ebenso der Brechreiz, und der Lüste» ließ»ach. Jeder staunt über ihren Appetit, den wir auf de» Gebrauch Ihres Nymphosan-Sirups zurückführe». Preis der Flasche Nymphosa« Ml. 3.50, Perubonbons 80 Pfg.— Erhältlich in allen Apotheken, bestimmt Belle-Alliance-Apolheke zum weiße» Lirfch— Wittes Apotheke(Potsdamer Straß«)— Apotheke zum gold. Lirfch(Li»de»str.)— Apotheke zum König Salomon(Charlottenstr.) und Prinzeß-Viktoria-Apothek«(Berlin N, Boltastr. 26)— Nadlauers Kronen-Apotheke(Berlin W, Friedrichstr. 160)-» Alleinherst.: Nymphosa» A.G. Starnberg am See bei München.(1t07) Vekksukiei! Z-K'/« Uhr! Vom 1. Mai ms 4. 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Frau Lmma Quhl nach schweren Leide» am 2».«prU serschiedrn ist Zn lilier Trauer? ttarl trudl und SZ»d«m Sie Einäscherung findet Freitaa, den 3. Mai. mittag« 12 Uhr, im stremaiannin Serichistratz» statt Unsere« lieben stallegen kielilsll liZlllös dl» herzlichste» Eitickmllnsch« zu feinem 23 jährige» Dar- daadssubtläum wi Deutschen Wertmetfter.Berdmrb. l. Mal lkft4- l. Mai lSZS. HeMv Velwcklel-W ml pstk Hier übt Eine Tinzerfn diu„Sterbenden Schwan* l -Ach Quats. Puiibna gegen rmplinäücde fitiSa unä PußschweiB. Schachtel(Z Bäder; SO Pfg.,«ihältiich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keilltz Enniuscstüngen erleben wollen, verlangen Sie ausdrUcklleb das echte Lebewohl in Blechdosen und weisen andere, angeblich.ebenso gute" Mirtel rurdek. Mittwoch 4. Mal 1929 Unterhaltung und ÄNissen Beilage des Vorwärts „S}ie W&cM am i.wiaiims i. .Morgen, wenn ich von der Arbelt komm«, barfst' mit, mein Simg'," sagt der Vater und schiebt dem dreizehnjährigen chana«in Zeitungsblatt zu. Der Knabe nimmt es auf, seine Augen eilen über den Aufruf hin: 1. Mal— Weltfeiertag— Befreiung der Völker— gleiches Wahlrecht~ auch den Frauen— gegen Brot, und Fleisch- wucher— Sozialismus. Hans wird unruhig vor freudiger Erregung: morgen darf er zum ersten Male neben seinem Vater im Moizug mitgehen. Er weiß, doh dies« Aufforderung ein« besondere Auszeichnung,«in« Belobigung ist: und fast erschrocken vor Freud« fragt er:„Darf ich wirklich mit, Vater?' Und der strenge wortkarg« Mann sieht den Sohn mit einem warmen Schimmer in den graublauen Augen on. ,Lo, mein Jung' du kannst mit. Freust dich? Aber vorwärts, mache jetzt dein« Aufgaben.' Da beugt sich der Knabe wieder über sein Schulheft, und wie er in anstrengendem Denken sich Müht, eine mathematisch« Formel zu errechnen, spürt er deutlich, wie der Blick des Vaters auf ihn ruht... Di« Gedanken des Knaben schweifen von der Schularbeit weg: plötzlich geht er wieder wie am Weihnachtstag«»eben ihm durch verschneite Felder und er hört seine eindringlichen Wort«. Der Vater spricht davon, dah er, sein Sohn, lernen müsse, damit er ein- mal die Waffen habe im Kampf ums Recht: dos Recht auf den Besitz des Werkzeugs, der Maschinen und ihrer Produktionskrast, die der Kopitalismus dem Arbeiter entrisien hat: daß man nicht Sklave werden dürfe im Geist, weil die Klasse uns enteignet Hab«: dah man keinem Höhergestellten schmeicheln dürfe und zu seinen Arbeitsbrüdern, zu seiner Klasie halten müsse durch Böse und Gut... „tzalloT, ruft der Vater,„da träumt einer schon wieder!' Hans blickt von seinem Heft auf und sieht, wie der Vater sich vom Tisch erhebt und die Zeitung zusammenfaltet. II. Am nächsten Tag, dem L Mai, wartet Hans auf den Dater vor der Baumwollspinnerei. Kurz nach sechs Uhr kommen die Leute aus dem Fabriktor: ein kleiner Trupp marschiert nach der Kronen- wiese, wo Gruppen aus anderen Betrieben zu ihnen stoßen. Hier, am Rand« der Stadt, formiert sich der Zug, um durch die Haupt- ftraß«, über den Marktplatz noch dem Bahnhof zu marschieren, wo ein Redner aus der nahen Hauptstadt sprechen wird. Während die Männer noch wartend beisammen stehen— die roten Fahnen und die Kapelle sind schon vollzählig—, hört Hans, wie einer zum Vater sagt:„Glaubst du, Genosse, dein Aeltester da erlebt noch, dah am 1. Mai überhaupt nicht gearbeitet wird Dann brauchen sie nicht mehr, wie wir, erst nach Feierabend in ihrer dreckigen Arbeitsklust den Festtag des Proletariats zu feiern.' Inzwischen ordnen sich die Umstehenden zu»vi«r und vier, und der Zug setzt sich in Bewegung. Hon, geht am rechten Flügel neben dem Pater, gleich in der zweiten Reih« hinter der Musik. Wie der klein« Zug— etwa 100 Männer und Frauen— in die Nähe des Marttplähef kommt, erschallt aus den Kehlen der Marschierenden, unter der hellen Weit« des blauen Frühsommer« Himmel«, da« trotzig-hofsnungsstark« Lied: Nicht fürchten wir den Feind, nicht die Gefahren oll' Der Bahn, der kühnen, folgen wird, die uns geführt Lasialle. An den offenen Fenstern erscheinen die behäbigen Gesichter der Bürgersfrauen und-töchler. unter den Ladentüren ihrer kleinen Geschäfte gaffen dl« Kaufleut«. die sich als Elite des Städtchens vor- kommen; und nor dem Gasthaus„Zur glodenen Traube' steht breit- spurig der sette Wirt in weiher Metzgerschürz«. Sein rotes, auf- gedunsene« Gesicht verzieht sich zu einer höhnischen Grimasse, wie «r der Vorüberziehenden ansichtig wird. Hans, der dem Wirtshaus am nächsten marschiert, sagt etwas über den grinsenden Krähwinkel-Falstaff zum Dater. Der lächelt: „Er ärgert sich. Jung', daß wir unseren Lohn nicht bei ihm lassen: er soll von den Honoratioren fett werden.' Und wieder stimmt Hans in den Refrain«in:„Der Bahn, der kühnen...' Aber der vor Begeisterung glühend« Knabe ohnt nicht, daß In denselben Minuten— da er mit strahlenden Augen, im Zuge der Männer singend marschiert— hinter dem Fenster der„Goldenen Traube' sein Klassenlehrer am Stammtisch sitzt und— o Schreck I— Hans 0., Schüler der höchsten Lehranstalt der Stadt, mit dem „Gesindel' marschieren sieht. Das pergamentfarbig« Gesicht Professor Emil Ehrets wird noch gelber vor Haß. und sein Adomsopiel hüpft vor Erregung an dem knochigen faltigen Hals eilig aus und ab. Di« Gehässigkeit, die den jugendfelndlichen Schulmeister zügellos packt, ist so groß, dah er die Finger incinanderkrallt und vor sich hinschimpst:„Empörende Frechheit dieses Flegels, dieses Lausejungensl Ganz zu trauen war dem Burschen ni«: zu„fasten' war er auch nicht. Aber die Obftinatheit stand aus seinem Gesicht. Ha!— er wird es„gut' bei mir haben! Es soll ihm trefflich ergehen!" Ein böses Lachen hängt in seinen zerknitterten, eingefallenen Mundmlnkeln, wie er die fetten Spieher auffordert:„Erheben wir uns, meine Herren, aus Protest und stimmen wir an zur Ehr« des Vaterlandes und als einzige Antwort auf die internationalen Per- rätcr da draußen:„Es braust ein Ruf wie Donncrhall... Emma — zuerst noch ein Bier!' Di« Männer heben verlegen ihr« schweren Bäuche vom Bier- tisch auf: und durch das dumpfe, dunkle, verräucherte Lokal klingt heißer und grölend der Gesang der„Patrioten'. III. Zwanzig Jahre später. Hans sitzt in seinem einsamen Grohstadtzimmer. und am Von- abend des 1. Mai erinnert er sich, daß er einmal in der Schule hängenblieb. Da sagte der Vater kurzweg:„Wenn du etwas laugst, wirst du auch ohne Abgangszeugnis weiter kommen. Ich arbeite nicht, damit dir dir den Luxus von Fabrikaniensöhnen leistest und sitzen bleibst. Du verläßt die Schule.' trotzigem Gekränktsein widersprach Hans nicht. Eine Woche später war er Lehrling in einem Geschäft. Wie weit ist der Weg von damals bis heute,— überlegt der zum Mann Gereifte. Und die Jahre der Entbehrung, des Lernens, der schlaflosen Nachte über Büchern, der Abende in Volkshochschulen, spater auf Universitäten: und die Tage. Wochen, Monate, da der Magen böse knurrte: sie alle werde» lebendig in dieser Stunde... Wenn der Dater noch lebte und hätte sehen können, daß der Sohn auch ohne Abgangszeugnis etryas gelern't hat: wenn er hLlie erleben können, dah die Prophezeiung jcneS' Genosten vor zwanzig Iahren auf der Kronenwiese über alle. Erwartung groß in Erfüllung gegangen ist: der 1. Mai als wirklicher Feiertag des Proletariats. Eines Proletariats, das sich seiner Macht bewußt wurde und nicht mehr drittrangig« Menschen wie im alten Klassenstaat, sondern gleichberechtigt« Staätsbürger in einer Republik sind. Was mag aus dem sungcndfeindlichen Profestor geworden sein? — überlegt Hans. Im Krieg war Ehret auch nicht, davor bewahrt? ihn sein« schief« Schulter. Wieviel Jungen« mag er die Schule zur Hölle und da» Leb«? zu einer säst untragbaren Last gemacht hoben? Welch«ive Folter war der Unterricht bei ihm nach jenem Mall Er verwirrte mich durch seine hämischest. Anspielungen, legt« mich hinein durch die Unklarheit seiner Fragen. Und als Ich«inwal sagte, dah er mich ungerecht behandle, bekam er einen Wutanfall und schrie. daß ich aus der Schule geworfen würde: aber er war zu feig, etwas Eindeutiges zu unternehmen und zog den kalten Mord des Sitzen- bleibens vor... Da hebt Hans den Kopf und der Blick fällt auf dos Bild seines Dater«, das seit Jahren vor ihm aus dem Arbeitstisch steht. In der Stille der Nacht und in der Hingegebenheit an die plötzlich erwacht« Vergangenheit, scheint es dem Einsamen, als ob die Augen des Daters unter der breiten zerfurchten Stirn und der trotzige Mund in dem fchmalwangigen. von Sorgen ausgehöhlten Gesicht, lebendig würden und zu ihm sagten: Was ist die größte Macht eines Lehrers gegen die Kräfte des Daseins, die den Knaben zum Manne werden losten? Bleib« ein Kämpfer für dl« Sache der Freiheit, und jede Entbehrung, die du erträgst, ist ein Unterpfand für die Zukunft, die uns gehört. Bergiß ob de« Weges, wie mühevoll er auch sein mag. nie dos große Ziel: denk» daran, daß wir sür euch gekämpft hoben, unerschütterlich durch Gut und Böse, um der Gemeinschaft aller Werktätigen willen. Kurt Offenburg. SEum 10. Todestage Quiiav Jßmidaners Es gibt Märtyrer aus Schicksal und Märtyrer aus Zufall. Bei den einen Ist ihr ganzes Leben darauf angelegt, daß sie es, wenn die Stund« da ist, mit Leid und Tod besiegeln müssen: der Tod ist die selbstverständliche Krönung. Die anderen werden von der Stund« überrascht, die sie nicht suchten. Bei Gustav Landauer finden wir ein« merkwürdige Verdln- dung: er ist ursprünglich durchaus Literat und hat In der Zeit, als er sein« Zeitschrift e r So z i a l i st' herausgab, jene« Märtyrertum der einsamen Revolutionäre erlitten, das seiner Lebensaufgabe und feinem Schicksal entsprach. Er war ein Mensch, der ganz vom Geistigen herkam und eigentlich gar nicht zum politischen Führer geboren war. Er befaßt« sich mit den höchsten Geistern, mit Shakespeare. Meister Eckehart. Hölderlin, hielt in Kreisen des Berliner Westens darüber Vorträge, lebt« ganz in dieser Welt— so sehr, dah er einmal in München m heißester Zeit als Volkskommissar in einem großen Saal« einen Vortrag über die tiefsten Probleme hielt, ohne zu merken, daß noch kein Dutzend junger Leute da war. Freilich bewegt« ihn die Frag« der Neu» gestaltung des gesamten Lebens so unmittelbar, so rein, so leiden« schaftlich, daß er sich auch hier seine Stoffe sucht«: außer der Zeit. schrist sein berühmt gewordener„Aufruf zum S o z i a l t«- Mus' und dann seine auf fleißigster Arbeit beruhend« Sanrmlung »on Briefen aus der Französischen Revolution. Dieses Suchen nach Neugestaltung auch in wirtschastllchc» Dingen entsprang nicht irgendwelcher Neugier oder Sensationslust, wie st« bei„Intellektuellen' vorkommen mag. Es war ja alles erlebt: durch bitter« Notzeiten mußt« Landauer selbst hindurch: und wenn es ihm bester ging, dann empfand er, wie er es einmal ganz kraß ausspricht:„Ich kann c« nicht ertragen, daß ich mkr den Magen voll- schlag«, während andere hungern.' Landauer will den Weg wieder zurückdahnen zur Natur, zur Nrsprünglichkeit, dte dem Menschen von heute verloren gegangen ist. Walt W h i t m a u, der amerikanische Naturdichter, B« r g s o n, der französisch« Philosoph des„Elan vital'(der ursprünglichen Lebens- kraft), lagen ihm nahe. Er ruft:„Nur die Erde müssen wir wieder- haben: die Gemeinde des Sozialismus muß die Erde neu aufteilen. Die Erde ist niemandem Eigentum. Die Erde fei herrenlos: dann nur stich die Menschen frei.' Wohl war Landauer schon vor dem Kriege ins Gefängnis g«. warfen worden, weil er sich in allzu idealistischer Weise über die Anarchistenattentate in Spanien und Frankreich äußerte, und später, well er sür einen zum Tode Verurteilten, dessen Fall er nicht genau kannte, eintrat, und zwar unter heftigen Anklagen gegen die Richter. Da« erstemal erhielt er elf Monate, das zweitemal sechs Monate. Aber man darf sagen: das waren Unglücksfälle, Unvorsichtigkeiten, di« organisch mit seiner durchaus geistigen Aufgabe nicht verbunden waren. Dann aber kam es ander«. Im einsamen K r u m b a ch in Schwaben oerlebt« Landauer arbeitend die letzten Kriegszeiten. Da kam die Revolution, und Kurt E i s n e r holte ihn als Kultusminister nach München. Man nannte das„Volksbeaustragter für Volks- aufklärung' Landauer geht energisch vor und schreibt am 12. April 1Ö19 einen Erlaß an sein« Beamten, in dem er die Ministerial« bureaukrati« abbauen will und von jedem einzelnen bedingungslos« Unterwerfung unser seine Maßnahmen verlangt. Es heißt da unter anderem:„Zu«wer solchen Durchführung und Umgestaltung an Haupt und Gliedern ist der Weg der parlamentarischen Gesetzgebung undenkbar: darum sind wir in einer Revolution: ihr sind wir es schuldig, da di« Menschheit von Zeit zu Zeit einen Ruck braucht. revolutionär zu handeln.' Als dann die Machthaber ihm zu viel« Fehler machten, gibt er fein Amt auf. Er stellt sich zwar der nun folgenden kommunistischen Regierung in Bayern zur Verfügung, wird aber nicht verwendet. Trotz des Rates seiner Freund«, und obwohl er selbst schwankt, flieht er nicht vor den heranziehenden Reichewehr- truppen, wird verhaftet und am 2. Mai elend, angeschosten. zu. sammeugehauen, wahrscheinlich zertrete». §. s-ukup- Der erste Mm. Ach, Proletarier/ Arbeiter/ öer Menschheit Pfeiler, Hab Siefen Tag im Jahr sür mich ernannt, Trotz Päpsten, Lullen, Königen unö Kai ern, Als Klammenmal ihn See Historie eingebrannt. Ich Hab' es von Paris in Kontinente fünf gerufen, Wie eine Lora brüllt ich's über Wellenmeere, Sie rote Kacke! fchleuöernö in Kabrik unö Grube, Ich schrie'S, Somit im KelS, auf Kelöern man es höre: Jetzt leget lahm öie Raöer unö verloscht Sie Keuer, Sie Künste ballt unö lastt uns vorwärts schauen, Sin Tag öer Ruhe, hetl'ger erster Mai ist heute, ?ur Kahne, Arbeitsleute, Männer, Krauen! Unö hunöerttausenö unö Millionen sich erhoben, Man sah öie roten Banner über ihnen weh'n, Sie reichten sich öie harten hänöe über Meere, Das Lieö öer Arbeit tönte jubelvoll unö schön... Ich, Proletarier, Arbeiter unö Ächöpfer neuer Jetten, Im Bchweist öeS Angesichts bau ich ein Söen frei- Auf meinen Knochen- unö geleimt mit meinem Blute- Blüht dort einst auch öer Menschheit grosier Mail (Uebersetzt von J. ReiSmaan/ Prag.) Für uns Sozialisten bedeutet Landauer noch eine besondkre Frage und einen besonderen Stachel. Wir wissen, dah er in seinem „Aufruf zum Sozialismus' den„Marxismus' sehr scharf bekämpft und auch von bürgerlicher Seit« oft triumphierend als der beste Widerleger des Marxismus zitiert wird. Darum auch die Worte in seiner Rede vom 6. April 1919:„Hat die SPD. nicht in der Tat eüv» Ianuslopf? Ist es nicht so, daß jeder kühne Mann des Geistes zu ihr hingezogen wird als der Vertreterin des Sozialismus, der Gerechtigkeit, von ihr abgestoßen wird als einer Kirche der Unfreiheit, der Bureautratie und des militärischen Geistes...7' Kurz vorher. am 28. Januar, schreibt er in einem Briefe:„Alle sehen sie vor Marxismus keine Wirklichkeiten mehr.' Es war Landauer« Tragik: er sah selbst nicht, daß auch iwr stu zielen Leben organische Gesetze gelten und nicht nur renv- lutionäre Vulkancusbrüche. Das est doch das Wesentliche, o» der Botschajt von Karl Marx: daß in breiter Front dte erwachende Arbeiterschaft ihrer Stunde wartet, die nach dem Gesetz der Eist- wickluNg kommt, aber auch zugleich durch Erkenntnis, Opferbereit� fchaft und Einsatz daran schafft, daß die Stund« sie nicht unvvr- bereitet findet, sondern dann mit dem entscheidenden Sinn und der wirklichen Wandlung der Derhältniste«rfüM wird. Hans Hartmann. Qujlat Xandauers ffirlefe Gustav Landauer: Sein Lebensgang in Briefen. Zwei Bände im Derlag Rütten und Loening, Frankfurt a. M. 459 und 440 S. Preis geh. 11,50 M., geb. 16 M. Wer Gustav Landauers Werk kennt, der weiß, daß sein« Aus- fastungen vom Sozialismus und vom Kampf der Arbeiierschaft in vielfacher Hinsicht von unserer Einstellung abwichen und daß es nicht seine Art war, sich in eine Massenbewegung einzufügen und einzugliedern. Trotzdem wird jeder, der nicht engherzig ist, zugeben, daß uns sein„Aufruf zum Sozialismus' und manch« der anderen Schriften viele» geben können. Man möchte diese Töne in der großen Sinfonie des Sozialismus nicht misten, und man möchte noch weniger den Menschen Landauer entbehren, der sich uns in seinen jetzt erschienenen Briefen so wunderbar dokumentiert. Martin B u b c r, der langjährig« Freund Landauers, hat in zwei stalllichen Bänden annähernd 600 Briefe zusammengestellt, die sich über mehr als 20 Jahre, also über den entscheidenden Lebens- abschnill Gustav Landauers, erstrecken. Bon seiner Jugend, seiner ersten Berührung mit sozialistischen Ideen bi» zu seinem grausamen Tod« können wir die menschliche und geistige Entwicklung diese- Mannes in einer fast einzigartigen Weife verfolgen. Gustav Landauer fühlte sich Zeit seines Lebens in der Mast« einsam, war nur mit wenigen Menschen eng verbunden. Halle er aber einmal einen Menschen gefunden, von dem er wirkliches Ver» stehen erwartete, so wurde er nicht müde, sich mit ihm in langen Briefen auszusprechen, bis restloses Berstehen erreicht war. Diese Briese behandeln viele Fragen, die uns noch heute interessieren (z. B. dte Geschichte der Berliner Volksbühne, die Wirkung des Welt- krieges auf die geistigen Führer, die Geschehniste der Revolution-» monat«) und sie sind vielfach an bekonnte Persönlichkeiten gerichtet: so an Fritz Mauthncr, Martin B u b e r. Richard D c h m e l, Erich Mühsam, Siegfried Jacobsohn, um nur einige zu nennen. Aber dos scheint mir. so interessant es ist, nicht das Entscheidend«. Das Wesentliche an Landauer und an seinen Briefen ist das Bild eines wahrhaft großen, niemals fertigen, allem geösfneten. ewig wellerstrebenden Manschen, der noch wenige Tag« vor seinem Tobe. ein fast Fünfzigjähriger, von sich schreiben konnte, daß er ünmer noch„in der Vorbereitung sei'. Diesen Entwickl'mgsgang eines solchen Manne« durch zwei Jahrzehnt« in diesen Dokumenten innerster Wahrhastigtell— von denen die schönsten die Brief« on seine Frau Hedwig Lachmmm und an seine Tochter sind— Schritt für Schritt nacherleben zu können, das ist ein Glück und im wahrsten Sinne des Worte« ein Erlebnis, wie es uns mir ganz selten zuteil wird. Mögen wir gewiß mll manchem seiner Urteile, mit vielen seiner theoretischen Ileberlegungen ganz und gar nicht ein- oerstanden sein: e» kommt darauf nicht an. Au« jeder Zeile spricht hier zu un« ein Mensch, glühend von Liebe zu den Menschen, glühend von Eifer zu reinster Eelbstgestalhing, glühend vom Willen zum Soziavsvn».' Walter Fabian. gtuai Sims: Tolksverfammlung in Xondon ffiamfay Ttlacdonald fprichl... Di« vieltausendstimmige Symphonie des Verkehrs braust um die Ohren, wahrend mich der Omnibus nach Marbl« Arch bringt. Samstagnachmittag— da sonnen sich Männer, Frauen und Kinder aus den grünen Rasenflächen des Hydcparks oder ruhen aus in dem Schatten der alten, hohen Bäume. Wir rollen weiter über den Asphalt menschenerfüllter Straßen. Waterloo-Station. Gedränge vor den Schaltern. Die Londoner fähren jetzt hinaus aus der staubigen Eng« der Großstadt. Dorthin, wo kein Rauch den blauen Himmel schwärzt. Aufs Land, in die Sonne— zum Weekend. Ich stehe im Gang eines Vorortzuges, gegen die Körper zweier Arbeiter gepreßt. Wir haben das gleiche Ziel. Wir streben der Peripherie der englischen Hauptstadt zu. Nicht alle Proletarier zogen an diesem Samstag in die Natur. In diesen Stunden saßen und standen klassenbewußt« Arbeiter in überfüllten Zügen. Zeh» taufende fuhren zum Fest der Labour Party. Der Zug hält auf der High-Level-Station. Eine kurz« Strecke Wegs, und vor mir liegt ein riesiger Kuppelbau, umgeben von Spielplätzen und herrlichen Anlagen— der Crystal-Palac«, der frühe? einmal einer Weltausstellung diente. Auf breiten, gepflegten Kieswegen, an Springbrunnen vorüber, deren Wasser im Licht der Mittagssonne schillern. Dort breitet sich der Football Ground. Jugend beim Bollspiel. Nicht weit davon ein zweiter großer Platz mit den Laufbahnen für die Leichtathleten. Arbeiterkinder, Jugend- liche und selbst die Parteiveteranen messen hier ihre Kräfte im Sport. Ich schlendere weiter nach einem Wiesenplan, auf dem sich die Kleinsten tummeln. Jauchzen erfüllt die Lust, denn hier ist es schöner als auf den dunNcn Höfen des Eastends. Es ist inzwischen drei Uhr geworden. Jetzt schwingen sich Burschen und Mädels zwischen den Bäumen des Parts auf einer großen Tanzfläche nach allen Weifen in Volkstänzen, und«ine Stunde später kommen auch die Liebhaber moderner Tänze auf ihr« .Kosten. Ein Jazzband konzertiert. Besiy, mein« kleine Freundin, die mich hier erwartete, kneift mich in den Arm, und dann wiegen auch wir im englischen Walzer. Die Sonne prallt weiß durch die gläsernen Wände des riesigen Palastes. Wir haben auf der Terrosie beim Tee gesessen und treten mm in die Halle, in der ein Orchester spielt. Vertraut« Klänge. Das Programm bringt viele Werke deutscher Komponisten..Lieder ohne Worte" von Mendelssohn, die Ouvertüre zu„Dichter und Bauer" von Suppt und„Schlummerlied" von Schumann, um nur einige Stücke zu nennen. Der gewaltige Saal faßt Zehntausende. Don den Sportplätzen strömen die Menschen herbei. Bald sind die Stuhlreihen besetzt. Gemeinsamer Gesang:„Glory! Glory! Hallelujahl" dröhnt mir der Refrain in den Ohren, und ich merke, daß ich unter den Sozialisten Englands bin. Immer wieder intoniert die Kapelle schöne, alte Volkslieder.„Englsnrl Arise! the long, long night is Over" rauscht es durch den weiten Raum. Di« Gespräche verstummen. Ben Turner, der Präsident des Gewerkschaftskongresses, betritt die Rednertribüne und fesielt die Masien durch feine Aueführungen. Ihm folgen Unterhausabgeordnete der Labour Party, Margaret Bondfield, Herbert Morifson und George Lansbury. Der Samen des Sozialismus wird in den Ackerboden offener, begeisterter Herzen gestreut. Ein Freiheitschor.„Eilt up the peoples danner.. Zehn- tausende stimmen ein. Hißt des Volkes Banner! Da singt der kleine Clerk, aus dem Geschäftshaus in der Fleet Street, der Schiffer, der noch vor Stunden unter der Tower Bridge kreuzte, der Dockarbeiter mit seinen harten, verarbeiteten Händen, die Männer von Drehbank und Schraubstock, der jüdische Händler aus Whitechapel, die Mädels aus den Fabriken, die Arbeitermütter. Alle singen.— Stürmisches Händeklatschen. Jetzt blicken alle nach dem Mann«, der das Podium besteigt. Der Redner beginnt. Es wird totenstille. Augen glühen. Mienen werden gespannt. Ein markanter Kopf. Weißes Haar liegt um seine Schläfen. Aber er ist kein alter Mann. Seine schlanke Gestalt ist gestrafft. Sein« Rede sprüht Feuer. Ein Meister der Rhetorik. Er spricht von den Tagesfragen der Politik, von kommenden Kämpfen. Es gilt, in den nächsten Wahlen die Regierung des Landeck wieder in die Hände der Arbeiter zu be- kommen. Beifall unterbricht oft seine temperamentvolle Rede. Kommunisten widersprechen. Sie stören durch immer neue Zurufe, bis sie— ganz wie bei uns— von den Saalordnern am Kragen gefaßt und ihnen die Tür gewiesen wird. Macdonald tut den Zwischenfall mst einer erheiternden Bemerkung ab. Wenige Wort« genügen, und er fasziniert wieder die Menschen, die ihm lauschen. Außenpolitik. Cr spricht von der Freundschaft zu den Deutschen, für den Frieden der Völker. Ein Orkan der Begeisterung und der Beifall will kein Ende nehmen, als er das letzt« Wort gesprochen. Die Londoner Arbeiterschaft liebt ihren greisen Führer. Sie verehrt Ramsay Macdonold, den Volks- und Staatsmann. Die Inter- nationale wird gesungen. Mitgerissen stimme ich ei�:„E'Inter- nationale unites the human" racel" Besiy, die kleine Fabrikarbeiterin aus dem düsteren Eastend, führt mich hinaus auf die Terrasi«. Ein wundervolles Schauspiel! Nacht hüllt den Crystol Palace ein, in dem das Proletariat ein Fest feiert. Und unter uns dehnt sich London. Mit feurigen Pinsel- strichen malt die Riesenstadt ihre Lichter an den nächtlichen Himmel. Ein unvergeßlicher Anblick. Nächtliche Stadt der Arbeit. Stadt eines nie endenden Lebens. Besiy erzählt mir vom harten Werktag, von den Sehnsüchten, die in der proletarischen Frau wohnen. Wir reden vom Soziasisnms, von woHver KU�leMBt Ml«dsm neuen Menschentum. Unsere Herzen waren ausgeschlosien. Ich drücke Besiy die Hand und dankte damit den Londoner Arbeitern für die Weihestunden dieses Tages. Noch nie hatte ich mit solcher Intensität empfunden. wie stark der Glaube an den Sozialismus die Menschen eint. Auf der Freitreppe des Londoner Crystal Palace fühlte ich: Sozio � lismus ist Bruderschaft' Jim 3>reuBens„grofler" SEeil Der große Patriot Ernst Moritz Arndt, der Dichter des Liedes „Was ist des Deutschen Vaterland", schrieb einmal über Friedrich den Großen:„Gerechtigkeit, milde Schonung des Menschen« geschlechts, zarte Behandlung des Nationalsinns sucht der menschliche Forscher in den herkulischen Arbeiten de» großen Königs vergebens. Der strengste Eigensinn, der wildeste Despotismus, das erbarmungs- losest« Zertreten der zarten Keime der menschlichsten Gefühle ist allenthalben... Der Ruhm seines Namens, der auf alle zurückfiel, lieh oft vergessen, daß nian in einem angespannten knechtischen und atemlosen Zustande war. Wann sind die unglücklichen Menschen nicht durch Schein« und Klänge betört?" Es hat aber doch auch zu Friedrichs des Großen Zeit Männer, sogar unter den Offizieren seines Heeres, gegeben, die sich vor dem verheerenden friderizianifchen Einfluß zu schützen versuchten. Ein Bericht meldet z. B. von einem Rittmeister, dem einmal die Galle überlief. Der König hatte im Zorn dem Pferde des Rittmeisters mit dem Krückstock über den Kopf geschlagen. Vielleicht war es eines der hochrassigen Pferde, bei denen Pferdefreunde und gute Pferdeknechte derartiges vermeiden: jedenfalls stieg der Rittmeister ab, zog die Pistole und erschoß— nicht den König, aber das Pferd. Friedrich der Große soll verstanden und dem Rittmeister ein neues Pferd bezahlt haben. Aber Pferde waren damals verhällnismäßig billig. Es wird von keinem Offizier gemeldet, der es gewagt hätte, für sein« Unter- gebenen ebensoviel Ehrgefühl zu empfinden wie dieser Rittmeister für sein Pferd. Die Soldaten Friedrichs des Großen wurden im königlichen Dienste viel grausamer geprügelt als dieses Tier. Der geringste Anlaß genügte. Es würde einfach zu teuer ge- worden fein, wenn«hrliebende Rittmeister jedem vom König oder von seinen„prügelsüchtigen Iünkerlins" entehrten preußischen Sol- baten erschossen hätten. Friedrich Wilhelm l. hat bis zu 1300 Pfund Sterling für„lange Kerle" gezahlt, und selbst im Siebenjährigen Kriege, als der preußische Menschenhandel mit größten Umsätzen arbeitete und mit aus aller Welt zusammengeraubten Unmündigen gefüttert wurde, zahlte der große König für gewöhnliche Ware nicht unter fünfzehn Taler für das Stück. Kein Wunder also, daß der sparsame Friedrich II., trotz seines von Arndt vermißten Gerechtig- keitssinns, einen preußischen Offizier, der im Aerger einen seiner Soldaten erschoß, recht scharf tadelte, ja zur Straf« gar in ein anderes Regiment versetzte. Werner Hegemann. ModernerUlftCr gute Chevlotiiu»Iit&t....... 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Wenn in den Vereinigten Staaten eine eigene Finan,zicrungs- und Dachgesellschaft für die amerikanischen Interessen des Trusts gegründet wird, deren Vermögen auf Sl> Millionen Dollar, d. h. eine Viertelmilliarde Mark, angegeben wird, dann ist das ein Kapital, das auch vom amerikanischen Stand- punkt au» sehr respektabel ist. Diese Gründung, die„American I. 0. Chemical Cor p", wird ober noch wichtiger, wenn wir einen Blick aus die nntwirkenden amerikanischen Kopitalkräfte werfen. Zu den Wiibegrjindern gehört außer der I. G. Farben die Standard Oll Company von New Jersey, der größte Oelkonzern der Welt, die National City Bank, das größte Bankhaus der W e lt, und die Ford Motor Co., die neben der General Motors Corp. die größte A u t o mo b i l f i r m a der Welt ist. Es ist Nar, daß einer Gesellschaft, die derartig« kapitalkräftige Gruppen zu Freunden hat, in den Dereinigten Staaten in Zukunft niete Türen offen stehen. Man muß sich klarmachen, was das bedeutet. Man muß sich daran erinnern, daß diejenigen Gesellschaften, die heut« den I. G- Farben-Konzern bilden, zwar schon vor dem Krieg« für F a r b st o f f e in den Bereinigten Staaten wie ja auch in den meisten anderen Ländern den Markt monopolartig beherrschten und zur Verwertung ihrer Patente über eine Reche Tochtergesell- ichasten verfügten, daß jedoch durch die Beschlagnahme der Patente und den Verlust der Tochtergesellschaften in den ersten Nachkriegs- jähren von alledem nichts mehr vorhanden war. Fn der Zwischen- zeit war in den Dereinigten Staaten unter Benutzung der enteigneten Patent««in« eigene Teerfarbenindustri« aufgebaut worden, die von der amerikanischen Regierung auf viel« Weis« unter« stützt wurde. Als die I. G. Farben dann versuchte, wenigstens auf dem Gebiet hochwertiger Farbstoffe wieder in de» vereinigten Staaten Fuß zu fassen, stieß sie aus groß« Schwi«rigkellen. Da höh« Zollmauern ge- schaffen worden waren, schloß sie mit einer amerikanischen Gesellschaft einen Vertrag ab, d«r dieser die Auswertung ihrerPatent« in den Bereinigten Staaten erlaubt Dies« Firma, die Grasselli Dyestufs Corporation sGrasielli Farbengesellschaft), wurde jedoch auf Gaiitd dieser Verbindung mit dem deutschen Konzern aus dem amerikanischen Interessenverband der chemischen Industrie ausge- schlössen. Als 1927 die I. G Farben mit dem französischen Kuhlmann-Konzern einen Vertrag abschloß, wurde au? iührenden Kreisen der chemischen Industrie Amerikas ein scharfer Vropagaadakampf gegen diesen Deginn einer europäischen Farbstofftont entfesselt. Als ziemlich gleichzeitig die?. G. Forben die Kontrolle über die große norwegische Stickstostgesellschast Norsk chndro erwarb und diese Gesellschaft in Amerika eine ZO-Millwnen-Dollar-Anleibe auflegte. wurde von denselben amerikanischen Kreisen eine solche Anleihe al» für Amerika schädlich erklärt. Zweifellos ist auch gegenwärtig die Bedeutung der I. G. Farben für die Farbftoffvcrsorgunq der Vereinigten Staaten nicht sehr groß. werden doch gegenwärtig 92 Prozent des amerikanischen F a r b st a f f b e d a r f s in den Bereimgten Staaten durchEigen- Produktion gedeckt. Statt dessen hat aber die I. G.. entsprechend der sonstigen Ausdehnung ihres Interessenkreises, es v«r- flandcn. amerikanische Äapitolgrupp�n sür solche Produktionsgebiet« zu interessieren, die für die amerikanische Wirtschaft selbst von großer Be- d e u t u n g sind.. Da ist zunächst die chemische Aufbereitung von K o h l e u n d O- l. Als vor einigen Iahren bekannt wurde, daß die I. G. Forben über olle notwendigen Verfahren verfügte, um aus Kohle Ocl zu gewinnen, glaubte man, daß die Durchführung dieser Möglichkeit einen großen Komps gegen die Oelkonzerne der Weft zur Folge haben müsse. Es kam jedoch wesentlich anders. Die I. G. Farben interessierte di« beide» größten Oelgesellschasten, den englischen Shell- und den amerikanischen Standard-Oil-Konzern sür ihr Verfahren und beteiligte sie zu s« 2a Proz. an der Deutschen Gasolin A.-G. Ferner trat sse mit der Standard Oil in eine noch viel engere Beziehung durch die Tatsache, daß sie auch über ein Verfahren verfügte, Oel zu hydrieren, ein Versahren, durch das die Möglichkeit, Benzin aus Rohöl zu gewinnen, wesentlich gesteigert wird. In den Bereinigten Staaten wurde sür die Erprobung dieses Verfahrens von der Standard Oil eine Versuchsanloge geschaffen, die sich gut bewährte. Do in den Vereinigton Staaten di« Erdöloorröte infolge der enormen Pro- duktion schnell abnehmen und da eine Einschränkung der Rohöl- gewinnung. wie sie jetzt vor kurzem verwirklicht worden ist, schon feit langem geplant worden ist, so ist das große Interesse der Standard Oll an solch einem Verfahren sehr verständlich. Offenbar hat sich jedoch über diese technische Zusammenarbeit hinaus zwischen dein deutschen I. G. Farben-Konzern und der Standard Oil ein enges, vielseitiges und sehr bedeutungsvolles Zusammenarbeitsoerhällnis entwickelt. Das kommt auch in der erwähnten Mitwirkung dieses Oelkonzerns an der Amerikan I. G. Chemical Corp. zum Ausdruck. Ein anderer Anknüpfungspunkt an amerikanische Marttdedürf- nisse war die Entwicklung einer Rohfilmproduktion. Amerika ist eMsprechend seiner weltbeherrschenden Stellung in der Produktion von Spielfllmen der größte Rohfilmverbrsmcher der Erde. Die eigene RohfUmproduktion reichte in den letzten Jahren nicht aus, um den ungeheuren Bedarf zu decken, abgesehen davon. daß auf diesem Gebiet eine einzige Gesellschaft(die Eastman-Kodok- Gruppe) eine fast mnnopolartige Rolle spielte. Die I. G. organi- sierte einige slntergesellschasten, die dann mit einer amerikanischen Kamera- und Rohsilmgefellichast verschmolzen wurden. Die neue Gesellschaft, die Agfa-Ansco P h o t o p r o du ct s. ist in der Lage, insgesamt mehr als«in Drittel des gesamten Rohfilmbedorss der Bereinigten Staaten zu decken. Ein dritter Anknüpfungspunkt ist die S ti ckst o f fr o g«. Die Vereinigten Staaten haben vorläufig noch ein« v«rhältwsmSßig geringe Stickstoffproduktion und stich auch heute noch stark auf den Bezug von Chilesalpeter angewiesen. Auf diesem Gebiet hat die I. G. Farben schon seit längerer Zeit bestimmte Pläne, sie per- handelte darüber auch rcsultatlos mit dem größten amerikanischen Chemiekonzcrn Duporrt, gerüchtweise verlautet auch bereits, daß eine solche Anlage mitten im Baumwollanbaugebiet errichtet werden soll. Ein vierter Jnteressenpunkt wird vtelleicht di«.Herstellung synthetischen Kautschuks sein, ein« Erfirchung, die die Automobilindustrie der Vereinigten Staaten von dem uatürNchen Gummi unabhängig inachen würde. Bekanntlich siegen die Hauptanbau gebiete für Gummi in englischen und holländischen Hoheitsgebieten, so daß Amerika, der größte Gummireifenproduzent und daher Gummiverbraucher der Well, fast seinen gesamten Gummibedarf aus dem Aus- land einführen muß. Möglicherweise spiell diese Frage auch sür di« Beteiligung Henry Fords an der American I. G. Chemical Corp. eine Roll«..> Was min die Direktoren der I. G. Farben, Geheimrot Professor Bosch. Geheimrat Schmitz usw., aus ihren amerikanischen Be- sprechungen erreicht haben, ist erstens der c n d g ii l t i g e A b f ch l u ß des Vertrags mit derStandardOil, der die Errichtung einer großindustncllen Anlage auf Grund des I.-G.-Verfahrens vor- steht', zweitens die Gründung der„Amerikanischen I. G. C h e m i e- G e s e l l s ch a s t", die sofort ein« Anleihe von' 30 Millionen Dollar hat auflegen losten, also dem Konzern sofort rund 130 Millionen Mark Barmittel für weiteren'Ausbau zuführt. Diese Gesellschaft hat bisher Beteiligungen an der erwähnten Agfa- Ansco-Gesellfchaft fowi« an der Farbenfirma„General Anilin« Works"(Allgemeine Amlinwerke), der früheren Grasselli-Gefellschaft, erhalten. Sollte eine Stickstoffgcsellschaft gegründet«erden, so wird wahrscheinlich auch deren Aktienmehrheit bei der American I. G. liegen. Daß di« I. G. Farben- Verwaltung diese Dinge in der gleichen Zeit durchführte, wo der -Ausgang der Patisn Reparatioasverhaudlnugea ungewiß blieb, zeugt von dem starken Selbstbewußt- sein, das diesem Trust sein« nationale und internationale Macht- stellung verleiht. Zugleich kommt in diesen Ereignissen zum Aus- druck, in welchem Ausmaß die international« Kopital» Verflechtung fortschreitet.— b. Karstadt-Riese zieht Bilanz. Ltmsahsteigerung aus 300 Millionen. Unter den führenden deutschen Warenhauskonzernen hat die Karstadt A.-G. durch eine sehr aktive Machtpolitik in den letzten Jahren sehr schnell die Führung an sich gerissen. Erst kürzlich hat dieser Konzern, der seit zwei Iahren einen fast ununterbrochenen Aussaugungsprozeß mittlerer und kleinerer Warenhäuser durchführt, einen großen Fang gemacht. Der Lindemonn» Konzern, der nicht nur in Berlin, sondern auch in der Provinz einen Namen besitzt und mit einem Jahresumsatz von etwa 60 Millio» nen ein durchaus beachtenswerter Gegner auch für Karstadt war, Hot sich mit diesem vollkommen verschmolzen. Bei dem jetzt vorliegenden Abschluß für 1928 tritt diese letzt« Grvßfusion zwischen Karstadt und Lindemam, noch nicht in Erschei- nung. Trotzdem aber zeigen Bilanz wie Geschäftsbericht das Aus» sehen eines typischen Expansionsjahres. Einig« wenig« Ziffern genügen, um die sprunghafte Entwicklung dieses Warenhousriesen in den letzten Jahren zu kennzeichnen. So belief sich Umsatz.., Bruttogewinn. Reingewinn. Dividende.. 1926 1927 1928 6« NUlwneu Start) 175,0 277 fi 300,9 56,3 75,3 83.4 4V 10V 10,6 10,0 12,0 12,0 Bei der Umsatz st«igerung im letzten Jahr auf 300 Mss- lionen fällt aus, daß die Steigerung erheblich hinter der des Vor. jahres zurückbleibt. Berücksichtigt man aber die Konjunktureinstüsse besonders im zweiten Halbjahr 1928, so ist das Ergebnis dieser Umsatzsteigerung durchaus günstig zu nennen. Der ausge- wtesene Reingewinn von 10,6 Millionen wird zu knapp zwei Dritteln nur zur Dividendenzahlung verwandt, während allein 3V Millionen, also weitere sechs Prozent des dividenden- berechtigten Kapitals, in Reserve gestellt werden. Die sehr erheb- tiche Steigerung bei der Reservebildung deutet darauf hin, daß der Karstadt-Konzern mit dieser Reservepolitik einen Teil seiner sehr kostspieligen Neubauten zu finanzieren gedenkt. Daß der Karstadt-Konzern im letzten Jahre noch mitten In seinem Expansionsprogrannn steckte, zeigt einmal der Wert- z u w o ch s von 12 Mill'wnen bei den Grundstücken und von mehr als 13 Millionen bei den Gebäuden. Die Vorauszahlungen ftlr Neubauten haben sich gleichfalls um fast S Millionen und der Mo- fchinenpark um weiter« vier Millionen erhöht. Ins gesamt sind also in diesem Posten fast 37 Millionen neu investiert worden. Der Geschäftsbericht weist darauf hin, daß in den vorwiegend agrarischen Provinzen di« Kaufkraft im letzten Jahre sich sehr verringert«. An der Wassertante erschütterte der drei Monate dauernd« Werftarbeiter streik di« Wirt- schaftsbasis des Einzelhandels nicht unerheblich, während in de-a westdeutschen Bezirken die dortigen Niederlassungen durch den Ruhrkonflikt stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Wen» also trotz dieser Henpnyngen. und trotz des sehr harten Winters— Korstadt schließt sein Geschäftsjahr erst am 31. Iammr und wurde daher von der ersten Hälfte der Kältewelle noch be- troffen— die Umsätze in den reinen Detailbetrieben, ohne Berücksichtigung der Einheitspreisläden, von 231V aus 254,4 Millionen stiegen, also um fast 10 Pro.z., so ist dies unter den gegebenen Umständen als günstig zu bezeichnen. Der Ausbau der Einheitspreisläden befindet sich in guter Entwicklung.(Hfg«p Witte des Jahres hatte die Epa-Gesellschast 14 Filialen im Betrieb. Dos'Kapital dieser Gesellschafft das erst im letzten Jahr von. 0�5 auf 42 Millionen erhöht wurde, wird in diesem Iohrc voraussiaWy weiter heraufgesetzt werden müssen. Wie wir bereits mitgeteilt hoben, wurde das Kapital von Karstadt infolg« der Verschmelzung mit dem Lindemann-Konzern von 70 auf 80 Millionen erhöht, so daß Karstadt sein Kapital seit 1926 weft mehr als verdoppelt hat. Wie ssch das Geschäft in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres entwickelt hat. wird auf der Generalversammlung zur Sprache kommen. Jeden- falls wird auch nur bei einer zehnprozentigen Steigerung, wie im letzten Betriebsjahr, der Gesamtumsatz bei Karstadt im laufen- den Jahr 400 Millionen erreichen, womft die gewallige Macht dieses größte» Kopitalblocks im Warenhausgeschäft gekennzeichnet ist. 7% Matmesmann-Olvideude. Erhöhter Auftragsbestand. Die Mannesmann-Röhrenwerke werden nach dem Beschluß der gestrigen Aufsichtsrotssitzung ein« Dividende»»»? gegen 8 Proz. im Vorjahre aus das Stammkopftal von rund 140 Millionen ausschütten. Der Rohgewinn ist gegcirwer dem Vorjahre von 3ZV auf 35V Millionen gestiegen. Neben erhöhten Unkosten und Zinsen wurden die Abschreibungen auf die Werksanlagen allein um 1,4 Mil- lionen auf fast 9 Millionen heraufgeschraubt, so daß ssch allein hierdurch schon der Rückgang des ansgewiesenen Reingewinnes größten- teils erklärt. Die umfassenden Neubauten in Huckingen hoben sich in chrer Fertigstellung durch die Arbeitsunterbrechung im November 1928 mn etwa vier Monate verzögert. Die wichtigsten An- lagen konnncn jedoch dieser Tage in Betrieb. Die Endabrechnung des Ncubauprogramms liegt noch nicht vor, doch ist die Verwallung überzeugt, daß sie trotz der zweijährigen Bauzeit den Voranschlag nur um 10 Proz. überschreiten wird. Stark beeinflußt wurde der Betrieb durch die Frosiperiode, da in dieser Zeit sämtliche Rohrlegungsarbeiten eingestellt werden muhten. Der Auftragsbestand i st jedoch jetzt höher als in der entsprechenden Zeit des Borjahres. Wir kommen auf diesen letzten Abschluß der Schwerindustrie aus dem Jahr« 1928 nach Beröffenttichung des Geschäftsberichtes noch zurück. ' Tiefpunkt der Konjunktur erreicht? Dresdner Bant über die Wirtschaftslage. Die Frage, ob zurzell der Tiefftand der Konjunktur erreicht ist, wird von der Dresdner Bank in ihrem jetzt veröffentlichten Monats- bericht behandelt. Schon Anfang des Jahres sei die Vermutung ausgesprochen, daß der Tiefstand des Konjunkturrück- ganges in absehbarer Zeit erreicht sein würde, und im Lause des Monats März war bereits deutlich eine Beclangsamung im Tempo des Konjunkturrückganges festzustellen. Allerdings war im letzten Monat die kritische Beurteilung der Wirtschaftslage durch die immer noch vorhandenen R ü ck w i r k u n- gen der abnormen Kältewelle so gut wie unmöglich, während an Hand des jetzt vorliegenden Tatsachenmaterials schon eher einwandsreie Schlußsolgerungen getroste» werden können. Der Bankbericht kommt zu dem Schluß, daß die Entwicklung hart an den Tiefpunkt herangekommen sei, womit aber noch nicht gesagt ist. daß schon in nächster Zell der neue Aus- schwung einsetzen wird. Abgesehen davon, daß die undurch- sichtige Lage auf dem Kapitalmarkt einer schnellen lieber- Windung der Depression entgegensteht, auch die Diskonterhöhung eine gewisse Hemmung für die Konjunkturentwicklung darstellt, würde auch erfahrungsgemäß bei Erreichung des Tiefpunktes der Konjunktur bis zur neuen Ausschwungsperiode dos Zwischen- st a d i u m einer mehrmonatigen Stagnation liegen. Schallplaiien im Schmelztiegel. Englisch-amerikanische Riesenprojekte. Noch englischen Meldungen rechnet die Londoner Börse mit einer in Kürze bevorstehenden Berschmelzung des großen Columbia- Grammophonkonzerns mit einer Tochtergesellschaft, der amerikanischen Victor Talling Company. Wenn di« Fusionsverhandlungen, die zurzeit in Paris laufen, zu einem positiven Ergebnis führen, so wird in der internationalen Schallplattenindustrie ein neuer Trust entstehen, der sich auf eine Macht von etwa 150 bis 160 Millionen Mark Kapital stützen- kann. Auch für die deutsche Schollplattcn- industrie kann dieses«nglisch-amerikanische Zusammengehen von weittragender Bedeutung werden. Die Berliner Lindstrvm A.-G. befindet sich zum größten Teil in den Händen des Columbia- Konzems. während der große Leipziger Polyphon-Konzern mit der Victor Talking Comp. Verbindungen unterhält. Bei Zustandekommen der Fusion würden sich also auch für L i n d st r ö m und Polyphon neue Derbindlingswege„über Kreuz" mit Amerika und England ergeben.__ Umsahen twicklung im Texlileinzelhandeft Dar Umsatz«n Textileinzelhandel belies sich nach den statistischen Erhebungen des Reichsbundes des Text ilc i itzolhcrn dols im März 1929 auf 101,7 Proz des Umsatzes von, März 1928. Schaltet man die Preisschwankungen aus, so entspricht dieses Ergebenis bei Umrechnung über den Großhandelsindex fiir Textilien einer Zunahme des Umsatzes van 0V Proz. gegenüber dem Bergleichsmanat. Da in den März 1929 das ganze Ostergefchäst fiel, bezeichnet der Reichsbund dies« Entwicklung als sehr ungünstig. Es muß jedoch betont werden, daß der März noch fast restlos unter dem Einfluß der Kältewelle stand und somit den Verkauf von Früh. johrsstchamoar« so gut wie«neräglich mochte. Kämpfe der Textilarbeiter. Klassenkampf der Textilbarone. Dos Jahr Z928 war sur hie Textilarheitertchaft reich an Kämpfen. Gegenüber einem rücksichtslosen Unternehmertum, das die bereits im Frühjahr«insetzende Krise brutal zu Lohnabbau- versuchen benutzte, galt es, die Lebenshaltung der Textilarbeiter- schast nicht nur auf dem erreichten Niveau zu halten, sondern ' die so dringend notwendige Besserung im Bereich des möglichen zu erkämpfen. Der Deutsche Tcxtilarbeiteroevband führte zu Vielem Zweck im verflossenen Jahre 299 Bewegungen zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. An diesen Bewegungen waren in 10ZS Orten und 11 892 Betrieben 1110 962 TexlUarbelker beteiligt, und Zwar 436 224 männliche und 674 738 weiblich«. Der Erfolg dieser Bewegungen war für S666S7 Textilarbeiter «ine Lohnerhöhung von insgesamt 831437,35 Mt. oder durchschnittlich 1,50 Mk. pro Woche für den einzelnen Beteiligten. Als weiteren Erfolg konnten 190197 Textilarbeiter eine 2fr» beitszeitoerkürzung von insgesamt 471 486 Stunden pro Woche buchen. Für den einzelnen Beteiligten bedeutet da» eine Ver- kürzung der Wochenarbeitszelt um 2,48 Stunden. Erreicht werden tonnten außerdem für 301 197 Textilarbeiter sonstige Berbrsscrungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Vor allem bezichen sich dies« auf die Urlaubsfrage, wo in wichtigen Bezirken nicht nur die Urlaubsdauer verlängert, sondern auch eine bessere Bezahlung des Urlaubs durchgesetzt werden konnte. Aber auch die Akkordbestimmungen haben in einigen Tarif- bezirken roesentliche Verbeffcrungen erfahren, ebenso die sonstigen Tarifbestimmungen. 2lb«r auch da, wo die Unternehmer den Lohn abzubauen versuchten, setzte ihnen der Deutsche Textllarbeiterverband erfolgreichen widerstand entgegen. So wurde für 40 508 Textilarbeiter eine Lohnkürzung von insgesamt 188 121,94 Mt. pro Woche abgewehrt. Für den einzelnen Arbeiter kommen somit durchschnittlich 4,64 Mt. pro Woche in Betracht, die ihm durch die energische Abwehr der Organisation erhalten wurden. Daß es bei diesen Auseinandersetzungen mit dem Textilarbeit- gebertum nicht immer friedlich zuging, ist selbswerständlich. So war auch das Jahr 1928 wieder reich an S t r e l t s und Aus» spsrrungen. Eine Zusammenstellung der im Jahre 1928 im Bereich des Deutschen Textilavbeiteroerbandes geführten Streits und Zlusfperrungen(maßgebend Ist der Zeitpunkt des Beginns) er- gibt folgendes Bild: Beteiligt««rfolg Zahl der Personen hatten verlorene» lneg-samt: Personen: Ärdellotag«: � 12 732 11 838 519331 , 2191 1 434 25 425 , 41 292 39 536 960810 30 Angriffsstreiks« 13 Abwehrstreikg. 11 Aussperrungen »»» Zus. 54 Streits und Aussperrungen 56 215 52 808 1 505 566 Bemerkenswert ist auch, daß 1 260 581, das ist 83,73 Proz. der verlorenen Arbeitstag«, auf da» zweite Halbjahr fielen, wo es sich für die Unternehmer darum handelte, die immer schlechter werdeilde Konjunktur auszunutzen und die Textilarbeiterschaft durch Zerschlagung ihrer Organisation kampfunfähig zu machen. Bezüglich der Dauer der Kämpfe ist darauf hinzuweisen, daß die aus Anlaß der Tarifbewegung im Bezirk Nordhaimooer geführten Streiks in Hameln und Hannover die längfi« Dauer aufweifen, und zwar 121 bzw. 113 Tage. Größer« Kämpj« waren unter Berücksichtigung der dadurch verlorenen Ar- beitsiage jene in der Jute-Jndustris Triebes-Weida mit 127 466, im Tarifbezirk Düren mit 189852, im Tarifbezirt Nord- Hanno ver mit 120 385 verlorenen Arbeitstagen. Der größte Kampf war die Aussperrung in München-Bladbach, Rheydt und Bierfen mit 39 116 Beteiligten und einem Verlust von 938 784 Arbeitstagen, das find 62,35 Proz. aller durch Streiks und 'Aussperrungen im Bereich de» Deutschen Textilarbelterverbandes verlorenen Arbeitstage. Die brutalste Unternehmerdiktatur kam bei diesem Kanipf zuin Ausdruck. Noch während der Gültigkeit des alten Tarifoertrages wurden in München-Gladbach teilweise die durch den Fleiß und die Geschicklichkeit der Akkordarbeit«? über den tariflich festgelegten Atkordrichtsatz erreichten Mehrvsrdienst« bis zu 20 Proz. abgebaut. Trotzdem scheuten sich die Unternehmer nicht, einen weiteren Abbau der tariflichen Löhne um 12>� Proz. zu fordern und, ohne alle Verhandlungsmöglichkeiten zu erschöpfen, die Aussperrung durchzuführen. Hinzu kam noch, daß die Seidenindustri« in Viersen, deren Arbeitgeberverband sich aufgelöst chatte und die in Betracht kommenden Firmen sich dem Arbeitgeber- verband M.-Gladbach-Rheydt anschlössen, ebenfalls aussperrte, ob- wohl der Lohntarif noch lief und nur der Monteltarif strittig war. Gerade dieser Kampf war ein Beweis dafür, daß die Unternehmer wohl theoretisch den Klassenkamps verwerfen und den Wirtschasts» Oer„Vorwärts" ist das Rlatt der Kopf, und Handarbeiter! Abonniert den„Vorwärts"! 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Zur Beilegung des Lohnkonflikt» bei der Reichsbahn und de« Reichsbetrieben haben am Ziienö» tag Besprechuagen der Spitzeagewerk- schatten mit dem Reichsverkehrsminister stattgefunden, nachdem tags zuvor die einzelnen vom Konflikt berührten Ressorts in einer gemeinsamen Be» ratung zwr Lohnfrage Stellung genommen hatten. Den Spitzengewerkschaften wurde vom Reichsverkehrsminister mitgeteilt, daß das Kabinett für eine Fortführung der Lohnverhandlung«« der Reichs- und Staats- arbeite« sowie der P o st» und Eisenbahn» arbeite« sei. jedoch keine Möglichkeit sehe, auf die Deutsche Sieichsbahngcsellschaft wegen der Gestaltung der von ihr z« zahlenden Löhne direkt einzuwirken. Der Reichsverkehrsminister hat den Spitzengewerkschaften anheimgestellt, wegen der Reichsbahnarbeiter den Weg des Schlichtun gs Verfahrens zu beschreiten. Der Verbandsvorstand des Einheitsverbandes der Eisenbahner hat znm 5. Mai den Vcrbandsbeirat ein- berufen. Die Eisenbahner verlieren die Geduld. Beschlüsse im Reich. In Hannover erklärte eine von 1500 Mitgliedern des Einheits- Verbandes besuchte Versammlung am 26. April,„sie erwartet vom Hauptvorstand des Einheitsverbandes bei weiterer Unnochgiebigteit der Rcichsbahnhauptverwaltung die Anwendung des letzten gewerk- schaftlichen Mittels, und gelobt unverbrüchlich« gewerkschaftlich« Disziplin". In Halle beschloß eine von 680 Vertretern aller Dienststellen und Betriebszweige des 34000 Eisenbahner umfassenden Reichs- bahndirektionsbezirks besuchte Betriebs- und Beamtenrätcionfercnz am 27. und 28. April,„daß sie die zum 5. Mal erfolgte Ein- berufung des Beirates des Einheitsverbandcs der Eisenbahner Deutschlands, der für einen Streikbeschluß maßgebcn- den Derbandsinstanz, lebhaft begrüßt". In Magdeburg erklärten dl« Vertreter des Einheitsverbandes von 54 Dienststellen u. a.: „Die kalte Ablehnung der berechtigten Forderungen ohne Gegenangebot ist eine unerhörte Provokation. Vom Borstand fordern die Magdeburger Eisenbahner den latenten Zustand der jetzigen Lohnbewegung zu gegebener Zeit abzubrechen und die Eni- scheidung herbeizuführen. Di« Magdeburger Eisenbahner sind zu jeder Zeit bereit, wenn sie von der'Organisationsleitung aufge- rufen werden, den aktiven Kampf aufzunehmen." In Leipzig fordert« eine von 1800 Eisenbahnern besuchte Bev- fammlung im„Sanssouci". „daß der Tarifabschluß unter keinen ilmständen bi« zur end- gültigen Erledigung der Pariser Verhandlungen oertagt werden darf. Für eine solche monatelange Vertagung liegen absolut keine berechtigten Gründe vor. Vielmehr fordern die Eisenbahner noch ihrer wochenlnngen Verhandlungsbereitschaft nunmehr die Herbei- führung einer sofortigen Lösung des Lohnkonflikts". Eine Devollmächtigtenkonferenz des Einheitsver- bandes für Sachsen, am 28. April in Dresden formulierte eine intern« Entschließung, deren Inhalt sich an den Verbands» betrat richtet, und es lebhaft begrüßt, daß der Berbandsvarstand in Berlin die baldige Einberufung des Berbandsbeirot« de- schlössen hat. Wer am 1. Mal nicht arbeitet, wird entlassen! Anordnung eines radikalen Gefchästssührers. In der Wusterhausener Straße 16 sind vier Buch- druckereien im Gange, darunter auch die frühere Druckerei von Graßmay u. Koch, jetzt Bank-, Handels- und Industrie- d rucker ei. Es handelt sich um einen kleineren Betrieb, au, dem uns folgendes mitgeteilt wurde. Die Buchhalterin hat am Montag auf Anweisung des Geschäftsführers dem Personal angekündigt, wer am 1. Mal nicht zur Arbeit kommt, wird entlasten. Ist das an sich schon ein merkwürdiges Verhalten, so bekommt es eine besondere Note dadurch, daß— wie uns bestimmt versichert wurde— der Geschäftsführer der KPD. angehört. Oeiers Glück und Ende. Flucht auf der ganzen Linie der Komintern. Nach der Betrtebsratswahl bei der Verkehrs A.-G. konnte man glauben, daß Deter und seine Mannen nunmehr alles umkrempeln würden. Selbstverständlich nahm man an. daß Kampsleitun- gen aus revolutionären Unorganisierten gebildet und über den Kopf der Gewerkschaften hinweg große revolutionäre Taten voll- bracht würden. Gleichzeitig zog die KPD. aus Anordnung von Moskau eine große Kampagne auf für Demonstrationen am 1. Mai mit Hilfe der rsoolutwnaren Unorganisierte n, die den verkiwcherten Gewerkschaf- ten, die Immer noch so rückständig sind, Beiträge zu zahlen, unter Deters Führung zeigen würden, wie man revolutionär kämpst. In ollen Versammlungen würbe verkündet, daß die Derkchrsbetriebe am 1. Mai stillgelegt würden, und daß die revolutionären Unorganisierten der Bertehrsbetriebe mit fliegenden Svwjetfahnen durch die Straßen Berlin» ziehen würden. Es kam aber ganz anders. Die Gewerkschaften oerhandel- ten mit der Direktion der Berkelz rs Zl.-G., mit dem Erfolg, daß sie »ine Arbeitszeitverkürzung von einer halben Stunde täglich erreichten, daneben eine Reihe von Verbesterungen des Manteltarsis Utch gleich- zeitig eine Lohnerhöhung als Lohnausgleich für die verkürzte Arbeitszeit. Deter drückt« sick. Er und sein« Gefolgschaft schimpf- t e n wohl kräftig aus die Gewerkschaften, aber sie dachten nicht daran, Kampfleitungen zu bilden und ihr« Forderungen durchzusetzen. ja, sie stellten nicht einmal Forderungen auf. Die revolutionären Unorganisierten wurden wieder einmal von den kommunistischen Mauldreschern schmählich im Stich gelassen. Aber, so dachte man. Deter wird sein« Revanche am 1. Mai nehmen. Er hatte in Iclegschaftsoerjammlungen Resolutionen für die völlige Stillegung der Verkehrsbetriebe an- nehmen lasten. Als die Direktion bekanntgab, daß die Arbeitsruhc entsprechend den Beschlüssen der Gewerkschaften durchgeführt werde, da kriegte es Deter mit der Angst. Es sollte noch einmal abgestimmt werden, und zwar sollten die Belegschaften durch Urabstimmung darüber entscheiden, ob sie am 1. Mni feiern wollen. Diese Urabstimmung ist nie durchgeführt worden. Deter drückte sich zum Zweitenmal. Und nun erzählt die„Rote Fahne", daß nicht etwa Deter der Berräter ist, sondern daß die Gewerkschaften so niederträchtig seien, die kommunistischen Parolen nicht durchzuführen. Am 26. April hätten die Gewerkschaften schon den neuen Vertrag unterzeichnet. Tatsächlich ist den Gewerkschaften erst g e st e r n der Bertrag zur Unterzeichnung zugegangen. Besonders niederträchtig soll sich die Direktion benommen haben, weil sie den Arbeitern durch Anschlag bekanntgab, daß die Arbeitszeit um eine halbe Stunde verkürzt werde und weil sie außerdem einen Vorschuß auf die Lohnzahlung auszahlen ließ. Unter diesem„Trommelfeuer" ist der revolutionäre Mut Deters zusammengebrochen. Das sind die„roten Betriebsräte, die die Ber- kchrsarbeiter herrlichen Zeiten eirtgegenzuführen versprochen! Lohnabkommen für die Niederlagen der Brauereien. Für die außerhalb de» Tarifgebiete» Berlin liegenden Nied er- lagen, die von den Berliner Brauereien mit Bier beliefert werden, ist jetzt in sreier Verhandlung ein neues L a h n a l?- kommen getrosten worden, das für die Bierfahrer und Mit- fohrer die gleichen Zulagen vorsieht, wie sie vor kurzem durch den verbindlichen Schiedsspruch eines freien Schiedsgerichtes für die Berliner Brauereiarbeiter festgesetzt worden sind. Rückwirkend ab 28. Februar werden die Wochenlähn« um 2 Mk. und ab 1. August um eine weitere Mark erhöht. Es betragen demnach die Wochen- löhne ab 28. Februar in der Niederlagengruppe I. 51,50 Mk.. II. 47,— Mt., III. 45,30 Mt. und ab 1. August in den gleichen Gruppen 52,50 Mk., 48,— Mk. und 46,30 Mk. Das Abkommen gilt bis zum 30. September 1930. Eine Funktionärkonferety der im Bertmnd der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter organisierten Brauereiarbeiter dieses Tarifgebietes nahm am Mittwoch abend zu dem Berhandlungs- ergebnis Stellung und billigte fast einmütig den Tarisabschluß. Der Polier-, Werk- und Schachtmeisterverband teilt uns mit, daß das neue Mindestwochengchalt für Poliere nicht wie am Sonntag im„Barwärts" angegeben, 95,50 M., sondern 95,90 M. beträgt. Die Lohnverhandlungen in der schief, scheu Textilindustrie sind gescheitert. Die Industriellen verlangten eine Be r l ä n g e r u n g des gegenwärtigen Tarifs um 2� Jahre bis Ende des Jahres 1931. Außerdem verlangten sie noch einen Lohnabbau für die gesamte schlesische Flachsgarnspinnerei. Dieses Ansinnen hat die Berhandlungs- tommistion als Berhühming der schlesischen Textilarbeiter ausgefaßt. Dem gab der Wortführer der Arbeiterslhaft Ausdruck, woraus die Unternehmer die Verhandlungen als gescheitert erklärten. «cht»»«. SPD.-äralti-n»er SctUa»«tätetfche» Im U Anschluß an die Povversammlllng ttt TPT..Fraitil>n inn«:ha!b its P SSctborJe« der(Bmeinftr. und Staatsarbeiter ftnbet nach ein« Be-~ fpcechuna der Genassrn ber Easwerli statt, zu ber da« Erscheinen im- f- b-dingt erfarderlich ist. Der Zraltionsna-stand.- Achtung, SPT.-Semeinde- und-Staatmirbeiter! Freitag, 19 Uhr, i- In den Mnfilerscilen, Naiser-Äilbclm.LIr. 81, Vollaersaminlung aller(=■ SP?--<8 tu offen. Eenassin PI, Wurm, Hl. d spricht übet die' politisch« Situation.' Der Nraktionsnorstand. > FTcte Gewerkfckasts-Lugend Groß-Nerlin I Seute fallen die Gruppenperanftaltuiigen aus. All» Mitglieder dcr F.�ct�U�'�ichici3trrxdc. Titaietnae/Smaat