BERLIN Zreitag Z.Mi 1929 10 Pf. Ttr. 205 B102 46. Lahrgang. erscketut tiiltch a-terSonntas«. Zugleich Ädendall-gabe de«»Vorwtrtt�. Bezugtrrci« beide Ausgaben SS Pf.»»Woche, s.mM. pro Monat. Viedaktiva und Exvedilion; Berlin SWss.LindenKr.s „l£rWaf&' l tt|et|CB>r(t<:£U einspaltige Nonpareillezeil« •0 Pf.. Neklameteil« 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. »Kschecktont»: Dorwärtt-Derlag G. m. b.H.. Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönboff SS2 bis 2sn i beseht ruhrherde. Völliger Kehlschlag der kommunistischen Massenstreikparole. DaS kommunistische Verbrechen geht weiter. Es hat in der vergangenen Nacht abermals e i n T o d c s. o p f e r und zwölf Verletzte gefordert. Am W e d d i n g und in Neukölln wurden abermals Barrikaden gebaut und die Polizei' beamteu be schössen. In Neukölln dauerte« die Ttrahenkämpfe bis in die früheren Morgeustun- de« an. Es ist bezeichnend, datz dabei Lgdeu aus- geplündert wurden. Di« kommunistischen Drahtzieher fordern zum politischen Massenstreik und zur Stillegung der Betriebe auf: Ihr Aufruf ist wirkungslos ge- blieben. In der Berliner Metallindustrie stnd nur etwa 12vv Arbeiter der kommu- nistischen Streikparole gefolgt; in den Berliner Ver- kehrsbctriebcn nicht ein einziger. Die Berliner Arbeiterschaft wendet fich mit Ab- scheu pon dem verbrecherschen Dreiben der Kommu- nisten ab. Die„Rote Fahne", die durch ihre Hetze schwere Blutschuld auf fich geladen hat und zum Aufruhr hetzt, ist auf drei Wochen verboten worden. Eine gründliche Durchsuchung der Aufruhr- gebiete stn Norden und in Neukölln durch die Polizei ist im Gange. Die Polizei hat für die kommende Nacht umfassende Vorsichtsmaßnahmen getroffen. -»-:- Kommunistengeschrei im Reichslag. Die Schuldiaen spielen Entrüstung. Die heutige Reichstogssitzung eröffnete Präsident Löbe um 1 Uhr. Bor Eintritt in die Tagesordnung verlangt Adg. Pieck (�?nnp.) die sofortig« Beratung eines Antrages der Kommunisten, die Reichsregierung aufzufordern, die Aushebung des Verbots der„Roten Fahne" zu veranlassen. Zur Begründung behauptet Pieck, der Barritadenbau sei nur eine Abwehr und Schutzmaßnahme der Arbeiter gegen das Wüten der Polizei und wenn sie schieße, sei es nur billig, daß ihr mit gleicher Münze geantwortet wende. Als Pieck von ejnem Polizeiverbrechen spricht, mahnt ihn Präsident Löbe, sich parlamentarisch auszudrücken. Pieck aber schimpft desto mehr, nennt den„Vorwärts" einen Lügen- Hund usw. Schließlich ersucht der Präsidenl ihn, da die geschäftsardnungs- mäßigen fünf Minuten zur Begründung derartiger formaler An- träge schon vorüber sind, doch seinen Antrag zu stellen. Pieck wiederholt daraus seinen Antrag. Die weiteren Wort« Piecks gehen Im Läuten der Prä- fidentenglock« und in ironischen Rufen des Hauses unter. Nachdem Pieck auf Ersuchen des Präsidenten den Antrag dem Borsitzenden übergeben hat, was er zunächst vergessen hatte, fragt der Präsident, ob gegen die sofortige Beratung Widerspruch erhoben werde. Dies geschieht durch zahlreiche Abgeordnete, damit ist die sofortige Beratung gescheitert. Nach einem ausfallend kurz- dauernden Entrüstungegeschrei der Kommunisten tritt doc Haus in die T a ß e s o r d n u n g«in, das ist der Etat des Reichs- «rnährungsmjnisteriums._ 3n Neukölln wird geschossen. W«der zwei Tale Bei Redaktionsschluß hören wir, daß es in den MU- tagsstunde« in Neukölln abermals ,u blutigen Zwischenfällen gekommen ist. An der Ecke Stein- metz- und llopfstraße wurde abermals aus den Häusern auf die Polizei geschossen, die Polizei feuerte Schüsse ab. wodurch mehrere kommunistische Aufwiegler verletzt worden sind. Ein jüngerer Mann mußte mit eine« Kopfschuß ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei Frauen wurden von. abirrenden kugeln getroffen, so daß sie unter den Händen des Arztes starben. « Der kommunistische Reichsparteitag. der in den Tagen vom S. bis 10. Mai in Dresden stattfinden sollte ist. wie die kommu- mstische Zentrole mitteilt, aus unbestimmte Zeit ver- schoben worden. S)er 3>oli stet pr äst deni mit: Um die beiden Unruhe; eutrea am wedding und in Neu. k S l i n. in denen es auch am gestrigen Abend und im Lause der Nacht zu schweren Zusammenstößen gekommen ist. zu beseitigen, habe ich folgende Alaßnahmen angeordnet: von 9 Uhr abeads bis 4 Uhr früh ist jeder verkehr in den nachstehend bezeichneten Straßen verboten. Ausnahmen find nur gestattet sür Aerzte, Hebammen und Sanitäter. Jedes herumstehen in den Hausfluren, Nischen und Tor- fahrten ist verboten. Straßenwärts gelegene Fenster müssen in der angegebenen Zeit geschlossen bleiben. Auch darf kein Licht in den straßenwärts gelegenen Zimmern brennen. Zuwiderhandelnde Wohnungsinhader setzen sich der tvesahr au», daß diese Fenster unter Feuer genommen werden. Am Tage darf in den in Betracht kommenden Bezirken und Straßen sowie in den Fluren. Nischen und Toreinfahrten kelne Person stehenbleiben. Die Polizei wird besonders daraus achten, daß sich niemand länger aus der Straße aufhält, als ersor- derllch ist. Personen, die sich ohne Ziel aus der Straße be- wegen, werden festgenommen. Zusammengehen von drei und mehr Personen ist nicht gestattet. Zeder Radfahrverkehr ist untersagt. Di« Gastwirtschaften in diesen Bezirken werden um 9 Uhr ge- schloffen. Diese Maßnahmen gelten für folgende Bezirke: W e d d i n g: der von folgenden Straßen eingeschlossene Ran«. wöbet diese Straßen selbst at» Sperrgebiet anzusehen sind: Neltelbeck- platz. Pankslraße bis wiefenstraße. Wiesenstrahe selbst, Reinickeu- dorserstraße zwischen wiefenstraße und Netielbeckplatz. Neukölln: Der Raum zwischen Prinz-Handjery- Straße, der eingenommen wird von voddinstraße. Voddinpioh, Mahlower Straße, Weisestraße. Lcinestraße. Leikeplah. Sopfstraße. Sieinmehstraße und Berliner Straße, letztgenannte Slraße ausschließlich, alle anderen einschließlich. Alle Personen, welche diese Anordnungen nicht befolgen, setzen sich L e b« a» g« s a hr ans., Roie Kahne verboten. Der Polizeipräsident teilt mit: Der' Polizelpräsident hat die Zeitungen„Die rote Fahne" und„Do» V o l k s e ch o" aus Grund der§§ 7, Zisser 4 und 21 de, Gesetzes zum Schuh der Republik auf die' Dauer von drei Wochen bis einschließlich 2Z. Mai verboten. Suche nach Waffen. Aktion der Polizei in Neukölln und am Wedding. Die Berliner Polizei ist jetzt zu einer General- aktion geschritten, um endlich die Ruhe in den durch die Aufrührer und ihren Anhang aufs äußerste ge- sährdeten Stadtvierteln. Neukölln und Wed- ding wiederherzustellen. Die Hauptherde dieses lebensgesährdendcn Unfugs wurden heute früh von starken Polizeikräftcn umstellt und Kriminalpolizei- beamte drangen in die Wohnungen ein. um nach Waffen und Munition zu suchen. Auf dem Wcdding gingen die Beamten in den Häuserblocks, aus denen geschossen wurde, hauptsäch- lich in der Kösliner-, Wedding-, Reinicken- d o r f e r- und Pankstraße von Wohnung zu Wohnung vor. Den Keller- und Bodenräumen wurde besondere Beachtung geschenkt, fast überall entdeckten die Beamten Hülsen von abgeschos- fener Gewehr- und Pistolenmunition. Nicht immer gingen die Haussuchungen in den Wohnungen der Anfrührcr reibungslos vor sich. In diesen Fällen mußte unter Gewaltandrohung der Zutritt erzwungen werden, trotzdem ist es dabei zu Zwischenfällen nicht gekommen. Polizisten mit Karabinern durchsuchten alle Verdächtigen nach Waffen, niemand durfte den Abspcrrungsgürtcl ohne genügende Ausweise Passieren. Ächnlich sah es in Neukölln aus. Viele hun- dert Polizcibcamte hatten die Häuserblocks in der Ziethen-, Prinz-Handjerp-, Kops- und Hermann st raße zcrnicrt. Im Innern der Häuser nahm ein Heer von Kriminalbeamten unter Führung von Kommissaren der politischen Polizei eingehende Haussuchungen vor. Das Ergebnis der Suche aus dem Wed- ding waren bisher: 7 Seitengewehre, Totschläger, 3 Trommelrevolver, 1 Ortwispistole, leere Hülsen Ntonl an tfer Grenze Das Messer gegen den Vater Berichte 3, Seite. von Jnfanteriegeschossen und 1 Desching. Außerdem wurde ein Mann verhaftet, der eine geladene Pistole in der Tasche trug. In Neukölln wurden bisher gefunden: 2v Handfeuerwaffen, mehrere Jagd- gewchre und Luftbüchsen, eine Leuchtpistole, mehrere Seitengewehre und Jagd- sowie Klcinkalibcrmuni- tion mit abgesägten Spitzen(Dum-Dum!). Bei der Durchsuchung der Häuser wurden drei Männer verhastet, darunter ein Russe, der keine Papiere bei sich führte. Die Festgenommenen wurden sämtlich der Abteilung IA zugeführt, wo sie zurzeit einem eingehenden Verhör unterzogen werden. Oer Vormittag in Neukölln. Im Laufe des Vormittags hatte die Polizei die ganze Hermann st raße in Neukölln besetzt. Die Barrikaden sind größtenteils beiseite geräumt. Sonderwagen der Straßenbahn, mit Polizei bemannt, fahren durch die Zielen- und Steinmetzstraße und räumen auch hier die Hindernisse weg. In der F a l k st r a ß e wurde die Polizei gegen 8 Uhr aus Fenstern mit Steinen beworfen. Die Kriminalpolizei ist noch immer dabei, Haus für Haus systematisch nach Massen zu durchsuchen. Zahlreiche Schuß-, hieb- und Schlag- wafsen wurden beschlagnahmt und eine ganze Reihe von Personen, die Waffen mit fich sührle«. ist festgenommen worden. Der Verkehr der Untergrundbahn und der Straßenbahn ist gegen 0 Uhr wieder aufgenommen worden. Die Bauarbeiter der Untergrundbahn haben geschlossen die Arbeit niedergelegt, da sse, wie sie sagen, nicht unter Polizeiaussicht arbeiten wollen. In den Schulen Neuköllns fehlen viele Kinder, die entweder die Sperre nicht passieren konnten oder von ihren Eltern zu Hause behalten werden Die Absperrmahnohmcn haben bei der Bevölkeryng großen Unwillen hervorgerufen. Die Polizei Hot die Absicht, das ganze Viertel bis:n die kommend« Nacht hinein besetzt zu halten, um eine Wiederholung der Ereignisie der letzten Nacht, besonders die Anflürmung von Barrikaden, zu ve'- hindern. Gelbst wegräumen' Bei dem letzten nächtlichen Kampf In der K ö s l i n e r S t r a ß e, der gegen �42 Uhr seinen Höhepunkt erreicht hatte, waren von den Aufrührern wieder hohe Barrikaden errichtet worden, von denen auf die vorgehende Polizei Schüsse abgefeuert wurden. Auch aus den Vor den Barrikaden in Neukölln. Nachtliche Straßenlampfe. Fenstern und von den Dächern wurde wieder vereinte», aber unaufhörlich g e f ch o f f e n. Die Barrikade wurde Ichließiich grslürnu und 17„Barriradenkümpser", zum groben Teil mit der Waffe in der .Hand, angetroffen. Die Aufrührer wurden zunächst enlwasfnel und sogleich zum Wegräumen der kurz.zUoor errichteten Barrikaden ge- nötig!. Bei diesen Arbeiten wurde aus den Fenstern und Dächern weltergefchoffen. so dah die Festgenommenen sortgesetzt hinaufriefen:„Genossen, nicht schießen!" Das Feuern wurde daraufhin auch eingestellt Auf dem Wedding find bisher Personen mit Waffen im veflh festgenommen und dem Polizeipräsidium zugeführt worden. Weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Sie stehlen und plündern. Wie auch an anderer Stelle, ist es am Wedding und in .Neukölln zu Diebstählen und Plünderungen in verschiedenen Geschäften gekoinmen. Es find nicht Arbeiter, die dies? Taten begehen, sondern, wie polizeilich sestgestelit wurde, ist Mob aus den verschiedensten Teilen der Stadl zusammengeströmt, um die günstige Gelegenheit auszunützen und lriminellen Trieben nach» zugehen. Der Kampf wird nicht nur gegen die Polizei, sondern auch für die eigene Tasche geführt. Bei Kleinhändlern wurden Kleidungsstücke und vieles andere geraubt! Es ist bezeichnend, daß man in den Geschäften wie Vandalen hauste: alle» ist sinnlos entzweigeschlagen, die Fenster sind zertrümmert, was man nicht mit» nehmen konnte, zerriß oder zerrrat man« Um 10 Uhr abends bewaffnete sich der Janhagel. Zu diesem Zweck wurde das in der W e d d i n g ft r a ß e 8 gelegene Geschäft des Messerschmiedes Pfeiffer von etwa 30 Burschen g e st ü r m t und geplündert. Mit Brechstangen wurden die Rolljalousien herausgerissen und daraus stürmte die Meng» in das Geschäft, wo man vielleicht Revolver vermutete, weil Pseisser früher Waffen ge- führt hatte. Der Inhaber, der über seinem Laden wohnte und die Diebe verteiben wollte, wurde mit Revolvern in Schach gehalten. Die Einbrecher erklärten:„Wenn Sie nicht weggehen oder um Hilfe rufen, schießen wir Sie über den. Haufen" Di« Eindringling« nahmen dann an Mestern alles mit, was sich als Waffe oerwenden ließ, Dolchmesier, Genickfänger, Rasiermesser. Nebenbei stahlen sie auch einige Pakete mit Haarschneidemaschinen und Etuis für Nagelpflege. Lleverfätte auf Sozialdemokraien. In der Kösliner Straße wurden gestern abend mehrere Parteimitglieder von kommunistischen Rollen tätlich angeg issen, nur durch die Flucht konnten sie Mißhandlungen entgehen Mit großen Pflastersteinen warfen die Kommunisten in die Wohnungen der Porteigenosien, schlugen überall die Fensterscheiben«in und be- lagerten in Trupps von 40 Mann Stärke stundenlang die Woh- nungen. Einzelne Parteimitglieder haben seit dem 1. Mai ihre Wohnung noch nicht verlassen können. Dez Nachts werden sie durch Steinwürfe in ihr« Wohnung dauernd aufgeschreckt: einem Funk- tionär wurden erst die Fenster an der Straßenfront eingeschlagen und oersucht, dort«inzusteigen. Dann, als das nicht gelang, verschafften sich die Kommunisten Zutritt zum Hof und versuchen von dort einen Angriss aus die Wohnung. Der Funktionär konnte sich die ganze Nacht nicht zur Ruhe begeben. Bon mehreren Parteimitgliedern, die gleichfalls in der Kösliner Straf,? wohnen, wird uns noch mitgeteilt, daß starke Zweifei daran beständen, daß unser Parteimitglied, der Metallarbeiter Gmein'- Hardt, von der Polizei erschossen worden(et. Nach der Schußrichtung zu urteilen, muß damit gerechnet werden, daß aus einem gegenüberliegenden Haufe auf den in der Gegend bekannten und wegen seiner rührigen Arbeil so verhaßten Sozialdemokraten ge. schassen worden Ist. Gmeinhardt, dessen jähen Tod wir tief bedauern, war seit einiger Zeit Bezirkssührer der 18. Abteilung und hat mit großem Ersolg für die Sozialdemokratie gearbeitet. Zörgiebel oder Hölz?! Wer soll Öle Straßen in Berlin beherrschen! Am 29. April wurde in Köpenick eine kommunistische Der- fammlung abgehalten, in der Max Hölz sprach. Darüber wußte die �ltiederbornimer Zeitung" u. a. folgendes zu melden: Max HAz berichtete zunächst über seine Erlebnisse in Süd- deutschland und erklärte dann, zur Maiseier übergehend, der I. Mai müsse zeigen, „ob Zörgiebel oder wlr die Straße beherrschen". Dieser Tag würde ausschlaggebend sein für die kommenden wlrt- schaftlichen Kämpfe, der Auftakt für alles, was kommt. An die Arbeiterschaft ergehe der Ruf:„Aus die Straßel", und er selbst werde sich an die Spitze der Berliner Demonstration stellen. Nötigenfalls werde die Arbeiterschaft am 2. Mai die Arbeit verweigern, auch In Köpenick. Man muß es hölz lasten, daß er das Problem mif die klarste Formel gebracht hat. Es geht darum, ob Max hölz und feine Scharen die Straßen von Berlin auf Ihr« Weise be- herrschen oder ob die Behörden der Republik dort, weiter für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen sollen. Well der Polizei- Präsident Zörgiebel dem hölz nicht kampflos die Herrschaft über Berlin überlassen will, beantragen die Kommunisten sein« Ent- lastung...1 Max hölz ist der bewährteste Arrangeur kommunistischer Riederlagen. Seine Führung gibt die sicherst« Gewähr dafür, daß mich diese Aktion den Verlauf nehmen wird, den man schon kennt: Mit frecher Großmäuligkeit und zynischer Opferung von Menschenleben beginnt es— mit dem Geheul nach der Amnestie, der Gnade der Republik, endet esl Hilgenberg abgeblitzt. Niederlage gegen Westarp in der deutschnationalen RelchstagSsrattion Herr hug.enberg, der Diktator der Deulschnationalen, hat sich in der deutschnationalen Reichstagssraktion ein« empfindliche Niederlag« geholt. Das„Berliner Tageblatt" berichtet darüber: „Die deutschnational« Reichstagsfraktion trat in?l n« e s« n- heit de» Parteivorsitzenden hugenberg zusammen. Der Landtagsal>ge»rdnete vonWinterfeldt, Mitglied des Parteivorstandes, berichtete über die von dieser beschlossenen Orga- nisationsänderungen und schlug im Sinne der hugenberg- schen Pläne vor, die in jener Körperschaft angestrebt« strafsere Orga- nisotion de» gesamten Parteiapparates durch eine enger« Der- bindung zwischen Parteiführung und Reichstags- fraktion zu vervollständigen, mit anderen Worten: "rugenbergs Einfluß auch in der parlamentarischen Vertretung der 'artet zum Ausschlaggebenden zu machen. Innerhalb der Fraktion wurde diesen Plänen von verschiedenen Seiten, besonders aber vom Wie daS Polizeipräsidium mitteilt, dauerten die Schießereien in der Gegend des Wedding bis etwa drei Uhr morgens. Tarauf trat Ruhe ein, doch blieben einige Straßen abgeriegelt, 17 Personen wurden mit der Waffe in der Hand der» haftet. In Neukölln dauerte die Schießerei bis etwa ein Uhr nachts, auch da blieben mehrere Ttraßenziige abgeriegelt. Im ganzen wurden in der vergangenen Nacht eine Person getötet und zehn verletzt. Der Tote, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden tonnten, da er keinerlei Papiere bei sich hatte, befindet sich im Schauhaus. Die Verletzten haben zum größeren Teil im Urban- und im Neuköllner Krankenhaus Aufnahme gefunden. Die Gerüchte, wonach drei Tote zu verzeichnen seien, dürften sich nicht bewahrheiten. « Der Schauplatz der nächtlichen Kämpfe in Neukölln macht bei "Tagesanbruch einen wüsten Eindruck. Die Hermannstraße ist durch die varrikaden auch weiterhin gesperrt, ebenso die Ptinz handjery. Straße und die Zietenstraße. In der Prinz-Handiery-Straße und der Steinmetzstraße haben die Kommunisten die hohen alten Bäum« gefällt und quer über die Straß» gelegt. Von den Häusern sind Baugerüste abgerissen und zum Barrikadenbau verwendet worden. Bon den Baustellen der Unter- g r u n d b a h n in der hermonnstraße sind die Baubuden zerschlagen, da» Inventar, darunter die Kleidung der Arbeiter, entwendet, die Zeichnungen zerrisien Auch das Handwerkszeug ist ge- stahlen worden wie alles, was nicht niet- und nagelfest war. Za vielen Läden wurden dle Schaufenster und Schaukästen zertrümmert und die Auslagen geplündert. In der Lessingstraße kam es heute morgen gegen S Uhr wieder zu eutzelnen Schießereien.— Die Polizei rückt« gegen 4Z-j Uhr mit einem Riesenaufgebol an und hat in allerweitestcm Umfang« da» ganze Stadtviertel vom vahnhos Hermannstraße bis zum Hermann- plah mit sämtliche» Rebenstraßen abgesperrt. Den vielen Arbeitern und Angestellten, die sich in den frühen Morgenstunden zur Arbeit begeben wollen, wird das Verlassen des ganzen Bezirks nur an der Selchower Ecke Weisestraße gestattet und auch hier nur gegen Aus- weis. Die Fenster müsien weiterhin geschiosien gehalten werden. da die Polizei immer wieder gewärtig sein muß, aus den Fenstern beschossen zu werden. Die Tatsache, daß die Hermannstraß« und die Nebenstraßen gesperrt stnd, hat unter den vielen Tausenden von Arbeitern, die zu ihrer Arbeitsstätte wollen. Unruhe hervorgerufen. Schon in den frühesten Morgenstunden bildeten sich allenthalben de- battierende Gruppen. Die Polizei beabsichtigt, den Kordon all- wie steht's mit dem angekündigten Massenstreik? An einigen Arbeitsplätzen wird tatsächlich gestreikt. Dle Massen aber leisten der KPD. keine Gesolgschast. sie arb eilen. Zn der Metallindustrie, der AEG„ bei Siemen», bei vorsig, bei Bergmann, überall wird gearbeitet, mit Ausnahme von drei Betrieben. Bei Seillng n. Thomas streiken 600 Mann, bei Z a ch m a n n 450 und in der Eisengießeret von Sie- mens 180 Mann. Bei Schuchardl u. Schütte In Renkölln arbeiten die 100 Mann deshalb nicht, weil sie Zusammenstöße mit den..revolutionären kiassengenofseo" oermeiden wollen. Also alle» in allem. in der Berliner Meiallindustrie 1230 Streikende. 3n den Verkehrsbetrieben ist von irgendeiner Arbeitseinstellung bis jetzt nicht» bekannt. Zn der hauplwerkstul« Grunewald wurde zwar gestern früh demonstriert, ein Beschluß jedoch nicht gesaßt, nicht einmal ein Antrag gestellt. Vor den Betrieben der v e r k e h r s- A.- G. wurde gestern ein Flugblatt verbreUet mit den üblichen Beschimpfungen de» Polizeipräsidenten und de» Direktors Brolat, das zum politischen Massenstreik aufsorderi. 3m Baugewerbe werden seil Donnerstag drei Bauten bestreikt. Gestern wurde der Streit bei der Finna h o l z m a o n A.-G. beschlossen. 3m Hochbaubetrieb der Firma streikten heute etwa 4 0 0 Mann. ein Drittel der velegschast. Dle Firma gab den Streikenden bis ll Uhr Zeii zur Wiederaufnahme der Arbeil. Daraufhin hat der größte Teil der Arbeiter dle Arbeit wieder aufgenommen. 3n Lichtenberg wird auf den Baustellen der Untergrundbahn überall gearbeitet. Auf den Baustellen in der Wlsbyer Straße erklärte der ver- trauensmann der KPD., da»„M» i k o m i l e r" habe o» l l st ä n- dig versagt. Die Bauarbeiten für die Untergrundbahn Renkölln wurden auf polizeilich« Anordnung eingestellt und zwar au» Sicherheitsgründen.> Frattionzvorsitzenden, Grafen Westarp, entgegengetreten. D I e Fraktion lehnte schließlich nach stundenlanger Debatte mitgroß erMehrheit den Antrag von Win- t e r s e l d t ab." hugenberg hatte gefordert, daß in Zukunft alle politischen Entscheidungen und alle im Reichstag zu haltenden wichtigen Reden in Zukunft seiner Zustimmung bedürfen müssen. Ins. besondere sollte auch die Führung politischer Verhandlungen mit anderen Parteien nicht wie bisher dem Frattionsführer, sondern allein dem Parteiführer obliegen. Die neue„GeseNschast". Verstärktes Machest vor dem parleitaq. Dank de» Entgegenkommen, de» Verlags Dietz kann dos Mal- Heft der„Gcsellschajt". drs wisienschastlichen Organ» der Partei, zum Parteitag um einen Bogen erweitert erscheinen. In Ergänzung der Wehrdistussion bringt die Nummer einen Aufsatz von S ch i s r i n über die außenpoli ischen Probleme Rußlands und einen Aufsatz von Birnbaum über deutsch-polnisch« Verständigung. Bon .nählich enger zu ziehen und die besonders verdächtigen Häuser systematisch durch Kriminalbeamte nach Waffen absuchen zu lassen, da einwandfrei seststcht, daß von kommunisti» scher Seite Schußwossen auch schwereren Ka- libers verwendet worden sind, wie die auf der Straße gefundene Munition beweist. Es ist weiter festgestellt worden, daß es sich bei den nächtlichen Angreifern in der Hauptsache um Banden halbwüchsiger Burschen handelte, die vorzüglich organisiert waren, einen regelrechten vorpostendienst und ein Hauptquartier unterhielten und zentral geleitete Aktionen gegen einzelne von der Polizei besetz!« Punkte unternahmen. Der Sturm aus das Polizeirevier in der Selchower Straße war ein gut vorbereitetes Unternehmen der ver- einlösten Banden. Bevor es zum Sturm ging, hielt an der Eck« herrsurth- und Hermannstraße ein halbwüchsiger eine Brandred« gegen das Zörgiebel-System und fordert« seine Genossen auf, die in dem Polizeirevier angeblich gefangen gehaltenen Kameraden zu befreien. Di« Umgebung des Polizeireviers ist mit Pflastersteinen bedeckt, die heute Nacht von den aufrührerischen Banden gegen die Fensterläden des Polizeireviers geschleudert worden sind. Gegen 6 Uhr morgens begann dle Straßenbahn mit einem Sonderkommando, die Barrl- kaden wegzuräumen, um wenigslens die Schienen der Straßenbahn frei zu machen, da sich das Fehlen der Verkehrsmittel in der dicht bevölkerten Gegend immer unangenehmer fühlbar macht und zu riesigen Menschenansammlungen führt. Unter den Barrika- den fand man umg« stürzt« Lastautos undTraktoren, Teerkessel der Asphaltgesellschaften sowie eine ganze Reihe von großen Benzintanks rnid ähnliches Material. Die Demonstranten hatten sich offenbar darauf vorbereitet, im Fall« eine» Angriffes der Polizei, die Barrikade mit Benzin zu übergießen und in Brand zu setzen. Die Polizei machte sich daran, die verdächtigen Häuser zu untersuchen. Di« Straßenbahn verkehrte morgens noch nicht, sedoch wird der verkehr im Lause des Vor- mittags wieder aufgenommen werden können. Die Kommunisten haben auch verschiedentlich lelephonleitungen und Straßenbahn- dräht« zerschnitten, so daß die Ausnahme des Verkehrs auch dadurch verzögert wird. Die Aufräumungsarbeiten In der Steinmetz- und in der Zietenstraße gestalten sich sehr schwierig, da hier überall die schweren eisernen, für den Bau der Untergrundbahn bestimmten Träger quer über die Straße gelegt stnd. und außerdem an oei>. schiedenen Stellen das Pflaster aufgerisien worden ist. vorläufig dürfte auch die hermannstroße für den Wagenverkehr nicht frei- gegeben werden. Die Polizei ist immer noch dabei, die Straßen nach Munition abzusuchen, um festzustellen, mit was für Waffen ge- lchosien wurde. 3n der Zigarektentndnstrte sind die Betriebe von 3osettl, Masiary und Maaoli bestreikt, hier streiken etwa 3000 Beschästig,-. 3n der Schuhindustrie streiken etwa 400 Arbeiter und Arbeilerinnen bei Leiser und weitere 100 Arbeiter zwei kleineren Betrieben. grundsätzlicher Bedeutung ist der Aufsatz von B r a u n t h a l über die Luseinandersetzung der theoretischen bürgerlichen National- ökonomi« mit dem Marxismus. Die besonderen Magdeburger Interessen werden durch einen Aufsatz von Kittel über„Mittel- deutsche Probleme im Rahmen der Reichsresorm" befriedigt. Die sozialistischen Juristen werden in dem Aufsatz von G u m b e l irner- essante Gedanken zur Strasrechtsresorm finden. höslichkelten der Könige. Der Herzog von Gloucester, dritter Sohn de» Königs von England, überreichte dem Karfer von Japa» den Hosenbandorden. Der Saissr verlieh ihm dann den große» Ehrysanthemenorden. Mololor, bieher Moekauer Parteisekretär, wurde.zum Tlellver. treter Stalin» zum Dank für seinen Kampf gegen die Rech.s» apposition ernannt. Zwei karobinierl In Südtirol erschosten. Zwei Karablieii wuidcn in Südtirol auf einem Patrouillengana plötzlich lebhaft beschossen. Ein Karabinlere und ein Schullrhrer. der sich den beiden Beamten angeschscssen hatte, wurden auf der Stelle gclolet, der zweite Karabiniere ist in der letzten Nacht seinen Bertetzungen er- legen. „Massenstreik" in Berlin. Aber die Massen arbeiten! KpO.'Niederloge m Hamburg. Hamburg. 3. Mai.(Eigenbericht.) Die Kommunisten sehten in Hamburg am Freitag ihre versuche zur Enlsestelung von wilden Streik» fort. Diese Versuche sind allerdings kläglich gescheitert. Aus der Reiherstieg-Deutschen Werft, wo am Donnerrtag zuerst die Arbeitxniedst legung erfolgte, nahm man am Freitag morgen die Arbeil wieder aus. Aus der Werst von 3onssen u. S ch m u l i n s k y folgte die Arbeiterschaft erst Donnerstag mittag nach stundenlangem Zögern der kommunistischen Streikparole. Einen kleinen Erfolg hatten die Kommunisten mit ihrer Wühlarbeit aus der Werst von Blohm u. voß. hier legten am Freitag morgen etwa 6 0 0 Bohrer und Stemmer— von elner Gesamtbrlrgschast von 10 000 Mann— die Arbeil nieder. Sonst Ist aus den übrigen Seeschissswerflen. wie auch im Hafen- beirieb der versuch, einen wilden Sirelt zu entfachen, vollkommen gescheitert. Bezeichnend ist, daß nicht einmal dl« tommu- n ist Ischen Wähler, die den KPD.-Leuien bei den Betrieb». rotewahien die Stimme gaben, den Parolen ihrer Partei Folge leisteien. Aas einigen Großbaustellen in Hamburg blieb e« ebenfall» bei einem blamablen Versuch, wild« Streikbewegungen zu inszenieren. Gegen die Mpeleien im Dachaus. Der Protest der Sozialdemokraten� In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung protestierte der Vorsitzende der sozialdemokratischen Frak- tion, F l o t a u, gegen die Gemeinheiten der kommunistischen Redner mit folgenden Zlueführungen: Der Stadlverordn.te W i s n e w sk i hat sich herausgenommen, einen hohen Beamten der Stadl Berlin anzugreifen, der sich nicht verteidigen kann. Die Art und Meise, wie Wirnewski dies getan Hot. kennzeichnet das Riveau, aus das die kommunistische Fraktion herabgesunken ist: sie macht sich die Sprache des Zan- Hagels zu eigen, wril sie ihr in der gegenwärtigen Sitnalion besonders angebracht erscheint. Es kennzeichnet aber auch die kam- nr-MiPische Fraktion, daß sie von einem Wann wie Wisncwski sich führen letzt! Der Kommunist G ä b e l belegt« daraufhin, zur Geichäftsord- mmg?um Wort gekommen, unseren Genossen Flotau mit Schimpf- warten. Sonst wußte er nichts zu«notdeni. Mord an der Grenze. Oeussche und tschechostowakstche Polizei uniersuchen. Ein grätzliche» verbrechen wurde in der teil« ans deutschem, teil» aus tschechischem Gebiet gelegenen Orlschasl G r o tz- kunzendors an dem ZSjährigen Bauernsohn Joses A l l m a n n begangen. Dieser wurt>« frühmorgens im Steinmetzbetriebe Pilz, der auf der tschechischen Seit« des Ortes liegt, unter einer 2000 Kilo schweren Steinplatte v ö l l ig zerquetscht als Leiche auf- gefunden. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es sich um einen Mord handelt und daß die schwere Steinplatte absichtlich aus ihn gestürzt worden ist, nachdem man ihn nachts unter irgendeinem LZorwand dorthin gelockt hatte. Wahrscheinlich ist Altmann ange- trunken gewesen oder vorher betrunken gemacht worden. worauf eine neben der Steinplatte ausgesundene Flasche mit Resten von Alkohol hindeutet. Ferner fand man an einer anderen Stelle einen größeren Geldbetrag, der unter einem Stein versteckt war und vermutlich dem Getöteten gestohlen worden ist. Eine Eerichtskommisiion hat sofort umfassende Untersuchungen aufgenom- men. die sich bereits aus bestimmter Spur bewegen Da die be- treffende Steimnetzerei sich aus tschechischem Gebiet befindet. wird die Untersuchung von den tschechischen Behörden, aber im Zusammenwirken mit der deutschen Grenzpolizei geführt. Groh-Kunzendors liegt an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze südlich von Reiße. Das Dorf gehört zu Deutschland, die Greng« ist etwa 300 Meter entfernt von der Ortschaft. Mit dem Messer gegen den Vater. Stiche in Gesicht unv Vrufi. Za einem Anfall von Vlukrausch stürzte sich gestern der 20 Jahre alt- kölscher Felix Guhmann aus seinen im Bell liegenden Baier. den SZ Jahre allen Maler Gustav Guhmann. und verletzte ihn mit einem Taschenmesser so schwer, daß er in» krantenhau» am Friedrichshoin gebracht werden mutzte. Felix Gutzmann wohnt mit seiner zwei Jahr« älteren Braut, einer gewissen Albrecht, in der Wohnung seiner Eltern in der Dra- gonerstraße 20. Er war den ganzen Tag unterwegs gewesen, hatte auch verschieden« Lokal« besucht und war etwas an- getrunken. Auf dem Heimwege geriet er mit der Braut In Streit, der sich in der Wohnung noch fortsetzt«. Als er das Mädchen tätlich angriff, flüchtete sie In das Zimmer, in dem der Schwieger- vater schlief. Der Dater richtete sich Im Bett auf und verbot sich den Lärm. Jetzt zog Felix sein Messer, stürzt« sich aus den Dater, stach aus den Liegenden blindlings«in und tras ihn nicht weniger als fünszehnmal in Gesicht und Brust. Hilserufend war die Braut inzwischen hinausgelaufen. Hausbewohner kamen herbei und rissen den Tobenden von dem Bater weg. Sie brachten den Schwerverletzten nach dem Krankenhaus. Der Sohn. der sich über seine Tat äußerte:„Na, den habe ich schön fertig gemacht', wurde der Polizei übergeben, die ihn der Kriminalpolizei zuführte. Beim Derhör vor der Inspektion A. erklärte der Kutscher, daß er sich an nichts erinnern könne, er sei angetrunken gewesen. Er wird dem Untersuchungsrichter wegen Mordversuches vorgeführt werden._ Oie Tornados in Nordamerika. An hundert Schnlktnder getötet. Die Tornados und schweren Stürme der vergangenen Tage haben in verschiedenen Teilen der vereinigten Staaten von Nordamerika überaus schweren Schaden angerichtet. Ein Schneesturm mit Frosttemperatur, der Illinois und Missouri heimsuchte, verursachte Schäden, die, wie man be» fürchtet. In die Millionen gehen. Der gestern aus R y« c o o» gemeldet« Tornado tras da» Schulhaus gerade, als die Kinder nach der Mittagepause wieder zum Unterricht zurückgekehrt waren. Die Zahl der Toten wird bereit, aus 100, die der Verlehlen aus über 100 geschäht. Fast die ganze Bevölkerung des kleinen Ortes, der einem solchen Unglück in keiner Weise gewachsen war. Ist de- troffen. Biel« Leichen wurden von dem Tornado weit über die Felder verstreut. Die aus der Umgegend eintreffenden Sani- tätsableilungen melden, daß überall größte Verwirrung berrsche, da die U-berlebenden nicht imstande wären, sich der Toten und Derletzten anzunehmen. Oer Zopf wird abgeschnitten. E.ne Reform Oes neuen Est na. Peking, 3. Wal. Die Mn�ng vegiernng ha« die Zopstrachl in Ehlna»er- boten. Sämtlich« chinesischen Slaalsangehörlgen. die sich innechalb von sechs Monaten nicht den Zopf haben abschneiden lassen, werden b e st r a s t werden. Außerdem hat die Nanking-ve-'Ierung angeordnet, daß die ver- stümmelunq der Fätze den chlncslschen Frauen polizeilich verboken wird. Diese beiden Verordnungen treten am 1. Mal In Srasi. weller für Berlin und Umgebung: Ziemlich heiter und am Tag« mätzig warm: schwache Luft'oewegung— Für Deutschland: Im Alpenvorland noch etwa» Regen, sonst meist trocken und überall mäßig warm. Theater und Kino. Gchiller-Theater. Maxwell Anderson:.Zaungäste*. Die Berbindung des Schillerthenters mit dem Amerikaner Max- well Anderson bringt keinen Segen. Dieser Amerikaner, Bersasier der„Rivalen', die den Krieg noch einmal als fröhlichen und viehischen Jahrmarkt aus die Bühne bringen, besitzt die besten Fähig- keilen, um uns Deutsche der Berdummung näher zu bringen. Für klüger« Leute ist da» ja schon längst so gut wie bewiesen: wir liesern unseren Gc'st als nicht unbeliebten Exportartikel nach USA. Die Leute drüben, besonders die Literaten, werden aber durch keinen Transfer gezwungen, nur das Schönste ihrer Pro- duktion für uns aufzusparen. So redeten wir eigentlich von Theaterpolitik und nicht vom Stück. Es gibt nämlich gor kein Stück, sondern nur einige Szenen aus dem Leben der amsrikanischen Strolch« Wir kennen diese tippelnden Herren aus den wundervollen Büchern Jack Londons. Aber alles, was London erzählt, ist menschlich bewegender Fall, Anderson sucht sich immer nur ausgefallene Kientoppsälle heraus: etwa den edlen Strolch, der feine Dollars, sein Gemüt und seine Schlauheit verschenkt, damit ein verliebtes Paar den Polizisten«nt- kommen darf. Die Houptpartnerin in dieser Liebe, das schmächtige Fräulein Edna, ist zwar eine Mörderin, doch sie hat aus Moral ge- mordet, weil der Dater selbst sie schändete, geschlechtlich ansteckte, ins Freudenhaus verkaufte usw. Da ging Edna hin, zog den Re- volver-- da kam der rothaarige Jüngling, der trotzdem von dem Mädchen nicht lassen wollte-- Die Geschichte ist so rührend, daß sie aus einem Leierkasten ab- gewimmert werden müßte, aber Musiolini hat verboten, daß sein« Landsleute, die berühmten Faschisten, mit der Drehorgel aus die ausländischen Dörfer ziehen. So müssen sich Jürgen Fehling, der Regisseur, und die Staatstheaterkünstler erbarmen, für die Rochus Bliese drei Bühnenbilder aufbaute Das Wichtigste zeigt den fahrenden Güterzug, in den alle die Stromer hineinhüpfen, um sich drahtlos durch die Welt rollen zu lasten. Der Güterzug ist ein Bummelzug. Das Tempo des Stücks wird auch von dieser Fahrtgeschwindigkeit mitbestimmt. So reden und reden die Strolche unaufhörlich in ihrem Rotwelsch. Sie packen ihre Lebensgeschichten und Weibermärchen aus. Sie backen aus Luft, Wasser und Dreck Pfannkuchen und werden schließlich von dem ameri- kanstchen Sherifs ins Kittchen abgeführt. Hände hoch. Hände runter, Revolver auf die Brust, Revolver aus die Stirn. Boxkampf, Knock out, Gerichtsfeme über«inen widerspenstigen Mitreisenden— das� sind die dramatischen Höhepunkte des Genrebildes. Aus den drei Akten wäre ein spannender, einaktiger Sketsch zu ziehen, und nichts hätte von der kostbaren Handlung zu fehlen brauchen. Das„Nachtasyl', ins Amerikanische übersetzt, bringt, wie es stch gehört, das Sportliche und Triefend-Sentimentale zum Ausdruck. Nach Anderson war e» ein Vergnügen, Kriegsbesti« zu spielen. Es ist nach dem auch ein vergnügen, durch die Vereinigten Staaten zu pennen. Die Vagabunden reden nicht die sozial beseelt« Leidens- sprach« Gortis, sondern den gespickten Tingeltangeldialekt, den dies« Aristokratte der Landstraße häusiger im Kabarett als im Leben ver- wendet. Aribert Wäscher besorgt das besonders gut als ein Kavalier der Verkommenheit und Genießer des Unterirdischen. Dann folgt Paul B i l d t als gefährlicher Raufbold. Athlet und Märtyrer der Vagabundenbrüderschast. Julius Falken st«In mimt einen Sokrates des Lumpentums, Veit Harlan einen Romeo der Luderei. Entlich R u t h A l b u: sie Ist das einzige Mädchen in der Kumpanei, sie rührt als Rächerein ihrer geschändeten Mädchenehre durch die Einfalt und Süße, wenn auch etwas süßlich« Geduld, mit der sie Ihr schweres Schicksal aus die schwachen Schultern nimmt. Jtax Hochdorf. Viel Claque und etwas Operette. Die Männer der Manon. Im Theater am Nollendorfplatz stieg das Ope- rettchen„Die Männer der Manon', Text von August N e i d h o r t und Robert Gilbert, Musik von Walter W. G o« tz e. Niedlich«, sanft« Musik, ebenso niedlicher Text. Ein unaufdringliches, unterhaltendes Kammeroperettchen, das nett gc- spielt und gesungen wurde. Das Paar Martha S« r o k— Kurt M ü h l h o r d t war stimmlich besonders gut. Amüsant und slott zeigten sich die Soubrette Else Müller und ihr Partner Willi S t e t t n e r. Aber alles ging unter In dem Sturm einer wild- rasenden Elaque, die sich viel anspruchsvoller gebärdet« als das ganze Spiel. Harmlose Melodien und Texte wurden endlos wieder- holt, und die Wogen einer unendlichen Langeweil« verschlangen das arm« Operettchen. Te,. Herzloser Humor. „Anschluß um Mitternachi". Marmor Hans Wenn man diese inhaltlosen französischen Lustspiele— in diesem Falle Natcinsons„Coeur Bube'— verfilmt, so laßt stch zwar die Situation ausbauen, aber der Reiz des Dialogs geht natüilich ver- loren und damit das beste. Mario Bonnards Regie rettet trotz- dem. was zu retton ist. Zugegeben: der Stöfs ist amüsant, aber er hätte mehr ironische Lichter oerdient. Der frühere, der jetzige und der künftige Liebhaber führen ihren Tanz um das Weibchen auf. Der Statist lebt von ihr. der reiche Großgrundbesitzer hält sie aus und der junge Mann aus gutem Hause liebt sie(nachdem er zufällig nachts ihre Telephonnummer erwischt hat und bei ihr eingedrungen ist). Spätere Zeiten werden solche Sitiendokumente viel- leicht als Kulturspiogel benutzen. Aber was kümmert uns das? Zum wievielten Male sehen wir schon dies« Tanzbars, diesen Ko- kottenluxus und diese Bilder aus Poris? Nun ja, der Regisseur gibt neue Nuancen und Robert» ist ein prächtiger Rückenmärker mit sehr viel Diskretion, Kurt B o i s eine nette Type und Jean B r a d i n der richtige Elegant. Nur Marcella Albans ist fest am Ort: sie schreitet mit ihrer Schönheit durch diese Affäre wie ein Fremdling aus einer anderen Welt. r. Kammersp ele:„Auf«ang nur für Herrfchasten.* Bei der Revolution haben wir(neben anderem) eine Kleinigkeit vergessen: die Stellung der Dienstboten zu heben. Sie werden teilweise noch heute al» Menschen zweiler Klasie behandelt. Um dies« Tatsache herum hat Siegfried Geyer sein« klein« Komädie„Aufgang nur für Herrschaslen' geschrieben. Baron Rommer ist nicht zu Hause, da kommt sein Diener Bastian aus die famose Idee, eine Dame zu bestellen, die er eben durch einen telephonischen Fehlanrus tennengelernt hat. Bostien gibt sich natürlich als Baron aus und ist glücklich, einmal In seinem Leben eine vornehme Dame zur Geliebten zu bekommen. Er fühlt stch in seiner Haut nicht restlos wohl, denn es hapert an allen Ecken und Enden mit dem seinen Benehmen. Richtig ungemütlich wird die Situation aber erst, al» der Daran unvorhergesehen nach Haus« kommt und, schnell gesoßt. die Roll« des Diener, übernimmt. Am liebsten möchte Bastien da, so hübsch gedachte Tete-a-tete gleich ab- brechen. Aber der Baron zwingt ihn, die begonnenen Freuden weiter auszukosten, und treibt den arnzen Bostien von einer Ber- i legenheit in die andere. Zu allem Unglück stellt sich auch noch her- au», daß seine vornehm« Freundin Stubenmädchen bei der Gelieb- ten de, Barons Ist. Statt zu soupieren, müssen sie nun servieren. Sie sind beide gründlich gedeppt. Es Ist sehr hübsch vom Autor, daß er un» dies» sozialen Unter- schiede vor Augen führt. Es zeugt von der Tiefe seines Gemüt». daß er seinen Humor aus Kosten geduckter Menschen verzopft. Für da, nächste Mal empsehle ich Herrn Geyer, körperliche Gebrechen in Komik umzumünzen. Stottern oder Hinken zum Beispiel. Da die Situationen allerdings oft überraschend lustig sind, wird viel gelacht. Unter Leo Mittler» Regle rollt die Komödie flott und munter ab. Man lach' vor allem über Heinz Mühmann. den Diener, besten ulkige Wurstigkeit allmählich In rührende Hilf- losigkeit übergeht, und über Otto Wallburg, der infolge seiner übersprudelnden Lustigkeit auch als Baron sympathisch wirkt. i Ernst Degner. „Oer lustige Wiiwer". Universum. Gemeinsam haben sie ein paar tausend Franken für den Urlaub gespart. Sie will ins Gebirge, weil dort die Luft so gut ist. und er will an die Rioiera, da es dort(jetzt, zur Zeit der Inflation) so billig ist. Nach einem Ehekrach fährt jeder seiner Neigung gemäß. In den Bergen regnet es unaufhörlich und an der billigen Rioiera geht sein ganze» Geld für das erst««arme Essen drauf. Ihm bleibt nun nicht» anderes übrig, als in dem Luxushotel, in das er durch Zufall als erster Gckst geraten ist. mit Wissen des Wirtes unter dem angenommenen Namen eine, Grasen den Reklamegast zu spielen. Das geht so lange gut, bis seine aus den regcnfchweren Bergen geflüchtete Frau aus der Bildfläche erscheint. Doch nach vielen Verwirrungen findet in erneuter Festigung das Ehepaar den Weg zueinander. Da wir durch die Uraufführungen der letzten Zeit, schon ollein was den Filminhalt anbelangt, durchaus nicht verwöhnt sind, erfreut uns dieses Werk. Harry Liedtke. der diesmal nicht nur der schmachtende Liebhaber zu sein hat, findet sich mit der Roll« des Ehemannes sehr gut ab. Leider ist die schlecht geschminkt« Alice Robert nicht die recht« Gatttn für ihn, denn sie bleibt, bei völlig gleichem Gesichtsausdruck, farblos. Glänzend hingegen ist Karl H u s z a r- P u s f y als der geriebene Hotelier. Anton Point- ner, Otto Walburg und Jack Mylong-Münz machen sich und dem Luxushotel als Reklamegäste alle Ehr«. Robert Land führt sauber, ulkig und gewandt die Regie. Bei der Premiere mußte der beifallsswrm'erprobte Harry Liedtke inmitten der übrigen Darsteller sich immer und immer wieder oerbeugen. e. b. Irrwege der Leidenschast. (lopitot. Dieser Film der rustisch-deutschen Gememschaftsproduktion ent- hält zu viele romanhafte Element«, er schwankt zwischen psycho- logischer Studie und Anklage gegen einen entarteten Großgrund- besitz. So schlimm war es fricher, heißt das Leitmotiv. Fürst Krasnopolski liebt nach allerlei Intermezzi die rein« Frau und folgt dann der dämonstchen, bis er als Bettler um Lieb« zur reinen zurückkehrt, Pech, daß«r dabei erschossen wird. Typ des posierten Herrenmenschen mit wettschmerzlicher Neigung, ein Typ, der von Puschkins.Onegin' über Lermontoff und Turgenjew bis zu Alexei Tolstoi»„lahmen fjerrn" reicht, der hier oersilmt worden ist. Die Näht« schließen sich nicht. Zwischen der romantischen Affäre der Anklage und dem ländlich- russischen Milieu klafft ein Bruch, den der Regisseur Konstantin Eggert nicht überbrücken kann. Ein paar wundervolle Bildausschnitt«,«ine Landschaft voll Leben und Atmosphäre. Bauern mit typischen Gesichtern täuschen nicht über die fragwürdige Romantik der Handlung hinweg, die dem Ende zu fast unfreiwillig« Komik streift, und hier wird auch die Regie schema- tiflert, st« stellt manchmal Bilder, die an die Bühne erinnern. Der Roman ist nicht im Filmischen aufgegangen trotz der guten Dar- steller. Eggert spielt den Fürsten. Hinter der Pose des Herrn und rück- sichtslosen Genießer» verbirgt sich der Willenlose, Getriebene. Be- sessen«. Bera M a l! n o w s k a j a, die rein« Frau, ist im Schmerz zu starr, aber als Mädchen von herrlicher Ungezwungenheit In der Rolle einer verlassenen Geliebten erweist sich Lenskaja als große Gestalterin, während die dämonisch« Dame zum Lachen reizt. kü 8. Volksbühne und Volksbildung. Die Bezirkstagung der Dotksbühnen in Brandenburg und Pommern, die dieser Tage in Stettin stattfand, wurde zu einem «indringlichen Hinweis aus die wachsende Bedeutung der Volks- bühnenidee für das deutsche Thcaterwesen in künstlerischer und wirk- schoftlicher Beziehung. Die Derhandttmgen wurden durch ein aus- gezeichnetes Referat des Büchereidirektor» Dr. A ck e r k n« ch t, Stettin, eingeleitet, das die Probleme der Volksbildung In Beziehung >:im Theater setzt«, enge Zissammrnarbeil von Volkshochschulen und Stadlbüchereien mit der Volksbühne sordert«. um da» Massenerlebnis zum Gemeinschaftserlebnis zu steigern. Don einem weiteren Anwachsen der Bewegung im letzten Be- richtkjcchr konnte der Bezirksgeschastssuhrer Fritz R. Schulz, Berlin, berichten. In seinen Ausführungen kam die Sorge vieler kleinerer Stadtverwaltungen um die Erhaltung ihrer Theaterbetrtebc in diesen wirtschaftlichen unsicheren Zeiten zum Ausdruck. Stralsund und Brandenburg a. d. H. wurden In diesem Zusammenhang be- sonders erwähnt. Die theaterlojen Stätte der beiden Bezirke wer- den durch das angesehene Ostdeutsche Landestheoter. eine der fünf verbandseigenen Wanderbühnen, versorgt. In zehn- monatiger Spielzeit zeigt das Theater elf CinstMerungen in 240 Aufführungen. Die Aussprache war sehr lebhaft. Der Dersamm- lungsleiter Sielaff konnte von geglückten versuchen der Einbeziehung tee wertvollen Films In den Aufgabenkrei» der Stettiner Theater- gemeinde berichten und zur Nachahmung In anderen Orten aus- fordern. Mehr als fünfzig Vertreter aus über zwanzig Ort.' wohnten den Verhandlungen bei. Am Nachmittag stand da, Repertoire des Ostdeutschen Lande?- theaters sür da» kommend« sechste Spieljahr zur Debatte. Ausstettung für Buenos Aires. Die Deutsche Kunstgenossenschaft hat. nn Einoer- ..ehmen mit t>em Auswärtigen Amt. eine Sammlung dent- scher Gegenwartskunst zusammengebracht, die fitr Buenos Aires bestimmt ist. und sie im Obergeschoß der Staatlichen Kunst- schule an der chardcnbergstraß« ausgestellt: in der Hauptsache 185 Gemälde, Skulpturen und Graphik treten an Zahl und Bedeutung gang zurück. Es ist bedauerlich, daß die Oeffentlichkeit von solchen Unter- nehmungen immer erst«rsährt, wenn nichts mehr zp ändern est. Diez ist nämlich keine beliebige Ausstellung sondern ein« Repräsentation der deutschen Kunst: für Südamerika, für ein Land und eine Millionenstadt, die wohl kaum irgend etwas von deutscher' Malerei der Zeitgenossen kennen, deren ganzer Bedarf von französischem Import gedeckt wird. Ein« solche Gelegenheit, dort zu zeigen, was wir leisten, mit frangösischer Kunst zu rivalisieren und sie(ein Wunschtraum!) aus dem Felde zu schlagen, müßte auss allersorg- fältigste und von den besten Kennern vorbereitet werden. Statt dessen erleben wir hier, immer mal wieder: aus allen Kunststädten Deutschlands werden Künstler aufgefordert, ein bis zwei Arbeiten einzuschicken: Hals über Kopf.>n drei Wochen muß alles fertig fein, erscheinen beliebige Bilder, fast alles gänzlich gleich- gültige, in einem halben Dutzend Fällen wirkl'ch vollgültige Arbeiten: jeder Künstler ist mit einem, selten mit zwei Werken oertreten. Das schlimmste ist nicht einmal, daß von vorzüglichen Malern gering- wertige Sachen da sind, sondern daß hier die Mehrzahl unserer besten, wie Hofer. Klee, Schlemmer. Kokoschka, Dix, Rolde, Kubin, Wollheim usw. ejnsach nicht vorhanden sind. Das Resultat ist nicht anders als bedenklich zu nennen, nicht bloß als Repräsentation unserer Kunst— als die wir es anzuerkennen uns durchaus weigern müssen— sondern vor allem als Repräsentation ssir die Leute in Buenos Aires. Mit dieser Ausstellung kann man die Argentinier von der Ueberlegenheit der deutschen Kunst leider nicht überzeugen. Das Fiasko ist schon heute vorauszusehen. Da iw mußt« ei zeitlich da» Ganze in drei Wochen zvfannnen- gebastelt werden? Da» Selbswerständllche ist, daß die Zeit der Bor» bereiwng gar nicht lange genug sein kann. Warum mußten sämtlich« Kunststädte Deutschlands paritätisch beteiligt, warum hundert Künstler ausgefordert werden? Wir wissen doch heute alle, daß die Talente nicht gleich näßig wie ein Landregen von der Mutter Natur ausgeteilt werden, und daß ihr« Freizügigkeit sie heute an drei bis vier Orten konzentriert Auch wirken fünfzehn wirklich gute Künstler mit ie zehn Arbeiten unvergleichlich deutlicher und überzeugender als hundert gute, m't'cl- mäßige und entbehrliche untersckiedslos mit je einem Bilde. Warum endlich, und das trifft den Kern der Angelegenheit, hat eine Künstlergemeinschast diese schwierige Operation in die Hand genommen und nicht ein oder ein paar Kenner? Zu obiektioer Auslese des besten eignet sich kein Künstlerausschuß. und bestände er aus noch viel gescheiteren und wohlwollenderen Herren rls er diesmal besteht— sondern allein der Nichtkünstler, sei es Ku ift- Händler. Museumsbeamter oder Kritiker, vorausgesetzt, daß er das Zeug dazu hat. Die wirklich maßgebenden Ausstellungen im legten Jahrzehnt sind die von modernen Museumsdirektoren(und ein- z e l n e n Künstlern) in Berlin, Mannheim, Düsseldorf usf. ver- anstalteten gewesen. Man sollte einmal vorausblickend für den nächstmöglichen Fall solcher Auslandsschau ein« ideale Zusammenstellung von Küistlern und Werken machen, die in Deutschland, freilich nicht ohne Mühen und Zeitverlust, zusammenzubringen wären au- Ateliers und Pvivatsammlungen. Das könnt« eine Sammlung von solchem Ge- wicht geben, daß wir damit wirklich durchdringen würden vr. Paul F. Schmidt. VI« hllndersiahrausslell»-' g de» verein» Ber'lner SünNIer wird Im Laiideeli»«slelliingS;,ebäude am Lebiler Badnbos am 4.. ik Ubr. feierlich erö�net. Vom 5.,!0 Uhr. ist sie sür daS Publilum geöcknet: Eintritt l Mail. vi« Täozeria Ediih von Schrei, ck, d-e biSder in München aelebl bat. ift nach Bernn, dordenbergstr. 3(St« nplatz 926) Übergesiedelt und hat hier eine Schule eröffnet. „Oie Wiener Festwochen 1929/ Musikalischer Pressetee. Zu einem musikalischen Tee im Hotel Esplanade hatte der Leiker der Presieabteilung der Oesterreichischen Gesandtschast, Dr. Erwin Wasserböck, gebeten. Für das abwechslungsreiche künstlerische Pro- gramm waren eine Reihe hervorragender Kräfte der Berliner Musik- welt ausgeboten. Der Konzertmeister van den Berg spielte eine Violinsonate von Mozart, die Kapellmeister Szell und Zweig, beide auch ausgezeichnete Pianisten, brachten vierhändig Schubert-Märsche zu Gehör, Vera Schwarz und H. H. Bollmann erfreuten die Gäste mit heiteren Gesangsoorträgen Zwischen den musikalischen Dar- bietungen stand ein Bortrag über die„W i e n e r Fe st wachen 1929". Hosrat Fcdor Gerenyi, der Delegierte der Fremdenverkehrs- kommission für Wien und Riederörsterreich, entwickelte bis in alle Einzelheiten dos umfassende Festprogramm, zu dessen Durchführung die österreichische Hauptstadt sich rüstet, und dos sich unter Anteil- nähme weitester Kreise der Bevölkerung auf alle Gebiete des künst» lerischen, geistigen und gesellschaftlichen Lebens, von der Oper bis zum Pferdesport, erstreckt. Der Redner wies darauf hin, daß es nach den günstigen Erfahrungen der vergangenen Jahre, insbesondere in Hinblick auf die Belebung des Fremdenzustroms, sehr reale, wirt- schaftliche Erwägungen sind, die bei allen maßgebenden Stellen den Vorsatz reifen wsien, die sommerlichen»Wiener Festwochen" zu einer regelmäßigen Institution auszubauen. Die Berliner Gäste, unter ihnen zahlreiche Vertreter der Presse und der Kunstwelt, folgten den anregenden Ausführungen mit lebhaftem Interesse. L.P. Serann»0ktl!ck> filr l>!« Ridaktion: KlLh», Derlln Berlin Lcr.'ag: Borwärls Verlag>s. m b H.. Berlin----------- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& leiarbeil willen ist ihr ein dauerndes Gebenlen bei allen Parteigenoffen sicher Die Fruengrappe der 74. Abttg. ■meuiu Do** ah"""• ehoiz- Dcllcrl mtPitzaa M K nderbenen. PoUtc, SA Ch..... mm'on--ues an Priwe, garen ramn. lUtsk-e 267'r l a EisenmBtraiftmrni som emoko mm man Sonnabend, den 4. Mai aadun. 3 onr 5VMW '•Uno öbel-Nolte�mairtii Scblafzinoier, Speisezimmer, Herrenzimmer, Elnzel-Mäbel, Küchen, Sofas, Rahebetten nci gegen 24 Monatsraten Scbönhaaser Alice 141 a (HocnDanu Danziger Itrabe) Verlangen SieVerlreterbesuch. zur Miete 'YSO.Aasbichertlr.l neat.aaKatt&.iar KottbStr,6 Ti 1.8 Uhr Elite- sanger Das ant Mal- Pregi. •Iw'iWIi HWnth itnw Beginn«.frttbiahnsafson! So reütende Kotlfime in Herrenstoffen und eng- SA7' lischen S offen ru M. 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J-V, Hindenburgdamm 58a Das Tagebads einer Kokotte Ihr Spiel seng Revue: leb sadse eine Fron Sonnabend, ll'/s ubr, Nachtvorstellung: Nadsskaharett rd»OdwGsfn m Fnm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1-5 Beginn r. u. Du närrlaebe SIgck mit Maria Paodler, Frtis Kampers Um seine Ehre ■"—»■ Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 9 U- Stg. ab 4J0. Frlnletn Else m. Elisabeth Bergner Du gsdc Bclprogr. Südosten Filmeck Be8innW:s"5� Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der van de Velde-Film: Die Ehe Gate BOhnensdsan JU'-enJIiche kein Zutritt_ Urania-Theater Wrangelstr. II, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8-4.1 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uht Der Mann, der lädst mit Conrad Veldi Beiprogramm, Bühmensdsan Sonnab. II1/, Uhr, Nachtvorstellung; Du erwaebende Gcsdsledsi, mit Vortrag Primus-Palast Hermannplatz Gr. Internat. Varieievorsicllnag Beg nn: Wochent 6, 9 U. Sonnt 3, 6, 9 U. Geschlossene Vorstellun en > Marlondorf""� Mm_ l; Martendon er lJa-L.1 Lldstsplelc ChausseestraSe 305 Stg 3 Uhr Jug.-V. Gefangene des Meeres AhsdsJedswalzcr BOfsneudsan Elysium" Prenzlauer Allee 58- Film und Bühne Die Ehe nach van de Velde Dr. DoIUtle and seine Tiere IMUsssensebaa Waiflens " i Schloßpark FUm- Bühne Berliner Adee 205—210 Die Ehe nach van de Velde Ein Grab am Nordpal Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochtgs. ab 6, Sonntags ab 3 Uhr Du brennende Herz mit Madv Chrtsifosss, Gissiav Fröhlids Auf der Böhne: Fünf Spabvögel, eine unerhört tust Angelegenheit Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Der rote Krell mit Lyn Mus Georg E Schm dt-Revue: So wird's gemadsil Gro(e Bühnesssdsao F ortuna-T ageskino MüllerstraBe I2c Beg. 10 U. r>rm Asphalt mit Gutav Fröhnds Ohne Gesetz nnd Redst Mtdebcnrinbcr Concordia-Palast Andreasstraße 64 Kinder der Strafte(Zille) Rln-Tln-Tbss schwerster Sieg Bühnesssdsao Kosmos-Lichtspiele Lich enberg. LückStraBe 70 Die eiserne Maske mit Don glas Falrbanks Revue: Launen der Liehe Jugendliche haben Zutritt a Kino Busch BÄÄh vit-Friedrichsfpide 3 Ihr dunkler Punkt mit Harrey, Frlisds Gehelmais des Vulkans mit Tom Mix Bfihnesssdssa W Nfederschdnawetde� Elysium CpuSpS�i) Hasselwerderstraße 17 Die Ehe nach van de Velde Bin Grab am Nordpol Gate BOhncnsebaa Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Meineid Der tolle Ozeanflieger Bühne: Marlonetteupiele Alhambra MüllerstraBe. Ecke SeestraB« Oer Mann mit dem Laabfroseb Revue: Einer sagfa dem Andern Metro-Palast ChausseestraSe 30 Groftstadiadsmettcrltag mit A. May-Woag Du alrrisdse GlOds m. M, Paodler Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5. 7. 9 Uhr Stg. 3 U. Jugendv. Meineid Der Held aller Mlddsentigame mit Harry Lledtke Pharus-Lichtspiele Mflüerstraße 142 2 droßfilme: Geld) Geldll Geldill mit Brigitte Helm Der Pos.räaber von Nevada Rialto" Film u. ßühne Reinickcrtdorret Str 14(am Wedding) Fräulein Else m. Elisabeth Bcrgner Abenteurer mit Harry Liedilm BQhoesssdsau GGSundbrtmn«n „Alhambra* Badstraße 58 Zigeuner pelmu Reidshalliges B< DQbBCOMiMN Beiprogra Ballschmicdcr- Licfaiip. Bad Straße 16 Der Leutnant Ihrer Matesiäi mit Iwan Pctrowirb Sandige lügend Bflhncnseban Humboldt-Theater Badstrag« 19 2 eroße Schlager: Meineid Tarzan unter den WSUca BOhncnsebau Kristall-Palast Prinzen;Uee I— n CagUosire mit Hau Stflwe Beiprogramm Grefte Bühncudhaa Marienbad-Palast Badstraße 35—36 Seine gröftle Liebe Mutter und Kind m. Henny Portes BObnenscbao ■»»HI.OW ff Palast-Theater Breite Straße 21 a Port Harolds liehe Schwieg mit Harold Lloyd Tivoli, Pankow Berliner StraSe 27 Das närrische Glück mit Maria Paudlcr Beiprogramm und BOhnenschaii W m«clRrtct»anBRutew W Film-Palast Biankenburgcr$traße 4 leb küsse Ihre Hand, Madam mit Harry Lledtke Di« Mitternaddstaze m. H. Plci W BclnlckendorF-Oxt M Bürgcrgartcn-Lichtsp. Hauptstraße 51 Die Frau, die feder lieht, bist Du Der Ztdeuserprtmat / &etta&e Freitag, 3. Mai 1929 SsvMpnö SmVauioaÄp dt» tbvärA Das Neurosenproblem Aus der Praxis des Sozialrechts Zu dem Artiket von Dr. Moses über Kriegsneurosen und Ver- sorgung möchte ich einige Ergänzungen aus der Praxis des Sozial- rechts geben. Die Entschädigungspflicht der traumatischen Neurose war in der Unfallversicherung schon seit langer Zeit stark umstritten. Durch die Militär- und Versorgungsärzte ist dann infolge ihrer Autorität und besonders auch dadurch, daß sie sich aus die große Anzahl der Verwundungen berufen, sowie des sehr erheb- lichen Beobachtungsmaterials durch den Weltkrieg, auf das sie sich stützen, ein Umschwung zu Ungunsten der Neurotiker erfolgt. Das Rcichsversicherungsamt ist der Auffassung im Bersorgungswelen gefolgt und hat sich in der bekannten Entscheidung vom 24. September 1926 auf den Standpunkt gestellt, daß eine Entschädigungspslicht nicht besteht, wenn nicht für die nervösen Störungen ein objektiver Befund vorliegt. Es mag bezweifelt wer- den, ob die ärztliche Wisienschast in der Lage ist. um In jedem Fall« eindeutig feststellen zu können, ob ein derartiger Befund vorhanden ist. Selbst bei der Beurteilung des Baumaterials wird meistens ein sehr erheblicher Sicherheitskoesfizient mit in Rechnung gestellt. De ärztliche Wissenschast glaubt aber imstande zu sein, bei einem Menschen— der doch nicht so leicht abzuschätzen ist. wie ein Stück cholz. Eisen oder ein ähnlicher Gegenstand— genau in Prozenten die Erwerb-fähigkeit feststellen zu können. Leider muß erwähnt werden, daß diese Grundsätze nicht nur im Versorgungsrecht und in der Unfalloersicherung.'sondern auch zu Unrecht von den Versicherungsträgern und auch von den Oberversicherungsämtern in der Invalidenversicherung angewandt werden, obwohl das Reichsversicherungsamt bei der Prüfung, ob Anspruch auf Invalidenrente besteht, sich diesem Stand- punkt bisher nicht angeschlossen hat. Es Hot sich vielmehr auf den Standpunkt gestellt, daß. fall» der versicherte nicht mehr in der Laae ist. da» Lohndrittel zu verdienen, er Anspruch aus Rente hat. a"ch wenn die Erwerbsverminderung durch die Neurose verursacht ist. Hierbei wird von den Lanbesversicherungsanstalten übersehen, daß bei der Prüfung über das Vorliegen der Invalidität der ur> sächliche Zusammenhang bedeutungslos ist. dem für die Cntschädi- gung in der Unfallversicherung«in« Roll« beizumesien ist. Noch bedenklicher ist es allerdings, daß sowohl von den Ver- sicherung-trägern, Spruchbehörden und auch vielfach von den Gut- achtern die erwähnt« Entscheidung des RVA. falsch aufgefaßt wird. Sogar bei dem Vorliegen des objektiven Befundes hat man die berechtigten Ansprüche abgewiesen, mit der Behauptung, es lägen nur nervöse Beschwerden vor, die nach der Entscheidung des NVA. nicht zu entschädigen seien. Die Landesversiche- rungsanstalt Berlin entzog einem Versicherten die Rente. da angeb'ich eine Besierung eingetreten sei. Der Gerichtsarzt des OVA. Verlin schloß sich dem an und befürwortete die Renten- entziehung. Das OVA. holte noch ein Gutachten von Profesior H i s ein, der dafür bekannt ist, daß er den Neurotikcrn nicht besonders sympathisch gegenübersteht, und der auf diesem Gebiete als b.'jpPdere.. Autorität gilt».. H... kam. zu dem.-Ergebnis, daß die-. Bentenenkziehung unbcrechligl sei, da im Befinden keine Besserung «ingetreten sei. vielmehr sei eine Verschlechterung festzustellen. Bei dem vorgeschrittenen Alter läge auch keine Zlussicht auf eine Belle- rung vor. vielmehr müsse bei der Natur des Leidens(Herzleiden und Arterienverkalkung) infolge des Allers und der vorzeitigen Alterserscheinungen naturgemäß mit einer weiteren Verschlechterung gevechnet werden. Er betonte besonders, daß die vorhandenen Leiden die nervösen Beschwerden voll erklären. Das ODA. hat sich über diefes durchaus günstige und schlüssige Gutachten hinweagesetzt und den Rentenentziehungsbescheid der LVA. bestätigt. Im R e v i- sionsverfahren hob dann das RVA. den Rentenentziehungs- boscheid auf. Auch in vnfalloersicherung ereignen sich Fehlbegutachtungen. Ein Kraftwagensührer verunglückte und erlitt neben anderen Vor- lchungen einen Beckenbruch. Er war längere Zeit in ärztlicher Behandlung im Krankenhaus, zuletzt in der Charit�, und wurde als arbeitsfähig entlassen. Obwohl das Gutachten der C h a r i t e einen objektiven Befund erwähnte, kam es doch zu dem Ergebnis, daß kein« erwerbsmindernde Unfallfolgen vorhanden seien und nur eine Neurose vorliege. Die Berufsgenosseistchast lehnte darauf den Entschädigungsanspruch ab und das Ober- versicherungsamt Potsdam wies die eingelegte Berufung zurück. Im Rekursverfahren wurde nun beantragt, da das Gut- ackten der Eharitö nicht schlüsllg sei, da es den objektiven Befund nicht berücksichtigte, noch ein Obergutacdten von einem Spezia'isten ein'ufordern. Es wurde dann Professor Sauerbruch mit der Erstattung des Gut-ubtens beauftraot. der zu dem Ergebnis kam, daß rn? seht erhebliche Erwerbsbeschränkung vorliege, und sprach das RVA. dem Verletzten«ine Rente von 56 Proz. zu. Auch im Dersorgungsverfahren sind ähnliche Fälle zu verzeich- nen. Ein Kriegsteilnehmer hatte eine Mastdarmsi st el, die als Dienstbeschädigung anerkannt war. Bei der Nachuntersuchung stellte der Dersorgungsarzt eine angeblich« Besierung fest und be- zeichnete die noch vorhaichenen Beschwerden als nervöser Art. Das Versorgungsamt entzog die Rente und das Versorgungs- gericht verurteilte den Fiskus zur Weitergewährung der Rente. Gegen diese Entscheidung legte nun der Fiskus Rekurs ein. Bei der Vertretung im Retursverfahren wurde darauf hingewiesen, daß die Stellungnobme des Fiskus im offensichtlichen Widerspruch zu den früheren Entscheidungen des Reichsversorgungsgerichts stehe. Eine Malldarmfistel sei zweifellos«Ine sebr vnanaenehme nnd schmerzhoste Erkrankrna. dir die nervösen Beschwerden erklärlich mach«. Dos RVA. schloß sich dem an und wies den Returs des Fisk"s zurück. Aehnl'che Fälle lassen sich noch in größerer An.zahl anfüh'en, durch die der Nachweis geführt werden kann, daß in den Kreisen, die über Ar-sprüch« Gutachten erstatten urtd zu entscheiden haben (Versicherungsträger, Versicherungs-, Versorgungsbehörden und Gutachter), d'e Stellungnahme der obersten Spruchbehörden zur Rentenneurose falsch aufgefaßt und dadurch auch nach der zurznti- gen ungünstigen Rechtslage durchaus berechtigte Ansprüche abg«- wiesen werden Es ergibt sich also in erster Lim« die Notwendig. keit. darauf hinzuwirken, daß die unleren Organe nicht über die für die Ansprüche der Benlenbewerber an und für sich ungünstige grundsätzliche Stellungnahme noch hinausgehen, und sobald sie von nervösen Störungen und Beschwe-den in den«»lachten finden, sehr leicht geneigt sind, ohne nähere Prüfung den Anspruch abweisen. Ob sich ab«r die Stellungnahme der obersten Spruchmstanzen für die Dauer halte, kön»«n wird, muß bezweifelt werden. Die Soziale Kosmetik— Die junge„Arbeiisgemeinschaft kosmetisch tätiger Aerzte Deutsch- lands" trat am Montag abend zum erstenmal vor die Oeffentlichkeit, um welle Kreise mit den Ausgaben dieser Organisation bekannt- zumachen Dielleicht könnte der Name der Arbeitsgemeinschaft irre- führen: es Handell sich nicht etwa um eine Art von Stondesoer- tretung, sondern diese Arbeitsgemeinschaft will, wie es im Punkt 3 ihrer Statuten heißt, für„die Einführung der Entstellungs- behandlung in die Sozialversicherung, unter besonderer Be- tonung sozialer Gesichtspunkte" neben dem Ausbau und der Förde- rung der ärztlich-kosmetischen Forschung und der Ausbildung und Fortbildung in der wissenschaftlichen und praktischen ärztlichen Kosmetik eintreten. Die Arbeitsgemeinfchast der kosmetisch tätigen Aerzte ist also eine Institution, die die Entstellungsbekämpfung zum sozialen Postulat erhoben hat. Die Beseitigung von Schönheitsfehlern ist heute nur demjenigen möglich, der über einen gut gespickten Geldbeutel verfügt. Und trotz- dem hat die Beseitigung körperlicher Makel eine eminent sozial« Bedeutung für viele Tausende berusstätiger Personen, für die ein körperlicher Fehler ein« schwere Berufsschädigung oder gar die Ge- fährdung der Arbeitsfähigkeit bedeutet. Es ist gewiß kein Zufall. daß die arbeitende Bevölkerung einen beträchtlichen Tell ihres Ein- kommen? in kosmetischen Präparaten anlegt. Die wirtschaftlich« Not der Nachkriegszeit bringt es mit sich, daß der Andrang zu den Berufs- und Arbeitsmöglichkeiten heute so groß ist, daß die Arbeitgeber ihre Auswahl nach den verschiedensten Ge- sichtspunkten treffen können. Die Entscheidung des Arbeitgebers wird nicht nur von sachlichen Voraussetzungen abhängig gemacht, sondern meist auch vom Alter und von der äußeren Er« s ch e i n u n g des Arbeitsuchenden. Ein Arbeitsuchender, der mit einem entstellenden Körperfehler behaftet ist oder vorzeitig« Zeichen des Alters aufweist, hat auch dann, wenn sein« Arbeitsfähigkeit allen Anforderungen entspricht, wenig Aussichten, Arbeit zu finden. Oft wird der Unternehmer auch durch die Besonderheiten des Berufs zu einer strengen physischen Auslese gezwungen. Ein Kellner, der mll einem entstellenden Hautausschlag behastet ist, würde von den Gästen abgelehnt werden. Die Schauspielerin, deren Gesicht durch eine entstellende Nase verunstallet ist, kann ihren Beruf nicht ausüben. Die D« r k ä u f e r i n. die— ohne all zu sein— frühzeitig von Allerserscheinungen gekennzeichnet wird, kann damll nicht rechnen, mit ihren Kolleginnen erfolgreich in Wettbewerb treten zu können. Körperliche Mängel oder Alterserscheinungen machen den Arbeller und Angestellten frühzeitig zum Arbellsinvaliden, selbst dann, wenn er tatsächlich noch in dei Vollkraft seiner Arbeits- sähigkeit steht. Die Entstellung ist«ine Krankheit. Allerdings mehr eine soziale Krankheit als eine Krankheit im medizini- schen Sinn. Ohne eigentlich krank zu sein, ficht der entstellte Be- russtätige gleich dem wirklichen Kranken im Wettbewerb des Lebens völlig hilflos da. Mlehnun�diefer�Aosprüch« hat tzoch.im«el«nlllch«t- dazu-geführt. daß diese Personen zu einem großen Teil der Fürsorge zur Lost fallen und dort unterstützt werden müssen. An diesen Stellen und bei den Fürsorgeärzten wäre am ehesten die Mög ichkeit vorhanden, durch Sichtung der Akten und genaue Prüfung der Einzelfälle Feststellungen treffen zu können, mit denen man die Gutachten der zurzeit maßgebenden Autoritäten entkräften könnte. ?raiu Nonnenmacher. Alkoholismus und Strafrecht Von Hans Hyan. Das zurzeit geltende Strafgesetzbuch beschäftigt« sich mit der Trunksucht nur in verschwindendem Maße. In 8 361 bedroht es mit Haft denjenigen, der»sich dem Spiel. Trunk oder Müßiggang dergestalt hingibt, daß er in einen Zustand gerät, in welchem zu seinem Unterhalt oder zum Unterhalt derjenigen, zu deren Er- nährung er verpflichtet ist, durch Vermittlung der Behörde fremde Hilfe iu Anspruch' genommen werden muß": und es läßt im 8 362 außerdem die Ueberweisung solcher Personen an die Landespolizei- bchörde zu, d. h. die verurteilte Person kann bis zu zwei Iahren in einem Arbeitshaus, einer Besserung»- oder Erziehungsanstalt interniert werden.. Des weiteren kommt der vielberusen« 8 31 in Frage. Er kann nämlich auch bei sinnloser Trunkenheit ange- wendet werden: insofern als.eine strafbare Handlung nicht vor- Händen ist. wenn der Täler zur Zeit der Begehung der Handlung sich in einem Zustande der Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistestätigkei« befand, durch welchen seine freie willensbestimmung ausgeschlossen war". Dazu jagt der Kommentar von Dalle:.Trunkenheit, die nicht in Bewußtlosigkeit ausartet. schließt die Straflosigkeit nicht aus." Das ist eigentlich alles, was das geltende Strafrecht, neben ein paar Bemerkungen in der Gewerbeordnung über die Schank- stätten, von der Trunksucht zu sagen weiß. In der Praxis wurde denn auch Trunkenheit gemeinhin äls strafmildernd angesehen und bewertet. Unser Strafgesetz stammt aus dem Jahre 1877 und zu jener Zeit wußte man noch wenig von der engen und ursächlichen Verknüpfung von Alloholismus und Kriminalität. Bezeichnend da- für ist die Tatsache, daß selbst das Wort Alkohol in dem gelten- den Strafrecht nirgends vorkommt. Der Entwurf zu einem neuen Strafgesetzbuch von 1925 handelt nun in Abschnitt 35 in tym S§ 335 bis 339 vom .Mißbrauch von Rauschgiften". Er will den, der ein Wirtshausverbot hat und trotzdem ein Wirtshaus besucht, ebenso mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestrafen, wie den Wirt, der solcher Person.geistige" Getränke verabreicht. Dasselbe soll dem geschehen, der Jugendlichen unter 16 Jahren sowie Patienten einer Trinkerheiianstalt Branntwein verabreicht. Aber bestraft werden mit Gefängnis bis zu zwei Iahren soll derjenige, der sich vorsätzlich oder fahrlässig durch den Genuß geistiger Getränke oder durch andere berauschende Mittel in einen, die Zurechnungssählgkeil ausschließenden Rauschzustand verseht, wenn er in diesem Zustand eine mit Straf« bedrohte Handlung begeht.— Auch in dem neuen Entwurf kommt das Wort Alkohol nicht vor und dos ist be- zeichnend für die völlige Verkennung des psycho- physischen Grundproblems, für die Außerachtlassung d«r wissensckoftlichen Errungenschaften, die die letzten Jahrzehnte auf diesem Gebiet- gebracht haben� Und wenn so der Gesetzgeber eine soziale Pflicht Erst spät hat die ärztliche Wissenschaft die soziale Bedeutung der Entstellungsbekämpfung erkannt. Zuerst sahen die Mediziner die Beseitigung von Schönheitsfehlern als eine ihnen unwürdige Auf- gab« an. Sie überließen den Kampf gegen En stellungen Laien und chemischen Produzenten, die meist In der gewissenlosesten Weise dem Publikum das Geld aus der Tasche zogen. Später erwachte bei den Aerzt�n das wissenschaftliche Interesse. Systematisch wurden Schönheitsfehler beseitigt, aber die Behandlung durch den Kosmetiker war und ist heute noch eine sehr kostspielige Angelegenheit, die nur den Gutsiüierten zugänglich ist. Erst in der jüngsten Zeit haben auch die Aerzte eingesehen, daß die Bekämpfung der Entstellungen zu einem gewichtigen Faktor im sozialen Leben geworden ist, daß gerade die Entstellungsbekämpfung der Wissenschaft ein weites und unerfchlossen«? Feld zur Betätigung eröffnet. Wie viele körperliche Mängel verbergen sich unter dem Sammel- namen„Entstellung"? Mängel, die den Betroffenen zwar nicht die Arbeitsfähigkeit, wohl aber die Arbeitsmöglichkeit rauben und ihnen so das Bewußtsein nehmen, vollwertige Mit- glieder der menschlichen Gesellschaft zu sein. Hierher gehören die angeborenen Verunstaltungen und Male, Entstellungen als Folgen von Krankheiten oder Unfällen und die Alterseni stellungen. Das verunstaltete Kind vertiert früh sein Selbstvertrauen, das Gefühl seiner Menschenwürde: das Gespött der Gespielen zwingt es, sich menschenscheu zu verbergen. Der durch Krankheit oder Unfall ent- stellte Arbeiter wurde zwar„geheilt". Aber die Entstellung blieb ihm. denn ihre Beseitigung gilt bei Aerzten und Versicherungsträgern als„Luxus", trotzdem die Erfahrung zeigt, daß die Arbeitgeber den Nichtentstellten unbedingt den Vorzug geben. Di« frühzeitig gealterte Arbeiterin erfährt Abweisung aus Abweisung bei der Stellensuche, mag ihre Arbeitskraft noch ganz unver- braucht fein. Die kosmetische Medizin hat die großartigsten Erfolge erzielt. Sie steht leider nur den Begüterten zur Verfügung. Was bleibt den minderbemittelten Entstellten, die mit ollen Kräften um ihr« Existenz kämpfen müssen, anderes übrig, als Kurpfuscher aufzu» suchen, ihr Geld für fragwürdige, oft schädlich«, meist nur unbrauch- bar« Präparate zu vergeuden, da ihnen der Weg zum Spezialarzt verschlossen bleibtl' Die Entstellungsfürsorg« wird und muß kommen. I h r e C i n». gliederung in die Sozialversicherung ist ein« un» bedingte Notwendigkeit, der sich die Versicherungsträger auf die Dauer nicht entziehen können. In diesem Sinn will die „Arbeitsgemeinschaft" der kosmetisch tätigen Aerzte wirken. Di« Unterstützung aller sozial denkender und verantwortungsfreudiger Menschen ist ihr gewiß. Es wäre eine Schande unseres Jahr- Hunderts, wenn Leute aus der menschlichen Arbeitsgemeinschaft nur deshalb ausgeschlossen blieben, weil ihnen nicht die Möglichkeit ge- boten wird, körperliche Defekte beseitigen zu lassen. Dr. Julius Mose». . ahnupgs- uvd,nchtlas.«m. dtn. Ertsnntnissen�einer neuen Zeit vor» übergeht so wird es keiner Wunder nehmen, daß die Berater des neuen Gesetzes, die Abgeordneten im Reichstag, sich letzten Endes auf den Standpunkt des Demokraten Dr. Haas einigten, wonach jeder betrunkene Mensch strafwürdig sei!! Was ist Alkoholismus?— Ein Krankheitszustand, den man unmöglich in einem Wort oder Satz definieren kann. Wer in jedem Fall bedeutet das Wort einen, durch den Alkohol, das ein Proto- plasmagift ist, hervorgerufenen Krankheits- und Erregungszustand, den der Staat dadurch mit hervorruft und fördert, daß er den frei«« Verkauf des Rauschgiftes an jedermann gestattet, ja, daß er sich an diesem Verkauf durch«ine ungeheure Steuer noch bereichert! Was sagt nun die Wissenschaft von den Wirkungen de» Alko- hols? August Forel, der schweizerisch« Psychiater, der sich dieser Materie besonders zugewendet hat, erklärt unter Berufung auf die Arbeiten von H. E. Ziegler, Fühner u. a. m. die absoluten Hemmungseigenschasten des Alkohols. Die Zelle des alkoholisierten Menschen wird in ihrer Fortentwicklung sowie in ihm Funktion durch den Alkohol gehemmt. Und dies« Generaleigenschast des Giftes, die der Hemmung nämlich, ist um so verheerender, als es in keiner Weise vom Körper verbraucht wird, sondern wieder aus- geschieden werden muß, was nur langsam oonstatten geht. Des- halb wirkt der häufige Genuß kumulativ: das Zellgewebe störend und endlich� zerstörend. Das Individuum wird also in erster Linie selbst durch den Sllkohol vergiftet. Und hier könnte man. dem Standpunkt des Gesetzgebers folgend, vielleicht sagen, daß jeder für sich selbst und seine im Rausch etwa begangen« Taten oerant» wortlich sei und dafür einzustohen habe. Aber, wie es schon in der Bibel heißt, die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Das Bedürfnis nach Alkohol ist beim gesunden Menschen nicht überwiegend. Leider aber ist die Zahl der völlig gesunden Menschen weitaus kleiner, als es den Anschein hat. Und zudem «rhöht der dauernde Genuß und Mißbrauch des Alkohols die Gier nach dem Gift, demoralisiert das befallene Individuum und macht es schließlich straffällig. Wenn aber der Alkoholisierte selbst unendlich unter seinem Laster zu leiden hat, so tragen den wahren Fluch doch erst seine Nachkommen. Denn so, wie jede Zelle des mensch- lichen Körpers, so wird vor allem die Keimzelle ver- giftet. Kinder, nicht nur von Säufern und Deliranten, nein auch von Leuten, die gewohnheitsmäßig Alkohol in größeren Mengen zu sich nehmen, die aber soviel vertragen können, daß der Laie ihnen die Erschütterung ihres Zentralnervensystems kaum anmerkt, kommen oft mit schweren Derbiidungen des Körpers und der Sect« zur Welt. Es gibt Fälle, wo solche Nachkommen derart alkoholintolerant geboren werden, daß ihnen der Genuß des Rausch- gsstes in jeder Form zur physischen Unmöglichkeit wird Aber zum weitaus größeren Teil bringt der Rauscherbe einen ver- größerten Hang zum Alkohol mit auf die Welt: und als Begleiterscheinung eine stark verminderte Resistenz gegen das Gift. Das heißt, der aus dem Raufh Gezeugt«, der. wie Goethe sagt, doppelt elend ist, braucht den Alkohol, um sein« ihn bedrückenden Unlustgefühle und Depressionen zu überwinden und die für jedes Wesen unerläßlichen Lustempfindung«« zu gewinnen: und auf der anderen Seite ist er in seinen Gegenwirkungen gegen das unent- behrliche Narkotikum aufs schwerste gehemmt.. Ist es deshalb angängig, vor dem wissenschaftlichen Crsahrungs- komplex von der«Strafwürdigkeit jedes Betrunkenen" zu reden? (Ein weitem Artikel folgt.) (3. Fortsetzung.) Aber der Meister wußte es, er roch den Braten schon. Schüch- tern und verstohlen schlich er um den Gesellen herum. Er kannte ihn ja: es wurde wieder Frühling. Da durfte man ja keinen Anstoß geben, sonst schmiß der Geselle die Arbeit gleich hin. Die Arbeit wenigstens, die er angefangen hatte, mußte der Geselle fertig stellen, dann mochte er gehen, zu halten war er ja doch nicht mehr. Und der Geselle? Der konnte auch sein Wanderfieber! Er wußte es nur nicht anzustellen, wie er sich vom Meister los machen könne. Er hatte es doch so gut gehabt, wurde gehalten wie der eigene Sohn, war geachtet vom Meister und von der Meisterin. Die beste und schwierigste Arbeit wurde ihm zugeteilt, denn er oerstand sein Fach und war schon weit in der Welt herumgekommen, war tüchtig und zuverlässig, dies bezeugten ihm auch sein« Mitarbeiter, die ihm immer den nötigen Respekt entgegenbrachten, und wenn sie selbst in der Arbeit nicht weiterwußten, ihn um Rat fragten. Und auch des Meisters Töchterlein— er wußte schon lange, daß sie ihn gern hatte, aber— Jedes Jahr war es dasselbe. Wenn nicht anders, dann wurde einen Tag blau gemacht und man holte sich zum Fremdmachen die nötige Courage im Wirtshaus, dann war die Sache leichter, und der Miester sah schon, wo man hinaus wollte, und ehe er sich mit dem Gesellen herumkatzbalgte, schrieb er Ihm seinen Fremdzettel, der nicht größer wie ein Quart- blatt war: Der Soundso war von dann und dann bis heute bei mir in Arbeit, war stets fleißig, treu und ehrlich und wünsche ich ihm zu seinem ferneren Fortkommen alles Gute. Und der größte Akt war vorbei Das war die schwerst« Stunde im Dasein des wandernden Ge» sellen. Wenn die gut überstanden war, hatte man wieder gc- wonnenes Spiel. Der Me'ster ging zum Wandschrank, holte die große Vierkantige heraus, Mutter mußte Gläser herbeibringen, und dann bekoni der Geselle noch den Abschiedstrunk, an dem sich auch die Meisterin und das Töchterlein beteiligen durften. Man stieß an, wünschte dem Gesellen eine gute Reise, das Töchterlein wischte Pch ein paar Tränen ab, und los ging es in die weite Welt. Aber so schnell kam man nicht aus dem Ort. Man hatte Geld in der Tasche.. Nachdem der Fremdzettel von der hochwohllöblichen Polizei- behörde beglaubigt und gestempelt war, man das Abzug-attest von der Polizei in der Tasche trug, das Wanderbuch visiert war, ging's in die 5)«rberge, um sich den anwesenden durchreisenden Gesellen anzuschließen, lieh ihnen im ersten Entzücken der wiedergefundenen Freiheit etwas zugute kommen und schenkte als soeben aus der Arbeit gekommener Geselle die wandernden Kollegen aus. Meistens währt« das Vergnügen so lange, bis er selber keinen Pfennig mehr in der Tasche hotte. Dann sucht« er sich einen Wander- gefährten, und anderntags ging es mit Jubel und Gesang zum Städtchen hinaus. Die verliebte Schäferin. Ich wanderte nun schon verschiedene Jahr«, natürlich mit Unter- brechungen, denn ich hatte ja auch in der Zwischenzeit immer wieder Arbeit angenommen, aber nirgends fühlte ich mich so wohl, so überaus glücklich, wie am Busen der Natur. Immer wieder zog es mich hinaus in's Freie, immer wieder auf die Wanderschaft. Nicht etwa, daß ich mich den Tag über im Chausseegraben umhersielte, nein, daran sand ich kein Vergnügen, ich wanderte meistenteils allein und machte anständige Märsche. Neun bis zehn Meilen täglich zurückzulegen war mir ein Leichtes, daran fand ich das größte Vergnügen. Wenn sich auch selten ein hungriger Hairdwerksburschemnagen kür Naturschönheiten interessiert, so blieb ich doch oft genug trunken von all der märchenhasten Schönheit stehen oder lagerte mich in's hohe Gras, um all die wunderbare Pracht auf cherz und Gemüt einwirken zu lasten. Ach, was war das für«ine Herrlichkeit, wenn der Weg durch uralten Wald führte! Hoch in den Lüsten sang die Lerche in der Morgensonne ihre jubelnden Lieder und wurde nicht müde, aus ihrer kleinen Kehl« immer neu« Melodien hervorzuzaubern. In der Weite klangen die süßen, schmelzenden Töne einer Nachtigall durch die morgendliche Stille. Amseln und Drosteln flöteten ihre lustigsten Lieder, dazwischen hört« man den Ruf de» Kuckucks und der Bunt- specht schlug dazu seinen Trommelwirbel, daß es durch den Wald schollt«. Stieglitze, Meisen Rotkehlchen, Finken und wie die Sänger alle heißen, wetteiferten im Gesang, all« Vögel gaben ein Konzert, wie man es schöner sich nicht wünschen konnte. Di« lieb« Sonne glänzte und leuchtete so hell und färbte mit ihren goldenen Strahlen uralten Baumbestand, deren altersgraue Rinden mit dickem Moos überzogen waren. Dazwischen lugten im Sonnengold badend« grüne Mesenflächen hervor. Aus mannshohem Gras guckten die Blumen. So ruhig und glückverheißend war es um mich her. berauschender Waldesdust umsing mich, daß Ich wähnte, in einen Märchenwald geraten zu sein. Ist sie doch wie eine schön« Frau unsere Allmutter Natur, die es versteht, sich ausgezeichnet zu schmücken! O, wie schön bist du, deine Wangen glühen, köstlich duftet dein Odem und liebevoll umfängst du jeden, der sich dir zu Füßen wirft, ohne Ansehen der Person! Es zog mich immer tiefer hinein in den Zauberwald und dort. die grünend«, blühende Fläche, die von Sonnengold umsponnen in der Fern« leuchtete, winkte zur Einkehr. ' Und neues Entzücken, als ich auf diesen wunderbaren Teppich der Natur angelangt war: das hohe Gros ging mir bis an die Brust und Blumen über Blumen leuchteten in selten gesehner Pracht. Ueber mir breitete sich der klare, tiefblaue Himmel, an dem die Silberwölkchen zogen. Sonnenstäubchen spielten und Spinnweben flogen wie Silberfäden durch die Luft. Ich suchte mir Im hohen dichten Gras das schönste Plätzchen aus, und sah den Silberwolken nach. Aus der Ferne klang da» Glocken- geläut weidender Schafe an mein Ohr. Ein Elchkätzchen kletterte am Baum in die Höhe und in den Wipfeln huschte eine Elster, ihren langen Schweis wie ein Pfau nach sich ziehend, von Ast zu Ast. Munter« Libellen spielten im Sonnenschein. Ich dehnt« mich, reckte mich, gähnt«, schlummerte ein und schon fielen Traumgeffter über mich her. Ich sah den Himmel offen. Ein herrliches Geläut aller Himmelsglockcn klang. Die Englein flogen hin und wieder und ich, ich schämte mich, weil ich mein Schnarchen zu hören glaubte, indes ein zartes Engelchen mich rot- voÄfuJwxstL bockig umflog, um mich zu küsten. Wie sehr verlangte mich, diesen Kuß zu erhaschen! Aber das Engelchen getraute sich nicht, weil ich zu sehr schnarchte... Ich rieb mir die Augen und wurde wach. Denn wirklich, mir brannte ein Kuh aus den Lippen Und was war das für ein Kitzeln unter der Nase? Schnell griff ich zu und hielt etwas Haariges in der Hand. Ein MSdchenkops war es, ein niedlicher Mädchenkops, den ich am Zopf hielt, und das Mädel schrie: .Laß mich los. Junge, du bist wohl verrückt geworden!?" Mein Erstaunen wuchs, als um mich her lauter weihe Schäf- chen weideten. Dos Nein? Mädel, das mich wach geküßt hatte, war eine Schäferin. „Der Hund," meinte sie,„hat dein Schnarchen gehört und die Herde hierher getrieben, aber laß dich man erst rasieren, dein Bart rst niederträchtig stachlig." Der stachlige Bart hinderte mich aber nicht, ihr trotzdem recht gut zu sein Auch sie nahm weiter keinen Anstoß daran. Wir ver- lebten ein paar glückliche Stunden.. „Wenn du arbeiten willst," meinte sie später,„kannst du bei meinem Bauern anfangen, der sucht für seine Obstallee einen Wächter!" Nur zu gehre war ich dazu bereit! Bis. wir ihren Frühstückskorb gemeinschaftlich geleert hotten. war es Mittagszelt geworden, und wir trieben die Herde dem Dorfe zu. das hinter dem Walde lag. Ich stellte mich ihrem Bauer vor, der es wohl zufrieden war, einen Wächter gefunden zu haben. Draußen auf dem Felde hatte ich eine Strohhütte, in der ich des Nachts schlief, den Tag über trieb ich mich in der Obstallee umher und paßte auf, daß niemand Obst mauste Bei starkem Wind gab es viel Fallobst das ich sammeln mußt«. Ich ging dann barfuß in Holzpantinen, die mir der Dauer gegeben hatte, die Gräben, die sich auf beiden Seiten der Straße befanden, entlang und sammelte das Obst, das von den Bäumen gefallen war, in einen Korb. Das schönst« Obst konnte ich direkt vom Baume essen. Und wenn Minna, so hieß meine kleine Schäferm, in der Nähe die Herde hütete, sprang ich zu ihr hin. brachte ihr ein paar schöne saftige Birnen, die ich extra für sie ausgesucht hotte, und wir sielten uns wie übermütig« Kinder im Grase umher. Ober sie kam zu mir und holte sich Obst. Jeden Baum konnte sie ja und wußte, welche Aepfel und Birnen am schönsten schmeckten. Im Anfang fiel mir das Hantieren mit den langen Leitern sehr schwer, denn mit solch' einem Ungetüm, das noch verschiedene Meter über den höchsten Baum hinausragte und. das man nur an zwei Sprossen gefaßt die Straße entlang balancierte, mußte man um- zugehen verstehen. Das war kein leichte» Stück. Aber als es mir der Bauer ein paarmal gezeigt hatte, war es eine Kleinigkeit für mich. Ebenso erging«» mir mit den Zweizentnersäcken. Erst war ich kaum imstande, einen solchen Sack auch nur auszurichten. Wer Uebung macht den Meister. Bald trug ich ihn schon vom Wagen bis in's Haus, nach acht Tagen schaffte ich ihn schon eine Treppe hoch. So ging es langsam immer besser, und eines Abends, als wir beim Abendbrot saßen, sagte der Bauer zu mir:„Wenn du erst zehn Wochen bei mir bist, trögst du die Zweizentnersäcke mit mir um die Wette, das Hab' ich heut' gesehen" Ich war ordemlich stolz daraus, wie mir das der Bauer sagte, und Minna, die neben mir saß, sah mich mit leuchtenden Augen an und lachte. „Was lachst du dumme Trine?",'agte der Bauer.„Karl kann froh fein, daß er bei mir was gelernt Hot." Minna fing wieder laut an zu lachen, sah mich mit ihren blauen Augen an und platzte heraus:„Er heet ja gornich Karl!"> Der Bauer nannte nämlich jeden Obstwächter, den er einstellte, Karl. Ich war wütend aus Minna, denn in einer schönen Stunde hatte sie mir meinen Dornamen abgelockt, und jetzt konnte sie sich darüber scheckig lachen, daß sie mehr von mir wußte wie der Bauer. „Na. wie heet hei denn?" fragt« die Bäuerin, und blinzelt- zu- Minno herüber. Ich versetzt« Minna mit meinem Bein unter dem Tisch einige Stöße, um sie zum Schweigen zu bringen, aber sie platzt« doch heraus:„Richard heet hei!", sprang auf und lief zur Stube heraus. Di« Bäuerin schmunzelte vor sich hin und der Bauer sagte: „Ah, nu gciht mie een Licht up, deshalb liegt he ock immer bei dir." Er hatte sie nämlich schon öfter bei mir im Graben sitzen sehen. Wenn sie ihre Schaf« nicht weit von mir weidete, überließ sie diese dem Hund, der auch mal allein mit der Herde fertig wurde. Und wenn uns dann der Bauer überraschte und fragte:„Na, wat suchst du denn hier?", da hatte sie schnell gesagt:„Ick häw mi bloß een par Aeppel geholt" und war zu ihrer Herde geeilt. Der Lauer sagte weiter nichts, er dachte sich schon sein Teil. Als ich mit dem Abendeflen fertig war, ging ich auf den Hof und psiff meinem Hund Waldmann, den ich jeden Abend mitnahm, falls sich nächtliches Diebsgesindel zeigen sollte. Ich dachte auf dem Hof« noch Minna zu treffen, aber sie war nicht zu sehen. Ihr Bett hatte sie in einem Derschlag neben dem Schafstall. Sie wird wohl schon liegen, dachte ich und ging mit Waldmann der Allee zu, wo meine Hütte stand. Der Hund schnupperte auf dem Erdboden herum, bis wir zum Dorfe hinaus waren, und dann türmte er mit erhobener Rute los. Als ich an meine Hütte kam. war Waldmann nicht zu sehen. Du wirst dich schon von selbst einfinden, dachte ich, weißt ja, wo du hin- gehörst, bist jedenfalls auf die Brautschou gegangen. Ich kroch auf allen Bieren in meine Hütte, erschrak aber nicht schlecht, als ich mich auf etwas Deiches legte und der Hund mit einem Satz über mich weg aus der Hütte sprang. Und da tönt« mir auch schon Minnas Gekicher entgegen. Den Hund hatte sie im Arm gehalten, damit er ruhig war. denn er hatte ihre Spur vom Haufe aus verfolgt. Sie erwartete mich hier und wollte wissen, ob ich böse auf sie sei. Na, bös« war ich nicht, wie konnte ich auch, da sie sich in meinen Arm schmiegte!„Aber es war nicht nötig, daß du das gesagt hast, es wird dem Bauer und der Bäuerin nicht recht sein," sagte ich. „Ach wat." küßte mich meine kleine Schäferin,„ick hät mi doch so freut, bat ick dat geseggt Hab. Die Ollsch neckt mi immer un seggt, Minna, seggt se, du kriegst doch keenen, nu wet se doch, dat ick och eenen häb. Un>.ck häb ock hied soon Verlangen noch di." Trotzdem es nur einfaches Essen gab, Fleisch gab's nur am Sonntag, wurde ich doch ein Kerl und kam zu Kräfte. Branntwein erhielt ich nicht. Pas hatte mir der Bauer gleich gesagt, und ich hatte auch nie Lust danach. sForts. folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Vom Baum zur Zeitung in 31Il Stunden. Um festzustellen, wie schnell ein Baum in der Papierfabrik ver- arbeitet und für die Zeitung verwendet werden kann, hat ein schwsdischer Fabrikant einen interessanten Versuch gemocht. Nach einem Bericht des.Leiwngsoerlages" wurde um H8 Uhr vormittags in dem Walde, der zur Papierfabrik gehört, ein Baum gefällt. Nach- dem das Holz zur Mühle gebracht war, konnte es so rasch zu Papier verarbeitet werden, daß der erste Ballen schon um S Uhr 3g Minuten aus der Maschine kam. Schnell wurde nun das Papier in Kraft- wagen zur nächsten Zeitungsdruckerei gebracht. Um ll Uhr vor- mittags wurden bereits die ersten Exemplare der Zeitung, di« auf diesem Papier gedruckt war, im Straßenhondel verkauft. So konnte man also die letzten Neuigkeiten auf einem Papier lesen, das noch 3� Stunden vorher in Gestalt eines Baumes im Wald« gestanden hatte. Wolkenkratzer als Flugzeugleuchtturm. ■ Das Manhottan-Baukgebäude. das am 1. Mai 1930 fertig- gestellt sein soll und das mit seinen 849 Fuß den bisherigen höchsten Wolkenkratzer, das Woolworth-Gebäude, um 44 Fuß Übertressen wird, erhält in seiner Spitze einen Apparat zur Aussendung von Lichtsignalen, um so al» Leuchtturm für Flugzeuge zu dienen. Der Wolkenkratzer wird 63 Stockwerte aufweisen und in einem„ modern i. sierten gotischen Stil" gehalten sein. Frcltaz, 3. Mai. » Berlin. 16.00 Prof.*. Velenlln; Crinneruneeii an Bernhard von BDlo». 16 30 Dlchlunten vom Reisen.(Jalios Unruh. Rezitation.) 17.00 UnterhaltaRrsmosHi(Kapelle Qcbr, Steiner.) AnichlleBerd; Mlttellunten des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.10 Direktor Jnlias GIlick:„Deutsche klassische Werke ia Csperaato". 11.38 Dir. Lempelius: Pmuchrltto im Qasfach. 19.00 BiUfrnk. IS 68 Dr. C. R. UderiOdt: Ansfim* am nimmelfahrtatas. 76.06 Ans der Pbilhaimonle; Sinfonie Kenrert. Dlrisent: Willem Mentefhcrc. I Cherubini: Ouvertüre zu..Aneereon".—3. Beethoven' Sinfonie Nr. 0 (Pastorale).— 8. Racbmanlnoff: Klavlerkoneerl Nr. 3(Wladlmli Horevlti).— 4. Llsat: Les Prdlndes, sinfonische Dichtuni(Konaert- gebeuw-Orchestor. Amsterdam). KOBiisvasterhaasea. 16.80 Prof. Dr. H. Mersmann; Clnführuni in Sonate nnd Sinfonie. 18.00 Prof. Dr. U Brühl: Die deutsche Fischindustrie. 18.30 Enslisch für Fortieschrittene. 18 55 Ob.-Im. Unebner: Großfenerschuta. 19.20 Dans Baluschek: Laienkunst la'Arbeltertebea. 22.45—23.15 Bildfunkversuche, Die Fiaker sterben aus. Während die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge auch in Wien in stetigem Anwachen begriffen ist, sterben die früher so populären Fiaker mehr aus. Die Zahl der Fiaker ist auf sieben und die der Einspänner sogar auf 3 gesunken. Die größten Kirchen der Welt. Die größte Kirche ist die Peterskirch« in Rom, die 54 999 Men- fchen Raum bietet. Der Dom zu Mailand saßt etwa 37 999 Personen und St. Pauli in Rom 32 999. Der Kölner Dom hat für 39 999 Personen Plötz und di« Paulskirche in London sowie die Petronius- kirche>»in Bologna fassen je 25 999 Personen. Die Hagia Sophia in Konstantinopel kann 23 999, St. Johann im Lateran(Rom) 21 999, der neue Dom zu Rew-Bork 17 599, der Dom zu Pisa und die Stephanuskirche in Wien je 12 999, die Frauenkirche in München 11999 und die Markuskirche in Venedig rund 7999 Menschen auf- nehmen. Das Flugzeug als Trapez. Die tausendköpfige Menge, die sich dieser Tage auf dem Flug- platz von Jeumont in Belgien oersammtlt hatte, um den Kunst- stücken des berühmten Flugzeugakrobaten Vincent beizuwohnen, wunde in ihren Erwartungen nicht enttäuscht Während sich dos Flugzeug, da» von dem belgischen Piloten Petermanns gesteuert wurde, in 699 Meter Möhe befand, führte Vincent auf einem Trapez, das vom Flugzeug herobhing, die halsbrecherischsten Kunst- stücke aus. Plötzlich riß ein Trapezseil. Dem Akrobaten gelang es, sich am anderen Seil festzuhalten, jedoch war es Ihm unmög ich, zum Flugzeug hinaufzuklettern. Ein zweites Flugzeug eilte zu Hils« und kreist» um den sich an einem Eeitende festklammernden Akrobaten, in der Hoffnung, daß es ihm gelingen würde, sich aus die Trogflächen zu retten. Der Akrobat war ober vom Schreck so gelähmt, daß er sich weigerte, da» Seil loszulassen. Es war in- zwischen dunkel geworden und Petermanns entschloß sich, im G':it- slug langsam niederzugehen. Endlich konnte Vincent das Seil lir- lassen und abspringen. Der jubelnd begiüßte Luftakrobat kam ort einigen Hautabschürfungen und einem Nervenschock davon. Was uns fehlte, In Parts ist ein Roman ohne Warte herausgegeben worden, der an Hand o«n PhataHrapipen di« Erlebnisse eines Paares be- schreibt. Dt« Anzahl dar zu diesem Buch zukvunengestellten Phoiv- graphien beträgt 048. Ein junger Bankler, der mit einer Filmdiva verheiratet war, sagte einmal zu ihr: „Ich war heute bei einer Wahrsagerin und habe mir für 199 Dollar die Zukunft deuten lassen. Weißt du, was sie mir gesagt Hot? Sie sagte mir, daß du mich nicht liebst." „Du Idiot!" rief di« Diva,„das hätte ich dir umsonst sagen können!" Arbeitersport am Sonntag. Um die ostdeutsche Meisterschaft.— Der Grofjstaffellauf. Zum erstenmal tritt die bundestreue Arbeiterfußball» bewegung Berlins an die Oeffentlichkeit, um den Beweis zu er- bringen, daß die Bereine in der kurzen Zeit ihres Bestehens über eine beträchtliche Spielstärke verfügen. Das Spiel um die ostdeutsche verbandsmelsterschast, das am Sonntag auf dem Sportplatz Kynast- straße, am Bahnhof Stralau-Rummelsburg. stattfindet, bietet die Gelegenheit. Der Meister des 16. Kreises, Döbern-Aorfl und Luckenwalde II, der Meister des ersten Kreises, treffen sich im Endspiel. Die Döberner verfügen über einen beweglichen Sturm, der auch im geeigneten Moment Tore zu schießen vermag. Di« Läufer- reihe ist ausdauernd und flink. Das Schmerzenskind der Mann- schaft dürfte die Verteidigung sein. Luckenwalde II ist den Berlinern schon durch die Spiele um die Krcismeisterschaft bekannt. Die Hauptstärke der Mamischaft liegt bei den Läufern und dem Torwart. Beide Mannfchaststetle haben bei ihren Spielen gezeigt, daß sie zu den besten des Kreises gehören. In Stettin, bei dem Vorrundenspiel gegen Nemitz zeigte der Tor- wart sein« holze Klasse. Wenn wir den Luckenwaldern deshalb ein kleines Plus einräumen, so dürften wir damit das Richtig« getroffen haben. Die Mannschaften spielen in folgender �lufstellung: w« r e t» i Hole» Hend.»e�e Hose Herrmonn Weinhold Schulze chattermeqer Dultlchlich Lehmann H'ersizl Sedach Baldennana Aruber Hoffmann Becker Sendet Karau Spielhagen Nlendors Echloßhauer Linie Lenz Licht Zieh« Schbnsee t. A re>»: Blougoldne» Hemd, weiß» Hose Beginn des Spiels 16 Uhr. Borher findet ein Iugendwerbe- spiel Eiche-Köpenick gegen Vorwärts-Kladow statt. * Sonnabeihd-Thiele: Lichtenberg I erwartet am Sonn- abend den Besuch der Weißenseer Mannschaft. Weißens«? hat in den bisher ausgetragenen Serienspielen noch keinen Punkt verloren. Alle Gegner wurden mit einer beträchtlichen Torzahl abgefertigt. vb es ihnen allerdings gelingen wird, ihren Siegeszug gegen die in letzter Zeit sehr stark im Kommen begriffenen Lichtenberger fori- zusetzen, ist sehr fraglich. Das Spiel findet auf dem Sportplag in der Kynaftstraß« statt und beginnt 18 Uhr. kundestreue Sportler in Treptow. Di« � Meldeergebniffe für den G r o ß st a f f e l l a u f der bund es treuen Arbeitersportler am Sonntag, 5. Mai, In Treptow haben die Erwartungen stark übertroffen. Trotzdem die meisten Abteilungen und Vereine noch stark im Aufbau begriffen sind, gelang es, sast 1000 Teilnehmer auf die Beine zu bringen. Un- gerechnet sind die Teilnehmer an den Spielen und Massen- freiübungen Jedem Interessenten ist dringend zu raten, den spannenden Stasselkämpfen beizuwohnen. Beginn der Deran- staltung 1414 Uhr. Mit den Meldungen steht der Athletik-Sport-Club prozentual an erster Stelle. Zweiundzwanzig Stafetten schickt er ins Rennen. Es folgt dann die Freie Turnerschaft Groß-Berlin, die sich leicht- athletisch stark herausmacht. 66 Mannschaften haben die Bezirke ge- meldet. Eiche-Köpenick meldet elf Mannschaften mit 82 Teilnehmern. Der Sportverein Moabit macht eine Schwächeperiode durch, welche durch den Austritt der„Extremen" hervorgerufen ist. Unter einer guten Leitung wird auch dieser Schaden bald behoben sein. * Kampsrichter und Wettkämpfer am 5. Mai. Um die erste Der- anstaltung glatt abwickeln zu können, müssen Teilnehmer, Kampf. richter und Ordner pünktlich am Bestimmungsort fein. Spätestens 14 Uhr muß jeder Teilnehmer in der Umkleidehalle im Gymnasium, Treptow-Rathaus, sein. Kampfrichter und Ordner: Besprechung um 14 Uhr auf dem Platz. Lippert. Olympia und Rütt. Der Radsport am Sonntag. Am ersten Sonntag im Mai gelangt auf der Berliner Olympiabahn der„Große Preis der Republik" tn Gestalt eines Stundenrennens zum Austrag. Hieran nehmen Sawall, Krewer, Thollembcek, Saldow und Leddy teil. Diese fünf Fahrer bestreiten vorher noch ein Einleitungsrennen über 25 Kilometer, die Fliegerrennen sind Amateuren und Berufsfahrern offen. Für den Volkstag auf der Rütt- Arena, der um 16 Uhr nachmittags seinen Anfang nimmt, hat Rütt wieder«in Programm besorgt, bei dem sowohl der Humor, als auch der Sport z» seinem Rechte kommen sollen. Die Ausrufer-Wett- b e w e r b«, die bisher auf der Rütt-Arena stattfanden, hatten einen derart glänzenden Erfolg, daß der Andrang der Bewerber zu dieser bereits zum vierten Male stattfindenden Veranstaltung ganz kolossal ist. Man wird also auch diesmal wieder über den Berliner Humor, den die berufsmäßigen Straßenverkäufer aller„Branchen" beim „Kampf" um die wertvollen Barpreife an den Tag legen werden. Tränen lachen können. Besonders interessant ist, daß diesmal Paul Graetz ein von Roellinghoff verfaßtes Gedicht zur Einleitung vorlesen wird. Nicht weniger interessant dürste der neuartig« Wettbewerb der Nachrichten. Uebermittlung durch 26 oerschieden« Be- förderungsmittel werden. Damit das Publikum diesen Wettbewerb in allen seinen Phasen oerfolgen kann, läßt Rütt ausschließlich auf dem Jnnenstreisen der Bahn lausen. Viele bekannte Sportsleute aller Sparten haben zu diesem Wettbewerb gemeldet, der darin besteht, daß eine Nachricht, die den verschiedenen Bewerbern gleichzeitig aus- gehändigt wird, nach Zurücklegung von 20 Runden— 5 Kilometer abgeliefert werden muß. Don den Teilnehmern sind in erster Linie zu nennen: Erich Aberger auf dem Motorrad, Georg Kroschel auf dem Automobil. Weltmeister Willy Arend auf einer Tourenmaschine. Walter Rütt auf der Rennmaschine. Straßenmeister Richard Hufchke, der Eisläufer Hans Meyer auf Rollschuhen, der bekannte Marathon- läufer Paul Hempel. der Weltrekordgeher Hermann Müller, der be- kannte Jockey Franke auf„Podbielski", der Transportdreiradmeister Dünnebacke, eine L S u f e r- Stafette. Der Eintritt beträgt nur 60 Pfennig. Rbil Scott Rinihtsicgcr über Haymann. Die von den Boxsportanhängern diesseits und jenseits des Kanals mit großer Spannung erwartete Begegnung zwifchen dem deutschen Schwergewichtsmeister Ludwig Haymann und dem eng- tischen Titelhalter Phil Scott ging am Donnerstagabend in London vor sich. Für den großen Kampf war eine �Börfe von 6600 Pfund(rund 70 000 M.) ausgesetzt, eine Summe also, die, ganz abgesehen von Deutschland, für europäische Verhältnisse außer- ordentlich hoch und in ähnlicher Höhe nur selten gegeben worden ist. Man hatte erwartet, daß Scott, der in Deutschland Samson- Körner und Diener schlug, durch seine Bühnentätigkeit das Training vernachlässigen mußte und daher vielleicht nicht in allerbester Form im Ring erscheinen würde. Aber Haymann, der in seinem letzten Kamps gegen Wagener schon nicht allzuviel gezeigt hatte sah sich einem Scott gegenüber, dem er nicht gewachsen war. In beinahe überlegener Manier zerstörte er die Ansätze Hoymanns. Die hervorragende Linke von Scott konnte Haymann nicht immer überwinden, den Nahkamps mußte Scott geschickt zu vermeiden. Wirtlich gutes Können zeigten beide in der zehnten Runde. Ihre Schläge waren aber nicht wir- kungsvoll genug, um eine Entscheidung herbeizuführen. Diel mußt« Haymann dann in der nächsten Runde einstecken, in der Pause er- holte er sich aber schnell, in den letzten Runden war Haymann sogar der Frischer«, an dem'Punktsiege Scotts war aber nichts mehr zu ändern. Beim Publikum hinterließ der Deutsch« einen guten Eindruck, Scott dagegen wurde ausgepfiffen, weil es ihm nicht gelungen war, seinen Gegner entscheidend zu besiegen. MuYidUooüUi/ Spiele am Sonntag. Da am Sonntag der Großstasfeltag stattfindet, wenden nur wenige Serienspiel« ausgetragen. Im 2. Bezirk empfängt Vorwärts- Hennigsdorf um 17.10 Uhr FTGB-Rofenthal: der Siege, mutzte hier Hennigsdorf fein. Im 3. Bezirk hat Potsdam 1. Männer FTGB.-Wedding III als Gegner, und Brandenburg L. Abteilung besucht Drewitz. Die erstgenannten Mannschaften werden auch die Sieger sein. Das Spiel de» 4. Bezirks FTGB.-Neukölln gegen Wilmersdorf findet um 16,60 Uhr im Treptower Park als Werbe- spiel statt. Wilmersdorf wird die Punkte mitnehmen. An Gesellschaftsspielen finden statt- Sonntag, 4. Mai. FTGB.-Nordost 1. Männer gegen FTGV.-Neukölln II um 18 Uhr in Hohenschönhausen. Sommerstratze, und FIGB.-Rordring I gegen FTGB.-Süden S um 18 Uhr auf dem Exerzierplatz. Sonntag, 6. Mai, fpielen Charlottenburg-Schwiwmer gegen FTGB.-Adlershof um 10 Uhr im Volkspark Jungfernheide, Sokol gegen FTGB.- Pankow um 1014 Uhr in der Niebuhrftraße, Tegel gegen FTGB- Wedding II um 11 Uhr in Tegel, Graf-Rödern-Korfo. Frauen-' spiele: Nowawes gegen Berlin 12 um 10 Uhr in Nowawes. FTEV.-Wedding gegen Neukölln um 16.60 Uhr im Treptower P-m imd Vorwärts-Hennigsdvrf gegen Velten um 16 Uhr in Belle" Kleiner Arbeitersport. In der kommunistischen Presse erschien kürzlich die Mitteilung, der bundestreue Derein„Eintracht"-Mahlsdorf hält« ein» Resolution gegen den sogenannten Oehkschlager-Lrief angenommen. Das De- zirkskartell Lichtenberg beschäftigte sich in. der letzten Sitzung mit dieser Sache, e» stellte sich folgeiibes heraus: Von den zirka 85 er- wachfenen Mitgliedern des Vereins waren 87 anwesend Da ein Teil der Mitglieder mit einigen nebensächlichen Arbeiten Oehl- schlägers nicht«inverstand«» ivaren, verfaßten si« e'ne Resolution, die dann mit einer Zufallsmehrheit von IS gegen 18 Stimmen an- genommen wurd«. Doch selbst diejenigen, die für die Resolution stimmten, bekennensichk«in«swegzzur,,Oppojitio n". Hätten die Mitglieder gewußt, daß so eine Abstimmung vorlag, so wäre die Versammlung besser besucht und die Mitglieder wären belehrt worden. Sie bedauern außerordentlich, daß die kommu- nsstische Press« ihren Verein in Mißkredit bringt Der Vorsitzende, der Mitglied der KPD. ist, verurteilt« aufs fchärsste die Kampfes« weise der KPD.-Sportler gegen die Bundestreuen und die SPD. und betonte ausdrücklich, daß sein Verein unbedingt bundes- treu bleibt und die Ausgeschlossenen sich ko»ne Hsfsnung mache» brauchen, daß sie mit ihnen zusammenarbeiten. Sie stellen die Bundesarbeit weit über die Parteiarbeit. Rennfahrer des Arbetter-Rad- und Srastfahrerbuvdrs„Solidarität". Sonntag, 6. Mai, Straßenrennen des 26. Bezirks, Strecke: Falkensee, Börnike, Pausin, Falkens««. 60 Kilometer. Umklcidelokal in Falkensee(hinter Spandau). Sannnelstart für die Drsß-Berliner Rennfahrer und Ordner am 6. Mai, früh 414 Uhr i» Charlotten- bürg, am Knie, Ecke vismarckstraße. Bon dort gemeinsame Fahrt nach Falkensee. Gäste willkommen. Beginn der Fußballänderspiele in Deutschland. Der Avbeiter- Turn- und Eportbund beginnt nach feinen Spielen in England, Pfingsten 1929 mit der Austragung der in Deutchflond vorgesehenen Fußballänderspiele. D>« Länderspiele Schweiz— Deutschland finden in Eütdeutschland statt. Das erste Spiel steigt am Psingstsonnabend in Karlsruhe: da» zweit« Spiel Pfingstmontag in Augsburg. In beiden Städten wird eifrig zearbeitet, damit die internationalen Begegnungen zu arsßen Er- olgen de» Arbeitersports werden. Da» diesjährig« Treffen ist die zweite Begegnung zwischen den Auswahlmannschaften beider Länder. Im Jahr« 1927 spielte die deutsche Mannschaft in Basel und Zürich. Das erste Spiel wurde mit 10: 0, das zweit« mit 1:0 gewonnen. Der Schweizer Verband wird versuchen, divse Nieder- lagen wettzumachen. Sportliche Beziehungen Lettland— Ruhland abgebrochen. Der am vor- Dundesoorstand de» Arbeitersport- und Schutzbund«» Lettland bat beschlossen, die sportlichen Beziehungen mit Rußland abzubrechen. Der Beschluß wurve hervorgerufen durch wüste Angrisse in den russischen Sportzeilschrikten gegen den lettischen Bund. Dazu kam noch der Umstand, daß die Russen während den letzten acht Monaten kein« der angesagten Sportwettkämpfe durch- führten und dadurch den lettischen Bund fffb« MöGllch-keit nahmen, anderen rusflsche» Vsrschlägen Glauben zu schenken. Frei» eckpohxnMt fetog-Serfln, t. V. Cmiof» eiomcnaSaW: Monatsoer. sommluna tei e,»nil»r,»oonrirtoiiimoll»,,»r>it«z, 8. Mai, 20 Uhr.-OSr»p»e OlwiiNNc: ckrupp-noersommlung>« tlfenta gct.ta«, 8. Mai, M Üb», conn- >o«. 5, Mal, Satciliguni«n»er Parti« mit Snifp» Mitte. Sctffpunft TZI Uhr Ph>. lobuto, Pahnstei» I.— ckrap?» Mitte:««»»tag 8. Mai, Portie nah«rtner-LAcknitz. Seaiktmnlt SU. Kötft 7 Uhr. Sruppenver- iommluna Moniog, 6. Rai, Schrlt>,rstr. 2,»ei vrntt. «rbeiter-Ztad. und Z>«ttiatzr«».Baad.«»liSaeitSt*,n«in« Matarfchmadteilung gegrünbet.«nschritt:(. Z!!-n«eIsahnftr. 9, Aufgang I. Tour cm» Rai,# Uhr, Buckow tMärkisÄe Schmeiz). Start kanbobergrr Platz.— 2. Bezirk. Atzt,«harlotteuburg: 9. Rai(Himmelfahrt) Herrenpartie. Start 7 Uhr, stiel: Miickenheim, Boigt. Dam-noartie nach Helmmiickennoigt. Start II Uhr, Gemeinsamer Start II Uhr tum Abfahren nach Finkenkru». Rotarfahreradteitung: Start 8H Uhr Nauen. Sämtliche Starts bei Aeimer, Nilmrrodorler Str. 21. ettftodeI&, j» oj ttett 6«u8*"t h»' W«gStzc«* rheiloi QWW») Jtb»«1 itoA i(y-- CVve� Sr iparte Gtö&c 3�- atet fr nett«* eiie* tat -, 54t n w* ttvä 63.- �(fafchifte-Jtnyeiger* t&ezirß füden-Weften. PiflkätC an den Ansdilagsäulen in Groß- Berlin haben stets Erfolge. Ausführung durch die Berliner Anschlag- und l»H Reklamewesen G.m.b.H. Berlin SW19, Grünstr. 17/20, Pernipr.: E 1 Berolina 5991 Für Bekleidung Jeglicher Art 181 IX tf Kleider Vertrieb GeseiirAaft l\aVnUnGebr. Sklarek Berlin SW 19v Kommandantenstraße 80-81 £sst Sa** et**0 Iii ticsund preis vrerd Maierhfltte rlln C.m.to.H. 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