Morgenausgabe Tlr. 205 A 105 46.Iahrgang DScheuMch SSPs» mosatNch S.SS TL im voraus zahlbar. Voftve�ug L22 TL «inichiießlich 60Pfg.Püstzeitun.u»- unb 72Pfg Postdeftellgebuhren. Auslands» obonnemtni 6.— M. pro Monat. Der �Donväns' erschetm wochentfy. litt) zweimal. Sonntags und Montags etnmal. die Abendausgaben für Derlm und im Handel mll dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Vo!t und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen. stimme".Technik"..Blick in die Lüchenvest" und.Iugend-Vorwarts� p> Berliner Voltsblatt Sonntag 5. Mai 1929 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswä'ris 20 pf. Die«inipalkige NonpareilleAeil« 80 Pfennig. ReName ei!e 5.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen� das ettge« druckte Wort 25 Pfennig lzuläsfig zwei fettaedruate Worte), zedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Ardeitsmartt Zeile 60 Pfennig Familtenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschast Linden- ftraße& wochentögl. von öVa bi» 17 llhA Jentvawvgan de« Sozialdemokeatisthen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstrotze 3 Fernlpreider� rönboli RS— LS? lelegramm-Slr.: Eonaldemokra» Berli» Vorwärts-Verlog G.m.b.H. Dolllcheckkomo: Berlin 87 KSK- vantiomo: Bant der«rdeliei.«ngeüellien und Brcmiie» Wallftr. S5 Diikonto.Gelellschatt. Depositenlasie Lindenstr> Reuer Vorschlag in Paris. Von den Deutschen bedingungsweise angenommen. Paris, 4. Mai.(Eigenbericht.) Die dentsche Delegation zur Jachverständigenkonfe» renz hat folgendes Kommunique ausgegeben:„Am Sonn- abeudnachmittag hat in einer Besprechung der Gläubiger» grnppeu der Borsittende des Komitees Ziffern für den Zahlungsplan mitgeteilt mit dem Hinzufügen, die deutsche Delegation habe ihm erklärt, das; sie bereit sei. diese Ziffern unter ganz bestimmten Bedingungen a u- zunehmen, wen» die GlänbigergruPPen ebenfalls dazu breit seien. Die GlänbigergruPPen haben die Er- klärnng abgegeben, das; sie den mitgeteilten Vorschlag einer sofortigen Prüfung unterziehen würden." Vor Montag oder Dienstag ist eine Klärung der Lage auf der Sachverständigenkonferenz n i ch t zu erwarten. Die A m e r i- k a n e r entwickeln starke Aktivität. Es ist ihnen gelungen, die deutsche und einen Test der alliierten Delegationen auf der Grund- läge des jüngsten Vermittlungsvorschlages, der«ine mittlere Jahreszahl ung von 2 Milliarden Mark vorsteht, ein- ander nahe zu bringen. Die chauptschwierigkeit liegt Im Augenblick bei den Franzosen und Belgiern, die zwar nicht mehr ganz so unnachgiebig sind wie in der Vorwoche, aber im großen und ganzen noch immer an den Ziffern ihres Memorandums festhalten. Die Deutschen haben Ende der Llnruhen. Keine Zwischenfälle in Neukölln und am Wedding. Der Polizeipräsident teilt UVi Uhr abends mit: Die Tagesstunden des 4. Mai und auch die Abend- stunden bis 1t Uhr sind sowohl in Neukölln als auch am Wedding ruhig verlaufen. ES ist zu keinerlei Zwischenfällen oder Zusammen- stösten gekommen. Damit scheint nun auch in den Un- ruhebezirken, die nur einen verhältniSmästig kleinen Teil Berlins umfassen, die Ruhe wieder herge- stellt zu sein, die in den übrigen Stadtteilen nie ge- stört war. KPN-Spuk in München. Zusammenstöße mit der Polizei. München, 4. Mal.(MTB.) Die Polizeidirektion München gab folgenden Bericht aus: Am Samstag nachmittag 3 Uhr sammelten sich im Colosseum, in dem eine von der Polizedireltion verbotene Protestkundgebung gegen die.Arbeitermörder" stattfinden sollte, etwa 309 Personen, darunter etwa 80 Angehörige des Rot-Frontlämpser-Bundes. Die Menge wurde über die Wiltelsbacher Brücke aus das rechte Isar- user gedrängt. Der dort sich bildende Zug wurde in der Ettlingcr Straße und am Ettlinger Platz von der Schutzpolizei a u s g e l ö st. Die vorgehenden Schutzpolizisten wurden von den die endgültige Annahm« der amerikanischen Vorschläge von einer Reih« Bedingungen abhangig gemacht, durch die u. a. auch die Möglichkeit einer späteren Revision des neuen Zahlungsplanes ausdrücklich osfengehulten werden soll. Auch hierüber scheint sich die Diskussion außerordentlich schwierig zu gestalten so daß es trotz der beträchtlichen Fortschritte in den letzten Tagen sehr gewagt wäre, die Verständigungsaussichten endgültig zu beurteilen. Wie die Dinge liegen, spitzt sich die Kon- feren; immer mehr zu einem Ringen zwischen Deutschland und Frankreich zu. Man nehme jedoch nicht an. daß die französische Delegation wegen einer Jahresdisferenz von 200 Millionen ernstlich die Konferenz scheitern lassen will. Jedenfalls kennt man hier die schweren Folgen, die«in endgültiges Scheitern der Berhandlungen auch für Frankreich haben müßte. Ein beachtenswertes Zeugnis dieser Einsicht bilden die Aus- führungen von Jeze im„Journal des Finonces". Er warnt vor der Annahme, daß etwa Frankreich von einem Fiasko der Kon- ferenz nichts zu befürchten hätte und betont, daß Frankreich unter allen Umständen bis zum herbst das Schulden. abkommen mit den Dcreiniglen Staaten ralisizleren muß, da im anderen Falle die kommerzielle Schuld von 100 Mil- lionen Dollar an die Vereinigten Staaten fällig würde; das Ab- kommen könne ober nur dann ratifiziert werden, wenn Frankreich der deutschen Reparationszahlung voltkommen sicher st:. Demonstranten und aus den Häusern heraus mit Steinen beworsen. Etwa 40 Personen, darunter auch Flauen, wur- den festgenommen, sie werden de»n Gericht überliefert. Die fröhlichen Spaziergänger. Die Maifeier der prominenten. „Werden die Führer auch vorangehen?" so fragten dl« kommn- nistischen Arbeiter ihre Führer vor dem 1. Mai, als sie ausgefordert wurden, trotz des Dcmonstrationsverbots zu demonstrieren. Sie wußten warum. Das rechtsoppositionelle Organ„Gegen den Strom" berichtet über die Taten kommunistischer Führer am 1. Mai: „Ueberall mochten die Ansammlungen den Eindruck planlos hin und her wogender Haufen. Fast nirgends sah man eine bewußte Leitung, nirgends den Willen, einen be- stimmten Zweck zu erreichen oder gar, wenn auch nur für wenige Minuten eine Ansprache zu halten. Dagegen stolzierten eine Anzahl APD.-,.Führer", wie Hein, Reumann. Remmele. Gerber, Dahlem u. ce. in ausfällig qulbürgerlicher Kleidung und ohne rotes Abzeichen, den harmlosen Zuschauer markierend, aus und ab. Kein Versuch, sich hier als„Führer" zu betätigen oder eine Ansprache zu halten." Die fröhlichen Spaziergänger sahen zu. wie ihre Gefolgschaft mit den Gummiknüppeln der Polizei Bekanntschaft machte— da- mit in den Demonstranten die rechte revolutionäre Begeisterung er- weckt werde. KPD.-Führer haben es nicht mehr nötig, sich dieser Erziehung zu unterwerfen, sie sind im Besitz der richtigen abgestempelten Be- geisterung und können also fröhlich spazieren gehen. Genug der Opfer! Abblasen oder weitertreiben?— Die KpO. am Scheideweg. Ueber die Ereignisse der letzten vier Tage ist viel be» richtet und geschrieben worden. Dennoch bleibt manches dunkel. Unbestritten ist, daß die kommunistische Parteileitung die Arbeiter aufgefordert hat, trotz Verbot Straßendemon-- strationen zu veranstalten, und daß die Arbeiter dieser Pa- role nicht gefolgt sind. Die kleinen Aufläufe und Umzüge, die am lichten Tage von der Polizei mit leichter Mühe zer� streut wurden, hatten keine Aehnlichkeit mit dem, was man in Berlin als Massendemonstrationen der Arbeiter kennt. Der Mißerfolg der Kommunisten stand also am Abend des 1. Mai fest und schien ein doppelter zu sein. Denn erstens war es der KPD. in keiner Weise gelungen, die Straßen zu beherrschen, zweitens aber— und das war noch erfreulicher — hatte das Ganze einen ziemlich unblutigen Verlauf ge- nommen; es war den Kommunisten nicht gelungen, die Leichen zu schaffen, die sie für ihre Propaganda und das be- rühmte„Weitertreiben der Aktion" zu brauchen glaubten. Solange war also alles klar und gut. Aber als die Abenddämmerung hereinbrach, änderte sich das Bild. Was ist am Abend des 1. Mai und an den folgenden Wenden am Wedding und in Neukölln gewesen? Hat die K o m m u- n i.st i s ch e Partei mit Absicht von diesen beiden„strate- zischen Punkten" aus den Kampf gegen die Polizei aufge- nommen? Oder ist die Leitung ihren Händen entglitten und an andere iwch„radikalere" Spittergruppen übergegangen. die Krieg auf eigene Rechnung führten? Haben lumpen» proletarische Elemente ohne politische Führung die Ge- legenheit benutzt, im Trüben zu fischen? Oder ist gar— auch diese Hypothese hörte man vertreten— die Schutzpolizei einer Psychose verfallen und hat sie gegen einen ein-. gebildeten gar nicht vorhandenen Gegner gekämpft? » Der Kommunistischen Partei kommt es natürlich nicht darauf an. die Wahrheit festzustellen, der sie vielmehr aus dem Wege ghhen wird, solange sie kann. Sie bemüht sich, eine Darstellung zu finden, die für sie verbältnismäßig günstig ist. Aber darüber, welche Version im Interesse'dec KPD als die richtige verkündet werden soll, gibt es bei ihr offenbar sehr verschiedene Meinungen. Auch auf diesem Ge- biet herrscht ein Durcheinander, das von ihrer völligen Desorganisation Zeugnis gibt. Auf der einen Seite möchte man es so darstellen, als ob die Polizei ohne jede Ursache, gewissermaßen nur zu ihrem Vergnügen, eine Treibjagd auf völlig wehrlose und unbewaffnete Arbeiter veranstoltet hätte. Diese Version hat den großen Vorzug, der von vornherein beabsichtigten poli- tischen Leichen verwertung am günstigsten � zu sein. Dann ist eben der Polizeipräsident Zörgiebel ein„Ar- beitermörder" und die Sozialdemokratische Partei, der er an- gehört, ist eine„Mördervartei". Auf der anderen Seite aber: Wenn es wirklick eine Treibiagd war. wenn es nur die Polizei war. die Waffen und Kampswillen hatte— wo bleibt dann die qlorreiche „revolutionäre" Führung durch die KVD.? Die KPD. hat die Parole herausgegeben, gegen die Anordnungen der Be- Hörde zu rebellieren, sie hat als Folge dieser Parole Tote vorausgesehen, wie zum mindesten durch das Rund- schreiben der Bezirksleitung Wasserkante dokumentarisch er- wiesen ist. Hat sie also in klarer Voraussicht des Kommen- den eine Situation herbeigefübrt. in der sich ihre Anhänger und außerdem noch gänzlich Unbeteiligte wie die Hafen zu- sammensckießen lassen mußten? Das möchte sich eine„revo- lutionäre" Führerschaft natürlich auch nickt nachsagen lassen. Und so entsteht ein ganz wunderbares Durcheinander von Darstellungen, wobei eine die andere widerlegt. » Nach e?ner Schilderung der„Welt a,n Abend" hat die Polizei in Neukölln gegen e'nen nur eingebildeten, nicht vor- handenen Feind gekämuft. Nur Passanten wurden ersckosien. von den„sagenhaften Dachschützen" sei keine Spur zu finden gewesen— und dann heißt es wörtlich weiter: „Jetzt baut die PoliKi, obwohl auf den Straßen weder von Menschen etwas zu sehen noch von feindlichen Schüssen etwas zu bören, selber Barrikaden, errichtet ein Drabtverhau an der Prinz-Handjery-Siraße, rückt mit neuen, mit Stahlhelmen aus- gerüsteten Mannschaften an und mit dem Panzerwagen." Also niemand schießt, als die Polizei. Niemand baut Barrikaden, als die Polizei. So jagt das jetzt unter be- sondere Parteizensur gestellte kommunistische Abendblatt. Hören wir daqeqen den offiziellen Aufruf des Zentral- komitees der KVD., abgedruckt im 5)allcschen„Klassenkampf" vom 3. Mai: „Die Berliner Arbeiterschaft hat die Straße behauptet! Die Berliner Arbeiterschaft ließ sich nicht von der Straße am t. Mai oertreiben. Die Berliner Arbeiterschait ant- wortete aus Zörgiebels bestialisches Wüten mit den Barrikaden om Wedding, in Reukälln, in der Frledcnstraße und am Bülow- plah. Heldenhast kämpfte das BerNner Proletariat sür seinen 1. Mai. Heldenhaft stand das Berliner Proletarial als stählerne am'Dienstag,«fem 7. Mai, l&U Übt? Kammevsäle, Tellowet? Straße? 3 Tagesordtnung: Dimmiiiiimimmiiiiiiiiiiiimiimiimiraimiiiiiimiiiiiimni Die Dlutschald; det? KommMmsfen «ef..• Deicbstagsabgeet?dn etev ,2 ftulvitl haben alle teidigte Barrikaden, auf heldenhaften Widerstand und auf stählerne Mauern gestoßen. Ist aber das letzter« der Fall, dann war das. was wir in den letzten Tagen erlebt haben, «in von der KPD. prooozierter Machtkampf gegen die republikanische Staatsgewalt, in dem der unterlegene Teil seine Verantwortung tragen muß— besonders auch gegenüber feinen eigenen An hängern, die er in die Niederlage hineingeritten hat. Was war es alfo— und was soll weiter kommen? Diese beiden Fragen hängen sehr eng mitein ander zusammen. Die unterschiedlichen Darstellungen der jüngsten Ereignisie, die man uns von kommunistischer Seite auftischt, weisen auf zwei verschiedene taktische Absichten hin. Die einen wollen abblasen, die anderen möchten„w e i t e r t r e i b« n" Das veranlaßt uns, an die KPD. und jeden einzelnen chrer Anhänger eine deutliche Warnung zu richten. Den Blödsinn, daß die Sozialdemokratie Arbeiterblut vergießen will,«stauben sie doch selber nicht. Mag man der Meinung sein, daß die Polizei im großen Ganzen nur das Notwendige getan hat, mag man annehmen, daß sie sich durch Nervosität und überreizte Phantasie zu Mißgriffen verleiten lieh— auf all« Fälle ist es genug und übergenug. Genug des angerichteten Unheils, genug des vergossenen Bluts! Die Kommunistische Partei ist nicht imstande, den Machtkampf gegen die Staatsgewalt aufzunehmen, sie ist nicht imstande, die Arbeitermassen in ihre Front hinein» zureißen. Mag sie auf eine„revolutionäre Situation" in ihrem Sinne hoffen, die einmal kommen soll— daß sie heute nicht da ist, sieht jedes Kind. Darum acht es nur eines: Schluß! Daß auch nur ein einziges Menschenleben ge« opfert würde für das Prestige von Desperadopolitikern, daß noch ein Tropfen Blut vergosien würde, weil eine unfähige kommunistische Parteileitung nicht weiß, wie sie sich aus «iner Situation, in die sie sich selber gebracht hat, wieder herauslügen soll, das wäre nicht zu ertragen! Die Sozialdemokratische Partei ist einiger und ge» schlossener denn je. Keinem kommunistischen Manöver wird es gelingen die Masten der deutschen Arbeiter von ihr zu trennen. Jede neue Provokation, jedes..Weitsrtreiben" märe sinnlos! Genug derOpfer! Genugdesner» gossenen Bluts I_____ Verlängerung der Kriseuunierfiühnug. Vi« zum 29. Juni 1929. ver Reichsarbeilsmluistcr hat die Geltung des Gr- lafies vom 21 Februar 1929, der den Personen krel» und die Dauer der Kriseuuulerslühung für die Zeit bl» zu« 4. Mai d. Z. regelt. bl»zum2 9. Zuui 1929 in vollem Umfang verlängert. Die Zahl der hauptunterstühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung beträgt, wie wir erfahren, im Augen- blick noch 1.1 Millionen, wenn die Desterung des weller» anhält, ist in den nächsten 14 lagen mit einem kräftigen Rückgang zu rechnen. Mißbrauchte Reichsbeihilfe. Die Subvention dem— Major pabst zugewendet! Der„Sozialdemokratische Pressedienst" teilt mit: In einem Teil der deutschen Presse ist in letzter Zeit wiederholt behauptet worden, daß der Kappist und Organisator der öfter. reichilchen Heimwehren P a b st aus Reichsmitteln größere Summen «holten habe. Die Meldungen sind in dieser Form falsch. Richtig ist. daß Pabst in den letzten 2)4 Jahren von«wer privaten Organisation mit dem Sitz In Berlin zu bestimmten Zwecken rund 2 5 000 M. erhalten hat. Diese Organisation ist seit Jahren außer von nichtamtlichen Stellen, gelegentlich auch von Behörden, finanziell unterstützt worden. Als die ersten Verdachtsmomente über die Zuwendung von Geldern an Pabst auftauchten, hat der Reichsminister des Innern sofort eine Untersuchung eingeleitet und Zuwendungen von Reichsgeldern an die betreffeichen Organisationen ein für allemal untersagt. Die Gelder waren der Organisation ohne Einzelnachweis über deren Verwendung zur Verfügung gestellt worden, so daß der Vorwurf einer Unterstützung von Pabst durch bestimmte Reichsb�hörden oder Stellen der preußischen Stoatsregierung unberechtigt ist. Immerhin hat der Dorfall den Reichsminister de» Innern zu«iner ein» gehenden Untersuchung über die Verwendung aller an private Organisationen gezahlten Subventionen und daraufhin zu weitgehenden Einschränkungen der bisherigen Sub. oentionspolitit veranlaßt Der Bürgerblock hat diese Subvenlionspolitik in weit» gehendem Maße gefördert und groß gezüchtet. Aus der Tätigkeit der Pabst-Horden. Hetmwehrterror machte es dem sozialdemokratischen Landtags. abgeordneten Konrad W a l l i s ch am 1. Mai unmöglich, i n seinem Wahlbezirk zu sprechen. Nachher beschlagnahmt« die Gendarmerie unter Heimwehrkommando Waffen im Arbeiter» heim Kapsenderg, während die Heimwehr ihr« ungleich größere» Waffen bestände ungestört behalten darf. Verirrte Kugeln. Die Opferung der Llnbeteiligten. Sin Kriegsteilnehmer schreibt uns: .Sin« jede Kugel, die trifft sa nicht..."—.emd manch« Kugel geht manchem vorbei!" Mit diesen Deesen dos Fridericus- liebes pflegten sich die tn» Feld rückenden Soldaten Mut anzusingen. Der Gedanke,„es ist ja gar nicht so schlimm", den diese Zellen des Liedes suggerieren, sollte die Opfer über die Hölle hinwegtäuschen. die«ruf den Schlachtfeldern ihrer harrte. Wenn auch nilht jede Kugel trifft, es bleiben genug, die ihr Opfer erreichen. Es treffen sogar Kugeln, für die kein Opfer de« stimmt war. Das gilt ganz besonders beim Straßenkamps, beim Schießen in eng besiedelten und dicht bewohnten Gegenden. Wer in einer Großstadt wie Berlin einen Schuß abfeuert, kann niemals bestimmt sagen, ob er nicht dadurch einen Menschen ge- fährdet, mag er auch in die Luft, auf die Erde, auf eine tote Mauer gehalten haben. Die Kugel, die im aufsteigenden Ast dem Himmel zuzustreben scheint, kann niederfallend sehr wohl eines Menschen Hirnschale durchbohren, der ahnungslos in lllometerweUer Ent» fernung vom Schützen seines Weges geht. Im Krieg« kam es bei nächtlich schanzenden Truppen, die über tausend Meter hinter der eigenen Schützenlinie arbeiteten, nicht selten vor, daß plötzlich einer oder der andere mit einem Kopfschuß lautlos zusammensank. Noch viel gefährlicher aber können Kugeln werden, die auf irgendeinen Gegenstand aufprallen bzw. ihn im Fluge streifen. Sie prallen ab, ändern ihre Richtung und entwickeln sich zu den gesürch- teten Querschlägern. Der Querschläger ist sehr häufig ein„Schuß um die Ecke", er landet wert entfernt von dem Punkt, auf den die Gewehrmündung des Schützen beim Abschuß gezielt hat. Bei einem Straßenkampf, wo außer den Häusern Straßen bäume, LeiNingsmasten, Laternen usw. zwischen den Schießenden stehen, sind Querschläger unvermeidlich. Auch die Kugeln der Dach- schützen können beim Aufprall auf das Straßenpflaster sehr leicht im schrägen Winkel abprallen und in gegenüberliegende Häuser eingeschlagen. Eventuell besorgen dos auch die sich lösenden Stein» splitter. Deswegen werden bei einem Feuergesecht in Straßen immer Unbeteiligte in Gefahr sein, selbst wenn von selten der Kämpfenden mit größter Vorsicht vorgegangen wird. Da aber jeder Kampf und das Bewußstein der eigenen Gefährdung bei den meisten Menschen Nervosität, Ueberrciztheit und sogar Illusionen hervorbringt derart, daß harmlose Vorgänge sehr leicht für gegnerisch« Listen gehalten weroen. so steigert sich die Gefahr für Unbeteiligte noch. Weiter wächst sie dadurch, daß— anders als im Kriege— zum mindesten die Kämpfer der aufständischen Seite keinerlei Abzeichen tragen, sich also von Unbeteiligten äußerlich nicht unterscheiden lassen. Wer also Straßenkämpfe provoziert, wie die tom- m uni st isch« Kampfleitung es getan hat. der setzt unweiger» lich dadurch das Leben zahlre'cher Unbeietligter auf» Spiel und kann sich nicht damit entschuldigen, daß er das nicht ge» wollt oder vorausgesehen habe! Die presse im Kampfgebiet. Verhängnisvolle Tollkühnheit. Unser Berichterstatter, der die Kämpf« in Neukölln beobachtet«, schreibt uns: Unter de» Todesopfern der Neuköllner Straßenschlacht befindet sich auch ein ausländischer Journal! st. Ein weiterer deut- scher Journalist hat ein« leichtere Schußoerletzung davongetragen. Bei einiger Vorsicht hätte» sich dies« Opfer vermeiden lassen. Die Pressevertreter sind von der Polizei oft genug gewarnt wordan, unter allen Umständen dem Kampfgebiet fernzubleiben. Schon am 2. Mai konnte festgestellt werden, daß einige Journalisten besonders tatendurstig waren. Die Polizei hatte die Barrikade in der Hermann- straße um'A10 Uhr beschossen und sich dann, weil am den beiden Kinos in unmittelbarer RäH« der Barrikade Kknobssitcher herau»» strömten, zirrückg�ogen. Wenige Minuten spät« begannen sofort wieder die Barrikadenbauten. Obwohl nun jeder damit rechnen mußte, daß bei Ruckkehr der Polizei sofort aus die Barrikaden geschossen würde, waren einige Journalisten nicht davon abzuhalten, sich den Barrikadenbau genauer anzusehen Darunter waren auch einig« ausländische Journalisten. die gemeinsam mit anderen durch die dunklen Straßen vordrangen bis zur Ionasstrohe und dort in das Feuer der Polizeibeamten kamen. Auch am Freitag abend, als bereits alle Absperrungen getroffen waren, waren wieder einige Pressevertreter nicht zu belehren. Di« Polizei war aus den dunkle» Straßen herausgenommen. Es patroullierte nur der Panzerwagen. Di« Pressevertreter waren von den Polizeibeamten davon verständigt« und jeder mußt« wissen, daß in dieser Situation, noch dazu in dunklen Straßen, das Vorzeigen der Pressekarte und auch Rufe wenig nutzen würden. All« Offiziere betonten immer wieder, daß seder, der im Kampfgebiet betroffen werde, sich der Gefahr aussetze, scharf beschossen zu werden. Es ist nicht recht einzusehen, warum einige Journalisten diese Warnungen nicht beachteten. Gewiß, auch am Rande des Kampfgebietes pfiff so manche Kugel, aber hier hatte der Pressevertreter die Gewißheit, daß er in den hellen Straßen wenigstens nicht von den Polizei- bcamten angeschossen würde. Rackjdem einige Journalisten durch die Jäger- und Falk- straße bis zu den Barritaden dauern vorgedrungen waren, reizte es auch andere, sich das Kampfgebiet näher anzusehen. Auch der erschossen« Journalist wollte näheres erkunden. Obwohl er cun Hermannplotz auf die Gefahr aufmerksam gemacht worden und ihm dos Betreten des Kampfgebietes ausdrücklich verboten worden war, ging er auf Umwegen in da» Kampsgebiet und wurde einige Stunden später erschossen aufgesunden. Kriegspressequartier. Wir lesen in den deuffchnati analen.Hamburger Nachrichten": „Die Polizei beabsichtigt einen endgültigen Ansturm aus die Barrikaden, die bis jetzt noch nicht genommen sind. Hierbei soll auf das schärfste durchgegriffen werden. Man will Handgranaten und mehrere Maschinengewehre anwenden. Flugzeuge kreisen über dem Uuruhevierlel und erkunden die Stellung der Raken." Welche Vorstellungen müssen sich bei solch« Berichterstatwng im Reiche Über die Lage in Berlin einnisten! Diele phantosievolle Meldung stammt von der Telegrophen-Union des Herrn Hilgenberg. Maffenproiest gegen Hatenkreuzmord. Die Veisetzutig der ermordeten Zteichsbaanertamerabea. Eine gewattige Kundgebung. Franksurl a. DL. 4. Mai.(Eigenbericht.'! Die Beerdigung der von Hakenkreuzlern ermordeten zw« Reichs- bann«tcuneroden gestattete sich zu einem wuchtigen Protest gegen den feigen Meuchelmord und ein« gewaltigen Kundgebung für die Republik. Am Sonnabendnachmittng bildete sich im Zentrum bex Stadt auf dem Börsenplatz ein großer Trauer- zug von Reichsbann«, Gewerkschaftlern und den drei republika- nischen Parteien. Er zog über die Hauptstraßen nach dem Heilig- geist-Hospital, wo die Leiche des zuletzt verstorbenen Reichsbanner- kameraden abgeholt wurde. Die Leiche wurde von hier inmitten des Trauerzuges durch die Stadt nach dem Hauptfriedhof üb«. geführt. Es war ein Aufzug der Massen. Dichte Menschenmengen umsäumten die Straßen, durch die der Zug sich bewegt«. An den Feierlichkeiten auf dem Hauptfriedhof nahmen Über 10000 Menschen teil. Amaesllen. Di« rumänische Bauernregierung beabsichtigt eine Amnestie für Desertion, von d« ob« Deserteur«, die während des Kriege» zum Feinde übeogelaufen sind, und ge» wöhnlich« Verbrecher ausgeMosien sind.— In B u l» maxien werden zum Osterfest SM Gefangen«, ganz oder teilweis« begnadigt, darunter 114, die von Kriegsgerichten und auf Grund des Stadtsschutzgesetzes verurteilt worden sind. Zunker-Demagogie. Die proklamiemng der Kaufenthaltung durch den Landbund. Am 20. April fand in Ncu-Stettin die Versammlung der Kreis- gruppe Neu-otettin des Landbundes statt. Der Bericht d«„Nord- deutschen Presse", des Iunkerorgans im Kreise, enthüllt zwischen den Zeilen mancherlei. Verschämt gesteht der Berichterstatter, daß sich nur„ein großer Teil" der Mitglieder eingefunden hatte und versucht, das Ausbleiben der anderen mit den drängenden Feldbestellungsarbeiten zu ent- schuldigen. Uns will scheinen, als wenn die Bauern, auch soweit sie noch Mitglied des Landbundes sind, doch allmählich einsehen, wohin die durch nichts gerechtfertigte Hetze der junkerlichen Landbundführer gegen den Staat die Landwirtschaft zu bringen geeignet ist. Die Zeichen, die dafür sprechen, mehren sich. Erst kürzlich Wied« wußte der„Jrjiwerpommer" zu berichten, daß«in« Ortsgruppe de» Landbund«» geschlossen zu dem demokratischen „Bauern, und Pächterbund" übergetreten sei. Auch derKreislandbundReu-Stettin scheint trotz de» im Geschäftsbericht ausposaunten Zuwachse« von 40 000 Morgen (wohlgemerkt„Morgen") dies« rückläufige Bewegung in der Mit- glisderzahl zu merken: denn doch nur deshalb hat«r in seinen Vor» stand 8 bäuerliche Mitglieder aufgenommen. Daß diese Vorstands- Mitglied« lediglich Äonzessioneschutzen und sonst gänzlich einflußlos sind, weiß jeder Einsichtig«, und auch die Versammlung bewies es. Der„Königliche Sandra« a. D." n. Hertzberg-Lottin, sattsam bekannt, redete eine jedenfalls nach seiner Meinung hoch. bedeutsame Rede, die vom Mut zum Marxistentöteu nur so triefte. Im übrigen hat Herr v. Hertzberg nichts zugelernt. Das„polnische Schwein" reitet«r immer noch, obgleich er wisi«n müßte, daß es. feit die Schweinepreff« merkwürdigerweis« durch eine Regierung, tn dar die Deutschnationalen nicht vertreten sind, stabflisiert wurden, tn bäuerlichen Kreisen an Zugkraft verloren hat. Sie glauben es sicher auch v. Hertzberg nicht, und wenn er es noch s» oft wiederholt,> mmg daß der Handelsvertrag mit Polen den Untergang der Landwirtschaft bedeute. Das einzig Positiv« kn Herr» v. Hertzberg» Red« war Hie Proklamietungder Kaufenthaltung". Kr»erkundigt« pathetisch: ..Ab 1. Mai darf kein künstlicher Dünger Mehr gekauft«erden. Die Herbstbestellung muß also obn« künstlichen Dünger durchgeführt werde». Kein Neubau und kein Instandsetzungsbau. keine Erhaltung»- reparatur wird 1S2S mehr ausgeführt.. Keine neuen Maschinen werden angeschafft. Ein abgetragener Anzug und«in unmodernes Kleid werden Ehrenzeichen für den Landwirt sein. In jeder Wirtschaft muß das Augenmerk darauf gerichtet sein, den Betriebsauswand auf jede nur denkbar« Weis« zu vermindern. Veranstaltungen, die zu Geldausgaben führen, mit Ausnabme der Beranstallungen des Landbundes, der Wehrverbänd« und poli- tischer Organisationen sind nicht zu besuchen." Herrn v. Hertzberg und seinen Standesgenossen empfehlen wir besonders die Innehaltung des Absatzes, der von der Neuanschaffung von Maschinen handelt; denn sicher oersteht er unter Maschinen d i e Rennauto» der Agrarier. Und fein muß es werden, wenn auf der nächsten„Grünen Woche" tn Berlin die Junker au» dem Kreise Neu�Stettin wie ein Proletarier auftreten. Für die Bauern bedeutet der Ruf nach Einschränkung der un» nötigen Ausgaben nichts Neues, Luxus haben sie sich noch niemals lsisten können. Was zu den übrigen Punkten der.ZZrroklapmtion" zu sagen ist? Siehe Ueberschrist! Di« Bauern werden sich bedanken. Herrn v. Hertz- berg, der anscheinend auf seinem Riefenbesitz nicht fertig werden kann, zu folgen, wenn er sie auffordert, mit Gewalt bankerott zu machen. Herr o. Hertzberg wird sich also in die Nesseln setzen. Er hat es anscheinend schon häufiger getan. GmgegraHene Welikriegsmuniiion. 3ehn Lohre alte loger im liheinlande. Noch Mülheim, wo auf Anordnung der Amerikaner km Jahr« 1019 Granaten und Fliegerbomben»ergraben worden waren, begab sich auf Veranlassung des Reichsfinanzmknlsters ein« Abord- nung von Sachperftändigen. um sich über die Unschädlich- m a ch u n g dieser Munition scfgüssig zu werden. Die Entscheidung seitens der zuständigen Reichsstellen ist bisher noch nicht erfolgt, doch soll mit der Beseitigung bat Munitionslager so bald wie MSg> lich begonnen werden. Auch bei Monzingen a. b- Nahe bc> findet sich ein größeres Lager oergrabener Granaten und Flieger» bomben, die ein« Firma Herold von französischen Besotzungsdienst. stellen mit der Verpflichtung erworben hat, sie bis zu einem be- stimmten Termin zu zerstören. Moskauer Opfergang. Wir liefern den Tribut, An Leichen und an Blut Gehorsam dem Gebote, O-e vorgeschriebene Quote: Wir bringen Toie— Tote! Die sabotierte Landabrüstung. Deutschland lehnt die Verantwortung ab. Genf. 4. Mai. sEigenbaricht.) Die Vorbereiteadc A b r ii K u agSko m m is- s i o a«ahm am Sonnabeab mit de« Stimme« vo» 22 Staaten die von P o l i t l S> Griechenland vorgelegte Entschließung mit einige» Abänderungen an. Ruß- land und China stimmte« gegen die Entschließung; Deutschland enthielt sich der Stimme. Die Ent» schließuug besagt: Die Sommissioa beschließt, nachdem sie die Methode dir«!!. ler Begrenzung des Kriegswaleriols nerworfea hat und fest. stellt, daß die indirekte Begrenzung des Kriegsmaterials keine allgemeine Zustimmung findet, daß die Begrenzung des Mokeriols aus dem lvege der Veräsfentltchuug der Rüstungsausgaben gesucht werden muß und deshalb bei der Behandlung de, BerSsfenklichungs-Paragraphea zu erledi. gen ist. D�r deutsche Vertreter, Graf B e r n st o r f f, gab Nach der Ab- stimmung im Namen der Reichsregierung folgende Erklärung ab: „Sie haben sicher alle wie ich das Gefühl, daß wir an einem entscheidenden und bedeutenden Punkte unserer Verhandlungen an- gekommen sind. Aufgabe der Abrüstungskommission ist Vor- bereitung eines Abrüstungsplanes, auf Grund dessen die Konferenz einen ersten Zlbrüstungsschritt tun soll. Das Maß der Abrüstung fall die Volltonferenz beschließen. Die Kommission hat die Aufgabe, entsprechend den Bestimmungen der Friedens- vertrüge und des Völkcrbundspaktes alle Möglichkeiten zu einer wirklichen chcrabfeßung der Rüstungen offenzuhaUen und die Wege dahin zu weifen. Das hat die Kommission auch noch in der ersten Woche ihrer diesmaligen Tagung anerkannt. Wie steht es aber heute damit? Während hinsichtlich der Morinefrogcn diesmal ein erfreulicher Beginn zu verzeichnen ist, hat man von don Elementen der La n d abrüstung die wesentlichsten Faktoren beiseite gelassen. vi« Kommission hak ihr« Aufgabe Hinsichstich der. taodabrisffung ans dem Auge verloren. Ich Hab« seit Jahr und Tag mit allen Kräften in der Kommission mitgearbeitet und die Verantwortung für deren Arbeiten geteilt. Mein« Regierung hat aber nie einen Zweifel darüber gelassen— 'ch erinnere an die Ausführungen des deutsche» Reichs- tanzlers auf dar letzten Pölkerbundsverfammlung— daß sie sine Lösung ohne Erfassung aller Rsiswirgsfaktoren uns» ohne fühlbore Verringerung der vorhandenen übermäßigen Rüstun« gen als erst« Etappe nicht annehmen könnte, denn si« Wide» spräche dem Grundgedanken des Paktes und der Verträge. Ich muß daher von dem Programm, das die Mehrheit der Kommission hier aufstellt, entschieden abrücke« und ihr von jetzt ab die volle veranlmor. lung für die Vorbereitung der Sonseren; überlassen. Noch schwerwiegender würden meine Bedenken und meine Kritik sein, wsnn wir uns hier nicht erst in«inem vorbereiten- den Stadium befänden. Nicht in dieser Äoinmisston, sondern auf der Abrüstungskonferenz selbst wird die endgültig« politische Entscheidung über dag Abrüstungsproblem fallen. Ich lehne es ab, das jetzige Verhalten der Mehrheit der Kommission In der Frage der Laiidabrüstung als das letzte Wort der hier ver- tretenen Regierungen und der Regierungen, die nicht in der Ab. rüstungskonfereuz oertreten sind, aber auf die Konferenz Delegierte entsenden werden, anzusehen. Angesichts des ungeheuerlichen Ernstes der Loge appelliere ich an olle Regierungen: Mögen sie bis zum Tag des Zusammentritts der Abrüstungskonferenz den Willen der öffentlichen Meinung und den immer dringlicher wer- denden Ruf aller Völker eitdiich verstehen lernen und ihre Delegierten mit anderen Weisungen versehen als es dies- mal geschehen ist; und zwar mit Weisungen, die wirklich dem Ziel« der künftigen Konferenz, nämlich der Herbeiführung einer tatsächlich?» Herabsetzung der Rüstungen entsprechen.� Geschäft mit Gozkafreakiion. Eine Zeitung bietet sich den Unternehmern an. Das Organ der christlichen Gewerkschaften ist in der Lage, den folgenden, überaus bezeichnenden Brief abzu- drucken, den die.„B ergisch- Märkische Zeitung" in Elberfeld an die Unternehmer oerschickt: Verfraullch! Sehr geehrter Herr! Einem Arbeitgeber braucht man nicht zu erzählen, daß die heutige Form der deutschen Sozialpolitik, daß die Auswüchse der sozialen Versicherung beinahe die gesamte Wirtschast zu lähmen drohen. Jeder Arbeitgeber erfährt das täglich on seinem eigenen Leibe und wird gewarnt. Worauf man aber immer wieder hinwessen muß, das ist die Notwendigkeit der Bekämpfung eines Uebels, das seinen Höhepunkt nachweislich erreicht zu haben scheint. Ist der Kampf gegen die Ueberschwemmung der Wirtschast durch den Soziolfozialismus der Versicherungen denn wirklich ganz hoff- nungelos? Das glauben wir nicht. Und gestärkt werden wir in diesem Glauben durch die Erregung, die z. B. die Veröffentlichung„Irr- wege der deutschen Sozialpolitik" hervorgerufen hat. Di« deutsche Sozialpolitik ist diskussionsreif. Auch Arbeiterkreise beginnen zu fragen. Gelingt es aber erst einmal, das Gefühl eines offensichtlichen Krise der deutschen Sozial- Politik auch in den Arbeitnchmerkrcssen wachzurufen, so ist für eine Reform schon viel gewonnen. Die..Bcrgisch- Märkische Zeitung" hat sich in den D i e n st dieser wichtigen Sache g e st e l l t. Im Mai werden wir sortlaufend Artikel unter dem Titel„Quer durch die Sozialpolitik" abdrucken. Daran soll sich eine freie Diskussion in den Spalten der„Vergisch-Märkischen Zeitung" anschließen, an der sich die Arbeiterschaft sehr zahlreich beteiligen dürft«. Auch Sic bitten wir, uns Ihre Erfahrungen einmal darzulegen und weiter späterhin zur Diskussion beizusteuern. vor allem könnten Sie der Sache nützen, wenn Sie durch Werk- obonnemenis für iJhrc Arbeiter und Angestellten die Kenntnis der Schwächeader Sozialpolitik diesen insgesamt vermiktellen. Sie würden damit sich und der Sache dienen. Die Bedingungen können Sie aus der Anlag« erfahren. Vor allem erhoffen wir aber für unsere Veröffentlichung und später« Diskussion Ihr persönliches Interesse. Auch für den Nachweis von Freunden der Sache würden wir Ihnen von Herzen dankbar sein. Hochachtungsvoll „Bergisch-Märkische Zeitung", Elberfeld. Diese Zeitung erbietet sich, gegen die Sozialpolitik zu kämpfen und fordert dafür Subventionierung durch die Unternehmer m Gestalt von Werksabonnements. Sie macht in Sozialreakilon, um damit zu verdienen. Ludenpogrom in Litauen. Ga Toter, viele Verwundete! Kowno. 4. Mo!(ITA.) 3n dem Städtchen Uewi. nahe kowno, mißhandelten bewaff- nele Faschisten grausam die jüdische Bevölkerung. Einige Zuden liegen bedenklich verletzt danieder. Der 40jährige David Schliachtil wurde,«äs er seiner von den hullgans schwer bedrohten Frau beistehen wollte, durch einen Revolverschuß gelötet. Mehr als fünf Stunden long dauerte der Vogrom. Auch Greife und Meine Kinder wurden nicht verschont. Di« jüdische« Häuser wurden ausgeraubt. Als die Polizei erschien, waren die Hullgans schon fort Bluiiat bei der Maifeier. Soldatendrama in Zkenrnmänien. J Bukarest. 4. Mai. Wahrend der Maifeier in Klausenburg(Siebenbürgen) forderte auf dem offenen Festplotz«In Gendarmeriehauptmann «inen Zio-i listen auf, sich auszuweisen. Es stellte sich heraus, daß es «in Soldat der Klauserrburger Garnison war. Der Gendarmerie- Hauptmann nahm ihm die Militärlegitimation ab und befahl ihn, sich am nächsten Tag beim Platzkvmmando zu melden. Der Soldat kam aber nach einer Stunde in Uniform aus den Festplatz zurück und verlangte die Rückgabe der Legitimation. Alz der Gendarmeriehauptmann die Rückgabe verweigerte, schoß ihn der Soldat nieder. Der Soldat, der verhastct wurde, versucht« in der Haft sich zu erhängen, konnte aber daran gehindert werden. Schulreform in Mexiko. »Oer Feind, den wir am meisten hassen.. Di» mexikanische Regierung hat noch vor Abschluß des Feldzuge» gegen die Rebellen eme ausgedehnte Propaganda für die Verbasse- rung des Volksbildungswesens eingeleitet. Die Regierung glaubt. daß bessere Volksbildung den besten Schutz gegen revolutionäre Unruhen darstellt. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung, zum sehr erheblichen T«l indianischer Abstammung, sind An alpha- beten; nach Ansicht der Regierung können Analphabeten van Po- lstitern und Militärs für selbstsüchtige Zwecke leicht ausgebeutet werden. Hauptpunkt des Volksblldungsprogramms ist-die Errichtung von Schulen in allen Teilen des Lande». Den größten Teil de: Schulen sollen die Gemeinden mit Regierungsunterstützung bauen. Fürstenaufweriung in London. Englischer Lord beruft sich auf die Abtretung vonBegenöburg im Jahre LMO. London. 4, Mai Vor dem deutsch-englischen Schiedsgericht steht ein Cnt- schödigungsanjpruch zur Verhandlung, der sich auf sin Abkommen zwischen Bayern und Napoleon aus dem Jahre 1810 stützt. Es handelt sich um die Klag« Lord Aetrms. dessen Familie durch die Heirat bor Fürstin Marie Luise von Dalberg mit einem Vor- fahren des jetzigen Lords Rochtsnachfolgerin der deutschen Familie geworden war. Er beansprucht Entschädißyng für die seit Ivltz nicht mehr gezahlten jährlichen Leistungen, zu denen Bayern gemäß dem Abkommen mit Napoleon gegenüber der Familie Halberg an- läßlich der Abtretung von Regensburg an Napoleon verpflichte worden war: Der Gerichtshof hat sich sein« Entscheidung vor- behaüen.___ Zur Crluneruna an 1548 bat die Gemeinde Wien die Straßen eines ganzen Stadtviertels um den..A ch t u n d v i e r z i a« r p l a tz" «ach den Kämpfern und Opfern der ersten Revolution benannt. Der Rundes- an den Reichskanzler. Telegramm Streeruwih an Müller. Wien« 1 Mai Bundeskanzler Streeruwitz richtete an Reichskanzler Müller folgende Depesch« Vom Nationatrat zum Bundes- ianzler gewählt,«übiete ich Ihnen, Herr Reichskanzlsr, zugleich mit meinen aufrichtigen Grüßen die Derstcherung, daß mir die kreueste Pflege der brüderlichen Freundschaft zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reiche stets ganz de« sonders am Herzen liegen wird. Vereidigung der neuen Regierung. Die». 4. Mai Bundeevräsident Mitlas hielt bei der Vereidigung der neuen Regierung eine Ansprache, in der«r daran erinnerte, daß st, es als gute Vorbedeutung bezeichnete, daß die einmonatige Krise»ine loyale Aussprache der Parlamentsparteien gebracht habe, so daß die Lösung»olkswirtschaftlich und staatspolitisch höchst be- deutsmner Fragen mit gutem Grunde in naher Zeit zu erhoffen sei. Bei neuen Glaubenskämpfen in Bombay, wo setzt die Spinner streiken, sind S Personen getötet und 106 verletzt worden. Achlsacher Minister. Nach seiner Wahl zum Kammerpräsidenten ist der Abgeordnet« Giuriati als Minister der öffentlichen Arbeiten zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger hat der König Mussolini ernannt, der somit jetzt acht Ministerien verwaltet. Oberschleftscher Alkohol-Exzeß. Bcukhen. 4. Mal. Am Freitag abend Hot ein betrunkener Mann aus Beuchen m her Nähe der deutsch-polnlschen Grenz« gegen den Kroftwozen des Präsidenten Katenbeck- Holland, Vorsteher des gemischten Schiedsgerichts für Oberschlesien, mit einem Stock eine Scheibe des Kraftwagens zertrümmert. Durch Glossplitter erlitt der General- sekretär Ministerialral Dr. G r a f l leicht« Hautverletzungen, während Kakenbeck unverletzt blieb. Diese Tat eines sinnlos Betrunkenen wird vor dem Strofrichter chre Sühne finden. Der Täter ist an einem Auge nicht unerheblich verletzt worden. Hundert Lahre Berliner Kuufl. Am Sonnabend nachmittag ist die Ausstellung de» verein» Berliner Künstler im Landesausstellungsgebaud« Mt-Moqbtt eröffnet worden. An die Ansprache des Vorsitzenden Max Schlichtwg und den Rundgang durch dip sehr umfangreiche Schau, schloß sich ei« geselliger Tee, den der Verein seinen Gästen gab. Die 1760 Kunst. werk« verteilen sich etwa zu gleichen Hälften auf die ältere Kunst mü> auf die der lebenden. Es ist durch die dankenswerten Bs» mühungen, vor allem von Professor Kern, mit Beihilfe von Professor Hans Mackowfki und Dr. Osborn, ein« glänzende Repräsentation der M-Berliner Kunst von den Zeiten Schinkels und Wechen« an zustande gekommen, der sich die Kunst der Gegenwart würhig an- schließt-- alles unter dem Gesichtspunkt der Zugehörigkeit zw« Verein Berliner Künstler. p. odu (Sine neue Reichsanleihe. Maßnahmen zur Bekämpfung der Kaffennot des Reiches. Die Kassenveichälwisse des Reiches haben sich in den letzten Mo- Noten ungeheuer verschlechtert. Nur mit großen Schwierigkeiten ist es im April möglich gewesen, die Banken zu einem letzten vorübergehenden Kredit in Höh« von 170 Millionen an das Reich zu veranlassen. Di« Zinslast dafür beträgt rund 10 Proz.; Sl/i Proz. Zinsen jährlich und Proz. Provision pro Monat. Dieser Kredit kostet also dem Reich in drei Monaten AVt Millionen Mark. Sowohl die Art der Verhandlungen über diesen Kredit als auch die Bedingungen zwingen das Reich, seinen künftigen Kossen- bedarf aus anderen Wegen zu decken. Ars Reich kann nicht dauernd als Bettler vor den Banken erscheinen, und kanu auch nicht dauernd diejenigen Mit«! des Geldmarktes für seine Zwecke In Anspruch nehmen, die den Banken nur zur vorübergehenden Vor- Wendung überlassen worden sind. Es muß jetzt endlich nach einem Ausweg suchen, um den wachsenden Kafsenbedorf dauernd zu be- friedigen. Immer noch schleppt das Reich aus der verfehlten Finanzpolitik frühererIahre einen Fehlbetrag von rund 675 Millionen im außerordentlichen Etat mit. Es braucht ferner als dauernden Betriebsmitielkredit rund 300 Millionen. Außer dein sind 400 Millionen an öffentliche und private Unternehmungen an Darlehen und Vorschüssen hingegeben worden. Auch das Defizit im ordentlichen Etat des Haushalls 1928 belastet die Kaste mit rund 100 Millionen. Schließlich aber treten zu all diesen Posten noch hinzu die Mehrkosten der Erwerbslosenversicherung, die bis Ende Juni etwa 400 Millionen betragen werden. Diesen Belastungen steht lediglich ein« feste Einnahme von rund 500 Millionen aus Schatzwechfcln gegenüber, die darüber hinaus erforderlichen Bezüge müssen geborgt werden, so daß jedes Monatsende mit seinen großen Anforderungen wesentlich mehr Geld erfordert, als im Augenblick vorhanden ist. In der Vergangenheit mußten zur Behebung dieser Kasten- fchwierigkeiten bereits ungewöhnliche Maßnahmen er- griffen werden. So wird z. B. der Reichszuschuß an die Invaliden- verfichsrung nicht mehr in bar geleistet, sondern nur in Schuldner- fchreibungen mit mehrjähriger Lauszeit. Außerdem wird der Ge- danke erwogen, die Jnstimte der öffentlichen Hand, z. V. die Sparkassen und die übrigen Sozialoersicherungsträger zu verpflichten, gewisse Teile chres Vermögens in öffentlichen Anleihen anzulegen. Auch ist geplant, den im Besitz des Reiches befindlichen Teil der Vor- Zugsaktien der Reichsbahn zwar nicht zu verkaufen, aber doch zu verpfänden. Gegen alle diese Maßnahmen spricht vor allem das Bedenken, daß sie erst allmählich wirksam werden können, das Reich aber aus seinen augenblicklichen Finanznöten nicht befreien. Infolgedesten wird man es verstehen können, daß die Reichs- regierung soeben dem Reichsrat einen Gesetzentwurf zugelellct hat, der eine Ermächtigung zum Abschluß einer neuen Reichsanleihe enthält. Der Auegabekurs ist auf 100 Proz. festgesetzt. Die Anleihe soll auch von der Einkommen- st euerund der Vermögenssteuer befreit fein. Für vom Erblasser gezeichnete Stücke tritt u. a. auch die Befreiung von der Erbschaftssteuer hinzu. Man wird abzuwarten haben, ob die Hoffnungen auf Zeich- n u n g einer Reichsanleihe in Höhe von einer halben Milliarde go- rechtfertigt fiitd. Nach der verunglückten Reinhold-Anleihe im Jahre 1927 war allgemein die Meinung oerbreitet, daß das Reich in ab- fehbarer Zeit keine neu« Anleihe aufnehmen könne. Es ist bisher nicht zu sehen, auf welche wirtschaftlichen Erwägungen die Erwar- tung zurückgeht, daß man nun plätzlich eine halbe Milliarde Kredit für dos Reich in Form einer festen Anleihe erhallen kann. An- scheinend hofft man, Gelder, die im Auslande angelegt sind, auf diesem Wege wieder nach Deutschland zurückholen zu können. Der Ausgabekurs und der nominelle Zinssatz von 7 Proz. sind zweifellos sehr günstig. Selbst für beste andere festverzinsliche Werre beträgt die wirkliche Verzinsung zwischen 8 und 9 Proz. Auch gegenüber dem kurzfristigen Bankkredit, der das Reich etwa 10 Proz. kostet, ergibt sich eine wesentliche Derbcstcrung. Allerdings ist die vorge- schlagen« weitgehende Steuerfreiheit dieser Anleche nicht nur etwas sehr Ungewöhnliches, sondern auch etwas sehr Bedenk- l i ch e s. Zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Finanzpolitik wird für die Hergabe von Geld auf dem Wege der Anleihe Steuer- sreiheit gewährt. Andere Länder, z. B. Amerika und Frankreich. haben sich zu einer solchen Maßnahme bereits seit langen, enlschlosten. In Deutschland aber ist ein derartiges Entgegenkommen an die kapitalbesttzendcn Schichten der Bevölkerung immer abgelehnt war- den. Auch in diesem Augenblick kann eine folch« Maßnahnie nur wegen der ungewöhnlichen Notlage des Reiches eine etwas mildere Beurteilung beanspruchen. Sie darf aber unter allen Umständen nur vorübergehend sein und muß sobald als möglich beseitigt werden. Prüft man die materielle Auswirkung derSteuer- Vergünstigung, so gelangt man zu folgendein Ergebnis: Die Befreiung von der Vermögenssteuer bedeutet bei einem Durchschnittssteuersatz von 4 pro Tausend eine Vergütung von zwei Millionen Mark jährlich. Die Befreiung von der E r b s ch a f t s- st euer, die sich nur auf Stücke erstreckt, die vom Erblasser selbst gezeichnet sind, läßt sich wegen der sehr verschiedenartigen Steuer- sätze sehr schwer schätzen, dürfte aber keinesfalls mehr als eine halbe Million pro Jahr betragen. Die Befreiung von der Einkommen- ft e u e r bezüglich der Zinsen und der sonstigen Erträgnisse wird man bei einem durchschnittlichen Steuersatz von 20 Proz. aus 7 Mll- lionen jährlich schätzen können. Insgesamt stellt also die Steuerbefreiung eine Vergütung von jährlich etwa 10 Millionen dar. Diese 10 Millionen treten zu der Zinslast von 7 Proz. gleich 35 Millionen jährlich hinzu, so daß die Zinslast bei der Anleihe aus 45 Millionen jährlich gleich 9 Proz. steigt. Das Deutsche Reich hat sich selbst in den schwersten Iahren sähig gezeigt, seine hohen finanziellen Verpfiich ungen zu erfüllen. Wir hallen es für überaus bedauerlich, daß es nun durch die ungeheuren Schwierigkeiten, die aus der fehlerhaften Finanz- Politik der letzten Jahre entstanden sind, gezwungen ist, Maß- nahmen zu ergreifen, die unter normalen Verhält- nissen als unmöglich erscheinen würden. Die Auf- rechrerhaltung der Zahlungsfähigkeit des Reiches aber und die Ab- Wendung von Gefahren, die aus der Zahlungsunfähigkeit für das ganze Volk entstehen würden, zwingt dazu, diesen neuen Schritt der Reichsregierung vorurteilsfrei und sachlich zu prüfen. Oer Mann des Rechisturses. Reuer Vorsitzender der Voyerifchen Bo.iepariel. München, 4. Mai.(Eigenbericht.) Die Bayerische Volkspartei hat am Sonnabend den bayerischen Landtagsabgeordneten Fritz S ch ä f f e r mit knapper Mchrhell zum Vorsitzenden gewählt. Schäsfer ist Oberregierungsrat im Unterrichtsministerium und steht im 41. Lebensjahr. Er gill als der derzeitig beste, aber auch hemmungsloseste Agitator der Bayerischen Volkspartei und ist in dieser Eigenschaft eine der Hauptstützen des gegenwärtigen Minister- Präsidenten Dr. Held. In seiner Person verkörpert sich seit Iahren der radikale Rechtskurs der Bayerischen Volkspartei. Schäf'er war einer der Hauptakteure der unseligen K a h r- P o l i t i l des Jahres 1923, und er erblickt heute noch fein politisches Ziel in der Be- kämpfung und Ausschaltung der Sozialdemokratie. Zeitweise hielt er enge Tuchfühlung mit den Völkischen aller Scha.'tie- rungcn, bis ihm seine extrem klerikale Einstellung nationalsozialistische Prügel aus offener Straße eintrugen. Seine zahlreichen Gegner in der eigenen Partei halten ihn wegen seiner intransigenien Kampsnatur, der die Fähigkeit des Ausgleichs fehll, als Parteivorsitzenden jür denkbar ungeeignet und beklagen an ihm vor allem den Mangel an Zentrumstradition. Schäsfer ist außerdem w c i ß b l a u e r Monarchist bis aus die Knochen. �Gewerkschaftliches stehe 2. Beilage.) L-rantwortlich llir Politik! Dr. Sari Geyer; Wirtschaft: G. jUiyyelbSIer; Eiwcrtschaflsbcireauns: I. Steiner: isemHeton:». K. Döscher: Lokales and Eonftiqes: Zeitz Rarftädt: Änzeiaen: Tb Glocke, sämtlich in Perlin. Perlag: PorwärtZ-Lerlag GmbH.. Berlm Druck: Pormörts-Buchdruckeret und Lcrlaosauliall Paul Sjuger u So, Berlin£© 6?. Linden iiratze 3. Hierzu 4 Beilagen und.llnterhallnng und Wissen*. GROSSER PFIN<*ST-¥IRKAU WOUSTOFFE SEIDENSTOFFE WASCHSTOFFE FROTTIERWSSCHE Wollmusselin. b. druckt, ca. 80 cm 140 Wollgeorgette le neuen Farben._ Der kCleiderstoff« der IC mm die Mode beherrsch) Honan echt chinesische Kehselde, In g neuen Farben, SScmbrelt 980 Bedruckter Crepe de Chine reine Seide, In mehr- farbigen modernen Mustern w50 D I E SOMME RMO D Es BEDRUCKTE STOFFE Bedruckte Kunstseide e CO. 100 e n Oso Handtuch weibbunt korleri oder mit Bordüre,-SO'IOO weift Jacquard, mit indonrtt Bordüre odcrvollbunt,55/n0 Laken weiftbunt, kariert 140/100 cm 1 25 195 485 DAMENWÄSCHE V. 350 Hemdhose w e i ft o d e r big, mit Splt Nachthemd weift oder fof- big, mit Stickerei O' 3 Untertaiile reich garnier»,_ mit Stickerei und Spitze d£lO Schlafanzug (arbie Botlot,_ j« m perfera 390 Strumpf haiter-Gurtei Hüfthalter rosa Jacquard; vom zvm Knöpfen, mit 4 Haltern �£50 TRIKOTAGEN OM WMWMMOM Damenschiupfer. echt Mako, Gräfte 4 ISO Prinzeßröcke. Kunstseide, reich mit Spitze 5 Damenstrümpfe. 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Valenclenn.-Spitze**90 Crepe de Chine-Schal dreieckig, moderne Farben yr und Zeichnungen O/S Beuteltasche Duvetine, grofte Form, beige, dr grau, taupe, marineöVO Kupeekoffer Vulkanfiber, verstärkte Ecken. Deckelschiene, 2 Zugschlösser, bezog Griff. Packgurt, 60cm ,e e lOso Damenschirm farbige Halbseide.» durchgestreift, 12 tcillg# 90 Dirndlkleid Betderwand (ßaumwolistoff) oinfrb.Tqille, 4A gestr.j?öckchentStg.0.20',Lg.45 Praktisches Schulkieid marine mitweißen Punkten, rot garniert{Steig 0.50) Lg. 60 cm*Tf25 Knabenmanfel heilmode gemusterter Homespun, gefüttert, m. Rundgurt{Steig.»» 0.75), Gr. 0, für ca. 2 Jahre I 1 SO Trotteiir-Spangenschuh haselnuB oder beigefarbta. etH dunkelbrauner Koppe und Paspel, bequemer Laufabsalz,<■ jb gute R o h m e na r b al) I"rSO MUTTERI Während des Einkaufs werden Eure K nder in der hU.-KiNDERSTUB E von Fröbierirmen betreut! BERLIN C 2• SPAN DAUER STRASSE• KDNiGSTRASSE- GEGRÜNDET ISIS Jtr. 208 ♦ 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Gonntag. 5. Mai 4929 Es ist müßig, darüber zu streiten, ob„das Kind in die Familie gehört', ob unter allen Umständen die„Mutter immer die beste Erzieherin' ist. Denn in Wirtlichkeit stehen die Dinge schon bald jo, daß sich erwerbstätige Menschen nur dann den Luxus, Kinder zu haben, leisten können, wenn sie schon vorher wissen, daß ihr Kind in den ersten zwei Iahren in der Krippe, bis zur Schule in einem Kinderhaus und nach der Schulzeit in einem Kinderhort aufgehoben werden kann. Denn immer mehr wird auch die verheiratete Frau zur Erwerbsarbeit ge- zwungen. Ob sie als Heimarbeiterin an der Maschine sitzt oder ob sie weiter die Buchhalterin bleibt, die sie vor ter Ehe war: In jedem Fall bleibt ihr für die Erziehung der Kinder kaum noch Zeit und Kraft übrig. Dann bleibt eben nur das Kinder- Haus, in dem das Kind vom Morgen bis in den späten Nach- lnittäg behütet wird. So haben wir in allen Stadtteilen jetzt diese Ergänzungen der Schulkinderhorte: die K l e i n k i n de r h o rt«, in- denen die Kinder betreut, erzogen, ernährt werden?— vom Morgen bis zum Nachmittag, bis die Eltem von der Arbeit kommen und das Kind wieder der Familie gehört. Aber diese Kinderhäuser sehen recht verschieden aus. Das Musterhaus im Westen. Nahe dem chohenzollernplotz schließt eine Mauer«inen ehemaligen Bauplatz von der Straße ob. Dahinter liegt erst ein Depot der Strahenreinigung und dann, von einem Drahtzaun um- geben, ein« Baracke mit Notwohnungen. Es liegt an der gegen- überliegenden Seite noch eine Baracke, freundlich hell gestrichen: Darinnen ist das Kinderland. In zwei großen, hell- gestrichenen Räuinen stehen winzige weißgestrichene Stühle und Tische. Die Wand umziehen niedere Borde, von denen sich die Ktnder selbst ihr Beschäftigungsmaterial holen können. Niedrig hängen die liebevoll ausgesuchten Bilder. Alles ist auf die Größe drei- bis sechsjähriger Kinder zugeschnitten, denn das ist ja ihr Haus, das Kinderhaus: sie wohnen darin, und ste pflegen es selbst. Kleine Waschtische nehmen die eine Wand vollständig ein: jedes Kind hat lin eigenes Handtuch. Dann hängt da, puppcnwinzig, aber für die kleinen Hände gerade recht zum Gebrauch, Besen, Schippe, Schrubber und alles, was man zum Reinemachen gebraucht. Denn die Kinder setzen ja ihren Stolz darein, ihr Haus selbst in Ordnung zu halten, und so geht an jedem Morgen das Fegen, Aufwischen und Staubwischen los. Immer finden sich genug Freiwillige, auch zum Abwaschen und Abtrocknen des Frühstücksgeschirrs. Zum Mittagessen werden die Tische weiß gedeckt. Auch hier be- dienen zwei Kinder die übrige Tischgesellschaft, und formgerecht servieren die drei- und vierjährigen Kellner von links: natürlich ist auch das Geschirr ganz wie bei den Großen schönesPorzellan mit einem niedlichen Streublumenmuster. Alle Sachen, alles Ma- terial ist hier so schön, so gepflegt, daß es schon durch seine Cr- scheinung allein zwingt, sorgfältig und behutsam zu sein. Wer wollte der prächtig grün lackierten Treppe, dem herrlichen lila Turm auch wohl das erste Leid zufügen! Im zweiten Zimmer steht ein großer Flügel: darauf liegen Tambourins. An der Wand hängen Triangel. und es ist sogar ein ganzes Iazzschlagzeug da, in einer Größe, die gerade für so einen kleinen Musikanten paßt. Alle Kinder sind für die Musik begeistert, und wenn die Leiterin sich an den Flügel setzt, dann kommen sie all« nur zu dem .Strich', der die Mitte des Zimmers umzieht, üben sie sich in rhythmischem Schreiten, andere bilden die.Kapelle'. Bor den Fenstern liegt, riesengroß und sonnig, der Spielplatz. Freilich. sein Grund ist häßlicher grauer Bauschutt, der abscheulichen Staub entwickelt. Sonst haben die Kinder hier alles: Licht, Sonne, Musik und eine so schöne gepflegte Umgebung, wie sie selbst in bürgerlichen Familien den Kindern nicht immer geboten wird. Wer sind die kleinen Gäste des Kinderhauses?— Zumeist Kinder aus bürgerlichem Hause: dann Kinder kleiner Geschäftsleute: und einige wenige, bei denen Mutter und Vater arbeiten müssen, vorwiegend Intellektuelle. Der Erziehungsbeitrag beträgt 20 M. im Monat, das Esten, Mittagbrot und Vesper, kostet 3 Mark wöchentlich: aber es gibt einige ganze und halbe Freistellen. Im Osten. „Vlumenstraßel'— Wie ein Hohn klingt dieser Name in einem Bezirk, in dem jedes Fleckchen bebaut ist. Rechts und links trostlos graue Häuser, sonnenlose Höfe: die Straßen überfüllt von Verkehr. Irgendwo stolpert man mal über ein paar klein« Göhren, die aus- sehen, als hätten sie gerade Zille Modell gestanden. Herrgott— hier gibt's auch Kinder! Wo mögen die stecken, wo mögen die spielen? Da steht an einem Miethause, das sich in nichts von seiner Nachbarschaft unterscheidet, plötzlich eine Tafel: hier ist ein kleinkinderhork, der von der Arbeilerwohlfahrt betreut wird. Hier...? Aber hinter dem Hau-slur wird einem eine Osfen barung: Do liegt rückwärts dem Miethaus ein großes Schul- grund stück, und an seinem Ranke steht der Rest eines alten Miethauses: Hier hat die Stadt der Arbeiterwohlfahrt die Räume für ihren Hort überlasten. Zwei Zimmer im Parterre, eins im ersten Stock, dazu im Parterre noch ein Küchcnraum. Früher gehörte der Hort dem Verein für Volkskinderhorte, vor vier Jahren ungefähr wurde er von der Arbciterwohlfahrt übernommen. Damals wurden die Räume frisch gestrichen. Die Küch« freilich nicht, die sieht aus wie eine bessere Räuberhöhle. Auch der Anstrich in den anderen Räumen könnte Heller sein. Zersetzt ist der Linoleumbelag des ersten Raumes, die Dielen biegen sich, wenn man stark darauf tritt. Aber in der Mitte des Raumes stehen kleine rote Tischchen und Stühlchen, an der Wand hängen Handtücher, eines für jedes Kind, und darüber stehen auf einem Bord, o Wunder, kleine Emaillebecher— vor jedem hängt eine Zahnbürste! An einer Wand steht ein« lang« Waschbank, darauf setzen sich die Kinder ihre Emailleschüsselchen— es ist Ehrensache, sich selb st walchen zu können, und sie waschen sich vor und nach jeder Mahlzeit. Oben im ersten Stock ist der Schlafraum. Da stehen auch die niederen Metallrahmen, und es liegen richtig« Bettchen drauf: Di« Arbeiterwohlfahrt hat das ganze Bettzeug gestiftet, kenn hier können die Eltern nicht so schöne Bezüge mit- geben.— manches der Kinder schläft zu Haus im unbezogenen Bett. Porzellangeschirr gibt's hier nicht; mal— mal hat der Hort zwanzig Stemgutbecherchen besessen. Da hat«in kleines Unglücks- wurm sie die Trepp« herunterfallen lasten. Nun gibt's nur noch Emaillebecher, die alle die Spuren des langen Gebrauches aufweisen. Di« Spielsachen auch: die unpoliertcn, Klötze der Fröbel- schen Baukästen sind schon durch unzählige Kinderhände gegangen, so daß sie grau an den Kanten sind. Aber jede Beuanschassung an Spielzeug ist«in schweres Problem: Zwei Mark zahlen die Eltern wöchentlich, kost Inbegrissen, und dafür muß auch das Spielzeug ergänzt, die Wäsche gewaschen werden. Mit rührender Liebe basteln Leiterin und Helferinnen manchmal selbst herrliche Ding« zusammen: So die beiden vielbegehrten Puppenbettchen, deren leuchten- den Farben man es nicht ansieht, daß diese herrlichen Möbel ur- sprünglich als ganz einfache Mandarinenkörbchen auf die Welt ge- kommen sind. Musik gibt's nur, wenn sich die Leiterin mal die Gitarre umhängt. Welch Schatz wäre hier ein altes Klavier! Tisch- decken gibt es nicht: die Tischchen sind mit Linoleum belegt. Der Unterschied in den Räumen ist, wenn man aus dem Hort im Westen kommt, erschütternd. Aber man darf nicht vergessen, was die Arbeiterwohlfahrt hier vorfand: Schmutzig grau ge- strichen« Schulbänke und Tische als einziges Inventar des Kinder- Hortes— ohne jedes kleinste Stückchen Spielzeug. Die Baukästen waren das erste, was sich beschaffen ließ. Man darf nicht vergessen, wie aufopfernd hier mit bescheidensten Mitteln Leiterin und Helfe- rinnen den Kindern ihr«„Heimat auf Zeit' behaglich machen. Für die Kinder, die hierher kommen, ist der Hort ein Erlebnis— und er ist in vielen Fällen die einzige Stelle, an der sie vor geistiger und körperlicher Verkümmerung gerettet werden können. Woher sie kommen. Da sind zwei liebe, wohlerzogene Kinder: die Mutter war Stenotypistin, der Vater Kaufmann. Jetzt hat der Dater«inen Lumpenkeller, die Wohnung liegt am Geschäft, und wenn sie noch so sauber gehalten ist: Außer den beiden und einem schulpflichtigen Kind schlafen auch noch die Eltern in der Kellcrstube, die nur ein Fenster in der Eck« hat— das„B e r l i n e r Zimmer" im Keller. Vor der Kellertreppe aber läuft diese menschenüberfüllte Straße des Ostens— wo sollen diese Kinder spielen? Für sie ist das Stückchen Schulhos, das dem Hort gehört, ein ganzes Paradies. Stehen doch sechs richtige Bäume und eine Sandkiste drin! Dann ist da ein hübscher blondlockiger Bengel von sechs Jahren: die Eltern leben in Scheidung, der Vater trinkt, das Kind ist beider Prügelknabe. Ein Dreijähriger: der Vater hat die Mutter so mißhandelt, daß sie einen Schädelbruch davontrug. Dann wurde sie verschickt: nun hat der Vater das Kind zur Großmutter gegeben. Auch die liebt den kleinen, noch unsauberen Jungen nicht. Aber weil die Eltern jetzt in Scheidung liegen, ist es eine Prestige- frage für den Dater, den Jungen nicht herauszugeben... Nur im Kinderhort findet das Kind Verständnis und Liebe. Da schickte die Fürsorge einen kleinen elternlosen Jungen von vier Iahren, der bei der Großmutter war. Auf demselben Korridor wohnte eine Prostituierte, die sich schon mehrmals an Kindern vergriffen hatte... Bis zu sechs Iahren war der Jung« im Hort, dann mußte er zur Schule, mußte wieder bei der Großmutter bleiben... Das rührt an den Kern des Problems: Wohl kann man Kinderhorte schassen, kann sie, wenn die nötigen Mittel zur Verfügung stehen, mustergültig ausgestalten. Aber immer werden sie nur von einer kleinen Anzahl von Kindern besucht. Gerade an die elendesten, der Hortpfleg« bedürftigsten Kinder kommt man mit der „Freiwilligkeit' des Hortwefens nicht heran: außerdem sind für eine wirklich ausreichende Fürsorge alle privaten Mittel unzulänglich. Wie ein Kinderhaus aussehen müßte, zeigt da- Haus in Wilmersdorf, das, ursprünglich nur für die Kinder besitzender Kreise geschaffen, erst jetzt zum Voltskinderhort geworden €in SSitd aus dem SCeim. ist. Wie unsere wirklichen Volkskinderhäuser aussehen, weist dos Beispiel des von der Arbeiterwohlfahrt geleiteten Kinderhauses auf. Dabei darf nicht vergessen werden, daß in vielen, von konfessionelle» Verbänden geleiteten Horten zu dieser unzureichenden Einrichtring noch eine unzureichende Pädagogik tritt: Nur in den Montessori.Höusern und im Hort der Arbeiterwohlsahrt ist die Prügelstrafe prinzipiell beseitigt. Müßig ist hier der Streit um Montessori- oder Fröbel-System: Mit den unzureichenden Mitteln, Neukölln und Wedding hatten Nuhe Noch keine Aufhebung der polizeilichen Maßnahmen. In Neukölln und am Wedding ist am gestrigen «onnabend bis gegen Abend Ruhe eingetreten. Den ganzen Tag ist glücklicherweise kein Schuh gefallen. Tie polizeilichen Mahnahmen, das Lichtverbot und das Aufenthaltsverbot für die An- wohner ab 9 Uhr abends wird aber aus Gründen der Sicherheit noch aufrechterhalten. Gegen Abend sind sowohl in Neukölln, wi« am Webding die Lokalinhaber durch besondere Polizeistreifen darauf aufmerk- sam gemacht moiten, daß die Restaurants und die übrigen Gast. statten um g Uhr geschlossen werden müssen. Auch das in der Kösliner Straße, im Unruhezentrum des Weddings gelegene Kino, mußte gestern seine Vorstellungen ausfallen lassen. Für diejenigen Anwohner, die aus dienstlichen und beruflichen Gründen erst nach 9 Uhr, also der Sperrzeit, heimkehren, sind von der Polizei b«- sondere Passierscheine auf Antrag ausgegeben worden. Die übrigen Anwohner mußten um 9 Uhr pünktlich die Straßen oerlassen und ihr« Wohmmgen aufgesucht haben, in denen nach wie vor in den Dorderzimmern kein Licht angemacht werden darf. Starke Polizeistreifen, die gegen Abend noch durch neue Mann- schaften verstärkt wurden, patrouillieren durch die Kampfviertel. Di« Personalien derjenigen Personen, die die Sperrlinien passieren wollen, werden schr streng geprüft, und jedermann muß einen genauen Ausweis bei sich führen. Die besonderen Passierscheine sind bis zum L. Mai datiert worden, woraus hervorgeht, daß die polizeilichen Sicherungsrnaß nahmen nicht so schnell wieder auf- gehoben werden, wie dies von einigen Seiten betont wird. In Neukölln sind im Laufe des gestrigen Sonnabend durch Arbeiter der Gasanftalt die von den Störenfrieden zum Teil noch Freitagabend in unmittelbarer Nähe der Polizei zertrümmer- ten Lampenscheiben wieder erneuert worden. Die Polizei hat in einem der l)äus«r in der Hermannstraß« gewisser» maßen ein Quartier aufgeschlagen und dort ist eine Hundertschaft einquartiert, die sofort die Patrouillen im Falle der Gefahr unter- stützen kann. Die Bevölkerung hofft auf das sehnlichste, daß die den Tag über herrschende Ruhe und Ordnung auch während der Nacht andauern wird. Inzwischen ist insofern«ine Milderung der polizeilichen Maßnahmen eingetreten, als von der Schußwaffe auch bei Nacht erst dann Gebrauch gemacht werden soll, wenn ein Täter, d. h.«ine Person, die auf die Polizei schießt, sichtbar geworden ist. Außerdem ist Befehl gegeben worden, nicht sofort vorzugehen, wenn mehrere Personen auf der Straße zusammenstehen. Amtlich wird die Zahl der bei den Schießereien der letzten drei Tage ums Leben gekommenen Personen aus 23 beziffert. An Schwervcrlehlen liegen noch annähernd 70 Personen in den kranken- Häusern. Gerichtliche Untersuchung gegen die Aufrührer. Bisher sind dem Vemehmuugsrichter im Polizeipräsidium 50 Personen» die wegen Beteiligung an den Unruhen am Wedding und in Neukölln sestgenommen waren, vorgeführt worden. Gegen lS der Vorgeführten wurden Haftbefehle erlassen. Haupt- sächlich wegen des dringenden Tatverdachts des Aufruhrs oder des Landfricdensbruchs. Di« übrigen mußten, wie amtlich von.der Justizpressestelle mitgeteilt wird, entlassen werden, weil sich ihnen nicht schwere Vergehen nachweisen lassen. Weitere Vor- sührungen stehen jedoch bevor. J» der Abteilung des Vernehmungs- richters im Polizeipräsidium ist in diesen Tagen ein zweiter Richter tötig, damit die Untersuchung gegen die Beteiligten an den Unruhen so schnell wie möglich durchgeführt werden kann. Vor dem Schnellrichter im Polizeipräsidium Halle sich der erste der renitenten Maidemonstranten zu verantworten, und zwar der 53 Jahre alte, mehrfach vorbestrafte Steinsetzer Arthur Grawe, der am 1. Mai den Ueberfall auf den Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst Heimannsberg, verübt hat. Er wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Llngenügende Warnung für passanien. Zu den Absperr maßnahmen der Polizei in Neu- kölln wird uns von einem Parteigenossen geschrieben: Es gibt wenige Anwohner in den abgeriegelten Straßen, die die schwierige Lage der Schutzpolizei nicht würdigen und oerstehen. Die meisten Passanten folgen den Anordrningen willig. Was aber allgemein als Fehler angesehen wird, ist, daß gestern Nachmittag, wo von der allgemeinen Absperrung nur wenig oder gar nichts bekannt war. die Postenkette der Polizei erst an der Jäger- straße gezogen war. Alle Fahrgäste der Untergrundbahn Boddinstraße durften den Ausgcmg Sclchowcr Straße nicht benutzen. sondern nur den Tunnel an der Flughafenstraße. Am Ausgang des Untergrundbahnhofes war weder ein Säsild angebracht, noch «in Posten der Schupo ausgestellt, noch wurde von den Beamten der Untergrundbahn angesagt, daß ab Mahlower Straß« der Be- lagerungszustand besteht. Gewohnheitsgemäß gingen dic� meisten Fahrgäste die hermannstraß« entlang. Schon an der velchower Straße, die auch nicht durch Posten gesichert war, erhielten sie von vier Polizeibeamten, die in der Hermannstraße im Zuge der Jägerstraßc standen, Feuer. Drei Arbeiter wurden dabei schwer verletzt. Das war um i'A Uhr nachmittags, um 5>- Uhr dasselbe Schauspiel, wieder einige Verletzte. die Berlin zur Verfügung stellt, lassen sich kein« vorbWichen Montessori-häuser schaffen. Bom„reinen" Fröbel-System kommen praktische Pädagogen ohnehin mehr und mehr ob. Notwendig aber ist, daß wir uns eine Forderung zu eigen inachen, die in London schon lang« erfüllt ist: Dort sind jeder Schul« Kleinkinderklassen angegliedert, die allen Kleinkindern des Bezirks äffen stehen. Sie werden hier gepflegt, beköstigt— wenn sie nicht nach haus zum Essen gehen, schlafen am Nachmittag und kehren um 16 Uhr nach haus zurück. R. E. Der Magistrat braucht Geld. Für einen Teil der im diesjährigen Sladlhanshall. plan vorgesehenen Ausgaben, besonders der Ausgaben für geplante Vauten, beantragt jetzt wegen der Dringlichkeit dieser Arbeiten der Magistrat bei der Stadtverordnetenversammlung die Freigabe der in den Haushaltplan eingestellten und be- willigten Mittel. Sei der außerordentlichen verwaliung wären lsS.ü Millionen Mark Ausgaben zu leisten. lHL Millionen aus dem Plan für lSZg und 7l.7 Millionen Mark noch nicht verausgabte Mittel aus den Plänen für die Vorjahre, hier handelt es sich größtenteils um zweite und weitere Raten für schon begonnene A r b« l t e n. die natürlich weitergeführt und möglichst beendet werden müssen. 125.2 Millionen müßten nach Ansicht des Magistrats sofort freigegeben werden. Daran ist der Geldbedarf für Zusatzhypotheken zum Wohnungsbau mit öo Millionen beteiligt. Für noch nicht begonnene Arbeiten, die gleichfalls nicht aufgeschoben werden können, stellt sich der sofort freizugebende Betrag auf 34,5 Millionen Mark, hiervon entfallen aus Schulbauten ollein 15,7 Millionen. Für die schon begonnenen und die jetzt zu beginnenden Arbeiten zusammen wären also rund IbO Millionen Mark freizugeben. Deckung ist bisher nur für 55 Millionen vorhanden. Das übrige muß durch Anleihen ansgebrachl werden, bis zu deren Beschaffung aber bleibt nur die Möglichkeik vorläufiger Deckung aus schwebenden Schulden. Au, der ordentlichen Verwaltnng Hai der Magistrat eine lange Reihe kleinerer Arbeiten anszewählt. hier stellt sich der freizugebende Betrag ans tZ Millionen Mark. Die Mittel werden aus laufenden Einnahmen entnommen. Iabnkbrand in Ali-Siralau. Sin Teil der Iutefpinnerei in Ali-Stralau eingeäschert. Die Rene Berliner Zatesptnnerei in All- S l r a la u 5 5 wurde gestern abend, ähnlich wie vor einem halben Zahre, abermal» von einem schweren Schaden- seuer betroffen. Ein große», etwa SO Meter lange» Fabrikgebäude brannte völlig au». Die Feuerwehr hatte mit einem großen Aufgeboi mehrere Stunden zu tun. um das Feuer aus seinen Herd zn beschränken. Auf dem umfangreichen Grundstück stehen mehrere«in» stöckige Fabrikgebäude von 80 Meter Läng« und 50 Meter Tiefe. In einem dieser Betrieb«, in dem sich die Räum« der Spinnerei, der sogenannten„Vorbereitung" und«in große» Lager mit reichen Vorräten befinden, brach kurz nach 17 Uhr der Brand au». Die Flammen griffen schnell um sich, so txtfj alle Löschversuche der Fabrikwehr erfolglos btieben. Als die Wehren kurz nacheinander mit sechs Lösch- zügcn anrückten, stand das Gebäude in seiner ganzen Ausdehnung in Flammen. Da die Situation für die angrenzenden Fabrik- anlagen äußerst bedrohlich war, mußte auch das Feuer,! Osch- b o ot III, das im Osthofen stationiert ist, herangezogen werden. In der Halle wütete dos Feuer mit solcher Gewalt, daß alle Lösch- arbeiten vergeblich schienen. Das Dach stürzt« brennend zusammen. Eine ungeheure Rauchsäule, die bis in die City hinein deutlich zu sehen war, kennzeichnete den Brandort weit- hin. Unter Einsatz von zehn Schlauchleitungen stärksten Kalibers gelang es nach dreistündigem Wasscrgeben, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis in die späten Nachtstunden hinein. Nach den bisherigen Ermittelungen ist der Brand, dem außer wertvolle Maschinen auch große Lagervorräte .zum Opfer gefallen sind, durch Fahrlässigkeit entstanden. Jack Xondon: (Bereditigle t'eberseizung von Erwin Magnus). „Paß auf!" schrie Daylight mit heiserer Stimme. „Wenn du deinen Kopf über den Bootsrcmd bekommst, so häng fest! hörst du? häng fest! Beiß mit den Zähnen hinein, aber häng fest!" Die zitternden Augenlider schlössen sich wieder, aber Daylight wußte, daß seine Worte gewirkt hatten. Wieder zog er Kopf und Schultern des hilflosen über die Reling. „häng fest, zum Teufel! Beiß hinein!" schrie er, als er losließ, um ihn unten zu packen. Eine schlaffe Hand glitt von der Reling ab, und auch die Finger der andern ließen nach, aber Elijah gehorchte und hielt sich mit den Zähnen. Als Daylight ihn hochzog, scheuerte Elijahs Gesicht gegen den Boden des Bootes, und holzplitter rissen ihm die haut von Nase. Lippen und Kinn, aber kopfüber glitt er immer weiter ins Boot hinein, bis fein kraftloser Körper quer über der Reling zusammenfiel und nur noch die Beine über den Bootsrand hinaushingen. Aber auch die schob Daylight hinter ihm her ins Boot. Dann schöpfte er tief Atem, drehte Elijah auf den Rücken und deckte ihn mit den Schlafsäcken zu. Nun war noch das letzte übrig— das Boot zu Wasser zu bringen. Dies war naturgemäß das schwerste von allem und oerlangte eine riesige Kraftanspannung. Daylight nahm all« Kräfte zusammen und machte sich ans Werk. Es mußte aber etwas m ihm gesprungen sein, denn als er nach einem Augenblick der Bewußtlosigkeit zu sich kam, lag er zusammen- gekrümmt auf dem scharfen Stern des Bootes. Zum ersten- mal in seinem Leben war er ohnmächtig geworden. Dazu chatte er das Gefühl, daß er fertig wäre, daß er alle Beweg- lichkeit verloren hätte und, was das merkwürdigste war, daß ihm das olles ganz gleichgültig sei. Er hqtte Visionen, klare und lebendige Bisioiren, und seine Sinne waren scharf wie die Schneide einer Stahlkling«. Er, der all seine Tage das haben Waffer im Kops!" Sine Wunderdoktorin in Wittenau. Einen weitverbreiteten, über die Grenzen ihres engeren heimotkreiscs reichenden Ruf wegen ihrer wunderbaren Heilkuren genoß die angebliche Krankenschwester Klara Ost aus Wittenau, ein« Frau von 60 Iahren. Sie gab sich als erst« Operationsgehilfin von Prof. Bier aus und hatte einen riesigen Zulauf. Die ftrankhesten behandelte sie nach der Methode des Schäfers A st, Indem sie die Diagnose aus den „N a ck e n h a a r e n" stellte. Gegen sämtliche Krankheiten hatte sie «in Allheilmittel in Pillen und eine geheimnisvoll« Medizin, die rot, gelb und blau gefärbt war. Ihre Kuren ließ sie sich recht teuer bezahlen. Sie nahm den Leuten 80 bis 300 Mark ab.„Diel zu wenig Hab ich abjenommen," sagte sie vor dem Schöffengericht Mitte. vor dem sie sich wegen Betruges in zahlreichen Fällen zu ver- antworten hatte. Ein Zeug«, der an Kopfschmerzen litt, war von seinem Arzt weggegangen und hatte die Hilfe der„Wunderdoktorin" in Anspruch genommen. Nach eliiem Blick in die Augen sagte sie: „Sie haben Wasser im Kopp" und gab ihm ihre unfehlbaren Pillen. Einem anderen Patienten diagnostizierte sie, daß er zu- nackte Leben vor Augen gehabt, hatte nie zuvor so viel von der Nacktheit des Lebens gesehen. Zum erstenmal spürte er einen Zweifel an seiner eigenen strahlenden Persönlichkeit. In diesem Augenblick strauchelte das Leben und vergaß zu lüHen. Alles in allem war er nur ein kleiner Wurm, gerade wie alle anderen Würmer, wie das Eichhörnchen, das er ver- zehrt, wie die andern Männer, die er hatte sterben sehen, wie Joe hines und Henry Finn, die sicher chren Untergang gefunden hatten, wie Elijah, der mit zerschundenem Gesicht auf dem Boden des Bootes lag. ohne sich pm etwas zu kümmern. Wie Daylight lag, konnte er den Fluß hinauf bis zu der Biegung sehen, um die früher oder später das neue Eistreiben kommen mußte. Und als er so hinaus- blickte, war es ihm, als könnte er zurückblicken durch die Zeiten in eine Bergangenheit, als es weder Weiße, noch Indianer im Lande gab, und immer sah er denselben Stewart. Winter auf Winter, mit Eis beladen, und Früh- ling auf Frühling, das Eis sprengend, bis er wieder frei dahinftrömte. Und auch in eine unendliche Zukunft sah er, wenn die letzten des Menschengeschlechtes die Oberfläche von Alaska oerlassen hatten, und er sah. ewig gleich, den Fluß, mit Eis und Ueberfchwemmung, immer und immer strömen. Das Leben hatte gelogen und betrogen. Es narrte alle Geschöpfe. Es hatte ihn genarrt, ihn, Burning Daylight, der es wie kaum ein zweiter mit Frohsinn gedeutet hatte. Er war nichts— nur ein Bündel Fleisch und Nerven, das im Schmutze herumkroch, um Gold zu finden, das träumte, strebte und spielte und das verging und bin war. Nur die toten Dinge blieben, die Dinge, die nicht Fleisch und Nerven waren— der Sand, die Erde und der Kies, die Ebenen, die Berge, der Fluß selbst, der zufror, und seine Decke sprengte, Iabr für Jahr, alle Zeit. Alles in allem war es ein falsches Spiel. Wer starb, konnte nicht gewinnen, und alle starben. Wer gewann? Nicht einmal das Leben, der Lockvogel, der zum Spiel verleitete— das Leben der immer blühende Kirchhof, das ewige Grabgefolge. Für einen Augenblick kehrte er zur Gegenwart zurück und bemerkte, daß der Fluß immer noch offen war, und daß ein Häher sich auf dem Achterende des Bootes niedergelassen hatte und ihn frech ansah. Dann kehrte er wieder zu seinest Betrach- tungen zurück. Es war nicht möglich, dem Ende des Spiels zu entgehen. Sicherlich war er dazu verurteilt, alles mitzumachen. Und was dann? Immer wieder grübelte er über diese Frage nach. viel M o st r i ch gegessen habe und daß dieser Ins Blut gegangen sei. In anderen Fällen sollten die Pillen und die dreifarbige Me- dizin, die„direkt aus der Charit-" stammen sollten,«inen Buckel, Schielen, Schwerhörigkeit usw. heilen. Der Werdegang der Angeklagten. bis sie Wundcrdoktorin wurde, kennzeichnete sich durch ihre zahlreichen Borstrafen wegen Sittcnpolizeiübertretung, Kuppelei, Abtreibung und Betrug. Als der Dorsttzende nach Derkündung des auf neun Wochen Gefängnis lautenden Urteils der Angeklagten den wohlmeinen- den Rat erteilte, inst den Wunderkurcn nun aufzuhören, erwiderte sie:„Ick werde mir in Zukunft schön hüten, meinetwejen können se neu Wasserkopp hinten und vorne haben. Ick heile nischt mehr." Das Problem des Berechtigungswesens. In einer Schülerversammlung aller in der SSG. zu- sommengefaßten Schüler spricht Dienstag, den 7. Mai. 19% Uhr, im Vortragssaal, Berlin SW., Lindenstr. 3, 2. hos, 2 Treppen links, Genosse Dir. Dr. Karsen über„Das Problem des Berech- tigungswesens". Eine Aussprache findet über„Aus der praktischen Arbest der Schulgemeinde" statt. Ohne Mitgliedsbuch ist kein Zutritt gestattet. Für Religion hatte Daylight keinen Sinn. Er hatte eine Art Religion gelebt, indem er ehrliches Spiel mit andern gespielt hatte, ohne metaphysische Spekulationen über ein höheres Leben anzustellen. Der Tod beendete alles. Das hatte er stets geglaubt, ohne sich davor zu fürchten. Und auch in diesem Augenblick, als das Boot unbeweglich fünfzehn Fuß hoch über dem Wasser hing, und er selbst vor Schwäche ohn- mächtig und von aller Kraft verlassen war, glaubte er noch, daß der Tod alles beende, und fürchtete sich nicht. Seine Lebensanschauung war zu einfach, um bei der ersten— oder letzten— Todesfurcht über den Haufen geworfen zu werden. Er hatte Menschen und Tiere sterben sehen, und die Er- innerung an ihr Sterben tauchte in ihm auf. Er sah sie wieder wie damals, und sie machten keinen Eindruck auf ihn. Sic waren tot— feit langem tot. Der Tod war leicht— leichter, als er ihn sich je vorgestellt hatte, und jetzt, wo er so nahe war, freute er sich auf ihn. Ein neues Bild zeigte sich ihm. Er sah seine Traum- stadt— die goldene Metropole des Nordens, die auf den Hängen über dem Bukon lag und sich weit über die Ebene erstreckte. Reihe an Reihe sah er die am Ufer verläuten Dampfer: er sah die Sägemühlen arbeiten und die langen Hundegespannc mit Doppelschlitten sinter sich, die mit Pro- viant für die Goldgräber deladen waren. Und weiter sah er die Spielhäuser, die Banken, die Börsen und alle die vielen Möglichkeiten für ein weit höheres Spiel, als er es je gesehen. Es mußte doch mit dem Teufel zugehen, dachte er— nicht mit dabei sein zu können, wenn die Chance, die er in seinem Innern gespürt hatte, zur Wirklichkeit, wenn der groß» Gold- fund gemacht wurde. Bei dem Gedanken hob das Leben das Haupt und begann noch einmal sein« alten Lügen zu wispern. Daylight rollte vom Boot herunter und lehnte sich, auf dem Eise sitzend, dagegen. Er wünscht«, mit dabei zu sein. Und warum sollte er es nicht? Irgendwo in seinen ausgemergelten Muskeln belaß er noch Kraft genug, das Boot über den Eisrand ins Wasser zu schaffen. Ganz sinnlos tauchte der Gedanke in ihm auf. einen Anteil an den Grundstücken von Harper und Ladue zu kaufen. Sie würden chn sicher zu günstigen Bedingungen als dritten Teilhaber auf- nehmen. Würde dann der' groß- Goldfund am Stewart gemacht, so hätte«r sich dort in seiner Elam-Harnish-Stadt festgesetzt, und erfolgte er am Klondike, so wäre er doch nicht ganz aus dem Spiel geschlagen. (Fortsetzung folgt.) Berlin in der Weltwirifchast. Ein Vortrag von Oberbürgermeister Boß. In der Deutschen Wellwirkschnfklicheu Gesellschaft sprach Oberbürgermeister B ö über das Thema:„B c r{ i n in der Wellwirtschasl." Mehr und mehr laufen, führte er aus, in Berlin aus dem ganzen Reichsgebiet die Fäden der wirtschaftlichen und berufsständischcn Organisationen zusammen. Mehr als ein Biertel aller deutschen Aktiengesellschasten und fast ein Drittel aller im Reich bestehenden Gesellschaften m. b. H. haben ihren chauptsitz in Berlin. Ende 1926 waren in Berlin über 1}» Taus e n d Konzerne, Jnter- essengemeinschaften und ähnliche Zusammenschlüsse vor- Händen. Fast 1006 Reichsoerbändc der Unternehmer l)aben ihren Sitz in Berlin, ebenso über drei Fünftel aller Arbeiterorganisationen, die Hälfte aller Angestelltenoerbände und sieben Zehntel aller Be- amtenorzanisationen. Di« Ursachen der Entwicklung Berlins zu der einzigen großen deutsch eil Weltstadt sind: Berlin war Residenzstadt ljnd ist heute der politische Schwer- Punkt der Deutschen Republik. Die Weimarer Verfassung hat das Schwergewicht der Politik, der Gesetzgebung und der Verwaltung in die Reichshauptstadt verlegt. Dazu kommt die immer enger werdende Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft, die Konzentrations- bewegung innerhalb der Volks- und Weltwirtschaft, die günstig« Verkehrsloge und die Tüchtigkeit seiner Bevölkerung. Die Bevölke- rung ist von 1924 bis 1923 um rund 377 999 Einwohner gewachsen. Die Betriebszählung vom Juni 1925 ergab in Berlin rund 399 999 Betriebe. Der Gesamtumsatz der Berliner Wirtschaft betrug 19'24 11,5 Milliarden, d. h. 13 Proz. des gesamten Umsatzes der deutschen Wirtschaft. Erheblich ist Berlins Steuerkraft, es bringt fast den sechsten Teil der gesamten Rcichseinkommen- st euer auf. Im Jahre 1927 betrug die Einfuhr an Gütern noch Berlin 22 Millionen Tonnen, die Ausfuhr 6 Millionen Tonnen. Berlin ist aber auch die Verwaltungszentrale der deutschen Wirt« schaft, die Stadt des deutschen Wirtschaftskapitals, das sich in den Banken verkörpert, und die unbestrittene Geldzentrale Deutschlands. Berlin ist ferner der Mittelpunkt eines Verkehrsnetzes ersten Ranges und eines der größten Telegraphen- und Fernsprechnetzes der Welt, der wichtigste europäische Eisenbohnknoten, der größte Binnenhafen Mittel- und Ostdeutschlands und wird auch immer mehr ein Zentral- umschlaplatz des Weltluftoerkehrs. In vierjähriger Aufbauarbeit hat Berlin 59 Ausstellungen und Messe» mit 29 999 Ausstellern und einer Besucherzahl von 7 Millionen Menschen durchgeführt. Ober- bürgermeister Böß betont« die Notwendigkeit, den Fremdenverkehr zu fördern. Die Gesamtzahl der Fremden betrug 1928 rund 1% Millionen, davon 257 999 Ausländer, im besonderen 49 999 Nordamerikaner. Die W i r t s cha s t s p r o p a ga n d a muß, wie Oberbürgermeister Böß weiter hervorhob, durchKulturpropa- g a n d a ergänzt werden. Im Wintersemester 1927/28 waren an Berlins Ilniverfitäten und Hochschulen insgesamt 18 999 Studierende, darunter 2999 Ausländer. Erheblich ist Berlins Kulturpropaganda alz Musik- und Theaterstadt, was auch durch die Berliner Festspiele bewiesen werden soll. Auch die Berliner Presse mit 39 großen politischen Zeitungen kann als Kulturfaktor Anspruch daraus erheben, die deutsche öffentliche Meinung von Europa und der Welt zu ver- treten. Zum Schluß betonte der Oberbürgermeister die Unentbehr. l i ch k c i t der W e l t st a d t, ohne die Wirtschaft und Verkehr un- denkbar sei. Die Entwicklung der Weltstädte abdrosseln hieße die Entwicklung der Wirtschast und Kultur hemmen. Die Weltstadt sei kein Hebel an sich, es komme vielmehr darauf an, was man aus ihr mache. Kommunistenlärm in der Bezirksversammlung Sie müssen prügeln und randalieren. In der Sitzung der Bezirksversammlung F r i e d r i ch s h a i n am Freitag versuchten die Kommunisten die Szenen aus der Stadtverordnetenversammlung wieder erstehen zu lassen. Es log ein ähnlicher Dringlichkeitsantrag zu den Vorgängen am 1. M a i vor. Der Dringlichkeit wurde widersprochen. Nach einigem Lärm und den üblichen Beschimpfungen unserer Genossen ging man dann dennoch zu sachlicher Arbeit über. Eine Anfrage der Kommunisten nach den Gründen zur Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen den kommunistischen Stadtrat B ä n s ch wird in der nächsten Sitzung Beantwortung finden. Der bekannt« Leo O st r o w s k i konnte sich einige Anpöbelungen des Bürgermeisters, Genossen M i« l i tz, und unserer Genossen nicht verkneifen. Dem Erwerb eines Grundstücks .pir Verbreiterung der Holzmarktstraße wurde zugestimmt. Bei einer Vorlage zur Kenntnisnahme betreffend Aufhebung der Ar- b e i t s f ü r s o r g«, zu der ein ablehnender Bescheid des Magistrats vorlag, verwies Genosse Siegle in seiner Antwort auf die An- griff« des Kommunisten Möllmann nochmal» auf hie heuchlerisch« Stellungnahm« der Kommunisten und Deutschnationalen zu solchen Fragen. Ein Antrag unserer Fraktion verlangte Namens- änd«rung de s Friedrich. Wilhelm- Hospitals in der Palisadenstraße in Hermann-Weyl-Hospital. Genosse John begründet« dieses selbstverständliche Verlangen mit der Tat- fache, daß bisher drei Hospital« gleichen Namens vorhanden seien und die höfischen Bezeichnungen solcher Institutionen aus der Bor- kriegszeit überholt wären. Hermann Weyl aber habe bekanntlich gerade auf diesem Gebiet viel Wertvolles gelesstet. Die Bezirks- verordneten Hank«(Komm.), T r« t t i n(Dnat.) und Stadtosr- ordnet«? Schmidt(Arb. d. M.) wandten sich gegen den Antrag. der dadurch der Ablehnung versicl. Bei einem Antrag der Kom- munisten üb«r die angeblichen Polizeiprovokationcn vor d«r Plaza aus Aillaß der zehnjährigen Gründungsfeier der Kommunistischen Partei verknüpft« der Kommunist Schindler mit früheren Vorgängen auch die bedauerlichen Vorkommnisse am l. Mai. Trog stärkster Provokationen und Beschimpfungen der Sozialdemokratie als„Morderpartei" ließ man ihn seine Ausführungen zu End« bringen. Als Genosse Büchner nunmehr in sachlicher Erwiderung ansetzte, erhob sich ans feiten der Kommunisten ein systematisch organisierter Tumult. Di« Sitzung inuhte unterbrochen werden. Nach Wiedereröffnung suchte Genosse Büchner festzustellen, daß die Schuld an den traurigen Vor- kommnissen auf feiten der radikalen Linken zu suchen sei. Im nun«insetzenden Lärm wollt« sich der Kommunist Schindler aus den Genossen Büchner, den ältesten unserer Frak- tion, stürzen, woran er nur durch das Dazwischentreten unserer Ge- Nossen gehindert wurde. In den weiteren Auseinandersetzungen, bei denen man vor allem den tobsüchtigen Schindler zurückhalten muhte, stürzten sich eine Anzahl Kommunisten auf den Genössen S ch l i e n z, der dabei geringe Verletzungen im Gesscht erhielt. Nur mit Mühe waren die Streitenden wieder auseinanderzubringen. Die Tribünen- besucher nahmen stürmisch gegen die Kommunisten Stellung. Auch diese Vorkommnisse reihen sich den Vorgängen der letzten Wochen„würdig" ein._ Wohin in den Ferien? Die Sommerzeit rückt heran, und in den Betrieben und Bureaus werden die gerientermine festgesetzt. Für die Massen der wert- tätigen Bevölkerung enssteht die Frag«: Wohin in den Ferien? Leider ist die Ferienzeit meist allzu kurz bemessen, und auch der Geldbeutel läßt keine allzu großen Sprünge zu. Da muß reiflich überlegt werden, wie die Ferien am besten und billigsten ausgenutzt werden können... �, Der Reichsausschuß für sozialistische Bildnngs- arbeit veranstaltet auch in diesem Sommer«ine Reil)« schöner und verhältnismäßig preiswerter Reisen für Arbeiter, Angestellte und Beamte Bernts Ende Mai sindet die erste Reise nach Dalmatien statt. Ihr folgen dann weiter« Reisen an die Riviera. nach Bornholm, in die Schweiz, an den Rhein, nach B r ü s s e l- Pa ri s. Schweden- Finnland. England, Krakau— Hohe Tatra. Wien— Klagen. surt. Hamburg— Helgoland, an die Äurrsche Soziaiisiische Arbeiterjugend Groß-Benin. Donncniagj den 9. Mai(KSrnmeifakri)« anf dem Jcgcnd�cl&ndc In Brieselang Mai-lugencitas Fciermhande s Spiel und Sport/ Sdiiubkimdgcbim» s Fadcclxng. Beginn 14 Uhr.— linkostenbeitrag 20 Pfennig.— Fahrverbindung mit der Vorortbatm stündlich vom Lehrter Hauptbahnhot bis Brieselang. Zum Jugcndgeländc 10 Minuten CuSweg. Parteigenossinnen und genossen 1 Kommt und reriebt diesen Tag mit der Jugend Nehrung, an die Adria und nach Tunis. Schon für 199 Mark kann man sich an einer Reise beteiligen. Di« Aufbringung der Kosten wird durch bequeme Ratenzahlung«rleichert. Daneben ist zum erstenmal auch ein Ferienaufenthalt in Tirol(in- mitten der Hohen Tauern) und in der Südschwciz zu außer- ordentlich günstigen Bedingungen eingerichtet worden. Nähere An- gaben enthält der reich illustrierte, gut ausgestattet« Reiseprospekt, der gegen Einsendung von 35 Pf. in Briefmarken durch den Reichs- ausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, zu beziehen ist. Auch ein evonderprospekt für Ferien- ausenthalt ist herausgegeben worden und durch die gleich« Stelle zu erhalten. Nutze jeder die Gelegenheit, um die Schönheiten dieser Welt zu erobern und seine Ferien int Kreise gleichgesinnter Menschen zu verleben. „Extrablaii, Extrablatt!" Die Verleumdung eines Polizeireviervorstehers. wegen Verleumdung eines Reoiervorstehcrs Halle sich der Gärtner Georg W a h l m a n n vor dem Schösscngericht Berlin Mitte zu verantworten, dessen Hauptbeschäftigung darin bestand, Exlradlälier mit sensationellen Ueber- schriflen zu verkaufen. Diese Ueberschriften, wie„Furchtbarer Massenmord an Frauen und Kindern",„Der Krieg entbrennt",„Mobilmachung Englands gegen Rußland" veranlaßten viele Passanten, die Zeitungen zu taufen, in der sie dann nicht die erwarteten neuen Nachrichten. sondern politische Tendcnzartikcl über längst vergangene Ereignisse fanden. Wahlmann wurde von verschiedenen Käufern wegen Betruges angezeigt und auch verurteill. Ein Polizei- bcamter traf Wahlwann wieder beim Verkauf seiner Zeitungen und meldete dies dem Reviervorsteher. Dieser ließ Wahlmann vorführen und beschlagnahmt« seine Zeitungen. Wahlmann geriet darüber in größte Erregung und erstattete eine Strafanzeige gegen den Vorsteher, in der er ihm in beleidigenden Worten vorwarf, ihn bestohlen und semer Freiheit beraubt zu haben. Außerdem heißt es darin, daß der Revicroorstcher ein gemeingefährlicher Mensch sei, der aus politischer Feindschaft so gehandelt hätte. Der angegriffen« Beamte erstattete jetzt Anzeige gegen Wahlmann wegen verleumderischer Beleidigung. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Verleumdung zu einem Monat Gefängnis und billigte ihm eine dreijährige Be- währungsfrist zu.___ Eröffnung des angewärmien Flußbades. Das städtische Spreebad Lichtenberg(Köpenicker Ehaussee) Ist am 4. Mai wieder eröffnet worden. Trotz der noch niedrigen Temperaturen kann der Badebetrieb fHcm ausgenommen werden, weil durch die Nutzbarmachung des Kühl- wassers des Grohkraftwerk-s Klingenberg, das als Warm- wasser abfließt und durch das eine der Becken des Lichtenberger Bades hindurchströmt, höhere Wasscrtemperaturen als die ge- wohnlichen erreicht werden können. Die Durchschnitts- temperatur beträgt 29 Grad. Das Kühlwasser speist auch gleichzeitig die Fontänen des Planschbeckens und die Fuhwafchvor- richtungen vor den Ankleidehallen. Eine erfreuliche Berbesserung seiner Einrichtungen hat das Bad durch die Anlage von 3 2 War in wasserbrausen erhalten� Damit ist vor allem den Besuchern gedient, die nur Luft- und Sonnenbäder nehmen. Geplant ist eine Lautsprecheranlag« zur Unterhaltung der Vade- güste. Zu erreichen ist das Bad durch die Straßenbahnlinie 13 und durch einen besonderen Motorbootverkehr auf drei Linien, und zwar: �) Rummelsburg(Ratsmeiereiwiefe)— Fluhbad— Plänterwald(ipeMch der Eierhäuser-, b) Treptow(Parkstraß») über Stralau-Ost(Tunnelstraße)— Flußbad: c) Oberbaumbrücke(Groben- ufer)— Deutsche? Bad— Stralau— Flußbad. Der Fcchrpreis beträgt 19, 15 und 25 Pf. Es werden auch Karten ausgegeben, die für die Hin- und Rückfahrt und für den Eintritt in das Bad berechtigen. Zwischen Oder und Elbe. Von Frankfurt a. b. O. aus durchquert man die große farbige Fläche des Oderbruchs. K ü st r i n nehmen wir mit, die Stadt mit ihren eckigen Festungsmauern, und jetzt nickt der Hügel- wall des Barnim immer näher, der am Bruch wie eine Schwelle entlangzieht. Da liegen W r i e z e», der alte Krebs- und Fisch- markt des Bruches, und Frcienwaldc, das märkssche Bad, und drüben gegen Oderberg ersteigen bunte Lastkähne das Land auf den hohen Wasserstufen der Schleusen des Schifsahrtskonals. Das größte Schissshebewerk Europas ist hier iin Vau. Nun nehmen uns die märkischen Wälder auf, Kiefern- wälder, in denen die Wacholderbüsch« stehen wie dunkle feierliche Flammen. Aus diesen Wäldern taucht damt plötzlich der edle Back- steingiebel des Klosters Chorin auf. Und wieder Wald, Seen blitzen auf, der Erimnitzsee als lichte Wasserfläche auf hoher Ebene, der herrliche Wcrbellinsec im weichen Bogen seiner üppigen Laubufer. Um diesen See webt, mitten in der kargen Mark, Stiftersch« Hochwaldstimmung. Durch die grüne Einsamkeit der S ch o r s h e i d e fahren wir in das schönste märkische Landschasts- gebiet: in die Uckermark um Templin und Lychen. Diese Landschast wirkt wie ein grünausgeschlagcner Spi«gelsaal: See an See ist blank eingelassen in die grüne Pracht der Wälder. Tagelang kann man im Boat aus dem Wasser leben und durch schmale Kanäle aus einem See in den anderen fahren. Jede Stadt hat ihre locken- de» Secufer, Teniplin, noch fest umschlossen von seiner Mittelalter- liehen Stadtmauer, Lychen, das beinahe mitten im Wasser liegt. P r e n z l a u, schon„oben" im flachen Agrarland, mit dem hohen Prachtgiebel seiner Marienkirche, Neust rel itz, dos geinütliche, lebendige Neubrondcnburg, die Stadt Fritz Reuters, am blanken Tolenjesec. Aus der Uckermark geht es immerfort durch Wälder nach dem See Fontanes: dem Stechlin. Unendlich schön ist der klare Spiegel in die grünen Laubbuchten der User eingelassen. Und dann birgt Rheinsberg noch«ine Steigerung, dos blumen- geschmückte Idyll. lieber G r a n s« e und Oranienburg führt nun die Fahrt. In Tegel aber besteigen wir einen Dampfer und genießen auf dem Wasser die Reife nach Potsdam. Von Potsdam ab schreibt die Havel den weiteren Weg vor. Nun umschließen nicht mehr Wälder die Fahrt, setzt ist es die ossene, immer wechselnd« Landschaft des Havellandes mit den großen Schwüngen des Flusses. lieber der grünen Weite taucht Brandenburg auf, der alte Ursprung märkischer Geschichte. Immer wieder saßt man in die tiefen Profile der Portalbögcn und erinnert sich: was da so stolz und l)erb in kantiger Größe über die Stadt sich erhebt— das ist aus gebrannter Erde gebaut, der Ackerboden dieser Landschaft wurde ragendes feier- liches Werk. Don Brandenburg führt die Havel weiter nach dem Plauer See und Plaue, auf die Schauplätze Qixitzowscher Händel, nach Rathenow und in zahllosen Mäandern nach Hanelberg. Süddeutsch, schwäbisch fast wirkt das Städtchen auf leiner Insel zwischen Havel und Stadtgraben. Gegenüber der Havelmündung liegt an der Elb« Werben, das kleine Städtchen mit den bunten Fachwerkhäusern um das Riesendach der gotischen Kirche. Nach dem Ueberschreiten der Elbe fährt man durch die fruchtbare Altmark nach Stendal. Glanzstück der Stadt ist das Uenglinger Tor, das schönste Stadttor der Mark. Bon Stendal geht es nach Tangermünde an der Elbe. Von Tangermünde niäit weit entfernt aus dem jenseitigen Elbufcr liegt I e r i ch o w mit der romanischen Klosterkirche. Nach einer letzten Fahrt steht n.an dann hoch obcnmus chen Türmen des Magdeburger Domes. Dieses graßartige Bauwerk ist nun die letz'e Station unserer Reise von der Oder zur Elbe. Ein Stück Deutschland, das sür manchen ein unbc»� kantcs Deutschland ist. Zeitweilige Schließung der Staatsbibliothek. Zum Zweck einer umfassenden Revision der Druckschristen- bestände wird die Staatsbibliothek von Montag, dem 2. September bis Montag, dem 39. September geschlossen. In dieser Zeit können nur die bereits vorher entliehenen Bücher zurückgegeben werden. Den Wünschen der Benutzer der Staats- bibliothek wird die Universitätsbibliothek(Dorotheenstr. 81), soweit es irgend möglich ist, entgegenkommen. Die Lenutzungskarten der Staatsbibliothek haben im September für die Universitätsbibliothek Gültigkeit. Auch den auswärtigen Leihverkehr wird die Unioersitäts- bibliothek in gewissen Grenzen aufrechterhalten. Genosse Dr. med. Karl Kaulsky, Leiter der städtischen Ehe- beratungsstelle in Wien, spricht am Freitag, dem 19. Mai, Im großen Saal des Lehrervereinshauses, Alexanderplatz, über„Probleme der modernen Ehe". Einen Vortrag über dieses aktuelle Thema zu hören, entspricht einem lang gehegten Wunsch unserer Genossinnen, dürft«.aber auch weit über deren Kreis hinaus das ollgemeine Interesse erregen. Eintritts- karten zu 39 Pf. im Frauensekretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof, II, von 9 bis 17 Uhr, und an der Abendkasse. Eine deutsche Wochenschrift in Moskau. Am 7. Mai wird, wie „Ost-Expreß" berichtet, in Moskau die erste Nummer einer deutschen Wochenschrift erscheinen, die den Namen„Moskauer Rundschau" tragen wird. Chefredakteur dieser Wochenschrist ist der ehemalige österreichische Gesandte in Moskau, Otto Pohl, der seit seinem Rücktritt in Moskau lebt. Die„Moskauer Rundschau" soll dem aus- ländischen, vor allem dem deutschen Leser Informationswaterial über politische, wirtschaftliche und kulturelle Fragen der Sowjetunion liefern.__________ Brieffasten derNedakiion. 9Uintdci>b»tf Inge 100(1. B. Ifit beute noch in Holland. Cr ist nicht nestiert und d«»ieht kein, Dension.— a.«. 6. Preußische Siaatsbank(i Handlung). Berlin W. 56. Marlgrafensir. 38.— P. 30. Wenden Sie sich an am. (See. Land,«iersich«runosanst/. Uhr Eugen Klöpfer In .Das große flSC" von Marcei Pagnoi Reg: onsi. Bar.wtg. la FremlBrennestta. Reichshallcn-Theaier m.(T| unr. Sonniaa Nacim.|7| Übt §leMner Sänger tleu!„£lne flacht im Staismeinheller" Nachm. halbe Preise. Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) Adolf-Beck er-KonzerL VolUsüttline f 333ter anBilovDlatz .1 und 8 Uhr Trojaner Tbeaisr am SülltDaaeraanim 3 Uhr Helden 8 Uhr Pioniere in Ingoisiadi Tüaüa-Theater 3 und 8 Uhr Oeiranscii Staat). Sdiiiler-Ib. 8 Uhr Zaungäste 8'/. Theatsr am Schiflbauerdamm. Norden 1141 u. 281 Ptoniere in Ingolstadt (Soldaten u Dienstmädchen) Kenlsr. len|a, Loire. KettB, Haermaan. Mcsssi ii. a. Samowsky Thealer in der KOniggrätzer Straße Täglich SV« Üh' Rival en Komödienhaus Täglich SV* Uhr mit Curt Bois. Pianetarimn —■ am Zoo■■■ Vsrläng Joachiasthaler Stralle Noll. 1578 161/« Uhr Sternbilder des FrOh]ahrs 18� Uhr Wunder des sQdiicben Himmels ZOy* Uhr Sternhimmel und Weltbau Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk� Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf.. Kinder 25 Pf. meater D.I. Norden 12310 8 Uhr, Ende nach 10 Paulus unter den Juden Dramat Legend von F ran i we rf el Regie: Rafl-Bolnz Martin. Die Komödie Bismck. 2414/7516 8i/- U., Ende geg. 10 Der Jfasn. der seinen Hamen änderte 3 Akte von Edgar Wallace Dtsch. v.Hans Rothe Regie: Heinz Hilpert Bühnenbilder: Erlffl E. siern. Kammerspiele JiJ. Norden 12 310 Vt U., Ende geg. 10 flutgang nur für Herrschatten Kleine Komödie von Siegfried Geyer Rose-Theater firoÄ%Bmr Telephon: Alexander 3422 Täglich SV. Uhr (Semuags 2 Vorstellunnen s!/4 a. 9 Dbr) Dorine und der Zufall! wiigsten» Ein Walzertrauin! auf der Gartenbohne. | Im Inncntheoler täglich»>/4 Uhr: Spiel im Schloß. s«/. uhr CASINÖ-THMTER»'«uhr Lothringer Strafe 37. won Waammtas" und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.15 M., Sessel 1.65 M. Sonstige Preise Parkett u. Rang 0.80 Mk Berliner II iH-'fTlO Maukölln. R» lahnstr.M'TB 1 proWonair, bei der geringen ßaranzahlunc� oon nurTUk. 16,50 genügen zum T/auf des besten Musikinstrumentes EUCTROIA in aUer, unerrdcMer QualUäf zum neuen Preis von ttlk. 150,-. • Vorspiel ohneltaufzurang.! ELECTROLA GE'SELLSCHAFT M. B. H. BERLIN W 8, Leipziger Str. 23; W15, Kurfajrstendainm 35. FRANKFURT a. M., Goethestr. 3; KÖLN a. Rh., Hohestr. 103. Autorisierte Eleetrola-Verkaufsstellen In Berlin und Jeder Stsdt. fieeressuf Bsbörflenwaren, gut ern. DreniaiS(.,HosB,iB 2.40, i.3o Lelcealios. 1.80.1.50.'�0 Bv,l.,Br88Cll.6.25, 4.89. 3.90 Wäf/enröüio. H. 7.80,5.25 KOlIlBl, iBilllrjD 16.80. 9.70 ÜB/lönl. Mllltol 18,30.9.0 Detkea, 2 k( 3.60.2.90 Trink beüier 8.39,0.22.0,10 KBChJeSGÜhTl.23. 0.64. 0.20 FeldllasdieD 1.30 0.44. 0.27 BrotOcaiei 1.78,1.43.0.96 lappel.2.10,1.76.1.33 Tornlstsr.8.85.4.70,1 95 SämitJUaiL 1.40. 1.20. 0,90 Ipatsn m. Fnlter«.so ZellbaäD 7.60.5.80,4 30 Vicwaa. 1.60. 0.92. 0.48 Neufabrlkate •onstmmpii.. 1,27. o 97 Moltonjack™... 3.40 ScbnärscäniiB 9.86.6.60 Ded!Bn,330xI60. 4.90 Sirobsäckc.. 5.29, 2.90 Waml9nn.m.Fntt. 2.65,1.75 Wloöiackea.. 8.93,6.so TonmjImdBn.5.60.4.90 Ford. Preisl. 107, Wandersport, Berufpkldg. Schübe, Pferdegesch, Kacfaoabmeversand. rlsikoU Umtausch ge- •tattet. Tägl. Dauk- •chr. 1928 25000, 1927 trat 10000 Sendungen. Btscho lederwarcrfLtir. Eerlln, Jll-Mttü 130 14 Gnitli(0 1 J illil. U nSa Crößt.Vtrsrndb.De Ischl. d.ArtJlelo.F, rsterr rtrs- Filialen: KoltbusserDamm 73 Chausseesiraße 92 lavdlldcnstraße 7 Andreasstraße 40 Greifswalder Sir. 2 Blsmarckslr.7*,mig. Herbcrlstr.4,Schb£. Babbhofstr.4,Spand. Zfl Sonntag, den 5. Mai nadiiniüags 3 Uhr. Heinzeis biiiioe Parzellen | METROPOL-THEATER|T|| GR. SCHAUiPIELHAUi Künstlerische Leitung: Erik Charell Hur noth Mooai Mai Snstige Witwe Trude Hesterberg Paul Heidemaon, Jankuhn, Elieot Junkermantv Schaeffers El Der große Erfolg! Der liebe jlupsiin! Hadf Christians. Oskar Karlweis, Lieske, Arno, Morgan, Westermeier,| Matzner Weu aal Enecdrola. üeriiDei Imm OirekLHelnz Herald Charlottenstraße 9t A. 7. Dönhoff 170 SV:, Ende lOV: Uhr Täglich Die iDßf Frankierter von Carl Rössler Regie: Enaeii Boden. Lessing- Theater Täglich 81/4 Uhi „Die Frau des flnflern" Theat. d. Westens SV: Uhr KSte Dorsch, Joergen Bendlx in Friederike Lsbat dirigiert! Stg. nachm. 3'/- Uht i Friederike. Hotel Fvcßlslnr Berlin Eigentümer; Cur! Elschner am Anhdlter b-hnhof Gröftfss Hotel des Kontinents 600 Zimmer/SOOBeften/ZimmerS.- an/Sifzfifichef.ca.2000Pers. Sehenswürdigkeit Berlins im Zentrum d. Stadt Russ.~Röm. Bäder /Keilbäder mit direktem Zugang von den Hotelzimmern Nachmittags und abends spielt Tnanon-rh, Täglich SV* Uhr Vom l'enusbsrg 1 bis Kreuzberg Bilder aus der Berl. Unterwelt Rundfunkhöre r| hllhe Preise LDSispieibaus 8V4 Uhr Guido Tltielsciier Weekend im Paradies Zepernick das Lasdliaiisparailiss des Berliner Norden Schneilbahnstreckc Bernau, 23 Minuten Fahrzeit, 15-Pf.-Sitdlerkarte. Verkauf wochentags von 11— 7 Uhr, Sonn- und Feiertage von 10— 7 Uhr, im Gasthans BlndernageL In höchster Kultur befindMch-r, tiefgründiger Lehmboden, in herrlicher Höhenlage mitten im Orte, 8 Minuten vom Bahnhof. Saadratmeier von M. 1,10 an, ohne Anzahlung, eine Monatsraten. Sofortige Anflassnng und Banerlanbnis, keine Wcrtznwachsstencr. Luxusbad Mellensee Vorortbahn Zossen, direkt im Ort, 8 Minuten vom Bahnhof, Nähe Freibad Idyllische Waldparzellen Verkauf nur Himmelfahrt und Pfingsten zum ElnheiispreU von M. 1,50 pro qtn. Kleine Anzahlung u. Monatsraten Auskunft bei PflQger, Restaurant Seescfaenke, Mellen Tlialta-Ttieaier Dresdener Sir. 72-73. 8 Uhr „Oelrausch" Otsch. Künstier-Th. SVi Uhr Prosit Gipsy Ope ettev. Gilbert Emmy Sturm Friiz Schulz Theaier am Hollendcrfplatz Täglich 8V4-hr Die Dtännerder fYSsnon Operette in 3 Akten v. Walter W. Goetze ttleiQDi Titeatet Täglich 8V4 Uhr Blas»der trorken? näß: dira AscHunääieii von Frank Green. Musikalische Iliust Fr. Holländer. Regie: Fr.Frtednmnn- FrefleridL Tttcat.aniKütiD.ior Kottb.Sitr.6 Tä"). 8Uhr Eitte- Sängep Das neos Mal- Progr. VntfaltelN HfOntkhtaa: 1 Massive Landhäuser(3 Stuben, Zubeh.) werden von M. 7000.- an. bei M. 1000.- Anzahlung, gebaut. Rest mäßige Tinirr, C. fifeisfezel<& Co., Berlin WS Friedritfaslr. 158, Ecke Uni. d. Linden.— Sammelnummer: Zentrum 6513 •'•iw-* i-TT. Eine Mige Ptiagst-ierrasiii A anfcrgewöbnUA billigen Anfeboie rrflnoflorhino reineSelde,ca.100br..mod, UlCilCUCUUlllC Druckmust. Mtr. 9.S0, 7.50 Itannn reine Seide, ca. 90 breit, moä. Druck- ÜdüJUU muster.......... Mtr. PnninnH reine Seide, ca. 90 breit, moderne rUiltdlU Druckmuster...... Mtr. 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Mai �929 Zehn Jahre neues Polen. Oer Stand der Arbeiterbewegung. Die deutsche Arbeiterschaft hat, aus wirtschaftlichen wie aus politischen Gründen, das größte Interesse daran, die Arbeiter- bewegung in den neuen Staaten Europas, zumal in den benachbarten, zu oerfolgen. Unter diesen ragt in beiden Hinsichten die polnisch« Arbeiterbewegung hervor, die nun, parallel mit dem Bestehen des polnischen Staates aus ihr erstes Jahrzehnt(1918 bis 1928) zurück- blicken kann. Es liegen heute aus dieser Zeit eine Reihe nichtgmt- licher und amtlicher polnischer Veröffentlichungen vor, die kritisch gelesen Und kritisch miteinander oerglichen werden müssen. Dann ergibt sich das folgende Gesamtbild. Die Gesamtzahl der polnischen Arbeiter ist im Lauf« der Jahre zwar mit erheblichen Schnxinkungen, aber doch, besonders seit 192S unausgesetzt gewachsen. Sie betrug, nach dem jüngsten Rechenschaftsbericht des dekannten amerikanischen Finanz. kontrolleurs Polens Dewey zuletzt(das heißt im Oktober 1928) 933 74S Arbeiter. Die Zahl der Arbeitslosen oerminderte sich in den letzten Jahren; sie betrug im November 1928 94 132. Zu bemerken ist freilich, daß«in Teil der Industriearbeiterschast lediglich teilweise, das heißt nur einig« Tage in der Woche beschäftigt ist. Die Zahl solcher Halbbeschäftigten betrug z. B. noch im Mai v. I. 97 569; zum November 1928 verminderte sich dies« Zahl auf 47 439. Nach der großen amtlichen Veröffentlichung„Przemysl Im Handel 1918 bis 1928"(Seite 539) ist der Lohnstand der Arbeiter in Polen fast durchweg niedriger als vor dem Krieg«. Die lange anhaltend« Zerrüttung der polnischen Valuta mit ihren Inslations- erscheinungen hat auf die Arbeiterlöhne natürlich einen starken Druck ausgeübt, und so sehen wir die polnische Arbeiterschaft seit Jahren im Kampfe um Erhaltung und Verbesserung ihres Lebens- standards. Das 13. Heft der„Statistischen Nachrichten" vom vorigen Jahre hat interessante Zahlen über das Streikwesen in Polen veröffentlicht. Donach waren in den Jahren 1921 bis 1923 und liÄS die Streiks verhältnismäßig sehr zahlreich. 1923 gab es z. B. 1263 Streiks, die 74S1 Betriebe mit 849 P51 Arbeitern umso ßten, also im Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeiter eine enorm hohe Zahl. Im Jahre 1925 haben wir dagegen 532 Streiks, die 1919 Betriebe mit 148 527 Arbeitern umfassen. 1926 ist das Ver- hältni» ungefähr dasselbe, dagegen finden wir 1927 wieder ein Anwachsen der Streiks bis auf 699 mit 3772 Betrüben und 232 594 Arbeltern. Durchweg wurden fast 90 Pro;, der wirtschaftlichen Streiks gewonnen und nur 19 Proz. verloren. Man darf sich freilich diese Erfolge nicht so vorstellen, als hätten die Streikenden ihre Forderungen stets voll durchgesetzt. Ein krasses Beispiel dafür ist der große Lodzer Streik vom Oktober vorigen Jahres, in dem die Textilarbeiter ein« Lohnzulag« von durchschnittlich 25 Proz. verlangt, aber nur«ine Zulagx von 5 bis 7 Proz. erreicht haben. Dieser Lodzer Generalstreik war»ine imposante Kundgebung der polnischen Arbeiterschaft;«s fehlte nicht viel, und sie würde sich über das ganze Land ausgebreitet haben; verhindert wurde diese Zliev- breitung aber zum Teil auch dadurch, daß in der Metallindustrie sowie in dem Kohlenbergbau„freiwillige" Lohnzulagen gewährt wurden; wir sind indesien wohl berechtigt anzunehmen, daß auch diese Zulagen nicht ohne den warnenden Eindruck des Lodzer Generalstreiks zustande kamen. Interessant ist es, daß, seitdem im Jahre 1919 auch die landwirtschaftlichen Arbeiter das Recht zur kollektiven Vertragsabschließung erhalten haben, deren Löhne sich nach und nach bis 15 bis 29 Proz. erhöht haben. Die Stabilisierung der polnischen Valuta, zuerst 1924, dann 1926, hatte aus die Löhne in der Landwirtschast keinen wesentlichen Einfluß, da sie hier in Naturalien entrichtet werden. Um so größer war ihr Einfluß auf die Lohnbewegung der Industriearbeiterschast, da erst mit der Stabilisierung der Währung eine einigermaßen zutreffende Feststellung der Lohnbewegung möglich wurde. Diese Lohnbewegung stellt das letzte Heft(März 1929) des Warschauer Konjunkturinstituts folgendermaßen dar: Nimmt man den Index der Reallöhne des Jahres 1927 mit 199 an, so beträgt der Index der Reallöhne im Januar 1929: 115,5, im Februar 1929: 119,2. In der gleichen Zeit ist der Index der land- wirtschaftlichen Engrospreise von 199 aus 89,5 bzw. 92,3 gesunken. Zu diesen Angaben muß indessen berichtigend folgendes bemerkt werden: Der Stand der Engrospreise für Lebensmittel besagt noch gar nichts für die Preise, die der en äetaii kaufende Arbeiter bezahlen muß. Nach den Angaben der.-Lodzer Volks- zeitung" sind vielmehr die Detailpreise der wichtigsten Lebensmittel in Lodz von 1915 bts 1927 fast durchweg auf das Dreifache gestiegen und auch von 1925 bis 1927 beträgt dies« Teuerung teilweise noch 29 Proz., und läßt sich also auch heute noch fühlen. Zweitens: die Darstellung der Bewegung der Löhne von 1927 an zeigt gewiß deren Steigen, ist aber unvollständig, weil die Löhne von 1927 selbst bedeutend tiefer stehen als die von 1923. Das war ja gerade eine der wichtigsten Ursachen de» Lodzer Textilstreiks im vorigen Jahr«, daß die Löhne n u r 7 3 P r o z. der Lohnsätze von 1925 aus- machten; und diese große Senkustg der Löhne hat auch der 14, Band der Arbeiten der von der Regierung eingesetzten„Kommission zur Prüfung der Produktionskosten" ausdrücklich bestätigt. Was also die polnischen Arbeiter seit 1927 im Kampfe errungen haben, das ist zum großen Teil nicht eine neue Errungenschast, sondern ein Ausgleich gegenüber der seit 1925 gesunkenen Lebens- Haltung. Jnterejfant ist schließlich ein Vergleich der polnischen Löhne mit denen anderer Länder. Nach der Berechnung des Internationalen Arbeitsamts betrugen im Januar 1928 die Reallöhne in Warschau 7l Proz. der Berliner Löhne. 83 Proz. der Pariser, 49 Proz. der Londoner, 199 Proz. der Wiener, III Proz. der Brüsieler und 117 Proz. der römischen Löhne. Sehr wichtig ist der Kampf um die Arbeiterlöhne in Polen auch vom Standpunkt der gesamken Wirlschaftsentwicklung im n«uen Staate. Eben weil es ein neuer Staat ist, wird in vielen maß- gebenden polnischen Wirtschaftskreise» die Ansicht oertreten, daß vor allem an Arbeiterlöhnen zugunsten der Kapital»- b i l d u n g und des Export» unbedingt gespart werden müsse Dies« Ansicht führt zum Teil sogar zur Ue b e r sch r e it u n g der sozialpolitisch en Gesetz«. Manche Textiljndustriellen haben zum Beispiel von den Behörden einen Dispens von dem Verbot der Nachtarbeit erlangt, um die Produktion desto mehr steigern— und die Löhne desto mehr drücken zu können. Die polnisch« Arbeiter- schast befindet sich also unter doppeltem Druck und muß ihren Kampfwillen verdoppeln und stet« wach halten, um nicht den auf sie von allen Seilen einstürmenden Kräften zu erliegen, E, H. Guter Kaliabsah im April. Oie Rückschläge aus der Kälteperiode mehr als aufgeho?t, Wie das deutsche Kallsyndikat mitteilt, betrugen die Abladungen der zum Syndikat gehörenden Werke im April 1,12 Millionen Doppelzentner Reinkali gegenüber 9,67 Millionen Doppelzentner im April 1928. In den ersten vier Monaten des lausenden Kalender- jahres wurden von den Kalibergwerken insgesamt 654 Millionen gegen 6,39 Millionen Doppelzentner Reintali in der gleichen Zeit des Vorjahre» oerladen. Berücksichtigt man, daß durch die abnorme Kältewelle lm Januar und Februar ein Aus- fall von etwa 1 Million Doppelzentner für da, Syndikat entstanden war, so will die Tatsache, daß diese Rückschläge nicht nur aufgeholt, sondern sogar überholt werden konnten. für die gegenwärtige Kalitonjunktur In dief-m Frühjahr allerhand besagen. Im ganzen Düngefahr 1928/29, da» von Mai hi» Tlprtl läuft, betrugen die Abladungen 14,86 Millionen gegen 12,89 Millionen Doppelzentner in dem vorhergehenden Dllngejahr. Das bedeutet also gegenüber der schon sehr guten Kallkonjunktur 1927/28«ine Absatzsteigerung von annähernd 12 Proz. Abschluß des Ostdeulfchen Waggontrusis. SZ 371111. Umsatz, 40 371111. AusiragSbestand Der Ostdeutsche Waggontrust, die L i n k e- H o f m a n n- Busch A.- G. in Breslau, die vor einem Jahr durch Ver- schmelzung der oft- und nüttelbeutschen Waggonfabriken Linke- H o f m o n n- Breslau, Waggonfabrik Busch- Bautzen und Sächsischer Waggonfabrik Werdau zustandekaist, ver- ösfenlltcht jetzt den Abschluß ihres ersten Geschäftsjahres 1927/28. Es war von vornherein klar, daß das erste Betriebsjahr der neuen Gesellschaft infolge der durch die Fusion notwendigen Abschreibungen und Rückstellungen auch bei guten Ergebnissen noch keine Dividende bringen konnte. Diese An- nähme wurde noch durch die Kapita'politik insofern bekräftigt, als die drei Gesellschaften, die insgesamt über ein Kapital von 31.7 Mil- lionen verfügten, bei der Verschmelzung k e i>n e n Kapital- schnitt vornahmen, sondern unter Schonung ihrer Großaktionäre das Kapital des neuen Unternehmens auf 39 Millionen, also fast in gleicher Höh», festsetzten. Wie der jetzt veröfsentlichte Verwaltungsbericht ausführt, wurden die erzielten Gewinne größtenteils zu inneren Rückstellungen und Abschreibungen verwandt, wobei insbesondere die unge- klärt» Lag« des Lokomotivbaucs entsprechende Re- servestellung bedingte. Der verbleibend« Reingewinn ist daher mit rund 230 499 M verhältnismäßig gering. Dieser Gewtnnausweis spiegelt aber die tatsächliche Lage von Ltnke-Hofmann, Busch k e i- neswegs richtig wider Es ist dem Unternehmen im letzten Jahr im Gegensatz zu vielen ondsreu Waggonfabriken sehr gut gegangen. Insgesamt tonnte ei» Umsatz von 83 Mil. lionen erzielt werden, van denen allein aus den Wag- g o n b a u 53 Millionen entfallen. Es konnte also das Aktienkapital von 39 Millionen fast dreimal u m g e s ch l a g e'n werden, so daß die Gesellschaft im Gegenlag zu ihrem ausgewiesenen geringen Reingewinn tatsächlich hohe Gewinne erzielt haben muh, die aber in Reserven und Rückstellung«» verschwanden. Näheres wird hoffentlich die Bilanz und der Geschäftsbericht, der noch nicht ver- äsfentltchl ist, ergeben. Während bei Beginn des neuen Geschäftslahres im Herbst 1928 ein A u f t r a g s b e st a» d von 31,7 Millionen vorhanden war, beläust sich der jetzt vorhandene Auftragsbestand sogar auf 4 9 M i l l i o Ii e u. Da bei Beendigung der jetzt noch schwebenden Verhandlungen nilt der Reichsbahn größer« Waggonaufträge von dieser Seite aus erfolgen sollen, so sind die Aussichten für die nächsten Monate in der Tat durchaus günstig zu beurteilen. Außenseiter als Sprengkörper. Das deutsch-belgische Zementobkommen geplatzt. Es Ist nach nicht lange her, daß der jahrelange erbitterte Kamps zwischen der deutschen und belgischen Zemcntindu- st r i c aus dem holländischen Absatzmarkt beigelegt und durch einen sksten Bertrag das Kriegsbeil endgültig begraben wurde. Das Slbkomme» sah für die belgischen wie für die deutschen Werte bestimmte Ausfuhrquoten nach Holland vor, wo- bei beschlossen wurde, die Aussuhrmengen, die von den sehr starken belgischen Außenseitern nach Holland geworfen wurden, von der Quote der holländischen Synditatsmitglieder ab zu» ziehen. Je schärfer sich aber die belgischen Außenseiter bei dem Export nach Holland ins Zeug legten, und je mehr sie dort an Boden gewannen, um so knapper wurden dement, sprechend die vertraglichen Exportmengen der eigentlichen belgischen Syndikatswerte. Da der Zustand für sie mittlerweise unhaltbar würbe und die deutschen Syndikate ihnen Vorschlag, die Außenseiter durch Kampfpreise abzudros- sein, nicht annahmen, haben die Belgier jetzt kurzerhand das Ab- kommen gekündigt. Es wurde zwar«ine Kommission eingesetzt, die den Riß im d-utsch-belgischen Zementabkommen wieder flicken soll, jedoch be- steht zurzeit wenig Aussicht auf Einigung, Man wirh also ver- mutlich bald wieder das unerfreulich« Schauspiel«ine» h« m- mungslosen Konkurrenzkampf»« tn Holland mit einem sehr starken Dumping und allen seinen anderen wirtschastsschSdlichen Begleiterscheinungen erleben. Enilasieier Arbeiismarkt. In Brandenburg 34 proz Unlerstühtee weniger. Di« Entlastung des Arbcitsmarktes im Bereich des Landesarbeitsamtes Brandenburg(Groß-Berlin, Brandenburg, Grenzmark) hat sich auch in der Berichtswoche vom 22. bis 27. April fortgesetzt. Die Zahl der Unterst ützungs- empfänger ging um wettere 12 935 Personen zurück. Die Zahl der Arbeitsuchenden fiel in der Berichtswoche um 11 132 auf 263 762, d. h. um 4,95 Proz. Seit dem Beginn des Umschwunges auf dem Arbeitsmorkt, der bei einer Höchstarbeitslosig- keil von 398 657 Personen einsetzte, konnten also rund 134999 Ar- beitsuchende wieder in den Produktionsprozeß eingestellt werden. Die Arbeitslosigkeit im Bereich des Lande carbellsamtes Branden- bürg hat also in den ersten sieben Wochen der Icühjahrsbelcbung einen Rückgang um 34 Proz. erfahren. In den einzelnen Wochen setzte die Entlastung des Arbeits- Marktes wie folgt ein: vom 9 bis 16. 3..... 19 941 Arbeitslose--- 4,7 Proz. „17„ 23, 3..... 24 873„= 6,5, . 24., 39 3..... 24 731.-- 6.9. „ 31.„ 6. 4,, 16653„= 5,0 r „ 7.. 13. 4..... 21 626.--- 6,9. „ 14., 29 4..... 16 539,---- 5,68 , 21.„ 27 4..... 11 132,--- 4.9. Trotz dieses schnellen Tempos in der Entlastung des Arbeits- Marktes liegt die Arbeitslosigkeit gegenüber den Ziffern Ende April vorigen Jahres fast um das Doppelte höher. Soll also die Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr annähernd den Tief- punkt von 1928 erreichen, so müsien neben der saisonmähigen Entlastung noch sehr kräftige andere Entlastungs- nioment« hinzukmnmen. Daß in anderen Landesarbeitsämtern, besonders in den west- und mitteldeutschen, das Tempo der Eni- lastung noch rascher verlmifen ist, zeigt der Ausweis des Landssarbeitsamtes Rheinland, der bereits Mitte April einen Rückgang von 39 Proz. gegenüber dem Höchststand der Arbeitslosigkeit aufweist. Im einzelnen waren die Anforderungen der Land- und Forst- Wirtschaft in der Verichtswoche wieder sehr stark. Während in fast allen Berufen noch ein Ueberangebot an Arbeitskräften vorhanden war, herrschte in der Landwirtschast bereits ein erheblicher Mangel an solchen. Sehr gute Ergebnisse wurden in der Ein- stcllung von Arbeitskrästen in den Industrien der Steine und Erden erzielt. Auch der Braunkohlenbergbau war anhaltend gut beschäj- tigt. Mit Ausnahme der weiblichen Berufe war die Metallindustrie gleichfalls befriedigend mit Arbeit versehen. Uebefriedigend waren die Verhältnisse im Leder- und Papiergewerbe. Reue Autooerluste trotz Ilmsatzsteigerung. Die Ulmer Ma- g i r u s A.- C., die in erster Linie Lastkraftwagen und auch Feuer- wchrspezialgeräte herstellt, hat im letzten Jahr durchweg b e i vollem Betrieb arbeiten können. Auch der Auftrags-- bestand, der.zurzeit vorbanden ist, stellt einen Rekord der letzten fünf Jahre dar- Trotz dieser ausgesprochen günstigen Bc- triebslage sälicßt dos Unternehmen wie iin oergangenei! Jahr schon auch für 1928 wieder mit einem Verlust von 1,2 Mil- lionen ab. Die Hauptquellc des Berlustes liegt in einer hohen Sonderabschreibuna auf die Vorräte, für die 899 999 Mark abgesetzt wurden. Ob dies« Ausschreibung jetzt ausreichen wird, um das Unternehmen wieder auf eine wirtschaftliche Basis zu stellen, erscheint allerdings noch sehr zweifelhaft. Die Gesellschaft, die bis- her einer finanziellen Sanierung, die bei einer Kapital- Zusammenlegung natürlich auch Opfer von den Aktionäre r. fordert, ausgewichen ist, wird wollt nicht darum herumkommen. im Interesse der künftigen Rentabilität deS Unternehmens ihren Aktionären diese bittere Pille zu verabreichen. Da im vorigen Jahr der gesetzliche Reservefonds für chi« Verlusttilgnng verbrauch« wurde, muß der Verlust des letzten Jahres in voller Höhe auf neue Rechnung vorgetragen werden. Knorr-Bremfe zahlt S Proz. Dividende. Die Ä n o r r- Bremse A.-G. in B e r l i n- L i ch t e n b e r g kann auf ihr 59 Millionen Marl betragendes Aktienkapital für 1928 wieder die hohe Dividend« von 8 Proz. zahlen. In dein vorher- gehenden Jahr konnten sogar 19 Proz. an die Aktionäre ausgeschüttet weiden. Nach Abzug der ganz erheblich gesenkten ll„. kosten von 6,7 Millionen wird ein Reingewinn van 4,6 gegen 5,6 Millionen ausgewiesen. Der Verwaltungsbericht weift auf die erheblich verringerten Reichsbahiibestellungcn im letzten Jahr hin, hebt aber zu gleicher Zeit die umfangreich e n R c p a r a- t i o n s a u f t r ä g e hervor. Für die Erledigung dieser Aufträge, deren Wert sich auf 69 Millionen b« l ä u f t, mußten erheb- liche Neueinrichtungen vgrgsnommen werden. Die anderweitigen Auklundsbestrebungen weifen noch keinen Rückgang auf. 140 Pro,. Gewinn aus dem Kupferwucher. Welche Unsummen die ameritanischen Kupferkönige aus ihrem Ausbeutungsfeldzug vom August vorigen Jahrea bis zum März 1929 verdient haben, zeigt der Abschluß der U t a h- C o p p« r E o m p a n y. Der Reingewinn dieses Konzerns ist auf rund 23 Millionen Dollar, also auf weit mehr als 199 Millionen Mark gestiegen, woraus je Aktie eine fast verdoppelte Ausbeute von 15,3 Dollar entfällt. Insgesamt wurden im Letriebsjahr Kupfermcngcn vo» rund 274 Millionen englische Pfund orzeutzt bei einer Senkung dar G e>t e h u n g s k o st e n auf 6,3 Cent i« englisches P f u n d. Bei der Preisentwicklung im letzten Jahr betrug der Reinerlös aus der Kupfer- Produktion allein etwa 149 Proz. In welchem phan- tastischen Ausmaß die Reingewinn« durch die stürmische Kupferhausse in den ersten Monaten dieses Jahres gesteigert wurden, beweist der Kupferpreis von 24 Cent und mehr je englisches Pfund, der um etwa 499 Proz. über den Gestehungskosten log. Reuer Wagqonzusammenschluß persett. In der Waggonindu- strie vollzieht sich nach den beiden größeren Zusammenschlüssen im Rheinland und in Ostdeutschland jetzt eine dritte umzang- reiche Verschmelzung. Die treibende Kraft dieser neuen Fusion ist die Waagonsabnk Gebr. Schö Udorfs A.-G., Düsse!- darf. Wie jetzt bekannt wird, sind die Verhandlungen diese» Unter- nehniens mit der kürzlich zusammengebrochenen Fuchs in Hei- dclberg so weit gediehen, daß die Düsseldorfer Gesellschaft sich die Betriebe von Fuchs angliedern witfZ. In welcher Weise die ?luseinandersetzungen mit' den Gläubigern der Heidelberger Gesell- schast erfolgen wird, steht noch nicht fest. Zugleich wird in den Verschmelzungsprozeß die Norddeutsche Waggonfabrik in Bremen eingezogen, die ln den letzten zwei Iahren recht rentabel arbeiten konnte. Zur Durchführung dieser beiden Fusionen wird die Gebr. Schönidorfs A.-G. ihr Kapital um 3,2 auf 7,2 Millio- nen heraufsetzen. Aschasfenburger Zellstofskonzern wieder 12 proz. Dividende. Die A-K. für Zellstoff- und P a p i e r s a b rt k a t i o n, Aschaffenburg, schlägt für 1928 wioder die sehr hohe Divi- dend« von 12 Proz. w.e im letzten Jahr vor. Geschäftsbericht und Bilanz der Gesellschaft stehen noch aus. Der Generalversammlung wird im Juni auch«in Antrag auf Erhöhung des Kapital» vor- gelegt werden. Abseits der Arbeiterbewegung. Rowdies und Landsknechte. Betrachtet man die btutigen(Ereignisse am 1. Mal und In den folgenden Tagen, so drängen sich zwei Beobachtungen aus: Erstens ist die große Masse der organisierten wie der unorganisierten Ar- beiter an diesen Kämpfen vollständig unbeteiligt. Die Arbeiterschaft Berlins und im Reiche hat an diesem 1. Mai viel- leicht in noch stärkerem Maße als sonst durch Arbeitsruh« gefeiert und an den Kundgebungen der Gewerkschaften und der Sozial- demokratic teilgenommen. Vergleicht man z. B. in Berlin die Zahl der Teilnehmer an den Versammlungen mit der Zahl der Teil- nehmer an dem Demonstrationszuge im Vorjahre, dann kann man vielfach feststellen, daß in diesem Jahre die Teilnahme eine unver- gleichlich st ä r k e r c gewesen ist. Was sich dann in den Nach- mittags- und Abendstunden in einigen Straßen Berlins zusammen- rottet«, ist weder gewerkschaftlich noch politisch organisiert und ge- hört in der Hauptsache zu jener Schicht von Gelegenheitsarbeitern, deren Existenzmittel nicht immer genau zu umschreiben sind. So tief und fest in der Arbeiterschaft das Gefühl der Soli- darität mit ihren Klassengenossen verankert ist. so hat sich ge- rade infolge dieses Tatbestandes nirgends eine Solidaritäts- bewegung geltend gemacht, als die Kommunistische Partei, die die Arbeiter aufgerusen hotte, sich die Straße.zu- erkämpfen, am 2. Mai zum Generalstreik wegen des angeblichen Polizeiterrors anfrief. Dioser Polizeiterror ist so groß, daß KPD. und der Rot-Front- kämpser-Bund in aller Ruhe und in aller Oessentlichkeit in Berlin Versammlungen einberufen und abhalten können, dort auf die„Bluthunde" schimpfen und durch Anwendung der bekannten Druckmittel versuchen können, in Berlin und im Reiche einen Gene- ralstreit auch der lebenswichtigen Betriebe zu inszenieren. Aus der anderen Seile steht die Arbeiterschaft und sieht köpf- schüttelnd dem wahnsinnigen Gebaren einer Partei zu, die bisher als Arbeiterpartei gegolten hat. Wie versucht die KPD. den Generalstreik zu inszenieren? Man gießt nächtlicherweile Zement in Straßcnbahnweichen, um den Betrieb der Straßenbahn stillzulegen. Der„Erfolg" einer solchen Sabotage ist nicht etwa die Schädigung des Kapitalismus oder der reichen Leute, die ja im Auto fahren, sondern der Der- lust einer Arbeitsstunde für eine große Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinnen. Das Personal der Berliner Verkehrsbetriebe, das gestern noch Himer der KPD. zu stehen schien, hat fluchtartig die Sowjetfahnj vcrlasien. Keine Hand rührte sich selbst für den Deter, der doch erst zum Vorsitzenden des Betriebsrates gewählt worden ist. Was sich hier in Berlin abspielt, HM nichts zu tun mit der Arbeiterbewegung als solche. Wie bei den Kämpfen zwischen dem Rowdytum des Nordens und Südostens von Berlin und der Polizei leider Unschuldige gefallen sind, so hat es auch unter den Hunderttausenden der Berliner Arbeiterschaft einige verschwindende Gruppen gegeben, die auf die Ausrufe der KPD. hereinfielen und die Arbeit niedergelegt haben. Soweit sie die Arbeit nicht bereits wieder ausgenommen hoben, werden sie es in den nächsten 24 Stunden tun. Eines wird die große Masie der Arbeiterschaft nie verstehen: Welchen Sinn diese offenbar von langer Hand vorbereiteten Puffchversuche haben, was damit erreicht werden soll und was sie mit den Aufgaben und Zielen der Arbeiterbewegung zu tun haben. Die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie kämpfen für die Durchsetzung des Sozialismus. Sie kämvsen innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung für eine steigende Lebenshaltung der Arbeiter- schast, für die Sicherung des Achtstundentages, für den Schutz der Allen, Invaliden und Kranken, für die Existenzsicherung der Ar- beitslosen, für die Mitbestimmung der Arbeiterschaft in allen Wirt- schaftssragen. Für diese Forderungen tritt die Sozialdemokratie ein, für sie ist sie auch in den wuchrigen Kundgebungen am 1. Mai eingestanden. Das alles aber hat gar nichts zu tun mit der Errichtung von Barrikaden in der Kösliner Straße oder mit Revoloerattentaten in der Boddinstraße. Die Arbeiterschaft in Berlin und im Reiche hat den richtigen Eindruck, daß die KPD. heute offenbar unter der Leitung der Max Holz und Heinz Neumann zu einer Landsknechtspartei geworden ist. Die Eisenbahner vor der Entscheidung. Oer Beirat tagt in Leipzig. Der Beirat de» Elnhellsoerbandes der Eisen- bahner tritt heute im Leipziger Volkshaus zusammen. Der ein- zlge Punkt der Tagesordnung ist die Sieliungaahme zur Dohnsrage. Die Unruhe unter den Eisenbahnern hat infolge de» unbesrie» digenden Ausgangs der Besprechung der Spihengewerkschasten mit dem Verkehrsminister in den letzten Tagen wieder zugenommen. 3a einer ganzen Reihe von Bezirken sind bereits Streit- bcschlüsse gefaßt worden. » Dkr Lohnkonslikt der Eisenbahner,-Postarbeiter, der Reichs» und Staatsarbeiter ist ein gordischer Knoten geworden. Wer wird ihn durchhauen? Wird das Reichsorbeitsministerium den Lohnstreft jetzt an sich ziehen? Es hat die Möglichkeit, einzugreifen, wenn wichtige allgemeine Intcresien auf dem Spiele stehen. Bei den Eisenbahnarbeitern ist die Atmosphäre, wie die Streikbeschlüsse zeigen, gewitterschwül. Die Berliner Maiunruhen haben gewiß gezeigt, daß die überwältigende Mehrheit der Arbeiterschaft d i s z i- p l inr e r t ist. Das ist aber kein Grund, auf diese Disziplin hin zu sündigen und den Geduldsfaden der Eisenbahnarbeiter, der Post- und Reichsarbeiter noch mehr zu spannen. Ltni die Arbeitslosenversicherung. Das Trommelfeuer der Unternehmer. Die Kanonade gegen die Arbeitslosenversicherung hat sich in der bürgerlichen Presse zu einem sörmlichen Trommel- feuer gesteigert. Die Vorschläge der Arbeitgeberoereinigung finden auch in der linksstehenden bürgerlichen Presie eine gewisse Unterstützung. � Scharfe parlamentarische Kämpfe zwischen den Gegnern und Verteidigern der Arbeitslosenversicherung stehen bevor, und die gesaim« organisierte Arbeiterschaft sollte sich recht- zeitig in der Arbeitslosensrage zu einer einheitlichen Front zusanunenschließen: denn Gefahr ist im Verzug. Das Reiormprogramm der Arbeitgebervereinigung ist nichts anderes als ein gemeiner Betrug.-Unter dem Vorwand, die Arbeitslosenversicherung zu„refonniereiz." und die Reichsfinanzen zu„sanieren", geht die Arbeitgebervereinigung darauf aus, großen Teilen der Arbeiterschaft die Arbeitslosenumersiüguiig zu rauben. Sie will die Bedürftigkeitsprüfung wieder einsüh- ren. Auf der einen Seite erklärt sie, sie wolle eine echte B e r- sicherung schassen. Auf der anderen Seite z e r st ö r t sie mit der Einführung der Bedürstigkeitsprüsung den Versicherung s- ch a r a k t e r. Sie will die Höhe der Unterstützung nicht mehr nach der Lohnklasse bemessen, sondern von dem ortsübliche» Durchschnittslohn abhängig machen, ohne Rücksicht auf den nach der Höhe des Lohnes gestaffelten Beitrag. Auch damit zer- stört sie den Versichernngscharakter. Sie will praktisch die Arbeiter- jchast in der Regelung des Ardeitslojenproblems hinter das Jahr 19 18 zurückwerfen. Die Ausrottung der Mißstände— tausendmal haben es die Gewerkschaften betont— fall und muß kommen. In diesem Punkt besteht kein Streit. Die Arbeitslosenversicherung soll kein Neppinstitut zugunsten pfiffiger Elemente sein. Mit der Beseitigung der Mißstände kann man aber vielleicht höchstens einig« Mit» lionen einsparen, niemals aber die Summen, die die Denkschrift der Arbeitgeberoereinigung der Oessentlichkeit vorgaukelt. Große Summen— das sagt die Arbeitgeberoereinigung selbst — sind nur zu erzielen, wenn man ganze Teile der Arbeiterschaft praktisch von der� Unterstützung ausschließt. Die Vereinigung hat es auf die Saisonarbeiter abgesehen. Mit der Bcseiti- gung ihrer Unterstützung während der Saisonarbeitslosigkeit will sie rund 300 Millionen einspare m Wie liegen denn nun die Verhältnisie bei der Saisonorbcits- losigkeit? Die Saisonarbeiter haben seit 1918 Unter st ützung erholten. Sie müssen sie in der Zeit der Arbeitslosigkell auch tünstig orhalteu. Schließlich gibt es doch auch noch so etwas wie eine Reichsoerfassung, in der ausdrücklich steht, daß der Arbeitnehmer, der unverschuldet ohne Arbeit ist, unterstützt werden VsiLö Zäbne: Gblorodont muß. Die Sarsonorbeiter erhalten ihre besieren Löhne, weil sie bereits während des Sommers eine ganze Menge Arbeitsausiall durch die Regentage, Wechsel der Arbeitsstellen, Verkürzung der Arbeitsperioden durch schlechte Witterungsverhältnisie im Herbst und im Frühjahr haben. Die Maurer Ostpreußens werden in diesem Jahre noch nicht einmal 26 Wochen Arbeit zusammen- bringen, d. h. die notwendige Zeit für die Anwartschaft auf Arbeits- losenünterstützung, weil die Bauperiode in Ostpreußen zu kurz sein wird. Tausende von Bauarbeitern in den kleineren Städten arbeiten fast den ganzen Sommer über auswärts und müssen also einen doppelten Haushalt führen. Schließlich gehören ober zu den Saisonarbeitern nicht nur die Berliner Akkordmaurer, sondern auch die Arbeiter der A u ß e n b e r u s e überhaupt, einschließlich der Landarbeiter, d. h.- Leute, von denen kein vernünftiger Mensch behaupten sann. VoßPe mit ihrettt Lohn auch noch den Winter über auskommest könnest'' Die Möglichkeiten, im Winter Gelegenheitsarbeit zu bekommen, ist für die Saisonarbeiter von Jahr zu Jahr schlechter geworden. Die Eisarbeiten bei den Brauereien existieren in den Großstädten fast nicht mehr. Ebenso gibt es im Osten Deutschlands kaum mehr eine Möglichkeit, bei den Äartosfelmehlfabriken im Winter Beschäftigung zu erhalten. Die Beseitigung der Unterstützung bei Saisonarbeitslosigkeit ist keine Sanierung, sondern praktisch nur eine Belastung der Gemeinden und damit auch des Reiches. Nur durch Bei- tragserhöhung, nicht aber durch den Sanierungszauber der Arbeitgebervereinigung kann das Finairzproblem der Arbeitslosig- kell gelöst werden. Die Arbeitgeber sagen, die Beitragserhöhung sei eine neue Belastung der„Wirtschaft". Sie kommt aber in der Zeit der Arbeitslosigkeit doch auch dem inneren Waren- umlauf zugute. Das Finanzproblem der Arbeitslosigkeit ist nur deshalb so kritisch geworden, weil wir einen abnorm scharfen Winter batten. Außergewöhnliche Berhältnisse haben außergewöhnlich hohe Lasten verursacht. Die Kritiker der Arbeitslosenversicherung sehen immer nur diese hohen Losten, nicht aber die Kehrseite der Medaille. Sie sollten sich doch gerade in diesen Tagen der B e r- linerMaiunruhen auch einmal die Frage vorlegen, was wohl geschehen wäre, wenn im letzten Winter die Arbeitslosen nach den Rezepten der Arbeitgebervereinigung„unterstützt" worden wären. Die Arbeitslosensrage ist kein bloßes Rechenexempel. Sie ist auch ein politisches und soziales Problem. Bewegung im Kuhrgewerbe beendet. Löhne und Manteltarif verbessert. Der für das Schwer- und Leichtfuhrwerksgeiverbe bisher bestehende Mantel- und Lohntariivertrog war sowohl von der Fuhr. Herren-Jnnung als auch dem Deutschen Verkehrsbund zu Ende März gekündigt worden. Die Innung forderte einen Abbau des Urlaubs, der Bestimmungen über Krankenlohn, der Ueberstundenzujchläge und des Lohnes von 3 M. bis 4 M. wöchentlich. Die Arbeiter sorderten dagegen die Ausdehnung des räumlichen Geltungsbereichs auf die Stadtgemeinde Verlin, Verbesserung des Urlaubes, der Bestimmungen aus z L1(> sowie eine Aufbesserung der Löhne um 1«) Pro;. Da die direkten Verhandlungen zwischen den Parteien zu keiner Verständigung führten, fällte am lti. April 1929 der Schlichtung s- ausschuß einen Schiedsspruch, der die Abbauwünsche der Arbeit- geber unberücksichtigt ließ. Den Arbeitern brachte der Schiedsspruch einige Verbesserungen der Manteltarisdestimmungen, sowie eine Lohnaufbesserung von wöchentlich 2 M für die Kraftwagenführer und Leichlfuhrwerkskulscher. Den im Schwersuhrwerk tätigen Kutschern billigte der Schiedsspruch eine Lohnerhöhung von 3 M. wöchent- lich zu. Eine Dolloersammlung der Arbeiter hatte den Schiedsspruch abgelehnt, weil er jür Pie Krastwagenführer nur 2 M. Lohnerhö- hung vorsah. In nochmaligen Verhandlungen vor dem Schlichter am 2ö April 1929 erklärten sich die Arbeitgeber bereit, den Kraft- Wagenführern ebenfalls 3 M Lohnerhöhung zu gewähren, auch billigten sie weitere Verbcsserungen in den Manteltarisbcstim- mungen zu. Mit diesen Zugeständnissen fand der Schiedsspruch nunmehr Annahme. Die Geltungsdauer des Manteltarifoertrages währt vom I. April 1929� bis zum 31 März 1931. Das Lohnabkommen gilt bis zum 26. September 1930 mit der Maßgabe, daß, wenn die Reichsindex. Ziffer der Lebenshaltungskosten vom Mai 1930 sich gegen April 1929 erhöht, sich die Löhne mit Wirkung ab 28. Juni 1930 prozentual im gleichen Verhältnis erhöhen wie der Index gestiegen ist. Di« er» höhten Löhne sind ab 30. März 1929 nachzuzahlen. Gedruckte Tarifverträge sind im Bureau des Deutschen Ver» kehrsbundes, Engeluser 24.25, für die Verbandsmilglieder erhältlich. Sieg über Sieg. Was in der Bolschewistenpresse nicht zo finden ist. Wahrhaft erbärmlich haben die Kommunisten bei der Be» trlebsrätewahl in der Hannoverschen Metallindustrie abgeschnitten. Von 565 Arbeiterratsmitgliedern entfallen auf den Deutschen Metallarbefter-Verband 513. auf die übrigen freien Ge- wcrkschaften 42, auf die Christen 5, auf die Hirsche 1 Mandat. U n- organisiert ist e'n gewähltes Arbeiterratsmirglied; von drei war die Organisationszugehörigkeit nicht festzustellen. Don den 122 Angestelltenratsmitgliedern entfallen auf den AfA» Bund 61, aus den Gedag 20, auf den GdA. 15, auf Unorganisierte und Leute, deren Organisation nicht festzustellen ist, 26. Dke Wahl eines Betriebsrotes ersolgte in 112 Betrieben, die eines Angestelltenrates in 53 Betrieben. Bei den Wahlen zum Ar« beiterrat wurde in 110 Betrieben nur eine einheitliche Borschlags- liste der Freien Gewerkschaften eingereicht; in zwei Betrieben stellten die Christen eine Sonderliste aus, ohne jedoch damit Erfolg zu haben. Sonderlisten der Kommunisten und der Oppositionellen wurden in keinem Betrieb aufgestellt. Berliner personenfchiffahrt. Nicht überall bestehen Tarife. Die Berliner Personenschiffahrt arbeitet zurzeit mit Hochdruck, um sich ein gutes Geschäft für die diesjährige Saison zu sichern. Leider können sich verschiedene Reedereien immer noch nicht daran gewöhnen, die Lohn-, und Arbeitsbedingungen mit der zuständigen Orgamsation. dem Deutschen Verkehrsbund, zu xegeln. Mit der Reederei Paul Bauer, Friedrichshagen die be- sonders durch die Müggelrundfahrten und die Fernfahrten von der Schillingsbrücke und Bahnhof Friedrichstraße bekannt ist, hat der Deutsche Derkehrsbund nunmehr einen günstigen Lohn- und Tarifvertrag abgeschlossen. Tariftreue Reedereien sind: Longwaldt u." Schmolte, Stralauer Brücke 8. Klempin u. Seel, Strolauer Brücke 7 und Paul Bauer, Friedrichshagen, Hahns Mühle 2.— Bezüglich der gesperrten Reedereien er- teilt der Deutsche Berkehrsbnnd. Abteilung Schisfahn, zu jeder Zeft Auskunft unter L 7 Jannowitz 6191, nach 5 Uhr unter 5670. Holzarbetterstreit bei Grübler. Seit dem 9. April stehen die Holzarbeiter dieses Betriebes im Streik, um Maßregelungen wegen Ueberstundenbefeitigung und anderer Uebergriffe dieses renitenten Unternehmers abzuwehren. Um die Eharoktereigenschoften des in diesem Betriebe amtierenden Werkführers Krause zu kennzeichnen, sei nur erwähnt, daß dieser Herr den Vertreter des Holzarbeiterverbandes, der wegen der Differenzen orrhandeln wollte, herausge» warfen hat. Zurzeit arbeitet die Firma mit Streikbrechern, die durch Inserat angeworben wurden. Diese lichtscheuen Elemente schämen sich nicht, unter polizeilicher Bedeckung ihr schändliches Handwerk auszuüben. Mehrmalige Verhandlungen mit der Firma, die Differenzen beizulegen, und die streikende Belegschaft wieder einzustellen, scheiterten, well Herr Grübler es ab- lehnt, die Streikbrecher zu entlassen. Die streikenden Holzarbeiter sind entschlossen, den Kampf bis zur Anerkennung ihrer Forderungen fortzusetzen, und sie erwarten von ihren Berusskollegen die moralische Unterstützung, damit den Rausreißern das Handwerk gelegt wird. Nach wie vor gilt die Firma Grübler» Glogauer Straße 5, die auch in der Kommandantenstr. 49 ein Musterlager unterhält, als gesperrt. Alle Arbeiten, die zurzeit im Betrieb verrichtet werden, sind Streikarbeiten. Metallarbeiier-�ugend auf Ferienfahrt. Für die jugendlichen Mitglieder des Metallarbesterverbandes sind auch in diesem Jahre wieder mehrere größere Ferien- iahrten vorgesehen. Die Organisation will mit diesen Fahrten der Jugend die Möglichkeit fchafen, die ihr zustehenden Ferientag« in froher Gemeinschast billig und angenehm verleben zu können. Allen Iuoendlichen, die anschließend an Pfingsten ihren Urlaub nehmen, ist Gelegenheit gegeben, auf eine achttägige Wanderung mir ins R i e s« n g e b i r g e zu kommen. Die Wfahrt erfolgt am Sonnabend, dem 18. Mai 1929, abends, die Rückfahrt am Sanntag, dem 26. Mai. Die Unkosten betragen 25 Mark. In diesen Preis ist einbegriffen Fahrgeld, morgens Frühstück und warmes Abendbrot. Von den Standquartieren Alte senlesische Baude, Martinsbaude und Keilbande werden wir. Tageswaniderungen in die schönsten Teile der Umgebung und in das Böhmische Land unternehmen. Anmeldungen zu dieser Fahrt werden noch bis Freitag, den 10. Mai, in der Iugendabteiluna entgegengenommen. Vom 29. Juni bis zum 6. Juli findet eine weitere Ferien- Wanderung zur schönen Insel Rügen statt. Auch hier beträgt der Unkostematz unter de» gleichen Bedingungen 25 Mark. Anmeldungen müssen bis zum 6. Juni in der Iugendabteilung erfolgen. Eltern, schickt eure Kinder mit auf Fahrt, wir erwarten eine starke Beteiligung. � Die Orts Verwaltung. Berliner Gewerkschaftsschule. Rächst« arb«it»rcchtlich«r Z»Iormat>»i!»abend Ifir Bctri«b»rSte am Dien». t-l,. dem 7. Rai, 1» Uhr. inr Saal 3 d-s Kewerlichait-Hauie».«ngelnf» Zablreich« Beteiliguns allee freiscwerllchoitlich oraanisierten Rebeit«. und Au» !irstell!«u.?«teleb»räte wird erwartet. Die Teilnahme ist lostenlo». K»Freie G ewerkfckasts-Zuaend Grost-Verlin Hinte, Sanatag, gre!»si>lel!rekien. Treffen am Sl4 Uhr Im Ncstaurant Sanssouci, Birsdorf-Tiid.— Morgen, Montag, Zusammenlunil der Srnpoenleitung um l9>-, Uhr im Jugendheim de» Metallarbeiter» Bcrbandshauies, Linicnstr. SS— Mi. l. Portal, Srp. 1. Pollsdllhne— Zeit— Theater— Conterabteiiungen. Referent: Dr. Bruno Lowenberg. 2. Mittei- luugen. gutritt nur gegen Vorzeigung der Funkt ionärlarte sowie de» Ver. bandsbuches. �uaendaruppe des �enlralperbonPes der Anoeflellten Be»# Morgen. Montag, finden folgende Beronftaltungen statt: Zegel-Rrj. aickendorf: Jugendheim Reinickerdori-Ost, Lindau« Straße(Baracke). .«»cimkMprechung. Anschließend Sing- und Splclabend— Wedd ng: Zug ed. he.m Turiner Ecke Seestraße. Heimdcforechung. Anschließend Bortraa Uder ,.i:c Bedeutung des I. Mai. Peferent: Arthur Z'ackow.— Rordeui Zug nd- heim Nastanienallee 81. Seimbeiprechung.— Lichtenberg: Zugendhe m Uiunier. straße-M. Wruvprnbesprechung. Anschließend Bunter Abend.— Urban: Iug'nd. heim Hobrecht. Eck- Sanderstraßo. Ausspracheabend.— Tempelhof: Jugend. heim Germoniastr.<— fi. Hcimbesprcchung.— Sharlotteaburg: Jugendheim Ziostnenftr.«. Heimabend. «lu weien-Kielni onte ��7«- Uhren Silb- rwaren ✓ Preiswert« Pflngstaeschenke ✓ Goldv»*»«** »W> Auf Wunsch erleichterte Zahlungsbedingungen �Monatsraten) WWWW Höchstleistung durch schärfste Spezialisierung Hier zeigen wir 6 Spitzen- ieisiungen deutscher Wertarbeit in der neuen Preistage, Bitte besichtigen Sie unverbindlich die enorme Auswahl unserer neuen Modelte für Sport und Strasse. Die neuesten Formen, Farben und Ledersorten werden angenehm überraschen, Die Qualitätsschuhe für Anspruchsvolle J Millionen tragen Schuhe! Sie wissen warum, Mark Freisausschreiben In allen unseren Filialen für jedermann gratis erhältlich. Grosse Gewinnchancen £ Z i VetSQnctdwdxZmnaif i 1 LblSbR. Benin>0 16.| 1 Sdimidsti asse 24 ZS z i. I aiiuM.'M.'MuiiiMiiimmiimiiiimniiiiuiniimimimtniniimiiir 116. Ablcltnng. Am 2. Mal»ei starb nach längerem ttra» kenlag er unser werter Genosse >V.lKeIm Lrnst tm Alter van SS Jahren. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Montag, den 6 Mai. IS Unr, tm Krematorium Baum- (tflu'entvJfl. Deotsöior Metallarbeiter- Verna;il Vtrwaltun. �stelle Kerlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Seiger Max Matho geboren mt 8 Februar 1886. am •26 Aoril an den Folgen eine» Un- soll» gestorben ist Ehr- seine» Andenkenl Die Einäscherung findet Dienstag. den 7. Mal. nochmitlags.Vi, Uhr, Im Krematortum Gerichtstr statt. Rege Beteiligung wird erwartet. VI« Ortsoecmallang. intfrt mefik d»! Rsgnvglttr m»»ertwl .Itro* m ichl jede Windjacke, mzug. Sporthemd, Hut, Strümpfe, Schuhe wass-rd cht durch einfachste Selbs- imprägnierung. Fflr Berul, Sportler unentbehrlich, behördlich begutachtet. Nicht zu verwechseln mit den minderwertigen Pulvern I V* Liter ertcfabrika* Mk. 1,50 durch den Oeneralveitiei. r . arlrolell. B1-Seakölln. üiim-friedtidi-Sli. 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Mrgana �00 0 CJ S' f 0 Connläg. 5 Mai 192<» 25 Jahre Parteisekretariat. Ein Jubiläum. Von WildeliQ vlttrullu». Kami sich die jüngere Generation überhaupt eine große politische Partei ohne Parteisekretäre vorstellen? Wohl schwerlich. Wir Llelteren erinnern uns noch sehr gut der Zeiten, in denen all; Arbeit in der Partei und für die Partei ehrenamtlich verrichtet wurde. Nur der Kassierer und zwei, spöier drei Sekretäre im Zentral- vorstand der Partei waren besoldet. Bis zu Bebels Tode— ISIZ— war auch das Amt des Parteioorsitzenden ein ehrenamtliches. In der Provinz gab es keinerlei ParteibeanUe, wenn man absieht von den Redakteuren und sonstigen Angestellten der Parteiblätter. Ms End« der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Gewerkschaften dazu übergingen, besoldete Gauvorsteher anzustellen und die Auswirkung dieser Maßnahme in gesteigerten Mitglieder- Ziffern und stabileren Organisationsverhältnissen zum Ausdruck kam, begann man allmählich auch in der Partei die Frage aufzuwersen, ob man zur Belebung der Agitation nicht Parteisekretäre anstellen solle. Es dauerte aber noch Jahre, ehe es dazu kam. Als mck dem Beginn des neuen Jahrhunderts endlich das Verbot des Inoerbin- dung retens für politische Vereine fiel, setzte in der Partei eine leb- haste Bewegung ein, die lose Organisationsform, die sich auf die ört- lichen Parteioertrauensmänner und öffentliche Parteiversamm- lungcn hätte stützen müssen, zu ersetzen durch einen auf feste Partei- vereine und deren Zusammenschluß in Wahlkreis- und Bezirks- verbände ausgebaute Organisation. Als Begleit- und Folgeerfchei- ramg dieser Rationalisierungs- und Zentralisierungsbestrebungen kam es dann auch zur Errichtung von Parteisekretariaten. Das erst« Parteisekretariat für einen Reichstagswahl- kreis wurde vor 25 Jahren, amf L M a i 190 4, in Franksurt am Main errichtet. Aus einer großen Zahl von Bewerbern wurde ich damals durch eine Parteiversammlung für dieses neue Amt ge- wählt. Persönlich war ich den Frankfurter Parteigenossen nicht be- kannt. Den Ausschlag für mich hotte ein Artikel in Kautsky»..Neue Zeit", in dem ich auf Grund persönlicher Ersahrungen in den Unter- weserorten Bremerhaven, Geestemünde, Lehe Anregungen zum Aus- bau unserer Parteiorganisationen gegeben hatte, und daneben ein Rekerat gegeben, das ich Ende 1902 auf dem Parteitag für den Niederrhein in Remscheid über die Zentrallsation der Partei gehalten hatte. Neben Otto Braun in Königsberg, Otto Wels in Berlin- Brandenburg, Richard Lipinski in Leipzig. Wilhelm Gewehr in Elberfeld, und manchen anderen im Reiche gehört« ich damals zu denjenigen Genossen, die in der Bewegung zur Zentralisierung und zum Ausbau der Parteiorganisation im Vordergrund« standen. Mir erschien diese Aufgabe in jener Zest als die wichtigste für die Partei. so daß ich mein« Stellung in der Redaktion des Solinger Partei- blatte» mit der eines Parteisekretärs in Frankfurt a. M. oertauschte. Das Frankfurter Beispiel fand bald Nachahmung in vielen Wahl- kreisen, und als ich fünf Jahre später— veranlaßt durch meine Kandidatur zum Reichstag im Remscheid-Lennep-Mettmann— wieder in die Eolinger Redaktion zurückkehrte, gab es bereit, mehr als 80 Parteisekretäre für. die Wahlkreise und Bezirksverbänd« der Partei im Reiche. Die Grundlage für die Anstellung von Parteisekretären als Ge- fchäftsführer der Bezirksoerbände wurde gegeben durch einen Beschluß des Bremer Parteitages 1904, der den Parteioorftand dazu ermächtigte. Als ich in meiner Eigenschaft al» Vorsitzender des Frankfurter Bezirksverbandes unter Berufung auf diesen Bremer Beschluß beim Parteivorstand die Anstellung eines Parteisekretärs für den Frankfurter Bezirk beantragte, schrieb mir Genosse Pfannkuch, da» habe man im Parteivorstand nicht angenommen, daß ein solcher Antrag zuerst aus einer Jndustriezentrale kommen würde. man habe sich die Bezirkssekretäre eigentlich mehr als Agitation»- beamte in den rein ländlichen Bezirken gedacht. Dem Antrag« wurde aber stattgegeben und Genosse Albert Rudolph wurde für den Frankfurter Bezirk zum 1. Januar 1905 als e r st e r B e- zirksparteisekretär gewählt. In Nürnberg war vorher bereits der Genosse R a ck l angestellt, um für den Bezirk u n d den Nürnberger Wahlkreis gemeinsam die Parteigeschäfte zu er- ledigen. Noch im Jahre 1905, als ch in einem Artikel zum Jenner Parteitag im„chamburger Echo* über„Die Gliederung der Partei- orgamsation* eine vermehrte Anstellung von Parteisekretären emp- sohlen hatte, bemerkte die Redaktion in einer Nachschrift zu dem Artikel, daß sie in diesem Punkte meine Ansicht nicht teilen könne, für die Gewerkschaften möge die Anstellung von besoldeten Kräften zweckmäßig sein, für die Partei empfehle sie sich nicht. Da» war noch ein Nachklang au» der Zeit, in der man aus Furch» vor Bureoukratisterung gegen jedes Beamtentum in der Arbeiterbewe- gung eingenommen war. 5>eute ist die Führung von Parteigejchästen ohne besoldete Kräfte in den Bezirks- und Unterbezirkszentralen kaum noch denkbar. Ratür- lich beruht auch jetzt noch die Parteiarbeit im einzelnen und im kleinen auf der ehrenamtlichen Täügkeit der Mass« unserer Partei- Mitglieder, ohne die weder ein internes Parteileben noch eine wirk- same Agitation für die Partei möglich ist. Die Sekretariate sind die Kristallisationspunkte der Organisation und der Agitation. In den Sekrelariaten lausen beide zusammen und strahlen von dort auch wieder aus. Don den Sekretariaten soll sowhl die Führung der Organisationsgeschäfte wie die politische Führung für ihren Wirkungskreis ausgehen. Diese beiden Aufgaben Hanno- nisch miteinander zu verbinden, die Arbeitskraft der Sekretär« nicht allein im technifch-organisatorischen Geschäftsbetrieb zu oerbrauchen und sie auch nicht ausschließlich politisch sich auswirken zu lassen, ist das Problem, von dessen glücklicher Lösung die fruchtbringende Wirksamkeit der Sekretariate für die Partei abhängt. Nicht überall und nicht immer ist diese» ideale Ziel erreicht, in manchen Gegenden und zu mancher Zeit hat man zu einseitig Gewicht aus die eine oder auf die andere dieser beiden Aufgaben gelegt und dadurch die Ein- rich ung der Sekretariate nicht zur vollen nutzbringenden Auswirkung sür die Partei kommen lassen. Wo man es jedoch oerstanden Hot, die Stellung der Parteisekretäre so zu gestalten, daß die Sekretäre ausführende Organe des Willens der Organisation sind und zugleich Kritik am Auswärtigen Amt. Das Nachrichtenwesen.— Zu viel Adlige.— Ein ungeeigneter Botschafter. In der Einzelberatung de» Haushalt» des Auswärtigen Amts in der Sonnabendsitzung des Ausschusses für den Reichshaushall wurden zunächst die Titel über das Nachrichtenwesen behandelt. Ministerialdirektor Dr. Zechlin erklärt«, daß die Aufgaben der Presseartachäs in der Regel von Beamten der Missionen wahr- genommen würden. In einigen Fällen geschehe das durch besonders hierzu eingestellte Herren, zum Teil auch durch Vertreter vom WTB. Die letztere Regelung fei wohl die günstigste. Auf eine Frage über die Parität zwischen Bürgertum und Adel im Außendienst erklärte Reichsaußenminister Dr. Strese. mann, daß man doch hem« nicht mehr von Adel und Bürgertum als zwei verschiedenen Schichten der Bevölkerung sprechen könne. Wenn noch immer vom Adel als etwa besonderen Menschen geredet werde, so beruhe das auf der byzantinischen Einstellung mancher Schichten de»„Bürgertums*, die in Demut erschauerten, wenn sie mit einem Grafen sprechen könnten.— Alle jungen Leute, die in da» Auswärtig« Amt einträten, sollten gleichmäßig ausgebildet werden, und zwar sowohl bei Gesandtschaften und Botschaften wie auch in dem wirtschaftlichen Dienst bei den Konsulaten und General- konsulaten. Wenn man über die Personalpolitik de» Auswärtigen Amts verHandel«, müsse man doch immer den Bestand im Aug« behalten. den er au» der früheren Zeit hätte übernehmen müssen Das kaiser- lich« Deutschland Hab« 108 adlige und nur Z bürgerliche Botschafter bzw. Gesandten gehabt. Zu der in der letzten Sitzung von den Abgg. Dr. B r e i t s ch« i d (Soz.) und Bernhard(Dem.) ausführlich erörterte» Frage der Behandlung von GerhartHauptmann und E m i l L u d- w i g in Rom durch den deutschen Botschafter v. N« u r o t h erklärt« Dr. Stresemann, es müsse bei Empfängen unserer auswärtigen Mission im allgemeinen daran festgehalten werden, daß Persönlich- keiten. die Im Ausland empfangen werden wollten, vorher dem Aus- wärtigen Amt und den betreffende» Missionen davon Mittellung mochten, damit die diplomatischen Vertreter Deutschlands nicht un- vorhergesehenen Situationen gegenüberstehen. Nach seiner Auf- fassung komm« es bei dem Empfang hervorragender deutscher Geistes- Vertreter durch eine deutsche Mission nicht darauf an, ob die«in- «inen Personen durch die Fachgenollen ihrer Spezialgebiete um- stritten seien oder nicht. Auch bei der Beurteilung Emil Lud- w i g» sei die Frage nicht entscheidend, daß er in der Geschichts- Wissenschaft umstritten ist. Er sei einer der meistgelesensten deutschen Schriftsteller sowohl in Deutschland wie Im Ausland. Deshalb müsse man ihn als Exponent des deutschen Geisteslebens betrachten und dementsprechend behandeln. Was die Vorgänge in Rom bei der An- Wesenheit Gerhart Hauptmanns angehen, so müsse er be- tonen, daß dem Botschafter v. Neurath segliche Tendenz ferngelegen habe. Der Botschafter habe die politischen Interessen Deutschland» wählend der ganzen Zeit seiner Amtstätigkeit gut vertreten. Das sei das Enscheidende. wenn er auch in der Formfrage der Korten- abgab« durch Gerhart Hauptmann kein« glückliche Hand ge- zeigt habe. Genosse Dr. Vreilscheid führte au», daß fein« Partei Herreu des Adels nicht disqualifizieren wolle, «rber diese Herren fühlten sich Immer noch al» ein« abgeschlossene koste, wie z. 23. da» Bestehen der Adelsgenosseuschaft beweise. Solche Herren würden sich wohl immer nur mit innerlichem Wider- streben mit Arbeitervertretern an«inen Tisch setzen. Mit den Erklärungen des Außenministers über Empfänge bei den Botschaften sei er im ollgemeinen einverstanden. Aber mau müsi« doch damit rechnen, daß manche Deutsche sich scheuen, vorher ihr« Karten abzugeben, damit es nicht den Anschein erwecken könne, als wollten sie bei dem Botschafter oder Gesandten zum Frühstück ein- geladen werden. Gegenüber Gerhart Hauptmann habe der deutsche Botschafter in Rom gewiß keine glückliche Hand gehabt. Cr per. fönlich zweifle, ob N. der richtige Mann für den Posten sei. Des weiteren wiederHoll« Abg. L r e i t f ch e i d feine Frage» wegen der Ausweisung der persischen und anderer ausländischen Studenten und wünschte zu wissen, ob das Auftreten amtlicher Stelle» der sowjetrussischen Regierung, insbesondere die de» Knegsmirnster« wegen des 1. Mai, gegen deutsch« Regierungen amtlich zurückgewiesen werde oder nicht. Nachdem ein Regierungsvertreter die Gründe dargelegt hatte, die zur Ausweisung der persischen Studenten geführt haben, er- widert« Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der deutsche Botschafter in Moskau habe über die Vorfälle bezüglich des 1. Mai berichtet und die Ermächtigung erbeten, dagegen aufzu» treten. Selbstverständlich Hab« er dies« Genehmigung erteilt. Der Bericht des Botschofters über seinen Schritt liege noch nicht vor. Die einzelnen Titel des Etats wurden nach den Anträgen der Koalllionsparteien genehmigt. Polizei und Bevölkerung. ~ Bemerkungen zum Kommunistenaufruhr. ■ yltfr«t OHn Pokizeioberwachtmeister schreibt uns: Nachdem die erst« Aufregung vorüber ist, will Ich versuchen, auseinanderzusetzen, wem die Aufrührer und Landfriedensbrecher des 1. Mai genützt und welchen Schaden ste angerichtet haben. Ich schicke voraus, daß ich und mit mir ein großer Teil der Berliner Schutzpol izeibeamten genau weiß, wer die Elemente stich, die am 1. Mai und auch vorher Polizeibeamte angegrisfen haben. Gewerkschaftlich und politisch geschulle Arbeiter wird man nicht unter ihnen finden, weil diese wissen, daß mll roher Gewalt und Brutalität nichts zu erreichen ist, sondern Druck Immer Gegendruck hervorruft. E» dürste bekannt sein, daß sich in der Berliner Schupo Beamte befinden, die schon Sozialdemokraten waren, als dazu noch mehr Mut gehörte, als heute zum kommunistischen Bekenntnis. Diese Beamten haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen- gefunden, deren Hauptaufgabe die Schaffung einer Bolkspollzei, getragen vom Vertrauen der Arbeiter und Angestellten, ist. Es darf mit Recht behauptet werden, daß die Arbeitsgemeinschaft zur Aufklärung der Polizeibeamten manches getan hat. Tatsächlich ist ein Verhältnis zwischen Bevölkerung und Beamten im Entstehen. wie es der Innenminister und der Berliner Polizeipräsident wünschen. Die Bevölkerung sieht in dem Polizisten nicht mehr den Büttel, sondern«inen Freund und hilfsbereit«, Beschützer. Mll der Steigerung de« Vertrauens zu den Vertretern der Staate «mtorität wächst gleichzeitig der Glaub« an den Staat. Hieron ist aber den Drahtziehern der Vorgänge vom 1. Mal und ihren Freunden auf der rechten Seite wenig gelegen. Die von rechts wittern bei den blutigen Vorgängen dieser Tage Morgenluft und geben ihrer Freude hierüber ganz ossen Ausdruck. Diesen schlimmsten Feinden der Arbeiter leistet die KPD. Vorspanndienst«. Sie liefert ihnen die Stichworte, hie sie zur Bekämpfung der Staats- form und damll indirekt zur Bekämpfung der Arbeiter benötigen. Es wird visles zerschlagen, was im Punkte Volkspolizei an Ausbau- arbeit innerhalb der Beamtenschast geleistet worden ist. Die Schuld trifft diese kommunistischen„Arbeitervertreter*. Es ist nämlich lehr schwer, einem jungen, mit den politischen Berhältniffen weniger vertrauten Bereitschaftsbeamten plausibel zu machen, daß„Arbeller* und Arbeiter zweierlei ist. Er könnte zu der Folgerung kommen: am Wedding und in Neukölln wohnen vorwiegend Arbeller, dort sind Barrikaden errichtet und ist die Schupo angegriffen worden. solglich sind die Anwohner meine Feind«. Jede Handlung der dort wohnenden Bevölkerung will» er unter diesem Gesichswinkei betrachten und sich dementsprechend einstellen. Wenn also da« bis- herige gute Einvernehmen sich in einen Zustand des Mißtrauens verwandelt, so ist dies neben der Verantwortung für die Blutopfer nnt«ine Schuld, die die Kommunisten auf sich geladen haben. sich al» charaftervolle politisch« Persönlichkeiten betätigen können. dort ist der Nutzen d« Sekretariate für die Partei ein eklatanter. Er hat in vollem Maße die Hassnungen und Erwartungen gerecht- fertigt, mit denen man vor einem Vierteljahrhundert zukunftsgläubig an die Errichtung der Parteisekretariate heranging. Oer Etai des Neichspostministen'ums. Beratung im Hausholtsausfchuß. Sn der Frellagsttzung des Ausschusse» für den Reichshausholl wurde die Beratung de» Haushalt» de» Reichspost» Ministerium» begonnen Dies« Haushalt besteht nach der Ver- setbständigung der Reichspost mir au» zwei Positionen, einem Ein- nahmetitel, Ueberschuß der Reichspost au» dem Rechnungsjahr 1928 in Höhe von 136,5 Millionen, und«in« Ausgabeposition, dem Ge- hall des Ministers. Zur Einleitung d« Beratung gab der R«lchspostminister Dr. Schätzet an der Hand des Tätigkeitsberichts der Reichspost eine Uebersicht über die Mehraufwendungen für Betriebsmillelver- besserungen und schilderte die Verbesserungen der Verkehrs« inrich- hingen, der Betriebseinrichtungen, wie Vermehrung der Annahme- stellen, des Kraftverkehr» und die umfassenden Reformen in Der- waltung, Betrieb und Technik. Die Mechanisierung, die Mafchtni» sterung, Normung. Typisierung sei in allen Betriebszweigen fortgeführt worden. Trotz Zunahme des Verkehrs hätten sich aus diese Weise eine Minderung de» Personaletats durchführen lassen. Auch habe« es stch angelegen sein lassen, die soziale Lag« de» Personal» durch Verbesserung der hygienischen Einrichtungen an den Arbeits« ställen. durch Wohnungsfürsorge, Heilställen usw. zu heben. In d« allgemeinen Aussprach«, in die von d« sozialdenwkr»- tischen Fraktion durch den Abg. Seppe! eingegriffen wurde, be» sprachen die Redn« der Fraktionen die vom Minister dargelegte» Verhältnisse teil» zustimmend, teils ablehnend und stellten an de« Minist« ein« Reihe von Anfragen, die in der Dienstagsstzung beantwortet werden sollen. So wird der Minist« am Dienstag auch üb« die geplant« Ausdehnung de» Luftpost verkehr» Auskunft erteilen. WO H NUN WE R K RA AU S S TE LLU BRESLAU I 1B.UUNI-I6.6 fieschllssen» 0-90. genipft« 0 80.«'SO Hfaifl. gerupft od. gMCdllMen 3 80, 1 vO Kiesen, gefüllt... 4-10. 3 70. 2*45 N" M J0"** ünterbatt, gefüllt.. 9 80.»-70. 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Brecht von W Mrtschoftspartei sah in der Vorlog« zu weitgehende Angriff« auf das Privateigentum und macht überhaupt Bedenken gegen die von der Regierung vorgeschlagene Regelung geltend. Reichsfustizminister v. Gutrard verteidigte den Gesetzent- wurf. der keine Aufwertungsgesetze darstelle, vielmehr eine Reurcge- lung aller älteren Renten bezwecke. Die Regierung geh« nicht so weit. eine Konfiskation jener Renten zu fordern im allgemeinen im Rohmen der Verfassung, die eine Einigung vorsehe. Abg. ch e i l m a n n(Soz.) stellte sich Im allgemeinen auf den Boden des Gesetzentwurfs. Von einer Konfiskation von Privat- eigentum kann« schon deshalb keine Rede sein, weil es sich bei den Renten, die in Fortfall kommen sollen, um ein in bürgerliche Formen gegossenes Feudalrecht handele. Sogar nach der Revolution des Jahres 1845 sei in Preuhen die Zahlung der standos- herrlichen Renten ohne weiteres eingestellt worden, soweit sie auf alte Standesvorechte beruhten, das ganz wie das durch die Reu- regelung fortgefallene aussähe. Schließlich haben alle hier in Frage kommenden Renten Feudal- charakter, gleichviel wie im einzelnen der Entstehungsgrund gewesen ist. Deshalb sollten auch alte Renten entschädigungslos in Fort- fall kommen. Wenn ein brandenburgischer Kurfürst der..guten Stadt" Spandau im 14. Jahrhundert für die treue fjilfe im Kampfe gegen die Weirden Renten aussetze, so passe ihre Fortzahlung nicht Mehr in die hautige Zeit. Man könne auch nicht der Rechtsprechung die Regelung der Aufwertung überlassen, denn es zeige sich, daß der Aufwertungsprozentsatz um so höher festgesetzt werde, je höher das entscheidende Gericht sei. In derselben Sache habe das Landcsgericht Wiesbaden eine Aufwertung van l> Proz. für angemessen angesehen, weil es sich um einen Anspruch gehandelt habe, der auf Leibeigenschaft be- ruhte und deshalb nicht niehr anzuerkennen fei. Und das Ober- landesgoricht Frankfurt hat einen Prozentsatz von llK) festgesetzt, weil der preußische Staat, der die Rente zahlen sollte, zahlungsfähig sei. Schließlich sei sogar zu befürchten, daß die Standesherrcn in ihren Aufwertungsforderungen noch über 180 Proz. hinausgingen: wie es ja auch bereits vorgekommen sei, daß lg» Proz. Aus- wertung gefordert wurden. Eine Neuordnung der ganzen Materie sei notwendig und dringend. Nachdem Abg. Lindeiner-Wildau(Dnai.), Wunderlich(D. Dp.) Bedenken gegen die Vorlage vorgetragen hatten, wurde die Be- roiung vertagt. HEFreitag-STOFFE -\ä<- vet- Jiia CJr-aLr die 'jS�-�cfiön-oieA>5!jr" JQeaaimr, whfr Q/isitänten.. sW MoIkenmÄrkl üsf# Kcmmunalpolitische Vortragsreihe Wegen der Allgatielnen Funklionärversammlung muB der für Dienstag, den Mai, vergasehene Vortrag der CJeftossin Stadtritin Klar» Wey) auf allen./[Är oSchste Vortrag findet am Freitag, dem 10. Mal, abends TV, Uhr. Im Saale des Relcbsivlrtsehaftsra t. Bel.avuestr. IS, Mait ätadtbaoral Wagner tp icht Ober„Stadtplanung". Karslis für laiearlcliler, Scliöfleo and Gescbworeae Mittwoch, den 8. Mal, abends TV, Uhr, Lindenstr. Z II. Höh 2 Treppen, Vonragssaal des P. V, Vortrag des Genossen Stadtrat Weller Frled- ! ander aber Ffirrorgeredd. ArbeUerbUdnngwrhole Typen im Auswäriigen Ami. Höhere Beamte untereinander. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitt« wurde eine Leleidigungs- klage verhandelt, die«in bezeichnendes Licht darauf wirft, was für Charaktere in das Auswärtige Amt gelangen und dort Karriere machen können. Der deutsche Generalkonsul in Amsterdam, ein cherr v. G ü l i ch. hatte einen Vizekonsul v.»Hermann wegen Be- leidigung verklagt, well er in ihm den Briefschreiber anonymer Postkarten und Briefe vermutete. Zwei Schriftsachverständige schworen darauf, d!e Handschrift des Beklagten wiederzuerkennen, ein Dritter erklärt« das Gegenteil. So einigten sich die beiden ritte:- lichen Herren auf einen Vergleich, in dem der Beklagle de- und weh- müiig bedauert, dem Kläger Anlaß zu seinen Verdacht gegeben zu haben. Der wackere Herr v. Herrinann erklärte nämlich: „Ich gebe zu, daß Ich mich während meiner dienstlichen Tätig- keit in Amsterdam meinem Vorgesetzten Herrn Gesanoten v. Gültch gegenüber von Anbeginn meines Dienstes ungehörig be- nommen habe. Ich kann mir bei dieser Sachlage erklären, daß unter den obwaltenden Umständen, insbesondere mit Rücksicht auf mein Benehmen und gestützt auf die gegen mich sprechenden Sach- versiändigeiigutachten Herr v. Gülich sehr wohl die volle Ueber- zeugung gewinnen konnte, daß ich der Schreiber der an das Aus- wärtige Amt gerichteten Herrn v. Gülich in seiner Ehr« verletzenden anonymen Schreiben gewejen bin. Ich qeb« aber die beitimmle Erklärung ab, daß ich weder der Schreiber, noch der Urheber dieser anonymen Schreiben bin. noch daß Ich mit diesen Schreiben etwas zu tun habe, oder weiß, wer sie geschrieben hat. Ich b«- dauere, durch mein oben zugegebenes Benehmen Herrn v. Gülich Anlaß zu seinem falschen Verdacht gegeben zu haben." Damit war der Streit beigelegt, Widerklage und Schadens- «rsatzklage wurden zurückgenommen, die Kosten des Prozesses auf. geteilt... den Schaden hat eine Behörde, die sich auf die Vornehm- heit ihrer Arbeit und die Exklusivität ihrer Mitglieder immer etwa« einbildet. Davon bleibt was hängen, auch wenn die beiden adligen Herren inzwischen zur Disposition gestellt oder entlassen worden sind. parieinachn'chien für Groß, Verlin Sinsrnbiiiigei, für bidc Siubcll gab M rsrifj stet« ob da» vezirt-sitreterlat 9» c r 1 1 a Sffi AS, Ltiiben itrahe 3. 2. Kos, 2 Zxcppea«cht,, zu richte m. jfir den am Freilag. dem 10. Mal. 20 Uhr, Im Großen Saal des Lehrervcrelashauses. Alexanderplatz, stattfindenden Vortrag de» Genossen Dr. med Karl Kautsky über„Probleme der modernen Ehe" bitten wir die Funklionärinnen. rege Propaganda, speziell aus den Zahlabenden am S. Mai, zu machen. Sarlea zu 30 Pf. sind im Fraueafekrelarial. Lindenstr. Z, Z. Hof. 2 Treppen. Zimmer 3a, und an der Abeadkasi« zu haben. Das Zrauenfekretariat. 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Adeal- passage 6. 15. Keeis Treptow. Montag, 5. Mat. t2'4 Ubr, in Ziieberschtzneweib«. Be« liner Str. M. Kreisvoksiaiidsützung mit allen Abteilungsleitern. 17. Kreis Lichtenberg. Montag, S. Mai, 19 Uhr, gnaktionirkoalemei i» Arbeitsamt, Schreiberbauer Straße. heute. Sonntag. 5. Mai: 17. Abt. Die Monatsschrift.Unser Weg- ist vom Denassen tübne cSwbole*. 94. Abt. Menlölln. Achtung! Der Altieilungsvorstanb and die Stellvertreter treffen sich vormittags 11 Ubr bei Mar. Schrildei. Morgen, Montag, 6. Mai: 1. Abt. I9'i Ubr ssunktioniirsttzung bei Sviegel, Ackerstr. l. 4. Abt. 1g� Uhr bei Brandis. Stralauer Str. 10. Tnnklionarsttznnz. 9. Abt. 20 Uhr d-i Sübner, Wilsnacker Sit. 84, Üunltionllrfitzuns. «chtnngl Um 19 Übt«bendori wichtige Porstandosttzunz. 12. Abt. IgZi Udk de! Schmidt. Wiclefstr. 17. itunktienärsitzung. 13. Abt. Die iZunttionärntzung füllt ans. Dafür am Dienstag atoge ünnktionürversommlnng.»Unser Weg- ist vom Eenoiis» Krefstn, Pntlitz- stroge Iba, aü/iubolen. 14. Abt. 20 Übt bei Lauritzen. Vulbusser Sit. 11, ssunttionürützung. 13. Abt. 1gv> Übt bei Eelle, Swinemünder Str. 102, FunktionLrsttzung. 1«. Abi. K'i Übt bei Kingel, Usedom sit. SS, fsunklionarsitzung. 17. Abt. Igiz Uhr bei Dose. Rordbafen 0, ssunktionärsitzung. I«. Abt. 1g>d Ubr bei Sorgatz, llferstt. 12, sZunliionärsltzung. 19. Abt. 19', b Ubr bei Schrepel. Kriintboler Sit. 13, ffuntt!oni!rl!tzl»S. 20. Abt. 20 Uhr bei Pose. Koloniestr. 13, �unttionarntzung. 21. Abt. Ig>4 Übt in der SeichSi'sstelle. Utrcchicr Str. 21. Sitzung sämtlicher Betriebguertrauenslrute, Porleifunltioniire uild Abtrilungsrefereutea. 22. Abt. 10>4> Ubr bei Sentel, Uirechtcr Str. 10, ffunküonürützunq, 21. Abt. 10'e libr bei Erunewoldt, Kameruner Str. 19, ssunktionärsttzung. 24. Abt. Die itimfluinäififtumi am Montoa fällt aus. Z9. Abt. 20 Ubr in der Juristischen Evrechstunde, Lindenstr. 8. 4t. Abt. 20 Ubr fiel Linker!, Mariendorler Str. 0, Sitzung aller gunktionst« mit der AbteiluiigSleilung. 42. Adt. 20 Übt bei Wiettdorfk, Urbanstr. 8, guNktionärOtzung. 43. Abt. 1214 Ubr bei Kreon. Planufer 73>3. Funktionärs, bung. 44. Abt. 1914 Ubr bei Ewald. Etalitzer Sit 12b. ssunklionärsitzung. 48. Abt. IgL� Ubr im»Keglerbeim-. Reichenberger Strotze. Ecke Dlogauer Strotze. Sitzung sämtlicher ZZunttionäre. Die Sruprenreferente« lind daga «ingeladen. «. Wt. 19 Mr Uff StfiSeSl, ffnoiafft. 28, RunlHonSMimS. 47. Abt. 20 Uhr bei Stauf e, Marianneuvlah 22, RunftionätttfcUJtfc 48. Abt. 30 Uhr bei Priifke. Prinuenstr. 23, ffunktionärnbuua. HZ. Abt.«lharlattenb»-«. 20 Uhr bei Bade, Saiserin-Ailzultt-Alkee 52. ftuitaiattätfifcimo. 88. Abt. Marieodori. 18 Uhr ffunltionatfibung bei Siienbbrf. Chaussee stv. 19. BUnkllichee Erscheinen erforderlich, da der Saal um 20 Uhr geräumt werden muß. Arutölln.»0.»bt. 1914 Uhr bei SchaSelko. Deichs-lftr. 5. TunktionZrllhung. -»l. Abt. 1914 Uhr Im Loial.Flughafen«, Mahlower Sir, 10. AunktionSr. fihung.- 92. Abt. Plinltli» 20 Uhr bei Wolff,«diser.ssricdrich.Tir, 173, FunltionärfihUNG, 8«. Abt. Brih.Bucho«. 1914 Uhr bei Becker. Sri». Ehailsseessr.»7. Funltioucir. IlhunK. 141. Abt. Rosenthal. 20 Uhr bei Frisch«.«lederssrah-, Fun«I-nSrfi»un» Dienstag. 7. Mai: 28. Abt. Igt» Uhr vUnktlich bei Mener, Oderberger Str. 89, FunNionärsitzun«. 80. Abt. Schoneberg. 20 Uhr bei«Särlich, Begosstrahe, Funltionärsihung. «. Abt.?ie ffunktionärsshung am Dienstag Mt an«. Am Mittwoch sinben die Zohlabend» statt, Der Brzirtssllhrer holt vorher die Flugblätter bei Rstckerl, SteinmcKstr. 38-, ab. 38. Abt. Mittwoch. 8, Mai, 17 Uhr, Au,aabe der Fluablätter an die Funktio. näre. Außerdem in ollen Betirkslotaien Zahlabende. 99. Abt. Brih-Bnckow. Sommunalvolitische Bortraasieihe am Freitog, 18. Mai, 1914 Uhr, in der Kall« am chufeisen. Brist. Grohstedlunq, Frist.Reuter-Allee. I. Bortrag:.Verfassung I'NS Berwaltuna.' Ref.: Stadtrat Emil Wustli). Iis.«dt. Lichtenberg. Di- Vezirlosllhrer laden zum Mittwoch. 8. Mai, zur Abteiluugsversammlung«in. Franenveranstallungen. 4. Srei« Prenzlauer Berg. Leul«, Sonniaa. 5. Mai. Bestchiigunq von Alt- Berlin, Treffnunkt 9'» Ubr vor dem Raihaus. EIngana siinigstrahe. 18. Srei, Welhcnsc«. Dienstaa. 7. Mai. 30 Uhr. bei Tasso. Stärtestrah«, .Sörvervfleae" mit gymnastischen BdrsUhrungen, ausgeMrt van der Eonasstn Lotie Paelow. 28. Srei» R-inIckenboes.(Agllalian und Brbeiierwohlsahrt.) Dienstag, 7. Mai, 20 Uhr, im VerwalwngZgedSude, Zimmer 80. Belnicke»dars-Ost. Hauptstrahe. ksunItlonZrinnenststung. Zedc?btcil»na muh vertreten sein. 1. Abt. Dinnerotaa, 9. Moi sSimmelfahrtl, slamilienansflug nach Fried» richshagen. Tressvunlt 10 Uhr vormiitaao Bahnhof Börse. Für Nachzügler Trcffvuukt lm Lotal.Mllggclschlößchen". Döste aus anderen Abteilungen willkommen. 33. Abt. Dienstag, 7. Mal, 28 Uhr, im Sonsercnzzfmmer der Semeindeschuli. Sohcnlahestr. 10. Bartrag:.Erziehung in Familie und Schule.* Bes.! stans SunOmann. 93. Abt. ReukiNln. Die«enoMnnen treffen stch am Montag,». Mai. 11 Uhr vormittag», im Sonfmnwarenhau» Oranienstraha. Fürsorgerliaaen). Mohlfahrtsfchülersinnen). Src!sleiler(innea) der Zlrbeiterwohlfahrli kber Der Bortraa b«» Senosft»»r. Mognn» sTSshttahrtsIchule) .Gegenwartsprobleme der fSrforaeriich«» Pearls* wird auf Rittwach. 13. Rai. pünktlich 20 Uhr, Sockefcher chof.»ofenthaler Str. 48—«1, verschoben, damit olle am Freitag, 18. Rai, 2« Uhr. dra Portrag bei Genosten Dr. m*d. Sanlsly, Wien. Eber.Problem, der moderne» Ehe* im grohe» Saal de» trhrervereinshanfes, Alezandrrvlast, hören können. Vollzählige, Erfcheiaen zu beide» Veranstaltung«» wird«rwartet. Zlrbeiierwohlfahrl. i. Srei, Mitte. Montag, 8. Mai, 1914 Uhr, Sreisvrranstaklnng der Ar» bciterwohlfahrt im Hackeschen Los, Bosenthaler Etr. 40�41, Der Genost« Negierungsrat Sred, spricht über.Sozial« G«r!chtshilfe*. Alle intrrefstertrn Genosteniinnen) stnd herzlich«Ingeladen. Di« AbieilungsIklterinntN de« Ar» beiterwohlfahrt treffen sich«in« Stunde vorher im Porraum. JungsoiiaNsien. Srnppe Eharlokt«nbnrg. Monlag, 8. Ma', 28 Uh«, Im stngendhewi«off«». ftrahe 4. Vortrag: �Die Berorationsfrage*. Beferent: Hau» Waldmann.—. Heute, Sonntag, s. Mai. 10 Uhr, gunötionörflstung. Dl» Vertrauensleute bsr Abteilungen, haben zu erscheinen. Arbeilegemeinschaft der Siaderfreunde. Are!, SkenlZll«. Srnppe Serrnannplast. Morgen. Montag, tagen die Jung» dnd Sstkenfalken von 10—19 Uhr in unserer Schule. Srei» Fri«drlch»hai»» Dienstag. 7. Mai, 20 Uhr, Sreishelferststung in der Di«st?Imenerst?ah«. Groh-Berlin. Die Icltlagerhelfar treffen sich erst am Donnerstag, 1». Mai, km Nathan» Neukölln. Siugkreia für Soln. Mittwoch, st. Mai, von 15'/. 18 vhr, im Sali«!»Fei ed. rich.Zcokqymeailum in«culeön. E» nehmen teil die Kreise Neukölln, Kreuz, bcrg. Köpenick»ud Zrentow. Srei, Ar, uztera. M'ttwo», 8, Mal, 20 Uhr. Sitzung»er«.«. L., vrtw �...... Thzrt spricht we« im Uhr, Mitgsiedervewammsung ll» El lern, und Freundssmilgliaber stnd h,rzl!chft gruvpe Srouzb«rg, Dorckitr. 11, kleiner Sitzungssaal. »Der Genosse im Alltag". Hallescheo Dar. Dienstag. 7. Mai, 20 vhr,' Jugendheim iSassertorstr. 9. All« Eltern. «ingeladen. Mitgliedskarten mitbringen. Zeltlager Vorbereitung. Montag. 8. Mai, Aimsch>vtzb«sprechung in der G«- schS'tkstclle um 20 Uhr. Freitag, 10. Mai. Besprechung mit Aufgabrnvirant« «vortlschen in b-r Ek'chäsisstell» um 90 Uhr. Seiwlomnrisflon. Moniag, 8. Mai. Im«leim Landsberger Str. 80. Zelt» lagerteilrebmer der Sezirle Wcdding, Neinickevdarf, Reihense« nutz Pankow. i». mal. Schmidt, Schlriz sDhürlngen), statt. Beranstalter: Verband für Frei. dcnkertum und Feuerbestattung E. B. Eintrittsorel» 28 Pf. Himmelfahrt de» teiliaen wir UNS am Mailiigendtaq der TAI. i» Brieselang. Sreis Mitte. D'« Zeltlagcrteilnchmer der Gruppen Paspelplast, Arkava» Plast und Ernst Doller treffen st» am Montag um l8*i Uhr Im Fimendheim pehdenicker Sirahe, um zur Singstunde zu gehen. Für Fahrt stnd 10 Pf. mit. »ubrmaen. Donnerstag, 9. Mg,. 8 Uhr. tre'fr» stch die Sinder und Seifer, die nicht schon am Mittwoch fahren, am Bahnhof Börse zur Fahrt Nach Bries«. long. Srei» Sckiöuederg. Achtung! Am Freitag kommen alle Gruppen zum Elternabend in der Schul« Dempeshofer Weg. Di« Bortelgenoste» van Fried«. nau stüd mit ihren Sindern herzlichst eingeladen. Beginn 18 Uhr. Am Donnerstag beleiligen wir uns am Mailliqendiaq in Briesesang. Trefspunkt 7 llhr Bahnhof schönederg. Unsere SreisHclferststuug Ist am Msttwoeb, 8. Mai, bei Peterson. Ansang»Unkilich 20 Uhr. Rote Falke» l. Montag. 8. Mai. Wir lesen Dageszeitungen. Arte Fallen Ni Montag. 8. Mal. Unsere Falken. geböte. IungfaNe» u Dienstaa, 7. Mai. Spillen. Freitag. 10. Mai. 17'-4 Uhe, trefken wir un» am Saiser.Zsilhefm.PIast zum Elternadenb. Inngsalken n. Mittwoch, 8. Wal. Spielen. Freilag, Ist. Mai. wie Gruvpe I. Inngsalken Friedevan. Iugenddeltn Schule Okfcnbachcr Str. 5u. Der Seimadend ist Dien». tao, von 17—19 Uhr. Krel» Weißensee, Gruvpe SebenschZnhanlea. Sonntag. 5. Mai, Fahrt der Noten Falken nach Brieselang. Drcffpunkt 7 Uhr Dingeistödtor Eck« Witzen» hausenstrahe. 20 Pf. mitbringen. üi SozjalisttscheArbeiterjußendGr..Verlln llinsendunaen'är diese Jiubrtk nur au da« Iuzendsekretariat Berlin Gti6S. ctndensteade 3 Gingkrei»: Wir üben morgen. Moniag, pünktlich 28 Uhr, im Heim Norck. stkahc 11, für unseren Maijugendtag. Kommt all«. SchElerveisawmlung aller in der SGG. zufammengesahten Genosse» Dien». tag, 7. Mal. 1914 Uhr. im Vortraassagl, EW.. Lindenstt. 3, 2. Hos, 2 Drp. link». Die Reldnugeu für Ucbernachtung und Rittaesscn sü» de» Maifugendtoa müssen dl, spätestens Montag, 11 Uhr. dem Selvctariat eingereicht fei». Mel, dnugsn nnd Zahlungen für de» Mttteldeutschea Zuzerdtag I» Magdeburg sofort erledigen. Heuie, Sonntag. 5. Mai: Werbebezirl Lichtenberg: Heim Gunterstr. 44. 1914 Uhr Maifeier. W Mustk, Rezitation. Anfvroche. Referent: Genossin Sä!« Fröhbrodt.=1 Parteigenossen stnd herzlich eingeladen. M Sölaisch«r Park: Keim Waisenstr. 18. Heimabend.— Wannse«: Schul« Eharloitenstraße. Heimabend 19 Ubr.— Söpenick: Heim Dohlwitzcr Str. 15. Lolkstanzabend.— Zohannisthal: Beteiligung an der Maifeier der Partei. Morgen. Montag. S. Mai. m Uhr: M Werbe bezirk Osten, Der Eprcchchor übt für Briesesang im Heim Soßlersir. 81, vüuktlich. Interessierte Genossen au» anderen Bezirken M bitten wir leilzunchmcn. -3l„> l I f. l-Fk�k l Hansa: Seim Bvchumer Str. 8d. Sartenlesen.— Moabit I: Schule Wal» benser Str. 21. Heiterer Abend.— Falkplaj, 1, Schule Sonnendurger Sir. 90. Filmabend.— Falkplast II, schule Soniicnblirgcr Str. 20. Bartraz:.Gesetz. gebende Sörperschaftcn.— Humannplast! Heim Echerenbergstr. 7..Au, den Betrieben,"— Schönhauser Borstabt: Schule So'nvr.lmrgcr Str. 20, Bortrag: .Sozialistische Fugen diu!c'.nationale".— Frankfurter viertel: Heim Litauer Straß« 18. Milgliederversammlung.— Slralanrr Biertel: Heim Goßlerstr. 8l. Bunter Abend.— Eharlottcubnrg usw.: Heim Rastnenstr. 4. Milgliederver» sammlung aller vier Kruppen.— Dreptew: Heim Wüdenbruchstraß«. Bunter Abend.— Borstawalde: Schul« Eonradstrnß«. Borlrag:.SAI. und Reich». banner*.— Pankaw III R.»F.i Heim Görschstr. 14. Mitgliederversammlung. Lunaparf-Eröffnung. Zum 25. Mal«, also«Ine Merteljabrhundertsaison. öffnete der Lunapart am Sonnabend nachmittag wiederum seine Pforten. Er hat auch in diesem Jahre allerhand Ueberraschungen für sein« Be» iucher in Vereitfchaft. Da ist g. B. für Auiobesiger, und vor allem für solche, die es werden wollen, ein Fahrschnelltursus auf Opel» wagen eingerichtet. Auf einer Minlatur-Aous stehen die Wagen bereit, um die neugebackenen Herrenfahrer und Fahrerinnen in die Mysterien des Aulofportes einzuweihen. Jeder falsch« Griff des sportlichen Neulings wird von einsm rückwärts postierten Fach« Mann sofort korrigiert und die Sache geht also gleich von Anfang an gut. Für die Wasserratten finden sich im Hydrodoni, einem fünstllchen Wasserbecken von 75 Meter Länge und 10 Meter Breite, 25 Motorboote. Daneben gibt es dann noch die Radio-Autobahn, da» Lachhaus, die Trudelallee, das Scharfschiehen, Musik, Tanz im Freien und zahlreiche sonstige Amüstcrstälten. Neu ist auch noch das afrikanische Dorf, wo duntlehäutige Söhne des Sudans Sitten und Gebräuche ihres Landes— vor allem die Bereitung eines kraftstrotzenden Mokkas— demonstrieren. Wieviel Eimer Wasser enlhält Ihr WafiHessel? Da» ist.»ine Frag«, auf die nicht immer gleich die richtig« Antwort gegeben werben kann. Di« Hausfrau hat es wohl„im Gestid!*. wieviel Wasser sie, nehmen mutz und Hemißt danach— meist auch nach SlutdÜnken— die Meng». Perstl.— Wenn man aber bedenkt, wie autzerorbcutlich wichtig es für ein wirtschaftliche» Waschen ist, di« Waschlauge in der richtigen Zusammensetzung zu bereiten, dann sollt« sich sed« vauskrau einmal die kleine MUhe machen, den Wasser» inhalt ihre, Walchkessels zu ermitteln. Man stillt hierzu den Sessel eimcr» weise gut halb voll und hat dann ein filr. allemal die deukbar leichteste Einteilung. Auf le st Eimer Wasser kommt ein Paket Pcrstl. Ein Waschkessel also, der— gut zur SSIste gestillt—« norma'qrotzc Eimer Wasser faßt, er, fordert be! Bereitung der Lauge 2 Pakete. Perssl. Helft Sranlrndüuser bauen.' Der vor kurzem begrstudet«„Verein zur Er» richtung evangelischer Sronleuhanser E. V.* wendet sich mit einem Auirus zur Untcrstiltzuna seiner Arbeit an die Berliner Letf?ntl!chkcit. Der Berein will zusammensaffen. was an Plänen stlr evangelische SrankenhLuser in Gruß- Berlin bereits vorliegt, und diele und andere Plane in sorgfältiger Finau» zierunz zur Ausführung bringe». Der Aufruf, der an anderer St-lle des Blattes»eilsscntllcht Ist,!st von einem Ehrcnaucschuß unteeseichnet, dem fith. rend« Persönlichkeiten aller Stände und Gruppen angehören. S»m Reinige» stark beschmutzter Lände eignet stch das bekannt» Putzmittel Vim ganz vorzüglich. Hartnäckige Flecken von Ork, Rnß. Farbe usw. entfernt Bim spielend, ahne die baut anzugrciieu. Es ist ilderflllsstq, noch Seife hinzu» zunehmen, da Bim hieruo» einen großen Prozentsatz enthält. Hausfrauen und Werktätige verwenden Pim viellach zum Händerein-g»». Fn jedem Sostüm per Fuchs! Zu den Attributen der Mode gehört I» erster Linie der Fuchs. Das Sostllm ist fetzt wieder In Aitfuahmc gekommen, nach. dem es für kurze Feit fast aus dem Modebild geschwunden war. El laßt tu« Gestalt nollendet zur Geltung kommen, steht immer rornehm und diskret aus. Aber bei, Gipfelpunkt des guten Aussehens errnGt die Dröger'n und mit ihr da« ssostllm durch den Fuws. Fuchs in allen Qualitäten und Farnen stidet SR. Michaelis, SürschnerPeifter, Berlin Z.O., Große Frankfurter Straße 99, 1. Etage. Westmann» Aogeboi» bilden da» Tagesgespräch von Berlin. Di« Firma Westmann ist bekannt, daß fie nur beste Qualitäten Z» wirklichen Senlai ans» preisen liefert, keine Reklame» oder Dutzendwaren, fondern auserlesene Formen, 1» Eiofse, durch eigene Fabrikation ist Westuiann in der Lag», zu recht Hill' gen Preisen da» Best« zu liefern. Es ist interessant, ohne Sauiiinang die Anzebo'e bei Westmann, Berlin W., Mohrenstr. 37«, und Kroße Frankfürtcr Str. UZ in Sugenschoin zu nehmen._____ Neklerberlchl der issenstlchen wellerdicnssstell« Berlin»ad Umeezenb. fstkachdr. verb.). Wolkig, zeitweise heiter, schwach«, meist au>Z südlichen Rfchlmigen wehende Winde, wenig geänderte Temveralitren, keine Nieder- Ichläge.— Für veulfchland:«lui Nordwesten slelleiimeise Zlegcn iind etwa? kübler al« in den anderen Reichsgebielen, sonst wollig biS heiler und weist mäßig warin, in Ostpreußen noch relalio kühl. Kelfl Krankenhäuser bauen! iSDic letzte Grippe»Epidemie hat aufs neue gezeigt, daß die Bcttenzahl der Groh« Berliner Krankenhäuser weit hinter dem Bedürfnis zurückbleibt. Es ist eine un» abweiSbare Notwendigkeit geworden, vorhandene Kranken- Häuser zu erweitern und neue zu errichten. Don ver» schieden«! Seiten ist damit begonnen worden, hier einzugreifen und Abhilfe zu schaffen. In einer solchen Lage darf auch daS evangelische Berlin nicht untätig bleiben. Christlicher Glaube muß sich lebendig erweisen in Taten der Liebe! Man erwartet von unS, daß wir trotz aller Nöte der Zeit bissen Tat- beweis der Liebe nicht schuldig bleiben! Diese Erwartung darf nicht getäuscht werden! Em Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser hat sich gebildet. Er will zusammen- fassen, was an Plänen für evangelische Krankenhäuser in Groß-Berlin an verschiedenen Stellen bereits vorliegt. Er will, nach dem Maße seiner Mittel, diese und andere Pläne in sorgfältiger Finanzierung planmäßig zur Ausführung bringen. Berlin soll, mehr als bisher, Stätten haben, an denen Kranke aller Stände sich von ärztlicher Hilfe und evangelischer Seelsorge imigebcn und getragen wissen! Dazu bedarf eS der Unterstützung aller, die mtt uns die Verpflichtung der evangelischen Christenheit gegenüber den leidenden Mitmenschen empfinden. Wir vertranon darauf, daß auch in einem verarmten Deutschland die Liebe Mittel und Wege finden wird, die großen Smninen aufzubringen, die der Vau von Krankenhäusern erfordert. Der Reichspräsident von Hmderiburg hat unser Vor» haben mit herzlichen Worten begrüßt und als erster einen persönlichen Beitrag gespendet. Sein Beispiel soll Nacheifsrung finden! Opfers jeder, was er zu opfern imstande ist! Wich die kleinste Gabe wird uns willkommen sein! Der mutigen Tat wird Gottes Segen nicht fehlen! Beiträge werden von den Depositankasssn aller großen Banken in Groß»Berlin angenommen. Das Postscheckkonto des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser ist Berlin Nr. 58543. Auch alle evangelischen Pfarrämter Groß-Berlins nehmen Gaben gern entgegen, ebenso Anmeldungen für die Mitgliedschaft des Vereins, für die der Jahresbeitrag auf 3 Mark festgesetzt ist. Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser e. V. Oer Vorstand vr. tne<3. Dietrich, Professor, Ministerialdirektor i. N., Vorsttzender. v. ll l r t ch, Direktor, Schriftführer. Hallen!» leben, Justizrat, Schatzmeister, v. vr Dibelius, z. Z. Vorsitzender de! Brandenburgischen Konsistoriums. Stell- vertretender Vorsitzender. Diestel, Superintendent. 0. Haendler, Generalsuperintendent von Berlin. l)r.«eck. H a r m s e n. 0. Karow. Generalsuperintendent von verlin. Stellvertretender Schatzmeister. Naack, Superintendent, l). Steinweg, Direktor, Stellvertretender Schriftsührer. D.Thiel, Direktor. Oer Ehrenausschuß vr. Ab»«. Pruf-ss««. vr. Asch»?I. SimiilllZrst. Antznstit, Lup-rlnt-nbeut.«altrnfch, ÄMMwlseknlir. 5Sil«lWt b«l Ars«, ssabiAbeslHm. Fron Gerämb Bickee. t'. Dr. Becker, St«.' Seiiulfter. Becke» Bia&a. Dr. Bebel». 45ch»»rtb»ch. s-h-bn«» Auftlzrut. Dr. M-ä. b. e. iTuratnJ» S e 8 n. Dr. Bebr. veelesso», gontesgealoj». Dr. Dr. u«u B- tz,. LH»»»», tatinrtÜTrd*.&. Betzre»», B-ckanbirurst,»»«--. ltz.»». Beter, eiuperiutt-dent. Berghoff. B-uret. Bernd«. Bärzeri»»!?«?. R. b.». Dr. Ble», Behckmer lliebizinnlret, Professn» Dr. m«>Z. Btefeltzkt, B-osesier. Dr. Bnelltz, Et-aUuiiuiste-«p 9U. R. d. S. Biß«,, Benlob»Inspek«. Dr. Bonhösfer,»»h«un«, Rebizlnalr««, Professor. Dr. lnK. b.«. von Borsiz, GeZei»,« Kouiwerzlenrvt. Bö dt««». AirkO-b« S»bei«»r raerbunro«. Buch t>«». Ab»fr»bnkt«»». Ab b. L. Smina von Anns,,. Oö-ri». Dr.»«ä. Biergtzrr», Pwfissor. D. Bnrgbart. BlvurZfibatl de« Eouvzel.sch« ObtrfirFmttfoi Saue«, GeVlvut fBaate. Professor. Dr. t-ner. Nnbiovbiv-Lov. C I« n d■ u I, D-eöor. Eleino». S-Henr«- vechruvzZrot. Dr. T e, Rlrklich« Gehenner Ao� UMn-stanetsnk-t仫. B. Dr. r«»z». Aliuistsrio.'buellor. ssr r»«». Hisorr-n Dr. H»»«»». Rluisseriolbimkov. v«. v«lörll ck. A-Sssdeni i.» Dr. pbil. Dibell»». Professor. D. B»»hrln z, Domprodizer. Drehle, vizeprissoent d« Keiäisöank. Dr.»on B« i g» 1» k t, pr-s-ssor. Stobtmebizinalrot. Dr.»»n B»,«»b»«. Gehelrur DI«mzie-onoten«, 9t. b. 91. D.Dr.Duii-, Biz-pröft-�nt b Eoou�elllS« vöerkiilheeinck�. D. Dahrenhorst. T-.izthuc dick avarzellsch« Buuie«. Dr. meuiArria0>!r-Zror a D. Dr. Frenz. Etadbat. Or. Frisch, Grbeluv.r lz»iar!o»tra«. Dr. Fhrbri»a»r. Geh-bv-rR-tizinÄrol. Pufiffo» Anntz er, Lehren. Geest, B-nmnvpnck?-«. Dr. Dr. Gelb, Glants'ekreizr. Genien, ktousistoriolprssssd-nt. Dr. Gerdeck, L-vderirt. Fun St«la G-rken-Leltg-ö'. I. Dr.»»« G er» d»rff, »eolerunglprissdnck»- Prälli der BrondMiurzischen HZrovlrziolsanod«, R. b. A, Dr. G» I d s che i d« r, Geheim», Aledizirilrah prosesion Dr. meä. b n«»»ser, B-o'essou Dr. Göppert, Gesandren G reev, er, Bankbintlon Greiser, Lehren l.!n Grön eisen, Pfarrer H«ns», Rech» ulken Dr. g, 11p Hau ff, Direttoriu de» L«tt«-HauleZ. Heller. Wirkl cher Gehelruer.enegZral h R. Hermer, Schlössen H er g ß, Seich«,»nd Staatinriulster u. D.. Al. b. R. D. Hinderer. Pevsessor. Dr. Hi«. Geheimer Mebizlualrat. Prof-jlon Neitor den FrI»trlch»Wäh0i»«-U>-ip«rstlöl. Dr. Hefmeie«, Gehelnier Sant�tjlran Höruicke. Bsannn Hülser. ZrheäersekreGr. x!. b.!». Humiert. GeuoroSousul z. A. Dr. Joel, Sla«r»s-lrelar. flntf*. Sbtdtrat n D» SiadtoerordneU». D. Dr.« e h I, Goheiiner fjuflzMfc Professor. K. d. Ä. D. Dr Kepler. Präütent de« Evovgollscheu Dheckürchem«:». Frau Sloblrat Sapslen Dr. Fritz elelv. Chefrrdairern Froz Slockolv. Gtubjevdireltorln. Loch. Superlut.udeu« Srauf«, tzlle-ren Dr. Krleze, Wrviche» Gehetzner Bat. R. d. L. Dr. L r»,»,«»», prvlejlor. Döeostublendiretlnr. Carlo»« a SU«-lg«», kchriftfdellen Dr. Kutscher. SezierungSpräsiDu: a, 3H. D. Lang. Cta&mssftsTicI««! Dr.«eck. 9 anz stein, vusesspn Dr. meck. Lentz, Professor, Alfulsterialrah. Dr. Lentz», iRiwcher Gehef»« Aat. SUetlnüni'ien Dr. Lnihe», ZleichNenzler«. v. D«. Luthe«. Pkerrnn D. via h lin z. G-Heim»«ovststorielrni. Frosessor. Dr. meä.»erleu«. Professor. Dr. Rertin. a�etzn««ledizlnolre«. Prosessnr.«lertin. Ger�nerchff««. Frau Rotz. Ob«stu»>«»hirek»»>», R. d.». Freiherr«on Aledem. Ehelred-iteun Dr Aieidinzer. Justvai. Itz»»»». Pfavrur, Dr. vob 29«« e«»*. rtivissmieldlukro» D. Dr. JS 1 4 a t Hl, tßiicknchir«ehetzner Rat. BeichUanzIer n tl Dr. Rilke», Geheimer P-r-effer. itzenerelMw»« d« SleetsbGIiothol«. ß. Roller. Banlbirektor. P-nla Raeller-Otslled, 29.8.91. D. Run,». Plerrer. Ist b 9l. Dr. Nünzel. ?»üe deooll-NichAzU:«Znilrer. Dr. I»«nt«i«, Mvift-rfelbl-eV«:. Fr»,««,1, Renmann, Botsstzend« del Berionde««rchbch» loyale» FreMiMirupp«. Dr. Rietzell««SeiriM JUzieCTnjZret. Bünifletiolort. Vorfitzeuber fcee Berline» StobtsMod». Ritz,«eheimer Hofrat. P«üfid«t de, Scheprk«u»ru>-l»m

». xuss-Met. Dr. Sintenl«. BenAen Dr. S«e»d. Professor, pr- S°«ö««t. Gedeimu Regierruzlrat, Prefesson Spenie», Strbiror. Dr.»trecke«. Prokesson Streit,,. GeeeerfsS-frölA-tzn Dr. Stref««»»».*Ml»eId. HI»» k 1», ferdeldl-eOor. Hl«m«», Pferru. Zlmmermev»,©•awr*ejrrA«a>, Dr. mack. Ai«», G�>'n>«t BenitäGrat. P-rfessnn (Wqswtr Mnen m Neuer Trotteur neriautioh.(HnUtw u. fitn- die«» Strohteilen/ 3umperöun%.� Beide), fescbe öportforni,&af Gammi...................... JumperSK Beide), xum DurehknOpfen DAMEN-BLUSEN JumperÄfT�iA50 •Ipp&Dter ßportjsmper.... 18" Dumper Chine, reiche P.lumehen- Arbeit, gate Qialltis...... KINDER-BEKLEIDUNG im 3 Dirndlkleid�*<£39 In bBbsch. Farbon, an» wasch- baren Sielten, Ihr ca. 2 Jahr« Jede weiter. Grts.e 90 Pt mehr Kinder-Kleid guter WoUmusselin.mit weiw. Voil» kragen und AufscblAgen P% hübsch verarb., für ca. 2 Jahre Jede weitere Grösse 60 PI mehr Cinknöpfanzusi'*,. W Boso an» karienem�OTercoai, Bln..« an« kariert. 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Becher liest aus seinen Gedichten. 20.30: Orchesterkonzert. 21: Europäische Volkslieder. 21.30: Bildfunk. 21.35: Der Eid. Danach: Tanzmusik. Deotscblaudseoder: 20:„Der Hund im Hirn" ron Curt Qoete. 20.30: KltTierrorträge. 21.30: Orchesterkonzert Dienstag, 7. Mai: 12.30: Die Viertelstunde ftr den Landwirt. 1&30: Gegenwart md Zukunft unserer Bauten und Stadtbilder. 16: Zum 10. Tierschutz-Kongreß in Wien. 16 30: Deutsche Zeitsatiriker des Tages. 17: Teemusik. 18.15: Stunde mit Büchern. 18.45: Vom Standesverein znr modernen Bcamten-Qcwcrkscbaft 19.15: Sozialpolitische Umschau. 19.45: Bildfunk. 20: Uebertragung Staatsoper Unter den Linden:..Der Barbier von Sevilla", tob Rossini. Mittwoch, 8. Mai; 13.15: Wettermeldonien(Sr den Landwirt. 15-36: Jeanae d'Are ta der Qe- schichte und Literatnr. 16: KSpfe der modernen Wirtschaft. 14.36: Jätend am Mikrophon. 17: Unterhaltnntsraosik. 18.30: Deutschlands koloniale Hoff- nunsen. 19: Wie entsteht eine Knnstansstellnnt der lebenden Generation. 19.30: Die Mitaibeit der Jutendverbände In Volk und Staat. 20: Bildfunk. 20.05: Vortrat- 20.30: Heitere Lieder. Danach: Unterhaltuntsmnsik. 21.30: Konzert. Danach: Tanzmnsik. Donnerstag, 9. Mai: 8 53; Stundenglockenspiel der Potsdamer Garalsoflldrche. 9i Morgenfeier. 11.30: Vormittagskonzert. 15: Der Steingarten in den sieben Jahreszeiten. 16: Moden und Methoden in der Heilkunde. 16.30: Unterhaltungsmusik. 19: Als Hindumönch verkleidet zur Grenze Tibets. 19.30: Neues vom Sommerfahrplan. 20: Bunter Chorabend. Während der Pause: Bildfunk. Danach: Tanzmusik. Freitag, 10. Mal: 13.15: Wettermeldufitca für des Landwirt. I8J6: Vom Seboi und Schaues. 16; Die Wertbeständitkeit der Währest als Reparationsproblea. 16.30:„Richter und Gerichtete". 17: Konzert. 18.10: Beryllium, ein neues Metall. 18.35: Die Lntwickiunt der europäischen Literatur in den Hauptländern. 19: Die wirtschaftliche Er.twicklnnt Osteuropas. 19-30; Ptintsten im Spreewald. 20: Der Intellektuelle und der Arbeiter. 20.30: Konzert. Sonnabend, II. Mai: 13.15: Wettenneldunten tOr den Landwirt- 15.30: Propheten rem einst— Propheten für heute. 16: Mutterschaft der Batflrliebe Beruf der Frau. 16.30: Unterhalumtsmusik. 18-35: Das Glücksproblem. 19:„Kirschblfltenfest". Heber. trasunj Werder. Danach: Tanrmusik- Deulschlaodsender: 30: Die Stunde des Landes. 21: MflSlkrortrite. Königswusterhausen. Sonntag, 5. Mai: Ab 8.55: Uebertragung aus Berlin. 13.45: Blldfurkvcrsuche. Ab 14.30: Ucbcrtragoiig aus Berlin.'18.45: Ist eine Versöhnung der modernen Musik mit der überlieferten Mnsik möglich? 19.10:. Der Religionsphilosoph Robert Saitschick. 19.35: Franz Lendach zum 25. Todestage. Ab 19.55: Uebertragung aus Berlin. Montag, 6. Mal: 16; Englisch(kulturkundlich-lllcrarlschc Stunde). 16.30: Die Entwicklung der Variationsform. 17: Uebertragung ans Berlin. 18: Pioniere der Funktechnik. 18.30: Englisch für Anfänger. I8.SS: Die Bekämpfung der Dasselfliege. 19.20: Amerikanische und naturhistorische Museen und Volkscrzichung. 20: Deutschlandsender:„Der Hnnd im Hirn", von Cnrt Goetz. 20.30: Deutsch- landsender: Klaviervorträge. 21.30; Orchester-Konzert. Anschließend; Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 7. Mai: 16: Ans dem Zentralinstitnt für Erziehung und Unterricht lUO: Nenzcft- lichc Violinmusik. 17; Uebertragung aus Berlin. 18: Masikverstefaea. 18.30: Französisch für Fortgeschrittene. 18.55: Lüge und Verstellung. 20: Uebertragung ans Berlin. 22.45: Bildfunkversuche. Mittwoch, 8. Mai: 16; Ueber Heufieber. 16.30: Das Vermächtnis der Brüder Grimm. 17: Uebertragung aus Hamburg. 18: Die Kosten unserer Landstraßen. 18�0: Spanisch für Anfänger. 18.55: Wie die Reichspost den Zeitnngsverkebr bewältigt. 19.20: Drei Querschnitte durch unser Zeitalter. Ab 20: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 9. Mai: Ab 8.55: Uebertragnnr us BmOs. Freitag, 10. Mai: 16: Die hygienische Forderung an das Schulhans. 16.30: EUxfQhnmg tu Sonate und Sinfonie. 17: Uebertragung aus Berlin. 18: Kunst und Wirtschaft. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55: Der Balkan nach dem Weltkriege. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. Ab 20: Uebertragung ans Berlin. 22.45: Bildfunkversnche. Sonnabend, 11. Mai: 16: Die baulichen Bedürfnisse der höheren Schule. 16.30: Rattanatislemng des Geschäftsbetriebes der Reichsbehörden. 17: Uebertragung aus Hamburg. 18: Der katholische Industriearbeiter. 18.30: Französisch für Anfänger. 18.55: Der Balkan nach dem Weltkriege. 20: Deutschlandsender: Die Stunde des Landes. 21: Deutschlandsender: Musikvorträge. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. „Caruso fingt": eine halbe Stund« am Nachmittag füllte das Wunder dieser Schallplatten. Die Stimme l)at den Menschen überlebt. Man empfindet das gerade hier immer wieder so«r- schütternd und so b«wundernd, weil diese Stimme in Wahrheit einzig war, weil von allen Caruso-Nachsolgern nicht einer den ganzen Reichtum des Meisters besitzt. Wundervoll war Massenets„Clegie Melodie", zu der Mijcha Elmau die obligate Violine spielte.— Die Abendunterhaltung war trosttos. Mit Hilfe des Schwankes „Robert und Bertram" sollten Schlager und geistreiche Laien den Hörern serviert werden. Aber es war«in sehr geschmackloses Resteragout. Der Deutschland-Sender Königswusterhausen hotte leider die Veranstaltung übernommen, so daß man sich nicht in ein erfreulicheres Programm retten konnte.— Am Nachmittag verbreitete Königswusterhausen einen Vortrag, der besondere Beachtung verdiente. Hellmut Bogen � sprach über„Sic jugendlichen Industriearbeiter". Der Vortragende gab«in klares, wahr« haftiges Bild des Lebenskreises dieser jugendlichen Arbeiter: die Familie ist bestenfalls eine Wirtschastsgemeinschaft: Entspannung, Vergnügen bietet sich aber nicht in der überfüllten Wohnung, in der Atmosphäre von Sorge und Armut, sondern nur außerhalb des Hauses. Der Jugendliche muß möglichst gleich Geld verdienen: die Kosten einer Lehrzeit können oft genug von der Familie nicht ge- tragen werden. Er will aber auch möglichst gleich Geld verdienen, eben, um sich irgendwelche Vergnügungen gönnen zu können. Die mechanische, rationalisierte Arbeit läßt' ihn heute sehr unbefriedigt. So gerat er. in ein Mißverhältnis zur Welt— das sich erst wieder etwas löst, wenn der Jugendliche zu seiner Gemeinschaft findet, wenn er bei seinen Organisationen Bildungsmöglichkeiten und Entspannung von der Arbeit des Tages findet, vor allem aber auch die Möglich- keit, an einer Besserung der Gesellschaftsordnung mitzuarbeiten.— Ein neuer Anfängerkurlus für Französisch wurde ebenfalls vom Deutschland-Sender begonnen. Es wäre gut gewesen, wenn auch Berlin diesen Kursus übernommen hätte. Tes. Vorträge/Vereine und Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E 14. Sebastianstr. 87/38. Hof 2 St, Gannorstand: Anmewungcn für den am 15. Mai beginnenden Rettnngsschwtmmfursus sind Zu richten an Jlameraden Eick, Berttn, Wasiertprstr. 38.— Montag, 6. Mai. Prenzlauer«erg. Iungbanner in der weltlichen Cchul« Eonnenburger Straße, Zimmer 17, 1 Trp. Steglitz. Kam. Lichierfelde-Lantmitz. 20 Uhr Versommiung im Restaurant des«am.»rull, Landwitzer Str. 10. Wichlige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht! Rcutölln-Britz. 2.«amerodschaft. Persammlnng bei«önig. Böhmisch« Str. 43—44, Ecke Echu- domastraße. Referat Iungbanner. 13 Uhr Schutzsporlabend auf dem Sport- platz«oiser.ssriedrich. Ecke Innstraßc. Mitte. 1. Kameradschaft. 20 Uhr Per- sammlung im Hackeschcn Hof, Rasenthalcr Str. 40— 41. 3. Kameradschaft. Rungestr. 30. Vortrag Dr. Trettcl. 5. Kameradschaft. Rosenthaler Hof. Vor- trag: Spndikus Reichmann„Nationalsozialismus". 5. Kameradschaft. Wöhlert- garten, Pftugstr. 9. Vortrag. Kreuzberg. stug 2. Versammlung um 20 Uhr bei Krepp, Ptanufer 75. Vortrag des Kam. Klenz. Iug 3 bei Vramsdorf, Groß» bccrenstr 23. Iug 5 im Lolal„Alte Ecke, Alexandrinenstr. 39(mit Angehörige). Vortrag Dr. Abraham. Kreis Westen. Sitzung der Iugendleiter im Restaurant Gocthe-Ecke, Chorlottenburg, Eocthcstraße, um 20 Uhr. Wintcrsportabteilung. 20 Uhr Baden im Wellenbad Lunapark. Kreis Norden. Spiclmannsllbung in Reinickendorf fällt aus. Weitcrc Benachrichtigung erfolgt später.— Mitte. Mitioch, 8. Mai. 20 Uhr Turnen in der Turnhall« Gartcnstr. 107. Aerztliche Untersuchung der Sportler._ Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter- bliebenen, Bezirf Zentrum. Montag, 6. Mai, 20 Uhr, findet im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11—12, die Monatsoersammlung statt. Referat: Kam. Schubert.„Invalide»- und Angcstclltenvcrsicherung." Vereinigung Sozialdcmotratischer Studierender. Montag, 6. Mai, öffent» liche Kundgebung der Mediziner im kleinen Saal des Herrenhauses um 20 Uhr. Genosse Dr. Moses spricht über„Der Arzt In der sozialistischen Deegung".— Montag, 6. Ma:, Wirtschaftspolitische ffachschast. Genosse Leites spricht llber „Eenins Theorie der Revolution". Die Veranstaltung findet im Bund, Albrecht. stroße II, Gartenhaus 2 Trp., statt.— Am Donnerstag, 9. Mai, beteiligen mir uns am Maijngcndtog der SAJ. in Brieselang. Näheres am Brett. Sport. Reaaea zu Mariendorf am Souuabend. dem 4. Mai. L Rennen. 1. Nörgler(Knöpnadel jr.), 2. WilkeS sHeckert), 3. Long Zllbert sF. Schmidt). Toto: 34: 10. Platz: 15. 17. 29:10. Ferner liefen: Primadonna, Clcmentine, Roscmarie, Theokrat, Charlie M., Fahrcnhcit. Meisterschuß. 2. Rennen. 1. Oblate sJauß jr.). 2. Hutschachtel IB. Heckert), 3. Sit Dlltonomz. Wie in Troja, so liegen auch hier und in dem bcnacki- darren Uliea mehrere Schichten Übereinander, und jede Schicht bedeutet die Feit einer untergegangenen Kultur, ilmerikanilche und franziisische Forscher haben hier neuerdina, gearbeitet und wertvoll« Ergebnisse er- ziel». N. Gras Khun de Prorok, einer der Erpeditionoleiter, l>a! barirber »in Buch geschrieben, da, jetzt im Perlag F.-A. Brockhau» zu Leipzig erschienen ist.„Fünf Jahre Au�rabunz in Karthago, Utiea und der Sahara." Mit t? Abbildungen und! Karte. Broschiert U,—. Ganz. leine» 13 M. Selbst aus dem Grund des Meere», dem Golf van Tuni». gruben dir Forscher eine versunkene Stadt au», icrner fanden sie ge> strandete Galeeren mit reicher Beute. Steinzeitliche Funde und ver- fallen» Biuncrstiidt« am Rande der Sahara reizten zur Lösung der Frage, ob hier vor Feite» ei» anderes Klima geherrlcht hade. Den Abschluß bildet«in Borstoß In da, Herz der großen Wüst«, in, geheim- ni»noln: Hoggar. Tonit irnfc ihr Glitt« herrschten im phönizischen Karthago. Ihr Gottesdienst zeichnete sich durch unglaubliche Ausschweisungen und �ienschenopfer aus. Man brachte ihr lleine Kinder dar, zu denen ftt scheaeren Zeiten auch noch Erwachsene kamen. Der Tempel liegt am Zllrhang eines Hügels, nicht weit von der Stelle, wo man die einstigen Stadttor« vermutet. Heute mit dem Staube der Jahr- hunderte bedeckt, war der Tempel der Göttin damals von Bäumen umgeben, die den ihren Dienst bezeichnenden heiligen 5)ain bildeten. Wie wir diesen Teinpel ausfindig«lachten, dos stellt uns Sherlock Holmes beinahe ebenbürtig an die Seite. Auch ein« Wesensverwandtschast mit dem abenteuerlichen Pinkerton dürfen wir füglich in Anspruch nehmen. Allerdings stumpft man sich im Laufe langjähriger Forschungen etwas gegen diesen Kitzel ab, weil schließ- lich alle nennenswerten Entdeckungen auf solch verschmitzten Wegen zustande kommen. Es wurde uns hintzcrbracht, daß ein Araber Stelen aus der punischen Zeit oerkaufe. Wir spürten ihn in setner Wohnung auf. die sich in einem alten Sammelbrunncn befand. Mit Hilfe von Schnaps überredeten wir ihn, ein« Grabsäul« hervorzuholen, die er in seiner Höhle versteckt hatte. Sie ziert jetzt das Museum zu Tunis als eines der schönsten Stücke, die man kennt. Als wir ihn aber fragten, woher er st« habe, schickte er uns in den April, indem er ein« Stell« in den Bergen angab. Auf diese Weise wollt« er Zeit gewinnen, um sein Geschäft möglichst lange fortzusetzen. Nach ungefähr vierzehntägiger fruchtloser Arbeit am bezcich- neten Ort sahen wir«In, daß uns der Araber zum Narren gehalten hatte. Daher folgten wir ihm in einer mondhellen Nacht und sahen ihn wie ein Kaninchen im Erdloch wülzlen. Er wurde auf frischer Tat ertappt. Reben ihm lagen zehn Dotrotaseln. Da sein Bergwerk gute Ausbeute versprach, erwarben wir das Land urtd begannen eine große Ausgrabung. Als Ergebnis liegt heute das Heiligtum der Tanit offen vor uns. Außer den von Pater Delattre ausgeschlossenen punischen Gräbern und der durch unier starkes Ausgebot ermöglichten Ausdehnung des Forschunga- selbes hat der Tanittempel die wichtigste Kund« vam Leben der alten Karthager gebracht. Er bedeutet den hervorragendsten archäologischen Erfolg auf der Landenge. Mit seiner Hilfe erlangen wir tiefe Einblicke in Sprache, Sitten, Schrifttum und Kultur der ältesten Stadt. Das Heiligtum ist merkwürdig durch die in vier Stockwerken angeordneten Standflüchen von Widmungsaltären. Jede Schicht stammt au,' einer anderen Zeit. Das Heiligwm geht wahrscheinlich auf die Gründung der Stadt zurück und blieb andauernd im Ge« brauch, bis Karthago hundertscchsundvierzig Jahre vor Christus von Sdpio ausgelöscht wurde. Wir haben zutage gefördert, was dem nierzchntägigen Brande und den Pflügen der rachedürstigen Nömer entging. Wir sanben Tausend« van Urnen mit den Knochen geopferter Kinder. Durch Vergleich« hat man festgestellt, daß es di« Knochen von Neugeborenen und von Kindern bis zu zwölf Jahren sind. Di« unglücklichen Kinder wanderten durch Moloch« glühenden Ofen und wurden im Heiligtum bestattet. Wahrscheinlich opferte man in regelmäßigen Abständen, um die Göttin und Ihren Gemahl zu besänftigen und günstig zu stimmen. In Zeiten der Krieg»« und Hungersnot wurden die Menschenopfer verzehnfacht. So abscheulich un» das alles anmutet, so leicht kann man sich den verzückten Wohn der Priester vorstellen. Au» der Geschichte ist bekannt, daß der Dienst der Göttin mit Ausschweifungen ver. bunden war. Schwelgsreien und Tänze gingen der Opferhandlung voraus. Die Meng« stachelte sich zu einer Raserei aus, deren Gipfelpunkt da» Menschenopfer bildete. Als Agothokles die Stadt bedrohte— so berichtet Diodorus—. wurden zweihundert Kinder geopfert, während sich dreihundert Männer freiwillig zum Opfer« tode meldeten. Das gräßliche Erzbild der Göttin erhob sich über dem Altar. Vor ihr brüllte der weißglühende Ofen. Jhve auegestreckten Arme bewegten sich in Gelenken, so daß sie das hinaufgehobene Opfer ins Feuer rollen ließen. Vor ihr schwangen sich die Priester und Gläubigen im wilde» Toumeltanz. Ihr Singen und Grölen über» tönte di« Schreie der Opfer. Dieser Tanz hat sich bis auf unser« Tage erhalten, denn die eiferwüttge Sekte der Aissauas dreht sich heute noch in einem ähn- lichen Reigen, einem Ueberbleibfel der Sitten und Gebräuche aus jener Zelt, deren Geheimnlsie wir zu entziffern suchen. Man er- laube mir eine Abschweifung, weil wir dem Tanz beiwohnten und ihn sogar verfilmen dursten. Um die empfindlichen Nerven euro. pöischer Zuschauer zu schonen, wurde mir jedoch nie erlaubt, den Film zu zeigen. Prinz M'Hamed, der Sohn dcg Bei» von Tunis, besichtigte unser« Arbeiten- Zwar verstand er wenig von der Altertumskunde. fand sie aber so reizvoll, daß er sich viel mit ihr beschäftigte und bald ziemliche Kenntnisse erwarb. Besondere Freude hatte er an den Ausgrabungen zu Tanit. Es fielen ihm auch sogleich Aehnlichkeiten mit dem Gottesdienst und den Gewohnheiten der Aiffaua» auf. Er teilte uns mit, daß der Stamm demnächst In? Schloß kommen wetfce, um den Bei zur Abdankung zu bewegen, die als Einspruch gegen die französisch« Verwaltung gelten sollte und als Vorbereitung zum helligen Krieg. Man empfing uns im Schloß vor der Ankunft der Glavbenswüiigen. Der Sicherheit halber versteckte man uns hinter Soldaten und Mitgliedern der fürstlichen Familie. Das klingt mahl etwas abenteuerlich, war aber eine durchaus notwendige Bor- sichtsmaßregel. Wir standen in einer Eck« des Höfas vor den Stufen de, Palastes und möglichst nahe bei einer Tür. die in di« Gärten führt«. Hi«r stellten wir den Kurbalkasten auf, hinter der Wach« und den Verwandten des Beis Deckung suchend. Aus der fernen Ebene von Karthago dröhnte dumpser Trommelschlag herüber. Man i hörte auch das Singen der Priester und das aufstachelnde Le-Lc der Weiber auf den Hausdächern. Ein« Staubwolke verkündete dos■ Kommen des Zuges. Aus dem gelben Nebel erhoben sich die heiligen> Banner der Gläubigen, im Schrittmaß der Tänzer hin und her � schwankend. Ich mußte an General Gordon denken, der zu Karthum• im Kampfe gegen dieselben Fanatiker siel. Ein gemeinsames Band � vereinigt die Nachfolger des Propheten, des Malchis und Abb et Krim?. In der Glaubenswut liegt das Geheimnis ihrer Stärke. Kaum hatten wir uns bereit gemacht, als sich auch schon Gestalten aus der Staubwolke lösten und in Reihen vor dem Schloß antraten. Sie bewegten sich wie leblose Puppen. Männer trugen Trommeln aus dem Rücken: hinter ihnen schlugen di« Trommler den Tanzschritt. Priester gingen auf und ab, die Tänzer oneifernd, deren Arme schloff herabhingen, während die Köpfe wackelten. Sie drehten sich schneller und schneller, bis der Taumel sie überkam. Schließlich wanden sie sich in selbsterzeugten Krämpfen. Schaum trat aus dem Mund«. Dann wurden sie von den Priestern gepackt und uns fast vor die Füße geworfen. Ich kann mich noch erinnern, wie der Mann am End« der Reih« zuerst hinfiel. Es war ein Negermischling, dessen aus dem Boden rollender Leib in schreckliche Zuckungen ausbrach. Bald gesellten sich ihm andere in wahnsinniger Verzückung. Die Trommeln wirbelten wilder und wilder: das Singen steigerte sich zu brausendem Geheul. Die Fiebernden bellten wie Hund« und verschlangen Glas- scherben, die ihnen die Priester hinwarfen. Wie hungrige Raub- tiere zermalmten sie das Glas zwischen den Zähnen. Nach dem Glas kamen Nägel und nach den Nägeln Messer. Die Tänzer stießen sich das Eisen ins Fleisch und schrien noch mehr. Die Priester bewahrten indessen ein« ruhigere Haltung und waren vor allein darauf bedacht, den Wirbel zu teuflischer Raserei zu steigern. Als alle Glas kauten und Nägel oder Messer durch die Muskel bohrten, warfen die Priester Unmengen lebendiger Skorpione hin. die so begehrlich verschlungen wurden, als ob sie Krebse wären. Danach wirbelte sich alles zu einem Teufelsreigen aus Staub und schlenkernden Gliedern. Ich war schon fast so besinnungslos wie di« Tänzer. Prinz de Waldeck, der den Film dreht«, wandte mir sein bleiches Gesicht zu und flüsterte:„Ich kann nicht mehr." Mir schien e«, es sei Baal zurückgekehrt. Tanit war von den Toten auferstanden. Trotz der Nägel oder Messer in Wangen, Armen und Leibern sah man kein Blut. Ein Mann schnappte wie ein toller Hund nach den Waden des Priesters. Di« Besessenen wanden sich am Boden und rollten in Kaktushecken mit mörderischen Stack»«!«. Aber alles das schien ihnen nicht zu schaden Die Messer staken noch im Fleisch, und das Glas knirscht« noch zwischen den Kiefern, als ich wegging. Es war nicht mehr zum Aushalten. Wir waren ohnehin gezwungen, uns schleunigst zu empfehlen, denn die Aissauas hatten un« endlich erblickt und versuchten den Schutzwall zu rammen, um sich der Ungläubigen zu bemächtigen. Wir flohen durch die Gärten. Trei Tage lang könnt« ich den Ekel nicht loswerden. ä. Etzold- Feiei:lLd)er �Morgen Die fSlorgcnsttmö' trompetet rotmalerisG durG Dorf und Stadt. Die schönste Andacht betet wer eine Hand zum Schaffen t)at. 'Wohin dn dich magst wenden, die Sonne ist der Erde hold, mag grau der Äbend enden, seht steht die �Welt noch ganz in Gold. Fabrik und �erchenkehle sind eins im hymnenden Gedicht, und jede Ärbeitsseele nimmt sich ein Jüukchen �Morgen licht. lind trägt es in den Schatten und Tärm von Sfoxd und Riemeuschlag, dort leuchtet's ohn' Ermatten hindurch den schweren, laugen Tag. läufi die Qalle über" Redensarten beruhen häufig auf einer scharsen Beobachtung der Wirklichkell, aber der Vvlksmund kann sich auch manchmal irren, wie die Redensart„Mir läuft die Galle über" beweist, die man gebrcmcht, wenn man sich über etwas sehr ärgert. Neuere Unter- suchungen haben gezeigt, daß allerdings der Aerger mit der Tätig- keit der Galle eng zusammenhängt, aber daß er an diesem Organ gerade das Gegenteil von dem verursacht, das man im Volk an- nimmt. Schon früher hatte ein Physiologe Dr. Oechsler festgestellt, daß bei einer Dogge, die man ärgerte, der Gallenfluß während der Dauer dieser Empfindung ausblieb. Nun hat Dr. Erich Witt- towcr durch Versuch« beim Menschen, über die in der„Umschau" berichtet wird, dasselbe nachgewiesen. Einer Versuchsperson wurde in Hypnose Freude, Trauer, Angst und Aerger aussuggeriert und ihr gleichzeitig ein« Sonde in den Zwölffingerdarm eingeführt. Die aus der So-nde hervusslleßende Galle wurde in Gläschen aufge- fangen, die man alle fünf Minuten wechselte. Bei Freude, Trauer und Angst wurde der Gallensluß stärker als unter normalen B«- dingungen: die Wirkung fetzt« fast augenblicklich nach der Suggestion ein und hörte dann rasch wieder auf. Beim Aerger aber zeigte sich gerade das Gegenteil: für die Dauer dieser Empfindung wurde der Gallenfluß ganz oder fast ganz aufgehoben. Warum der Aerger diese Wirkimg auf die Galle hervorbringt, hat man noch nicht genau erkennen können. Vielleicht wird diese Reaktion der Galle durch einen Kampf der Gallenwege hervorgerufen, den der Aerger verursacht. Die leichten Schmerzen, di« in der rechten Oberbauckzgsgend nicht selten nach Aerger auftreten, ließen sich durch solche Krämpfe der Gallenwcge gut erklären. Auch di« Ver- dauungsstörungen, die nach Aerger erscheinen, würden dazu passe». 3)as Qeheimnis der Amomhförner Ammanshörner hat wohl jeder einmal gesehen. Es gibt kaum ein naturhistorisches Museum, ein« paläoitth alogisch« Sammlung ohn« sie. Und weil sie über große Strecken Deutschlands oerstreut sind, haben auch viel« Naturfreunde danach gesucht. In Frantensura und in der Schwäbischen Alb ist fast jeder Felshang und jeder Stein- bruch ein unerschöpfliches Gebiet und eine dankbar« Fundstelle. Mit die schönsten habe ich aber am Hesselberg, jener letzten stehen- gebliebenen Kalkripp« des Frankenwaldes, gesehen. Welche Füll« von Leben muß diese Kalkrippe einst Heimat genannt haben! Das blau« und warme yurameer branöete gegen sie— jahchunderte», jahrtausendelang. Unendlich war der Reichtum der Daselnssormen, der sich an diesen heut« so unfruchtbaren Stein heftete lcker hals. Ihn auszubauen. Unendlich vor allem die Vervielfachung der Ammonitenform. Manche, wie der Arietites, wurden groß wie ein Rad unserer O-Zuglokomotiven. ein« ungeheure Last für da» schwerfällig am Baden dahinkriechende Tier, das nur vielleicht manchmal in kurzen. mühsamen Stößen schwamm. Andere, wie der entzückend zierliche �maltdaus margaritaw», erreichten noch nicht den Handflächen» umfang eines Kindes, und noch winzigere gab es, kaum von der Größe eines Ringes oder einer Münz«. Und wie der Durchmesser, so wechselte die Gestalt. Es gab geknöpft«, gerteste, gekielte, ge- schlängelte Ammoniten. Man kennt glatte und solche mit Buckeln, gekerbte, gewellt« und mit zartesten Linien oersehene Goldschnecken. Unzählige Massen müssen das südliche Meer bevölkert haben, das damals über dem«instigen Deutschland stand. Ja. es gibt sogar einen, den Lerotit« ruxjasus. von dem man mit Recht sagen kann. «r sei der deutsch« Ammonit. denn er findet sich so gut wie gar nicht außer unserer einstigen Grenzen. Di« Menschheit der Gegenwart kennt nur zwei Gattungen Ammonitennachkommen. den Nautilus und die Argonauta. Aber sie sind Kinder der Troponsoune, weit von unserer oft kühlen und wechselnden Zone entfernt. Im Mittclmeer, im Roten Meer, im Indischen Ozean ziehen sie dahin, eine regenbogenschimmernde Flotille mit irisfarbencn Hautsegeln und einer zerbrechlich düimen Schal« aus schönstem, oft purpurnem, geslammtem Perlmutter— aber dennoch, ebenso wie ihre Vorfahren, ein« Art Tintenfisch,«in Kopssüßler, der ein vielsach gekammenes Gehäuse bewohnt, an den' tx sein ganzes Leben baut und vergrößert. Zwei also sind von der fast vnd«schreiblich-n Vielheit übrig- geblieben. Warum starben die anderen? Nur dos Gesetz kann Aittwmtt auf dies« Frag« gaben. Und das Gesetz sagt: „Sie starben, weil sie ihre Entwicklungsmögkichkeiten in Ueber- steigen, ng und Entartungen ausgeschöpft hotten. Sie starben, weil sie infolgodesscn nicht mehr di« Kraft besaßen, sich an selbst klein« Veränderungen der Umwelt anzupassen- Sie starben, weil kein Geschöpf sich zurllckentVickeln kann, sondern«ell alles Lobend« den einmal«ingeschlagenen Weg seiner Entfaltung zu End« gehen muß— im guten wie ttn bösen." Dieses Gesetz, das der geniale sranzäsische Paläonthologe Chr. Dep-ret als erster entdeckte, als Leitstern über uns, sehen wir das Aussterben der Ammanshörner plötzlich in einem anderen Licht. Wir kennen di« Entwicklung der Ammoniten. Ganz früh, im Silur, finden sich die ersten Vertreter. Di« sind nach gerade, zylindrisch— Ortdoceras heißen sie darum auch— und ohne die zahllosen Komplikationen des Schalenzierates. Auch die Goniaiiten des Devon besitzen«Ine nicht abzuleugnende Aehnlichkeit. Sie sind bereits aufgerollt uttd haben schön«, wellenförmige Linien. Dann im Trias, und noch mehr im Jura diese Überwältigende Fülle, sowohl an Formen als auch an Individuen. Diese tausendfältige Abstufung, diese Durcharbeitung jeder Gestaltungsmäglichkeit. Das alles nimmt mit der Kreide, der nächsten Erdperiode, ein jähes Ende. Die Spiralen lösen sich aus, es arscheinen einseitige, verzerrte Gestalten, wok/r« Wurmfvrmen tauchen aus. sogar das uralte, längst verlassene Schema der Ortbaceras wird im öaculites wieder ausgenommen aber es ist nickst zu leugnen, daß die Lebenskrast jäh und plötzlich erschöpft ist. Wir ahnen jetzt auch, weshalb. Die Riesenformen konnten nicht mehr größer werden. Ihre Schwerfälligkeit beschränkt« zu sehr Ernährung und Fortpflanzung. Die kleineren aber behinderten sich trotz ihrer Beweglichkeit durch ihr« Ueberzahl. D!« Entwicklung stockte, stand Pill. Innerhalb der Arteneigenschosten gab es feine Möglichkeit mehr, hie nicht schon versucht und geübt worden wäre. Ueber diesen Arteneigenschosten aber hinauszugehen, gestatteten hi« Gesetze her Vererbung nicht. Die neu« Erdcpoche der Kreidezeit brachte neu« Ansorderunge» an das Anpassungsvermögen. Ihnen konnte nicht mehr genügt werden, wohl ober vermehrten sich die bereits vorhandenen Lebens- schwierigkeite* bis aufs äußerste. So starb Gattung um Gattung der Ammoniten mis. Zwei blieben übrig— zwei von unzähligen. Nach diesem Gesetz erloschen nicht nur die Ammönshörncr. Den- seihen Weg gingen viele, viel« Tiergruppen. D!« Saurier endeten so, die Risscnsäuger und manche andere. Darum ist dieses Gesetz ein Warnung für alles, was lel't. Darum ist sein« rechtzeitig« Erkenntnis aber auch ein Trost sür jene, die unter den Gesetzen des Plasmas steljen. Kein« Art, kein Volk braucht auszusterben, wenn es nicht in «inseitiger Uebersteigerung sich erschöpft und selbst zugrunde geht. Nicht durch Feind« rotten sich hj« Formen de» Seins aus, sondern immer nur durch Entartung, an denen«?, ob bewußt, ob un- bewußt, selbst die Schuld trägt. Ein einzelner hat diese Notwendigkeit, diesen unverrückbaren Ablauf entdeckt. Aber für die Völker ist es bestimmt, für die Gemeinschaften, für jeden, der in sich oder seinen Kindern weiterleben will. Denn es gilt für den einzelnen wie für die Gesamtheit. lind es gilt kür jeden Tag und für das Tun jedcr Stund«, wenn vielleicht auch keine so bedeutsam ist. um davon den Deutschen zu sagen, als das-Heute und di« nächste Zukunft es sinö. Ann!« Frunci-Harrar. rt. Rudolf£ämmel: SOSEIBlphyStU Alle Wissenschaft hat ihren Ursprung un Indwiduum und ihren Zweck in der Gesellschaft. Das Licht der Erkenntnis, das in einem einzelnen chirn aufflackert, muß zur Leuchte für Millionen und Milliarden werden, wenn es einen irdischen Sinn haben soll. Kraft und Stoff für alle zu schaffen, auf all« zu verteilen, so daß jeder seinen gemessenen und ausreichenden Anteil an Kalorie und Kilowatt, Wohnraum und Platz an der Sonne dieser Welt bekommt— das muß die Wissenschaft uns leisten, müssen Technik und Organisation, Volkswirtschaft und Staatsbetrieb uns nach dem jeweiligen Stand des wissenschaftlichen Könnens zur Verfügung stellen. Aber: Hat die Erde genug Kraft und Stoff, Land und Raum, daß alle zwei Milliarden Menschen ein anständiges Leben führen können, oder oersagt die Erde? Ist es in der Natur unseres Wohnplaneten gelegen, daß darauf neun Zehntel in Armut und Jammer leben müssen, der Rest teils ordentlich, teils in Schwelgerei Kalorien und Kilowattstunden genießt, Licht, Luft und Wohnraum? Das ist eine Frag« an die Wissenschaft. Um sie zu beantworten, nmß man sich überlegen, daß die Erde rund 500 Millionen Quadratkilometer hat, wovon bestenfalls— beim gegenwärtigen Stand unserer landwirtschaftlichen Technik— etwa 135 Millionen Quadratkilometer beb au bar und bewohnbar sind. Nehmen wir als Maßstab die USA. an, wo auf jeden Einwohner eine Nutzfläche von d'A Hektar entfällt: da müßten für die zwei Milliarden Erd- bewohner schon 13t> Millionen Quadratkilometer Wohnland zur Verfügung stehen, wenn alle unter solchen„amerikanischen" Der- Hältnissen leben wollten. Es scheint, daß sich die Menschen nicht inehr sehr vermehren dürfen..., aber es muß bedacht werden, daß ja auch die Union noch lange nicht bis zur Grenze ihrer Er- nährungsfähigkeit besiedelt ist. Nimmt man beispielsweise Frankreich als Maßstab, denkt man sich den Erdball so dicht wie dieses Land besiedelt, so brauchen die zwei Milliarden Menschen nicht mehr als 24 Millionen Quadratkilometer. Man sieht, daß die Erde noch lange nicht übervölkert ist. Man kann schätzen, daß die Erde heute schon bis zu zehn Milliarden Menschen ernähren könnte, wenn überall eine hoch«nt- wickelte Landwirtschaft betrieben wird. Eine andere Frage ist aber, ob genügend Energie für den maschinellen Betrieb einer Zehn- milliardenbevölkerung, die also ohne Kulis arbeiten soll, vorhanden ist? Die heutig« Kohlenförderung von 1,2 Milliarden Tonnen Kohle und die Wasierkraft im Wert von 100 Millionen Tonnen Kohle lassen sich vergrößern. Kohle kann— wenn sie auf etwa 300 Jahr« reichen soll— gut bis auf 4 Milliarden gesteigert werden, bei Entdeckung unbekannter Kohlenvorräte(Südpol?) auch noch mchr. Die Wasserkraft kann bis auf den Wert von einer Milliarde Tonnen Kohle erhöht werden, zusammen 5 Milliarden Tonnen Kohle jährlich. Nun rechnen wir: Zwei Milliarden Menschen von heut« ver- brauchen bei durchschnittlich höchst primitiver Wirtschaft schon IL Milliarden Tonnen Kohlenvorräte jährlich. Di« fortschreitende Steigerung der Mechanisierung aller zivilisatorischen Arbeit er- fordert bei gleicher Bevölkerung in wenigen Jahrzehnten mindestens die dreifach« Menge Energie, also etwa 4 Milliarden Tonnen Kohle jährlich. Sollte die Menschheit aber in den nächsten Jahrzehnten wesentlich über die gegenwärtigen zwei Milliarden hinauswachsen— und das ist sehr wahrscheinlich— tritt ein dauernder Energie- Hunger der Menschen auf. Beispielsweise brauchen fünf Mil- liarden Menschen auf der Erde, wenn sie den heutigen deutschen Energieverbrauch haben(etwa 150 Millionen Tonnen Kohl« und einige Millionen Tonnen elektrischen Wert) über 13 Milliarden Tonnen Kohle, und dieser Bedarf ist auf keine Weise dauernd zu beschaffen, wenn nicht neue gewaltig« Energiequellen erschlosien werden. Wind, Gezeiten, Erdwärm«, Sonnenlicht kommen in Frage, wenn man von der Atomverwandlungsenergie absieht. Auch wenn angenommen wird, daß kommende Geschlechter mit gleicher Energie viel mehr Menschen versorgen können, als die Gegenwart vermag, so bleibt der Energichunger doch stets wie ein Damoklesschwert über der Menschheit schweben. Entweder verharrt ein großer Teil der Menschen weiter im Kulistand, oder aber man lernt die Energiequellen der Erde bis anfs äußerste aufschließen und sie aufs ökonomischste oerteilen. Wohl sind die angegebenen Zahlen unsicher, aber die ganze Betrachtung verrät unzweifelhaft das Vorliegen eines großen Problems. Die Physik der Erde muß in den Dienst des Sozialismus der Menschheit gestellt werden! 1K. Sofdüfdienko: SinHHenlck olmeM Di« Sache spielte sich m der horten Klaffe des Moskauer Zuges ab. Irgendein fettsüchtiger Bürger, der sich von einem Laibe ein Stück Brot abschnitt, ließ dabei das Messer fallen. Gleich fragte die Nachbarin des fettsüchtigen Bürgers neugierig wie eine Krähe: „Was ist denn da heruntergefallen, mein Täubchen, ein Mesier oder eine Gabel?" „Ein Messerchen," erwiderte untustig der Bürger und tappte im Finstern weiter nach seinem Messer. ,L)a wird ein Mann kommen," sagte die Bürgerin.„Wenn«in Messer fällt, ist es immer ein Mann..." Mein Nachbar, ein Mann mit grünen Wadenstutzen und einem Sack auf dem Rücken, wurde plötzlich wild. Ganz blau vor Zo,n wurde der Kerl. „Ja, schämen Sie sich denn nicht, Bürgerin, so ein Zeug zu schwätzen?" sagte er. Eine Schmach, im zwanzigsten Jahrhundert noch Vorurteile und Aberglauben zu haben!" Entsetzt sah die Bürgerin meinen Nachbarn an. „Das ist so ein Zeichen," sagte sie.„Wenn es ein Mesierchen ist, so kommt bestimmt ein Mann, und wenn es ein« Gabel ist, eine Dame... Ich wollte ja nichts gesagt haben, Genosse. Das ist so ein Zeichen..." Mein Nachbar lachte zornig auf. „Oh," sagte er,„bitte sehr. Ringsherum ist Elektrifizierung, und hier— solche Vorurteile." Der Nachbar verstummte, aber nach einem Augenblick begann er wieder zu reden. Er wandte sich sozusagen an mich, aber so, das alle es hören konnten. „Ja, Genosse, ringsherum ist die Elektrifizierung, ringsherum spielen sich weiß der Himmel was für große Ereignisse ab, rings- herum— Kampf mit der Religion, und daneben, bitte sehr— vollkommene Finsternis und bäuerlich« Vorurteile." „Na, aber doch nicht immer," bemerkt« ich. „Aber mir wird davon nicht bester," erwiderte düster mein Nachbar.„Ich, Genoste, habe mich vielleicht aus demselben Grunde von meiner Frau scheiden lassen." „Nicht zu glauben." „So wahr mir Gott Helfe!" sagte er.„Wiewohl ich keinerlei Partei angehöre, wissen Sie. kann ich doch nicht mit einer Kleinbürgerin leben. Ich, sehen Sie, Genoste, habe sechs Jahre mit ihr gelebt: sechs Jahre lang habe ich gebeten: laß, Katharina Wassiljewna, sagte ich, solange ich gut bin, dies« Künste; laß, sagte ich, die klein- bürgerlichen Vorurteile und den Aberglauben. Aber die— nein. Ein Messer ist heruntergefallen— ein Mann, pasten Sie auf, wird kommen: einem Popen ist sie begegnet— ein Unglück, sagt sie, wird kommen: den«Schluckauf kriegte sie— wieder so ein Zeichen... Pfui!" „No, und Sie haben sich wirNIch aus diesem Grunde scheiden lasten?" „So wahr mir Gott Heise," sagte der Nachbar, aus diesem Grunde, und überhaupt wurde iha Benehmen ein wenig leicht- sinnig... Und ich, ich bat sie im vollsken Sinne des Wortes, ich flehte sie an... Will sie nicht— muß ja nicht fein. Mit einer Blöden kann ich nicht leben... Und jetzt fahre ich nach Moskau. Und wenn ich, zum Beispiel, in Moskau, so eine richtig«, wirtliche Bürgerin ohne Vorurteile finde, so werde ich mich mit ihr richtig verheiraten. Nur zweifle ich, Genosse, daß ich eine finden werde. Nur glaube ich's nicht recht..." Der Nachbar verstummte, dreht« sich eine Zigarette und zündete sie an. Dann stieß er auf und sagte: „Einer spricht von mir..." „Na, Sie, Ihre geschiedene Frau spricht von Ihnen," sagte voller Mitgefühl die Bürgerin.„Wie lebt denn diese Arme jetzt?.. „Ist alles möglich. Vielleicht spricht sie von mir. Nur ist sie selbst schuldig, dieser Dummkopf," erwiderte der Bürger und spie auf den Fußboden. (Aus dem RuflUchen von Joseph Reimet.) 3)as Xichtfirahlen ffllavier . Das von Spielmarm erbaute„S u p e r p i a n o", über das in der Wochenschrift über die Fortschritte in Wistcnschaft und Technik „Die Umschau" nähere Angaben gemacht werden, erfüllt einen alten Traum des Musikers, indem es ihm weite Möglichkeiten eröffnet. Der Apparat beruht auf dem Prinzip des Sprechfilms, er erzeugt die Töne auf lichtelektrischem Wege und gibt sie durch Lautsprecher weiter; er besitzt also nicht, wie das Klavier,«Saiten, deren Schwin- gungen dem Ohre die erzeugten Tön« direkt vermitteln. Dieses Lichtstrahlenklavier ist nicht etwa ein besseres Piano, sondern es ist etwas anderes und es ist mehr. Das Superpiano ist nämlich in der Lage, jede nur irgend mögliche Klangfarbe und Tonhöhe mit mache- matifcher Genauigkeit wiederzugeben; feine Tonstärke kann in der genauesten Weise durch die Stärke des Tastendrucks und außerdem durch eine Kurbeldrehung in jede beliebige Tonart transponieren: es wird mit einer dem üblichen Klavier gleichen Tastatur gespielt; während des Spiels kann eine beliebige Anzahl angeschlagener Tasten weiterklingen, und es ist billiger als ein gewöhnliches Klavier. Im Superpiano werden durch einen Elektromotor 12 Zelluloid- scheiden, den 12 Halbtönen einer Oktave entsprechend, in ungleich schnelle Rotation gebracht. Jede der Scheiben ist, entsprechend den sieben Oktaven eines Klaviers, in sieben konzentrische Kreise geteilt, auf denen durchsichtig« und undurchsichtige Stellen abwechseln. Vor jedem dieser konzentrischen Ringe befindet sich ein kleines Lämpchen, dahinter eine Selenzelle, und ein solches Lämpchen ist jeder Taste der Klaviatur zugeordnet. Drückt man nun die Taste nieder, so leuchtet die Lampe auf und ihr Lichtfeld, durch die rotierende Scheibe unterbrochen, fällt so oft auf die Selenzelle, als vor ihr durchsichtige Stellen der Scheibe vorbeigedreht werden. Auf diese Weise werden Töne erzeugt, die aus dem Lautsprecher hervorklingen. Die Klangfarbe des Instruments läßt sich mit der Gestalt der lichtdurchlässigen Zellen auf den Unterbrecherscheiben ändern, und so kann man jedem einzelnen Ton charakteristische Obertöne mitgeben und die Klangfarbe irgendeines Tones in ihren allerfeinsten Nuancen aufnehmen und dann auf alle Scheiben übertragen. Auch solche Töne, die in der Natur gar nicht bekannt sind, lassen sich auf Grund von Berechnungen erzeugen, und so kann man„mathematisch kom- panieren". Bringt man auf einer Scheibe statt sieben konzentrischer Kreis« vierzehn an, verdoppelt die Zahl der Lämpchen und baut ein zweites Manual ein, so kann man mit dem einen Apparat gleich- zeitig die Partituren zweier Musikinstrumente zum Vortrag bringen, also ein Streich- und ein Blasinstrument, und da man außerdem alle nur möglichen Tonskalen einbauen kann, bietet das«Superpiano die phantastischsten Aussichten für den Musiker. 100 Jahre tBilrgerfteig Die Pariser begehen jetzt die Hundertjahrfeier des Trottoirs. Der Bürgersteig, der allerdings schon in den Straßen des Mittel- alters hie und da zu finden ist, wurde im Jahre 1829 in den Straßen von Paris offiziell eingeführt, und zwar stand diese Neuerung Im Zusammenhang mit dem Omnibusverkehr, durch den man eine Be- drohung der Fußgänger fürchtete. Man beschloß daher, für die Passanten besondere, etwas erhöhte Straßen zu schaffen, auf denen sie van dem Wagenvcrkehr der Hauptstraße getrennt wurden. So entstand der„Bürgersteig", der in den anderen Großstädten bald nachgeahmt wurde. Auf diese Weise wurden auch die Fußgänger nicht so sehr von dem herumspritzenden Schmutz der Straßen, der durch die Wagen aufgewühlt wurde, betroffen. Aehnliche Erwä- gungen hatten ein halbes Jahrtausend früher zur Pflasterung d?t Straßen geführt, wobei auch Paris voranging. Man erzählt, daß die erste Verbesserung der Straßen in Paris dadurch hervorgerufen wurde, daß der Sohn Ludwigs des Dicken, König Philipp II., durch ein Schwein getötet wurde, das seinem Pferd zwischen die Beine lief. Daraufhin wurde das Hallen von Schweinen in den Pariser Straßen verboten und eine Pfasterung angeordnet. Der Bllrgersteig bedeutete eine weitere Sicherung für den Straßcngänger, dem heute in der Zeit des Großstadwerkehrs noch manche andere gefolgt ist. Deutschlands größte Stadt. Hält man sich nicht so genau an den bürgerlichen Begriff einer gemeinsamen«Stadtverwaltung usw., sondern mehr an den wirtschaftlichen Begriff der neuzeitlichen In- dustriesisdlungsgemeinschaft— Eisen, Kohle, Mensch—. so ist die namenlose Anhäufung von Städten im Ruhrgebiet, die Siedlung Düsseldors-Duisburg-Essen-Gclsenkirchen-Bochum-Dortmund usw. usw. jene größte Stadt, zugleich die größte der Welt, denn sie zählt etwa 10 Millionen Einwohner. äUTUEHI kommen die verwohnten und mit erlesenem Gescfamadk begabten Damen Groß- Berlins so gern zu uns, um ihren Bedarf moderner Kleidung zu decken? WH! s;e wissen, daß sie unter einer unermeßlichen Fülle preiswerter Qualitätswaren stets das finden können, was sie besonders vorteilhaft kleidet Auch für starke Figuren ist stets passendes am Lager. In unserer Modellabteilung Ist eine unerscbOpfliehe Auswahl herrlicher H- D. WIM- Ms.(M-iolc! M IMI! vorbanden, die die Bewunderung jeder Dame erregen werden. Hier sind keine Massenwareu aufgebaut, sondern jedes Stück ist von eigener, interessanter welche die neueste Modcrlditoiig. die letzten Ideen hervorragender Künstler verkörpert- Jede Dame von Geschmack sollte diese wundervollen Gebilde besichtigen. An unserem Blusenlager finden Sie eine ungeheure Auswahl herrlichster Exemplare vom einfachen bis zum elegantesten Genre, anefa für starke Damen« An unserem rühmlichst bekannten La�er für Mongenröckc halten wir stets die schönsten Neuheiten auf diesem wichtigen Gebiete der Frauenbekleidung vorrätig. Die Preise für diese vollkommenen Schöpfungen werden Sie durch ihre Billigkeit aufs angenehmste überraschen. Das enorme La�cr für Kleiderröcke bietet Ihnen eine Fülle schicker »niedrig. Preisen u. ele-j|||�»||jg zu staunenswert Hodb eleganter Frfi&ia&nnlel aus feinen Hcrrcuifoffcn ganz auf hochfeinem Futter, zweireihig, mit mod. seitlicher Glocke, dem überaus kleidsamen Wiener Rücken und geschweiftem Aerrael. 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