BERLIN Dienstag ?.Ml 1929 10 Pf. Nr. 211 B105 46. Jahrgang. ers»e«nttSgltch außerSvnntag«. Auglt>ch Abendausgabe de«.DoewSrtS'. Bezug«?»!« beide Auegaben 8öPs.?rv Woche, 3>f>OM. pro Monat. Redaktion und Eppedition; Berlin SWöS.Lindtniir. 3 Sfialauigajße xte6 l nzetgenpreistDie einspaltige Nonpareillezeile 30 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. ofischeckkoot»: VorwänS-Verlag T. m. b.H.. Berlin Nr. 37326. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 297 evering über denMai-Krawall Aussprache im Z�eichstagsausschuß.- Blöde Angriffe der Rechten. Im Haushaltsausschuß des Reichstages begann am Dienstag vormittag die Beratung des Haushaltes des Reichs- Ministeriums des Innern. Nach dem Vortrag des Be- richterstatters Dr. Schreiber(Z.) hielt der Abg. Dr. Verndl(Dnat.) eine heftige Angrtffsred» gegen den Reichsminister Severing. Dieser und der preußische Innenminister seien verantwortlich für den Aufstand der Kommunisten in Berlin, weil sie nicht rechtzeitig eingegriffen hätten. Die blutrünstigen Reden und Aufsätze der Kommunisten hätten unterdrückt werden müssen. In verschiedenen Landesteilen würden nach Moskauer Richtlinien Uebungslager der Kommunisten eingerichtet und werde der Bürger- krieg vorbereitet. Er frage, ob der Minister nicht endlich die Kom- munistische Partei verbieten wolle. Daß der Minister die Mai- Rede Sollmanns im Kölner Rundfunk genehmigt habe, sei unerhört. Das Bürgertum verbitte es sich, im Rund- funk eine sozialistische Rede nach der anderen zu hören. Das ganze Auftreten Severings sei diktatorisch. Sollmann(Soz.): So bedauerlich die Moi-Unruhen in Berlin seien, so v e r f eh l t sei es, von einem Ausstand zu sprechen. Die Kommunisten seien ebensowenig wie eine andere Gruppe in der tage, gegea die festgefügte Staatsautoritöt der Republik einen Aus. stand zu unternehmen. Der Verlauf des 1. Mai werde hoffentlich den kommunistischen Arbeitern, die ein Opfer der Gewissen- losigteit ihrer Führer geworden seien, die Augen über die wirklichen Machtverhältnisse geöffnet haben. Di« Sozialdemokratie sei für volle Meinungsfreiheit, auch für das Recht auf die Straße, das von ihr erkämpft worden sei, aber, die demokratische Freiheit müsse ihre Ergänzung finden in der demokra- t i s ch e n D i s z i p l i n. Die Staatsgewalt dürfe nicht dulden, daß die Dersammwngs- und Meinungsfreiheit unterdrückt werde durch kommunistischen und nationalsozialistischen Terror. Alles, was der Abg. Berndt gegen militärische Vorbereitungen der Kommunisten gesagt habe, treffe auch auf die Nationalsozialisten und den Stahlhelm zu. Die Autorität der Republik müsse gegen alle ihre Feinde gleichmäßig eingesetzt werden. Die R u n d s u n k- rede in Köln zum 1. Mai sei nicht parteipolitisch gewesen, sondern habe ganz allgemein Ideal« zum Sozialismus behandelt. Warum solle denn nicht einmal im Jahre am 1. Mai die Darlegung der Ideal« des Sozialismus stattfinden dürfen? Das sei doch naiv-intolerant. Denn mindestens hundertmal im Jahre demonstriere doch die christlich« Kirche für ihre Weltanschauung durch Glockengeläut, Gebete, Festspiele, Konzerte auch im Rundfunk. Die Sozialisten dürsten sich die vorwiegend bürgerliche Haltung des Rundfunks nicht länger gefallen lassen. Der Redner stellt dann an den Minister Fragen, wie es mit folgenden Gesetzen stshe: Reichs- dienststrosordnung, Beamtenvertretungsgesetz, Reichsstädtcordnung und Reichslandgemeindeordnung, Mnisterpensionsgesitz und mit dem A'ssühmngsgesetz zu dem Artikel 48 Gerade der jetzige Minister mit seiner langen Erfahrung als preußischer Innenminister sei be- rufen, das Aussührungsgesetz zum Artikel 48(Ausnahmezustand) zu s-baffen. Di«„Technisch« Nothilfe* müsse ganz oerschwinden, der Minister müsse sein Wort auf dem Gewerkschaftskongreß in Hamburg einlösen Der zehnjährige Erinnerungklag an den Erlaß der Reichsverfassung müsse besonders würdig gefeiert werden. Ueber die Reichsreform werde sehr viel geredet, sie werde ober nur schrittweise kommen. Wie stehe es mit dem Gesetzentwurf über die Reichsangehörigkeit an Stelle der Staatsangehörigkeit, wann würden die inner- deutschen Gesandtschaften verschwinden? An ein« Wahlreform würden mehr Hofsnungen geknüpft, als sie er- füllen könne. Er bitte den Minister, in dieser Frage recht vorsichtig vorzugehen. Die Erfahrungen mit dem jetzigen Wahlrecht seien viel zu kurz. Er frage serner. ob der K a p p i st Major P a b st auf dem Wege über den„Deutschen Schutzbund* Gelder bekommen habe? Falls da- Ministerium des Innern nicht in Betracht komme, niöpe der Minister aus das Ministerium des Aeußern einwirken. Treff« es zu, daß eine Persönlichkeit wie Pablt direkt oder indirekt Reichsmittel erhalten habe, so kompromittiere dies die Fonds. Maslowfkl(Komm.) macht den Reichsinnenminister für die Kämpfe in Berlin verantwortlich, weil dieser die Schupo zur Bürger- kriegsarme« ausgebildet habe. Das Verbot von„Rot-Jront* fei eriolgt, um in Paris einen besseren Kuhhandel zustande zu bringen. Alles, was von kpmmunistifchen Ausschreitungen uud von der Be- waiinung kommunistischer Demonstranten erzählt werde, seien Märchen. Die Barrikaden seien nur erbaut worden, damit die Panzerautos nicht in die Arbeiterviertel kommen sollten. Mas- lawski fragte nach dem Verhalten Severings zu dem bayerischen Konkordat, das Sollmann früher jür verfassungswidrig erklärt habe.> Reichsminister des Innern Severins:, Er habe Mitte April mit dem preußischen Innenminister er- örtert, ob sich nicht die Aufhebung des Verbotes der Maidemonstrationen empsehle. Auch der Polizeipräsident von Berlin habe das immer wieder erwogen, aber immer wieder seien in dieser Zeit Umzüge mit schweren Ausschrei- t u n g e n gemeldet worden. Die Kommunistisch ePartei und ihre Presse hätten in den Wochen vor dem 1. Mai ihr« Anhänger in Exertitien gegen die Polizei hineingehctzt. Immer deutlicher sei es geworden, daß sie eine Kraftprobe zwischen Kommunisten und Staatsautorilät wünschten. Ihre Ausruf« seien nicht au fdi« Maiforderungen abgestellt gewesen, sondern auf ein Räte- deutschland und auf die weltrevolutionäre Diktatur. Wenn eine Partei gegen ein Verbot demonstriert, so hat die republikanische Behörde das Recht und die Pflicht, sich zu wehren. Die Tätigkeit der Berliner Polizei sei hoch anzuerkennen. Wenn Mißgriffe vorgekommen seien, so müsse man das bedauern, dürsc ober auch nicht vergessen, daß die Kommunistische Partei schon tagelang vorher gegen Polizeibeamte tätlich vorgegangen und Zusammenstöße hervorgerufen habe. ' Immer wieder seien schon vor dem 1. Mai Schupo- beamt« verwundet wanden. Es fei erklärlich, wenn der eine oder ander« Beamte durch die ständige Alarmbereitschaft nervös geworden sei. Schuld an den Folgen sind die intellektuellen Urheber, die Führer der KPD. Dem Abg. Berndt erwidere er, daß das Ein- schreiten der Berliner Polizei mit der alten Staatsauffassung nichts zu tun habe. Genau vor 4» Iahren sei der große Bengarbeitec- streik im Ruhrgebiet gewesen. Dort habe sich k�in Arbeiter bewaffnet und trotzdem habe das alte Preußen einige Regimenter gegen die Arbeiter mobil gemacht. Die Machtmittel des States dürsten erst eingesetzt werden, wenn alle anderen Mittel er- schöpft sind. Er habe als preußischer Minister des Innern die be- waffneten Verbände ohne Unterschied nicht hochkommen lassen wollen. Die Deutschnationalen seien zwar immer sehr einverstan- den, wenn gegen links vorgegangen werde, aber auf der Rechten sehen sie keine Mißstände. Er sei sür Gleichheit vor dem Gesetz. Für das Rotsrontoerbot liege, wie die Begründung er- weisen werde, eine Menge neues Material vor. Wenn die Faschisten Barrikaden bauten und mit Revolvern Straßenkämpse lieferten, würden die saschistischen Organisationen auch verboten werden. Eine Auflösung der Kommunistischen Partei halt« er nicht für zweck- mäßig. Man werde weder die kommunistischen Abgeordneten noch die kommunistische Presse noch die ganz« kommunistische Bewegung an ihrer Betätigung hindern können. Verbote dürfe man nur er- lasten, wenn man sie ausführen könne(die Kommunisten geben durch dauernde Zuruf« zu erkennen, wie sehr sie das Verbot ihrer Partei wünschen). Ein Vergleich mit dem Sozialistengesetz ist ganz unzulässig. Bebel und Wilhelm Liebknecht haben stets weit von sich gewiesen, mit Terroristen in einer Linie genannt zu werden. Mit der Sozialdemokratie der Jahre 1S7ö bis 1S90 hat der Rotfrontkämpferbund gar nichts gemein. Unter großer Bewegung des Ausschusses verliest der Minister Glückwunschtelegramme von bolschewistischen Organisationen aus Rußland an die Kommunisten in Deutschland. Aus diesen Tele- grommen geht hervor, daß die Behauptungen der Kommunisten, sie hätten sich nur gegen die Polizei verteidigt, Schmiedel ist. Die bol- schewistischcn Telegramm« überschlagen sich in Begeiste- r u n g über den Bürgerkrieg in Berlin. Sie reden von dem be- waffneten Aufstand und der vereinten Kraft, die der Polizei einen Waffengang geliefert habe. Das alles scheine nur«in Auftakt für neue revolutionäre Kämpfe. Der Minister erklärt, er akzeptiere diese bolschewistische Auffassung von dem Charakter der Vorgänge in Berlin. Hinsichtlich der Subventionen an den Deutschen Schutzbund erklärt der Minister, er werde seine Sperre so lange aufrecht erhalten, bis sicher sei, daß ans Reichsmitteln nichts an den Kappisten Major Pabst gegeben werde. Autoräuber überfallen Kaffenboten Täter mit TOOO Mark im Auto geflüchtet. von modernsten Autobandileu mit Maske und Re. volver wurde heute früh um 3 Uhr der 40 Jahre alte kosienbote de» Wohlfahrtsamt» Tiergarten Franz Rzyska aus der Beusselsiraße 3 vor dem hause Wullenweberstrofte 9 überfallen und beraubt. Den Räubern fiel die Aktentasche de» Boten mit einem Inhalt von 7000 M. in Hartgeld und Scheinen in die Hand. Wiewohl unmittelbar nach dem Ueber- fall eine Schupostreise die Stelle passierte und die Verfolgung ausnahm, entkamen die Räuber unerkannt. Die Geschäfts- und Zahlstelle des Wohlsahrtsamts, bei der Rzyska beschäftigt ist, befindet sich im Hause Wullenweber- st ratze 9, zwischen dem Eyke-van-Repkow-Platz und der Jagow- straße. In der verhältnismäßig stillen Gegend herrschte heute früh noch wenig Derkehr. Das begünstigte das Unternehmen der Banditen. Die auszuzahlenden Gelder werden täglich außer Sonnabends von dem Kastenboten von der Haupttasse des Bezirksamts in der K l o p st o ck st r a ß e 2 4 abgeholt und der Zweigstelle zugeführt. So geschah es auch heute. Der Bote pflegt durch die Straße om Bahnhos Tiergarten, durch Siegmundshos über die Achenbachbrücke nach der Wullenweberstraße zu gelangen. In der Hauptkasse wird dbs Geld jeden Morgen in einem grauen leinenen Beutel mit starkem Metollbügel dem Boten übergeben, der es in einer dunkel- braunen ledernen Aktentasche verwahrt. Diese trägt er nieist unter dem Arm. Als R. sich heute dem Eingang des Hauses näherte, kam ihm in ganz langsamer Fahrt ein Auto entgegen. Er sah den Wagen zwar, ahn'e aber nicht, daß er das Opfer eines Angriffes werden sollte. Als das Auto mit ihm in gleicher Höhe war, wurde die Tür ousgeristen, zwei Männer sprangen heraus und stürzten sich auf den Uebernrschten. Einer sehte ihm einen Revolver an die Schläfe und sagte: „Geld her!* Im gleichen Augenblick faßte der zweite auch schon nach der Akten- lasche und entriß sie dem B»tcn mit einem Ruck. Dabei riet er seinem Helfershelser:„Schieß doch das Aas über den Haufen!* Der Kastenbote, der so kurz vor dem Hause keinen Angriff erwartet hatte, war so überrascht, daß er kein Wort sprechen �und auch nicht um Hilfe rufen konnte. Ehe er noch zu sich kam, waren die Räuber wieder in ihren Wagen gesprungen und jagten über die Achenbach-Brllcke in der Richtung nach dem Tiergarten davon. In der geraubten Tasche befanden sich etwa 7000 M. in Scheinen und Hartgeld. Der Wagen war etwa 30 Meter weit ge- fahren, als aus der Jagowstraße eine Doppel-Schupostreife sich näherte. Rzyska verständigte sie schnell von dem Vorgefallenen und die Beamten eilten den Räubern nach in der Hoffnung, einen Wagen zu finden, den sie zur Verfolgung benutzen könnten. Ehe sie aber noch ein Auto fanden, war da» Auto mit den Räubern in rascher Fahrt verschwunden. Der Ueberfallene kann die Räuber wenigsten» ihrer Kleidung nach einigermaßen beschreiben. Beide Männer waren mittelgroß und trugen graue Windjacken und graue Autokappen. lim sich unkenntlich zu machen, trug jeder eine große Brille, die wie eine Maske wirkte. Das Zluto, das die Täter benutzten, war ein graugestrichener Wagen älteren Typs mit Regen- oerdeck. Ob in dem Wagen noch ein Chauffeur saß, konnte der Ueberfallene nicht sehen, es ist aber anzunehmen, da nach Aussage des Boten der Wagen kaum zum Stehen kam. Der Raubllborsall ist ohne Zweifel von langer Hand vorbereitet gewesen. Die Täter müssen den Boten schon einige Tage beobachtet und sich mit seinen Gewohnheiten vertraut gemacht haben. Vermullich haben sie ihn heute früh schon an der Hauptkaste beobachtet und sind ihm gefolgt. Um ihm zuvorzukommen und ihm in der Wullenweberstraße in günstiger Richtung zu begegnen, müssen sie dann mit ihrem Wagen einen Bogen gefahren haben. Das Raubdezernat der Kriminal- Polizei hat die Ermittlungen nach den Tätern aufgenommen, bisher aber weder von ihnen noch von dem Wagen eine Spur gefunden. Die Erkennungsnummer Ist nicht bekannt. Die letzten Ermittelungen der Kriminalpolizei bestätigten die erste Annahme, daß der dreiste Raubübersall auf den Kassenboten IzyZta von langer Hand vorbereitet gewesen ist. Der Lote versteht seinen Dienst bereits seit drei Jahren und ist über jeden Zweifel erhaben. Nicht jeden Tag trug er gleich große Summen in seiner Tasche, da aber am heutigen Dienstag ein H a u p t z a h l t a g ist, so befanden sich in dem Leinenbeutel MSS M. und einige Pfennige. Rzyska war sehr vorstchtig, er be- nutzte des öfteren den vom Hansaplatz kommenden Autobus und näherte sich der Wullenweberstraße auch auf verschiedenen Wegen, um ein Auskundschaften seiner Gänge zu oerhindern. Heute morgen fuhr er nicht mit dem Autobus. Unterwegs begegnete ihin ein Magistratsauto, dessen Fahrer dem Boten bekannt ist. Er bat ihn, ein Stück Weges mitfahren zu dürfen, da er Geld bei sich habe. Der Chauffeur ließ ihn einsteigen und setzte ihn an der Ecke der Iagowstraße ab. Jetzt schien alles In Ordnung zu sein. Wie dreist und ihrer Sache sicher dann die Räuber waren, geht daraus hervor, daß sie trotz des Hin- und Hergehens der Abträger ihren Ueberfall ausführten. Auch alle Vorsicht bei den Wegen, die der Kassenbote angewandt hatte, erwies sich der Schlauheit und Hartnäckigkeit der Räuber gegenüber als vergeblich. Das Auio der Räuber gefunden. In den Mittagsstunden ist es, wie uns kurz vor Redaktionsschlusi mitgeteilt wird, der Polizei gelungen, das Auto, das die Täter zu ihrem Ueberfall benutzt haben, in der Heide st raste am Nordhafen zu be» fchlagnahmen. Es handelt sich um einen kleinen Opelwagen. Oer Kampf der Eisenbahner. Die beieiNgten Cisenbahnergewerkschaflen haben sich heute mit dem Stand der Lohnbewegung beschäsligl. 2m Vordergrund der Aussprache standen in der Hauptsache zwei Fragen: ob der Streik sofort ausgerufen oder der Anregung der Regierung, den Schlichter anzurufen. Rechnung getragen wird. Wegen der großen Bedeutung und der Tragweite eines solchen Beschlusses soll vor der endgültigen Entscheidung noch einmal eine Aussprache mit den anderen interessierten Gewerkschaften der Reichs-, Post-, Staats- und Wasserbauarbeiler herbeigeführt werden, um ein weiteres gemeinsames Vorgehen herbeizuführen. Die Glimme der Beamten. Eine Erklärung der Polizeibeamten-Organisation. Der Allgemeine Preußische Polizeibeamten-Verband schreibt uns: Die zurückliegenden polizeilichen Maßnahmen haben leider dazu geführt, daß ein Teil der Tageszeitungen sich nicht scheute, die Polizeibeamten wegen ihres Vorgehens in den ersten Mal- tagen maßlos zu kritisieren. Aus Gerechtigkeitsgründen sollte man aber die d i e n st l i ch e n L e i st u n g e n der Polizei- beamten in den letzten Monaten, Wochen und Tagen würdigen und ihnen mehr Verständnis entgegenbringen. Wer da glaubt, daß durch ein D e m o n st ra t i o n s o e r b o t den Polizeibeamten der Dienst erleichtert wird, irrt sich ganz gewaltig. Ein Verbot aller Veranstaltungen unter freiem Himmel bringt für die Polizeibeamten- schaft zwangeläufig eine Verschlechterung. Während früher die marschierenden Züge bis zu ihrer Auflösung zu begleiten waren, muß nunmehr darauf geachtet werden, daß keinerlei Veranstaltungen trotz des Verbots stattfinden. Aus der Einzel bereitschaft wird für die Polizeibeamtenschaft also eine Dauerbereitschaft während der ganzen Zeit des Demonstrationsverbots. Don der„Roten Fahne" und verwandten Blättern erwarten wir nicht, daß sie irgendwelche Einsicht haben. Wir wissen auch, daß die falsch« Freundschaft der Rechtspresse mit Freude über die Taten der kommunistischen Helfershelfer der Polizeibeamtenschaft wenig nützt. von der republikanischen presse jedoch hoffen wir, daß sie an- erkennt, unter welchen dienstlichen Verhältnissen die Polizeibeamten ihre schwere Ausgabe zu erfüllten hatten, und bitten weiter zu be- rücksichtigen, daß ein großer Teil dieser Beamten für Mo- natsgehälter, die sich um 100 Mark herum bewegen, bereit sind, täglich und stündlich ihr Leben für die Republik in die Schanze zu schlagen. Daß bei Unruhen, bei denen verhetzte Jungkommunisten, ver- inischt mit lumpenproletarischen Elementen, Gelegenheits- und Berufsverbrechern, gegen die Polizei vorgehen, einzelne Mißgriffe vorkommen, geben wir unumwunden zu, erklären aber gleichzeitig, daß sich solche Mißgriffe nicht vermeiden lassen. Im übrigen empfehlen wir den Herren Kritikern, positive Kritik zu üben und zu sagen, wie es besser gemacht werden könne. Es muß einmal festgestellt werden, daß seit Jahr und Tag die Polizeibeamten des Straßendienstes, also der Reviere und Bereitschaften, Ueber- stunden in einem Umfange leisten müssen, die bei Ar- beltern und Angestellten einen Sturm der Entrüstung her- vorrufen würden, wenn man sie von ihnen verlangt. Für diese Mehrlei st ungen gibt es keinerlei Entschädigung. Ein großer Teil der Berliner Polizeibeamten befindet sich seit 14 Tagen ununterbrochen im Dien st bzw. In Bereit- schaft, und es ist ihnen verboten, auch nur eine Stunde die Polizei- Unterkunft zu verlassen. Es muß einmal anerkannt werden, daß die Polizei gleich der Feuerwehr Dienste zu leisten hat, deren Gefährlichkeit keine andere Beamtenkategorie für sich in An- spruch nehmen kann. Die Polizeibeamtenschaft ist bereit, dem Staat mit allen Kräften zu dienen, erwartet jedoch aber, daß weiteste Kreise der Bevölkerung dem schweren und gefahrvollen Dienst Verständnis entgegenbringen und nicht in einer maßlosen Kritik über die Polizeibeamten herfallen. e- Zu diesem Schreiben ist zu bemerken, daß u n s eine Nei- gung. die Polizeibeamten vorschnell zu kritisieren, gewiß nicht nachgesagt werden kann. Auch für den Bürgerkrieg wie für jeden anderen gilt das Gesetz, daß jede Partei die andere moralisch ins Unrecht zu setzen versucht. So liegt es jetzt im Interesse der Kommunistischen Partei, die Entrüstung von sich selber auf die Polizei abzulenken, deren harte und ein- schneidende Maßnahmen leider auch manchem Unschuldigen das Leben gekostet haben. Das ist eben die besondere Scheuß- lichkeit des Bürgerkriegs, daß zwischen seinen beiden Fronten kein„Niemandsland" liegt, sondern daß die Kämpfe in einem dichtbevölkerten Gebiet geführt werden müssen, wobei Kam- battanten und Nichtkombattanten nicht voneinander zu unter- scheiden sind. Dies alles ändert jedoch nichts an der Notwendig- keit einer Untersuchung, in der festgestellt werden muß ob nicht auf Grund unzweckmäßiger, über das Ziel hinausschießender Befehle oder durch ungeeignete Beamte ohne Not schweres Unheil angerichtet worden ist. Lokaltermin in Mordhaus. Zeugenvernehmung im Oujardin-prozeß. Znsterburg, 7. Mai. Zwanzig Kilometer von Znsterburg entfernt liegt mitten a Wald und Sumpf ein kleines Besitztum, ein einfacher Bauernhof mit Wohnhaus, Scheunen und Ställen, der heute das Gericht zu einer wichtigen Sitzung beherbergt. Es war nicht ganz leicht, diese provisorische Gerichtsstelle zu erreichen. In weitem Umkreis ist das Land um den Wald rund herum noch tiefer, von der Schneeschmelze durchweichter Sumpf. Das Gericht begab sich mit der Eisenbahn von Jnsterburg nach Klein-Kohlischten. Gegenüber dem Bauerngut hielt der Eisenbahnzug, auf freier Strecke, um den Beteiligten Gelegenheit zu geben, auszusteigen, und dann ging es 400 Meter durch tiefste Wiesen an das idyllisch im Walde gelegene Haus Das Movdhaus ist das typische ostpreußische Bauernhaus. Die Vorderseite des Gebäudes ist von einem etwa 1,10 Meter hohen Staketenzaun um- geben, während auf der Rückseite gegen den Garten hin ein etwa 2 Meter hoher Zaun die Greng« bildet. Durch die Haustür ge- langt man zunächst in den Vorflur, von diesem aus geht es nach rechts in das sogenannte Wohnzimmer, einem Raum von etwa K mal 5 Meier im Ausmaß. Hier tagt heule in drangvoll fürchterlicher Enge das Gericht. Geradeaus kommt man vom Flur in die steingepflasterte Küche. Links vom Flur geht es in das so- genannte Arbeitszimmer, wo der Geldschrank steht und von dort durch eine eng« Tür in das Schlafzimmer, das etwa 4 Meter lang und 3 Meter breit ist. An dem nach Süden gelegenen Fenster stehen die beiden Betten an der Wand, zwischen denen sich nur ein Zwischenraum von 60 Zentimeter befindet. An der Rück» i wand des Zimmers steht ein Kleiderschrank, an dem noch die Spur einer Kugel sichtbar ist. Die F e n st e r des Hauses sind nach Bauernart so klein, daß nur ein ganz schlanker Mensch ver- suchen könnte, auf diesem Weg« ins Haus oder ins Freie zu ge- langen. Nach Eröffnung der Sitzung und eines sehr eindringlichen Appells des Vorsitzenden an die Zeugen, die hier vernommen wer- den sollen, machte das Gericht dann«inen Rundgang durch das haus und den-Garten. um den Geschworenen und den kriminalistischen Sachverständigen Gelegenheit zur Orientierung zu geben. Nach Eröffnung der eigent- lichen Sitzung stellt« der Verteidiger den Antrag, Sachverständige darüber zu vernehmen, ob nicht nach der Tat von Angehörigen der Frau Hoelzner ein Schuß auf den Schrank im Schlafzimmer ab- gefeuert sei, um einen Kampf der Frau mit dem Unbekannten vor- zutäuschen.— Hierauf wurde eine Frau Margarethe Kunst mann aus Chemnitz vernommen, die damals Dtenstmagd im Hause war. Die Zeugin, die nervös weinend an den Richtertisch tritt, schildert, daß die Eheleute Jaquet öfters Zank und Streit hatten. Die Zeugin hat an die Einzelheiten der damaligen Vorgänge, mit Ausnahme der Mordnacht, keine genaue Erinnerung mehr. Sie bestätigte, daß am Abend des 14. Mai Frau Jaquet selbst nach« gesehen habe, ob alle Türen geschlossen gewesen seien. In der N�cht wachte ich von einem Geräusch auf und lauschte. Da t n a l l t e es. Der Vorsitzend« stellte hier eine Schußprobe an. Im Schlafzimmer sollten zwei Rcvoloerschüsse abgefeuert werden, um festzustellen, wie man die Detonation in der Küche, wo die Mädchen schliesen, und in Dujardins Schlafzimmer hören könne. Da diese Aussage keinerlei Anhaltspunkte für das Gericht bot, demonstriert« Landgerichts- direktor Sary durch Klopfen den ersten Schuß. Nach ungefähr acht Sekunden glaubte die Zeugin, daß der Zeitraum, der damals zwischen den Schüssen log, erfüllt sei. Der Staatsanwalt regt« an, Frau Hoelzner-Joquet zu dieser Vernehmung zuzuziehen, während Rechts- anwalt Schönfeld energisch dagen protestierte. Auch der Vorsitzende äußerte starke Bedenken, Frau Hoelzner in das Zimmer hinein-- zuholen, um«ine Beeinflussung der Zeugin zu vermeiden. Staatsanwalt: Dann bitte ich um Gerichtsbeschluß, da hier mit gleichen Waffen gekämpft werden muß. vujardin kann der Mörder sein, aber auch Frau Hoelzner. Nach kurzer Beratung lehnte das Gericht den Antrag des Staats- anwalts ab, Frau Hoelzner zu der Zeugenaussage hinzuzuziehen. Der Staatsanwalt verlangte darauf die Prototollierung dieses Gerichtsbeschlusses. Daß aus den furchtbaren Erfahrungen der letzten Tage nach allen Seiten hin die notwendigen Lehren und Folgerungen gezogen werden, liegt im Interesse der Berliner Bevölkerung, nicht zuletzt auch im Interesse jener Beamten selbst, die auf ein vertrauensvolles Verhältnis zvOischen ihnen und der Bevölte- rung mit Recht das größte Gewicht legen. Oer Tod des fremden Lournalisten. Weitere Einzelheiten über das tragische Ende Mockahs. Die Erschießung des neuseeländischen tzournalislen Mackay im Laufe der Unruhen in Reutölln am letzten Freitag abend hat einem Teil der Londoner presse Anlaß zu schweren Vorwürfen gegen das Ver- halten der Berliner Polizei gegeben, und auch in einer Bec- liner Zeitung war die Behauptung aufgestellt worden, daß in den fraglichen polizeiberichten der Zeitpunkt dieses tragischen Vorfalls scheinbar absichtlich von 9 aus 10 Uhr abends verlegt worden sei. Demgegenüber erscheinen die Bekundungen anderer ausländischer, insbesondere amerikanischer Zonraalisten von Wichtigkeit, die sich am Freitag abend in Neukölln fast zu derselben Zeit ganz in der Nähe der Stelle befunden haben, wo Mackay getötet wurde. Diese Korrespondenten hatten bei Einbruch der Dunkelheit, ebenso wie der Engländer, vom Hermannplatz aus einen Streif- zug durch das in seinem Umfang genau der Oeffenttichkei! mitge- teilte Neuköllner Sperrgebiet angetreten, wobei allerdings der un- glückselig« Um st and mitgespielt haben muß, daß die in der Hermannstroße postierten Polizeimannschaften gerade zu dem frag- lichen Zeitpunkt durch irgendeinen Zwischenfall in einer Seitenstraße dorthin abgezogen waren. Infolgedessen konnten die ausländischen Journalisten zunächst ungehindert in die dunkle Hermannstraße bis in die Gegend der Mahlower Straße vordringen und zwar war das ungefähr zwischen 10 und 11 Uhr abends. Als sie trotz der immer wieder knallenden Schüsse den Versuch machen wollten, über die Mahlower Straß« hinaus bis zur Selchower Straße zu gelangen, wurden sie von drei in einem Hauseingäng sich verborgen haltenden Passanten davor gewarnt mit dem Bemerken, daß wenige Minuten vorher«twa 100 Meter weiter bereits ein Mann erschossen worden sei. Dieser Tote war, wie sich später herausstellte, der Journalist Mackay. Nach dem ersten Bericht, den das Kommando der Schutzpolizei erhielt, wurd« seine Leiche um 10.30 Uhr abends gcstmden. Oer Tod kann nach den Bekundungen der ausländischen Journalisten etwa eine Viertelstunde vorher eingetreten fein. Bei der Rückkehr aus dem Sperrgebiet fanden die fremden Korrefpon- denten dann In der Hermannstraße wieder starke Polizeikräft« vor. die dort die Absperrung handhabten. Danach erscheint es sicher, daß Mackay. der infolge feines erst kurzen Aufenthaltes in Berlin der deutschen Sprach« noch wenig mächtig war. inUnkenntnisder gefährlichen Situation in das Neuköllner Sperrgebiet ge- raten war, und zwar wahrscheinlich ohne daß die Polizei sein Bor- haben bemerkt hat._. Oie neue Regierung. In Thüringen endlich gewählt Weimar, 7. Mai.(Eigenbericht.) Der Landtag wählte heute vormittag mit 28 gegen 25 Stimmen bei einer Enthaltung die neue Regierung. Sie besteht aus den bisherigen Ministern Paulfen für Finanz, Volkcbilknug und Wirtschaft, und Riedel für Justiz und Inneres. Außerdem ge- hören dem neuen Kabinett fünf Staatsräte an. Der nationalfozia- tistifche Abgeordnet« Dinier stimmte für die Regierung. Die Sozial- demokraten betonten, daß mit der Einigung der Personen frage noch keine Klärung der sachlicheki, besonders der flnan- zlellen Schwierigkeiten erfolgt fei. Elekirischer Giadtbahnzug in Mammen. Großer Waldbrand bei Rahnsdorf. Auf dem Bahnhof Westend wurden heule früh drei wagen eines elektrischen S t adtb a h n z u g e s durch Feuer schwer beschädigt. Wenn nun auch glücklicher- weise kein Fahrgast verletzt worden ist, so muß der Umstand, daß ln ganz kurzer Zeit drei Wagen in Brand gerieten, bei dem Publikum lebhafte Beunruhigung hervorrusen. Kurz nach 8 Uhr geriet Plötzlich«in Wagen des elektrischen Stadtbahnzuges, der als Leerzug«ingesetzt werden sollte, In Brand. Das Feuer griff sofort auf zwei andere Wagen über, di« I m Augenblick in Flammen standen. Da der Unglücksfall in nächster Nähe des Bahnhofs stattfand, gelang es, durch energische Läschmaßnahmen den Brand verhältnismäßig schnell zu löschen Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Entstehungsursache imiß erst noch geklärt werden. Der Verkehr wurde nicht gestört. Im Forst zwischen Rahnsdorf und Wilhelmshagen brach heute In aller Frühe F«u«r au«, das beim Eintreffen mehrerer sreiwilltger Wehren bereits großen Umsang angenommen Halle. Ueber zwei Morgen Kiefernschonung wurden ein Raub der Flammen. Dl« Bekämpfung des gefährlichen Brandes dauerte mehrer« Stunden._ 12 Oorfhaufer eingeäfcheri. Großfeuer im Kreise Dlumenthal. Im Dorfe Rade im Kreise Blumenthal wurd« am Montag nachmittag gegen �4 Uhr plötzlich die Feuerwehr zu einem Brand eines Bauernhauses gerufen. Kurze Zeit dar« auf wurde Großfeuer gemeldet, da auch das Nachbarhaus Feuer gefangen hatte. Die Feuerwehr der ganzen Umgegend, insgesamt neun Wehren, erschien aus der Brandstätte, da in der Zwischenzelt durch den Wind das Feuer auf ein weiteres Ge- bäude übergesprungen war. Bold schlugen die Flammen auch au» dem auf der anderen Seile der Straße gelegenen Schulgebäud«, und zwei weitere daneben gelegene Gebäude brannten lichterloh. Zn»- gesami brannten 12 Gebäude. Aus dem Wohnhaus muhten die Leute mit Gewalt herausgeholt werden, da sie sich in einem Wohnzimmer eingeschlossen hatten und das brennende Haus n'cht oerlassen wollten, da sie nicht oersichert waren. Die Unglücks- stätte bildet ein furchtbares Bild der Berwüstung. Die Brand- Ursache soll ein Schnrnsteinbrand gewesen sein. peiroleumkönig im Gefängnis. E>:nc'air soll t>re» Monate sisten New Dort. 7. Mai. Der Oberste Gerichtshof in Washington hat einen Hastbel hl gegen Harry Sinclair erlassen, wonach dieser eine Strafe von 0 0 Tagen Gefängnis zu verbüßen hat wegen Mißachtung es Gecichts. Er hatte sich geweigert, vor dem Senat auf Fraaen im Zusammenhang mit dem Petroleumskandal zu antwoiten Er ist am Dienetag von der Polizei ins Gefängnis gebracht worden. Tsdessiur, im 3 Der deutsch« Aitlst Alfred Grimm, der während des G'st- spiels kes Zirkus Krone in Frankfurt a M. bei der Aussüh>ung eines Doppel-Looping-thc-Loops stürzte, ist inzwischen seinen Ver. lctzungen erlegen._ Richtigstellung. In dem gestrigen Beilagenartikel„Die Ein- richtung der Wohnung" ist der Naine des Autors fälschlich mir Franz Brandt bezeichnet worden, während tatsächlich Innenarchitekt Genosse Franz Brandl der Verfasser ist. Die Einigung mit Amerika. Oer � ung-Echacht-plan vor den Sachverstand»« rn. Poris, 7. Mai.(Eigenbericht.) Der amerikanische Delegierte Owen Foung hat der Sachver- sländigenkommission sein Memorandum überreicht, worin er die Einzelheiten der Einigung mit Dr. Schacht auseinandersetzt. Eine Diskussion über das Dokument konnte gestern nicht mehr be- gönnen werden. Allerdings wurde aus Antrag des Gouverneurs der Bank von Frankreich, Moreau, beschlossen, daß Dr. Schacht heute seinerseits ein Memorandum übergeben werde, worin er sein« ge- machten Reserven an der Doungschen Einigungsformel nieder. legen soll. Wie der„Petit Parisien' zu wissen glaubt, seien diese Vorbe- Halter zweierlei Art: einmal verlange Dr. Schacht die Schafsung einer R e v i s i o n s kommission, die von Zeit zu Zeit die Zahlungsfähig- keit Deutschlands prüfen soll, dann fordere Dr. Schacht, dah die Kriegsschulden der kleinen Alliierten bei den Großmäch'en von der Gesamthöhe der deutschen Schuld in A b z u g gebracht würden. Der „Petit Parifien' behauptet ferner, daß diese beiden Vorbehalte, deren richtige Wiedergabe durch das Blatt recht zweifelhaft erscheint, voll- Die Enltäuschung. Eberhard Wolfgang Möller:„Aouanmonl Volksbühne. Oer Unternehmer:«Wat— nicht mal'nen wilden Streik gegen den Wtllen der Gewerkschaften bringen Sie zustande? Mein Lieber, da kann ich Sie als Betriebsrat nicht länger brauchen!* kommen unannehmbar sei. Nicht nur Frankreich, Belgien und Italien protestierten dagegen, sondern auch England zeigte sich weniger bereit zur Annahme, da der Poungsche Plan zu ihren Un- gunsten den Verteilungsplan von Spaa abändere. Nevolveratieniat auf Woldemaras. Adjutant getötet— der Schühe entkommen. Riga. 7. Mai.(Eigenbericht.) Auf den titanischen Ministerpräsidenten Wolde- m a r a S wurde am Montag abend, als er� im Begriff stand, mit seiner Frau und seinem Adjutanten die Staats- oper aufzusuchen, ein Revolverattentat verübt. Ter Adjutant tvurde auf der Stelle getötet. Der Attentäter, der sieben Schüsse abgab, konnte im Schutze der Dunkelheit entfliehe«. Drei Attentäter— acht Schüsse. £ o ro n o, 7. Mai. Die Atlenkäker, drei an der Zahl, feuerten aus den perfön- lichen Adjutanlen des Ministerpräsidenten. Oberleutnant Gudinas, und den Adjutanlen de» Sriegsminisler», Hauptmann Virbicka», acht Schüsse ab. Oberleutnant Gudinas wurde tödlich getroffen, Hauptmann Birbickas schwer oerleht. Auherdem wurde noch ein Knabe, ein verwandlet des Mlniflerpräsidenten Woldemaras, der an der Hand des persönlichen Adjutanten des Ministerpräsidenten ging, schwer verletzt. Die Allentäterf die,„wie verlautet', polnisch gesprochen haben sollen, sind unerkannt entkommen. Die Polizei sperrte sosort den Platz vor dem Theater ab und nahm eine Durchsuchung des angrenzenden Gelände» vor. hierbei wurden noch zwei scharf- gemachte Handgranaten und Munition gesunden, die allem Anschein noch von den Allentälern herrühren. Die anaesehle Theatervorstellung wurde abgesagt, vis in die späten Abendstunden hinein durchrasten Autos, mit Offizieren und Polizei besetzt, die Stadt. Wie verlautet, sind alle nach Kowno führenden Slratzen abgesperrt. Die teibwache In der Wohnung de» Ministerpräsidenten Ist erheblich oerstärkt worden. Flugzeugabsturz in Frankreich. Fünf Soldaten getötet. .Journal' meldet aus Bourges, daß gestern ein mit zwei llnter- o�i zieren und drei Soldaten besebles Flugzeug, bei einem Uebungs- jivge über dem Artillerieschiehplah von Bourges abgestürzt ist. plötzlich löste sich eine Tragfläche des Flugzeuges. Die gesamte sünsköpfige Besahung des Flug- Zeuges wurde auf der Stelle gelötet. Die Bergung der Leichen mutzte auf den heutigen Tag verschoben werden, da sich unter den Trümmern des Flugzeugs zwei noch nicht explodierte Bomben befinden und Gefahr besteht, dah diese bei den ver- tzungearbellen plötzlich explodieren. „�ohrbachORo'an�'Vruch in Staaken. Am Montag nachmittag starteten in dem Fluohafeu Staaken die Piloten St« i n b a ch und Polte mit einer vollbeladenen drei- motorigen„Rohrbach-Roland'-Maschine zu einem Belastungsprobe- flug. Beim Start der schweren Maschine gab jedoch der Boden des Flughafens nach, so daß die Räder bis zu den Achsen einsanken und die Maschine zu einem K o p f st a n d kam. Die Piloten erlitten glück icherweise nur leichte Quetschungen und konnten entgegen anderslautenden Meldungen kurz nach dem Zwischenfall ihre Wohnung aussuchen. Der ehemalige Soldat O. reißt die Leinwand des Films„Blut und Rosen' aus dem Rahmen. Verkitschter Krieg, vertuschter Krieg. Soldat O. schreit, daß die Welt sich nicht so banal am furchtbarsten Greuel oersllntzigen darf. Zwei Polizisten stopfen dem Schreier auf der Bühne den Mund. Das Theater stürmt im Milgesühl. Bis zur letzten Reihe wird Politik gemacht. Die letzten Maiereignisse Berlins dienen den Ereignissen auf der Bühne als Objekt der Auf- regung. Eberhard Wolfgang Möller, 23jährig, ernsthaft, klein, klug aus- sehend, bürgerlich schön gekleidet, hat Glück. Die Zentralszene der Demolierung. die er erfand, reißt wieder einmal mit. Es wird eben etwas demoliert, was dem Philister behagt Rachwuchs- dramaliker, die auf sich achten, benutzen für ihre Dramen als Ermunterungsmtttel stets solche Demolierungsszenen. Erst zehn Jahre nach dem Krieg findet Soldat O. zu seiner Familie zurück. Zehn Jahre schleppt« er noch die Erinnerung an Trommelseuer, Giftgas im Fort Douaumont, Explosion und Massen- tod mit sich herum. Der Sohn, der den Vater nicht kannte, die Chambregarnisten. die den Heimkehrer nicht kennen wollen, sind unzuständig vor soviel Zerrüttung. Was soll man tun? Man er- klärt den Heimkehrer für wahnsinnig. Makler P. und Studienrat K., die Chambregarnisten, sympathi- sieren mit der Soldatenfrau Helene, die sich zehn Jahre gerad hielt. Zehn Jahre ließ sie sich belagern, obwohl sie nur eine Zimmer- Vermieterin war. Sie blieb dem Abwesenden treu, auch dem Heim- kehrer will sie treu bleiben, trotzdem sie noch nicht weiß, wie sie den neuen Esser durchfüttern soll. Alles �geschieht ohne Sentimentalität. Es wird auch kein Sündenhausstond mit sexuellen Orgien gezeigt. Möller, der erst 23 Jahre alt ist. verzichtet auf diese bei vielen seiner Vorgänger beliebte Kriegswitwenpsychologie. Er ist also ein Nüchterner Dramatiker, schon jenseits der Pubertät. Diese Beschränkung aus Alltäglichstes ist zu loben. Die Dichterphantasie artet nur aus, wenn der Sohn des Heimkehrers sich einen Rausch antrinkt. Dann weiß der Dichter noch nicht mit dem Leben umzugehen. Denn er ist kein Schlafwandler. Ganz realistisch will er alles packen. Den alten Odysseusmythos will er ins heutige Krähwinkel- deutsch übersetzen. Und es gibt auch ein glückliches Ende, da Frau Helene bescheiden und lächelnd verspricht, durch mütterliche Gatten- liebe die Kriegsbesessenheit des Soldaten O. zu kurieren. Möllers bestes Talent liegt in feinem blumenlosen Dialog. Es wird hastig herumgeredet, trotzdem bleibt vieles im Ohr. Die pathetischen Stellen wirken schwächer als die absichtlich banalisierten. Der Dichter will die müden Leute im Parkett rebellisch machen. Darum rechnet er ihnen durch Prolog und Homerzitate vor, wie ewig, wie unvermindert menschlich sein Heimkehrerkonslikt Ist. Und er beruft sich auf die unsterblichsten Verse Homers, die Peter Jhle als Leitmotiv des Schauspiels zu sprechen hat. Leo R e u ß und Agnes Straub, da» melancholische Paar, folgen dem Dichter, indem sie ganz schlicht vortragen, was zu sagen ist. Die Rolle des Heimkehrers ist nuanciert, wenn auch oft mit Lyrik überladen. Reuh trifft die Sturheit, das Stammeln und hilf- lose Erstaunen des unglücklichen Odysieus. Staudte, Monz und Schwanneke spielen die Nebenrollen. Sie haben es nicht leicht. Es ist«igenllich nur der eine, etwas tragische, auch etwas groteske Ton des jungen Dichter» zu fasten. Die Premiere soll das Repertoire sprengen. Uebermorgen stehen schon wieder die„Trojaner' auf dem Programm. Es war ein Experiment, bei dem sich auch Günther Stark auf das ihm nicht sehr vertraute Gebiet der Regie hinauswagte. Trotzdem ge- wann Möller den Beifall aller, die auf den vertrauenswürdigen Berater ihres Gewissens lauern. dlsjc Hochdorf. Oer Oichtervagabund. peter Hille zum 25. Todestag. Ecce Poet»— Seht diesen Dichter: so hat Hille eine kleine Sammlung seiner Sinnsprüche überschrieben. Und dieses Wort ist wie ein Symbol, denn es heißt« seht den Dichter, nicht sein Wert. Betrachtet den Menschen, nicht das, was er geschaffen. Denn sein Leben, das Dasein eines Vagabunden, ist interessanter als das Ge- schaffene. 1834 in einem Rest bei Höxter in Westfalen geboren, ging Hille nach Absolvierung der Schule und kurzer Beamtentätigieit aus „Reisen'. Das heißt: er zog mit seinem Manuskriptensack, der zu- gleich Toilettentoffer und Wäschebehälter war, über die Landstraßen. Pilgerte durch die Länder, kam nach London, wo er zwei Jahre blieb, in Whitechapel mit Negern und Chinesen hausend; zog zu Fuß nach Italien und Holland, gründete hier von einem kloinen väterlichen Erbe einen Zeitungsverlag, der rasch und geräuschlos verkrachte: kehrte nach Berlin zurück und brachte als wertvollstes Ueberblelbsel seiner geschäftlichen Unternehmung ein« kleine Hol- länderin mit, die fünfzehnjährige Tochter des Druckers seiner Zeitung. Julius Hart, bei dem Peter Hille Unterschlupf fand, er- zählt, wie der Dichter 1885 bei ihm erschien:„in der einen Hand«ine Flasche Wein, in der anderen ein« Zigarrenkiste, welche die Dienste eines Gepäck- und Kleidertosfers für ihn verrichtete, und unter dem Arm ein langes, dickes und schwere» Haupt- und Kassalnich, welche» er aus den Trümmern seines Zeitungeverlags gerettet chatte' Dieses Geschäftsbuch war Hilles Manuskripthest, und nicht festen kam es vor, daß der Dichter auf der Straße im dichtesten Gewühl stehen blieb, um einen Aphorismus oder Vers zu notieren. Die Ahoriemen sind der lebendigste Teil von Hilles Wert. Es sind köstliche Kleinigkeiten. Einfälle des Augenblicks. Menschen und Dinge, Gefühl und Stimmungen werden subjektiv, eigenwillig, bruchstückhaft erkannt und erfühlt. Etwa:„Das Weib ist ein ver- nünftiges Märchen.'—„Wo Stammtisch ist, da stirbt Welt und Geist. Der mordet alles.'—„35er Schweiß ist die Träne der Arbeit.'—„Es lebt der Mensch, so lang er lrrt.'—„Krieg und Hetzerei jeglicher Sorte ist Heimweh nach den Wüsten.' Die Aphorismen find der lebendigste Teil von Hilles Wert. Es sind köstliche Kleinigkeiten, Einfälle des Augenblicks. Menschen und Dinge, Gefühl« und Stimmungen werden subjektiv, eigenwillig, bruchstückhaft erkannt und erfühlt. Etwa:„Das Weib ist ein ver- nünftiges Märchen.'—„Wo Stammtisch ist, da stirbt West und Geist. Der mordet alles.'—„Der Schweiß ist di« Träne der Arbeit.'—„Es lebt der Mensch, solang er irrt.'—„Krieg und Hetzerei jeglicher Sorte ist Heimweh noch dem Wüsten.' Hilles Gedicht« sind, wie seine Gedankensplitter, von der Naivität eines großen Kindes. Die besten von ihnen sind kurze Ge- bilde, rasch entstanden, flüchtig im Gedanken, aber tief in der Empfindung und echt in der Melodik. Aber seltsam: sobald dieser Dichter versucht«, ein großes Motiv zu gestalten, zerflattert»«s ihm in der Formung. Schon jene Ge- dichte, die mehrere Strophen umfasson, fließen auseinander, und di« Romane, die Hille hinterlassen hat— etwa der Roman aus dem Teutoburger Wald„Die H o s s e n b u r g' und in noch stärkerem Maße„Die Sozialisten'— sind keine Romane, sondern ein Sammelsurium von kleinen Betrachtungen, Aphorismen, Arabesken um einzelne Gedanken. Nicht etwa daß Hille aus ökonomischen Er- tenntnissen ein politischer Kopf gewesen wäre: seine Erkenntnisse waren gefühlsmäßig richtige Crschauungen eines gerecht«mpsinden« den Menschen. «Ich bin, also ist Schönheit', bekennt Hille enthusiastisch von sich. Aber die Welt, die bürgerlich gesättigt« des Deutschland nach 1870 und des kommerziellen Aufschwungs um 1900. wußte nicht» von dem liebesuchenden, schönheitshungrtgen Dlchtervogabunden, für den sie nicht Brot noch Platz haste. An einem Maimorgen des Jahre» 1904 wurde Peter Hille, der nie«In Heim sein eigen nannte, auf einer Bant in der Nähe von Schlachtens«« bei Berlin tot auf- gefunden.— Das schönste Denkmal hat diesem seltenen Menschen, dessen rastloses Leben schon mythoshast wurde, die Dichterin Else Lasker-Schüler in ihrem„Peter-Hille-Buch' gesetzt. ILurt Olfenhurx. Neue Kulturfilme. Die Krisis de« Film» ist unübersehbar. Zweifellos ist der Ton- film in Amerika geschaffen worden, weil der Filmmarkt etwas Neues braucht und man von ihm eine Belebung erhofft. Ob und wieweit der stumme Film von der Konkurrenz des Tonfilm» erdrückt werden wird, läßt sich nicht im voraus sagen. Der Kulwrfalm wird jeden- falls darunter nicht zu leiden haben, mag man ihm nun Geräusche oder auch mechanisierte begleitende Vorträge hinzugesellen. Eine Ueb erficht neuer Kultursame, die die Ufa der Presse in ihrem kaum noch zureichenden Dorfiihrungsvaum zeigte, beweist, daß dieses Genre sich keineswegs überlebt hat. Man kann nur bedauern, daß der Spielsilm diese lehretche, spielend unterrichtende und auch amü- sante Abart des Films nicht auskommen läßt. Während wir Im Spielfilm selten Neues sehen, kann der Kulturfilm aus der'uner- schöpflichen Natur imer wieder ganz oder wenig Bekann'es bieten. Wer hat in Wirklichkeit den Kampf zweier Schlangen(In diesem Falle zweier großer brasilianischer) gesehen? Wer war Zeuge, wie«ine � große Gistnatter von einer anderen Schlange ohne Schaden ver- Ichlungen wird? Die iKnderstube einer Rattensamilie und die Nach- stellungen, die sie von Iltis, Igel, Eule erfährt, sind auch nicht gerade etwas Alltägliches. Die sieben Wunder dieses EiswiMers, vor allem der Eisgang, sind wirklich sehenswerter als die ewigen Tanzbars unserer Filme. Was die hygienische Erziehung und Gnmnastik für die Heranbildung der iKnder zu gesunden und schönen Menschen be- deutet, zeigt ein anderer Film. Physikalische Spielereien, von denen wir In der Schule hörten, ohne de« Segens der Anschauung teil- haftig zu werden, erfreuen auch den der Schul« längst Entwachsenen. Die Ufa verdient aus diesm Gebiete die Unterstützung aller volts- bildenden Organisationen. I «ne I»<"eT-f):a«-®»b(ld)ln;«f»ier x-eute nachmillag« Uhr findet out veni irntbolitchen Matlbiae-iZriedbof an der Siedlung Lind-ndol in Schöne- dcrq lEndpiintt der Linie 60t eine G-dächtniöie-.er ,» Ehre» P-Ier idilleS (lall. �Zuliu« Hart wird seiiiein neibttchenen Weggenossen einige Worte de« Gedenken« widmen. Da» vollständig versallene Grab soll wieder in würdigen Zuiianb veisebl werden. Weitere AuStunjl erteilt der Weslsalen Heimaibund(Telephon: Wiih. 9046). Nutherford in der Chemischen Gesellschaft. Oer Schöpfer der Atomlehre über Atomforfchung. Die Deutsche Chemische Gesellschaft hielt gestern abend eine außerordentliche Sitzung ab, zu der nicht nur di« Berliner chemische Welt sich eingefunden hatte, sondern die berühmtesten Chemiker aus ganz Deutschland gekommen waren, mn persönlich den Vortrag zu hören, den Rutherfond in englischer Sprache über„Atomkerne und ihre Umwandlungen' hielt. Nachdem bekannt war, daß in dem Zerfall des Radium, offen- bar eine Umwandlung eines Elementes vor sich geht, war Ruther- ford der erste, dem e» gelang, auch bei anderen Elementen oder Grundstoffen solche Umwandlungen zu erreichen. Er setzt« ihre Atome einem Bombardement von sogenannten Alpha-Strahlen aus(posi- tio elektrisch geladenen Helium-Atomen oder vielmehr Kernen von Helium-Atomen). Aus Grund seiner Versuche und der an sie ge- knüpften Ueberlegungen ist Rutherford der Vater der heute all- gemein geltenden Anschauung geworden, daß ein Atom nichts Ein- l heitliches ist, sondern au» einem positiv geladenen Kern besteht, der von freien Elektronen umkreist wird. Die Aufklärung des näheren Aufbaues der verschiedenen Atomkerne bildet die nächst- liegende Aufgabe. Was Rutherford über seine Versuche und die daran geknüpften Schlüsse vortrug, war naturgemäß nichts Neues, doch bietet«s eigenen Reiz,«inen der Schöpfer der modernen Anschauungen von den Atomen darüber berichten zu hören. Er schloß mit der Be- merkung, dag die Frage der Atomstruktur und des Ausbaues der Atomkern« noch nicht gelöst ist und sich zurzest im spekulativen Stadium befindet. Die verfahren zur Aufhellung de» Aufbaues der Kerne sind zurzeit noch gering an Zahl, und man kann kein« raschen Fortschritte unserer Kenntnt, dieses so schwierigen Gebiete» erwarten._ V B. Einweihung de» harnock-hauie». Da? von der Gesellichait zur /sördc- l ung dcr WissenickaUen in der Jbneslrane in Dablem errichiete©nrnni- ©au», da» Iiemden Gästen und Gelediten au» aller Herren Länder in Dentlchland Unterkunit gewähren und gleich eilig wisteulchalllichen Sitzungen grogen Stil» dienen soll, wurde heut« vormittag jeierlich eingeweiht. Verstärkter Schutz ist not! Explosionen bei der Arbeit. Die Gerichtsverhandlung gegen den Inhaber der Berliner Fabrik zur Herstellung von Radioleilm, in der am 18. Dezember 1928 die furchtbare Vrandkata- st r o p h e erfolgte, so schreibt unsere Genossin Abgeordnete Gertrud Hanna, zeigt der Oesfentlichkeit. wie gefährlich die Verarbeitung von Zelluloid ist. Zelluloid ist Schieß- baumwolle und Kampfer. Es entzündet sich schon bei verhält- niemähig niedriger Temperatur. In Betrieben, wo Zelluloid gefräst oder geseilt wird, sind Entzündungen nahezu täg- liche Erscheinungen, wenn es mit einer Flamme. ja schon mit einem Funken in Berührung kommt, ist Enl- Zündung selbstverständlich. Brände, die durch Explodieren von Zelluloid entstanden sind und nicht nur großen Sachschaden angerichtet, sondern auch Men- schenleben vernichtet haben, sind keine Seltenheiten. Das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe hat deshalb bereits im Jahre 1S10„Grundsätze für die Gewerbepolizeiliche Ueberwachung der Betriebe zur Herstellung von Zelluloidwaren und der dazu gehörigen Lagerräume' erlassen, die zweifellos— vorausgesetzt, daß sie befolgt werden— gewisse Garantien gegen Gefahren bei der Ber- orbeitung dieses so gefährlichen Stoffes geben würden. Die Zahl der Betriebe, die Zelluloid verarbeiten, ist nun sehr zahlreich und der Ueberwachungsbehörd« nicht einmal bekannt. Die erwähn- ten Grundsätze boten kein« genügende handhabe, die Derwendung von Zelluloid der Aufsichtsbehörde zu melden. Dazu kam dann noch, daß die verhältnismäßig zu geringe Zahl von II e b e r- wachungsbeamten verantwortungslose oder leichtfertig« Unternehmer nicht gerade zur Befolgung der vorhandenen Bor- schriften anhielt. Ob die Borschriften für den Arbeiterschutz und die Mittel für sein« Durchführung ausreichen, interessiert die öffentliche Meinung leider nur sehr wenig. Nur wenn sich wieder einmal ein M a s s e n u n gl ll ck ereignet, wird vorübergehend das Interesse für diese wichtige Frage wachgerufen. Meist beruhigt sich die „kochende Bolksseele' aber bald wieder, besonders dann, wenn als Ursache„Leichtfertigkeit" von einzelnen Arbeit- nehmern angegeben wird. Auch in dem jetzt vor Gericht oerhan- d«lten Fall soll ja„Leichtfertigkeit" eines noch sehr jungen Mädchens die Veranlassung gewesen sein. Di« besonders grausamen Folgen dieses Falles haben aber doch zum Nachdenken darüber geführt, ob nicht durch zweckmäßige Maßnahmen leichtfertiges handeln b«i so gefährlicher Arbeit ausgeschlossen werden könnte und ob nicht, wenn schon Explosionen nicht zu verhindern sind, wenigstens ihre Ausbreitung eingeschränkt werden könnte. Daß solche Vorkehrungsmaßnahmen möglich, ja schon vorgeschrieben sind, weiß jeder, der die Vorschriften für Betriebe, die Zelluloid verarbeiten, kennt, wären znr Beheizung der Stempel in der Unglückssabrik nicht offene Flammen verwendet worden, hätte die junge Arbeiterin keine Gelegenheit gehabt, Zelluloid mit einer Flamme in verbin- dung zu bringen. Es hätte, auch wenn auf andere Weise eine Explosion erfolgt wäre, das Feuer nicht so groß« Ausdeh- n u n g gewinnen können, als es der Fall gewesen ist. Von sozialdemokratischer Seite sind deshalb im Preußischen Landtag ausreichende Garantien gegen solche Vor- kommnisse gefordert, und es ist gleichzeitig an das Gewissen der bürgerlichen Parteien und der Regierung appelliert worden, nicht weiter, wie bisher, aus Sparsamkeitsgründen den Arbeilerschutz zu beschränken, da Sparen am Arbeiterschutz, wie das Unglück vom 18. Dezember gezeigt hat, nicht nur den Staat moralisch belastet. sondern unter Umständen auch materiell, und zwar in viel höherem Maße, als es durch seinen Ausbau geschehen wäre. Unter dem Eindruck des Brandunglücks sind denn auch bei der Beratung des Haushalts des Ministeriums für Handel und Gewerbe 24 neue Stellen für die Gewerbeaufsicht bewillig' worden, und zwar 6 höhere Aufsichtsposten und 18 mittlere Nicht minder wichtig aber ist die einstimmige Annahme des folgenden Antrages: Das Staatsministerium wird ersucht, den„Grundsätzen für die gewerbepolizeiliche Ueberwachung der Betriebe zur Herstellung von Zelluloidwaren und der dazugehörigen Lagerräume" die Form und die Bedeutung einer Verordnung zu g«b«n. In diese Verordnung sind aufzunehmen: 1. das Verbot s) der direkten Beheizung der Stempelformen für Zelluloid durch offene Flammen; d) der Verarbeitung von Zelluloid, dessen Entflammungs- und Zersetzungsprozeß unter 150 Grad liegt; 2. ferner: 3) der Meldezwang und die Genehmigungspflicht für Be- triebe, die Zelluloid und ähnliche feuergefährliche Stoffe herstellen oder verarbeiten. Die Genehmigung muß auch bei einschneiden- den baulichen Veränderungen und Erweiterungen des Betriebes sowie bei Verlegung des Betriebes eingeholt werden; b) Bestimmungen, die einen ausreichenden Nachborfchutz garantieren: c) eine Beschränkung der Lagerbestände für Zelluloid und ähnliche feuergefährliche Stoffe; r!) eine Kontrolle und genau« Deklaration der chemischen Stabilität von Zelluloid; «) eine genaue Deklaration von Zelluloid und zelluloidähn- lichen Stoffen; h die Ausdehnung der Verordnung auf alle Betriebe, in denen Zelluloid verarbeitet oder gelagert wird; g) eine Bezugsscheinpjlicht für die Verarbeitung von Zelluloid. Das Staatsministerium wird ferner ersucht, die Betriebe, für die die Verordnung gilt, intensiv und häufig, mindestens durch- schnittlich zweimal im Jahre, kontrollieren zu lassen. Bedauerlich bleibt nur, daß die Fordening, die Verarbeitung von Zelluloid in der Heimarbeit zu verbieten, abgelehnt worden ist. Ein so gefährlicher Stoff gehört nicht in die Heimarbeit! Der Beschluß des Preußischen Landtages bietet nach menschlicher Voraussicht ein« Sicherheit gegen die großen Gefahren, die durch Verarbeiten von so feuergefährlichem Material entstehen können, wie es Zelluloid ist. Abfchristfleller Brecht. In seine„Nachdichtung" der„Dreigroschenoper" hat Bert Brecht eine Anzahl Lieder eingestreut, die er als freie Be» arbeitungen von Dichtungen von Francois Villon und Rudyard Kipling ausgibt. Diese„Songs" sind kürzlich In einer Buch- ausgäbe erschienen. Alfred Kerr weist nun im„Berliner Tage- blatt" an einigen verblüfsenden Beispielen nach, daß Brecht die Chansons des berühmten mittelalterlichen französischen Bänkel- sängcrs offenbar kaum im Urtext kennt, dagegen ihre deutschen Uebertragungen von dem 1907 verstorbenen Nachdichter Ammer fast wörtlich übernommen und nur ganz wenige Aenderungen an- gebracht hat. die sich durchweg als stllistisch- Verschlechterungen erweisen. Der Angegriffene antwortet jetzt mit einer Erklärung, in der es heißt:„Ich erkläre wahrheitsgemäß, daß ich die Erwähnung des Namens„Ammer" leider vergessen Hobe. Dos wiederum er- kläre ich mit meiner grundsätzlichen Laxheit in Fragen geistigen Eigentums." Der Sladtral durch Voltsabstimmung aufgelöst. Am Sonntag fand in Koburg ein Volksentscheid über die Auflösung des Stadtrates statt. Es lauteten 0914 Stimmen für und 4266 Stimmen gegen die Auflösung. Welker für Verlin: Teils heiter, teils wolkig, nur noch mäßig warm, Südwestwinde. Für Deutschland: Im Nordwesten und Nord» osten veränderlich, sonst trocken, allgemein etwas kühler. Die Sladloerordneken haben in dieser Woche am Donnerstag („hiimnelfahrtstag") keine Sitzung. Dafür wird am Freitag (um 16%. Uhr) eine außerordentliche Sitzung abgehalten. Dienstag, 7. Mal. Berlin. 16.00 Heinrich Zimmermann:„Internationale l'ierZchutD-Konerezse". 16.30 Bänkelsänger und Parodisten. Vortrag und Leseproben: Dr..Langheinrich* Anthos. 17.00 Tee-Musik aus dem Hotel Bristol(Kapelle Iii# Livschakoff). Anschließend: Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.15 Stunde mit Büchern. Das Gesicht der deutschen Landschaft.(Am Mikrophon: Dr. H. Hieber.) 18.45 Th. Kotzur:„Vom Standesverein zur modernen Beamten-Gewerkschaft'4, 19.15 Dr. W. Pohl: Sozialpolitische Umschau. 19.45 Bildfunk. 19.55 Uebertragung aus der Staatsoper Unter den Linden:..Der Barbier von Sevilla". Während einer Pause: Bildfunk. Nach den Abendmeldungen: Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Oberschulrat T. Hilker: Was ist das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht? 16.30 A. Einstein: Neuzeitliche Violinrausik. 18.00 Prof. Dr. H. Mersmann: Volkslicdcranalysen. 18.30 Französisch für Fortgeschrittene. 18,55 Prof. Dr. E. Utitz: Lüge und Verstellung. 22.45— 23.15 Bildfunkvcrsuche. Verantwortlich für die Redaktion: Franz Klüh», Berlin: Änzeigen: Th. Glode. Berlin Berlay: Vorwärts Verlag G. m b H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW 68. Lindenstrafie 3. Hierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. Dienstag, J.T. 5. Staats-Oper Unter d. finden A.-V. 119 20 Uhf OerBarblenoD hvilia Staals-Oper Am Pl.d.Republ. R-S. 108 19W Uhr HOilOiaDDl EtzStilim Dienstag, d. 7. 5. staut. Oper BismarcKsir. Turnus I 190« Uhr Der Wlldsdifltz StaatlSdiaisplL an fitndarmenmtrkl A.-V. 107 20 Uhr Küttig Johann Staat). Sebiller-'nieater.Ctiaritli. 20 Uhr Zaungösla HlEin« Tttuiet Täglich 8V»Ühr NaB>««rtrodien? »ad dn Aeribniuben von Frank Green. Musikalische lllust. Fr. Holländer. Regle: Fr.mtiiaiua- FrederlflL Sernnsi Tim DirektHeinr Herald Clurlenenstraae 9i A. 7. Dönhoff 170 SV«. Ende 10V« Uhr Täglich Dia fDif Frankfurter von Carl Rössler Regle iamvskj-Blhittii Theater ia dar KUi|gr(tzar ttral* Täglich SV« Ufr Rival en Komödienhaua Täglich SV« Uhi CöarleysTante milOurt Bala. Trianon-Th. Täglich 8V. Oh» Uom uenusberg bis Kreuzberg Bilder aus der Bert. Unterwelt Rundfunkhöre r mUbe Preise TkMt.aii Rotth.ror M Kottb Str. 6 O] Ta-l.SUhr Enteil) Sflnger >> Das am H Mal-Progr. ViahMi Hldwliriil»»»! Planelanuui •mm am Zoo■ I teil« lodinthit« Unit Noll. 1678 16V. Uhr Starnblldar das Fi Uhr Pioniere in Ingolitadt Tballa Idealer 8 llh' Pfarrhaus- Komödie Staatl.SAilln-T]). 8 Uhr Zaungäste staaisoper an Plan der Bepntllt 71.3 Donmaons Erzäiünngen 8'. ideal r am SAlifDauerdamm. Norden IUI u. 281 Pioniere m ingoistam (Soldaten j Dienst mädchen) Harter. Lenia, larre. DtoB, Hoerraann. sienai i. a. Tiiätia- tneater Dresdner Sir. TS-TS. MiDUODiUie Wu-Fstwaren Pökenißisfli...... ,...v, p/d. 0.45 Gekoditer Sflunken...... v« pm. 0.50 Leltorwurst............. Pfd. 0.70 Rotwurst.............. p d. 0.70 Bodtwurst.............. Pfd. 1.00 LanflloDerwurst.......... Pfd. l.io lagdwurst.............. Pfd. 1.20 Berliner Mettwurst........ Pfd. 1.30 WestfölistUe smiadtwurst... Pfd. 1.40 Gemisditer Anfsdinitt Pf j. i.™ 2.40 Käse u.£zez? 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Oberzeugen Sie siel p SaMiiiieli-l'raBiZi U' ß rbJ Lessing- Theater T ä s i i c h 81.4 Uh- „Die Frau des Andarn" Thesler«m Hoilendorfplalz riglich S1/«' r Ole mannender manon Operette in i Akten v. Waller W. Ooe ze Lustspfelluiis SV,-Uhr Guido Thielseher Weeheno lia Parailies OUch. KQnstler-Th. 8Vi Uhr Prosit Gipsy Ope ettev. Gilbert Emmy Slurni Fritz Sdialz METRO POL-THEATEB JJTJj GS. SCHAU. PiELHAU Künstle ische Leiiunu; Erik Charell Nur noth Monat Ma Der groBe Er'glg! Sustige Witwe Trude Hasterberg Paul Heidemann, Jankuhn, Elleot Junkermann. Schaeffers N«a anal 9er liebe ZilWilt" Matfi Christians. Oskar Karlweis, Lieske, Amo, Morgan. Wes'eimeier. Matzner ■eeccdrolan. SivjUnwD ShnJftuiQA&e Ja �v>ärA Apothekenreform— eine Notwendigkeit Ein Ueherhleibsel aus dem Mittelalter föeifa&e Dienstag, 7. Mai 1929 Folgen des Alkoholismus Von Hans Hyan. Es gibt mancherlei Ursachen der Keimcntartung, aber die alko- Holische Blastophtorie schlägt sie alle. Nicht die Lues, ja nicht ein- mal die Tuberkulose sdie beide grohenteil; auf dem Boden der erb- lichen Rauschoergiftung erwachsen) schädigt das menschliche Erb- gut so wie der Alkohol. So sind denn auch neben den körperlichen die seelischen Leiden des Belasteten zahllos. Von der Verhältnis- mäßig einfachen Neurasthenie und Hyperästhesie(Ueberempfindlich- feit) ausgehend, sind Hysterie, Epilepsie, Hebephrenie(Jugendirre- sei»), Paranica und Paralyse die Stationen des Caloarienberges solch alkoholentsprossener Menschen. Und zwar gären und schwelen diese Krankheiten von Kindesbeinen aus in ihnen. Ihr Lebensumkreis, die Mittel, die zu ihrer Erziehung und Aufzucht verwandt weiden, bestimmen den mehr oder minder schmerzlichen Weg ihrer Entwicklung. Das traurigste ist, daß solche Seelen- und Geisteskrankheiten meist erst erkannt werden, wenn es schon zu spät ist. Die Alkoholepilepsie z. B. äußert sich temporär ganz sporadisch. Ihr klinisches Bild zeigt oft lange Zeit äußerlich nur einen launenhaften, nervösen, von wechselnden Stimmungen zer- quälten Menschen. Man spricht da von einer Kryptoregialepsie. Evidente Anfälle, die sich in Krämpfen, Fallsucht, Besinnung-losig- keit oder Ohnmächten manifestieren, treten manchmal gar nicht oder sehr selten auf: aber andere, viel furchtbarere Erscheinungen, die ich an einigen Beispielen illustrieren will, kommen zutage. Der Fall des Schupowachtmeisters Gerth ist noch in aller Erinnerung. Dieser Beamte hatte ohne jeden wirtlichen Anlaß in einer Nacht zw« Frauen aus eine bestialische Weise ge- tötet und mißbraucht. Bei ihm ließen sich durch eine Anstaltsbeob- achtung und durch Feststellungen in seinem Familienleben epilep- tische Anfälle recht schwerer Form im Zusammenhang mit Alkohol- mißbrauch nochweisen. Es war bezeichnend, wie schon geringe Mengen des Rauschgiftes bei ihm ausreichend waren, so furchtbare Exaltationen auszulösen, wie sie dieses Verbrechen bedingte. Die Sachverständigen erklärten, daß hier die langsame Auswir- kung einer chronisch sich entwickelten Geisteskrankheit in Frage komme. Außerordentlich intersiant waren die Experimente, die der Direktor der Irrenanstalt Dalldorf Dr. Brach mit Gerth angestellt hatte. Diesem Gelehrten war es gelungen, bei dem Angeklagten unter dem Einfluß von Alkohol einen vollkommenen Däm- merzustand zu produzieren. Gerth wurde freigesprochen und einer Irrenanstalt überwiesen. Aber von ebenso hohem Interesie war die hier zum erstenmal von Psychiatern getroffene Feststellung, daß die Amnesie(voll- kommener. Gedächtnisverlust) keineswegs notwendig sei, um einen epileptischen Dämmerzustand nachzuweisen, daß vielmehr die Annamnese(Wiederausleben des Gedächtnisses) häufige schon bald noch der Tat einsetze und die Erinnerung an das Verbrechen, welches ohne die Kontrolle des Bewußtseins geschehen, sei, wieder cheraufbringt. "■ Der zweite Sachverständige im Gerth-Prozeß war der Ordi- narius für Psychiatrie an der Universität Greisswald Professor F o r st e r. Er wie sein Kollege hatten es nicht leicht, die Richter von dem noch so wenig bekannten Vorgang des Dämmerzustandes beim Angeklagten zu überzeugen. Prosesior Förster brachte nun zur Illustration solcher Vorgänge einen Fall zur Sprache, der nicht zur gerichtlichen Auseinandersetzung gekommen war. Ein höherer Postbeamter wählte bei seinem abendlichen Spaziergang einen Weg über eine weite Feldmark, in deren Mitte sich eine große und tiefe Kiesgrube befand. Jedesmal, wenn er eine bestimmte Stelle bei dieser Grube passierte, wurde er von einer unerträglichen und unerklärlichen Traurigkeit befallen und ganz allmählich hob sich das Gedächtnis an eine furchtbare Tat aus seiner Seeienttefe. Er fand jetzt auch die Stelle, an der er das Mädchen vergraben, das er hier vor längerer Zeit überfallen und erwürgt hatte.... Vor Iahron brachte ein« medizinische Fachzeitschrift folgenden Fall: In einer Schöffengerichtssitzung erhob sich plötzlich der Rich- ter, der vorher geistesabwesend vor sich hingestarrt hatte, ging zur Zeugenbank hinüber, streichelte einer jungen und bübschen Zeugin die Wange und schritt dann zur Wand, wo er sein« Kleidung össnete. um ein Bedürfnis zu befriedigen. Nun stürzte der Amts- anwolt dem Richter nach, der jetzt zitternd aus seinem Dämm«r aufzuwachen schien, und führte den Kranken in das Beratungs- zimmer.... Auf eine meiner Arbeiten, die sich mit demselben Gegenstand beschäftigte, bekam ich von einem höheren Beamten einen Brief, den ich als letztes Beispiel auszugsweise wiedergeben will: „Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts starb in der Regie- ilingshauptstadt der preußischen Provinz, zu der mein damaliger Wohnort gehörte, ein« angesehene Persönlichkeit, deren Beisetzung ich beizuwohnen hatte. Ich fuhr zu diesem Zwecke mit der Eisen- bahn dorthin: an einer Unterwegsstatton gesellte sich zu mir ein mir nahestehender Herr, dessen Namen ich mit Busch bezeichnen möchte. Da an jenem Tage eine gewaltige Hitze herrschte, ließ Busch seinen Sommerüberzieher im Trauerhaus, wo er noch vorgesprochen hatte, zurück. Nach der Rückkehr vom Fried- hose sanden wir uns mit einer größeren Zahl der übrigen Leid- tragenden in einem Restaurant zusammen. Dort mag wohl jeder von uns in Anbetracht des heißen Wetters zwei bis drei Glas von dem damals sehr kräfttgen Kulmbacher Bier getrunken haben. Gegen Abend begab ich mich mit Herrn Busch nach dem Bahnhof, wobei dieser unterwegs seinen Uebcrzieher aus dem Trauerhause abholte. Ein uns beiden bekannter Herr, welcher Talmann heißen möge, begleitete uns auf dem ganzen Wege. Herr Talmann bemühte sich sehr uin Herrn Busch, was mir auffiel. Nachdem Herr Talmann sich am Bahnobteil von uns verabschiedet hatte. wollte Herr Busch sich ausschütten vor Lachen. Er sagte mir unter anderem-„Der gute Talmann bewirbt sich um meine Schwägerin, aber die hält ihn ja nur zum Narren." Nun ließ er sich in aller Ausführlichkeit und in. hämischer Art darüber aus. Wir mochten etwa eine halbe Stunde In der Eisenbahn gefahren sein, als Busch plötzlich still wurde und suchend und befremdet seinen Ueberzieher, den er angezogen hatte, genau besah. Dann fragte mich Busch: „Wo kommt denn mein Ueberzieher her?" Als ich ihm antwortete, den habe er ja doch im Trauerhause wieder ab- geholt, wußte er von allen-Vorgängen seit dem Verlassen des Restaurants nichts mehr. Er wollt« jetzt durchaus von mir erfahren, was er mir seit der Trennung von Talmann„Besonderes" erzählt habe. Er hatte sicher keine Ahnung von dem Gegenstand« unserer soeben beendeten Unterhaltung. Dabei machte Busch nicht im geringsten den Eindruck eines Betrunkenen." Die bestehende Verfassung des Apothekerwesens ist, wie man im Handwörterbuch der Staotswissenschaften nachlesen kann, noch fast unverändert die, wie sie das Mittelalter auf Grund von Privilegien, Arzneipraxen und Dispensatorien festgestellt hat. Sie geht auf mittelalterliche Zunftbegriffe zurück und fußt auf Privilegien und Konzessionen, die zu einer Zeit erteilt wurden, als der moderne Staat und die modern« Verwaltung noch nicht be- standen. Infolge des Konzessionszwanges, der die Berussfreiheit ausschließt, haben die Apothekerangestellten vor Erreichung des 50. Lebensjahres keine Aussicht, selbständig zu werden. Das führt neben allen anderen Ungeheuerlichkeiten zu einer Ueberalte- r u n g im Apotheterberuf, die, abgesehen von ihrer sozialen Un- gerechtigkeit, in einem Beruf zu einer Gefahr werden muß, der bei dem steten Fortschrttt der medizinischen Wissenschast und dem steten Wechsel in der Medikamentenpraxis an die Spannkraft, Anpasiungs- und Aufnahmefähigkeit die höchsten Ansprüche stellt. Die volks- gesundheitliche Fürsorg« muß bei diesen Zuständen ernstlich leiden. Apothekenbesitzer, Angestellt« und Staatsbehörden sind sich dar- über einig, daß eine Reform kommen mutz. Seit hundert Jahren wird nun schon um dies« Reform gestritten, werden Bor- schlüge ausgearbeitet, ohne daß man dem Ziel beträchtlich näher gekommen wäre. Di» verbissenen Gegner der Reform trösten sich damit(wir hörten diese Worte vor einigen Tagen), daß,„wenn die Reform schon hundert Jahre auf sich warten ließ, sie ruhig noch weiter Jahrzehnte quf sich warten lassen kann". Mit einem Argu- ment von einer derartigen Oberflächlichkeit verlohnt es sich nicht auseinanderzusetzen. Die R e i ch s r« s o r m des Apothekenwesens muß schon des- halb kommen, well andernfalls die Länder die Reform von sich aus durchführen würden. Das geht aus Erklärungen der Regie- rungen in Preußen, Bayern und Sachsen deutlich hervor. Diese landesrechtlichen Sonderresormen würden natürlich eine Zersplitterung auf dem Gebiete des Apothekenwesens zur Folge haben, die für die Volksgesundheit durchaus unerträglich wäre. In der Frage der Reichsreform stehen sich zwei Ansichten gegenüber: die eine möchte von dem bestehenden Konzessions« s y st e m ausgehend die Konzessionierung den modernen An» sprüchen anpassen, während die andere unter Ausschaltung des Konzesiionswesens den Grundsatz der Niederlassungs- f r e i h e i t bzw. des beschränkten Niederlassungsrechtes oerficht. Diese zweite Ansicht wurde auch auf einer Versammlung vertreten, die kürzlich von der„Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege" einberufen und von Apothekern, Aerzien, Parlamentariern und Beamten gut besucht war. Als erster Referent bemühte sich Medi- .zinalrat Dr. Lustig vom Berliner Polizeipräsidium, die verwickelt« Dieser Vorgang hat das Besondere, daß er in keiner Weise kriminell war und damit aus dem Streit der Meinungen über die kriminalistische Wertung derartiger Zustände herausgerückt ist. Er wird dem Nachdenklichen mehr als alles andere die Frage entgegen- stellen, ob.man danach noch die Trunkenheit und ihre Un- sachcn mit einem einfachen Gesetzesparagraphen er- ledigen kann. Moral und Homosexualität Von Wilhelm Kauffmann. Auch wir sind drr Ansicht, daß di« strafrechtlich« Behandlung de» Lomoseruellenproblems einer Abänderung dcdari, veröffentlichen diesen Beitrag aber, ohne un- im einzelnen mit ihm zu identifizieren. Was ist Moral? Die Moral soll dem gesunden Empfinden des Volkes entsprechen, wobei unter Volksempfinden oft die Ansicht eines einzelnen oder einiger Personen zum Ausdruck kommt, die es ver- standen hoben, ihre Meinung am lautesten zu verkünden und schließlich zur Geltung zu bringen. Dieses angebliche Empfinden des Volkes ist eigenartigerweise bei den einzelnen Völkern— staatenmäßig genommen— in vielen Fällen verschieden. Ja, es ist sogar bei jedem Volke dem Wechsel, man möchte fast sagen, der Mode unterworfen. Daran stößt sich aber kein Moralist. Heute wird wohl kaum noch jemand den Bubikops zum Beispiel als un- moralisch bezeichnen, trotzdem die Zeit nicht so fern liegt, in der man einen Bubikopf, damals oft Titustopf genannt, vielfach per- vcrs fand. Nur wenn ein Einzelwesen sein von dem paragraphenmäßig sanktionierten Empsinden abweichendes Empfinden herausstellt, dann tritt der moralische Entrüstungsschrei zutage, dann wird ge- gebenensalls Polizei und Staatsanwalt als Retter der verletzten Moral angerufen. Mau verwehrt also dem Einzelmenschen das Leben nach seinem seelisch-körperlichen Empfinden(seiner Moral), man systematisiert und schematisiert ihn, trotzdem bekannt ist, daß jeder Mensch als Jndioiduum verschieden geartet ist, wenn man viele E'nzelmenschen auch einem Typus zuzählen kann. Dieses Nichtanerkennen des seelisch-körperlichen Empfindens des Einzelmenschen wäre tragbar, wenn zwischen Menschengesetz und Naturgesetz kein Widerspruch bestehen würde. Dann könnte und müßte vielleicht em Einzelwesen mit anderer seelisch-körperlicher Einstellung als pathologisch(krankhaft) behandelt werden. Nicht tragbar aber ist das Nichtanerkennen des ieelisch-körper- lichen Empfindens des Einzelwesens, wenn das Menschengesetz mit dem Naturgesetz in Widerspruch steht, wenn damit dem natürlichen Empfinden des«in.zelnen moralischer- und staatlicherscits der Stempel der Widernatiirlichkeit ausgedrückt wird. Dos ist auch in unserem neuen Deuttchland zum Beispiel leider noch immer bei der moralischen und strafrechtlichen Einstellung gegenüber den Homosexuellen der Fall. Leider werden die Errungenschaften langjährigen Forschens und exakter Wissenschaft aus Gründen der Moros oder Trottelei auch heute noch stark bekämpft, trotzdem di« Wissenschast gerade für di« Beurteilung der Homosexualität keinen Indizienbeweis, sondern einen nackten Tatbestand geliesert hat. Dr. Magnus Hirsch- feld sagt in seiner Geschlechtskunde:„Wer beiden Geschlechtern entstammt, enthüll beide Geschlechter vereint." Wenn man als Normaltyp den absoluten Mann und dos absolute Weib bezeichnet, Rechtslage auseinanderzusetzen und die Ziele klarzulegen, zu denen eine Reichsreform des Apothekenwesens führen soll. Er sowohl wie der zweite Referent, Rechtsanwall Dr. H a m b u r g« r, ein be- kannter Spezialist auf dem Gebiet des Apothekenrechts, kamen zu der Ansicht, daß sich eine Reform ohne besondere wirtschaftliche Er« schütterung auf dem Weg eines beschränkten Niederlassungsrechtes durchführen läßt. Unserer Ansicht nach ist es nicht wesentlich, ob die Reichsresorm den Weg einer beschränkten Niederlassungsfreiheit oder den einer Reform des Konzessionssystems geht. Die Hauptsache bleibt, daß di« öffentlichen Gesundheitsintercssen überall gewahrt und die jetzigen Mißstände beseitigt werden. Für die geplant« Reform ist neben dem gewerblichen und sozialen Gesichtspunkt die Frage der Regelung des Verkehrs mit Arzneimitteln und arzneilichen Spezialitäten in den Lordergrund zu stellen. Der Ueberflutung und schwatzhaften An- preisung von Spezialitäten, von denen der allergrößte Teil voll- kommen entbehrlich ist und die in einer den wahren Wert über» steigenden Weise angepriesen werden, muß im Interess« der Volks- gesundheit Einhalt geboten werden. Desgleichen wird es zweck- mätzig sein, im Volksinteresse mit der Preispolitik zumeist kartellartig gebundener Arzneimittelfabrikanten zu brechen, di« die- jenigen, welche die sogenannten Markenartikel unter dem vom Ver- band festgesetzten Preis in Verkehr bringen wollen, mit hoher Kon- oentionalstrafe bedrohen. Bei dieser Neugestaltung wird auch das Interesie der Kran» tenkassen und ihr Eintreten für gute, billige und rasche Arznei« Versorgung ihrer Versicherten Berücksichtigung finden müssen. Dabei wird zu prüfen sein, ob es zweckmäßig ist, besondere Kranken- kassenapotheken zu gestatten, oder ob und inwieweit das bisherige System der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Apotheken sich bewährt hat, oder ob im Interesse einer für das Reichsgebiet einheitlichen Regelung die Beziehun» gen zwischen Krankenkasien und Apotheterschaft, wofür vieles spricht, in dem neuen Reichsapotheken- und Reichsarzneimittelgesetz reichsgesetzlich zu regeln sind. Sollte es nicht zweckmäßig erscheinen, vor einer endgültigen Soziallsierung sämtlicher Heilberuse den Apothekenberuf ollein zu verstaatlichen, so wird man zum mindesten mit der gegenwärtigen überkapitalistischen, uneinheitlichen Form, m der das Apotheken- gewerbe betrieben wird, brechen müssen. Wenn«in besonders scharf- macherisches Presieerzeugnis der Apothekenbesitzer unterstellt, die Apothekenresorm sei eine Parteisache der Sozialdemo» krati«, so zeigt das lediglich, daß gerade die Sozialdemokratie für die Interesien der Gesomtbevöllerung eintritt. Gegen eine solche „Paxteipolitik" dürste w�ig einzuwenden�sieiih- Medirus. ..........., K,,.■]"f**••»• die natürlich auch etwas— wenn vielleicht kaum merkbar— vom anderen Geschlecht an sich haben, so gibt es im Gegensatz hierzu M i s ch f o r ni e n, die als intersexuell« Varianten bezeichnet werden, also als zwischengeschlechtliche Abweichungen oder Ab- stufungen der als Normaltyp bezeichneten Form, di« als solche nicht krankhaft sind. Bei Homosexuellen ist nun unter Beobachtung und Unter» suchung der Geschlechtsorgane, der sonstigen körperlichen Eigen- schaften, des Geschlechtstriebes und der sonstigen seelischen Eigen- schasten wisienschaftlich eine tief innerlich konstitutio« nelle Anlage festgestellt, die bereits bei der Geburt mitgegeben ist und damit eine geschlechtliche Cebundenlzeit verleiht, der sich der von ihr Befallene nicht entziehen kann. Di« Zuneigung eines Homosexuellen zu'dem gleichen Geschlecht ist also angeboren und nicht etwa ein« durch Verführung erworbene Neigung. Damit sehll bei Homosexuellen die wesentlichste Voraussetzung der Strafbarkeit, die Schuld. Denn bei einer angeborenen Anlage kann von einer Schuld oder einem auf Widerrechtlichkeit gerichteten Willen nicht die Rede sein. Um die Aushebung des§�75 des Reichsstrafgesetzbuches haben sich außer Dr. Magnus Hirschfeld, dem Letter des In. stttuts für Sexualwissenschaft in Berlin, namhafte Männer wie Virchow, Laband, von Krafft-Ebing, Wildenbruch und Gerhart Hauptmann bemüht. Ein Erfolg ist bisher leider nicht erzielt. Das Schreckgespenst, das von den Moralisten immer wieder ins Treffen geführt wird, di« entsittlichenden Folgen bei Aufhebung des§ 175, ist zu groß. Und dabei haben sich dies«„entsittlichenden Folgen" bisher in keinem Land«, in dem unser Z 175 nicht besteht, oder aufgehoben worden ist. gezeigt. Wie sollte das auch geschehen? Eine angeboren« Anlage wird nicht beseitigt, wenn strasdrohend«in Paragraph bei der Geburt Pate steht. Und sicherlich wird auch nickst ein einziger Homosexueller> mehr in Deutschland geboren werden, wenn§ 175 fällt. Angeboren« Anlogen werden durch Paragraphen weder beseitigt, noch hervor- gerufen. Tausende Menschen— und es sind nicht di« schiechtesten— müssen seelisch, strafrechtlich und gesellschaftlich daninter leiden, daß die sagenannte Moral sich hier in schroffstem Gegensatz zu den Ge- setzen der Natur stellt und die Auswirkungen einer natürlichen an- geborenen Anlage als widernatürlich bezeichnet, während gerade di« Naturwissenschaft auf Gnind ihrer Forsch-nngen diese moralische Aufsasiung als widernatürlich bezeichnen muß. Hoffen wir, daß di« Wissenschaft im Kampf« gegen diese Moral (lies Muckertum) bei dem in Arbeit befind'ichen neuen Reichestras- gesetzbuch auch in der Beurteilung der Homosexualität den Sieg davontragen wird. Die neue Schädeldecke. Wie die Ehikagoer„Sonntagspost" au» Toronto meldete, Ist c» dort einigen Aerzten gelungen, einem Patienten ein« neue Schädel- decke aus Bakelit einzusetzen.(Bakelit ist ein Kunstharz aus Phenol mtt Formaldehyd.) Der Patient hatte sich bei einem Unfall die Schädeldecke zertrümmert, und der an der Unfallstell« erscheinend« Arzt hielt ihn zunächst für tot. Die neue Schädeldccke wurde von den Aerzten mit Haut überzogen. Sie ist gut eingewachsen und der Tot- geglaubte kann heute seinem Berufe wieder ohne Beschwerden nach- gehen...- äül � Fortsetzung.) Meine Verfolger hoben mich aber auf der anderen Seite d«s Wassers eingeholt, sie haben keine Hindernisse zu überwältigen gehobt, sind durch'? Haus gerannt und brüllen:„Hunde los! Hunde los!" Ich bin gefangen. Dem Auge des Gesetzes war wohl bei der Verfolgung die Puste ausgegangen. Er war nicht unter der Menge. Aber Leute aus dem angrenzenden Dorfe haben mir die Dorfstrotz« versperrt und nahmen mich in Empfang. Drei Zylinderhüte, die gar nicht wußten, um was es sich handelt, und auf das Geschrei des Wachtmeisters mir nochgelaufen waren, umringten mich pustend und schnaufend. Ihr schwarzer Traueranzug war beschmutzt, die zerknüllten Vor- hemdchen zerbeult, die Zylinderhüte vom starken Laufen vollständig durchgeschwitzt, die Stiefel starrten vor Schmutz. Es war zum Tot- lachen. Als die Herren Zylinderhüte von den Bauern und Bäuerinnen gefragt wurden, was eigentlich los sei, wußten sie keine Antwort zu geben, sondern standen da wie die Bählämmer vorm Gartenzaun. Da trat«in alter Bauer auf mich zu und legte mir die Hand auf die Schulter. „Na, mien Iüngelchen, wat hast du denn makt?" „Ich bin Handwerksbursche. Hier sind meine Papiere." Ich wies mich ihm als Buchbinder aus, erzählte den Hergang vor versammeltem Volke und alles lauschte andächtig.» „Ja, dat stimmt," sagte der stattlichste der drei Zylinderhüte, „aber der olle Schmidtke, was der Wachtmeester is, haltet ihn, haltet ihn, er soll eingespannt werden, hat he in eins geschrien, und da wullten wir'n greifen." Die Bauern lachten, und machten ihre Witz« über die Zylinder. „Dien Zylinder hast dich ja ornllich verbleut, Josef, lot ihn di man von Schmidtke betalen." „Tischler Hannes, wie siehst du denn ut, du büst ok mitlopen? Du sollst doch ok wohl bie de Fahn bliewen." „Nee Heiner, du rückst ut, wat soll der Tote blas von di denken?" Die drei Trauergäste rieben schimpfend mit dem Rockärmel ihre zerbeulten Zylinder glatt und Freundschaftsworte waren es nicht, mit denen sie das hochwohllöbliche Auge des Gesetzes bedachten. Ich erkundigte mich nach dem nächsten Dorf und türmte, von den Glückwünschen aller begleitet, meine Straße weiter. Wie der Teufel die Nacht im Kuhstall verbrachte. Nächtliche Schatten senkten stch nieder, als wir Dresden und den„Weißen Hirsch" hinter uns hatten und siirgend durch ein Dörfchen zogen, dessen Bewohner sich bereits im Schlaf wiegten. Nur junges Volk streifte noch hie und da in liebevoller Umfchlingung die Dorfstraße entlang, stand glücktrunken an einen Zaun oder Baum gelehnt oder wartete im Straßengraben auf die Pfeile des heimtückischen Amor. Wir waren ermüdet vom langen Wandern und da es eine fehr warme Nacht war, so legten wir uns hinter dem Dorf, ein Stück abseits der Landstraße, auf eine grüne Wiese, wo das Gras recht hoch stand, zum Schlafen nieder. Aber die ersehnte Ruhe konnten wir nicht finden, denn die Mücken piesackten uns fürchter- lich. Wir, drei Walzbrüder hoch, steckten daher die Pfeifen in Brand und qualmten, daß sich der Nachthimmel verfinsterte. Aber wir mochten qualmen, daß die Fabrikschlote des Ruhrreviers Waisenknaben dagegen waren, wir mochten um uns schlagen wie die Dreschflegel, das Gesumme um uns her wurde immer größer. Als wir vollständig zerstochen waren, schlug ich vor, ein« etwas höher gelegene Stelle aufzusuchen, di« mehr vom Wind bestrichen wurde. Die Nacht war nun schon lange hereingebrochen. Nur undeut- lich sahen wir in der Ferne etwas dunkel entgegen schimmern. „Wir wollen mal darauf zugehen, vielleicht ist es Wald." Richtig,«in kleines Tannenwäldchen nahm uns auf. Wir machten es uns auf dem warmen, mit Nadeln bestreuten Boden gemütlich und reckten und streckten unsere müden, von den ver- dämmten Mücken zerstochenen Glieder gemächlich. Hier ging auch der Wind etwas und von Mücken war nichts zu spüren. Der warm« Wind umfächelte unser« verstaubten Gesichter... „Kinder, hier liegen wir wie in Abrahams Schoß!" rief be- geistert einer der Tippelbrüder. Ich dämmerte ein, ich schlief. Die Schnarchsäge wollte mir gerade ihr schönstes Lied aufspielen, als mich das wilde«schimpfen meiner beiden Kameraden in die mückenzerstochene Wirklichkeit zurück rief. Und im selben Augenblick merkte auch ich, daß die Sache hier nicht geheuer war. Das lief und krabbelte an den Beinen entlang, biß und brannte im Gesicht, auf dem Kopf, den Händen und Armen... wie wild sprang ich auf. Los, verdammt, nur weg, nur fort! Die sieben Sachen unter dem Arm, ergriffen wir die Flucht. Es ist halt nicht gut, wenn man sich Ameisenhaufen zu Nachtpolstern wählt... Wie wahnsinnig liefen wir auf die Landstraße und rissen uns Rock, Weste und Hos« vom Leibe. Ganze Ameisendioisionen mimten darin Kaisermanöver oder glichen sie den Persern vor dem Engpaß der Termopylen? Wir jedenfalls ver- zichteten auf die Ehre der griechischen Helden. Ein Glück, daß der nächtliche Himmel gnädig bedeckte, was da ohne Bedeckung auf der Landstraße und im Chausseegraben Indianertänze vollführte! Still« Nacht, heilig« Nacht... Endlich waren wir so weit, daß wir hassen konnten, unsere Plagegeister los zu sein. Wir zogen uns wieder an und beschlossen, die Nacht durchzuwandern, dafür einige Tagstunden zu pennen. Der Mond stand silbern am dunklen Nachthimmel und hielt sich den Bauch vor Lachen. Er war der einzige Zeuge unseres nächtlichen Derwischtanz«- und freute sich. Nach einer halben Stund« kamen wir, mondbeleuchtet, durch ein Dorf. Der Nachtwächter tutete die zwölfte Stunde. Wenn wir dem in die Arme liefen, mußte er denken, wir wären Spitzbuben. Die massiven Stallungen der Bauerngehöfte standen hier der Dorfstraße zugekehrt. Als ich ein offenes Stallfenster bemerkte, machte ich„Pst. pst" und wies auf die Luke, die gerade so groß war. daß sich eine schlanke Person hindurch zwängen konnte„Wie wär's, wenn wir hier hinein kletterten? Da könnten wir doch die paar Stunden bis zum Morgen schlafen!" . Gesagt, getan. Einer mußte hinein, um zu sehen, ob die Luft rein war. Hierzu wurde der Kleinste ouserjehen. Da ich der Längste war, stellte er sich auf meine Schultern und verschwand mit einem Lslto mortale. Nach einigen Sekunden erschien er wieder und winkte. Nun wußten wir. daß die Lust rein war. und folgten ihm. Ein angenehm warmer Kuhstalldust drang uns entgegen. Außer der Türe, die auf den Hof führte, befand sich noch eine Türe zu einem Nebenraum. Da hieß es leise sein, falls jemand darin schlief. Richtig, die Atemzüge eines schlafenden Menschen drangen deutlich heraus. Schadet nichts! Ein hoher Hausen ganz frisch gemähten Grases, der bis oben an die Decke reichte, schien extra für uns geschichtet. Das gab ein brillantes Lager. Drei Mann hoch kletterten wir hinauf und sielten uns. hundsmüde, wie wir waren, in den langsam niederfackenden Haufen, so daß uns der Schlaf in ein meerumfchaukeltes Traumland führte Früh morgens, ehe die Hähne krähten, weckte der«ine den anderen, und nicht ohne Grinsen sahen wir, daß der tags zuvor so stattliche Grashaufen zu einem um- und umgewühlten kläglichen Klex zusammengeschrumpft war. Schnell ade und davon! Da es noch früh war und hinterm Dorf schön frisch duftende Heuhaufen standen, legten wir uns hinein und ruhten noch ein paar Stunden, um uns dann in dem Bauerndorf, das uns so gastlich genächtigt hatte, auch noch etwas zum Frühstück zu holen. Wären schlecht« Handwerksburschen gewesen, wenn wir das Dorf ungestraft hätten liegen lassen! So gegen 7 Uhr früh erhoben wir uns, säuberten unsere Garderobe und türmten zurück ins Dorf. Der eine nahm die eine, wir beiden anderen di« andere Seite, und so kamen wir auch zu dem Bauern, in dessen Kuhftall wir übernachtet hatten. Es war ein Sonntagmorgen. Als wir auf den Hof kamen, fanden wir sämtliche Stalltüren offen. Der Hof war sauber gefegt und auf der«inen Seite waren große Plane ausgebreitet. Eine Magd warf hastig das Gras, auf dem wir geschlafen halten, mit langer Forke aus dem Stall auf die Plane.„Weshalb die bloß das Futter auf den Hof wirft?" wunderte stch mein Reisegefährte. „Weshalb läßt Ihr das Futter nicht auf der Wiese trocknen, an- statt in Hof und Stall?" hieb ich die Magd an. Verstört sah sie mich an:„Da hett de Düwel drup schlopen, dat möt de Pfarrer erst segnen," flüsterte sie. „Nicht möglich:" staunte ich und muhte dos Lachen verbeißen. „Fragen Se man den Buere, der weet dat ganz genau." Der Bauer und die Bäuerin waren nette Leute, mit denen sich reden ließ. Wir bekamen Kaffee und Kuchen und als der Bauer herauskam und wir uns für das gute Frühstück bei ihm bedankten, erkundigte ich mich näher „Hei will dat nich glöben, wat ick am secht häw," mischte sich die Magd ein. Der Bauer bestätigte mit tiefernster Mien« die Erzählung der Magd. „De Kuh Hebben dat Futter hüt morgen nich freten Wullen, weil de Düwel drup schlopen hett. Von sien Pferdebeen lag ock dat Eisen dadrup. dat hat hei verloren." Richtig, ein Wandergefährte hatte tags zuvor ein Hufeisen gc- funden und als Glücksbringer an feinen Gürtel gebunden! Das mochte er während des Schlafes verloren haben. Da war denn nicht mehr daran zu zweifeln,„dat de Dübel die Nacht da drup- läge häl". Wir wünschten dem Bauem also alles Gute und Gottes Segen über das Teufelsgras und gaben Schusters Rappen di« Sporen. Das Haus an der Landstraße. An der Landstraße lag ein allein stehendes Wirtshaus, das in der Regel nur von Frachtfuhrleuten, fahrendem Volk und Wander- burschen besucht wurde. Waren doch nach Osten, Westen, Süden und Norden die nächsten Ortschaften eineinhalb bis zwei Stunden entfernt. Jeder Fuhrmann hielt hier an. ganz gleich aus welcher Himmelsrichtung er kam, fütterte seine Pferde und nahm selbst sein Mahl ein. Führte mich die Reise in diese Gegend, so bereitete es mir ein ganz besonderes Vergnügen, hier einzukehren und zu über- nachten. Eine uralte Lind«, deren Geäst seinen Schatten weit über die Landstraß« warf, verbarg beinahe das kleine Wirtshaus, an dem mit großer Schrift ein Schild„Zur grünen Linde" prangte. Die alte Linde hatte es mir angetan, schon oft hatte ich in ihrem Schatten gesessen, dem Gesumse der Bienen und Hummeln gelauscht und mich einschläfern lassen. Jeden, der hier vorbei kam, zog die alte Linde an, denn die Bäum«, die von beiden Seiten die Landstraße einsäumten, waren noch jung und warfen keinen Schatten. Daher empfand man nach der langen Wanderung in der glühenden Sonnenhitze den Schattenbereich des Baumes als«in« besondere Wohltat. Einen frischen Trunk kredenzte dazu der freundliche Wirt, oder auch sein immer schmuckes, liebliches, blondes Töchterlein, ihres hellblonden Haares wegen von alt und jung das blonde Gretchen genannt. Oft hatte ich in meinen Wanderjahren hier schon Einkehr ge- halten und nicht lange genug bleiben können. Da saßen wir munteren Handwerksgesellen dann unter der alten Linde, hatten die Ränzel ins Gras gelegt, ließen die Gläser klingen, fangen lustige Lieder, und das blonde Gretchen ging ab und zu und schenkt« die leeren Gläser wieder voll. Und erst der Abend! Wenn der schwüle Tag sich dem Ende neigte, dann wurde es lebendig in der alten Linde, dann sangen die Meisen, Drosseln. Finken und das ganze Heer der gefiederten Sänger, die hier ihre Nester aufgeschlagen hatten, um die Wette ihr Abendlied. Gern und lang« lauschte ich diesem Vogelfang, dem Zirpen d«r Grillen und dem Quaken der Frösche, das von der Wiese herüb«rdrang. Dann kam das blond« Gretchen und fragte wohl:„Na, Buch- binder, Sie machen wohl wieder Kalender? Für dieses Jahr ist er schon lange fertig und für das nächste brauchen Sie sich heut' noch nicht den Kopf zu zerbrechen. Singen Sie lieber eins." „Bringen Sie mir mal erst einen frischen Trunk, vielleicht fällt mir derweil« was ein." Wenn ich dann leise anfing„Wenn ich den Wandrer frage, wo kommst du her?", setzte sich Gretchen neben mich und fiel mit ihrer hübschen Stimme ein. Nicht lange, und aus der Gaststube ver- schwand ein Gast nach dem anderen und gesellte sich zu uns und ein allgemeines Singen Hub an. Zwischen uns beiden bestand ein« heimliche Zuneigung. Sie trieb zst gern mit mir ihr Spößchen und ich ließ es mir gar zu gern gefallen. Don ihr bevorzugt zu werden, mochte mich stolz und glücklich. Ich hätte immer hier weilen mögen, aber was nicht ging, das ging nicht, ich war eben zum wandern geboren. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Ein Generaldirektor für Stadtvergrößerung. Für jemanden, der nach längerer Abwesenheit in Paris wieder eintrifft, ist es erstaunlich zu bemerken, wie schnell sich das Stadt- bild ändert. Ueberall, besonders in der City, werden alt« Häuser abgerisien, um neuen Riesenbauten Platz zu machen. Aber auch die Umgebung von Paris befindet sich in einem Zustande vollständiger Umwandlung, und Kunstfreunde haben deshalb die Anregung ge- geben, daß die Veränderungen nicht planlos vorgenommen werden dürften, sondern daß man eine Zentralstelle zu schaffen hätte, der die Unternehmer der Neuerungen unterstchen müßten. Ein besonderes Derkehrsproblem wird darin gelehen, daß die Bewohner der äußeren Stadtteile durch die alten Festungsanlagen kaum noch in der Lage sind, ihre Beschäftigungsstätten in der nötigen Schnelligkeit zu erreichen. Der neue Vergrößerungskommisiar hat also ein« schwierig« Aufgab« zu lösen. Er muß stch auch der Verantwortung bewußt sein, die er den folgenden Generationen gegenüber trägt, die ein Anr«cht auf die Erhaltung des künstlerischen Stadtbildes von Paris haben. Wir Wilde sind doch... Auf dem Kongreß der Historiker in Auckland machte ein Teil- nehmer aufschlußreiche Mitteilungen über den Mut und dl« Ritter- lichkeit, die die Maori, die eingeborene polynesffche Bevölkerung Neu- seelands, im Kampf an den Tag legen. Sie vermeiden es unbe- dingt, die Blößen des Feindes zu Ihrem Vorteil auszumitzen, weil ihnen eine solche Kampfesweise unwürdig dünkt. Das zeigt«in Vorfall, der sich im Krieg der Engländer mit den Maori vor der Schlacht von Rangiriri abspielte. Die englischen Truppen hatten am Ufer des Waikatoflusses ein Lager bezogen, während die Ein- geborenen in geringer Entfernung in Stellung gegangen waren. DI« britischen Soldaten waren abgekämpft, müde und litten zudem Hunger, weil die Proviantkolonnen nicht herankommen konnten. Beim Morgengrauen sah man einen eingeborenen Krieger, der einen schweren Gegenstand heranschleppte, langsam dem Ufer sich nähern. Den herbeieilenden englischen Ossizieren zeigte der Eingeborene einen Sack mit Kartoffeln den er mit den Worten zu ihren Füßen nieder- legte:„Eßt! Mit leeren Magen könnt Ihr nicht kämpfen!" Sprochs und verschwand. Radio berichtet aus der Wüste. Die von Professor Fersmann geleitet» Expedition, welch« di« russische Akademie der Wisienschaften zur Erforschung d«r Wüste K a r a K u m noch Zentralasien entsandt hat, hat durch das Radio einen Bericht nach Leningrad erstattet. Die Expedition hat einen bedeutenden Teil der Wüst« schon durchquert und befindet stch auf dem Weg« nach Chiwa. Es wird dabei der Weg durch«inen Teil der Wüst« genommen, den noch nie ein rusiischer oder überhaupt «in europäischer Reisender betreten hat. Die Expedition benutzt Automobile. Eine Nationalhymne für China. Aus dem Wettbewerb zur Schaffung einer neuen Nationalhymne ist der Student Ehen Wei-Chun als Sieger hervorgegangen. Sein« Arbeit wird die chinesisch« Nationalhymne. Di« Regierung beschloß, «ine Million Exemplare davon drucken zu lassen und sie gratis zu verteilen. Drakonische Strafen für Alkoholtrinker. Das Parlament von Michigan hat zur Durchführung der Pr«. hibition besonder« Strafen beschlosien, di« noch weit über die in der Bundesgesetzgebung vorgesehenen Strafmaß« hinausgehen. Das Ge- setz sieht eine Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis und Dollar Geldstrafe für Alkoholschmuggler und ein« Höchststrafe von vier Iahren Gefängnis und dieselbe Geldstrafe bei der ersten Ueber- tretung vor. Der Seitenbaum. Zu den seltsamsten Bäumen der Erde gehört wohl der Seifen- bäum, der in Südamerika und Westindien vorkommt. Er wird bis zu zehn Metern hoch, hat eine weitausladende Krone mit weiß- rindigen Aesten und trägt Früchte, di« die Größe einer Stachel- beere haben und glänzen, als ob sie mit Firnis überzogen wären. Zerreibt man nun das dunkle Fruchtfleisch im Wasser, so entsteht eine schäumend« Flüssigkeit, die man sehr gut zum Wäschewaschen oerwenden kann. Die Eingeborenen wissen das längst und schätzen ihre aus den Bäumen wachsende Seife sehr, zumal sie keine alka- tischen Stoffe, die die Wäsche schädigen, enthält. es noch gibt. Die altgermanische Markgenossenschaft in München— bitte, das ist kein verspäteter Aprilscherz!— ließ unlängst in den„Mün- cherver Neuesten Nachrichten" folgenden Nachruf abdrucken: .Altgermanische Markyenosienschaft. Männergesangverin in „Germania" e. V. Wodan, der rabenumrauschte Rabenvater, hat uns schwarze Rune geworfen. Unser- Cheruskerfuristo, Herr Ludwig Bichler(Rotwin), ist nach Wallhall zu seinen Urvätern eingegangen. Grabgeleit: Donnerstag, den 13., 2 Uhr, Schwabinger Friedhof. Der Etwassagenstuol, i. V.: Dilmar." Goldgruben als For�cbungsstStten. Da Historische und Geographische Institut von Eao Paulo (Brasilien) wird in diesem Jahre die alten am Belg Iaragua westlich von Soo Paulo gelegenen Goldgruben nach alten Landkarten auf- suchen und öffnen lasten. Der Iaragua war der erst« Ort in Brasilien, an dem Gold gefunden wurde. Di« Ausbeute soll zeitweis« sogar recht bedeutend gewesen sein. Die jetzig« Wieder. eröffnung der Gruben dient selbstverständlich nur zu historischen und geographischen Studien. Man hofft, bei der Durchforschung der Gruben wichtige» Matertal zur brasllianffchen Geschichte zu find«. Zu Tristan Bernard sagt« kürzlich bei einem Diner ein Bekannter, er habe morgen» dte Schauspielerin Clair« B. gesprochen, deren Heirat mll einem be- kannten Poriser Bankier großes Aufsehen erregte.„Wisten Sie, Meister, sie hat mir anvertraut, si« sei bei der Trauung einfach im siebenten Himmel gewesen."—„Kunststück, sie ist schon sechsmal verheiratet gewesen," hörte der legendäre Bart Tristan Bernards. Ostdeutsche Meisterschaft im AABD. für Gewichtheben. Die Hebermannschaft der Sportlichen Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04, E. V., war am Sonnabend dem Rufe des Bundes zpr Austragung der Ostdeutschen Meisterschaft im Gewichtheben in Stralsund vollzählig gefolgt. Abends in Stralsund angekommen, wurde die Mannschaft der sich vier Kollegen der Iiu-Iitsu-Abteilung zur Vorführung des Iiu-Iitsu-Sports angeschlossen hatten, von dem stark vertretenen Sportkartell unter Vocantritt einer Musikkapelle des vrbeiterwrn- oereins zum Festlokal, dem Gewerkschaftshause, geleitet. Zu dem Kampf, der dann am Sonntag stattfand, hatte der Sportverein Nordstern 07 Stralsund die Gegenmannschaft zu stellen. vor einem starkinteressierten Publikum, das sich trotz des Herr- lichen Wetters die sportlich« Delikateste nicht entgehen lasten wollte, begann der Heberkampf. Die Nordsternmannschaft, die an Körper- gewicht etwas im Nachteil war, hatte außerordentlich Mühe, ehren- voll abzuschneiden. Sehr gute Leistungen zeigten Pieh! und Drü- ning-Nordstern. Als Endresultat zeitigte der Kampf für Nord- stern 1481 Pfund— 148,1 und für Lichtenberg-Friedrichsfeld« 2089 Pfund— 208,9 Punkt«. Hervorzuheben ist, daß Kehr-Lichten- berg-Friedrichsfeld« seinen im Schwcrgewicht aufgestellten Bundes- rekord von 210 Pfund im zweiarmig Reißen auch als Halbschwer- gewichtler, wo der Rekord auf 190 Pfund steht, halten konnte. Di« noch jungen Mitglieder Walluschek und Jordan zeigten sehr gute Leistungen, erweitert« doch Walluschek im linksarmig Stoßen eben- falls den Bundesrekord von 170 auf 185 Pfund. Die übrigen Mannschaftsmitglieder Schulz, Poekern. Spliestöher und Ehrhard ließen an ihren altgewohnten Leistungen ebenfalls nichts nach. Auch für die anschließenden Iiu-Iitsu-Vorsührungen war außerordent- liches Intereste vorhanden. Ein dankbares Sportpublikum würdigte am Schlüsse alles an diesem Tage Gebotene. Der gute Empfang sowie die übergroßzügig« Gastfreundschost der Nordsternleute zeigte, daß es an dem harmonischen und festen Zusammenarbeiten der Der- eine im Arbeiter-Athleten-Vunde nichts zu rütteln gibt. Tagung der Spiellcutc. Zentrale Organisation In Berlin. Di« M u f i k e r der Sportverein« im ersten Kreise des Arbeiter- Turn- und Sportbundes hielten dieser Tage in Potsdam chre Kreistagung ab. Obwohl besonders aus den Provinzorten viele Mitglieder durch Landarbeit verhindert waren, hatten sich doch über 100 Musiker am Bahnhof Potsdam einqefunden, von wo mit klingendem Spiel zum Togungslokal nach Nowawes marschiert wurde. Dort gab der Kreisobmann der Musiker Oehlschläger- Berlin den Bericht. Er ging noch einmal kurz aus den Leipziger Bundestag ein, legt« die Beschlüsse, die sich gegen die Minierorbeit der Kommunisten richteten, dar und erklärte stftießstch daß im ganzen ersten Kreise IS 000 Mitglieder ausgeschieden sind Wenn dadurch auch die Arbeitersportbewegung einige Zeit ms Gtcxken kam. so Ist doch jetzt überall ein erfreulicher Ausstieg zu verzeichnen. Besonders der Mustkbewegung hat die Spaltung nichts geschadet. Außer dem großen Spielmannszug, in dem alle Berliner Spielleut« und Bläser vereinigt sind, bestehen im ersten Kreis« S9 Spielmonn- züg« gegen 73 im Vorjahr«. Mit Befriedigung konnte Oehlschläger feststellen, daß e» gelungen ist, den E x t r a b e i« r a g für die Spieler und Bläser abzuschaffen. Wie im Bund« der Vorstand jetzt die Finanzierung des Bundesmusikausschustes übernommen hat, so ist auch in den Kreisen die geschäftliche Seite geregelt. Der Kreis- techniker der Spielleut«. G e b h a rd t- Spandau machte dann noch technisch« Ausführungen, bei denen er au» seinen Erfahrungen in den Uebungsstunden schöpfen konnte. Der Bericht de» Technikers der Blasmusit wird in der Kreiszeitung gegeben«enden, da der verantwortlich« erkrankt war. Bei den Wahlen, die einstimmig erfolgten, wurden zu Obleuten für die Spielleut« Oehlschläger und Gebhardt und für die Bläser Baruth-Brandenburg und A. Paul- Berlin gewählt. Organisationssragen für das Bundesiest in Nürn- berg und ein« arbeitsreiche Uobungsftunöe schloffen sich der Tagung an. Alle Musikmeldungen der Dereine sind an Robert Oehlschläger, Berlin. Hochstädter Str. 10, zu richten. * Wer spielt mit? Der„Spielmannszug©roß-Serlin* ist die zentrale Zusammenfassung aller Trommler und Pfeifer der zum Arbeiter-Turn- und Sportbund gehörenden Berliner verein«. Nicht mehr die einzelnen Berliner Derein« haben ihren.Vereins- Spielmannszug', sondern die Spielleut« aller verein« bilden dl« t»«n angeführte Spielleuteorgamsation Broß-Berlin«. Dl« Uebungsstätt« destrtdet sich von nun an in der„Sportklause', am Bahnhos Iannowitzb rücke, Dircksenstraße 1. Uebungsstunden finden mit einigen Ausnahmen stets Donnerstags von 20 bis 22 Uhr statt. Instrument« stehen zur Verfügung und werden mit Aus- nähme der Flöte fr�ei geliesert. Beitrag wird nicht erhoben. Auf- genommen weiden all« Genossen über 16 Jahre die die Beschlüste der zentralorganisterten Arbeiter-Sportbewegung anerkennen. Aus- nahmegeld wird nicht erhoben, jedoch ist Bedingung, daß sie ssch innerhalb eines Monats einem Arbeiter-Sportverein anschließen. Spielleute der SAI. dürfen unter Nachweis chrer Mitgliedschaft ohne jede Bedingung mstüben. Aeltere Parteigenossen, die schon mal Spielmann waren, sind jederzeit gern gesehen. Sie werden im Kreis« frecher Menschen wieder jung werden. Der Spielmonnszug Groß-Derlin wird sich bei Veranstaltungen der Sozialdemokratisck.en Partes stets gern und ohne Entschädigung zur Verfügung stellen. Wer also schon Trommler oder Pfeifer tst. oder unter guter sacbmännischer Leitung welden will, der finde sich em in den Uebungsswnden des„Spielmannszuges Groß-Berlin' Uebungs- stunden im Mai sind: Freitag. 10. Mai: Mittwoch, 15 Mai: Donners- tag, 23. Mai; Donnerstag, 30. Mai. Beginn stet» 20 Uhr. vi« McwfersdiaftcB der freien Kegler. Der Gau Berlin des Freien Seglerbundes Deutsch- land« begann am Sonntag in der Keglersporthalle Oberspree mit der Austragung der Zwischenrunde für die L e z i r k, e i n z« l- «»Isterschafte n. Der Kampf ging über 100 Kugeln auf Bohle «it Zwangsaufsatz. Bei der starken Gleichwertigkeit der zum Start zugelasienen Kegler war es natürlich, daß die Kämpfe äußerst er- b stiert, jedoch in fairer sportlicher Art. geführt wurden. Ein seder wollte sich den„Platz an der Sonn«', d. h. die Berechtigung zum Endkamps sichern Wir geben nachstehend die bisher erzielten Spitzenresultate: Bezirk Westen: Richard Peter(Gaswerke) 748, Frömmel(Einer steht) 731, Wendel(Hintendurch) 727, Zierenberg (Frohsinn-Moabit) 725, Sund(Gaswerke) 724, C. Hoffinann (vordereck 06) 723, Karl Peter(Gaswerke) 722, Krupke(Gemüll. Stamm) 722, Hoffmann(Lustige Brüder Tegel) 721, Sobirey(Einer steht) 720 Holz: Dezirk Zentrum: Rüben(Harmonia) 740, Schnötke (Gut Sport) 737, Blankenburg(Nach mir kannst du) 734, Äerner (Böse Buden) 732, Hillebrand(Böse Buben) 725, A. Schulz(Turkel) 724, Höhne(Linke Ecke) 724, Brase(Frelweg 25) 723, Hennig (Turkel) 722, Postel(Durchschnitt) 719 Holz: Dezirk Norden: Gehring(Einzelkegler) 731, Berg(Bück dich) 731, Gladiszewsky(Bück dich) 729, Voigt(Hohe Kant«) 726, Eriewitz(Schemel— Schieb du se) 722,». Behrens(Bück dich) 721, Götzel(Bordereck 20) 720, G. Behrens(Bück dich) 719, Kolasinski(Bück dich) 719, Maicr(Hohe Kante) 715. vandt(Süd-West) 715, Kutil(SKC.) 715 Holz. Die Kämpfe werden Sonntag, 12. Mai, in der gleichen Sport- halle fortgesetzt._ Hofbericht! New York hat das Boxfieber. Einer Berliner Sportkorrespondenz wird aus Amerika berichtet: Amerikas Boxheros William Harrifon D e m p s e y, genannt Jack Dempsey oder im Doltsmunde„Tiger-Lack", hat der Bersuchung doch nicht widerstehen können und sich endgüstig entschlossen, in die Kämpfe um die Doxweltmeisterschaft aller Kategorien ein- zutreten. Die amerikanischen Zeitungen kündigen diese Tatsache in sensationeller Aufmachung an. NewPork ist vom Boxfieber ergriffen. Das Boxgymnastum von Mr. Sttllman in der 8. Avenue war am ersten Trainingstage Dempseys von einer ge- waltigen Menschenmenge umlagert, jeder wollte den große» Jack im Ring sehen. Da spielte das Eintrittsgeld von einem Dollar auch keine Rolle, und doch konnte nur ein kleiner Teil der Enthusiasten dem Schauspiel beiwohnen, wie der 34jShrige Exweltmeister in rasendem Tempo fünf Runden ununterbrochen am Sandsack, am Punchingball, im Schallenboxen, im Sparring und mit dem Expander arbeitete. Nachher erklärt«„Tiger-Iack' den zahlreichen Reportern und Neu- gierigen:„Ich will euch zeigen, daß ich kein alter, dicker Mann bin. Ich halte mich ständig in Form, habe allerdings schon einmal 103 Kilogramm gehabt, bin aber jetzt wieder aus 94 Kilogramm an- gelangt und wiege nur etwa 6 Kilogramm mehr, als mein bestes Kampfgewicht war. Aber auch diese paar Kilogramm schaffe ich noch Wenn ich im September kämpfen iverde, so wird es mir mit einem Gegner sein, mit welchem ich ein« große Börse und einen großen Publikmnserfolg ernten kann, ich denke dabei an Schmeling, Paolino oder Shartey.' Schon heute wird in New Pork eine Begegnung Schmeling- Dempsey lebhost diskutiert,.chie beiden Dempseys im Ring" ist das Schlagwort. Man ist überzeugt davon, daß kein Kampf, welcher es auch immer sei, größer« Massensuggestion ausüben könnte, als der zwischen Dempsey und Schmeling, den beiden.�knockouters', wie man sie bezeichnet. Dempsey im Training für einen Kampf mit Schmeling, den sensationellsten Schwergewichiler seit Jacks meteor- gleichem Ausstieg vor zehn Iahren: das ist das neueste Ereignis, das New Park gegenwärtig in seinen Dann gezogen hat. Arbeifersportler und Parfcifag! Der Parteitag der Deutschen Sozialdemokratie rückt näher. In Magdeburg werden bereits all� Borbereitungen getroffen, um der Vrravstaltung«inen würdigen Rahmen zu geben. Auch die Arbeitersportler des Magdsburger Dezirk» sind am Werk. Sie wollen durch ihre Mitwirkung für«ine engere Verbindung zwischen Partei und Arbeitersport demonstrieren. Im Mittelpunkt wird dos Festspiel„Flammende Zeit" stehen, das von den Arbeiter- fportlern in Gemeinschaft mit den Sängern und anderen Arbeiter- organisationen durchgeführt wird. Die Sportler haben den Kern der Aufführung, die Dewegungschöre, übernommen. Das Festspiel soll symbolisch darstellen, wie die Arbetter— heute noch fronend— sich selbst befreien und die gewonnene Zeit verwerten. Gesang, Musik- und Sprechchvre, Bewegung-chör« der Sportler, die Hammerfchwinger, die Athleten und Wasserfahrer bilden das Ensemble. Tänze. Pyramiden. Paddelfohrten und Freiübungen sind außerdem im Rahmen de» Festspiel« vorgesehen. Di« Ausarbeitung und Leitimg liegt in den Händen von M. Gleißner-Derlin, des bekonnten Laban-Schülers. Vorsidht bei Startabschlüssen. Seitdem sich im Kreis Brandenburg-Berlin die Trennung der kommunistischen Sportler vom Arbeiter-Turn- und Sportbunb vollzogen hat, ist die Lage der Leichtathletik im Kreise folgende: in der Provinz hat sich nur wenig geändert. Die namhaften Vereine, wie Luckenwalde, Rathenow, Brandenburg und Fürstenwalde sind Bundesmitglieder geblieben. In Berlin ge- hören dem Bund an Athlettk-Sportklub, Frei« Turnerschaft Groß- Berlin und Sportverein Moabit(mit Ausnahme der Lang- und Mittelstreckenläufer, die in Kürze bei den Kommunisten anzutreffen sein werden), serner Eiche-Köpenick, Zehlendorf, Schöneberg und einige kleinere Vereine. Im kommunistischen Sportlager befinden sich sämtliche Fichte-Abteilungen, Freie Sportunion(früher Berolina), Sparta, Freie Sportvereinigung Schöneberg, ASV. Lichtenberg, Neukölln, Spandau. Die kommunistischenSportvereine bemühen sich, Bundesmitglieder zu ihren Veranstaltungen zu verpflichten. Sie wollen dadurch erreichen, daß dies« außer- halb des Bunde» zu stehen kommen und somit ihr« Reihen stärken. Zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten wird den Bundesvereinen. die ckdn Bereinen aus dem Gebiete des 1. Kreises Startongebote er- hallen, geraten, sich unverzüglich bei dem Kreissportwart E. Lippert, Berlin-Rummelsburg, Mozartftraße 7, über die Bundeszugehörigkelt ZU vergewissern. itoreluh— spielen in Berlin. Der für den 2. Mai angesetzte Tennis-Großkampf »wischen den beiden Weltmeistern Karel Kozeluh und Roman N a j» ch auf den Rot-Weiß-Plätzen im Grunewald wird im Rahmen eines Wettspiels Deutschland— Tschechoslowakei stattfinden. Als wettere Teilnehmer sind der Bruder Kozeluhs, Josef, und Hermann Richter»erpflichtet worden, die ihre Lehrtätigkeit im Berliner Schlittschuklub bzw. Lawn-Tenms-Iurnierklub ausüben. Durch diese Verpflichtung werden sich die Kämpfe über zwei Tage, und zwar am 1. und 2. Juni, erstrecken. Da nach dem Davis-Cup-System gespielt wird, ergeben sich neben den dadurch bedingten weiteren hochinter- «ssanten Einzelspielen auch das Doppel der Gebr. Kozeluh gegen Nafuch- Richter, dem mehrfachen Doppelmeisterpaar von Deutschland. Großmacht„Solidarität". Die Arbeiterradtahrcr 1928. Das soeben erschienene Jahrbuch des Arbeiter-Rad° und Kraftfahrerbundes„Solidarität" enthält auf 300 Seiten eine Fülle von statistischem Material über das Geschäftsjahr 1928. Die Mitgliederzahl stiegt von 220 000 am Ende 1927 aus 250 000 am Ende 192 8. Die Einnahmne des Bundes be- trugen 1615 000 M. In den sechs Unterstützungszweigen leistete der Bund in 9171 Fällen 388 000 M. U n t e r.st ü tz u n g. An die Gaue wurden für Werbe- und Sportbetrieb 166 000 M. überwiesen. Ein Treffen seiner Jugend in Jena kostete dem Bunde 19 000 M. Der Sportbetrieb hat bedeutend« Fortschritte gemacht. Im Saalsport gibt es jetzt 32 000 ausgebildete Fahrerinnen und Fahrer, denen 15 000 Saalräder zur Verfügung stehen, unter denen sich 1400 Einräder befinden. 3000 Mannschaften mit 10 000 Spielern treiben Radball- und Radpolospiel. 4000 Fahrer beteiligen sich am Straßenwettfahren, 600 am B ä h n w e t t f a h r e n. In 18 000 Wettkämpfen aller Radsportarton wurden die Bezirks- und Gaumeifterschaften ausgetragen als Vorkämpfe für die im Jahre 1929 auszutragenden Gaubund- und Bundeswettkämpfe. Durch letztere werden 65 Bundesmeister als deutsche Radsportmeister ermittelt. Di« dem Bunde angegliederte Fahrradfabrik„Frischauf' mit Handelsgeschäft hatte 1928 einen Umsatz von nahezu 3 Millionen Mark. Unter den hergestellten Rädern befanden sich 1726 Saal- zweiräder und 375 Einräder. Di« Zahl der Motorradfahrer des Bundes ist im Laufe des Jahres 1928 von 4600 auf 7700 ge- stiegen. Die Zeitung des Bundes,„Der Arbeiter-Rad- und Kraft- fahrer", erforderte 1928 eine Ausgabe von 140 000 M., sie erscheint jetzt in einer Auflage von 270 000 Stück allmonatlich. kalthoottahrer im Berliner Westen! Die Faltbootfahrer verlegen ihr sportliches Revier in Gegenden, die von der„Zivilisation" heute noch fast unberührt sind. Es ist auch verhältnismäßig leicht, Faltboossahrer zu sein: teure Bootsstandmieten brauchen nicht bezahlt zu werden, denn das Bootshaus des Faltbootfahrers ist der Nucksack und die Stab- tasche. Auch die Ruder- und Kanuvereine können sich dem Vor- dringen des Faltbootsports nicht entgegensetzen. So hat die Komi- Abteilung der„Freien Schwimmer Charlottenburg' jetzt auch die Gründung einer Faltboot-Abteilung vorgenommen, um die im Berliner Westen wohnenden Faltbootsahrer zusammen- zufassen und sie dem Arbeiter-Turn- und Sportbund zuzuführen. Nach den neuen wasserpolizeilichen Dorschristen müssen sich die wilden Fahrer bestehenden Verbänden anschließen, um sich durch die Führung einer anerkannten Flagge gewisse Vorteile zu ver- schaffen. Der genannte Verein bietet den Faltbootsahrern Gelegen- hcit, sich zu organisieren. Unentgeltlich wird dos Schwimmen und Retten gelehrt, zur technischen Ausbildung im Paddeln stehen gute Lehrkräfte zur Verfügung, gemeinsame Fahrten bringen Gesellig- keit. Anfragen und Aufnahmegesuche erledigt Willi Tausend- freund, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 44. Das Freibad am Orankesee Seit Iahren beabsichtigt der Bezirk Weißensee, im Gebiet von Hohenschönhausen am Orankesee«in Freibad anzulegen. Das Projekt kam ober bisher nicht zur Aussührung, da, abgesehen von den finanziellen Schwierigkeiten, ein Gutachten des Haupt- gesundheitsamtes aus dem Jahre 1926 belogt, daß die Wasserver- Hältnisse für ein« Freibadanlage ungünstig seien. Wohl befindet sich am Orankesee eine Badeanstalt, die aber nicht viel mehr als eine primitive Umtleidehalle ist. Nunmehr ist der Pächter des Re- stauronts am Orankesee auf den Gedanken gekommen, ein modernes Freibad mit künstlichem Strand zu schassen. Das Bezirksamt glaubt«, unter günstigen Vertragsbedingungen mit dem Pächter«in Abkommen treffen zu sollen. Die außerordentlich schwierigen Der- hältniss« für die Umwandlung des Ufers, dos einen sehr schlechten Boden hat, in einen künstlichen Strand sowie der Bau der not- wendigen Hallen und eines Restaurants werden erhebliche Summen erfordern. Die Deputation für Leibesübungen hat sich mit dem Vorhaben beschäftigt und ihr« Zustimmung gegeben. Besondere Mittel wurden von der Deputation nicht angefordert. „5rele Arbeiler-Schachvereinigung Groß-Verlin". Die Abtei- hing..Memel", Memeler Str. 10 bei Lücke, ladt alle Interessenten und Schachfreunde heute zu einem sehr lehrreick�en Vortrag über da» Thema:„Wann soll man abtauschen?" freundlichst ein. Der Besuch sst vollkommen unverbindlich. Gelegenheit zum Spielen wird gern gegeben. Arbeiter-Radfahrer- verein Groß-Lersin. Himmelfahrt, 9. Mai, 7 Uhr: Herrentour. 13 Uhr: Müggesee, Strandschoh. Sonntag, 12. Mai, 5 Uhr: Werder, Baumblüte. 13 Uhr: Zehlendorf, Karl- stroße 12. Start: Mariannenplatz Ecke Waldemarstraße. Gaste willkommen. Arbeiter-Tennisspieler! Der Tennisbezirk Wedding der Freien Turnerschaft Groß-Berlin bietet seinen Mitgliedern nach Erössirung der Saison wieder Golegenheit, den Sport aus den Plätzen im Humboldl-Hain und Volkspark Rehderge in guter Weif« auszuüben. Interessenten, auch Anfänger, können in beiden Abteilungen noch in beschränkter Anzahl ausgenommen werden. Das Eitttriltsgeld beträgt 3 Mark. Auskünfte jeden Dienstag ad 17 Uhr auf beiden Sportplätzen oder bei Emil Meyer, Berlin N. 31, Graunstraße 3. Faltdxottehrr» Beeil», ssahrten am Himmelfahrtstaa». l. Alle Lölt- nitz. Führer: Trommer. Trelftiunkt Uhr in Erkner am DSmeritzser. T Ftirftenwalde-Erkner cAIt« Tpr»»>. Führer: Iungbluth. Abfahrt Uhr Dahnhof Etralau-Nummelsbura. Erkner umsteiaen. Eonntag, 12. Mai, Dereinstreffen(Pflichtfahrt) am Mbller.fee. Die Abfahrt ab Erkner ist beliebig, jedoch richten sich hie einzelnen Gruppen ein, das sie bis lpütestens 11 Uhr am Ziel sind. Gäste willkommen. STGB., Dezirk Lickienberg. Frauenobteilung über 2S Jahre übt jetzt jeden Mlttwach von 20- 22 Uhr in der oberen Hall» Holteistraße fSingang DSeklin- stratze).— Licheenberg. Epie'abend« leben Mittwoch od 18 Uhr auf dem Stirdt. Eportplatz Snnaststratz«. Erster Tag Mittwoch, 8. Mai.— Abteilnag Britz. ». Mai Tageswanderung. Treffpunkt Dahnhof Neukölln um 714 Uhr. Die Freien«ich» immer Grstz-Deeli» e. V. baden mit ihren oerfchiedenen Grupp-n Sonntaa. 12. Mai, 78 Uhr, im offenen Gewässer an und erwarte» oon allen Mitgliedern, jung und alt, dasi sie vollzählig erscheinen. Gäste zu allen Veranstaltungen w'llkaminen. sin allen Gruppen findet ein« kleine Nach- feie, statt.— Gruppe»euktlln und Oberfpoee. Eommerbad am Britzer Ost- Haien. Nachfeier im Lokal ebenda.— Gruppe Lichtenberg und Mitte. Stadt. sslustbad am ssraitwerk stlingeuderg. Nachfeier im sslusibadrestaurant.-- Gruppe E�ebrichshai». Sportbad Seeterrasse, Lichtenberg. Doedernftr. 11—1.7. Nachfeier im Restaurant ebenda.— Gruppe Siemensftadt. Dolksbad Jungfer». Heid«.—.«auptausfchutzsitzuxss Freitag, 10. Mai lnicht Mittwoch. 8. Mai), Dewerkfchaflshaus, stonferenzzanmer. Frei« Spsrtoereipiguag.Schwerst« ine" e. 9. Keule. Dienstag, 2014 Uhr. Mitgliederrersammlung, in her?deal.stlaufe, Neukölln, Marefchstr. 1«. Zede» Mittwoch ab 18 Uhr Training der Fuftball. und Sandballmannfchaftcn auf d-w Stöbt. Sportplatz Neukölln. Naiser�siriedrich. Ecke Innstratze. AST. tun. Sitzung Mittwoch. 8. Mai. 30 Uhr. dei Wegner. ssrankfurtrr Alle» 288. «rb-itrrfchStzenbu,» e.«. Mittwoch. Mai, 20 Uhr, Ortsgruppenuer- fammlung bei Lohan. Brilderstr. 18—18«Nähe Gertraudtenstraße). AZSB.. Eharlsttenburg. Me Abteilungen treffen sich am S«mmelfahr«s. tage»ur Tagestour Bahnhof Westend. Abfahrt 7 Uhr.-Säste willkommen. Freie ganu-Unio»»rstz.Berli». ssunktionärsitzung für olle AdteNungei, am ssreitag, 10. Mai, 20 Uhr, bei Sachse, Lindower Str. 28.— Ate. Erkner. Am Kimmelsahrtstag ssahrt nach dem Stienitzsee. Treffen m Bootsbaus. «Start I Uhr. Liquidation der KPO.- Maifeier. politisches Schachergefchäst mit den Todesopfern. „Es grenzt an pulschistische Verantwortungslosigkeit, wenn eine Führung, nur. weil sie das Maul zu voll genommen hat, zu einer Aktion aufrust, ohne vorher möglichst weile Massen mobilisiert zu haben." Dieser Vorwurf gegen die Moskauer Filialisten wurde in dem Organ der KPD.-Opposition„Gegen den Strom" bereits vor dem l. Mai erhoben. Diese putschistische Verantwortungslosigkeit hat in Berlin wahre Orgien geseiert, die nach der Absicht der Drahtzieher in einem politischen Massenstreik ihren Ausklang finden sollen. Abgesehen von der Viasse der gewerkschaftlich geschulten Arbeiter- schast Berlins hol auch die Masse der„klassenbewußten Unorganisier- tcn" der Kommunistischen Partei die Gesolgschaft glatt versagt. Die Moskauer machen nun die trampshastesten Anstrengungen, um ihre„revolutionäre" Maiseieruktion und die naheliegenden Erörterungen darüber in den eigenen Reihen mög> lichst weit in den Hintergrund treten zu lassen. Insbesondere trifft dies zu auf ihre riesengroße„M a s s e n st r e i k"- B l a m a g e. Sie brauchen neue Parolen. In Berlin spekulieren sie darauf, die Beerdigung der Todesopfer zu einer neuen Propaganda- Aktion auszumünzen. Auch die Bestattung derer, die bei Lebzeiten abso- tut nichts mit ihnen zu tun haben wollten und die noch im Sarge sich gegen die„putschistische Verantwortungslosigkeit" der komm»- Iiistischen Drahtzieher wehren würden, wenn sie es könnten, weil sie der verbrecherischen Revolutionsspielerei zum Opfer sielen, soll dazu mißbraucht werden. Für die Provinz ist die Parole ausgegeben:„Am Be- erdigungstage der Opser des Blut-Mai ruht in allen Betrieben ab 15 Uhr die Arbeit." Für Berlin:„ob 14 Uhr Arbeitsruhe". Außerdem soll in Betriebsversammlungen der Provinz„sosorlige und gründliche Propaganda für Entsendung und F i n a n- z i e r u ii g von Betriebsdelegationen z u m Begräbnis der Berliner Opfer" gemacht werden. Daß daneben„in den Belegschaftsversammlungen die W a h l von Kampfausschüssen vorzunehmen" ist. gehört mit zu der Liquidation der Maifeieraktion, wenn auch mehr als dekora- tives Beiwerk. „Die Betriebsräte und Vertrauensleute oerpflichten sich, eine ständig« und beharrliche Kampagne gegen Sozialfaschismus und Polizeiterror zu führen, um die Arbeiter von der Unvermeidiichkeit noch größerer Klassenkämpfe zu überzeugen.." Klossenkämp'e? Richteten sich die kommunistischen Mai-„Klassen- kämpfe" nicht gegen die eigene Klasse, die Arbeiterklasse? „Berlin am Morgen" hält um gut Wetter an. Das Leichen- begängniz Rathenaus sei doch zu einer ruhigen und gewaltigen Demonstration geworden, weshalb solle es die Beerdigung der „revolutionären" Maifeieropfer nicht werden? Eine Zynische Pa- rallele! Der KPD. wird es nicht gelingen, durch ihre„sofortige und gründlichste Propaganda" zum Begräbnis der Berliner Mai-Opfer die Spuren ihrer putschistischcn Maifeier- und Massenstreitaktion zu verwischen. Das Cnde einer Geschastsheirat. Schwiegervater und Schwiegersohn vor dem Arbeitetgericht. Ein junger Mann war vor einigen Jahren als Buchhalter bei der K o rt f e k t i o n s f i r m ä Z. u. M. eingetreten. Sein Gehalt war nicht hoch und die Stellung nicht unbedingt sicher. Der Buchhalter bemühte sich also, durch das längst nicht mehr ungewöhn- liche Mittel einer 5z e i r a t, seine Zukunft zu sichern. Es gelang ihm, Herz und Hand der Tochter seines E h c f s Z. zu ge- Winnen. Er wurde zwar nicht Teilhaber der Firma, doch seine Lage als Angestellter wurde bedeutend verbessert. Die Firma sicherte ihm durch Vertrag 15 Prozent des Reingewinns zu unter Garantie eines Jahreseinkommens von 3(100 M. „Der Bertrag laust unbegrenzt." So lautet eine Bestimmung des Vertrages. A�fo ein unkündbarer Anstellungsverirag aus Lebens- zeit. Dss neue dänische ZKabineM Ton link» nach recht» fsHsd.): 3iuUa- minigler Zahle. Ilnlerrlchltmluigler .Borgbiere, ITHnltlerprägldenl Stau- ;tlng, Au�enminitt. fllunch, 3lnanT- 'ninisler SSratnsnae», I»lehend):£an Potsdamer Str. 75 Die Frau, die|eder liebt, bist da mit Henny Porten Die Indianer kommen Jugendliche hüben Zutritt Turmstratje 12 Die Ehe Ein Film von van de Velde Dr. Doliüle und seine Tiere Alexanderstr. 39-40 (Pastage) Den ganzen Tag geöffnet! Verirrte Jagend mit Hannl Kelnweld Freaenraab in Marokko Alhambra Beg-sWa6ÄVsu Schöneberg. Hauptstr. 30 Das Riesenprogramm Jahrmarkt der Liebe Bühne Revue: Immer lastig 10 Bildei) Titania(ufa SchSneberg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6,30 Uhr Die Ehe nach van de Velde Das grobe Beiprogramm K I ü O-TA F B k. PROGRAMM fljr die Zeit vom 7. bis 9. Mal Nordwesten Welt-Kino Mt-Moabit 99 Die Ehe nach van de Velde Dr. Doliltlc and seine Tiere W CharlottenlMirg W Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7 u. 9.15 Un 5. ab 4 U. Die eiserne Maske mit Douglas Fairbanks Ehre deine Mutter mit Dielerle > Stegllt« 1 Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Die Ehe nach van de Velde mit Lil Dagovcr J LIehtcr?elde-WRSt*'fc Hl f| Wochentags MO. 9 Uhr ni~ia Ztg. 5, 7. 9 U. Stg. 3 U. J.-V. Hindenßurgdamm 58a Der eiserne Kindenbarg(Tilst Film) Segel iahrt ins Wandcrland mit Günther PIQscfaow Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Südwesten FUm-Paiast Kammersäle Tcltower Str. 1-4 Beginn 6 U. Das n&rrlsdhe Glück mit Maria Paudler, Fritz Kampers Um seine Ehre H Mariendorf O MTä—Ii Mariendortcr LIO~Lrl Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Das Findelkind von Singapore Begierde Bübnenschaa Süden Th. am Moritzplafz Beginn: W. ab 6.15 9 U- Stg. ab 4-30 U. Nana mit Werner Kraus Carmen mit Charly Chaplin Südosten Filmeck Beginn W.: SJO Uhr S.:3 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhot Der van de Velde-Film: Die Ehe Gute DflhncnKbao Urania-Theater Wrangelstr. II. Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7, 9 Uhr Da« Findelkind von Singapore Die RSaberbandc Vaiietöecbaa W HemcBim g Primus-Palast Hermannplatz Gr. internal. Varletdvordellang Beginn; Wochentags 6 und 9 Uhr. Himmelfahrt 6 und 9 Uhr: Getdilouene VorsleUangen Elysium(f.ÄU) Hasselwerderstraße 17 Liebschaften einer Scbaospielerin Mit Pterd and Lasso mit IL Polo Gute Bühnenscfaaa > Woiaentee> Schloßpark Film-Bühne Berliner Allee 205—210 Aiphalt mit G. Fröhlich, B. Aman Lastige« Beiprogramm Revue: Zieh didt an* Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochtgs. ab 6, Sonntags ab 3 Uhr Begierde mit Lissi Arna, Elga Brink Aasgezeidineie« Beiprogramm Gregc Varlet6»chaa Beginn der ersten Vorstellungen- WochenL ab 6, Sonntags ab 3 Uhr. Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Zigeunerprimas Beiprogramm Bühnenscfaaa Fortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. v>i Dos führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- Produktion Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Seelen Im Sturm Die neue Heimat mit Rad. Schildkraut Grobe Bühnenschau Concordia-Palast Andreasstraße 64 Der MUternachlswalzer In den HSnden der Polizei mit Lon Chaney Bfthnenschaa Kosmos-Licht$piel£ Lichtenberg. Lückstraße 70 Hotclgchcimnlsse mit Magda Sonja Geheimnis des Vulkans mit Tom Mix Bühnenschau „Elysium" Prenzlauer Allee 58— Film und Bühne Die Ehe(nach van de Velde Dr. DoUltle und«eine Tiere BQhnenichaa Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Cagliostro mit Hans Stfiwe Bräutigam auf Kredit Beiprogramm und BObnenschau Metro-Palast Chausseestraße 30 Gr o�stadtschmett erlln g mit A. May-Wong Das närrische Glück m. M. Paudler Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Täglich 5. 7. 9 Uhr Stg. 3 U. Jugendv. Die Stunde der Entscheidung Die keusche Kokotte mit Otto Gebühr Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 2 Großfilme r Der weihe Harem Scheidung vor der Ehe m t Florence Vldor Rialto" Film u. Bühne Reinickendorter Str 14(am Wedding) Speianke m. Pa ri Sanuon-KOrncr Sdiatien der Liebe Bühnen« cbau Ballsdunicdcr- Lichtsp. Badstraße 16 Pflicht und Liebe mit Ramon Novarro Harold Lloyd, der Pechvogel Bühnenscfaaa Humboldt-Theater Badstraße 19 Die geheimnbvolle Madit MarcUte n. die Tochter de» Silberkönigs BQhncnscfaan Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Die Llebsdiafien einer Ich an- »leiertn mit Pola Negrl urotze Bühncnschan « Pankow U Palast-Theater Breite Straße 21 a Die Nacht ohne Hoffnung Was eine schöne Frau begehrt Gesundbrunnen 3 „Alhambra" Badstraße 58 Stürme mit LiUan Gish Beiprogramm Bflbncudian Tivoli« Pankow Berliner Straße 27 Fräulein Else m. EllsAbcth Bergner und Aibcrl Steinrück t Der Hafenbaron Bühnenschau Film-Palast Blankenburger Straße 4 Die roie Ttnzerin von Mo