Morgenausgabe Tit. 214 � t WichiaMch 88 51» moxeMch l/OSL hn voraus johlt ar, Postdozug<82 M. «inlqlloßlich«o Psh. Postzrituvz». und 72 5fg. Posttestsllg-dührea. Auslands» ahonnemenl 6.— M. pro Monat, »rr.Lorwirt»'«rlchetn»«ochenttg» lich zweimal, Sonntag» und Montag, einmal, die Adendausgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilage».Boll und Zeit- und iiinderfreund-. Ferner .Unterhaltung lind Wissen-,.Frauen. stimme-.Technik-.Blich in die Lücherwelt" und.Jugend-Borwärt,- P- Berliner voltsviatt Vonnerstag S. Mai 192S Groß.Äerlin 1V Vf. Auswärts 15 Vf. Di««infpaltige Nonpareillezei!» 80 Pfennig. Reklame'n eile S— Reich». mark.„Kleine Anzeigen' da» lettge« druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettaedrucne Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt «ile KS Pfennig. Familienanzeigen für tonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annahm« im Hauptgeschäft Linden« straße 2. wochentögl. von SV, bi» 17 llh«, Jentratorgan der«Sozialdemokratischen hSartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Frrnlprechert Töndost 292—297 lilegramm-Adr,: Sozialdemokra» verli» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Vostslbeckkonto: Berlin 87 KSS,— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Sngestellke» und Beamten Wallstr. 6ö. DiSkonto-Selellsthaft, Depositenkasle Lindenstr 8 Gtresemanns Zuversicht. Rede bei der Auslandspresse/ Hoffnung auf Paris/ Das Fiasko der Abrüstung. Zlus einem Vankelt der ausländischen presievertreler in verlin hielt, nach einer herzlichen Vegrühungvansprache des Präsidenten Cochner, Reichsanhenrninisler Dr. Slresemann eine anhenpolillsche Rede, in der er zunächst ans die pariser Reparationsnerhandlungen einging. Dr. Stresemann erNärte, sich im Augenblick natürkch nicht über Einzelheiten äußern zu können. Man werde verstehen, daß er nicht über alle Aeußerungen der ausländischen Presse in der Sache erfreut gewesen wäre. Zur Sache sagte der Minister: Es handelt sich mn nichts weniger als um die Wirtschaft- liche und finanzielle Liquidierung des Weltkrieges, also um ein Problem, das in seiner Tragweit« unendlich weil über eine rein g-schäjlliche und zahlenmäßge Behandlung von Schuld und Forde- rung hinausgeht und dessen Regelung für die gesamte künftige Struktur von Weltwirtschast und Weltfinanz mitbestimmend sein wird. Der Dawes-Plan hat zweifellos wesentlich zur Konsolidierung der verhällnifle beigetragen und hat diejenigen Erfahrungen gezeitigt, die jetzt eine Neurege- lung notwendig machen. Die übereinstimmende Auffasiung aller beteiligten Regierungen über diesen Punkt hat zur Einberufung der Pariser Konserenz geführt, und ich erwarte deshalb, daß die Ein- ficht in die auf dem Spiele stehenden gemeinsamen Interessen auch weiterhin die Oberhand behalten und zu einem ersprießlichen Er- gebni» führen wird, Nach einer Bemerkung über die faire Unterstützung, die, Deutsch- land bei seinen letzten Geld- und Vevisenschwierigkeiten im Ausland gefunden habe,— und die freilich leider nicht allgemein gewesen sei— fuhr der Minister wörtlich fort: „Wenn sich meine Hoffnung auf einen günstigen Ausgang der Pariser Verhandlungen erfüllt, dann ist ein großer, ein sehr großer Schritt vorwärts getan. Die Entwicklung der Weltwirtschaft, die uormale Gestaltung der internationalen Handels- und Kreditbe- Ziehungen wird von einer schweren Hemmung befreit sein. Der Weg wird freigemacht sein für eine gemeinsame Inangriffnahme aller der großen wirtschaftlichen Ausgaben, vor die sich die Regierun- gen in allen Ländern gestellt sehen, und deren Lösung notwendig ist, um für den allgemeinen kulturellen und sozialen Fortschritt eine tragfähige dauernde Grundlage zu schaffen. Darüber hinaus wird sich alsdann ohne weiteres auch die Regelung der- jenigen politischen, von der Reparationssrage unabhängigen Pro- lAeme ergeben, die, schon längst zur Lösung überreif, noch als lieberbleibsel aus dem Kriege in die Gegenwart hineinragen." Dr. StresenKinn sprach sodann über dcks Fiasko der Abrüstungskonserenz von Gens. Die Hoffnung, daß sie den toten Punkt überwinden werde, ist nicht erfüllt worden. Es eröffnet sich eine Perspektive, die ein Bersagen der Grundidee befürchten läßt. Die deutsche De- legation hat schon im vorigen September vor einer Resolution ge- warnt, die es vollständig unterließ, festumrissene Grundsätze aufzu- stellen. Mit dem Gedanken einer etappenweisen Lösung. waren wir immer einverstanden. Aber die erst« Etappc niuß doch selbstverständlich in einer fühlbaren Herabsetzung der Rüstungen zu Lande, zur See und in der Lust bestehen. Sonst kann nur eine Scheinlösung zustande kommen. Von einer wirklich ernsten Abrüstung kann nicht die Rede sein, solange die ausgebildeten Reserven und das Kriegsnmterial völlig unberücksichtigt bleiben. Ich muß gestehen, daß mich die Ablehnung dieser beiden ganz elementaren Gesichtspunkte lebhast beunruhigt. Es liegt auch kein Ausgleich dieses schweren Mißerfolgs darin, daß die Genfer Kommission zur M a r im«a b r ü stu n g «in« weniger negative Haltung eingenommen hat. Auch die Re- gierungen, deren Interesse sich in erster Linie auf die Marine- abrüstung richtet, können nicht übersehen, daß es das gemeinsame Interesse verletzen wüvde, wenn die Landabrüstung mißläng« und wenn infolgedessen namentlich in Europa ein Zustand der Rüstungen aufrechterhalten bliebe, der mit einer dauerhasten Sicherung des Friedens nicht verträglich ist. Dr. Stresemann bezeichnete die Totfach«, daß die Kommisston nur eine vorbereitend« Aufgabe habe und nicht die zu» ständige Instanz für die endgültige Entscheidimg sei, als eine letzte Hoffnung.„Bleibt auch sie unerfüllt, so tragen die Regierungen die Verantwortung für eine Entwicklung, der ich nur mit ernster Sorge entgegensehen könnte." Das, meinte Stresemann, könne den Eindruck von Pessimismus machen, aber vielleicht werde ein besonderes Ereignis der Entwicklung einen neuen Elan geben.„Vielleicht wird der Elan, den ich von einer baldi- gen Lösung der Reparationssrage erhoffe, soweit gehen, daß er sich auch auf dem Gebiete der Abrüstung als wirtsam erweist. Denn im Grunde sind die Voraussetzungen für einen Fort- schritt auf den verschiedenen Gebieten der Internationalen Beziehun- gen doch überall di« gleichen: Verständnis für die gegenseitigen Lcbensnotwendigkeiten, Anerkennung der Gleichberechtigung aller Kulturvölker und Erkenntnis der Notwendigkeit, di« allgemein gepriesenen Ideale nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis in Anwendung zu bringen." Das Ziel der deutschen Außenpolitik, erklärte Dr. Stresemann zum Schluß, bleibt die Völkerverständigung. Man darf sich aber nicht wundern, wenn die Reihen ihrer Anhänger sich um fo eher lichten, je unerträglicher die Enttäuschungen werden. Stresemann schloß mit der Hoffnung, daß das Ziel der Verständigung doch er- reicht werden würde und bat die ausländische Press- um ihre Unter- stützung. Oer Kampf der Gläubiger. England gegen Owen 8oungs Verieilungsplan. L o a d o n. S. Mai(Eigenbericht). Da» britische Schahamt lehnt, wie zuverlässig nerlautel, den neuen Finanzplan von Owen ponng ab. Mm» teilt die Ans- sassung der englischen Sachverständigen in Paris, daß die poungschcn Vorschläge eine Revision der sogenannten Spa-Prozenlsätze bedeuten würden und eine solche Revision außerhalb des Arbeitsbereiche» der pariser vesprechungen liege. ' Heftiger Streit unter den Alliierten. p a r l». 8. Mai.(Eigenbericht.) Die deutschen vorbehalte haben bei einem Teil der Gläubl- gerdelegationen scharfe Ablehnung erfahren. Der Streit darum wird übertönt durch heftige visserenzen im alliier. tenLagerumden Verteilungsschlüssel des neuen Vorschlags. Die Alliierten sehen sich vor die Aufgabe gestellt, ihre Ansprüche um etwa 3,5 Milliarden Mark. d. h. fast 200 Millionen Mark im Vahr zu reduzieren. Owen Young hat diesmal das Hauptopfer neben den Belgiern den Engländern zugedacht mit dem Erfolg. daß am Mittwoch au» England durch Reuter ein E n t r ü st u n g s- veto herübertönt, das französische Blätter mit sichtlicher Befriedi. gung registrieren.' Die Engländer sollten nach dem Verteilungs- schlüssel des Alliiertenmemorandum, 3 Milliarden erhallen zur Deckung ihrer bereit« geleisteten Zahlungen an Amerika sowie zur Entschädigung der Donnnions. Diese Rechnung reduziert der neue Verteilungsschlüssel auf 650 Millionen. Frankreichs Forderung von 50 Milliarden Franken wird lediglich um KL Millionen ver- ringert. Dieser Streit um die Verteilung der künftigen deutschen Zahlungen scheint ungeahnt heftige Formen angenommen zu haben. Die englisch« Delegation hat am Dienstag mitgeteilt, daß sie die Zahlen des Youngschen Plans annehme, aber den Verteilungsschlüssel nicht: die Sachverständigen seien nicht berechtigt, die Verteilung der deutschen Zahlungen, die in Spa ei» für allemal geregelt worden sei, wieder aufzurollen. Die Franzosen erklären dies in flagrantem Widerspruch nicht nur zpr bisherigen Halbing der Engländer, sondern auch zur Aufgabe der Konferenz stehend: sie solle nach der Genfer Vereinbarung Dorschloge für die„vollständige und endgültige Regelung des Reparationsproblems" machen. Dazu gehöre auch die Regelung aller Einzelprobleme, also auch die Verteilung der deutschen Zahlungen unter die Gläubiger. Dieser Tatsache hätten die Engländer selbst Rechnung getragen, als sie dem Alliiertenmemorandum vom 17. April zustimmten, obwohl dieses Memorandum den 2Sprozentigen Anteil Englands leicht ermäßigte und den 10prozen!igen Anteil Italiens mit Rücksicht aus die Z a h- lungsunfähigkeit Oesterreichs, Ungarns und Bul- g a r i e n s entsprechend erhöhte. England bekämpfe also heute ein Prinzip, das seit drei Monaten stillschweigend anerkannt war. Moskau treibt weiter! Ankündigungen für den 1. August. Die Toten der blutigen Maitage, die der verbrecherische Wahnsinn der Kommunisten allein auf dem Gewissen hat, ruhen noch nicht unter der Erde und schon gibt Moskau Parolen aus, die auf eine baldige Wiederholung des Frevels abgestellt sind. Nur soll das nächste Mal die sinnlose Opferung von Arbeiterleben noch auf breiterer Basis, in noch größerer Zahl und in allen mittel- und wsst- europäischen Ländern erfolgen! Die Pariser„H u m a n itä",.das Zentralorgan der französischen Sektion der Kommunistischen Internationale. veröffentlicht in ihrer Nummer vom 7. Mai einen endlosen Aufruf, gezeichnet vom„Bureau der Kommunisti- schen Internationale für die westlichen Länder". Der erste Teil besteht aus maßlosen, iurch ihre Uebersteigerung grotesk wirkenden Beschimpfungen der deut- scheu Sozialdemokratie und ihrer Führer. Danach hätte die Sozialdemokratie„aus Wut über die ihr kürzlich zugefügten Berluste bei den Berliner Betriebsrätewahlen" das Blut der Arbeiter mutwillig vergossen. Dieses Blut werde„den Ab- grund zwischen der Sozialdemokratie und den Schichten der Arbeiterklasse, die bisher durch ihre Untätigkeit unter ihrem Einfluß standen, unüberbrückbar gestalten". Weiter spricht der Aufruf von dem„glorreichen Kampf des Berliner Proletariats, der eine neue Seite in der Geschichte der international revolutionären Arbeiterbewegung geschrieben habe". Das kann man natür- lich den französischen und sonstigen Kommunisten leicht ein- reden. Sie hat man jn den letzten Tagen mit Kampfesschilde- rungen im übelsten Kriegsberichterstatterstil gefüttert, wäh- rend die Berliner Arbeiter genau wissen, daß es sich bei den Kämpfen, am Wedding und in Neukölln nur zum geringsten Teil utn bewußt für eine politische Idee kämpfende Menschen, zum weit größten Teil aber um den übelsten Janhagel qe- ''»elt hat. ~lus dieser zwar von Moskau angeordneten, aber in der Hauptsache von lumpenproletarischen Elementen durch- geführten Aktion zieht indessen die Komintern weit- gehende politische Schlüsse für die Zukunft: „Aber dieser unvollendete Kampf setzt auf die Tagesordnung der gesamten internationalen Arbeiterbewegung die Frage der Um- Wandlung>der wirtschaftlichen Kämpfe der letzten Monate in pöli- tische Kämpsp, in Kämpfe gegen den bürgerlichen Staat. Durch seine Haltung hat das Berliner Proletariat den sozialdcmortatischeir Bureaukraten ins Gedächtnis gerufen, daß die Zeil der Barrikaden- kämpfe nicht varüber ist, obwohl man in Europa gegenwärtig keine ähnliche Zersetzung des Kapitalisinus feststellen kann wie in den Jahren 1918 und 1919." Das Berliner Proletariat hat durch seine fast einmütige Mißachtung der kommunistischen Parolen zum 1. Mai und erst recht nach dem 1. Mai bewiesen, daß es für die sinn- losen Barrikaden in Neukölln und am Wedding nur Ab- scheu und Hohn empfinder. Freilich, wenn man, wie es gerade die„HumanitcT in der letzten Woche täglich getan hat, seinen Lesern vorlügt, daß 200 000 Arbeiter der kommunistischen Demonstrationsparole am 1. Mai gefolgt waren, und daß Millionen im ganzen Reich aus Protest gegen die Berliner Polizei in den Massenstreik getreten seien, dann kann man sich auch den Abdruck dieses offiziell bolfchcwisti- schen Blödsinns gefahrlos leisten. Dabei gibt Moskau selbst zu, daß keine revolutionäre Situation, die sich mit den ersten Nachkriegsjahren vergleichen ließe, zurzeit vorliegt. Trotz- dem oersichert es, daß„die Zeit der Barritaden- kämpfenochnichtvorüber" sei. Der Schluß des Auf- rufes sagt auch deutlich, warum Moskau die Berliner Ereig- niste so hoch bewertet. Es gilt, wie gesagt, die Wiederholung auf breiterem Maßstabe anzukündigen, ja anzuordnen und zwar für ein bestimmtes Datum, nämlich den 1. August: „Auf den Barrlkaden am Wedding und in Neukölln ist das Banner des kämpfenden renolulionären Internationalismus entfaltet worden! Dies muß für die Arbeiterklasse auch der anderen Länder«in Kampfsignal sein im Hinblick aus den inlernationalen „Roten Antikriegstag" am 1. August. Das Berliner Proletariat hat das A k t i o n s s i g n a l für den„Roten Tag" gegeben. Der internationale„Rote Tag" vom 1. August wird in der inter- nationalen Arbeiterbewegung ein Wendepunkt bedeuten, nämlich den Uebergang des Proletariats zur Gegenoffensive auf internatio- naler Front gegen den Welttapitalismus... Die Maiaktlon des Berliner Proletariats ist das erste Vochntgeplänkel dieser Offensive des Proletariats... Ihr Arbeiter, ihr Unterdrückten aller Länder bildet ein eisernes Bataillon um das Berliner Proletariat. Unter- stützt durch Massenversammlungen, durch öffentliche Kundgebungen und, Aberall wo es möglich ist, durch politische Streiks die Aktion des deutschen Proletariats. Erobert in euren einzelnen Län- dern am 1. August die Straß« für die Arbeiterklasse!" „Macht euch alle die politischen nnd technischen Er. fahrnngen des Kampfes des Berliner Proletariats, der Kamps- Methoden der Polizei zu eigen, um für euer Austreten am l. Auglist über eine größere Manövrierfähigkeit zu verfügen." Das ist eine offene Aufforderung Moskaus zum Putsch, zum Bürgertriea. zum Blutvergießen in Strömen an einem bestimmten Tag zwölf Wochen im vor- aus. Dieser Tag ist übrigens offenkundig gewahst worden, um blutige Zusammenstöße mit den sozialdemokratischen Lr> beitern zu provozieren, weil die Exekutive der Sozialistischen Internationale auf ihrer letzten Tagung in London be- schlössen hatte, in ihrem Feldzug zugunsten der internatio- nalen Abrüstung die 15. Wiederkehr des Kriegsbeginns durch internationale Abrüstungskundgebungen zu begehen. O In Berlin ist gestern die zweite Nummer einer sogenannten„Roten Sturmfcchne" verbreitet worden. Als ver- ontwortlicher Redakteur zeichnet Ernst S ch n e l l« r. M. d. R. Als Druck- und Berlagsanstall wird eine sagenhafte Firma „Atalanta" in Amsterdam angegeben. Diese„Rote Sturmfahne" bringt den Aufruf der Komintern jedoch mit einer bezeichnenden Auslassung. Dort sieht er nämlich so aus: Nacht euch alle die politischen£r> fahrungeu des Sampfes de» Berliner Proletariats, der Kampf- Methoden der Polizei zu eigen, um für euer Auftreten am i. August über eine größere Manövrierfähigkeit zu verfügen. Es fehlen die Worte„und technischen". Sie waren, wie jeder Fachmann auf den ersten Blick erkennt, schon gesetzt und stereotypiert, wurden aber im letzten Augenblick aus der fertigen Platte herausgestochen. Die Angst vor dem Reichs- gericht in Leipzig blieb nach hartem Konflikt doch noch größer als die Angst vor der Komintern in Moskau. Moskau verlangt neue Leichen. Der 15. Jahrestag des Kriegsausbruchs soll mit einem großen Blutbad gefeiert werden. Der Despot befiehlt— werden die Sklaven ge- horchen?___ Terror gegen den„Vorwärts"!? Ein aussichtsloser Hehversoch.— Zörgiebel-Mussolini? Mit der„Roten Sturmfahne" haben wir uns schon an anderer Stelle— siehe Leitartikel— beschäftigt, doch ist noch einiges nachzutragen. Der Polizeipräsident/ Genosse Zörgiebel, wird mit folgenden Kosenamen bedacht:„Der im Blute watende sozialdemokratische Verbrecher",„der Berliner Mussolini", „der vertierte Massenmörder",„der blutbespritzte Bandst". Ein besonderes Kapitel gilt natürlich dem„Vor- w ä r t s".'Darin heißt es: Antwortet dem Lügen-„Dorwärts", indem ihr jedes Exemplar von ihm, das euch unter die Hände kommt, zersetzt. Antwortet dem Lügen-„Vorwärts", indem ihr In allen Botrieben beschließt, daß kein Arbeiter den„Vorwärts" lesen oder abonnieren darf! Aiüwortet dadurch, daß ihr jedem, der das Blatt der Mörder noch zu lesen wagt, eure Ver. achtung bezeigt." Damit der Humor nicht fehle, treibt die„Rote Sturm- fahne" eine Riesenreklame für die demokratische Presse, deren gegen die Polizei gerichtete Artikel spaltenlang zstiert und gelobt- werden. Die„Lüge" des„Vorwärts" soll in der Behauptung bestehen, daß an den ersten Tagen in Neu« kölln und am Wedding ein regelrechter Kampf zwischen Kommunisten und Polizei stattgefunden habe. Aber, was damit bestrstten wird, wird m offiziellen Kampf- aufrufen der KPD. als ungeheure Heldentat gefeiert. Die Arbester werden auf den Versuch der Kom- munisten, ihnen die Lektüre des„Vorwärts" zu verbieten. mst Hohngelächter antworten. Soweit wie in Rußland, wo die Kommunistische Partei den Arbeitern vorschreiben kann, mob sie lesen dürfen, sind wir glücklicherweise noch nicht! Die Kommunisten feierten... ... durch Nichtverlretung proletarischer Interessen! Damit die Moskauer Streikparole doch irgendwo befolgt würde. ließen die drei kommunistischen Mitglieder des preußischen Rechtsausschusse» durch ihren Sprecher Obuch feierlich ver. künden, daß sie von 2— 2X Uhr an den Arbeiten des Ausschusses nicht eilnehmen würden. Sie handelten entsprechend der Parole. Der Ausschuß beriet am Mittwoch Eingaben. Um 2 Uhr ge- langte die Eingabe einer Frau R> ch a r tz aus Görlitz zur Ver- Handlung. Die Gesuchstellenn hat vor 28 Jahren durch die Nach- lässigkeit eines Landgerichtsdireltors schweren körperlichen Schaden erlitten. Sie war damals als lljähriges Reinmachemädchen beim Landgericht Oppeln tätig. Beim Aufräumen fand sie im Gerichts- saol unter altem Papier eine Dynamitpatrone, die der Vor- sitzende einer vorangegangenen Verhandlung, wo die Patron« als Aewsisobjckt gedient l)atte, unachtsam hatte liegen lassen. Das Mädchen glaubte ein Nadelbüchschen vor sich zu haben, spielt« mit de? Patrone, diese explodierte und riß der Unglücklichen die obersten Glieder von vier Fingern der linken Hand fort. Ein in den Kops eingedrungener Splitter führt« zur operativen E n t f e r- nung de» einen Auges. Das damalig« königlich« Preußen entschädigte das schwergeschädigte Mädchen mit bareo 20 M. und— einer allen Drehrolle! In ihrer Jugend und Unerfahrcnheit machte die Geschädigte weitere Ansprüche nicht gellend. Erst jetzt, nach 28 Jahren, als die Folgen des Unfalles immer übler wurden, hat die inzwischen verheiratete, aber in den bedrängtesten Verhältnissen lebende Verunglückte sich erneut an den Staat gewandt. Auf Drängen des Rechteausjchusses erklärte sich die Justizverwaltung bereit, der Gesuchstellenn eine Monatsr ente von A> M. zu zahlen. Der Rechtsausschuß hielt dies jedoch nicht für ge- n ü g e n d und forderte eine höhere Rente. Da ein Vertreter de» Finanzministerium» fehlte, mußte die Sache vertagt werden. Während sich die Sozialdemokraten in dieser halben Stund« von 2— Uhr für die Existenz einer schwer ge- schädigten Proletarierin bemühten, übten die Kommu» nisten Moskauer Demonstrationsstreii und. glänzten durch Ab- Wesenheit. Erst nach Erledigung des Falles traten sie wieder in.Tätigkeit". Konnte ein Streik au» angeblich„proletniijchon Interessen wohl unsinniger sein? Ministerpensionsgesetz in Sicht! Das Innenministerium vor dem Haushaltsausschuß. Kommunisten-Theater. Sie wollten das Hamburger Parlament sprengen. Hamburg, 8. Mal.(Eigenbericht.) In der Hamburger Bürgerschaft kom e? am Mittwoch abend zu großen Lärmszenen. Eiii Kommunist versuchte nach der Verlesung zahlreicher kommunistischer Anfragen übe» dos Verbot des Roten Frantkämpferbunds», ohne sich zum Wort gemeldet zu hoben,«ine Rede zu halten. Den Anweisungen des In der MUtwochsitzung de, Ausschusses für den Reichshaus» hall wurde die allgemein« Aussprache über den Haushall des Reichsinnenministeriums fortgesetzt. Abg. v. Sardorfs(D. Dp.) führt« bezüglich de» Wahlrecht» aus, daß es«in vollkommenes Wahlrecht nicht gebe. Splitterparteien und die Part ei Maschinerien sind höchst unerfreuliche Erscheimmgen, er bezweifelt aber, ob man zu grundsätzlichen Aende- rungen des Wahlrechts kommen werde. Solche seien kaum durch- führbar. ja nicht einmal wünschenswert, höchstens«ine Teilung zu großer Wahlkreise- könnte in Betracht kommen. Die Ausführungen des Abg. Sollmann über den Rundfunk könne er nicht unwider. sprachen lassen. Religion und Politik seien durchaus ver- schieden« Dinge, die nicht in der gleichen Weise behandelt werden dürfen. Bezüglich der M a i u n r u h c n möchte er der Polizei seinen Donk aussprechen. Di« Angrisfe gegen die Polizei, well sie angeblich nach unerhörten Anstrengungen die Nerven verkoren Hab«. seien schamlos. Er möchte wohl wissen, wie lange die Nedakteure. die solche Beschuldigungen erheben, in ähnlicher Lage ihre Nerven behotten hätten. Abg. Schreiber(Z.) bat den Minister, die Crziehungsbeihllfen auf eine immer breitere Grundlage zu stellen. Es kämen viel zu wenig Arbeiterkinder in die Universitäten hinein. Abg. Schmidl-Stetttn(Dnat) wünscht vom Minister ein« Aus- kunft, wie er zur Republikanischen Beschwerdestelle stehe. Diese Stelle sei nur eine Schnüffelstell«. Abg. Verudk(Dnat.) wiederHoll seine früheren Angriffe gegen den Minister bezüglich seiner Haltung zum Rundfunk. In der Wahlrechtsfrage sei die vorhanden« Mißstimmung berechtigt. Die bisher gemachten Abänderungsvorschläge wurden aber von den Deutschnattonalen abgelehnt. Reichsianenmillister Severing beantwortet« die an ihn gestellten Fragen. An den Major P a b st seien vom Reichsministerium des Innern keinerlei Sub- ventionen direkt oder indirekt gegeben worden. Di« in der Morgenpresse gegen zwei Beamte seines Ministeriums, den Ministerialdirektor Damrnan und den Ministerialrat Tiedtke er- hobenen Anschuldigungen weise er nach Klärung der Sachlage aus- drückltch zurück. Den Journalisten, die glauben, mit solchen wahr- hcitswidrigen Angriffen die Stellung dieser Beamten bei ihm erschüttern zu können, könne er nur sagen, daß sie sehr schlechte Psychologen seien. Ein M iaisterpenflonsgesetz. das eine Begrenzung der Pensionen auf 12 vi)» M. vorsehe, hasse er in Kürze dem Reichsrat vorlegen zu können. Wenn Abg. Schreiber auf Besserung der allgemeinen Kultur bei südländischen Völkern, sowett sie in Druckfchristen usw. zutage treten, hingewiesen habe, möchte er bitten, nicht zu übersehen, daß auch bei un» seit 1923«ine erhebliche Besserung eingetreten sei. Er erwarte nach dieser Richtung nichts vom Erlaß neuer Gesetze. Wenn Ihm der Vorwurf gemacht werde, daß er durch die Freigabe der Rund- f u n t r e d e de« Abg. Sollmann sich al» Diktator de» Rundfunks ausgespielt Hab«, mochte er darauf hinweifen, daß er durchaus keine Diktatornatur fei. Er behandele, genau wie Herr v. Kardorff da» wünschte, sein»'Parteifreunde erheblich schlechter als alle anderen. 1930 hoff« er«in neues Beamtengesetz vorlegen zu können. Das Beamtenoerti'etungsgesetz und ein Dienststrafgesetz wird demnächst schon an den Reichstag gelangen. Bezüglich eines neuen Wahlgesetzes könne er die pessimistischen Aussassimgen der Abg. v. Kardorss und Sollmann nur teilen. Will man die Verbältniswahl. wie das notwendig ist, beibehalten, so wird man höchstens zur Aufteilung einiger großer Kreis« kom- men können. Demnächst werde dem Reichsrat und dem Reichstag ein Wahlgesetzentwurf zugechen und dann werden die Fraktionen sich ja äußern können. Dem Abg. Leicht möchte er antworten, daß er natürtich nicht daran denke, in gegenwärtigen Zellen die Reichsreform durch«ioeo Volksentscheid .zur Entscheidung zu bringen. Es werde durchau, nicht leicht sein, dem einfachen Wähler klarzumachen, um was es sich handele. Zur Republikanischen Beschwerdestelle unterhalte er keinerlei Beziehungen, aber nach Artikel 126 der Reichsversasiung kann jeder Deutschs sich an die zuständige Behörde wenden. Allen ihm in der Debatte gegebenen Anregungen werde er sorgfällig nachgehen. Darauf könne der Ausschuß sich verlassen. Unmittelbar nach dem Minister nahm Genosi« 5ollmann dos Wort, um auszuführen, daß nach seinen Informationen der Major Pabst tatsächlich Reichsgelder erhalten habe. Es werde behauptet, das sei aus Mitteln des Auswärtigen Amtes ge- schehen. Dies« Behauptung würde noch zu klären sein. Die Pflege des Deutschtums werde kompromittiert, wenn Männer wie Pabst durch sie finanziert würden. Die Wünsche des Abg. Schreiber nach einer schärferen Zensur müsse er ablehnen. Auch das Christentum müsse sich Kritik gefallen lassen. Zudem richte sich Kritik und Karikatur meist nicht gegen das Christentum, sondern gerade gegen das Unchristliche in den Kirchen. Wenn man den „normalen" Geschmack zur Grundlage einer Zensur machen wollte, wo wären da die Dichtungen Goethes und Lessing« oder auch nur die von DehmeD und Liliencron geblieben! Man würde dann auch Meisterwerke von Rubens, Tizian usw. abgelehnt haben. Für ein Zeasurgcseh werde die Sozialdemokratie nicht zu haben sein. Bald nach Sollmanns Ausführungen gab der Ministerialdirektor Dr. S cd n e i d e r vom Auswärtigen Amt>m_ Auftrag des Reichs- außenministerlums die iolgende kurze Erklärung ab: Für dia Heimwehren oder irgendeine andere innerpolllische Organisation in Oesterreich sind niemals Mittel des Auswärtigen Amtes gezahlt worden. Genosse S o l l m a n n erwiderte darauf, er habe nicht be» hauptet, daß die von dem Vertreter des Reichsministcrs des Aeußcren genannten Organisationen aus Reichsmitteln unterstützt worden feien. Er halte aber die Behauptung aufrecht, daß Gruppen aus Reichsmitteln unterstützt worden seien, in denen der K a p p i st Major Pabst führendes Mitglied fei. Auch habe der Name und die Persönlichkeit von Pabft mit der Verwendung dieser Reichsgelder tatsächlich in Verbindung gestanden. Der ganze Vorfall zwinge zu vermehrter Wachsamkeit gegenüber der Verwen- düng van Fonds im Auswärtigen Zlmt. Genosse Dr. Löwenstein bittet um Auskunft über den Abbau der privaten Vorschulklassen. Der Minister möchte dieser Sache sich annehmen im Gegensatz zu der Haltung seiner Vorgänger. Er fordert serner, daß die Lehrerbildungsfroge im Sinne der Reichsversasiung gelöst werde. Wenn auch erhebliche� politische irnd finanzielle Schwierigkeiten vorlägen, so könnte die Frage der Reifeprüfung als Vorbildung schon heute gelöst werden. Gegenüber Ausführungen des kommunistischen Abg. Maslowski betonte er. die Sozialdemokratie habe niemals anerkannt, daß las bayerisch« Kon- kordat mit der Verfassung in Einklang zu bringen sei. Mit vielen anderen innerhalb seiner Partei bekämpf« auch er das preußische Konkordat, müsse aber durchaus anerkennen, daß es«in Verdienst der sozialdemokratischen preußischen Fraktion sei, daß_ein Kon» k a r d a t wie in Bayern in Preußen nickt möglich sei. Gegen Schluß der Aussprach« nahm der Minister S e v« r z n g noch einmal das Wort. Auf neue Angriss« deutschnationaler Abge- vrtmeier gegen ihn, daß er nicht schon früher«in Verbot des „Roten Frontkämpferbundes" erlassen Hab«, onttvsrteta er: Zur Zell des Ministers v. Keudell habe da« Reichsgericht die Mögl'tzz« kell verneint, den Rotfrontbund zu verbieten. Großmäulige An»■ kündigungen seien zwar auch früher schon ergangen, aber zu blutigen Tagen und bewaffneten Aufmärschen sei man erst später übergegangen. Im Lussichtsrat der„Drahtlos« Dienst A-'G." ge- Härten von vierzig Mitgliedern nur sechs der Sozialdemokratie an. Er habe sich nicht, wie der kommunistische Redner behauptet, hinter das Blutbad vom 1. Mai gestellt. Eine Partei, die, um ihr« An» Hänger auf die S�ß« zu treiben, am Vorabend des l- Mai die Lüg« oerbrelle, daß das Demonstrationsverbot aufgehoben weiche. Hab« kein Recht, anderen Lüge vorzuwerfen. Bon den Polizei- beawten feien bekanntlich einig« Dutzend verwuichet worden. Präsidenten leistete«r kein« Folg«, worauf unter großem Lärm der Kommunisten die Sitzung unterbrochen wurde. Nach deren Wieder- aufnahm« wurden die tammunistifchen Anträge aus Aushebung de» Verbotes abgelehnt. Jetzt versucht� der Fuhrer des Hamburger Roten Frontkämpferbundes Andre, ebenfalls ohne das Wort er- hallen zu haben, ein« Red« zu hallen. Als die Sitzung schließlich unterbrochen wurde, redete der Kommunist vor fast leeren Bänken. Er«ndete mit«inen dreifachen Rot-Frant. Bei der Wiedereröss- nung verkündete der Präsident den Ausschluß Andrä» auf die Dauer von vier Wochen. Die kommunistische Fraktion verließ daraufhin geschlossen die Sitzung. Die Boratungen konnten dann in Ruhe zu Ende geführt werden. Blutopfer für Woldemaras. vorsorglich hingerichtet... Riga, 8. Mai. sElgenSericht.) Wege« des Attentats auf Woldewa ras wurde» zahl« reiche Perjone» verhaftet, von denen daS Stand- gericht vier zu« Tode verurteilt«. Das Urteil wurde am Mittwoch voll ft reckt! Die Stadt Kowno ist durch die Polizei von der Außen- Welt so gut wie abgesperrt. Sämtlich« Straßen werde« streng tontrolliert. Am Mittwoch wurhe« wiederum zahl» reiche Personen verhaftet, ohne daß die Attentäter biSher festgestellt werden konnten. Verworfene Keme-Reviflon. »Notstand" war nicht vorhanden! Leipzig. 8. Mai.(Eigenbericht.) v Das Schwurgericht Berlm II! hotte den früheren Oberleutnant Nikolaus Reim wegen Beihilf« zum Mord zu drei Jahren- Zucht. Haus oerurteilt. Reim war an dem Fememord Legner her. vorragend beteiligt. Gegen da« Urteil war beim Reichsgericht vom Angeklagten und vom Staatsanwall Revision eingelegt worden, die am Mittwoch verworfen wurde. In der Begründung wurde hervorgerufen, daß der Haupttäter den Mord mtt voller Ueberlegung ausgeführt habe. Daher sei dem Angeklagten die Beihilfe zu diesem Verbrechen nachgewiesen. Di« Voraus- setzungen für einen Notstand feien nicht gegeben. Außerdem sei die frei« Willcnsbestimmung de, Angeklagten nicht beeinträchtigt gewesen. Oanzig verurteilt den Stahlhelm. Erklärung des Senats. T a n z i g. 8. Mai. Gegenüber den Augrlffe« der Stahlhelmleitung in Königsberg veröffentlicht der Senat der Freie« Stadt� Tanztg eine Erklärung, in der er eS ablehnt, zu den gegen ihn selbst erhobene« Angriffen Stellung zu nehmen. Dagegen müßten die Schmähungen gegen Tanzig mit aller Schärfe zurückgewiesen werden. Als ei« bedauerliches Zeichen der Verrohung im politi» sche« Kampf müsse der Versuch der Stahllzelmleitung be- zeichnet werde«, dem Senatspräsidenten Dr. Sah« die Ehre abzuschneiden. Die Verdienst« Dr. SahmS um die Dentsch-Erhaltung DanzigS feien vor aller Welt auch seinem zehnjährigen Wirken für Danzig bekannt. I» der einmütigen Stellungnahme der Danziger Presse sehe der Senat den Beweis dafür, daß die überwiegend« Mehrheit der Danziger Bevölkerung einig fei in der Verurteilung der maßlose« Angriffe des Stahlhelms. Moskauer Instrukteur verhastet? Warschau. 8. Mal. „Rzeczposposita"(.Die Republik") meldet in feuilletonistsscher Aufmachung, daß gestern am Hauptbahnhos ein eleganr gekleideter Herr festgenommen wurde, der sich mll einem gefälschten Paß al« polnischer Staatsbürger Jan Kryderfki auswies. Er entstieg dem Berliner Zug und erkundigte sich in nervöser Art nach dem Zug nach Rußland. In den beiden Handtaschen de« Reisenden fand man angeblich«in Verzeichnis von Berliner Kommunisten, die an den letzten Stroßenkäwpfm teilgenommen haben, sowie In» st r u t t i o n e n und genaue Berliner Pläoc.„Sizeczpo,- polsta" glaubt, daß Kryderfki vor dem 1. Mai al« s o w j« t» russischer Instrukteur nach Berlin gesandt worden sei und daß er mm wieder nach Rußland zurück wollt«. Nam, und Rationalität de? Festgenommenen konnten noch nicht ermittelt werden. * Eine Bestätigung dieser Meldung tonnt« nicht erhalt«« werden. Aller Wahrscheinlichkell nach handell e» sich hier um«ine der üblichen Sensationsmeldungen dieses Blattes, der in keiner Weise Bedeutung beizumessen ist. Kort mit der Arbeitslosenversicherung. »Arbeitslosigkeit muß man sich leisten können. Für Leute, die stempeln gehn müssen, ist das eben nichts!" - Ausbau der Angestellienversicherung. Wichtige Beratungen des Verwaltungsrats. Die«ozioldemokrajische Reichstagsfraktion hatte vor einigen MoNaten durch den Antrag Nr. 103 einen Gesegentwurs eingebracht, der eingehende Vorschläge für den weiteren Ausbau der An. gestelltcnversicherung enthielt. Durch das Gesetz vom 7. März fanden zwei Vorschläge bereits ihre Verwirklichung. Es wurde die Wartezeit für den Anspruch aus Rente erheblich verkürzt und den älteren arbeitslosen Angestellten, die das 60. Lebensjahr vollendet hoben, der Anspruch auf RuhegeP gc- geben. Gleichzeitig beschloß der Reichstag, die Reichsregierung zu ersuchen, baldigst dem Reichstag einen Gesetzentwurf über die Reform der Angestolltenversicherung vorzulegen. Der Verwaltnngsrat der Reichsverstcherungsanstolt für Ange, stellt« war für Mittwoch, den 8. Mai, zusammenberufen worden, um zu diesen Fragen Stellung zu nehmen. Bei diesen Beratungen spielten die sozialdemokratischen Forderungen für den Ausbau der Angestelltonversicherung eine wichtig« Rollen Inzwischen war auch die Berichtigung der verslcherungstechnischen Bilanz fertiggestellt worden. Diese Berichtigung hatte sich als notwendig erwiesen, weil bereit, nach Fertigstellimg der letzten Versicherung»- technischen Bilanz sich herauestelll«. daß die angenommenen mothe- matischen Wahrscheinlichkeiten durch die totsächlich einge. treten« Entwicklung überholt waren. Dieses Schicksal teilt« die versicherungstechnisch« Bilanz mit ihrer Vorgängerin, die zwei Jahr« zuvor ausgestellt war. Wer da glaubt, daß dadurch di« Dersicherungsmathematiker der Reichsoersicherungsanstalt empfänglicher für die Wirklichkeit ge- worden wären, wird durch die Berichtigung der letzten VUanz gründlich vom Gegenteil überzeugt. Sic haben wirtlich nichts hinzugelernt. Ihre Prophotengabe wird genügend yekonn- zeichnet durch die Tatsache, daß sie bei einem Reichsbairtdiskont von IM Proz. für die Verzinsung des Vermögens der Reichsocrsiche- rungsanstatt einen Zinssatz von 6M Proz. für dieses Jahr ihren Verechmingen zugrunde gelegt haben, daß sie für 19S2 mit einem Zinssatz von 5 Proz. rechnen und für t«» Jahr 1052 eine Ver. zinsung von i Proz. zugrunde legt. Aber selbst bei diesen Berech. »iingcn wächst das Permögen der- Reichsversicherungeanstalt bis zum Jahre 1037 auf rund 6 Milliarden Mark. Dieses Vermögen ist. wenn e« nach den Verficherungsmachematikern geht. im Jahre 1980 aufgezehrt. Grund genug für dies« Rechenkünstler, keiner Erhöhung der Rente zuzustimmen! Die Mehrheit der Vertreter der Angestellten hat sich jedoch van diesen Rechenkünstlern nicht ins Doxhorn jagen lassen. Nach ein. gehenden Beratungen sprach sich der Verwallungsrat in folgenden Fragen einstimmig für«ine Reform der Angestellten» Versicherung ans: Die Witwenrente soll auch den schuldlos geschiedenen Ehefrauen zustehen. Es soll eine Eltern. r e n t««ingeführt werden, wenn der Versicherte den Unterhalt der Ellern wesentlich aus seinem-Arbellsverdionst bestritten hat. Die Waisenrente soll bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gewährt Verden. Bei freiwilliger Weiterversicherung sollen zur Ausrechterhattung der Anwartschaft jährlich sechs Bei» träge notwendig sein. Zlußerdem sollen bestimmt« Personenkreis« bei vorübergehender Dienstleistung versicherungsfrei bleiben. Dagegen kam in der entscheidenden Frag«, die Rentenleistungen durch Erhöhung der Steigerun gsbeitrSge zu verbessern, kein einstimmiger Vorschlag zustande. Die Vertreter der Arbeit- gsb« lehnteu eine solche Erhöhung ab: die Vertreter der Angestellten sprachen sich mit 7 gegen 4 Stimmen für«in« Erhöhung au» Diese Abstimmung ist insofern von größter Bedeutung, weil in dieser wichtigsten Frage die Mehrheit der Vertreter des söge» nannten Hauptausschusses, der bisher eine Einheitssront gegen die freien Angestelltenverbände bildete, mit den beiden Per» tretern des AfA- Bundes stimmte. Damit hat die Mehr- hell des ,/)auptausschusses" die Haltung ihrer Führer Thiel und Lambach und nicht zuletzt di» Haltung der beiden Rechtsparteien. Bolkspartei und Deutfchnatlonale. denen sta angehören, auf das schärfste verurteilt. Es ist nunmehr notwendig, daß der Reichs- tag bald Gelegenheit bekommt, zur Reform der Angestelltenocr- sicherung Stellung zu nehmen. Reichsanstalt und Mißbräuche. Ein Erlaß des Präsidenten. Di« Reichs an st alt� für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung teilt mit: „Der Vorstand der Reichsanstalt hat sich in der letzten Woche eingehend mit den Ersahrungen und Schwierigkeiten beschäitigt, die sich im verslosseiwn Winter bei der Durchführung der Arbeiislosen« Versicherung ergeben haben. Als Ergebnis dieser Beratungen ist den Arbeitsämtern ein zusammenfassender Erlaß zugegangen, der eine Verbesserung und Vereinheitlichung der Verwastimgspraxis sichert und«in« ungerechtfertigte Inanspruchnahme der Arbellslosenoersiche- rung verhüten soll." * In den, Erlaß wird u a. besonders darauf hingewiesen, daß erhöhte Aufmerksamkeit der Prüfung zuzuwenden sei, ob Schein» arbeitsoerhältnisse vorliegen. Solche können niemals die in dem Gesetz vorgesehene Anwartschaftszeit erfüllen. Ein» etwa irrtümlich bewilligte Unterstützung ist sofort zu entziehen und der ge» zahlte Betrog zurückzufordern, wenn nachträglich eine Scheinbeschästt- gung testgestellt wird. Die verschärfte Nachprüfung fotf sich auch auf di« Schwarzarbeit beziehen. Die Arbeitsämter sollen dabei mit den Krankenkassen zusaitimenwirken. Die Saisonarhsits- losen sollen nicht nur von der Fachabteilunz, sondern auch von der Allgemeinen Abteilung des Zlrbellsamts betreut werden, wobei erneut auf die gesetzliche Bestimmung verwiesen wird, wonach bei berufsüblicher Arbeüslosigkell tü« Verpflichtung zur Annahme beruf»« fremder Arbeit van vornherein besteht. C» wird in dem Erlaß noch« mals darauf hingewiesen, daß die Frage, ob eine Arbeit als zunmtban anzusehen ist.«in« Tatsrage des einzelnen Falles ist und daß jeder Arbeitslose, auch der Facharbeller. sich ein gewisses Maß von Ab»' weichung gegenüber seiner Fachorbeit gefallen lassen muß. Den Arbeitgebern gegenüber sollen die Arbeitsämter auf größer» Genauigkeit und Zuverlässigkeit In den Angaben über d>« Eni- lasiungsgründe dringen. Jeder Arbeitslose, der Unterstützung hegehrt. muß dem Arbellsmarlt tatsächlich zur Verfügung stghen. In dem Erlaß heißt es. daß ein« Frau, die durch ihre häuslich« Pflichten den überwiegenden Teil des SIrbellstages in Anspruch genommen wird, im allgemeinen«dem Arbcllsmartt nicht zur Verfügung stehe. Es müsse erreicht morde"» daß auch die Wohlfahrtspflege ihre Unterstützungen an Arbeitssähige in allen Fällen davon abhängig macht, daß diese Arbeitslason sich regelmäßig nach Anweisung des Arbeitsamt» bei diesem melden und um Arbeit bemühen. Do» Ar, beitsanü ist verpflichtet, sich dieser Arbeitslosen mit ollem Nachdruck anzunehmen und durch Arbeitsangebote ihr« Arbeitswilligkelt fort- gesetzt zu prüfen. Oas Recht der Minderheiten. Forderungen ihres Kongresses Der Ausschuß der europäischen Nationalitätenkongresse hat im Ergebnis eines Briefwechsels mit dem Botschafter Adotci, Berichterstatter des Dölkerbundsrates für die Minderheitenfragen, auf besten Aufforderung hin in Pari» ein Memorandum an das Minderheiten- komitee des Rates gerichtet. Die Denkschrift stellt nach gründlicher und kritischer Betrachtung des jetzigen Rechtszustandes folgende Forderungen: 1. Wiedereinführung der O« f fe n t l> cht e i t des Der. fahren?, Veröffentlichung der Eingaben, Repliken usw. 2. Ergänzung der Informationen des Rates, resp. der Dreier- ausschllste, in dem die Beschwerdeführer, speziell wenn es Organl- iationen der Minoritäten in den betrefienden Staaten selbst sind. berechtigt werden, nötigensalls aus die Gegenäußerungen der Staaten zu antworten. Z. Ausbau der Dreierkomitee», indem alle Mit- gliedor des Rates in ihnen vertreten sein werden--- D e r p f l i ch. tung zur Berichterstattung an den Rat. 4. Stärkere Inanspruchnahme des Haoger Gerichtshofes, wo. durch die Entpolitisierung der Äreitsragen erreicht werden könnte. 5. Besonderer Sachverstöndigenausschuh beim Völkerbund, zur Behandlung und Regelung des Problems in seiner Gesamtheit(Prüfung der in den einzelnen Ländern erzielten Fortschritte. Erhebungen über lokale Gesetze, Ausarbeihmg von Empsehlungen, die zu einem unmittelbaren Einvernehmen zwischen den Staaten und Minderheiten führen können). 8. Erfüllung der moralischen Verpflichtung, die 1022 durch die Völkerbundversommluna auch für die durch die Verträge nicht gebundenen Staaten als Mindestmaß festgesetzt wurde. Die Denkschrift schließt mit dem Hinweis darauf, daß jeder kommende Krieg für die Minoritäten, da sie ja meist an den Grenzen der Staaten leben, von einer geradezu kotostropha- l e n W i r k u n g sein würde, denn ein Krieg würde für die Minder» heilen ein Mrger- und Bruderkrieg sein. Darum bestehe für die Minoritäten nicht nur ein Recht, sondern geradezu eine Pflicht, durch einen Appell an den Völkerbund darauf Hinzuwirten, daß es zu einer durchgreifenden Lösung der Minoritätenfrage kommt. Die Veröffentlichung der Oenkschristen. Gens, 8. Mai. Reichsoußenminister Dr. Stresemann hat telegraphisch den Generalsekreiär des Völkerbundes darauf aufmerksam gemacht, daß in der Presse einige der Denkschriften verschiedener Regierungen zur Minderheitensvag« veröffentlicht worden sind. Die deutsche Regierung habe bisher von einer Veröffentlichung chrer eigenen Denkschrift abgesehen, da sie die offizielle Peröfsentlichung aller Denkschriften in Genf abwarten wollte. Angesichts der Ver- öffenllichungcn halte sie eine baldige amtliche Veröffentlichung für angebracht. Der stellvertretende Sekretär Marquis P a i l i s s i hat dos Telegramm Stresemanns dem in London versammelten D r e i e r k o m i t« e. für besten Arbeiten die verschiedenen Denk- schviften laut Ratsbeschluß bestimmt waren, zugestellt. Das Dreier. komitee erklärt« daraus, daß all« Denkschriften in vollem Wort- laut als Anlage dem Bericht de» Komitee», den in Madrid ein besonderes Ratskomites und hierauf der Rat prüfen wird, beigegeben sein werden. Dos Komitee könne aber ein« sofortig« Deröffevt- lichung nicht vornehmen, da verschiedene Regierungen ihre Denk- schristen nur an das Dreierkomste« eingesandt hatten. Dogegen werde der deutschen Regierung wie auch jeder anderen Regierung - durchaus freigestellt, ihre eigene Denkschrift von sich aus sofort .zu veröffentlichen. Marquis Pollissi hat" Stresemann dies« SM- lungnahmo des Komitee» sogleich telegraphisch mitgeteilt. Die Erfolge des Herrn pabst. Jeden Sonntag Heimwehrexzeß. Als neuen Beweis für die Mazedonisierung Deutsch. österreichs bezeichnet die Wiener„A r b« i t e r» Z e i t u n g' die Vorgänge vom vergangenen Sonntag. Um den Arbeitern den Herrn zu zeigen, hatten die Hetmwohren von Niederösterreich einen Aufmarsch in der sozialdemokrotisch verwalteten Industrie-(und Bischofs») Stadt St. Pölten veranstaltet. Die werktätig« Be< völterung hielt sich fern, monarchistische Lieder grölend und spielend zogen di« Faschisten— trotz Polizeiverbot bewaffnet— am Rathaus und den neuen Gemeindebauten vorüber: an der Spitze die Führer Dr. P f ri e m e r» Steiermark. Dr. Steidle- Tirol und Herr Pabst, steckbrleslip) verfolgter Hochverräter an der Deutschen Republik und schwer verwickelt in den Doppelmord Lieb» knecht, Luxemburg und die Schonung der Mörder. Bor dem Rat» baus hielt Steidle ein« Schimpsred« gegen die Verfastung und gegen die Arbeiterpartei. Gegen Abend fuhren die Faschisten auf Lastauw» heim. Ueberall in den Jndustriegemeinden versuchten sie Zusammenstöße zu provo- zieren. Wehrfach wurden Arbeiter überfallen. Als ihnen in Leobersdorf ein paar junge Arbeiter nicht gerate Schmeicheleien zuriefen, ließen die Faschisten halten, sprangen herab, warfen Biergläser gegen Unbewaffnete, stürmten gegen da» Arbeiter- beim, wo ein Tsnzsest war. und schlugen, bevor sie mit derben Faust- ichlägen persagt wurden, Frauen und Kinder nieder, verletzten auch Arbeiter mit S p o t« n hieben. Die Gendarmerie sah zu und schützt, lediglich die Flucht der Gewalttäter! Kattowitzer Kinos schließen. Die Sorge vor dem polnischen Tlationalismns. SaNowIß. 8. Mai. Gestern sind in Kottowitz sämtliche Kino» geschlossen war. den, da die Kinobesitzer ähnlich« Zwischenfälle befürchteten, wie sie sich om Montag in einem Kino, wo es zu Austritten gegen di« deutschen Inschriften gekommen war. ereignet habem Die Kinobesitzer verhandelten mit dem Magistrat um die Gemähr» letstung der Sicherheit des Publikum». Di« Derhandlun» asn hatten sodoch kein befriedigend«- Ergebnis, so daß die Kinobe» sitz« sich zur Schließung der Kinos entschlossen. Sie machten bei den Verhandlungen insbesondere geltend, daß. fall» di« beut» schen Inschriften und Zwischentitel entfernt würden, die Frequenz der Kinos um 30 Proz. sinken würde. pilsudski bleibt offenherzig. Warschau, 8. Mai. Der Ehef des polnischen Grenzschutzkorps. General Minkje- wicz, ist van Marschall PilsudsN seine» Amte» enthoben worden. Unverzüglich darauf wurden auf Befehl de« Marschalls feine Kanzlei» und Amtspapter« versiegelt. In«iivm Brief an den Ministerpräsidenten erklärt« Marschey Pissudski. daß zurücktretende hohe Beamten Papier« und Korrespondenzen mit- zunehmen pflegen, wodurch«S den Nachfolger» sehr erschwert sei. sich in de» Geschäften zurechtzufinden. Dies« Unsitte führ« zu einem nollkommenen Verfall der staatlichen Ethik, so daß Stoatedokumente bei irgsndwelchen Privatpersonen herum» liegen. Ein Staat mit dieser Art EGik mache den Eindruck eines bankrottierenden öffentlichen Hauses. Deutscher Kleinbesitz wird enteignet. Warschau. 8. Mai Durch Derösfentlichung von R Liquidationsbeschlüssen hat die Entdeutschungspolitik der polnischen Regierung eine neuo Verschärfung erfahren. Durch nachstehende Ziffern wird nur ein kleiner Ausschnitt aus der Enteignungspolitik gegenüber dem Deutsch- tum in Polen beleuchtet, die von polnischer Seite al» Vergeltungsmaßnahme gegen da» preußische Enteigmmgsgesetz von 1908 bezeichnet wird. Gegen die damoi» enteigneten 1S7Z Hektar polnischen Besitze» zu einem erheblich über dem Marktwert liegen- den Preis gingen in den letzten 11 Iohrep dem Deutschtum in de« abgetretenen Provinzen Posen und Westpreußen über eine Mil> l i o n Hektar an Grund und Boden unter dem Druck polnischer Zwangsmaßnahmen verloren. Um ihre Entdeutschungspolitik un- gestört fortsetzen zu können, hat die polnische Regierung da» Zu- standekominen einer Vereinbarung über di- Einstellung der Liquidationsmoßnohmen immer wieder hinausgeschoben. Ei«.Sund fpr koloniale Erneuerung" ist durch Zusammenlegung zweier Koloniolvcreine m« Leben getreten. Porsitzender ist Abg. Dr. Külz(Dem.), einer seiner Stellvertreter ist Genesse Eoh»n- Rens). WERTHEIM Leipziger Str.(Vereand-Abt) Königetraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise tür Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Kaffee frisch esbrannl. eigen« UBsietd Pfd. Konjum-Misch. 2 40 Hau$hall-M isch.2.60 Sonder-Misch. 3.00 Olympla-Mi$ch.3,40 Qlobus-Misch. 3.80 Resldenz-Mi$ch.4.20 Obst u, Gemüse Eß-u.Kochäptei fw. 0.28 Kalif. Aepfei pio- 0.42 0.48 Zitronen vuhend 0 42 0.48 AÄn� 0.75 1.00 1.30 Bananen Pfund 0.55 Ananas Irische, Hund 0.95 Jung. Spinat ho" 3 Pfd. 0.98 Rote Rüben Pfund Möhren gewaschen, Pfd. Weißkohl Pfund Rot- tu Wirsingkohl"1 Rhabarber funa 0.28 Blumenkohl Kopf v. 0 Zwiebeln , eue Aeeypfer, Pfund 0.06 0.12 0.14 0.22 0.42 .40 an 0.10 Mettwurst fvraunschw. i lenwursr Ar|) pfund 1.45 1.60 Schlnkenpolnlsche Filetwurst Pfund 1.60 Zervelat u. Salami holsteinische, Pfund 1.80 Käse u. Fette Camembert voiiteit Limburger AllgHuer, halbfett.Pfund 0.56 Steinbuseher tiaibtet;.....Pfund 0.55 Holländer»albtett...... Pfund 0.65 Edamer nalbleti....... Pfund 0.65 Bierkäse AIlgBuer, vollfelt...... Tilsiter nalble». ohne Kinde..Pfund 0.80 vo»f.,Ptd. 1. 1 2 1.20 Schweizer danischer, drelviertelfelt,� 0.85 bayr. vollfeK� 1.45 VOilfett. Schweizerkäse u 1-20... Margarine Pfund 0.52 0.58 Kokosfett I-Plund-Tafel 0.62 Gold-Bonbons 0J5«» Konserven Dose Gemischt. Gemüse �»ose Senfgurken..... 0.87 Neue ital. Nierenkartoffffeln 3«-.d. 0.78 Wurstwaren Sülz- u. Dampfwurst 1.00 Feine LeberwurstP'd. 1,80 Rotwurst Pfund 1.00 Landleberwurst Pfd. 1,20 Fleischwurst Pfund 1.20 Jagdwurst Pfund 1.45 ■/.Dos« 0.68 0.95 m�1- 1.20 Gemüse- Erbsen 0.50 Ig.Erbsen'U' 0.78«gj 1.50 Kaiserschoten 1.65 Spinat Karotten„ Dose geschnitten Karotten".'�o,- 0-60 l-OO Stg.- Brechbohnen 1.00 Sellerie 1.05 Bruchspargel. ca exir« slsrk, Dose t.OU Rffaumen�0.90 m''„0.73 Saure Kirschen 1.05 Tafelbirnen n 00 hslbe Fruchl, 1» Dose U.ÖZ— Kafiforn, Pfirsiche 1.35 Kaliforn. Fruchtsalat 1.85 Gelsardinen TkÄ0-85 Horw. Heringe« f—i- 75 P>. Teewurst Pfund 1.80 Speck fett, Pfd. 1.1 5 mager 1.35 Schinkenspeck Pfund 1,95 Nußschinken"-��2.10 (itstntrct? taanitar ur_ mantmiitr Knoblauchwurst Pfd. 1.20 Bierwurst Pfund 1.60 Landmettwurst pomm. 1.6( Sport- und Touristen-Konserven Konfitüre v, et«., Pflaumen 0.98 Aprikosen 1.10 Orange. Johannisbeer 1.15 Erdb. 1.30 Kirsch. Hlmb. 1.35 Ananas 1.40 Ylerfrucht-Marmelade....... Eimer 0.85 Preise fflr ,/l PfascKe ohne Glas smek 0.15 0.2k vollfett, Ptund 0.9C vollletf, Pfund 1.00 volllctt, Ptund 0.9C vollfett. Ptund 0.90 Pfund 1.00 Tafelbutter I Pfund 1.86 Dänische Butter Hd. 1.98 Räucherwaren Bücklinge Pfund 0.28 0.34 Seelachs w swcken. Pfd. 0.38 Flundern Pwnd 0.30»n Sptotten..... Pfund 0.44 Kieler Bücklinge Pfd. 0.38 Makrelen..... Pfund 0.48 Konfitüren Eisbonbons- Pfund 0.70 Messina-Drops Pfund 0.70 Gelee-Hlmbeer. Pfd. 0.90 Apfelsinen- u. Zitronen- Schnitte Pfund 0.90 Wein zur Bowle Frankfurter Apfelwein.Rackles Urquell" 0.70 1928 Jugenheimer sumger ubeinhess«.......... 1.10 1928 Obermoscler«ngenehme Axt.......... 1.20 1 927 Grünstadter Roth»öfter............ 1 dV 1927 Wellener Riesling krimiger Mosel...../| 40 Frucbtschaumweln mit Steuer und PIssche..... 1.30 (Hausmarke) feiner Traubensckt. Flaschen-, AA opcziai v�uvee gilrl|nt,_ mli S euer und Flasche 4.UU 1928 Maikammerer praixischer tisch wein, vom Fsß, utei 1.25 1926 Clüsserather Königsbergsfshi fMtteimo«. 1 dS 1927 Ebernburger Götzenfels p«-. Piairwew j I 70 1926 Brauneberger Falkenberg besiech. Mos.> gM 1 926 Rüdeshelmer felnblumlger Rheinwein) M» M •* Fi.'/i Fl Kirsch-, Johannisbeer- u. Zitronensirup 0.80 1.40 Feiner Himbeersaft u. Orangeade 0.95 1.60 tVefn and Spirituosen vom Fuß tu Exirupreisea Kolonialwaren .Ptund 0.18 Weizengrieß PW- 0.22 0.26 Haferflocken Ptund 0,25 Makkaronl 0.45 p™nd 0.40 Schnittnud. Hund 0.40 0.54 Fadennud.'Ö 0.42 0.56 Bruchreis Tafelreis Pfund 0.24 0.32 Pflaumen••••..Pfd. 0.32 0.46 Pflaumen w"-.?'«!. 0.44 0.54 Backobst geÄ 0.48 0.68 Aprikosen um./ti. 0.92 1.18 Frisches Fleisch Schweinebauch und Roden,->» Benage Pfund Schweinekamm und Blatt, mit Benag.. Pfund Schweineschinken.......... Pfund Kalbskamm u. Brust....... Pfund Kalbsnierenbraten.......... pfund Kalbskeu e............... Pfund Rinderkamm u. Brust........ Pfund Querrippe pfmd 0.75 Gulasch Pfund Schmorfleisch u. Roastbeef m- Schmorfleisch ohne Knochen Pfund 1.10 1.15 1.18 0.76 0.86 0.95 0.80 0.89 1.00 1.2, Frische Rinderzungen Pfund 1.2« Kalbsschnitzel pw 9.1 n >*rima etrierHeisc« Rinderkamm u. Brust........ Pfund 0.76 Hammelvorderfleisch....... Pfund 0.94 Fische Bratsckollen......... Pfund 0.08 0.15 DOrSCh ohne Kopf............. Pfund 0.1 2 Kabeljau ohne Kopf, gante Filde, Pfund 0.12 0.29 Hornaa e............. Pfund 0.13 Filet von Kabeljau.......... Pfund 0.22 SChelHiSChe mitMgrotle......... P-und 0.24 Grüne Heringe4>/, Uhr. auf dem Demeindelriedhcs in Tegel statt. Am g. Mai starb an DeHirnschlag unser Kollege, der Werkzeugschlosser Altona Hentschei ged. 5. März I88R. Die Einäscherung findet am Montag. dem Ig. Mai,>S>/, Uhr.>m Krematorium Gerichiftraße statt. Rege Beteiligung wird ermariet. Nazi, rot Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klempner ericli zwing aeb 14 Mal 1891, am 96. April an den Folgen eint« Uniall« gestorben ist. Beerdigung Hai dereii« stattgefunden. Ehre ihrem Andenken! Di« Otl«oecn>altang. Berein d. Berliner Buchdrucker und Schristgießer. Am 5. Mai oerstarb ganz plötzlich und unerwariet an Herzschlag unser tangsihrlge» MilgUed und irsthere Lruderkollege Paul Knecht im 42., Lebensjahre Der leider so srühzeitig Berstordeue gehörte auch einige Jahre dem Dauoorstande als Spaetenpertreier an und war stei« eifrig bestrebt, In dieler Elgenlchalt die Interessen der Druckerkollegen ins- besonder» zu verfielen. Wir werden dem verstorbenen ehemaligen. Mit» ardeiier jederzeii ei» ehrendes Andenken bewahre». Der(Bonoerftanb. Am Eonnabend. dem 4 Mai, entschlief plötzlich und uuerworiei meme liebe Tochter und Echwicgerlochler. Schwester, Schwägerin und Tanke. Frau Christine Günther ged. Tiefenbad. Die«(eigen ticfbtlrübi an Ol« ftanerabenchintecbllebenen. Di» Euiättherung erfolgt am Sonnabend. dem II. Mai. oorm 11 Uhr. Im Sremalorium Baumschulenweg. 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Sehr interessant gestaltete sich die Aussag« des Weichen- stellers Gustav G o« r k« aus Marheningken, der am Mordabend bis gegen �l2 Uhr mit Dujardin auf dem Bahnhof zusammen- gewesen ist. Dujardin habe sich gegen?«12 Uhr oerabschiedet, um nach Hause zu gehen. Nach l Uhr 5 Min. habe das Telephon ge- klingelt, und eine Männerstimme, die der Zeuge nicht konnte, erklärte, daß bei Iaquart eingebrochen sei. Gegen Z Uhr morgens habe dann Dujardin angerufen und ihm mitgeteilt, daß 3aquet ermordet fei und ihn gebeten, aus dem Bahnh»s aus verdächtige Fahrgäste zu achten und auch die Nachbarstation zu benachrichtigen. Die Arbeiterfrau Amalie Grustas war 1998 bis 1912 bei Äaquets im Dienst. Sie schilderte, daß die Ehe im allgemeinen friedlich gewesen sei. Die Zeugin, die anderen gegenüber von an- geblichen Verhältnissen der Frau Jaquet berichtet hatte, wollte heute nichts mehr davon wissen. Die Alrsitzcrin Frau Anna Burblis, die in dem Hanse Joqnets verkehrte, schilderte die Frau als l c b r n s l u st i g, den 15 Jahre älteren Mann als ruhig und in sich gekehrt. Die Zeugin Burblis hat der vorher vernommenen Zeugin Amalie Grustas miigeteilt, daß Frau Jaquer mit dem Förster Kr. wiederholt in enger Umarmung angetroffen worden sei. Wurden Meineide geleistet? Eine Frau Gerleit bekundete, daß die Zeugin Frcm Grustas vor 10 Jahren in der hauptverhandlung über die Beziehorigen der Frau Jaquer zu dem Förster Kr. einen Meineid geleistet habe. Bors.: Und das Hot sie Ihnen, ossen erzählt? Zeugin: Jawohl, sie hat gesagt:„Ich könnte dem Kr. glart'in die Fresse hauen, denn er hat einen Meineid geleistet", und als ich zu Frau Grustas sagte:„Dann hast du doch selbst einen Meineid geleistet, weil du dasselbe gesagt hast wie er", da antwortete sie:„Das Gericht hat doch bloß in dem Jaquetschen Haus staltgesunden, und da gibt es keinen Eid". Vors.: Frau Grustas, ich teile Ihnen mit, daß der Herr Sioatsanwalt ein Auge aus Sic hat und daß Sie sich eventuell durch Ihre Aussage«in Meineidsverfahren zuziehen können. Die Zeugin revidierte hierauf ihre Aussage in einer Frag Jaquer recht belastenden Weise. Staalganwalt: Di« Frau schwört jetzt weiß und später schwarz. Bors.: Die Strasprozeß- ordnung zwingt uns leider, Leute zu vereidigen, die wir für un- glaubwürdig halten, hoffentlich wird die neue Strafrechtsordnung diese Mängel beseitigen. Auch ein Geschworener ermahnte die Frau, sich vor dem Schwur nochmals zu prüfen. Di« Zeugin wurde, daraus vereidigt. Oberstaat'Sanwalt: Ich bring« jetzt eine Tatsache zur Kenntnis, die noch nicht erörtert ist. Der obere eiserne Teil des Geldschrankes war nämlich geöffnet und der untere ge- öffnet und durchwühlt. Dujardin: Als ich den Geldschrank gesehen habe, war er oben ungeöffnet. Da auch Frau hoelzner sich nicht entsinnen kann, daß der Geldschrank ossen gestanden haben soll, äußerten der Vorsitzende und der Berteidiger, daß offenbar im Augenscheinprotokoll der ersten Instanz ein Schreibfehler vor- liege und daß es statt unverschlossen verschlossen heißen mußte. Bors.: Frau■fioelzner, war nun am Mordmorgen der Schrank offen oder geschlossen? Zeugin: Das weiß ich nicht»lehr. Dujardin: Nicht der obere, sondern der unter« Teil des Geld- schronkes war geöffnet und durchwühlt. Der Borsitzend« ließ darauf das heulige Sitzungsprotokoll vorlesen, in dem die Zeugin aussagt: „In der Mordnacht lagen die Schlüssel oom oberen Geldschrank in dem unteren holzschrank." R.-A. S ch ö n s e l d: Frau Zeugin, was ist denn rnrn von Ihren vielen Aussagen richtig. Zeugin: Ich berufe mich auf das Protokoll von vor 10 Iahren. Bors.: Dann ist also Ihre Ausjag« von heute morgen unrichtig? Die Zeugin schweigt. Oberstaatsanwalt: Also erhebt sich die Frag«: Wer hat in der Mordnacht den unteren Schrank aufgeschlosien? Zeugin: Das weiß ich nicht. Bors.: Sie, Frau Zeugin, hatten doch aber den Schlüssel in der Mordnacht in Ber- wahrung. Sie hätten doch an den Schrank stürzen und nach- sehen müssen, ob das Geld noch da war. Aussagen für und gegen Oujardin. Dann folgte die Vernehmung des 27ISHrlgen Försters Georg Reese, der in der Mordnachl mit Dujardin in einem Zimmer geschlafen hat, ohne allerdings näher« Fühlung zu dem bedeutend älteren Angeklagten gehabt zu haben. Der Zeuge schilderte einleitend seine Erinnerung an den Einbruch vor dem . Mord und kam dann auf die Unglücksnacht selbst zu sprechen. Don den Borgängen am Abend weiß er nichts, da er gegen 8 Uhr schlafen gegangen ist. Gegen 2 Uhr sei Frau Jaquet in das Zimmer gestürzt und habe„Mörder" geschrien. Vors.: hoben Sie nicht vor dem Erscheinen Frau Jaquets Dujardin ms Zimmer kommen hören? Zeug«: Nein. Wir sind dann durch die Zimmer geganqen, Dujardin und ich voran. Ich bin dann mit Dujardin ins Mord- zimmer gegangen. Bor dem Schrank lagen Kleider und Wäsche- stücke auf einem Haufen. Vors.: Was machte Dujardin da? Zeuge: Ich glaube, er schob die Kleider mit dem Karabiner fort. Oberstaatsanwalt: Suchte Dujardin etwa unter den Kleidern den Mörder? Dujardin: Ich hiel: im Dunkeln den Haufen für einen Menschen. Es ist traurig, daß der Ankläger solche Bemerkungen macht. Oberstaatsanwalt: Eine solch« Bc- merkung dem Staatsanwalt gegenüber ziemt sich nicht. Der Gutsbesitzer Kowald stellte dem Angeklagten Dujardin ein sehr gutes Zeugnis aus: Der Angeklagte habe im Kriege stark gelitten und wiederholt erklärt:„Mich kann nur ein« reich« Frau noch retten." Ich sagt« am Tage nach dem Mord:„Paul, ich glaube. es fällt ein Verdacht auf dich." Slls Dujardin daraufhin zu weinen begann, sagte Frau Jaquet:„Aber Dujardin, an so einen Verdacht denkt doch kein Mensch." Vors.: Wie kamen Sie dazu, Dujardin gegenüber«inen so furchtbaren Verdacht zu äußern? Zeug«: Man sprach vom ersten Tage an davon, daß Dujardin oder Frau Jaquet als Täter in Frage kommen. Aeußerst wichtig war dann die Aussage des Melkers Fritz Panteles, der bei Jaquet im Dienst stand. Vors.: haben Sie Frau Jaquet einmal gesagt, es sei doch so hell gewesen, daß sie den Töter hätte erkennen müssen? Zeuge: Jawohl', sie antwortete mir, der Täter habe einen grangcstreislen Anzog angehabt und sei offenbar durch das Fenster gesprungen.(Große Bewegung.) Vors.: haben Sie im Garten Fußspuren gesehen. Zeuge: Zwei Hand breit vom Fenster waren zwei Spuren von Füßen in Strümpsen.— Der Vorsitzende ließ daraus Dujardin und Frau Jaquet vortreten, die dem Zeugen ihre Füße zeigen mußten. Der Zeuge betonte darauf, daß die Spur breiter gewesen sei, als Dujardins Fuß. Zeugin Frau Jaquet: Panteles sagte mir einmal, daß Dujardin in der Mordnacht nach Alkohol ge- rochen habe. Dujardin: Das ist unmöglich, da ich weder unterwegs, noch zu Hause Alkohol getrunken hotte. Zeuge: Mir war es ja, als ob ich?Ukohol gerochen hätte. Dujardin: Frau hölzner, haben Sie denn in der Nacht bei mir Alkoholgeruch festgestellt? Zeugin: Nein, i ch n i ch t. Vors.: Diel« Antwort muß protokolliert werden. Staatsanwalt: Frau hölzner war aber zu aufgeregt, um so etwas festzustellen. hierauf wurde die Verhandlung auf einige Stunden unter- d r o ch? u, da in den Nachtstunden die angekündigten V e r- suche stattfinden sollen._ Oer Wiener Clternmordprozeß. Die Belastungszeuge« gegen den Schüler Artmann. wie«,». Mai. 3m Arkmann- Prozeß wurde am Mittwoch das Zeugenverhör sorlgcseht.(Es traten zunächst die Be- laflungszeugcn aus. Unter großer Bewegung im Auhörerraum erzähll die als Zeugin vernommene K ranken schwe st er von einer Mitteilung, die ihr Frau Zlrtmann eines Tages machte. Sie habe den Sohn mit einer Hundert-Schilling-Not« in die Apotheke ge- schickt. Der Junge, der damals noch nicht 14 Jahre alt war, vcr- wandte das Geld zum Kauf eines Grammophons. Als die Mutter dem Jungen drohte, dem Dater davon zu erzählen, Hobe Ferdinand gesagt:„Wenn du ihm etwas sagst, nehme ich den Be- volver und erschieße dich, ich weiß, wo er liegt, kein Mensch wird glauben, daß ich es war." In lebhafter Erinnerung ist der Zeugin ein Vorfall, der die Haushälterin Frau E n n s betroffen Hot. Eines Tages waren der Frau die Uhr und 800 Pengö oerscharunden, kurz daraus kauft« sich der junge Artmann zwei Paar Schuh«, heinden und verschiedene Kleinigkeiten. Als fein Vater daraus aus- merksam gemacht wurde, habe der Regicruugsrät der Zeugin tief- bekümmert gesagt:„Ich bin ein unglücklicher Mensch, manchmal steigt in mir die wahnsinnige Angst auf, der Bub könnte e-r b l i ch b e l o st e t sein. Meine Mutter hat sich an einem Weihnachtslag aus dem vierten Stockwerk in die Tiefe gestürzt, weil sie ständig in der Furcht lebte, oerhungern zu müssen." Eine nndere ehemalige Angestellte des Hauses Artmann, die Erzieherin Iosefine Pichl, erzählte, daß der Junge«in liebes, artiges Kind gervesen sei, ober durch das Gehabe seiner Mutter nervös gemacht worden sei. Die Rentnerin Friderike Rittershausen, die vorüber- gehend als Sekretärin beschäftigt und mit der' Familie gut be- freundet war, schildert den Regicrungsrot als überheblichen Menschen, der seine Frau manchmal geradezu flegelhaft behandelt habe. Sie Hobe den Eindruck gehabt, daß Frau Artmann ihrer Sinne nicht mächtig sei. Große Aufmerksamkeit erregt ein« Mitteilling des Verteidigers, eine Stahl warcnfirma habe ihn davon in Kenntnis gesetzt, daß Frau Artmann kurz vor dem Ereignis am 20. September in einem Ihrer Geschäft« erschienen sei, um ein großes Schnapp. messer schleifen zu lassen. Um 12 Uhr mittags wurde die Verhandlung unterbrochen, und um 14 Uhr begab sich der Gerichtshof zum Lokalter in In in die hletzinger Villa des ermordeten Ehepaares. Die nächste Ausstabe des„V o r w L r t s" erscheint des Himmelfahrtstages wegen am Freitagabc nd. Beerdigung der Opfer. Thälmann macht Propaganda für weiteren Barrikadenkampf Gestern wurden aus dem Städtischen Friedhos l« Friedrichsfeldc drei Opfer des kommunistlschea Wirf. verbrechen» beigeschl.(Es waren verführte Arbeiter, die dcq Parolen der KPD. gefolgt waren. Die Pollzei hielt sich sehr zurück. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. In der Trauerhalle fand auf dem Friedhof eine kurze Feier statt. Gegen �17 Uhr wurden die Särge vor der Leichen» Holle miigebahrt. Am Denkmal der Revolutionskämpfer hiell der kommiinistischc Reichstogsabgeordnet« Thälmann ein« Ansprach«. Er richtete überaus scharfe Angriffe gegen den sozialdemokratische« Polizeipräsidenten Genossen Zörgiebel und die Polizei, die „sozialsaschistische Hausknechte der Bourgeoisie" seien. Die Kominu» nistische Partei solidarisiere sich durchaus mit den Barri« kodenkämpfern vom Wedding und aus Neukölln. Der Reichstags» abgeordnete K ü n st l« r von der SPD. beschimpfe die Toten, wenn er sie als Lumpenproletarier bezeichne.(Der Genosse Franz Künstler Hot die Erschossenen niemals Lumpen Proletarier ge- nannt. Es handelt sich um ein« freie Erfindung Thälmann s. Red. d.„V.") Thälmann fuhr fort: Das Pro. lctoriot wird sich über die Grenzen und Gesetze des Bürgertums hinwegsetzen und den bewaffneten Aufstand zur Errichtung der Röteregierung und zum Schutz Sowjetrußlands. dos durch den kommenden imperialistischen Krieg bedroht ist, organisieren. Nach Thälmann sprachen mehrere Delegierte der Kommunisten in gleichem Sinne. An der Beisetzung nahmen im ganzen nur etwa 1500 Personen teil._ Oas Bauprogramm der„Gehag". Es wird großzügige Arbeit geleistet. Di«„G e h a g" hat. sich im Haufe der Krankenkasse, in der Köpciiickcr Straße, neu« Räume ausgebaut. Di« Ein- wethung dieser wirklich vorbildlichen Bureauräume verband die „Gehog" mit einer Gejellschafterversammlung, in der das neue Bau- Programm für 1929 vorgelegt wurde. Die„Kehag" hat im Jahr« 1924 mit einem Bauprogramm von 118 Wohnungen ihre Arbeit ausgenommen. 1925 steigerte sie ihre Tätigkeit bereits auf 10S4 Mahnungen, 1926 waren cj da» n 1204 und 1927 1267 Wohnungen. Im Jahre 1928 erreichte sie die Zahl von 1526. Im ganzen bat also die„Kehag" in der kurzen Zeit ihres Bestehens 066! Wohnungen fertiggestellt und 1520 Wohnungen begonnen. Zum großen Teil baut die „Gehag" für Baugenossenschaften und gewerkschaftliche Verbände. Sie sieht ihre Aufgabe besonders darin, kleine Wohnungen zu bauen, deren Mietsötze auch der Arbeiter bezahlen kann. Der Geschäftsführer, Genosse Franz Gutschmidt, und der Vor- sitzend« des Aufsichlsrals der„Gehag", Genosse Siegle, legten bei einer Veranstallung der„Gehag im Gewerkschastshaus die Pläne für dos Jahr 1929 vor. In Weißensee werden durch die„Gehag" 295 weitere Wohnungen gebaut, die bereits am 1. Juli bezugssertig werden. In Britz ist der sünft« Bauabschnitt begonnen wordei,. Er umfaßt 156 Wohnungen und wird gleichfalls zum 1. Juli bezugs» fertig. Für die Ideal-Baugenossenschaft führt die„Gehag" ein Bau- vorhaben über 94 Wohnungen aus. Bei diesem Bauvorhaben wird ein Z e n l r 0 l w o s ch h a ü s mitgebaut und die Dächer werde« als Majsivdecken errichtet. In Tegel baut die„Gehag" für die Frei« Scholle 105 Wohnungen, die ebenfalls Juni/Juli bezugssertig werden. Aus dem Mahlsdorser Siedlungsgelättd« werden. weitere 50 Einfamilienhäuser errichtet. Weitere 570 Wohnungen mit Zentral» Waschküche und zum Teil mit Zentralheizung werden aus dem Bögow-Gelände erstehen. Für das gleickz« Gelände ist ei« zweiter Bauabschnitt geplant, der 577 Wohnungen umfassen soll. Außer diesen bereits im Bau befindlichen Wohnungen sind in Bor- bereitung 440 Wohnungen, darunter 216 Einfamilienhäuser in der Großsiedlung Britz und 102 Wohnungen auf dem Gelände der Ideal-Baugenossenschaft. Für dos Siedlungsvorhab«« in Tegel sind weitere 75 Einsainilienhäuser in Vorbereitung. In Treptow will die„Gehag" 840 Wohnungen ohne Zusatzhypothet baue». Die Zehlendorfer Großsiedlung soll gleichfalls er. weitert werden um 430 Einfamilienhäuser, die von der„Gehag" oerkauft werden. In der Gesellschasterversamntlung und bei dem Empfangsobend der„Gehag" im Gewerkschastshaus wurde von den Führern der Gewerkschasten die Genugtuung darüber ausgesprochen, daß dieses jung« Unternehmen der Gewerkschaften, das gegründet wurde, um praktisch« Mithilfe bei der Beseitigung der Wohnungsnot zu leisten, derartige Ersolge verbuchen konnte. Im Jahre 1929 wird die„Gehag" ihre Bautätigkei�so steigern, daß sie etwa 10 Proz. des Berliner Wohnungsbaues leistet. Nach ihren Bor- anschlagen wird sie allein 2447 Wohnungen in diesem Jahre errichten. beseitigt im Na allen Schmutz ah Türen und Wänden Oer Überfallene Kassenboie. �ooo Mar? Belohnung. Trotz der forlgesehken Nachsarschungeu der Srimlnal- poNzei hak man voa den Räubern aus der Wullenwcbcr- strotze noch keine Spur gefunden. Bemerkenswert ist der Umstand, daß die Täter einen Opel- wagen benutzten. Bei ähnlichen Uebcrsällen. die in der letzten Zeit in der Prmriiy verübt wurden, sind die Verbrecher auch jedes- mal in einem Opelwagen herangcfahren und geflüchtet. Es scheint, daß es sich um eine Bande handelt, deren eines Mitglied auf diese Marke besonders eingefahren ist. So war es den Räubern auch nicht schwer, bei dem in der Fasanenstratzc gestohlenen Wagen den herausgenommenen Kohlenstift schnell zu ersetzen. Die Kriminalpolizei wird jetzt die Provinzüberiälle zu Vergleichs. zwecken heranziehen. Roch ist nicht bekannt, wo die Abänderung der Erkennungsnummer vorgenommen wurde. Der Magistrat hat für die Zlusklörung des dreisten Uebcrfalles eine Bs- lohnung von Zog Mark ausgesetzt. Die gleiche Summe lobt die Kriminalpolizei aus, so datz sich die Gesamtsumme aus 10(JÜ Mark beläuft. Sie ist ausschließlich für Mitteilungen aus dem P u b l i- k u m bestinunt. Zweckdienliche Nachrichten nimmt Kriminalkommisiar Werne- bürg beim Raubdezernat im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums entgegen. Die Vergasung Halles. Freispruch von fünf Bergwerksdirektoren. halle. S. Mai. va»«rweikerle SchSffengerichk verhandelte am Mittwoch gegen fünf Direktoren und Betriebsleiter des Bruck- darf- Rieklebener Bergwerkvereins, denen auf Grund der bekannten wiederholten Vergasung ganzer Stadlteile halle, im Sommer vorigen Jahres fahrlässige Körperverletzung zum Vorwurf gemacht wird. Die Anklage war von der Behauptung des Oberbergamtes halle ausgegangen, daß im regelmäßigen Betrieb aus den Gasometern der Schwslonlage auf der Grube„Zllwine" bei starkem Gasanfall schwefelsäurehaltiges Gas abgeblasen worden sei. Di« Ichwankende Gaserzeugung war bedingt durch den ungleichmäßigen Bitumengehalt der verwendeten Rohkohle. Rock) mehrstündiger Verhandlung schloß sich das Gericht dem Antrage des Staatsanwalts auf Freisprechung aller fünf Angeklagten an. Mörderisches Auw. Mutter, vier Töchter und eine Freundin überfahren. Eimsdetlrn swestfalenl, 8. Mai. heut« wurden auf der Chaussee zwischen Eimsdetten und Rheine die Ehefrau Veltrup, ihre vier Töchter und ein weiteres junges Mädchen von einemPerfonenkraftwagenübcrfahren. Eine Tochter war auf der Stelle tot, zwei Töchter und die Freundin wurden schwer verletzt. Die Mutier blieb unverletzt. Das Auto hatte bereits kurz vorher zwei junge Leute-überfahre«,, die ebenfalls in- schwerverletztem Zustande in das Krankenbaus gebracht werden mutzten. Die Ltnterfchlagungen beim Finanzami. Zwei ungetreue Beamte des Finanzamtes Niederbornim, der Steuerinspektor Tollkühn und der Steuersekretär Hose hatten sich, wie wir bereits in einem Vorbericht in der Mittwoch- morgenummer mitgeteilt hatten, vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen Amisunterschlagung in höhe von über Sä 000 M. zu verantworten. Der Angeklagte Tollkühn gab seine Schuld zu und erklärte, daß er mit Hose gemeinschaftlich gehandelt und das Geld geteilt hätte. 52 000 M. der unterschlagenen Summe waren Straf- beträge, die nicht verbucht worden waren und der Nest waren die Gelder für Kraftfahr st euer und S t e u e r m a r k e n. Der Angeklagte Hose bestritt jede Mitschuld. Die Sachverständigen ersahen aber aus der Buchführung, daß beide nur zusammen ge- haichelt haben können, da der eine, der Kassierer von dem Buchhalter gedeckt werden mußte. Das Gericht verurteilte nach kurzer VerHand- jung den Angeklagten Tollkühn zu einem Fahr Zuchthaus und 200 M. Geldstrafe und den Angeklagten Hofe zu e i n e m I a h r zwei Monaten Zuchthaus und 100 M. Geldstrafe. i-n ckin Um SOOo Mark bestohlen. Ein höherer Beamter wurde aus einen' Zlntobus der Linie 4 sehr schwer be stöhlen. Er hatte 5000 Mark Privat- g e ld abgehoben, verwahrte es in der Jackettasche und knöpfte seinen Ueberzieher zu. Als er den stark besetzten Wagen verließ, merkte er, daß ein Taschendieb chm den Mantel unbemerkt geöffnet und das Geld gestohlen hatte. »Wichtig für Völkische.'' An Nr. 14 imscrrt illustrierten Beila?« ,.55 all und st ei f druch. wir ein Bild mit der Untrrlchrift»Wicht ia fllrDSlkische'. Parteifreund sendet un» diele intcrestant« Aulchrift. „Ihr Bild mit d«m Titel„Wichtig für Dölkische" hat mich sehr >nt»ref'siert. Doch bin ich erstaunt, daß eine Ausstellung im Prag.-r Gemeindehaus mit dem Bilde„Wang-Sho-Ling: Opfe- r u n g" uns über die Herkunst des Hakenkreuzes Ausschluß geben soll. In unserem Berliner Schlotzmuseuin, Abteilung„Alte chinesische Kunst", finden Sie eine wunderbare Glasvase mit dem klare» und ebenfalls unoersälschten hakenkreuzmotio. Bor.etliibcn Jahren habe ich diese alte«hinesiscbe Base gelegentlich eines Besuches Im Museum zu meiner größten Ueberraschung In Augenschein ge- nommen. Auch habe ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit haken- kreuzmteressenten über Ihre„Abstammung" informiert. Allerdings muß bei eben_______-.WR WIWW_ artiges auch geben könnte. Für mich ist jedenfalls die Sammlung im Schloßmuseum kein Ramschladen zweifelhaften Urjprungs. Damit - Lrotze rrsvrioS ksdrUt- verkauit fugenlos« Trauringe direkt an Private Ktfity> in a 33.5 gestempelt nur 5 bis S Mk 535. eicht s.»u ,. 5M, mittel' 1*~ „ MS, schwer 14. ÄO ■WO„ leicht lft.80.. 000„ mitui II-SO. OOO, schwer 2«.—, Hermann Wiese, Berlin oes, geschBöt � Ariiuerleslr. Zvw. Passauer Sir. 1 2 QreTteees gratis sofort nun MUnefanua. WWW etwaige hakenkreuzler sich durch eine Reff« nach Prag nicht, in Ausgaben stürzen, um sich von der Richtigkeit ihrer Angaben persönlich zu überzeugen, weisen Sie vielleicht bei Gelegenheit einmal aus den weniger kostspieliaen Weg ins Berliner Schloßmuseum hin, der meines Erachtens die gleiche Wirkung haben dürfte." Oas Llnwetter in Nordamerika. 100 Tote, ungezählte Verletzte, großer Sachschaden. Aach den letzten Feststellungen beträgt die Zahl der Todesopfer de» Tornados in den sieben Südsiaaten von Rordomerika insgesaiyi etwa SO. außerdem wurden etwa 100 Personen oerleht. Zn v i r g I n> e n allein wurden 22 Personen getötet. Bei dem Ein- stürz der Schute in Ryecove wurden dreizehn Schulkinder und eine Lehrerin getötet. Fünf Kinder werden»och vermißt. Einige Schulkinder wurden 20 bi» Z0 Bieter weit vom Sturme fort- gelragen. Die schweren Stürme im mittleren Westen forderten fünf Todesopfer. In den O st st a a l e n habe« die Stürme der letzten Tage vcrhälknismäßig wenig Schäden verursacht. ?n der Röhe von O s w e g o verunglückte ein Güterzug infolge llnlerspülong des Bahndammes. Zwei Personen kamen dabei ums Leben. Auf dem Erle- und dem Blichigansee ist der Schiff». verkehr eingestellt worden. Eine richtige Borkriegetotonialrede hielt Re« gierungsrat Hans Zache. Der auzmerkfam« Hörer wurde belehrt: Rur mit väterlichem Wohlwollen und väterlicher Strenge ist der Neger zu behandeln. Die Franzofen, die aus wahnwitziger Angst vor den Deniscben Airikoneger in die europäische Kampffront stellten, haben dos Rasienprestig« der Weißen in Wriko zerstört. Aber die Sellfftändigkeifsbeftrebungen der Neger— so sagt Herr Regierungs- rot Zache wörtlich—„sind keine unbesiegbare Gefahr" Er ließ den Hörern die Entscheidung offen, ob diese Gefahr mit väterlicher Milde oder väterlicher Strenge zu„besiegen" sei. Wenn ein Befürworter des kolonialen Gedankens im Rundfunk spricht, so sollte er nicht derart unverantwortliches Gerede vorbringen. Uebrig�ns sei Herrn Zache gesagt, daß aus eigenen Kolonien ein verbilligter Bezug von Rohstoffen nur bei einem komplizierten Schußzollfysiem möglich ist. das wieder für den Handel mit den übrigen Ländern starke Schranken aufrichtet. Und daran, daß wir aus unserem kolonialen Besitz in absehbarer Zeit sämtliche Dedürfnisic des eigenen Landes würden befriedigen können, glaubt doch wohl Herr Zache selber nicht!— Die Unierhaltungsdarbietungen brachten an diesem Tag Musik für jeden Gejchmack. Das Quartett Hans Raue hotte für den Nochmittag ein recht gefälliges Programm Zusammengestellt. Der Abend bot ebenfalls ein« halb« Stunde recht annehmbore Unter- l>attungsmusik, ausgeführt von der Kapelle Geza Komor. Vorher hörte man eine Reihe schmalziger Lieder, die aus unerfindlichen Gründen im Programm den Titel.»heitere Lieber" bekommen hatten, gesungen von dem knödelnden Fron* Baumai: n. Ein Der- gnügen war bei diesen Darbietungen nur das delikate Biolinspiel Franz v. Szpanowski. Der Schluß des Abends wurde für alle Äustksreunde«in wirklicher Genuß, das Trio Moyer-Mahr. Alfred Wittenberg und Eva Heinitz spielte Beechove« Tes. Jagdfrevler in Rangedorf. Hoffentlich wird die Behörde energisch eingreifen. , Man schreibt uns: Sonntag bei herrlichstem Maiwetter! Am Strand des Rongsdorser Sees liegt, krabbelt und tollt groß und klein im Sande. Glitzernd liegt die weite Wasserfläche in der strahlenden Sonne. Nichts stört den Frieden. Pa!— Im Schilf des gegenüberliegenden Ufere, dann rechts und links knallen Schüsse. Man wendet den Kopf und fragt, niemand weiß, wer an diesem Sonntagnochmittag sein« Zell mit dieser Knallcrei lot- schlägt. Die Ausklärung folgt bald. Am Abend zieht ein Trupp junger, zum Teil recht junger Leute ins Bad«in Die Flinten Höngen forsch über der Schulter, in den Händen tragen sie Bündel verschiedenartiger Wasseroögel, die gerade den Rangs- dorfer See anmutig bevölkern. „Unerhört!" wird sich mancher Badegast beim Anblick der kleinen Leichen von Haubentauchern, kleinen Tauchern. Wasserhühnern und Enten gesogt hoben. Die Jagdfrevler stehen am Büfett und stärken sich, leise tropft dos Blut ihrer kleinen Opser in den Sand. Manchem der Bade- gäste wird der schöne Tag durch diesen Anblick verleidet worden sein. Wo bleiben Schonzeit und Naturschutz? Gerode in diesem Jahr,. nachdem der horte Winter so große Lücken in unsere Tier- weit gerisien hatl Zum Schutz des Verkchrspersouals. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten haben solgenden Antrag eingereicht: „Der Magistrat wird ersucht, bei der Berliner Verkehrs- gesellschaft dahin zu wirken, daß an den Endhaltestellen der Straßenbahnen sowlc Omnibuslinien für das Verkehrs» personal Aufenthaltsräume errichtet werden, die während der kalten' Jahreszeit geheizt werden können." ZiuSerhöhung bei der Sparkasse. Der Berliner Städtische Nachrichtendienst teilt mit: Infolge der am 25. April erfolgten Erhöhung des R e i ch s b a n k> diskontsotzes von auf 714 Proz. hat die Stempelocrein:- gung die Habenzinsen für Sparkonten bei den Banken von 5 aus 5 Proz. erhöht. Trotzdem die Notwendigkeit einer derartigen Er- höhung noch Ansicht der Sparkasse nicht vorlag, mußte die Sparkasie notgedrungen dem Vorgehen der Stempelvereinigung solgen. Der Aufsichtsrot der Sparkasie hat infolgedesien beschlossen, die Zinsen für Spareinlogen vom 1. Mai ab von 5 aus 6 Proz. zu erhohen. Die Folge dieser Zinserhöhung ist eine Verteuerung des Realkreditesi denn notgedrungen mußte auch der Zinssatz für Hypotheken, die von der Sparkasse der Stadt Berlin aus- gegeben werden, erhöht werden, und zwar v o n 8Vt a u f 9 P r o z. I ä h r l i ch, während der einmalige Verwaltungskostenbeitrag von Vi Proz. bei im übrigen voller Auszahlung des hypothekcnbetraaes beibehalten worden ist. Ein sozialistisches Palästina. Sonnabend, den 11. Mai, 20% Uhr, findet in der Stodthalle, Klosterstraße, eine öffentlich« Beriammlung mit dem Themn:(Sin sozialistisches Pa« l ä st i n a statt Den Borsitz führt Dr. Osiar Cohn, referieren werden Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt, Dr. Georg Lu» b i n s k i und Dr. Waller P r e u ß, Tsl-Aviv. Ferner hebräischer Chor. Eintritt 50 Pf. Veranstalter ist die Liga für dos arbeitende Palästina, Zweigstelle Berlin. abgcblUsfc aus feinem Wollfrikoi' Eberi und Hindenburg. Zwei Berliner Schulkapitel. llnssre Berliner höheren Schulen find ein Sopilel sür sich, wir berichten über zwei Fälle: In dem Amtszimmer des Direktors der chsrdsr-Rsform- realschul« in Charlottenburg, Aayernallec, hingen bis vor kurzem Bilder der ordengeschmückten früheren kaiserlichen, stramm monarchistischen Generale Ludendorff und Mackensen.(Heber Ludendorff sind die Akten ziemlich ge- schlössen, Mackensen ist der Mann, der kommandierender General wurde, weil er wie keiner verstand, S. M. die Hand zu küssen.) Die Republikanische Beschwerde stell« Berlin wandte sich an das Brovinzialschulkollegium Berlin und erhielt unter dem 24. April den Bescheid, dast„der Ober- studiendirektor der Herder-Schule in Tharlottenburg die Bilder der Generale a. D. Ludendorff und Mackensen aus seinem Amtszimmer hat entfernen lasten'. Sehr erfreulich! �sn der Aula des Dorotheenstädtischen Real» gymnasiums befindet sich«in großes Bild des Reichspräsidenten v. chindenburg. Dggegen ist natürlich an sich nichts einzu- wenden: Kein Republikaner wird eine Einwendung vorbringen, wenn der Präsident der Deutschen Republik geehrt wird. Da aber ein Bild des Amtsoorgängers chindenburgs, des Reichspräsidenten Friedrich E b e r t, fehlt«, ward die Republikanische Beschwerdestell« Berlin beim Magistrat vorstellig. Am ll. September lS28 lehnte der Schulausschuh die Anschaffung eine» Eberl-Bildes ab. Ms man sich nun erneut an den Bezlrtsschulausschuh 1 b i» 6 wandt«, erhielt man den Bescheid, daß der Magistrat„in der An- gelegenheit der Beschaffung eines Ebert-Bildes für das Dorotheen- städtische Realgymnasium die erforderlichen Mittel bereitstellen werde'. Gleichfalls sehr erfreulich! Aber es ist bedauerlich, daß die Schulleitungen nicht von sich aus für die staatsbürgerliche Erziehung der ihnen anver- trauten jungen Menschen so besorgt sind, Bilder von Generalen mit ossentundiger staats- und ordnungsfeindlicher Gesinnung zu«nt» -fernen und dafür Männer zu ehren, die sich, wie Ebert, wahrhaft ums Vaterland verdient machten. Tierschutz durch Filme. Der Mensch, der durch seine ganz« Stellung in der Natur be- recht igt ist, sich die Tiere nutzbar zu machen, hat zugleich die sittliche Pflicht, die Tiere zu schützen. Ein Kämpfer gegen Grausamkeiten und Quälereien ist den Kreaturen im Deutschen Tierschutz- verein erstanden. Allein aber Ist er zu schwach, um alles Un- gemach zu verhüten und darum ruft er:„Helft uns die Tiere schützen!' Gut war die Idee, einen Film, der im Lehrer- vereinshaus gezeigt wuide, von den Einrichtungen des Vereins erzählen zu lpsten. Hier sah man, wie zweckmäßig der Transportwagen für Tiere ist und wie nötig die täglich statffindcnde tierärztliche Sprechstunde sich erweist. Ferner bekam man einen lieberblick über die praktische Arbeit im Hart in der S ch i ck l e r- st r o ß« und im Heim in Lankwitz. Ein guter Vertreter fiir die Sache, der durch seine Tat für alle Mitgeschöpfe bat, war der anwesende Hund B o» c o. Sein Leben verbringt er als Blinden- sührer. Er ist der unzertrennliche Begleiter seines Herrn, den er jedoch einmal verließ, um aus eigener Initlatip« heraus ei« Kind, has ins Master gefallen, war, pam Tods de» Ertrinkens zu retten. Dieserhalb hat der Hund die Rettungsmedaille bekommen, die er an seinem Geschirr befestigt trägt. Zum Schluß zeigte man sodann Bengt Bergs Film„A b u M a r k v b". Er wurde wieder für olle zum Erlebnis. Bengt Berg, dieser große Schwede, zeigt« nicht nur den Filmfachleuten, daß es eine Natur im Film gibt, er trug nicht nur für die Wissen- schaftler Noturdokumente zusammen, er brachte den in die Fabrik und in das Kontor gebannten Menschen die Natur und das Tier in der Natur wieder nahe. Aus einem Verstehen des Tieres aber erwacht der beste- Tierschutz. Unfall Dr. Peltzer». In Wickersdors(Thüringen) stürzt« der bekannt« Läufer Dr. P e l tz e r bei einem Handballspiel durch einen Zusommenprall mit dem gegnerischen Verteidiger. Peltzer zog sich einen Bruch des Nasenbeins zu. Drei Kinder durch Grudegase getötet. In G o I b i tz bei Halle an der Saal« sind die drei zwei bis sechs Jahre alten Kinder des Geschirrffchrers Kitsche, die die Mutter, als sie Eintäuse macht«, eingeschlossen hatte, durch Grudegase getötet worden. Die Frau fand die Kinder bei ihrer Rückkehr t o t auf. parteinachn'chten ains«nd»ngea fät dies« Rubrik find Berit« SB M. Ltndraftrah« 3, G sürGroß-Vertin stet,»» du» B,jirt»s«er»t»rl«i 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richte». l. itrei. Ritte. Arbeitsgemeinschaft tagt Freitag, 10. Mai, 20 Uhr, i» der Arbeiter-Bilbmigsschule, Lindenstr. 3. Thema:„Die Probleme de» neuen Palästina.' Leiter I. Man«. 6. Jitci««renzberg. Hierdurch machen mir-ufm«rks«m aus ierg. Hierdurch machen»Nr-ufmertl«« auf da»»»» gahl- morgen uu» Z abladend der Z». Abteilung für de» Rai« arrangiert« Feiih. 1 am kommenden eonnt-gnachmittag Im Alten SierhSusche«. Ire»- Mitwirkende: Arbertergesanqvereiu Solidarität, SAZ. 81 lingsscst am iaiiu Ritr___ W_________ H____-...___ M> Kasperletheater. Tombola. Festredner Senasi« Otto Meier,«»tritt v PI., Kinder frei. Tanz d» Ps. 7. Kreta Sharlattenburg. Eonnabend, tt. Rai, ISZS Uhr, im tzuaendhei« Nostnenftr. 4. Sitzung des Bildungsausschuss«» mit deu Gruppenleitern der Jugendorganisationen. Tagesordnung: Waldfest. Gbendart rechnen auch die Abteilungc» die Maifeierkarten ab. tt. Krri»«eulölln. Freitag. 10. Mai. 20 Uhr, Zusammenkunft aller Bildung» ausschuhmitglirder In drr Berliner Kindl-Prauerei, Hermannstratze. Kommunalpolitiscke Vortraxsseike StoilidauiZt lVatzner spricbt am preitae. dem 10. Mai, W» Ubr, im Saale des Reiciswirtschaftsrats, BellevuestraBe IS, Ober Stadtplanung Morgen, Freitag. 10. Mai: 83. Abt. Tcmpelhos. M- Uhr beteiligen sich die Genossinnen und Senassen an dem Filmabend der kindersreunde in der Aula des Realgltimnaflums. Kaiserin. Auguita-Etraße. Eintritt 30 Pf. «». Abt. Britz. Buckow, kommunalpolitisch« Bor lg:z Uhr, in der Halle am Hufeisen, r 1. Vortrag: �Serfassung und Verwaltung Vorsteher Nobert Gerber, 52«. Abt. S!alil-dors. 20 Uhr bei Anders. Bahnhofstr. 37, Funktionärsitzuna. 5 35»° Abt, Freie Scholl«. 20 Uhr ilditgliederoersammlung im.SrnolUntwa*. »ortrafl:„Die letzten politischen Saigniff«.' Sieserent Rsbeet Brener. Sonnabend. It. Mai. 73. Abt. Wannsee. ISsz Uhr im Lokal Reichsadler, Könlastrahe. Mitglied«!- Versammlung. Vortrag:„Die Arbrilerwohlfahrt." Reserentin Dr. Elaea Henriques. Alle Mitglieder mllffrn«rfcheinrn. Arauenneranstallungen. 3». Abt. Die Genossinnen werden auf die heutige Ankündigung uns». es Friihlingsfcsies lunter S. Kreis) am Eonntagnachmittag im Alten Eier- Häuschen ausmerksam gemacht. Dil Kontrollen müssen rechtzeitig um lt Uhr dort sein. Jungsozialisten. Heut«. Douuerstag, S. Mai, beteiligen sich all« Mitglieder der Berliner Uppen am Mai-Ingendtag der SAT. in Srieselong. Beginn 14 Uhr. Morgen, Freilag. 1». Mai, Adrechunng der Beiträg« beim Genosse» K. Barg, Antwerpener Str. 4», II, 4 Tr.. ab 17 Uhr. Gruppe ReniöSut Der heutig« Gruppenabend iällt wegen de» Mai-Jugend- läge» der SAI. aus. Gruppe Schöneberg: Freitag. 10. Mai. 20 Uhr. im Zugrndheim Haupt. straßc 13, Eo>wabenlandzimmer. Kreieliteratnrabcnd. Anträge zur Reichs» konfer-nz. Säst- willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Kreis Eharlottenburg: Monlaq, 13. Mai, findet pünktlich lOVi Uhr»nfere Elternvertammlung im Heim Rosincnstr. 4 statt.- Reserentin Genossin Irma Fechenbach. Thema:„Sollen wir strafen? Und wie strasen wir?' Gruppe Südost: Heute. Himwelsahrt, machen wir eine Fahrt in den Früh. ling. Wir treffen uns um S Uhr Hochbahnhos Dranienstrotze. Essen und 20 Pk. Fahrgeld ist mit-udringen. Geburtstage. Jubiläen usw. 24. Abt. Unser« Genossen Allhelm Ren»«»», ZmmanpnWrch. stratzc 23, und Hermann Schönbera. Srcllstr. 2, blickte» vor«iaigee zeit ans-ine 2Zjährige DarteizugehSriglcit zurück. Wir gratulier«» ihn«» herzlichst und wünschen, doh sie UNS noch recht lang« als Rttlämpfr» erhalte« bleiben möge». 37. Abt. Charlötteubnrg. Unser lieber Geuossr R u d» l s H»ff»an» und seine Ehesrau. Schillcrfte. 37. seiern beute Ihr« Silberhachgeit. Wir guat». lieren herzlichst und wünschen alles Gute. � Sterbeiafel der Groß- berliner Partei- Organisation 23. Abt. Unsere Genossin Berta Tuscher, Pasieurstr. 37. ist im Alter von öS Jahren verstorben. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung wird noch bekaniltgegcben. Sozialisiische Arbeit erlügend Gr.-Verlin Zinlendunaen sür diese Rndltt nur an da« Zugendsekretoriai Derlin GWS3. ltndenftrate 3 Mitteldeutscher Zugendiag in Magdeburg. Morgen. Freitag, letzter Termin sür Anmeldung und Fahlung! Politischer Znsormationsabend Montag Sitzungssaal de» Ä Wehrprcblem." Referenten: Toni Sender und Friedr. Stampfer. 13. Mai. ISZZ Uhr, im ezirksamt» Kreuzberg. Porckstr. 11. Vartra«:.Da» i>>M>iM>MLe»d:r----- rn 2i.i« m* Mm da MK mit dem«v-a- Heule. Donnerstag. Treffpunkte für Brieselang: Bemegungschor: AI« ftüherra und ietzigeu Teilnehmer treffe» sich 9H Uhr am Maibaum zur Mitwirkung an de: Felerstunde.__... »öllatsch«. Pari: 714 III »hs. Schtznh. All«.-JSQi kling . Uhr Schief. ....,____—«chönhasser B«: mitbringen.— Reukölla VI; 7 Uhr berg. Milte: tzi---_ .. Haupleingang.— F-lkplatz I: 7 Uhr ldt: 7 Uhr Bhf. Schöuh. Alle«. Fahnen f. Ka i s» r-Fp iedrich-S tra h e.— Lichte». l-Mitt«! tzst Uhr«hk. Stralau-Rummelsburg..» Werte beztn Wcddi»-, R-dsahrep und all« anderen S«n«ss-n 7 Uhr Bhf. Wedding.- Die �im B«rkaus üd-rzeben-n Mai.H'it« der„«rb-ite�Sugent� find, soweit noch uicht geschohen. beute beim Genossen Ruhard Brtzer abzu- rechne«. Auch die Abrechnungen der Derbeveransialtungen»rüsse» erledigt werden. Werbedei«, Panzlaue, Berg: TZtz Uhr Bahnstria Putlitzsiraß«.� Musik- instrunrente und Fahnen nicht vergrssen. Treffpunkt drr Kapell« 7 Uhr Bhf. Schönhauser Allee. Werde dazir! Vstr», Uhr Aarschaurr«rücke. Sämtlich« Gruppen mit Fahnen,«inschs. TambourkapeNe. �.... � ----!»«>« Renk Sil»! 7 Uhr an de» Bahnhöfen Hermannstratze. Reukvlln :r.Friedrich-EtraK». und Kaiser.j Morgen. Areitag. 19� Uhr: ieu."— Baltenplatz: Heim — Falkplatz II: Schul« Sannenburger Straße.„Ret.. platzt Heim Danziger Str.«2..Da» Mädel in iitr SAI.- Hah-nschonhause«: Heim Freignwalder Str.».„Unser Kampf für Zugendschutz und Iug-ndr-cht/ H»«»»»platz: Schul« Scherenbergftr. 7.„Die Kinderfteundebewegung/'— Rartsst: Heim Danziger Sir. 02. Polltisch. satirischer Abend.— BZrther Platz! Schul«»astanienallee 32..Schule und Eiternhone.'—«odeeasplatz: Heim Brvmmvstr. 1. Mit' strah« b. Bunter 1 Heim Gasilerstr. 0l. Lichibilder:„Da» Rote.-- Tilsiter Str. 5, Glaßbrcnner.Abrnd.— Warschauer Btlrtrl: Seim Litouer Stroh« 13.„Palitische Lag«.'—«arschane, viertel,«. F.! Helm Litancr Straße 13. Dialektaben«.— Südwest: Helm Porckstr. II.„Mallugendfeier und Maiiugendtag.'— Scheneberg I: Helm Hauvistr. UZ..Was ist stunsi?'— Tchönede» IV, R. F., Heim Haltpistr. lö..Dud und Mädel.'- Eharloile». bürg: Heim Rosinenstr. 4.„Politik."— Marien dorf: Alt« Schul», Darfsir. 7. Lichtbild««:„Warum wandern wir?"— Britz U: Rathaus, Chausseesir. 4«. „Pubertätszeit.�— Köpenick: Seim Dahlwitzer Str. 15.„Bub und Mädel."— Baumlckulenwetz: Seim Ernsisir. 10.„Formen de« Sozialimnus."— Johannis. thait Raihau».„Wir wollen, dah die Arbeit Freude werde."— Riederschön». weide: Schult Berliner Str. 31.„Bedeutung de» 1. Mai."— Treptow: He rn Elsenstr 8. Bflngsiiohrtdesprechung.— Friedrichsfeld«: Alt-Friedrichsfelde 43. „Der Tag de« Buches."— Ren-Lichtenberg: Leim Kaufssirahe.„Die freien Gewerkschaften."— Lichtenberp-Mitt«: Treffpunkt 1914 Uhr Heim Schornwcber- ftraße zum Spiel im Schlosipark. � Werbe dezirl Mitte: Heim Landsberger Str. 50. Zugenb und M'.litortsmu». Werstetrzirk Sedding! Alle interessierten unb älteren Genossen heieiliz-n sich am Gruppenabend der Aefterrngrupp« im Heim Eerichtstr. 12—13. Thema: Sonnabend d. W. Heim Görschstr. 14 W.-B..Funk- tionärversammlung. Schema:„Unsere SIellung zu: Politik." Referent Erich Lintftaedt. All« Funktionäre müssen erscheinen. Vorirckge, Dereine undVersammtungen. Reichsbanner»Schwarz-Roi�Sott»''. »eschältskelle: Berlin S 14. Sebosiiansir. 37133. Hot 2 Zr Sanitütr» Krri, Osten: Freitag. 15. Mai. 20 Uhr,»ollversammlup, tm Gauburcau. Srboitianstr. 37—33. Bortrag des Kameraden Neu- mann:„Die Entstehung des Mrnschen."— Friedrichshai»,«ameradschast Andrea,: Sonnabend.>i. Mai. 20 Uhr, Bergnügcn in Schmidt» Gesellschatto- G .ira«: Don______._____ JwpW_______ 3 Uhr Bootshaus.-»irrgarten. Kameradschaft Stephan:«ameradschafisver. fammlung am Isi. Rai. 20 Uhr. bei Schlesinger, Lübecker Str. 3. Bortrag dee Kameraden Karl Edert über„Die politische Lage."— vrtsoerri« Wedding: Sonnabend. 11. Möi. 4.«ründungsfest de» Tambourkorps in den Räumen der Hochschul-Brauerti, Amrumcr Straß«. Ab 3 Uhr Gartenkonzert. aus- aeftihrt»on der neuen Kapelle de» Vrtsverein» Wedding. Korisn an der Kasse 8 8 Uhr «.— t »eichpperba«» Deuticker krieasbeichäbigter und kriegerhinterblirbener, Bezirk 1 Ritt«. Freitag, 10. Mai� A Uhr. sin Lokal E. Müsch. Brunuenstr. 140. Deutsch« Gesellschaft für Pilzkunde. Morchelwanderung Sonntag, 12. Mol. nach dem Untersprrewalb. Abfahrt 8.04 Uhr Görlitzer Bahnhof, 3.10 Uhr Riiderfchönrweide mit Sonntagsrückfahrkarte illl. Klasse 2ch0 M.) bis Halbe. Führer Sludienrat Hennig. Deutscher«sperantoiBunb, Berti». Freitag. 20 Uhr, Kondftorri Dobrin. Hackescher Markt. Kurzichrisirerrl» Ghailotlcnbvrg,». v. lEinbeit.vurzschrift). Dienoiao, 19—21 Uhr. Siemens Onerreoiichule. Schloßstr. 27. Anfänger-. Fortgrschritien«, Red-schriit-Lehrgange.______ Veflorberichl bor ästet'!' cheu weilerd'cn.sts'eUe Verl!» und Umgegend iZtachdt- oeph.). Äolktg mit etwa« Gewitletliergung, ioäter eiwaS Tempeialur- rückgang.-iT Jö« Veastchland: Im pften vorwiegen b heiter und warm, in Weftdeutichlsit» veränderlich und ziemlich lühi. im übrigen Reiche meist wollig mit Srtlschem Otzewitterregen und etwa« sinkenden Temperatur«». B»r»st«i»f,»d» i» vrrli»— i» der Potsdamer Straß«! Bei den umfang. wichen Erdarbeilen, hie setzt für de» Bau de» Kathreiner-Hochhauft» in de: totsdamer Str.?5>1 gemacht werden, stieß man auf«inen Haufen faustgroßer ernfteinstück«. dt« fein säub,rlich in dem weißen Flußsant«ingebettet tagen. Wie kommt de« Bernstein hierher? Bekanntlich sioß in grauer Borzlit«in gewaliiger Strom über da» Geviet de» heutigen Berlin hin. Sein Süduser desand sich etwa da. wo heute der Kleist-Park. der ehemalige Botanisch« Garten. liegt. Ditfer Ursirom hat irgendwodrr aus den großen Wäldern Harzstücl? mitgebracht. In der Rühe der Polodamer Straße angeschwemmt, mit Sand zugedeckt und für piellei"'--" sind— zu Bernstein ver Da, schönst« Stück wurde____ Hochhaus«« eingemauert, da» nach seiner Fertigstillung das Bild drr Rrich». Hauptstadt um«in sehr bemerkenswertes Bauwerk bereichern wird. 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Zur gleichen Zeit, wo im Wirtschaftskomitee des Lölkerkmndes über den so notwendigen internationalen Abbau der Zollmauern diskutiert wird, ist dem amerikanischen Parlament der Entwurf des neuen Zolltarifes zugegangen. Dieser Tarif sieht eine vielfache Auf- stockung der schon kaum übersteigbaren amerikanischen Zollmauern vor und ist ein Machwert radikalsten schutzzöllnerischen Geistes. Seine Grundtendenz ist. durch höheren Zoll die binnenländische Industrie und Landwirtschaft zu schügen.' Dabei wird ausdrücklich betont, daß sich die Arbeitsbedingungen in Amerika und im Aus- land stark verschoben haben. Es feien überall neue Maschinen er- stunden worden, die den Herstellungsprozeß verbilligten. Die aus- ländische Konkurrenz habe neue Wege eingeschlagen, lieberall seien neue Industrien aufgetaucht. Das Ausland habe aber feine Löhn« feiner gesteigerten Produktivität nicht angepaßt. So sei das Lohnbudgct der amerikanischen Industrie um etwa 60 Proz. höher als das der Auslandskonkurrenz. Der Ausgleich müsse durch einen höheren amerikanischen Zoll her- gestellt werden. Es sind Gedanken des Schutzes gegen ein soziales Dumping, die hier zum erstenmal a u e s ch l a g- gebend auf Zollerhöhungen angewandt werden. Di« vorgeschlagenen Zollerhöhungen beziehen sich auf«ine litt- menge von Waren. Verlangt wird u. a. die Heraufsetzung der Zuckerzölle, der Zölle aus Rindfleisch, Rohwolle und Baumwoll- waren. Man will anscheinend den amerikanischen Formern auf dem Wege über den Zrll ein« Erleichterung bringen, die man ihnen in einem besonderen Farmerhilfsgesetz nicht gewähren zu können glaubte. Weiter kommen für die Zollerhöhung in Betracht: Chemikalien. Steingut, Porzellan, Glaswaren, Roheisen. Stahl, Uhren, ärztliche Instrument«. Elektroapparate, Baumwollgarn, Baumwolltuch. Flachs, Hanf und Kunstseide. Ob die Vorschläge durchzusetzen sind, hängt natürlich von dem Streit der Interessenten ab, der selbstverständlich bald einsetzen wird. Viel wichtiger als die vorgeschlagenen Zollerhöhungen scheinen an- der« Vorschläge zu sein, die sich darauf beziehen, wie di« Zoll- erhöhungen in Kraft gesetzt werden sollen. Bisher ging man dabei von einer Untersuchung aus, inwieweit di« Her- stellungskosten im Auslände geringer waren als die amerika- nischen Herstellungskosten. Jetzt soll für di« Frag«, ob«in höherer Zoll in Kraft tritt oder nicht, die allgemein« Weit» bewerbsloge auf dem hauptsächlichen amerika- nischen Markt entscheidend sein. Das ist«in« regelrechte Kautschukbestimnumg, die die Möglichkeit bietet, den höheren Zoll gegebenenfalls für jede War« in Anwendung zu bringen. Auch enthält der Entwurf Vorschläge, wonach die Heraussetznng der Zölle schneller als bisher eintritt. Die Rechte der Zollschätzer werden erweitert und die Entscheidung über die Zollätiderung vom Präsidenten abhängig gemocht. Das amerikanische Beispiel wird für den Kampf gegen den Zollprotektionismus ein schwerer Schlag sein. Auch werden die nordomerikanischen Zollpläne durch Berufung auf dos soziale Dumping recht wenig gestützt. Die gan.ze Argumentation berücksichtigt' nicht die mit Hilfe hoher Löhne gesteigerte Nordamerika- nische Produktivität. Di« Tatsache, daß Amerika auf vielen wichtigen Märkten die europäische Konkurrenz- ganz- gewaltig unterbietet, ist ein Beweis dasür, daß dos soziale Dumping für die nordameri- konische Warenausfuhr nicht die Bedeutung hat, die ihm Im neuen Zolltarifenlwurs zugesprochen wird. Der Arbeiismarki Anfang Mai. Unterstützte Arbeitslose von 2,4 auf 1,1 MUlionen gesunken. Nach dem Bericht der Reichsanstalt hat sich der Früh- lahrsauffchwung auf dem Arbeitsmarkt in der letzten Berichtswoch« vom 29. April bis 4. Mai in ersreulicher Weise sortgesetzt. Durch die milde Witterung begünstigt, nahmen nunmehr auch die östlichen Bezirke in dem gleichen Ausniaß wie die westlichen an der Aufwärts- bewegung teil. Die Zahl der Hauptunter st ützungsempfänger ging seit Ende Februar, wo die Arbeitslosigkeit ihren Höhepunkt erreicht hatte, von 2.46 Millionen auf 1.9 Millionen Ende März zurück und verringerte sich bis Ende April auf 1,2 Millionen. Anfang Mai bcläuft sich nach der Schätzung der Reichsanstalt die Zahl der Haupt- Unterstützungsempfänger auf 1,1 Millionen. Wenn auch dies« Zahl noch außerordentlich hoch ist, so ist dos Tempo der Eni- l a st u n g. welch« die Arbeitslosigkeit im Laufe von acht Wochen um 52,3 Proz. senkte, sehr erfreulich. Im Winter 1928, wo die Arbeitslosigkeit bereits Mitte Januar mit 1,4 Millionen Hauptunterftützungsempfängern ihren Höhepuntl erreicht hatte, ging die Zahl der Unterstützten bis Ansang Mai, also im Laufe von 14 Wochen nur um 50 Proz. zurück Da aber Anfang Mai di« Zahl der Hauptunterstützten rund 739 999 betrug, liegt sie zurzeit immer noch um die Hälft« höher als in der entsprechenden Zeit des Vorjahre«. Wenn aber ein soziolreaktlonäres Berliner Börsenblatt bei einer Betrachtung der Arbeitsmarktlag« di« Behauptung aufstellt, daß bis End« Juli,. wo im vorigen Jahr der Tiefpunkt der Arbeits- losigkett erreicht wurde, diesmal noch ein Bestand von 999 999 bis 1 Million Hauptunterstützungsempsänger bleiben würde, so kann dies nur als tendenziöse Miesmacherei bezeichnet werden. Wenn auch offenbar die Depression in der Wirtschast noch nicht über- wunden ist, und di« Aufnahmesähigkeit in der Metallindustrie und dem Tcxtilgewerbe lehr zu wünschen übrig läßt so erscheint es doch so gut wie ausgeschlossen, daß in den nächsten drei Monaten ins- gesamt nur 199 000 bis 200 000 Unterstützungsempfänger weiterhin Arbeit finden sollten Di« Tendenz dieses übertriebenen Pessimismus in dem Unter- nehmerblatt wird aber au» den daraus gezogenen Folgerungen nur zu leicht ersichtlich.'Efttmal soll auf die Gewerkschaften in lohnpolitischer Beziehung ein Druck ausgeübt und zum andevcn die Oeffentlichkeit bei der augenblicklichen Debatte um die Reform der Arbeltslosenversicherung beeinflußt werden. Mit dieser Art leichtfertiger Behauptungen und tendenziöser Bericht- erstattung wird jedoch die Unternehmerpress« kein Glück haben. vor dem Abschloß de« too-Milllonen-Aofkrage, für de« Waggonbau. Die Berhandlungen der Deutschen Reichsbahn mit der Deutschen Waggonbau-Bereinigung betreff« des 19l>Millionen»Aus- träges für Waggon und Waggontetle können im großen und ganzen als a b g e f ch l o f e n gelten. Die Reichsbahn wird, wie wir be- reltsmitg«teilt haben, diel« Aufträge, die im wesentlichen di« Be- reit« mitgeteilt haben, diese Aufträge, die im wesentlichen die Be- decke«, aus dem Kreditwege vergeben. Handelsvertrags-Gabotage. Die Attacke der deutschen Baumwottindustriellen. Der 1. April dieses Jahres war der erste Kündigungstermin für den deutfch-franzöftschen Handelsvertrag. Dieses Ab- kommen, das nach langwierigen und sehr schwierigen Verhandlungen am 17. August 1927 zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen wurde, kann in seiner wirtschaftlichen und politischen Auswirkung als eines der bedeutendsten handelspolitischen Er- e i g n i s s e der Nachkriegszeit bezeichnet werden. Di« wirtschaftliche Bedeutung des deutfch-französischen Handels- Vertrages liegt darin, daß mit dem Abschluß der für beide Länder wichtige Warenaustausch endtich in stetige Bahnen gelenkt wurde und daß ungeachtet der mannigfachen Schwierigkeiten und Hemmungen durch die verschiedenen Interessentengruppen hüben und drüben eine Gesamtregelung im volkswirtschaftlichen Jnter- esse der beiden großen Nachbarländer erziest wurde Politisch be- deutungsvoll war dieser Vertrag, weil er die erste große Wirtschafts- Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich brachte und damit sehr stark zur Milderung der politischen Gegensähe in beiden Ländern beitrug. Wenn die deutsch« und die französische Regierung den Kün- digungstermin am 1. April nicht ausnutzten und der Vertrag somit weiterläuft, so ist dies das best« Zeichen dafür, daß beideLänder mit den Äuswlrkungen dieses Handelsvertrages zufrieden sind. Dies« Tatsache hat aber ein« stark« deutsch« Industriegrupp« nicht gehindert, ihrerseits die Kündigung des deutsch-sranzösifchen Handelsvertrages für ihre eigenen Interessen zu fordern. In Wort und Schrift hat die deutsche B a um Wollindustrie vor dem Eintritt des Kündigungstermins versucht, den Handelsvertrag zu sabotieren und für chre Erzeugnisse, insbesondere Baumwoll- garne, hohe Schutzzölle durchzudrücken. Wir haben hier also dasselbe Bild, das oft genug in der Geschichie der deutschen Handelspolitik das Vorgehen des Landbundes bot. Die gesamtwirtschaftlichen Interessen werden bewußt zurückgestellt und die eigenen mehr oder weniger ins Gewicht fallenden privaten Intsressen ungeheuer aufgebauscht. Bei der Attacke der lextilmagaatea komtm noch hinzu, daß ihr« Denkschrift durchaus kein« stichhaltigen Beweise erbringt, daß der deutsch-srangösisch« Handelsvertrag in seinen Auswirkungen die deutsche Baumwollindustrie ruiniere. Das tendenziöse Beiwerk macht die Denkschrist nicht eindrucksvoller. So erklären die Textilunternehmcr, daß sie in Wirklichfeit gar keinen Hochschutzzoll für sich fordern, sondern nur «inen sogenannten Ausgleichszoil. Diesen famosen ..AusgleichszolN errechnen die Unternehmer solgendermaßen: Es soll die gesamt« innere Vorbelastung der' Produktions- kosten in Deutschland gegenüber dem Ausland ausgeglichen werden. Unter dieser Vorbelastung verstehe« die Herren die Zwangslöhne sl) Soziallasten. Steuern. Zinsen(t) und Frachten. Mit einer verbltisfenden Anmaßung wird sodann hinzugefügt, daß es eine s« l d st o« r st ä ndl i ch e Pfkt'cht des Staates sei, diejenige Vorbelastung, die er selbst durch seine öffentliche Gewalt einem Gewerbe über die Losten der Konkurrenzländer hinaus auferlege, durch den Einfuhrzoll auch wieder auszu- gleichen. Dieser Verpflichtung(!) habe sich der Staat, aller Warnungen und Beschwörungen ungeachtet, bei der Zolltarifnovell« von 1925 entzogen. Die Baunnvollherren tun also so, als ob Dcuffchlond weder «inen verlorenen Krieg noch eine Inflation hinter sich habe, noch daß Deutschland aus Jahrzehnte hinaus schwerste Reparat'-onslasten tragen muß. Aber hiervon abgesehen, würden die Zollwünsche der Baumwollindustrie die Garnpreise beträchtlich heraus- schrauben und demzufolge würde sich der Preis für das Fertig- sabrikat gleichfalls entsprechend erhöhen. Daß diese neue Belastung der Massenkauskraft in Deutfchland auf die TexlUindustri« selbst zurückschlagen muß, kommt den Textilunternehmern natürlich nicht in den Sinn. Außer- dem ist die deutsche Textilindustrie ober selbst in großem Umfange auf den Export angewiesen und würde die Erfüllung ihrer un» sinnigen Schutzzollforderungen in entsprechenden Gegenmaßnahmen des Auslandes sehr bald am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Wenn die Denkschrift ferner behauptet, daß u. a. die Löhne im Elsaß nur etwa die Hälfte der deutschen Löhne ausmachen, so ist diese Feststellung st a r k ü b e r t r i e b e n. Die Löhne der elsässischen Textilarbeiter liegen nach der Statistik des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes nur um etwa 25 bis 39 Proz. unter den deutschen Löhnen. Das wichtigste aber, die Höhe des Lohnanteils am Fertig- Produkt, verschweigt die Unternchmcrdenkschrift. Von den gesamten Gestehungskosten am Fertigprodukt in der Baumwollindustrie be- ansprucht der Lohn noch nicht 29 Proz. Die Lohndifferenz im Fertigprodukt beträgt daher zwischen den elsästschen und den deutschen Fabrikanten knapp 4 bis 5 Proz., wobei noch nicht berücksich- tigt ist, daß durch das schnellere Arbeitstempo und die vorgeschrittene Mechanisierung der Betriebe in Deutschland weitere Kosten- s e n k u n g e n für die deutschen Werke noch in Frage kommen Wie wenig der deuffch-französische Handelsvertrag mit den Schwierigkeiten im deutschen Bauniwollgewerbe zu tun hat. beweist die Taffache, daß im Jahre 1927, in dem der Handelsvertrag nur u>i«r Monate in Kraft war, insgesamt 131 818 Doppelzentner Baumwollgarn« eingeführt wurden,.während im ganzen Jahr 1928 die Einfuhrmengen aus Frankreich auf 88 444 Doppelzentner zu- rückgingen. Das gleiche Bild zeigt sich bei der Einfuhr fran- zösischer und elsäfsischer Baunnvollgewebe. Hier betrug die Einsuhr 1927 insgesamt 127 265 Doppelzcnter gegenüber nur 72 169 Doppel- Zentner im letzten Jahr«. In diesen Ziffern spiegeln sich also auf das deutlichste konjunkturpolitische, aber keineswegs handelspolitische Auswirkungen wider Da? Jahr 1927 brachte, wie noch erinnerlich ist, der deuffchen Textilindustrie eine Glanzkonjunkwr, in der die deuffchen Werke bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäitigt waren und teilweise nicht einmal die stürmische Rochsrog« restlos be» friedigen konnten, während in Frankreich in der gleichen Zeit eine ziemlich« Flaute herrschte. Im letzten Jahr und Anfang dieses Jahres liegen die Ding« in den europäischen Textilindustrien so. daß ein allgemeiner Konjunkturniedergang vorherrscht, der ein« entsprechende scharfe internakionale Konkurrenz hervorgerufen hat. Wenn trotzdem dl« französische Einfuhr im letzten Jahr stark zurückgegangen ist, so beweist dies wohl klar genug, daß von ruinösen Auswirkungen des deuffch-französffchen Handelsvertrages auf die Baumwollindustrie nicht die Rede sein kann. Bei der Gesamtbeurteilung des deuffchen und französischen Handelsverkehrs muß sogar hervorgehoben werden, daß der Handels- vertrag für Deuffchland sehr günstige Folgen gehabt hat. So betrug 1927'"1928 in Millionen.Franien Französische Ausfuhr nach Deutschland. 6551,9 5669,2 Deutsche Einfuhr nach Frankreich... 4204.3_ 4959,2 Deutscher Einfuhrüberschuß...... 2347,6 710,9 Deutschlands Einfuhrüberschuß ist also im letzten Jahre von 2,3 Otts 0,7 Milliarden Franken, um mehr al» zwei Drittel zurück- gegangen. In den ersien drei Monaten des laufenden Jahres hat Deutschland mit einer Ausfuhr von 878 Will. Franken nach Frankreich die französische Einfuhr nach Deuffchland in Höhe von 754 Mill. Franken sogar um 133 Mill. übcrtroffen. Diese. erhebliche Außenhandelsaklimtäi zugunsten Deutschlands zeigt also, daß der deuffch-französffche Han- delsvertrag, gesamtwirtschaftlich gesehen,«in großes Plus für Deutschland darstellt. Demgegenüber können die Textilunter- nchmer nicht erwarten, daß einer der wenigen Aktivposten in der deutschen Handelsvcrtragspolitik der Nachkriegszeit zugunsten der privatwirtschaftlichen Interessen einer Industrie- gruppe ausgegeben wird. R. B. Oos Kunstseide-Gründungsfieber. Schnhzottfordervngen des Glanzstoff-Konzerns. Die Red«, die der Dorsitzend« des Glanz st offkonzerns auf der kürzUch abgehaltenen Generalversammlung hielt, warf aus di« Entwicklung der Kunstseideindustrie in den letzten Iahren ein grelles Schlaglicht. So mußt« der Aussichtsratsvorsitzende Dr. Wolfs zugeben, daß die Schwierigkeiten in der Kunsffeideindustn« nur zum Teil auf die allgemein« Absatzstockung im Textilgewerb« zurückzuführen sei, sehr stark dagegen durch da. Gründun gs> s i e b« r und die dadurch hervorgerufene Ueberproduktion an Kunstseide seit 1S27 beeinflußt sei. Besonders betroffen wurden von dieser Produktionsausdehnung die leichten und mittleren Qualitäten. Während in früheren Iahren der deuffche Markt die stark erhöhte Fabrikation der deutschen Werke anstandslos aufge- nommen Hab«, sei die» jetzt nicht mehr der Fall, da etwa die Hälft« des deuffchen Kunstfeidebedarfs im letzten Jahr durch Auslandsware gedeckt wurde. Dieses Eindringen des Auslands auf den deuffchen Absatzmarkt Hab« auch das deutsch« Kunstsetdekartell gezwungen, die Preise freizugeben. Und wenn auch in den teureren Oualiläten sich bereits wieder ein« Besserung durchsetze, so erscheine es doch schwierig, die vorgenommenen Preissenkungen wieder auszugleichen. Für di« künftige Entwicklung steMe der Redner zwei Forderungen auf: Schutzzölle für die deuffche Kunsffeideindustrie und internationale Verständigung. Die zollpolitischc Preis- gäbe der Kunstseideindustrie sei nach der Ansicht des Redners nicht mehr ausrecht zu erhalten, da jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, wo sie einen wirksamen Zollschutz nicht mehr entbehren könne. Eine internationale Verständigung sei.für den Glanzstoffkonzern besonders wichtig, weil er fein« ausländische Fabrikationsbosis besonder» Im letzten Jahr bedeutend ausgebaut habe. Da bei der sprunghaften Entwicklung tn den letzten Jahren die Kunsffeide- Industrie gleichfalls in ein Stadium internationaler Kartell, und Konzernbildung«ingetreten sei, so müsse «ine allgemeine Verständigung durchzuführen sein. Es kennzeichnet di« wirtschastspolitisch« Einstellung der deuffchen Kunstscidemagncüen. daß sie noch einer betspiellase» Auf- schwungsperiod« in dem Augenblick nach Schutzzöllen schreien, wo es ausländischer Ware gelungen ist, ihnen auf dem«inheimischen Absatzmarkt Boden abzuringen. Die Kunstseideindustriellen sollten eher ihre enormen Gewinnspannen, die in Riesen- dividenden und Aktiengeschenken an ihre Aktionäre hinreichend Aus- druck fanden, auf«in erträgliches Maß zurück- schrauben und sich durch Schonung der Massenkaufkraft und weitsichtige Wirtschaftspolitik«inen dauerhasten starken Inlandsmarkt erhalten. Sie werden auf Grund ihrer bisherigen Politik und ihrer übermäßig hohen Profitraten weder bei der Oeffentlichkeit noch auch bei der Regierung mit ihrer Schutzzollforderung auf Verständnis stoßen._ Harnmann in Ostoberschlesien. Die durchgeführte Montanverschmelzung. Der amerikanische Schwertnbustriell« Harriman, der schon im Sommer vergangenen Jahres sich für den Erwerb der oft- oberschlesischen— setzt polnischen— Montanindustrie eingesetzt hatte, ist jetzt seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Di« Bismarckhütte, Kattowitzer Bergbau-A.-G. und die S i l e s i a- Gruppe werden zu einem Unternehmen ver- schmolzen und treten mit einer zweiten großen Montangruppe, der Königs- und Laurahütte, in Interessengemeinschaft. Diese Aktion stellt das Vorspiel für den endgültigen Verkauf der ostober- jchlesischen Eisenindustrie an Harriman dar, und es bleibt nur noch der alletdings ausschlaggebende Punkt der Beseitigung des polni- schen Liquidationsanspruchs auf dieses früher deutsche Eigentum zu regeln. Die Bismarckhütte wird von dem Rheinisch-Wesffälischen Stahiltrust über Generaldirektor Flick beherrscht. Sroßhandelsinder gesunken. Die für den Monatsdurchschnitt April berechnete Großhandelsindexziffer des statisti» schen Reichsamts ist mit 137,1 gegenüber dem Vormonat(139,6) um 1,8 Proz. gesunken. Don den Hauptgruppen ist di« Indexziffer für Agrarstoff« um 4,1 Proz. aus 128,2(133,7) und die Indexziffer für Kolonialwaren um 1,4 Proz. auf 126,5(128,3) zurückgegangen. Theater, Liehtfpiele ofw. VoiUsbühne raeater anBQiowaiati 8 jihr Trojaner iheaisr am SamiDauerdanim » Uhr OreigrosdieD iiflf Oi per Thalia- Thealer 8 Ulv Pfarrhaus- Komodie Wo Immer Sie sind— ♦ELECTROLA« für nur RM 12,40 monatlich Ist Staat!. SdiM. 8 Uhr Zanngäste Theahr am" SAiffhauerdamm. Norden 1141 u. 281. Tiglich m Uhr Drelgrosdien- Oper Natar, Vaietll. TlUmlo, Lvovsk», laldell. Sicca») Dsdiscoei ineaier O l. Norden 12J10 8 Uhr, Ende nach 10 Paulus unter den Juden Dramat Legend von FraniweMel Regie: Kan-De ni nartla. Die Komödie J I öisrnck. 2414/7510 S'/a U., Ende geg. 10 Der Kane. der seinen Hamen änderte 2 Akte von Edgar Wallace Dtsch, v.Hans Rothe Regie; teinz Hilpert Bühnenbilder; Erl dt f�starn. Hammerspieie D.I..Norden 12 310 N z U«. Endegejt. 10 Aufgang nurtdr Herrschatten Kleine Komödie von Siegiried Geyer Sarnovsk} Theetsr.n Her KSnlggrltiar Strat« räglich S'/t ühi Riva i en KomöOienhaus raglich Pv Uhr CäarieysTanifl mit CNirt Bois ttieioei ineater Täglich SV» Uhr NoB«iutrotf(efl? udt im AraerihiDisdxn von riank Green. Musikalische IHusL Fr. Holländer. Regie: Fr.FrlBdauinn- Fradarim. Lessing- Idealer ragiich VU Uhr „Die Frau das Andern" Tbener am Hailen�orfpiaiz Täglich g'i. Uhr Dia nunnerder Manen Operette in 3 Akten v. Walter W. Qoeue Trianon-fh. Täglich 8V. Uhr Das sosse eaheimnis Operette von Zorlig Rundtunkhörer Hätte Preise T»MtamKami.ior KottoStr-O TärLSUhr Eilte- Sdngar Da* nsos Hat- Progr. 'iintiWIi Mckdhiti»«' stets ein unterhaltsamer Reisekamerad. Gute Musikinstrumente heitern auf, steigern das Lebensgefühl. Für einen außerordentlich geringen Preis überall, wo es auch sei, die vollendete Wiedergabe künstlerischer„Electrola"-Musik. 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Mai 1929 Unterhaltung unö �Nissen Beilage des Vorworts Siristmann Qudmundsson: Es war mitten in der Heuernte, an einem friedlichen Sammer- tag. in dem l/einen Kirchspiel Loxadalen im Innern Islands> Die Leute von Dal waren draußen auf den Feldern mit Heuwenden und -stapeln beschäftigt, und alle hatten sie es eilig, vom Bauern bis zum jüngsten Kind. Die ganze vorhergehende Woche hatte es geregnet, und das Heu war stark mitgenommen worden: drum galt es jetzt jede Stunde auszunutzen solange das gute Wetter anhielt. Selbst die al!e Thoroddina, Mutter Havardurs, des Bauern auf Dal, und mehrfache Urgroßmutter, hatte sich heute hinausgeschleppt, so schwach und gichtbruchig sie auch war. Nun war sie schon manches liebe Jahr blind und hatte mit dem Alter eine etwas schwierige Laune bekommen: aber sie wollte nun einmal noch ein Weilchen„mit dabei sein-'i-z der Welt, die ein langes Leben long die ihre gewesen war: Der Hof und die Hofarbeit aus Dal. Sie selbst konnte ja nichts Rechtes mehr ausrichten mch die, die jetzt hier aufwuchsen, nahmen keine Rücksicht auf sie. Das war eben diese neue Zeit mit all ihren Verrücktheiten, die die Leute verdarb! Selbst„der Junge", wie sie Havardur immer noch nannte, obgleich er jetzt über sechzig war. wuchs ihr in den letzten Zeiten einfach über den Kopf. Da war er doch noch voriges Jahr hingegangen und hatte die alten, warmen lorshäuser abgerissen, die ihr ganzes Leben lang dagestanden hatten, und ein paar unverschämt teure und große Häuser aus Holz und Eisen ausbauen lasten. Sie hatte getan, was sie konnte um es zu oerhindern, denn wenn dos nicht der helle Wahnsinn war, dann wußte sie nicht, was es sonst wäre. Da konnte doch auch kein Mensch drin wohnen, so groß und weitläusig, wi« die waren, diese neuen Häuser, und schwer siel e». sich in ihnen zurecht- zusinden, auch sür Leute, die noch gute Augen hatten. Ja. es war wirtlich sehr nötig, daß jemand, der älter und erfahrener war, versuchte, das Ganze noch etwas zusammenzuhalten in dieser Zeit, wo alles mit solch reißender Fahrt einem sicheren Verderben und Elend zusteuerte. Es war unglaublich und märchen- Haft all' das, was die Leute sich draußen von der Welt, ja sogar manchmal hier vom Tal erzählten. Nicht, daß sie übrigens be- sonders hingehört oder jemand danach gefragt hätte: aber sie konnte sich doch denken, wo das Ganze hinführen würde. Die Welt näherle sich ihrem Untergange, war wohl nicht mehr weit vom jüngsten Gericht! Das einzusehen war bitter sür einen, der noch in den guten, ruhigen Zeiten gelebt hatte, wo die Leute mehr arbeiteten als herumtrödelten, und die Erde so bleiben durfte, wie unser Herrgott sie> geschaffen hatte. Nun stellten sie alles auf den Kops. Sie wühl- ten den Boden mit irgend solchem ausländischen Gerät auf und wollten einen glauben machen, daß nachher alles bester darauf wachsen würde! Natürlich sagten sie das bloß so zu ihr, d«m allen. krummen Stück, das nichts sehen konnte: es war nicht das erstemal, daß man sie so zum besten hallen wollt«. Dos war nun wieder so etwa» von den neumodischen Dingen, man tonnte nicht mehr unter, scheiden, mos Wahrheit und was Lüge war. Wo man sich auch hin- wandte, überall dasselbe Hosren utw Iagen und unzuoerlässig-waren sie alle. Die Leute hatten jetzt keine Ehrfurcht mehr vor Gott und den allen Sitten. Nichts war wie früher: selbst das Wetter war viel regnerischer und unbeständiger geworden. Di« Sonne schien sellener am Himmel und sie wärmte auch nicht mehr so recht, wie in alten Tagen. .„fjost du auch nicht vergessen, den Boden im Heuschober noch- zusehen. Havardur?" rief st» plötzlich mit böser Stimme dem Sohne zu: es war ihr«ingefallen, wie feucht die Erde dort im Herbst war. „Ja doch. Mutter," antwortete der Bauer. Er hatte noch nicht dos Herz gehabt, ihr zu erzählen, daß der alte Schober längst nieder- gerissen, und eine große, moderne Scheune statt seiner errichtet war- den war. Sie verstand so etwas nicht— ja manchmal ging es ihm selbst in der Beziehung soft ebenso: aber sein Sohn, der Thorod- dur, wollte es nun mal so haben, das wäre die neue Zeit, sogt« er. Havardur reckte sich, und wischte stch mit dem Hemdsärmel den Schweiß von der Stirn: er betrachtete ein« Weile feine alle Mutter. Sie saß auf einem Hügel, die krummen, knotigen Hände im Schoß gefallet und das Gesicht der Sonn« zugewandt. Die dünnen, grauen Haarsträhnen waren zerzaust, die Haut an Stirn und Wangen blau- gelb und verschrumpft, und der Mund saß wie ein schiefer, brauner Strich unter der scharfen Hakennase. Ihre Kleider waren nicht viel mehr als Lumpen, nicht weil sie dos nötig gehabt hätte, sie hatten ihr oft zugeredet, etwas Bester«« anzuziehen, aber es war alter Brauch auf Dal gewesen, die Kleider nicht eher abzulegen, als bi? man sie„aufgetragen" hatte, und daran hielt sie mit aller Zähigkeit fest. Aber noch logen Wille urch Cmfchlosieicheit auf dem allen Gesicht: sie versuchte die Arbeit„im Auge" zu behollen, das konnte man deutlich merken. Und da rief sie auch gerade wieder etwas: „Habt ihr das Heu oben bei den Lichftällen auch ordentlich aus- ggbreitet?" Havardur lächelle. Es war viele Jqhrc her, daß das Heu über die Dächer der Diehställe ausgebreitet wurde, die neu« Scheune faßte das Ganze und noch was dazu. Havradur strich sich über den Bart und seufzte leicht. Er war ja auch schon all und grau, aber was schadete das. hier gab es genug jung« Kräfte, die ihn abläsen könnten. Es tot ihm innerlich wohl. die ganze Schar zu überblicken: drei stark«, mannhaste Söhn« und sieben Enteltinder! Und der Hos war keiner der schlechtesten im Laxadal: neben Hamrofjell und Loxa war Dal der best« setzt und der Bestand war groß. Das Ganze wurde musterhaft betrieben, mit modernen Geräten und Maschinen. Das war jetzt ganz was anderes. als wie sein Pater noch lebt«, yw ein Mann zwei Tag« brauchte. um den kleinen Kartoffelacker umzugraben!— Trotzdem war dos Leben damals doch ganz schön gewesen, all' das Neue war auch nicht immer noch seinem Kopf». Er konnte nicht recht klug aus sich »erden, nicht klar darüber, was ihm bester gefiel, die oll« oder die vme Zeil In diesen Gedanken wurde er durch ein wunderliches Gerousch. wie da» Donnern einer entfern:«» Schneelowine, unterbrochen. Was in aller Well konnte das sein? Er hätte es fast im ersten Augenblick »ii der Angst bekommen, solch ein Geräusch hatte er noch nie gehör». Letzt wurden die übrigen auch aufmerksam. Sie hörten einer nach dem anderen mtt der Arbeit aus. blieben lauschend stehen, und sahen sich nach allen Seiten um. Man merkt� deutlich, wie das Geräusch sich irnmer mehr nähert«, aber woher kam es? Schließlich bemerkte Klein-Havordur. der ein« Enkel, einen dunklen Punkt hoch über den südlichen Bergen und unterrichtete hi« onderen schleunigst bavon. Es glich einem Bogel und wurde zusehends größer, gleichzeitig wie der seltsam, Lärm immer mehr zunahm Da sprach Thoroddur. der älteste Sohn des Lauern, der in den fremden Ländern gewesen war, bo» erlösende Wort:„Eine Fwg- 3)as Slugmeug. Maschine," sagte er und sah ungeheuer gewitzigt aus: für ihn war das welter nichts Ungewöhnliches! Havardur, sein Later, stutzte etwas bei dem Wort— Flugmaschine? Ja, er wußte schon, was da» bedeutete, hatte schon davon gehört und gelesen, diese merkwürdigen Schisse, die in der Lust segeln konnten. Er blieb ganz still, Mund und Augen aufgesperrt, stehen: ein Gefühl von Andacht, wie in der Kirch«, ergriff ihn. „Was macht denn da solchen Lärm, Havardur?" Dos war die oll« Thorodino, und die Frage kam halb drohend, halb mißtrauisch. Sie erhob stch mühsam und hinkt« zu den anderen hin, die sich unwillkürlich zusammengeschart hatten. „Was dos ist, will ich wisten?" kam es wieder von der Alten: es klang, als ob ihr das Weinen im Halse steckte. Und dann gleich darauf mit Schärfe:„Könnt ihr denn nicht antworten, was, seid ihr denn alle auf den Mund gefallen!" „Das ist eine Fiugmaschine, Großmutter," sagte Thoroddur. „Was für eine Maschine?" keifte die Alte. Sie hatte wohl schon mal das Wort gehört, aber die einzigen Maschinen, die sie sich vorstellen konnte, waren Nähmaschinen und Separatoren: und sie hatte niemals gehört, daß ein Separator ein derartiges Geräusch gemocht hätte. Dieser gräßliche Lärm verwirrt« und empört« ihren allen Sinn. Was war nun das wieder sür eine neue Verrücktheit, konnte dos nicht womöglich Haus und Hof und Hab und Gut der ganzen Familie kosten? Es hörte sich an, als ob es einem direkt über dem Kops wäre. Es war am Ende etwas, was ihr Sohn Havardur gekaust hatte, als er das lctztemal noch dem Handelsplatz geritten war? Der Junge pflegte ihr doch sonst alles zu erzählen, was er vom Kaufmann mit nach Hause brachte— wenn er wirklich die Wahrheit sagte.' Ja, denn sie hatte ihn schon lange im Verdacht, daß er auch nicht ganz ehrlich gegen sie war: diese neue Zeit hatte ihn wohl, gerade wie alle anderen, verdorben. „Was ist das. Havardur?" piepste sie. Nun hört« man ganz deutlich das Weinen in der alten, eingerosteten Stimme. Aber jetzt befand stch die Flugmaschine gerade über dem Tal und flog so tief, daß man sie ganz nah und deutlich sehen konnte. „Das müßt« der erste Flug auf der neueingerlchteten Pastagierroute quer über Island sein," erklärte Thoroddur und spuckte aus. Die anderen waren so tief ergrissen, daß sie bloß staunen konnten: keiner achtete aus die alte Thoroddina, die«einend und fragend dastand. dos von Aller und Tod gezeichnet« Gesicht aufwärts nach dem gräß- lichen Lärm gerichtet. Erst, als das Wunder schon eine Weile hinter den Bergen im Norden verschwundan und es wieder still in dem Tal war, fingen sie an, ihr das ganze zu erklären. Zunächst versucht« es der Enkel Thoroddur. Wierde aber mit einem barschen:„Sei still!" abgefertigt: denn das, was er da redete, war zu kindisch, als daß Erwachsene ihr« Zeit mit Zuhören verlieren konnten. Das sagt« sie ihm gerade ins Gesicht und fragte daraus ihren Sohn: „Was war da«. Havardur.?" und ihre. Stimme klang, ernst und schwer., „Ja. sieh mal, Mutter." fing Havardur an; er war noch nicht ganz in Gleichgewicht, hott« das Gekühl, als ob er von einem Be- gräbnis käme, so seierlich waren diese Augenblick« gewesen,„sieh mal, Mutter, das war ein« Art Schiff, dos in der Luft segeln kann." „Ein Schiff, das in der Luft segeln kann." sprach die All« ihm nach, aber leise und tonlos, während chre blinden Augen begierig in die Ferne starrten.— Sic hatte bloß einmal in ihrem Leben «in Schiff gesehen, da? war aus dem Handelsplatz: ein großer Schoner, mit hohen Masten und weißen Segeln war es gewesen. Später hatte sie von Schissen gehört, die sich trotz Wetter und Wind durch«ine Maschine fortbewegen tonnten: das war möglich, doch sie hotte nie viel davon gehalten: aber ein Schiff, das in der Luft segeln konnte!— Sie sah im Geiste den großen Schoner mit allen ausgesetzten Segeln und der sollte hier über das Tal fliegen können, gerade über ihre Köpfe weg! Und wovon kam dann der schreckliche Lärm her? Nein, dos war doch für jeden, der seinen Verstand noch ein bißchen beisammen hatte, klar, daß so etwas nur erstunken und erlogen sein konnte! Die alte Thoroddina sprach kein Wort mehr. Sie nahm ihren Schürzenzipfel und trocknet« ihre lausenden Augen. Dann kehrt« sie den anderen den Rücken zu und begann noch Hause zu humpeln.— Daß Havardur. er. ihr eigener Junge, jemals so schlecht und ver- stach werden und solch« Lüge dahcrschwatzen tonnte, das ging über ihren Verstand. Sie humpelte in ihr« Kommer, tastete sich zum Bett hin und fing an. ihr« Lumpen von sich abzuziehen. Ja. jetzt wollte sie sich legen und das gründlich— nun sah sie ein, daß sie nichts mehr in der Well zu suchen hätte. t?»rechtigt» Uebersi�ung von Frida Srdmuti jf<>nruJ(smmer:ltenn die ÄZinisn reift Ich hatte in Labu. wo der Zug Penang-Singapur fünf Minuten hält, sechs groß« Duriansrüchte gekauft. Die Durian ist die.Königin der Frücht«, der Inbegriff allen Wohlgeschmacks. Das löst- lichstr Genußmittel für weiße und sorbige Feinschmecker. Unver- gleichlich, unvergeßlich, unwiderstehlich. Die sech? melonengrohen. stacheligen Frücht? logen oben, aus dem Gepäckregal. Außer mir saß noch«in« Engländerin in dem Abteil: ein« ziemlich miese Miß Dies« begann sich war kaum eingestiegen) mit ihrer spitzen Rose hmimzuschnuppern.„Schassneri" rief sie in der nächsten Station. und beklagte sich über«inen unausstehlichen Geruch, der sich im Abteil verbreitete. Der Schaffner schnüffelt« zweimal in der Lust. „Jawohl. Madame," sagte er.„da, ist Durian, von der besten Sorte." Die Duriqn ist im Eoupä verboten, ebenso im Hotel, well sie so fürchterlich stinkt. Meilenweit verbreitet dies« edle Frucht«in« Dustmischung von faulen Eiern. Knoblauch und Limburger Käse. Gerode dieser Geruch wird jedoch(wie das bei gewissen Käse- gattungcn der Fall ist) vom Kenner hochgeschätzt. Chinesen und Malaien hocken stundenlang bei einem Durionhänüler, schnuppern an den Früchten und prüfen sie auf ihr« Reif«. Auch die Assen erklettern zur Reifezeit die Durionbäume und beriechen ein« Frucht durch Wochen, eh« sie st« herobholen. Selbst Tiger sah ich unser einem Durianbaum stehen und noch den reisenden Früchten hinaus- schielen. Die Durian sind nämlich ein starkes Aphrvdisiacum. d. h. «in Mittel zuk Anregung des Geschlechtstriebes. Lch kann da« Ding nicht ausstehen." sagte die Miß Sie be- stand daraus, daß ich mit meinen Fättersriichten da« Eoupö«er- last«. Ich begab mich in den Gepäckwagen, schnitt eine der Durian mit dem Messer auf und löste mit der Hand die Frucht heraus, noch deren Genuß ich lange schon lechzte. Der Malaie vom Gepäckwagen sah mich an wie ein Hund seinen Herrn, wenn er«inen Bissen zum Munde führt— ich gab ihm ein Stück ob und«r verzehrt« es schmatzend.„Wie sind die Durian?" fragte der Schaffner in der nächsten Station, die Augen verdrehend,„sind sie schon reit?" Ich gab dem Schaffner von der Durian ab. Auch dem Stationsvor- stand. Sie verzehrten die Frucht mit der Zunge schnalzend. Jedes- mal, wenn der Zug hielt, näherte sich magisch angezogen die sar- bige Welt des Bahnhofs dem Gepäckwogen, in dem die Wunder- früchte lagen, die ich Neng mitbringen wollte, der kleinen Malaiin, die mir die Wirtschaft führte. Um sie zu retten, ging ich ins En- ropäcrcoupt zurück, wo die vertrocknete Miß saß mit ihrer irri- tierten Rase.„Versuchen Sie. bitte." sagte ich und hielt ihr«in Stück vor den Mund,„ich will Ihnen etwa« Gutes tun." Ich redete der alten Jungfer ein, für ihre Gesundheit gäbe es nichts besseres als so eine Duriansrucht. Sie kostete schließlich, Sie aß davon. Sie fraß davon. Eine ganze Durian hat sie verschlungen. Am nächsten Tage begegnete ich der Miß In Singapur. Sie war keine alte Jungfer mehr. Trug kurzes Röckchen. Rosa Strümpfe. Nackte Aermchen. Rock) noch Duriansrüchten. Und umarmte mich so stürmisch, daß mir der Sltem ausging. O Durian. Wunder der Trope»! Aste,' scher:„Sie können mich.. Wirklich« Untertanengemüter sind traurig, wenn sie zusehe»' müsien. wie Sihalterbeamte in modernen Lerkehrepalästen vor aller Augen höflich mit dem Publikum umgehet». Für solche gibt e« Goit sei Dank auch heute noch jene kleiner» nmffig-verwintetten Zlemtche», in denen man nach trauter Bäterart von einein Sekretär alten Schlages aus dem Schalter heraus angepsisscu wird, daß es nur so raucht. Mit der Zeit wird es den Behörde» ja immer schwerer fallen, dem Bedürfnis konservativer Romantiker Rechnung zu tragen und täuschend altertümlich schnauzende Sekretäre aufzuireibcn. Aber das soll ihre Sorge sein. Eines Tages fand ich mich in so ein Aemtchcn verschlagen und stand dort unter anderen mit der Hand an der Hosennaht Schlange. Es ging alles romantisch richtig, vor sich. Di« Schlange erschauene vorschriftsmäßig, wenn es ans dem Schalter fauch'e und zischte. Frauen sahen einander ernst ins Auge, und den Männern schosi?» selige Erinnerungen an den Kosernenhof durchs Gemüt. Da— ein Mißton! Alle fuhren zusammen und lauschten atemlos. Eine vom Sekretär mit Würde angeblasene sunq« Dam« hgkte schnippisch geantwortet. Sie hatte, wenn auch höflich, so doch immer- hin gebeten, ihr stall einer Handvoll Silbergeld einen Schein heran»- zugeben, und der Beamte hatte es entschieden abgelehnt. Denn wie kommt ein junges Ding mtt so einer Knobensrisur dazu? und über- houpl: Bildet die sich etwa ein, daß eine Behörde mit schwerer Mühe im Interesse des gesetzteren Publikums ein« rornantiich« ijnter- Naseweis der neuen Richtung olles durcheinonder bringt? Brr— brr— da gibt es nichts! Fertig! Di« in Ergebenheit schauernde Schlang« war sich demuß'. baß der erregte Schaller ihre romantischen Interessen verteidigt«, und lie kopfschllttelle mißbilligend, als die junge Person, durch die amtliche Abfuhr keineswegs erschüttert, aggressiv wurde:„Ich kann das Silbergeld ja gar nicht unterbringen! Sie haben doch genug Scheine! Sie wollen bloß nicht!" Verschärftes Schnaufen. Dann Stille. Die Schlang« hielt den Atem an: Um Gotteswillen— so ein junges Ding! Da sogt« das junge Ding und blickte dabei dem thrqnendc'n Schaltergott furchtlos ins Auge, sag'e mit seiner helle»: ein ipenig spitzen Stimme:„Dann gestatten Sie, daß ich mir etwas denke!" und war auch schon davon. Schwüle Pause. „Unerhört!" stieß ein alter Herr mit Weltanschauung— woiltc sagen Vollbart— hervor. „Pfui!"„Ordinär!" schrien ällere weibliche Schlangenglieder. Nur«in Herr in den berühmten besten Iahren, der die ganze Zeit geschmunzelt hatte, brach eine niedliche kleine Lanze sür dos fortgeschrittene Mädchen:„Sie kann sich doch etwas Erfreuliches gedacht haben!" Er wurde von der Ucbermacht der ins gute Alle verbissenen Schlange glattweg abgelehnt. Als der Sekretär wieder allein war, verharrte er lange in finsterem Grübeln. Bang« Zweifel zerrisien seine Seele: -) die Person hat sich ohne ausdrückliche Zustimmung gestattet, etwas zu denken, h) wenn sie sich das gedacht hat. was sie sich gedacht haben könnte— wie ist sie dann zu belangen? e) was hat sie sich gedacht? und .Hoffnungslos ausgeliefert!" murmelte er dumpf, und nur Gedanke, daß die große Schlange auf seine Sett« getreten tpar, als die Klein« ihm das geboten hatte, gab ihm Krasi zum nqchsicu würdevollen Anpfiff. Ueber die Hirngewlchl« der größte» Säugetiere hat Professor Weygandt interessante Mitteilungen gemacht. Danach stehen a» erster Stell« die Wale, deren Hirn« bis 700Ö Gramm schwer werden. Es solgi der Elefant, dessen Gehirn bei der indischen Art «in Gewicht von M.V1 Gramm bei der afrikanischen cm solches von 4370 Gramm erreich!. Den nächsten Platz in der Reih« der Hirngewicht« beansprucht die ausgestorbene Riesen-Seekuh mit 1400 Gramm. An dieser Stelle wäre der Mensch einzureihen, desien Gehirn beim Manne durchschnttiliö, 1343 Gramm, beim Wetbc 1256 Gramm wiegt. Dann nehmei, die Hirnaewichte rasch ab. und während da? des W-ttrosses noch«in Gewicht votz 1043 Gramm erreicht, wird das des See-Eiefontcn nur nach 767 Gramm schwer. Girass« und Pferd haben«in Durchschnittshirngewicht von 680 Gramm, während das des Nilpferdes um noch etwa 100 Gramm leichter ist. Der erst« Omnibus. Im Juli dieses Jahres find 106 Jahre vergangen, seiiden» her erste Omnibus der„Bus"— die Staht Loiöwn durchfuhr. Diesen ersten Omnibusdienst richtet««in Mann namens Shillibeer«in. Ein alter Druck ans dem Jahr« 1836 zeigt in Riesenbuchstaben außen am Wog«» den Namen des Besitzers „Shillibeer". Der Fahrl>«nker sitzt oben über dem Verdeck. Er trögt einen steifen Zylinderhui. Ein« lunqe Dame im Biedermeierkgstüm sitzt neben ihm. Hinten am Wagen steht noch ein zweiter Mann, der ein« Art von Uniform und ein« Mütze trägt. Di« Räder erscheinen aus diesem allen Druck al» zwei groß« flache Scheiben, an denen kainn Speichen zu sehen sind. w®'»®-<115 Hühner|» Bittige HinnnnnmtutnumiutimuiummnuiiuiiuiiiiiiiüiiiiiiiuiniEiiüE B g�rorts.... Pfvnd von Lebensmittel< �i40 rniinirnnmnmmfnfliwmmnniüiminütüiiiiuiiim'iimmninii� tVuvfttvaven Sülzwurst........ Koad 95pf. Speck napsr...... TftBd 1,35 Dampfwurst.... Wwid98pf. Hildesheimer...wuid 1,40 Hausm.-Leberw.«a. t,00 Meltwurslifui.ieiw.HMi 1,40 Speckwurstseu.udvu.pii 1 ,00 ff. Leberwurst... piud 1 ,60 Grob. Mettwurst pr 1 ,05 Sdiinkenwurst. ptrad 1.65 Speckfett........ Pfand 1,15 Jagdwurst....... Pfand 1,20 Fleischwurst..... Pfand 1,20 Knoblaudiwurstpftni 1,20 Schinkenpoln...Pfand 1,30 Teewurst........ Pfand 1.80 CervelaltiSalamipfd. 1,75 Grobe Teewurst. Pfd. 1,90 Schinkenspeck Pfand 1 ,90 Mausschinken.Pfand 2,10 Vuttev und Margarine..... Pfand 52pt Dän.Schweizerso»;.pii84p(. Kokosfett l-Ptaad-T.fel 62Pf. Rohschmalz.... Pfand 75pf. Tafelbutter...... Pfund 1,84 Dän. Tafelbutler ph. 1,98 Edamer a.Holl.2ovf«.66pf. Stangenkäseinr 5«,pii52pf. Emmenlhal.«/r!*«- 75Pt Steinbusdier v8iif.tPfd. 98pf. Tl Isiler Käse voUfetttPfd. 1.15 Blockk«seE«m..3iHS0*,,,jtt. 1.20 35 frisch gebr.. Pfand von 4 30g 100g Oatfrlnj.eka Miiebanj...) P:ket 70 Pf. 1,35 Ceylaa-MiKliVBi........ I Pake: SO Ff. 1,55 DarjMling-Mi..hung..... 1 Paket 00 Pf. 1,75 Sbftu. M!«IiI>IlI...... Pfand ISpf. � flot-D.Winig(kolilpfd. 22pf. P Splnst.......... Pfand 15 Pf. | DanerivtebelB Pfand lllpf. ( Rhabarber...... Pfand 28pt i Kranzteifien....Pfand SOpt Oemüse MiiiiWüüimW BaiUBB....... Pfand öS Pf.| ZUreDei...... Dntxend 48pf. n PePPiafi....... 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Reineclauden........ 1,25 Jg.Erbsenwr,»nivcttra 1,25 Preiselbeeren....... 1,25 ]g.Erbsenmilt»Ilelcnü(ar«(t.95Pf. Süsskirschenohne Stein 1,40 Gem. Gemüse ir, m»ii»ia 1,20 Apfelmus.............. 78?t. Konsum-Mischung Kürbis.................. 78pt eOpf! Pjlaumen mit stein.... 75t,. Fische u. Rauchevwaven ISAer UlMaaef»essl......... t dC 40 1327«r Dinruteintr Sehifberj____ ip'■ 1 927er Hsmueher f euer....... I w...... I 1927or Oiesheimer Reeders 1927er Krtaisteher Xehreaherg 1927er Schleee eochelheiuier____ 1 V, 1927er Iiiersteiner Demtal....... i' FI. 192Ser llertlger Sehwarzisy.....) lOFl-U�O IQFl. 19�0 85 1927er 1327er 1927er 1929er 1926er 1926er 1325er 192ßer Ucever Schlosebirg Zeltlager Esgeleherg...... Maringer RSnerpfad...... Mehrlager Bcldku»...... Oestricher Hill Erhacher Hohnerfeld..... Pinger Rotangtrlan..... KreuznacherGuientalüleslg. |*FlD0dBI11....... PfncdSpf. i*Sab!liOoK,.i.gs., Pfd. 12pt. 1'Bcntaill..... Pfand 18pf. Z l6elad»oK.,Lgs..pfd. 2öpf. iHabiiaafilet... piand 22pi. 10 Fl. 21, 00''Sdtelllisdi... Piand 24pf. >/, PI. Bimer ca. 2 Pld. KONFITÜRE Eimer es. 2 Pid. D ü PfUnsnca............ 98 Pf. 1 Erdbeeren............ 1,30= Aprikosen............ 1,10 Kirsch«n.............. 1,35 = JoKennl■beeren...... 1,15| Ananes............... 1,40 � — Erdbeer-Konfitftre................... S-Pfand Eimer 3.85= = Zweifru cht-. Marmelade.............. a-Pfand-BimcrOSPt. D =| Ncnseeland-Honlg(Bettetnbslt 650 g).......... Glas 1,10 g Orangeade 1 Himbetr-.K.'rseb-u.ZItroBtit-Safig W m.IaBafflnadehergestellt�/jFl. 60 10 FL 15,00 sacb sort. Prischer'U pl Maitrank I2? a-Traabenwein, vorrügl. QaaL>• 2,00 g*) Leipziger Stritte. Alezsnderp *Eelbars...... pinnd32pti PeltbflftliBlIfl..Pfand 34pL p cBBladlS....... Pfnnd 35pf. j Sprotten........ Pfand 44 Pf. W Flnafiern....... p(and45pL| EAteSihlBibödiiiBUBPid 50pf. i atzt Frankfurter �.iee. Kottbuser= Damm, Belle-Allitnct-Straise. Wllmerfdor;cr Straise. 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In den Groß- betrieben der Metallindustrie, der AEG., bei Siemens und >n den Osraimverfen, bei Borfig, in der Knorr-Bremse, bei Schevartz- »spü usw. wurde überall gearbeitet. Ein« Verkehrs- ruhe ist nirgends durchzuführen versucht worden. Die Berliner Arbeiterschaft empfindet gewiß für die unschul- dizeu Opfer der Putschpolitik der KPD. tiefes Mitleid. Di« KPD. ober hat für immer das Recht verwirkt, im Namen der Ber- liner Arbeiterschaft zu sprechen und von dieser zu verlangen, daß sie ihren Parolen Folge leistet. In dem kommunistischen Zlbendblalt wird berichtet, daß au« Anlaß des Protestr«ikg Maßregelungen von den Unter» nehmern durchgeführt wurden,„wobei ihnen die Gewerks chafts- durcaukraten keine Schwierigkeiten bereiten". Das Blatt behauptet, daß 5«>Y Arbeiter und Arbeiterinnen gemaßregelt worden seien. Diese Zahl durfte sehr stark nach oben abgerundet sein. Am stärksten betroifcn sei die Z i g a r e t t e nl nd u st r i e, wo etwa 2000 Ar- briter und Arbeiterinnen nicht wieder«ingestellt worden seien. Wir sind im Augenblick nicht in der Lage, diese Behauptung »achzuprüjen. Wir möchten aber feststellen, daß die„Gewerk- schaitobureaukraten". die hierfür in Frage kommen, Mitglieder der Kommunistischen Partei sind. Ob dies«„Gewerk- schnstsbureaukraten" wirklich so entgegenkommend gegenüber den Unternehmern sin»), wie es das kommunistische Abendblatt darstellt, entzieht sich unserer Kenntnis. Soweit die übrigen Ortsverwal- tungen der Gewerkschaften in Frag« kommen, können wir jedoch mitteilen, daß die Behauptungen des kommunistischen Abendblattes nicht zutreffen. So sind in der Metallindustrie wohl in den Be- trieben, wo ein Teil der Belegschaften der Parole der KPD. gesolgr war, Maßregelungen vorgenommen worden, jedoch auf Eingreifen der vcgr den Kommunisten stets mit Schmutz beworfenen Gewerk- schaftsangestellten entweder ganz oder zum größten Teil wieder rückgängig gemacht worden. Die Ausnahme bei der Firma Holzmann, wo der Betriebs- rat auf der Strecke blieb, weil die Belegschaft sich weigerte, mit dem früheren Betriebsrat noch etwas zu tun zu haben, ist von uns bereit» erwähnt worden. Daß die Arbeiter der Firma F l o h r an dem Demonstrationsstreik teilgenommen haben, ist ein« Er- sindung des kommunistischen Blattes. In diesem Zusammenhang müssen wir jedoch«inen Vorfall er- wähnen, der die Belegschaft der Firma Leiser berrifft. Dort hatte der rein kommunistische Betriebsrat am 2. Mai eine Stund« früher Feierabend angeordnet. Um Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterschaft im Betrieb zu vermeiden, hat die Firma daraufhin am 4. Mai den Betrieb geschlossen gehalten und zwar, weil die kom- munistischen Betriebsräte von sich aus den Streik erklärt hatten. Di« Belegschaft ist in beiden Fällen nicht befragt war- den. Nun aber kommt das Stärkste. Um die verloren« Arbeit». zeit wieder einzuholen, ist durch den Betriebsrat mit der Firma vereinbart worden, daß heute, am chimmelfahrtstag, ge» arbeitet wird! Damit verstößt der Betriebsrat gegen den Reichstaris für die Schuhindustrie, in dem es heißt, daß Ueberstunden möglichst zu vermeiden sind und daß Sonn- und Feiertagsarbelt verboten ist. Diese ist nur für Ausbefferungs- arbeiten an Maschinen gestattet, wobei 50 Proz. Lohn- Zuschlag zu zahlen sind. Sonstige arbeitstägliche Ueberstunden sind, wenn sie nicht zu vermeiden sind, mit 25 Proz. Zuschlag zu be- zahlen. Der Betriebsrat hat aber die tarifwidrige Feiertagsarbeit mit einem Zuschlag von 10 Proz. vereinbart! So sehen die Helden des Massenstreiks aus. Kann man sich noch wundern, daß die Arbeiterschaft gegen die KPD. nur mehr das Gefühl des Zorns und der Empörung übrig'hat. Die übergroße Mehrheit der Arbeiterschaft ist empört Die groß«, die übergroße Mehrheit der Arbeiterschaft ist empört und beschämt über das Verhalten einer Partei, die im Bürgerwm noch als Arbeiterpartei angesehen wird. Die organisierte Arbeiter- schaft will nichts mehr zu tun haben mit den Abenteurern der KPD. und die sogenannten revolutionären Unorganisierten denken nicht daran, ihre Haut zu Markte zu tragen. Sie machen «s wie die Führer der KPD. selbst, sie drücken sich. Faschismus und Bolschewismus. Zwischen Moskau und Rom gibt es viele Berührungspunkte Der Staatssekretär im italienischen Ministerium für- Berbandswesen, Guisepp« Bottai. veröffenttiäste in der .Deutschen Bergwerks-Zeitung" vom 7. Mai einen ausschlußveicheu Artikel über.Italiens Gewerkschaftsorganisation". Gewerkschaften nach deutscher Art, in denen sich die Arbeiter nach freiem Entschluß und-unabhängig oereinigen, um günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erkämpfen, darf man sich allerdings im Lande des Faschismus nicht denken. Aber darauf kommt es hier auch nicht an. Der Artikel ist deshalb interessant, weil der Verfasser die Berührungspunkte zwischen Faschis- mus und Bolschewismus klar zu erkennen gibt. Bottai schreibt u. a.: .Unser« faschistische Revolution räumte in erster Linie mit den Grundsätzen der französischen Revolution und der einseitigen Idee der Menschenrechte auf, deren Individualismus wir den Kollektivismus der Familie und der Genossenschaft, d. h. der Gemeinschaft von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenüberstellen. So hat man im heutigen Italien nicht schon des- halb das Wahlrecht, weil man lebt und ein„Bürger" ist: vielmehr können nur produktiv Tättge und Angehörige irgendeiner Gewerk- schaft oder eines staatlichen Verbandes stimmen, well nur sie ihren Nutzen als Glied des Staates der Allgemeinheit erwiesen haben. Man kann hier eine Parallele zwischen den bolsche- wistischen Gedankengängen ziehen. Zweifellos gibt es zwischen Moskau und Rom viele Berührungspunkle." Mehr kann man nicht verlangen und klarer kann die Ideen- gemeinschaft zwischen Bolschewismus und Faschismus nicht zum Ausdruck gebracht werden. Mit der Idee der Menschenrechte wurde in Rußland wie in Italien aufgeräumt. Unlängst berichtet« der Vertreter einer demokratischen Tageszeitung, daß ihm von einer aderal««an an Sem Radirwl» Deutschen AIulN»»erdande,, Berlin,«om. «andsntenftr. SZ/Kt. Dönhoff 3277—74 »elchaft.zeU 9—3, Sonntag» 10—3 Uhr «uf Wunsch- Bertreterbesuch. römischen Autorität gesagt wurde, als er gegen dessen Definition des Arbeiterstaates den Einwand erhob, ein Rentner arbeite doch nicht:.Zinsempfang sei volkswirtschaftlich auch Arbeit" In Fortsetzung des Aufsatzes kommt die Ideengemeinschast zwischen Faschismus und Bolschewismus weiterhin zum Ausdruck, denn Herr Bottai schreibt u. a. noch folgendes:.Das faschistisch« Italien ist k�in demokratisch liberal.«�: Staat; der Faschismus hält es nicht für richtig, nationale und sogenannte inter- nationale Parteien gleich zu behandeln. Wir bestehen darauf, daß sich alle wirklich nationalen Elemente in eine umfassende National- parte! eingliedern: und da wir anderenfalls keine vaterlandsfeind- lichen Parteien dulden, verschwindet die Opposition und mit ihr verschwinden auch die oppositionellen Zeitungen. Neben der faschistischen Presse gibt es heute nur katholische faschisten- freundliche Blätter und eine Zeitung der Sozialreformer,.II Lavoro", die in Genua erscheint." � Dieses von einem Italiener gegebene Spiegelbild seines Staates paßt auch auf Rußland. Beide sind der Demokratie und der Freiheit feindlich gesinnte Staaten. In beiden Staaten wird nur«in« National parte! geduldet. In Italien war ja auch der Kommunismus der Wegbereiter des Faschismus. Endlich Tarifabschluß für Eisenbahner! Aber auf den nichtstaatlichen Bahnen. Im Dezember 1928 kündigte der Arbeitgeberverband der Deut- scheu Straßenbahnen, Kleinbahnen und Prwateisenbahnen r.'B. die bestehenden Reichsina nteltarisverträge für die Angestellten und Arbeiter her nichtstaatlichen Eisenbahnen zum 31. März 1929 auf. Zur Begründung diente das angebliche Absinken der Konjunktur, die Konkurrenz des Kraftwagens und die Verschlechterung der wirt- schaftlichen Lage der Bahnen. Obwohl die Tarisverhand langen alsbald begannen, konnte erst am 2. Mai die Erneuerung der Relchsmanteltarifv'ei�rtige vollzogen werden. Die Unternehmer hoben ihr« Absichten allerdings nicht Arbeiterinnen, so daß nicht mehr wie bisher ein Teil dieser Arbeiter von den Tarifbestimmungen nicht erfaßt wird. Die Arbeitszeit, die bisher infolge des Sondertarifabschlusses des Hirsch-Dunckerjchen Gewerkvereins im vorigen Jahr« auf 54 Stunden festgesetzt wurde, beträgt nunmehr wieder grundsätzlich 48 Stunden. Für erreicht. Die geforderten Abbaumaßnahmen konnten restlos ab- gewehrt werden. Es gelang sogar, Verbesserungen>n den Tarifverträgen der Angestellten und Arbeiter zu erreichen. Die Verbesserungen erstrecken sich aus eine Gehaltserhöhung bei den Angestellten, auf die Erhöhung des U r l a u b s und des Kranken- lohne» bei den Arbeitern und ander« soziale Bestimmungen. Di« neuen Tarifverträge haben«ine Laufdauer von zwei Jahren. Wünscht die Reichsbahn den Streik? Man droht mit Tariferhöhung. Die Leitung der Deutschen Reichsbahngesellschast hat in den letzten Iahren immer wieder den Versuch gemacht, Lohn- bewegungen für ein« Tariferhöhung auszu- nützen. Die vom Schlichter angeordnete letzte Lohnerhöhung im verflossenen Jahr, die rund 55 Millionen ausmachte, verwandelte die Neichsbahngefellschast in«in« Einnah meerhöhung von 150 Millionen. Auch bei der im Frühjahr 1S2S eingeleiteten Lohnbewegung hat die Hauptverwaltung der Reichsbahn ihre F i n a n z n o t in den Vordergrund gestellt und in der Oeffentlichkeit angedeutet, daß die Bewilligung der Gewerkschaftsfvrderungen eine Erhöhung für einzelne Tarifklassen bis zu 15 Proz. nötig mache. Die Lohn- bewegung der Eisenbahner soll anscheinend, wie im vergangenen Jahr, für eine Tariferhöhung ausgenutzt werden. Dabei ist es gleichgülttg. daß die von den Eisenbahnarbeitern geforderte Lohn- erhöhung der angedeuteten Tariferhöhung nicht entspricht. Zweck der ganzen Methode scheint auch zu sein, die Reichsregierung unter Druck zu setzen. Di« Hauptverwaltung der Reichs- bahngesellschast lehnt die freiwillige Aufbesserung der Arbeiterein- kommen ab, ohne die Notwendigkeit einer Aufbesserung zu bestreiten. Werden nun die Schlichtungsinstanzen angerufen und entscheiden, dann kann die Reichsbahngesellschast behaupten, ihr seien die höheren Lichne„aufgezwungen" worden: dann kann sie der Reichs- regierung die Gegenrechnung in Form einer Tariferhöhung präsentieren. Es soll also dasselbe Spiel wie im Borjahre gespielt werden. Wenn das deutsche Volk vor einem Eisenbahnarbeiterstreik steht, so darf man nicht denken, daß die Gewerkschaftsführer brutale Naturen seien und ihre Forderungen mit Gewalt erzwingen wollen. Die Reichsbahngesellschast hat die Gewerkschaften auf diesen Weg gedrängt. Jahrelang haben die Gewerkschaften mit der Reichsbahngesellschast über die Regelung wichtiger Probleme verhandelt. Sie mußten immer �wieder erleben, dqß der Abschluß der Verhandlungen verzögert wurde. Jetzt haben die Gewerkschaften und die Eisenbahnarbeiter genug und kein Mensch kann ihnen einen Vorwurf daraus machen. Die Gewerkschaften sind sich über die Folgen eines Eisenbahn- arbeiierstreiks durchaus klar. Sie wissen, daß davon nicht die Haupt- leitung der Re ichsbahngefells chaft, sondern das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft bettoffen werden. Deshalb wäre es Pflicht der Volksvertreter im deutschen Reichstag, sich eingehender als bisher mit den Verhältnissen bei der deutschen Reichsbahn zu beschäftigen. Di« Dinge dürfen nicht so weiter treiben, daß der Streik der letzte Ausweg bleibt. Tarifabfchluß im Bäckergewerbe. Wieder Achtstundentag. Im Tarifftreit der Berliner Bäckereiarbeiter und-arbeiierinnen war bekanntlich vereinbart worden, die Entscheidung über den Kon- slikt einem freien Schiedsgericht zu überlassen, das am Dienstag unter Vorfitz des neuen Schlichters für Berlin-Branden- bürg Regierungsrat Dr. Dobberstein zusammentrat. Nach ungefähr elfftündiger Beratung kam schließlich ein für beide Ber- tragsparteien bindender Schiedsspruch zustande, der die Lohn- und Arbeitsbedingungen folgendermaßen regelt: Der Tarisoertrag gilt für alle gewerblichen Arbeiter und Was ist Togal?- Togal» Tabletten sind ein hervorragend bewährtes Mittel bei RNauin», Gicht, lichias, Grippe, Nerven und Kopf. schmerz, Crkhllungskrankhellen I Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel! Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 500 Aerzte, darunter viele bedeutende Professoren, die gute Wirkung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken. 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Mai 1930. Hinsichtlich des Lohntarifes wurde festgelegt, daß er früher gekündigt werden kann, wenn sich die Reichsindexzahl der Lebenshaltungskosten um vier Punkte erhöht. Reichskonserenz der Kämmereiarbeiier. Der letzte Lerhandlungstag der Reichskonferenz der Kämmerei- arbsiter begann gleich mit einem kommunistischen Intermezzo. Ein kommunistischer Berliner Delegierter begründete ein« von fünf Konserenzteilnehmern unterschriebene Protestentschließung gegen das Demonstrationsverbot, das Verbot des Roten Frontkämpferbundes und der„Roten Fahne�, wobei er des öfteren wiederholt ermahnt werden mußte, zur Sache zu sprechen. Ein Chemnitzer Delegierter betonte mit Recht, daß die KPD. sed«s Vertrauen bei den Massen verloren Hab« und beantragt« Uebergang zur Tages- Ordnung, was die Konferenz mit großer Mehrheit beschloß. Es stimmten lediglich zwei Delegiert« für diesen Antrag: die anderen drückten sich. Genosse Dr. Pähl- Berlin wandte sich dann in einem Vor- trag über„Die Bedeutung der Kämmereibetriebe im Rahmen der öffentlichen Wirtschaft"' gegen die Destrebungen, die auf die Drosse- lung der Kommunalwirtschaft hinauslaufen. Soweit zur Steige- rung der Leistungen oder der Wirtschaftlichkeit dieser Betriebe eine Aenderung ihrer Betriebsform nicht zu umgehen ist, solle man die Umwandlung in eine G. m. b. H. und nicht in eine A.-G. anstreben. da bei der K. m. b. H. der Einfluß der kommunalen Kontrollorgane größer sei als bei der A.-G. Vor allem aber müsse bei den Kämmereibetrieben nicht das Rentabilitätsprinzip in den Vorder- grund gestellt werden, wie es heute leider in einer Anzahl dieser Betriebe der Fall ist. Die kommunalen Betriebe müssen sich gerade in diesem Punkte von den Privatbetrieben zu ihrem Dorteil unter- scheiden. Im Interesse der Wirtschaftlichkeit der kommunalen Be- triebe sei aber auch ihre straffe Zentralisation notwendig, in welcher Beziehung heute noch viel zu wünschen übrig bleibe. Da die kommunalen Betriebe ein wichtiger Faktor für die Demokrati- sicrung der Wirtschaft sind, müsse auch der Arbeiterschaft ein lveit- gehendes Mitbe st immun gsrecht in der Verwaltung ein. geräumt werden. Die Arbeiter der Kämmereibetriebe müssen durch vorbildliche Lohn- und Arbeitsbedingungen angeregt werden, mit oller Hingabe in diesen Betrieben zu schaffen. Sie müssen in jeder Hinsicht die Gewißheit erlangen, daß sie in Betrieben arbeiten, die die Wegbereiter für die sozialistische Wirtschaftsordnung sind. Eine im Sinne des Referats abgefaßte Entschließung fand bei eine? kurzen, das Referat ergänzenden Lussprach« einstimmig« Annahme. Genosse Weck- Berlin zeigte in einem Referat„Die Kämmereiarbeiier im Arbeitsrecht", daß heute noch für einzeln« Gruppen der Kämmereiarbeiter Ausnahmebestimmungen bestehen, die in keiner Weise begründet sind. So ist es z. B. ein großes Unrecht, den Land- und Forstarbeitern bei der Berechnung der Unfallrente nur den von den Behörden festgesetzten sogenannten Iahresarbeitsver- dienst zugrunde zu legen, anstatt wie bei den gewerblichen Arbeitern den tatsächlichen Iahresarbeitsverdienst. Mehrere Entschließungen zur Sozialversicherung, zum Arbeits- recht und zum Arbeitsschutzgesetzentwurf, in denen die größten Miß- stände ausgezeigt und die Forderungen der Kämmereiarbeiter klar umrissen werden, wurden von der Konferenz einstimmig ange- nommen. Das abschließende Referat über„Die gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter in den Kämmereibetrieben" erstattet« Genosse Polenske vom Hauptvorstand des Verbandes. Er ent- warf ein Bild von dem organisatorischen Aufbau der Reichssektion Kämmereibetriebe, die die stärkst« S«ktion innerhalb des Gesamt- Verbandes ist. Am Schlüsse des Vorjahres zählte sie III 809 Mit- glieder, das sind(56,3 Proz. der in den Kämmereibetrieben über- Haupt Beschäftigten. Anderen freigewertschaftlichen Organisationen gehörten am Schluß des Vorjahres 14303 Arbeiter und Arbeste- rinnen an. so daß von allen Kännnereiarbeitern rund drei Viertel freigewertschaftlich organisiert sind. Zum Schluß seiner Ausführungen wies Genosse Polenste auf die kommenden Gemeindewahlen hin und forderte die Dele- gierten auf. alles daran zu fetzen, daß die Stadtparlamente von Leut«n besetzt werden, die die Garantie dafür bieten, daß sie für die Interessen der Arbeiterfchaft wirken. Auch zu diesem Punkte wurden verschieden« Entschließungen einstimmig angenommen. Genosse M ü n t n e r schloß darauf die Tagung mit einem Hoch auf den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter und ihr« Sektion Kämmereibetricbe. Tarifkampf der Zigarrenmacher. Ln Ost« und Weflpreußen. Die Tabakarbeiter in Nordost fordern gelegentlich der Erneue- rung des Ende März abgelaufenen Reichstarifvertrogs vor allem di« endliche Beseitigung des seit 1924 eingeführten fiinfprozentigen Zlbschlags vom Rcichsgrundlohn. Die Unternehmer, an der Spitze Loeser u. Wolf und Adams, die ihren Hauptbetrieb in E l b i n g haben, wollen diesen Abschlag zu einer Dauervinrichtung machen. Di« Herren begründen ihre Weigerung, den Abschlag zu beseitigen, damit, daß In Nordost besondere Arbeiiserleichterungen beständen. Wie es damit tatsächlich steht, zeigt der Durchschnittslohn, der in E l b i n g mit dem für Nordost zurzeit höchsten Ortszuschlag von 4 Proz. wöchentlich 19 M. beträgt. Im Bezirk gehen die Wochenverdlenste bis zu 13 M. herunter. Die technischen Arbeitserleichterungen kommen also in ihrem finanziellen Erfolg lediglich den Unter- nehmcrn zugute. Die Arbeiter fordern daher mit allem Nach- druck die Beseitigung der jünfprozentigcn Lohn- kürzung. Eine Betri«bsrStetonfer«nz der Zigarrenarbeiter des Bezirks Nordost am ä. Mai befaßt« sich mit dem Tartsftwtt und bedauerte, daß an dem Starrsinn der Unternehmer die weiteren Verhandlungen bis zum IS. Mai oerschoben wurden. Streikbrecher bei Edelstein. Vor einigen Tagen berichteten wir, daß bei der Firma I. Edelstein A..G.. Alexandrinenstr. 9S/9S, die Belegschaft wegen Maß- regelung des Obmannes des Betriebsrates in den Streit getreten ist. Die Belegschaft steht mit einigen Ausnahmen restlos im streik, da durch verschieden« Mahnahmen der Firma, die schon lange Zeit zurückliegen, eine ernste Erbitterung hervorgerufen ist. Während von den alten Arbeitern des Betriebes niemand die Arbeit im Betriebe aufgenommen hat, haben sich dort„Arbeitswillige" angefunden, die der Belegschaft in den Rücken gefallen sind. Achtung, Einsehert Wegen Differenzen mit der ausführenden Firma sind auf dem Bau Hauptstraße, am Bahnhos Stralau-Rum- melsburg, die Einsetzarbeiten der Bauausführung Weiß bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Holzarbettcrverband. B«rl>»ee verfth»-«!.-». Lonnabenti. 19 Ubr. bci Ewald, S?aIiK?r Straße I2S, Frattionzsizung aller SPD.»Genossen der Bertehrsdelriedc. Tagesordnung: 1. Vortrag. Genosse Brolat. Neuwahl des Vorstandrs. E, ist Pflicht i-dc« Genossen, bei der Wichtigkeit der Tagesordnung zu Erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Fraktionsoorstend. Freie Gewerkfckasts-Iuqend Groft-Derlin Ecke Seestraße. Losemann kommt.— Leiterer Wunschabcnd.— Leraianiwlost: Jugendheim Santcrftr. II, Eck» Kobrechtstraß«. Di�ussionsabcnd:„Ucdclstib'.de im Votrirt."— Süden, Südweftea: Gruppcnheull Wasscrtorstr. 9, vorn nart. Genosse Schütte erzählt uns, wie Berlin wurde.— Rordrina: Jugendheim Schul« Eonncnkmrger Str. A. Bunter Abend.— Südosten! Wir spielen ad 18 Uhr auf dem Sportplaß.Am Urban*.— Achtung. Wanderleiter! Di« Teil- nehmerlisten fllr die Pfingstwanderungen sind am Freitag, 10. Mai, in der Sprechstunde in der Iugendzenirale abzugeben. �uaenvaruppe des?etitralvertandes der Angestellten tow). roer grocn aur ,>agri.— �I.'D"i I7t;.-ugeuvyelui-.auuiue.-u lThllrinoenzimmer).— Freitag finden folgende Deranstaltungen statt: Pankow» RiederfchänhauleTy Jugendheim Görschstr.><(große, Zimmer), Vortrag:.Jack London und Uvion Sinclair.* Referent Wilhelm Lewinski.— Vberspre«: Jugendheim Lauscner Str. 2. Spielabend.— lUpenick: Jugendheim Grünauer Straße 5. Dartraa:.Das Sozialistengescß.* Referent Arthur Rachow.— Südwest: Jugendheim Vellc-Allmnee-Str. 7—1». Lichtbildervortrag:„Un'cr Reichsjugendlag in Frankkurt o. M.* Referent Georg Hcilbrunn. Anschließend Liederabend.— Renlöll» und Urban: Jugendheim Vöhmische Str. 1— 1. Berufe- kundliche Arbeitsgemeinschaft. verantwortlich>llr Politik: Dr.«ort Gene«: Wirtschaft: S. lllinhelhcler! Sewerkschaftsdrwegung: Z. Stein«»! Feuilleton:*. S. Dllcher! Lokole» and Sonstiges: Friß Rarstidt: Anzetarn; lh Slacke. sämtlich in Berlin Verlag: vorwärts-verlag G m d K. Berlin Druck: Borwärts.Buchdruckeret und Berlaasonsta» Paul Singer» Co Berlin SW 68 Lindensteaste t Lierzn 3 Beilagen»»d.Unterhaltung»ad Wissen*. Man ist nur so alt. wia man aussiam. deshalb benutre man„ExlepBng", Gibt grauen Haaren die(uffend- farbe w eder. Färbt naen und nach. Vollständig unschädlich. Seit.10 fahren Weltiuf. Von lausenden Aerzten, Professoren usw gebraucht und empfohlen. Preis M. 7,—. Für schwarze Haare»Extra starie M. 12.—. Erhält! ch in Parffimerien, Friseurgesch. 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